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Crowdfunding Im Filmbereich

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Crowdfunding im Filmbereich
Diplomarbeit Studiengang Kulturarbeit Im Fachbereich Architektur und Städtebau an der Fachhochschule Potsdam

vorgelegt von: Anna Huber

Berlin, 14.02.2011
Crowdfunding im Filmbereich
Diplomarbeit Studiengang Kulturarbeit Im Fachbereich Architektur und Städtebau an der Fachhochschule Potsdam

vorgelegt von: Anna Huber

Berlin, 14.02.2011

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Crowdfunding im Filmbereich

Diplomarbeit Studiengang Kulturarbeit Im Fachbereich Architektur und Städtebau an der Fachhochschule Potsdam

vorgelegt von: Anna Huber

Berlin, 14.02.2011

Erster Gutachter: Dipl.- Soz.Päd. Uwe Hanf

Zweiter Gutachter: Prof. Dr. Hermann Voesgen

Inhaltsverz eichnis
Abkürzungsverzeichnis______________________________________________3 Abbildungsverzeichnis ______________________________________________4 Tabellenverzeichnis ________________________________________________5

1. Einleitung ______________________________________________ 6 2. Ausgangslagen__________________________________________ 9
2.1 Idealtypische Filmfinanzierung_________________________________9 2.1.1 Fernsehsender-Beteiligung _______________________________11 2.1.2 Öffentliche Filmförderung ________________________________12 2.1.3 Wirtschaftliche vs. kulturelle Filmförderung___________________13 2.2 Internet und Gesellschaft ____________________________________17

3. Crowdfunding __________________________________________ 21
3.1 Definition __________________________________________________21 3.2 Historie des Crowdfundings __________________________________23 3.3 Verbindung von Crowd, Initiator und Projekt ____________________25 3.3.1 Organisation und Kommunikation von Initiatoren und Crowd __26 3.1.1.1 Plattformen __________________________________________27 3.1.1.2 Projektspezifische Crowdfunding-Webseiten________________31 3.3.2 Die Initiatoren und das Funding ___________________________34 3.3.2.1 Gegenleistungen und Finanzierungsarten __________________34 3.3.2.2 Motivation der Initiatoren _______________________________38 3.3.2.2.1 Marketingfunktion _________________________________39 3.3.2.2.2 Erhöhung der Absatzchancen ________________________43 3.3.2.2.3 Kundennähe _____________________________________44 3.3.2.2.4 Unabhängigkeit in Herstellung und Distribution __________45 3.3.3 Die Crowd ______________________________________________47 3.3.3.1 Charakteristika _______________________________________48 3.3.3.2 Die Crowd als Community ______________________________53

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3.3.3.3 Motivation der Crowd __________________________________56 3.3.3.3.1 Nutz-Motive ______________________________________56 3.3.3.3.2 Hedonismus-Motive________________________________58 3.3.3.3.3 Norm-Motive _____________________________________60 3.3.3.3.4 Corporate Social Responsibilty _______________________61 3.4 Herausforderungen und Problemstellungen ____________________62 3.4.1 Infragestellung des demokratischen Prinzips ___________________62 3.4.2 Unfaire Anerkennung______________________________________64 3.4.3 Unterstützungs-Tief im Fundingverlauf ________________________65 3.4.4 Mangel an professioneller Einstellung ________________________67 3.4.5 Grenzen der Ressource Crowd und des Finanzierungsniveaus ____69 3.4.6 Künstlerische und kulturelle Vorbehalte _______________________71 3.4.7 Finanzgesetzliche Vorbehalte _______________________________74 3.4.8 Schutz der Idee __________________________________________75 3.4.8 Unglaubwürdigkeit ___________________________________________ 76

4. Perspektive und Vision __________________________________ 79
Anhang Tabelle 1: Crowdfunding-Plattformen für Film ____________________85 Filmverzeichnis ___________________________________________________87 Literaturverzeichnis________________________________________________93

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Abkürz ungsv erzeichnis
AGB B2C B2B BKM CSR DSL DVD DFFF MEDIA Allgemeine Geschäftsbedingungen Business to Consumer-Geschäftsbeziehung Business to Business-Geschäftsbeziehung Beauftragter für Kultur und Medien Corporate Social Responsibility Digital Subscriber Line Digital Versatile Disc Deutscher Filmföderfond Mesures pour Encourager le Développement de l´Industrie Audiovisuelle (dt. Maßnahmen zur Unterstützung der Entwicklung der audiovisuellen Industrie) FAQ Frequently Asked Questions (dt.: häufige

Fragestellungen) FFA FFG FBW EStG ID-Code MNT o.J. p&a Filmförderanstalt Filmfördergesetz Deutsche Film- und Medienbewertung Wiesbaden Einkommenssteuergesetz Identifikations-Code Mediennutzertypologie ohne Jahr(esangabe) prints and advertising (dt.: Filmkopien und

Werbung) SciFi SWR taz UrhG Science Fiction Südwestrundfunk die tageszeitung Urheberrechtsgesetz

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4

Abbild ungsverz eichnis
Abbildung 1: Idealtypische Filmfinanzierung ____________________________10 Abbildung 2: Crowdfunding-Modell ___________________________________25 Abbildung 3: Fundingverlauf_________________________________________66 Abbildung 4: Hype-Zyklus___________________________________________79

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Tab ellenv erzeichnis
Anhang Tabelle 1: Crowdfunding-Plattformen für Film ____________________85

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1. Einleitung
Crowdfunding rückt immer mehr in den Fokus der breiten Öffentlichkeit: sei es als Thema bei Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Seminaren und Zeitungsartikeln oder durch die rapide steigende Anzahl an Crowdfunding-Plattformen in Deutschland. Von Hilfsprojekten in Afrika bishin zu Unternehmensgründungen- in sämtlichen Bereichen kann und wird Crowdfunding eingesetzt. Allein die Zahl der Crowdfunding-Plattformen zur Finanzierung kultureller Projekte inklusive Film stieg innerhalb des Jahres 2010 von null auf vier. 1 Das Schlagwort Crowdfunding findet sich in aller Munde wieder, jedoch verhält es sich wie so häufig bei neuen Phänomenen: Keiner weiß genau, was sich genau hinter dem Anglizismus verbirgt. Und was diese, als neuartig beschworene, Finanzierungsform konkret beinhaltet. Sicher ist hingegen: Crowdfunding ist der neue Hype 2010, mit all dem positiven und auch negativen Begleiterscheinungen. Auch in der Filmwelt weckt das Konzept Hoffnung. Das Filmbusiness leidet, wie die gesamte Wirtschaft, nicht nur unter der Finanzkrise, auch die deutsche Filmfördermittelverteilung steht immer wieder in der Kritik. Besonders für den Filmnachwuchs wird es zunehmend schwerer sich auf dem engen Markt zu positionieren und Filmförderung und andere Finanzierungsmittel zu akquirieren. Ist Crowdfunding hier der rettende Engel? Kann Crowdfunding die Lösung aller Filmfinanzierungsprobleme sein? Die Arbeit widmet sich der Analyse des derzeitigen Status Quo und der Bedeutung von Crowdfunding im Filmbereich, vor allem in Deutschland. Dies bezieht die Berücksichtigung der Ausgangssituation und das Verständnis der Begrifflichkeit Crowdfunding mit ein. Des Weiteren erörtert die Arbeit welche Personen oder Organisationsformen sich hinter dem Phänomen Crowdfunding verbergen und welchen Risken und Chancen diese gegenüberstehen. Dabei trägt die Arbeit zu einem tieferen Verständnis und einer realistischen Einschätzung der Rolle von Crowdfunding in der Filmfinanzierung bei. Informationstechnologische Betrachtungen, sowie eine eingehende Analyse von Crowdsourcing, in dessen Zusammenhang Crowdfunding oft erwähnt wird, sind innerhalb der Arbeit nicht

