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Florian1994

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Inhalt
Abbildungen Vorwort 1. 2. Heldenmythos, männliche Arbeitskultur und die Soziologie Arbeits- und Berufsrisiken von Fernfahrern im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Selbsteinschätzung Das Risikoprofil eines mobilen Arbeitsplatzes: Vorschläge für eine Typologisierung unscharfer Risikokonturen "Berufskraftfahrer": Fach- oder Hilfsarbeiter mit Führerschein? Anzeichen für eine prekäre Verberuflichung Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Logistische Rationalisierung im Straßengütertransport "Alles fließt": Transport, Umschlag und Lagerhaltung unter logistischem Rationalisierungsdruck "Taylorisierung" oder "Industrialisierung" der Transportarbeit? Die Grenzen einer Konvergenz zwischen produzierender und transportierender Arbeit Die Arbeitswissenschaft und das Reich der Sinne. Vorschläge für einen Perspektivenwechsel in der Belastungsforschung Theoretische Defizite und methodologische Probleme des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes Bewertung, Bewältigung und Billigung: Überlegungen zur sozialen Genese arbeitsbedingter Belastungen und Beanspruchungen Über den sozialen Sinn riskanter Arbeitsleistungen. Vorschläge für ein Verständnis subkultureller Formen der Reproduktion arbeits- und berufsbedingter Risiken 7 9 11

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4.

Transportarbeit als ein obskures Objekt der Begierde? Vorschläge für ein Konzept der soziokulturellen "Motivation" riskanter Arbeitsleistungen Zwischen Peitsche, Zuckerbrot und Selbstverpflichtung. Grenzen gängiger Motivationskonzepte in der Arbeits- und Industriesoziologie Die Selbsteinschränkung von Handlungschancen als "Neigung zum Wahrscheinlichen". Der Beitrag des Habitus-Feld-Konzeptes zum Verständnis von Arbeitsmotivationen Männliche Berufstätigkeit als Passion? Berufliche Subkulturen von Fernfahrern zwischen Mythos und Realität Spielen mit dem Ernst des Lebens: Arbeitsspiele von Fernfahrern an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit Fernfahrermythen als Bezugspunkt sozialer Gruppierung? Möglichkeiten und Grenzen kollektiver Risikobewältigung Vom "Kapitän der Landstraße" zum "Highway Helden"? Fernfahrermythen im Fokus kultursoziologischer Risikoforschung

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4.2

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5.

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5.1

233

5.2

263

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Literatur

6

Abbildungen

Abb. 1: Abb. 2: Abb. 3: Abb. 4: Abb. 5: Abb. 6: Abb. 7: Abb. 8: Abb. 9: Abb. 10: Abb. 11: Abb. 12: Abb. 13: Abb. 14: Abb. 15: Abb. 16: Abb. 17: Abb. 18: Abb. 19: Abb. 20:

Wöchentliche Arbeitszeit von Fernfahrern Relevante Belastungskomponenten bei Lkw-Fahrern im Güterfernverkehr Zeitungsanzeigen für die Umschulung zu und Anstellung von Berufskraftfahrern Der maskuline Traum von Kraft, Schnelligkeit und sexueller Potenz Der "Brummi" des Bundesverbandes des Deutschen Güterfernverkehrs "Ein Truck für den Fahrer": Scania R 143 mit computergestützter Schalttechnik Der Zusammenhang zwischen der Rationalisierung und dem Nutzungszeitraum von Nutzfahrzeugen "Integriertes Fahrerinformationssystem" als Zukunft der LKW-Cockpit-Technik? Aufbauschema des "Integrierten Fahrerinformationssystems" (IFIS) von Mannesmann-Kienzle Die "Ringstruktur" der Tätigkeit nach Leontjew (1979) Die "Ringstruktur" einer sozialen Interaktion (im Anschluß an Leontjew 1979 und Mead 1973) Die Hauptthesen von Hackers "Konzept der Auseinandersetzung mit Aufgaben" Strukturmodalitäten sozialer Reproduktion - eine Re-Interpretation von Giddens Synopse über die Bedeutung des Kulturellen bei der Reproduktion der Gesellschaft "Motive" der Berufswahl bei Fernfahrern Die Fernfahrerei als eine lustvolle und befriedigende Arbeitstätigkeit Zur "Transformation" von Bedürfnissen Der Habitus als "System von Erzeugungsschemata" Vergleich einiger Elemente der Vorstellungen über "Spiel" und "Arbeit" bei Huizinga, Caillois und Marx Fernfahrer als Cowboys von heute? Mythische Analogien I

25 43 58 68 69 90 91 93 94 122 123 133 154 159 172 173 198 215 242 247 7

Abb. 21: Abb. 22: Abb. 23: Abb. 24: Abb. 25: Abb. 26: Abb. 27: Abb. 28: Abb. 29: Abb. 30:

Abb. 31: Abb. 32: Abb. 33: Abb. 34: Abb. 35: Abb. 36: Abb. 37: Abb. 38: Abb. 39: Abb. 40:

Trucks und ihre Reiter - Mythische Analogien II Der Trucker als Asphalt Cowboy - Mythische Analogien III . . Lastkraftwagen als "zweites Ich"? Die Verdinglichung eines Arbeitsmittels "Truck-Treff" - ein Ort für Fernfahrerspiele Ausgewählte Accessoires maskuliner Arbeitsspiele Ein "potentes Triebwerk" für den "King of the Road" - der Scania R 143 mit 450 PS Eine LKW-Fahrerin muß "ihren Mann stehen" Starke Laster - nur für starke Männer? "Aus Liebe zum Fahren"? Frauen in einem von Männern dominierten Beruf Ein Vorschlag für die Einteilung beliebter Spiele der Arbeits-, Berufs- und Festkultur der Fernfahrer (im Anschluß an eine Spieltypologie von Caillois 1960) "Auf Achse" - ein spannendes Gesellschaftsspiel um Brummis, Frachten und Moneten "Fernfahrer" - Traum und Wirklichkeit im Roman Truckerthemen und -mythen in der deutschen Fernfahrermusik Analytisches Schema zur Entstehung sozialer Gruppen "Go West. Von einem der auszog die Freiheit zu finden" Ökonomische Anspielungen auf den Freiheits- und Mobilitätsmythos "Convoy" - Fernfahrer im Film "Convoy" - Die Visualisierung des Trucker-Kults "Die schönsten Laster" - alles was Männer anmacht? Fernfahrer - unterwegs nach morgen?

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etwas zu entdecken. grundlegendere und klarere Fragen nach sich ziehen. ohne genau zu wissen. genügte es zunächst. Das Dissertationsvorhaben ist im Rahmen der Graduiertenförderung des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell (und mit Geduld) unterstützt worden.. was man tut . mit dem man sich der Arbeitsund Lebenswelt von Fernfahrern offenbar zu nähern hat.damit eröffnet man sich die Chance.und Nachsicht von Rainer Bohn (edition sigma) in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Ebenso schwer war es. und die es ermöglichen. wenn ich die Antwort auf die Frage nach den Weil-Motiven dieser ungewöhnlichen Themenwahl nur mit spärlichen biographischen Hinweisen auf die Berufstätigkeit meines Vaters (der Lastwagenfahrer war. Besonderen Dank schulde ich Dirk Hesse vom Lehrstuhl Technik und 9 .Vorwort "Die Logik der Forschung: das ist eine Verkettung größerer und kleinerer Schwierigkeiten. Gegen jede Intuition und gegen einen schon fast fraglosen Empirismus. was man tut. Dem IuKInstitut für sozialwissenschaftliche Technikforschung in Dortmund habe ich für die finanzielle Unterstützung der Drucklegung zu danken. war es nicht leicht. Die vorliegende Studie hat der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster vorgelegen und ist dort als Dissertation angenommen worden. Um diese zu befriedigen. aber "nur" im Nahverkehr und noch nicht mal im gewerblichen) garnieren und auf die verblichenen beruflichen Träume eines kleinen Jungen zurückführen konnte. daß die hier präsentierten vorläufigen Antworten ebenso wie die neu aufgeworfenen Fragen später einmal der empirischen Prüfung in einer Primärerhebung standhalten werden. was man getan hat. die wieder neue. der während seines späteren Soziologiestudiums den Führerschein Klasse II gemacht hat. wofür ich mich an dieser Stelle bedanken möchte. bereits verfügbares empirisches Material zu (re)interpretieren. (. 40 und 39). der offenkundigen Enttäuschung vieler zu begegnen.. indem sie ansatzweise Antworten liefern. die ohne die Um. die einen in jedem Augenblick zum Nachdenken darüber zwingen.) Etwas tun. Gegen die spontanen Sympathieäußerungen. S. in der Hoffnung. immer besser zu wissen. war mein Vorhaben in erster Linie von theoretischen Interessen getragen. was man sucht. in dem. was man vorher nicht wußte" (Bourdieu 1988. die mir bei der Nennung meines Vorhabens immer wieder entgegengebracht wurden. etwas über Fernfahrer schreiben zu wollen ohne selbst jahrelang als LKW-Fahrer tätig gewesen zu sein oder doch zumindest einige Repräsentanten dieser eigentümlichen Subkultur in einer Befragung unmittelbar zu Wort kommen zu lassen.

und Heinz Hartmann dafür. im Februar 1994 Michael Florian 10 .alle subjektiven Bezüge getilgt und die eigene Person so weit es geht sprachlich ausgeblendet wird. vor allem dort. neue Wege in der Soziologie zu suchen und zu beschreiten. In diesem Sinne habe ich zunächst meinem Lehrer und Betreuer Hans-Jürgen Krysmanski dafür zu danken. Auch wenn die hierbei erforderlichen Danksagungsrituale oft etwas fade oder zu gequält originell wirken. ihre Vernachlässigung zähneknirschend ertragen und mir die nötigen Freiräume zugebilligt haben. ohne die mein Vorhaben praktisch folgenlos geblieben wäre. Allein im Vorwort ist die erste Person gefragt. daß er mir Mut gemacht hat. möchte ich den Dank für ein "Ge-Denken" an jene nutzen. mein in Münster begonnenes Vorhaben zu Ende führen zu können. daß sie einen großen Teil meiner Lasten meist geduldig mitgetragen haben. Münster. ohne die eine Fertigstellung meiner Dissertation nicht möglich gewesen wäre. Marcel und Marissa Martin möchte ich an dieser Stelle ganz besonders dafür danken. der die publikationsreife Einbindung der Grafiken mit hohem professionellen Engagement realisiert hat. bei allem Querdenken den Bezug zum Mainstream nicht aus den Augen zu verlieren.zumindest im Haupttext . Wissenschaftliche Publikationen sind meist von einer bezeichnenden Ästhetik durchdrungen. Meiner Familie Beate. wo es darum geht. mit der . die eigene Leistung in aller Bescheidenheit dem Wirken anderer und die unvermeidbaren Fehler sich selbst zuzuschreiben.Gesellschaft. Thomas Malsch und allen Kolleg(inn)en am Lehrstuhl Technik und Gesellschaft an der Universität Dortmund ist für die kreative Atmosphäre und für die Spielräume zu danken.

so halte ich den Schaden.sind auf dem Bock zu Haus. Compact Disk "Guten Morgen Deutschland". Was die Berufskraftfahrerinnen im Straßengüterfernverkehr betrifft. angesichts der sehr geringen Anzahl betroffener weiblicher Fernfahrerinnen für zumutbar. 'Ne heiße Suppe. Kapitel 5. Die höchst aufschlußreiche soziokulturelle "Assimilation" der Fahrerinnen an die von Männern dominierte Arbeitskultur kann hier nicht weiter verfolgt werden (vgl. den diese Sprachregelung bewirkt. die dem Beruf des Fernfahrers1 üblicherweise zugeschrieben werden und diese "Männerarbeit" nach gängigen Klischees als für weibliche Arbeitskräfte ungeeignet erscheinen lassen. Der geringe Frauenanteil scheint dabei zweitens mit außergewöhnlich hohen arbeits(zeit)bedingten Belastungen und Beanspruchungen zusammenzuhängen. besonders Abb. 'ne Fuhre muß noch raus. Heldenmythos. Hamburg 1991). Den Diesel wieder aufgetankt und hinterm Haus geparkt. weitgehend vermeiden. die ganze Nacht fahren sie durch USA. die hört niemals auf. beim Truckstop rausgefahren. Die nächste Stadt am Horizont. ohne die weibliche Geschlechtsform dabei prinzipiell ausschließen zu wollen. wobei das Belastungsniveau der Fahrer etwa 1 Aus sprachästhetischen Gründen möchte ich die Verwendung von Zwitterbegriffen. weicher Kern. Highway Helden grüßen Dich aus nah und fern" (Tom Astor: "Highway Helden". Von arbeitswissenschaftlicher Seite wird die Tätigkeit der hauptberuflichen Fahrer im gewerblichen Güterverkehr und im Werkverkehr anerkanntermaßen als eine sehr stark belastende Arbeit eingestuft. Vier Phänomene lassen sich eigentlich kaum übersehen. Die Arbeit. männliche Arbeitskultur und die Soziologie "Den ganzen Tag.1. 29-30). Die Meilen ziehen sich endlos hin und niemals sind sie da. die in diesem Beruf tätig sind. Der Gebrauch der männlichen Sprachform bringt damit eine Dominanz maskuliner Kulturformen zum Ausdruck. 11 . wenn man eine soziologische Studie über Berufskraftfahrer(innen) im Straßengüterfernverkehr unternimmt. Erstens sticht der ungewöhnlich hohe Anteil an männlichen Arbeitskräften ins Auge. Ihr Ziel. viel Kaffee 'ne schnelle Marlboro und dann mit Lola aus der Küche rasch noch mal ins Stroh.rauhe Schale.ohne sie kommt keiner aus. Highway Helden . Highway Helden .1. das liegt am Horizont und immer geradeaus. die durch das Anhängen der Nachsilben "in" oder "innen" an die männliche Sprachform entstehen. Highway Helden .

2 Noch rätselhafter aber muß einem viertens die unter den Fernfahrern weitverbreitete Marotte erscheinen. Die härtesten Auseinandersetzungen und spektakulärsten Konflikte entzündeten sich in der Vergangenheit vorrangig an Problemen. 236 im Anschluß an eine Erhebung von Plänitz 1983. um sie zu schützen und die Grenze gegenüber schädigenden und unzumutbaren Arbeitsbedingungen zu markieren. fabrikmäßig organisierten Bedingungen hervorzuheben.und berufsbedingten Risiken offenbar als selbstverständlich hinzunehmen.eher als sekundär. Angesichts der ausgeprägten Macho-Kultur unter den LKW-Fahrern und der Härte. S. Was die tatsächlichen Arbeitszeiten von Fernfahrern betrifft. ihre Transporttätigkeit und ihren Beruf als etwas Exklusives und Vornehmes gegenüber der gewöhnlichen Arbeit unter industriellen. 53). soweit dadurch der 2 Bezeichnenderweise wurde mit den französischen Lastkraftwagenfahrern eine Kompromißlösung ausgehandelt. S. Solche symbolischen Akte der Klassenfraktionierung hat die Industriesoziologie in der Vergangenheit meist nur ungern hingenommen. 83). Baum et al. 1989. lange Wartezeiten bei der Zollabfertigung im grenzüberschreitenden Verkehr (Blockade-Aktionen am Brenner 1984) oder die Einführung einer "Verkehrssünderkartei" (Blockade-Aktionen in Frankreich im Juli 1992). die gemeinsame Interessen von lohnabhängigen und selbständigen Fahrern berührt haben und die man als Außenstehender vielleicht als eher nebensächlich werten würde: Erhöhung der Preise für Dieselkraftstoff und Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit (in den USA 1973). Die Härte ihrer anstrengenden Arbeitsleistungen und ihre beruflichen Risiken werden von vielen Fahrern nicht etwa als eine Schwäche ihres relativ niedrigen beruflichen Status' interpretiert. als würden sich die Fahrer häufig sogar als Komplizen bei der Übertretung von Sozialvorschriften betätigen. daß mehr als drei Viertel der Fahrer die höchstzulässige Arbeitszeit von 147 Stunden pro Doppelwoche überschreiten und fast die Hälfte aller Fahrer zwischen 85 und 125 Wochenstunden mit Erwerbsarbeit verbringen (vgl. Es sieht so aus. die ihnen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen als Trostpflaster für die unnachgiebige Haltung der Regierung bei der Einführung des Punkteführerscheins bringt. Im gewerblichen Straßengüterverkehr erscheinen die Konflikte entlang der klassischen Konfrontationslinie zwischen "Kapital" und "Arbeit" . S. Drittens fällt die große Bereitschaft der Fahrer auf. überrascht die Benennung der Fernfahreraktionen mit dem Etikett "Rambo" nicht weiter. mit der diese Auseinandersetzung ausgetragen worden ist. sondern es wird im Gegenteil versucht. aus der Not ihrer enormen Arbeits(zeit)belastungen sogar noch eine Tugend zu machen. Schäfer und Steininger 1989.beispielsweise im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen . 12 . so ist davon auszugehen.auf gleicher Ebene mit Berufsgruppen wie dem Bauhilfsarbeiter oder Metallverformer lokalisiert wird (vgl. die eigentlich erlassen wurden. ihre vergleichsweise hohen arbeits.

Die voreilige Disqualifizierung der zweifelhaften Konturen des Selbstbildes vieler Fernfahrer als ein "falsches" Bewußtsein oder trügerisches Selbstkonzept hat die Forschung allerdings bislang davon abgehalten. 245f.3.B. das . das wir uns mit Unterstützung industriesoziologischer Weltbilder vom arbeitenden Menschen machen. auch "Charisma" bei Max Weber 1980. 47) konterkariert werden. Plänitz 1983. Ästhetik und Kommunikation. ohne einen systematischen Beitrag zum Verständnis (sub)kultureller Formen der sozialen Reproduktion arbeits. Haar et al. Jg..B. friedfertigen weiblichen Produktivität (vgl. unbändiger Leistungswillen und bedenkenloser Einsatz des Körpers selbst auf Kosten des eigenen Lebens: Der Held verkörpert die geschätzten Tugenden männlicher Arbeitsproduktivität. Unempfindlichkeit gegenüber Müdigkeit und Schmerzen. die durch faschistische (aber auch durch sozialistische) Mythenbildung weiter stilisiert worden sind und heute durch die feministische Konstruktion einer alternativen. 278. die seine magische. So ist das auf den ersten Blick höchst obskure Selbstbild der Fernfahrer entweder vernachlässigt (z.) hat den Kontrast zwischen "Heldentat" und "Plackerei" als ein subtiles Merkmal sozialer Ungleichheiten eingeführt. nicht jedermann zugängliche Kräfte und Eigenschaften verfügt.abstrakte einheitliche "Charakter" kapitalistischer Lohnarbeit in Frage gestellt worden ist. auch wenn das Weiheverhältnis des deutschen Faschismus zur "Ehre" der physischen Arbeit (auf eine ähnlich mythologisierende Weise wie die sozialistische Symbolfigur des "Helden der Arbeit") durchaus kämpferische Assoziationen wecken und die körperliche Arbeit zur noblesse d'industrielle erheben wollte. Bereits Thorstein Veblen (zuerst 1899.B. Ouellet 1987). 1982. S. S. z. S. körperliche Ausdauer. Die einzigartigen Merkmale des Helden wollen nicht so recht in das gewohnte Image passen. Groth 1982. Duden "Etymologie" 1989. vgl. ernsthaft einem möglichen Zusammenhang zwischen den arbeitsbedingten Risiken und den mit der maskulinen Arbeitskultur verbundenen Emotionen und Exklusivitätsvorstellungen nachzugehen. Mit dem vorliegenden Buch soll ein bescheidener Beitrag in diese Richtung unternommen werden. Zaghafte Ansätze zu einer Untersuchung dieses prekären Zusammenhangs sind auf halbem Wege stehengeblieben (z.2). 27f. die sich nur mit großer Mühe dem Einheitsmuster des industriellen Normalarbeitsverhältnisses unterordnen lassen (vgl. S. Die Konzepte einer "Taylorisierung" und "Industrialisierung" gesellschaftlicher Arbeit ließen in ihrem Universalitätsanspruch nur wenig Raum für die Besonderheiten abweichender Arbeitsformen. Groth 1982. 253. der über außeralltägliche. 13. Plänitz 1983. vgl. 124. S. Fuhrmann 1989) oder eher beiläufig als eine bloße Ideologie. 1981. meist kriegerisch tätiger Mann verstanden. 66ff. S.vermittelt durch die morali13 . Heft Nr. Heldentum und Arbeitsalltag erscheinen uns als ein Widerspruch in sich. 241ff. Übernatürliche Kraft.. S.). 52 und 56). Selbsttäuschung oder Ersatzbefriedigung "entlarvt" worden (vgl.und berufsbedingter Risiken von Fernfahrern zu leisten. Der Vergleich zwischen dem physischen Spiel kriegerischer Kräfte und der körperlichen Mühsal industrieller Arbeit wirkt paradox. persönliche Qualität begründen (vgl. Kapitel 2. 1983. Unter einem "Helden" wird üblicherweise ein freier.

S. die sie von den Rahmenbedingungen des industriellen Normalarbeitsverhältnisses zu 14 . wobei der Mythos in seiner eigentümlichen Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit. Wie das vorangestellte Zitat aus einem Song von Tom Astor . bietet die berufliche Tätigkeit der Fernfahrer eine wahre Fundgrube an Bildern und Vorstellungen. bewohnen den Lastkraftwagen als Heim und nutzen Kaffee. Ihre profane Transportarbeit gewinnt dabei den Charakter einer heldenhaften Auseinandersetzung mit der äußeren und. Der Gegensatz zwischen Transportarbeit und fabrikmäßig organisierter Industriearbeit bildet dabei die Kehrseite jener Analogien. 249f.ihr kompromittierender Lohnarbeitscharakter in Form des unrühmlichen ökonomischen Tausches von Lohn gegen Arbeitskraft oder Frachttarif gegen Transportleistungen . erfährt die an sich profane Transportarbeit der Fahrer eine symbolische Aufwertung.und Nutzungsbedingungen der Ware Arbeitskraft gesellschaftlich konstruiert und reproduziert werden. auch der inneren Natur. unabhängige und rauhe Männer.der "Stimme der Trucker" (laut EMI Electrola 1987) . Kapitel 5.die Herausbildung von Klassen und Klassenunterschieden ebenso wie die Differenz zwischen den Geschlechtern markiert. in denen die unehrenhafte Seite der beruflichen Tätigkeit der Fernfahrer . Als freie und einsame. S. was die Bewältigung ihrer Belastungen und Beanspruchungen betrifft. S.sche Symbolik maskuliner Würde und Ehre . 32 sowie Levi-Strauss 1968. von transzendentalen und empirischen Bezügen dazu geeignet scheint. bedeutsame Widersprüche und Paradoxien erklärend zu vermitteln (vgl. behauptet.andeutet. die dem US-amerikanischen Trucker-Mythos aufleben lassen. Das nackte Lohnarbeitsverhältnis verhüllend. 249). daß die selbständigen. sind immer unterwegs.3). Die zentrale Metapher der Trucker-Mythologie. die eine harte Arbeit leisten. mit dem die Verkaufs. selbstfahrenden Transportunternehmer ("owner operators") ebenso wie die angestellten. haben sie den weiten Horizont vor Augen. zitiert nach Giddens 1988. Die Analogie zwischen Heldentat und männlicher Arbeitstätigkeit verweist somit auf eine mögliche kulturelle Dimension in der sozialen Reproduktion menschlicher Arbeitsleistung und -belastung. ohne jemals anzukommen. Durkheim 1981. lohnabhängigen Fahrer im Güterfernverkehr als "Highway Helden" die letzten Cowboys unserer Tage repräsentieren.).durch die mythische Metaphorik verdunkelt (obskur) wird. die den Kern dieser Analogiebildung darstellt. Mit der Mythisierung der Arbeit zu einer maskulinen Herausforderung wird zugleich auch der zutiefst ökonomische Charakter der Tauschbeziehungen verdrängt. Der Gebrauch von Analogien wird zuweilen als ein Kennzeichen mythischer Denkweisen gewertet (z. in dem der alte nordamerikanische Traum von Freiheit und Abenteuer in der schier unendlichen Weite des Wilden Westens auch heute noch gepflegt wird (vgl. Zigaretten und Frauen gleichermaßen als Aufputschmittel und als unverkennbare Accessoires ihrer außergewöhnlichen Männlichkeit.B. bei Weber 1980.

arbeitswissenschaftlichen Belastungs-BeanspruchungsKonzepte ungeeignet.und berufsbedingter Risikopotentiale für eine entscheidende Schlüsselgröße. dem mag die "Passion" und der "Ethos"5. "Highway Helden" in Not? Derart "heroische" Arbeitsleistungen. Mit ihren Vorstellungen unmittelbarer Ursache-Wirkungs-Beziehungen sind die herkömmlichen. den viele Menschen mit 3 4 5 Anders als in der Diskussion über das "weibliche Arbeitsvermögen" (Beck-Gernsheim 1976. Kapitel 3). Nur wer sich leidenschaftslos seiner nüchternen Theorie. der von den Unternehmern und dem betrieblichen Management zu tragen ist. den aktiven Beitrag der durch Arbeitsanforderungen belasteten "Opfer" aufzudecken und die Komplizenschaft der Betroffenen bei der sozialen Reproduktion riskanter Arbeitsbedingungen nachzuweisen. Auf die im "Ethos" angelegte enge Verbindung zwischen den moralischen Vorstellungen und dem subjektiven Wollen muß noch im Kontext eines soziokulturellen Motivationskonzeptes eingegangen werden (Kapitel 4). Selbstbelastung und Eigenbeanspruchung bis hin zu Formen einer regelrechten Arbeitssucht ("workaholic") sind mit den sterilen Kausalitätsmodellen behavioristischer Belastungs-BeanspruchungsKonzepte nicht angemessen zu begreifen. die das gesundheitliche Wohlbefinden riskieren und bei Fahrten unter Müdigkeit sogar mit dem Einsatz des Lebens spielen. asymmetrisch strukturierte "gesellschaftliche Kräfteverhältnis" zwischen "Transportkapital" und "Transportarbeit" ausblenden zu wollen oder etwa den Anteil an der Verursachung und an der "Verantwortung"4 für die Gefährdung der Fahrer zu schmälern. zugleich aber auch destruktive Kraft des "männlichen Arbeitsvermögens"3 in der maskulinen Arbeitskultur der Fahrer zu suchen. können nicht ohne (selbst)zerstörerische Folgen bleiben. moralische "Gesamthaltung" eines Menschen bezeichnet "als Grundlage subjektiver Motive und innerer Maßstäbe" (Duden "Fremdwörterbuch" 1974. bis zu einem gewissen Grade sogar "freiwillig" geleistete Mehrarbeit und Selbstausbeutung. S.und BusUnfällen ein Trend ab.unterscheiden versucht. Die nicht nur von Selbständigen bekannte. Mit "Ethos" wird die sittliche bzw. Ostner 1978) sind die Vorstellungen und Diskurse über sein männliches Pendant bislang weitgehend unterentwickelt. 220). daß die Transportunternehmer und die für die Tourenplanung verantwortlichen Disponenten bei Nachweis allzu eng gesteckter Zeitvorgaben stärker mit in die Verantwortung genommen werden. Die Aspekte einer Selbstgefährdung und Eigenbeanspruchung der Fahrer sind aber von der zu einem Verelendungsdiskurs neigenden Belastungs-Beanspruchungs-Forschung bislang sträflich vernachlässigt worden (vgl. Ohne das anonyme. In den letzten Jahren zeichnet sich in Gerichtsurteilen zu spektakulären LKW.und Meßtätigkeit widmen kann. 15 . halte ich den Eigenanteil der Fernfahrer an der Genese arbeits. In der Verschmelzung von körperlicher Kraft und Männlichkeit ist die eigentliche produktive.

585ff. die der sozialen Lage angemessen erscheinen.ihrer Erwerbstätigkeit verbinden.zu ihrer Arbeit und ihrem Beruf unverständlich und unerklärbar erscheinen.). Der in einer gebührenden Distanz zu den praktischen Nöten der Fahrer verharrenden Wissenschaft mag diese "Liebe zum Schicksal" (amor fati) unfaßbar erscheinen. d. vielleicht sogar lächerlichen Sentimentalität erscheinen. die zur Realisierung des Wahrscheinlichen führen" (Bourdieu 1981. Was den einen wie Musik in den Ohren klingt. etwas fremdartig anmutende Arbeits. d. dennoch müssen alle wohlmeinenden Vorschläge für eine menschengerechte Gestaltung von Arbeit und Technik mit diesem Arbeitsethos rechnen.. 176). 1987. Was "motiviert" die Fernfahrer eigentlich zu derart selbstgefährdenden Arbeitsleistungen? Diese Frage läßt sich nicht in einem Atemzug beantworten. S. Der im praktischen Umgang mit dem Mangel erfahrene "Notwendigkeitsgeschmack" versucht. mit der Tendenz zu einer weitgehenden Übereinstimmung zwischen geringen subjektiven Erwartungen und geringen objektiven Chancen zur Veränderung des Status quo.und Anwendungsgewalt materieller Machtressourcen beruhende gesellschaftliche Kräfteverhältnis zwischen "Transportarbeit" und "Transportkapital" mit einer freiwilligen symbolischen Unterordnung auf seiten der Beherrschten korrespondiert. die bewirkt. die Nüchternheit der sozialwissenschaftlichen Beobachtung gegenüber der sentimentalen Ergriffenheit der am Arbeitsspiel unmittelbar Beteiligten hervorzuheben. 283ff. gewissermaßen zieht sich die Antwort wie ein "roter Faden" durch die einzelnen Kapitel. um Diplomarbeiten und Dissertationen oder engagierte Sozialreportagen zu zieren und ist damit zugleich geeignet. Die Nöte und Notwendigkeiten der Arbeitspraxis aber werden nicht nur passiv erduldet.h. ohne es zu wissen.und Lebenswelt der Fernfahrer. als ob das auf der praktischen Verfügungs. Aus dieser Perspektive muß das höchst ambivalente Verhältnis der Fernfahrer . von Antizipation und Realisierung der Ursprung jener Art von 'Realismus' (als Sinn für die Realität und als Realitätssinn). daß jenseits aller Träume und aller Revolten jeder entsprechend der thomistischen Maxime 'nach seinen Verhältnissen' lebt und sich. S. Bourdieu 1982. der aus der nüchternen Erwerbstätigkeit eine in hohem Maße ehrenhafte Tätigkeit macht. die Notwendigkeiten in Strategien..h. ist als folkloristisches Entrée beliebt.ihre Haßliebe . alle "Entscheidungen". die Zwänge in Präferenzen und die Not schließlich in eine Tugend zu verwandeln (vgl. "In diesem Fall ist die Übereinstimmung von Erwartungen und Möglichkeiten. zum Komplizen der Prozesse macht. verborgen bleiben. 16 . mag den anderen als Ausdruck einer anachronistischen. zu einer "Wahl des Schicksals" zu erheben. 100f. S. die von einer typisch deutschen Weite-Welt-Romantik der "Kapitäne der Landstraße" bis zum typisch nordamerikanischen "Trucker"-Kult reicht. Es scheint so. Die eigentümliche. vor allem aber die Formen kultureller Realitätskonstruktion.

die in der Truckermythologie einen angemessenen Ausdruck ihrer Arbeits. Einerseits möchte ich die kollektiven Vorstellungen jener Fernfahrer.und Herrschaftssoziologie begegnen und überschneiden. Wenn hier der Soziologie ein trügerisches Denken vorgehalten wird.und Berufskulturen ihrerseits dem Mythos der Modernität zum Opfer fallen. das sich um einen systematischen Zusammenhang zwischen dem Mythos und den arbeits. wo mangels präziserer Informationen vorerst nichts anderes übrig bleibt. die dort beginnt. # wo die Industriesoziologie durch Generalisierung der Rahmenbedingungen fabrikmäßig organisierter Produktionsarbeit eine prinzipielle Gleichheit aller industrialisierten Arbeitsformen unterstellt und dabei die Besonderheiten der Transporttätigkeit als produktionsbezogene Dienstleistung vernachlässigt. das sich in mythische Analogien verstrickt.B. auf dem sich Religions-. als das Wissen aus einem gut erforschten Gebiet auf ein noch unbekanntes Terrain zu übertragen. Als vorwissenschaftliche Denkweise bildet die Analogie einen häufig unverzichtbaren Zwischenschritt sozialwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung. Andererseits möchte ich dabei der eigenen.und Lebensweise sehen. S. # wo die Berufssoziologie Defizite aufweist. wenn man z. bei dem die Fixierung auf die strenge ökonomische Logik des Lohnarbeitsverhältnisses die sozialen und kulturellen Dimensionen der Tauschbeziehungen zwischen "Kapital" und "Arbeit" vernachlässigt und die Verschmelzung zwischen Arbeit und Spiel in der "Logik der Praxis" (Bourdieu) übersieht. Im Mythos der rationalistischen Moderne erscheinen solche nichtrationalen Phänomene aber allenfalls noch als aussterbende Residuen aus vormoderner Zeit. an die sehr weitreichende Verwendung der Begriffe "Charisma" und "Tradition" bei Max Weber denkt. 17 .und berufsbedingten Risiken bemüht. das den an der Kultivierung der Risiken Beteiligten selbst nicht unbedingt in den Sinn kommt. mit einem wissenschaftlichen Wirklichkeitsmodell konfrontieren. Einer unangemessenen soziologischen Mythenbildung begegnen wir aber beispielsweise dort.) verhalten. berufliche Mythologien als einen legitimen Gegenstand zu akzeptieren und den berufsgruppenbildenden Charakter des Mythos zu erkennen und anzuerkennen. wo scheinbar archaische Wurzeln der zeitgenössischen Arbeits. soll damit nicht in den postmodernen Chor einer undifferenzierten Denunziation wissenschaftlicher Arbeitsweisen eingestimmt werden. Kultur.Fern jeder Kuriositätenschau möchte ich dagegen die Arbeitsspiele der sich zu "Truckern" berufen fühlenden Kraftfahrer ernst nehmen und mich als Soziologe in einem doppelten Sinne wie ein "Mythenjäger" (Elias 1970. 51ff. soziologischen Mythenbildung auf die Spur kommen. # wo die Arbeitssoziologie mit einem zu engen Arbeitsbegriff operiert. ein theoretisches Modell also. Die beruflichen Mythologien der Fernfahrer werden auf einem Feld wirksam.

die Reichweite und Relevanz ihrer Ergebnisse zu verfeinern. Anschlußstellen zu traditionellen Sichtweisen in der Industrie.). der sich über den engen Horizont einzelner Projekte hinaus spannt.und Betriebssoziologie ebenso wie in der Soziologie der Arbeit und der Berufe zu finden. zum Teil noch isolierte oder diffuse empirische Wissen über den Forschungsgegenstand systematischer aufeinander zu beziehen. Erst wenn die herkömmlichen Konzepte bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit herangeführt worden sind. die sich für die weitere Orientierung der empirischen Forschungsarbeit eignen.und berufsbedingte Risiken soziologisch umfassender aufzuspüren und sozialwissenschaftlich erfahrbar zu machen. Diese Vorgehensweise wird in der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre als "Exploration" bezeichnet (vgl. Beide "Phasen" folgen zwar eigenen Standards. wird die Notwendigkeit deutlich. Mit dem Ziel. Dennoch halte ich es für wichtig. um sich der Vielfalt eines untersuchten Phänomens einfühlsam nähern zu können und diese Vielfalt durch "dichte Beschreibungen" (Geertz) zugänglich zu machen. auch auf den ersten Blick vielleicht als obskur erscheinende Dimensionen eines Forschungsgegenstandes zu entdecken.6 Methodologisch gesehen verfolgt eine explorative Studie vorrangig das Ideal. Unter dem Eindruck vorhandener Defizite müssen traditionelle Grenzen überschritten und neue Wege gefunden werden. um arbeits. S.und berufsbedingter Risiken von Fernfahrern kaum zu gewährleisten. 62ff. Beim gegenwärtigen Forschungsstand geht es deshalb in erster Linie darum. Die Frage nach der Selbstgefährdung in Erwerbsarbeit und Beruf konstruiert ein Forschungsfeld. 1972. möglichst viele verschiedene. Selltiz et al. während sich die gängige. um neue Ideen und Konzepte nicht in einem theoretischen und methodischen "Vakuum" zu entwickeln.und industriesoziologischen Ansätzen und Perspektiven allein ist gegenwärtig eine umfassende Untersuchung arbeits. das eigentliche Forschungsproblem präziser zu formulieren und das verstreut vorliegende. "eigentliche" Erhebung. oder anders formuliert: die Gültigkeit und 6 Die Dualisierung methodologischer Kriterien für eine explorative "Vor-Phase" und eine nachfolgende. Allzu "normale" Phasen wissenschaftlicher Selbstgenügsamkeit müssen zuweilen erst durch explorative Umbrüche wachgerüttelt werden. sollte eine Explorationsstudie möglichst flexibel angelegt sein. ist verfehlt. neue Ansätze für das Verständnis und die Erklärung arbeitsbezogener Phänomene zu entwickeln. meist mit quantitativen Methoden der Sozialforschung operierende Empirie eher der Präzision und Systematik verpflichtet fühlt. Deshalb ist es irreführend. einzelne für die Erkenntnisgewinnung notwendige Zwischenschritte zu disqualifizieren. für das es bislang weder systematisch ausgearbeitete theoretische Konzepte gibt noch erfahrungswissenschaftliches Wissen verfügbar ist. deren Berechtigung ergibt sich aber erst aus dem Gesamtzusammenhang des Forschungsprozesses. um daraus schließlich angemessene theoretische Hypothesen zu entwickeln.Mit den gängigen arbeits. 18 .

B.Verläßlichkeit ihrer Daten sowie die Generalisierung und Abstraktion ihrer Hypothesen im Auge hat (vgl.7 Unter methodischen Gesichtspunkten läßt sich dabei jedoch sicherlich eine fehlende systematische Kontrolle der Erhebung bemängeln. S. das sich auf der Grundlage einer "dichten Beschreibung" (Geertz) um ein Verständnis der (sub)kulturellen Bedeutung der "Texte" und "Diskurse" einer Arbeits. Bundesrepublik Deutschland. S.und Berufsalltag von Fernfahrern erlaubten: Sozialreportagen in Rundfunk und Fernsehen. Frankreich. ohne ihre Flexibilität und Offenheit durch die Last sorgfältig kontrollierter. systematischer Erhebungen zu belasten. kommt es mir nicht in erster Linie darauf an.). Reportagen und Anzeigen aus Fernfahrer. sind sehr weit verstreut. Die empirischen Quellen. S. Goudsblom 1979. habe ich eine Vielzahl von "Dokumenten" ausgewertet. Großbritannien. im folgenden auch Selltiz et al. der Aufbereitung sozial. Dies kommt zugleich einem semiotischen Kulturverständnis entgegen.präsentiert sich das methodische Vorgehen der vorliegenden Exploration (vgl. 165ff. habe ich mich dafür entschieden. Neben der Lektüre internationaler Forschungsarbeiten und Dissertationen. Gleiches gilt für den "sekundäranalytischen" Gebrauch von Forschungsergebnissen. publizierte Erlebnisberichte. z. So habe ich Quellen aus sehr unterschiedlichen Kulturen verwendet (USA. noch darauf. Entsprechend "eingeschränkt" . Aus der Perspektive einer explorativen Studie halte ich diese Mängel jedoch für durchaus vertretbar. Bildern und Grafiken Gebrauch zu machen.jedenfalls nach strengen methodologischen Kriterien . der in der soziologischen Methodendiskussion nur unter Vorbehalten "erlaubt" ist (vgl.bzw. der Teilnahme an logistischen Fachtagungen und Workshops.3). die weitere Forschung anregende Funktion. 64-80). die mir wichtige Einsichten in den Lebens. Österreich.8 Meine Anregungen sollen vor allem "Vorschläge" sein. 7 8 Um eine Teilhabe an der Fülle empirischer Details zu gewährleisten. Scheuch 1973. Da ich meine Studie lediglich als eine sekundärempirisch informierte Vorarbeit verstehe. Australien und Brasilien). 211ff. Trucker-Zeitschriften sowie das entsprechende Liedgut und subkulturelle Accessoires. von der Präsentation des Materials in Form von ausführlichen Zitaten. Fernfahrerfilme. und zwar für eine kontrollierte empirische Feldforschung.und arbeitswissenschaftlicher Literatur. zumal ich bewußt darauf verzichtet habe.). meiner zufälligen Auswahl von Dokumententrägern den Anschein strenger Wissenschaftlichkeit zu verleihen. aus denen ich meine Thesenbildung speise. 19 . ohne mich dabei von den bei interkulturellen Vergleichen angemessenen Kontrollen behindern zu lassen (zur Methode des interkulturellen Vergleichs vgl.und Berufskultur bemüht (Kapitel 3. meine Thesen zu testen oder gar zu "beweisen". Heintz 1974). Sie beschränken sich notgedrungen auf eine begründete Plausibilität ihrer Einsichten und Thesen. ob meine Annahmen überhaupt "repräsentativ" sind und allgemeine Gültigkeit für alle Fernfahrer beanspruchen können. 1972. Explorative Vorarbeiten haben im wesentlichen eine.

und Karrieremuster abgesichert sowie durch eine entsprechende Arbeits.3).und Gefahrenstrukturen und subjektiven Bewältigungschancen wird dabei über soziokulturelle Prozesse der "Auslese" und "Anpassung" der Fernfahrer reguliert. deren demonstrativer Individualismus die Vergesellschaftung der dort geleisteten Arbeit zunächst als unwahrscheinlich erscheinen läßt. Im Spannungsfeld zwischen "subjektiver" Selbsteinschätzung und "objektiver" Arbeitswissenschaft soll im zweiten Kapitel zunächst ein möglichst realitätsnahes Bild der arbeits. mit der viele Fernfahrer die prekären Anforderungen durch eine Arbeitsweise zu bewältigen versuchen. Die besondere "Logik" und der spezifische Verlauf der Rationalisierungsprozesse in der industriellen Produktion darf allerdings nicht voreilig auf den Bereich produktionsbezogener Transportdienstleistungen übertragen werden.darum bemüht.1).und Lebenswelt. Auch in Zukunft werden logistische Rationalisierungsprozesse im Straßengütertransport auf dem Weg zu einer Ökonomisierung der Zeit die Entwicklung der arbeits.als ein vorläufiges Angebot für die Interpretation einer Arbeits.h. über typische Berufswahl. Diese Annahme soll in den nachfolgenden Kapiteln unter Hinzuziehung weiterer theoretischer Überlegungen und empirischen Materials plausibel gemacht werden.und berufsbedingten Risiken von Fernfahrern in hohem Maße beeinflussen (Kapitel 2. die in hohem Maße selbstgefährdend wirkt.1).3. Im Anschluß an eine Präzisierung des Risikobegriffs wird versucht. daß sich eine hochgradige Affinität herausgebildet hat zwischen den schwierigen.und Berufskultur gestützt. Meine These ist.und berufsbedingten Risiken im gewerblichen Straßengüter(fern)verkehr vermittelt werden. von denen viele Fernfahrer im Verlauf ihrer Berufsbiographie betroffen sind (Kapitel 2. die Heterogenität der Arbeitsbedingungen von Lastwagenfahrern durch eine Typologisierung zu reduzieren und auf dem gegenwärtigen Stand der Forschung ein Risikoprofil für den mobilen Arbeitsplatz der Fernfahrer zu erstellen (Kapitel 2. Umschlag und Lagerhaltung zwar unter wachsenden logistischen Rationalisierungsdruck (Kapitel 2.2). von vergleichsweise scharfen Konkurrenzkämpfen geprägten Existenzbedingungen des Transportgewerbes und den hier angebotenen riskanten Arbeitsbedingungen einerseits und der typischen "Eigenart" andererseits. Die "Wahlverwandtschaft" zwischen objektiven Belastungs.und Informationsflüsse geraten Transport. heuristische Hinweise für ein neues Problemverständnis zu liefern und neue Konzepte zu entwerfen . Durch die Umsetzung einer Konzeption fester Verkettung und beschleunigter Material. d. die riskante Arbeitsbedingungen als eine Herausforderung der männlichen Ehre aufwertet und die schonendere Konditionen industrieller Normalarbeit entschieden ablehnt. wenn man industrie20 . In der Bundesrepublik verweisen Anzeichen für eine prekäre Verberuflichung und ein vergleichsweise geringes Sozialprestige der Berufskraftfahrer auf berufliche Risiken.

soziologische Taylorisierungsmythen und Industrialisierungslegenden vermeiden möchte (Kapitel 2. "instrumentelle" Arbeitsorientierungen). Geschlecht und Gefühl betreffen.3. indem ein Konzept der soziokulturellen Motivation riskanter Arbeitsleistungen entwickelt wird. Bewältigung und Billigung von Arbeitsrisiken als ein entscheidener Ansatzpunkt vorgestellt. besonders was die sinnlichen Dimensionen von Habitus.und berufsbedingter Risiken von Fernfahrern unterbreitet. Ausgehend von einer Kritik an gängigen arbeits. bei dem die "Beweggründe" für riskante Arbeitsleistungen in dem Zu21 . lassen sich die zentralen Defizite der herkömmlichen arbeitswissenschaftlichen Risikoforschung einerseits in einer Vernachlässigung sozialer Auslese. der im Zusammenspiel zwischen der Reproduktion riskanter Arbeitsbedingungen im Transportbereich und der Reproduktion der mit diesen Bedingungen eng verbundenen Arbeitskräfte kulturell erzeugt und gesichert wird (Kapitel 3. den die Fernfahrer selbst bei der Duldung und Gestaltung ihrer riskanten Arbeits. Im dritten Kapitel werden dann Vorschläge für einen Perspektivenwechsel in der Belastungsforschung erarbeitet. Damit soll der von den Arbeitswissenschaften ignorierte und von den Fahrern selbst unbeachtete "soziale Sinn" ihrer riskanten Arbeitsleistungen aufgespürt und verstanden werden. Sobald die Entstehung von Arbeitsund Berufsrisiken als ein sozialökologischer Prozeß begriffen wird. Im Anschluß an eine Rehabilitierung der körpernahen Seiten menschlicher Risikobewältigung werden Vorschläge für ein sozialökologisches Konzept der gesellschaftlichen (Re)Produktion arbeits. ökonomische Anreize oder verinnerlichte normative Erwartungen als "echte" Motive menschlicher Arbeitsleistungen anzuerkennen. die den Lastcharakter unzumutbarer Arbeitsbedingungen betonen (z. Im vierten Kapitel soll das Verständnis des sozialen Sinns arbeits.und industriesoziologischen Motivationskonzepten (Kapitel 4. in erster Linie äußere Zwänge.B. warum viele Fernfahrer zu einer für sie typischen.2).und berufsbedingter Risiken vertieft werden. um die soziale Genese von arbeitsbedingten Belastungen und Beanspruchungen zu verstehen (Kapitel 3.und Anpassungsprozesse und andererseits in einer Ausblendung des menschlichen Körpers identifizieren.und Lebensweise spielen. Damit kann der aktive Part gewürdigt werden. Im Anschluß an das Habitus-Feld-Konzept des französischen Soziologen Pierre Bourdieu soll "Motivation" dabei als ein Subjekt-Objekt-Verhältnis begriffen werden. Aufgrund der Neigungen innerhalb der Soziologie.1) wird die Bewertung. wird das ambivalente subjektive Verhältnis der Arbeitenden zur kapitalistischen Form lohnabhängiger Erwerbsarbeit meistens auf jene "Einstellungen" reduziert.1) wird der Frage nachgegangen. Im Anschluß an eine kritische Darstellung der theoretischen Defizite und methodologischen Probleme des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes (Kapitel 3. berufsgruppenbezogenen Stilisierung und subkulturellen Mythologisierung der riskanten Verwendungsweise ihres Körpers tendieren.2).3).

sammenspiel zwischen äußeren Strukturen ("soziales Feld") und innerer Bereitschaft ("Habitus" als einer Art "Organisation" einverleibter Strukturen) zu suchen sind (Kapitel 4. subkulturell gestützten "Neigung zum Wahrscheinlichen" resultiert.und Berufsrisiken beteiligt sind (Kapitel 5. warum viele Fernfahrer ihre Berufstätigkeit als eine männliche Passion empfinden und in ihren beruflichen Subkulturen . die deutschen Fernfahrermythen vom "Kapitän der Landstraße" und die nordamerikanischen Mythen vom "Asphalt-Cowboy" und "Highway Helden" bilden aber eine wichtige symbolische Stütze bei der Herausbildung beruflicher Subkulturen unter den Lastkraftwagenfahrern. 22 . inwieweit die beruflichen Mythologien der Fernfahrer an der sozialen Reproduktion ihrer Arbeits.3). Auf der Grundlage fehlender Handlungsressourcen beruht die paradoxe Motivierung riskanter Verhaltensweisen vor allem auf der Selbsteinschränkung potentieller Handlungschancen. bevor abschließend der Frage nachgegangen wird.2). Im fünften Kapitel schließlich soll der Leitgedanke des ersten Kapitels Heldenmythos. männliche Arbeitskultur und Soziologie . In den Spielen der Fernfahrer mit dem "Ernst des Lebens" verwischen zwar die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit. wie die Soziologie das Konzept des Mythos in Abgrenzung zu ideologischen Phänomen definieren sollte.1). "informeller" Face-to-Face-Interaktionen innerhalb von Kleingruppen vorstellen können. die aber die soziale Entstehung größerer "Berufsgruppen".wieder aufgegriffen und eine Deutung gewagt werden. "beruflicher Netzwerke" oder "Kollegenschaften" weitgehend vernachlässigt haben (Kapitel 5. Am Beispiel der USA und der Bundesrepublik wird der subkulturelle Einfluß von Mythen und Legenden auf die soziale Gruppierung der LKW-Fahrer skizziert und ein Vorschlag unterbreitet.eine leidenschaftliche und zum Teil sogar lustvolle Beziehung zu ihrer riskanten Arbeit entwickeln. zwischen Mythos und Realität (Kapitel 5. die sich soziale Gruppierungsprozesse zwar auf der Basis unmittelbarer.trotz der hohen Risikopotentiale .2). die aus einer fatalen. Ein angemessenes Verständnis des kollektiven Verhältnisses zur Arbeit und der Möglichkeiten kollektiver Risikobewältigung erweist sich hierbei als ein grundlegendes Defizit berufssoziologischer Ansätze.

252ff. ist. tauchen Zweifel auf. oder "Kontext" bei Watzlawick et al. Spielfilm von Raoul Walsh. 48f. zwischen dem realitätsblinden Wahn und dem. aber liebevollen Spott hinzugeben. ob der Dialog zwischen Cassi und Joe überhaupt ernstgemeint oder ernst zu nehmen ist. daß außenstehende Beobachter jene für verrückt halten müssen. der Ethnomethodologie etc. Die Unterscheidung zwischen Anomalie und Normalität.B.. auf den sich alle Unterscheidungen und Unterschiede beziehen lassen (vgl.3).und Berufsrisiken von Fernfahrern im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Selbsteinschätzung Cassi Hartley: "Man muß verrückt sein. Muß man nun wirklich "verrückt" sein. Arbeits. Diese Art von Leidenschaft kann man niemandem erklären oder verständlich machen. vgl. aber nicht unbedingt hilfreich ist. um der sozialen Organisation von alltäglichen Erfahrungen auf die Schliche zu kommen. auch Kapitel 3. die sich derartigen Wechselbädern auch noch freiwillig auszuliefern scheinen. um Fernfahrer zu werden? Beim Grübeln darüber.B. der solchen Gefühlen nicht zugänglich ist. S. durch eine "angemessene" Ordnung der Wirklichkeit orientierenden Sinn. S. zuerst 1955) gerne als ein "Rahmen" oder "Kontext" begriffen. aus voller Passion Fernfahrer zu sein. USA 1940). 1 Auch wenn man das Label "interpretative Soziologie" für weniger gelungen hält (vgl.2. hat den "interpretativ"1 ausgerichteten Sozialwissenschaften oft als ein Ansatzpunkt gedient. 23 . den deutschen Titel bei Giddens 1984). aber es hilft" (Dialog aus: "Sie fuhren bei Nacht". 1974. sich mit einem Schuß Selbstironie gegenüber den eigenen Schwächen zu distanzieren (ohne sich bloßzustellen) und sich im Gespräch über die eigene Arbeits. so geht diese Sammelbezeichnung für wahlverwandte Ansätze des symbolischen Interaktionismus. z. der solche Extreme miteinander verbindet. auf eine Unterscheidung von Wilson (1981) zurück. die Nöte und Zwänge. um Fernfahrer zu werden!" Joe Fabrini: "Das ist nicht unbedingt nötig. nicht ganz "normal" zu sein. aber auch die Sonnenseiten seines Berufes. Was bleibt. was es bedeutet. Aus eigener Erfahrung weiß Joe Fabrini. Er kennt die Entbehrungen. "Rahmen-Analyse" bei Goffman 1977. ob es für die Fahrer vielleicht sogar nötig. z. S. 15f und 19.und Lebenswelt einem verdeckten. Die sich dabei vollziehende Ordnung in der Erzeugung und Wahrnehmung von sozialem Sinn wird in Anlehnung an eine Metapher von Gregory Bateson (1985.

und Arbeitsweise bilden und angesichts "verrückter" äußerer Anforderungen vielleicht sogar als einzig "angemessen" erscheinen mögen. bei "schizophrener Kommunikation" wird die Verflechtung von Kontexten auf verschiedenen Ebenen und Meta-Ebenen als "double bind" bezeichnet. bedient man sich der Auszählung als einzig legitimer Verfahrensweise. 321ff. Indem Joe Fabrini hier mit dem "Ernst" des Lebens "spielt". die isolierten Individuen übergreifenden. Bateson 1985. derart unübliche Arbeitsleistungen freiwillig zu vollbringen. die Mathematik. 1974.2 Bestehen berechtigte Zweifel darüber. wie der Aufkleber "Hier arbeiten 280 Pferde und ein Esel". die Außergewöhnlichkeit und "Verrücktheit" der normalen Arbeitsleistungen von Fernfahrern sachlich einschätzen zu können (vgl.). sozialen "Rahmen" erfolgen kann. Es geht hier offenbar nicht um eine Denunziation der Fahrer im Sinne einer Diagnose psychopathologischer Krankheitsbilder. mit der das Ausmaß einer Abweichung vom Durchschnitt der Normalität und der Normalität des Durchschnittlichen zweifelsfrei festlegt werden kann. daß die besonders harten Arbeits. Sind keine gemeinsamen Kriterien dafür zu finden. 24 .Wie selbstverständlich will der zitierte Filmdialog zwischen Cassi und Joe keineswegs behaupten. S. der weiß. In diesem Sinne ist der (selbst)ironische Kommentar des Fernfahrers Joe Fabrini nicht ganz ernst gemeint . S. vgl.auf ähnliche Weise. 48f. Wer die Szene aus dem frühen nordamerikanischen Fernfahrerfilm kennt. "funktionalen" Bestandteil ihrer Lebens. Abb. Die in einem bestimmten Zeitraum zurückgelegte Fahrtstrecke und die meßbare Arbeitszeit bilden für Außenstehende und für die Fahrer selbst den einzig verfügbaren und nachweisbaren. einen sinn.und bedeutungsvollen Kontext. erzeugt er einen Orientierungsrahmen.und Lebensbedingungen der Fernfahrer nur von wenigen Menschen ertragen werden (können). nicht wörtlich genommen werden darf. wo genau die Grenze zwischen Norm und Abweichung zu ziehen ist. was als normal zu gelten hat. 2 Ohne eine kontextbezogene Definition von "Normalität". sondern lediglich auf die "Dummheit" des Fahrers anspielen soll. daß die Alltagswelt der Fernfahrer Außenstehenden auf den ersten Blick als fremdartig und völlig unverständlich erscheinen muß. "objektiven" Maßstab. daß Fernfahrer "geistesgestört" sind oder sein müssen. in dem mit seiner Äußerung zugleich auch ein zentraler Bezugspunkt der Arbeit und des Lebens von Fernfahrern verständlich wird. tritt üblicherweise die Wissenschaft auf den Plan. sondern darum. kann nicht auf der Ebene individueller Merkmale beurteilt werden. was von ihnen erwartet wird. ist eine Unterscheidung von "normal" und "abnormal" nicht sinnvoll (vgl. Was allerdings "normal" ist und was nicht. 1). solange die riskanten Verhaltensweisen der Fahrer einen selbstverständlichen. der heutzutage auf vielen Lastkraftwagen zu finden ist. daß der Dialog darauf anspielt. die nur in einem. um sich in ihrer Welt zurechtzufinden und das zu leisten. Watzlawick et al. vor allem ihre "Königin".

9% 100 bis 125 Wochenstunden: 9. so wird das außergewöhnliche Arbeitszeitvolumen deutlich. sobald man die Fahrer selbst und selbstfahrende Sozialforscher zu Wort kommen läßt. "Die Arbeitszeit umfaßt die Zeiten des reinen Dienstes am Steuer (Lenkzeit). daß mich.1984). sonstigen Arbeiten sowie die Arbeitsbereitschaftszeiten" (§ 2 des Bundesmanteltarifvertrages für den Güter. S. was es heißt. aktiv gewerkschaftlich betätigen zu können. 83) und Bogedale (1983. höllische Kreuzschmerzen zu haben. um auch auf diesem Wege seine Situation grundlegend verändern zu können. der Be. und sich dabei noch nicht einmal in dem Maße. daß die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der vollbeschäftigten Männer in der bundesdeutschen Industrie im Jahr 1980 bei 42. ja faktisch vom gesamten gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein.Abb. aber auch das Bewußtsein. Plänitz (1983. S. diese Arbeit nicht erst langfristig gesund- 25 . sich stets am 'Rande eines Magengeschwürs' zu befinden.5 Wochenstunden: 23. Auch wenn die Angaben aus den zitierten Studien im sozialstatistischen Sinne nicht als repräsentativ gelten können. 115).1% 75 bis 84 Wochenstunden: 32. S. vermitteln sie einen realistischen Eindruck der für Berufstätige in der industriellen Produktion "unnormalen" Arbeits(zeit)leistung von Fernfahrern. Berücksichtigt man. vorhandenen Interessen aus Zeitmangel nicht nachgehen zu können.1 Wochenstunden gelegen hat (Datenreport 1985. das ein großer Teil der Fahrer im Straßengüterfernverkehr jede Arbeitswoche zu leisten hat.1.und Möbelfernverkehr vom 23.6% Bogedale-Studie 1983 Bundesrepublik (N=30) bis 60 Wochenstunden: 17% 61 bis 80 Wochenstunden: 45% 81 bis 100 Wochenstunden: 38% ))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))) Eigene Berechnungen nach Angaben von IFES (1979. Reparaturarbeiten. 1: Wöchentliche Arbeitszeit von Fernfahrern* IFES-Studie 1979 Österreich (N=75) "Normalzeitfahrer" bis 49 Wochenstunden Inland: 16% Ausland: 8% "Überstundenfahrer" 50 bis 64 Wochenstunden Inland: 52% Ausland: 28% "Extremfahrer" über 65 Wochenstunden Inland: 32% Ausland: 64% * Plänitz-Studie 1983 Bundesrepublik (N=229) bis 72. Dieser durch Zählen gewonnene erste Einblick läßt sich vertiefen.3% 85 bis 95 Wochenstunden: 34. 305) und sich bis heute auf unter 40 Wochenstunden reduziert hat. Vor. S. in dem es erforderlich wäre. Konkret heißt das: Am Anfang stand für mich das stark empfundene Gefühl. als Folge seiner Arbeit permanent Schlafstörungen zu haben.und Entladearbeiten. 11). gewachsene soziale Beziehungen aufgeben zu müssen. "Ich habe es am eigenen Leibe erfahren.und Abschlußarbeiten. wie viele meiner Kollegen.

Der Stolz auf eine Arbeitsleistung. All die hier zunächst nur in Stichworten beschriebenen Erfahrungen. 26 . die nicht alleine fahren. gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. diese wirklich schwer zu handhabende Maschinerie zu beherrschen (nicht nur beim täglichen Rangieren. genauso wie die stark aus der Not des Arbeitsalltags sicher oft übersteigert empfundenen Erfolgserlebnisse und Befriedigungen. daß man dem anderen tagtäglich sein Leben anvertraut. die.: Als Fernfahrer weiß man tatsächlich noch. Die Verbindung zur Natur: Wer erlebt heute noch so bewußt jeden Tag den gesamten Tagesablauf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang? Wer erlebt heute noch so intensiv. mit dem man zusammen fährt. angesichts der immer weiter verbreiteten. von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung ist. zeigt. Allzuoft verliert unter dem extremen Druck und der extremen Arbeitshetze. Demgegenüber stand die Tatsache. sprich die Vernunft.heitlich und als soziales Wesen kaputt macht. von der man selbst ganz genau weiß. das zu dem Kollegen entsteht. rechtschaffen müde. stehen andere. Auch hierzu einige knappe Stichworte: Der Stolz auf die tagtäglich erbrachte große Arbeitsleistung. in die Ferne zu fahren (. regelmäßiges Entfallen der gesetzlich vorgeschriebenen. Gerade die Ganzheitlichkeit der Arbeit des Fernfahrers und die von ihr ausgehende Befriedigung kann. was man geleistet hat und ist so am Wochenende und (. Daß ich dies nicht tat. daß sie einen wieder einmal mit einem Bein an den Rand des Grabes gebracht hat (regelmäßige Überschreitung der gesetzlich zulässigen Arbeitszeiten. eine Arbeit vom Anfang bis zum Ende wirklich alleine bewältigt zu haben und dies in aller Regel pünktlich (was häufig fast unmöglich und in aller Regel mit den bestehenden gesetzlichen und tarifvertraglichen Regelungen unvereinbar ist) und ohne Transportschäden. Ein weiterer Punkt ist die Befriedigung. sondern vor allem auch unter erschwerten Bedingungen von Herbst und Winter). Das gegenseitige 'Aufeinanderangewiesensein' und natürlich. daß zumindest ich persönlich mich ja freiwillig entschieden habe. der Kopf.. die davon ausgeht. Gefühle und Empfindungen existierten und existieren in einer (meiner) Person und bekämpfen sich in ihr gegenseitig. Darüberhinaus wäre es mir. sondern auch in zurückgelegten Kilometern oder in bewegten Gütermengen ausgedrückt werden kann.. als Junggeselle ohne finanzielle Verpflichtungen.) leider nicht nur dann.). Empfindungen und Gefühle gegenüber. vor allem aber dringend notwendigen Ruhepausen und die sich daraus ergebende Unfallgefahr mit all ihren Konsequenzen). direkt und bewußt die unterschiedlichen Jahreszeiten und deren Übergänge? Als letztes Stichwort sei hier für all die Kollegen. so wie das Transportwesen zur Zeit in der Bundesrepublik organisiert ist. das oft sehr enge Verhältnis genannt. mit der Tätigkeit (besser den Tätigkeiten) des Fernfahrers verbundene Werte. möglich gewesen.h. Weitere Stichpunkte in diesem Zusammenhang könnten sein: Die Freude am LKW-Fahren selbst und der Stolz auf die eigene Fähigkeit. also nicht nur in verausgabter Arbeitszeit. all diese Erfahrungen. D. Den tagtäglich auszuhaltenden und tagtäglich verdrängten Belastungen. also die oft nur schwer zu ertragenden und ebenso schwer zu verdrängenden Belastungen der Fernfahrerei. der der Fernfahrer ausgesetzt ist. im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen jederzeit. die Fernfahrerei an den Nagel zu hängen und mir eine weniger belastende Arbeit zu suchen. Man ist stolz auf eine Leistung. diesen Kampf. oft sinnlosen und inhumanen Formen der Arbeitsteilung in Industrie und Büro und der aus dieser resultierenden Entfremdung der Menschen von ihrer Arbeit. die nicht nur erkennbar nützlich. sondern eben auch konkret meßbar. daß die Dinge nicht ganz so einfach lagen und liegen.. wie sie oben in Stichworten benannt wurden. eine Leistung.. spätestens nach den ersten Röntgenaufnahmen meiner Wirbelsäule.

Die vorherrschende Anwendung "qualitativer" Methoden. die der Fernfahrer bei seiner Arbeit eben auch empfindet.. diese Arbeit zu schreiben?" von Günther Plänitz in dem aus seiner Dissertation hervorgegangenen Buch "Das bißchen Fahren.. D. verbunden mit einer sozialwissenschaftlichen Beschreibung ihres Alltags. sich zur Fernfahrerei hingezogen fühlen. Ich habe diese sozialwissenschaftliche (Selbst-)Beschreibung der Arbeits.. verleiht den teilnahmsvollen Beobachtern oftmals die Rolle eines "Sprachrohrs der Betroffenen". drohendes Berufsverbot durch Füherscheinentzug etc. schafft. die innerhalb des anerkannten Methodenkanons der Arbeitswissenschaften am stärksten um27 . also die irrsinnigen Arbeitszeiten und ihre gesundheitlichen und sozialen Folgen.und Stellungnahme für die Belange der "Betroffenen" zu präsentieren. am besten die Arbeitserfahrungen der Fernfahrer in all ihrer Zwiespältigkeit. Tatsache ist (.. 7-9). umschreibt. sie entschieden sich.. unter den zur Zeit gegebenen unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. so daß die Fernfahrer faktisch gezwungen sind.. Erstens dokumentiert dieser Auszug eine mit dem Fernfahrerthema offenbar eng verbundene Tendenz journalistischer und sozialwissenschaftlicher Beiträge. für Außenstehende kaum verständliche (oft jedoch beneidete!) Verhältnis des Fernfahrers zu seiner Arbeit. die Darstellung des Arbeitsalltags von Fernfahrern als eine Mischung aus (auto)biographischen Erlebnissen. daß der Fernfahrerarbeitsmarkt praktisch keine vernünftigen Alternativen bietet. kommt in dieser über lange Zeit dominierenden Form journalistischer Sozialreportage und sozialwissenschaftlicher Expertise zugleich eine verborgene Facette der mangelnden Repräsentationsfähigkeit der Fernfahrer auf wissenschaftlichem und arbeitspolitischem Feld zum Ausdruck.h. es sei denn. die Teil des oben beschriebenen Spannungsverhältnisses sind.).) Neben den 'Freuden'. sozialwissenschaftlicher Recherche und teilweise sehr emphatischer Anteil. 1983. wie es für den überwiegenden Teil meiner Kollegen und auch für mich kennzeichnend ist... glaube ich.: Viele als Fernfahrer tätige Kollegen brauchen subjektiv eben diese Arbeit. (. Dieses.) zu einer entscheidenden Voraussetzung. unsere 'Liebe' zu dieser Arbeit. Der engagierte Einsatz für die "Interessen" der Fahrer. um 'sie selbst' sein zu können.. die Fernfahrerei an den Nagel zu hängen. S.Dieses oben beschriebene Spannungsverhältnis zwischen dem Bewußtsein über die eigene Lage einerseits. um uns bis auf die Knochen auszubeuten" (Auszug aus "Wie kam ich dazu. wird (. Dieses intensive.) bis hin zu dem Gefühl der Abhängigkeit von eben der Fernfahrerei ('ohne die Fahrerei bin ich kein 'richtiger' Mensch mehr!'). verstärkt sich bei vielen meiner Kollegen (. Gedanken und Gefühle eines Fernfahrers ausgewählt. und den Freuden und Befriedigungen andererseits.und Lebensbedingungen von Fernfahrern".und Lebensbedingungen. Ohne mich an der Diskreditierung der sogenannten "Barfuß"-Forschung durch objektivistische Methodologen beteiligen oder die engagierte Berichterstattung kritisieren zu wollen. ja Bedingung unserer extremen Ausbeutung durch die Güterverkehrsunternehmer.. die unzureichende soziale Absicherung des Fernfahrers als Hilfsarbeiter mit Führerschein. erhält und verstärkt dieses Spannungsverhältnis selbst das Interesse der Kollegen an ihrer Arbeit. weil ich sie in zweifacher Hinsicht für sehr aufschlußreich halte. Arbeits. Sie nutzen unsere enge Verbindung mit unserer Arbeit (die für uns eben nicht beliebig austauschbar ist!).

stritten und am wenigsten autorisiert erscheinen, möchte ich als ein Anzeichen für die vergleichsweise geringe symbolische Stärke der Fernfahrer werten, ihren Interessen publizistisches Gehör und wissenschaftliche Autorität zu verschaffen. Neben den Sozialreportagen über den Alltag von Fernfahrern sind auch in sozialwissenschaftlichen Studien zuweilen ausgiebige (auto)biographische Darstellungen (teilweise in Form von selbst aufgeschriebenen Wochen- und Tagebüchern) zu finden, und die Autoren können oftmals eigene Erfahrungen3 als Berufskraftfahrer im Güter(fern)verkehr vorweisen. Dieser ausgiebigen Präsentation (auto)biographischer Materialien in einem Ausmaß, wie dies für Berufe in der industriellen Produktion wohl kaum vorstellbar wäre, kommen dabei sicherlich die Besonderheiten entgegen, die gerade mit der Berufstätigkeit und dem Arbeitsprozeß von Fernfahrern verbunden sind. Einerseits ist die Erwerbstätigkeit im Straßengüterverkehr offenbar "jedermann" zugänglich, sofern die formalen gesetzlichen Voraussetzungen für das Führen eines Lastkraftwagens - ein Führerschein Klasse II für Lkw ab 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht - erfüllt sind. Andererseits gilt der Arbeitsprozeß von Berufskraftfahrern im Vergleich zu den meisten industriellen Arbeitsabläufen wegen der hochkontingenten Umwelteinflüsse als schwer disponierbar und weitgehend unbestimmt, d.h. von betrieblicher Seite aus in relativ geringem Maße "fremd" kontrollierbar und deshalb leichter zugänglich für eine teilnehmende (und teilnahmsvolle) Beobachtung der Arbeitstätigkeiten der Fahrer "auf Achse". Die mangelnde Transparenz und Vorhersehbarkeit des Transportablaufes im Detail macht besondere mentale Typisierungsleistungen erforderlich, um eine "ganz normale Arbeitswoche" - als dem zeitlichen Bezugspunkt der Fernfahrerarbeit - überhaupt in ihrem Ablauf beschreiben zu können.4 An diese subjektiven Generalisierungsleistungen der Fahrer sind alle Verallgemeinerungsversuche gebunden, die nicht auf die forschungsökonomisch kostenintensive Methode der teilnehmenden Beobachtung zurückgreifen wollen. Da ein sicheres Maß für die Normalität zu fehlen scheint, können Fernfahrer außerdem die Beschreibungen ihres Arbeitsalltags kaum in einer anderen Form erzeugen als über die Schilderung von Ereignissen und Beschreibung von Erlebnissen, die sie im Laufe des Tages oder einer Woche zu meistern hatten. Dies kommt den offenbar verbreiteten, narrativen Ambitionen vieler Fernfahrer entgegen und entspricht der Not3 Dies gilt zum Beispiel für Kampmeier (1978), Dusik (1981), Groth (1982), Bogedale (1983), Plänitz (1983), Bogedale und Kiegeland (1987), Schomers (1988) sowie in den USA für Ouellet (1987). Aufgrund der von Woche zu Woche wechselnden Arbeits(zeit)anforderungen ist es im Transportgewerbe üblich, die geleistete Arbeitszeit in sogenannten "Doppelwochen" zu kalkulieren. Die normale wöchentliche Arbeitszeit ist somit alles andere als fixierbar; sie ist das Resultat eines konstruierten Durchschnitts.

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wendigkeit, ihre Erlebnisse speichern zu müssen und erst bei passender Gelegenheit (z.B. in der Raststätte) - teilweise in Form dramatischer Selbstzeugnisse "ablegen" zu können. Zudem gehört die Tätigkeit eines Fernfahrers auch heute immer noch zu jenen Arbeiter-Berufen, zu denen (angehende) Akademiker oder Journalisten einen vergleichsweise leichten Zugang finden können - und sei es nur zu dem vorübergehenden Zweck, eine Reportage oder eine Forschungsarbeit zu schreiben - ohne das Mißtrauen von Vorgesetzten zu wecken oder erst jene Barrieren überwinden zu müssen, die das betriebliche Geschehen in der Produktion von der Außenwelt abschirmen. Zweitens erlaubt uns die "dichte" Selbstbeschreibung von Günther Plänitz einen lebendigen, sicherlich auch sehr subjektiv gefärbten Eindruck von der Arbeits- und Lebenswelt der Fahrer, die im gewerblichen Güterfernverkehr tätig sind. Was den Textauszug für einen Perspektivenwechsel in der Soziologie arbeits- und berufsbedingter Risiken interessant macht, ist, daß die herkömmliche arbeitswissenschaftliche Belastungsforschung mit der von Plänitz so eindringlich geschilderten, "am eigenen Leibe" erfahrenen "Zwiespältigkeit" und Ambivalenz5 im Verhältnis der Fahrer zu ihrer Arbeit, "wissenschaftlich" eigentlich recht wenig anzufangen weiß. Alltagssprachlich höchst bedeutsame Begriffe wie "Stolz" (auf eine Arbeitsleistung), "Freude" (am LKW-Fahren), "Neid" (gegenüber dem Verhältnis zur Arbeit) oder gar "Liebe" (zur Arbeit) sind arbeitswissenschaftlich immer noch weitgehend unbestimmt und deshalb für die wissenschaftliche Betrachtung der Arbeit letztlich unbedeutend. Das emotionale Verhältnis zu Arbeit und Beruf entzieht sich bislang einer Operationalisierung der an "objektiv" meßbaren Variablen orientierten Arbeitswissenschaft (vgl. Kap. 3).6 Obwohl die ambivalente Gefühlswelt der Arbeitskräfte in den gängigen arbeitswissenschaftlichen Designs bislang unberücksichtigt geblieben ist, scheinen

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Sigmund Freud hat den Begriff der "Ambivalenz" in seiner Triebtheorie verwendet, um einen psychischen Abwehrkonflikt zu beschreiben, bei dem die zugrundeliegenden Motivationen insofern miteinander unvereinbar sind, als sie auf der Beibehaltung eines Gegensatztypus beruhen, bei dem die Bejahung und Verneinung simultan und unauflösbar ist (Laplanche und Pontalis 1977, S. 55ff.): "Gleichzeitige Anwesenheit einander entgegengesetzter Strebungen, Haltungen und Gefühle, z.B. Liebe und Haß, in der Beziehung zu ein- und demselben Objekt" (ebd., S. 55). Eine Forscherinnengruppe um Regina BeckerSchmidt hat den Begriff der Ambivalenz aufgegriffen und ihn in die (sozial)psychologische Untersuchung der arbeits(zeit)bedingten Belastungen lohnarbeitender Mütter eingeführt (vgl. Becker-Schmidt et al. 1982, 1983). Wie unbefriedigend der arbeitswissenschaftliche Umgang mit menschlichen Empfindungen und gefühlten Befriedigungen ist, zeigen die hilflosen Versuche, Emotionen über eine Skalierung von "Arbeitszufriedenheit" zu operationalisieren und der Arbeitsanalyse in einer objektivierten Form als zu korrelierende "Variable" zugänglich zu machen (zur Kritik des Meßdilemmas der Arbeitszufriedenheitsforschung aus sozialpsychologischer Sicht vgl. z.B. Volmerg 1978, S. 151ff.).

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gerade Gefühle in der Bewertung von Arbeit und Beruf auf seiten der Fahrer eine gewichtige Rolle zu spielen, auch dort, wo es um den anstrengenden, das gesundheitliche Wohlbefinden belastenden Charakter ihrer Arbeitstätigkeit geht. Gewiß, Gefühle verweisen auf eine Sphäre des Ungenauen, des wissenschaftlich nur schwer zu kontrollierenden, sie deuten auf etwas Undeutliches, das objektivistischen Empirikern offenbar als zu schillernd erscheint, um jene scharfe Konturen zu erzeugen, die mit geeigneten analytisch-methodischen Instrumentarien nachgemessen werden können.7 Aber sind solche Gefühle, die sich wie Freude oder Leid, Lust oder Schmerz, Stolz oder Schmach im Verhältnis zur Arbeit herausbilden, nicht als ein eigener Beitrag zu verstehen, den die Fernfahrer zur gesellschaftlichen Reproduktion ihrer sozialen Arbeits- und Lebenswelt einschließlich der darin enthaltenen Gefährdungen und Risiken leisten, auch wenn den Sozialwissenschaften das nötige begriffliche Instrumentarium und die methodischen Verfahrensweisen noch weitgehend fehlen, diesen Spurenelementen des Sozialen auch wirklich systematisch nachspüren zu können? Es wäre ein wissenschaftlich wohl kaum zu vertretendes Argument, diese nur schwer objektivierbare, subjektive Seite der menschlichen Beziehung zur Arbeit nur deshalb weiter zu ignorieren, weil die gängigen heuristischen Werkzeuge für eine systematische Spurensuche weitgehend ungeeignet sind. Denn in diesem Fall müßten geeignetere Theorien, Methodologien und Methoden entwickelt werden, mit denen sich die "mißachteten" und verschwiegenen körpernahen Seiten arbeitsbedingter Belastungen zur Sprache bringen lassen. Eine nähere Untersuchung der Ambivalenzen der Transportarbeit ist offenbar notwendig, um den engen Untersuchungshorizont aufzureißen, in dem sich die herkömmliche Erforschung arbeits- und berufsbedingter Risiken legitimiert und (selbst)sicher bewegen kann (vgl. Kapitel 3). Was weiß die Wissenschaft überhaupt von den arbeits- und berufsbedingten Risiken der Fernfahrer - und: Was sollte sie unter Berücksichtigung der Selbst7 Ist ein empirisch versiertes Vorgehen, das den Beanspruchungscharakter der Arbeit durch Messung physiologischer Parameter zu beweisen sucht, nicht ebenfalls mit einem Stochern im Nebel vergleichbar, bei dem man mit dem Stab zwar auf harte Fakten stößt, aber dennoch unsicher bleibt, ob man das, was gesucht worden ist, auch wirklich gefunden hat? Würden arbeitswissenschaftliche Forschungsansätze die Einzigartigkeit, mit der die Individuen den gängigen theoretischen Vorstellungen nach gleiche Belastungen zu verschiedenartigen Beanspruchungen formen, tatsächlich ernst nehmen, wäre die behauptete physiologische Verkörperung von Belastungen, bei denen die Betroffenen z.B. Ermüdung oder Schmerzen empfinden, prinzipiell nicht weniger ungewiß als die Annahme einer beanspruchungsmindernden Wirkung von Stolz oder Freude. Stolz ist als Moment der Arbeitsentlastung als eine empirische Variable nicht weniger uneindeutig zu operationalisieren wie Schmerzen bei einer ärztlichen Diagnose, zumal dort, wo keine organischen Fehlleistungen zu entdecken sind.

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einschätzungen der Fahrer besser zur Kenntnis nehmen? Als Folge einer jahrzehntelang währenden Vernachlässigung des Transportsektors durch die Arbeitsund Sozialwissenschaften präsentiert sich der Forschungsstand zu den arbeitsund berufsbedingten Risiken im Straßengüterverkehr im Vergleich zum Produktionsbereich noch zu Beginn der achtziger Jahre als äußerst defizitär. Erst mit der Entdeckung der "Logistik" als dem vorerst wohl letzten großen Rationalisierungsfeld in den industriellen Kernsektoren ändert sich das schlagartig. Da dem weitgehend "mittelständisch" geprägten Transportgewerbe nur in geringem Maße zugetraut wird, die bestehenden logistischen Innovationshemmnisse aus eigener Kraft zu beheben, ist in der Bundesrepublik seit 1981 eine Belebung des Forschungs- und Gestaltungsfeldes von Arbeit, Technik und Organisation im Güterverkehrssystem zu verzeichnen.8 Die öffentliche Forschungsförderung reagiert damit offenbar auf eine deutliche Diskrepanz zwischen der Innovationsschwäche weiter Teile des Straßengütertransportgewerbes und den neuartigen logistischen Herausforderungen an den Transportsektor von seiten der verladenden Industrie (vgl. Kapitel 2.3), besonders was das tendenziell anwachsende Störungspotential logistisch vernetzter Transportketten betrifft. Zu den Höhepunkten einer nunmehr systematischeren Beschäftigung mit Humanisierungs- und Rationalisierungsdefiziten im Straßengütertransport kann zweifellos die Einrichtung eines eigenen Arbeitsschwerpunktes für die "Menschengerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen im Straßengüterverkehr" (Juni 1985) durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie gezählt werden. Durch das 1974 eingerichtete Programm "Forschung zur Humanisierung des Arbeitslebens" und das gegen Ende der achtziger Jahre nachfolgende Forschungs- und Entwicklungsprogramm "Arbeit und Technik" sind insgesamt über 30 Projekte im Bereich Umschlag, Fahrzeuggestaltung und Spedition gefördert worden (vgl. Ernst und Skarpelis 1992, S. 42; zur Evaluation der Forschungsförderung im Bereich Straßengüterverkehr vgl. INFAS o.J).9

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Als erste Forschungs- und Systematisierungsstudien wären hier vor allem zu nennen: die "Konzeptionsstudie zu Arbeitsbedingungen in Straßenverkehrsberufen" von Bartsch, Reiners und Schürmann (Dortmund 1981; Forschungsbericht Nr. 278 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz), die "Problemanalyse der Arbeitsbedingungen im Güternahverkehr" von Boll, Hansmann und Sauer im Auftrag des BMFT (1981) sowie die Fachtagung der Bundesanstalt für Straßenwesen und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung "Arbeitsplatz des Berufskraftfahrers" (1983). Neben dem "Programm Forschung zur Humanisierung des Arbeitslebens" sind in der Bundesrepublik seit Ende der achtziger Jahre vor allem durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und die Bundesanstalt für Straßenwesen sowie das Programm "Mensch und Technik - Sozialverträgliche Technikgestaltung" der NRW-Landesregierung entsprechende Forschungsvorhaben gefördert worden.

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Nach langen Jahren der Vernachlässigung der Arbeits- und Lebenswelt von Fernfahrern und Fernfahrerinnen in der Öffentlichkeit und durch die Arbeits-, Berufs- und Industriesoziologie, ist in den letzten Jqhren das "öffentliche" und wissenschaftliche Interesse an dem Arbeitsalltag von Berufskraftfahrern enorm gestiegen. Zahlreiche Zeitungsnotizen über die mangelhafte technische Sicherheit von Lastkraftwagen und die ungenügende Einhaltung der Arbeitsschutz- bzw. Sozialvorschriften, etliche Berichte und Dokumentationen in Rundfunk und Fernsehen belegen dies und verdeutlichen zugleich, wie wenig wir im Grunde genommen auch heute noch über die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Berufsgruppe wissen, die auf unseren Straßen und Autobahnen doch allgegenwärtig ist. Es scheint, als ob erst solche spektakulären Verkehrsunfälle wie der des Tanklastwagens in Herborn aus der Arbeit dieser Berufssparte ein Thema von verstärktem öffentlichen Interesse machten. Folgt man den einschlägigen Lehrbüchern über die Methoden empirischer Sozialforschung, so hängt die Qualität sozialwissenschaftlicher Erhebungen in nicht unerheblichem Maße davon ab, inwieweit eine ausgewählte Stichprobe für die in Frage stehende Grundgesamtheit als repräsentativ gelten kann. Da ein wesentlicher Teil der elaborierteren statistischen Verfahrensweisen darauf beruht, zwischen Stichprobe und Gesamtheit vergleichen zu können, müßte es in einem strengem Sinne eigentlich als höchst unzulässig erscheinen, quantitative Methoden ohne Kenntnis der entsprechenden Grundgesamtheit einzusetzen. Unterschiede in der Leistung, Repräsentativität methodisch herzustellen, sind dann auch häufig die entscheidenden Kritikpunkte gewesen, mit denen die quantitativen Methoden gegenüber den qualitativ ausgerichteten Verfahrensweisen aufgewertet worden sind.
"Die Festlegung der Grundgesamtheit der hauptberuflichen Fahrer des Güterfern- und nahverkehrs erweist sich sowohl in ihrer Abgrenzung als auch Differenzierung als schwierig. (...) So liegen reichlich Basisdaten der Wirtschafts- und Verkehrsstatistik, aber nur ungenügende bzw. keine Informationen der Arbeits- und Sozialstatistik vor. Es werden Fahrzeuge, nicht aber Fahrer gezählt. (...) Die nachfolgende Darstellung (...) der Zahl der Fahrer sowie weiterer tätigkeitsbezogener Indikatoren im Güterverkehr hat nur vorläufigen Charakter und versteht sich als grobe Charakterisierung der differenzierten Tätigkeitsprofile" (Schäfer und Steininger 1989, S. 21f. und 29).

Umso erstaunlicher erscheint deshalb die hier zitierte, recht lapidare Feststellung, mit der ein Forschungsteam die Schwierigkeiten benennt, seinen Forschungsgegenstand sozialstatistisch präzise auf eine diskrete Grundgesamtheit einzugrenzen. Auch mit Blick auf das vielbeschworene Orwellsche Jahrzehnt mag die fehlende Exaktheit in der sozialstatistischen Bestimmung einer Berufskategorie überraschen. Die ungenügende Quellensituation und Datenlage, die die empirische Sozialforschung im Bereich des Straßengüterverkehrs auf grobe Schätzungen verweist,
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ist dabei zum Teil sicherlich auf die "komplexe Heterogenität des Forschungsgegenstandes" selbst zurückzuführen - so jedenfalls die zunächst einleuchtende Erklärung von Schäfer und Steininger (ebd., S. 22). Allerdings scheint mir in dem undeutlichen Bild, das sich die Berufs- und Sozialstatistik von den Arbeits- und Lebensbedingungen der Kraftfahrzeugführer(innen) im Straßengüterverkehr macht, mehr enthalten zu sein als eine Kapitulation der amtlichen Statistik vor der Vielgestaltigkeit einer Berufsgruppe. Offensichtlich ist es bislang aus wirtschaftlichen, arbeits- und sozialpolitischen Gründen noch nicht nötig gewesen, die Anzahl und berufliche Gestalt der Fahrer präziser zu bestimmen, wohingegen die genaue Zahl der LKW und der vergebenen Konzessionen seit langem eine zentrale Rolle in der staatlichen Regulierung des Straßengütertransportes spielt. Ich möchte diese mangelnde Präzision in der berufs- und sozialstatistischen Erfassung der "Kraftfahrzeugführer" als einen ersten Hinweis dafür werten, daß es den LKW-Fahrern offensichtlich bislang nicht gelungen ist, ihrer beruflichen Betätigung ein derart eindeutiges, gesellschaftlich anerkanntes Profil zu verleihen, das eine statistische Erfassung der wesentlichen Merkmale ihrer Berufsgestalt erleichtert hätte.
"Der überwiegende Teil der Fahrer ist im Werknahverkehr eingesetzt (71 Prozent). Die zweitgrößte Gruppe fährt im gewerblichen Güternahverkehr (14 Prozent). Damit sind 85 Prozent der Fahrer im Nahverkehr beschäftigt. Der Anteil der Fernfahrer ist entsprechend geringer, wobei im Werkfernverkehr 11 Prozent und im gewerblichen Güterfernverkehr etwa 5 Prozent der Fahrer tätig sind. Die Gesamtzahl beträgt etwa 1,3 Millionen Fahrer. Allerdings ist in diesem Zusammenhang zu betonen, daß den Berechnungen mangels neuerer Branchenanalysen im Hinblick auf die Fahrzeugbesatzung Schätzwerte aus den 70er Jahren zugrundegelegt werden mußten, die vermutlich nach unten zu korrigieren sind. Deshalb dürfte die tatsächliche Fahrerzahl 10 bis 20 Prozent niedriger liegen. Grob geschätzt kann man also in der Bundesrepublik Deutschland von 1,0 bis 1,2 Millionen Fahrern im Straßengüterverkehr ausgehen" (Schäfer und Steininger 1989, S. 29).

Den Schwierigkeiten der amtlichen Berufsstatistik bei der präzisen Abgrenzung und Zählung derer, die in der Bundesrepublik einen überwiegenden Teil der Gütertransportarbeit leisten, entspricht auf der symbolischen Ebene das bemerkenswerte Problem mit der einheitlichen und für alle beteiligten Akteure verbindlichen Definition der Berufsbezeichnung: "Fernfahrer", "Berufskraftfahrer" oder "Kraftfahrzeugführer" im gewerblichen Güterfernverkehr oder im Werkfernverkehr, "Lastkraftwagen-Fahrer", "Trucker" oder "Kapitäne der Landstraße" sind einige der über vierzig zum Teil amtlichen Bezeichnungen, mit denen die Fahrer im alltäglichen wie im offiziellen Sprachgebrauch benannt werden (vgl. Florian 1994). Es wäre nun äußerst kurzsichtig, die Schwierigkeiten der offiziellen Berufsstatistik und die Beliebigkeit im Umgang mit der Benennung von Berufskraftfahrern einfach als rein zufällig hinzunehmen. So unbeholfen oder unschuldig auch der Umgang mit manchen Berufsbezeichnungen erscheinen mag, dahinter ver33

Wenn wissenschaftliche Analysen nicht den symbolischen Strategien zur sozialen Ordnung der beruflichen Welt auf den Leim gehen wollen. dürfen sie sich mit diffusen Einteilungen und Zuordnungen nicht zufriedengeben. offiziell anerkannte und auch weithin bekannte Eingrenzung und Benennung ihrer besonderen arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten. Andererseits erscheint die Sammelkategorie "Berufskraftfahrer" aber gerade durch ihre Universalität in besonderer Weise dazu geeignet. den undeutlichen Arbeits. Wie die Berufssoziologie gezeigt hat.und Lebenswelt von Fernfahrern gewonnen werden kann (Kapitel 2.1). das die Auseinandersetzungen sozialer Gruppen um die Aneignung oder Verteidigung bestimmter Kompetenz.2). 213f. Kapitel 5. Kenntnisse und Fertigkeiten gesellschaftlich durchzusetzen. ist die Zusammensetzung und Abgrenzung des für einen bestimmten "Beruf" jeweils typischen Spezialgebietes als das Resultat sozialer Definitionen und Entscheidungen zu begreifen. die Konturen der Heterogenität unter den LKW-Fahrern zu verwischen und dadurch zu einer symbolischen wie sozialen Anziehung und Bindung der Vielfalt beizutragen (vgl.im Anschluß an eine Studie von Schäfer und Steininger (1989) zu Krankheiten und Berufsverläufen von Kraftfahrzeugführern im Straßengüterverkehr . der nicht-stationäre Charakter der Transportarbeit ebenso wie das Berufsbild der Fahrer.und berufsbedingten Risiken von Fernfahrern. Brater und Beck 1983. Auch wenn beide Merkmale. S. 34 . ist daher als ein wichtiges Indiz für eine schwache Verberuflichung der Kraftfahrer (besonders im Güterverkehr) zu werten. eine legitime. 211. bevor ein vertiefender Einblick in die Gefahren und Risiken der Arbeits.birgt sich eine fehlende oder eine zu geringe symbolische Kraft der Angehörigen dieses Berufes (samt der sie berufspolitisch vertretenden Verbände).und Einkommenschancen zum Ausdruck bringt (vgl. Die mangelnde begriffliche Eingrenzung der hauptberuflich tätigen LKW-Fahrer. Bei aller Undeutlichkeit und Vielfalt des Bildes. das sich die Wissenschaft auf dem gegenwärtigen Stand der Forschung von den Fernfahrern macht. In einem ersten Schritt soll im folgenden versucht werden. bilden sie unterschiedliche Ausgangspunkte für eine detailliertere Analyse der arbeits. die als ein gemeinsames Kennzeichen aller Berufskraftfahrer identifizierbar sind: der "mobile Arbeitsplatz" (Schäfer/Steininger) und die unzureichende Verberuflichung. weist die Arbeitstätigkeit im Straßengüterferntransport zwei entscheidende Merkmale auf. Prestige.und Qualifikationselemente mit entsprechend günstigen oder ungünstigen Markt-.und Berufsrisiken der Fernfahrer . noch sehr allgemein gehaltene Kennzeichen sind. Im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Risikoanalyse und den Selbsteinschätzungen des Risikogehaltes der Transportarbeit durch die Fahrer muß zunächst der Risikobegriff selbst präzisiert werden. und 215). Macht-.schärfere Konturen zu verleihen. die nur durch das nichtssagende Präfix "Beruf" überhaupt einen nominellen Facharbeiterstatus aufweisen.

In Zeiten. eines Scheinwerfers. sie fungieren gewissermaßen in der "Rolle eines Wegweisers zur Wirklichkeit. S. der den besonderen Teil der Wirklichkeit anleuchtet. "Für uns liegt das Besondere des Risikos darin. In der sprachtheoretischen Tradition wird wissenschaftlichen Begriffen im Anschluß an Ludwig Wittgenstein eine realitätsaufdeckende Aufgabe zugeschrieben.eher den Charakter einer "Hilfsarbeit mit Führerschein" trägt (Kapitel 2. Unter Einbeziehung berufssoziologischen Materials werden deshalb in einem zweiten Schritt die Schwierigkeiten der Verberuflichung von LKWFahrern verdeutlicht.und berufsbedingten Risiken fast "alteuropäische" Züge. muß man bekanntlich wissen. und deren Arbeitstätigkeit deshalb . das "neuartige Risiken" im öffentlichen Diskurs erregen. 2. die sich offenbar auch heute noch den traditionalen Wahrnehmungsmustern von "Klasse" und "Stand" zuordnen lassen. 35 . auf welche erfahrbaren Tatbestände sich die Verwendung des Risikobegriffs beziehen soll. auf den er in seiner Bedeutung gerichtet wurde" (Heinz Hartmann 1970. hat weniger spektakuläre Gefährdungsformen als nachrangig erscheinen lassen.Neben der Mobilität des Arbeitsplatzes bieten die prekären Berufsverläufe vieler Fahrer Anhaltspunkte. 72). abgrenzbar und letztlich abwägbar" (Evers und Novotny 1987. S. Dies gilt besonders für jene Gefährdungen. denen trotz formaler Anerkennung als "Berufskraftfahrer" wesentliche berufliche Schutzfunktionen fehlen. Je nachdem. was überhaupt zu klassifizieren ist. gewinnt die Beschäftigung mit arbeits. was wir jeweils unter Gefahr und Risiko begreifen wollen. die nicht so recht in das postmoderne Bild einer (nach)industriellen "Risikogesellschaft" passen wollen.2). offenbart sich uns ein anderer Ausschnitt aus der vielfältigen. die mit Ungewißheit und möglichen Schäden verknüpft sein können . daß es durch gesellschaftliche Diskurse thematisiert und benennbar wurde. um die enorme Heterogenität des Risikoprofils zu begrenzen. Deshalb ist zunächst zu klären. 34).vom beruflichen Status her .also aus dem Schattenbereich der Gefahr -. wo die ausufernde Verwendung des Risikobegriffs schon beinahe zum Markenzeichen soziologischer Sensibilität gerät. schier unerschöpflichen Wirklichkeit arbeitsbedingter Gefahrenpotentiale.1 Das Risikoprofil eines mobilen Arbeitsplatzes: Vorschläge für eine Typologisierung unscharfer Risikokonturen Um einen Typus überhaupt konstruieren und auszählen zu können. daß es aus der unbegrenzten Fülle von Handlungen. herausgeholt wurde. Das Aufsehen.

Evers und Novotny 1987. Beck 1986 und 1989) und ein gesellschaftlicher Konsens notwendig wird. durch das ein Abbau arbeitsbedingter Gesundheitsrisiken und eine präventive Gestaltung von Arbeit und Technik zur Vermeidung arbeitsbedingter Gesundheitsrisiken gefördert werden soll. mit der wissenschaftliches Wissen sich in öffentlichen Diskursen Geltung zu verschaffen versteht . S. 29). Mit dem programmatischen Anspruch soll allerdings noch nichts über den Stand der praktischen Umsetzung der Präventionskonzepte ausgesagt werden.). Vilmar und Kißler 1982. In der sozialwissenschaftlichen Risikoforschung scheint sich in jüngster Zeit bei allen Unterschieden im Detail ein weitreichender Konsens darüber abzuzeichnen. der Arbeitspsychologie und Arbeitspädagogik selbstverständlich auch die Arbeitsoziologie als arbeitswissenschaftlichen Teilbereich mit ein (vgl. 1973) sowie das erweiterte Innovations. Der Bedarf nach mehr "Selbstreflexion" wiegt umso schwerer. als die symbolische Macht meist verkannt wird. z. Stirn 1980.und Entwicklungsprogramm "Arbeit und Technik". S. in dessen Verlauf Unsicherheiten als Gefahren definiert und Gefahren durch ihre Thematisierung und Eingrenzung und damit auch potentielle Berechenbarkeit zu "Risiken" erklärt werden. wie der Unterschied zwischen Gefahren und Risiken zu begreifen ist.nunmehr logisch untergeordnet weitaus enger definiert wird (vgl. während die "Industriesoziologie" .B. selektiver Prozeß zu begreifen ist (vgl. Douglas und Wildavsky 1982.und Unfallschutzes zu revidieren. 10 Als Anzeichen für eine programmatische Erweiterung des Arbeits.. 52ff. der Arbeitstechnologie bzw. den Tendenzwandel in der Unfallforschung mit der "Akzentverschiebung von der Unfallverhütung zur Verbesserung der Sicherheit" (Hoyos 1980. S. z. S. den Arbeitsingenieurwissenschaften. die erweiterte Aufgabenbestimmung im Arbeitsschutz (vgl. S.sofern sie sich mit (industrieller) Arbeit beschäftigt . Stollberg 1978.Nachdem der Präventionsgedanke10 seit Beginn der siebziger Jahre in Fragen der Arbeitssicherheit zumindest programmatisch stark an Bedeutung gewonnen hat. um aus dem fast unbegrenzten Spektrum an potentiellen Gefahren eine begrenzte Anzahl auszuwählen und zu einem legitimen Gegenstand politischer Behandlung zu machen.B. Hagenkötter et al. Innerhalb der Soziologie zeichnet sich in den letzten Jahren eine disziplinäre Unterscheidung ab. sind die Arbeitswissenschaften11 gefordert. Sofern die gesellschaftliche und individuelle Wahrnehmung von Gefahren als ein kulturell und sozial strukturierter. so schließt das neben der Arbeitsphysiologie und Arbeitsmedizin. Hackstein 1977.1. Bd.und Arbeitsschutzverständnis im Forschungs. S. dann wird die Expertise "gesicherter arbeitsmedizinischer und sicherheitstechnischer Erkenntnisse" (ASiG) selbst zu einem Bestandteil jenes gesellschaftlichen Prozesses. Wenn hier von "Arbeitswissenschaft" die Rede ist.jedenfalls sobald die sakrale Autorität wissenschaftlicher Vernunft sich mit der profanen Rationalität politischer Interessen vereinbaren läßt.und Gesundheitsschutzes in der Bundesrepublik werte ich beispielsweise die Verabschiedung des Arbeitssicherheitsgesetzes von 1973 (ASiG). 16). 19ff. die der "Arbeitssoziologie" den Status eines Oberbegriffes zuweist. 14. 27. 11 36 . ihre klassische Risikokonzepte und ihr traditionelles Verständnis des Arbeits.

12 Von Gefahren ist man gewissermaßen von außen "schicksalhaft" betroffen. verweist bereits die ursprüngliche. d.). S. 595). und Gefahren werden mittels selektiver sozialer Thematisierung zu eingegrenzten.unter Ausblendung der Nutzenserwartungen. Weber 1968. Die spätere Einengung des Risikobegriffes auf die Erwartung schädlicher Folgen führte zu einer Ausblendung der grundsätzlichen Wertgeladenheit von Risiken. d.Jahrhundert als kaufmännischer Terminus benutzt (vgl. 38) . S. während Risiken bewußt eingegangen werden und deshalb ein zurechenbares Wagnis darstellen. S. in dem "Risiko" als "Produkt aus Schadenswahrscheinlichkeit und dem im Mittel zu erwartenden Schaden in Geldwerten. zwischen Chancen und Gefahren. S. z. die technisch-ökonomische Vorteile. Ausgleichs. Bonß 1991. Niklas Luhmann (1990. bei Luhmann als ein Ereignis der äußeren "Umwelt"). Auf der Grundlage eingespielter professioneller und sozialer Praktiken werden unspezifische Unsicherheiten als konkrete "Gefahren" interpretiert. zunächst von Kaufleuten verwendete ökonomisch orientierte Fassung des Risiko-Begriffs. Leben oder operativen Einheiten" definiert wird (vgl. 264ff. potentiell kalkulierbaren "Risiken" erklärt (vgl. S. 12 Für ein auf Handlungsintentionen ausgerichtetes Risikoverständnis vgl. im folgenden auch Florian 1991). Beck 1989. die immer an eine Abwägung zwischen potentiellen Schäden und Nutzen. die von den beteiligten Akteuren eine Abwägung zwischen spezifischen Nutzen.13 Im Anschluß an Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung hat sich ein ingenieur. Evers und Novotny 1987). 148ff. Anders als naturbedingte Katastrophen und Gefahrenpotentiale beruhen industrielle "Risiken" auf "Entscheidungen. über den Sinn der "Wertfreiheit"). Ulrich Beck (1989) und Wolfgang Bonß (1991. an faktisch nicht wissenschaftlich objektivierbare Entscheidungen zwischen konfligierenden Werten gebunden sind (vgl. während "Risiken" im entscheidungsgeladenen Kontext von "Handlungsabsichten" oder "Selbstzurechnungen" entstehen.). wodurch sie überhaupt erst politischen Anerkennungs-. Duden "Etymologie" 1989. für das man gegebenenfalls als Akteur zur Verantwortung gezogen werden kann (vgl.h.B. ohne die das bewußte Eingehen eines (ökonomischen) Wagnisses oder Abenteuers höchst töricht erscheinen muß. S.B. für einen attributionstheoretischen Risikobegriff vgl. Hoyos 1980. In seiner Bedeutung als "Wagnis" oder "Gefahr" wird der Risikobegriff seit dem 16. S. 489ff. 13 37 ."Gefahren" existieren danach unabhängig von den Handelnden (z.h. eine Nutzenerwartung also. 264f. S. verlangt.).und naturwissenschaftliches Verständnis herausgebildet. die das Wagnis eines Risikos eigentlich erst sinnvoll und abwägenswert erscheinen lassen (vgl.und Vermeidungsregeln zugeführt werden können (vgl. Auf diese Entscheidungsgeladenheit industrieller Risiken.und Schadenserwartungen. 4). Chancen vor Augen haben und Gefahren nur als Schattenseite des Fortschritts in Kauf nehmen" (Beck 1989. um neben dem drohenden Schaden vor allem die Aussicht auf einen gewinnbringenden Erfolg ins Blickfeld zu rücken. 3).

Kuhlmann 1981. 58) geraten "Versuche einer Gegenüberstellung von Gefahren einerseits und ihrer Wahrnehmung durch die Beschäftigten andererseits in ein theoretisches Dilemma.h. muß das energetische Gefahrenmodell grundlegend erweitert werden. der Zeit. Nohl 1989. Gegenstand) verstanden. losgelöst von deren Wahrnehmung und Erkenntnis. der bei einem Unfall infolge des Zusammentreffens mit Menschen oder Sachgütern zu einer Schädigung führt. 38. die Möglichkeit eines Zusammentreffens zwischen gefährdeten Menschen und gefährlichen Objekten unabhängig von den beteiligten Menschen zu bestimmen. die selbst aktiv auf das Gefährdungsgeschehen einwirken . Nohl 1989. Langfristig schädigende Bedingungen (z.B. Ich halte einen akteursorientierten Blickwinkel auf das Gefährdungsgeschehen für angemessener. Ist es aber wirklich sinnvoll. S. Von der Verhaltenspsychologie wird das Gefährdungsgeschehen in Anlehnung an das behavioristische Stimulus-Response-Schema behandelt: Eine gefährliche Energie wird hierbei als eine vom Menschen unabhängige Stimulus. 6 und Ruppert et al. 4). werden durch die energiebezogene Beschreibung von Gefahren jedoch nicht erfaßt (vgl. daß 38 . Sollen aber aus der Perspektive eines erweiterten. die aus der spezifischen Gestaltung der Arbeitsaufgaben resultieren. werden Gefahren damit in herkömmlichen Unfalltheorien als Möglichkeit eines kurzfristigen Energietransfers begriffen. 9. 38). Dies gilt umso mehr. Unter Gefährdung wird in der klassischen Definition ein räumliches und zeitliches "Zusammentreffen" ("Koinzidenz") von Gefahr und Mensch (bzw. Schneider 1977. Hervorhebungen durch M. die nach der recht globalen Gefahrendefinition der Sicherheitswissenschaft ebenfalls als "Gefahren" zu betrachten sind. S. schädigende Energien" definiert (Hoyos 1980. S. statt davon auszugehen. Als eine unabhängige Variable gedacht.auch im Sinne einer "Selbstgefährdung".und Gesundheitsschutzes auch jene Gefährdungsfaktoren berücksichtigt werden. Termindruck sowie Anforderungen. unabhängig vom Handelnden vorhandene Möglichkeiten für das Entstehen von Personen. die das Leben und die Gesundheit der Beschäftigten langfristig schädigen können. S. sondern als sozial handelnde Subjekte begreift.oder Reizvariable unvermittelt den durch sie gefährdeten Opfern gegenübergestellt. bei denen Energien plötzlich und unerwartet frei werden (vgl. 9). als "organisatorische Bedingungen der Arbeitstätigkeit" (vgl. Pausen). präventiven Arbeits.und Sicherheitsforschung werden Gefahren als "potentielle. d.F. Als Möglichkeit verweist die Gefährdung auf eine gewisse Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Energietransfers. Überstunden.oder Sachschäden durch freiwerdende. S. der die beteiligten Menschen nicht nur als passive Opfer. Auch von den verhaltenspsychologischen Ansätzen in der Unfall.).Die traditionelle. 3). auch wenn sie nicht unmittelbar mit Energien behaftet sind. Hoyos 1980. Bewertung und Bewältigung von Gefahren? Aus der Sicht von Ruppert. der sich in dem "Wirkungsbereich" schädlicher Energien befindet (vgl. die zunächst unabhängig von Wahrnehmungen.oder Reaktionsvariable fungieren . Hirsch und Waldherr 1985. S.) ebensowenig durch energetische Prozesse befriedigend beschreibbar sind wie etwa die mentalen Anforderungen aus der Verarbeitung von arbeitsbezogenen Informationen. ingenieur. Nohl 1989. S.bzw. deren organische Schäden als eine abhängige Response. 1985. Hirsch und Waldherr (1985. 6). arbeitsbedingte Beanspruchungen). da die Gefährdungen oft gar nicht unabhängig von den Beschäftigten erfaßbar sind". Einschätzungen und Entscheidungen der beteiligten Personen besteht (vgl. Ruppert. 103ff. S. als beispielsweise das betriebliche Arbeitszeitreglement (Nachtarbeit.als Ergebnis einer linearen Ursache-Wirkungs-Beziehung. im allgemeinen verursacht durch Vorgänge.und naturwissenschaftlich orientierte Risikoforschung verbindet mit dem Gefahrenbegriff die "Möglichkeit einer Schädigung von Mensch oder Sachgut" (Kuhlmann 1981. S. S.

S. in denen menschliche Wahrnehmungsleistungen und Wissensbestände praktisch so gut wie keine Rolle spielen. Danach wäre alles als ein Risiko zu begreifen.sie lediglich passiv einem sie schädigenden Energietransfer ausgeliefert sind (vgl. 15 39 .und Gesundheitsschutzes verbunden sind (vgl. geistiges und soziales Wohlbefinden verstanden wird.). Für die Arbeitspsychologie hat Winfried Hacker (1986.und gesundheitspolitischen Grundsätze zurückfallen. daß es Gefährdungsabläufe gibt. 313ff. sondern als vollständiges körperliches. Beeinträchtigungsfreiheit (Zumutbarkeit) und Persönlichkeitsförderlichkeit enthält (vgl. psychophysischer und biomechanischer "Grenzwerte") und der Erträglichkeit einer Arbeitsaufgabe (im Sinne ihrer langfristigen Schädigungsfreiheit bzw. bei dem die Menschen sich aktiv an der Beseitigung gesundheitlich beeinträchtigender Bedingungen beteiligen und an der Gestaltung persönlichkeitsförderlicher Bedin14 Selbstverständlich kann nicht geleugnet werden. die in der Bundesrepublik seit Mitte der achtziger Jahre mit einem präventiven Verständnis des Arbeits. Das Vier-Ebenen-Schema. Oehlke 1990 zur Präventionsorientierung im Programm "Arbeit und Technik" des BMFT). z. Rohmert zurückgeht. daß Gefährdungen nur über die subjektive Bedeutungsverleihung oder soziale Sinnzuschreibung schädigend wirken können. ergonomischen Beurteilungsstandards der "Ausführbarkeit" und "Erträglichkeit" (bzw. was in seinen Auswirkungen in irgendeiner Weise die menschliche Gesundheit zu beeinträchtigen droht. 332f. Gesundheit wird hier nicht mehr als ein Zustand betrachtet. 511) ebenfalls ein vierstufiges Bewertungssystem vorgeschlagen. die Behandlung von Menschen als mechanische oder informationsverarbeitende Maschinen zu rechtfertigen. kritisch dazu Marstedt und Mergner 1986. Marstedt und Mergner 1986.14 Will die Arbeitswissenschaft nicht hinter die sozial. ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben zu führen. einer physiologischen "Dauerleistungsgrenze") sowie den sozialwissenschaftlichen Maßstäben der Zumutbarkeit und Zufriedenheit (vgl. das auf W. unterscheidet zwischen den beiden ergonomischen Beurteilungskriterien der Ausführbarkeit (aufgrund anthropometrischer. sondern als ein Prozeß. Ebensowenig soll hier die Überzeugung vertreten werden. Ein Perspektivenwechsel im Arbeits. zumal die Bewältigung von Gefährdungen eine Erweiterung von Wissen und die Verbesserung der Gefahrenwahrnehmung einschließt. S. "Schädigungslosigkeit") menschlicher Arbeit vorgesehen wird. die nach der weit gesteckten Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht nur als Abwesenheit von Krankheit. Solche Ausnahmeerscheinungen sind aber nicht geeignet. S. dazu Kapitel 3 am Beispiel der Belastungsforschung). muß der Risikobegriff relativ weit gefaßt werden. in dem der Mensch vor Gefährdungen lediglich abgeschirmt wird.B. auch wenn die angstbesetzte Wahrnehmung von Gefahren selbst als psychosomatischer Risikofaktor fungieren kann. das die Kriterien Ausführbarkeit.).und Gesundheitsschutz beinhaltet nach diesem Kriterium weit mehr als dies von den herkömmlichen. und zwar auf die Befähigung und Bereitschaft. Schädigungslosigkeit.15 In der Psychologie hat sich neben anderen auch Winfried Hacker (1991) für eine Erweiterung des Gesundheitsbegriffs eingesetzt.

B.16 Auffällig ist in diesem Zusammenhang die ausgeprägte Unschärfe des Bildes. So wichtig die optimistischen Ansprüche einer weit gefaßten Gesundheitskonzeption auch sind. Erke (1989). von Berufskrankheiten und von sonstigen mit dem Arbeitsprozeß in Beziehung stehenden Erkrankungen. Die soziale Entstehung gesellschaftlicher Zumutbarkeitsgrenzen läßt sich mit einem normativistischen Verständnis des Zumutbaren allein nicht angemessen nachvollziehen. psychischer Sättigung oder Streßerleben" sowie drittens auf einen Beitrag zur "Stabilisierung bzw. Lefebvre (1989). Germain (1989).und Gesundheitsschutz zielt erstens "auf das Vermeiden von Unfällen. auch Kapitel 5). 48f. Bogedale und Kiegeland (1989).). Stewart (1978). Belastungen und Beanspruchungen von Berufskraftfahrern bislang nur wenig systematische Untersuchungen (Hentschel 1983. 48). die aber wegen der Vielseitigkeit oder Unklarheit ihrer Verursachung nicht als Berufskrankheiten anerkannt sind". Runcie (1971). S. Ouwerkerk (1989) und für die USA die Arbeiten von Latta (1968).gungen mitwirken (Hacker 1991.und Fernverkehr vermittelt nur einen groben Einblick in die "äußerst stark ausgeprägte Heterogenität des Tätigkeitsspektrums der Fahrer". auch Marstedt und Mergner 1986.und berufsstatistischen Daten und der enormen Unterschiede in den Arbeitsbedingungen der Lastkraftwagenfahrer von ihren Arbeitsund Berufsrisiken machen können. Ein so verstandener Arbeits. vgl. meines Wissens aber bis heute noch ausführlichste und systematischste Untersuchung der Krankheiten und Berufsverläufe von Kraftfahrzeugführern im Straßengüterverkehr durch Schäfer und Steininger (1989) sowie die Studie über "Tätigkeitsbezogene Anforderungen und Belastungen bei Berufskraftfahrern und ihre Beziehungen zur Risikobereitschaft und Straßenverkehrssicherheit" von Frieling. Monotonie-Erleben. wie unzumutbaren Ermüdungsgraden. S. zweitens auf die Verringerung von "psychophysischen Befindensbeeinträchtigungen. "daß sich die einzelnen Fahrergruppen auch im Hinblick auf das arbeitsbedingte 16 In der Bundesrepublik z. Bei allem arbeitswissenschaftlichen Interesse an den Grenzen der psychophysischen Leistungsfähigkeit sind die subtilen psychosozialen Bedingungen der Leistungswilligkeit weitgehend vernachlässigt worden. vgl. Selbst die naheliegende Einteilung in Werkverkehr und gewerblichen Güterverkehr sowie die Untergliederung in Nah.B. S. Von einzelnen Ausnahmen abgesehen gibt es über die Berufsverläufe. Wyckoff und Maister (1975). der Schlüssel zu einer "menschengerechten" Gestaltung der Arbeit liegt doch offenbar in dem. 13).. Hamelin (1989). Kapitel 4). 40 . was gesellschaftlich und berufsgruppenbezogen jeweils als "zumutbar" gilt (vgl. das wir uns aufgrund der nur mangelhaften sozial. Förderung von Gesundheit durch den Arbeitsprozeß" (ebd. die als "Vorstudie" deklarierte. die Studien von McDonald (1984.. Blake (1973).und Leistungsmotivation ausgeklammert bleibt oder allein auf die Wirkung sozialer Kontrolle reduziert wird (vgl. Wyckoff (1979) sowie Ouellet (1987). sofern die soziale Genese der Arbeits. S. was den Schluß nahelegt. 1989). 342ff. für Europa z.

Krankheitsgeschehen im Berufsverlauf unterscheiden dürften" (Schäfer und Steininger 1989.B.). daß die hauptberuflichen Kraftfahrzeugführer im Straßengüterverkehr aufgrund des typischen Anforderungscharakters ihrer Arbeit mit erheblichen gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten konfrontiert sind. was in der Mehrzahl der Fälle zu einer verfrühten Tätigkeitsaufgabe führt. Einatmen gefährlicher Dämpfe).B.B. Überstunden.und Berufsrisiken reduziert werden. aus denen möglicherweise gesundheitliche Beschwerden oder arbeitsbedingte Erkrankungen entstehen können (vgl. Schichtarbeit.und Belastungsprofile sind signifikante Abweichungen zwischen den einzelnen Fahrergruppen erkennbar (ebd. # Die betriebsbedingten Risiken.). 3) von der These ausgegangen. aber auch aus der betrieblichen Personalselektion (z. Überwachung oder Durchführung von Be. 41 . S. sind bislang noch zu wenig beachtet worden.B. Die Arbeitsund Berufsrisiken von Fernfahrern lassen sich vereinfacht drei Arten von Risiken zuordnen. Wochenend. S. vorzeitiger Berufsausstieg oder Frühinvalidität). die vor allem aus der betrieblichen Leistungsorganisation (z. Belastungen durch Zusatzaufgaben (z. 8f.und Berufsmobilität resultieren (gesundheitsbedingte berufliche Brüche. # An der Schnittstelle zwischen betrieblichen Leistungsanforderungen und der Lebenssphäre sind außerbetriebliche Risiken zu lokalisieren (z. des Personaleinsatzes (z.B.B.): # Mit dem "mobilen Arbeitsplatz" Lastkraftwagen sind eine Reihe von arbeitsbedingten Risiken verbunden: Arbeits. S. kulturellen und politischen Leben). hohe Umgebungsbelastungen (z. 2f. ungünstig gelegene Arbeitszeiten (z. Vibration.B. muß die große Heterogenität in den Arbeits(zeit)bedingungen der Fahrer deshalb mittels Typologisierung ihrer Arbeits.und Nachtarbeit). bei fehlerhafter Disposition).B. Abgase oder Klima). zu hohe Belastungen durch die eigentliche Fahrtätigkeit (z. Schäfer/Steininger 1989. Erscheinungen von Monotonie). ergonomisch ungünstig gestaltete Fahrzeugkabinen oder Verladeeinrichtungen sowie gefährliche Güter (z.B. bei fehlenden Kriterien anforderungsgerechter Personalauswahl). Ermüdungserscheinungen aufgrund von Dauerkonzentration. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Tätigkeits. Lärm.und Entladetätigkeiten). In einer Untersuchung über "Krankheiten und Berufsverläufe von Kraftfahrzeugführern im Straßengüterverkehr" sind Thomas Schäfer und Siegfried Steininger (1989. Da bislang nur wenig gesichertes statistisches Material speziell über die Berufsgruppe der Fernfahrer verfügbar ist. zu lange bzw. Beeinträchtigungen der privaten Lebenssphäre oder Einschränkungen der Teilnahme am sozialen. die aus einer erhöhten Arbeits. Hierzu würde ich auch riskante Berufsverläufe rechnen.und Verkehrsunfälle. bei qualifikatorischer Überoder Unterforderung) oder aus einem schlechten Betriebsklima resultieren.

"sind die Arbeitsbelastungen als zentraler Faktor für die Erklärung von gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankungen der Fahrer einzustufen" (S. 109). -verarbeitung und -umsetzung resultieren. 17): "Anforderungen. die Zusammenstellung der Belastungskomponenten von LKW-Fahrern im Güterfernverkehr bei Cakir/Reimann.T. z. Um so weniger ist über die Belastungsstruktur aufgrund zusätzlicher Aufgaben bekannt. Selbst die einschlägigen Untersuchungen über die Arbeitsbelastungen ausgewählter Fahrergruppen (z. Zugmaschinen. Omnibusführer. S. ist eine genauere Kenntnis der für die unterschiedlichen Fahrergruppen relevanten Belastungskonstellationen unumgänglich. Fernfahrer im gewerblichen Güterverkehr) können der äußerst heterogenen Belastungsstruktur in diesem Tätigkeitsfeld nur teilweise gerecht werden. Derartige Erkenntnisse sind jedoch .B.wenn überhaupt . 1983. Da das allgemeine Belastungsniveau der Lastkraftwagenfahrer etwa auf gleicher Ebene wie das der Bauhilfsarbeiter oder Metallverformer verortet wird.) qualitative 17 Neben Expertengesprächen wurden dabei auch 48 Fahrer interviewt. Die mangelnde Differenziertheit der Zuordnung zum Schlüsselverzeichnis der Berufe ("Kraftfahrzeugführer") ermöglichte dabei jedoch keine zielgruppenspezifische Unterscheidung zwischen den Berufsklassen der Personenkraftwagenfüher. 2). im folgenden 1989. 42 . Abb.und Sonderfahrzeugführer sowie anderen Kraftfahrzeugführern. 53). ungünstigen Arbeitsbedingungen und Umfeldeinflüssen als primäre Belastungskomponenten des Berufskraftfahrers anzusehen. "Die bisherigen Forschungsbemühungen zur Arbeits. S.nur in rudimentärer Form vorhanden" (Schäfer und Steininger 1989. Da die arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankungen der Fahrer im Berufsverlauf jedoch meist nicht auf isolierte Belastungsfaktoren. dafür aber systematisch zusammengestellt und zugleich angeführt. 53). In zehn Betriebsfallstudien17 im gewerblichen Güterverkehr und im Werkver-kehr haben Schäfer und Steininger (vgl. sondern auf die kombinierte Gesamtbelastung zurückzuführen sind. die aus einer Informationsaufnahme. 48ff. S. wobei die Güte der statistischen Diagnosedaten durch eine Überprüfung der individuellen Krankheitsverläufe von 39 Fahrern überprüft worden ist. flankiert von einer Gemeinschaftserhebung bei weiteren 45 Fahrern und einer Sonderauswertung von Routinedaten zweier Krankenkassen (AOK und BKK). sind neben z. Lastwagenführer. inwieweit die Auswirkungen auf der Beanspruchungsebene deskriptiv untersucht worden sind (vgl. Dennoch erlauben selbst für dieses enge Betrachtungsfeld die bisherigen Erkenntnisse noch kein abschließendes Urteil. Darüber hinaus wurden auch die Arbeitsunfalldaten des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften ausgewertet. Zwar existieren inzwischen umfassende Übersichten zu arbeitsbedingten Belastungen von Fahrern (vgl.B.Mit der Ausrüstung der schweren Nutzfahrzeuge mit Servosystemen und Automatikgetrieben und wegen der zunehmenden Verkehrsdichte hat sich das Beanspruchungsprofil der Kraftfahrer vom physiologischen in den psycho-mentalen Bereich verschoben (Reimann 1983." Cakir und Reimann haben bereits gegen Mitte der siebziger Jahre die relevanten Belastungskomponenten bei Lkw-Fahrern im gewerblichen Güterfernverkehr recht global.und Lebenssituation der Fahrer haben sich vor allem auf die Analyse der Arbeitsbelastungen durch die Fahrtätigkeit konzentiert.

Tafel 3 Befragungenzu Berufs.Fahrer unter Optimierungsdruck (Typ 3) 43 . Reimann 1983. Warenbegleitschreiben usw. S. Lenk-. psychischer und sozialer Belastungen verbunden ist (S. 19.Fahren .und Entlüftung + Mikroklima " Makroklima bei Auslandsfahrten " Witterungsbedingungen " Straßenzustand Personenspezifisch + Alter + Geschlecht + Fahrpraxis + Berufserfahrung " Fahrverhalten " Psychosomatische Gegebenheiten " Morbidität " Invalidität " Mortalität " Verantwortung " AngestelltSelbständig Soziale Umwelt " Beziehungen zur Familie und zum sozialen Umfeld " Kulturelle und soziale Deprivation " Weiterbildung " Fremde soziale Umwelt im grenzüberschreitenden Verkehr " Verständigungsschwierigkeiten im Ausland " Probleme medizinischer Versorgung bei Langzeittherapien Untersuchungen zur Beanspruchungsauswirkung: " keine + deskriptive Quelle: J.) + Unfallrisiko " Fahrtdisposition " Konkurrenzsituation (Dumping) " Kilometerwochenleistung " Verkehrsbedingte Haltezeit und andere Zwangspausen " Geschwindigkeit " Streckenparameter und -kenntnis " Behördenabfertigung (Zoll) " Rangiertätigkeit " Fahrzeugdefekte " Urlaubsreiseverkehr " Verkehrssituation Physikalische Umwelt + Lärm + Schwingungen + Beleuchtung + Abgasimmission + Be. Aus den Analysen ergaben sich acht Typen von Belastungskonstellationen.Fahrer mit körperlicher Schwerarbeit (Typ 2) . Pausen. mit denen jeweils ein Bündel bestimmter physischer.und Schlafzeit) + Schlafbedingungen " Art des Ladegutes " Nebentätigkeiten (Wagenpflege. 2: Relevante Belastungskomponenten bei Lkw-Fahrern im Güterfernverkehr Aufgabenspezifisch + Anthropometrische Gegebenheiten + Manuelle Bedienungskräfte und -häufigkeiten + Be. 54): "Die Bezeichnung der einzelnen Belastungskonstellationen erfolgte auf der Grundlage des Hauptbelastungsfaktors.und Krankheitsverläufen hauptberuflicher Fahrer durchgeführt.und Entladetätigkeiten + AlleinfahrtDoppelbesetzung + Arbeitszeit (Fahr-. Vom Fahrer aus betrachtet ergeben sich damit die folgenden Typen von Belastungskonstellationen: .als ausschließliche Aufgabe (Typ 1) .Abb.

S. 54ff. sind in erster Linie die Fahrer im Güterfernverkehr zu rechnen (etwa 60. daß bei der Mehrzahl der Fahrer nicht so sehr das Fahren selbst.oder Kühltransporte) erforderlich. Gefahrguttransporte) oder über die behutsame Behandlung der Ladung (z. S. 1991. Bogedale et al. Von den Fahrern werden meist zusätzliche Tätigkeiten im Lager.und Tourenorganisation sogar zu einer "Neutralisierung" (zumindest aber Verminderung) der Belastungen beitragen kann (vgl.als ausschließliche Aufgabe" (Typ 1) Bemerkenswerterweise wird man im Straßengüterverkehr hauptberufliche Fahrer recht selten finden.000 hauptberufliche Fernfahrer). Die Bedeutung der Belastungen der Fahrer durch Nebentätigkeiten ist durchaus ambivalent einzuschätzen.und Entladetätigkeiten selbst durchführen müssen (vgl. andererseits aber auch von den Fahrern als eine willkommene Abwechslung angesehen werden können.und Wettbewerbsdruck (Typus 3.- Fahrer unter zeitlicher Spitzenbelastung (Typ 4) Fahrer unter Wettbewerbsdruck (Typ 5) Fahrer mit speziellen Produktkenntnissen (Typ 6) Fahrer mit speziellen Gefährdungslagen (Typ 7) Fahrer mit Mehrfachaufgaben (Typ 8) Mit dieser Typologie wird gegenüber der bisherigen fahrerbezogenen Forschung bereits im Ansatz eine Akzentverlagerung vorgenommen. einem eigenständigen Typus zugeordnet haben. 4 und 5) als charakteristisch für die Belastungskonstellationen von Fernfahrern im gewerblichen Gütertransport erscheinen.B.). Zeit. möchte ich etwas genauer auf diese speziellen Belastungstypen eingehen (vgl. Diese besteht in der begründeten Annahme. so daß letztlich etwa 30. 58f.).000 Fernfahrer übrig bleiben. Zu dem Fahrertypus. was bei entsprechender Arbeits. 59ff.und -fernverkehr sowie im gewerblichen Güternahverkehr ist das Belastungsprofil der Fahrer neben der Fahrtätigkeit in entscheidender Weise durch zusätzliche Arbeitsaufgaben und Arbeitsanforderungen (besonders auch durch körperliche Schwerarbeit infolge von Ladetätigkeiten) geprägt (vgl. 56f. im folgenden Schäfer und Steininger 1989. wobei Schäfer und Steininger jene Fahrer. deren Aufgabe ausschließlich im Führen eines Lastkraftwagens liegt. S. "Bei der Fahrtätigkeit tritt aus der Sicht des Belastungsgeschehens insbesondere das Problem der Dauerbelastung in den Vordergrund. 58.und Entladen der Fahrzeuge bis hin zu Service-Leistungen beim Kunden verlangt.B. von denen noch einmal etwa die Hälfte häufig oder immer Be. zum Teil sind auch spezielle Kenntnisse über die Gefährlichkeit des zu befördernden Gutes (z. Geht man von den bei der Fahrtätigkeit 18 Im Werknah." Weil vor allem das Fahren als ausschließliche Aufgabe (Typ 1) und Fahrtätigkeiten unter besonderem Optimierungs-. 55. S. S. Dahrendorf/Roth 1992. da diese Tätigkeiten einerseits zu einer "exponentiellen Steigerung der Gesamtbelastung" führen können. 83).). die entweder Nachtund Schichtarbeit zu leisten haben (Typus 4) oder als selbstfahrende Unternehmer "unter Wettbewerbsdruck" stehen (Typus 5). sondern die darüber hinausgehenden Aufgaben das Belastungsgeschehen bestimmen. für den die Fahrtätigkeit als auschließliche Arbeitsaufgabe charakteristisch ist. 44 . Andererseits ist kümftig mit einem zunehmenden Anteil reiner Fahrtätigkeiten am gesamten Aufgabenspektrum der LKWFahrer gerechnet (vgl.18 "Fahren . Vieh.). beim Be.

Stau. spielt die Fahrtätigkeit gegenüber den Ladetätigkeiten eine besondere "Rolle" (S. die gesetzlichen Arbeitszeiten.B. Typ 4. die aus besonderen Ereignissen resultieren (z. aber auch im "Selbstverständnis" der Fahrer. Schließlich sind auch "soziale Belastungen" von der Dauer und von der Bedeutung der Fahrtätigkeit in der Definition der Arbeitsaufgaben abhängig.19 Die Arbeitszeitorganisation. 66ff. Pausen und Ruhezeiten geregelt sind) sowie an Rollenkonflikte. Als belastende Momente sind hier vor allem die Monotonie bei länger andauernder Reizarmut (besonders Autobahnfahrten bei Nacht. Zum einen ist die Aufwertung und Hervorhebung der reinen Fahrtätigkeit als der entscheidende gemeinsame Bezugspunkt der beruflichen Kultur und Identität aller LKW-Fahrer zu identifizieren und der wesentliche Ansatzpunkt beruflicher Mythologiebildung (vgl. 45 . Auch das Profil der psychischen Belastungen ist von der zeitlichen Dauer der Fahrtätigkeit abhängig. wie eng die zeitlichen Vorgaben der Tourendisposition gesteckt sind. soziale Isolation usw. Zu denken ist hier beispielsweise an Kommunikationsbarrieren. Monotonie. 56). da die Beeinträchtigung der Wahrnehmungsfähigkeit. ist somit als eine entscheidende Komponente des Belastungsprofils der Fahrer zu betrachten. In keinem Fall handelt es sich bei den angeführten Einzelbelastungen um sehr hohe oder um Höchstbelastungen. Das Ausmaß der physischen Belastungen durch die Fahrtätigkeit wie Lärm.). in denen z. In tarifvertraglichen Regelungen.T. Mit der Ausweitung von "Just-in-Time"-Konzepten 19 Selbstverständlich gibt es auch "fallweise" Belastungen wie Witterungsverhältnisse oder ein Verkehrsunfall (S. Abgase. Indikatoren: weniger aggressives. im einzelnen S. Die Bedeutung des LKW-Fahrens im Verhältnis zu den sogenannten "Nebentätigkeiten" ist allerdings ambivalent einzuschätzen. deren Behandlung z.und Berufsrolle auf der einen Seite und den familiären oder öffentlichen Verpflichtungen auf der anderen Seite entstehen können.und Schichtarbeit. die in den eng oder weit gesteckten Spielräumen der Tourendisposition zum Ausdruck kommt. kurzfristige Um-Disposition. Defekte an Fahrzeug oder Ladung. so läßt sich bei einer Kurzzeit-Exposition kaum von einer sehr hohen Gesamtbelastung sprechen.und der Verantwortungsdruck zu nennen (vgl. Zwangshaltung.relevanten Einzelbelastungen wie Lärm. Vibrationen.). die nicht unmittelbar mit Dauerbelastungen zu tun haben.3). 57). Fahrfehler sowie subjektives Monotonieerleben). S. weshalb Schäfer und Steininger den unmittelbar zeitbedingten Belastungsdimensionen (Nacht.und Nebentätigkeiten ergeben oder bei Unvereinbarkeit zwischen der Arbeits. 55). der Informationsverarbeitungskapazitäten sowie der psychischen Handlungsregulation erst bei längeren Fahrzeiten auftreten (S. aus. 55f. 58). körperliche Zwangshaltungen (mehrstündiges Sitzen) sowie lange Arbeitszeiten (z. S. Allerdings ist der Belastungsgrad schlechter Witterungsbedingungen zumindest mittelbar davon abhängig. an Normverletzungen (vor allem mit Blick auf den Verstoß gegen Verkehrsregeln und gegen Sozialvorschriften. die sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen Fahr. Kapitel 5. in Form von Ermüdung oder Einschränkungen der Erholungswirkung der Freizeit) ist somit in entscheidender Weise abhängig von der Zeitdauer. jahreszeitenbedingte Temperaturbelastungen. Sehr hohe Belastungen entstehen durch die Fahrtätigkeit erst durch die weiten Entfernungen. 56f. Vibration. psychische Ermüdungserscheinungen als Folge von Dauerkonzentration (Stichwort: Vigilanz) sowie der Zeit.B. dafür aber abruptes Fahrverhalten. Familienprobleme. tagelang aufgeschoben werden muß). die zurückzulegen sind und die damit einhergehende mehrstündige Exposition des Fahrers" (S.B. hoher Überstundenanteil sowie saisonale Spitzenbelastungen als Formen zeitlicher Höchstbelastungen) einen besonderen Stellenwert in der Typologie einräumen (vgl.). während der die Fahrer gesundheitsschädlichen Bedingungen ausgesetzt sind (vgl.

"Die technologischen Rationalisierungspotentiale des Straßengüterverkehrs sind mit den Rationalisierungspotentialen in der industriellen Produktion kaum zu vergleichen.und humanzentrierten Entscheidungsalternativen geben. wo vom Transportgewerbe eine Ausweitung seines logistischen Dienstleistungsspektrums verlangt wird.3.B. S. z. Die Diskussion ist dabei von einer Vorstellung geprägt. inwieweit die Fahrer durch den Einsatz elektronischer Informations. entsprechende Forschungsvorhaben. Fahrwegoptimierung) liegt. so kann man sich dieser Prognose nur anschließen. daß sich die 'Industrialisierung' des Güterverkehrs unvergleichlich schwieriger gestaltet und vermutlich nie den hohen Realisierungs. in dem der Fahrer nur noch "als reiner Erfüllungsgehilfe des technologischen Tourenplanungssystems" Restaufgaben zu bewältigen hat (vgl. deren besonderer Leistungsbeitrag in der Erfüllung von Optimierungsfunktionen (z.und arbeitspolitischen Auseinandersetzungen abhängt. Kapitel 2. die den Fahrer als Experten entweder unterstützen oder durch fahrerlose Systeme verdrängen und ersetzen werden (vgl.B. 63f. von dessen Zuverlässigkeit und Qualität die logistikgerechte Transportleistung zeitpunktgenauer Anlieferungen abhängt (vgl. Ein wesentlicher Grund für die hohen psychischen Belastungen bei Optimierungsaufgaben besteht darin. Hacker 1991).und Kommunikationstechnologien bestehende Handlungsspielräume verlieren können (vgl. Schäfer/Steininger 1989. deren Realisierung von technik. da es grundsätzlich und auf lange Sicht nicht auszuschließen ist. Mangels aussagekräftiger empirischer Untersuchungen läßt sich die Belastungsrelevanz der Nebentätigkeiten derzeit global nicht abschätzen. Allerdings sollte man als Wissenschaftler etwas behutsamer mit dem Einsatz des Wortes "Nie" verfahren.B. wonach die Entwicklung in Richtung einer Industrialisierung des Güterverkehrs verläuft. Vor allem ist dabei zu bedenken. daß es auch in Zukunft eine größere Gruppe von Fahrern geben wird. die unter "Prometheus" gefördert werden). "Fahrer unter Optimierungsdruck" (Typ 3) Ein zentrales Thema der gegenwärtigen Debatte über die Zukunft der Transportarbeit ist. da zusätzliche Tätigkeiten von einzelnen Fahrern unter sonst gleichen Bedingungen entweder als eine zusätzliche Belastung empfunden werden können. daß . Baustellen.irgendwann einmal möglich sein wird. für die sich humanisierungsorientierte Ansätze der Arbeitsgestaltung seit Jahren einsetzen (vgl. was von keinem technischen System ersetzt werden kann" (Schäfer und Steininger 1989.3). Transport und Verkehr: "Die Industrialisierung des Güterverkehrs oder der Fernfahrer der Zukunft". Sofern man an das Scheitern allzu ehrgeiziger Informatisierungsvisionen in der industriellen Produktion denkt (z.B. Verkehrs- 46 .). Andererseits werden Nebentätigkeiten dort immer wichtiger. Letztlich wird es immer unterschiedliche Gestaltungsoptionen zwischen den strikt technik.findet ebenfalls eine gewisse Aufwertung des Fahrens statt. Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen. z.2). Die "geistig-intellektuelle Optimierungsleistung von Fahrern mit Optimierungsfunktionen geht mit erheblichen psychischen Belastungen einher. daß bei der Tourenplanung meist von Erfahrungswerten ausgegangen wird. auch im Straßengüterverkehr Transportsysteme einzusetzen.B. S. die in Verbindung mit Zeitdruck exponentiell ansteigen. 63ff. an die Realisierungsschwierigkeiten computerintegrierter Fertigungsstrukturen). Stuttgart 1986). die jedoch infolge von Sondersituationen (z. S. im folgenden Schäfer und Steininger 1989. sowie Kapitel 2.trotz aller Umsetzungsschwierigkeiten und umweltbedingter Kontingenzen und Ungewißheiten .und Standardisierungsgrad der industriellen Produktion erreichen wird. 63 im Anschluß an eine Studie der Gewerkschaft Öffentliche Dienste. aber auch unter dem Aspekt einer "Vervollständigung" der Arbeitstätigkeit betrachtet werden können. Hacker und Richter 1990.

