Henri Bergson Das Lachen Ein Essay über die Bedeutung des Komischen

Aus dem Französischen von Roswitha Plancherei-Walter Nachwort von Karsten Witte

Luchterhand Literaturverlag

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Sammlung Luchterhand, April 1988 Luchterhand Literaturverlag GmbH, Frankfurt am Main. Lizenzaus­ gabe mit freundlicher Genehmigung der Arche Verlag AG, Raabe + Vitali, Zürich. Copyright © 1940 by Presses Universitaires de France, Paris. Deutsche Ausgabe: © 1972 by Verlags AG Die Arche, Zürich. Alle Rechte vorbehalten. Umschlagentwurf: Max Bartholl. Satz: Uhl + Massopust, Aalen. Druck: Wagner, Nördlingen. Printed in Germany. ISBN 3-630-61757-3 2 3 4 5 6 7 96 95 94 93 92 91

Inhalt

Vorwort

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Erstes Kapitel Von der Komik im allgemeinen Die Komik der Formen und die Komik der Bewegungen Die Ausdehnungskraft der Komik 11 Zweites Kapitel Die Situationskomik und die Wortkomik Drittes Kapitel Die Charakterkomik

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Anhang Zu den Definitionen des Komischen und zu der in diesem Buch angewandten Methode Karsten Witte Das Lachen, ein lebensphilosophischer Versuch Nachwort 132

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allgemein angewendeten. an diesem oder jenem Beispiel dargelegt. An unserem Buch selbst haben wir.März) 7 . doch was immer aus der * Zur Z3. Das soll nicht heißen. Weitere Arbeiten sind seither erschienen. und fügten ihnen lediglich eine Liste der bedeutendsten Arbeiten an. Februar und i. dann aber wäre unsere Abhandlung sehr viel komplizierter und umfangreicher geworden. wenn auch nur kurz. von vereinzelten formalen Retuschen abgesehen. unsere Artikel in ihrer ursprünglichen Fassung wiederzugeben. daß wir den Nutzen dieser neuen Studien bestreiten. die im Lauf der vorausgegangenen dreißig Jahre über das Thema Komik veröffentlicht wurden. und die Liste wurde entsprechend verlängert. In diesen Aufsätzen sollten die wichtigsten Kategorien der Komik bestimmt und ihre Gesetze durch eine Gruppierung möglichst vieler Tatsachen nachgezeichnet werden. als es der Bedeutung des Themas entspricht. Die wichtigsten Definitionen der Komik hatten wir ohnehin. welche die komischen Effekte in einer sehr weit gespannten und sehr einfachen Formel zusammenfassen will. die wir in der Revue de Paris** veröffentlicht haben./15.Vorwort* Dieser Band enthält drei Aufsätze über das Lachen (oder vielmehr über das durch die Komik erzeugte Lachen). nichts geändert. Schon allein ihre Form verbot eine kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen Theorien. Hätten wir das Versäumte in diesem Buch nachholen sollen? Kann sein. sie haben das Phänomen des Lachens zweifellos in mehr als einem Punkt geklärt. Auflage 1924 ** Bd. Die beiden Methoden schließen sich gegenseitig nicht aus. daß unsere Folgerungen durch Vergleiche mit den Lehrsätzen unserer Vorgänger untermauert worden wären. 1899 (1. Aber unsere Methode. weicht ab von jener anderen. Wir beschränkten uns deshalb darauf. mit der wir dem Herstellungsverfahren der Komik auf die Spur zu kommen trachteten.

295ff. Herbert: Psychologie du rire. Kraepelin. 5 (1897). Bd.: The Psychology of Laughing. es wird die Ergebnisse der ersten unverändert lassen.. In: Revue de metaphysique et de morale. Auguste: Le rire et la liberte.. P. 9 (1897) Meredith.zweiten resultieren mag. Theodor: Komik und Humor. In: Essais. Paris 1875. Paris 1862 Courdaveaux.. Bd. Hamburg 1898. Paris 1883 Bain. Hall. Paris 1885. Bd. 2 (1885). auch Dumont: Les causes du rire. Das ist übrigens der Punkt. Eine psychologisch-ästhetische Untersuchung.B. 571 ff. moral et psychologique. 164 ff. Vgl. Tickling and the Comic. In: Revue philosophique de la France et l'etranger. S. S. Bd. Lacombe. 513 ff· Heymans. In: Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane. Bd. Literaturverzeichnis Hecker. Z49H.385ff. Berlin 1873 Dumont. Paris 1896. 202 ff. auf den wir die Aufmerksamkeit des Lesers in unserem Nachwort zu der vorliegenden Buchausgabe lenken möchten. Penjon. Emil: Zur Psychologie des Komischen. Stanley. 342 ff. Januar 1924 H. S. S. Gerardus: Zur Psychologie der Komik. die wissenschaftliche Genauigkeit und Folgerichtigkeit verbürgt. 8 . Ewald: Physiologie und Psychologie des Lachens und des Komischen. Theodule: La psychologie des sentiments.: Du comique et du spirituel. Victor: Etudes sur le comique. Α. S. In: Philosophische Studien. Leon: Theorie scientifique de la sensibilite. 2 (1893) Melinand: Pourquoi rit-on? In: La Revue des Deux-Mondes. Spencer. und Allin. Bd. Jg. New York 1897 Lipps. In: Philosophische Monatshefte. Louis: Le rire. George: An Essay on Comedy. Α.24 (1888). S. 327ff. Paris. Essai litteraire. S. auch Lipps: Psychologie der Komik. 1895 (Februar) Ribot. Vgl. In: The American Journal of Psychology. 1 (1891). Parisi875 Philbert. 20 (1899). und diese erste ist nach unserer Meinung die einzige. S. 128 ff.: Les emotione et la volonte.

Bd. Nr. Bd. James: An Essay of Laughter. Schauer. Heatb: The Comic as Illustrating the Summation-Irradiation Theory of Pleasure-Pain. E. In: Revue germanique.3/4 (30. Rallen. S. 3 36 ff. In: Psychological Review. In: Etudes d'histoire litteraire. 5 (September). Paris 1902 Sully. Delage. Judgments of the Comic. Sigmund: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Karl: Das Komische. E. In: The American Journal of Psychology. S. Nr. 337ff. New York 1921 . H. Hg. Max: The Sense of Humor. Paris 1906 Kline: The Psychology of Humor. Bd. Bd.Kris. O. 35 ff. In: Revue du Mois. H. Hofer. 601 ff. Harry Levi: Experimental Studies in Judgment.Überhorst. 17 (1910). 16 (1905). Nr. London 190z Martin. 1 (Januar-Februar). In: The American Journal of Psychology. S. 20 (1919). S. von Anna Freud. In: The American Journal of Psycho­ logy. Baldensperger. Frankfurt a. 6. Bd.: Psychology of Aesthetics: The Comic. Bd. Bd. In: The Psychological Review.Wiederabgedruckt in: Freud: Gesammelte Werke in Einzelbänden. Isakower. S. S. 132 ff. Otto: Über das Wesen der Komik. 421 ff. 2 (1906). . 18 (1910). S. Leipzig 1905. 22 (1911). Gaultier. Louis: Pourquoi nous ne ρομνοηβ definir l'humour. 2 (März). Ludovic: Psychologie du rire. Bd. Hollingworth. Fernand: Les definitions de l'humour. 18 (1907). August). Bibring. Horace Meyer: The Aesthetic Principle in Comedy. Freud. M. i37ff. Eastman. W. L. Yves: Sur la nature du comique. S.411 ff. 18 (1911). 1 (1907) Bawden. Bd. Paul: Le rire et la caricature. 1979 Cazamian.J. Jg. In: Archiv für die gesamte Psychologie. Leipzig 1899 Dugas.

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Erstes Kapitel Von der Komik im allgemeinen Die Komik der Formen und die Komik der Bewegungen Die Ausdehnungskraft der Komik .

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so leichtgeschürzt sie auch sein mag. Denn wie können wir die komische Phantasie erfassen — vernünftig noch in ihren größten Sprüngen.Was bedeutet das Lachen? Was steckt hinter dem Lächerlichen? Was haben die Grimasse eines Clowns. wie die soziale. die wir sehen. vielleicht vermittelt uns dieser fortwährende Kontakt etwas Geschmeidigeres als eine theoretische Definition . die von einer ganzen Gesellschaft sogleich akzeptiert und verstanden werden—. Vielleicht auch entdecken wir zum Schluß. Und sie wird. doch im Traum Bilder heraufbeschwörend. und doch entzieht es sich jedem. daß wir unversehens eine nützliche Erfahrung gemacht haben. vor unseren Augen die seltsamsten Metamorphosen durchleben. ohne gleichzeitig mehr zu erfahren über die menschliche Phantasie überhaupt und insbesondere über die Art. Wer weiß. Wir sehen in ihr vor allem etwas Lebendiges. die so vielen verschiedenartigen Dingen entweder einen aufdringlichen Geruch oder aber ein zartes Aroma verleiht? Seit Aristoteles haben sich die größten Denker in dieses kleine Problem vertieft. Wir werden nichts anderes tun als zusehen. traumähnlich vielleicht. die komische Phantasie auf keinen Fall in eine Definition zu zwängen. es gleitet davon. der es fassen will. ein Wortspiel. taucht wieder auf: eine einzige spitzbübische Herausforderung an die philosophische Spekulation. mit dem Respekt behandeln. methodisch bei allem Unsinn. der dem Leben gebührt. eine Verwechslung in einem Schwank. nebensächlich sein. wie sie sich aus langjähriger Kameradschaft ergibt. volkstümliche Phantasie arbeitet? Wie sollte sie. Daß nun auch wir dem Problem zu Leibe rücken. Wir werden sie. in Sachen Kunst und Leben nicht auch ein Wörtchen mitzureden haben? 13 . eine geistvolle Lustspielszene miteinander gemein ? Wie destillieren wir die immer gleichbleibende Substanz heraus. Für uns wird keines von den Dingen. wie sie wächst und sich entfaltet. können wir einzig mit der Absicht rechtfertigen.eine praktische und intime Kenntnis. da sie ja aus dem wirklichen Leben hervorgegangen und mit der Kunst verwandt ist. kollektive. unmerklich von einer Form in die andere übergehend. verschwindet.

denn wenn irgendein Tier oder' irgendein seelenloser Gegenstand zum Lachen reizt. für den wir Mitleid oder Zärtlichkeit empfinden. es ist vielmehr die Form. Ich will nicht behaupten. Versuchen Sie nur einmal. aber vielleicht würden wir immer noch lachen. doch das. was wahrhaft menschlich ist. die ihm die Menschen gegeben haben. komisch ist sie nie. Weshalb hat eine bei all ihrer Schlichtheit so wichtige Tatsache die Philosophen nicht stärker beschäftigt? Mehrere haben im Menschen ein »Tier. lieblich. das lachen macht«.dann aber müßten wir diese Zärtlichkeit. es ist der menschliche Einfall. werden das Lachen weder kennen noch begreifen. Man lacht über einen Hut. was 14 ι . das lachen kann«. worüber man spottet. daß wir über einen Menschen. gesehen. großartig. Man lacht über ein Tier. aber nur weil man einen menschlichen Zug oder einen menschlichen Ausdruck an ihm entdeckt hat. wo wir es suchen müssen. In Gesellschaft reiner Verstandesmenschen würden wir wahrscheinlich nicht mehr weinen. dieses Mitleid für eine kurze Weile unterdrücken. nennen können. dem der Hut seine Form verdankt. Ausgesprochen gefühlvolle Seelen dagegen. Gleichgültigkeit ist ihr natürliches Element. dann geschieht dies einer gewissen Ähnlichkeit mit dem Menschen wegen. Wahrhaft erschüttern kann die Komik offenbar nur unter der Bedingung. glatten seelischen Boden fällt. weil der Mensch ihm seinen Stempel aufdrückt oder so oder so von ihm Gebrauch macht. in denen jedes Erlebnis seinen sentimentalen Nachhall findet. Zweitens: Das Lachen ist meist mit einer gewissen Empfindungslosigkeit verbunden. Das Lachen hat keinen größeren Feind als die Emotion. die wir für grundlegend halten.Wir werden zunächst drei Betrachtungen anstellen. nicht lachen könnten . Erstens: Es gibt keine Komik außerhalb dessen. Eine Landschaft mag schön. langweilig oder häßlich sein. Sie beziehen sich weniger auf das Komische selbst als auf den Ort. ist nicht das Stück Filz oder Stroh. Sie hätten ihn auch ein »Tier. daß sie auf einen möglichst unbewegten. I · . an allem.

wenn wir uns allein fühlten. Ein Mann wurde einmal gefragt. Das ist das Dritte. doch da Sie nicht dazugehörten. brauchen wir uns nur die Ohren zuzuhalten. Wir würden die Komik nicht genießen. die sie begleitet? Die Komik bedarf also einer vorübergehenden Anästhesie des Herzens. nicht auch geweint habe. abgegrenzter Ton. die sie . Dieser Widerhall braucht aber nicht ins Unendliche zu gehen.aus ihrem herzlichen Gelächter zu schließen . Anteil zu nehmen. Vielleicht haben Sie in einem Bahnabteil oder in einem Speisesaal schon einmal zugehört. Auch Sie hätten gelacht. sagte er. Unser Lachen ist immer das Lachen einer Gruppe. »Ich gehöre nicht zur Pfarrei«. damit uns die Tänzer lächerlich vorkommen. lösten wir sie von der Gefühlsmusik.und Sie werden sehen. Offenbar braucht das Lachen ein Echo. Was dieser Mann vom Weinen hielt. scharfer. In einem Salon. handeln Sie im Geist mit dem Handelnden. weshalb er beim Anhören einer Predigt.gesagt und getan wird. So groß sein Umkreis auch sein mag. es ist vielmehr etwas. Dieser Intellekt muß nun aber mit anderen Intellekten in Verbindung bleiben. wo getanzt wird.und manches Drama verwandelt sich in eine Komödie. das mit einem Ausbruch beginnt und sich rollend fortsetzt wie der Donner im Gebirge. Wie viele menschliche Handlungen hielten einer solchen Prüfung stand? Würden nicht viele plötzlich vom Tragischen ins Komische umschlagen.zweifellos komisch fanden. etwas. verspürten Sie nicht die geringste Lust zu lachen. das immer weiter um sich greift. das träfe noch viel mehr 15 * . Hören Sie genau hin: Es ist kein artikulierter. es wird immer ein geschlossener Kreis sein. hätten Sie zu ihrer Gesellschaft gehört. empfinden Sie mit den Empfindenden. lassen Sie Ihre Sympathie sich voll entfalten. was wir zu bedenken geben wollten. betrachten Sie das Leben als unbeteiligter Zuschauer . Stellen Sie sich nun abseits. Sie wendet sich an den reinen Intellekt. wie alles sich düster färbt. wie die gewichtslosesten Dinge wie unter der Berührung eines Zauberstabs gewichtig werden. um sich voll entfalten zu können. als jedermann Tränen vergoß. wie Mitreisende einander Geschichten erzählten.

wir müssen seine nützliche Funktion bestimmen. die einem einzelnen unter ihnen ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden. innerlich zusammenziehen. weshalb uns das Komische zum Lachen bringt. sieht man im Komischen nur eine Kuriosität. sie würden dennoch niemals erklären. warum kann uns diese besondere abstrakte Relation. und das ist die Gesellschaft. Selbst wenn man annimmt. an der sich der Verstand ergötzt. Wie oft ist nicht schon behauptet worden. Wie oft aber heißt es auch. müssen wir es wieder in sein angestammtes Element versetzen. In der Tat. Daher die Definitionen. schütteln. Und weil man die Bedeutung dieser beiden Tatsachen nicht erfaßt hat. wo unsere drei vorläufigen Betrachtungen zusammenlaufen. und das ist eine soziale Funktion. während alle anderen uns kalt lassen? Von daher werden wir das Problem also nicht anpacken. im Lachen wiederum nichts als ein seltsames Phänomen ohne Zusammenhang mit den übrigen menschlichen Lebensäußerungen. Bestimmen wir ein für allemal den Punkt.auf das Lachen zu. ausdehnen. sie paßten auf sämtliche Arten der Komik. die das Komische als geistig wahrgenommene abstrakte Relation zwischen Ideen hinstellen wollen: »Intellektueller Kontrast«. sobald wir sie wahrnehmen. Hinter dem Lachen steckt bei aller scheinbaren Offenheit immer ein heimliches Einverständnis. ich möchte fast sagen eine Verschwörung mit anderen wirklichen oder imaginären Lachern. je voller der Saal sei. Das Lachen muß gewissen Anforderungen des Gesellschaftslebens genügen. Dies wird der Leitgedanke bei unseren Untersuchungen sein. »spürbare Absurdität« und wie die Begriffe alle heißen. das Publikum lache im Theater um so lauter. viele komische Effekte ließen sich nicht von einer Sprache in eine andere übersetzen. indem sie alle persönlichen Gefühle ausschalten und nur ihren Verstand arbeiten lassen. Das Lachen muß eine soziale Bedeutung haben. Um das Lachen zu verstehen. Komik entsteht innerhalb einer Gruppe von Menschen. weil sie sich auf die Sitten und Ideen einer ganz bestimmten Gesellschaft bezögen. Worauf wird sich ihre Aufmerksamkeit 16 .

Zuvor aber werden wir ein paar Beispiele anführen müssen.: Aber weil er ungelenk oder zerstreut war oder weil ihm sein Körper infolge irgendeiner Versteifung oder wegen des schon erreichten Tempos nicht gehorchte. stolpert und fällt. wenn man annehmen könnte. Deshalb ist der Mann gestürzt. Lächerlich ist in diesem wie in jenem Fall eine gewisse mechanisch wirkende Steifheit in einem Augenblick. Der einzige Unter17 . da man von einem Menschen wache Beweglichkeit und lebendige Anpassungsfähigkeit erwartet. was ihn umgibt. Unfug getrieben. was immer er tut. Vielleicht lag ein Stein auf der Straße. Doch er tat nichts dergleichen. Er hätte langsamer laufen oder das Hindernis umgehen sollen. weil er sich unfreiwillig hingesetzt hat. man würde nicht lachen. es ist das Unfreiwillige an diesem Wechsel. II Ein Mann läuft auf der Straße. Er bewegte sich mechanisch weiter. Man lacht. Die Gewohnheit hatte seine Bewegungen diktiert. er glaubt. kurz. und plumpst zu Boden. Ein anderer geht mit mathematischer Regelmäßigkeit seinen kleinen Geschäften nach. Das Opfer des dummen Scherzes befindet sich also in der gleichen Lage wie der gestürzte Läufer. Nun hat aber ein Spaßvogel hinter seinem Rücken mit allem. sich hinzusetzen. die uns lachen macht. Der Gefoppte taucht seine Feder ins Tintenfaß und zieht Schlamm heraus. auch als die Umstände schon längst etwas anderes von ihnen verlangten. Ich glaube. Das Lachen wird also nicht durch den unvermuteten Wechsel seiner Stellung erzeugt. er habe sich plötzlich entschlossen. und darüber lachen die Passanten. Er hätte diese unterbrechen oder ändern sollen.richten müssen? Womit wird sich ihr Verstand beschäftigen? Mit der Antwort auf diese Fragen kämen wir dem Problem schon näher. es ist die Ungeschicklichkeit. Er ist aus demselben Grund komisch. er setze sich auf einen soliden Stuhl. Die Passanten lachen. bewegten sich seine Muskeln im gleichen Rhythmus weiter. ist verkehrt oder ein Leerlauf nach dem ewig geltenden Gesetz der Trägheit.

Er mißbrauchte das Rezept. daß er ein Rezept zur Massenfabrikation komischer Effekte gefunden hatte. In beiden Fällen aber ist es ein ν äußerer Umstand. daß ein Mensch sieht. um sich zu offenbaren. Sie muß aus sich selbst auf natürliche Weise immer neue Gelegenheiten schaffen. was nicht mehr tönt. Denken wir uns eine gewisse angeborene Unbeweglichkeit der Sinne und des Geistes. daß er kaum mehr davon loskam. Er ließ sich lang und breit über seinen Menalque aus. keines Hindernisses mehr bedarf. während er sich doch der augenblicklichen Wirklichkeit anpassen sollte. Wie wird es ins Innere gelangen? Nur wenn die mechanische Steifheit. Stellen wir uns jetzt einen Menschen vor. der Spaßvogel hat experimentiert. der unmittelbar aus dieser Quelle stammt. während der zweite künstlich herbeigeführt worden ist. was er gerade getan hat. sagt. die bewirkt. Nun. vielleicht befindet man sich mit der Zerstreutheit nicht an der Quelle der Komik selbst. Nicht umsonst pflegt der Zerstreute (denn von einem solchen ist die Rede) die Spottlust der Komödiendichter zu reizen. hört. die ständig hinter ihrer Begleitung herhinken würde. was nicht mehr ist. Stoff und Form. wurde ihm klar. daß der erste sich von selbst ereignet hat. Als La Bruyere auf diesen Charaktertyp stieß und sich näher mit ihm zu befassen begann. und nie an das. das ihr der Zufall oder menschliche Tücke in den Weg gelegt haben. daß er sich in einer vergangenen und unwirklich gewordenen Situation häuslich einrichtet. um in Erscheinung zu treten. Ursache und Gelegenheit.wie eine Melodie. kurz. sicher aber in einem Fluß von Ereignissen und Einfällen. was er tut . der immer an das denkt. der den komischen Effekibewirkt hat. Hier verlagert sich das Komische in die Person selbst: Die Person steuert alles Notwendige dazu bei. Der Passant hat nur zugeschaut. Man befindet sich auf einem der großen natürlichen' Gefälle des Lachens. Das Thema war so dankbar. kam wieder und wieder auf seine Beschreibung zurück. was nicht mehr paßt.schied zwischen den beiden Fällen besteht darin. Das Komische ist also zufällig. 18 . Es bleibt gewissermaßen an der Oberfläche der Person haften.

den gleichen inneren Mechanismus in Gang setzen wie das Opfer eines Schabernacks oder der Mann. wenn wir ihren Ursprung kennen und ihre Geschichte rekonstruieren können. Don Quijote hat einen Stern betrachtet. wenn wir auf die Vorstellung von der Zerstreutheit als Bindeglied zurückgreifen. Sterngucker. die über Realitäten stolpern. wenn man sie uns als schlichte Tatsache vorsetzt. Welche Tiefen erreicht die Komik in einem schwärmerischen und weltfremden Gemüt! Und doch. so kommt uns die Wirkung um so komischer vor. sie ergeben sich aus der Präsenz der Person in einer ganz bestimmten. Sie alle sind Läufer. als ihre Zerstreutheit Methode hat und auf eine 19 . jene verträumten Gesellen. wie diese abgrundtiefe Komik sich ohne weiteres mit der oberflächlichsten Komik verbündet. je natürlicher wir ihre Ursache finden. Er bewegt sich wie ein Nachtwandler unter uns. Noch komischer wirkt sie auf uns. ob einer in ein Wasserloch plumpst. Seine Handlungen sind Fehlleistungen. Sie lassen sich jedoch durchwegs auf eine uns bekannte und positive Ursache zurückführen. arglose Träumer. wendet er ihnen allmählich sein Denken und Wollen zu. Ja. die man hinters Licht führt. Es sind nicht mehr nur Absenzen.und Ritterromane liest. der auf der Straße ausrutscht. denen das Leben boshaft' mitspielt. Nehmen wir als konkretes Beispiel den Fall eines Menschen an. und Naive. so sehen wir. Vor allen Dingen aber sind sie große Zerstreute. weil sie in uns an die gleichen Saiten rühren. den anderen insofern überlegen. Das Gesetz lautet: Wenn eine bestimmte komische Wirkung eine bestimmte Ursache hat. der immer nur Liebes. jene Überspannten. ein Sturz ist und bleibt ein Sturz. Angezogen und fasziniert von seinen Helden. es fragt sich nur. wiewohl imaginären Umwelt. Wir haben soeben die erste Anwendung eines allgemein gültigen Gesetzes beschrieben. Wir lachen schon über die Zerstreutheit.Aber auch die Wirkung der Zerstreutheit kann sich verstärken. Gewiß. die hinfallen. wenn sie vor unseren Augen entstanden und gewachsen ist. weil er ins Blaue gestarrt hat oder weil er nach einem Stern ausschaute. jene so seltsam vernünftigen Narren machen uns lachen.

Fraglos gibt es Laster. ihre Kennzeichen verblassen. es bleibt. was sie an befruchtender Kraft in sich trägt. es bewahrt immer seine unabhängige und einfache Existenz. sich ein Stück vorzustellen. nicht aber an Othello. die sich jederzeit steigern können. Der Eifersüchtige kann nur der Titel einer Komödie sein. Unsere nächste Frage lautet: Wäre es nicht denkbar. dank der unerbittlichen Logik. wo eine Tragödie bestimmte Leidenschaften oder Laster mit Namen versieht. verschmilzt sie diese so sehr mit dem Darsteller. überlegen schließlich. sondern umgekehrt: das Laster macht uns einfacher. das Der Eifersüchtige hieße. Viele Lustspiele dagegen sind mit der Bezeichnung einer Gattung überschrieben: Der Geizige. die 20 . sondern nur noch an die Person denken. und daß wir überhaupt nicht mehr an sie. in den wir uns einfügen. Wir machen es nicht komplizierter. daß gewisse Laster den Charakter auf die gleiche Weise beeinflussen wie die Starrheit einer fixen Idee den Geist? Ob angeborener Charakterfehler oder Willensschwäche.zentrale Idee ausgerichtet ist. Sie würden sofort an Sganarelle denken oder an George Dandin. Laster. in denen sich die Seele mit allem. Darum kann der Titel eines Trauerspiels in der Regel nur ein Eigenname sein. das Laster gleicht oft einer Verkrümmung der Seele. Selbst dort. Es zwingt uns seine Steifheit auf. daß ihre Namen in Vergessenheit geraten. welche die Seele beleben und schließlich einen Wirbel von Verwandlungen mitreißen. Das Laster aber. ansiedelt. Das sind die tragischen Laster. wird uns im Gegenteil von außen her zugetragen wie ein fertiger Rahmen. Der Spieler usw. weil sie auf diese Weise durch Effekte. überlegen auch deshalb. die sie verkörpert. Forderte ich Sie auf. ein nicht enden wollendes Gelächter um sich verbreiten. Darin scheint der Unterschied zwischen der Komödie und der Tragödie zu liegen. das uns zur komischen Figur stempelt. unsichtbar und gegenwärtig. weil ihre Mißgeschicke eng miteinander zusammenhängen. anstatt sich unsere Gelenkigkeit anzueignen. mit welcher die Wirklichkeit dem Traum zu Leibe rückt. Denn das komische Laster kann sich noch so intim mit einer Person vereinigen.

Hauptfigur. werden Sie erkennen. Es bewirkt. ist also wieder ein Automatismus. wie er ist. Das Lächerliche dagegen sucht. von der betrogenen Naivität zur Zerstreutheit. Der Held einer Tragödie verhält sich nicht anders. sehr deutlich empfindet. daß wir sofort zu scheinen versuchen. mit dem Laster so sehr vertraut zu machen. auch wenn er den Abscheu. er würde sich zwar kaum bekehren. zumindest äußerlich eine andere Ausdrucksform. den er uns einflößt. wie sie sich selbst vergißt. wie wir sein Verhalten beurteilen. Wir haben gesehen. er darf so bleiben. von der Zerstreutheit zur Überspanntheit. Das Komische ist unbewußt. Manchmal leistet es sich den Spaß. Was uns erheitert. von der Überspanntheit zu den verschiedenen Deformationen des Willens und des Charakters. aber er würde uns seinen Fehler weniger offen oder auf andere Art zeigen. Wenn Sie genau hinsehen. welcher die Menschen aus Fleisch und Blut auf der Bühne lediglich angehängt werden. macht es sich für sich selbst unsichtbar. daß die Kunst des Komödiendichters darin besteht. Lassen wir es vorläufig dabei bewenden. wie' die ZI . zum Spielen überläßt.-lvieist wirkt ja eine komische Gestalt genau so lange komisch. was wir sein sollten und was wir eines Tages zweifellos auch sein werden. Dann dürfen wir selber spielen. uns so tief in dessen innerstes Wesen eindringen zu lassen. Wir haben die Entwicklung der Komik verfolgt vom stolpernden Läufer zum gefoppten Pedanten. In diesem Sinne vor allem »geißelt das Lachen die Sitten«. daß es uns zuletzt sogar einige der Schnüre. indem es für jedermann sichtbar wird. sobald es sich als lächerlich empfindet. an denen es seine Marionetten tanzen läßt. oder es läßt sie zappeln wie Hampelmänner. auch wenn er genau weiß. Könnte Harpagon uns über seinen Geiz lachen hören. Häufiger jedoch spielt es auf ihnen wie auf einem Instrument. Und das ist ein Teil unseres Theatervergnügens. sie alle mit seinem Gewicht fortzureißen und einen Abhang hinunterzukollern. Als ob es den GygesRing im umgekehrten Sinn verwenden würde. uns. die Zuschauer. Und auch dieser Automatismus steht der einfachen Zerstreutheit sehr nahe. was er ist. nur weil er weiß.

und sich im übrigen ganz dem mühelosen Automatismus erworbener Gewohnheiten überläßt. wenn auch noch unbestimmtes Bild machen können. daß jeder von uns sich damit begnügt. kann der Mensch leben. ohne uns indessen noch in seinen subtilsten Ausdrucksformen vergessen zu lassen. es ist auch eine gewisse Elastizität des Körpers und des Geistes. Und fehlen sie dem Charakter. die grundlegenden Bedingungen dieses Gleichgewichts zu achten. mit allen Arten von Verrücktheit zu tun. Fehlen sie dem Geist. so daß diese immer exakter ineinandergreifen daß sie sich vielmehr darauf beschränken. dank welcher wir uns dieser Situation anzupassen vermögen. Ein etabliertes Einverständnis unter den Individuen ist der Gesellschaft nicht genug. das ist eine stets wache Aufmerksamkeit. was wir schon in seinen gröberen Formen beobachtet hatten: den Effekt des Automatischen und Starren. dann ergeben sich die schweren Fälle von mangelnder Anpassung an das soziale Leben. Sie will nicht nur leben. dank welcher wir die jeweilige Situation erkennen. Doch die Gesellschaft fordert noch mehr. sie verlangt ein fortwährendes Bemühen um gegensei22 . und zwar leben in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Sie muß auch befürchten. Jetzt werden wir uns von der lächerlichen Seite der menschlichen Natur und von der Funktion des Lachens ein erstes. Das Leben bedient sich ihrer.Komik im Menschen immer tiefere Schichten durchdringt. ist. Erst wenn diese an den Kern des Daseins rührenden Mängel behoben sind (und meist verschwinden sie im sogenannten Lebenskampf von selbst). dann haben wir es mit jedem Grad von seelischer Armut. Was sie nun befürchten muß. Was das Leben und die Gesellschaft von jedem von uns fordern. Fehlen sie dem Körper in hohem Maß. sie will gut leben. daß ihre Glieder keineswegs ein immer subtileres Gleichgewicht der verschiedenen Willensformen anstreben. Krankheiten. Quellen manchen Elends. Gebrechen. bisweilen Ursachen des Verbrechens. auf das Wesentliche im Leben zu achten. Gespanntheit und Elastizität sind zwei sich ergänzende Kräfte. so entstehen Unglücksfälle jeder Art.

des Geistes und sogar des Körpers wird der Gesellschaft daher verdächtig sein. weil sie auf eine erlahmende Tatkraft schließen läßt. Dennoch kann die Gesellschaft gegen dieses Aus-der-Reihe-Tanzen nicht mit dem Mittel der materiellen Repression einschreiten.tige Anpassung. auf ein Handeln auch. die sich zu isolieren und einzuschläfern drohen. kurz. sich selber als Kunstwerke zu behandeln beginnen. das abseits des gemeinsamen Mittelpunktes erfolgt. so verbleibt außerhalb dieses Gebietes der Leidenschaften und des Kampfs. es sorgt dafür. Diese Steifheit ist das Komische. Sie steht vor einer Erscheinung. die an der Oberfläche des sozialen Körpers übriggeblieben sein könnte. die sie beunruhigt. die es einflößt. schlimmstenfalls als eine Geste. als das Komische genau in dem Augenblick beginnt. da die Gesellschaft und der einzelne. korrigiert es das Ausgefallene. und das Lachen ist ihre Strafe. Mit anderen Worten: Zieht man einen Kreis um die Handlungen und Verhaltensweisen. Die Formel ist zu einfach. damit ihre Glieder möglichst beweglich und umgänglich seien. Das Lachen hat daher mit reiner Ästhetik nichts zu tun. da es ja (unbewußt und in Einzelfällen sogar auf unmoralische Weise) den nützlichen Zweck einer allgemeinen Vervollkommnung verfolgt. sich außerhalb des von der Gesellschaft gebildeten Kreises bewegt. wo der Mensch dem Menschen nur noch als Schauspiel dient. Und doch hat es insofern etwas Ästhetisches an sich. von der Sorge um ihre Erhaltung befreit. So gesehen. daß gewisse Handlungsweisen. wenn auch nur als Symptom . die das individuelle oder soziale Leben bedrohen und sich durch ihre natürlichen Folgen selbst bestrafen. eine gewisse Steifheit des Körpers. als daß sie uns die Erklärung für 23 . Jede Versteifung des Charakters.kaum als eine Bedrohung. Durch die Furcht. in einer neutralen Zone. wäre das Lachen eine soziale Geste. des Charakters und des Geistes. es lockert jede mechanische Steifheit. Also wird sie nur mit einer Geste darauf antworten können. und auch diese noch möchte die Gesellschaft ausmerzen. da sie ja nicht materiell betroffen ist. stets bewußt und aufeinander abgestimmt bleiben.

wie wir von der Mißbildung zur Lächerlichkeit kommen. So einfach sie klingen mag.sämtliche komischen Effekte liefern könnte. III Das Einfachste zuerst. Häßlichkeit läßt sich aber nicht viel leichter analysieren als Schönheit. übertreiben wir sie bis zur Mißbildung. indem wir von neuem den Faden aufnehmen. während sein Körper sich dem Ablauf des Fechtganges überläßt. und dann wollen wir sehen. bis zu dem Punkt vor. daß die Ursache sichtbar wird. Den pausenlosen Ablauf der komischen Erscheinungen werden wir jetzt zu rekonstruieren versuchen. als daß man sie frontal in Angriff nehmen könnte. Betonen wir also die Häßlichkeit. der uns noch oft weiterhelfen wird. Was ist eine komische Physiognomie? Woher stammt ein lächerlicher Gesichtsausdruck? Und wo ist hier der Unterschied zwischen dem Komischen und dem Häßlichen? Die Frage ist in dieser Form bisher immer nur willkürlich beantwortet worden. Sie paßt zweifellos auf elementare. Man wird sich ihrer stets erinnern müssen. ideale Fälle.da ja die Komik irgendwo zwischen Leben und Kunst schwankt . Wir werden das Problem gewissermaßen ausweiten. indem wir die Wirkung so stark vergrößern. machen wir dann und wann halt. Unbestreitbar haben gewisse Verunstaltungen vor anderen 24 . schauen wir uns um und dringen wir schließlich. theoretische. der von den Grimassen des Clowns bis zu den raffiniertesten Spielen der Komödie führt. Wir wollen es trotzdem versuchen. was die Komik dazu beisteuert. Wir werden sie vor allem als Leitmotiv unserer weiteren Ausführungen benützen. und zwar mit einem Kniff. wo der Faden beginnt und wo uns vielleicht . Zuerst müßte man die Häßlichkeit definieren und danach herausfinden.die Beziehung der Kunst zum Leben klar wird. wo die Komik rein und unvermischt auftritt. wie'der gute Fechter an die einzelnen gelernten Bewegungen denkt. ohne ihr allzuviel Gewicht beizumessen — etwa so. sie ist schon zu subtil. Folgen wir diesem Faden auf oft unvorhergesehenen Umwegen. sofern dies möglich ist.