1

startnext.de; inkubato.com; mysherpas.com; visionbakery.com; pling.de (vgl. Tab.1: Crowdfundingplattformen

für Filme)

Crowdfunding im Filmbereich

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tiefergehend berücksichtigt. Vielmehr ermöglichen die Erkenntnisse der Arbeit einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung von Crowdfunding für die Filmfinanzierung und vermögen bei der Entscheidung für oder gegen die Nutzung von Crowdfunding zur Finanzierung von Filmprojekten zu helfen. Eine Vielzahl an positiven und negativen Praxisbeispielen wird zur Veranschaulichung und Verbesserung des praktischen Verständnisses herangezogen. Auf spezifisch ausgearbeitete Fallstudien wurde zugunsten eines breiten Spektrums an kreativen und handlungsorientierten Anregungen aus zahlreichen

Projektbeispielen verzichtet. Die Literaturlage zum Thema Crowdfunding im Speziellen ist überschaubar. Noch ist das Thema zu jung und wird häufig nur als Exkurs in Werken über andere Internetanwendungen genannt. Im Dezember 2010 erschien die bisher einzige Buchveröffentlichung zum Thema Crowdfunding, The Crowdfunding Revolution2. Da Crowdfunding aber viele Komponenten aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen wie Wirtschaftswissenschaften, Soziologie und Filmund

Medienwissenschaften enthält, nimmt die Arbeit immer wieder Bezug auf entsprechende Fachliteratur und stellt Verbindungen, beziehungsweise

Grenzlinien dar. Da es sich bei Crowdfunding um ein Phänomen handelt, dass durch und im Internet entstand, sind die einschlägigen Crowdfunding-Webseiten sowie fachkundige Online-Magazine und Themenblogs als seriöse Quellen zu verwerten. Aufgrund der jungen Entwicklung von Crowdfunding im Filmbereich in Deutschland nähert sich die Arbeit dem Thema explorativ an3. Aus diesen Gründen ist die Arbeit unter einem qualitativ-empirischen Ansatz geschrieben und mit, soweit vorhandenen, quantitativen Daten ergänzt. Der Gegenstand des Crowdfundings wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und Hypothesen aufgestellt. Dazu werden verschiedene Positionen aus Theorie und Praxis herangezogen, sowie Erfahrungen, Statements und Aussagen von Praktikern ausgewertet, um ein komplexes Bild zu vermitteln. Durch vergleichbare Situationen in den USA, wo die Anwendung von Crowdfunding für Filmprojekte fortgeschrittener ist, lassen sich aber fallabhängig Rückschlüsse und Parallelen
2 3

vgl.: Marom/Lawton, 2010 vgl. Schmidt, 2007: 256

Crowdfunding im Filmbereich

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auf

die

Entwicklung

von

Crowdfunding

in

Deutschland

ziehen.

Diese

dokumentarische Herangehensweise und Interpretation ist dabei im Sinne der Mannheimʼschen Wissenssoziologie.4 Ein Vergleich von Crowdfunding im Filmbereich zu Crowdfunding in anderen Bereichen wurde bewusst unterlassen, da Film in Produktion und Wirkung ein so komplexes System ist, dem kein anderer Bereich wie beispielsweise die Musikindustrie gerecht würde. Im Verlauf der Arbeit werden die Begriffe Crowdfunding und Projekt immer im Bezug auf den Filmbereich verwendet, um die Lesbarkeit zu vereinfachen. Kurz: Alle in der Arbeit erwähnten Crowdfunding-Beteiligten sind im Kontext des

Filmeschaffens zu verstehen. Der Begriff Filmproduktion wird in dieser Arbeit eng verbunden mit Kinofilm und der angestrebte Verwertung in Filmtheatern, benutzt.

4

vgl. Bohnsack, 2007: 10f

Dieser methodische Zugang berücksichtigt die Differenz zwischen objektivem Dokumentsinn und subjektiv gemeintem Sinn der Akteure. Dabei wird das Wissen der Akteure, das in vielen Fällen implizit angelegt ist aber, ohne weiteres reflexiv zugänglich, als die empirische Basis der Arbeit anerkannt.

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2. A usgangs lagen
Crowdfunding als solches hat sich erst in den letzen Jahren entwickelt und ist dabei sich international zu etablieren. Wieso sich diese webbasierte Art der Finanzierung gerade jetzt so großem Interesse und Zulauf erfreut, ist, neben den Problemen der traditionellen Filmfinanzierung, auch auf verschiedene technische und gesellschaftliche Entwicklungstendenzen der letzten Jahre zurückzuführen.

2.1 Idealtypis che Filmfi nanzierung
Die Filmbranche ist seit ihrer Entstehung durch politische, gesellschaftliche und technologische Umbrüche ständig in Bewegung und auch die jüngste Zeit bringt viele Herausforderungen und Schwierigkeiten
5

mit

sich,

die

„passende

Geschäftsentwürfe und fundiertes Wissen“

fordern, um die Produktion und

Finanzierung von Kinofilmen zu gewährleisten. Dass sich die Filmwirtschaft derzeit, wie viele andere Wirtschaftzweige, in einer Krise befindet, ist nicht zu verleugnen. Bis auf wenige Ausnahmen herrscht bei den Filmproduktionen ein Herstellungskostendefizit: Die Produktionskosten können mit den Erlösen aus den Filmen nicht mehr gedeckt werden. Verstärkt wird dies durch sinkende Kinobesucherzahlen und vermehrte illegale Kopien und Verbreitung von Filmen. Gerade auch für junge Filmemacher und Debütfilme ist der Zugang zu

konventionellen Finanzierungsquellen noch schwieriger als für Filmemacher mit Referenzen und Kontakten. „Man hat noch nicht bewiesen, dass man ein fähiger Regisseur ist.“6 Befinden sich diese Finanzierungsquellen auch noch in einer Krise, leidet zuerst zu deren Engagement Des und Risikobereitschaft ist ein die den

Filmnachwuchs

unterstützen. derart

Weiteren dass

deutsche an

Filmproduktionslandschaft

kleinteilig,

Überfluss

Kleinstproduktionsfirmen und Gelegenheitsproduzenten herrscht, die weder über eine stabile und ausreichende Kapitaldecke noch kontinuierlichen „Track Records“ (Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte) verfügen. Diese atomisierte Filmproduktionslandschaft gewinnt nur selten den Zuspruch von Investoren und

5 6

Wasilewski, 2009: 179 Henckel von Donnersmarck, 2009: 84)

Crowdfunding im Filmbereich

10

die Koordination von Produktion, Vermarktung und Distribution leidet unter der fehlenden vertikalen Verflechtung und dem mangelnden Kapital.7 Die Konkurrenz um Filmfördermittel wird dadurch verstärkt, die ohnehin schon eine

schwerwiegende und verantwortungsvolle Position in der Filmfinanzierung einnehmen.

