Vergifte, was Du nicht für Dich einnehmen kannst  & genau das mache ich gerade!

Probe 2004­2008 von  Andrè M. Pietroschek, foxtasy@web.de © alle Rechte vorbehalten “Ihr sakraler Gesang ist Irrsinn in den Hirnen der Verdammten,  ihre religiöse Verehrung eine dumpfe Imitation der Blutmagie,  doch sie sehen dabei so gottverdammt cool aus!“ Dieser Text ist fiktional und für den Gebrauch mit dem Produkt Vampire­ die Maskerade von  www.white­wolf.com (White Wolf Inc.) gedacht.    Ich kann mich Ihnen gerne mit Namen vorstellen, doch es wäre nicht der Echte. Ernsthaft, ich wechsle sie,  wie andere Leute ihre Unterwäsche. Vor fünfzehn Jahren wurde ich initiiert, in die Geheimlehre des Hauses  und Clans Tremere. Eine geheime, hermetische Loge von Zauberern. Klingt wie Heinrich Himmler mit  Zauberkräften   [Die   Anatomie   der   menschlichen   Destruktivität,   Erich   Fromm]?   Stimmt   ja   auch.   Das   ist  natürlich für die Uneingeweihten. Ich wurde Ghul eines untoten Vampir­Zauberers, weil meine Fähigkeiten  dieser Blutlinie dienen sollten; bis ich mich entweder für „den Kuss“ qualifizierte, oder verreckte.  Wie  es dazu  kam? Ich habe darauf keine Antwort. Ich  bin jemand, oder habe etwas getan, dass die  Aufmerksamkeit der Loge auf mich zog. Verstehen Sie mich nicht falsch, es war ein echter Schritt vorwärts.  Ich lebte ziellos vor mich hin, nahm schäbige Jobs an, um durchzukommen, und war stets zu fasziniert von  Kokain und okkultem Psychoschrott. Auf eine irrwitzige Weise hat es sich bezahlt gemacht. Vielleicht hat  eine meiner Arbeiten wirklich mal Potential erkennen lassen, oder evtl. war ich durch die Drogen und neuen  Eindrücke damals auch einfach zu benebelt, um zu wissen, was damals warum geschah. Ich erinnere mich  aber noch an den Anfang. Ich kam gerade von meiner Schicht als Sicherheitsfachkraft, Prügelknabe für  jeden frustrierten Proll. Als ich meine Post durchsah, da entdeckte ich, zwischen dem Werbedreck und  Rechnungen, eine Einladung. Ich folgte meiner Intuition, tauschte mit nem Kollegen die Schicht und ging  hin. Nachdem ich masturbiert und geduscht hatte, versteht sich.  Ich   hörte   mir   einige   Stunden   schwachsinniges   Gebrabbel   über   Levi,   Magick   und   Esoterik   an,   dass  irgendwie alles den hirntoten, jämmerlichen Hollywood Filmen entsprungen zu sein schien. Jedes Mal,  wenn ich spürte, dass die Wichtigtuerei der Sprecherin sich endlich einem interessanten Punkt näherte,  wechselte sie das Thema. Als wenn sie die Wahrheit gar nicht fassen wollte. Als ich mir schon meine Jacke  überzog, um zu gehen, da kam mir der Gedanke, dass die Bühne nicht automatisch der Grund meines  Erscheinens sei.  Intuition   umgeht   Erwartungshaltung.   Heute   weiß   ich   natürlich,   wie   viele   der   Verdammten   mühelos  telepathisch kommunizieren. 

