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Soziale Interaktion für die Zielgruppe 60+ - Das Projekt ALICE

Soziale Interaktion für die Zielgruppe 60+ - Das Projekt ALICE

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Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft und unser Sozialsystem vor gewaltige Herausforderungen. Um diesen erfolgreich zu begegnen, finden unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) zusammengefasst national und europaweit intensive Aktivitäten statt, um die Entwicklung von Technologien zu stimulieren, welche die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig sicherstellen können. Ein wesentliches Thema stellt dabei die Gewährleistung von sozialer Integration und sozialer Interaktion dar. Beides ist wesentlich, damit Menschen im Alter nicht vereinsamen. Das von JOANNEUM RESEARCH im europäischen AAL-Joint Programm koordinierte Projekt ALICE – Advanced Lifestyle Improvement System & New Communication Experience integriert Web-2.0-basierte Services zur sozialen Interaktion in eine an ein TV-Gerät angeschlossene und mit dem Internet verbundene Set-Top-Box. ALICE-Services werden speziell für die Zielgruppe 60+ aufbereitet und sind durch die Bereitstellung über TV auch in der gewohnten Umgebung der Zielgruppe 60+ zugängig. Im vorliegenden Beitrag werden diese Services nach einer kurzen Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse einer im Vorfeld durchgeführten Befragung der Zielgruppe 60+ zu Mediennutzung und Kommunikationspraktiken erstmalig vorgestellt.
Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft und unser Sozialsystem vor gewaltige Herausforderungen. Um diesen erfolgreich zu begegnen, finden unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) zusammengefasst national und europaweit intensive Aktivitäten statt, um die Entwicklung von Technologien zu stimulieren, welche die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig sicherstellen können. Ein wesentliches Thema stellt dabei die Gewährleistung von sozialer Integration und sozialer Interaktion dar. Beides ist wesentlich, damit Menschen im Alter nicht vereinsamen. Das von JOANNEUM RESEARCH im europäischen AAL-Joint Programm koordinierte Projekt ALICE – Advanced Lifestyle Improvement System & New Communication Experience integriert Web-2.0-basierte Services zur sozialen Interaktion in eine an ein TV-Gerät angeschlossene und mit dem Internet verbundene Set-Top-Box. ALICE-Services werden speziell für die Zielgruppe 60+ aufbereitet und sind durch die Bereitstellung über TV auch in der gewohnten Umgebung der Zielgruppe 60+ zugängig. Im vorliegenden Beitrag werden diese Services nach einer kurzen Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse einer im Vorfeld durchgeführten Befragung der Zielgruppe 60+ zu Mediennutzung und Kommunikationspraktiken erstmalig vorgestellt.