10. 47 . S. Nacht. Reiners und Schürmann 1981.und Feiertagsarbeit muß von 1. im folgenden 1989.000 bis 360.B.B. S. Nacht. gestörter Tagschlaf des Nachtfahrers aufgrund von Lärmbelästigungen) entstehen" (Schäfer und Steininger 1989. pharmazeutischer Großhandel) von ihren Fahrern besondere Optimierungsleistungen verlangen (S. Nachtarbeit sowie Nachtarbeit mit Sonn.4% der befragten abhängig Beschäftigten im Transportgewerbe nichtkontinuierliche Schichtarbeit. Inwieweit die für die Fahrer interessante Seite der Optimierungsanforderungen in Belastungs-Beanspruchungs-Prozesse umschlägt wird somit in erheblicher Weise von den zeitlichen Spielräumen bestimmt.3% und nichtkontinuierliche Schichtarbeit einschließlich Sonn. "Störungen im natürlichen Lebensrhythmus aufgrund der abweichenden Arbeitszeiten wirken belastend. bei Zwei.6% voll. das sind 30% der Fahrer.oder Mehrtagestouren der Fernfahrer 20 Aus den Angaben von Bartsch et al. da Indikatoren wie "Zeitdruck" oder "nervliche Belastung" viel zu unspezifisch sind. 64). auch wenn sie den Großteil der Befragten ausmachen dürften.und Betriebszeit (z.). Sie sind im Werksverkehr ebenso zu finden wie im gewerblichen Güterverkehr. wenn mangelnde Ortskenntnis unter Zeitdruck zu Belastungen führt (S.7% der Beschäftigten im Transportgewerbe geleistet werden (nach Angaben von Bartsch. 71). daß hier nicht nur LKW-Fahrer erfaßt worden sind. 65).B. Besonders bei Nacht. "in oder auf einem Fahrzeug" erfolgt. daß etwa 300. 65). 66ff.und 2. Einer Stichprobenerhebung des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft aus dem Jahre 1975 zufolge leisten 13. weil diese dem periodischen Ablauf menschlicher Körperfunktionen nicht entsprechen. wobei hier Probleme durch die mangelnde Abstimmung von Arbeits.und Schichtarbeit ist besonders stark im gewerblichen Güterfernverkehr verbreitet. wahrscheinlich in erster Linie fallweise. 64.und Feiertagsarbeit muß von 2. Da reine Tagarbeit von 68. 91). wie trennscharf die Kategorisierung "Transportgewerbe" bzw. Es ist davon auszugehen. wobei Paketdienste und Bereiche des Großhandels mit besonders eiligen Gütern (z. Die Besonderheit dieser zeitbedingten Belastungskomponenten ist in der Beeinträchtigung des biologischen und sozialen Lebensrhythmus der Fahrer zu suchen. 66). kann man trotz statistischer Bedenken20 davon ausgehen. Im Fernverkehr werden belastende Optimierungsleistungen vor allem von Fahrern im gewerblichen Güterfernverkehr ohne feststehende Routen verlangt. sicherlich auch in Form von Dauerbelastungen). 91) geht nicht hervor. fehlende Ansprechpartner bei Nachttouren) sowie zwischen Arbeitsrhythmus und gesellschaftlichem Lebensrhythmus (z.3% teilkontinuierliche Schichtarbeit (zusammen also über ein Viertel).7% der Befragten verrichtet wird (ebd.behinderungen. Staus) oder anderen Ereignissen von starker Unsicherheit geprägt sind" (Schäfer und Steininger 1989. die den Fahrern zur Abwicklung ihrer Transporttouren gelassen werden. wenn der übliche Zeitdruck der Fahrer noch durch einen sehr hohen Überstundenanteil. weil sie nicht nur mit geistig-intellektuellen Optimierungsleistungen zusammenhängen (S.und Schichtarbeit ist von einer Kumulation arbeitszeitbedingter Belastungen auszugehen. Die Anzahl der Fahrer "unter Optimierungsdruck" läßt sich nicht genau abschätzen. (1981. Ähnlich liegt der Sachverhalt bei Störungen des sozialen Lebensrhythmus. S.). S. durch Nachtund Schichtarbeit sowie saisonale Spitzenbelastungen zusätzlich verstärkt wird (vgl. S.und Schichtarbeit (vor allem im Fernverkehr) leisten müssen (nach Schätzungen von Schäfer und Steininger 1989. S.000. "Fahrer unter zeitlicher Höchstbelastung" (Typ 4) Angesichts der im Transportbereich ohnehin bestehenden erheblichen Arbeitszeitbelastungen wollen Schäfer und Steininger nur dann von "zeitlicher Höchstbelastung" sprechen.

kommt eine längere Abwesenheit vom Wohn. führt der Schlaf in der Schlafkabine des fahrenden Fahrzeugs zu einem sehr geringen Erholungswert. die sich aus den Erfordernissen der wirtschaftlichen Existenzsicherung als Unternehmer und der Führung des Betriebes ergeben (S.B.00 Uhr und 21.und Durchschlafprobleme) und beim Erfüllen familiärer Aufgaben. "Die Gesamtbelastung ist vor allem deshalb als hoch einzuschätzen. 48 . 67f.21 "Fahrer unter Wettbewerbsdruck" (Typ 5) Hierunter fassen Schäfer und Steininger (vgl. soziale und kulturelle Deprivation sowie schließlich die Einschränkung der Freizeit auf eine reine Regenerierungsfunktion. Einschlaf. Neben den für abhängig beschäftigte Fahrer üblichen Belastungen wird diese Gruppe der Fahrer noch mit Anforderungen konfrontiert. im folgenden 1989.und Gesund- 21 Die Erholungswirkung des Schlafes im Fahrzeug.00 Uhr abflacht. 70). oder auf die ungünstige zeitliche Verteilung der Schlafpausen innerhalb der Circadianperiodik zurückgeführt werden kann (zit. daß der biologische Wach-Schlaf-Rhythmus des Menschen.000 im Fernverkehr) und sogenannte "Subunternehmer" im gewerblichen Güterverkehr sowie angestellte Verkaufsfahrer. ergibt sich daraus für ihn verstärkt die Notwendigkeit. Klima und Schwingungen oder an der mangelnden Vertrauenshaltung gegenüber dem Fahrzeuglenker liegen kann. Neben der physiologischen Leistungskurve ist auch die psychische Leistungsfähigkeit (Wahrnehmungs. Wasser. Zu den arbeitsbedingten Belastungen treten Anforderungen aus der Bewältigung dispositiver (z. Körpertemperatur und Gewebe). S.und Konzentrationsfähigkeit.000 bis 20. Schäfer und Steininger 1989.und Mineralhaushalt. Auftragsannahme). Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die wesentlichen physiologischen Funktionen auf einem Minimum (Herz und Kreislauf.und Betriebsort als belastende Komponente hinzu (vgl.). Wenn beispielsweise der finanzielle Druck auf den selbstfahrenden Unternehmer steigt.) in erster Linie selbstfahrende Unternehmer (schätzungsweise 10. ist immer wieder in Frage gestellt worden. zwischen 18. im folgenden S. Arbeitszeit) anzunehmen. die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit bei Fahrern mit Mehrtagestouren und Zwei-Mann-Besatzung des Fahrzeugs.B.und Schichtarbeit gestört wird (vgl.00 Uhr und 12. beispielsweise Schwierigkeiten beim Abschalten von der Arbeit (z. weshalb sich kontinuierliche Nachtarbeit als ein besonders ungünstiger Arbeitsrhythmus darstellt. nach Schäfer/Steininger 1989. 68). weil sich diese beiden Belastungskomponenten wechselseitig verstärken dürften. durch Nacht. Blut. in der die Leistungsfähigkeit zwischen 6. in deren Tätigkeit kaufmännische Funktionen stark im Vordergrund stehen.00 Uhr morgens den tiefsten Punkt erreicht. 71). Die biologische Leistungskurve des Menschen läßt sich im Verlauf von 24 Stunden als eine (bimodale) Sinuskurve darstellen. Verdauung und Stoffwechsel. 71ff.00 Uhr nochmals einen erhöhten Wert erreicht und dann kontinuierlich abnimmt. der einer sogenannten "circadianen" Periode folgt (24-Stunden-Rhythmus). Psychomotorik und intellektuelle Leistungen) während der Nachtstunden erheblich reduziert. Atmung. was an Umgebungsbelastungen wie Lärm. S. bis 15. Aufgrund einer Untersuchung von Rüter et al. S.00 Uhr am höchsten ist. d. Aufträge auch unter ungünstigen Arbeitsbedingungen (z. Die daraus resultierende Beanspruchung kann erhöhte Arbeits.B. Aus der schwierigen Abstimmung des Arbeitsund Lebensrhythmus ergeben sich darüber hinaus "soziale Belastungen". bis sie dann um 3.).h. kaufmännisch-administrativer und finanzierungstechnischer Aufgaben und Probleme hinzu. Aus arbeitsphysiologischen und -medizinischen Untersuchungen ist bekannt. was Schäfer und Steininger trotz häufig mithelfender Familienangehöriger von einer "Doppelbelastung" sprechen läßt (ebd.

Aufgrund der enormen Belastungen. 71f. wobei die Arbeitszeit allerdings auch hier von zentraler Bedeutung zu sein scheint (S. wobei in diesem Zusammenhang neben den bereits genannten Belastungskomponenten zusätzlich die Probleme überhöhter Überstunden sowie der Nacht.). während des gesamten Erwerbslebens in diesem Tätigkeitsfeld bleiben (vgl. Zudem lassen sich Arbeitswelt und privater Lebensraum besonders bei der Mithilfe durch Familienangehörige kaum voneinander trennen. von der Arbeit einmal "abzuschalten". weil ihre Leistungserbringung durch vertragliche oder sonstige Bindungen vom auftragsvermittelnden Unternehmen eingefordert werden kann (S. die als junge Menschen hauptberuflicher Kraftfahrzeugführer wurden. 72): "Aufgrund des Unternehmerstatus' ist die Arbeitszeit der selbstfahrenden Unternehmer und Subunternehmer grundsätzlich nicht begrenzt. ist es kein Wunder. Welchen Einfluß hat die Verberuflichung von Fernfahrern auf die Entstehung und Reproduktion arbeitsbedingter Risiken? Inwieweit erzeugt die beruflich organisierte Facharbeit im Straßengütertransport einen gewissen Schutz vor Risiken. Während die Abhängigkeit des selbstfahrenden Unternehmers eher auf einem hohen Verfügbarkeitsgrad für weitere Aufträge beruht.). als nach Angaben von Branchenkennern von einem erheblichen Wettbewerbsdruck auf diese Erwerbsgruppe auszugehen ist. Als Belastungskonstellation weist der Wettbewerbsdruck eine Vielzahl von Belastungskomponenten auf. um ihr Aufgabenspektrum (und Risiko) zu reduzieren.heitsrisiken (einschließlich Unfallrisiken) zur Folge haben. S.im Prinzip bis zur physischen Erschöpfung gearbeitet werden. in Existenzängsten sowie in destabilisierenden Wirkungen auf die Persönlichkeitsstruktur bei unlösbar erscheinenden Problemlagen vermutet.bei mangelnder Eigenkontrolle . Dieser besondere Hinweis auf die wirtschaftliche Existenzproblematik scheint insofern gerechtfertigt. Die Belastungen sind umso höher. daß das Berufsbild des Berufskraftfahrers als das Resultat einer nur schwachen Verberuflichung zu werten ist? 49 . sind Subunternehmer noch direkter gebunden. Es kann also . Schäfer und Steininger 1989. das selbstfahrende Unternehmer mit Korrespondenzspediteuren eingehen. "je stärker das Arbeitsgeschehen des selbstfahrenden Unternehmers oder Subunternehmers durch Tendenzen der 'Selbstausbeutung' geprägt ist" (S. der sich in Verbindung mit den hohen Arbeitsanforderungen als Dauerbelastung erweisen kann" (Schäfer und Steininger 1989. daß die typischen Berufsverläufe von Kraftfahrzeugführern im Straßengüterverkehr vor allem gesundheitsbedingte "Brüche" aufweisen und daß nur eine geringe Anzahl der Fahrer. 2). Soziale Belastungen entstehen meist aus dem Abhängigkeitsverhältnis. was aufgrund der mangelnden Möglichkeiten. die hier nur typologisch skizziert werden konnten. 73). in der erhöhten Aufmerksamkeit für bestehende Leistungsgrenzen. 72f. gesundheitliche Belastungen nach sich zieht. den viele industrielle Berufe aufweisen? Oder deuten die hohen Risiken der Transportarbeit nicht eher darauf hin.und Schichtarbeit zum Tragen kommen. S." Das psychische Belastungsspektrum wird wegen der doppelten Aufgabenstellung vor allem in der informationellen Überfrachtung des selbstfahrenden Unternehmers. was wiederum das wirtschaftliche Existenzproblem des selbstfahrenden Unternehmers zusätzlich verschärfen kann.

welche organisatorischen und institutionellen Schritte unternommen werden müssen.070. ausführlicher Florian 1994). da der größte Teil der Berufskraftfahrer(innen) den Facharbeiterstatus nicht über den Abschluß einer zweijährigen Berufsausbildung erworben hat.22 In Fachkreisen wird die Verberuflichung der Kraftfahrer eher skeptisch beurteilt. läßt sich die geringe Bedeutung der Erstausbildung teilweise auf ein im Vergleich zu anderen Berufsfeldern höheres Einstiegs22 Geht man von Schätzungen aus. S.) Damit stellt sich wohl die wichtigste Frage für diesen Berufszweig. nach denen gegen Ende der achtziger Jahre etwa 245.048 männliche und 334 weibliche Teilnehmer(innen) die Prüfung als Berufskraftfahrer(in) bestanden.000 Fahrer im Werkverkehr beschäftigt waren (nach Schäfer und Steininger 1989. 60. nachdem ein fünfwöchiger Vorbereitungslehrgang besucht und eine Externen-Kammerprüfung bestanden wurde.oder Hilfsarbeiter mit Führerschein? Anzeichen für eine prekäre Verberuflichung "Das Berufsansehen des LKW-Lenkers in der Öffentlichkeit ist gering.Institut für empirische Sozialforschung 1979. 50 .174 männliche und 234 weibliche Auszubildende im Ausbildungsgang "Berufskraftfahrer/in (Fachrichtung Güterverkehr und Personenverkehr)" gemeldet (vgl. um das Sozialprestige des Berufes des LKW-Lenkers zumindest auf das Niveau des Facharbeiters zu heben" (IFES . dann ist der Anteil anerkannter Berufskraftfahrer als sehr niedrig einzuschätzen. (. Alle übrigen Kraftfahrzeugführer von Nutzfahrzeugen sind lediglich hauptberuflich tätig. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer spielt in der betrieblichen Erstausbildung der Fahrer bislang nur eine geringe Rolle. obwohl die Mehrheit meint. S. und im Zeitraum von 1974 bis 1989 waren insgesamt 9. die eine Berufsabschlußprüfung abgelegt und den Facharbeiterbrief erworben haben. S. Seit 1974 ist der Titel "Berufskraftfahrer" in der Bundesrepublik die offizielle Berufsbezeichnung für Kraftfahrer mit dem LKW-Führerschein Klasse 2. soweit sich das Berufsbild des Berufskraftfahrers (Fachrichtung Güterverkehr) in der Praxis auch nach eineinhalb Jahrzehnten "nur äußerst rudimentär durchsetzen konnte" und "Berufskraftfahrer mit einem entsprechenden Qualifikationshintergrund deshalb noch immer äußerst selten sind" (Schäfer und Steininger 1989. S. Da für den Erwerb des LKW-Führerscheins der Klasse II ein gesetzliches Mindestalter vorgeschrieben ist. 5).2 "Berufskraftfahrer": Fach. die es Kraftfahrern nach einer mindestens vierjährigen Berufspraxis erlaubt.000 Kraftfahrer im gewerblichen Straßengütertransport (davon ca. einen Berufsabschluß auch nachträglich zu erhalten.000 im Fernverkehr) und etwa 1.2. 5). man dabei gut verdient und eine große Befähigung notwendig ist.. nämlich. 184). Es steht nur geringfügig über dem eines Hilfsarbeiters. daß diese Arbeit Befriedigung schafft. 28). sondern über eine Ausnahmeregelung. Angaben des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für berufliche Bildung zufolge haben (nach eigenen Berechnungen) bis 1989 insgesamt 65. und zwar mit dem Sozialstatus eines Hilfsarbeiters (von Berg 1983..

in denen die berufspolitischen Auseinandersetzungen sozialer Akteure um die Aneignung oder Verteidigung bestimmter Kompetenz. Neben den durchaus zweifelhaften Versuchen. mit denen günstige oder ungünstige Markt-. prinzipiell veränderbares Resultat historischer Interessenauseinandersetzungen um mehr oder weniger günstige 'Kompetenzschneidungen'" (Beck et al. 1978). Berufe sind somit ein Ergebnis sozialer Definitionen und Entscheidungen... 211.) und den Ausbildungen als differenzierendes und strukturierendes Organisationsbild zugrundeliegen. dem Sozialprestige eines "Hilfsarbeiters mit Führerschein" zu entrinnen. 1980. Wesentlicher aber dürfte die nur geringe Bereitschaft vieler Betriebe sein. 1977): "Diese institutionalisierten. Bei genauerer Betrachtung schürt der Bildungstitel "Berufskraftfahrer" allerdings Erwartungen. 25). 209f. 37). daß die Verberuflichung der Fernfahrer in der Bundesrepublik als weitgehend "hilflos" und "schwach" zu beurteilen ist. unterliegen die persönlich einzigartigen Arbeitsfähigkeiten eines Menschen in der berufsbedingten "Organisation" von Arbeitskraft gewissen Standardisierungseffekten. der sogenannte "Jedermannstätigkeiten" einschließt. Brater und Beck 1983. sich als selbstfahrender (Sub)Unternehmer selbständig zu machen.alter zurückzuführen. Als eine besondere soziale Organisationsform der Bereitstellung von Arbeitsvermögen zeichnen sich Berufe vor allem durch ihre Dauerhaftigkeit. ihre Standardisiertheit und durch die Spezialisierung von Fähigkeiten aus (vgl. Brater und Beck 1983. nennen wir Berufe" (Brater und Beck 1983. S. Macht. S. wenn man sie an den Maßstäben industrieller Berufe mißt. 40). ist der "Beruf" als eine bestimmte Organisationsform spezialisierter Arbeitskraft zu verstehen. S.. 209). bei der "inhaltlich besondere Fähigkeiten als Ware angeboten werden" (Beck et al.. die sich als trügerisch erweisen. Meine These ist. die ihren Bildungstitelträgern einen vergleichsweise besseren Schutz vor arbeitsbedingten Risiken und ein höheres Potential an Lebenschancen bieten. überhaupt Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und Fahrer mit Facharbeiterbrief auf entsprechend qualifizierten Facharbeitsplätzen einzustellen. 51 .und Einkommenschancen verbunden sind (vgl. scheint die berufliche Facharbeiterausbildung für die Fernfahrer dennoch die einzige Möglichkeit zu sein. Auf der Grundlage einer bestimmten Spezialisierung und Kombination von Leistungen. 1980. S. dem einzelnen vorgegebenen Muster der Zusammensetzung und Abgrenzung spezialisierter Arbeitsfähigkeiten.und Qualifikationselemente zum Ausdruck kommt. 1980. S. Beck et al. S. die üblicherweise über besondere Ausbildungsgänge vermittelt werden. Der Erwerb und die Vermarktung arbeitsrelevanter Fähigkeiten muß sich an gesellschaftlich vorgegebenen Spezialisierungs-"Mustern" oder "Schablonen" orientieren (vgl. 213f. In Abgrenzung zum Arbeitsbegriff. die gewöhnlich mit einem eigenen Namen benannt werden (. Dabei ist die jeweilige Zusammensetzung und Abgrenzung des für einen bestimmten Beruf typischen Spezialgebietes und Qualifikationsprofils ein "labiles.

und Produktionszusammenhängen eingesetzt werden" (Beck et al. z. im Anschluß an Hentschel 1983.). Dieses Risikobewältigungspotential scheint den Fernfahrern aber weitgehend zu fehlen. S. Vor dem Hintergrund einer überalterten Fahrerstruktur23. Entlastungs. daß Berufe unter den Bedingungen des Warenaustausches gewisse Schutzfunktionen herausbilden (müssen). S. Konkurrenz und Ausbeutung verbessern lassen (vgl. 81. Eine wesentliche. 216ff. vgl. ihre strategisch günstigere Markt. während die Alterskurve bei den höheren Altersklassen schneller abnimmt als bei den Erwerbstätigen insgesamt. 34/1973. S. z. als Ware am Arbeitsmarkt gehandelt und gegen Bezahlung in fremdbestimmten. 1980.B. Beck et al. gleichwohl tätigkeitsbezogene Zusammensetzungen und Abgrenzungen von spezialisierten. 52 . 23 Die Alterstruktur der hauptberuflichen Kraftfahrzeugführer weicht in wesentlichen Merkmalen von der durchschnittlichen Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung insgesamt ab (vgl. Brater/Beck 1983. 1980. sozial anerkannte Grenzen der Nutzung ihres Arbeitsvermögens und ihrer Arbeitskraft zu konstituieren.B. 41. für die soziale Begrenzung von arbeitsbedingten Risiken bedeutsame Schutzfunktion dürfte vor allem darin liegen. kooperativ-betrieblich organisierten Arbeits. 100. ibv Nr. daß sich mit der Berufsform von Arbeitskraft einerseits die Chancen der Berufstätigen verbessern. S. durch die sich die Vermarktungsbedingungen des qualifizierteren Arbeitskräfteangebotes besonders unter dem Aspekt des Schutzes vor Dequalifizierung.und Gegenmachtfunktionen" der Berufsform von Arbeitskraft für die Arbeitenden. 217. soweit der lediglich formal anerkannte Berufstitel des Berufskraftfahrers alles in allem eher die Anzeichen für einen prekären Verberuflichungsprozeß aufweist.und Machtposition auch als eine risikoreduzierende Ressource einzusetzen."In diesem Sinne können wir Berufe definieren als relativ tätigkeitsunabhängige. auch Brater und Beck 1983. standardisierten und institutionell fixierten Mustern von Arbeitskraft. 219).a. Schäfer/Steininger 1989. vgl. S. S. andererseits "bildet der in Berufen institutionalisierte Konsens bezüglich der Angemessenheit von Leistung und Gegenleistung auch für die Betriebe eine wichtige Legitimationsgrundlage. S.. einer bislang weitgehend vernachlässigten Berufsausbildung junger Fahrer und Fahrerinnen sowie einer insgesamt noch mangelnden Heranbildung qualifizierten Personals über betriebsinterne Fort. In der Berufssoziologie wird meist unterstellt. 36f. Dabei scheinen die beruflichen Aussichten für qualifizierte Berufskraftfahrer auf den ersten Blick gar nicht so schlecht zu stehen. 20). Die Verwirklichung berufsbezogener Schutzfunktionen ist aber in hohem Maße von den Chancen und Fähigkeiten der berufsförmig organisierten Arbeitskräfte abhängig.und Weiterbildungsmaßnahmen wird im Transportgewerbe seit geraumer Zeit ein gravierender Mangel an qualifizierten Fachkräften beklagt (vgl. auch die "Orientierungs-. und die mittleren Altersgruppen sind deutlich überrepräsentiert. 14): Vor allem wegen des höheren Berufseinstiegsalters (Führerscheinerwerb) sind die unteren Altersklassen der bis zu 25jährigen bei den Fahrern unterdurchschnittlich häufig besetzt. die u. mit der viele potentielle Konflikte entschärft werden" (vgl. 39.

19. 100ff. Landmaschinentechniker (22%).) als ein spezifisches Merkmal dieses Tätigkeitsfeldes gewertet wird. die durch Ausbildungsüberschüsse gekennzeichnet sind (vgl. 24 Plänitz (1983.1% sogar nur ungelernte Tätigkeiten ausgeführt hatten. war eine Tätigkeit im erlernten Beruf die letzte ausgeübte Tätigkeit vor dem Wechsel.5% waren vorher Soldaten. 1983. Vor allem die Rekrutierung "junger.mit ihrem aktuellen Beruf zu tun.und leistungspolitischen Nutzen zu schlagen. engagierter Mitarbeiter" wird als notwendig erachtet. S. 329). von Berg 1982. Hentschel 1983. Auch die rasante Entwicklung des Güterverkehrsaufkommens und der steigende Innovations. um die grassierenden Personalprobleme im Gütertransportgewerbe zu bewältigen (vgl. rund ein Fünftel war vor ihrer Fernfahrertätigkeit bereits als LKW-Fahrer beschäftigt und 13.) ist bei einer Befragung von 230 Fernfahrern zu dem Ergebnis gelangt. aus den Ausbildungsdefiziten einen arbeitsmarkt.und Berufsmobilität hauptberuflicher Kraftfahrzeugführer. die eine "soziale Schließung" der arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten auf seiten der formell höherqualifizierten Berufskraftfahrer geradezu unterläuft. Im Gegenteil: In der Praxis wird der Bedarf nach qualifizierten Fachkräften auf eine Weise befriedigt. so daß insgesamt nur etwa ein Drittel (34.Kfz-. die von Schäfer und Steininger (1989. S. Holzmechaniker (7%).7% der Befragten einen abgeschlossenen Lehrberuf hatten. 1265. Aber nur bei rund der Hälfte der Fahrer. . daß sich eine große Zahl der berufstätigen Kraftfahrer aus handwerklichen und gewerblichen Berufen rekrutiert. 2. Florian 1994. Reich 1990). Der Ausbildungsstand der Berufskraftfahrer (Berufskennziffer BKZ 714) liegt deutlich unter dem des Durchschnitts der Erwerbstätigen (vgl.24 "Die betriebliche Ausbildung. Für diese Annahme spricht der vergleichsweise geringe Ausbildungsstand und die erhöhte Arbeits. S. die vorher einen Beruf erlernt hatten. Eine bestehende Facharbeiterlücke kann aber nur dann als ein Indiz für eine vergleichsweise starke Position der Angebotsseite auf dem Arbeitsmarkt gewertet werden. daß 68. Auffallend ist dabei. hat entweder gar nichts oder nur teilweise . während 11. Sie kommen vornehmlich aus folgenden Ausbildungsfachrichtungen: .8%) der befragten Fernfahrer vorher als Facharbeiter tätig waren.S.3% vor ihrer Tätigkeit als Fernfahrer angelernte Tätigkeiten. Reich 1990.sowie arbeits. S.etwa Kfz-Schlosser . 14): Im Jahre 1979 haben 45% der "Kraftfahrzeugführer(innen)" keine abgeschlossene Berufsausbildung (nur 28% bei den Erwerbstätigen insgesamt) und von den 55% der Kfz-Führer(innen) mit Berufsausbildung hatten 2% eine Fachschulausbildung.Tischler. 7% eine Berufsfachschulausbildung und 46% eine ausschließlich betriebliche Ausbildung. wenn es den qualifizierten Kräften gelingt. 228ff. die Kraftfahrzeugführer nachweisen können. 53 . Genau dies scheint aber auf die Berufskraftfahrer nicht zuzutreffen.und Qualifikationsbedarf im Transportsektor in Richtung auf eine Ausweitung des Serviceangebotes bieten eigentlich gute Voraussetzungen für eine arbeitsmarktpolitische Stärkung der Position der Berufskraftfahrer.

. von denen die Berufskraftfahrer in der Tendenz stark bedroht sind. 14). Die gleichen Ausbildungsberufe wurden mit ähnlichen Anteilswerten auch 1970 bei den Kraftfahrzeugführern festgestellt. Konditoren. Betriebsschlosser (7%). Köche. Raumausstattern. die für die materielle und soziale Existenzsicherung 25 Bei näherer Analyse zeigt sich. Tischler und Holzmechaniker sowie für Gas.von etwa 24%. Hofbauer und Nagel (1987) sind in einer Längsschnittstudie des Instituts für Arbeitsmarkt. Bäckern sowie Malern und Lackierern als zweithäufigster Beschäftigungsberuf genannt wird (vgl. Dachdecker. und andererseits.. 54 .25 Die Berufskraftfahrer lassen sich deshalb einem Berufstypus zuordnen.Bäcker.und Berufsforschung über die Mobilität nach Abschluß der betrieblichen Berufsausbildung zu dem Ergebnis gelangt.und Wasserinstallateure der häufigste Beschäftigungsberuf von Berufswechslern nach der betrieblichen Berufsausbildung ist und von Zimmerern.h. um die Heterogenität der Tätigkeitsfelder und die Schwierigkeiten zu verbildlichen. Elektroinstallateuren.nach eigenen Berechnungen . Verkäufer (6%). Dabei scheint die Metapher eines Auffangbeckens gut geeignet zu sein. daß die Berufskraftfahrer (Berufskennziffer 714) nur in vergleichsweise geringem Maße von Abgängen in andere Berufsklassen betroffen sind. dieser Beruf ist eine Art Auffangbecken für 'Ausbildungsüberschüsse' in bestimmten Ausbildungszweigen" (Hentschel 1983.. Übersicht 19).a.Maschinen-. Erst die für einen Beruf unverwechselbaren Qualitätsmerkmale erlauben es.Groß-. Konditor (6%). um einerseits die Residualisierungsgefahren zum Ausdruck zu bringen. Einzelhandelskaufmann. sich zu spezialisieren. 60f. Karosseriebauer. besondere. gleichsam als ein struktureller Ausdruck für den unter den Bedingungen von Lohnarbeit herrschenden Zwang. S. Landwirte. zugleich aber einen extrem hohen Zugang an Berufswechslern aus anderen Berufen zu verzeichnen haben (202% bei einer durchschnittlichen Zugangsquote . . Maurer. Sengenberger 1978). Erfolgreiche berufspolitische Strategien sind stets an die Existenz oder Herausbildung von "beruflichen Teilarbeitsmärkten" gebunden (zur Theorie der Arbeitsmarktsegmentierung vgl. a.).und Transportarbeiter (5%) tätig (Hofbauer und Nagel 1987. Florian 1994 im Anschluß an Hofbauer und Nagel 1987. in dem insgesamt weniger Personen ausgebildet als hinterher beschäftigt werden. D. gegen andere konkurrierende Arbeitskraftmuster deutlich abgrenzbare Fertigkeiten und Kompetenzen zu erwerben (und glaubwürdig zu verkörpern). Die Berufskraftfahrer selber sind nach einem Berufswechsel am häufigsten in Lagerverwaltung und Magazin (10%) sowie als Verkäufer (6%) oder als Lager. daß die Tätigkeit als Kraftfahrzeugführer vor allem für Kraftfahrzeugmechaniker. S. Landmaschinenmechaniker.O. Fleischer. die mit der sozialen Integration und Gruppierung sowie mit der berufspolitischen Repräsentation der aus etablierteren Ausbildungsberufen "Ausgestoßenen" oder "Übriggebliebenen" verbunden ist.

Dies gilt einerseits für die Verfügung über anerkannte berufliche Qualifikationen und für Möglichkeiten. sondern eher das Ziel verfolgen. zusätzliche. Beck et al. Schäfer und Steininger 1989. Bei näherer Betrachtung wird der defensive Charakter der erhöhten Arbeitsund Berufsmobilität von Berufskraftfahrern deutlich.). mit denen sich die eigene Unverzichtbarkeit und Unersetzbarkeit steigern läßt. Neben diesen eher globalen berufspolitischen Kennzeichen für erfolgreiche Verberuflichungsprozesse kommen weitere Merkmale in Frage. mit denen sich die eigene Unverzichtbarkeit und Unersetzbarkeit steigern und die inner.sofern es sie überhaupt in einem nennenswerten und nachvollziehbaren Umfang gegeben hat . 1980. Marktzugangskontrolle. der über das informelle Senioritätsprinzip hinausreicht. zweitens die strategische Reduzierung der inner. die durch attraktive Karrieremuster mit realistischen Aufstiegschancen gegeben sind (vgl.). Absprachen oder Verrechtlichung der bestehenden Arbeitsteilung. in den Genuß der Vorzüge eines gesellschaftlich anerkannten Berufes zu kommen.und zwischenberufliche Konkurrenz regulieren oder sogar reduzieren ließe (z. durch die sich das Arbeitsmarktgeschehen berufspolitisch beeinflussen läßt (vgl. werden . 1980. andererseits für befriedigende Arbeitsplatzalternativen innerhalb des Betriebes oder im Beschäftigungsfeld sowie für befriedigende Laufbahnmöglichkeiten.durch eine Entwertung des Facharbeiterstatus und eine forcierte Rekrutierung und Nachqualifizierung von "Jedermännern" unterlaufen. S. Von einer Erweiterung möglicher Einsatzfelder oder gar einer Ersetzung der 55 .B. die auf der Grundlage eines stabilen Beschäftigungssektors gute Verberuflichungschancen für Facharbeitskräfte in Aussicht stellen.und Berufsmobilität ist dagegen eher als ein Anzeichen dafür zu werten. Beck et al. 5f. 75) und darüber hinaus auch für arbeitspolitische Ziele eingesetzt werden können (vgl. 2 und 100ff. S. Ein hohes Ausmaß an Arbeits. wenn der Berufswechsel mit einem Verlust des Facharbeiterstatus verbunden ist. drittens Strategien zur Erweiterung möglicher Einsatzfelder sowie viertens Strategien der Ersetzung von Fremdkontrollen durch Eigenkontrollen. Abschottung gegenüber verwandten Berufen. 1980. Bislang hat sich im Bereich des Straßengüterverkehrs noch kein fachlicher Teilarbeitsmarkt herausgebildet. 85ff.). da viele Fahrer mit beruflichen Veränderungen nicht in erster Linie eine Verbesserung ihrer beruflichen Position anstreben.2). S. Beck et al. aus dem die Berufskraftfahrer einen formellen Nutzen ziehen könnten. vgl. vor allem dann. riskante Brüche in ihrem beruflichen Werdegang zu vermeiden (vgl. Den Anbietern von Arbeitskraft und ihren Verbänden stehen grundsätzlich vier strategische Varianten zur Verfügung. auch Kapitel 5. praktisch verwertbare und arbeitsmarktgängige Qualifikationen durch anerkannte Weiterbildungsmaßnahmen zu erwerben. S. daß es den Angehörigen eines Berufes nur in vergleichsweise geringem Maße gelungen ist. Schäfer und Steininger 1989. 82-89): erstens Strategien.und zwischenberuflichen Konkurrenz.verwertbar sind (vgl. Mögliche berufspolitische Strategien. S.

im einzelnen Florian 1994). solange sich die typischen Karriere.beides berufspolitische Ziele. zitiert nach Hobbensiefken 1980. während berufliche Umschulungsmaßnahmen vorrangig das Ziel verfolgen. Vor dem Hintergrund der im Transportgewerbe beklagten Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften wurden im Laufe der achtziger Jahre aufeinander abgestufte Konzeptionen zur beruflichen Fortbildung und Umschulung von Kraftfahrern entwickelt (vgl. Arbeitskräfte aus anderen Berufen für die betreffende berufliche Tätigkeit anzuwerben und zu qualifizieren (vgl. wird eine allgemeine Anhebung des Leistungs. Damit gelingt es den Transportunternehmen zugleich. Dies gilt. Im Straßengütertransport muß der Begriff der "Jedermanns-Qualifikation" allerdings ziemlich weit gefaßt werden. so daß hierunter nicht nur angelernte und Hilfsarbeitskräfte ohne jede Berufsausbildung zu fassen sind. Im Anschluß an Sengenberger (1978. die eher dem strategischen Arsenal von Professionen zuzuordnen sind .). die bekanntlich einer Erweiterung der in einem anerkannten Ausbildungsberuf bereits erworbenen Qualifikationen dienen (§ 1 BBiG von 1969. der sich für eine Segmentierungsform eignet. Diese Arbeitsmarktstrategie scheint im Straßengütertransportgewerbe momentan nicht angesagt zu sein. nämlich die Mobilisierung von sogenannten "Jedermanns-Qualifikationen". Außerdem gibt es keinen fachlichen Teilarbeitsmarkt für Berufskraftfahrer(innen) mit einem festen Karrieremuster. Zum einen können die betroffenen Betriebe eine Abschirmung ihrer Kernbelegschaft gegenüber Abwanderungstendenzen versuchen. sondern auch jene 26 Mit beruflichen Fortbildungsmaßnahmen.und Qualifikationsniveaus eines Berufes bezweckt. 182). 32. S.Fremdkontrolle durch Eigenkontrolle .kann bei Berufskraftfahrern erst recht keine Rede sein. damit die jungen und engagierten Arbeitskräfte in ihre begehrte berufliche Position aufrücken können. S. 56 . die arbeitsmarktstrategische Position der Fahrer zu schwächen.und Berufsverlaufmuster als eine Sackgasse erweisen und trotz aller Orientierung an der Deregulierung des europäischen Transportbinnenmarktes der Ruf nach einer verschärften öffentlichen Kontrolle in den letzten Jahren im Gefolge schwerer LKW-Unfälle sogar noch zugenommen hat. weil Teile der Kernbelegschaft mit zunehmendem Alter und steigenden Verschleißerscheinungen sogar eher dazu "bewegt" werden müßten. Deshalb scheint im Straßengütertransportgewerbe gegenwärtig eher die Alternativstrategie verfolgt zu werden. ebd. wie sie für industrielle Facharbeiterberufe üblich ist. 38) werden auf seiten der Arbeitskraftkäufer zwei mögliche Strategien zur Überwindung der Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften unterschieden.26 Angesichts der relativ geringen Beteiligung von Auszubildenden an der Erstausbildung zum Berufskraftfahrer wird vor allem über Umschulungsmaßnahmen eine weitreichende Öffnung des Berufsfeldes für einen breiten Kreis potentieller Interessenten anvisiert. auf außerberufliche oder außerbetriebliche Schonarbeitsplätze abzuwandern.

oder die nach einer weiterqualifizierenden Umschulungsmaßnahme als "Kraftfahrer". die trotz ihrer heterogenen beruflichen Biographie und Herkunft als ausreichend qualifiziert oder zumindest qualifizierbar erscheinen. "Umschüler" oder "Aus. um hauptberuflich als LKW-Fahrer tätig zu werden. einen Beitrag zu leisten für die Bewältigung der hohen logistischen Qualitätsanforderungen im europäischen Transportbinnenmarkt. erscheint zweifelhaft. Zum anderen existiert ein schier unerschöpfliches Reservoir an "Jedermännern". Selbst die meist als Rechtsanspruch fraglos vorausgesetzte formale Anerkennung der Berufskraftfahrer durch die Sozialversicherungsträger muß sich beispielsweise im Falle einer Berufsunfähigkeit erst noch im Einzelfall erweisen.und Übersiedler etc. sozialversicherungsrelevante Anerkennung der Berufskraftfahrer als Facharbeiter darf somit nicht über den tatsächlichen "Marktwert" dieser Umschulungsmaßnahmen hinwegtäuschen. 334 sowie Abb. der Verberuflichung von LKW-Fahrern wird jedoch mit der Durchführung solcher "Jedermann"-Umschulungen eher ein Bärendienst erwiesen. Bei genauerer Betrachtung läßt sich jedoch die Annahme erhärten. Der Angelpunkt dieser zwiespältigen Rekrutierungsstrategie ist zum einen das relativ geringe Berufsprestige und die mangelnde praktische gesellschaftliche Anerkennung des Facharbeiterstatus von "Berufskraftfahrern".B.und Weiterbildungsmaßnahmen? Dies muß auf den ersten Blick unsinnig erscheinen. Ob diese "Strategie" darüber hinaus geeignet ist. da hier höchst undifferenziert "Arbeitslose"." als Zielgruppe für die Umschulung zum Berufskraftfahrer angesprochen werden (vgl. ohne die üblicherweise mit dem Facharbeiterstatus verbundenen "Rechte" und "Ressourcen" einzufordern. als "Lastzugfahrer" oder sogar als anerkannte "Berufskraftfahrer" beschäftigt werden. So sind beispielsweise die Werbungsstrategien der Anbieter von Arbeitsplätzen und Weiterbildungsmaßnahmen für das Anwerben von "Jedermännern" bezeichnend.h. Die rechtliche. z. Eine Entwertung von Facharbeiterqualifikationen durch formal anerkannte Fort. "Ungelernte". Der formalrechtliche Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente oder auf Umschulungsmaßnahmen muß in der Rechtspraxis nämlich erst einmal faktische Anerkennung finden und den betroffenen Berufskraftfahrern vor einem 57 . ohne die "Nebenkosten" einer üblicherweise mit Verberuflichungsprozessen verbundenen Konstruktion fachlicher Teilarbeitsmärkte und der darin stark verankerten Facharbeiterpositionen. Reich 1990. oder die sich sogar als Berufskraftfahrer (weiter) qualifizieren. bevor sie als angelernte Kraftfahrzeugführer im Straßengütertransport tätig werden.Facharbeiter. sondern zugleich als eine Verberuflichung zum "Nulltarif" erfolgt. Die gezielte Werbung von "Jedermännern" dürfte zwar den Maßnahmeträgern ausreichende Teilnehmerzahlen gewährleisten. die in anderen Berufen ausgebildet wurden. daß die Verberuflichung von Kraftfahrern im Straßengütertransportgewerbe nicht allein zu einer Überwindung der Facharbeiterlücke genutzt wird. d. 3). der nach meinem Eindruck eher skeptisch zu beurteilen ist. S.

Zeitarbeit-Vermittlung des Arbeitsamtes" ("InDopendent". (.1991. Daß sich dieser theoretische "Berufsschutz" praktisch als durchaus prekär erweisen kann. Angesichts der Doppelqualifikation des Klägers finden sich qualifikationsbezogene Argumente aber vorwiegend nur in Bezug auf die handwerkliche Ausbildung zum Maler und Lackierer (vgl. 1. der sich redlich bemüht.) Ausbildungszentrum Transport und Verkehr Fahrschule Derendorf" ("Westfälische Nachrichten" vom 18. Jg. V.und Personenverkehr und Gefahrgutfahrer-Ausbildung. oberhalb der Einfacharbeitsplätze der Unund Angelernten) aufweisen konnten (43% gegenüber 38% bei den Berufskraftfahrern) 58 . Aussiedler." ("Westfälische Nachrichten" Nr. III für wöchentlich abzustimmende Arbeitszeiten. Wir suchen Aushilfskräfte. 1388) und keinen expliziten Hinweis auf den hohen Anteil an "qualifizierten Kräften" in diesem Beruf erlauben (S.27 27 Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die Argumentation von Stooß. Regionalausgabe Ruhr-Ost. den Facharbeiterstatus des Klägers mit berufskundlichem und berufsstatistischem Material zu verteidigen. für Güter. (.92. "Arbeiten Sie auf Zeit. S. Studenten als Kraftfahrer. Einer der Verweisungsberufe (BKZ 521 "Warenprüfer. 9).10. Nr. Verbraucherzeitung für Münster u. 15 vom 12.9.1992. 3: Zeitungsanzeigen für die Umschulung zu und Anstellung von Berufskraftfahrern "Umschulung zum Berufskraftfahrer/in für Arbeitslose u. Campus-Zeitung für Dortmund. 1389). Förderung durch das Arbeitsamt möglich.. d. auf das Einkommen bezogen werden. 40 vom 25.5. 127 vom 2. in dem es darum geht. Schulungsort: Münster. Gegebenenfalls werden die Kosten vom Arbeitsamt übernommen.-23. -sortierer") hebt sich sogar noch positiv gegenüber dem Beruf des Berufskraftfahrers hervor. Lagerarbeiter und Packer.1990). da in ihm deutlich mehr Arbeitskräfte einen Fachkräftestatus (als Selbständige bzw. Das Bildungswerk der Transportunternehmen führt eine neue Schulungsmaßnahme durch. Nr.) Verkehrsschule Herne" ("Revier Markt". "Arbeitslos? oder ohne Berufsausbildung? Die Transportwirtschaft braucht Fachpersonal Ihre Alternative: Umschulung zum/zur Berufskraftfahrer/in Klasse II und Gefahrgut-Ausbildung ist enthalten.Abb. Abschluß: IHK-Prüfung. Verweis auf "Anlernberufe" schützen.B.Ungelernte Berufskraftfahrer-Umschulung auch ohne Klasse-3-Führerschein.1991). S. Münsterland. zeigt ein Rechtsgutachten von Stooß (1991).Umschüler . Lieferfahrten tagsüber oder nachts" ("Kaufen + Sparen". daß die gesetzliche Rentenversicherung einen im Handwerksberuf als Maler und Lackierer sowie als Berufskraftfahrer Ausgebildeten bei Berufsunfähigkeit auf sogenannte "Anlernberufe" verweisen und damit dem Risiko eines Verlustes seiner "Beruflichkeit" aussetzen darf.auch Studenten als Aushilfen . S..vorwiegend für den Nahverkehr und Studenten mit Führerschein Kl. 9. während die Argumente für den Facharbeiterstatus des Kraftfahrzeugführers weitgehend quantitativ ausgerichtet sind (z. 1389). Wir schulen auf eigenen modernen Fahrzeugen und bereiten Sie persönlich auf die Facharbeiterprüfung bei der IHK vor.. II .6. 3).. "Wir suchen Kraftfahrer Kl..5. Studentinnen für Büro und Verkauf. (.) Bildungswerk Verkehrsgewerbe Westfalen-Lippe e. S.5. Bauwerker... ob es zumutbar ist.) "Für Arbeitslose .

). daß der Berufsverlauf der Fahrer durch bestimmte Karrieremuster strukturiert ist. In den Betrieben wie im gesamten Tätigkeitsfeld für hauptberufliche Fahrer und Berufskraftfahrer sind häufig keine befriedigenden Arbeitsplatzalternativen vorhanden.. 3% bei den Berufskraftfahrern. angelernte Arbeitskräfte beschäftigt (Hofbauer und Nagel 1987. die als junge Menschen den Berufsweg des hauptberuflichen Kraftfahrzeugführers eingeschlagen haben. Wie Hofbauer und Nagel (1987. was zu einer Entwertung ihrer Facharbeiterqualifikation führt. ist deshalb für eine größere Gruppe von Fahrern unter diesen Bedingungen von vornherein ausgeschlossen. Die "typische" Arbeitskarriere eines und auch der Anteil derer. zeigt aber zugleich.Untersucht man die typischen Berufsverläufe von Berufskraftfahrern. so zeigt sich. mit dem häufig ein Statusund Qualifikationsverlust verbunden ist (vgl. wird dieser Verlust an beruflichem Status nur noch von Winzern und Winzerinnen (47%) sowie von Hüttenfacharbeitern und Verfahrensmechanikern (57%) übertroffen (ebd. in denen 1984 mindestens 300 Personen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Diese beruflichen. Schäfer und Steininger 1989. S. vgl. 1387 und 1389). 55f. angelernte Arbeiter(innen) tätigen Absolventen einer 1984 abgeschlossenen Facharbeiterausbildung im Durchschnitt bei 18% liegt.12. Während der Anteil der am 31. Eine individuelle oder betriebliche Laufbahnplanung. Der Verweis auf die Neuheit der Fachausbildung ist dabei sicherlich richtig (S. S. in der Mehrheit der Fälle zu einem Betriebs. 68 und 82) deutlich. Von den Ausbildungsberufen. betrieblichen oder auf das Fahrverhalten zugeschnittenen Angebote können darüber hinaus nur eingeschränkt wahrgenommen werden (Unabkömmlichkeit in der Firma.. Fachhochschulabschlusses und darüber ihre Tätigkeit in der Berufsordnung ausüben.bzw. Übersicht 15). die aus gesundheitlichen Gründen mit den ausgeprägten Belastungen und Beanspruchungen ihrer Tätigkeit nicht mehr fertig werden. wodurch die Fahrer. 57ff. ebenfalls höher liegt (7% gegenüber ca. In seiner Studie über britische Lastwagenfahrer macht Hollowell (1968.) in einer Untersuchung der Statusmobilität ausgewählter Berufsgruppen gezeigt haben. S.28 "Es gibt nur wenige. 6). S. 5).. S. wie prekär der Facharbeiterstatus der Berufskraftfahrer letztlich einzuschätzen ist. 55).und angelernten Arbeitskräften betroffen.bzw.oder Tätigkeitswechsel gedacht sein könnte. S. während des gesamten Erwerbslebens in diesem Tätigkeitsfeld verbleibt (Schäfer und Steininger 1989. die auf der Basis eines Fachschul-. Insofern stellt sich dieser Beschäftigungssektor für den Berufsweg des Fahrers aus heutiger Sicht überdurchschnittlich häufig als Sackgasse dar" (Schäfer und Steininger 1989.1984 als Hilfs. ungünstige Arbeitszeiten usw. S. 55f. S. speziell auf die Gruppe der Fahrer zugeschnittene Weiterbildungsangebote. besonders S. die unter anderem auch als präventive Maßnahme für einen späteren Arbeitsplatz. 1387). 2). sind immerhin 44% der im gleichen Jahr ausgebildeten Berufskraftfahrer(innen) nur als Hilfs. 28 59 . sind Berufskraftfahrer (BKZ 714) im Vergleich zu anderen Berufen durch einen überdurchschnittlich hohen Statuswechsel in die Position von Hilfs.oder Tätigkeitswechsel gezwungen werden. daß nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der Fahrer.

Die höchste Stufe in der möglichen Karriere eines Fahrers ist noch nicht erreicht. bis 65. mit deren Verladung und Sicherung gesammelt. im dt. aber gesundheitliche Probleme (aufgrund psycho-physischer Veränderungen. von Sonderguttransporten sowie im Busverkehr zwischen 1969 und 1979 untersucht und damit ungeachtet der Verschiedenartigkeit des interkulturellen Kontextes offenbar kulturübergreifende Problemstellungen von Berufskraftfahrern gefunden. im dt. Die Tätigkeit als Fernfahrer erscheint als ein "natürlicher Aufstieg" gegenüber der Arbeit im Nahverkehr. Differenziert nach dem Lebensalter gaben 500 der befragten Fah- 60 . zitiert nach Schäfer und Steininger 1989.nach verschiedenen Stadien des Berufsverlaufs unterschieden . geregelten Touren. bis 35. Lebensjahr erfolgt der Wechsel in den Güterfernverkehr ohne feste Tour und Ladung ("Tramping". Einen vertiefenden Einblick in die potentiellen Motive des Arbeitsplatz-. S. An der altersbedingten "KräfteSchwelle" tauchen erste gesundheitliche Probleme auf. da die schwere körperliche Arbeit nicht mehr geleistet werden kann und im Transportbetrieb keine Arbeitsplatzalternativen zur Verfügung stehen. Danach erfolgt der Eintritt in den Ruhestand. Tätigkeits.wie folgt rekonstruieren (vgl. die sich durch das höhere Einkommen im Fernverkehr eher finanzieren lassen. erscheint das LKW-Fahren bereits als eine "greifbare" Berufstätigkeit. im dt. 102): In der "Probezeit" ("Trial Work Period") zwischen dem 15. die gesundheitliche Situation und den Berufsverlauf von 1. Vom 25. Nachtarbeit) nehmen zu und die Schwierigkeiten mit der Familie und dem Freundeskreis verstärken sich. und 20. Es werden Erfahrungen mit verschiedenartigen Gütern. wo die LKW-Fahrer ihre fahrertypischen Statusvorstellungen erwerben. Vom 56. die den Fahrer in der Arbeitswoche nur noch ein bis zwei Tage von Zuhause fort führen ("Trunking".) haben die Arbeitsbedingungen. Lebensjahr erfolgt ein Abstieg zum Verteilfahrer ("Shunting II or Retrial Work Period"). S. 68 und 27-29 sowie Schäfer und Steininger 1989. Die berufliche Sozialisation erfolgt zwischen dem 21.165 hauptamtlichen Fahrern im Fern. etwa: "Rangieren") vor allem im lokalen Güterverteilverkehr.hauptberuflichen LKW-Fahrers und die dabei wirksamen Motive für die berufliche Mobilität lassen sich dabei alters.oder Berufswechsels von LKW-Fahrern vermittelt eine finnische Untersuchung. wo eine neue Ladung gefunden wird. Die Arbeitszeit hängt davon ab. Der Druck aus Familie und Freundeskreis nimmt zu. Das Trunking ist eine Arbeit für erfahrene Fahrer. Lebensjahr. Ladetätigkeiten gehören wie das Fahren zur Arbeitsaufgabe. Lebensjahr ("Shunting I". 101f. durch Entladung per Kran). Der Fahrer hat bereits familiäre Verpflichtungen. jedoch mit anspruchsvolleren Aufgaben als zu Beginn der Tätigkeit als LKWFahrer und mit leichteren Tätigkeiten (z. Der höchste Status als Fahrer ist zwar erreicht. ebd.. wird aber angestrebt.und Verteilverkehr. Vom 36. Lebensjahr erfolgt ein Wechsel in den Fernverkehr auf festen. der Wunsch nach einem geregelten (Familien-)Leben wächst. Backmann und Järvinen (1983. etwa das Herumtreiben eines Vagabunden oder Landstreichers). die den künftigen Fahrern durch gesetzliche Altersbeschränkungen auferlegt wird. Der Güterfernverkehr erscheint als eine abenteuerlichere und weniger monotone Tätigkeit als die Arbeit im lokalen Bereich. und 25. Oder es findet ein Umstieg auf andere Arbeitstätigkeiten statt.und statusbezogen . bis 55. bedeutet "trunk" soviel wie "Fernfahrer im Linienverkehr").B. S.

Aus einer Studie von Hofbauer und Nagel über die berufliche Mobilität nach Abschluß der betrieblichen Ausbildung geht hervor.. und ist aus der Sicht der Fahrer häufig mit einem Statusverlust verbunden. 30ff.rer die folgenden subjektiven Einschätzungen der Gründe für ihren Tätigkeitswechsel an (vgl. verringert sich aber bei den über 50jährigen. 133f.. muß angezweifelt werden. In einer Sonderauswertung bundesdeutscher Krankenkassendaten (AOK. zitiert nach Schäfer und Steininger 1989. Genaue Zahlen sind jedoch ebensowenig bekannt wie die auf den Wechsel folgenden Tätigkeitsfelder. So ist bei den 40 bis 44jährigen sowie den über 50jährigen dieser Faktor offensichtlich weniger bedeutend als bei den anderen Altersgruppen. die aus gesundheitsbedingten beruflichen Brüchen resultieren. daß von den 1979 ausgebildeten Berufskraftfahrern (BKZ 714). Der Betriebs. S. besonders angesichts von Auslesekriterien bei der Einstellung von Bewerbern im ÖPNV. was Backmann (. da im Straßengüterverkehr bislang kaum personalpolitische Strategien verfolgt werden. in denen keine Arbeitsplatzalternativen bestehen. Demgegenüber schwankt die Zahl der Fahrer. Hervorhebungen durch M. Der innerbetriebliche Tätigkeitswechsel erfolgt dabei zudem meist auf der Basis von Ad-hoc-Entscheidungen. in West-Berlin nach einer Untersuchung von Garbe 1981. Der Prozentsatz steigt mit dem Alter kontinuierlich an.. 39): "Bei den jüngeren Fahrern bis 34 Jahren standen offensichtlich Einkommenserwartungen (41 Prozent) deutlich im Vordergrund. Angesichts der vielen Klein. Inwieweit diese Zielvorstellung tatsächlich für einen größeren Kreis der Fahrer realisierbar ist. BKK) haben Schäfer und Steininger (1989.und Mittelbetriebe. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Bedeutung des Einkommens als Mobilitätsgrund jedoch kontinuierlich ab und erhält bei den über 50jährigen einen Tiefstand (7 Prozent). Offensichtlich hat bis zu diesem Alter bereits eine deutliche gesundheitsspezifische Selektion stattgefunden. Die Angaben zur Gesundheit streuten folgendermaßen: Von den jüngeren Fahrern bis 34 Jahren standen in 6 Prozent der Fälle gesundheitliche Probleme im Vordergrund.F.). S.und Tätigkeitswechsel (einschließlich einer dabei möglicherweise auch länger dauernden Arbeitslosigkeit) dürfte der häufigste Endpunkt der Fahrerkarriere sein.F. dürfte diese Chance allerdings nur für einen geringen Teil der Fahrer verfügbar sein.). M. durch die berufstätige Fahrer aufgrund ihres den Busfahrern ähnelnden Profils arbeitsbedingter gesundheitlicher Risikofaktoren relativ schnell als ungeeignet abgelehnt werden können (z. 103f.) [1983a.. sehen Schäfer und Steininger in der innerbetrieblichen Umsetzung. Umgekehrt liegt der Sachverhalt bei der 'Schwere der Arbeit'. Die Schwere der Arbeit nimmt als Grund für den Tätigkeitswechsel im Berufsverlauf kontinuierlich zu und wird von 35 Prozent der Fahrer über 50 Jahre als ausschlaggebender Faktor genannt. eine Fahrerkarriere aus gesundheitlichen Gründen zu beenden. Der Übergang in den Personenverkehr (Taxi oder öffentlicher Personennahverkehr) wird von den befragten Fahrern jedenfalls als bevorzugtes Ziel des Berufswechsels benannt. 131-138) fünf typische "Endpunkte" von Fahrerkarrieren im Straßengüterverkehr gefunden.B. S. die gegen Ende 61 . Die günstigste Möglichkeit. bei welchen 17 bis 19 Prozent der Fahrer diesen Aspekt als wichtig erkannten.] anhand der Ergebnisse einer Querschnittsuntersuchung bei 633 aktiven Fahrern weiter erhärten konnte" (Schäfer und Steininger 1989. welche die Unregelmäßigkeit der Arbeitszeiten als Ursache des Berufswechsels angegeben haben. S. S. Backmann und Järvinen 1983.

137 im Anschluß an eine USamerikanische Studie von Luepker und Smith 1978). zumal die Anerkennung von Berufskrankheiten angesichts der daraus ableitbaren Entschädigungsansprüche sehr stark von finanzpolitischen Kalkülen geprägt sein dürfte. Im einzelnen sind für die etwas hilflos anmutende Verberuflichung der Lastkraftwagenfahrer in der Bundesrepublik vor allem vier Aspekte charakteristisch. die einen Berufswechsel in eine andere Berufsklasse unternehmen. Im Vergleich zu den Mortalitätsraten der übrigen Erwerbsbevölkerung scheint die Sterblichkeitsrate für Nah. die eine Rente als Fahrer beantragt haben (ebd. und die in erster Linie über den Ausbau eines stufenweisen Weiterbildungsangebotes als teilweise oder voll qualifizierte Arbeitskräfte angeworben werden. Erstens fungiert die Berufsklasse der Berufskraftfahrer aufgrund eines extrem hohen Zugangs an Berufswechslern aus anderen Berufen als eine Art "Auffangbecken" (Hentschel 1983) für die Ausbildungsüberschüsse anderer Berufe.und Berufsmobilität der Fahrer dürfte also zu einer Unterschätzung der Frühinvalidität aufgrund arbeitsbedingter Erkrankungen führen.. Ähnliches gilt auch für den Endpunkt Berufs." Auch die genaue Anzahl der Fahrer.und Erwerbsunfähigkeit.) wurden 1986 bei der Gruppe der Kraftfahrzeugführer vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger insgesamt 276 anerkannte Fälle von Berufsunfähigkeit und 3. 135f. da sie dort nur noch als angelernte oder als Hilfsarbeitskräfte tätig sind. Übersicht 19. S. Tab. daß die besonders betroffenen ehemaligen Fahrer wegen ihres Ausscheidens in der Mortalitäts-Statistik nicht mehr als Fahrer auftauchen (ebd.und Fernverkehrsfahrer sogar leicht verminderte Werte aufzuweisen. scheinen die Fahrer vor allem das jeweils Naheliegende zu bevorzugen. 3.1984 sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren.).und Berufsmobilität der Fahrer zutiefst defensive Züge trägt. S. S. 137): "Die hohe Arbeits. 134) zu Recht hinweisen. ebd.. werden allerdings nicht mehr als Fahrer geführt. wonach die vorzeitige gesundheitsbedingte Auslese von Fahrern dazu führt. Wie der Schwerpunkt auf Lagertätigkeiten zeigt. um den eklatanten Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften zu beheben. Und viertens stellt sich der Berufsverlauf der Fahrer sehr häufig als eine Art "Sackgasse" dar. Ehemalige Fahrer.. Zusammenfassend wird deutlich. worauf Schäfer und Steininger (ebd. S. 61.11). Zweitens wird im Straßengütertransport eine verstärkte Rekrutierung von Arbeitskräften verfolgt. vgl. 136f. was auf den sogenannten "healthy worker effect" zurückzuführen ist. die nur über sogenannte "Jedermann-Qualifikationen" verfügen.. 10% als Lagerverwalter und Magaziner beschäftigt waren. mit einer nominalen Entwertung ihrer Facharbeiterqualifikation zu rechnen.und Transportarbeiter tätig waren (1987. S. da die Rentenzugangsstatistik nur diejenigen Fälle von Erwerbsunfähigkeit ausweist.272 Fälle von Erwerbsunfähigkeit gezählt. Nach Angaben von Schäfer und Steininger (1989. die in ein anderes Tätigkeitsfeld gewechselt haben. die besonders in der Altersgruppe ab vierzig Jahren zu einer 62 . Drittens hat zumindest die Hälfte der ausgebildeten Berufskraftfahrer. daß die hohe Arbeits. S. 6% als Verkäufer und 5% als Lager. läßt sich nicht feststellen. Der Endpunkt Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten wirft angesichts der undifferenzierten Behandlungsweise der Fahrer in der Statistik und des vorherrschenden unfallorientierten Begriffs der Berufskrankheit einige Einschätzungsprobleme auf (vgl. bei denen der Tod den Endpunkt ihrer Fahrerkarriere markiert. wobei es mit Ausnahme des Wechsels in den Personenverkehr keine typischen Berufsverläufe ehemaliger Fahrer gibt.

Der Strategiebegriff an dieser Stelle steht dagegen mehr für eine Art "Neigung" (dem Weg des geringsten Widerstandes). S. 1987 17. Bewußtheit und Kalkulation verbunden wird. die mit der vorrangigen Rekrutierung von (jungen) Männern einen vergleichsweise hohen Leistungsstandard sicherstellt. 1988 38.damit zusammenhängend . die außergewöhnlich belastenden und das gesundheitliche Wohlbefinden beanspruchenden Arbeitsbedingungen und zeitlichen Anforderungen der mobilen Arbeitsplätze im Straßengüter(fern)verkehr zuverlässig und motiviert zu erbringen. die soziale Praxis als ein Resultat rationaler Strategien zu beschreiben.5%. daß Schäfer und Steininger (1989) in ihrer Studie über Krankheiten und Berufsverläufe von Kraftfahrzeugführern im Straßengüterverkehr an vielen Stellen auf Selektionsprozesse hinweisen.1%) läßt sich zeigen. wenn man den vorzeitigen Abbruch der Ausbildung zum Berufskraftfahrer berücksichtigt oder an den Wechsel zu schonenderen Arbeitsplätzen.6%.2). "schützender" Art. 1989 42. weil mit ihm ein gewisses Maß an Planmäßigkeit.und beschäftigungspolitische "Schutz". die ihre Berufskraftfahrerausbildung (BKZ 7140) vorzeitig abbrechen im Vergleich zu den durchschnittlichen Lösungsquoten (z.30 29 Der Strategiebegriff erscheint an dieser Stelle etwas problematisch. 115f. 1988 20. Dies ist aber nicht jedermanns Sache. das weder den Fahrern noch ihren Repräsentanten oder Verbänden ohne weiteres unterstellt werden sollte. in einem sehr pragmatischen Sinne "unverzichtbare" und "unersetzbare" Leistung der angeworbenen "Jedermänner" liegt vor allem darin. Der arbeitsmarkt. vgl. Die bisherigen Effekte sozialer Schließung sind dabei aber eher von belastender als von entlastender. daß der Anteil der Auszubildenden.3% und 1989 22.B. sich vor allem auf symbolische Abgrenzungsformen stützende. Am Beispiel der Lösungsquoten von Ausbildungsverträgen (1987 35. ohne das Ergebnis einer echten strategischen Absicht zu sein" (Bourdieu 1987. Vor diesem Hintergrund erscheint die Herausbildung einer eigenständigen Berufskultur und . durch die sich die Abläufe beruflicher Mobilität gewissermaßen sozial regulieren. In der Soziologie haben wir uns zu sehr daran gewöhnt. Bemerkenswert ist. Arbeitstätigkeiten oder Berufsfeldern denkt. "die objektiv wie Strategien organisiert sind.3%.). Kapitel 5.die Entstehung einer sozialen Gruppierung unter den Fahrern noch als einzige Möglichkeit. die der Paradoxie eines "objektiven Sinns ohne subjektive Intention" zugrunde liegt. Die entscheidende. Vor allem der Ausschluß von Frauen scheint einer berufspolitischen "Strategie"29 zu dienen.erhöhten beruflichen Mobilität und zu berufsbiographischen Brüchen führt und oft nur noch einen Wechsel vom Güter.zum Personenverkehr möglich macht.8%) als extrem hoch einzuschätzen ist (eigene Berechnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes. die hauptberuflich tätigen Lastkraftwagenfahrer in ihrer sozialen Berufsehre aufzuwerten und zumindest teilweise in den Genuß eines beruflichen Schutzes zu bringen (vgl. 30 63 . ist dabei aber nur zu dem recht zweifelhaften Preis erhöhter gesundheitlicher Risiken zu erringen. einer Verkettung einzelner "Züge". "Verberuflichung" der Fernfahrer bietet. den die "subkulturelle".

5). daß (a) durch und bei Lohnarbeit die Sicherung der Existenz von bestimmten Voraussetzungen abhängig ist. sich mit der Entstehung. die zugleich (b) durch die Lohnarbeit gefährdet werden bzw. um "ungeeignete" Personen zu einem vorzeitigen Abbruch der Ausbildung zu bewegen. 64 . Kap. die Verausgabung hoher Arbeitsleistungen auf lebenslange Sicht mit der Notwendigkeit einer permanenten Reproduktion der Arbeitskraft zu vereinbaren. S. Erhaltung und Reproduktion der Arbeitskraft. dann existiert auf dem Feld arbeits.und berufsbedingter Risiken auf seiten der Lohnarbeit eine Art "Reproduktionsdilemma" der Arbeitskraft31. Dies erfordert aber zugleich. und daß zumindest informelle Selektionsprozesse praktisch wirksam werden dürften. das auf der Zwangslage basiert. den Risikobegriff mit der Existenzsicherung der Arbeitskraft zu verbinden. Meine These ist. S. Auf der Ebene individueller Akteure erscheint das Reproduktionsdilemma als ein Zwang zur Verausgabung. "Risiken der Arbeitskräfte ergeben sich vor allem daraus. 604).kurz: mit der "Reproduktion" - 31 auch Reich 1990. Von dieser Überlegung ausgehend ist der Vorschlag von Böhle sinnvoll. Veränderung und Wiederherstellung . Das Abbrechen einer Berufsausbildung ist als ein Hinweis darauf zu werten. daß sich die Tätigkeit der Berufskraftfahrer(in) offenbar doch nicht für jede(n) Anwärter(in) eignet. auf der Grundlage von Lohnarbeit allein nicht gesichert werden können" (Böhle 1983. im Original kursiv hervorgehoben). die Zusammenarbeit mit den Untergebenen mit deren Kontrolle vereinbaren zu müssen. Unter biographischen Aspekten betrachtet ist diese leistungsverdichtende Form "sozialer Schließung" des Arbeitsmarktes vor allem gegenüber weiblichen Arbeitskräften (denen meist eine geringere Leistungsfähigkeit und auch Leistungsbereitschaft nachgesagt wird) und den weniger leistungsfähigen oder -willigen Männern höchst riskant. Die Bindung der Risikokonzeption an die gesellschaftliche Existenz von Lohnarbeit schlechthin lenkt die Aufmerksamkeit auf die soziale Konstitution arbeitsund berufsbedingter Risiken. 137. 332). daß diese gefährliche Tendenz zur verstärkten Eigen-Belastung und Selbst-Beanspruchung von Fernfahrern in besondere berufskulturelle Formen maskuliner "Selbst-Gefährdung" eingebettet ist. das darin besteht. MEW 23.Die Akzeptanz und Bewältigung hoher Arbeits(zeit)leistungen muß als eine höchst ambivalente berufspolitische "Strategie" betrachtet werden. S. Auf der gesellschaftlichen Ebene wird in der Warenproduktion des "kapitalistischen Reproduktionsprozesses" mit der Wiederherstellung der Lohnarbeitskraft zugleich das "Kapitalverhältnis selbst" reproduziert (vgl. Wenn auf der betrieblichen Führungsebene von einem sogenannten "Management-Dilemma" (Thompson) die Rede ist. durch die sich die leistungsstarken männlichen Arbeitskräfte von ihren weniger leistungsfähigen Konkurrenten und Konkurrentinnen zu unterscheiden versuchen (vgl.

sind entsprechenden Konzepten im Güterverkehr noch Grenzen gesetzt" (Schäfer und Steininger 1989. Zurechtfinden in unbekannter Umgebung.in stärkerem Maße als dies im industriellen oder im Verwaltungsbereich der Fall ist . in der es keine befriedigenden beruflichen oder Arbeitsplatzalternativen gibt. der häufig mit einem Status. durch Einrichtung von Linienverkehren. Das Beschäftigungssystem stellt sich zweitens für den Berufsweg der Fahrer "überdurchschnittlich häufig als Sackgasse dar". Transportaufträge in der Regel zu einem diskontinuierlichen Arbeitsanfall für die Fahrer führen. im folgenden Schäfer und Steininger 1989. um damit gesundheitlichen. Die starke Außenabhängigkeit des Transportgewerbes auf dem "Kundenmarkt". Verzicht auf Freizeitangebote)" (ebd. zeitliche Abhängigkeit des Arbeitsablaufes von externen Gegebenheiten wie dem Verkehrsfluß. Produktion auf Lager) kurzfristige Nachfrageschwankungen des Marktes soweit zu neutralisieren. ein möglichst ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den täglichen Arbeitsanforderungen des mobilen Arbeitsplatzes Lastkraftwagen und dem äußeren Arbeitsumfeld des Fahrers sowie seiner privaten Lebenssphäre herzustellen. daß die Arbeits.und Arbeitsmarkt (z.B. daß sich die Tätigkeit der Fahrer grundsätzlich weniger standardisieren läßt als etwa ein industrieller Arbeitsplatz. Aus der Perspektive der Belastungs.und Beanspruchungsreduzierung für Fernfahrer ist ein erweitertes Versorgungs- 65 . Die Bedeutungszunahme neuer Logistikkonzepte und der Anstieg des Frachtaufkommens im Straßengüterverkehr bei einer gleichzeitig nur unterproportionalen Steigerungsrate der Lastkraftwagen. Während es in der industriellen Produktion weitgehend gelungen ist. andererseits auf eine Zunahme zeitlicher Anforderungen an die Fahrer und Disponenten schließen (S.B. abweichende Ernährungsgewohnheiten.B.bzw.und Leistungsdrucks bislang kaum genutzt (S. "Erstens ist davon auszugehen. Kommunikationsbarrieren zwischen Fahrer und Betrieb bzw. 3-7). 4).jener ungünstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu befassen. S. die Erwerbstätigkeit als Fahrer aufzugeben.von ungünstigen äußeren Gegebenheiten abhängen (vgl. Schichtarbeit. 5f). hohe Verantwortung für Fracht und Fahrzeug. die eine grundlegende soziale und historische Voraussetzung für den besonderen Risikogehalt lohnabhängiger Transportarbeit darstellen. durch die sich die zeitlichen Belastungen erheblich reduzieren lassen) werden wegen des hohen ökonomischen und logistischen Handlungs. S.oder Tätigkeitswechsel vollziehen. läßt einerseits auf eine höhere Auslastung des vorhandenen Fuhrparks. S. da Kunden.und Beschäftigungssystem des Straßengüterverkehrs weist in diesem Zusammenhang vier entscheidende Defizite auf. Termindruck etc. Überstunden. Wer aus gesundheitlichen Gründen gezwungen ist. "Bereits deshalb wäre es notwendig. die in einem "Ungleichgewicht" zwischen dem Einfluß der transportierenden und der verladenden Wirtschaft zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus ist er auch mit spezifischen Sonderanforderungen konfrontiert (z. daß diese nicht mehr unvermittelt auf das tägliche Arbeitsgeschehen durchgreifen können. 6).und Qualifikationsverlust verbunden ist (S. 4f. Im Gegensatz dazu ist jedoch als drittes Defizit festzuhalten. 4). beruflichen oder auch privaten Verschleißerscheinungen vorzubeugen.. Das Arbeits.und Berufsrisiken der hauptberuflichen Fahrer . durch Puffer (z. Kunde). macht sich im mittelständisch geprägten Transportgewerbe vor allem in der ungünstigen Arbeitszeitgestaltung bemerkbar (unregelmäßiger Dienstschluß. muß in der Mehrheit der Fälle einem Betriebs. daß die Tätigkeit des hauptberuflichen Fahrers gerade in dieser Hinsicht ausgeprägte Belastungen und Beanspruchungen mit sich bringt. die dafür sorgen.). Die vorhandenen Spielräume für einen Schutz der Fahrer vor der unmittelbaren Abhängigkeit vom Transport. Dem Fahrer wird nicht nur eine sehr hohe Anpassungsbereitschaft abverlangt (z.B.).

die der Begriff der Lohnarbeit industriesoziologisch unterstellt. Die hauptberuflichen Fahrer des Güterverkehrs befinden sich dadurch in einem "Grunddilemma". 8).und Unterstützungsfunktionen fehlen. Es wäre äußerst kurzsichtig. aus denen das erhebliche Arbeits. das mit anderen Erwerbsbereichen vergleichbar wäre" (Schäfer und Steininger 1989. die sich aus der "Mobilität" des Arbeitsplatzes LKW ergeben. Die Erwerbstätigkeit hauptberuflicher Fahrer im Straßengüter(fern)verkehr präsentiert sich damit als ein durch ungünstige "Rahmenbedingungen" geprägtes Betätigungsfeld.B. Als institutionalisierbarer Social Support ist der Unterwegsbetreuung und -versorgung ein hoher Stellenwert bei der Bewältigung arbeits. das von Schäfer und Steininger treffend auf folgende Weise charakterisiert wird: "Während es bislang im Güterverkehr nur in ersten Ansätzen gelungen ist. wie sie zumindest ansatzweise bereits in den Autohöfen der Straßenverkehrsgenossenschaften (SVG) realisiert worden sind. führen die Herausforderungen des dynamischen Marktgeschehens zu immer neuen Flexibilitätsherausforderungen für die Fahrer. andererseits auf den hohen Anpassungs. Allen Gemeinsamkeiten zum Trotz. S.und Flexibilitätserfordernissen der transportierenden Wirtschaft. wenn man die hohen arbeits. auf dem grundlegende Schutz. Hinzu kommt. die den begrenzten mikrosozialen Horizont verein66 . daß darin annähernd normale Arbeitsbedingungen und Berufsverläufe möglich sind.). Besuch des Betriebsarztes während der Fahrt oder regelmäßige Arztbesuche) sind vor allem von Fernfahrern nur unter erschwerten Bedingungen nutzbar. daß in vielen Transportbetrieben aufgrund der Dominanz kleinbetrieblicher und mittelständischer Strukturen in der Transportwirtschaft das soziale Sicherungssystem selbst und das "duale System" gewerkschaftlicher und betrieblicher Interessenvertretung nur unzureichend institutionalisiert sind.und Betreuungskonzept für unterwegs (vor allem auch bei Fahrten ins Ausland) erforderlich. 1). Die Besonderheiten der Transportarbeit beruhen einerseits auf den spezifischen Arbeitsbedingungen. obwohl in ihrem Tätigkeitsbereich noch nicht einmal annähernd ein Niveau der sozialen Anspruchsabsicherung erreicht werden konnte.und Erfahrungsberichte nahezu übereinstimmend hinweisen (vgl. das Arbeitsfeld sowie den gesamten Beschäftigungssektor der Fahrer so zu strukturieren. das die belastenden Begleitumstände des mobilen Arbeitsplatzes durch den Aufbau von multifunktionalen Infrastruktureinrichtungen vermindert (ebd. Schäfer und Steininger 1989. Das unterdurchschnittliche Niveau der sozialen Sicherung für die hauptberuflichen Fahrer ist schließlich als ein vierter Schwachpunkt zu bezeichnen (vgl. berufs. S.und berufsbedingter Risiken zuzuweisen. S. mit denen sich die arbeits-.und berufsbedingten Risiken der Fahrer allein auf die unmittelbaren Merkmale und Bedingungen ihrer Transporttätigkeit zurückführen und dabei jene gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausklammern würde.und Berufsrisiko resultiert.und arbeitsmarktbedingten Risiken auf eine wirksame Weise bewältigen ließen. auf das internationale Forschungs. Die präventiven und unterstützenden Einrichtungen des Systems der sozialen Sicherung (z. hebt sich das Tätigkeitsfeld der Fahrer im Straßengüterverkehr gegenüber der Normalität industrieller Arbeitsfelder ab. Die hauptberuflichen Fahrer nehmen also im Hinblick auf die sozialpolitisch sehr stark diskutierte Flexibilisierung der Arbeit in jeglicher Hinsicht eine Vorreiterrolle ein. 7).

wo die Zeit wie bedeutungslos stillzustehen scheint. 2. Den gesellschaftlichen Hintergrund bilden hierbei logistische Rationalisierungsprozesse. Im nächsten Kapitel möchte ich auf einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen produzierender und transportierender Arbeit eingehen und mich dabei kritisch mit der Annahme einer Konvergenz auseinandersetzen. andererseits aber auch zu einer Herausforderung des Selbstverständnisses jener Fahrer beiträgt. wo sich Pferde .keine Rolle spielt. wo die Ökonomie der Zeit . Schnelligkeit und männliche Potenz (vgl. wovon andere nur träumen? Der maskuline Mythos vom freien Leben in der endlosen Weite der wilden Natur . Where horses still run free. Welche Ansatzpunkte hat die Industriesoziologie entwickelt. 5). unterschätzt die Besonderheiten dieser produktionsbezogenen Dienstleistung. daß sich Assoziationen mit dem "Marlboro-Country" wie selbstverständlich auch dort unweigerlich aufdrängen.und berufsbedingten Risiken von Fernfahrern zu verdeutlichen? Aus industriesoziologischer Sicht werden riskante Arbeitsbedingungen in erster Linie als Industrialisierungsrisiken behandelt. weiße Schrift auf rotem Grund). Where some men do.3 Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Logistische Rationalisierung im Straßengütertransport "A timeless land. die den ökonomischen Charakter ihrer Transportarbeit durch mythologische Verklärung zu negieren versuchen (vgl. 4) . wo von der Zigarette explizit keine Rede mehr ist. what others only dream about" (Reklame-Plakat im Januar 1993.zelter Arbeitssituationen sprengen. Kap.eine der letzten Herausforderungen wirklicher Männer . die aus der "Taylorisierung" bzw. macht die stilistischen Übereinstimmungen zwischen dem Marlboro. deren Zeitökonomie einerseits zu einer Verdichtung der Leistungsanforderungen führt. wie sie vor allem von Konzepten einer "Taylorisierung" der Transportarbeit propagiert wird. Abb. Wo liegt dieses endlose Land. Eine allzu unkritische Analogie zwischen den Entwicklungen im Produktionsbereich und im Transportsektor.noch frei bewegen können und wo einige Männer das tun. "Industrialisierung" der Transportarbeit resultiert. um den sozialökonomischen Kontext in die Untersuchung der Arbeitsbedingungen im Transportgewerbe einzubeziehen und den gesellschaftlichen Konstitutionsprozeß der arbeits.als Sinnbilder für Kraft.wurde in den vergangenen Jahren von der Werbung für eine amerikanische Zigarrettenmarke so beharrlich verbreitet. mit der Raucher wie Fernfahrer ihre eigene Gesundheit gefährden (übrigens ohne daß ein Arbeitsminister sie mit einem LKW-Aufkleber davor gewarnt hätte).und dem Trucker67 . Die akzentuiert männliche Verwegenheit und Risikobereitschaft.

Abb. die eigene Person besser zu verstehen. eine Antwort auf diese Frage zu finden (vgl. Zeitdruck und Arbeitsstreß passen. Welche der drei Antworten ist richtig?" ("Funk Uhr". die fundamentale Ökonomie ihrer Zeit.' Was signalisiert dieser Traum? A Der Träumer möchte gern in einem Western mitspielen.im Licht der untergehenden Sonne. # Träume sind Botschaften des Unterbewußtseins. 97). anscheinend untrennbar mit ihrer rauhen Lebensweise verbundene Zigarrette anzünden und rauchen . können sie dazu beitragen. 5). Nr. Richtig entschlüsselt. Der Träumer jagt darauf über eine weite Landschaft . ist fasziniert von diesem Traum: 'Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Pferd geritten. S. anstehende Probleme zu erkennen und zu überwinden. wodurch Außenstehenden die Wirklichkeit des Mythos wie ein Wahn erscheinen muß. in ihren (Tag)Träumen und Mythen in einer Grauzone zwischen Wahn und Wirklichkeit so systematisch zu verleugnen? Bevor ich versuchen werde. Was aber bringt die Fernfahrer dazu. mit der sich die Marlboro-Cowboys abends am Lagerfeuer nach getaner Arbeit Kaffee und Bohnen kochen und dabei die obligatorische. 51/1992. Schnelligkeit und sexueller Potenz "Kurt Miersch (47). die wir uns vom Transportgewerbe in der heutigen Zeit machen. C Der Träumer macht sich etwas vor und hat den Bezug zur Realität verloren. -Mythos so schlüssig. 68 . Die zelebrierte Ruhe und Gemächlichkeit. 47/1992. verheiratet. S. die ihre Arbeitstätigkeit eigentlich so nachhaltig und spürbar bestimmt. 4: Der maskuline Traum von Kraft. Ich fühlte mich glücklich und total frei. Kap. auch wenn sich die Image-Kampagne des Bundesverbandes des Deutschen Güterfernverkehrs (BDF) mit der Figur eines freundlichen. Zeit ist Geld. 112).dieses idyllische Bild ökonomischer Zeitlosigkeit will nicht so recht zu den Vorstellungen von Hektik. Doch neulich im Traum jagte ich auf einem Hengst über eine weite Steppenlandschaft . Außerdem helfen. B Der Träumer führt ein erfülltes Sexualleben und kostet es voll aus.er beherrscht sein Sexualleben und kann auch in der zweiten Lebenshälfte auf Erfüllung hoffen" ("Funk Uhr" Nr. Es war ein einmaliges Erlebnis. müssen zunächst die sozialökonomischen Rahmenbedingungen der strengen Zeitgebundenheit der Transportarbeit herausgearbeitet werden. "Traumrätsel: Lösung: B Das Pferd verkörpert neben Kraft und Schnelligkeit sexuelle Potenz.

"Die Zirkulationszeit erscheint also als Schranke der Produktivität der Arbeit = Vermehrung der notwendigen Arbeitszeit = Verminderung der Surplusarbeitszeit = Verminderung des Surpluswerts = Hemmung. weshalb der Ortswechsel. Je entwickelter das Kapital.zwischen dem Dienstleistungssektor und den industriellen Bereichen der sogenannten "materiellen" Produktion zu lokalisieren ist und deshalb gewissermaßen "androgyn" die zuweilen widersprüchlichen Anforderungen aus beiden Sphären bewältigen muß. 438). sobald es auf dem Markt als dem Bestimmungsort der Waren erscheint. 5. daß die Transportwirtschaft . Marx 1974.Güterfernverkehrs von der Titelseite der BDF-Schrift "Verkehrswirtschaftliche Zahlen"). der durch den Transport eines Produktes auf den Markt vollzogen wird. mit der die Kritik der Politischen Ökonomie hier Entwicklungstendenzen aufgespürt hat. des Austauschs niederzureißen. die ganze Erde als seinen Markt zu erobern.Abb.gemütlichen dicken Mannes mit Fernfahrermütze. auf ein Minimum zu reduzieren.in ihrer vollen Tragweite erfahrbar werden. Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Meine These ist. der Ware einen neuen Gebrauchswert verleiht (vgl. Abb. d. Ökonomisch unter den Bedingungen der Warenproduktion betrachtet. Während das Kapital also einerseits dahin streben muß. muß doch die bemerkenswerte Voraussicht gewürdigt werden. auf dem es zirkuliert. e. schwarzer Hose und Hosenträgern ganz anders präsentiert (vgl. Auch wenn heute angesichts sinkender Frachttarife die Weite des Raumes in Relation zu anderen Standortfaktoren nur noch eine nachrangige wettbewerbsstrategische Rolle zu spielen scheint. desto mehr strebt es zugleich nach größrer räumlicher Ausdehnung des Markts und nach größrer Vernichtung des Raums durch die Zeit" (Marx 1974.als produktionsbezogene Dienstleistung . die Zeit.).unter dem Einfluß von global sourcing und just in time .h. 5: Der "Brummi" des tionelle Emblem des BDF . 420ff. die die Bewegung von einem Ort zum andren kostet. 69 . rotem Hemd.den Reifen mit Bundesverbandes des Deutschen zwei Flügeln als Symbol der Schnelligkeit . Schranke des Selbstverwertungsprozesses des Kapitals. S. die erst in der heutigen Zeit . ist ein Produkt erst dann wirklich vollendet. strebt es andrerseits danach den Raum zu vernichten durch die Zeit. je ausgedehnter daher der Markt. der "Brummi" verdrängt 1985 das tradi. der die räumliche Bahn seiner Zirkulation bildet. daß die Sozialökonomie des Transportgewerbes höchst ambivalente Züge trägt und daß diese Ambivalenz vor allem darauf zurückzuführen ist. i. S. jede örtliche Schranke des Verkehrs. Die raumzeitliche Anwesenheit ist eine Eigenschaft des Gebrauchswertes einer Ware.

Kapitel 2.. die sich nicht ohne weiteres mit denen der industriellen Produktion "materieller" Güter vergleichen lassen. soweit ihre Aufgabe. Marx 1974. S. vereinfachende Annahme einer Konvergenz von produzierender und transportierender Arbeit formulieren (Kapitel 2. Die räumliche Bedingung. gehört ökonomisch betrachtet. durch eine intensivere Nutzung der vorhandenen Zeit und durch die Verwendung von Zeit als Flexibilitätsinstrument (Synchronisierung von Produktion. an neuralgischen Schnittstellen der kapitalistischen Zeitökonomie lokalisiert ist. Umschlag. Vor dem Hintergrund der Besonderheiten des Gütertransportes als einer unterschätzten Dienstleistung soll dabei die Angemessenheit der industriesoziologischen Annahme hinterfragt werden.3. (. Umschlag und Lagerhaltung unter logistischem Rationalisierungsdruck Gegenüber den herkömmlichen Transport-. 420ff..und Marktwirtschaft ausgesetzt wie jede andere Branche auch. 2.3. Wildemann 1991).und Wertschöpfungskette betrachtet. wenn vorschnell von "Transportindustrie" oder von einer "Taylorisierung" der Transportarbeit die Rede ist (vgl. S. 432f..neben den Kosten und der Qualität des Produktes . Der logistische Zugriff auf die (Ökonomie der) Zeit kann nicht ohne Folgen für die Transportarbeit bleiben."Die Zirkulation geht vor im Raum und in der Zeit.3. Deshalb ist das Transportgewerbe auch grundsätzlich den gleichen abstrakten Rahmenbedingungen der kapitalistischen Erwerbs.2).). Weber 1980. schnellere Arbeit). Seit geraumer Zeit wird in der Logistik . daß sie den gestiegenen Verflechtungsgrad zwischen den wirtschaftlichen Grundfunktionen Produktion und Konsumtion in ihr Pro70 .. Die Suche nach der verlorenen Zeit gerät in diesem Kontext zu einem strategischen Instrument. daß sich die Transportarbeit im Straßengüterverkehr auf dem Wege einer "Taylorisierung" befindet.1 "Alles fließt": Transport. Gleichzeitig unterliegt die Transportwirtschaft aber als Dienstleistung besonderen Kontextbedingungen.und Lagerleistungen des Güterverkehrs und betrieblichen Materialflusses zeichnen sich logistische Prozesse vor allem dadurch aus.3. Forschung und Entwicklung sowie von Transport und Materialfluß) zu übertrumpfen (vgl.) Die Abkürzung dieses Moments ist ebenfalls Entwicklung der Produktivkraft" (Marx 1974. Dies ist zu berücksichtigen. 37). Raum durch Zeit zu neutralisieren. Auf der einen Seite ist der Gütertransport fester Bestandteil der Güterproduktion (vgl. die Mitkonkurrenten durch Zeitverkürzung (Abbau von Zeitpuffern. (.) Zweitens das Zeitmoment. S. die Bringung des Produkts auf den Markt. Zulieferung. in den Produktionsprozeß selbst. Nach einer Skizzierung der Leitlinien logistischer Rationalisierungskonzepte (Kapitel 2.2).1) möchte ich mich mit deren Tragweite für den Transportsektor befassen und Einwände gegen die vorschnelle..vor allem die Zeit als ein entscheidender Wettbewerbsfaktor in der Informations.

S.und Lagerprozesse. der Güterhandhabungseigenschaften sowie der logistischen Determiniertheit der Güter geplant. S.und Lagereigenschaften des Gutes unterstützen und # den Informationsfluß. 7ff. Die Logistik umfaßt dabei (vgl.h. gesteuert. 1990. Umschlag bzw.) Hierbei wird zwischen drei verschiedenen Systemen der Gütertransformation unterschieden. S. vgl. S. die mit Blick auf Art. die richtigen Objekte als "Gegenstände" der Logistik. die in der raum-zeitlichen Veränderung bzw.B. der einen Lieferpunkt mit einem Empfangspunkt möglichst effizient verbindet" (Pfohl 1988. 7f. in Systemzusammenhängen zu denken" (Kühn et al. "ganzheitlich.): # alle Transport-. Umschlag. realisiert und kontrolliert werden. S. Ihde 1978. 71 . # alle Abläufe. S. der räumlichen Verteilung der Betriebe und Haushalte sowie den Zeitstrukturen von Produktion und Konsumtion ergeben sich prinzipielle Überbrückungserfordernisse.): Aus der Arbeitsteiligkeit der Wirtschaft. An diese Überlegung anschließend. 126). Der logistische Auftrag besteht nun darin. Handhabung) sowie mengen. 1f. die wie z.blemlösungsrepertoire einbeziehen. durch die die elementaren wirtschaftlichen Transformationsprozesse von Produktion und Konsumtion über Transfervorgänge miteinander verknüpft werden (vgl. Umschlag. der über Prozesse der Auftragsübermittlung und Auftragsbearbeitung eine Transformation durch die logistische Determinierung des Gutes bewirkt. S. "Zur Logistik gehören alle Tätigkeiten. durch die die raum-zeitliche Gütertransformation und die damit zusammenhängenen Transformationen hinsichtlich der Gütermengen und sorten. Durch das Zusammenwirken dieser Tätigkeiten soll ein Güterfluß in Gang gesetzt werden. räumliche (Transport.und sortenbezogene (Umschlag im Sinne der Zusammenfassung und Auflösung von Gütern) Transformation von Gütern herbeiführen. Pfohl 1988. Pfohl 1988. die als Kernprozesse des Güterflusses eine zeitliche (Lager). Genau genommen greifen logistische Problemlösungsansätze über die enge Verzahnung herkömmlicher Transferprozesse bloßer Ortsveränderung (Transport). zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort in der richtigen Menge und Qualität zu den richtigen Kosten in einem unternehmensübergreifenden ganzheitlichen Logistikkonzept zur Verfügung zu stellen (Jünemann 1993. Raumüberwindung und Zeitüberbrückung den logistischen Bedarf der Wirtschaft kennzeichnen. Verpackungs. S. 19). Logistische Konzeptionen lassen sich somit als vielschichtige Überbrückungsleistungen charakterisieren. d.und Signierungsprozesse eine Gütertransformation durch Änderung in den Transport-. Von ihrem Anspruch her wird das innovative Potential der Logistik in nahezu allen Diskussionsbeiträgen als ein neuartiger (systemtheoretischer) Denkansatz vorgestellt. 4). muß die Definition von Logistik die Grundfunktion von Logistiksystemen hervorheben. wobei die Logistik innerhalb eines idealisierten Güterflusses unter dem Etikett der "Güterverteilung" (Transferprozesse) gewissermaßen eine verbindende Funktion zwischen der "Güterbereitstellung" (Produktionsprozesse) und der "Güterverwendung" (Konsumtionsprozesse) erfüllt (vgl. Transformation von Gütern gesehen wird (vgl. als eine neue Art.und Mengenausgleich. 1. auch Pfohl 1988. Zeitüberbrückung (Lager) und Lageveränderung (Handhabung) von Gütern hinaus. 12). im folgenden Ihde 1984.

46). 15f.und Informationsflusses im Unternehmen sowie zwischen den Unternehmen zielt . blieb das logistische Kostenbewußtsein weitgehend unterentwickelt. Querschnittsfunktion. auf 16% bis 47% der Personalkosten und schließlich auf 10% bis 30% des Umsatzes (1990. die sich meist auf eine Erhebung ausgewählter Unternehmen stützen. als umfassendes. Stichworte: Matrix. präziser: in der Integrations. 38ff. mochte zum einen daran gelegen haben. Weber 1990. S. 976f. übergreifendes Steuerungskonzept läßt sie sich nicht auf eine spezifische Wettbewerbsstrategie (z. Kostenführerschaft oder Differenzierung) einengen (vgl.und Koordinationsfunktion der Logistik (vgl. Pawellek schätzt die Logistikkosten für die Bundesrepublik auf 15% bis 85% der Produktionskosten. daß der Anteil der Logistikkosten am Umsatz je nach Branche zwischen 10% und 25% schwankt (Pfohl 1988. S. warum die Logistik als "economy's dark continent" (Drucker) erscheinen mußte. 41. daß der präzise Aufwand für logistische Leistungen bis heute noch weitgehend unbekannt ist.und Wettbewerbsdruck der Unternehmen in Rechnung stellen (vgl. Weber 1990. 14f. J. Ihde 1984. das von der Logistik über eine rein operative Serviceleistung hinaus bei der strukturellen Umgestaltung des Unternehmens erwartet wird. auch Ihde 1984. Solange die Produktion dem Management noch als ein bevorzugtes Rationalisierungsfeld diente. S. sowie Olle 1986. daß Logistikkosten immer schon "verborgene Kosten" darstellten. S. Entwicklungen im Bereich des Marketing und beim Einsatz von IuK-Systemen.. vgl. S. J. hinsichtlich der Lieferschnelligkeit und -flexibilität). S. 72 . scheint vor allem im Bereich von Vernetzungsleistungen zu liegen.B. S. als strukturelle ökonomische Veränderungen 32 Solange immer noch präzise Angaben über logistikbezogene Kosten fehlen.Das strategische Innovationspotential. und Pfohl 1988. in dem Sinne. 977). 14ff. Dies änderte sich allerdings.).32 Andererseits mußte das Management der "dunkle Kontinent" betriebswirtschaftlicher Kostenkalkulation in Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjunktur bei relativ starken ökonomischen Wettbewerbspositionen auch nicht besonders interessieren. Ihde 1984. S. Für die "Entdeckung" der Logistik durch das betriebswirtschaftliche Management können im wesentlichen zwei Gründe verantwortlich gemacht werden. Integration der physischen Materialund Güterströme sowie der dazu gehörenden Informationsflüsse).): das veränderte Kostenbewußtsein.bzw.B. sind wir auf Schätzungen angewiesen. einzelne Bereichs. S.ökonomisch betrachtet . ein Teil der Logistikkosten seit jeher in anderen betriebswirtschaftlichen Posten versteckt bleibt und eindeutige Maßzahlen für eine umfassende logistische Kosten-NutzenRechnung fehlten (vgl.B.und Unternehmensgrenzen überschreitende Re-Organisierung der "Ablaufsteuerung" des Material-. Der Grund. deren Repräsentativität angezweifelt werden darf und deren Ergebnisse zum Teil erheblich voneinander abweichen. durch Materialflußoptimierung oder Abstimmungssynergien) sowie auf eine Steigerung der Leistungsfähigkeit (z. Im allgemeinen wird davon ausgegangen. 100f). Waren.auf eine Öffnung noch ungenutzter Rationalisierungspotentiale (z. Überwindung von Unternehmensgrenzen. die vor allem den gestiegenen Kosten. Die ganzheitlich orientierte.

19). Fertigungszellen zwischen 80% und 90% liegt. 83). 101): # durch die Reduzierung von Lagerkapazitäten mittels auftragsbezogener Endmontage (Justin-Time-Produktion).B. S.ein geschärftes betriebswirtschaftliches Kostenbewußtsein verlangten und die sich immer deutlicher abzeichnenden Grenzen produktionsbezogener Rationalisierungsstrategien zur Suche nach verborgenen Rationalisierungsreserven führten . sobald sich z. Bei der Produktionssteuerung auf Abruf erfolgt die Produktion im Idealfall erst nach Erteilung des Auftrages durch den Kunden.und Produktionssteuerung (z. bei der Kommissionierung liegt der Anteil bei etwa 30% sowie beim Verladen und beim Palettieren unterschiedlicher Ladeeinheiten bei unter 15%). Materialfluß. Hierbei wird neben der "Flußoptimierung" auch die "Bestandsoptimierung" zum zentralen Ausgangspunkt logistischer Innovationen. bislang aber vergleichsweise schwach automatisierten Bereich der Logistik. S.33 Wegen der bestehenden Industrialisierungsschwellen muß der Straßengütertransport aus der Perspektive einer umfassenden Vernetzung industrieller Logistiksysteme als ein neuralgischer Rationalisierungsengpaß erscheinen. Durch die Berücksichtigung logistischer (Liefer-)Serviceleistungen in dem 33 34 Einer Kurzstudie der COMPAC GmbH über "Netzwerke für die Logistik" (Essen. für Lager etwa 45%.und Transportsysteme geleistet werden kann (vgl. "Just-in-Time" bezeichnet eine "Philosophie zur bedarfsgerechten Materialanlieferung" (Jünemann/Klöpper 1992). der entsprechende Automatisierungsgrad logistischer Systeme liegt weit darunter (für den innerbetrieblichen Materialfluß werden etwa 50% angegeben. durch Erhöhung der Lieferfrequenzen bei möglichst produktionssynchroner Anlieferung). die über drei Ansatzpunkte realisierbar erscheint (vgl. Olle 1986. aber auf weiten Transportstrecken oder in den Ballungsräumen nicht sicher gewährleistet werden kann (Verkehrsinfarkt).B. 1990. daß der Automatisierungsgrad bei Fertigungsmaschinen bzw. S. für den zwischenbetrieblichen Materialfluß 40%. S. so muß die Beschleunigung und Optimierung innerbetrieblicher Materialflüsse und überbetrieblicher Transportprozesse schon allein aus Kostengesichtspunkten geboten erscheinen. Denkt man an die enormen Kosten. # durch die Reduzierung der Durchlaufzeiten mittels Flußoptimierung der Fertigung (in deutschen Unternehmen entfallen 15% der Durchlaufzeit auf die Fertigungszeit.und zeitgenaue Anlieferung der in der Produktion bzw. DGB-Fachtagung "Logistik" 1986. 73 . "aus einer verbesserten Lieferbereitschaft oder verkürzten Lieferzeiten zusätzliche Umsatzerlöse ergeben. die den durch diese Verbesserungen verursachten Kosten gegenübergestellt werden müssen" (Ihde 1984. die auf Wareneingangslager verzichtet und an die Stelle des herkömmlichen Bestandsdenkens eine "gerade noch rechtzeitige" Bereitstellung von Material an den Bedarfsorten vertritt. zuverlässige und zeitgenaue Regelung des zwischenbetrieblichen Güterverkehrs just in time34 gefordert wird.besonders in dem personalintensiven. Das Interesse der Unternehmenspraxis an der Logistik kann indes durch kostenwirtschaftliche Motive allein nicht befriedigend erklärt werden. zit. aber 85% auf unproduktive Materialliegezeiten) und # durch die Einbindung der Zulieferer in die "Just-in-Time"-orientierte Materialfluß. die eine herkömmliche Lagerhaltung wegen der hohen Kapitalbindung verursacht. 6) ist zu entnehmen. nach Kühn et al. was eine mengen. wo eine schnelle. Endmontage benötigten Teile und Rohstoffe erfordert und nur durch hochflexible Fertigungs-. Die gewünschte "Optimierung" logistischer Gütertransportketten wirft besonders dort enorme Probleme auf.

erscheint die informationstechnologische Vernetzung als Kernstück logistischer Innovationsprozesse als ein vorerst nicht realisierbarer Traum. S. Unter veränderten Marktbedingungen35 sind die klassischen absatzpolitischen Instrumente (Preis.. die zumindest indirekt als eine unverzichtbare Bedingung für den systematischen Aufbau umfassender logistischer Dienstleistungen erscheint: der "Ausbau computergestützter logistischer Informationssysteme zur Verbesserung logistischer Entscheidungsprozesse und der Kommunikation der in der Transportkette zusammenarbeitenden Institutionen sowie zur Steuerung automatisierter Lagerbedien-. 20f. die Produktions. S. dann produzieren"). ebd. 22). 45ff. Neben den kosten.und marketingbezogenen Aspekten darf schließlich auch eine dritte (technologische) Entwicklungslinie nicht außer acht gelassen werden. 35 Gemeint ist vor allem der Wandel von Verkäufer. Zweitens erfordert die Flexibilisierung der industriellen Fertigung eine strategische Umorientierung von ehemals kapazitäts. die Verbesserung der Markttransparenz. Produkt. sind auch unter dem Etikett des "Just-in-Time"Prinzips bekannt geworden.und Fertigteillager (bei integrierter Instandhaltung auch auf Ersatzteillager) zu gewährleisten und durch die bedarfsorientierte Gestaltung von Fertigung und Materialfluß eine drastische Verringerung der Bestände und Verkürzung der Durchlauf.betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Kalkül wird die Logistik auch als ein Marketinginstrument benutzt (vgl. ohne die sprunghaft steigenden Verarbeitungsgeschwindigkeiten und Speicherkapazitäten der Hardware sowie die zunehmende Aufgeschlossenheit des Managements gegenüber dem Einsatz moderner Informationstechnologien (vgl. 45).).zu Käufermärkten als Folge zunehmender Angebotsüberhänge. S. vgl. S. die räumliche und zeitliche Verflüchtigung der Nachfrage sowie die gestiegene Mobilität des Angebotes als Folge flächendeckender Produktdistribution (vgl. eine hervorgehobene Wettbewerbsposition zu erringen oder zu verteidigen (vgl. auch Pfohl 1988. Jünemann/Daum 1990.und verrichtungsorientierten Denkweisen hin zu einer flußorientierten Reorganisation betrieblicher Produktionsabläufe.und Lieferzeiten zu ermöglichen (Stichwort: Just-in-Time-Produktion). Ohne die sinkenden Stückkosten für die computergestützte Informationsverarbeitung.. um einen möglichst kurzfristigen Umschlag des Lagerbestandes unter Verzicht auf Zwischen. 44). ebd. Ihde 1984. die auch bei kleinstmöglichen Losgrößen noch wirtschaftlich arbeitet. Ihde 1984. 21.und Transportgeräte" (Pfohl 1988.und Konditionenpolitik. S.und Logistikentscheidungen näher an den Zeitpunkt der Kaufentscheidungen auf dem Absatzmarkt heranzuführen. 9f.. Die Versuche. der vor allem in folgenden Entwicklungstrends zum Ausdruck kommt (vgl. Umschlags. S. Eine umfassende Erschließung der logistischen Rationalisierungspotentiale insbesondere im Transport und Materialfluß sowie in der Lagerhaltung ist somit nicht allein unter betriebswirtschaftlichen Kostengesichtspunkten attraktiv. S. 18f.und Verpackungsgestaltung sowie Werbung) immer weniger dazu geeignet.). S. Der gestiegene Wettbewerbsdruck auf den Käufermärkten zieht einen tiefgreifenden Innovationsbedarf nach sich.): Erstens zwingen die gewachsenen Ansprüche der Konsumenten an die Produktqualität sowie die abnehmenden Lebenszyklen der Produkte (Stichwort: Individualisierung der Gebrauchsgegenstände) die Hersteller auf käuferdominierten Märkten zur Umstellung auf eine auftragsbezogene flexible Produktion (Stichwort: "erst verkaufen. 74 . Krettek 1989.

Welche Rolle spielt nun die logistische Rationalisierung im Straßengütertransport? Inwieweit gelingt es der verladenden Wirtschaft. den Transport nach den gleichen Maßstäben zu reorganisieren.und Problemverschiebungseffekte in Frage gestellt wird (vgl. Jünemann 1991.durch die sich die Transportarbeit als eine produktionsbezogene Dienstleistung von industriellen Arbeitsformen unterscheidet . Jünemann und Klöpper 1992 sowie Binnenbruck 1992). z.B. Hieraus resultieren Unwägbarkeiten. In den Fabriken der Zukunft werden logistische Systeme noch stärker als bisher als ein Integrationsfaktor gefragt sein. Materialfluß und Lagerhaltung zunächst noch im Sog der Automatisierungstrends industrieller Produktionsprozesse.letztlich sogar produktiver.Beschränkungen ausgesetzt. Die Produktions. 1986) auf der Suche nach der verlorenen Zeit beschneiden. Meyering und Tammena 1989 sowie Scheid 1989). um die Flexibilitätsanforderungen der verladenden Industrie an den Gütertransport besser befriedigen zu können? 75 . ihre logistischen Anforderungen an beschleunigte Güterverkehrsströme als Leistungsverdichtung abzuwälzen und ihre "industrielle" Logik dabei dem Transportsektor tatsächlich aufzuzwingen? Oder ist es vielleicht nicht sogar kontraproduktiv. Ob es den logistischen Rationalisierungsmodellen dann allerdings gelingen wird.und Logistikkonzepte der verladenden Wirtschaft sind ihrerseits trotz aller Dominanz gegenüber der Transportwirtschaft . die den strategischen Horizont der "systemischen Rationalisierung" (Altmann et al. nach denen industrielle Arbeitsprozesse ablaufen? Ist nicht möglicherweise ein Erhalt der Besonderheiten und der "Eigenlogik" der Transportwirtschaft . nachdem der wirtschaftliche Nutzen der geforderten Bestandsminimierung angesichts möglicher Kosten. die sich mit der zu erwartenden Expansion der Verkehre noch weiter verstärken werden (Stichworte: "Verkehrsinfarkt" und "Just-im-Stau"). Auch vor den Risiken eines Abreissens logistischer Ketten wird in letzter Zeit verstärkt gewarnt (vgl. Miebach 1987. in den sie wegen ihres Schnittstellencharakters geraten waren. so dürfte die Automatisierung logistischer Systeme im Materialfluß und Gütertransport in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle gewinnen bei der Erschließung von Rationalisierungsreserven sowie bei der Überbrückung und Schließung von Automatisierungslücken. darf angesichts der in den letzten Jahren grassierenden Ernüchterung gegenüber den Verheißungen computerintegrierter Produktionssysteme bezweifelt werden.B. ihre strategische Orientierung aus den Hochglanzbroschüren und Festtagsreden heraus ungebrochen auch praktisch umzusetzen. Vor allem der Enthusiasmus von Just-in-TimeKonzepten scheint in letzter Zeit etwas gebremst.Blieben Gütertransport. z.

8ff. eines der letzten Reservate handwerklich-gewerblicher Arbeitssysteme zu kolonisieren? 76 . eine Länge von 5 200 km. mit deren Hilfe die "Industrialisierung" nunmehr beginnt. der Umschlagsarbeiter im Containerterminal und der Disponent in der Spedition" (Danckwerts et al. Mit dem Lkw werden sie fahrplanmäßig ins Pinin-Farina-Werk nach Turin gebracht. Bahrdt et al. 143). werden die Limousinen nun endgültig in Detroit fertiggestellt.. Fließbänder und Taktzeiten werden üblicherweise als ein Symbol für tayloristische Arbeitsformen gewertet. Dies alles geschieht in einer Taktgeschwindigkeit. hinter der verwirrenden Mannigfaltigkeit der verschiedenen Erscheinungsformen von Transportarbeit endlich jene grundlegenden Strukturen zu entdecken. so Thyssen. 1970.2 "Taylorisierung" oder "Industrialisierung" der Transportarbeit? Die Grenzen einer Konvergenz zwischen produzierender und transportierender Arbeit "Mit der Internationalisierung der Produktion werden die logistischen Ketten immer länger. In diesem hochspezialisierten Werk werden aus den Blechen die Karosserien gefertigt.2. Darin ist nunmehr der Lkw-Fahrer auf der Straße genauso eingebunden wie der Produktionsarbeiter in der Fertigungshalle. Umschlag und Lagerhaltung übertragen? Verlangt nicht gerade die "stark ausgeprägte Heterogenität des Tätigkeitsspektrums der Fahrer" (Schäfer/Steininger 1989. ohne weiteres auf Arbeitsprozesse im Bereich von Transport. die tatsächlich der eines Fließbandes gleicht. Die Wahrnehmung von Entwicklungstendenzen in der gesellschaftlichen Arbeit ist lange Zeit beherrscht gewesen von einer simplen Gegenüberstellung zwischen industrieller Fließbandarbeit und vorindustriellen Formen handwerklicher Tätigkeiten. Hergestellt wird auf diesem Band das Luxuskabriolett Cadillac Allanté.3. S. die vor allem wegen ihrer fremdbestimmten und eintönigen. sich den "stofflichen" Besonderheiten ihrer Transportarbeit intensiver zu widmen. am 'längsten Fließband der Welt' beteiligt zu sein. der Luftcargo-Pilot im Jet genauso wie der Flughafenarbeiter auf dem Rollfeld. S. S. 1991. dessen theoretische Prägnanz und empirischer Gehalt in den letzten Jahren vor allem durch Rationalisierungsstudien im Dienstleistungsbereich und in der Kontroverse um "neue Produktionskonzepte" (Kern/Schumann) angezweifelt worden ist. 2f. Die Betonung der Selbstbestimmung und Ganzheitlichkeit. anstatt diese vorschnell einer globalisierenden industriellen Entwicklungslogik zu opfern? Oder gilt es..). (. Thyssen produziert die feuerverzinkten Stahlbleche. hat in ihrer symbolischen Stilisierung das gängige Klischee über Industriearbeit entscheidend geprägt (vgl.) Beispielsweise rühmt sich die Thyssen AG. Dieses 'transatlantische Fließband' hat. und zwar unter Just-in-Time-Bedingungen. sich kurzfristig und ständig wiederholenden Teiloperationen abgewertet worden ist. in Großraumflugzeugen in 56er Stückzahl dreimal pro Woche über den Atlantik geflogen. Lassen sich industriesoziologische Konzepte wie das des "Taylorismus". des Abwechslungsreichtums und der Beschaulichkeit der handwerklichen Arbeit gegenüber der Betätigung von Industriearbeitern.).

9) und aufgrund der recht unkritischen Rezeption Marxscher Trendaussagen zur Relevanz industrieller Produktion und manueller Arbeit für die gesellschaftliche Reproduktion (vgl. 128ff. als Indizien für eine "Industrialisierung" des Straßengüterverkehrs gewertet (vgl.und Industriesoziologie. 77 . mag dieser "weiße Fleck" in der soziologischen Beschäftigung mit Transportarbeit überraschen. S. daß bestimmte industriesoziologische Denkfiguren zur Charakterisierung der düsteren Zukunft der Dienstleistungsarbeit in einer ähnlichen Form auch bei der Einschätzung der künftigen Entwicklung der Transportarbeit wieder auftauchen.und berufsstatistischen Zuordnung des Gütertransportgewerbes zum "tertiären Sektor". kurzerhand das Ende der "Arbeitsgesellschaft" proklamiert oder eine "Verdienstleistung" der Arbeit im Zuge der Herausbildung "post-industrieller" Gesellschaften behauptet und dabei übersieht. Meine These ist. die im Gefolge logistischer Rationalisierungsprozesse für einen dynamischen Strukturwandel im Gütertransportsektor sprechen. Baars 1987 für die ÖTV. Der industriell-handwerkliche Charakter der gewerblichen Transporttätigkeit ist in der Industriesoziologie bislang überbewertet worden (vgl. 13). während der Dienstleistungscharakter dieser produktionsbezogenen Arbeit bis heute weitgehend vernachlässigt oder sogar vollends ausgeblendet worden ist. S. S. Char 1988. 10. S.F. S. "Taylorisierung") der ganzheitlich-handwerklichen Arbeitsvollzüge im Güter36 Meine Skepsis gegenüber undifferenzierten Industrialismus-Konzeptionen ist selbstverständlich nicht als eine Zustimmung zur Gegenposition zu werten. daß von einer "Konvergenz" zwischen transportierender und produzierender Arbeit wenigstens zur Zeit noch keine Rede sein kann. Danckwerts et al.B. zur These einer "Industrialisierung" handwerklicher Arbeitsanforderungen vgl. M. Heisig und Gondek 1991a.). ebd. ist es allerdings nicht weiter verwunderlich. insofern sie deren Bedingungen und Voraussetzungen schafft und gewährleistet" (Littek. Bergstermann und Maßeling 1988.Von gewerkschaftlicher Seite und von einer Duisburger Forschungsgruppe werden die Anzeichen. daß Dienstleistungsarbeit "in erheblichem Umfang auf die industrielle Warenproduktion bezogen oder gar in diese eingebunden [ist. 1991... allgemein für den Transportbereich Beckenbach 1987. z. Heisig und Gondek 1991a.und berufsbedingter Risiken im Straßengütertransport.]. 16. möchte ich die Stichhaltigkeit der These einer "Taylorisierung" oder "Industrialisierung" der Transportarbeit im folgenden etwas genauer erkunden. S.. wegen ihrer "schon fast traditionellen Liebe zum Gegenstand 'Rationalisierung und Facharbeiter im Maschinenbau'" (Littek. die ebenso undifferenziert eine globale Rationalisierungsresistenz nicht-industrieller Arbeitstätigkeiten unterstellt. Danckwerts et al. 21f. 11).36 Die Annahme einer "Industrialisierung" (bzw. Wegen ihrer weitreichenden Bedeutung für die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung arbeits. 87ff. Angesichts der traditionsreichen Idealisierung handwerklicher Arbeit durch die (bundesdeutsche) Arbeits. 1991). S. Wegen der wirtschafts.

Kapitel 5. zuerst 1913) auch heute noch maßgeblich die Organisation industrieller Produktion bestimmen. Bergstermann und Maßeling 1988. "Systemische" Integration bedeutet hier. als ob der handwerkliche Charakter der Transportarbeit als ein Moment der "sozialen Integration" der Fahrer in das Gütertransportsystem fungiert. das bislang vom Taylorismus verschonte Terrain der Transportarbeit zu erobern. wird der Realitätsgehalt der Taylorismusprognosen im Anschluß an die Kontroversen um das "Ende der Arbeitsteilung" (Kern und Schumann 1984) mittlerweile auch für die Kernbereiche industrieller Produktion stark angezweifelt. Nachdem daß die Dominanz der am Taylorismus orientierten arbeits. Char 1988 sowie Danckwerts et al. 78 . während der Dienstleistungscharakter eher auf den Aspekt der "Systemintegration" verweist.3). daß die produktionsbezogenen Transport-. 21. 1964) sieht es so aus. das Modell des Taylorismus auf die Rationalisierung von Dienstleistungstätigkeiten auszudehnen. 1990. muß es umso erstaunlicher erscheinen. Entwicklungstendenzen der gesellschaftlichen Arbeit unter Rückgriff auf Industrialisierungslegenden und Taylorisierungsmythen zu bestimmen. daß die Arbeit hauptberuflicher Kraftfahrzeugführer im Straßengütertransport zwar in der Tradition des "Fuhrhandwerks" stehend die Züge eines ganzheitlichen Tätigkeitstypus aufweist. daß die "Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung" von F. Berger 1984. 1991). 1991) folgt damit einer traditionsreichen Vorliebe in der Industriesoziologie. W. Littek et al. Die soziale Integration stützt sich auf berufliche (Sub-)Kulturen von LKW-Fahrern.und Transportarbeitern (vgl. daß sich aber die Besonderheiten der Transportarbeit erst dann genauer erschließen lassen. Rock et al. die ein wesentliches Element der "sozialen Identität" der US-amerikanischen "Trucker" ausmacht (vgl. Nachdem die Versuche. die zum einen an handwerkliche Traditionen des deutschen "Fuhrmannes" anknüpfen. wenn sie zugleich auch als eine "produktionsbezogene Dienstleistung" begriffen wird.und Lagerhaltungsdienste im Kontext der Rationalisierung der Gütertransportketten als Komponenten eines übergreifenden logistischen Systems zu begreifen sind.transportsystem oder die Prognose einer zunehmenden Gleichartigkeit (Konvergenz) der Arbeit und Arbeitsbedingungen von Industrie. S. engl. 125. z. zum anderen an die Country-and-Western-Mythologie anschließen. Umschlag. wie er für handwerkliche Arbeitsabläufe kennzeichnend ist. und nunmehr sogar beginnen.unter 37 38 Im Anschluß an ein in der Soziologie populäres Begriffspaar von David Lockwood 1971. Taylor (1977.B. Bilder wecken Assoziationen und die Vorstellung eines "transatlantischen Fließbandes" im Just-in-Time-Takt verführt geradewegs zu der Annahme.und industriesoziologischen Leitbilder spätestens seit Ende der achtziger Jahr gebrochen38 ist. in der Bundesrepublik bereits zu Beginn der achtziger Jahre zurückgewiesen wurden (vgl. Meine These ist dagegen. S. wenn der Taylorismus . Berger/Offe 1981.37 Mit der weitgehenden Vernachlässigung von Dienstleistungsarbeit hat die bundesdeutsche Industriesoziologie in entscheidender Weise an der Erzeugung und Verbreitung von Industrialisierungsklischees mitgewirkt.

die im Anschluß an die "Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung" von Taylor (vgl. linearen Entwicklungslogik wird dabei die Überwindung des Taylorismus an seine "endgültige Entfaltung" im Zuge fortschreitender Industrialisierungsprozesse gekoppelt (vgl. von Disposition und Ausführung (Teilung und Zerlegung der Arbeit mit Herausbildung einfacher. 128. Umschlag und Lagerei legt die Vermutung nahe. stellt uns ein prägnantes Beispiel der Anwendung jenes Aspektes der 'wissenschaftlichen Betriebsführung' dar. die als eine "Voraussetzung für die Implementierung neuer Technologien und post-tayloristischer Arbeitsorganisation" gewertet wird (Bergstermann und Maßeling 1988.) Der Einsatz der IuKTechniken in Transport. (. werden in den Computer-Programmen diesen entzogen.). 1991. ähnliches bewirken.. Hervorhebungen durch M.. S. # zweitens als Transformation von praktischem Wissen und Erfahrungsregeln in Komponenten einer "wissenschaftlichen" Betriebsführung. M. die wir konstatieren. bislang hier noch notwendiger Bestandteil funktionierender Arbeitsabläufe. daß trotz der tendenziellen Abkehr von tayloristischen Formen der Arbeitsorganisation in den "neuen Produktionskonzepten".F.im Bereich des Straßengüterverkehrs offenbar eine Art Renaissance erlebt.und Handarbeit. 124f. als vermittelten unsere Erkenntnisse eine Entwicklung. dequalifizierter Tätigkeitsbereiche). S. "Es scheint.F. Danckwerts et al.. Umschlag und Lagerung weiterhin Anzeichen für eine Taylorisierung der Transportarbeit zu finden sind (vgl. 79 . In Analogie zur Rationalisierung der Arbeitsabläufe in der industriellen Produktion vertritt die Forschungsgruppe "Gütertransportsystem" (GTS) am "Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung" (RISP) in Duisburg die These... die der (. 21. Bergstermann und Maßeling 1988. bezogen auf die Arbeitsbedingungen. Im Verlauf der Industrialisierung der Arbeitssysteme im Gütertransport wird in diesem Zusammenhang eine "vollständige Durchsetzung tayloristischer Organisationsformen" erwartet.) in der soziologischen Diskussion angenommenen Aufhebung des tayloristischen Produktionskonzeptes entgegenläuft.dem Vorzeichen einer "nachholenden" Industrialisierung . im Bereich Transport. Die Wandlung der Arbeitsverhältnisse im GTS [Gütertransportsystem. 21). Die dispositiven Qualifikationen.. ebd... # drittens als Konzentration der Verantwortung und Autorität auf Leitungsebene (formale Arbeitsorganisation. S.. S. 145). 1991. der die Enteignung der Arbeiter von Erfahrungswissen und Disposition zugunsten der Leitungen intendiert. Die Transformation von "Erfahrungswissen" und Dispositionsfähigkeiten praktischer Experten allein scheint mir eine recht schmale Grundlage zu bieten. verselbständigt und treten ihnen (. 11f.] zur Industriearbeit. 11f. 1977) auf vier Ebenen greifen muß: # erstens als Sondierung von Kopf. Mit einer recht einsinnigen.) als eindeutige Anweisungen gegenüber" (Danckwerts et al. also die Kenntnisse der Arbeiter. um eine Taylorisierung der Transportarbeit zu begründen. Befehl-Gehorsam-Prinzip der Menschenführung) # und viertens als Motivierung der Operateure ausschließlich durch ökonomische Anreize. daß ihre Rationalisierungseffekte.).

1991.. wie die Schwierigkeiten des Knowledge Engineering bei der Entwicklung von Expertensystemen zeigen. muß offen bleiben und ist auf dem gegenwärtigen arbeitssoziologischen Wissensstand noch nicht zweifelsfrei vorhersehbar.Inwieweit sich diese "Grundsätze" im Verlauf der logistischen Rationalisierung in den Arbeitsprozessen des Gütertransportsystems auch tatsächlich einmal durchsetzen werden. ob die Industrialisierung der Transportarbeit zu einer. Mikropolitik. 145) oder aber der Einsatz von IuK-Technologien im Gegenteil eine Reprofessionalisierung und Aufhebung der Arbeitsteilung durch Integration von operativen und dispositiven Leistungen bewirkt (vgl. sondern generell mit jedweder Zerlegung von Arbeit gleichgesetzt wird. Darüber hinaus ist eine Identifizierung von Taylorismus und Industrialisierung. was ist dann generell von der These einer "Industrialisierung" der Transportarbeit zu halten? Die Argumentation. ebd. als ob der Taylorismus hier nicht mehr als eine spezifische historische Form der Organisierung von Arbeitsteilung verstanden wird. 128. 11f.bzw. Florian 1993b). wo eine weitgehende Verlagerung disponierender Tätigkeiten von den LKW-Fahrern auf die stationäre "Disposition" in der Spedition erfolgen soll und den Fahrern selbst nur noch ausführende Tätigkeitselemente verbleiben sollen. daß die logistischen Rationalisierungsprozesse zu einer Industrialisierung der Transportarbeit führen. zumal sich die Urheber dieser Übertragung selbst nicht ganz einig darüber sind. wenig hilfreich. stützen sich auf ein Bündel ver80 . die bei den Duisburgern anklingt. Nach meinem Eindruck sind aber Einwände gegen die Taylorismus-Analogie angebracht. die ausführenden Tätigkeiten dequalifizierenden Zerlegung und Standardisierung der Arbeitsabläufe führt (so bei Danckwerts et al. Unternehmenskulturen. S. mit denen sich Industrialisierungsprozesse praktisch durchzusetzen pflegen. Zweifel über die praktische Tragfähigkeit logistischer Konzepte sind allerdings dort angebracht. Die Transformation von praktischem Wissen und Erfahrungsregeln in wissenschaftliche Wissensformen ist zudem nicht problemlos zu realisieren. 124f. um die Feindisposition der Fahrer vor Ort zu ersetzen (vgl. 138 und 152). Angesichts vielfältiger Unsicherheiten beim Transportablauf ist die existierende Branchensoftware für derart komplexe Aufgabenstellungen zur Zeit noch weitgehend ungeeignet... um die differenzierten Entwicklungstrends der Transportarbeit im Straßengüterverkehr angemessen zu beschreiben. Wenn aber der Taylorismus nicht das geeignete Modell bietet. Man gewinnt den Eindruck. S. subjektive Bezüge zur Arbeit). Die kritischen Punkte der nur begrenzten Reichweite und Rationalität formaler Organisation schließlich und die Realitätsferne instrumentalistischer Konzepte des Homo Oeconomicus sind seit langem bekannt und werden in jüngster Zeit wieder verstärkt gegen den Universalitätsanspruch rationalistischer Wirklichkeitsmodelle angeführt (Stichworte: Organisations. um den Besonderheiten und Differenzierungen nachzuspüren.

was die Bezugnahme auf "Ganzheitlichkeit" und "Integration" betrifft) vor allem darin voneinander unterscheiden. . 171).und Kommunikationstechniken ..B. daß technische und organisatorische Maßnahmen nicht mehr länger punktuell.. Hervorhebungen durch M. 11. die sich trotz einiger Überschneidungen (z. dies allerdings nicht. im folgenden auch Schmidt 1990).. Eine andere Auffassung von systemischer Rationalisierung ist von Norbert Altmann et al. S. "Netze von Abnehmer-Zulieferbeziehungen. das von den Duisburgern auf logistische Rationalisierungsabläufe übertragen wird. 150ff. der den Fokus auf die zwischenbetriebliche Vernetzung legt. 150). 165ff.). Distributionsnetze (auf verschiedenen Handelsstufen).) Systemisch ist umfangslogisch als Entgegensetzung zu punktuell oder einzelfunktionsbezogen zu verstehen. daß Danckwerts et al. "Systemische Rationalisierung in Dienstleistungsunternehmen heißt. ohne dabei einer gewissen Überstrapazierung des Rationalitäts. die aus der Perspektive der Entwicklung von Rationalisierungskonzepten für den Dienstleistungsbereich entwickelt worden ist (vgl.. S.eine "tendenzielle Abkehr der neuen integrierten Rationalisierungsperspektiven von ausschließlich innerbetrieblichen Problemkonstellationen vollzieht" (ebd. Die Übernahme der Kategorie systemischer Rationalisierung auf logistische Innovationsprozesse drängt sich aus dieser Sicht förmlich auf.richtet sich auf die Integration und Verknüpfung der einzelnen Teilprozesse. Netze der Kreditwirtschaft.und Marktstrukturen gezielt wird. Einen zentralen Bezugspunkt bildet dabei die von Norbert Altmann et al. da sich im Dienstleistungsbereich . auf einzelne betriebliche Aufgaben hin betrieben werden. (1991.ihr Inhalt ist dabei 81 .).. d. S. (1986) am "Institut für Sozialforschung" (ISF) in München entwickelt worden. Im "Soziologischen Forschungsinstitut" (SOFI) Göttingen wird der Begriff systemischer Rationalisierung von Martin Baethge und Herbert Oberbeck (1986. In der Industriesoziologie kursieren derzeit zwei konkurrierende Auffassungen über "systemische" Rationalisierung.h. S. 150 und 171. aber auch konzerninterne Strukturen (von Produktionseinheiten. 171). Entwicklungsabteilungen etc. ebd.F. 19f. 1990) als eine deskriptive empirische Kategorie benutzt. daß sie andere Bezugsebenen für die Bestimmung des systemischen Charakters der Rationalisierung wählen (vgl. 27) sich in ihrem Konzept systemischer Rationalisierung im wesentlichen auf die ISF-Version von Altmann et al. (1986) beziehen: "Systemische Rationalisierung . technisch-soziale Gestaltung von Arbeits-.)" (Altmann und Sauer 1989. zitiert nach Schmidt 1990. Betriebs. als Tendenz zur Einbeziehung des Betriebsganzen und seines Marktumfeldes in den Rationalisierungsprozeß" (Baethge und Oberbeck 1990.schiedener Annahmen. ihre Kategorie systemtheoretisch und durch ein angemessenes Rationalitätsverständnis fundieren zu müssen (vgl.vor dem Hintergrund veränderter Markt. eignet sich damit noch besser für eine Übertragung auf logistische Rationalisierungsmodelle. Service-Netze. S.und Verwertungsbedingungen und unter Einsatz neuer Informations. Der Münchener Ansatz. Vertriebsstellen. (.und Realitätsgehaltes dieses neuen Rationalisierungsmodells anheimzufallen. Mit der Betonung des Modellcharakters ("Konzept") dieses neuen Rationalisierungstyps versuchen Baethge und Oberbeck sich einerseits von dem Begriff der "neuen Produktionskonzepte" (Kern/Schumann) abzuheben und andererseits von der Last zu befreien.. S. besonders S. so daß es nicht weiter überrascht. sondern daß von den Unternehmen verstärkt auf die integrierte. (1986) im Münchner "Institut für Sozialforschung" entwickelte Version des Konzeptes systemischer Rationalisierung. 1990. bei der die "Netzstruktur zwischenbetrieblicher Beziehungen" den entscheidenden Ansatzpunkt zur Bestimmung des systemischen Charakters des neuen Rationalisierungstyps bildet.

89f. 1991. die zu einem Abbau der handwerklich-gewerblichen Formen der Abwicklung von Transportleistungen führen und die schließlich sogar zur Auflösung der gewerblich-institutionellen Strukturen des Gütertransportsystems schlechthin beitragen sollen (vgl. 154 und 174). mit der Folge. Umschlag und Lagerung "nahtlos" mit der Produktion im engeren Sinne (sowie der Warenverteilung des Handels) "verzahnt". die ich als "Integrationsthese" und als "Anpassungs. daß das Gütertransportsystem selbst industrialisiert wird (Danckwerts et al. 27). Disponenten etc. daß die Transportarbeit mit der Einbindung der Fahrer. Hervorhebungen durch M.F. 49 und 173). Danckwerts et al.wobei als Instrumente dieser Vernetzung die modernen Informations-. daß der Transport "unmittelbarer Teil der industriellen Fertigungsplanung oder Warendistribution" wird (Baars 1987. durch optimale Koordination Synergieeffekte auszulösen. muß die Integrationsthese aus der engeren Einbindung des Gütertransportes zugleich eine 82 ..mit dem Ziel. Da der Straßengüterverkehr spätestens seit der Herausbildung marktstarker Verlader aber praktisch bereits als ein Bestandteil der industriellen Produktionsplanung behandelt wird (vgl. 1991. S.. Organisations. in die EDV-Systeme der verladenden Industrie und durch den Zwang zur Standardisierung der Arbeitsabläufe. Die Herausbildung "systemisch-technischer Formen der Abwicklung logistischer Leistungen" erfolgt dabei auf der Grundlage der Elektronisierung und Mechanisierung.). 124f. . 35). S.oder Subsumtionsthese" bezeichnen möchte. 1991. Als Bestandteil industrieller Produktionsprozesse werden Transport.das Primat der Ökonomie der Zeit in diesen Interdependenzen. Standardisierung und Normierung als den entscheidenden Impulsen für eine Industrialisierung des Gütertransportsystems.. Char 1988. die informationstechnologische Vernetzung und das Entstehen neuer betriebsübergreifender Verbundsysteme" als Elemente der "systemischen" Rationalisierung von Transport. S. schon Marx in MEW 23. 115.und Steuerungstechnologien eingesetzt werden" (Danckwerts et al. 36). Die These von der Industrialisierung der Transportarbeit beruht dabei in ihren Kernargumenten auf zwei aneinander anschließenden Annahmen.. wobei "neben neuen arbeitsorganisatorischen Konzepten die EDV-gestützte Leistungserstellung (.). S. der Informationsverarbeitung und Kommunikationsprozesse an die Bedingungen informationstechnologischer Vernetzung angepaßt wird (Baars 1987..). S. S. # Anpassungs. S. S. . Aus dieser Sicht erscheint die Logistik zugleich als "Konzeption und Instrument systemischer Rationalisierung" (ebd. S.oder Subsumtionsthese Des weiteren wird erwartet. Umschlag und Lagerhaltung identifiziert werden (ebd. # Integrationsthese Zunächst wird davon ausgegangen. 115. 405) und besonders in der Form des Werkverkehrs seit langem hochgradig integriert verläuft.

Zunächst stellt sich die Frage. die Reichweite und Grenzen der logistischen Rationalisierung im Straßengütertransport etwas genauer auszuloten. z.). so daß eine durchgängige Industrialisierung als ein "Phyrrussieg" der verladenden über die transportierende Wirtschaft erscheinen muß? Gegenüber den flexiblen mittelständischen Strukturen im Gütertransportgewerbe bieten die europäischen Eisenbahnen als ein sehr früh industrialisiertes Transportmittel zahlreiche Indizien für die unerwünschten Nebeneffekte einer sehr weit fortgeschrittenen Standardisierung und Bürokratisierung. oder ob sich die Übertragung bestimmter Momente industrieller Arbeitsformen nicht vielleicht sogar als kontraproduktiv für den reibungslosen Transportablauf erweisen könnte. Die Annahme einer weitreichenden Deckungsgleichheit zwischen "theoretischen" Rationalisierungsansprüchen und ihrer betrieblichen Realisierung erscheint außerdem angesichts der Komplexität und Störungsrisiken vernetzter logistischer Systeme (vgl. mit dem Ziel. wenn nicht sogar als naiv. Beide extremen Positionen . möchte ich mich im folgenden auf die "stofflichen" Besonderheiten und den Dienstleistungscharakter des Arbeitsprozesses im Straßengüter(fern)verkehr konzentrieren. Kühn et al. 1990.entsprechende systematische Umgestaltung der Transportwirtschaft im Hinblick auf industrielle Anforderungen ableiten (vgl. Das qualitativ Neue an der Industrialisierung der Transportarbeit wird in diesem Zusammenhang in einer "systemweiten Industrialisierung der Transporttätigkeiten" gesehen. daß die Integration des Straßengütertransportes im Zuge der logistischen Rationalisierung unter Verlust der Eigenheiten der Arbeitsprozesse des Transportwesens erfolgt. Die Industrialisierungsthese unterstellt damit implizit.die der unbegrenzten Industrialisierung ebenso wie die der grundsätzlichen Industrialisierungsresistenz . durch die nunmehr "alle verbleibenden Elemente des Gütertransportsystems von industriellen Techniken und Organisationsprinzipien durchdrungen" würden (ebd. 90). S. Da sich aber die Duisburger Forschungsgruppe für die Industrialisierungsthese stark macht. allein aus den "gegenständlichen" Besonderheiten und aus dem Dienstleistungscharakter der Transportarbeit bereits ein wirksames Rationalisierungsdilemma abzuleiten. S. und zwar bei strikter Unterordnung des Transportgeschehens unter die Anforderungen der verladenden Industrie. ob die Einbeziehung aller am Wertschöpfungsprozeß Beteiligten in ein logistisches Gesamtkonzept überhaupt notwendigerweise auch zu einer Industrialisierung der Transportarbeit führen muß. soweit dadurch mögliche kontraproduktive Neben. um daraus eine gesicherte Prognose für die Zukunft der Transportarbeit zu entwickeln.B.und Fernwirkungen der Industrialisierung vernachlässigt werden. Dabei 83 .sind nach meinem Eindruck derzeit noch nicht hinreichend zu belegen. das alle Industrialisierungstendenzen von vornherein zum Scheitern verurteilte. bei Char 1988. Andererseits wäre es sicherlich ebenso verfehlt. 104 und 159) als viel zu optimistisch.