Abbildung 1: Idealtypische Filmfinanzierung

Die

idealtypische

deutsche

Filmfinanzierung

basiert

auf

einer

Subventionswirtschaft und damit zu großen Teilen auf dem Engagement von Förderungen (50%) und Fernsehsendern (25%). Der restliche Teil der Budgets wird anteilig durch Garantien von Verleihern (10%), Rückstellungen, Weltvertrieb und Eigenkapital8 getragen (vgl. Abbildung 1)
9

Die Dominanz der öffentlichen

Filmförderung gegenüber dem Eigenanteil10 seit den 60er Jahren, führt zu einer Art Teufelskreis für die nationale Filmwirtschaft: Die Filmemacher orientieren sich einerseits weniger an den Bedürfnissen des schrumpfenden Kinopublikums und wagen aber gleichzeitig auch weniger innovative Filmprojekte, sondern

unterwerfen sich den Regeln bürokratischer Fördermittelbeschaffung und den

7 8

vgl. Storm, 2000: 88 „Dieses Eigenkapital kann entweder aus dem Umlaufvermögen (Bankkonto, Wertpapierdepot o.ä.) oder

Anlagevermögen (Lizenzen, Technisches Equipement, Büroräume o.ä.) der Gesellschaft stammen, das für die Herstellung des Films eingesetzt wird. Eigenkapital bedeutet somit nicht automatisch Geld, sondern auch geldwerte Leistungen.“ (Storm, 2000: 58)
9

vgl. Wasilewski, 2009: 112f. Eigenanteil ist nach §34 FFG „Dieser beschreibt im Kontext der Filmfinanzierung den Teil des

10

Finanzierungsplans, der nicht durch Fördergelder gedeckt wird, sondern durch Eigenkapital des Produzenten oder Fremdmittel anderer Marktteilnehmer, wie z.B. Verleih oder andere Co-Produzenten.“ (Storm, 2000: 58)

Crowdfunding im Filmbereich

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inhaltlichen Vorlieben institutioneller Investoren. Zwar ist eine Subventionierung der Filmwirtschaft, wie es auch in anderen Krisensektoren der Fall ist, aus wirtschaftlicher Sicht angemessen, dennoch fördert die starke Subventionsquote damit auch, dass deutsche Filme unrentabel und marktfern und somit auch unattraktiv für private Investoren sind.11 „Eine Filmwirtschaft, die von

Filmförderungsinstitutionen abhängig ist, produziert eventuell zunehmend Filme, die ein solches System notwendig erscheinen lassen.“12 Zumal es sich bei den öffentlichen Fördergeldern um bedingt rückzahlbare Darlehen handelt und der Produzent dieses Geld nur dann zurückzahlen muss, wenn der Film

Auswertungserlöse erwirtschaftet. Dass dies nur in Ausnahmefällen gelingt, ist allen Beteiligten bewusst, ebenso wie die Tatsache, dass in Deutschland ein Angebot-Nachfrage-Missverhältnis von Kinofilmen herrscht. Da Fernsehsender und öffentliche Filmfördereinrichtungen, den größten Anteil der Filmfinanzierung ausmachen, werden diese in den folgenden Abschnitten eingehender betrachtet.

2.1.1 Fernsehsender-B eteiligung
Elementarer Teil der deutschen Filmfinanzierung sind, durch ihre Auftrags- und Koproduktionen sowie Lizenzgelder, die Fernsehsender. 90% der deutschen Filme entstehen im Auftrag von TV-Sendern. Diese erhalten alle

Auswertungsrechte, die üblicherweise weltweit, zeitlich-räumlich und inhaltlich, unbegrenzt sind. Der Abschluss solcher Produktionsverträge birgt ein erhebliches Risiko, auch was den Cashflow einer Produktion betrifft und setzt ein solides rechtliches Grundwissen zum Schutz eigener Interessen und Rechte voraus.13 Unabhängig davon, sind die Vergabevolumina der Fernsehsender an die Filmwirtschaft weltweit rückläufig. Das hat einerseits mit dem

Zuschauerschwund, gerade der jungen Zielgruppe, als auch mit jährlich sinkenden Werbebuchungen und dem enorm hohen Mittelbedarf durch

aufwendige bürokratische Verfahren zu tun. Ausgerechnet bei den öffentlichrechtlichen Sendeanstalten werden zuerst Sendeplätze für Dokumentar- und

11 12 13

vgl. Storm, 2000: 110 Eggers, 2005: 109 vgl. Jacobshagen, 2008: 93ff.

Crowdfunding im Filmbereich

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Spielfilmen, sowie die Unterstützung von Kinofilmproduktionen, gekürzt. So reduzierte beispielsweise der Bayerische Rundfunk 2009 seinen Kino-

Koproduktionsetat um 6 Mio. € und, mit Ausnahme des SWRs, taten es ihm sämtliche Fernsehanstalten gleich. 14 Aber auch private TV-Sender stehen unter vermehrtem Druck. So stehen die Werbegeldeinbußen der RTL Group im Jahr 2009 im zweistelligen Bereich kennzeichnend für die Branche.15 Eine freie Finanzierung, ohne Senderbeteiligung, bietet zwar die scheinbar größte Unabhängigkeit, jedoch setzt sich die Filmproduktion gleichzeitig einem noch stärkeren Druck des Zustandekommens von Lizenzgeschäften aus und auch das Akquirieren von Filmfördermitteln und Geldern aus Filmfonds wird durchaus langwieriger, wie sich in den folgenden Kapiteln zeigt.16

2.1.2 Öffentliche Filmförderung
Deutsche Filmprojekte haben die Möglichkeit auf drei verschiedenen Ebenen Fördergelder zu beantragen: bei europäischen Förderprogrammen sowie Filmfördereinrichtungen auf Länder- und Bundesebene. Eine Vollfinanzierung wird von keiner Förderinstitution übernommen. So muss der Filmemacher aus einem breiten Spektrum von Fördertöpfen, von Stoffentwicklungsforderung bis Verleihförderung, Filmfinanzierung mit unterschiedlichen Regularien und Fristen und die dichte

zusammenstückeln.

Dieses

dezentralisierte

Fördersystem mit variierenden und uneinheitlichen Strukturen ermöglicht einerseits zwar eine Erhöhung der Fördermittel durch die Kombination verschiedener Programme, jedoch spiegelt der „Förderdschungel“ auch das allzu bürokratisierte Fördersystem wieder. Die Förderzuschläge erfolgen nach einer Art Gießkannenprinzip: Der gesamte Förderetat wird auf eine Vielzahl von Projekten verstreut, um das Risiko zu minimieren. Das bedeutet einerseits, dass zwar eine Menge an Empfängern den Förderern wohlwollend gegenübersteht, andererseits aber, dass diese Strategie zu der bereits erwähnten Parzellierung der Produktionslandschaft und den daraus folgenden Problemen beiträgt.

14 15 16

vgl. Dockhorn, 2009; AG DOK- Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V., 2010a, 2010b und 2010c vgl. Mantel, 2009 vgl. Jacobshagen, 2008: 124f.

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Die Filmfinanzierung wird so zu einem langwierigen, komplizierten und nervenaufreibenden Verfahren unter dem zuweilen das ganze Filmpacket leidet, wenn beispielsweise Kreative oder andere Finanzierungspartner abspringen, der Filmstoff an Aktualität einbüßt oder der antragstellende Produzent in finanzielle Bedrängnis gerät.17 Häufig verursacht die Erfüllung der Förderbedingungen sogar unnötigen Kosten- und Zeitaufwand, weil beispielsweise die Produktion über mehrere Bundesländer verteilt stattfinden muss oder Tochterfirmen in anderen Bundesländern gegründet werden müssen, um die dortigen Fördermitteln abgreifen zu können. Aus selbigen Vorteilen werden auf nationaler und internationaler Ebene häufig Koproduktionen angestrebt. 18 Wie steinig der Weg zu Filmfördermitteln auch sein mag, so sind in Deutschland Filme dennoch durchschnittlich zu 50% von Filmfördereinrichtungen finanziert. Der Druck auf die Fördereinrichtungen ist groß. Zwar unterliegen die öffentlichen

Filmförderhaushalte keinen Kürzungen, im Gegenteil, es ist sogar ein Anstieg der Kinofilmproduktionsförderung in den letzten 20 Jahren zu beobachten.19 Wenn Finanzierungsunterstützungen durch TV-Sender oder Weltvertriebe ausbleiben, bekommen die Filmfördereinrichtungen noch mehr Bedeutungszuwachs. Das bedeutet wiederum, dass eine weitere Aufstockung des Haushalts nötig wäre, um den Bedarf auf selbem Niveau zu sättigen und die Produktivität der deutschen Filmbranche zu erhalten. Diese Entwicklungen unterstützen den Trend, auch öffentliche Filmförderungen auf Basis wirtschaftlicher Kriterien zu vergeben.

