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Die Himmelsleiter - Tugenden

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Wir hörten soeben von der Wahnsinnigen, daß die fleischliche Anfechtung der Körper eine ihrer Abkömmlinge sei, was keineswegs verwunderlich ist. Denn dies lehrt auch jener alte Vorfahre Adam. Wäre er nicht dem Bauch unterlegen, hätte er nicht gewußt, was die Gemahlin ist. Diejenigen also, die das erste Gebot einhalten, begehen die zweite Sünde nicht, sondern bleiben Söhne Adams, ohne jedoch zu wissen, was Adam ist, nur ein klein wenig unter die Würde der Engel erniedrigt, und dies, damit das Böse nicht unsterblich werde, wie der mit der mit dem Beinamen "der Theologe" (Gregorios von Nazianz, 329- ca. 390) sagt.
Wir hörten soeben von der Wahnsinnigen, daß die fleischliche Anfechtung der Körper eine ihrer Abkömmlinge sei, was keineswegs verwunderlich ist. Denn dies lehrt auch jener alte Vorfahre Adam. Wäre er nicht dem Bauch unterlegen, hätte er nicht gewußt, was die Gemahlin ist. Diejenigen also, die das erste Gebot einhalten, begehen die zweite Sünde nicht, sondern bleiben Söhne Adams, ohne jedoch zu wissen, was Adam ist, nur ein klein wenig unter die Würde der Engel erniedrigt, und dies, damit das Böse nicht unsterblich werde, wie der mit der mit dem Beinamen "der Theologe" (Gregorios von Nazianz, 329- ca. 390) sagt.

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HL.

JOHANNES VOM SINAI

KLIMAX
oder

DIE HIMMELSLEITER

DER CHRISTLICHE OSTEN

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Kapitel 15 VON DER VON DEN VERGÄNGLICHEN MIT MÜHE UND SCHWEISS ERRUNGENEN UNVERGÄNGLICHEN KEUSCHHEIT UND VON DER SITTSAMKEIT
Wir hörten soeben von der Wahnsinnigen, daß die fleischliche Anfechtung der Körper eine ihrer Abkömmlinge sei, was keineswegs verwunderlich ist. Denn dies lehrt auch jener alte Vorfahre Adam. Wäre er nicht dem Bauch unterlegen, hätte er nicht gewußt, was die Gemahlin ist. Diejenigen also, die das erste Gebot einhalten, begehen die zweite Sünde nicht, sondern bleiben Söhne Adams, ohne jedoch zu wissen, was Adam ist, nur ein klein wenig unter die Würde der Engel erniedrigt, und dies, damit das Böse nicht unsterblich werde, wie der mit der mit dem Beinamen "der Theologe" (Gregorios von Nazianz, 329- ca. 390) sagt. 2. Keuschheit ist Aneignung unkörperlicher Natur. Keuschheit ist die innig geliebte Wohnung Christi und ein irdischer Himmel des Herzens. Keuschheit ist übernatürliches Verleugnen der eigenen Natur und der fürwahr sonderbare Kräftevergleich eines sterblichen und vergänglichen Körpers mit den unkörperlichen Engeln. Keusch ist, wer Liebe mit Liebe abwehrt und Feuer mit unstofflichem Feuer auslöscht. 3. Sittsamkeit ist der zusammenfassende Oberbegriff für alle Tugenden. Sittsam ist, wer sogar im Schlaf keine körperliche Regung oder Veränderung seines Zustandes verspürt. Sittsam ist, wer vollkommene und andauernde Unempfindlichkeit angesichts des Unterschiedes der Körper zu eigen hat. Der Maßstab und die Bestimmung der vollkommenen und allreinen Keuschheit ist, sich gegenüber beseelten und unbeseelten, vernünftigen wie unvernünftigen Körpern gleichermaßen zu verhalten. 4. Niemand von denen, die die Keuscheit ausüben, halte sich selbst verantwortlich für ihre Errungenschaft, denn daß jemand seine Natur aus eigener Kraft überwinden könnte, ist eher unwahrscheinlich. Da, wo die Natur unterlag, wird die Gegenwart des übernatürlichen offenbar. "Denn ohne jede Widerrede wird das Niedrige vom Höheren außer Kraft gesetzt" (Hehr 7, 7). Der Anfang der Keuschheit sind der nicht einwilligende Gedanke und fantasiefreie Ergüsse über Jahre hinweg. Die Mitte sind naturbedingte Regungen des Körpers, die allein von der Fülle der Speisen herrühren, frei von begleitenden Vorstellungen und Ergüssen. Das Ende hingegen ist das Absterben des Körpers nach vorausgehendem Absterben der Gedankenbilder. 5. Wahrhaft selig ist, wer angesichts jedes Körpers, jeder Farbe und zu jeder Zeit völlige Unempfindlichkeit besitzt. 6. Nicht wer den Lehm-Leib unbeschmutzt bewahrte, ist keusch, sondern wer dessen Glieder der Seele unterordnete, der ist vollkommen.
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7. Groß ist, wer bei einer Berührung leidenschaftslos, noch größer aber, wer von einem Anblick unverwundet bleibt und den Anblick des Feuers mit der Vorstellung der Schönheit der himmlischen Dinge besiegt. 8. Wer mit dem Gebet den Hund vertreibt, gleicht dem, der mit einem Löwen ringt, und wer diesen mit dem Einwand auf den Rücken wirft, dem, der seinen Feind noch verfolgt. Wer dagegen seinen Ansturm ganz und gar verachtet, ist, obgleich er mit dem Leib noch anwesend ist, aus dem Grab auferstanden. 9. Wenn ein Hinweis auf echte Keuschheit ist, von den im Schlaf stattfindenden Fantasien unbewegt zu bleiben, so ist jedenfalls die Bestimmung der Geilheit, während des Wachens allein durch Erinnerung einen Erguß zu erleiden. 10. Wer mit Schweiß und Anstrengungen diesen Widersacher bekämpft, gleicht dem, der seinen Feind mit einem Strick bindet. Wer ihn mit Enthaltsamkeit und Nachtwachen bedrängt, dem, der ihm Eisenketten anlegt. Wer dies aber mit der Demut und der Zornlosigkeit unternimmt, gleicht dem, der seinen Feind tötet und im Sand verbirgt. Unter "Sand" verstehe die Demut, welche keinen Weidegrund hergibt, um die Leidenschaften zu· nähren, sondern Asche und Staub ist! 11. Einer ist, wer diesen Tyrann mit dem Widerstand gefesselt hält, ein anderer, wer ihn mit der Demut bindet, und wieder ein anderer, wer ihn mit der göttlichen Offenbarung unbeweglich macht. Der eine gleicht dem Morgenstern, der andere aber dem Vollmond und der dritte der hellstrahlenden Sonne. Aus der Morgenröte kommt das Licht hervor, aus dem Licht aber steigt die Sonne empor. Auf diese Weise sollte man das Beschriebene verstehen und erklären. 12. Der Fuchs täuscht den Schlaf vor, der Körper und der Dämon dagegen die Sittsamkeit, doch der eine, um einen Vogel zu überlisten, der andere, um eine Seele zugrunde zu richten. 13. Glaube zeit deines Lebens nicht dem Lehm und vertraue ihm nicht, solange bis du Christus begegnest! 14. Sei nicht zuversichtlich, aufgrund deiner Enthaltsamkeit nicht zu fallen! Jemand, der überhaupt nicht aß, wurde vom Himmel gestürzt. 15. Einige Gelehrte gaben eine gute Definition für die Entsagung der Welt, indem sie sagten, diese sei Feindschaft gegen den Leib und Kampf gegen den Bauch. 16. Die Verstrickung in fleischliche Sünden geschieht bei den Anfängern fast ausnahmslos ausgelöst durch die Schlemmerei, bei den Fortgeschrittenen außerdem noch aufgrund des Hochmutes, was auch die Anfänger betrifft; bei denen, die sich der Vollkommenheit nähern, allein vom Richten des Nächsten. 17. Einige sprachen die von Natur aus als Eunuchen geborenen für selig, da sie von der Tyrannei des Körpers unbehelligt blieben. Ich hingegen preise diejenigen, die täglich zu Eunuchen werden und sich mit der Gesinnung wie mit einem Messer verstümmeln.