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Doch damals hätte ich geschworen, es wäre mein eigener Gedanke. In der hintersten Reihe sah einer der  Zuhörer so aus, als würde er meinem Gedanken voll und ganz zustimmen. Hm... na ja, besser quatschen,  als Fernsehen. Ich wartete, bis der nächste Sprecher einer traditionell hermetischen, natürlich absolut weiß­ magischen Sekte von Tölpeln auf die Bühne drängte. Die Pause nutzte ich, um mich neben den Fremden  zu setzen. Seine finanzielle Überlegenheit konnte ich dabei nicht übersehen. Während ich schon zufrieden  war, mir nen synthetisches Hemd in meinen Farben zur Baggy Pant leisten zu können, überstieg allein sein  Mantel mein Monatseinkommen.  Grobe Schätzung. Wichtiger war allerdings, dass die Kleidung zu seiner Persönlichkeit passte, oder zu dem,  was ich als seine Ausstrahlung wahrnahm. Er schien ruhig und entspannt, doch ein Blick in seine Augen  offenbarte, dass es auch andere Facetten gab. Ohne eigene Unterhaltung hörten wir uns noch eine Weile  das esoterische Gelaber an. Der Abend war versaut, soviel war mir klar. Da ich über den Typen nachdachte  war ich auch sicher, dass Schwulensex nicht meine Intention war. Komisch, ich kann mich nicht mehr daran  erinnern, wann wir abgehauen sind. Meine nächste Erinnerung ist, dass wir eine Seitenstrasse entlang  laufen und ich die ruhige, klare Stimmung wortlos genieße. Seine Fragen und Sprüche drängten mich zu  vielen Antworten, die ich einfach nicht hatte. Fühlte mich, als wenn ich das Passwort für meinen PC (Linux  root. Ohne ging so ziemlich gar nichts) wieder mal vergessen hätte.  Heute würden bei mir auch die Warnglocken angehen, doch damals war ich weder erfahren, noch gesund  genug, damit besser umzugehen. Er analysierte meine Denkweise und fragte Wissen und Interessen ab.  Für einige Momente dachte ich, er wäre vielleicht Psychologe. Es machte mir sogar Spaß, von meinem Job  zu erzählen. Beunruhigenderweise hörte er aufmerksam zu. Niemand gibt einen Dreck auf die Arbeit beim  Wachdienst. Er tat es. Mir fiel fast die Kinnlade runter, als er sagte, er wolle meine Meinung zu einem  Gebäude hören, dass er geerbt hatte. Als ich zusagte, hatte ich noch keine Ahnung, dass es meine Chance  wurde, in einem echten Luxusauto mitfahren zu dürfen. Nix is Fiat Bambino und Smart. Nächtliche Fahrten  machen mich oft schweigsam und erzeugen ein Zen­artiges (Mushien) Wohlbefinden bei mir. Er störte mich  nur einmal mit Fragen. Es ging um meine private Lebensweise, doch ich war sicher, dass war nur ein  Vorwand, um mich anzustarren.  Ich war damals Solo, Einzelgänger und fast zufrieden damit, hatte auch keine Probleme, dies zu sagen.  Trotzdem   registrierte   ich,   dass   seine   freundliche   Ausstrahlung   etwas   „Lauerndes“   nur   unzureichend  verbergen konnte. Ich mochte den Gedanken nicht, einem reichen Schwulen gleich kräftig auf die Backen  zu hauen, doch wappnete mich auch dafür. Meine Erinnerung lässt mich hier wieder im Stich.  Wir müssen schon einige Minuten im Gebäude gewesen sein, weil ich zu ihm sagte, dass Satanismus für  mich   dieselben   Prinzipien   darstellt,   welche   die   Menschheit   zum   Fortschritt   brachten.   So   wie   sich   die  Menschheit   aus   den   Höhlen   fortentwickelte,   so   versuchten   Satanisten,   oder   auch   Häretiker,   dass  dogmatische Denken der Kirche zu brechen und in der Praxis, auch  die physischen und physikalischen   Grenzen  zu sprengen, die Gott ihnen auferlegte.  Gott hier wohlgemerkt sowohl als Symbol für die   Realität, als auch als allmächtiger Boss.  Kopfschmerzen   peinigten   jeden   meiner   Gedanken.   Wir   kamen   in   einen   Raum   und   ich   musste   um  Selbstbeherrschung kämpfen. Wie konnte jemand, der soviel gebildeter und durchaus intelligent war, einen  solchen Fehler machen? War es ein Fehler, oder ein Test meiner Reaktion?  2