40 Dies liegt nicht etwa daran. Wie Beispiele aus dem innerbetrieblichen Transport zeigen. Das mobile Arbeitsmittel Lastkraftwagen ist allerdings nicht mit stationären Maschinen zu vergleichen. 17) zwischen der Tätigkeit eines Drehers und der eines Lastwagenfahrers sehen.h. S.als motorisiertes Fuhrwerk . daß LKWFahren sich prinzipiell einer Automatisierung und einer entsprechenden. die aus der Wirkung der zweckmäßigen Arbeitstätigkeit auf den Gegenstand mit Hilfe des jeweiligen Arbeitsmittels resultiert (vgl. die der transportierenden Arbeit ihre unverwechselbare Gestalt verleihen. Die Besonderheiten der "stofflichen Seite" (Marx 1974.kommt es darauf an. (Maschinenwagen. auf Leitstände gestützten Überwachungsform entziehen würde. 28ff. (1970. Der Arbeitsgegenstand der Transportarbeit ist in der Regel ein bereits hergestelltes Produkt. S. jene besonderen Merkmale zu identifizieren. "daß eigenes manuelles Tun und Reaktion der Maschine zusammen mit eigener Wahrnehmung und Steuerungsverhalten einen einzigen sensomotorischen Regelkreis" bildet. obwohl sich die "Lokomotionsindustrie" (Marx) deshalb nicht grundsätzlich außerhalb der globalen Tendenzen kapitalistischer Industrialisierungsprozesse bewegt. S. Wechselbehälter etc. die Arbeitsmittel und die "lebendige Arbeit" im Gütertransportgewerbe. MEW 23. Auch wenn der LKW . 583) des Transportprozesses. Ungeachtet ihrer stofflichen Besonderheiten bezwecken die Arbeitsprozesse im Straßengüterverkehr wie jede Form von Arbeit eine (in diesem Fall: räumliche) Veränderung des Arbeitsgegenstandes. dessen "stoffliche" Eigenschaften durch den Transport nicht mehr verändert werden dürfen. Im Straßengütertransport fungieren dabei die Lastkraftwagen und (Sattel)Zugmaschinen einschließlich der Aufbauten. S.h. Anhänger oder Sattelauflieger) als primäre "Arbeitsmittel". 192 und 195).). halte ich allerdings für etwas überzogen.das Resultat eines Mechanisierungsprozesses ist. das Arbeitsmaterial. wieso ein Dreher seine Maschine nicht auch in einer Weise beherrschen können soll. der Ort.39 Was sich ändern muß. bei Obst. ist allein die Raum-Zeit-Position des Transportgutes. während das zu transportierende Ladegut als "Arbeitsgegenstand" aufzufassen ist (vgl.B. Die Unterschiede. daß es gravierende Unterschiede gibt zwischen der zuweilen so genannten "Transportindustrie" und dem Maschinen. 84 . trotz der unbestreitbaren Einbindung der Transportwirtschaft in den allgemeinen gesellschaftshistorischen Prozeß der Industrialisierung.und Werkstattbetrieb der fabrikmäßig organisierten Industrieproduktion als dem Prototypen für industrialisierte Arbeitsformen. kann das "Führen" eines Kraftfahrzeuges nicht mit dem "Bedienen" einer Maschine gleichgesetzt werden. das einen langen Transportweg hinter sich bringen muß und deshalb noch unreif geerntet wird) bilden hier eine der wenigen Ausnahmen. die Bahrdt et al. lassen eine vorschnelle Übertragung der üblichen Industrialisierungsmerkmale auf den Straßengütertransport nicht ohne weiteres zu. an dem es sich zu einer bestimmten Zeit befindet. d. d. Mir leuchtet nicht ein. sind selbst komplizierte Fahrabläufe und Feinpositionierungen bei Fahrerlosen Trans- 39 40 Einkalkulierte Reifungsprozesse bei landwirtschaftlichen Produkten (z. auch Bogedale 1983. Schon bei oberflächlicher Betrachtung müßte eigentlich auffallen.

wenn dies mit einer zumutbaren Sicherheitsreserve und einem gesellschaftlich gebilligten "Restrisiko" überhaupt technisch möglich und gesellschaftlich wünschbar erscheint. 101.und Navigationssystem für "fahrerlose" Gütertransportsysteme. Mit der Betonung abendländischer Rationalisierungstendenzen als einer Leitfigur industriellkapitalistischer Umwälzungen hat Weber zwar durchaus eigene Akzente gesetzt.und Kommunikationstechniken (Stichworte: Bordcomputer.portsystemen unter entsprechendem Aufwand automatisierbar.und Zulieferindustrie kooperieren. Sogar die noch am ehesten mechanisierbaren Arbeitstätigkeiten im Güterumschlag haben sich bis in die heutige Zeit hinein als außergewöhnlich widerstandsfähig gegenüber der vollständigen technischen Substitution menschlicher Arbeitskraft erwiesen.und Lebensbereiche. Meine These lautet. das selbst im Nahverkehr mit einer nicht mehr kalkulierbaren Anzahl von Verkehrsteilnehmern und -situationen rechnen müßte.und funktionssicheres Steuerungs. um der nichtssagenden Kategorie der Industrialisierung wieder genügend Trennschärfe zu verleihen. ist eine angemessene Arbeitsmotivation auf dem Einzel. Lutz und Schmidt 1977.trotz unterschiedlicher Auffassungen im Detail . Anders als im innerbetrieblichen Materialfluß. sind weiterführende Überlegungen notwendig. 85 . gebunden (vgl.zumindest 41 Dennoch gibt es europäische Projektvorhaben im Rahmen von "Prometheus" (Programme for European Traffic with Highest Efficiency und Unprecedented Safety). die in der stationären. ist wohl auf absehbare Zeit unter vertretbaren ökonomischen Kosten und technischem Aufwand nicht realisierbar. die das Fahrer-Fahrzeug-System in unvorhersehbarer Weise beeinflußt. Weil sich die Erzeugung einer Ortsveränderung des Transportgutes nur durch die Mobilisierung des Arbeitsplatzes der Kraftfahrzeugführer bewerkstelligen läßt. Soll nicht jede Form von Technik oder Organisation undifferenziert als "industriell" gekennzeichnet werden. bei dem Forschungseinrichtungen mit der europäischen Automobil-. Dennoch ist gerade die Unterwegs-Kontrolle ein zentraler Ansatzpunkt für Rationalisierungsstrategien. Kontingenz und Virulenz der außerbetrieblichen Verkehrs-"Umwelt". Satellitenkommunikation etc. S. daß . bei der Lektüre von Sombarts Studien über den modernen Kapitalismus und der Marxschen Kritik der Politischen Ökonomie lassen sich aber überraschende Parallelen und Berührungspunkte zu Webers Argumentationslinie finden. um mit einer (teilweisen) Automatisierung des Fahrzeugverkehrs zu experimentieren.41 Schließlich beruht auch die Arbeitstätigkeit im Transportgewerbe typischerweise nicht auf fabrikmäßig organisierten und technisierten Arbeitsabläufen. Ein arbeits. sozialräumlich verdichteten "Werkstatt" großer Produktionsbetriebe realisierbar sind. werden die Rationalisierungspotentiale bei bemannten Umschlagmitteln erst in jüngster Zeit stärker ausgeschöpft. 246f. S. Im Verständnis der Industriesoziologie wird Industrialisierung meist sehr eng an die Technisierung und Organisierung gesellschaftlicher Funktions.). die auf dem systematischen Einsatz moderner Informations. Beckenbach 1991. besonders der Güterproduktion. wo der Einsatz "Fahrerloser Transportsysteme" schon seit den sechziger Jahren bekannt ist.oder Doppelarbeitsplatz im LKW auch nicht mit den üblichen fabrikmäßigen Disziplinierungsmitteln zu verwirklichen. Der entscheidende Unterschied ist aber die unvergleichbar hohe Komplexität und Intransparenz.). Elektronik.

Auf den ersten Blick vollbringen Lastkraftwagenfahrer ähnlich wie Handwerker ein "individuelles Werk" (vgl. I. 86 . Der relativ geringe Mechanisierungsgrad beim "Führen" eines LKW bietet den Fahrern auch heute noch einen vergleichweise 42 43 In jüngerer Zeit haben Adalbert Evers und Helga Novotny (1987) am Beispiel der Geschichte von Armutsgefahren und aktueller technologischer Risiken auf die (industrie)gesellschaftliche Bedeutung aufmerksam gemacht. auch Marx.und Kommunikationstechniken hat dabei zugleich auch die Grenzen einer sinnvollen Substitution "organischer" Formen der Informationsverarbeitung und Kommunikation aufgezeigt. Bd. Organisches durch Anorganisches zu ersetzen. was auch den im Verlauf industrieller Entwicklungen stark wachsenden Bedarf nach "Gewährleistungsarbeit" und nicht-organischen Gewährleistungsformen erklärt.43 In den letzten Jahren sind die Grenzen der Rationalisierung deutlich geworden. 194). S. Anorganisches durch Organisches zu verdrängen. Die rasche Verbreitung elektronischer Informations. 72ff. die dem "Umgang mit Unsicherheit" und der "Entdeckung der Gestaltbarkeit von Gesellschaft" zukommt (zur Bedeutung der gesellschaftlichen Selbstregulation und Kontrolle für die Entstehung neuer Gesellschaftsformen vgl.bei Marx. MEW 3. Biosensorik und Bioinformatik deuten ebenso wie gentechnische Manipulationen neue Möglichkeiten an. 1922. scheint Industrialisierungsprozesse grundlegend zu kennzeichnen. bleibt selbstverständlich nicht ohne Gegenbewegungen. Wissenschaftliche Entwicklungen in der Biogenetik. Im Bereich des Straßengütertransportes gewinnt die auf der persönlichen Qualifikation einzelner beruhende Gewährleistungsarbeit einen besonderen Stellenwert. die sich im Gefolge der Industrialisierung ohne weiteres durch fabrikmäßig organisierte und konzentrierte Formen der Arbeit verdrängen lassen. Sombart. Organisation und Lebensweise einen gemeinsamen Bezugspunkt für das Verständnis der gesellschaftlichen Herausbildung des industriellen Kapitalismus bildet (vgl.). Die globale Tendenz.1. Technik. wo Formen rigider Arbeitsteilung und zentralistischer Kontrolle im Vergleich zu organisatorischen Konzepten "kontollierter Autonomie" (Wotschak 1985) und "kontrollierter Dezentralisierung" (Volst und Wagner 1990) nicht in jedem Fall leistungsfähiger und berechenbarer sind. Trotz ihres fuhrhandwerklichen Charakters ist die Transportarbeit als eine produktionsbezogene Dienstleistung nicht mit jenen handwerklichgewerblichen Arbeitstätigkeiten zu vergleichen. S. Weber und Sombart die tendenzielle Zurückdrängung "naturwüchsiger" Formen des Umgangs mit Unsicherheiten auf der Grundlage moderner Wissenschaft. ausführlicher Florian 1994). die Güterproduktion gegen die Unsicherheiten "organischer" Arbeit und Technik abzuschirmen.42 Im Vergleich zu vorindustriellen Gesellschaften zeichnen sich industrielle Kulturen durch eine neue Art der gesellschaftlichen Bewältigung von Unsicherheiten aus. Vor allem die systematischen Versuche. besonders aber gegen den Eigensinn und den störenden Einfluß menschlicher Arbeitskräfte zu "schützen".

die von dem sich nunmehr herausbildenden Speditionsgewerbe übernommen werden. ausführlicher Florian 1994). im folgenden vor allem Sombart 1922. bei dem die Güter jeweils nur bis zur nächsten Stadt befördert wurden. 245ff. in der Mobilität. 466). Dies gilt vor allem für die Sicherungs. Deshalb hat die Tätigkeit des LKW-Fahrers auch heute noch wesentliche Bestandteile jener "empirisch-organischen Verfahrensweisen" behalten.1. die für handwerksmäßig organisierte Arbeitsabläufe charakteristisch sind (vgl. bildeten die Fuhrleute Zünfte mit eigenem Brauchtum und einer strengen Berufs. der industriellen Entwicklung Fesseln anzulegen. Der "Kampf gegen den Raum" (Braudel) und die Suche nach der verlorenen Zeit mußten zunächst als ziemlich aussichtslos erscheinen. Bei genauerer Betrachtung verweist die "Motorisierung" des klassischen Fuhrwerks zwar auf eine Verwendung mechanischer Bewegungskräfte. bevor gegen Mitte des 19. II. Bereits während des Mittelalters bildete sich in größeren Städten ein selbständiges. seine Unregelmäßigkeit und sehr hohen Kosten ziehen dem Machbaren lange Zeit enge Grenzen" (Braudel 1985.B. um von den dort ansässigen Fuhrleuten übernommen zu werden. Insofern vermittelt die "Industrialisierung" von Arbeit und Technik im Straßengütertransport . diente später aber vor allem der bequemeren Zufahrt zu den Eisenbahnstationen (vgl. Jahrhunderts erlaubte eine Vergrößerung und technische Verbesserung der Lastfuhrwerke (Sombart 1922. S. Bd. 200ff. handwerksmäßig organisiertes Tier. Jahrhunderts mit dem Ausbau des europäischen Straßennetzes44 und der Einführung der Eisenbahntechnik eine qualitative technische und organisatorische Verbesserung des Landtransportes einsetzte.1. II. gewinnen mit der Zunahme des Fernhandels zusätzliche Dienstleistungen gegenüber der reinen Frachtführerschaft an Bedeutung. die allerdings ohne den Einsatz eines für die industrielle Fabrik typischen Maschinensystems ("Maschinerie") erfolgt.den Eindruck einer eher geringen Entwicklungsdynamik. Nach der Ausdifferenzierung und Verselbständigung der Transporttätigkeit gegenüber Produktion und Handel während des Mittelalters. Zu den Möglichkeiten der persönlichen Stilisierung der Arbeitsleistung tritt im Laufe der Zeit der Dienstleistungscharakter der Transportarbeit stärker in den Vordergrund (vgl. daß die landgestützten Transportmittel über einen langen historischen Zeitraum wegen ihrer ungeheuren Schwerfälligkeit und ihrer enormen technischen Rückständigkeit in der Lage waren.). 87 .großen Spielraum für die individuelle Stilisierung ihres Arbeitsablaufes und die subjektive Färbung ihres Arbeitsproduktes (z.und Wagenhaltergewerbe.und Ehrauffassung. 1. Tempo und Beschleunigung als selbstverständliche Merkmale unserer leiblichen Beziehung zu Raum und Zeit gelten.). Bd. S. S.im Vergleich zur rasanten technischen Entwicklung im Produktionsbereich . wird meist übersehen.1. soweit "der Güteraustausch als Werkzeug jeder aufstrebenden Wirtschaftsgesellschaft durch die vom Transportwesen gesetzten Schranken behindert war: Seine Langsamkeit und geringe Leistungsfähigkeit. 285f. In einer Epoche. durch persönliche Fahrstile).). S. Wie in anderen Gewerben auch.und Gewährleistungsfunktionen. Das durch Zünfte kontrollierte.). Die Mechanisierung hat im Transportwesen den Stellenwert und den regulierenden Charakter der manuellen und geistigen Arbeitstätigkeiten des Chauffeurs bis zum heutigen Tage noch nicht verdrängen können. I. S. Sombart 1922. Sombart 1927. das den Kaufleuten gegen Entgelt seine Transportmittel auf der Grundlage von Frachtverträgen anbot (vgl. lediglich lokal operierende Transporthandwerk organisierte den Gütertransport als Etappenverkehr. Bd. 328ff. 44 Der Bau "künstlicher" Landstraßen ("Chausseen") seit Mitte des 18.

FIATA Weltkongreß 1975 in Rotterdam. Sombart 1922. Die für die Sicherheit von Transport und Umschlag notwendigen Vermittlungs. im folgenden Berger und Offe 1981. S.. II. der Spediteur zu finden sei: "Wherever there is disturbance. bei denen die Gewährleistung von Sicherheit und Gewißheit eine zentrale Rolle spielt. Der Gütertransport in sogenannten "wilden" Fuhren wurde zunächst von Landwirten im Nebenerwerb geleistet (vgl. sich 88 . Mit der Ausweitung des Fernverkehrs genügte dieses lokale Kontrollorgan nicht mehr. mit vielen dispositiven Anteilen durchsetzten Organisation der Transportarbeit beigetragen hat. scheint die Transportarbeit von Fernfahrern zu jenen produktionsbezogenen Dienstleistungen zu gehören. 137. konnten die Kaufleute und Frachtführer wegen der Transparenz der Transport. und beginnenden 19. S. S. das im 18. the forwarder will be present" (Britannicus: The Role of Modern Freight Forwarder in Europe. die vor allem aus dem diskontinuierlichen Arbeitsanfall und aus straßenverkehrsbedingten Kontingenzen resultieren. aber dennoch reglementierte interlokale Fuhrgewerbe (vgl. lassen sich vor allem "Zeitreserven" aufbauen. Sombart 1922. zu einer relativ autonomen.. II. 331) sowie das Speditionsgewerbe (vgl. Diese neuartige. die für Dienstleistungsarbeit charakteristisch ist.). Gotta 1982. S. Solange noch die in Zünften organisierten. die schon zu Beginn des Ferntransportes als notwendige Dienstleistung zum Bestandteil der eigentlichen Transportaufgabe wird. nicht in Zünften organisierte. die dem Fuhrmann Frachten und dem Versender Transportgelegenheiten sicherte sowie die Verantwortung für den Frachtführer übernahm (vgl. Florian 1994). zitiert nach Vogel 1979. Die "Gewährleistungsfunktion" ist besonders von Ulrike Berger und Claus Offe als ein entscheidendes Kriterium bei der Definition von Dienstleistungsarbeit herausgestellt worden (vgl. 308) Meine These ist. S. im folgenden ebd. übernahmen nun die "Spediteure". auf die Gewährleistung der Sicherheit des Transportablaufs orientierte Dienstleistungsfunktion. einer besonderen Form der Arbeitsorganisation.und Kontrolltätigkeiten oblagen der Aufsicht meist halbamtlicher "Güterbestätter".1.). interlokale Frachtfuhrgewerbe" heraus.1. Bd. Diese fundamentale Sicherheits. Auch wenn es durchaus berechtigte Einwände gegen die universelle Gültigkeit dieses Merkmals gibt (vgl. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte (Sombart 1922. 175. Bd. Berger 1984.und Gewährleistungsfunktion". bildete sich "das 'freie' oder 'wilde'. wo es Störungen gibt. 335).). Für die Bewältigung von Unsicherheiten. 332ff.1. S.In Konkurrenz zu dem "Etappentransporthandwerk".und Umschlagvorgänge zueinander in eine direkte Geschäftsbeziehung treten. Die Bewältigung der Ungewißheiten des Transportablaufes macht die Bereithaltung und Mobilisierung von "Reservekapazitäten" (Berger/Offe) erforderlich als eine Strategie zur Vermeidung von Störungen und Unregelmäßigkeiten. S. die sich im Zeichen der Umbildung des Fuhrgewerbes in der frühkapitalistischen Epoche entwickelte und auf der Grundlage der vielfältigen Unsicherheiten des Fernverkehrs entstand. lokalen Transporthandwerker den Gütertransport dominierten. Braudel 1985. In: Sonderausgabe der DVZ zum XIV. Später bildeten sich schließlich Urformen der Organisation des modernen Straßengüterfernverkehrsgewerbes heraus: das selbständige und freie. Heimes 1978). 462f. S. die jedoch eine außergewöhnliche Leistungsbereitschaft auf seiten der Fahrer voraussetzen. II. das bis in die Zeit der Eisenbahnen hinein erhalten blieb.und Gewährleistungsfunktion kommt in dem bezeichnenden Motto britischer Spediteure zum Ausdruck. daß überall dort. und zwischen Kaufmann und Frachtführer mußte eine Vermittlungsstelle treten. 329f. daß diese "Sicherungs. S. 197ff.

Dennoch ist gegenwärtig noch nicht davon auszugehen.und Emissionsbelastungen).und Betriebsmittelverbrauchs sowie von Lärm. Allzu rigide gestaltete Kontrollen des Arbeitsprozesses der Berufskraftfahrer dürften nicht ohne kontraproduktive Effekte auf deren Dienstleistungsmotivation bleiben. Zunahme der Leistung und Elastizität der Dieselmotoren. Unter logistischen Kostenkalkülen und Just-in-Time-Bedingungen stellt die "Überproduktion". Die Qualität dieser Gewährleistung aber ist sicherlich nicht ohne weiteres zum "Nulltarif" zu haben. den Fahrern unterwegs "über die Schulter zu sehen" und sie durch permanente Dialogfähigkeit und Lokalisierung besser kontrollieren zu können. der Transport "auf Vorrat".h. keine ökonomisch akzeptable Strategie der Reservenbildung dar. Semi.2). wobei zu unterscheiden ist.nicht wesentlich zu ändern. Dennoch hat es in den letzten Jahren einzelne fahrzeugtechnische Verbesserungen gegeben. auf die Gewährleistungsarbeit der Fahrer in absehbarer Zeit gänzlich verzichtet werden kann. wo relevante Kontingenzen tatsächlich die Qualität der Transportleistung gefährden können.B. weil die Lagerhaltung aufgrund der hohen Bindung von Kapital ja gewissermaßen auf die Straße verlagert werden soll. druckluftunterstützte Kupplungen. um die Transportarbeit auf der Grundlage handwerklich gefärbter.B. d. ABS. 2. daß zumindest dort. Allen kühnen Automatisierungsvisionen zum Trotz scheint sich dies auch beim verstärkten Einsatz elektronischer Informations. andererseits ist gerade mit dem Einsatz von Bordcomputern erstmals die Chance für das Transportmanagement verbunden.und Vollautomatikgetriebe) sowie schließlich 89 . produktionsbezogener Dienstleistungstätigkeiten zu rationalisieren? Die Motorisierung und Mechanisierung des Lastkraftwagens hat bislang lediglich zu einer partiellen Substitution "organischer" Kräfte geführt. elektronische Geschwindigkeitsregler. Verringerung des Kraftstoff. elektronische Kraftstoff-Einspritzung. Servolenkung. Dann könnten diese Qualifikationen von den Fahrern auch als arbeits. besonders was die Motorisierung betrifft (z. um Kosten und Lagerkapazitäten zu sparen ("rollendes Lager").zumindest auf absehbare Zeit . Auch "Qualifikationsreserven" erscheinen als eine sinnvolle Strategie gegenüber unwägbaren Problemsituationen im Straßengütertransport. ob die geforderten Leistungen lediglich stillschweigend vorausgesetzt werden oder ob sie auch durch legitime Bildungstitel gesichert und anerkannt sind. was den Bedienungskomfort und die Sicherheit angeht (z. Die Dringlichkeit schneller und flexibler Eingriffe in das Transportgeschehen lassen auf der einen Seite ausreichende Entscheidungsspielräume für die kurzfristig reagierende Vor-Ort-Disposition der Fahrer als geboten erscheinen. was angesichts der schwachen Verberuflichung von LKW-Fahrern aber fraglich erscheint (Kap.und Kommunikationstechniken an Bord des Lastkraftwagens .und leistungspolitische Verhandlungsressource genutzt werden. Welche technischen und organisatorischen Möglichkeiten bieten sich dann überhaupt.weit über die als normal geltende Arbeitszeit hinaus zur Verfügung zu halten (neben der reinen Lenkzeit besonders die sogenannten "Arbeitsbereitschaftszeiten"). Retarder.

Diverse Sensoren überwachen die Fahrt des Trucks. bis der Schaltvorgang wirklich vollzogen ist. wann geschaltet und welcher Gang eingelegt wird. Der Fahrer kann den Gang akzeptieren oder am Joystick auf der Mittelkonsole korrigieren.und Trucker-Zeitschriften aber zuweilen recht argwöhnisch betrachtet. den Umfang und die Menge transportierbarer Nutzlasten betrifft. gibt es beim Schalten selbst keinerlei Probleme. S. Zum Verständnis muß dies ganz klar gesagt werden. Wartet man das Rücksignal wirklich ab. '10 bis 15 Prozent schneller'.45 45 So wird das vollautomatische LKW-Getriebe von Volvo ("Geartronic") in einem Kommentar von Rainer Rex ("Chip für Chip") in dem Nutzfahrzeugmagazin "lastauto omnibus" (Heft 11. Gaspedalstellung. körperlichen Arbeitsanforderungen. 1991. wird von den Fahrern und ihren Repräsentanten in den Redaktionen der Fernfahrer. Ein Hydraulikzylinder hält die Kupplung solange geöffnet. daß man die Schaltzeiten wirklich akzeptieren kann. Auch ZF's AVS ist in diesem Punkt besser abgesichert. S. Erst bei Betätigen der Kupplung wird die Schaltung selbst eingeleitet. Kuppelt man in der Hektik zu früh wieder ein. durch halb. daß der Gangwechsel vollzogen ist und er wieder einkuppeln kann. 19). das verspricht das Pressepapier. bricht der Computer die Schaltung ab und man landet im Neutral. Erst beim Betätigen des Kupplungspedals wird die Schaltung pneumatisch ausgeführt. mit diesen Informationen errechnet der Computer den seiner Meinung nach korrekten Gang" (Aus: "Trucker" 5/93. daß eine Leerlaufschaltung durchgeführt werden kann. beispielsweise durch eine servounterstützte Lenkung und Schaltung. Renault verwendet ein ähnliches System.und vollautomatische Schaltgetriebe. Fahrgeschwindigkeit. Der Computer analysiert lediglich die Fahrsituation und gibt nach einem Vergleich mit den abgespeicherten Programmen eine Schaltempfehlung blinkend ans Display im Armaturenbrett.Abb. Der Rechner gibt allerdings nur Schaltempfehlungen im Display. Auch der Gruppensprung bereitet einem nun in Steigungen keine Schweißausbrüche mehr. Wenn schon viel Elektronik. 3) als ein weiterer Schritt zur möglichen Verdrängung der Fahrer 90 . das allerdings nie zuläßt. Scanias CAG ist kein Automatik-Getriebe. Und in der Tat schaltet CAG nun so schnell. dann sollte doch eigentlich diese fatale 'Verschalt'Möglichkeit abgesichert werden. solange das Fahrzeug in Bewegung ist. 6: "Ein Truck für den Fahrer": Scania R 143 mit computergestützter Schalttechnik "Der zentrale CAG-Rechner kontrolliert und steuert das Getriebe. Die Entlastung von schweren manuellen bzw. Motordrehzahl. Der Fahrer entscheidet. Ein Piepton signalisiert dem Fahrer.

Sinn macht. Als vierte Stellung des Ganghebels wird dann auf A für Automatik geschaltet" ("Im Urteil der Profis: Volvo F12 Geartronic". in: "Fernfahrer" 5/93.. Auch die elektronisch gesteuerte "Geartronic"-Schaltung des Volvo F12 muß den Fahrern gewisse Eingriffschancen überlassen. Sie kann auch der Wirtschaftlichkeit dienen. 17). ob sie bei der Getriebeschaltung. wo dem Computer lediglich eine." "Um den verschiedenen Landschaften und Verkehrssituationen. 91 .Abb. die Schalttätigkeit der Fahrer(innen) unterstützende Aufgabe bei der Realisierung einer wirtschaftlichen und schonenden Fahrweise zugebilligt wird. die so sehr von Aug' und Gefühl des Fahrers abhängt. besonders was die 46 durch die sukzessive Automatisierung des LKW gesehen: "die Nutzung der Elektronik auch im Lkw ist . wage ich zu bezweifeln. 7: Der Zusammenhang zwischen Rationalisierung und dem Nutzungszeitraum von Nutzfahrzeugen So werden am Beispiel elektronisch gesteuerter Gangschaltungen mögliche Grenzen der Automatisierung deutlich (vgl.notwendig.) Eingriffsmöglichkeiten ein.. räumt Volvo dem Lkw-Fahrer (. um deren praktisches Erfahrungswissen in unkalkulierbaren und kritischen Situationen verfügbar zu machen. die der Computer nicht frühzeitig erkennen kann.gerade der Sicherheit wegen . 6). Nur. gerecht zu werden. Man denke an ABS oder an die elektronisch geregelte Servolenkung. Paradebeispiel ist die elektronisch geregelte Kraftstoff-Einspritzung oder auch die Entlastung des Fahrers durch die elektronische Geschwindigkeitsregelung. S. Die drei Gänge der unteren Gruppe können von Hand geschaltet werden.46 Aufgrund ihres Empfehlungscharakters dürfte die CAG-Schaltung von Scania aber mehr Eingriffsmöglichkeiten und Lernchancen enthalten. Abb.

7). ist die Ausdehnung und Effektivierung des Nutzungszeitraums der Lastkraftwagen als ein wichtiges Rationalisierungspotential erkannt worden (vgl. umwelt. wird in den nächsten Jahren dem Einsatz elektronischer Informations. Vor allem die Integrationsfähigkeit einzelner Module und IuK-Komponenten in ein offenes logistisches Gesamtsystem soll dabei im "Truck-Cockpit der Zukunft" hoch bewertet werden. darf die verbindende Logistik. C/D-Netz-Telefon. d.B. manipulationssicherer Flachfahrtschreiber (FTCO) und ein Kommunikationsinterface komplettieren die Informatisierung der Transportarbeit on board (vgl. Ein nächster Schritt. Abb. Eine neuartiger. Warenempfänger und Spediteur bereits einen ständigen Informationsaustausch.bzw. die Lastkraftwagen durch eine wirtschaftliche Fahrweise rationeller zu nutzen. Eine straffe Organisation der Warenströme setzt ein integriertes Management der Fahrzeugflotten voraus. 9) "Wo industrielle Prozesse und Warenverteilung dem strengen Diktat der 'Just-in-Time'Zulieferung unterworfen sind. (.und Flottenmanagementsysteme. besonders die Entwicklung von Wechselbehältern und Containern sowie der Einsatz standardisierter Ladehilfsmittel (z. Über ein Fuhrpark-Management-System (FMS) lassen sich hierbei fahrerund fahrzeugbezogene Daten (Arbeits. Durchschnittstempo..). "Tracking and Tracing". (. Tonnenkilometerleistungen innerhalb des gleichen Zeitraumes). Abb. die elektronische Temperatur-Sensorik für Kühlaufbauten (ETS).und Ruhezeiten. dem elektronischen Diesel-Management (EDM) und dem automatischen Unfall-Datenschreiber (UDS) erfaßt werden. an dem z. wenn man der Studie über ein "Integriertes Fahrerinformationssystem (IFIS)"von Mannesmann-Kienzle folgt.und Kommunikationstechnik ein zentraler Stellenwert eingeräumt (Bordcomputer mit Touren. Arbeitsverdichtung durch eine größere Anzahl von Touren oder höhere Kilometer. nicht am langen Zügel laufen. der Gütertransport. Mit dem Ziel. Übermittlung und Auswertung von Fahrbetriebsdaten.. 8 und 9).) bis ins Detail nachvollziehen. ist die permanente Kommunikation zwischen Fahrzeug und Zentrale über Funknetze und Nachrichtensatelliten. Kraftstoffverbräuche etc.und ressourcenschonende Fahrweise betrifft Neben der Maschinisierung des Straßengütertransportes durch den Einsatz von motorisierten LKW und der Verbesserung der Umschlagtechnik.und Fahrzeugverfolgung. Das bedeutet zunächst einmal die systematische Erfassung. einem führenden Hersteller auf dem Gebiet der mobilen Informations.Z.h. mit allen Konsequenzen für die Verlängerung des Arbeitstages und die Intensivierung der Arbeit (z. Sendungs.B.und Kommunikationstechnik (vgl.und Fahrbetriebsdatenerfassung sowie OnlineKommunikations-Verbindungen via Satellit. Abb.. Euro-Palette).) Sie sind in ein dichtgeknüpftes Kommunikationsnetz eingebunden. Tourenplanungs.) Zwar praktizieren auch heute in modernen logistischen Systemen Lieferant. die über entsprechende Sensorsysteme für die Bremsüberwachung (BÜW). die Fahrer und 92 . aber die Ausführenden.Gewöhnung der Fahrer(innen) an eine wirtschaftliche. Roadfax etc.. gearbeitet wird.

transportbegleitende Informationsketten".dies sind nur einige Schlagworte der letzten Jahre. "durchgängige. Indes zeigen die Ernüchterungen über die praktische Leistungsfähigkeit neuer IuKTechnik in der Fertigungsautomatisierung. 8: "Integriertes Fahrerinformationssystem" als Zukunft der LKW-Cockpit-Technik? ihre Fahrzeuge. d. Das technisch Machbare ist keineswegs immer das ökonomisch "Rationale". "permanenter Online-Zugriff" auf den "gläsernen LKW". bleiben bislang in den meisten Fällen außen vor. die den einst vollmundigen Verheißungen des Computerintegrierten Manufacturing (CIM) in nichts nachzustehen scheinen. Zufälligkeit und Subjektivität dieses mühsamen Informationsflusses war ein triftiger Anlaß zur Entwicklung von Werkzeugen. in: Logistik im Unternehmen Nr. daß allzu optimistische oder pessimistische Szenarien über die Zukunft der Arbeit in ihren best way oder worst case Prognosen meist völlig danebenliegen. Jenseits der Betriebstore sind sie auf sich allein gestellt.Bericht von der IAA". sondern diese in die Kommunikation mit einbeziehen" ("Fuhrpark-Optimierung mit Computerhilfe . geschweige denn das gesellschaftlich als zumutbar Gebilligte und Durchsetzbare. Die Lückenhaftigkeit. sie müssen an Telefonzellen Halt machen. "permanente Fahrzeugortung und Sendungsverfolgung". S. 11/12-1989. die nicht nur die Fahrzeuge und damit auch ihre Fahrer überwachen und kontrollieren. um Meldung zu erstatten und Instruktionen entgegenzunehmen. "Computerintegriertes Transportwesen (CIT)". 93 . 46). "Bordcomputer" und "elektronischer Beifahrer" .h. Mit der Miniaturisierung und dem Preisverfall elektronischer Bauteile scheint heute alles möglich.Abb. das auch organisatorisch Realisierbare.

94 . die rasante Entwicklung informationstechnischer Entwicklungen und Anwendungen zu unterschätzen. ist die Verbreitung von IuK-Systemen im Speditionsbereich nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung derzeit als eher gering zu bewerten.Auch wenn es keinen Grund gibt.

die über ein Terminal oder einen Personalcomputer verfügen. # Nach einer Marburger Untersuchung benutzen drei Viertel der Disponenten. Für die Mehrheit der Fahrer ist allerdings mit einer Ausweitung des Anteils von reinen Fahrtätigkeiten an der Gesamtheit ihres Aufgabenspektrums zu rechnen. 56f. 56): "Bordcomputer werden erst in wenigen Fällen eingesetzt und verändern die Arbeitsplätze aus arbeitswissenschaftlicher Sicht bislang noch wenig. Getränke. Eine weitere Verbreitung von Just-inTime-Transporten und die aus transportökonomischen wie ökologischen Gründen gebotene Reduzierung von Leerfahrten und Standzeiten haben weitere Verdichtungseffekte. 8. was wiederum die schnelle und flexible Gewährleistungstätigkeit der Fahrer aufwertet. Fuhrpark. S. Enge Zeitpuffer führen aber bei zunehmender Verkehrsdichte zu unkalkulierbaren Risiken.und Logistikleitern werden Implementationsprobleme und Innovationswiderstände bei Tourenplanungssystemen in erster Linie im Bereich der Akzeptanz (39%). sich aber nicht ungebrochen durchsetzen wird.000 bis 11. Pharma und Pressevertrieb). während in der klassischen Sammelgutspedition noch kein Einsatzfall bekannt geworden ist. unter denen Transportarbeit geleistet wird.# So verwenden nur etwa 30% der Speditionen "umfassendere" elektronische IuK-Systeme (was immer dies heißen mag). wobei die Anwendungen meist auf den kaufmännischen Bereich beschränkt sind (vgl.) gehen davon aus. Möbelindustrie. # Einer Kasseler Studie über die Entwicklungstendenzen des Fahrerarbeitsplatzes und den EDV-Einsatz in Speditionen zufolge werden die Arbeitsplätze von Fahrern im gewerblichen Güterverkehr bislang nur punktuell vom direkten Einsatz von IuK-Techniken berührt (zitiert nach Dahrendorf und Roth 1992. Aden 1991). Bargl 1992): Bei einem potentiellen Anwenderfeld von ca. so daß sowohl Varianten einer stärkeren Arbeitsteilung zwischen Disposition und Ausführung als auch Formen eines ganzheitlich-kooperativen Aufgabenzuschnitts mit Einbindung dispositiver Anforderungen in Zukunft denkbar sind. wo allerdings die Gewährleistungsfunktion ihre besondere Relevanz behält. Frieling und Pfitzmann (in Bogedale et al. Dahrendorf und Roth 1992). Im Anschluß an eine Befragung von Disponenten. bei der Software (24%) und Datenerhebung (21%) gesehen. S.000 Betrieben sind bislang im deutschsprachigen Raum lediglich 247 Installationen bekannt. gefolgt vom Einführungsprozeß selbst (12%) und nur zu 3% bei den Kosten (vgl." Bogedale. Realistisch erscheint in Zukunft eine weitere zeitliche Verdichtung des Arbeitsprozesses der Fahrer im Zuge einer Informatisierung der Transportarbeit. Es ist anzunehmen. die sich zudem auf wenige Branchen konzentrieren (Lebensmittel. ist eher mit Formen "kontrollierter Autonomie" (Wotschak) zu rechnen. Dort. # In der Disposition besteht nach einer Studie aus Nürnberg und Karlsruhe immer noch eine "Anwendungslücke" im Bereich computergestützter Tourenplanungssysteme (vgl. die durch den Einsatz von 95 . 1991. Bargl 1992). zitiert nach Dahrendorf und Roth 1992. diese Technik nur selten (vgl. auch unterschiedliche Rahmenbedingungen für die konkrete Gestaltung informationstechnischer Rationalisierungsprozesse bereithält. daß die Heterogenität der Bedingungen und Anforderungen. daß sich an dieser Ausgangssituation auch in den nächsten Jahren wenig ändern wird. die durch die Realisierung von echtzeitgemäßen Kontrollchancen gestützt wird.

. in denen sich die Kapitäne der Landstraße per CB-Funk mit ihrer Firmenzentrale verständigten. die in dem zitierten Textauszug bezüglich der Implementation mobiler Satellitenkommunikation im bundesdeutschen Speditions- 96 .. M. nicht allein auf sich gestellt zu sein..h.).F.).) Nach Erfahrung der Waiblinger Spedition (. Dargestellt werden die bis auf 500 m genauen Standorte in Tabellenform oder in verschiedenen Zoomstufen auf digitalisierten Karten auf dem Monitor.IuK-Techniken (Bordcomputer. In der Regel wird der Kunde während der Erstinstallation gründlich eingewiesen. sind inzwischen selbst vom Nutzen des Systems überzeugt. "Die Zeiten.) 'Verständigungsprobleme und fehlerhafte Informationen sind in dieser hektischen Phase des Tages [während der Stoßzeiten zwischen 9 und 11 Uhr sowie zwischen 14 und 16 Uhr. Die optimistische Grundstimmung. (.F] konfiguriert der Systemberater in der Disposition den PC.) Möglich wird dies [d. (. (.. In der Dispositionszentrale (. die automatisch jede Stunde oder zu jedem gewünschten Intervall alle angeschlossenen Fahrzeuge ortet und die Positionsmeldungen über zwei in 36 000 km Höhe geostationär positionierte Satelliten der europäischen Satellitenorganisation Eutelsat und eine Bodenstation an den Speditionsrechner übermittelt..) Schulungsintensiv. 11f. (. wo sich welcher LKW gerade mit welchem Material befindet. so einer der Fahrer... Sie haben sehr schnell erkannt. Gerade auf längeren Auslandsfahrten wird es als besonders positiv empfunden. installiert die Software und unterweist Fahrer und Disponenten in der Handhabung des Systems" (Zienert 1993. In den USA befinden sich seit 1987 bereits 35 000 Einheiten des Satellitenkommunikationssystems 'Omnitracs' erfolgreich im Einsatz. Aufgrund unzureichender Reichweite und häufig gestörten Funkverbindungen konnte diese drahtlose Verständigungsmöglichkeit den Griff zum klassischen Telefon nicht ersetzen.) In der Zwischenzeit [während Antenne und Kabel innerhalb von zwei bis drei Stunden installiert werden..und Silofahrzeuge mit diesem System bis Ende dieses Jahres ausstatten will.] nicht auszuschließen. wenn mal Hilfe notwendig ist. In zahlreichen Unternehmen hält die mobile Satellitenkommunikation als effizientes Instrumentarium zur Flottensteuerung Einzug.' Mit dem Satellitenkommunikationssystem ist die Zentrale nicht mehr von den sporadischen Anrufen der Fahrer abhängig.) gehen täglich etwa 600 Telefonate ein. und 800 Gespräche werden von der Zentrale aus geführt..und Satellitenkommunikation) ermöglicht wird.F.] durch die Navigationskomponente des Systems. die eine permanente Kontrolle ihrer Tätigkeit befürchtet hatten. die Just-in-Time Anlieferung und genaue Mitteilung. Es können jederzeit Anweisungen an den Fahrer gegeben und Nachrichten des Fahrers bei Bedarf abgerufen werden. Ursprünglich skeptische Fahrer. findet es inzwischen täglich in mehreren hundert Fahrzeugen seine Verwendung. um die Vorbehalte gegenüber der Einführung des Systems abzubauen.) Das Flottenmanagementsystem trägt auch zu einer Verbesserung der Arbeitsatmosphäre bei. daß ihnen die tägliche Suche nach einer intakten Telefonzelle erspart bleibt und sie durch die bessere Koordination zwischen Spedition und Kunden seltener vor verschlossenen Fabriktoren übernachten müssen... (. von einer Telefonzelle aus die eigene Firma zu erreichen. digitale Daten.. wie viele anfangs vermuteten. ist das System nicht. Obwohl das speziell für den europäischen Markt entwickelte Schwestersystem 'Euteltracs' der Stuttgarter Alcatel SEL AG erst letztes Jahr in die operative Phase eintrat. gehen zu Ende. hat es nicht viel Überzeugungsarbeit gekostet.. (... die ihre 100 Tank. M. S. M. die zum Teil unter großem Zeitaufwand versuchen mußten..

* den Fahrer mit Navigationssystemen zu unterstützen und mit Ortungssystemen den Transportablauf zu kontrollieren und * in geringem Umfang vor Ort im LKW Buchhaltungs. Die technisch-organisatorischen Neuerungen im Transportwesen insgesamt bieten die Chance. Vor allem im Anschluß an die von Harry Braverman (1980) angestoßene "Labor-Process-Debate" sind von soziologischer Seite immer wieder die organisatorischen Kontrollmöglichkeiten des betrieblichen Managements als Folge informationstechnischer Innovationen hervorgehoben worden. Neue Qualifikationsanforderungen entstehen durch neue Techniken am LKW-Fahrerarbeitsplatz kaum. z.gewerbe zum Ausdruck kommt. Techniksoziologische Studien. * den Fahrzeugbetrieb und den Fahrstil des Fahrers zu kontrollieren und zu optimieren. den Kunden und sonstigen Stellen zu verbinden. Diese Innovationen sind in der Hauptsache Informations. Vielfach kommt der Fahrer mit Innovationen aufgrund seines Aufgabenzuschnitts (Konzentration auf das Fahren) nicht in Berührung. Technische Neuerungen am LKW und bei den Aufbauten. - - - 97 . werden manche Informatisierungsgegner auf bloße Marketinginteressen zurückführen. die allgemein ungünstige Beanspruchungs. die aus der Technik entweder die schlimmsten Befürchtungen oder euphorische Verheißungen abgeleitet hat.und Bestandsverwaltungsaufgaben durchzuführen. Weingart 1989). Mit dem Einsatz neuer Informationstechnologien ist in der Vergangenheit oft eine Schwarz-Weiß-Malerei verbunden gewesen. da die Systeme von den Anbietern bewußt so gestaltet werden. Dementsprechend verbessern sich die ungünstigen beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten der LKW-Fahrer nicht. die Technikgenese als einen sozialen Prozeß untersuchen. haben aber in den letzten Jahren immer wieder auf die grundsätzliche Entscheidungsgeladenheit und die große Gestaltungsoffenheit informationstechnischer Neuerungen hingewiesen (vgl. daß sie sehr einfach von den Fahrern genutzt werden können. * den Fahrer durch Telekommunikationseinrichtungen für Sprache und Daten mit dem Betrieb. Eine Kasseler Forschungsgruppe um Ekkehart Frieling zieht angesichts der von ihnen prognostizierten Folgewirkungen des Einsatzes neuer Techniken im gewerblichen Straßengüterverkehr eine eher nüchterne und nach meinem Eindruck auch realistische Bilanz der künftig zu erwartenden Veränderungen: "Nur bei einem relativ kleinen Teil der LKW-Fahrerarbeitsplätze werden aus Rentabilitätsgründen Innovationen eingesetzt.und Industriesoziologie hat in den letzten Jahrzehnten eher eine technikpessimistische Grundstimmung dominiert. so daß eigentlich niemand per se davon ausgehen kann. Sie dienen dazu.und Kommunikationstechniken. bei der Verkehrsinfrastruktur und bei der Umschlags. die den Einsatz neuer IuK-Techniken mit warnenden Kommentaren begleitet hat.und Belastungssituation der LKWFahrer zu verbessern. daß die informationstechnisch möglichen Kontrollchancen auch tatsächlich realisiert werden. In der Arbeits.und Lagertechnik werden sich nur sehr langsam verbreiten und dann im Sinn von 'Ausreifen'.B. der überwiegende Teil der LKW-Fahrerarbeitsplätze wird sich in der überschaubaren Zukunft kaum verändern.

Anders als ein Stetigförderer . beruhen Qualität und Sicherheit in einem derart komplexen soziotechnischen System wie der Eisenbahn auf organisierter Kooperation und auf typisch industriellen Sicherungen. Die immer noch weitgehend handwerksmäßig organisierten Transportabläufe im Straßengüterverkehrsgewerbe basieren auch heute noch fast ausschließlich auf der Anwesenheit und Leistung eines Fahrzeugführers. als ob die für eine handwerklich organisierte Dienstleistungsarbeit üblichen Freiräume durch einen gravierenden Mangel an kollektiver.z.ist ein Lastkraftwagen in einem strengen Sinne keine Transportmaschine. wie er für handwerkliche Berufe oft typisch ist. Motivierung und Kontrolle der Lastkraftwagenfahrer(innen) abhängt. Die Verdrängung der Pferde ändert prinzipiell nichts daran. Während die Verbesserung der Gewährleistungsqualität im Straßengütertransport in hohem Maße von der Vervollkommnung (Schulung). die den Beitrag organischer Kräfte ersetzen oder doch zumindest beschränken (z. Stellwerke und Signalsysteme sowie feste Fahrpläne).und leistungspolitischer Handlungsfähigkeit erkauft worden wären.B. mit einem vergleichsweise hohen gesellschaftlichen Prestige ausgestatteten Hand98 . daß die handwerkliche Tätigkeit des Fahrers als Kraftfahrzeug-"Führer" immer noch als ein "regelndes Prinzip" in den Transportablauf eingreifen muß. Es scheint so. 906). das eingangs zitierte "transatlantische Fließband" . einen großen Teil der Lasten und Risiken veränderter Marktbedingungen und logistischer Flexibilitätsanforderungen auf die Arbeitskräfte abzuwälzen. computergestützte Betriebsleitsysteme. S. Anders als bei den etablierten.B. arbeits. dessen Fahrfähigkeiten. Auch wenn sich die Industrialisierung im wesentlichen dadurch kennzeichnen läßt. so unterscheiden sich dennoch eher "handwerkliche" und eher "industrielle" Formen des Gütertransportes nach der Art und Weise. Gleichzeitig hat sich gezeigt. Die Mechanisierung und Motorisierung des Pferdefuhrwerks ersetzt lediglich den zuvor von organischen Kräften betriebenen Antrieb durch eine mechanisch wirkende Bewegungsmaschine. wie sie Sicherheit organisieren. durch verbesserte Umschlagstechnik und durch eine verbesserte Sozialinfrastuktur vermindert werden" (Projektträger "Arbeit & Technik": Projektstatusbericht 1990/91. neuartige Formen des Umgangs mit und der Bewältigung von Unsicherheiten zu entwickeln. den Verbrennungsmotor. mit denen versucht wird. daß die Fahrer(innen) gerade wegen ihres maßgeblichen Beitrags zur Realisierung reibungsloser und effizienter Transportprozesse ein vorrangiges Ziel von Rationalisierungsstrategien sind. Ortskenntnisse und disponierenden Leistungen die Qualität des Arbeitsproduktes Transport entscheidend beeinflußt.Besonders die Belastungen durch die langen und ungünstig gelegenen Arbeitszeiten können durch eine optimierte Tourenorganisation reduziert werden. Die physische Belastung der Fahrer kann durch eine verbesserte Fahrzeuggestaltung. Zusammenfassend läßt sich die Gütertransporttätigkeit der Fernfahrer somit als eine noch weitgehend handwerksmäßig organisierte Dienstleistungsarbeit kennzeichnen.

die ihnen nur einen geringen Schutz vor arbeitsbedingten Risiken gewährt (vgl. die Schattenseite des Fernfahrertums präsent und . daß es offenbar Fahrer gibt. Kapitel 5).vielen auf den ersten Blick nur scherzhaft erscheinen mag. 2). gegen das Rauchen. die es nach eigenem Bekunden sogar ablehnen. Muß man also wirklich "verrückt" sein.2). Da wir davon ausgehen können. um Fernfahrer zu werden . 1) zu Recht bemerken. Kapitel 2.B. und auch der "nackte" ökonomische Zwang zur Arbeit angesichts wohlfahrtsstaatlicher Sicherungen nur "verkleidet" wirksam wird.. S. was viele Äußerungen und Selbstzeugnisse belegen. daß der Beruf und die Arbeitstätigkeit von Fernfahrern etwas Außergewöhnliches und etwas außerordentlich Ernstes darstellen. auch Schäfer und Steininger 1989. zeigt das Scheitern großangelegter Kampagnen zur Gesundheitserziehung (z. sich schonendere industrielle Arbeitstätigkeiten (sogar mit vergleichbaren Stundenlöhnen) zu suchen.werksberufen.und besonders die Antwort des zu Beginn des zweiten Kapitels zitierten Fernfahrers .und Drogenmißbrauch oder gegen ungesunde Ernährungsweisen). eine bestimmte Berufstätigkeit auszuüben. erscheint mir ein "Informationsdefizit" (als Folge der häufig erst als Langzeitfolge in Erscheinung tretenden Arbeits. Zum einen sicherlich etwas sehr Reizvolles und Faszinierendes.und Aufklärungskampagnen dort etwas verändern können.und es auch zu bleiben? Auch wenn diese Frage . hohe Arbeitsbelastungen und ein beeinträchtigtes Familienleben sind die hohen Kosten für das Wagnis. wie Schäfer und Steininger (1989. wo riskantes Verhalten in eine soziokulturelle "Lebensweise" eingebunden ist. gegen Alkohol. so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren.auch vorzeigbar: Dramatische Unfälle und schleichende Gesundheitsschäden. ist es doch verblüffend. S. es sei denn. Fast gleichzeitig ist aber immer auch die andere. sich auf die 99 . daß überhaupt noch jemand die stark belastende und riskante Arbeitstätigkeit des Kraftfahrers im Straßengüter(fern)verkehr "freiwillig" auswählt und ausübt. Nicht weniger überraschend ist aber. was Kinder (besonders Jungen). S. Auch wenn die Erwartungen hinsichtlich der Qualität der Arbeitsplätze im Güterverkehr noch nie sehr hoch gewesen sein mögen. daß sie aus gesundheitlichen Gründen keine andere Wahl haben (vgl. kommt bei den Berufskraftfahrern allerdings noch eine schwache Verberuflichung hinzu. Die Sonnenseiten der Erwerbstätigkeit von Fernfahrern hat nicht nur die Themenstellung zahlreicher Filme und literarischer Arbeiten inspiriert. aber auch Erwachsene (vor allem die vielen Besucher der zahlreichen "Trucker"-Feste) magisch in den Bann zu ziehen vermag (vgl. daß in einer bürgerlich-liberalen Demokratie niemand wirklich dazu gezwungen werden kann.entsprechend ästhetisch und dramaturgisch aufbereitet . sondern scheint auch die Selbstwahrnehmung eines Teils der Berufskraftfahrer selbst zu beherrschen.und Berufsrisiken) als eine etwas hilflose Erklärungsweise für die "erstaunliche Akzeptanz" der "vergleichsweise ungünstigen Arbeitsbedingungen" (ebd. Wie wenig Informations. 2).

die überhaupt erst die Spannung und den Nervenkitzel dieser. ihr fundamentales Spannungsverhältnis und die widersprüchlichen Gefühle zu ihrer Berufstätigkeit. dessen methodologische und theoretische Grundzüge ich im nächsten Kapitel am Beispiel von Umorientierungen innerhalb der arbeitswissenschaftlichen Belastungsund Streßforschung näher skizzieren möchte. ist ein Perspektivenwechsel in der herkömmlichen Risikoforschung erforderlich. Soll diese ambivalente Bedeutung der Transportarbeit für die Fernfahrer. nicht verschwiegen oder vernachlässigt werden. 100 . für "normale" Menschen so aufregenden und teilweise auch etwas exotisch anmutenden Arbeits.stets lauernden Gefahren einzulassen und sich den permanenten Herausforderungen an Mann und Technik zu stellen.und Lebenswelt erzeugen.

ergeben sich für Menschen.deutlicher läßt sich die Tabuisierung menschlicher Subjektivität und Sinnlichkeit innerhalb der arbeitswissenschaftlichen Beschäftigung mit Belastungen und Beanspruchungen wohl kaum visualisieren. 120.3. Beanspruchung dagegen ist die Wirkung dieser Faktoren auf den Menschen bzw. das ergonomische und arbeitsphysiologische Analyseperspektiven traditionell in den Arbeitswissenschaften genießen. Wenn hier die Arbeitswissenschaft mit einem imaginären "Reich der Sinne" in Verbindung gebracht wird. die sich als Funktion der Belastungshöhen und ihrer zeitlichen Dauer darstellen läßt.. die gegenüber der wachsenden Flut psychosomatischer Krankheitsmodelle unbeirrt an der Vorrangigkeit des physiologischen Geschehens 101 .F. Sie ist eine von der die Tätigkeit ausführenden Person unabhängige Größe. von Sinn und Meinungen . Die Arbeitsbelastung besteht aus Teilbelastungen. "sensus") . Empfindungen und Emotionen werden gleichzeitig entscheidende Dimensionen der körperlichen Existenz des arbeitenden Menschen sträflich vernachlässigt. Das Begriffspaar ist der Mechanik entnommen.. an ihnen zerrendes Gewicht zu betrachten . das mit der Ausblendung von Verstand und Gefühlen. so muß die Behauptung einer Vernachlässigung körperlicher Dimensionen in der Belastungsforschung geradezu absurd erscheinen. bei den anderen Arbeitsformen als Arbeitsschwierigkeit. Vorschläge für einen Perspektivenwechsel in der Belastungsforschung "In der Arbeitswissenschaft wird Belastung definiert als die Gesamtheit der auf den arbeitenden Menschen einwirkenden Faktoren. Arbeitende Menschen mit Spiralfedern zu vergleichen und deren Arbeitsbedingungen als ein. dann mit der Absicht. Waren es nicht vor allem Arbeitsmediziner. das an eine Spiralfeder gehängt wird.. Ein Gewicht.. im menschlichen Organismus. S. die Ausdehnung der Feder die Beanspruchung. Fähigkeiten und Motivation dem anderen völlig gleicht.zugleich wichtige Bestandteile seines Gegenstandes verschwinden läßt. Hervorhebungen durch M. Die Arbeitswissenschaft und das Reich der Sinne.) die Wirkung einer Belastung auf den Menschen. Mit der Ausgrenzung oder Marginalisierung von Kognitionen. Die Belastungshöhe bezeichnen wir bei primär muskulärer Arbeit als Arbeitsschwere. unterschiedliche Beanspruchungen" (Stirn 1980.) Beanspruchung ist (. die sich aus den eigentlichen Arbeitsvollzügen und den physikalischen und sozialen Umwelteinflüssen ergeben. ist die Belastung. Da kein Mensch bezüglich Eigenschaften. auch wenn sie absolut gleichen Belastungen ausgesetzt sind. die Unangemessenheit eines ergonomischen Menschenbildes aufzuzeigen.kurz: von Sinn und Sinnlichkeit (lat. (. Bedenkt man das zentrale Gewicht.).

die gegen ein Ausufern psychosoziologischer Forschungsdesigns zu Felde zogen (vgl. Aber.und Erlebnisfähigkeit in den symbolischkulturellen Bedeutungshorizont der sozialen Welt. ist es ihnen dabei ebenso erfolgreich gelungen. S. so müssen wir das Erleben belastender Arbeitsbedingungen als einen biopsychosozialen Prozeß begreifen. DFG-Denkschrift 1980) und entgegen methodologischen Modetrends in sozialwissenschaftlichen Disziplinen auch weiterhin auf der Erfassung anthropometrischer Maße und der bewährten Erhebung solider physiologischer Meßgrößen beharrten? Was die Objektivierungsarbeit arbeitsmedizinischer und ergonomischer Disziplinen in der Erforschung von physischer Belastung und Beanspruchung betrifft. die durch kollektive Billigung bzw. Die Entwicklung körpernaher Phänomene erfolgt biographisch vermittelt durch die Einbindung der subjektiven Sinn. Auf den ersten Blick mag die steile Karriere der Belastungs-BeanspruchungsKonzeption innerhalb der Arbeitswissenschaft zu einem weithin anerkannten "Forschungsprogramm" (im Sinne Lakatos') oder "Paradigma" (im Sinne Kuhns) 1 "Die Erregbarkeitsgrenzen und die Grenzen der Widerstandsfähigkeit sind von Kultur zu Kultur verschieden. In den Untersuchungsdesigns herkömmlicher arbeitswissenschaftlicher Ansätze dominiert jedoch dort. sondern bestimmt sich nach Kriterien. die eine subjektive und sinnliche Einbindung des Körpers in die Verwirklichung arbeitsbedingter Belastungen und Beanspruchungen nicht auf die bloße Wechselwirkung quantitativer Parameter reduziert und das Soma nicht einfach als Summe physiologischer Kennwerte beschreibt? Sicherlich nicht. 5f. ein 'unerträglicher Schmerz' und 'hemmungslose Ausgelassenheit' ist. emotionale und kognitive sowie soziale und kulturelle Dimensionen ineinander verstricken.und Muskelaktions-Syndromen. eine atomisierende Vorgehensweise.). Was eine 'unmögliche Anstrengung'. Der menschliche Körper läßt sich in seinem Verhältnis zur Arbeit nicht unabhängig von emotionalen und kognitiven Prozessen begreifen. den menschlichen Körper durch ein dichtes Netz physiologischer und anthropometrischer Variablen zu vermessen. das auf dem Wege der Tradition erlernt und übermittelt wird. wo es um die Analyse körpernaher Beanspruchungsphänomene geht. zitiert nach Douglas 1974. so ist es den traditionellen Arbeitswissenschaften ohne Zweifel gelungen. sich dem menschlichen Körper in einer amgemessenen Weise zu nähern. durch die das Ensemble einzelner Faktoren vernachlässigt oder auf statistische Korrelationen reduziert wird. Jede Verhaltenstechnik und jedes Verhaltensdetail überhaupt. 102 .1 Wenn wir den Ergebnissen der Streßforschung trauen dürfen. hängt nicht so sehr vom betreffenden Individuum ab. Mißbilligung sanktioniert worden sind. in dessen Verlauf sich physische. basiert auf bestimmten Innervations.festhielten? Und waren es nicht Arbeitswissenschaftler. die für sich echte Systeme bilden und darüber hinaus in den Gesamtkontext einer bestimmten Gesellschaft eingebettet sind" (LéviStrauss.

das die Aufmerksamkeit auf subjektive Bewertungen der potentiell belastenden Situation und auf die aktive Belastungsbewältigung lenkt (Kapitel 3. Lazarus stützt.und Bewältigungsprozesse abgeschwächt werden. Meine These ist. zum anderen auf das "transaktionale Streßmodell" von Richard S. der sich zum einen auf ein "Konzept der aktiven Auseinandersetzung" der arbeitenden Menschen mit ihren arbeitsbedingten Anforderungen bezieht. in dem die empirische Operationalisierung einer (physiologischen) Vermessung des Menschen offenbar mehr zählt als die Reichweite und Tiefe der theoretischen Konzepte und die Konsistenz methodologischer Annahmen gegenüber Ad-hocAnpassungen.2). Die kognitivistische Einengung der menschlichen Sinnlichkeit im transaktionalen Modell soll dabei durch Berücksichtigung emotionaler Formen der Bewertung und Verarbeitung der Arbeitswirklichkeit korrigiert.3). 103 . die Dualisierung von Subjekt und Objekt mit ihrer simplen Gegenüberstellung von objektiven Belastungswirkungen und passiven Beanspruchungsreaktionen zu überwinden. In einem zweiten Schritt sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden.vielleicht überraschen. Zu diesem Zweck möchte ich einen Perspektivenwechsel in der arbeitswissenschaftlichen Belastungsforschung vorschlagen. möchte ich mich in einem ersten Argumentationsschritt mit den Defiziten des linearen Reiz-Reaktions-Modells auseinandersetzen.1). Daran anschließend möchte ich den Perspektivenwechsel durch ein sozialökologisches Konzept der "funktionalen Verschränkung" (Friczewski) von objektiven und subjektiven Gefährdungskomponenten erweitern und dadurch auf ein Verständnis der sozialen Genese und der gesellschaftlichen Reproduktion von arbeits. Der Erfolg des darin vertretenen mechanistischen Menschenbildes aber ist in einem wissenschaftlichen Feld nicht weiter erstaunlich. daß arbeitsbedingte "Belastungen" nicht angemessen als eine von den Tätigkeiten der Belasteten "unabhängige Größe" verstanden werden können und daß die Erforschung arbeits.und berufsbedingten Risiken ausrichten. das die Kernannahme des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes bildet (Kapitel 3. und die individualistische Tönung soll durch Einbeziehung intersubjektiver Bewertungs.und berufsbedingter Risiken besser einschätzen zu können (Kapitel 3. an innerbetriebliche Interaktionszusammenhänge gebundene Horizont des sozialökologischen Ansatzes erweitert werden.und berufsbedingter Risiken mit dem Belastungs-Beanspruchungs-Konzept bislang durch eine weitgehende Vernachlässigung des Körpers in der vollen Sinnlichkeit seiner leiblichen und emotionalen Dimensionen gekennzeichnet ist. Um diese Annahme plausibel zu machen. Abschließend soll dann der enge. um den sozialen Sinn riskanter Arbeitsleistungen zu verstehen und den Beitrag subkultureller Formen der Reproduktion arbeits.

1 Theoretische Defizite und methodologische Probleme des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes Wenn man die letzten zwanzig Jahre arbeitswissenschaftlicher Belastungs.und Beanspruchungsforschung Revue passieren läßt. Auffallend ist. Greif 1991. Zu diesem Schluß kommen Gerd Marstedt und Ulrich Mergner (1986. Gleichzeitig wird der Stand der Erforschung psychischer Belastungen und Beanspruchungen andererseits eher nüchtern eingeschätzt. "Tatsächlich sind sich die Experten weitgehend einig. werden vom 104 . daß dieses Forschungsfeld auf der einen Seite von einem deutlichen Relevanzgewinn psychischer und psychosozialer Belastungsformen gegenüber physischen Belastungsaspekten gekennzeichnet ist. Beanspruchung und Streß. In der Psychologie sind in jüngster Zeit pragmatische Vorschläge entwickelt worden.und Produktionsprozesse zurückgeführt wird (Stichworte: Automatisierung. methodischen Erfassung und Bewertung psychischer Belastungen und Beanspruchungen sowie des Zusammenwirkens psychischer mit anderen Belastungsfaktoren in tätigkeitstypischen Belastungsstrukturen. so zeigt sich. S. soweit "Stressoren" als eine spezifische Untergruppe psychischer Belastungen und "Streßreaktionen" als spezielle Arten psychischer Beanspruchungen verstanden werden (vgl. daß trotz (oder wegen) einer unüberschaubaren Anzahl an theoretischen und empirischen Studien und einer ungeheuren Vielfalt der Forschungsansätze zum Problemfeld psychischer Belastungen und Beanspruchungen der Stand "gesicherter" Ergebnisse als relativ niedrig eingeschätzt wird. 16) in einer umfassenden Literaturstudie. während das Streßmodell enger aufgefaßt wird. S. der Zusammenhangsanalyse von Belastungen und Beanspruchungen und der gesicherten Zuschreibung von scheinbar unspezifischen Auswirkungen an komplexe Verursachungsbedingungen angesichts des Forschungsaufwands gering ist" (Marstedt und Mergner 1986. Im Anschluß an eine Definition des Normenausschusses Ergonomie aus dem Jahr 1987 wird dem Belastungs-Beanspruchungs-Konzept dabei ein allgemeinerer Status zuerkannt. daß in der Arbeitswissenschaft drei Begriffe kursieren. deren Bedeutungen in der Vergangenheit nicht immer präzise auseinandergehalten worden sind: Belastung. Gewichtsverlagerung von Fertigungs. wenn man die unterschiedlichen Auffassungen über die Wirkungsweise in der Ergonomie und der Arbeitspsychologie berücksichtigt. Hinzu kommt. die nur äußere Einflußfaktoren als psychische Belastungen betrachtet. Informatisierung.zu Dienstleistungstätigkeiten etc. daß der zumindest etwas breiter akzeptierte Ertrag arbeits.).und sozialwissenschaftlicher Forschung der letzten Jahrzehnte hinsichtlich der zentralen Probleme der theoretischen Fassung. Im Gegensatz zur DIN-Norm des Normenausschusses Ergonomie. die begriffliche Konfusion zu entwirren. der auf technische und organisatorische Veränderungen im Bereich gesellschaftlicher Arbeits. 6f. S. 16). Diese Konvention ist allerdings als etwas vorschnell einzustufen.3.).

Selbstverständlich können weder die theoretischen und methodologischen Defizite noch die erfolgversprechenden Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der arbeitswissenschaftlichen Belastungsforschung im Rahmen des vorliegenden Buches umfassend behandelt werden. An erster Stelle sind hier defizitäre Vorstellungen über menschliche Subjektivität und die wechselseitigen. Zu Beginn der siebziger Jahre ist das aus der ingenieurwissenschaftlichen Materialprüfung entlehnte Belastungs-Beanspruchungs-Konzept von Walter Rohmert und Joseph Rutenfranz als "wesentliches Paradigma" (Brandenburg et al. S. um Arbeitsbedingungen und ihre Auswirkungen auf die Beschäftigten zu untersuchen und zu erörtern (vgl. S. chronische Schmerzempfindungen) als streßauslösende Faktoren anerkannt (vgl. dem "integrierten Belastungs-Beanspruchungs-Konzept". von außen auf den menschlichen Organismus einwirkende Faktoren (Reize) verstanden. Im ergonomi- 2 Besonders die vielversprechenden Entwicklungen in der Medizinsoziologie und Sozialpsychologie können hier nicht in einer angemessenen Weise berücksichtigt werden. erweitert (ebd. Marstedt und Mergner 1986. haben seine methodologischen und theoretischen Leitideen eine lange Tradition hinter sich. Auch wenn sich das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept als ein wissenschaftshistorisch recht junges "Paradigma" präsentiert. durch "gegenständliche Tätigkeiten" (Leontjew) vermittelten Beziehungen zwischen den Subjekten und Objekten menschlicher Arbeitstätigkeit zu nennen. 16). Wie das einleitende Zitat von Hans Stirn zeigt.und industriesoziologischen Belastungsforschung konzentrieren. wurde das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept mehrmals überarbeitet und von einem "engen ergonomisch-ingenieurwissenschaftlichen zu einem interdisziplinär-arbeitswissenschaftlichen Begriffsrahmen". Aus arbeitssoziologischer und -psychologischer Perspektive scheinen mir vor allem folgende Schwachstellen bedeutend zu sein. 1991) bzw. 7). Das ergonomische Belastungs-Beanspruchungs-Konzept ist von verschiedenen Seiten kritisiert worden. Im folgenden möchte ich mich deshalb auf eine Kritik des Kernkonzeptes arbeitswissenschaftlicher Belastungsforschung beschränken und mich auf Möglichkeiten einer theoretischen Umorientierung innerhalb der arbeits. während Beanspruchungen als die jeweils personenspezifisch zum Tragen kommende Wirkung (Reaktion) dieser Faktoren auf den und im menschlichen Organismus begriffen werden.B. Von einem einfachen Ursache-Wirkungs-Modell ausgehend.2 Dies würde die thematische Eingrenzung sprengen.. 22). S. S. als forschungsleitender theoretischer Entwurf in die Ergonomie und Arbeitsmedizin eingeführt worden. die bis auf naturwissenschaftliche Ursache-WirkungsModelle und auf das behavioristische Reiz-Reaktions-Schema zurückreicht (vgl. Slesina und Ferber 1989. werden Belastungen in der Arbeitswissenschaft grundsätzlich als vom betroffenen Menschen unabhängige. 17 im Anschluß an Rohmert 1984). 105 .Streßkonzept auch innerpsychische Stimuli (z. Greif 1991.

hoher Prestigewert dispositiver Arbeit) und seine Identifikation mit sozial angesehenen Anforderungsformen bleiben dabei unberücksichtigt. geringes Prestige von Schmutzarbeit. lebensgeschichtlich vorgeprägtes. zu eigenständigem Handeln fähiges und motiviertes soziales Subjekt" begriffen (Marstedt und Mergner 1986. aus betrieblichen Herrschaftsstrukturen resultieren (vgl. Zweitens wird der soziale Konstitutionsprozeß von Belastungen geleugnet. seine Orientierung an dem unterschiedlichen Sozialprestige der Belastungsformen (z. S. S. S. 25).schen Belastungs-Beanspruchungs-Konzept werden die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen dem arbeitenden Menschen.) bestimmen die Einstellungen der Beschäftigten zu den Aufgaben und ihren Belastungen. Ökonomische. solange die Sozialwissenschaften selbst auf diesem Forschungsfeld noch recht wenig Überzeugendes geleistet haben. kognitiv und emotional verarbeitendes. Die Arbeitswirklichkeit erscheint so ohne jeden persönlichen Sinn und ohne soziale Bedeutung. ausschließt oder auch ermöglicht. 53f. "Die Orientierung des Arbeitenden an sozialen Werten wie Fleiß oder Qualitätsarbeit. S. S.). Auch hier ist ein Perspektivenwechsel erforderlich. soziale und kulturelle Voraussetzungen der sozialen Genese belastender Arbeitsanforderungen müssen auch deshalb in die Untersuchungsperspektiven einbezogen werden. In der Praxis werden vorgegebene Arbeitsaufträge nicht einfach übernommen. seine Identifikation mit Gruppenstandards der Loyalität. als Arbeitsaufgaben redefiniert und in Form von aktiven Vornahmen in eine eigene. sie werden von den Arbeitenden unter Ausnutzung der fast überall bestehenden Handlungsspielräume interpretiert. Slesina 1987. seine Orientierung an informellen Standards der Leistungsverausgabung oder -zurückhaltung ('Bremsen').).B.). Zu klären ist. 25). soweit Belastungen einfach aus der Entwicklungslogik technischer Zusammenhänge abgeleitet werden und soziale Belastungsdimensionen ausgeblendet bleiben. Mit der Ausblendung "symbolischinteraktiver Bezüge" bei der Interpretation von Arbeitszielen kann das ergonomische Belastungs-Beanspruchungs-Konzept menschliches Arbeitshandeln nicht als ein soziales Handeln begreifen (vgl. ob überhaupt Beanspruchungen entstehen und welcher Art sie sind. Hacker 1986. Marstedt und Mergner 1986. und der "sozial-normative Kontext" der Arbeitsaufgaben und -anforderungen wird weitgehend vernachlässigt (Slesina 1987. die z. Die sozialen Aspekte (." Im "vereinfachten" Belastungs-Beanspruchungs-Konzept wird der arbeitende Mensch nicht als ein "ganzheitlich betroffenes. damit der Blick von seiner engen 106 . 49): "Seine Wahrnehmung und Bewertung der Situation und seine Leistungsvoraussetzungen bestimmen mit.. seinem Arbeitsauftrag und den Ausführungsbedingungen seiner Arbeit unterschätzt (Hacker 1991. um Phänomene sozialer (Selbst-)Auslese der "geeigneten" Arbeitskräfte nachvollziehen und selbstgefährdende Umgangsweisen mit bestehenden Handlungs.B.). 53f.und Regulationsspielräumen innerhalb der Arbeitstätigkeit berücksichtigen zu können.. die Bereitschaft zur Belastungsübernahme oder -abwehr und damit den Umfang der Gesamtbelastung mit ihren Gratifikationen wie auch möglichen Gesundheitsrisiken" (Slesina 1987. S. Fehlende oder unbefriedigende Vorstellungen über die gesellschaftliche Entstehung und Genese von arbeitsbedingten Belastungs-Beanspruchungs-Konstellationen kann man allerdings schwerlich der Ergonomie und Arbeitsmedizin zur Last legen. 52f. S. subjektive Zielsetzung transformiert (vgl. 61ff. wie Belastungsphänomene überhaupt als "exogene Wirkungen" entstehen und wieweit ihre Objektivierung subjektive Formen der aktiven "Rückwirkung" auf das Belastungsgeschehen einschränkt.

bildet allerdings ein wichtiges Korrektiv gegenüber "subjektorientierten" Forschungsansätzen. 49). Marstedt und Mergner 1986. Der beharrliche Verweis der Ergonomie und Arbeitsmedizin auf die Notwendigkeit. die über statistische Korrelationen zu einer abstrakten Formung des Gegenstandes führen. (1982.3 Drittens geht mit dem objektivistischen. auch die Kritik von Kannheiser (1983) an der arbeitsplatzbezogenen psychologischen Streßforschung. Ausnahmen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich möchte mich keineswegs generell gegen eine quantitative Variablenforschung aussprechen. meßbare Belastungs. Kapitel 3. (sozio)biographische Ansätze z. Pulsfrequenzmessungen)4 zur Festlegung physiologischer Dauerleistungsgrenzen oder zur Erhebung kurzfristiger physiologischer Veränderungen (z. möchte aber an dieser Stelle deren methodologische Grenzen betonen. die meines Erachtens vor allem durch den Zwang bestimmt sind. additive Kombinationen von isolierbaren und objektiv meßbaren. In Abhängigkeit von Tätigkeitsspielräumen und sozialer Unterstützung können gleiche Arbeitsanforderungen entweder ein Hinzulernen und Fitness oder Entmutigung und Erschöpfung bewirken. die sich von der engen Arbeitsplatzfixierung lösen. 1983). 55). die Entstehung langfristiger und multifaktoriell bedingter. Die Beschränkung auf "negative". Die komplexen wechselseitigen Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Arbeit werden bei der Analyse von Einzelarbeitsplätzen in einzelne. auf eine Ad-hoc-Integration immer neuer intervenierender Variablen.und Reproduktionsprozesse gesellschaftlicher Arbeit gelenkt wird (vgl. Formen sozialer Unterstützung. Entlastungswirksame Komponenten. werden gegenüber den beanspruchungswirksamen vernachlässigt (Slesina 1987. Ermüdungserscheinungen.). chronischer gesundheitlicher Risiken 3 4 Vgl.und Beanspruchungsgrößen zu konstruieren. für die Leistung und die Leistungsvoraussetzungen förderlichen Beanspruchungsfolgen" (Hacker 1991. auf einzelne Faktoren ausgerichteten analytischen Zugriff der Blick auf die strukturellen Zusammenhänge verloren (vgl. S. daß sich die quantitative Messung stets ihrer (ökologischen) Validität mittels "qualitativer" Forschungsmethoden versichern sollte. wie z. unabhängig von den Betroffenen existierende Faktoren bleiben typische Belastungsstrukturen ebenso unbeachtet wie die wechselseitige Verschärfung oder Abschwächung der Wirkungen von Belastungen (ebd. ebd. die mit dem Problem personenunabhängiger Belastungsgrößen oft zu (nach)lässig umgehen. weshalb neben der bedrohlichen Seite auch die gesundheitsfestigende Rolle fordernder Aktivität zu berücksichtigen ist (vgl. sind auf arbeitssoziologischer und sozialpsychologischer Seite vor allem Maschewski (1982) und andere Beiträge aus dem Wissenschaftszentrum Berlin. Die Dekomposition der ganzheitlichen Gestalt ihres Gegenstandes verweist die Forschungsarbeit mit isolierten Variablen.B. S. von Brock und Vetter (1982) sowie die sozialpsychologisch orientierten Studien von Becker-Schmidt et al. beeinträchtigende Beanspruchungsfolgen "unterschätzt die gleichzeitig entstehenden positiven. die zugleich die enge Ausrichtung auf Erwerbsarbeit durch Einbeziehung der Reproduktions-. Familien. S. akute gesundheitliche Schädigungen) tragen viertens wenig dazu bei.B. bis eine zufriedenstellende statistische Zuverlässigkeit der Messung erreicht ist. streng definierte und beobachtbare Arbeitselemente zerlegt.Fokussierung auf die mikrosoziale Struktur einzelner Arbeitsplätze auf die Organisations.): "Ohne hohe Beanspruchung und ohne nennenswerte Ermüdung entsteht auch kein Trainingseffekt.und Hausarbeit überwinden.B. 25).B." Wo aber sind die Grenzen zwischen einem positiv zu wertenden Trainingseffekt und einer Beeinträchtigung des gesundheitlichen Wohlbefindens? Die Bevorzugung objektivistischer Verfahren (z.3). Durch die Partialisierung der Gesamtbelastung in einfache. 107 .

besonders von der psycho-physischen Konstitution und Leistungsfähigkeit des arbeitenden Menschen. was die Vorbeugung gegen vorzeitige Ermüdung und damit verbundene Leistungsminderungen angeht. Trotz oder gerade wegen dieser Schwächen ist der unbestreitbare Erfolg des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes erklärungsbedürftig.). 25f. Die Leitidee einer geradlinigen Verbindung zwischen Ursache und Wirkung. ingenieur.sowie die gesundheitlichen Folgen psychischer Beanspruchungen zu identifizieren (vgl. Marstedt und Mergner 1986. was seine Verwendung innerhalb der Arbeitswissenschaft(en) besonders attraktiv macht.). sich auf der Grundlage methodologischer Übereinstimmungen interdisziplinär zu verständigen und zusammenzuarbeiten. für eine Bewertung längerfristiger Beanspruchungsfolgen durch körperliche Tätigkeiten sind sie jedoch nicht geeignet (ebd. zwischen Schadstoffkonzentration und gesundheitlicher Schädigung.). Der postulierte Zusammenhang zwischen körperlicher Arbeitsschwere und Ermüdung. abhängig sind (vgl. 47). 54). Tauchen neue Probleme auf. ebd. Reiz und Reaktion ermöglicht es einem weiten Spektrum natur-. Die für kurzzeitige Belastungen (bis zur Dauer einer Arbeitsschicht) formulierten Grenzwerte sind zwar praktikabel. was beispielsweise die "metabolische Dauerleistungsgrenze" bei dynamischer Muskelarbeit oder die Festlegung vergleichbarer Grenzwerte für die Dauerleistung bei Haltearbeiten betrifft (Brandenburg et al. Die Unterstellung linearer Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen Arbeit und Menschen läßt sich zunächst ohne Schwierigkeiten auf verschiedene Problemfelder belastender Arbeitsbedingungen übertragen. müssen die aktuellen Beanspruchungsgrößen und folgen nur wenig oder gar nicht korrelieren (vgl. Besonders der letzte Punkt scheint dafür verantwortlich zu sein. Slesina 1987. zwischen Hitzearbeit (oder Lärm) und Leistungsfähigkeit entbehrt hierbei ebensowenig einer schwer bestreitbaren Plausibilität wie die Vorstellung. S. "intervenierende" Variablen. Mit langfristigen Beanspruchungsfolgen aber.und Beanspruchungsfoschung ist selbst nach Aussagen von Arbeitsmedizinern nicht unumstritten. 1991. 22f. Marstedt und Mergner 1986. daß die Belastungs-Beanspruchungs-Konzeption in der relativen kurzen Zeit ihres Bestehens 108 . den aktiven Beitrag arbeitender Subjekte durch den Objektivismus abzuwerten.und leistungspolitischen Interessen der Arbeitgeber absieht. eröffnet das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept gute Chancen für eine inflationäre Erweiterung des Grundmodells durch ad-hoc eingeführte.und verhaltenswissenschaftlicher Ansätze. S. S. die in den letzten Jahren immer stärker in den Mittelpunkt des arbeitsmedizinischen Interesses gerückt sind. sondern vor allem von den Eigenschaften. S. daß die Beanspruchungen nicht nur von der Höhe der Belastungen. beruht die Attraktivität des Belastungs-Beanspruchungs-Konzepts für die Arbeitswissenschaft zunächst einmal auf der Einfachheit. Darüber hinaus zeichnet sich das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept durch eine grundsätzliche Offenheit für interdisziplinäre Anschlüsse aus. Die parameterorientierte Ausrichtung der arbeitsphysiologischen Belastungs. Wenn man von arbeits. universellen Anwendbarkeit und der empirischen Operationalisierbarkeit seiner Modellannahmen.

drittens sind Belastungen weitgehend technisch bestimmte Momente des Arbeitssystems. als der unangreifbare theoretische und methodologische Kern des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes identifizieren.unabhängig von konkreten Arbeitspersonen .und Integrationsfähigkeit gewertet. nach einzelnen Kom- 6 109 . erlaubt die konkrete Gestalt der Beziehungen zwischen einzelnen Belastungen und Beanspruchungen dagegen als "positive Heuristik" die Einführung einer Vielzahl von "intervenierenden Variablen" zwischen der Belastung als unabhängigem Reiz und der Beanspruchung als abhängiger Reaktion. Diese chamäleonhafte Fähigkeit. (1991. In seiner ersten Version war das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept bis zur Mitte der siebziger Jahre noch als ein einfaches. S. In diesem Sinne läßt sich die Annahme linearer Ursache-Wirkungs-Beziehungen als "negative Heuristik". sich neuesten Strömungen. Imre Lakatos (1974) hat solche Strategien untersucht. vgl.zu individuellen Beanspruchungen als den unabhängigen Variablen (Slesina 1987. auch die Versuche von Slesina und v. Ferber (1989). auch Marstedt/Mergner 1986. d. wird von ihren Protagonisten als ein Beleg für die außerordentliche Leistungs. 48). Ohne die Kernannahmen ernsthaft zu gefährden. im folgenden Slesina 1987.eine bemerkenswerte Karriere von Weiterentwicklungen und Ergänzungen hinter sich bringen konnte. Nach diesem Modell führen Arbeitsbelastungen als unabhängige Variablen . das lediglich drei Komponenten berücksichtigt hat: Belastung. S. 42 im Anschluß an Rohmert).von der Arbeitsaufgabe ausgehende Einwirkungskraft verstanden. Das einfache. die den "harten Kern" eines methodologischen Forschungsprogrammes durch Zugeständnisse und Veränderungen innerhalb des "Schutzgürtels" verteidigen. die. Person und Beanspruchung. die kritische Bedenken gegenüber dem Belastungs-Beanspruchungs-Konzept zurückweisen und den "Schwarzen Peter" den Defiziten der in der Belastungs.6 Gegen Ende 5 Vgl. Krisen und Weiterentwicklungen in der Untersuchung arbeitsbedingter Risiken anzupassen. Slesina 1987): Erstens werden Belastungen als eine . S.5 Weniger wohlwollend betrachtet.vermittelt durch persönliche Merkmale des Arbeitenden (intervenierende Variablen) . die objektiv meßbar ist. ihren auf eine Erfassung psychosozialer Gesundheitsrisiken ausgerichteten Ansatz in ein "integriertes" Belastungs-Beanspruchungs-Konzept einzubinden. zweitens verweisen Beanspruchungen auf Belastungswirkungen. sowie Marstedt und Mergner 1986. läßt sich dieses enorme Anpassungsfähigkeit des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes aber auch als Paradebeispiel für eine Immunisierungsstrategie gegenüber kritischen Einwänden interpretieren.und Beanspruchungsforschung eingesetzten Methoden und Parametern zuschieben.h. an Reiz-Reaktions-Abläufen orientierte Belastungs-Beanspruchungs-Verständnis vertritt im wesentlichen vier Grundannahmen (vgl. die von den Eigenschaften des passiv erduldenden Menschen abhängen. 41ff. 22). beispielsweise Brandenburg et al. S. In der arbeitswissenschaftlichen Karriere des ergonomischen Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes lassen sich grob betrachtet zwei Phasen unterscheiden (vgl. kausales Reiz-ReaktionsModell ausgelegt.

28ff. sondern auch aktiv verarbeiten und bewältigen können.): Bei Laurig sind es beispielsweise individuelle "Eigenschaften" wie Alter. zwischen einzelnen Belastungsfaktoren und der beanspruchenden Wirkung im menschlichen Organismus besteht eine unmittelbare. und dies kann einen mißtrauisch stimmen gegenüber der Reichweite ponenten zerlegt. S. Die durch die Voraussagen neuartiger Tatsachen (Ganzheitlichkeit. d. bei Rohmert sind es Handlungen (genauer: "Handlungsregulation" und "Handlungsfreiräume"). S. S. Größe.7 Gleichzeitig. Nachvollziehen läßt sich diese partielle Revision beispielsweise bei Rohmert und Rutenfranz (1975).zur Mehrfaktorentheorie erweitert. Marstedt und Mergner 1986.h. daß Arbeitsbelastungen nicht mehr als eine unabhängige Variable begriffen werden. in ihrer isolierten Wirkung analysierbar sind. zum anderen die zunehmende Beachtung subjektiver Einflüsse der von Belastung betroffenen Personen als aktiv Handelnde. Subjektivität) "widerlegbare Fassung" des alten Reiz-Reaktions-Modells wird durch partielle Revisionen innerhalb des "degenerierten" Schutzgürtels modifiziert. die Belastungen nicht nur passiv erdulden. viertens ist der Zusammenhang zwischen Belastung und Beanspruchung als eine Ursache-(bzw. 43). und zwar durch den Einbau intervenierender Variablen.. intervenierende Variablen in die Kausalkette einzubauen (Marstedt und Mergner 1986. und wird schließlich durch das Einbeziehen von Theoriebestandteilen anderer Forschungstraditionen von der Ein. sensumotorische Fähigkeiten etc. Geschlecht. sondern in dem komplexen Zusammenhang betrieblicher "Arbeitssysteme" betrachtet werden (Slesina 1987. sondern ein Modell der Gesamtbelastung (bzw. bedroht: Zum einen die plausible Annahme. Gesamtbeanspruchung) als einer eigenständigen "Ganzheitlichkeit" des Zusammenwirkens verschiedener. die zwischen Belastung und Beanspruchung "vermitteln" (Belastung 6 "Eigenschaften" 6 Beanspruchung). die eine "Resultante aller Belastungsfaktoren" vermuten und die aktive Verarbeitung von Belastungen berücksichtigen wollen. S. allerdings ohne diese Intentionen im empirischen Teil der Untersuchung einzulösen (vgl. die in den kausalen Ablauf eingreifen (Belastung 6 "Handlung" 6 Beanspruchung). daß das Belastungsgeschehen nicht als eine Addition vereinzelter Faktoren zu begreifen ist. 27). Grundsätzlich hat vor allem das Auftauchen zweier "Anomalien" die "negative Heuristik". bislang aber lediglich isoliert betrachteter Belastungsfaktoren benötigt. andererseits dadurch. den "harten Kern" der theoretischen und methodologischen Leitideen des ergonomischen Forschungsprogramms. Die Rettung des "harten Kerns" erfolgt hierbei durch eine Umgestaltung im Schutzgürtel positiver Heuristik. und zwar einerseits durch die Einbeziehung von Komponenten aus anderen Theorietraditionen (Mergner/Marstedt 1986.h. unvermittelte Kausalbeziehung. d.der siebziger Jahre erfolgt eine Weiterentwicklung und Ergänzung des einfachen Modells zu einem "erweiterten" Belastungs-Beanspruchungs-Konzept. 7 110 . Dosis-)-WirkungsBeziehung zu untersuchen. Intelligenz. 22). Bei Laurig (1980) taucht erstmals der Begriff "Gesamtbelastung" auf und wie andere Arbeitswissenschaftler versucht auch er.

wirken die übrigen "Belastungsfaktoren" (z. 197). damit die Bezugnahme auf Handlungsspielräume und Handlungsregulationen nicht nur als ein oberflächliches Zugeständnis an die Kritik erscheint. worin die behaupteten Rückwirkungen der rückkoppelnden "Handlungsregulation" bestehen und wie die psychosoziale Organisation der "aktiven Verarbeitung" von Belastungen überhaupt zu verstehen ist. ob eine bloße Erweiterung des Modells mittels Intervention behavioristisch interpretierter Handlungsvariablen schon 111 . Ähnliches gilt für die Skalierung subjektiv erlebbarer Beanspruchungen. die Auseinandersetzung um die DFG-Denkschrift 1980). 200). Im Schatten der "objektiven" Erhebung "quantitativer Belastungsgrößen" (z.B. Lärmwerte. Wenn . indem einer soziologischen. Auch der ergonomischen Konzeption at its best fehlt immer noch ein angemessenes Verständnis menschlicher Subjektivität und Gesellschaftlichkeit. informatorischer und psychosozialer Belastungen einschließlich deren kurz. ein Ausufern der beiden Anomalien zu neutralisieren. Anzahl zu bedienender Kunden). klingt wenig überzeugend. Betriebsklima). die "lediglich auf topologischem Skalenniveau qualitativ beschreibbar sind" bei Rohmert (1984. Körperhaltung. solange ungeklärt bleibt. auf gesellschaftliche Strukturen hin orientierten Betrachtungsweise die Anerkennung als legitime wissenschaftliche Fragestellung verweigert wird (vgl. dann stellt sich die Frage. der beispielsweise in dem "integrierten Belastungs-Beanspruchungs-Konzept" von Walter Rohmert (1984) vertreten wird und eine Erfassung körperlicher. die auf der Grundlage bestehender Handlungsspielräume aus alternativen Möglichkeiten der Handlungsregulation resultieren sollen. Die Geltung des Ganzheitlichkeitspostulates wird kurzerhand auf den engen ergonomisch-arbeitsmedizinischen Horizont eingeschränkt. die auf metrischem Skalenniveau meßbar sind. S.und langfristiger Auswirkungen intendiert. Der ergonomische Integrationsanspruch. wird auf methodischer und wissenschaftspolitischer Ebene versucht.. nur wenig überzeugend. Ohne eine Bezugnahme auf die subjektive Bewertungs.der im vereinfachten Belastungs-Beanspruchungs-Konzept behauptete Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Belastungen und Beanspruchungen "streng genommen nur zur Analyse von Arbeitsvollzügen ohne Handlungsspielraum" gilt (S.und Bewältigungspraxis der durch Belastungen beanspruchten Beschäftigten wirken "subjektbezogene Verhaltensvariationen". die neben den "objektiven" Grenzwerten für Dauerleistungen und Schädigungen auffallend blaß erscheinen und wegen der potentiellen willentlichen Beeinflußbarkeit der Ergebnisse auch als vergleichsweise unzuverlässig gewertet werden (vgl. Häufigkeiten. und in methodischer Hinsicht wird jede "Subjektivierung" der objektivistischen Erhebungsverfahren kategorisch abgelehnt.wie Rohmert zugeben muß .B.dieser Modellkosmetik. 198) bemerkenswert unterbelichtet. Gewichte. Kundenverhalten. ebd. S.

weil. sofern sich die Messungen nicht an dem "subjektiven" Bedeutungswechsel orientieren. sondern allein auf einer statistisch erzeugten Übereinstimmung zwischen Expertenurteilen ("ratings") auf verschiedenen Skalenniveaus beruhen. deren Quantifizierung sich als außerordentlich schwierig gestaltet. oder ob nicht der Anspruch auf eine Integration psychosozialer Dimensionen eine radikale Verabschiedung vom klassischen. die kritisierten Mängel zu beheben. bei gleichzeitiger Ausblendung oder Umbildung jener Merkmale. durch den die quantifizierbaren Eigenschaften hervorgehoben werden. mit dem die Arbeitswissenschaft ihre symbolische Gewalt gegenüber konkurrierenden Wissensformen aus der Arbeitspraxis zu sichern sucht.8 Die Stärke quantifizierender Forschungsmethodologien.nämlich das Zählen und Messen quantifizierbarer Objektmerkmale .und meßbaren Eigenschaften ist als ein Akt der symbolischen Konstruktion von Wirklichkeit zu verstehen. daß sich zumindest eine "Universalie" menschlicher Symbolsysteme . 8 Selbst zahlenmäßig erfaßbare Parameter unterliegen einem latenten Validierungsproblem. Der klassische Objektivitätsanspruch arbeitsphysiologischer Modelle und Verfahren zur Erforschung und Bewertung von Belastungen und Beanspruchungen beruht im wesentlichen darauf. so meine These.und Meßbarkeit ohne größeren Wirklichkeitsverlust zugänglich sind und über deren Bedeutung diskursiv eine interkulturelle Einigung erzielt werden kann. der durch die "Ambivalenz" gegeben ist. die von "jedermann" beobachtbar und deshalb jederzeit nachzählbar sind. um den aktiven Beitrag der Arbeitenden zur psychosozialen Entstehung und Genese riskanter Arbeitsbedingungen deutlich zu machen. die der Zähl. wie dies naturalistische und substanzialistische Konzepte implizit unterstellen. Was dabei allerdings übersehen wird. erweist sich jedoch dort als eine Schwäche. Ich denke hierbei zunächst vorrangig an die emotionalen Dimensionen von Belastungen und Beanspruchungen. wo die quantifizierbaren Aspekte arbeitsbedingter Belastungen überbewertet oder sogar als einzig brauchbare wissenschaftliche Grundlage "objektiver" Forschungsleistungen unterstellt werden. ist. die sich der quantifizierenden Beobachtung vorerst gänzlich entziehen oder ihr zumindest einen gewissen Widerstand entgegensetzen.gewissermaßen interkulturell "eichen" läßt. Die ausschließliche Orientierung an zähl. Sobald sich die Meßgrundlagen nicht mehr auf "evidente" Merkmale beziehen können. soweit es sich um diskrete Merkmale handelt. droht der naturwissenschaftliche Objektivitätsanspruch einen Mythos von Wissenschaftlichkeit zu erzeugen. 112 .ausreicht. behavioristischen Reiz-Reaktions-Schema und dem ihm zugrundeliegenden Subjekt-Objekt-Dualismus verlangt? Nach meinem Eindruck ist ein grundlegender Perspektivenwechsel in der Erforschung arbeitsbedingter Belastungen und Beanspruchungen erforderlich. daß dieses Zählbar-Machen den Forschungsgegenstand keineswegs in seiner unberührten Objekthaftigkeit beläßt. mit der viele Menschen ihrer Arbeit variierend begegnen. die bislang in der arbeitswissenschaftlichen Belastungsforschung weitgehend ausgeblendet bleiben.

Ähnliche Vorgehensweisen gibt es auch bei arbeitspsychologischen Analyseverfahren.bzw. bei VERA/RHIA (die Werte unterhalb von "Stufe 3" werden hier als ein nicht befriedigendes Regulationsniveau gedeutet). Was macht uns eigentlich so sicher. die linearen Modelle der Naturwissenschaften nicht geeignet sind. Dauerleistungsgrenzen. sondern eher in den Unterschieden disziplinenspezifischer Traditionen. daß selbst dort. mit der die Objektivität gewissermaßen in der "goldenen Mitte" aller skalierten Expertenurteile (abzüglich der statistischen "Ausreißer") gesucht wird. deren schädigende Wirkung auf den menschlichen Organismus doch im Vergleich zu anderen Einwirkungen eigentlich noch relativ leicht nachzuweisen ist. bei der jede Ausprägung über den Wert "4" hinaus als Indikator für eine notwendige Änderung der Arbeitsbedingungen interpretiert wird).10 Ergonomische Verfahren zur Beurteilung arbeitsbedingter Belastungen bei körperlichen Tätigkeiten konstruieren oft mehrstufige Skalen mit einer ungeraden Anzahl von Merkmalsausprägungen. Die Unterschiede der Wertmaßstäbe scheinen mir nicht in der vermeintlichen "Objektivität" ihrer Erzeugung zu liegen. die auf Expertenratings verzichten könnten. z. Die Magie der Metrik erlaubt selbstverständlich auch hier weitere Abstufungen und Grenzsetzungen. Begründete Zweifel sind nach meinem Eindruck besonders bei den Folgen radioaktiver Kontaminierung angebracht.B.12 Werden die gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Erkenntnis ausgeblendet.11 Die wissenschaftliche Setzung von "objektiven" Grenzwerten entbehrt allerdings nicht einer gewissen "Magie". so kann die Arbeitswissenschaft leicht in eine stille Komplizenschaft mit den Mäch- 9 10 11 12 Selbst auf dem sicheren Terrain arbeitsphysiologischer Beanspruchungsforschung scheint sich mittlerweile bei einigen Arbeitswissenschaftlern (z. daß die Wahrheit immer in der Mitte liegt oder im Zentrum der meisten Nennungen zu suchen ist . psychophysischen Vorgänge zu charakterisieren. der Median) eine Grenzüberschreitung hin zur potentiellen Schädigung oder zum Unzumutbaren abgelesen werden kann (vgl.B. die mit der belastenden und beanspruchenden Wirkung von "Lärm" verbunden sind. mit denen arbeitswissenschaftliche Forschungsmodelle üblicherweise operieren und für die es im Bereich psychosozialer Belastungen bislang kein vergleichbares Äquivalent gibt.B. 113 . ob die Grenzwertdefinition tatsächlich nach rein wissenschaftlichen. die auf der statistischen Mittelung abweichender Expertenurteile beruht. z.9 Selbst die Schädigungs. siebenstufige Bewertungsskalen. Das RatingSkalierungsverfahren betreibt eine Bewertung. damit aus der Überschreitung eines bestimmten Schwellenwertes (meist entweder der Mittelwert bzw. dessen Selektion vielleicht angemessener ist und dessen Bewertungsverfahren vielleicht zuverlässiger und valider als das der Mehrheit ist? Wenn man die wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen über die Festlegung von exakten Grenzwerten bei toxischen Stoffen verfolgt.und nicht etwa einmal bei einem "Ausrutscher" zu finden ist. wo es um physikalisch meßbare Lärmgrößen geht. sind genaugenommen keine objektivierbaren Größen. wie die recht willkürlich anmutenden Änderungen in der Grenzwertdefinition im Gefolge der Katastrophe von Tschernobyl zeigen. Strasser 1982) die Überzeugung durchzusetzen.und Beanspruchungsindikatoren. sich auf gemeinsame Grenzwerte und die entsprechenden Verfahren zu ihrer Erhebung einigen zu können. um die zutiefst biologischen. "objektiven" Kriterien geschieht. so können einem schon gewichtige Zweifel kommen.Meßbarkeit allein ist aber kein geeignetes Kriterium für die Auswahl von Belastungs.

z.B. sofern sich die Reduzierung der Vielfalt belastungs. praktische menschliche Maßstäbe (zumal. daß die Auswahl der Versuchspersonen in den meisten Fällen lediglich einem eher beiläufigen statistischen Sampling folgt. Das wissenschaftliche Maß des Menschen scheint in besonderer Weise dazu geeignet. dann unterstelle ich gewissermaßen eine "natürliche Auslese" aller Individuen. Methodisch betrachtet ist dies einwandfrei. Die arbeitsphysiologische Konstruktion des individuellen menschlichen Körpers unterliegt jedoch einem substanzialistischen Fehlschluß. Die Anforderungen aus der betrieblichen Praxis. ist. allerdings nur unter einer Prämisse: Die Grundgesamtheit muß bekannt sein und jedes Individuum muß prinzipiell die gleichen (theoretischen) Chancen haben. z. zeigt sich. lebendige Körperlichkeit der Menschen auf die Summe der physiologischen Reaktionen auf kontrollierte äußere (Meß)Reizungen reduziert.h.B. Beck et al. Ein möglicher Irrtum rein physiologischer Meßinstrumentarien liegt z. "gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse" für die menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu liefern (vgl. Diese meist stillschweigenden Voraussetzungen haben jedoch näher betrachtet einen Haken: Nach welchen Kriterien bestimme ich die Grundgesamtheit? Überlasse ich die Auswahl der untersuchten Personen dem Zufall. 114 . wenn sie sich nicht so leicht quantifizieren lassen) als "subjektive" Eindrücke. Wie haltlos diese vorschnelle Substanzialisierung eigentlich ist. durch die tatsächlich alle Menschen einer gesellschaftlichen Gesamtpopulation ungeachtet ihrer Eigenarten und Besonderheiten die gleiche Chance haben. sich am Spiel der Zahlen beteiligen zu können. d. Beck und Brater 1978. Meßbarkeit als Anforderung an die Legitimität der formulierten arbeitspolitischen Ansprüche verlangt aber eine Diskurskompetenz.).tigen geraten. Alles. Meinungen und Empfindungen aus dem Kanon anerkannter. § 90 und § 91 des Betriebsverfassungsgesetzes). an den von mir untersuchten Arbeitsplätzen eine bestimmte Arbeit in einem spezifischen Beruf zu verrichten und von mir beobachtet. daß diese Annahme universeller Chancengleichheit nicht ohne weiteres zutrifft (vgl. S. darin begründet. ihr Gestaltungsinteresse in meßbare Dimensionen und Indikatoren zu transformieren . 1980.oder aber einen Verlust der Legitimität ihrer Forderungen zu riskieren. was wir bisher über soziale Prozesse der "Selektion" und "Schließung" bei der persönlichen Wahl und sozialen Zuweisung von Berufen oder beim Berufswechsel wissen. in das Sample ausgewählt zu werden. sobald man die zugrundeliegenden Prämissen über mögliche Konstanten hinterfragt und selbst zum Thema von methodologischen Reflexionen und bewußten Entscheidungen macht. 61ff.und beanspruchungsrelevanter Dimensionen auf die quantifizierbaren Merkmale als ein Akt symbolischer Gewalt auswirkt.. untersucht oder befragt zu werden. "gesicherter" Erkenntnisse auszuschließen. werden auf seiten der Arbeitswissenschaften üblicherweise mit dem Einsatz objektivistischer Forschungsansätze beantwortet. es zwingt die Kontrahenten. 43ff. sofern sie die wirkliche.B.

).in der Sprache der Variablenforschung . erfolgt diese soziale Auslese der französischen Fernfahrer im Gütertransportgewerbe in einem außergewöhnlich hohen Maß (lediglich ein Viertel der LKW-Fahrer verläßt den Transportsektor und das bereits in den ersten drei Jahren ihrer Berufstätigkeit dort. 90f. Die allzu unbekümmerte Auswahl einer geeigneten Untersuchungspopulation kann unter Umständen weitreichende Konsequenzen haben für systematische Verzerrungen.zumindest als "intervenierende" Variablen selbst in die Erhebung physiologischer Parameter systematisch einzubeziehen sind. Patrick Hamelin macht auf der Grundlage seiner empirischen Erhebungen am Institut National de Recherche sur les Transports et leur Sécurité (INRETS) auf die vielfältigen Mechanismen einer "sozialen Selektion" unter jenen französischen LKW-Fahrern aufmerksam. Die randomisierte Auswahl von Probanden folgt somit genau genommen keinem strengen Zufallsprinzip. 1989a. die aufgrund ihrer Fernfahrertätigkeit leibhaftig für das Sampling einer physiologischen Arbeitsanalyse zur Verfügung stehen.. da in den branchenbedingten Unterschieden bei der Organisation des Arbeitsprozesses und in den sozialen Selektionsmechanismen beruflicher Karrieremuster ökonomische und soziale Bedingungen wirksam werden. S. daß der Fahrerkreis mit geringer beruflicher Zufriedenheit oder fehlenden Eigenschaften und Fähigkeiten (einschließlich gesundheitlicher Konstitution) zunehmend das Tätigkeitsfeld verläßt. Interessen sowie Verhaltenspotentiale im persönlichen Umfeld damit in Einklang bringen konnte" (Schäfer und Steininger 1989. S. S. Festzuhalten bleibt somit.und berufsbedingter Risiken. Aufgrund der Unterschiede in Dauer und Umfang der im Verlaufe einer beruflichen Biographie "erfahrenen" Belastungen und Beanspruchungen beeinflußt die soziale Selektion und berufliche Mobilität somit das Ausmaß arbeits. The ones who stay in Transportation Branch are particularly 'selected'! Working feature as movements of individuals out of this sort of job or toward better working conditions describe two different populations of drivers. 86. of whom characteristics can be resumed in their belonging in the two bigger Branches: Transportation and other Branches" (Hamelin 1987a. die einen großen Teil ihres Berufslebens mit Fernfahren verbringen (1989a/b und 1987a/b): "These movements of individuals bring forward a 'social mechanism of selection' of the population of drivers spending a large part of their professional life in these business. wird von den jungen Fahrern die Tätigkeit nicht so sehr als lebenslanger Erwerb. Übrig bleibt die Gruppe von Fahrern. die . 121). Wie Hamelin zeigen kann. 95.). S. 8). vgl. daß die (sozialökologische) Validität physiologischer Analysen der beruflichen Karrieremuster und Mobilität 115 . Am Beispiel deutscher und französischer LKW-Fahrer zeigt sich. die den beruflichen Herausforderungen der Tätigkeit gewachsen ist und die persönlichen Bedürfnisse. keineswegs nach zufälligen oder natürlichen Auswahlkriterien in den Beruf des Fernfahrers hineingeraten sind.. sondern vielmehr als Übergangsphase betrachtet (."Wie aus den qualitativen Interviews hervorgeht. daß die Individuen. Berufliche Selektionsprozesse führen im weiteren Verlauf dazu. vgl.

sondern als eine Anschauungsweise. 187-192 und 441-443). da sie die Spannweite der objektiven Möglichkeiten der Bewältigung beruflicher Risiken entscheidend mitbestimmt (vgl. der persönlichen Qualitäten. zur Herrschaft im Wirtschaftsleben gelangte Kapitalismus also erzieht und schafft sich im Wege der ökonomischen Auslese die Wirtschaftssubjekte .innerhalb der Untersuchungsgruppe abhängen kann. S. Der Auslesebegriff bleibt an die Zurechnung der Lebens. indem sie die Auslese und den (Konkurrenz-)Kampf der Einzelnen um Lebens. Auch wenn man nicht unbedingt verrückt sein muß. Diese Entstehung ist also das eigentlich zu Erklärende" (Weber 1981. die für Webers Theorie sozialen Wandels wesentlichen Textstellen in "Wirtschaft und Gesellschaft" 1980.)" (S. Weber hat sich in diesem Zusammenhang wohl in erster Linie gegen eine Substanzialisierung gewendet. Die "Auslese" sozialer Beziehungen aber ist zu unterscheiden von der "Auslese der Menschentypen" (ebd. Die soziale Auslese. um die üblichen Anforderungen an die Arbeitsleistung eines Berufskraftfahrers wie an die entsprechende 13 Diese Textpassage ist etwas mißverständlich formuliert. mittels derer sich die Grundgesamtheit der Fernfahrer zu einer "Kollegenschaft" formiert. S. Allein gerade hier kann man die Schranken des 'Auslese'-Begriffes als Mittel der Erklärung historischer Erscheinungen mit Händen greifen. 'Abgeordneter'. den Begriff der Auslese einfach auf soziale Beziehungen zu übertragen (1980.und Überlebenschancen einzelner Menschen geknüpft. 'Generaldirektor'. S. 'Beamter'. bevorzugt sind in der Möglichkeit der Gewinnung einer bestimmten sozialen Beziehung (als 'Geliebter'.2).h. es handelt sich hierbei gerade nicht um spezifische Handlungstypen beliebiger Individuen. Aber schon Max Weber hat vor den Tücken gewarnt.und Überlebenschancen vernachlässigt gegenüber dem "Kampf" und der "Auslese" sozialer Beziehungen. 'Bauleiter'.h. Wie aus anderen Stellen hervorgeht (vgl.Unternehmer und Arbeiter -. Damit jene der Eigenart des Kapitalismus angepaßte Art der Lebensführung und Berufsauffassung 'ausgelesen' werden. 21f.13 "Der heutige. 'erfolgreicher Unternehmer' usw. 20). die nach der generellen Angepaßtheit sozialer Beziehungen fragt. S. und zwar nicht in einzelnen isolierten Individuen. eventuell. S. über andere den Sieg davontragen konnte. möchte Max Weber die "Typen des Sichverhaltens" eng an entsprechende Menschentypen angebunden wissen. d. nicht an die "Überlebenschance" von Handlungstypen! 116 . d. 1980. mußte sie offenbar zunächst entstanden sein. so bedarf es doch besonderer Qualitäten.). vgl. sobald sich menschliches Handeln bewußt darauf richtet oder der ungewollte Nebenerfolg des Ablaufs sozialen Handelns dies bewirkt. die von Menschengruppen getragen wurde. 22). deren er bedarf.. 'Ehemann'. 21): Eine bestimmte Art von menschlichem Handeln kann zwar durch eine andere im Lauf der Zeit verdrängt werden. Kapitel 5. zur Entstehung sozialer Innovationen vgl. "'Soziale Auslese' bedeutet vielmehr zunächst nur: daß bestimmte Typen des Sichverhaltens und also. um Fernfahrer werden zu können. ist somit als eine wesentliche Randbedingung für die Arbeitssicherheit zu berücksichtigen.. 45f.

von den lebenden Menschen isolierten Handlungsmuster nachzuvollziehen. die soziale und symbolisch-kulturelle Konstruiertheit des Verhältnisses zwischen Reizen und Reaktionen aufzudecken. da sie nur wirken. Würde sich der analytische Blick allein auf die Auslese von Handlungstypen beschränken. der von der Soziologie für eine Integration arbeitswissenschaftlicher Forschungsansätze zu erwarten ist. Nur solange der Fokus der Betrachtung auf der Zurechnung der sozialen Phänomene auf tatsächlich handelnde. der eine umfassendere Sichtweise der Entstehung und Veränderung arbeitsbedingter Risiken gestattet.h. Im folgenden Kapitel soll ein möglicher konstruktiver Beitrag deutlich gemacht werden. alle nicht beobachtbaren Phänomene aus dem Kanon legitimer Forschungsgegenstände auszugrenzen. erfüllen zu können. die mit diesem Beruf verbunden ist. die Beziehung der Handlungsmuster zu den miteinander konkurrierenden Menschentypen zu klären. sie zu erkennen" (Bourdieu 1987. die darauf konditioniert sind. Dabei wird der objektivistische Bezugsrahmen der behavioristischen Verhaltenstheorie vor allem dort überwunden. S. 3. Es kommt also nicht darauf an. wenn sie auf Handelnde treffen. gingen die Vorzüge einer sozialökologischen Betrachtungsweise geradezu verloren. Anstelle unfruchtbarer Konfrontationen ist ein Perspektivenwechsel bei der Erforschung arbeitsbedingter Belastungen und Beanspruchungen erforderlich.und Ingenieurwissenschaften zu verteidigen (vgl. beispielsweise die Auseinandersetzung zwischen Ergonomen. den Legitimitätsanspruch ihrer theoretischen Erkenntnisse und methodischen Verfahrensweisen gegenüber den Natur. läßt sich die enorme Dynamik der sozialen Welt auch theoretisch einfangen. lebendige Menschen ruht. wo auf der Grundlage soziokultureller Symbolik gesellschaftliche Konditionierungen aufgespürt werden.Lebensführung. deren Verhältnis zu spezifischen Menschengruppen. 99). Während das Reiz-Reaktions-Modell des Behaviorismus den Zweck verfolgt hat. d. sondern vielmehr darum. die raum-zeitliche Stabilität relativ abstrakter. ohne dabei die soziale Auslese der zu diesen Handlungen fähigen und willigen Menschen zu berücksichtigen. haben sich Soziologie und Sozialpsychologie darum bemüht. Auf dem akademischen Feld wissenschaftlicher Reputation sahen sich die Sozialwissenschaften häufig dazu veranlaßt. wie etwa in der Habitus-Feld-Theorie von 117 . Bewältigung und Billigung: Überlegungen zur sozialen Genese arbeitsbedingter Belastungen und Beanspruchungen "Reize existieren für die Praxis nicht in ihrer objektiven Wahrheit als bedingte und konventionelle Auslöser. Arbeitsmedizinern und Sozialwissenschaftlern um die DFG-Denkschrift 1980).2 Bewertung.

Ein Grund für die Ausblendung der "Subjekt-Objekt-Dialektik" liegt sicherlich darin. durch die Festlegung schützenswerter Güter und potentieller Bedrohungen. 144). Die traditionelle Gegenüberstellung von Belastung und Beanspruchung hat dazu beigetragen. daß ein integriertes arbeitswissenschaftliches Forschungsprogramm eine Überschreitung der Grenzen zwischen natur. sondern einer wechselseitigen Verursachung und Einwirkung folgt. das praktische Zusammenspiel zwischen objektiven Arbeitsbedingungen und arbeitenden Subjekten zu vernachlässigen. Das Belastungs. Das Prozeßgeschehen ist darüber hinaus nicht unabhängig von menschlichen Handlungsweisen. die vorerst keiner "sinnvollen" Bewältigungsmaßnahme zuführbar sind. der keiner linearen Ursache-Wirkungs-Kette zwischen "unabhängigen". sobald sich die Grenzgänger auf ein gemeinsames methodologisches Leitprogramm einigen können.und sozialwissenschaftlichen Domänen erforderlich macht. S. das sie in Regeln. 21). Chancen und Risiken geprägt. Es ist durch die Bewertung von Un-Sicherheiten und Gefahren. d. in Widerwillen oder Wünsche.Pierre Bourdieu (1987). Erstens muß eine irreführende Gegenüberstellung von "objektiven" Belastungswirkungen und "subjektiven" Beanspruchungsreaktionen vermieden werden. Verbote. Mead 1973.und inge118 . Der objektivistisch beschränkte Blick auf die Beziehungen zwischen Körper und Gesellschaft vernachlässigt. durch Versuche der Bewältigung von Gefahren und Risiken beeinflußt. Verpflichtungen. S. oder in der Theorie des symbolischen Interaktionismus. "sich selbst durch Symbole die Folgen gewisser Reaktionsweisen auf solche Reize aufzuzeigen" (Charles W. wo eine "Selbstkonditionierung des Organismus auf zukünftige Reize hin" es ermöglicht. Morris [1934] in der Einleitung zu G. "intervenierenden" und "abhängigen" Variablen. Zweitens muß die (psychosoziale) Entstehung und Genese von Belastungen selbst zum Gegenstand der Forschung gemacht werden. Auf der einen Seite haben die theoretischen und methodologischen Analogien zwischen dem naturwissenschaftlich-medizinischen Kausalmodell (Ursache. "daß die gesellschaftlichen Determinierungen niemals den Körper in unmittelbarer Weise durch direktes Einwirken auf die biologischen Gegebenheiten informieren.und Beanspruchungsgeschehen ist als ein (bio)psychosozialer Prozeß zu begreifen. sondern über das kulturelle System übertragen werden. Dosis-Wirkungs-Linearität) und dem behavioristischen Stimulus-Response-Modell die Zusammenarbeit der natur. in Neigungen und in Abneigungen rückübersetzt und transformiert" (Boltanski 1976.bzw.H. in denen erfolgversprechende Maßnahmen gegen die (an)erkannten Bedrohungen eingegrenzt werden sowie schließlich durch Vorgänge der Billigung ("Akzeptanz") sogenannter "Restrisiken" geprägt. Ein Perspektivenwechsel in der Belastungsforschung bedeutet in diesem Zusammenhang zweierlei.h. Meine Annahme ist. daß sich Interdisziplinarität zwischen den beiden wissenschaftlichen "Kulturen" (Snow) immer dann relativ einfach herstellen läßt.

Auf der anderen Seite können "phänomenologische" Belastungs. 37ff. S.B. Volpert 1980. solange der Prozeß der sozialen Erzeugung der Bedeutungen im Dunkeln bleibt. In der marxistischen Psychologie sind hier die Beiträge von Rubinstein (1966) und die sogenannte "kulturhistorische Schule" zu nennen. 143). Die bloße Umkehrung der Kausalitätsrichtung von den objektiven Bedingungen hin zu subjektiven Realitätskonstruktionen aber begründet an sich noch keinen übergreifenden. ohne eine Bezugnahme auf die organisch gebundenen psychophysischen Abläufe im Körper der Arbeitenden. Dies betrifft vor allem die Spät. Sonntag 1987. z. S. Leontjew 1979. Damit werden arbeitsbedingte Beanspruchungen aber nur auf der Ebene von "Sinnverhältnissen" (Bourdieu) erfaßt.). 75ff. Neben den Schranken des "diskursiven Bewußtseins" (Giddens) leiden sozialphänomenologische Ansätze auch daran. die von den Betroffenen nicht unmittelbar sinnlich erfahren und kommunikativ vermittelt werden können.und Nebenfolgen von Belastungen. "die durch reflektive Zuwendung erfaßbar sein soll" (Bourdieu 1979. in der ein Konzept "gegenständlicher Tätigkeit" (vgl. einen Ausweg aus dem Dilemma des Objekt-Subjekt-Dualismus zu finden. integrativen Standpunkt. haben sich an dem von Marx und Engels (MEW 3) formulierten Praxiskonzept orientiert.und Beanspruchungsforschung hat die menschliche Arbeitstätigkeit als eine gesellschaftliche "Praxis" zu begreifen. Viele Versuche. "Entwurf einer Theorie der Praxis" 119 .und Beanspruchungs-Konzepte an psychosomatische Krankheitsbilder anschließen. Prozesse beruflicher Mobilität durchkreuzen darüber hinaus die äußerst schwierige Identifizierung kausaler Zusammenhänge zwischen beruflichen Belastungen und der Genese arbeitsbedingter Erkrankungen. In der Soziologie lassen sich vor allem die Beiträge von Pierre Bourdieu (z.nieurwissenschaftlich ausgerichteten Ergonomie und Arbeitsmedizin mit behavioristisch orientierten Verhaltenswissenschaften erleichtert. die sich allenfalls mittels aufwendiger sozialepidemiologischer Erhebungsverfahren (re)-konstruieren lassen oder überhaupt nur mittels wissenschaftlicher Methoden sichtbar gemacht werden können. "Sozialphänomenologische" Belastungs-Beanspruchungs-Konzepte verirren sich in einem Dickicht (inter)subjektiver Belastungsvorstellungen. die "materielle" organische Seite der verkörperten Beanspruchungen nicht befriedigend von den lediglich als "Beanspruchung" wahrgenommenen Beanspruchungsmerkmalen zu trennen. das wichtige Impulse für die Herausbildung einer tätigkeitsorientierten Arbeitspsychologie geliefert hat (vgl. S. Hacker 1986. die den erlebten Belastungen und Beanspruchungen subjekt. Frieling u. statt sie entweder als bloßes "Objekt" zu behandeln oder lediglich auf eine "gelebte Erfahrung" zu reduzieren.und situationsspezifisch von den Akteuren zugeschrieben werden. bei denen die aktive Beteiligung der Betroffenen eine wesentliche Komponente der Entstehung pathogener Reaktionen ist.B.) entwickelt worden ist. Eine Veränderung der theoretischen und methodologischen Perspektiven in der Belastungs. Ausgeblendet bleiben hier jene Belastungskomponenten.

orientiert sich hierbei aber nicht am Marxschen Praxisverständnis. 120 . ein Begehren oder Streben. nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird. aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit" (Marx: Thesen über Feuerbach. Mein praktisches Leben ist auf eine spezifische Art und Weise materiell und symbolisch ausgestattet. 100ff. das eine bestimmte Richtung nimmt. Zwänge und Chancen. nicht subjektiv. 223) ausgerichtet.die äußere (und innere) Welt erhaltenden oder verändernden . 112. S.. 1988. und dieses "Mein" ist an ein lebensgeschichtlich gewordenes "Ich" gebunden. S. von Paul Willis (1981.. 533). Giddens unterschätzt die gegenständliche Seite menschlicher Tätigkeiten und stützt sich dort auf ein soziologisch zweifelhaftes Konzept ("grundlegendes Sicherheitssystem".14 "Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (. S. Mit dem Praxisbegriff wird das Denken (als "innere". die Wirklichkeit. psychische Tätigkeit) zunächst von der . 675).. nicht aber als menschliche sinnliche Tätigkeit. MEW 3. die Reproduktion der gesellschaftlichen Praxis (sozial-)theoretisch und forschungsstrategisch zu operationalisieren. Duden "Etymologie" 1989. 111ff. in die mein Leben. 1982) sowie teilweise auch von Anthony Giddens (1988) als ein Versuch interpretieren. "Ur"-Phänomen der "Seinsgewißheit" vgl. sowie 1987. 53. von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedene Objekte. Mit der Sinnlichkeit kommt zugleich die Gegenständlichkeit und Wirksamkeit des menschlichen Ansinnens ins Spiel. S. auf die praktischen Notwendigkeiten. 92. meine Welt(konstruktion) und mein Selbst eingebunden sind. S.).. Praxis. In der sozialen Praxis "existiert" keine beliebige "durée" des Alltagslebens.1979. das durch Routinisierung zu einem "kontinuierlichen Verhaltensstrom" wird (vgl. da der Idealismus natürlich die wirkliche.. dessen biographisches Werden nicht irgendeinen Raum und irgendeine Zeit "durchflossen" hat. daß der Gegenstand. 535) begriffen. 59. 88f.) ist. Es handelt sich immer um eine spezifische Praxis. S. S. sondern an der phänomenologisch gefärbten Vorstellung einer "durée" des Alltagslebens. historischen und (für mich durch meine soziale Position strukturierten) gesellschaftlichen Raum-Zeit-Zusammenhang.). daß die tätige Seite (. Praxis.. sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt. S. deren 14 Anders als Bourdieu oder Willis hat Giddens den Praxisbegriff gewissermaßen zurechtgestutzt auf ein Konzept sozialer Handlungspraktiken ohne gesellschaftliche Praxis. 97ff.. genausowenig wie es eine Kontinuität der Welt oder des Selbst an sich geben kann.aber nur abstrakt. S."sinnlichen Aktion. 137ff. und realen Tätigkeit" (vgl. sondern einen bestimmten. Durch den Gegenstandsbezug ist die Sinnlichkeit auf das dem subjektiven Wollen "Entgegenstehende" (ebd. 118). 536) unterschieden und die menschliche "Sinnlichkeit" als "praktische Tätigkeit" (MEW 3. Giddens interpetiert die "Ontologie von Raum und Zeit" zwar als ein "konstitutives Prinzip sozialer Praktiken". Feuerbach will sinnliche. auf etwas gerichtet ist (vgl. in der von Engels 1988 veröffentlichten Version. Daher geschah es. Sinnlichkeit. die Verbindung zwischen der Kontinuität der äußeren Welt der Institutionen und der die persönliche Seinsgewißheit stiftenden "durée" des Alltagslebens soziologisch zu begründen.) vom Idealismus entwickelt wurde . MEW 3. wo es eigentlich darauf ankommt.

Zusammenhängen und Beziehungen der Außenwelt unterworfen sind. 83. erlaubt es. S. nur sekundär ist" (Leontjew 1979.B. daß primär der Gegenstand selbst der 'Afferentator' ist. wobei die Vergegenständlichung des Tätigkeitsprozesses vor allem auch in der Transformation des "objektiven" Produktes deutlich wird. es wird.) gezeigt.. 15 Die Einführung "intervenierender Variablen" (z.. soweit es auf die äußere Realität bezogen ist. Bourdieu 1987. Auf welche Weise vermittelt die menschliche Tätigkeit die Wechselwirkungsund Austauschprozesse zwischen dem Subjekt und seiner Umwelt? Die entscheidende Überlegung ist hierbei. S. 127). sondern ein "System mit eigener Struktur. In einer Auseinandersetzung mit dem "zweigliedrigen" Stimulus-ResponseSchema des Behaviorismus hat Alexej N. S. ausgewählter "Eigenschaften") zwischen Reiz und Reaktion oder die Umkehrung der Wirkungsrichtung infolge von Rückkopplungen ändert nichts an der Zweigliedrigkeit des Schemas.Dringlichkeiten sich nur dem erschließen. 88): Der Übergang erfolgt dabei (1) vom Gegenstand zum Tätigkeitsprozeß und (2) von der Tätigkeit zu ihrem subjektiven Produkt. welches ihren gegenständlichen Inhalt fixiert. daß sich mit der Annahme einer bloßen "Rückkopplung" als Rückwirkung von der Reaktions. Als "Mittelglied" ist die gegenständliche Tätigkeit des Menschen keine Reaktion. Das "psychische Abbild" ist nicht als eine bloß passive "Widerspiegelung" zu verstehen. 83). die daher notwendigerweise den vom Wollen des einzelnen relativ unabhängigen Eigenschaften. daß die "psychische Widerspiegelung der gegenständlichen Welt nicht unmittelbar durch äußere Einwirkungen (einschließlich der 'Rückwirkungen') hervorgerufen wird. S. ebd. Prozesse. der die von den praktischen Nöten distanzierte Position des Zuschauers verläßt und sich in ein praktisches Verhältnis zur Welt begibt (vgl. 87). Genau betrachtet. Dies bedeutet. Erst die Einbeziehung der gegenständlichen Tätigkeit des Subjekts als Medium der wechselseitigen Übergänge zwischen den beiden "Polen" Subjekt und Objekt.15 "Jede Tätigkeit hat eine Ringstruktur: Ausgangsafferenz 6 effektorische Prozesse. sondern durch diejenigen Prozesse. 121 . 81f. stabilisiert und in sich trägt. S. 75ff. ebd. 97). S. S. in denen das Subjekt aktiv seine praktischen Kontakte mit der gegenständlichen Welt aufnimmt und gestaltet.). während sein Abbild als das subjektive Produkt der Tätigkeit. 87). S. Leontjew (1979.. mit eigenen inneren Übergängen und Umwandlungen sowie mit eigener Entwicklung" (Leontjew 1979. die die Kontakte mit der gegenständlichen Umwelt realisieren 6 Korrektur und Bereicherung des ursprünglichen Afferenzabbildes durch Rückkopplungen" (Leontjew 1979.auf die Reizvariable das "Postulat der Unmittelbarkeit" zwischen der Einwirkung des Objekts und der Veränderung der fließenden Zustände des Subjekts nicht überwinden läßt (ebd. das zweigliedrige Schema durch ein echtes dreigliedriges Modell zu ersetzen. gewissermaßen aus dieser Realität "geschöpft" (vgl. der die Tätigkeitsprozesse steuert. handelt es sich um einen zweifachen Übergang innerhalb des Systems einander ablösender innerer und äußerer Tätigkeiten (vgl.

16 Die Herausbildung der psychischen Ebene 16 Der Tätigkeitsbegriff wird von Leontjew auf eine sehr weit gefaßte. gegenstandsbezogener) Prozesse. S. untergeordnet sind" (Frieling und Sonntag 1987. Abb. einem Gegenstand zu.Die "Ringstruktur" menschlicher Tätigkeit läßt sich mittels der vier miteinander verschränkten Seiten eines "doppelten" Überganges zwischen Subjekt und Objekt zu einem Bild visualisieren (vgl. 10). universelle Weise verstanden als eine "Gesamtheit innerer (geistig-mentaler) und äußerer (praktischer. 38). Arbeit. Lernen und Spiel lassen 122 . Die (von Menschen geschaffene) gegenständliche Wirklichkeit ist dabei ebenso wie die subjektive Realität ein Resultat der Wechselbeziehungen von äußeren und inneren Tätigkeiten der Subjekte. die einem bestimmten Motiv.bzw.

wobei sich der Sinn. wobei Leontjew die Verfahren zur Verwirklichung einer Handlung als Operationen bezeichnet (S. 102.oder Bedeutungsgehalt einer sozialen Interaktion zwischen zwei Individuen sich beispielsweise als allgemeine "Grundformen menschlicher Tätigkeit" betrachten (vgl. Abb. wobei der Gegenstand einer Tätigkeit von Leontjew als das "tatsächliche Motiv" dieser gegenständlichen Tätigkeit verstanden wird (1979. stofflichen Gegenständen vollziehen. 106). Dabei werden sie einer spezifischen Transformation unterzogen: Sie werden verallgemeinert. 11). die dadurch gekennzeichnet sind.mittels Interiorisation (Verinnerlichung bzw. Für Mead ist "Sinn" der "Inhalt eines Objektes. in Prozesse verwandelt werden. vgl. des weiteren Handlungen als bewußten Zielen untergeordnete Prozesse und schließlich Operationen. 102). die sich mit äußeren. die unmittelbar von den Bedingungen zur Erlangung des konkreten Ziels abhängen" (ebd. Menschliche Tätigkeiten werden in Form von Handlungen realisiert. 95). 17 123 . und vor allem werden sie zu einer Weiterentwicklung fähig.. Der Begriff der Tätigkeit hängt notwendig mit dem Begriff "Motiv" zusammen. die auf der geistigen Ebene. Somit unterscheidet die psychologische Tätigkeitsanalyse "(besondere) Tätigkeiten anhand der sie initiierenden Motive. auf der Ebene des Bewußtseins verlaufen. 56 im Anschluß an Rubinstein). verkürzt. S. die George Herbert Mead (1973) als ein Wegbereiter des symbolischen Inter-aktionismus formuliert hat. S. ebd.17 Unter Einbeziehung von Überlegungen. die über die Möglichkeiten der äußeren Tätigkeit hinausgeht" (ebd. das von der Beziehung eines Organismus oder einer Gruppe von Organismen zu ihm anhängt". Einverleibung) der äußeren Tätigkeiten setzt umgekehrt eine Exteriorisation (Vergegenständlichung bzw. S. "Als Interiorisation bezeichnet man bekanntlich den Übergang. 100). 108). durch den die ihrer Form nach äußeren Prozesse.. Verkörperung) der inneren Tätigkeiten voraus (vgl. S. S. auch Kapitel 4). Hacker 1986. daß sie einem bewußten Ziel untergeordnet sind (Leontjew 1979.. verbalisiert. läßt sich die tätigkeitspsychologische Ringstruktur der Subjekt-Objekt-Beziehung auf das Feld sozialer Interaktionen übertragen (vgl. S.

jenseits aller zeitlichen und räumlichen Zwänge als Hort menschlicher Vernunft und Tugend schlechthin. die Konkurrenz zwischen somatischer und psychosomatischer Medizin betrachtet. Die Auseinandersetzung um den Dualismus von Leib und Seele wird heute auch als Kampf um die Besetzung humanwissenschaftlicher Domänen geführt.ähnlich der Seele in der christlichen Mythologie . die auf konträre Weise mit den Nöten und Zwängen der sozialen Praxis umgehen. S. den Menschen vermeßbar zu machen und den Körper einer (Selbst-)Instrumentalisierung zuzuführen. wenn man etwa an die reduzierte Handlungskonzeption bei Rohmert (1984) denkt. In seinen Untersuchungen über den "sozialen Sinn" hat Pierre Bourdieu (1987.B.) auf eine fundamentale Differenz zwischen der "Zeit der Wissenschaft" und derjenigen der "Praxis" hingewiesen und dabei (wen wundert es?) ebenfalls zwei Logikarten aufgespürt. Der aus der Mechanik übertragene Objektivismus hat seinen festen Platz in einer langen Traditionslinie dualistischer Vorstellungen. Wie aktuell sich auch heute noch das alte Leib-Seele-Problem für die Moderne darstellt. Materie) und der denkenden Substanz (res cogitans: Seele bzw. Mit seiner Unterscheidung zwischen der ausgedehnten Substanz (res extensa: Leib bzw. In dem rationalistischen Weltbild der modernen Wissenschaft haben "irrationale" Affekte. 147ff. jenseits aller Geschichte und Gesellschaft und . S.als "Dreiecksbeziehung" zwischen der Geste eines Individuums. kann man sich leicht vergegenwärtigen. Emotionen und körpernahe Phänomene wie das Unbewußte immer noch keinen allgemein anerkannten Stellenwert.18 Während der Leib dabei als eine dingliche Erscheinung allen materiellen Zwängen schutzlos ausgeliefert erscheint (unmittelbare Raum-Zeit-Gebundenheit. Den fundamentalen Sinnzusammenhang der symbolisch vermittelten Arbeitstätigkeit können ergonomische Belastungs-Beanspruchungs-Konzepte bislang entweder gar nicht oder nur unzureichend erschließen. 124 . der anpassenden Reaktion eines zweiten Individuums auf diese Geste und der Vollendung der jeweiligen gesellschaftlichen Handlung (Resultante) begreifen läßt (1973. Geist) hat René Descartes im 17. wenn man etwa an die sozialwissenschaftliche Mißachtung des menschlichen Leibes denkt. in denen sich die objektiven Reize der Außenwelt (hier in Form von Belastungen) und die subjektiven Besonderheiten des Einzelmenschen (hier in Form von Beanspruchungen) unvermittelt gegenüberstehen. schrittweiser und sichtbarer Verfall durch Prozesse des Alterns). Aufgrund ihrer theoretischen Distanz zu den Not18 Damit entwickelte Descartes zugleich die philosophischen Voraussetzungen dafür. wenn man z. 120f. In der abendländischen Wissenschaft wie in der Tradition des westlichen Denkens lassen sich solche Dualisierungsneigungen zumindest bis in die Antike zu Platon und Aristoteles zurückverfolgen. Jahrhundert den anthropologischen Dualismus zwischen Leib und Seele auf den Punkt gebracht und eine mechanistische Naturauffassung begründet. die den menschlichen Körper konsequent als eine Maschine begreift. erblühte die "denkende Substanz" zur fundamentalen ontologischen Qualität des Menschen.).

d. Kurzum. wird man auch schon gewahr. In einem "Postskript" von 1969 hat Kuhn seinen Paradigmabegriff zu präzisieren versucht. ihre zeitliche Struktur.): "Wenn man den theoretischen Fehler ausgemacht hat. 148f. die Unumkehrbarkeit. S. nicht bloß. 287). die Praxis ist schon wegen ihrer ganzen Eingebundenheit in die Dauer mit der Zeit verknüpft. der genügend Anziehungskraft besäße. und sei es bloß eine Veränderung der Tempi in Richtung auf Allegro oder Andante. die theoretische Sicht der Praxis für das praktische Verhältnis zur Praxis auszugeben. ist für sie sinnbildend: wie bei der Musik nimmt jede Manipulierung dieser Struktur. Während es den ergonomischen und arbeitsmedizinischen Teildisziplinen innerhalb des arbeitswissenschaftlichen Spektrums immerhin gelungen ist. indem man ihr die zeitlose Zeit der Wissenschaft überstülpt.) Die Praxis rollt in der Zeit ab und weist alle entsprechenden Merkmale auf. ihr Rhythmus. das man zu ihrer Erklärung erst konstruieren muß.. Bewertung und Bewältigung arbeitsbedingter Belastungen und Beanspruchungen zu orientieren. die nicht auf den Effekt einer simplen Änderung der Bezugsachse zurückgeführt werden kann. sich am "praktischen Sinn" der Arbeitstätigkeit als einem entscheidenden Bezugspunkt für die Identifizierung. Nun ist eine paradigmatische Einheit vom Schlage "normaler" Wissen- 19 20 Wenn man den Zeitbedarf für die Akkumulation des materiellen. die dem individuellen Aufstieg riskante Entscheidungen abverlangt. die.h. die Praxis zu zerstören. als Modelle oder Beispiele gebraucht. scheint die Soziologie angesichts der ihr fehlenden paradigmatischen "Normalität"20 kaum dazu in der Lage. die forschende Gemeinschaft auf Dauer an sich zu binden.h.. "Paradigma" wird dabei von ihm auf zweifache Weise benutzt: Erstens im Sinne einer "Konstellation von Gruppenbindungen". explizite Regeln als eine Basis für die Lösung der übrigen Probleme der 'normalen Wissenschaft' ersetzen können" (Kuhn 1972."19 Die Zeitlosigkeit und Distanz zu den existenziellen Nöten der sinnlichen Praxis der Arbeit macht es der objektivistischen Beobachtung und Klassifizierung so schwer. weil sie sich in der Zeit abspielt. realisieren und zweitens im Sinne von "gemeinsamen Beispielen". werden die sozialen Folgen jener "Ökonomie der Zeit" deutlich..B. leiblichen und mentalen "Vermögens" berücksichtigt. weil sie strategisch mit der Zeit und vor allem mit dem Tempo spielt. ihr Tempo und vor allem ihre Richtung. während sie für die in Ausübung begriffene Praxis als eine in Wirklichkeit nicht hintergehbare Handlungsvoraussetzung fungiert (ebd. sondern auch. der Praxis das Modell zugrunde zu legen. 125 . der darin besteht. überhaupt so etwas wie einen harten Kern zu bilden. den "harten Kern" ihres Forschungsprogrammes gegen alle Verunsicherungen zu bewahren. Werte und Techniken etc. "konkreten Problemlösungen. d. wie z. genauer noch darin. der die soziale "Laufbahn" erst wie eine beabsichtigte Spur im hierarchisch strukturierten sozialen Raum verlaufen läßt. eine Entstrukturierung an ihr vor. S. die sich vor allem über eine "disziplinäre Matrix" gemeinsamer Meinungen. Die Antinomie verleitet. (. daß dieser Fehler auf der Antinomie zwischen dem Zeitbegriff der Wissenschaft und dem Zeitbegriff des Handelns beruht. zur richtigen Zeit den richtigen Weg einzuschlagen. die durch Synchronisierung beseitigt wird.wendigkeiten der Praxis ist die Zeit für die wissenschaftliche Analyse gleichsam aufgehoben.