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Forum Medientechnik

Soziale Interaktion für die Zielgruppe 60+ - Das Projekt ALICE
Kurt Majcen , Alexander Stocker , Sandra Murg , Ronald Fellmann , Mike Dorst , Paul Dijkgraaf , Karl 5 1 Blümlinger , Francisco J. Nuñez
AT4 wireless1 JOANNEUM RESEARCH, DIGITAL – Institut für Informations- und Kommunikationstechnologien2 Mens en Zorg3 ThuisConnect4 telecare5 Zusammenfassung
Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft und unser Sozialsystem vor gewaltige Herausforderungen. Um diesen erfolgreich zu begegnen, finden unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) zusammengefasst national und europaweit intensive Aktivitäten statt, um die Entwicklung von Technologien zu stimulieren, welche die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig sicherstellen können. Ein wesentliches Thema stellt dabei die Gewährleistung von sozialer Integration und sozialer Interaktion dar. Beides ist wesentlich, damit Menschen im Alter nicht vereinsamen. Das von JOANNEUM RESEARCH im europäischen AAL-Joint Programm koordinierte Projekt ALICE – Advanced Lifestyle Improvement System & new Communication Experience integriert Web-2.0-basierte Services zur sozialen Interaktion in eine an ein TV-Gerät angeschlossene und mit dem Internet verbundene Set-Top-Box. ALICE-Services werden speziell für die Zielgruppe 60+ aufbereitet und sind durch die Bereitstellung über TV auch in der gewohnten Umgebung der Zielgruppe 60+ zugängig. Im vorliegenden Beitrag werden diese Services nach einer kurzen Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse einer im Vorfeld durchgeführten Befragung der Zielgruppe 60+ zu Mediennutzung und Kommunikationspraktiken erstmalig vorgestellt.
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1 Einleitung
Aufgrund degressiver Geburtenraten und progressiver Lebenserwartung prognostizieren Demografen einen stetigen Anstieg der älteren Bevölkerung in Österreich und in ganz Europa. Durch diesen noch nie dagewesenen Strukturwandel wird das bestehende Sozialsystem an seine Grenzen kommen. Die Veränderung der Alterspyramide stellt die Gesellschaft vor enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen. Das wird zu umfassenden sozialen und technologischen Veränderungsprozessen in unserer Gesellschaft führen. Nach aktuellen Berechnungen, beispielsweise von Seiten des Deutschen Statistischen Zentralamts, ist mit zunehmendem Alter mit einem Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen zu rechnen. Eine Definition der Gruppe älterer Menschen erfolgt zumeist uneinheitlich: Häufig findet eine solche Abgrenzung über das Alter – bei einer Untergrenze von 60 Jahren – statt. Doch auch die „über 60er“ stellen keine homogene Grundgesamtheit dar – vielmehr besteht diese Gruppe aus unterschiedlichen Segmenten, welche sich in gesundheitlicher, sozialer und geistiger Hinsicht und auch in Hinsicht auf ihre Akzeptanz für Informationstechnologie unterscheiden. Moderne Technik stellt eine wichtige Ressource der Umwelt älterer Menschen dar (Mollenkopf u.a. 2007). Dennoch müssen technologische Errungenschaften für ältere Menschen erst einmal nutzbar gemacht werden. Eine wesentliche Rolle im Hinblick auf die Techniknutzung spielen die Überwindung des Digital Divide, ein möglichst hoher Nutzungskomfort entwickelter Technologien und eine hohe Akzeptanz durch Barrierefreiheit. Moderne Informationstechnologien werden wesentlich dazu beitragen, das alltägliche Leben älterer Menschen kontextabhängig und unaufdringlich im Hintergrund zu unterstützen. Auf europäischer und nationaler Ebene finden zusammengefasst unter dem Begriff Ambient Assisted Living (AAL) umfangreiche Bemühungen statt, um durch die Entwicklung neuer Technologien die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig zu sichern. Das Ziel dieser Bemühungen besteht darin, neue Technologien, insbesondere Informations- und Kommunikationstechnologien zu entwickeln, damit ältere Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes, unabhängiges und sozial integriertes Leben in ihren eigenen vier Wänden führen können. Gleichzeitig wird durch AAL-Initiativen ein neuer Markt entstehen, welcher
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Kurt Majcen, Alexander Stocker, Sandra Murg, Ronald Fellmann, Mike Dorst, Paul Dijkgraaf, Karl Blümlinger, Francisco J. Nuñez