Die bescheuerten Anhänger Crowleys hätten es ein „Ritualzimmer“ genannt. Pisst in ihre Schädel. Die  Worte platzten mir raus. Was für eine jämmerliche Fehlinterpretation. Der ganze Raum war eine kostspielige  Müllhalde. Ja, die wohl bekannten Hilfsmittel des Magiers – okkulte Zeichen, Kelch, Stab, Schwert und  Pentakel.   Semi   ­   archaische   Symbole   für   regressive   psychische   Komponenten.   Es   sollte   wohl   einst  bedeuten, dass ein Magier seine Magie wirkt, indem er mit Entschlossenheit, Leidenschaft, Verstand und  Mut  dafür  sorgt, dass sein Wunsch Realität wird. Als  mir  klar wurde, wie  sehr  ich  meinen Gastgeber  beleidigt hatte, sah er mich einfach an und sagte: „Stimmt“. Das erleichterte Lächeln wollte sich gerade in  meinem  Gesicht ausbreiten, bekam  aber  keine Chance.  Eine  Welle  der  Benommenheit  setzte  meinen  Verstand außer Gefecht und ich hatte das Gefühl, dass meine Gedärme anfangen zu kochen. Der Schmerz  ließ mich taumeln.    In meinem Körper bildeten sich Druck und Hitze und ich fiel, wie ein schlecht gekochtes Stück fettiges  Fleisch, zu Boden. Ich erwachte irgendwann mit unbeschreiblichen Kopfschmerzen und dem Geschmack  von Asche und Blut in meinem verstopften Mund. Gefüllt mit meiner geschwollenen Zunge, wie mir bald klar  wurde. Meine Sicht war reduziert auf verschwommene Schattierungen von hell und dunkel. Ich war mir klar,  dass ich dem Sterben nahe war, doch was war das? Er hatte keinen Elektroschocker in den Händen gehabt  und er hat mich auch nicht berührt. Ein Gedanke, amüsiert und wahnwitzig kam mir:  Das könnte der lauernde Aspekt seiner Persönlichkeit sein. Irgendwann merkte ich, dass er mit mir sprach.  Meine Ohren schienen ihre Funktion wieder ansatzweise auszuführen. Er wollte wissen, wie lange die  Verletzungen m. Mg. nach zum Verheilen bräuchten. Ich glaube, ich habe damals auf drei Wochen getippt,  mit   der   Bemerkung,   dass   ich   nicht   sicher   war,   ob   ich   mich   überhaupt   erholen   würde   und   wie   viele  Verstümmlungen verblieben. „Wenn ich Ihnen die Chance gebe, dass in drei Nächten zu heilen, nehmen  Sie an?“ Herr in der Hölle, ich lag wie ein aufgeplatztes Suppenhuhn auf kaltem Steinboden und er fragt so  was? Was hat er erwartet, dass ich nein sage und ihn mit wilden Drohungen überhäufe?  Ok, Leser/In sei klar, dass mein erster Gedanke war, dass sogar Serienmörder jetzt kategorisch mehr Geld  machen, als ich. Ich trank, was er mir gab, in der ersten Nacht war es Vanille Cola! Nein, es war seine vitae,  doch der Schmerz und die Ausfälle meines Körpers würden mich jederzeit wieder schwören lassen, dass es  Vanille  Cola   war.  Fast  drei   Tage   und   Nächte   erlebte  ich  eine  Seelenreinigung  durch   Ohnmacht,  wirre  Träume, Halluzinationen, Angst, Schmerz und dem Geruch meines Urins. Doch es funktionierte. Sogar die  aufgeplatzte Bratwurst in meiner Hose wandelte sich in das gesunde Original zurück.  Ich stand auf und fing  an, meinen neuen Job als Ghul der Tremere aufzunehmen. Nachdem ich masturbiert und geduscht hatte,  versteht sich. Ich lernte, meine neuen Fähigkeiten zu nutzen, und glücklicherweise blieb ich von weiterem spirituellem  Schrott verschont.  Als Ghul hatte ich eine optimierte Muskulatur. Kampfsport, den ich vorher nur tapsig ausführte, wurde  simpel und ich war selten überhaupt erschöpft. Meine Heilung verbesserte sich ins nahezu Unvorstellbare.  Zur Überraschung meines neuen Arbeitgebers waren auch meine fünf Sinne optimiert. Wir fanden es eines  Nachts raus, als ich einen Nosferatu­Ghul aus seiner Verdunkelung [magische Tarnung] knüppeln wollte,  statt   dessen   bei   seinem   Anblick   aber   einiges   durch   meinen   Kopf   ging   (Erbrechen   in   Theorie   und  Formulierung).  3

