ARTHUR BAUR, DR. PHIL.

Schwyzertüütsch
«Grüezi mitenand»
Praktische Sprachlehre des Schweizerdeutschen
für Kurse und den Selbstunterricht
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Zu diesem Buch gehört eine Übungskassette von 95 Minuten Dauer
mit den gesprochenen Texten der Lesestücke
Zehnte, stark überarbeitete Auflage
GEMSBERG- VERLAG WINTERTHUR
Umschlagentwurf und Textillustrationen von Rolf Stickel
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Baur, Arthur:
Schwyzertüütsch «Grüezi mitenand»: Praktische Sprachlehre des
Schweizerdeutschen für Kurse und den Selbstunterricht / Arthur Baur.
- Winterthur: Gemsberg, 1992
ISBN 3-85701-002-9
Zehnte Auflage, 1992, 31.-35. Tausend
© Copyright 1969 by Gemsberg- Verlag Winterthur
Druck: Ziegler Druck- und Verlags-AG, 8401 Winterthur
Printed in Switzerland
ISBN 3-85701-002-9
INHALT
Vorwort .. . . .. .... ... ..... . .
Verdeutschung grammatischer Fachausdrücke
Die Laute und ihre Schreibung. . . . . . . . .
Deutsch-schweizerdeutsche Lautentsprechungen .
1. Lektion: Der Artikel
Lesestück: De herr Bachme mues uufschtaa
7
9
10
19
25
2. Lektion: Die häufigsten Hilfsverben
Lesestück: S gaat äine go fische. . .... .. . . . .. 29
3. Lektion: Die Pluralbildung beim Substantiv
Lesestück: Mer gönd in zirkus . .
4. Lektion: Die erste Konjugation
Lesestück: Mer gönd uus go ässe .
5. Lektion: Die zweite Konjugation
35
39
Lesestück: Wie de Salomoon Landolt gricht ghalte hät . . . 45
6. Lektion: Das Personalpronomen
Lesestück: E püüri schrybt irem soon uf Amerika.
7. Lektion: Das Adjektiv
Lesestück: D frau Büeler chaufft es chläid
8. Lektion: Das Possessivpronomen
Lesestück: Wer macht di schönscht schuelräis?
9. Lektion: Die Präpositionen
Lesestück: Wie äine zumene nöie prueff choo isch .
10. Lektion: Der Genetiv
Lesestück: Rätschen isch au es vergnüege .
11. Lektion: Besondere Plural bildungen
Lesestück: Am liebschte tüemer jasse .
12. Lektion: Die Demonstrativpronomen
Lesestück: En zürcher zäiget syne gescht d schtadt
13. Lektion: Die Indefinit- und Fragepronomen
Lesestück: Au imene gsangveräin hät s viler gattig lüüt
14. Lektion: Die dritte Konjugation (starke Verben)
Lesestück: En trämler hät d geduld verloore .
51
57
63
67
75
81
87
91
97
5
ANHANG
6
15. Lektion: Die restlichen Verbalformen
Lesestück: En räkter haltet e schtraaffpredig . . . . . . . . 105
16. Lektion: Unregelmässige Verben
Lesestück: Bimene toonjeger git s vii z ghööre . . . . . . . . 111
17. Lektion: Der Subjunktiv
Lesestück: Wie de tüüfel ineglymet woorden isch . . . . . . 117
18. Lektion: Der Konditional
Lesestück: Mer boued luftschlösser . . . . . . . . . . . . . . 123
19. Lektion: Die Steigerung der Adjektive
Lesestück: Zwoo schtedt, wo mit enand wettyfered ..... 127
20. Lektion: Die Zahlwörter
Lesestück: Wie grooss isch d Schwyz? ............ 133
21. Lektion: Die Adverbien des Ortes
Lesestück: Wien en polizischt äine gfasst hät ......... 139
22. Lektion: Relativkonstruktionen
Lesestück: E tante chunt uf psuech . . . . . . . . . . . . . . 145
23. Lektion: Infinitivkonstruktionen
Lesestück: S Bölschterlis gönd i d ferie ............ 149
24. Lektion: Wortstellung und Konjunktionen
Lesestück: Es groosi verzelt vo de chriegsjaare ........ 153
Die wesentlichsten Merkmale des Bemdeutschen
Schlüssel zu den Übungen . . . . . . . . . . . . .
159
167
VORWORT ZUR ZEHNTEN AUFLAGE
Ein Ausländer, der in die Schweiz reist im Glauben, hier ein deutsch-
sprachiges Land zu treffen, wird auch in der sogenannten deutschen
Schweiz bald enttäuscht sein. Zwar versteht er alle Aufschriften, kann
die Zeitung lesen, hat auch keine Probleme mit amtlichen Papieren,
doch fällt ihm auf, dass er nicht versteht, was die Leute untereinander
reden. Wenn sich sein Aufenthalt verlängert, wird er erkennen, dass er
immer ein Aussenseiter bleiben wird, solange er die allgemeine Um-
gangssprache, eben das Schweizerdeutsche, nicht beherrscht. Dann
keimt in ihm der Entschluss, diese Sprache zu erlernen. Ihm - oder ihr
- dabei zu helfen, ist der Zweck dieses Lehrbuches, und es hat ihn
schon über fünfzig Jahre lang erfüllt.
Die • vorliegende zehnte Auflage ist gewissermassen eine Jubiläums-
ausgabe. Noch nie hat ein Buch, das dem Schweizerdeutschen ge-
widmet war, so viele Auflagen erlebt. Das Jubiläum bildete den An-
lass, den gesamten Text gründlich zu überarbeiten und völlig neu zu
setzen. Sehr vieles wurde umgeschrieben oder neu verfasst. Die Über-
prüfung musste auch die Sprache selbst betreffen, denn auch sie ist
nicht stehengeblieben. Unter dem Gewicht der heute zu beobachtenden
Dialektmischung und des starken Einflusses, der vom Deutsch des
Drucks und des Fernsehens ausgeht, ist manches in Bewegung gekom-
men. Der Autor musste versuchen, mit den Schwierigkeiten, die der
Sprachwandel bringt, fertig zu werden. Der schwankende Sprach-
gebrauch führte dazu, dass er manchmal, ohne dass dies sein Ziel
gewesen wäre, seiner Grammatik einen normativen Charakter geben
musste.
Die Sprache dieses Buches hat Geltung in der Region Zürich, wobei
dies kein präziser geographischer Begriff ist. Das hier gebräuchliche
Idiom strahlt weit über die Grenzen des Kantons Zürich hinaus, bis es
im Westen auf den Einflussbereich der ebenfalls expandierenden
berndeutschen Koine stösst. Wer historisch interessiert ist, findet eine
treffliche Orientierung über die früher in Zürich gesprochene Mundart
in Albert Webers 1948 erschienenen Zürichdeutschen Grammatik, von
der ein photomechanischer Nachdruck vorliegt. Was heute Geltung
hat, hört man im Regionaljournal von DRS I, bei den Lokalradios, und
es sollte in diesem Buch zu finden sein.
Die vorliegende praktische Sprachlehre richtet sich an Studiosi, denen
die deutsche Schriftsprache vertraut ist. Diese Voraussetzung erlaubt
ein relativ rasches Vorgehen, denn vieles, das Angehörigen anderer
Sprachen erklärt werden müsste, durfte wegfallen. Allerdings birgt die
7
8
nahe Verwandtschaft der beiden Sprachen zahlreiche Fallstricke; denn
manches ist gleich, anderes nur ähnlich und vieles gerade Wesent-
liches hinwiederum ganz verschieden. Dessen muss sich der Lernende
ständig bewusst sein.
Scharfsinnige Didaktiker erfinden immer neue Methoden, die das
Sprachenlernen müheloser, ja lustiger machen sollen. Den wahren
Nürnberger Trichter glaubte man vor einigen Jahren im Sprachlabor
gefunden zu haben, aber die damalige Begeisterung hat heute merklich
nachgelassen. Die zuverlässigste Methode, um eine neue Sprache
beherrschen zu lernen, ist immer noch die Kenntnis ihrer Grammatik
und nie das blosse Nachplappern. Der Lernende muss seinen Verstand
gebrauchen, der Unterrichtende aber muss ihm das Werkzeug in die
Hand geben, damit er instand gesetzt wird, selbst jene Sätze zu bauen
- oder wie die Linguisten heute gerne sagen - zu generieren, die er
braucht, um sich in der fremden Sprache verständlich zu machen.
Dieses Werkzeug heisst nun einmal Grammatik, und diese lässt sich
nicht im Schlaf erlernen. Das Regelwerk des Schweizerdeutschen ist
auf den folgenden Seiten relativ breit dargelegt; denn der Ausländer
kann bei den Einheimischen wenig theoretische Hilfe erfragen. In den
Schulen wird nur die deutsche Schriftsprache unterrichtet, und von der
Grammatik der eigenen Sprache erfahren die Schüler nichts.
Fünf Hilfsmittel sind dem Benützer der vorliegenden Sprachlehre
besonders empfohlen: I. der Schlüssel am Ende dieses Buches, dessen
Verwendung auf Seite 167 erklärt wird; 2. die begleitende Kassette, auf
der die Lesestücke vorbildlich gesprochen sind; 3. das Zürichdeutsche
Wörterbuch von WeberlBächtold (Verlag Rohr Zürich); 4. für Fran-
zösischsprachige der Dictionnaire franrais-suisse allemand von Mimi
Steffen (Ars Linguis CP 118 Lausanne 22); 5. das Buch «Was ist
eigentlich Schweizerdeutsch» vom Verfasser dieser praktischen
Sprachlehre, das die Herkunft und heutige Rolle der fünften Natio-
nalsprache der Schweiz schildert (Gemsberg- Verlag Winterthur).
Der Unterzeichnete wünscht den Benützern dieses Buches gute
Fortschritte bei ihrem Studium. Der Erfolg ist ihnen sicher, wenn sie
an diese Arbeit mit dem gleichen Ernst und dem gleichen Eifer heran-
treten wie beim Erlernen jeder anderen Fremdsprache. Sie werden
dabei bemerken, dass das Schweizerdeutsche eher zu der Gruppe der
leichteren europäischen Sprachen gehört, und sie werden um so mehr
Spass daran haben, je tiefer sie in diese Sprach landschaft eindringen,
wo sie ihre Kenntnisse bald auch in der Praxis anbringen können.
Zürich, den 1. Juli 1992
M ~ ( 1 ~
VERDEUTSCHUNG GRAMMATISCHER FACHAUSDRÜCKE
In dieser Sprachlehre werden die lateinischen Termini verwendet; denn
sie sind genauer, eindeutig und international verständlich.
Substantiv
Adjektiv
Nomen
Verb
Adverb
Präposition
Konjunktion
Pronomen
Personalpronomen
Possessi vpronomen
Interrogativpronomen
Demonstrativpronomen
Relativpronomen
Indefinitpronomen
Artikel
Deklination
Nominativ
Genitiv
Dativ
Akkusativ
Singular
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Konjugation
Infinitiv
Partizip
Präsens
Perfekt
Plusquamperfekt
Futurum
Futurum exactum
Imperativ
Komparativ
Superlativ
transitiv
intransiti v
Hauptwort
Eigenschaftswort
die Vorigen zusammen,
plus Pronomina
Zeitwort
Umstandswort (heute, hier)
Vorwort (an, bei, von, wegen)
Bindewort (oder, dass, obschon)
Fürwort
persönliches Fürwort (ich, du)
besitzanzeigendes Fürwort (mein)
fragendes Fürwort (wer? was?)
hinweisendes Fürwort (dieser)
bezügliches Fürwort (welcher)
unbestimmtes Fürwort (etwas)
Geschlechtswort (der, die, das)
Biegung des Nomens
Werfall (der Mann)
Wesfall (des Mannes)
Wemfall (dem Manne
Wenfall (den Mann)
Sg. Einzahl
PI. Mehrzahl
m. männlich
f. weiblich
n. sächlich
Biegung des Verbs
Nennform (singen)
Mittelwort (lesend, gelesen)
Gegenwart (ich singe)
Vergangenheit (ich habe gesungen)
Vorvergangenheit (ich hatte gesungen)
Zukunft (ich werde singen)
Vorzukunft (ich werde gesungen haben)
Befehlsform (sing!)
erster Steigerungsgrad (schöner)
zweiter Steigerunsgrad (am schönsten)
zielend (setzen)
nichtzielend (sitzen)
9
DIE LAUTE UND IHRE SCHREIBUNG
Die langen aa
Vokale
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Der Lautstand des Schweizerdeutschen weicht von dem der deutschen
Hochsprache sehr erheblich ab. Folgende Laute kommen vor:
Lange geschlossene Vokale: ee y öö üü 00 uu
Lange offene Vokale: ee ää ii ÖÖ UU uu aa
Kurze Vokale: a e i 0 u ä e ö ü
Diphthonge: äi ei au ou öi ie ue üe
Verschlusslaute: p t gg b d g
Reibelaute: f (v) s sch ch
Liquiden und Nasale: r Im n ng
Affrikaten: pf z k (q)
Halbvokale: j w
Hauchlaut: h
Folgende Konsonanten kommen geminiert (verschärft, verlängert) vor:
pp tt ff ss 11 mm nn ngng chch schsch. Die drei letzteren können wir
nicht schreiben, da sie unmögliche Wortbilder ergäben und wir keine
neuen Buchstaben einführen wollen.
Unser aus dem Latein stammendes Alphabet ist ein unvollkommenes
Mittel, um die Laute einer Sprache gen au wiederzugeben. Dennoch ist
es gelungen, dem Schweizerdeutschen angepasste Schreibregeln zu
schaffen, welche soweit lautgetreu sind, dass wir auf eine eigentliche
phonetische Schrift verzichten können. Es ist die von einer Kommis-
sion der Neuen Helvetischen Gesellschaft unter Leitung von Professor
Dr. Eugen Dieth im Jahre 1938 ausgearbeitete und seither fast offiziell
gewordene Orthographie. Zu beachten ist, dass die Dudenregeln hier
keine Geltung haben. Einige Eigenheiten der deutschen Schreibung
sind aber übernommen worden, so die Verwendung von v tz ck qu ch
und sch. Einige Buchstaben werden zur Wiedergabe von anderen Lau-
ten verwendet als im Deutschen, so ä y k gg, und das ch lautet nach i
und e anders als im Deutschen. Im deutschen Alphabet nicht enthalten
sind e und ÖÖ.
Die Substantive werden laut Paragraph 23 der Diethschrift klein
geschrieben. An diese Regel halten sich auch Mimi Steffen in ihrem
französisch-schweizerdeutschen Wörterbuch und Viktor Schobinger in
seiner zürichdeutschen Kurzgrammatik und seinen Kriminalromanen.
Die Buchstaben und ihre Lautentsprechungen (Aussprache) sind die
folgenden:
ist ein sehr dunkler Laut, der seine genaueste Entsprechung im langen
schwedischen a hat. Das bayrisch-österreichische a kommt ihm nahe,
neigt aber schon zu stark zum o. Der Zungenrücken ist tief gesenkt, die
Lippen nicht gerundet: faare, gaa, raathuus, glaa.
ee entspricht genau dem langen deutschen e in Schnee, Seele und dem
französischen e in bze: schnee, gsee, eerscht, idee.
ee ist ein gewöhnliches offenes e. Es entspricht dem deutschen Käse oder
zählen in süddeutscher Aussprache oder dem französischen greve:
chees, geern, feele, meert. Wer kein Trema auf der Schreibmaschine
hat, schreibt statt e ein e mit accent grave; dies ist um so passender, als
das schweizerdeutsche e genau gleich wie das französische e klingt.
ää ist ein überoffenes e, wofür im Deutschen keine Entsprechung besteht.
Es nähert sich dem ganz hellen Pariser a und ähnelt am meisten dem
englischen a in black. Es ist ein sehr häufiger und charakteristischer
Laut, den man sich unbedingt gut aneignen muss. Die Zungenstellung
ist die gleiche wie bei a, aber die Lippen sind stark gespreizt. Man
kommt vom a zum ä, ohne den Kieferwinkel zu verändern, wenn man
die Mundwinkel zurückzieht: gääl, blääch, wääg.
y ist das geschlossene lange i, gleich wie im deutschen Liebe: Schwyz,
ys, pfyffe, Iyslig.
ii ist ein offener Laut, der gegen das e hinneigt: iich, miir, wiirt. In
manchen Texten findet man das offene i mit einem Gravisakzent
bezeichnet; Uch, mUr, wUrte Dort steht dann an Stelle des y ein
doppeltes ii, so z. B. im Zürichdeutschen Wörterbuch.
uu entspricht dem deutschen u in Natur, fuss, klug: muur, luus, natuur.
üü entspricht dem deutschen ü in Bügel, lügen: hüüser, lüüt, lüüge.
uu und üü haben sowohl eine offene wie eine geschlossene Qualität. Da aber
viele Sprecher in der heute so stark gemischten Bevölkerung diese
Unterscheidung nicht beachten, kann man einem Lernenden nicht
zumuten, sich damit abzuplagen. Dies gilt auch für y und ii. In
wissenschaftlichen Werken werden die offenen Vokale mit einem
Gravisakzent bezeichnet: u und U.
00 klingt genau wie deutsches langes 0 in Moor und gross: moorn,
grooss, root, hoof.
öö entspricht dem langen deutschen ö in schön, höflich: schöön, gröössi,
nöötig, wöörtli.
ÖÖ fehlt dem Deutschen, man erreicht es, indem man von ö ausgeht und
dann den Kiefer etwas senkt und die Lippen etwas weniger rundet. Es
entspricht genau dem französischen ö in creur und dem schwedischen
ö in öra: trÖÖt, sChpÖÖter, blÖÖterliwasser. Die Unterscheidung
zwischen öö und ÖÖ ist morphematisch wesentlich: bröötli (kleines
Brot), brÖÖtli (kleiner Braten).
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Die kurzen
Vokale
a hat die gleiche Qualität wie das lange aa: chraft, ascht, zable.
e ist ein geschlossenes e, das im Deutschen nur lang vorkommt. Man
versuche, heben mit kurzem Vokal zu sprechen, ohne die Mund-
stellung und damit die Klangfarbe des Lauts zu ändern: hebe, beck,
legge, essig. Man beachte, dass die deutsche Umgangssprache heute
nur noch zwei Arten von e hat, ein langes geschlossenes und ein
offenes kurzes e. In Norddeutschland klingen Käse und lesen gleich,
ebenso Blätter und Vetter. Die schweizerdeutschen Dialekte verhalten
sich nicht alle gleich. Das Zürichdeutsche, dessen Vokalqualitäten
diesem Buch zu Grunde liegen, unterscheidet sechs verschiedene e-
Laute: lang ee, ee, ää und kurz e e ä. Dazu kommt noch das e in
unbetonten Silben, das aber voller als das flüchtige unbetonte deutsche
e klingt, es steht einem kurzen e nahe: schrybe, vertrybe, schlosser,
gröösser. Man hüte sich, «schlossa» und «gröössa» zu sprechen (siehe
unter r).
u und ü kommen offen und geschlossen vor, das unter uu und üü Gesagte gilt
auch hier.
o das kurze 0 ist im Gegensatz zum Deutschen immer geschlossen. Man
spreche bode, vogel, foti mit der gleichen Mundstellung aus wie
deutsch Boot, aber ohne Längung
e entspricht dem deutschen kurzen e und ä: hert, derig, rertig.
ä ist qualitativ gleich wie das lange ää. Hier kommt es wieder sehr
darauf an, den Klang richtig zu treffen und ihn von e genau zu
unterscheiden. Man orientiere sich wieder am englischen black: gäU,
änglisch, mäntsch.
ö ist gleich wie 0 immer geschlossen. Das deutsche ö in Götter, Löcher
ist dagegen offen. Man übe es, indem man ein langes deutsches ö kurz
auszusprechen versucht, ohne die Mundöffnung zu ändern: götter,
vögel, böckli.
Die äi bezeichnet einen Diphthong, der durch äi phonetisch genau wiederge-
geben wird: äi, bäi, käiser, wäisechnaab. Diphthonge
12
ei
au
bezeichnet einen Diphthong, der aus einem geschlossenen e+i besteht.
Dieser Zwielaut fehlt im Deutschen. Man ersetze ihn ja nicht durch
deutsches ei, sondern bemühe sich, ihn richtig auszusprechen. Um ihn
zu erlernen, sage man, ohne abzusetzen: der Schnee-ist-weiss: schreie,
truckerei, umgheit; das Französische hat eine ähnliche Lautver-
bindung in le pays, une abeille.
wäre am ehesten durch ä+u wiederzugeben. Wir müssen aber au
schreiben, um eine Verwechslung mit dem Deutschen äu (Bäume,
gläubig) zu vermeiden: aug, glaube, baum.
ou bezeichnet einen Diphthong, der aus einem geschlossenen o+u besteht.
Er fehlt im Deutschen, doch strenge man sich an, ihn gut zu erlernen.
Man übe ihn, indem man ohne abzusetzen sagt so-und-so: gschroue,
sou, boue.
öi bezeichnet einen Diphthong, der aus ö+i zusammengesetzt ist: höi,
böim, europeeisch. Der deutsche Zwielaut in Heu, Bäume, europäisch
entspricht dem öi nicht genau, denn in letzterem ist das i deutlich zu
hören.
ie ue üe Diese fallenden Diphthonge fehlen dem Deutschen. Der Ton liegt auf
dem ersten Bestandteil, der zweite klingt wie ein abgeschwächtes ä:
lieb, nie, Iiecht, huet, fuess, chue, süess, chüe, trüeb, füecht. Man
beachte wohl, dass ie nie einen langen Vokal bezeichnet, sondern
immer als Zwielaut auszusprechen ist.
Die Konsonanten Die meisten europäischen Sprachen unterscheiden zwischen stimm-
haften und stimmlosen Konsonanten (sonores et sourdes, voiced and
voiceless). Die deutsche Bühnenaussprache unterscheidet zwischen
stimmhaften b d g s und stimmlosen p t k ss. Der schweizerdeutsche
Konsonantismus unterscheidet sich grundlegend hievon, da die an-
geführte Konsonantenreihe b d g s ohne Mitwirkung der Stimmbänder
gesprochen wird. Der Unterschied liegt nur in der Intensität der
Artikulation. Die wissenschaftliche Bezeichnung für einen schlaff
artikulierten Konsonanten ist Lenis und für einen straff artikulierten
Fortis. Lenes sind b d g f s sch ch r I m n ng, Fortes sind p t gg ff ss
schsch chch 11 mm nn nng. Es sei hier ausdrücklich gesagt, dass
Fortis und Lenis nichts mit der Länge des vorangehenden Vokals zu
tun hat. Eine Fortis kann auch nach langem Vokal stehen, zum
Beispiel pfyffe, suuffe, gröössi. Man lasse sich nicht dadurch
verwirren, dass in der Duden-Orthographie die Verdoppelung eines
Konsonanten dazu dient, die Kürze des vorangegangenen Vokals zu
bezeichnen. Die Differenz zwischen d und t zum Beispiel in nööd und
nüüt ist gering, aber hörbar und messbar.
pt gg
werden alle gleich wie im Französischen und Italienischen ohne
folgenden Hauch gesprochen. gg entspricht dem französischen k-Laut
in coq, qui, acquerir usw. Man achte sehr darauf, die folgenden Wör-
ter ohne Aspiration, das heisst ohne h nach dem Konsonanten auszu-
sprechen: pumpi, perong, pelz, tanze, totaal, mueter, egge, haagge,
lagg, gaggelaari, ggange. In Wörtern fremden Ursprungs kommen p
und t mit h-Nachschlag vor. In solchen Fällen schreiben wir das h:
phakt, theek, thakt, phersoon, phunkt, phauke. (Die Verbindung ph
kommt auch vor, wenn die Vorsilbe be- (schweizerdeutsch oft zu p
verkürzt) vor ein h tritt: phaUe, phaupte, phüete. Diese ph haben
13
bdg
fs
v
sch
ch
r
14
nichts mit dem Griechischen zu tun: Für Philosoph, Phänomen,
phonetisch schreiben wir filosoof, fenomeen, foneetisch.
werden, daran muss man immer denken, stimmlos gesprochen, das
heisst, die Stimmbänder dürfen nicht mitschwingen, was man leicht
kontrollieren kann, indem man einen Finger auf den sogenannten
Adamsapfel legt: beerg, brugg, botaanik, diene, bade, adiö, geern,
ganz. Im Anlaut vor Konsonant wird g fast als Fortis gesprochen:
gheie, gmögig, gläit, so dass man es auch als gg geschrieben sieht.
Die Aussprache dieser Laute bietet keine Schwierigkeiten, doch
beachte man, dass s nie stimmhaft wie in deutsch Rose klingt.
Doppelschreibung von fund s bedeutet Fortisierung und hat nichts mit
Länge oder Kürze des vorangehenden Vokals zu tun. Die Vokale in
den folgenden Wortpaaren sind jeweils gleich lang, respektive kurz:
ofe: offe (Ofen :offen), goofe: gryffe (Gören: greifen), hafe: schaffe
(Hafen:arbeiten), loos:grooss (los:gross), hase:hasse (Hasen:has-
sen), use: dusse (hinaus: draussen). Fortis und Lenis können bedeu-
tungsunterscheidende Phoneme sein, z. B. ofe: offe, hase: hasse.
Das v, bei dem wir der Duden-Orthographie folgen, ist immer ein
Lenis-f. In eingebürgerten Fremdwörtern, in denen ein v als w ge-
sprochen wird, schreiben wir auch ein w: welo, waluta, wolonteer.
Da im Deutschen ein s vor t und p im Anlaut auch als sch gesprochen
wird, gestatten die Regeln der Dieth-Schrift, auch im Schweizer-
deutschen an diesen Stellen nur ein s zu schreiben, also stäi, spitz,
abspeere, uufstaa. In diesem Buch drucken wir um der Eindeutigkeit
und der Konsequenz willen in allen Fällen, wo sch gesprochen wird,
auch ein sch: schtäi, schpitz, abschpeere, uufschtaa.
Das sch wird gleich wie das deutsche sch artikuliert, es kommt aber
auch als Fortis und Lenis vor, was leider in der Schrift unmögliche
Wortbilder ergäbe. Beispiele für Fortis: wöschsch, wäschsche,
löschsche, marschsch; für Lenis: lamaaschig (träge), scharschee
(charge, eingeschrieben), blamaasch (Schande), man beachte den
Bedeutungsunterschied ruuschsch = Rausch, ruusch = Wangenrot.
ist der deutsche ach-Laut, das heisst das deutsche ch, wie es nach a 0 u
gesprochen wird, doch ist das Reibegeräusch noch stärker. Man lerne
also sorgfältig, aucp nach i e ö ü ein hartes ch zu sprechen,
desgleichen im Anlaut. ich und löcher klingen somit ganz verschieden
vom Deutschen. Zur Übung diene folgender Satz: De choch tuet s
chacheli in chuchichaschte. ch wird nach kurzem Vokal fortisiert:
gschtrichche, lochch, lachche. Diese Fortisierung ist regelmässig, um
so eher können wir darauf verzichten, das ch doppelt zu schreiben.
Das r wird normalerweise mit der Zungen spitze artikuliert, es wird
aber nie so stark gerollt wie im Italienischen oder Spanischen. Das
Imnng
pfz k
q
jwh
Zäpfchen-r ist auch verbreitet, es gleicht aber nicht dem französischen
r und darf nie wie ein Kratzlaut klingen.
Eine neue Erscheinung in der heutigen Sprache ist das Verstummen
des r in der Vorsilbe ver-. So hört man heute statt vergässe,
verschtaa, verschide oft vegässe, veschide, veschtaa. Dieses Phä-
nomen ist noch nicht allgemein und daher in dieser Grammatik nicht
berücksichtigt.
Völlig fremd ist dem Schweizerdeutschen die Vokalisierung des
auslautenden -r, die in der deutschen Umgangssprache üblich ist. Man
spreche also deutlich schnyder, gröösser, zürcher, Mäier und nicht
«schnyda», «gröössa», «züacha», «Mäia».
sind identisch mit den deutschen Lauten. Nach kurzem Vokal im
Auslaut werden I m n ng fortisiert, während sie zwischen Vokalen im
Zürichdeutschen immer als Lenis ausgesprochen werden. Im
Schriftbild wirkt dies leicht verwirrend, denn im gleichen Wort wird je
nach der Stellung ein einfacher oder ein doppelter Konsonant
gesprochen: Man beachte: holl: hole, tumm: tumi, schwümm: schwü-
Me, all: ali, allwääg: aliwyl, voll: vole, tünn: tüni. Bei ng unterbleibt
in der Schrift die Fortisbezeichnung gleich wie bei ch und sch in
Ermangelung eines Buchstabens. Folgt ein weiterer Konsonant, so
unterbleibt die Fortisierung, also känt, ränt, schwümt, holt.
sind Affrikaten, die zerlegt werden können in p+f, t+s, gg+ch. Über pf
und z ist nichts weiter zu sagen, da sie gleich klingen wie im
Deutschen. k dagegen bezeichnet eine Affrikate, die im Deutschen
fehlt. Man bringt sie hervor, indem man ein k mit unmittelbar
anschliessendem ch spricht. Jedes k ist so auszusprechen. Es ist
äusserst wichtig, sich diesen Laut gut anzueignen; er kommt häufig
vor und ist ein charakteristisches Merkmal des Schweizerdeutschen.
Wenn im Partizip der Vergangenheit ein g- vor ein mit ch-
beginnendes Wort tritt, entsteht der gleiche Laut. Wir schreiben um
der Deutlichkeit des Zusammenhangs willen gchochet, gchrieget,
gcheglet, gchide; diese Wörter würden gleich klingen, wenn wir sie
kochet, krieget, keglet, kide schrieben. (Es sei daran erinnert, dass
wir tz und ck der Duden-Orthographie entsprechend verwenden, um
[wie beim v] die deutschen Wortbilder nicht zu sehr zu verändern:
schatz, hetze, bock.)
Das q ist kein eigener Laut, sondern ist gleich einem k. Die Wörter
queele, quatsch, queer müssten rein phonetisch als kchweele,
kchwatsch, kchweer geschrieben werden.
entsprechen ungefähr den deutschen Lauten. Doch beachte man, dass
das j einem i ziemlich nahe steht und ja nicht als Reibelaut aus-
gesprochen werden darf. Das w entspricht dem deutschen wund
französischen v, doch nicht dem englischen w.
15
BETONUNG
SANDHI
ASSIMILA nON
16
Die Tonstelle ist in schweizerdeutschen Wörtern im allgemeinen die
gleiche wie in den entsprechenden deutschen. Hingegen werden viele
Fremdwörter im Gegensatz zum Deutschen auf der ersten Silbe betont.
Da es dafür keine Regel gibt, setzen wir in solchen Fällen einen
Akzent auf den betonten Vokal, zum Beispiel telifoon, ggusiine,
terasse, balkoon, kafi, defilee, giraffe, baromeeter.
Das Schweizerdeutsche wird flies send, mit oft recht stark wechselnden
Tonlagen ausgesprochen. Auf keinen Fall darf der Redefluss zerhackt
oder zackig werden; der Fachausdruck für das Richtige ist «legato».
Typisch dafür sind die Assimilation der Konsonanten und das Sandhi.
Sandhi nennt man die Überbrückung des Hiatus durch ein Gleit-n.
Hiatus ist der Zusammenstoss zweier Vokale, zum Beispiel: ich lise-n-
und schrybe-n-al taag epaar schtunde. Dieses Sandhi-n- tritt immer
auf nach Verbal- und Nominalformen auf -e, zum Beispiel Ich isse-n-
am achti znacht. Er hät si fascht d zunge-n-abpisse. Bi de-n-alte-n-
und de junge. I ha-n-em s gsäit. Nach wie und wo tritt es auch auf:
wie-n-e chatz, wo-n-i en gsee ha. Ebenso nach den Präpositionen, die
auf Vokal ausgehen (siehe Lektion 9). Dieses Sandhi-n- ist ein wich-
tiges Charakteristikum des Schweizerdeutschen und darf bei sorg-
fältigem Sprechen und Schreiben nicht vernachlässigt werden. Es ist
eine Auswirkung des weichen Vokaleinsatzes, der das Schweizerische
vom Norddeutschen und der Bühnenaussprache unterscheidet: Es darf
bei vokalisch anlautenden Wörtern kein Knackgeräusch im Kehlkopf
hörbar sein. Das Sandhi-n- wird zum nächsten Wort hinübergezogen
wie die Liaison des s im Französischen: z.B. les enfants, les yeux. Die
Stimme darf keinen Moment aussetzen. Nach den Regeln der Dieth-
Schrift wird das Sandhi-n- direkt an das vorhergehende Wort ange-
schlossen: ich lisen uus, ich issen am liebschten öpfel, wien en
oomacht (nicht: «wie-n-e-n-oomacht»).
Wenn zwei Konsonanten, die an verschiedenen Stellen artikuliert
werden, zusammenstossen, gleichen sie sich einander an: sie assimi-
lieren sich. Der Zusammenstoss kann sowohl im Innern eines Wortes
auftreten (blitz-schnäll) oder zwischen zwei Wörtern (säit-me). Im
letzteren Fall unterbleibt die Assimilation beim langsamen Sprechen
gelegentlich, im ersteren Fall tritt sie immer ein. Die Regeln für die
Assimilation sind folgende:
1. Die Dentale (Zahnlaute) werden vor Labialen (Lippenlaute) zu
Labialen.
d vor m wird b. t vor m wird p:
en bab-mantel ein Bademantel es häp-mi es hat mich
en grab-mässer ein Gradmesser ampmaa ein Amtmann
d t vor b p f wird p:
nöp-für nicht für
si gömp-baarfis sie gehn barfuss
Lampot Landbote
em baarp-fange einen Bart fangen
si tuep-butze sie tut putzen
er rämp-vergäbe er rennt
vergebens
n vor mb p fwird m. nd vor m wird m:
em beerg ein Berg
em pantoffel ein Pantoffel
wäm-mer wenn wir
(man schreibt: wämer, simer)
ummügli unmöglich
umfall Unfall
sim-mer sind wir
2. Die Dentale werden vor gutturalen Kehllauten zu Gutturalen.
d t vor g k gg ch zu gg:
hüggömer heut gehn wir
raaggchranz Radkranz
en baggascht ein Badegast
rooggariert rotkariert
n nd nt vor g k gg ch zu ng:
Si hägg-chalt sie hat kalt
es häg-glüütet es hat geläutet
es hägg-chä mee es hat keine mehr
beg-gschtell Bettgestell
langkantöön Landkantone er chung-graad er kommt gerade
si häng-gässe sie haben gegessen er käng-Kuur er kennt Chur
käng-güggel kein Gockel Sang-gale Sankt Gallen
3. Wenn zwei Dentale zusammenstossen, gleicht sich der erste an den
zweiten an.
s vor sch zu sch. z vor sch zu tsch:
isch waar? ist es wahr?
kantonschuel Kantonsschule
brämschpuur Bremsspur
tschpringe zu springen
glantschtuck Glanzstück
häschschi gsee? hast sie gesehen?
4. Labiale und Gutturale assimilieren sich nicht an folgende Konso-
nanten: abgmacht, im chäler, hackmaschine, laggfarb. Mit
Ausnahme der verkürzten Vorsilbe ge- im Perfektpartizip. Beispiele
auf Seite 41.
5. Wenn zwei gleiche Lenis-Konsonanten zusammenstossen, verstär-
ken sie einander zum entsprechenden Fortis-Konsonanten: ab-boue:
appoue.
In der Schrift ist es nicht möglich, auf diese Assimilationen einzu-
gehen, da sie das Wortbild verundeutlichen und die Wortgrenzen ver-
wischen würden.
17
FREMDWÖRTER Schriftdeutsch, Französisch und Englisch sind die Hauptquellen, aus
denen sich der schweizerdeutsche Wortschatz ergänzt. Die deutschen
Wörter werden gewöhnlich lautlich angepasst: bedüütigswandel,
rychstaag, füürläitgreet, schpanigsabfall, uufchleerig, wirtschafts-
wüsseschaft, begläiterschynig, tüürigsuusglych, bluetkörperli.
Manchmal bleibt die Anpassung auf halbem Wege stehen: hochschuel
(nicht höchschuel), wasserwerfer (nicht wasserrüerer), rännpferd
(nicht rännross), durchgang (nicht durgang), mundpflääg (nicht
muulpflääg), marktgängig (nicht mertgängig) abschleppe (nicht ab-
schläike), überbrückig (nicht überbruggig), handschuefach (nicht
händschefach), tascherächner (nicht täscherächner), schpäicher vo-
me ne computer (nicht schpycher).
18
Fremdwörter wurden früher meist assimiliert, z. B. kumidiere für
kommandieren, puntenööri für point d'honneur, boweerli für pois
verts (Erbsen). Heute herrscht die Tendenz vor, Fremdwörter mög-
lichst getreu ihrer Herkunft auszusprechen. So werden französische
Nasale unverändert übernommen. Besonders auffällig ist diese Ten-
denz bei den zahlreichen angloamerikanischen Fremdwörtern, die zum
grössten Teil jungen Datums sind und einen gewissen Snobappeal
besitzen.
DEUTSCH-SCHWEIZERDEUTSCHE LAUTENTSPRECHUNGEN
Uinge: Kürze
Deutsch lang:
Schweizer-
deutsch kurz
Die Kenntnis der wichtigsten lautlichen Entsprechungen zwischen
Deutsch und Schweizerdeutsch erleichtert das Verständnis des Schwei-
zerdeutschen. Die wichtigsten Fälle mit einigen typischen Beispielen sind
auf den folgenden Seiten zusammengestellt.
Ein grundlegender Unterschied zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch
ist die Quantität der Vokale. Im Neuhochdeutschen sind normalerweise
alle kurzen Vokale in offener Silbe gedehnt worden, im Schweizer-
deutschen sind sie kurz geblieben. Umgekehrt sind im Schweizer-
deutschen in geschlossenen Silben vor Lenis-Konsonanten mannigfache
Dehnungen eingetreten, die man jedoch nur schwer in einer Regel
zusammenfassen kann; nur vor dem r ist mit einiger Regelmässigkeit
Dehnung eingetreten.
Zügel zügel segeln sägle
Bühne büni Leder läder
Kübel chübel gegen gäge
über über Schädel schädel
französisch französisch nämlich nämli
katholisch katolisch Hafer haber
gröber gröber aber aber
Vogel vogel hageln hagle
Boden bode Wagen wage
Kohle chole laden lade
Sohle sole Wahrheit waret
holen hole Vater vatter
Leber läbere Nudeln nudle
ledig ledig Stube schtube
Esel esel geblieben plibe
bewegen bewege ziemlich zimli
legen legge schwierig schwirig
wenig wenig wieder wider
reden rede nieder nider
Frevel frävel Tadel tadel
Feder fädere
Man lasse sich durch die gleiche Schreibung ja nicht verleiten, obige
Wörter mit langem Vokal zu sprechen. Nur doppelt geschriebene Vokale
sowie y sind lang.
19
Im Deutschen Herz heerz Arm aarm
Deutsch i: wissen wüsse Geschwister gschwüschterti
kurzer Vokal Laterne lateerne warten waarte
Schweizer- Brille brüle wischen wüsche
vor -r gedehnt Narr naar erst eerscht
deutsch ü rinnen rüne kitzeln chützle
gern geern fürchten füürche
erwischen verwütsche tief tüüff
werden weerde Berg beerg
zwischen zwüschet Knie chnüü
Dorf doorff erben eerbe
wirklich würkli Gewinn gwünn
Wort woort Arbeit aarbet
Kissen chüssi fliegen nüüge
irre gehen veriire dörren teere
spritzen schprütze
dafür defüür dürfen tÖÖrffe
nicht mehr nüme (Viele Beispiele in Lektion 14)
liinge von Einige Pronomina und Adverbien haben kurzen oder langen Vokal, je
Deutsch 0: Sommer sumer locker lugg
Betontheit nachdem, ob sie betont oder unbetont sind.
Schweizer- Wolle wule Donnerstag dunschtig
abhängig dieser dedee nicht nöd nööd deutsch u Wolke wulche besonders bsunders
dieses das daas wo wowoo Sonne sune sonst suscht
wer werweer so so soo Trommel trumle geschwollen gschwule
was was waas so eso esoo Woche wuche gegolten ggulte
mein minmyn hier, da da daa (Ort) fort furt gewonnen ggune
nur blos bloos da do doo (Zeit)
er er eer ich ich iich

Deutsch e ä: Man lasse sich durch die unkonsequente Duden-Orthographie nicht
Schweizer- verwirren. Im Deutschen wird jeder kurze e-Laut offen ausgesprochen:
Deutsch ei au Die langen Monophthonge des Mittelhochdeutschen sind in der Schweiz
deutsch e e ä Eltern und älter klingen gleich. Andererseits werden Gewehr und ge-
eu äu: Schweizer- bewahrt worden, während sie in der neuhochdeutschen Schriftsprache
währen in der Bühnenaussprache unterschieden, in der Umgangs-
deutsch y uu üü diphthongiert worden sind. Sie bilden nebst den erhaltenen mittelhoch-
sprache meist nicht. Wo ein schweizerdeutscher e-Laut vor n oder m
deutschen Zwielauten ie ue üe und dem eh die auffälligsten Kennzeichen
steht, ist er meist ein ä, vor r aber ein e. Ein besonderer Fall ist der
des Schweizerdeutschen.
kurze e-Laut, der häufig als geschlossenes e vorkommt, eine Vokal-
Scheibe schybe Haufen huuffe
qualität, die dem Deutschen fehlt. (Siehe besonders Lektion 11.)
Seite syte faul fuul
Mensch mäntsch Wärme weermi
sein sy laut luut
Hemd hämp fest fescht
Wein wy Mäuse müüs
Moment momänt zählen zele
Rhein Ry Häuser hüüser
Fest fascht schätzen schetze
leise Iyslig Leute lüüt
Becher bächer Schläger schleger
Leib Iyb Kreuz chrüüz
gelten gälte gläsern glesig
Bauer puur Zeug züüg
schlecht schlächt gestern geschter
Maus muus teuer tüür
Nächte nächt Regel regle
fertig fertig gefällig gfelig
Herbst herbseht Blätter bletter
Deutsch lang Brief brief Krug chrueg
i u ü: Schweizer- vier vier Kuchen chueche
Auslautendes -n Wein wy von vo
deutsch ie ue üe Krieg chrieg Füsse füess
ist abgefallen Bein bäi machen mache
Ziegel ziegel Kühe chüe
klein chly Buben buebe
spazieren schpaziere blühen blüe
gehen gaa Zungen zunge
Schuh schue Güte güeti
tun tue gesungen gsunge
Ruhe rue kühl chüel
an a offen offe
Blut bluet hüten hüete
in Ausnahmen: myn, kän, äin, en
20
21
ch statt rauh ruuch nahe nÖÖch
I
hier noch eine Liste von Wörtern, wo deutsch und schweizerdeutsch
stummem h zäh zeech Höhe hööchi
übereinstimmen. Die Liste ist ziemlich vollständig:
scheu schüüch es geschehe es gschäch
täil lauffe
äi häize
k entspricht ch Die normale Entsprechung eines deutschen k ist ch. In wenigen deut-
I
äiche käin veräin plaudere
sehen und den meisten Fremdwörtern entspricht ihm ein k, das gleiche
äid läib (Brot) wäich raub
gilt für ck (pro memoria: k = k+ch). In einigen wenigen deutschen
äige läid wäid rauch
und vielen fremden Wörtern entspricht den k, c und qu ein gg.
äifach läitere wäisechind saum
äiter läischtig wäize schlau
Kalb chalb Acker acher
bäi mäine zäiche schnauz
Katze chatz trocken troche
bläich mäis zäichne schtaub
Kessel chessel stark schtarch
bräit mäise zäige taub
Kaninchen chüngel Werk werch
chräis mäissel au tauffe
kauen chöie Volk volch
fäiI mäischter aug traum
wecken wecke melken mälche
fläisch pschäid baum zaubere
Wecken wegge Stock schtock
gäischt räie blau taue
backen bache Kaiser käiser
ghäisse räinige chauffe fröie
Genick gnick Kasse kasse
gläis räise frau nöi
Fleck fläcke kennen käne
gmäind säil glaube röie
Backe bagge Kampf kampf
häiIig schäitle gnau höi
Glocke glogge Artikel artikel
häikel schpäiche grau und die
Schnecke schnägg Doktor tokter
häimet schtäi gschaue Umlaute der
Brücke brugg Apotheke apiteegg
häimli schträich haue Wörter mit au:
Ecke egge Liegewagen gguschett
häiser schwäiss haupt öigli
Rücken rugge Liegebett ggautsch
häiss schwäisse laub glöibig
rücken rucke Schokolade schoggelade
häiter täigg lauch pIöiderle usw.
Lack lagg Bukett buggee
Buckel puggel Verwahrloster ggloschaar

In einigen, nicht zahlreichen Fällen entsprechen einem deutschen ei au
eu auf schweizerdeutsch ein ei ou öi (Aussprache siehe Seiten 12/13):
Verhärtung Bauer dick puur tick
von bund d Bier pier dünn tünn
frei weier sou (Schwein) höi
vor allem im bitter pitter danken tanke
schreie veieU (Veilchen) vertroue
chöie (kauen)
Anlaut: Büschel puschle handlich hantU
schleier blei nöi
Besuch psuech freundlich früntli
weirauch schrynerei röie
berichten prichte empfindlich empfintii
yweie boue tröi
besetzen psetze Jugend juget
besinnen psine Tugend tuget
bestellen pschtele endlich äntli
Identische Die Kenntnis dieser Entsprechungen kann einem nützlich sein, beson-
Diphthonge ders wenn man einem Wort zum erstenmal begegnet. Sie ermöglicht
einem aber nicht, schweizerdeutsche Wörter selbst zu basteln. Erfah-
rungsgemäss verleiten die Konkordanzen von y uu üü mit deutsch ei
au eu äu den Lernenden zu den meisten Fehlgriffen. Es folgt daher
22

23
LEKTION
1
De herr Baachme mues uufschtaa
Es isch morge. De herr Baachme schtaat a s fäischter und lueget,
was s wätter machi. Es fröit en, dass d sune au sc ho füre chunt und
en schööne taag verschpricht. Äigetli weer er geern na im bett
plibe und hett na echli wyter gschlaaffe, aber syni frau hät en nöd
la übermarche. Won er na zum fäischter uselueget, isch si scho am
aalegge. D blueme gönd uuf und de vogel uf em baum säit em
psunders tüütli, das d nacht verby isch. So gäinet er halt na emaal
heerzhaft, aber er wäiss, das er jetz mues fürsi mache. Es isch zyt
für d morgetoalette: tusche, rasiere, aalegge, schtreele. Vor er
fertig isch, schmöckt s im huus scho vo frischem kafi. D frau isch i
de chuchi und macht zmorge. Das isch der aagneemer täil vo de
morgezeremonie. Vii zyt hät er hütt aber nööd, er mues gly a d
aarbet. Er tänkt a de sundig. Da isch es amigs gmüetli. D familie
läit de zmorge und de zmittag zäme, dem säit me ja bröntsche.
Dezue git s dänn nöd nu anke, broot und gomfi. S git frischbach-
gipfeli und dänn na chees und mängsmaal äier oder au echli
schinke oder wuurscht. Da cha me sich verwyle und de rescht vom
taag plaane. Hütt aber mues er s zmörgele vergässe. Nach em
letschte schluck kafi läit de herr Bachme de mantel aa, säit adie
und gaat uf s tram. Uf em wääg tänkt er, das es schaad sig um de
schöön taag. Das isch ja es wätter zum schpaziere und nöd zum im
büro sitze.
.. .. , ..
~ .... \ ". t ... -: .. ! ...... .
4 .. ~ .. -.. _ ...... "'- ,,_ ... ..
25
VOKABELN
Der bestimmte
Artikel
26
s fäischter Fenster der anke, Butter
de sundig Sonntag de putter
d gomfi Konfitüre d fädere Feder
de zmorge Frühstück aler gattig allerlei
de zmittag Mittagessen stram Strassenbahn
de zaabig Abendessen aalegge anziehen
luege schauen tänke denken
gäine gähnen frÖÖge fragen
laa lassen si säit sie sagt
si gönd sie gehen er chunt er kommt
schtreele kämmen schmöcke riechen und
tusche duschen
schmecken
tuusche tauschen en schtreel Kamm
übermarche Termin gmüetli gemütlich
überschrei ten psunders besonders
me, mer man bröntsche breakfast und
niemer niemand
lunch verbinden
tüütli deutlich gly bald
fürsi vorwärts na noch
echli ein wenig go siehe Lektion 2
füre hervor käfele gemütlich Kaffee
frisch bach- vorgebackene
trinken
gipfeli Hörnchen zmörgele gemütlich
d sune Sonne frühstücken
d chuchi Küche
Der Artikel
Wie im Deutschen gibt es auch im Schweizerdeutschen drei Geschlech-
ter: maskulin, feminin, neutrum. Im Plural unterscheiden sie sich
nicht. Nominativ und Akkusativ sind identisch, weshalb wir sie als
Grundfall zusammenfassen. Beim Artikel werden Grundfall und Dativ
unterschieden; eine Deklination des Substantivs gibt es nicht.
Singular maskulinum femininum neutrum
Grundfall de(r) d
I
s
Dativ em de(r) em
Plural
Grundfall d
Dativ de(n)
Die Buchstaben in Klammern geben die Formen des Artikels an, die in
Sandhi-Stellung, d. h. vor Vokal Geltung haben: De maa, aber de-r-alt
maa, ich gibe s de frau, ich gibe s de-r-alte frau. Ich rede mit de
fraue, ich rede mit de-n-alte fraue.
Nach den Gesetzen der Assimilation von Zahnlauten (siehe
Seite 16/17) gleicht sich der Artikel d dem Anfangskonsonanten des
folgenden Wortes an. Dies ergibt folgende Verschmelzungen:
die Gabel d gable wird zu ggable
die Kirche d chile wird zu gchile
die Dame d daame wird zu taame
die Bücher d büecher wird zu püecher
die Mutter d mueter wird zu pmueter
die Frau d frau wird zu pfrau
die Perle d perle wird zu perle
die Tante d tante wird zu tante
die Zange d zange wird zu zange
die Klasse d klass wird zu klass
Es ergibt sich daraus, dass vor p t z k der Artikel d ganz verschwindet.
Das bedeutet aber auch, dass die Rede keinen Moment abgesetzt
werden darf. Bei der Verschmelzung pm geht die Explosion des
Luftstroms durch die Nase, die ja den Resonanzraum für den
folgenden Nasallaut bildet. Beim Schreiben werden auf diese
Angleichungen keine Rücksicht genommen. Man schreibt also d füür-
weer, d tinte, d zaale.
Vor Namen steht immer der bestimmte Artikel: de Häiri, d Marta, de
herr Honold, d frau Sulzer, de Caesar, de Louis quatorze.