wettbewerbsfähige, einfach zu bedienende Produkte mit ansprechendem Design für die Zielgruppe „Ältere Menschen“ hervorbringt. Eine gute Übersicht liefert eine durch die European Ambient Assisted Living Innovation Alliance publizierte AAL-Roadmap. In dieser werden die aktuellen AAL-Trends aus unterschiedlichen Perspektiven im Hinblick auf ihre Implementierung betrachtet und die Anwendungsdomänen AAL4persons, AAL@community, AAL@work ausführlich diskutiert. Die dabei entscheidenden technologischen Werkzeuge Sensorik, Reasoning, Aktorik, Interaktions- und Kommunikationstechnologien werden ebenfalls umfassend beschrieben (Van Den Broek u.a. 2010). Das von JOANNEUM RESEARCH im AAL-Joint Programm1 koordinierte Projekt ALICE – Advanced Lifestyle Improvement System & new Communication Experience entwickelt und integriert ein Set von Web 2.0-basierten interaktiven Diensten über eine Set-Top-Box in das bestehende TV-Gerät. Mit diesen Diensten werden ältere Menschen in die Lage versetzt, in ihrer gewohnten Umgebung auf die Instrumente der IT-basierten Kommunikation und der sozialen Interaktion zurückzugreifen. Mit der Entwicklung von Sozialen Interaktionsdiensten für die Generation 60plus will ALICE2 neue Wege für ältere Menschen ermöglichen, um Momente der Freude, des Spaßes und der Fröhlichkeit trotz der vorherrschenden räumlichen Distanz zu Familie und Freunden zu bereiten. Zu Beginn des ALICE-Projekts wurde eine Befragung von Klienten der niederländischen Betreuungseinrichtung Mens en Zorg mit insgesamt 109 Teilnehmern durchgeführt (Majcen u.a. 2011). Im Zuge dieser Befragung wurden erste Erkenntnisse zu Kommunikationspraktiken und Mediennutzung der Zielgruppe 60+ gewonnen. Diese Ergebnisse tragen dazu bei, dass die in ALICE entwickelten Web-2.0-basierten Services enger an die Bedürfnisse der Zielgruppe 60+ angepasst werden können. Derzeit werden die ersten ALICE-Services, Video-Conferencing, Foto-Sharing und Grußkarten bei Klienten von Mens en Zorg pilotiert, um Erfahrungen zu sammeln. Im vorliegenden Beitrag werden diese ALICEServices erstmalig der wissenschaftlichen Community vorgestellt.

2 ALICE-Befragung
Um die zu entwickelnden Dienste zur Web 2.0-basierten sozialen Interaktion möglichst eng an die Bedürfnisse der Zielgruppe 60+ anzupassen, wurde gleich zu Beginn des Projekts eine Befragung von Klienten des niederländischen Projektpartners Mens en Zorg3 durchgeführt (Majcen u.a. 2011). Diese lieferte interessante Ergebnisse über ältere Menschen, ihre Kommunikationspraktiken sowie ihre Mediennutzung. Hinsichtlich der Demographie wurde herausgefunden, dass die Hälfte der Befragten als höchste abgeschlossene Ausbildung die Sekundärstufe angibt, wobei Männer tendenziell über eine bessere Ausbildung verfügen als Frauen. Der Großteil der Befragten verfügt über ein Haushaltseinkommen von unter 2000 €, wobei Frauen tendenziell über ein geringeres Einkommen verfügen. Mehr als die Hälfte der Klienten sind alleinstehend oder verwitwet. Der Großteil der Befragten besitzt zwei oder mehr Kinder, Enkelkinder und gute Freunde. Ein großer Teil der Personen aus dem engeren sozialen Netzwerk wohnt nicht in der unmittelbaren Umgebung des Klienten, was die soziale Interaktion über physische Treffen erschwert. Mehr als die Hälfte der befragten Klienten wünscht sich mindestens einmal pro Woche einen Kontakt zum engeren sozialen Netzwerk. Der Wunsch nach Kontakt zu den Kindern ist dabei am stärksten ausgeprägt. Physische Treffen mit dem eigenen sozialen Netzwerk finden zum größten Teil einmal in der Woche bzw. einmal im Monat statt. Um die Beziehung zu pflegen, telefoniert der Großteil der befragten Klienten mindestens einmal in der Woche mit seinem sozialen Netzwerk, fast 20% sogar täglich.

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http://www.aal-europe.eu http://www.aal-alice.eu/ http://www.mezorg.nl