Ich bewachte tagsüber meinen Herrn und, nach einigen Monaten der Pflichterfüllung, sogar den äußersten  Verteidigungsring eines Logenhauses. Meine Denkweise erlaubte mir, in meiner neuen Rolle aufzugehen.  Doch ich versagte bei einigen Tests und rastete fast immer aus, wenn ich mit  der perfiden Kunst der   Gedankenkontrolle konfrontiert war. So blieben mir gewisse Optionen verwehrt, zumindest hier. Nen paar  Macken hatte ich auch dazu bekommen. Ich begann, mehr zu essen, als mein Körper verdauen wollte und  hatte   eine   fiebrige   Gier,   Erich   von   Gothas   gesammelte   Werke   mit   jeder   brauchbaren   Frau,   der   ich  begegnete,   auszutoben.   Aber   ich   sollte   nicht   zuviel   die   Konkurrenz   glorifizieren.   Meine   Zeit   mit   den  Tremere, einer der mächtigsten Blutlinien, war lehrreich und durchaus besser, als 0815 Wachdienst.  Was mich dazu brachte, zum Verräter an meinem Blutsherrn und der Kamarilla zu werden? Einige sehr   realistische Einsichten und existentielle Notwendigkeiten: Mein Ego!  Ich reagiere mehr intuitiv und  emotionell, was mir zwar bei Auspex half, doch mich gleichzeitig zum thaumathurgischen Krüppel machte.  [Nachteil: Thaumathurgical Inept] Ich hatte nur wenige Rituale gelernt und die konnte bei den Tremere  einfach jeder Anfänger & jede Anfängerin.  Heute ist das ein Segen, da die Tremere mich sonst deutlich entschlossener jagen würden. Auch meine  Begabung für Auspex hat jetzt einige unangenehme Nebeneffekte, durch das sakrale Blut des Set. Ich bin  durch Licht leichter zu blenden. Sogar noch einfacher, als die meisten anderen Anhänger des Set. Ja, ohne  Sonnenbrille kann mich eine simple Taschenlampe sogar in dunkelster Nacht lange genug irritieren, um mir  einen Pflock ins Herz zu rammen. Oder mich auszusaugen. Mein Dienst hatte mich mit anderen Ghulen in  Kontakt gebracht und ich erfuhr auch mehr über die Erben Kains.  Mag sein, dass ich in den Lehren der Tremere auch nur Psychologie sehen wollte. Jedenfalls wollte ich nicht  mein Leben auf eine Gehirnhälfte reduzieren. Aus meiner subjektiven Sicht hatte ich einfach mehr von  einem Akolythen an mir, als von einem Zauberer.  Ich hätte es vielleicht auch als Brujah schaffen können, doch ich hab zumindest schon gecheckt, dass ne zu  große Klappe einige unangenehme Konsequenzen heraufbeschwört. Ich akzeptierte die Umarmung der  Setiten, weil mir die Wahrheit in den Worten der Setiten gefiel. Und ja, ich fiel auf ihre Lügen rein und war  völlig   unfähig,   mich   ihrer   Macht   über   menschliche   Gefühle   und   Triebe   zu   entziehen.   Und  luxuriöse   Versuchung  war das Paradies, dass mir als Mensch doch ewig verwehrt war.  Die Tremere passten zu  meiner Denkweise, doch die Pfade des Set entsprachen meiner Lebensweise. Unleben jetzt. Das Stigma  des kleinen, ersetzbaren Wachmanns ist geblieben. Ich bin ein sogenannter Krieger des Set. Das bedeutet,  um den Vorurteilen der Kamarilla treu zu bleiben, dass ich für jede Nacht voll Drogenrausch, Niedertracht  und   Korrumpierung   der   braven   kleinen   Kamarilla   Frischlinge     doch   mal   zehn   Minuten   Situps   und  Schattenboxen als Ausgleich mache.  Es  stimmt,   dass   wir   die   Tremere  beneiden   und  versuchen,   was  sie   schon   vor   Jahrhunderten   mit  der  Blutmagie erreichten. Doch es sind die kleinen Unterschiede, die meine Wahl jede Nacht erneut bestätigen.  Außerdem erlauben die Gaben des Set uns dafür mehr Spaß und verbessertes nächtliches Überleben. Ich  musste übrigens gar nicht nach Ägypten reisen und die psychedelischen Tempel soll ich bewachen, nicht  frequentieren. 