2.1.3 Wirtschaftliche vs. kul turel le Filmförderung
Sowohl die filmkulturellen als auch die wirtschaftlichen Zielsetzungen der Filmfördersysteme sind oftmals schwer zu vereinbaren, „denn einerseits werden Filme als
20

Kulturgut

subventioniert,

andererseits

als

Industrieprodukt

vermarktet.“ durch

Neben den Rechtfertigungen für staatliches Förderengagement Ziele, werden auch zunehmend ökonomische

bildungspolitische

Begründungen mehr gewichtet. Der erwartete Nutzen der Förderung wird

17 18 19 20

vgl. Storm, 2000: 83 vgl. Clevé, 2000: 102 vgl. Castendyk, 2008: 124 Wasilewski, 2009: 228

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beispielsweise an den positiven externen Effekten und dem meritorischen Charakter festgemacht. Auch wird angenommen, dass sich die Nachfrage mit dem Angebot entwickelt.21 Der Zwiespalt zwischen wirtschaftlicher und kultureller Förderung führte auf Bundesebene zu einer Herausbildung von Fördersystemen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Die deutsche Bundesregierung fokussiert durch den Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) den kulturellen Aspekt bei in der Förderung des deutschen Films. 22 Die Unterstützung künstlerischer Filmvielfalt betont, neben filmwirtschaftlichen Vorsätzen, auch die Stiftung Kuratorium Junger Deutscher Film.
23

Im Gegensatz dazu, ist der Deutsche

Filmförderfonds (DFFF) seit 2007 eine Maßnahme des BKM, um gezielt eine wirtschaftliche Förderung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und der volkswirtschaftlichen Attraktivität des Filmproduktionsstandorts Deutschland zu leisten. 24 Auch bei der Filmförderanstalt (FFA) des Bundes sind neben dem Ziel die kulturelle Ausstrahlung des deutschen Films im Ausland zu verbessern, vor allem wirtschaftliche Förderziele zu erkennen. 25 Der kurze Überblick über die bundesweiten Filmfördereinrichtungen zeigt, dass sich die finanzstärksten Filmfördereinrichtungen (FFA: rund 76 Mio. € und DFFF: rund 60 Mio. €)26 auf wirtschaftliche Vergabekriterien spezialisiert haben. Die Filmförderinstitutionen verfolgen neben den Rentabilitäts- und Standortstrategien, stets auch ein Qualitätsziel und betonen, dass eine hohe Filmqualität Vorraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg sei. Bei der Anstrebung des Ziels jedoch wird deutlich, dass, während es für Wirtschaftlichkeit deutlichere Bewertungsgrundlagen gibt, die für Qualität, die letztlich immer auf der Subjektivität des Betrachters beruht, fehlen. So entstehen die zahlreichen Widersprüchlichkeiten zwischen wirtschaftlichen und Kritikererfolg. 27 Bei
21 22 23 24 25 26 27 28

den

Fördereinrichtungen

auf

Länderebene28

steht

besonders

der

vgl. Benkert, 1997: 79 vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, 2005: 4 vgl. Kuratorium junger deutscher Film, 2009: 1f. vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, 2009: 3 Filmförderungsanstalt, 2010 vgl. Filmförderungsanstalt: 2010 und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), 2010: 2 vgl. Storm, 2000: 75 vgl. Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, FilmFernsehFonds Bayern, Medienboard Berlin-

Brandenburg, Filmbüro Bremen, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, Filmbüro Hessen, Hessische

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15

Regionaleffekt im Vordergrund und die Filme selbst werden eher als kulturelle Angelegenheit betrachtet. Damit „wird eine Wirtschaftlichkeit im Sinne einer Profitabilität durch den Markt im Rahmen einer Verwertungskette gar nicht erst angestrebt oder erwartet.“29 Dennoch verstärkt sich auch hier die Tendenz der Filmförderungen massenpublikumstaugliche Produktionen zu fördern um somit eine Wirtschaftlichkeit in der Verwertung zumindest anzustreben. Zwar kommen nur etwa 20 % der weltweiten, jährlichen Spielfilmproduktionen aus den USA (vor allem aus den sechs Major- Filmstudios 30), diese spielen aber nicht nur in Deutschland über 80 % aller Verleihumsätze ein.31 Dies ist zwar aus unternehmerischer Sicht vorteilhaft, die Konsumentenperspektive fällt hingegen etwas pessimistischer aus. In deren Sinne agiert die Filmförderung der Europäischen Union, die darauf zielt den kulturellen Einfluss amerikanischer Filmproduktionen einzudämmen und die europäische Filmkultur zu stärken. Doch auch diese Förderpolitik ist meist „industriepolitisch geprägt und von rein wirtschaftlichem Interesse.“32 Im Zentrum des MEDIA-Programms der EU steht vor allem die Förderung des Verleihs und Vertriebs europäischer Filme. 33 Und auch der europäische Filmförderfond EURIMAGES zielt zwar an erster Stelle auf kulturelle Filmfördermaßnahmen, versucht aber gleichzeitig die Filmindustrie hinsichtlich ihrer kommerziellen Interessen zu unterstützen.34 Die EU-

Förderprogramme haben sich auch besonders die Förderung europäischer Koproduktionen zum Ziel gesetzt. Damit diese Filme im europäischen Ausland keine Misserfolge aufgrund der zu unterschiedlichen nationalen Filmvorlieben werden, wird versucht, auf die inhaltliche und ästhetische Anpassung der Filme

Filmförderung,

Film-

und

Medienbüro

Niedersachsen,

Nordmedia-

Die

Mediengesellschaft

Niedersachsen/Bremen, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Filmbüro Nordrhein-Westfalen, Mitteldeutsche Medienförderung ,Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern, Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, Filmverband Sachsen, Kulturelle Filmförderung des Landes Sachsen-Anhalt durch die Kunststiftung des Landes SachsenAnhalt, Filmbüro Schleswig-Holstein, Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein, Kulturelle Filmförderung Thüringen
29 30

Clevé, 2000: 97 Major-Studios (Stand Dezember 2010): Universal Studios, Paramount Pictures, 20th Century Fox, Warner vgl. Lang/ Winter, 2005: 129f. Wasilweski, 2009: 253 MEDIA Desk Deutschland GmbH, 2010 vgl. Eurimages-Council of Europe, 2010

Bros. Pictures, Walt Disney Pictures, Columbia Pictures
31 32 33 34

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16

an alle beteiligten Kulturen zu achten. Anstelle des Förderziels einer vielfältigen europäischen Filmkultur kommt es zu einer ökonomisch bedingten Nivellierung: Konturenloser „Europudding“ wird produziert.35 Es drängt sich, mit Blick auf die einzelnen Fördereinrichtungen der Verdacht auf, dass das Ziel der kulturellen Filmförderungen oft nur genannt wird, weil die Fördersysteme regelmäßig auf ihre Vereinbarkeit mit den Wettbewerbsregeln der EU überprüft werden. Denn während die USA immer wieder ein Verbot der Subventionen im audiovisuellen Bereich forderte, wurde für kulturelle Werke eine Ausnahmeregelung („exception culturelle“ Art. 92 EU-Vertrag v. 7.2.1992) erwirkt. 36 Bei der Vergabe von Fördergeldern, aber auch Preis- und Fördergeldern im Rahmen von Filmpreisverleihungen muss berücksichtig werden, welche