wenn er uns an etwas Verkrampftes erinnert. und teilen wir diese in zwei Gruppen ein: hier jene. und versuchen Sie einen neuen. Demnach würde der Bucklige wie ein Mensch wirken. der sich absichtlich in einer Haltung versteift und seinen Körper gewissermaßen zum Grimassenschneiden zwingt. Denken Sie nicht darüber nach. Indem wir die lächerlich anmutende Mißbildung in Gedanken abschwächen. Lächerlich wird also ein Gesichtsausdruck sein. Daraus können wir wohl die folgende Regel ableiten: Komisch kann jede Verunstaltung werden. naiven. Wenn wir von der Schönheit oder sogar von der Häßlichkeit des Ausdrucks sprechen. was Sie wissen. dort die anderen. welche die Natur in den Bereich des Lächerlichen gerückt hat. der sich krumm hält. unmittelbaren Eindruck zu gewinnen! Sie werden einen Menschen sehen. eine fixierte Grimasse — das ist es. weil er . und ziehen Sie keine Schlüsse! Vergessen Sie. wenn wir sagen. Betrachten Sie den Fall nur mit den Augen. ein Gesicht sei ausdrucksvoll.als feste Angewohnheit wirke. dann meinen wir einen Ausdruck.den traurigen Vorzug.sei er noch so anmutig oder schön . Hier müssen wir aber eine wichtige Unterscheidung machen. Auf Einzelheiten brauchen wir hier nicht einzugehen. müssen wir zwangsläufig auf die komische Häßlichkeit stoßen. an etwas im gewöhnlich bewegten Mienenspiel Erstarrtes. die ein wohlgestalteter Mensch nachzuahmen vermöchte. Stellen wir uns ganz einfach verschiedene Mißbildungen vor. die jeglicher Komik entbehren. aus Steifheit würde er in dieser Gewohnheit verharren. Sein Rücken hätte eine schlechte Gewohnheit angenommen. den wir klarstellen wollten. die alle möglichen Nuancen eines Seelenzustandes verschwommen widerspiegelt — so wie sich die warmen Verheißungen des Tages im 2-5 . Man wird einwenden. der dauerhaft sein kann und dennoch Beweglichkeit vermuten läßt. daß sie zum Lachen reizen. Ein chronischer Tick. Es haftet ihm bei aller Beständigkeit eine Unbestimmtheit an. das treffe auf jeden typischen Gesichtsausdruck zu. Zurück zum Punkt. was wir darin sehen werden. Aus Eigensinn.

wonach die Wirkung um so komischer ist. die sie schneiden würden. die er zeichnet. wenn sie ihre schon vorhandene Grimasse jemals zu Ende schnitten. den Schatten einer möglichen Grimasse. Es gibt Gesichter. Automatismus. Die Kunst der Karikaturisten besteht darin. erworbene und beibehaltene Gewohnheit. wenn wir diese Merkmale auf eine tiefere Ursache. als es uns an eine einfache. die scheinen unaufhörlich mit Weinen beschäftigt zu sein. die Grimassen schneiden. wieder andere sehen aus. Ein Gesicht kann noch so regelmäßig sein. die einmalige und endgültige Grimasse. daß er diese oft kaum wahrnehmbare Bewegung erfaßt und sie allen Augen sichtbar macht. seine Bewegungen noch so anmutig wirken. So endgültig. der nicht mehr verspricht. indem er sie überbetont. Das sind die komischsten. das Gleichgewicht ist nie vollkommen.Duft eines Frühlingsmorgens vorausatmen lassen. mechanische Handlung erinnert. die sich aber nicht weiterentwickeln konnten. Wir haben dann das Gefühl. das sind die Dinge. andere mit Lachen oder mit Pfeifen. weil eine bessere Kraft sie unterz6 . je natürlicher wir ihre Ursache finden. eine gewisse fundamentale Zerstreutheit der Person zurückführen können. Er spürt unter den oberflächlichen Harmonien der Form den hartnäckigen Widerstand der Materie. die in der Natur schon passiv dagewesen sein müssen. Jetzt verstehen wir auch die Komik der Karikatur. Komisch dagegen ist ein Gesichtsausdruck. als bliesen sie ewig in eine Trompete. seine Züge mögen noch so harmonisch. als sei das ganze Seelenleben eines Menschen darin zu Stein erstarrt. Die Wirkung wird aber noch stärker. Steifheit. die Seele habe sich von der Stofflichkeit einer simplen Handlung faszinieren und hypnotisieren lassen. in die eine Person für immer vertieft wäre. die uns an einer Physiognomie zum Lachen reizen. Auch hier bestätigt sich die Regel. als was er hält. Er läßt die Personen. die das Naturgegebene verzerren wird. Immer wieder entdeckt man darin die Spur eines sich ankündigenden Ticks. Komisch ist deshalb ein Gesicht in dem Maß. Er erblickt Mißverhältnisse und Verzerrungen. irgendeine besondere Deformation.

ein Kinn zurückversetzt. ohne eine wirklich karikaturhafte Wirkung zu erzielen. den der. gewiß. wie schon die Natur sie verlängert hat. im Bogen einer Nase. eine Wange aufgebläht hat. Durch die Bewegung. die mildernde Kontrolle einer vernünftigeren Kraft zu umgehen und ihre Grimasse zu Ende zu führen. Seiner Kunst haftet etwas Diabolisches an: Sie läßt den Dämon. wenn er sie zum Beispiel in dem Sinn verlängert. wenn wir sagen. Etwas von dieser beschwingten Schwerelosigkeit vermittelt sie dem Körper. die der Künstler in der Natur sich abzeichnen sieht.Engel zerschmettert hatte. Das meinen wir. auf welche Doktrin unser Verstand auch immer schwören mag. dann schneidet diese Nase tatsächlich Grimassen: dann haben wir das Gefühl. die keiner Bewegung fähig sind. Am Ende hat unsere Phantasie. denen man die Übertreibung kaum ansieht. Deshalb werden wir sie sogar in Gesichtsteilen suchen. was uns interessiert. Wenn der Karikaturist die Größe einer Nase verändert. die dem Modell ähnlicher sind als Porträts. andere können maßlos übertreiben. und doch wird man ihr nicht gerecht. Denn es gibt Karikaturen. Wir dürfen in ihr nur ein Mittel sehen. Das Unstoffliche. uns Verzerrungen vor Augen zu führen. Denn Form ist für uns die Linie einer Bewegung. wieder auferstehen. den sie belebt. scheint es ihr geglückt zu sein. die der Schwerkraft entronnen ist. Auf die Verzerrung kommt es an. ewig regen Seele. einer unendlich beweglichen. Soll die Übertreibung komisch sein. aber ihren »Grundriß« unangetastet läßt. mit welcher sie einen Mund gespalten. das auf diese Weise in Stoff über27 .drückte. das im Grunde seine eigene Karikatur ist. so darf sie nicht als Zweck erscheinen. wenn man ihr die Übertreibung als Zweck unterstellt. ihre ganz bestimmte Philosophie. weil die Erde sie nicht anzieht. Karikaturen. ja selbst in der Form eines Ohrs. auch das Original habe sich verlängern und Grimassen schneiden wollen. sie ist das. die Natur sei oft selbst und mit Erfolg ein Karikaturist. Sie sieht in jeder menschlichen Form das Werk einer die Materie formenden Seele. In diesem Fall lachen wir über ein Gesicht. Diese Kunst übertreibt.

gewinnt er dem Körper eine komische Wirkung ab. wie uns dieser Körper an einen gewöhnlichen Mechanismus erinnert. Denn täuschen wir uns nicht: Die Komik einer Zeichnung wird zur Hauptsache von der Literatur bestritten. Wir werden auch jede Komik. Um uns die Gültigkeit des Gesetzes direkt bestätigen zu lassen. als nebensächlich betrachten. Als erstes zitieren wir das Gesetz. zu lähmen. brauchen wir uns nur in das Werk der humoristischen Zeichner zu vertiefen. das bewegliche Mienenspiel zur dauerhaften Grimasse erstarren lassen. Wo es dem Stoff gelingt. nennen wir Anmut. Wir möchten diese Regel nicht bis in ihre einzelnen unmittelbaren Anwendungen verfolgen. anstatt daß er sich unter dem Einfluß eines lebendigen Ideals fortwährend erneuert. . Komisch sind die Haltungen. Aber der Stoff widersteht und beharrt. IV Gehen wir jetzt von der Komik der Formen zur Komik der Gebärden und Bewegungen über. Dabei können wir die Karikatur beiseite lassen. und der Zeichner borgt sie sich nur aus. Er möchte die sinnvoll abgestuften Bewegungen des Körpers zu sinnlos erworbenen mechanischen Gesten versteinern. 28 . . ja der ganzen Person die Haltung eines Menschen aufzwingen. der in der Stofflichkeit mechanischen Tuns völlig aufgegangen zu sein scheint. die keinen integrierenden Bestandteil der Zeichnung bildet.seinen Rhythmus. Gebärden und Bewegungen des menschlichen Körpers genau in dem Maß. Er möchte das immer wache Wirken dieses höheren Prinzips an sich ziehen.geht. zur eigenen Trägheit bekehren und zum Automatismus verkümmern lassen. Das Komische ist eher steif als häßlich. das nach unserer Ansicht die entsprechenden Fälle : beherrscht. wohl aber der Anmut gegenüberstellen. Es läßt sich mühelos aus den bisherigen Überlegungen ableiten. das Leben der Seele nach außen zu verdicken. Ihre Zahl ist endlos. so müßten wir es nicht der Schönheit. wir haben sie ja schon untersucht. Wollten wir also das Komische im Vergleich mit seinem Gegenteil definieren.

muß uns als Ganzes weiterhin den Eindruck eines lebenden Wesens vermitteln. deren Glieder zu ebenso vielen mechanischen Bestandteilen versteift wurden. Und an der besonderen Art von Leben. wir müssen im Innern dieses Menschen so klar wie durch Glas einen zerlegbaren Mechanismus erkennen. Die Suggestion muß deutlich sein. denn sich nicht mehr ändern. heißt nicht mehr leben. aber meist ist es eine ungreifbare Vision und verflüchtigt sich im Lachen. Die Gebärde ist eifersüchtig auf das Wort. Je exakter beide Vorstellungen — Mensch und Mechanismus . und die Person. das es auslöst. Sie wetteifern mit seinen Worten. Ebenso lebendig sei daher die Gebärde! Sie gehorche 29 . dem Gedanken auf allen seinen Wegen zu folgen. daß die Komik einer Zeichnung meist im Verhältnis zur Deutlichkeit und auch zur Diskretion steht. um so erschütternder ist die komische Wirkung.Zwar kann der Zeichner auch als satirischer Autor oder als Schwankdichter auftreten.ineinander greifen. dann aber muß sie sich die Mühe nehmen. Ein Gedanke ist etwas. die der Zeichner einem Hampelmann verleiht. nie wiederholt er sich. Soll sie. nur an die Zeichnung zu denken. läßt sich seine Originalität messen. Die Suggestion muß aber auch diskret sein. dann aber lachen wir viel weniger über die Zeichnungen selbst als über die dargestellte Satire oder Lustspielszene. Konzentrieren wir uns dagegen auf die Zeichnung mit dem festen Vorsatz. deshalb läuft sie hinter dem Gedanken her. blüht und reift. das Knospen treibt. Befassen wir uns nun mit seinen ferneren Auswirkungen. Nie bricht er ab. das im Lauf einer Rede wächst. Betrachten wir zum Beispiel die Gebärden eines Redners. So viel über die unmittelbaren Anwendungen unseres Prinzips. um so vollendeter die Kunst des Zeichners. läßt es sich festhalten. Das Bild von einer im Innern des Menschen funktionierenden Mechanik steckt hinter einer Unmenge von amüsanten Effekten. so werden wir wahrscheinlich feststellen. Auch sie will den Gedanken übersetzen dürfen. Jeden Augenblick muß er sich ändern. Nur wenn wir es gründlich analysieren. mit welcher uns ein Mensch als Hampelmann vorgestellt wird.

wenn ich sie erwarte . immer dieselbe. Deshalb werden Gebärden. Es ist das. folgten sie getreulich unseren inneren Regungen. die Gebärden. Eine solche Imitation ist komisch. daß man nur das nachahmen kann. so wird uns klar. Aber denken wir auch nur ein wenig darüber nach. vielmehr weil die imitierte Gebärde noch viel mechanischer 30 . wie viel komischer wird sie erst. über die zu lachen uns nicht eingefallen wäre. als daß man ihn lächerlich macht. Weshalb? Weil ich jetzt einen Mechanismus vor mir sehe. und sie kommt. lebten sie so. Man hat für dieses sehr einfache Phänomen sehr komplizierte Erklärungen gesucht. Das ist nicht mehr Leben. mechanisch und folglich unserer lebendigen Persönlichkeit fremd ist. das ist ein ins Leben eingebauter und das Leben imitierender Automatismus. der sich in ihm festgesetzt hat. auf einen Amboß schlagen oder unermüdlich an einem nicht vorhandenen Glockenstrang ziehen. kehrt sie nicht regelmäßig wieder? Falls ich dies als Zuhörer bemerke. den Teil Automatismus. ohne sie zu verzerren. sobald eine andere Person sie nachahmt. falls es genügt. falls ich unwillkürlich auf die Bewegung warte. Es ist Komik. Ich meine damit.dann muß ich wider Willen lachen. von seiner Person abtrennen. um mich abzulenken. wie wir leben. Wenn nun aber die Nachahmung von Gebärden an sich komisch ist. was uns an der Imitation belustigt. wo wir aufhören. lächerlich. der automatisch arbeitet. wir selber zu sein. wenn sie sich darauf verlegt. Eine Imitation unserer Gebärden kann also erst dort beginnen. Jemanden nachahmen heißt. was an unserer Gestik monoton. die so mechanisch ist wie Holzsägen. nicht etwa weil Vulgarität das Wesen der Komik ausmachte (wiewohl sie zweifellos eine Rolle spielt). sich nie wiederholen würden: sie ließen keinerlei Nachahmung zu. daß unsere seelischen Zustände von einem Augenblick zum anderen wechseln und daß unsere Gesten. irgendeiner Handlung anzupassen.der Grundregel des Lebens und wiederhole sich nie! Doch was geschieht statt dessen? Jene Bewegung des Arms oder des Kopfes. Und das heißt nichts anderes.

wenn man sie mit einer einfachen Handlung in Zusammenhang bringen kann. sie nehmen gleichzeitig die gleiche Haltung ein. nebeneinander gesehen. So läßt sich auch das kleine Rätsel lösen. die einzeln keineswegs lächerlich sind. das uns Pascal in seinen Pensees aufgibt: »Zwei gleiche Gesichter. daß die weichen Formen vor unseren Augen erstarren und alles sich zum Mechanismus verhärtet. sicher aber führen sie eine Idee zu Ende. tanzen. bewegen sich miteinander. Unsichtbare Fäden scheinen die Arme mit den Armen. jeden Muskel in einem Gesicht mit dem entsprechenden Muskel im anderen zu verbinden. wirken lächerlich durch ihre Wiederholung. Wir sind α priori darauf gestoßen. und alle sehen einander ähnlich. und diese Fäden sind so straff gespannt. gehen.wirkt. Analysieren Sie Ihre Empfindung vor zwei ganz ähnlichen Gesichtern: Sie werden an zwei Abgüsse der gleichen Form denken.« Man könnte auch sagen: »Die Gebärden eines Redners. die Beine mit den Beinen. und das ist der wahre Grund Ihres Gelächters. von denen jedes allein keinerlei Gelächter erregt. an ein industrielles Herstellungsverfahren. Darin besteht der Trick dieser etwas plumpen Belustigung. wenn uns auf der Bühne nicht nur zwei Personen gezeigt werden.« Das wahrhaft lebendige Leben darf sich nie wiederholen. Diesen Eindruck zu vermitteln. sondern mehrere. wo es eine vollständige Gleichheit gibt. kurz. wegen ihrer Ähnlichkeit zum Lachen. Hier ist Leben in die Richtung des Mechanischen umgebogen worden. Pascal nie gelesen. Das Mechanische erscheint uns dann wie vorbestimmt. Noch stärker wird unser Gelächter. die ihn anwenden. oder an zwei Abzüge des gleichen Klischees. die Pascal zu Papier 3i . gestikulieren auf die gleiche Weise. Die Clowns haben es vermutlich schon längst gespürt. reizen. Vielleicht haben die. sie kommen. Wo eine Wiederholung stattfindet. da vermuten wir immer einen hinter dem Lebendigen tätigen Mechanismus. muß einer der beliebtesten Tricks der Parodie sein. Wir denken sogleich an Marionetten. ja möglichst viele. oder an zwei Abdrücke des gleichen Siegels.

wenn auch zunächst undeutlich. wie der Geometer Pascal die gebogene Linie genannt hat. es zeichnen sich. ähnliche Effekte gruppieren. auf der sich der Geist bewegt. Wir ahnen noch flüchtigere Eindrücke von mechanischen Effekten. Damit kommen wir zum Rollwagen. daß es ein eitles Unterfangen wäre. 32 . Und wenn es stimmt. Sie sehen. wenn auch weniger handgreiflich. daß die Ursache des Lachens im zweiten Fall eine Vorstellung von einem mechanischen Vorgang ist. die geometrische Entwicklung des Quiproquo und noch manche andere Spielerei ihre komische Wirkung aus der gleichen Quelle beziehen. Freilich gibt es diese Formel. die regelmäßige Wiederholung eines Wortes oder einer Szene. daß die üblichen Kniffe eines Lustspiels. alle komischen Wirkungen auf eine einzige simple Formel bringen zu wollen. die sich ableiten lassen.gebracht hat. so mußte sie es. die uns die verschiedenartigen Handlungen des Menschen und nicht mehr nur seine Gebärden vermitteln. weil jeder einzelne ein Modell darstellt. um das sich neue. die nach außen ihren wirklichkeitsnahen Charakter. die Deduktion muß da und dort vor besonders starken Effekten haltmachen. immer bedeutsamere Auswirkungen unserer Regel ab. uns ein ausgesprochen mechanisches Gefüge menschlicher Handlungen vor Augen zu führen. Wir haben von Anfang an durchblicken lassen. Wir spüren. das symmetrische Vertauschen der Rollen. das heißt die offenkundige Beweglichkeit des Lebens beibehalten haben. schon im ersten Fall sein. Denn die ganze Kunst des Lustspieldichters ist vielleicht nur darauf angelegt. Eindrücke. Doch greifen wir nicht vor. immer weitgreifendere. Der Bogen wird von einem Punkt innerhalb der Kreislinie eines Rades beschrieben. Anders gesagt. Diese Effekte können nicht von der Formel abgeleitet werden. V Bevor wir weitergehen. sie läßt sich aber nicht einfach abspulen. wollen wir uns einen Moment ausruhen und uns umschauen. wenn der Wagen geradeaus fährt. sie sind nur komisch wegen ihrer Verwandtschaft mit denen.

daß wir ein Kleidungsstück und seinen Träger als eins empfinden. Wohin? Wir sehen drei Hauptwege und werden jedem einzelnen ein Stück weit folgen. Unsere Aufmerksamkeit wird sogleich auf das Kostüm gelenkt. man könnte fast sagen. wo die natürliche Unvereinbarkeit zwischen dem Umhüllenden und dem Umhüllten so groß ist. Es bricht erst dort durch.Der Punkt dreht sich wie das Rad und bewegt sich zugleich vorwärts wie der Wagen. Bei einer dieser Kreuzungen sind wir jetzt angelangt. Von diesem zentralen Bild schweift unsere Phantasie in verschiedene Richtungen ab. Wir sehen zu. Ja. weshalb ein Kleidungsstück so leicht lächerlich wirken kann. wie das. Und wir verstehen mit einemmal. Wir sehen also. die leblose Steifheit der Hülle der lebendigen Beweglichkeit des verhüllten Objekts gegenüberzustellen. daß selbst ein hundertjähriges Beisammensein ihre Ehe nicht festigen könnte. Wir können uns auch einen breiten Waldweg vorstellen. die den Rhythmus des Lebens überlagert. Mechanische und das Lebendige ineinandergreifen. Das Komische bleibt hier latent. i. folgt ein Stück weit den Seitenstraßen. nur haben wir uns so sehr an sie gewöhnt. Von diesem deutlichen Eindruck schweifen wir ab zu dem noch verschwommenen Bild von irgendeiner Steifheit. Wir stehen an dem Punkt. ehe wir auf unserer breiten Avenue weiterwandern. schleicht rund um den Platz. Unsere Phantasie kann das eine nicht vom anderen trennen. Wir denken gar nicht mehr daran. das sich heute nach der Mode von gestern kleidet. der dann und wann von Kreuzungen und sternförmig angelegten Seitenstraßen unterbrochen wird. kehrt dann wieder um und geht in der ursprünglichen Richtung weiter. Man macht an jedem Kreuzgang halt. Das gilt auch für die jeweils herrschende Mode. wir sehen es vollständig losgelöst von 33 . Stellen Sie sich dagegen ein Original vor. wie sie dessen geschmeidige Bewegungen und Linien hölzern nachzuahmen versucht. wo etwas Lebendiges von etwas Mechanischem überdeckt wird. jede Mode habe irgendwo etwas Lächerliches an sich.

Andere sagen. Die Komik der Verkleidung greift demnach auf Fälle über. Wir sind also bei der Idee der Verkleidung angekommen. Kraepelin. der die Komik erzeugt.. daß viele Dinge de iure komisch sind. als ein Kutscher seinen schwarzhäutigen Kunden »ungewaschen« nannte. aber verkleidet sein könnte.der Person. es 34 . die man mit Zinnoberfarbe bemalt hat. Weshalb lachen wir über einen Haarschopf. die Person verkleide sich (als ob nicht jede Kleidung auch Verkleidung wäre). der von Braun zu Blond gewechselt hat? Was ist an einer roten Nase komisch? Warum lacht man über einen Neger? Das scheinen knifflige Fragen zu sein. Daraus folgern nun die einen. weil ihre Komik durch die Macht der Gewohnheit abgestumpft worden ist. Sie besitzt die angestammte Fähigkeit. eine Reaktion auf den Kontrast usw. in denen wir nicht die geringste Lust zu lachen verspüren. Und folglich kann auch eine rote Nase nur eine Nase sein. Lipps sie nacheinander aufgeworfen und unterschiedlich beantwortet haben. ob ich nicht eines Tages auf der Straße die richtige Antwort zu hören bekam. auf welche Weise sie davon Gebrauch macht. wie schwierig es ist. dabei läßt er sie nur sichtbar werden. das Problem der Komik in allen seinen Einzelheiten zu erfassen. ohne de facto komisch zu sein. Vom gewohnten Kleidungsstück sagten wir. So einfach ist die Wahrheit nicht. Jetzt beginnen wir zu begreifen. damit die Komik sich neu entfalten kann. und das Lächerliche an der Mode wird sogleich offenkundig. dabei ließen sich diese Definitionen auf ungezählte andere Fälle anwenden. wo jemand nicht mehr verkleidet ist. Manche irrtümliche oder unzulängliche Theorie des Lachens fußt vermutlich auf der Tatsache. das Lachen sei eine Folge der Überraschung. wir sagen. da sogar Psychologen wie Hecker. Gelächter zu erregen. Und doch bin ich nicht sicher. Die Macht der Gewohnheit oder der Mode muß gebrochen werden. daß es dieser Bruch ist. Es dürfte nicht unnütz sein zu untersuchen. Ungewaschen! Ein schwarzes Gesicht wäre also für unsere Phantasie ein mit Tinte oder Ruß beschmiertes Gesicht.

Dieses Ineinandergreifen geschieht nicht zufällig. die mit der Logik des Verstandes nichts gemein hat. die dichten Schichten von Vorurteilen und festen Vorstellungen abkratzen. der nicht der Laune der individuellen Phantasie überlassen bleibt. Dennoch muß die Philosophie mit ihr rechnen. in unseren Augen scheine es dennoch mit der Person verwach^ sen zu sein. weil wir uns an seinen Anblick gewöhnt haben. weil sie uns überrascht. Es gehorcht Gesetzen oder vielmehr Gewohnheiten. Folgen wir der Logik der Phantasie in dem Fall. »Ein Neger ist ein verkleideter Weißer« — ebenfalls lauter Absurditäten für'-den logisch arbeitenden Verstand und felsenfeste Wahrheiten für die reine Phantasie. in der Gesellschaft oder sogar in der Natur bemerken. was die Logik für den Verstand. den man für verkleidet halten könnte. Eine schwarze oder rote Farbe dagegen kann noch so sehr zur Hautbeschaffenheit gehören. sondern auch bei arideren gleichartigen Untersuchungen. ob wir sie am Menschen. »Eine rote Nase ist eine bemalte Nase«. Die Phantasie hält ihn trotzdem für wahr. die für die Phantasie das bedeuten. Ein Mensch. Wir lachen über einen halbge35 . Der Satz: »Mein Alltagskleid ist ein Bestandteil meines Körpers« klingt für die Vernunft absurd. da er ein von der gesamten Gesellschaft geträumter Traum ist. der uns beschäftigt. Ein Mensch. Um diese Logik zu erfassen. um auf dem Grund des Ich gleich einem unterirdischen See eine fließende Folge von ineinandergreifenden Bildern zu erkennen. der sich verkleidet. Man muß die äußere Kruste. ja die bisweilen deren Gegenteil bedeutet. ist auch komisch. Wenn wir den Begriff weiter fassen. so wird jede Verkleidung komisch. An diesem Punkt tauchen für die Theorie der Komik neue Schwierigkeiten auf. Beginnen wir mit der Natur. und zwar nicht nur bei der Erforschung des Komischen. ist komisch.könne sich noch so sehr von der Person unterscheiden. Sie hat etwas von der Logik des Traums .eines Traums allerdings. bedarf es einer besonderen Anstrengung. wir halten sie dennoch für künstlich. Es gibt demnach eine Logik der Phantasie.

taucht in den Novel Notes des Humoristen Jerome K. Der Astronom Cassini hat eine Dame eingeladen. Sie ist zu weit von ihrer Quelle entfernt. Ein Beispiel finden wir in Tartarin sur les Alpes: Bompard suggeriert Tartarin (ein wenig auch dem Leser) das Bild einer Schweiz. Jerome auf: Eine alte Schloßherrin will sich ihre guten Werke möglichst leicht machen. erfährt. Es gibt auch Anekdoten. die Maskerade. »Herr von Cassini wird mir zuliebe sicher noch einmal anfangen«. in ihrer nächsten Nähe unterbringen. so müssen wir sie bis zur Quelle zurückverfolgen. zum ursprünglichen Bild zurückführen. Die Natur als Opfer eines mechanischen Schwindels . wo die Bäume mit Wahlplakaten tapeziert sind. Warum? Weil wir an eine Maskerade denken. können wir sie nicht anders denn als lebendes Wesen behandeln. damit sie sie bequem bekehren und von ihrem Laster heilen kann. das abgeleitete Bild. Die Dame kommt zu spät.das ergibt dann ein wirklich komisches Motiv. Ein anderes Beispiel finden wir bei Gondinet: Ein Mann kommt in eine Stadt. eine Mondfinsternis zu beobachten. Komisch ist folglich ein Bild. meint sie unschuldsvoll.schorenen Hund. begleitet von echter oder gespielter Naivität. Aber die Komik ist hier schon sehr gedämpft. 36 . Soll sie stärker wirken. wo dieses Motiv als ferne Resonanz. eine soziale Maskerade denken läßt. das bekanntlich durch ein mechanisches Vortäuschen von echtem Leben erzeugt wurde. wenn es uns an eine verkleidete Gesellschaft. wenn auch in anderer Tonart. daß es in der Nähe einen erloschenen Vulkan gibt und ruft: »Sie hatten hier einen Vulkan und haben ihn ausgehen lassen!« Und nun zur Gesellschaft. über ein Beet voll künstlich gefärbter Blumen. mitschwingt. Da wir in ihr und durch sie leben. sie läßt daher brave Leute. die wie eine Theatermaschinerie funktioniert und deren Wasserfälle. Das gleiche Motiv. Die Phantasie wird es nach Belieben abwandeln und jedesmal mit einem sicheren Lacherfolg rechnen können. Gletscher und falsche Gletscherspalten von einer Aktiengesellschaft betrieben werden. über einen Wald. die man eigens für sie als Atheisten und Trunkenbolde präpariert hat.

was zeremoniös an ihr ist. Die Zollbeamten. Wir sollen nicht an ihre Materie. Auch hier steigert sich die Komik. die nur auf eine Gelegenheit zum Ausbruch wartet. sobald wir an der bewegten Oberfläche der Gesellschaft etwas Lebloses. wie die Philosophen sagen. je mehr sie sich ihrer Quelle nähert. Ein solches Bild vermittelt uns schon allein die abgezirkelte Form jedes Zeremoniells. das mit unerbittlichem Zwang angewendet wird und das sich für ein Naturgesetz hält. Doch wozu noch lange Worte? Jedermann weiß. das Zeremoniell sei für das soziale Gefüge. muß sich also unsere Aufmerksamkeit nur auf das richten. wie schnell eine öffentliche Handlung .innerhalb ihrer festgelegten Formen komisch werden kann. Alle diese Formen und Formeln sind ebenso viele fertige Rahmen für die Komik. Wir müssen von der abgeleiteten zur ursprünglichen Vorstellung. sondern nur an ihre Form denken. Damit eine Zeremonie komisch werde. es verliert seine Feierlichkeit in dem Augenblick. da unsere Phantasie es von diesem Zweck trennt. die Teilnehmer bewegen sich wie Marionetten.Ein solches Bild entsteht. haben wir den Eindruck. was das Kleid für den individuellen Körper: Es wirkt feierlich. von der Maskerade zum Mechanismus zurückkehren. die so gar nicht zu der dem Leben innewohnenden geschmeidigen Grazie paßt. zu identifizieren scheint. Ihre Beweglichkeit ist auf die Unbeweglichkeit einer Formel abgestimmt. Vom Augenblick an. Vor einigen Jahren ging ein großer Postdampfer bei Dieppe unter. Fabriziertes bemerken. solange es sich mit dem ernsthaften Zweck. die ihnen 37 . Wieder diese Steifheit. Im formellen Teil des Gesellschaftslebens muß demnach eine latente Komik stecken. Man kann sagen. Vollkommen aber ist der Automatismus eines Beamten. Einige Passagiere retteten sich mit letzter Not in ein Boot.von der bescheidenen Preisverteilung bis zur Gerichtssitzung . Es ist Automatismus. der wie eine Maschine funktioniert. Fixfertiges. oder die Seelenlosigkeit eines Verwaltungsreglements. da wir den ernsten Sinn einer Feierlichkeit oder Zeremonie vergessen. dem es nach überliefertem Brauch zu dienen hat.

Sie ist in ihrer Art natürlich. Wir brauchen sie nur noch miteinander zu verbinden und zu sehen. den Sie aus diesem Fall gezogen haben. aber wir haben alles geändert und üben jetzt die Medizin nach einer ganz neuen Methode aus. das sind im Grunde die beiden Arten von belustigenden Wirkungen. 38 . was daraus entsteht.mutig zu Hilfe geeilt waren. ist so gelehrt und so schön. wirkt auf mich der Satz eines Abgeordneten. Wir brauchten nur sämtliche Ärzte bei Moliere Revue passieren zu lassen. muß er entgegen den geltenden Vorschriften rückwärts vom Zug abgesprungen sein.« Die Idee. eine automatische Regulierung der Gesellschaft. als man denkt. So weit hier übrigens die komische Phantasie zu gehen scheint. ist natürlich das schon bekannte Bild: Ein Reglement tritt an die Stelle der Naturgesetze. die uns verbleiben. Was sagt Sganarelle. wenn auch subtiler. worauf er die Diskussion kurzerhand mit dem Satz beendete: »Die Erfahrung hat unrecht. sie zu übertreffen. seine makellos gezogenen Schlüsse hätten die Erfahrung gegen sich. daß man das Leben durch Vorschriften regeln könne. äußerst streitbaren Philosophen wurde vorgehalten. die Wirklichkeit bringt es bisweilen fertig. ob sie nichts zu verzollen hätten. fragten sie als erstes.. nachdem Geronte ihm erklärt hat.« Die Beispiele ließen sich vermehren. das war früher so.« Man denke auch an das Gespräch der beiden Ärzte über Monsieur de Pourceaugnac: »Der Schluß. und wäre er es nicht. Sie liefert uns gewissermaßen die Quintessenz der Pedanterie. Was daraus entsteht. das Herz befinde sich links und die Leber rechts? »Ja. der nach einem in der Eisenbahn begangenen Verbrechen beim Minister interpellierte: »Nachdem der Mörder sein Opfer umgebracht hatte. Ähnlich..« Ein in die Natur eingelassener Mechanismus. er müßte es werden um der schönen Dinge willen. die Sie gesagt. den Sie gezogen haben. JEinem zeitgenössischen. daß der Kranke unmöglich kein hypochondrischer Melancholiker sein kann. und um der Richtigkeit des Schlusses willen. wiewohl wir sie zuvor künstlich zerlegt und wieder zusammengesetzt haben. ist weiter verbreitet.

die immer mehr der Logik der Träume gleicht. Dann wird der Körper für die Seele das. Dieses Wirken gehörte jedoch eher in den seelischen als in den körperlichen Bereich. wir vergessen seine Stofflichkeit und denken nur an seine Lebendigkeit. die ein höheres Prinzip in uns entzündet und mittels eines transparenten Effekts sichtbar gemacht hätte. die wir einschlagen sollten. was an ihm schwerfällig. Es wäre die eigentliche Flamme des Lebens. So verfeinert sich der gleiche Effekt immer mehr .oder Moralgesetz in derselben Relation steht wie der Konfektionsanzug zum lebenden Körper. 2. so daß eine amtliche Vorschrift zu einem Natur. Eine immer weniger eng gefaßte Logik. Etwas Mechanisches überdeckt etwas Lebendiges: das ist wieder unser Ausgangspunkt Was war doch gleich so komisch daran? Daß der lebende Körper zur Maschine erstarrte. Von den drei Richtungen. Für uns mußte der lebende Körper also die vollendete Beweglichkeit sein. stofflich ist. widerspenstig. der Körper sei . und diese Lebendigkeit schreibt unsere Phantasie dem eigentlichen Prinzip des intellektuellen und seelischen Lebens zu. so lange wir das übersehen. den man einer lebendigen 39 . haben wir nun die erste bis ans Ende-verfolgt. zwischen immer geistigere Begriffe. das immer wache Wirken eines unermüdlich arbeitenden Prinzips. legt dieselbe Beziehung in immer höhere Sphären.vom Eindruck einer künstlichen Mechanisierung des -menschlichen Körpers bis zur Vorstellung von einer Verdrängung des Natürlichen durch das Künstliche. die klüger sein will als die Natur. wohin sie uns führen wird.i m Gegensatz zu dem Prinzip. der eine ungeduldig nach oben drängende Seele am Erdboden festhält. lästiger Bailast. Nehmen wir uns die zweite vor und warten wir ab. man lenke unsere Aufmerksamkeit auf die Stofflichkeit des Körpers. was das Kleid für den Körper war: unbeweglicher Stoff. das ihn belebt — nur noch eine schwere. Aber angenommen. Angenommen.und diese ist im Grunde nichts anderes als Kunst. Wir sehen im lebenden Körper nur Anmut und Beweglichkeit. unhandliche Hülle.