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Seth ist Götze und Symbol in einem, die simple Tatsache, dass wir den Weg des Erfolges gehen. Vor dem  Kuss  hatte   ich   genug   Gelegenheit,   zu   verstehen,  was  es  heißt,   andere   zu   korrumpieren,  ohne   selbst  korrumpiert zu werden. Für mich hieß es pures Kokain, Sex mit Frauen, die ich sonst nicht mal hätte grüßen  dürfen  und  unverschämt  viel   Geld,  ohne   arbeiten  zu   müssen,  oder   unerwünschte   Konsequenzen.  Die  Realität offenbarte sich mir früh genug. Ich kaufte irgendwann, mit dem Geld von irgendwem, die Firma in  der ich als Mensch meinen letzten Job hatte. Ich ließ die Gehälter verdoppeln, verteilte den „Fettmacher für  Frische“ und  ließ das Unternehmen im  ganzen Ruhrgebiet, wie  ein Geschwür, wachsen. Eine  Woche,  nachdem ich den Kuss erhielt, machte ich die brauchbarsten Mitarbeiter & Mitarbeiterinnen zu Ghulen, die  Ungeeigneten zu meiner Nahrung.  Gewissen ist die Ausrede derjenigen, die zu nichts fähig sind. Soviel zur feinen Gesellschaft. In der Zeit, in  der   die   in   ihrer   Hybris   prahlen,   habe   ich   alle   Schritte   zu   ihrem   Untergang   durchgeführt.   Entzug   der  Privilegien und Vitalfunktionen. Wenn ich einem anderen zeige, dass unser Pfad genau das ist, was er oder  sie   schon   immer   wollte,   brauche   ich   doch   gar   keine   Manipulation.   Hab   ich   die   Toreador   bescheuert  gemacht? Wir sind untot, können nicht an Aids verrecken und heilen eh fast alles in einer Nacht. Außer die  Bestie namens Sonne!  Wer muss da zicken, nur weil ein Ghul mit mehr Muskeln als Hirn da mal ne Runde poppen will? Wir  verlangen mit der Verehrung Sets zuviel? Kamarilla und Sabbat verlangen, dass jeder Frischling sich in den  heiligen Krieg stürzt, noch bevor er oder sie weiß, was überhaupt los ist. Genau wie einige Brujah und  Toreador haben wir früh erkannt, dass es sich auszahlt, den korrekten Menschen mit Respekt zu begegnen.  Wenn uns das schwach macht, warum sind wir dann alle noch hier? Jeder Mensch kann die Weisheit des  Set erkennen und somit einer von uns werden, statt unseren Durst zu stillen.  Unsere Wege gelten als   gefährlich,   doch   verbergen   die   dummen   Sprüche   kaum,   dass   niemand   eine   bessere   Lösung   anbietet. Und meistens haben wir auch den besseren Preis. Das Paradox ist, dass wir, die Agenten des  Verwerflichen und der Korruption, am Ende mehr Integrität bewahrt haben, als alle anderen Kinder der  Nacht.  Set hat uns Klarheit und Stärken gelehrt, für die Eure Kamarilla zu feige und zu dumm ist und die der  Sabbat nicht versteht, da ständig bemüht, daraus was Monströses zu machen. Versager.  Sind   unsere   Priester   jetzt   schuld   daran,   dass   ihr   sie   beauftragt   und   bezahlt,   euch   die   gebenedeiten  Ingredenzien zu bringen, die ihr dann doch nicht vertragt? Wir stopfen Euch das gute Zeug jedenfalls selten  unaufgefordert zwischen die Eckzähne. Kein Platz auf der Welt und keine Gesellschaftsform, in der sich  unsere Anhänger nicht prächtig entwickelt haben.  Die Tatsache, dass jemand sagt: „Der Autor kann   nicht alles“ bedeutet nicht unbedingt, dass er oder sie deswegen mehr kann, als ich.  Aber das  Geschwätz führt zu nichts, ich bin gerne das, was Kreaturen der Nacht als korrupt, dekadent und böse  deklarieren. Ist schon jemand darauf gekommen, dass der ganze heilige Krieg evtl. ein mieser Witz der  Malkavianer (jetzt Malkovianer) ist?  Kann natürlich sein, dass meine Verblendung mich nicht erkennen lässt, dass ich nur die Marionette eines  älteren Blutsaugers bin, doch auch das gilt für jeden. Ich habe auch die Weibchen der Kamarilla genossen.  Meine fast unsterbliche Traumfrau war beeindruckend.  5