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4. Forum Medientechnik

Email/Internet-basierte Dienste werden vom Großteil der befragten Personen noch nicht zur Kontaktpflege verwendet. Der Fernseher ist das Medium, an dem die meisten Klienten Gefallen finden, knapp gefolgt vom Telefon. Email/Internet liegt weit abgeschlagen zurück. Rund 40% der befragten Klienten sehen zwischen einer und drei Stunden pro Tag fern, rund 30 Prozent zwischen drei und fünf Stunden und 15% sogar mehr als fünf Stunden. Während Frauen eher telefonieren, interessieren sich Männer stärker für das Internet. Trotzdem nutzen nur rund 19% der befragten Klienten bereits Internet. Es wird von den wenigen Nutzern derzeit hauptsächlich zur Informationssuche verwendet, gefolgt von Online Banking und dem Kontakt zu Familie und Freunden.
Konsumierte Fernsehprogramme Dokumentationen Game-Shows Nachrichten Filme Serien Kurse & Training Programme für Ältere Gesamt Frauen Männer 22% 35% 71% 12% 10% 1% 12% 14% 43% 68% 14% 13% 2% 11% 30% 22% 70% 9% 7% 0% 13% Konsumierte Gesamt Internetseiten Informationssuche 24% Nachrichten 6% Online Shopping 5% Online Banking 18% Online Games 9% Online Fotos anschauen 2% Online Fotos teilen 9% Familie und Freunde kontaktieren 13% Websiten für Ältere 5%

Abbildung 1: Thematische Mediennutzung

3 ALICE-Services
Unterschiedliche IKT basierte Services für die soziale Interaktionen älterer Menschen werden in ALICE für die Verwendung auf einem Fernsehgerät implementiert und für Pilot-Experimente zur Verfügung gestellt. In der Umsetzung werden die entsprechend benötigten Systeme auf einem Middleware-Server implementiert bzw. über öffentliche Schnittstellen integriert.

Web Client (Web-) Server

Database Server

Operator Workstation

Server Family SW
Abbildung 2: ALICE Architektur

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Abbildung 2 zeigt die Architektur der in ALICE angebotenen Services. Client-Systeme, wie PCs, Notebooks, mobile Endgeräte und vor allem Set-Top Boxen, die an Fernsehgeräten angeschlossen sind, greifen über Internetverbindungen auf die Services auf der Middleware zu. Für manche Services werden zusätzliche externe Dienste benötigt (z.B. Picasa). Auf APIs dieser Dienste wird in der Middleware zugegriffen, um die benötigten Daten aufbereiten zu können. Andere ALICE Services (z.B. virtuelle Grußkarten) benötigen keine externen Daten und sind als Gesamtapplikation auf der Middleware verfügbar. Video-Conferencing fungiert als Basisdienst und ist standardmäßig in der Set-Top Box integriert. Folgende neue Services sind innerhalb des Projekts ALICE vorgesehen und zum Teil auch bereits umgesetzt. Die Umsetzung begründet sich zu großen Teilen aus dem Ergebnis der zuvor durchgeführten Befragung von Klienten und ihrem Wunsch nach sozialer Interaktion. Die nachfolgende Abbildung liefert einen Einblick in das sehr einfach gehaltene User Interface, welches eine ältere Person auf ihrem TV Gerät über die an das Internet angeschlossene Set-Top-Box angezeigt bekommt. Das grafische User Interface wird mit Hilfe einer einfachen Fernbedienung über fünf Tasten gesteuert. Die Services werden durch ausgewählte Klienten des niederländischen Projektpartners Mens en Zorg pilotiert.

Abbildung 3: Übersicht der ALICE Services

Teilen von Fotos Kinder, Enkelkinder und Freunde älterer Menschen stellen Fotos, die sie üblicherweise Bekannten und Verwandten zur Verfügung stellen wollen (z.B. persönliche Urlaubsfotos) bei der Web-basierten Plattform Picasa Web Albums4 ein. Diese Alben können dann von den älteren Personen auf ihren Fernsehge-

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http://picasaweb.google.com/

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4. Forum Medientechnik

räten angesehen werden. Nachfolgende Abbildung zeigt das einfache Benutzerinterface in der Anwendung. Die Navigation durch die Alben und Fotos erfolgt dabei über die gewohnte Fernbediendung.