Der Schüchterne kann den Eindruck eines Menschen erwecken. dort der dämlich monotone Körper.hier die geistige Persönlichkeit mit ihrer klug variierten Kraft. wenn er im pathetischsten Moment niest? Was finden wir komisch an dem von einem deutschen Philosophen zitierten Satz aus einer Leichenpredigt: »Er war tugendhaft und ganz rund« ? In beiden Fällen wird unsere Aufmerksamkeit plötzlich vom Seelischen abgelenkt und auf das Körperliche verwiesen. der nie das Wort ergreifen kann. das unsere Aufmerksamkeit auf das Äußere einer Person lenkt. Ein andermal ist es jemand. der mit maschinenhafter Beharrlichkeit dazwischenfunkt und unterbricht.Kraft aufgepfropft hat. sobald wir dieses Aufgepfropftsein deutlich als solches empfinden. Ein auffallend dicker Bauch reizt wohl deshalb zum Lachen. Der Alltag liefert uns unzählige andere Beispiele. Je kleinlicher diese Forderungen des Körpers sind und je eintöniger sie sich wiederholen. Einmal ist es ein Redner. er wird immer wieder auf Effekte dieser Art stoßen. die von ihrem Körper geplagt wird. um so komischer wird die Wirkung sein. Da kommt es nur auf . nach ihnen zu suchen. daß die Schüchternheit bisweilen lächerlich wirkt. Weshalb lachen wir über einen Redner. Und der Eindruck des Komischen wird sich einstellen. alles zu vermeiden. der schlage nur aufs Geratewohl einen Band Labiche auf. wenn man uns eine von körperlichen Bedürfnissen geplagte Seele zeigt . was er ist. Daran liegt es auch. weil er Zahnschmerzen hat. ohne sogleich zu jammern. während es sich um ihr Inneres handelt. In allen diesen Beispielen wird uns das Bild einer^ Person suggeriert. der mitten im schönsten Satz jäh abbricht. weil er"genau als das erscheint. was unsere Aufmerksamkeit auf die Stofflichkeit 40 . Das allgemein gültige Gesetz dieser Erscheinungen läßt sich wie folgt formulieren: Komisch ist jedes Geschehnis.den Grad an. Aus diesem Grund bemüht sich der Tragödiendichter. wo er ihn deponieren könnte. dem der Körper lästig ist und der sich nach einem Ort umsieht. seine Schuhe drückten ihn oder der Gürtel sei ihm zu eng. Wir werden es vor allem dann empfinden. doch wer die Mühe scheut.

Richter gibt und daß die äußeren Formen des Berufs bis ins kleinste gewahrt bleiben. Der Beruf ist nicht länger für das Publikum da. ging es weiter. wird daraus eine Komödie. ja sich womöglich nicht einmal setzen. den die Gewohnheiten des Körpers der Seele aufzwingen.« Wir sehen also einen Körper. und ebenso lächerlich. Spannen wir den Rahmen dieses Bildes weiter. der Buchstabe wetteifert mit dem Geist. Deshalb sollen die Helden einer Tragödie weder trinken noch essen noch sich wärmen. Sich mitten in einer Tirade hinsetzen hieße sich erinnern. Ohne auf die einzelnen Variationen über dieses Thema einzugehen. den Arzt sprechen. was uns die Komödie zu suggerieren versucht. die Form den Gehalt. Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Magdeburg! In diesem Ton. als seien Gesundheit und Gerechtigkeit eine Bagatelle. der mir sehr peinlich war. Wenn man sitzt. sich zu setzen. so wird die Vorstellung allgemeiner': Die Form will über den Inhalt triumphieren. der sich manchmal als ein guter Psychologe entpuppte. in denen das Thema selbst schlicht und treffend definiert wird: »Behandeln soll man die Leute nur den 4i . Um sie abzulenken. wenn sie einen bestimmten Beruf verspottet? Sie läßt den Anwalt.seiner Helden lenken könnte. Die ständige Beschäftigung mit der Form. ähnlich dem. So ersetzt das Mittel den Zweck. Im Journal inedit des Barons Gourgaud berichtet er von einem Gespräch. ist eine Infiltration der Komik zu befürchten. möchten wir ein paar Texte zitieren. als käme es nur darauf an. Anwälte.' Ist es nicht das. daß es überhaupt Ärzte. daß man einen Körper hat. das er nach der Schlacht von Jena mit der Königin von Preußen führte: »Sie empfing mich in tragischem Ton wie Chimene: Sire. den Richter. die mechanische Anwendung der Regeln erzeugen hier eine Art von beruflichem Automatismus. Im Theater wimmelt es von solchen Beispielen. der sich auf Kosten der Seele breitmacht. Sobald man sich mit dem Körper beschäftigt.. daß das Sich-Hinsetzen eine Tragödie in eine Komödie verwandeln kann. das Publikum ist vielmehr für den Beruf gemacht. wußte genau. Denn nichts beendet eine tragische Szene schneller. bat ich sie. Napoleon.

di-ie Form. indem sie sich ihr überordnen. Und Bahis in L'Amour medecin: »Lieber nach den Regeln sterben als regelwidrig mit dem Leben davonkommen. der sich auf Kosten des Geistes breitmacht. Sein Kollege Tomes begründet das mit den Worten: »Ein toter Mann ist nur ein toter Mann. Sobald der Lustspieldichter die erste Note anschlägt. Wenn der Musiker auf einem Instrument eine Note anschlägt. Wäre es nicht denkbar. das immer deutlicher zutage tritt. die über den Inhalt triumphieren will: die (komische) Grundnote. di-ie Form.Formen gemäß«. nicht mit eben diesem Stottern darauf vor. Der gleiche Mann. so muß sie folgenden Oberton haben: ein Körper. Anders gesagt. Wenn unsere Untersuchungen stimmen.« Hier zeigt sich die erste Anwendung eines Gesetzes. «Nicht minder bedeutsam ist der Ausspruch von Brid'oison. was immer auch geschehen mag«. sagt Desfonandres in derselben Komödie. daß die komische Phantasie noch bis in ihre ausgelassensten Erfindungen einem ähnlichen Gesetz gehorcht? Form. sehen Sie. wenngleich er einem anderen Gedankengang entspringt: »Di-ie Form. zittert schon beim Anblick eines Staatsanwalts im Talar. weniger klangvoll als die erste. sagt Diafoirus in Le Malade imaginaire. wie man in der Physik sagt. Di-ie Form. setzt er ihr instinktiv und unbewußt die zweite auf. die Obertöne des Grundtons. je weiter wir in unserer Arbeit fortschreiten. aber eine vernachlässigte Formalität fügt der ganzen Ärzteschaft gewichtigen Schaden zu. der den Geist plagt. Es sind. dann ertönen von selbst andere Noten. wenn er stotternd die Bühne betritt. ein Körper. daß wir das später dargestellte Phänomen der intellektuellen »Versteinerung« als solches erfassen können? Welch heimliche Verwandtschaft mag zwischen dem körperlichen Defekt und der seelischen Schrumpfung bestehen? Vielleicht ist es 42 .« »Man soll stets die Form wahren. jedoch mittels bestimmter Beziehungen mit dieser verbunden und ihr ihren Ton aufzwingend. der über einen Richter im Straßenanzug lacht. Bereitet uns der Richter Brid'oison. er macht mit Hilfe einer physischen Lächerlichkeit die berufliche Lächerlichkeit doppelt lächerlich.

findet sich meist im Rhythmus des Sprechens. Ob unsere Aufmerksamkeit vom Inhalt zur Form oder von der Seele zum Leib wandert. die von unserem zentralen Bild ausging. Wir sind nun wiederum getreulich dem natürlichen Lauf der Phantasie gefolgt. so läßt er den einen sehr langsam sprechen und Silbe um Silbe betonen. sofern wir unser Bild von dieser Seite her betrachten wollen. Ein dritter und letzter Weg bleibt uns noch abzuschreiten. wo der Dichter keinen solchen Fehler angibt.^notwendig. welche die berufliche Lächerlichkeit ergänzen soll. Wenn Moliere die beiden lächerlichen Ärzte aus UAmour medecin. in der sie sich bewegte. Gehen wir nun von der präzisen Vorstellung von einer Mechanik zur verschwommeneren Vorstellung vom Ding im allgemeinen über. Die körperliche Eigenheit. Kehren wir ein letztes Mal zu unserem zentralen Bild zurück: Etwas Mechanisches überdeckt etwas Lebendiges. Die Richtung. daß wir diese »Richtmaschine« gleichzeitig als »Sprechmaschine« empfinden? Jedenfalls könnte kein anderer Oberton den Grundton besser ergänzen. eine Person. Und es geschieht selten. auf die Bühne stellt. wie erinnerlich. war. Derselbe Kontrast zwischen den beiden Advokaten des Monsieur de Pourceaugnac. in beiden Fällen wird unserer Phantasie der gleiche Eindruck vermittelt. die zweite. Diese lassen die 43 . so ersteht vor uns eine neue Reihe von komischen Bildern. Bei diesem lebendigen Etwas ging es um einen Menschen. Es besteht also eine selbstverständliche und selbstverständlich akzeptierte Verwandtschwaft zwischen den beiden Bildern: dem in bestimmten Formen erstarrenden Geist und dem Körper. während der andere stammelt. Das Mechanische dagegen ist ein Ding. war. was unser Gelächter erregte. Bahis und Macroton. nicht selbst instinktiv einen erfindet.die vorübergehende Verwandlung einer Person in ein Ding. der sich gewissen Mängeln entsprechend versteift. daß ein Schauspieler dort. 3. In beiden Fällen haben wir es mit der gleichen Art von Komik zu tun. Das.

war die zweite Szene. Der Gegenschlag erfolgte. Aber vielleicht können gewisse Kapriolen der Zirkusclowns unser neues Gesetz noch besser bestätigen. wenn eine Person uns an ein Ding erinnert. ein Crescendo darzustellen. Zwei Männer traten auf mit riesigen Köpfen und ganz kahlen Schädeln. Und abwechselnd ließ jeder seinen Stock auf den Kopf des andern niedersausen. immer zögernder und gleichzeitig immer härter und lauter. mit denen der Clown sein Hauptthema garniert. stürzten zu Boden. Sie waren mit schweren Stöcken bewaffnet. die von allen Seiten gegeneinander geschleudert wurden. und beide Male war mein Eindruck derselbe. .die Haltungen. starrer zu werden. gingen. Sprünge. wenn er als Kanonenkugel durch den Äther schwirrt. Man dachte an irgendwelche Pakete. wenn auch derber. Die 44 . Der erste Fall: Die Clowns kamen. Tatsächlich begann das Publikum immer mehr auf das Wiederhochspringen zu achten. prallten aufeinander.Umrisse der früheren Bilder verschwinden und führen uns zu folgender neuen Regel: Wir lachen immer dann. daß man Menschen aus Fleisch und Blut vor sich hatte. sprangen wieder hoch in einem gleichmäßig beschleunigten Rhythmus und in der offenkundigen Absicht. das eigentlich »Clownhafte« an der Kunst des Clowns. die sich fallenließen und aneinanderstießen. Allmählich vergaß man. den Spaßen ab. Zum Schluß entstand der Eindruck. Auch diese beiden hatten es auf eine Steigerung abgesehen. auf den hin die ganze Szene mehr oder weniger unbewußt angelegt war: Man sah nur noch Gummibälle. Nach jedem Hieb schienen die Körper schwerer.Nicht weniger aufschlußreich. Bewegungen. Wir lachen über den Baron von Münchhausen. die Körper schienen zu rollen und sich zu Kugeln zu ballen. Dieser Art von Komik bin ich nur zweimal in ihrem Reinzustand begegnet. Gummibälle. Wir lachen über Sancho Pansa. wir sehen von . kurz. unbeweglicher. Dann wurde das Bild bestimmter. vorausgesetzt. wenn er auf eine Decke plumpst und wieder in die Luft schnellt wie ein Ballon. Die Formen schienen runder zu werden. und fassen nur das Thema selbst ins Auge .

Durch eine bestimmte Anordnung von Rhythmen. den der andere sich einbilden soll. Viele Menschen erleben etwas Ähnliches beim Einschlafen: Die farbigen. dort. in aller Schärfe zutage: »Wir sind Holzpuppen geworden. diese Wahrnehmung mehr und mehr zu verwirren. wo sich eine Person vor unseren Augen in ein Ding zu verwandeln scheint. und dann versuchen. fließenden. als prasselte eine ganze Ladung Holz auf massive Eichenbalken. Jedermann weiß. ein Vogel sitze auf seiner Hand. die der Partner wirklich wahrnimmt. verdichten sich unmerklich zu ganz bestimmten Gegenständen. so wird er den Vogel bemerken und ihn davonfliegen sehen.« Auch der Ungebildete wird hier instinktiv einige der subtilsten Ergebnisse der psychologischen Wissenschaft erfassen. die ihr Gesichtsfeld beherrschen. und alles stürzte zu Boden. das die beiden Artisten unserer Phantasie stufenweise einsuggeriert hatten. 45 . Schließlich neigten sich beide Körper steif. Dies setzt allerdings eine ständige Bereitschaft voraus. Es gibt aber auch diskretere Verfahren. Er wird in diesem Fall von Gegenständen ausgehen. in der gleichen Absicht angewendet. vor allem in der derben Komik.Schläge widerhallten fürchterlich im totenstillen Saal. es klang. Sagt man ihm. die Stöcke schlugen ein letztes Mal auf den Köpfen auf. Oft kann der Hypnotiseur sie nur stufenweise einwirken lassen. Der allmähliche Übergang vom Verschwommenen zum Bestimmten ist also die Suggestionsmethode par excellence. sich der Suggestion willig zu öffnen. daß man in einem Hypnotisierten durch einfache Suggestion allerlei Halluzinationen erzeugen kann. zum Beispiel von den Dichtern. Reimen und Assonanzen kann man die menschliche Phantasie in den Schlaf wiegen und durch gleichmäßiges Schaukeln auf eine willige Aufnahme des suggerierten Bildes vorbereiten. wenn auch vielleicht unbewußt. Hören Sie die folgenden Verse von Regnard und achten Sie darauf. Aus der Verwirrung läßt er schließlich den Gegenstand erstehen. In diesem Augenblick trat das Bild. formlosen Massen. langsam und kerzengerade gegeneinander. Vermutlich findet er in mancher komischen Suggestion statt. Sie werden.

Es genügt.. der späht und spioniert und schimpft und stöhnt zur gleichen Zeit. getränkt. rasiert. schlau. das sie ausübt. gefahren. um eine komische Wirkung zu erzielen. wenn man sich in dieser Richtung bewegt. indem man zum Beispiel so tut. getragen hat. als verwechsle man die Person mit dem Amt. Genährt. Bei Labiche finden wir passende Beispiele in Massen. behandschuht und gewärmt.. dicker.. Ich zitiere hier nur den Satz eines Dorfbürgermeisters in einem Roman von About: »Der Herr Präfekt. fünf. blasiert.« Dieses Stattgefunden-Haben verwandelt die Könige zwar nicht gerade in Dinge. sechs.« Zwischen jenen handfesten Zirkusszenen und diesen sehr subtilen Suggestionen bleibt Platz für ungezählte komische Effekte — darunter alles die man erzielt. aber es setzt sie unpersönlichen Ereignissen gleich.Es ist ein schöner. die jemals stattgefunden haben.ob vor Ihrem inneren Auge nicht das flüchtige Bild einer Puppe ersteht: »So schuldet er gar manchem reichen Mann Zehntausend und ein Pfund und einen Heller Weil er ein Jahr lang ohne Unterlaß ihn auf Parole Beschuht. meine Tochter acht und ich neun.. Herr Perrichon zählt vor der Abfahrt sicherheitshalber sein Gepäck: »Vier. grau. Nun da 46 . der uns immer das gleiche Wohlwollen bezeugt. obwohl man ihn seit 1847 mehrmals gewechselt hat. junger Greis. kleiner. daß man die Identifikation einer Person mit einem Ding nicht unbedingt bis ins Letzte treiben muß.« Alle diese Aussprüche folgen dem gleichen Muster.« Findet sich nicht etwas Ähnliches in der Strophe des Figaro (wiewohl sie vielleicht eher das Bild eines Tieres als dasjenige eines Dinges heraufbeschwören soll): »Was für ein Mann ist das? . wenn man von Menschen wie von Dingen spricht.« In einem anderen Stück rühmt ein Vater das Wissen seiner Tochter mit den Worten: »Sie sagt Ihnen ohne weiteres sämtliche Könige von Frankreich auf. meine Frau sieben. Was beweist. rasiert.

könnten wir endlos neue erfinden. muß sich daher notgedrungen verirren. Die psychologische Analyse. Damit haben wir uns sehr weit von der ursprünglichen Ursache des Lachens entfernt. einem Wort die Kraft der Suggestion zu verleihen. Sie ist eine merkwürdig lebendige Pflanze. die auf den steinigen Feldern des gesellschaftlichen Bodens kräftig gediehen ist. und das Amt funktioniere unabhängig vom Beamten. Die Bewunderung des Bürgermeisters für den Verwaltungsapparat könnte uns sogar glauben machen. in der kurzen Zeit. und so geht es unendlich lange weiter. Und es kommt nur dort an. die uns nur wegen ihrer Verwandtschaft mit einer dritten lachen^macht. die ihr geschenkt ist. ehe die Kultur 47 . daß Herr Perrichon sehr aufgeregt ist im Moment.wir die Formel kennen. sofern sie nicht dem Faden folgt. bis es sich teilt und sich in unendlich fernen Analogien verliert? Aber wir fragen ja auch: Welche Kraft teilt und unterteilt die Äste des Baums in Zweige. Manche an sich unerklärliche komische Form läßt sich in der Tat nur dank ihrer Ähnlichkeit mit einer anderen verstehen. Eine solche Kraft ist die komische Phantasie. die Wurzel in Würzelchen? Ein unentrinnbares Gesetz zwingt jede lebendige Energie. so aufgeschlossen und tiefschürfend sie sein mag. welche die Tochter ihrem Vater aufzusagen pflegte. immer weiter weg von seinem Ursprung. Wir wissen. da er seine erste Reise antritt. Aber die Kunst des Erzählers und des Possendichters besteht nicht einfach im Erfinden eines Ausspruchs. jedenfalls läßt er uns sofort an ein Aufsagen denken. wo man das Gefühl hat. Und der Ausdruck »stattgefunden haben« gehört zweifellos mit vielen anderen zu den Lektionen. wenn er den Namen ändert. dem der komische Eindruck von einem Ende der Reihe zum anderen entlanggewandert ist. nichts ändere sich am Präfekten. welch merkwürdiger Drang läßt das Komische von Bild zu Bild gleiten. es entspringe einem bestimmten Seelenzustand oder es bette sich in bestimmte Umstände ein. Was bewirkt dieses kontinuierliche Fortschreiten? Welcher Druck. so viel Raum wie möglich auszufüllen. Die Schwierigkeit liegt darin. damit es beim Publikum ankommt.

mit den raffiniertesten Erzeugnissen der Kunst zu wetteifern. Mit unseren letzten Beispielen sind wir von der großen Kunst noch weit entfernt. . auch wenn wir sie noch nicht endgültig erreichen. gewiß. die sich zwischen Natur und Kunst befindet. Aber wir werden ihr im folgenden Kapitel schon ein bißchen näherkommen.ihr erlaubt hat. In diese Zone des Künstlichen. Wir begegnen dort dem Schwankdichter und dem Mann von Geist. Unterhalb der Kunst gibt es das Künstliche. werden wir jetzt eindringen.

Zweites Kapitel Die Situationskomik und die Wortkomik .

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prüften wir sie genauer. auf unsere frühesten Erinnerungen zurückgreifen und in den Spielen. die der Mensch komisch findet. die uns als Kind belustigten. Die Komödie ist in der Tat ein Spiel. Vor allem verkennen wir allzuoft das Kindliche in vielen unserer heiteren Empfindungen. als wären diese Gefühle schon alt gewesen. Gewiß. was nur Erinnerung ist! Ja. dann kann uns die Komödie über diesen besonderen Aspekt unseres Themas leichter Aufschluß geben als das wirkliche Leben. ist spielerisch nachgeahmtes Leben. den Bewegungen im allgemeinen untersucht. ob wir von einem gewissen Alter an für die frische und neue Freude nicht unzugänglich werden und ob die heiteren Empfindungen des erwachsenen Menschen etwas anderes sein können als wiederbelebte Kindheitserinnerungen. ein Punkt bleibt unbestritten: Zwischen der Freude des Kindes und der Freude des Mannes am Spiel kann es keine Zäsur geben. Allzuoft sprechen wir von unserer Freude und unserem Kummer. wer weiß. Vielleicht müssen wir die Vereinfachung sogar noch weiter treiben. schlicht und einfach als Erinnerung an vergangene fröhliche Erlebnisse entpuppen! Was bliebe von vielen Erinnerungen übrig. den uns eine immer fernere Vergangenheit in immer seltener werdenden Abständen zuweht? Wie immer man diese sehr allgemeine Frage beantworten mag. als wir sie empfanden. Wenn es zutrifft. etwas anderes als ein Dufthauch. Wie viele gegenwärtige Vergnügen würden sich. Und so wie sich im kindlichen Spiel mit Puppen und Hampelmännern alles an Fäden bewegt. Jetzt müssen wir es in den Handlungen und Situationen zu finden trachten. so sind auch die Situationen in einem Lustspiel 5i . würden wir sie auf das wahrhaft Empfundene zurückführen und alles weglassen. daß das Theater eine vergröberte und zugleich vereinfachte Reflektion des Lebens ist. und als ob nicht jedes von ihnen seine Geschichte hätte. die ersten Umrisse der Kombinationen suchen.Ι Wir haben das Komische in den Formen. dieser Art von Komik begegnen wir im Alltag ziemlich häufig. den Haltungen. Vielleicht aber läßt sie sich anderswo besser analysieren.

und das Publikum brüllt vor Lachen. von denen der eine. so schnellt er wieder heraus. die uns die Illusion von wirklichem Leben und zugleich den deutlichen Eindruck von mechanischer Einwirkung vermittelt. mit der wir die komischen Situationen auf der Bühne allgemein definieren können. Sowie sich der Gendarm auf die Bühne wagt. zeitlos. Zweiter Anlauf. Es sind die gleichen Fäden wie im Kinderspiel. Wir alle haben einst mit dem Teufel gespielt. so sprengt er oft das Ganze in die Luft. Erdrückt man ihn unter seinem Deckel. Und wir werden an ihnen die Regel bestätigt finden. wenn sie die Maus wie eine Sprungfeder fortschnellen läßt und dann mit einem Schlag ihrer Pfote wieder festnagelt. die sich schon bei unseren früheren Analysen abzeichnete . wo sie Menschen geworden sind. Drückt man ihn hinein. Und der andere findet das lustig. Es ist. Gehen wir also von den Spielen des Kindes aus. so springt er noch höher. rein mechanische. Er rappelt sich hoch. nur dünner geworden vom häufigen Gebrauch. der aus seinem Kasten springt. sicher aber ist der Spaß. kriegt er wie zufällig einen Schlag mit dem Knüppel. Im gleichförmigen Rhythmus der sich spannenden und wieder entspannenden Sprungfeder fällt und steht der Gendarm. Der Springteufel. ein zweiter Schlag fällt ihn von neuem.der Konflikt zwischen zwei Widersachern. Was wir dann vor uns haben. das sind Lustspielfiguren. die Leben bekommen und schließlich jenen unbestimmten Zustand erreichen. Ich weiß nicht. i. Hampelmänner zu sein. 51 . Sie lautet: Komisch ist jede Anordnung von ineinandergreifenden Handlungen und Geschehnissen. Den gleichen Spaß leistet sich die Katze.eine Regel. ohne aufgehört zu haben. den es bereitet. Verfolgen wir die unmerkliche Entwicklung seiner Hampelmänner. ob es sich um ein sehr altes Spielzeug handelt.untereinander mit Fäden verknüpft. Beginnen wir beim Kasperletheater. dem andern meist unterliegt. Drückt man ihn noch tiefer hinein. neuer Schlag. Wenden wir uns jetzt dem Theater zu. die größer werden. der ihn zu Boden streckt.

Doch jetzt hat das Bild schon einiges von seiner Stofflichkeit verloren. entspannt und wieder spannt. Die ganze Komik dieser Szene beruht auf dem Konflikt zwischen der Absicht des einen und dem hartnäckigen Widerstand des anderen. während sie von einer anderen Kraft ebenso beharrlich bekämpft wird. Und als es Sganarelle endlich gelingt. ein Wortschwall. dann unterdrückt. automatisch funktionierende Sprechmaschine.für einen Augenblick verschwinden und dann wie von einer Feder geschnellt mit einer neuen Verwünschung auf der Bühne erscheinen. Entnehmen wir ihm das Wesentliche: ai&^Wiederholung. dann wieder ausgedrückt wird. Viele komische Szenen lassen sich auf diese einfache Formel zurückführen. eine Idee. Das gleiche Spiel findet in Le Malade imaginaire statt.Stellen wir uns jetzt eine geistige Feder vor. die sich spannt. Wir sind nicht mehr im Kasperletheater. seinen Widersacher im Haus (fast hätte ich »Kasten« gesagt) einzusperren. zum Stillstand gebracht wird und von neuem anhebt. ständig wiederholte Ausruf: »Monsieur Purgon!« markiert den Rhythmus der komischen Szene. sehen wir diesen . schnellt dessen Kopf plötzlich aus dem aufklappenden Fenster. der sich ergießt. Und sooft sich Argan aus seinem Sessel erhebt. Die beleidigte Heilkunst droht Argan durch den Mund des Doktors Purgon sämtliche Krankheiten an. Auch hier ist eine Kraft am Werk. Fassen wir das Bild der Feder. ihm zuzuhören. als ob er einen Kastendeckel sprenge. Der gleiche. Sie ist eine der gebräuchlichsten Verfahrensweisen der klassischen Komödie. die beharrlich ein Ziel verfolgt. wir sehen einer wirklichen Komödie zu. während dieser ununterbrochen redet. um Purgon den Mund zu schließen. noch näher ins Auge. die ausgedrückt. Etwa wenn Sganarelle in Le Manage force den Philosophen Pancrace zwingen will.als habe man ihn in die Kulisse geschoben . und jedesmal kommt Pancrace redend wieder zum Vorschein. Das Bild vom Springteufel zeichnet sich immer deutlicher ab: Sganarelle drängt Pancrace immer wieder in die Kulisse. 53 . eine wahre.

abgesehen von ein paar Sonderfällen. Das Gesetz. also unabhängig von dem Bild.Tartuffes Gesundheit zu erkundigen. Dorine wiederum leistet sich den Spaß. wobei dieses Spiel selbst ein durchaus materielles Spiel widerspiegelt. In Wirklichkeit ist die Wiederholung eines Wortes an sich überhaupt nicht lustig. und ein Gedanke macht sich einen Spaß daraus. solange man die Erklärung eines amüsanten Motivs im Motiv selbst. vergeistigt.aber verfeinert. läßt Moliere seinen 54 . übertragen auf die Ebene der Gefühle und Gedanken. das Spiel des Kindes mit seinem Springteufel . das es uns vermittelt. Nirgends offenbart sich die Unzulänglichkeit der üblichen Untersuchungsmethoden besser als in diesem Zusammenhang. weil sie ein bestimmtes Spiel zwischen geistigen Elementen versinnbildlicht. Oder: Wenn Scapin dem alten Geronte die Nachricht überbringt. Die Frage bleibt tatsächlich offen. auf die wir später zu sprechen kommen. kommt der Geiz automatisch wieder zum Vorschein . die auf diese einfache Frage eine befriedigende Antwort zu geben vermöchte. das Gefühl wieder zurückzudrängen. müßte heißen: Die Komik der Wiederholung von Wörtern beruht im allge: meinen auf zwei Faktoren: Ein zurückgedrängtes Gefühl schnellt wie eine Feder vor. das uns den komischen Effekt der Wieder.Warum lachen wir. Orgon unterbricht sie fortwährend. Es ist das Spiel der Katze mit der Maus. sucht. diese Feder jeweils von neuem zurückzupressen. um sich nach . Seine immer wiederkehrende Frage: »Und Tartuffe?« erinnert ganz deutlich an eine Sprungfeder. holung am treffendsten zu erklären scheint. Ein Beispiel: Dorine erzählt Orgon von der Krankheit seiner v Frau.und um eben diesen Automatismus zu unterstreichen. sein Sohn sei als Gefangener auf die berühmte Galeere gebracht worden und müsse schleunigst losgekauft werden. Kaum unterdrückt. wenn auf der Bühne ein Wort ständig wiederholt wird? Man wird umsonst eine Theorie des Komischen suchen.. indem sie jedesmal wieder mit der Krankheitsgeschichte der Madame Elmire anfängt. Die Wiederholung wirkt nur komisch. dann spielt er mit Gerdntes Geiz wie Dorine mit Orgons Verblendung.

da er vom Wort zur Tat schreiten und einen anderen verletzen sollte. »Das habe ich nicht gesagt«. den Leuten endlich die Wahrheit zu sagen. es liegt ja nicht in dem. »Keine Mitgift!« fährt Harpagon jedesmal dazwischen. seine Tochter mit einem ungeliebten Mann zu verheiraten. Mit jedem »Das habe ich nicht gesagt!« läßt er die Anstrengung. wo Valere dem geizigen Harpagon vorhält. von dem wir eben sprachen. da er alles sagen will. und wir berühren hier eine neue Schwierigkeit der Theorie des Komischen. In gewissen Fällen kann die ganze Spannung einer Szene von einer einzigen Person ausgehen. die ihn dieser innere Kampf kostet. die wir sehen und hören. wiewohl Oronte hier offensichtlich nicht das Spiel spielt. Dieser Mechanismus ist allerdings nicht überall so leicht erkennbar. der andere bringt es nicht über sich. Der eine ist entschlossen. daß in Alceste zwei Menschen leben: der Menschenfeind und der Edelmann. Die Wiederholung dieses Satzes ist komisch. Die Person kann sich gewissermaßen verdoppeln. Und hinter diesen automatisch wiederkehrenden Worten erkennen wir einen ganzen.Helden mechanisch eine Phrase wiederholen. wie unrecht es sei. seine guten Manieren plötzlich zu vergessen. Ein Beispiel: Oronte fragt Alceste. der andere verschließt ihm den Mund im Augenblick. sondern in dem von der Szene nur angedeuteten innerlichen Katz-undMaus-Spiel. sondern zwischen Alceste und Alceste ab. von einer fixen Idee ausgelösten Wiederholungsmechanismus. dieweil ihr Partner lediglich die Funktion eines Prismas ausübt. deutlicher 55 . Die wirkliche Szene spielt sich also nicht zwischen Alceste und Oronte. antwortet Alceste beharrlich. ob er seine Verse schlecht finde. Hier dürfen wir das Geheimnis des komischen Effekts nicht in den Dingen suchen. Nun muß man aber wissen. Der eine möchte ausbrechen. in welcher er seinem Ärger über die Geldforderung Luft macht: »Was zum Teufel hatte er auf dieser Galeere zu suchen?« Ähnlich verhält es sich mit der'Szene. oder vielleicht schreckt er auch einfach vor dem entscheidenden Moment zurück. was sich äußerlich zwischen den Personen abspielt. durch das sich die Verdoppelung vollzieht.

Ja.sich zusammenfänden. sofern die beiden entgegengesetzten Gefühle . wir würden ihn sogar als ernst betrachten. so ist das noch nicht unbedingt komisch. Wir haben die Komik. vielmehr auf sich selbst. machten wir selbst aus diesen zwei Menschen einen einzigen. Mit jeder Wiederholung wird er wütender . Das Bild vom Springteufel hat uns nun lange genug beschäftigt. weil es einem bekannten kindlichen Muster folgt: Dann bekommen wir das Bild. sich gemeinsam entwickelten. daß dieses Schwanken ganz offenkundig mechanisch wirkt. das wir bisher nur in lächerlichen Gegenständen gesehen haben. wie er glaubt. und zwar von der besten Art. um uns klarzumachen. Wir wollen uns jetzt mit zwei anderen Spielen befassen. Sorgen wir vor allem dafür. auf Oronte. in Zukunft nur das zu sagen. der von ihnen beherrscht wird. es ist Leben. 56 . der uns nichts anderes als ein echtes Stück Leben bewußt machen würde. wir müßten erkennen. wobei wir uns auf allgemeine Hinweise beschränken werden.nicht. wie die komische Phantasie einen stofflichen Mechanismus nach und nach in einen geistigen Mechanismus verwandelt.gerade ihrer Gegensätzlichkeit wegen . so ist auch das nur Leben. Und so spannt sich die Feder immer neu. Wenn ein Mensch beschließt. zwischen ihnen schwanken.spüren. Lassen wir den Menschen. bis sie endgültig zerspringt. was er denkt. und wir finden nichts Komisches daran. Denken wir uns dagegen diese beiden Gefühle starr und stur. Wenn ein anderer aus angeborener Sanftmut oder aus Egoismus oder aus Verachtung den Leuten lieber nur schmeichelhafte Dinge sagt. Der Wiederholungsmechanismus ist also immer noch derselbe. und müßte er auch »der ganzen Menschheit ins Gesicht schlagen«. daß uns auch dieser Konflikt nicht erheitern würde. Wir sehen etwas Mechanisches in etwas Lebendigem. immer stärker. ließen wir ihn schwanken zwischen verletzender Offenheit und verlogener Höflichkeit. gemeinsam einen komplexen Seelenzustand herbeiführten und schließlich zu einem Modus vivendi gelängen.