Weibliche Vornamen auf -i haben den neutralen Artikel s vor sich:
s Marti, s Häidi, s Mäieli.
Der unbestimmte Nur Singular
Artikel Grundfall
Dativ
maskulinum
en
emene(n)
femininum
e(n)
enere(n)
neutrum
Der Femininartikel e verlangt auch ein Binde-n vor Vokal: e-n-alti
frau, e-n-individueli behandlig, e-n-ursach. Die Bindestriche werden
normalerweise nicht geschrieben; der feminine Artikel sieht dann
gleich aus wie der maskuline.
Neben den volleren Formen des Dativartikels emene und enere
kommen auch kürzere eme und ene vor, besonders in Verbindung mit
präpositionen.
Präposition und Die Präpositionen ai vo bi zu verschmelzen mit dem bestimmten Arti-
Artikel kel em zu am, im, vom, bim, zum.
Nur mit dem femininen Artikel de(r) verschmilzt zu zu zur.
27
Mit dem unbestimmten Artikel kommt es zu den folgenden Ver-
schmelzungen: amene, imene, bimene, vomene, zumene und beim
Femininum: anere, inere, vonere, binere, zunere.
Zu beachten ist, dass im Maskulinum n und m den Platz tauschen, also
imene und nicht «ineme». (Näheres in Lektion 9.)
ÜBUNG 1 e brugg de schwaager am sundig
es ross d schwÖÖgeri amene sundig
en hängseht es weggli anere fyr
d waret es püürli bineren üebig
es fadeli d oornig im chäler
en pfnüsel en unoornig imene chäler
der aarm en schprutz i de schtube
en amsle de huuffe inere schtube
d yfuer en underbruch ader ooschtere
en yfuer en underfüerig im theaater
der öpfel d wösch i der oopere
e bire e wösch
es näscht e zäine Verschmelzungen
en absicht e chele poone
en schträich der uuswys pfadere
e schüssle en üebig truube
d schuufle der Urischtier kantöön
de fade de beerner tünkli
es schtöibli der obwaldner paschtile
en schtaubsuuger en yhäimische pmuus
d eer en yhäimischi pruut
en eer der ascht ggable
de muulesel en uusschtüür pfuuscht
der esel mit eme ross ggäiss
es müesli mit emen auto gchue
es müüsli von ere fründin kanone
en mocke vomene fründ turnhaie
es möckli in es huus pmuur
en uufschteler imene huus pi re
der uufschteler bimene fascht gchriesi
damelette zumene fascht gehoie
en amelette zuneren yweiig poscht
e rööschti zunere weee gchugle
d schwöschter uf de syte pruet
e schwöschter ufder alp gchuchi
Die Übersetzungen sind im Schlüssel zu finden.
28
LEKTION
2
S gaat äine go fische
Andi: Salü!
Beni: Salü! woane gaasch?
A. Ich gaanen as Utoggee und deet triff i na epaar koleege.
B. Sind au bekanti vo mUr drunder?
A. Jaa, de Karl isch deby und de Sepp chunt tänk au.
B. Woane gönd er dänn mitenand eso früe am morge?
A. Mer gönd gäge s Zürihorn zue.
B. Was tüend er dänn deet?
A. Mer gönd doch go fische; das gseesch doch scho a myner
aalegi.
B. Aber wo häsch d fischerruete?
A. De Karl hät si häignoo. S isch öppis kabut draa, und eer tuets
flicke.
B. Tuesch duu dyni sache nie sälber reperiere?
A. Moll, suscht scho, aber ich ha nöd dezyt ghaa. Mer händ i
letschter zyt im gschäft vii z tue ghaa und es isch amigs schpaat
woorde, bis i häi cho bio
29
VOKABELN
30
B. Also, tüend er würkli fische?
A. Jaa, daas tüemer. Warum au nööd?
B. Und da schtönd er di ganz zyt und waarted uf d fisch? Das isch
doch zum versehtrupfe.
A. Das chasch nu duu säge. lieh schtaane geern am wasser und
luege über de see. Miir gfalt s deet und fische tuen i geern.
B. lieh gaane halt lieber furt nöimenane, weder das i de ganz taag
am glychen oort schtaane. Da wiirt äine ja tüüffsinig.
A. Es tuet halt enjede daas, won er am liebschte hät. Duu tuesch
geern lauffe, und iich tuene geern angle. Überhaupt wiirsch du
au nöd di ganz zyt umeräne.
B. Fanged er aber au öppis oder tüend er nu deglyche?
A. Chasch tänke. D fisch byssed scho aa, psunders bi dem trüebe
wätter, und wänn t s dänn fäin prÖÖtlet auf em täler häsch, so
isch es au nöd läid. Wänn i wider emaale gnueg gfange ha, so
lüüt i der aa und dänn tüemer s zämen ässe.
B. Tanke für d yladig. Wänn i dezyt ha und s dyner frau rächt
isch, so bin i geern deby.
d fröid Freude de koleeg Kamerad,
de herdöpfel Kartoffel
Kollege
de fründ Freund
d ruete Rute
d aalegi Bekleidung prÖÖtle braten
chräble kratzen sändele im Sand spielen
dezyt haa Zeit haben tunke dünken
tüüff tief tünkle eintauchen
ich wott ich will
versehtrupfe aus der Haut
wämer wollen wir
fahren
ich triffe ich treffe suscht sonst
nöimenane irgendwohin amigs jeweils
deglyche tue so tun als ob halt! halt!
häi nach Hause halt nun eben
dihäi zu Hause moorn morgen
aU,ä auch furt fort
de chumer Kummer duu, du, t du
Die häufigsten Hilfsverben
Beim schweizerdeutschen Verb sind zu unterscheiden: Infinitiv,
Perfektpartizip, Präsens, Imperativ, Subjunktiv (siehe Lektion 17),
Konditional (siehe Lektion 18). Das Imperfekt fehlt; an seiner Stelle
wird die Vergangenheit mit den Hilfsverben haa und sy und dem
Perfektpartizip ausgedrückt: ich bi gsy ich war, ich ha ghaa ich hatte.

HABEN, SEIN,
GEHEN, STEHEN,
TUN, WERDEN
Die Verwendung
dieser Verben
Infinitiv
Partizip
ich
du
er, si, es
mer, er, si
Imperativ
haben
haa
ghaa
ha
häsch
hät
händ
heb!
sein
sy
gsy
bi
bisch
isch
sind
bis!
gehen tun werden
gaa tue weerde
ggange taa woorde
gaane tuene wiirde
gasch tuesch wiirsch
gaat tuet wiirt
gönd tüend weerded
gang! tue! wiirt!
Die Flexion von schtaa stehen ist gleich wie die von gaa, dagegen lau-
ten das Partizip gschtande und der Imperativ schtand!
Man beachte, dass im Plural alle Personen beim Verb die gleiche
Endung haben. Der Imperativ des Plurals ist gleich wie der Indikativ,
also händ! sind! gönd! schtönd! tüend! weerded!
Wenn die Personalpronomina dem Verb folgen, so sind bei ich, du,
wir, sie Varianten zu beachten.
han i bin i gaan i schtaan i tuen i wiird i
häsch bisch gaasch schtaasch tu es eh wiirsch
hämer simer gömer schtömer tüemer weerdepmer
händs sind s gönd s schtönd s tüend s weerded s
In der zweiten Person verschwindet das du ganz, es sei denn, es werde
betont. Nach ha und bi erscheint das übliche Binde-n: ich han en
hund, ich bin i d schtadt ggange. Andererseits kann die Endung -e
vor Vokal abfallen: ich gaan i d schtadt, ich tuen au fische.
gaa wird nicht im Sinne von zu Fuss gehen gebraucht. Dafür sagt man
lauffe (vgl. das englische Wortpaar to go und to walk, die genau
schweizerdeutschem gaa und lauffe entsprechen), zum Beispiel:
Woane gaasch? Wohin gehst du? Ich gaan is wälebaad. Ich gehe ins
Wellenbad. Faarsch oder lauffsch? Fährst du oder gehst du zu Fuss?
Wenn von gaa ein Infinitiv abhängt, muss davor die Partikel go
gebraucht werden. Ich gehe fischen: Ich gaane go fische; Ich gehe
Besorgungen machen: Ich gaane go komissioone mache.
Nach modalen Hilfsverben wird gaa einfach weggelassen, wenn das
Ziel der Bewegung angegeben ist, zum Beispiel ich wott häi: ich will
heimgehen; ich mues uf Basel: ich muss nach Basel gehen; er sett na
gschwind i d schtadt abe: er sollte noch schnell in die Stadt hinunter
gehen. (Siehe auch Lektion 23.)
31
ÜBUNG 2
32
schtaa wird verwendet wie im Deutschen. Es kann aber auch eine
Bewegung ausdrücken in Wendungen wie as räischter schtaa sich ans
Fenster stellen, füre schtaa nach vorn treten, zämeschtaa sich zu
einander hinstellen, gemeinsam für eine Sache eintreten.
tue hat neben den Verwendungen, die gleich sind wie im Deutschen,
noch weitere Aufgaben. Es dient:
1. zur Hervorhebung eines Verbs: iich tuene fische ich fische und
gehe nicht spazieren;
2. als Durativform: ich tuene fische ich bin dabei zu fischen, ver-
gleiche englisch I am fishing.
3. als Imperativ: tue fische! tue nöd chräble! kratze nicht! tue das
publiziere! publiziere das!
4. zur Umschreibung der Frage: Tuesch bäbele? Spielst du mit Pup-
pen? Wänn tuesch äntli choche? Wann kochst du endlich einmal?
Diese Frageform ist durchaus vergleichbar mit der englischen «Do
you play», nur ist sie im Gegensatz zum Englischen nicht
obligatorisch.
5. Merke die Wendung es tuets es genügt oder auch mit Nachdruck:
hör endlich auf damit!
6. tue bildet viele Zusammensetzungen, die sehr verschiedene Bedeu-
tungen haben, zum Beispiel uuftue öffnen, zuetue 1. schliessen, 2.
sich anschaffen, abtue abdecken, vertue verschleudern, oobtue auf
den Herd stellen, duurtue durchstreichen, ytue einknöpfen usw.
weerde entspricht dem deutschen werden. So dient es zur Bildung des
Passivs es wiirt nüüt taa es wird nichts getan, du wiirsch gschlage
du wirst geschlagen. Ferner kann man damit die Wahrscheinlichkeit
einer Handlung ausdrücken, du wiirsch tänk au nöd de ganz ta ag
umeräne. Die Verwendung von weerde für die Bildung des Futurums
ist nur eine Nachahmung des Schriftdeutschen. Das Partizip von
weerde nimmt nie ein g- an. Man merke sich ein für allemal, dass es
ein «gwoorde» nicht gibt, es heisst: ich bin krank geworden ich bi
chrank woorde.
Ich ha hunger Si händ chumer Si isch zfride
Ich han en fründ Händ s fröid? Wänn i dihäime bi
Moorn han i frei Heb soorg! Wo bisch am
Feelt der öppis? Hät s schnee ghaa? liebschte?
Er hät e zytig Häsch chumer Dihäime simer geern
Hät s schnee? ghaa? Isch es tunkel?
Dihäime hämer Ich ha hunger ghaa Mer sind i de rerie
waarm Ir sind. gsund
'11
Sind s am Zürihorn?
Bis zfride!
Sind zfride!
Simer scho daa?
Woane gönd er?
Hüt gaani i d schtadt
Wie ga at s?
S gaat guet
Moorn gömer i
s theater
Gang veruse!
Wänn gaasch?
Ich gaane jetz
Lauffsch?
Si gönd mit enand
Si wott i d rerie
Mer sind uf Paris
Er mues zum räkter
Isch er furt?
Wämer a
s Zürihorn?
Ich wott häi
Sind s häi?
Si isch in
uusverchauff
Wottsch in zirkus?
Er ga at go
schpaziere
Gang de tokter go
hole!
Ich bi go schwüme
Wämer go bade? Tue de mantel zue
Ich mues go und d chnöpf y!
maargge hole Er hät sys ganz gält
Si isch go lädele vertaa
Si wott go lädele Me mues d chue
Ich gaane go luege abtue
Gang go luege! Daas cha me nöd
Ich bi go luege duurtue
Mer wänd en hund
Es schtaat i de zytig zuetue
Es isch i de zytig Tuesch sändele?
gschtande Tue doch sändele!
Schtand uuC! Tue mer hälffe!
Schtand i d türe!
Tuesch mer hälffe?
Schtand füre!
lieh tuene schaffe
Verschtaasch mi?
Tue nöd chräble!
Verschtönd er mi?
Es wiirt nöd so sy
Ich ha di
Es wiirt tunkel
verschtande
Es isch tunkel
Si schtönd früe uuf
woorde
Moorn schtömer
Er wiirt dihäime sy
früe uuf
Du wiirsch nöd eso
tummsy
Tuesch öppis?
Schind wiirt taufft
Ich tuene nüüt
S wätter wiirt besser
Tue de brief uuf!
Er tuet tumm
Si sind gschlage
Es tuet s woorde
Tue d auge zue
Es isch hell woorde
Tue d herdöpfel Bisch eh rank
oob!
woorde?
33
LEKTION
3
Mer gönd in zirkus
En huuffe lüüt trucked si vor em kassehüüsli ume. Allwääg wänd s
denand di beschte plätz ewägschnappe, oder si händ angscht, si
chömid käi bileet mee über. Zeerscht chömed d glöön und mached
iri tu me witz. Äin gloon isch soo mit määl überschtriche, das mer
em schier d auge nüme gseet. Jetz wott er emen andere gloon en
öpfel vom chopf abeschüüsse, aber wänn er si amigs cheert, nimt
der ander schnäll epaar biss und isst esoo de ganz öpfel uuf.
D glöön weerded abglööst von eren andere numere, und zwaar vo
de ross. Epaar kunschtryter mached ganz toli sache; es tunkt äim,
si siged eso mäischter über die tier, dass s chönd mache, was ene
grad yfallt. Nach de ross chunt de zirkustiräkter sälber mit den
elefante. Äine von ene mues über de domptöör, wo am bode lyt,
lauffe und mit de füess uf en schtaa; i dem momänt rütsched d lüüt
vor uufregig uf de bänk ume. D luftakrobaate bringed au epaar
nöii trigg an irne trapeez. Es sind d söön und d töchtere vom
zirkuspsitzer sälber, wo i dene gfaare da obe schwäbed. S isch nu
guet, das une groossi netz gschpanet sind zur sicherheit für die
küene turner. Luschtig zum aaluege sind d zueschauer, wo iri
chöpf i d hööchi hebed und augen und müüler uufschpeered vor
schpanig. Öppis wo früener au öppe vomene zirkus pote woorden
isch, sind tänzerine gsy; äigetli passed s ja nöd zum zirkus, aber
wänn s schööni bäi gha händ, sind ämel d herre under de
35
VOKABELN
zueschauer zfride gsy. Nach eren akrobaatenumere weerded höö-
chi gitterhääg anegschläikt und uufgschtelt. Da wäiss me scho, was
chunt: natüürli d löie und d tiger oder anderi raubtier. Si hocked
uf iri böck wie aliwyl und ryssed iri müüler uuf, das me ne ali zää
cha zele, aber si tüend em dressöör nüüt, er bhaltet s nämli fescht
im aug. Ganz wool isch äim doch nöd bi dene gfüürchige vycher.
Nachane chömed dänn zÖÖmeri tier: seehünd, giraffe, zebra - me
cheem a käs änd, wä men ali programnumere wett uufzele.
(Die Pluralendungen sind von dieser Lektion an angegeben, ebenso der
Umlaut; " bedeutet: keine Endung im Plural.)
de schtuel üe Stuhl de bank ä Sitzbank
määl Mehl d bank-e Geldbank
s vych -er Biest s ross ö -er Pferd
s vee Vieh de gloon öö Clown
der öpfel" Apfel d lüüt Leute
löi -e Löwe dehaag ää Zaun
s hoochsig -e Hochzeit
s bäi " Bein
s gschtell " Gestell hüttigstags heutzutage
gfüürchig furchterregend schläike schleppen
en huuffe sehr viele mer wänd wir wollen
überchoo bekommen mer müend wir müssen
cheere wenden ämel wenigstens
rütsche rutschen abe herunter
allwääg wahrscheinlich nachane nachher
schier beinahe die diese
schpeere sperren dene diesen (Dativ PI.)
hüete hüten jetz, etz jetzt
hebe festhalten
Die Pluralbildung beim Substantiv
Vorbemerkung: Umlaut nennt man die Wandlung eines velaren
(harten) Vokals in einen palatalen (weichen). Der Umlaut spielt eine
grosse Rolle in der Deklination und bei abgeleiteten Wörtern. Im
Schweizerdeutschen gibt es folgende Umlaute 0: Ö, u: Ü, ue: üe,
au: öi, ou: öi, a: ä, e, e, ÖÖ. Beispiele: loot: löötig, huus: hüüsli,
fuess : füess, baum: böimig, sou: söili, hass: hässig, schwaarz:
schweerzer, nass: nessi, braate: brÖÖtle.
1. Deklination Der Plural ist gleich dem Singular. Dies gilt für die meisten Maskulina
und Neutra, die keinen umlautfähigen Stammvokal haben, ferner für
alle Maskulina auf -er und -eI, alle Maskulina und Neutra auf -i sowie
alle Feminina auf -e.
36
m. der Weg de wääg: d wääg
der Schlüssel de schlüssel: d schlüssel
der Meister de mäischter: d mäischter
f. die Amsel d amsle: d amsle
n. das Kaffeehaus s kafi: d kafi
2. Deklination Der Plural wird durch Umlaut gebildet. Dies gilt für die meisten Mas-
kulina und einige Feminina.
m. der Hut
f. die Kuh
de huet:
d chue:
dhüet
d chüe
3. Deklination Der Plural wird durch die Endung -e gebildet, immer ohne Umlaut.
Dies gilt für Maskulina, meistens solche, die Lebewesen bezeichnen,
sehr viele Feminina und vereinzelte Neutra.
m. der Löwe
f. die Burg
n. das Ohr
de löi:
d buurg:
soor:
d löie
d buurge
d oore
4. Deklination Der Plural wird durch die Endung -er gebildet, wobei immer Umlaut
eintritt, wenn der Stammvokal umlautfähig ist. Dies gilt für die
Grosszahl der Neutra und wenige Maskulina.
n. das Nest
das Buch
m. der Geist
s näscht:
s buech:
de gäischt:
d näschter
d büecher
d gäischter
Ausnahmen und Sie werden in der elften Lektion behandelt. Im übrigen kann man vom
Besonderheiten Deutschen her mit relativer Sicherheit darauf schliessen, wie der Plural
eines schweizerdeutschen Wortes aussieht: Das deutsche Plural-e fällt
ab (Fisch: Fische = fisch: fisch) die Pluralendung -en verliert das -n
(Schule: Schulen = schuel: schuele). Der Plural auf -er bleibt bestehen
(Feld: Felder = räld:rälder). Alle deutschen Umlaute gibt es auch im
Schweizerdeutschen, nur sind sie sehr viel häufiger; es folgt hier eine
Sammlung von Beispielen.
moond : möönd unggle : ünggle kontakt: kontäkt
morge : mörge name:näme zapfe: zäpfe
sumer: sümer aarm:äärm Flaschenkork
taag:tääg sehtoff : schtöff halm:hälm
monet: mönet tschoope : tschööpe brune:brüne
pfarer : pfärer Rock des Mannes boge:böge
tokter : tökter guurt : güürt cholbe : chölbe
dekaan:dekään huuffe : hüüffe chnoche:chnöche
37
ÜBUNG 3
38
hund:hünd kurs:kürs gramofoon:
molch: mölch versuech:versüech gramoroön
chnole : chnöle phunkt : phünkt mikrofoon:
tropfe: tröpfe dolch: dölch mikroröön
chare : chäre alarm: alärm zirkus: zirküs
chueche : chüeche pfoschte : pröschte chöschte
psuech : psüech bus:büs Kosten
Besuch baloon : balöön trämer
prueff: prüeff Beruf romaan : romään Tramwagen
fruscht : früscht kanton: kantön
Enttäuschung balkon: balkön
Beim Umlaut von a sind elnIge Besonderheiten zu beachten; sie
kommen in Lektion 11 zur Sprache.
hämper waage schüeler teppich
globüs wäge chriesi albümer
chüssi bänk trucke nöiikäite
soldaate möckli voorhäng ross
ufregige zunge böck ydrück
chräch fläsche gfaare schööss
öpfel roose flüech mäitli
hüüt hünd bire sache
hüet orangsche tisch schtüel
tüüfel sächeli buebe chräge
üebige esel gänerääl glüscht
bagge räischter blueme better
wuche salöön gweer zältli
truckereie linde chefi schtäi
gable ängländer müüler litauer
gramoroön gufe müler schteern
gschäfter tröpfe fotograafe söcke
chnöche bäi bündner rääne
läde ample hefter aaränger
beeri dröögeler wäge affe
schabe tabu zäine alpe
kompjuter eitere gschpängschter Iydeschafte
bütschgi puure tafele
seee wäle korporääl
Der Artikel lautet immer d mit den in Lektion 1 behandelten Ver-
schmelzungen. Die Liste enthält etliche noch unbekannte Wörter, auch
ihre Bedeutung ist im Schlüssel zu finden.
LEKTION
4
Mer gönd DDS go ässe
Letschti bin i mit myner frau i säb nöi resch te ra nt bim paanhoof
go ässe. Mer händ ghöört ghaa, das si deet eso guet chochid, und s
hät mi wunder gnoo, öb s schtimi. D frau hät si gfröit, won ere
gsäit ha, das mer welid uusgaa. Wo mer glückli deet gsy sind, hät
si nöd lang gsuecht uf de schpys-chaarte, si hät mer gly verchündt,
si weli en orangscheschüü und nachane zürigschnätzlets mit
rööschti. 8chniposa chömm nöd i fraag, wH si pomfrit äinewääg
nöd geern heb. Das han i zwaar scho gwüsst und ich ha ja gar nöd
uf schniposa aagschpilt. «80 pschtell s», han i gsäit, «iich laane s
fläisch hüt la sy, iich isse vegetaarisch, zeerscht en salaattäler und
dänn nüdeli mit schwümm.» Wäg em tesseer wämer dänn nachane
luege: ich gseene deet uf em wage räini tuurte und ggup mit
glassen und gschwungnem nidel.»
Es isch en groosse läptig gsy i dem lokaal, d lüüt händ gschwätzt
und glachet, das isch au es zäiche, das si s ässe guet tunkt. Myni
frau hät vorzue umenand glueget und d lüüt fixiert. Ich cha das
nöd ver butze. Wänn öpper inechoo isch, hät si sich umtreet und
öppedie hät si mi na gschtupft und gmäint, ich sett mi au na
umcheere, aber miich inträssiert halt s publikum weniger. Wänn
aber en uuffelig aagläiti daamen erschinen isch und die miich
zuefelig echli aaggüxlet hät, dänn - guet nacht. Ich han emaale
~
V>
39
VOKABELN
40
gsäit zuen ere: «Du töödsch ja d lüüt mit dyne blick.» Ich bi froo
gsy, wo s ässen äntli uufträit woorden isch, aber s isch dänn würkli
guet gsy, psunders d frau hät ires gschnätzlet grüemt und zue mer
gsäit: «Duu, die schpared wenigschtens nöd s fläisch mit na mee
pilz oder was s suscht öppe na drytüend!» Ich bi au zfride gsy mit
dem, won i uusgläse ha, aber uf de tesseer hämer läider müese
verzichte, wil mer na händ in kino wele. Drum hämer uf äimaal na
müese prässiere. Es isch dänn na es zytli ggange, bis d
serwiertochter choo isch, won ere grüefft ha. Mer händ s doch na
in kino präicht; uf d weerbig vor em film hämer ja geern
verzichtet.
d tuurte"
s ggup"
de läptig
träit
letschti
zeerscht
schminee"
schtupfe
Torte
Coupe,
Eisbecher
lebhafter
Betrieb
getragen
kürzlich
zuerst
Cheminee,
Kaminfeuer
einen Stoss
geben
gschwungne
nidel
schlagraam
gschnätzlets
} Schlagsahne
feingeschnitte-
nes Fleisch
zürigschnätzlets «gschnätzlets»
Kalbfleisch
mit Pilzen
an Rahmsauce
Die erste Konjugation
de schwumm -ü- } Pilz
de pilz"
de nidel } Sahne
de raam
d glasse" Gefrorenes
güxle gucken
nöd verbutze nicht ausstehen
de tesseer " Nachtisch
der äint, der eine,
der ander der andere
vorzue fortwährend
äinewääg ohnehin
aliwyl immer
an äiner tuur ohne
Unterbruch
schniposa " Schnitzel,
Pommes frites,
Salat
d rööschti geraffelte
gebratene
Kartoffeln
Das schweizerdeutsche Verb lässt sich in drei Konjugationen einteilen.
Ihr Unterscheidungsmerkmal ist das Partizip der Vergangenheit:
1. Konjugation: Endung -t glupft (gehoben)
2. Konjugation: Endung -e ggaumet (gehütet)
3. Konjugation: Endung -e gschwume (geschwommen)
In der dritten Konjugation ändert sich meistens auch der Stammvokal,
z.B. singe:gsunge. Man nennt diesen Vokalwandel Ablaut, und die
zugehörigen Verben heissen seit Jacob Grimm «stark», jene ohne
Ablaut «schwach». Die Verben der ersten und zweiten Konjugation
Konjugations-
tabelle
Vorsilbe des
Partizips
unterscheiden sich ausser in der Endung des Partizips nur in der
zweiten und dritten Person. Sie lauten -sch und -t in der ersten und
-isch und -et in der zweiten Konjugation. Das Paradigma der ersten
sieht also folgendermassen aus:
ich rufe
du rufst
er, sie, es ruft
wir rufen
ihr ruft
sie rufen
ruf!
rufen
gerufen
ich rüeffe
du rüeffsch
er, si, es rüefft
mer rüeffed
er rüeffed
si rüeffed
rüeff!
rüeffe
grüefft
(Die Endungen im Lesestück dieser Lektion, welche ein i enthalten, be-
bezeichnen den Subjunktiv, der erst in Lektion 17 näher besprochen
wird.)
Das Partizip zeichnet sich durch das sogenannte Augment aus, das im
Deutschen ge- lautet (gesungen), im Schweizerdeutschen aber zu g-
verkürzt erscheint, mit b d g verschmilzt und vor p t k z ganz
versch windet:
g+b = p bräne : pränt
g+d = t diene: tienet
g+g = gg güüsse : ggosse
g+p = p pfyffe : pfiffe
g+t = t trinke : trunke
g+k = k käne : känt
g+z = z zale : zalt
gebrannt
gedient
gegossen
gepfiffen
getrunken
gekannt
gezahlt
Komposita Bei den sogenannten untrennbaren Zusammensetzungen wird kein
Augment gesetzt, z.B. psetze: (psetzt) (besetzen), erchäne : erchänt
(erkannt), verbräne :verbränt (verbrannt).
Fremdwörter Da es sich damit gleich wie im Deutschen verhält, erübrigen sich
weitere Erklärungen. Das gleiche gilt für die Fremdwörter auf -iere. Es
heisst ohne Augment redigiert, negiert, ignoriert, multipliziert. Bei
wenigen seit langem eingebürgerten Fremdwörtern kommt ein g- noch
vor, z. B. gschpaziert, doch werden die Formen mit g- immer weniger
gebraucht. Merke doch die idiomatische Wendung er isch en
gschtudierte, d. h. er ist ein Akademiker.
Zischlaut am Nun gibt es in der ersten Konjugation einige Ausnahmen, die mit dem
Stammausgang Schlusskonsonanten des Verbs zusammenhängen. Ist dies ein Zischlaut
41
Ausnahmen
Variable
Endung
Eine Auswahl
von Verben
der ersten
Konjugation
42
(s sch z), so lautet die Endung der zweiten Person -isch: du putzisch,
du hassisch, du löschisch, ebenso du setzisch, du schweerzisch, du
nützisch, du netzisch (anfeuchten), du tütschisch (anstossen), du
litzisch (krempeln).
Verben, die auf -d und -t ausgehen, gehören normalerweise zur zwei-
ten Konjugation. Ausnahmen davon sind die folgenden Einzelfälle, bei
denen das -sch der zweiten Person und das -t der dritten Person und
des Partizips direkt an den Stamm angeschlossen werden: er redt (er
spricht), er hät gredt (gesprochen). Solche Verben sind schade,
tööde, pfände, verchünde, zünde (hell machen), sich rode (sich
rühren).
Die Endung der ersten Person Sg. -e kann ausfallen, wenn ein
schwachtoniges Wort folgt (sie muss aber nicht):
ich glaub em
ich trou ere
ich füll de chrueg
ich säg der
ich zünd ene
ich lupfen
ich schaff amene buech
ich glaube ihm
ich traue ihr
ich fülle den Krug
ich sage dir
ich leuchte ihnen
ich hebe ihn auf
ich arbeite an einem Buch
Ferner kann das Personalpronomen bei Verben des Sagens und
Glaubens ausfallen, wenn das Verb unbetont, gleichsam nur einge-
schoben ist, z.B. du lauffsch tänk au nöd de ganz taag urne. Er isch
glaub nöd zfride mit syner schtelig. Hier ist das Verb gleichsam zu
einem Adverb geworden: tänk = wohl, glaub = vermutlich.
schetze schätzen chlöibe kleben
büeze nähen, flicken rüere werfen
chlöpfe knallen tätsche knallen
gschpüüre spüren, fühlen vertätsche zerquetschen
eerbe erben
vertwütsche erwischen
feie fällen pütsche zusammen-
feele fehlen
stossen
leere lernen, lehren putsche politisch
leere leeren
putschen
verheie kaputt machen ränke Kurve machen
fröie freuen schpile spielen
föle füllen schtreeze stark regnen
lupfe lüpfen schprütze spritzen
höre aufhören verschprütze platzen
ghööre hören, gehören schtupfe leicht stossen
präiche treffen schupfe stossen
ÜBUNG 4
schtrupfe abstreifen parliere lebhaft reden
schtecke stecken sueche suchen
schtäcke stecken bleiben trüe gedeihen
pschtele bestellen meee mähen
hänke aufhängen beee leicht rösten
schläike schleppen chreee krähen
sich verschnäpfe ausplappern treee drehen
verzele erzählen blüe blühen
schmöcke schmecken, seee säen
riechen bemüe bemühen
fuxe ärgern glüe glühen
lösche löschen bleee blähen
D reed hät zündt. Er hät d eermel umeglitzt. Das schadt nüüt.
Waas choscht s? Si händ en pfändt. D chole glüed im ofe. I ha di
zwäi ändi zäme gchlöibt, jetz hebed s wider. Der äint chaufft
briefmaargge und chlöibt s in es album, der ander samlet bilder
und hänkt s a d wände Häsch s chläid gllickt? Ja, i mues nu na es
bitzeli büeze, dänn isch es fertig. S schtreezt ja wie verruckt, i
glaub, s hört nöd so schnälI. Wänn verzelsch öis wider emaal e
gschicht? Mer leered jetz schwyzertüütsch. S tunkt mi nöd emaal
so schweer. I han em der öpfel zuegrüert, er hät en aber nöd
vertwütscht, und der öpfel isch a d muur tätscht und verschprützt.
I ha mi verschnäpft, und jetz lached mi ali uso Wänn t s wägeli
überaal umeschläiksch, so ga at s kabut. Das schtimt nöd, ich ha na
nie öppis verheit. S hät mer tröimt, mer heiged d wonig
uusgruumt; deby han i mi überlupft, s hät mer wee taa, i ha
grüefft, aber niemer hät mi ghöört. I ha mi nöd chöne rode. I wäiss
nöd, was dänn na passiert isch, i bi nämli grad doo gweckt woorde.
Wo d wäge zämepütscht sind, hät s eso luut tätscht, das me s wyt
urne ghöört hät. Pschtelsch scho wider es birchermüesli? Was
suechsch? Ich sueche d syte mit em tesseer uf de menüchaarte. Das
büebli chreet ja an äiner tuur. Schupf mi nöd! Vor t furtgaasch,
löschisch s schminee! D Sabrina hät gfeelt i de schuel, aber
gschwänzt hät si nöd, es hät ere würkli öppis gfeelt. A de letschten
uusschtelig sind d bilder gar nöd guet ghänkt gsy. Im früelig blüed
d böim. S wisli isch gmeet.
43
LEKTION
5
Wie de Salomoon Landolt gricht ghalte hät
De Salomoon Landolt, wo zwüschet sibezä hundert achzg und
nüünzg landvogt vo Gryffesee gsy isch, hät me zäntume (überall)
geern ghaa, wil er alne ghulffe hät und wil er eso grächt gsy isch i
sym amt. Mängsmaal hät er d lüüt vo syner vogtei, wo verchlagt
woorde sind, mit ganz bsundere schtraaffe glueget z bessere. -
Emaal isch en puur zuen em choo und hät gjaameret, dass syni
frau aliwyl tüeg chybe mit em, kän taag vergöng ooni chrach und
schtryt. Er hät em landvogt na vii prichtet vo sym ungfell, aber de
Landolt isch zletschtamänd doch nöd rächt druus choo, öb de puur
oder syni frau de schlimer täil seig. Zletscht hät er gsäit: «I ha jetz
scho gmerkt, das du häsch müesen e höll uusschtaa dihäime,
defüür muesch du zu dym rächt choo. Am nÖÖchschte suntig laan i
dyni frau, wo s der eso wüescht gmacht hät, i d trüH schpeere und
dänn chasch si vor de ganze gmäind trüle, so lang dass t wotsch.» -
D trüH isch e hölzigs chefi gsy, wo d schtrÖÖming drin ygschpeert
woorde sind, und wo me s drin esoo lang umetrület hät, bis es ene
ganz trümlig und schlächt woorden isch. - Jetz isch de puur aber
ganz truurig verschrocke und hät em landvogt gsäit: «Das bring i
dänn doch nöd über s heerz. Si isch ja scho e reesses wyb, aber
mer sind halt doch emaal verhüüraatet und sind als maa und frau
dur s läbe ggange. Wänn si mer s au gnueg vertüüflet hät, vor de
ganze gmäind wott i my ni äige frau dänn doch nöd lächerH mache.
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45
VOKABELN
Zugehörigkeit
46
I ha nu tänkt, Iir, herr landvogt, hetted ere emaal echli chöne i s
gwüsse rede.» Uf daas abe hät de Landolt de puur verabschidet
und hät em na gsäit, er seIl dänn syni frau emaal zuen em
ufeschicke. Wo die frau dänn vor de vogt choo isch, hät er zuen ere
gsäit: «I ha ghöört, du hebisch e schlimms läbe bi dym maa; er
händ viI schtryt und du hebisch scho viI gchlagt über en.» Jetz hät
halt das rääf aagfange weeferen und schimpfen über de maa, das
es e gattig ghaa hät. Doo hät ere de vogt voorgschlage, si seIl emaal
ire maa en ganze taag vor alne lüüt i de trüli plaage. Das hät ere
passt, grad uufggumpet isch die zanggeri vor fröid und hät
ggöisset vor raachsucht. Jetz hät de landvogt scho gwüsst, weer de
schlimm täiI gsy isch vo dene zwäi puurelüüt, und hät das wyb, wo
so geern syn äigne maa öffetli gmisshandlet hett, e zyt lang bi
wasser und broot ygschpeert, bis me hät chöne hoffe, si heb si echli
pesseret.
s ungfell Unglück boosge Böses tun
s chefi " Käfig trüle drehen
d gattig-e Art weefere wehklagen
reess scharf gumpe hüpfen
s rääf" Xanthippe zletschtamänd zuallerletzt
trümlig schwindlig dihäime zu Hause
chybe keifen häi nach Hause
druus-choo verstehen ob,öb,eb ob
Die zweite Konjugation
Die zweite Konjugation unterscheidet sich von der ersten durch die
Endungen in der zweiten und dritten Person und im Partizip.
du bastelst
er bastelt
gebastelt
du baschtlisch
er baschtlet
paschtlet
Beim Imperativ gibt es Varianten. Bei baschtle sagt man am ehesten
tue baschtle! Bei atme! wird man sagen tüüf schnuufe, bei schau!
und höre! dagegen kurz lueg! und los!
Die zweite Konjugation ist teilweise leicht erkennbar. Es gehören dazu
alle Verben auf -le, -me, -ne, -erle, -ere, -ge, -ige, -t, ferner die Ver-
balisierung von Substantiven und Adjektiven. Beispiele auf der fol-
genden Liste.
Es gibt Verben, die zwischen der ersten und zweiten Konjugation
schwanken, so z. B. mache, und es kommt auch zu Unregelmäs-
sigkeiten innerhalb eines Paradigmas. So kann man hören du luegsch
Inversion
VERBEN DER
ZWEITEN
KONJUGATION
I. Ohne
besondere
Kennzeichen
und frÖÖgsch, dann aber wieder glueget und gfrÖÖget. Man lasse sich
dadurch nicht verwirren.
Wenn das Pronomen dem Verb folgt, tritt -i an die Stelle von -e in der
ersten Person, das du der zweiten Person verschwindet ganz, das -d
der ersten Person Plural wird -p, und das si der dritten Person Plural
wird zu s, immer vorausgesetzt, dass das Pronomen nicht betont ist.
Dies und das folgende gilt für alle Konjugationen:
heute bastle ich hütt baschtli
heute bastelst du hütt baschtlisch
heute basteln wir hütt baschtlep-mer
heute basteln sie hütt baschtled s
(Wie immer wird die Assimilation p-m nicht geschrieben; man
schreibt baschtled mer, aber gesprochen wird das d zu p.)
Wenn ein anderes mit Vokal beginnendes Wort auf die erste Person
folgt, so wird das -e mit Sandhi-n angeschlossen: Ich ghöören ales.
Ich suechen öppis. Ich pschtelen es pier. Ich glauben ire mee weder
imm. Beim raschen Sprechen kommt es allerdings zu Kontraktionen,
Z.B. Moorn schick ere s morgen sende ich es ihr. (Beispiele auch auf
Seite 42.)
(In den Wortlisten werden die Verben der ersten Konjugation durch -t,
die der zweiten durch -et und die der dritten durch den Ablautvokal
und -e bezeichnet.)
weerwäise mutmassen nöise naschen
sure surren tanke danken
versuure verkümmern gäine gähnen
mure murren veriire sich verirren
gaume hüten, Acht schiIe schielen
haben schlaarpe schlurfen
mungge munkeln chale gerinnen
undeutlich chyche keuchen
reden gnage nagen
grochse ächzen, jammern lampe schlaff hängen
umtroole umfallen pI am pe baumeln
lyre herumwickeln schoppe hineinstopfen
schlingge missglücken hange hängen (intrans.)
huure kauern trööle hinauszögern
schtuune staunen folge folgen, gehorchen
luege schauen tuure dauern
lose horchen, hören chäibe fluchen, rennen
frÖÖge fragen schtriele sich herum-
plange sich sehnen treiben
47
trüle drehen briegge weinen
I
5. auf -de phaupte behaupten glette bügeln
suuge saugen weisse winseln und -te prichte erzählen, schpette als Zugehfrau
göisse kreischen hüüle heulen berichten arbeiten
brüele brüllen, weinen tröisse quengeln beobachte beobachten wäide weiden
waarte warten mälde melden
2. Ableitungen cheese Käse machen rumpfe knittern hüüraate heiraten blände blenden
von Nomina zeise Zins bezahlen wässere wässern verchelte erkälten heide kippen
tische Tisch decken schtreele kämmen
hüüte häuten hübsche hübscher werden 6. auf -ge, boosge Böses anstellen trochne trocken werden
huuse Geld gut einteilen alte älter werden -ne, -me metzge schlachten tröchne trocken machen
sune an die Sonne chalte kälter werden süüfzge seufzen räch ne rechnen
legen chuele abkühlen beläidige beleidigen rägne regnen
kapitle abkanzeln fuule faulen sündige sündigen lisme stricken
vogte bevormunden woole es wird wohler sundige sich feierlich chräsme krabbeln
gschäfte Geschäfte bööse schlimmer anziehen
betreiben werden
graase Gras schneiden magere abmagern
I
ÜBUNG 5 Die folgende Liste enthält gemischt Verben der ersten und zweiten
toktere in Behandlung huere huren Konjugation. Man bilde von jedem die zweite und dritte Person sowie
gehen muure mauern das Partizip: du losisch, er loset, gloset.
schuume schäumen plaage plagen
schprütze hÖÖggle läbe fröie
tänke leere büeze sundige
3. auf -le rible reiben trätzle reizen, necken
lupfe leere höre präiche
hagle hageln seerble dahinsiechen
lösche glette ghööre sueche
verschtruble zerzausen schtrodle heftig sieden
meee blüe muure tanke
verzwatzle vor Ungeduld süürpfle schlürfen
prände schtreele göisse plaage
vergehen chüechle Fettgebackenes
chüechle rede schmöcke gaume
schnätzle fein schneiden bereiten
gschäfte hübsche tunke schtuune
schnitzle schnitzeln hÖÖggle häkeln
schpile zügle metzge suuge
zöisle mit Feuer spielen grÖÖnele schimmlig
rüeffe gäine füle
brägle prasseln riechen
tische rible fuule
zügle umziehen schtaggele stottern
Was hät die frau poosget? Hät de landvogt d frau pesseret? De
zöikle necken sünele sonnenbaden
puur hät demit grächnet. Wie lang wässerisch d fotene? Ich ha si
chifle keifen schöppele die Saugflasche
nöd nu gwässeret, ich ha si au tröchnet. S hät gchuelet. De vorrat
chafle knabbern geben
langet nüme lang; du luegisch für broot und chees. Für milch han i
schnäfle schnipseln ellbögle sich durchsetzen
scho gsoorget. Myn hund schtrielet mer zvil umenand; er isch en
määrggle Briefmarken brügle prügeln
schtrieli. Werum brieggisch? Ich bin umtroolet. Wie gaat s de frau
sammeln
Wyss? Nöd eso guet; s hät eender pööset, si hät gmageret und
tokteret di ganz zyt. Si grochset und jameret vil, si tuuret mi. S
4. auf -ere weefere wehklagen verplämperle vertrödeln wätter hät pesseret; bi dem wind trochnet d wösch au ooni sune.
und -erle tschädere scheppern gvätterle bastelnd spielen Werum bisch eso gsundiget zmitts i de wuche? Ich gaanen an es
chlädere klettern blÖÖterle langsam arbeiten hoochsig, e nichte vo mir hüüraatet. Was händ er wider gchüech-
täfere täfeln verzüttere verzetteln let? Händ er plÖÖterlet schtatt gschaffet? Wie lang sünelisch amigs
sichere sichern im schtrandbaad? Wer pöpperlet a de türe? S hät fescht ghaglet;
48 49
50
di uuryffen öpfel sind nu so vo de böim abe präglet. De herr
Wuerme wiirtet i de Chroone. Du vertöörlisch dyni zyt mit
larifaarizüüg. Mer sind froo, das mer züglet sind. Di nöi wonig hät
kä tabeete, ali zimer sind täferet. D naachberi gaumet amigs öisi
chind, wä mer uusgönd. Es hät ere gschlingget. De Veräin
Schwyzertüütsch lueget zur mundart.
LEKTION
6
E püüri schrybt irem soon uf Amerika
Liebe Köbi! Du häsch is mit dym brief e groossi fröid gmacht. Mer
händ natüürli scho lang uf pricht vo der gwaartet, aber mer händ
scho begriffe, das iir da äne nümen esonen gmüetsbetriib händ wie
d lüüt bi öis i de Schwyz. Si müend ja natüürli scho au schweer
schaffe zum si durebringe, aber si sind halt doch, ämel bi öis uf em
land, ire äige herr und mäischter, und ine schrybt niemer voor,
wänn s müend fertig sy. Defüür gits natüürli wider vii anders, wo
sy plaaget, und won iir käi aanig händ devoo; oder häsch öppe
doch ghöört vo dem hagelwätter im Aargau? Wänn s is au sälber
nöd troffe hät, so macht s is doch chumer ane. Di säbe pure chönd
äim tuure, und dänn wüssed mer ja au nöd, wänn s öis emaal trifft.
Mir dihäime chönd zwaar nöd chlage. De vatter isch geschter mit
em muni uf de meert und tänk, er hät en vii besser chöne
verchauffe, als er gmäint hät. Für in isch das alewyl di grööscht
fröid, wänn em sonen handel graaten isch und er epaar nöötli cha
häibringe. S Stäiners näbetzue händ jetz müese verchauffe, me hät
ene s hinderscht mööbel uf d gant träit. D frau hät mer emaal
gsäit, sy heb d hoffnig scho lang uufggee, das es wider emaal
besser chöm, s heb ja scho lang niene mee wele lange. Si wänd jetz
i d schtadt zie, und s Grytli göng au grad mit. Um ins mues es äim
nöd angscht sy, ins cha me zäntume bruuche; ees schlaat si scho
dure. Syn brüeder isch biräits i d schtadt gfaare zum em e schtell
sueche. Zu miir hät zwaar s Grytli gsäit, im weerdi s glaub am
51
VOKABELN
I. Person
ich und wir
2. Person
du und ihr
52
schweerschte, vom hoof ewägg z gaa, na schweerer als de mueter,
ire seig überhaupt i de letschte zyt ales glych. S läbe heb ere scho
soo vii soorge praacht, das es si au grad abghertet heb. - Mee
wäiss i grad jetz nöd z prichte. Was miich aagaat, so gaat s mer
alewyl guet. Es isch mi ja scho schweer aachoo, di uf Amerika z
schicke, aber wänn s ja nu diir guet gfaU und der die zyt i de
fröndi öppis nützt, dänn isch es miir au en trooscht. Du bisch is ja
imer en guete soon gsy. So bhüet di Gott und lönd s i guet gaa, duu
und de Schaaggi; im isch es ja au z gune, wänn er e schööni schtell
überchunt. Wänn s i dänn emaal rächt langwylig isch, chönd er ja
wider emaal mitenand häischrybe und verzele, wie s öi gaat. - Viii
grüess vo dyner mueter und vom vatter.
s bääbi " Puppe vergraate missraten
de muni" Stier gmögig umgänglich,
d gant-e Auktion sympathisch
d fröndi Fremde schaffe arbeiten
de meert" Markt lange ausreichen
s nöötli " Banknote aachoo ankommen
s chriesi " Kirsche nu, nume nur
d chappe" Mütze niene nirgends
d schand Schande näbetzue daneben
all schand säge ausschimpfen beräits beinahe, schon
d chappe die Leviten lesen zäntume überall
wäsche (veraltet)
sich mäine stolz sein sich dry schicke sich ergeben
gune gönnen häizünde heimzahlen
güne gewinnen, ewägg weg, fort
Das Personalpronomen
Beim persönlichen Pronomen wird zwischen betonten und unbeton-
ten Formen abgestuft. Ein Vergleich mit anderen Sprachen ist schwie-
rig, denn zum Beispiel im Französischen ist der Gebrauch von moi und
je an starre Regeln gebunden, während es im Schweizerdeutschen vom
Entscheid des Sprechers abhängt, welche Form er vorziehen will.
halb un- halb un-
betont betont betont betont betont betont
Nom. iich ich miir mir mer
Dat. miir mir mer öis öis is
l
Akk. miich mich mi öis öis is
Nom. duu du
2
e iir ir er
Dat. diir dir der öi öi i
l
Akk. diich dich di öi öi

3. Person betont
halb
betont
un-
betont betont
halb
betont
un-
betont
er und sie Nom. eer
imm
inn
er
im
in
er
em
en
sy
ire
sy
si
ere
si
si
Dat.
Akk.
ere, re
si
es Nom. ees
3
imm
ins
es
im
es
s
em
s
daas
3
demm
daas
das
dem
das
es, s
em Dat.
Akk. es, s
sie (Plural) Nom. sy
ine
sy
si
ene
si
S4
und reflexiv Dat. ne
s
siich
siich
sich
sich
si
si sich Akk.
Kommentar zur I Anstelle der unbetonten Formen is und i werden heute oft die volle-
Tabelle ren Formen öis und öi vorgezogen
Kontrast-
beispiele
2 Unbetontes du wird oft bis zu de abgeschwächt. In der Stellung nach
dem Verb verschwindet es ganz: woane gaasch? Auch vor modalen
Hilfsverben bleibt es häufig weg: tÖÖrffsch au mitchoo, muesch nöd
truurig sy, settsch nöd imer muule, chasch tänke (d. h. kommt nicht
in Frage). Die Form t steht nur enklitisch nach Partikeln: Chasch
mache, was-t wotsch.
3 Die betonten Formen ees, imm, ins gelten nur für weibliche
Personen, die neutrales Genus haben wie mäitli, Vrooni, Elseli. Der
Gebrauch dieser Formen ist rückläufig, indem eben doch das natür-
liche Geschlecht an die Stelle des grammatischen tritt, z.B. S Trudi
isch e gmögigs, ich ha si geern oder Känsch s fröläin Flury? Näi,
ich käne si nöd. Betontes es wird, wie im Deutschen, nie für Sachen
gebraucht, dafür setzt man das das ein. Da häsch es buech; es isch e
guets, us dem chasch vii leere (nicht: us em chasch viI leere). Dage-
gen wird man zu einem Kind etwa folgendermassen sprechen: Moorn
chunt s Eisi zue der. GäU, du häsch ins geern. Chasch dänn schpile
mit em; zäigsch em dyni bääbi.
4 In der höflichen Anrede vermeidet man sund neo Man kann zwar
sagen Gänd S em s (Geben sie es ihm), Mer schicked Ne s mit de
poscht (Wir schicken es Ihnen mit der Post), dagegen wird die Ver-
käuferin zur Kundin eher sagen: Seled mer Ine das chläid moorn
bringe? Die volleren Formen klingen höflicher.
i ich bi s gsy ich bi geschter z B ase I gsy
Bi m i i r git s nüüt derigs w ä n n chunsch zue mer?
uf m ich händ s es abgsee k ä n m ä n t s c h hät mi gsee
e e r hät aliwyl s muul offe w aas hät er wele?
wäge d i i r simer zschpaat choo i wott äntli b s ch ä i d vo der
53
von ire eha mer öppis leere
für ins iseh das s beseht
da a s iseh s beseht
m i i r händ s halt ehöne
uf ö i s müend er lose
ö i hämer vii z verdanke
i bi mit ere uf der Ü e t I i
s iseh s b e s e h t für s
s iseh s b e s e h t
mer wänd semaal pro b i e r e
tuen is nöd z I ä i d weerehe!
händ s i n ö d yglade?
i n e vergraatet ales es gseheet ene r ä e h t
Eine Eigentümlichkeit sind die angehängten Pronomina nach Konjunk-
tionen und Fragepronomen wänn, wo, wie, werum, wil, das, bis, vor,
öb, waas, weer. Nach ihnen erscheinen ich und sie in den unbetonten
Formen, hier allein tritt auch das zu t verkürzte du auf. (Bei sie gilt
dies nur für den Plural (sie = die Menschen) nicht für den Singular
Femininum (sie = die Frau):
Wir verwenden zur Verdeutlichung in den folgenden Beispielen einen Bin-
destrich: Wänn-t ehunseh, bringseh de Häiri mit. - Tueseh-mer prich-
te, wänn-s ehömed. - Wo-n-i ine cho bi, händ-s glachet. - Waas isch
passiert, wo-t aachoo bisch? Si händ überchoo, was-s händ wele. - S
gaat lang, bis-s chömed - Chasch mache, was-t wottsch. - Er hät nöd
kapiert, wie-n-i da inechoo bio - Händ-s di nöd gfrÖÖget, werum-t z
sehpaat choo bisch? - Miir isch nöd klaar, (iseh steht für isch-s, siehe
unten) werum-s nöd aafanged. - Du bisch häi, wil-t e schlaaffchappe
bisch. - Was-t wottsch, mached-s. - Si wänd wüsse, was-i i de rerie
tüeg. - Wänn-t mer säisch, weer-t suechsch, hilff-i der aUe - Das-t mer
ja nöd z vii schaffsch! - Wänn-s waarted, bis-i chume, chönd-s na lang
daa schtaa. - Vor-t gaasch, säisch mer na adie! - Miir isch glych, öb-s
rägni. - Ich frÖÖg di jetz zum letschte maal, öb-t mitchunsch.