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18. Ich sah welche, die gegen ihren Willen fielen, und ich sah wieder welche, die einerseits zwar freiwillig fallen wollten, andererseits jedoch nicht konnten. Und von denen, die jeden Tag fallen, hielt ich eher diese für beklagenswerter, da sie, obwohl sie nicht konnten, den Unflat begehrten. 19. Bemitleidenswert, wer fällt, noch bemitleidenswerter, wer dies auch einem anderen verursacht, denn die Last des doppelten Vergehens und die Wollust des anderen fällt ihm allein zu. 20. Versuche nicht, den Dämon der Unzucht mit Rechtfertigungen und Einwänden zu überzeugen, denn jener hat zwingendere Gründe in der Hand, da er uns durch die Natur bekämpft. 21. Wer aus eigener Kraft sein Fleisch bekämpfen oder besiegen will, strengt sich vergebens an, denn "wenn der Herr das Haus des Fleisches nicht zerstört und das Haus der Seele aufrichtet, hat der, der sich vorgenommen hatte, es abzureißen, vergebens gewacht und gefastet" (vgl. Ps 126,1). 22. Vertraue dem Herrn die Schwäche der Natur an zugleich mit der Erkenntnis deiner eigenen Ohnmacht, und du wirst die Gabe der Sittsamkeit unbemerkt empfangen. 23. Unter den Wollüstigen herrscht, wie mir jemand von ihnen aus Erfahrung nach seiner Bekehrung mitteilte, ein gewisses Gefühl der Liebe zu den Körpern und ein unverschämter und unmenschlicher Geist, welcher ganz offensichtlich in der Empfindung des Herzens sitzt und den körperlichen Schmerz des Herzens, an dem der Versuchte leidet, ähnlich dem Feuer, das einen Kamin erhitzt, hervorruft, zudem noch: Gott nicht zu fürchten, den Gedanken der Strafe für nichts zu erachten, sich vor dem Gebet zu widern und selbst fast in der Ausführung der Handlung begriffen, den Anblick von Leichnamen gleich dem von Steinen zu haben. Er bringt den Leidenden dazu, von Sinnen und außer sich zu werden, betrunken von der ständigen Begierde nach vernunftbegabtem und vernunftslosem Material. Wären "die Tage dessen nicht verkürzt, wäre nicht eine Seele gerettet worden" (vgl. Mt 24,22) von denen, dievon diesem Lehm umgeben sind, welcher wiederum eine Mischung ist aus Blut und unreinen Säften. Wie auch? Denn alles Gewordene strebt unersättlich nach dem ihm Verwandten: das Blut nach dem Blut, der Wurm nach dem Wurm, und der Lehm nach dem Lehm. Folglich auch das Fleisch nach dem Fleisch, wenngleich wir auch versuchen, diesen Betrüger zu überlisten, wir, die wir uns Gewalt antun und die es uns nach dem Himmelreich verlangt. 24. Es sind die zu preisen, die von dem beschriebenen Krieg nicht versucht werden. Doch auch wir wünschen uns, für immer von derartiger Erfahrung verschont zu bleiben. Diejenigen, die in die erwähnte Grube hinabgleiten, fallen weit ab von denen, die auf jener Leiter auf- und abstiegen und haben, um von dort herauszuklettern, viel Schweiß und äußersten Hunger nötig. 25. Überlegen wir uns, ob vielleicht nicht für unsere Feinde ähnliches gilt wie in einem wahren Krieg und zwar, daß jedem einzelnen von ihnen in der Schlachtordnung wider uns eine gesondert zugewiesene Aufgabe obliegt, was wirklich erstaunlich ist