Abbildung 4: ALICE Foto Service in der Anwendung auf einem Röhrenfernseher

Senden von virtuellen Grußkarten Virtuelle Grußkarten erlauben soziale Interaktionen zwischen verschiedenen älteren Teilnehmern innerhalb eines Netzes von Set-Top Boxen über das Internet. Die einzelnen Teilnehmer können sich dabei gegenseitig Grußkarten mit ausgewählten Bildern und Texten zu unterschiedlichen Themen (Geburtstag, Weihnachten bzw. andere Anlässe) zusenden. In einer Übersichtsseite werden die erhalten bzw. gesendeten Karten dargestellt. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Benutzerinterface, wobei der Service wiederum lediglich mit Hilfe der Fernbedienung auf einfachste Art und Weise gesteuert wird.

Abbildung 5: ALICE Grußkarten Service 5

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Lesen von regionalen Neuigkeiten und anderen nützlichen Informationen In größeren Wohnanalagen werden Informationen zu gemeinsamen Veranstaltungen, Neuigkeiten aber auch Alltägliches (z.B. Speiseplan) an die Bewohner der Anlagen verteilt. Die Eingabe der Informationen passiert dabei an zentraler Stelle bei der betreuenden Einrichtung. Die Informationen sind durch ALICE in Übersichtsform und Detaildarstellung für alle Bewohner am Fernsehgerät verfügbar.

Abbildung 6: ALICE Information Service (Übersicht und Einzelbeitrag) in einer Testversion

Facebook light Junge Menschen verwenden heutzutage Web-Plattformen wie Facebook zum Austausch von Informationen, Multimedia Inhalten und zur gegenseitigen Information über aktuelle Ereignisse und Aktivitäten in ihrem Leben. Die Bedienung solcher Plattformen stellt für ungeübte Computerbenutzer bzw. Nichtnutzer aufgrund der sehr komplexen Benutzerschnittstellen eine große Hürde dar. Der Service Facebook light erlaubt es, den sogenannten Activity Stream von Verwandten und Bekannten (d.h. alle ihre Statusmeldungen, veröffentlichten Links, etc.) am Fernsehgerät einer älteren Person darzustellen.

Abbildung 7: ALICE Facebook Light Service 6

4. Forum Medientechnik

Dabei ist soziale Interaktion möglich, indem eine ältere Person einen Eintrag in diesem Stream mit Gefällt mir (Like) bewertet. Diese Form des Feedbacks wird mit Facebook synchronisiert und ist daher auch für den Autor der ursprünglichen Statusmitteilung sichtbar. Eine Erweiterung der Feedbackmöglichkeiten inklusive Kommentieren von Einträgen wird hauptsächlich durch die Eingabemöglichkeiten am Fernseher (d.h. über die Fernbedienung) limitiert. Ein Set an vorgefertigten Mitteilungen für den Ausdruck von Gefallen, Missfallen bzw. einer Aufforderung zu intensiveren Kommunikation (z.B. in Form einer Videokonferenz) mit dem Autor eines Facebook-Beitrags sollte auch mit einer Fernbedienung möglich sein. Einfache Spiele Soziale Interaktion kann bei Spielen auf verschiedene Arten passieren, beispielsweise über das sich vergleichen mit anderen mit Hilfe von High-Score Listen (über Indikatoren wie Punkteanzahl, erreichte Zeiten etc.) und das sowohl bei Ein-Person-Spielen oder in der direkten Auseinandersitzung in MehrPersonen-Spielen. Beide Aspekte sind in ALICE angedacht. Bei der Verwendung des Ein-Person-Spiels Tetris, werden die erreichten Punkte bzw. Levels gezählt und in einer Bestenliste eingetragen. Die im Set-Top Box Netzwerk spielenden Teilnehmer, können sich mit ihren erreichten Punkten in dieser Liste eintragen und auch die bislang erfolgreichsten Teilnehmer sehen und sich mit ihnen einen Wettkampf liefern. Als Mehr-Personen-Spiel ist „Mensch ärgere dich nicht“ vorgesehen. Dabei verabreden sich Teilnehmer beispielsweise in einer Videokonferenz, dass sie sich für ein virtuelles Spiel treffen. Zu diesem Zeitpunkt melden sich die Spieler bei dem Spiele-Service an. In weiterer Folge würfelt die Middleware für die Teilnehmer und bietet den Teilnehmern auch wie bei „Mensch ärgere dich nicht“ bekannt die Zugmöglichkeiten an.