Enklitisches es Die Verwendung von es und s (Neutrum Singular) in angehängter
Stellung hängt weitgehend vom vorangehenden Laut ab. Das
gewöhnliche ist s: Hät-s vii lüüt ghaa? Mer wänd-s go aaluege.
Daas isch s bescht für-so Nach einem Zischlaut (s, seh) wird entweder
es verwendet, oder das s verschmilzt mit dem vorhergehenden Laut
nach den Gesetzen der Assimilation: Isch-es waar oder iseh waar? -
Miir iseh-es glyeh oder miir isch glych, dagegen nur häsch-es
überehoo? Wottsch-es? Händ-s-es aagnoo? Hütt hät s ekäi mee,
moorn git-s-es wider (Antwort eines Verkäufers an eine Kundin).
Enklitisches sie Das angehängte Pronomen der 3. Person Plural lautet gewöhnlich s.
54
Wenn ihm jedoch ein weiteres Pronomen, das mit s beginnt, folgt, be-
kommt es die volleren Formen se oder si: Händ-s d chriesi ggässe?
Händ-se-s ggässe? Händ-s di nöi brugg fertig poue? Händ-se-si
fertig poue? Händ-se-si aagläit? Haben sie sich angezogen? Die Fol-
ge händses gfunde wird man in der Schrift je nach dem Sinn als
händ-se-s gfunde? haben sie sie oder als händ-s-es gfunde? haben
sie es gefunden auflösen.
Enklitisches ich Das nachgestellte -i der ersten Person kann wegfallen, wenn noch ein
weiteres Pronomen folgt: Geschter han-en gsee statt han-i-en gsee.
Das mues der aber na säge statt mues-i-der. Doo han-ene ali schand
gsäit statt han-i-ene.
Pleonastisches du Eine Besonderheit bei der angehängten Form von du -t ist die soge-
nannte pleonastische Verwendung: das t wird nach den oben
genannten Konjunktionen gesetzt, auch wenn das du betont ist, das
heisst, das d wird zweimal ausgedrückt: Wänn-t ere duu chasch d
chappe wäsche, bisch en mäischter. - Öpper hät de prys ja müese
güne, aber das-t en duu überchunsch, hett niemer von is tänkt.
Reflexives sich Das Reflexivpronomen entspricht dem deutschen sich. Es tritt auch in
drei Formen auf: siich, sich, si: Er wäscht si; er haltet sich für
unreelbar; er tänkt numen a siich.
selbst Selbst heisst sälber. Er rüemt sich sälber am mäischte. Idiomatische
Wendungen: er mäint sich = er hat eine hohe Meinung von sich selbst.
Es gaat vorne sälber = es geht von allein; es mag si nöd verträäge =
Es ist nicht der Rede wert. Dagegen: Es ist das selbe = es isch s glych.
Wortfolge
grüezi
Zu beachten ist die Stellung eines reflexiv gebrauchten Pronomens vor
einem Modalverb im Perfekt, es kommt vor dem Modalverb:
si hät sich welen aamälde
si hett sich mijesen aaschtränge
si hät sich chöne mäine
ich ha mi töörffe anderscht aalegge
mir händ is müesen entschuldige
sie wollte sich anmelden
sie hätte sich anstrengen müssen
sie hatte Grund stolz zu sein
ich durfte mich umziehen
wir mussten uns entschuldigen
Eine andere Wortstellung als im Deutschen findet sich in der Kon-
struktion gib es mir = gib mer S. Näheres in Lektion 24.
Die Wendung er ist es lautet auf schweizerdeutsch es isch en, ebenso
wänn i diich weer = wenn ich an deiner Stelle wäre.
In der verbreitetsten Grussformel «grüezi» ist auch ein Personalpro-
nomen enthalten. Das heute gebrauchte Verb für grüssen hiess früher
grüeze (heute grüesse). Aus «Gott grüez i» (Gott grüsse euch) ent-
stand abgekürzt grüezi. Man kann es zu jeder Tageszeit verwenden
und ebenso gut gegenüber Personen, die man siezt und die man duzt.
Zu letzteren kann man auch sagen grüez die Es ist üblich, den Namen
des Begrüssten auszusprechen: grüezi frau Pfisehter. Richtet sich der
Gruss an mehrere Personen, so sagt man grüezi mitenand. Unter
jungen oder einem vertrauten Leuten sagt man bei der Begrüssung sa-
lü, sali oder hoi; beim Abschied tsehau, tsehau zäme und neuerdings
auch tsehüs. Weniger salopp ist uf widerluege, adie oder adiö; auch
hier sind adie mitenand oder uf widerluege mitenand gebräuchlich.
55
ÜBUNG 6
56
Duu bisch es gsy
lich mache nüme mit
Was duu nöd säisch
Von imm hani das nöd erwaartet
Von öis chunsch nüüt über
Bin öi git s nüüt z lache
Eer isch alewil gueter luune
Ine chan i s säge
Uf miich cha me si verlaa
Ire chasch vertroue
Vo miir cha si ales haa
Eer verraatet nüüt
Diich frag i nüme
Eer tänkt imer nu a siich
Wänn duu gaasch, gaan iich au
Wänn miir und iir zämeschatTed ...
Si glaubt nu imm
Diir hilff i gern
lich säge nöd wie
Wänn er diich ergere cha,
so tuet er s
Imm tÖÖrffsch es nöd säge
Eer git ene käi chance
Miir glaubt das käine
Sy chunt nie
Wänn sy chunt, so ...
Bisch es gsy?
Rütt mach i mit
Was t gsäit häsch, bringt is nüüt
Ich wott nüüt mee von em
Wänn schrybsch is wider?
Ich ha sc ho lang nüüt von i
ghöört
Ich ha mi uf di verlaa
Wänn t mitchunsch, ..•
Glaub ere nüüt!
Wottsch öppis vo mer?
Er verraatet di scho nöd
Ich frÖÖge di nüüt mee
Er git si(ch) müe
Wänn duu gaasch, gan i au
Chunsch mit is?
Sy glaubt em ales
Wänn t wottsch, so hilff i der
Wien i sc ho gsäit ha
GäU, das ergeret di
Säg em s
Wämer gaa?
Glaubsch mer s?
Ich hotTe, si chömed gly
Chunt si gly?
S Trudi isch e liebs
Ins mues men äifach geern haa
Imm glaub i ales
Uf ins hani lang gwaartet
Ins han i geschter gsee
Es isch e liebs
Me mues es äifach geern haa
Ich glaub em ales
Ich waarten uf s
Ich ha s geschter gsee
Ich bi mit em go schpaziere. Mit imm gaasch go schpaziere, aber um
miich chümerisch di nöd. Er müend äntli emaal oornig mache, bi öis
isch imer oornig, aber bin öi gseets truurig dry. Waas wänd Si vo
mer? Ich wott nüüt von Ine, aber chan i mit de herre vo de tiräk-
zioon rede? Wänn s daa sind, chönd Si mit ene rede. Glaubed Si, das
s furt sind? Me wäiss nie rächt, wo s sind. Mäischtes sind s i de
fabrik äne. Ränd s dänn vii z tue? Ja, si schatTed i äim furt. Vo diir
han i netti gschichte ghöört; wänn t di nöd besserisch, wäiss i nöd,
was t äigetli tänksch. Isch si scho daa gsy? Näi, aber eer isch scho bin
is gsy. Rät er i kän pricht ggee? Näi, von imm erwaarted mer so
öppis ä gaar nööd. S Anni leert jetz autofaare. De vatter hät s em
äntli erlaubt. Bruucht s ächt lang, bis s es gleert hät? Ich glaube, für
ins isch es liecht, ees hät energii.
LEKTION
7
D frau Büeler chaufft es chläid
VerchöitTeri: Grüezi frau Büeler! Was tÖÖrffs sy?
Chundin: Grüezi fröläin. Ich wett geern rooti und ggarierti wule-
chläider aaluege, oder zäiged Si mer grad chläider i al ne farbe.
V. Wänn Si s wänd zumene schwarze huet trääge, gaat root scho
am beschte. Da hämer e nöii koläkzioon vo de letschte Paryser
modäl. Si händ da ggostüüm i verschidene tööne, hele und
tunkle. Mer füered di hübsch fassong i de mäischte nüangse.
Ch. Es gfalt mer nöd läid, was Si mer da zäiged. Aber mues me
nöd angscht haa, das mer uusgseet wie aU lüüt, wä men e
settigs chläid aahät?
V. Wüssed Si, wä me di richtig moode wott mitmache, mues me
das imer risggiere. Mir händ natüürli au na ganz uusgfalni
sache, aber si sind mit soo öppisem glaub besser bedient.
Ch. Es hät ja würkli vii schiggi sache drunder. Ich wott em aal
epaari von ene probiere zum luege, weles das mer am beschte
chunt, vilicht die bäide roote und säb jegergrüen. -
Ch. Apropo, händ Si di nöien aabigchläider scho überchoo?
V. Jaa, öises laager isch grad jetz am beschten yteckt. Chömed Si
grad i di ander abtäilig übere, wänn Si wänd so guet sy!
Ch. Jaa geern. Was git s nöis i dem winter?
V. Di mäischten aabigchläider sind jetz äng, mit hööchem
verschluss und freiem rugge. Daa isch grad ganz en apardigs:
57
VOKABELN
STARKES
ADJEKTIV
en schwarze samet mit ere goldige schleppe. Für Sy wüüri
aber eender wyss empfele.
eh. Händ Si daa öppis bsunders elegants?
v. Ja, lueged Si emaal das da aa. Und dänn wüssed Si, wänn Si
vom sumer heer e prüünti huut händ, würkt nüüt besser, als e
tüüf uusgschnittes wysses chläid. Oder suscht, lueged Si emaal
das fiolet terileenchläid aa. Das isch en aagneemi abwächslig,
wänn Si emaal nöd i ganz groosser aabigtoalete wänd uusgaa.
eh. Si händ würkli schööni sache daa, wo s äim gluschtet z
chauffe. Ich mues mer s aber na überlegge. Für hütt tank i
Ine, das Si mer ales eso grüntli zäiget händ.
V. Es isch geern gschee. TÖÖrffed mer Ine das wulig chläid
schicke?
eh. Ja, schicked Si s na i dere wuche. Adie fröläin!
V. Uf widerluege, frau Büeler!
fiolet lila uusgfale
eender eher es chunt mer
apartig, besonders uf widerluege
apardig uf widerlose
schigg chic, piekfein de mose ö
tajöör" Tailleur, Schnei- de molch ö
derkleid
schüp" Jupe, Rock de blagööri "
Iybli " Leibchen beesch
Das Adjektiv
nicht alltäglich
es steht mir
auf Wiedersehen
auf Wiederhören
Fleck, Flecken
Molch,langwei-
liger Mensch
Aufschneider
sandfarben
Wie alle germanischen Sprachen (ausser dem Englischen) unter-
scheidet das Schweizerdeutsche beim Adjektiv zwei Deklinationen,
die traditionellerweise «stark» und «schwach» genannt werden. Ihre
Verwendung richtet sich nach bestimmten Regeln, die im folgenden
dargestellt werden. Der Dativ Plural und Singular endet immer auf -e,
vorbehältlieh Punkt 7, so dass er in der folgenden Tabelle fehlen darf.
Grundfall
Singular
Plural
maskulinum femininum neutrum
I en guete e gueti e guets I
gueti
Verwendung der 1. Nach unbestimmtem Artikel und den folgenden 6 hier aufgeführten
starken Form Stellungen: en tröie hund, e flyssigi gletteri, e frächs muul, blaui
möse; liebe götti, häiligi äifalt, schööns wätter, hööchi schtüüre.
58
2. Nach äin, käin: äin nöie gmäindraat, käi äinzigi gmäindrÖÖtin,
kä gültigs gsetz, kä frischi liferige.
SCHWACHES
ADJEKTIV
3. Nach einem Adverb: gnueg süesse moscht, waansinig groossi
begäischterig, zimli hööchs fieber, vii schööni chläider, epaar alti
büecher, es paar alti schue.
4. Nach Zahlwörtern: zwee jungi saxofonischte, föif italienischi
musiker, hundert begäischtereti zuehörer.
5. Nach Personalpronomina in der Einzahl: iich alti püüri, duu liebs
schätzli, Si gwundrige mäntsch.
6. Nach myn, dyn, syn: myn nöie mantel, myn nüünjeerige soon,
dyn gwundrige naachber, syn verlotterete gaarte.
7. Für den Dativ Singular gibt es noch eine Form auf -ern und -er, die
bei Adjektiven ohne eines der aufgezählten Bestimmungswörter
gebraucht wird. Sie entspricht der deutschen Form, kommt aber
weniger häufig vor: us puurem nyd, mit vollem muul, miir guet-
müetigem tropf, diir alter frau, bi gueter gsundhäit, mit groosser
müe, trotz heftigem widerschtand.
Grundfall
Singular
Plural
maskulinum femininum neutrum
de guet di guet s guet
di guete I
Der Dativ endet im Singular und Plural auf -e.
Verwendung der 1. Nach dem bestimmten Artikel: de bescht tokter, di alt fasnacht,
schwachen Form s suuber wasser, di junge schtörch.
Lautliche
Anpassungen
2. Nach Demonstrativ- und Indefinitpronomen: dee alt blagööri, die
aaschpruchsvoll daame, daas aartig chind, die aartige chind, säb
jung böimli, jedes nöi mitgliid, ali änglische schriftschteler, weli
jung artischtin. Nach etlichi und was fürigi schwankt der Gebrauch
zwischen starken und schwachen Endungen.
3. Nach Possessivpronomen: myni alt jagge, mys root chläid, dyn
grüene huet, iri roote röck, öisi wulige mäntel, öii altmöödige
tschööpe. Hier ist die beim starken Adjektiv, Punkt 6, schon genannte
Ausnahme zu beachten, dass nach myn, dyn, syn (nur Maskulinum,
Singular, Grundfall) das starke Adjektiv steht. Man unterscheide also
syn nöie mantel von ire nöi mantel.
4. Nach wir und ihr: miir zueverleessige handwercher, iir trüebe
mölch.
Adjektive, die auf Zischlaut ausgehen (s, sch, z) schieben vor die En-
dung -s ein -e- ein: e groosses huus, e häisses ise, e schwarzes
chläid, e beesches halstuech, e bööses muneli.
59
Adjektive und
Partizipien
auf -e
Der
Adjektivartikel
60
Die Endung -e wird immer mit Sandhi-n verbunden, wenn das
folgende Wort mit Vokal beginnt: gueten aabig, mit emen alten
aahänger, di grüenen und rooten öpfel.
Ein Sonderfall ist chly (klein). Statt chlys heisst es chlyses. In den
übrigen Formen schiebt es ein -n- vor die Endung; e chlyses chind, en
chlyne, chlyni lüüt.
Dieses -n- tritt auch bei früe auf: en früene zuug, früeni bire. Das
Neutrum ist aber regelmässig: e frües vögel i.
Die Wörter auf -eI werfen vor vokalischer Endung das -e- aus: De
tunke I wald, e tunkeIs zimer, aber e tunkli wand, die tunkle
macheschafte.
Bei dieser gros sen Gruppe heisst es aufgepasst. Die Wörter endeten im
Mittelhochdeutschen und enden noch im Deutschen auf -en, dieses n
ist im Schweizerdeutschen abgefallen, tritt aber wieder in Erscheinung,
wenn eine vokalische Endung folgt. Dies hat nichts mit Sandhi zu tun.
Die Übertragung der vorher präsentierten Tabellen sehen also
folgendermassen aus (Beispiel: gefunden):
stark I en gfundne e gfundni e gfundes
~ f u n d n i
schwach de gfunde di gfunde s gfunde
di gfundne
En offes fäischter, en offni türe, s offe fäischter, di offe türe, en
trochne mantel, de troche mantel, di trochne mäntel. Gsottni
herdöpfel, e gfundes frässe, e gschliffes muul, s gschliffe mässer.
(Viele Beispiele in der Übung dieser Lektion.)
Vor einern Adjektiv kann nie der Artikel d stehen, sondern dafür gibt
es eine eigene Form, welche di lautet. Sie ist nicht zu verwechseln mit
dem Demonstrativpronomen die. Also di jung frau = die junge Frau,
aber die jung frau = diese junge Frau.
Auch der neutrale unbestimmte Artikel es hat eine eigene Form vor
Adjektiven, nämlich e und vor Vokal en. Während der Artikel di
strikte durchgehalten wird, bestehen beim e Schwankungen; es wird
nicht als Fehler empfunden, wenn jemand statt e bräits bett sagt es
bräits bett.
Das Wort für kein entspricht durchaus dem unbestimmten Artikel,
wenn es vor einern Substantiv steht en : kän, e : kä, es : käse Wenn es
vor einern Adjektiv steht, so fällt im Neutrum ebenfalls das -s ab, also
kän maa, kä frau, käs chind, aber kä chlyses chind.
d nazioon aber di schwyzerisch nazioon
d völcher aber di öiropeeische völcher
es land aber e demokraatisches land
Nun muss der Adjektivartikel auch gebraucht werden, wenn ein Adjek-
tiv substantiviert erscheint; dieser Fall tritt sehr häufig ein, und manche
Adjektive haben sich so verselbständigt, dass man gar nicht mehr
daran denkt, dass sie ursprünglich Adjektive oder Partizipien waren.
Dennoch flektieren sie in beiden Sprachen weiter wie Adjektive.
Greifen wir drei Beispiele heraus, die durchaus identisch sind.
der Bekannte de bekant der aagschtelt de tüütsch
die Bekannte di bekant di aagschtelt di tüütsch
ein Bekannter en bekante en aagschtelte en tüütsche
eine Bekannte e bekanti en aagschtelti e tüütschi
die Bekannten di bekante di aagschtelte di tüütsche
Bekannte bekanti aagschtelti tüütschi
Eine Abweichung Unter dem Einfluss der Schriftsprache und der Dialekte von Bern und
Basel haben einige Sprecher die Neigung, anstelle der endungslosen
Formen des starken Adjektivs die Endung -i einzusetzen. Dieses -i
erscheint besonders häufig in nicht-spontaner schriftsprachlich ge-
dachter Rede oder beim in Mundart übertragenen Ablesen schrift-
sprachlich konzipierter Manuskripte. Da hört man dann s nazionaali
interässi, der umschtrittni tüürigsuusglych, s nöi schtrukturierti
organigramm, di andersch konzipierti vercheersaalag. Die Endung
-i erscheint auch, wenn ein Adjektiv besonders betont werden soll: di
zääti und nöd di nüünti AHV -rewisioon. Sie kann auch dazu dienen,
harte Konsonantenzusammenstösse zu vermeiden: de grööschti täil, di
äinzigi keernschpaltig, di uustüüftletischti zäntraalschaltig.
ÜBUNG 7 en roote rock e frisches hämp nöii chläider
e nöis chläid en nöie fernsee grosse gott
ejungi frau en ebni flechi du liebi zyt
en chlyne bueb e tunkeIs pier du heerzigs chäferli
e chlyses mäitli s tunkel zimer mit eme chlyne hund
chlyni buebe di tunkel nacht chlyni hünd
mit chlyne buebe di tunkle nächt im groosse ganze
de root schüp e goldigs chetteli en altmöödige tajöör
dijung frau s goldig chetteli kän alte huet
de chly bueb di goldige ring kän äinzige franke
s chly mäitli goldigi ring kä guets haar
di chlyne buebe imene nöie chläid kä wichtigi sach
e frües chriesi mit nöie hüet myni jung chatz
en früene gascht von eren alte frau mys nöi chläid
61
myn guete fründ zfridni gescht
myni alt täsche e zfrides gsicht
myni alten eitere gsundi lüüt
bi mynen alten di gsunde lüüt
eitere bekanti
vo mym guete fründ myni bekante
vo myner guete en tüütsche
fründin e tüütschi
s troche lybli en ledige
troches wätter e ledigi
trochni witz di ledige
uftrochne ledigi
schtraasse en gschidne maa
di gschtole e gschidni frau
brieftäsche e gschides paar
der underschribe de gschide maa
vertraag di gschide frau
di underschribne s gschide paar
brief gschidni lüüt
en offes räischter bi de gschidne
s offe räischter bimene gschidne
bimene offne maa
fäischter en gschidne
bi offnem fäischter e gschidni
de zfride gascht di gschidne
en zfridne gascht radikaali politiker
62
di radikaale
en beförderete
beamte
befördereti beamti
di beförderete
beamte
en gfangne
e gfangni
di gfangne
der obdachloos
en obdachloose
obdachloosi
bi den obdachloose
bi helem liecht
i tunkler nacht
us puurem eerger
ich turnen esel
mir armem tropf
i trüeber schtimig
bi guetem humoor
bi guete koleege
öppis nöis
nüüt guets
kän läbige mäntsch
kä läbigi seel
kä läbigs tierli
-'1. 1
~ ~
jl ' " i . ~ ' .
.'i! ~
iil '
,1
;j
,.1'
~
LEKTION
8
Wer macht di schönscht schuelräis?
Oski: Was mached iir für e schuelräis das jaar?
Marco: Ich wäiss es nöd, me hät bin öis na nie gredt devo.
Röbi: Öisi leereri hät gsäit, das jaar gäb s öppis ganz tolls, aber
si sägi jetz na nüüt; es gäb drum en überraschig. Säg duu,
Oski, was git s dänn bin öi?
Oski: Mir faared mit em zuug uf Brunne; dänn gömer mit em
schiff über de see uf Treib und vo deet mit em säilbäänli uf
Seelisberg ufe. Dänn lauffed mer uf em «Weg der
Schweiz» uf Bauen abe. Das schtuck wääg isch ja vom
kanton Züri pout woorde, das wüssed er hoffetli. Dänn
lauffed mer aber na wyter bis uf Flüele. A säbem schtuck
wääg sind en ganze huuffe kantön betäiliget.
Marco: Das weer mHr aber z wyt.
Oski: Defüür tÖÖrffed mer vo Flüelen uus wider mit em schiff
faare; villicht hämer sogar en tampfer. Myni elter
schwöschter hät gsäit, mit dym leerer göng s i dym jaar-
gang gwönli nu bis an Ryfall. Da lauff i lieber echli mee
und gseene dänn au öppis nöis. Das isch doch leessig.
Röbi: Da wämer dänn doch na luege, öb öisi leereri nöd e na
besseri idee hät. Uf em wääg vo de Schwyz bin i überhaupt
scho gsy, mit mym vatter und myner mueter.
63
VOKABELN
mein, dein, sein
unser, euer, ihr
Varianten
64
Oski: Aber so schööni bilder, wie öise leerer amigs a d wandtafle
zäichnet, bringt öii leereri nöd ane.
Röbi: Tumms züüg. Mir reded jetz doch nöd vom zäichne, es
gaat um d schuelräis. Überhaupt, bin öisere chunt s uf
anderi sachen aa. Sy isch äifach gmögig, und si hät aHpot
ideene, wo super sind.
Oski: Werum säisch nüüt, Marco?
Marco: Öisen isch äifach en schtuure chog. Ales gaat bin em nach
scheema eff und ales mues uf s tüpfli gnau sy.
Oski: S gaat ja nümen esoo lang. Wänn er dänn em aalen i d sek
chömed, isch sowiso ales andersch. Myni schwöschter säit,
si heb deet en leerer, wo bin aHne syne schüeler beliebt
isch. Es chönnt ja sy, das du au zu dem chunsch.
sek Sekundarschule
chog Schimpfwort
tüpfli Pünktchen
chreeze Rückentragkorb
schoggi Schokolade
güggel Hahn
weggli Milchbrötchen
zäine Tragkorb
schnauz Schnurrbart
büsi Kätzchen
schlyffi Gleitbahn auf Eis
sägisse Sense
gugelupf Gugelhopf
Das Possessivpronomen
Singular, Grundf.
Dativ
Plural, Grundf.
Dativ
Mask. Fern.
100 Lohn
chabis Kohl
suri Kreisel
wäidlig Kahn
taggel Dackel
naastuech Taschentuch
finke Pantoffeln
poschte Einkäufe machen
schpine phantasieren
leessig wunderbar, toll
irrleess noch leessiger
nüüt nichts
huusmäischter Hauswirt
Neutr. Mask. Fern.
mys öise
öisem
Neutr.
Wie myn werden flektiert dyn und syn, wie öise öie und ire.
Wie bei einigen anderen Wörtern (z. B. miir/mir oder das/daas ist
auch die Länge von myn, dyn, syn nicht stabil. Bei raschem Reden
wird das y gekürzt, dann ist die Schreibung min, din, sin angebracht.
Neben mynere, dynere, synere gibt es auch myner, dyner, syner.
11
Substantivischer
Gebrauch
Besitzanzeige
ÜBUNG 8
Neben öise, öisi, öises und öie, öii, öies werden auch Formen mit
eingeschobenem -er- gebraucht: öisere, öieri usw.
Im Gegensatz zum Deutschen kommen die Possessivpronomen nie in
Verbindung mit Artikel vor: Der meine, die meine, das meine heissen
kurz myne, myni, mys. Zum deutschen der meinige gibt es keine
Entsprechung. Der meinige heisst kurz myne.
Beispiele: Euer Haus ist nicht so gross wie das unsrige, dafür hat das
eure einen grösseren Garten: Öies huus isch nöd eso grooss wie
öises, defüür hät öies en gröössere gaarte. Meine Mutter schenkte
mir zwei Franken, was hat dir die deinige gegeben?: Myni mueter
hät mer en zwäifränkler gschänkt, was hät der dyni ggee? Lass
meinen Kugelschreiber in Ruhe, schreib du mit dem deinigen: Las
myn chugelschryber i rue, schryb du mit dym! Meiner Frau geht es
gut, wie geht es der deinigen?: Myner frau gaat s guet, wie gaat s
dynere? Eher volkstümlich aber häufig zu hören sind die Ausdrücke
my ni für «meine Ehepartnerin» und entsprechend myne für den
Partner.
Im Gegensatz zum Gebrauch des Deutschen meiner wird my ne ohne
Berücksichtigung von Geschlecht und Zahl zur Angabe eines
Besitzverhältnisses gebraucht: dee öpfel isch myne, die täschen isch
dyne, das mässer isch syne.
Eher beliebter als das Possessivpronomen ist in diesen Fällen der
Dativ des Personalpronomens: dee öpfel isch miir, die täschen isch
diir, daas mässer isch imm, die büecher sind öis. Dieses gehört mir
kann also sowohl mit daas isch myne wie mit daas isch miir
wiedergegeben werden. Ausserdem gibt es auch das Wort ghööre, man
kann also auch sagen daas ghöört miir.
myn brüeder öisi weggli ufmym ross
my ni chappe öises büsi i sym wäidlig
myn rernsee mit irem suri myn nöie wage
öise tiräkter ufmym welo dyni schwaarz
öii schoggi mit öisem taggel chappe
ire güggel bin öisem naachber sys bruun ross
iri hübschi a sym schnauz ires grüen chläid
ires bääbi mit dym chabis öise nöi tiräkter
öisi chriesi i syner chreetze öies gschtole welo
myni rööschti in irer wöschzäine öisi guet schoggi
syn 100 bin öisere myni chlyne chind
dys naastuech huusmäischteri bi myner alte tante
syni finke uf öiere schlyffi öisi schaarff sägisse
mys bileet in irer öpfelweee ire böös taggel
65
66
öisi frische weggli ires S ross isch miir
sys ungültig bileet öisi (oder myne)
uf irem bruune ross öie De taggel isch diir
bi öisne liebe fründ sys D schoggi isch imm
in öisne waarme finke syni S büsi isch ire
mit irem süesse ire D weggli sind öis
gugelupf öises De gugelupf isch öi
my ne öies D chläider sind ine
Myni uur gaat voor; was häsch für zyt uf dynere? Myni schpint au
echli. Wem syn hund isch daas? Myne isch er nöd. Isch er nöd
dyne? Ich glaube, er isch syne oder ire. Öie hund hetzt aliwyl öisi
chatz. D redakzioon hät es zirkulaar an iri mitarbäiter gschickt. D
frau Brändli poschtet für iri familie. De vatter gaat mit sym soon
und syner tochter go schpaziere. I öisere familie git s bald es
hoochsig. Mys nöi töffli isch scho kabut, häsch du mee glück mit
dym? Dys chly hündli isch hüt fascht under es auto choo. Öises
hiesig obscht isch konkurränzfeeig. Öii modeern schtägehuus-
belüüchtig git e schööns liecht. Ire schiischtock isch verbroche. Si
bezauberet ali wält mit irem früntliche wäse. Lueged si öisi
schaufäischter aa! Öisi nöie modäll sind geschter aachoo. Lönd Si
Iri soorge dihäim und chömed Si zumene luschtigen aabig in öises
gabaree!
LEKTION
9
Wie äine zumene nöie prueff choo isch
Myn fründ Emil hät em aal amene hoochsig vil applaus überchoo
wäg eme gedichtli, und drum hät er sider allpott öppis voorträit,
wänn er amene fäscht gsy isch. Mit de zyt isch er imer gfitzter
woorde und syni veers sind au imer lüschtiger woorde. Wänn er
hütt amigs zumene hoochsig yglade wiirt, gaat er zu den eitere vo
de bruut und vom brüütigam und au zu denen ire fründ. Deet
samlet er anekdooten und gschichtli, und die bout er dänn i syni
«hoochsigskarmina» y. So säit er amigs echli gschwulen uf laty-
nisch.
Soo isch er naadigsnaa zumene profi woorde. Wil er so vil urne
chunt, han i en emaale gfrÖÖget, was hüttigstags öppe de bruuch
seig bim hüüraate. Er hät mer dän prichtet, imm fali s uuf, wie die
hoochsigsfäscht denand glychid. Mäischtes göng s bruutpaar zäme
mit de züüge am vormittaag oder sogar am taag vorane uf s
schtandesamt für d ziviltrouig. Das sig dänn eender e trochni sach;
im beschte fall göngid s nachane zäme zumenen apero und eme
chlynen ässe. S äigetli fäscht chömm dänn am neechschte taag.
Also, das sig esoo: D hochsigsgescht, das sind verwandti und fründ
oder au prueffskoleege nämed natüürli ader äigetliche trouig täil,
das ghäisst, si chömed i d chile, wo de pfarer s hoochsigspaar zäme-
67
VOKABELN
Den deutschen
entsprechende
68
git. Au lüüt, wo suscht äigetli nöd religiöös sind, möchted doch
imer na geern i de chile trout weerde. Psunders beliebt sind
hüttigstaags gwüssi heerzigi hoochsigschileli nöimen uf em land.
Dänn mues sich natüürli di ganz gsellschaft verschiebe oder
disloziere, wie mer im dienscht säged. Für daas mieted di äinten en
ggar, oder di andere - wil ja hütt doch di mäischte Iüüt motorisiert
sind - bilded kolone vo gschmückten auto, wo s demit dänn uf s
land use faared. Öppedie schtygt men au in es noschtalgisches
tampfzügli, wänn deet äis urnen isch. D hauptsach isch dänn s
hoochsigsässe imene renomierte reschtorant. Deet hät de bruut-
vatter syni reed, won er demit syni tochter irer nöie familie
übergit, und dänn chunt scho gly di grooss schtund vo mym fründ
Emil. Da mues er nöd nu sys hoochsigskarmen vom schtapellaa, er
mues au de tafelmajoor schpile, für d musig soorge, tänz und
gsellschaftsschpiiler organisiere. Für daas hät er esone rutinen
überchoo, das er druus en prueff gmacht hät.
Wänn Sie emaalen es inserat inere zytig gseend «Als hoochsigs-
organisator und fäschtredner empfilt sich E. Freudenberger, Tele-
fon 0111234567», so chunt das vo mym fründ Emil.
prueff -üe-
hüüraate
züüge"
dienscht
profi
tafelmajoor "
bruuch -üü-
gfitzt
Beruf
heiraten
Zeuge
Militär
Berufsmann
Festarrangeur
Sitte
pfiffig
Die Präpositionen
in
a an
us aus
uf auf
na,nach nach
um um
dur durch
under unter
hinder hinter
über über
näbet neben
zwüschet zwischen
wäret während
wäge, wäg wegen
gschwule
naadigsnaa
allpott
urne
Uni
Poli
vor
vo
Z,zu,zue
bi, by
gäge,gäg
sid
ooni
mit
ussert
inert
schtatt
trotz
tank
... naa
hochtrabend
allmählich
immer wieder
umher
Uni versität
ETH, Eidg.
Technische
Hochschule
vor
von
zu
bei
gegen
seit
ohne
mit
ausser
binnen
statt
trotz
dank
längs
I
Spezifisch
schweizerische
Zur Anwendung
Bei Ortschaften
und Ländern
Gedehnte
und gekürzte
Präpositionen
ab von - herab
ob auf, über
änet jenseits
zmitts i inmitten
heerwerts vo diesseits
wisawy vo gegenüber
oben a oberhalb
En schtäi ab em heerz
Das doorff isch ab de wält
si isch ab de rytschuel gschprunge
Dee isch ab de schine
Bis änen use
unena
ussen a
inen a
hinen a
vornen a
vom Herzen
abgeschieden
unterhalb
ausserhalb
innerhalb
auf der
Rückseite von
auf der
Vorderseite von
vom Karussell gesprungen
auf und davon
Änet em beerg hät s au Iüüt
Domodossola isch änet em Simplon
Heerwerts vo Uschter
bis zum geht nicht mehr
jenseits des Bergs
jenseits des Simplons
Uster von Zürich aus gesehen
mitten im Dorf Zmitts im doorff schtaat d chile
De baanlinie naa gaat en autobaan
Ussen am wald isch e depony
Unen am doorff flüüsst en bach
Wisawy vo de chile schtaat
der Bahnlinie entlang
ausserhalb des Walds
unterhalb des Dorfs
gegenüber der Kirche
s raathuus
Bei Orten und Ländern ohne Artikel dient uf für die Angabe der Rich-
tung, während z das Verweilen angibt:
uf Züri, uf Basel, uf Chuur, uf Amerika, uf Frankrych nach Zürich
usw.
z Züri, z Basel, z Chuur, z Frankrych in Zürich usw.
Dagegen mit Artikel: i d Schwyz, i de Schwyz, i s Elsass, im Elsass.
Die Regel wird heute nicht mehr von allen Sprechern konsequent
befolgt; man bekommt auch in Züri und nach Züri zu hören.
Es ist eine Eigentümlichkeit des Schweizerdeutschen, dass Präpositio-
nen sowohl mit betonten wie mit unbetonten Personalpronomen ver-
bunden werden können, wobei im letzteren Fall die Präposition allein
der Tonträger wird und bei Vokalzusammenstoss (Hiatus) Binde-n
auftritt. Man vergleiche die folgenden Kontraste:
vo miir vomer von öi von i bi ire byn ere
vo diir vo der vonine von ene bi öis byn is
von imm von em bi miir bymer bi öi byn i
von ire von ere bidiir by der bi ine byn ene
von öis von is biimm bynem näbet imm näbet em
69
näbet ire näbet ere zu öi zuen i mit öi mit i
näbetine näbetene zu ine zuen ene mit ine mit ene
zu miir zue mer mit miir mit mer über in über en
zu diir zue der mit diir mit der über sy über si
zuimm zuen em mit imm mit em über sy über s
zu ire zuen ere mit ire mit ere
zu öis zuen is mit öis mit is
Wie die Beispiele zeigen, hat bei eine kurze Form bi und eine gelängte
by. Bei zu lautet die kurze Form zu und die betonte zue. Die dritte
Variante dieser Präposition z erscheint vor dem Infinitiv und vor den
Ortsnamen.
Das Binde-n ist vor den unbetonten Präpositionen unabdingbar: zue-
nem, vonere usw., vor den betonten willkürlich: bin öis und bi öis.
Sandhi und Ver- Die schweizerdeutschen Präpositionen regieren den selben Fall wie die
schmelzungen entsprechenden deutschen. Da es im Schweizerischen aber keinen Ge-
netiv gibt, regieren wäge, wäret, schtatt, trotz den Dativ, andere wie
kraft, halber, in betreff, zwecks, binnen, angesichts, jenseits fehlen im
Schweizerdeutschen völlig.
70
Die vokalisch auslautenden Präpositionen a, i, vo, gäge, wäge haben
im Hiatus ein Binde-n: an öisi fründ, in alne döörffer, von
Effreetiken uf Dietlike, gägen OlSI überzüügig, wägen
arbäitermangel, an en baum, in es hüüsli, in e chile.
Eine eigentliche Verschmelzung von vokalisch auslautenden Präpo-
sitionen mit Artikel tritt ein im Dativ Singular. Die Verschmelzung
geht dabei nach folgender Regel vor sich: In den Artikeln emene,
enere, em fällt das erste e ab und wird ersetzt durch die Präposition,
zum Beispiel: a + emene wird zu amene. Die folgende Liste enthält
sämtliche Fälle:
a
}
{
amene anere am
emene imene inere im
vo + enere = vomene vonere vom
bi em bimene binere bim
zu zumene zunere zum
Zu als einzige Präposition verschmilzt mit de(r) zu zur.
Wenn a und i vor dem männlichen bestimmten Artikel de stehen, tritt
oft eine Verschmelzung mit dem sonst ausgestorbenen Akkusativartikel
«den» ein. Statt a de tisch pütsche an den Tisch stossen und i de see
flüüge in den See fallen heisst es dann an tisch pütsche, in see flüüge.
Man gebraucht aber auch die unverbundenen Formen a de und i deo
I
Verbal-
zusammen-
setzungen
Idiomatische
Wendungen
ÜBUNG 9
Eine heute weniger oft gebrauchte Verschmelzung betrifft den Dativ
Plural. An, von, bin, zun, in standen für ade, vo de, bi de, zu de, i
deo Z. B. Bin grieche bei den Griechen. Von nüüne bis zun zwölfe
von 9 bis 12 Uhr.
Viele Präpositionen bilden mit Verben sogenannte Komposita. In die-
sen nehmen zahlreiche Präpositionen eine gelängte Form an. Diese
wird uns in Lektion 21 bei den zusammengesetzten Adverbien auch
wieder begegnen.
i: ytue einknöpfen du muesch dyni chnöpf ytue
ob: oobhaa auf dem Herd haben wie lang häsch d suppen oob?
a: aamache befestigen mach de laden aa
us: uus-choo sich verstehen mir chömed guet uus mit ene
uf: uuftue öffnen d tierli tüend d augen uuf
dur: duurtue auswischen tue das duur und schryb s nöi
zu: zuemache schliessen mach s fäischter zue
na: naaschtyge begreifen schtygsch naa, häsch kä langi läitig?
vor: voorchoo vorkommen so öppis chunt äim mängsmaal voor
bi: byschtaa beistehen schtand mer by!
Das chunt mer z pass
Me gaat z chile
I d himbeeri gaa
Vor de häiteri schtaa
Das kommt mir gelegen
Man geht in die Kirche
Himbeeren pflücken gehen
Vor dem Licht stehen
Uf chrankeschy blaue mache
Äis über sander maal
Krankfeiern auf Kosten der Kasse
Immer wieder
Um s verrode nöd
Er isch zue
I de tüüfti isch es tunkel gsy
De hund isch in hoof gränt
Si hät de maa welen i d trüli
schpeere
D muus isch is loch gschloffe
Am eerschte mäi git s en umzuug
Ade Wybeergstraass hät s
epaar hotel
Ich han en brief an presidänt
gschribe
Mer sind uf em Bachtel gsy
Mer sind uf de Forch gsy
Mer sind uf der Üetli gfaare
Mer sind uf d Lägere gschtige
Um keinen Preis
Er ist wegen Drogen oder
Alkohol nicht ansprechbar
-Mer sind uf s Albishorn
gwanderet
Und er em öpfelbaum isch
fallobscht gläge
Under de tane ligged nadle
Ich ha d gschänk under de
chrischtbaum gläit
Si händ e läitere under d linde
gschtelt
D chatzisch under s fass gchroche
Über em flugplatz isch näbel
gläge
Über d brugg isch en zuug
tunneret
71
72
S wasser flüüsst under de brugg
dure
Si isch bis under d brugg
gschwume
Vor em eerschte schnee händ s
d schnüüze paraad gmacht
Vor de wienecht git s vil z tue
Er isch vor em orcheschter
gschtande
Er isch vor s orcheschter ane
gschtande
Si sind vor de räkter zitiert
woorde
Si händ angscht ghaa vor em
räkter
Schtand nöd vor d uussicht!
Imene laagerhuus isch s gschtole
welo gschtande
Si isch in en lade ggange
Si isch in es gschäft ggange
Si isch in e molki ggange
Amene schööne taag isch es
passiert
An ere chilbi isch es luschtig
Ich han an en hööche beamte
gschribe
Ich han an e behörde gschribe
Näbet em paanhoof isch
s Landesmuseum
Hinder em Museum isch de
Platzschpitz
Ich han an e schtedtisches amt
gschribe
Es hät salaat ghaa uf eme beet
Uf ere tafele isch es verbot
gschtande
Si sind uf en beerg gschtige
Si sind uf e flue gehl äderet
Si händ uf es seeli abeglueget
Wänn zwäi under äim tach
müend läbe
Under äiner tecki schtäcke
Es hät s bääbi under eme pfulme
verschteckt
Si hät de film under e glaasplatte
gläit
Schind isch under es auto choo
Er isch über eme huuffe
dokumänt gsässe
De balloon isch über ere schtadt
schtaa plibe
Ich bin über e schwele
gschtüürchlet
Mer händ über es buech gredt
Vor eme rootliecht halte
Vor ere barieere hät s en schtau
ggee
Si sind vor e schlichtigsschtell
uufpote woorde
Si sind vor es gricht choo
De schy hät hinder eme bild
gchläbt
D suffiööse isch hinder ere
ggulisse gschtande
De mäiechäfer isch hinder en
voorhang gfloge
Näbet ere autobaan isch vii
leerme
Näbet en autobaan tÖÖrff me käi
hüüser boue
Vom eerschte jäner aa
Ich bin inert ere wuche fertig
Si händ ab em glachet
Änet em Züribeerg
Zmitts i de schtadt
Me sind de Limmet naa ggange
Oben a de säilbaan fangt
de wald aa
Unen a der Uni lyt d schtadt
Imene zält ine tÖÖrff me nöd
rauche
Hinen am bileet hät s reklaame
Vornen am auto sind
d schywerfer
Mer gönd uf China
Z Peking hät s vii welo
Z Japan produziered s
elektroonischi greet
Z Wolishofe schtaat di root
fabrik
Z Schtettbach chömed tram und
S-baan zäme
Dur de Gotthard chunt men is
Tessin
Zwüschet em Poli und der Uni
hät s e schtraass
Zwüschet de Limet und de Sihl
lyt de paanhoof
Under de wuche gan i nie uus
Er schtaat näbet em haupme
Er isch näbet de hauptme
gschtande
Wäge de lawynegfaar isch
d pischte gschpeert gsy
Ern bach naa wachsed wäide
Änet em Rhy lyt Chlybasel
Sid langem isch es schtill um en
Ich bin z gascht gsy byn em
Amene fyrtig sind d läde zue
Miiraa eh asch na blybe
Bin öis git s nüüt settigs
Gang zu imm, nöd zu ire
Gib s zue, zu miir chasch es säge
Hüttemorge bin i byn em gsy
Mit diir mues i na es wöörtli rede
Bis lieb, chumm zue mer
73
LEKTION
10
Rätschen isch an es vergnüege
Ern buumäischter Manassi syni frau und d frau vom leerer
Schüürme sind nachberine. Si chömed guet uus mit enand, und
nüüt tüend s lieber als nach em poschte echli zämeschtaa und
rätsche. Es isch grad en nöie tokter i de nachberschaft yzoge. Si
finded, dee heb scho es gfell ghaa, das er grad e wonig gfunde hät,
aber psunders nimt si s jetz wunder, was dem syni frau ächt für
äini isch. Si händ si nämli nanig gsee; nu em tokter syn huusraat
hät ene glägehäit ggee zum bim zügle echli schpienzle. Das huus
vom tokter isch früener emene koloniaalwaarehändler gsy. Mit
dem syner huushelteri händ s öisi daame nöd eso guet chöne. Es
hät si geergeret, das die chüngel und hüener gha hät; s chreee vom
güggel isch ne psunders uf de wecker ggange. Dem koloniaal-
waarehändler syni vycher sind alewyl na daa, er cha si welewääg
nöd i s altershäim mitnee, aber was macht ächt de tokter mit ene?
Wo s mit dem theema fertig gsy sind, händ s es vo de chilepflääg
ghaa. Si sind mit de meerhäit vo de chilepfläger nöd yverschtande.
S amt vom zwäite pfarer isch vakant, und d frau vom leerer findt,
me hett si au sele i d pfarrwaalkommissioon weele. D frau Manassi
findt das au; das gschprÖÖch vo dene zwo schwätzbäsene über di
lokaal chilepolitiik isch dänn zimli uusgibig woorde, und es isch ne
75
VOKABELN
Mit Präposition
Der possessive
Dativ
76
gar nöd uufgfale, wo s halbi zwölfi gschlage hät. Da settid s doch
scho lang dihäime sy zum de zmittaag choche. Ern leerer syni frau
mues phünktli paraad sy mit em zmittaag; eer chunt amigs sofort
häi us de schuel und er hät nöd wyt. De frau Manassi iri chind
chömed natüürli au häi, wänn s uus händ, aber mit dene nimt si s
nöd eso gnau, eer blybt im büro oder er isch nöime wyt ewägg uf
eme bou. Wo di bäide nachberine dänn doch na gmerkt händ, wie
schpaat das es isch, sind s verschrocke, händ denand gschwind
adie gsäit und sind in irne hüüser verschwunde.
chüngel" Kaninchen ächt wohl, vielleicht
huen üe -er Huhn nanig noch nicht
chilepflääg -e Kirchenvorstand luuser Lausekerl
schwätzbäsi
boue bauen
-ene Klatschtante buumäischter Baumeister
gfell Glück schpaat spät
heli " Hubschrauber schöne mit gut auskommen
teescheewee TGV ufde
Zürizytig NZZ wecker gaa nerven
Tagi Tagesanzeiger s haa mit sich beschäftigen
güsel Müll
mit
Wältschland französischspra - guetzli Kleingebäck
chige Schweiz eh ritz Zank,
schpienzle spionieren
Differenzen
zügle umziehen schtift Lehrjunge, Azubi
rätsche klatschen schtiftin Lehrmädchen
welewääg wahrscheinlich nöime, näime irgendwo
Der Genetiv
Die schweizerdeutschen Substantive haben keine Endungen, um den
Genetiv auszudrücken. Statt dessen dient entweder eine Präposition
oder der possessive Dativ. Gleich wie man französisch Le toi! de la
maison oder englisch A speech of the chairman formuliert, so sagt man
auf schweizerdeutsch:
stach vom huus
e reed vom presidänt
de prys von ere tuurte
d moodehüüser vo Züri
en fründ vo mir
Das Dach des Hauses
eine Rede des Vorsitzenden
der Preis einer Torte
die Modehäuser von Zürich
einer meiner Freunde
Bei dieser Konstruktion erscheint das Wort, welches auf deutsch im
Genetiv steht, im Dativ. Die Formulierung wird leicht verständlich,
'I
.,,\
Unlogische Ver-
schmelzungen
Erstarrte
Wendungen
wenn man an ihren Ausgangspunkt denkt. Aus einer Wendung wie Ern
puur isch sys huus abeprännt entsteht durch Verschiebung des Pos-
sessivpronomens ein possessiver Dativ: em puur sys huus isch abe-
prännt. Man vergleiche auch: mynere tochter hät dee lu user ires
bäbi ewäggnoo, durch Umstellung wird daraus ein possessiver Dativ:
Myner tochter ires bäbi hät dee luuser ewäggnoo. Noch ein
Beispiel: Mym vatter isch syn huet devoo gfloge wird zu mym
vatter syn huet isch devoo gfloge.
Der possessive Dativ wird gewöhnlich nur bei Personen gebraucht,
Ausnahmen sind aber möglich, z. B. bei Firmen.
die Freunde Heinrichs em Häiri syni fründ
das Kleid der Frau Bühler de frau Büeler ires chläid
das Kleid meiner Freundin myner fründin ires chläid
der Mantel jenes Soldaten säbem soldaat syn kabut
Man vergleiche: em Hodler syni bilder = die Bilder Hodlers, aber es
bild vom Hodler = ein Bild Hodlers.
Nun kann aber das regierende Wort (d.h. jenes, auf das sich der Gene-
tiv bezieht) seinerseits von einer Präposition abhängen: Ich ha s zu
mym fründ sym vatter gsäit. Wenn nun aber dieses zu oder eine
andere Präposition vor einem Artikel steht, so verschmilzt es mit ihm
nach den in Lektion 9 beschriebenen Regeln, obschon es logischer-
weise gar nichts mit ihm zu tun hat:
vo (ern maa) syner syte
bi (ern Häidi) syner leereri
i (ern tokter) syner praxis
zu (de frau) Manassi irer
nachberi
von der Seite des Mannes
bei Heidis Lehrerin
in der Praxis des Doktors
zu der Nachbarin von Frau M.