Institutionen und Einrichtungen in den Ausschüssen, Gremien und unter den Gesellschaftern vertreten sind. Vor allem Fernsehsender sind an den regionalen Filmfördereinrichtungen als Gesellschafter beteiligt, deren Geld bei den Förderinstitutionen natürlich willkommen ist.37 Auf der Kehrseite bedeutet das, dass Fernsehsender schon bei der Vergabe von Fördermitteln Einfluss darauf haben, welche Filme den Zuschlag bekommen und produziert werden. Der Rundfunkstaatsvertrag regelt in diesem Sinne, dass sich die öffentlichen Fernsehanstalten so an Filmförderungen beteiligen, um ihre Programme in qualitativer und quantitativer Weise zu sichern.38 Diese „enge Verzahnung

zwischen Filmfördermitteln und Fernsehtauglichkeit wird von vielen Produzenten beklagt, nicht nur, weil künstlerisch erforderliche Differenzen nivelliert werden, sondern auch, weil damit tief greifende wirtschaftliche und rechtliche Einbußen festgeschrieben sind.“
39

Doch nicht nur Filmfördereinrichtungen und Fernsehsender unterliegen diesem Konflikt zwischen wirtschaftlichem und kulturellem Interesse. Auch die

Filmemacher selbst befinden sich in einem Gewissenskonflikt, wie weit sie für den Zuschlag einer Förderung gehen, wie stark sie ein Drehbuch oder einen
35 36 37 38 39

vgl. Storm, 2000: 85 vgl. Wasilewski, 2009: 230ff. und Storm, 2000: 92 vgl. Rehme-Lauer [et al.], 2010 und FilmFernsehFonds Bayern GmbH, 2010 vgl. Rehme-Lauer [et al.], 2010 Clevé, 2000: 95 und vgl. dazu: Stampfer: 171

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Herstellungsplan an die geltenden Förderstrukturen und -bedingungen anpassen, um den Förderstrategien Rechnung zu tragen. Unabhängig von den

marktwirtschaftlichen Aspekten bei der Stoff-, Schauspieler- und Genreauswahl, werden die Filmprojekte so häufig auf die Vorlieben und das kulturelle Verständnis der Fördergremien abgestimmt, so genannte Gremienfilme. 40 Das Gut Film unterliegt den Marktgesetzen und mit möglichst geringem Aufwand kann der Filmemacher versuchen größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften und das Absatzrisiko zu minimieren. Folgen sind eine Standardisierung der Stoffauswahl, großer Marketingaufwand durch auffällige Werbemaßnahmen und das

Engagement von Filmstars. In den jeweiligen Filmförderinstitutionen entscheiden Fördergremien oder Intendanten dann, welche Filme einen Zuspruch auf Förderung erhalten. Um ein Filmprojekt schnellstmöglich und reibungsloser zu realisieren, ist der Weg der Anpassung sicherlich einfacher, ob er jedoch den künstlerischen und filmischen Ansprüchen letztlich auch des Publikums gerecht wird, ist eine andere Frage.

2.2 Internet und Gesellschaft
Die Entwicklung des Web 2.0 und dessen Prinzipien der Vernetzung und Partizipation spielen eine entscheidende Rolle für das Aufkommen des Crowdfundings. Der Begriff Web 2.0 weist auf einen Versionssprung der Internetsoftware hin. Er beschreibt ein verändertes Nutzungsverhalten, das sich zu mehr virtueller Kommunikation und Interaktion weiterentwickelt, sowie neue technische Möglichkeiten u.a. mit sehr viel höheren Bandbreiten, welche die Internetnutzung und damit die Möglichkeit, selbst zum Absender von Botschaften in allen Medienformen zu werden, vereinfachen. Zahlen aus aktuellen Statistiken belegen dies: 70% der Erwachsenen über 14 Jahren in Deutschland nutzen das Internet, mit steigender Tendenz. 41 Immer mehr Haushalte sind auf hohem Niveau technisch ausgestattet und über DSL-Verbindungen auf das Internet zu. 42 Ebenso nimmt die Verbreitung von mobilen Endgeräten, wie Smartphones und

40 41 42

vgl. Storm, 2000: 85 vgl. ARD/ZDF- Onlinestudie, 2010a vgl. Sobczak/ Groß, 2010: 27

Crowdfunding im Filmbereich

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Laptops, immer weiter zu, was eine permanente und ortsunabhängige Nutzung des Internets ermöglicht. Damit werden Produktion und Verteilung von Inhalten vereinfacht und die Angebote des Web 2.0 mit seinem rezipierenden und produzierenden Charakter verstärkt wahrgenommen.43 Konsequenz der

vereinfachten Partizipation ist die schnell steigende Akzeptanz und die Anpassung von Kommunikations- und Meinungsbildungsverhalten in der Bevölkerung, beispielhaft zeigt dies die enorme Frequentierung von

Socialnetwork- Plattformen wie Facebook und User Generated Content-Seiten wie Wikipedia oder YouTube. Die Freizeitbeschäftigungen der jüngeren Webaffinen Generation, auch „Digital Natives“ genannt, konzentrieren sich zunehmend auf Online- Aktivitäten. 44 Während die Bereitschaft aktiv Inhalte zu generieren allerdings stagniert bzw. rückläufig ist, steigt die Beliebtheit der Nutzung privater Communities weiter.45 Dies bestätigt, dass die Hemmschwelle der Nutzer niedriger ist, sobald ein sozialer und emotionaler Mehrwert hervorgeht und die Lebensqualität in der Informationsgesellschaft gesteigert wird.46 Für die Entwicklung des Crowdfunding-Modells ist die Möglichkeit auf digitalem Weg Geld sammeln des zu können Geldes entscheidend möglich. Erst und so nur durch die

Entmaterialisierung

wurden

Online-

Transaktionsprozesse effektiv und von der breiten Bevölkerung angenommen. Tatsächlich steigen die Nutzerzahlen von Onlinebanking, PayPal etc. von Jahr zu Jahr. 47 Einhergehend damit steigt auch der Umsatz im E-Commerce und die Etablierung von Micropayments, d.h. die Zahlung von Summen, die unterhalb der Schwelle liegen, wo intensiv über die Ausgabe nachgedacht und Optionen abgewogen werden. In Deutschland jedoch sind in vielen Fällen die

Transaktionsgebühren für Kleinbeträge -noch- unverhältnismäßig hoch, so dass die Attraktivität der Nutzung für Geber und Empfänger darunter leidet. In den USA beispielsweise sind PayPal und andere Transaktionsservice (z.B.

payments.amazon.com, TrialPay.com) übliche Zahlungsmethoden und die Konditionen weitaus günstiger als in Deutschland. Dort werden Angebote wie
43 44 45 46 47

vgl. ARD/ZDF- Onlinestudie, 2010b und Gräßer/ Pohlschmidt, 2007: 12 vgl. Palfrey/Gasser, 2008 vgl. Busemann/Gscheidle, 2010 vgl. Gräßer/Pohlschmidt, 2007: 16f vgl. Böttcher [et al.], 2010

Crowdfunding im Filmbereich

19

Crowdfunding auch aus diesem Grund schon länger als in Deutschland wahrgenommen. 48 Auch der Aufwand zur Nutzung der Transaktionsangebote, wie die Einrichtung eines Kontos, die Registrierung und die Verifizierung, ist eine Hürde für potentielle Unterstützer und „Impulsüberweisungen“. “Viele

Straßenmusiker beispielsweise können von ihren Songs sogar leben, im Netz aber ist es um einiges schwieriger, jemandem Geld zu geben.“49 Diese Vorbehalte der Bevölkerung hinsichtlich der Durchführbarkeit und des Aufwands versucht man abzubauen. Mit fortschreitenden technischen Möglichkeiten werden die Transaktionsmöglichkeiten verbessert, vereinfacht und sicherer gemacht. Im deutschen Raum werden so neue Bezahlsysteme, wie FidorPay oder Sofortüberweisung.de50, eingeführt, welche die Einstiegsschwelle zur Beteiligung an Crowdfunding-Aktionen verringern sollen. Denis Bartelt,