Allerdings brauchen wir nicht so weit zu gehen. Unsere Gefühle. daß die scheinbare Freiheit ein Spiel von Fäden verdeckt und daß wir Menschen im Grunde nichts anderes sind als 57 . man ergreift gewissermaßen die Fäden und läßt die Marionette selbst über die Bühne tanzen — wie das Kind. Es gibt unzählige Lustspielszenen. vorausgesetzt. Man verbündet sich mit den Schurken. teils weil man zumindest in der Phantasie lieber der Betrüger als der Betrogene ist. Wenn nicht der Zuschauer die Fäden bewegt. die von Scapin manipuliert werden. das ist es. Erinnern wir uns. kurz. Das Leben verdankt all seinen Ernst unserer Freiheit. Vom Hampelmann. teils aus einem natürlichen Instinkt.ζ. Wir können ruhig auch außerhalb des Geschehens bleiben. den das Kind an einem Faden zappeln läßt. Wie ließe sich das alles in eine Komödie verwandeln? Man müßte sich ganz einfach vorstellen. die wir bedacht. Als Zuschauer ergreift man für die Schelme Partei. bis zu Geronte und Argante. ist es ein kleiner Schritt. und wie der Lustspieldichter die beiden Standpunkte in zwei entgegengesetzten Gestalten auftreten läßt. ob er heiraten solle. um mit ihr zu spielen. was den manchmal dramatischen und jedenfalls meist ernsten Lauf unseres Lebens bestimmt. die Taten. wir empfinden dieses Geschehen deutlich als eine mechanisch gesteuerte Handlung. während sie auf ihre Umgebung lediglich als Spielzeug wirkt. beschlossen. ausgeführt haben. Der Hampelmann. Hören wir Scapin selbst: »Die Maschine ist ja vorhanden« oder: »Der Himmel schickt sie mir ins Netz« usw. dann müssen es eben die Schauspieler tun. mit dem sich ein anderer belustigt. wo eine Figur zwischen zwei entgegengesetzten Standpunkten schwankt und abwechselnd den einen oder den anderen vertreten will. das einem Kameraden eine Puppe abgebettelt hat. Das ist immer dort der Fall. unsere Leidenschaften. wo eine Person selbständig zu sprechen und zu handeln glaubt und folglich wesentliche Lebensäußerungen beibehält.wie Panurge alle fragt. was immer aus uns stammt und uns zutiefst eigen ist.

armselige Marionetten am Faden. Wir können uns auch ein kunstvoll aufgebautes Kartenhaus vorstellen: Man berührt die erste Karte. oder nennen wir es die abstrakte Formel. sie läßt sich Zeit. Diese Erinnerung bezieht sich vielleicht weniger auf ein ganz bestimmtes Spiel als auf den mechanischen Apparat. woran man sich erinnert. welche die Kindheitserinnerungen darin spielen. so daß die ursprünglich bedeutungslose Ursache zwangsläufig zu einem ebenso bedeutsamen wie unerwarteten Ergebnis führt. dem ein größeres Feld offenstände. und im Rollen wird er größer. doch alle suggerieren uns das gleiche abstrakte Bild: Eine Wirkung greift um sich. nur indem sie dieses einfache Bild heraufbeschwört. ja dramatische Szene. Das alles sind völlig verschiedenartige Gegenstände. der den dritten zu Fall bringt. bis alle auf dem Boden liegen. Je weiter wir uns ins Studium der Lustspieltechnik vertiefen. Es gibt daher keine echte. Denken Sie auch an Bleisoldaten. welche die Phantasie nicht ins Komische übersetzen könnte. Der Schneeball. den die Notwendigkeit in Händen hält«. Worauf es hier ankommt. 3.. die in diesen Spielen ihre besondere Anwendung findet. Denken Sie an einen Schneeball: Er rollt. Öffnen wir jetzt ein 5* . den das Spiel in Bewegung setzt. und die immer rascher um sich greifende Zerstörung eilt schließlich in schwindelerregendem Tempo der endgültigen Katastrophe entgegen. so fällt er auf den zweiten.. was vom Kinderspiel unmerklich ins Erwachsenenspiel übergeht. indem sie sich selbständig fortsetzt. die gleiche mechanische Vorrichtung findet sich unter Umständen in sehr verschiedenartigen Spielen.». Der gleiche Apparat. so wie die gleiche Opernarie vielen musikalischen Phantasien zugrunde liegen kann. und so wird es immer schlimmer.. die man in Einerkolonne aufgestellt hat: Stößt man den ersten um. um so besser können wir die Rolle ermessen. ihre schwankende Nachbarin entschließt sich schon schneller. Es gibt kein Spiel. das ist das Schema der Kombination.

In den Witzzeichnungen »ohne Worte« geht es oft um einen ständig wandernden Gegenstand und um Personen. Und so befinden wir uns mitten im Schwank. an ein Kinderspiel.Kinderbilderbuch und sehen wir. er rollt durch das ganze Stück. 59 . Viele Bildergeschichten für Erwachsene sind auf die gleiche Weise angelegt. deren Scherben dem Schutzmann vor dem Haus auf den Kopf fallen. der gegen eine Fensterscheibe prallt. Der Gegenstand entschlüpft einem immer dann. immer überraschendere Zwischenfälle auslöst. Der Standortwechsel des Gegenstands hat automatisch zur Folge. indem er unterwegs immer schlimmere. daß er Sancho verprügelt. wenn man ihn zu fassen glaubt. Ein einziges Beispiel mag genügen: Irgendein Gegenstand (vielleicht ein Brief) ist für gewisse Personen von höchster Wichtigkeit und muß daher um jeden Preis wiedergefunden werden. Das Ganze erinnert. etwa in der Wirtshausszene. der Komödie angelangt. Man lese den Bericht von Chicaneau in Les Plaideurs nach: Da greift ein Prozeß in den anderen.bis schließlich das wegen eines simplen Heubündels angestrengte Verfahren den Kläger um den größten Teil seines Vermögens bringt. er stößt mit einer Dame zusammen. die vom Wirt überfallen wird usw. worauf dieser die ganze Polizei alarmiert usw. Es ist wieder der Schneeballeffekt. Wir brauchen wohl kaum an alle Formen zu erinnern. deren Teetasse sich über einen alten Herrn ergießt. wie sich darin eine komische Szene nach dem beschriebenen Muster entwickelt. indem er die juristischen Ausdrücke immer dichter aneinanderreiht) . der auf die Dirne losschlägt. und der Mechanismus arbeitet immer schneller (Racine vermittelt uns diesen Eindruck von wachsender Beschleunigung. Den gleichen Ablauf finden wir bei Don Quijote. Damit sind wir wieder bei. Wie viele handfeste Szenen beruhen auf dieser einfachen Formel. die ihm nachlaufen. in denen diese Kombination auftritt. wo eine seltsame Verkettung von Umständen den Maultiertreiber dazu bringt. wenn man es richtig bedenkt. Da stürzt zum Beispiel ein Gast in einen Salon. daß sich die Situation der Personen von Szene zu Szene in immer bedenklicherem Ausmaß verändert.

Eine mechanische Kombination erkennt man daran, daß sie meist auch im umgekehrten Sinn funktioniert. Das Kind lacht, wenn es sieht, wie eine Kugel auf der Kegelbahn alles umwirft und immer größeren Schaden anrichtet; es lacht noch mehr, wenn die Kugel nach mancherlei Irrungen, Wirrungen und Pausen wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrt. Anders gesagt, dei Mechanismus, den wir eben beschrieben haben, ist schon komisch genug, wenn er sich geradeaus bewegt; noch komischer aber wird er, wenn er sich im Kreis bewegt und wenn alle menschlichen Anstrengungen infolge einer verhängnisvollen Verkettung von Ursachen und Wirkungen darauf hinauslaufen, daß am Ende alles wieder an seinem gewohnten Platz steht. Um diese Idee kreisen zahlreiche Komödien. Ein Pferd hat einen Florentinerhut gefressen. In ganz Paris gibt es einen einzigen ähnlichen Hut, und er muß unbedingt gefunden werden. Der Hut entwischt, sooft man ihn zu fassen glaubt; er bringt die Hauptperson in Trab, die alle mit ihr verbundenen Personen ebenfalls in Bewegung versetzt, als wäre der Hut ein Magnet, der dank einer immer weiter um sich greifenden Kraft die aneinanderhängenden Eisenteilchen hinter sich herzieht. Und wähnt man sich nach ungezählten Zwischenfällen am Ziel, so stellt sich heraus, daß der so stürmisch gesuchte Hut genau der ist, den das Pferd gefressen hat. Eine solche Odyssee erleben wir auch in einer anderen berühmten Komödie von Labiche. Zuerst sehen wir einen betagten Junggesellen und eine alte Jungfer bei ihrem täglichen Kartenspiel. Sie sind gute alte Bekannte. Beide haben sich unabhängig voneinander an das gleiche Ehevermittlungsbüro gewendet. In der Folge durchlaufen sie Seite an Seite tausend Schwierigkeiten und Mißgeschicke, bis sich am Schluß des Stücks jeder zum vereinbarten Stelldichein einfindet, nur «um festzustellen, daß er dem andern wieder gegenübersitzt. Dieser Kreiseffekt, diese Rückkehr zum Ausgangspunkt finden wir auch in einem neueren Stück. Ein bedrängter Gatte läßt sich scheiden in der Hoffnung, seine Frau und seine Schwiegermutter loszuwerden. Er heiratet wieder und entdeckt, daß ihm das Wechsel60

spiel von Scheidung und neuer Heirat seine erste Frau wiederbeschert hat, und zwar als neue Schwiegermutter. Bedenkt man die starke Wirkung und die Beliebtheit dieser Art von Komik, so begreift man, weshalb sie die Phantasie der Philosophen immer wieder beschäftigt hat. Einen langen Weg gehen, nur um unwissentlich zum Ausgangspunkt zurückzukehren, heißt, durch eine große Anstrengung nichts erreichen. Die Versuchung, das Komische so zu definieren, mußte groß sein. Tatsächlich definiert Herbert Spencer das Gelächter als Ergebnis einer Anstrengung, die unversehens im Leeren verläuft. Und Kant sagte: »Das Lachen entspringt einer Erwartung, die sich plötzlich in Nichts auflöst.« Beide Definitionen ließen sich auf unsere letzten Beispiele anwenden, aber dann müßte man die Formel etwas einschränken, denn es gibt eine ganze Anzahl unnützer Anstrengungen, die durchaus nicht komisch sind. Unsere Beispiele haben gezeigt, wie aus einer großen Ursache eine kleine Wirkung entstehen kann. Wir haben aber unmittelbar vorher auch den umgekehrten Fall geschildert, wo sich aus einer geringfügigen Ursache eine große Wirkung ergibt. In Wirklichkeit taugt die zweite Definition so viel oder so wenig wie die erste. Das Mißverhältnis zwischen Ursache und Wirkung - mag es sich so oder anders offenbaren - ist nicht der unmittelbare Anlaß zum Gelächter. Wir lacjien über etwas, das durch dieses Mißverhältnis zum Vorschein kommt, über das besondere mechanische »Arrangement«, das wir hinter der Verkettung von Wirkungen und Ursachen wittern. Wenn Sie von diesem Arrangement absehen, dann verlieren Sie den einzigen roten Faden, der Sie durch das Labyrinth der Komik führen kann. Die Regel wiederum, der Sie gefolgt sind, läßt sich vielleicht auf ein paar passende Fälle anwenden; im großen ganzen aber müssen Sie damit rechnen, daß sie vom ersten besten Beispiel widerlegt wird. Aber warum lachen wir eigentlich über die mechanische Anordnung, von der wir soeben gesprochen haben? Daß uns die Geschichte eines Individuums oder einer Gruppe von einem bestimmten Zeitpunkt an wie ein Spiel von ineinander61

greifenden Rädern, Sprungfedern und Schnüren anmutet, ist eigentümlich, gewiß - doch worin besteht der spezifische Charakter dieses eigentümlichen Phänomens? Weshalb ist es komisch? Wir haben uns diese Frage schon mehrmals und in verschiedenen Formen gestellt. Und unsere Antwort lautet immer gleich. 'Der starre Mechanismus, den wir dann und wann wie einen Fremdkörper im lebendigen Zusammenspiel der menschlichen Dinge entdecken, erregt.unser besonderes Interesse, weil er so etwas wie eine Abirrung vom Leben darstellt. · Nähmen die Ereignisse stets ihren folgerichtigen Lauf, so gäbe es keine Zufälle, keinen Zusammenprall, keinen Kreislauf; sie würden sich ausschließlich auf einer geraden Linie abspielen und weiterentwickeln. Und lebten wir Menschen immer bewußt, nähmen wir den Kontakt mit anderen und auch mit uns selbst jeden Tag von neuem auf, so würde nie der Eindruck entstehen,^ daß sich etwas in uns mittels Sprungfedern oder Fäden bewegt. Das Komische an einem Menschen ist das, was an ein Ding erinnert. Es ist das, was an einen starren Mechanismus oder Automatismus, einen seelenlosen Rhythmus denken läßt. Die menschliche Komik verkörpert also eine individuelle oder kollektive Unvollkommenheit, die nach einer unmittelbaren Korrektur verlangt. Und diese Korrektur wird durch das Lachen besorgt. Das Lachen ist eine bestimmte soziale Geste, die eine bestimmte Art des Abweichens vom Lauf des Lebens und der Ereignisse sichtbar^macht und gleichzeitig verurteilt. Diese Erkenntnis fordert uns aber geradezu heraus, weitere und höhere Regionen zu erforschen. Bis hierher haben wir uns damit begnügt, in den Spielen der Erwachsenen gewisse mechanische Kombinationen wiederzuentdecken, die uns schon als Kind belustigten. Es war ein empirisches Verfahren. Jetzt müssen wir es mit einer methodischen und vollständigen Deduktion versuchen. Wir müssen die vielfältigen und veränderlichen Spielarten der'Komödie an ihrer Quelle, das heißt in ihrem einfachen Grundprinzip erfassen. Wir sagten, der Ablauf der Ereignisse in einer Komödie werde durch einen Mechanismus in den äußeren Lebensformen geregelt. Wo6i

durch die sich das Lebendige vom Mechanischen unterscheidet. vor allem aber in den Kinderspielen. wenn wir die Merkmale bestimmt haben. breitet das Leben ein Nebeneinander von Ereignissen vor uns aus. die diesen Unterschied kennzeichnen. deren Mechanismus diese Szenen widerspiegeln. Fortwährende Veränderung des Gesichtspunkts. Von der Zeit her betrachtet. daß keines von ihnen gleichzeitig zu zwei verschiedenen Organismen gehören könnte: jedes Lebewesen ist ein geschlossenes System von Phänomenen und außerstande. fühne weiteres in den schon geschilderten Szenen. so ausschließlich füreinander stattfinden. ist Leben das stetige Fortschreiten eines unaufhaltsam alternden Menschen: dieses Leben kehrt nie um und wiederholt sich nie. die so eng miteinander zusammenhängen. Doch halten wir uns nicht mit ihrer Analyse auf. von einem einfachen Mechanismus? Wenn wir diese Frage beantwortet haben. vollständige Formel aller tatsächlichen und möglichen Spielarten der Komödie zu finden. vollkommene Eigenständigkeit einer in sich geschlossenen Serie . Im Raum gesehen. An neuen Beispielen lassen sich die drei Methoden besser untersuchen. Inversion und Interferenz der Serien oder Reihenfolgen nennen wollen. verschieden dosiert. wo wir ihnen meist im Reinzustand begegnen. um die abstrakte und diesmal allgemeine.durch unterscheidet sich nun das Leben.das sind die äußeren (wirklichen oder scheinbaren) Merkmale. sich mit anderen Systemen zu vermischen. Einmaligkeit der Phänomene. daß es sich hier um die Methoden des Schwanks handelt und daß es keine anderen geben kann. dann brauchen wir nur zu den entgegengesetzten Merkmalen überzugehen. Wir fänden sie. Wir sehen das Leben als einen bestimmten Ablauf in der Zeit und zugleich als eine bestimmte Komplikation im Raum. Und nirgends finden sie sich leichter als in der klassischen Komödie wie auch im zeitgenössischen Theater. 63 . die wir Repetition. Und nun das Gegenteil: Nehmen wir drei Prozesse. von außen gesehen. Auf den ersten Blick erkennen wir.

ein geschickter Dramatiker kann und muß sie miteinander in Einklang bringen. wobei unter immer neuen Umständen eine immer gleiche Serie von symmetrisch sich entsprechenden Ereignissen oder Mißgeschicken ausgelöst wird. daß eine bestimmte Personengruppe von Akt zu Akt durch die verschiedensten Milieus geführt wird. Ich begegne zum Beispiel auf der Straße einem Freund. Die Repetition.ι. je komplexer die. Im zeitgenössischen Lustspiel wird die Repetition in allen ihren Formen angewendet. Diese zwei Voraussetzungen schließen sich nur scheinbar aus. Stellen Sie sich nun eine Serie von imaginären Ereignissen vor. so lachen wir am Ende beide über das »Zusammentreffen«. die mehrmals wiederkehrt und sich dadurch vom unaufhaltsamen Lauf des Lebens unterscheidet.Begegne ich ihm jedoch am gleichen Tag ein zweites Mal und noch ein drittes und ein viertes Mal. immer sich wiederholende Szene zwischen den gleichen oder zwischen verschiedenen Personen: Auch das wird dann ein »Zusammentreffen« sein. Szene ist und auch je natürlicher sie herbeigeführt wird. In etlichen Stücken Molieres finden wir diese Anordnung von Ereignissen. Wir sprechen jetzt nicht mehr von einem Wort oder einer Redensart. was er ausgeheckt hat. daß der gleiche Drei-Takt-Effekt wieder und wieder herbeigeführt und durchgeübt wird. die ein Schauspieler wiederholt. Die Situation ist nicht komisch. und dieser 64 . Erster Takt: Horace erzählt Arnolphe. allerdings nur in rudimentärem Zustand.. Es geht hier vielmehr um eine Situation. aber ein viel ungewöhnlicheres. um den Vormund der jungen Agnes zu hintergehen. So verhält es sich mit den Wiederholungen auf der Bühne. Sie wirken um so komischer. die sich von Anfang bis Ende der Komödie wiederholen. und denken Sie sich mitten in deren Ablauf eine immer gleiche. den ich lange nicht gesehen habe.. So besteht in L'Ecole des Femmes die ganze Handlung darin. das heißt um eine Verkettung von Umständen. Schon im Alltag erleben wir diese Art von Komik. Eine der bekanntesten Spielarten besteht darin. die einigermaßen lebensecht wirkt.

ihn zu akzeptieren. Nach diesem Schema ist Amphitryon angelegt. sofern man uns nach und nach dazu gebracht hat. Bei Moliere ist es umgekehrt. in L'Ecole des Maris.Vormund ist zufällig Arnolphe selber. Zwar wird auch heute versucht. findet der umgekehrte Vorgang statt: Die Herren wiederholen nach dem Beispiel ihrer Diener eine Szene. Die meisten zeitgenössischen Bühnenautoren gehen nach dieser Methode vor. In Der Eigensinn. daß an ihn geglaubt wird. daß seine Frau ihn betrügt. einem reizenden kleinen Lustspiel von Benedix. doch man arbeitet mit anderen Mitteln. in UEtourdi und insbesondere in George Dandin. Es liegt an der Stimmung der dargestellten Personen und nicht an der des Publikums. er wird glaubhaft allein durch die Tatsache. Dritter Takt: Agnes sorgt dafür. Oft wird die erste Gruppe von den Herren. der sich entschuldigt. er habe den Streich pariert. eine gewisse mathematische Ordnung in das Geschehen zu bringen und ihm gleichzeitig den Anschein von Wirklichkeit. Er ist es. Jede dieser Personen stellt eine bestimmte Kraft dar. daß Arnolphes Gegenzug sich zu Gunsten von Horace auswirkt. die Repetition äußert sich in der klassischen Komödie ganz anders als im zeitgenössischen Theater. wo der Drei-Takt-Effekt wie folgt abläuft: i. Zweiter Takt: Arnolphe bildet sich ein. Doch welche auch immer die zwischen den eingeschalteten symmetrischen Situationen handelnden Personen sein mögen. die zuvor von den Herren gespielt worden ist. und wir glauben an ihn. die zweite von den Dienern gebildet. Bisweilen spielt sich die gleiche Szene zwischen verschiedenen Personengruppen ab. Die Diener wiederholen in einem anderen Ton und in einem weniger edlen Stil eine Szene. Die meisten modernen Komödien appellieren direkt an den Verstand des Zuschauers. Er sucht Hilfe bei seinen Schwiegereltern. z. die sich um trotzige Auflehnung dreht. der Zufall mag noch so ungewöhnlich sein. Dasselbe periodische Motiv finden wir in anderen Moliere-Stücken. die sich in einer bestimmten 65 . das heißt von Lebensnähe zu geben. Das Zusammentreffen. 3. wenn die Wiederholung natürlich wirkt. Dandin merkt.

wenn wir an die eine denken. Wir finden sie schon in der alten Farce. um den Advokaten nicht bezahlen zu müssen. Es genügt. daß wir es bei seiner Definition bewenden lassen wollen.Richtung bewegt. das seine Eltern belehren will. und notiert alle seine Pflichten fein säuberlich auf einem Zettel. Die Inversion. Dabei müssen sich die beiden symmetrischen Szenen nicht einmal unbedingt vor unseren Augen abspielen. als sie in die Ursache investiert hat. insofern als klassische Kunst die Kunst ist. Danach fällt sie in einen Bottich. sie herauszuziehen. entsteht auch immer die gleiche Situation. 2. Oft wird uns auf der Bühne gezeigt. Sie verdient klassisch genannt zu werden. Der Advokat Pathelin bringt seinem Kunden einen Trick bei. Begründung: »Das steht nicht auf meinem Zettel. Wir lachen eigentlich über alles. Eine zänkische Frau verlangt von ihrem Gatten. mit dessen Hilfe ein Angeklagter seinen Richter hinters Licht führen kann. und da diese konstant ausgerichteten Kräfte notgedrungen immer wieder aufeinandertreffen. in die sie später selber gerät. was in die Rubrik »verkehrte Welt« gehört. Wir lachen über den Angeklagten. Die so verstandene Situationskomödie grenzt demnach an die Charakterkomödie. der Kunde wird diesen Trick benützen. Dabei geht es im Grunde immer 66 . Die Geschichte vom verfolgten Verfolger oder vom betrogenen Betrüger ist ein ergiebiges Lustspielthema.« Auch in der modernen Literatur kommt das Thema vom »bestohlenen Dieb« in zahlreichen Varianten vor. Stellen Sie sich bestimmte Personen in einer bestimmten Situation vor. Ihr Gatte weigert sich. die aus der Wirkung nicht mehr hervorholen will. dann kehren Sie diese Situation um und vertauschen Sie die Rollen: das Ergebnis ist eine komische Szene. der seinem Richter eine Moralpredigt hält. Wir lachen über das Kind. während wir der anderen zusehen. wie eine Person eine Falle stellt. daß er den Haushalt besorge. Von einer Komik dieser Art lebt die doppelte Rettungsszene in Le Voyage de Monsieur Perricbon. Dieser zweite Prozeß hat mit dem ersten so viel Ähnlichkeit.

»Du hast's gewollt. wie immer das Mißgeschick beschaffen sein mögen . so bildet sie eine »Kategorie«. Hat sich eine komische Szene oft genug wiederholt. ein Modell. George Dandin« . Und dadurch reihen sie sich in eine Gattung ein. Ihr komischer Effekt läßt sich nur schwer auf eine Formel bringen. so doch de facto lustig finden. die Zuschauer einen wirklichen. deren Komik offiziell anerkannt ist. Versuchsweise wollen wir ihn wie folgt definieren: Komisch ist eine Situation immer dann. Sie strahlt ihre Komik auf eine Menge anderer Szenen aus. komisch wirkt nur schon eine Anspielung auf dieses Mißgeschick. 3. Hier bewahrheitet sich ein Gesetz. die gleichzeitig zwei Sinndeutungen zuläßt. wie immer die Schuld. Man wird jetzt sogleich an das Quiproquo denken. die bewirkt haben. weil man 67 . Sie vermitteln uns mehr oder weniger deutlich ein Bild. weil er auf der Bühne so viele verschiedene Formen^annimmt. der sich darauf bezieht. die seine Wirkung verlängern. Den wahren Sinn der Situation erkennen die Zuschauer. In der Folge werden wir auch neue Szenen wenn nicht de iure. der sie herbeigeführt hat. Wenden wir uns der Interferenz der Serien zu. Zu dieser Gattung gehört die Situation des »bestohlenen Diebs«. wenn sie gleichzeitig zwei völlig unabhängige Ereignisreihen hervorbringt und gleichzeitig auf zwei ganz verschiedene Arten gedeutet werden kann. wirkt komisch. sofern sie der Modellszene auch nur entfernt ähnlich sind. von dem wir wissen. Sie wirkt an sich lustig. daß wir sie lustig fanden. daß es komisch ist.nur um eine Vertauschung der Rollen und um eine Situation. ganz unabhängig von den Ursachen. Die Verwechslung ist ja wahrhaftig eine Situation. ein einziger Satz. dessen Anwendung wir in dieser Arbeit schon mehrfach geschildert haben.was sage ich. die sich gegen den richtet. Sie läßt am Ende jedes selbstverschuldete Mißgeschick komisch erscheinen. Genug von Repetitionen und Inversionen.der Ausspruch entbehrte jeglicher Komik ohne die komischen Resonanzen. Die Schauspieler geben ihr einen möglichen Sinn.

erklärt sie nicht das Prinzip der Komik. Die dargestellten Personen dagegen kennen jeweils nur einen. Wir aber kommen vom falschen Urteil zum richtigen. die sie sich genau vorstellen kann und nach denen sie ihre Reden und Handlungen richtet. Deshalb bemüht sich ja der Autor. daher ihre falschen Bewertungen dessen. was um sie herum geschieht und was sie selbst tun. Diese Definition paßt natürlich bei weitem nicht auf alle Fälle. jede einzelne Person betreffend. Bei einer Verwechslung fügt sich jede handelnde Person in eine Kette von Ereignissen ein. daher die Zweideutigkeit. die sich nicht miteinander vertragen.ihnen alle Aspekte gezeigt hat. unsere Aufmerksamkeit fortwährend auf die beiden Tatsachen der Unabhängigkeit und des Zusammentreffens zu lenken. Daher der Irrtum der handelnden Personen. sondern lediglich als Zeichen einer solchen Interferenz. die sie persönlich betreffen. nämlich der Interferenz selbständiger Serien. Jede einzelne Ereignisreihe entwickelt sich. Meist gelingt ihm das dadurch. Tatsächlich ist das Quiproquo im Theater nur ein besonderer Teil eines viel allgemeineren Phänomens. daher die Irrtümer. und außerdem ist es nicht komisch an sich. sondern nur eine seiner mehr oder weniger fernen Auswirkungen. wo sie paßt. aber zu einem bestimmten Zeitpunkt sind sie einander unter Umständen begegnet. die bewirken. und mit diesem Schwanken zwischen zwei entgegengesetzten Deutungen beginnt unser Spaß an der Verwechslung. und selbst dort. unabhängig von den anderen. wir pendeln zwischen dem möglichen und dem wirklichen Sinn. Einige wollten sogar das Wesen der Komik überhaupt nur im Widerstreit oder in einer Überschneidung zweier Deutungen sehen. daß die zu einer von ihnen passenden Handlungen und Worte auch zu einer anderen passen könnten. Nicht von ungefähr haben sich die Philosophen mit diesem Moment der Unschlüssigkeit besonders eingehend befaßt. weil sie das Zusammentreffen der beiden unabhängigen Reihen nach außen bekundet. daß er die scheinbare Gefahr einer 68 . Diese Zweideutigkeit allein ist aber nicht komisch. sie ist es nur.

Viele heroisch-komische Geschehnisse ließen sich auf diese Art zerlegen. Sehen Sie jetzt zu. Das Quiproquo kann daher nur ein Sonderfall sein. An die Stelle von zwei Ereignisfolgen aus dem gleichen Zeitabschnitt kann man auch eine erste Reihe von vergangenen Ereignissen und eine zweite von aktuellen Begebenheiten setzen. Die meist komische Transposition vom Alten ins Neue lebt ja von der gleichen Idee. Stellen Sie sich alsdann vor. Labiche hat die Methode in allen ihren Formen angewendet. Bisweilen auch behält er während des ganzen Stückes den gleichen Personenkreis bei. das uns zum Lachen bringt . wie Tartarin auf seiner Schweizer Reise ebenfalls verhaftet und eingekerkert wird: zweite Reihe. wie Tartarin an Bonivards Kette gefesselt wird und wie die beiden Begebenheiten vorübergehend zusammentreffen. die Interferenz der Serien sichtbar zu machen. so ergibt sich eine komische Wirkung. Sie ist der wahre Ursprung der komischen Wirkung. Manchmal baut er zuerst die unabhängigen Serien auf. zum Beispiel eine Hochzeitsgesellschaft. Er nimmt eine geschlossene Gruppe. die Daudets Phantasie jemals entsprungen sind. weil es uns die Interferenz zweier unabhängiger Ereignisfolgen vor Augen führt. einer der amüsantesten. Denken Sie an Bonivards Gefangenschaft im Schloß Chillon: eine erste Reihe von Tatsachen. und versetzt sie in eine ganz fremde Umgebung. ganz unabhängig von der ersten.Spaltung zwischen zwei zusammentreffenden Serien stets aufs neue heraufbeschwört. Treffen die beiden Reihen in unserer Phantasie aufeinander. Es macht uns lachen.weit mehr als unser geistiges Schwanken zwischen zwei kontradiktorischen Behauptungen. und jedesmal wird alles wieder geflickt. Es gibt noch viele andere. und dann läßt er sie durcheinander geraten. Es ist eines der Mittel (vielleicht das künstlichste). und Sie wohnen einer überaus komischen Szene bei. Jeden Augenblick droht alles aufzufliegen. Das ist das Spiel. sorgt aber dafür. wo sie sich dank gewisser Zufälle vorübergehend niederlassen wird. daß einige dieser 69 . wiewohl es nicht mehr um eine Verwechslung geht.

Personen etwas zu verheimlichen haben. Aber ob Interferenz. Man nimmt ein System von Handlungen und Beziehungen.der Zweck bleibt der gleiche. Beabsichtigt ist immer das. als würde sie alles auf den Kopf stellen. das heißt genau so lange. Bei allen diesen Operationen wird das Leben als Repetiermechanismus behandelt. so wäre es eine ungleichförmige Kontinuität. denn behielte es sich ständig im Auge. Deshalb käme niemand auf den Gedanken. Das wirkliche Leben entspricht einem Lustspiel in dem Maß. wäre nicht das Lachen überhaupt ein 70 . sie läßt sich aber immer wieder mit der gegebenen Situation in Einklang bringen. als es auf natürlichem Weg gleichgeartete Effekte erzielt. eine ungeteilte Einheit. zum Beispiel eine Vergangenheit. auch wenn es jedesmal so aussah. daß sie gezwungen sind. zu einer Kunst zu erheben. mit dem es sich teilweise überschneidet. überall auch das vorübergehende Zusammentreffen. Vor allem aber ist sie unkorrigierbar. und der Kontakt zwischen den zwei Folgen ist wiederhergestellt. Überall finden wir die beiden unabhängigen Serien wieder. daß sie eine Komödie innerhalb der Komödie aufführen. Inversion oder Repetition . wiederholt es tel quel oder stellt es auf den Kopf oder versetzt es als Ganzes in ein anderes System. zu einem System zu verdichten. sich miteinander zu vertragen. so wie die Komik eines einzelnen Charakters immer mit einer gewissen fundamentalen Zerstreutheit der Person zusammenhängt. Die Zerstreutheit der Ereignisse ist aber ungewöhnlich. über sie zu lachen. Ihre Auswirkungen fallen kaum ins Gewicht. kurz. mit Rückläufen und auswechselbaren Bestandteilen. was wir eine Mechanisierung des Lebens genannt haben. Deshalb können wir die Komik der Ereignisse als eine Zerstreutheit der Dinge bezeichnen. ein unverrückbarer Fortschritt. doch schließlich kommt alles ins Lot. sie zu übertreiben. wie es sich selbst vergißt. Jeden Augenblick droht eine Komödie die andere zu stören. so daß es sinnlos wäre. Und manchmal schaltet Labiche in den wirklichen Gang der Ereignisse eine rein ideelle Serie ein. die jemand verheimlichen möchte und die doch ständig in die Gegenwart einbricht.

die jener des Schwanks in mancher Hinsicht ähnlich ist: die Wortkomik. der ihn mit dem echten Leben verbindet. die andere Sitten. wie alle Spiele.Vergnügen und benützten die Menschen nicht jede Gelegenheit. Er verhält sich zum wirklichen Leben wie der Hampelmann zum beweglichen Menschen. So erklärt sich der Schwank. eine andere Literatur und vor allem andere Gedankenassoziationen hat. so können wir im gleichen Atemzug auch über ihre Urheber lachen. wenn wir für die Wortkomik eine eigene Kategorie schaffen. 7i . Im zweiten Fall ist die Komik meist unübersetzbar. Die meisten der bisher untersuchten Effekte wurden ja ohnehin schon durch die Sprache ausgelöst. Im letzten Teil unserer Studie werden wir uns näher mit ihr beschäftigen. Zuerst aber müssen wir eine Art von Komik analysieren. Die Charakterkomödie dagegen wurzelt viel tiefer in der lebendigen Gegenwart. dieses Vergnügen auszukosten. ist eher dünn. Sie unterstreicht die Zerstreutheiten der Sprache selbst. einer zuvor vereinbarten Regel. Die Komik eines Satzes. den größten Teil ihrer Substanz einbüßen wird. Sie steht und fällt mit dem Satzbau oder der Wortwahl. und wenn wir über sie lachen. wir müssen aber nicht. Sie konstatiert nicht einfach mit Hilfe der Sprache irgendwelche besonderen Zerstreutheiten der Menschen oder der Ereignisse. auch auf die Gefahr hin. Wir können. daß sie in einer neuen Gesellschaft. Es ist nichts als ein Spiel und gehorcht. eines Wortes kann durchaus selbständig sein. Der Faden. Die Sprache selber wird komisch. II Es wirkt vielleicht gekünstelt. Die Sätze entstehen freilich nicht von selbst. ob die Sprache Komik ausdrückt oder Komik erzeugt. Es ist aber nicht dasselbe. Im ersten Fall läßt sich die Komik zur Not in eine andere Sprache übersetzen. worüber wir eigentlich lachen. daß da irgendwo ein Mensch mit im Spiel ist. er ist die sehr künstliche Übertreibung einer gewissen natürlichen Steifheit der Dinge. Sehr oft vermöchten wir nicht zu sagen. wiewohl wir undeutlich spüren.