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26. Ich stellte Beobachtungen an und fand heraus, daß unter den Versuchten ein Fall schlimmer ist als der andere. Wer Verstand besitzt um zu hören, der höre! Es hat der Dämon zur Gewohnheit, mehr noch bei denen, die sich bemühen und dem Mönchsleben nachgehen, seinen ganzen Drang und Eifer sowie Ränke und List und Einfallsreichtum aufzubieten, um sie zum Widernatürlichen und nicht zum Naturbedingten zu bewegen und es so einzurichten, daß sie eher aus dieser Richtung bekämpft werden. Das ist auch der Grund, weshalb einige, die manchmal Umgang mit Frauen haben, in diese Richtung überhaupt nicht mit der Begierde zu kämpfen haben und sich deshalb selig preisen, ohne daß die Unglücklichen wissen, daß dort, wo die Niederlage vernichtender ist, keine Notwendigkeit für das Geringere besteht. 27.Ich halte dafür, daß aus zwei Gründen die Mörder und Elenden uns, die Bejammernswerten, zu bedrängen und zu bestürmen pflegen: weil sie das Material zur Sünde überall leicht auftreiben können und die Strafe dafür größer ist. Das Besagte kennt der, der zuerst den Eseln befahl und zuletzt von den Wildeseln kläglich verspottet und verschmäht wurde, der zuerst von himmlischem Brot genährt und später des Guten beraubt wurde. Das Wundersame dabei ist, daß selbst nach dessen Buße unser Lehrmeister Antonios (Antonios der Große gest. 356) bitterlich betrübt sagte: "Eine große Säule ist gefallen!" Der Weise verheimlichte allerdings die Art des Falles, weil er wußte, daß es körperliche Unzucht gibt, die ohne einen anderen Körper geschieht. 28. Eine Form des Todes und verderblicher Sünde tragen wir in uns und begleitet-uns ständig, vor allem während der Jugendzeit, welche ich nicht wagte, der Schrift zu übergeben. Es hielt meine Hand zurück, der sagte: "Was von einigen im geheimen getrieben wird, ist schändlich zu sagen, zu schreiben und zu hören!" (vgl. Eph 5,12) 29. Dies meinige und nicht meinige, feindlich befreundete Fleisch, nannte Paulus Tod. "Wer", sagte er "wird mich von diesem todbringenden Körper retten?" (Röm 7,24). Ein anderer Theologe (Gregorios von Nazianz): "das leidenschaftliche und knechtische und nächtliche (Fleisch) ... ". Es dürstete mich zu erfahren, aus welchem Grund er derartige Bezeichnungen für es benutzte. 30. Bedeutet das Fleisch, wie gesagt, den Tod, so stirbt jedenfalls jener nicht, der es besiegt. "Wer ist es wohl, der da leben wird und den Tod der Befleckung des Fleisches nicht zu sehen bekommt?" (vgl. Ps 88,49). Ich bitte darüber nachzudenken: Wer ist größer? Derjenige, der starb und auferstand, oder wer überhaupt nicht starb? Preist jemand den zweiten, so irrte er sich, denn Christus ist gestorben und auferstanden. Wer aber den ersten wählt, will, daß sich bei denen, die sterben oder besser, sich verfehlen, keine Verzweiflung findet. 31. Der unmenschliche Feind, der Vorsteher der Unzucht, heißt Gott menschenliebend und daß Dieser für diese Leidenschaft viel Gnade walten lasse, weil sie naturbedingt ist. Doch laßt uns auf die Arglist der Dämonen achtgeben, und wir werden sehen, daß sie nach der Ausführung der Tat Ihn als gerechten Richter und unerbittlich bezeichnen. Einmal unterbreiten sie dies mit der Absicht, uns zur Sünde zu verführen und dann wiederum, um uns in die Verzweiflung zu stürzen. Solange nämlich die Betrübnis und die Verzweiflung anhalten, ist es uns nicht möglich, uns Vorwürfe zu machen oder das Vergehen zu sühnen. Flaut die Betrübtheit ab, nimmt sogleich der .. Tyrann der Menschenliebe" wieder seinen Platz ein.