Mitgründer von Startnext, bemängelt zu Recht die vielen Insellösungen zur Online- Bezahlung, „die damit die Überweisung von Kleinstbeträgen für die Konsumenten unübersichtlich machen.”51 Trotz der noch nicht ausgereiften Online-Zahlungsmethoden, geht auch im deutschsprachigen Raum der Trend hin zu Online-Spenden. Tatsächlich werden die höchsten Spenden online generiert. 52 Die Gründe hierfür liegen zum einen darin, dass das Internet vorwiegend von jungen Menschen (<29 Jahren) genutzt wird. Deren Spendenbereitschaft für konkrete, individuelle Projekte ist besonders stark ausgeprägt und deren Umgang mit jeglichen Web-Anwendungen, auch finanzieller Art, selbstverständlich ist.53 Zum anderen bietet das Internet zahlreiche Vergleichsmöglichkeiten und eine große Auswahl an jeweils

passenden Projekten, zu denen der Spender ein wesentlich schnelleres und umfangreicheres Feedback erhält und im besten Fall den Einsatz des Geldes aktiv verfolgen kann.

48 49 50

Sawall, 2009 Klopp, 2010 Beides sind Dienste der Fidor Bank AG: FidorPay ist ein e-Geld-Konto und sofortüberweisung.de ist ein TÜVpr- gateway, 2010 vgl. Deutscher Fundraising Verband e.V, 2010a vgl. Deutscher Fundraising Verband e.V, 2010b

geprüftes Direktüberweisungssystem in Kooperation mit der Payment Network AG
51 52 53

Crowdfunding im Filmbereich

20

Die technischen Errungenschaften des Internets verändern also sämtliche Bereiche der Gesellschaft und verlagern viele Prozesse in die virtuelle Welt. Das Web vereinfacht so auch den globalen Austausch von Nutzern sowie Inhalten und unterstützt die Dynamik der Globalisierung. Nicht nur das Nutzungsverhalten wandelt sich dadurch, die globale Vernetzung und die damit einhergehende Internationalisierung von Unternehmen wirkt sich „zum großen Teil auch auf die Inhalte, die Herstellung und den Handel von Programmen in der Filmbranche aus.“54 Neben der physischen erfolgt also auch eine kommunikative

Deterritorialisierung, die Grenzen zwischen Kulturen und Orten werden aufgeweicht und führen zu einem globalen kulturellen Wandel, der sich auch auf die Wahrnehmung von Film auswirkt. Filme sind Systeme aus zahlreichen Codes wie Sprache, Kultur, visuellen und auditiven Codes. Die Angleichung von Kulturen und ein steigendes internationales Verständnis von Codes tragen dazu bei, dass sich der Filmmarkt vergrößert. Die diversen Codes wirken nicht mehr zwangsläufig differenzierend und die Zugänge zu Filmrezeption und -produktion werden, wie auch tatsächliche Distanzen nivelliert. So finden auch

Nischenprodukte nicht nur ihr Publikum, sondern auch Finanziers weltweit und erweitern damit ihre Zielgruppen, ganz im Sinne der Theorie des „The Long Tail“ von Anderson.55 Es darf jedoch nicht vernachlässigt werden, dass die Internationalisierung von Filmproduktionen auch eine weitere Kommerzialisierung mit sich bringt, da eine möglichst breite Verwertbarkeit angestrebt wird. Dies erschwert das Bestehen von nationalund regional-spezifischen

Programminhalten, vergleichbar mit dem Problem des „Europudding“ (vgl. Kapitel 2.1.3 Wirtschaftliche vs. kulturelle Filmförderung). Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Entwicklung von Crowdfunding von all den Tendenzen in der Veränderung des Internets und dessen Einfluss auf die Gesellschaft profitiert.

54 55

Wasilewski, 2009: 111 vgl. Anderson, 2007

Crowdfunding im Filmbereich

21

3. Crowdfunding
Die dargestellten technischen, filmförderischen und gesellschaftlichen Tendenzen stellen also die Grundlage, auf der sich Crowdfunding zu seiner derzeitigen Popularität entwickeln konnte. Zahlreiche Medien greifen den Begriff auf und das Interesse an dem scheinbar neuen Finanzierungstool ist sowohl seitens der Nutzern, Initiatoren und Organisatoren, der Öffentlichkeit als auch der Filmbranche hoch. Der Informationsstand- um was es sich bei Crowdfunding handelt, wie und warum es eingesetzt wird- ist dabei noch relativ niedrig. Nähert man sich dem Thema von begrifflicher Seite an, handelt es sich bei Crowdfunding erst einmal um eine Wortschöpfung, die sich aus Crowd (engl. für Masse) und Funding (engl. für Mittelbeschaffung) zusammensetzt: Eine Masse an Menschen beschafft Geldmittel. Die Wortaufschlüsselung allein greift aber zu kurz. Um Crowdfunding in seiner Komplexität zu verstehen, ist es hilfreich das Zusammenspiel der von Crowd, Projektinitiatoren und Projekten zu

durchleuchten. Dieses Kapitel wird sich dem Thema erst von definitorischer und entwicklungsgeschichtlicher Seite widmen und dann die einzelnen Bestandteile und deren Wechselwirkungen genauer untersuchen.

3.1 Definition
Die Beschreibung, um was es sich bei Crowdfunding handelt, lässt sich prinzipiell kurz zusammenfassen und so beschränken sich viele Definitionen auf den größten gemeinsamen Nenner: Beim Crowdfunding handelt es sich um eine Finanzierungsform, bei der Einzelne sich gemeinsam für eine, sich- in- Planungbefindende Aktion mit Fremdkapital, gar als versorgen. 56 von Häufig wird es in

Zusammenhang

oder

Unterform

Crowdsourcing

genannt.

Crowdsourcing beschreibt, vereinfacht dargestellt, den kreativen Beitrag einer (anonymen) Masse an der Entwicklung von Produkten oder der Lösung von Problemen über das Internet. Beiden Prozessen ist gemeinsam, dass die Crowd online Input liefert, sei es in kreativer oder finanzieller Form. Der Unterschied ist, dass Crowdfunding nicht in erster Linie von dem Wissen, der Kreativität oder der
56

vgl. Roethler, 2010; Weiß, 2010; Littger, 2010; Gumpelmaier, 2010 und Hallensleben, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

22

Urteilskraft der Nutzer abhängt: „it merely taps their spare dollars, pounds and pesos.“57 Es handelt sich um einen freiwilligen finanziellen Beitrag, dennoch ist Crowdfunding deutlich vom Bezahlsystem Social Payment58 zu unterscheiden, wo für die Konsumierung von bereits produzierten Inhalten freiwillige