Wäre es mir gelungen, sie von dem Ränkespiel und dem ganzen Kunstschrott wegzukriegen, hätte ich  bewiesen, dass es ihr eigentlich gar nichts bedeutet. War das verwerflich?  Meine  verbleibenden  Gefühle  schmerzen, wenn ich  mich  an sie  erinnere. Ich habe ihre  Entscheidung  akzeptiert, für dieses Jahrzehnt. Freizeit mit den Brujah ist erfrischend, wenn man so was hinter sich hat.  Wenigstens leben die mal ihre Ideale aus, statt große Reden zu halten und dann schön brav zu kriechen.  Die Rattengesichter sind auch manchmal unterhaltsam, obwohl sie stinken. Sie sind uns irgendwie ähnlich,  auch nicht auf die Propaganda der Sekten reingefallen. Außerdem verdanke ich Ihnen Lektionen in Tarnung  und der Kunst, eine Ratte zu vernaschen.  Leider gibt es da noch die Giovanni. Die italienischen Verehrer des Apophis verursachen bei mir Übelkeit.  Nicht schlimm genug, dass es ausnahmslos Workaholics sind, die auf den Friedhöfen alles besteigen, was  schon in der Kiste liegt. Sie verunreinigen auch unsere heiligen Begräbnisstätten. Als wenn es nicht schon  schwierig genug wäre, die Seelen der Verstorbenen für unsere Rituale zu missbrauchen.   Doch es mag  sein, dass hier meine Vorurteile noch meine Wahrnehmung trüben. Ein gefährlicher Fehler, auf den Set uns  hinweist, damit wir nicht wie diese Trottel, namentlich Osiris und Horus, enden.  Ich bin eigentlich damit  beschäftigt,   meinen   kleinen   Platz   in   der   Welt   zu   finden   und   auszubauen.   Schließlich   produziere   ich  genügend neue Anhänger, die mich von anderen Unternehmungen abhalten. Blutsbande.  Wir finden es unerträglich an jemanden so gebunden (versklavt) zu sein, haben aber keine Skrupel, es mit  allen anderen Kainisten abzuziehen? Ich habe es zehn Jahre mit meinem Erzeuger ausgehalten. Als sie bei  einem Einsatz fiel, hatte ich weniger Unterstützung, dafür mehr Geld. Na ja, ich kann ja wieder durch Blut  gebunden werden.  Das erste Jahr allein in der Dunkelheit hielt viele unangenehme Überraschungen für mich bereit. Da ich sie  überlebt habe, mache ich wohl doch was richtig. Keine echte Bedrohung ist einfach zu neutralisieren.  Keine   Lust   auf   Selbstzweifel,   mein   menschliches   Leben   ist   vergangen   und   ich   habe   noch   viel(e)   zu  erledigen. Wir können Euch auf Arten & Weisen verführen, korrumpieren und missbrauchen, für die ihr noch  nicht mal Worte erfunden habt.  Ich   habe   jetzt   Diener   und   Ordensbrüder/­Schwestern,   die   mir   helfen   die   unglücklichen   Ghule   aus   der  Kamarilla zu befreien und die kleine Loge zu unterwandern, die mir evtl. doch noch schaden möchte. Als ich  die Rituale der Tremere zum Tausch anbot erhielt ich die erste Unterweisung in der Glaubensmacht meiner  eigenen Blutlinie und es scheint, mit mehr Zeit lerne ich doch was.   Manchmal finde ich sogar Zeit für  Meditation und Rituale. Ähnliches gilt wohl auch für die Frauen unserer Art, sie sind ein tödliches Gift, doch  gleichzeitig eine sexy Alternative zum heiligen Gral. „Vertraue und auch Dir wird vertraut werden ­  flüsterte Set einst zu Ventrue...“ Liebe(r) LeserIn, für mich verkörpern die Setiten irgendwie die Wahrheit, die sich hinter dem Hierophanten  verbirgt (Archetyp, eine Tarotkarte). „Wer das nicht versteht und respektiert, muss doch einfach unerleuchtet   sein. Also kann man ihn oder sie auch mit den Füßen am Straßenstrich festnageln, bis ich mich genügend   bereichert habe, um das Elend meines Daseins in dieser Welt zu ertragen.“  6