Das ergibt in der wirklichen Sprache:
vom maa syner syte
bim Häidi syner leereri
im tokter syner praxis
zur frau M. irer nachberi
Die ausgestorbenen Genetivendungen kommen noch in einer Reihe for-
melhafter Wendungen vor:
ums himeis wile
s tüüfels tank haa
maas gnueg sy
es hagels chröttli
was guggers isch daas?
en moords ruusch
ich hä nöd de zyt
aler gattig lüüt
ums Himmels willen
des Teufels Dank haben
Manns genug sein
ein sakraments Mädchen
was zum Kuckuck?
ein Riesenrausch
ich habe keine Zeit
aller Art Leute
77
Familien
und Sippen
ÜBUNG 10
78
myner läptig
anderer mäinig sy
öiseräin
alerhand
i Gotts name
im ganzen Leben
anderer Meinung sein
unsereiner
allerhand
in Gottes Namen
Alte Genetive sind auch die Kollektivbezeichnungen für Familien wie
s Büelers, s Bachofners, s Guyers. Im Deutschen gibt es diese
Wendungen auch, aber man beachte, dass dort der Artikel «die» am
Platz ist: die Meiers, während im Schweizerdeutschen der ausgestor-
bene Genetivartikel s gebraucht wird.
d verhandlige vom
nazionaalraat
d sitzig vom gmäindraat
d schulde vom Bund
der yfluss vom Wältschland
de flugplaan vo de Swissair
d gschwindikäit vom
Teescheewee
de prototüp vonere loki
wäg em uusbou vom
schtraassenetz
i de nÖÖchi vom see
d lengi vo de tagesschau
der empfang vom satellite-
feernsee
d nöiuuflaag vom züritüütsche
wörterbuech
d grammatik vom
schwyzertüütsche
d diräkzioon vom
Schauschpilhuus
d gschicht von öisere
wonigssuechi
s ghäimnis vo de chuchifee
de neerweert von ere tasse
schoggelade
d läbesduur von ere battery
d abfuer vom güsel
em schtadtpresidänt syn
schtaabsschef
bim schtadtpresidänt sym
schtaabsschef
myner schwöschter iri schefin
em herr Früe sys huus
de frau Büeler ires chläid
em haupme sini soldaate
mit em haupme syne soldaate
de Monika ire maa
zur Monika irem maa
em Elsi sys büsi
wäg em Elsi sym büsi
de huushelteri ire güggel
em schtift syni
abschlussprüefl5g
wäret em schtift syner
abschlussprüefl5g
de mueter ire gebuurtstaag
a de mueter irem gebuurtstaag
de Rettigsfluugwacht iri heli
Wem sys huus isch daas? Im herr Früe sym huus hät s prännt. Vo
myner schwöschter irer schefin han i pricht überchoo. Ern Fredy
syni frau isch e blondi. Bim Fredi siner frau hämer tee und guetzli
überchoo. Vo de Sandra irem brüütigam han i nu guets ghöört.
Wäg de hushelteri irem güggel git schrach. A de frau Büeler irem
chläid hät e naat glaa. Im tiräkter sym büro schtaat en nöie pe.
D redakzioon vo de Zürizytig isch i de nÖÖchi vom paanhoof
Sehtadelhofe. D organisazioon vom Sächsilüütenumzuug git vii
aarbet. Mit öisem maalermäischter syner schtiftin hämer chritz
ghaa. I dem syner huut wett i nöd schtäcke. De bytraag vo de
schponsoore laat uf sich waarte. D gmäindrÖÖt vo de schtadt Züri
händ sitzig am mittwuche. En pilot vorne ne heli hät di ver-
unglückte zeerscht gsee. D reparatuur vo de brugge vo de nazio-
naalschtraasse choscht vil gält. Ern prokurischt syni vorschleeg
sind besser gsy als em tiräkter syni.
79
LEKTION
-
Am Iiebschte tüemer jasse
(In diesem Lesestück sind übungshalber die traditionellen
Deklinationsformen des Dativs Plural ausgeschrieben.)
11
Won i emaale äine vo myne fründe gfrÖÖget ha, was eer und syni
frau i de freizyt am liebschte tüegid, git er mer zur antwort: «Am
liebschte tüemer jasse.» Ich ha mi nöd gwunderet über die
antwort; ich ha ja gwüsst, das daas als öise nazionaalschport gilt.
Es git ekäi bäiz, wo t s nöd eh asch gsee, wie s schtundelang vor em
jassteppich hocked und äin jass nach em andere chlopfed. Ich ha s
aber doch wele na chli gnauer wüsse und bi dänn druff choo, das
vo de gsellschaftschpiilere s jasse würkli zvorderscht schtaat;
schach chunt eerscht i zwäiter linie, und bridge schpilt me nu i
meebessere chräise.
Was mached aber die, wo nöd finded, das s jasse di schönseht sach
vo de wält isch? Di säbe gönd veruse, und du triffsch si uf de
schportplätze, i de beerge, i de wäldere. Mänggi trybed liecht-
atletik, anderi tschuuted, schpiled handball oder tenis, und bi de
beernere schtaat s hornusse hööch im kurs. Der alpinismus isch
. zwar vo den ängländeren erfunde woorde, aber sider sind au d
schwyzer zu groosse beergschtygere woorde; schlädere chasch hüt
sogaar i kürse leere. Weer nöd geern chräsmet, dee tuet defüür
wandere; s ganz land isch ja mit gääle wäägwysere überzoge. S
schwümen isch scho imer beliebt gsy; seee hät s ja gnueg, aber i de
flüsse isch s bade na lüschtiger. Au a halebedere feelt s nöd; und
under de schuelerchinde findsch chuum äis, wo kä schwümunder-
81
VOKABELN
Verwandt-
schaftsnamen
Plural-
endung -ene
82
richt hät. Zun ere mooden isch stauche woorde mit allne
technische schiggaane. S säglen isch früener als en herreschport
aaglueget woorde, aber hüt hät s uf de seene erang eso vil schiff,
das mer de glychlig nootschtand händ bi de ligeplätzen im wasser
oder am uufer wie bi de parkplätzen i de schtedte. Under de
sägelflüügere git s au erfaareni schportslüüt, aber i nöierer zyt
sind deltasägler und gläitschirmler schweer uufchoo; bi schöönem
wätter chasch s beobachte, wie s de vögle konkurränz mached. Im
winter degäge gilt imer na de slogan «s ganz volch faart schii». Im
dienseht vo de schiifaarere findsch gly emaale uf allne högere e
sässelbaan oder en schiilift, und d schneekanone soorged defüür,
das d säsong nöd z früe z änd gaat.
de jass Kartenspiel
s mäitli (auch) Dienstmädchen
d schpetteri -ine Stundenfrau
s chrüsimüsi
d matuur-e
tschuute
aagrüert
schpuele
sider
hornusse
Durcheinander
Abitur
Fussball spielen
angeworfen
leer drehen
seither
eine Art Schlagball, scherzhaft auch
Puuretennis genannt
kafi lutz }
kafi rertig Kaffee mit Schnaps
Besondere Pluralbildungen
Die Verwandtschaftsnamen auf -er bilden ihren Plural mit -e und ha-
ben, wenn möglich, Umlaut: vatter: vättere, mueter: müetere, toch-
ter : töchtere, vetter: vettere, schwöschter : schwöschtere, brüeder:
brüedere (ü auch im Singular!)
Die Feminina auf -i haben die Pluralendung -ene: müli: mülene, höö-
chi: hööchene, mieti: mietene, lugi: lugene (Lüge). Dieser Pluralen-
dung haben sich auch tantene und gotte ne (Patinnen) angeschlossen.
Die Endung -ene hat sich in neuerer Zeit auf alle Wörter ausgebreitet,
die auf Vokal enden, da bei diesen Wörtern sich der Plural vom
Singular sonst nicht unterscheidet: wila: wilene, firma: firmene, thee-
ma : theemene, chile: chilene, lucke : luckene, gruppe : gruppene,
mappe: mappene, schprütze: schprützene, zäntraale: zäntraalene,
behörde: behördene. Diese Formen werden noch nicht von allen
Sprechern gebraucht.
Frauenberufe Auch bei den weiblichen Berufsbezeichnungen ist ein starker
Sprachwandel zu beobachten. Früher hiess es püüri, chöchi, gletteri
(Büglerin), doch heute sagt man eher püürin, chöchin, gletterin. Alle
jüngeren Berufsbezeichnungen kommen nur mit der Endung -in vor:
schtudäntin, fotograafin, redaktoorin, grafikerin, programiererin,
soziaalarbäiterin. Diese alle bilden den Plural ganz regelmässig nach
der 3. Deklination, also schtudäntine, fotograafine usw.
Der Umlaut von a Der Vokal a kann auf vier Arten umlauten: e, e, ä, ÖÖ. Der weitaus
häufigste Fall ist das überoffene ä: bach: bäch, hand: händ, zaa: zää,
haag:hääg (Zaun), gwaagg:gwääg (Krähe). Selten ist beim Plural der
Umlaut e: schlaag:schleeg, die Wörter, bei denen ein rauf a folgt,
haben eine Neigung zu e. So kommt für Arme neben äärm auch eerm
vor, der Lernende kann dies hingegen muss er sich die
noch folgenden Fälle gut merken. Es handelt sich um elf Substantive,
bei denen a zu geschlossenem e bei den am Schluss
stehenden fünf Wörtern hat der Singular ein langes aa, während den
a zu e
aa zu öö
Umlaut in
Ableitungen
Plural ein kurzes e auszeichnet:
Ast ascht: escht Rad raad:reder
Gast gascht: gescht Gras graas:greser
Sack sack:seck Glas glaas : gleser
Kraft eh raft : chreft Bad baad:beder
Stadt schtadt : schtedt Grab graab : greber
Blatt platt: pletter
Der Wechsel von langem Vokal im Singular und kurzem im Plural, aber
ohne Umlaut, tritt noch bei einzelnen anderen Substantiven ein:
Mann maa: mane Jude juud :jude
Hase haas : hase Glied gliid : glider
Riese riis: rise
Einige Substantive, die im Singular ein langes aa haben, wandeln dies
im Plural in ein langes ÖÖ. Es sind im wesentlichen die folgenden:
Abend aabig: ÖÖbig Tatze taape: tÖÖpe
Rat raat:rÖÖt Haken haagge:hÖÖgge
Schaf schaaf: sch ÖÖf Naht naat:nÖÖt
Draht traat: trÖÖt Braten braate : brÖÖte
Span schpaa : schpÖÖ Apparat aperaat : aperÖÖt
Grat graat: grÖÖt Salat salaat: salÖÖt
Obschon die Zahl der Substantive, bei denen ÖÖ als Plural zeichen auf-
tritt, relativ beschränkt ist, bleibt zu beachten, dass dieser Umlaut bei
Wortableitungen durchaus produktiv ist, wie die folgenden Beispiele
83 r-
Kein s-Plural
zeigen: schööfli (Schäfchen), bröötie (braten), tÖÖpli (Tätzchen),
hÖÖggie (häkeln), hÖÖrli (Härchen), schtrÖÖssli (Strässchen), frÖÖgIe
(immer wieder fragen), nÖÖdeli (kleine Nadel), schprÖÖchie
(plaudern), schmÖÖIer (schmaler), schpÖÖter (später), schwÖÖbisch
(schwäbisch).
Jene Wörter, die in der Region Zürich den Umlaut aa: ÖÖ haben, sind
die gleichen, die in verbreiteten anderen Dialekten an Stelle des aa ein
00 haben. Dort heisst es schtroos, frooge, schprooch usw.
Auch der Umlaut von a zu e begegnet uns in abgeleiteten Wörtern:
glaas : glesig, chraft: chreftig, graas : gresli, raad : redli, chalt: chelti,
glatt: giette, nass: nessi, mascht : meschte, schtadt: schtedtisch,
chlaag : chleger, jage: jeger.
Im Deutschen kommt relativ häufig ein s als Pluralendung vor, z. B.
Uhus, Wauwaus, Echos, Wracks, Bankiers, Salons, Nazis, Taxis, Schu-
pos usw. Die Pluralendung -s gibt es im Schweizerdeutschen nicht, die
entsprechenden Wörter bleiben hier endungslos.
Merke: Jungs und Mädels heisst bueben und mäitli.
Kinder Eine Besonderheit bietet der Plural von Kind. Er lautet wie der
Singular chind. Wenn man aber den Kindern ruft (also Vokativ), so
heisst es chinde! Z.B. chinde, chömed gschwind häi (Kinder, kommt
schnell nach Hause!)
Der Dativ Plural Der Dativ Plural hatte im klassischen Zürichdeutsch - nicht aber in
den meisten anderen Dialekten - die Endung -e. Sie ist auch heute
noch nicht ganz ausgestorben. Wer aber heute Schweizerdeutsch lernt,
braucht sich nicht damit abzumühen. Da der Lernende aber doch
davon Kenntnis haben muss, wird er hier kurz behandelt:
ÜBUNG 11
84
Im Dativ Plural nehmen alle Substantive, die nicht ohnehin auf ein -e
ausgehen, die Endung -e an, also uf de böime, i de hüüsere.
Wörter, die auf einen betonten Vokal ausgehen, schieben ein -n- ein: i
de schuene, wäg de zääne; jene auf -eI stossen das -e- aus: mit den
esle, wäg de schlüssle. Wörter, die auf -i enden, ersetzen dies durch
-ene: bi de mäitlene, uf de chüssene. Im Lesestück dieser Lektion
kommen viele Pluraldative vor; sonst werden sie in diesem Buch
übergangen.
Pass uuf, a dem brätt schtönd na epaar negel füre. D apperÖÖt sind
bim schtuurz läider kabutt ggange: trÖÖt, hÖÖgge und schpÖÖ sind i
äim chrüsimüsi gsy. Dimene hoochsig wänd ali verwandte deby sy:
, d müetere und d vättere, d schwöschtere und d brüedere, ünggle
und tantene. Mer müend öi na d schlüssel für s feriehüüsli gee.
Hase und ree sind wild, wo d jeger tÖÖrffed jage. Redaktoorine
sind mängsmaal ä grad na fotograafine. Früener händ di
meebessere familie i de wilene mee weder äis mäitli ghaa, dezue na
e chöchi; d wöschfraue und gletterine sind na äxtra choo; hütt
hand s mängsmal nöd emaal e schpetteri, und mäitli säit men au
nüme, es ghäisst jetz huusaagschtelti. D schüeler händ a de
tüütschmatuur drei verschidni theemene zur uuswaal überchoo.
Las di nöd uf d escht use! Wänn d ÖÖbig schöön gsy sind, simer
amigs na lang verusse gsässe. Es git · nöd nu pfärer i de chilene, au
d schpitÖÖler händ amigs äigni pfärer oder pfarerine. D kuur-
gescht händ i sibe tääg sächs beder überchoo, und dezue händ s all
taag epaar gleser vo säbere quäle trunke. Bi dere chelti hät s uf
äimaal aagfange schneie, uf de schtraassen isch äi gletti gsy und d
reder händ nu na gschpuelet. Wie aagrüert han i en häxeschuss
ghaa und ä suscht händ mer alli glider wee taa. Chumm, mer
brÖÖtled heerdöpfeI, mached dezue na es salÖÖtli, dänn trinked
mer en kafi lutz, und so git s na ganz en gmüetlichen aabig.
85
LEKTION
12
En zürcher zäiget syne gescht d schtadt
En yhäimische schpilt de fröndefüerer für syni bekante us em
Berner Oberland, wo scho lang nüme z Züri gsy sind. Er holt s am
paanhoof aab, und dänn ,gönd s zeerscht dur d underfüerig zum
Landesmuseum. Deet schtyged s i äis vo dene Limet-schiff, wo äim
an Amschterdam erinered. «Die schiff daa», säit öise zürihegel,
«cha me sid em vercheersverbund bruuche wien es tram, und uf
die aart händ er s am ringschte, wänn er di schönschte geböi vo
Züri wänd gsee. Jetz faared mer zeerscht under de paanhoofbrugg
dure; dänn chunt di nöipout Rudolf Bruun-brugg. Linggs begläitet
öis s Limet-ggee, und uf de rächte syte schtönd di schöön
renowierten alte hüüser vo de Schipfi. Wän er ufe lueged, gseend
er d böim vom Lindehoof; das isch zur zyt vo de röömer e feschtig
gsy. Jetz chunt scho wider e brugg; si hät früener emaille gmües-
brugg ghäisse, wil de meert druf gsy isch, aber dänn hät me si
umtaufft nach em raathuus: a dem ächte renessansbou cha me nu
syni fröid haa. Di säbe prächtige hüüser, wo me grad hinder em
raathuus gsee cha, sind zumfthüüser mit schtilvole sääl und
pflägte reschtorant. Jetz müend er gschwind uf di ander syte luege,
suscht verpassed er d Mäise; das isch nach de mäinig vo vilne lüüt
s schönscht huus vo Züri, es ghöört au zunere zumft. Ich wäiss
scho, me sett zouft säge, aber das ghöört me hütt nu na am
Sächsilüüte; au möischter sett me äigetli säge; da chömed mer
nämli jetz grad dezue.
....... """'r
-("/V'rv- ~
r __ r-.r rl
... ~
~ - ! H : .
87
VOKABELN
dieser und
jener
88
Grad drei chile tauched zur glyche zyt uuf; die mit de toppeltürm
isch s Groosmünschter, das isch s waarzäiche vo Züri, die mit em
ticke turm isch de «Pheeter», de säb heb s grööscht zifferplatt i de
wält, und die mit em schlanke turm isch s Fraumünschter; devoor
gseend er es ryterschtandbild, dee maa, wo da so küen uf em ross
sitzt mit de schtrytachs i de hand, isch de bürgermäischter Hans
Waldme; und dine i de chile cha me di berüemte glaasfäischter
vom Chagall bewundere, a dene gaat kän fröndefüerer mit sym
gschäärli verby.
Jetz faared mer am Buuschänzli verby, das isch es inseli, wo früe-
ner zu de schtadtbefeschtigunge ghöört hät, drum ghäisst s eso,
hütt isch e gaartewiirtschaft druf obe. Wisawy devoo isch di alt
ländi, hüt säit mer ere riwieera, deet sind amigs d schiff vom see
oben abe glandet, vor d ggeebrugg boue woorden isch. Under dere
faared mer grad une dure und chömed demit in offne see. Wänn s
föönig weer, hetted mer en wunderbaare blick uf d Alpe, aber hütt
hät s eso vii dräck i de luft, das mer nöd dure gseend. Öises
limetschiff macht daa am Bürkliplatz e zwüschelandig, aber miir
blybed na chli sitze, chömed in see use und schtyged dänn am
Zürihorn uus. Deet chömer öppis bicke, und dänn faared mer mit
em Züritram zu öis häi. Moorn lueged mer ales na emaal vom land
uus aa, und dänn chönd er säge, was i öi suscht na seil zäige.
e gschaar-e Schar gschpässig merkwürdig
en oder es ggee Quai, Uferweg e ländi -ine Anlegeplatz
e zumft -ü- Gilde, Zunft verwütsche erwischen
zümftig grossartig bicke picken, wenig essen
Die Demonstrativpronomen
Es gibt nur zwei hinweisende Fürwörter. Dem deutschen dieser
entspricht dee, dem deutschen jener de säb. Im Dativ kommt säb mit
und ohne Artikel vor. Dessen Verwendung ist willkürlich.
Sg. Grundfall Idee die daas desäb disäb säb
em säbe de säbe em säbe
säbem säbere säbem
disäbe
de säbe
säbne
Dativ I demm I der<
demm
PI. Grundfall die
Dativ dene
Das Neutrum säb (der Artikel s ist mit dem s verschmolzen) ist sehr
häufig und gleichwertig mit das, zum Beispiel: säb isch waar; säb
mues me zuegee; wäg säbem (deswegen); säb wili mäine (aber ganz
gewiss).
Betont und
unbetont
Bei Gegenüberstellung von dieser: jener verwendet man gern dee mit
einem Ortsadverb: dee daa für dieser und dee deet für jener. Zum
Beispiel: daas daa gfalt mer nöd, aber zäiged Si mer emale daas
deet! Die scheer daa isch schtumpf, nimm die deet! Was säisch zu
dene blueme deet? Mit dere daa (verächtlich) wott i nüüt z tue haa.
Bei dee und daas tritt das uns schon bekannte Phänomen ein, dass bei
weniger starker Betonung der Vokal gekürzt wird. Auch das verstärkte
mm bei demm wird dann zu einfach m abgeschwächt. Man lasse sich
daher durch Varianten in der Schreibung nicht verwirren.
Was heisst dise? Es gibt noch ein Demonstrativpronomen dise disi dises, das aber
genau das Gegenteil des deutschen dieses bedeutet, nämlich der, die,
das andere. Vermutlich ist es darum weitgehend ausser Gebrauch ge-
jeeni
kommen.
Das deutsche jener ist im Schweizerdeutschen nicht vorhanden.
Hingegen ist in jüngerer Zeit ein neues Wort jeeni aufgekommen, das
die Bedeutung viele hat: Jeeni Iüüt sind deet gsy = ein Haufen Leute
waren dort.
Im Schweizerdeutschen verbindet man die betonten Demonstrativpro-
nomen sehr gerne mit Präpositionen: uf daas abe darauf, wäge demm
deshalb, vo demm davon, mit demm damit. In unbetonter Stellung
verwendet man dagegen auch die Kombinationen mit de-, der-, dr-.
Sie stehen aber in der Regel am Schluss des Satzes. (Siehe auch
Lektion 21.) Kontraste:
wäge demm muesch nöd truurig sy
muesch nöd truurig sy derwäge
um daas gaat s hütt
s ga at hütt nöd drum
gäge daas cha niemer sy
niemer isch degäge
vo demm han i na nie öppis ghöört
ich ha na nie öppis ghöört devoo
mit demm chasch nüüt aafange
chasch nüüt aafange demit
Der Genetiv des Dessen und deren haben im Schweizerdeutschen keine Entsprechung
Demonstrativ- und müssen gleich wie die Substantive durch den possessiven Dativ
pronomens vertreten werden:
In dessen Haut mächte ich nicht stecken: I demm syner huut wett i
nöd schtäcke. In deren Läden findest du alles: I denen irne läde
findsch ales.
89
DAS RELATIV-
PRONOMEN
ÜBUNG 12
90
Es gibt für alle Geschlechter, Zahlen und Fälle nur ein Relativprono-
men: wo, das vollkommen unveränderlich ist. Beispiele:
Sg. Mask. Der artikel, wo mer i de zytig list
welchen
Neutr.
S fröläin, won i i de paan käne gleert ha
welches
Fern.
D abschtimig, wo me hät müese widerhole welche
PI.
D künschtler, won uusgschtelt händ
welche
Man beachte, dass wo im Hiatus ein -n angefügt bekommt: won i, won
er. Die Verwendung des Relativpronomens im Genetiv, Dativ und in
Verbindung mit Präpositionen ist komplizierter und wird deshalb in
Lektion 23 besonders behandelt.
Als Determinativpronomen dient das Demonstrativpronomen in der
kürzeren Form:
de, wo: derjenige, welcher
die, wo: diejenige, welche
das, wo: dasjenige, welches
Die brugg ghäisst Paanhoofbrugg. Dene psuecher gfallt Züri. De
säb chile turm ghöört zum Fraumünschter. Daas glaub i uf kän
fall. Daas ghöör i geern, säb tunkti mi gschpässig. Daas daa chasch
haa, daas deet phalt i sälber. Uf di säbe fründ chasch di verlaa. I
säbem land wachsed käi banaane. Vo dere frau han i e luschtigi
gschicht ghöört. Dee cha mer gschtole weerde. I säbere schtadt
sind d schtüüren am hööchschte. Mit dem gält cha me läbe. Säb
grooss huus isch d börse. Dee maa und di säb frau sind geschter
aachoo. Das bindsch mer nöd uuf. Vo säbem maa han i zwee öpfel
gschänkt überchoo. Iir sind verboreti lokaalpatriote, daas mues
me scho säge. Näi, daas isch nöd waar. Doch, vo demm bringed er
mi nöd ab. Die lüüt daa chönd mer s beschteetige. De säb beerg
isch der Üetli. I dere chile bin i taufft woorde. Myn chlyne hund
isch myn beschte fründ; de gaat alewil mit mer. Die blueme da han
i sälber zoge, und di säbe böim han i vom geertner überchoo, wo s
na ganz chly gsy sind. Die daa cha me vilicht namaal bruuche,
aber die deet wämer furtrüere. Mit dene da cha me waarschynli
nüme vii aafange. Daas daa isch s huus, wo de Gopfrid Chäler als
bueb gwont hät. Dee, wo d fäischterschybe ygschlage hät, isch
verwütscht woorde. D chriesi, won i vo diir überchoo ha, händ mer
guet gschmöckt. Vo dem, wo der flattiert, muesch nüüt guets
erwaarte.
LEKTION
13
Au imene gsangveräin hät s viler gattig lüüt
A. Was fürig lüüt händ iir in öiem gsangveräin?
B. Ja, s hät natüürli settigi und asigi. Di äinte chömed us liebi zur
musig, di andere bloos zur underhaltig.
A. Was fürigi händ er lieber?
B. Natüürli derigi, wo us inträssi und fröid a de sach chömed. Es
hät zwaar au wider sonigi, wo mäined, sy wüssid mee weder de
tirigänt sälber, aber me mues es nu verschtaa, so cha me mit
settige lüüt au uus-choo.
A. Was händ er für en tirigänt?
B. Äine, wo z Züri am konsi gsy isch. Er hät na kän groosse name,
aber er macht syni sach rächt. Wäisch, mer chönd sowiso
ekäine bruuche, wo z groossi aaschprüch schtelt; mer sind ja
käi prueffsänger und wänd nöd hööch use.
A.Isch niemer anderer mäinig?
B. Mo-moll, es hät wie gsäit, etlichi, wo mäined, mer söttid mee
moderni sache singe und demit a de sängerfäscht briliere, und
so chunt s halt öppe voor, das öpper mit öppisem nöd
yverschtanden isch; aber i welem veräin git s nie so öppis? Aber
öise presi laat sich vo niemerem eso liecht druusbringe, es
bruucht vii, bis en äine us em hüüsli bringt.
A. Händ er na nie öpper müesen uusschlüüsse?
B. Moll, em aal hämer äifach müesen äinen uusschlüüsse. Das isch
äine gsy, won an alem öppis z kritisiere ghaa hät; es isch kän
91
VOKABELN
jemand
niemand
etwas und nichts
kein und ein
Zur Form
92
aabig vergange, das er nöd schtämpeneie gmacht hett. Für esoo
äinen isch natüürli kän platz imenen eernschte veräin. Epaari
sind au sälber uusträte, wo au niemer ge ern ghaa hät. Das isch
äim am liebschte, wänn die, wo nöd rächt tüend, vome sälber
gönd; uf die aart isch alne tienet, und mänge schtile, wo nöd
geern chrach hät, isch deduur em veräin tröi plibe.
A. Weli Iüüt händ er dänn am liebschte? Mit weIne schaffed er am
liebschte zäme?
B. Yfrigi sänger, wo glychzytig gueti kameraade sind; aber
schliessli isch jede rächt; bloos äis cha niemer uusschtaa; wänn
äine mit nüütem zfriden isch und jedem am züüg flickt. Aber
wie gsäit, settigi häts jetz ekäini mee in öisem veräin.
s konsi " Konservatorium d bire
de presi " Präsident
s gschtüürm
de chrach -ä- Streit, Krach
rächt tue
d schtämpeneie Umschweife,
Umstände pöpperle
mux Regung
moll
es schtuck -u- Stück
mo-moll
Die Indefinit- und Fragepronomen
substanti visch
adjektivisch
Birne
Getue, Aufregung
sich gut
benehmen
leise klopfen
doch
doch,doch
äis
äim
Das Wort für keiner tritt in vier Varianten auf; denn neben käine und
kän gibt es auch Formen mit einem e-Vorschlag, z.B. ekäine, ekän,
ekäini, ekäs, ekä usw. Zwischen den Formen mit und ohne e- gibt es
keinen Unterschied im Gebrauch.
-
-
Zur Verwendung adjektivisch: kän mäntsch, kä frau, käs chind, kä hüüser
irgend
etwas
einige
mancher
alles und jedes
substantivisch: käne, käni, käs, käni
uf äin chlapf plötzlich, gib em äis versetz ihm einen Schlag, duu
bisch mer äini wie kommst du mir vor, er gaat mit äinere er hat eine
Freundin, in äiner töibi in hellem Zorn, mer gönd äis go zie wir
kehren ein, s gaat i äim uufwüsch es geht in einem, an äiner tuur
ohne Unterbruch, da eh asch äinewääg nüüt mache da ist nichts zu
tun.
äim ist Dativ und Akkusativ von me, mer man. Das fuxt äim das
ärgert einen, daas tuet äim läid das bedauert man, die Iüüged äim aa
diese belügen einen.
Das Wort irgend hat keine Tradition im Schweizerdeutschen, doch
wird es heute häufig gebraucht, angepasst in der Form als irged, z. B.
irged äine isch deet gsy.
öppis heisst etwas, öppe etwa und zirka, aber nie wird öppe gebraucht
im Sinne von ein wenig, dafür dient einzig echli:
dee schüp isch echli z lang dieser Rock ist etwas zu lang, si schpint
echli sie ist etwas verrückt. Unterscheide: gib mer öppis gib mir
etwas, gib mer echli gib mir ein wenig. Merke auch: öppedie hie und
da.
TOOrffs es bitzeli mee sy? sagen die Verkäuferinnen, wenn sie etwas
zuviel auf die Waage gelegt haben. Merke: hät öppen öpper öppis z
reklamiere hat jemand vielleicht etwas auszusetzen?
Im Grundfall etlichi, im Dativ etliche. Häufig gebraucht wird epaar
(substantivisch epaari und im Dativepaarne), seltener gebraucht wird
täil:
etlichi sind defüür gsy, aber lang nöd aU. Epaari händ jaa gsäit.
Ich ha s epaarne verzelt, ich ha s epaar bekante verzelt. Täil lüüt
einige Leute, auch im Sinn von gewisse Leute. Unterscheide: epaar
schue einige Schuhe, es paar schue ein Paar Schuhe.
Das Wort mäng wird regelmässig dekliniert wie käine, also im
Grundfall mänge, mängi, mängs, im Dativ mängem, mängere,
mängem. Der Plural ist ungebräuchlich. Besonders muss man sich
merken, dass das g vor vokalischer Endung ausgesprochen wird:
mäng-ge, mäng-gi, mäng-gem, mäng-gere, dagegen mängs und
entsprechend mängsmal. In der Schreibung wird dies gewöhnlich
nicht berücksichtigt.
Das Wort jede wird gleich flektiert wie käine und mänge: jede, jedi,
jedes, jedem, jedere, jedem. Das gleiche gilt für all , wobei zu
93
viel
Fragepronomen
ein solcher
94
beachten bleibt, dass das I zwischen Vokalen nicht gelängt ist und
folglich nicht doppelt geschrieben wird (viele Schreiber halten sich
aber nicht daran): ale, ali, ales, alem, aler und im Plural ali und allne.
Häufig wird im Plural aber auch die Form all ohne Endung verwendet:
all jaar, all öpfel, merke auch all ander taag = jeden zweiten Tag.
Beispiele: er hät ale wy uustrunke, er hät ales uustrunke, ali miIch
isch uusgloffe, mit aler liebi, alem naa wie es scheint, trotz alem
gschtrütt trotz allen Anstrengungen.
Das Wort vii kann man als Pronomen ansehen, es wird gleich wie all
flektiert: vii, viii, viIes, viIem, viIer, und im Plural viii, viIne. Sehr
häufig kommt es unflektiert vor: vii arbet, vii gält, mit vii arbet, mit
vii gält, hät s vii lüüt ghaa? jaa s hät vii ghaa. Daneben aber auch
mit viIer müe, trotz vilem gält, di vile lüüt händ mer chopfwee
gmacht. Substantivischer Gebrauch: vii isch mer uufgfale, viIes isch
mer uufgfale, viii händs gsäit, ich ha s vilne verzelt
.... ..?
weer, wer. = wer und wen
.. ..?
wemm, wem. = wem
waas, was? = was?
wele (welcher) wird gleich flektiert wie äine, jede usw: wele, weli,
weles, welem, welere, welem, weli, weine: weles huus? a welem
taag? welere häsch es ggee, weine häsch es verzelt?
Wele ist nur Fragewort, nie Relativpronomen: siehe Lektionen 12 und
22. Was für einer entspricht der deutschen Verwendung. Sub-
stantivisch folgt es der Flexion von äine, adjektivisch dem unbestimm-
ten Artikel:
Was für äine : was für en maa
was für äini : was für e frau
was für äis : was für es chind
Da äine keine Mehrzahl hat, fällt es im Plural einfach aus: was für
mane, was für fraue, was für chind. Für den Plural hat das
Schweizerdeutsche noch ein eigenes Wort entwickelt: was fürig und
was fürigi, im Dativ was fürige und was fürigne:
Waas fürig lüüt? welcher Art Leute?
Waas fürigi sind deet gsy? was für welche waren dort?
Was fürigne lüüt häsch du daas verzelt? was für Leuten hast du das
erzählt?
Dem deutschen so einer entspricht genau schweizerdeutsch so äine, so
äini, so äis, so äim, so äinere, so äim.
In adjektivischer Stellung wird das äin durch den unbestimmten
Artikel ersetzt. Hier treten nun dieselben Verschmelzungen auf, wie
bei den auf Vokal auslautenden Präpositionen:
ÜBUNG 13
sonen maa
somene maa
sone frau
sonere frau
sones chind
somene chind
Im Plural gibt es an der Stelle der deutschen solche eine ganze Reihe
von Wörtern: sonig, settig, settig, serig, sorig, derig, asig. In sub-
stantivischer Stellung enden sie meist auf -i und im Dativ auf -ne.
Settigi lüüt, und im Dativ settige lüüt und settigne, substantivisch
settigi und settigne. Beispiele im Übungsteil.
Äis mues der säge
Das isch äini, won i nöd mag
Äinen eläi
Ich han eerscht mit äim gredt
Äinen isch degäge
Mit so äinere cha me nöd
uus-choo
So öppis läit käini aa
Käi verchöifferi isch da gsy
Ich han ekäini gsee
Ich ha mit käinere gredt
Nimm äis oder käis
Mit viIem isch er nöd zfride gsy
Mit alem isch er yverschtande
gsy
Verzel mer öppis!
Ich erwaarte niemer
Mer händ vo nüütem gredt
Mit öppisem mues me rächne
Jedi phauptig isch faltsch
Vo jedem öppis
Ali händ Iuut glachet
Mängs isch schieff gloffe
Was für äinen isch er?
Was für en üebig machsch?
Da sind epaar bire
Weli wottsch?
Es sind öppe hundert gsy
Es isch öppe null graad
Es isch echli weermer woorde
Mer händ na echli ööl
Es hät echli lang tuuret
So öppis git s nu äimaal
Er hät chrach mit jedem
Gib mer echli broot!
Echli erger mues mer i
chauffnee
Vo settige wetti nüüt wüsse
Was für en mäntsch isch er?
Ich käne käini
Mit öpperem hät er chrach ghaa
En settige schtoff finded
Ich känen etlichi
Käis schtuck isch am laager
Mänge mäint, eer wüssi s besser
Öpper pöpperlet as fäischter
Ich ghööre nüüt
Us nüüt git s nüüt
Niemer isch dusse
Si niene
Mit was für eme maa häsch
gredt?
Vo so äinere tÖÖrffsch
nüüt aanee
Waart echli!
Das chläid isch echli z lang
Schänk mer öppis!
Ali sind de mäinig gsy, es seig e ganz e schööns fäscht gsy; niemer
hät öppis uuszsetze ghaa. Was für e schoggelade häsch am
Iiebschte? Ich han jedi geern. Er isch en zfridne mäntsch; er hät
mit niemerem schtryt, und er hät a nüütem öppis uuszsetze. Jede
hät en geern. Wänn t an öppisem kä froid häsch, so gisch der ä kä
95
96
müe. Was fürigi sind deet gsy? Settigi und asigi. Mit somene maa
cha me nöd zämeschafTe. Bi sone re truurige reklaame cha me kän
erfolg erwaarte. Da sind zwee öpfel, wele wottsch? Ich wott kän
settige, ich wott lieber äine vo dene, wo t im chäler häsch. Ich ha s
al ne gsäit, aber käne hät en mux taa. Dryssg loos han i ghaa, und
käs schtuck hät öppis ggune; sones päch, ich mach a käner lottery
mee mit. Ich machen au scho lang a känere mee mit. I welere
häsch dys glück versuecht? I verschidne. Es hät e settigs
gschtüürm ggee, das niemer öppis verschtande hät.
LEKTION
14
En trämler hät d geduld verloore
Vor vilne jaar hät s z Züri emaal e gschpässigs tram unglück ggee.
Das isch esoo passiert: Im depo Irchel händ s uf s letscht tram
gwaartet, und es hät äifach nöd wele choo. Es hät drum es
zänitram motoorderäkt ghaa am Bürkliplatz und isch schtaa plibe.
Si händ dänn us em depo TüüfTebrune, wo s doo na ggee hät, en
hülfswagen uusgschickt und de kabutnig abgschobe. Underdessen
isch aber dee, won im depo ader Irchelschtraass dienscht ghaa
hät, eräng ungeduldig woorde, wo de letscht wagen eso lang nöd
choo isch. Si händ em nämli vergässe z telefoniere. D läitschtell hät
s doozmal ä nanig ggee. Zum schluss, wo dee zäner imer nanig
choo isch, isch em s waarte verläidet. Er isch uf de füererschtand
vom neechschte beschte tram gschtige und isch d Wintertuurer-
schtraass durfüre und d Uniwersiteetsschtraass duraab gfaare was
gisch was häsch, zum sälber goge luege, wo dee wage schtäcki. Um
die zyt isch natüürli fascht ekäin vercheer, und drum hät er wien
en waansinige chöne la zie. Für esones tämpo isch de wagen aber
nöd poue gsy, und i de mitti vo der Uniwersiteetsschtraass hät sem
wäg de zäntrifugaalchraft der anker vom motoor gschlisse, und do
isch natüürli au d motoorbrämsi nüme ggange, und d handbrämsi
hät äinewääg nüm verhebet. So isch dee chare wien en göölete blitz
- ·~ · · · · ~ i ~ _ - .
~ . Y
97
VOKABELN
1. Reihe
98
wyter gsäret und hät en höleleerme verfüert, das all lüüt ver-
schrocke us em bett a s raischter gränt sind. Bi de Taneschtraass
isch d wäichen um de rank, also gägen abe gschtande. Deet isch
dee wage dänn zu de schinen uus gfloge. Zeerscht hät s en
dezwäris über d schtraass gnoo, dänn uf s tr6ttoar und gäge zwoo
süüle vom Poli. Di beede süüle hät s komplett vertätscht und d
vordersyte vom tramwage natüürli au; de trämler, won am
kontroler gschtanden isch, isch schweer verletzt woorde. I der
asfalt uf de schtraass und uf em tr6ttoar händ d reder tüüffi rilen
yggrabe, und de randschtäi hät s a de schtell, wo s tram drüber
inen isch, ganz vermaale. Di beede süüle sind wie ewäggplaase gsy;
am neechschte morge händ s müese mit epaar hölzige pföschte de
bou schtütze, susch weer ene na de egge vom Poli zämegheit.
verhebe der Beanspru- göölete blitz «geölter» Blitz
chung genügen was gisch, sehr schnell
säre
gheie
zämegheie
furtgheie
vertätsche
verlötterle
devozäpfe
harne
süürmel
davonsausen was häsch
fallen haue
einstürzen
wegwerfen
zerquetschen
bei Lotterien
verlieren
davonrennen
Bauernschinken
Langweiler
es haut
s haue
s ragt
dezwäris
äinewääg
Die 3. Konjugation (Starke Verben)
hauen,
abschneiden
es klappt prima
sich davon
machen
es macht
Vergnügen
quer
sowieso
Die Kennzeichen der Verben der dritten Konjugation oder, wie man
sie gewöhnlich nennt, der starken Verben, sind die Endung -e im
Partizip und Vokalwechsel (Ablaut) im Stammvokal. Man kann sechs
verschiedene Ablautreihen unterscheiden. In den ersten drei Reihen
haben nur Präsens und Partizip verschiedenen Vokal, in den Reihen 4a
und 5 haben ausserdem die drei Personen des Singulars im Präsens
einen eigenen Vokal, und in der sechsten Reihe fehlt ein Vokal-
wechsel. Die folgenden Listen enthalten sämtliche Verben, die in der
heutigen Sprache zu den verschiedenen Reihen gehören.
Präsens langes geschlossenes y: Partizip kurzes i (selten u).
gryffe ggriffe greifen
byge pige aufschichten
bysse pisse beissen
blybe pli be bleiben
chyde gchide laut tönen
2. Reihe
myde
glyche
Iyde
pfyffe
rybe
rysse
ryte
schlyche
schlyffe
schlysse
schnyde
schpyse
schrybe
schtyge
schtryche
schtryte
trybe
wyche
wyse
schyne
schwyne
gmide
ggliche
glitte
pfiffe
gribe
grisse
gritte
gschliche
gschliffe
gschlisse
gschnitte
gschpise
gschribe
gschtige
gschtriche
gschtritte
tribe
gwiche
gwise
gschune
gschwune
meiden
gleichen
leiden
pfeifen
reiben
reissen
reiten
schleichen
schleifen
zerstören
schneiden
speisen
schreiben
steigen
streichen
streiten
treiben
weichen
lenken, aufzeigen
scheinen
schrumpfen
Präsens ÜÜ, und andere Vokale: Partizip o.
büüge
büüte
trüüge
chlüübe
chrüüche
verlüüre
flüüsse
flüüge
früüre
gfrüüre
gnüüsse
güüsse
Iüüge
nüüsse
schüüche
pschlüüsse
pschüüsse
rüüche
schlüüffe
schüüsse
süüde
poge
pote
troge
gchlobe
gchroche
verloore
gflosse
gfloge
gfroore
ggfroore
ggnosse
ggosse
gloge
gnosse
gschoche
pschlosse
pschosse
groche
gschloffe
gschosse
gsotte
biegen
bieten
trügen
kneifen
kriechen
verlieren
fliessen
fliegen, fallen
frieren
gefrieren
geniessen
giessen
lügen
niesen
scheuen
beschliessen, zuschliessen
ausreichen
rauchen (Kamin)
schlüpfen
schiessen
sieden
99
schtüübe gschtobe stieben träffe ich triffe troffe getroffen
suuge gsoge saugen befele ich befile befole befehlen
suuffe gsoffe saufen gälte ich gilte ggulte gelten
schiebe gschobe schieben empfele ich empfile empfole empfehlen
trüüge troge täuschen verbeerge verbiirge verboorge verbergen
zie zoge ziehen weerde ich wiirde woorde werden
flie gfloe fliehen weerbe ich wiirbe gwoorbe werben
röie groue reuen verdeerbe ich verdiirbe verdoorbe verderben
schreie gschroue schreien, weinen verschräcke ich verschricke verschrocke erschrecken
lauffe gloffe gehen, laufen (intrans.)
3. Reihe Präsens i, ü: Partizip u.
Reihe 4b Präsens ä: Partizip 0, u.
binde punde binden
fächte gfochte fechten
verschwinde verschwunde verschwinden
flächte gflochte flechten
finde gfunde finden
wäbe gwobe weben
bäle pule bellen
glinge gglunge gelingen
(auch: pälet)
hinke ghunke hinken
wäge wägen
psi ne psune besinnen
gwoge
mälche gmulche melken
singe gsunge singen
gebeere geboore gebären
sinke gsunke sinken
schwööre gschwoore schwören
schimpfe gschumpfe schelten
schinde gschunde schinden 5. Reihe Infinitiv ä: Präsens Singular i: Partizip ä.
schwinge gschwunge schwingen
ässe ich isse ggässe essen
schpine gschpune spinnen
vergässe vergisse vergässe vergessen
schpringe gschprunge laufen, springen
frässe frisse gfrässe fressen
schtinke gschtunke stinken
läse lise gläse lesen
trinke trunke trinken
mässe misse gmässe messen
winde gwunde winden
trätte tritte trätte treten
winke gwunke winken
sitze sitze gsässe sitzen
zwinge zwunge zwingen
ligge ligge gläge liegen
güne ggune gewinnen, pflücken
bitte bitte pätte bitten
rüne grune rinnen
schwüme gschwume schwimmen Es ist besonders zu beachten, dass in den Reihen 4a und 5 die
schweizerdeutschen Verben auch in der ersten Person als Stammvokal
Reihe 4a Infinitiv, Plural ä, ee, e, Singular i, Partizip 0, u.
ein i haben (ich hilffe, ich isse), während umgekehrt in der Reihe 4b
bräche ich briche proche brechen
kein Vokal wechsel eintritt. Deutsch: er ficht, sie flicht, sie gebiert
verschpräche ich verschpriche verschproche versprechen gegen schweizerisches er fächtet, si flächtet, si gebeert. - Bei
scheere gschoore Pelz scheren
scheere umschreibt man die erste und zweite Person mit tue: ich
schwele es schwilt gschwule schwellen tuene scheere, du tuesch scheere.
schtäche ich schtiche gschtoche stechen
schtäle ich schtile gschtole stehlen
6. Reihe Kein Vokalwechsel.
schmelze ich schmilze gschmulze schmelzen bache pache backen
schteerbe ich schtiirbe gschtoorbe sterben blaase plaase blasen
hälffe ich hilffe ghulffe helfen braate praate braten
100
101
Unregelmässig-
keiten
Ablautverben,
die im Schwei-
zerdeutschen
fehlen
102
boue poue bauen
faare gfaare fahren
fale gfale fallen
gfale ggfale gefallen
fange gfange fangen
ghäisse gghäisse heissen
grabe ggrabe graben
graate ggraate gelingen
halte ghalte anhalten
höische ghöische verlangen
hüüraate ghüüraate heiraten
haue ghaue schneiden, hauen
yträte yträte eintreten (in Verein)
lade glade laden
male gmale mahlen
raa te graate raten
salze gsalze salzen
schlaaffe gschlaaffe schlafen
schmalze gschmalze schmalzen
schpalte gschpalte spalten
schpane gschpane merken
schtoosse gschtoosse stossen
wachse gwachse wachsen
wäsche gwäsche waschen
Die Verben der 6. Reihe haben im Deutschen teilweise Umlaut in der
zweiten und dritten Person: du bäckst, er bäckt, du fährst, sie fährt.
Dieser Umlaut findet sich nicht im Schweizerdeutschen: du bachsch,
si faart, er schtoosst, er grabt usw.
ligge hat ein unregelmässiges Präsens: ich ligge, du lysch, er lyt, mir
ligged. In keine Reihe gehören die Verben schmäisse/gschmisse und
schäide/gschide, ebenso entschäide/entschide.
beginnen aafange kreischen göisse
bergen rette klingen tööne
bersten verschprütze quellen verschwele
verbleichen schteerbe riechen schmöcke
genesen gsund weerde schreiten lauffe
gedeihen trüe spriessen uusschlaa
eindringen inegaa ringen schwinge
glimmen motte sprechen rede
gleiten schlipfe triefen tropfe
klimmen chlädere werfen rüere
kneifen chlüübe
Die Präsens-
endungen
ÜBUNG 14
Die Personalendungen sind in der dritten Konjugation grundsätzlich
gleich wie in der ersten Konjugation:
ich schrybe, du schrybsch, er schrybt, mer schrybed
Verben, die auf Zischlaut endigen, haben in der zweiten Person
Singular die Endung -isch, zum Beispiel: du ryssisch, du schlyssisch,
du güüssisch, du nüüssisch, du schüüssisch, du sitzisch, du lisisch,
du wäschisch, du höischisch.
Verben, die auf -t endigen, haben in der dritten Person die Endung -et
und in der zweiten Person willkürlich bald -sch bald -isch. Er rytet,
er schtrytet, er fachtet, er flächtet, er haltet, er schpaltet, er raatet,
es giltet und du rytsch, schtrytsch, haltsch neben rytisch,
schtrytisch, haltisch, schpaltisch, raatisch.
Verben, die auf -d enden, verhalten sich gleich wie jene der ersten
Konjugation: er findt, er schnydt, er bindt, er verschwindt, er ladt,
es chydt. Man unterscheide: er lyt = er liegt und er lydet = er leidet.
Si sind uf de hoger gschprunge und händ gwunke, bis s schiff
verschwunden isch. S gält hät en groue, won er verlötterlet hät. D
uuffüerig isch ggraate, wil ali mitghulffe hände S chindli hät scho
am morge gschroue, jetz schreit s wider. Dee bueb isch devoo
zäpft, wie wänn er gschtole hett. Ich wette, das mir das schpiil
güned. Du schpinsch ja. Werum seil das gschpune sy? S letscht
jaar hämer au ggune. Zeerscht hät si s mässer gschliffe, dänn hät
si es püürli abenand ghaue, dänn hät si der anke uf di iner syte
gschtriche und en huuffe harne druf pige. Wie lang bisch umenand
gloffe, bis t de rächt wääg gfunde häsch? De reebock schtoosst syni
hörner aab. De see isch scho lang nüme zuegfroore, d gletscher
schwyned aUe Myn koleeg fa art jede taag a myner wonig vorby i d
schtadt, aber er ladt mi nie y zum mitfaare. Schwümsch mit mer
hütt zmittaag über de see? Näi, ich bi geschter übere gschwume
und bi na müed, aber ich chumen en anders maal wider mit, ich
verschprich der s. Ich bi nu gschwind i d chläider gschloffe und
zum huus uus gränt. Wivil gilt de dollar hütt? S hät gghäisse, es
heb em niemer i sym ungfell ghulffe. Zeerscht hät dee süürmel nu
gschumpfe, aber dänn hät er s ghaue. Di letscht fasnacht hät nöd
ghaue; die fagt z Züri äinewääg nie. Du bisch nöd der äinzig, wo s
chalt wasser schüücht. Issisch ales eläigen uuf? D sune hät gesch-
ter nu äi schtund gschune. Ich misse sofort s fieber. Issisch geern
fisch? Es hät gsottes und praates ggee. Daa hät, mäin i, öpper d
aarbet gschoche, das isch en pfusch. Ich vergisse allpott di nöie
wörter.
103
LEKTION
15
En räkter haltet e schtraaffpredig
De räkter hät epaarne buebe grüefft zum si kapitle. Er säit: «Jetz
prichted mer em aal äntli, weer de tumm schträich uustänkt hät.
Wer wiirt au uf sone blöödi idee choo, syni ganze schuelsache zum
fäischter uus uf d schtraass abezrüere? Natüürli weerded ali
gschtraafft, wo bi dem ufueg mitgmacht händ, aber mer chönd
tänk i zuekunft derig voorfäll liechter verhüete, wä mer wüssed,
weer der aafüerer isch. Mäier, säg duu, wer deby gsy isch; das me
diich gsee heb, isch mer nämli z alereerscht gmäldet woorde.» Da
säit de Mäier: «Si weerded begryffe, herr räkter, wänn ich nöd di
ganz schuld wott uf miich nee. Chuum han i mys buech zum
fäischter uus grüert ghaa, do händ mer s di andere scho naa-
gmacht, und überhaupt händ s das i andere klasse au scho gmacht
und mached s tänk au na mängsmaal. Wäge soo öppisem wiirt mer
allwääg nöd eso schreckli gschtraafft weerde.» Uf daas abe säit de
räkter: «Vergiss nöd, zu wem du zitiert woorde biseh! Wäge dym
fräche muul wiirsch nöd weniger gschtraafft, als t verdient häsch.