Ein geistvolles Volk ist zugleich ein theaterbesessenes Volk.Dieser Mensch muß auch nicht immer der sein. er sieht. Dieser bringt mit allem. Ein wenig führt er auch mit sich selbst Regie. als ein Mann von Geist entpuppen. zu ergründen. Das Wort »geistvoll« kann zwei Bedeutungen haben. wann immer es ihm beliebt. so wie im guten Leser das Zeug zum Schauspieler steckt. und es ist geistreich. vor allem aber läßt er sie miteinander reden. wenn es uns über einen Dritten oder auch über uns selbst lachen macht. als wären sie Personen. Ich fürchte nur. Deshalb wäre eine Studie über das Lachen nicht vollständig. Im geistvollen Menschen steckt etwas von einem Dichter. Wir empfinden es ganz einfach als lustig. weil er nur seine Intelligenz einsetzt. das Thema ist so überaus empfindlich. daß es bei Licht zergeht. er muß eher etwas 72 . Ein geistreicher Ausspruch entlockt uns zumindest ein Lächeln. im Gegenteil.gewisse Distanz von der eigenen Person. muß man mit Leib und Seele Schauspieler sein. Er führt mit ihnen Regie. was er sagt und tut. Der geistvolle Mensch geht mit seinen Ideen nicht wie mit irgendwelchen Symbolen um. Ich führe den Vergleich absichtlich an. Zu diesem Zweck braucht er nichts Neues dazuzulernen. der spricht. die es ausspricht. weil man zwischen diesen vier Begriffen mühelos eine Beziehung herstellen kann. sich selbst mehr oder weniger stark zur Geltung. er hört sie. Ein Wort kann komisch sein. In diesem Zusammenhang muß man eine wichtige Unterscheidung zwischen geistreich und komisch machen. was man Geist nennt. Jeder Dichter kann sich daher. Um gut zu lesen. Im weitesten Sinn des Wortes kann man darunter eine gewisse dramatische Denkweise verstehen. Häufig aber sind wir nicht sicher. um jedoch gut zu spielen. muß man nur den intellektuellen Teil der dramatischen Kunst beherrschen. Dichterische Schöpfung erfordert also eine . lachen müssen. wenn wir über die Person. eine weitere und eine engere. ob das Wort komisch oder geistreich ist. die Natur dessen. Er verliert sich nicht darin. wenn man es unterließe. und das ist nicht unbedingt die Stärke des geistvollen Menschen.

so daß diese schließlich gesagt hat. und zwar die einzige. so leicht. Dann versteht man unter Geist eine bestimmte Begabung. eine Überlegung gegen die Person. das seine Gedanken mit seinen Gefühlen und seine Seele mit dem Leben verbindet. und zwar so diskret. am ehesten zu Hause fühlt. bewegen wir uns wieder auf vertrautem Gebiet: Wir fühlen uns an das Lustspielmotiv des »bestohlenen Diebes« erinnert. Jemand wendet eine Metapher. Die Wortkomik ist also wohl eine Analyse wert. eine Phrase. von der er annimmt. so flink. und es gibt keine einzige. so kann man daraus folgern. daß er sich in jener Gattung der dramatischen Kunst. ein Sprichwort parodiert und so zum Widerspruch herausfordert. Wer sind die Spieler in diesen Szenen? Mit wem hat der geistreiche Mann zu rechnen? Zunächst mit seinen unmittelbaren Gesprächspartnern. Noch häufiger aber mit aller Welt in dem Sinne. daß alles schon vorbei ist. wenn wir es erst zu bemerken beginnen. Häufig auch mit einer abwesenden Person. die sich nicht zu einer Waffe des Geistes schmieden ließe. Dort bekommt das Wort Geist eine engere Bedeutung. sie habe etwas gesagt. die man Komödie nennt. wenn er seine Ideen »einfach so zum Spaß« sich miteinander unterhalten läßt. Er muß nur das zweifache Band lockern. daß er einen der ganzen Welt geläufigen Gedanken in sein Gegenteil verkehrt. Wie Sie sehen. Wenn aber Geist im Sinn von Witz ganz allgemein die Fähigkeit ist. die uns im Zusammenhang mit unserer Theorie des Lachens interessiert. Es genügt. eine übliche Redensart auf unübliche Weise verwendet oder ein Zitat. die Dinge sub specie theatri zu sehen. Der »bestohlene Dieb« ist jedoch nicht das einzige mögliche Thema. daß sie sich also gewissermaßen selbst in der Schlinge der Sprache verfängt.vergessen. Er wäre nur noch ein geistvoller Mensch. die sie äußert oder äußern könnte. Wir haben uns mit mancherlei Arten der Komik befaßt. wenn er einem von ihnen direkt mit einem Bonmot antwortet. komische Szenen zu entwerfen. Müßten wir 73 . was sie nicht sagen wollte. wenn er mit der Intelligenz allein und nicht auch mit dem Herzen ein Dichter sein wollte. das eine Antwort verlangt.

Das ist ein geistvoller Ausspruch. und die Erklärung ist vollständig. Um unsere Analyse zu Ende zu führen. geistreich zu sein. um dieses Bild glaubhaft zu machen. der diese Szene entsprechen würde. was sie miteinander gemein haben. wobei man. Wie können wir erkennen. dann läßt er sich zur komischen Szene ausweiten. statt dessen fühlt er Sganarelle den Puls und erklärt dann . sobald wir ihn aus dem Zusammenhang herausschälen. Wenn unsere Theorie stimmt.ein pharmazeutisches Rezept erstellen. indem er dafür sorgt. wenn wir nicht zuerst die allgemeine 74 . Eine solche Szene findet sich fertig präpariert in Molieres L'Amour medecin: Der falsche Arzt Clitandre soll Sganarelles Tochter untersuchen. Wenden wir diese Methode auf ein klassisches Beispiel an. es würde folgendermaßen lauten: Man nehme das Wort. »Deine Brust schmerzt mich«. unterstreichen.unverfroren: »Ihre Tochter ist sehr krank!« Damit hat sich der Übergang vom Geistreichen zum Komischen vollzogen. schrieb Madame de Sevigne ihrer kranken Tochter. fast so viele wie es nicht zu sein. einen lebenden Menschen als Gliederpuppe auftreten zu lassen. oft zwei oder mehrere Personen sprechen und handeln läßt. Es gibt vielerlei Arten. verdichten. besteht eine der hauptsächlichsten komischen Erfindungen darin. ohne den Begriff als solchen zu definieren. Wie wir nun aber wissen. weshalb die Idee. Man zerlegt also ein Bonmot in seine einfachsten Elemente.weil er die Zuneigung zwischen Vater und Tochter spürt . weshalb sich gewisse Autoren in ihren Abhandlungen über den Geist damit begnügen mußten. weite es zur gespielten Szene aus und suche dann die komische Kategorie. die Krankheit eines Kindes nach der Untersuchung des Vaters oder der Mutter zu diagnostizieren. die mit diesem Begriff bezeichnete außerordentliche Komplexität der Dinge festzustellen. als wären sie durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden. müssen wir nur noch herausfinden. Vermittelt uns nicht auch Moliere diesen Eindruck. komisch ist. daß wir die auch von uns vermutete Sympathie zwischen Tochter und Vater gewissermaßen materialisieren? Man begreift.

Wir sehen. mit denen man sie erzielt. 75 . die Formel des Geistvollen direkt suchen wollen. Den umgekehrten Weg beschreiten. Der Vielfalt der Komik entspricht die Vielfalt des Geistes. Kehren wir daher zur Komik der Handlungen und Situationen zurück. wie wir beim Studium der Wortkomik vorzugehen haben. Damit aber haben wir auch schon den Geist analysiert: Er ist in diesem Fall nichts anderes als eine Komik. wir sehen aber auch. Zuerst also müssen wir die Komik in ihren verschiedenen Ausdrucksformen erfassen. wie der geistreiche Ausspruch. daß zwischen einem komischen und einem geistreichen Ausspruch tatsächlich kein wesentlicher Unterschied besteht. wenngleich an eine sprachliche Wendung gebunden. indem wir — und das ist schon schwierig genug — den Faden wiederfinden. der von einer Form zur anderen führt. einer möglichen Szene. Betrachten wir die gebräuchlichsten Methoden. die Komik der Sprache muß Punkt für Punkt der Komik der Handlungen und Situationen entsprechen und ist. die sich verflüchtigt hat. Was würde man von einem Chemiker sagen. hieße einem sicheren Mißerfolg entgegengehen. wenn man so sagen will.Beziehung zwischen Geist und Komik bestimmen? Ist diese Beziehung aber einmal klargestellt. Anders gesagt. Wenden wir danach die gleichen Methoden auf die Wortwahl und den Satzbau an. Zwischen der Komik und dem Geist erkennen wir dann das gleiche Verhältnis wie zwischen einer abgeschlossenen und einer nur angedeuteten. den mehr oder weniger deutlichen Eindruck von einer komischen Szene erweckt. nur deren Projektion auf den Bereich des Wortes. Auf diese Weise entdecken wir die verschiedensten Formen der Wortkomik wie auch die möglichen Spielarten des Geistes. dann wird uns auch das übrige klar. der in seinem Laboratorium über eine unbeschränkte Menge von Stoffen verfügte und sie dann lediglich als Spuren in der Atmosphäre untersuchen wollte? Der Vergleich zwischen Geist und Komik zeigt uns.

was man nicht sagen wollte. daß jedermann bei jeder Gelegenheit vom »schönsten Tag seines Lebens« spricht. Deshalb auch lacht man über alles Steife. wäre unweigerlich komisch. Auf französisch ist er komisch. die in einem Satz komisch wirken. einen groben Irrtum etwa oder noch besser einen in den Worten liegenden Widerspruch. 76 . ihre stereotypen Sätze. das alles ist. die sich nur in diesem Stil ausdrücken würde. Soll aber ein Satz selbst komisch sein. »Dieser Säbel ist der schönste Tag meines Lebens«. Der komische Effekt wird dadurch erreicht. sagen. er muß darüber hinaus ein Merkmal aufweisen. sagt Monsieur Prudhomme. Es ist nur ein einfaches und sehr wirkungsvolles Mittel. Wir haben nur einen Ausspruch von Monsieur Prudhomme zitiert. tun. Sichgehenlassen aus Steifheit oder gemäß dem Gesetz der Trägheit. daß er automatisch dahergesagt wurde. so genügt es nicht. unabhängig von der Person. Sie hat ihre fixfertigen Formeln. Und da es in allen Sprachen abgedroschene Redensarten gibt. In der englischen oder deutschen Sprache klingt dieser Satz ganz einfach absurd. Deshalb ist Zerstreutheit an sich lächerlich. eine der großen Quellen der Komik. die Komik eines Satzes herauszustreichen. wie wir jetzt wissen. was man nicht tun wollte. Er muß eine offensichtliche Absurdität enthalten. an welchem wir ohne weiteres erkennen können. indem man eine absurde Idee in eine stehende Redensart kleidet. gehorchen dem gleichen Schema. die man ihm zuschreibt. Eine Person. Das Absurde ist hier nicht die Ursache des Komischen. Es ist eine dieser stehenden Redensarten. weil darin ein Automatismus zum Ausdruck kommt. die ihn ausspricht. Daher die allgemeine Regel: Man tut einen komischen Ausspruch. Gibt es dieses Steife auch in der Sprache? Gewiß. Mechanische in den Gebärden. Fertige. Haltungen und sogar in den Gesichtszügen. weil sich der Franzose daran gewöhnt hat. Aber die meisten komischen Äußerungen. daß man die Redensart mit etwas Absurdem verflicht. daß es ein fixfertiger Satz ist. Monsieur Prudhomme ist der Mann der abgedroschenen Redensarten.ι.

Beide Sätze sind nun so kombiniert worden. Das Entdecken der banalen Redensart. Die meisten Worte haben einen äußeren und einen inneren Sinn. Labiche läßt zum Beispiel eine seiner Figuren sagen: »Gott allein hat das Recht. Diese Beispiele werden genügen. Gehen wir zu einer weniger allgemeinen Form über. hat einmal ein Faulpelz gesagt. um verständlich zu machen. daß sie unser Ohr täuschen und wie irgendeine Phrase wirken. bis die Absurdität sie plötzlich weckt. ob man sie im eigentlichen oder im übertragenen Sinn versteht. wenn unsere Aufmerksamkeit auf das Äußere einer Person gelenkt wird. wenn auch selten übersetzen. so muß es folgendermaßen lauten: Man erzielt einen komischen 77 . »Ich arbeite nicht gern zwischen den Mahlzeiten«. Unsere Aufmerksamkeit'wird eingeschläfert. seinen Nächsten zu töten. 2. während es sich um ihr Inneres handelt«: Dieses Gesetz haben wir im ersten Teil unserer Abhandlung aufgestellt. die man mechanisch wiederholt und übernimmt. Der Satz ist nur deshalb lustig. Soll unser Gesetz Gültigkeit haben. mit der Zeit aber kann sich sein Sinn vergeistigen. Wenden wir es jetzt auf die Sprache an. wie sich eine der wichtigsten Formen der Komik auf das Gebiet der Sprache projizieren und vereinfachen läßt.« Dieser Spruch lebt offensichtlich von zwei uns sehr vertrauten Lehrsätzen: »Gott allein lenkt das Schicksal der Menschen« und »Du sollst deinen Nächsten nicht töten«. wird uns nicht immer so leicht gemacht. er kann sich zu einer abstrakten Beziehung oder zu einer reinen Idee wandeln. je nachdem. weil es im Französischen die wichtige Gesundheitsregel gibt: »Man esse nicht zwischen den Mahlzeiten. »Wir lachen immer dann.« Bisweilen auch wird der Effekt komplizierter. unter der sich etwas Absurdes verbirgt.kann man Monsieur Prudhommes Phrasen ohne weiteres übertragen. Jedes Wort bezeichnet zunächst einen konkreten Gegenstand oder eine materielle Handlung. Statt einer einzigen abgedroschenen Redensart haben wir es mit mehreren ineinander verschachtelten Phrasen zu tun.

es hätte folglich bereits einen komischen Beiklang. bestehe oft auch darin. Wir würden schon eher daran denken. sagten wir. daß der Zuhörer sich geradezu mitlaufen sieht. daß wir dabei nicht mehr an die konkrete und materielle Beziehung denken. so wäre dies der Beginn eines Bonmots gewesen. Witzig mußte also eine Replik sein. als von einem eingebildeten Menschen die Rede war. während er im übertragenen Sinn getan wurde. Hätte Bouffiers geantwortet: »Er wird ihn nicht erwischen«. die dem Sportjargon einen so handfesten. der sich aus grammatischen Gründen nicht zum Vergleich eignen würde: »Alle Künste sind Brüder!« Der Effekt wäre komisch. wenn er sagt: »Ich setze auf den Geist. man lenke unsere Aufmerksamkeit gewaltsam auf den materiellen Aspekt der Phrase. den Gedanken eines Gesprächspartners weiterzuspinnen bis zu dem Punkt. einen Ausdruck im eigentlichen Sinn zu hören. »Er läuft dem Geist nach«. aber es wäre nur ein Beginn gewesen.Effekt. In dieser Redensart wird das Wort »Schwester« als Metapher verwendet. um eine mehr oder weniger große Ähnlichkeit zu bezeichnen. Das erreicht Bouffiers. Und es wird so oft auf diese Weise gebraucht. wenn man vorgibt.« Geist. die eine Verwandtschaft darstellt. so lebendigen Ausdruck entlehnte. wenn man sagte: »Alle Künste sind Kusinen«. wird die ausgedrückte Idee komisch. Solche Schlingen sind nun häufig ebenfalls Metaphern oder 78 . »Alle Künste sind Schwestern«. Spinnen wir den Gedanken weiter und nehmen wir an. weil die Wörter »erwischen« und »laufen« häufig im übertragenen Sinn verwendet werden und uns deshalb nicht sofort und ruckartig an das konkrete Bild von zwei Läufern erinnern. sagen die Franzosen. indem man einen Verwandtschaftsbegriff wählte. wo dieser das Gegenteil seines Gedankens ausdrücken und sich in der eigenen sprachlichen Schlinge verfangen könnte. Oder: Sobald sich unsere Aufmerksamkeit auf die materielle Seite einer Metapher konzentriert. sagte jemand zu Bouffiers. weil das Wort »Kusine« kaum jemals im übertragenen Sinn verwendet wird.

Gleichnisse, die sich gegen ihre Urheber richten lassen. Man denke an den Dialog zwischen Mutter und Sohn in Les Faux Bonshommes: »Mein Lieber, die Börse ist ein gefährliches Spiel. Man gewinnt heute und verliert morgen. - Nun, dann spiele ich eben nur jeden zweiten Tag.« Im gleichen Stück findet zwischen zwei Finanzmännern folgende erbauliche Unterhaltung statt: »Ist es auch anständig, was wir da tun? Schließlich ziehen wir den armen Aktionären das Geld aus der Tasche... - Na und? Wo sollten wir's denn sonst herausziehen?« Man erzielt daher eine amüsante Wirkung, wenn man ein Symbol oder ein Emblem im materiellen Sinn entwickelt und dieser Entwicklung den gleichen Symbolwert zuschreibt wie dem Symbol selbst. In einem heiteren Schwank tritt ein Beamter aus Monaco auf, die Uniform über und über mit Orden bedeckt, wiewohl ihm nur ein einziger verliehen worden ist. Seine Erklärung:»Ich habe meine Medaille auf eine Zahl im Roulette gesetzt, und da sie gewonnen hat, steht mir das Recht auf das Sechsunddreißigfache meines Einsatzes zu.« Die gleiche Überlegung stellt Giboyer in Les Effrontes an. Das Gespräch dreht sich um eine vierzigjährige Braut, die ihr Hochzeitskleid mit Orangenblüten geschmückt hat: »Eigentlich hätte sie ein Recht auf Orangen«, sagt Giboyer. Wir kämen an kein Ende, wollten wir sämtliche Gesetze, die wir bisher verkündet haben, der Reihe nach auf ihre Anwendbarkeit im sprachlichen Bereich prüfen. Besser, wir halten uns an die drei Leitsätze aus dem vorangegangenen Kapitel. Dort haben wir gezeigt, wie Ereignisreihen infolge der Repetition, Inversion oder Interferenz komisch werden können. Das trifft auch auf die Wortreihen zu. Eine Serie von Ereignissen in einem anderen Ton oder einem anderen Milieu wiederholen oder sie umkehren, so daß sie noch einen Sinn haben, oder sie mit einer oder mehreren anderen Serien vermengen, so daß ihre entsprechenden Bedeutungen sich überschneiden - das ist komisch, sagten wir, weil man damit erreicht, daß das Leben sich mechanisch behandeln läßt. Aber auch der Gedanke ist etwas, das lebt. 79

Und die Sprache, die ihn überträgt, sollte ebenso lebendig sein wie er. Also wird ein Satz komisch, wenn er auch umgekehrt noch einen Sinn ergibt. Oder wenn er zwei völlig unabhängige Gedankensysteme ausdrückt, ohne zwischen den beiden zu unterscheiden. Oder wenn er aus der Umsetzung einer Idee in eine ihr fremde Tonart entstanden ist. Das sind die drei Grundgesetze der sogenannten komischen Verwandlung gesprochener SätzeK wie-die folgenden Beispiele zeigen. Zunächst sei festgestellt, daß die drei Gesetze in bezug auf die Theorie der Komik bei weitem nicht die gleiche Bedeutung haben. Das unwichtigste Verfahren ist die Inversion. Es scheint aber auch das leichteste zu sein; jedenfalls kann man feststellen, daß die professionellen Wortkomiker, kaum haben sie eine Phrase aufgeschnappt, nach Mitteln und Wegen suchen, um diese Phrase so umzukehren, daß sie noch einen Sinn ergibt, indem sie zum Beispiel das Subjekt an die Stelle des Objekts setzen und das Objekt an die Stelle des Subjekts. Nicht selten wird auf diese Weise eine Idee in mehr oder weniger witzigen Worten widerlegt. In einer Komödie von Labiche streiten sich zwei übereinander wohnende Mieter, weil der eine den Balkon des anderen beschmutzt. »Warum werfen Sie Ihre Pfeifen auf meine Terrasse?« ruft der eine, worauf der andere erwidert: »Warum stellen Sie Ihre Terrasse unter meine Pfeifen?« Die Beispiele ließen sich beliebig vermehren. Die Interferenz zweier Gedankensysteme im gleichen Satz ist eine unversiegliche Quelle witziger Effekte. Und es gibt zahlreiche Mittel, einem einzigen Satz zwei unabhängige Bedeutungen zu geben, die sich überschneiden. Das unrühmlichste ist der Kalauer. Beim Kalauer scheint der gleiche Satz auf den ersten Blick tatsächlich zwei verschiedene Bedeutungen zu haben; doch der Schein trügt. In Wirklichkeit sind es zwei verschiedene Sätze, die aus verschiedenen Wörtern bestehen und die man künstlich vermischt, wobei man sich die Tatsache zunutze macht, daß beide Sätze für das Ohr gleich tönen. Im übrigen gelangt man vom Kalauer auf un80

merklichen Zwischenstufen zum echten Wortspiel. Hier überschneiden sich zwei Ideensysteme wirklich in ein und demselben Satz, und auch die Worte sind dieselben. Der Erfinder des Wortspiels bedient sich ganz einfach der verschiedenen Bedeutungen, die ein Wort haben kann, vor allem beim Wechsel vom eigentlichen zum übertragenen Sinn. Winzig ist oft auch der Unterschied zwischen dem Wortspiel und der poetischen Metapher oder dem belehrenden Gleichnis. Im Bild und im Gleichnis scheint sich die Übereinstimmung zwischen Sprache und Natur, hier als zwei Parallelerscheinungen des Lebens betrachtet, widerzuspiegeln, während wir beim Wortspiel eher den Eindruck gewinnen, die Sprache lasse sich gehen, sie habe vorübergehend ihre wahre Bestimmung vergessen und wolle die Dinge nach ihr - anstatt sich nach den Dingen - richten. Das Wortspiel verrät also eine vorübergehende Zerstreutheit der Sprache, und deshalb ist es komisch. Inversion und Interferenz sind aber im Grunde nur Spielereien des Geistes, die in Wortspiele münden. Tiefer geht die Komik der Transposition. Die Transposition in der Umgangssprache entspricht der Repetition in der Komödie. Wir haben die Repetition das beliebteste Verfahren der klassischen Komödie genannt. Die Repetition stellt sich ein, wenn die Handlung so angelegt ist, daß immer wieder die gleiche Szene entsteht, sei es zwischen den gleichen Personen unter neuen Umständen, sei _es zwischen neuen Personen unter den gleichen Umständen. Beispiel: Diener spielen in einer derberen Sprache eine Szene, die vor ihnen schon die Herren gespielt haben. Gehen wir jetzt von Ideen aus, die in einem zu ihnen passenden Stil und folglich in ihrem natürlichen Milieu ausgedrückt werden. Denken wir uns eine Vorrichtung hinzu, die diesen Ideen gestattet, sich in eine neue Umgebung zu versetzen, ohne daß sich ihre Beziehungen zueinander ändern oder, deutlicher gesagt, bringen Sie sie dazu, daß sie sich in einem ganz anderen Stil ausdrücken und in eine ganz andere Tonart umsetzen: Diesmal ist es die Sprache, die Ihnen Komödie vermittelt, es ist die Sprache, die
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Als erstes könnte man zwei extreme Tonarten unterscheiden. Hier kann die komische Phantasie zwei entgegengesetzte Richtungen einschlagen. das wir stets in Ehren gehalten haben. so hat man die Parodie. Es muß die Komik der Parodie gewesen sein.komisch wird. daß man uns sowohl die übertragene wie die natürliche Ausdrucksform einer Idee präsentiert. daß wir auf eine Aufzählung verzichten müssen. als mittelmäßig 8z . das liegt natürlich am poetischen Glorienschein. Die Mittel der Transposition oder Umsetzung sind so zahlreich und vielfältig. wenn man Antikes in Ausdrücken des modernen Lebens schildert. Wenn wir die zweite kennen. die Komik kann hier vom seichtesten Spaß bis zu den höchsten Formen des Humors und der Ironie so viele Stufen durchlaufen. wenn wir die wichtigsten Anwendungen unserer Regel fortlaufend überprüfen. Daraus ergibt sich folgende allgemeine Regel: Man erzielt eine komische Wirkung. die Sprache weist eine so reiche Folge von Tonarten auf. die einige Philosophen auf die Idee brachte. wo der in vertrauten Worten geäußerte Gedanke schon allein der Gewohnheit wegen in einem anderen Ton geäußert werden sollte. daß man die eine in die andere umsetzt. Der komische Einfall muß und kann daher nur aus der anderen stammen. Jean Paul liefert uns ein treffendes Beispiel mit dem Satz: »Der Himmel begann sich zu röten wie ein Hummer im Siedewasser. Nach Alexandre Bain wird unsere Heiterkeit dadurch erregt. die Komik im allgemeinen mit dem Begriff Degradierung zu definieren. wenn man den natürlichen Ausdruck einer Idee in eine andere Tonart überträgt. weil wir sie instinktiv wahrgenommen haben. ursprüngliche kennen wir ja schon. Es wird genügen. die feierliche und die familiäre. »daß man uns etwas. der das klassische Altertum umgibt. Und die Wirkung dieser Parodie erstreckt sich bis auf Fälle. Die größten Wirkungen erzielt man ganz einfach dadurch. Dies setzt aber keineswegs voraus.« Den gleichen Effekt kann man erzielen. Setzt man die Feierliche ins Familiäre um. denken wir uns sogleich die erste dazu. Die natürliche.

Wir haben soeben ein englisches Wort gebraucht: Das Verfahren ist in der Tat sehr englisch. ja überhaupt in der englischen Literatur. Aber es ist eine sehr eindrucksvolle Form. Sie hat unter anderem das heroischkomische Gedicht hervorgebracht . so wie andere sie als Degradierung sahen. ob sie sich auf die Größe oder auf den Wert des Objekts bezieht. als wären es große. Wir brauchen aber nicht so weit zu gehen. Sie erregt so viel Heiterkeit. Wenn aber unsere Analyse stimmt. einen schlechten Lebenswandel in Ausdrücken der strengen respectability schildern. wenn sie fortgesetzt wird und vor allem. Künstlicher. sie bringe uns wegen ihres Hanges zum Heroisch-Komischen zum Lachen. Die Übertreibung ist komisch. Gelächter zu erregen. Und ich glaube. eine zweideutige Situation. und die Transposition selbst ist nur eines von vielen Mitteln. Von kleinen Dingen sprechen. Die Stärke der Wirkung hängt hier übrigens nicht 83 . Man findet die umgekehrte Transposition ebenso häufig wie die andere. heißt übertreiben.und billig vorführt«. wenn sie den Wert und nicht mehr die Größe der Dinge verschiebt. denn dann stellt sie ein echtes Transpositionsverfahren dar. In Wirklichkeit ist auch die Übertreibung nur eine bestimmte Form einer bestimmten Art von Komik. wenn sie systematisch ist.eine etwas abgenutzte Gattung. um zu erkennen. man kann zwei hauptsächliche Formen unterscheiden. Man kann auch von der Prahlerei sagen. ist fast immer komisch. aber auch raffinierter ist die Transposition von unten nach oben. gewiß. daß nicht nur die Transposition vom Feierlichen ins Alltägliche. ein niederes Gewerbe. die zum methodischen Übertreiben neigen. Einen unredlichen Gedanken redlich ausdrücken. Es gibt noch andere. Man fände ungezählte Beispiele bei Dickens. je nachdem. daß mehrere Autoren die Komik als Übertreibung bezeichneten. und zwar noch mehr. und der Ursprung des Lachens muß auf einer höheren Ebene gesucht werden. doch Überreste davon finden wir immer noch bei Leuten. Thackeray. dann ist die Degradierung nur eine der Formen von Transposition. vom Besseren ins Schlechtere komisch ist: Der umgekehrte Vorgang ist es auch.

aber die Ironie ist rednerischer Natur. das Bessere und das Schlechtere. was es ist. während dem Humor eher etwas Wissenschaftliches anhaftet. bis sie sich zu einer unter Druck gesetzten Beredsamkeit gesteigert hat. In einem Stück von Gogol weist ein höherer Beamter seinen Untergebenen mit den Worten zurecht: »Du stiehlst zu viel für einen Beamten deiner Klasse. haben festgestellt. Indem wir den Abstand verringern. Die wohl häufigste Gegenüberstellung dieser Art erfolgt zwischen Wirklichkeit und Ideal. daß es genau so sein sollte. so ausführlich und haargenau beschreiben.von ihrer Dauer ab. hinuntersteigt und seine Besonderheiten mit kühler Gelassenheit zur Kenntnis nimmt. daß der Humor eine Vorliebe für konkrete Ausdrücke. Umgekehrt betont man den Humor. es ist vielmehr sein wahres Wesen. das ist. was sein sollte. Mehrere Schriftsteller. Beide sind Formen der Satire. und dem. So verfährt häufig der Humor. es läßt ein in einem bestimmten Milieu gebräuchliches Transpositions-System durchscheinen und enthüllt uns gewissermaßen eine moralische Organisation der Unmoral. Der Humorist ist in diesem Fall 84 . immer höher tragen läßt. was sein sollte. weniger brutal entgegengesetzte Wörter und auf subtilere Effekte der komischen Umsetzung. indem man immer tiefer in das Böse. indem man sich von der Idee des Guten. dann ist dies kein zufälliger Charakterzug des Humors. als glaube man. darunter Jean Paul. als sei man überzeugt. Das ist Ironie. das sehr Große und das sehr Kleine. Man kann sagen. stoßen wir auf neue. dies erklärt. genaue Tatsachen hat.« Wir fassen zusammen: Es gibt zunächst zwei extreme Vergleichswörter. Der so definierte Humor ist das Gegenteil von Ironie. was ist. das sein sollte. es sei genau das. vorausgesetzt. Auch in diesem Fall kann die Transposition in beiden Richtungen stattfinden. also zwischen dem. technische Details. Wenn unsere Analyse stimmt. Man betont die Ironie. Oder man kann im Gegenteil das. was ist. Zwischen diesen kann die Transposition in diesem oder jenem Sinn stattfinden. weshalb sich die Ironie ereifern kann. Bisweilen genügt ein einziges Wort.

ein als Gelehrter getarnter Moralist. wäre die Sprache ein einheitlicher Organismus. sie würde jeglicher Komik entbehren. Schließlich ist ja auch an einer Seele nichts Komisches. eine Umsetzung der geschäftlichen Floskel: »Ihr Wertes vom Dritten dieses Monats«. eine Art Anatom. deren Leben harmonisch und spiegelglatt verläuft. Wenn wir den Abstand zwischen den Wörtern. Wäre dieses Leben der Sprache vollständig und vollkommen. Wie zu erwarten war. weil sie menschlich und deshalb den Formen des menschlichen Geistes möglichst genau nachgebildet ist. wo die Heirat als Geschäft und wo Fragen des Herzens in rein kommerziellem Stil behandelt werden. das von unserem Leben lebt. und Humor in diesem beschränkten Sinn ist nichts anderes als eine Umsetzung des Moralischen ins Wissenschaftliche. und wie wir aus dem schon Gesagten ersehen konnten. wo sprachliche Eigenheiten charakterliche Eigenheiten widerspiegeln. wenn sie nicht mehr nur eine berufliche Gewohnheit. unfähig. wenn man sie im gesellschaftlichen Leben anwendet. Man denke an die Szenen in Les Faux Bonshommes und in La Familie Benoiton. die Wortkomik der Situationskomik auf dem Fuß und mündet wie diese in die Charakterkomik. so erhalten wir immer speziellere Systeme der komischen Transposition. und auf diesen Punkt möchten wir erst im folgenden Kapitel zu sprechen kommen. Es gibt jedoch keinen 85 . Eine solche Komik kann übrigens noch tiefgründiger werden. sondern einen Charakterfehler enthüllt. um uns abzuschrecken. Wir spüren in ihr etwas. kurz. noch mehr verringern. Eine Figur von Labiche antwortet zum Beispiel auf eine Einladung: »Ihr Liebenswürdiges vom Dritten vorigen Monats«. der nur seziert. Viele Berufe haben bekanntlich ihr eigenes technisches Vokabular. folgt. die sich gegenseitig umsetzen lassen. Wie viele komische Effekte ergeben sich aus der Umsetzung alltäglicher Ideen in diese Berufssprache! Ebenso komisch wirken Ausdrücke aus der Geschäftssprache. Die Sprache führt nur deshalb zu komischen Effekten. Hier jedoch rühren wir an den Punkt. gäbe es darin nichts Erstarrtes. sich in unabhängige Organismen aufzuspalten.

lebendig genug und in jedem ihrer Bestandteile so ganz präsent wäre. Automatismus im Gegensatz zu freiem Handeln. das ist dieses Starre. Was das Lachen hervorheben und korrigieren möchte. die beweglich. es ist Zerstreutheit im Gegensatz zur Aufmerksamkeit. in welcher sich nicht Gewohnheiten bilden würden.stillen Weiher. noch aufschlußreichere Untersuchung in Angriff nehmen: das Studium des komischen Charakters oder vielmehr der wesentlichen Voraussetzungen einer Charakterkomödie. wie wir hoffen. keine menschliche Seele. indem sie ihn gegen die anderen verhärten. So gibt es auch keine Sprache. Fixfertige. an dessen Oberfläche nicht tote Blätter treiben. Wir haben ihn an allen entscheidenden Wendepunkten unseres Weges aufleuchten sehen. immerfort Wechselnden und Lebendigen. daß sie das Fixfertige ausmerzen und auch den mechanischen Eingriffen der Inversion. Mechanische im Gegensatz zum Beweglichen. der Transposition widerstehen könnte. das wahre Wesen der Kunst wie auch die allgemeine Beziehung der Kunst zum Leben besser zu verstehen. Und diese Gewohnheiten verhärten den Menschen gegen sich selbst. Es soll uns helfen. Vom Beginn unserer Analyse des Komischen an war dieser Gedanke unser Leitstern. Jetzt wollen wir mit seiner Hilfe eine wichtigere und. .

Drittes Kapitel Die Charakterkomik .

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Wir haben jedoch die umgekehrte Methode befolgt und das Licht von oben nach unten gelenkt. eine Situation. die uns bewegen. sobald wir ihrer gewahr werden: Freuden und Schmerzen. haben wir von Anfang an den Menschen. die im Zuschauer schmerzliches Erstaunen oder Schreck oder Mitleid hervorrufen. eine selbständige Phrase durchsetzen kann. All dies gehört zum Wesen des Lebens. Doch jetzt werden wir uns mit dem Reinmetall selbst befassen. durch die allzu weiten Maschen unserer Definition geschlüpft wären. kurz. ein Wort durchdringen kann. an denen wir teilhaben. Verbindung oder Vermischung das Komische eine simple Bewegung. Gefühle. Mit der Analyse des komischen Charakters kommen wir zum wichtigsten Teil unserer Aufgabe. eine Gebärde. seelische Zustände. sich der Gesellschaft anzupassen. zu erklären. Nehmen wir es also unter die Lupe. Denn diesmal haben wir es mit einem einfachen Element zu tun. Wir hätten erleben müssen. Wir nahmen das Reinmetall als gegeben an und richteten alle unsere Anstrengungen nur auf die Wiedergewinnung des Rohmaterials. Alles ist 89 . widerspiegelt. sagten wir.Ι Wir sind der Komik auf vielen Wegen und Umwegen gefolgt und haben gesehen. daß die Komik vor allem eine besondere Unfähigkeit des Menschen. Es gibt. den Charakter anvisiert. wie sie allmählich eine Form. Überzeugt. eine Handlung. eine Haltung. daß das Lachen eine soziale Bedeutung und Tragweite hat. Leidenschaften und Laster. Es wird uns nicht schwerfallen. Unsere einzige Schwierigkeit bestand darin. wie die Tatsachen in dem Maß. die sich von Seele zu Seele übertragen. Es wäre auch der schwierigste. eine unpersönliche Situation. als wir uns auf die höchsten Äußerungen der Komik zubewegten. hätten wir der Versuchung stattgegeben. das Lächerliche nur an ein paar prägnanten und deshalb undifferenzierten Beispielen zu definieren. ja daß es Komik überhaupt nur im Menschlichen gibt. weshalb wir auch andere Dinge als einen Charakter komisch finden und auf welche subtilen Arten der Durchdringung.