über "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" von Friedrich Engels 1845.). S. 1957). und zwar vor allem in Anlehnung an die damals noch dominierende Annahme. 13ff.B. 70ff. Herkner 1916 für den "Verein für Sozialpolitik". 72). weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Erst gegen Ende der sechziger Jahre wird das arbeitssoziologische Interesse an industriellen Arbeitsbedingungen auch unter ausdrücklicher Thematisierung der Belastungsproblematik wiederbelebt. tragen damit aber zu einer begrifflichen Verwirrung 21 22 Zu denken wäre hier beispielsweise an frühe Sozialenqueten z.. Die möglicherweise anders geartete Selbstzuordnung der genannten Autoren zum Fächerspektrum soziologischer Beschäftigung mit Arbeit wurde dabei nicht berücksichtigt. denen ein Arbeiter ausgesetzt ist. besonders was die Verminderung physischer Belastungen angeht.B. 72). Alfred Weber 1912 und H. die sich in Ermangelung einer eigenständigen "kognitiven" Identität lieber an den erfolgreichen "Paradigmen" der Ergonomie und Arbeitsmedizin sowie der Arbeitspsychologie orientiert hat. in der Bundesrepublik bis in die fünfziger Jahre hinein zurückverfolgen. Wenn Kern und Schumann annehmen.im Anschluß an arbeitswissenschaftliche "analytische" Arbeitsbewertungsverfahren . Bahrdt et al. "Arbeitssoziologie" ist hier in einem weiten. im folgenden 1986. S. bei der Rezeption Georges Friedmanns) oder eingebunden in phänomenologische Konzeptionen (z. 72). lassen sich drei Phasen sozialwissenschaftlicher Erforschung von (psychischen) Belastungen identifizieren.. belastungsrelevante Phänomene zumindest punktuell theoretisch und empirisch greifbar zu machen. 1977. auch Vilmar und Kissler 1982).. S. der industrielle Arbeit als eine besondere Form gesellschaftlicher Arbeit begreift (vgl. daß mit Automatisierung positive Veränderungen in den Arbeitsanforderungen verbunden seien. "Belastungen" werden hier ..) an das körperliche und sinnlich-nervliche Leistungsvermögen" betrachtet (vgl. 69. Popitz. 126 . dann können sie sich zwar auf Konzepte der "analytischen Arbeitsbewertung" beziehen (explizit in Anmerkung 11 und 12 auf S. ohne eine explizite und systematische Bezugnahme auf den Belastungsbegriff. Wegweisend für eine "soziologische" Konzeption arbeitsbedingter Belastungen ist die "klassische" Studie über "Industriearbeit und Arbeiterbewußtsein" von Kern und Schumann (1977. Im Anschluß an eine Unterscheidung von Gerd Marstedt und Ulrich Mergner (vgl.und industriesoziologischer "Klassiker"21. übergreifenden Sinne gemeint. daß die "Arbeitsbelastungen.) sich aus der Beanspruchung seines muskulären und nervlichen Leistungsvermögens" ergeben (1977.und industriesoziologische Ansätze22 die sich mit Belastungen und Beanspruchungen in der Arbeitswelt beschäftigen.B. Nachdem frühe Versuche arbeits. aber auch an die Studien von Max Weber 1908/09. zuerst 1970).schaft nicht unbedingt für jede(n) attraktiv. lassen sich arbeits. In den fünfziger Jahren erfolgt die arbeitssoziologische Untersuchung psychischer Belastungen zunächst noch implizit als eine Aufarbeitung arbeitspsychologischer Forschungsresultate (z. Dies kann auch der soziologischen Belastungsforschung vorgehalten werden. an die "Enquête Ouvrière" von Karl Marx 1880 oder an "Die Arbeiterfrage" von Adolf Levenstein 1912.als "Anforderungen (. da "Normalität" oft auch einen Hang zu Sterilität und Innovationsscheu enthält. (..

In diese Richtung weisen Versuche.bei.). S. Marstedt und Mergner 1986. Das "theoretische Vakuum" (Marstedt/Mergner). den Belastungs. das Konzept "Gesamtbelastung" bei Mergner 1976.1981 in Göttingen. Binkelmann 1983). die ursprünglich aus der Materialprüfung stammt. Die bei REFA eingesetzten analytischen Bewertungsverfahren können zwar die zu erbringende.11./21. die Beschränkung auf physische Abläufe. S. wird nicht erfaßt" (Stirn 1980. die Ausgrenzung subjektiver Belastungsbewertungen und Beanspruchungsthematisierungen aus der "wissenschaftlichen" Belastungsanalyse und die Reduzierung des methodischen Zugangs auf den beobachtbaren "Vollzug" von Arbeitstätigkeiten (Arbeitsplatzbeobachtung) können als entscheidende Mankos dieser Vorgehensweise gelten (vgl. Faßt man die verschiedenartigen Versuche im Laufe der siebziger bis zu Beginn der achtziger Jahre zusammen. das zum einen in dem Mangel an eigenständigen soziologischen Vorstellungen über Belastungen und Beanspruchungen sowie über ihren wechselseitigen Zusammenhang zum Ausdruck kommt.bzw. 308). z. 127). ein soziologisches Belastungs. Auf methodischer Ebene wird die objektivistische Verfahrensweise arbeitswissenschaftlicher Forschungsprogramme kritisiert und durch die Erhebung "subjektiver" Thematisierungen und Bewertungen von Belastungen und der Artikulation von Beanspruchungen ergänzt oder ersetzt (vgl. Friczewski et al. "integrierte Belastung" bei Naschold und Tietze 1977 und "Mehrfachbelastung" bei Volkholz 1977). 1982. Beanspruchungskonzept zu entwickeln. 75f. den Zusammenhang von Belastung und Beanspruchung neu zu konzipieren oder ein "ganzheitlicheres" Modell des Zusammenwirkens verschiedenartiger Belastungsfaktoren zu entwickeln (vgl. Brock/Vetter 1982. mit übernommen wurden. S. 75). Marstedt und Mergner 1986. Maschewski 1982.und Betriebssoziologie' am 20. die Kritik von Marstedt und Mergner 1986. mittels "objektiver" Indikatoren meßbare "normale Leistung" (Belastung) objektivieren. die Beiträge auf der Tagung der Sektion 'Industrie. Marstedt/Mergner 1982. Für die arbeits. also die Beanspruchung. Seit Ende der siebziger Jahre gewinnen Forderungen nach der Entwicklung einer "genuin" sozialwissenschaftlichen Belastungskonzeption an Bedeutung (vgl. Beanspruchungsbegriff aus einem soziologischen Verständnis heraus neu zu definieren. ohne eine Klärung dessen. In Ermangelung eines eigenständigen soziologischen Verständnisses arbeitsbedingter Belastungen wird das ergonomisch-arbeitsphysiologische Konzept lediglich "soziologisiert".B. Die Übernahme des arbeitswissenschaftlichen Begriffspaars "Belastung" (für die belastenden Anforderungen aus den objektiven Arbeitsbedingungen) und "Beanspruchung" (für die individuellen Auswirkungen objektiver Bedingungen) sowie der Vorstellung linearer Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen äußeren belastenden Reizen und körperlichen Beanspruchungsreaktionen hat dazu geführt. was am Belastungsbegriff eigentlich soziologisch "relevant" ist (vgl. so lassen sich im wesentlichen vier 127 . daß auch die Schwächen der arbeitswissenschaftlichen Konzeption. S.B. zum anderen in einer nur unzureichenden Herausarbeitung sozialer (und soziologisch untersuchbarer) Dimensionen der Verarbeitung von belastenden Arbeitsanforderungen und der möglichen negativen Konsequenzen für die Lebenssituation und -perspektiven der Arbeitenden resultiert (vgl. Brock und Vetter 1982.bzw. 77). z. aber die "individuelle Leistung. S.und industriesoziologischen Ansätze der siebziger Jahre ist somit ein "theoretisches Vakuum" kennzeichend.

die Arbeitenden zu passiven Opfern ihrer Arbeitsbedingungen zu machen. sie "bedrückt". aus der medizinischen Soziologie und der psychosomatischen Medizin). die lediglich eine inhaltliche Ergänzung und Verbesserung des klassischen arbeitswissenschaftlichen Belastungs-Beanspruchungs-Konzepts verfolgen und die den Anspruch auf ein "genuin" soziologisches Problemverständnis grundsätzlich verfehlen. Brock und Vetter 1982). S. S. im folgenden Marstedt und Mergner 1986. auch Maschewski 1982). das "eigentlich Soziologische" an der Belastungsproblematik theoretisch fundierter herauszuarbeiten (vgl. # Erstens wären "Soziologisierungen" zu nennen. # Und viertens schließlich gibt es Versuche. 149). aus der psychologischen Streßforschung. Naschold 1982. 78ff.zum Teil recht inflationäre . so bezieht er sich auf etwas. so ist ihm doch insoweit beizupflichten. über die Aneignung und Anwendung von sozialen Handlungsressourcen ermöglichten. die eine stärkere Berücksichtigung subjektiver Wahrnehmungen und Bewertungen des Belastungsgeschehens in der Arbeitssoziologie fordern. was auf ihnen "lastet".und industriesoziologischen Ansätze.Vorgehensweisen unterscheiden (vgl. was zu einer Vernachlässigung der aktiven. z. Nimmt man den Begriff der Belastung wörtlich. die sich zu eng an das ergonomische und arbeitsmedizinische Belastungs-Beanspruchungs-Konzept anlehnen. In einer Kritik des Belastungsbegriffs bemängelt Thomas Waldhubel aus dem Westberliner "Projekt Automationsmedizin" den Gebrauch der Belastungskategorie. Als eins der entscheidenden Mankos der arbeits. eine emphatische Neigung zum Körperkult. aus der auf Einbeziehung von Bedürfnissen und Motiven orientierten Sozialpsychologie. als die . da er sie zumindest auf jene 128 . vgl. Allerdings vermag sich auch Waldhubel nicht gänzlich von der Belastungskategorie zu lösen. läßt sich die Ausblendung menschlicher Subjektivität und Gesellschaftlichkeit identifizieren. Auch wenn Waldhubel etwas zu euphorisch den "genußvollen Einsatz der Körperkräfte" in der Arbeit betont (S.B. die offenbar manche Intellektuelle bei der Beschäftigung mit der Sinnlichkeit körperlicher Arbeit zuweilen befällt. "der die Arbeitenden grundsätzlich als ausgelieferte Opfer betrachtet" (1983. # Drittens lassen sich "subjektorientierte" Ansätze finden. Ansätze aus der psychologischen Handlungstheorie. etwas.Verwendung des Belastungsbegriffes tatsächlich dazu tendiert. # Zweitens sind Versuche zu erwähnen. daß bestehende Lücken unter Rückgriff auf Beiträge aus anderen Disziplinen gefüllt werden (z.B. die Schwächen herkömmlicher arbeitssoziologischer Verfahren dadurch zu umgehen. 156). individuellen und kollektiven Auseinandersetzung mit belastenden und beanspruchenden Arbeitsaufgaben geführt hat. im Anschluß an Ochs 1981. durch die unser Denken in einen "Verelendungsdiskurs" gerate. was die Betroffenen zu "(er)tragen" haben.

1). läßt sich eine soziale Distinktion begründen gegenüber der Muße der nicht erwerbstätigen Aristokratie wie gegenüber allen niederen. daß es auf diese Fragen offenbar keine eindeutigen Antworten gibt. Wann aber beginnt eine Arbeit. "Befriedigung eines Lebensbedürfnisses") hin und her gependelt haben. Deutsches Wörterbuch.1. die Erwerbsarbeit des (Klein)Bürgertums prägte. zu dessen Ausführung eine besondere manuelle Geschicklichkeit erforderlich ist. so zeigt sich. Kapitel 5. Die fundamentale Ambivalenz im Verhältnis zur Arbeit. der nach bürgerlichem ebenso wie nach marxistischem Ideal sogar persönlichkeitsfördernde Wirkungen zugeschrieben werden. eignet sich für die soziale Unterscheidung sowohl gegenüber künstlerischen Betätigungen als auch gegenüber niedrigen Handarbeiten (vgl. 4. mit dem ein dauernd betriebenes Gewerbe bezeichnet wird. findet sich jedoch nicht allein 23 Auf der Grundlage "freier" Arbeitstätigkeit. Auch der Handwerksbegriff. als ein Mittel der "Selbstbefreiung" zu fungieren? Geht man von den höchst ambivalenten Bedeutungen aus. 2) . Nicht besser erging es dem Arbeitsbegriff im soziologischen Diskurs. "Verelendung" und "Bereicherung" (bzw. Leipzig 1877. Hackstein 1977. bei Aristoteles) eine grundlegende Verachtung zukam. Die Kategorie der Arbeit ist stets ein in hohem Maße wertbeladener Begriff gewesen. der sich vorzüglich als ein Medium der sprachlichen und sozialen Differenzierung geeignet hat und in diesem Sinne historisch auch immer wieder Verwendung fand (vgl. mit physischen Anstrengungen verbundenen Arbeit von seiten der Philosophen (z. und wann endet die häufig beschworene "Vielseitigkeit" der Arbeitstätigkeit. vermutlich weil sie den Zugang zu den "höheren Interessen" verschloß (vgl. S.. 424). Abt.B. wie sie z. 129 . in dem die intellektualistischen Vorstellungen über die Wirkungen der Arbeit auf die Arbeitenden meist zwischen den Extremen "Entfremdung" und "Selbstverwirklichung". S. Bd. Die gesellschaftliche Klassifikation war dabei meist mit einer sozialen Distanzierung23 gegenüber "niederen" Formen körperlicher Arbeit verbunden.. 2.Tätigkeiten angewendet sehen möchte. die im Verlauf der Geschichte mit dem Arbeitsbegriff verbunden worden sind. belastend und "einseitig" zu werden. 157). Plage und Unlust oder eine Aufwertung zu einer menschlichen Betätigung von welthistorischem Rang zuteil wird.sprich: die "Liebe zu Weisheit und Gelehrsamkeit" (philosophía) zu behindern drohte. Dies läßt sich bereits in antiken Quellen nachweisen. die allein wegen ihrer "Einseitigkeit" die Chancen auf einen Genuß des produktiven Einsatzes der eigenen Körperkräfte durchkreuzen (vgl. und wo hört die Arbeit auf. S. wo der körperlichen.B. Die Kunsthandwerker haben dem entsprechend eine besondere Stellung im Feld handwerklichen Schaffens. Bd. durch die der "zweckmäßigen Tätigkeit" zur "Aneignung des Natürlichen für menschliche Bedürfnisse" (Marx) entweder eine Entwertung als Mühsal. unfreien Formen der Arbeit.

bietet das Konzept der aktiven Auseinandersetzung des Menschen mit beanspruchenden Arbeitsaufträgen und Aufgaben. der vor allem in dem gewählten Arbeitstempo und der Ausnutzung von Arbeitszeit wirksam wird (vgl. Hacker und Richter 1980.oder kapitalismuskritischen Philosophie und Soziologie. Kapitel 4).h.h. Anstelle von passiv erlittenen Belastungen geht es Hacker um die "aktive Auseinandersetzung des Arbeitenden mit den Einwirkungen mittels veränderter Tätigkeitsregulation unter der Voraussetzung verfügbaren Tätigkeitsspielraumes ('Kontrolle')" (ebd..h. In einer "säkularisierten" Form taucht diese strikte Gegenüberstellung auch im Selbstbild von Fernfahrern wieder auf. Meine These ist. Diese These möchte ich im folgenden plausibel machen. daß das persönliche und kollektive Verhältnis der Arbeitenden zu ihrer Erwerbsarbeit vor allem in der Bewertung der Arbeit zum Ausdruck kommt und daß die Be-Anspruchung durch die Erwerbsarbeit von den jeweiligen Ansprüchen an die Arbeit. d. Die Anstrengung 130 . die dem "gesunden Menschenverstand" in ihrem drastischen Ausmaß von Selbstbeanspruchung und selbstzerstörerischen Potentialen eigentlich als "verrückt" und "unvernünftig" erscheinen muß. das von Winfried Hacker (1991) auf der Grundlage seiner psychologischen Handlungsregulationstheorie (vgl. 1986) entwickelt worden ist. beeinflußt wird und abhängig ist von den Möglichkeiten und Einschränkungen einer aktiven. "Verbreitete Konzeptionen zur Arbeitsbelastung unterstellen einen Menschen. S.und daher gerade nicht in stetig verschlechterten psychophysiologischen und Befindenswerten?" (Hacker 1991. 15). Dort dient die Entwertung der FabrikArbeit zu einer instrumentellen Plackerei zugleich der Aufwertung der eigenen Arbeitstätigkeit. 49). vor allem von den Motivdispositionen der Arbeitstätigkeit (vgl. der Belastungen in erlernter Hilflosigkeit passiv erduldet. 50).in den beliebten Denkfiguren der kultur. S. d. der Grad des Einsatzes für eine übernommene Aufgabe. Das widerspricht dem Verständnis des Menschen als Subjekt. S. Einen ersten Ansatzpunkt. Hacker verweist hier auf die Relevanz der vorwegnehmenden Regulation der Selbstbeanspruchung je nach dem erwarteten Arbeitsumfang.und Lebensumstände: Sind dem arbeitenden Menschen Belastungen wirklich auferlegt wie einem sich durchbiegenden Brett? Ermüden Arbeitende tatsächlich nach dem Modell der Ratte im Laufrad? Oder besteht die psychische Ermüdung des Menschen vielmehr im Ergreifen von Gegenmaßnahmen bei verfügbaren Tätigkeitsspielräumen . als denkendem Gestalter seiner Arbeits. In der "Selbstbeanspruchung" kommt aber zugleich eine arbeitsbezogene Motivierung zum Ausdruck. Der bislang dominierende Blickwinkel einer einseitig am "Last-Charakter" der Erwerbsarbeit orientierten Belastungsforschung muß hierbei allerdings einem grundlegenden Perspektivenwechsel folgen. die grundlegende Ambivalenz von Arbeitsanforderungen zu berücksichtigen. individuellen und kollektiven Auseinandersetzung mit belastenden und beanspruchenden Arbeitsbedingungen. d.

24 Umgekehrt steigt die Anstrengung und Anspannung von Fernfahrern. möchte Hacker die "beeinträchtigenden und fördernden Merkmale der Tätigkeiten selbst" künftig stärker gewichten. Hacker 1986. S. bei einer zu erwartenden langen Anstrengungsperiode wird von Anfang an mit einem geringeren Einsatz gearbeitet als bei einer erwarteten kürzeren Periode (vgl. S. Wer schnell nach Hause will (anstatt das Wochenende auf einem Raststättenparkplatz zu verbringen). der Wechsel in der Vorgehensweise) als geeignetere Indikatoren für psychische Ermüdungserscheinungen identifizieren als dies z.B. wenn sie beispielsweise noch vor dem Wochenende eine Tour beenden oder nach Hause zurückkehren wollen. der dürfte die Einhaltung gesetzlicher Lenkzeiten anders betrachten als dies vom Gesetzgeber vorgesehen ist.). "die Überforderung des Arbeitsgedächtnisses. im Sinne einer "Selbstbeanspruchung" gesteuert. dann wird deutlich.. d. Von einer weiten (WHO-)Gesundheitsauffassung ausgehend. nicht vereinbare Ziele oder Verantwortungserfordernisse ohne Beeinflussungsmöglichkeiten" (vgl. so z. sich über bestehende Sozialvorschriften aktiv hinwegzusetzen nimmt ebenfalls zu.h. 50). die Tätigkeitsanforderungen und die gesundheitsfördernden Potenzen der Arbeitstätigkeit in die präventiv orientierte Förderung der Gesundheit einzubeziehen (ebd. daß Arbeitslosigkeit krank machen kann. 464). d. mangelnde körperliche Anforderungen das Wohlbefinden verschlechtern und fehlende intellektuelle Anforderungen zum Abbau kognitiver Fähigkeiten beitragen. die ambivalenten Folgen von beanspruchenden Tätigkeitsanforderungen differenzierter (und als ein ausgewogenes Verhältnis) zu betrachten und dabei gesundheitsbeeinträchtigende Formen der Über. daß ein Tätigkeitsspielraum existiert. Es geht Hacker also vor allem darum. ebd.B. Während sich herkömmliche arbeitswissenschaftliche Präventionskonzepte auf die Ausführungsbedingungen von Arbeitstätigkeiten konzentriert haben (Stichwort: "Ausführbarkeit" und "Erträglichkeit" bzw. Unter der Voraussetzung.oder Unterforderung des arbeitenden Menschen zu identifizieren und zu beseitigen.h. 131 . S. Wenn man z. "Schädigungslosigkeit" der Arbeit) und dabei auf die Beseitigung beeinträchtigender Merkmale ausgerichtet waren. kontinuierlichen Ausmaß. die Anregungsarmut. sondern wird durch die "Anstrengungsregulation".B.24 Die Bewältigung von Arbeitsanforderungen erfolgt aus dieser Sicht nicht in einem stetigen. daran denkt.B. lassen sich damit die Veränderungen in den vorbeugenden Maßnahmen des Arbeitenden gegen Ermüdung (z. Hacker 1991. plötzliche Verrentung das Mortalitätsrisiko erhöhen kann. die physiologische Erhebung sich verschlechternder Kreislaufparameter ermöglicht (vgl. und die Bereitschaft der Fahrer. verweist Hacker auf die Notwendigkeit. 49). durch die eigene Aktivierung und Anspannung oder Desaktivierung und Entspannung.oder Anspannung wird von den Arbeitenden vom Tätigkeitsbeginn an vorwegnehmend nach ihrer erwarteten Dauer und Höhe reguliert.

für selbstveranlaßte Aktivitäten sowie für Anregungen und Lernmöglichkeiten. 1986. wobei Hacker selbst ein Konzept der vollständigen Tätigkeit (mit Lernangeboten) vertritt.B. Gemeint ist das Konzept "widersprüchlicher Arbeitsanforderungen".25 Mit dem Einbeziehen von Tätigkeitsmerkmalen lassen sich aus dieser Perspektive neuartige Bewertungsmaßstäbe für die Beurteilung der Chancen und Risiken einer Arbeitstätigkeit finden. z.daß anspruchsvolle Tätigkeiten (neben dem Aspekt. S.). den Leistungsvoraussetzungen des Arbeitenden und zwischen dem Auftrag und den Zielen des Arbeitenden geht (vgl. das sich an sein sequentiellhierarchisches Modell der Handlungsstruktur (vgl.und persönlichkeitsfördernde. die aus der Kombination ausführender mit dispositiven Teiltätigkeiten auf Basis vielfältiger Anforderungen resultieren (vgl. S." 132 . um Fragen der Bildung. Lernangebote unterbreitende Tätigkeiten. besonders dort. von dem aus sich der ambivalente Charakter der in der Arbeitstätigkeit auftretenden Anforderungen und "Belastungen" in die Belastungs.) anlehnt. an gleicher Stelle weist Hacker zu Recht auf die riskanten Nebenfolgen undifferenzierter Arbeitsgestaltungsmaßnahmen hin: "Es wäre absurd. organisierende und das Ergebnis selbst kontrollierende Verrichtungen erfaßt. ebd. Bewertung und Auswahl handlungsleitender Zielsetzungen sowie um die emotionalen und kognitiven Bewertungen des Verhältnisses zwischen den Anforderungen eines Arbeitsauftrages. den Abbau schwerer körperlicher Anforderungen bis zum Bewegungsmangel zu treiben und durch Hometrainer im Pausenraum zu kompensieren. S. 132ff. wo es um die Stilisierung von Arbeitstätigkeiten ("Arbeitsweise"). führt zu einem zweiten Ansatzpunkt. Bei genauer Betrachtung können arbeitssoziologische Ansätze an mehreren Punkten an das Konzept der aktiven Auseinandersetzung mit Arbeitsaufgaben anknüpfen. 51). daß die Bewältigung von Arbeitsaufgaben die Regulation von Arbeitstätigkeiten destabilisieren oder restabilisieren kann. 50). daß sie auf irgendeine Weise "beanspruchen") krankheitsvorbeugende und gesundheitsfördernde Wirkungen aufweisen können. wenn sie Anforderungen auf verschiedenen einander abwechselnden Ebenen der psychischen Regulation von Tätigkeiten unter ausdrücklichem Einschluß der intellektuellen Regulation stellt ('qualifizierte Mischarbeit')" (Hacker 1991. Sie ist hierarchisch vollständig. wenn sie neben ausführenden auch vorbereitende. "Eine Tätigkeit ist zyklisch vollständig. Die Annahme Hackers. Arbeit ohne jegliche Ermüdung kann zur Arbeit ohne trainierende Effekte und ohne Lernanreiz werden. Arbeitsunzufriedenheit kann schöpferisch sein. 12). Hacker (1991. Abb.und Beanspruchungsforschung einbeziehen läßt. das sich auf Diskrepanzen zwischen 25 Vgl. In diesem Sinne "vollständige" Tätigkeiten bieten ausreichend Voraussetzungen für gesundheits.

1987). Leitner. 6. was sie "eigentlich" nicht tun dürfen.und aufwandsbezogene Vorausregulation. Regeln und Ressourcen etwas zu tun gezwungen sind.Ziel. als ziel. 2. Die Bemühungen um Restabilisierung treten auf als: . S. Dort wird zwischen psychischen "Anforderungen" und "Belastungen" unterschieden.bzw. daß betrieblich festgelegte Bedingungen für die Durchführung einer Arbeitsaufgabe in Widerspruch zur Erreichung des Arbeitsergebnisses treten (vgl. S. die dadurch entsteht. Volpert et al.. . Veränderungen der Anstrengungsregulation sind abhängig von eindrucksmäßigen und überlegten Bewertungen dieser Beziehungen. fundamentale Konflikte und Dilemmata. 50). (. 5. Die Aufgabenbewältigung durchläuft Destabiliserungen und Restabilisierungen der Regulation.zwischen dem Auftrag und den Zielen des Arbeitenden.26 Abb. 19).) Die stabilisierenden Regulationsveränderungen erfolgen in der Regel vorwegnehmend. Bei näherer Betrachtung bleibt die Widersprüchlichkeit der Anforderungen sogar auf das enge Bezugsfeld der "objektiv" vorgegebenen Arbeitsaufträge festgelegt. Anspruchsniveauverschiebungen oder . Die Auseinandersetzung ist bei gegebenem Tätigkeitsspielraum vermittelt durch die Arbeitsweisen. 3. 1991. die die Beanspruchungsentstehung mitbestimmen. S. 7). 12: Die Hauptthesen von Hackers "Konzept der Auseinandersetzung mit Aufgaben" "1. Oesterreich 1990. die mit der 26 Dieser Ansatz wird beispielsweise von Manfred Moldaschl am Sonderforschungsbereich 333 der Universität München "Entwicklungsperspektiven von Arbeit" vertreten (vgl. Allerdings werden auch hier die "Betroffenen" noch zu stark in ihrer Opferrolle fixiert.Aufwandssteigerung durch das Einbeziehen zusätzlicher Regulationsvorgänge wie reaktive Anspannungssteigerung oder allgemeine Aktivierung. Beanspruchungsfolgen entstehen aus den Beziehungen . 4. sollen oder können (vgl. nicht nur als Rückkopplung" (Hacker 1991. Einen ähnlichen Zugang zur Untersuchung psychischer Belastungen hat eine Forschungsgruppe an der TU Berlin um Walter Volpert entwickelt ("Analyse psychischer Belastung in der Arbeit" vgl.Handlungsanforderungen und (objektiv) gegebenen Handlungsmöglichkeiten konzentriert.Veränderung der Arbeitsweise.. wobei psychische Belastungen als eine Behinderung der Handlungsregulation definiert werden. 133 .zwischen den Anforderungen des Auftrags mit seinen Ausführungsbedingungen und den Leistungsvoraussetzungen des Arbeitenden sowie . 17). Moldaschl 1991. da sie als Folge der in den widersprüchlichen Anforderungen enthaltenen Diskrepanzen zwischen Zielen. verändern diese Regulation und äußern sich in ihr als zielgerichtete Auseinandersetzung mit Aufträgen. S. Beanspruchungsfolgen entstehen in der Regulation von Tätigkeiten.

27 Insofern ist es Moldaschl noch nicht gelungen. Prozesse der Selbst-Belastung und Eigen-Beanspruchung bei der Redefinition von globalen Arbeitsaufträgen in detailliertere Arbeitsaufgaben werden in der konkreten Ausgestaltung der Diskrepanzen wirksam. Ausgeklammert werden damit offensichtlich all jene Situationen. in denen die Arbeitenden über einen gewissen "Einfluß" verfügen. Innerhalb bestimmter Grenzen ermöglicht die aktive Mit-Täterschaft der "Betroffenen" überhaupt erst die Verwirklichung von Belastungen. wodurch aber ein Forschungsthema faktisch ausgeblendet wird.27 Beinhalten die "Dilemmata" tatsächlich nur Zwangslagen. in der die von widersprüchlichen Anforderungen Betroffenen nur zum Teil auf Diskrepanzen gar nicht oder nur passiv reagieren können. S. objektiven Situation halte ich für überholt.). Meine These ist.. daß die Entstehung von Belastungen in eine soziale Praxis eingebunden ist.). Hervorhebung durch M. um seinen Ansatz anschlußfähig zu halten für subjektorientierte Ansätze. 178) als noch so schmerzlich und unbefriedigend erscheinen mag? Die allzu einfache Gegenüberstellung des einflußlosen Arbeiters und der. 30ff. S. der die Betroffenen in eine Zwangslage ("Dilemma") versetzt. zwischen verschiedenen Alternativen wählen können und sich trotzdem selbstzerstörerisch für eine Selbstbelastung und Eigenbeanspruchung "entscheiden". wenn der Arbeitende keinen Einfluß auf die Vermeidung oder Verminderung der Diskrepanzen hat" (Moldaschl 1991. 134 . um das Zusammenspiel zwischen belastenden Anforderungen und (un)genügenden Bewältigungsmöglichkeiten zu verfolgen. "Belastung ist nur dann gegeben.. 30 im Anschluß an Überlegungen von Semmer sowie von Leitner et al. auch wenn die "Wahl zwischen zwei (gleich unangenehmen) Dingen" (Duden "Fremdwörterbuch" 1974. Trotz nützlicher Ansatzpunkte ist die Belastungskonzeption von Moldaschl damit zu eng auf die "Objektseite" fixiert. eine Belastung erzwingenden.und Streßphänomenen beigetragen hat und das eine Überwindung der Dualisierung von Subjekt und Objekt in der Belastungsforschung als möglich erscheinen läßt. wenn nicht als unmöglich. Die Entstehung von Belastungen wird hier vorrangig auf der Seite des Handlungskontextes lokalisiert.und Lebenswelt verbunden sind. werden dabei weitgehend ausgeklammert. sein "auf Objektivierung gerichtetes psychologisches Belastungskonzept" gegen den von ihm kritisierten objektivistischen Bias zu immunisieren.Redefinition der Arbeitsaufgabe einhergehen und die mit Spannungen zwischen Arbeits. Aus dieser Sicht erscheint die Bewältigung widersprüchlicher Anforderungen als nebensächlich. ebd. das gerade in den letzten Jahren zu einem fruchtbaren Perspektivenwechsel in der Erforschung von Belastungs. S. aus der es im Grunde genommen für sie (ohne Veränderung der Kontextbedingungen) kein Entrinnen geben kann (vgl. in denen keine wirkliche Alternative besteht.F.

Zu diesem Zweck ist allerdings eine konsequentere "Subjektorientierung" der Belastungs.und Beanspruchungsforschung erforderlich. Nach anfänglichen Kontroversen zeichnet sich heute auf der Grundlage des transaktionalen. kognitiven Streßmodells von Lazarus ein weitgehender Konsens in der Psychologie ab über die zentrale Bedeutung des subjektiven Bewertungsprozesses (appraisal) und der Bewältigung der Situation (coping) für das Streßgeschehen (Greif 1991.B. Das Aufspüren von Momenten der Selbstbelastung und Eigenbeanspruchung auf seiten der "Betroffenen" soll hier allerdings weder als Abschiebung der Verantwortlichkeit auf die Opfer ihrer Arbeitsverhältnisse mißbraucht werden. so ist dies doch zugleich als ein erster Ansatzpunkt dafür zu werten.h. die nicht nur als ein Schlüssel für das Verständnis von Belastungsphänomenen fungiert. läßt sich mit Unterstützung des "transaktionalen" Streßkonzeptes von Richard S. S.und Beanspruchungsforschung kommen neuere Entwicklungen in der Sozialepidemiologie entgegen. 21). die sie in der herkömmlichen Belastungsforschung einnehmen und die Spuren ihrer heimlichen Mittäterschaft zu verfolgen. Lazarus weiter vertiefen. 135 . die Belasteten aus ihrer Opferrolle herauszuholen. z. mit der sich die (inter)subjektiven Vorgänge der Bewertung arbeitsbedingter Anforderungen als Bedrohung oder als Förderung des gesundheitlichen Wohlbefindens sowie die subjektiven und sozialen Formen der Bewältigung der als bedrohlich interpretierten "Belastungen" einbeziehen lassen. S. unter psychischer Beteiligung und Situationsverarbeitung" (Slesina 1987. S. Slesinas Versuch. 20f. sondern zugleich auch einen Ansatzpunkt bietet für die arbeitspolitische Gestaltung belastender Arbeitsanforderungen. die Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt durch vermittelnde Vorgänge menschlicher Orientierungsleistungen und Bedeutungsbildungen zu überwinden. S.. auf denen Arbeitsbelastungen auf die Beschäftigten einwirken (ebd. daß die starr und unveränderlich erscheinenden betrieblichen Strukturen sich prinzipiell für eine humanere Gestaltung der Arbeitsbedingungen unter aktiver Beteiligung der Betroffenen öffnen lassen. in denen die Formen der Bewertung der Arbeitsbelastung durch die Beschäftigten als eine zentrale Variable der Entstehung chronischer Krankheiten betrachtet wird (vgl. Lassen sich die Akteure der Belastungsgenese identifizieren und sind die belastenden Bedingungen bis zu einem gewissen Grade sogar "selbstverschuldet". 21).): Neben direkten Einwirkungen erfolgt die Beanspruchung des Organismus über die psychische Vermittlung und die "Repräsentanz der Belastungssituation im Erleben". Die Umsetzung externer Belastungen in physisch-organische Beanspruchung und Krankheit vollzieht sich über Orientierungsprozesse und Bedeutungserleben. 9). Einem derartigen Perspektivenwechsel der Belastungs. noch Anlaß zur Resignation bieten. verknüpft Außenwelt und organische Prozesse. "Die Situationswahrnehmung und -interpretation mitsamt ihren kognitiv-affektiven Komponenten bildet die Pforte dieser Arbeitsbelastungen zum Organismus. d. Slesina 1987.Mein Anliegen ist deshalb. Wolfgang Slesina unterscheidet beispielsweise zwei Wege.

die eine Anpassung erforderlich machen und bei Mißerfolg entsprechender Handlungen zu negativen Folgen führen. 227). S. hier S.zurückwirkend beeinflußt werden können. 248) ist Streß eine "besondere Form der Transaktion zwischen einer bestimmtgearteten Person (die mit Plänen. in dem Umweltereignisse vom Subjekt in ihrer Bedeutung für das Wohlbefinden interpretiert und bewertet werden und . deren Vereitelung oder Aufschub ebenfalls negative Konsequenzen oder Begleiterscheinungen haben würde. auf Programme oder Aufgaben. 258). hängt vom Gleichgewicht zwischen den gegenläufigen Kräften der Anforderungen und Fähigkeiten ab (Lazarus und Launier 1981. als "Bedrohung" oder als "Herausforderung" beschreiben. "in dem äußere oder innere Anforderungen (oder beide) die Anpassungsfähigkeit eines Individuums. der als äußere Bedingung eine organische Störung oder bestimmte reaktive Veränderungen hervorruft.In einer kritischen Auseinandersetzung mit "interaktionistischen" Modellen. Während umweltbedingte Anforderungen äußere Ereignisse sind. ist Streß nur als ein wechselseitiges Prozeßgeschehen begreifbar.B. Sofern Streßphänomene in einer gestörten Beziehung zwischen Personen und ihrer Umwelt entstehen. Werte und Wertungsdispositionen. Als "gestörte Person-Umwelt-Beziehung" (S. S. durch den jedes Ereignis erstens bewertet 136 . beziehen sich die internen Anforderungen auf erstrebenswerte Ziele. Wertungsdispositionen. 214).) einen mentalen Vorgang der Informationsverarbeitung. 233ff. verdrängten Wunschvorstellungen und Überzeugungssystemen ausgestattet ist) und einer Umwelt mit ihren eigenen Merkmalen (z.auf der Grundlage verfügbarer und benutzter Bewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten . 1981. den Anforderungen zu begegnen. bezeichnet der Streßbegriff ein Ereignis. # Unter kognitiver Bewertung verstehen Lazarus und Launier (vgl. die Streß entweder als einen "Reiz" verstehen. im folgenden Lazarus und Launier 1981. Im Zentrum des transaktionalen Streßkonzeptes steht somit die "kognitive Bewertung" ("cognitive appraisal") und die "Bewältigung" ("coping") streßrelevanter Ereignisse und Abläufe. Ob Transaktionen tatsächlich stressend sind oder nicht. Als ein Beziehungsphänomen betrachtet. 226f. 226). wobei jede dieser drei streßrelevanten Beziehungsarten aus dem Kräfteverhältnis zwischen Anforderungen und Fähigkeiten resultiert (vgl. indem die negativen Folgen durch eine Mobilisierung dieser Fähigkeiten verhindert werden (vgl.). betrachten Lazarus und Launier Streß als ein Beziehungs. Die Beziehungen zwischen Person und Umwelt werden durch kognitive Bewertungsprozesse vermittelt und lassen sich entweder als "Schädigung/Verlust". "das bestimmte Anpassungsprozesse zwischen einem System (z. Anforderungen. oder als die Störungsreaktion selbst begreifen. einer Person) und einer Umwelt beschreibt" (vgl. eines sozialen Systems oder eines organischen Systems beanspruchen oder übersteigen" (S.B. Zwängen und Möglichkeiten)" (S.oder transaktionales Konzept. 220). S. zur Anpassungsfähigkeit zählen alle Eigenschaften. S.

aber ich habe mich gefreut).h. 189). zu minimieren).. mit umweltbedingten und internen Anforderungen sowie den zwischen ihnen bestehenden Konflikten fertig zu werden (d..). S. Die Besonderheit von Emotionen besteht darin. zweitens hinsichtlich der verfügbaren Bewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten ("sekundäre Bewertung") und drittens hinsichtlich der Rückkopplungseffekte (Neubewertung bzw. Emotionale Bewertungsprozesse werden in der "kognitiven" Emotionstheorie von Lazarus und Launier (vgl. zu tolerieren. werden die entscheidenden Emotionen und Gefühle durch das Verhältnis der gegenständlichen Tätigkeit des Subjekts zu seinen Bedürfnissen und Motiven erzeugt (vgl. S. auch Kapitel 4). # "Bewältigung besteht sowohl aus verhaltensorientierten als auch intrapsychischen Anstrengungen.. ob sie auf eine instrumentelle Änderung der gestörten Transaktion. und zwar nicht im Sinne einer Reflexion dieser Beziehungen. sondern durch unmittelbar-sinnliches Erleben. S.) lediglich als ein Epiphänomen kognitiver Prozesse verstanden (vgl. als antizipierte Schädigung (Bedrohung) oder (bei stärkerer Betonung des potentiellen Nutzens gegenüber der möglichen Schädigung) als eine "schwer erreichbare. die die Fähigkeiten einer Person beanspruchen oder übersteigen" (ebd. 89f. S. zu reduzieren.. die vor allem aus seiner kognitivistischen.30 28 Stressende Bewertungen können in drei Formen auftreten (ebd. Leontjew unterscheidet begrifflich zwischen verschiedenen emotionalen Ebenen und Klassen (1979.vorwiegend 29 30 137 . 189). aber mit positiven Folgen verbundene Meisterung" (Herausforderung).29 Ähnlich wie bei der "Vergegenständlichung" von Bedürfnissen. die plötzlich und blitzartig entstehen (wir sagen: mich hat die Wut gepackt.).): als bereits eingetretene Schädigung (Schädigung/Verlust). als "günstig/positiv" oder als "stressend"28). sie zu meistern.h. 1981. "Auf diese Weise entstehen sie unmittelbar nach der Aktualisierung des Motivs (des Bedürfnisses) und bevor das Subjekt seine Tätigkeit rational wertet" (Leontjew 1979. 191): "die Affekte. Bewältigungsprozesse lassen sich danach unterscheiden. das Selbst oder auf beides) ausgerichtet sind oder eine Regulierung der Emotion ("Palliation" im Sinne von "Selbstberuhigung") bezwecken (ebd. S. "daß sie die Beziehungen zwischen den Motiven (den Bedürfnissen) und dem Erfolg oder der Möglichkeit der erfolgreichen Realisierung der ihnen entsprechenden Tätigkeit des Subjekts widerspiegeln" (Leontjew 1979. vielleicht risikoreiche. kritisch dazu Badura 1985) und die Entstehung subjektiver Bewertungspräferenzen innerhalb sozialer Zusammenhänge wird nicht angemessen berücksichtigt. auf das Individuum zentrierten Perspektive resultieren. 245ff. Das "transaktionale" Konzept der individuellen Bewertung und Bewältigung von Streß weist allerdings noch einige Schwächen auf. die eigentlichen Emotionen . S. auf eine "Problemlösung" (mit dem Fokus auf die Umwelt. 235f.wird hinsichtlich seiner Bedeutung für das Wohlbefinden und die Sicherheit der Person ("primäre Bewertung" eines Ereignisses als "irrelevant". ebd. 234f. oder mit anderen Worten: die Gegenständlichkeit der Tätigkeit erzeugt gegenständliche Emotionen und Gefühle auf oder wegen etwas (vgl. 244). "reappraisal"). S. d. S.

ortlos außer aller Bindung in Raum und Zeit. und hat zugleich das Erlebnis seiner Orts. es lebt diesseits dieses Bruches als Seele und Körper und jenseits als psychophysisch neutrale Einheit dieser Sphären" (Gehlen 1966. im Gegenstand gleichsam kristallisiertes (Stendhal) emotionales Erleben" sowie die "Stimmungen". zu sich selber Distanz. läßt die menschliche Selbsterfahrung als eine "Balance zwischen Körper-Sein und Körper-Haben" erscheinen (vgl. 53). als ein in der "Ort.und Zeitlosigkeit der eigenen Stellung" verharrender Zuschauer (theÇrós) erscheint: "Im Menschen gewinnt das Zentrum der Positionalität. Im Anschluß an Plessners Menschenbild findet sich bei Arnold Gehlen (1966. gebunden in der Seele. gegenständliche Gefühle..).31 Für Mead liegt der 31 ideatorische und situative Zustände. Die Betonung des reflexiven Charakters der Steuerung menschlichen Handelns und die enge Verbindung zwischen dem "praktischen Bewußtsein" und dem "Konzept der Routini- 138 . den Menschen als eine Trias zu betrachten. auf dessen Distanz zum eigenen Leibe die Möglichkeit aller Gegebenheit beruht. Das Leben des Menschen ist. Treiben und Empfinden zu und lebt wieder unmittelbar in diesen. ein unaufhebbarer Doppelaspekt. zum Anlaß genommen. die mit den letztgenannten zusammenhängen. die der Anthropologe als ein "objektiver" Beobachter und Theoretiker der Menschen einnimmt. und so ist er Mensch. der 'hinter sich' liegende Fluchtpunkt der eigenen Innerlichkeit. der jedem möglichen Vollzug des Lebens aus der eigenen Mitte entzogen den Zuschauer gegenüber dem Szenarium dieses Innenfeldes bildet.Die Anthropologie hat das. S. ortlos. ist sich selber bemerkbar und darin 'Ich'.) Das Ich steht hinter sich selbst. Denken. ohne die Zentrierung durchbrechen zu können. Der Mensch vermag zwischen sich und seine Erlebnisse eine Kluft zu setzen. Das Ich sieht dem Wollen. Damit ist die Spaltung in Außenfeld. zugleich aus ihr heraus exzentrisch.für die gesellschaftliche "Position" eines theoretischen Verhältnisses zur Welt . daß der Mensch sein Körper ist und zugleich seinen Körper zur Verfügung hat. 260f.. 260 in Anlehnung an Plessner). in der das "Ich" als "Mitte und Besitzer des Leibes und der Seele" (Hervorhebungen durch M. S. gebunden in Körper. was Helmut Plessner einmal die "exentrische Positionalität" des Menschen nannte. die dadurch getragen wird. (. ist diesseits und jenseits der Kluft. Innenfeld und Bewußtsein vollzogen. in der sich das Bewußtsein mit der äußeren und inneren Welt verbindet. Mead finden. S. das heißt stabiles. Diese Art von Anthropologie betrachtet das aus dem praktischen (Er-)Leben herausgerissene "Selbst"(-Bewußtsein).F.bezeichnende Metapher. nicht die lebendigen Menschen in ihrer jeweiligen Praxis mit ihren psychischen und äußeren "sinnlichen" Tätigkeiten. und zugleich nirgends. Spuren dieses kognitivistischen Mißverständnisses menschlicher Subjektivität lassen sich auch bei George H. Die "exzentrische" Beziehung des Menschen zu seinem Körper.) die .und Zeitlosigkeit als des außerhalb seiner selbst Stehens. im Nichts. Berger und Luckmann 1980. Als offenbar teilnahmsloser Beobachter des subjektiven Er-Lebens erscheint das "Ich" hier wie ein verinnerlichtes Abbild jener berufsmäßigen Haltung. Damit weiß er um sich selbst.

). aus ihrem subjektiv gemeinten Sinn heraus versierung" zeigt. Das Mysterium des Zusammenspiels zwischen dem. Das Denken oder der intellektuelle Prozeß . wie selbstverständlich zum soziologischen Gegenstand. das "Identitäts-Gefühle" zu einem Epiphänomen der reflexiven Akte herunterspielt. d. 55) verschwinden läßt. kann auch von mir nicht aufgelöst werden. daß auch von Anthony Giddens (1988. so ist die Objektivierung des Selbst auch emotional organisiert. die der kognitiven Seite üblicherweise zugeschrieben werden. nicht-rationalisierbaren Überreste im Schwarzen Loch des "Unbewußten" (S. z.die Verinnerlichung und innere Dramatisierung der äußeren Übermittlung signifikanter Gesten durch den Einzelnen. als sein wichtigstes Mittel. daß sie für sich selbst Objekt sein kann und die Erfahrungen einer Person . 1973.B. Für die verstehende Soziologie Max Webers gehören menschliche Gefühle. 32 33 139 . "Me" und "Self" bezeichnet (oder dem. Auf den weniger ausgetretenen Pfaden erhoffe ich allerdings Einsichten.) ein kognitivistisches "Stratifikationsmodell des handelnden Selbst" vertreten wird. 216). S. "Affekte" und "Gefühlslagen". was bei Sigmund Freud . das die emotionalen Aspekte der Körperlichkeit des Menschen vernachlässigt. jedenfalls soweit die Emotionen in einer sinnhaften Beziehung zur (sozialen) Außenwelt stehen. "Seinsgewißheit") und die körpernahen. Das unmittelbare Körper-Sein läßt sich nur im Zusammenspiel der Kognitionen und Emotionen vom sinnlich vermittelten Körper-Haben unterscheiden.entscheidende Aspekt der Identität ("Self") darin. Während sich auf der kognitiven Ebene ein "Me" herausbildet das sich selbst als Objekt erfahrende "Ich" -. die auf den Autobahnen des "Mainstreams" ausbleiben oder ausgeblendet werden. 54ff.h. Müdigkeit oder Anstrengungen. was George H. S.h. ist eine ensprechende Distanzerfahrung des Körpers bei Mead nicht vorgesehen.im Gegensatz zur unmittelbar ablaufenden Erfahrung . daß Giddens die soziale Seins. 177ff. Dies führt dazu. weil dadurch die kognitiven Prozesse von den emotionalen getrennt werden und die "Ganzheitlichkeit" der sinnlichen Erfahrungen wie der menschlichen Identität gespalten wird.mit einer Akzentverschiebung weg von der weitgehend kognitiv bestimmten Identität hin zur unbewußten Impulsivität und Triebhaftigkeit . Auch wenn die emotionale Seite der menschlichen Subjektivität nicht zu den Differenzierungsleistungen fähig sein dürfte. "Man sollte die zentrale Position des Denkprozesses betonen. andere. zur selben Gesellschaft gehörige Wesen zu beeinflussen -. die daher im Grunde viel mehr ein kognitives als ein emotionelles Phänomen ist.zu einer "Erfahrung der Identität" organisiert (vgl. bei Empfindungen wie Schmerz. d. "ontological security" bzw. ist die früheste Erfahrungsphase in der Genesis und Entwicklung der Identität" (Mead 1973. wenn man das Wesen der Identität betrachtet. "Über-Ich" und "Es" auftaucht).und Gebrauchsweise des Körper entstrukturiert ("grundlegendes Sicherheitssystem".32 Dies ist ein entscheidender Mangel seiner Subjekttheorie.33 Als Kernbestandteil der individuellen Identität fungiert das "Ich" ("I") bei Mead wie ein kognitives Regulationszentrum des menschlichen Handelns. Selbst-Bewußtsein liefert im Gegensatz zur affektiven Erfahrung mit ihren motorischen Begleiterscheinungen den Kern und die primäre Struktur der Identität.als "Ich". S. Mead als "I".

relevanten 'Gefühlslagen'." Gefühle sind für Max Weber ein legitimer Gegenstand der Soziologie. S. auch wenn die menschliche Gefühlswelt den "Eigengesetzlichkeiten" von Neuronen und Hirnströmen nicht widersprechen kann. aber weitgehend unsystematisch und beiläufig. Die Verwendung von Begriffen wie z. 'Stolz'. Auch die industriesoziologische Erforschung der Körperlichkeit von Arbeit ist meist unter dem Aspekt des "Selbstbewußtseins" körperlich Arbeitender (vgl.B. und zwar in der hohen Gewichtung. bei Kern und Schumann 1977. S. die den kognitiven Prozessen der "Ausführungsregulation" zukommt gegenüber der auch durch emotionale Beziehungen zur Wirklichkeit geprägten "Antriebsregulation". was in der Alltagssprache gewöhnlich durch den Gebrauch von Präpositionen angezeigt wird (z. Stolz auf und Liebe zu etwas oder jemanden.und Industriesoziologie verbreitet (vgl. bei Littek 1983. Der Sinnbezug ist dabei unabhängig von den im Spiel befindlichen "psychischen Gegebenheiten" oder "physiologischen Erscheinungsformen" zu begreifen (ebd. geschweige denn in ihrer sozialen Tragweite erklären. dennoch wurden auch dort "bezeichnenderweise die lebhaftesten Gefühle weit34 Auf der neurophysiologischen Ebene lassen sich emotionale Prozesse nur unzureichend beschreiben. wie etwa: 'Würdegefühl'.B.ständlich erklärbar sind (1968.B. psychischen und sozialen Prozessen rekonstruiert. S. solange sie sinnhaft auf (soziale) "Objekte" gerichtet sind.34 Die Emotionen zur und in der Arbeitstätigkeit sind in der Arbeitssoziologie und -psychologie meistens entweder mißachtet oder nicht mit der gleichen Motivationskraft und Systematik verfolgt worden wie dies für kognitive Phänomene gilt. 23f oder Baethge 1991. ohne eine emotionstheoretische Begründung. die mit bestimmten Emotionen verbunden ist.35 Wie Michael Frese (1990) in einem Essay über "Arbeit und Emotion" herausgestellt hat. 7) erfolgt. In der Arbeitspsychologie zeigt sich die Vernachlässigung oder Nachrangigkeit der menschlichen Gefühle und Emotionen z. sind die Verbindungen zwischen negativen Gefühlen und arbeitsbedingtem Streßphänomenen in der psychologischen Belastungsforschung zwar im Vergleich zu positiven Gefühlen nicht so stark vernachlässigt worden. z. 430).B. Die . 'Neid'. was im Grunde genommen überhaupt erst die Eigenständigkeit einer soziologischen Beschäftigung mit menschlichen Emotionen ermöglicht."materiellen" oder "substanziellen" Dimensionen von Gefühlen sind zwar als psychophysiologische Größen meßbar (z. Würdegefühl wegen etwas oder jemand). diese Maße sind jedoch ohne eine transformierende Vermittlungsleistung. "Produzentenstolz" ist zwar in der Arbeits. eine systematischere Behandlung hat allenfalls das Themenfeld "Arbeiterbewußtsein" erfahren.): "Subjektiv sinnhaft auf die Außenwelt und speziell auf das Handeln anderer bezogen sind auch die Affekthandlungen und die für den Ablauf des Handelns. 'Eifersucht'. S.. die die "Übergänge" (Leontjew) zwischen den jeweils eigendynamisch ablaufenden neuro-physiologischen. über Pulsfrequenz. bei Hacker (1986).B. Blutdruck. S. also indirekt. 102). letztlich bedeutungslos. lassen sich keine sinnvollen Rückschlüsse auf die dabei ablaufende psychische oder soziale Handlungsregulation ziehen. Hautwiderstand oder über die "elektrischen" Aktivitäten des Gehirns). Aus der hirnelektrischen Aktivität. 429f.B.wenn man so will . z. 35 140 .

öfter abwesend zu sein. 287). S. 289ff. wenn es darum geht. die z. zweier positiver Emotionen. die Leistungen und besonders eine hohe Qualität der Produkte ermöglichen. die ihn davon abhalten. Scham.gehend ausgeblendet. im folgenden ebd.) selbständig und eigenverantwortlich überwinden. Seiner Auffassung nach ist die Entstehung von Stolz ein Prozeß.B. Die enorme Bedeutung der Gefühle in der Arbeit ist nicht nur auf ihre Allgegenwärtigkeit zurückzuführen. Stolz. Die Bedeutung arbeitsbezogener Emotionen erläutert Michael Frese am Beispiel von "Stolz" und "ästhetischen Gefühlen" in der Arbeit. "Produzentenstolz") beziehen können. Die Rolle positiver Gefühle wie Freude... der aus der erfolgreichen Überwindung einer unerwarteten "Barriere" resultiert. Schuld. die arbeitsbedingten "Barrieren" zu überwinden. auf etwas stolz zu sein. Solidarität oder Gruppenzugehörigkeit ist bislang kaum untersucht worden. man muß die unterwegs auftretenden Störungen im Transportablauf (etwa technische Defekte. S. konzentriert sich Frese (übrigens ähnlich wie Leontjew) in erster Linie auf gegenständliche Emotionen. obwohl es neben finanziellen Gründen vor allem die positiven Gefühle sind. Man ganz persönlich trägt die Verantwortung für 'sein' teures Fahrzeug und die 141 . sobald sich Hindernisse auftun. Die meisten Gefühle unterstützen die Handlungsfähigkeit. die sich entweder "produktorientiert" und ergebnisbewertend auf ein bestimmtes Produkt (z.). Am Beispiel des positiven Gefühls. wenn es sich um eine Arbeit handelt. durch Witterungseinflüsse oder ein hohes Verkehrsaufkommen gegeben sind. die den gewohnten oder erwarteten Handlungsablauf stören.B. 287).B. Das Gefühl des Stolzes ist auf die Arbeitsaufgabe orientiert und kann durch Vergleiche mit (schlechteren) eigenen Leistungen aus der Vergangenheit oder durch Vergleiche mit schlechteren Leistungen anderer noch verstärkt werden. zu meistern. sobald man das Überwinden dieses Hindernisses sich selbst zuschreibt (attribuiert). Begeisterung. besonders was die Antriebsregulation betrifft: "Gefühle haben die Funktion. Unter erschwerten Bedingungen können Emotionen die gefährdete Handlungsmotivation stabilisieren oder verstärken (selbstverständlich auch weiter reduzieren). Zollprobleme usw. Handlungen unter erschwerten Bedingungen aufrechtzuerhalten" (Frese 1990. Haß. S. die ihn für die Mühen der Arbeit kompensieren und die streß-kompensatorisch und gesundheitsfördernd wirken können" (ebd.B. darüberhinaus erfüllen sie auch eine wichtige handlungsregulierende Funktion.). oder "natürliche" Behinderungen. die von großer gesellschaftlicher Bedeutung ist. "Produktstolz") oder "prozeßorientiert" und handlungsbewertend auf die Qualität einer ausgeführten Tätigkeit (z. "Man ist allein auf sich gestellt. Zuneigung. Reue oder Erniedrigung" (ebd. Faszination. Neid. "die den Arbeiter in der Arbeit halten. Solche Gefühle des Stolzes werden auch von Fernfahrern beschrieben. Liebe. vor allem. die eng mit einer Orientierung auf die Qualität der Arbeitsergebnisse und Arbeitsabläufe zusammenhängen (vgl. wie z.

daß die Überwindung unerwarteter Barrieren keinem geschlechtsneutralen Muster unterliegt (ebensowenig. allerdings (nur) in vergleichender Bezugnahme auf Arbeitsleistungen. durch unerwartete Schwierigkeiten bei der Handlungsausführung oder durch unerwünschte Interventionen von anderen entstehen.B. den die erfolgreiche Bewältigung dieser unerwarteten Schwierigkeiten annimmt. die durch unvorgesehene Ereignisse.h. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Körperlosigkeit. daß die Überwindung dieser Barrieren den Charakter einer "maskulinen" Herausforderung erhält. eine geschlechtsspezifische gesellschaftliche Um36 In dieses Bild passen die "offiziellen" Versuche. Dies zeigt sich beispielsweise bei Fernfahrern.oft noch weitaus teurere Ladung. bei denen selbst vergleichsweise monotone Fahrtätigkeiten angesichts der außergewöhnlichen Belastungen und Beanspruchungen. Auch ohne ein Auftauchen situativer Hindernisse können die "normalen" Arbeitstätigkeiten eines Fernfahrers auch in ihren gewohnten und erwarteten Bahnen als eine Kette permanenter Herausforderungen empfunden werden. desto eher ist zu erwarten. z. präziser: die fehlende Geschlechtsspezifik. sonst müßte die Bedeutung ihrer Leistungen in den Kampagnen und in zahlreichen Trucker-Liedern nicht so penetrant beschworen werden. Die Fernfahrer selbst scheinen sich allerdings der großen gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Arbeit nicht immer so (selbst)sicher zu sein. ist nicht das Unvorhersehbare schlechthin. besonders das Wachbleiben und die Vermeidung des Sekundenschlafs während eintöniger Nachtfahrten durchaus stolzfähig sind. 248). bei der die physische und psychische Ausdauer. Meine Annahme ist.36 Wie das Beispiel der Fernfahrer aber zeigt. Was solche unvorhersehbaren Ereignisse zu stolzerzeugenden Hindernissen macht. 289). wie ich es für zufällig halte. "stolzer Vater"): Je stärker sich die Problembewältigung unter dem Gesichtspunkt einer kämpferischen Auseinandersetzung (auch in den sprachlichen Formen einer kriegerischen Metaphorik) darstellen läßt. S. die von anderen Beschäftigtengruppen unter "normalen" Arbeits(zeit)bedingungen in Industrie und Verwaltung erbracht werden. vor allem aber wegen der überlangen Arbeitszeiten. sondern der Charakter einer Herausforderung. läßt sich die gefühlsbetonte Überwindung von arbeitsbedingten Barrieren nicht nur auf jene Hindernisse beschränken. S. wenn die Handlung nicht mehr ruhig und in den gewohnten oder erwarteten Bahnen verläuft (Frese 1990. d. ähnlich wie der Kapitän eines Schiffes oder Flugzeuges" (Plänitz 1983. 142 . mit der Frese das Gefühl des Stolzes einführt. das in der Autofahreröffentlichkeit stark angeschlagene Image des Fernfahrers mit Hilfe entsprechender Kampagnen und Sympathiewerbungen des Bundesverbandes des deutschen Güterfernverkehrs durch die Beteuerung der gesellschaftlichen Nützlichkeit aufzumöbeln. daß das Adjektiv "stolz" im alltäglichen Sprachgebrauch häufig als ein männliches Attribut verwendet wird. sich als eine Herausforderung interpretieren lassen.

B. übersieht Frese ebenso wie die fundamentale Bedeutung der "Ehre" für den Zusammenhang von Arbeit und Emotion. 37 Genau genommen vertreten Lazarus und Launier (1981) einen ökologischen bzw.wertung. "Kräftegleichgewicht". soziale Akteure) und ihrer (soziokulturellen) Umwelt. auch Kapitel 5). Dies macht eine sozialökologische Vertiefung der Bewertungs.und Siedlungssoziologie. Der Begriff der Sozialökologie bezieht sich hierbei nicht auf eine gleichnamige Forschungsrichtung innerhalb der Stadt. z. sozial und kulturell strukturierten Mensch-Umwelt-Regulationen. Auf dieser allgemeinen Ebene des begrifflichen Verständnisses beschäftigt sich die Sozialökologie mit wechselseitigen. für entsprechende Vorstellungen in der "Ökopsychologie" z. weshalb sie im Rahmen (sub)kultureller Symbolsysteme verortet und im Kontext sozialer Kooperation und Gruppenbildung betrachtet werden müssen. von Sergej L. "ökopsychologischen" Ansatz (vgl. wesentlich sind.). z. S. 38 143 . der Bewertung und Bewältigung von Unsicherheiten sind stets sprachlich-symbolisch vermittelt. 1981. S. Eine ähnliche Auffassung der aktiven menschlichen "Adaptation" an die soziale Umwelt ist auch in der Psychologie vertreten worden. die für die Entstehung von Gefühlen des Stolzes bei der männlichen (Fach)Arbeiterschaft im allgemeinen und den Fernfahrern im besonderen. in denen einerseits die "Anpassung" der Handelnden an ihre Umweltbedingungen.B. männlicher "Heldentat" und unehrenhafter. 623. beispielsweise von Jean Piaget ("Selbst-Regulation". Hervorhebung durch M.B. Sowohl der "Stolz" als positives Gefühl erfolgreicher Bewältigung von Barrieren als auch die "Scham" als das komplementäre. 17ff. 1969). negative Gefühl. die bereits von Thorstein Veblen als Abgrenzung zwischen ehrenvoller. 27).38 In der Biologie wird unter "Regulation" unter anderem die "selbsttätige Anpassung eines Lebewesens an wechselnde Umweltbedingungen unter Aufrechterhaltung eines physiologischen Gleichgewichtszustandes im Organismus" verstanden (Duden "Fremdwörterbuch" 1974. die von Park und Burgess zu Beginn der zwanziger Jahre in den USA begründet worden ist. das aus gescheiterten Versuche resultiert. Diese Implikationen.und Bewältigungsprozesse innerhalb des transaktionalen Person-Umwelt-Modells erforderlich. Die individuellen Akte der Wahrnehmung und Erkenntnis. "Anpassungsfähigkeit" oder "Person-Umwelt-Problem"). weiblicher "Plackerei" erkannt worden ist (vgl. "Person-Umwelt-Beziehungen". "Äquilibrium". andererseits die "Veränderung" dieser Handlungsbedingungen durch die Akteure erfolgt (vgl.). vgl. Mogel 1984.37 Die Verwendung des Ökologiebegriffs verweist grundsätzlich auf den Aspekt der (wechselseitigen) Beziehungen zwischen Lebewesen (Menschen bzw. stehen beide in enger Verbindung mit einem übergreifenden "Gefühl": dem Gefühl für die persönliche und soziale "Ehre" der mit Arbeitstätigkeiten verbundenen Leistung (zur Bedeutung der "beruflichen Ehre" für die soziale Gruppierung der Fernfahrer vgl.F. S.

um ein an Gregory Bateson (1981) anschließendes "ökologisches Paradigma" der Regulation arbeitsbedingter Erkrankungen über ein "System wechselseitig ineinandergreifender 39 Der Regulationsbegriff scheint mir für das. planmäßig organisierten (arbeits)politischen Auseinandersetzungen zwischen den maßgeblichen sozialen Akteuren bezieht (z. vgl.ä. auf bestimmte materielle oder ideelle Gegenstände hin orientierten Anpassungs. Der von mir bevorzugte Reproduktionsbegriff (vgl.und Regulierungsbegriffs unterschlägt einen wesentlichen Kontingenzfaktor gesellschaftlicher Reproduktion: die "soziale Auslese" (Weber). der den Regulierungsbegriff kennzeichnet. 1986). Leontjew). angemessener zu sein als der Begriff "Regulierung".39 Demgegenüber hat der Regulationsbegriff in der Soziologie bislang noch keinen festen Fuß fassen können. in der Biologie oder psychologischen Handlungsregulation).).40 Die Betonung der wechselseitigen. die sich in jüngster Zeit an Modellen von Ilya Prigogine und anderen zur Entwicklung physikalisch-chemischer. S. richtigen Ganges einer Maschine. vgl. Der Begriff der Sozialökologie ist von Franz Friczewski (1988) am Wissenschaftszentrum Berlin in Untersuchungen zur Pathologie industrieller Arbeit explizit verwendet worden. Die "intentionale" Färbung des Regulations.und Veränderungsprozesse erinnert an Versuche von Jean Piaget und von Vertretern der "kulturhistorischen Schule" innerhalb der sowjetischen Psychologie (z. Kapitel 3. Uhr o. Kampf." (vgl. worum es in sozialökologischen Modellen geht. soziale Tausch-.B. erscheint mir seine Verwendung im Bereich des Sozialen nicht ganz unproblematisch.Rubinstein ("Psychische Prozesse und Regulation der Tätigkeit". staatliche Interventionen über gesetzliche Normierungen. Sozialvorschriften etc.3) akzentuiert zwar den aktiven Beitrag sozialer Akteure an der Veränderung oder Wiederherstellung der bestehenden gesellschaftlichen Voraussetzungen (z.allerdings ohne Beanspruchung des Ökologiebegriffes . Selbstregulation als "Autopoiesis" bei Niklas Luhmann oder neuere Beiträge von Walter L. Da der Regulationsbegriff offenbar auf die aktiven Subjekt-Umwelt-Bezüge des Individuums ausgerichtet ist (z. "dissipative Strukturen"). dessen Handlungsregulationstheorie mittlerweile zum Standardrepertoire der Arbeitspsychologie geworden ist.B.. der sich ausschließlich auf die bewußten. "thermodynamischer" Systeme orientieren ("Selbstorganisation". die "dialektischen" Beziehungen zwischen Subjekt und Objekt . 40 144 . Duden "Fremdwörterbuch" 1974.begreifbarer zu machen. tarifvertragliche Regelungen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften o.B. 623) zu stark betont.B.ä. 1966) und im Anschluß daran von Winfried Hacker ("Psychische Regulation von Arbeitstätigkeiten".B. Bühl). allerdings ohne die Konstitution sozialer Strukturen ausschließlich als Resultat einer (un)bewußten Regulationstätigkeit individueller Akteure zu begreifen und ohne den relativ hohen Grad an gesellschaftlicher Kontrolle und Organisation zu unterstellen. obwohl sich seine Verwendung beispielsweise innerhalb systemtheoretischer Ansätze andeutet (vgl. z.und Konkurrenzbeziehungen). der das Moment der Planmäßigkeit und Zielgerichtetheit sowie die Vorstellung bewußter Eingriffe in das Geschehen im Sinne einer "Regelung" oder der "Herstellung des gleichmäßigen.

36f. hier S. 212). in denen kopräsente. über subkulturelle Formen erfolgt. denen ebenfalls vergleichsweise hohe Autonomiespielräume zugebilligt werden.h. Rollen-. 1988. Maschewski 1984.42 Die Perspektive des sozialökologischen Ansatzes von Friczewski ist allerdings noch zu sehr auf die Risikobewältigung innerhalb der Interaktionsbeziehungen innerbetrieblicher Strukturen begrenzt.und berufsbedingter Risiken in den Blick nehmen.41 Mit dem ökologischen Regelkreismodell. Inwieweit sich die pathogenen Arbeitsbedingungen auch bei Fernfahrern in Form von Qualitäts-. sie wird aber durch die ungleiche soziale Verteilung von Bewältigungsressourcen zugleich begrenzt und ermöglicht. S. Die Risikoregulation innerhalb betrieblicher Arbeitssysteme wird zwar durch die gesellschaftliche Reproduktion der Risiken nicht vollständig determiniert.und Zeitdruck (Verantwortungssog. daß die Reproduktion der arbeitsund berufsbedingten Risiken von Fernfahrern nicht nur. weist grundlegende Parallelen auf zur Arbeitssituation von Fernfahrern. 1985.. 36). Inkonsistenz. unmittelbar miteinander handelnde Akteure tätig werden. allerdings innerhalb der relativ rigiden (Zeit-)Vorgaben der Tourendisposition. der Selbstüberforderung sowie riskantes Gesundheitsverhalten und Verschleiß führen die "Leistungsschere" zu einem "Teufelskreis" ansteigender Überforderung. bei dem ein erneuter Belastungsschub auf der Grundlage der Vorschädigungen zur Entstehung von Krankheiten beiträgt (vgl. mangelnde Routinisierbarkeit) im einzelnen nachweisen lassen.und sich so (re)produzierender Regelkreise" zu begründen (vgl. steigender Leistungsanforderungen und sinkender Leistungsmöglichkeiten: Prozesse der Belastungskumulation. der situativen Aufschaukelung. Die Untersuchung der Herzinfarktgenese in Arbeitssystemen. sondern gleichzeitig auch eine Voraussetzung pathogener Arbeitsstrukturen ist (vgl. d. auch "kontrollierte Autonomie" bei Wotschak 1985). 231ff. 145 . versucht Friczewski das scheinbare Paradoxon aufzulösen. aber doch in entscheidendem Maße. Mit dem Begriff der sozialen Reproduktion möchte ich dagegen einen weiter gesteckten Horizont der gesellschaftlichen Realität arbeits. die durch eine "unterdeterminierte Drucksituation" gekennzeichnet sind. Friczewski 1985. S.). kann mangels empirischen Materials derzeit noch nicht beantwortet werden. Meine Annahme ist. das eine enge wechselseitige Verknüpfung zwischen belastenden objektiven Strukturen und subjektiven Merkmalen (pathogene Belastungsbewältigungsmuster) unterstellt ("Theorem der funktionalen Verschränkung". durch eine relative Autonomie bei zugleich relativ rigiden betrieblichen Kontrollstrukturen (vgl. 1988. 41 42 Ausgangspunkt sozialwissenschaftlicher Krankheitskonzeptionen ist meist die gegenläufige Entwicklung hoher bzw. daß pathogenes Bewältigungsverhalten nicht nur eine Folge. durch die den riskanten Arbeitsleistungen ein "sozialer Sinn" verliehen wird. S.). S. 36ff.

die nur den für sich selbst durchsichtigen Bewußtseinsakt oder das in der Äußerlichkeit determinierte Ding anerkennen will. sieht es so aus.. was auf dasselbe hinausläuft. Institutionen zu bewohnen (habiter).) Als ständig von regelhaften Improvisationen überlagerte Erzeugungsgrundlage bewirkt der Habitus als praktischer Sinn das Aufleben des in den Institutionen objektivierten Sinns: als Produkt einer Prägungs.und berufsbedingter Risiken "Der dualistischen Sicht. am Leben in Kraft zu halten. Nach allem. sie sich praktisch anzueignen und sie damit in Funktion. die Äußerungen des individuellen Bewußtseins losgelöst von der Geschichte der 146 . wieder aufleben zu lassen. Im eingangs zitierten Textauszug macht Pierre Bourdieu auf den folgenreichen Irrtum aufmerksam..) den Sinn. was wir bislang über die arbeits. Wie hoch aber der genaue Grad der Selbstausbeutung oder Selbstbelastung und das exakte Ausmaß der Eigenbeanspruchung einzuschätzen ist. die Objektivierung in den Leibern und die Objektivierung in den Institutionen. Im folgenden soll ein entsprechender Forschungsansatz begründet und . kann auf dem gegenwärtigen Stand der Forschung noch nicht präzise beurteilt werden. zwei Zustände des Kapitals. die Institutionalisierung sozialer Strukturen getrennt von der Geschichte der Individuen und sozialen Gruppen zu beobachten.3 Über den sozialen Sinn riskanter Arbeitsleistungen. durch welche Distanz zur Notwendigkeit und ihren Dringlichkeiten geschaffen wird..soweit dies gegenwärtig ohne eigene Felderhebungen möglich ist . Dazu bedarf es zunächst einmal eines Forschungsansatzes. 106f). Während der "Objektivismus" dazu neigt. der sich in ihnen niedergeschlagen hat. die zwei Objektivierungen der Geschichte gegeneinanderstellt. damit die Erzeugnisse der kollektiven Geschichte als objektive Strukturen in Form der dauerhaften und angepaßten Dispositionen reproduziert werden können.und Aneignungsarbeit. die für das Funktionieren dieser Institutionen nötig sind.und berufsbedingten Risiken von Fernfahrern und den Zusammenhang zwischen der Entstehung von Risiken und der Herausbildung von Formen der Risikobewältigung wissen.3. die Kehrseite und Voraussetzung dieser Reaktivierung" (Bourdieu 1987. der überhaupt die Frage nach der Selbstgefährdung aufwirft und zu operationalisieren versucht. ermöglicht eben der Habitus (der sich im Verlauf einer besonderen Geschichte bildet und dabei der Einverleibung seine besondere Logik aufzwingt und durch den die Handelnden an der in den Institutionen objektivierten Geschichte beteiligt sind). wobei er ihnen allerdings die Korrekturen und Wandlungen aufzwingt. Vorschläge für ein Verständnis subkultureller Formen der Reproduktion arbeits. muß daher die reale Logik des Handelns entgegengesetzt werden. (. (. zwei Objektivierungsweisen menschlicher Geschichte als voneinander isoliert zu begreifen.in den nachfolgenden Kapiteln anhand empirischen Materials plausibel gemacht werden. neigt der "Subjektivismus" dazu. S. als ob die Fahrer selbst einen aktiven Beitrag zu ihrer Gefährdung leisteten. die notwendig ist. oder.. die mit ihren Handlungspraktiken zur (Re)Produktion sozialer Strukturen beitragen. ein objektiviertes und ein einverleibtes.

das der Gegenständlichkeit als Medium der Menschwerdung den gebührenden Stellenwert zuweist. ohne dabei zugleich die besondere Perspektivität meiner Un-Sicherheiten. 92. die soziale Strukturierung in der Genese der Handlungssubjekte aber bleibt in Giddens Strukturierungstheorie merkwürdig unterbelichtet. S. Aus Akteurssicht erscheinen soziale Strukturen immer zugleich als Einschränkungen (Zwänge. also in den dauerhaften Dispositionen. Die reflexiven Aktivitäten der Akteure in der sozialen Welt lassen sich ebensowenig wie die "Seinsgewißheit" an ein "Sicherheitssystem" binden. 1985. 97f. Die Reproduktion arbeits. die beiden Objektivierungsformen menschlicher Geschichte . 108). ökonomische.sozialen Strukturbildung zu betrachten. Soweit Menschen in ihrer praktischen 43 Giddens verfolgt ein fragwürdiges Sozialisationsverständnis.B. 1983. also in der über den einzelnen Handelnden hinausreichenden Logik eines bestimmten Feldes objektiviert ist. UnGewißheiten und meiner "Vertrauenshaltung" gegenüber der Kontinuität der Welt und des Selbst.43 Hier führt das "Habitus-Feld-Konzept" von Pierre Bourdieu (1979. S.und berufsbedingter Risiken ist damit als ein sozialer Prozeß zu begreifen. für den die institutionelle und die subjektive Geschichte so tiefgreifend miteinander verwoben sind. 147 . Eine Position im sozialen Raum hängt ab von der Fähigkeit. Seine Konzeption der "Dualität von Struktur" (Giddens 1984.. 215) stark gemacht hat. "wenn sie dauerhaft nicht nur in Dingen.isoliert voneinander nur in ihrer jeweiligen Eigendynamik zu untersuchen. 148. der als Grundlage bei der Erzeugung und Ordnung von Praktiken und Vorstellungen wirksam wird (ebd. sondern auch in den Leibern. S. S. die diesem Feld zugehörigen Erfordernisse anzuerkennen und zu erfüllen" (Bourdieu 1987. Aus dieser Sicht reicht es keineswegs aus. die als "Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen" eine Art von praktischem Sinn verkörpern. "Ur"Phänomen der "Seinsgewißheit".) betont dabei zwar die Soziogenese institutioneller Strukturbildung.). z. 1988. die in der "durée" meines Alltagslebens steckt. kulturelle und soziale Handlungsressourcen anzueignen und dieses "Kapital" (Bourdieu) für die soziale Laufbahn zu verwerten. die als Medium und Resultat der rekursiv organisierten Handlungspraxis fungiert.das subjektiv Einverleibte und das in sozialen Institutionen objektiv Vergegenständlichte . jede Wirtschaftsform) ist nur dann sozial reproduzierbar. wenn er die Subjektbildung an dubiose anthropologische Konstanten bindet ("grundlegendes Sicherheitssystem". daß sie als zwei komplementäre Seiten eines Ganzen erscheinen: der Entstehung und Reproduktion von "sozialem Sinn". S. die gesellschaftliche Strukturierung der Subjektgenese und der sozialen Integration "klassentheoretisch" zu begründen und auf ein Aneignungs-Vergegenständlichungs-Modell zu stützen. 100ff. 77ff. 111-120). 1988.. Jede gesellschaftliche Institution (z. "constraints") und als Ermöglichungen von Handlungskontingenz. 1987) weiter. aus den Augen zu verlieren. eine sozialtheoretische Position. der die Erzeugung von "Habitusformen" einschließt. statt zu versuchen.B. vgl. für die sich in letzter Zeit vor allem Anthony Giddens (1988. S.

S. Kämpfe. einer Vorstellung oder einer Tätigkeit für ein Individuum oder eine Gruppe von Menschen existiert danach immer zugleich in zweiseitiger Form als ein objektivierter "Sinn" und als ein.). MEW 23. so mein Vorschlag. so meine These. Rangzuweisungen und Maßregelungen.in einer Art "Liebe zum Schicksal" (amor fati) . den objektiven Sinn (re)aktivierender subjektiver "Sinn". Die soziale Reproduktion arbeits.in der Transportarbeit und den mit ihr verbundenen. Der "soziale Sinn" eines Gegenstandes. 192). Orte. so wird die "Selbsteliminierung" (Bourdieu) ein wesentlicher Bestandteil der 148 . dafür sorgen nicht zuletzt auch die Bewertungen. "subjektive" Welt (vgl.und Ausschließungen. "arbeitenden Klassen".zumal kulturellen . sorgen all die Rangordnungen und Klassifikationssysteme. emotionale Bindungen. was einen selbst ausschließt" (Bourdieu 1982. der ausschließen läßt (Objekte. Urteile. Brüche. etc. die den . "Dafür.Arbeitstätigkeit auf die äußere. verändern sie zugleich ihre innere.). Bourdieu 1982. Wiederherstellung und Veränderung von Risikokonstellationen unter Bezugnahme auf den sozialen Sinn untersuchen.und Berufskulturen. die. der . Marx. daß die soziale Ordnung sich fortschreitend in den Köpfen und Gehirnen der Menschen festsetzt. die durch Erfahrung der objektiven Grenzen erworbene Fähigkeit zur praktischen Vorwegnahme dieser Grenzen. 585ff.und berufsbedingter Risiken. besonderen Lebenschancen und -risiken enthalten ist.im vorliegenden Fall . Kapitel 5). den Institutionen (wie der Schule) oder auch der Sprache eingebunden sind. Zentraler Bezugspunkt für eine soziologische Risikoforschung ist damit nicht die auf die individuelle Konstitution zugeschnittene Belastungs-Beanspruchungs-Konstellation. wird der sense of one's place. S. zum "Notwendigkeits-Geschmack"). die Vereinigungen (Heiraten.im Management des Mangels die Entscheidungen für das Notwendige bevorzugt (vgl. S. Auseinandersetzungen.) und Trennungen (Unvereinbarkeiten. Stimmen die Erwartungen und Möglichkeiten auch tatsächlich weitgehend überein. Aus gesellschaftlichen Unterteilungen und Gliederungen werden das gesellschaftliche Weltbild organisierende Teilungsprinzipien. Menschen. etc. in deren Kontext sozialer Sinn erzeugt wird (vgl. 734). Aus objektiven Grenzen wird der Sinn für Grenzen. "objektive" Welt einwirken und sie verändern. sorgen neben den mit den jeweiligen sozialen Verhältnissen gegebenen unterschiedlichen und Unterschiede produzierenden Konditionierungsprozessen die der Sozialstruktur und deren strukturierender Wirkung zugrundeliegenden Ein. in den alltagspraktischen Begegnungen und Interaktionen gang und gäbe. sondern die Herausbildung spezifischer Arbeits. wobei die soziale Reproduktion des Sinngehaltes innerhalb von Subjekt-Umwelt-Beziehungen über die Einverleibung des Gegenständlichen (Interiorisierung) und die Vergegenständlichung des Subjektiven erfolgt. Zweckbündnisse. etc. von den eigens dafür eingerichteten Institutionen wie Familie und Schule aufoktroyiert werden. soll die Entstehung.Objekten. Bei subalternen. findet eine subkulturelle Konstitution von sozialem Sinn statt: Auf der Grundlage einer tendenziellen Übereinstimmung zwischen objektiv begrenzten Möglichkeiten der Risikobewältigung und den an diesen Grenzen orientierten subjektiven Erwartungen werden .

und Beanspruchungsgeschehen "ganzheitlicher" als ein Zusammenspiel zwischen sozialen Strukturen und Handlungen zu begreifen. das soziologisch Bedeutsame an der gesellschaftlichen Entstehung arbeitsbedingter Risiken aufzuspüren. sind die Konturen gesellschaftlicher Strukturbildung und kollektiver Akteure gegenüber dem detailreichen Gemälde des Ablaufs sozialer Interaktionen eigentümlich blaß geblieben. 176).h. die zur Realisierung des Wahrscheinlichen führen (vgl. oder (3) bei interaktionistischen Ansätzen einer "sozialen Konstitution" von Risiken.B. Aber auch der Orientierung an der "sozialen Konstitution" fehlen häufig weiterführende sozialtheoretische Gedanken über die Reproduktion der Gesellschaft. wie sich 149 . 342ff sowie die Bedeutung gesellschaftlicher Werte und Normen bei Hacker 1986. der von intersubjektiven Risikodefinitionen abhängt.und berufsbedingter Risiken beitragen. das Belastungs. oder (2) bei gesellschaftlich erzeugten.. der kapitalistischen Verwertungslogik gehorchenden materiellen und ideologischen Herrschaft. die dem einzelnen als "zumutbare" Arbeitsbedingungen auferlegt sind. sind bis heute eine befriedigende Antwort schuldig geblieben. über Sanktionen und Verinnerlichung abgesicherten sozialen Normen. Bourdieu 1981. wie sich der stumme Zwang ökonomischer Verhältnisse in den subjektiven Sinnvorstellungen zur Sprache bringt. S. 183. in deren Verlauf sich die vom Risiko Betroffenen zu Komplizen jener sozialen Prozesse machen.). bei denen die Genese von Arbeitsrisiken als ein sozialer Prozeß begriffen wird. 211ff. ökonomischen Eigennutzens oder ideologischer Verblendung erscheinen.und berufsbedingter Risiken geleistet? Wie am Beispiel soziologischer Belastungskonzeptionen gezeigt werden konnte (Kapitel 3. S. aktiv zur Reproduktion der institutionellen Strukturen arbeits.. ohne daß die Handelnden als bloße Marionetten materieller Gewalt.sozialen Risikogenese. die sich offenbar als ein bevorzugtes Bindeglied der Arbeitspsychologie zur sozialen Welt eignen (vgl. 189ff. z. S.2). Wenn es darum geht. Normativistische Konzeptionen. d. Welchen Beitrag hat die Soziologie für ein Verständnis der sozialen Reproduktion arbeits. oder sie haben in Umkehrung des objektivistischen Reiz-Reaktions-Schemas den subjektiven Anteil an der Risikogenese überbetont. 177f. die Rolle "sozialer Zumutbarkeitsnormen" bei Marstedt und Mergner 1986. in deren Rahmen sich die Konstitution sozialer Interaktionen und die kollektive Definitionspraxis abspielt. so endete die Suche bislang entweder (1) bei den "objektiven Zwängen" einer. Die naiven Varianten einer marxistischen Rhetorik kapitalistischer Herrschaftsformen sind bis heute eine befriedigende Antwort schuldig geblieben. haben sich soziologische Ansätze entweder einfach im Mainstream ergonomischer und behavioristischer Belastungs-Beanspruchungs-Modelle bewegt. Interaktionistische Konzeptionen sind bis heute die Antwort dafür schuldig geblieben. Selbst bei den wenigen Versuchen. wie gesellschaftliche Wertvorstellungen und Verhaltensnormen im Prozeß sozialer Sinnbildung entstehen und wie der konstituierte Sinn zu einer subjektiven "Motivation" verinnerlicht wird.

auch die Verbreitung "konstruktivistischer" Ansätze in der Wissenschafts-. vgl. indem man den "endogenen" gesellschaftlichen Charakter von Technik als "Vergegenständlichung des Sozialen" (Rammert) begreift und die Bedingungen der Möglichkeit einer Genese und Verwendung von Technik hinterfragt (vgl. der sich an den wechselnden Konjunkturen sozialwissenschaftlicher Weltbilder und Deutungen orientiert.und berufsbedingter Risiken werden soziale Akteure danach vor allem dann relevant. die individuellen und kollektiven Akteuren sowie deren Intentionen und Entscheidungen im sozialen Prozeß der Risikogenese zusteht.44 Vor allem in der "Techniksoziologie" ist in den letzten Jahren versucht worden.soziale Reproduktion gewissermaßen hinter dem Rücken intentional und reflexiv Handelnder vollziehen kann. Entscheidungsabhängigkeit und Kontextgebundenheit von Risiken eine zentrale Rolle spielt (vgl. und wie sich diese in der gesamten Lebensführung der Arbeiterschaft äußern. daß man ihre Entstehung als einen sozialen (Definitions-)Prozeß zurückzuverfolgen versucht. gegen den dominierenden Technikdeterminismus der Industriesoziologie ein eigenständiges Profil zu entwickeln. 150 . Was zu bestimmten Zeiten jeweils als genuin "soziologisch" definiert und verstanden wird. durch die gesellschaftliche Strukturen entweder aus der Betrachtung ausgeblendet oder kurzerhand zum Resultat sozialer Definitionen und Verhandlungen ("negotiated order") ernannt werden. Auch in der "Risikosoziologie" . Rammert 1993 im Anschluß an eine Forderung von Alain Touraine). Weingart 1989. z. z. die "soziale Genese" industrieller Risiken über einen Akteursbezug zu operationalisieren (zur "Rückkehr des Akteurs" in die techniksoziologische Forschung vgl. da es einem Wandel unterliegt. läßt sich nicht ein für alle Mal festlegen.als dem jüngsten Sproß am Baume soziologischer Erkenntnis . berufliches Schicksal und außerberuflichen 'Lebensstil' ihrer Arbeiterschaft ausübt. welche physischen und psychischen Qualitäten sie in ihnen entwickelt. "Die gegenwärtige Erhebung versucht festzustellen: einerseits welche Einwirkung die geschlossene Großindustrie auf persönliche Eigenart. das zur Erzeugung und Beibehaltung von Arbeitssicherheit oder von arbeits. in dem die Wissensgeladenheit. tragen viele soziogenetische Ansätze stark interaktionistisch gefärbte Züge. wenn sie in arbeitspolitischen Handlungsarenen ein "Handlungspotential" entfalten können.und Techniksoziologie sowie den technikgenetischen Ansatz am Wissenschaftszentrum Berlin). Phänomene dadurch zum Gegenstand soziologischer Betrachtung zu machen. Für die Untersuchung arbeits.B. Florian 1993a). die Entstehung von Risiken als einen sozialen Prozeß zurückzuverfolgen. Bei aller Bedeutung. Gerade das prekäre Zusammenspiel zwischen der gesellschaftlichen Reproduktion riskanter Arbeitsbedingungen und der sozialen Konstitution des Risikos innerhalb der reflexiven Handlungspraxis der Akteure ist aber aus diesem Blickwinkel nur begrenzt zu verstehen. Nach meinem Eindruck dominiert gegenwärtig in der Soziologie eine antistrukturalistische Vorliebe.und berufsbedingten Risiken beiträgt. 44 In der Techniksoziologie wird versucht.B. Organisations.sind viele geneigt.

und berufskulturellen Erscheinungsformen der Fernfahrer maßgeblich beeinflussen. Webers Begriffe wie "Lebensführung". S.und Lebensbedingungen im Transportsektor die arbeits. 1). geeignete Arbeitskräfte zu rekrutieren. soziokulturell strukturloser Haufen betrachtet. zuerst 1924) in seinen industriesoziologischen Schriften entwickelt hat. 20).andererseits: inwieweit die Großindustrie ihrerseits in ihrer Entwicklungsfähigkeit und Entwicklungsrichtung an gegebene. Die Existenz und die soziale Reproduktion von "Fernfahrern" einer spezifischen berufskulturellen Art und die gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Möglichkeit werden somit in ihrer Wahrscheinlichkeit in Frage gestellt. vor allem aber an die Chancen.oder Ueberlebenschancen soll 'Auslese' heißen: 'soziale Auslese'. indem sich die Chancen und die Richtung der Entwicklung des Transportgewerbes zurückbinden lassen an eine spezifische "Qualität" der verfügbaren Arbeiterschaft. Im Anschluß an ein sozialökologisches Konzept. "persönliche Eigenart".und Berufsrisiken von Fernfahrern eingebunden in das Zusammenspiel zwischen den branchen. soziale. das Max Weber (1988a/b. daß die institutionalisierten Arbeits.. Auf der anderen Seite trägt Max Weber zur Entmystifizierung der Allmacht ökonomischer Prägungen dieser Subkulturen bei. "berufliches Schicksal" und "außerberuflicher 'Lebensstil'" verweisen dabei auf ein Feld arbeits-. S. Kapitel 2. die überhaupt bereit sind. die zugleich aber auch in offenbar hohen Maßen bereit zu sein scheinen.. kulturelle Provenienz. sofern es sich um Chancen Lebender im Leben (. vgl.. 151 .und lebensweltlicher Kulturen. ist die Entstehung und Entwicklung der Arbeits. soziale und kulturelle Herkunft. das einer sozialen ReProduktion unterliegt.und betriebsspezifischen Existenzbedingungen des Transportgewerbes (Stichwort: "logistische Rationalisierung". Die Fernfahrer werden dabei nicht als ein amorpher. d. ihre riskanten Arbeitsbedingungen bereitwillig zu akzeptieren.h. an deren besondere ethnische. durch ethnische.) handelt" (Weber 1980.und leistungspolitischen Verhandlungsmacht nur relativ wenig entgegenzusetzen haben. Auf der einen Seite dieses Spannungsverhältnisses ist anzunehmen. denn als soziale Gruppierung ist ihr Arbeitskraftangebot selbst der sozialen Reproduktion unterworfen. unter den gegebenen riskanten Bedingungen zu arbeiten. Tradition und Lebensbedingungen. Tradition und Lebensbedingungen der Arbeiterschaft erzeugte Qualitäten derselben gebunden ist" (Weber 1988b. berufs.3) und der besonderen soziokulturellen "Eigenart" seiner Arbeitskräfte. Über Prozesse der "sozialen Auslese"45 und "Anpassung" werden die "Adäquanzbeziehungen" zwischen Strukturformen riskanter Arbeitsbedingungen und Strukturformen riskanter Arbeitspraktiken 45 "Der ohne sinnhafte Kampfabsicht gegen einander stattfindende (latente) Existenzkampf menschlicher Individuen oder Typen um Lebens. die den hohen Arbeitsanforderungen aufgrund einer vergleichsweise schwach organisierten arbeits.

der "Liebe zum Schicksal". die nur analytisch betrachtet voneinander zu trennen sind und die zugleich als Medium und als Resultat von Handlungspraktiken fungieren ("Dualität von Struktur"): Signifikation.und berufsbedingter Risiken nicht auf eine Erklärung der sozialen Reproduktion der "kapitalistischen Gesellschaft" als Ganzes bzw. 585ff. Die soziale Reproduktion umfaßt dabei stets beide Seiten der sozialen Praxis und gesellschaftlichen Geschichte: die "Objektivierung in den Leibern und die Objektivierung in den Institutionen" (Bourdieu 1987. was Marx "Totalität" nennt. Herrschaft und Legitimation. aber weitgehend ungeplant. aber zugleich beeinflußt durch Routinen und nicht-bewußte Handlungsmotive. durch unbeabsichtigte Nebenfolgen und Fernwirkungen des Handelns sowie schließlich durch unkalkulierbare Prozesse sozialer Auslese.überhaupt erst einer erfahrungswissenschaftlichen Bearbeitung zugeführt (besonders was die Problematik von Berufswahlprozessen und des "Berufsschicksals"46 betrifft). weiter gedacht. Wenn hier von "sozialer Reproduktion" arbeits.. S. Bourdieu 1982. Bei genauer Betrachtung liefert uns Giddens aber lediglich eine arg abgespeckte Version des bekannten Vierfunktionenschemas ("AGIL-Sche- 46 47 Der Begriff des "Berufsschicksals" wirkt aus heutiger Sicht etwas "alteuropäisch". 152 . sondern allenfalls ein Perspektivenwechsel in der Erforschung arbeits.). S. daß die Fernfahrer mit der Re-Produktion ihrer Arbeitskraft weitgehend unbewußt und ohne Absicht zugleich ihre riskanten Arbeitsbedingungen mitreproduzieren und. Gegenüber dem von Marx in strukturalistischem Sinne verwendeten Begriff der gesellschaftlichen Reproduktion zielt das hier verwendete Konzept der "sozialen Reproduktion" arbeits. der dem Schicksalsbegriff anhängt.und berufsbedingter Risiken angedeutet und begründet werden. so kann damit keineswegs an ein bereits existierendes. in dem er drei strukturelle Dimensionen sozialer Systeme unterscheidet. in ihren Alltagsaktivitäten neben den institutionellen Strukturen des Transportsektors auch die "umfassenden Institutionen des modernen Kapitalismus einbegreifen und reproduzieren" (Giddens 1988. um ihn als ein soziales Phänomen empirisch zugänglich zu machen (zum "NotwendigkeitsGeschmack" bzw. S. ausformuliertes Forschungsprogramm angeknüpft werden. zwar reflexiv mitgestaltet durch die Handlungsstrategien der individuellen und kollektiven Akteure. z. Nach meinem Verständnis erfolgt die soziale Reproduktion arbeitsbedingter Risiken zwar gesellschaftlich strukturiert. dem Hang zum Notwendigen und Unausweichlichen kann der fatalistische Grundton. gebrochen werden. Als amor fati . 106).) ein Modell sozialer Reproduktion vorgestellt.47 Wie aber kommt es dazu. 81ff. zur amor fati als der Entscheidung für das Notwendige vgl. als das. 71)? In seiner "Theorie der Strukturierung" hat Anthony Giddens (1988. 51ff.und berufsbedingter Risiken die Rede ist. S.B.

In ihrer Eigendynamik sind Signifikationsprozesse durch geordnete kulturelle Symbolsysteme "organisiert". und "autoritativen Ressourcen". dort dargestellt in Abbildung 2) stellen sich die strukturellen Modalitäten der sozialen Reproduktion wie folgt dar (vgl. die in den bestehenden kulturellen (bzw. hängt Herrschaft von der Mobilisierung zweier Ressourcentypen ab: von "allokativen Ressourcen".und Bedeutungsstrukturen institutionalisiert.und berufsbedingter Risiken der Transportarbeit einfließen. Im Anschluß an das klassische Herrschaftsverständnis Max Webers (1980. sowohl bei der Reproduktion von Persönlichkeitsstrukturen als auch bei der Reproduktion sozialer Institutionen (vgl.gleichermaßen in die soziale Reproduktion arbeits. besonders Abbildung 2 auf S.. ist die Legitimation normativer Regeln der "Integration" und die Signifikation der "Latent Pattern-Maintenance" zuzuordnen. wobei Giddens allerdings die Rolle internalisierter normativer Verpflichtungen relativiert und statt dessen den im "praktischen Bewußtsein" verankerten Handlungsroutinen einen zentralen Stellenwert zuweist. Herrschaft und Legitimation voneinander unterscheiden.unzureichenden schematischen Darstellung der Dimensionen der "Dualität von Struktur" bei Giddens (1988. Meine These ist. S. S. Legitimation (Normen und Sanktionen) und Herrschaft (legalisierte autoritäre Befehlsgewalt und ökonomische Macht)49 erfolgen. 1988.wie ich finde . die "Herrschaft [? M. und daß zweitens Prozesse sozialer "Strukturierung" als Zusammenspiel zwischen Signifikation (Sinn und Bedeutungen). auf dem beispielsweise Wissenschaft mit Ideologie. Während der Regelbegriff auf Prozesse der Konstitution von Sinn (Signifikation) und Normen (Legitimation) zielt.. 148ff. Nach einer Reinterpretation der . 81. Religion mit 48 49 Bei Giddens (1984. 1988. S.F. Auf der Strukturseite lassen sich zunächst Signifikation. 13). die sich einem Spannungsfeld zuordnen lassen. lassen sich die drei Dimensionen der "Dualität von Struktur" ohne weiteres den vier funktionalen Kategorien von Parsons (1975) zuordnen: Während sich die allokativen Ressourcen auf die Funktion der "Adaptation" und die autoritativen Ressourcen auf das "Goal-Attainment" beziehen lassen. Legitimation und Herrschaft . daß alle drei "Strukturierungsmodalitäten" .).ma") von Talcott Parsons (1975)48. 542) lassen sich zwei ideale Herrschaftstypen unterscheiden: Herrschaft kraft "Autorität" (autoritäre Befehlsgewalt und Gehorsamspflicht) und "kraft Interessenkonstellation" (insbesondere aufgrund einer monopolistischen Lage auf einem Markt). Von dem soziologisch zweifelhaften Herrschaftsverständnis bei Giddens einmal abgesehen ("Kontrolle" wäre hier wohl der für die allokativen Ressourcen passendere Ausdruck). Abb. Der gesellschaftliche Strukturaspekt der Signifikation ist in sozialen Sinn. Trotz einiger Verwirrung ist an Giddens Strukturierungskonzept aber die Überlegung brauchbar. 81) bezieht sich der Strukturbegriff auf semantische und normative "Regeln" sowie auf allokative und autoritative "Ressourcen". 153 . die "Herrschaft über Personen oder Akteure" erlauben (1988. 111f.] über Objekte. daß erstens die Reproduktion sozialer Interaktionen nach den gleichen "Modalitäten" erfolgt wie die Reproduktion sozialer Strukturen.Signifikation. symbolischen) Ordnungen eingebunden sind. 86). S. S. S. Güter oder materielle Phänomene ermöglichen". 77ff.

154 .

Im Anschluß an Max Webers (1980. S.. Die Betonung des Interaktionsgeschehens liegt bei der Signifikation auf "Kommunikation". deren Existenz und Zusammensetzung selbst Resultat sozialer Kämpfe und Ausleseprozesse betrachtet werden kann. den Erhalt oder die Veränderung der bestehenden Verteilungsstruktur ringen. 1985) Herrschaftsverständnis gebührt der symbolischen Gewalt eine Sonderstellung innerhalb der allokativen Machtressourcen.h. illegitimen Gegenpol (Ideologie.und Kampfbeziehungen um die Nutzung. der Herrschaftsphänomene anders als Giddens grundsätzlich an die Existenz sozialer Beziehungen knüpft. sondern auch untereinander. Mythos. Für ein Verständnis der inneren Dynamik der Signifikationsprozesse ist es notwendig. Dienstleistungs. Weltbilder etc. was als "sinn-" und "bedeutungsvoll" sowie als "richtig" und "zweckmäßig" zu gelten hat. "Priester" und "Künstler"). aufgrund einer monopolistischen Markt-Lage. Geschmack) konkurrieren. Konkurrenz.Mythos und Kunst mit Geschmack konkurrieren. legitime Befehlsgewalt und Gehorsamsverpflichtung) unterscheiden. ist in modernen "kapitalistischen" Industriegesellschaften die Wirtschaftsordnung von der sozialen Ordnung strukturell zu unterscheiden. auf dem soziale Gruppierungen. Ohne die Differenzierung zu weit treiben zu wollen.) Herrschaftskonzept. Religion und Kunst) nicht nur mit ihrem "profanen". eine Interessenkonstellation nutzen zu können z. weil sie dem materiellen und verkörperten "Kapital"-Besitz zusätzlich noch Legitimität (und damit seinem Besitzer "Autorität" im wörtlichen Sinne von "Überlegenheit". praktischer sozialer Wirksamkeit verstanden). die Tauschvorteile erlaubt) und "Autorität" (d.und Autoritätspotentiale müssen auf bestimmten sozialen Feldern mobilisiert ("eingesetzt") werden. soziale Beziehungen. 541ff. die ihren Trägern oder Besitzern materielle oder symbolische Chancen vermitteln. die durch die Tätigkeit von "offiziellen" 155 .B. daß überhaupt klassifizierbare "Eigenschaften" erzeugt werden. In Anlehnung an Pierre Bourdieus (1983. den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen. Märkte können als ein bevorzugtes soziales Einsatzfeld betrachtet werden. an das staatliche Gewaltmonopol denkt) der Politischen Ordnung zuzurechnen.und Bedeutungssysteme (Sinnvorstellungen. Legitimationsstrukturen werden in Form sozialer Normen wirksam.) und der Reproduktion von Kollektiven zu unterscheiden. innerhalb von Tausch-. Maßgeblichkeit oder Ansehen) verleiht. wobei die jeweils "legitimen" Bewertungsund Klassifizierungssysteme (Wissenschaft.und Reproduktionsprozesse wesentlich dazu beiträgt. daß sich die Interaktionspartner einer gemeinsamen kollektiven (Sub-)Kultur gegenseitig verstehen und sich in ihren Bewertungsmustern darüber weitgehend einig sind. die durch Produktions-. Das Schwergewicht der Interaktionsprozesse liegt hier auf der "Arbeit" (in einem sehr weiten Sinne zielorientierter. 177ff.B. zwischen der Reproduktion kollektiver Symbol. Verteilbare Merkmale sind ökonomischer Besitz. damit sie in sozialen Beziehungen als Handlungsressourcen genutzt werden können ("Kapital"-Einsatz im Sinne Bourdieus). die sich gesellschaftlich "verteilen" lassen. die als professionelle Weltbild.und Sinnproduzenten an der Konstruktion symbolischer Systeme und kultureller Ordnungen maßgeblich beteiligt sind (als "Intellektuelle". In sozialen Praktiken werden Signifikationen als generative und interpretative. Strukturell betrachtet ist die Legitimation der Rechtsordnung und (wenn man z. die in der Geschichte der kollektiven Praxis einer sozialen Gruppierung ausgebildet werden und im Verlauf der individuellen Lebensgeschichten in Form eines spezifischen "Habitus" (Bourdieu) subjektiv angeeignet werden. da die Reproduktion von Signifikationsstrukturen vor allem davon abhängig ist. bewertende und klassifizierende Schemata wirksam. lassen sich auf der strukturellen Seite von Herrschaft die beiden Idealtypen "Macht" (als Chance. Herrschaftsstrukturen beruhen auf einer bestimmten Verteilungsstruktur klassifizierbarer Eigenschaften. Macht. Bildung und Qualifikation (besonders in Form offizieller "Titel") sowie kulturelles "Vermögen" (in materieller wie inkorporierter Form).

Normierungs. möchte ich mich in der vorliegenden Studie vorrangig mit sozialen Signifikationsprozessen befassen. Die "subkulturellen Formen" sind dabei einerseits weitgehend an die praktischen Anforderungen der Arbeits. welche symbolischen "Bedeutungen" die Transportarbeit trägt und welcher "soziale Sinn" mit den Arbeits. 156 .und Sanktionsinstanzen entstehen und gesichert werden. daß der Kapitalismus die Wirtschaftssubjekte (Unternehmer und Arbeiter) erzieht und auf dem Wege der ökonomischen Auslese hervorbringt. andererseits 50 "Angepaßtheit" ist hier in einem sozialökologischen Sinne gemeint.). indem ich das ambivalente emotionale Verhältnis der Fernfahrer zu ihrer Arbeit und ihrem Beruf in die Betrachtung einbeziehe und deshalb der Einverleibung struktureller Zwänge arbeits.und Berufsrisiken unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Sinn. 1985. daß die soziale Reproduktion der Arbeits. was den Interaktionsabläufen schwerpunktmäßig einen "integrativen" Charakter verleiht. 45f. S. S. verlangt. S.und Berufsrisiken von Fernfahrern über "arbeits.und Industriesoziologie hat sich in den letzten Jahrzehnten vorrangig auf Phänomene industrieller Herrschaft und normativer Kontrolle konzentriert und dabei soziale Sinnbildungsprozesse weitgehend vernachlässigt. 1990. 277ff.. mit der Frage. möchte ich die soziale Reproduktion ihrer Risiken auch subjektorientiert zu deuten versuchen.h. möchte ich die These vertreten.und Lebenswelt "angepaßt"50.und berufsbedingter Risiken in Form subjektiver "Motivationen" nachgehen werde (Kapitel 4).und Berufsrisiken aus der Perspektive der Fernfahrer verbunden ist. Pierre Bourdieu (1983. in denen das Zusammenspiel zwischen der Reproduktion riskanter Arbeitsbedingungen im Transportbereich und der Reproduktion der mit diesen Bedingungen eng verbundenen Arbeitskräfte zum Ausdruck kommt. um bislang verschwiegene Dimensionen in der Entstehung. etwa in Anlehnung an Max Webers Interpretation. 1987) und Luc Boltanski (1976.). Im Anschluß an Forschungsarbeiten und theoretische Überlegungen von Paul Willis (1982. d. 1981. 43ff.und Bedeutungsbildung ("Signifikation") zu untersuchen. S. Um diesen Mangel zumindest ein Stück weit auszugleichen. Unter der Voraussetzung ihrer tatsächlichen "Geltung" werden soziale Praktiken durch sanktionierbare Normen sowie durch legitime Rechte und Pflichten "reguliert".) sowie Marshall Sahlins (1981). 247ff. 236ff. sich eingehender mit subkulturellen Formen zu beschäftigen. Die soziale Entstehung und Reproduktion von Arbeits. Um die Fernfahrer als maßgebliche Akteure ihrer "Selbstgefährdung" nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Die Aufmerksamkeit der Arbeits.. Weber 1981. S. nachdem eine "angepaßte" Eigenart als Anschauungsweise einer Menschengruppe bereits entstanden ist (vgl. Deshalb muß sie auch mit "kultursoziologischen" Ansätzen untersucht werden. der über Verinnerlichung und Sanktionen sowie durch Vorstellungen der Rechtmäßigkeit gesellschaftlich abgesichert ist. Veränderung und Wiederherstellung der Risikokonstellationen zur Sprache bringen zu können.und berufskulturelle Formen" realisiert wird.

S. Die besondere "Gestalt" der beruflichen Subkulturen der Fernfahrer beruht auf dem spannungsgeladenen Versuch.) Die Basis und Triebkraft dieser Produktion sind die informelle Gruppe und ihre kollektiven Energien in ihrem eigenen Bereich. einige Anregung und Abwechslung aus ihr zu gewinnen. S. "Arbeitsweise". deren Innovationen allerdings innerhalb der Arbeits. Clarke et al. daß es keine Unausweichlichkeit der Resultate gibt" (Willis 1982.B. Die Abweichung von Stammkulturen ist hier im Sinne einer Hervorhebung oder Unterscheidung gemeint und wird nicht .) Zweitens meine ich. als sie die Ironie aufzeigt.51 Die gemeinsame Berufszugehörigkeit bildet hier die Grundlage für die Entstehung von Subkulturen.wie in der Jugendsubkulturforschung . wie wollen wir dann ihren Umfang und ihr Wesen spezifizieren? (.. von bestimmten Arten der Einstellung und Reaktion.... berufsgruppentypische "Bedeutungssysteme" sowie emotionale und kognitive Einstellungen zu Arbeit. die durch entsprechende subkulturelle Stilisierungen und Aktivitäten zusammengehalten werden (vgl.) in zwei zusammenhängenden Formen ausgedrückt. Sie ist pessimistisch insofern. die ihrerseits einen entscheidenden Beitrag leisten zur Erhaltung oder zur Veränderung riskanter Arbeitsbedingungen. die in einem spannungsgeladenen Verhältnis der Abweichung und Unterordnung zur "Stammkultur" der Arbeiterklasse stehen (zum Subkultur-Konzept vgl. Kapitel 5). (. 44ff. eine sinnvolle Erklärung und Darstellung der Welt (oft in antagonistischer Beziehung zur Sprache) sowie des Platzes der Kultur-Mitglieder in dieser zu finden und mit Möglichkeiten zu experimentieren. Sie ist der Versuch. Sie ist aber insofern optimistisch. die gut mit der materiellen Produktion vergleichbar sind. der Aktion und des ritualisierten Verhaltens bis hin zu expressiven Artefakten und konkreten Objekten.und Berufskultur der Fernfahrer erst durch eine dauerhafte Verbreitung und Institutionalisierung gesichert werden muß. Diese reichen von der Sprache bis hin zu systematischen Formen der physischen Interaktion.und berufskultureller Formen (z.).. Die eine ist direkt.auf die "Devianz" von "Minderheiten" eingeschränkt. daß Kulturen gerade in Form kreativer Durchdringungen ihre eigene Verurteilung leben und daß z. Leistung etc. als sie zeigt. ein Gutteil der Arbeiter-Jugendlichen sich selbst zu einer Zukunft mit physischer Arbeit verdammt.. offenbare Erproben der Welt und ihrer 51 "Diese Sicht der kulturellen Formen und ihrer Reproduktion ist sowohl pessimistisch als optimistisch. 52 157 .). 1981.B. "Wenn wir hier eine eigene Ebene des Kulturellen reklamieren. andererseits der kleinbürgerlichen "Stammkultur" selbständiger Kleinunternehmer anzunähern.. sich einerseits gegenüber der "Stammkultur" der Industriearbeiterschaft zu unterscheiden. 253).enthalten sie aber auch durchaus Spielräume. Diese Energien werden (.52 Die Verausgabung von Arbeitskraft erfolgt innerhalb spezifischer arbeits. bestehende Reproduktionszwänge zu unterlaufen und neben der Tradierung gewachsener subkultureller Risikobewältigungsmuster auch die Entstehung neuartiger Formen zuzulassen.. daß diese Dinge wenigstens teilweise durch reale Formen der kulturellen Produktion produziert werden. Die andere ist die profane Erkundung. "Arbeitsstilisierung". das unbewußte. Vor dem Hintergrund beruflicher Mythologien bilden die Subkulturen der Fernfahrer jeweils eigenständige "Welten" mit einer relativ kohärenten Identität und Struktur.) Erstens wird das Grundmaterial des Kulturellen durch eine Vielfalt von symbolischen Systemen und Artikulationen konstituiert. (.

Sie scheinen die Dinge zu 'bezeichnen' und 'sinnvoll zu machen'. daß der ökonomischen Sphäre keine unbedingte. sondern als eine relativ autonome. Zweiter Teil. Diese Interpretation des Verhältnisses zwischen Kultur und Ökonomie kann sich vor allem auf Max Weber berufen. der die ökonomistische Lesart der Marxschen Basis-Überbau-Schematik zurückgewiesen hat zugunsten einer empirisch offeneren Deutung. Ohne den Konvergenzbegriff an dieser Stelle überstrapazieren zu wollen. politischen. daß die individuelle Identität hauptsächlich durch kulturell erlernten Sinn und durch subjektive Inhabitation der Arbeitskraft gebildet wird und daß umgekehrt die kulturellen Formen selbst hauptsächlich durch die jeweilige Auffassung ihrer Mitglieder von Arbeitskraft und dem kollektiven Modus von Leistung in der Welt artikuliert. Vor allem meine ich. Erster Halbband. sexuellen "Welten" und Lebenssphären. weil die Strukturformen des sozialen Handelns ihre "Eigengesetzlichkeit" haben und im Einzelfall also stets auch durch andere als wirtschaftliche Ursachen in ihrer Gestaltung mitbestimmt sein können (Weber 1980. S. 181-385. "wie die Arbeitskraft entsteht und subjektiv inhabitiert wird. "Wirtschaft und Gesellschaft" 1980. sich nach eigener Dynamik bewegende gesellschaftliche "Ebene" oder "Sphäre". 249-251). Dennoch wird auch von Max Weber die häufig festzustellende 158 . Sie liefern sozusagen die glaubwürdigsten und lohnendsten Erklärungen für das Individuum.Konstruktion der Subjektivitäten und der Bestätigung von Identität liefern.).und berufsbedingter Risiken ansetzen muß. vgl. 14). ökonomischen. seine Zukunft und besonders für den Ausdruck seiner Lebensenergie. In den letzten Jahren beginnt sich eine Art kulturtheoretische Konvergenz abzuzeichnen.fundamentalen Organisationskategorien. als es die symbolischen Transformationen auf der kulturellen Ebene absolviert hat (vgl. Für Weber ist Verhältnis zwischen Ökonomie und Kultur in der gesellschaftlichen Praxis höchst vielschichtig.. 348ff. in der das Kulturelle nicht länger als eine nebensächliche Begleiterscheinung der "ökonomischen Basis" aufgefaßt wird. 200f. getragen und organisiert wird" (Willis 1982. scheint die Übereinstimmung vor allem darin zu liegen. (. hat Marx nicht erklärt. Abb. an dem eine Konzeption subkultureller Formen der Genese arbeits. künstlerischen. universelle Dominanz mehr zugeschrieben wird und daß dem Ökonomischen nur insoweit eine gesellschaftliche Wirkungskraft zugetraut wird.). Das Zusammenspiel zwischen der Reproduktion der Arbeitskräfte und der Reproduktion der gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Anwendung ist aber der neuralgische Punkt. auch die spannungsreichen Beziehungen zwischen der religiösen Ethik und den verschiedenen sozialen. Wie Willis zu Recht bemängelt. S. S. wie sie gegeben und in bestimmter Weise im Produktionsprozeß eingesetzt wird" (1982. S.. S.und den unmittelbaren Kontext der .) Schließlich meine ich. daß die kulturellen Formen das Material für die . 311). bei der die wechselseitigen Abhängigkeiten und "Eigengesetzlichkeiten" in den "Adäquanzbeziehungen" zwischen der Wirtschaft und den gesellschaftlichen Ordnungen und Mächten herausgestellt werden (vgl.

praktische Dominanz ökonomischer Bedingungen betont (vgl. ebd. sowie 1973, S. 201ff., 351f.). Damit will Weber allerdings keineswegs ökonomistische Wahrnehmungsblockaden hervorrufen, sondern er überläßt die konkrete inhaltliche Bestimmung der "Adäquanzbeziehungen" (bzw. "Wahlverwandtschaften") zwischen 159

konkreten Wirtschaftsformen und den Strukturformen sozialen Handelns in den "eigengesetzlich" ablaufenden Prozessen der verschiedenen "Lebenssphären" (vgl. 1980, S. 200f.) dem empirischen Forschungsprozeß. Durch seine inflationäre Verwendung erscheint der Kulturbegriff heute als verbraucht und vorbelastet. Sein häufig nur vage umrissener, schillernder Gehalt - nach dem Motto "Alles ist oder alles hat Kultur" - sollte allerdings niemanden davon abhalten, ihn - präziser definiert - sozialwissenschaftlich einzusetzen. Das gleiche Problem mit der begrifflichen Unschärfe und Inflationierung gilt schließlich auch für die Kategorie der Gesellschaft, deren Benutzung in den "Gesellschaftswissenschaften" aber offenbar weniger Skrupel weckt als der Kulturbegriff, auf den neben der Soziologie auch andere Disziplinen (z.B. Anthropologie, Ethnologie, Semiotik) einen legitimen Anspruch erheben.53 Will man Kultur wirklich als eine relativ autonome, ökonomische Einflüsse aktiv (weiter)verarbeitende Sphäre begreifen, müssen "(sub)kulturelle Formen" als Oberflächenphänomene auf die in ihnen verborgene Struktur symbolischer Formen bezogen werden. Mit dem Kulturkonzept verbindet sich damit die Frage nach den symbolischen Bedeutungen riskanter Arbeitsleistungen innerhalb der sozialen Berufsgruppe der Fernfahrer. Meine Annahme ist, daß die Verwendung des Kulturbegriffs zu einer "Erweiterung des menschlichen Diskursuniversums" (Clifford Geertz 1983, S. 20; vgl. Karin Knorr-Cetina 1988) beitragen kann, und zwar insoweit, als ein Verständnis des "sozialen Sinns" riskanter Arbeitsleistungen dazu verhilft, auch weniger offensichtliche, "obskure" Dimensionen der Selbstgefährdung und der Reproduktion arbeits- und berufsbedingter Risiken aufzudecken. Hierfür scheint mir ein "semiotisches" Kulturkonzept am geeignetsten, weil es die Aufmerksamkeit auf die symbolische Organisation lenkt, die den vielfältigen kulturellen und sozialen Erscheinungsformen zugrunde liegt (vgl. im folgenden auch Florian 1991, S. 22ff.).
Ein semiotisches Konzept begreift "Kultur" als ein "historisch überliefertes System von Bedeutungen, die in symbolischer Gestalt auftreten, ein System überkommener Vorstellungen, die sich in symbolischen Formen ausdrücken, ein System, mit dessen Hilfe die Menschen ihr Wissen vom Leben und ihre Einstellungen zum Leben mitteilen, erhalten und weiterentwickeln" (Geertz 1983, S. 46; Hervorhebungen durch M.F.). Semiotisch betrachtet ist Kultur ein Bedeutungs- oder Symbolsystem, bei dem "Systeme auslegbarer Zeichen" (Symbole) ineinandergreifen (ebd., S. 21); Kultur ist "keine Instanz, der gesellschaftliche Ereignisse, Verhaltensweisen, Institutionen oder Prozesse kausal zugeordnet werden könnten. Sie ist ein 53 Bei dem ebenfalls inflationierten Wissensbegriff liegt die Sache deshalb anders, weil er sich auf eine Eigenschaft leibhaftiger Individuen bezieht und nicht auf ein unscharfes Wirkungsfeld sozialer Gruppierungen. Je höher die gesellschaftliche Aggregationsebene, auf die ein soziologischer Begriff ausgerichtet wird, desto unbestimmter erscheint sein Gehalt. Dies liegt wohl daran, daß zwischen "Individuum" und "Gesellschaft" immer noch eine gewaltige Erkenntnis- und Kategorienlücke klafft.

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Kontext, ein Rahmen, in dem sie [gesellschaftliche Ereignisse, Verhaltensweisen, Institutionen oder Prozesse; M.F.] verständlich - nämlich dicht - beschreibbar sind" (ebd., S. 21; Hervorhebungen durch M.F.).54 Als Symbolsysteme unterscheiden sich verschiedene Arbeits- und Berufskulturen jeweils aufgrund der in ihnen "sozial festgelegten Bedeutungsstrukturen" (Geertz 1983, S. 19) voneinander. Das hier vorgeschlagene Kulturkonzept folgt einem vor allem in der Ethnologie vertretenen Kulturverständnis, das die Bedeutung als ein besonderes Merkmal des ethnologischen Gegenstandes begreift (Sahlins 1981, S. 10): "Kulturen sind bedeutungsvolle Ordnungen von Personen und Dingen. Da diese Ordnungen systematische sind, können sie keine freien Erfindungen des Geistes sein. Die Aufgabe der Ethnologie jedoch muß es sein, das System zu entdecken."55 Die Verwendung des Symbolbegriffs verweist darauf, daß die Kultur als ein Merkmal sozialer Assoziationen ("Gruppen", "soziale Netzwerke") wirksam wird, bei denen das Symbol als ein (Er)Kennzeichen fungiert, das die sozialen Grenzen zwischen Trägern, Mitgliedern oder Angehörigen einer Kultur und den Außenstehenden markiert.56 Gleichzeitig ermöglichen Symbole die Überschreitung der Grenzen von Raum und Zeit, worauf Alfred Schütz im Anschluß an Husserls Verständnis der "Appräsentation" aufmerksam macht (vgl. Schütz und Luckmann 1984, S. 178ff.): "Symbole geben Kunde von außeralltäglichen Wirklichkeiten oder Nachricht von der alltäglichen in jener außeralltäglichen Sicht, die sich in vollem Abstand zu ihr erschließt" (ebd., S. 179).57

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Die Vorstellung, daß Kulturen aus "Symbolsystemen" oder aus "sozial festgelegten Bedeutungsstrukturen" bestehen, mag etwas befremden, weshalb mir die Metapher einer kulturellen "Kontextualisierung" oder "Rahmung" menschlicher Handlungsweisen als gelungener erscheint (vgl. Bateson 1985, S. 252ff., zuerst 1954, sowie im Anschluß hieran Goffman 1977, S. 16 und 19). Auf der Grundlage seiner ethnologischen Studien der kabylischen Gesellschaft ist es Pierre Bourdieu gelungen, den ethnologischen Kulturbegriff dadurch zu "soziologisieren", daß er dieses "System" an die (Re)Produktion der Klassengesellschaft als einer sozial geschichteten "Ordnung" gebunden hat. Das griechische sýmbolon ("Kennzeichen, Zeichen") ist aus dem griechischen sym-bállein ("zusammenwerfen, zusammenfügen") entstanden und "bezeichnet eigentlich ein zwischen Freunden oder Verwandten vereinbartes Erkennungszeichen, bestehend aus Bruchstücken (z.B. eines Ringes), die 'zusammengefügt' ein Ganzes ergeben und dadurch die Verbundenheit ihrer Besitzer erwiesen" (Duden "Etymologie" 1989, S. 729). Als assoziative Synthese von "Präsentem" und "Nichtpräsentem" verweisen Zeichen und Symbole von einem gegenwärtig Gegebenen auf ein gegenwärtig Nichtgegebenes, das etwas sein kann, was früher einmal als ein Wahrnehmungsdatum gegeben war und später wieder gegeben sein könnte, das aber auch "eine andere Gegebenheitsweise hat als Wahrnehmungsgegenstände und Ereignisse, z.B. eine Vorstellung (ein Fiktum, ein Phantasma), ein Traum, ein Jenseits, eine Personalisierung oder eine Abstraktion natürlicher und gesellschaftlicher Wirkungszusammenhänge" (Schütz/Luckmann 1984, S. 181). Die assoziative Verschmelzung zwischen der präsenten Alltagswirklichkeit der Fernfahrer und der "Appräsentation" eines anderen, transzendentalen Wirklichkeitsbereiches wird uns noch bei der Symbolik des Trucker-Mythos beschäftigen (Kapitel 5).

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Sofern die "Kultur" ein "mit Sinn und Bedeutung bedachter endlicher Ausschnitt aus der sinnlosen Unendlichkeit des Weltgeschehens" (Max Weber 1968, S. 180) ist, "erzeugen" Arbeits- und Berufskulturen einen gemeinsamen "Sinnhorizont", innerhalb dessen bestimmte Ereignisse und Vorstellungen, Vorgänge und Objekte als riskant wahrgenommen, (an)erkannt und bewältigt werden können, während der Risikogehalt anderer Vorkommnisse unerkannt bleibt, verkannt oder ausgeblendet wird. Arbeits- und Berufskulturen bilden somit eine Art "Rahmen", der dazu dient, die Wahrnehmung zu organisieren und zu ordnen (Bateson 1985, S. 254), einen "Kontext", in dem die Träger einer bestimmten (Sub-)Kultur beispielsweise ihr Wissen über, ihre Erfahrungen mit und ihre Einstellungen zu riskanten Ereignissen, Vorstellungen und Handlungsweisen einander mitteilen, erhalten und weiterentwickeln. Als Symbol- und Bedeutungssystem fungiert eine Kultur gleichsam wie eine Art subtiler "Organisation", wie eine "symbolische Ordnung des sozialen Lebens" (Clarke et al. 1981, S. 41), wie eine "Methodologie" oder ein "Strukturierungsmedium" der sozialen Welt.58 Die Orientierung auf den Feldern der sozialen Welt erfolgt dabei über kollektive "Sinnvorstellungen", mit deren Hilfe die Träger einer bestimmten Kultur ihre Wirklichkeit definieren, indem sie beispielsweise zwischen sicher und unsicher, gefährlich und nützlich, wahrscheinlich und unwahrscheinlich sowie zwischen wahr und falsch, möglich und unmöglich, wichtig und unwichtig unterscheiden (vgl. auch Neidhardt 1986, S. 11). Unterschiedliche Organisations- oder Strukturierungsweisen erzeugen verschiedenartige (sub)kulturelle Formen.59

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In eine ähnliche Richtung deutet übrigens auch das als "unorthodox" geltende marxistisches Kulturverständnis, das der britische Kultur- und Literaturwissenschaftler Raymond Williams (1983, S. 50) formuliert hat, der die Kulturanalysen und Studien von Jugendsubkulturen am Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham maßgeblich beeinflußt hat: "Ich würde (...) die Kulturtheorie als die Untersuchung der Beziehungen zwischen den Elementen einer ganzen Lebensweise definieren. Die Analyse der Kultur ist der Versuch, das Wesen der Organisation zu ergründen, den ganzen Komplex dieser Beziehungen. Die Analyse einzelner Werke oder Institutionen ist (...) die Analyse ihrer wesentlichen Organisationsform, der Beziehungen, die Werke und Institutionen als Bestandteile der Gesamtorganisation zum Ausdruck bringen. Das Schlüsselwort in einer solchen Analyse lautet 'Muster' [pattern]. Eine sinnvolle Kulturanalyse beginnt mit der Entdeckung charakteristischer Muster, und eine allgemeine Kulturanalyse beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen diesen Mustern, was manchmal unerwartete Identitäten und Übereinstimmungen zwischen bislang getrennt voneinander betrachteten Tätigkeiten enthüllt, dann wieder unerwartete Brüche offenbart." Dies gilt prinzipiell für alle "Kulturen" auf allen "Ebenen" der sozialen Welt. Auf der höchsten Aggregationsebene des Sozialen sind die "Formen der Gesellschaft" das "Wesen der Kultur" (vgl. Geertz 1983, S. 41; Knorr-Cetina 1988, S. 28f.).

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Das semiotische Kulturverständnis wendet sich gleichermaßen gegen kognitivistische Kulturkonzepte, die Kultur als in Sprache verfaßtes Wissen nur auf mentale Phänomene verkürzen, wie gegen naive "materialistische" Kulturauffassungen, die Kultur einseitig auf ihre materiellen Formen verdinglichen, die in Artefakten oder Praktiken vergegenständlicht sind (vgl. die Kritik von Geertz 1983, S. 16ff sowie Knorr-Cetina 1988). Kultur "ist" in diesem Sinne auch keine Lebensweise oder soziale Praxis. So mißverstanden ließe sich das Kulturelle von dem Sozialen nicht mehr unterscheiden, wodurch Kultur zu einem inhaltsleeren "Sammelbegriff" (vgl. Lindner 1981, S. 9) verkommen würde. Die strukturalistische Semiotik hat zwar eine Vermengung des Kulturellen mit dem Sozialen vermieden, dafür aber den Fehler begangen, daß sie Kultur als System symbolischer Codes von der sozialen Praxis und den handelnden Akteuren getrennt hat, d.h. Kultur nur noch als ein symbolisches System betrachtet. Eine "deutende" Theorie der Kultur dagegen untersucht symbolische Systeme in Relation zum Ablauf des sozialen Handelns "in dessen Rahmen kulturelle Formen ihren Ausdruck finden".60 In ihrer Vielschichtigkeit läßt sich Kultur als ein Symbol- und Bedeutungssystem weder isoliert in der von menschlichen Akteuren befreiten Sphäre symbolischer Formen oder Systeme (Regelsysteme bzw. Systeme symbolischer Codes) verorten, noch allein in der Sphäre der "theoretischen" und "praktischen" kulturellen Formen61 lokalisieren (vgl. Geertz 1983, S. 16ff und 46 sowie KnorrCetina 1988, S. 30). "Kultur" resultiert gerade aus dem Zusammenspiel dieser einzelnen Sphären, aus deren jeweiliger Eigendynamik sowie aus den Transformationen, über die sich die "Übergänge" zwischen den symbolischen, mentalen und materiellen Kultursphären vollziehen. Die Mitteilung, Erhaltung und Weiterentwicklung von Wissen, Erfahrungen und Einstellungen ist grundlegend an kommunikative Prozesse gebunden. Wenn die Semiotik alle kulturellen Prozesse als Kommunikationsprozesse untersucht, die durch ein zugrunde liegendes System von Bedeutungen ("Signifikationen") ermöglicht werden (vgl. Eco 1990, S. 16f.), so heißt dies keineswegs, daß Kultur dabei nur als Kommunikation verstanden wird oder Kultur nichts weiter als ein System strukturierter Signifikationen darstellen soll (ebd., S. 35). Es handelt sich
60 Kulturelle Formen können sich auch in materiellen Artefakten oder in subjektiven Bewußtseinszuständen "ausdrücken", wobei sie ihre Bedeutung aus ihrem "Gebrauch" innerhalb kontinuierlicher "Lebensformen" beziehen (vgl. Geertz 1983, S. 25 im Anschluß an Überlegungen bei Ludwig Wittgenstein). Neben kollektiven Sinnvorstellungen zählt das ganze Spektrum menschlicher Tätigkeiten zu den "theoretischen" und "praktischen" Kulturformen: von Weltbildern, Wirklichkeitsvorstellungen oder "interaktiv erzeugten Situationsdefinitionen" bis hin zu "symbolischen Handlungs- und Selbstpräsentationen" sowie Praktiken und Artefakten.

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dabei lediglich um einen heuristischen Vorschlag, d.h. um eine methodische Anleitung, wie Kulturen zu untersuchen sind: "Der Gesamtkomplex der Kultur sollte als auf Signifikationssystemen beruhendes Kommunikationsphänomen untersucht werden" (ebd.). Kultur ist nicht nur Kommunikation und Signifikation, aber man kann Kulturen gründlicher verstehen, wenn man sie unter semiotischen Aspekten untersucht (vgl. S. 41). Mit der Verwendung eines semiotischen Konzeptes der Arbeits- und Berufskulturen ist die Absicht verbunden, einen weitgesteckten Bereich von Objekten und Ereignissen, von Verhaltens- und Vorstellungsweisen als "Zeichen" zu betrachten und zu untersuchen, wobei im Anschluß an Charles Morris und Umberto Eco alles als Zeichen gilt, "was aufgrund einer vorher festgelegten sozialen Konvention als etwas aufgefaßt werden kann, das für etwas anderes steht" (Eco 1990, S. 27, Hervorhebungen durch den Autor; vgl. auch S. 15). Um auch ein "natürliches" physikalisches oder chemisches Ereignis, materielle Gegenstände oder menschliche Praktiken ohne Kommunikationsabsicht ebenfalls als kulturelle Phänomene begreifen und untersuchen zu können, muß der Begriff des Zeichens von einer allzu engen Fixierung auf intentionale Akte menschlicher Kommunikation befreit werden. Im Anschluß an die "Grundlagen der Zeichentheorie" von Morris (1938; dt. 1979) plädiert Umberto Eco (1990, S. 26f.; vgl. S. 16f., 28ff.) deshalb dafür, das Vorliegen einer Signifikation, d.h. der durch einen spezifischen Code gesicherten Zeichen-Funktion, lediglich an die Voraussetzung eines (möglichen) menschlichen Empfängers zu binden, der das in Frage kommende Phänomen (möglicherweise) als Zeichen interpretiert.62 Für die Frage nach dem Risikogehalt von Arbeitssystemen und dem "sozialen Sinn" riskanter Arbeitsleistungen heißt dies, daß sich ohne diese fundamentalen Signifikationssysteme weder "sichere" Technologien63 konstruieren lassen, noch
62 An dieser Stelle argumentiert Eco nach meinem Eindruck etwas zu radikal für eine völlige Autonomie des Bedeutungssystems gegenüber kommunikativen Akten, was m.E. tendenziell dazu führen kann, die Existenz des Codes als Zeichensystem gegenüber seiner Erzeugung, Erhaltung und Veränderung zu verselbständigen. Ich würde hier eher von einer relativen oder weitgehenden Autonomie des Signifikationssystems von kommunikativen Akten sprechen, um die dynamische Adäquanzbeziehung zwischen Signifikation und Kommunikation in der kulturellen Praxis zu betonen. Eine Technologie wird ebenso wie ein einfaches Werkzeug nur dann zum Bestandteil einer Arbeitskultur, wenn ihre Funktionssicherheit relativ stabil und berechenbar ist und das mit ihrem Funktionieren verbundene Wissen prinzipiell übertragbar ist. Durch die kontinuierliche Umgangsweise mit einem Lastkraftwagen beispielsweise entstehen sensu-motorische, emotionale und kognitive Regulationsgrundlagen für die Bewältigung der gestellten Transportaufgaben. Die Grenzen der Stabilität und Berechenbarkeit der technischen Funktionsweisen sind ebenso wie das Wissen und die Risikokommunikation ein entscheidender Ansatzpunkt für den Diskurs und die Verhandlung über Arbeitssicherheit.

