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Die Phi Lo Sophie Der Antike

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Gorgias wurde um 480 v.Chr. im sizilischen Leontinoi geboren. Er zählte zur ersten
Generation der Sophisten und zu den erfolgreichsten Rhetoren seiner Zeit. Zu Beginn
des Peloponnesischen Krieges, im Jahre 427, kam er als Gesandter seiner Heimatstadt
nach Athen, um Hilfe gegen Syrakus zu erbitten. Auf die Athener machte er schon
durch die Fremdartigkeit seiner Ausdrucksweise, den ionischen Lokaldialekt, einen ge-
waltigen Eindruck. In Delphi und Olympia hat er große Festreden gehalten. Für seine
Rhetorikveranstaltungen erhielt er riesige Geldsummen. In hohem Alter ist er nach 380
gestorben. Sein berühmtester Schüler war Isokrates (436–333 v.Chr.) in Athen, aber
auch der Tragödiendichter Agathon. Unter den Politikern finden sich die Namen des Pe-
rikles, Alkibiades und Kritias in seinem Schülerkreis.
Von seinen Schriften sind erhalten: Lob der Helena, die Verteidigung des Palamedes
wie Auszüge aus seiner Schrift Über das Nichtseiende oder die Natur. Verloren gegan-
gen ist eine Schrift, welche die Redekunst behandelte.
Die Griechen waren ein Volk, das schon immer die Redekunst hoch geschätzt hat.
Gleichwohl hat Athen die kunstmäßig betriebene Rhetorik nicht selbst hervorgebracht.
Sie wurde aus Sizilien, dem griechischen Kolonialgebiet, „importiert“. Nach der Über-
lieferung galten die beiden Syrakusaner Teisias und Korax als die Begründer der Rheto-
rik. Für Griechenland gilt jedoch erst Gorgias als deren „Vater“. Zu Recht nennt ihn
A. Lesky in seiner Geschichte der griechischen Literatur(1963) einen „Meister und See-
lenführer durch das Wort.“ In einem Augenblick, da die politische Großmachtstellung
Athens dem Niedergang verfiel, verhalf er der „attischen Literatursprache“ (A. Dihle)
zur Weltgeltung.

Gorgias hat die formale Seite der Kunstprosa („Gorgianische Figuren“) in vollendeter
Manier ausgebildet und war Begründer der rhetorischen Stilistik. Überzeugt davon,
dass die Macht der Rede grenzenlos sei und bei ihrer richtigen Handhabung durch ihre
Wirkung schlechthin alles durchzusetzen vermöge, ist das von jeder Bindung an die
Sache gelöste Wort für ihn reine Psychagogie und dadurch nur einen Schritt entfernt
von nackter Demagogie:

Das Wort ist ein großer Herrscher; mit dem geringsten und unscheinbarsten Körper versehen,
vollbringt es die göttlichsten Werke. Denn es kann Furcht beenden, Trauer beseitigen, Freude her-
vorrufen und Mitleid erwecken. (DK 82 B 11)

Sein extremer erkenntnistheoretischer Relativismus weist jede Erkennbarkeit des
Seienden zurück und zieht daraus den Schluss, jedes Mittel der Täuschung für gerecht-
fertigt zu halten. Von diesem Standpunkt aus erklärt sich das Interesse des Gorgias an

Gorgias

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„der sinnlichen Seite der Sprache“ (M. Fuhrmann), an den von ihrer Zaubermacht hervor-
gerufenen irrationalen Wirkungen, die durch Klang und Rhythmus erzielt werden und
beim Hörer lediglich „Stimmungen“ und mit ihnen verbundene irrationale Überzeugun-
gen hervorrufen. Denn, so Gorgias: Nicht Wahrheit und Wissen, sondern das Wahr-
scheinliche und der Schein sind die fundamentalen Gegebenheiten des menschlichen
Daseins. In seiner Musterrede Lob der Helenaäußert er sich (Abschnitt 9) über die Dich-
tung mit Worten, die auf die Tragödiendefintion des Aristoteles Einfluss nehmen:

Die gesamte Dichtung fasse ich auf und benenne ich als durch Maße gebundene Rede; die ihr
lauschen, überkommt schreckliches Schaudern und tränenreicher Jammer und ein Drang, der die
Schmerzen liebt.

In seiner Darstellung Die Vorsokratiker(1991) hat W. H. Pleger den Unterschied zwi-
schen der gorgianischen „Rhetorik“ und dem sokratischem „Logos“ herausgearbeitet,
wenn er schreibt: „Die Überzeugung, die Wahrheit nicht schon zu besitzen, ist die sokra-
tische Form der Skepsis. Aber diese Skepsis gerinnt nicht zu einer dogmatischen These
über die Unerkennbarkeit des Seienden, sondern wird zu einem methodisch fruchtbar
gemachten Motiv der gemeinsamen Wahrheitssuche. Die im Gespräch gesuchte Wahr-
heit bildet das Merkmal der Unterscheidung von Philosophie und Rhetorik.“22

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