Erst wenn ein anderer Mensch uns nicht mehr beschäftigt. Sie zwingt jedes ihrer Glieder. sieht er sich vor neue Prüfungen gestellt. als sie uns ein Schauspiel bieten. ihnen wie von einer Theaterloge aus zuzusehen. umzuformen. Einerseits würden wir niemals über Personen im wirklichen Leben lachen. Um nur ein Beispiel. Dazu 90 . und mag die Demütigung auch leicht sein. von seinen Kameraden erdacht. wo sich der einzelne gegen das Leben in der Gemeinschaft sträubt . entwickelt so eine Methode. so hat ihn statt unser die Gesellschaft. Sie sorgt dafür. sie sind in unseren Augen nur insofern komisch. daß es sich in seinen Charakter zurückzieht wie in ein Schneckenhaus. daß über jedem wenn nicht gerade die Drohung einer Strafe. Bewährungsproben. und zwar ein bescheidenes. Andererseits aber ist unsere Freude am Lachen sogar im Theater kein reiner Spaß. Komisch ist eine Person. zu durchbrechen. das starre Schema der von außen mitgebrachten Gewohnheiten zu lockern. Nachdem er die gefürchteten Aufnahmeexamen bestanden hat. sich ihr anzupassen und zu vermeiden. kein ausschließlich ästhetisches. die sich im Schoß der großen bildet. zu nennen: Ein Junge tritt in eine neue Schule über. den Einzelgänger zurückzuholen und aus seiner Zerstreutheit zu wecken. wären wir nicht imstande. Jede kleine Gemeinschaft. Nicht anders verfährt die eigentliche. die automatisch ihren Weg geht. die große Gesellschaft. völlig desinteressiertes Vergnügen. und wenn nicht wir ihn haben. Und sie beginnt an dem Punkt. sie ist dennoch gefürchtet. Dies erklärt die zweifache Natur der Komik.mit anderen Worten: bei der Versteifung.ernst. dem es gilt. so doch die Furcht vor einer Demütigung schwebt. kann man es als eine wahre soziale Züchtigung betrachten. ohne sich um den Kontakt mit anderen zu bemühen. kann die Komödie beginnen. Sie gehört weder ganz zur Kunst noch ganz zum Leben. Das Lachen ist dazu da. Immer ist ein Hintergedanke dabei. bisweilen sogar tragisch. immer ein wenig demütigend ist. Da nun das Lachen für den. auf seine Umgebung zu achten. um ihn nach dem Muster der neuen Gemeinschaft umzumodeln und zu »lockern«.

zumindest äußerlich . Man wird mir nun sagen. daß in dieser Behauptung viel Wahres steckt. Ich gebe zu. aber wahr bleibt trotzdem. es sei vielmehr die besondere Form. welche die Rechtschaffenheit bei ihm angenommen hat. in Schwank und Posse. Deshalb steht die Komödie dem wirklichen Leben sehr viel näher als das Drama. sondern auch über ihre Vorzüge lachen. von der Wirklichkeit: Je höher ihr Niveau. seine Rechtschaffenheit lächerlich macht. die sich so nahe am gehobenen Lustspiel bewegen. vielleicht finden wir ihn leicht. Je mehr Größe ein Drama hat. Die Komik ist also nicht immer das Kennzei9* . daß die Elemente des komischen Charakters im Theater und im Leben dieselben sind. Man hat oft behauptet. Umgekehrt gibt es im wirklichen Leben Szenen. weil ein Fehler leicht ist. um so größer ihre Lebensechtheit. daß Alcestes Verschrobenheit. es sei das Verschrobene daran. zwischen klein und groß. Und schließlich müssen wir doch . Erstens ist es schwierig.kommt die uneingestandene Absicht zu demütigen und dadurch . das Komische an ihm sei doch aber nicht seine Rechtschaffenheit.zugeben. um ihr eine möglichst reine Form von Tragik abzugewinnen. Die Komödie dagegen unterscheidet sich nur in ihren niederen Formen. wiewohl wir sie als schwerwiegend empfinden: zum Beispiel Harpagons Geiz. es gebe Fehler.wenn auch widerwillig . das uns den Geschmack an ihr verdirbt. Wir lachen über Alceste. Vielleicht lachen wir nicht. daß wir bisweilen nicht nur über die Fehler unserer Nächsten.zu korrigieren. ohne auch nur ein Wort daran zu ändern. daß die Bühne sie übernehmen könnte. über die wir lachen. Einverstanden. Es gibt bekanntlich nichts Entwaffnenderes als das Lachen. über die wir lachen. Wir können aber noch weitergehen und sagen. desto tiefer mußte der Dichter die Wirklichkeit bearbeiten. weil er uns lachen macht. zwischen leicht und schwer die Grenze zu ziehen. Welches sind diese Elemente? Sie lassen sich mühelos bestimmen. die uns erheitern. es seien die kleinen Fehler unserer Nächsten. Daraus folgt. gleichwohl kann ich sie nicht für absolut richtig halten. und das ist der springende Punkt.

dann könne es komisch werden. Über ein bewegliches Laster lacht man nicht so schnell wie über eine unbeugsame Tugend. wo sich hier das Leichte deutlich vom Schweren unterscheidet. daß er meine Sympathie oder meine Furcht oder mein Mitleid erregt. dann werde das Laster komisch. daß wir diese Fehler. In der Tat und Wahrheit kann eine komische Person ohne weiteres im Einklang mit der strengen Moral handeln. Alceste hat den Charakter eines vollkommen rechtschaffenen Mannes. sagten wir. dann vergeht mir das Lachen. Sie müßte sich nur noch mit der Gesellschaft in Einklang bringen. ich sage. der gibt sich der Lächerlichkeit preis. und zwar von einem leichten Fehler sprechen will. die Vorurteile einer Gesellschaft bezogen ist. daß es mich ungerührt läßt. daß das. daß sie zwischen dem sozialen und dem sittlichen Ideal keinen großen Unterschied macht. Wir dürfen daher ehrlich zugeben. Wer sich absondert. eher wegen ihres ungeselligen als wegen ihres unmoralischen Charakters lustig finden. Ein Fehler kann noch so leicht sein. die Ideen. Es darf mich nicht bewegen. Die Frage ist nur. und ich werde es als komisch empfinden. und wer durchaus von einem Fehler. das Lachen verträgt sich nicht mit dem Gemüt. Zur Ehre der Menschheit sei immerhin gesagt. Man zeige mir umgekehrt ein ausgesprochenes und abstoßendes Laster. Ich sage nicht. auch wenn sie in seinem Fall Rechtschaffenheit bedeutet. der wird auch erklären müssen. Alles Steife ist der Gesellschaft verdächtig. und deshalb ist er komisch. um darüber zu lachen. Diese Frage haben wir jedoch bereits implizit beantwortet.chen eines Fehlers im moralischen Sinn. wenn man ihn mir so darstellt. was uns belustigt. welche Fehler komisch werden können und welche wir als zu schwerwiegend empfinden. wendet sich an den reinen Intellekt. Die Komik. Wir lachen also über Alcestes Steifheit. sofern man dafür gesorgt hat. weil die Komik zum großen Teil von dieser Isolierung lebt. in der Regel wohl die Fehler der anderen sind. Dies erklärt. weshalb die Komik so oft auf die Sitten. das ist die einzige wirklich 9i . Aber er ist ungesellig. sofern wir wahrheitsgemäß hinzufügen.

daß sie sich mit dem übrigen Teil der Seele verbindet. Ein starkes Gefühl greift meist auf alle anderen seelischen Zustände über und färbt auf sie ab. eine Emotion sei dramatisch und ansteckend. in welchen Fällen wir an den imaginären Freuden und Leiden teilnehmen oder nicht teilnehmen wollen. tötet. Denn wie können wir uns mit einer Seele in Einklang bringen. Daraus könnte ein 93 . muß etwas Steifes in ihr stecken. daß sie Sohn und Vater sind. so daß wir sogar eine ernste Situation nicht mehr ernst nehmen. Man kann auch sagen. müßte man sich in ganz neue Untersuchungen vertiefen. Diese zweite Kunst wird der komische Dichter mehr oder weniger bewußt anwenden. das verhindert. analysieren und bestimmen. wenn mit dem Grundton zugleich alle Obertöne angeschlagen werden. die hart am Drama vorbeigeht. die wir ins Theater mitbringen. die unsere Empfindsamkeit betäubt und ihr Träume suggeriert. treffen sich und entdecken. Das Steife kann sich in einem gewissen Moment durch hölzerne Bewegungen äußern und dadurch Gelächter erregen. Ein Schuldner und ein Wucherer. auch wenn sie bei weitem nicht genügt. Wie aber kann der komische Dichter vermeiden. Das erste Verfahren besteht darin. die mit sich selbst nicht im Einklang ist? Es gibt eine Szene in L'Avare. aber unsere Sympathie hat es sich schon vorher verscherzt. Es gibt auch eine Kunst. Dabei stehen ihm zwei Wege offen. daß er mein Gemüt bewegt? Eine heikle Frage. Weil der Schauspieler voll und ganz vibriert. da sie erwachen könnte. selbständige Existenz zu verleihen. so werden wir schließlich selbst von der entsprechenden Gefühlsregung durchtränkt. die unsere Sympathie just in dem Augenblick. kann auch das Publikum vibrieren. die sich nie gesehen haben. Es gibt eine Kunst.notwendige Bedingung. Damit uns eine Emotion kühl lasse und infolgedessen komisch wirke. die künstliche Sympathie. in der Seele der dargestellten Person eine bestimmte Empfindung zu isolieren und dieser Empfindung eine sozusagen parasitäre. Um sie klarzustellen. Läßt man uns dieses allmähliche Durchdringen miterleben.

indem er sie verwandelt.Drama entstehen. Wenn uns ein seelischer Zustand mit seiner Dramatik beeindrucken soll. Ganz anders verhielte es sich mit einem Geiz tragischer Natur. Man würde zusehen. Das scheint mir der erste wesentliche Unterschied zwischen dem gehobenen Lustspiel und dem Drama zu sein. mein Sohn. wenn das Zusammentreffen von Geiz und väterlicher Zuneigung in Harpagons Herzen zu einer mehr oder weniger originellen Verbindung führte. durch die ein Seelenzustand sich ohne Absicht. Die Komödie schließt nun solche Kombinationen natürlich nicht aus. kurz: zerstreut. Das beweist Tartuffe mit seinen Machenschaften. bei der nächsten Begegnung mit seinem Sohn streift Harpagon die entscheidende Szene lediglich mit den Worten: »Und du. der sich übrigens aus dem ersten entwickelt. Dann muß der Geizige alles um des Gewinnes willen tun. dem ich jene Geschichte gütigst verzeihe usw. Doch eben damit nähert sie sich dem Drama. sogar Reden verstanden. dieweil er zum Himmel blickt. und der Heuchler muß. wenn man will. ohne sich von ihnen rühren zu lassen. muß sie zu einem Mittel greifen. Er kann sich noch so tief in die Seele einnisten. Unter Gesten seien hier Haltungen. assimiliert. offenkundigeren. er wird trotzdem ein Fremdling bleiben. dem der Geiz eine neue Art von Leben einhauchen würde. Doch nein. Es gibt einen zweiten. um also unsere Heiterkeit zu erregen. daß wir ihn ernst nehmen. daß wir eine ernste Handlung ernst nehmen. auf Erden die schlausten Manöver in Gang setzen. Wünsche und Abneigungen. aufzehrt. die ihn deutlich widerspiegeln.« Der Geiz ist an allen seinen anderen Gefühlen vorbeigegangen. Um sich davon zu unterscheiden. das in folgender Regel enthalten ist: Die Komödie lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Gesten anstatt auf die Taten. Gefühle und Affekte. Laster und Tugenden — aus alledem würde ein Stoff. ohne Nutzen. ohne an sie zu rühren. einzig getrieben von irgendeinem inneren 94 . um zu vermeiden. wie er die mannigfachen seelischen Kräfte an sich zieht. dann muß man ihn in Handlungen münden lassen. sich dort noch so sehr als Herr des Hauses gebärden. Bewegungen.

Die Handlung ist gewollt. So gesehen. wenn wir uns auf seine Gesten konzentrieren. Wird also unsere Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Tat. offenbart. die Ereignisse bilden einen Bestandteil der Personen. daß man uns den Helden in jeder beliebigen Situation vorführen könnte. weshalb die Handlung im Drama wesentlich. verwahr' mein Bußgewand mit meiner Geißel!« Er weiß. oder besser. Hier sind die Personen und Situationen miteinander verkettet. und das übrige verliert seine Wichtigkeit. hätten sich seine Haltungen. so sind wir in der Komödie. weil wir nur noch an das Gewollte in seinem Verhalten denken würden. Dieses Gefühl haben wir im Drama nicht. zwischen beiden findet ein gradueller Übergang statt. sie ist automatisch. so daß unsere Sympathie oder Abneigung dem Faden zwischen Gefühl und Handlung entlanggleiten und sich mehr und mehr erwärmen kann. Jetzt verstehen wir. unterscheidet sich die Geste deutlich von der Handlung. sondern auf die Geste gelenkt.Anreiz. Spielte er die Rolle nicht so spürbar ehrlich. daß Dorine ihn hört. aber er würde garantiert genauso sprechen. Aus diesem und nur aus diesem Grund wirkt er komisch. so wäre er ganz einfach widerlich. die Geste entzieht sich dem Bewußtsein. In der Komödie spüren wir. er wäre auch in einer anderen Lage immer derselbe Mensch. das unsere schon fast eingeschlafene Empfindsamkeit weckt. wir finden ihn erst komisch. Und schließlich steht die Handlung in einem exakten Verhältnis zu dem Gefühl. daß er sie geradezu aufrichtig spielt. Seinen Taten entsprechend gehörte Tartuffe eigentlich ins Drama. seine Sprache im Verlauf seines Heuchlerdaseins nicht in natürliche Gesten verwandelt. Die Geste dagegen hat etwas Explosives. wenn sie nicht da wäre. in der Geste drückt sich ein isolierter Teil der Person aus. auf jeden Fall bewußt. wir besinnen uns wieder auf uns selbst. Würde uns also das Drama 95 . Er hat sich so gründlich in seine Heuchlerrolle eingelebt. und zwar ohne deren Wissen oder doch zumindest außerhalb ihrer Totalität. In der Handlung gibt sich der Mensch ganz. Man denke an seinen ersten Auftritt: »Laurent. das sie ausgelöst hat. in der Komödie dagegen nebensächlich ist.

der Monsieur Jourdain in Philosophie unterrichtet. Ungeselligkeit der dargestellten Person. sich selbst zu sehen und zu beurteilen? Eine komische Person kann zum Beispiel ein bestimmtes Verhalten in allgemeinen Ausdrücken tadeln und gleich darauf selber ein Beispiel dafür geben: Der Lehrer. ob ein Charakter gut oder schlecht ist . Komisch ist jede Zerstreutheit. was automatisch vollbracht wird. Wirklich komisch ist nur. daß ihr etwas an ihr entgeht. wenn sie imstande wäre. Empfindungslosigkeit des Zuschauers sind im Grunde die wesentlichen Bedingungen. selbst in Zorn. Es spielt auch keine Rolle. daß er uns nicht ans Herz greift. Oder nehmen Sie eine andere komische Gestalt.eine andere Geschichte erzählen. Wir haben nun gesehen. Vadius zieht Verse aus seiner Tasche. Eine systematische Zerstreutheit wie etwa bei Don Quijote ist das Komischste. es ist die unwillkürliche Gebärde. Wir haben von Anfang an auf ihn verwiesen. die Verse vorlesen. Es gibt noch eine dritte. daß sie eine bestimmte Eigenschaft in sich selbst nicht kennt. die eine Untugend bloßstellen.komisch wird er. so hätten wir ganz andere Personen vor uns. Sie ist in den beiden anderen enthalten. das unbedachte Wort. Es ist der Automatismus. an ihrer Quelle geschöpft. Die komischsten Worte sind naive Worte. auch sein mag. wenn er ungesellig ist. um so anspruchsvoller die Komödie.er kann uns so oder so erheitern. Wie könnte sich aber eine Untugend entblößen. gerät. Komisch an einer schlechten und sogar an einer guten Eigenschaft ist das. nachdem er gegen den Jähzorn gewettert hat. wodurch ein Mensch sich unbewußt preisgibt. man sorgt dafür. nachdem er eben noch über Leute gespottet hat. was man sich vorstellen kann: sie ist Urkomik. Was sollen diese 96 . vorausgesetzt. ob ein Fall leicht oder schwer wiegt . komisch wirkt sie dadurch. So bewußt sie in allem. Und je tiefer die Zerstreutheit. Nur deshalb erregt sie Gelächter. auch wenn sie nach wie vor die gleichen Namen trügen. und sie herauszuarbeiten. was sie sagt und tut. war der Zweck all unserer bisherigen Analysen. daß es in der Komik nicht darauf ankommt.

An dem Tag. Zerstreutheit. wie wir mit seiner Hilfe den genauen Standort der Komödie inmitten der anderen Kunstformen bestimmen können. Wir haben seine hauptsächlichsten Anwendungen überprüft. dann kann der Rest komisch werden. da er uns an irgendeinen bekannten Bühnen. wenn er nicht zuerst die anderen und sich selbst kennenlernt? Steifheit. man versteht unter Charakter das. Wir können lange Zeit mit einem Menschen verkehren. Wie kann einer sich den anderen anpassen. Jetzt müssen wir ihn enger fassen und zeigen. Ungeselligkeit greifen hier ineinander über. In gewissem Sinn kann man jeden Charakter komisch nennen. vorausgesetzt. automatisch funktionierenden Mechanismus erinnert. so erkennen wir. Der Grad der Komik wird dann genau dem Maß von Steifheit. ohne etwas Lächerliches an ihm zu entdecken. wenn auch nur für einen Augenblick. daß andere uns nachahmen können.oder Romanhelden erinnert. und das folglich dazu führt. das sich in diesem Rest äußert. rund um sich und vor allem in sich selbst zu blicken. Und wenn wir genauer hinsehen. daß Unaufmerksamkeit immer auch Ungeselligkeit bedeutet.Widersprüche anderes als uns den Mangel an Bewußtsein bei den dargestellten Personen greifbar vorführen? Immer wieder stoßen wir auf diese Unaufmerksamkeit sich selbst wie auch anderen gegenüber. Wir haben ihn auch auf die Definition der Komödie angewendet. das bewirkt. Er ist 97 . weil er sich von sich selbst ablenken läßt. wenn er es unterläßt. Umgekehrt hat jede Ähnlichkeit mit einem Typ etwas Komisches. und aus dem Gemisch setzt sich die Charakterkomik zusammen. lächerlich vorkommen. Dabei muß jene Romangestalt durchaus nicht komisch sein. Aber unser Bekannter ist komisch. was in einem Menschen an einen eingebauten. entsprechen. Die komische Gestalt ist ein Typ. Am meisten versteift sich der Mensch. etwas. daß wir uns selbst wiederholen. Automatismus. wird er uns. Wenn wir an der menschlichen Person alles beiseitelassen. Diesen Gedanken haben wir schon zu Beginn unserer Arbeit dargelegt. was in uns Empfindungen weckt.

Andererseits kommen wir nicht darum herum.komisch. sie ist wohl auch von allen Künsten die einzige. Hat man ihr dieses Ziel erst einmal zuerkannt. sie wenigstens in ihren Umrissen zu skizzieren. wollen wir nicht Gefahr laufen. daß sich die Komödie mit dieser Formel klar genug definieren läßt. gleich einer manchmal heiteren. das heißt allgemeine Typen zu schildern. Fragmente. Oder aber wir wären alle Künstler. daß dies wirklich das Wesen der Komödie ist und daß sie sich dadurch von der Tragödie. am Wesen des Lustspieltheaters überhaupt vorbeizugehen. müßte man sie zuerst in ihren höchsten Formen definieren. dem Drama.daß er zum Charakter erstarrt. Nicht nur führt uns die Komödie allgemeine Typen vor Augen. Charaktere. den anderen Kunstgattungen unterscheidet. würden unsere Augen unvergleichliche Bilder aus dem Raum schneiden und in der Zeit fixieren. daß sie an den Grenzen der Kunst und des Lebens angesiedelt ist. was sie ist und was andere nicht sein können. dann würde unsere Seele fortwährend mit der Natur vibrieren. Was ist der Zweck der Kunst? Würde die Wirklichkeit unmittelbar an unsere Sinne und unser Bewußtsein rühren. so wäre die Kunst wohl reichlich überflüssig. die so schön wären wie die Werke antiker Bildhauer. würde man sehen. 98 . die überhaupt auf das Allgemeine hinzielt. Unser Blick entdeckte Bruchstücke von Skulpturen im lebendigen Marmor des menschlichen Körpers. Um nun zu beweisen. Wir hörten in der Tiefe unserer Seele. Wir glauben. daß er selbst ein Rahmen wird. Indem man dann nach und nach zur komischen Dichtkunst hinunterstiege. weil er sich sozusagen in einen vorbereiteten Rahmen fügt. könnten wir mit den Dingen und mit uns selbst in direkte Beziehung treten. Von unserem Gedächtnis unterstützt. so hat man auch gesagt. daß sie sich wegen ihrer Ausrichtung auf das Allgemeine von den übrigen Künsten abhebt. Wir würden auch erkennen. in den andere sich mühelos einfügen können . Und das Allerkomischste an ihm ist. Auf eine so ausgedehnte Studie können wir hier jedoch nicht eingehen. ist also der Zweck des gehobenen Lustspiels.

und doch nehmen wir nichts davon deutlich wahr. was sage ich. vorgezeichnet sind. nach denen ich handeln werde. weit mehr als die Farbe oder die Form der Dinge. All das ist um uns und in uns. Welche Fee hat diesen Schleier gewoben? Tat sie es aus Bosheit oder aus Freundlichkeit? Der Mensch muß leben. die nützlichen Ähnlichkeiten hervorgehoben und die Bahnen. In diesen Bahnen hat sich vor mir schon die ganze Menschheit bewegt. Wir dagegen machen einen Unterschied zwischen Ziege und Schaf. immer aber ursprünglichen Musik die ununterbrochene Melodie unseres inneren Lebens. In diesem Punkt ist der Mensch dem Tier zweifellos weit überlegen. ich studiere mich und glaube. Es ist kaum anzunehmen. beide sind zum Fressen da. Und diese Klassifikation nehme ich wahr. Doch das. Sie beschwören von mir und von den Dingen ein Bild herauf. Zwischen die Natur und uns. Alle anderen Eindrücke müssen verblassen oder dürfen uns nur nebenbei beschäftigen. den ich aus ihnen ziehen kann. was ich von mir selbst weiß. Leben heißt. in welchem die (für den Menschen) unnützen Gegensätze ausgelöscht. nur das annehmen. ist das. was an die Oberfläche dringt und an meinem Handeln teilhat. dicht für den gewöhnlichen Sterblichen. zwischen uns und unser eigenes Bewußtsein hat sich ein Schleier gelegt. daß das Auge des Wolfes ein Zicklein von einem Lamm unterscheidet. Leben heißt handeln. beide lassen sich leicht packen. ist nur das. um mein Verhalten zu deuten. was uns an den Dingen als nützlich erscheint. Und das Leben verlangt. Aber unterscheiden wir eine Ziege von einer Ziege und ein Schaf von einem Schaf? Die Indivi99 . Ich schaue und glaube zu sehen.manchmal klagenden. ich höre zu und glaube zu hören. was ich von der Außenwelt sehe und höre. fast durchsichtig für den Künstler und Dichter. klassifiziert worden. daß wir die Dinge in ihrem Bezug auf unsere Bedürfnisse erkennen. in meinem Herzen zu lesen. Sinne und Bewußtsein vermitteln mir demnach nur eine nützliche Simplifikation der Wirklichkeit. für den Wolf sind beide gleichwertige Beutestücke. was meine Sinne ihr entnehmen. Die Dinge sind im Hinblick auf den Nutzen. leicht.

die es zu etwas Ureigenem machen? Dann wären wir ja alle Schriftsteller. die bestimmte. völlig ursprüngliche Harmonie von Formen und Farben ins Auge. Musiker. das. Wir empfinden Liebe oder Haß. Diese aus einem Bedürfnis geborene Tendenz hat sich unter dem Einfluß der Sprache noch verstärkt. wir fühlen uns heiter oder bekümmert doch ist es wirklich unser Gefühl. Wir bewegen uns unter Allgemeinheiten und Symbolen wie auf einem eingezäunten Feld. außerhalb der ioo . ursprünglich erlebt ist. leben wir in einer Mittelzone zwischen uns und den Dingen. wo unsere Kraft sich auf nützliche Weise mit anderen Kräften mißt. was an ihnen intim. was die Sprache ein für allemal festhalten konnte. die das Wort gezeugt haben. das nur die gewöhnlichste Funktion und die banale Seite eines Objektes festhält. weil es unter den gleichen Umständen bei allen Menschen ungefähr das gleiche ist. dann sticht uns nicht die Individualität.dualität der Dinge und der Geschöpfe entzieht sich unserem Blick immer dann. schiebt sich zwischen das Objekt und uns und würde seine Form vor uns verdecken. Dichter. Denn Wörter (ausgenommen Eigennamen) bezeichnen Arten. den tausend tiefen Resonanzen. persönlich. wir lesen meist nur das Etikett. Das Wort. Wir erfassen nur das Unpersönliche unserer Gefühle. In Wirklichkeit nehmen wir meist nur die äußere Manifestation unseres Seelenzustandes wahr. das ihnen aufgeklebt ist. zu unserem eigenen Besten von ihm angezogen auf das Gebiet. Alles in allem sehen wir also nicht die Dinge selbst. hätte sich die Form selbst nicht schon hinter den Bedürfnissen verborgen. Und selbst wenn wir sie bemerken (zum Beispiel wenn wir einen Menschen von einem anderen Menschen unterscheiden). Doch nicht nur äußere Dinge. auch unsere eigenen seelischen Zustände verheimlichen uns das. Die Individualität bleibt uns also noch in unserem eigenen Ich verborgen. der uns das Wiedererkennen erleichtert. wenn wir keinen materiellen Nutzen davon haben. was da in unser Bewußtsein dringt mit den tausend flüchtigen Schattierungen. Und von diesem Wettkampf fasziniert. sondern nur dieser oder jener Zug. daß wir sie bemerken. das er sich erwählt hat.

Aber das wäre von der Natur zu viel verlangt. wohlüberlegten. systematischen Absonderung. hebt sie den Schleier nur zufällig und nur an einem Zipfel. Auf diese Weise verwirklicht er das höchste Streben in der Kunst: Er offenbart uns die Natur. Nach und nach bringt er dann dieses innere Leben auch unserem zunächst noch verwirrten Bewußtsein nahe. Eine Richtung aber gibt es. außerhalb auch unserer eigenen Person. die sie als Künstler geschaffen hat. die Form um der Form willen liebt. Zumindest für einen Augenblick löst er uns von unseren übernommenen Färb. wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. so wäre es die Seele eines Künstlers. Nun bringt aber die Natur dann und wann Seelen hervor.und Formbegriffen.. Wäre diese Loslösung vollständig. Sie würde sich in allen Künsten zugleich auszeichnen oder vielmehr alle Künste zu einer einzigen verschmelzen.Dinge. nimmt er durch die Farben und Formen der Dinge auch deren inneres Leben wahr. die ein Werk der Reflexion oder der Philosophie ist. Ich spreche nicht von der freiwilligen. Daher auch die besonderen Begabungen. zu hören oder zu denken äußert. .Andere Künstler wenden sich nach innen. hinge die Seele dieses Menschen durch keine ihrer Wahrnehmungen mehr mit seinem Tun zusammen. in der sie die Wahrnehmung an das Bedürfnis zu knüpfen vergessen hat. Und da eine Richtung immer auch einem Sinn entspricht. sowohl die Formen. da er sie um ihrer selbst willen sieht und nicht um seinetwillen. die sich vom Leben absondern. daß der Künstler sich der Kunst verschreibt. Sogar für diejenigen unter uns. der Struktur der Sinne oder des Bewußtseins innewohnenden Distanzierung. und da er die Farbe um der Farbe. Sie nähme alle Dinge in ihrer ursprünglichen Reinheit wahr. Der eine verlegt sich auf die Farben und Formen. die sich zwischen unser Auge und die Wirklichkeit geschoben haben. Ich spreche von einer natürlichen. Farben und Klänge der materiellen Welt als auch die subtileren Regungen des inneren Lebens. die sich unmittelbar in einer irgendwie jungfräulichen Art zu sehen. ιοί . Daher die Vielfalt der Künste. so geschieht es dank einem seiner Sinne und nur dank diesem einen.

tiefer im Menschen beheimatet als seine tiefsten Gefühle. An diesem Punkt ist das Mißverständnis entstanden. also eigentlich eine gewisse Immaterialität des Lebens. und der Mensch könne nur dank der Idealität zur Realität zurückfinden. kurz. das schon lange schwingen wollte. die lebendige. suchen sie das reine Gefühl. feststellbare Unbeteiligtheit der Sinne oder des Bewußtseins. ob Malerei. seiner Enttäuschungen und seiner Hoffnungen. die man seit jeher Idealismus genannt hat. Diese Musik legen sie frei und betonen sie. die zu bezeichnen die Alltagssprache nicht geschaffen ist. als die praktisch-nützlichen Symbole. in jedem Menschen verschiedene Gesetzmäßigkeit seiner Niedergeschlagenheit und seiner Hochstimmung. Und wir tauchen unwillkürlich in sie ein. . eine angeborene. erfassen sie etwas. Und damit wir dasselbe in uns zu tun versuchen. sagen oder vielmehr suggerieren sie uns Dinge.So hat die Kunst. damit auch wir sie hören. Durch rhythmische Anordnungen von Worten. Doch die Reinheit der Erkenntnis bedingt in diesem Fall den Bruch mit der nützlichen Konvention. könnte man daher behaupten. bemühen sie sich. hinter dem alltäglichen und allgemein gültigen Wort. im Grunde keinen anderen Zweck. so wie man zufällig in einen Reigentanz gerät. Bildhauerei. das sich der Sprache entzieht: Rhythmen des Lebens und Atmens. die ein Gefühl illustrieren. aus dem Weg zu räumen und uns mit der nackten Wirklichkeit zu konfrontieren. der Idealismus in der Seele. alles. die sich zur Not in Worte übertragen lassen. Die Kunst ist nur eine direktere Erkenntnis der Wirklichkeit. uns an ihrer Vision teilhaben zu lassen. die konventionellen Verallgemeinerungen.Andere graben noch tiefer. der Realismus lebe im Werk. was die Wirklichkeit verschleiert. das den Streit zwischen Realismus und Idealismus in der Kunst ausgelöst hat.In den tausend Ansätzen zu Handlungen. Unterhalb der Freuden und Leiden. gewiß. Dann kommt auch tief in uns etwas zum Schwingen. Ohne mit Worten zu spielen. Dichtung oder Musik. das einen individuellen Seelenzustand bezeichnet und ausdrückt. die sich ineinanderfügen und dadurch ein neues Leben erlangen. . 102 . den reinen Zustand.

Was das Drama sucht und ans Licht holt. das ist eine tiefgründige Wirklichkeit. so wären Gefühlsausbrüche etwas Alltägliches. Ein solches Vergnügen verschafft uns 103 . mit einem Wort. Und wäre die Erde ein lebendes Wesen. vollständige Störungen des Gleichgewichts. kalten Film zu überziehen. ihr zu gehorchen. Es sind die stärksten und auch die heftigsten Gefühle. das befiehlt die Vernunft: Es gibt eine Pflicht. aber überdecken. noch während sie sich ausruht. solche Ausbrüche zu verhindern. die Leidenschaft heißt.Die dramatische Kunst bildet keine Ausnahme. gern von jenen Explosionen. Aber einige dieser Zustände entstehen vor allem aus dem Kontakt des Menschen mit seinen Mitmenschen. wie die Mythologie sie sieht. Die langsame Entwicklung der Menschheit auf ein immer friedlicheres Gemeinschaftsleben hin hat ein allmähliches Festerwerden dieser Schicht bewirkt. dann träumte sie vielleicht. Aber es gibt vulkanische Ausbrüche. und es ist unsere Bestimmung. eine Elektrisierung der Seele. so wie das Leben unseres Planeten ein einziges langdauerndes Bemühen war.oft in unserem eigenen Interesse durch die Notwendigkeiten des Lebens. Lieferte der Mensch sich seinen Gefühlsregungen aus. die feurige Masse kochender Metalle mit einem festen. Es ist aber nützlich. gäbe es weder soziale noch moralische Gesetze. Und was das Interesse rät. So wie sich die Elektrizität zwischen den zwei Polen eines Kondensators ballt. daß der Mensch in der Gesellschaft lebt und sich folglich einer Regel fügt. die ihr plötzlich ihre eigenen tiefsten Gründe offenbarten. denen etwas Unveränderliches anhaftet oder die zumindest allen Menschen gemeinsam sein möchten. sie können das innere Feuer individueller Leidenschaften zwar nicht ersticken. Es ist notwendig. Was ist das für eine Wirklichkeit? Was sind das für Notwendigkeiten? Jede Dichtung drückt einen seelischen Zustand aus. verschleiert. so entstehen einzig aus dem Zusammensein von Menschen tiefe Zuneigungen und Abneigungen. bis der Funke ^überspringt. Unter diesem doppelten Einfluß mußte sich an der Oberfläche des menschlichen Geschlechts eine Schicht von Gefühlen und Gedanken bilden.

so läßt er uns auf den Grund der Dinge sehen. Es verfolgt also den gleichen Zweck wie die anderen Kunstarten. insbesondere in modernen Dramen. Der Dichter besingt eine seelische Verfas104 . sich an der Gesellschaft zu rächen. Und hat er auf diese mittelbare Weise die Hülle zersetzt. wühlt es etwas in uns auf. was er an einem bestimmten Ort. das man das tragische Element im Menschen nennen könnte. die man nie mehr sehen wird. das es neu zu erlernen gilt. als wären uralte. Bisweilen steuert es direkt auf sein Ziel los und reißt Leidenschaften aus der Tiefe. Mit einer fast sophistischen Geschicklichkeit enthüllt er uns die Widersprüche innerhalb der Gesellschaft. Hinter dem gemächlichen. das Gesellschaft und Vernunft für uns gezimmert haben. interessiert uns weniger als das. Doch hier wie dort verfolgt das Drama . so tiefgründige.das Drama. Das spüren wir.den gleichen Zweck: Es will uns einen verborgenen Teil unserer Persönlichkeit zum Bewußtsein bringen. In anderen Fällen. zum Glück für uns. zu einer bestimmten Stunde gesehen hat. bürgerlichen Leben. unserem heutigen Leben so fremde Empfindungen. das sich jedoch in einer inneren Spannung kundtut. so wie sie hätten sein wollen und. etwas. Hinter nützlicheren Erkenntnissen hat somit das Drama eine tiefere Wirklichkeit zu ergründen versucht. Das Drama gibt der Natur eine Chance. atavistische Erinnerungen in uns geweckt worden. an einem bestimmten Tag. daß die Kunst immer auf das Individuelle abzielt. daß uns dieses Leben einen Augenblick lang als etwas Irreales oder Anerzogenes vorkommt. mit Farben.eine einzige wirre Welt von undeutlich wahrgenommenen Dingen. wenn wir ein gutes Drama gesehen haben. das zwar glücklicherweise nicht ausbricht. die alles zersprengen. was wir in diesem Drama über uns selbst erfahren haben . Der Maler hält auf der Leinwand fest. Was man uns über andere erzählt hat. wählt der Autor einen Umweg. er übertreibt das allfällige Gekünstelte an den gesellschaftlichen Regeln. Auch haben wir ein Gefühl. Aus alledem wird klar.ob es die Gesellschaft unterwühlt oder die Natur unterstützt. nicht gewesen sind.

doch das ist es nicht. Warum? Und woran erkennen wir. werden sie in einer anderen Seele nicht mehr dieselben sein. Unwiderrufliches. von jedermann als lebendig empfunden. ist also die ihr innewohnende Kraft der Überzeugung. selber ehrlich zu sehen. denn allgemeine Begriffe. Jede ist einmalig. Auch wenn wir diese Gefühle mit allgemein bekannten Namen bezeichnen. wird sie von jedermann akzeptiert. daß sie wahr ist. Das. also etwas Einmaliges. durch sie ausgelösten Bestreben. Nur deshalb ist er universell gültig und wahr. Je größer das Werk. zumindest nicht so wie er. Es gibt nichts Einmaligeres als die Gestalt Hamlets. Und an der Wirkungskraft dieses Vorbildes kann man den Wahrheitsgehalt des Werkes messen. Hamlet mag in gewissen Zügen anderen Menschen ähneln. so regt uns sein Bemühen. aber wenn er etwas wirklich gesehen hat. woran wir die Wahrheit erkennen. doch wenn sie den Stempel des Genies trägt. Der Dramatiker führt uns ein Stück seelischen Lebens vor. ein lebendiges Gewebe aus Gefühlen und Geschehnissen. um so universeller kann sie aber auch 105 . wenn sie doch einmalig ist? Ich glaube. je tiefer die erahnte Wahrheit.eigen ist und die sich nie mehr wiederholen wird. Woher kommt also das Mißverständnis? Es kommt daher. die ihm . was uns an ihm am meisten interessiert. daß man zwei ganz verschiedene Dinge miteinander verwechselt hat: die Allgemeinheit der Objekte und die Allgemeinheit unserer Bewertungen. Er wird von jedermann erfaßt. ja der Bekehrung. um so länger kann die Wirkung auf sich warten lassen. Daraus. Deshalb vor allem gehören sie zur Kunst. Dasselbe gilt für andere Schöpfungen der Kunst. ja sogar Typen sind die gangbare Münze unserer täglichen Wahrnehmungen. daß ein Gefühl allgemein als wahr erkannt wird. was der Künstler gesehen hat. Symbole. Sie sind individualisiert worden. können wir natürlich nicht auch sehen. zur Nachahmung an. Sein Werk dient uns als Vorbild. Ehrlichkeit steckt an. Das Zeichen. folgert nicht unbedingt. wir erkennen dies an unserem eigenen. den Schleier wegzuziehen.sung.und nur ihm . daß es ein allgemeines Gefühl ist.