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Mit zunehmender Attraktivität von "symbolisch" orientierten (Kultur)Anthropologen. die sich auf der Grundlage gemeinsamer Bedeutungssysteme verständigen und auf dieser Basis handeln (müssen). daß die gesellschaftliche Reichweite der sozialen Interaktionen kopräsenter individueller Akteure zeitlich und räumlich begrenzt ist und daß die über einen relativ weiten zeitlichen und räumlichen Horizont gespannten. die Integration der Beziehungen zwischen den 165 . zitiert nach Eisenstadt). S. 43). Eisenstadt 1990. von historischen wie gesellschaftlichen Verteilungsstrukturen der Handlungsressourcen weitgehend unabhängige "Aushandlungsprozesse" entstehen ("negotiated order"). wonach soziale und kulturelle Formen durch bewußte. die von den Handelnden dazu benutzt wird. Soziologen und Geisteswissenschaftlern ist "in der Konzeption von Kultur eine Verschiebung weg von Werten und Normen hin zu einem Set expressiver Symbole eines Ethos . Sozialtheorien auf die "soziale Integration" der sozialen Beziehungen der Handelnden spezialisiert haben.deren organisatorische Anwendungsbedingungen gegenüber arbeitsbedingten Gefährdungen absichern lassen.eines 'Weltbildes'. andererseits erscheint sie hierbei zugleich als eine Ressource der Handlungsregulation.. S. ihre Aktivitäten zu organisieren und zu normalisieren. Der Vorschlag Umberto Ecos. 8f. 51ff. daß sich interaktionistische Kultur. Giddens 1988. die riskante Arbeitsleistungen als "begründet" und legitim erscheinen lassen .). 1990. Wie kann man sich nun die Entstehung und Wirkungsweise sozialer Sinn. Kulturen als "Systeme von Bedeutungssystemen" zu begreifen. indem sie aus einer großen Anzahl von Situationsdefinitionen auswählen oder neue Situationsdefinitionen erzeugen (vgl. Peterson 1979. 9) erfolgt.und Handlungsweisen selbst wiederum zu einer Erhaltung und Veränderung ihrer gemeinsamen Arbeitskultur beitragen.h. und die mittels ihrer Kommunikation und ihrer Vorstellungs. bringt die individuellen und kollektiven Akteure ins Spiel. das durch aktive menschliche Interaktion entworfen wird" (ebd. die einen kontinuierlichen Prozeß kommunikativen Austausches ermöglichen (vgl. Kultur wird dabei zum einen als das Resultat eines "Verhandlungsprozesses" zwischen den beteiligten Akteuren gesehen.und wie lassen sich die kulturellen Formen der Reproduktion von Risiken empirisch untersuchen? Die Verwendung des Kulturbegriffs hat in den letzten zwanzig Jahren eine deutliche "Akzentverlagerung" erfahren (vgl. d.). Gegen Vorstellungen des Interaktionismus. läßt sich einwenden. S.bzw.und Bedeutungssysteme vorstellen.64 64 In Anlehnung an eine klassische Unterscheidung von David Lockwood (1971. S. S. geschweige denn forschen läßt. während sie die "Systemintegration". noch über Sicherheit und Risiken der Arbeitswelt reden. relativ stabil institutionalisierten sozialen und kulturellen Strukturen nicht als eine unmittelbare Folge intentionalen Handelns begriffen werden können (vgl. 125) könnte man behaupten.

23. außer acht lassen. 91ff.und Systemintegration verstehen. ist. 17) formulierte "Problem der Ordnung" erscheint so eher als das "Problem" einer Sozialtheorie. S. Wenn Parsons hier zu Recht auf die strukturellen Verselbständigungschancen kultureller Systeme gegenüber den individuellen Akteuren verweist.) ist ein ebensolches Unding als Sprachentwicklung ohne zusammen lebende und zusammen sprechende Individuen" (Marx 1974.. niemals sind sie das besondere Merkmal eines oder einiger Individuen. S.) nicht nur ein geselliges Tier.oder Ueberlebenschancen" . die Forschungsarbeiten aus der sowjetischen Psychologie (vgl. sondern ein Tier. der zwischen dem praktischen Gebrauch einer Sprache und den Tätigkeiten der Sprechenden besteht ("Sprachspiel") und darauf aufmerksam gemacht. voneinander isolierter Individuen gegenüberstellt. 20) zwischen sozialem (Konkurrenz)"Kampf" und "Auslese" . Auch die klassische Unterscheidung von Max Weber (1980. die physisch in Raum und Zeit abwesend sind").der ohne sinnhafte Kampfabsicht gegeneinander stattfindende "(latente) Existenzkampf menschlicher Individuen oder Typen umd Lebens. S. vor allem Wygotski 1981) am Beispiel der Entwicklung des kindlichen Denkens "vom Sozialen zum Individuellen" bestätigt haben.65 Ludwig Wittgenstein (vgl. 19.. daß die Übernahme der Einstellungen (Haltungen) anderer in entscheidender Weise über die subjektive Aneignung des in Gegenständen objektivierten Bedeutungsgehaltes erfolgt und auch die Interaktion mit mir selbst über gegenständliche Tätigkeiten vermittelt ist. S... 16). §§ 7. S. "Der Mensch ist im wörtlichsten Sinn (. Wie Marx ist auch George H. daß sich die menschliche Individualität (Subjektivität. Was in Meads Kommunikationskonzept etwas unterbelichtet erscheint. das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann. das nur ganz marginale kreative (oder destruktive) Beiträge zu dieser Veränderung leisten kann" (Parsons 1975. S. 65 166 . 80) hat Lockwoods Differenzierung neu interpretiert (Sozialintegration als "Systemhaftigkeit auf der Ebene von face-to-face-Interaktionen" und Systemintegration als "Verbindungen zu denjenigen. Die Produktion des vereinzelten Einzelnen außerhalb der Gesellschaft (. 1990. Giddens (1988. Mead (1973) davon ausgegangen.. so hat seine Marginalisierung des einzelnen aber in ihrer Konsequenz dazu geführt."Die wichtigsten Formen kultureller Systeme verändern sich nur über Zeiträume von mehreren Generationen hinweg und sind stets relativ großen Gruppen gemeinsam. 206) hat in seinen "Philosophischen Untersuchungen" den engen Zusammenhang herausgearbeitet. daß das strukturellen Elementen eines sozialen Systems. Identität) auf der Grundlage sozialer Beziehungen entwickelt. Sie werden daher immer vom Individuum gelernt. den aktiven Beitrag der Handlungssubjekte auf die bereitwillige Internalisierung gesellschaftlich vorgegebener Werte und Normen zu beschränken und die Funktionen kultureller Phänomene auf die Sicherung einer gemeinsamen normativen Ordnung reduziert. 6). Das im Anschluß an klassische Überlegungen bei Thomas Hobbes von Parsons (1975. die eine atomisierte Gesellschaft einem Haufen gesellschaftsloser.ließe sich demzufolge als eine Differenzierung zwischen Sozial. eine Annahme.

Inhalte und Formen des Bewußtseins erzeugt. was Bourdieu mit seinem Habitusbegriff verfolgt. Meine These ist.und Sinnformen. Auf der Grundlage historischer Umgangsweisen sind die objektiven Möglichkeiten eingeschränkt. mit denen eine soziale Gruppe umgeht. konstituieren ihr "kulturelles Feld". Durch (quantitative) Erhebung der Gebrauchsweisen erschließt sich hier zunächst ein "indexikalisches Feld". zugleich aber auch offen. ist. d. was die soziale Gruppe gemeinsam hat. "indiziert" sind.und berufsbezogene Kulturen vielmehr in einem soziologischen "Niemandsland" zwischen Individuum und Gesellschaft entstehen. Wert und Bedeutung eines kulturellen Gegenstandes innerhalb der objektiven Grenzen seiner eigenen Binnenstruktur sozial vorgegeben sind. Kapitel 5. einer Grauzone makrosozialer Gruppierungen. "Da das offensichtliche Potential für sinnvolle Beziehungen zu wichtigen kulturellen Gegenständen in der Regel bereits von der herrschenden Kultur ausgebeutet wird. das kleiner ist als das indexikalische Feld. sich aus letzten Realitäten speisenden normativen Ordnung der Gesellschaft ist einzuwenden. auf dem die äußeren Gegenstände. die (sub)kulturellen Beziehungen einer sozialen Gruppe . Willis geht davon aus. Einstellungen und Gefühlen der Gruppe und vermitteln der Gruppierung Bedeutungsinhalte. Bei der homologischen Analyse der sozialen Gruppe interessiert Willis die subjektive Dimension dessen. Die indexikalische Analyse erfaßt das Ausmaß. daß kulturelle Formen zwar nicht von einzelnen Menschen "erzeugt" werden. Worauf Wittgenstein hier offenbar anspielt. daß sich im ständigen Hin und Her der Austauschbeziehungen zwischen einer Gruppe und einem bestimmten Gegenstand spezifische Stil. zumal sich die auf kleine Einheiten spezialisierte "Gruppensoziologie" für diesen sozialen Phänomenbereich nicht zuständig fühlt (vgl. "was miteinander geteilt wird". um 167 . was sie aufrechterhält. den typischen Anliegen. der Gegenstand oder die Institution entsprechen in ihrer homologen Struktur dem Stil. aber ebensowenig als ein auferlegtes. die von der Gruppe gesucht und gewählt werden. Alle Gegenstände. teilnehmende Beobachtung) und die Untersuchung der von ihr bevorzugten kulturellen Gegenstände (als strukturelle Analyse der 'objektiven Möglichkeiten' kultureller Gegenstände). die den Rahmen steckt für die Herausbildung der mit dieser Gruppe verbundenen Subjektivitäten. Gegen Parsons eindimensionale Vorstellung einer kohärenten. vor allem Einstellungen.unter Bezugnahme auf die Benutzung von Gegenständen oder Institutionen .h. Das Artefakt. was neue Bedeutungen oder die Beeinflussung vorliegender Bedeutungsgehalte in eine unerwartete Richtung betrifft. Orientierungen und Sicherheiten. Die homologische Analyse läßt sich unterteilen in eine Untersuchung der sozialen Gruppe (ethnographische Methode. ähnelt dem. in dem bestimmte Gegenstände zu einer sozialen Gruppe in Verbindung stehen. Paul Willis hat vorgeschlagen.auf dreierlei Weise zu untersuchen (vgl. im folgenden 1981. 236ff. daß arbeits. Der Untersuchungsfokus auf der "symbolischen Organisationsstruktur". daß Wichtigkeit. müssen unterlegene Kulturen die vernachlässigten und übersehenen Möglichkeiten erforschen. reproduziert und generiert.2). Bei der Analyse der "objektiven Möglichkeiten" kultureller Objekte geht Willis davon aus.Sprechen einer Sprache Bestandteil einer "Lebensform" ist. daß das Sprechen einer Sprache bereits die Existenz einer Sprachgemeinschaft voraussetzt.). S. Die homologische Analyse versucht den Bedeutungsgehalt der von einer Gruppe präferierten Gegenstände zu erfassen. deren Existenz mikrosoziologisch zweifelhaft erscheint. monolithisches Produkt der Gesellschaft zu verstehen sind.

40).ihre eigenen Bedeutungsgehalte hervorzubringen. Knorr-Cetina 1988. 52f.) bildet damit einen entscheidenden Ansatzpunkt für ein Verständnis kultureller Formen der gesellschaftlichen Reproduktion arbeits. bezieht sich auf eine bestimmte Welt. d. S. Die gesellschaftlichen Strukturen der sozialen Beziehungen und die kulturellen Strukturen der Sinnbedeutungen bilden die Grundlage. In semiotischen Studien werden Kulturen deshalb in erster Linie am Beispiel der Verwendung von Sprache bzw. über die praktische Rolle. das durch den praktischen Gebrauch von Sprache gekennzeichnet ist (vgl. die bei entsprechendem kulturellen Einfluß die Möglichkeiten weiter modifizieren kann. Über die Untersuchung von Präferenzen und Verwendungsweisen kultureller Gegenstände hinaus lassen sich kollektive Sinn. daß die von der herrschenden Kultur ignorierten Möglichkeiten oft. 253f. was bereits vorliegt (Selektion) oder durch Beeinflussung der Möglichkeiten neuer Gegenstände (Kreation). Der andere wichtige Prozeß für die Entwicklung unterlegener Kulturen ist das kreative Ausnutzen der 'objektiven Möglichkeiten' neuer Objekte und Artefakte . S. Am Beispiel der Arbeitsspiele und beruflichen Mythologien der Fernfahrer läßt sich dies leicht nachvollziehen (vgl. 66 Die integrale Analyse schließlich soll das Entstehen der grundlegenden Homologien erklären. S. sozialen "Diskurse"67 und der Gesamtheit der (im weitesten Sinne) "Texte" einer Kultur (vgl. "auf der gesellschaftliche Gruppen selbständige Lebensformen entwickeln und ihren sozialen und materiellen Lebenserfahrungen Ausdrucksform verleihen" (Clarke et al.): Der Diskurs wird immer in der Zeit und in einer bestimmten Gegenwart realisiert. Ausgehend von den Bedeutungen.die das herrschende System bereitstellt. S. 66 67 Vor allem am Beispiel der Jugendkulturen zeigt sich. S. Ricœur 1972. auf der "die in der Zeit ablaufende kollektive Existenz von Gruppen" geformt wird (vgl. seine Arbeit mit der eines Cowboys zu vergleichen und sich deshalb die Accessoires der Country-und-Western-Kultur zu besorgen. Barley 1983. den Wandel in den Möglichkeiten durch verfeinerte Auswahl aus dem. auszudrücken oder zu repräsentieren beabsichtigt und der Diskurs beinhaltet einen Austausch von Mitteilungen. die spezifische Bedeutungen in einer bestimmten Gemeinschaft spielen (vgl. 168 . mittels Kommerzialisierung schnell wieder "vergesellschaftet" werden. S. nach der Besetzung einer Gebrauchsnische. Die Polyvalenz der Verwendungsweisen kultureller Objekte ist nicht völlig offen. d.h.und berufsbedingter Risiken. Mit dem Kulturbegriff wird somit eine soziale Ebene angesprochen. die bestimmten Ereignissen. er ist auf seinen Sprecher als Subjekt zurückbezogen.und Bedeutungsstrukturen empirisch am besten über den "Gebrauch" von Bedeutungen innerhalb sozialer Diskurse erschließen.h. Die marginal neugefaßten Möglichkeiten eines kulturellen Gegenstandes können zu marginalen Neufassungen in der sozialen Gruppe führen. 19. Geertz 1983. 369). von Symbolsystemen untersucht (vgl. läßt sich der "soziale Sinn" auch solch scheinbar paradoxer Phänomene wie der Selbstgefährdung erschließen. In Abgrenzung zum linguistischen Verständnis von Sprachsystemen ist der "Diskurs" ein Sprachereignis. jedoch nicht voll und ganz kulturell ausnutzt" (Willis 1981. 27 im Anschluß an Geertz sowie Posner 1991. 1981. Kapitel 5). die er zu beschreiben. 25). zitiert nach Merkens 1989. 251). Die Untersuchung der praktischen. Vorgängen oder Objekten von den Akteuren zugeschrieben werden. So würde kein Betriebsschlosser auf die Idee kommen. S. er ist kommunikativ an einen oder mehrere Gesprächspartner gerichtet.

und das macht ihren.).3). weil sie die Übergänge zwischen sozialen und psychischen Strukturen. daß der tragende Stil. S. obgleich seine Antwort ("Internalisierung" gemeinsamer Werte und sanktionierbarer Normen) aus heutiger Sicht höchst unbefriedigend bleibt.h. die soziale Welt ordnenden Charakter aus . Selbstbeherrschung und Eigenkontrolle in der Bewältigung alltäglicher Arbeitsaufgaben gefordert werden. 728) in Erscheinung tritt. dann lassen sich die "orientierenden" und "bewegenden Kräfte" für das prekäre Zusammenspiel zwischen der Bewältigung außergewöhnlicher Risikokonstellationen und der Selbstgefährdung bei Fernfahrern weder in geheimnisvollen inneren Antrieben der von der Außenwelt abgeschnittenen Subjekte noch in vermeintlich unveränderbaren. Die Kardinalfrage der Arbeits. Kapitel 5. 169 . Will die Arbeits. 41f. in denen die Zugehörigkeiten und Grenzen einer Gruppe markiert werden und die sich in bestimmten Ritualen und Praktiken. wie äußere Zwänge verinnerlicht und damit zum persönlichen Motiv für eine bestimmte Arbeitsweise werden. die zum einen in Form außergewöhnlicher physischer Leistungsfähigkeit.und Industriesoziologie die Erzeugung und Reproduktion riskanter Arbeitsstrukturen als ein Resultat menschlicher Handlungsweisen zu erklären versuchen. scheinbare "Lösung" jener Antinomien.. "letzte Cowboys unserer Zeit") vertreten mit ihrer Verleugnung des Ökonomischen zugleich eine magische. "Highway Helden". in Sprachen (Argot) und Körpersprachen ausdrücken sowie in Objekten. (Sub-)Kulturen . d. objektiven Zwängen der äußeren Arbeitssituation finden. Meine These ist. daß die soziale Strukturierung über die Reproduktion von Handlungsweisen erfolgt und daß soziale Strukturen zugleich das Medium und das Ergebnis sozialer Praktiken sind ("Dualität von Struktur"). in denen der stilbildende Geschmack als "eine Art gesellschaftlicher Orientierungssinn (sense of one's place)" (Bourdieu 1982.68 68 Diese prinzipielle Problemstellung soziologischer Motivationstheorien hat bereits Talcott Parsons erkannt. trivialisiert hat.ebd. S. auf einer hohen Wertschätzung männlicher Qualitäten beruht. die für sich die männliche Ehre beanspruchen. der die "Eigenart" der Arbeits. die sich zum anderen aber auch vorzüglich zur Hervorhebung gegenüber "gewöhnlichen" industriellen Arbeitsformen eignen und dadurch die spezifische "Berufsehre" der Fahrer begründen.entstehen durch Stilisierungen. abhängiger (Lohn)Arbeit enthalten sind und von denen sich jene zu befreien suchen. dann benötigt sie ein angemessenes Konzept der Motivation selbstgefährdender Arbeitsweisen.und Berufskultur der Fernfahrer bestimmt. Wenn wir in Übereinstimmung zu jüngeren sozialtheoretischen Überlegungen davon ausgehen können. die in der Transporttätigkeit als kapitalistisch organisierter. die profane Lohnarbeit als eine Heldentat zu verrichten (vgl.und Leistungsmotivation ist. den psychosozialen Prozeß der Einverleibung und Vergegenständlichung. Die beruflichen Mythologien der Fernfahrer ("Kapitäne der Landstraße".

und berufsbedingten Risikoverhaltens von Fernfahrern zu verstehen versucht. 4). der in relativ hohem Maße als belastend und gefährdend einzustufen ist. daß riskante Arbeitsleistungen durch das wechselseitige Zusammenwirken von Prozessen der Institutionalisierung und Inkorporierung "motiviert" werden. Kap. Meine These ist. aus einem Zusammenspiel resultiert zwischen den gefährlichen Anforderungen (die typisch sind für ein "soziales Feld") und dem. Aus den Kontroversen um den Rationalitätsgehalt menschlichen Handelns wissen wir. spontanen gefühlsbedingten Eingebungen oder gewachsenen Traditionen folgt. so bleibt dennoch die grundsätzliche Bereitschaft erklärungsbedürftig. riskante Präferenzen stimulierenden "Habitus" (als einer Art "Organisation" einverleibter Strukturen). Kapitel 5). Die sozio-kulturelle Stilisierung der riskanten Arbeitsweisen von Fernfahrern und die damit eng verbundene maskuline "Lebensführung" werden dabei einerseits durch Institutionalisierung der mit der Transportarbeit verbundenen Sinnund Bedeutungssysteme objektiviert. so daß die soziale Reproduktion der Arbeitsmotivation auf eine doppelte Weise erfolgt. riskante Arbeitsleistungen zu erbringen. stimuliert und gestützt werden. Im Anschluß an das Habitus-Feld-Konzept des französischen Soziologen Pierre Bourdieu möchte ich "Motivation" dabei als ein Subjekt-Objekt-Verhältnis begreifen. um zu gegebener Zeit in der und für die Arbeitspraxis des Transportgewerbes zu funktionieren. daß es eine bestimmte Absicht verfolgt und dabei auch die unbeabsichtigten Neben. Das paradoxe Phänomen. 170 . das die scheinbar obskure Motivation des arbeits. behauptet einen Zusammenhang zwischen riskanten äußeren Strukturen und der inneren Bereitschaft. andererseits subjektiv inkorporiert in Form entsprechender Berufswahl-.Meine Annahme ist. daß die Motivation. einen Beruf auszuwählen. deren Momente im Verhältnis zueinander weder völlig kontingent noch gänzlich determiniert sind: Während in der Reproduktion sozialer Institutionen individuelle Motivationsstrukturen gewissermaßen "von außen" gefordert. die prekäre Verwendung ihres Körpers in der Arbeit auf eine bestimmte spielerische Art und Weise zu stilisieren und zu mythologisieren (vgl. daß auch riskante Leistungen einer aktiven Mittäterschaft der "Betroffenen" bedürfen. sich diesen Anforderungen zu stellen und sich entsprechend zu verhalten.und Spätfolgen seines Tuns oder Unterlassens berücksichtigt. Viele Fernfahrer neigen dazu. "Dispositionen") die entsprechenden "subjektiven" Voraussetzungen für motivierte Arbeitshandlungen. erzeugt die Reproduktion habituell inkorporierter "Schemata" (bzw. Im folgenden Kapitel werden Vorschläge für ein Konzept unterbreitet.und Leistungsmotivationen (vgl. daß nicht jedes Handeln oder Verhalten in dem Sinne "motiviert" sein muß. Arbeits. Im Verlauf der kollektiven berufskulturellen Vor-Geschichte der Fernfahrer werden bestimmte "Motivdispositionen" ausgebildet und von den potentiell rekrutierbaren Anwärtern in ihrer eigenen individuellen Lebensgeschichte angeeignet. Auch wenn ein Großteil unseres Verhaltens eingelebten Gewohnheiten und Routinen.

daß er Geld verdienen muß. usw. physischen und sozialen Schranken der Nutzung von Arbeitskraft hinaus . ihre Arbeitsleistung auch gegen äußere und innere Widerstände während des ganzen Transportablaufes aufrechtzuerhalten? Und wie schaffen sie es. 287). 15).. wie sie häufig ihrer Begeisterung für hohe Qualitätsarbeit Ausdruck verleihen und darunter leiden. Transportarbeit als ein obskures Objekt der Begierde? Vorschläge für ein Konzept der soziokulturellen "Motivation" riskanter Arbeitsleistungen "Wo aber bleiben die positiven Gefühle? In qualitativen Interviews mit Arbeitern ist man immer wieder davon beeindruckt.auch über die juristisch erlaubten und gesellschaftlich als normal geltenden. warum viele Fernfahrer die mit ihrem Beruf scheinbar wie selbstverständlich verbunde- 171 .. Dringt man tiefer in die Fragestellung ein.und beteiligen sich auch noch in einem erschreckendem Ausmaß aktiv an ihrer gesundheitlichen Selbstgefährdung? Was motiviert die Fahrer eigentlich. ist eigentlich unverständlich" (Frese 1990. (. der Liebe und der Zuneigung. der Gruppenzugehörigkeit.4. 'Schund' produzieren müssen.) Wie man Qualität der Arbeit oder Leistung ohne Bezug auf Stolz. wie stolz sie auf ihre Arbeit und ihr Produkt sind. (. öfter abwesend zu sein. ästhetische Gefühle und Begeisterung betrachten kann.. die den Fernfahrerberuf aus Sicht der Fahrer gegenüber industriellen Berufen auszeichnet (vgl. S. die sich am Arbeitsplatz entwickeln. die ihn für die Mühen der Arbeit kompensieren und die streß-kompensatorisch und gesundheitsfördernd wirken können. sind es natürlich diese positiven Gefühle. die ihn davon abhalten. die den Arbeiter in der Arbeit halten. wenn sie unter konstantem Zeitdruck oder mit schlechtem Material versehen.. aber dicht gefolgt von jenen Argumenten. dem Gefühl der Solidarität. so rangieren finanzielle Gründe zwar deutlich an erster Stelle. Warum arbeiten die meisten Fernfahrer eigentlich so lange und dann auch noch unter derart harten Bedingungen? Wieso sind die meisten Fahrer offenbar freiwillig dazu bereit. die Leistungen und besonders eine hohe Qualität der Produkte ermöglichen. in ihrer Arbeit Höchstleistungen zu erbringen. die aufgrund ihrer gesundheitlichen Risiken schon fast an einen selbstzerstörerischen "Wahn-Sinn" zu grenzen scheinen? Warum akzeptieren so viele von ihnen eine "Verlängrung des Arbeitstags" (Marx) . diese enormen Anforderungen an ihren Leistungswillen wie an ihre körperlichen und geistigen Kräfte überhaupt tagtäglich zu bewältigen? Wenn Fernfahrer selbst nach ihren Gründen gefragt werden. Neben der Tatsache.) Dabei bin ich noch gar nicht auf die vielfältigen positiven sozialen Gefühle eingegangen. warum sie ihren Beruf gewählt haben und immer noch in ihm verweilen. Abb.

. werden genannt: Finanzielle Gründe Der Wunsch. keine nähere Differenzierung zwischen Nah. 230) > 80% 64.. 24) nen Leistungsanforderungen so bereitwillig erfüllen.."ich gern mit einem LKW fahre" . S.. offenbart sich eine grundlegende Zwiespältigkeit von negativen und positiven Gefühlen... bei dem es um "Beweggründe" oder "Antriebe"."ich so ganz gut verdiene" ...und berufsbedingten Risiken leisten. 16). Quelle: IFES 1979. den die Fernfahrer selbst zur gesellschaftlichen Konstruktion und Reproduktion ihrer arbeits. den Beruf des Fernfahrers auszuüben.6% 53.. Quelle: Plänitz 1983.. grundsätzlich erklärungsbedürftig. deren Sinn172 ."aus dem ganzen geregelten Arbeitsund Lebensablauf herauszukommen" (N = 185. . ist der aktive motivationale Beitrag. Will man aber diese Gefühle gegenüber der Transportarbeit nicht von vornherein als eine bloße Selbsttäuschung abtun. belastende und beanspruchende."etwas von der Welt zu sehen" ."sein eigener Herr zu sein" . Wenn in der Alltagssprache von "Handlungsmotiven" die Rede ist. sondern zugleich auch als eine lustvolle und befriedigende Tätigkeit empfunden wird (vgl. Angesichts der Risiken mag es Außenstehenden höchst obskur erscheinen..."nicht laufend einen Vorgesetzten im Rücken zu haben" . daß viele Fernfahrer ihre Arbeitstätigkeit als eine lustvolle und befriedigende Arbeit empfinden....Abb. .0% 46. in denen die geleistete Transportarbeit nicht nur als eine riskante. als einen Beruf. 1: "Motive" der Berufswahl bei Fernfahrern Als Gründe dafür. um Ursachen oder Ziele von Handlungen geht.. Befriedigung und Bestätigung vermittelt.."man weit herum kommt" 57% 51% 42% 40% 12% Fahrer mit 65 . S. dann wird damit meist ein Phänomenbereich angesprochen....1% Insgesamt Weil."man ein ziemlich freies Leben hat" .100 Wochenstunden und mehr 77% 63% 54% 29% 9% (N = 200.8% 62. Fernfahrer zu werden bzw.. der ihnen Gefühle der Unabhängigkeit.. Abb."die Arbeit abwechslungsreich ist" .und Fernverkehr sowie zwischen Güterverkehrsgewerbe und Werksverkehr.

# Die Lust daran und die Bestätigung. praktisch noch jeden Tag Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu erleben (Naturverbundenheit). # Die Spannung und die Lust.B. aber sie würden etwa folgende. wenn sie ihre langjährige Fernfahrertätigkeit zu erklären versuchen oder einfach nur von ihrer Arbeit berichten. die man selbst erzeugt. eine Arbeit wirklich von Anfang bis Ende selbst und eigenverantwortlich zu bewältigen. das damit verbunden ist... # Die Befriedigung und Bestätigung. trotz schwieriger äußerer Umstände (etwa im Herbst und Winter). # Die Befriedigung. die davon ausgeht.'Freiheit und Abenteuer' . # Die Tatsache. die vom Risiko ausgeht (gefahrengeeignete Tätigkeit). S. die damit verbunden ist. die davon ausgehen kann.'Let's go West-Truckers' . solche extremen. die davon ausgeht. # Die Lust und Befriedigung..Abb. # Die Befriedigung und Bestätigung.. eine Arbeit zu haben und zu leisten. 15: Die Fernfahrerei als eine lustvolle und befriedigende Arbeitstätigkeit "Im folgenden soll es also um jenes 'aber' gehen. # Die Befriedigung und Bestätigung. S. von diesem Moment an sein eigener Herr zu sein.') oder aus Spielautomaten ('Spannung . Ursache. die davon ausgeht.). die davon ausgeht. In seinem Lehrbuch der Motivationspsychologie hat Heinz Heckhausen (1980. also das Gefühl. die sie mit ihrer Arbeit verbinden. Trieb. für sie sehr wesentliche Empfindungen und Gefühle. die einen beim Verlassen des Hofes (Firmengelände) überkommen. Das bißchen Fahren. die von jenen Risiken ausgeht. Hamburg 1983. Das Wort "Motiv" wird dabei oft als eine Sammelbezeichnung für derart unterschiedliche Begriffe wie Interesse.Nervenkitzel') holen müssen und es doch nicht wirklich erhalten.identifiziert zu werden. 24) dafür plädiert. # Die Unabhängigkeitsgefühle. was andere sich für teures Geld aus Zigarettenautomaten ('Der Duft der großen weiten Welt' . was in unserer hochindustrialisierten und spezialisierten Gesellschaft sonst an Arbeitsplätzen und an Arbeit angeboten wird. Z. riskante Überholmanöver oder auch einfach den 'Hirsch mal richtig zittern zu lassen' ('tiefes Fliegen'). das "Motiv" einer Handlung als einen 173 . die noch etwas von dem hat. eine für jeden erkennbare und konkret meß. die davon ausgeht. Bedürfnis. kein Kollege würde (. und dabei ja auch irgendwo mit dem Bild des harten . soundsoviele Tonnen bewegt zu haben usw. dem entkommen zu sein." Auszug aus: Günther Plänitz. # Die Befriedung und Bestätigung. # Die Befriedigung und Lust. zu beherrschen..und ausdrückbare Leistung zu erbringen (soundsoviele Kilometer zurückgelegt.'Meilenweit für. Sicher. eine so kompliziert zu handhabende Maschinerie wie den LKW immer wieder und oft.) die Belastungen und die geschilderten Abhängigkeiten wirklich bestreiten. aber auch die Lust. hinzufügen: # Die Lust am LKW-Fahren und die Befriedigung. 241-244. Anlaß oder Neigung verwendet.. die allein schon davon ausgehen kann. daß die Kollegen immer anführen. gehalt es zu verstehen oder deren Verursachung es zu erklären gilt.. nicht ständig einen Vorgesetzten unmittelbar oder leibhaft hinter dem Rücken stehen zu haben. ja häufig fast unmöglichen Arbeitsleistungen immer wieder zu bewältigen. als Fernfahrer erkannt zu werden und zu gelten. # Das Unabhängigkeitsgefühl. Beweggrund. anders zu sein und anders zu leben als die meisten anderen Menschen es tun.

" "Motivation wird als ein Prozeß gedacht."angestrebten Zielzustand innerhalb eines bestimmten Person-Umwelt-Bezuges" zu verstehen.h. d.. gestaltet sich so als eine schier unlösbare Aufgabe. den Aufwand (vgl. Kurz: Motivation soll die Zielgerichtetheit des Handelns erklären. den Ertrag. Zuverlässigkeit und Sicherheit als übliche Anforderungen der Kunden an hochwertige Transportleistungen faktisch einander widersprechende Leistungsanforderungen. wirft bei der präzisen Bestimmung praktischer Arbeitsleistungen einige Wertungsprobleme auf. um dadurch auch in die Einschätzung des Grades der Zielerreichung einbezogen zu werden. Heckhausen geht davon aus. auf die Erreichung motiv-spezifischer Zielzustände richtet und auf dem Wege dahin in Gang hält. Bolte 1979.und Kapitalrechnung entziehen. Selbst unter der ökonomischen Ertragsperspektive von Rentabilität und Arbeitsproduktivität enthalten beispielsweise Schnelligkeit.F. (. 189) verstanden werden. je nachdem wie hoch der Aspekt von Sicherheit und Zuverlässigkeit gegenüber den Forderungen nach Schnelligkeit gewichtet wird. Hervorhebungen durch M. in welchem Ausmaß die notwendigen Kompromisse in die Bestimmung des Zieles eingehen. S. Die formal rationale Fixierung auf den meßbaren Leistungsoutput nach verstrichener Transportzeit oder gefahrenen (Tonnen)Kilometern steht in dem ständigen Risiko. daß Motive auf eine "'dynamische' Richtungskomponente" verweisen.). zwischen verschiedenen möglichen Wahrnehmungsgegebenheiten und Denkinhalten sowie die Intensität und Ausdauer einer eingeschlagenen Handlung und die dadurch zustande gekommenen Ergebnisse erklären" (Heckhausen 1980. und auf die dabei zu realisierende subjektive Anstrengung. Die Nutzen-Kosten-Bilanzierung. daß sich menschliches Handeln von der Erwartung und Bewertung seiner mutmaßlichen Ergebnisse und deren Folgen leiten läßt. Die Frage ist nun. als wesentlich bewertete Aufgaben mit Energie und Ausdauer bis zum erfolgreichen Abschluß zu bearbeiten" (Drever und Fröhlich 1968. Auch die Aufwandsperspektive offenbart sich bei näherer Betrachtung als problematisch. ebd. die offenbar mit dem Leistungsbegriff verbunden ist.. 25.. sobald man den festen Boden physikalischer Kraftentfaltung 174 . S. deren Realisierung angestrebt wird (vgl.) Motivation soll also die Auswahl zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten. Der Leistungsbegriff bezieht sich üblicherweise auf den Beitrag zur Annäherung an ein definiertes Ziel. in der die Gerichtetheit auf wertgeladene Zielzustände zum Ausdruck kommt. Die präzise Festlegung eines spezifischen Arbeitszieles in Form eines Arbeitsauftrages. Leistungsmotivation kann somit im Sinne einer "allgemeinen und relativ überdauernden Tendenz. S. der allen Anforderungen gleichermaßen gerecht werden soll. die Nebenkosten der Zielannäherung auszublenden. die sich der kurzfristig orientierten Geld. der zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten auswählt. 21).): "Motive haben sich im Laufe der individuellen Entwicklung als relativ überdauernde Wertungsdispositionen herausgebildet. das Handeln steuert.

als durch eine Dienstanweisung verlangt und durch den Lohn entgolten wird" (1966.h. In beiden Motivationsformen kommt ein Übermaß an freiwilliger Leistungsorientierung und Hingabe an die Arbeitsaufgabe zum Ausdruck. Die Selbstbestimmung". zuerst 1899). Die freiwillige rationale Einordnung. weil ich davon ausgehe. die offenbar fraglos und selbstverständlich eine "freiwillige" Übernahme hoher arbeitsund berufsbedingter Risiken einschließt.verläßt. daß diese beiden Motivationsformen die Arbeits. in dem die jeweils gesteckten Arbeitsziele auch faktisch erreicht werden. 6. geleistet wird". durch die sich das Feld zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation typologisch ordnen läßt: "1. daß sie praktisch "multipel motiviert" sind. 57. gleichzeitig zwei oder mehreren Motiven entsprechen (Hacker 1986. nach denen nicht jede Anstrengung per se dazu berechtigt erscheint. während die andere auf einer eher affektiven Einordnung basiert. S. Unter den Bedingungen warenproduzierender Arbeit eignet sich das Ausmaß subjektiver Anstrengungen allein wohl kaum als ein gesellschaftlicher Wertmaßstab. Die übermäßige rationale Einordnung. 3. relativ unabhängig vom tatsächlichen subjektiven Aufwand und von dem Grad. Die soziokulturellen Bedingungen. in gleicher Weise auch als eine "Leistung" zu zählen. Für Eliasberg beruht die "übermäßige rationale Einordnung" auf einem Vertrauensverhältnis. das dazu führt. daß die eine auf einer "rationalen". so daß sich beide Motivations-"Stufen" lediglich darin zu unterscheiden scheinen. Der Sozialpsychologe Wladimir Eliasberg (1966.und Tauschwert hingewiesen hat. Ekstase).und Leistungsmotivation der Fernfahrer in besonderer Weise charakterisieren. 204 im Anschluß an Leontjew 1979. 5. 192). Diesem Modernisierungsmythos möchte ich mich nicht anschließen. daß die Arbeitsleistung der Fernfahrer 175 . können wir davon ausgehen. möchte ich stärker die Bedeutung der "übermäßigen rationalen Einordnung" und der "Hingabe" hervorheben. unter denen eine bestimmte Anstrengung erfolgt. S. 58). während die affektiv gefärbte "Hingabe" eher vormoderne Motivationsformen zu kennzeichnen scheint (S. Im Gegenteil möchte ich zeigen. zuerst 1926) hat bereits Mitte der zwanziger Jahre zwischen sechs "Motivationsstufen wirklicher Arbeit" differenziert. Furcht. 2. d. 60). Die Hingabe (Spiel. daß "freiwillig mehr geleistet wird. Bei den Fernfahrern äußert sich dieser Umstand zum Beispiel darin. eine Differenzierung zwischen "unehrenhaften" und "würdevollen" Formen der Arbeitsverausgabung. worauf bereits die klassische Ökonomie mit ihrer Unterscheidung zwischen Gebrauchs. d. 61) und die "freiwillige rationale Einordnung" (ähnlich wie Max Weber die zweckrationalen Beweggründe des Handelns) für das moderne Arbeitsleben als bezeichnend betrachtet (S. Allerdings scheint diese spezielle Form des Aufgehens in der Tätigkeit und der nüchternen "Hingabe an das Geschäft" aus Eliasbergs Sicht eher typisch zu sein für den Ehrgeiz. die Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt von Angestellten (S. Dazu gesellen sich sozial-kulturelle Bewertungskriterien. Da Arbeitstätigkeiten immer zugleich eine gegenständliche (zum Arbeitsergebnis) und soziale Beziehung zum Ausdruck bringen. ihrem Streben. Zu denken wäre hier etwa an die Unterscheidung zwischen "Plackerei" und "Heldentat" bei Thorstein Veblen (1981. gehen in die gesellschaftliche Bewertung der Leistung mit ein. Die Revolte. 59f. 58). daß sich ihre vergleichsweise eigenverantwortliche Arbeitsweise zu einer Arbeitsleistung verdichtet. bei der "die Arbeit ganz aus dem inneren Wesen der Persönlichkeit heraus.h.). ihren Anlagen. S. S. Auch wenn Eliasberg die moderne Erwerbsarbeit durch eine Vielheit von Motivationsstufen gekennzeichnet sieht (S. Der Zwang. 4.

Der an sich profanen Arbeitstätigkeit der Fernfahrer wird dabei innerhalb der persönlichen und sozialen Wertungs. Zuckerbrot und Selbstverpflichtung muß überraschen. gefühlsmäßige) "Glaube" an die Exklusivität dieser Arbeitstätigkeit fehlt. als Voraussetzung dafür. Eine Skizzierung psychologischer Motivationskonzepte. S. da Max Weber und Karl Marx als Klassiker arbeits. Als ein soziokulturelles Phänomen unterliegt die Entstehung von Motivationen der sozialen Strukturierung in Form gesellschaftlicher Signifikations-.und Berufskultur eine gegenüber "normalen" industriellen Arbeitstätigkeiten schon beinahe sakrale Bedeutung zugeschrieben. die Arbeitsmotivation meist auf die Wirksamkeit äußerer Zwänge und Leistungsanreize oder auf die Verinnerlichung sozialer Werte und Normen in Form von moralischen Verpflichtungen zurückführen (Kapitel 4. um tiefer zu den Geheimnissen der soziokulturellen Reproduktion riskanter Arbeitsleistungen1 vorzudringen. denen dieser (weitgehend unbewußte. Was hat die Arbeits.und Industriesoziologie bislang geleistet. erscheint die Transportarbeit dagegen eher als ein obskures Objekt der Begierde. subjektiver und sozialer Sinn zukommt. 176 . Außenstehenden.und industriesoziologischer Motivationskonzepte aufgezeigt werden. wobei der Bewältigung der außergewöhnlichen Leistungsanforderungen und Risiken ein von sexuellen Männlichkeitsmythen durchdrungener..3).und berufskulturell gefärbte "Verhältnis" der Fahrer zu ihrer Arbeit und ihrem Beruf zurückführen läßt. Kapitel 3.und industriesoziologischer Denkweisen offenbar über ein viel differenzierteres Verständnis verfügt haben.auch heute noch auf einer affektiven Hingabe an ihren Beruf und ihre Arbeit beruht und sich nicht nur die Dienstleistung von Angestellten durch ein fundamentales Vertrauensverhältnis kennzeichnen läßt (zur Rolle des Vertrauensverhältnisses und des Verkennens des Lohnarbeitsverhältnisses bei Fernfahrern vgl. "Antriebsregulation" (vgl. 176ff.und Klassifikationssysteme ihrer gemeinsamen Arbeits. Hacker 1986.und Leistungsmotivation zurechnen. daß sich die enorme Arbeits(zeit)leistung vieler Fernfahrer und die damit verbundene hohe Risikobereitschaft auf das besondere. die "ob-scuren" Dimensionen der Arbeits. um die Motivation kapitalistisch organisierter Lohnarbeit begreifbar zu machen. Meine These ist. auch Ouellet 1987). 1991.und Erwartungssysteme befassen und diese der Entstehung der individuellen Arbeits. Diese Einschränkung auf die motivierende Kraft von Peitsche. Herrschafts.1).und Leistungsmotivation bei Fernfahrern aufzudecken? In einem ersten Argumentationsschritt sollen zunächst Grenzen gängiger arbeits.und Legitimationsprozesse (vgl. in denen die Motivation in den Wechselbeziehungen von Person-Umwelt-Relationen lokalisiert wird und die Aufmerksamkeit der Motivationsforschung auf den 1 Im Unterschied zu arbeitspsychologischen Konzepten der "Anstrengungs-" bzw. 50) muß sich ein soziologisches Konzept der sozialen Reproduktion von Arbeitsleistungen mit der gesellschaftlichen Herausbildung und Reproduktion kollektiver Wert. "Adäquate" Motivationen sind eine entscheidende "subjektive" Voraussetzung der sozialen Reproduktion institutionalisierter Arbeitssysteme. S. arbeits.

3). S. hierzu Roethlisberger 1966. S. 204). 1988. Der kritische Punkt normativer Motivationskonzepte scheint vor allem darin zu liegen.). S. daß soziokulturelle Signifikationen auf Legitimierungsprozesse eingeengt werden und ihnen außerhalb der "Verinnerlichung" arbeits. Grenzen gängiger Motivationskonzepte in der Arbeits. 60. S. Dennoch wird die "Entdeckung" der psychosozialen Motivierbarkeit von Arbeitsleistungen innerhalb der Industriesoziologie meist zurückgeführt auf die sozialpsychologisch ausgerichtete Human-Relations-Bewegung im Anschluß an die Hawthorne-Studien.und Legitimierungsprozessen ist aber in Parsons Konzept einer normativ integrierten Sozialordnung nicht angemessen erfaßt worden (vgl.von Ausnahmen abgesehen . zeigt schließlich Anschlußmöglichkeiten für eine interdisziplinäre.und industriesoziologischen Schriften von Max Weber (vgl. Das eingeschränkte Subjektmodell der herkömmlichen Rollentheorie konnte allerdings nicht so recht überzeugen (vgl. Herrschafts. Marx 1974.2). die Kritik von Krappmann 1976).und Leistungsmotivation ent177 . S. Abschließend soll dann der soziologische Beitrag verdeutlicht werden. 193) hat mehr zur Lösung des Motivationsproblems beizutragen als die unsägliche Unterstellung einer "Gleichgültigkeit" des Arbeitenden gegenüber der konkreten Bestimmtheit seiner Arbeit (vgl. Auch die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx (z. Kapitel 3. MEW 23.B. 109ff. 1980.und Leistungsmotivation fundamentale Verbindung zwischen gesellschaftlichen Sinnbildungs-. 87. Neben der Herausbildung sozialer Normen oder Konventionen innerhalb der Interaktionssysteme informeller Arbeitsgruppen sind auch in der Rollentheorie normativistische Motivationskonzepte im Anschluß an Parsons Modell sozialer Ordnung entwickelt worden. z.1 Zwischen Peitsche. den das Habitus-Feld-Konzept von Pierre Bourdieu für ein Verständnis der soziokulturellen Motivation riskanter Arbeitsbedingungen leisten kann (Kap. über "subjektive Attitüden") eine wahre Fundgrube für die Untersuchung der Arbeitsund Leistungsmotivation.Bedeutungsgehalt von Handlungssituationen und auf die soziokulturellen Realisierungschancen verschiedener Handlungsweisen gelenkt wird.B.b.und berufsrollenbezogener Normen und Werte zu "inneren". moralischen Verpflichtungen keine eigenständige motivationale Bedeutung zuerkannt wird. z. 4. Gerade die für die Arbeits. 23ff. die von den einzelnen Arbeitskräften aufgrund der Leistungsnormen informeller Gruppen erwartet wird (vgl. Zuckerbrot und Selbstverpflichtung. in denen die Arbeitsleistung als Ausdruck sozialer Verhaltensweisen betrachtet wird. psychosoziale Motivationskonzeption. Die bundesdeutsche Industriesoziologie hat .und Industriesoziologie Bei eingehender Betrachtung bieten gerade die wirtschafts. 4.bis in die achtziger Jahre hinein Fragen der Arbeits.

daß der Motivationsbegriff doch in irgendeiner Weise auf subjektive Leistungen verweist. Aber auch die wenigen industriesoziologischen Ausnahmen. daß die Arbeit maßgeblich entweder durch positive Lohnanreize oder durch die Strafe der Erwerbslosigkeit "motiviert" ist.B. wenn man die Schwierigkeiten der Industriesoziologie mit einer angemessenen Konzeption menschlicher Subjektivität bedenkt (vgl. vgl. die Kritik der "carrot and stick hypothesis" bei Brown (zitiert nach Dahrendorf 1962. die an den Human-Relations-Ansatz der Erforschung von Arbeitseinstellungen und Arbeitszufriedenheit snchließt (vgl. hat das klassische Menschenbild des homo oeconomicus mitgewirkt. An der soziologischen Vorstellung. S. 141ff. das sich sowohl in dem tayloristischen "Pensumsystem" als auch in der Marxschen These von der "Gleichgültigkeit" gegenüber den kapitalistischen Formen der Lohnarbeit wiederfindet. Erst die (stärker auf menschliche Subjekte hin orientierte) Betrachtung von Sozialisationsabläufen hat die arbeits. S. auch Dahrendorf 1962. daß die "Arbeitswilligkeit" in der kapitalistischen Erwerbsordnung zwar "primär" durch "Akkordlohnchancen" und "Kündigungsgefahr" bedingt sei (1980. ökonomische Belohnungen als reizvoll und Entlassungen als negativ zu bewerten. S. z. S. die Kritik von Knapp 1981 oder von Voß 1984) und berücksichtigt.B. 114). S. wieso überhaupt jemand dazu motiviert ist. sich auf eine grundsätzlich geforderte. 177). 200. 60) und in seinen religionssoziologischen Schriften danach zu fragen.3 Diese Umgangsweise mag nicht besonders überraschen. sowie bei Schumm 1983). der die "Übernahme von Wertvorstellungen als letzten Motivationen sozialen Handelns" anführt und damit offenbar etwas geheimnisvoll an Parsons (1975. ohne zugleich auf andere Motivationsformen hinzuweisen (ebd.. S. S.und Leistungsmotivation befaßt haben. allerdings nicht. z. 87). die Behandlung von Motivationsfragen bei Neuloh 1973. der sich ebenfalls nur auf eine unsystematische Weise mit dem Problem der Motivation beschäftigt).B. 141.weder völlig ignoriert. z..B. Max Weber hat gezeigt. Als Beispiel für die Behandlungsweise der Motivationsfrage kann der Überblicksartikel von Burkhart Lutz und Gert Schmidt im "Handbuch der empirischen Sozialforschung" dienen. 113f. S. grob vereinfacht den beiden Rubriken "Zuckerbrot" und "Peitsche" zugeordnet2 oder aber unter dem Etikett "Zufriedenheit" und "Einstellung" an die Sozialpsychologie weiterverwiesen. Ich denke hierbei z. können sich Motivationen offenbar nicht anders als über eine direkte Bezugnahme auf normative Orientierungen vorstellen: So wird die Verinnerlichung sozialer Normen sowohl in der sozialpsychologischen Tradition der Hawthorne-Studien (soziale Leistungsnormen der Arbeitsgruppe) als auch in eher "industriesoziologisch" ausgerichteten Varianten4 als das fehlende "innere" oder "subjektive" Bindeglied zwischen den objektiven Arbeitsanforderungen und der menschlichen Arbeitsleistung begriffen. Im Anschluß an die Studie über "Leistungsprinzip und 2 Vgl. an Otto Neuloh (1973. 20) Mysterium der "Verpflichtungen" gegenüber den in "letzten Realitäten" verankerten Werten anknüpft. in dem Arbeitsmotivation als eine sozialpsychologische Fragestellung behandelt wird. die sich eingehender mit der Arbeits.und industriesoziologische Sensibilität für derartige "Sinnzusammenhänge" verbessert (vgl. 1977. 18. 3 4 178 . der jeweiligen Situation angemessene Art und Weise in gesellschaftliche Arbeitsprozesse aktiv "einzubringen".

S. daß sich zugleich Momente der Anpassungsbereitschaft und solche des eigenständigen Handelns in der "Ambivalenz normativer Qualifikationen" finden lassen. "In Abhängigkeit von der konkreten Struktur des Produktionsprozesses (..und Qualifikationsanforderungen an. 179 . S. 256 sowie Rammert 1983. 255ff. 55 sowie 523f. die eine allgemeine Folgebereitschaft gegenüber sozialer Herrschaft sichern sollen" (im Sinne von "Kontrollnormen") und (3) "Anerkennung von gesellschaftlichen Normen". 29.). "Zweckmäßigkeit" und "Rechtlichkeit" (mit verpflichtendem Charakter) unterschieden hat. 334ff. (2) "Normen. Herrschaft und Signifikation zuordnen lassen: (1) "Allgemeine Arbeitstugenden wie Fleiß. zeigt.) in der Unterscheidung verschiedener Arten normativer Arbeits. die "im Sinne sozialer Deutungen aus gesellschaftlich verfügbaren Interpretationen übernommen und auf die eigene Situation angewandt" werden. Auch der Übergang von der Frage nach dem Gewicht der inneren Selbstverpflichtung zu Fragen des Inhaltes und der möglichen Ambivalenz innerer Kontrollen (S. der normative Orientierungen nach den Maximen von "Sittlichkeit".) verstehen die "Anforderungen an Arbeitsmotivationen" . Pünktlichkeit. vgl.. S. ist das industriesoziologische Normenkonzept lediglich auf eine "normative Selbstverpflichtung der arbeitenden Individuen" (Offe) aufgebaut.industrielle Arbeit" von Claus Offe (1970) und an industriesoziologische Forschungsarbeiten aus dem Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen wird Arbeitsmotivation als eine Bereitschaft definiert.).) werden die vom Betrieb an die Ausführung der Arbeit gestellten Anforderungen variieren und zu Verschiebungen in den geforderten Arbeitsmotivationen nach Art und Intensität führen" (Mickler et al. Grenzen normativistischer Motivationskonzepte deuten sich beispielsweise bei Wilhelm Schumm (1983. auch Schumm 1983. Der Zusammenhang zwischen objektiven betrieblichen Anforderungen und subjektiven Motivationen wird auch hier immer noch als den Arbeitssubjekten äußerlich behandelt."im Sinne von arbeitsrelevanten Antriebskräften. daß sich Arbeitsmotivationen mit normativen Konzepten nur begrenzt begreifen lassen. S. 385. die sich ohne weiteres den drei Strukturierungsprinzipien Legitimation. die im Arbeitsprozeß selbständiges Handeln im Rahmen der über den Arbeitsprozeß vermittelten betrieblichen Normen bedingen". Eckhard Dittrich und Uwe Neumann (1976. S.im Anschluß an eine Soziologisierung des arbeitspsychologischen Motivationskonzeptes von Winfried Hacker ("Antriebsregulation") . Anders als Max Weber (1968. 396 Anm. Otfried Mickler. "unter den Bedingungen von privatwirtschaftlicher Produktion konkret nützliche Arbeit zu leisten" (Mickler et al. 1977. Sparsamkeit und Vorsicht sowie Anforderungen an die Qualität der Arbeitsausführung" (im Sinne der "regulativen Normen" bei Offe). 256) sowie die Auffassung. S. 55ff. und zwar als ein überwiegend technikdeterministischer Wirkungszusammenhang zwischen objektiven Anforderungen und "geforderten Arbeitsmotivationen".

S.1976. 523f.und Kontrollformen durch die Annahme einer aus der Verinnerlichung normativer Anforderungen resultierenden "inneren Selbstverpflichtung" kann nicht befriedigen. Veränderung und Reproduktion der Arbeits.nur wenig Erhellendes zur Frage der Arbeits.und Leistungsmotivation. differenzieren "arbeitsmotivationale Anforderungen" nach der Einhaltung von Qualitätsnormen und technischen Normen. wenn man nicht einfach davon ausgehen möchte.a. noch ökonomische Anreize (Leistungslohn.5 Wie aber ist der Zusammenhang zwischen Anforderungen und Motivationen zu begreifen.und Leistungsmotivation beigetragen. S. die das als gegeben voraussetzt. daß die objektiven Anforderungen des Arbeitssystems wie selbstverständlich durch entsprechend strukturierte subjektive Motivationen erfüllt werden? Die Soziogenese der Herausbildung adäquater normativer und motivationaler Qualifikationen sowie die Prozesse der gegenseitigen Abstimmung6 zwischen den objektiven Anforderungen eines bestimmten Arbeitsfeldes und den subjektiven Leistungen der für dieses Arbeitsfeld überhaupt in Frage kommenden Arbeitskräfte läßt sich über die simple Ableitung normativer Arbeits. Die üblichen Antworten der Arbeits. Solche Abstimmungsprozesse erfolgen beispielsweise über die durch "sozialen Sinn" vermittelte. Motivierungsprozessen im Arbeitsalltag etc. solange die normativen und motivationalen Qualifikationsanforderungen lediglich aus den objektiven Anforderungstrukturen des Produktionsprozesses abgeleitet und . physische oder ökonomische Zwang. 56). 396 Anm.).und Aufgabenstruktur des Produktionsprozesses ergeben (vgl.und Leistungsmotivation aber hat sich die Industriesoziologie meist als nicht zuständig gefühlt. subjektive Bewertungs. der Erhaltung des Arbeitsmittels sowie der Einhaltung von Organisationsnormen. Prämien) oder eine wie auch immer aus gesellschaftlichen Normen abgeleitete moralische (Selbst-)Verpflichtung schei- 5 6 Wir haben es hier mit einer zirkulären Form der Argumentation zu tun. Mickler u.und Industriesoziologie auf die eigentlich paradoxe Frage nach der Motivation riskanter Arbeitsleistungen haben somit außer den wenig originellen Verweisen auf äußere Anreize und Zwänge . 180 . Bewerbungsstrategien. auch Kapitel 3 über die Vorzüge eines "subjektorientierten" Forschungsansatzes).auf der motivationalen Seite als existierend unterstellt werden.sofern die Arbeitsleistungen angemessen sind . was eigentlich erst zu erklären ist: die Entstehung und Wirkungsweise von Arbeits.und auf eine irgendwie wirksame Mischung aus "freiwilliger" Leistungsbereitschaft und einem eigentlich äußeren.und Entscheidungsbildung innerhalb von Bildungsund Berufswahlen. Weder der äußere. die sich aus der Zeit. aber in Form von normativen Orientierungen "verinnerlichten".also auf "Zuckerbrot und Peitsche" . Die bloße Ergänzung "äußerer" Stimulierungs. sich selbst verpflichtenden "Zwang" .und Qualifikationsanforderungen nicht erschließen (vgl. Für das Problemfeld der Entstehung.

weil ihre Leistungsverweigerung zum Beispiel offen sichtbar und prinzipiell sanktionierbar ist. Goldthorpe 1972. daß die Arbeitenden überhaupt das süße Brot begehren und die Peitsche zu fürchten haben.nen aber auszureichen. In der Industriesoziologie (vgl. dessen negative Folgen in erster Linie jene zu tragen haben. S. Gewiß. unter denen der Transportvorgang im Straßengüterfernverkehr abläuft. Hildebrandt/Seltz 1987) sind die Kontrollchancen des betrieblichen Managements vor allem im Anschluß an eine "arbeitspolitisch" orientierte Rezeption der "Labour-Process-Debate" thematisiert worden. sie hängt auch damit zusammen. 1986. zuerst 1926) unter dem Stichwort "freiwillige Mehrleistung" zu finden. Lappe 1986. zuerst 1966. nach der die Arbeitskräfte auf der Grundlage "instrumenteller" Arbeitseinstellungen mit ihrer Erwerbstätigkeit zwar bedeutungsvolle Zwecke verfolgten. die im angelsächsischen Sprachraum gegen Ende der siebziger Jahre begonnen wurde. die eine am Typus "selbstentfremdeter" Fließbandarbeit (in der Automobilindustrie) entwickelte extrinsische Motivierung unterstellt haben. London 1961.) Der Gebrauchswert. den ein Betrieb aus der Arbeitskraft zieht. S. andererseits aber vor allem wegen der unberechenbaren Ungewißheiten und Kontingenzen. Zwar wird dem Gewerbe grundsätzlich ein Konkurrenzkampf mit harten Bandagen nachgesagt. daß der formale Arbeitsvertrag hinsichtlich der Intensität von Arbeitsleistungen und Anstrengungen unvollständig und unbestimmt ist. im wesentlichen also auf einem zweckrationalen Eigeninteresse7 am Arbeitserfolg und der Vermeidung drohender Erwerbslosigkeit bei ungenügenden Arbeitsleistungen beruht (Max Weber 1980. "Diese eigentümliche Unbestimmtheit des Arbeitsvertrages hinsichtlich der Art und Menge der vom Arbeitnehmer zu erbringenden Leistungen hängt nicht nur von der unvollständigen Voraussagbarkeit des im betrieblichen Produktionsprozeß anfallenden konkreten Leistungsbedarfs zusammen. S. Zugleich gestaltet sich die unmittelbare Leistungskontrolle des Arbeitsprozesses der Fernfahrer aber als außerordentlich schwierig: Einerseits aufgrund der prinzipiellen "Unbestimmtheit des Arbeitsvertrages" (Offe u. ist quantitativ und qualitativ an die Subjektivität des Arbei- 7 8 Als äußerst zählebig haben sich instrumentalistische Motivationsmodelle in der Industriesoziologie erwiesen. 58. 57)8. Hinrichs 1984.B. 86f. ist aber schon bei Eliasberg (1966. die Annahme an sich ist wohl unbestreitbar. geht wohl auf Baldamus (Efficiency and Effort.). Gleichzeitig ist die Wirksamkeit von Zuckerbrot und Peitsche aber an die Voraussetzung gebunden. diese aber ausschließlich als außerhalb ihrer Arbeitstätigkeit liegend betrachten (vgl. daß eine detaillierte rechtliche Spezifizierung der Leistung des Arbeitnehmers selbst bei gleichförmig-routinisierten betrieblichen Arbeitsvollzügen faktisch gar nicht durchzusetzen wäre. Seltz et al. S. um die außergewöhnliche Leistungsbereitschaft der Fernfahrer zu erklären. daß die grundsätzliche Arbeitswilligkeit in der kapitalistischen Erwerbsordnung "primär" durch (Akkord-)Lohnchancen und Kündigungsgefahr bedingt ist... 90) zurück. Der Gedanke. kritisch hierzu: Knapp 1981). 181 . Genau diese Voraussetzungen sind im Straßengüterfernverkehr aber nicht ohne weiteres gegeben. z. die aufgrund ihrer ökonomischen Zwangslage auf dem Arbeitsoder Transportmarkt eine schwächere Position innehaben. (.

tenden. sie sogar davon abzuhalten scheint. Die Arbeitstätigkeiten der Fahrer erfordern ein hohes Maß an eigenen Dispositionen. wenn man an die Verbreitung verschiedenartiger Lohnformen innerhalb des Gütertransportgewerbes denkt und die recht häufig bestehenden Diskrepanzen zwischen der tatsächlich geleisteten und der durch den Pauschallohn vergüteten Arbeitszeit berücksichtigt (vgl. Auch die Nutzung des "primären Machtgefälles" auf dem Arbeitsmarkt läßt sich nicht beliebig als ein Disziplinierungsmittel einsetzen. an seinen Arbeitswillen. 57).2 und 5. während sie für die feinsinnigere Frage. Selbst die vielbeschworene Motivierungskraft materieller Anreize durch entsprechende leistungsbezogene Entlohnungsformen scheint sich nicht unbedingt und unter allen Umständen auszuzahlen. Der formalen Autorität ihrer Vorgesetzten sind durch die "Ungewißheitszonen" (Crozier u. gebunden. geschweige denn als Instrument der Arbeitsmotivierung verwenden. Kapitel7 2. 182 .das sogenannte "Bremsen" . seine Arbeitsbereitschaft usw. S. was als "angemessener" Arbeitsaufwand zu gelten hat.2).3. daß die Fahrer offenbar ihre Dispositionschancen nicht stärker innerhalb des effort bargainings zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen nutzen. sobald sie das Firmengelände verlassen und "auf Achse" sind. im Gegenteil sogar eher den Eindruck vermitteln. Demgegenüber lassen die geringen Automatisierungsmöglichkeiten der Transportarbeit .3).9 Mangels permanenter Überwachungs. Kapitel 4. eine verhandlungswirksame Leistungszurückhaltung .eine intensivere Nutzung der Arbeitskraft selbst als das vorrangige Instrument zur Steigerung der Arbeitsproduktivität erwarten.im Vergleich zu rasanten technologischen Entwicklungen im industriellen Fertigungsbereich . was 9 Wie generell wird auch hier in pessimistischen Szenarien über die Informatisierung der Arbeitsprozesse eine Verbesserung der Kontrollchancen auf seiten der stationären Tourendisposition und eine Verdichtung der Leistungsanforderungen an die Fahrer erwartet (vgl. daß ihre Vorstellungen darüber.und Kontrollchancen ist das Transportmanagement somit auf eine wirksame Selbstkontrolle und Eigendisziplinierung der Fahrer angewiesen. da die Drohung mit Entlassung allenfalls beeinflussen kann. Friedberg) ihres vorab nur schwer kalkulierbaren Arbeitsablaufs derzeit noch relativ enge Grenzen gesetzt. Umso erstaunlicher ist es. ob überhaupt gearbeitet wird. wie man etwa die Leistungswerte einer Maschine spezifizieren und zum Gegenstand von Kaufverträgen machen kann" (Offe/Hinrichs 1984. wie und wieviel im einzelnen gearbeitet wird.und Termindisposition sowie auf die verabredete zwischenzeitliche Meldepflicht beschränken. als viel zu grobmaschig wirkt. die sich im wesentlichen auf die grobe Touren. und Art und Menge der Leistungshergabe des Arbeitnehmers als des Partners des Arbeitsvertrages sind daher rechtlich nicht in der Weise zu normieren.zu praktizieren.

und Zusatztätigkeiten.10 Die Abwälzung der ökonomischen Risiken der Transportunternehmen auf die Leistungsanforderungen ihrer Fahrer muß solange als ein "sinnvolles" arbeitspolitisches "Transportkonzept"11 erscheinen. z. vorzeitige Verrentung etc.letztlich zu einer Verdichtung der Arbeitsanforderungen bei einem ohnehin bereits ausgedehnten Arbeitszeitvolumen führt.2). Die "ökonomischen" und "stofflichen" Bedingungen. Kontingentierung der Fernverkehrsgenehmigungen. z. die permanente Sendungsverfolgung für die eigene Disposition und für den Kunden ("tracking and tracing").) und der über einen langen Zeitraum nur wenig dramatischen Entwicklung technischer und organisatorischer Rationalisierungsabläufe wurde die "regulierte" Konkurrenz der Transportunternehmen bislang in erster Linie über leistungspolitische Anforderungen an die Fernfahrer ausgetragen.B. Aufgrund der in der Vergangenheit vorwiegend staatlich regulierten "Ordnung" des Straßengüterfernverkehrs (verbindliche Transporttarife. Tempo. lassen die hochgradige Gefährdung der Fernfahrer als eine "sinnvolle" und realisierbare arbeits. arbeitsbedingte Erkrankungen. Kapitel 2.h.und Kommunikationssysteme in den Transportunternehmen sind prinzipiell völlig neue Dienstleistungen möglich. 37) wird hier allerdings nicht von den "stofflichen Besonderheiten" des Produktionsprozesses abgesehen und auch kein emphatischer Anspruch erhoben. Mangels detaillierter Untersuchung betrieblicher "Strategien" repräsentiert der Begriff der Transportkonzepte eher eine Verlegenheitslösung als ein empirisch fundiertes Modell. 183 . in denen die ökonomischen.und leistungspolitischen etc. Lade.) "externalisierbar" bleibt. d. die künftigen Pfade industriegesellschaftlicher Entwicklung ausmachen zu wollen. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Lieferung. Optimierung von Ladekapazitäten durch Verringerung von Leerfahrten.und leistungspolitische "Option" erscheinen. Ziele in einer für das Transportgewerbe typischen Weise in Transportprozesse umgesetzt werden. S. die den Arbeitsprozeß der Fahrer transparenter gestalten und der Disposition eine stärkere Kontrolle ermöglicht.3. arbeits. bleibt eine heute noch weitgehend offene Frage (vgl. unter denen der Straßengüterferntransport in der Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten geleistet worden ist. Schumann und Wittemann 1985. versteckte zusätzliche Serviceleistungen). als die Rekrutierung leistungswilliger Nachwuchskräfte gesichert erscheint und die soziale "Verantwortung" für den überwiegenden Teil der negativen Folgen überhöhter Leistungsansprüche (ermüdungsbedingte Unfälle. Da sich Konkurrenzvorteile nicht über die Preisgestaltung erringen lassen.B.B. In Anlehnung an den Begriff der Produktionskonzepte (vgl. Inwieweit sich die informationstechnischen Kontrollmöglichkeiten auch in der Arbeitspraxis ohne einschneidende Motivationsverluste der Fahrer realisieren lassen. Kabotage-Verbot etc. dem wohlfahrtsstaatlichen System 10 11 Mit dem Einsatz elektronischer Informations. sind sie in erster Linie nur über eine entsprechende Mehrleistung der Fahrer realisierbar (z. "Transportkonzepte" können als Teil eines umfassenden "Verwertungskonzepts des Einzelkapitals" begriffen werden. "Nachtsprung". sehr kurzfristige Umdisponierungen.

damit die Berufs. Wie lassen sich nun die Grenzen der gängigen arbeits.und Arbeitsmärkte als eine zeitlich und räumlich stabile.und berufsbedingte Risiken lassen sich nur dann durch entsprechende Vorstellungen und Praktiken reproduzieren. die sich auf die geforderte Weise gefährden lassen und auch selbst gefährden. Wenn sich die spezifische. 87) hat auf die motivationale Bedeutung aufmerksam gemacht.und industriesoziologischen Motivationsvorstellungen überwinden? Schon Max Weber (1980. vor allem vermittelt über Güter. muß eine Verdichtung der Arbeitsleistungen somit in erster Linie über eine entsprechende Motivierung der Fahrer realisiert werden. Mit arbeitsbedingten Risiken muß somit auch ein Mindestmaß an "subjektiv gemeintem Sinn" verbunden sein. 65). S. wird von den Fahrern und denen. daß die verschiedenartigen erforderlichen Einzelleistungen von nur einem Leistungsträger vollzogen werden (1980. welcher subjektive Sinn (im Sinne von "Motivation") ist dann mit den institutionalisierten Risiken und Gefährdungen verbunden? Welche Bedeutung haben riskante Arbeitsleistungen und die mit ihnen verbundenen Gefahren für die Fernfahrer? Arbeits.und Arbeitstätigkeit von Fernfahrern trotz erkennbarer Risiken als "motiviert" erscheint. die das Fernfahren gegenüber der Arbeit in der industriellen Normalität der Fabrik auszuzeichnen scheint. Gestützt durch eine entsprechende berufliche Mythologie werden die hohen Leistungen offenbar von vielen Fahrern als ein notwendiges Übel für die angenehmen Seiten der relativ "selbständigen" Arbeitsweise hingenommen. daß der individuelle Leistungserfolg den Fahrern aufgrund ihrer relativ hohen Leistungsspezifikation12 sichtbar vor Augen liegt (affektuelle Arbeitswilligkeit). vom Wollen einzelner unabhängige "Institution" darstellt. die sich über das Endergebnis von anderen Leistungsformen dadurch unterscheidet. die in der besonderen Qualität der geleisteten Arbeit steckt. Da sich die leistungssteigernden Effekte großindustrieller Produktionsorganisation bei der Transporttätigkeit nicht nutzen lassen und auch eine technische Rhythmisierung des Arbeitstaktes als ein bewegendes Moment in der Arbeitstätigkeit von Fernfahrern nicht in Frage kommt. Daß die Fernfahrerei hohe Arbeitsleistungen erfordert und gesundheitliche Risiken enthält. die sich als Fernfahrer berufen fühlen und sich und ihrem Beruf treu bleiben. kapitalistische "Existenzweise" der Transportwirtschaft. wie selbstverständlich erwartet. daß ihre Arbeitstätigkeit über die übliche zweckrationale Motivation hinaus auch dadurch motiviert ist. Wegen der Besonderheiten der von den Fernfahrern geleisteten Transportarbeit bestehen hier gute Chancen. wenn genügend Fahrer rekrutierbar sind.und Berufskultur der Fernfahrer scheint die Transportarbeit darüber hinaus "als solche" eine gegenüber der 12 Unter "Leistungsspezifizierung" versteht Weber eine besondere Leistung.sozialer Sicherheit zugewiesen werden kann. Zumindest innerhalb der Arbeits. S. 184 .

Gert Schmidt 1980). so sind Webers industriesoziologische Schriften bislang weitgehend unberührtes Felsgestein geblieben.. "Weiterhin aber kämen selbstverständlich ganz ebenso die Erfahrungen und die subjektive Attitüde der Arbeiter selbst in Betracht.Fabrikarbeit vergleichsweise hohe soziale Wertung zu genießen (wertrationale Arbeitswilligkeit)..13 Nach den drei entscheidenden "Erwerbsklassen" sortiert.. "Entscheidender Antrieb für alles Wirtschaftshandeln ist unter verkehrswirtschaftlichen Bedingungen normalerweise 1.). (. (. Frauen. für die Nichtbesitzenden: a) der Zwang des Risikos völliger Unversorgtheit für sich selbst und für diejenigen persönlichen 'Angehörigen' (Kinder. deren Versorgung der Einzelne typisch übernimmt. einem Bonmot von Jürgen Kocka folgend.B.. b) . 60). rein als solchem (.3.in verschiedenem Maß .auch innere Eingestelltheit auf die wirtschaftliche Erwerbsarbeit als Lebensform. . technisch fachgelernten) Arbeit als 'Beruf'.) Auch die Attitüde der Arbeiter zum Arbeitswechsel.. die häufig als bloße Frachtführer auch weiterhin von "ihrer" Spedition abhängig bleiben.und Industriesoziologie kaum Fuß fassen konnte. präsentiert sich die Leistungsmotivation bei Weber als ein Ensemble verschiedenartiger "Antriebe". 185 . eventuell Eltern).) eine der stärksten Quellen schrankenloser Arbeitsneigung".. c) die Wertung der bevorzugten (geistigen. daneben () über kultur. Wenn man Max Webers "Œuvre". künstlerischen. bei den "selbständigen" Subunternehmern im Straßengütertransportgewerbe zeigen.) Allein neben 13 Die "motivierende" Wirkung der Aneignung von Transportmitteln läßt sich z. für die an den Chancen von Erwerbsunternehmungen Beteiligten: a) eigenes Kapitalrisiko und eigene Gewinnchancen in Verbindung mit b) der 'berufsmäßigen' Eingestelltheit auf rationalen Erwerb als ") 'Bewährung' der eigenen Leistung und $) Form autonomen Schaltens über die von den eigenen Anordnungen abhängigen Menschen. ist aber natürlich weitgehend durch rationale ökonomische Ergänzungen determiniert. aber als "owner operator" auf eigene Rechnung fahren (müssen) und aus dem kollektiven Minimalschutzsystem des Lohnarbeiterverhältnisses ausgeschieden sind.. z. S. b) Ehrgeiz.B.. für die durch Besitzausstattung oder (besitzbedingte) bevorzugte Erziehungsausstattung tatsächlich Privilegierten: a) Chancen bevorzugter Erwerbseinkünfte.2. Schließlich bedeutet "die (und sei es noch so formale) Eigenverfügung über den Arbeitshergang (. daß die sozialökologische Denkweise Max Webers bislang in der Arbeits. als einen "Steinbruch von Anregungen und Einsichten" betrachtet. vor allem. Diese ist selbstverständlich in weitestem Umfang durch rationale Momente bestimmt: Verschiedenheit der Löhne. So ist es kein Wunder. da sie von der modernen Industriesoziologie lange Zeit hindurch schlichtweg vergessen worden sind und erst gegen Ende der siebziger Jahre "wiederentdeckt" wurden (vgl. .und lebenswichtige Versorgungschancen einer unbestimmten Vielheit: Macht" (Weber 1980. der Bequemlichkeit der Arbeit usw. wenn sie einhergeht mit der tatsächlichen (bei selbstfahrenden Unternehmern) oder der (bei lohnabhängigen "Truckern") nur glaubwürdig vorgestellten "Appropriation" der Transportmittel. obwohl sie attraktive Alternativen für festgefahrene soziologische Sichtweisen auf die industrielle Wirklichkeit bietet.

erscheint mir als richtungsweisend für ein soziologisches Konzept der soziokulturellen Reproduktion von Arbeitsleistungen. wo ihr Verhalten durch solche nicht eindeutig bestimmt zu sein. S. möglichst konkret und genau zu beobachten und so einfach und gemeinverständlich wie möglich in der Alltagssprache zu beschreiben" (Weber 1988b. soweit solche wirklich unzweideutig vorliegen: die im äußeren Verhalten zu beobachtenden Differenzen der Reaktionsweise der Individuen also. die über das unbekannte Terrain psychophysischer Abläufe hinaus Motivation als einen psychosozialen Vorgang begreift. woran er jene Unterschiede zu erkennen glaubt. Der Einstellungsbegriff und die Vorstellung. (.diesen und vielen ähnlichen. 5).. der den Handelnden selbst (oder Beobachtern) "als sinnhafter 'Grund' eines Verhaltens erscheint" (Weber 1980. vgl. (. psychologische und soziologische Motivationskonzepte einander näher zu bringen. da sie aufgrund ihrer unangemessenen Verwendung innerhalb der 186 . da die mitspielenden Motive vielfach zu komplex sind. 'Temperaments'. 189. zuweilen von entscheidendem Einfluß sind -. lassen sich die "Motive" des arbeits.. wo er Veranlassung hat. S. daß in subjektiven Beziehungen zur Arbeit ein sozialer Sinnzusammenhang zum Ausdruck kommt. wo ökonomische Zweckerwägungen das Verhalten der Arbeiter determinieren. welche auf die Qualifikation zu den einzelnen Arten der Industriearbeit ganz ohne Zweifel oft von bedeutendem. die aus der jeweiligen Art der industriellen Arbeit und der soziokulturellen Provenienz resultiert. (. ihres 'intellektuellen' und 'sittlichen' Habitus: . also Unterschiede ihres 'Charakters'.) Möglich erscheint in solchen und vielen ähnlichen Fällen stets. Fällen. Am Beispiel der Arbeitsplatzmobilität ("Arbeitswechsel") entwickelt Weber hier Ansatzpunkte für eine soziologische Motivationstheorie. Das soziologische Konzept "Verhältnis zur Arbeit" ist aber ebenso wie die (sozial)psychologische Konzeption der "Einstellung" (zur Arbeit) erläuterungsbedürftig. So versteht der Dresdner Arbeitspsychologe Winfried Hacker unter "Arbeitseinstellungen" einen "relativ stabilen Komplex von Motiven" (1986. in ihrer Tragweite eingehend zu studierenden. bei dem heutigen Stand der psychologischen Arbeit noch ziemlich häufig auf sich selbst angewiesen sehen. 204: "habitualisierte Motivierung für Arbeitstätigkeiten"). 23-26). Als ein "Sinnzusammenhang". der in die sozialökologischen Subjekt-Objekt-Beziehungen eingebunden ist. Unterschiede in den allgemeinen 'seelischen' Qualitäten der Arbeiter je nach ihrer Beschäftigungsart und Provenienz zu schildern.. gibt es zahlreiche andere..) Im ganzen wird sich der Bearbeiter fast überall da. scheinen dafür geeignet zu sein. daß überhaupt rein psychophysische Ueberlegungen eine eindeutige Antwort nicht gestatten würden. die Max Weber 1908 für die empirische Industrieforschung des Vereins für Sozialpolitik entwickelt hat. S.und berufsbezogenen Handelns einerseits in Form subjektiver Erfahrungen und "Einstellungen" ("Attitüden") der "Arbeiter" zu ihrer Arbeit ausmachen. Dieser Auszug aus den methodologischen Vorschlägen..Dinge.) Dem Bearbeiter kann daher nur angeraten werden. zuweilen diesen Motiven sogar zuwiderzulaufen scheint.. andererseits in den kollektiven Unterschieden der besonderen "Eigenart" ("Charakter") der betreffenden Arbeitskräfte finden. die Aeußerungsform der 'Charakterunterschiede'. S.

. die sich aus den jeweiligen Produktionsverhältnissen und aus dem damit verbundenen Charakter der Arbeit ableiten und ihren Ausdruck in einer bestimmten (. S. 14 15 16 Vgl. 151ff. wie dies von der marxistischen-leninistischen Arbeitssoziologie immer wieder behauptet worden ist (vgl. Einstellungen sind danach Ausdruck eines zweckmäßigen Anpassungsverhaltens des Individuums an die Bedingungen seiner Umwelt. 698ff. Uznadze in der "Georgischen Schule" der sowjetischen Psychologie begründet worden ist. unabhängig vom Bewußtsein existierendes Verhältnis. z. Das Verhältnis zur Arbeit läßt sich ebensowenig aus den Produktionsverhältnissen und dem damit verbundenen.) am Einstellungsbegriff. eine Art "Eingestelltsein" (russ. Die vielschichtigen.. S. 698). Im Anschluß an den Einstellungsbegriff.Konzept in der Industriesoziologie. S.) und die Kritik von Hartwig Berger (1974.2). S. 9) auf die typischen Umweltbedingungen. S. Der Produzent ist ausgebeuteter Proletarier oder freier sozialistischer Arbeiter.und Einstellungsbilder nicht befriedigend beschreiben. "Verhältnis zur Arbeit: Gesamtheit der Beziehungen des Menschen zur Arbeit. das durch die sozialökonomische Struktur unmittelbar bestimmt ist. da industriesoziologische Ansätze der "instrumentellen" Arbeitseinstellung14 ebenso wie die zahlreichen Umfragen zur Entwicklung von "Arbeitszufriedenheit"15 letztlich eher zu einer Verdunklung der Problemstellung beigetragen haben. 99). 293). eine Art Geschmack oder Neigung ("Disposition"). Vorwerg 1976. ist mit den "revolutionären" Umwälzungen in den ehemals "sozialistischen" Staaten offensichtlich geworden.marxistisch-leninistischen Arbeitssoziologie. S. die Kritik von Gudrun-Axeli Knapp (1981) am "Instrumentalismus". Wie nachlässig und wirklichkeitsfremd der "Ableitungs-Marxismus" mit dem sogenannten "subjektiven Faktor" umzugehen pflegte. vgl. auch Kapitel 4. zitiert nach Prangišvili 1976a. der von D. S. unabhängig von seiner Erkenntnis und der Bewertung dieses Tatbestandes durch den Produzenten" (Stollberg 1977b. 16).) Arbeitseinstellung und den daraus resultierenden Verhaltensweisen im Arbeitsprozeß finden" (Stollberg 1977a. subjektiven und kollektiven Beziehungen zur Erwerbsarbeit lassen sich durch oberflächliche Meinungs. z. Vgl. S. die dem Bewußtsein vorausgeht und an der das Bewußtsein noch gar nicht beteiligt ist" (Uznadze [1961].N. etwa im Sinne einer "Konditionierung" für das "Erkennen" spezifischer äußerer Reize (Bourdieu 1987.B.: ustanovka. Stollberg 1977a.)16. der objektivistisch orientierten Industriesoziologie und der Arbeitszufriedenheitsforschung erheblich vorbelastet sind. die sozialpsychologisch begründete Kritik an der Messung von Arbeitszufriedenheit bei Ute Volmerg (1978. 187 . lassen sich "Einstellungen" unter dem Aspekt der Organisiertheit von Person-UmweltBeziehungen begreifen (vgl. imaginären "objektiven" (Lohnarbeits-)"Charakter" der Arbeit einfach "ableiten". Das bestimmt sein objektives Verhältnis zur Arbeit.B. 124ff. Und: "Das Verhältnis zur Arbeit ist zunächst einmal ein objektives. allerdings: auf einer "Entwicklungsstufe des Psychischen.

10).bei häufig wiederkehrender Kopplung der spezifischen Situationsbedingungen mit der entsprechenden adäquaten Verhaltensorganisation . Bleiben die Umweltbedingungen und die spezifische. die Liebe zum Tätigkeitsinhalt oder die Freude an einer bestimmten Betätigung. setzt normalerweise ein Bewußtmachen der Situation ein ("Objektivierung").). erst wenn diese Kongruenz von Bedürfnis. Hacker 1986.h. Situation und psychischer Organisiertheit gestört wird. bewerten sie im Hinblick auf die geforderte Verhaltensorganisation und richten die konkrete psychische Tätigkeit über die aktuelle Einstellung innerhalb eines Verhaltensaktes in angemessener Weise aus" (Vorwerg 1976. führt Hacker (vgl. 204f. 188 . daß in individuellen und kollektiven Einstellungen zur Arbeit habitualisierte Motivdispositionen zum Ausdruck kommen. die Überzeugung von der Bedeutung der beruflichen Ehre sowie ein generalisiertes leistungsbezogenes Anspruchsniveau im Sinne einer hohen Leistungsmotivierung wie sie beispielsweise dem bekannten "TypA-Verhalten" zugeschrieben wird. läßt sich die "Arbeitsmotivation" vieler 17 Fixierte Einstellungen "steuern die Aufnahme der Informationen des Individuums aus der Umwelt. verläuft das Verhalten einstellungsgemäß.. S. 70f. Ursprünglich entstehen (primäre) Einstellungen nämlich aus der erfolgreichen Bewältigung von Situationen. Wenn man das "weltanschauliche Überzeugungssystem". impulsiv und unbewußt. 1986. Überzeugungen und persönlicher Wertsysteme als den unverwechselbaren Kennzeichen einer Persönlichkeit sind. die bei der Wahl einer Arbeitsaufgabe und bei der Auswahl des Niveaus der Intensität und Qualität ihrer Bewältigung wirksam werden. das die psychische Verhaltensorganisation mit den veränderten Bedingungen in Übereinstimmung bringen soll (ebd.B. von seiner auf Ideologien hin ausgerichteten Tönung befreit und die Bedeutung der Arbeit auch als berufsmyth(olog)isch fundiert begreift sowie an die "Liebe" zum Beruf und an die "Freude am Fahren" denkt. mit dem Hacker offenbar eine etwas obskur anmutende "sozialistische" Einstellung zur Arbeit meint (vgl. 205f. z."17 Meine These ist. Solange Kongruenzbedingungen herrschen. S."fixiert". die ihrererseits häufig Bestandteile übergreifender Einstellungen. Als Beispiele für verallgemeinerte arbeitstätigkeitsbezogene Motivdispositionen.. 11).). 201 und 206) unter anderem an: die Überzeugung von der gesellschaftlichen Bedeutung der eigenen Arbeit (meist als Bestandteil eines individuell verarbeiteten weltanschaulichen Überzeugungssystems). S. erfolgversprechende Organisiertheit (Einstellung) der psychischen Prozesse "kongruent".Dieser Einstellungsbegriff kommt dem nahe. was üblicherweise als "Habitualisierung" bezeichnet wird. d. Solche Motive können am Ergebnis und seinen Konsequenzen. S. S. können die primären Einstellungen . gelernt werden (Vorwerg 1976): "Die relativ dauerhaft angeeignete spezifische Organisiertheit und Ausrichtung aller psychischen Prozesse einer Persönlichkeit in bezug auf eine bestimmte Situation nennt man fixierte Einstellung. an der Arbeitstätigkeit und ihren Folgen oder an den Rahmenbedingungen der Arbeitstätigkeit anknüpfen (vgl.

S. Die Ausführungsregulation dagegen bringt die Realisierung der Handlung in Übereinstimmung mit den Bedingungen. S.mithin die Ziele und Motive des Menschen. Strebungen oder Überzeugungen andererseits . Rubinstein 1966. Den Ausgangspunkt für ein interdisziplinäres. Gefühle. der beispielsweise in der Vorstellung einer "Ringstruktur" der Tätigkeit bei A. um ontologische Mißverständnisse auszuräumen.Fernfahrer offenbar ohne Schwierigkeiten einzelnen Inhaltsklassen von Arbeitsmotiven zuordnen. Für Rubinstein sind alle psychischen Prozesse in die Wechselwirkung zwischen Mensch und Welt eingebunden und dienen der menschlichen Tätigkeitsregulation (vgl. In der Antriebs. 240f. Kapitel 3. mit gesellschaftlichem Sinngehalt ausgestattete und auf Zweckmäßigkeit der Ausführung hin angelegte Handlungen" (1986. 62) aufgefaßt werden können. Sie ist konzentriert auf die Analyse des Ziels. unter denen es abläuft. welche Handlung aus einem Spektrum möglicher Handlungsweisen ausgeführt wird.und Leistungsmotivation bildet die Grundannahme der Tätigkeitspsychologie.). sollte an dieser Stelle noch einmal betont werden. S. 240ff.. S. Daran anknüpfend wird in der Arbeitspsychologie die psychische Regulation der Arbeitstätigkeit analytisch nach ihren motivationalen ("Antriebsregulation") und operationalen Aspekten ("Ausführungsregulation") getrennt: "Die Antriebsregulation bestimmt. Interessen. Ein wichtiges Vermittlungsglied zwischen psychologischen und soziologischen Sichtweisen auf das Problem der Arbeitsmotivation ist die Überlegung bei Winfried Hacker.zugleich der Orientierung über die Wirklichkeit und der Regulation der Tätigkeit in ihr dient" (Hacker 1986. Es ist hier nicht der Ort.eingegliedert in die Wechselwirkung zwischen Mensch und Welt .).oder Anregungsregulation werden hierbei Handlungen "angeregt" und über den Realitätsbezug "ausgerichtet". der Verwirklichungsbedingungen und des Verhältnisses von Zielen 18 Das marxistische Widerspiegelungskonzept hat . Hervorhebungen von M. 67 im Anschluß an Sergej L. auf welche Weise gehandelt wird. den konstruktivistischen Gehalt dieses Modells zu beleuchten.F. wonach "jede psychische Erscheinung .) Die Ausführungsregulation bestimmt. (. 10). Leontjew enthalten ist (vgl. Zu dieser Gruppe psychischer Komponenten der Tätigkeit gehören in erster Linie die Absichten. im folgenden 1966. Daß diese diskursiv als "Beweggründe" der Arbeitstätigkeit formulierten "Motivationen" nicht unbedingt mit den tatsächlich im Arbeitshandeln zugrundeliegenden Motiven übereinstimmen müssen..2. 189 .N. daß Arbeitstätigkeiten als "willensmäßig gesteuerte. psychosoziales Konzept der Arbeits.immer wieder Anlaß zu kritischen Kommentaren gegeben. da diese Regulationsart bestimmt. Auf der Grundlage einer (aktiven bzw. konstruktiven) "Widerspiegelung"18 der Wirklichkeit gewinnen die psychischen Abläufe eine regulative Funktion für menschliche Tätigkeiten. Abb. ob gehandelt und welche Tätigkeit mit welcher Intensität ausgeführt wird.besonders in seinen simplifizierenden Versionen . Vornahmen oder Vorsätze einerseits und Bedürfnisse..

und Bedingungen der Tätigkeit zum Zweck der Festlegung. S. verfolgt Hacker hier nicht nur eine rein analytische Trennung zwischen emotionalen und kognitiven Prozessen. ist der Vorgang der Motivbildung (Motivierung) . seine Arbeitsleistung zu steigern? . müssen die tätigkeitsleitenden Erwartungsanteile in der Gewohnheitstätigkeit zwar nicht unbedingt bemerkt werden.) wird eine klare Zuordnung affektiver und volitionaler Prozesse zur Antriebsregulation vertreten (der Wille als Ausdruck bewußter und nicht-bewußter Strebungen.und Gedächtnisprozesse" (Hacker 1986. die eine Absicht bzw. wird auch von Neuberger (1985. Auch wenn die Arbeitspsychologie Arbeitstätigkeiten als eine "funktionelle Einheit motivationaler. Aufmerksamkeit).Wie kann man jemanden dazu bringen. Der Vorschlag von Günter Wiswede (1980. mnestischer. ihre Motiviertheit wird aber darin offensichtlich.). S. die sich auf einen diskursiv benennbaren Beweggrund (z. 2f. Die Unterscheidung zwischen Antriebs. die sich bereits an der unterschiedlichen quantitativen Gewichtung zwischen Antriebs.und Ausführungsregulation verleiht seinem Handlungsregulationskonzept eine stark kognitivistisch getönte Färbung.B. 70) sieht die Ausführungsregulation als durch kognitive Prozesse charakterisiert. 1f. 70f. S.). daß ein tatsächlich wirksames Motiv und der angegebene Beweggrund (Motivation) nicht identisch sein müssen. Triebe und Wünsche sowie Emotionen und Gefühle). während die kognitiven und intellektuellen Prozesse der Ausführungsregulation zugewiesen werden (Erkenntnisprozesse. 85f. volitiver. S.ein Ziel enthalten und deshalb zumindest indirekt "motiviert" sind. Warum-Frage) einer bestimmten Verhaltensweise bezieht (vgl. die Beziehungen des Menschen zur Wirklichkeit ausdrücken." Die Vernachlässigung der affektiven und motivationalen Dimensionen im Handlungsregulationskonzept Hackers. kognitiver (perzeptiver. während in der Antriebsregulation "jene psychischen Prozesse vorherrschen. Heckhausen 1980.und Ausführungsregulation ablesen läßt. Hacker 1986. S.).21 Was die Erforschung der 19 Im Regulationskonzept Rubinsteins (1966. 85). 241. Wenn "ursprüngliche Willenshandlungen" zu Ausführungsgewohnheiten routinisiert worden sind. S. Heckhausen 1980. die im Verfolgen eines angestrebten Zieles eine Einheit bilden (vgl. Wegen der Möglichkeit.19 Für die Motivationspsychologie beziehen sich "Motivationen"20 auf willkürliche und intentionale Aktivitäten. des Einsatzes und der Kontrolle von bedingungsadäquaten Verfahren der Zielerreichung. Zu dieser Gruppe von psychischen Komponenten zählen daher die Wahrnehmungs-. S. Selbstverständlich sind auch Routinen Verhaltensweisen. S. Dieses notwendige Ermitteln. Auch Hacker (1986. 244f. 70) begreift. 66) bemängelt.von der Motivation zu unterscheiden. intellektueller) und motorischer Vorgänge" (S. 177 und 188 sowie Wiswede 1980. Denk. "der die Warum-Frage nicht mit der 20 21 190 . einen "objektiven Motivationsbegriff" zu verwenden. Vorstellungs-. S. Ersetzen und fortlaufende Anpassen bedingungsadäquater Wege der Produktherstellung macht die Tätigkeit zum Erfüllen von Aufgaben. daß Ausführungsgewohnheiten oft als vorübergehende Segmente innerhalb intentionaler Handlungsabfolgen auftreten und daß der erwartete Ablauf der Gewohnheitstätigkeit durch Unerwartetes gestört werden kann und die Routinen in diesem Fall ihre ursprüngliche Reflexivität sofort zurückgewinnen (vgl.).

der sich Wiswede hiermit annähern möchte. Wie es scheint. das Wozu einer Aktivität zu erklären (vgl. S. sind beide Sichtweisen des Motivationsproblems sinnvoll und nicht voneinander isoliert zu betrachten (vgl. S. 253-270. die durch die biographische Bedingtheit der Handlungseinstellung in einen "echten" Weil-Zusammenhang eingebettet ist. sondern eher auf das Ziel selbst orientiert sind und die bewegenden Gründe verfolgen. 28ff. zuerst 1932).). sondern wird auch in der psychologischen Motivationsforschung. allerdings "unechten" Weil-Zusammenhang bringen.. in der das Handeln relativ ungebunden auf zukünftige. während soziologische Betrachtungen des "Sinnzusammenhangs" einer Handlung weniger die unmittelbare Ausführung im Blick haben. geht es der psychologischen Motivationsforschung lediglich darum. durch die Aktivität zu erreichende (Teil-)Ziele ausgerichtet und durch sie motiviert wird. der nicht in Um-zu-Sätze übertragbar ist. nicht mehr vertreten (vgl. den Bezug auf Max Webers "Sinnzusammenhang" bei Heckhausen 1980. S. Von diesen "unechten Weil-Motiven" unterscheidet Schütz eine Motivation. Bei einer Veränderung der Zeitperspektive vom Zukunftsentwurf zur Retrospektion lassen sich Um-Zu-Entwürfe auch in einen. 3).h. warum ein Handlungsziel motiviert ist. S. wenn im Anschluß an eine abgeschlossenen Handlung nach dem Warum gefragt wird und diese Frage nur mit der Benennung der Handlungsziele beantwortet wird. nicht deren Warum. die Frage. andererseits ist das Sinn-Frage koppelt" ist nicht nur fragwürdig. Heckhausen 1980. Die tiefe Skepsis der Motivationspsychologie gegenüber dem Authentizitätsgehalt des "diskursiven Bewußtseins" und der subjektiven Introspektion findet nicht zuletzt im Motivationsverständnis ihren Ausdruck. d. S. Handlungen sind damit auf eine doppelte Weise motiviert: Einerseits sind Handlungen über den Handlungsentwurf vom Handlungsziel her bestimmt (Um-zu-Zusammenhang). ist die psychologische Perspektive eher auf den prozeßhaften Ablauf menschlicher Handlungen und die durch das Handlungsziel motivierte und regulierte Ausführung der Handlung ausgerichtet (wozu ist eine Handlung motiviert).) gelten. 203. 191 . durch die der vergangene Handlungsablauf als begründet erscheint.Motivation riskanter Arbeitsleistungen nicht gerade einfach gestaltet. intentionales Handeln vorausgesetzt. 1f. wenn sie Motivationen an die Wozu-Frage knüpft. denen bestenfalls eine bestimmte Plausibilität zugestanden wird. S. Wie Alfred Schütz gezeigt hat. Heckhausen 1980. Als Handlungsentwurf wird die Motivation in einer Kette von "Umzu-Zusammenhängen" wirksam. im folgenden Schütz und Luckmann 1979. daß Motive und Motivation sich der unmittelbaren empirischen Beobachtung entziehen und deshalb im Forschungsprozeß streng genommen nur als "hypothetische Konstrukte" (Drever und Fröhlich 1975. Für Schütz enthalten Handlungsmotivationen zugleich freie und gebundene Momente. Schütz 1981. ist. Genau diesen Um-zu-Zusammenhang hat die Motivationspsychologie im Auge. 115ff. Ein willkürliches.

71. die ein auf Gewohnheitswissen beruhender "habitueller Besitz" sind (ebd. die im Arbeitsprozeß wirksam werden. was Pierre Bourdieu mit seinem Habituskonzept (allerdings auf einer tieferen Ebene von "Erzeugungsstrukturen") verfolgt. "in ausschlaggebendem Maße gesellschaftlich erzeugt bzw.F. dürfte dagegen weniger bekannt sein. Hervorhebungen M. "Die Psychologie kann also die Zielgerichtetheit der Tätigkeit nicht analysieren im Zusammenhang biologischer Vorgänge zur Bedürfnisbefriedigung. daß sich Einstellungen typischerweise nicht in einer 'einzigen' Erfahrung konstituieren und somit keine spezifische Erwerbssituation für die Erinnerung vorliegt. somit auch typische Um-zuMotivationsketten. 266). "Hinzu kommt noch. in der die im Verlauf der Lebensgeschichte innerhalb des Wissensvorrates sedimentierten. in denen Marx sich .h. sind außerdem meist schwer thematisierbar und dem reflektiven Bewußtsein nur schwer zugänglich. mit der Karl Marx (MEW 23-26) bekanntlich versucht hat. vor allem. 264f. Handlungsentwürfen. kommt der Einstellungsbegriff dem nahe. die an der Herausbildung der sozialen Bedeutung und des persönlichen Sinns einer Arbeitsaufgabe beteiligt sind. Einstellungen enthalten also häufig keine spezifische Erinnerung auf die Erwerbssituation. daß diese Einstellungen nicht unbedingt reflektiv in das Bewußtsein treten müssen. S. eher sozialökologisch ausgerichteten Motivationsverständnis von Max Weber. darf die subjektive Bewertung der Arbeitsanforderungen und die subjektive Bereitschaft zu ihrer Übernahme nicht isoliert von den sozialen Prozessen betrachtet werden. d. 192 . vor allem die gesellschaftliche Bedeutung der gegenständlichen Veränderungen einbeziehen" (Hacker 1986. "unter typischen Umständen typische Verhaltensweisen.. das der Bereitschaft entspricht. S. wenn es sich um Einstellungen handelt. Die motivationstheoretische Relevanz jener Passagen.). vergangenen Erfahrungen des Handelnden zum Tragen kommen. hypothetischen Relevanzen. Fertigkeiten und anderen Elementen des Gewohnheitswissens wie auch aus 'Gemütszuständen' bestehendes 'Syndrom'". Soweit die vielfältigen Formen von Motiven. sondern muß bei jeder Untersuchung der psychischen Komponenten die Tätigkeit als sozialen Prozeß betrachten. zumindest geformt und nicht in erster Linie biologischer Herkunft" sind (Hacker 1986. Dennoch wirken sie gleichsam 'unbewußt' als 'Motive' in der Form spezifischer Weil-Zusammenhänge" (ebd.). Mit der Vorstellung. Und zwar sofort.historisch-gesellschaftlich noch weitgehend unbestimmt . die Gesellschaftlichkeit des kapitalistischen Arbeitsprozesses vor allem aufgrund seiner Einbindung in den Verwertungsprozeß des Kapitals nachzuweisen. 70). in Gang zu setzen. findet sich auch in der 22 Unter Einstellung versteht Schütz ein aus "Erwartungen. in dem die soziale Genese der für ein bestimmtes Handlungsfeld adäquaten Sinnzusammenhänge und Beweggründe im Vordergrund steht. S.). Neben dem skizzierten.mit dem Arbeitsprozeß "in seinen einfachen und abstrakten Momenten" gebrauchswertbildender Arbeit befaßt.Handlungsziel selbst durch eine bestimmte "Einstellung"22 motiviert. S. ohne erst 'planen' zu müssen" (1979. An dieser Stelle drängt sich eine Bezugnahme auf die "Kritik der politischen Ökonomie" auf.

der sich als Aufmerksamkeit äußert. historisch-gesellschaftlichen "Charakter" der Arbeit unter den Bedingungen der "kapitalistischen Produktionsweise" geht (vgl. 455.F. Nicht. Drittens schließt sich die selektive. je weniger sie durch den eignen Inhalt und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich fortreißt. inwieweit neben äußeren Anreizen auch intrinsische Motive (das Spiel der eigenen Kräfte genießen) und flowexperiences (durch Inhalt und Ausführung einer Tätigkeit mitgerissen werden) wirksam werden. 193. lassen sich bereits einige Grundelemente finden. S. ist der zweckmäßige Wille. daß Marx andernorts eher als Vertreter einer Entfremdungs. S. das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters.23 "Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus.). 204). 512-522). vorhanden war. MEW 23. S. Aktivierung) und mit seiner Zweckmäßigkeit zugleich das individuelle Wollen unter das ideell vorweggenommene Resultat (das Ziel der Arbeit) unterordnet. je weniger er sie daher als Spiel seiner eignen körperlichen und geistigen Kräfte genießt" (Marx: Das Kapital. und um so mehr. wo es ihm nicht mehr um die abstrakten. die arbeiten. für die ganze Dauer der Arbeit erheischt. Die "Fluß-Erfahrung" ("flow-experience") wird als ein freudiges Aktivitätsgefühl beschrieben. Erstens ist das Zusammenspiel zwischen Anstrengung. z. den er weiß. die Motivation als einen. sondern um den besonderen. die Gleichgültigkeitsthese in 1974. Außer der Anstrengung der Organe. Hervorhebungen durch M. also schon ideell.Marxschen Kritik der politischen Ökonomie eine erstaunlich aktuelle Auffassung über die Motiviertheit von Arbeitsprozessen. die subjektive Willkür somit unter die objektiven Zwänge der Gegenständlichkeit subsumiert (Orientierung. auf einen festgelegten Zweck hin ausgerichtete "Aufmerksamkeit" an und viertens schließlich die besonderen Eigenarten der "Ausführung" einer Arbeitsaufgabe. S. Richtung). Erster Band. zu nennen und zweitens der "zweckmäßige Wille". deren Motiviertheit es zu erklären gilt. Und diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. mit der man sich beschäftigt und die einem die eigene 24 193 . er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck. Soweit sich Marx hier mit dem prekären Zusammenhang zwischen der Last und Lust menschlicher Arbeitstätigkeit und dem Arbeitswillen beschäftigt. daß er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt. der als Wille auf die handlungsbewegenden Kräfte des Arbeitsvollzugs verweist (Antrieb.24 23 Das Zitat darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen. deren Motivierungsstärke davon abhängt. 674 sowie MEW Ergänzungsband I. als ein völliges Aufgehen in einer Sache. "einfachen Momente" des menschlichen Arbeitsprozesses. in dem die Unterschiede zwischen Arbeit und Spiel verschwinden.und Verelendungstheorie der (industriellen) Arbeit auftritt (vgl. der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muß.B. Arbeitswillen und Aufmerksamkeit. die Zielverwirklichung begleitenden Prozeß betrachtet und deshalb eine Annäherung an psychologische Konzeptionen der Motivation und Regulation von Arbeitstätigkeiten ermöglicht. die auch heute noch Gegenstand psychologischer Motivationstheorien sind. vor allem MEW 23.

inhaltliche Dispositionschancen und Handlungsspielräume) fehlen. In der Psychologie werden üblicherweise drei Funktionen unterschieden. Wörterbuch der Psychologie 1976. dürfte die Arbeits. Wozu. Alltägliche Routinetätigkeiten wurden zur Last. 194 .und berufsbedingten Risikokonstellationen andererseits als ein schlechter Tausch erscheinen mag. 610f. solche Aktivitätsepisoden für einen Tag lang zu unterdrücken und fand.Wenn die gegenwärtige Motivationsforschung den Motivationsbegriff in erster Linie als eine "Sammelbezeichnung für Erklärungen von Wenn-Dann-Beziehungen verwendet. mehr Kopfschmerz und Irritierbarkeit sowie weniger Entspanntheit und Konzentration erleben ließ. Aufmerksamkeit und Anstrengungen verlangt. S. was sich in den letzten zwanzig Jahren zum sozialwissenschaftlichen Standardrepertoire der Humanisierung des Arbeitslebens und der sozialverträglichen Gestaltung von Arbeit und Technik entwickelt hat. Auch wenn Außenstehenden die Bilanz zwischen den attraktiven Dispositionsmöglichkeiten der Fernfahrer einerseits und den knappen Zeitvorgaben und ausgedehnten Arbeitszeiten. Weil-Motive). Um-zu-Motive) des Verhaltens dienen (vgl. in dem folgende These über die Wenn-Dann-Beziehung zwischen Arbeitssituation und Arbeitstätigkeit aufgestellt wird: Je weniger die Arbeit nach eigenem Inhalt ausgeführt werden kann und je weniger sie als ein Spiel der eigenen körperlichen und geistigen Kräfte empfunden und genossen wird.bzw.und Leistungsmotivation der Fahrer in entscheidender Weise von den Spielräumen und Möglichkeiten der Selbstkontrolle in der Arbeit mitbestimmt sein.. die vorauslaufende Bedingungen der Situation mit nachfolgendem Handeln verbinden" (Heckhausen 1980. 350. S. daß die Arbeitstätigkeit immer dann ein höheres Maß an Willenskraft. daß die 'Fluß-Deprivation' müde und abgespannt machte.bzw. S. Warum. Csikszentmihalyi 1975. um das festgelegte Arbeitsziel zu erreichen. 611). auch Kapitel 5. daß sie analytisch jeweils Person vergessen läßt. weil die Aufmerksamkeit ganz von der zu lösenden Aufgabe absorbiert wird (vgl. S. 128). Neuberger 1985. Mit der Bezugnahme auf Tätigkeitsspielräume und Kontrollchancen hat Marx damit in bemerkenswerter Weitsicht vorweggenommen. Motivationen können der Begründung (Inhalt. der Aktivation (Intensität) und der Zielausrichtung (Richtung. die der Motivation innerhalb menschlichen Verhaltens zukommen. dem hohen Maß an Selbstdisziplin und -beherrschung sowie den arbeits. S.B. Allen drei Komponenten ist gemeinsam. und die spontane kreative Aktivität nahm ab" (Heckhausen 1980. zitiert nach Heckhausen 1980. 30). dann läßt sich der Auszug aus der "Kritik der politischen Ökonomie" als ein motivationstheoretischer Beitrag lesen. ist. "Csikszentmihalyi hat Personen zur Aufgabe gemacht.1). sobald bestimmte situationsbedingte Voraussetzungen für die Herausbildung subjektiver Freiräume (z. Worauf Marx hier offensichtlich anspielen will. vgl. desto eher sind für die gesamte Dauer des Arbeitsprozesses neben der organischen Anstrengung auch ein zweckmäßiger Wille und eine (bewußte) Aufmerksamkeit erforderlich.

Damit ist die Motivation menschlicher Verhaltensweisen aber auch als ein kybernetischer Regelkreis beschreibbar. sondern im Steuern und Ausrichten" (Vontobel 1970. 195 . S. Bewertungen und Wahl-Entscheidungen. Galanter und Pribram (1973. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings.). die Test-OperateTest-Exit-Einheit (TOTE-Einheit) bei Miller. "gegenüber 'mechanistischen' Theorien stärker kognitive Prozesse und Merkmale zur Erklärung und Vorhersage von Verhalten zu berücksichtigen wie z. soweit menschliche Emotionen nämlich kurzerhand lediglich an die Stelle der oftmals "dunklen". Die handlungsaktivierende Funktion der Motivation wurde dabei überbewertet und oft in mechanistischen Analogien als eine Art "Motor". 69)." (Ulich 1982. die das Verhalten überhaupt erst in Gang setzt. 34ff. Einschätzungen der eigenen Kompetenz. z. in dem energetische (Antrieb.ä. Erst im Zuge der sogenannten "kognitiven Wende"25 in der Psychologie ist die Aktivierungsfunktion der Motivation zugunsten ihrer Orientierungs. Bis in die sechziger Jahre hinein dominierte in der Psychologie eine Grundvorstellung über die menschliche Verhaltensmotivation. Ausrichtung. behavioristische Menschenbilder und Denkmodelle "endgültig" ablösen zu wollen (ebd. S. die wohl maßgeblich durch die kybernetischen Informationsverarbeitungsmodelle von Miller.: subjektive Einschätzungen der Person in bezug auf sich selbst ('Selbstkonzept'. zuerst 1960) "motiviert" worden ist. bei der die ausschließliche (oder doch zumindest die wesentliche) Wirkung der Motivation in ihrem Antriebscharakter gesehen worden ist (vgl. auch Ulich 1982. daß die kognitivistische Behandlung des Motivationsproblems die Probleme mit dem Antriebscharakter von Motivationen noch nicht zufriedenstellend gelöst hat. organischen Verhaltens- 25 26 Mit dem Begriff der "kognitiven Wende" werden seit Beginn der siebziger Jahre Tendenzen in der Psychologie bezeichnet.) oder die Vorwegnahme-Veränderungs-Rückkopplungseinheit (VVR-Einheit) in der Handlungsregulationstheorie von Hacker (1986. Die kognitivistische Tendenzwende in der Psychologie.26 Die Verlegung des Motivationsgeschehens von obskuren "inneren" Energien auf den Beziehungsaspekt zwischen Person und Umwelt markiert so etwas wie eine "kopernikanische Wende" in der Motivationspsychologie. "Triebkraft" oder als jene "Energiequelle" betrachtet. vgl. 'subjektive" oder 'naive' Theorien u. 69ff. Regulation) wirksam sind. S. Annahmen über eigene 'Fähigkeiten') und die Umwelt.B.und Regulationsfunktion relativiert worden.B. 140ff. Ursachenzuschreibungen. Die kognitive Psychologie hat dieses kybernetische Regelkreismodell aufgegriffen und den Rückkopplungscharakter gegenüber den linearen Wirkungsabläufen des behavioristischen Stimulus-Response-Schemas betont. hat sich besonders in der Sozialpsychologie. S. S. Kontrolle. Neu an der Betonung kognitiver Faktoren ist dabei der Anspruch. der Streßforschung und in der Leistungsmotivationsforschung (dort bereits sehr früh im Anschluß an H. 9). Aktivierung) und informatorische Prozesse (Orientierung. Vontobel 1970. S. Heckhausen 1963) durchsetzen können (vgl.). "Die Hauptwirksamkeit der Motivation besteht nicht im Antreiben.nur eine Seite der subjektiven Beziehungen des handelnden Menschen zur Umwelt betonen. 9). Galanter und Pribram (1973. Erwartungen und Absichten.).

triebe gesetzt werden, die vorher als Handlungsaktivator fungiert hatten.27 Der relativ eigenständige Charakter emotionaler "(Re-)Konstruktion" und Repräsentation der Außen- und Innenwelt des Menschen geht hierbei verloren, solange menschliche Gefühle als ein bloßes Anhängsel kognitiver Welt- und Zustandsdeutungen aufgefaßt werden, um jene Leerstellen zu füllen, die durch die Zurückweisung mechanistischer und biologistischer Motivationstheorien entstanden sind. Um die Umweltbezogenheit als Leitidee einer psychosozialen Motivationstheorie plausibel zu machen, muß die "Gretchenfrage" des Motivationskonzeptes auf der Grundlage von Subjekt-Objekt-Bezügen beantwortet werden: Wie werden menschliche "Bedürfnisse" als eine "aktivierende" Kraft des Handelns "biopsychosozial" wirksam und welcher Stellenwert gebührt dem sozialen Bedeutungs- und Sinngehalt? Der Schlüssel für ein tätigkeitspsychologisches Verständnis der Motivation liegt darin, die subjektiven Beziehungen zur Umwelt an das Konzept gegenständlicher Tätigkeit anzubinden, wie es A.N. Leontjew mit seinem Modell der "Ringstruktur" von Tätigkeiten vorgelegt hat (vgl. im folgenden 1979, S. 87ff.; vgl. auch Kapitel 3.2, Abb. 10). Die menschliche (Arbeits)Tätigkeit zeichnet sich gegenüber tierischen Verhaltensweisen durch ihre spezifische Gegenständlichkeit aus, so daß eine Abgrenzung psychischer Motivationsvorgänge gegenüber den biologisch gesteuerten Antriebsprozessen innerhalb tierischer Organismen in erster Linie durch eine Unterscheidung zwischen gegenständlichen und gegenstandslosen Motivationsarten erfolgen kann.
Bei den Tieren ist die Motivation weitgehend auf bloße Aktivierung biologischer Funktionen und die Stimulierung des motorischen Bereichs reduziert, d.h. auf organische Mangelzustände ("Bedürfnisse"), die als innere Voraussetzungen entsprechende Verhaltensweisen (z.B. ungerichtete Suchbewegungen oder Jagd auf eine wahrgenommene Beute) "antreiben" (sobald die organischen und Umweltstimuli die notwendige Reizstärke aufweisen). Beim Menschen hat die Motivation dagegen einen grundsätzlich anderen Charakter, durch den die "Bedürfnisse" ihre enge Bindung an die Unmittelbarkeit organischer Zustände verlieren und stets als "Bedürfnis nach etwas" psychisch wirksam werden, als eine Art Instanz, die "die konkrete Tätigkeit des Subjekts in der gegenständlichen Umwelt steuert und reguliert" (vgl. Leontjew 1979, S. 88f. und 181).28 Oder wie Karl Marx es einmal formuliert hat: "Hunger ist Hun27 Genau genommen handelt es sich um "Erwartungsemotionen", die mit dem Erleben eines Erwartungsgefälles verbunden sind, das sich aus einer Nicht-Übereinstimmung zwischen der relativ dauerhaften "Bezugs-Lage", den jeweils aktuellen "Ist-Lagen" und der konkret anvisierten "Soll-Lage" ergibt (vgl. Vontobel 1970, S. 13f., die alte "Rahmentheorie" von Heckhausen von Anfang der sechziger Jahre paraphrasierend). Die entscheidende Idee ist, die dynamischen, subjektendogenen Antriebstendenzen nicht isoliert von der Außenwelt zu betrachten, sondern in ihrem Verhältnis zu und ihrer Gerichtetheit auf angestrebte Zielobjekte, die über den Antrieb eine emotionale Tönung oder Valenz erhalten, einen Aufforderungscharakter (Lewin), der sie begehrenswert, anziehend oder auch abstoßend macht (vgl. Wörterbuch der Psychologie 1976, S. 36). Die bioorganische Lokalisierung der damit einhergehenden Zielspannung in zentralnervösen

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ger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabel und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger, als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt" (MEW 13, S. 624).

Einzelne Momente der Beschränkung seiner Bedürfnisse auf bloße innere Anregungen und abstrakte Aktivierungsleistungen verliert der Mensch in dem Augenblick, in dem er gegenständlich tätig wird. Fungiert das Bedürfnis beim Tier (und auch noch beim neugeborenen Kind) ursprünglich nur als eine innere Voraussetzung für die Aufnahme von Tätigkeiten, so findet eine "Transformation der Bedürfnisse" (Leontjew) statt, sobald das Subjekt zu handeln beginnt, und das Bedürfnis "hört auf, das zu sein, was es virtuell, 'an sich' war" (Leontjew 1979, S. 182), nämlich ein abstraktes, gegenstandsloses Bedürfnis, das noch keinem Gegenstand zu seiner Befriedigung begegnet ist und deshalb nur in Form erlebter innerer Mangelzustände existiert. Erst durch die Begegnung mit einem Gegenstand erlangt das Bedürfnis die Fähigkeit, die Tätigkeit künftig über die gezielte Suche, die Wahrnehmung und Handhabung des befriedigenden Gegenstandes auszurichten und zu steuern. Die "Transformation der Bedürfnisse" (vgl. Abb. 17) erfolgt von einem noch "gegenstandslosen Bedürfnis" (im engeren Sinne eines empfundenen, allgemeinen organischen Mangelzustandes) zu einem "gegenständlichen Bedürfnis", durch das der Mangel wegen der Beziehungen zu dem, Befriedigung verschaffenden Gegenstand sehr konkret erlebt wird. Diese Transformation ist nur begreifbar, wenn man sich das "Ringstruktur"-Modell Leontjews als ein Schema für den Ablauf gegenständlicher Tätigkeiten vergegenwärtigt (vgl. Kapitel 3.2, Abb. 10).29 Der Grundgedanke ist dabei, daß die Tätigkeitsprozesse, in denen sich die Wechselwirkung zwischen handelndem Subjekt und gegenständlichem Objekt

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Strukturen als innerem Spannungszustand, der den Organismus an ein bestimmtes Ziel bindet, braucht uns hier nicht weiter zu interessieren. Trotz uneinheitlicher Definitionsweisen wird mit dem Bedürfnisbegriff meist ein Mangelzustand bezeichnet (Mangelmotiv), der aufgrund eines Widerspruches zwischen der Bedarfslage eines Organismus und den jeweils erst noch zu realisierenden Befriedigungsmöglichkeiten ein "Ungleichgewicht" zwischen Organismus und Umwelt ausdrückt (vgl. ebd., S. 63). Unter "Interesse" wird dagegen üblicherweise die Gerichtetheit auf einen persönlich bedeutsamen materiellen oder ideellen "Gegenstand" verstanden, die eine spezifische kognitive (aber auch emotionale; M.F.) Einstellung zu den Gegenständen und Erscheinungen der Wirklichkeit zum Ausdruck bringt und in der Ausrichtung der Aufmerksamkeit der Wahrnehmungen, Gedanken, Absichten, Emotionen und Handlungen zum Tragen kommt (vgl. S. 259). Genau genommen findet hier eine Transformation von "Bedürfnissen" (im engeren Sinne als empfundene oder erlebte organische Mangelzustände) in "Motive" statt, wobei Leontjew unter Motiven den entsprechenden Gegenstand (als objektiven Tatbestand) versteht, "in dem dieses Bedürfnis (...) konkretisiert ist, der die Tätigkeit anregt und worauf sie sich richtet" (1973, S. 221).

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realisieren, eine Art "Ringcharakter" tragen, durch den ein ursprüngliches Afferenzabbild der Wirklichkeit, d.h. eine Ausgangsafferenz, vermittelt über effektorische Prozesse, in denen sich die Kontakte mit der gegenständlichen Umwelt realisieren, durch Rückkopplungen korrigiert und bereichert wird (vgl. Leontjew 1979, S. 87).
Dieser Rückkopplungsprozeß erfolgt in einem zweifachen Übergang: (1) vom Gegenstand zum Tätigkeitsprozeß (Konstruktion eines ursprünglichen Afferenzabbildes - hier: Zusammenfallen von Bedürfnis und Gegenstand in der Wahrnehmung eines Bedürfnisses nach dem Gegenstand) und (2) von der Tätigkeit zum subjektiven Produkt dieser Tätigkeit, d.h. vom Gegenstands-Kontakt (hier: die durch die objektiven Merkmale des Gegenstandes orientierte und regulierte "Konsumtion" desselben) zur Korrektur und Bereicherung des ursprünglichen Afferenzabbildes (hier: Bedürfnisbefriedigung bzw. Entstehung neuer Bedürfnisse durch die Einverleibung oder Aneignung des Gegenstandes) (vgl. ebd., S. 88). Die Rückkopplung realisiert sich dabei über eine wechselseitig verschränkte Verbindung zwischen der Verinnerlichung der objektiven Merkmale des Gegenstandes, wodurch sich meine Bedürfnisse durch die Entwicklung ihres gegenständlichen Inhalts entwickeln, und der Vergegenständlichung der Bedürfnisse, durch ihre "Auffüllung" mit Inhalt bzw. Bedeutung aus der Umwelt, wodurch die Bedürfnisse überhaupt erst von der organisch-physiologischen auf eine psychosoziale Ebene transformiert werden (vgl. ebd., S. 89): "Der Gegenstand, der in der Lage ist, das Bedürfnis zu befriedigen, ist im Bedürfniszustand des Subjekts nämlich nicht scharf umrissen. Vor seiner ersten Befriedigung 'kennt' das Bedürfnis seinen Gegenstand nicht, er muß erst noch entdeckt werden. Erst durch diese Entdeckung

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wird das Bedürfnis gegenständlich, und der wahrgenommene (vorgestellte, gedachte) Gegenstand erhält seine stimulierende und tätigkeitslenkende Funktion, das heißt er wird zum Motiv" (Leontjew 1979, S. 181f.).

Obwohl das Motiv einer Tätigkeit gleichsam innerhalb und außerhalb der Subjekte lokalisiert wird, vertritt Leontjew hier eine relativ eng gefaßte Definition des Motivbegriffs, soweit er darunter einen (stofflichen oder ideellen) Gegenstand versteht, "der die Tätigkeit initiiert und auf sich richtet" (1979, S. 102). Die menschliche Tätigkeit wird dabei als ein Prozeß betrachtet, der durch ein oder mehrere Motive stimuliert und gelenkt wird, und zwar durch die Orientierung an äußeren Objekten, in denen die aktivierenden Bedürfnisse vergegenständlicht sind (vgl. ebd., S. 180). Arbeitstätigkeiten werden durch eine Kette von Arbeitshandlungen verwirklicht (vgl. S. 102f.). Soweit Handlungen stets eine Gesamtheit von Beziehungen zur gegenständlichen Welt, zu anderen Menschen, zur Gesellschaft und zu sich selbst realisieren, sind Tätigkeiten gleichzeitig durch zwei oder mehrere Motive "polymotiviert", d.h. es kommt zu einer "Aufspaltung" der zuvor im Motiv miteinander verschmolzenen Funktionen der Initiierung und Ausrichtung: Während die Initiierungsfunktion völlig beim Motiv verbleibt (z.B. Nahrung als ein die Tätigkeit initiierendes Motiv), erfolgt die Ausrichtung der die Tätigkeit realisierenden Handlungen auf das jeweilige Ziel, und zwar durch Handlungen, die nicht unmittelbar auf Nahrungsgewinnung gerichtet sein müssen, dieser aber mittelbar untergeordnet sind (z.B. Arbeitshandlungen oder Lohnarbeit) (vgl. ebd., S. 103, 192; vgl. auch die sequentiell-hierarchische Struktur von Handlungsketten bei Hacker 1986). Diese analytische Unterscheidung der Motivfunktionen30 nach sinngebenden Motiven, die der Tätigkeit mit der Stimulierung zugleich einen persönlichen Sinn vermitteln, und stimulierenden Motiven, die Tätigkeiten zwar endogen "stimulieren", ihre sinngebende Funktion der Bedeutungsstiftung aber verloren haben, erlaubt es, materielle Anreize bei Arbeitstätigkeiten als ein stimulierendes Motiv zu begreifen, ohne von vornherein eine grundsätzlich instrumentalistische Einstellung der Arbeitenden zu ihrer Arbeit unterstellen zu müssen. Die Transportarbeit der Fernfahrer mag damit durch ökonomische Belohnungen "motiviert" (stimuliert) sein und dennoch ihren sozialen und subjektiven "Sinn" aus "gegenständlichen" Gegebenheiten und Bedingungen gewinnen, die nichts mit der materiellen Entlohnung zu tun haben, im Gegenteil sogar auf der Verkennung oder symbolischen Leugnung des Lohnarbeitsverhältnisses beruhen können. Die Arbeitspsychologie weist der Motivierung von Arbeitstätigkeiten eine Schlüsselstellung zu für die Art und den Umfang der resultierenden Leistung (in erster Linie die Arbeitsproduktivität) wie für die Rückwirkung der Arbeitstätig30 Vgl. Leontjew 1979, S. 192f.; Hacker 1986, S. 204; vgl. auch die Differenzierung zwischen "Weil-" und "Um-zu-Motiven" bei Schütz 1981, S. 115ff. (zuerst 1932).

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keit auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung (vgl. Hacker 1986, S. 177). Psychologische Ansatzpunkte für ein soziologisches Konzept sozialer Leistungsregulation ergeben sich dort, wo die individuelle Motivbildung als ein gesellschaftlich vermittelter Prozeß verstanden wird. Die Motivierung von Arbeitstätigkeiten findet ihren Ausdruck in den vielfältigen Beziehungen der Arbeitenden zu ihrer Arbeitstätigkeit, ihren Rahmenbedingungen, ihrer gesellschaftlichen Funktion (z.B. die Unentbehrlichkeit der Transportarbeit für die Gesellschaft) und darin, welchen Platz die Arbeitstätigkeit im Leben und Erleben einnimmt - und: diese "individuellen, zum Kern der Persönlichkeit gehörenden Beziehungen sind durch umfassend wirksame Wertungssysteme (z.B. moralische Normen, Leitbilder, Anreizsysteme) gesellschaftlich vermittelt" (ebd.).
"Hauptinhalt einer Behandlung der Arbeitsmotivierung werden demnach nicht Motive sein, die determinieren, ob gearbeitet wird, sondern wie man arbeitet. Dieses 'Wie' ist seinerseits bestimmt durch das 'Warum'" (Hacker 1986, S. 183).

Im Anschluß an die Unterscheidung zwischen sinngebenden und stimulierenden Motiven wird den Handlungsmotiven in der Arbeitstätigkeit die Funktion zugeschrieben, die Tätigkeit auf jeweils spezifische zukünftige Inhalte auszurichten, den Tätigkeitsablauf zu regulieren, die Teilverrichtungen nach ihrer Reihenfolge und Hierarchie zu ordnen sowie zu aktivieren (vgl. Hacker 1986, S. 177). Beim gegenwärtigen Forschungsstand der Motivationspsychologie (vgl. im folgenden Hacker 1986, S. 183f. im Anschluß an Heckhausen 1980) können wir davon ausgehen, daß die Antriebe, die aus den voraussichtlichen Folgen der vorweggenommenen Ergebnisse (Ziele) herrühren, eine bestimmte Tätigkeit veranlassen (stimulieren), wobei die Handlungsfolgen einerseits gegen die Bewertung des erwarteten Aufwands - unter Einbeziehung der Selbsteinschätzung der eigenen Leistungsmöglichkeiten - abgewogen werden. Andererseits werden die Handlungsfolgen ebenfalls auf spezifische Ansprüche an die Konsequenzen der jeweiligen Tätigkeiten bezogen (Bedürfnisse, Wertvorstellungen, übernommene Normen). Die Motivierung von Arbeitstätigkeiten erfolgt dabei nicht nur aktuell, sondern besitzt eine sozialkulturelle "Geschichte". Motive bestimmen nicht nur die Intensität und Güte der Bewältigung einer Arbeitsaufgabe, indem sie am Arbeitsergebnis und seinen Konsequenzen, an der Arbeitstätigkeit und ihren Folgen oder an Rahmenbedingungen der Arbeitstätigkeit anknüpfen; bereits bei der Wahl des Berufes und der Arbeitsaufgabe werden besondere Motive wirksam, an die aktuelle Motivierungsabläufe später anknüpfen können (vgl. Hacker 1986, S. 205). Für die Soziologie ist dabei von entscheidendem Interesse, in welcher Weise gesellschaftliche Prozesse über (sub)kulturelle Leitbilder, gruppenbezogene Werturteile sowie moralische Grundsätze (Ethos) und Normen auf die soziale Motivierung der Arbeitstätigkeit Einfluß nehmen und damit zugleich auch die Arbeitsleistung und die damit verbundenen Risikoübernahmen beeinflussen. Mit
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dieser Problemstellung bewegen wir uns mitten im Grenzgebiet zwischen tätigkeitspsychologischen und handlungssoziologischen Motivationstheorien. Aus arbeitspsychologischer Sicht sind Arbeitstätigkeiten willensmäßig gesteuerte, mit gesellschaftlichem Sinngehalt ausgestattete und auf die Zweckmäßigkeit der Ausführung hin angelegte, zielgerichtete Handlungen (vgl. Hacker 1986, S. 62). Über Wertungen wird der "gesellschaftliche Sinngehalt" einerseits als persönlicher Sinn angeeignet (vgl. Hacker 1986, S. 211ff.), andererseits muß der "soziale Sinn" erst durch die Konstruktion kollektiver (sub)kultureller Bedeutungssysteme über eine Vielzahl individueller Wertungsaktionen hergestellt und gesichert werden.31
"Die Wertung besteht in einer Einschätzung oder Beurteilung der Arbeitsleistung durch andere, im Regelfalle durch autorisierte Vertreter der Gesellschaft, die durch Veränderung der individuellen Motivierung umfassenden Einfluß auf die Arbeitstätigkeit gewinnt. Das Wesen dieses Einflusses beruht nicht kurzerhand auf der positiven oder negativen Kennzeichnung einer Leistung. Entscheidend ist vielmehr, daß der Arbeitende um diese Wertung im vorhinein weiß, sie erwartet, ihren Ausgang voraussieht und - in Übernahme der zugrunde liegenden gesellschaftlichen Normen - sein geplantes Tun darauf projiziert und seine künftige Tätigkeit selbst danach ausrichtet" (Hacker 1986, S. 211).

Dies klingt sehr einleuchtend, offen bleibt dabei aber die zentrale Frage, wie wir uns die "Übernahme" gesellschaftlicher Normen vorzustellen haben. Ein Ansatzpunkt für die Beantwortung dieser Frage liegt darin, daß Wertungen offenbar Legitimität erfordern, durch die Bezugspersonen überhaupt erst "autorisiert" und zu offiziellen "Vertretern" gesellschaftlicher Wertinstanzen werden. Meine These ist, daß die Fernfahrer im Zuge ihrer sozialen Gruppierung mit der Herausbildung eigener (sub)kultureller Bedeutungssysteme auch quasi-"legitime" Wertvorstellungen und Wertungsmuster entwickeln, die den Bezugsrahmen für die persönliche Motivierung ihrer Arbeitstätigkeiten bilden. Aus psychologischer Sicht (vgl. im folgenden Hacker 1986, S. 190) erzeugen konkrete Tätigkeits- oder Handlungsanforderungen einen widersprüchlichen, instabilen inneren Zustand, der nach einer Lösung verlangt. Die Übernahme gesellschaftlich hervorgehobener und bestätigter Verhaltensmuster führt im Laufe der Tätigkeit zu einer Verringerung des erlebten Widerspruchs und zu einer zumindest zeitweiligen Stabilisierung des inneren Zustandes. Das Erlernen
31 Angesichts der "Unbestimmtheit" des Arbeitsvertrages werden solche Wertungen bereits dort wirksam, wo es um die Interpretation oder "Redefinition" des Arbeitsauftrages, d.h. um seine Übernahme als Arbeitsaufgabe geht (zur Aneignung des Auftrages in Form von Aufgaben und zu seiner "Doppelfunktion" als verbindlicher Auftrag und als Gegenstand eigener Mitwirkung oder Selbstsetzung vgl. Hacker 1986, S. 61, 69f.). Arbeitsaufträge werden erfaßt, bewertet und als interpretierte Aufgabe übernommen (ebd., S. 149): "Die Ziele ergeben sich aus diesen redefinierten Aufgaben. Die wert- und normenbezogenen Ansprüche, das Selbstbild sowie das erlebte Verhältnis von Anforderungen und eigenen Leistungsmöglichkeiten werden über die Zielstellungen regulierend wirksam."

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die erstens den gegenseitigen Beeinflussungsprozeß zwischen personengebundenen Dispositionen und Situationsgegebenheiten als eine "Interaktion" (S.) begreifen und die zweitens die Einengung der "Realisierungsmöglichkeiten" (S.) zu typologisieren. durch die bestimmte Motivdispositionen "habituell" an spezifische. 17) betrachtet.).2).aktueller Motive (im Sinne von "Quasibedürfnissen") beginnt mit der Wiederholung der ansatzweise übernommenen Verhaltensmuster. Dispositionen. Anschlußmöglichkeiten für eine soziologische Motivationskonzeption ergeben sich dabei erstens aus dem Versuch. wodurch verschiedene Situationen als einander "äquivalent" klassifiziert werden und sich persönliche Erwartungen. sozial ungleich verteilten Situationsklassen könnten aus dieser Perspektive in Form von Dispositionen spezifische Wahrnehmungs-. 22f. die aufgrund gesellschaftlicher Bewertungen eine ideelle oder materielle Bestätigung erfahren haben. Motivationen als in Person-Umwelt-Bezüge integriert zu begreifen und über "Äquivalenzklassen von Situationen und Persondispositionen" (S. 21f. so sind menschliche Verhaltensweisen zunächst entweder durch personale Faktoren (Eigenschaften. Klassifizierungs. daß bereits die Wahrnehmung und Auffassung der Situation eine besondere Verhaltensleistung ist. eine Möglichkeit. Verallgemeinerung und Differenzierung schließlich zu einer "Motivdisposition" werden. So betrachtet muß sich letztlich alles Handeln in einen ständigen. "Eine handelnde Person ist ohne Situation so wenig denkbar. S. das die Wechselwirkung zwischen Person und Situation betont und Handeln damit zugleich als ein "Ergebnis der gegenseitigen Beeinflussung von individuellen Dispositionen und von gegenwärtigen Situationsgegebenheiten" (ebd. die auf dispositionellen Besonderheiten der Informationsverarbeitung beruht. Lebensgeschichtliche Erfahrungen mit bestimmten. Wahrnehmungen und Bewertungen der Situation wie der Handlungsmöglichkeiten zu Motivdispositionen gruppieren lassen. Zweitens bietet der Bedeutungsgehalt (S. 15f. Diese psychosozial orientierte Richtung scheinen psychologische Motivationskonzepte zu verfolgen. Wir sahen ja. sozial vorstrukturierte Situationskontexte "gebunden" sind. "Motive") oder durch situative Faktoren (äußere Gegebenheiten. S.und Bewertungsschemata für künftige Situationen habituell bereithalten (vgl. bevor die Einseitigkeit dieser dualistischen Sichtweisen durch ein Motivationsmodell überwunden werden konnte. die persönlichen Präferenzen. Betrachtet man die historische Entwicklung der Motivationspsychologie (vgl.) des Handelns auf der dispositionellen wie auf der situativen Seite ins Zentrum motivationspsychologischer Betrachtungen 202 . 20). Ein sich bewährendes Motiv kann durch Verfestigung. 21f.. den eine Situation für das handelnde Individuum bereithält. Kapitel 4. 8-23). Selektionen. Wahrnehmungen und Bewertungen der Situation auf psychosoziale Prozesse zurückzuführen. Heckhausen 1980. S. gegenseitigen Wechselwirkungsprozeß auflösen" (Heckhausen 1980. wie eine Situation ohne Person. das Habitus-Feld-Konzept von Bourdieu. "Reize") erklärt worden.