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32. So sehr der Herr unvergänglich und unkörperlich ist, so sehr freut ihn die Keuschheit und Unvergänglichkeit unseres Körpers. Einige behaupten, daß die Dämonen nichts so sehr erfreut wie der Gestank der Unzucht und von den Leidenschaften demnach nichts so sehr wie die Befleckung des Körpers. 33. Keuschheit ist Ähnlichkeit und Verwandtschaft mit Gott, so weit es Menschen möglich ist. Die Mutter der süßen Früchte ist Erde und Tau, die Mutter der Keuschheit aber die Hesychia gemeinsam mit dem Gehorsam. 34. Die aus der Hesychia gewonnene Leidenschaftslosigkeit des Körpers bleibt bei der Annäherung an die Welt oftmals nicht unerschütterlich. Diejenige dagegen, die aus dem Gehorsam entsteht, bewährt sich überall und ist unerschütterlich. 35. Ich sah, wie Hochmut Demut hervorrief und erinnerte mich an den, der sagte: .. Wer hat den Sinn des Herrn erkannt?" (Röm 11,34). 36. Fallgrube und Erzeugnis der Hoffart ist der Sündenfall. Die Sünde gibt denen, die wollen, Veranlassung zur Demut. 37. Wer durch Gefräßigkeit und Sattheit den Dämon der Unzucht besiegen will, gleicht dem, der hingeht, um mit Öl einen Brand zu löschen. 38. Wer nur mit Hilfe der Enthaltsamkeit versucht, diesen Krieg zu beenden, gleicht dem, der mit einem Arm schwimmend darum wetteifert, dem offenen Meer zu entrinnen. Geselle zur Enthaltsamkeit die Demut! Ohne die zweite erweist sich die erste als nutzlos. 39. Bemerkt jemand bei sich, wie eine Leidenschaft die Oberhand behält, so bewaffne er sich vor allem ausschließlich gegen sie,. insbesonders gegen seinen Bruder (den Körper) und inneren Feind. Denn wird dieser nicht vernichtet, so wird uns kein Vorteil aus dem Sieüber die übrigen Feinde . Ist auch dieser Ägypter erschlagen, werden wir jedenfalls Gott im Dornbusch der Demut schauen. Ich fühlte einmal, als ich versucht wurde, wie dieser Wolf unvernünftige Freude, Tränen und Trost in meine Seele gab, und ich Törichter vermeinte Frucht in der Hand zu halten und keineswegs Verderben. 40 . .. Jede Sünde, welche der Mensch begeht, bleibt außerhalb des Leibes, wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen den eigenen Leib." (1 Kor 6,18). Dies ist deshalb gesagt worden, weil wir mit dem Ausfluß diesen unseren Leib beflecken, was bei keiner anderen Sünde geschieht. Ich möchte allerdings erfahren, warum wir zu jeder Sünde sagen, die Menschen hätten sich .. verfehlt" und nur wenn wir hören, jemand habe Unzucht getrieben, wir leidvoll erklären: .. Der Soundso ist gefallen"? 41. Der Fisch flieht blitzschnell vor dem Haken, während die vergnügungsliebende Seele sich von der Ruhe abwendet. 42. Will der Teufel zwei mit einer schändlichen Verbindung fesseln, so untersucht er vorher beide Seiten und legt bei der schwächeren sein Feuer.

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43. Oftmals erscheinen diejenigen, die der Wollust zugeneigt sind, mitleidsvoll, barmherzig und leicht gerührt. Die aber die Keuschheit pflegen, haben diese Dinge nicht auf die gleiche Art. 44. Ein gelehrter Mann stellte mir ein schwieriges Problem: "Welche Sünde -außer Mord und Leugnung Gottes- wiegt am schwersten?" Auf meine Antwort, daß es das Fallen in die Ketzerei sei, erwiderte er: "Und wie kommt es, daß die Kirche in ihrer Gesamtheit, nachdem die Ketzer ihre Ketzerei verdammen, sie zur Teilnahme an den heiligen Sakramenten zuläßt, den Unzüchtigen dagegen nach der Beichte und seiner Loslösung von der Sünde zwar aufnimmt, ihn aber über Jahre hinweg von den hochheiligen Sakramenten ausschließt, so wie es die apostolischen Bestimmungen vorsehen?" Gleichzeitig mit meiner Überraschung darüber blieb die Streitfrage ungelöst. 45. Laßt uns nachforschen, vergleichen und bewahren, welche Süße uns aus dem Psalmengesang vom Dämon der Unzucht und welche uns aus den Worten des Heiligen Geistes und der ihnen innewohnenden Gnade und Kraft entsteht. 46. Täusche dich nicht, junger Mann, denn ich sah einige, die aus ganzer Seele um ihre Geliebten beteten, welche von Unzucht getrieben glaubten, damit einen Liebesdienst zu erfüllen. 47. Schon durch Berührung wird man körperlich befleckt, denn keine andere Wahrnehmung ist gefährlicher als diese. 48. Erinnere dich an den, der mit dem Kopftuch seine Hand umwickelte, und halte deine Hand zurück von Natürlichem und Widernatürlichem, dem eigenen und dem fremden Körper! 49. Ich bin der Meinung, niemanden für heilig zu erklären, solange er nicht vorher diese Erde (den Körper) in Heiligkeit verwandelte - falls dies überhaupt möglich ist. 50. Legen wir uns zu Bett, so sollten wir wachsam sein, denn zu dieser Zeit ringt der Geist ohne den Körper mit den Dämonen, und stellt er sich als wollüstig heraus, so wird er liebend gern zum Verräter. 51. Das Gedenken des Todes schlafe gemeinsam mit dir ein und stehe gleichzeitig mit dir auf, zudem auch das innere Jesusgebet! Du wirst Itelne anderen Hilfen für den Schlaf finden, die diesen gleichkommen. 52. Einige definierten, daß die Versuchungen und Ergüsse allein der Nahrung zuzuschreiben sind. Ich sah jedoch Schwerkranke, die übermäßig fasteten und von Ergüssen kräftig befleckt wurden. 53. Einmal befragte ich einen der bewährtesten Mönche, der mit Unterscheidungsvermögen ausgestattet war, über diese Themen, und der Gesegnete belehrte mich mit aller Klarheit. "Es gibt", sprach der Berühmte, "Ergüsse während des Schlafes, die von der Fülle der Speisen und der Bequemlichkeit herrühren. Andere kommen vom Hochmut, wenn wir uns über das jahrelange Ausbleiben von Ergüssen stolz äußern. Wieder andere werden vom Urteilen über den Nächsten hervorgerufen. Zwei von diesen Ursachen können Kranken widerfahren, vielleicht auch alle drei. Sieht jemand, daß er von allen angeführten Anlässen rein ist, so ist dieser selig, eine derartige Leidenschaftslosigkeit erreicht zu haben, und er erfährt diese Vorfälle ausschließlich aufgrund des Neides der Dämonen. Dies läßt Gott nach gewisser Zeit zu, damit er durch das sündenfreie Mißgeschick höhere Demut erwirbt."
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54. Niemand sollte sich vornehmen, die nächtlichen Fantasien am Tag zu überdenken, denn dies ist eben die Absicht der Dämonen, uns mit Hilfe der Träume während des Wachens zu beflecken. 55. Laßt uns eine weitere Arglist unserer Feinde vernehmen! Genauso wie Speisen, die dem Körper schaden, erst nach einiger Zeit oder nach einem Tag die Krankheit auslösen, so auch oft die Ursachen, die die Seele verunreinigen. 56. Ich sah, wie einige gerrußvoll speisten und nicht sogleich bekämpft wurden, und ich sah andere, die gemeinsam mit Frauen tafelten und Umgang mit ihnen pflegten, ohne gleich Hintergedanken zu haben. Auf diese Weise nahmen die Betrogenen an Vertrauen zu und wurden unvorsichtig. Als sie glaubten, Frieden und Sicherheit zu haben, traf sie in ihrer Zelle urplötzlich der vernichtende Schlag. Was ist aber dieser vernichtende Schlag? Der, der uns mit uns allein, uns allein, körperlich und seelisch widerfährt. Wer davon versucht wurde, kennt sich aus, wer hingegen nicht versucht wurde, braucht darum nicht zu Wissen. Zu jener Zeit hilft vorzüglich der Bußsack, Asche, ganznächtliches Stehen, Brotentzug, eine Zunge, die vor Durst brennt und maßvoll erfrischt wird, Aufenthalt an den Gräbern und vor allen die Demut des Herzens; zudem -wenn möglich- als Beistand ein eifriger geistlicher Vater oder Bruder, der reif in seiner Gesinnung ist. Es würde mich wundern, könnte jemand allein ein Schiff aus hoher See erretten. 57. Ein und dieselbe Sünde zieht oftmals ein hundertfach härteres Urteil nach sich, wenn sie von einem anderen begangen wird. Dies ist abhängig von der Art und Weise, dem Ort, dem Fortschritt und vielem anderen. 58. Jemand beschrieb mir einen merkwürdigen und zugleich erhabenen Zustand der Keuschheit: Jemand, der die Schönheit eines Körpers betrachtete, pries davon angeregt überschwenglich dessen Schöpfer, und von allein dem Anblick wurde er zur Liebe Gottes und einem Strom von Tränen gerührt. Es war erstaunlich zu sehen, wie die Schlammgrube des einen dem anderen auf übernatürliche Weise zu Siegeskränzen verhalf. Falls derselbe in diesen Dingen fortwährend die gleiche Empfindung und Ubung einhält, so ist er unvergänglich auferstanden noch vor der allgemeinen Auferstehung. 59. Die gleiche Regel wollen wir auch beim Gesang und den Hymnen anwenden. Die Gottliebenden werden von den weltlichen sowie den geistlichen Liedern zu Heiterkeit, göttlicher Liebe und Tränen bewegt, die Vergnügungsliebenden aber zum Gegenteiligen. 60. Wie wir bereits anführten, werden einige an einsameren Orten sehr viel mehr bekämpft, was nicht verwunderlich ist. Die Dämonen dringen gerne dorthin vor, weil sie vom Herrn zu unserer Rettung in die Einöden und die Tiefe verbannt wurden. 61. Die Dämonen der Unzucht fechten aufs heftigste den Hesychasten an, damit sie ihn, wenn er davon überzeugt ist, keinen Nutzen zu ziehen, aus der Einöde in die Welt führen. Solange wir uns in der Welt aufhalten, entfernen sie sich von uns, damit wir, unter dem Vorwand keine Anfechtungen zu erleiden, gemeinsam mit den Weltlichen verbleiben.