Geldabgaben gemacht werden. Ein wichtiger Aspekt der Definition von Crowdfunding ist demnach, dass die geleisteten Zahlungen als Vorauszahlungen für Projekte in der Entstehungsphase dienen. Der Initiator stellt sein geplantes oder sich-in-Arbeit-befindendes Filmprojekt und das fehlende Produktionskapital online vor. Interessierte Nutzer leisten einen finanziellen Beitrag, um das angestrebte Budget des Projektinitators zu erreichen. Um möglichst viele potentielle Geldgeber an zu sprechen, sind explizit auch kleine Beträge erwünscht. Durch Gegenleistungen bieten die Projektinitiatoren einen Anreiz zum Geldgeber zu werden oder die Summe zu erhöhen. Diese sind individuell an die Höhe der gegebenen Summe gebunden. Beispiele für solche Gegenleistungen sind der Erhalt von DVDs, Besuche am Filmset, oder Namensnennungen im Abspann. Dem Einfallsreichtum der Initiatoren sind dabei keine Grenzen gesetzt. In Hinsicht auf die Gegenleistungen gibt es jedoch unterschiedliche Ansichten: Während die einen von einer Gegenleistung sprechen, die „stets einen monetarisierbaren Wert hat“59 und der altruistische Wert nur als möglicher Zusatz gesehen wird, gehen andere davon aus, dass die emotionale Beteiligung am Projekt im Mittelpunkt steht. Geldwerte Gegenleistungen funktionieren hier nur symbolisch und nicht als erster Anreiz zur Beteiligung. 60 Doch unabhängig von der jeweiligen Definition von Gegenleistungen beim Crowdfunding, bleibt jeder Sichtweise gemeinsam, dass diese Gegenleistungen von immenser Bedeutung sind. Im Laufe der Arbeit wird jedoch noch betrachtet, wie stark die Motivation, sich an einem Crowdfunding-Projekt zu beteiligen, auf emotionalen Werten beruht und inwiefern der Geldwert der Gegenleistung oder eine Gewinnbeteiligungen den vordergründigen Anreiz geben (vgl. Kapitel 3.3.3.3 Motivation der Crowd).

57 58 59 60

Howe, 2008: 247 Bekannte Beispiele für Social Payment Services sind flattr.com und kachingle.com Sixt, 2010 vgl. Kressner, 2010a

Crowdfunding im Filmbereich

23

3.2 Historie
Bisherige Lösungen um finanzielle Mittel für die Herstellung eines Films aufzutreiben sind zeitaufwendig, teils sehr bürokratisch oder schwer zugänglich, wie schon am Anfang der Arbeit beschrieben wurde. Gerade kleinere Projekte ohne eine (große) Produktionsfirma im Hintergrund, stehen vor einer schwierigen Herausforderung, den wenigsten Filmkünstler haben das Know-how, die Zeit oder das Geld sich professionell um die Finanzmittelbeschaffung zu kümmern. Kurz: Die Finanzierung ist oftmals eine Hürde, die so manches ambitioniertes Filmprojekt nicht überwindet. Crowdfunding wird nun häufig als eine Möglichkeit beschworen, die es ermöglicht die Finanzmittelbeschaffung zu erleichtern, die Energien wieder zurück in die künstlerische Arbeit zu leiten und eine Konzentration darauf zu unterstützen. Immer wieder wird Crowdfunding daher als neuartiges Phänomen bezeichnet und ihm gar revolutionäre Kräfte

zugeschrieben. Doch blickt man hinter den neu eingeführten Begriff des Crowdfundings, erscheint das dahinter steckende Prinzip nicht völlig unbekannt. Bis auf die Abwicklung über das Internet und die dadurch neuen Möglichkeiten der Durchführung lassen sich vergleichbare Modelle in der Vergangenheit innerund außerhalb der Filmindustrie finden. Fernab der Filmindustrie und des Internets hat das Prinzip hinter Crowdfunding eine lange Tradition in vielen Bereichen der Gesellschaft. Schon vor dem Einsatz des Internet bot diese „Dankeschön-Ökonomie“ eine Chance mit finanzieller Hilfe vieler Unterstützer ein Projekt zu stemmen. Vor allem in den USA ist diese Art von Finanzierung in Charity und Politik weit verbreitet. 61 Aber auch in Deutschland tauchten in der Geschichte immer wieder Bewegungen auf, „die versucht haben, über den Zusammenschluss von Menschen Ziele zu erreichen, wie die ganze Genossenschaftsbewegung“62. So sind gemeinschafts-finanzierte Projekte wie beispielsweise auch die taz-Genossenschaft Vorläufer des heutigen Crowdfundings. 63 Im weitesten Sinn gibt es Crowdfunding auch im Filmbereich schon seit den Anfängen der Filmindustrie: Indem Leute ihr Geld den Banken geben und diese
61 62 63

vgl. Howe, 2008: 253 Meyer/Wattig, 2010 vgl. Gellenbeck, o.J.

Crowdfunding im Filmbereich

24

damit Filme finanzieren, basiert beispielsweise sogar Hollywood indirekt auf einem Crowdfunding-System, so Peter Wintonick, Filmemacher aus Kanada. 64 Ähnlich verhält es sich auch mit der staatlichen Filmförderung, die aus Steuergeldern genährt wird oder den Filmbeteiligungen von Fernsehanstalten, die sich zum Teil aus Rundfunkgebühren finanzieren. Doch in dem Wort „indirekt“ liegt der große Unterschied: Die Personen, die dem Staat oder einer Bank Geld geben, haben keine unmittelbare Kontrolle über den Einsatz der Mittel, während dies bei Crowdfunding ohne Mittelsmann möglich ist. Auch das „Kaufen“ eines Credits im Filmabspann ist nicht neu: „executive producer is sometimes used as a courtesy credit for an executive of a company financing a film.“65 Diese symbolische Entlohnung für eine Finanzierungshilfe ist dem Prinzip des Crowdfunding sehr ähnlich. Die Faktoren Crowd, Unmittelbarkeit und Internet als Geschehensort fügen jedoch bestehenden und ähnlichen Finanzierungsmodellen neue Aspekte hinzu und machen Crowdfunding durchaus zu einem neuartigen Phänomen. In dieser Form wurde Crowdfunding erstmals 2004 von den französischen Produzenten Guillaume Colboc and Benjamin Pommeraud als Filmfinanzierungstool

eingesetzt. Ihr Film Demain la Veille ist mit $50.000 aus Online-Spenden das erste erfolgreiche Crowdfunding-Projekt. 66 Der Begriff selbst wurde aber erst 2006 von Michael Sullivan
67

im

Projektblog
68

seines

Video-Crowdfunding-

Experiments fundavlog.com

geprägt.

So ist Crowdfunding, vor allem im

Filmbereich, ein denkbar junges Phänomen. Da sich die Ausgangslagen für die (Weiter-) Entwicklung von Crowdfunding erst in den letzten Jahren optimierten, befindet sich das „moderne“ Crowdfunding noch in einem sehr frühen und teilweise merklich unstrukturierten Stadium, das sicherlich verbesserbar ist. Marom/Lawton, sehen darin einen Vorteil: „If a system is overly structured, its very structure prevents it from being very innovative.“69 Sie spielen damit auf das

64 65 66 67 68 69

vgl. Lavaux [et al.], 2010 Cleve, 2000: 44 vgl. Media Wave, 2010 und IMDb, 2006 Fundavlog.com ist zum Zeitpunkt 10/2010 bereits nicht mehr online. vgl. Marom/Lawton, 2010: 66 Marom/Lawton, 2010: 71

Crowdfunding im Filmbereich

25

Prinzip des „edge of chaos“70 an, das besagt, dass an den äußersten Grenzen zwischen Ordnung und Chaos ein Maximum an Produktivität und Komplexität besteht. Crowdfunding hat also in seiner Offenheit das Potential diesen Spielraum optimal auszunutzen: „To achieve the optimum, one must push right up to the edge, and by the way, thatʼs way beyond where big corportations generally live today.“71 Den „Spielraum“ zu kennen, ist dabei vorteilhaft.