Ich ha vo diir scho alerhand schlimms ghöört ghaa, bevor na de
nöi schträich dezue choo isch. I ha mer s scho tänkt ghaa, es wiirt
hööchschti zyt, das duu und au ander von öi bueben us der schuel
chömed und vom läben i d finger gnoo weerded; deet lee red er
dänn, wie me si mues benee. Es sind dänn nümen all lüüt eso
105
VOKABELN
Der Imperativ
Das Präsens-
partizip
106
guetmüetig und geduldig, das merked er dänn gly. Wer wiirt sich
in öiem alter eso hämigsloos benee, das er syni büecher uf d
schtraass aberüert? Was weerded au d lüüt i de schtadt une gsäit
haa, wo d schtüüre zaled, das iir daobe zu gebildete mäntschen
erzoge weerded? Die sach isch ja waarhaftig scho hüttemorge an
alnen oorte bräit gschlage gsy. Wä men öi nöd daasmaal e tüchtigi
läkzioon git, chömer ja nöd wüsse, öb nöd bis moorn wider esone
lumperei gschee isch. Drum chömed am neechschte mittwuche
daa-ane in aräscht und überlegged i dänn, was i jetz gsäit ha.»
komissioone
d bale, de böle
oberjehu
moorndrig
Besorgungen
Ball
Superchef
(humor.)
morgig
schnuufe
kapitle
wüetig
glaub
tschuute
Die restlichen Verbalformen
atmen
abkanzeln
zornig
vermutlich
Fussball spielen
Die Befehlsform hat nur im Singular eine eigene Form, und zwar ist
sie in allen Konjugationen gleich dem Stamm des Verbs ohne irgend
eine Endung. Die starken Verben der Reihen 4a und 5, die im Singular
ein -i- im Stamm haben, behalten es auch im Imperativ.
1. Konjugation: mach! zünd! rüeffl schtell!
2. Konjugation: lueg! los! choch! lüüt!
3. Konjugation: schryb! list iss!
Die Kerngruppe der Verben der zweiten Konjugation, nämlich jene auf
-le, -re, erle, -ne, -me, -ge und Nominalabteilungen lauten im Impera-
tiv gleich wie im Infinitiv: pöpperle! klopfe! süürpfle! schlürf!
schtägere! klettre herum! rächne! rechne! chräsme! klettere! metzge!
schlachte! Imperative dieser Art sind allerdings sehr selten, denn bei
den meisten dieser Verben wird der Imperativ mit tue umschrieben:
tue rible! reib! Tue nöd alewyl tubake! Rauch nicht immer! Tue
zälte! kampiere! tue rächne! rechne!
Im Plural hat der Imperativ die gleiche Form wie der Indikativ.
1. Person:
2. Person:
mached mer!
mached!
Höflichkeitsform: mached Si!
lueged mer!
lueged!
lueged Si!
räised mer ab!
räised ab!
räised Si ab!
Die norddeutsche Wendung lasst uns hat keine Entsprechung: lasst uns
gehen wird übersetzt durch gehen wir: gömer!
Es gibt im Schweizerdeutschen eigentlich kein Präsenspartizip. Die
singenden Kinder lässt sich ebenso wenig ohne Umschreibung
Das Plusquam-
perfekt
Das Futurum
übersetzen wie singend zogen die Kinder durch die Strassen. Man
muss sagen d chind, wo singed, und, d chi nd sind dur d schtraasse
zoge und händ gsunge.
Eine Anzahl deutscher Partizipien haben schweizerdeutsche Ent-
sprechungen auf -ig:
glüeig glühend leermig lärmend
wüetig wütend brüelig brüllend
glänzig glänzend schtrodlig brodelnd
zitterig zitternd chochig kochend
läbig lebendig süttig siedend
Besonders zu beachten sind schtändlige, sitzlige, ligglige:
schtändlige uf Dietike faare: stehend nach Dietikon fahren; d bale
sitzlige fange: den Ball sitzend fangen, ligglige en schuss abgee:
liegend einen Schuss abgeben.
Aus der Schriftsprache werden heute laufend in grosser Zahl
Präsenspartizipien übernommen, besonders in stehenden Wendungen:
vor lauffender kamera, flüüssends wasser, im faarende zuug,
yschnydendi maassnaame, vo de schprächenden uur, gläitendi
aarbetszyt, schtygendi akziekürs, raasendi begäischterig, e räi-
zends mäitli, de boxer hät si glänzend gschlage, di kultuur-
schaffende.
Die Vorvergangenheit wird aus dem Perfekt des Hilfsverbs (i bi gsy,
i ha ghaa) und dem Partizip des Hauptverbs zusammengesetzt:
i bi ggange gsy: ich war gegangen
i ha trunke ghaa: ich hatte getrunken
Grad wo t abgfaare gsy bisch, isch de psuech choo. Nachdem du
abgefahren warst ... Chuum hät er de brief gläse ghaa, so isch er
scho anegsässe und hät en antwoort gschribe: Kaum hatte er den
Brief gelesen ... Wo mer uf de paanhoof choo sind, isch de zuug
scho abgfaare gsy ... (Man beachte, dass nachdem keine schwei-
zerdeutsche Entsprechung hat, sondern meist durch wo übersetzt
wird.)
Man braucht das Plusquamperfekt aber nicht so häufig, wie es die
Logik erfordern würde, sondern behilft sich oft mit dem Perfekt; so
könnte man obigen Satz auch so sagen: Chuum hät er de brief gläse,
so isch er scho ...
Für die Zukunft gibt es keine eigenen Formen, vielmehr ist das
Futurum gleich dem Präsens. Um die Zukünftigkeit einer Handlung
auszudrücken, kann man passende Adverbien einsetzen, am häufigsten
107
Das Futurum
exaktum
Das Präsens
historicum
Zum Infinitiv
Nachträge zur
Verbalflexion
108
dient hier dänn: ich chume moorn wider häi. Ich verräise nÖÖch-
schti wuche. Chunsch dänn? Ich chume gly. Ich hilff der dänn,
wänn t eso wyt biseh.
Man hört manchmal Sprecher, die weerde für das Futurum verwenden.
Dies ist eine Nachahmung der Schriftsprache, die man vermeiden
sollte. Korrekt ist andererseits der Gebrauch von weerde zum
Ausdruck einer Vermutung: Das wiirt nöd waar sy. Das wiirsch mer
nöd glaube. Es wiirt brandschtiftig sy.
Da das Futurum gleich dem Präsens ist, entspricht das Futurum exak-
turn dem Perfekt. Zum Beispiel: Wenn ihr kommen werdet, werde ich
schon gegessen haben wänn er (dänn) chömed, hani scho gässe. -
Keiner kann wissen, ob er nicht morgen schon gestorben sein wird
käne cha wüsse, öb er nöd moorn scho gschtoorben isch.
Da das Schweizerdeutsche, nachdem es das Präteritum (ich ging, ich
hatte) verloren hat, keine unzusammengesetzte Zeit der Vergangenheit
mehr besitzt, wirkt es bei längeren Erzählungen ausserordentlich
ermüdend, wenn ein Perfekt dem andern folgt. (Do simer abgsässe,
und dänn hämer es käfeli gnoo, und dänn simer wider ggange, und
dänn hämer ... ) Aus diesem Grund wird sowohl im gesprochenen wie
im geschriebenen Schweizerdeutsch das Präsens sehr häufig als
Tempus der Vergangenheit gebraucht. Man nennt dies das Präsens
historicum. Zum Beispiel: Geschter gaani d paanhoofschtraass
duraab. Do triffi s Häidi, grad wie s vor eme schaufäischter
schtaat und d früeligsnöihäiten aalueget. Wo s mi gseet, säit s ...
Der Infinitiv ist in seiner substantivierten Anwendung eine sehr
produktive Verbalform:
Si isch am reetsellööse; ich bin am telefoniere gsy; mer sind grad
am furtgaa; er hät nu a s tschuute tänkt; dee sehtoff isch liecht
zum wäsche; s wasser isch zehalt zum bade; er isch z fuul zum en
brief schrybe; mer händ is d zyt vertribe mit witz verzele; de bueb
hät nöd chöne gnueg überchoo vom de züüg zueluege. Noch mehr
über den Infinitiv in Lektion 23.
Die drei Verben trääge tragen, säge sagen, legge legen haben die Ei-
gentümlichkeit, dass ihr Stammvokal in der zweiten und dritten Person
und im Partizip zu -äi- wird:
Partizip
i trääge
du träisch
er träit
mer trääged
träit
säge
säisch
säit
säged
gsäit
legge
läisch
läit
legged
gläit
ÜBUNG 15
Das Partizip von bringe heisst praacht (man beachte, dass das aa lang
ist). Eine Nebenform ist prunge.
Die deutschen Verben rennen, brennen, kennen, denken, nennen haben
im Partizip -a-: gerannt, gebrannt usw. Die entsprechenden schweizer-
deutschen Verben haben im Partizip den gleichen Vokal wie im
Präsens: räne: gränt, bräne: pränt, käne: känt, tänke: tänkt.
Senden, wenden und nennen haben keine Entsprechung. Senden wird
übersetzt mit schicke, wenden mit cheere, nennen mit säge, ernennen
je nachdem mit weele oder befördere: Si händ s pakeet äxpräss
gschickt; er hät de wage uf em garaaschplatz gcheert; si säged em
de chumerbueb; er isch zum redakter gweelt woorde; si isch zur
prokurischtin beförderet woorde. Bei Radio und TV wird sände
verwendet.
Das Perfekt von sitzen, stehen, liegen wird schriftdeutsch mit haben
gebildet, schweizerdeutsch mit sy. Für sich setzen, sich stellen, sich
legen sagt man absitze, aneschtaa, abligge:
ich habe gesessen: i bi gsässe
ich habe gestanden: i bi gschtande
ich habe gelegen: i bi gläge
ich habe mich gesetzt: i bin abgsässe
ich habe mich hingestellt: i bin anegschtande
ich habe mich gelegt: i bin abgläge
Die Imperative lauten: sitz! sitzed! schtand! schtönd! ligg! ligged!
Machsch im nÖÖchschte jaar wider eso lang ferie? Ich eh urne glaub
nöd dezue. Won er ggangen isch, händ ali uufgschnuufet. Si händ
süttig häisse kafi trunke. Si händ d schpagetti i schtrodligs wasser
gläit. Ich gaane hüttzmittag i d schtadt go komissioone mache, ich
chume drum eerscht schpaat häi. Bis so guet und chauff grad
öppis für de moorndrig zmittaag. Geschter won i uusggange bi,
han i en alte bekante troffe; dee hät mi in es kafi mitgschläikt, und
wo mer use chömed, sind scho an läde zue gsy. Was läisch aa? Bi
dem wätter früürsch, wänn t nöd warm aagläit biseh. Wo de plaan
publiziert gsy isch, isch nöd en äinzigi yschpraach choo. Tuen a s
fäischter pöpperle! Schtand graad ane! Wer wiirt so öppis glaube!
Duu wiirsch nöd rächt uufpasst haa. Si hät de wagen amene
cheerplatz gcheert. Chumm cho luege! Ich bring de brief uf d
poscht, wänn i de mantel aagläit ha. Si hät glachet und em
umeggee. Sitz aab! Ich bi nanig uufgschtande gsy, wo de pöschtler
glüütet hät. Er hät pfiffe und isch us em zimer ggange. Chunsch au
an öises fäscht? Ich glaube, ich cha nöd, ich ha dänn nöd dezyt. Si
109
110
händ imer na gwunke, wo s schiff scho lang verschwunde gsy isch.
Er isch wüetig gsy. Me säit em de oberjehu. Du läisch glüeigi chole
uf myn chopf. Wänn iir äntli chömed, sind di mäischte lüüt scho
ggange. Gsäit isch gsäit, s woort gilt. S git en chalte winter. Es
wiirt nöd waar sy. Si träit schweer an irem schicksal. Wie
ghäissisch du? Ich ghäisse Konrad. Wie säged s dir? Si säged mer
Chueri. Ich ha de früener tiräkter na känt, aber er hät nöd zu
myne bekante ghöört. Bisch de ganz wääg gränt? Chasch tänke,
ich han en taxi gnoo, da känsch mi schlächt.
LEKTION
16
Bimene toonjeger git s vii z ghööre
R. Grüezi Häiri, tÖÖrff i inechoo?
H. Grüezi Ruedi, natüürli, chumm nu ine, du häsch di scho lang
nüme zäiget.
R. Das chönt me vo diir au säge. Du chunsch ja nie zu äim, und
me mues der uf d buude schtyge, wä me wott wüsse, was t
machsch. Äigetli wäiss me s ja scho, du bisch äifach alewyl uf
de toonjagt.
H. Pass uuf, da chunsch grad öppis z ghören über.
R. Merssi, was isch ä daas für en hölechrach? Das chydt ja, das es
de luutschprächer fascht verjagt.
H. Das isch drum ä gaar nüüt seriööses. Ich ha nu emaale de
prässluftborer uufgnoo, wo s vor myner wonig scho wider d
schtraass uufgrisse händ.
R. Jäsoo, du häsch mi welen uf der aarm nee.
H. Jaa, isch ja nu en gschpass. Jetz chasch mer defüür grad mit
öppisem hälffe. Gseesch dee sack mit rys? Da nimsch jetz e
hampflen use und laasch es i die blächbüchs risle. lich hebe s
mikrofoon und kontroliere, wie s uufnimt. Ich wett nachane
wüsse, a waas das äinen erineret, wo nöd wäiss, waas uufgnoo
woorden isch.
H. Also loos, schalt y!
111
pr
VOKABELN
112
R. Das isch prima ggange, aber wäisch, das isch äigetli mee e
schpilerei. Ich mache suscht lieber kä gschtelti uufnaame. Ich
gaane mit mym greet uf d schtraass oder in wald. Wottsch de
öörgelimaa lose, won i letschti uufgnoo ha? Näi, du settisch
zeerscht di chlyne vögeli ghööre, won in irem näscht pypsed,
bis ene d mueter wider fueter bringt. Da hani müesen uf en
baum ue chlädere und s mikrofoon an en ascht hänke zum das
überchoo.
R. Das isch prima, mit dem settisch an en toonjegerwettbeweerb.
H. Ich tuene lieber zu mym äigene vergnüege bändli uufnee. Da git
s vii probleem z lööse, aber wänn s äim dänn graatet, fröit s
äim topplet. Bi natuuruufnaame, wo me mängsmaal lang mues
waarte, chunsch öppedie i schwirikäite, wänn t nüme gnueg
pfuus i de battery häsch.
R. Ich wäiss aber, diir isch käs hindernis z grooss, wänn s der um
dys hobby gaat.
H. Der äint tuet ebe briefmäärggele und der ander jagt de tööne
naa. Miich tunkt das intressanter.
R. Defüür gseets bi diir au uus wie imene radioschtudio, aber ich
mues der s laa, du eh asch öppis uf dym gebiet.
H. NÖÖchschti wuche muesch zue mer choo, dänn eh asch e
maximaals konzert ghööre. Moornzaabig gaan i i d schtadtchile
go d Mattheeus-passioon uufnee. I ha d bewilligung überchoo
zum myni mikroföön uufschtele; defüür mues i s band vor em
ganze choor em aale abschpile, aber du tÖÖrffsch es vorane
eläige cho lose.
R. Tank der vilmaal, da chum i geern.
d hampfle"
s hämp -er
verjage
blööd
merssi
Handvoll
Hemd
zum Platzen bringen
fadenscheinig
Merci, danke, auch Ausruf des Erstaunens
Unregelmässige Verben
Zwanzig Verben weichen von den drei behandelten Konjugationen ab
und müssen besonders gelernt werden. Sechs von ihnen sind modale
Hilfsverben, welche andere Verben näher bestimmen. Bei ihnen sind
Infinitiv und Partizip identisch, und der Imperativ fehlt. Die übrigen
nennt man kontrahierende Verben, da bei ihnen die Endung mit dem
Stamm verschmolzen ist. Die folgenden Tabellen enthalten um der
Vollständigkeit willen auch den Subjunktiv und den Konditional,
deren Funktion erst in den bei den folgenden Lektionen behandelt wird.
Modale
Hilfsverben
Kontrahierende
Verben
Infinitiv
Partizip
ich
du
er, sie, es
wir, ihr, sie
Subjunktiv
Konditional
Infinitiv
Partizip
ich
du
er, sie, es
wir, ihr, sie
Subjunktiv
Konditional
Infinitiv
Partizip
ich
du
er, sie, es
wir, ihr, sie
Imperativ
Subjunktiv
Konditional
Infinitiv
Partizip
ich
du
er, sie, es
wir, ihr, sie
Imperativ
Subjunktiv
Konditional
wollen
wele
"
wott
wottsch
wott
wänd
weil
wett
sollen
söle
"
söll
sölisch
söll
sölid
söll
sett
geben
gee
ggee
gibe
gisch
git
gänd
gib!
gäb
geeb
lassen
laa
glaa
laane
laasch
laat
lönd
las!
lös
lies
müssen dürfen
müese tÖÖrffe
" "
mues tÖÖrff
muesch tÖÖrffsch
mues tÖÖrff
müend tÖÖrffed
mües tÖÖrffi
müest tÖÖrfft
können mögen wissen
chöne möge wüsse
" "
gwüsst
cha mag wäiss
eh asch magsch wäisch
cha mag wäiss
chönd möged wüssed
chönn mög wüss
chönt möcht wüsst
nehmen sehen geschehen
nee gsee gschee
gnoo,gnaa gsee gschee
nime gseene
nimsch, gseesch
nimt gseet gscheet
nämed gseend
nimm! lueg!
näm gsäch gschäch
neem gseech gscheech
schlagen kommen ziehen
schlaa choo zie
gschlage choo zoge
schlaane chume ziene
schlaasch chunsch ziesch
schlaat chunt ziet
schlönd chömed ziend
schlag! chumm! zie!
schlög chömm ziei
schlieg chiern, cheem zieti
113
sollen
wissen
Inversion
nehmen
lassen
Partizipien
mögen
geben
114
Varianten und Verwendung von söle werden in den bei den folgenden
Lektionen behandelt.
Wüsse zeichnet sich durch eine gemischte Konjugation aus. Als Impe-
rativ dient die zweite Person: wäisch! = wisse!
Zu den kontrahierenden Verben gehören auch die in Lektion 2 behan-
delten.
Zu beachten ist die Verschmelzung der Endung -nd mit dem Prono-
men der ersten Person Plural, wenn dieses dem Verb folgt: wämer,
müemer, chömer, gämer, gseemer, lömer, schlömer = wollen wir,
müssen wir, können wir, geben wir, sehen wir, lassen wir, schlagen
wir.
Das Verb nee hat folgende Nebenformen: du ninsch, er nint, mer
nänd; im Partizip neben gnoo auch gnaa.
Neben dem Partizip glaa gibt es eine Form la. Sie wird gebraucht,
wenn davon ein Infinitiv abhängt, zum Beispiel: er liess ihn kommen =
er hät en la choo; ich liess es sein = i ha s la sy. Laa bedeutet neben
lassen auch noch nachlassen, entzwei gehen: das brätt laat jetz dänn
das Brett wird bald zerbrechen, de schtrick hät glaa das Seil zerriss;
überlassen: i laane der de resch te ich überlasse dir den Rest, das
mues em laa das muss ich ihm zugestehen.
Man beachte, dass es keine den deutschen Partizipien entsprechenden
Formen gewollt, gesollt, gemusst, gedurft, gekonnt, gemocht,
gekommen und geworden gibt, statt dessen heisst es i ha wele, sele,
müese, tÖÖrffe, chöne, möge, i bi choo, i bi woorde.
Möge hat eine grosse Bandbreite von Bedeutungen wie gern haben,
gern tun, ausreichen, überlegen sein, z. B. Ich mag di ganz geern =
ich kann dich leiden, jetz mag i wider ässe (nachdem ich unter
Appetitlosigkeit gelitten hatte), es mag grad na ine = das Geld (oder
die Zeit) reicht gerade noch. Die antwort hät en möge = diese
Antwort verdross ihn. Er hät de gröösser möge = er bezwang den
grösseren. Wenn möge die Bedeutung von imstande sein hat, dann
erhält der folgende Infinitiv das Augment g-: ich ha na möge gchoo =
ich kam gerade noch rechtzeitig, ich mag s nöd gässe = ich kann es
nicht aufessen. Si möged s gmache = sie kommen mit ihrem Geld aus.
Gee bedeutet ausser geben auch noch 1. einen Beruf wählen, 2. eine
versetzen, 3. geschehen, vorkommen: l. Was wottsch gee? Was willst
du werden? I wott tokter gee Ich will Arzt werden. 2. Gib em äis!
Hau ihm eine runter! Dene häsch es ggee Diesen hast du ihr Teil
bekommen
ÜBUNG 16
gegeben. 3. Was hät s ggee? Was ist geschehen? Wänn s es git,
gseemer is moorn Wenn es sich machen lässt, treffen wir uns morgen.
I hoffe, s git nüüt Ich hoffe, es passiert nichts. Us nüüt git s nüüt Aus
nichts wird nichts.
Überchoo bedeutet bekommen. Es ist ein trennbares Kompositum.
Man konstruiert also; ichurne hüt myn zapfe (Lohn) über, häsch du
dyne scho überchoo? «Bekommen» gibt es nicht, auch «kriegen» hat
keine Entsprechung; eh riege bedeutet Krieg führen.
Er chönd s mitnee Er isch chrank Mer wüssed s
Ich mues go poschte woorde Er hät en möge
Chumm gschwind! Es hät em öppis ggee Mer händ müese
Ich ha s scho gwüsst Si hät nöd möge hälffe
Ich han äifach nöd Da magsch lache Si ziend fescht
chöne Er wott schryner gee Si händ nüüt wele
Du tÖÖrffsch au Der ascht hät glaa gsee haa
mitchoo Ich ziene moorn uus Wänn s-e-si laat la
Mermüend Chömed er au? mache
uufpasse Du muesch si la Ich überlaane dir
Wämer gaa? mache s uufruume
D böim schlönd uus Las das sy! Ir chömed e
Er hät s wele Ich nimen es schtraaff über
Müemer en au glaas wy Si hät en öpfel
mitnee? Ich gibe nüüt druf überchoo
Gib rue! Gseend er s? Ich ha die sach la sy
Das mag mi Ich gseene nüüt D uur schlaat zwölfi
Defüür muesch zu dym rächt choo. TÖÖrfsch au an umzuug? Näi,
ich mues dihäime blybe. Was hät s ggee? Wäiss es niemer von öi?
Mer wüssed ali nüüt. Ich schlaane vor, das mer uf d Wäid gönd.
Schia asch öppis anders vor? Schlönd iir ali zäme nüüt anders vor?
Guet, so gömer. Las doch dyn hund dihäime; wä mer en mit-
nämed, laat er is nie la sy; me chunt zu käim rueige gschprÖÖch.
Er mues drum au veruse. Was wottsch gee? Ich wäiss es nanig, ich
mues mer s na epaar maal dur de chopf la gaa. Me tÖÖrff nöd nu a
siich tänke. D Nicole hät nöd tÖÖrffe mitchoo. Chumm, mer gönd
an matsch! Gseesch, wie s boxed? lueg, jetz ziet der äint chreftig
loos; ich glaub, er mag der ander, ja, jetz schlaat er en nockaut.
Ich luege nöd geern zue, wie s denand verschlönd. Chumm duu
lieber mit i s theaater. Ich chume geern, wänn s öppis rächts gänd.
Also, ich ni me zwäi bUeet, wie sich s git. Daas hämp da isch scho
zimli blööd, ich glaub, es laat gly. Dänn nimm halt en anders,
chasch daas da grad i d abfuer gee.
115 11'"
LEKTION
.:-: .... ...

17
Wie de tüüfel ineglymet woorden isch
D Urner weered scho alewyl geern in Süden abe, wil s ghöört
händ, das deet eso guete wy wachsi. Aber si händ nie chöne, wil s
ekäi brugg ghaa hät über d Rüüss, bis dänn d Tüüfelsbrugg poue
woorden isch. Das seig aber esoo zueggange: D regierig seig
em aale sälber ggange go luege, wo me chönn e brugg boue, aber es
seig ere ummügli voorchoo. Drum heb doo äine vo de raatshere
gsäit, da seli de tüüfel e brugg boue. Chuum heb er s gsäit ghaa,
sig de tüüfel vor em gschtande und heb gsäit, eer weil ne die brugg
boue, wänn s em der eerscht verschprächid, wo über die brugg
chömm. D raatshere seiged uf dee voorschlaag yggange und inert
drei tääg heb de tüüfel die brugg fix und fertig gmacht. Und daa
sig er gschtande uf der andere syten und heb uf der eerscht
gwaartet, wo übere chömm. Es hät aber käine wele zeerscht übere
gaa. Do heig äine vo de raatshere gsäit, er heb dihäimen en bock,
dee welid s übere jage. Do sig er ggange, heb en gholt, und wo de
bock d hörner vom tüüfel uf der andere syte vom fluss gsee heb,
seig er i äim satz über d brugg ine ggumpet und de tüüfel heb en
phackt. Wo de tüüfel gmerkt heb, das en di anderen inegläit hebid,
seig er fuchstüüfelswild woorden und seig gäge Wassen abe gränt
117
VOKABELN
Die Endungen
Stammvokale
bei Ablautverben
118
und heb deet en groosse schtäi gholt. Mit dem heb er syni brugg
wider wele zämeschlaa. Won er mit dem schtäi z Göschene gsy sig,
heb er müesen uusruebe. Da seig en alts fraueli choo und heb en
gfrÖÖget, werum er eso schnuuti und eb er echli uusruebi. Weret
dem sich de tüüfel de schwäiss ab de schtiirne gwüscht heb, sig si
gschwind ggangen und heb e chlyses chrüüzli in schtäi gehritzlet.
Wo de tüüfel de schtäi wider heb welen uuflupfe, heb er gmerkt,
das öppis ggange seig, heb de schtäi umgcheert, und won er das
chrüüzli gsee heb, seig er mit eme tuners fluech uufggumpet und
zum land uus.
lupfe
uusruebe
akzioon
eläige
usefuule
smünz
aufbeben
ausruhen
verbilligtes Angebot
allein
als überzählig ausscheiden
Kleingeld
Der Subjunktiv
Der Subjunktiv - auch Konjunktiv I genannt - ist im Schweizerdeut-
schen ausserordentlich lebendig. Er hat auch eindeutige und aus-
geprägte Formen in allen Personen. Sein Charakteristikum ist der
Endungsvokal i. Die drei Konjugationen unterscheiden sich im
Subjunktiv nicht:
1. Konjugation 2. Konjugation 3. Konjugation
(aufheben) (stricken) (fliegen)
ich lupti lismi flüügi
du luptisch lismisch flüügisch
er, sie, es lupti lismi flüügi
wir, ihr, sie luptid lismid flüügid
Bei den unregelmässigen Verben zeigt meist schon der Wortstamm
den Subjunktiv an, das -i ist daher nicht obligatorisch. Bei allen
anderen Verben kann das -i bei der dritten Person Singular auch
wegfallen, da das Fehlen der Indikativ-Endung -t den Subjunktiv
anzeigt, z. B. Er ghei de bättel ane und lauff devoo ist gleich-
bedeutend mit er säit, er gheii de bättel ane und laum devoo.
Die starken Verben der Reihen 4a und 5, die im Präsens den Vokal
wechseln (i triffe; mer träffed), haben im Subjunktiv den Vokal des Plu-
rals: i hälm, es gälti, du schtälisch, er ässi, i läsi. Entsprechend gilt der
Vokal des Plurals bei säge, trääge, legge: i sägi, du träägisch, er leggi.
Die Formen der Die Subjunktive der unregelmässigen Verben seien hier noch einmal
unregelmässigen aufgeführt, zusammen mit den deutschen Entsprechungen in der
Verben 3. Person, da nur da der deutsche Subjunktiv deutlich wird:
Zur Form
sollen und
müssen
Vermutung
Die Funktion
des Subjunktivs
er heig er habe er schtönd er stehe er mües er müsse
seig sei chömm komme tÖÖrfti dürfe
tüeg tue weil wolle chönn könne
göng gehe söll solle mög möge
lös lasse gäb gebe näm nehme
schlög schlage gsäch sehe es gschäch geschehe
ziei ziehe wüss wisse
Beim Plural der unregelmässigen Verben kommt neben der Endung -id
auch die Endung -ed vor, da der Subjunktiv durch die Stammform
offensichtlich ist: mer seiged neben mer seigid.
Neben söle wird ebensooft sele gebraucht. Eine seltene Nebenform
von göng und schtönd ist göch und schtöch. Am meisten Varianten
weisen haa und sy auf: heb, häig, heig und seig, sei, sig, seg. An diese
Formen können noch die i-Endungen treten.
Die Verwendung von söle und müese ist nicht gleich wie die von sol-
len und müssen. Müese drückt ganz sachlich eine Verpflichtung aus,
während bei sele, das eigentlich selbst im Subjunktiv steht, immer eine
Vermutung, Behauptung oder ein Wunsch versteckt ist. Kommentierte
Beispiele werden dies erklären:
du muesch folge es ist deine Pflicht zu gehorchen
du sellsch folge deine Mutter hat gesagt, sie wünsche, dass du
gehorchst
ich mues go poschte ich habe Auftrag, Besorgungen zu machen, und
bin jetzt auf dem Weg dazu
ich söll go poschte jemand wünscht, dass ich Besorgungen mache, es
ist aber noch nicht so sicher, ob ich gehen will
es mues cho rägne es herrscht Trockenheit, Regen ist sehr nötig
es seil cho rägne die Wetterwarte behauptet, es werde regnen
er seil emaal choo ich wünsche dringend, dass er kommt
es seil nüme vorchoo ich verspreche, dass es nicht mehr vorkommt
Im Sinne von vermuten ist die Verwendung von sollen und sele
identisch: si söll eh rank sy sie soll krank sein, es seil e guets jaar gee
es soll ein gutes Jahr werden.
Der Subjunktiv ist obligatorisch in Nebensätzen, die von Verben des
Sagens und Meinens abhängen:
119
Kein selbstän-
diger Subjunktiv
ÜBUNG 17
120
Si säit, si heb mi geschter nöd gsee
Er phauptet, er heb das nöd wele
Si tänkt, ich heb si vergässe
Er mäint, er sig eläigen uf de wält
Es hät ghäisse, es gäb en akzioon für öpfel
Si prichtet, es sig e schööns rascht gsy
Si verzelt, der usfluug si gi luschtig gsy
Von einem einzigen Verb des Sagens kann eine beliebig lange Reihe
von Sätzen abhängen. Manchmal werden die längsten Geschichten im
Subjunktiv erzählt, sobald der Erzähler selbst Zweifel hegt oder sich
distanzieren will. Das Lesestück dieser Lektion ist durchaus typisch.
Auch die Geschichte vom Tramunglück in Lektion 14 könnte sehr gut
von einem Berichterstatter, der selbst nichts davon gesehen hat, im
Subjunktiv erzählt werden.
Der Subjunktiv erscheint ferner in indirekten Fragesätzen, Finalsätzen,
Konzessivsätzen:
Mer händ de tokter gfrÖÖget, öb na hoffnig seig
Si sind fascht verschprützt vor gwunder, was passiert seig
Er hät wele i d schtadt faare zum luege, wo de wage schtäcki
Si händ pättet, das käis unglück gschächi
Es isch em gält glych, wer s heigi
Im Hauptsatz kommt der Subjunktiv nur in formelhaften Wendungen
vor wie vergält s Gott, hol s de tüüfel, das glaub äine, gschäch nüüt
böösers, sig s wie s weil. Nicht direkt übertragen lassen sich Sätze
wie: man nehme zwei Tabletten am Morgen; es lebe der König, man
bringe Pamina, sondern man muss sie folgendermassen umsetzen:
Zwo tablette am morge, de könig sellläbe, d Pamina seil choo.
Bei den folgenden Sätzen muss man sich vorstellen, vor dem Komma
stehe ein er säit, si säged, me mäint, me glaubt u.a.
, mer chönid d akzie
chauffe
, es gäbi schnee
, si mögid nüme
, er wüssi nüüt devoo
, das mer is gschlage
gäbid
, si salzi d schpyse
z fescht
, si gsäch imer
schlächter uus
, si gsächid imer
schlächter uus
, es gschächid tägli
wunder
, das schlög em fass
de boden uus
, er ziei en rueigeren
oort voor
, si zieid oscht-
schwyzer wy voor
, de hund byssi sofort
, d chind schüüchid
, si schlögid en zum s wasser
kassier voor , de räge chömm gly
, es chömi nöd druf aa ,s gsetz weerdi
, es chömid na mee gänderet
zueschauer , d zyt lauff em devoo
, ich chönn em
gschtole weerde
, mir chömid au
na draa
, mer hebid zvil ööl
pruucht
, d uure lauffid
z gschwind
, d uure göngid voor
, mer gäbid zvil uus
, d böim lösid sich
nöd häile
, du welisch verzichte
, d chileglogge töönid ,mer vergässid
z luut ja alls
, er lös sich das , d pile tüegid
nöd gfale em guet
, si lösid d hünd , de thee tüeg
uf s loos em guet
, er mach i nüme mit , d prys schlögid uuf
, er müesi druf
zrugg choo
, si müesid druf
zrugg choo
, si chochi geern
, er heb zwenig münz
, mer hebid en
aagloge
, mer müesid s zuegee
, s ys schmelzi gly
, mer grabid z tüüff
Me verzelt, de tüüfel heb di eerscht Rüüss-brugg poue, di
yhäimische seiged nöd imschtand gsy, si eläi z boue. De tüüfel heb
gsäit, eer boui die brugg, wänn er der eerscht überchömm, wo
drüber göng. De bueb hät gschumpfe, er tÖÖrffi nöd mitchoo, syni
mueter erlaubi em s nöd, aber s nÖÖchscht maal lauff er äifach
devoo, wänn s em wider verbote weerdi. De trämler hät wele luege,
was loos sigi. Myn fründ hät gfrÖÖget, öb du au chömisch. Di
aaghöörige händ gfrÖÖget, öb si de paziänt tÖÖrffid psueche. I sym
wootum hät de redner gsäit, me tÖÖrffi d wasserchreft i de Schwyz
nöd na mee usbüüte, es gäb ja gly käs flüüssends wässerli mee z
gsee, hütt chömm s druf aa, das me sich um d natuurschöönhäite
chümeri. Sig s wie s weil, miir isch ales glych. Es hät öis schweer
wunder gnoo, wer ächt bi de schtadtraatswaale usefuuli. De röön
söll nüme lang hebe. De polizischt hät zu de chind gsäit, si müesid
zeerscht nach linggs luege, wänn s über d schtraass göngid. I der
aachlag isch gschtande, de deliquänt sig scho epaar maal wäge
vercheersdelikt verurtäilt woorde, er heb emaal e schtopschtraass
überfaare, das es tätscht heb, er heig d gschwindigkäitsgränze uf
ere nazionaalschtraass überschritte, und emaale heb er zvil
promill ghaa.
121
,.--
LEKTION
18
Mer boued luftschlösser
W. Du, Chueri, was miechsch, wänn t en sächser hettisch im
lotto?
Ch. Los, Walter, das chunt doch druf aa, wie hööch d uuszalig
weer, aber was miechsch duu, wänn duu dee glückspilz
weersch?
W. I gieng tiräkt i s swisseerbüro am hauptpaanhoof und lies mer
e wälträis zämeschtele. Dänn gseechisch mi für es zytli nüme.
Ch. Und was teet dyni frau derzue säge?
W. Die neemi doch mit. Für sy geebs nüüt schöners, als wänn si
chönt uf räise gaa.
Ch. Mäinsch dänn, s gält langti?
W. Me sett s mäine, suscht hetti dänn scho na öppis uf de syte,
aber du häsch rächt, das t gfrÖÖget häsch, e milioon isch au
nüme, was si emaale gsy isch. Me mues hütt ganz andersch
rächne.
Ch. Me merkt, das du fröid häsch am lötterle; miir gfallt s toto
besser, da cha me doch na echli öppis kombiniere, und es
hanget nöd alles nu vom zuefall aab. Jetz schtell der aber
emaale vor, du miechisch e riseneerbschaft und müestisch mit
dem ganze huuffe gält fertig weerde.
W. I glaub, das weer käs probleem. En schööne täil gieng scho
ewägg für schtüüre, und dänn müesst i ja au nöd ales für
123
Die Endungen
Die Hilfsverben
124
miich eläige bruuche. Es git ja eso vii wooIteetigi inschti-
tuzioone, wo für jede zueschtupf dankbaar sind. Es blybti ja
dänn imer na gnueg voorig für miich, für es hüüsli amene
gäbigen oort, für en gröössere wage, für myni liebhabereie
und soo.
Ch. Aber sehteIl der emaale voor, was t für en luxus chöntisch
trybe.
W. Lieber nöd. Wettisch du vilicht vo kawi ar und auschtere
läbe? Da blybtisch nöd lang gsund debYe Was hettisch devoo,
wänn t di wüürsch mit der «haute volee» a de Riviera ume-
trybe und müestisch dyni zyt vertrööle mit blabla, und am
aabig wüsstisch nöd, für waas t am morgen uufgschtande
biseh?
Ch. So schlimm müesti s jetz ä nöd grad usechoo, aber ich glauben
au, mängem ryche weers wööler, er hett weniger. Mer wänd
froo sy, das miir die sorge nöd händ, und die luftschlösser
lömer lieber la sy.
Der Konditional
Der Konditional - auch Konjunktiv 11 genannt - wird in allen Konju-
gationen entweder durch die Endung -ti bezeichnet oder durch die
Verbalformen wüür oder teet:
1. Konjugation 2. Konjugation 3. Konjugation
(meinen) (rechnen) (bleiben)
ich mäinti räch ne ti blybti
du mäintisch rächnetisch blybtisch
er, sie, es mäinti rächneti blybti
wir, ihr, sie mäintid rächnetid blybtid
Die Endung -i bleibt oft weg, und statt -id erscheint auch -ed, da das t
den Konditional genügend qualifiziert. Wenn ich dem Verb folgt,
verschmilzt es mit dem -i: aus jetz mäinti-i wird jetz mäinti.
Die Sprechenden entscheiden nach Gutdünken, ob sie gegebenenfalls
lieber wüür oder teet verwenden. Das Flexionsschema:
ich wüür mäine
du wüürsch mäine
er wüür mäine
mir wüüred mäine
ich teet hälffe
du teetsch hälffe
er teet hälffe
mir tee ted hälffe
Die unregel-
mässigen
Formen
Varianten
Verwendung
Die unregelmässigen Verben haben eigene Formen, die man besonders
lernen muss:
fb
hett ich hätte lies ich liesse
weer ich wäre
schlieg ich schlüge
teet ich täte
wett ich wollte
gieng ich ginge sött ich sollte
chi em ich käme
müest ich müsste
schtiend ich stände
tÖÖrfft ich dürfte
wüür ich würde
chönt ich könnte
geeb ich gäbe
möcht ich möchte
neem ich nähme
wüsst ich wüsste
gseech ich sähe es gscheech es geschähe
Nebenformen sind sett für sött, cheem für chiern, wuur für wüür.
Ablautende Verben der 5. und 6. Reihe kommen manchmal mit ablau-
tendem Konditional vor: ich eess, lees, seess ich würde essen, lesen,
sitzen. Solche Formen werden immer seltener, nur der Einzelläufer ich
miech, ich würde machen erfreut sich ungestörter Vitalität.
Auch die Formen mit der Endung -ti sind zugunsten der Umschreibung
mit wüür und teet eher auf dem Rückgang. Formen wie predigeti,
beräiteti, eläktrisierti sind nicht gebräuchlich.
Der Konditional dient dazu, auszudrücken, dass eine Handlung
unwahrscheinlich oder unmöglich ist. So wird er gebraucht in irrealen
Wunschsätzen: I wett, i hett es hüüsli! I wett, i weer bi diir! Wänn
er doch nu au gly cheern! Am meisten wird er aber gebraucht in
irrealen Bedingungssätzen. Wä me miich frÖÖgti, wüssti scho, was i
ne säiti. Ir hetted en schööne baart ygfange, wänn er ggange
weered. Wänn das wöörtli «wänn» nöd weer, dänn weer myn
vatter milioneer. Wänn s uf d gröössi aachiem, so wüür e chue en
haas erlauffe.
Der Nebensatz kann fehlen, wie in: i geeb em äis, i gieng am
liebschte häi, i wüsst nüüt schööners; man kann diese Sätze als
elliptisch bezeichnen, indem der bedingende Nebensatz nur gedacht,
nicht ausgesprochen wird; in obigen Fällen etwa: wänn i diich weer,
wänni i nu chönt, wänn iich gfrÖÖget wüür.
In einschränkenden Nebensätzen (dass er nicht) kann der Konditional
auch vorkommen, zum Beispiel: Es isch kän maa, er hett en
wolfszaa, es isch kä frau, si hett en aUe Es isch käis ämtli, es hett au
es schlämpli. Es gibt kein Amt, das nicht etwas einbrächte. S isch
käine so witzig, das er nöd mit al ne viere chönt in dräck gheie. Es
isch niemer i dem doorff, wo nöd chönt läse.
125
Der Modus
der Höflichkeit
ÜBUNG 18
126
Der Konditional hat auch seinen Platz in der Formel, mit der ein Käufer
einen Wunsch ausdrückt: ich hett geern föif gipfeli; ich wüür geern
di nöischte modäll aaluege; ich wett e räis i d Karibik bueche. Die
Kinder lehrt man, dass sie nicht sagen sollen ich wott en chöigumi,
sondern eher ich hett geern en chöigumi. Es ist immer höflicher,
einen Wunsch in den Konditional zu kleiden.
Es chiem uf s wätter aa
Wänn i s nu chönt
Ich weer au mit weniger zfride
Ich sett d schtüüre na zale
Si tÖÖrffti si mee müe gee
Ich lies eso öppis nie zue
Ich hett das scho lang ufggee
D ggarossery tÖÖrfftid s emal
flicke
Im hotel teet i besser schlaaffe
als im zält
Es fröiti mi
Me setts mäine
Ich mäinti, me sett das
traktandum verschiebe
Ich wüsst en bessere raat
Ich neem mer es bischpil an em
Ich miech s andersch
Ich räisti geern wider em al
is Wallis
Das teet mer wool
Ich hett geern e schaale gold
Wüüred si mer na en zucker
bringe?
Ich geeb tuusig franke defüür
Du wüürisch di wundere,
wänn t en gseechisch
Ich müesst ja lache, wänn das
passierti
Es miech nüüt, wänn de früelig
früener chiem
Wänn das theema am fernsee
cheern, wüür i au luege
Wänn s am fernsee choo weer,
hett i au glueget
Wänn t wettisch, chöntisch
Wänn s gieng, cheem i au und
miech mit
Es röiti mi, wänn i s
verlüüre wüür
Wänn t mee gschafft hettisch, hettid mer jetz en äiges gschäft. I
hett ja doch nöd gnueg gält ghaa, und mit emen assossiee hani nöd
wele wiirtschafte. I ha der ja scho lang gsäit, du söttisch em aal
myn brüeder frÖÖge, er möcht si au geern sälbschtändig mache.
Mit eme frönde weer mer s na glych, aber en verwandte wett i scho
gaar nöd. Dee wüür mer zvil dryrede, und dänn cheem er alewyl
zu diir go ge chlage. Wänn i nu wüsst, was t gäge my ni verwandte
häsch. Du tÖÖrfftisch di scho em aal mit mym brüeder echli uus-
schpräche. Du chöntisch ja froo sy, wänn t sovil erfaarig i
gschäftssache hettisch wien eer. Ebe grad i my ne gschäftsaagläge-
häite söttisch nöd alewyl öppis wele zwängte. S weer gschyder, du
geebsch di emaal zfride mit dem, wo t häsch.
LEKTION
19
Zwoo schtedt, wo mit enand wettyfered
Züri und Winterthur riwalisiered scho sid alte zyte mitenand, aber
am böösischte isch es allwääg im nüünzääte jaarhundert gsy. Doo
händ d Winterthurer di wichtigere isebaanlinie wele boue weder
Züri; deby händ s dänn aber zwäite gmacht. Jetz rucked di bäide
schtedt efeng imer nÖÖcher zäme, wil men i de chüürzischte zyt vo
der äinte zur andere cha faare. Vo Winterthur isch me mit der S-
pa an i sibezää minuute im paanhoof Züri-Schtadelhofe. Über d
fluughafelinie hät der Intercity echli lenger, nämli föifezwänzg
minuute, aber defüür händ beed schtedt en tiräkte paanaaschluss
an fluugvercheer. Wil die dischtanz eso chuurz isch, ghäisst s
öppedie - es sind natüürli zürcher, wo s säged - Winterthur seig ja
numen en vooroort vo Züri; es hät ehe mee pändler, wo vo deet uf
Züri faared als umgcheert.
Wänn en winterthurer so öppis z ghöören überchunt, wiirt er taub
und vertäidiget syni schtadt energisch. Si heb di gröösser gältig uf
de wält - säit er - heb di bekantere firmene, und me käni si au
besser i allne länder, wo me doch ire name i lüüchtschrift uf de
grööschte gschäftshüüser chöni läse (das daas de name vo de ver-
sicherig und nöd vo de schtadt isch, mues er ja nöd luut usebrööt-
sehe). Natüürli heb Züri scho mee ywoner, aber je gröösser die
schtadt weerdi, um so mee chömid d nachtäil von ere groossschtadt
127
~
VOKABELN
Die Endungen
Umlaut von a
128
zum voorschy. S positivscht a Züri seig natüürli, das es es oopere-
huus heb und es schauschpilhuus mit emene schtändige ensemble.
D Uni und s Poli mües me ja au als plusphünkt la gälte. Winter-
thur heig aber en imposanters schtadthuus; und wänn s halt scho
nöd mit eme see chönn blagiere, so heb s defüür di gröösseren und
pflägtere wälder. Wänn öise winterthurer dänn vom kultureie läbe
redt, so chunt er i s schweerme. Als musikschtadt schtönd s ämel
im vorderschte rang, es heb e moderners theaater, e technisches
museum, und zum schluss schpilt er syn hööchschte trumpf uus,
nämli d kunschtsamlige vom Oskar Reinhart: die im Römerholz
und d Schtiftig unen im schtadtzäntrum. Was dänn hööcheri
schuele aagöng, so tÖÖrffi me s Technikum (HTL) und die Hööcher
Wirtschafts- und Verwaltigsschuel (HWV) uf kän fall vergässe.
De wettyfer zwüschet de bäide grööschte schtedt im kanton isch s
natüürlichscht i de wält. Au in andere Länder versuecht amigs di
zwäitgrööscht schtadt mit de grööschte z konkuriere; das di chly-
ner sich deby mee müe mues gee, tuet ere ja nu guet. Me cha sich
ja fröie, wänn bäidi sovil z büüte händ, das si demit chönd glänze.
blÖÖterliwasser Sprudel abgschlage mit allen
schprützig spritzig Wassern
schtruub hektisch, gewaschen
struppig urchig urwüchsig,
ruuch rauh bodenständig
wüescht hässlich, grob hinderletscht das übelste,
taub zornig, taub mieseste
byse Nordwind gfitzt pfiffig,
bröötsche schwatzen raffiniert
zwäite mache den kürze rn blagiere aufschneiden
ziehen
Die Steigerung
Zur Steigerung dienen die Endungen -er im Komparativ und -scht
oder -ischt im Superlativ. Wenn die zu steigernden Adjektive umlaut-
fähige Vokale haben, kommt fast ausnahmslos ein Umlaut dazu.
Beim Vokal a sind drei Umlaute möglich: e, e und ÖÖ. Nie kommt ä
vor, und ÖÖ ist selten.
a : e alt - elter - eltischt, glatt - gletter - glettscht, chalt - chelter
- cheltischt, lang - lenger - lengscht
a: e (vor r die Regel) schwaarz - schweerzer - schweerzischt,
aarm - eermer - eermscht, schwach - schwecher -
schwechscht
Einzelheiten
-seht und -ischt
Varietäten
Umlaut
bevorzugt
Unvollständige
Steigerung
aa: ÖÖ schpaat - schpÖÖter
zÖÖmscht
schpÖÖtischt, zaam - zoomer -
Die Adjektive auf -ei stossen das -e- aus: tunkel - tünkler -
tünklischt, häikel - häikler - häiklischt.
Adjektive auf -e schieben ein -n- ein: troche - tröchner -
tröchnischt, abgschlage - abgschlagner - abgschlagnischt. Manch-
mal erscheint dieses -n- willkürlich: chrank - chrenkner -
chrenkscht. Adjektive auf betonten Vokal schieben ebenfalls ein -n-
ein: chly - chlyner - chlynscht, früe - früener - früenscht, gly -
glyner - glynscht.
Die Verteilung der Superlativendungen -scht und -isch hängt vom
Stammausgang ab. Die häufigere Endung ist -scht: äifachscht,
hööchscht, nöischt. Dagegen tritt -ischt auf nach Zischlaut (s, sch, z)
und nach t, wenn diesem ein Konsonant vorausgeht: böösischt,
süessischt, chüürzischt, feschtischt, gschicktischt, wüeschtischt,
hertischt. Ausnahme sind die seltenen Wörter auf -isch: praktischt
nicht «praktischischt».
Man merke sich: grööscht, nicht «gröössischt».
Generell ist zu beachten, dass bei der Steigerung der Adjektive grosse
Schwankungen vorkommen, besonders nach d und t: lüütischtl
lüütscht, blöödischtlblöödscht, gschydischtlgschydscht. Auch in
anderen Fällen gibt es Differenzen; nebeneinander kommen vor:
schmÖÖlerlschmeeler, völlner/völler, langsamer/lengsemer, grederl
greeder, gnauer/gnöier.
Gleich wie bei der Pluralbildung zieht das Schweizerdeutsche auch bei
der Steigerung, wenn immer möglich, den Umlaut vor. Einige typische
Beispiele:
faul fuul - füüler
rund rund - ründer
flach flach - flecher
schlau schlau - schlöier
gesund gsund - gsünder
sauber suuber - süüberer
laut luut - lüüter
toll toll- töler
lustig luschtig - lüschtiger trocken troche - tröchner
mager mager - megerer wohl wool - wööler
traurig truurig - trüüriger
struppig schtruub - schtrüüber
stolz schtolz - schtölzer blau blau - blöier
rauh ruuch - rüücher
eklig gruusig - grüüsiger
guet besser bescht gut
vii mee mäischt viel
129
Die Vergleichs-
partikel
ÜBUNG 19
130
minder mindscht minderwertig
eender am eendschte eher
vorder vorderscht vordere
hinder hinderscht hintere
ober oberscht obere
under underscht untere
iner inerscht innere
üsser üsserscht äussere
äner änerscht entferntere
Nach einem Komparativ verwendet man, wo im Deutschen die Partikel
als steht, weder oder als.