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„Kuss erhalten“ bzw. „Umarmung“ = zum Vampir der entsprechenden Blutlinie gemacht werden. Die   Linie   der   Setiten   wird   in   dem   neuen   „Vampire   –   Das   Requiem“   zu   Clan   Mekhet.   Siehe  www.worldofdarkness.com  • Ghule in der WoD sind Menschen, die regelmäßig vampirisches Blut trinken und dadurch: 1. abhängig von einem vampirischen Blutgeber werden. Dies mental wie körperlich, da das Blutsband  eine   nahezu   unüberwindbare   Loyalität   erzeugt,   die   gegen   alle   Fakten   und   gesunden  Menschenverstand wirkt. 2. Langsamer   altern,   Verletzungen   heilen   können   und   einige   der   simpleren   vampirischen   Kräfte  (mythisch, magisch) erhalten. Alle Ghule sind übernatürlich stark. Dazu kann je nach Generation  des getrunkenen Blutes einiges dazu gelernt werden.  3. Den Vampiren den Mittelfinger zeigen. Wenn sich zwei Ghule paaren, gehen daraus oft sogenannte  Wiedergänger hervor. Diese haben drei mythische Fähigkeiten der „Eltern“­Ghule, müssen aber  kein vampirisches Blut mehr trinken, weil sie so geboren sind.   Dieser Text ist inzwischen älter. Mir persönlich gefällt der Text in der deutschen und englischen Version  immer noch. Allerdings schwinden meine Erinnerungen an den Kontext und die Recherche dazu. ● Dieser Text war Teil des "Pakets", dass ich zusammen mit einem unterschriebenen "non­disclosure­ agreement" an White Wolf Inc. geschickt habe. ● Natürlich haben einige Leser und Leserinnen es bemerkt. Doch es dürfte Ihnen recht schwer fallen,  jemals   zu   beweisen,   dass   ich   diesen   Text   auf   realen   Momenten   meines   Lebens   und   einer  Einladung   zu   einer   Veranstaltung   der   Rosenkreuzer   (ordo   templi   roseus   cruci...   naja,   eben  Rosenkreuzer auf Latein) künstlerisch­frei aufgebaut hatte? ☺ Ich bin real kein Rosenkreuzer, dass   sollte wohl noch deutlich genug lesbar sein. ● Nen   weltweiten   Wettbewerb   für   grottenschlechte   Grammatik   und   erbärmliche   Komma­Setzung  sollte ich wohl inzwischen gewinnen können?  ☺ ● Ein sinnbildliches KNUDDELN für alle, die es wert sind. Ihnen alles Gute!  Da ich mehr Praxis in „der Erzählkunst“ habe, als in der Schrift:  Mag sein, ich mache viele Fehler, doch wenigstens habe ich  eigene Ideen & Sinnbilder. Rabe, willst Du mich begleiten? Nach  Walhalla, ich wollte immer schon Valkyren reiten. Und ich meine nicht Richard Wagner!

Sinngemäß “künstlerischer” Phantast?
Hinz: Kunz:   Hinz: Kunz:  In seinem neuesten Text schreibt der Herr Pietroschek ja... Ach wissen Sie; dieser degenerierte, so offensichtlich Geisteskra... Ahem, er lobt Sie und Ihr Wirken über alle Maße! Pietroschek? Der begnadete Autor? Der wahre Adept der Muse auf Erden?  Bitte verzeihen Sie, ich hatte mich da, beim Namen, wohl verhört. Hehe. ☺

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