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62. Dort wo wir bekämpft werden, dort ist es, wo wir den Feind erst recht aufs härteste bekämpfen sollten, denn wird er von uns dort nicht bedrängt, wird auch dieser zu unserem Freund. 63. Die Hand Gottes schützt uns, wenn wir uns einer Notwendigkeit wegen in der Welt aufhalten, vielleicht aufgrund des Segens des geistlichen Vaters, damit nicht auch der Herr unsertwegen gelästert wird, bisweilen auch aus Anlaß unserer Unempfindlichkeit und unserer vorhergehenden übermäßigen Erfahrung und Sattheit des dort Geschauten, Gesagten und Getriebenen oder aber, weil die Dämonen freiwillig zurückwichen und allein den des Hochmutes zurückließen; der die Stelle aller anderen ausfüllt. 64. Alle, die ihr euch vornahmt, Keuschheit zu üben, vernehmt eine weitere Hinterrlist dieses Betrügers und seht euch vor! Jemand von denen, die Erfahrung mit seiner Verstellungskunst machten, erklärte mir, daß der Dämon der Fleischeslust sich häufig völlig zurückzieht und den Mönch in der Vorstellung, äußerst fromm zu sein, beläßt und bei ihm vielleicht sogar einen Strom von Tränen auslöst zu der Zeit, wo dieser mit Frauen zusammensitzt oder sich mit ihnen unterhält, und ihm eingibt, sie über das Gedenken an den Tod, das Gericht und die Sittsamkeit zu belehren, damit die Bemitleidenswerten von seinen Worten und seiner aufgesetzten Frömmigkeit angezogen dem Wolf statt dem Hirten entgegeneilen, und durch die allmählich stattfindende Gewöhnung und Vertrautheit muß der Allelende den Sturz erleiden. 65. Laßt uns eilends fliehen, daß wir die Frucht, von der wir gelobten, nicht zu kosten, weder zu sehen noch von ihr zu hören bekommen! Ich frage mich, ob wir uns etwa für stärker als den Propheten David halten, was nicht sein kann! So erhaben und groß ist das Lob der Keuschheit, daß einige Väter wagten, sie Leidenschaftslosigkeit zu nennen. 66. Einige behaupten, es sei nicht möglich, nach dem Probieren der Sünde im Nachhinein als keusch bezeichnet zu werden. Ich jedoch möchte widersprechen und festlegen: Dem, der will, ist es möglich und ein leichtes, den wilden Olivenzweig in einen guten zu pfropfen. Wären einem körperlich Jungfräulichen die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut worden, so hätten die Erwähnten sich vielleicht mit Recht auf diese Weise geäußert. Da dem aber nicht so ist, so beschäme sie derjenige, der eine Schwiegermutter hatte und keusch geworden die Schlüssel des Himmelreiches mit sich führte. 67. Vielgestaltig ist die Schlange der Körperliebe. Den Unerfahrenen sät sie ein, einmal eine Erfahrung zu machen und dann aufzuhören! Die Erfahrenen dagegen reizt sie, aus der Erinnerung die Erfahrung zu wiederholen, die Armselige! Viele von den zuerst Genannten sind aufgrund ihrer Unkenntnis von der Anfechtung verschont. Die zweiten aber sind aufgrund ihrer Erfahrung mit der Abscheulichen Belästigungen und ausgesetzt. Doch trifft ebenso das Gegenteil zu. 68. Wenn wir vom Schlaf wohlgesinnt und friedvoll erwachen, heißt das, daß wir im Verborgenen von heiligen Engeln getröstet werden und dies noch viel mehr, wenn wir nach viel Gebet und Achtsamkeit einschliefen. Es ereignet sich auch, daß wir wohlgelaunt vom Schlaf erwachen und dies nichtswürdigen Träumen zuzuschreiben ist.