Ich bi gröösser weder du.
Di zwäit uuffüerig isch besser gsy als di eerscht.
S nöischt isch nöd imer s bescht Si isch imer bläicher, megerer
D waliser reded am urchigschte und schwecher woorde, mer
Daas glaub i eender händ is imer mee soorge
Daas isch s hinderletscht gmacht um si
Di chlynere müend zvorderscht
S wiirt imer schpÖÖter morge
aneschtaa
und früener nacht, d tääg
I de sauna isch mer s am
weerded gröier und chelter,
wöölschte
d nächt lenger und tünkler,
Wer säit, früener sig ales besser
gly isch de chüürzischt taag
gsy?
Es schtimt nöd, das di tümschte
Nachane sind zÖÖmeri tier choo
Jede groossvertäiler wott di
puure di grööschte herdöpfel
frischischte waaren aabüüte
hebid
Äis blÖÖterliwasser seil schprüt-
Ali händ gmäint, si siged di
ziger sy weder sander
schlöiere, aber dee, wo me s am
Jede wöschmittelfabrikant
wenigschte tänkt hät, isch am
phauptet, sys wöschmittel
änd de schlöischt und gfitztischt
wäschi wysser
gsy
Es hät emal en boxer ggee, wo
Da isch äine verlogner weder der
all pott gsäit hät: «lich bi de
ander, aber de verlognischt isch
grööscht»
de vizepresidänt
Uf em land tunkt s mi schööner
De säb taglööner isch de
als i de schtadt
Äntli sind öisi chläider wider
wüeschtischt kärli gsy
tröchner und süüberer gsy, do
Di meebessere sind mäischtes di
hät s is aagfange woole
verwöntischte
Nach em baad isch mer s wider Dee, wo suscht de gschicktischt
wööler woorde und i ha mi isch, hät deemal syni sach am
gsünder gfüült schlächtischte gmacht
Es isch imer lüschtiger und De Bodesee isch gröösser weder
lüüter zueggange, aber am de Vierwaldschtettersee, aber
schtrüübschten isch es nach de chlyner weder de Gämfersee
zwölfe woorde D Schwyz hät e rüüchers klima
Die linie daa isch greder und dee als Itaalie
chräis isch ründer weder uf Am rüüchschte blaast d byse
säbere zäichnig zGämf
Der Üetlibeerg isch hööcher
weder de Pfaneschtil, aber
nidriger weder de Pilatus
,l1li
131
LEKTION
20
Wie grooss isch d Schwyz?
D Schwyz hät en flecheninhalt vo äinevierzg tuusig zwäihundert
achtenüünzg kwadraatkilomeeter; iri landesgränze isch tuusig
achthundert vieredachzg kilomeeter lang. Di schwyzerisch Äigge-
nosseschaft hät sächsezwänzg kantöön; de grööscht devoo isch
Graubünde mit sibe tuusig äinhundert drizä quadraatkilomeeter.
De kantoon Züri chunt i de gröössenoornig eerscht a de sächste
schtell mit tuusig sibehundert nüünezwänzg quadraatkilomeeter,
defüür aber hät er di mäischten ywoner vo allne kantöön, nämli äi
milioon hundert nüünesibezg tuusig. Di ganz Schwyz hät sächs
milioone achthundert dreiesibezg tuusig ywoner. Im achzä hun-
dert füfzgi sind s echli weniger als zwoo Milioone vier hundert
tuusig gsy. - Epaar jaareszaale us de schwyzer gschicht: zwölf
hundert äinenüünzg gründig vo der Äiggenosseschaft. Di wichtig-
schte schlachte us de befreiigs-chriege sind Moorgaarte im drizä
hundert füfzäni und Sämpach im drizä hundert sächsedachzgi gsy.
D reformazioon hät füfzä hundert nüünzä z Züri aagfange. Füfzä
hundert nüünezwänzg und äinedryssg i de Chappelerchriege und
sächzä hundert sächsefüfzg und sibezä hundert zwölf i de Vilmer-
133
Die Grund-
zahlen
Deklinierte
Grundzahlen
der eine
2 und 3
134
gerchriege isch um d voormacht gschtritte woorde. Im jaar sibezä
hundert achtenüünzg isch di alt Äiggenosseschaft vom Napoleoon
syne truppe über de huuffe gränt woorde, und achzä hundert füfzä
isch si wider uufpoue woorde. Di gägeweertig form hät de Bund dur
d verfassig vo achzä hundert achtevierzg überchoo, wo dänn im vie-
resibezgi rewidiert und sider imer wider aktualisiert woorden isch.
Die Zahlwörter
äis 1 drizä 13 dryssg 30
zwäi 2 vierzä 14 äinedryssg 31
drüü 3 füfzä 15 vierzg 40
vier 4 sächzä 16 füfzg 50
föif 5 sibezä 17 sächzg 60
sächs 6 achzä 18 sibezg 70
sibe 7 nüünzä 19 achzg 80
acht 8 zwänzg 20 nüünzg 90
nüün 9 äinezwänzg 21 hundert 100
zää 10 zwäiezwänzg 22 föiflmndert 500
elf 11 dreiezwänzg 23 tuusig 1000
zwölf 12 vierezwänzg 24 milioon 1000000
Zu beachten ist vor allem, dass das und, das im Deutschen Einer und
Zehner verbindet, im Schweizerdeutschen ein biosses -e- ist: fünf-und-
fünfzig = föif-e-füfzg.
Das Zahlwort sibe schiebt vor diesem -e- ein Sandhi-n ein: sibene-
zwänzg, sibenedryssg usw. Von 81 bis 89 wird ein -d- vor dem
-achzg eingeschoben, um den Zusammenstoss der Vokale zu vermei-
den: äin-e-d-achzg, zwäiedachzg, dreiedachzg, vieredachzg, föife-
dachzg,sächsedachzg, achtedachzg, nüünedachzg.
Das Zahlwort 1 ist in seiner Form identisch mit dem unbestimmten
Pronomen irgendeiner. Seine Deklination ist in Lektion 13 dargestellt.
Vor mal sagt man nur äi: äimaal, s äimaläis das Einmaleins.
Eine Sonderform steht nach dem bestimmten Artikel, nämlich der
äint. Zum Beispiel: der äint isch z fride, der ander chlöönet imer.
Di äinte wänd uf der Üetli, di andere uf de see. S äint isch e lugi,
sander isch au nöd waar.
Früher unterschied man bei 2 und 3 die Geschlechter. Es hiess zwee
mane, zwoo fraue, zwäi chi nd und drei mane, drei fraue, drüü
chind. Heute haben sich zwäi und drüü für alle Geschlechter einge-
Selbständige
Zahlen
pendelt. Bewusste Mundartsprecher halten sich noch an die Regel, was
immerhin zur Nachahmung empfohlen sei.
Wenn die Zahlen substantivisch, das heisst alleinstehend, gebraucht
werden, erhalten sie von 4 an die Endung -i und sind Neutrum: s vieri,
s föifi, s sächsi, s zwänzgi. Im Dativ wird das -i zu -e oder -ne (also
gleich wie die unbestimmten Pronomina aus Lektion 13): Häsch es
aHne gsäit? Vierne han i gschribe, zwäine han i s uf de schtraass
gsäit, und sächsne han i telefoniert. Tusigi händ wele choo, aber
hundertne händ s s gatter vor de nase zuegschpeert.
Der Gebrauch Die selbständigen Zahlen mit der Endung -i werden in folgenden
Fällen gebraucht. (Pro memoria: Die Zahlen 1, 2, 3 nehmen die
Endung -i nie an.)
Uhrzeit Was isch für zyt? Wie schpaat isch es?
Es isch vieri 4 Uhr
es isch halbi vieri 15.30 Uhr
es isch viertel neech nüüni
es isch viertel vor nüüni
es isch föif ab sibni
es isch föif ab zwäi
am äis, am zwäi, am drüü
am vieri, am föifi, am sächsi
vom achti bis am zwölfi
von achte bis zun zwölfe
vor de föife
nach de sächse
es schlaat sibni
um di sibni
{
8.45 Uhr
Variante
19.05 Uhr
14.05 Uhr
1,2,3 Uhr
4,5,6 Uhr
{
von 8 bis 12 Uhr
Variante
vor 5 Uhr
nach 6 Uhr
es schlägt 7
zirka 7 Uhr
Alter Wie alt biseh? lieh bi zäni, myn brüeder isch zwölfi gsy, myni
schwöschterli sind zwäi und vieri.
Zeugnisnoten Im räch ne han i es sächsi, aber i de schpraach nu es vieri.
Kleidergrösse Myn tschoopen isch es füfzgi, myni schue sind es zwäievierzgi.
Hausnummern Wo woned Si? A de Nägelischtraass nüünzg. Soo, Si woned im
nüünzgi, mir händ es zytli im achtedachzgi gwont. (Wenn die
Strasse genannt wird, ist das Zahlwort ja nicht selbständig.)
Jahreszahlen Im achzäni isch en gäneraalschträik gsy. Im äinenüünzgi hät e re-
zässioon aagfange.
Ziffern Schryb e schööns vieri. Uf em chile turm händ s s zwölfi müese nöi
vergolde.
135
Die Endung -er In anderen Fällen wird nicht die Endung -i gebraucht, sondern -er. Bei
den Verkehrsmitteln sind beide Endungen gebräuchlich. Uf Örlike
faarsch mit em zäni, em vierzäni und em elfi. Mit em vieredryssgi
faarsch uf Witike. Si händ en alte sächser wunderbaar renoviert.
Von 1 bis 3 gibt es nur die Formen mit -er: De drüüer gaat uf
Albisriede, de vierer oder s vieri is Weerdhölzli.
Geld
Tempo
Jahrgang
Hohes Alter
Die Ordnungs
zahlen
En zwänzger (20-Rappen-Stück), en zwäifränkler (Zweifranken-
münze), en föifliiber (Fünffrankenstück), e zwänzgernoote (20-Fran-
ken-Note).
Er hät en hunderter druff ghaa er fuhr mit 100 km/ho
De Hans isch en zwäiefüfzger d.h. im Jahre 1952 geboren. Dee wy
isch en sibenedachzger d. h. 1987 geerntet.
Er isch en guete sibezger er wird mindestens 70 Jahre alt sein. Si
isch e rüschtigi achzgeri sie ist 80 Jahre alt und rüstig.
Sie werden von 2 bis 19 durch die Endung -t gebildet, von 20 bis 99
durch -i seht und bei 100, 1000, 1 000000 durch -seht.
dereerscht der 1. sibet 7. drizäät 13.
de zwäit 2. acht 8. zwänzgischt 20.
dritt 3. nüünt 9. äinezwänzgischt 21.
viert 4. zäät 10. füfzgischt 50.
föift 5. elft 11. hundertseht 100.
sächst 6. zwölft 12. tuusigscht 1000.
Nach dem Datum fragt man so: De welet hämer hüt? oder de welet
isch hüt? Die Anwort: der eerscht, de zwänzgischt, der äinedryss-
gischt.
Die Bruchzahlen Ihre Bildung ist gleich wie im Deutschen: drittel, viertel, zäätel,
zwänzgischtel, hundertschtel = Drittel, Viertel, Zehntel, Zwanzigstel,
Hundertstel.
Die Verviel-
fachungszahlen
Idiomatische
Wendungen
136
Ihre Bildung entspricht ebenfalls dem Deutschen: äifach, zwäifach,
drüüfach, vierfach, hundertfach - äimaal, zwäimaal, drüümaal
usw.
Z föife hööchfünf Mann stark, es zwäierli und es dreierli wy 2 Dezi-
liter und 3 Deziliter Wein, z zwäie jasse zu zweit jassen, de znüüni
und de zvieri Jause um neun Uhr und um vier Uhr, zwäite mache
unterliegen, das isch s zäni das ist das beste, e zwäischlÖÖfigs bett
ÜBUNG 20
ein Doppelbett, e halbi porzioon ein schmächtiger Kerl, en halbschue
ein Trottel, en achtibaan eine Achterbahn, e zwänzg-ab-achti-
schnure mache eine griesgrämige Miene aufsetzen, s sächsiIüüte das
Zürcher Frühlingsfest.
Am halbi sibni schtaan i uuf
Am halbi achti nim i de zmorge
Znüüni git s bi öis nööd
Am zäni trinked mer en kafi
Vom halbi äis bis halbi zwäi isch
löntschpause, das langet nu für
e chlyni zwüscheverpflägig
De zvieri isch bi öis am föifi
Mit de zyt für de znacht nämed
mer s nöd eso gnau
Si isch im äinesibezgi geboore
Er isch en tüpische achte-
sächzger
Vom zää ab achti bis am viertel
vor nüüni vergönd föifedryssg
minuute
D uur schlaat zwölfi
De beerchtelistaag isch de zwäit
jäner
D bundesfyr isch am eerschten
augschte
Imene schaltjaar git s en nüne-
zwänzgischte februaar
Äin taag isch en dreihundert-
föifesächzgischtel vorne ne jaar
Im nüünzähundertachtesibezgi
isch de kantoon Jura ggründet
woorde
De welet isch am letschte sundig
gsy?
Ich wäiss nüme, öb der eerscht
oder de zwäit
Äimaal isch käimaal
Es zwäierli und en röömer sind
glych viI
Au bim zwäierle eh asch en
ruusch überchoo
Uf der achtibaan häsch de
plausch
De letseht sächsiIüütenumzuug
isch s zäni gsy
D Üetlibeergbaan isch s S-Zäni
Der alt sächser faart mängsmal
in zoo ufe
S drüü und s föifi im telefoon-
buech cha me liecht verwächsle
Mir woned im föifedryssgi
Ich han en hamschter überchoo
und e wyssi muus
Ich han äin hamschter überchoo
und äi wyssi muus
Si hät drüü chind, mit vierne
hett si müe
Du häsch es nu vo zwee züüge
ghört, iich aber vo dreine
Ich chauffen en ananas, wotsch
au äini? Näi, ich wott ekäini
Ich bi dreiezwänzgi
Im änglisch han i es föifi
Si sind z zäne hööch
uufmarschiert
Ich säge s zum dritten und
letschte maal
Häsch mer en föiflyber? Näi, ich
ha nu es füfzgerli
Für e hunderternoote säit men
au chuurz en hunderter
Di äint schpint syde, di ander
schnätzlet chryde
(Kindervers)
137
LEKTION
21
Wien en polizischt äine gfasst hät
En alte kantonspolizischt verzelt emene koleeg, wien er emale
zunere verhaftig choo isch: «Ich bi do irnene doorff im Oberland
schtazioniert gsy, wo suscht nöd viI gloffen isch. D lüüt händ aber
chumer ghaa, wiI s allpott nöime gläderet hät, und mUr sind dem
brandschtifter äifach nöd uf d schpuur choo. Da gaat emaale
zmitts am namitaag s telifoon und en uufgregti schtimm säit zue
mer: 'Ich glaube, mir händ de glünggi gsee, binere schüür am
doorffrand gäg de Bachtel ue!' Ich ha natüürli grad gwüsst, was
für en übelteeter dee informant gmäint hät. I bi null koma plötzli
zum poschten uus und duruuf i dere richtig, won er gsäit hät. Scho
chömed mir epaar buebe eggäge und rüeffed: 'mer händ en gsee,
deet birn wald obe, aber er isch is druus!' Ich ha scho tänkt, won
er chönt dure sy und bi gäg de wald ufe. Über d brugg hät er nämli
nöd chöne, det äne sind ales nUder und käs plätzli, wo sich äine
chönt verschtecke dehinder. Uf äimal gseen i äine, wo mer
verdechtig vorchunt arn waldrand, aber im glychen auge blick i s c ~
er zwüschet de böim dure im holz verschwunde. Jetz isch di richtig
hetz loosggange. Ich bi hinder em dry, über baumschtärnm ine,
dur bäch dure, halde duruuf und halde duraab. Uf äimal bin i
ganz neech bin em zue, ich rüeffe 'schtaa blybe!' und das macht
139
Richtung, d. h.
Antwort auf die
Frage wohin?
140
er, aber er trÖit mer mit eme bängel und wott mi nöd a si anelaa.
Da han i my ni pischtole zoge und en schuss in en wuurzelschtock
ine gjagt, das er merki, das es eernscht wiirt. Wo s gchlöpft hät,
isch er doch verschrocke und hät uufggee. Ich han en dänn chöne
verhafte, han em handschälen aagläit und en abgfüert.»
Die Adverbien des Ortes
Das Schweizerdeutsche ist ausserordentlich reich an Ortsadverbien, so
dass es schwer ist, die Übersicht zu wahren und sie in ein System zu
bringen. Sie werden gerne auch zur Verstärkung von Präpositionen
gebraucht und kommen in unzähligen idiomatischen Wendungen vor,
die man nur im Wörterbuch alle finden kann.
Den deutschen mit den Vorsilben hin- bzw. her- gebildeten Adverbien
entsprechen im Schweizerdeutschen solche mit der Endung -e. Die von
hin- und her- angezeigte Unterscheidung gibt es nicht. So wird man
abe oder ine gleicherweise durch hinunter und herunter, hinein und
herein übersetzen.
ane
dure
urne
heran
hindurch
herum
übere hinüber zue herzu
undere hinunter
naa,naae nach
Sechs häufige Richtungsadverbien erscheinen in zwei Gestalten, einer
mit der Endung -e, und einer anderen mit vorgesetztem dur-:
ine, ie, y hinein dury nach innen, stadteinwärts
use hinaus duruus nach aussen, stadtauswärts
ufe, ue hinauf duruuf nach oben, bergwärts
abe hinab duraab nach unten, talwärts
füre
hindere
hervor
nach hinten
durfüre nach vorn
durhindere nach hinten
Die mit dur- zusammengesetzten Adverbien (dury usw.) bezeichnen
im Gegensatz zu den einfachen Richtungsadverbien (ine usw.) nicht
das Ziel der Bewegung, sondern den Weg. Beim Satz ich gaane ine
denkt man an den Ort, den man zu erreichen wünscht, beim Satz ich
gaane dury an den Weg, den man zurücklegt, um an diesen Ort zu
kommen: Er faart ufe = er fährt hinauf, um oben anzukommen. Er
faart duruuf = er fährt in der Richtung nach oben, wobei es dem
Sprecher gleichgültig ist, ob er oben anlangt.
Die Adverbien ohne dur- werden sehr häufig zur Verstärkung einer
Präposition gebraucht:
si chunt zum gaartetöörli y
er jagt s zum tämpel uus
mer gönd d schtägen uuf
si faared d Züribeergschtraass aab
si lauffed um s huus ume
er ga at uf Beern ufe
si faart uf Basel abe
mer lauffed uf Gockhuuse hindere
Ausser diesen gibt es noch folgende Adverbien auf die Fragen «wo-
hin?» und «wo?»
fürsi vorwärts
verusse im Freien
hindersi rückwärts
überufe nach oben
ob si
aufwärts
überobe
oben (nur im Hause)
nidsi
abwärts
übe rabe nach unten
absi
abwärts
überune
unten (im Hause)
verby vorbei
hinefüre hervor
veruus voraus
unen ufe
von unten nach oben
veruse
ins Freie
oben abe
von oben nach unten
Verweilen, d. h. Adverbien des Verweilens endigen ebenfalls auf -e. Jene ohne den
Antwort auf Anlaut d- dienen zur Verstärkung von Präpositionen, jene mit d- dage-
die Frage wo? gen werden verwendet, wenn sie allein stehen.
ine dine
usse dusse
obe dobe
une dune
äne däne
vorne divorne
hine dihine
Im huus ine
Vor em schuelhuus usse
Uf em tach obe
Under de brugg une
Z Chilchbeerg äne
Bim faane vorne
Z Affoltere hine
innen, drinnen
aus sen, draussen
oben, droben
unten, drunten
drüben
vom
hinten
Si sind dine
Blyb dusse
Er sünelet dobe
Si schaffed dune
Er wont däne
Er schtaat divorne
Si händ en hoof dihine
In Verbindung mit daa und deet hier und dort werden die d-Iosen
Formen verwendet. Zum Beispiel: daaine hierhinein, hierinnen, deet-
ine dorthinein, dortinnen, daaane hierhin, deetane dorthin, daause,
deetuse, daausse, deetusse, daaufe, deetufe, daaobe, deetobe,
daadure, daaübere, daahindere, daaundere, daaune usw. In
unbetonter Stellung wird das daa und deet gekürzt: daine, detine usw.
141
-hin und -her
Den deutschen, mit dar r) zusammengesetzten Adverbien entsprechen
im Schweizerdeutschen solche, die mit dr beginnen, wenn die Präpo-
sition vokalisch anlautet und mit de, wenn sie konsonantisch anlautet.
Man beachte, dass der Vokal der Präposition, von der das Adverb ab-
geleitet wird, in vielen Fällen gedehnt erscheint.
dry
da rein
devoor davor
draa
daran
defüür
dafür
druus
daraus
deby
dabei
druff, druuf darauf
devoo
davon
drüber
darüber
denäbet
daneben
drunder
darunter
dezwüschet
dazwischen
drum
darum
degäge
dagegen
denaa
darnach
demit
damit
dezue
dazu
dehinder
dahinter
-hii ist ein Synonym von ane; gleichbedeutend sind wohii und woane,
daahii und daaane, deethii und deetane. Alleingebraucht: dee isch
hU der ist futsch. RU kommt vor in den Zusammensetzungen
letschthii neulich und vorhii soeben, meist jedoch gekürzt als letschti
und vori.
-heer kommt in der gleichen Verwendung vor wie deutsch her:
daaheer, deetheer, doch sind vo daa, vo deet eher häufiger. Merke
mit kurzem e: chumm here! daa here! Sidheer (seither) wird
gewöhnlich gekürzt zu sider. Diesseits und jenseits heisst heerwärts
und änedraa.
Das Fragewort Nach einem Ort fragt man mit wo? verstärkt woo? Davon lassen sich
ableiten woheer? wohii? woane? woufe? woabe? wodure? wohine?
wouse?
Besonderheiten
des Gebrauchs
142
Druus kann bedeuten: druus lauffe davonlaufen, druus choo etwas gut
verstehen, druus gheie den Faden verlieren.
Zue: si händ mi nöd zue glaa sie liessen mich nicht heran, d poscht
isch zue die Post ist geschlossen, bi de poscht zue neben der Post.
Näbet: du bisch totaal denäbet du liegst völlig falsch, si woned
näbetusse sie wohnen abseits (in gleicher Bedeutung: si woned ab de
wält).
Naa und naae: ich bi nanig naae ich bin noch nicht so weit, si
schlaat de mueter naa sie entwickelt sich wie die Mutter, d chriesi
sind nanig naae die Kirschen sind noch nicht reif.
ÜBUNG 21
Obsi, nidsi, absi braucht man mit Vorliebe in übertragener Bedeutung,
nämlich geschäftlich oder gesundheitlich besser oder schlechter gehen:
es gaat ab si mit em, aber mit syner konkuränz gaat s obsi. S gaat
fürsi (wir haben Erfolg), hindersi sitze (beim Fahren rückwärts
sitzen).
Drum kann 1. rein lokal sein: drum urne (darum herum), 2. kausal:
drum isch es passiert (deshalb), 3. modal: ich ha s drum nöd gwüsst
(ich habe es eben nicht gewusst).
Durenand: Wie im Deutschen können Präpositionen mit enand
(einander) zu Adverbien zusammengesetzt werden: vonenand, ine-
nand, binenand, zunenand, nachenand usw., mit den gleichen Be-
deutungen. Beachte: abenand = entzwei, hinderenand = hinterein-
ander; aber: si sind hinderenand choo = sie sind in Streit geraten. Si
sind binenand sie sind beisammen, er isch guet binenand er ist gut
in Form.
Besonders viele Adverbien werden mit vor gebildet: der alt laufft
voorine der Alte geht gebückt; ir müend vorzue naaezele ihr müsst
ohne Unterbruch nachzählen; si hät s zimer vooruse auf der
Frontseite des Hauses; vornenufe häsch e sehtund mee weder
hinenufe auf der vorderen Seite des Berges brauchst du für den
Aufstieg eine Stunde mehr als auf der hinteren Seite; vorane hät me s
anderscht gl äse vorher las es sich anders; du muesch voordure gaa
du musst auf der vorderen Seite durchgehen; vornedure isch er
früntli, hinedure schnöödet er nach vorn gibt er sich freundlich,
hintenrum redet er verächtlich; du muesch vorabe luege zum d
hindernis gsee vor sich herunter schauen.
Wodure gaat s uf Höngg?
Was chunt vo dänen ine?
Vo dusse blaast en chalte luft ine
Verussen isch es chalt
Im bus inen isch es waarm
Chum use, blyb nöd dine!
Chunsch uus mit ere?
Oben im huus settsch nöd hämere
Schtägeli uuf, schtägeli aab
Duruus gaats gschwinder,
wil s glychzytig duraab gaat
Äin hebel isch für fürsi und äine
für hindersi
Grad han i si na divorne gsee,
si mues zwüschetine hindere
ggange sy
De schuss isch dusse
Es lampet mer zum hals use
Es hät rabatte drumurne
D chilen isch uus
D rerie sind urne
Am nüüni müend er undere
S fläisch isch dure
De hoseboden isch dure
Woane gaasch? Zum see abe
De schiischtock isch
abenand
Si sind hinderenand choo
Si händ en hindere gheit
Ich wott der nöd devoor sy
Uf daas abe säit de wolf zum
Rootchäppli
143
144
De verloore händsche isch füre
choo
S ghäimnis isch uus choo
De underrock chunt füre
S gaat nidsi mit em
Vo hütt aa mues es obsi gaa
Am chnüü han i en blätz aab
Letschti simer wider emaale uf de Bachtel. Bis uf Hinwil (deet
säged s Hewyl) simer mit der S-paan, vo deet ewägg simer gloffe.
Es gaat zimli geech duruuf, und de chly hät ggrochset: «Wä mer
nu scho dobe weerid.» Wo mer dobe gsy sind, hämer natüürli na
uf de turm ue wele. V 0 deet obe sett men e schööni uussicht ha i d
schneebeerg, aber wo mer ue choo sind, isch d uussicht eender
schitter gsy wäg de wulche. Defüür hämer vom turm uus schöön
chönen uf de Zürisee und der Obersee abeluege. Duraab simer
dänn uf Wald. Es Iyt im tal unen uf der änere syte vom Bachtel:
Vo deet uus hämer zeerscht müesen uf Rüti abe faare zum um-
schtyge und dänn vo deet us wider mit der S-paan uf Züri ie. -
Chum, mer gönd wyter ine, davorne ziet S; ich wett aber lieber
ganz veruse, lueg, di andere sind scho dusse. Chunsch druus? Näi,
ich schtyge nanig naae, ich verschtaane nu paanhoof. Z Losann
gaats alewyl obsi oder absi, fascht nie ebe furt. D Uni Irchel
Iyt oben a de Winterthurerschtraass und unen a de Frooburg-
schtraass. Isch de Sepp dihäime? Ja, er isch dine, chömed Si nu
ine. Der alt isch di lengscht zyt hin der em ofe gsässe, aber zletscht-
amänd isch er doch na füre choo. Da umenand sett e tram-
schtazioon sy, aber welewääg isch si wyter une. Ali händ füre
truckt, aber s hät dine kä platz mee ghaa, und di mäischte händ
müese dusse blybe.
LEKTION
22
E tante chunt uf psuech
Geschter isch öisi tanten us Beern bin öis uf psuech gsy, wäisch di
säb, wo mer amigs als chind zuen ere i d ferie händ tÖÖrffe. Si hät
en huuffe gwüsst z verzele vo öisne verwandte, aber au vo lüüt, wo
mer vorane nie öppis ghöört händ von ene. Öppis, wo si psunders
lang prichtet hät devo, isch e gschicht gsy vo äim, won em d bruut
d verlobig uufgchündt hät, grad en taag vor em hoochsig, wo s
natüürli scho ali gescht uufpote händ dezue. Ich ha sie dänn
gfrÖÖget, werum das gschee seig, aber da sind detail gsy, wo si
dänn doch nöd hät wele rede devoo; es mues e luuschi affeere sy,
wo me nu drüber mungget. Si hät dänn au vomene naachber
verzelt, wo d tochter von em anere aaschteckede chranket
gschtoorben isch und ali hebed angscht ghaa, si weerdid au na
chrank, aber das seig überhaupt e familie, wo allpott öppis loos
seig bin ene. Das seigid lüüt, suscht äigetli na netti, wo me nie
chönn zele uf s, wä men öppis z tue heb mit ene. Vomenen andere
bekante, wo tüeg puure, hät si au verzelt. Dee heb soorge, wil er
nöd wüssi, wie s wyter göng mit de landwirtschaft. Er heb ere
vomene puur prichtet, wo s d söön von em duregsetzt hebid, das er
de hoof, wo das gschlächt scho sid gänerazioone druf sig, verchauft
heb und dänn sig di ganz familie uusgwanderet. Si siged dänn uf
145
VOKABELN
zu DEN
Kanada in e gäget, wo me französisch redi und wo scho mee
schwyzer ane seigid. Ich han öisi tante dänn gfrÖÖget, was au der
unggle machi. Ja dee - säit si - wo früener eso gweerbig gsi sig,
heb au abggee sid syner chranket, won er fascht dra gschtoorbe
weer, aber de jung, won er guet uus-chömm mit em, heb jetz s
gschäft praktisch übernoo. Schönt ja mee useluege deby, aber me
hangi halt gar vo de konjunktuur aab. Si weil aber nöd chlage, im
ganze göng s ene ja doch oordeli guet.
luusch
verdächtig, faul
mungge
munkeln
äinewääg ohnehin
LEKTIONEN 22-24 amigs
jeweils
trüle
drehen, drillen
im Dativ
146
gweerbig
arbeitsam
aschpiriere
Offizierslautbahn
abgee
schwach werden
einschlagen
abverheie
missglücken
schpiraali f. Offiziersschule
pflanzblätz
Landstück für
abverdiene
Beförderungsdienst
Gemüsebau
tun
UO f.
Unteroffiziers-
cheere zanken
schule
verblaase zum Platzen bringen
sich mäine stolz sein
verschtrupfe vor Ärger platzen
leere taape leere Hand
gschtürm n. Aufregung
gööflin." Göre
byge
stapeln
muff
verdrossen
schwadere plantschen
lätsch m. "
mürrisches Gesicht
futtere murren
hegel m. " Messer
tschuute
Fussball spielen
Zürihegel
Übername für
plegere
herumliegen
Zürcher
putze
reine machen,
en Zacke
tüchtig arbeiten
kaputt gehen
druffha
Relativkonstruktionen
Das einzige Relativpronomen des Schweizerdeutschen ist wo (vor
Vokal won), wie schon in Lektion 12 erklärt wurde. Die Verwendung
des Relativpronomens wo im Genetiv oder Dativ oder abhängig von
einer Präposition ist aber etwas kompliziert:
In dieser Stellung muss hinter dem Relativpronomen der Dativ des
Personalpronomens stehen, das zu der Person gehört, von der das
Relativpronomen abhängt:
De chrank, won em de tokter so guet ghulffe hät ... welchem
E hostess, won ere d schtell gchündt woorden isch ... welcher
Die schüeler, won ene de leerer öppis zäiget hät. .• denen
im Genetiv
nach
Präpositionen
bei Personen
bei Sachen
Dabei kommt auch entweder der possessive Dativ oder die Konstruk-
tion mit vo zum Zug. Beide sind in Lektion 10 dargestellt. Der Satz
Die Geige des Mädchens ist abhanden gekommen kann ja auf zwei
Arten wiedergegeben werden: Em mäitli syni gygen isch wägchoo
oder D gyge vom mäitli isch ewägchoo. Entsprechend hat man im
Relativsatz die Wahl zwischen:
S mäitli, won em syni gy ge wägchoo isch, isch truurig oder S mäitli,
wo d gyge von em wägchoo isch, isch truurig. Gelegentlich lassen es
die Sprecher beim Relativpronomen wo allein bewenden, dann heisst
es nur noch: S mäitli, wo syni gy ge wägchoo isch, isch truurig.
Bezieht sich das Relativpronomen auf eine Person, so folgt das zuge-
hörige Personalpronomen auf die Präposition. Die Zweiergruppe steht
manchmal unmittelbar hinter dem Subjekt, manchmal folgt sie aber
auch erst in einer späteren Phase des Satzes. Die Beispiele zeigen
beide Varianten.
Die lüüt, wo mer byn ene gwont händ ••. bei denen
De schofföör, won i gwönli faare mit em •.• mit welchem
Die frau, won er säit, er chönn nüme läben ooni si ..• ohne welche
Die glöön, wo mer eso händ müese lache ab ene •.• über welche
Das chind, won i zuen em gsäit ha •.. zu welchem
De fründ, won i gmäint ha ich chönn mi verlaa uf en .•. auf welchen
Die chind, won er zwoo schtund a s ane gschwätzt hät ... an welche
Das mäitli, wo t mer verzelt häsch von em .•. von welchem
Das Relativpronomen bleibt wo, die Präposition folgt erst später im
Satz, verbindet sich aber mit de zu einem Adverb, wie in der vor-
hergehenden Lektion dargestellt worden ist:
De beerg, wo mer druff obe gsy sind ..• auf dem
De nöi film, wo me so vii ghöört hät rede devoo ... wovon
Das wäschmittel, wo s defüür sone reklaame gmacht händ ... wofür
En luschtige zytvertryb, wo me na öppis leere cha deby ••• bei dem
De umweeg, wo mer dewäge de zuug verpasst händ ..•
dessentwegen
E vetterliwiirtschaft, wo me nöd degäge cha uufchoo •.. gegen die
Es weerchzüüg, wo mer nöd chönted schaffen ooni .•• ohne welches
Anmerkung: Die deutschen Ausdrücke wovon, wofür, wogegen, wobei,
wodurch sind als Fragewörter in vo waas, für waas, gäge waas, bi
waas, dur waas aufzulösen und als Relativpartikeln nach der soeben
demonstrierten Weise in wo .•. devoo, wo ... defüür, wo ... degäge,
wo ... deby, wo ..• deduur aufzuteilen.
147
ÜBUNG 22
148
De säb gweerbig maa, won i bin em d leer gmacht ha, isch jetz
pangsioniert. E luuschi sach, wo me nu drüber mungget. Die
sekreteerin, won ere de tiräkter imer zvil zuemuetet, suecht e nöii
schtell. Die psuecherine, wo d mäntel von ene verwächslet woorde
sind, reklamiered bi de garderobieere. Di junge lüüt, won ene d
ferie verrägnet woorde sind, wänd nüme go zälte. D autoore, wo d
büecher von ene premiert woorde sind, weerded mee gläse. De
mieter, wo men am mäischten erger ghaa hät mit em, isch uuszoge.
De maa, won em ales abverheit isch, hät uufggee. Das isch de
pflanzblätz, wo so vii uchruut druf wachst. Mer schtudiered de
wald, wo so vii böim drin chrank sind. Das isch di glych platte, wo
t is vorig sc ho voorgschpilt häsch. Das isch aber au äini, won es si
imer wider verloont z lose. Wänn t äine findsch, wo daas glaubt,
zal der en föifliiber. D schrybmaschine, wo de brief demit gschribe
woorden isch, hät verdräcketi tüpe ghaa. Di nöi gondelbaan, wo
me demit i de chüürzischte zyt cha uf 2000 meeter ue faare, isch
gschnäll beliebt woorde. Das isch s glych hotel, wo mer s letscht
jaar drin gwont hände Äine, wo soo wenig vo musig verschtaat, sött
sich nöd als kritiker uufschpile. Dee, wo geschter i d zytig gschribe
hät, isch ä so äine. S isch e chranket, wo sc ho viii dra gschtoorbe
sind. Das isch d schnyderi, won i bin ere mys nöi chläid laane
mache. D frau, wo d tochter von ere bin öis leermäitli isch, hät
letschti ire maa verloore. Das isch s auto, wo mer d farb devoo so
guet gfale hät. Das isch de maa, wo mer s auto von em so guet gfale
hät. Das isch d fraag, wo mer is scho mängsmaal drüber
underhalte händ, aber es isch nie öppis usechoo deby.
LEKTION
23
S Bölschterlis gönd i d ferie
De herr Bölschterli cheeret mit syner frau, wii si imer na am
phacken isch, wo eer scho wett abfaare. Es gaat em äifach z lang,
und es verblaast en fascht. Er rüefft: «Wäisch, es isch nöd wie
s letscht jaar, wo mer vo Chlooten abgfloge sind. Do häsch gwüsst,
das de flüüger nöd uf is waartet. Du mäinsch welewääg, mit em
auto chömm s nöd druf aa, aber wä mer jetz nöd gly gönd, chömed
mer vo äim schtau in andere, grad am Gotthard isch es ja am
schlimmschte; da chasch dänn im wage hocke und im schtau
piggnigge. Es isch zum verschtrupfe mit diir!»
«Gang du nu efeng, hol s auto us de garaasch und tue dyni gufere
dry», git d frau Bölschterli urne, «iich mag na lang gchoo. Du
machsch mi z lache mit dym gschtüürm. Wer im neechschte doorff
scho wider wott halte zum en kafi goge nee, das bisch dänn duu!»
Underdesse byget si ires wäärli hübscheli in ires «suitcase» und
isch i gedanke scho am meer und schwaderet i de wäle. «Hoffetli
chömed mer vii zum bade, wänn s nu wäg em schpagetti-ässe und
de cassata weer, chönted mer grad so guet z Züri blybe», säit si zu
sich sälber.
Wo de herr Bölschterli wider ine choo isch, hät er kän grund mee
ghaa zum wyter futtere; si hät nämli fertig phackt ghaa, und di
bäide händ chöne im friden abfaare; aber syn kafihalt hät sich de
herr Bölschterli effäktiv nöd la nee.
149
ohne zu
afe
Substantivie rung
statt Partizip
gO,goge
cho, choge
150
Infinitivkonstruktionen
Der Gebrauch des Infinitivs weicht nicht grundsätzlich vom Deutschen
ab, doch sind längere Konstruktionen mit zu nicht beliebt, an ihre
Stelle tritt ein substantivierter Infinitiv oder ein Nebensatz mit dass:
Statt Sie behauptet, den Verdächtigen gesehen zu haben, wird man
sagen Si phauptet, das si de verdeechtig gsee heb, und Es ist mir
verleidet, immer als letzter bedient zu werden, wird zu Es isch mer
verläidet, das mir imer zletscht serviert wiirt. Er knallte mit der
Peitsche, um den Leuten Eindruck zu machen Er hät mit de gäisle
gchlöpft zum ydruck schinde.
Nach aafange und uutböre steht der Infinitiv ohne z: Si fangt aa
schaffe sie beginnt zu arbeiten. Hör äntli uuf schimpfe höre endlich
zu schelten auf Es hät ghört schneie Es hörte zu schneien auf
(uutböre und höre sind identisch.)
Aafange lautete im früheren Zürichdeutsch aaree. Daraus ist ein
Adverb entstanden, das in verschiedenen Formen auftritt wie afe,
efang, efange, eräng, erengs. Es bedeutet soviel wie vorläufig,
endlich, unterdessen, einstweilen, nachgerade: Gang duu ereng zum
auto, im letschte momänt isch er ereng choo; ich han efang äis beet
umgschtoche; iich fang afen aa ässe; es wiirt mer eräng z blööd.
Der gen aue Sinn ergibt sich aus dem Zusammenhang; er hat oft eine
emotionale Komponente.
Wie schon in Lektion 15 erwähnt, ist der substantivierte Infinitiv sehr '
gebräuchlich. Weitere Beispiele: Ires singe hät all ne gfale. Daa
häsch es pralinee zum schläcke. Wänn s numen uf s lauffen aachoo
weer, hett eer nöd zwäite gmacht. S rächne isch sys lieblingsfach, s
schrybe nöd. Er verschtaat s schulde mache. Miir isch s lache
vergange, es isch mer eender um s hüüle.
Die deutsche Wendung er kommt geritten wird schweizerdeutsch
durch choo + z + Infinitiv übersetzt; also er chunt z ryte; si chunt z
räne; er isch aazschnuufe choo.
Eine besondere Konstruktion hat der Infinitiv nach gaa, choo. Im
Deutschen steht hier die Partikel zu oder der reine Infinitiv, im
Schweizerdeutschen steht go, goge, cho, choge (verkürzte
unselbständige Formen von gaa und choo).
Mer gönd go luege
mer gönd go en psuech mache
mer chömed cho inschpiziere
wir gehen schauen
wir gehen einen Besuch machen
wir kommen, um zu inspizieren
Ausfall von gaa
um zu
veranlassen
mer chömed choge d kasse
kontroliere
wir kommen, um die Kasse
zu kontrollieren
In Verbindung mit meteorologischen Erscheinungen dient diese Kon-
struktion zum Ausdruck einer nahen Zukunft:
es chunt cho schneie
es wird bald schneien
In diesem Zusammenhang sei eine Eigentümlichkeit im Gebrauch des
Verbs gaa dargestellt: Wenn das Ziel des Gehens angegeben ist, kann
1. gaa ausfallen, wenn es von einem modalen Hilfsverb abhängt, das
heisst nach wele, sele, müese, tOOrffe, chöne;
2. ggange im Perfekt ausfallen, das heisst nach sy.
1. er mues gaa
i tOOrff gaa
i sett gaa
s büsi wott choo
2. er isch ggange
du bisch ggange
mer sind ggange
aber: er mues häi
i tOOrff i d schtadt
i sett goge luege
s büsi wott zu miir
aber: er isch häi
du bisch i d schtadt
mer sind goge luege
Das Ziel des Gehens kann also ausgedrückt werden durch ein Adverb
oder eine Adverbiale des Ortes oder durch einen Infinitiv mit goge:
Si sind duraab, mer wänd uf der Üetli, i sett na uf d poscht, i tOOrff
nöd mit, si sind go sägle, du settisch go de mueter hälffe, mer sind
go komissioone mache.
Die Infinitivkonstruktionen, die man im Deutschen mit um zu einleitet,
werden im Schweizerdeutschen durch zum, seltener durch für zum
und für z eingeleitet; nach gaa und choo mit go.
Ich ha nöd de zyt zum dee tägscht na emaale schrybe Ich habe
keine Zeit, um den Text noch einmal zu schreiben. Ich bruuche
chlöiberli zum maarggen ychlöibe Ich brauche Klebfalze, um
Marken einzukleben. Vom land chömed s i d schtadt cho studiere
Vom Land kommen sie in die Stadt, um zu studieren. Gang en
schruubezier go hole zum di lugge schrüübli aazie Geh einen
Schraubenzieher holen, um die lockeren Schräubchen anzuziehen.
Für «jemand veranlassen, etwas zu tun» wird im Schweizerdeutschen
mache mit Infinitiv (mit z) gebraucht.
du machsch mi z brüele
mach si z gumpe!
du bringst mich zum Weinen
veranlasse sie zu springen!
151
g nach möge
I'm writing
ÜBUNG 23
152
Nach möge in der Bedeutung von vermögen wird dem Infinitiv ein g_
vorgesetzt. Wenn möge mögen, gern tun bedeutet, steht dieses g- nie.
i mag nöd glange ich kann es nicht erreichen
si hät möge gchoo sie ist noch rechtzeitig gekommen
magsch es nöd gässe? kannst du nicht alles essen?
Dagegen: magsch es nöd ässe? willst du es nicht essen?
Im Begriff sein, etwas zu tun: Diese Wendung wird mit am + Infinitiv
ausgedrückt. Ich war im Begriff abzureisen i bin am abräise gsy.
Vergleiche englisch: I am writing i bin am schrybe. Daneben wird tue
in diesem Sinne verwendet (vgl. Lektion 2).
Ich wott uf d Forch
Mer sind uf der Üetli
Si isch uf Schpanie
Ich sett häi
Gang go luege
Du machsch mi z lache
Es isch zyt zum kontroliere
Er isch ab uf d böim
Mer sind go schlittle
Ich ha nüme möge gchoo
Si gat mer efeng uf d nerve
Chunsch efang?
Ich gaanen efeng go s auto hole
Bim tschuuten isch er mäischter
Er isch z räne choo
Du settisch in gaarte go jätte
Woane sind s?
Er hät si z briegge gmacht
Ich bi grad am gaa
S räch ne falt is schweer
Uütt tOOrffsch in zoo
Si isch schoo am gaa gsy
Es chunt cho gwittere
Mach en z gumpe!
Es hört rägne
Chunsch au cho schlittle?
Si chömed zum ööl naafüle
Si händ aagfange naafüle
Nimm es badtuech mit zum uf em graas plegere. Ich glaub, es
chunt cho rägne oder sogaar cho schneie. S läben isch z chuurz
zum offne wy trinke. Du machsch mi z lache mit dyne fuule witz.
Ich gane uf de Züribeerg go echli frischi luft schnappe. Du muesch
früener aafange schaffe, wänn t wottsch an äim taag fertig weerde.
Es hät e bire putzt, ich gaane go e nöii hole. Ich ha welen es buech
vom gschtell abelange, aber ich ha nöd möge glange. Chasch mer
dyni schrybmaschine leene? Ich bruuche si zum es formulaar
schöön uusfüle. Chumm cho hälffe! Gang gschwind uf d poscht
go gen epaar maargge chauffe. Si händ aagfange ghaa der uushueb
mache, dänn sind s uf fels gschtoosse. Wänn chunsch äntli cho
hälffe boone schtecke? S waarte lampet mer zum hals use.
LEKTION
24
Es groosi verzelt vo de chriegsjaare
I dem jaar, wo de chrieg uusprochen isch, hett i grad sölen i d
fröndi, aber da hani natüürli nöd chöne gaa und ha müese dihäime
blybe bi de mueter. De bape und d brüedere händ müesen yrucke,
und iich ha graad müese go verdiene. De loonuusglych isch ja
eerscht im zwäite chriegsjaar choo und hät äinewääg nöd wyt
glanget. Miir isch natüürli läid gsy, das i ha müese myni plään la
fale, aber es isch ja doozmaal esoo vii abverheit, wo me vorane nöd
im traum draa tänkt hett, das es chönn vergraate. De vatter hät i
de schpOOtere chriegsjaare nümen eso vii müesen in dienscht, aber
vo myne brüedere han i nöd vii gsee. Der elter isch inschtruk-
zioonsofizier woorde und hät vii z tue ghaa mit em trüle vo
regruute. Oe jünger hät äinewääg au welen aschpiriere, er isch vo
syner äinhäit wäg grad i d UO choo, hät abverdienet, d schpiraali
gmacht, wider abverdienet und dänn na en huuffe aktivdienscht
gmacht. Naa em chrieg isch er dänn na haupme woorde. D mame
hät si schweer gmäint mit em. Derwyle hämer s aber ä nöd Iiecht
ghaa. Im büro en huuffen aarbet, wil allpott wider epaari im
dienscht gsy sind, myni nOOchscht koleegin isch na im FUD gsy;
das hät «Frauenhilfsdienst» ghäisse; hüt säit me ja em glyche
MFD, also «Militärischer Frauendienst». Dihäime hämer gfroore,
wil mer nu ganz wenig cholen überchoo händ, au d läbesmittel
sind knapp gsy. D mueter hät äifach nöd chöne huushalte mit de
153
Hilfsverben
154
määrggli, und wänn si amigs iri razionierigschaarte z früe
uufpruucht hät, hät s nu na gmües und herdöpfel ggee, aber ämel
hämer nie müesen am leere taape suuge. D vertunklig und der
eebig flüügeralarm händ äim efeng au uf d nerve ggee, aber mer
händ is amigs trööschtet mit em gedanke, das es d lüüt im ussland
ja vil schlächter händ weder miir. I mag mi aber na guet a s änd
vom chrieg psine und wie mir ali ghofft händ, jetz chömm dänn
ales vil besser. Es isch aber alewyl na vil schtryt und eländ uf de
wält plibe. Im achtevierzgi han i dänn myn maa käne gleert. Er hät
e schtell ghaa z Ängland und isch amigs im winter i d ferie
häichoo, wil er esonen fanaatische schiifaarer gsy isch. Uf eme
sässellift hämer is zum eerschte maale gsee. Won er wider zrugg uf
Ängland isch, hämer is scho fascht verlobt ghaa. Mer händ enand
regelmeessig gschribe und s jaar drüber hämer ghüüraatet. lieh
bin au mit em überen uf Ängland, und so bin i dänn doch na i d
fröndi choo, aber zwäi jaar schpÖÖter simer wider häi, wil myn
maa hät müese s gschäft vo sym vatter übernee. Ja, das isch jetz
scho mängs jaar heer, so gschwind gaat d zyt urne.
Wortstellung und Konjunktionen
Bei den modalen Hilfsverben wele, sele, müese, chöne, möge, tÖÖrffe
sind, wie schon gezeigt, Infinitiv und Partizip gleich. Ich habe
gekonnt, habe gewollt usw. haben keine Entsprechung, vielmehr heisst
es ich ha chöne, ich ha wele usw.
Besonders ist zu beachten, dass im Perfekt der vom Hilfsverb
abhängige Infinitiv immer dem Hilfsverb folgt:
ich ha wele choo
ich hett sele gaa
ich ha müese schaffe
ich ha chöne rächne
ich hett möge schpile
ich ha tÖÖrffe faare
ich habe kommen wollen
ich hätte gehen sollen
ich habe arbeiten müssen
ich habe rechnen können
ich hätte spielen mögen
ich habe fahren dürfen
Diese Regel gilt natürlich auch im Nebensatz:
De grund, werum i mys huus nöd ha wele verchauffe Der Grund,
warum ich mein Haus nicht verkaufen wollte. Ich bi schtolz, das i ha
chönen über de see schwüme Ich bin stolz, dass ich über den See
schwimmen konnte. Isch es waar, das i am nüüni scho hett sele
häichoo? Ist es wahr, dass ich um 9 Uhr schon hätte heimkommen
sollen? Er isch gränt, wil er de zuug suscht nüme hett möge
verwütsche Er rannte, weil er den Zug sonst nicht mehr hätte
erreichen können.
lassen
Pronomen
Adverbien
Endstellung
im Deutschen
Das Verb laa (lassen) wird wie ein modales Hilfsverb behandelt, wenn
davon ein Infinitiv abhängt, das heisst, es bekommt kein Augment g-
und wird zu la verkürzt:
Mer händ de schpängler la choo Wir liessen den Klempner kommen.
Du muesch d milch la ufechoo Du musst die Milch aufkochen lassen.
Si säit, das me hett sele de tokter la choo Sie sagt, dass man den Arzt
hätte kommen lassen sollen.
Es ist jedoch auch möglich zu sagen: ich ha myni uur repariere laa
statt ich ha my ni uur la repariere.