Hier beruht das Allgemeine auf dem Werk. Vielleicht entdeckte man darin die Vorahnung einer medizinisch bereits erwiesenen Tatsache: daß gleichgeartete Geistesgestörte sich gegenseitig angezogen fühlen. Der Zerstreute usw. wird dieser Name durch das Gewicht seines Inhalts sehr bald in den Strudel der allgemeinen Bezeichnungen mitgerissen. Der Spieler. Anders die Komödie. denen wir schon begegnet sind und noch begegnen werden. in der man sich langweilt« usw. »Die Welt. Niemand ist ihm ähnlich.werden. Sie alle weisen auf eine Gattung hin. ist die komische Gestalt doch meist eine zerstreute 106 . aber nie »eine Phädra« oder »ein Polyeucte«. Die Universalität oder Allgemeingültigkeit beruht hier einzig auf der erzeugten Wirkung und nicht auf der Ursache. um seine Hauptfigur eine Anzahl Nebenfiguren kreisen zu lassen. Es will uns Typen vor Augen führen. aber dann gerät man bewußt oder unbewußt vom Tragischen ins Komische. Das unterscheidet es von den anderen Kunstgattungen. Den Lustspieldichter dagegen treibt ein merkwürdiger Instinkt dazu. Schon die Titel der großen Komödien sind bezeichnend: Der Menschenfeind. Alle diese Titel nehmen Begegnungen verschiedener. die alle die gleichen allgemeinen Züge aufweisen. wo die Charakterkomödie mit einem Eigennamen betitelt ist. seinen Haupthelden mit Nebenfiguren zu umgeben. Man kann ihn nachahmen. Der Geizige. Es registriert Ähnlichkeiten. die nur dessen vereinfachte Kopien wären. jedoch den gleichen Grundtyp darstellender Personen vorweg.. Viele Komödien haben einen Plural öder ein Kollektiv im Titel: »Les Femmes savantes«. Es wird im Bedarfsfall sogar neue Typen schaffen. »Les Precieuses ridicules«. Es wäre interessant. Und selbst dort. Vor allem aber würde es keinem Tragödiendichter einfallen. Wiewohl nicht unmittelbar in den medizinischen Bereich gehörend. Das Lustspiel schildert Charaktere. Wir sagen »ein Tartuffe«. Der tragische Held ist eine einmalige Gestalt. weil er keinem anderen ähnlich ist. diese Tendenz der Komödie eingehender zu untersuchen.

Wie könnte ein und derselbe Mensch jemals Macbeth. er hätte ein solches Schauspiel miterlebt: Wäre es ihm von Nutzen gewesen? Was uns an seinem Werk interessiert. das ist sein Einblick in tiefgründige Seelenzustände oder in innerste Konflikte. Und selbst angenommen.Person. die wiederholt vorkommen können. So paradox die Behauptung klingen mag. 107 . daß die eine sich mit Individuen. was wir selbst empfinden. die Leidenschaften. Heißt dies. Nicht anders geht der Naturforscher vor. so gibt es für ihn wohl nichts Einfacheres. Wenn der Komödiendichter die Absicht verfolgt. Wir deuten sie nur im Vergleich mit unseren eigenen Empfindungen und auch das nur mangelhaft. Der wesentliche Unterschied zwischen Tragödie und Komödie besteht demnach darin. die er so ausführlich schildert. uns Charaktere vorzuführen. daß der Dichter alles. wir glauben nicht. Mancher große Dichter hat ein sehr zurückgezogenes. sehr bürgerliches Leben geführt. selbst empfunden. in seiner Umgebung aufflammen zu sehen. und der Übergang von der Zerstreutheit zur geistigen Gestörtheit könnte sich kaum merklich vollziehen. daß der Tragödiendichter es nötig hat. Nun kann aber eine solche Vision nicht von außen her entstehen. Er äußert sich aber noch in anderer Weise. Wesentlich ist also das. daß er die seelischen Erlebnisse seiner Helden miterlebt hat? Die Dichterbiographien verneinen diese Frage. die andere mit Gattungen befaßt. was er beschreibt. Es gibt aber noch einen anderen Grund. andere Menschen zu beobachten. wenn er sich mit einer bestimmten Gattung befaßt: Er zählt ihre wichtigsten Züge auf und beschreibt sie. als mehrere verschiedene Exemplare des gleichen Typs auf die Bühne zu stellen. und wahrhaft gründlich kennen wir nur unser eigenes Herz (sofern wir es überhaupt kennen). ohne daß sich ihm eine Gelegenheit geboten hätte. Äußerlich nehmen wir nur gewisse Anzeichen einer Leidenschaft wahr. Die Seelen bleiben sich gegenseitig undurchdringlich. Er tritt schon in der ersten Entstehungsphase des Werks zutage und offenbart sich von Anfang an durch zwei verschiedene Betrachtungsweisen.

Deshalb muß er andere Menschen beobachten. der sich so tief in die innere Betrachtung zu versenken vermag. die möglichen Wege bis ans Ende abschreitet. Denn da sie 108 . wenn sie sich auf ihn selbst beschränkte. und wir sehen eine Menge möglicher Richtungen. Unser Charakter ist das Ergebnis einer ständig neu zu treffenden Wahl.Othello. hätten einerseits die Umstände. König Lear und noch viele andere gewesen sein! Vielleicht müßte man hier unterscheiden zwischen der Persönlichkeit. Das Leben läßt sich nicht zusammensetzen. wenn man glaubte. Es ist eine äußerliche Betrachtung. denn lächerlich ist an uns nur das. Es läßt sich nur betrachten. Die dichterische Phantasie scheint nun gerade darin zu bestehen. Man würde die Rolle der dichterischen Phantasie gründlich mißverstehen. die man ist. und den Persönlichkeiten. daß sie abzweigt. Die dichterische Phantasie kann nichts anderes als eine umfassendere Betrachtung der Wirklichkeit sein. Auf unserem Lebensweg gibt es immer wieder Abzweigungen (zumindest scheinbare). Dann aber wird seine Beobachtung allgemein. er wird wohl nie so weit gehen. Die Komödie entspricht einer ganz anderen Betrachtungsweise. andererseits sein Wille etwas zum Ausbruch kommen lassen. aber er wäre alle diese verschiedenen Gestalten gewesen. so liegt das daran. auch wenn wir nur einer einzigen folgen können. der vervielfältigte Dichter. daß er auch den eigenen nachspürt. Gewiß war Shakespeare weder Macbeth noch Hamlet noch Othello. daß sie selbst der Dichter sind. Er fände auch gar keine. und das würde sie nicht. die man hätte sein können. Wenn uns die vom Dichter geschaffenen Gestalten lebendig anmuten. der Dichter. So neugierig der Komödiendichter auf die lächerlichen Seiten der menschlichen Natur auch sein mag. daß er das im Wirklichen Schlummernde erfaßt und aus dem. das nicht mehr als ein seelischer Drang in ihm war. was die Natur in ihm nur als Skizze oder als Plan anlegte. ein vollendetes Werk schafft. Hamlet. sie erschaffe ihre Helden gleich einem Narrenkleid aus da und dort aufgelesenen Fetzen. was sich unserem Bewußtsein entzieht. Daraus könnte nichts Lebendiges entstehen.

Werden sie vom beobachtenden 109 . die der Physiker anwendet. Sie sucht sich unter den Eigentümlichkeiten diejenigen aus. durch etwas. Wenn die Wirkung unsere Lachlust erregen soll. als Ausdruck eines Menschendurchschnitts erscheinen. die sich am ehesten wiederholen und folglich nicht unlösbar mit der Individualität einer Person verbunden sind. wenn von der Korrektur eine möglichst große Anzahl Leute auf einmal betroffen wird. durch die gleiche Methode der Abstraktion und der Verallgemeinerung. Folglich darf uns die Wirkung im besten Fall als mittelmäßig. insofern als die Beobachtung äußerlich ist und das Ergebnis verallgemeinert werden kann. die der Zerstreutheit gleicht. Und diesen Durchschnitt ermittelt man wie alle Durchschnitte durch das Einsammeln zerstreuter Gegebenheiten. die sich aus unserer Studie ergeben hat: Einerseits ist eine Person nur lächerlich wegen einer bestimmten Verfassung. Aus diesem Grund bewegt sich die komische Betrachtungsweise instinktiv auf das Allgemeine hin. Tiefer geht sie nicht. sie würde es nicht wollen. den Punkt. So kehren wir auf langen Umwegen wieder zu der doppelten Schlußfolgerung zurück. Allzu tief in die Persönlichkeit eindringen. weil sie nichts zu gewinnen hätte. Methode und Gegenstand sind hier also dieselben wie in den induktiven Wissenschaften. man könnte sie die gemeinsamen Eigenheiten nennen. das Vergleichen analoger Fälle. die äußere Wirkung auf allzu intime Ursachen zurückführen. kann es nur nützlich sein. hieße die Komik einer Wirkung aufs Spiel setzen und letzten Endes preisgeben. Selbst wenn sie es könnte. wo mehrere Menschen sich berühren und einander ähnlich werden können. das an ihr lebt wie eine Schmarotzerpflanze. Da aber andererseits das Lachen gerade eine solche Korrektur bezweckt. ohne mit ihr zu verwachsen: diese Verfassung läßt sich daher von außen beobachten und auch korrigieren.sich auf die Oberfläche richtet. erfaßt sie nur die Hülle der Personen. um aus Fakten Gesetze abzuleiten. dann müssen wir ihre Ursache in einer mittleren Region der Seele finden. kurz. das Beschreiben ihrer Quintessenz.

damit das Lachen sich fortwährend betätigen kann. akzeptiert sie das gesellschaftliche Leben als natürliches Milieu. und mit Sicherheit immer wieder unter neuen Aspekten auftauchen. daß sie Heiterkeit erzeugt. damit sie sich ohne Hemmungen entfalten kann. Diese Elemente gilt es miteinander zu verschmelzen. und dennoch oberflächlich sein. Sie ist nicht so selbstgenügsam wie die reine Kunst. ja sie gehorcht sogar einem Impuls des gesellschaftlichen Lebens. die zweifellos Kunst sind in dem Sinne. die ja einen Bruch mit der Gesellschaft und eine Rückkehr zur einfachen Natur bedeutet. wenn man eine Charakteranlage von idealer Komik schaffen will . sie muß. damit sie alle Welt lachen macht. um der Komödie ständig Stoff zu liefern.. sie muß nachsichtig gegenüber sich selbst sein. sie muß von der Gesellschaft unzertrennlich und zugleich der Gesellschaft unerträglich sein. aber sichtbar für die ganze übrige Welt. komisch in allen ihren Äußerungen? Sie muß tief genug reichen. daß sie bewußt nur gefallen wollen. II Wie soll man es anstellen. Dadurch. sie muß sich sogleich korrigieren lassen. die Komödie sei ein Mittelding zwischen Kunst und Leben. sie muß unsichtbar sein für den. Und da kehrt sie der Kunst. kurz. komisch in ihren Ursprüngen.komisch an sich. damit sie den Ton der Komödie trifft. wäre allerdings enttäuscht. während sie sich gleichzeitig von anderen Kunstwerken unterscheiden wegen ihres verallgemeinernden Charakters wie auch wegen der unbewußten Absicht zu korrigieren und zu belehren.Dichter auf die Bühne übertragen. dem sie eigen ist. damit sie sie erbarmungslos zurechtweisen.. so entstehen daraus Werke. den man mit der Herstellung einer solchen Mischung betrauen würde. um in allen nur denkbaren Formen auftreten zu können. damit das Lachen über sie nicht nutzlos verpufft. und peinlich für die anderen. Der Seelenchemiker. den Rükken. mit allen Lastern und sogar mit ein paar Tugenden gesegnet sein. Wir durften also wohl behaupten. wenn er endlich HO .

Dieses Gemisch ist die Eitelkeit. Sie ist eine erworbene Tugend. schließlich nur noch dazu da. noch allgemein menschlicher als der Egoismus. Er müßte feststellen. die Eitelkeit zu befriedigen. Sie ist selbst kaum ein Laster zu nennen. von der Angst. daß wir als bescheidene Menschen geboren werden. und doch wollen sie nicht heilen. bescheiden zu sein. durchaus physische Schüchternheit. Sie ist ein Produkt des gesellschaftlichen Lebens. wenn er sieht. man versteht unter Bescheidenheit eine gewisse. Ich glaube nicht. lächerlich zu werden. trennt. um künstlich ein Gemisch zusammenzubrauen. als man glaubt. Sie ist eine fast wissenschaftlich gefärbte Vorsicht vor allem. weil es in der Menschheit ebenso verbreitet ist wie die Luft in der Natur. Ich glaube nicht. selbst in diesen Fehler zu verfallen. das man sich fertig präpariert und kostenlos verschaffen kann. wie andere ihren Selbsttäuschungen erliegen. denn als Selbstbewunderung stützt sie sich auf die Bewunderung. Wahre Bescheidenheit kann nur das Ergebnis einer Meditation über die Eitelkeit sein. Über den Egoismus siegt ja oft die Natur. Die ihr erwiesenen Dienste könnten nicht fiktiver sein. Man würde sehen. Es ist schwierig. es sei denn. und wenn er fürchtet. während wir der Eitelkeit nur durch Reflexion beikommen.seine Retorte leerte. die man anderen einzuflößen glaubt. den Punkt zu bestimmen. daß es einen oberflächlicheren und zugleich tiefgründigeren Charakterfehler gibt. die ihnen anhaftet. was man von sich sagt und denkt. und doch hinterlassen sie eine dauerhafte Dankbarkeit. und sie ist zugleich noch natürlicher. Eine eingehende Untersuchung der eitlen Illusionen und der Lächerlichkeit. daß er sehr viel Mühe aufgewendet hat. dennoch kreisen alle Laster um sie und sind. III . indem sie sich verfeinern. Sicher aber sind diese Angst und dieses Bestreben ursprünglich nahe beisammen gewesen. Ein Mensch wird bescheiden. Die ihr zugefügten Wunden sind nie schlimm. würde die Theorie des Lachens wohl um vieles verständlicher machen. die dem Stolz übrigens näher verwandt ist. Sie besteht aus Korrekturen und Retuschen. wo sich das Bestreben.

Unsere Phantasie sieht sie oft auch dort. das spezifische Heilmittel gegen Eitelkeit sei das Lachen. um darüber zu lachen.ähnlich dem Frosch. schreiten Arm in Arm würdevoll daher. Beispiele: Ein kleiner Mann bückt sich. Man würde sehen. von der Gesellschaft als störend empfunden wird . legten wir dar. ist ein Element. an sich lächerliche Bild in andere. Man könnte also sagen. Das Lachen vollbringt fortwährend eine Leistung dieser Art. Oder: Zwei Menschen. der eine riesengroß. wenn nicht andere Sekrete sie neutralisieren. diese höhere Form der Komik. Deshalb lassen sich die höchsten Erscheinungsformen der Komik bisweilen durch die niedrigsten erklären. uz . um größer zu erscheinen . wie die Eitelkeit. Wenn Sie dieses zweite Bild aus der Nähe betrachten. wenn auch unbewußt aufzuspüren trachten. und wäre es nur. wie dieses oder jenes einfache. wo sie nichts zu suchen hat. welche die Psychologen mit dem unzulänglichen Begriff »Kontrastwirkungen« definieren. der sich zum Ochsen aufblähen will. der andere winzigklein. und mancher grobe komische Effekt läßt sich auf die Vereinfachung einer ursprünglich sehr subtilen Komik zurückführen. von unserem Organismus abgesonderte schwache Gifte uns auf die Dauer unterhöhlen. das wir in allen Äußerungen des Menschen sorgfältig.wie das Lachen regelmäßig eine seiner wichtigsten Funktionen erfüllt.so wie gewisse. wenn er durch eine hohe Türe schreitet. wenngleich ein natürliches Produkt des Gesellschaftslebens. Als wir vom Komischen in den Formen und Bewegungen sprachen. Aber vielleicht noch häufiger findet der umgekehrte Vorgang statt. Auf diesen Ursprung muß vielleicht die handfeste Komik gewisser Effekte zurückgeführt werden. Auch die Eitelkeit. und der spezifisch lächerliche Charakterfehler sei die Eitelkeit. indem es die »zerstreute« Eigenliebe zum vollen Bewußtsein ihrer selbst führt und auf diese Weise eine größtmögliche Geselligkeit des Charakters bewirkt. kompliziertere Bilder eingehen und ihnen etwas von seiner Komik einflößen kann. der kleinere von beiden strenge sich mächtig an. so gewinnen Sie sehr wahrscheinlich den Eindruck.

die nicht begreift. So bilden sich kleine Gesellschaften im Schoß der großen. Die Liste der bekannten lächerlichen Eigenschaften kann von der Komödie beliebig verlängert werden. Wir haben bewiesen. Jeder Spezialberuf erzeugt in den Menschen. Das Lachen soll solche separatistischen Tendenzen unterdrücken. notwendig für die Gesellschaft. ähnlich wie die Phantasie in der komplizierten Zeichnung eines Teppichs immer neue Figuren entziffert. um vom Lustspieldichter beachtet zu werden. Lieber sprechen wir von dem. die sich mit der Eitelkeit verbünden oder die mit ihr wetteifern. in den sich viele Personen einfügen lassen. Jeder von Monsieur Jourdains Lehrern stellt seine Kunst hoch über alle anderen. sie deckt vielmehr bisher übersehene komische Richtungen auf. weil diese auf der Arbeitsteilung beruht. Seine Aufgabe ist es. Wir möchten diese Spielarten nicht gesondert untersuchen. die in ihm aufgehen. den einzelnen allen anderen wieder anzupassen. alle charakterlichen Eigenheiten aufzuzählen. das Starre beweglich zu machen. die Geselligkeit beeinträchtigen. Nennen wir sie Berufskomik. was ihnen gemeinsam ist. die Ecken abzuschleifen. sofern sie sich allzusehr absondern. daß alle Charaktermängel und auch sogar gewisse Vorzüge lächerlich werden können. deren Spielarten wir im voraus bestimmen können. hergestellt von der Gesellschaft selbst. wie wir jetzt wissen. wie man 113 . Ich spreche von den Ämtern und Berufen. An erster Stelle steht der Berufsdünkel. Sie sind aus der Organisation der allgemeinen Gesellschaft hervorgegangen. Es gibt aber fertige Rahmen. Und bei Labiche gibt es eine Figur.III Es kann hier nicht die Rede davon sein. gewisse Denkweisen und gewisse charakterliche Besonderheiten. Gleichzeitig aber können sie. daß die beobachtete Eigenheit für uns sogleich zu einem Rahmen wird. durch die sie einander ähnlich werden und sich zugleich von den anderen unterscheiden. Wichtig ist. Natürlich bringt sie nicht einfach frei erfundene Lächerlichkeiten auf die Bühne. Wir haben es also mit einer Komik zu tun.

Kinder. als sei sie eine »Dependance« der Heilkunst. Was soll's. besteht darin. Je fragwürdiger eine Kunst . wie wir bemerkt 114 . Nützliche Berufe dienen offenkundig der Allgemeinheit. und auf dieser Täuschung gründet die Feierlichkeit. Gattin sterben. Die komische Gestalt ist so eng in den starren Rahmen ihrer Tätigkeit gezwängt. Sie behandeln den Kranken. Man sorgt dafür. um so eher halten sich ihre Jünger für Priester und um so eifriger fordern sie von den anderen. die Allgemeinheit sei für sie da.oder Militärjargon reden. Feiner wird sie. in denen eine gewisse Dosis Scharlatanerie steckt. daß der Richter. »wie normale Leute« zu sprechen. der Arzt. Eine andere Form von komischer Steifheit ist die sogenannte berufliche Verhärtung.wiewohl durch Orgons Mund . und die Natur. Die Eitelkeit neigt übrigens immer dazu. jedenfalls in Berufen. wie ein Mensch denn zusehen könne. so geht doch wenigstens die Zeit vorbei.« Äußert sich nicht auch . Mutter. den Isabelle gefragt hat. wenn arme Unglückliche gefoltert würden: »Ach was. Komik dieser Art ist meist eher gewalttätig. Berufe von zweifelhaftem Nutzen dagegen können ihre Existenz nur durch die Annahme rechtfertigen. nicht so viel ginge es mich an!« Aber das gebräuchlichste Mittel. Das macht einen großen Teil der Komik bei Molieres Ärzten aus.eine berufliche Verhärtung bei Tartuffe in den Zeilen: »Und sah ich Bruder. in Feierlichkeit überzugehen. einen Beruf ins Lächerliche zu ziehen. Medizin. als sei er für den Arzt erschaffen worden. Denken wir an die Antwort des Richters Perrin Dandin.etwas anderes als ein Holzhändler sein kann (das ist natürlich ein Holzhändler). als wären sie unfähig. daß sie sich darin nicht mehr bewegen und vor allem nicht mehr erschüttern lassen kann wie andere Menschen.. der Soldat von alltäglichen Dingen im Rechts-.und das ist eine merkwürdige Tatsache . daß sie sich vor ihrem Wissen verneigen. daß man ihn innerhalb der ihm eigenen Sprache gewissermaßen abkapselt.

eine ihrer bemerkenswertesten Ausdrucksformen zu studieren. umzutaufen.. und es dürfte von Nutzen sein. Denken wir auch an die Femmessavantes. wollen wir ihn in einem größeren Zusammenhang betrachten. Theophile Gautier hat von der extravaganten Komik gesagt.« usw.. Wenn wir diese Richtung weiterverfolgen. dann wird man bemerken.. seine Braut in »Pallas. Man sehe sich daraufhin den 3. Philaminte und Belise sich regelrecht in diesem Stil ausdrücken. daß es auch eine Berufslogik gibt. IV Die Suche nach der tiefen Ursache der Komik hat uns in der Tat so sehr beschäftigt. einer sonderbaren Logik. daß Armande. wie der Spieler bei Regnard originellerweise lauter Spielausdrücke verwendet. Wir sprechen von der jeder komischen Gestalt oder komischen Gruppe eigentümlichen Logik. sie sei die Logik des Absurden. Erinnern wir uns. Mehrere Theorien des Lachens kreisen um den gleichen Gedanken. wenn sie mit der beruflichen Gewohnheit zugleich einen bestimmten Charakterzug aufs Korn nimmt. dieihre größten Lacherfolge dem Umstand verdanken. etwas länger dabei zu verweilen. für die übrige Welt aber falsch sind. die man sich in einem bestimmten Milieu aneignet und die für das Milieu richtig. wie die Pikdame bekanntlich heißt«. Danach liegt in 115 . Wir rühren hier überhaupt an einen wichtigen Punkt in der Theorie des Lachens. Akt noch einmal an.haben. Darunter sind Denkweisen zu verstehen..«. die unter Umständen bis zur Absurdität gehen kann. daß sie wissenschaftliche Begriffe in eine weiblich-empfindsame Sprache kleiden: »Epikur gefällt mir so. seinem Diener den Namen Hektor entlehnt in der Absicht. »Ich liebe Wirbelstürme. Um ihn zu erläutern. Der Gegensatz zwischen der besonderen und der allgemeinen Logik bringt ganz spezielle komische Effekte hervor. so entdecken wir. daß wir noch gar nicht dazu gekommen sind.

Das Absurde in der Komik ist also nicht einfach im herkömmlichen Sinn absurd.eine ganz spezielle Wirkung. Sie haben eine Windmühle vor sich. jetzt auch die Wirkung zu erfassen. wenn diese Komik überhaupt etwas Absurdes enthält. sobald der Gegenstand sich 116 . wo sie sich anwenden lassen. andererseits erklärlich ist. bevor wir ihn als solchen erkennen — oder noch besser über etwas. das Charakteristische an der Lächerlichkeit. sondern Wirkung . sie geht vielmehr aus der Komik hervor. so nehme man eine dieser Definitionen und wende sie ihrer eigenen Formel gemäß an: Der Effekt wird in den seltensten Fällen komisch sein. Wir lachen. Will man sich davon überzeugen. die in der Komik enthalten sein kann. das einerseits absurd. der uns zuerst trügt. und zweitens vernachlässigen sie anscheinend selbst in Fällen. Angenommen. das heißt in den Erinnerungen. Sie wissen noch nicht. was es ist. Sie erzeugt keine Komik. über eine »sichtbare Absurdität« — oder auch über einen Anschein von Absurdität. sich ständig anzupassen und die eigenen Vorstellungen von einem Gegenstand zu ändern. Es ist eine ganz bestimmte Absurdität. Daß Sie eben noch Märchen von Riesen mit ungeheuren Armen gelesen haben. das aussieht wie ein großer. Der gesunde Menschenverstand ist die Fähigkeit.jedem komischen Effekt ein Widerspruch. das am besten in den Rahmen des Gesehenen paßt. Aber erstens lassen sie sich nur auf reichlich derbe komische Effekte anwenden. heißt sich erinnern können. über das konkret verwirklichte Absurde. Gesunden Menschenverstand besitzen. in der sich die besondere Natur der sie erzeugenden Ursache widerspiegelt. über die Ihr Gedächtnis verfügt. In allen diesen Theorien steckt zweifellos ein Körnchen Wahrheit. Wir kennen die Ursache. das heißt die ganz besondere Art von Absurdität.es heißt aber auch und vor allem vergessen können. heißt es. ändert nichts daran. aber Sie suchen in Ihren Vorstellungen. Sie gehen eines Tages spazieren und erblicken auf einem Hügel etwas. nach dem Bild. Sie ist nicht Ursache. Es fällt uns daher nicht schwer. unbeweglicher Körper mit rotierenden Armen. Fast sogleich fällt Ihnen die Windmühle ein.

Die Vorstellung von einem Riesen hat sich als deutliche Erinnerung in seinem Gehirn eingenistet. man sieht das vor sich. der seinen Traum spielt. die hier die Absurdität beherrscht. Aber ist es nur irgendwie absurd? Nein. anstatt an das zu denken. wo wir Windmühlen sehen. Dort liegt sie auf der Lauer. so wird sie von Don Quijote durchaus vernünftig und konsequent weiterentwickelt. Es ist eine Beweglichkeit der Intelligenz. Doch finden wir diese Logik nur bei Don Quijote? Wir haben erklärt. Es ist die ständig im Fluß befindliche Kontinuität unserer Anteilnahme am Leben. die sich genau nach der Beweglichkeit der Dinge richtet. Don Quijote sieht also Riesen dort. daß die komische Gestalt aus geistigem oder charakterlichem Trotz. statt umgekehrt. sie zu deuten. Der gesunde Menschenverstand verlangt. aus Zerstreutheit. der Phantasie Gestalt zu verleihen. Eine Gruppe von Erinnerungen kommandiert die anderen herum und beherrscht den ganzen Menschen. daß der Ritter unterwegs feindlichen Riesen begegnet. und deshalb verleiht sie dem ersten besten Gegenstand . Er bewegt sich darin mit der Sicherheit und Präzision eines Nachtwandlers. Das ist komisch. In seinen Romanen hat er gelesen. sie ist nur noch dazu da. Bei Don Quijote verhält es sich umgekehrt. die passende Erinnerung wird dann jeweils auf den Appell der gerade bestehenden Situation antworten und nur dazu dienen. es ist eine ganz besondere Umkehrung des gesunden Menschenverstandes: Man paßt die Dinge einer schon vorhandenen Vorstellung an. was man sieht. Hat die Illusion Gestalt angenommen.erinnere er auch nur entfernt an einen Riesen . hinauszustürzen und sich in einem Gegenstand zu verkörpern.ändert. Also braucht er einen Riesen. aus Automa117 . Sie will sich materialisieren.die Gestalt eines Riesen. So entsteht der Irrtum. Die Wirklichkeit muß sich also der Phantasie unterordnen. daß man alle Erinnerungen in Reih und Glied aufstelle. Don Quijote zieht in den Krieg. und das ist absurd. sie wartet reglos auf eine Gelegenheit. und so äußert sich die besondere Logik. woran man denkt.