Genau an diesem Punkt kann ein soziologisches Motivationskonzept anschließen. indem sie von vornherein die Fülle möglicher Situationseinflüsse eingrenzen. 22). nämlich aus Mangel an Realisierungsmöglichkeiten wegen eingeschränkter situativer.stellen. Motivationen aus der Interaktion zwischen Person und Situation heraus zu begreifen. Der Mangel erscheint deshalb grundsätzlich änderbar. So gibt es innerhalb der gleichen Bevölkerung unterschiedliche Realisierungsmöglichkeiten. die institutionalisiert und damit ziemlich stabilisiert sein können. In Anlehnung an umweltpsychologische Beiträge (z. aber nicht von vornherein einschränken müßte. Es ist der langfristige Mangel an Gelegenheiten. In einem (durch ihre Handlungsressourcen) begrenzten Rahmen können Handelnde die ihren Dispositionen entsprechenden Situationen aufsuchen oder vorliegende Situationen ihren dispositionellen Präferenzen und Abneigungen entsprechend zu gestalten versuchen: "So schaffen Personen ihre eigene Situationsspezifität. zu verbessern sind" (Heckhausen 1980. S. warum ein bestimmtes Handeln erfolgt. gesellschaftlich. Barkers Konzept des Handlungsfeldes: "behavior setting") lenkt Heckhausen die Aufmerksamkeit auf die Eigenarten von Handlungsfeldern. politisch zu ändern. kulturell. zwischen den Zeitgenossen verschiedener Geschichtsepochen an" (Heckhausen 1980. die in ihnen möglichen. Die Folgen deuten sich in Handlungsunterschieden zwischen männlichen und weiblichen. genauer ökologischer Gegebenheiten in der Lebensumwelt. sondern warum es nicht erfolgt. Ein entsprechendes psychosoziales Motivationsverständnis wird gegenwärtig innerhalb der Soziologie noch am ehesten im Habitus-Feld-Konzept von 32 Die Idee. "Die Beachtung von Realisierungsmöglichkeiten ist wichtig. 23). der den gegenseitigen Wechselwirkungsprozeß in einem Regelkreismodell zusammengefaßt hat. sie zugleich aber auch durch den Aufforderungscharakter des Feldes erst zu ermöglichen. auf einzelne Akzente pointieren" (Heckhausen 1980. geht auf die kognitiv-genetische Entwicklungspsychologie von Jean Piaget (z. umbiegen..B.32 Die Berücksichtigung der Realisierungschancen von Handlungen aber "erklärt (. der die Entfaltung entsprechender Dispositionen und damit Handlungsmöglichkeiten einschränkt. 21) interaktiv zusammenwirkt. die vor allem zwischen umschriebenen Personengruppen auffallen. 22). soweit die gegebenen Lebensverhältnisse wirtschaftlich. in dem das "Assimilieren von Umweltinformationen an kognitive Schemata" und das "Akkomodieren dieser Schemata an die damit nicht übereinstimmenden Informationen und Erfordernisse der Situation" (Heckhausen 1980. technisch. räumlich und zeitlich "angemessenen" Handlungsweisen einzugrenzen. 1970) zurück. zu bereichern. 23) für Handeln. und er bezeichnet das Vorliegen solcher Handlungsfelder als eine "soziokulturelle Realisierungsmöglichkeit (opportunity structure)" (S. S. 203 . S. zwischen Angehörigen verschiedener soziokultureller Lebensräume. S. das die "Realisierungsmöglichkeiten" von Handlungsabläufen unter Bezugnahme auf die (Re-)Produktion sozialer Strukturen und die "Adäquanzbeziehungen" zwischen sozialen Institutionen und subjektiven Dispositionen zu erklären versucht. zu erklären.) nicht.. um Verhaltensunterschiede.B.

noch in den Zwängen des Feldes. potentiell stimulierenden Motiven bedeutet und auch die Zielausrichtung sinngebender Motive eine klassifizierende Abgrenzung des jeweils Sinnhaften vom Unsinn und Abwegigen verlangt. zugleich zu einer Einschränkung der "Realisierungsmöglichkeiten für Handeln" (Heckhausen). was ihn bestimmt. wie der naive Finalismus. der dennoch auf das Sakrale als totale Transzendenz stößt. Die Schlüsselfrage ist nun. Zerstreuung im Pascalschen oder Unwahrhaftigkeit im Sartreschen Sinne nur im Blick von außerhalb des Spiels. S. Auf eine scheinbar paradoxe Weise führt das. die spezifischen Risikokonstellationen ihrer Arbeits. Der Antrieb .steckt weder im materiellen oder symbolischen Zweck des Handelns. Diese Annahme soll im folgenden plausibel gemacht werden. die zwischen selbsteinschränkenden subjektiven Erwartungen (in Form habitualisierter Motivdispositionen) und den mit der Institutionalisierung sozialer Felder gegebenen objektiven Wahrscheinlichkeiten besteht. daß jede Aktivierung eine begrenzte Auswahl aus aktualisierbaren. dessen konstitutive Werte.und Berufswelt in Form subjektiver Arbeits. erscheint die Begrenztheit der Realisierungschancen von Handlungsweisen keineswegs widersinnig. vom Standpunkt des unparteiischen Beobachters aus. Selbsttäuschung. 75f. Diese Urform des Fetischismus liegt allem Handeln zugrunde. der nicht spielt und nichts einsetzt. Ich gehe dabei von der Annahme aus. und obwohl jene außerhalb dieser Beziehung nicht existieren. bestimmte Handlungen mangels geeigneter Ressourcen nicht tätigen zu können. zwingen sie sich. einmal konstituiert. Sakrales gibt es allein für den Sinn für Sakrales. was als Motivation eigentlich zur Tätigkeit anregen und Handlungen ermöglichen soll. Der Beitrag des Habitus-Feld-Konzeptes zum Verständnis von Arbeitsmotivationen "Worum es im Spiel geht. wie es dazu kommt. bilden sich aus in der Verbindung von Spiel und Spiel-Sinn. sollen die "soziokulturellen" Möglichkeitsgrenzen für die Realisierung von Tätigkeiten und Handlungsweisen in der Verbindung gesucht werden. Dies stimmt für jedwede Art von Wert. daß die Investitionen durchaus wohlbegründete Illusionen darstellen" (Bourdieu 1985. Bedenkt man allerdings. wie die mechanistische Sicht es will.oder die Motivation. 4. so daß der Habitus selber das mitbestimmt.).2 Die Selbsteinschränkung von Handlungschancen als "Neigung zum Wahrscheinlichen". mit absoluter Notwendigkeit und Evidenz auf. Die illusio im Sinne von Investition ins und Besetzung des Spiels wird Illusion. daß Fernfahrer offenbar dazu geneigt sind. wie es zuweilen heißt . Er steckt in der Verbindung von Habitus und Feld. Dieser sich ignorierende Standpunkt des Fremden ignoriert freilich.Pierre Bourdieu vertreten.und Leistungsmotivationen zu übernehmen. Wie der zitierte Auszug aus einem Text von Pierre Bourdieu andeutet. daß die Entstehung und Reproduktion gruppenspezifischer Realisierungsmöglich204 .

und als Matrix zur Erzeugung von Reaktionen. 181) aktivieren und diesen Ethos. das Mögliche und Wahrscheinliche konzentrieren (Bourdieu 1987. dem "Kapital" als einem "Instrument zur Aneignung von Chancen" (Bourdieu 1987. 92). S. wird entsprechend einer wahrscheinlichen Zukunft festgelegt. auf eine bestimmte Klasse von Situationen in einer ihnen jeweils spezifischen Weise zu reagieren (vgl. 1989. die er vorwegnimmt und mit herbeiführt. verallgemeinerten Motivdispositionen. der sich in den letzten Jahren eingehender mit dem "anthropologischen Fundament" einer Theorie der Praxis beschäftigt hat (vgl. weil er sie direkt aus der Gegenwart der vermuteten Welt als der einzigen herausliest. S. Orientierung. An dieser Stelle ist das Habitus-Feld-Konzept des französischen Soziologen Pierre Bourdieu anschlußfähig. muß an der aktiven Selbsteinschränkung der Handlungsmöglichkeiten ansetzen.). "Das Verhältnis zu Möglichkeiten ist ein Verhältnis zu Machtbefugnissen. den sozialen Prozeß der Entstehung von Leistungs-. 205 . das für die Spieler "subjektiven Sinn. aus der Notwendigkeit eine Tugend zu machen. S. warum die Handelnden in einer oft selbstzerstörerischen "Liebe zum Schicksal" Entscheidungen treffen. Ein soziokulturelles Konzept. um begreifbar machen zu können. 120). Zukunft bekommt" (Bourdieu 1987. Kapitel 5. die an alle mit den (früheren) Bedingungen seiner Erzeugung identischen oder homologen objektiven Bedingungen vorangepaßt sind. 396f.1). die auf die Arbeitstätigkeit bezogen sind. sondern daß die Hauptlast der Erklärung darin liegt. S. Der Habitus als Grundlage einer selektiven Wahrnehmung von Indizien. erklären läßt.keiten sich nicht allein aus der ungleichen Verteilung von "objektiven" Handlungschancen. 122). Eigenbelastungsund Selbstbeanspruchungs-Motiven bei Fernfahrern besser zu verstehen. plausibel zu machen. die eine "Neigung zum Wahrscheinlichen" (Bourdieu 1981.).h. Motiviert sein bedeutet. Unter "Dispositionen" werden in der Psychologie entweder die "Anlagen" zur Entwicklung der persönlichen psychischen Qualitäten aufgefaßt oder eine bestimmte Eigenart oder Eigenschaft von Individuen verstanden. und von diesem Spiel-Sinn bleibt auch die Arbeitswelt nicht verschont (vgl. S. also nach den Kategorien des von vornherein von anderen Angeeigneten und anderen Gehörigen und des von vornherein uns Zustehenden. 120f. Drever und Fröhlich 1975. Die Herausbildung von relativ beständigen. in welcher Weise die "objektiven Zwänge" auf Motivationen treffen. sich einem Spiel hinzugeben. die aus einer spezifischen sozialen Lage erwachsen (Bourdieu 1982. erscheint als ein geeigneter Ansatzpunkt. das die Motivation arbeits. Bedeutung und Daseinsgrund. warum sie in bescheidener Weise "nach den eigenen Möglichkeiten leben" und sich dabei mit einem anspruchslosen Sinn für Realitäten auf das Erreichbare. S. 286). mit sozialem und persönlichem Sinn versehen. aber auch Richtung. S. die er je erkennen kann" (Bourdieu 1987. 119). und der Sinn der wahrscheinlichen Zukunft entsteht in dem verlängerten Verhältnis zu einer nach den Kategorien des (für uns) Möglichen und des (für uns) Unmöglichen strukturierten Welt. d. die eher zu seiner Bestätigung und Bekräftigung taugen.und berufsbedingter Risiken deuten und erklären will. S.

und Entscheidungsdruck. vgl. ohne aus dem ordnenden Handeln eines Dirigenten hervorgegangen zu sein" (Bourdieu 1987. die wir für eine ewige Belastung mit dem 'discriminative strain'. das auszudrücken. daß unter gewissen Umständen . S. den wahrscheinlichsten Ausgang zu meiden" (Bourdieu 1979. Bourdieu 1989. wie die Sequenz noch nicht beendet ist.. Und außerdem ist unser Einverständnis mit den anderen im gleichen Traditionsrahmen ja konfliktlos schon gegeben.. ohne irgendwie das Ergebnis der Einhaltung von Regeln zu sein. als ob in dem Element 'Tradition' etwas für unsere innere Gesundheit Unverzichtbares steckte. die objektiv an ihr Ziel angepaßt sein können.insbesondere in Krisensituationen. Der Habitus ist nur ein Prinzip unter anderen. dem Unterscheidungs. "ist doch nicht auszuschließen. auch 1981).) reicht aus. deren Ziel es sein kann. Und weiter: nur auf der Basis des Selbstverständlichen. S.. und genau deswegen kollektiv aufeinander abgestimmt sind..).): Obwohl er sicher häufiger als jedes andere Erzeugungsprinzip im Einsatz ist. gewohnheitsmäßig Gewordenen und der Kritik und Kontrolle Entzogenen kann man 'sublimieren'. als eine Art unterbewußte und vorreflexive Komplizenschaft."35 33 "Die Bezeichnung 'Disposition' scheint in besonderem Maß geeignet.. S. des Wertens und Geltenlassens werden doch. "Selbst in dem Fall. als Erzeugungs.. die objektiv 'geregelt' und 'regelmäßig' sind.. 446).) In Traditionen des Verhaltens. preisgegeben haben. d. 98f. die mit einer bestimmten Klasse von Existenzbedingungen verknüpft sind.. das zur Erzeugung von Praktiken beiträgt (vgl. so das bewußte und rationale Kalkül. sie benennt im weiteren eine Seinsweise. erzeugen die Habitusformen als Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen. die man nicht dauernd in Frage stellen muß. 72) bezeichnet wird.h. "Es sieht so aus. 226.) Das ist eine ungeheure Entlastung. (. als strukturierte Strukturen. die wie geschaffen sind. einen Hang oder eine Neigung" (Bourdieu 1979. um nicht allein die Erfahrung der Praxis (. als strukturierende Strukturen zu fungieren. einen habituellen Zustand (besonders des Körpers) und vor allem eine Prädisposition. ebd. an das dieser angepaßt ist. wo die Habitusformen der Handlungssubjekte gänzlich übereinstimmen und die Verkettung der Aktionen und Reaktionen von außen insgesamt vorhersehbar wird. an seine Stelle treten. sondern die Praxis selbst zu modifizieren. die keine Entscheidungszumutungen stellen. Fundamente gelegt. was in der Anthropologie als "Gewißheit des Selbstverständlichen" (vgl. S. in langen Zeiten herausexperimentiert.andere Prinzipien. kann man hohe Lösungen improvisieren oder einmal im vollen Bewußtsein 34 35 206 . eine Tendenz. bleibt der Ausgang der Interaktion so lange ungewiß."Die Konditionierungen. S.und Ordnungsgrundlagen für Praktiken und Vorstellungen. ohne jedoch bewußtes Anstreben von Zwecken und ausdrückliche Beherrschung der zu deren Erreichung erforderlichen Operationen vorauszusetzen. was der (als System von Dispositionen definierte) Begriff des Habitus umfaßt: Sie bringt zunächst das Resultat einer organisierenden Aktion zum Ausdruck und führt damit einen solchen Worten wie 'Struktur' verwandten Sinn ein. indem sie Strategien begründet. (. weil sie habitualisiert sind. Gehlen 1974. 397). Diese Ungewißheit (. in denen die unmittelbare Angepaßtheit von Habitus und Feld auseinanderbricht .33 Diese Formulierungen dürfen nicht in einem sozialdeterministischen Sinne mißverstanden werden.).34 Bourdieu begreift das Verhältnis zwischen Habitus und sozialem Feld. Pierre Bourdieu ermöglicht ein soziologisches Verständnis dessen. da der Habitus sich in bezug auf die dem Feld innewohnende spezifische "Notwendigkeit" konstituiert hat (vgl.

64). eine "Liebe zum Schicksal". 500. weil sich wesentliche Aspekte der Arbeitskultur der Fernfahrer durch den Normbegriff nicht angemessen begreifen lassen (vgl. als vertraut und bewährt aufdrängen. Lamnek 1989. S. die aus dem Notwendigen und Unausweichlichen eine Tugend macht (vgl. müssen neue Selbstverständlichkeiten erzeugt und habitualisiert werden. indem bestimmte Optionen aus der spezifischen Lebenserfahrung heraus als undenkbar.oder Bewertungsschemata zum Tragen. S. deren Einhaltung mit einem gewissen Grad an Verbindlichkeit (Verpflichtung) von anderen erwartet und gegebenenfalls positiv oder negativ sanktioniert wird (vgl. 399). trägt die Verwendung des Normbegriffs in der Arbeitspsychologie eher den Charakter eines "Jokers". zugleich aber auch die noch fehlenden inhaltlichen Konzepte im interdisziplinären Zusammenspiel zwischen Psychologie und Soziologie als vorläufiger Statthalter zu ersetzen hat. S. um die es in dem jeweiligen Spiel geht (vgl. Habitus und Spielsinn fungieren wie eine amor fati. wenig erfolgversprechend oder als unmöglich erscheinen. 468). z.B. auch S. S. S. In dieser Tugend kommen Klassifizierungs. Die Verwendung normativer Konzepte erscheint mir vor allem deshalb als problematisch. 1989. 1989.36 Ohne die Wirksamkeit sozialer Normen prinzipiell in Frage stellen zu wollen. der die Erzeugung unendlich vieler "Spielzüge" entsprechend der unendlichen Vielfalt möglicher Spielsituationen erlaubt. das den vertrauten Handlungsfeldern angepaßt ist und deshalb die Vorstellungen und Praktiken in einem gewissen Rahmen auf die typischen Handlungssituationen des Feldes "einstellt" bzw. die den Handelnden in Entscheidungsangelegenheiten entlasten. des Gewichts und Risikos ein geistiges oder moralisches Experiment versuchen" (Gehlen 1974. während andere Optionen sich vom Gefühl wie vom Verstand her als vernünftig. In der strukturfunktionalistischen Theorie von Talcott Parsons ist der Verpflichtungs. In der Arbeitspsychologie wird die individuelle Aneignung von Motiven in Form "habitueller Einstellungen" auf die Verinnerlichung sozialer Normen zurückgeführt (vgl. Erst wenn das Selbstverständliche als kritisch und unsicher erfahren wird. 399). auch die soziale Entstehung relativ stabiler Motivkomplexe begleitet. 1987. Kapitel 5). 177f. Hacker 1986. als das einzig richtige. was zur Verbreitung der Metapher von der Verinnerlichung äußerer (sozialer) Zwänge beigetragen hat. "voranpaßt". Meine These ist.). unrealistisch. vgl. 189f. 36 207 .und Sanktionscharakter sozialer Normen stark betont worden. S. wobei Bourdieu den Sinn für ein bestimmtes Spiel als eine verinnerlichte Form der "Notwendigkeit" betrachtet.. 100f. In der soziologischen Literatur wird der Begriff der sozialen Norm üblicherweise im Zusammenhang mit allgemeingültigen Verhaltensregeln benutzt. der eine fächerübergreifende Verständigung ermöglicht und damit Anschlußfähigkeit demonstriert.Der Habitus "wirkt" wie eine Art "Spiel-Sinn". daß die Verfügung über ein "System von Dispositionen". die in typischen Einstellungen zur Arbeit zum Ausdruck kommen.

B. Bevorzugungen und Benachteiligungen auf ein einverleibtes Wert(ungs)system ("System von Klassifikationsschemata". Der Bezugspunkt zur näheren Bestimmung des Verhältnisses zwischen "Subjekt" und "Objekt" ist hier nicht die in der kognitiven Psychologie mittlerweile weitverbreitete Metaphorik der mentalen Repräsentation (z. Der Habitus als "Zusammenspiel bereits im voraus assimilierter Grundmuster" (Bourdieu 1974. und 152f. die gewissermaßen einen "sinnvollen" Zusammenhang der Noten verlangt (Melodien. Der Stil ist eine ganzheitliche Konfiguration des stilbildenden. Meine These ist. S. kognitiven Sinne ausgerichtet. 72). 132. 283) zurückzuführen. 143) läßt sich am Beispiel der musikalischen Praxis verdeutlichen. so daß sich der Stil streng genommen nur mit erheblichen Wirklichkeitsverlusten analytisch in eine subjektive und objektive Dimension aufspalten läßt.und Lebensstils eines Subjekts oder einer sozialen Gruppe entwickelt (vgl. und die Bedeutung von Erwin Panofsky für die Entwicklung des Habitusbegriffs wird deutlich (vgl. semantische Netze. Das Habituskonzept ist nicht auf die Entstehung von Wissen im engeren.wie der Geschmack als ein erworbenes "Unterscheidungsund Beurteilungsvermögen" (ebd. zur Kritik von Bourdieu an Chomsky vgl. 208 .. daß Stilisierungen sich nur dann angemessen begreifen lassen.. durch die das dialektische Verhältnis zwischen Habitus und Feld gekennzeichnet ist. Jede Stilisierung bedarf eines subjektiven Unterscheidungsvermögens und objektiver Freiräume. wenn sie als Ergebnis des Zusammenspiels zwischen Subjekten und ihrer (sozialen) Umwelt verstanden werden. 1987. 1974. Tonfolgen sind schier unendliche Variationen möglich.37 37 Mit dem Augenmerk auf die Herausbildung eines charakteristischen Stils überwindet Bourdieu die anthropologischen Grenzen des Konzeptes generativer Grammatik von Chomsky. 282f. 143f. ebd. 727 im Anschluß an Kant) .. in denen sich Unterscheidungen mit einer bestimmten Bandbreite als Stil vergegenständlichen können. 61. S. körpernahe Seite sozialer Handlungsregulation thematisiert. S. sondern versucht die Herausbildung von emotionalen Präferenzen und Ablehnungen. hier: S. S. operative Abbilder. subjektiven Geschmacks samt seiner zahlreichen charakteristischen Vergegenständlichungen.Hier zeigt das Habituskonzept von Bourdieu seine Vorzüge. Aus einer endlichen Anzahl von Tönen bzw. das . Bourdieu 1982. analog zu wechselseitigen Durchdringungen.. an "Regeln" und kommunizierbaren Handlungserwartungen orientierten kognitiven und normativen Konzeptionen die "dunkle". da es anders als die an "diskursivem" Bewußtsein. S. mentale Modelle.). subjektive Theorien). wobei die Unendlichkeit allerdings durch die Unterscheidung des bloßen Geräusches von der Musik eingeschränkt ist. S. musikalische Stile) und sich deshalb als ein Medium sozialer Geschmacksbildung eignet. 125ff.auf einem Gefühl für das Gegensätzliche beruht und daraus systematisch die Affinitäten und die Kohärenz des Arbeits.

d. S. "als einen Faktor (.h. Prangišvili etc. durch die die Legitimität einer Ordnung äußerlich oder innerlich garantiert wird und die den Handelnden dazu veranlassen. 1980. 137ff. 60f.und unbewußt abläuft. der die innere Organisation oder Disposition. die bei einer Störung der Kongruenzbedingungen zwischen einverleibten Erwartungen (von Wahrscheinlichkeiten) und tatsächlichen Ereignissen im sozialen Feld eine "Objektivierung der Situation" verlangt. gefühlsmäßigen "Glauben" abgrenzt gegenüber dem bewußten. wo Bourdieu sich auf die Wahrnehmungsexperimente von H. auch die Vorschläge für eine "experimentelle Soziologie" in Bourdieu 1981. was dem Verständnis von "Konditionierung" bei Bourdieu recht nahe kommt: "Reize existieren für die Praxis nicht in ihrer objektiven Wahrheit als bedingte und konventionelle Auslöser.).. einer bestimmten Ordnung eine legitime Geltung zuzuschreiben (vgl. da sie nur wirken. daß sich mit dem Habituskonzept erstens an die "gefühlsmäßige Hingabe" bei der affektuellen Sicherung legitimer Ordnungen anknüpfen läßt und sich zweitens an Webers Verständnis des "affektuellen (insbesondere: emotionalen) Glaubens" an eine Geltung des neu Offenbarten oder des Vorbildlichen (Stichwort: "Charisma") anschließen läßt. 209 . Arnold 1985. 122ff. In seinem Konzept der "legitimen Ordnung" unterscheidet Weber bekanntlich verschiedene Arten von Beweggründen. Helson bezieht). die Kontinuität des Verhaltens und die strukturelle Beständigkeit der Tätigkeit des Individuums bei ständigem Wechsel der Tätigkeitsbedingungen konstituiert" (Prangišvili 1976b.h.). Anmerkung 10. die darauf konditioniert sind. S. mit dem Weber einen eher unbewußten. S.38 Anhand zahlreicher experimenteller Ergebnisse wird die Einstellung als Zustand des ganzheitlichen Subjekts betrachtet. S.) setzt den bei Max Weber nur sehr kursorisch entwickelten Ansatz affektueller Handlungsmomente fort. 210f. die entsprechend auf die Reize "eingestellt" sind (vgl. wenn sie auf Handelnde treffen. als eine "ganzheitliche" Gerichtetheit der Persönlichkeit.Die Vorstellungen von Bourdieu über den "Habitus" als ein Geschmack erzeugendes und klassifizierendes System lassen sich durch (sozial)psychologische Konzepte erweitern. sie zu erkennen" (Bourdieu 1987.. die weitgehend vor. 99). 17-20). die innere Verbundenheit. die im Anschluß an die "Georgische Schule" der sowjetischen Psychologie (Uznadze. S. bewußte Prozesse der Überprüfung des "Eingestelltseins" auf die Situation. wertratio- 38 In der georgischen Einstellungspsychologie wird unter einer "fixierten Einstellung" eine relativ dauerhaft angeeignete spezifische "Organisiertheit" und "Ausrichtung" aller psychischen Prozesse einer Persönlichkeit in bezug auf eine bestimmte Situation" verstanden. d. Bourdieu 1987. Vorwerg 1976. Meine These ist.): Im Anschluß an theoretische Überlegungen und empirische Experimente werden "Einstellungen" dabei als eine qualitative Modifikation des gesamten Organismus begriffen. eine Aktivität des Subjekts als Ganzes. Die im Habitus verkörperte enge Verbindung zwischen praktischem Glauben und Leib (vgl. S.) mit dem Begriff der (fixierten) Einstellung operieren (vgl.

S. ist offensichtlich. 75). daß eine kleine. Duden "Etymologie" 1989. 203ff. S.] Da er ein erworbenes System von Erzeugungsschemata ist. das die Handlung erklärt. der von Bourdieu sicher nicht zufällig gewählt worden ist. religiöse etc. er gewährleistet die aktive Präsenz früherer Erfahrungen. ohne daß hierfür die Schemata als explizite Prinzipien formuliert werden müßten (1979. verpflichtende (ethische.nalen Glauben an letzte. 1987. das sind die beiden üblichsten Formen des schleichenden Übergangs vom Modell der Realität zur Realität des Modells" (Bourdieu 1987. 210 . was in einer bestimmten. auch das Verständnis der Praxis als Übertragung von Schemata. Ähnlich wie Bourdieu hat Piaget versucht. Mit dem Habituskonzept läßt sich ein viel weiter gestecktes Feld sozialer Handlungsregulation erschließen als dies der Normbegriff erlaubt. Im Habituskonzept verzichtet Bourdieu auf eine Bezugnahme auf den sehr vieldeutig verwendeten Begriff der Regel39. S. sobald sie die Unterschiede zwischen den praktischen "Schemata" des Habitus. also Geschichte. vgl.) die "Illusion der Regel" kritisiert. "Als Produkt der Geschichte produziert der Habitus individuelle und kollektive Praktiken.. S. 625). 210f. Wahrnehmungen und Handlungen. S. von dem. Figur oder Haltung zu verstehen. statistisch meßbaren Häufigkeit geschieht. 172). um unendlich viele. d.h. der entweder auf ein Prinzip verweist. beispielsweise bei Jean Piaget. ästhetische. frei hervorgebracht werden. können mit dem Habitus alle Gedanken. Dies wird vor allem dort deutlich. wo Pierre Bourdieu (vgl.und Handlungsschemata niederschlagen und die Übereinstimmung und Konstantheit der Praktiken im Zeitverlauf viel sicherer als alle formalen Regeln und expliziten Normen zu gewährleisten suchen. die sich in jedem Organismus in Gestalt von Wahrnehmungs-. die innerhalb der Grenzen der besonderen Bedingungen seiner eigenen Hervorbringung liegen" (1987. Der Schlüssel zum Verständnis der soziopsychischen Wirkungsweise des Habitus liegt im SchemaBegriff begründet. weniger als ein Entwurf (vgl. Bourdieu 1979. Denk. 1979. die 39 40 "Von der Regelmäßigkeit. 204. Muster..) oder auf eine statistische Wahrscheinlichkeit. sich stets an neue Situationen anpassende Praktiken zu erzeugen. auf eine Norm. die sie anleitet (vgl. und nur diese. S. endliche Anzahl von "Schemata" genügen. nach den von der Geschichte erzeugten Schemata. moralischer oder rechtlicher "Normen" verkennen. S.). von der sich normative Konzeptionen blenden lassen.40 Pierre Bourdieu geht davon aus. In seiner sprachlichen Bedeutung ist "Schema" hier eher im Sinne von Grundform.) Werte und die Geltung des als absolut gültig Erschlossenen. 101f. den zur Erklärung von Praxisformen konstruierten theoretischen "Modellen" und den explizit formulierten Handlungsregeln im Sinne grammatikalischer. Die Verwandtschaft zur Verwendung des Schema-Konzeptes in der Psychologie. [. und der Formel zur ihrer Erklärung zum bewußt erlassenen und eingehaltenen Reglement übergehen oder zur unbewußten Regulierung durch einen mysteriösen zerebralen oder sozialen Mechanismus.

weil der habituelle Strukturierungsstil gegenüber unmittelbaren und "leichten" Umwelteinflüssen weitgehend abgeschirmt ist (in diesem Sinne kommt er vielleicht systemtheoretischen Vorstellungen eines "autopoietischen" Systems nahe). S. daß sich die Verhaltensschemata aufgrund der Verschiedenheit der Gegenstände differenzieren. Differenzierung der vorhandenen subjektiven Tätigkeitsformen und Verhaltensschemata. Das Habitus-Konzept dagegen zielt eher auf den Aspekt der "Organisation" bzw. 1987. Am Beispiel menschlicher Intelligenz läßt sich der Anpassungs.). erfordert fortdauernde Anpassungs. von objektivierten und einverleibten Ergebnissen der historischen Praxis. die sich in enger Beziehung zu Umweltgegebenheiten vollziehen muß.und Veränderungscharakter von Schematisierungen im Gleichgewicht der wechselseitigen Austauschprozesse zwischen aktiven Subjekten und der eigenständig existierenden Objektwelt verdeutlichen (vgl.). S. die sowohl Piaget als auch Bourdieu in einer Form verstehen. 236f.B. wo es um Rückkopplungsprozesse . sind die Schemata des Habitus nicht mit den "Verhaltensschemata"42 zu verwechseln. S. die auf der kognitiven Ebene der Handlungsregulation relativ schnell und flexibel verläuft. Routinisierung des Handelns).) für die politische Ökonomie gefordert hat. 413 und 416). und vertritt dabei eine Methode.und Veränderungsprozesse. Piaget 1970): Während durch die gedankliche "Assimilation" Objekte in die bestehenden subjektiven "Verhaltenschemata" und Tätigkeitsformen einverleibt werden.gängigen Irrwege zu meiden. Trotz dieser konzeptuellen Nähe der beiden strukturalistisch gefärbten Ansätze. z. Die Veränderung eines Habitus durch Einverleibung neuer Elemente in seine Erzeugungsschemata ist ein relativ seltener Vorgang. 211 . 21f. und zwar mittels Anpassung bzw.B. von Strukturen und Habitusformen" (1987. S. an die sich das Assimilationsschema akkomodieren muß (Piaget 1969. Wetzel 1980. kann diese Verinnerlichung nur dann wirklichkeitsadäquat erfolgen. die auf konstruktiver Selbstregulation beruhen (vgl. "dialektisches" Zusammenspiel zu erfassen. wie dies Karl Marx (1974. auf denen Subjekt und Objekt der Handlung entweder polarisierend voneinander getrennt oder undifferenziert miteinander verschmolzen werden. die Unterscheidung zwischen "Verhaltensschemata" und "Organisation (Struktur)" sowie die Vorstellung. nicht-rationalen Ebenen vergleichsweise schwerfällig verlaufen (Stichwort: "Macht der Gewohnheit". Vgl. S. sofern gleichzeitig eine "Akkomodation" des Verhaltens an die Eigenartigkeiten der Gegenstände und die Eigentümlichkeiten der Situation stattfindet. z. 98) eher verborgen bleibt41. Die menschliche Praxis.oder wie Max Weber es formulieren würde: "Adäquanzbeziehungen" zwischen sozialem Feld und Habitus geht. die bei Piaget in einem viel konkreteren und kognitivistischen Sinn verstanden werden als dies Bourdieu für die "Handlungsschemata" des Habitus - 41 42 Ein Denken in Regelkreisen ist bei Bourdieu erstens dort zu finden. dürfte auf den von Kognitionen entlasteten. zweitens in Vorstellungen über die soziale Reproduktion der Gesellschaftsordnung und des Produktionsapparates (vgl. Die Akkomodation der vorhandenen Schemata an neue Gegebenheiten in der Umwelt. Während das Regelkreis-Modell bei Pierre Bourdieu allerdings in der "Dialektik von opus operatum und modus operandi. der Tiefenstruktur der Einverleibung (Assimilation) und Vergegenständlichung. anstatt ihr wechselseitiges. 123ff. kybernetische Regelkreise erinnert. die an sich selbst regulierende. vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen. beschäftigt sich Piaget auch explizit mit "Äquilibrationsprozessen".

'ohne Gewalt. S. Wiedererkennen und Generalisieren bei der Herausbildung habitueller Erzeugungsschemata ist kein Resultat einfacher "Wiederholungen" oder einer allgemeinen Tendenz des Assimilationsschemas.vorsieht. als Erzeugnis einer bestimmten Klasse objektiver Regelmäßigkeiten sucht der Habitus die 'vernünftigen' Verhaltensweisen des 'Alltagsverstandes' zu erzeugen. sondern der relativen Dauerhaftigkeit der jeweiligen "Position" oder "Stellung" in den Räumen der sozialen Welt. wo er die anthropologische Invarianz der Austauschbeziehungen zwischen den Subjekten und ihrer Umwelt durch das Verhältnis zwischen Habitus und Feld soziologisch qualifiziert. Der praktische soziale Sinn für Gewinn. in denen die Subjekte leben und ihre praktischen Erfahrungen machen. sondern in Fokussierung auf die besonderen gesellschaftlichen Räume. 413). und nur diese. die gemaßregelt werden müssen. die über einen längeren Zeitraum hindurch relativ konstant bleiben und deshalb zu einem relativ beständigen "System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen" (Habitus) führen. Bourdieus Habitus-Feld-Konzept eröffnet einen Zugang zu einer soziologischen Theorie der Selbstorganisation. dessen objektive Zukunft sie vorwegnehmen. das Piaget vertreten hat. "Kurz. die für ein bestimmtes Feld typisch ist. Gemeinsame Grundformen oder "Schemata" bilden sich in der Beziehung auf jeweils spezifische "Klassen" von Lebensbedingungen heraus. Während "Verhaltensschemata" entstehen. Struktur der Verhaltensschemata als "Ergebnis der wiederholten Anwendung ein und desselben Assimilationsschemas an vielen Gegenständen und Situationen" (ebd. Die Schematisierungsleistung ist keine Folge der Verstärkung. Das erneute Erfahren. sobald ein Verhalten "sich spontan zu wiederholen und dabei zu schematisieren beginnt" (Piaget 1969. an allen Dingen zur Anwendung zu gelangen und auf diese Weise das gesamte wahrgenommene Universum zu erobern. S.und Verlustchancen führt keineswegs zu einer Harmonisierung gesellschaftlicher Verhältnisse. weil sie mit den objektiven Bedingungen unvereinbar sind" (Bourdieu 1987.als einem "Analogie stiftenden und auf Analogien basierenden Operator" (1982.) und kommt damit dem Habitusverständnis bei Bourdieu relativ nahe. da sich die sozialen Kräfteverhältnisse jeweils als Resultate aktiver 212 .. Mangels angemessenerer Denkmittel muß man sich die Beziehung zwischen Habitus und Feld etwa nach Art des dynamischen Gleichgewichtskonzeptes vorstellen. Die Erzeugungsschemata bilden sich nicht in einem sozialhistorischen Vakuum heraus. 413f. weil sie objektiv der Logik angepaßt sind. wie Piaget meint (1969. Gleichzeitig greift Bourdieu dort über Piaget hinaus. die aus der Wiederholung resultiert. Zugleich trachtet der Habitus. S. bei dem die Erzeugungsschemata des Habitus gewissermaßen als ein Organisationsmechanismus menschlicher Wahrnehmungen. begreift Piaget die "Organisation" bzw. 416). 282) . Bewertungen und Handlungen fungieren. S. S. List oder Streit' alle 'Dummheiten' ('so etwas tut man nicht'). 104). also alle Verhaltensweisen auszuschließen. die in den Grenzen dieser Regelmäßigkeiten möglich sind und alle Aussicht auf Belohnung haben.

Auseinandersetzungen erweisen und die vorweggenommene Anpassung des Habitus an die objektiven Bedingungen lediglich einen . die zuweilen leicht kognitivistisch gefärbt ist. 213 . wo sich Dispositionen unerwünscht auswirken und Praktiken den vorliegenden Bedingungen objektiv unangepaßt.h.bei Identität oder Homologie zwischen den Erzeugungs. im Original 1960).) umgekehrter Vorwegnahme der Zukunft bewirkte Gegenwart der Vergangenheit ist nie besser erkennbar. S. Bourdieu 1987. 117). Die Verwendung des Schema-Konzeptes in der Psychologie. das "theoretische Vakuum zwischen Kognition und Handlung" (Miller. Das Weiterwirken der Erstkonditionierungen in Gestalt des Habitus nämlich kann auch und ebensogut die Fälle erklären. auf Kognitionen. könnte man meinen.). den Reproduktionsaspekt in den Vordergrund zu stellen. weil objektiv für überholte oder beseitigte Bedingungen passend sind. ohne damit die Untersuchung sozialer Krisen ausschließen zu wollen. verlaufen in jeweils relativ eigenständigen Entwicklungen. die in Richtung eines dynamischen Gleichgewichtes tendieren mögen. Galanter und Pribram 1973. S. Zudem bringt die Verwendung des Kapitalkonzeptes . weil das Milieu. S. 20. S. von Auflehnung wie von Resignation sein" (Bourdieu 1987. belegen seine empirischen Studien..43 Die Erzeugungsschemata des Habitus und die Zwänge und Chancen der sozialen Felder. die sich unter Umständen länger halten als die ökonomischen und sozialen Bedingungen ihrer Erzeugung. soziale Konflikte. "Die vom Habitus in (. rationales Handeln oder normative Regeln spezialisierten sozialwissenschaftlichen Theorien gemieden wird. auf das sie real treffen.vorhandenen "Sonderfall des Möglichen" darstellt (vgl. 117. S. Während die Protagonisten der "kognitiven Wende" in der Psychologie angetreten sind. bestraft werden. Hier dürften auch die Stärken des Habitus-Feld-Konzeptes liegen. bei Mißlingen der Anpassung aber Krisen hervorrufen. 119) und Bewältigung von Risiken eine zusätzliche Dynamik in das Anpassungsverhältnis zwischen Habitus und Feld. daß die Handelnden der Gruppe dauerhafte Dispositionen aufweisen. einem Niemandsland. daß sich Bourdieu eher mit der Leere zwischen (leiblicher) Erfahrung und Handlung beschäftigt. zu weit von dem entfernt ist. welche bei Gruppen unter anderem darauf zurückgeht. Die Neigung zum Verharren in ihrem Sosein. kann Grundlage sowohl von Nichtanpassung wie von Anpassung. Daß die impliziten Gleichgewichtsvorstellungen Bourdieus gerade nicht dazu führen. zu dem sie objektiv passen. die infolge eines Effekts der Hysteresis (wie bei dem von Marx gern zitierten Don Quichotte) schlecht an die objektiven Möglichkeiten angepaßt sind. zeigt deutliche Par43 Die gesellschaftliche Praxis läßt sich selbstverständlich nicht ausschließlich durch Verwendung von Metaphern beschreiben und begreifen. auf die er verwiesen ist.und Anwendungsbedingungen . 1981. die der Gleichgewichtstheorie zuzuordnen sind."Kapital" als Instrument zur Aneignung von Chancen (1987. Dennoch hat die überraschende Beständigkeit gesellschaftlicher Strukturen die Sozialtheorien immer wieder dazu verleitet. Kämpfe und Konkurrenzverhältnisse aus den Austauschbeziehungen auszublenden. die Lücke zwischen "Wissen" und "Handlung" zu füllen. 170ff.. d. als wenn der Sinn der wahrscheinlichen Zukunft plötzlich Lügen gestraft wird und Dispositionen. das von den herkömmlichen.

Als Erzeugungsschema erinnert der Habitus an Hologramme bzw. 1973. 1932 von Bartlett. S. Für feinere Analysen und ein umfassenderes Verständnis sollten ergänzende Ansätze für eine integrierte Sichtweise hinzugezogen werden. S. Ein Beitrag zur Wahrnehmungspsychologie. "operative Abbildsysteme". 105ff. z. S.B.B.bzw. das sind Kritikpunkte. z. mittels "synthetischer Rekognition" werden Erlebnisse in den Gesamtzusammenhang der Erfahrung eingeordnet. Gemeint sind z.allelen zu dem Verständnis des Habitus bei Bourdieu als einem "System von Erzeugungsschemata". Im Unterschied zur abbild. 18). den Wissenserwerb durch Integration struktureller und prozeduraler Aspekte als Aufbau und Verfeinerung der mentalen Repräsentation der Wirklichkeit zu begreifen (vgl. S. "semantische Netzwerke" oder "Produktionssysteme". sondern ist eher (wie der ästhetische Geschmack) als ein Ordnungs. die innerhalb der Erfahrungsgrenzen der Herausbildung des Habitus liegen (vgl. zitiert nach Miller et al. 17.45 Auch in dieser Richtung ist vom strukturalistisch gefärbten Habituskonzept Bourdieus noch ein enormes Innovationspotential zu erwarten.bzw. sobald man dessen Erklärungsanspruch überfrachtet. Mandl et al. Mandl et al. Organisationsprinzip zu begreifen. was die Vorstellung einer Transformation endlicher Tiefenstrukturen in unendliche Oberflächenstrukturen be44 Quellen des Schema-Konzeptes lassen sich auf soziologischer Seite bei Alfred Schütz (1981. Trotz öberflächlicher Ähnlichkeiten. Komplextheorie und Gestalttheorie. 156). 1988. bei G.B. der den geordneten Sinnzusammenhang menschlicher Erfahrungen als "Schemata der Erfahrung" definierte. mit dem sich jene Gedanken. bestehend "aus all dem angehäuften. bei denen Informationen über das Ganze auch in einzelnen Elementen enthalten sind. Müller. Die auf den strukturellen Aspekt beim Erwerb von Wissen oder Handlungskompetenz konzentrierte Schemakonzeption ist sicherlich weniger gut als andere Theorien dafür geeignet. 1988. Auch in der Psychologie ist für die aktive Organisation von vergangenen Erfahrungen der Begriff "Schema" verwendet worden (z.. neuronale Netze. Wahrnehmungen und Handlungen spielend hervorbringen lassen. organisierten Wissen. Abb. 1973. zuerst 1932) finden. Göttingen 1923). Das Schematisierungsmodell deckt nur einen groben Bereich psychosozialer Handlungsregulation ab. modellgestützten mentalen Repräsentation vertritt das Schema (ebensowie der Habitus) kein konkretes "Bild" der Wirklichkeit. im Anschluß an eine Klärung des Zusammenspiels zwischen habituellen Schemata und Formen mentaler Repräsentation. durch das praktische Erfahrungen "ganzheitlich" in Form von mentalen und emotionalen Repräsentationen gespeichert und verfügbar werden.B.44 Der Schematheorie werden vor allem begriffliche Schwächen. 27). die sich auch gegen das Habituskonzept von Bourdieu einwenden lassen. mangelnde Falsifizierbarkeit und Probleme beim Übergang von der unbewußten zur bewußten Informationsverarbeitung vorgehalten (vgl. S. "mentale Modelle". Miller et al. E. vgl. das der Organismus über sich selbst und seine Umwelt gesammelt hat" (vgl. 134). auch die Verwendung des Schema-Begriffs in der Gestalttheorie. wodurch die Erfahrungsschemata als "Deutungsschemata" fungieren. 45 214 . Vagheit.

trifft. Bewußtem und Unbewußtem oder Individuum und Gesellschaft verhaftet bleibt. Konditioniertheit und Kreativität. S. 18: Der Habitus als "System von Erzeugungsschemata" In der Psychologie fungieren "Schemata" als innere "Bezugssysteme der Erfahrung" (vgl. S. S. Äußerungen. auch an die vorausgehenden Sozialisations. Mentalitäten etc. Bourdieu 1987. zitiert nach Mogel 1984. sondern über die Einschränkungen und Grenzen. 1988.Gedanken. S.). aber dennoch strikt begrenzte Fähigkeit zur Erzeugung ist der Habitus nur so lange schwer zu denken. 83). darf das Schemakonzept nicht mit dem Modell der Spracherzeugung verwechselt werden. Mandl et al. 80). 80).Abb. die auf der Grundlage des Vorwissens den Erwerb neuer Erfahrungen und Wissenskomponenten dadurch ermöglichen und dabei zugleich einschränken. 124).und 46 Die Spracherzeugungsschemata der "generativen Grammatik" verhalten sich zu denen des Habitus etwa wie das Sprechen mit einer Fremdsprache zu dem Sprechen und Denken in der Muttersprache (vgl. d. d. daß menschliche Erfahrungen (Wissen. Schemata sind erfahrungsbedingt und erfahrungsbedingend (ebd. indem sie die Aufmerksamkeit bei der Informationsaufnahme selektiv ausrichten. Mogel 1984. und zwar nicht in den Gleisen eines mechanischen Determinismus. 102f. Als unendliche. die Praxis. Sie verändern sich in Abhängigkeit von der Erfahrung" (Mogel 1984. 215 . 78). Schemata nehmen während der inneren Planung von Handlungen den antizipatorischen Anteil des Zielbezuges vorweg.) auf irgendeine Art und Weise schematisch geordnet ("strukturiert") sein müssen. in dem die Vergangenheit die Zukunft beeinflußt" (Neisser 1979.46 Während sich die "generative Grammatik" als ein System von (Transformations)Regeln auf die Sprachkompetenz (Sprachkenntnis) idealer Sprecher und Hörer bezieht. die stets in den historischen und sozialen Grenzen seiner eigenen Erzeugung liegen. "Schemata sind Strukturen. Wahrnehmungen. Gefühle und Handlungen auf der Grundlage von praktischen Vorerfahrungen erzeugt werden können. 135). den Abruf erworbenen Wissens beeinflussen und die Integration neuen Wissens in bestehendes Wissen organisieren (vgl. wie man den üblichen Alternativen von Determiniertheit und Freiheit. S. indem sie das Individuum gewissermaßen vororientieren. das Noam Chomsky (1969) in seiner "generativen Grammatik" vertritt. "Weil Schemata Antizipationen sind. die er bietet.. damit alle künftigen Wahrnehmungen.zu erzeugen. Da der Habitus eine unbegrenzte Fähigkeit ist. steht die konditionierte und bedingte Freiheit. Handlungen . S. S. sind sie das Mittel. 27. in völliger (kontrollierter) Freiheit Hervorbringungen . S. "Über den Habitus regiert die Struktur. Gefühle.h. Gedanken. die seinen Erfindungen von vornherein gesetzt sind. die ihn erzeugt hat. die den aktuellen Gegenstandsbezug von der Individuumsseite aus organisieren. Eine implizite Grundannahme bei der Verwendung des Schemakonzeptes bei Bourdieu ist. der unvorhergesehenen Neuschöpfung ebenso fern wie der simplen mechanischen Reproduktion ursprünglicher Konditionierungen" (Bourdieu 1987. verweisen die Tiefenstrukturen der Schemata auf die Organisiertheit des praktischen Sprachgebrauchs (performance) lebendiger Menschen in ihrem Alltagsleben. die er ja eben überwinden will.h.

die nachträgliche Illusion. weder einen vorher bewußt entworfenen Plan. "Produktionssysteme" in Form von Wenn-dann-Verknüpfungen) und Methoden der Suche nach einer geeigneten Problemlösung (vgl. 209).h. S. z. Damit wendet sich Bourdieu gleichermaßen gegen die trügerische sozialwissenschaftliche Vorstellung. die in einer Art 47 Vgl. Während die generative "Grammatik" den Erzeugungsprozeß an die Wirksamkeit von Regelkenntnissen bindet. die in der Verwechslung von Schema und Modell gründet. und die Bedeutung der Beziehungen zwischen Bild und Plan. 56. so deshalb. die durch die sprachliche Darstellung und Rationalisierung der Handlungspraxis in theoretischen Modellen konstruiert wird. 25ff. das mechanisch die Handlung lenkte" (Bourdieu 1979. letztlich an eine normative Praxis (vgl. den es auszuführen genügte (.Lernprozesse assimiliert werden können.. 208f. Tergan 1988). 1987. "Wenn die Individuen eher vom Habitus besessen sind. läßt gar keine andere Wahl zu. wie er in ihnen als Organisationsprinzip ihrer Handlungen wirkt.. d. auf eine Weise.. als so zu tun. weil sie ihn nur so weit besitzen. Mandl et al. derer sie symbolisch schon nicht mehr habhaft sind" (Bourdieu 1979.B. 226f.). d. Kluwe 1988.h. Tatsächlich gibt das Schema. In Analogie zur computergestützten Informationsverarbeitung (Stichwort: Expertensysteme) werden deklarative Wissensformen ("Zustandswissen" im Sinne einer "Daten-" bzw. im prozeduralen Wissen sind Angaben über Prozesse des Erwerbs. d. Galanter und Pribram (1973. "Produktionsregeln" bzw. Kenntnisse über Fakten.h. Cicourel 1975). als ob die Repräsentation der Praxis mit der objektiven Wahrheit dieser Praxis übereingestimmt hätte. der Veränderung oder der Anwendung des Wissens enthalten.). Pierre Bourdieu hat somit eine "Logik der Praxis" im Sinn. In seinem Habituskonzept versucht Bourdieu darüber hinaus dem "Intellektualismus" zu entgehen. der die "theoretische Logik". d. mit der "Logik der Praxis" verwechselt. als daß sie ihn besitzen. das 'in die Handlung Ordnung trägt'. S. bei den Akteuren der sozialen Praxis eine theoretische Beobachtungshaltung unterstellt (vgl. 188f. 1988).h. Bourdieu 1979. unbewußt wirkenden Mechanismus zuzuschreiben ist. S. Transformationsregeln für die Veränderung von Zuständen (sog. d. 74 und 147ff. "Wissensbasis". den "Plan" als Hierarchie von Verhaltensinstruktionen bei Miller. Gegenstände oder Situationen. Auf dieser Grundlage werden strukturelle Zustände des Systems und die darin ablaufenden Prozesse auf qualitative Weise "mental simuliert" (vgl. Putz-Osterloh 1988.). S. S. Begriffe. beruht die Übertragung der Schemata des Habitus auf "Dispositionen". 216 . noch ein Unbewußtes wieder.h. "Kurz.. d. über "reale" Zustände und Vorgänge) von prozeduralen Wissensformen ("Veränderungswissen" im Sinne eines "Inferenzsystems") unterschieden. vergleichbar mit dem Computerprogramm. Opwis 1988. wobei das theoretische Modell dem expliziten Plan der sich gerade vollziehenden Handlung gleichgestellt wird. oder als ob die Praxis sich auf vollkommen bewußte Weise auf der Grundlage des theoretischen Modells der sich realisierenden Handlung reguliert hätte.). daß sich die soziale Praxis aus rationalen Realitätsbildern und damit verbundenen strategischen Handlungsplänen47 kognitiv ableiten läßt oder einem geheimnisvollen.h. gerade nicht auf der Befolgung oder Ausführung einer "Regel".

aus dem die 'Machart' besteht" (Bourdieu 1987. 187). 531ff. das alle Hervorbringungen desselben Habitus tragen. die Besetzung begehrter Positionen.. S. "In Wirklichkeit (. S.h. dem bestimmte Unterscheidungsprinzipien bzw. d. "Kapital". Als Medium und Resultat des menschlichen Handelns sind soziale "Felder" erstens durch eine bestimmte räumliche Verteilung sozialer Positionen strukturiert (Struktur der Verteilung von Machtressourcen bzw. der auf einem "System von objektiv schlüssigen Erzeugungs. zweitens durch sich verändernde soziale Kräfteverhältnisse gekennzeichnet (Stellung oder Beziehung der "reichen" und "armen". 107. Diese Einheitlichkeit des Stils führt Bourdieu auf den Habitus zurück.und Ermöglichungscharakter sozialer Strukturen zu berücksichtigen. herrschenden und beherrschten Akteure zueinander) sowie drittens durch Konkurrenz.. S. 188f.und Ordnungsschemata" beruht. um den Begrenzungs. Den Begriff des Feldes benutzt Pierre Bourdieu.h.) werden die besonderen Habitusformen der verschiedenen Mitglieder derselben Klasse durch ein Verhältnis der Homologie vereinheitlicht. 197). scheint mir der Versuch unverkennbar. S. das als Struktur.. (.. das. Bourdieu 1982.. 113).) auf den gemeinsamen Stil verweist. (..als einheitliches Ganzes zu konzipieren. 1987.).48 In einem ersten Abstraktionsschritt präsentiert Bourdieu die soziale Welt als einen mehrdimensionalen "sozialen Raum". dessen Schemata eine Art "praktischen Sinn" erzeugen.) .und Machtkämpfe um den Besitz der im Feld relevanten Attribute. was Anthony Giddens (1988) als "Dualität" gesellschaftlicher Strukturen bezeichnet.) jedes System individueller Dispositionen ist eine strukturale Variante der anderen Systeme.. Unterschiede zwischen individuellen Habitusformen resultieren dabei aus den Besonderheiten der jeweiligen "sozialen Lebensläufe" (1987.h. weswegen der Habitus nicht nur durch Einhaltung des Stils (. aber dennoch systematisches Auswahlprinzip entpuppt (vgl. Verteilungsstrukturen von Handlungsressourcen ("Kapital") zugrundeliegen. Stand und Partei . 193f. 113. d. die als Gesamtheit der zu einer bestimmten Zeit möglichen Eigen48 Bei aller Mehrdeutigkeit der Metaphorik des Feldes bei Bourdieu. S. daß manche Felder wie ein Markt funktionieren (vgl. Der 'eigene' Stil. und um die Bewahrung oder Veränderung der bestehenden Verteilungsstruktur der Machtressourcen. 217 .). Verhältnis und Spiel bezeichnet wird. Die Bezugnahme auf Webers Klassentheorie wird besonders in der Vorstellung deutlich..) ist im Vergleich zum Stil einer Epoche oder Klasse immer nur eine Abwandlung. jenes besondere Markenzeichen. die drei komplementären Strukturierungsprinzipien gesellschaftlicher Machtverteilung bei Max Weber (1980. der den Selektionen auf den unterschiedlichsten Handlungsfeldern Konvergenz verleiht (1987. Bourdieu 1979.h. von den in diesem Feld begehrten und umkämpften Attributen)."Einheitlichkeit des Stils" zum Ausdruck kommt. d. S. sondern auch durch den Unterschied. in der die Einzigartigkeit der Stellung innerhalb der Klasse und des Lebenslaufs zum Ausdruck kommt.Klasse. das sich als ein häufig ungenaues und verschwommenes. d. vgl. S.

49 Die Metaphorik der sozialen Topologie bei Bourdieu präzisiert die Sphärenmetapher. 201ff. gebildet. 218 .). S. was allerdings nicht zu ökonomistischen Denkblockaden verführt. Zweiter Teil. ebd. die Max Weber seinerzeit verwendet hat. S. S. S.49 "Felder" werden durch eine spezifische "Verteilungsstruktur" der in ihnen wirksamen Machtressourcen. 10f..).h. besonders die spannungsreichen Beziehungen zwischen der religiösen Ethik und den verschiedenen sozialen. das kulturelle Kapital. weil die Strukturformen des sozialen Handelns ihre "Eigengesetzlichkeit" haben und im Einzelfall also stets durch andere als wirtschaftliche Ursachen in ihrer Gestaltung mitbestimmt sein können (Weber 1980. weil er als ein "offener Komplex relativ autonomer (. d. 9). S. d. das den drei genannten Kapitalsorten Anerkennung und Legitimität verleiht und vor allem in Form von Kodifizierungen und als Definitionsmacht wirksam wird. 1985.h.schaften und Merkmale innerhalb eines fraglichen sozialen Universums wirksam sind. "Wahlverwandtschaften" zwischen konkreten Wirtschaftsformen und den Strukturformen sozialen Handelns in den "eigengesetzlich" ablaufenden Prozessen der verschiedenen "Lebenssphären" (vgl. 1983. Dieser Raum ist in seiner sozialen Topologie mehrdimensional. sondern die inhaltliche Bestimmung der "Adäquanzbeziehungen" bzw.). S.B. "Wirtschaft und Gesellschaft" 1980. die Zusammensetzung und den Umfang des darin akkumulierten "Kapitals". um das Verhältnis zwischen der Wirtschaft und den gesellschaftlichen Ordnungen und Mächten zu charakterisieren (vgl.) der empirischen Forschung überläßt. Dieses Verhältnis stellt sich in der gesellschaftlichen Praxis als höchst vielschichtig dar. 184f. 1980. Arten von Macht. und schließlich das symbolische Kapital. ihren Trägern Stärke bzw. wobei die spezifische Logik eines jeden Feldes festlegt. 200f. das soziale Kapital. d. S.) Felder" strukturiert ist. sowie 1973.. 1985.. Dennoch wird auch von Weber die häufig auftretende praktische Dominanz ökonomischer Bedingungen betont (vgl. Das ökonomische Kapital. S. die gegenseitig ineinander transformiert werden können (vgl.). das auf sozialen Beziehungen oder Verpflichtungen beruht und besonders in Form von Adelstiteln (oder einer Zugehörigkeit zu auserlesenen sozialen Gruppen) institutionalisiert ist. sexuellen "Welten" und Lebenssphären. durch Verwertung arbeitsmarktgängiger Qualifikationen in der Erwerbsarbeit) in ökonomisches Kapital konvertierbar ist und vor allem in Form schulischer Bildungstitel institutionalisiert ist. 194f. 348ff. ökonomischen. die z. künstlerischen. Erster Halbband.h. was auf diesem speziellen Markt innerhalb der Austauschbeziehungen Kurs hat. politischen. 200f. durch die "organischen Intellektuellen" (Gramsci) einer sozialen Gruppierung realisiert wird. Innerhalb der einzelnen sozialen Felder kommen die verschiedenen Kapitalarten jeweils in objektivierter (soziale Eigenschaften und Merkmale der ökonomischen und kulturellen Güter) und in inkorporierter Form (Habitus) zur Geltung.). das unmittelbar und direkt in Geld transformierbar ist und vor allem in Form von Eigentumsrechten institutionalisiert ist. 32). das unter bestimmten Bedingungen (z. S. was im betreffenden Spiel relevant und effizient ist und was in Beziehung auf dieses spezielle Feld als spezifisches Kapital von den Akteuren zu mobilisieren ist und daher als Erklärungsfaktor der hier realisierten Formen von Praxis fungiert (vgl. 181-385. Bourdieu unterscheidet vier Kapitalsorten. S. 1982. Macht verleihen (vgl..B. 351f. die allerdings in einem mehr oder weniger großen Ausmaß in ihrer Funktionsweise und ihrem Entwicklungsverlauf vom ökonomischen Produktionsfeld abhängig sind (ebd.

S. und die doch. Das "Kräftefeld"50 wirkt als "Ensemble objektiver Kräfteverhältnisse". nicht nur auf den Sonderfall des Warentausches. die nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. als eine "soziale Energie" im Kräfteverhältnis zwischen den sozialen Akteuren. Drittens geht er von einer Übereinstimmung aus zwischen der Verteilungsstruktur verschiedener Arten und Unterarten von Kapital und der "immanenten Struktur der gesellschaftlichen Welt. Ihre Zeit. S. basieren" (Bourdieu 1985. in dem sie produziert und reproduziert wird (vgl. S. damit sie nicht aus dem Feld ausscheiden oder ausgeschlossen werden. kann Bourdieu sein Strukturkonzept an die dynamische Selbstbewegung der sozialen Praxis koppeln. jedenfalls insoweit. daß ein Feld nur funktionieren kann. gründen sie doch auf der ontologischen Komplizenschaft zwischen Habitus und Feld.51 Die sozialen Kräfteverhältnisse 50 51 Auf Parallelen zwischen dem Feldkonzept bei Bourdieu und der "Feldtheorie" von Kurt Lewin ist in der Literatur schon des öfteren eingegangen worden (vgl. daß gesellschaftliche Strukturen innerhalb von Handlungsprozessen von den Akteuren frei ausgehandelt und festlegt werden (vgl. verteidigt oder erkämpft werden. 1983. die sozial prädisponiert sind. 183).B. Der Zwangscharakter sozialer Felder soll nichts weiter besagen. "Das heißt mit anderen Worten.was sie in der Tat immer auch sind. d. In einem zweiten Schritt bringt Bourdieu Dynamik in die sozialen Strukturen des Raumes. der sich auch als ein "Kräftefeld" beschreiben läßt. wenn sich Individuen finden. "negotiated order" in der Theorie symbolischer Interaktion). als illusorisch erscheinen können . Da "Kapital" in seinen objektivierten und einverleibten Formen das Produkt "akkumulierter Arbeit" ist und der Verausgabung von Zeit und "sozialer Energie" bedarf. zuweilen ihre Ehre oder ihr Leben riskieren. als daß die spezifischen Notwendigkeiten eines Feldes von den darin Handelnden zumindest stillschweigend (an)erkannt werden müssen. auch tatsächlich wirksam sind (ebd. durch die das dauerhafte Funktionieren der gesellschaftlichen Wirklichkeit bestimmt und über die Erfolgschancen der Praxis entschieden wird" (ebd. auf der wiederum der Eintritt ins (wie die Verhaftung ans) Spiel. als die Eigenschaften und Merkmale.h. der Gewinne wegen. 10). 194).h. d. Kretschmar 1991). die es verspricht. Sein Kapitalkonzept bezieht sich erstens auf alle Formen von sozialem Austausch. auf den das reduzierte wirtschaftswissenschaftliche Kapitalverständnis zielt. 1982. die zur Konstruktion des Raumes herangezogen werden. die illusio. z. 77) größtenteils außerhalb von Zeit und Raum zu lokalisieren. S. der Gesamtheit der ihr innewohnenden Zwänge. z. S. die nur in dem besonderen Feld Bestand und Wirkung hat. die ihr Geld. d. wobei er "Kapital" als ein gesellschaftliches Verhältnis versteht. um das Spiel in Gang zu halten. von den Akteuren wahrgenommen und eingesetzt.In seiner "Wissenschaft von der Ökonomie der Praxis" versucht Bourdieu (vgl.. Mit der Betonung der relativen Unabhängigkeit und 219 .B. das gegenüber allen als objektiver Zwang wirksam wird. daß ich mir eine Diskussion dieses Zusammenhangs hier ersparen möchte. 75). als verantwortliche Akteure zu handeln.). Zweitens unterstellt Bourdieu eine prinzipielle Transformierbarkeit zwischen verschiedenen Kapitalarten und den entsprechenden Arten von Macht. 183f. die in das Feld eintreten (ebd...h. statt "Strukturen" wie Giddens (1988. Damit wendet sich Bourdieu gegen (inter)subjektivistische Annahmen in soziologischen Handlungstheorien. S. S. 10). Kapital und Profit "in allen ihren Erscheinungsformen" begrifflich zu erfassen. aus einer anderen Perspektive.

h. aber auch verladende Unternehmen und eine Industriearbeiterschaft).B. praktischer Glaube und Leib. weil der Sinn für die wahrscheinliche Zukunft. Mit der Herausstellung des Zwangscharakters der Objektivität gesellschaftlicher Tatbestände ist keineswegs ausgeschlossen. die ihre Ressourcen und ihre Interessen in dieses Feld investieren und dadurch.doxa). 220 . Weber 1980. vgl. Anerkennung der Spielvoraussetzungen . Kapital.innerhalb der gesellschaftlichen Teilräume fungieren gleichermaßen als Voraussetzung und Resultat sozialer Konkurrenz. aber auch Richtung. um was es bei diesem Spiel geht (also die illusio im Sinne von Spieleinsatz. Grundlage von Praktiken ist. also der objektiven Strukturen des Spielraums. Orientierung. S. 1985. verwendet Bourdieu die Metapher des sozialen Spiels. die den Akteuren zwar die prinzipielle Alternative zwischen Marktanpassung oder ökonomischem Untergang auferlegt (vgl. "Als besonders exemplarische Form des praktischen Sinns als vorweggenommener Anpassung an die Erfordernisse eines Feldes vermittelt das. da die sozialen Felder "Kampffelder" bilden. eine recht genaue Vorstellung von dem fast wundersamen Zusammentreffen von Habitus und Feld. solange es Akteure gibt (z. daß gesellschaftliche Strukturen den Akteuren Handlungsressourcen zur Verfügung stellen. das den elementaren sozialen (Austausch)Beziehungen zugrunde liegt. Habitus. das "fait social" bei Durkheim. 122). auch begrifflich besser zum Ausdruck zu bringen. Mit ihrer Teilnahme lassen sie sich auf das ein. Spielinteresse. S. die Verselbständigung der Verhältnisse gegenüber dem Verhalten bei Marx oder die "Marktvergesellschaftung" bei Weber).B. die nur funktionieren können. 74). Zukunft bekommt. 440). d. ihnen aber innerhalb des ökonomischen Feldes eine weitgehend freie Wahl der vielfältigsten Strategien erlaubt. sobald sie von ihnen praktisch angeeignet worden sind. Das Spielkonzept fördert als Sinnbild für die soziale Handlungspraxis den Zusammenhalt zwischen den einzelnen Teilkomponenten der Bourdieuschen Theorie der Praxis (Feld. daß dieses für die Spieler subjektiven Sinn. S. Um das Spannungsverhältnis. Aus dieser Perspektive lassen sich beispielsweise der Transport als gesellschaftliche Dienstleistung und die Transportunternehmen als soziale Felder begreifen. Bedeutung und Daseinsgrund. praktischer sozialer Sinn. "nicht zuletzt aufgrund ihres wechselseitigen AntagoStabilität gesellschaftlicher Strukturen gegenüber den individuellen Absichten einzelner Akteure oder deren direkten Interaktionen (vgl.1). auf denen um die Wahrung oder Veränderung der Kräfteverhältnisse gerungen wird (1985. die innerhalb der gesetzten "Spiel-Räume" des Marktes möglich sind. sorgt der Sinn für das Spiel dafür. auch Kapitel 5. von einverleibter und objektivierter Geschichte. S. Als Ergebnis der Spielerfahrung. die sinnvoll sind" (Bourdieu 1987. 10) knüpft Bourdieu an klassische sozialtheoretische Vorstellungen an (z. das die fast perfekte Vorwegnahme der Zukunft in allen konkreten Spielsituationen ermöglicht. Kunst der 'Vorwegnahme' usw. Spielergebnis. welche die Ökonomie eines Feldes ausmachen. über die sie relativ frei verfügen können.) bezeichnet wird.und Konfliktbeziehungen. Transportunternehmer und Fernfahrer. der sich aus der praktischen Beherrschung der spezifischen Regelmäßigkeiten ergibt. Außerdem objektiven Sinn. was in der Sprache des Sports als 'Sinn für das Spiel' (wie 'Sinn für Einsatz'. Die Herausbildung eines Marktes beispielsweise institutionalisiert objektive Zwangslagen.

"Brummi" oder die jüngste Anzeigenkampagne 1992 "Transport made in Germany .000 DM . Ganz gleich. lag der (offizielle) durchschnittliche Stundenlohn in allen Tarifgebieten der Bundesrepublik bei 8. 416) läßt die Berufskraftfahrer. die offiziell immerhin einen Facharbeiterstatus beanspruchen können. ob man den tarifvertraglich vereinbarten oder den tatsächlich gezahlten Lohn berücksichtigt: Das ökonomische Kapital der Fahrer im Straßengüterfernverkehr ist im Durchschnitt .30 DM.100 DM und 5. Daß die Rekrutierung geeigneter (d. möchte ich mich im folgenden auf eine Skizzierung des akkumulierten Kapitals lohnabhängiger Fernfahrer beschränken (zur Bedeutung des Kapitalbegriffs für die soziale Gruppierung der Fahrer vgl. mit der der zuständige Unternehmerverband (Bundesverband des Deutschen Güterfernverkehrs. S. 221 .und Gehaltsgefüge in der Spedition" (Baars 1990. sondern auch zwischen den einzelnen Wirtschafts- 52 Vgl. 74). bei Berücksichtigung einer im Durchschnitt geleisteten Arbeitszeit von 80 Arbeitsstunden je Woche.und Transportmärkten) erfordert zunächst eine Identifizierung der Verteilungsstruktur der Machtressourcen . "sozialen" und "Bildungs"-"Kapital" .2).und Verwertungsprozeß im Transportgewerbe und die damit verbundenen Tauschbeziehungen zwischen den relevanten Akteuren (besonders auf den Arbeits. beispielsweise "Kapitäne der Landstraße". 255) zufolge.52 Es gehört wenig Phantasie dazu. Das "traditionell niedrige Lohn.78 DM (bei Zwei-Personen-Besatzungen). Bekanntlich bestehen bei den Bruttostundenverdiensten der Industriearbeiterschaft nicht nur erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.57 DM (bei Alleinfahrern) bzw. Da eine umfassende Kapital-Analyse den Rahmen der vorliegenden Studie sprengen würde.dem "ökonomischen". der eine Stichprobe von 230 Fernfahrern 1981 nach ihren Einkommensverhältnissen befragt hat. in den unteren Rängen der Einkommenshierarchie rangieren. macht die Ernsthaftigkeit klar. S.als vergleichsweise gering einzuschätzen.h. (1) Einer Untersuchung von Günther Plänitz (1983.und Kampffeldern.946 DM allerdings rein rechnerisch einen tatsächlichen Bruttostundenlohn von durchschnittlich 7.auf den verschiedenen Konkurrenz. ergibt der durchschnittliche Bruttogesamtlohn von 2. zur Erhaltung oder gegebenenfalls auch Veränderung der Struktur beitragen" (vgl.jedoch bei einer Streuung innerhalb der Stichprobe zwischen 2. Kapitel 5.Unterwegs nach morgen". BDF) mit seiner Kampagnenpolitik Sympathiewerbung für das Gewerbe und seine Fahrer bereibt. 7. Bourdieu 1985.nismus. S. angesichts demographischer Entwicklungen ("Überalterung der Erwerbsstruktur") und arbeitskultureller Tendenzen ("Wertewandel") eine dramatische Verschlechterung der Rekrutierungschancen von Arbeitskräften für die vergleichsweise immer unattraktiver erscheinenden Arbeitsbedingungen im Transportgewerbe vorauszusehen. unter den gegebenen Bedingungen arbeitswilligen) Fernfahrer eine grundlegende Voraussetzung für den Erhalt der gegenwärtigen Strukturen des Feldes der Transportarbeit ist. "kulturellen". Die Anwendung des Habitus-Feld-Konzeptes auf den Arbeits.

5% der von Plänitz befragten Fahrer einen von den tatsächlichen Arbeitszeiten entkoppelten Pauschallohn erhalten (ebd. Laut "Lohntarifvertrag für die gewerblichen Arbeitnehmer des Speditions-. In die Lohngruppe 2 (Stundenlohn: 10. 1983. läßt sich in der Studie von Plänitz eine deutlich unterprivilegierte Einkommensklasse am unteren Ende der Rangordnung identifizieren. Die zunächst etwas sarkastisch klingende Bezeichnung vom "Hilfsarbeiter mit Führerschein".04 DM) "Fuhrleute. das die Frage der Bruttogesamtlöhne gänzlich von der Frage der erbrachten Arbeitsleistung abtrennt" (Plänitz 1983.500 DM (bei durchschnittlich 313 DM) pro Monat einbrachte (vgl.).5. bei der offenbar die niedrigsten Bruttogesamtlöhne aufgrund von Pauschallohnformen ohne festgelegter Stundenzahl und ohne Überstundenvergütung mit außergewöhnlich langen Arbeitszeiten korrelieren (ebd. 259ff. die nach achtjähriger einschlägiger Fahrpraxis (Führerschein Klasse II) "über gleichwertige Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen". S. kommt jenes Lohnsystem verstärkt zur Anwendung. Möbelträger sowie Lagerund Schuppenarbeiter" und in die Lohngruppe 4 (Stundenlohn 9. Lagerei. Auffallend ist die enorme Heterogenität unter den Einkommenschancen der Fahrer.54 DM) alle "sonstigen gewerblichen Arbeitnehmer (z. Erstaunlicherweise scheint in weiten Teilen des Straßengütertransportgewerbes kein systematischer Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und der geleisteten Arbeitszeit zu bestehen.94 DM. S.71 DM in der Schuhindustrie).oder Unfallfreiheitsprämien). oder Kraftfahrer. 347f.). Ablader. der den berufspraktischen Erfahrungen im Vergleich zum bloßen Bildungstitel des Facharbeiterbriefes im Transportgewerbe eingeräumt wird: In der Lohngruppe 1 (mit Stundenlöhnen in Höhe von 10. die im Transportgewerbe vor allem unter Fahrern und Gewerkschaftsvertretern kursiert (vgl. im folgenden Statistisches Bundesamt.1985" (hg. "Gerade dort.. in die Lohngruppe 3 (Stundenlohn: 10. Trotz Vielfalt der ökonomischen Chancen insgesamt.).77 DM. Datenreport 1983. oder Kraftfahrer ohne abgeschlossene Ausbildung oder Prüfung als Berufskraftfahrer. hier S.18 DM und die Hilfsarbeiter (Leistungsgruppe 3) 12. erfolgt die Eingruppierung der Arbeitskräfte nach Kriterien. die ohne Ausbildung nach vierjähriger Fahrpraxis (Klasse II) eine staatlich anerkannte Prüfung als Berufskraftfahrer erfolgreich bestanden haben. die den hohen Stellenwert andeuten. andererseits durch ein ausgeklügeltes Prämiensystem bedingt ist (Akkord-. S. Beifahrer. S. S. wobei die Facharbeiter (Leistungsgruppe 1) durchschnittlich 15.95 DM im Jahr 1985) finden sich Kraftfahrer mit erfolgreich abgeschlossener zweijähriger Ausbildung als Berufskraftfahrer und anschließender zweijähriger "einschlägiger Fahrpraxis (Führerschein Klasse II)". scheint zumindest für die finanziellen Verhältnisse der meisten Fahrer treffend. da 76. die angelernten Arbeiter (Leistungsgruppe 2) 14. 3f.. Treue. von der ÖTV. aber auch für den Unternehmerverband von Berg 1983. Lader.35 DM in der Mineralölverarbeitung und 9.66 DM verdienten (bei einer Bandbreite der Bruttostundenlöhne in dieser Leistungsgruppe zwischen 15.B. wo die größten Arbeitsleistungen und die längsten Arbeitszeiten erbracht werden. 264f.).67 DM) werden alle übrigen "Kraftfahrer". 28).und Transportgewerbes Nordrhein-Westfalen vom 30. das den von Plänitz befragten Fernfahrern beispielsweise unversteuerte Einkünfte zwischen 15 DM und 1. eingruppiert.).zweigen und den verschiedenen Leistungsgruppen (vgl. So lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Arbeiter in der Industrie im Jahr 1981 bei 14. S. was einerseits aus unterschiedlichen Lohnformen resultiert (Stundenlohn oder Pauschallohn mit oder ohne festgelegter Stundenzahl. sowie jeweils mit oder ohne tarifvertragliche Überstundenbezahlung). 266). 265f. Stallarbeiter)". Gleichzeitig scheinen die Einkommenschancen in einem Konkurrenzverhältnis zur Einkommenssituation in indu- 222 .

daß der Abstand zwischen jenem Einkommen. Objektiviertes Kulturkapital existiert in Form von kulturellen Gütern und Objekten. Hohe Leistungsbereitschaft.und Unterrichtszeit kostet. die sich gar nicht oder zumindest nicht unmittelbar in Geld konvertieren lassen. die durch den Einsatz ökonomischen Kapitals zum Gegenstand materieller Aneignung werden (Eigentumsrechte) und symbolisch angeeignet werden können. S. Dieses Verständnis schließt auch jene persönlichen Qualitäten mit ein. und 53 Im Anschluß an eine Verwendung des Begriffs "Bricolage" (Bastelei) bei Lévi-Strauss. während sie andere nicht annimmt oder sogar verabscheut? "Der entscheidende Punkt ist hier.. Fertigkeiten) als inkorporiertes Kulturkapital bezeichnen. Beck et al. objektiviertem oder institutionalisiertem Zustand. z. ist die Bedingung. würde ich alle auf dem Arbeitsmarkt und in beruflichen Tätigkeitsfeldern relevanten und "verwertbaren". daß der materielle Anreiz zur Fernfahrerei letztlich entfiele. sofern ein adäquates inkorporiertes Kulturkapital vorhanden ist und mobilisiert werden kann. damit die betreffenden Mitglieder sich im Spektrum der vorhandenen symbolischen Objekte wiedererkennen können. Dieses entwickelte Selbstbewußtsein. ist grundsätzlich körpergebunden und setzt einen Verinnerlichungsprozeß voraus.) diese Form subkultureller Stilbildung bei Arbeiterjugendlichen untersucht. überlange Arbeitszeiten und die mit Nachtfahrten verbundenen besonderen Beanspruchungen (Ermüdung. 136ff. Dies würde nämlich Güterfernverkehrsunternehmern große 'Nachwuchsprobleme' schaffen" (ebd. 223 .). Inkorporiertes Kulturkapital. Berufsbezogene Qualifikationen weisen über das enge (fachliche) Anforderungsspektrum der jeweiligen Arbeitstätigkeiten hinaus (vgl. S.B. daß das Selbstbewußtsein der Gruppe ausreichend entwickelt ist. der meist stillschweigend als selbstverständlich vorausgesetzt wird. das in der Form von dauerhaften Dispositionen zu einem festen Bestandteil einer Person wird (Habitus). Dies verlangt. und zwar in inkorporiertem. die innerhalb des Gesamtsystems möglicher Bedeutungen zu einer neuen symbolischen Besetzung des Gegenstandes durch eine "Gruppe" führt. um neue Bedeutungen zu kommunizieren. kognitiven und emotionalen Qualifikationen (Fähigkeiten. daß die Gruppe sich selbst in den mehr oder minder verdrängten potentiellen Bedeutungen bestimmter symbolischer Objekte wiedererkennen muß. Auf das Feld der Erwerbstätigkeit bezogen. Kulturelle Güter spielen in der Stilisierung des Lebens und der Arbeit von Fernfahrern eine besondere Rolle. die Fähigkeit.B. und ihrem Fernfahrergesamteinkommen nicht so klein wird. 17ff. Trucker-Musik oder spezielle Trucker-Accessoires für die stilgerechte Ausstattung von Lkw und Fahrern). Vigilanzanforderungen) zu bewältigen sowie ein hohes Maß an körperlich-nervlicher Selbstbeherrschung dürfte ein wichtiger Bestandteil des "männlichen" Arbeitsvermögens von Fernfahrern sein. ihren erlernten Tätigkeiten erzielen könnten. S. 272). im folgenden 1983. ist eine "Neuordnung und Rekontextualisierung von Objekten"53 denkbar. Neben der "Erfindung" neuer Güter oder der (weitgehenden) Monopolisierung der Aneignung bereits bestehender Objekte mit hohem sozialen Identifizierungswert (z. 185-190). die besonderen Werte und Interessen der betreffenden Gruppen auszudrücken. Warum übernimmt aber eine Gruppe bestimmte symbolische Objekte. die die Unternehmer bei der Festsetzung des Fernfahrereinkommens zu beachten haben. daß das betreffende Objekt im Spektrum seiner potentiellen Bedeutungen die 'objektive Möglichkeit' haben muß. S. 1980.striellen und handwerklichen Berufen zu stehen: "Die einzige 'Untergrenze'. hat John Clarke (1981. (2) Kulturelles Kapital kann Bourdieu zufolge in drei Zustandsformen existieren (vgl. CB-Funk. Truck-Stop. der mit der Übertragung kulturellen Kapitals innerhalb der Familie beginnt (Sozialisation) und der Lern. Auch ist es erforderlich. daß die Fernfahrer in anderen.

5. richtet sich also nach den Homologien zwischen dem Selbstbewußtsein der Gruppe und den möglichen Bedeutungen der vorhandenen Objekte" (Clarke 1981. mehrdeutiger oder sogar gegensätzlicher Stilelemente beitragen. während die unter der Oberfläche verborgenen. ein Zusammenspiel.54 Die materielle und symbolische Aneignung der von der Gruppe bevorzugten Gegenstände verhilft der Gruppe zugleich zu einer subjektivierten Existenzweise.zwar entwickelt sowohl hinsichtlich seines Inhalts (Selbstbild der Gruppe) wie auch seiner Orientierung an symbolischen Objekten.2). betont John Clarke zu Recht die Verbindungen innerhalb der subkulturellen Stilbildung zwischen der Herausbildung von "Identität" und "Selbstimage" einer Gruppe und der symbolischen Grenzziehung der Gruppe nach außen (vgl. ist das Mittel. daß die berufskulturelle Stilisierung bei Fernfahrern vor allem in ihren beruflichen Mythologien zum Ausdruck kommt. In der Tradition des "Centre for Contemporary Cultural Studies" (CCCS) an der Universität Birmingham stehend. Kapitel 2. was die Legitimität dieser personenbezogenen kulturellen Form ausmacht und seine Konvertierung zu ökonomischem Kapital sichert. durch welches der Stil geschaffen wird. Kapitel 5. Die Betonung der Intentionalität des Handelns mag bei der subkulturellen Gruppenbildung von kopräsenten. Das institutionalisierte Kapital von Fernfahrern ist somit im 54 Zu den "objektiven Möglichkeiten" kultureller Objekte vgl. S. auch Willis 1981. weil hier die "Grenzen individueller 'Präsenz' durch die 'Ausdehnung' sozialer Beziehungen über Raum und Zeit hinweg überwunden werden" (Giddens 1988. Im institutionalisierten Zustand ist das kulturelle Kapital in Form von Bildungstiteln zugleich objektiviert und an die den Titel tragenden Personen gebunden. wobei der in vielen Nuancen repräsentierte Männlichkeitsmythos sich als ein zentrales stilistisches Element identifizieren läßt (vgl. Der Ausbildungsstand von Berufskraftfahrern liegt unter dem Durchschnitt der Erwerbstätigen und viele der hauptberuflich tätigen Kraftfahrer kommen aus handwerklichen und gewerblichen Berufen. indem die objektiven Eigenschaften durch den Gebrauch der Kultobjekte einverleibt werden und damit zur selektiven Fortführung der individuellen und kollektiven Stilisierung der Gruppenpraxis verhelfen. S. auch Kap. für die Untersuchung berufskultureller Stilbildungen und Gruppierungen reicht dies nicht aus. Kapitel 2. 224 .2). die mit schlafwandlerischer Sicherheit die Selektionen des angemessenen Geschmacks anleiten und damit letztlich erst zur strukturellen Homologie im Ensemble unterschiedlicher. Meine Annahme ist. (in Freizeitcliquen. die durch Ausbildungsüberschüsse gekennzeichnet sind und fachlich meist nur wenig mit der Tätigkeit eines Berufskraftfahrers gemeinsam haben (Stichwort "Auffangbecken" für Ausbildungsüberschüsse.3). 88). so daß mit dem lediglich formal anerkannten Berufsbildungstitel des Berufskraftfahrers keine besonderen Schutzfunktionen oder Privilegien verbunden sind (vgl. das von keiner noch so bewußten Intention derart perfekt inszeniert werden könnte. Die Fernfahrertätigkeit scheint für viele ein Endpunkt in der absteigenden Kurve ihrer sozialen Berufslaufbahn zu sein. vgl. Die Selektion der Objekte. Allerdings dürften das Selbstbewußtsein und das ideologisch gefärbte Selbstbild einer Gruppe nur die mehr oder weniger deutlich erkennbare "Spitze des Eisbergs" ausmachen.2). durch die der Stil geschaffen wird. 139). 247ff. unbewußten Dispositionen und leibhaftigen Klassifikationsschemata ausgeblendet bleiben. S. Die Verberuflichung der LKW-Fahrer ist insgesamt nur als schwach zu bewerten. Gangs oder ähnlichen Kleingruppen) direkt miteinander interagierenden Akteuren noch nachvollziehbar sein. der den kulturellen Gegenständen ein hohes Widerstandspotential gegenüber der Aneignungsarbeit einräumt.

). der einerseits bereits die Anfänger zu einer großen Opferbereitschaft erzieht. 225 . die diese "Proben" mit Geduld und Humor ertragen. 224f.Vergleich zu anderen Facharbeiterberufen als weniger "legitim" und gesellschaftlich anerkannt einzustufen ("Hilfsarbeiter mit Führerschein"). Wie Plänitz (1983. Diese wohl eher unbewußte Strategie. weshalb sich für die meisten Fahrer nur wenig attraktive Alternativen zur Tätigkeit im Fernverkehr auftun. daß die mangels beruflicher Mobilitätschancen nur geringen Aussichten auf eine positive Veränderung der Arbeitsbedingungen die Bereitschaft verstärkt. der das enge räumliche Zusammenleben etwa bei den Feuerwehrleuten ausmacht. bei Feuerwehrleuten) werden Neulinge oft über einen längeren Zeitraum von ihren älteren Kollegen mit teilweise recht rohen "Streichen" gequält. S. Der Umfang des Sozialkapitals hängt ab von der Aus55 In gefährlichen Berufen (z. 190f. körperlich noch leistungsfähigen Fernfahrernovizen gerade dort eingesetzt. die das Verhältnis vieler Fahrer zu ihrem Beruf kennzeichnet. Es ist anzunehmen. werden auf dem öffentlichen Stellenmarkt (Zeitungsannoncen) erst gar nicht ausgeschrieben. vertrauenswürdig und zuverlässig erweisen werden. (3) Das soziale Kapital ist bei Bourdieu definiert als "Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen. Die größte Fluktuation weisen aber gerade die Firmen auf. S. die auf der "Zugehörigkeit zu einer Gruppe" beruhen (1983. aus der Not eine Tugend zu machen wird durch eine innerberufliche Mobilitätstendenz unterstützt. sondern unter der Hand im Bekanntenkreis der dort beschäftigten Fernfahrer vergeben. d. als Prüfstein dafür. die Verlade. die bei den Unternehmen mit der größten Fahrerfluktuation frei werden. wo in brenzligen Situationen unter enormem körperlichen und psychischen Druck das Leben vom reibungslosen Zusammenspiel zwischen den Kollegen abhängt (vgl. 227) berichtet.55 Andererseits führt die frühzeitige (Selbst)Auslese der "ungeeigneten" Kandidaten dazu. werden Branchenneulinge Opfer einer besonderen Arbeitsplatzstruktur: Die Fernfahrerarbeitsplätze. vgl. sich mit dem zufriedenzugeben.2% der von Plänitz befragten Stichprobe von 230 Fernfahrern waren permanente Alleinfahrer.). 1983.h. Hierbei wird ein Selektionsmechanismus wirksam. S. Danach werden vor allem die jungen. als eine der weniger begehrten Stellenangebote anzunehmen. McCarl 1980) ein recht ausgeprägtes informelles System zur Auslese ihrer Novizen entwickelt haben. Angesichts der sozial isolierten Arbeitssituation der meisten Fernfahrer kann eine derart rigorose berufliche Sozialisation durch den Kollegenkreis allerdings nur in begrenztem Umfang wirksam werden (62.B. in denen die schlechtesten Arbeitsbedingungen herrschen und bei denen es selbst die "geduldigsten" Fahrer nicht lange aushalten.oder Zollstationen als Orte der beruflichen Zusammenkunft haben nicht jenen unausweichlichen Charakter.B. 84). wo sie den schlechtesten Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. In öffentlichen Stellenanzeigen werden häufig nur die Stellen inseriert. die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens und Anerkennens verbunden sind". was man hat. bevor sie später. es handelt sich hierbei um Machtressourcen. die sich als noch unerfahrene Neulinge zum Fernfahren "berufen" fühlen oft nichts anderes übrig. nach entsprechender beruflicher Erfahrung (und Sozialisation) auf freiwerdende attraktivere Arbeitsstellen im Straßengüterverkehr überwechseln können. sich auch in der harten Realität als zäh und unerschrocken. die unter den Fahrern einen relativ guten Ruf haben. Die Truckstops und Raststätten. die nach amerikanischen Studien (z. Allerdings bleibt jenen. daß diejenigen. S. um auf Positionen mit besseren Arbeitsbedingungen aufzurücken. die Plänitz beobachtet hat. daß offenbar ohnehin nur die leistungsfähigsten und leistungswilligsten Fahrer lange genug durchhalten. Toelken 1986.

S. Subunternehmer)56 trennen.B. 226 . 535) ist die "Zumutung einer spezifisch gearteten Lebensführung an jeden. andererseits liefern Institutionen Anlässe.. Die materielle und symbolische Institutionalisierungs. S.. gleichzeitig werden ihre Grenzen bestätigt.und Beziehungsarbeit als Akte gegenseitiger Anerkennung ist eine entscheidende Voraussetzung für die soziale Gruppierung (z. im folgenden ebd.dehnung des Netzes sozialer Beziehungen und von dem Umfang des Kapitals derjenigen. die zugleich weder im Güternahverkehr noch in anderen Gewerben aktiv waren. Bei der Beziehungsarbeit wird Zeit und Geld und damit. Jedes Gruppenmitglied wird so zum Wächter über die Gruppengrenzen: Jeder Neuzugang zu der Gruppe kann die Definition der Zugangskriterien in Gefahr bringen. d. S. durch die sich die gegenseitige Anerkennung immer wieder neu bestätigt. Zugehörigkeit zu einer angesehenen. (. Die Stilisierung des Lebens und der Arbeit bei den lohnabhängigen Fahrern läßt sich aber nur mit großer analytische Mühe von dem Stil der selbstfahrenden Unternehmer (owner operator.h. 222) schätzt die Zahl der selbstfahrenden Unternehmer im Straßengüterfernverkehr im Jahr 1986 auf lediglich 756. Orte oder Praktiken für das Zusammentreffen von Individuen (z.).und Beziehungsarbeit erforderlich. muß selbstverständlich erst einmal eine "Gruppe" existieren. in denen die materiellen und symbolischen Aspekte untrennbar miteinander verbunden sind.). mit denen jemand in Tauschbeziehungen steht (vgl.. ist es niemals völlig unabhängig davon (S. Durchsetzung einer allgemein anerkannten Benennung der Gruppe).B.) Für die Reproduktion von Sozialkapitals ist eine unaufhörliche Beziehungsarbeit in Form von ständigen Austauschakten erforderlich. zu der man sich legitimerweise "zählen" darf. direkt oder indirekt. wobei er allerdings nur die Unternehmen mit einer Fernverkehrsgenehmigung berücksichtigt. Mit der gegenseitigen Anerkennung und der damit implizierten Anerkennung der Gruppenzugehörigkeit wird so die Gruppe reproduziert. anerkannten Gruppe. Raststätten etc. auch ökonomisches Kapital verausgabt" (Bourdieu 1983. Die Entstehung und "Akkumulation" von Sozialkapital ist an Austauschbeziehungen gebunden. 192f. jenseits derer die für die Gruppe konstitutiven Austauschbeziehungen (Handel. 191-195). 191): "denn die in den Tauschbeziehungen institutionalisierte gegenseitige Anerkennung setzt das Anerkennen eines Minimums von 'objektiver' Homogenität unter den Beteiligten voraus" und übt einen "Multiplikatoreffekt auf das tatsächlich verfügbare Kapital" aus. Kommensalität. "Der Austausch macht die ausgetauschten Dinge zu Zeichen der Anerkennung. Im Anschluß an Max Weber (1980. der dem Kreise angehören will" mit einer materiellen und symbolischen "Stilisierung" der Lebensführung verbunden. die Grenzen. Obwohl das soziale Kapital nicht unmittlbar auf das ökonomische oder kulturelle Kapital reduziert werden kann. indem sie die Grenzen des als legitim geltenden Austausches verändert. Gefälligkeiten und Hilfestellung im Sinne von "social support". die in den 56 Ulrich Paasch (1990. denn jede Mésalliance kann die Gruppe verändern. Heirat) nicht stattfinden können. S. die eine Grundlage für die (Re-)Produktion und Beanspruchung ständischer Ehre bildet. Um das Kapital einer Gruppe stellvertretend für sich mobilisieren zu können. Die Reproduktion sozialer Gruppen macht eine fortlaufende Institutionalisierungs. Trucker-Feste.

227 . Kein Wunder also. entweder als lohnabhängige Fernfahrer innerhalb des Transportgewerbes zu bleiben.. Paasch und Ruthenberg 1990. Mayer. Gesterkamp 1987. 27ff. Die Konkurrenz. sich unterwegs wie selbständig fahrende "Trucker" zu "fühlen" und nach außen hin zu präsentieren. S. vgl. Aufgrund der Wahrscheinlichkeiten in der "sozialen Laufbahn" abhängig beschäftigter Fernfahrer.und Kampfbeziehungen im Feld der Dienstleistungen des Straßengüterfernverkehrs sind durch eine entscheidende Besonderheit geprägt.590 im Fernverkehr aktiven Transportunternehmen ausmachen (Betriebe mit einer Fernverkehrsgenehmigung. auch Bögenhold 1987. zitiert bei Plänitz 1983. autonomer Selbständigkeit. bis es schließlich 25 waren" (typische Aussage eines Fernfahrers. um 'rasch' Geld zu verdienen. Florian 1994). während die Außenhaut der Aufbauten häufig verladenden Firmen als Werbefläche dient). wobei diese an sich trügerischen "Vorstellungen" noch dadurch unterstützt werden. somit nicht unbedingt als ein Schritt zu einer Form sich selbst tragender.. in denen ihre Aussichten auf dem segmentierten Arbeitsmarkt und ihr vergleichsweise geringer Besitz an ökonomischem und kulturellem Kapital zum Ausdruck kommen. Die lohnabhängigen sind von den selbständigen Fahrern lediglich dadurch zu unterscheiden. durch die sie sich von den üblichen sozialen Tauschbeziehungen in industriellen Produktionsfeldern unterscheiden. rechtlichen und sozialen Bedingungen (hohe Risiken bei geringen Ressourcen an ökonomischem und kulturellem Kapital) eher als eine "ScheinSelbständigkeit" (vgl. auf (aus ihrer Sicht) noch unattraktivere industrielle Betätigungsfelder überzuwechseln oder aber gezwungenermaßen als Berufs. 254). Paasch 1990a/b). die das Ideal wie den Mythos des sogenannten "Mittelstandes" eigentlich ausmacht (vgl. wo lediglich die Not zur Tugend gemacht wird.USA die Stilbildungen im Transportfeld dominieren und auch in der Bundesrepublik im Jahr 1986 gut ein Drittel der 8. daß die auf eigene Rechnung fahrenden Fernfahrer ihr Eigentumsverhältnis auf dem LKW öffentlich anzeigen können (was in US-amerikanischen Truckerfilmen meist auf den Kabinentüren geschieht. Kapitel 2. S. Diese symbolische Unschärfe ermöglicht es den lohnabhängig Beschäftigten. daß viele Unternehmer ihre angestellten Fahrer aufgrund der ihnen zugestandenen (und auch abverlangten) Autonomie und Verantwortung weitgehend wie "Selbständige" behandeln (vgl.2). Gleichzeitig wirkt die "Verselbständigung" zu selbstfahrenden "Subunternehmern". sind die Fahrer weitgehend dazu verurteilt. iii). Ich hängte noch einmal fünf Jahre dran. die vielen abhängig beschäftigten Fahrern häufig vom Arbeitgeber mehr oder weniger stark aufgedrängt wird. 68ff. 155ff. Trotz dieser widrigen Umstände muß das Risiko der Selbständigkeit für viele als die einzige realistische Chance zu sozialem Aufstieg attraktiv erscheinen. auch Ouellet 1987. zu der aus der Not geborenen "neuen Selbständigkeit"). daß ich zu wenig verdient hatte. Nach fünf Jahren mußte ich feststellen. angesichts der prekären ökonomischen. daß sich die Stilisierungen des Arbeitslebens von Fernfahrern häufig auch dort an der Mythologie der Selbständigkeit orientieren. S.oder Erwerbsunfähige die Tätigkeit des Berufskraftfahrers für Frühverrentung oder Schonarbeit irgendwann ganz aufzugeben (vgl. "Eigentlich wollte ich den Job nur fünf Jahre machen. S.

bei dem sich der für die persönliche und kollektive Identität der Arbeiterklasse stilbildende Männlichkeitsethos mit der für den kleinbürgerlichen Habitus und Geschmack stilbildenden Beflissenheit und Prätention vermählt. S. 600f. was der zwiespältigen Position der Fahrer an einer der vielen Nahtstellen zwischen "Kapital" und "Arbeit" innerhalb des sozialen Raumes entspricht (vgl. eine Melange der Mehrdeutigkeiten. Es bedarf männlicher Eigenschaften. daß in der (teilweise mythologisch gefärbten) Stilisierung der Arbeit und des Lebens vieler Fernfahrer eine Mischung aus "proletarischem" und "kleinbürgerlichem" Lebensstil zum Ausdruck kommt. deren es bedarf. Einerseits sind Fernfahrer Träger von sozialen Merkmalen und Eigenschaften.).). Allerdings beziehen sich hier Fleiß und Eifrigkeit der LKW-Fahrer "als Prinzip" weniger auf Bildungsprozesse (dem wohl begehrtesten Objekt kleinbürgerlicher Karrierestrategie).) Unzufriedenheit mit der Arbeit wird von politischer Unzufriedenheit abgekoppelt und nach einer Logik. die gleichsam als Grundschema für die vielfältigsten Stilisierungen fungiert. als vom Wesen des Zwanges. 500-619). "Die Härte und Mühsal der körperlichen Arbeit . Egal welche spezifischen Probleme eine schwierige Aufgabe aufwirft . S. zumal die prekären Grenzen ihrer Selbständigkeit bei den am Rande der Rentabilität fahrenden auch weiterhin vorrangig an die Risiken des Verlustes körperlicher Kraft gebunden bleiben. Bourdieu 1982. Der geringe Besitz an ökonomischem und kulturellem Kapital. 198.Meine These ist. Andererseits zeigen viele Fernfahrer Züge eines kleinbürgerlichen Lebens. um mit ihnen fertigzuwerden.wird maskulin überhöht und vertieft und gewinnt eine über sie selbst hinausgehende Bedeutung. Alles deutet darauf hin.. Schwierige. und als ob dieses körperkraftfixierte Männlichkeitsethos auch selbstfahrende Unternehmer nicht verlieren.und Arbeitsstils. durch die Arbeitsteilung bedingt und nach streng kapitalistischer Logik. vorrangig auf ihre Arbeitskraft zu setzen und weitgehend körperliche Arbeitstätigkeiten unter Bedingungen der Lohnabhängigkeit zu verrichten. S. der vor allem durch Beflissenheit (Ehrgeiz und Sorge um Anerkennung der eigenen Leistungen).. korrespondiert mit einer für die unteren Klassen kennzeichnenden Beziehung zum eigenen Körper. weil Bildungstitel im Straßengüterverkehr nur gering verwertbar ist. (. Statt dessen orientieren sich 228 . bei der die "hohe Bewertung physischer Kraft als Grundlage der Männlichkeit und die Hochschätzung von allem.. S. besonders S. Sie werden mehr von der Härte her verstanden. die üblicherweise der "Arbeiterklasse" zugerechnet werden. 223f. zum Ausdruck kommt. durch Prätention (zugleich Anspruch auf und Anmaßung von "Selbständigkeit") und der Tendenz zur Übertreibung gekennzeichnet ist (vgl. Die Brutalität der Arbeitssituation wird partiell uminterpretiert als heroische Konfrontation mit der Aufgabe.es sind sozusagen immer männliche Probleme. der sie überhaupt erst auferlegt" (Willis 1982. sondern als Herausforderung an männliche Bereitschaft und Härte. als ob diese bezeichnende Beziehung zum eigenen Körper. im "Habitus" vieler Fernfahrer inkorporiert ist. was der Schaffung und Erhaltung dieser Männlichkeit dient" (vgl.an sich. ohne jede Größe und Heroismus . 218ff. Bourdieu 1982. mit dem symbolischen Bereich des Sexuellen vermischt. 84ff. der sie in den Feldern der gesellschaftlichen Arbeit dazu zwingt.). 1986. was sie sind. im folgenden die Charakterisierung des "kleinbürgerlichen" und des "proletarischen" Lebensstils bei Bourdieu 1982. S. in einem gewaltigen Umweg. unbequeme oder gefährliche Bedingungen werden nicht als das erkannt. die sich nicht auf ein Entweder-Oder festlegen läßt. sondern ein Sowohl-Als-auch vertritt. 500ff. Willis 1982. sie zu bestehen..

528). Ouellet (1987) ist in einigen US-amerikanischen West Coast Trucking Companies der Frage nachgegangen. 272).h. However. "Wenn sein Ehr-geiz den Kleinbürger zwingt. Im Arbeitsalltag.): "However. deren Zusammensetzung nach dauerhafter Anerkennung verlangt. Kap. daß sie mit ihren Arbeits(zeit)leistungen permanent über ihre Verhältnisse zu leben bereit sind.. warum die Fernfahrer so hart arbeiten und welche Bedeutung sie selbst ihren Arbeitsleistungen zuschreiben. "Owners of competitive sector trucking companies have a difficult time resorting to the whip as a means of translating labor power into labor. Lawrence J.viele Fahrer vor allem auf Aspekte der Selbstbeherrschung. die für den Aufstieg notwendigen ökonomischen und kulturellen Mittel aus sich herauszuholen" (Bourdieu 1982. autonomous actors who own the means of production) and assisting them in realizing gender prescriptions and occupatio- 229 . is ignoble. was sich in den fundamentalen Ambivalenzen einer Haßliebe zum Beruf äußert. In der symbolischen Verarbeitung ihrer sozialen Position wird aus der Not des harten Arbeits. dazu treibt. 5. durch alle Formen von Selbstausbeutung. der den lohnabhängigen Fernfahrern ebenso wie den meisten selbstfahrenden Unternehmern allenfalls eine "kontrollierte" Autonomie gestattet. um durch die enge Pforte zu passen. asketischen Selbstdisziplin und riskanten Einsatzbereitschaft in der Erwerbsarbeit." Angesichts der mangelnden Praktizierbarkeit direkter Formen der Überwachung und Kontrolle hat sich eine Umgangsweise der Transportunternehmer mit ihren Fahrern herausgebildet.. die unter Männern als unwürdig oder unehrenhaft gelten (ebd. in der die Leistungsmotivierung auf Formen symbolischer Verkennung des Lohnarbeitsverhältnisses aufbaut. sustained. though direct supervision of drivers is not practical. Effort implies the worthiness of labor. S. und insbesondere durch asketische Fähigkeiten und malthusianistische Einstellungen.) In addition. S. gender prescriptions for traditional manhood positively value the capacity for high. d. so gibt er ihm andererseits auch die Kraft. die zur Bourgeoisie führt und aus ihm einen Bürger macht (Bourdieu 1982. darauf. S. eine brisante Mischung. By treating drivers as independent operators (i. sofern es sich dabei um Tätigkeiten handelt. however. Im Truckermythos verschmelzen Männlichkeitsethos und Sehnsucht nach Selbständigkeit (vgl.und Lebensalltags der Fernfahrer und der für sie nur schwer zu überwindenden Schwellen zum sozialen Aufstieg eine Tugend maskuliner Herausforderung und Ehre gemacht. and unmanly. mit anderem Ehrgeiz zu konkurrieren und ihn um den Preis einer permanenten Anspannung. especially at one's own expense and another's profit. daß die erste Frage weitgehend als eine Antwort auf die zweite Frage zu begreifen ist: "Drivers work as hard as they do. owners. der sich klein machen muß. Der Kleinbürger erscheint als ein Proletarier. High effort extracted by the tip of a whip spoils the equations between effort and work's worthiness and between effort and a man's worth. To be forced into high effort.e. (.). bleibt die zwiespältige Verbindung zwischen Abhängigkeit und Selbständigkeit bestehen. discovered a much better means for extracting high effort.3). the expenditure of effort is problematic for employees.. dishonorable. die sich ständig in Aggressivität zu entladen droht. Allerdings ist die bereitwillige Verausgabung von Arbeitskraft nicht ganz unproblematisch. 530f. stets über seine Verhältnisse zu leben. because effort makes sense of their work. and effective effort" (Ouellet 1987. Die mit Methoden teilnehmender Beobachtung und offener Interviews operierende Studie kommt dabei zu dem überraschenden Schluß.

dem sozialen Ansehen und den geschlechtsspezifischen.. wie diese grandiose Selbsttäuschung der Trucker zustande kommt und welche Rolle die Fernfahrermythen bei der sozialen. sie gewissermaßen wie Selbständige behandeln. 1987. den geschlechtsspezifischen Vorschriften traditioneller Männlichkeitsideale zu genügen und berufsbezogene Mythen auszuleben. Was Ouellet nicht leistet. bleibt seine Studie letztlich noch zu stark an eine phänomenologische Perspektive gebunden. der Frage nach der Bedeutung der Arbeit (meaning of work) . iii): Die Leistungen der Fahrer sind vielmehr erstens ein Ausdruck der Unsicherheit bezüglich ihrer Arbeitsqualifikationen. die sie dazu führt. ist eine Antwort auf die Fragen. Dies führt dazu. der sich in der Beziehung zwischen den LKWFahrern und ihrem betrieblichen Management herausbildet. was ihnen zugleich Möglichkeiten verschafft. S. Wie Ouellet zeigen kann. Ouellet bietet jedoch lediglich eine Beschreibung des Phänomens. ein Zusammenhang.weit über gängige arbeitssoziologische Konzepte hinausgreift. berufsbezogenen Mythen gibt. ihre Leistungsfähigkeit bei der Bewältigung ihrer Arbeitsaufgaben (mangels geeigneter anderer legitimer Kriterien) in Form eines sichtbaren Arbeitsleistungsoutputs zu messen (und zu demonstrieren). daß die fehlenden Chancen zu einer direkten Kontrolle der Arbeitstätigkeiten von Fernfahrern zwar alle sichtbaren Formen unternehmerischer Gewalt konterkarieren. der ein geeignetes Konzept gesellschaftlicher Strukturbildung und Reproduktion fehlt. den ich im letzten Hauptkapitel eingehender behandeln möchte. die sich auf das Verhalten am Arbeitsplatz konzentrieren. daß es offensichtlich einen engen Zusammenhang zwischen dem persönlichen Selbstwertgefühl. 230 .z. Die Männlichkeitsmythen lassen sich hierbei als eine wichtige Komponente innerhalb der symbolischen Herrschaftsbeziehungen zwischen Fahrern und betrieblichem Management identifizieren. die den Besitz ihres Produktionsmittels LKW imitieren können.nal myths. läßt sich die außergewöhnliche Leistungsbereitschaft der Fernfahrer nur unbefriedigend durch "nackte" ökonomische und physische Gewalt oder durch den extrinsischen Anreiz finanzieller Belohnung erklären (vgl. the dishonor inherent in employment was mitigated and high effort became possible" (ebd. zweitens fördern traditionelle Männlichkeitsvorstellungen diese Neigungen der Fahrer und drittens schließlich wird die Arbeitsleistung dadurch zu einer ehrenvollen Tätigkeit. 272). daß sich die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel aber sehr effektiv auf symbolische Herrschaftsformen stützen kann. daß Ouellet unterschätzt. Obwohl Ouellet durch die Einbeziehung kultursoziologischer Problemstellungen . indem die Unternehmer ihren Fahrern in einer stillschweigenden Übereinkunft relativ große Dispositionsspielräume zugestehen. S. ein Zusammenhang. berufskulturell gestützten Gruppierung der Fahrer spielen.B.

ebd.. S. vgl. muß oft Leid auf sich nehmen und Schweres ertragen. Beständig darum bemüht.als sprachgeschichtliche Wurzel von pati . Soweit die Transportarbeit besonders von männlichen Lastkraftwagenfahrern tatsächlich als eine Passion empfunden wird. Erdulden und Krankheit (zunächst beschränkt auf das "Leiden Christi". Auf der anderen Seite übernimmt die "Passion" (II) im 17. Duden "Etymologie" 1989.).und Berufstätigkeit verlangt. S. von Vorliebe und Liebhaberei (ebd. 514). begegnen viele Fernfahrer ihrem Beruf mit einer widersprüchlichen "Haßliebe". Einerseits finden sich empirische Indizien. 513f. bei der die Leidtragenden nicht nur in ihrer Rolle als passiv betroffene Opfer auftreten. 139. Übertragen auf die Frage nach dem subjektiven Anteil an der Erzeugung arbeitsbedingter Risiken verbindet sich mit der Passion somit eine Haltung."schädigen. 514). schmähen" . Ganz anders. in der die männliche Transportarbeit als eine Passion vorgestellt wird. so jedenfalls die Vorstellungen über die Arbeit als einer unwürdigen und mühevollen Tätigkeit. Auf den ersten Blick scheint das ambivalente Verhältnis. vgl. Die Passivität (Stammwort: "pati") ist dabei aber insoweit selbstverschuldet. birgt der Fernfahrerberuf eine zwiespältige Attraktivität im Spannungsfeld zwischen Last und Lust. paßt nicht in das gängige arbeits. Doch auch wer arbeitet. S. Männliche Berufstätigkeit als Passion? Berufliche Subkulturen von Fernfahrern zwischen Mythos und Realität "Frances Routes: La Passion du Camion" (Titel und Untertitel einer französischen Fernfahrerzeitschrift). Andererseits betonen viele Fahrer aber die befriedigenden und lustvollen Momente ihrer Arbeitstätigkeit. Jahrhundert im französischen Sprachraum die Bedeutung von Leidenschaft und leidenschaftlicher Hingabe. als es das arbeitswissenschaftliche Interesse an einer präzisen und möglichst widerspruchsfreien Haltung der Arbeitenden zu ihrer Arbeits.. Im Anschluß an religiöse Quellen steht "Passion" (I) einerseits für Leiden. das viele Fernfahrer zu ihrem Beruf empfinden (vgl.5. leiden". spielen. 181). zumindest als Mit-Täter. sondern auch einen aktiven Part. weh tun. S. durch eine erstaunliche Wirklichkeitsnähe gekennzeichnet zu sein. Duden "Etymologie" 1989.und industriesoziologische Klischee gesellschaftlicher Arbeitswirklichkeit. Kapitel 2)."erdulden. Die Metapher. als das erduldende Opfer das in Betracht kommende Leid "ohne Widerspruch zuläßt" oder "nachsichtig gelten läßt" (vgl. den belastenden 231 . die grundsätzlich erklärungsbedürftig ist und deren berufskulturelle Dimensionen im folgenden eingehender zu untersuchen sind. um die Transportarbeit im Straßengüter(fern)verkehr als höchst riskant und belastend einzustufen. die neben der körperlichen Schädigung zugleich auch eine Bedrohung der Ehre (Schmähung) zum Ausdruck bringt (pe[i] .

soll am Beispiel der weitverbreiteten Fernfahrermythen untersucht werden. Welchen Einfluß die Verzauberung und Ästhetisierung der Transportarbeit auf die Bewältigung oder Verstärkung der arbeits. Die mit dem Spiel verbundene Verkennung der riskanten Realität der geleisteten Transportarbeit läßt sich dabei zugleich als Ausdruck einer symbolischen Herrschaft begreifen. daß sich in den Arbeitsspielen von Fernfahrern berufskulturelle Formen einer "Verzauberung" der Lohnarbeit andeuten. ist der Hauptstrom arbeitssoziologischen Denkens unempfindlich geworden für die lustvollen Seiten.1). Der Glaube an die weitverbreitete Legende einer industriellen Arbeit ohne Spiel-Räume hat die Chance versäumt. die die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verwischt (Kapitel 5. lassen sich fließende Übergänge aufspüren zwischen den ansonsten begrifflich streng geschiedenen Sphären der Arbeit und des Spiels. die der menschlichen Arbeitspraxis aus subjektiver Sicht . im Dickicht subkultureller Stilisierungsformen die Konturen ökonomischer Macht und sozialer Herrschaft zu entdecken. die feinen Nuancen aufzuspüren zwischen den unerträglichen und den noch annehmbaren Schwierigkeiten des Inder-Arbeit-Seins.2). wird im folgenden versucht. Meine These ist.und berufsbedingten Risiken von Fernfahrern gewinnt. den spielerischen Umgang der Arbeitenden mit dem "Ernst des Lebens" zu erkennen und zu verstehen. Die beruflichen Mythen der Fernfahrer bilden hierbei einerseits einen subkulturellen Bezugspunkt für die soziale Gruppierung von LKW-Fahrern (Kapitel 5. das versteckte Zusammenspiel zwischen Berufskultur und Herrschaft bei der Reproduktion arbeits. Um die genannten Schwächen zu vermeiden. was die Aneignung ökonomischen. die Lust und Leiden schafft. sozialen und kulturellen Kapitals 232 . einer Leidenschaft. Kultursoziologische Ansätze scheinen zwar besser dafür geeignet.und Berufsrisiken beteiligt (Kapitel 5. stillschweigende Anerkennung der Hegemonie des Transportkapitals über die Transportarbeit gesellschaftlich reproduziert wird.zugeschrieben werden.Charakter industrieller Arbeitstätigkeiten wissenschaftlich nachzuweisen. andererseits sind die beruflichen Mythologien auch an der sozialen Reproduktion der Arbeits. Soweit die Erwerbstätigkeit von Fernfahrern nicht nur Gleichgültigkeit und instrumentelle Arbeitshaltungen erzeugt.und berufsbedingter Risiken sichtbar zu machen. mittels derer die verborgene. Vor dem Hintergrund einer mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung des Fernfahrerberufs und der vergleichsweise geringen Ressourcen zur Risikobewältigung. in der Vergangenheit hat sich die Kultursoziologie aber meistens als sehr kurzsichtig erwiesen.sogar unter industriekapitalistischen Bedingungen .3). mit dem die subkulturellen Formen des Umgangs und der Bewältigung arbeitsbedingter Risiken in den Blick geraten. sondern zu einer richtigen Passion wird. Bislang hat die belastungssoziologische Semantik des Leidens an der Arbeit aber den Zugang zu einer Arbeit am Leiden verstellt.

Je schwerer das Gewicht.und berufspolitischen Schutz vor Risiken auch tatsächlich zu kompensieren vermag. sobald es um die Arbeit als dem "Ernst des Le233 . Die symbolische Vereinigung der Fernfahrer in der Kapitän. Der etwas hilflos anmutende Versuch von Berufskraftfahrern. läßt sich die Mythologisierung der profanen Transportarbeit als ein Versuch werten. Hatte er recht oder nicht? Das ist die Frage. Frankfurt/Main 1987. Eine solche Aufteilung sieht kinderleicht aus. Er betrachtete den einen Pol (Licht. desto wirklicher und wahrer ist es. das Schwere oder das Leichte? Parmenides antwortete: das Leichte ist positiv. unverwechselbaren berufskulturellen "Sinnwelt" wird aber ein entscheidender Bezugspunkt für die soziale Gruppierung der LKW-Fahrer gesetzt. 9). Mit der kollektiven Konstruktion einer eigenständigen. Sein) als positiv. sich und ihre Arbeit gegenüber konkurrierenden Arbeitskraftanbietern mit Hilfe des symbolischen Kapitals maskuliner Berufsehre aufzuwerten. So mysteriös und vieldeutig sich auch der Gegensatz zwischen dem Leichten und dem Schweren darstellen mag. darf allerdings bezweifelt werden. verspricht aber eine wenigstens schwach legitimierte Form sozialer Unterstützung. WärmeKälte. S. daß er nur noch zur Hälfte wirklich ist und seine Bewegungen ebenso frei wie bedeutungslos sind. Er sah die ganze Welt in Gegensatzpaare aufgeteilt: Licht-Dunkel.betrifft. erzeugt mit der letztlich nur durch hohe Arbeits(zeit)leistungen legitimierbaren sozialen Grenzziehung in paradoxer Weise zugleich die arbeits. Was also soll man wählen? Das Schwere oder das Leichte? Parmenides hat sich diese Frage im sechsten Jahrhundert vor Christus gestellt. Feinheit-Grobheit.und Trucker-Mythologie ignoriert zwar die Heterogenität und Unschärfe dieses sozialen Ensembles. desto näher ist unser Leben der Erde. Sicher ist nur eines: der Gegensatz von leicht und schwer ist der geheimnisvollste und vieldeutigste aller Gegensätze" (Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Im Gegensatz dazu bewirkt die völlige Abwesenheit von Gewicht. In der Liebeslyrik aller Zeiten aber sehnt sich die Frau nach der Schwere des männlichen Körpers.und leistungspolitische Dominanz der Unternehmerseite. Wärme. Das schwerste Gewicht ist also gleichzeitig ein Bild intensivster Lebenserfüllung. daß er emporschwebt und sich von der Erde. daß der Mensch leichter wird als Luft. "symbolisches Kapital" zu akkumulieren.1 Spielen mit dem Ernst des Lebens: Arbeitsspiele von Fernfahrern an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit "Ist aber das Schwere wirklich schrecklich und das Leichte herrlich? Das schwerste Gewicht beugt uns nieder. erdrückt uns. Sein-Nichtsein. Inwieweit dieser imaginäre social support den ungenügenden arbeits. 5. das Schwere ist negativ. preßt uns zu Boden. vom irdischen Sein entfernt. den anderen als negativ. bringt jedoch eine Schwierigkeit mit sich: was ist positiv. Feinheit.

höchst negative Assoziationen. die im Gegensatz zu Arbeit und Ernst mit dem Begriff des Leichten und Mühelosen. Duden "Etymologie" 1989. Deutsches Wörterbuch 1905. nur der Verständigung dienende Interaktion einen eher seltenen und untypischen.bens" geht. Die durch die Erholung von der Arbeit verdiente und ethisch gerechtfertigte Muße wird dabei vom moralisch verwerflichen Müßiggang ("aller Laster Anfang") abgegrenzt (vgl. In vielen sozialwissenschaftlichen Utopien ist ein negatives Bild der Arbeit unterstützt worden. S. S. Pankoke 1990. S.und sprachgeschichtlich betrachtet. S.. Dabei wird es aber nicht nur mit einer oberflächlichen Leichtfertigkeit oder gar mit Schwäche assoziiert. Duden "Etymologie" 1989. die zur Charakterisierung von Arbeitstätigkeiten herangezogen werden. was schwerwiegend und wichtig ist. "zu sich selbst. S. vermittelt eine einseitige und polarisierende Perspektive auf das vielschichtige Verhältnis zwischen Arbeit und Spiel. "beschwerlich" und "lastend" . die Krankheit und die Sünde (vgl. zuerst 1933) beispielsweise zwingt die Zweckrationalität und Instrumentalität der Arbeit den Menschen zu einer anerkennenden Auseinandersetzung mit der sachlichen Wirklichkeit der gegenständlichen Welt. Unter dem Einfluß der protestantischen Arbeitsethik werden "Untätigkeit". 475). mit der die wahre Meisterschaft dem Gegenstand begegnet. Duden "Etymologie" 1989. unterschiedlich bewertet. was geachtet und geehrt wird (vgl. 2280). S. sofern er sich über die "objektive" Sachhaltigkeit und Gesetzmäßigkeit der Gegenstände hinwegsetze. 659). vor allem dort.meist synonym verwendet mit "drückend". Demgegenüber präsentiert sich das Spiel als eine "zwecklose und unterhaltende Tätigkeit"." Habermas (1969) hat diese Gegenüberstellung von Arbeit und Spiel aufgegriffen und weiterverarbeitet in seiner irreführenden Reduzierung der "Arbeit" auf "zweckrationales" bzw. So bezeichnet "schwer" . Das Leichte wird zwar grundsätzlich dem gegenübergestellt. was Gewicht hat. Gerade beim Spielen komme aber der Mensch. Die Dualisierung von Arbeit und Interaktion wirkt etwas realitätsfremd. die zumindest im deutschen Kulturraum in den Ausstiegsphantasien der frühen Ro1 Dies gilt vor allem für die Kritische Theorie der Frankfurter Schule. soweit kaum eine Arbeitsform gänzlich auf Kommunikation und Interaktion zu verzichten vermag und eine zweckfreie. Kultur. "freie Zeit" und "Ruhe" (vgl. 15ff. eine Sichtweise.vielleicht aus einer arbeits.1 Die klassische Konfrontation zwischen der Arbeit als dem "Reich der Notwendigkeit" und der Muße2 als dem Territorium der Freiheit. 413 und 659).oder gesellschaftspolitischen Resignation heraus . die ihm in der Arbeit versagt ist. mit der die Zeit der Muße verbunden ist. Bei Marcuse (1968. 11 und 248). scheint sich die Attraktivität des Leichten zunächst gegenüber der Anziehungskraft des Schweren zu behaupten. vielleicht sogar marginalen Sonderfall zwischenmenschlicher Beziehungen bildet. 2 234 .neben der Arbeit auch noch die Not.das "Reich der Freiheit" eher jenseits der Nöte der Arbeitssphäre lokalisiert worden ist. wecken die gebräuchlichen Adjektive. "instrumentales Handeln" und der "Interaktion" (angemessener wäre eigentlich der Begriff des Spiels gewesen) auf "kommunikatives Handeln". aber auch Wertlosen verbunden ist (vgl. sondern auch mit einer spielerische Mühelosigkeit. wo . in eine Dimension seiner Freiheit.

S. MEW 23). Inhalt der Arbeit) und der tauschwertbildenden. 75 und 417). Deutsches Wörterbuch der Gebrüder Grimm. durch die Unterscheidung zwischen der scheinbar gehaltlosen Anstrengung (Last. d. 539-541). vgl. Erster Band. 40. 43). nur unter Berücksichtigung ihrer Spannung zum Kontrastbegriff des Spiels angemessen verstanden werden. Auch die sozialwissenschaftliche Verwendung des Arbeitsbegriffs ist gekennzeichnet durch eine Gegenüberstellung von formaler Aktivität und inhaltlicher Zweckorientierung. Der spielerische Umgang vieler Menschen mit ihrer Arbeit bietet dabei einen wichtigen Ansatzpunkt. als Martin Luther der profanen Erwerbstätigkeit über die göttliche Berufung eine hohe sittliche Wertschätzung zuteil werden läßt. Die protestantische Ethik der Arbeit konnte dabei an die Ethik des Rittertums und der mittelalterlichen Mystik anknüpfen (vgl. Auch Max Weber differenziert menschliche Leistungen wirtschaftlicher Art nach disponierenden "Leistungen" und der an Dispositionen orientierten "Arbeit" (1980. bei Karl Marx im "Doppelcharakter" der in den Waren dargestellten Arbeit (MEW 25. 28f. Pankoke 1990. 3 Spuren dieser Gegenüberstellung finden sich z. Marx unterscheidet zwischen der gebrauchswertbildenden. um den Zusammenhang zwischen Arbeit und Belastung zu verdeutlichen und die Möglichkeiten einer entlastenden Beziehung zur Arbeit auszuloten. vergebliches Tun. das ein gesetztes inhaltliches Ziel offenbar mühelos zu verwirklichen scheint. 61. S. zweier Quellen. Duden "Etymologie" 1989. da sie einem zweckgerichteten "Werkinstinkt" folgt (1981. S. 62). S. Mit bemerkenswerter Übereinstimmung wird in allen europäischen Sprachen eine traditionelle Unterscheidung getroffen. Not. hat im älteren abendländischen Sprachgebrauch noch ein Arbeitsverständnis dominiert... so meine These. ebd. Während der Kontrast zwischen "Arbeiten" und "Herstellen" im Laufe der Zeit schwächer geworden ist. 82). abstrakt menschlichen Arbeit oder bloßen "Verausgabung menschlicher Arbeitskraft" (Quantität nach Dauer und Zeitmaß.dem "Stand und Amt des Menschen in der Welt" (vgl. 252ff. Mühe) und dem "Werk".3 Seinen sozial klassifizierenden Sinn als eine unwürdige und mühselige Tätigkeit verliert die Arbeit erst in der Reformation.zumindest in stark körperbetonten Berufen . Die Bedeutungsvielfalt der Arbeitskategorie kann. die für die Ehre und Würde spezifisch maskuliner Arbeitstätigkeiten und für das entsprechende Selbstbild männlicher Arbeitskräfte . 209f. Thorstein Veblen schließlich stellt der bloßen "Plackerei" (als unzweckmäßige Aktivität..und Industriesoziologie ebenso vernachlässigt worden wie in der arbeitswissenschaftlichen Belastungsforschung (vgl. die den Lastcharakter menschlicher Arbeit von ihrem Werkcharakter zu trennen sucht (vgl.sehr bedeutsam sind. die als nützliche Leistung einen sichtbaren Erfolg erbringt.).). gleichzeitig wird hier ein ethischer Zusammenhang konstruiert zwischen der sozialen Ehre . Beschaffenheit.h. 57. das zwischen der schweren.dem "Leumund" [beruof]. Müßiggang als ein Weg zu sich selbst bei Friedrich Schlegel) und die Modernisierungskritik von Friedrich Nietzsche geprägt hat (vgl. 43. Kapitel 3).mantik verwurzelt ist (z.B. Leipzig 1854.B. schmerzverursachenden körperlichen Anstrengung. zweckmäßig produktiven Tätigkeit oder "nützlichen Arbeit" (Qualität. S. 235 . 203f. Arendt 1960).und der sozialen Position des Berufenen . Vergeudung) die "Heldentat" gegenüber. Genau dieser Ansatzpunkt ist aber bislang in der Arbeits. guten "Ruf" oder "Renommee" . S. S. Mühsal und Plage (molestia) und dem schöpferischen Werk (opus) differenziert hat (vgl.

anstrengende Verausgabung von Arbeitskraft ist somit nicht mehr nur noch als bloßes Leid oder als Last erfahrbar. Gewandtheit' auch das Bedürfnis einer normalen Portion von Arbeit hat.F. vgl. 504f. und von Aufhebung der Ruhe. ist auch heute noch 236 . Thorstein Veblen verweist hier auf ein soziokulturelles Phänomen. 61) zu begreifen. die als gewöhnliche physische Arbeit von jedermann geleistet werden können (und die sich deshalb für eine berufsständisch motivierte Disqualifizierung besonders gut eignen. unwürdig hingegen alle jene notwendigen und täglichen Plackereien. Hervorhebungen durch M. ahnt A. S.F. kursive Hervorhebungen durch Marx. Die 'Ruhe' erscheint als der adäquate Zustand. sondern auch als "normale Lebensbetätigung" (MEW 23. Tätigkeit.).und daß ferner die äußren Zwecke den Schein bloßer Naturnotwendigkeit abgestreift erhalten und als Zwecke. Geschicklichkeit. sondern wie jede wirklich freie Arbeit (für die Marx mit dem Komponieren bezeichnenderweise eine künstlerische Betätigung als Beispiel wählt) "zugleich verdammtester Ernst. die anderen unwürdig sind.) das Ergebnis einer frühen Unterscheidung zwischen verschiedenen Tätigkeiten. stets als äußre Zwangsarbeit erscheint und ihr gegenüber die Nichtarbeit als 'Freiheit und Glück'" (Marx 1974. daher reale Freiheit. S.. "Du sollst arbeiten im Schweiß deines Angesichts! war Jehovas Fluch. Smith ganz fernzuliegen. von denen angenommen werden darf. Qualifikation). die gewiß nichts Heldenhaftes an sich haben" (Veblen 1981. Die mühevolle. gesetzt werden . 23.) . den er Adam mitgab. Allerdings hat er Recht.also als Selbstverwirklichung. Steiner 1971. wodurch der geleisteten Arbeit erst die nötige Weihe verliehen wird. Weber 1980. der gemäß die einen Tätigkeiten wertvoll. 537)."Die Institution einer vornehmen Klasse ist (. 505). als Last oder Opfer vorstellen konnte. Allerdings erscheint das Maß der Arbeit selbst äußerlich gegeben. deren Aktion eben die Arbeit. An der Marxschen Polemik gegen Adam Smith. Daß aber diese Überwindung von Hindernissen an sich Betätigung der Freiheit . S. S. Fronde. die das Individuum selbst erst setzt. intensivste Anstrengung" (Marx 1974.B. daß in den historischen Formen der Arbeit als Sklaven-. Wertvoll sind danach jene Beschäftigungen. S. durch den zu erreichenden Zweck und die Hindernisse. scheint A. einer Unterscheidung. das bislang in der arbeitsund berufssoziologischen Tradition weitgehend vernachlässigt worden ist. bloßes amusement" ist. ebenso wie die lustvolle Selbstverwirklichung des Individuums in der travail attractif kein "bloßer Spaß.. die zu seiner Erreichung durch die Arbeit zu überwinden. Kraft. Smith ebensowenig. aufgezwungene Tätigkeit. Daß das Individuum 'in seinem normalen Zustand von Gesundheit. fettgedruckte durch M. die den Ausführenden von diskontinuierlichen und rein körperlichen Verrichtungen zu fehlen scheint. Lohnarbeit die Arbeit stets repulsiv.die Anstrengung wie die Zweckmäßigkeit miteinander zu versöhnen sucht. Und so als Fluch nimmt A. 398) ist schließlich die Voraussetzung für ein modernes Arbeitsverständnis geschaffen worden. die man als Heldentaten bezeichnen kann. das beide Pole . Zweitens scheint mit der Institutionalisierung des geforderten Arbeitskraftmusters und der Habitualisierung des entsprechenden Arbeitsvermögens der Beruf mit den zu ihm Berufenen zu einer Art magischen Einheit zu verschmelzen (im Sinne einer "Verkörperung" von Erfahrungswissen bzw. der sich die menschliche Arbeit unter dem Eindruck (früh)kapitalistischer Produktionsverhältnisse und aus der wohltemperierten theoretischen Distanz eines politischen Ökonomen heraus lediglich als eine dem Subjekt fremde.und die üblicherweise gerne weiblichen Arbeitskräften zugemutet werden. daß sie erstens in einer gewissen vornehmen Distanz zu jenen schweren körperlichen Verrichtungen rangieren. Smith die Arbeit.. als identisch mit 'Freiheit' und 'Glück'. Die Aufwertung der Arbeit gilt nur für bestimmte Formen beruflicher Betätigung. z. Vergegenständlichung des Subjekts. S. Mit der moralischen Aufwertung der Arbeit zu einem "Werk" im (klein)bürgerlichen Weltbild und mit der "Verwandlung der Arbeit in ein erstes Lebensbedürfnis" im marxistischen (vgl.

zeigt sich. Sobald die geschlechtsspezifische Aufladung der Erwerbstätigkeit berücksichtigt wird. schweren körperlichen Arbeitstätigkeiten sich gerne als "verdammtester Ernst" präsentieren. Als Ausdruck wahrer Meisterschaft erscheint es durchaus akzeptabel. sondern auch in der sozialwissenschaftlichen Mythenbildung häufig radikalisiert. Zum einen bezieht Marx hier ausdrücklich Stellung gegen eine instrumentalistische. So bedarf es in der tayloristischen Legende über die ausführende 237 . Andererseits unterschätzt Marx die bereits unter kapitalistischen Bedingungen aus dem gesellschaftlichen Charakter der materiellen Produktion erwachsenen Möglichkeiten. 2320). S. Die feinen Unterschiede an der Grenze zwischen der noch annehmbaren und der schon unerträglichen Leichtigkeit des Inder-Arbeit-Seins lassen sich dabei durch eine Bedeutungsnuancierung zwischen den Begriffen "Arbeitsspiel" und "Spielarbeit" markieren. Dieses Argument wiegt um so schwerer. daß die vorzugsweise von Männern zu verrichtenden. allein negativ bestimmte Arbeitsauffassung. 149) behandelt hat. das "erste" Lebensbedürfnis befriedigenden und der Selbstverwirklichung dienenden. wo sie ihren anstrengenden. sobald die Arbeit nur noch ein Spiel ist. Von Ausnahmen abgesehen. heroischer Größe. daß bei der allzu einfachen Identifizierung von Arbeit mit Leid und Last die gleiche Skepsis angebracht ist wie bei der simplen Gleichsetzung der Arbeit mit einer. daß die Arbeit dort zum Spiele wird.zweierlei bemerkenswert. Die einfachen. Die Trennung von Hand. Bd. um spielend leicht und mit Lust verrichtet zu werden. ja lästigen Charakter verliert. Es wäre fatal. als gerade die an Marx orientierte arbeits.. eine viel zu leichte. dürfte menschliches Arbeiten im Normalfall Elemente aus beidem enthalten. S. die aufgrund ihrer geringen qualitativen und geschlechtsspezifischen Anforderungen von "jedermann" geleistet werden kann. Transportprozesses als ein Subjekt kontrollieren zu können und der dabei verausgabten Anstrengung zumindest ansatzweise den Charakter einer subjektiven Vergegenständlichung und "Selbstverwirklichung" zu verleihen. Leipzig 1905. entfremdete Aufopferung sehen will. zumindest einzelne Komponenten des Produktions. Wörterbuch der deutschen Sprache. die in der Arbeit selbst nur eine unpersönliche. wenn sie sich durch die Bewältigung außergewöhnlicher Härte und Mühsal gegenüber den "leichteren". diese grundsätzliche Ambivalenz der Arbeit auf eine Seite hin zu verkürzen. lustvollen Betätigung.bzw. und die dadurch blind bleibt für die vielschichtige Lebendigkeit der widersprüchlichen subjektiven Beziehungen der Menschen zu ihrer Arbeit. Der kurze Streifzug durch den Gebrauch der Sprache zeigt.und industriesoziologische Forschung den Arbeitenden oft ein instrumentalistisches Verhältnis zur Arbeit unterstellt und die menschliche Subjektivität als eine "Tabuzone" (Knapp 1981. 10. vergnügliche "Spielarbeit" (vgl.und Kopfarbeit wird aber nicht nur in der alltagskulturellen. wenn auch "geschickteren" Tätigkeiten von Frauenhänden auszeichnen können. von jedermann zu bewältigenden manuellen Arbeitsaufgaben gewinnen offenbar nur dadurch an würdevoller. Umgekehrt läßt eine Arbeitshaltung aber den nötigen Ernst und Wirklichkeitssinn fehlen.