4 Zusammenfassung und Ausblick
Der vorliegende Beitrag beschreibt Services, welche in dem von JOANNEUM RESEARCH im europäischen AAL-Joint Programm koordinierten Projekt ALICE – Advanced Lifestyle Improvement System & new Communication Experience implementiert wurden. Damit können ältere Menschen mit Hilfe ihrer an das Internet angeschlossenen Set-top-Box über ihr Fernsehgerät Fotos teilen, Grußkarten schicken, Neuigkeiten aus ihrer näheren Umgebung (z.B. ihrer Wohnanlage) erfahren, Facebook (light) nutzen und sich über einfache Spiele in Wettkämpfen messen. Diese Services sollen dazu beitragen, soziale Interaktion zwischen den älteren Menschen untereinander sowie zwischen den älteren Menschen und ihrem sozialen Netzwerk zu stimulieren und unterstützen. Um bedarfsgerechte Services zu entwickeln, wurde von der niederländischen Betreuungsorganisation Mens en Zorg eine umfangreiche Befragung der Zielgruppe 60+ durchgeführt. Derzeit werden die ersten Services, Video-Conferencing, Teilen von Foto und Senden von elektronischen Grußkarten, bei Klienten von Mens en Zorg pilotiert, um erste Erfahrungen zu sammeln. Die technische Betreuung und spätere kommerzielle Verwertung der neuen Services auf einer von telecare entwickelten Plattform liegt bei ThuisConnect. In Zukunft werden auch telemedizinische Dienste in die Plattform integriert. Die standardisierte Einbindung (nach Ergebnissen von Arbeitsgruppen wie IEEE 11073 und Continua Health Alliance) ermöglicht ein von AT4 wireless entwickelter Software Manager für medizinische Geräte. Das soll älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden ermöglichen. Der Beitrag zeigt „research in progress“, denn nicht alle vorgestellten Services sind bereits vollständig implementiert und an die älteren Menschen ausgerollt worden. In künftigen Forschungsarbeiten werden Evaluierungsaktivitäten vorgestellt und Lessons learned aus den Piloten präsentiert. Dabei wird es sich vor allem um Technologieakzeptanz-Studien handeln welche zeigen sollen, wie ältere Menschen die neuen ALICE-Services nutzen, welche Barrieren sie empfinden und wie diese Barrieren gelöst werden können.
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Kurt Majcen, Alexander Stocker, Sandra Murg, Ronald Fellmann, Mike Dorst, Paul Dijkgraaf, Karl Blümlinger, Francisco J. Nuñez

Danksagung Das Projekt ALICE wird im Rahmen des transnationalen „Ambient Assisted Living Joint Programme“ (www.aal-europe.eu) der Europäischen Union Nationale und auf nationaler Ebene durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, das Programm benefit (beide Österreich), ZonMw (Niederlande) und das Ministerio de Industria, Turismo y Comercio (Spanien) gefördert.

5 Literaturverzeichnis
Majcen, K.; Stocker, A.; Mayer, H.; Dorst, M.; Dijkgraaf, P.; Blümlinger, K.; Nuñez, F.J.: Senioren, Interaktion und Medien? Erste Ergebnisse aus dem Projekt ALICE. Tagungsband des Workshops Senioren. Medien. übermorgen auf der Konferenz Mensch und Computer, 2011. Mollenkopf, H.; Oswald, F.; Wahl, H.-W.(2007): Neue Personen-Umweltkonstellationen im Alter: Befunde und Perspektiven zu Wohnen, außerhäuslicher Mobilität und Technik. In: Wahl, H.-W.; Mollenkopf, H.: Altersforschung am Beginn des 21. Jahrhunderts, Darmstadt: Akademische Verlagsanstalt. Van Den Broek, G.; Cavallo, F.; Wehrmann, C. (2010): AALIANCE Ambient Assisted Living Roadmap, IOS Press.

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