Der Übergang von einem. Der in sich selbst versunkene Geist sucht in der Außenwelt nur noch einen Vorwand. könnte übrigens fast unmerklich erfolgen. Das Lachen aber verträgt sich bekanntlich nicht mit Gefühlsregungen. der schließlich nur noch das sieht. Doch anstatt alle seine 118 . wenn sie mit geistiger Gesundheit einhergeht. auf niemanden hört und nichts hören will. Farben kreisen noch im Gesichtsfeld. der nichts hören will. auch wenn sie ständig unterbrochen wird. Aber weder der Wahnsinn im allgemeinen noch die fixe Idee im besonderen erregen unsere Heiterkeit. Es gibt aber einen Normalzustand des Geistes. Wie viele komische Szenen bei Moliere lassen sich auf diese einfache Formel bringen: Eine Person verfolgt eine Idee und kommt immer wieder darauf zurück. den wir eben noch beschrieben haben. Das ist der Traumzustand. Hat diese Umkehrung des gesunden Menschenverstandes einen Namen? Man begegnet ihr natürlich in gewissen akuten oder chronischen Formen des Wahnsinns. die bewirkt. Töne dringen zwar noch verworren ans Ohr. sie sind Krankheiten. zu einem. Im Traum geht der Geist genau den Weg. Verrücktheit reizt nur dann zum Lachen. was er sehen will. Der Komik liegt eine Versteifung zugrunde. Der Eigensinnige bringt es fertig. Sie erregen unser Mitleid. die Dinge seiner Vorstellung unterzuordnen. der nichts sehen will. Wir könnten es eine normale Verrücktheit nennen.tismus sündigt. statt daß er seine Vorstellung nach den Dingen richtet. die Sinne sind noch nicht vollständig betäubt. dann muß sie sich in folgendem Lehrsatz zusammenfassen lassen: Die komische Absurdität hat die gleiche Beschaffenheit wie der Traum. und Don Quijote ist der Prototyp der komischen Absurdität. Sie hat mit der fixen Idee vieles gemein. Wenn also unsere Analyse stimmen soll. um seine Phantasien zu materialisieren. der in allen Punkten dem Wahnsinn gleicht und in welchem man denselben Gedankenassoziationen begegnet wie in der Geistesgestörtheit. Jede komische Gestalt bewegt sich also auf dem schon beschriebenen Weg der Täuschung. der gleichen eigenartigen Logik wie in der fixen Idee. daß jemand stur seinen Weg verfolgt. ja.

wie die zwischen den Ideen hergestellten Beziehungen oberflächlicher werden. bedient sich der Träumer seiner Wahrnehmungen. damit sie ihm deuten. Sie klingen eben noch überzeugend genug. Solche geistreichen Spiele entwickeln sich übrigens zu Wortspielen in dem Maß. ein abgekürzter Gedankengang. die seine Phantasie beschäftigt. die der Kraft entbehrt und uns deshalb Erholung von der geistigen Anstrengung verschafft. von denen wir wissen. mit dem Traum vergleichen? Wenn Sie inmitten 119 . Sie werden lächerlich. sofern sie der ersten äußerlich ähnlich sind. auch wenn sie einen anderen komischen Hintergrund haben. was seine Sinne wahrnehmen. Zuerst stellen wir eine gewisse allgemeine Lockerung der Regeln. so werden auch andere Formen lächerlich. die Logik der Komik eine Traumlogik ist. was jemand ihr ins Ohr flüstert. Wenn aber die komische Illusion eine Traumillusion. Das ist die Art. Mancher »geistreiche Einfall« ist ein solcher Gedankengang. Tatsächlich kann uns jedes Spiel der Vorstellungen belustigen. dann darf man darauf gefaßt sein. wo eine Person systematisch falsch wiederholt. um den eingeschläferten Geist zu täuschen. wir hören nur noch ihren Klang. wenn es uns auch nur entfernt an die Spiele der Träume erinnert.Erinnerungen wachzurufen. Lassen sich nicht auch gewisse komische Szenen. die unser Denken beherrschen. wird dann das Jaulen des Windes im Kamin ein Heulen wilder Tiere oder ein melodischer Gesang. Nach und nach erreichen wir den Punkt. von dem uns nur der Ausgangspunkt und die Schlußfolgerung mitgeteilt wird. daß sie falsch sind. fest. um einer einzigen Lieblingserinnerung Gestalt zu geben. die wir aber im Traum für richtig halten könnten. Wieder bestätigt sich die bekannte Regel: Ist eine Form des Lächerlichen gegeben. Je nach dem Seelenzustand des Träumers und der Vorstellung. Es ist vielleicht noch Logik. daß man in der Logik des Lächerlichen allen Besonderheiten der Traumlogik wiederbegegnen wird. wie der Mechanismus der Traumillusion gewöhnlich arbeitet. wo wir den Sinn der Worte nicht mehr erfassen. Wir lachen über Gedankengänge. aber eine Logik.

die Szene nach. Oder Le Bourgeois gentilbomme.0 . Ob nicht gewisse Komödien von Moliere eine solche Empfindung wachrufen? Nehmen wir Monsieur de Pourceaugnac: Das Stück beginnt einigermaßen vernünftig. So erleben Sie. artet aber mit der Zeit immer mehr in Widersinn aus. wenn sich ein noch größerer Narr findet«: Dieses Schlußwort weckt uns aus dem immer verrückter gewordenen Traum. Nicht selten kann man im Traum ein eigentümliches Crescendo erleben. wie die Töne verschwimmen und irgendwie miteinander verschmelzen. Ein erstes. wo für ihn nichts mehr zählt. Wer hätte nicht schon erlebt. wenn er in jenen angenehmen Zustand gleitet. wie ihre Worte nach und nach ihren Sinn verlieren. »Ich will nach Rom gehen. Es gibt ferner komische Zwangsvorstellungen. weder Logik noch Anstandsregeln. Aber die Entwicklung auf das Absurde hin vermittelt dem Träumenden eine merkwürdige Empfindung. wie das gleiche Bild in mehreren aufeinanderfolgenden Träumen auftauchte und jedesmal einen durchaus einleuchtenden Sinn hatte.von schwatzenden Leuten einschlafen. etwas Seltsames. sie sind dann wie ein Widerhall eines Traumes. auch wenn die Träume im übrigen völlig zusammenhanglos waren? Auch im Theater und im Roman nehmen die Wiederholungseffekte bisweilen diese Form an. und so weiter bis zur endgültigen Absurdität. Ebenso im Chanson: Unverändert und beharrlich kehrt der Refrain am Schluß jeder Strophe wieder. dieses ein drittes. Sie kommen dem Phänomen des immer wiederkehrenden Traummotivs scheinbar sehr nahe. folgenschwereres. und jedesmal hat er einen anderen Sinn. dann spüren Sie bisweilen. in den wir mit Monsieur Jourdain gesunken waren. der Vernunft abgetrotztes Zugeständnis zieht ein zweites nach sich. wo die Personen nach und nach in einen Wirbel der Tollheit zu geraten scheinen. 12. so daß sie in Ihrem Geist die seltsamsten Bedeutungen erlangen. das sich immer mehr verstärkt. der sprechenden Person gegenüber. So muß der Trinker empfinden. die sich zwischen dem kleinen Hans und dem Einsager abspielte.

unmöglich genau und vollständig beschreiben könnte. Eine von ihnen ist der Schläfer selbst.Das eben haben wir nie genau gewußt. Wir waren Zwillinge. Gewisse Widersprüche können in der Phantasie des Träumenden so natürlich erscheinen und gleichzeitig der Vernunft des wachen Menschen so sehr zuwiderlaufen. aber man hat nie erfahren. nichtsdestoweniger ist er ein anderer geworden. Ein großes Geheimnis umgibt diese Affäre. welcher. daß er nicht aufgehört hat zu sein. ich will Ihnen etwas verraten. Nein. Er hat sich losgelöst von sich selbst. daß ein anderer seinen Körper. was er ist.Merkwürdig! Und was glauben denn Sie? Passen Sie auf.Ist er denn gestorben? . der komische Effekt jedoch zur Hauptsache durch die früher erwähnte Interferenz zweier Serien herbeigeführt' wird. der nur im Traum vorkommt. er sieht sich handeln. der Verstorbene und ich. wie Mark Twain sich von einem Reporter interviewen läßt: »Haben Sie einen Bruder? . daß man sie jemandem.J a . Wir meinen Träume. Er ist es. wir nannten ihn Bill. ich sei's gewesen. wo dem Zuschauer wohl der Eindruck von Verwirrung vermittelt wird. ich spreche von ausgefallenen und komischen Gedankengängen. der ihn nichts angeht. Er hört sich sprechen. bis sie nur noch eine und gleichzeitig zwei ganz verschiedene Personen sind. wurden wir zusammen in der Wanne gebadet. in denen sich die Verwirrung in Reinkultur findet. Er spürt. Einer von uns ertrank. Einer von uns beiden hatte ein besonderes Kennzeichen auf dem linken Handrük121 . es sei Bill gewesen. das ich noch keiner Menschenseele anvertraut habe. . nur spricht er von sich selbst wie von einem Fremden. und als wir zwei Wochen alt waren. Der arme Bill! .Einen Wahn aber gibt es. und er ist es nicht. in denen zwei Personen auf seltsame Weise miteinander verschmelzen. Diese seltsame Verwirrung finden wir in gewissen komischen Szenen wieder. aber er spürt. wobei es einer geistigen Anstrengung bedarf. Ich denke jetzt nicht an Amphitryon. um sie als solche zu erkennen. die anderen sagen. daß er normal spricht und handelt. seine Stimme benützt. Die einen glauben. der so etwas nie erlebt hat. Hören wir. Oder er weiß.

und wir werden sehen. Auf diese Frechheiten antwortet die Gesellschaft mit Gelächter. Sie rührt daher. daß Mark Twain einer dieser Zwillinge zu sein behauptet in einem Ton. Wir behandeln sie als Kameraden. als wir sie bisher beschrieben haben. von liebenswürdiger Leutseligkeit eigen. Wir haben das Lachen vor allem als ein Korrektiv behandelt. daß die Effekte ihren komischen Charakter der Ähnlichkeit mit diesen Faktoren verdanken und daß es sich bei den Faktoren selbst um lauter Frechheiten gegenüber der Gesellschaft handelt. Oft hegen wir für eine komische Gestalt zunächst viel Sympathie. von denen er spricht. V Von diesem letzten Gesichtspunkt aus betrachtet. Jedenfalls versetzen wir uns vorübergehend an ihre Stelle. was uns am Phänomen des Lächerlichen als erstes auffällt. als erzähle er ihre Geschichte als Außenstehender. usw.ken. Dieses Kind ist nun aber ertrunken. das heißt mit einer noch größeren Frechheit. 122 . Dort finden wir übrigens auch die Erklärung dafür.. Es würde vielmehr Böses mit Bösem vergelten. tritt uns die Komik in einer etwas anderen Gestalt entgegen. isolieren wir die beherrschenden Faktoren. wir nehmen ihre Gebärden. das war ich. und wenn uns das Lächerliche an ihr belustigt. Dem Lachen ist also zumindest ein Anschein von Wohlwollen. Dennoch ist es nicht das.« Man wird zugeben müssen. daß die Absurdität dieses Dialogs nicht einfach irgendeine Absurdität ist. dieser Tatsache nicht Rechnung zu tragen. Nichts anderes erleben wir in manchen unserer Träume. wäre der Sprechende nicht ausgerechnet einer der Zwillinge. ein riesiges Muttermal. mit uns darüber zu lachen. An einem solchen Lachen wäre demnach nichts Wohlwollendes. so fordern wir sie im Geist auf. ihre Handlungsweisen an. und es wäre falsch. Nehmen wir nun eine Folge von komischen Effekten.. ihre Redensarten. Vor allem aber enthält das Lachen ein Element der Entspannung. Sie wäre gar nicht vorhanden. Das hat sich nirgends deutlicher gezeigt als in unseren letzten Beispielen.

Wir erholen uns dabei von der Mühe des Denkens. Zumindest einen Augenblick lang spielen wir mit. als ob sie träumte. wie wenn ein strenger Vater sich bisweilen vergißt und an einem Streich seines Sohnes Spaß empfindet. Auch sie stammt ja aus der Zerstreutheit. Unsere erste Regung heißt uns. Man will sich nicht länger auf Schritt und Tritt der Gesellschaft anpassen. bis er sich wieder auf sich selbst besinnt und den Jungen bestraft. Das Lachen ist. mindestens ebensosehr eine Zerstreutheit des Willens als eine Zerstreutheit des Verstandes.Wenn die komische Gestalt ihre Idee automatisch weiterverfolgt. Es ist. nur das denken. Man gleicht mehr oder weniger einem Zerstreuten. Man bricht mit den Konventionen wie eben noch mit der Logik. die mit dem Erlebnis der Komik einhergehen kann. der Einladung zur Trägheit zu folgen. handelt sie am Schluß. um uns von der Mühe des Lebens zu erholen. man benimmt sich wie einer. spricht. Man entzieht sich der Pflicht. Die komische Absurdität läßt uns also zuerst an ein Spiel mit Gedanken denken. Aus dieser Anstrengung besteht der gesunde Menschenverstand. an diesem Spiel teilzunehmen. das ist nur noch Spielerei. Kurz. was Hand und Fuß hat. Denn flüchtig ist die Sympathie. Der Traum aber ist eine Entspannung. Er ist Arbeit. und das ist meist der Hang der Gewohnheiten. Dasselbe läßt sich aber auch von anderen Formen des Lächerlichen sagen. Es ist. Aber sich von den Dingen lösen und dennoch weiterhin Bilder sehen. so denkt. der spielt. Und wieder ist unsere erste Regung der Wunsch. In der Komik besteht immer die Tendenz. aber auf alle Fälle ist es Zerstreutheit und folglich Trägheit. zugegeben. ein Korrektiv und dazu da. sich einen bequemen Hang hinunterschlittern zu lassen. ich wiederhole es. 123 . bewußt zu leben. Man kann es auch Trägheit nennen. Mit den Dingen und den Menschen in Kontakt bleiben. was ist. nur das sehen. erfordert eine ununterbrochene geistige Anstrengung und Gespanntheit. Doch es ist eine kurze Ruhepause. mit der Logik brechen und dennoch weiterhin Gedanken sammeln.

Nun ist aber das Lachen ganz einfach die Auswirkung eines Mechanismus. verschont Schuldige. zielt nur auf ein Gesamtergebnis ab und ist außerstande. dies zu beweisen. Ebenso verhält es sich mit allem. 124 .jemanden zu demütigen. Alle unsere Untersuchungen waren übrigens darauf angelegt. den die Natur oder. Es hat keine Zeit für lange Zielübungen. indem es demütigt. Es soll einschüchtern. was mit natürlichen Mitteln anstatt durch bewußte Überlegung vollbracht wird. Es soll auch nicht gütig sein. wenn es von Sympathie und Güte gekennzeichnet wäre. Um immer richtig zu treffen. Ein durchschnittliches Maß von Gerechtigkeit mag zwar im Gesamtergebnis zutage treten. verhelfe es uns zu unserem eigenen Besten dazu. Das will aber nicht heißen. eine jahrelange Gewohnheit im Umgang mit der Gesellschaft in uns eingebaut haben. oft züchtige man. jedem einzelnen Fall die Ehre einer Sonderbehandlung angedeihen zu lassen. Im großen ganzen übt das Lachen fraglos eine nützliche Funktion aus. der es gilt. Infolgedessen muß es in der Person. wie eine Krankheit gewisse Exzesse straft. Man wird nun behaupten. daß das Lachen immer richtig trifft oder daß es ein Zeichen von Wohlwollen oder gar Gerechtigkeit ist. was etwa auf dasselbe herauskommt. Es bricht ganz von allein und schlagartig los. Diese Funktion könnte es nicht erfüllen. und indem das Lachen die äußeren Anzeichen gewisser Charaktermängel aufdecke. eine peinliche Empfindung hervorrufen. Das Lachen straft gewisse Fehler etwa so. hätte nicht die Natur zu diesem Zweck noch im besten Menschen eine kleine Spur Bosheit oder zumindest Schalkhaftigkeit hinterlassen. die man sich ihr gegenüber herausgenommen hat. nicht aber im Einzelfall. Das Lachen würde seinen Zweck verfehlen. zumindest die Absicht könne gut sein. müßte es einem Akt der Reflexion entspringen. Das Lachen kann also nicht immer restlos gerecht sein. Dazu ließe sich vieles sagen. diese Fehler abzulegen und bessere Menschen zu werden. weil man liebe. es trifft Unschuldige. Durch ihr Gelächter rächt sich die Gesellschaft für die Freiheiten.

Vielleicht verweilen wir besser nicht länger bei diesem Punkt. Wir fänden für uns nicht viel Schmeichelhaftes. Wir müßten erkennen, daß die Regung, die Entspannung oder Befreiung bedeutet, nur ein Vorspiel des Lachens ist, daß der Lachende sich sofort auf sich zurückbesinnt, sich selbst mehr oder weniger anmaßend zur Geltung bringt und den anderen unter Umständen nur als eine Marionette betrachtet, die er nach Belieben tanzen lassen kann. In dieser Anmaßung würden wir übrigens sehr schnell eine Spur Egoismus entdecken und hinter dem Egoismus etwas noch weniger Offenes, noch Bittereres, eine Art von aufkeimendem Pessimismus, der sich um so stärker äußert, je bewußter der Lachende sein Gelächter begründet. Hier wie überall hat die Natur dafür gesorgt, daß das Böse dem Guten dient. Und es war in erster Linie das Gute, das uns in dieser Studie beschäftigt hat. Uns schien, die Gesellschaft erziele eine immer größere Anpassungsfähigkeit ihrer Glieder, je mehr sie sich selbst vervollkommne; sie finde ein immer besseres Gleichgewicht; sie dränge die in einer so großen Masse unvermeidlichen Störungen immer stärker an ihre Oberfläche, und das Lachen erfülle dabei eine nützliche Funktion, weil es uns die Umrisse dieser unruhigen Bewegungen erkennen lasse. So kämpfen auch die vom Wind gepeitschten Wasser ohne Unterlaß an der Oberfläche des Meeres, während in den unteren Schichten tiefer Friede herrscht. Die Wellen prallen aufeinander, behindern sich gegenseitig, suchen ihr Gleichgewicht. Leichte, weiße, lustige Schaumkronen begleiten ihren Tanz. Einige bleiben am Strand liegen, wenn die Flut zurückweicht. Das Kind, das in der Nähe spielt, kommt und schöpft sie mit der Hand und wundert sich, daß gleich darauf nur noch ein paar Wassertropfen durch seine Finger rinnen, viel salziger, viel bitterer als das Wasser der Welle, die den Schaum an den Strand trug. Das Lachen ist wie dieser Schaum. Es zeigt den Aufruhr an der Oberfläche des sozialen Lebens an. Es zeichnet die beweglichen Umrisse dieser Erschütterungen augenblicklich nach. Es ist auch salzhaltig.
1Z5

Und es prickelt wie Schaum. Es ist etwas Leichtes, Fröhliches. Der Philosoph, der es einfängt, um davon zu kosten, wird im übrigen noch in der geringsten Menge bisweilen eine Dosis Bitterkeit entdecken.

Anhang
Zu den Definitionen des Komischen und zu der in diesem Buch angewandten Methode

.

Was ich in Anbetracht der gewählten Methode bezweifle. die Monsieur Delage zu dieser Definition geführt hat. weil meines Wissens keine von ihnen das Rezept zur Erzeugung der Komik liefert. im Schwank. es dürfte daher nicht uninteressant sein zu zeigen. Vor allem aber glaube ich nicht daran.In einem interessanten Artikel. Ich glaube aber. S. 129 .« Die meisten Theoretiker der Komik folgen der Methode.). daß sie die zulängliche Bedingung bestimmen kann. Solche Definitionen sind schon seit Aristoteles in Umlauf. wo es keine Komik gibt. wodurch sich unsere Methode von jener unterscheidet. August 1919 (Bd. Er schrieb: »Damit etwas komisch sei. noch einmal zusammenfassen: »Definieren kann man die Komik aufgrund eines oder mehrerer allgemeiner und äußerlich sichtbarer Wesenszüge. Sicher gehören die erwähnten Merkmale. die Ihre. Die Definition wird also meist zu weit gefaßt sein. wurde auf folgendem Weg erreicht: Sie zeichnen einen Kreis und weisen darauf hin. scheint mir. 337ff. ist. * Ich habe einen ganz anderen Weg verfolgt. stellte Y\r^ Delage unserer Auffassung von Komik seine eigene Definition gegenüber. wiewohl sie nicht das gleiche aussagen. zur Komik. Ich suchte im Lustspiel. 20.) veröffentlicht wurde. daß sie immerhin eine Forderung der Logik auf dem Gebiet der Definitionen erfüllt: Sie verweist auf eine notwendige Bedingung. S. soweit sie von einem scharfsinnigen Beobachter registriert worden sind. man trifft sie oft auch dort an. erschienen in der Revue du Mois am 10. Zu diesem Zweck wollen wir die wesentlichen Punkte unserer Antwort. November 1919 in der gleichen Revue (Bd. 20. muß zwischen Wirkung und Ursache eine Disharmonie bestehen. daß auf gut Glück gewählte komische Effekte darin enthalten sind. in der Kunst des Clowns die Herstel* Auf die Unzulänglichkeit dieser oder jener Theorie haben wir übrigens in zahlreichen Abschnitten unseres Buches hingewiesen. 514 ff. Ich glaube nicht daran. die man an diesem und jenem komischen Effekt festgestellt hat. Ich gebe zu. die am 10. weil es mehrere Definitionen dieser Art gibt. die alle gleich annehmbar sind.

sind die Variationen. und so fort: Die Komik nimmt kein Ende. muß sich hinterher vielleicht sagen lassen. die zum Lachen reizen wegen einer oberflächlichen Ähnlichkeit mit jenem ersten. Er wird immer beschäftigt bleiben. das Thema ergibt eine allgemeine Definition. an sich lächerlichen Ding oder wegen irgendeiner zufälligen Beziehung zu einem anderen Ding. und nur derjenige. weil es neben dem. darf sicher sein. was seinem Wesen nach und aus sich selbst. die passen). nachdem er ihm diese oder jene Eigenschaft zugesprochen hat — so passend diese auch sein mag (man findet immer welche. Aber: Er hat die Komik gewissermaßen in der Hand. Und der Psychologe. um das Thema ein für allemal zu erledigen. Das war der Zweck meiner Übung. ein Ding besser zu erkennen. Er kann seine Theorie noch so sehr auf die Gegenbeispiele anwenden und beweisen. Wie dem auch sei. Im übrigen gebe ich zu. Ich glaubte zu erkennen. anstatt es kurzerhand in eine Formel zu pressen. wie andere als zu weitmaschig erscheinen. was seiner inneren Struktur wegen lächerlich ist.man wird ihn noch und noch mit Beispielen konfrontieren können. daß eine auf diesem Weg erreichte Definition auf den ersten Blick ebenso enggefaßt wirkt. Er ist mit der Schärfe und Präzision des Gelehrten vorgegangen. so kann er auch das Rezept zu ihrer Herstellung liefern. was zählt. Und hat er sie erst einmal in den Griff bekommen.lungsverfahren der Komik. er habe nicht alle Tatsachen berücksichtigt. daß er etwas vollständig analysiert hat. Denn wir lachen gern. die hier einer Konstruktionsregel gleichkommt. der das Komische auf diese Weise untersucht. Um die Dinge zu vereinfachen. Sie wirkt einengend. Erforderlich ist eine Analyse. Der Mechanismus der Gedankenassoziationen ist in diesem Fall ungeheuer kompliziert. daß es sich um lauter Variationen über ein allgemeineres Thema handelte. 130 . während andere sie in einen mehr oder weniger großen Kreis sperren. und jeder Vorwand ist uns recht. daß sie wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem an sich Komischen komisch sind . habe ich das Thema festgehalten. doch das. der etwas wieder zusammensetzen kann. der sich nicht einbildet. das an jenes erste erinnert. noch eine Menge Dinge gibt.

während so viele andere Eigenschaften. die ein wenig beängstigt? Ich habe mich bemüht. wollte ich gleichzeitig herausfinden.Ein letzter Punkt bleibt zu erwähnen: Während ich die Entstehungsarten des Lächerlichen zu bestimmen versuchte. die Gesichtsmuskeln des Zuschauers unbewegt lassen. weshalb die Gesellschaft in einem solchen Fall das Bedürfnis hat. wie anders ließe sich erklären. gewissermaßen der Ansatz zu einem Attentat auf das soziale Leben. daß gelacht wird. sich zu äußern. kann dieses kleine Geheimnis nicht aufdecken.« . und auch die Methode der Erklärung. weshalb die »Disharmonie« als solche eine spezifische Äußerung wie das Gelächter bewirken sollte. von der ich eben gesprochen habe. Irgend etwas Angriffiges (und zwar spezifisch Angriffiges) muß in der Ursache der Komik stecken. Man muß also in Erfahrung bringen. Eigentlich ist es sehr seltsam. daß die Gesellschaft mit einer Geste antwortet. Ich sehe zum Beispiel nicht ein. wenn man erklären kann. auch auf diese Frage eine Antwort zu finden. wenn sie lacht. welche Absicht die Gesellschaft verfolgt. die mir ganz nach einer Abwehrreaktion aussieht — einer Geste. welche besondere Ursache der Disharmonie die komische Wirkung erzeugt. und wirklich gefunden hat man diese erst dann. Vorzüge oder Fehler.

wie Georg Lukäcs wider seinen früheren Berliner Lehrer Georg Simmel zu Felde zog. als sie ahnen ließen. den Bergson auf das Denken des jungen Jahrhunderts ausübte. daß das Werk zuviel gescholten wurde. in der ein Nachruhm sich entfalten sollte. daß Papst Pius X.er hatte zuvor in der Winterkälte angestanden. gingen in Paris die Existentialisten ans Werk. ein lebensphilosophischer Versuch Nachwort Das Werk dieses Philosophen wurde zu seiner Zeit zuviel bewundert. Als Bergson im von Deutschen besetzten Paris 1941 einer Lungenentzündung erlag . da schrieb Paul Valery. dessen Werk niederschmetternden Verdächtigungen aussetzte. der letzte große Name in der Ge132. mit dem Aufkommen von Sartre und Merleau-Ponty schien Bergson begraben und vergessen. Heute ist der Einfluß. Nicht genug damit. sein Kollege aus der Academie Frangaise in einem Nachruf: »Er war der größte Philosoph unserer Zeit. eine moralische Autorität in Sachen des Geistes. Mit dem Existentialismus der Nachkriegszeit. der sie mehr. So kam es in der Folge. . worin für Bergson das Versprechen einer Gegenorthodoxie lag. Bergsons Vorlesungen am College de France zu besuchen. Die Kritik streifte dabei manches Mal den Exorzismus. ja. um sich als Jude registrieren zu lassen: ein deutliches Ende seiner stillen Koketterie mit dem Katholizismus . In dem Maße. ihn mit Eifer gelesen.. ist nur als Versuch zu werten. den Priestern verbot. verdankten. und das Werk auf den Index setzte.Karsten Witte Das Lachen. Die Abkanzelung dessen. haben die Philosophen der vierziger Jahre die Strahlkraft Bergsons prismatisch zu zerlegen versucht. ein universeller Name. Dabei haben seine Kritiker. die Philosophie Bergsons zu demontieren. kaum mehr zu ermessen. dazu. die ihn aus dem Licht der Intuition in den Schatten des Irrationalismus stellen wollten. den prägenden Einfluß Bergsons zu bannen.

Marcel Proust bekannte in einem Brief an Georges de Lauris.« Die europäische Intelligenz der Jahrhundertwende. die in dk Weltrevolution aufbrechen wollte. er habe ziemlich viel Bergson gelesen. noch die Generation. Dieses letzte Werk trug dazu bei. Das Lachen: Paris 1900 und Jena 1914. Dem Kreis um Georg Simmel ist es zu verdanken. in eine Höhe. ist ein Gemeinplatz. die damals umlaufenden Vorurteile gegen die Lebensphilosophie in einer vorsichtig relativierenden Hoffnung zu dämpfen: »Vielleicht wird die Philosophie ihren nächsten Schritt mit der Eroberung eines Begriffes vom Leben tun. las ihn. versuchte. Es ist heute deutlicher geworden als im Zenit der Frankfurter Schule. In 133 . daß dem Autor 192. den moralischen Charakter«.« So klingt Versöhnung. mit dem dieses sich wirklich jenseits jener Gegensätze stellt. Schöpferische Entwicklung: Paris 1907 und Jena 1912. Der mit Bergson geistesverwandte Lebensphilosoph Georg Simmel. Nur muß man heute diese Spuren suchen. vom höheren Standpunkt betrieben. daß Bergsons Schriften relativ rasch nach ihrem Erscheinen auch auf deutsch übersetzt vorlagen. sondern nur mit dem Namen: »Henri Bergson« bezeichnete. Daß Prousts Romanschaffen seine philosophische Feder in der Schwungkraft von Bergsons Zeit-Vorstellung hatte. Güte.schichte der europäischen Intelligenz. daß die Philosophen der Kritischen Theorie dem Denken der Lebensphilosophie von Bergson und Simmel Impulse gerade für die essayistische Form ihrer Darstellungen und für die Thematik des Fragments der Moderne verdankten. Er betont seine »große Wertschätzung. von der aus das Fließen des Realen wie des Idealen und die Festigkeit beider die Absolutheit ihres Gegensatzes verlöschen. der jenem einen Essay widmete und ihn nicht mit einer besonderen Problemstellung. Nicht nur Georg Lukäcs war ein Simmel-Schüler. auch Ernst Bloch und Siegfried Kracauer zählten zu ihnen. Materie und Gedächtnis: Paris 1896 und Jena 1908.7 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. der noch wieder in die Philosophie aufzulösen wäre.

erscheine Bergsons Entwurf antiquiert. Walter Benjamin zitiert in seinem Baudelaire-Buch Bergsons Materie und Gedächtnis und kehrt dessen Mangel. den Horkheimer nur als Anathema begreifen konnte: »Le philosophe n'obeit ni ne commande. Die von Horkheimer nicht zu duldende Provokation scheint in einem beiläufigen Satz Bergsons gelegen zu haben. die sie Bergsons Werk verdankten. 134 . die in ihrer philosophischen Jugend Bergson zu sehr bewunderten. Hier treten die Kritiker auf den Plan. er befreite das französische Denken aus kantianischen Fesseln. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen. noch befiehlt er. Gilles Deleuze widmete dem »Bergsonisme« ein Buch und setzte sich jüngst in seiner bedeutenden Filmphilosophie: Ulmage-Mouvement und Ulmage-Temps eindrücklich mit den zentralen Zeit-Vorstellungen Bergsons in Kommentarform auseinander. Bergson behaupte die »Göttlichkeit« des Bestehenden. Paul Valery wird sagen. in der Darbietungsweise Bergsons. die sie methodisch in der Hand hält. Maß Bergson sich an Hegel? Er maß sich an seiner Zeit und räumte mit dem vor der Jahrhundertwende noch herrschenden Positivismus der Naturwissenschaften auf. An den Prinzipien Hegels zur Geschichtsphilosophie gemessen. Die Filmtheoretiker der klassischen Schule von Baläzs über Kracauer zu Arnheim hatten die Anregungen. Max Horkheimers Angriff auf »Bergsons Metaphysik der Zeit« verstärkt Benjamins dezent begriffene Defizite zu Vorwürfen. die nicht explizit nach Beweisen sucht. Der Metaphysiker Bergson unterschlage den Tod. seiner Obsession mit allen Phänomenen der technischen Störung und menschlichen Verletzung das Spezifische der Geschichte von Bergsons Zeit zu erkennen. auf verschwiegene "Weise freilich. das Gedächtnis »geschichtlich zu spezifizieren« gegen den Autor.)« Die Philosophie nach Sartre und Merleau-Ponty sympathisierte mit Bergson.diesem Kreis wurde Henri Bergson selbstverständlich diskutiert. Er sucht zu sympathisieren. (Der Philosoph gehorcht nicht. il cherche ä sympathiser.

diesem werde im geistigen Leben der Gegenwart Beachtung »nicht zuteil«. der Regel ein Phänomen und der Ableitung eine Entfaltung.nicht unterschlagen. vor ihrer Verfestigung in der Welt der Erscheinungen und Kategorien. Das Lachen ist nicht nur. sympathisierte. jetzt in England lehrende Philosoph Leszek Kolakowski (Bergson hatte einen polnischen Vater und eine englische Mutter) in seiner Monographie zu Bergson behauptet. Der Definition setzt er »etwas Lebendiges« entgegen. Bei Bergson geraten die Dinge in den Fluß. Das Interesse an Bergson. worin seine wirkliche Arbeit besteht: in einem Versuch. um zu verstecken. der erfuhr ohne Anstrengung von den Absichten und Verfahrensweisen dieser so wenig regelgerechten Schule. noch befahl. Der Philosoph. dem Sichtbaren Form zu geben. Es ist methodisch wie formal die eleganteste Kurzfassung von Bergsons Programm. wenn der polnische. Es erzeugt einen schiefen Eindruck. Handelt das erste Kapitel »Von der Komik im allgemeinen«. der (wie vorher zitiert) ausdrücklich nicht gehorchte. Von der Zeit her betrachtet. vermittelt wie gebrochen durch die Väter der Frankfurter Schule wie auch der französischen Existentialisten. Wem sich Das Lachen erschloß. ist ein spürbares Interesse der Gegenwart. sich als Moment Bergsonscher Zeitidee zu erkennen. aus dem sie. 2. sondern zugleich ein Essay zur Lebensphilosophie. vermutlich erstanden. wie der Untertitel besagt: ein Versuch über die Bedeutung des Komischen. so handelt es auch von Bergsons Methode im besonderen. Im Entwurf des Besonderen steckt wieder ein Programm des Allgemeinen: »Wir sehen das Leben als einen bestimmten Ablauf in der Zeit und zugleich als eine bestimmte Komplikation im Raum. »Wir werden nichts anderes tun als zusehen«. verspricht er. Das zweite Kapitel dieses Buches gilt der »Situationskomik« und der »Wortkomik«. ist Leben das stetige Fortschreiten eines unaufhaltsam alternden Menschen: dieses Leben kehrt nie um und 135 .

Was er am Lachen. dem Komischen entdeckte. Schließlich schmuggelt er im Sinn der alten französischen Moralisten ein Programm vom richtigen Leben in seine Analyse zur Komik ein: »Der Mensch muß leben. eines körperlichen Reiz-Reaktionsablaufes. Er war es. daß wir die Dinge in ihrem Bezug auf unsere Bedürfnisse erkennen. Alle anderen Eindrücke müssen verblassen.. der physiologischen Wahrnehmung. Am Anfang ist das Wahrnehmungsinstrument des Menschen wichtiger als das. sei es im Alltag. in der die Einzigartigkeit des Augenblickes vom Fluß der Zeit überspült wird. Von der »Charakterkomik« handelt Bergsons drittes Kapitel. 63) Das ist eine Engführung der Bergsonschen Zeit-Vorstellung. war eine Schnittstelle. Bergson sagt: sich versteifen. was in seinen Blick fällt. fallen oder auch nicht fallen sollte: Das Lachen ist Bergsons Bemühung näher als die Komik oder gar die Komödie. Leben heißt handeln. Eine Definition gemischter Erkenntnis durchzieht das Eingangskapitel. nur das annehmen. die einem Glücksversprechen nachjagen und dabei sich komisch verrenken. was uns an den Dingen als nützlich erscheint. ist das ideale Tummelfeld für Gelegenheitsmaterialisten. geht es um die Komik. Vor dem Entwurf eines Soll-Zustands steht die Bestandsaufnahme der Reflexe und Effekte. So wäre am Ende auch der Diskurs über das Komische komisch? Bergson spricht es nicht aus. Die Mimik und Gestik seines Vortrags mögen es konnotiert haben. einschrieb. sei es auf der Bühne. das seinerseits gegen Mechanisierung sich sperrt und verhärtet. 99) Der Metaphysiker Bergson wird physisch. Leben heißt. andererseits ein Denken. der sie der Körperlichkeit. Und die Komödie.« (S.« (S. der spezifische Folgen zeitigt. Und das Leben verlangt. die den IstZustand bedingen. deren philosophische Linien auf den Grundkonflikt in Bergsons eigener Zeit hinauslaufen: einerseits noch dem Industriezeitalter verhaftet. Seine Abhandlung Das Lachen trägt den Titel einer Tätigkeit. und diese Definition ist eine Schnittstelle zwischen dem Komischen und der Lebensphilosophie schlechthin.wiederholt sich nie. 136 .. vor aller psychischen Gestimmtheit.

25) Das allerdings ist nicht die Essenz der Bergsonschen Haltung. noch zwischen Idee und Interesse. Er liest.« (S. auf eigene Kosten seiner sinnlichen Bereicherung denken möchte. die für Bergsons Kritiker so verwerflich schien. und ziehen Sie keine Schlüsse! Vergessen Sie. Bergson simuliert eine dialogische Situation. der. und versuchen Sie. 43) Dem Leser des Lachens mag man eine Portion Naivität wünschen. Darin liegt der Versuchscharakter dieses Essays über das Lachen. Er denkt mit Beobachtungen aus seinem Alltag des Pariser Straßenlebens um 1900. Bei der Betrachtung der Reiz-Reaktionsabfolge des Lachens bleibt der Philosoph nicht stehen. Denn weder die Komik noch das Nachdenken über Komik kann Bergson sich außerhalb des sozialen Rahmens vorstellen. Denken Sie nicht darüber nach. Er denkt mit Beispielen der Weltliteratur auch gegen die kommunen Vorstellungen seines Publikums. der Leser sieht ihn an: »Betrachten Sie den Fall nur mit den Augen. einen neuen. 33. Das Lachen ist. anstatt den vernutzten Ableitungen der Systemphilosophie zu folgen. eine soziale Geste: So darf es auch die Form der Untersuchung sein. an den Betrachter in ihm. Bergson denkt alle seine Fragen im Zusammenhang dessen. die den Leser auffordert. was Sie wissen. Auch Das Lachen appelliert wie schon das ihm vorausgehende Buch Materie und Gedächtnis an die Sinne des Lesers. gelockert einzulassen. das ist nur eine Einladung. 39. Man liest ihn nicht. Zwischen Cervantes und Mark Twain macht der Kenner des Komischen keine ästhetische Wertdebatte geltend. naiven. unmittelbaren Eindruck zu gewinnen!« (S. sich auf diese Haltung unversteift. was er »corps social« nennt. man hört ihm zu. Der soziale Körper trennt nicht zwischen Hand und Fuß. ihm folgend.Bergsons berühmte Formulierung lautet: »Etwas Mechanisches überdeckt etwas Lebendiges: du mecanique plaque sur du vivant. an jenem Versuch teilzunehmen. was im Deutschen manches Mal unzureichend als »öffentliche Hand« verstanden wird. Der systemtüchtige Moliere steht ihm nicht 137 .

hätte sich ihm nur eine weitere Schnittstelle eröffnet: die des sozial weder korrektur-. ein anderes zur denkerischen. Hätte er deren Werke als Exempel seiner Untersuchung herangezogen. Darin ist von Freuds Wertschätzung des Bergson-Buches die Rede: Das Lachen sei »schön und lebensfrisch«.näher als der systemlabile Labiche. Freud sprach zwei Urteile in einem Satz aus. kannte er nicht. . war ein Autor. Beide wirkten. Wer Das Lachen in aller Bescheidenheit verstand. noch straffähigen Einzelgängers. eines zur literarischen Qualität Bergsons. neben Bergson und Einstein unter den intellektuellen Souveränen genannt zu werden: Sigmund Freud schrieb noch 1930 diesen Brief. den kein Lachen in diese Welt zurückholte. wie bei Rabelais. war ihm nicht vertraut. Marivaux. der später in einem unglaublich bescheidenen Brief es ablehnte. Die Komödien des großen Experimentators der menschlichen Gefühle. Die melancholische Seite der Komik. Diderot oder Swift spürbar. Ein Vierteljahrhundert zuvor hatte er seine Abhandlung Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten verfaßt.

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