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69. ,Jch sah den Gottlosen sich in mir erheben und aufrichten, sich erregen und wütend bewegen wie die Zedern des Libanon, und ich ging vorbei mit der Enthaltsamkeit und siehe, sein Zorn war nicht so wie vorher, und ich suchte nach ihm mit demütigem Denken und es fand sich in mir weder sein Ort noch seine Spur" (vgl. Ps 36,36). 70. Wer den Körper überwindet, überwindet die Natur. Wer die Natur überwand, wurde gewiß übernatürlich. Wer aber dazu geworden ist, der ist nur ein wenig niedriger als die Engel, um nicht zu sagen: überhaupt nicht niedriger. 71. Es handelt sich um kein Wunder, wenn der Unstoffliche mit dem Unstofflichen streitet. Ein Wunder, ein echtes Wunder ist, wenn der Stoffliche zusammen mit dem feindlichen und ihm nachstellenden Stoff die unstofflichen Feinde besiegt. 72. Auch hierin hat der Herr seine reiche Vorsehung walten lassen, indem er der weiblichen Schamlosigkeit wie einen Zaum die Schamhaftigkeit überstülpte, denn würde diese von sich aus dem Mann zulaufen, "würde kein Mensch gerettet werden" (Mt 24,22). 73. Eines ist die Anfechtung, etwas anderes die Zustimmung, etwas anderes die Einwilligung, etwas anderes die Gefangenschaft; etwas anderes der Kampf und etwas anderes die sogenannte Leidenschaft der Seele, nach der Bestimmung der Väter, die zu unterscheiden vermögen. Als Anfechtung definieren die Seligen ein einfaches Wort oder ein beliebig im Herzen erscheinendes Bild. Zustimmung ist die leidenschaftliche oder leidenschaftslose Auseinandersetzung mit der Erscheinung. Einwilligung hingegen ist die lustvolle Zuneigung der Seele hin zu der Erscheinung. Gefangenschaft aber ist die erzwungene und unfreiwillige Wegführung des Herzens oder das beharrliche Beisammensein mit dem jeweiligen Gedankenbild, wovon unsere vorzügliche Verfassung vernichtet wird. Als Kampf bezeichnen sie eine dem Bekämpften ebenbürtige Streitkraft, welche nach eigener Wahl entweder siegt oder die Niederlage erleidet. Leidenschaft ist hauptsächlich, sagen sie, was über lange Zeit in der Seele nistet und diese darauf hin durch diesen Zustand zur Gewöhnung führt, so daß sie im folgenden aus freien Stücken und eigenem Antrieb dazu übergaht. Von diesen allen ist das erste sündenfrei, das zweite nicht ganz, während es beim dritten abhängig ist von der Verfassung des Kämpfenden. Die Gefangenschaft wird anders zur Zeit des Gebetes und anders bei mittelschweren Gedankengängen und anders bei boshaften beurteilt. Die Leidenschaft unterliegt, was zweifelsohne für alle gilt, entweder der ausgleichenden Buße oder der künftigen Bestrafung. Wer demnach das erste (die Anfechtung) leidenschaftslos betrachtet, hat alles Nachfolgende mit einem Male abgetrennt. Bei den präziseren der einsichtsvollen Vätern findet sich zusätzlich noch ein weiterer, feinerer Begriff, welcher, wie sie sagen "Anwehung des Geistes" heißt und der ohne vermittelnde Zeit, Wort und Bild dem Betroffenen mit äußerster Geschwindigkeit die Leidenschaft ankündigt. Unter den geistigen Wesen gibt es nichts, was diesem an Schnelligkeit und Unscheinbarkeit gleich käme. Mit einer einfachen, bezugslosen, jähen und nicht aufzuhaltenden Erwägung, bei einigen auch unbewußt, macht sie ihre Anwesenheit in der Seele bekannt. Nur wer deren derart gestaltete Feinheit mit Hilfe der Trauer zu fassen vermochte,wird uns belehren können, wie es dazu kommt, daß die Seele allein mit den Augen, einem einfachen Blick, eine Berührung mit der Hand, dem Hören einer Melodie, ohne jeden Gedanken und Überlegung, im Stande ist, leidenschaftlich Unzucht zu treiben.