Duden "Etymologie" 1989. 14) bemerkt. 7). bald das gearbeitete. 238 . d. z. politische.B. ihre eigene Arbeitstätigkeit als ein ernsthaftes Spiel zu betreiben. Im Unterschied zu anderen Grundformen menschlichen Handelns (z. oder bei Leontjew 1979. Marx 1974. Geschäft. ebd. S. 83ff. Handlungsweise.den Charakter einer aktiven Auseinandersetzung zwischen Mensch(heit) und Natur. 97ff. wie eine klassische Passage aus dem "Kapital" zeigt. auf eine materielle Auseinandersetzung der Menschheit als "Subjekt" mit der realen Umwelt (Natur als "Objekt") bei der die "objektiv-realen Gegebenheiten" beispielsweise durch Arbeit. um die physische Arbeitstätigkeit von überflüssiger Schwere und Beanspruchung zu befreien. Im Gegensatz zum Begriff der Theorie bezeichnet die Kategorie "Praxis" dabei eine "tätige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und die daraus gewonnene Lebenserfahrung" (vgl. bei Bourdieu 1987.h. S. S.und Wirklichkeitsbezug menschlicher Tätigkeit schlechthin. mit dem "Ernst des Lebens" auf eine spielerische oder sportliche (und womöglich auch entlastende) Art und Weise umzugehen. auf die wirkliche und sinnliche Tätigkeit lebendiger Menschen bezieht und dabei deren praktisches Verhältnis zur Welt zum Forschungsgegenstand erhebt (vgl. vgl. Das Praxisverständnis von Marx und Engels bezieht sich in erster Linie auf den "gesellschaftlichen Gesamtprozeß der materiellen Umgestaltung der objektiven Realität" (Wittich 1974. die Tätigkeit.B. Den in erster Linie körperlich tätigen Arbeitskräften wird nur in geringem Maße zugetraut. 547) verweist die Praxis auf den Welt. Tatsächlichkeit" (vgl. Das "Deutsche Wörterbuch" versteht unter Arbeit "bald das arbeiten. 141ff. S. S. 539). bald das zu arbeitende" (Erster Band 1854. Mir ist ein empirisch orientiertes Konzept sympathischer. die wirkliche Welt gestaltende gesellschaftliche Tätigkeit begriffen.4 Worin unterscheiden sich überhaupt Arbeit und Spiel als scheinbar gegensätzliche Grundformen menschlicher Tätigkeit und welche Verbindungslinien lassen sich zwischen beiden Betätigungsformen finden? Die Grundzüge für eine moderne Arbeitsauffassung finden sich bereits bei den Gebrüdern Grimm. wie Herbert Marcuse (1968. d.). experimentelle und andere materielle Tätigkeiten "tatsächlich" umgewandelt werden (vgl. d. an der sich regulationstheoretische Ansätze in der Arbeitspsychologie zur Charakterisierung der Besonderheiten menschlicher 4 5 Der spielerische Umgang mit der Arbeit bezieht sich hier gerade nicht auf jene.h. ebd. Der Praxis-Begriff bedarf hier einer kurzen Erläuterung. Erstaunlicherweise ist die Grimmsche Trias auch im Marxschen Arbeitsbegriff enthalten. S. wird die Arbeit meistens als eine praktische5. Auch ohne die Vorliebe für eine Beschwörung der menschlichen Gattung als Kollektivsubjekt. 965). Die willentliche Gefährdung der eigenen Person ohne echte Chance auf eine aktive. S. d.h. die Kategorie der Arbeit bezieht sich auf die "Drei-Einheit von Tun.meist etwas pathetisch formuliert . von der psychoanalytischen Deutung als "regressiv" interpretierten "Angstlust"-Spiele. Unternehmen. In seiner Bedeutung als "das Tun.. Wirklichkeit. dem Spielen oder Lernen) gewinnt die menschliche Arbeit . S.Arbeit erst einer wissenschaftlichen Anleitung und organisatorischen Disziplinierung. das den Praxisbegriff diesseits imaginärer Kollektivsubjekte auf die gegenständliche. nur auf die eigene Leistung bauende Auseinandersetzung mit der heraufbeschworenen Gefahr kann sicherlich nicht als Dimension einer sich über die Gegenständlichkeit hinwegsetzenden Freiheit verstanden werden. Gegenständlichkeit und Aufgegebenheit".) berichtet. von denen Ute Volmerg (1978.).h.

das unter festgelegten Bedingungen und unter dem ökonomischen Einsatz geeigneter Mittel6 erzielt werden muß (Kriterien: Gebrauchs. wobei das Produkt bereits vor der Handlung in der Vorstellung des Arbeitenden gegeben ist und durch den Willen. Nicht.h. Rubinstein 1977. 57). auf die Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ordnungen sowie ganz allgemein auf die Bewältigung gesellschaftlicher Prozesse (Beck et al. in jedem Fall aber praktischen Verhältnis zur gegenständlichen Welt steht. reguliert wird (vgl. die in einem bewahrenden oder verändernden.Arbeitstätigkeit orientieren (so z. Das Moment der Gegenständlichkeit ist in einem weiten Sinne zu verstehen.F. S. soweit die Arbeit als Ausführung einer besonderen Aufgabe immer gesellschaftlich bestimmt ist (vgl. eine gegenständliche Tätigkeit.. "Arbeit" ist somit eine zweckmäßige. daß die triadische Bestimmung der Arbeit nach der Tätigkeit. daß er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt.) Die einfachen Momente des Arbeitsprozesses sind die zweckmäßige Tätigkeit oder die Arbeit selbst. 270.und Tauschwert). das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters. d. 239 .. d. die der Arbeiter zwischen sich und den Arbeitsgegenstand schiebt und die ihm als Leiter seiner Tätigkeit auf diesen Gegenstand dienen" (MEW 23. auch Bourdieu 1987. ihr Gegenstand und ihr Mittel" (Marx 1974. S.h. unter Verwendung geeigneter Medien auf einen bestimmten Gegenstand7 gerichtete Tätigkeit. der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muß. Um ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen und sich am Leben zu erhalten. also schon ideell. dem bewußten Ziel entsprechend. in den Auftrag oder die Aufgabe) gehen drittens praktische Notwendigkeiten ein. vorhanden war. dem vergegenständlichten Produkt und der Aufgabe hier noch in ihrer ganzen anthropologischen Reinheit erscheint. müssen die Menschen in die vorgefundenen Naturverhältnisse und Sozialbeziehungen eingreifen. 193. ihre Arbeit umfaßt nicht nur die materielle Herstellung von Gütern. die mit der Verwirklichung ihres Zweckes zugleich auch einen gesellschaftlichen "Auftrag" als Aufgabe zu erfüllen hat. S. 194). # In das "Zu-Arbeitende" (d. S. 205 und Boltanski 1990. er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck. 707). S. # Mit "Arbeiten" ist erstens eine sinnliche und praktische Tätigkeit verbunden. 57 im Anschluß an ähnliche Überlegungen bei Rubinstein 1977. den er weiß. um gesellschaftlich erarbeitete verbale Begriffe oder um irgendwelche anderen Zeichen" handelt: Arbeitsmittel dienen grundsätzlich als Medium zur Realisierung von Arbeitsverfahren (vgl.). 209). zur "symbolischen Arbeit" vgl.): "Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus. 47). Es darf nicht übersehen werden. der über den Objektcharakter der materiellen "Natur" hinaus auch die Auseinandersetzung mit der "Natur" der Gesellschaft mit einschließt. # Das "Gearbeitete" ist zweitens das Ergebnis einer bewußten und zielgerichteten. um das ihr Entgegenstehende unter menschliche Kontrolle zu bringen. 707f.8 6 7 8 Der Begriff "Arbeitsmittel" muß in einem sehr weiten Sinne verstanden werden als "ein Ding oder ein Komplex von Dingen. ausgerichtet ist auf die Realisierung eines nach gesellschaftlichen Wertmaßstäben "nützlichen" Ergebnisses. Hervorhebungen von M. S. Hacker 1986. 1980. Leontjew 1973. Ob es sich dabei "um gegenständliche Mittel (Werkzeuge). 23.h. an der Verwirklichung eines Resultates orientierten Tätigkeit. MEW 23. S. S. Ihre "Unschuld" verliert die menschliche Arbeit. S. sondern zielt auch auf die Erfüllung gesellschaftlicher Funktionen und Dienstleistungen. S. Hacker 1986. die Anstrengungen und einen zweckmäßigen Willen erfordert.B. (.

die ihrerseits sich gern mit einem Geheimnis umgeben oder durch Verkleidung als anders als die gewöhnliche Welt herausheben. eine unproduktive Betätigung. die sich innerhalb einer eigens bestimmten Zeit und eines eigens bestimmten Raums vollzieht. S. Es ist hier nicht der Ort. die das Spiel von allen ernsthaften Tätigkeiten des "gewöhnlichen" Lebens unterscheidet. Aus seiner Sicht ist das Spiel: "1. 14ff.als dem vierten Moment des Arbeitsprozesses .) zusammenfassend eine freie Handlung nennen. die weder Güter noch Reichtum noch sonst ein neues Element erschafft und die. die identisch ist mit der zu Beginn des Spiels. wem die Arbeitstätigkeiten. 20). daß das Spiel ein Kampf um etwas 'darstellt' oder aber ein Wettstreit darum ist. der Initiative des Spielers notwendigerweise eine gewisse Bewegungsfreiheit zugebilligt werden muß. abgesehen von einer Verschiebung des Eigentums innerhalb des Spielerkreises. die der menschlichen Arbeit mit Recht zugeschrieben werden kann. 240 . kann man das Spiel (. zu der der Spieler nicht gezwungen werden kann.und Tauschwertes messen lassen muß und sich mit der Hinzuziehung des Arbeitsmittels ..) einige formale Kennzeichen herausgearbeitet. wer etwas am besten wiedergeben kann" (Huizinga 1962. 205). den kulturhistorischen und -anthropologischen Ansatz von Huizinga kritisch zu bewerten. indem sie eine fiktive Welt konstruieren. Roger Caillois (1960) hat diese klassische Definition des Spiels aufgegriffen und durch eine Typologie verschiedener Spielformen und Spielweisen erweitert. Diese beiden Funktionen können sich auch vereinigen. Mit Blick auf den zutiefst symbolischen Gehalt des Spiels dürfte Huizinga einem semiotischen Kulturverständnis noch die geringsten Adaptionsschmerzen bereiten. da bei allem Zwang. 4. die Arbeitsprodukte und die Arbeitsmittel gehören. ohne daß das Spiel alsbald seinen Charakter der anziehenden und fröhlichen Unterhaltung verlustig ginge. die nach bestimmten Regeln ordnungsgemäß verläuft und Gemeinschaftsverbände ins Leben ruft. deren Ablauf und deren Ergebnis nicht von vornherein feststeht. 9 sobald sich die Ausführung der gesellschaftlichen Aufgabe an den unbarmherzigen.. aber auch unbestechlichen Maßstäben des Gebrauchs. (.auch die schnöde Frage stellen läßt. in: Huizinga 1962. 2. eine ungewisse Betätigung. In "Homo Ludens" (zuerst 1938) hat der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga (1962.Im Spiel dagegen versuchen die Menschen die Gegenständlichkeit und Wirklichkeit der gesellschaftlichen Praxis aufzuheben.) Das Spiel ist ein Kampf um etwas oder eine Darstellung von etwas. eine freie Betätigung. in sich geschlossene Welt erzeugt ("Enzyklopädisches Stichwort: 'Das Spiel'". Ähnlich wie die sakrale Welt unterbricht das Spiel die Homogenität des Raumes und der Zeit und sondert die Teilnehmer(innen) vom alltäglichen Leben ab. bei einer Situation endet. die als 'nicht so gemeint' und außerhalb des gewöhnlichen Lebens stehend empfunden wird und trotzdem den Spieler völlig in Beschlag nehmen kann. S..9 "Der Form nach betrachtet. in der die Zwänge und Notwendigkeiten ihres gewöhnlichen Lebens zumindest zeitweilig außer Kraft gesetzt sind. 3. Seine Grundthese von dem Ursprung der Kultur im Spiel ist sicherlich für manchen Geschmack zu weit gegriffen. in der Weise. indem es eine eigene. zu einem Ergebnis zu kommen. eine abgetrennte Betätigung. die sich innerhalb genauer und im voraus festgelegter Grenzen von Zeit und Raum vollzieht. angesichts der kulturbildenden Funktion. S.. an die kein materielles Interesse geknüpft ist und mit der kein Nutzen erworben wird.

eine fiktive Betätigung. 173. daß das Spiel als Ganzes stets auf die Arbeit bezogen bleibt. Erste Abt. 2280). Die entscheidende Differenz der Arbeit gegenüber dem Spiel ist zusammenfassend darin zu sehen. Leipzig 1905. die auf eher "weibliche" oder eher "männliche" Arbeitsformen bezogen sind. erscheint mir allerdings eine zu strenge Trennung zwischen Arbeit und Spiel als problematisch. die vor allem in den von Männern bevorzugten Sportarten zum Ausdruck kommt. Schon Marcuse hat darauf hingewiesen. muß hier verzichtet werden.. Hierzu mag der Hinweis genügen. die von einem spezifischen Bewußtsein einer zweiten Wirklichkeit oder einer in bezug auf das gewöhnliche Leben freien Unwirklichkeit begleitet wird" (Caillois 1960. S. Die Lokalisierung der (puren) Anstrengung (Plackerei) und der Empfängnis in der Kultur des weiblichen Körpers und die Zuweisung der gestaltenden und herstellenden Aktivität (Heldentat) in der Kultur des männlichen Körpers läßt sich nach Veblen (1981) kulturgeschichtlich weit zurückverfolgen. die aus der erfolgreichen Beherrschung der Sachlichkeit gegenständlicher Herausforderungen resultiert? Oder fungiert gerade die erfolgreiche Kontrolle der sachlichen Gegen. 10. daß sich Arbeitstätigkeiten auf eine. Vor allem die Distanz zu den wirtschaftlichen und sozialen Zwängen und Notwendigkeiten der gesellschaftlich regulierten Praxis ermöglicht beim Spiel eine weitgehende Autonomie gegenüber fremden Zwecken und einen großen Spielraum im zwanglosen Umgang mit der Realität. jene tiefe männliche Befriedigung und Selbstzufriedenheit vermitteln. 2286f. Leipzig 1905. Bei allen Unterschieden im Detail. Der Diskurs über Männer-Arbeit10 scheint 10 Auf eine Untersuchung der Unterschiede zwischen geschlechtsspezifischen Spielformen. durch "fremde" gesellschaftliche Zwecke bestimmte Tönung erhält (vgl. S. S. Aber dennoch bleibt ein Spiel eben bloß ein Spiel. welche die üblichen Gesetze aufheben und für den Augenblick eine neue. der empfangenden. 6. ihr Resultat und Medium als auch die im Produkt vergegenständlichte Aufgabe eine spezifische. 17) und selbst die verspielten Formen des kindlichen Spiels meist eine gewisse Affinität zur Arbeit der Erwachsenen aufzeigen (ebd. 10. ist krancker Männer Todt" weiß ein altes deutsches Sprichwort zu berichten (zitiert nach dem "Deutschen Wörterbuch". nach gesellschaftlichen Kriterien und Wertmaßstäben definierte Praxis beziehen.) unterscheiden lassen entweder nach Spielen der anstrengenden. 56). 19). daß sich bereits die Kinderspiele nach Auskunft des Wörterbuchs der deutschen Sprache (Bd. vgl. da es für die Erwachsenen prinzipiell ein "Ablassen von der Arbeit und eine Erholung zur Arbeit" beinhaltet (1968. eine geregelte Betätigung. S. Abb. Kann deshalb das Spielen mit der maskulinen Noblesse von Schwere und Härte. 241 . wodurch die Tätigkeit selbst. allgemeingültige Gesetzgebung einführen. der auffassenden und der lernenden Kraft oder nach Spielen der handelnden und gestaltenden Kraft. mittels derer die fade Arbeit für manche überhaupt erst schmackhaft wird? "Starcker Männer Spiel.5. S. Band. auch Hacker 1986.und Widerstände in der wirklichen Arbeitswelt gleichsam als jene Würze. 16).. S. die Konventionen unterworfen ist.

wird in männlichen Arbeitskulturen gerne das Leichte gegenübergestellt. praktische Tätigkeit zur Transformation und Aneignung von "Natur" als Voraussetzung für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. kein dauerhaftes materielles Interesse Höhere Ungewißheit des Ablaufs und Ergebnisses. die (im)materielle Realität transformierende Tätigkeit: Konkret nützlich (Gebrauchswertbildend). Nichts-tun) Weitgehend "unproduktive" Betätigung: Freiheit von fremden Zwecken. Arbeit. in dem die Geringschätzung weiblicher Hausarbeit karikiert wird ("Das bißchen Haushalt ist doch nicht so schlimm. den ernsten und schweren Charakter maskuliner Arbeitstätigkeit hervorzuheben. Erwerbscharakter (Tauschwertbildend) Relativ stärkere zweckrationale Kalkulierbarkeit des Ablaufs und der Ergebnisse mittels Organisation. Handlung: Selbstbestimmtheit und Lust. Neg-otium (Geschäft. sagt mein Mann. Auftrag. wobei die zweckmäßige."). zu einem Resultat zu kommen. Otium (Muße. Technisierung. 242 . zielgerichtete und planvolle Tätigkeit als Element eines gesellschaftlichen Prozesses wirksam wird Vergesellschaftung der Arbeits-Welt vor allem durch die Ökonomie der Zeit Sondierung der Spiel-Welt von den praktischen Nöten und Zwängen gesellschaftlicher Realität: Besondere (freie) Zeit und besonderer (freier) Raum Fiktive Betätigung: Zweite Realität oder freie Unwirklichkeit Wirkliche.. 19: Vergleich einiger Elemente der Vorstellungen über "Spiel" und "Arbeit" bei Huizinga. das sich mit "Leichtfertigkeit" und "Schwäche" assoziieren läßt und mit unehrenhaften. Handlung: Fremdbestimmtheit und Last. Caillois und Marx SPIEL Freiheit der Tätigkeit bzw.11 11 Der sarkastische Ton. Organisierung.besonders auf seiten der körperlich Arbeitenden . gleichwohl Zwang. Ruhe. was Gewicht hat und wichtig ist. erinnert ironischerweise an einen Schlager Johanna von Koczians. Aufgabe) Gesellschaftlich "produktive". Unruhe. oft eine stärkere Abhängigkeit des spielstrategischen Kalküls von Zufällen ARBEIT Unfreie Tätigkeit bzw.immer wieder darum bemüht. den Plänitz (1983) mit der Wahl seines Buchtitels "Das bißchen Fahren. Dem." angespielt hat.. Verwissenschaftlichung Gesellschaftliche Regulation durch die gesellschaftliche Bestimmtheit des Nutzens und der Produktionsverhältnisse sowie durch (betriebliche) Organisation und Herrschaftsverbände Geregelte Betätigung: Ordnung und Gemeinschaftsverbände.Abb.. kein vergegenständlichter Nutzen. Regeln und Konventionen jedenfalls . Beschäftigung.. Technik und Wissenschaft. weil unmännlichen Attributen versehen ist.

Das genaue Gegenteil von "Belastung". zu denen wir nur durch Zelebrierung magischer Grenzüberschreitungen vorzudringen vermögen. nämlich der spielerische und mühelose Umgang mit den harten Anforderungen der Arbeit erscheint dort weniger suspekt. Ein Spiel ist danach eine in hohem Maße willkürliche und künstliche soziale Konstruktion. die von der Humanisierungsforschung als eine Chance zur Förderung und Selbstverwirklichung der Persönlichkeit begriffen werden. Regelhaftigkeit. sondern wird in das Spiel hineingeboren. 243 . die im Ergebnis eines langwierigen und langsamen Verständigungsprozesses sozusagen Spiele an sich und nicht länger Spiele für sich selbst sind. die entweder durch "Eintritt" oder durch "Geburt" erfolgt.13 Ganz anders verhält es sich mit dem "Spiel" in der gesellschaftlichen Arbeitspraxis. und zweitens das hierbei wirksame eher "theoretische" oder "praktische" Verhältnis zur gegenständlichen Wirklichkeit der Welt. die derart im Spiel 'aufgehen'. wo die kunstvolle. nicht bewußt zur Teilnahme. und vor allem Anwesenheit eines Schiedrichters) an dessen Einhaltung alle gemahnt werden. Aufruf zum fair play. nicht auf dem Spiel steht. das subjektive Wohlbefinden steigernde "Freiheitsgrade" bei der Bewältigung der Arbeitsaufgabe zulassen.B. mit dem 12 13 Die Außergewöhnlichkeit der Spiel-Zeit gegenüber der Arbeitszeit kommt als wiederkehrendes Motiv in vielen Kinderfilmen zum Ausdruck. "Dagegen entscheidet man sich in sozialen Feldern.Die bloße Gegenüberstellung von Arbeit und Spiel übersieht somit. ist erstens der Modus der Teilnahme. 123). deren Artefakt-Charakter in allem. "Hook" in der PeterPan-Verfilmung Steven Spielbergs oder auch "Momo" von Michael Ende). ihre Identität zu behaupten. daß der spielerische Umgang mit schwierigen Anforderungen in der Arbeitspraxis einen anderen Stellenwert gewinnt als dies in der geschlechtsgebundenen Körperkultur oder in der körperfernen soziologischen Theorie eigentlich vorgesehen ist. die mit dem Eintritt in ein Spiel gewahrt bleiben muß. Bourdieu 1987. z. daß sie vergessen. "Mit dem Eintritt in das Spiel schließt man gewissermaßen einen bisweilen explizit formulierten Vertrag (olympischer Eid. S. damit die Distanz. zum Ausdruck kommt (vgl. in denen beispielsweise durch den magischen Akt der Zerstörung von Uhren das strenge Zeitregime der Erwachsenen zumindest vorübergehend gestört oder sogar vernichtet wird (vgl.B. Was Spielarbeit und Arbeitsspiel tatsächlich voneinander unterscheidet. soweit sie entlastende. Begrenztheit und Außergewöhnlichkeit von Raum und Zeit)12. an dem man sich üblicherweise meist ohne "kritische" Distanz zu beteiligen pflegt. Die Besonderheiten des Spiel-Raums werden dabei meist auf die exotischen Schauplätze märchenhafter Träume verlegt. überlegene Beherrschung der Arbeitsaufgaben faktisch eine Form von "praktischer Meisterschaft" (Bourdieu) hervorbringen kann. S. was die Selbständigkeit eines Spielfeldes betrifft (wie z. Gleiches gilt auch für jene "Spielräume" in der Arbeit. daß es sich um ein Spiel handelt ('es ist doch bloß Spiel')" (Bourdieu 1987. 123). Die Trennung von Spiel und Arbeit zu kritisieren darf jedoch nicht dazu verführen.

der auch zu einer Untersuchung mikropolitischer Machtspiele (politics) führt. 25). und an dessen Ende die verschiedenen Felder genau zu den Handelnden kommen. Dieser erkenntnisfördernde Charakter geht allerdings verloren. 'wählt'. "Die Spielmetapher will den schroffen Gegensatz 'Spiel . 'connaître c'est naître avec' (erkennen heißt.Spiel geboren. ebd. S. Die Verwendung der Metapher des Arbeitsspiels soll den ernsten. Statt dessen möchte ich Ansatzpunkte und Möglichkeiten aufspüren. das ambivalente subjektive Verhältnis der Fernfahrer zu ihrer Arbeit nur als ein "falsches Bewußtsein" zu disqualifizieren. mit etwas geboren sein). Das Wort Claudels. Rationalität. gilt hier uneingeschränkt. sobald das Spiel-Konzept als der allein angemessene Forschungsansatz mißverstanden wird. 123f. verhält sich zum Erlernen eines Spiels ungefähr wie das Erlernen der Muttersprache zu dem einer Fremdsprache" (Bourdieu 1987. durch den die Arbeitstätigkeit von Fernfahrern gekennzeichnet ist. als ein willkürliches. Verläßlichkeit usw. durch den man 'sich zu dem macht'. Es geht allerdings auch nicht darum. Sie will zeigen. 244 .. S. verleugnen möchte" (Neuberger 1988.). Planbarkeit. auch Knapp 1981. durch das man gemacht wird. der illusio. Anstrengung. des Einsatzes um so totaler und bedingungsloser. wie Fernfahrer ihre belastende und riskante Arbeit spielerisch zu bewältigen versuchen. weder verharmlosen noch "überspielen". mittels derer die fremde Sprache als solche wahrgenommen wird. explizit in Form von Grammatik. 24). je weniger es als solches erkannt wird. 77). Die Vielfalt der tatsächlichen Beziehungen der Berufskraftfahrer zu ihrer Arbeit lassen sich nicht aus einer reinen Strukturanalyse der Gesellschaft oder aus der abstrakten ökonomischen Formbestimmung der kapitalistischen Produktionsweise "ableiten" (vgl. Leistung. was einen wählt.h. während das Erlernen einer Fremdsprache bereits auf der Grundlage einer Sprachdisposition erfolgt. d. und der häufig als 'Berufung' beschriebene langwierige dialektische Prozeß. und ist das Verhältnis des Glaubens. muß betont werden. Regeln und Übungen verfaßtes Spiel (vgl. daß die Spielmetaphorik in erster Linie einen heuristischen Wert hat. daß in der Fernfahrertätigkeit eine Vielfalt spielerischer Elemente enthalten sind und daß die soziokulturelle Transformation der profanen Arbeit in ein Spiel maskuliner Herausforderungen und Heldentaten als ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Bewältigung arbeitsbedingter Anforderungen zu werten ist. die mit dem für das reibungslose Funktionieren dieser Felder erforderlichen Habitus ausgestattet sind. daß jede organisierte Arbeit Elemente des Spielerischen enthalten muß. S. Im Anschluß an klassische Definitionen des Spielbegriffs bei Huizinga und Caillois soll die Annahme plausibel gemacht werden. S.Arbeit' aufheben.14 Auch wenn die Vorstellung eines "reibungslos" funktionierenden Zusammenspiels reproduktionstheoretische Mißverständnisse fördert und die Adäquanzbeziehungen zwischen Habitus und Feld überstrapaziert. belastenden und entfremdeten Charakter. auch wenn dies eine puritanische Arbeitsethik mit ihren zentralen Kategorien von Pflicht. 14 Eine Erstsprache erlernt man sprechend und lernt damit zugleich in statt mit dieser Sprache zu denken.

daß er sich dem Spiel entzieht.. ohne allerdings die Kulturanthropologie der Spiele explizit als Inspirationsquelle anzuführen (vgl. S. Dadurch. Meine These ist. ausgelassene Lustigkeit. Zweitens fungiert der Männlichkeitsmythos. Kinderschreck. daß das Spiel eine besondere. (. buchstäblich: Die Einspielung . denn dieser zertrümmert ihre Welt selbst.und Lebenswelt der Fernfahrer gegenüber der profanen Welt industrieller Fabrikarbeit gekennzeichnet sind. (. Huizinga hat in "Homo Ludens" auf den gemeinschaftsbildenden Charakter des Spielens aufmerksam gemacht. unantastbarer Spiel-Regeln. was Maske und Verkleidung heißt. Der Verkleidete oder Maskierte 'spielt' ein anderes Wesen. die inlusio. S. enthüllt er die Relativität und die Sprödigkeit der Spielwelt. ist Spielverderber. Drittens unterstützen Kult und Spiele der Trucker die soziale Gruppierung der LKW-Fahrer. heiliger Ritus und mystische Phantasie gehen in allem.) Der Spieler..).ä. außeralltägliche (Sinn-)Welt konstruiert. Die grundlegende Spannung zwischen der Welt des Sakralen und der profanen Wirklichkeit wird im Spiel vor allem durch die Konvention bestimmter. unauflösbar durcheinander" (Huizinga 1962. durch den mit der Teilnahme am Spiel einverleibten Spiel-Sinn und durch ein Charisma des Außeralltäglichen erzeugt. dann aber auf andere Weise und mit anderen Mitteln als mit den unmittelbar auf das Erwerben des Lebensbedarfs gerichteten. daß die sozialen Spiele der Fernfahrer erstens durch die Betonung der außergewöhnlichen Arbeits. Ihm vergibt die Spielgemeinschaft seine Sünde leichter als dem Spielverderber. der in seinem Habitus-Feld-Konzept immer wieder auf die Spielmetapher zurückgreift. der vor allem von dem zum "letzten Cowboy" und "Highway-Helden" hochstilisierten nordamerikanischen "Trucker" verkörpert wird.) sich gern mit einem Geheimnis umgeben oder durch Verkleidung als anders als die gewöhnliche Welt herausheben" (Huizinga 245 . 16f. als spielte er das Spiel. der vor allem darin zum Tragen kommt. Die Bedeutungsschwere dieser "Einspielung" der Handelnden aufeinander und auf ein bestimmtes Spiel-Feld scheint auch Pierre Bourdieu (1987) überzeugt zu haben. In dieser wird 'das Außergewöhnliche' des Spiels vollkommen. "die (.ein bedeutungsschweres Wort" (Huizinga 1962. zuweilen sogar die Entstehung von Gemeinschaftsverbänden (Trucker-Klubs u. der sich den Regeln widersetzt oder sich ihnen entzieht.. Der Spielverderber ist etwas ganz anderes als der Falschspieler. in der er sich mit den anderen für einige Zeit eingeschlossen hatte. die sich außerhalb des gewöhnlichen Lebens abspielt und sich kraft ihrer geheimnisvollen oder heiligen Außergewöhnlichkeit dem profanen Alltag gegenüberstellen läßt."Als geweihte Handlung kann das Spiel dem Wohl der Gruppe dienen. Dieser stellt sich so.). als ein stilistisches Kernelement dieser Arbeits. "Die Regeln eines Spiels sind unbedingt bindend und dulden keinen Zweifel.. Er nimmt dem Spiel die Illusion. Er 'ist' ein anderes Wesen. 18f.. und 20). mit dem maskiert sich die Spielenden gegenüber der gewöhnlichen Welt hervorzuheben vermögen.) Das Anderssein und das Geheime des Spiels findet seinen sichtbaren Ausdruck in der Vermummung.. Kapitel 4.und Berufskultur. und erkennt dem Scheine nach den Zauberkreis des Spiels immer noch an.2).

sieht es so aus. In Anlehnung an Untersuchungen von Pierre Bourdieu (1987. den letzten Cowboy unserer Tage auch tatsächlich zu verkörpern oder eine Arbeit zu verrichten. Abb. die sich zu selbständigen "Truckern" berufen fühlen. S.. Obwohl das TruckerSpielen die Fahrer an ihren "geheimen" (sprich: vertrauten) Orten zu bestimmten Zeiten "völlig in Beschlag nehmen" kann. Besonders bei den "abhängig" beschäftigten Fahrern. die in ihrem symbolischen Gehalt zum Ausdruck bringen. hier: S. 205ff. (Selbst)Täuschung und Wahrheit. zerbricht in dem Augenblick. wo die Teilnahme am Spiel mit der Befragung über den "Sinn" des Spiels zerstört wird. Und dennoch kann die mythische Identifizierung mit den Cowboys weiter unbefragt ihre Analogien und Sinnbilder produzieren (vgl. Bei näherer Betrachtung läßt sich die Spieldefinition von Huizinga auch auf die Arbeits-Spiele der Lastwagenfahrer anwenden. versuchten. Erstens wird die Arbeit gegenüber der bloßen "Plackerei" vor allem fabrikmäßiger Arbeitstätigkeiten zu einer 246 . Zunächst sind die Spiele der Fernfahrer als freie Handlungen zu bewerten. sofern man von ihr überhaupt im Sinne eines relativ geschlossenen sozialen Gebildes sprechen kann. wie es der Mythos behauptet. S. Aus der Vielzahl möglicher sozialer Spielformen können zahlreiche Spielvarianten an das "Trucker"-Spiel anknüpfen. In seinen zahlreichen Facetten kommt im Trucker-Mythos ein geweihtes Verhältnis zur Transportarbeit zum Ausdruck. ganz gleich. die "Wahrheit" ihrer Transportarbeit durch die Verschleierung des abhängigen. Die Arbeits. die sich im weiten Sinne des Wortes als selbständige Trucker fühlen.und Lebenswelt der Fernfahrer bietet genügend Gelegenheiten für eine weite Palette von Spielchancen. als ob die Fernfahrer. wird in der nüchternen (und ernüchternden) Befragung kaum ein Trucker ernsthaft darauf bestehen. 20). "ökonomischen" Charakters ihrer (Lohn)Arbeit zu verdrängen.1962. 211f. die hier nur in einigen wesentlichen Zügen vorgestellt werden kann.) über die Bedeutung des "symbolischen Kapitals" bei den Bauern der kabylischen Gesellschaft. ob es sich um Wettkämpfe.und Berufskultur der Fernfahrer. spielt die Verdrängung des nackten ökonomischen Interesses. Wie jede Partialkultur ist auch die Arbeits. die der unbewußte. das ihrer Verwertung als Arbeitskraft zugrunde liegt. 20-22). "praktische Glaube" (Bourdieu) an den Mythos ohne Schwierigkeiten auszuhalten scheint. spannungsgeladene Ambivalenz von Schein und Wirklichkeit. einem historischen und soziokulturellen Wandel ausgesetzt. eine wichtige Rolle. um Darstellungen oder um rauschbezogene Spiele der Fahrer handelt. daß sie außerhalb des gewöhnlichen Lebens und Arbeitens stehen und eigentlich auch nicht so gemeint sind. die wirklich so ist. so daß Traum und Wirklichkeit im Kult und Mythos ineinanderzufließen scheinen. Die subtile. Die fundamentale Distanz zu den materiellen Interessen und zum instrumentellen Nutzen des Spiels ist ein weiteres Kennzeichen der Fernfahrerspiele. das ihre Arbeit in einem anderen Lichte erscheinen läßt als dies die Ökonomie der Zeit eigentlich verlangt.

obwohl gerade sie der Arbeitsaufgabe der legendären Cowboys noch am nächsten kommen. Tierbezeichnungen als Spitznamen zu verwenden (z. S. Stichwort "Berufskraftfahrer/in"). der in stilechter Manier des Wilden Westens mit dem Eigennamen "Yellow Eagle" versehen worden ist. den Spitz- 15 So habe ich beispielsweise einmal einen gelben Lastkraftwagen gesehen. Vor allem Nutzviehtransporte scheinen unter Truckern nicht sonderlich beliebt zu sein. Unter den amerikanischer Fernfahrern ist es üblich. kurz: als ein "Totem" verehrt. Denn mit dem Fahren allein ist es nicht getan. die mit starkem Arm hoch über den anderen Verkehrsteilnehmern ihre schweren LKW's selbstbewußt und überlegen dreinblickend zum Ziel steuern.. denn er kann sehr selbständig arbeiten. Der Adler wurde als ein Beschützer oder zauberischer Helfer. plötzlich halten sie ein und genießen . auch Abb. Fernfahrer als Cowboys unserer Zeit? Der LKW mit der Kraft von 320 Pferdestärken als Pferd dieser neuen Cowboys? Vieles ist an dieser Vorstellung übertrieben.B. eines Clans oder einer sozialen Gruppe gilt" (Duden "Fremdwörterbuch" 1974. wenn man sich fragt.) Auf der Autobahn überkommt ihn jetzt vielleicht jenes anfänglich angedeutete Gefühl von Freiheit.die Cowboys von heute?" "Wir kennen die Bilder: rauhe. "Rubber Duck" im Spielfilm "Convoy"). 20: Fernfahrer als Cowboys von heute? Mythische Analogien I "Fernfahrer . 733). männlichen Heldentat in Auseinandersetzung mit der Natur aufgewertet. welcher Art die zu transportierenden Güter sind.B. z. er trägt aber auch die ganze Verantwortung dafür" (Müller-Kohlenberg 1984. Der Adler als ein Sinnbild für die Freiheit hat vielen indianischen "Naturvölkern" in Nordamerika als Stammeszeichen oder als Totem gedient. als eine Art "Totem"15 fungiert oder zu einem lebendigen Wesen. kernig-männliche Cowboys jagen über die Prärie. was an Traditionen indianischer Namensgebung oder an entsprechende Gepflogenheiten der nordamerikanischen Trapper und Waldläufer erinnert.. sofern die geleistete Transportarbeit jeweils danach bewertet wird. Drittens wird schließlich das Verhältnis zum Arbeitsgegenstand "verzaubert".Abb. als ein übernatürliches Wesen. 247 . hängt ganz alleine von ihm ab. Nutzviehtransporte machen nicht nur zusätzliche Reinigungsarbeiten erforderlich.. Seit einiger Zeit sieht man in ähnlichen Reklamen statt der Cowboys auch Fernfahrer. warum Fernfahrer ihren Beruf ausüben. sondern gelten als "schmutzig" und sind oft dem Spott der Kollegen ausgesetzt (vgl. Ganz darf man aber eine gewisse Portion Abenteuer und Freiheit nicht unterschlagen.natürlich eine bestimmte Zigarettenmarke. indem der LKW z. "Partner" oder "zweiten Ich" verdinglicht wird (vgl.B. Zweitens wird das Verhältnis zum Arbeitsmittel Lastkraftwagen mystifiziert. S. 23). Wenngleich bei nüchterner Betrachtung der damit verbundenen Tätigkeiten die Romantik deutlich zurücktritt. im amerikanischen 'trucker' genannt. das "als Ahne oder Verwandter eines Menschen. eben werbewirksam. Wie er jetzt seine Fahrt gestaltet. (. Dem profanen Transportmittel werden dabei entweder magische Kräfte zugeschrieben. 128f.

braucht. der die Transporttätigkeit nüchtern mittels Geldmaß zu quantifizieren sucht. S.B. mal abgesehen von Australien oder Sibirien. weil er den 'American Way of Life'. hier allerdings auf das Weiheverhältnis der kabylischen Bauern zu ihrem Boden bezogen) und daß es sich in vielen Fällen "nur" um "abhängige" (Lohn)Arbeit handelt. den Truckstops. in den Reservaten der stählernen Dinosaurier ist alles zu haben.Abb. Bourdieu 1987. CB-Funkanlagen jeglicher Reichweite (. 'first of all'. 212. wie es ihn in Wirklichkeit nicht gibt und auch niemals gegeben hat. was ein Truck .. jede Art von Chrombeschlägen für die Eighteenwheeler. der einsam über die unendliche Prärie reitet.16 Die Verzauberung der Transportarbeit trägt dazu bei. das den Namen 'Truck' verdient. Und so wie der Cowboy alleine seine Arbeit verrichtet. In der Mystifizierung der Transportarbeit wird vor allem der ökonomischer Charakter negiert. 40). die sich als LKW-Fahrer vom gewöhnlichen gewerblichen Straßengütertransport abzusondern versuchen. mit dem man einen LKW erst zu einem Fahrzeug macht. Ganz vernarrte Trucker spendieren ihrem Gefährt sogar eine Kühlerblende mit echter Goldauflage. Neben Tankstelle und Ölwechsel. diese Schlachtschiffe der Highways. S. mit dem Aufkleber "Achtung Turnierschweine!". Natürlich fährt ein Trucker seinen Truck nicht. 16 Die Fahrer solcher Transporte handeln ihrerseits durch eine Aufwertung ihres Transportgutes. "daß seine Mühsal Arbeit ist" (vgl. Auch die Marktgesetze des Gütertausches. verinnerlicht hat.. Whites und GMC's. Wo sonst auf der Welt. Und dennoch ist er etwas Eigenes. Der Mythos des Cowboys. so hat diese Tradition ihre Entsprechung im Chrombesatz der Trucks. die gleich an der Interstate ausschließlich für die Trucks und ihre Männer geschaffen wurden. den Pioniergeist seiner Vorfahren. so lebt auch der amerikansiche Fernfahrer meist zwangsläufig das Leben eines Einzelgängers.).Mythische Analogien II Rolf Mauer: "Trucks und ihre Reiter" "Schon immer haben sie mich fasziniert. durch den die Transporteure edlerer Tierarten ("Achtung Turnierpferde!") verspottet werden. (. 2/92. lebt weiter mit den Truckern. wie der Cowboy sein Quarterhorse ('riding a truck').und der kommt immer an erster Stelle noch vor seinem Fahrer . also die Legende vom freien und harten Mann. die Kenworths. Und vom ersten Tag an.B. Macks und Freightliners.) Wenn für den Cowboy das silberbeschlagene Zaumzeug und der über und über mit Ledergravuren überzogene Sattel als höchste Zierde des Mannes gelten. namen "Schweinestall" im Spielfilm "Convoy"). 248 . auf meiner ersten USA-Reise damals vor vielen Jahren. 21: Trucks und ihre Reiter . die mehr zur Zierde als zur Abwehr von Insekten dienen dürften. sondern er 'reitet' ihn. Z. die Peterbilts. und natürlich. in dem alles zu finden ist. dem Fernfahrer die Entdeckung vorzuenthalten. Hier. Windabweiser für die langen Motorhauben der 'Conventionals'.. gibt es diese unendlichen Weiten eines riesigen Kontinents zu durchqueren?" (Aus: "Truck-Treff" Nr. galt meine Sympathie den Fahrern und mein Interesse jenen Einrichtungen im Weichbild der großen Städte.und Waschanlage gibt es einen Zubehörladen. z. Insofern unterscheidet er sich in nichts von den anderen Fernfahrern überall auf der Welt..

lasse andre gern am Fließband stehn. manchmal Damen. mein Fehler ist: Ich bin nicht treu wie Gold. gewinnt auch die Natur menschliche Züge. Mädchen mit den Ohren schlackern. Um die Freundschaft zu erhalten. seufzen schmachtend: 'Die sind super.) Weiblichkeit garniert den Rahmen. mal mit mir auf große Fahrt zu gehn.. Germany) Tom der Reimer: "Trucker-Erinnerungen an den Nürburgring" "Eine lebensnahe Brücke schließt die unscheinbare Lücke.) Mix von Cowboys und von Truckern. (. Ich bin ein Asphalt Cowboy mir gehört die Straße. daß jeder gerne handelt auf sich selbst gestellt eine gleicht der andern Welt. wodurch sich die Auseinandersetzung mit ihr als ein Kampf "Mann gegen Mann" darstellt." (1987 Ranger Records. ich brauch' dieses Leben. die mit stillem Kompliment Trucker von den Cowboys trennt. wenn ich den Truck mal wirklich stehen lasse. (. manchmal Tussies. 61).die "Stimme der Trucker": "Ich bin ein Asphalt Cowboy" "Manches arme Schwein hockt im Büro 'rum. nur so hat mein Leben einen Sinn. Ich glaub'. Sei's. daß beiden teure Wesen ohne großes Federlesen sind zur Obhut übergeben auch ein Lkw hat Leben.' (. Sei's der Blick in weite Ferne. mancher würde sehr viel darum geben. werden ausgeblendet (Geld gegen Arbeitskraft pro Zeiteinheit oder gegen selbständige Transportleistungen). Fan-Gemeinde etabliert. blickt nur voll Verzweiflung auf die Uhr. wie 'High noon' mit Gary Cooper.. 9/91. Vom Achtstundentag kann ich nur träumen. dann bin ich nach einer Woche hin. Ähnlich wie der LKW.. (. Und ich weiß.Mythische Analogien III Tom Astor . Wenn ich so 'nen Job hätt' müßte ich zur Kur: Ich brauch so'n bißchen Abenteuer pur. Ich bin ein Asphalt Cowboy. 22: Der Trucker als Asphalt Cowboy . Bin ich auch mal down. "Truck-Race Spezial". Will ein Fernfahrer seine höchst schwierige Aufgabe meistern. leicht frivoles Wortgeplänkel. weil mein Mädchen schmollt. teils motorisiert... der zu einem lebendigen Wesen verdinglicht wird.)" (aus: "Trucker" Nr. doch ich hab's ja selber so gewollt. pralle Schenkel. S.Abb. und an schweren Sattelschleppern sieht in ölverschmierten Kluften man die harten Männer schuften. denen die Transportarbeit zu gehorchen hat. muß es ihm gelingen.. knappe Hös'chen.) Grobe Schraubenschlüssel scheppern. hat sich zu den Leitgestalten eine.. sei's der Wunsch. die widrigen äußeren Um- 249 ..

dem bekannten Country-und-Western-Star mit dem ame- 250 . 94ff.2). sondern als etwas anderes erscheinen. In der Öffentlichkeit finden auf regionaler Ebene regelmäßig zahlreiche Truck-Treffs. 17). auch Huizinga 1962. moderiert von Jonny Hill. die Autobahnraststätten bzw. sein Dankeschön dafür" (Günter Heimann. Bourdieu 1987. Abb. 23. Berger und Luckmann 1980. ihr entfremdet ist (vgl. dann kann ich mich auch immer drauf verlassen.B. S. zur mythischen Bedeutung vgl. Und das ist nach meiner Meinung eben das.F. zitiert nach Prahl 1988.und Verkehrsverhältnisse) ebenso wie die behindernden inneren Zustände (z. glaube ich. Unkörperliches und Lebloses als Person darzustellen.und Darstellungsspiele der Fernfahrer an bestimmten. S. Für Huizinga (1962. zum "Fetischcharakter der Ware"). Und es kann mal der Zeitpunkt kommen oder der Tag kommen. die sich z. 133) liegt das Wesen aller Mythenbildung darin. um die äußere und innere "Natur" in männlicher Art und Weise zu überwältigen und schließlich zu beherrschen. Es ist praktisch unser zweites Ich und darum legen wir auch soviel Wert in das Fahrzeug mit der Pflege und Ausstaffierung. sowie MEW 23. Wie andere Spiele auch. Die Außeralltäglichkeit der Spiele ist einerseits eine Folge widriger Umstände. Hervorhebungen durch M. 512ff. S. Denn ich sage mir immer: Wenn ich das Fahrzeug gut pflege. wo ich ihm vielleicht mal mein Leben verdanke. als gehorchten Natur und Technik ebenfalls den Gesetzen des Gabentausches.B. wonach sie nur denen ihre "Wohltaten" erweisen. S. S. Und ein Fahrzeug. Müdigkeit) zu überwinden. Marx 1973. vgl. Trucker-Feste oder Trucker-Festivals statt (vgl. Allein in der Bundesrepublik strahlen etwa 31 Rundfunksender die einschlägige Country-und-Western-Musik aus und mit "Kilometer 330" wurde kürzlich noch alle vierzehn Tage eine eigene Fernsehshow für Trucker bei RTL ausgestrahlt.. S. ein Haufen von Technik. meist vertrauten Orten "innerhalb einer eigens bestimmten Zeit und eines eigens bestimmten Raums" (Huizinga). andererseits aber steht die Zeitweiligkeit des Spiels nicht seiner prinzipiellen Wiederholbarkeit im Wege (vgl. Besonders beliebt sind vor allem die Trucker-Feste. das der menschlichen Kontrolle entzogen. vollziehen sich die Kampf. nicht wahr. Aber für uns Fahrer. die nicht zu allen Zeiten und Gelegenheiten einen spielerischen Umgang mit der Transportarbeit erlauben oder diesen zumindest vermiesen. Abb. Abb. 24). 23: Lastkraftwagen als "zweites Ich"? Die Verdinglichung eines Arbeitsmittels "Für viele ist das nur ein kalter und nackter Gegenstand. wo man sich trifft und die bei den PKW-Fahrern oft den Ruf einer guten Gastronomie genießen.B. der sich auf zwei Achsen oder auf mehreren Achsen bewegt. ist es doch ein bißchen mehr. in der "pfleglichen" Behandlung der LKW offenbart) Tribut zollen (vgl. Kapitel 5. weil ich ihn gut gepflegt habe. Es scheint so. 85ff. die ihnen mit Mühsal (und mit Ehrerbietung. 212. "Truck Stops" oder einfach bestimmte Gaststätten. nur deswegen. als etwas Mystisches.). Eine "Verdinglichung" erfolgt. das Produkte von A nach B oder C transportiert. Wetter. sobald menschliche Produkte nicht als von Menschen erzeugte Gegenstände betrachtet werden.stände (z.

Abb. 24: "Truck-Treff" - ein Ort für Fernfahrerspiele

rikanischen Namen. Den kulturellen und kommerziellen Höhepunkt bildet aber der alljährliche Internationale ADAC "Truck Grand-Prix" auf dem Nürburgring. So läßt sich auch das letzte Kennzeichen des Spiels, seine Regelhaftigkeit, die
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eine Art "praktischen" Glauben oder ein Eingespieltsein (inlusio) verlangt, in den Arbeitsspielen der Fernfahrer wiederfinden. Von besonderem soziologischen Interesse ist dabei die Annahme, daß das Spiel eine Herausbildung von "Gemeinschaftsverbänden" fördert, die sich geheimnisvoll geben und durch Verkleidung von der gewöhnlichen Welt abzuheben versuchen (Huizinga 1962, S. 20). Nun ist der Gemeinschaftsbegriff recht schillernd, wir können aber annehmen, daß Huizinga ihn im wesentlichen der Entstehung von "Klubs" vorbehalten hat (vgl. ebd., S. 21). Schlägt man Fernfahrerzeitschriften auf, so präsentiert sich hier eine bunte Szenerie aus sogenannten "Trucker"- oder "Country- und Western""Clubs", die den dazu passenden Kult und Mythos vom Trucker als dem letzten Cowboy unserer Tage mit viel Engagement und Leidenschaft pflegen. Johan Huizinga hat gezeigt, daß das Spiel ein Kampf um etwas oder eine Darstellung von etwas sein kann (1962, S. 20). Genau dies scheint mir im wesentlichen auf die arbeits- und berufsbezogenen Spiele der Fernfahrer zuzutreffen. Zur Maskierung und Verkleidung der Fernfahrer als "Trucker" gehören die einschlägigen Accessoires, die eine Kombination von Elementen aus der nordamerikanischen Fernfahrer-Kultur und der Country-und-Western-Szene bilden. Das sind vor allem der obligatorische Cowboy-Hut, die dazu passenden Westernstiefel und andere bedeutungsvolle Gegenstände, besonders texanischer bzw. südstaatlicher Provenienz. Diese für die Stilisierung unabdingbaren Accessoires sind mittlerweile in jedem Truck-Shop oder Truck-Store von Sympathisanten käuflich erwerbbar. Nicht nur für die Fahrer(innen) selbst, sondern selbstverständlich auch für die "Verkleidung" (sic!) der Lastkraftwagen ("Trucks") wird ein umfangreiches Arsenal an "Profi-Zubehör" angeboten (vgl. z.B. Abb. 25). Neben der materiellen Symbolisierung durch Accessoires präsentieren sich die Kult-Spiele der Trucker auch in entsprechenden Praktiken und Vorstellungen, die sich und anderen etwas vorstellen. Bestimmte Sequenzen der Arbeitstätigkeit von Fernfahrern lassen sich in Form eines Wettkampfes praktizieren, in dem bestimmte Nöte ihrer alltäglichen Arbeitsanforderungen (z.B. der Zeitdruck oder die Monotonie reizarmer Fahrsituationen) stilisiert in ein Wettkampfspiel überführt werden, das den Zeitaspekt als eine maskuline Herausforderung interpretiert und die Eintönigkeit des Fahrens mit Elementen kämpferischer Spannung auflädt (z.B. "Jumbo-Rennen" zwischen einzelnen LKW-Fahrern, bevorzugt auf Highways oder Autobahnen oder das zeitbezogene Zurücklegen einer bestimmten Strecke ohne unmittelbare Konfrontation zwischen zwei Rivalen). In der arbeitsfreien Zeit sind Wettkämpfe dieser Art ein fast definitiver Bestandteil von Trucker-Festen, entweder in packenden Aufführungen als "Truck-Race" oder in geruhsameren Varianten, mit denen die Trucker ihre Fahrkünste auf andere Weise beanspruchen und zur Schau stellen können (z.B. Geschicklichkeitsfahren oder Rangieren). In Anlehnung an den legendären "Convoy" des gleichnamigen Kult-Films werden die Konvois und
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Abb. 25: Ausgewählte Accessoires maskuliner Arbeitsspiele

Schaufahrten herausgeputzter Lastkraftwagen zu Höhepunkten solcher Festivals der Selbstdarstellung, mit kämpferischen und feierlichen Akzenten.
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Obwohl sich Wettkampf und Darstellung im Trucker-Kult zunächst als ein Spiel interpretieren lassen, sind sie alles andere als bloße "Spielereien", die den glaubhaften Maskeraden und Verkleidungen den nötigen Ernst fehlen ließen. Johan Huizinga hat auf die Besonderheiten sakraler Darstellungen im Unterschied zu Kinderspielen (und zum Schau-Spiel, wie man ergänzen müßte) aufmerksam gemacht. Während die Darstellung eines anderen Wesens im Kinderspiel als eine Art "Scheinverwirklichung" zu verstehen ist, mit der etwas anderes verbildlicht wird, weist die geweihte Vorstellung im Kult über die nur scheinbare oder symbolische Realisierung eines Bildes von etwas hinaus: Die heilige Schaustellung "ist eine mystische Verwirklichung" (Huizinga 1962, S. 21), bei der etwas Wirkliches, aber bis dahin noch Unsichtbares und Unausgedrücktes in der Darstellung eine sakrale Form annimmt. Wenn Huizinga schreibt, daß der Kult "eine Darstellung, eine dramatische Vorstellung, eine Verbildlichung, eine stellvertretende Verwirklichung [ist]" (ebd., S. 22), dann ist damit gemeint, daß die heilige Handlung in der Darstellung kosmischen Geschehens nicht nur eine "Repräsentation", sondern auch eine "Identifikation" enthält. In der Wiederholung des bereits Geschehenen (von dem der Mythos berichtet), bringt der Kult eine Wirkung zustande, die in der sakralen Handlung bildhaft vorgeführt wird (ebd.): Die Funktion des Kults "ist nicht lediglich ein Nachahmen, sondern ein Anteilgeben oder Teilnehmen. Es ist ein 'helping the action out'", was von der Psychologie nüchtern als "identification compensatrice" abgetan wird, als "repräsentative Handlung angesichts der Unmöglichkeit, eine wirkliche, auf das Ziel gerichtete Handlung auszuführen". Soweit sich die Riten und Magien, die Mythen und Mysterien als ein "heiliges Spiel" begreifen lassen, drückt sich in den ernsthaften Stimmungen und Haltungen der Kultgemeinschaft in und zu ihren sakralen Handlungen - anders als dies im profanen Spiel der Fall ist - zugleich ein "heiliger Ernst" aus (vgl. Huizinga 1962, S. 25ff.), der mit dem profanen Ernst des praktischen Lebens und Arbeitens allerdings nur wenig gemeinsam hat. Anders als in der Welt der praktischen Wirklichkeit und wirklichen Praxis, verbietet die Verschmelzung zwischen Spiel und Glauben in der sakralen Praxis einer Kultgemeinschaft jene nüchterne Frage nach dem empirischen Gehalt ihrer Wirklichkeitsvorstellungen, mit der sich die abendländische Wissenschaft in ihrem Anspruch auf Wahrheit und Vernunft von konkurrierenden Wissensformen abzugrenzen pflegt. Allein das Spiel vermag die Paradoxie von Wissen und (Selbst)Täuschung, von Glauben und Verstellung auszuhalten, solange die in der Vorstellung des Spiels behauptete "Wesensidentität" zwischen Dingen verschiedener Ordnung - z.B. zwischen einem Menschen und einem Tier oder zwischen einem Fernfahrer und einem Cowboy - eine "mystische Einheit" voraussetzt, die über die bloße Verbindung zwischen einer realen Substanz und ihrem bildlichen Symbol hinausreicht (vgl. Huizinga 1962, S. 32; vgl. auch Schütz/Luckmann 1984, S. 178ff. zum Symbol).
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Der Trucker-Kult und die dazu passenden Spiele der Fernfahrer sind dabei von einem Männlichkeitsmythos durchdrungen (vgl. Abb. 26-28), den die Vorstellungen über den nordamerkanischen Cowboy kennzeichnet, jener Originalgestalt, der viele Fernfahrer ihre tiefste Verehrung zuteil werden lassen und mit dessen Schicksal sie sich durch Identifikation persönlich verbunden fühlen.
Abb. 26: Ein "potentes Triebwerk" für den "King of the Road" - der Scania R 143 mit 450 PS "Es ist kein Geheimnis, daß gerade die großen Scanias bei den Fahrern hoch im Kurs stehen. Emotionen spielen hierbei sicherlich keine kleine Rolle. Scania war der erste Truckhersteller, der weiland mit leistungsstarken Trucks der Leistungsexplosion vorgriff. Der 14,2-Liter V-8-Motor galt lange als das potenteste Triebwerk, das in einem Truck für Vortrieb sorgen konnte. Die Motorenentwicklung ist inzwischen bei allen Herstellern weitergegangen. Der 'King' ist nicht mehr der Leistungskönig, die Konkurrenten haben ihn zumindest nominell und auf dem Papier längst überholt. Am Image des 'King of the Road' konnte allerdings niemand so richtig kratzen" (Aus: "Trucker" 5/93, S. 16).

Entscheidende materielle Voraussetzung für die Herausbildung eines berufskulturellen Männlichkeitswahns unter den LKW-Fahrern ist allerdings der geringe Frauenanteil (von 2,5%) unter den "Berufskraftfahrern" (vgl. Florian 1994). Die Glaubwürdigkeit der Männerspiele hängt davon ab, inwieweit es gelingt, weibliche und "weibische" Arbeitskräfte durch eine erfolgreiche "soziale Auslese" (Max Weber) der zur Transportarbeit im Straßengüter(fern)verkehr "Berufenen" auszuschließen. Die weitgehende "soziale Schließung" des Transportarbeitsmarktes für weibliche Arbeitskräfte macht es den Frauen zwar nicht völlig unmöglich, diesen von Männern dominierten Beruf zu ergreifen, legt ihnen aber offenbar wirksame Hindernisse in die berufliche Laufbahn, die eine Dominanz männlicher Arbeitskräfte sichert (vgl. Abb. 29). An der subkulturellen Ausschließung der Fernfahrerinnen ist die abschreckende und einspielende Stilisierung des Maskulinen, die von Fernfahrerzeitschriften und Truckermagazinen betrieben wird, maßgeblich beteiligt (vgl. Abb. 27-29).17 Neben den berufskulturellen (Selbst-)Selektionsprozessen, die es weiblichen Arbeitskräften als unattraktiv erscheinen läßt, Fernfahrerin zu werden oder überhaupt werden zu wollen, sind die familienfeindlichen Arbeits- und Arbeits-

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Auch wenn sich einzelne Artikel oder Leser(innen)briefe für die Gleichberechtigung von Berufskraftfahrerinnen einsetzen (vgl. z.B. "Aus Liebe zum Fahren", in: Fernfahrer Nr. 4, April 1992, S. 28-31), werden Frauen durch sexistische Witze, Bilder und Zubehörwerbung diskriminiert und durch die vorherrschende, von maskuliner Metaphorik strotzende Berichterstattung auch weiterhin "stilistisch" ausgegrenzt.

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Abb. 27: Eine LKW-Fahrerin muß "ihren Mann stehen"
Tom Astor: "Ihr Leben, das ist ihr Laster"
"Sie tut es bei Tag und Nacht, und sie hat Spaß daran. Ihr Laster bringt ihr harte DM ein. Sie tut, was eine Frau bestimmt sicher selten tut. Sie fährt so'n schweres Ding von LKW. Sie hängt auf der Autobahn oft für lange Zeit, und manche Nacht da denkt sie an Zuhaus. Sie hat's nicht leicht, doch sie sieht das alles nicht so eng, denn sie ist kein Kind von Traurigkeit. Ihr Leben, das ist ihr Laster und ihr Make Up, das ist der Straßenstaub. Sie macht jeden Tag Überstunden und irgendwann gibt es Kurzurlaub. Trouble gibt's auf jeder Tour mit Zoll und Polizei. Doch sie bleibt dabei immer ziemlich cool. Sie jobt in einer Männerwelt, boxt sich da ganz gut durch und steht oft Tag und Nacht ihren Mann. Ihr Leben, das ist ihr Laster und ihr Make Up, das ist der Straßenstaub. Sie macht jeden Tag Überstunden und irgendwann da gibt es Kurzurlaub. (...)"
(Aus: Tom Astor - "Die Stimme der Trucker": Compact Disk "Hallo Freunde", EMI Electrola 1987).

"Rallye-Einsatz in der Wüste: Eine Frau steht ihren Mann im Rettungsteam"
(Titel der Reportage "Rettungsengel in der Wüste" in "Fernfahrer" Nr. 5/93).

zeitbedingungen als ein wirksames Mittel zu nennen, eine Feminisierung dieses "Männerberufes" zu verhindern, da die meisten Frauen auch heute immer noch die Hauptlast familiärer Reproduktions- und Hausarbeit tragen. Es liegt wohl im Sarkasmus der geschlechtlichen Arbeitsteilung begründet, daß die Ehefrauen oder Partnerinnen im wahrsten Sinne des Wortes hinter ihren fernfahrenden Männern stehen und ihnen den familiären Rücken freihalten müssen, damit sich viele "Trucker" ihre Männlichkeitseskapaden überhaupt leisten können. Die Konflikthaltigkeit dieser prekären Familiensituation, in der der Mann und Vater tageoder sogar wochenlang von Zuhause fort bleibt, wird in vielen Fernfahrerliedern und Truckersongs angedeutet. Ob es nun besonders Männer mit ausgeprägten Ablösungsneigungen und "Intimitätsängsten" (Gilligan 1989) sind, die sich in ihren Berufswahlen für Tätigkeiten mit einem hohen Anteil an Abwesenheit von der Familie entscheiden (z.B. Fernfahrer oder Montagearbeiter), kann auf dem gegenwärtigen Forschungsstand noch nicht beurteilt werden. Die sakralen Vorstellungen der Männlichkeitsmythologie haben somit weitrei hende Folgen für die soziale Strukturierung des Arbeitskräfteangebotes im Straßengüterverkehr. Mit großem Ernst werden subkulturelle Abgrenzungen gegenüber der profanen industriellen Arbeitswelt betrieben. Diese Trennungen werden einerseits durch die sorgfältige Konstruktion geweihter Sonderwelten in Zeit und Raum mit jeweils spezifischen Regeln und Ordnungen vollzogen. Gegenüber der profanen Wirklichkeitsorientierung zeichnet sich das sakrale Weltbild andererseits durch ein fundamentales Desinteresse an allen materiellen,

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in: "Logistics Technology International".18 Ein wichtiger gesellschaftlicher Bezugspunkt dieser soziokulturellen 18 Die Abwertung rein ökonomischer Leistungen muß allerdings spätestens seit Verbreitung der protestantischen Ethik etwas relativiert werden. durch das sich das Ideal männlicher Ehre und Tugend gegenüber der gemeinen Gier nach nacktem Nutzen hervorhebt. Pierre Bourdieu hat dazu beigetragen. 28: Starke Laster . der in dem symbolischen "Kapital" der Ehre enthalten ist. 1992 insbesondere ökonomischen Werten aus.Jelczanskie Zaklady Samochodowe.nur für starke Männer? Anzeige des polnischen LKW-Herstellers JELCZ . aber auch gegenüber "unwürdigen" Wirtschaftsbetätigungen (wie das Schachern oder die Kreditvergabe). den ökonomischen Charakter zu entschlüsseln.Abb. 257 . wo sich die Tauglichkeit. der sich als gottgefällig und edel erweist gegenüber allen verabscheuungswürdigen Formen des Lasters. Wroclaw. Kraft und Vortrefflichkeit eines Menschen auch im wirtschaftlichen Erfolg präsentieren darf.

. im Fernverkehr aber.. Entweder bezeichnet man uns als Mannweiber oder zweifelt daran. überhaupt ein Einstellungsgespräch mit einer Fahrerin zu führen. die vom Fernfahrerjob kaum Ahnung haben. Einen Hauch von Abenteuer wünscht sich doch jeder. daß es kein Job für labile Naturen ist und daß man einen gewaltigen Schuß Selbstvertrauen braucht. 7/90.) Hat man es endlich geschafft und sitzt als Fahrerin auf dem Bock. wie sie ist. die sich im Job verirrt haben. ist daher nur zu bewundern.. S. 28-31). Sie weiß. den immer mehr Frauen aufbringen. 4/92. die aus einer Zeit stammen. (. daß noch mehr Frauen eingestellt werden.) Wann bekommen wir unsere Chance? Leider ergeht es vielen Frauen so wie mir. weiß ich auch. 7/90.. (. daß ihr auch einmal eine Frau am Lkw-Steuer vorgestellt habt.) Seither suche ich ohne Erfolg einen Job." "Leider bleiben die Probleme der angehenden 'Trucker-Ladies' auf der Strecke. "Marion Funk (24) fährt als Bkf-Umschülerin Verteiler. S. sind sie nach wie vor eine kleine Minderheit. immer und jederzeit 'den Mann stehen zu müssen'. von den Herren der Laster skeptisch beobachtet und von vielen Chefs nicht ernstgenommen. wird man tagtäglich mit fehlendem Verständnis für unsere Berufswahl konfrontiert. durch gesundheitsamtliche Vorschriften benachteiligt. Im internationalen Fernverkehr zu fahren finde ich besser. Seit Oktober '89 besitze ich den Führerschein Klasse 2 und bin erst einmal mit nach Spanien gefahren. um akzeptiert zu werden.. der sie so nimmt. (. "Aus Liebe zum Fahren: Michaela Lamberty aus Worms hat ihren Traum wahrgemacht. die in vielen Kulturen als geschlechtliche Arbeitsteilung den Frauen das Recht auf und die Pflicht zu den in der Gemeinschaft besonders hoch bewerteten kämpferischen Betätigungen vorenthalten hat (vgl. werden wir Frauen hinter dem Steuer eines Lkw immer noch wie exotische Wesen. du hast weniger Ladestellen und siehst mehr von der Welt. In einer Zeit. 82). 10). auch Veblen 1981).und Stückgut bei Amberger auf MB 813. sich im Transportgewerbe durchzusetzen.) Michaela Lamberty liebt ihren Beruf. 6/91. (. das wär' mir echt zu lasch.) Und über allem schwebt das trügerische Gefühl.Abb. Die Privilegierung maskuliner Arbeitsund Spielfelder erscheint mir indes alles andere als "vollkommen natürlich". wenn ich meinen Berufskraftfahrer in der Tasche habe. 29: "Aus Liebe zum Fahren"? Frauen in einem von Männern dominierten Beruf "Die 'Männersache auf der Straße'. und sie liebt das Fahren...) Die dümmsten Sprüche kommen von Leuten im Lager und auf der Straße.. Die meisten Firmen lehnen es ja von Haus aus ab.) Ich fahre hier Stückgut: Deckel auf. und sein wir mal ehrlich: Ein normaler Laschi macht diesen Job doch sowieso nicht" (Interview aus "Trucker" Nr. Unterscheidungen ist die soziale Teilung der Arbeit. (. daß wir unsere Arbeit genauso gut oder vielleicht besser als die männlichen Kollegen verrichten können. sie liebt Lastwagen. 66).und möchte. Daß das harter Alltag ist... (. in der das Fernfahrerleben noch knüppelharte Arbeit war" (Leserinnenbrief von Monika Eckert aus "Fernfahrer" Nr. einer der letzten Männerdomänen. durch mangelnde sanitäre Einrichtungen in Rasthöfen gehandikapt.) Frauen sind eine Normalität im Berufsleben geworden. Deckel zu. von der man meinen sollte. Hart und herzlich" (Jan Bergrath in: "Fernfahrer" Nr... behandelt. Aber sie wünscht sich. S. Sie erlernte den Fahrerberuf und setzte sich durch. "Feindbild Frau? Schön. Un sie wünscht sich einen Mann. Warum macht man uns Frauen den Einstieg ins Truckerleben so schwer? (. daß die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau endlich in allen Bereichen des Lebens ihren Einzug gehalten hat. (.. Doch das ist nicht mein Ziel" (Leserinnenbrief von Conny Wendtlandt in "Truck-Treff" Nr. Auch der Gesetzgeber schikaniert uns nach wie vor mit den völlig überflüssigen ärztlichen Voruntersuchungen. sage ich immer ... Der Mut. Die meisten geben dann irgendwann auf. wenn die Disponenten am Schalter immer wieder nach dem Fahrer fragen und wenn man aus europaweitem Mangel an ausreichenden Damenduschen einen befreundeten Kollegen als Aufpasser vor die Tür stellen muß. Denn so fahrplanmäßig wie das für Audi läuft. S. Die Diskussion über die Rolle der Frauen am Steuer eines Trucks bleibt aktuell.. auch 258 . Fernverkehr fahren.

des Spiels. Ehre.und Religionssoziologe Roger Caillois (1960. Im Anschluß an die Spiele-Typologie von Caillois lassen sich die Arbeitsspiele von Fernfahrern entsprechenden Spielformen zuordnen (vgl. (. in die sich nahezu alle bekannten Spiele einordnen lassen.und Fremdtäuschung (mimikry) geeignet ist. 30).wenn Huizinga belegt. Arbeitsmittel oder Arbeitsgegenstände # sich für die Austragung eines sportlichen Wettkampfes (agôn) oder für die Herausforderung der Magie des Zufalls. 68): "Die Tugend des edlen Mannes ist das Bündel von Eigenschaften. daß die ausgeübte Tätigkeit mehr darstellt als eine profane "Arbeit" und # der schließlich von den Berufstätigen aufgrund seiner Leistungsanforderungen eine besondere. 70). vgl. Entscheidende Voraussetzung für die Arbeits." Während Huizinga das Spiel nur nach Kampf und Darstellung unterscheidet. d. außergewöhnliche Beherrschung von Körper. die beim "Wettkampf" bestimmte Anstrengungen verlangt. die unter Umständen durch den Mißbrauch von Drogen (ilinx) künstlich erzeugt werden kann (und muß) oder der selbst zu rauschähnlichen Erfahrungen des "workaholics" oder zu sogenannten "flowexperiences" (Csikszentmihalyi) führen kann. 259 .) Tugend. 68ff. So kennzeichnet Caillois (1960. fügt der französische Kultur.. Schicksals oder Glücks (alea) eignen. Alea. # der zur Selbst..und Berufsspiele der Fernfahrer ist allerdings. auch wenn die Abgrenzung der Typen wegen der vielen Überschneidungen nicht allzu streng ausfallen darf. Das Leben des jungen adligen Kriegers ist beständiges Üben in der Tugend und beständiger Kampf um die Ehre seines hohen Standes. Neuberger 1988. 18ff. um sich und anderen vorzuspielen. Darüber hinaus differenziert er zwischen zwei komplementären "Spielweisen". daß sie einen Beruf ausüben. vgl. S. S. Mimicry und Ilinx).) dieser Einteilung mit dem Rausch eine weitere Spielart hinzu. wobei Paidia für Ausgelassenheit. auch Neuberger 1988. 19f. S. Nerven und Aufmerksamkeit verlangt. freie Improvisation und unbekümmerte Lebensfreude steht. je nachdem. Adel und Ruhm stehen folglich von Anfang an im Kreise des Wettkampfs. einen unter den gleichen Bedingungen agierenden Rivalen zu besiegen (während der Herausforderer beim "Glücksspiel" weitgehend passiv auf eine positive Entscheidung des Schicksals wartet). für bloßes Vergnügen. der Maskierung oder des Rausches vorherrschend ist. S. chaotisches Lustprinzip. ob bei dem Spiel das Moment des Wettstreits. Abb. also für eine Art unreguliertes. S. Durch eine weitere Differenzierung der Spiele mit einer stark kämpferischen Note nach ihrer jeweiligen Spielhaltung. des Zufalls. erhält Caillois schließlich eine SpielTypologie. die ihn fähig machen. während Ludus das Prinzip der Regel und der konventionellen Ordnung vertritt ("Disziplinierung" oder "durch Regeln gezähmte Aktivität". für unkontrollierte Phantasie.h.) vier grundlegende "Spielformen" (Agôn. zu kämpfen und zu befehlen. dessen Tätigkeit. "daß bei vielen Völkern das Wort für Tugend aus dem Begriff Männlichkeit herauswächst" (1962..

Abb. Geschicklichkeit. "Deutsches Roulett"1 als Lust auf Risiko) Wetten über die Erbringung einer außergewöhnlichen Leistung unter widrigen. 30: Ein Vorschlag für die Einteilung beliebter Spiele der Arbeits-.und Beschleunigungsrausch Drogenmißbrauch (Tabletten. die sich für die Herausforderung des Schicksals eignet und die erfolgreich zu bestehen ist (z. 21. besonders unter widrigen Umständen) # Festival-Kultur (Truck-Race.und Geschicklichkeitsfahrten) Geschwindigkeits. Trucker-Kult # bei Trucker-Festen und Festivals ILINX Rausch Ekstatische Spiele LKW-Fahren # als besondere Herausforderung der Person # als besondere persönliche und sportliche Leistung Rivalität um eine besondere Eigenschaft: Schnelligkeit. Kraft. Nervenkitzel oder "Angstlust"2. die Beispiele bei Volmerg (1978. S. vor allem vermittelt # über Intellektuelle und über Medien wie z. persönlich nicht zu beeinflussenden Umständen "Glück gehabt" als Ursachenattribution nach Beinahe-Unfällen oder einem "Sekunden-Schlaf" MIMICRY Verwandlungsspiele Verkleidungsspiele Verstellung und (Selbst)Täuschung Vorstellungen und Darstellungen des Trucker-Mythos in der Arbeits. 2 "Diese Mischung von Furcht. nach: Volmerg 1978. Aufputschmittel als Muntermacher) lebensgefährliche Grenzerfahrungen (z.B. Stuttgart 1960. Berufs. gegenseitiges Überholen als Duell) # Arbeitsleistung (gemessen als Kilometerleistung. Alkohol. 260 .und Berufskultur der Fahrer. auch als erzählte Geschichten über außergewöhnliche Leistungen.und Festkultur der Fernfahrer (im Anschluß an eine Spieltypologie von Caillois 1960) AGÔN Wettkampfspiele Leistungswettkämpfe ALEA Glücksspiele Würfelspiele Chance LKW-Fahren # als Herausforderung des Schicksals oder des Glücks # als riskantes Ereignis (unter Aussicht auf einen Gewinn) Heraufbeschwören einer Gefahr.B. Wonne und zuversichtlicher Hoffnung angesichts einer äußeren Gefahr ist das Grundelement aller Angstlust (thrill)" (M.) Rennfahrten Besessenheit von einer Aufgabe oder leidenschaftliche Hingabe an eine Tätigkeit ("Mein Laster ist mein Laster") )))))))))))))))))))))) 1 Vgl. über die Zeitdauer oder in Km/h. Ausdauer. Spannung. S. Sensation-Seekers. 142). Trucker-Magazine und Fernfahrer-Zeitschriften oder die Musik-Kultur # durch den Countryund-Western. List. Erregung.) über einige "regressive" Formen der Abwehr von industriellen Arbeitsbelastungen. zit. Volksfeste [Drehschwindel. Geisterbahn] etc.bzw. Drogen. 141ff. S. Flow-Experiences. Beherrschung der LKWTechnik Beispiele von Wettkämpfen: # Fahrleistung ("Jumbo"-Wettrennen auf der Autobahn. Hindernis. Balint: Angstlust und Regression. "Deutsches Roulett"1 oder "Roulett mit Mut"1.B.

Schmid-Verlages). sich seiner sprudelnden Phantasie oder einer überlegenen Inspiration anvertraut. Frachten und Moneten "AUF ACHSE ein spannendes Familienspiel für 2 . Der Wettbewerb der Spediteure erfordert ausgeklügelte Routenplanung und optimale Ausnutzung der Ladekapazität. weil die Transporttätigkeit der Fernfahrer "objektive" Elemente enthält. "in der der Spieler ständig improvisiert. Frachten und Moneten beherrschen die Transportszene zwischen Flensburg und Verona. Überlegtes Handeln und ein bißchen Glück bringen maximalen Gewinn" (Quelle: "Wir wollen Spiele". 85). S. so stehen Wettkämpfe und Glücksspiele für den Bereich der Regel (ludus). während die Verwandlungsspiele und der Rausch eine weitgehend ungeregelte Welt (paidia) voraussetzen. Die verschiedenen Medien.X. die sich als Risikoträger eignen und sich zum Spielen verwenden lassen. Katalog des F. Weltmeisterschaften im Truck Racing). über die sich eine symbolische Aufwertung der Transportarbeit und der Fahrer abspielt. 31: "Auf Achse" . Die Arbeitsspiele fördern dabei zugleich eine Ästhetisierung der Transportarbeit und eine Kultivierung der mit ihr verbundenen Risiken. die alle beide keinen Kodex anerkennen" (Caillois 1960. Brummis.6 Spieler ab 8 Jahren. span261 . Abb. Die Grenzüberschreitungen zwischen Traum und Wirklichkeit sind aber nur möglich.ein spannendes Gesellschaftsspiel um Brummis. sind: hochdramatische LKW-Rennen (Truck Grand-Prix. Als Außenstehender mag man die Leidenschaft vieler Fernfahrer für einen spielerischen Umgang mit ihrem Beruf und ihre Passion für eine höchst riskante Erwerbsarbeit belächeln oder für verrückt halten.Was die Spielweisen betrifft.

mitunter auch als Fernfahrer bezeichnen und manchmal sogar Kieskutscher oder Tankwagenfahrer.. bereits seit 1978 im Programm) sowie ein Abenteuer-Urlaub als LKWMitfahrer.. Ernst D.) Da kratzt er kurz vorher noch die Kurve und bringt eine Traumfrau ins Spiel. die ein Trucker vielleicht bei seinen Touren der Frau seiner Träume andichtet. vgl..) Es gibt sehr wenige Bücher. Und beim Blättern durch diesen leicht zu lesenden Roman erkennt man auch sofort. 'Fernfahrer .Lissabon' (.B. Bull die Realitätsschiene verläßt und Traum und Wirklichkeit ineinanderfließen läßt. S. In krassem Gegensatz zur subkulturellen Aufwertung der Freiheit und Abenteuer des LKW-Fahrens steht aber immer noch der berufliche Alltag der Fernfahrer. der mindestens nach Spanien oder Portugal fährt. Der Beruf des Truckers hat zwar seine Schattenseiten wie jeder andere Beruf auch. Romane (z.. wie der Asphaltkapitän nach seiner langen Tour heimkehrt zu Frau und Kindern und dort mit den Problemen des Alltags seiner Familie konfrontiert wird. Und vielleicht ist die Möglichkeit. der das Leben auf der Landstraße und auf den Autobahnen aus eigener Erfahrung kennt. daß Ernst D. Als Fernfahrer wird bei Ernst D. mehr und mehr Abschied nimmt vom 'normalen' Leben.Mit 450 PS Karlsruhe . Jessica von Schallenberg nennt er sie. daß sich manche. Irgendwo in der zweiten Hälfte des Buches kippt die Schilderung der Fernfahrerrealität dann um und der Autor gerät weit in die Niederungen des Groschenromans. der wirklich weiß. an dessen harten Anforderungen auch die letzte Spur von Romantik und 262 . Bull. vgl. er läßt aber mehr Platz für die heimlichen Träume und Sehnsüchte. Spielfilme und TV-Serien ("Auf Achse" mit Manfred Krug. 2/92... wenn man etwas tiefer in die Seele der Männer blicken möchte.) Vielleicht ist es auch ganz einfach so. den ein westdeutscher Reiseveranstalter anbietet. daß man schon ein starkes Naturell und möglichst viele Attribute der Kraft mitbringen muß. Bull: "Fernfahrer . offenbart er das Geheimnis des Phänomens.Abb. Ohne diese Episode wäre das Buch halt kein Roman. (. so banal sie auch ist. Hier allerdings kommen Elemente ins Spiel. um im rauhen Fernfahrer-Alltag bestehen zu können.Mit 450 PS Karlsruhe . in denen die Erlebnisse der Fernfahrer aus der Sicht eines Autors geschildert werden. warum ein echter Trucker so sehr an seinem Beruf hängt und nicht mehr davon loskommt. wie es zugeht in einem Fernverkehrsfahrerhaus. die auf den unbefangenen Leser erschreckend wirken können. Sie vereint alle Eigenschaften in sich. daß er seiner eingefahrenen Schiene nicht mehr entkommen wird. daß hier ein Mann aus der Praxis erzählt. die nur Deutschland-Frankreich fahren. die hinter dem Steuer der PS-Monster auf den Straßen Europas unterwegs sind" (Otto Thaler in: "Truck-Treff" Nr. daß es ihm zu trivial erschien. (..Lissabon".und Hackordnung muß eben schon auch sein unter den Kapitänen der Landstraße.. 32: "Fernfahrer" . daß diese Leute schon auch Fernfahrer sein können und mit diesem Beruf auch die selben Probleme haben. aber durchaus auch mit dem zynischen Witz eines Mannes. verdient aber nicht nur Kritik.. (. Bull war viele Jahre für die Spedition Leible in Baden-Baden unterwegs. Soweit entspricht die Schilderung noch ganz und gar der Realität. (. Kurzum.) sein Fahrzeug und bringt gleichzeitig zum Ausdruck. daß wenigstens ein Teil davon Wirklichkeit wird. (. 18). nende Gesellschaftsspiele ("Auf Achse". der aber trotzdem im Laufe der Jahre eine abgehobene Position bezogen hat.. Man weiß. Bull eben nur einer anerkannt. an der Grenze beim Zoll und an den Rasthöfen unterwegs. daß man.oder Portugal-Fahrer. Abb...) Witzig beschreibt er (. das Quartett-Kartenspiel "Renn Trucks"). 31. Er erzählt seine Geschichte mit aller Härte. der weiß. Und dadurch. sondern nur eine Grau-in-Grau-Schilderung eines Berufsalltags. Aber eine Rang. je länger man in diesem Beruf des Fernfahrers arbeitet.) Im weiteren Verlauf ist zu lesen. daß Buch sollte man gelesen haben.Traum und Wirklichkeit im Roman "Ernst D. Abb.. die wir alle in uns haben. 32). wie ein Spanien.) Diese Liebesgeschichte. Ernst D. Er weiß auch.. wo ihn so leicht nichts erschüttern kann. beim Trucker doch ein klein wenig größer als bei anderen Menschen. Einer. einfach zu erzählen.

plausible Antworten auf diese Fragen zu finden.) als eine kollektive Reaktion auf "spannungsträchtige Aspekte der Arbeitssituation" einordnen lassen (vgl. jedenfalls insoweit. als sich die informellen Gruppierungen in den Betrieben und die Gruppenbildungen auf überbetrieblicher Ebene (Gewerkschaften.als eine wichtige Ressource für die Bewältigung von Stressoren betrachtet wird (vgl.neben bestehenden Entscheidungs. indem das Anfangsmotiv . Inwieweit sind affektive und kognitive Formen sozialer Unterstützung tatsächlich wirksam und auch 263 .und Berufsrisiken. 1980. soweit die soziale Unterstützung . Die Schutzfunktion sozialer Netzwerke ist auch von der Streßforschung erkannt worden.Heldenmythos und männliche Arbeitskultur .selber einen entscheidenden (sub)kulturellen Beitrag zur sozialen (Re)Produktion ihrer riskanten Arbeitsbedingungen leisten? Mit dem Versuch.und Berufssoziologie wird die Herausbildung einer sozialen Gruppierung meist als ein Anzeichen dafür gewertet. bevor sich dann im letzten Kapitel der Horizont der Betrachtung wieder schließt.und berufspolitischen Interessen einzusetzen.und Berufsrisiken dargelegt werden. sich kollektive Handlungsressourcen anzueignen und für die eigenen arbeits. Beck et al. daß die Träger dieser Gruppenbildung nunmehr besser in der Lage sind. werden im nächsten Kapitel die Fernfahrermythen als Bezugspunkt sozialer Gruppierungsprozesse untersucht. Wie verträgt sich der geringe soziale Status der Fernfahrer. S.2 Fernfahrermythen als Bezugspunkt sozialer Gruppierung? Möglichkeiten und Grenzen kollektiver Risikobewältigung In der Arbeits. für die es weder meßbare Interaktionsbelege noch beobachtbare "instrumentelle" Hilfeleistungen gibt.und Kontrollspielräumen . die sich um den Beruf des Fernfahrers ranken. Frese und Semmer 1991). 181). 5. mit den skizzierten symbolischen Ambitionen der Fahrer? Sind die verwegenen Spiele und Mythen.paradoxerweise .erneut aufgegriffen wird und die berufskulturellen Einflüsse der Mythen auf die gesellschaftliche Reproduktion der Arbeits. Weitgehend ungeklärt ist bislang allerdings die Frage geblieben. imaginären Unterstützung zukommt. Berufsverbände etc. dabei zugleich aber .Spielerei zu ersticken droht. vielleicht sogar als eine besondere subkulturelle Form des Umgangs mit Risiken zu verstehen. die im deutschsprachigen Kulturraum vom Berufsprestige her oft als "Hilfsarbeiter mit Führerschein" bezeichnet werden. Der soziale Zusammenschluß dient dabei dem Schutz vor Arbeits. welche Bedeutung die soziale Unterstützung riskanter Verhaltensweisen bei der Entstehung und Bewältigung von Stressoren gewinnt und welcher Stellenwert einer nur eingebildeten. mit der sich die Fahrer um einen Ausgleich ihrer schwachen Verberuflichung bemühen.

d. schwer zugänglich und weitgehend unersetzbar sein sollten. wo es um die Anerkennung der sozialen Existenz einer beruflichen Gruppierung geht. 14f.). wie Max Weber soziale Strukturgebilde dem Handeln einzelner "zugerechnet" hat). 1980.h. als Grundlage für die Entwicklung vielfältiger berufspolitischer Strategien (vgl.und Gegenmachtfunktionen für die Arbeitenden zugeschrieben. stößt die soziologische Mythenjagd auch dort. 19 In Abgrenzung von "subjektiven". S. 35ff. d.). S. 264 . sich zwischen Mythos und Realität entscheiden zu müssen. Ohne den Strategiebegriff überstrapazieren zu wollen. wodurch die Einheit von Person und Beruf . kulturellem und sozialem "Kapital" (Bourdieu) . Die Unentbehrlichkeit und Nicht-Ersetzbarkeit eines Berufes muß jedoch abgesichert und mittels sozialer Auslese gegen die Aspirationen Unberufener verteidigt werden. die nicht nur selten. die gesellschaftliche Strukturen unter dem Aspekt ihrer objektiven Konsequenzen für die Individuen betrachtet (offenbar auf ähnliche Weise. wo besondere Arbeitsleistungen angeboten werden.in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt wird (ebd. Beck et al.) unter "subjektbezogen" eine Perspektive. ebd. interaktionistischen oder rein handlungstheoretischen Sichtweisen in der Berufssoziologie verstehen Beck et al. d.h. Im Interesse einer guten Vermarktung des besonderen. 81ff. sozialpsychologischen. ebd. S.. Üblicherweise geschieht dies durch die exklusive Aneignung begehrter materieller und symbolischer Ressourcen. durch Akkumulation von ökonomischem. das betreffende Arbeitsvermögen muß möglichst unverzichtbare und dringend benötigte Fähigkeiten enthalten. wo der Zugang gegenüber "Ungelernten" abgeschottet und eine "Kompetenzdomäne" mittels Monopolisierung des eigenen Arbeitsbereiches gegen Konkurrenz gesichert wird (vgl. S.empirisch nachvollziehbar. 39). 14 und 20). (1980. Entgeltansprüche oder Bildungstitel. Entlastungs. wenn sich Bewunderung und Respekt vornehmlich aus mythischen Quellen speisen und die Bestätigung der ethischen und sachlichen Richtigkeit des Arbeitsverhaltens berufsgruppenspezifischen Wertmaßstäben folgt. Als eine Organisationsform für spezialisierte Arbeitstätigkeiten entstehen Berufe vor allem dort. Konkurrenz und Ausbeutung hinaus auf dem Arbeitsmarkt auch Orientierungs-. beruflich organisierten Arbeitskraftangebotes müssen sogenannte "Jedermannsqualifikationen" vermieden werden.vor allem aber die (persönlichen) Bedeutungen des gesellschaftlichen Phänomens 'Beruf' für die Arbeitenden .h. S.beispielsweise in Form gesellschaftlich anerkannter Eingruppierungen. denen die allgemeine gesellschaftliche Anerkennung vorenthalten wird? Auf die gleichen Schwierigkeiten. In "subjektbezogenen" Berufskonzepten19 werden der Berufsform über den Schutz vor Dequalifizierung... kann die Herausbildung einer Berufskultur in diesem Zusammenhang die Abgrenzung und Hervorhebung der zum Besonderen "Berufenen" gegenüber den nur zu gewöhnlichen Jedermannstätigkeiten Befähigten symbolisch wie materiell unterstützen. sondern auch vor Konkurrenzangeboten geschützt sind und an vielen verschiedenen Arbeitsplätzen eingesetzt werden können (vgl.

Die innere Kohärenz und äußere Sondierung beruflicher Subkulturen verlangt die soziale Konstruktion einer gemeinsamen "Sinnwelt".und Gestaltungsstrategie zu entwickeln (vgl. Der vergleichsweise geringe Status der Berufskraftfahrer in der Bundesrepublik ("Hilfsarbeiter mit Führerschein"). Raststätten. um die (mittels Führerscheinerwerb) leicht zugänglichen Kernfähigkeiten des LKWFührens gegenüber konkurrierenden Arbeitskraftanbietern mit Jedermannsqualitäten behaupten zu können. Meine These ist deshalb. Kapitel 2. Das Qualifikationsprofil der Fernfahrer weist zu wenig seltene und exklusive Besonderheiten auf. 265 . die in den Unternehmen arbeitsund leistungspolitisch nicht durchsetzbar sind. die nach amerikanischen Studien (z.2). In den kollektiven Vorstellungen über die Angemessenheit und Verbindlichkeit bestimmter Arbeitsleistungen und -risiken kommen immer subkulturell gestützte Wertmaßstäbe und Zumutbarkeitsnormen zum Ausdruck. McCarl 1980) ein recht ausgeprägtes informelles System zur Auslese der Novizen entwickelt haben. Die Verklärung ihrer relativ großen Dispositionsspielräume zu einem Kennzeichen selbstbestimmter Arbeit und die Verzauberung ihrer außergewöhnlich hohen Leistungsbereitschaft zu einem Attribut von Männlichkeit sind als prekäre Versuche zu werten.20 Andererseits dienen Berufskulturen aber nicht allein dem Schutz vor Risiken. der das enge räumliche Zusammenleben etwa bei den Feuerwehrleuten ausmacht. die Spannung zwischen der profanen Alltäglichkeit industrieller Arbeitsformen und der zur "Außeralltäglichkeit" hochstilisierten Besonderheiten der transportierenden Arbeit für eine berufskulturelle Grenzzie20 Angesichts der sozial isolierten Arbeitssituation der meisten Fernfahrer kann eine rigorose berufliche Sozialisation durch den Kollegenkreis allerdings nur in begrenztem Umfang wirksam werden (62. vgl. S. Abgrenzung und Identifizierung unterstützt und über subkulturelle Formen und Praktiken auch wahrnehmbar macht (z. 84). die ungenügende soziale Anerkennung ihrer beruflichen Kompetenzen und qualifizierten Tätigkeit sowie die mangelnde Legitimität ihres Berufsbildungstitels zeigen indessen. daß die geringe Aneignung materieller und sozial anerkannter "symbolischer" Ressourcen die Fernfahrer dazu drängt.2% der von Plänitz befragten Stichprobe von 230 Fernfahrern waren permanente Alleinfahrer. 1983. daß die Lastkraftwagenfahrer offenbar große Mühe haben. auf illegitime und letztlich auch riskante Formen berufspolitischer Abgrenzung und Hervorhebung zu setzen. Die Truckstops bzw.Der soziale Sinn solcher berufskulturellen Unterscheidungspraktiken liegt zum einen in dem Schutz vor unzumutbaren Risiken. die Verladeoder Zollstationen als Orte der beruflichen Zusammenkunft haben nicht jenen unausweichlichen Charakter. die als eine symbolische Ressource den sozialen Prozeß der Unterscheidung. sondern auch der Überlieferung und Weiterentwicklung beruflicher Erfahrungen. durch die Stilisierung arbeitsbezogener Kommunikation im beruflichen Jargon).und Selektionsprozesse vermittelt werden. die den Neulingen innerhalb beruflicher Sozialisations.B.B. eine geeignete berufspolitische Schutz.

d. Meine Annahme ist. "der dem Kreise angehören will" (vgl. und nehmen für sich jene positive Privilegierung in der sozialen Schätzung "typisch wirksam" in Anspruch. 179) als Kennzeichen einer gemeinsamen ständischen Lage begriffen hat. Hervorhebungen durch M. Beck et al.F. reichen offenbar weit über den bislang berufssoziologisch (an)erkannten Rahmen hinaus.h. Die "Mystifizierung" der Transportarbeit in den schillernden beruflichen Mythologien der Fernfahrer ist damit als eine . das hervorgehobene Berufsprestige.hung zu nutzen. die Arbeit zu mystifizieren. die jedem Trucker offenbar zugemutet wird. S. Ihren praktischen Ausdruck findet die "ständische Lage" der Fernfahrer vor allem in einer Aneignung der von ihnen als "privilegiert" bewerteten Erwerbschancen. daß die Fernfahrermythologie (besonders der Trucker-Mythos) in ihren verschiedenen Variationen von dem gemeinsamen Lebensschicksal der Fernfahrer erzählt und daher in besonderem Maße zu ihrer "Vergemeinschaftung" beiträgt. um die Abgrenzung der "Hilfsarbeiter mit Führerschein" gegenüber einfachen Jedermannsqualifikationen zu begründen. 266 . die durch eine spezifische (positive oder negative) soziale Einschätzung der "Ehre" bedingt ist. Es sieht so aus. die sich an irgendeine gemeinsame Eigenschaft vieler knüpfen kann (1980.allerdings mit geringer Legitimität ausgestattete . das die Mythologie der Fernfahrer immer wieder behandelt. Die berufsständische Ehre. d.). Das grundlegende Thema. S. der ihrer Berufstätigkeit in unserem Kulturraum gemeinhin zugeschrieben wird. S. andererseits dazu verwendet wird. begründet sich vor allem durch die den Fahrern eigene Art der Lebensführung und die entsprechenden Lebensformen. Die soziale Herstellung der Nichtalltäglichkeit dieses Allerweltsberufes mit zweifelhafter Qualifikation scheint im wesentlichen mit der Herausbildung einer besonderen ständischen Berufskultur der Fernfahrer verbunden zu sein. in dem "Berufsgeheimnisse" (vgl. 1980. 535).Variante aus dem Arsenal berufspolitischer "Unersetzbarkeits. Mit dem Begriff der ständischen Lage verbindet Weber eine typische Komponente eines gemeinsamen Lebensschicksals von Menschen. der trotz aller Mythologisierung immer noch am unteren Ende beruflicher Prestigeskalen rangiert.h. S. den die Berufskraftfahrer für die gesellschaftliche Anerkennung und die symbolischen Entlohnungen ihres Berufes zu zahlen haben. ebd.21). ist dabei eine spezifisch geartete maskuline Lebensführung. die "auf subjektiv gefühlter (affektueller oder traditionaler) Zusammengehörigkeit der Beteiligten [beruhen]" (Weber 1980. S.und Unverzichtbarkeitsstrategien" zu begreifen.21 Nüchtern betrachtet sind die riskanten Arbeitsleistungen der Fernfahrer als ein "Preis" zu verstehen.und Arbeitsbedingungen im Straßengüterfernverkehr den Fahrern normalerweise abverlangt. die die besondere Art des Berufs mit ihren spezifischen Arbeitszeit. In einer schon fast wahnwitzigen Manier ignorieren viele LKWFahrer den geringen sozialen Status. 534. 84f. in der Verabscheuung 21 Die Möglichkeiten. das von vielen Fernfahrern beansprucht wird.) als Vortäuschung von Unverzichtbarkeit wirksam werden. soziale Beziehungen zwischen den Fahrern fördert.. als ob die eigenartige Konstellation zwischen einer schwachen Verberuflichung und einer starken Arbeits(zeit)leistung einerseits der symbolischen Vereinigung und Aufwertung der zur Transportarbeit "Berufenen" dient. die Max Weber (1980.

Die praktische Bewältigung der für eine charismatische Beziehung zu Arbeit und Beruf typischen Spannung zwischen der Außeralltäglichkeit der Leistung in 22 In einer Würdigung von Webers professions.als "Kapitäne der Landstraße" stellen sich die Fernfahrer dar. S. nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften [begabt]" (Weber 1980. einem "Charisma". Die beruflichen Subkulturen der Fernfahrer leistet dadurch einen maßgeblichen Beitrag zur sozialen Schließung des Berufsfeldes mittels Exklusion der für die Bewältigung maskuliner Herausforderungen gänzlich Unbegabten. Mythen und Legenden präsentieren sich viele Lastkraftwagenfahrer als Träger besonderer.und gestaltlosen Industriearbeiterschaft in den gängigen Klischees gerne auf die Gleichartigkeit ihrer sozialen Lage und das daraus erwachsene Solidaritätsgefühl zurückgeführt worden ist.etwas europäischer . der die Berufenen anzieht und die Ungeeigneten abstößt. Gewerbeaufsicht etc. Ihre sakrale Autorität und die auf dem Felde beruflicher Ehre erworbene "Qualifikation" scheinen die Fernfahrer nur durch die ständige "Bewährung" ihrer Kräfte innerhalb des Arbeitslebens zu gewinnen und zu behalten. aus dem sich die außeralltägliche. stehen bei vielen LKW-Fahrern eher Unabhängigkeit und Individualität im Vordergrund. Polizei. charismatischer Eigenschaften. die sich auch für die unehrenhafte Plackerei der entfremdeten. als "Highway Helden" oder .von Erwerbstätigkeiten in Fabrik und Büro sowie in spezifischen ständischen Konventionen. Ermüdung. daß die Berufsanalytik von Weber im Kern ansetzt "an der elementaren Spannung von Alltäglichkeit und Alltag. mit dem sie ihre außergewöhnliche Be-Gabung sichtbar verkörpern und jederzeit unter Beweis zu stellen vermögen. Zeit. dem 'Ruf' nach außeralltäglichen Leistungen in außeralltäglichen Situationen der 'Not' und den beruflichveralltäglichten (und der Möglichkeit nach immer auch außeralltäglichen) Formen der Erbringung dieser Leistungen". 140). das zu einer Art Kriegsschauplatz verzaubert wird.und berufssoziologischen Studien hat Seyfarth (1989. Witterungsbedingungen. Die öffentlich zur Schau gestellte Härte und Männlichkeit fungiert dabei wie ein Magnet. besondere Qualität der einzelnen Fahrerpersönlichkeiten zu speisen scheint. 267 . auf dem die Arbeitsleistung zu einer asketischen und kriegerischen Heldentat im täglichen Kampf gegen die natürlichen und gesellschaftlichen Feinde (Raum. die über entsprechende berufskulturelle Traditionen gesichert und weitervermittelt werden. Als schlimmste Feindin der Individualität wird die Anonymität öffentlich vor allem mit Hilfe des Namensschildes hinter der Windschutzscheibe bekämpft.22 Die berufliche Passion der Fernfahrer als eine Form der persönlichen Hingabe an ihre Arbeit fungiert gewissermaßen als Gegenleistung. In den Truckerklischees wird die Lösung von Konflikten auf eine unmittelbare Konfrontation mit dem "Chef" zurückgeführt ("Mann gegen Mann"). S. bürokratisch organisierten Fabrikarbeit nicht zu schade sind. 387) zu Recht darauf hingewiesen. Während die gewerkschaftspolitische Stärke der offenbar gesichts.) hochstilisiert wird. Als "Asphalt Cowboys". In ihren Arbeitsspielen. vielleicht sogar als Beweismittel ihrer permanenten Bewährung. als seien sie "mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen. einem Arbeitsleben.

beispielsweise die sich im "Wir-Gefühl" ausdrückende Unterscheidung zwischen Dazugehörenden und Fremden oder ein wie auch immer geartetes "System gemeinsamer Normen und Werte als Grundlage der Kommunikations. die aus mehr als 1000 Personen bestehen und auf die dennoch zumindest ein Teil der genannten Definitionskriterien zutreffen.und Interaktionsprozesse" (Schäfers)? Wo soll eine Grenze gezogen werden zwischen Sozialgebilden. auf die die verabredeten Kriterien nicht mehr zutreffen? Wie ist mit Gebilden umzugehen. im Original kursiv hervorgehoben). dem mittels kollektiven Handelns eine Einflußnahme auf die Bewältigung arbeits. mit der die Gruppensoziologie vorgibt. wenn eine Gruppe die "magische Grenze" von 25 Personen überschreitet? Schlägt dann tatsächlich immer "Quantität" um in "Qualität". bleibt stets konfliktgeladen und immer nur vorläufig. 21. 23) festgesetzt. nicht als ein Warnsignal gegen voreilige Gruppierungsannahmen zu werten? In den Sozialwissenschaften wird heute meist ein für makrosoziale Gebilde ungeeigneter Gruppenbegriff verwendet. Was geschieht. ein relativ dauerhaftes soziales Gebilde. sofern eine Bewältigung dieser Spannungen jenseits der Ambivalenz von Leidenschaft und Leiden. angesichts der Heterogenität ihrer Tätigkeitsfelder und "Klassenlagen" überhaupt von einer gemeinsamen "sozialen Identität" sprechen? Sind die Probleme der amtlichen Berufsstatistik. die Grenzen ihres Gegenstandsbereiches präzise abstecken zu können.und berufsbedingter Risiken zuzutrauen ist? Kann man bei Fernfahrern. die noch als "soziale Gruppe" bezeichnet werden können und jenen.und Interaktionsprozeß stehen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit (Wir-Gefühl) entwickeln. S. denen gewöhnlich eine starke Neigung zum Individualismus nachgesagt wird. Ist es aber überhaupt möglich. Eine soziale Gruppe umfaßt eine bestimmte Zahl von Mitgliedern. 20. daß sich aus dem Kreise der Berufskraftfahrer eine Art beruflicher Gruppierung herauskristallisiert hat. bei denen die Mitglieder (und ein Teil der Außenstehenden) an die Existenz einer Gruppe glauben und in ihren 268 . der den Phänomenbereich sozialer Gruppierungen auf kleine Gruppen mit hoher Interaktionsdichte reduziert. die der Kategorie der Berufskraftfahrer im Güterfernverkehr zuzurechnen sind. Die mit einer vordergründigen Magie der Zahlen verbundene . oder können wir mit Fug und Recht behaupten. S. die zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles über längere Zeit in einem relativ kontinuierlichen Kommunikations. wobei zur Erreichung des Gruppenziels und zur Stabilisierung der Gruppenidentität ein System gemeinsamer Normen und eine Verteilung der Aufgaben über ein gruppenspezifisches Rollendifferential erforderlich ist (Schäfers 1980.außeralltäglichen Situationen der Zeit-Not und der Tendenz zu einer Veralltäglichung der Arbeitsleistung im Beruf.Willkürlichkeit ist schon erstaunlich. So wird die Mitgliederzahl "bei Kleingruppen zwischen drei und etwa 25 Personen" und bei "Großgruppen" auf "über fünfundzwanzig bis ungefähr 500 bis 1000 Personen" (Schäfers 1980. die Anzahl derer präzise zu bestimmen. charismatisch aufgeladenen Berufsbildes auf die gesellschaftliche und (sub)kulturelle Existenz einer Berufsgruppe zu schließen? Handelt es sich bei der Bezeichnung "Fernfahrer" oder "Berufskraftfahrer im Güterfernverkehr" lediglich um eine statistische Kategorie der beruflichen Klassifikation. von der Vorstellung eines in der Öffentlichkeit präsentierten. auch ohne Berücksichtigung der besonderen inneren und äußeren Kontextbedingungen einer Gruppe? Was ist mit sozialen Gebilden. Lust und Last überhaupt gelingen kann.

als ob sie existierte. die einen gesonderten und begrenzten Raum schafft (. sollte die "Existenz" beruflicher Gruppierungen nicht von vornherein als ein statistisches Artefakt behandelt oder als ein "ideologischer" Trugschluß ignoriert werden. zu "setzen".)" (Bourdieu: 1987. wie Leibniz in Übersetzung des ex instituto der Scholastik schrieb. Da sich die Entstehung einer neuen sozialen Gruppierung in den wenigsten Fällen neutral gegenüber bestehenden Verteilungsstrukturen materieller und symbolischer Ressourcen verhält. in dem sie sich sozial zu positionieren. "Ordnung einführen heißt Unterscheidung einführen. ist von einem "naiven Realismus" befallen.. die soziale Präsenz. durch die rituelle Übertretung. durch zeitliche und räumliche Kopräsenz gekennzeichnete Formen direkter Kooperation innerhalb von Kleingruppen sind während der Transportarbeit selbst kaum realisierbar (wenn man die immer seltener vorfindbare Dyade einer Zwei-Personen-LKW-Besatzung nicht gerade 269 . einen regelrechten magischen Akt. indem sie setzt. die Grenze. muß die Gruppe mit ihrer Institutionalisierung zugleich auch eine Neu-Ordnung des sozialen Raumes erwirken. Es bedarf nun wenig soziologischer Phantasie. was sie eint und absondert.. mit allen makrosozialen Gruppierungsphänomenen empirisch kurzen Prozeß zu machen. voraussetzt und hervorbringt. sobald sie durch das enge Netz quantitativer Indikatoren fallen. heißt die Welt in entgegengesetzte Wesenheiten aufteilen (..). Die rigide Verfahrensweise in der (Klein-)Gruppensoziologie. S. die Linie nachzuzeichnen. die nur durch einen anderen magischen Akt durchbrochen werden kann. "der eine Gruppe nur als eine durch unmittelbar sichtbare Grenzen definierte Population charakterisieren kann" (Bourdieu 1987. und zwar durch eine absolute Unterscheidung. der den kollektiven Glauben. die soziale Gruppe aber den auf Kleingruppen fixierten Definitionsstandards nicht vollständig entspricht? Bei aller Berechtigung. d.. dem Netz der biologischen Verwandtschaft oder der natürlichen Welt. den Bruch einführt. die willkürliche Notwendigkeit (nomô).Handlungsweisen so tun. das Nichtwissen um seine eigene Beliebigkeit. Der kulturelle Akt überhaupt besteht darin. 369f. dieser Glaube setzt getrennte Dinge als getrennt. durch die die Gruppe sich als solche bildet. 'durch eine willkürliche Setzung'. nomos.. daß die gegenüber unmittelbaren Sozialkontakten weitgehend isolierte. Die Grenze läßt den Unterschied und die unterschiedlichen Dinge hervortreten. S. Ständige und dauerhafte. über die bloße Existenz in mentalen Vorstellungswelten hinaus auch in den Arenen kollektiver politischer Handlungspraxis mitzuwirken. Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit gesellschaftlicher Gruppierungen nach dem Ausmaß ihrer offiziellen Anerkennung. die die Gruppe und ihr einzigartiges Brauchtum ausmacht (. sich vorzustellen. dem Grad ihrer Repräsentativität und nach ihrer Fähigkeit zu unterscheiden. durch ein hohes Maß an Mobilität gekennzeichnete Arbeitssituation im Straßengüterverkehr den Aufbau eines stabilen Netzwerkes sozialer Beziehungen unter den Fernfahrern stark behindert. 299) und dadurch die willkürliche Magie der Grenzsetzung innerhalb eines natürlichen Kontinuums von Unterschiedlichkeit ignoriert. versucht.h. die im natürlichen Kontinuum.h.). die Teilung. Natura non facit saltus: es ist die Magie der Setzung (institutio).).. d.

Konsensus unter den Mitgliedern.symbolisch gegenüber Außenstehenden abgrenzen (vgl. die kleine Anzahl und geringe räumliche Distanz zwischen den Mitgliedern. lassen sich dennoch Indizien finden. 36) durch Prozesse sozialer Auslese und Schließung sowie durch "Selbsteliminierung" (Bourdieu) begrenzt werden und daß die "Ent-Traditionalisierung" ständischer Milieus durch eine berufskulturelle Traditionsbildung unterlaufen wird. der ohnehin schon durch soziale Isolation und technisierte. nach denen die Berufskraftfahrer wie eine soziale Gruppe zu behandeln wären.). Mittels berufskultureller Grenzziehungen markieren die Fahrer somit den von ihnen beanspruchten Platz innerhalb des sozialen Raumes beruflicher Positionen. Beck 1983 und 1986) bieten die Fernfahrer ein geradezu ideales Untersuchungsfeld. Die Berufskultur der Fernfahrer zeigt. weil die Tendenzen berufskultureller Formen der Gruppenbildung unter den Fahrern dem behaupteten Individualisierungstrend entgegenlaufen. ihre Interaktionsmuster sind in hohem Maße diskontinuierlich und während der meisten Zeit ihrer Arbeitstätigkeit haben sie nur geringe Möglichkeiten zu unmittelbaren "Face-to-face"-Interaktionen (vgl. dürften die Fahrer also keine soziale Gruppierung bilden und auch keines der sekundären Merkmale sozialer Gruppen aufweisen (z.als eine typische Arbeitsgruppenkonstellation fassen möchte und kooperative Formen der Lade. 23 Wir dürfen gespannt sein. ein gruppenbedingtes Selbstbild oder eine gemeinsame berufliche Kultur.). S.vor allem aber durch einen eigenen Musikstil . Runcie (1971) gezeigt. die permanente Mitgliedschaft oder häufige "Face-to-face"-Interaktionen. daß die "Diversifizierung und Individualisierung von Lebenslagen und Lebenswegen" (Beck 1983. Gesten und Humor) . daß die LKW-Fahrer in den USA offenbar eine gemeinsame Berufsgruppe und Berufskultur entwickelt haben. In einer Studie über die soziale Gruppenbildung unter Lastkraftwagenfahrern hat John F. 270 . wie sich die Informatisierung der gesellschaftlichen Arbeit auf den Transportbereich auswirken wird. ebd. und zwar vor allem deshalb. z. Mit Hilfe von Tiefeninterviews und teilnehmender Beobachtung hat Runcie jedoch herausgefunden. Darüberhinaus sind die Fahrer auch als Träger einer fortentwickelten beruflichen Kultur zu identifizieren. 35).B. "mediale" Kommunikationsformen gekennzeichnet ist. Folgt man den bekannten gruppensoziologischen Annahmen. Aber auch wenn die Transporttätigkeit im Straßengüterfernverkehr als klassischer Vorläufer individualisierter Arbeitsformen23 erscheint. ebd. 105ff. Die Population der Fahrer ist sehr groß. S.wie z. daß sich die nordamerikanischen LKW-Fahrer auf der Grundlage gemeinsamer beruflicher Erfahrungen selbst als Mitglieder einer sozialen Gruppe betrachten. berufsbezogenen Kommunikation (Jargon.und Hilfstätigkeiten einmal ausklammert)..B. vgl. als Folge ihres mobilen Arbeitsplatzes sind sie räumlich weit verstreut. Runcie 1971. Aber auch für eine Prüfung der "Individualisierungsthese" (vgl. mit der sie sich durch Herausbildung einer besonderen. obwohl sie keines der üblichen (klein)gruppensoziologischen Kriterien erfüllen .B. S.

the truck drivers are able to mark off a space within the total spectrum of the occupational world and say to the rest of the people. Die während des Fahrens zu beobachtende nonverbale Kommunikation mittels Gesten und Signale (und die im CB-Funk zu hörende verbale Kommunikation) erfüllt neben ihrer Unterstützung bei der sozialen Schließung wichtige Aufgaben. das Fernfahrer-Magazin "Trucker" und das internationale Truck-Magazin "Fernfahrer" haben eine Humor-Seite und Cartoons eingerichtet.B. auf relevante Tätigkeiten und handelt von bedeutsamen Personen und Dingen. 135).und Dankrituale mittels Lichthupe oder Blinker etc. Die "qualitativen" Indikatoren für die Existenz einer Berufsgruppe sind hier eng mit der Entstehung einer gemeinsamen beruflichen Kultur verbunden. häufig auch Witze abgedruckt werden. lassen sich interessanterweise auch bei deutschen LKW-Fahrern nachweisen. Die Country-und-Western. 117ff. S. die ihn verstehen und sprechen können (vgl. S. mit sexuellen Anspielungen befassen und dadurch ein betont "maskulines" Image verbreiten... Anzeigen von Einschermöglichkeiten nach einem Überholmanöver durch kurzes Betätigen der Lichthupe. S. humor. Kollegen zu identifizieren und die Kommunikation unter ihnen zu fördern. Warnung vor Unfällen oder Staus. Begrüßungs..) By suggesting that something is out of bounds for another. hilft ein ausgeprägter Argot nicht nur. Der Berufsjargon ist ebenso wie die während des Fahrens verwendeten signifikanten Gesten ein wichtiger Bestandteil des praktischen beruflichen Wissens von Berufskraftfahrern. das zuweilen noch durch un. S. By setting the boundaries.. the truck drivers are placing themselves within the boundary and include in there any other person who can do the actions that a truck driver does. was die Anzeige von und Warnung vor Gefahren angeht (z. der 1992 sogar noch eine eigene Fernsehsendung bei RTL Plus reserviert worden war ("Km 330"). gestures. die Runcie veranlassen. 128ff. "Trucker-Sprüchen des Monats" etc.oder Trucker-Musik. and music.oder leichtbekleidete Pin-up-Girls sowie durch sexistische Werbeanzeigen "garniert" wird. denen die Fahrer in ihren alltäglichen Situationen begegnen und dient nicht zuletzt auch der sozialen Bindung24 jener. leichten und klaren Verständigung. das Image und die Mythologie der fahrenden "Helden der Highways" gegenüber Außenstehenden sowie untereinander zum Ausdruck zu bringen (vgl. you do not understand and therefore you do not know how to act. 98) betont. spielen sie eine wichtige Rolle beim Erhalt subkultureller Grenzen (vgl. bezieht sich inhaltlich auf die technische Ausrüstung. 271 . abgedruckte "Wörterbuch").' (.. Die gleichen Merkmale. die entweder die Fernfahrerthematik berühren oder sich mit Frauen bzw. Soweit Humor und Anekdoten gemeinsame Wertorientierungen artikulieren. 122ff. S.) und tragen neben der Musik mit dazu bei."By utilizing distinctive jargon. So verhilft der Jargon aufgrund seiner Abkürzungen zu einer schnellen. sondern darüber hinaus symbolisiert der Gruppenjargon zugleich die Stärke der Bindungen zwischen den Kollegen und versorgt einen "with an infallible way of recognizing the competent and experienced since only they will be able to use the language with facility". Die auflagenstarken deutschsprachigen Zeitschriften für Fernfahrer. Hinweis auf eine "Radarfalle" der Polizei oder einen Kontrollpunkt der Gewerbeaufsicht. the truck drivers have built a culture (. 'This is out of bounds for you. die US-amerikanischen Trucker als eine soziale Gruppe zu charakterisieren. und das auf S. hat mittlerweile bei vielen 24 Wie Edward Gross (1965. Runcie 1971.). auf der neben dem Fernfahrer-Humor.)" (Runcie 1971. ebd. 289ff.).

B. wenn er richtig behandelt wird. Dankgebete an Gott oder den Heiligen Christopherus als dem Schutzpatron der Fahrer.1 und die "Männerfreundschaft" zwischen Cowboy und Pferd). Die in den Liedern angesprochenen Gründe für die Berufswahl verlegen die Entscheidung ins Natürliche (z. Die Naturalisierung der beruflichen Selektionsprozesse ist nicht nur Ausdruck einer besonderen Art von Galgenhumor. auch die Anzeichen für "Aberglauben" wie das Mitführen von Glücksbringern z. daß sie sich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte auf die Fernfahrerei eingelassen haben. dessen Sinnzusammenhang durch unmittelbare und diffuse Mitgliederbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist" (Neidhardt 1979. treue Ehefrau) oder als sexuell reizvolle "heiße Bräute" dargestellt werden.B. S. (1) Beim ersten Themenkomplex des Liedgutes werden die Fernfahrer gewissermaßen von ihrer Verantwortung entlastet. Gas weg!". wonach nicht "Jedermann" einfach Fahrer wird. Teilweise ist die Thematisierung von Unfallgefahren auch religiös gefärbt (z. Aus systemtheoretischer Sicht lassen sich "soziale Gruppen" nach der Art und Dauer ihrer Mitgliederbeziehungen gegenüber der "Gesellschaft" (hohes Maß an Mittelbarkeit der Sozialbeziehungen). die meist entweder als geduldig wartende Heilige (Mutter. 33). (2) the problems faced by the drivers. 5.B das "Bibendum" bzw. sexuell potenten und begehrenswerten Fernfahrers. "diesel fuel is in my blood" ." Genau diese Themen finden sich auch in deutschsprachigen Fernfahrer. sondern durch seine Natur bereits dazu "berufen" sein muß. 272 . Festen und Truck-Treffen pflegt diese Musikrichtung samt der dazugehörigen Accessoires den Cowboy. in denen die Alltagsprobleme und -erfahrungen der Fahrer behandelt werden. In einigen der Songs werden als "gute Ratschläge" unter Freunden formuliert.bzw. Zeithetze etc. "Sicht weg. (2) Die harte Arbeit. So lassen sich die Lieder aus der nordamerikanischen Musikszene drei grundsätzlichen Kategorien zuordnen (Runcie 1971. hochleistungsfähigen. gegenüber der "Organisation" (hoher Grad an Spezifität der Mitgliederbeziehungen) und gegenüber "einfachen Sozialsystemen" vom Typus "Encounter" (extreme Kurzfristigkeit der Beziehungen) abgrenzen (vgl. (3) Das dritte zentrale Thema sind schließlich Frauen. Abb. Nebel. "Mein Laster ist mein Laster". sondern trägt zugleich positive charismatische und mythische Züge. 131). "Halt Abstand. 14). "Fernfahren liegt mir im Blut" bzw. gefährliche Situationen und typische Beanspruchungserscheinungen (Ermüdung. zum magischen Helfer avanciert oder sich wie ein guter Freund verhält (vgl. Auf zahlreichen Festivals. vgl. Eine Gruppe ist danach ein "soziales System. Kap. S.und TruckerMythos und leistet dabei eine entscheidende Symbolisierungsarbeit für das maskuline Selbstbild des heldenhaften. "Michelin-Männchen" des bekannten Reifenherstellers als Talisman). 642). S.B. vgl. beim hohen Arbeitseinsatz nicht unnötig das Leben zu riskieren (z. Junge" oder "Schlaf nicht ein hinterm Lenkrad").) bilden typische Themenfelder. and (3) the truck driver's woman. S.angesichts hoher MAK-Werte eine recht makabre Vorstellung.Radiosendeanstalten feste Programmzeiten erhalten und kann auch im deutschen Sprachraum auf eine feste Fan-Gemeinde blicken. 130): "(1) why drivers drive trucks. "Als Diesel geboren". der. Die Fernfahrerzeitschriften und die Musikkultur tragen somit in entscheidender Weise zu der maskulin gefärbten Stilisierung und Geschmacksbildung (Ethos) unter den Fernfahrern bei. auch Fernfahren "as a 'disease' that gets into one's blood and becomes an obsession" bei Runcie 1971. Unfallgefahren. Trucker-Liedern wieder (vgl. Neidhardt 1983. Unter diese Kategorie fällt auch die Totemisierung des Lastkraftwagens.

Deutschland". 273 . Jeder Meter Autobahn. Diese Männer. (ausgewählte Musiktitel aus: Truck Stop "Cowboys der Nation".Abb. Solange überhaupt regelmäßige Interaktionen mit anderen Fernfahrern stattfinden. Sie ist ein Truckerfan. Kohlenpott Cowboy. die vor allem um ihre Arbeit und Arbeitsleistung kreisen. wahrscheinliche "Face-to-face"-Interaktion. dürfte die persönliche Kommunikation zwischen Fernfahrern auch durch "relativ offene Horizonte und vielschichtige Ausdrucksmöglichkeiten" geprägt sein. Temporausch. die "nicht auf spezifische Zwecke oder Ziele eingegrenzt erscheinen. Mein Diesel hat Heimweh. Träume von den Cowboys.. Radwechsel. das ist ihr Laster.. Partner fahr rechts. "Das große Trucker-Album 1 + 2". Frauen lieben harte Männer. Trucker". Ausgelaugt (und kaputt vom Fahr'n). Trucker Fieber. Mit harter Hand. Nikotin . Schlaf nicht ein hinter'm Lenkrad. Vogelfrei. sondern als eine potentiell realisierbare. Gefährliche Fracht. Immer unterwegs. so lassen sich die jeweils sporadischen Sozialkontakte zwischen einzelnen Fernfahrern durchaus als ein Ausdruck ihrer sozialen Gruppenbeziehungen deuten. Wenn ich nur ein Trucker wär. Verdammte Radarfalle. brich Dir nicht das Genick. Wir sind die Fahrer. Das schöne Mädchen von der Autobahn. Ähnliches gilt für die "Diffusheit" der Mitgliederbeziehungen.starke Kerls. nicht aber eins der fehlenden Unmittelbarkeit. ist eine unregelmäßige Kopräsenz allenfalls ein Kriterium geringfügiger sozialer Verdichtung. Highway Dreams. Bei Muttern gibt es immer eine warme Suppe.. Bleifuß-Joe. S. Truck Stop Mama. Rasthausbaby. Ich bin wieder auf der Autobahn. Gunter Gabriel: "Dieselknechte". Ein richtiger Cowboy. Mein Laster ist mein Laster. Gefangene der weissen Linie. Tom Astor: "Lass rollen. Qualm und Straßen ohne Ende.Aspirin (und 'ne Wärmflasche fürs Bett). Highway Helden. die von den Beteiligten lediglich eine episodische Kopräsenz verlangt. Ein herrliches Gefühl. Trucker sind Partner. Auch wenn ich mal das Handtuch werfe. Diesel. Home Sweet Highway. 33: Truckerthemen und -mythen in der deutschen Fernfahrermusik Zum Trucker geboren. Super Trucker Festival: 16 bärenstarke Brummisongs 1 + 2") Wird das Kriterium der "Unmittelbarkeit" der sozialen Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern nicht in einem sehr restriktiven Sinne von permanenter Kopräsenz verstanden (was sich praktisch kaum durchhalten ließe). Sie ist jung und ich ein Mann. Ihr Leben. 643). du bist Deutschlands bester Mann. Rosen für Mama. "Hallo Freunde". Ist das ein Leben! -So hart und so schön. Kumpel. St.. Fahrer. Danke Brummi. "Voll aus dem Leben" und "Guten morgen. Hier riecht's nach Freiheit. Bärenstarke Cowboys. Das ist Truckers Traum. Jeder Kilometer.und Beinbruch. Übermüdung tötet. Jenseits spezifischer Themenstellungen. Sicht weg Gas weg! Kilometerfresser. "Das große TruckerHitrennen 1 + 2". Wer ist der Mann hinterm Lenkrad. Nimm dir Zeit. Rastlose Männer. Junge. Ich bin so wie ich bin. Rollende Giganten. Strasse ins Glück. Risiko und harte Arbeit. Ich bin ein Asphalt Cowboy. überhol dich nicht selber.Coffein . zieh die Bremse an. was im Anschluß an Neidhardt als ein charakteristisches Kennzeichen sozialer Gruppen zu werten ist. Dieselknecht. Halt Abstand Junge. Heisse Girls . Ich hab' schon Trucker weinen seh'n.. Kameraden der Straße. Ich wünsch dir Hals. der viel erlebt. sondern mit einer Vielzahl von Bezügen auf einer formell nicht eingegrenzten Zahl von Bezugsebenen stattfinden" (Neidhardt 1979. Alter Freund.. Trucker Lady. "Super Trucker Songs: 32 bärenstarke Brummi-Hits 1 + 2". Fahr' nicht schneller als Dein Schutzengel fliegen kann. Christopherus. Ich und mein Diesel. Meine Antwort ist die große Autobahn.

Die Schwächen von Neidhardts Gruppenkonzeption zeigen sich vor allem dort. S. das auch nach dem Auseinandergehen der Teilnehmer noch fortbesteht (Neidhardt 1979 im Anschluß an Luhmann). S. behindert auf der einen Seite dauerhaft-verdichtete Sozialbeziehungen zwischen ein und denselben Interaktionspartnern. noch die Diffusheit der thematischen Bindungen können als eindeutige Abgrenzungskriterien gelten. Auch wenn man sich nicht sieht (bzw. Auch wenn das Konzept des sozialen Netzwerkes auch die vom Gruppenkonzept ausgeschlossenen "uniplexen. wird die Kategorie des sozialen Netzes eher bei geringer verdichteten. Diffusheit/Spezifität und Dauerhaftigkeit/Kurzfristigkeit. die Neidhardt sozialen Gruppen im Gegensatz zu "einfachen" situativen Sozialsystemen zuschreibt. ohne jedoch sporadisches oder gezieltes Wiedersehen gänzlich zu verhindern. 92f. S.) zeigen. die Ausbildung von Systemidentität und auch ein Mindestmaß an Organisation" zurück (Neidhardt 1979. Weder Intensität (im Sinne von "involvement") und Dichte der sozialen Beziehungen. "Uniplexität") in Anspruch genommen werden. intransitiven usw. Güterverladestationen. Truck Stops. eine Problemstellung.Selbst die "relative Dauerhaftigkeit" der Beziehungen. trifft auf die Berufsgruppe der Fernfahrer ebenfalls zu. denen eine geringere Dauerhaftigkeit und Geschlossenheit zugeschrieben wird (vgl. wo es erstens um die Abgrenzung des Gruppenbegriffs vom Konzept sozialer Netzwerke geht und wo zweitens persönliche Beziehungen und die Einbindung der Gruppenmitglieder als menschliche Subjekte zu untersuchen sind. da sie auch bei der Klassifizierung sozialer Netzwerke ("starke" oder "schwache" Beziehungen. sind die Übergänge zwischen dem Gruppen. nur räumlich distanziert beim Vorbeifahren von LKW zu LKW "sehen" kann oder über CB-Funk Kontakt aufnimmt). 274 .) weist genügend Schärfe für die Trennung zwischen Gruppe und Netz auf. die der gemeinsame Beruf den meisten Fernfahrern auferlegt. wie Friedhelm Neidhardt (1983) und Michael Schenk (1983. Der Vorteil dieser Trias aus Unmittelbarkeit. Diese "Fähigkeit zur Latenz". "Multiplexität" vs. die Sozialgruppen von "einfachen Sozialsystemen" (Luhmann) oder jenen "flüchtigen Begegnungen" unterscheiden sollen. Kappelhoff 1989. schwachen. Lediglich die Unterscheidung nach dem Kriterium der "direkten" oder "indirekten" Interaktion (Schenk 1983.und Netz(werk)begriff fließend. S. lose gekoppelten Assoziationsformen benutzt. für die Erving Goffmann den Begriff "Encounter" reserviert hat. deren Lösung nicht gerade zu den Stärken der Systemtheorie zählt. Die durch Mobilität und soziale Isolation gekennzeichnete Arbeitssituation.25 Nach meinem Eindruck läßt sich die für soziale Gruppen kennzeichnende Form der Integration persönlicher und gesellschaftlicher Beziehungen bei der Erzeugung kollektiver Identitäten und "Wir-Gefühle" nicht hinreichend trennscharf gegenüber den Solidaritätsgefühlen bei flüchtigen Begegnungen oder in sozialen 25 Auch wenn bislang noch kein Konsens über die verbindliche Verwendung des Gruppenoder Netz(werk)begriffes in der Soziologie erzielt worden ist. sozialen Beziehungen integriert" (Schenk 1983. S. Diffusheit und Dauerhaftigkeit liegt in der empirischen Operationalisierung entlang der methodisch gut identifizierbaren binären Merkmalen Unmittelbarkeit/Mittelbarkeit. 96). führt er auf die "Kristallisation von Wir-Gefühlen. Denn andererseits ermöglicht die "raum-zeitlich konzentrierte Begegnung" der Fernfahrer an ihren typischen sozialen Orten (Raststätten. Zollstationen etc. 466). distanteren. bliebe der Fortbestand der Berufsgruppe der Fernfahrer davon unberührt.) eine "organisierte" Herstellung von Anwesenheit. solange ihre zum Teil episodischen Begegnungen ein "Situationssystem" bilden. 93ff. indirekten. 643).

besonders dann. Die Koordination flüchtiger Begegnungen dürfte nicht in dem Maße auf kollektive Glaubenssysteme (z. Der Identifizierungsakt aber. vgl. worin eigentlich die Gemeinsamkeiten sozialer Gruppenbildung bestehen.B. um "Zugehörigkeit" in ausreichendem Maße qualifizieren zu können. 449) sollen soziale Gruppierungen der Fernfahrer im folgenden nicht nur unter dem Aspekt ihrer relativen Dauer und Kontinuität betrachtet werden (Institutionalisierung).26 Die Grenzen mögen fließend sein. von Wiese 1966. daß sie die soziale und subkulturelle Genese vernachlässigen.27 Das entscheidende Defizit herkömmlicher (klein)gruppensoziologischer Ansätze liegt darin. hat indessen davon abgelenkt. der sozialen Differenzierungen sowie der Vorstellungen von der Gruppe. S. Diffusität und Dauerhaftigkeit reichen jedoch bei weitem nicht aus. Gewöhnlich wird nur bei Vorhandensein bestimmter formaler Indikatoren auf die Existenz einer sozialen Gruppe geschlossen. die bei ihren Mitgliedern bestehen (Vergemeinschaftung bzw. weil die Menge der Kontakte nicht per se eine gemeinsame Moral generiert. wie dies für die soziale (Miß)Billigung gruppenspezifischer. Das Bemühen um eine Vervollständigung oder Reduzierung der Liste notwendiger Merkmale. 221ff. z. In jedem Fall ist der spezifische Sinnzusammenhang wohl entscheidend. anstatt sich von der schwierigen empirischen Operationalisierung einer Variable wie "Zugehörigkeitsgefühl" blenden zu lassen. S. 27 275 . die jeweils zu den Attributen sozialer Gruppen gezählt werden. mit dem die Gruppe als eine soziologische Tatsache behandelt wird. wenn es sich um makrosoziale Phänomene handelt. die sich auf der Grundlage eines übergreifenden. ebensowenig wie die soziale Nähe von vornherein intime Beziehungen persönlicher Natur stiftet. um encounters innerhalb offener sozialer Netzwerke von den flüchtigen Begegnungen zu unterscheiden. subkulturellen Orientierungsrahmens einer sozialen Gruppe abspielen? Sobald die Begegnungen im Netzwerk trotz ihrer grundsätzlichen Flüchtigkeit (mangels Stiftung eines übergreifenden Zusammengehörigkeitsgefühls) häufiger ablaufen als die in der Gruppe geraten die Definitionsmerkmale vollends in Unordnung und bedürfen einer klassifizierenden Gewichtung. Wir-Gefühl).Netzwerken unterscheiden.. vor allem ständischer Konventionen üblich ist. die in geringerem Maße "kontaktverdichtet" erscheinen. die zur dauerhaften Institutionalisierung einer sozialen Gruppe führt. ohne den sozialen Prozeß der Herausbildung und Verbindung der Assoziierten zu einer Gruppe weiter zu verfolgen. Daheim 1970. Oder müssen wir grundsätzlich davon ausgehen. S.B. 95ff. Ethos oder Mythos) und auf die kollektive Sanktionsfähigkeit angewiesen sein. die Merkmale Unmittelbarkeit. In Anlehnung an klassische Gruppenkonzeptionen (vgl. daß die Zusammengehörigkeit eine lineare Funktion der Häufigkeit der zwischenmenschlichen Kontakte ist? Sicherlich nicht.) 26 Sind die Definitionsmerkmale Neidhardts beispielsweise trennscharf genug. Und genau an dieser Stelle muß die Gruppensoziologie weiterdenken. bezieht sich meist nur auf ein bereits fertiggestelltes Gebilde. Mit seinem Konzept der "Kollegenschaft" hat Edward Gross (1965. sondern vor allem unter dem Gesichtspunkt des Entstehens gemeinsamer Traditionen und Gewohnheiten (Gruppenkulturen).

deren Mitglieder keine Professionals sind. sind darin erstaunlicherweise Ansatzpunkte enthalten. For this purpose leaders in the occupation may develop a public relations image of the occupation as one dedicated to public service.) A final factor that contributes to a sense of colleagueship is the development of various norms or rules of the game to control competition among members and hence limit competition between the occupation and other occupations" (Gross 1965. die letztlich nur von kleinen lokalen "Arbeitsgruppen" mit hoher Interaktionsdichte erfüllt werden können (z. sondern eher als eine Anregung.]. 222) hat zu Recht vorgeschlagen.) Colleagueship can be developed by deliberately encouraging informal association among colleagues [for example 'occupational community'. S. daß unter den Lastkraftwagenfahrern berufskulturelle Gruppierungsformen entstanden sind.einen Ansatz entwickelt. (. etc. (. Häufigkeit von Face-to-Face-Kontakten). die sich auch auf die berufliche Gruppierung von Fernfahrern übertragen lassen.. Auch wenn sich die von Gross genannten Verfahrensweisen bei der Herausbildung einer Kollegenschaft eigentlich auf professionelle Netzwerke beziehen.28 Die in der Gruppensoziologie zumindest implizit allgegenwärtige Metapher einer "Verdichtung" oder "Kristallisation" sozialer Beziehungen ist nicht in erster Linie als eine Aufforderung zur Messung von Abständen zu begreifen.96f. das Konzept beruflicher Netzwerke. Hervorhebungen durch M. wie ein berufliches Netzwerk dafür sorgt. Meine These ist.. S. auch auf Berufsgruppen auszudehnen.. Die "Kollegenschaft" läßt sich auf einem Kontinuum verorten. clubs..) Another way of developing a high sense of the importance of one's own occupation ist to develop a sense of superiority over other occupations and over the clients with whom one deals. das die beiden Idealtypen "lokale Kleingruppe" und "berufliches Kontaktnetz" bzw. M. "Considerable research has been done on the problem of building colleagueship and several distinct means have been pointed to and described.. trotz der vergleichsweise geringen Möglichkeiten.F. die informellen sozialen Beziehungen einer beruflichen Gemeinschaft nicht mehr allein auf jene formalen Maßstäbe zu beschränken... (. die gesellschaftliche Konstruktion sozialer Abgrenzungen selbst zum Gegenstand der Gruppensoziologie zu machen..) A second means for developing colleagueship is to attempt deliberately to develop a consciousness of occupation.B. Perhaps the most important is control of the entry of new members to the occupation or the organization. 276 . Ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerät dabei die inhaltliche Frage nach dem Prozeß der Herausbildung einer Kollegenschaft.. Die Untersuchung der "Kollegenschaft" der 28 Daheim (1970. das ursprünglich für die informellen Kontakte zwischen Angehörigen von Professionen entwickelt worden ist.h. (. d. innerhalb der Arbeitszusammenhänge direkte. daß seine Exklusivität erhalten bleibt und welche Vorteile die Mitgliedschaft in einer "Kollegenschaft" den einzelnen verspricht. "Netzwerk" ("occupational network") miteinander verbindet.F.). stabile und kontinuierliche Sozialbeziehungen zu entwickeln.

Die soziale Gruppierung der Fernfahrer läßt sich somit zunächst als eine Folge symbolischer und sozialer Abgrenzungen nachvollziehen. Was die "strukturelle Differenzierung" des berufskulturellen Netzwerkes der Fernfahrer betrifft. möchte ich im folgenden versuchen. Fernfahrerbzw. 118).und Lebenswelt von Fernfahrern gegenüber anderen subkulturellen "Sinnwelten"30 als etwas Besonderes hervorhebt. 89) drei Typen sozialer Netzwerke. Während Schenk das Hauptgewicht auf die Analyse persönlicher Beziehungen legt. rassenspezifischen und ethnischen Merkmalen folgen" (ebd. wenn man sie als eine bereits vollendete gesellschaftliche (Tat-)"Sache" behandelt oder sie nur auf eine "gelebte Erfahrung" (Bourdieu) reduziert. lassen sich die berufsständisch gefärbten sozialen Beziehungen unter den Fernfahrern einem "kategoriellen" Typus sozialer Netze zuzuordnen. 89f. ein an ständischer Interessenvertretung ausgerichteter Berufsverband oder eine Fahrergewerkschaft). S. der die Arbeits. Die Entstehung sozialer Gruppierungen ist nicht angemessen zu begreifen. das in seinen "Verdichtungszonen" zugleich Merkmale einer Berufsgruppe aufweist (z. kategoriellen oder strukturellen Beziehungen unterscheidet Michael Schenk (1983. hier vor allem die auf diesem Gebiet wegweisende Studie von Luc Boltanski (1990) über die französischen Führungskräfte ("cadres"). S. die Entstehung beruflicher Netzwerke unter den Fernfahrern als einen soziokulturellen Prozeß zu begreifen. Mein Vorschlag ist. in dessen Verlauf charakteristische und seltene Merkmale symbolisch aufgewertet und mittels sozialer Schließung exklusiv durch die Fernfahrer angeeignet werden. 84ff.).. Philosophie und Theologie dient auch die Mythologie als "Stützkonzeption" und "Legitimation" von Sinnwelten (ebd.) sind soziale Gruppen Träger kollektiver Sinnkonstruktionen ("Subsinnwelten").29 Im Anschluß an kultursoziologische Forschungsarbeiten zur sozialen Gruppenbildung. Für den symbolischen Interaktionismus hat Herbert Blumer (1973) auf die Bedeutung der Prozesse kollektiver Definition hingewiesen. deren Sinnhaftigkeit von der betreffenden Gruppe sozial (re)produziert werden muß. "das von sozialen Stereotypen abhängig ist. das die herkömmliche. Es wäre jedoch fatal. Für Peter L. Trucker-Clubs als lokale Gruppierungen. das "unscharfe" soziale Ensemble der Fernfahrer als ein berufliches Netzwerk zu begreifen. die insbesondere schichten-. 277 .Berufskraftfahrer bedarf eines Untersuchungsinstrumentariums. Neben Wissenschaft. S. das einzelne und vereinzelte Netzwerksubgruppen ("Cliquen") im Sinne einer "Brücke" miteinander verknüpft. der ein Beziehungsmuster vertritt. 29 30 Mit dem Akzent auf persönlichen. so scheint mir die Fernfahrermythologie ein entscheidendes Verbindungsglied zu sein. Berger und Thomas Luckmann (1980. S. an Kleingruppen orientierte Gruppensoziologie bislang noch nicht zur Verfügung gestellt hat. die letztlich nur in dem Willen und der Vorstellung der beteiligten Akteure existiert.B. die Entstehung sozialer Gebilde allein auf die kollektive Definition von Wirklichkeiten zurückzuführen.. in denen ein kollektiver Sinnzusammenhang erzeugt wird. Als das "objektivierte Produkt einer Praxis" (Boltanski) weisen soziale Gruppen eine "in sich doppelte Realität" auf.

S. die mit der Bildung der Gruppe einhergegangen ist und die durch Objektivierung dazu beigetragen hat. indem man nach der Arbeit des Sich-Gruppierens.und Abgrenzungsarbeit analysiert. die stilistische Willkür bleibt aber an den Spielraum der "objektiven Möglichkeiten" (Willis) gebunden. 47-51): (1) Die "Neudefinitions. d.3). das den materiellen Eigenschaften erst die Funktion von Unterscheidungsmerkmalen verleiht (vgl. 47). Das Bestehen einer Gruppierung wird dabei in Form mentaler Vorstellungen und gefühlsmäßiger Gewißheiten "einverleibt" und . S.h.auch nach außen hin verkörpert. 1990. andererseits in Form von dauerhaften Dispositionen (vgl. von Prozessen sozialen Ein. d.31 Die Retrospektive auf den sozial.und Ausschließens fragt.und Ausschließens. Bourdieu 1987. Die besonderen Möglichkeiten und Begrenzungen der "kollektiven Geschichte" einer Gruppierung werden in den individuellen Biographien amgeeignet. 32 278 .). als "cadres") führt. "Erfindung" scheint von Boltanski in einem doppelten Sinne von "Definition" und "Repräsentation" gemeint zu sein: als definierende Namens(er)findung.).und Repräsentationsarbeit geleistet wird. S.und Repräsentationsarbeit" führt . "die Gestalt der Gruppe zu erklären. in dessen Verlauf die weitere SelbstGestaltung der Gruppe von der "Arbeit des Sich-Gruppierens" abhängt. In seiner Untersuchung zur Entstehung der französischen Führungskräfte (den "cadres") als soziale Gruppe unterscheidet Boltanski zwei Gruppierungsphasen (vgl.gewissermaßen als gesellschaftliche "Erfindung"32 der jeweiligen sozialen Gruppe .h. der die Voraussetzung für die weitere Anbindung und symbolische Vereinigung heterogener Kreise bildet.und Institutionalisierungsprozeß" ausgesetzt. den die materiellen Merkmale zulassen (vgl. 252ff. und als Vorgang des Sich-Zusammenfindens einer Gruppe in der sozialen Form eines "repräsentativen" Urkerns. Kapitel 3. 246f. Da in beiden Phasen gesellschaftliche Objektivierungs.und kulturhistorischen Ursprung und die Entstehungsgeschichte einer sozialen Gruppe ermöglicht es.soweit an die Wirklichkeit der Gruppe geglaubt oder mit ihrer Existenz gerechnet wird . sie als etwas existieren zu lassen.und Repräsentationsarbeit" nachzuvollziehen. (2) Als ein "Anziehungspunkt" oder "Sammelbecken" innerhalb des sozialen Raumes ist dieser "Urkern" dann einem "Objektivierungs.zur Formierung von einer Art "Urkern". S. und die gesellschaftliche Definitions. muß das Ausmaß und die Form sozialer Institutionalisierung 31 Das wahrgenommene Sein kann zwar niemals vollständig auf das materielle Sein zurückgeführt werden. Eine soziale Gruppierung existiert einerseits in der sozial vergegenständlichten Form von Institutionen. deren Ergebnis sie ist.und meßbaren materiellen Merkmalen ihres "objektiven" Seins und in den symbolischen Attributen ihres "wahrgenommenen Seins" zum Ausdruck kommt.B. die zur Benennung der Gruppe (z. das sich von selbst versteht" (Boltanski 1990.die zugleich in den zähl. ihre kollektive "Objektivierungs. des Ein. Bourdieu 1987.