Wenn zwei unbetonte Pronomina einander folgen, so steht der
Akkusati v vor dem Dativ. Im Deutschen ist es umgekehrt:
Ich gib der en öpfel, ich gib der en ihn dir
Ich gib em s buech, ich gib em s es ihm
Ich gib ere s broot, ich gib ere s es ihr
Befehlsform: gib em s! es ihm!
gib ene s! es ihnen!
Bei betontem Pronomen ist die Wortfolge gleich wie im Deutschen:
Ich gibe diir en öpfel, ich gib en diir ihn dir
Ich giben imm s buech, ich gibe s imm es ihm
Ich giben ire s broot, ich gib es ire es ihr
Befehlsform: gib s imm! es ihm
gib s ine! es ihnen
Bei einigen modalen Adverbien wie ganz, gar, echli, rächt, zimli,
psunders, gnueg tritt der Artikel meist zwischen das Adverb und das
von ihm bestimmte Adjektiv. Man vergleiche dazu die englische
Konstruktion quite a serious case, rather an old thing: Hau mer es
schtuck broot aab, aber rächt e ticks! Du bis eh mer echli e frächs
gööfli. lieh ha vil di gröösser erfaarig als iir ali zäme. Da hetted
mer e ganz e psunders modeerns jäggli. Bei gnueg kann sich die
Bedeutung nach der Stellung ändern: grooss gnuegi porzioone sind
Portionen, die gross genug sind; dagegen gnueg groossi porzione
bedeutet eine genügende Anzahl grosser Portionen.
Es ist ein Charakteristikum des Deutschen, ein Partizip oder einen Infi-
nitiv, die von einem zeitlichen oder modalen Hilfsverb abhängig sind,
an den Schluss des Satzes zu stellen. Das Schweizerdeutsche dagegen
rückt das Zusammengehörige näher zusammen:
Du chasch gift nee druf Du kannst darauf Gift nehmen. Ich ha nöd
chöne schlaaffe wäge dem probleem Ich konnte wegen dieses
155
Problems nicht schlafen. Si isch fascht umchoo vor angscht Sie ist
aus Angst fast gestorben. Ich wott uf Bünde räise nÖÖchschti wuche
Ich will nächste Woche nach Graubünden reisen.
Schachtelsätze In der deutschen Schriftsprache werden manchmal mehrere Adverbiale
und Nebensätze eingeschoben. So entstehen die berühmt-berüchtigten
Schachtelsätze. In der deutschen Umgangssprache und erst recht im
Schweizerdeutschen werden sie vermieden: Der folgende Satz soll als
Beispiel dienen: Der Bundesrat hat den umstrittenen Kredit an der
letzten Sitzung des Nationalrates trotz starker Opposition auch aus
den Reihen der Regierungsparteien doch noch durchgebracht A de
letschte sitzig vom nazionaalraat hät de bundesraat der
umschtritte kredit doch na durepraacht trotz schtarcher
opposition au us de räie vo de regierigsparteie. Weitere Beispiele:
Er hatte mit letzter Kraft die steilen Eiswände der Spalte
hinaufzuklettern versucht Er hät mit syner letschte chraft versuecht
ghaa, di geechen yswänd vo de schpalten ufezchlädere. Die
Hilfsmannschaft ist mit Windlichtern, Proviant, Verbandmaterial und
Tragbahren auf die Suche gegangen D hilfsmannschaft isch uf d
suechi mit windliechter, proviant ... Der Kurverein hatte sich schon
immer für die Modernisierung des Strandbades und die Anlage eines
Parkes eingesetzt De kuurveräin hät si scho imer ygsetzt ghaa, das
me s schtrandbaad modernisieri und en paark aaleggi.
Konjunktionen Das Schweizerdeutsche ist nicht reich an Bindewörtern; verschiedene
erfüllen gleichzeitig mehrere Funktionen, so kann wo gleichzeitig als
und nachdem bedeuten und das dass, so dass, damit. Etablierte Kon-
junktionen sind wil weil, wänn wenn, vor bevor, bis bis, sit seit,
ussert ausser, eb und öb ob, solang solange, wänn ... sc ho obschon.
Verschiedene erscheinen verbunden mit das: im fall das, ooni das,
für das, schtatt das, wäret dem das. Beispielsätze:
156
D lüüt händ si füregleent, das s d büni besser gsächid ... damit
Wo s gnachtet hät, simer dihäimen aachoo ... als
Wo di anderen i s bett ggange gsy sind, händ miir aagfange ...
nachdem
Wie chasch blos eso tumm detheer rede, wo t s doch besser
wäisch! ... obschon
Solang s bäled, byssed s nöd ... solange
Sit i mi psine cha, hät s e phause ggee ... seit
Wänn t scho muff bisch, muesch ekän lätsch mache ..• obschon
Wänn t nöd wottsch mitchoo, blybsch dihäime ... wenn
Trotzdem d behörde schtämpeneie gmacht händ, isch s projäkt
durezoge woorde ... obschon
ÜBUNG 24
Wäretdem das du uf de fuule huut gläge bisch, han i sc ho en zacke
druff ghaa ... während
Ich mache nöd mit, ussert du wettisch absoluut ... ausser
Es vergaat kän taag, das nöd es unglück i de zytig schtaat
ohne dass
Me gaat nöd i d beerg, ooni das me vorane de wätterpricht loset ...
ohne dass
Bei den Konjunktionen wirkt sich der Einfluss des Schriftdeutschen
stark aus, besonders beim Ablesen schriftdeutsch konzipierter Reden,
z. B. obschon, bevor, damit, sobald, sondern. Dies gilt auch für einige
Adverbien, die ältere Wörter verdrängt haben, z. B. sofort statt
äiswägs, überall zäntume, plätzli ugsinet, seer schüüli.
Ich hett selen en psuech mache, aber ich ha s vergässe. Ich ha scho
lang wele de prueff wächsle, aber ich ha mi nöd chönen
entschlüsse. Die sitzig hät käs änd gno, ich ha nüme chöne häi und
ha müese z Gämf übernachte. Wänn i scho ha wele di lange
diskussioonen abbräche, so isch mer das nöd gglunge und ich ha
müese myni abräis verschiebe. Ich ha welen uf Basel abe, aber
myn gschäftsfründ isch uf Züri choo, und mir händ chönen öisi
beschprächig daa abhalte. De hund hät nach mer gschnappet, wie
wänn er mi hett wele bysse. De huusäigetümer hät nöd gnueg gält
ghaa, zum die hüüser la renoviere. Won i letschti über d
Ggeebrugg gloffe bi, hät s gföönet und d beerg händ so nÖÖch
gschune, das me hett chöne mäine, me chönn s mit de händ gryffe.
Vor d sunen uufggangen isch, hämer ali gfroore, aber au wo si
uufggange gsy isch, hät s na lang nöd gwaarmet. Chauff e schuufle,
für das mer de schnee chönd ruume! Wo d voorschtelig fertig gsy
isch, händ s wele der autor gsee. Wo mer händ welen es bileet
chauffe, hät s käi mee ghaa. Ich ha wele zueluege, aber si händ mi
nöd la i d neechi choo. Dee schtift setted mer la gaa, dee leert nie
nüüt. Das isch en häiss gnuegen uufguss für das theeli. Da hett i
Ine psunders e fäins schtömi. Mer händ rächt en häisse sumer
ghaa. Du häsch mer ganz e groossi überraschig gmacht mit dym
ferieplaan. Dys greet isch kabut, gib mer s, ich flick der s. Das isch
myn hegel, gib mer en sofort. Daas tÖÖrff käs ghäimnis blybe, säg
ere s hütt na.
157
DIE WESENTLICHSTEN MERKMALE DES BERNDEUTSCHEN
Lautlehre
Im folgenden kommen nur diejenigen Kennzeichen des Bemdeutschen zur Sprache,
die es vom Zürichdeutschen unterscheiden, und zwar handelt es sich um die heutige
Mundart zwischen Bem und Thun. Ein vertieftes Studium ermöglicht die umfas-
sende «Bemdeutsch-Grammatik» von Wemer Marti (Francke Verlag). Wer sich für
das Baseldeutsche interessiert, sei auf die Grammatik von Rudolf Suter verwiesen
(Christoph Merian Verlag).
Die langen Vokale werden generell etwas offener und kürzer ausge-
sprochen als im Zürichdeutschen. Das a ist weniger dumpf; aa lautet
nie zu ÖÖ um, sondern zu ää: schträässli, näät, häägge, gmeindräät.
Bei den Diphthongen besteht ein wesentlicher Unterschied, indem den
beiden zürichdeutschen Zwielauten äi und ei immer ein ei entspricht:
Heidi, schleipfe, gschrei. Den bei den au und ou entspricht ein ou:
boum, louffe, gschroue. Ausnahmen sind grau, blau, schlau, gnau.
Der Vokal e/e/ä verhält sich im Berndeutschen ziemlich verschieden
vom Zürichdeutschen, was sich aber nicht in Regeln fassen lässt. Der
Extremfall ist das Wortpaar hat/hätte, das in Zürich hätlhett lautet und
in Bern hetlhätt. Fast regelmässig steht aber für ein zürcherisches e
vor rein ä: Bäärn, bäärg, schtäärn. Dies gilt nicht bei den Kom-
parativen wermer, schwerzer, erger, breever, schwecher.
Bei der Anlautfortisierung der Explosiven, die für das Zürichdeutsche
typisch ist, verhält sich das bernische Sprachgebiet uneinheitlich. In
den Gegenden südlich von Bern heisst es auch puur, tick, tiräkter,
tunkei, traat, ggusine, ggarusel, dagegen bleiben die Lenes b d g vor
allem im nördlichen Bernbiet erhalten. Es gibt also sowohl päärn-
tütsch wie bäärndütsch.
Die Liquiden und Nasale kommen nicht nur wie in Zürich im Auslaut
geminiert vor (dumm, dünn), sondern auch zwischen Vokalen:
dummi, dünni, schwümme, brönne, sunne.
Einen besonderen Charakter hat das bernische I. Es hat durchweg
einen starken u-Klang und wird in grösseren Dialektgebieten bei
Gemination, vor Konsonant und im Auslaut zu u. Beispiele:
viiu viel, vogu Vogel, wöuue wollen, erfüut erfüllt, Ämmitau
Emmental, häuffe (ä-u) helfen, säuber selber, säute selten. Diese
Velarisierung (so nennet man den Übergang von I zu u) gehört nicht
zur traditionellen stadtbernischen Mundart, ist aber heute die vorherr-
schende Sprechart.
Eine andere Eigentümlichkeit, die sich in der Stadt auch erst in neuerer
Zeit durchgesetzt hat, ist die Umwandlung von nd zu ng. So sagt man
159
Der Artikel
heute meistens hung Hund, angeri andere, binge binden, gring Grind
(Kopf).
Dem zürichdeutschen bestimmten Artikel de entspricht dr, dem sein
ds: dr ätti, dr wald, dr landvogt, ds chind, ds Anni, ds huus. Beim
unbestimmten Artikel gibt es nur im Nominativ Maskulinum Singular
einen Unterschied: en entspricht e: e wald, e landvogt, mit Sandhi-n:
en ätti.
In den Verbindungen von Präposition mit Artikel kommen neben der
Verschmelzung zur zu der noch bir bei der und vor von der vor.
In Verbindung mit Präpositionen gibt es einen bestimmten maskulinen
Artikel im Akkusativ, der e lautet (entstanden aus «den»). Mit den
Präpositionen a und i verschmilzt dieser Artikel spurlos. Daraus er-
geben sich folgende Formen:
füre növö
übere mönsch
urne bäärg urne
undere brüggeboge
düre zuun
a fluss
i gaarte
für den Neffen
über den Menschen
um den Berg herum
unter den Brückenbogen
durch den Zaun
an den Fluss
in den Garten
Beim unbestimmten Artikel tritt nach Präposition an die Stelle von e
eine Form ne:
a ne fluss
i ne gaarte
für ne növö
über ne mönsch
um ne bäärg urne
under ne brüggeboge
dür ne zuun
an einen Fluss
in einen Garten
für einen Neffen
über einen Menschen
um einen Berg herum
unter einen Brückenbogen
durch einen Zaun
Die Pluralbildung 1. Deklination: Der Plural ist nur bei solchen Wörtern gleich wie
der Singular, die auch im Deutschen unveränderlich sind: d schryner,
d leerer, d chätzer, d finger. Ausnahmen bilden wie in Zürich die
Verwandtschaftsnamen.
160
2. Deklination: Der Plural wird wie in Zürich durch Umlaut gebildet:
wäge, schäft, chöschte, dökter, hünd.
3. Deklination: Gleich wie in Zürich. Hingegen bilden den Plural mit
-e auch jene Substantiva, die in Zürich gleich sind wie im Singular,
nämlich jene Maskulina, die keinen Umlaut bilden können, nebst
einigen weiteren. Die Plural bildung ist somit in diesen Fällen identisch
Das Adjektiv
Das Personal-
pronomen
1. Person
ich und wir
2. Person
du und ihr
mit der deutschen. Die Regel gilt aber nicht strikt, indem auch Plurale
ohne -e vorkommen.
d steine
d fische
d tage
d fründe
d bäärge
die Steine
die Fische
die Tage
die Freunde
die Berge
d chnächte
d pryse
d wääge
d tische
d schelme
die Knechte
die Preise
die Wege
die Tische
die Schelme
Bei jenen Substantiven, die auf -ei ausgehen, fällt das -e- aus:
d schlüssle, d güggle, d esle, d chüngle.
4. Deklination gleich wie im Zürichdeutschen. Die weiblichen Wörter
auf -i haben im Plural ine, die sächlichen bleiben wie in Zürich
unverändert:
d müline
d dechine
d chuchine
die Mühlen
die Decken
die Küchen
d meischterine die Meisterinnen
d meitschi
d chirschi
d wäschpi
d beeri
die Mädchen
die Kirschen
die Wespen
die Beeren
Der Dativ Plural unterscheidet sich nicht vom Nominativ, also: mit de
hüener, mit de hünd, vo de meitschi, bi de schryner.
Ein entscheidender Unterschied gegenüber dem Zürichdeutschen sind
die Nominativformen des schwachen Adjektivs. Während diese in
Zürich endungslos sind, unterscheidet das Berndeutsche:
dr grüen boum, di grüeni matte, ds grüene chleidli
Es gibt auch einen weiblichen Adjektivartikel di, während im Neutrum
nicht unterschieden wird: es chind, es chlys chind. Wie dieses
Beispiel zeigt, steht berndeutsch ein regelmässiges chlys neben der
unregelmässigen Zürcher Form chlyses.
Gleich wie das Zürichdeutsche unterscheidet auch das Berndeutsche
beim Pronomen verschiedene Grade der Betonung, die Formen
weichen teilweise von den zürcherischen ab:
halb- un- halb- un-
betont betont betont betont betont betont
Nom. iig 11 miir mir mer
Dat. miir mir mer üüs üs is
Akk. mii mi mi üüs üs is
Nom. duu du d/de diir dir der
Dat. diir dir der öich (n)ech (n)ech
Akk. dii di di öich (n)ech (n)ech
161
3. Person
er und sie
es
sie (Plural)
Possessiv-
pronomen
Das Verb
162
halb-
betont betont
Norn. äär är
Dat. iim im
Akk. iin In
Norn. ääs äs
Dat. iim im
Akk. iins/ääs ins
Norn. sii si
Dat. iine ine
Akk. sii/seie si
un-
betont
er
1m
ne
(e)s
im
(e)s
si
ne
se
halb-
betont betont
sii si
iire ire
sii/seie si
sich (reflexiv)
sich sech
sich sech
un-
betont
si
(e)re
se
se
se
Nach Präposition wird in unbetonter Stellung re statt ere gebraucht:
bei ihr heisst bi re (Zürch: byn ere), ebenso vo re, zue re. Die übrigen
Kombinationen von Präposition und Pronomen sind gleich wie in
Zürich. Die Höflichkeitsform ist im Gegensatz zum Zürcher Si die
zweite Person Plural: wie geits Nech, was machet Der, daarff i Nech
hälffe, söll i mit Öich choo? chömet guet hei! Die Schreibung ist
gewöhnlich Dihr zur Unterscheidung vom Dativ der zweiten Person
Singular.
Mask. Fern. Neutr. Mask. Fern. Neutr.
Singular Grundf. my my mys üse üsi üses
Dat. mym myr mym üsem üser üsem
Plural Grundf. myni/myner [ üsi/üser
Dat. myne üse
Zu beachten ist, dass es im Plural Grundfall zwei Formen gibt: my ni
und myner. Sie werden unterschiedslos gebraucht. Im Dativ Singular
Femininum gibt es wie in Zürich zwei Formen: myr und myre.
Gleich wie my werden flektiert dy und sy, gleich wie üse öje und ire.
Das hervorstechende Merkmal des Berndeutschen und aller Mund-
arten, die westlich einer Linie, die von Laufenburg am Rhein östlich
zur Aare, dann südlich durch den Kanton Aargau und durch den
Westen des Kantons Luzernzum Brienzer Rothorn und dann zur Furka
verläuft, gesprochen werden, ist die Pluralbildung beim Verb. Im
Gegensatz zu den Landesteilen östlich dieser Linie werden die
Personen im Plural gleich wie im Schriftdeutschen unterschieden. Es
heisst: mir mache, dir machet, si mache. Ein typisches Merkmal des
Berndeutschen liegt darin, dass bei nachgestelltem Personalpronomen
-i das Endungs-e der ersten Person nicht abfällt, sondern durch
Sandhi-n mit dem i verbunden wird: jitz mache-n-i. Die Normaltypen
der Konjugation sehen folgendermassen aus:
1. Konjugation
2. Konjugation
3. Konjugation
i rede
rächne
singe
du redsch
rächnisch singsch
er redt
rächnet singt
mir rede
räch ne
singe
dir redet
rächnet
singet
si rede
rächne singe
Im Subjunktiv: i redi, du redisch, er redi, mir rede, dir redit, si
rede.
Bei den unregelmässigen Verben treten zahlreiche Verschiedenheiten
gegenüber dem Zürichdeutschen auf, die wegen des häufigen Vor-
kommens dieser Wörter das Bernische besonders stark charakteri-
sieren.
haben sein tun gehen stehen werden
Infinitiv haa sy tue gaa schtaa wäärde
Partizip ghaa gsi taa ggange
gschtande woorde
i ha bi tue gaa schtaa wiirde
du hesch bisch
tuesch geisch
schteisch wiirsch
er het isch tuet geit schteit wiirt
mir hei sy tüe gOO schtOO wäärde
dir heit syt tüet gOOt schtOOt wäärdet
si hei sy tüe gOO schtOO wäärde
Subjunktiv i heigi
sygi tüegi göngi schtöndi wäärdi
Konditional i hätti
wääri tääti giengi schtändi wüürdi
wollen sollen
müssen dürfen
können mögen
Infinitiv wölle sölle
müesse dOOrffe
chönne möge
Partizip
identisch mit dem Infinitiv
i wott söll mues daarff cha ma
du wosch sölsch
muesch daarfsch chasch
masch
er wott söll mnes daarff cha ma
mir wei sölle
müesse dOOrffe chöi
möge
dir weit söllit
müesst dOOrffet chöit
möget
si wei sölle
müesse dOOrffe chöi
möge
Subjunktiv i wölli
sölli
müessi dÖÖrffi
chönni mögi
Konditional i wetti
sötti
müessti dÖÖrffti
chönnti möchti
Wo u für I gesprochen wird, heisst es wöue und söu, söusch, söue,
söuit.
163
TEXTPROBE
164
wissen geben nehmen sehen lassen schlagen
Infinitiv wüsse gää nää gsee laa schlaa
Partizip gwüsst ggää gnoo gsee glaa gschlage
i weis gibe nime gsee laa schlaa
du weisch gisch nimsch gseesch laasch schlaasch
er weis git ni mt gseet laat schlaat
mir wüsse gää nää gsee lÖÖ schlÖÖ
dir wüsst gäät näät gseet lÖÖt schlÖÖt
si wüsse gää nää gsee lÖÖ schlÖÖ
Subjunktiv i wüssi gäbi nämi gseeji lÖÖji schlÖÖji
Konditional i wüssti gääbi näämi gsäächi liessi schlögti
kommen ziehen fangen
Infinitiv choo zie faa
Partizip choo zoge gfange
ichurne zie faa
du chunsch ziesch faasch
er chunt ziet faat
mir chöme zie fÖÖ
dir chömet ziet fÖÖt
si chöme zie fÖÖ
Subjunktiv i chömmi zieji fangi
Konditional i chäämi zögti fieng
Die Konditionalformen sind ziemlich unstabil, neben den oben an-
geführten Formen kommen noch vor: i gängti, gäbti, nämti, gsächti,
chämti. Flektiert wird:
i chääm chäämti mir chääme chäämte
du chäämisch chäämtisch dir chäämit chämtit
er chääm chäämti si chääme chäämte
Bei den Formen des Subjunktiv und des Konditionals fällt das
Endungs-i wie in Zürich sehr häufig ab.
Der folgende Text ist dem Roman «Der Houpme Lombach» von Rudolf von Tavel
entnommen. Es handelt sich um eine Schallplattenaufnahme des Phonogramm-
archivs der Universität Zürich, deren Transskription in dem Buch «Soo reded s
dihäi» enthalten ist. Der Titel des Auszuges heisst «Dem her Brambäärger sy
züglete». (Zur Erklärung einiger Wörter: züglete Umzug, legi eine Schicht, Lage,
gOotsch halb geschmolzener Schnee, schaft Kasten, byschte keuchen, bäärze
stöhnen, boorze mühsam bewegen.)
Der winter isch läng woorde, und no änds meerz hets e tolli legi
schnee ggää und druf abe gar es schützlechs gflotsch. Und iez
hätten äbe ds her Brambäärgers i d Schoshalde sölle zÜgle. Wo
dem filosoof sy schtube draa choo isch, isch er win es schturms
huen im huus umegfaare und het gmeint, vor allem andere mües
me luege, das syni büecher a ds ort chöme. Me het kei schaft und
kei schublade sölle lääre, sonderen alles zÜgle, grad wi s daa
gschtanden isch. Dem Ludi Bickart het er eso öppis win en eid
abgnoo, das er derfür weil soorge, das keis buech vo sym plätzli
wäg chömi. - Als zÜgler het me vatter und sun Gnägi vom
Chilchhöfli aagschtelt gha. Won im der Ludi seit, me mües de der
büecherschaft grad win er syg, zÜgle, seit der vatter Gnägi: «Das
cha me niid.» Aber der Ludi het nid abggää und s bim alte
dÜregsetzt, das er der schaft hÜbscheli legi und de uf nere leite re
zum fänschter use abelaai. Di leite re isch aagschtellt woorde, und
der Ludi het unde dranne passet, wäred di manne dobe mit
byschten und bäärze dä schaft uf d ränschtersimse poorzet hei. -
«Das geit nid däwääg», seit der alt Gnägi, «är isch z breete.» «He,
wooU», seit der Hans, «mer wei ne uf di schmali syte schteuue.» So
hei si ne du e zytlang aagluegt, und won er nid vo sälber wyters
welle het, hei si ne du uufgschtelt. Er isch scho halb zum ränschter
use gsii und het no nid gwÜsst, öb er sech uf e rÜgge oder uf e
buuch lege wott, aber plampet het er em el efange und i sym innere
isch es läbig worde. «Halt, halt!» schreit der Ludi, «nid esoo! Es
chönt de rääle!» «He?» «Nid däwääg, leget ne!» «Wou, wou, es geit
schoo», meint der vatter Gnägi, aber der Hans seit: «Nei, mer wei
ne uf e rUgge lege», und chnoorzet dranne. «Halt, das chunt nid
gue!», proteschtiert der vatter, «er chönt si de uberelege», und
schtoosst uf di anderi syte, so das sech di ganzi klassizität gäge di
vorderi syten i bewegung gsetzt het. - Däm wÜsseschaftlechen
aaprall isch ds glaas i der tüÜre trotz allem gschrei vom Ludi nid
gwachse gsi: der Homeer het undereinisch gmeint, er erwachi zur
würklechkeit, er syg im trojaanische ross, und es syg höchschti zyt
fÜr use, und platsch! ligt er z Bärn, bis Über d oore im fÜrch-
terlechschte gflotsch, platsch! isch der Xenofon näb em Homeer
gläge, pralatsch! der Demoschtenes inere tooga vo rootem saffiaan
mit guldprässung, patsch! der Arischtoteies und platsch! der
Tuküdides; dä hets bis a d chilchen Übere gschprützt. Druuf het
sech Room i bewegung gsetzt, und zwaar in korpore. - Aber der
vatter Gnägi het trööschtet: «s macht nÜÜd, s macht nÜÜd, es sy
nume d büecher.»
165
SCHLÜSSEL
Wie man mit dem Schlüssel arbeitet
Der Schlüssel soll in erster Linie den Lernenden helfen,
die Übungstexte zu verstehen. In zweiter Linie - und
dies ist sogar seine wichtigere Funktion - soll er als
Vorlage für die Rückübersetzung der Übungstexte die-
nen.
Den Benützern dieses Buches wird empfohlen, zuerst
das Lesestück an der Spitze der Lektionen zu studieren,
denn die meisten dieser Texte enthalten viele Beispiele
der grammatischen Elemente, die in der betreffenden
Lektion behandelt werden. Diese Regeln kann man aus
den Texten heraus analysieren. Hierauf studiere man die
grammatischen Erklärungen. Diese werden dann in den
folgenden Übungen exemplifiziert. Hier sind auch noch
nicht vorgestellte Vokabeln und Wendungen zu finden.
Es lohnt sich, diese herauszuschreiben.
Dann aber kommt die wichtige Rückübersetzung aus
dem Schlüssel. Diese führt man mit Vorteil schriftlich
aus, wobei man sehr auf die grammatische Richtigkeit
achten soll, auf die Orthographie kommt es weniger an.
Zum Schluss vergleiche man die Übersetzung mit der
Vorlage, wobei man sehen wird, was man noch einmal
genauer studieren sollte, bevor man zur nächsten
Lektion übergeht.
167
Übung 1 (zu Seite 28)
Wiederholung: Mit einem Vokal beginnende Wärter haben einen Einfluss auf den
vorangehenden Artikel. Alle mit -e endenden Formen erhalten noch ein Binde-n, also e frau,
aber en alti frau. Der Artikel de (Maskulinum Grundfall und Femininum Dativ) erhält
dagegen ein -r, also de maa, aber der alt maa, und i ha s de frau gsäit, i ha s der alte frau
gsäit. Man beachte auch, dass dem deutschen «ein» entweder ein en (Maskulinum) oder ein
es (Neutrum) entspricht. Bei der Aussprache beachte man die Verschmelzung des Artikels d
mit dem anlautenden Konsonanten, d brugg wird zu prugg usw.
eine Brücke die Schwägerin an einer Feier
ein Pferd ein weisses Brötchen bei einer Übung
ein Hengst ein dunkles Brötchen im Keller
die Wahrheit die Ordnung in einem Keller
ein Fädchen eine Unordnung im Wohnzimmer
ein Schnupfen ein Spritzer in einem Wohnzimmer
der Arm ein Haufen an Ostern
eine Amsel eine Unterbrechung im Theater
die Einfuhr eine Unterführung in der Oper
eine Einfuhr die Wäsche
der Apfel eine Wäsche Die Verschmelzungen
eine Birne ein Korb
die Bohnen
ein Nest ein Rührlöffel
die Feder
eine Absicht der Ausweis
ein Streich eine Übung
die Zunge
die Traube
eine Schüssel der Uri-Stier
die Kantone
die Schaufel "
l
der Berner
die Brotschnitzel
der Faden der Obwaldner
die Pastille
ein Stäublein ein Einheimischer
die Maus
ein Staubsauger eine Einheimische
die Braut
die Ehre der Ast
die Gabel
eine Ehre eine Aussteuer
die Faust
der Maulesel mit einem Pferd
die Ziege
der Esel mit einem Auto
ein Müsli von einer Freundin
die Kuh
die Kanone
ein Mäuschen von einem Freund
die Turnhalle
ein Brocken in ein Haus
die Mauer
ein Bröcklein
L ~ 1
in einem Haus
ein Aufsteller bei einem Fest
die Birne
die Kirschen
der Aufsteller zu einem Fest
die Kohle
'der Pfannkuchen zu einer Einweihung
die Post
ein Pfannkuchen zu einem Obstkuchen
die Kugel
eine Rösti auf der Seite
die Brut
die Schwester auf der Alp
die Küche
eine Schwester am Sonntag
der Schwager an einem Sonntag
169
Übung 2 (zu Seite 32)
Wiederholung: Es gibt kein Imperfekt, «ich war» heisst also ich bi gsy, ebenso «ich hatte»
ich ha ghaa, ich ha taa, ich bi ggange, ich bi gschtande, ich bi woorde. - Folgt das
Personalpronomen dem Verb, wird es verkürzt: ich wird i, also bin i, tuen i, du fällt ganz
weg, er und si bleiben unverändert, si in der Mehrzahl wird s (sind s = «sind sie»), mer
verschmilzt mit -nd zu m: gömer = «gehen wir», ebenso simer, hämer, schtömer, tüemer. -
Wenn bei gaa das Ziel der Bewegung angegeben ist, fällt es als Partizip oder nach einem
Hilfsverb aus. Er isch in es huus, si isch i d schuel. Tue kann zur Bildung eines Fragesatzes,
zur Verstärkung einer Aussage tuesch fische? ja, ich tuene fische dienen. Zu beachten ist,
dass es viele mit tue zusammengesetzte Verben gibt, wie ytue, abtue, oobtue usw. - Das
Partizip «geworden» hat nie ein g am Anfang: woorde.
haben
Ich habe Hunger
Ich habe einen Freund
Morgen habe ich frei
Fehlt dir etwas? (öppis)
Er hat eine Zeitung
Hat es Schnee?
Zu Hause haben wir warm
Sie haben Kummer
Haben sie Freude?
Pass auf dich auf!
Hatte es Schnee?
Hattest du Kummer?
Ich hatte Hunger
sein
Sie ist zufrieden
Wenn ich zu Hause bin
Wo bist du am liebsten?
Zu Hause sind wir gern
Ist es dunkel?
Wir sind im Urlaub (rerie)
Ihr seid gesund
Sind sie am Zürichhorn?
Sei zufrieden!
Seid zufrieden!
Sind wir schon da?
gehen
Wohin geht ihr?
Heute gehe ich in die Stadt
Wie geht es?
170
Es geht gut
Morgen gehen wir ins Theater
Geh ins Freie! (veruse)
Wann gehst du?
Ich gehe jetzt
Gehst du zu Fuss?
Sie gehen miteinander (kann bedeuten:
Sie sind ein Liebespaar)
Mit Ausfall von gaa oder ggange
Sie will in den Urlaub gehen
Wir sind nach (uO Paris gegangen
Er muss zum Rektor gehen
Ist er weggegangen? (furt)
Wollen wir ans Zürichhorn gehen?
Ich will heimgehen (häi)
Sind sie heimgegangen?
Sie ging in den Ausverkauf
Willst du in den Zirkus gehen?
Mit go
Er geht spazieren
Geh den Doktor holen!
Ich ging schwimmen
Wollen wir baden gehen?
Ich muss gehen, um Marken zu holen
Sie ist den Läden nachgegangen (Iädele)
Sie will den Läden nachgehen
Ich gehe schauen (Iuege)
Geh schauen!
Ich ging schauen
stehen
Es steht in der Zeitung (zytig)
Es stand in der Zeitung
Steh auf!
Stell dich in die Türe!
Stell dich vorne hin!
Verstehst du mich? (mi)
Versteht ihr mich?
Ich habe dich verstanden (di)
Sie stehen früh auf
Morgen stehen wir früh auf
tun
Tust du etwas?
Ich tue nichts
Öffne den Brief!
Er benimmt sich dumm
Es genügt
Schliesse die Augen!
Stell die Kartoffeln auf den Herd!
Schliesse den Mantel und knöpfe ihn ein!
Er hat sein ganzes Geld verschleudert
Übung 3 (zu Seite 38)
Man muss die Kuh töten
Das kann man nicht durchstreichen
Wir wollen einen Hund anschaffen
Spielst du im Sand?
Spiel doch im Sand!
Hilf mir!
Hilfst du mir?
Ich arbeite (schatTe)
Kratze nicht! (chräble)
werden
Es wird nicht so sein
Es wird dunkel
Es wurde dunkel
Er ist vermutlich zu Hause
Du bist wohl nicht so dumm
Das Kind wird getauft
Das Wetter wird besser
Sie wurden geschlagen
Es ist hell geworden
Wurdest du krank?
Wiederholung: Es gibt vier Möglichkeiten, den Plural zu bilden: 1. Das Wort bleibt
unverändert, 2. der Stammvokal wird umgelautet, 3. die Pluralendung ist -e, 4. sie ist -er.
Meistens kann man vom Deutschen aus auf die Mehrzahlbildung tippen, nur die 2. Variante
ist ungleich häufiger, oft überraschend: erfölg, transpört, impüls. Der Artikel ist immer d,
wobei die in Lektion 1 gelehrten Assimilationen zu beachten sind, z. B. «die Vögel »: pvögel.
Hemden
Gabeln
Zungen
Ampeln
Globen
Grammophone
Flaschen
Drogensüchtige
Kissen
Geschäfte
Rosen
Tabus
Soldaten
Knochen
Hunde
Eltern
Aufregungen
Läden
Apfelsinen
Bauern
Streitigkeiten
Beeren
Sächelchen
Wellen
Äpfel
Motten
Esel
Schüler
Häute
Rechner
Fenster
Kirschen
Hüte
Kerngehäuse
Salons
Schachteln
Teufel
Seen
Linden
Vorhänge
Übungen
Waagen
Engländer
Böcke
Backen
Wagen
Stecknadeln
Gefahren
Wochen
Bänke
Tropfen
Flüche
Druckereien
Stücklein
Beine
Birnen
171
Tische Hefte Schürzen Sterne
Jungen Tragkörbe Mädchen Socken
Generäle Gespenster Sachen Fahnen
Blumen Tafeln Stühle Anfänger
Gewehre Korporale Krägen Affen
Käfige Teppiche Gelüste Alpen
Mäuler Alben Betten Leidenschaften
Müller Neuigkeiten Bonbons
Fotografen Pferde Steine
Graubündner Eindrücke Litauer
Übung 4 (zu Seite 43)
Wiederholung: In der ersten Konjugation werden die Endungen der zweiten und dritten
Person (-sch und -t) direkt an den Stamm angeschlossen, ebenso das -t des Partizips: du
redsch, er redt, gredt. Eine Ausnahme gibt es, wenn das Verb auf Zischlaut endet, dann wird
in der zweiten Person ein -i- eingeschoben: du büezisch.
Die Rede hat eingeschlagen (zünde). Er hat die Ärmel hochgekrempelt. Das schadet nichts.
Was kostet es? Sie haben ihn gepfändet. Die Kohlen glühen im Ofen. Ich habe die zwei
Enden zusammengeklebt, jetzt halten (hebe) sie wieder. Der eine kauft Briefmarken und klebt
sie in ein Album, der andere sammelt Bilder und hängt sie an die Wände. Hast du das Kleid
geflickt? Ja, ich muss noch ein wenig nähen, dann ist es fertig. Es regnet (schtreeze) ja wie
verrückt, ich glaube, es hört nicht so schnell auf. Wann erzählst du uns wieder einmal eine
Geschichte? Wir lernen (leere) jetzt Schweizerdeutsch, es dünkt mich nicht einmal so schwer.
Ich habe ihm den Apfel zugeworfen, er hat ihn. aber nicht erwischt, und der Apfel ist an die
Mauer geprallt (tätsche) und zerplatzt. Ich habe es und jetzt lachen mich alle
aus. Wenn du das Wägelchen überall herumschleppst, so geht es entzwei. Das stimmt nicht,
ich habe noch nie etwas kaputt gemacht. Ich habe geträumt, wir hätten die Wohnung
ausgeräumt; dabei habe ich mich übertan (überlupfe), es tat mir weh, ich rief, aber niemand
hörte mich. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich weiss nicht, was dann noch geschah, ich
wurde nämlich gerade dann geweckt. Als die Wagen zusammenstiessen, knallte es so laut,
dass man es weit herum hörte. Bestellst du schon wieder ein Birchermüsli? Was suchst du?
Ich suche die Seite mit dem Nachtisch auf der Speisekarte. Das Büblein kräht ohne Unterlass.
Stoss mich nicht. Bevor du fortgehst, lösche das Kaminfeuer. Sabrina fehlte in der Schule,
aber geschwänzt hat sie nicht, es fehlte ihr wirklich etwas. An der letzten Ausstellung waren
die Bilder gar nicht gut gehängt. Im Frühling blühen die Bäume. Die Wiese ist gemäht.
(Dieser Satz kann wörtlich verstanden werden, er kann aber bedeuten «Die Sache ist
erledigt» oder «Den Profit haben andere schon gemacht».)
Übung 5 (zu Seite 49)
Wiederholung: Die Verben der zweiten Konjugation haben die Endung -isch in der zweiten
Person und -et in der dritten Person und im Partizip. Es gibt aber nicht wenige Verben, die
eine gemischte Konjugation haben, z. B. du luegsch, und auch er hät glueget und gluegt.
172
schprützisch, schprützt,
gschprützt
tänksch, tänkt, tänkt .
lupfsch, lupft, glupft
löschisch, löscht, glöscht
meesch, meet, gmeet
pfändsch, pfändt, pfändt
chüechlisch, chüechlet,
gchüechlet
gschäftisch, gschäftet,
ggschäftet
schpilsch, schpilt, gschpilt
rüeffsch, rüefft, grüefft
tischisch, tischet, tischet
hÖÖglisch, hÖÖglet, ghÖÖglet
leersch, leert, gleert
leersch, leert, gleert
glettisch, glettet, gglettet
blüesch, blüet, plüet
schtreelisch, schtreelet,
gschtreelet
redsch,redt,gredt
hübschisch, hübschet,
ghübschet
züglisch, züglet, züglet
gäinisch, gäinet, ggäinet
riblisch, riblet, griblet
läbsch, läbt, gläbt
büezisch, büezt, püezt
spritzen
denken
aufheben
löschen
mähen
pfänden
pfuschen
handeln
spielen
rufen
tischdecken
häkeln
lernen, lehren
leeren
bügeln
blühen
kämmen
sprechen
hübscher
werden
umziehen
gähnen
kräftig reiben
leben
nähen, flicken
hörsch, hört, ghört aufhören
ghöörsch,ghöört,gghöört hören
muurisch, muuret, gmuuret mauern
göissisch, göisset, ggöisset kreischen
schmöcksch, schmöckt, riechen,
gschmöckt schmecken
tunksch, tunkt, tunkt dünken
metzgisch, metzget,
gmetzget
föle, fülsch, gfölt
fuulisch, fuulet, gfuulet
fröisch, fröit, gfröit
sundigisch, sundiget,
gsundiget
schlachten
füllen
faulen
freuen
sonntäglich
kleiden
präichsch, präicht, präicht erreichen
suechsch,suecht,gsuecht suchen
Schwankend
tankschltankisch, tanket,
tanket danken
plaagschlplaagisch, plaaget,
plaaget quälen
gaumschlgaumisch, gaumet,
ggaumet hüten
schtuunschlschtuunisch,
schtuunet, gschtuunet staunen
suugschlsuugisch, suuget,
gsuuget saugen
Was hat diese Frau Übles angestellt (boosge)? Hat der Landvogt die Frau gebessert? Der
Bauer rechnete damit. Wie lange wässerst du die Fotografien? Ich habe sie nicht nur gewäs-
sert, ich habe sie auch getrocknet. Es ist kühler geworden. Der Vorrat reicht nicht mehr lange;
du sorgst (luege) für Brot und Käse. Für Milch habe ich schon gesorgt. Mein Hund streunt mir
zuviel herum; er ist ein Streuner (schtrieli). Warum weinst du? Ich bin umgefallen. Wie geht
es Frau Wyss? Nicht so gut, es ist eher schlechter geworden, sie ist abgemagert und muss die
ganze Zeit zum Arzt gehen. Sie stöhnt und jammert viel, sie dauert mich. Das Wetter ist besser
geworden; bei diesem Wind trocknet die Wäsche auch ohne Sonne. Warum bist du so feierlich
(sonntäglich) angezogen mitten in der Woche? Ich gehe an eine Hochzeit, eine meiner Nichten
heiratet. Was habt ihr wieder angestellt (chüechle)? Habt ihr eure Zeit vertan (blÖÖterle), statt
. zu arbeiten? Wie lange liegst du im Strandbad jeweils an der Sonne? Wer klopft an die Türe?
Es hagelte sehr, die unreifen Äpfel prasselten von den Bäumen (brägle). Herr Wurmann ist
Wirt in der «Krone». Du vertust (vertöörle) deine Zeit mit dummem Zeug (larifaari). Wir
sind froh, dass wir umgezogen sind. Die neue Wohnung hat keine Tapeten, alle Zimmer sind
getäfelt. Die Nachbarin hütet jedesmal unsere Kinder, wenn wir ausgehen. Es ist ihr schief-
gegangen (schlingge). Der Verein Schweizerdeutsch kümmert sich (luege) um die Mundart.
173
Übung 6 (zu Seite 56)
Wiederholung: Die Unterscheidung von betonten und unbetonten Personalpronomen hängt
davon ab, ob der Sprechende das Pronomen oder einen anderen Satzteil hervorheben will.
Etwas verwirrlieh ist die Verwendung von s und si. Das Pronomen es kann vor und nach dem
Verb als s auftreten. Das Pronomen si kann nur in der dritten Person Plural nach dem Verb
zu s reduziert werden: sind-s = «sind sie». Vor dem Verb muss es immer si heissen. Die dritte
Person Einzahl si (= die Frau) kann nie verkürzt werden (si hät und hät si).
Mit betontem Pronomen
Du warst es
Ich mache nicht mehr mit
Was du nicht sagst!
Von ihm habe ich das nicht erwartet
Von uns bekommst du nichts (überchoo)
Bei euch gibt es nichts zu lachen
Er ist immer guter Laune
Ihnen kann ich es sagen
Auf mich kann man sich verlassen
Ihr kannst du vertrauen
Von mir kann sie alles haben
Er verrät nichts (verraatet)
Dich frage ich nie mehr
Er denkt immer nur an sich
Wenn du gehst, gehe ich auch
Wenn wir und ihr zusammenarbeiten
Sie glaubt nur ihm
Dir helfe ich gern (hilfe)
Ich sage nicht wie
Wenn er dich ärgern kann, so tut er es
Ihm darfst du es nicht sagen (tÖÖrffsch)
Er gibt ihnen keine Chance
Mir glaubt das keiner
Sie kommt nie
Wenn sie kommt, so ...
Mit unbetontem Pronomen
Warst du es?
Heute mache ich mit
Was du gesagt hast, bringt uns nichts
Ich will nichts mehr von ihm
Wann schreibst du uns wieder?
Ich habe schon lange nichts von euch gehört
174
Ich habe mich auf dich verlassen
Wenn du mitkommst .. .
Glaube ihr nichts!
Willst du etwas von mir?
Er verrät dich schon nicht
Ich frage dich nichts mehr
Er gibt sich Mühe (müe)
Wenn du gehst, gehe ich auch
Kommst du mit uns?
Sie glaubt ihm alles
Wenn du willst, so helfe ich dir
Wie ich schon gesagt habe
Gell, das ärgert dich (gäU)
Sage es ihm (Reihenfolge: ihm es)
Wollen wir gehen?
Glaubst du es mir (Reihenfolge: mir es)
Ich hoffe, sie kommen bald (gly)
Kommt sie bald?
Weibliche Neutra
betont
Gertrud ist eine liebe (s Trudi)
Sie muss man einfach gern haben
Ihr glaube ich alles
Auf sie habe ich lange gewartet
Sie sah ich gestern
unbetont
Sie ist eine liebe
Man muss sie gern haben
Ich glaube ihr alles
Ich warte auf sie
Ich sah sie gestern
Ich bin mit ihm spazierengegangen. Mit ihm gehst du spazieren, aber um mich kümmerst du
dich nicht. Ihr müsst endlich einmal Ordnung machen; bei uns ist immer Ordnung, aber bei
euch sieht's traurig aus (dry). Was wollen Sie von mir? Ich will nichts von Ihnen, aber kann
ich mit den Herren von der Direktion sprechen? Wenn sie hier sind, können Sie mit ihnen
sprechen. Glauben Sie, dass sie fort sind? Man weiss nie recht, wo sie sind. Meistens sind sie
in der Fabrik drüben (äne). Haben sie denn viel zu tun? Ja, sie arbeiten in einem fort . Von dir
habe ich nette Geschichten gehört; wenn du dich nicht besserst, weiss ich nicht, was du
eigentlich denkst. War sie schon da? Nein, aber er war schon bei uns. Hat er euch keinen
(kän) Bericht gegeben? Nein, von ihm erwarten wir so etwas auch gar nicht. (Das) Anni lernt
jetzt Auto fahren. Der Vater hat es ihr endlich erlaubt. Ob sie (es) wohl lang braucht, bis sie
es gelernt hat? Ich glaube, für sie (es) ist es leicht, sie hat Energie.
Zur Erinnerung: Die Vokalverbindung ie bezeichnet immer einen Diphthong. Sprich lieb, schiebe,
niemer, nie wie wenn iä geschrieben stünde. Die Diphthonge ei und ou sind ja nicht wie deutsches ei
und au auszusprechen, sondern mit deutlich geschlossenem e und 0 in der ersten Hälfte: schreie,
truckerei, gschroue, boue.
Übung 7 (zu Seite 61)
Wiederholung: Es geht um die Unterscheidung zwischen starker und schwacher Adjektiv-
flexion. Diese bereitet den Ausländern auch beim Erlernen der deutschen Sprache erhebliche
Schwierigkeiten, und doch fallen die Fehler stark ins Ohr. Fehler wie «ein kleine Mann» oder
«die kleine Männer» wirken sehr störend. Auch im Schweizerdeutschen lohnt es sich, auf die
entsprechenden Regeln beim Lernen grosse Aufmerksamkeit zu verwenden.
ein roter Rock die dunklen Nächte keine wichtige Sache
ein neues Kleid ein goldenes Kettchen meine junge Katze
eine junge Frau das goldene Kettchen mein neues Kleid
ein kleiner Bub die goldenen Ringe mein guter Freund
ein kleines Mädchen goldene Ringe meine alte Tasche
kleine Buben in einem neuen Kleid meine alten Eltern
mit kleinen Buben mit neuen Hüten bei meinen alten Eltern
der rote Rock (jupe) von einer alten Frau von meinem guten Freund
die junge Frau neue Kleider von meiner guten Freundin
der kleine Bub grosser Gott das trockene Leibchen
das kleine Mädchen du liebe Zeit trockenes Wetter
die kleinen Buben du herziges Käferchen trockene Witze
eine frühe Kirsche (n.) mit einem kleinen Hund auf trockenen Strassen
ein früher, Gast kleine Hunde die gestohlene Brieftasche
ein frisches Hemd im gros sen ganzen der unterschriebene Vertrag
ein neuer Fernseher ein altmodisches die unterschriebenen Briefe
eine ebene Fläche Schneiderkleid ein offenes Fenster
ein dunkles Bier kein alter Hut das offene Fenster
das dunkle Zimmer kein einziger Franken bei einem offenen Fenster
die dunkle Nacht kein gutes Haar bei offenem Fenster
175
der zufriedene Gast
ein zufriedener Gast
zufriedene Gäste
ein zufriedenes Gesicht
gesunde Leute
die gesunden Leute
Bekannte
meine Bekannten
ein Deutscher
eine Deutsche
ein Lediger
eine Ledige
die Ledigen
Ledige
ein geschiedener Mann
eine geschiedene Frau
ein geschiedenes Paar
Übung 8 (zu Seite 65)
der geschiedene Mann
die geschiedene Frau
das geschiedene Paar
geschiedene Leute
bei den Geschiedenen
der Obdachlose
ein Obdachloser
Obdachlose
bei den Obdachlosen
bei hellem Licht
bei einem geschiedenen Mann in dunkler Nacht
ein Geschiedener
eine Geschiedene
die Geschiedenen
radikale Politiker
die Radikalen
ein beförderter Beamter
beförderte Beamte
die beförderten Beamten
ein Gefangener
eine Gefangene
die Gefangenen
aus puurem Ärger
ich dummer Esel
mir armem Tropf
in trüber Stimmung
bei gutem Humor
bei guten Kollegen
etwas Neues
nichts Gutes
kein lebender Mensch
keine lebende Seele
kein lebendes Tierchen
Wiederholung: Man lasse sich nicht verleiten, in Analogie zum Deutschen «mynem» zu sagen
anstelle von mym (ebenso dym und sym). Im übrigen ist zu beachten, dass die deutschen
Formen auf -ig (der meinige usw.) keine Entsprechung haben. An ihrer Stelle verwendet man
andere Konstruktionen.
mein Bruder (brüeder)
meine Mütze (chappe)
mein Fernseher (rernsee)
unser Direktor (tiräkter)
eure Schokolade (schoggi)
ihr Hahn (güggel)
ihre Hübschheit (hübschi)
ihre Puppen (bääbi n.)
unsere Kirschen (chriesi)
meine Bratkartoffeln (rööschti)
sein Lohn (100)
dein Taschentuch (naastuech)
seine Pantoffeln (linke)
seine Fahrkarte (bileet n.)
unsere Brötchen (weggli)
unser Kätzchen (büsi)
mit ihrem Kreisel (suri)
auf meinem Fahrrad (velo)
mit unserem Dackel (taggel)
bei eurem Nachbarn (naachber)
176
an seinem Schnurrbart (schnauz)
mit deinem Kohl (chabis)
in seinem Rückentragkorb (chreeze)
in ihrem Waschkorb (wöschzaine f.)
bei unserer Hauswirtin (huusmäischteri)
auf eurer Eisbahn (schlym)
in ihrem Apfelkuchen (öpfelweee)
auf meinem Pferd (ross)
in seinem Kahn (wäidlig)
mein neuer Wagen
deine schwarze Mütze
sein braunes Pferd
ihr grünes Kleid
unser neuer Direktor
euer gestohlenes Fahrrad
unsere gute Schokolade
meine kleinen Kinder
bei meiner alten Tante
unsere scharfe Sense (sägisse)
ihr böser Dackel
unsere frischen Brötchen
seine ungültige Fahrkarte
auf ihrem braunen Pferd
bei unseren lieben Freunden
in unseren warmen Pantoffeln
mit ihrem süssen Gugelhopf (gugelupf)
der meinige
das ihrige
die unsrige
der eurige
das seinige
die seinige
der ihrige
das unsrige
die eurige
Das Pferd gehört mir
Der Dackel gehört dir
Die Schokolade gehört ihm
Das Kätzchen gehört ihr
Die Brötchen gehören uns
Der Gugelhopf gehört euch
die Kleider gehören ihnen
Meine Uhr geht vor; was hast du für Zeit auf der deinen? Meine geht auch ein wenig falsch
(spint echli). Wessen (wem sein) Hund ist das? Meiner ist es nicht. Gehört er nicht dir (ist er
nicht deiner)? Ich glaube, er ist ihm oder ihr. Euer Hund hetzt immer unsere Katze. Die
Redaktion sandte ein Zirkular an ihre Mitarbeiter. Frau Brändli macht Einkäufe für ihre
Familie. Der Vater geht mit seinem Sohn und seiner Tochter spazieren. In unserer Familie
gibt es bald eine Hochzeit. Mein neues Mofa ist schon entzwei; hast du mehr Glück mit
deinem? Dein kleines Hündchen ist heute fast unter ein Auto gekommen. Unser hiesiges Obst
ist konkurrenzfähig. Eure modeme Treppenhausbeleuchtung gibt ein schönes Licht. Ihr
Ski stock ist zerbrochen. Sie bezaubert alle Welt mit ihrem freundlichen Wesen. Schauen Sie
unsere Schaufenster an! Unsere neuen Modelle sind gestern gekommen. Lassen Sie Ihre
Sorgen zu Hause und kommen Sie zu einem lustigen Abend in unser Cabaret!