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74. Einige behaupten, daß der Körper von den Gedanken der Unzucht zur Leidenschaft schreite. Andere wiederum meinen im Gegensatz dazu, daß die sündhaften Gedanken von den Sinnen des Körpers herrühren. Von ihnen sagen die ersten, daß wenn der Geist nicht vorangeht, der Körper nicht nachfolgt. Die zweiten dagegen führen zu ihrer Verteidigung die verderbliche Auswirkung der körperlichen Leidenschaften an und sagen, daß oftmals die Gedanken Zugang zum Herzen finden durch einen lustvollen Blick, eine Berührung mit der Hand, einen angenehmen Duft, oder das Hören wohlklingender Stimmen. Wer es im Herrn vermag, mag uns darüber belehren. Derartiges ist ja denen, die mittels der Erkenntnis den praktischen Weg gehen, überaus notwendig und nützlich. Diejenigen nämlich, die mit Einfalt des Herzens bemühat sind, haben darüber keine Aufklärung darüber nötig. Denn Erkenntnis ist nicht jedermanns Sache, wie auch nicht die selige Einfalt, dieser Brustpanzer gegen die Listen der Übelgesinnten. 75. Manche von den Leidenschaften gehen von innen her auf den Körper über, andere dagegen umgekehrt. Für die in der Welt gilt das zweite, während für die, die dem Mönchsleben nachkommen das erste zutrifft aufgrund des Mangels an Material. Ich möchte zu diesem Thema jenes: "Suche bei den Böswilligen nach Einsicht, und du wirst sie nicht finden", beisteuern. 76. Nachdem wir uns viel gegen den Lebensgefährten des Lehm-Leibes, den Dämon, bemüht haben und ihn mit dem Stein des Fastensund dem Schwert der Demut gequält endlich aus unserem Herzen vertreiben konnten, kitzelt uns der Feigling im folgenden wie ein Wurm, der in unserem Körper sitzt, mit unvernünftigen und unangebrachten Regungen und drängt darauf, uns zu beflecken. Gewöhnlich leiden insbesondere diejenigen daran, die sich dem Dämon des Hochmuts unterordnen. Indem sie aufhörten, in ihrem Herzen ständig unzüchtige Gedanken zu hegen, nähern sie sich dieser Leidenschaft an. Daß das Gesagte wahr ist, kann man aber so überprüfen: Sobald sich diese der Hesychia zuwenden, sollten sie sich gewissenhaft untersuchen; sie werden sicher in der Tiefe ihres Herzens einen Gedanken entdecken, der wie eine Schlange verborgen in einem Misthaufen ihnen eingibt, sie hätten die Errungenschaft der Keuschheit des Herzens aus eigenem Antrieb und eigener Tüchtigkeit vollbracht, ohne daß die Elenden den Ausspruch verstehen, der besagt: "Was hast du denn, das du nicht umsonst empfangen hättest, entweder von Gott oder durch die Bemühung anderer und ihres Gebetes?" (vgl. 1 Kor 4,7). Sie sollten sich demnach ,vorsehen und mit allem Eifer die beschriebene Schlange ihres Herzens mit viel Demut abtöten und entfernen, um von ihr befreit auch vielleicht selbst einmal die Fellröcke (vgl. Gen 3,21) ablegen zu können und den Triumphgesang der Keuschheit ~ie einst die keuschen Kinder dem Herrn darzubringen (vgl. Mt 21,15). Obgleich unbekleidet, werden sie nicht nackt von deren Unschuld und natürlicher Demut befunden werden. Auch dieser Dämon achtet mehr als alle anderen auf die Gelegenheiten, und besonders dann, wenn wir nicht fähig sind, körperlich gegen ihn zu beten, versucht der Unselige uns anzufechten. Als Ergänzung dient denjenigen, die noch kein wahres Herzensgebet erwarben, das Schinden im körperlichen Gebet, damit meine ich das Ausbreiten der Hände, das Schlagen auf die Brust, das ehrliche Aufblicken in den Himmel, die lauten Seufzer und das ständige Beugen der Knie. Dies ist oft wegen der Anwesenheit anderer nicht durchzuführen, weshalb uns die Dämonen auch gerne zu dieser Zeit bekämpfen, damit wir ihnen vielleicht, wenn es uns noch nicht möglich ist, uns mit der Gewichtigkeit des Geistes und der unsichtbaren Kraft des Gebetes unseren Feinden zu widersetzen, gezwungenerweise nachgeben. Besteht die Möglichkeit, so ziehe dich zurück und verbirg dich für kurze· Zeit an einem geheimen Ort, erhebe das Auge der Seele, oder zumindest die leiblichen Augen, kreuze unbeweglich deine Hände, um auch mit der Gestalt des Kreuzes den Amalek zu beschämen und zu bezwingen (vgl. Ex 17, 11)!