Der Besitz des Begehrenswerten setzt immer eine Aneignungsarbeit voraus. S. die neue Stilsierungen zugleich ermöglicht und begrenzt. ungleiche Verteilungsstruktur materieller Gegenstände und persönlicher Qualitäten erst eine sichere symbolische Vereinigung. Auf dieser Grundlage ist ein kultursoziologisches Konzept möglich.) die strukturellen Prinzipien der Machtverteilung nach materiellen und symbolischen Kriterien analytisch unterschieden: Während die "Klasse" als Folge einer ungleichen Verfügungsgewalt über materielle Güter und Leistungen in der "Wirtschaftsordnung" zu verorten ist. wie sie (vor allem) für die "Kohäsion eines unscharfen Ensembles" typisch sein dürfte (vgl. "an denen die Arbeit der Interpretation und Schematisierung. über die Wechselwirkungen zwischen der sozialen.. kulturellen und politischen "Repräsentation" einer sozialen Gruppierung).als das zentrale Unterscheidungskriterium dienen. Repräsentation und Stilisierung der sozialen Welt vollzogen wurde". folgt die soziale Gruppierung der cadres einer spezifischen Logik. Herrschaft kämpfendes vergesellschaftetes Gebilde verstanden. S.). wird der "Stand" als Resultat einer unterschiedlichen Einschätzung der Ehre der "sozialen Ordnung" zugerechnet und gewissermaßen quer dazu .) und Boltanski (vgl.und Stilisierungspraxis sozialer Gruppen setzt somit eine spezifisch strukturierte.33 Von Überlegungen bei Bourdieu (vgl. die für eine ungleiche Verteilung der vorhandenen Merkmale und Eigenschaften unter den beteiligten Individuen verantwortlich sind.34 Den Ausgangspunkt jeder sozialen Gruppierung bildet erstens die bestehende Verteilungsstruktur begehrter Objekte und Eigenschaften.B. die Widerstände konkurrierender Gruppierungen gegen eine exklusive Aneignung des Begehrten zu überwinden. Die sinnvolle Klassifizierungs. 279 . damit sich die fragliche Gruppierung ihre charakteristischen Attribute möglichst exklusiv aneignen kann. sobald sich ein "Feld" miteinander konkurrierender Definitionen und Repräsentationen herausgebildet hat (vgl. 163ff. wurde für sie nur eine geringe Anzahl "namhaft gemachter Orte" geltend gemacht (nämlich die der "cadres"). 156ff. "geordnete" Verteilung der begehrten und der unerwünschten Merkmale und Eigenschaften voraus. um soziale Macht bzw. Neue soziale Gruppierungen können sich entweder in unentdeckten oder uninteressanten Nischen ausbreiten. 1990. 256f. 33 34 Die Zweiteilung der "Gruppierungsarbeit" zwischen der primären Entstehungsphase der "Erfindung" einer sozialen Gruppe und der sekundären Phase ihrer Festigung erscheint mir etwas zu grob. Ähnliches gilt für die Fernfahrer. Andererseits ermöglicht eine relativ dauerhafte. die auf der Klassifizierung und Stilisierung gemeinsamer wie unterschiedlicher Attribute aufbaut. Die gesellschaftliche Gruppierungsarbeit setzt im wesentlichen erst dann richtig ein. 531ff. 1990. die den Einsatz von bereits akkumuliertem "Kapital" erforderlich macht und verlangt.) ausgehend. ebd.die "Partei" (in der politischen Sphäre) als ein. S. um die Phase der Erfindung einer "neuen" sozialen Gruppe von der Phase ihrer Gruppierung abzugrenzen. In ähnlicher Weise hat bereits Max Weber (1980. oder sie müssen eine Veränderung der vorhandenen ökonomischen und sozialen. daß die Herausbildung einer sozialen Gruppierung unter Fernfahrern grundsätzlich auf drei verschiedenen (psycho)sozialen Ebenen erfolgt. politischen und kulturellen Strukturen anstreben. S. Wie Boltanski selbst einräumt. 1987. ist meine These. 320): Obwohl die "Führungskräfte" über ein weites Spektrum "objektiver" Soziallagen verstreut sind. auch wenn für sie mehr Benennungsmöglichkeiten bestehen (wie die amtliche Berufsstatistik zeigt). das mit der Herrschaftssoziologie verbunden bleibt (z. S.

(3) Eine soziale Gruppe läßt sich auf der politischen Bühne (institutionell) repräsentieren. Darüber hinaus wird die soziale Gruppe drittens nur in dem Maße als ein "sozialer Akteur" gesellschaftlich "existent". ohne den die Gruppe kein Anrecht auf soziale Anerkennung hat" (vgl.wo sich die täglichen Kämpfe zwischen Gruppen und Klassen auf eigene Art und nach eigenen Regeln noch einmal abspielen -. 40). 156ff. ". An der Schnittstelle der (Re)Produktion der kollektiven Gruppierung und der individuellen Teilnahme (und -habe) findet somit eine gegenseitige Sicherung (oder Verunsicherung) statt. 50): (1) Eine soziale Gruppe gibt sich einen Namen und eine "emotionale und mentale Repräsentation".Diese materielle Logik der Seltenheit bestimmter (gegenständlicher) Merkmale innerhalb einer gegebenen "objektiven" Verteilungsstruktur ist zweitens von der symbolischen Logik der Hervorhebung zu trennen. mit der die Unterschiede bei den Aneignungschancen knapper Güter. vereinfacht und stabilisiert die soziale Gestalt der Gruppe. sie stützen die subkulturelle Integration der besonderen "Sinnwelten". um für sich und andere zu existieren. (2) Eine soziale Gruppe "muß. in denen der Begriff der Repräsentation verwendet wird (Boltanski 1990. Neben dem üblichen Verständnis von "Solidaritäts-" oder "Vertretungsbeziehungen" . Solange kollektive Mythen den individuellen Glauben an die Realität der Gruppe unterstützen können. in ihrem Namen zu sprechen" (Bourdieu 1985. S. die zur Bildung des kollektiven Glaubens beiträgt. d. wie ihre "Mandatsträger mit der plena potentia agendi ermächtigt sind und sich ermächtigt fühlen. indem sie sich offizielle Instanzen gegeben hat. Andererseits bleibt die Glaubwürdigkeit der "wirklichen" Existenz einer Gruppe daran gebunden. Mythen vermitteln dabei das besondere "WirGefühl" und den "Glauben" an die kollektive Existenz. rechtlichen und politischen Raum gelingt (vgl. S. Stilisierung der Gruppenmerkmale durch "soziokulturelle Repräsentationen" vom "perfekten" Gruppenmitglied ordnet. das dem kollektiven Besitz den sozialen Sinn von Unterscheidungen und Hervorhebungen verleiht. bleibt das individuelle Schicksal wegen seiner Einordnung in einen. dramaturgische Akzentuierungen (wie Goffman sagen würde) ihrer relevanten Merkmale. und indem sie die Autorität. Boltanski 1990. schließt der Repräsentationsbegriff bei Boltanski jenes Wortspiel um die verschiedenen Bedeutungen des Begriffes "Vorstellung" ein. die mit diesem Namen verbunden ist (symbolische Klassifizierung und Abgrenzung durch Neu-Definition). Die "rechtliche Repräsentation" bildet allerdings eine entscheidende Voraussetzung für die politische "Delegation" und Interessenvertretung (wie sich am Beispiel der Arbeiter. 25) -. S. S.h. natürlichen Personen übertragen hat". auf dem Weg über ihre Mitglieder und. Es lassen sich drei Bereiche unterscheiden. eine Art Stilisierung. S.etwa im Sinne von Max Weber (1980. die Lokalität individueller Zeiten und Räume übergreifenden Stil "sinnvoll" und verallgemeinerbar.und Gewerkschaftsbewegung 280 . inwieweit kollektive Mythologien innerhalb individueller Orientierungen auf Dauer mitreproduziert werden. die zur Verkörperung der kollektiven Personen nötig ist.h. das bereits von Bourdieu benutzt worden ist. Leistungen und Eigenschaften sich und anderen als schwerwiegende Unterscheidungen vorgestellt werden. genauer gesagt.). über ihre Sprecher Vorstellungen über sich vermitteln.und Repräsentationsarbeit" (Krais) die Repräsentation im sozialen. soweit der Gruppierung durch "Organisations. Neben der Sicherung der möglichst exklusiven Aneignung der charakteristischen Objekte und Eigenschaften muß die soziale Gruppierung ein gemeinsames subkulturelles Bedeutungssystem bilden. d. 159. Die Kategorie der "Repräsentation" muß hier in einem sehr weiten Sinne von "(Stell)Vertretung" verwendet werden. die für die jeweilige Gruppe kennzeichnend sind.

198f. Die politische Administration in Person des Gouverneurs muß sich aber einen legitimen Gesprächspartner schaffen. 157). während die "Institutionalisierung" eher mit der Phase der sozialen Gruppierung von Zentrum und Peripherie verbunden ist.leicht zeigen läßt). Im Anschluß an Überlegungen bei Boltanski (1990) und Bourdieu (1987) läßt sich ein analytisches Schema konstruieren. und diejenigen. aus Fleisch und Blut" (Boltanski 1990.) wird die Bildung einer rechtlich anerkannten Kollektivperson und ihre Verkörperung in hierzu berechtigten physischen Personen eine der Bedingungen. Praktiken und Werken objektiviert (kollektiver "Glaube" an die reale Existenz der Gruppe. sprechen. sondern ist Ausdruck eines "praktischen" und "stillschweigenden" Verhältnisses zur gegenständlichen Welt. 157f.36 "Klassifizierung" ist als ein Objektivierungsprozeß zu verstehen.und Erzeugungsschemata dauerhaft als eine entsprechende Disposition verkörper(lich)t ("Habitus"). verlangen 'Partner' oder 'Gesprächspartner'. repräsentiert durch entsprechende "Spiele"). Bei schematischer Trennung ließe sich die Phase der Erfindung einer sozialen Gruppe durch Neudefinition und Abgrenzung eines "Urkerns" .). der eine Protestaktion der Trucker als Convoy-Führer maßgeblich in Gang gesetzt hat. wo ein Vertreter des Gouverneurs das Gespräch mit "Rubber Duck" sucht..). wie die hohen Beamten oft sagen. auf denen sich eine soziale Gruppe durch symbolische Definitions-und Abgrenzungstätigkeiten sowie durch entsprechende Repräsentationsarbeit objektivieren kann. das kollektive und öffentliche Darstellungen sowie rituelle Demonstrationen einschließt im Sinne jener "Schauspiele. Als "Stilisierung" kann ein Prozeß beschrieben werden. die im Namen des 'Staates'.35 "Mit der Institutionalisierung der sozialen Konflikte und der Konstituierung offizieller Verhandlungsinstanzen (. das die Entstehung sozialer Gruppen als einen Objektivierungsprozeß veranschaulicht (Abb. der sich auf der Ebene sozialer Interaktionen als "dramaturgische Akzentuierung" (Goffman) "abspielt" und sich in Form von Mythen. Bourdieu 1987. die sich als 'Schiedsinstanz' in den sozialen Auseinandersetzungen versteht.in erster Linie der "Klassifizierung" und "Stilisierung" zuordnen. 281 . Bewertungs. indem sie den Einflußreichsten zum offiziellen "Anführer" und damit legitimen "Vertreter" des Konvois "macht". die die gesamte Gruppe ins Spiel bringen und in Szene setzen" (vgl. "friedlichen" Regulation der Beziehungen zwischen sozialen Klassen und Gruppen: "Die Administration. 35 36 Dies gilt vor allem für moderne politische Systeme mit einer institutionalisierten. Ein gutes Beispiel für die fast "unentrinnbaren" Verflechtungen zwischen politischer und rechtlicher Repräsentation zeigt der US-amerikanische Trucker-Film "Convoy" von Sam Peckinpah (1978). um gewissermaßen sozial sichtbar zu werden und ihre ökonomischen und politischen Interessen wirksam vertreten zu können" (S. nur für sich und lediglich als erster zu fahren. dieser Abstraktion. S. Der Begriff der Vorstellung wird bei Bourdieu nicht als ein Platzhalter für den Ideologiebegriff gebraucht (etwa im Sinne einer "Weltanschauung"). Der vertikale Aufbau dieses Schemas folgt dabei einer analytischen Unterscheidung von drei verschiedenen Ebenen. selbst aber meint. S.. 34). rechtlich fixierten. die soziale Gruppen erfüllen müssen. der auf der mentalen Ebene gemeinsamer psychosozialer "Vorstellungen" abläuft und sich in Form von Wahrnehmungs-. kennt von den 'sozialen Gruppen' nur deren 'Vertreter'.

was die Berufsund Verbandskultur der deutschen Fernfahrer in der Zeit von Beginn der dreißiger bis Ende der sechziger Jahre betrifft). was ein Feld von Repräsentationen öffnet. weil sie bereits die Existenz einer "fertigen" Gruppe im Sinne eines sozial relativ homogenen "Urkerns". politischer. Da sich die Klassifizierung.Abb.bzw.und makropolitischen (Macht)Spiele.) ))))))))))))))))))))))))))))))))))) STILISIERUNG INSTITUTIONALISIERUNG Die "Institutionalisierung" unterscheidet sich von den beiden vorangehenden Objektivierungsformen. Bewertungs. sowie mikro. Praktiken und Werke "Feld" Akteure. vor allem durch politische Proteste verstärkt worden). die Entstehung von dauerhaften Vertretungsbeziehungen ("Intellektuelle") und von ("Interessen". Hierbei spielt die Institutionalisierung vor allem rechtlicher. Ideologien. läßt sich die Herausbildung einer Kollegenschaft unter den Fernfahrern noch nicht im Detail nachzeichnen.. d. auf dem die Träger unterschiedlicher sozialer Merkmale miteinander um die Anerkennung als authentische Vertreter und um die legitime (institutionelle) Repräsentation der sozialen Gruppe ringen.. dürfte die Objektivierung einer Gruppe innerhalb des sozialen Raumes üblicherweise als ein rekursiver Prozeß erfolgen. Berufs-)Verbänden samt der politischen Ideologien.h. Politik.und Ausschließungsprozesse gruppieren sich heterogene Einheiten an den Peripherien des zentralen Kerns.und Erzeugungsschemata "Glaube" Mythen. 34: Analytisches Schema zur Entstehung sozialer Gruppen Repräsentationsarbeit Objektivierungsebenen KLASSIFIZIERUNG Objektivierungsmodus Emotionale und mentale Repräsentation (Vorstellungen) Sozial-kulturelle Repräsentation (Spiele) Institutionelle Repräsentation (mikro. künstlerischer "Repräsentationen" eine entscheidende Rolle.B. "Anziehungspunktes" oder "Sammelbeckens" voraussetzt. wissenschaftlicher. Meine 282 . Vertreter und Verbände (Recht.und makropolitische Spiele) Objektivierungs form "Habitus"/Leib Dispositionen Wahrnehmungs-. Mangels fehlender berufshistorischer Forschungsergebnisse (vor allem. Stilisierung und Institutionalisierung gegenseitig beeinflussen (der Truckerkult in den USA ist z. Über soziale Ein.

inwieweit die beruflichen Mythologien der Fernfahrer an der sozialen Reproduktion ihrer Arbeits. Gegen den Versuch. die Trucker-Songs. dabei aber zugleich ihre alten Eigenschaften und Merkmale ebenso wie einzelne Komponenten ihrer alten Bestimmung als "Kapitäne der Landstraße" zu bewahren versuchen. 3. gestützt durch einen kurzen Ausflug in die historische Entstehung und subkulturelle Variation der Fernfahrermythologie. 283 . betont worden. bevor abschließend der Frage nachgegangen wird. S.und Berufsrisiken beteiligt sind. Kap. Mythen auf mentale oder ideologische Phänomene zu reduzieren. mentalen Erscheinungen und praktischen Funktionen mythischer Bilder zu bewahren versucht (vgl. sozialen "Funktionen" des Mythos sind bekanntlich auch in der Kulturanthropologie. 148). vor allem von Bronsilaw Malinowski. Der nordamerikanische Truckermythos fungiert in diesem Zusammenhang als ein neuer Bezugspunkt für die Entwicklung beruflicher Subkulturen unter den Lastwagenfahrern. Allerdings hat sich der Funktionalismus dabei als weitgehend geschichtsblind und unsensibel gezeigt. hilft ein semiotisches Kulturkonzept. Mythologien einerseits von ästhetischen Weltbildern und gegenüber Ideologien abzugrenzen.3 Vom "Kapitän der Landstraße" zum "Highway Helden"? Fernfahrermythen im Fokus kultursoziologischer Risikoforschung "Die Trucker-Kultur ist eine Subkultur. um subtile Herrschaftsformen zu entdecken und zu kritisieren. Danach möchte ich etwas genauer auf die Entstehung der Fernfahrermythologien und den Einfluß von Mythen und Legenden auf die soziale Gruppierung der LKW-Fahrer in den USA und in der Bundesrepublik eingehen. durch die entweder neue soziale Vernetzungen in der Kollegenschaft der Fahrer entstehen oder bereits bestehende (meist lokale) soziale Netze und Gruppierungen sich anders wahrnehmen und darstellen können. sie kann aber sprechender sein als diese" (Heinzlmeier. das Mythologien von ihrem praktischen Gebrauch her erschließen möchte. Um diese Annahme plausibel zu machen. Diesem Manko wird hier durch Berücksichtigung symbolischer Herrschaftsformen begegnet. das die Spannung zwischen der relativen Eigendynamik der symbolischen Systeme. 5.These ist aber. Ein kultursoziologisches Mythenverständnis. der Slang der Funksprache kreieren eine eigenständige Welt unabhängiger Einzelgänger. wie die Soziologie den Mythos (vor allem in Abgrenzung zu ideologischen Phänomen) definieren sollte. steht vor der doppelten Schwierigkeit. daß sich die soziale Gruppierung von Fernfahrern seit Beginn der siebziger Jahre nach Art einer "Neudefinition" abgespielt hat. soll im folgenden zunächst ein Vorschlag unterbreitet werden. Menningen und Schulz 1983. andererseits den Herrschaftscharakter von Mythen präzise herauszuarbeiten. Bemalung und Ausstattung der Trucks. Die Legende muß nicht Wahrheit bedeuten.3). Die pragmatischen.

in denen die transzendentalen Bezüge verankert sind. wie sie die Weltauffassung beschreibt. Trucker-Accessoires) und legendären Verkörperungen. das die Gruppe über die Dinge in ihrer "reinen Vorfindlichkeit" hat. d. symbolische Erzählung über die Ursprünge einer Gesellschaft oder über ein denkwürdiges Ereignis ihrer Geschichte" (Koschnik 1984. manifestieren sich mythische Vorstellungen in Handlungsriten und Praktiken.mit ihrer Weltauffassung .oder Entstehungsthematik einschränken läßt.und Urzeit) eines Volkes. ihren "Ordnungsvorstellungen" im weitesten Sinne (Geertz 1983. Diese Gegenüberstellung und wechselseitige Bestätigung bewirkt zwei grundlegende Dinge. S. indem sie es als Ausdruck einer Lebensform darstellen.Stil. der die mythischen Weltauffassungen mit den entsprechenden praktischen "Lebensformen" verbindet.h. ästhetische Ausrichtung und Lebensstimmung . berufliche Mythen als Erzählungen zu begreifen. 118).B. vor allem geheiligte Aspekte der besonderen. Mein Vorschlag ist. Obwohl gerade Ursprungsmythen eine wichtige Rolle bei der Herausbildung und Stabilisierung sozialer Gruppen spielen (wie am Beispiel der Fernfahrer ersichtlich wird). aber für die Lebensorientierung und Sinninterpretation mit Wahrheitsanspruch versehene Aussage".Ein "Mythos" ist eine "legendenhafte.h. Die Weltauffassung hingegen machen sie zu etwas emotional Überzeugendem.. Eine inhaltliche Einengung des Mythos auf Ursprungs. ihre moralische Gesamthaltung. Für die Wissenssoziologie ist Mythologie "die archaischste Form einer Stützkonzeption und Legitimation von Sinnwelten". Obwohl der Mythos als Erzählung eine mentale Gestalt und sprachliche Form aufweist. auf die sich ihrererseits die mentalen Vorstellungen stützen. die vollkommen jenen tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Einmal werden dadurch moralische und ästhetische Präferenzen objektiviert: Sie erscheinen als notwendige Lebensbedingungen. Sofern der Mythos überhaupt in soziologischen Wörterbüchern oder Lexika behandelt wird. die sich in mentalen Vorstellungen und sichtbaren subkulturellen Stilisierungen vergegenständlichen können und in denen transzendentale. "Legende" oder "Glaubenshaltung" zu "Problemen des Ursprungs oder der zentralen Wirkkräfte individuellen wie gesellschaftlichen Lebens". wie sie von einer in bestimmter Weise 284 . das einer solchen Lebensform besonders nahekommt. Fortschritts-. d. Geschlechtsoder Heldenmythen. 47f. die ihn zu einem zentralen Bestandteil "aller (insbesondere primitiven) Kulturen" macht (Hartfiel/Hillmann 1982.. interpretiert man ihn als eine "Erzählung". historisch überlieferten Sinnwelt einer beruflichen Gruppierung zum Ausdruck kommen. eine "nicht beweisbare. 484). Charakter und Besonderheiten ihres subkulturellen Lebens. gegenständlichen Formen (z. der die dauernde Einwirkung heiliger Kräfte auf die Erfahrung der Alltagswelt annimmt" (Berger/Luckmann 1980. 524).h. Ähnlich wie heilige Symbole verknüpfen Mythen das Ethos einer sozialen Gruppe . daß sich die Mythologie nicht allein auf die Schöpfungs. S.dem Bild. eine Sage und Dichtung über Götter.oder Entstehungsgeschichten ist jedoch nicht haltbar. indem sie als Bild der tatsächlichen Gegebenheiten darstellen. 396). d.): "Religiöse Vorstellungen und Praktiken machen das Ethos einer Gruppe zu etwas intellektuell Glaubwürdigem. zeigen Todes-.). S. Helden und Geister (der Vor. S. der man große Verehrung entgegenbringt" (Duden "Fremdwörterbuch" 1974. ein "Wirklichkeitsentwurf (. S. er symbolisiert aber auch eine "legendär gewordene Gestalt oder Begebenheit. Mit der Verengung des Mythos auf seine mentalen Züge wird der Zusammenhang zerrissen.

2ff. die feine. bedeutet.und Welterklärung" (vgl. die mit interessenbedingten Wertungen verbunden sind. hat den Nachteil. was zu einer Verwechslung von Mythologien und Ideologien führt. Religiöse Symbole behaupten eine Grundübereinstimmung zwischen einem bestimmten Lebensstil und einer bestimmten (wenn auch meist impliziten) Metaphysik und stützen so jede Seite mit der Autorität der jeweils anderen.3. in denen die geistigen und (legitimen Formen) künstlerischer Lebensäußerungen. daß sie die ästhetische Bedeutung der mythischen Metaphorik überbewertet. kulturellen Praktiken und sozialen Institutionen beschäftigen". die je nach kulturellem Standort zwischen einem ästhetisch "echten" (legitimierten) und einem "trivialen" (illegitimen) Mythos unterscheidet. 13). Viel zu unspezifisch muß letztlich alles Metaphorische mit utopischem Gehalt zum Mythos erklärt werden.bzw. Wermke 1977. indem nämlich tiefverwurzelte moralische und ästhetische Empfindungen als empirische Beweise für ihre Gültigkeit angeführt werden. aber die ästhetischen Ambitionen des Mythos sind begrenzt durch die pragmatischen Funktionen dieser Stilisierungen.). zu stark ästhetisch oder kognitivistisch gefärbten Anspruch. Zwar findet in den Fernfahrermythen eine Ästhetisierung der Transportarbeit statt. auch Kapitel 3.strukturierten Welt vorgegeben werden. Sowohl die Konkurrenz zur künstlerischen Weltbetrachtung als auch die Rivalität zur wissenschaftlichen Weltanschauung beruhen auf einem Mißverständnis. Die üblichen Definitionen. wenn eine mystifizierende Bewertung mythischer Vorstellungen vermieden werden soll.). unwissenschaftliche Selbst. in denen sich die Fernfahrer als eine soziale Gruppierung besonderer Art hervorzuheben versuchen." Thematisch erzählen Mythen meist vom Ursprung des Menschen (oder einer bestimmten Menschengruppe) und der Entstehung gesellschaftlicher Ordnungen. d.h. vornehme Art der Lebensstilisierung aufgewertet werden gegenüber dem als übertrieben und als grob sinnlich empfundenen Kult populärer Ästhetik. Zum anderen erfahren diese überlieferten Vorstellungen vom Weltganzen eine Bekräftigung. "die sich besonders mit Heldentaten und mit Einführung von Gebräuchen. S. Abb. insbesondere dann. die den Mythos als eine Erzählung mit einem künstlerischen Anspruch begreift. Ein elitäres Kulturverständnis aber bleibt blind für die eigenen sozialen Klassifikationen. den Erklärungscharakter von Mythen überzubewerten.h. da Mythologien eher in eine Legitimitätskonkurrenz zu den religiösen Weltbildern der Theologie treten (vgl. Den Mythos dagegen im Kontrast zu wissenschaftlichen Realitätsmodellen als bloße "Weltanschauung". oder sie sind mit bestimmten Formen der Magie verbunden (Malinowski 1970. als "Wirklichkeitsentwurf" oder als "Aussage mit Wahrheitsanspruch" zu verstehen. Ein angemessener Zugang zum praktischen Gebrauch von Mythen in geringer ambitionierten Subkulturen wird dabei verfehlt. S. 108f.und Darstellungsweise" in Verwandtschaft zur bildenden und literarischen Kunst interpretieren oder ihn negativ bestimmen als eine "vor. eine religiös gefärbte Verklärung des Leidens und der Lust. sie behandeln kulturelle Veränderungen und außergewöhnliche Leistungen. wobei die politisch motivierten Weltentwürfe und illegitimen Herrschaftsinteressen zugleich einen mit 285 . Ideologien enthalten kognitive Vorstellungen über die Wirklichkeit. als reiner Common sense angesichts der unveränderlichen Gestalt der Wirklichkeit. die den Mythos positiv als eine "bildhaft-anschauliche Vor. Die kunstnahe Definition. wenn sie eine "Theodizee" betreiben. unterstellen der Mythologie einen elitären. d.

sondern Gewißheit zu geben. die pragmatische Funktion des Mythos. Hervorhebungen durch M. indem sie die Ungleichheit der Berufenen behaupten und eine Absonderung (z. erwecken berufliche Mythologien umgekehrt eher den Anschein einer Besonderheit. und die Funktion des Mythos ist es nicht. ist. wie dies üblicherweise bei Ideologien der Fall ist.). Die tiefgehende Verbindung zwischen Mythos und Kult.F. wo es um das Absichern des Bestehenden und um das Verhindern von Veränderungen geht. die ein Partikularinteresse in politischer Absicht pseudowissenschaftlich zu legitimieren versuchen. 17). 525) stützt sich die mythologische Billigung bestehender Herrschaftsformen dagegen weniger auf reflexiv gestützte Glaubensüberzeugungen. seinen tieferen Sinn zu verstehen. läßt sich durch seinen reflexiven Charakter von dem "Erklärungsanspruch" des Mythos abgrenzen. S. "Es kann ohne Übertreibung gesagt werden. Während Ideologien aber mit der Verallgemeinerung des Besonderen die Illusion einer Interessengleichheit erzeugen wollen. der Fernfahrer) vom Allgemeinen (nämlich der industriellen Arbeiterschaft) betreiben. als auf die empfundene Glaubwürdigkeit der Erzählungen. willkürlich vornehmbare 'rationale' Interpretierbarkeit" (Hartfiel/Hillmann 1982. die im kontinuierlichen Strom des Alltagslebens für die Gültigkeit des Glaubens zu zeugen vermögen. diesen Punkt ausführlich zu behandeln" (Malinowski 1973. der sich an die ideologische Weltdeutung knüpft. Geschichten zu erfinden. Da sie im Unterschied zu Mythologien einen eher theoretischen Anspruch erheben. Durch ihre "geringe oder z. daß es notwendig war. sondern Vertrauen in Macht einzuflößen. Der Glauben.wissenschaftlichen Aussagen rivalisierenden Wahrheitsanspruch erheben. ist ihre Wirkungsweise höchst verschieden. S. über deren Ursprung und Existenz er berichtet und deren Außergewöhnlichkeit er bezeugt und beglaubigt. Aus der mythisch begründeten Exklusivität einer sozialen Gemeinschaft leitet sich nicht von vornherein ein politischer Herrschaftsanspruch ab. Während Ideologien einen universellen Geltungsanspruch erheben. nicht Neugierde zu befriedigen. Genau genommen gilt er dann nur für die Gruppe der Auserwählten. beansprucht der Mythos oft lediglich einen partialen Geltungsbereich für seine Erzählungen. die am höchsten entwickelte Mythologie in primitiven Gesellschaften die der Magie ist. Glauben zu erzwingen. sondern jene Ereignisse festzuhalten und herauszuheben. Was eine Unterscheidung zwischen Mythologien und Ideologien so schwierig macht. Ideologien beruhen auf einer "theoretischen Sanktionierung gesellschaftlicher Herrschaftsformen" (Lenk 1967. 68.B. daß beide auf die Legitimierung gesellschaftlicher Ungleichheiten ausgerichtet sind. ist so hartnäckig zugunsten der ätiologischen oder erklärenden Theorie vom Mythos übersehen worden. die diskursfesteren Ideologien haben die herrschaftsorientierten Mythologien aber im Zuge der Entzauberung und Rationalisierung abendländischer Weltbilder weitgehend verdrängt. Auch wenn mythische und ideologische Wirklichkeitsvorstellungen dort komplementär wirken. S.T. erfolgt die ideologische Anerkennung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung über deren kognitive Überzeugungskraft. emotionale 286 . völlig unzureichende bzw. der aus der behaupteten Verallgemeinerbarkeit von Partikularinteressen resultiert. Zwar können auch Mythologien einen politischen Autoritätsanspruch vertreten. Erklärungen zu liefern. daß die typischste. der eher die körpernahe. die dazu geboren sind. nicht.

durch die eine Ordnung legitime Geltung beanspruchen kann. Während der wertrationale Glaube auf der Geltung eines (logisch) "als absolut gültig Erschlossenen" beruht. die Verehrung alter Traditionen und die in den Weiten des Raumes gegen verunsichernde Neuerungen weitgehend geschützte Beharrlichkeit des US-amerikanischen Landlebens erklärt die große Attraktivität. Die Heiligung (sanctio) des Althergebrachten. wie schon Malinowski (1973. S. auch die "Amnesie" der Entstehungsgeschichte sozialer Gruppen bei Boltanski 1990.und Arbeitsmythen der Fernfahrer finden. "Fernfahren im Blut haben" etc.und Western-Kult in den mythischen Bildern und Analogien der Fernfahrer genießt. angefangen bei der Überbetonung spezifisch männlicher Attribute und Eigenschaften (Transformation "biologischer" Merkmale in soziale Unterscheidungen) bis hin zu Erzählungen. um große Unterschiede in Rang und Macht. das sich jeder Neuerung mit mächtigen Hemmnissen entgegenstemmt und das sich deshalb in besonderer Weise für eine Absicherung und Rechtfertigung bestehender Herrschaftsverhältnisse eignet. das Ewig währende und Unwandelbare38. da die Dinge in ihm die Erinnerung an ihre Herstellung verlieren (1970.die aber auch Manns genug sind. indem sie ihre Wurzeln in eine vorgeschichtliche Zeit verlegt.B. die unverschuldet in ein unabwendbares Schicksal verstrickt sind ("Als Diesel geboren". (1) Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Magie strukturiert die Mythologie die menschlichen Beziehungen zur "inneren" und "äußeren" Natur. appelliert der affektuelle (insbesondere emotionale) Glaube (z.Seite menschlicher Seinsgewißheit berührt und deshalb auf einem gefühlsmäßigen Glauben37 an die Heiligkeit und Unwandelbarkeit bestehender Ordnungen beruht.39 Die Naturalisierung gesellschaftlicher Phänomene tritt vor allem dort in Erscheinung. wo es um eine soziale Spannung geht. S. vgl. Mythologien stützen Herrschaft. indem sie erstens soziale und historische Ereignisse naturalisieren und zweitens soziale Unterschiede durch heilige Unterscheidungen zu legitimieren suchen. in denen die Transportarbeit als ein naturhaftes Verhängnis erscheint und die Fernfahrer zu tragischen Helden werden. bei charismatischen Ordnungen) an die "Geltung des neu Offenbarten oder des Vorbildlichen" (!). 287 . 107) gezeigt hat. 51). Die Mythen über die Urzeit einer sozialen Gruppierung lassen sich als literarischer Ausdruck der Naturalisierung ihrer Entstehungsgeschichte begreifen. S. S. 249). Belege für eine Naturalisierung historischer und sozialer Zusammenhänge lassen sich auch in den Berufs. heilige Kräfte rückt die mythische Sanktionierung gesellschaftlicher Herrschaftsformen in die Nähe von religiösen Glaubenssystemen und Gefühlen. 130. Nach einer Formulierung von Roland Barthes verwandelt der Mythos die menschliche Geschichte und Gesellschaft in Natur. mit dem die soziale Gruppierung ihre "gesellschaftliche Definitions. S. 19) findet sich (neben dem Glauben an die traditionale "Geltung des immer Gewesenen" oder an die Legalität zweckrationaler Satzungen) eine Unterscheidung zwischen zwei Glaubensarten.und Abgrenzungsarbeit" (Boltanski) zu kaschieren sucht. um Vorrang und Unterordnung sowie bei tiefgehenden historischen Veränderungen. die der Country. Die Bezugnahme auf übersinnliche. sich diesen Herausforderungen zu stellen.) . Bei der Entstehung und Stabilisierung sozialer Gruppen 37 38 39 Bei Max Weber (1980. Das "Heilige ist das spezifisch Unveränderliche" (Weber 1980.

bezogen auf "Meinungen" und mentale "Vorstellungen" (vgl. Mythologien unterstützten die Rechtfertigung von Unterscheidungen. Gerade diese elementare Spannung zwischen dem zu charismatischem Glanz befähigten Außeralltäglichen und dem profanen Alltagsleben scheint die besondere Anziehungskraft des Mythos auszumachen. Die willkürliche Setzung sozialer Brüche und Trennungen in einem Kontinuum gradueller Unterschiede erfolgt im Mythos durch die Hervorhebung eigener "heiliger" Eigenschaften und Merkmalen gegenüber den profanen der Kontrahenten.h. nicht aber auf gefühlsmäßige Glaubenshaltungen. "eine Gruppe zu glorifizieren oder einen ungewöhnlichen Zustand zu rechtfertigen" (1973. die sich um eine Mythologie mit Mißbilligungssanktionen schart.. d. "heiligen" Qualitäten von der Sphäre des Profanen abzusondern versuchen. rituellen Komponenten nur mit Blick auf Glaubensüberzeugungen zu betrachten. neben der "Entweihung" auch die "Entwürdigung" einschließt. S. S. bestimmte Glaubensüberzeugungen auch normativ zu "erzwingen" (wenn man beispielsweise an die Inquisition oder die Verbindung von Staat und Kirche denkt).gewissermaßen "von Natur aus" . Die binäre Klassifizierung aller "Gegenstände" und Eigenschaften der materiellen und geistigen Welt durch zwei entgegengesetzte Gattungen. die entweder das Heilige oder das Profane repräsentieren. religiöse Phänomene neben ihren praktischen bzw. sie berichten über legendär gewordene Gestalten oder Begebenheiten. das dem Begriff der Würde oder Ehre sehr nahe kommt. hat Emile Durkheim als ein Kennzeichen religiösen Denkens charakterisiert (vgl. ebd. obgleich die Institutionalisierung der "Kirche" als einer "moralischen Gemeinschaft" (Durkheim) und die Herausbildung theologischer Lehren der Religion wirksamere Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Irritierend ist auch der etwas kognitivistische Drive bei Durkheim. Die große Nähe des Mythos zu religiösen Vorstellungen macht es außerordentlich schwierig. abgesonderte und verbotene Dinge beziehen. wie Durkheim (ebd.h. wenn er von der "soziologischen Funktion" des Mythos spricht. 107). als man dies üblicherweise von Gläubigen annehmen darf. läßt sich das Heilige sinngemäß als etwas beschreiben. S. 61). normativen Sinne) sicher als weniger zwingend zu kennzeichnen. Dies entspricht einem modernen Verständnis des Profanen. Im Gegensatz zum Profanen bezieht sich das Sakrale auf eine außeralltägliche Qualität. Derart säkularisiert. die Personen oder Gegenständen .41 40 41 Allerdings soll hier für eine sehr weit gefaßte Definition des Heiligen plädiert werden. Ähnliches hatte Malinowski wohl im Sinn. in denen sich eine "auserwählte" Gruppe von Menschen mit besonderen. auch der Mythos ist als ein "solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken" zu begreifen. S. "gewisse Widersprüche zu verdecken". die der "sozialen Schließung nach außen" (im Sinne von Max Weber) im Wege stehen. eignet sich die Mythologie durch die Beglaubigung außergewöhnlicher Qualitäten.. mythische von religiösen Glaubenssystemen präzise abzugrenzen. Die "moralische Gemeinschaft". mit der die Grenzen der religiösen Weltanschauung bereits überschritten werden. "Charisma" bei Max Weber).h. 288 . Nicht nur die Religion.zugeschrieben wird (vgl. bestehende Ambivalenzen zu entspannen. Privilegien oder Verpflichtungen als ein vorzügliches Medium der sozialen Klassifizierung. ist (im moralischen bzw. d. die sich auf heilige40.dienen Mythen dazu. denen eine große Verehrung zuteil wird. Da sich der Mythos "an jede Form sozialer Macht oder sozialen Anspruchs" zu heften vermag. die einer Kirche angehören. 62). 1981. d. (2) Mythen erzählen Geschichten über etwas Verehrungswürdiges und Würdevolles. 75) meinte.

die Tradition zu stärken und sie mit größerem Wert und Prestige auszustatten.h. bessere. Die Mythenbildung unterstützt damit eine soziale Klassifizierung. soziale Spannungen und Widersprüche symbolisch übertragen auszudrücken und damit auch zu verdecken. sondern auch durch Naturalisierung sozialer Phänomene erreichen läßt. mit der den riskanten Leistungen und Lasten ein legitimer Sinn verliehen wird (vgl. Damit scheinen Mythologien besonders geeignet. dem Hohen und Niedrigen umgebildet werden. zu erleichtern. 289 . Als eine subjektiv erfahrbare "Grenzsituation".. die Rolle der "Theodizee" bei Weber oder der "Soziodizee" bei Bourdieu).. S. aber auch als schleichende chronische Krise. sie "vermitteln existenzielle Widersprüche im Denken" (Giddens 1988. "wo eine soziale Spannung besteht. durch die graduelle Unterschiede willkürlich zu strengen polaren Unterscheidungen zwischen dem Heiligen und Profanen.42 Mythische Weltbilder dienen oft dazu. wobei sich die Glaubwürdigkeit mythischer Heldensagen aus einer übernatürlichen. bei Vorrang und Unterordnung. dem Ehrenvollen und Unwürdigen. In der Fernfahrermythologie wird einerseits die Wirklichkeit und Richtigkeit hoher Arbeitsleistungen bestätigt. entstehen Mythen häufig ad hoc. indem die Überbewertung der eigenen Merkmale auf der Abwertung der Eigenschaften industrieller Arbeitstätigkeiten aufbaut. kurz gesagt.) Die Funktion des Mythos ist. wie sich bei der Entstehung moderner sozialer Gruppen zeigt. da sich die Aufwertung und Stärkung der Tradition nicht nur durch Magie vollziehen kann. zugleich aber auch naturalisierenden Ordnung herleitet. indem er sie auf eine höhere. der aus riskanten Verberuflichungsformen und dem prekären Hilfsarbeiterstatus resultiert. 249 im Anschluß an Lévi-Strauss). sozialer Ordnung sowie magischen Glaubens. S. und auch als Rechtfertigung durch Präzedenzfälle. 128). Die beruflichen Mythologien der Fernfahrer erzeugen somit eine geschützte subkulturelle "Ordnung" ihrer Lebens. außeralltägliche Zusammenhänge geht. machen Arbeitsbelastungen grundsätzlich eine Sinngebung des Leidens erforderlich.Die Betonung des Gegensatzes zwischen dem Heiligen und dem Profanen hilft. (. wo es um besondere.und Arbeitswelt. Der Glaube an die Erzählungen. übernatürliche Wirklichkeit ursprünglicher Ereignisse zurückführt" (Malinowski 1973. indem sie schwierige Themen wie Inzest. liefert retrospektiv ein Vorbild moralischer Werte. und fraglos dort. Legenden und Sagen beruflicher Mythologien ist somit eng mit der symbolischen Repräsentation der den Mythos tragenden 42 Der Begriff "übernatürliche Wirklichkeit" ist etwas unglücklich gewählt (gemeint ist wohl eine "übersinnliche" Wirklichkeit). andererseits wird der Legitimationsbedarf belastender Arbeitsbedingungen und der Aufwertungsbedarf erfüllt. Sexualität. die auf die Aufwertung des Sozialprestiges der Fernfahrer zielt. "um eine Gruppe zu glorifizieren oder einen ungewöhnlichen Zustand zu rechtfertigen" (1973. "Der Mythos als Darstellung uralter Realität. Die persönliche Identität und die soziale Ordnung der Trucker wird mittels Mythen gegen jeden Zweifel geschützt. S. d. Der Mythos tritt vor allem dort in Funktion. sowie bei großen Unterschieden in Rang und Macht. die zugleich als eine bedrückende Last und als eine befriedigende Lust erscheint und dabei gleichermaßen Keime der Selbstbestimmung wie der Kontrolle enthält. 107). wo tiefgreifende historische Veränderungen stattgefunden haben" (Malinowski 1973. die heutzutage noch lebendig ist. bedeutsame Unterschiede zwischen natürlichen und gesellschaftlichen Begebenheiten auszugleichen. Wie Malinowski zeigt. den symbolischen Umgang mit den grundlegenden Ambivalenzen der Transportarbeit. 107). dort. S. Leben und Tod (oder den Ursprung sozialer Gebilde) "erklären".

S.h. feierlichen Abordnungen und Prozessionen (. Dingen oder Praktiken (. "Offizielle Vorstellungen. die der offiziellen und legitimen Bestätigung geschichtswissenschaftlicher Zeugenschaft entbehrt. so enthalten diese Mythen dennoch keine im strengen Sinne klar umrissenen Wirklichkeitsentwürfe. eine 'Weltanschauung' ist.) schaffen. In der heute üblichen Verwendung ist eine "Sage" (das "Gesagte" oder das "Gerücht") eine Erzählung "über Begebenheiten. Diese rituellen Demonstrationen sind gleichfalls Vorstellungen . stehen in einem dialektischen Verhältnis zu den Dispositioinen. Wenn Fernfahrermythen eine magische. den Glauben an die spezifische Magie dieser Gruppe immer wieder zu erneuern. die der Stützung und Legitimation der symbolischen Sinnwelt ihrer Berufsgruppe dient. Das Eigentümliche offizieller Vorstellungen liegt darin. Weil historisches Beweismaterial (in Form von schriftlichen oder künstlerischen "Werken" sowie anderen "gegenständlichen" Artefakten) fehlt. Versammlungen. sondern ein zutiefst praktisches. deren verweltlichte Form unsere Umzüge. Praktiken und vor allem in kollektiven und öffentlichen Manifestationen wie Großritualen. 607).. was nicht etwa. zu denen außer Regeln des Gewohnheitsrechts auch Sinnsprüche. d. Schauspiele.. die sich in ihnen ausdrücken und die sie mit hervorbringen und verstärken. wird dabei eher an die Gültigkeit des Glaubens als an die Geltung eines Wahrheitsanspruches appelliert.) gerechnet werden müssen... indem sie über den Ursprung einer sozialen Gruppe berichten und die besondere Qualität dieser Gruppe und ihrer Angehörigen begründen. 198f. Soweit ein Mythos den Ursprung oder die Geschichte einer sozialen Gruppierung "offiziell" zu deuten oder zu "erklären" versucht.Kollektive verbunden.h.. wie gern behauptet. 43 Bei "Erzählungen" über den Ursprung wird meist die Form mündlicher Überlieferungen überbetont. S. sondern ein praktisches und stillschweigendes Verhältnis zu den Dingen der Welt" (Bourdieu 1987. Merksätze oder Sprichwörter als Formen der Objektivierung der Wahrnehmungs.und Handlungsschemata in Worten. sobald es gelingt. sondern sind eher Vorstellungen ohne Konzept und Plan. Demonstrationen sind. d. transzendentale Wirklichkeit "entwerfen". indem sie zum Publikum einer augenfälligen Vorstellung dessen gemacht wird. eine Vorstellung der Natur. die die gesamte Gruppe ins Spiel bringen und in Szene setzen. Gegenständen.im Sinne des Theaters -.und Sozialwelt in Worten. in denen sie sich wiederfinden. Hier dienen Ursprungsmythen beispielsweise zur Beglaubigung der legitimen Existenz einer sozialen Gemeinschaft.). den kollektiven Glauben an die Entstehung und Existenz der Berufsgruppe fördern. daß sie die Grundlagen eines praktischen Verhältnisses zur Natur. Habitusformen anerkennen spontan Ausdrucksformen. welche die Angehörigen einer sozialen Gemeinschaft durch ihre gemeinsame Herkunft miteinander verbindet. wo sich die Gruppe in ihrem Umfang und ihrer Struktur zur Schau stellt. 290 . kann die urzeitliche Vor-Geschichte nur noch geglaubt werden. In der Mythologie der Fernfahrer äußert sich keine ideologisch begründete Weltanschauung oder theoretische Beziehung. die geschichtlich nicht beglaubigt sind" (Duden "Etymologie" 1989.. vor allem gefühlsmäßiges Verhältnis zu den Dingen der Welt. scheint über jeden Verdacht des falschen Spiels erhaben.). weil sie sie spontan hervorbringen (.43 Die quasi "natürliche" Verwandtschaft.und Sozialwelt.

wenn sie die mythische Selbstverleugnung sozialer Gruppierungen zum kognitiven oder theoretischen Defizit eines "falschen Bewußtseins" erklärt haben. "im Namen der Gruppe über die Gruppe zu sprechen". 291 . Anders als der ideologische Wahrheitsanspruch ist die mythische Offenbarung gegen wissenschaftlich begründbare Zweifel weitgehend immun. der mit der Anschauung übereinstimmt. aus der sie ihre Macht ableitet" (Bourdieu 1987. wie es dazu kommen kann. wobei sie stillschweigend die Grenzen zwischen dem Denkbaren und dem Undenkbaren definiert und so zur Erhaltung der Gesellschaftsordnung beiträgt. mehr auf Regeln als auf Strategien gelegt wird". realisieren sich über allgemein gebilligte "Vorstellungen". als er wirklich ist" (Bourdieu 1986. Bourdieu (1987. deren Risiken sie selbst zu tragen haben. Die Bedingungen der Möglichkeit dieses "legitimen Betrugs" (Bourdieu) sind erklärungsbedürftig. "Die Offizialisierung ist der Prozeß. behindert aber die Frage. durch welchen die Gruppe (oder ihre Herrschenden) sich ihre eigene Wahrheit beibringt und verschleiert. "in denen sich die Gruppe wiedererkennen will". die sich im Akt stillschweigender Anerkennung des Geltenden äußert. die Werte der Ehre) als auf Interessen. d.. mittels derer die berufliche Gruppierung der Fernfahrer erst ihre spezifische Gestalt erhält. 199). als ob die kollektive "Beschönigungsarbeit" (Bourdieu) und symbolische Leugnung des Arbeitsverhältnisses als Herrschaftsbeziehung jener "Preis" ist. 199f. den die gesellschaftliche Offizialisierung ihrer Berufsgruppe kostet. S. Es scheint so. die die Gruppe von sich verbreiten und selber haben will.] sich selber in gutem Glauben für jemanden anderen hält. 191). S. "tragen einen Diskurs vor. warum sich Fernfahrer im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte immer wieder zu einer raffinierten Komplizenschaft hinreißen lassen.Besonders Marxisten haben die emotionalen und affektiven Formen kollektiver Selbsttäuschung unterschätzt. da ihre Wirklichkeitsbilder im szientistischen Sinne weder "beweispflichtig" sind noch einer logischen Konsistenz oder inneren Kohärenz bedürfen. den grundlegenden Charakter dieser gutgläubigen Verkennung zu erschließen.h.h. 44 Vgl. wobei die Betonung (vor allem in Gegenwart eines Fremden) mehr auf Werte (z. mit dem ihre Aussage legitimiert und durchgesetzt wird.B.. S. Die abgrenzenden Klassifikationen und Trennungen. Das Wahrheitskriterium allein scheint wenig geeignet zu sein. die erwählt sind.): die "autorisierten Sprecher". daß "einer [. Die Widersinnigkeit und Zwiespältigkeit des Mythos für Außenstehende.44 Aufgrund seiner "gefühlsmäßig-unreflektierten Verankerung" (Hartfiel/Hillmann) ist der Mythos aber weitgehend immun gegenüber kritischen Kommentaren und belehrenden Hinweisen über die eigentlich ganz anders gearteten wirklichen Zusammenhänge und tatsächlichen Fakten. den die Fernfahrer für die öffentliche Anerkennung ihrer "offiziellen" Wahrheit zu zahlen haben. indem sie sich im öffentlichen Bekenntnis zusammenfindet. Dem Spielverderber mögen die Schauspiele der Trucker als eine kollektive Selbstlüge erscheinen. Den Vorgang per se als eine bloße Falschheit zu unterstellen. d.

mit der die Explizierbarkeit und logische Konsistenz zu unverzichtbaren Kriterien von Vernunft und Sinn erhoben werden. sobald sie über die Fernfahrermythologie befragt werden.B. in maskulin gefärbten Gesten und Alltagspraktiken. ohne den sachlichen Kern ihrer Erzählungen in Frage stellen zu müssen. die mythische Praxis kurzerhand in einen lógos zu verwandeln. das zur Selbsttäuschung geeignete Wunschbild. "Wenn Praktiken und rituelle Vorstellungen praktisch schlüssig sind. Bei reflexiver Betrachtung stellt sich der Mythos als ein unglaubliches Märchen heraus. 292 . die für den wachen Verstand Wahres mit Falschem. in deren Kontext die mythischen Vorstellungen und Aussagen erst ihren persönlichen Sinn und ihre soziale Bedeutung erhalten. Dies hindert sie allerdings nicht daran. über den Realitätsgehalt des Truckerkultes nachdenken. das Mythische in der Befragung mittels theoretischer Selbstreflexion ins Reich der "Vorstellung". der den Wahrheitsgehalt der Mythologie mit den Rationalitätsmaßstäben einer "theoretischen Logik" mißt. den Mythos von den praktischen Handlungen und der rituellen Praxis zu trennen. Die nur auf Sprache fixierte Analyse mythischer Botschaften droht. wenn man den Mythos und den damit verbundenen Ritus aus dem Blickwinkel einer "Logik der Praxis" (Bourdieu) untersucht. "Falschheit" oder "Unwahrhaftigkeit" nur wenig auszurichten gegen den praktischen Glauben an ihn. die. sich bei passender Gelegenheit als Trucker zu fühlen oder an Truckerspielen zu beteiligen. der nicht an das Unglaubliche zu glauben bereit ist. erlaubt es ihnen. die durch Beziehungen praktischer Substituierbarkeit miteinander zusammenhängen.h. durch die der "wirkliche" Fernfahreralltag romantisiert und ästhetisch verborgen wird. weil sie vom kombinatorischen Ineinandergreifen einer kleinen Zahl von Erzeugungsschemata hervorgebracht werden. Wirkliches mit Eingebildetem in absurder Weise vermischen. Die "illusio" (Bourdieu). Die Zwiespältigkeit und scheinbare Absurdität der Fernfahrermythologien ergibt nur dann einen sozialen und persönlichen Sinn. sich im gleichen Atemzug von den extremen Übertreibungen ihrer Mythologie abzugrenzen.die sich nur dem Distanzierten und Uneingeweihten zeigt. Die spezifische Zwiespältigkeit mythischer Aussagen ist nur für einen distanzierten Beobachter erfahrbar. Die Mythen und Riten des Fernfahreralltags sind nicht zu dem Zweck erzeugt worden. des (Schau)Spiels. fiktive Beschreibung der Realität von Fernfahrern. so deswegen. Reduziert auf seinen sprachlichen und mental-rationalen Charakter wird der Mythos dann zu einer Elementarform vernünftigen Denkens. Dennoch vermag die theoretische Distanz zu seiner spezifischen Unwirklichkeit. als eine unangemessene. die von den 'logischen' Erfordernissen der Praxis her gleichwertig sind.45 Als eine relativ unreflektierte Form der Wirklichkeitsauffassung lösen die Fernfahrermythen gleichsam die Widersprüchlichkeiten ihrer eigenen Glaubwürdigkeit. d. birgt dies die Gefahr. das der Mythos den Gläubigen vermittelt und von ihnen verlangt. bei Barthes 1970). Ergebnisse erbringen können. ermöglicht es den Gläubigen. verliert dadurch aber im Zuge seiner wissenschaftlichen Objektivierung zugleich seinen Charakter als ein praktisches Verhältnis zur natürlichen und sozialen Welt. in festtäglichen Zeremonien und Ritualen. und sich selbst samt ihrer berufliche Folklore zum beobachteten Objekt einer alltagstheoretischen Reflexion machen. entzifferbares Material für die wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung zu liefern. in persönlichen Anekdoten und überlieferten Episoden. des Scherzes oder Spottes zu verweisen. der geradezu paradoxe Gehalt mythischer Aussagen. in Witzen und Vorstellungen ausdrückt. Werden die Alltagsmythen lediglich als "Aussagen" oder wie eine "Metasprache" behandelt (z. der sich in zahllosen ästhetischen Accessoires und Stilisierungen. Daß diese Systematik verschwommen und näherungsweise 45 Dies betrifft auch die mythologiekritischen Aussagen von Fernfahrern.

was die Unterstützung symbolischer Herrschaftsformen betrifft. alltagstheoretisches Wirklichkeitsmodell. liegt daran.und Besitzverteilungen) seine Funktion gibt. so wirken sie doch komplementär. Bourdieu 1987.B. Die "Fähigkeit" einer sozialen Gruppe.. die wie selbstverständlich unterstellt. 172). d. und von den Personen abgelöst wird. die der Mythos durch die Naturalisierung des Sozialen und Historischen und durch die Sanktionierung gesellschaftlicher Unterschiede produziert.). in denen er fungiert. von den Situationen. Den Mythos so zu deuten. Die soziale Gruppenbildung darf jedoch nicht nur an ideologische Repräsentationsformen gebunden werden. als handele es sich dabei bloß um ein "Interpretationsverfahren". die ihnen eine andere Notwendigkeit auferlegen und verleihen können als die der Logik" (Bourdieu 1987. Auch wenn sich mythische und ideologische Weltbilder in ihrer Arbeitsweise und ihrem Geltungsanspruch voneinander unterscheiden. weil dies eine unzulässige Einengung auf jene Gruppierungsprozesse wäre. was ihm unter Bezug auf praktische Funktionen (z. Ideologien zu produzieren. Auch für Malinowski (1973. sondern eine lebendige oder "gelebte Wirklichkeit". als reine Erzählung oder Sage von der entsprechenden (rituellen) Handlungspraxis isoliert. S. 293 . Irreführend wäre danach ein Verständnis des Mythos." Mit seiner Zerstörung der mythischen Praxis verliert der naive aufklärerische Impetus die subtilen Formen symbolischer Herrschaft aus den Augen.h. indem er von seinen konkreten Bezugspunkten (. weil sie im Zustand des Praktischen fungieren. jenseits der Erklärung und folglich außerhalb jeder logischen Kontrolle und unter Bezug auf praktische Zwecke. würde damit unter der Hand als ein Kriterium der Gruppenbildung schlechthin eingeführt. wodurch alle sozialen Gruppierungen ohne spezifische Gruppenideologie aus der Definition sozialer Gruppen herausfielen. das die Einwirkungskraft mythischer Handlungen auf die Natur. 83) ist der Mythos nicht nur eine "erzählte Geschichte". daß diese Schemata nur deswegen zu ihrer fast universalen Anwendung gelangen. daß dadurch eine intellektuelle Illusion über die menschliche Handlungspraxis produziert wird.und Sozialwelt unbedingt über eine theoretische Interpretation der Wirklichkeit erfolgen muß (vgl. die bereits ein vergleichsweise hohes Maß an politischer Gruppen(sub)kultur voraussetzen. S. also von alledem.46 Der Herrschaftscharakter des Mythos beruht ja im wesentlichen auf der Naturalisierung von sozial konstruierten und historisch tradierten Ereignissen und auf der transzendentalen Legitimierung ("Sanktionierung") sozialer Ungleichheiten. auf die Funktion der Legitimierung von Hierarchien oder Macht. um eine mehr oder weniger kontemplative Auslegung der Realität oder um ein naives. 46 Die Repräsentation der Fernfahrer trägt sowohl mythische als auch ideologische Züge. das ihn als eine bloße mentale Vorstellung oder emotionale Empfindung.bleibt. übersieht. 67): aber "schon durch die bloße Aufzeichnung wird der Mythos oder Ritus zum Objekt der Analyse erhoben. S..

S. "So ähnlich sagen das alle. schrubben manche Vier. das es sich dabei um ein profanes Arbeitsmittel handelt (zur Verdinglichung des LKW vgl. "ist einer der fahren muß". der Fernfahrern als Schutzpatron dient.oder Sechs-Wochen-Touren oder dreimal die Woche Terminfracht nach Spanien und zurück. allerdings seltenen.Privilegien und Benachteiligungen. die den subkulturellen Abgrenzungen das nötige emotionale Gewicht verleiht. Spitzenprämien) von dreioder viertausend Mark. Wer frühmorgens den Dreißig-Tonnen-Diesel aus dem Speditionshof oder dem Werksgelände bugsiert. die Windeln vom Kleinen und das pompöse Geschwätz der Halbleiter im Betrieb. Das sakrale Verhältnis zum LKW. die mobilen "Seelsorger". ein anderes Mal als einen kräftezehrenden Feind erscheinen läßt. sondern an jede Form sozialer Macht oder sozialen Anspruchs: "Durch ihn werden immer außergewöhnliche Privilegien oder Pflichten erklärt. von der long open road. Weber 1986.48 Viele Fahrer haben eine Art Weiheverhältnis zu "ihrem" Lastkraftwagen. die über "rationale". bilden die thematische Grundlage zahlreicher Erzählungen über außergewöhnliche (Fahr)Leistungen und die Bewältigung unfallträchtiger Situationen. eine Mischung aus Achtung und Furcht.. und nicht ausschließlich wegen des Nettoverdienstes (mit allen Spesen und bei. "Ein Trucker". 236). allen Papierkram. Auch "niedere Formen des Spiritismus" sind unter den Fahrern verbreitet. der Einsamkeit des Langstreckenfahrers und der süßen Sehnsucht nach Zuhause zwischendurch doch immer mal wieder zum Leben erwachen. dann bin ich der Größte. Die Bewältigung vor allem umweltbedingter Widrigkeiten und psychophysischer Ermüdungserscheinungen ist wohl in erster Linie als eine permanente Herausforderung zu begreifen. Hierunter fallen auch die "Fernfahrerkapellen". 294 . der läßt alle Langeweile hinter sich. 68). um Pflege und Aufmerksamkeit gegen die Zuverlässigkeit der Technik zu tauschen. daß in ihrem oft elenden Job die vorgestanzten Mythen von Freiheit und Abenteuer. praktisch-technische Eingriffschancen hinaus eine ergänzende Entfaltung außergewöhnlicher.sehr hohen oder sehr niederen . Solche magischen Künste. mit denen die widerspenstige Natur und ihre Kräfte aus eigener (über)menschlicher Kraft beeinflußt wird. das ihn einmal als einen Freund.und Trucker-Hochzeiten sind. dem sich der Fahrer von Mann zu Mann zu stellen hat. 47 48 Auch für Malinowski kann sich der Mythos nicht nur an die Magie heften. sagt Sigi Reil. S. der ein "außerrationaler Kausalitätszusammenhang" (Hartfiel/Hillmann) zugrunde zu liegen scheint. die auch ein beliebter Ort "standesgemäßer" Fernfahrer. S. wie der Dokumentarfilm "Als Diesel geboren" (Przygodda 1978) über das Leben brasilianischer Fernfahrer zeigt. Das macht abhängig wie von einer Droge (.. die religiöse Themen aufgreifen. Abb.Standes" (1973. schwere Belastungen des . die glücksbringenden religiösen Figuren wie der "Heilige Christophorus". Reil: 'Wenn ich vom Hof fahre. sowie Trucker-Lieder.47 Der Truckermythos stattet die willkürlichen Trennungen und Entsolidarisierungstendenzen der Fernfahrer gegenüber der industriellen Arbeiterschaft mit einer Glaubwürdigkeit aus. und du bist glücklich" (zitiert nach Rainer Weber 1986. 236).)" (R. 23). schier übersinnlicher Kräfte zu erfordern scheint und zuweilen noch durch religiös motivierte Glaubenshaltungen flankiert wird. die den Fernfahrern auf Raststätten.' Deshalb. große soziale Ungleichheiten. verdeckt die Erkenntnis. an Landesgrenzen oder großen Verladestellen begegnen. Oder. positiv gewendet: "Du fährst. Trucker leben in der teuflischen Zwickmühle. ebenso wie das Verhältnis zum Lastkraftwagen von vielen Fernfahrern als eine magische Zweierbeziehung (Freundschaft oder Kameradschaft) beschrieben wird.

weil symbolische Herrschaft auf stillschweigender Anerkennung beruht. vgl. daß die betroffenen Fernfahrer nicht mehr nur als Opfer allmächtiger. wenn der Chef ewig auf die Finger guckt: Das mußt Du so machen und das mußt Du so machen. gleichermaßen erwählte wie erlittene Gewalt des Vertrauens. Schuld. die eine Konzeption symbolischer Gewalt liefert. d. dann fahr' ich los. Komme nach 'ner Woche wieder. dann sagt er: Okay. "Symbolische Macht ist eine. 188. Das läuft echt prima!" (Ein ungenannter Trucker. sich (mitunter zähneknirschend) der (an)erkannten Gewalt zu beugen. S. ja welche die Fernfahrer von möglicherweise gleichartigen Arbeitertypen unüberbrückbar trennt.h. Anders als die Beherrschung durch explizite. Gabe. d. Diese Unterscheidungen tragen einen weithin ignorierten. mit einem Wort. 232). ne. auf individueller Selbsttäuschung und kollektivem Selbstbetrug. "nackte" Formen der Machtausübung. weil der Ökonomie des Systems angemessenste Herrschaftsweise" (Bourdieu 1987. Die Herausbildung einer neuen beruflichen Subkultur unter den Fernfahrern vollzieht sich durch die Erzeugung spezifischer Abgrenzungen. mit denen sich die Trucker untereinander identifizieren als auch gegenüber anderen sozialen Gruppen . liegt nun darin. Die besondere Pointe. schmeiß meinem Chef dann die Papiere auf den Tisch und so: Hier. Die Beherrschten verkennen regelrecht. daß es sich hierbei überhaupt um eine (implizite) Herrschaftsform handelt.h."Es ist ein super Job! Man kommt 'rum. die Anerkennung voraussetzt. sondern ihre Komplizenschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit 295 . ist in Ordnung! Und ich krieg dann. durch die sich die Fernfahrer von anderen Berufsgruppen unterscheiden. man lernt die Welt kennen. Die Entstehung einer kohärenten Subkultur auf der Basis eines derart heterogenen Ensembles setzt somit einen Prozeß symbolischer Einigung voraus. in dem die Unterschiede untereinander heruntergespielt werden durch die symbolische Akzentuierung gemeinsamer Merkmale. Chef! Na. also das könnt' ich nicht vertragen. mit einer eigenständigen Subkultur und sozialen Identität ausgerüsteten Berufsgruppe. an die sich die Ehrenmoral hält. Hier steig' ich morgens auf meine Kiste.vor allem industriellen Arbeitskräften . bin 'ne ganze Woche weg. hat geklappt. Frömmigkeit. die Gewalt all der Tugenden. als solche verkannte. 1985): Symbolische Gewalt ist also eine "sanfte. der Gastfreundschaft. das Verkennen der über sie ausgeübten Gewalt" (Bourdieu 1986.hervorheben können. der Verpflichtung. S. Eine ideologische und mythologische Voraussetzung für den gemeinsamen Glauben an die Existenz der Fernfahrer als einer. jede zweite Woche hab' ich meine Kohle auf der Bank. subtilen Charakter sozialer Herrschaft. die zwar ein Minimum an Bereitschaft voraussetzen. fremder Zwänge erscheinen. auch voneinander trennt. ist die Verkennung der vielfältigen Unterschiede. der persönlichen Treue. bei genügend hoher Auflösungskraft der Betrachtung. das ist eben ein ganz anderes Leben als hinter der Werkbank stehn. Das. Dankbarkeit. bleibt die symbolische Herrschaft als solche unerkannt. die die Fernfahrer eigentlich untereinander kennzeichnet und. zitiert nach Prahl 1988). unsichtbare. in der Fabrik oder sonstwas und ewig guckt Dir einer auf die Finger. als die sparsamste.

231f). die diese Proben mit Geduld und Humor ertragen.. 230 und 244). weil die impliziten Herrschaftseffekte. Kollegen. S. 203. werden gute und vertrauenswürdige Kameraden werden. Neben der praktischen Funktion solcher beruflichen Mythologien bei der Vermittlung berufsspezifischer Erfahrungen und bei der Bewältigung von arbeitsbedingten Belastungen und Risiken. mit denen Neulinge "mitleidslos" drangsaliert werden. ob jemand die Gruppenanforderungen akzeptiert" (ebd. mit denen sich die Gruppenzugehörigkeit signalisieren läßt (und die sicherlich auch der Entschärfung von Konflikten und dem Abbau emotionaler Spannungen dienen) unterscheiden sich von den selektiv wirkenden "Streichen". indem sie einen unverzichtbaren Eigenbeitrag leisten. S. unter Druck die richtige oder falsche Handlung beging". sobald er mit "seinem" LKW das Speditionsgelände verlassen hat. S. die Unbestimmtheitslücken ihrer enormen Arbeitsleistung selbst zu schließen. "mit denen festgestellt wird. 223ff. als dies in der Arbeits. besonders S. "um ihre Geduld. 224). sondern vor allem auch dort erforderlich ist. Der weitgehend unbewußte Glaube an eine "Magie der Arbeit". Scherze und persönliche Anekdoten) neben der Vermittlung von formalen und technischen Informationen das entscheidende Medium berufsbezogener Sozialisation und Gefahrenbewältigung (vgl. In der Praxis dürfte die "materielle" und die "symbolische" Form der Gewalt allerdings nebeneinander bestehen.und Berufssoziologie bislang für möglich gehalten wird. Beinahe jeder gefährliche Beruf in den Vereinigten Staaten kennt nach Ansicht von Barre Toelken Formen des "Streiches". Zahlreiche "Streiche unter guten Freunden".. das Leben der anderen 296 . der in einem gefährlichen Beruf wie dem der Fernfahrer sicherlich nur besonders dramatisch zum Ausdruck kommt. S. unterstützen die "Heldentaten" der Feuerwehrleute die soziale Auslese "geeigneter" Nachwuchskräfte. Die Effekte subtiler Herrschaftsformen bleiben in solchen Zusammenhängen meist an die Wirksamkeit symbolischer Beschönigungen oder an die Verneinung unangenehmer "Wahrheiten" gebunden (vgl. mit der sie sich belasten lassen und sich selbst beanspruchen. Wie volkskundliche Untersuchungen in den USA beispielsweise über das Alltagsleben großstädtischer Feuerwehrleute zeigen.gerät.. wo es um die Sicherung kontinuierlicher Leistungsmotivationen unter der Bedingung schwer kontrollierbarer Arbeitsabläufe geht. die in dieser arglosen Definition der Arbeitssituation enthalten sind. Toelken 1986. verborgen sind und verkannt werden. Wenn ein abhängig beschäftigter Fernfahrer sich beispielsweise als sein "eigener Herr" fühlt. ihren Humor und Respekt zu testen und um ihnen ihren geringeren Status im sozialen Umfeld deutlich vor Augen zu führen" ( ebd. im Anschluß an eine Studie von Robert McCarl 1980): Die durch sexuelle Metaphern und Wortspiele stark maskulin gefärbten Geschichten erfahrener Feuerwehrmänner vermitteln den Neulingen durch ihre lebendigen. sind berufsspezifische Erzählstoffe (mündlich überlieferte Geschichten. dann ist dies ein Akt stillschweigender Anerkennung eines raffinierten Herrschaftsverhältnisses. 225). einen Fehler machte. Bourdieu 1987. mehr über Sicherheitsvorkehrungen und vernünftige Verhaltensweisen bei der Brandbekämpfung als dies die üblichen technischen Lehrbücher zu tun vermögen. "wie jemand in Panik geriet. emotional und praktisch nachvollziehbaren Beschreibungen. scheint in der Arbeitswelt weiter verbreitet zu sein. wo sie eine kollektive Mißbilligung in Form von Gegenwehr oder Flucht provoziert (vgl. wobei die sichtbare Gewalt nicht nur dort an ihre Grenzen stößt. das nur wirksam werden kann. ebd. "Diejenigen. die in gefährlichen Situationen und unter unglaublichem Druck sich darum sorgen.

zweitens durch die Entstehung einer "Magie der Männlichkeit" in der Auseinandersetzung mit widrigen Arbeitsbedingungen und drittens. die von dem harten Leben der Fernfahrer und ihrer maskulinen Arbeitsbewältigung erzählen. die anderen. Der literarische Aspekt des Mythos offenbart sich auch in den vielen hochdramatischen Geschichten und Liedern. das seine Arbeitstätig297 . Meinem Eindruck nach geschieht dies erstens durch eine enge Verbindung der Fernfahrermythen mit dem entsprechenden Kult und der (rituellen) Handlungspraxis der Trucker. Bei aller Betonung der praktischen soziokulturellen Kraft des Mythos darf allerdings nicht übersehen werden. Die kollektive Verklärung bestimmter Seiten des ambivalenten Arbeitsalltags von Fernfahrern. In den Berufsmythen des Fernfahreralltags werden LKW-Fahrer vorgestellt. des Ehrenvollen vom Unwürdigen mythisch begründet werden.die literarische Form der Auseinandersetzung mit der sozialen und natürlichen Welt bildet. Das maskuline Charisma des Truckers. Selbst in offizialisierten Darstellungen. daß die beruflichen Alltagsmythen der Fernfahrer mehr bedeuten als eine. als "Asphalt Cowboys" oder gar als "Highway Helden". Die Mythologien der Fernfahrer eignen sich dafür. wie sich die Zelebrierung der Trucker-Feste aus religionssoziologischer Perspektive beschreiben ließe. indem soziale "Klassifizierungen" (Bourdieu) und "Trennungen" (Willis) über die Absonderung des Heiligen vom Profanen.. Das Arbeitsleben dieser LKW-Fahrer wird als eine Kette permanenter maskuliner Herausforderungen vorgestellt und ihre berufliche Tätigkeit symbolisiert eine Männerarbeit. deren Authentizitätsanspruch unterstrichen wird durch eine Inszenierung ritueller Kulthandlungen und großangelegter Zeremonien.). Die entscheidende Voraussetzung für die literarische Verarbeitung des Fernfahreralltags aber sind die einzigartigen Arbeits. Meine These ist. die diese Behandlung nicht ertragen können. als Fahrer eines Lastwagens.gewissermaßen als ein illegitimes "Wissen" (Folklore) und als populäre Poesie des Volkes . erscheinen Fernfahrer als "Kapitäne der Landstraße". ostentative Selbstdarstellung. die sich in einer besonderen Weise für eine mythisierende Aufbereitung anbieten. manchem geradezu als grotesk oder verrückt anmutende.zu schützen" (ebd.und berufsbedingten Risiken (zunächst nur) symbolisch zu verarbeiten. Die öffentliche (Selbst)Wahrnehmung von Fernfahrern ist in hohem Maße von einer Mythologie geprägt. um die arbeits. als "BrummiKapitäne". die in der dramatischen Mythologie zum Ausdruck kommt. wie sie etwa Massenmedien vermitteln. geben den Beruf nach einigen Monaten "beständiger Quälerei" auf.und Lebensbedingungen. ist ein entscheidendes Bindeglied. die . die mit einem besonderen Geschmack für Freiheit und Abenteuer ausgestattet ist. daß Mythologien selbstverständlich auch Erzählungen sind. die Entstehung ihrer beruflichen Gruppierung sowohl mental wie emotional mit Glaubwürdigkeit auszustatten und durch eine aufwertende Traditionsbildung symbolisch zu stärken. die alles andere sind.

das auch heute noch soviel symbolische Kraft zu besitzen scheint.und kriegswichtigen Leistungen von LKW-Fahrern beigetragen haben. bewegte sich das reisende Volk in Postkutschen und Planwagen-Trecks oder auf dem Rücken ausdauernder Pferde voran. soll im folgenden am Beispiel der Entstehung und Veränderung der Fernfahrermythologien in den USA und in Deutschland skizziert werden. 148). individuelle Stärke. die zu einer allgemeinen Aufwertung der lebens. S. S. 'Auf nach Westen' war die historische Losung Nordamerikas (..und Angst vor Frauen. im folgenden James H. Thomas 1979. 1-11). Road Movies als Western des JetZeitalters transportieren die alten Mythen wie eine kostbare Fracht: Pioniermut. die darauf abonniert ist.).oder dort mit der Zeit verloren gegangen ist. die der berufskulturelle Mythos der LKW-Fahrer zwischen Cowboys und Truckern herstellt. "In den Vorläufern der Road Pictures. auch wenn es Deinen Tod bedeutet!" präsentiert sich als ein zentrales Leitmotiv des US-amerikanischen "Nationalcharakters" (Raeithel 1981). die sich als eine gigantische Bevölkerungswanderung nach Westen darstellt. Doch immer noch ist der Ausbruch aus der Abhängigkeit in die Freiheit ein amerikanischer Mythos. 298 . reicht in den USA bis in die Zeit nach Ende des ersten Weltkrieges zurück. Optimismus.49 Nach der Zeit der Pioniere waren es vor allem die beiden Weltkriege. der in den meisten industriellen Berufen grundlegend fehlt .keit wie nichts anderes zu charakterisieren scheint. Skepsis gegenüber dem Fortschritt . die unzähligen "Heldentaten". wird hier vor allem die Überwindung unwirtlicher Räume und die Bewegung von überlebensnotwendigen Gütern zu einer Heldentat hochstilisiert.und man hat einen ästhetischen Beleg für die stilistische Verwandtschaft. Die Cowboys von heute sitzen auf Feuerstühlen oder hinter dem Armaturenbrett. der mit den Lastkraftwagen und deren Fahrern verbunden wird. Die Mythen geben Einblick ins Land und seine Helden" (Heinzlmeier et al. Cowboys und wilde Pferde in die gleiche Landschaft zu stellen . den Western."Zieh in den Westen. Viele Kriegsveteranen versuchten. "Go West" . daß sich daraus sogar die gewaltige Werbekampagne einer gleichnamigen Zigarettenmarke speisen läßt. die seine arbeitsbedingte Auseinandersetzung mit der äußeren und inneren Natur als einen magischen Akt erscheinen lassen. ihre im Umgang mit dem LKW erlernten Fähigkeiten nun auch im zivilen Bereich beruflich zu verwerten 49 Man vergleiche die ästhetischen Reize der Zigarettenwerbung der Marke "West" mit ihren gigantischen Trucks in der endlosen Weite amerikanischer Highways (Rot-Weiß als dominante Farbkombination der Zigarettenschachteln in Verbindung mit den in tiefem Braun gehaltenen Landschaften unter grenzenlos blauem Himmel) mit jener der Marke "Marlboro". Seit der Kolonisierung.. Inwieweit der nordamerikanische Truckermythos in diesem Zusammenhang die Entwicklung beruflicher Subkulturen unter den Lastwagenfahrern unterstützt. In den Vereinigten Staaten läßt sich die "Erfindung" des Truckers relativ leicht zurückverfolgen (vgl. einen Geschmack für Freiheit und Abenteuer zu symbolisieren. Die Entstehung des Trucker-Mythos. 1983. sind wie darauf zugeschnitten. Der letzte Spielraum der durchorganisierten Gesellschaft: das silberne Band der Highways.

die wie eine Eins durch die Bewegtheit der amerikanischen Geschichte geht und weder Gott sucht noch die Frau. die bereit waren. Heidelberg o. (. 35: "Go West. besonders an 299 . Freiheit und Freundschaft. in denen Trapper.) ist die Männerfreundschaft. Reichtum . Edition Braus. (." Eine wichtige Stütze des Mythos ist die deutliche Abgrenzung der LKW-Fahrer von den "normalen".. 3): "The myths presently held about trucks and truckers evolved from the practices of independent truckers in the period following the end of World War I. Desperados und andere Einzelhelden im Westen auftauchen. (. semi-nomadic experience which set them apart. Wir reden nicht von der Vernichtung der Indianer und Büffelherden. (..) Cowboys. Jäger oder einfach als outlaws. Desperados laufen westwärts auf der Suche nach. but in those days the trucker needed physical strength to change tires and mechanical knowledge to make repairs.. die sich bei der Expansion des Güterverkehrsmarktes offenbar für junge. Doch der einsame Held.. Von einem der auszog die Freiheit zu finden" "Westwärts" "Die Reise in den Westen war in alten Zeiten eines der größten Abenteuer. nicht von der ersten gezündeten Atombombe in Los Alamos und auch nicht von den lichten Freuden des kalifornischen Life-styles. nach dem Orient. wenn es sein muß gegen Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten. Wir reden von einer Figur.. Thomas beschreibt die Merkmale der selbständigen Fernfahrer. S. Für viele Völker war der Westen das Land des Todes.. The actual driving of a truck required few skills beyond those of the average motorist. gehen in die Wildnis und leben dort als Trapper. und folgten den Verlockungen von Unabhängigkeit und unbegrenzten Möglichkeiten. nach Osten. (.) Unter dem Druck der aufkommenden Industrialisierung und Großfarmen sondern sich immer wieder einsame Individuen ab.. hart arbeitende "Unternehmer" ergab. S. wird zum stärksten und größten amerikanischen Mythos" (Auszug aus dem Vorwort von Herbert Röttgen: Westwärts. die mit dem Zug nach dem Westen verbunden waren. At that time truckers had the image of beeing totally free. ihr Leben auf der Straße zu verbringen. Wildnis.. zum Teil touristisch reisenden PKW-Fahrern." Reihe "Das Märchen lebt". Theirs was a demanding.) In den späteren Geschichten. Nicht nur weil eine ungeheure Wasserwüste zwischen dem amerikanischen Kontinent und Europa liegt. Abenteuer und männlicher Stärke stilisierend anknüpfen konnte (1979. In: "Go West. was gesucht wird. der bereit ist.J.die Träume der großen spirituellen Westreisen sind versiegt. Von einem der auszog die Freiheit zu finden. 6-11). denn dort versank täglich die lebensspendende Sonne.. sondern mehr auf die Sehnsüchte... Tramps. Wünsche und imaginären Bilder. die in die Schlachthäuser von Chicago getrieben wurden. nicht von den Viehtrucks.Abb. verschwindet das Ideal der Fraueninsel und das. seine Individualität gegenüber der ganzen Gesellschaft. Europa orientierte sich über Jahrhunderte in Richtung Sonnenaufgang. werden wir im folgenden erzählen. James H.) Die Geschichte der männlichen Abenteurer. Mit vier starken Bildern ist diese Figur verbunden: Einsamkeit.? Gold. die in den Westen gingen und als Filmhelden zurückkehrten.. Dabei lenken wir unseren Blick weniger auf die 'wirklichen Vorgänge'. sondern auch auf Grund tiefer mythischer und märchenhafter Zusammenhänge.. nicht von den chinesischen Kulis die beim Bau der Eisenbahn bewußt in die Luft gesprengt wurden. an die der Trucker-Mythos von Freiheit.

und Mobilitätsmythos (aus einer Anzeigenkampagne der Volksbanken Raiffeisenbanken) jenen Orten. 36: Ökonomische Anspielungen auf den Freiheits.Abb. an denen die Fernfahrer sich zur Rast und sozialen Kontaktpflege zusammenfinden. Diese Klassifizierung läßt sich bis in die stilistischen Details 300 .

die einen direkten Vergleich eigentlich verbieten. scheinen die Vertreter beider Berufe dennoch von einigen gemeinsamen prägnanten Charakterzügen geprägt zu sein. die sich nicht nur vorzüglich zur Heroisierung eignen (wie Unabhängigkeit. z. His attitudes. Die Distanzierung zu den nicht berufsmäßig Fahrenden ist heutzutage sicherlich nicht mehr so drastisch stilisiert. uncombed hair. Mobilität. sich als eine eigenständige Berufsgruppe gegen die autofahrenden Jedermänner herauszubilden. seemingly unaffected by the vast cultural differences encountered on his travels. Mut und Männlichkeit).] apart from the tourist" (Thomas 1979. Die Südstaatenflagge.B. wie dies früher einmal der Fall war. den sarkastischen Titel der Fernfahrerstudie von Plänitz "Das bißchen Fahren.F. 5). als die Berufskraftfahrer erst im Begriff waren.des Outfits hinein nachvollziehen: "His unpressed clothes. Dennoch finden sich auch heute noch zahlreiche Accessoires.". 5): "The trucker. S.B. sie bleibt stets an die fundamentale Voraussetzung gebunden. sondern zudem in einer Gesellschaft besonders hoch bewertet werden. cultural traits and come to resemble their counterparts who hail from Oklahoma or Mississippi. S. So selbstverständlich sich die mythische Maskulinität von Cowboys und Truckern auch präsentieren mag.. mit der viele Fahrer ihre Sympathien mit den "Rebellen" des Südens sichtbar zum Ausdruck bringen. wo die Gefahren des Fahrens auf dem Titelbild mit der Fotografie eines LKW-Unfalls dramatisch präsentiert werden. Stärke. Mythen und Legenden. die sich um Cowboys und Trucker ranken. den beide Berufe 50 51 So z. die den Fernfahrer in Raststätte und Truck-Stop weithin sichtbar aus dem Kreis der übrigen Fahrer heraushebt (vgl. This rich mixture of Southern and Midwestern culture. 7). 301 . New York 1975). Truckers from the Northeast or Northwest who engage in long-haul soon lose their regional. bei dem vermutlich der Fahrer im Sarg liegend weggetragen wird). and perhaps the tattoo on his forearm set him [the driver of the large truck. Diese heroischen Kennzeichen haben indessen einen gemeinsamen Symbolgehalt. often associated with the cowboy of the nineteenth century. in der die uneingeschränkte "Mobilität" seit jeher Glück und Wohlstand verheißen hat (vgl. die fundamentalen Unterschiede verdecken. daß in beiden Berufen der Frauenanteil extrem niedrig bleibt. compels writers to compare the modern trucker with the cowhand.. dress. der im wesentlichen auf einem Mythos der Männlichkeit51 beruht. M. S." Obwohl die zahlreichen Symbole. possesses traits associated with the South or Midwest. bei Jane Stern (Trucker: A Portrait of the Last American Cowboy. ziert auch manches deutsche LKW-"Führerhaus". die mit dem Süden oder Mittleren Westen der Vereinigten Staaten assoziiert werden und die eine Stilisierung des Fernfahrers zum "letzten amerikanischen Cowboy"50 geradezu herausfordern (Thomas 1979. Thomas 1979. Im Zentrum der US-amerikanischen Trucker-Kultur stehen jene hervorstechenden "Charakterzüge". and speech patterns are a mixture of the two regions and may be attributed to the large percentage of truckers with rural backgrounds and an interest in country and western music.

Thomas (1979. als das Öl-Embargo der arabischen Staaten in den westlichen Industrieländern zu einer "Ölkrise" führt. or employees at their cultural centers: the saloon at the end of the trail and the pro-am truckstop beside the interstate highway" (Thomas 1979. die in den USA nicht nur den Preis für Benzin und Dieselkraftstoff in die Höhe schnellen läßt. John Wayne verkörpert als Kultfigur des US-amerikanischen Kinos eine Interpenetration von Cowboy und Trucker. Auch in den achtziger Jahren wurde eine Unmenge von meist zweit. während Hans Albers im deutschen Film die Verschmelzung des Matrosen mit dem Fernfahrer zum "Kapitän der Landstraße" verkörpert hat (in "Nachts auf den Straßen"). 9f. und durch dessen integrative Kraft sich die verschiedenen subkulturellen Stilelemente wie zu einer einheitlichen Gestalt zusammenfügen: "Masculinity is the principal ingredient that unifies these heroic traits. 37 und 38). 302 . Thomas 1979. als man die Trucker als ein packendes Thema für Film. blieben die Trucker von Kunst und Massenmedien lange Zeit weitgehend unbemerkt. Da sich der Preis für Dieselkraftstoff von 27 Cents per Gallone auf 50 Cents fast verdoppelt hat und viele Trucker nach zurückgelegten Meilen bezahlt werden oder einen Anteil am Bruttogewinn der gefahrenen Touren erhalten. 148). Trucker oder die dunklen Machenschaften der Fernfahrergewerkschaft (z. "White Line Fever". eine "Herausforderung". vor allem aber am Beispiel des "Brenner"-Konfliktes und im 52 53 Vgl. 1983. ziehen bekanntlich die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.oder sogar drittklassigen Filmen über Trucks. z. 139ff. dem "Western". von den Fernfahrern sehr eindrucksvoll mittels Konvois und Blockaden "dramaturgisch inszeniert".). wie in den letzten Jahren auch auf dem europäischen Kontinent an der holländischen und italienischen Grenze. Thomas 1979. S. S.B." mit Sylvester Stallone) gedreht..I.53 Der maßgebliche Einschnitt im beruflichen Alltag der US-amerikanischen Fernfahrer erfolgt im Jahre 1973. wenn man von einigen zweitklassigen "B-Pictures" einmal absieht. Therefore woman connected to both occupations have played the role of ever-waiting spouses or girl friends. Fernsehen. 148). S. und "They Drive by Night" (1940) von Raoul Walsh mit Humphrey Bogart in einer Nebenrolle. "Smokey and the Bandit" mit Burt Reynolds und Sally Fields.auszustrahlen scheinen. S. sondern auch zu einer allgemeinen Herabsetzung der zulässigen Highway-Höchstgeschwindigkeit auf 55 Milen/h führt. Dies betrifft vor allem an die beiden Spielfilme "California Straight Ahead" (1937) mit John Wayne. der sie mit bundesweiten Streiks und Protesten begegneten. eröffnete einen ganzen Reigen weiterer Filme wie z. eine Regelung.B. "Trucker" (1978) mit Peter Fonda. "F.52 Dies ändert sich erst im Verlauf der siebziger Jahre. Während die Cowboys jedoch zu den Helden eines neuen Genres avancierten. die der Kongreß Anfang Dezember 1973 gegen den massiven bundesweiten Protest der Fernfahrer beschließt (vgl.B.S. Heinzlmeier et al. 9) sowie Heinzlmeier. Menningen und Schulz (1983. Ein früher Film von Steven Spielberg. 8). "Steel Cowboys" sowie den kulturell wohl bedeutendsten Film "Convoy" (1978) von Sam Peckinpah mit Kris Kristofferson in der Hauptrolle des legendären Outlaw "Rubber Duck" (vgl. "Duel" (1972). der mit seinem Sattelschlepper einen Trucker-Konvoi in einem Wettrennen gegen einen Güterzug anführt. erwarteten die selbständigen Trucker von der Geschwindigkeitsbegrenzung einschneidende finanzielle Einbußen.und Protestaktionen. S. Abb. Musik und Zeitschriften entdeckte (vgl. "Wilde" Streik. S. "Citizens' Band".T.

37/38) und der Verbreitung der "Countryand-Western" bzw.. Pig Pen (Burt Young).7.1991). (. Spider Mike (Franklyn Ajaye) u. ob die siebziger Jahre später einmal als das "Goldene Zeitalter der Trucker" 54 55 In Assoziation zu den Siedler-Tracks der Pionierzeit vermittelt der Film "Convoy" (1978) von Sam Peckingpah ein eindringliches Bild von der möglichen Eskalation von Gewalt und Spannungen zwischen den Erzrivalen der Highways.55 "By 1978 the trucker has come to symbolize an independent spirit.Sommer 1992 in Frankreich beobachtet werden konnte. unterstreicht der CB-Funk die Präsenz der Fernfahrer über ihre (von allen CBFreaks mithörbaren) Konversationen und erfüllt zudem noch den sehr nützlichen Zweck des Informationsaustausches. and antiestablishment values . was neben dem subkulturell wohl bedeutendsten Trucker-Film "Convoy" (1978.54 Das zunehmende Interesse der amerikanischen Massenmedien am Fernfahreralltag im Gefolge der Auseinandersetzungen von 1973 wird unterstützt durch die rapide Verbreitung von CB-Funk-Geräten (citizens' band radio) in LKW und PKW. z. organisieren die Trucker einen kilometerlangen Convoy. der "Trucker"Musik ein nicht zu unterschätzendes Medium der Popularisierung der Trucker-Kultur in den USA und in Europa war. Abb. vgl. waren es allein im Jahre 1976 ebensoviele und die Zahl der bis zum Frühjahr 1977 in Betrieb befindlichen Geräte wird auf etwa zehn Millionen geschätzt. Weil er einen von ihnen aus reiner Schikane verhaftet hat.. a. 30 vom 27. Wallace (Ernest Borgnine). Abb. 303 . Melissa (Ali MacGraw). Widow Woman (Madge Sinclair)." (aus: Fernsehwoche Nr. . Doch der Sheriff schlägt massiv zurück.8. As with legendary figures of the past. dem Trucker als modernem "Outlaw" und dem Patrolman als dem Vertreter des Gesetzes.Fernfahrer im Film "Convoy Peckinpah-Actionfilm von 1978: Fernfahrer machen alles platt" "Sheriff 'Dirty' Wallace ist der Schrecken aller Fernfahrer.2. however. 37: "Convoy" .) Es spielen: Rubber Duck (Kris Kristofferson). Auch wenn es fraglich scheint. S. vermitteln die Daten über die in den USA verkauften Geräte (Thomas 1979. 140): Während im Zeitraum von 1959 bis 1975 insgesamt nur etwa eine Millionen CB-Lizenzen vergeben wurden. Einen Eindruck von der Modewelle. 11). die den CB-Funk nach dem Fernfahrer-Streik von 1973 erfaßt hat. vor allem was Notfälle.B. S. um ihren Kumpel aus dem Knast zu befreien. den Straßenzustand und den Standort von Radarfallen der Staatspolizei betrifft (vgl. Neben der Funktion als ein notwendiges Kommunikationsmittel unter den Kollegen. die Bedeutung der citizens' band radios in den Filmen "Convoy" und "Citizens' Band"). the trucker's image is more myth than fact" (Thomas 1979. power.with a slight tinge of illegal activities to add the spice needed to create an American hero. He reflects mobility.

der von größter Bedeutung für die Herausbildung einer einheitsstiftenden Berufskultur der Fernfahrer ist. um den Anführer des Konvois. McCall. Thomas 1979. sondern lassen sich auch im europäischen Transportgewerbe weit zurückverfolgen. ein Schwarzer. mißhandelt und als Lockvogel benutzt. sich aber unter der Wasseroberfläche heftig zu bewegen). Der handwerksmäßige Charakter der Durchführung von Landtransporten hat (im Anschluß an Sombart) die Transportdienstleistungen in Deutschland offenbar stark geprägt. 9 und 11): Der Song erzählt die Geschichte einer Gruppe von Truckern. an die das moderne amerikanische 304 . Hauptdarsteller: Kris Kristofferson) basiert auf einem Country-Song von C. und versuchen. Der Polizist kassiert ab. der die amerikanischen Hitparaden stürmte (vgl. schließen sich immer mehr Trucker.Die Visualisierung des Trucker-Kults Der Spielfilm "Convoy" (USA 1978. Als der Polizist die Fernfahrer über die Landesgrenzen mit einem wachsenden Aufgebot an Staatsmacht verfolgt. bis die "Gummi-Ente" ihre Beherrschung verliert (ganz entgegen dem Motto seines Totemtieres. ein Vorgang. Der Fahrer des ersten LKW ("front door" genannt) und der des letzten LKW der Eskorte ("back door") gibt jede gesichtete Radareinheit der Polizei oder Fahrzeuge der Highwaypatrouille sofort an seine Gefährten in der Mitte des Konvois bekannt. Der gleichnamige Film erzählt die Geschichte des legendären Truckers namens "Rubber Duck". damit sie rechtzeitig ihre überhöhte Geschwindigkeit auf die gesetzlich erlaubten 55 Meilen/h verringern können. ihren Gefährten aus dem zu Schutt und Kleinholz gefahrenen Gefängnis befreien. die sich zu einem Konvoi zusammenschließen und über CB-Funk verständigen. wird er in einer verschlafenen Kleinstadt im Süden verhaftet. verfolgt die Fahrer bis zum nächsten truck stop. der mittlerweile durch die Gesprächsbereitschaft des Gouverneurs eine gewisse Immunität für sich und die Eskorte erreicht hat. S. um sich zum Happy End wieder mit seinen Freunden zu vereinen.Abb. Allerdings dürfte das bis in die siebziger Jahre hinein für deutsche LKWFahrer verbreitete Leitbild eines "Kapitäns der Landstraße" sich eher an den handwerksmäßigen Charakter des früher ebenfalls in Zünften organisierten Schiffergewerbes anlehnen. der zusammen mit zwei weiteren Fernfahrern von einem Highway-Polizisten über CB-Funk in eine Radarfalle gelockt wird. Historische Spuren für eine besondere Arbeits.und Berufskultur der Fernfahrer sind aber nicht nur in den Vereinigten Staaten zu finden. (Thomas) in die kulturhistorischen Annale eingehen werden. hat die Popularisierung ihrer "Subkultur" in den Vereinigten Staaten dazu geführt. Eine wüste Schlägerei mit den anwesenden Polizisten beginnt und "Rubber Duck" sucht schließlich mit seinen Kollegen das Weite. dem Konvoi an. Im Kugelhagel der Polizei explodiert der Tanklastwagen auf einer Brücke. den Konvoi verläßt. um sich vor den Radarfallen der Polizei zu schützen. Nachdem einer der Fernfahrer. Es kann an dieser Stelle keine differenzierte Betrachtung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den historischen und berufsfolkloristischen Wurzeln der US-amerikanischen Trucker-Kultur und ihrem deutschen Pendant geleistet werden. oben ruhig zu bleiben. sie zu amerikanischen Helden zu mythologisieren. Im show-down fährt "Rubber Duck" aber seinem Rivalen allein entgegen. Der Film erreicht seinen Höhepunkt. um der Rache der besiegten Cops zu entgehen. der mexikanischen Grenze. eine Vorstellung. wo er sie dann solange provoziert. als die fernfahrenden outlaws die besagte Kleinstadt mit ihren schweren Trucks spichwörtlich "überrollen". W. 38: "Convoy" . kurz vor dem verheißenden Ziel. über die Grenze nach Mexiko zu fliehen. doch noch dingfest zu machen. Regie: Sam Peckinpah. die das Geschehen über CB-Funk erfahren haben. "Rubber Duck" kann dem Inferno jedoch unbemerkt im Fluß entkommen.

S. S. ist es nicht handwerklich. 394). bei Kriegsausbruch im Jahre 1939 waren in Deutschland etwa 400. Im Laufe der Zeiten hat sich auch die Berufstätigkeit des Fuhrmanns gewandelt und hat dabei einen Teil ihres handwerklichen Charakters verloren. die aber noch nicht so weit fortgeschritten ist. die in Geld erfolgt" (Negt und Kluge 1981. 146). und eine zweite Bezahlung. die besondere.) Aus der Natur des empirischen Verfahrens lassen sich aber auch alle Erscheinungen mühelos ableiten. Bd. rein persönlichen Kunstfertigkeit. ortsfesten Fabrikarbeit (z.und Werkqualität zugleich auch ein symbolisches Produkt erzeugen (ähnlich dem eines Handwerkers)..711 Stück lag. handwerksmäßige 'Berufsehre' ist ohne empirisches Verfahren nicht denkbar. die Anerkennung und Markierung des Handwerks enthält. Stöffges 1987. 305 . II.). bringt kein Brot.2). "Aber auch der Berufsstolz. sich kein Selbstbewußtsein des besonderen Berufs anbringen läßt.B. daß die Arbeits. Stöffges 1987 und Gotta 1982).bzw. (.und Berufskultur sind einer Rationalisierung ausgesetzt worden. S. Bühler 1987.432 Fahrzeuge. das die besondere Bedeutung seiner Transportarbeit hervorhebt. in denen eine scheue Ehrfurcht vor den 'Mysterien' einer gewerblichen Kunst oder das Bestreben ihrer Jünger 56 Während der LKW-Bestand 1922 in Deutschland noch bei 43. Gegenüber der relativen "Unsicherheit" der Transportarbeit (vgl. eine Zahlung. erfährt aber erst in den dreißiger Jahren eine rasante Entwicklung. stieg er bis 1931 auf 157. das Pferdefuhrwerk blieb aber in Deutschland noch bis zum Ersten Weltkrieg dominant und wurde im Güternahverkehr sogar noch bis in die dreißiger Jahre hinein eingesetzt. Gemeinsame Bezugspunkte zwischen der ebenfalls mit harter Männerarbeit assoziierten Seemannsarbeit an Bord eines Schiffes und der Arbeitstätigkeit des modernen Fuhrmannes "an Bord" eines LKW sind die außergewöhnlich langen Arbeitszeiten (einschließlich der langen Abwesenheit von zu Hause) und die kategorische Ablehnung der gewöhnlichen. 286f. Kapitel 2. Es muß Berufsehre dabei sein. innerhalb von etwa 10 Jahren also um fast das Vierfache (vgl. 176). mußte der hauptberufliche Fuhrmann neben der Veränderung des Ortes und der Sicherung seiner Arbeits. Die Verbreitung von Lastkraftwagen belebt sich war mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in den zwanziger Jahren.. Es bedurfte der durch die Jahrhunderte überlieferten. für einen Seemann dokumentiert in Sombart 1922.und Autobahnbaus zurückzuführen ist (vgl. Auch die Bezugspunkte seiner traditional-handwerklichen Arbeits. um deren Träger das Gefühl einer bestimmten Berufszugehörigkeit als besonderen Reiz empfinden zu lassen. Jahrhunderts eine neue Ära der Anpassung an industrielle Anforderungen.Leitbild des Truckers offenbar mühelos anknüpfen konnte. Zwar wurde 1896 bei Carl Benz der erste serienmäßige Lastkraftwagen gebaut.1. "Für das Handwerk ergibt sich aber: Wo sich Mühe nicht sichtbar macht.000 LKW zugelassen (Gotta 1982. die im frühkapitalistischen Deutschland noch von Bauern nebenberuflich geleistet wurde.und Lebenswelt der Fernfahrer ihre an handwerkliche Traditionen anknüpfenden besonderen Kennzeichen gänzlich verloren hat. dieselbetriebenen Automobils gegen Ende des 19.56 Durch die Industrialisierung in der verladenden Wirtschaft und die zunächst starke Konkurrenz durch die Eisenbahn hat das Transportgewerbe seine weitgehende Autonomie eingebüßt und ist in eine prekäre Marktabhängigkeit geraten.3. die wohl in erster Linie auf die (arbeitsbeschaffungs)politische und militärische Bedeutung des forcierten Straßen. S. Im traditionell rückständigen Straßengüterverkehrsgewerbe beginnt erst mit der Erfindung des benzin.

um den Stoff für den "geheimnisvollen Schleier" abzugeben? Worauf soll die "Geheimniskrämerei" sich stützen. Die Zahl entsprechender Unternehmen sank von 5.7% aller Unternehmen des Güterfernverkehrs inkl. Es mag daran erinnert werden. Und dennoch scheint es kein Zufall zu sein. S. In der Bundesrepublik Deutschland fehlt zunächst ein vergleichbarer Mobilisierungsstrom an politischer Bewegung. Möbelverkehr) auf 3. die 57 58 Dies läßt sich jedenfalls an der Umbenennung der damaligen Zeitschrift des Verbandes der Berufskraftfahrer ablesen. Die besondere Rolle der "Kraftfahrer" (und ihres Berufsverbandes) unter faschistischer Herrschaft dürfte ein lohnendes Forschungsthema sein. Die "Erfindung" der Fernfahrer läßt sich in Deutschland zwar verbandsmäßig bis in die Mitte der zwanziger Jahre zurückverfolgen und scheint (ähnlich wie in den Vereinigten Staaten) zunächst vor allem von dem Problem der Abgrenzung gegenüber nicht-berufsmäßig Fahrenden geprägt zu sein. Bd. Weitergehende Schlußfolgerungen müssen jedoch einer Inhaltsanalyse der Publikationen aus dieser Zeit vorbehalten bleiben. an die die "Amerikanisierung" der Fernfahrer scheinbar mühelos zu Beginn der achtziger Jahre anknüpfen konnte.061 (34. das sich in unnachahmlicher Weise von der profanen Berufstätigkeit in industriellen Fabriken abzuheben scheint. 202).838 im Jahr 1960 (51. Florian 1994). selbst ihr Können mit einem geheimnisvollen Schleier zu umgeben und vor Profanierung zu schützen. die die Fernfahrer als eine besondere Adressatengruppe gegenüber den anderen Kraftfahrergruppen hervorhebt. Die bundesdeutschen owner-operators sind statistisch betrachtet vor allem in der Anzahl von Unternehmen des gewerblichen Güterfernverkehrs mit nur einer Genehmigung enthalten. wie diese Auffassung der gewerblichen Tätigkeit als etwas Übernatürliches weil Unerklärliches uns zurückführt zu den Sagen von der göttlichen Herkunft der Künste und Fertigkeiten.1.7%) im Jahr 1986 (vgl. durch zunehmende Veralltäglichung der Erfahrungen des Umgangs mit Personenkraftwagen und wegen der ohnehin recht geringen Schwierigkeiten.57 Einen gravierenden Unterschied zur heutigen TruckerSzene in den USA stellt allerdings die Sozialstruktur58 der bundesdeutschen Fernfahrer dar. wenn die gewerbliche Tätigkeit des berufsmäßigen Führens eines Gütertransportmittels derart profan geworden ist. bei denen der Anteil der selbständigen (Sub)Unternehmer. 306 . I. die allen europäischen Völkern gemeinsam sind" (Sombart 1922.zutage tritt. mag mancher denken. die notwendige Fahrerlaubnis zu erwerben? Welche beruflichen Künste erweisen sich noch als "mysteriös" und undurchschaubar genug. in der nur noch die nackte Leistung zählt und wo es keinen Platz mehr gibt für solche "Irrationalitäten".und Geheimnisvolles zu geben. wenn die Bewältigung der Navigationsaufgaben und die räumliche Orientierung in unserer mobilen Gesellschaft ohnehin wie selbstverständlich zu den "extrafunktionalen Qualifikationen" des durchschnittlichen erwachsenen Erwerbstätigen gerechnet werden? Wir leben in einer aufgeklärten Zeit. der die soziale Gruppierung und die Entstehung einer neuen beruflichen Subkultur der Trucker in den USA zu Beginn der siebziger Jahre vorangetrieben hat. Was aber ist zu tun. etwas. daß viele Fernfahrer sich offensichtlich darum bemühen. ihrer Berufstätigkeit durch Orientierung an der nordamerikanischen Trucker-Mythologie etwas Weihe. von dem ich mir nachhaltige Informationen für ein Verständnis der berufskulturellen Entwicklungen in der Nachkriegszeit verspreche.

die auf einem Film basiert. 20-22).in einem Bericht über die bundesdeutsche Truckerszene). das ist im Grunde genommen ein Gefühl. Der neue berufskulturelle Anziehungspunkt kann dabei auf dem bereits während der siebziger und achtziger Jahre in den USA erfolgreich institutionalisierten Mythos und Kult der Trucker aufbauen. ihre Wurzeln in die Ordnung der Dinge zu verlegen. Erst gegen Ende der siebziger Jahre kommt Bewegung in die berufskulturelle Szene der bundesdeutschen Fernfahrer. 5). das die Jungs im Grunde genommen haben. eines "Brummi-Kapitäns". die sich dazu berufen fühlen. so als ob sie versuchten. dann ist die Trucker-Kultur die erste Subkultur samt nachziehender Industrie. 235f. die der "Bundesverband des Deutschen Güterfernverkehrs" (BDF) getragen hat (vgl. wird im wesentlichen durch Massenmedien wie Spielfilme. Musik und Zeitschriften unterstützt.und Abgrenzungsarbeit. zur Zeit noch deutlich geringer zu veranschlagen ist als in den Vereinigten Staaten. d.. "durch die Verdrängung der Worte und Handlungen aus ihren Anfängen in eine Art kollektives Unbewußtes. als "Asphalt Cowboys" oder als "Highway Helden" zum Sprechen zu bringen (vgl. in die ökonomisch-technische Zwangsläufigkeit als dem gesellschaftlich und politisch akzeptablen Ersatz für die Naturnotwendigkeit" (so Boltanski 1990. oder wo die drauf stehn. 51 für die französischen "cadres"). in die Natur oder. Und das ist 307 .) Wenn Fischer recht hat. Abb. was praktisch auf das Gleiche hinausläuft. Bis in die siebziger Jahre hinein ist das öffentliche Bild der bundesdeutschen Fernfahrer maßgeblich geprägt von der Metapher eines "Kapitäns der Landstraße" bzw. was eigentlich jeder gern hat. und einiges spricht dafür. und Trucker sind ja auch ständig unterwegs. (. so wie in dem Film >Convoy<' begehrt habe. der Figur einer Image-Kampagne. . in ihren Werken und Praktiken die Fernfahrer als "Trucker".ihren eigenen LKW fahren. S. Immerhin entsinnt sich der Hamburger Unternehmer Jörg Fischer eines gewissen Herrn Puttfarken. der irgendwann 1980 Fischers väterliches Ladengeschäft betreten und 'Hörner.h. "Und das ganze Gefühl. läßt sich in der Bundesrepublik Deutschland die Entstehung eines neuartigen "Urkerns" unter den Fernfahrern verfolgen. die ein Teil der Fernfahrer an sich selbst vollzieht. an denen eine neue berufliche Subkultur entsteht. "Keiner weiß mehr genau. Fernsehen. Den Zeitpunkt und die Orte. lassen sich heute nicht mehr genau zurückverfolgen. Soweit die Legende vom "Kapitän der Landstraße" angesichts des geringen Sozialprestiges und der äußerst schwachen Verberuflichung von Lastkraftwagenfahrern anachronistisch wirkt und weiter an Glaubwürdigkeit verliert.. außer vielleicht der Halbstarkenkultur und -mode nach Marlon Brandos Motorradfilm 'Der Wilde'" (so der "SPIEGEL"-Redakteur Rainer Weber 1986. Die zur Herausbildung einer kohärenten Gruppengestalt notwendige gesellschaftliche Definitions. S. wie alles angefangen hat. Dies scheint durchaus üblich zu sein bei sozialen Gruppen. die ihren Zusammenhalt in der mythischen "Amnesie ihrer Entstehungsgeschichte" suchen. Abb. durch die (wissenschaftlich nur schwach legitimierten) Intellektuellen.

wie es das analytische Schema der Entstehung sozialer Gruppen bei Boltanski (1990) nahelegt. die von den Truckern besetzt wird.B. daß sich bei den Fernfahrern im Laufe der Zeit eine Repräsentationslücke geöffnet hat. gern der Szene" (Rainer Weber 1986. was wir halt auch tun. Deutlich wird. zitiert nach Jürgen Prahl 1988). daß sie auch als Gruppe ein bißchen Einfluß nehmen könnten.. dieses Gefühl. scheint mir das Verhältnis zwischen Kultur. hieße. den soziokulturellen Prozeß der aktiven Aneignung und Stilisierung kulturindustrieller Produkte auszublenden. Der Spielfilm "Convoy" von Sam Peckinpah war. "Ihre Themen entnehmen die deutschen Trucker-Barden. ein Gefühl von Ungebundensein. Das wird's immer geben und das wird's auch immer geben müssen. (. S. in der viele Fernfahrer organisiert sind." (Knut Bewersdorff. mit Kristofferson. 308 . Transport und Verkehr (ÖTV). Sänger und Geiger der Country Band "Truck Stop". Und die Trucker hatten ja bis dahin so gar keine Identität so als Gruppe. ebenso wie in den USA auch in der Bundesrepublik wesentlich an der Herausbildung einer neuartigen Truckersubkultur unter den Berufskraftfahrern beteiligt. Auch wenn es zu weit gehen würde. ohne daß man das irgendwie mal jemals besprochen hätte oder so" (Lucius Reichling.ein Gefühl irgendwie von Freiheit und Abenteuer. dieses Gefühl zu vermitteln. zitiert nach Prahl 1988). Die Stilisierungsangebote müssen stimmig sein. Und es wird sicherlich auch immer nötig sein. ist die gesellschaftliche Definitions. lassen sich in der Praxis nicht so fein säuberlich trennen. Auch wenn sich die symbolischen Akte der Erfindung der Trucker gewissermaßen wie das Resultat eines natürlichen Evolutionsprozesses fern jeder rational kalkulierten Schöpfung oder Absprache präsentieren. Der Mythos ist nur insoweit tradierbar. Und das ging dann halt Hand in Hand. Sänger und Steelgitarrist der Country-Gruppe "Truck Stop".und Abgrenzungsarbeit und die Arbeit des Sich- 59 Die Fernfahrer als geblendete Opfer einer manipulierenden "Kulturindustrie" zu betrachten. damit sich die subkulturelle Verbreitung des Mythos auf sinnvolle Motive stützen kann. wie man so schön sagt. auf denen sich die gesellschaftliche Repräsentationsarbeit abspielt.) Oder gewerkschaftlich organisiert waren sie sicherlich auch nicht so doll.und Medienintelligenz (im weitesten Sinne) und der berufskulturellen Praxis der LKW-Fahrer ein entscheidender Schlüssel zum Verständnis der Entstehung einer neuen beruflichen Subkultur unter bundesdeutschen Fernfahrern gegen Ende der siebziger Jahre.. nicht. Die verschiedenen Ebenen. die bundesdeutsche "Trucker-Kultur" als ein bloßes Produkt der "Kulturindustrie"59 hinzustellen. es verhindern können. so sie nicht US-Material übertragen. daß weder die Image-Kampagnen des Bundesverbandes des Deutschen Güterfernverkehrs noch die Interessenvertretungspolitik der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. wenn man den Kennern und Informanten der Szene glaubt. Und da fing das an... 235). "Und das ging natürlich sicherlich mit los. als er in der besonderen Lebenswelt passende Orientierungen bietet und die in der Subkultur vorherrschende Weltauffassung zur Sprache bringen kann. daß sie also das Gefühl dafür entwickelt haben. weil so Filme 'rüberkamen wie 'Convoy' z..

die der bis dahin weitgehend amorphen.) Ich möchte im Raum Regental einen Lastwagenfahrerverein gründen. natürlich. Genaueres zur Wirkungskraft der "Brummi"-Kampagne muß allerdings einer eingehenderen berufskulturhistorischen Untersuchung vorbehalten bleiben. an alle Brummis im Raum Kelheim.F. ein 'Trucker-Club' im Regental" (Rainer Weber 1986. Über eine konkrete Initiative zur Gründung eines regionalen bzw. sozialen und institutionellen Repräsentationsformen durchsetzen mußten.oder besser: eine neue Gestalt . S. weil sich die Trucker nur durch Verdrängung konkurrierender Repräsentationsmuster etablieren können. die mit Cowboyhut umherrennen. 236). Regensburg'. ist es letzterem offenbar leichter gelungen... so notierte es später der Protokollführer. die hier auch nicht annähernd geleistet werden kann. bildet sich auch unter den deutschen Fernfahrern der "harte Kern" einer eigenständigen Trucker-Szene heraus.) Sigi Reil. die für die soziale Eigendynamik "fertiger" Gruppen entscheidend sind. Obwohl das "Brummi"-Bild und die Metapher vom "Kapitän der Landstraße" für einen Berufszweig. die bereits vor der "Fertigstellung" einer sozialen Gruppe wirksam werden und die Prozesse der Klassifikation und Stilisierung schon während der Phase der "Erfindung" unterstützen. "(. der am unteren Ende der Prestigehierarchie rangiert. S. doch mit dem speckrandmützigen 'Brummi' des offiziellen Straßengüterverkehrsgewerbes haben Deutschlands Trucker soviel gemein wie Heinz Schenk mit Mick Jagger" (Weber 1986. 60 61 Vermutlich. 232). Fast wie im Selbstlauf.Gruppierens nicht ohne Institutionalisierungsprozesse verlaufen. auf lokale Felder begrenzten Gemeinschaft der bundesdeutschen Fernfahrer ein neues Gesicht .. ist der 'Convoy Buddy' der deutschen Trucker-Szene und mit seinen Freunden der Organisator des Spektakels in Nittenau [gemeint ist ein Trucker-Fest. in denen sich die neuen Repräsentanten der Fernfahrer gegenüber den herkömmlichen mentalen. Als er Ende 1980 über CB-Funk seinen Rundruf losließ. dessen symbolische Kohäsionskraft angesichts von Modernisierungsprozessen im Güterverkehrsgewerbe ohnehin recht zweifelhaft erscheint: "Trucker heißt Lastwagenfahrer. nicht unterschätzt werden. 309 . '(. vernachlässigt Boltanski (1990) die Institutionalisierungsprozesse. Saal. Auseinandersetzungen auf dem Feld der Repräsentationen begleiten bereits die erste Phase der Entstehung der sozialen Gruppe. nicht weniger realitätsfremd erscheint als der Mythos vom "Asphalt-Cowboy". so scheint es zumindest. den die Entstehung lokaler Gruppen und Netzwerke für die Verbreitung der Trucker-Subkultur geleistet hat.. ein gemütlicher Teddybär mit Vollbart. lokalen TruckerClubs berichtet beispielsweise das folgende Zitat.]. Achtung.' Es entstand. die das verstaubte Image vom "Brummi-Kapitän"61 ablöst. da war von Trucks noch gar nicht die Rede: 'Achtung.60 Insofern darf der Beitrag. M.gibt. Dabei ist er keiner von denen. um die Konkurrenzkämpfe auf dem Feld der Repräsentationen stärker hervorzuheben. ein neues Bedürfnis der Fernfahrer nach sozialer Identität anzusprechen und durch ein kohärentes System symbolischer Stilisierungen schließlich auch zu mobilisieren.

die noch weitgehend frei zu sein scheint von Rivalitäten um die einzig "legitime" Repräsentation der Trucker. die alle. die jeden Kutscher für John Wayne halten. diese "Setzung". um das "unscharfe Ensemble" der Berufskraftfahrer zumindest symbolisch zu repräsentieren. und Kieskutscher. sind ihre Zusammenkünfte Volksfest und Familienfeier. Rund um den Trucker-Kult bildet sich im Raum der beruflichen Stilisierungen der Fernfahrer ein Ort für soziale Gruppierungen heraus.Die "Vorstellung" eines "Kapitäns der Landstraße" (im doppelten Sinne: von "sich vorstellen" und "sich darstellen"). die erforderlich sind. sich in irgendeiner Weise dazu zu verhalten. S. scheint seinen Reiz und seine Überzeugungskraft verloren zu haben. d. und sich entweder zustimmend oder abgrenzend jenem Urkern zuzuordnen. und bei jedem Trucker-Treffen tauchen Scharen von Familienvätern mit Sandalen und Freizeitjackett auf" (Rainer Weber 1986. fordert dazu auf. Zur Szene gehören Lieferwagenfahrer. die sich bloß noch nicht trauen. jedenfalls solange sich die soziale Gruppierung noch in der Entstehungsphase befindet. was die Gruppe vereint und dem. eines eigenverantwortlichen "Kommandanten" über einen.62 Diese an sich willkürliche Grenzziehung zwischen dem. S. der auf seinem "dicken Brummer" durch die Lande fährt. wertvollen Lastkraftwagen samt kostbarer Ladung. der mit seinen aufgedonnerten Kolossen Wochenende für Wochenende auf Trucker-Treffen rollt. als Trucker identifizieren kann.scheint es vor dem Hintergrund der sehr heterogenen Merkmale von Berufskraftfahrern zu gelingen. ein vieltausendtonnenschwerer Wanderzirkus. 310 . unterstützt von einem Troß aus vielleicht fünf. nicht gleichgültig lassen kann. da sich "jeder" mit ihr zu identifizieren vermag: "Zur Szene gehören CB-Funk-Freaks. Die Entstehung einer neuen beruflichen Subkultur unter den Fernfahrern folgt somit einem Akt der Neudefinition. mit der sich jeder. um uns mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen. der von einer Gruppe von Fahrern kollektiv 62 Zur Popularisierung dieser Subkultur gehört eine gewisse "Verwässerung" der Authentizität. Western-Narren und pubertierende Einfaltspinsel. Der mythologisch angereicherten Figur des "Truckers" dagegen . seiner Obhut anvertrauten. die als Fernfahrer posieren. die davon "betroffen" sind. 233).h.als dem harten Kern einer sich herausbildenden neuartigen Berufskultur . Und wie bei einer jeden echten Volkskultur schlingert die Ästhetik zwischen Kitsch und Kunst. ungeachtet der fehlenden Authentizität der zur Schau gestellten Attribute. Ritual und Vereinsmeierei" (Weber 1986.oder sechsmal soviel Sympathisanten. 233). Karneval und Kommerz. die als Cowboys. der sich als ein Orientierungspunkt für die alltägliche Klassifizierungspraxis eignet. kohärente Konturen für eine abgrenzbare soziale Gruppierung zu bilden. Ein wichtiges Indiz für die Anziehungskraft des Trucker-Mythos ist dabei eine gewisse "Unverbindlichkeit". sich von diesem Angebot an subkultureller Identität angesprochen oder berührt zu fühlen. was sie von anderen Gruppen unterscheidet. "Vielleicht 1000 (von rund 50 000) deutschen Fernfahrern bilden den harten Kern der Szene.

Selbständige.6% der LeserInnen (59.). 64 65 311 . so jedenfalls die Einschätzung des "SPIEGEL"-Redakteurs Rainer Weber (1986. um die soziale wie berufskulturelle Figur eines authentischen Truckers zu repräsentieren. und über ihre Mitglieder und Sympathisanten. in welchem Ausmaß diese Subkultur tatsächlich in den Vorstellungen und Praktiken der Fan-Gemeinde repräsentiert ist. S.000 Exemplare. wie sie bei motorisierten Rennwettkämpfen herrscht. Fernfahrer Magazin "Trucker" Nr.B. geschuldet sein. Die neue Selbstbenennung ist Ausdruck einer Repräsentationsarbeit.000 Zuschauer auf den Nürburgring: "Mag sein. durch die sich Fernfahrer zunächst nur einen neuen Namen und eine neuartige "mentale Repräsentation" geben.und Country-Festen sein und die Verbreitung der entsprechenden Musik. wie z. Ein weiteres Indiz für die Attraktivität der Trucker-Vorstellungen dürften die Besucherzahlen von Trucker. sich für sich und andere gesellschaftlich sichtbar zu machen. 7. 26% (oder 30.160) sind Angestellte im Transportgewerbe. Die Attraktivität dieses Grand-Prix. Trucker-Clubs. Zahlreiche.B. Eines der ältesten Truck.4% bilden den Rest. die mit der Bezeichnung "Trucker" verbunden ist und. im April 1990 bereits zum elften Mal (lt. wobei die bekundete Sympathie noch recht wenig darüber aussagt. der jedes Jahr im Sommer veranstaltet wird. die ritualisierte Selbstinszenierung durch Truck-Konvois sowie die Anlehnung an die musikalische und ästhetische Subkultur der amerikanischen Country-und-Western-Szene.und Country-Festivals veranstaltete der Country Club Karlsruhe. Juli 1990. den tatsächlichen Einfluß der "Trucker-Kultur" auf den Kreis der Fernfahrer einzuschätzen. Als ein Anhaltspunkt mag die Leserstruktur des auflagenstärksten Magazins für Fernfahrer dienen.200) sind Unternehmer bzw. die von den Fernfahrern in den USA geleistet worden ist. resultiert sicherlich nicht nur aus der dort präsentierten Musikkultur. aber auch institutionelle Repräsentationsformen wie z. der auf diesem Feld "Pionierarbeit" geleistet hat.63 Durch "dramatische Akzentuierungen" (Goffman) gelingt es den "Truckern". Nach Auskunft der Anzeigen-Verwaltung beträgt 1989 die verkaufte Auflage des "Fernfahrer Magazins 'Trucker'". der "Zeitschrift für LKW. die alle notwendigen "charakteristischen" Eigenschaften besitzen. auch "offiziell" assoziiert werden darf. 235). nähren 63 Ohne empirisches Material ist es schwierig. Der erste deutsche Truck-Grand-Prix lockte Ende Juli 1986 rund 50. S.856) sind Berufskraftfahrer. Alles in allem eine doch erstaunlich große Zielgruppe. für Trucker geradezu "charakteristische" Stilisierungsformen. Vorstellungen über sich und ihre relevanten Merkmale zu vermitteln. regionale und lokale "Trucker-Feste"64. 51. als Folge der gesellschaftlichen Repräsentationsarbeit. alljährlich veranstaltete "Truck-Grand-Prix"65.an sich (nach)vollzogen wird. sondern dürfte vor allem auch der Spannung und Dramatik. 2. wahrnehmen und in sozialen Beziehungen darstellen. regelmäßige Trucker-Treffs. Fortan können sich Fernfahrer als Trucker neu definieren. aber fürs Selbstbewußtsein der deutschen LKW-Fahrer war die Veranstaltung so wichtig wie die Brenner-Blockade 1984". vor allem aber über ihre Sprecher und ihre Intellektuellen. 20% (oder 23.und Busfahrer" wie sie sich im Untertitel nennt. 42f. daß etliche nur der Countrymusik zuliebe kamen. im Durchschnitt immerhin 116.

Noch sind uns Frankreichs 'Routiers' voraus. (. Airbrush.. 312 . S.000 Mark für ein Gemälde sind keineswegs ein Phantasiepreis Romantik Auch Fernfahrer müssen auftanken: Wer in der Hektik lebt. die zeigen sie auch.. Diese Fahrer treiben's lieber bunt. Für manche Fahrer ist ihr grauer oder beiger Zug mit der schlichten Aufschrift 'Spedition' oder höchstens mal 'Wir fahren für ..) Auf Festivals sind diese Wagen die Stars. Die haben nicht nur Phantasie und Witz. so vor allem die Zubehörindustrie (Werbung für die stilistische Ausgestaltung von LKW und Fahrern). die Maltechnik für große Blechflächen. neben der sozialen Anerkennung der Trucker in den Massenmedien die Herausbildung eines kollektiven Glaubens an die authentische Existenz der Gruppe.Abb. die sich von der Belebung des Trucker-Mythos ein reges Geschäft versprechen und die Werbungsmöglichkeiten von Truckerfesten nutzen (vgl. 235). (.. Weber 1986. 26-31). S.. 39: "Die schönsten Laster" . daß sie welche sind Sport Immer nur 90 und mit Tachoscheibe: Da bleiben für sportlichen Ehrgeiz nur Bilder Phantasie Kunstsinnige Spediteure lassen sich ihre Laster was kosten! 100..alles was Männer anmacht? "Romantik von gestern oder die Welt von morgen.' die Langeweile auf Rädern. nimmt Kraft aus der Stille Gute alte Zeit: Hast und Hetze des Truckeralltags soll das Bild vergessen machen" (Quelle: "Fernfahrer" Nr.) Mädchen Fast alle Frauen auf Trucks haben eines gemeinsam: Man sieht ihnen deutlich an. Mädchen. Aber langsam rollen die Kunstwerke auf Achse auch mit deutschen Kennzeichen. setzt ihre Träume und Lieblingsmotive nach ihrer Vorstellung ins Bild.66 66 Unterstützt wird diese Repräsentationsarbeit auch durch Industrie und Handel. R. 2/91. Sport und Comic .die Lackkunst für Laster kennt keine Grenzen.

die ihre betont standespolitische Interessenvertretung in Konkurrenz zur DGB-Gewerkschaft ÖTV präsentiert. Am deutlichsten zeigt sich die Diversifizierung des Felds der Repräsentationen mit dem Auftreten verschiedener Berufsverbände. sowie Nutzfahrzeughersteller (z. S. Iveco oder MAN). 313 . Andererseits erhöht die Einbeziehung (Inklusion) weiterer Kreise verwandter Merkmalsträger zwar das quantitative Gewicht einer Gruppe im sozialen Raum. wenn es um die offizielle Repräsentation der Berufsgruppe als Ganzes geht und nicht nur um einzelne Fraktionen. wenn man der Untersuchung von Günther Plänitz folgt (1983.B. wo die Mobilisierung von Massen gefragt ist. Auf der einen Seite verspricht die soziale Schließung des harten Kerns. bleibt offen. Marke "West"). Einige Schwierigkeiten mit der arbeits.und tarifpolitischen Interessenvertretung der Fernfahrer scheint die Gewerkschaft ÖTV zu haben. die um die Anerkennung als eine (oder einzige) legitime Interessenvertretung konkurrieren. Anfang Februar 1992 hat sich innerhalb des Dachverbandes des Christlichen Gewerkschaftsbundes eine "Gewerkschaft der Kraftfahrer Deutschlands" (GKD) gegründet. 14).B. vor allem. 277ff. aber auf Kosten der internen Homogenität der Gruppe. Die weitere Entwicklung der sozialen Gruppierung erfolgt dann zwischen zwei Extremen. S. entsteht meist ein Feld miteinander konkurrierender Repräsentationen.). Die soziale Gruppenbildung und Kohäsion eines heterogenen Ensembles wie das der Fernfahrer ist ohnehin stets von Partialisierungstendenzen bedroht. Das Hauptproblem für eine einheitliche (arbeits)politische Repräsentation dürfte die Integration lohnabhängiger und selbständiger Fernfahrer sein. Brauereien und schließlich die Zigarettenindustrie (z. dort an Schlagkraft zu verlieren. die sich aus jeder Ausweitung des Repräsentationsfeldes jenseits des harten Kerns ergeben können. allerdings auf die Gefahr hin. Inwieweit die vielen lokalen oder regionalen Trucker-Clubs sich aber zu einer berufsständischen Interessenvertretung entwickeln werden (und damit der Gewerkschaft ÖTV jenseits des Tarifmonopols eine "politische" Konkurrenz bereiten).Hat die Repräsentation einer Berufsgruppe erst stabile und dauerhafte Formen angenommen.67 Die Ziele dieser Clubs sind "noch recht diffus und nicht allzu weit gesteckt" (Gotta 1982. daß die Gruppe relativ homogen und rein bleibt. an dem sich die "Angehörigen" orientieren können und der zur Kohäsion dieses amorphen Ensembles 67 die Rasthof-Gastronomie (die häufig selbst Trucker-Feste organisiert). Neben der Diversifizierung politischer Interessenverbände wirkt sich die interne Heterogenität der Fernfahrer auf die Dynamik des Feldes der Repräsentationen aus. Die für eine Berufsgruppe außergewöhnliche interne Heterogenität der zu den Fernfahrern gehörenden Merkmale und die Vielfalt divergierender Vorstellungen über die "richtigen" Eigenschaften eines Fernfahrers verlangen nach einem einheitsstiftenden Bezugspunkt.

daß die deutschen LKW-Fahrer sich selber ihre Szene geschaffen haben und hängen sich da mit rein. Und da ist er. 'Der LKW ist mein Zuhause'. wie der Mythos behauptet. 'ne ganze Menge" (Cisco Berndt. Dieser symbolische Vereinigung dienen vornehmlich die Mythen. (.. je mehr er von den ebenfalls erfahrbaren Diskriminierungen überschattet zu werden droht. Sie bündelt gewissermaßen die Empfindung jener Ambivalenzen. Ein Geschmack von Freiheit und Abenteurer. den Supermärkten. Das war bestimmt 'n Schweinejob. Individualität im Erscheinungsbild der Autos wie in der eigenen Person ist gefragt. Die Trucker reisen standesgemäß mit dem eigenen oder dem Fahrzeug ihres Unternehmens an. Jeder bewundert Dich mit Deinem großen Auto. der. Die romantische Vorstellung eines freien und abenteuerlichen Lebens bildet eine zentrale Leitfigur im Verhältnis der Trucker zu ihrer Arbeit. 314 . ist er eben der King. welches zudem ihrer individuellen Sorgfalt und Pflege unterliegt. Aus dem Fernfahrer ist der Trucker geworden" (Jürgen Prahl 1988). sie machen sich wohl auch hier ihren Job so schön es halt geht. eigentlich. weil.. die von einer Zubehörindustrie ebenso befriedigt werden wie sich eine Unterhaltungsindustrie der Sehnsüchte nach Cowboy-Romantik angenommen hat. zitiert nach Prahl 1988). Und auch der Job des Lastwagenfahrers oder Truckers ist auch nicht gerade ein Honiglecken. da bist Du der King. "Die amerikanischen Truck-Drivers sind ja jetzt eigentlich die letzten Cowboys noch. Und ich glaub'.' Und: 'Darf ich mich da mal 'reinsetzten?' Und so" (Siggi Reil vom Truckerclub Regental.) Und sie fühlen sich ja auch so. weil sie ja doch einen ähnlichen Job haben. da mußt Du zehn. im Grunde genommen. haben in Deutschland Sehnsüchte geweckt. Romantik ist da natürlich auch bei. dient denen.. denk' ich. auf den Abladestellen. wir werden ja traktiert und drangsaliert von der Polizei. Entsprechend sind die Fahrerkabinen ausgestattet: Stereo-Anlage und CB-Funk sind selbstverständlich. die endlose Straßen fahren (. zwanzig Tonnen abladen von Hand. durch die der berufliche Alltag von Fernfahrern in entscheidendem Maße geprägt zu sein scheint. die sich um den Beruf des Fernfahrers ranken. Jeder bewundert Dich. "Auf so einem Festival wird eben der Fernfahrer bewundert. dessen Sonnenseite in desto glänzenderen Farben erscheint. mit dem LKW-Fahren verbunden sein soll. Und ich kann Dir garantieren. Die protzig verchromten LKWs der amerikanischen owner operators. die so empfinden. so'n Truck möchte ich auch fahr'n!' 'Ich möcht' da mal mitfahr'n. als Entschädigung und zur vorübergehenden Flucht aus einem beruflichen Alltag.beiträgt. von der BAG.) Es ist ein Mythos. In der für die Logik der Praxis üblichen Vagheit ist der Mythos dabei kennzeichnend für die verschwimmenden Grenzen zwischen Erlebnis und Ereignis. Gardinen und Kaffeemaschinen sind ebenfalls Dinge. wie man's so häufig sagt oder in Filmen sieht. einmal oder zehnmal im Jahr. die das ständige Fahren erträglicher machen. Sänger und Gitarrist der Country Band "Truck Stop". Die einsamen Reiter. zwischen Dichtung und Wahrheit. den selbständigen amerikanischen Fahrern. "Diese Romantik erlebt insbesondere auf den über 40 Trucker-Treffen in ganz Deutschland ihren Höhepunkt.. Und Du bist eben nur ein riesengroßer Arsch. Jeder sagt: 'Mensch. zitiert nach Jürgen Prahl 1988). Aber ich meine. ebenso wie es der Cowboy ist. daß die Zeit der Cowboys auch nicht so romantisch war. Und eben auf so einem Fest. Und die Musik ist ein wichtiger Bestandteil dazu. sagen die Trucker.

wenn man unterwegs so hört. bleibt angesichts der Popularität dieser Subkultur offenbar nichts anderes übrig. zitiert nach Jürgen Prahl 1988). als authentische und legitime Vertreter aller Fernfahrer aufzutreten. Den Trucker-Kult halten viele für maßlos überzogen. Und um das mal zu haben. die wir ja sehr schätzen. die sich nicht als "Trucker". Man kann sich schlecht. verleitet die übrigen Fernfahrer. Da ist von Abenteuer und so weiter. weil das alles dermaßen aufgespielt wird. Es gibt natürlich Kollegen. Fernfahrer.Denn der wahre Alltag sieht ja doch ein bißchen anders aus wie dieses hier. (. Und dann auch die Musik. als ich in den elf Jahren! Na ja.. "Asphalt Cowboys" oder "Highway Helden" fühlen wollen. und gleichzeitig betont: 'Wir sind Fernfahrer'" (Gotta 1982. "Manche Fahrer allerdings. das ist doch. zitiert nach Prahl 1988). Ich persönlich halte da herzlich wenig von. also die Country-Musik. aber irgendwie haben die so 'nen. [Lachen] Wenn man die so sieht... Das sollen 'se machen. die ja nicht der Wahrheit entspricht" (Ein ungenannter Trucker.. Ich meine. und da frage ich mich eigentlich: Wo fahren die?" (Mario Enderlein.. vor allem die älteren. das ist an und für sich . wenn man da schon wirklich. Das ist eben diese ganze Atmosphäre.. ist da nichts. die dabei ist. Das ist mir schnurzpiep egal. Dann aber auch. zuweilen zu sehr bissigen und wütenden Kommentaren. als zu versuchen. die haben in den vierzehn Tagen mehr erlebt. wütend gemeint. die. zitiert nach Jürgen Prahl 1988). also wirklich Verrückte dabei sieht. mit denen diese ihren Arbeitsalltag durch Verkörperung männlicher Härte "versüßen". hat Peter. harter Beruf. die Anhängerschaft für "verrückt" zu erklären und die Trucker in ihrem symbolischen Kern zu treffen. das man fährt. nämlich durch Verachtung ihrer Rituale und durch Infragestellen ihrer Anmaßung. Das Auftreten einer neuen Gruppe mit einer neudefinierten sozialen Identität bleibt indes nicht unwidersprochen.) oder an der Raststätte erzählen da. möchte man sich das wenigstens mal angucken" (Besucherin eines Trucker-Festes in Kaunitz. richten sich vor allem gegen das neue Selbstverständnis ihrer Kollegen und gegen die Stilisierungsformen. 315 . sehen das auffällige Getue nur mit sehr gemischten Gefühlen an. um Freunde wiederzutreffen. ich mein'. S. man hat ja genug Filme gesehen und wenn man diese Trucks erlebt hat in Amerika und so. 14). am Stammtisch (. und die Art und Weise. was eben 'ne Bilderbuchromantik ist. da fährt man eben hin. "Ne. die nicht mit dieser Subkultur sympathisieren. Aber da das ein Traum bleibt. wie man in der Zigarettenreklame so schön sagt: 'nen Hauch von Freiheit. Hier wird etwas vorgegaukelt. mit welcher Liebe man das ausstaffiert hat."Warum fährt man zu so einem Trucker-Treffen? Ja einmal. Aber 'identifiziert'. die man schon kennt. wie die Trucker sich und ihre Arbeit öffentlich darstellen. Manchen Fernfahrern. Das möchte man gerne selber mal machen. die dann da beim offenen Lagerfeuer mit Kupferkessel Kaffee kochen und anfangen zu singen. um sein eigenes Fahrzeug zu zeigen.. die hat man eben im Alltag nicht. Die Angri