Zur Erinnerung: Wenn ein Vokal nicht verdoppelt geschrieben wird, ist er kurz auszusprechen. Viele
W öfter unterscheiden sich hierdurch deutlich von ihren deutschen Entsprechungen: hebel, gable,
hole, bode, hase, gresli.
Übung 9 (zu Seite 71)
Wiederholung: Gleich wie das Deutsche und das Lateinische unterscheidet das Schwei-
zerdeutsche bei den Präpositionen des Ortes das Verweilen und die Richtung. Auf die
Präpositionen des Verweilens folgt der Dativ, auf jene der Richtung der Grundfall, z. B. ich
bin im huus; ich gaanen i s huus. Sehr zu beachten ist die Verschmelzung von Präpositionen
mit dem Dativ des unbestimmten männlichen Artikels. Hier tauschen das Binde-n und das m
des Artikels den Platz, also amene, imene, bimene, zumene und nicht «aneme»!
In der Tiefe war es dunkel
Der Hund rannte in den Hof
Sie wollte den Mann in die Trülli sperren
Die Maus schlüpfte ins Loch
Am 1. Mai gibt es einen Umzug
An der Weinbergs trasse hat es ein paar Hotels
Ich schrieb einen Brief an den Präsidenten
Wir waren auf dem Bachtel
Wir waren auf der Forch
Wir fuhren auf den Üetliberg
Wir stiegen auf die Lägern
Wir wanderten auf das Albishorn
Unter dem Apfelbaum lag Fallobst
Unter der Tanne liegen Nadeln
Ich legte die Geschenke unter den
Christbaum
177
Sie stellten eine Leiter unter die Linde
Die Katze kroch unter das Fass
Über dem lag Nebel
Über die Brücke donnerte ein Zug
Das Wasser fliesst unter der Brücke
Sie schwamm bis unter die Brücke
Vor dem ersten Schnee machten sie den
Schneepflug bereit (schnüüze paraad)
Vor der Weihnacht gibt es viel zu tun
(wienecht)
Er stand vor dem Orchester
Er stellte sich vor das Orchester
Sie wurden vor den Rektor zitiert
Sie hatten Angst vor dem Rektor
Stell dich nicht vor die Aussicht
In einem Lagerhaus stand das gestohlene
Fahrrad
Sie ging in einen Laden
Sie ging in ein Geschäft
Sie ging in eine Molkerei (molki)
An einem schönen Tag geschah es
An einer Kirchweih ist es lustig (chilbi)
Ich schrieb an einen hohen Beamten
Ich schrieb an eine Behörde
Neben dem Bahnhof ist das Landesmuseum
Hinter dem Museum ist der Platzspitz
Ich schrieb an ein städtisches Amt
Es hatte Salat auf einem Beet
Auf einer Tafel stand ein Verbot
Sie stiegen auf einen Berg
Sie kletterten auf eine Fluh
Sie blickten auf ein Seelein hinab (abeluege)
Wenn zwei unter einem Dach leben müssen
Unter einer Decke stecken (tecki)
Es versteckte die Puppe unter einem breiten
Kissen (pfulme m.)
Sie legte den Film unter eine Glasplatte
Das Kind kam unter ein Auto
Er sass über einem Haufen Dokumente
Der Ballon blieb über einer Stadt stehen
Ich bin über eine Schwelle gestolpert
(stüürchle)
Wir sprachen über ein Buch (rede)
V or einem Rotlicht anhalten
Vor einer Schranke gab es einen Stau
(barieere)
178
Sie wurden vor eine Schlichtungs stelle
aufgeboten
Sie kamen vor ein Gericht
Der Schein klebte hinter einem Bild
Die Souffleuse stand hinter einer Kulisse
Der Maikäfer flog hinter einen Vorhang
N eben einer Autobahn ist viel Lärm (-ee-)
Neben eine Autobahn darf man keine Häuser
bauen
Vom ersten Januar an
Ich bin binnen einer Woche fertig
Sie lachten über (ab) ihn
Jenseits des Zürichbergs
Mitten in der Stadt
Wir gingen der Limmat entlang
Oberhalb der Seilbahn beginnt der
Wald
Unterhalb der Universität liegt die Stadt
Innerhalb eines Zeltes darf man nicht
rauchen
Hinten an der Fahrkarte hat es Reklamen
Vorne am Auto sind die Scheinwerfer
Wir gehen nach China
In Peking gibt es viele Fahrräder
In Japan produzieren sie elektronische
Geräte
In Wollishofen steht die Rote Fabrik
In Stettbach kommen Tram und S-Bahn
zusammen
Durch den Gotthard kommt man in das
Tessin
Zwischen der ETH (poli) und der Universität
(uni) geht eine Strasse durch
Zwischen der Limmat und der Sihlliegt der
Bahnhof
Während der Woche gehe ich nie aus
Er steht neben dem Hauptmann (haupme)
Er stellte sich neben den Hauptmann
Wegen der Lawinengefahr war die Piste
gesperrt
Dem Bach entlang wachsen Weiden
Jenseits des Rheins liegt Kleinbasel
Seit langem ist es still um ihn
Ich war zu Gast bei ihm
An einem Feiertag sind die Läden zu
Meinetwegen kannst du bleiben
Bei uns gibt es nichts Derartiges
Geh zu ihm, nicht zu ihr
Gib es zu, mir kannst du es sagen
Übung 10 (zu Seite 78)
Heut morgen war ich bei ihm
Mit dir muss ich noch ein Wörtchen reden
Sei lieb, komm zu mir
Wiederholung: Das Schweizerdeutsche besitzt keinen Wesfall (Genetiv), man umschreibt ihn
entweder wie im Französischen mit einer Präposition (meistens vo) oder mit einem
possessiven Dativ: das Haus des Präsidenten = em presidänt sys huus. Diese Konstruktion
ist sehr häufig, und man muss sich mit ihr gut vertraut machen.
die Verhandlungen des Nationalrats
die Sitzung des Gemeinderates
die Schulden des Bundes
der Einfluss des Welschlands
der Flugplan der Swissair
die Geschwindigkeit des TGV
der Prototyp einer Lokomotive
wegen des Ausbaus des Strassennetzes
in der Nähe des Sees
die Länge der Tagesschau
der Empfang des Satellitenfernsehens
die Neuauflage des Zürichdeutschen
Wörterbuchs
die Grammatik des Schweizerdeutschen
die Direktion des Schauspielhauses
die Geschichte unserer Wohnungssuche
das Geheimnis der Küchenfee
der Nährwert einer Tasse Schokolade
die Lebensdauer einer Batterie
die Abfuhr des Mülls
der Stabschef des Stadtpräsidenten
beim Stabschef des Stadtpräsidenten
die Chefin meiner Schwester
Herrn Frühs Haus
das Kleid der Frau Bühler
die Soldaten des Hauptmanns
mit den Soldaten des Hauptmanns
Monikas Mann
zu Monikas Mann
EIsis Kätzchen
wegen EIsis Kätzchen
der Hahn der Haushälterin
die des Lehrlings
während der Abschlussprüfung
des Lehrlings
der Geburtstag der Mutter
am Geburtstag der Mutter
die Hubschrauber der Rettungsflugwacht
Wessen Haus ist das? Im Haus des Herrn Früh hat es gebrannt. Von der Chefin meiner
Schwester habe ich Nachricht bekommen. Fredis Frau ist eine Blondine. Bei Fredis Frau
bekamen wir Tee und Gebäck. Von Sandras Bräutigam habe ich nur Gutes gehöft. Wegen des
Hahns der Haushälterin gibt es Streit. Am Kleid der Frau Bühler ging eine Naht auf. Im Büro
des Direktors steht ein neuer Personalcomputer. Die Redaktion der NZZ ist in der Nähe des
Bahnhofs Stadelhofen. Die Organisation des Sechseläutenumzugs gibt viel Arbeit. Mit dem
Lehrmädchen unseres Malermeisters hatten wir eine Auseinandersetzung. In dessen Haut
möchte ich nicht stecken. Der Beitrag der Sponsoren lässt auf sich warten. Die Gemeinderäte
der Stadt Zürich haben Sitzung am Mittwoch. Ein Pilot eines Hubschraubers sah die
Verunglückten zuerst. Die Reparatur der Brücken der Nationalstrassen kostet viel Geld. Die
Vorschläge des Prokuristen waren besser als diejenigen des Direktors.
179
Übung 11 (zu Seite 84)
Wiederholung: Als Umlaut von a tritt nicht nur ä auf, sondern auch e, e und öö. Das spielt
bei der Pluralbildung eine Rolle. Besondere Pluralbildungen sind auch bei Wörtern mit
vokalischer Endung zu beachten.
Pass auf, an diesem Brett stehen noch einige Nägel vor. Die Apparate sind beim Sturz leider
entzwei gegangen: Drähte, Haken und Späne waren in einem Durcheinander. Bei einer
Hochzeit wollen alle Verwandten dabei sein: die Mütter und die Väter, die Schwestern und
die Brüder, Onkels und Tanten. Wir müssen euch noch die Schlüssel für das Ferienhäuschen
geben. Hasen und Rehe sind Wild, das die Jäger jagen dürfen. Redaktorinnen sind manchmal
auch gerade noch Fotografinnen. Früher hatten die reicheren (meebessere) Familien in den
Villen mehr als ein Dienstmädchen, dazu noch eine Köchin; die Waschfrauen und die
Büglerinnen kamen noch zusätzlich (äxtra) dazu: Heute haben sie manchmal nicht einmal
eine Stundenfrau, und Dienstmädchen sagt man auch nicht mehr; es heisst jetzt
Hausangestellte. Die Schüler bekamen am Deutsch-Abitur drei verschiedene Themen zur
Auswahl. Lass dich nicht auf die Äste hinaus! Wenn die Abende schön waren, sassen wir
jeweils (amigs) noch lange draussen. Es gibt nicht nur Pfarrer in den Kirchen, auch die
Spitäler haben (amigs an dieser Stelle wäre im Deutschen nicht zu übersetzen) eigene Pfarrer
oder Pfarrerinnen. Die Kurgäste bekamen in sieben Tagen sechs Bäder, und dazu tranken sie
alle Tage einige Gläser von jener Quelle. Bei dieser Kälte begann es plötzlich (auf einmal) zu
schneien, auf den Strassen war eine Glätte, und die Räder drehten sich nur noch leer
(schpuele). Wie angeworfen hatte ich einen Hexenschuss, und auch sonst taten mir alle
Glieder weh. Komm, wir braten Kartoffeln, dazu machen wir einen kleinen Salat, und dann
trinken wir Kaffee mit Schnaps, und so gibt es noch einen ganz (beachte die Stellung von
«ganz») gemütlichen Abend.
Übung 12 (zu Seite 90)
Wiederholung: Es gibt nur zwei Demonstrativpronomina: dee, die, daas für dieser und de
säb, di säb, säb für jener. Oft wird dee mit daa und deet kombiniert. Das Relativpronomen ist
immer wo.
Diese Brücke heisst Bahnhofbrücke. Diesen Besuchern gefällt Zürich. Jener Kirchturm gehört
zum Fraumünster. Das glaube ich auf keinen Fall. Dieses höre ich gern, jenes dünkt mich
eigenartig. Dieses hier kannst du haben, das dort behalte ich selbst. Auf jene Freunde kannst
du dich verlassen. In jenem Land wachsen keine Bananen. Von dieser Frau habe ich eine
lustige Geschichte gehört. Der da kann mir gestohlen werden. In jener Stadt sind die Steuern
am höchsten. Mit diesem Geld kann man leben. Jenes grosse Haus ist die Börse. Dieser Mann
und jene Frau sind gestern angekommen. Das bindest du mir nicht auf. Von jenem Mann
bekam ich zwei Äpfel geschenkt. Ihr seid verbohrte Lokalpatrioten, das muss man sagen.
Nein, das ist nicht wahr. Doch, von dem bringt ihr mich nicht ab. Diese Leute da können es
mir bestätigen. Jener Berg ist der Üetliberg. In dieser Kirche bin ich getauft worden. Mein
kleiner Hund ist mein bester Freund; der geht immer mit mir. Diese Blumen habe ich selbst
gezüchtet (zoge), und jene Bäume bekam ich vom Gärtner, als sie noch ganz klein waren. Die
da kann man vielleicht noch einmal brauchen, aber die dort wollen wir fortwerfen. Mit denen
180
da kann man wahrscheinlich nicht mehr viel anfangen. Das da ist das Haus, in dem (wo)
Gottfried Keller als Knabe gewohnt hat. Der, der die Fensterscheibe eingeschlagen hat, ist
erwischt worden. Die Kirschen, die ich von dir bekommen habe, haben mir gut geschmeckt.
Von dem, der dir schmeichelt, musst du nichts Gutes erwarten.
Übung 13 (zu Seite 95)
Wiederholung: Indefinitpronomen nennt man Fürwörter, die verallgemeinern oder aus-
schliessen, wie «jedermann», «etwas», «alles», «nichts». Besonders zu beachten ist öppis,
das in verschiedenen Funktionen auftritt, nie aber die Bedeutung von «ein wenig» annimmt,
an dessen Stelle steht echli.
Eines muss ich dir sagen
Das ist eine, die ich nicht mag
Einer allein (Binde-n nicht vergessen)
Ich sprach erst mit einem
Einer ist dagegen
Mit so einer kann man nicht auskommen
So etwas zieht (läit) keine an
Keine Verkäuferin war da
Ich habe keine gesehen
Ich sprach mit keiner
Nimm eines oder keines
Mit vielem war er nicht zufrieden
Mit allem war er einverstanden
Erzähle mir etwas
Gib mir etwas Brot!
Etwas Ärger muss man in Kauf nehmen
Mit welchen Leuten verkehrst du?
Von solchen will ich nichts wissen
Was für ein Mensch ist er?
Ich kenne keine
Ich kenne einige
Kein Stück ist am Lager
Mancher meint, er wisse es besser (wüssi)
Jemand klopft ans Fenster
Ich höre nichts
Aus nichts wird nichts
Niemand ist draus sen
Ich erwarte niemanden
Wir sprachen von nichts
Mit etwas muss man rechnen
Jede Behauptung ist falsch
Von jedem etwas
Alle lachten laut
Vieles lief schief
Was für einer ist er?
Was für eine Übung machst du?
Hier sind einige Birnen
Welche willst du?
Es waren etwa hundert
Es ist zirka null Grad
Es wurde etwas wärmer
Wir haben noch etwas Öl
Es dauerte etwas lange
So etwas gibt es nur einmal
Er streitet mit jedem
Mit jemandem hatte er Streit
Einen solchen Stoff finden sie nirgends
(niene)
Mit was für einem Mann sprachst du?
Von so einer darfst du nichts annehmen
Warte ein wenig!
Das Kleid ist etwas zu lang
Schenk mir etwas!
Alle waren der Meinung, dass das Fest sehr schön war; niemand hatte etwas auszusetzen
daran. Was für eine Schokolade hast du am liebsten? Ich habe jede gern. Er ist ein zufriedener
Mensch; er hat mit niemandem Streit und hat an nichts etwas auszusetzen. Jeder hat ihn gern.
Wenn du an etwas keine Freude hast, so gibst du dir auch keine Mühe. Was für welche waren
dort? Solche und solche. Mit so einem Mann kann man nicht zusammenarbeiten. Bei so einer
181
misslichen (traurigen) Reklame kann man keinen Erfolg erwarten. Da sind zwei Äpfel;
welchen willst du? Ich will keinen solchen, ich will lieber so einen, wie (wo) du im Keller
hast. Ich habe es allen gesagt, aber keiner hat sich gerührt (en mux taa). Dreissig (dryssg)
Lose habe ich gehabt, und kein Stück hat etwas gewonnen (ggune); so ein Pech, ich beteilige
mich an keiner Lotterie mehr. Ich mache auch schon lange an keiner mehr mit. In welcher
hast du dein Glück versucht? In verschiedenen. Es gab eine solche Aufregung, dass niemand
etwas verstand.
Übung 14 (zu Seite 103)
Wiederholung: Bei den ablautenden Verben gibt es sehr viele Parallelen zwischen Deutsch
und Schweizerdeutsch. Um so mehr muss man auf das achten, was verschieden ist, so auf den
Vokal in der ersten Person der Reihen 4a und 5 (ich schtile, ich hilffe, ich triffe und ich isse,
ich vergisse, ich lise) und auf das Unterbleiben des Umlauts im Singular der 6. Reihe (du
gfalsch, du faarsch, er haltet, si braatet, er grabt). Einige Partizipien mit dem Stammvokal
-u-, wo das Deutsche ein -0- hat, merke man sich auch besonders (ghulffe, gschwule,
gschmulze, ggulte, gschpune, psune).
Sie sprangen auf den Hügel und winkten, bis das Schiff verschwunden war. Das Geld reute
ihn, das er bei der Teilnahme an Lotterien verlor (mit nur einem Wort zu übersetzen). Die
Aufführung gelang, weil alle mithalfen. Das Kindchen schrie schon am Morgen, jetzt schreit
es wieder. Dieser Junge sauste davon, wie wenn er gestohlen hätte. Ich wette, dass wir das
Spiel gewinnen. Du spinnst ja. Warum soll das gesponnen sein? Letztes Jahr gewannen wir
auch. Zuerst schliff sie das Messer, dann schnitt (haue) sie ein Brötchen entzwei, dann strich
sie die Butter auf die innere Seite und häufte eine Menge Bauernschinken drauf. Wie lange
liefst du herum, bis du den richtigen Weg fandest? Der Rehbock stösst seine Hörner ab. Der
See gefror schon lange nicht mehr, auch die Gletscher gehen zurück (schwyne). Mein
Kollege fährt jeden Tag an meiner Wohnung vorbei in die Stadt, aber er lädt mich nie ein
mitzufahren. Schwimmst du heute nachmittag mit mir über den See? Nein, ich schwamm
gestern hinüber und bin noch müde, aber ich komme ein anderes Mal wieder mit, ich
verspreche es dir. Ich schlüpfte nur schnell in die Kleider und rannte aus dem Haus. Wieviel
gilt der Dollar heute? Es hiess, niemand habe (heb) ihm in seinem Unglück geholfen. Zuerst
schimpfte der Langweiler nur, aber dann machte er sich davon (haue). Die letzte Fasnacht
war kein Erfolg (haue), aber sie schlägt (rage) in Zürich ohnehin nie ein. Du bist nicht der
einzige, der das kalte Wasser scheut. Isst du alles alleine auf? Die Sonne schien gestern nur
eine Stunde. Ich messe sogleich das Fieber. Issest du gerne Fisch? Es gab Gesottenes und
Gebratenes. Da scheute - meine ich - jemand die Arbeit; das ist eine Pfuscherei. Ich vergesse
die neuen Wörter immer wieder.
Zur Erinnerung: Jedes e in betonter Silbe ist geschlossen auszusprechen, auch wenn es kurz ist.
Reder, schtedtli, bewege mit kurzem geschlossenem e (französisches e).
182
Übung 15 (zu Seite 109)
Wiederholung: Es ist zu beachten, dass weerde sowohl für den Ausdruck der Vermutung wie
für das Passiv gebraucht wird, nicht aber für die Zukunft, ferner dass Präsenspartizipien
möglichst zu vermeiden sind, dass trääge, säge, legge unregelmässig konjugiert werden und
dass die Perfektpartizipien von «rennen», «brennen», «kennen», «denken» gränt, pränt, känt,
tänkt lauten.
Machst du nächstes Jahr wieder so lang Urlaub? Ich komme, vermute ich, nicht dazu. Als er
ging, atmeten alle auf. Sie tranken siedend heissen K ( ~ J f e e . Sie legten die Spaghetti in
kochendes Wasser. Ich gehe heute nachmittag in die Stadt, um Besorgungen zu machen; ich
komme deshalb erst spät nach Hause. Sei so gut und kaufe gerade etwas für das morgige
Mittagessen. Gestern, als ich ausging, traf ich einen alten Bekannten; dieser schleppte mich in
ein Cafe, und als wir herauskamen, waren schon alle Läden geschlossen. Was ziehst du an?
Bei diesem Wetter frierst du, wenn du nicht warm angezogen bist. Als der Plan publiziert
worden war, traf keine einzige Einsprache ein (choo). Klopf leise ans Fenster! Stell dich
gerade hin! Wer wird so etwas glauben! Du wirst nicht recht aufgepasst haben. Sie wendete
den Wagen auf einem Kehrplatz. Komm schauen! Ich werde den Brief auf die Post bringen,
nachdem (wänn) ich den Mantel angezogen habe. Sie lachte und zahlte es ihm zurück
(umegee). Setze dich! Ich war noch nicht aufgestanden, als der Briefträger (pöschtler)
läutete. Er pfiff und ging aus dem Zimmer. Kommst du auch an unser Fest? Ich glaube, ich
kann nicht, ich habe keine Zeit. Sie winkten immer noch, nachdem das Schiff schon lange
verschwunden war. Er war zornig. Man nannte ihn den «Oberjehu». Du legst glühende
Kohlen auf meinen Kopf. Wenn ihr endlich kommen werdet, werden die meisten Leute schon
gegangen sein. Gesagt ist gesagt, das Wort gilt (hier gilt, nicht giltet). Es wird einen kalten
Winter geben. Es wird nicht wahr sein. Sie trägt schwer an ihrem Schicksal. Wie heissest du?
Ich heisse Konrad. Wie rufen (säge) sie dir? Sie rufen mich Chueri. Ich habe den ehemaligen
(früener) Direktor noch gekannt, aber er gehörte nicht zu meinen Bekannten. Bist du den
ganzen Weg gerannt? Was denkst du, ich nahm ein Taxi, da kennst du mich schlecht.
Übung 16 (zu Seite 115)
Wiederholung: Es gibt eine Reihe von unregelmässigen Verben, die den Charakter des
Schweizerdeutschen sehr wesentlich prägen. Einige unterscheiden sich in der Bedeutung von
den deutschen Entsprechungen, so laa, möge, gee. «bekommen» gibt es nicht, und bei den
sogenannten Hilfsverben «wollen, sollen, können, müssen, dürfen, kommen, mögen, werden»
gibt es keine Perfektpartizipien mit g- Vorschlag.
Ihr könnt es mitnehmen
Ich muss Einkäufe machen
Komm schnell!
Ich habe es schon gewusst
Ich konnte einfach nicht
Du darfst auch mitkommen
Wir müssen aufpassen
Wollen wir gehen?
Die Bäume schlagen aus
Er hat es gewollt
Müssen wir ihn mitnehmen?
Gebt Ruhe!
Das verdriesst mich (möge)
Er wurde krank
Es ist ihm etwas passiert (gee)
Sie mochte nicht
183
Da kannst du lachen
Wir wissen es
Er will Schreiner werden (gee)
Der Ast brach ab (Iaa)
Er bezwang ihn (möge)
Wir mussten helfen
Ich ziehe morgen aus
Kommt ihr auch?
Du musst sie machen lassen
Lass das sein!
Ich nehme ein Glas Wein
Ich gebe nichts darauf
Sehr ihr es?
Ich sehe nichts
Sie ziehen kräftig (fescht)
Sie wollte nichts gesehen haben
Wenn es sich machen lässt
Ich überlasse dir das Aufräumen
Ihr bekommt eine Strafe
Sie bekam einen Apfel
Ich liess diese Sache auf sich beruhen
Die Uhr schlägt 12 (zwölfi)
Dafür sollst du zu deinem Recht kommen. Darfst du auch an den Umzug kommen? Nein, ich
muss zu Hause bleiben. Was ist passiert? Weiss es niemand von euch? Wir alle wissen nichts.
Ich schlage vor, dass wir auf die Waid gehen. Schlägst du etwas anderes vor? Schlagt ihr alle
zusammen nichts anderes vor? Gut, so gehen wir. Lass doch deinen Hund zu Hause, wenn wir
ihn mitnehmen, so lässt er uns nie für uns (la sy); man kommt zu keinem ruhigen Gespräch.
Er muss eben auch hinaus. Was willst du werden? Ich weiss es noch nicht, ich muss es mir
(mir es) noch ein paarmal durch den Kopf gehen lassen. Man soll nicht nur an sich denken.
Nicole durfte nicht mitkommen. Komm, wir gehen an den Match! Siehst du, wie sie boxen?
Schau, jetzt zieht der eine kräftig los, ich glaube, er bezwingt (möge) den anderen, ja, jetzt
schlägt er ihn knockout. Ich schaue nicht gerne zu, wenn sie einander vermöbeln (verschlaa).
Komm du lieber mit ins Theater. Ich komme gern, wenn sie etwas Rechtes geben. Also, ich
nehme zwei Karten (bileet), wie es sich eben ergibt. Dieses Hemd ist schon ziemlich
fadenscheinig, ich glaube, es zerreisst (laa) bald. Dann nimm eben ein anderes, du kannst
dieses gerade in die Müllabfuhr geben.
Übung 17 (zu Seite 120)
Wiederholung: Im Gegensatz zum heutigen Deutsch ist der Konjunktiv im Schweizer-
deutschen keine notleidende Verbalform; ganz im Gegenteil. Eine Schwierigkeit beim
Übersetzen ergibt sich daraus, dass der Konjunktiv Präsens im Deutschen mit wenigen
Ausnahmen nur in der dritten Person Einzahl erkennbar ist, Beispiel Indikativ «er singt»,
Konjunktiv «er singe». Um den Konjunktiv dennoch auszudrücken, greift man im Deutschen
auf den Konjunktiv der Vergangenheit. Man sagt dann zwar «dass er komme», aber «dass wir
kämen». Der Konjunktiv der Vergangenheit dient aber im Schweizerdeutschen ausschliesslich
zum Ausdruck des Konditionals. Dieser wird in der nächsten Lektion behandelt. Etwa die
Hälfte der folgenden Übungssätze sind im Deutschen solche «falschen» Konjunktive. Man
lasse sich nicht in die Falle locken:
, wir könnten die Aktien
kaufen
, es gebe Schnee
, sie möchten nicht mehr
, er wisse nichts davon
184
, dass wir uns geschlagen
gäben
, sie salze die Speisen zu sehr
(z fescht)
, sie sehe immer schlechter
aus
, sie sähen immer schlechter
aus
, es geschehen täglich
Wunder
, das schlage dem Fass den
Boden aus
, sie schlügen ihn zum
Kassier vor
, es komme nicht darauf an
, es kämen noch mehr
Zuschauer
, er ziehe einen ruhigeren
Ort vor
, sie zögen Ostschweizer
Weine vor
, der Hund beisse sofort
, die Kinder scheuten das
Wasser
, der Regen komme bald
, das Gesetz werde geändert
, die Zeit laufe ihm davon
, ich könne ihm gestohlen
werden
, wir kämen auch noch dran
, wir hätten zuviel Öl
gebraucht
, die Uhren liefen zu schnell
, die Uhren gingen vor
, wir gäben zuviel aus
, die Bäume liessen sich
nicht heilen
, du wollest verzichten
, die Kirchenglocken
schlügen zu laut
, er lasse sich das nicht
gefallen
, sie lies sen die Hunde auf
sie los
, er machte nicht mehr mit
, er müsse darauf
zurückkommen
, sie müssten darauf
zurückkommen
, sie koche gern
, wir vergässen zu schnell
, die Tabletten täten ihm gut
, der Tee tue ihm gut
, die Preise schlügen auf
, er habe zuwenig Kleingeld
, wir hätten ihn angelogen
, wir müssten es zugeben
, das Eis schmelze bald
, wir grüben zu tief
Man erzählt, der Teufel habe die erste Reuss-Brücke gebaut, die Einheimischen seien nicht
im stand gewesen, sie allein zu bauen. Der Teufel habe gesagt, er baue die Brücke, wenn er
den ersten bekäme, der darüber gehe. Der Knabe schimpfte, er dürfe nicht mitkommen, seine
Mutter erlaube es ihm (ern s) nicht, aber das nächste Mal laufe er einfach davon, wenn es ihm
wieder verboten werde. Der Beamte der Strassenbahnen (trämler) wollte schauen, was los
sei. Mein Freund fragte, ob du auch kommest. Die Angehörigen fragten, ob sie den Patienten
besuchen dürften. In seinem Votum sagte der Redner, man dürfe die Wasserkräfte der
Schweiz nicht noch mehr ausbeuten, es gebe ja bald kein fliessendes Wässerlein zu sehen,
heute komme es drauf an, dass man sich um die Naturschönheiten kümmere. Sei dem, wie
dem wolle, mir ist alles gleich. Es hat uns sehr gewundert, wer wohl bei den Stadtratswahlen
überzählig werde (usefuule). Der Föhn solle nicht mehr lange andauern (hebe). Der Polizist
sagte den Kindern, sie müssten zuerst nach links schauen, wenn sie über die Strasse gingen.
In der Anklage stand, der Delinquent sei schon einige Male wegen Verkehrsdelikten verurteilt
worden, er habe einmal eine Stoppstrasse überfahren, dass es einen Unfall gab (tätsche), er
habe die Geschwindigkeitsgrenze auf einer Nationalstrasse überschritten, und einmal habe er
zu viele Promille gehabt.
Zur Erinnerung: Man halte die drei verschiedenen e-Laute gen au auseinander:
e geschlossen, zum Beispiel: hebe, tecke, schnee
e offen wie französisch e: dem, chrenker, leerme
ä überoffen: räge, gält, blääch
185
Übung 18 (Seite 126)
Wiederholung: Die häufigen unregelmässigen Verben haben ausgeprägte Formen für den
Konditional. Die sogenannten stark flektierten Konditionale wie ich «flöge, sänge, schliefe,
böte, schlüge» haben im Schweizerdeutschen keine Entsprechung. Ein besonderer Fall ist
miech für «ich würde machen».
Es käme aufs Wetter an
Wen ich es nur könnte
Ich wäre auch mit weniger zufrieden
Ich sollte die Steuern noch bezahlen
Sie dürfte sich mehr Mühe geben
Ich liesse so etwas nie zu
Ich hätte das schon lange aufgegeben
Die Karosserie dürften sie einmal flicken
Im Hotel schliefe ich besser als im Zelt
Es würde mich freuen
Man sollte es meinen
Ich würde meinen, man sollte das
Traktandum verschieben
Ich wüsste einen besseren Rat
Ich nähme mir ein Beispiel an ihm
Ich würde es anders machen
Das täte mir wohl
Ich hätte gern eine Schale Gold
Würden sie mir noch einen Zucker bringen
Ich gäbe tausend (tuusig) Franken dafür
Du würdest dich wundern, wenn du ihn
sähest
Ich müsste ja lachen, wenn das passierte
Es würde nichts machen, wenn der Frühling
früher käme
Wenn das Thema am Fernsehen käme, würde
ich auch schauen
Wenn es am Fernsehen gekommen wäre,
hätte ich geschaut
Wenn du wolltest, könntest du
Wenn es ginge, käme ich auch und
machte mit
Ich würde gern wieder einmal ins Wallis reisen Es würde mich reuen, wenn ich es verlöre
Wenn du mehr gearbeitet hättest, hätten wir jetzt ein eigenes Geschäft. Ich hätte ja doch nicht
genug Geld gehabt, und mit einem Teilhaber wollte ich nicht wirtschaften. Ich habe dir ja
schon lange gesagt, du solltest einmal meinen Bruder fragen, er möchte sich auch gern selb-
ständig machen. Mit einem Fremden wäre es mir noch gleich, aber einen Verwandten wollte
ich schon gar nicht. Der würde mir zuviel dreinreden, und dann käme er immer zu dir, um zu
(goge) klagen. Wenn ich nur wüsste, was du gegen meine Verwandten hast. Du dürftest dich
schon einmal mit meinem Bruder ein wenig aussprechen. Du könntest ja froh sein, wenn du
so viel Erfahrung hättest in Geschäftssachen wie er. Eben gerade in meinen Geschäfts-
angelegenheiten solltest du nicht immer etwas durchsetzen wollen (zwängle). Es wäre
gescheiter, du gäbest dich einmal zufrieden mit dem, was du hast.
Zur Erinnerung: Beim Zusammenstoss der Präpositionen a i bi vo zu mit den Artikeln emene, enere
und em, fällt das erste e- aus: amene, imene; binere, vonere; zum, am usw. Man halte sich genau an
die in Lektion 9 gegebenen Regeln.
Übung 19 (zu Seite 130)
Wiederholung: Bei der Steigerung ist zu beachten, dass der Superlativ sowohl auf -scht wie
auf -ischt enden kann. Letztere Endung erscheint nach Zischlaut (s, sch, z) und nach -t, wenn
dies mit einem anderen Konsonanten verbunden ist (hübschischt, lätzischt, jüechtischt).
Adjekti ve auf -e schieben ein -n- ein (l/ride: l/ridner). Besonders zu merken sind jrüener,
glyner, chliner, eender (= eher). gleich wie bei der Pluralbildung tritt Umlaut viel häufiger
ein als im Deutschen: jüüler, schlöier, lüschtiger, trüüriger.
186
Das neueste ist nicht immer das beste
Die Walliser sprechen am urchigsten
Das glaube ich eher
Das ist das allermieseste
Die Kleineren müssen sich zuvorderst
hinstellen
In der Sauna ist es mir am wohlsten
Wer sagt, früher sei alles besser gewesen?
Nachher kamen zahmere Tiere
Jeder Grossverteiler will die frischesten
Waren anbieten
Ein Sprudel soll spritziger sein als der andere
Jeder Waschmittelfabrikant behauptet, sein
Waschmittel wasche weisser
Es gab einmal einen Boxer, der immer wieder
sagte: «Ich bin der GrÖsste. »
Auf dem Land dünkt es mich schöner als in
der Stadt
Endlich waren unsere Kleider wieder
trockner und sauberer, da fingen wir an, uns
wohler zu fühlen (woole, Verb)
Nach dem Bad wurde es mir wieder wohler
und ich fühlte mich gesunder
Sie wurde immer bleicher, magerer und
schwächer, wir machten uns immer mehr
Sorgen um sie
Es wird immer später Morgen und früher
Nacht, die Tage werden grauer und kälter,
die Nächte länger und dunkler, bald ist der
kürzeste Tag
Übung 20 (zu Seite 137)
Es stimmt nicht, dass die dümmsten Bauern,
die grössten Kartoffeln hätten.
Alle meinten, sie seien die schlaueren, aber
der, bei dem (wo) man es am wenigsten
gedacht hätte, war am Ende der schlauste
und geriebenste
Da ist einer verlogener als der andere, aber
der verlogenste ist der Vizepräsident
Jener Taglöhner war der übelste (wüescht)
Kerl
Die Vermöglicheren sind meistens auch die
verwöhntesten
Derjenige (dee), der sonst der geschickteste
ist, machte diesmal seine Sache am
schlechtesten
Es ging immer lauter und wilder zu, aber am
wildesten (schtruub) wurde es nach 12 Uhr
Diese Linie ist gerader und dieser Kreis ist
runder als auf jener Zeichnung
Der Üetliberg ist höher als der Pfannenstil,
aber niedriger als der Pilatus
Der Bodensee ist grösser als der
Vierwaldstättersee, aber kleiner als der
Genfersee
Die Schweiz hat ein rauheres Klima als
Italien
Am bissigsten (ruuch) bläst der Nordwind
(byse) in Genf
Wiederholung: Bei den Zahlwörtern muss man sich besonders mit den substantivierten
Formen vertraut machen, die im Grundfall auf -i und im Dativ auf -e oder -ne enden. Man
braucht sie bei nackten Ziffern (es föifi = eine Fünf), bei Altersangaben (er isch sächzgi = er
ist 60 Jahre alt), bei Noten (ich han im jranz es vieri = im Französisch eine Vier). Bei
Hausnummern (ich wonen im dreiedachzgi = im Haus Nummer 83), bei Jahreszahlen (im
vieredachzgi hät me nu na vom waldsteerbe gredt) . Man hüte sich vor der Endung -ig, es
heisst zwänzg, dryssg, vierzg usw. und nie «dryssig»!
Um 6.30 Uhr stehe ich auf
Um 7.30 Uhr frühstücke ich
Neunuhr-Jause gibt es bei uns nicht
Um 10.00 Uhr trinken wir Kaffee
Von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr ist Lunchpause,
das reicht nur für eine kleine
Zwischenverpflegung
Die Vieruhr-Jause ist bei uns um 5
187
Mit der Zeit für das Abendbrot nehmen wir
es nicht so genau
Sie wurde 1971 geboren
Er ist ein typischer 68er
Von 8.10 bis 8.45 Uhr vergehen 35 Minuten
Die Uhr schlägt 12
Der Berchtoldstag ist am 2. Januar
Die Bundesfeier ist am 1. August
In einem Schaltjahr gibt es einen 29. Februar
1 Tag ist ein 365stel eines Jahres
1978 wurde der Kanton Jura gegründet
Der wievielte war letzten Sonntag?
Ich weiss nicht mehr, ob der 1. oder der 2.
Einmal ist keinmal
Ein 2-Deziliter-Glas und ein Römer sind
gleich viel
Auch mit 2-Dezi-Portionen (zwäierle) kannst
du einen Rausch bekommen
Auf der Achterbahn hast du Spass (plausch)
Der letzte Sechseläutenumzug war maximal
Die Üetlibergbahn ist die S-10
Der alte Sechser fährt manchmal zum Zoo
Die 3 und die 5 im Telefonbuch kann man
leicht verwechseln
Wir wohnen im 35
Ich bekam einen Hamster und eine weisse
Maus
Ich bekam einen Hamster und eine weisse
Maus
Sie hat 3 Kinder, mit 4 hätte sie Mühe
Du hast es nur von 2 Zeugen gehört, ich
aber von 3
Ich kaufe eine Ananas, willst du auch eine?
Nein, ich möchte keine
Ich bin 23
Im Englisch habe ich eine 5
Sie traten 10 Mann hoch auf
Ich sage es zum 3. und letzten Mal
Hast du mir ein 5-Franken Stück?
Nein, ich habe nur eine 50-Rappen-Münze
Für eine 100-Franken-Note sagt man auch
kurz en Hunderter
Die eine spinnt Seide, die andere schnipselt
Kreide
Zur Erinnerung: b d g und s sind nie stimmhaft, sondern ohne Stimmton, fast wie
französisch p t q und f , auszusprechen.
Übung 21 (zu Seite 143)
Wiederholung: Die häufige Verwendung der sehr grossen Zahl von Ortsadverbien
kennzeichnet idiomatisches Schweizerdeutsch, insbesondere ist typisch die Verstärkung von
Präpositionen durch ein beigefügtes Adverb wie bim huus zue, in es loch ine, vom
tachfiirscht oben abe, bim schtadtrand usse, z Schlieren une.
Wie (wodure) geht man nach Höngg?
Was kommt von der anderen Seite herein?
Von draussen bläst eine kalte Luft herein
Im Freien ist es kalt
Im Autobus ist es warm
Komm heraus, bleib nicht drin!
Kommst du mit ihr aus?
üben im Haus solltest du nicht hämmern
Trepp auf, Trepp ab
Nach auswärts geht es schneller, da es
gleichzeitig abwärts geht
188
Ein Hebel ist für vorwärts und einer für
rückwärts
Soeben sah ich sie noch vorne, sie muss
inzwischen nach hinten gegangen sein
Der Schuss ist raus
Es hängt mir zum Hals heraus
Es hat Rabatten drum herum
Die Kirche ist aus
Der Urlaub ist vorbei
Um 9 Uhr müsst ihr ins Bett
Das Fleisch ist gar
Der Hosenboden ist durchgewetzt
Wohin gehst du? Zum See hinunter
Der Skistock ist entzwei
Sie gerieten in Streit
Sie haben ihn eingesperrt
Ich will dich nicht abhalten
Hierauf sagte der Wolf zum Rotkäppchen
Der verlorene Handschuh ist gefunden
Das Geheimnis wurde bekannt
Der Unterrock schaut heraus
Es geht bergab mit ihm
Von heute an muss es besser werden
Am Knie habe ich eine Hautwunde
Kürzlich stiegen wir wieder einmal auf den Bachtel. Bis Hinwil fuhren wir mit der S-Bahn,
von dort an gingen wir zu Fuss. Es geht ziemlich steil (geech) aufwärts, und der Kleine
klagte: «Wenn wir nur schon oben wären.» Als wir oben waren, wollten wir natürlich noch
auf den Turm steigen. Von dort oben sollte man eine schöne Aussicht in die Schneeberge
haben, aber als wir oben ankamen, war die Aussicht eher mies (schitter) wegen der Wolken.
Dafür konnten wir vom Turm aus schön auf den Zürichsee und den übersee hinabschauen.
Hinunter gingen wir dann nach Wald. Es liegt im Tal unten auf der anderen Seite des
Bachtels. Von dort aus mussten wir zuerst nach Rüti hinunter fahren, um umzusteigen, und
dann von dort aus wieder mit der S-Bahn nach Zürich. - Komm, wir gehen weiter hinein, da
vorne zieht es; ich möchte aber lieber ganz hinaus, schau, die anderen sind schon draussen.
Kommst du draus? Nein, ich begreife noch nichts; ich verstehe nichts (paanhooO. In
Lausanne geht es immer aufwärts oder abwärts, fast nie ebenhin. Die Universität Irehel liegt
oberhalb der Winterthurerstrasse und unterhalb der Frohburgstrasse. Ist Josef zu Hause? Ja, er
ist drin, kommen Sie nur herein. Der Alte sass die längste Zeit hinter dem Ofen, aber zu guter
Letzt ist er doch noch hervor gekommen. Hier irgendwo sollte eine Station der Strassenbahn
sein, aber anscheinend (welewääg) ist sie weiter unten. Alle drückten nach vom, aber es hatte
innen keinen Platz mehr, und die meisten mussten draussen bleiben.
(Diese Übung enthält sehr viele idiomatische Ausdrücke. Daher ist es ganz besonders nötig,
vor dem selbständigen Übersetzen die schweizerdeutsche Vorlage zu studieren.)
Übung 22 (zu Seite 147)
Wiederholung: Das Relativpronomen lautet unter allen Umständen wo. Was aber, wenn es im
Dativ steht oder von einer Präposition abhängt? Dann wird bei Personen das entsprechende
Personalpronomen im Dativ nachgestellt und bei Sachen das der Präposition entsprechende
Adverb: Dee bueb, won em de vatter gschtoorben isch (dessen), die uu!!üerig, womer
drüber prichtet händ (über welche).
Jener arbeits same Mann, bei dem ich die Lehre absolvierte, ist jetzt pensioniert. Eine faule
Sache, über die man nur munkelt. Die Sekretärin, welcher der Direktor immer zuviel zumutet,
sucht eine neue Stelle. Die Besucherinnen, deren Mäntel verwechselt worden sind,
reklamieren bei der Garderobenfrau. Die jungen Leute, deren Urlaub verregnet worden ist,
wollen nicht mehr kampieren (zälte) gehen. Die Autoren, deren Bücher prämiert worden sind,
werden häufiger gelesen. Der Mieter, mit dem man am meisten Ärger hatte, ist umgezogen.
Der Mann, dem alles misslang (abverheie) hat aufgegeben. Dies ist der Gemüsegarten
(pflanzblätz), auf dem so viel Unkraut wächst. Wir studieren den Wald, in welchem so viele
Bäume krank sind. Das ist die gleiche Platte, die du uns vorhin schon vorgespielt hast. Das ist
189
aber auch eine, die es sich immer wieder zu hören lohnt. Wenn du einen findest, der das
glaubt, zahle ich dir einen Fünfliber. Die Schreibmaschine, mit welcher dieser Brief
geschrieben wurde, hatte verschmutzte Typen. Die neue Gondelbahn, womit man in der
kürzesten Zeit auf 2000 Meter hinauffahren kann, ist schnell beliebt geworden. Das ist das
gleiche Hotel, in dem wir letztes Jahr wohnten. Einer, der so wenig von Musik versteht, sollte
sich nicht als Kritiker aufspielen. Der, der gestern in die Zeitung geschrieben hat, ist auch so
einer. Es ist eine Krankheit, an der schon viele gestorben sind. Das ist die Schneiderin, bei
der ich mein neues Kleid machen lasse. Die Frau, deren Tochter bei uns Lehrmädchen ist, hat
kürzlich ihren Mann verloren. Das ist das Auto, dessen Farbe mir so gut gefiel. Das ist der
Mann, dessen Auto mir so gut gefiel. Das ist die Frage, über die wir uns schon manchmal
unterhalten haben; aber es ist nie etwas herausgekommen dabei.
Zur Erinnerung: Man unterscheide zwischen betonten und unbetonten Personalpronomen:
ihn = inn und en; du = duu und du + t; uns = öis und is; ihnen = ine und ene. Repetiere
Lektion 6.
Übung 23 (zu Seite 152)
Wiederholung: Nach «anfangen» und «aufhören» steht der Infinitiv ohne «zu» (z). Nach den
Verben der Fortbewegung steht nicht z sondern go, goge, cho. Dem deutschen «um zu»
entspricht zum. Jemanden veranlassen, etwas zu tun, wird mit mache z übersetzt. Im Begriffe
sein, etwas zu tun, wird mit am plus Infinitiv wiedergegeben.
Ich will auf die Forch fahren
Wir sind auf den Üetliberg gegangen
Sie ist nach Spanien gereist
Ich sollte nach Hause gehen
Geh nachschauen
Du bringst mich zum Lachen
Es ist Zeit, um zu kontrollieren
Er ist über alle Berge (böim)
Wir sind schlitteln gegangen
Ich erreichte es nicht mehr (gchoo)
Sie geht mir nachgerade auf die Nerven
Kommst du endlich?
Ich gehe vorläufig das Auto holen
Beim Fussballspielen ist er Meister
Er kam angerannt
Du solltest in den Garten gehen um zu jäten
Wohin sind sie gegangen?
Er brachte sie zum Weinen (briegge)
Ich bin im Begriff zu gehen
Das Rechnen fällt uns schwer
Heute darfst du in den Zoo gehen
Sie war schon am Gehen
Es kommt ein Gewitter (gwittere)
Mach, dass er springt (gumpe)
Es hört auf zu regnen
Kommst du auch zum Schlitteln?
Sie kommen, um Öl nachzufüllen
Sie begannen Öl nachzufüllen
Nimm ein Badetuch mit, um auf dem Gras zu lagern (plegere). Ich glaube, es wird regnen
oder sogar schneien. Das Leben ist zu kurz, um offenen Wein zu trinken. Du bringst mich
zum Lachen mit deinen faulen Witzen. Ich gehe auf den Zürichberg, um etwas frische Luft zu
schnappen. Du musst früher zu arbeiten beginnen, wenn du an einem Tag fertig werden
willst. Eine Glühlampe ist durchgebrannt (bire, butze), ich gehe eine neue holen. Ich wollte
ein Buch vom Gestell herunter reichen (lange), aber ich erreichte es nicht. Kannst du mir
190
deine Schreibmaschine leihen? Ich brauche sie, um ein Formular schön auszufüllen. Komm
helfen! Geh schnell auf die Post, um ein paar Marken zu kaufen. Sie hatten mit dem Aushub
begonnen, dann stiessen sie auf Fels. Wann kommst du endlich, um zu helfen, Bohnen
einzupflanzen? Das Warten hängt (lampe) mir zum Hals heraus.
Übung 24 (zu Seite 157)
Wiederholung: Die Wortstellung des Schweizerdeutschen weicht in verschiedenen Punkten
von der des Deutschen ab, so stehen die modalen Hilfsverben (wollen, sollen, müssen,
können, mögen, dürfen) im Perfekt vor dem Infinitiv. Das Verb laa (lassen) verhält sich
ebenso. Bei einigen Adverbien wie ganz, gar, ziemlich, genug, welche Adjektive bestimmen,
folgt der Artikel, statt dass er davor steht. Mehrere deutschen Konjunktionen haben keine
direkten schweizerdeutschen Entsprechungen.
Ich hätte einen Besuch machen sollen, aber ich vergass es. Ich habe schon lange den Beruf
wechseln wollen, aber ich konnte mich nie entschliessen. Diese Sitzung nahm kein Ende, ich
konnte nicht mehr nach Hause und musste in Genf übernachten. Obschon ich die langen
Diskussionen abbrechen wollte, ist es mir nicht gelungen, und ich musste meine Abreise
verschieben. Ich wollte nach Basel reisen, aber mein Geschäftsfreund kam nach Zürich, und
wir konnten unsere Besprechung hier abhalten. Der Hund schnappte nach mir, wie wenn er
mich hätte beissen wollen. Der Hauseigentümer hatte nicht genug Geld, um diese Häuser
renovieren zu lassen. Als ich kürzlich über die Quaibrücke ging, wehte der Föhn, und die
Berge schienen so nahe, dass man hätte meinen können, man könne sie mit den Händen
greifen. Bevor die Sonne aufging, froren wir alle, aber auch nachdem sie aufgegangen war,
wurde es noch lange nicht wärmer. Kauf eine Schaufel, damit wir den Schnee räumen
können! Als die Vorstellung fertig war, wollten sie den Autor sehen. Als wir eine Karte
kaufen wollten, hatte es keine mehr. Ich wollte zuschauen, aber sie liessen mich nicht in die
Nähe kommen. Diesen Lehrling sollten wir gehen lassen, dieser lernt nie etwas (doppelte
Verneinung!). Dies ist ein genügend heisser Aufguss für das Teelein. Da hätte ich Ihnen einen
besonders feinen Stoff (schtöffli). Wir hatten einen recht heissen Sommer. Du hast mir mit
deinem Urlaubs plan eine ganz grosse Überraschung bereitet. Dein Gerät ist entzwei, gib es
mir, ich flicke es dir. Das ist mein Messer (hegel), gib es (ihn) mir sofort. Das darf kein
Geheimnis bleiben, sag es ihr heute noch.
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