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Rufe laut zu dem, der die Macht hat zu erretten, doch nicht mit ausgeklügelten Sprüchen, sondern mit demütigen Worten. Gebrauche als Einleitung vor allem: "Erbarme dich meiner, weil ich schwach bin!" (Ps 6,3 ). Daraufhin wirst du die Kraft des Höchsten erfahren und unsichtbar und mit unsichtbarer Hilfe die Unsichtbaren vertreiben! Wer daran gewöhnt ist, auf diese Weise zu kämpfen, wird bald auch allein mit der Kraft der Seele die Feinde vertreiben können. Das zweite ist gerechterweise das Gegengeschenk von Gott an seine Kämpfer als Ausgleich für das erste. 77. Während einer Versammlung bemerkte ich einen tüchtigen Bruder, der von unreinen Gedanken geplagt wurde, und weil er keinen passenden Ort für das Gebet finden konnte, ging er an den Ort, der für die Notwendigkeiten des Bauches bestimmt ist, so als ob er von ihm dazu gedrängt wurde, und legte sich dort mit kräftigem Gebet mit seinen Gegnern an. Auf meinen Tadel bezüglich der Unziemlichkeit des Ortes antwortete er: "An einem unreinen Ort betete ich um die Vertreibung unreiner Gedanken und die Reinigung vom Schmutz." 78. Alle Dämonen sind zwar bemüht, unser geistiges Auge zu verfinstern -schließt aber der Geist seine Lider nicht, wird auch der Schatz nicht geplündert-, der Dämon der Unzucht jedoch mehr als alle anderen. Dieser verfinstert nicht selten den Herrscher Geist und bringt es fertig, daß wir sogar unter Menschen Dinge tun, die sonst nur Wahnsinnige ausführen, weshalb wir uns auch nach einiger Zeit, nachdem der Geist erwacht ist, nicht nur vor denen schämen, die uns zuschauten, sondern auch vor uns selbst für unsere« unrühmlichen Taten, Reden oder Gebärden und uns unsere vorangehende Entfachung erstaunt. Mit Hilfe dieses Bewußtwerdens haben einige daraufhin von dem Übel Abstand genommen. 79. Wende dich von dem Gegner ab, der dich daran hindern will, nach vollzogenerTat zu beten, gottesfürchtig zu sein oder zu wachen eingedenk dessen, der sprach: "Weil die gequälte Seele mir Mühe verursacht, will ich ihr Recht schaffen angesichts ihrer Feinde" (vgl. Lk 18,5). 80. Wer überwand den Körper? Der, der sein Herz zerbrach. Wer zerbrach aber sein Herz? Der, der sich verleugnete. Denn wie könnte jemand, der willentlich starb, nicht bedrückt sein? 81. Es gibt Leidenschaftliche, die leidenschaftlicher sind als die Leidenschaftlichsten und sogar das Beichten ihrer Befleckungen mit Wonne durchführen. 82. Die unreinen und schandhaften Gedanken im Herzen rühren vom Betrüger des Herzens, dem Dämon der Unzucht her. Sie werden geheilt mit der Enthaltsamkeit und davon, sie für nichtig anzusehen. 83. Mit welchem Vorgehen und Verfahren ich diesen meinen Freund (den Körper) band, um ihn nach Vorbild der übrigen zu richten, weiß ich nicht. Bevor ich ihn binde, hat er sich befreit, und bevor ich ihn verurteile, habe ich mich mit ihm ausgesöhnt, und bevor ich ihn strafe, werde ich weich. Wie soll ich überwinden, den ich von Natur aus liebe? Wie soll ich mich von dem befreien, mit dem ich in Ewigkeiten verbunden bin? Wie soll ich den vernichten, der mit mir auferstehen wird? Wie weise ich den als unvergänglich aus, dem eine vergängliche Natur zu eigen ist? Welche Argumente gebrauche ich gegen den, der von Natur aus alle Argumente auf seiner Seite hat? Binde ich ihn mit Fasten, während ich gleichzeitig meinen Nächsten richte, habe ich mich ihm schon ergeben.

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Bezwinge ich ihn, indem ich aufhöre zu richten, erhebt sich stolz mein Herz, und ich bin ihm schon wieder in die Arme gelaufen. Er ist gleichzeitig beides: Beistand und Gegner, Helfer und Widersacher, Tröster und Verräter. Wird er umsorgt, sagt er den Kampf an, zehrt man ihn aus, gerät er aus dem Gleichgewicht, ist er rundum satt, wird er ungezogen, und bezieht er wiederum Schläge, erträgt er es nicht. Verletze ich ihn, so habe ich niemanden, mit dem ich die Tugenden erwerben könnte. Denselben umarme ich und wende mich zu gleicher Zeit von ihm ab! Was ist das Geheimnis, welches mich umgibt? Was der Zweck dieser Verbindung? Wie bin ich mir selbst Freund und Feind? Erkläre du es mir, o Lebensgefährte, o meine Natur! Denn von keinem anderen kann ich über dich belehrt werden. Wie bleibe ich von dir unverwundet? Wie gelingt es mir, der natürlichen Gefahr zu entgehen? Da ich nun aber Christus gelobte, dir feind zu sein - wie kann ich deine Herrschaft beenden, denn ich habe mir vorgenommen, dir Gewalt anzutun? Dieser aber würde meiner Seele etwa so antworten: "Ich werde nicht in Worte fassen, was auch du nicht weißt, sondern nur das, worüber wir beide die Erkenntnis besitzen. Ich rühme mich bei mir selbst, die Liebe zur Mutter zu haben. Die Erzeugerin meiner äußeren Entfachung ist die übertriebene Fürsorge um mich und die allgemeine Bequemlichkeit. Die innere Flamme dagegen und die damit übereinstimmende Bewegung der Gedanken haben ihren Ursprung aus vorangegangener Bequemlichkeit und vollzogenen sündhaften Handlungen. Sobald ich empfange, gebäre ich Sünden, gebären diese wiederum, bringen sie den Tod durch Verzweiflung hervor. Wenn du meine und deine tiefgreifende Schwäche wirklich erkenntest, würdest du mir aie Hände binden. Quältest du den Gaumen, würdest du mir die Füße binden, so daß ich nicht voranschreite. Spanntest du dich an den Gehorsam, hättest du dich von mir abgespannt. Würdest du die Demut erwerben, hättest du mir das Haupt abgeschlagen. (Fünfzehnter Kampfpreis! Wer im Fleische befindlich ihn erhielt, ist gestorben und auferstanden und hat den Vorgeschmack auf die künftige Unvergänglichkeit schon von hier aus kennengelernt)

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