3.3 Verbindung von Crowd, Initiator und Projekt
Um die Komplexität von Crowdfunding zu verstehen, ist es von Vorteil die beteiligten Parteien näher zu betrachten. Die schematische Darstellung des Crowdfunding-Modells zeigt wie die verschiedenen „Komponenten“ bei einem Crowdfunding-Szenario miteinander agieren:

Abbildung 2: Crowdfunding-Modell

70

Der Physiker J. Doyne Farmer ist einer der Pioniere dieser Chaostheorie. Eine Einführung bietet das Buch:

Waldrop, M.M., 1992. Complexity: The Emerging Science at the Edge of Order and Chaos 1. Aufl., Simon & Schuster.
71

Marom/Lawton, 2010: 71

Crowdfunding im Filmbereich

26

Die Ideengeber sind das Filmteam, z.B. Filmemacher und Produzenten, denen das nötige Kapital zur vollständigen Umsetzung fehlt. Das Filmteam ist für die konkrete Realisierung der Filmproduktion verantwortlich. Hier wird bereits deutlich, dass eine beteiligte Partei mehrere Rollen im Modell übernehmen kann und es auch zu Überschneidungen kommen kann. Der Crowdfunding-Initiator, der meist auch Teil des Filmteams ist, stellt die Verbindung zur Crowd her. Diese stellt die Geldmittel zur Verfügung. Zur Präsentation des Projekts, Vernetzung und Kommunikation dienen die Möglichkeiten des Web 2.0. und als Vermittler dienen Plattformen bzw. spezifische Projektseiten, die unter aktiver Beteiligung der Initiatoren Gestalt annehmen. Die Crowd nutzt diese, ohne am konkreten Aufbau beteiligt zu sein. Der Austausch von Leistung und Gegenleistung erfolgt wechselseitig: Das Geld wird von der Crowd über die Plattform/Projektseite in Zusammenarbeit mit Onlinetransaktionsdiensten vermittelt, die materiellen Gegenleistungen erfolgen in der Regel als reelle oder digitale „Güter“. Wie Abbildung 2:
Crowdfunding-Modell

verdeutlicht, ist die Crowd somit elementarer

Bestandteil des Business-Modells. Während Neuner/Sandhu jedoch noch feststellen, dass Ideen fehlen, wie partizipative Formen einer neuartigen digitalen Medienkultur produktiv genutzt werden können, bietet Crowdfunding hiefür einen Weg: Externe Gemeinschaften werden vernetzt und verstärkt Dialoge von Seiten der Kunden auch eingefordert. Die Crowdfunding-Plattformen und –Seiten treten hier auch als „Mediatoren“ auf.72 Im weiteren Verlauf dieses Kapitels wird auf die einzelnen Rollen und Prozesse näher eingegangen, um den Ablauf des Fundings (Wer sammelt wie und warum Geld?) und die Rolle der Crowd (Wer gibt warum Geld?) besser zu verstehen.

3.3.1 Organisation und Kommunikation von Initiatoren und Crowd
Die Kommunikation zwischen Geldgeber und -nehmer wird über das Web 2.0 realisiert, entweder mittels einer projektspezifischen Website, bei welcher der Initiator die Aktion individuell organisieren kann, oder mittels einer CrowdfundingPlattform, die von Dritten betrieben wird und eine standardisierte Hilfestellung
72

vgl. Neuner/Sandhu, 2005: 227

Crowdfunding im Filmbereich

27

bietet. Steuerrechtliche Fragen und Aspekte bei Initiatoren und Unterstützern hängen jeweils von deren Rechtsform (natürliche, juristische Person etc.) ab und werden im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt.73 Im folgenden Abschnitt werden beide Möglichkeiten mit Hilfe von Fallbeispielen näher untersucht.

3.1.1.1 Plattformen
Das Crowdfunding-Plattformen ein Trend sind, zeigt schon die Tatsache, dass allein in Deutschland im Jahr 2010 vier Plattformen, die für Filmprojekte nutzbar sind, gegründet wurden: mysherpas.com (August 2010), Startnext.de (Oktober 2010), pling.de (November 2010) und Inkubato.de (Oktober 2010). Eine Weitere wird mit visionbakery.de Anfang 2011 online gehen.74 Während die Plattformen in Deutschland also noch in den Kinderschuhen stecken, zeigen bewährte Seiten wie kickstarter.com (seit 2009) und IndieGoGo.com (seit 2008) aus den USA, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte. Beide Webseiten sind in den letzten zwölf Monaten um 400% gewachsen, wobei Kickstarter IndieGoGo nochmals um das siebenfache an monatlichen Zugriffen übertrifft.75 Lassen sich für die deutschsprachigen Crowdfunding-Seiten noch keine aussagekräftigen Daten ermitteln, so zeigen die Werte von Kickstarter, dass dort ein Filmprojekt durchschnittlich $6,393 sammelt. Die Plattform hat zudem bisher über 1000 erfolgreich beendete Filmprojekte und knappe 30.000 Facebook-Freunde (vgl. Tabelle 1). Mit dieser starken Wahrnehmung sowohl von Seiten der Initiatoren als auch der Crowd, liegt Kickstarter vor vergleichbaren Plattformen. Die Zahlen zeigen, dass sich mit der steigenden Frequentierung einer Plattform auch die durchschnittliche Zielsumme erhöht. Diese Tendenz der Konzentration von Crowds und Geld auf wenige große Plattformen, wird durch den Zulauf von Werbepartnern auf eben diese Seiten verstärkt.76

73 74 75 76

Hinweise hierzu finden sich unter anderem in: Bruhn/Mehlinger,1998: 113-128 Stand: Dezember 2010 vgl. Mendoza, 2010 vgl. Marom/Lawton, 2010: 98

Crowdfunding im Filmbereich

28

Die Plattformen ziehen Initiatoren und Geldgeber durch eine transparente und komplexe Infrastruktur an: Sie betreiben für die Plattform und damit alle Projekte intensive Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Sie sichern sich dafür häufig das Recht Projektmaterial dafür zu verwenden und arbeiten teilweise in Partnerschaft mit anderen Medien (vgl. Tabelle 1). Des Weiteren bieten sie die Software, um eine adäquate Präsentation und einen sicheren Ablauf zu gewährleisten und unterstützen auch die Integration und Kombination der Projekte mit anderen Web 2.0–Services wie Facebook, Twitter, Vimeo und Youtube. CrowdfundingPlattformen bieten aber nicht nur den Initiatoren eine komplette Infrastruktur an, sie unterstützen auch die willigen Förderer ein geeignetes Projekt zu finden. Dies entspricht der Informationsstrategie des Web 2.0, in ihrer aufsuchenden beziehungsweise abwehrenden Dimension. Die User müssen über die

Wichtigkeit der im Überfluss zugelieferten Informationen und Angebote entscheiden, was ein hohes Maß an Informationskompetenz verlangt. 77 Aus diesem Grund sind Filterfunktionen von großer Wichtigkeit für die Nutzer und werden auch in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Denn je mehr die Popularität des Crowdfundings anwächst und je mehr Crowdfunding-Projekte zur Auswahl stehen, desto nötiger sind Plattformen, die gegen Undurchsichtigkeit vorgehen bzw. vorselektieren und somit die Geldgeber mit jeweils passenden Projekten versorgen. 78 Wenn es ein Überangebot an Inhalten gibt, braucht es Instrumente wie Crowdfunding-Plattformen die Angebot und Nachfrage, Inhalt und Nutzer, Film und Geldgeber, zusammenbringen, ähnlich einem DatingService. So übernehmen Plattformen eine Aggregatorenfunktion. Aus dieser Perspektive sind multidisziplinäre Plattformen, die neben Film auch zahlreiche andere Kategorien bieten, sinnvoll. So lassen sich die Interessen von Unterstützern projektübergreifend verbinden. Wer beispielsweise ein Solarprojekt in Uganda unterstützt, der findet möglicherweise auch ein Dokumentarfilmprojekt über regenerative Energien realisierungswert. Im Gegensatz zu

projektspezifischen Crowdfunding-Webseiten verfügen Plattformen über den „externen Netzwerkeffekt“79: Mitgebrachte Fans des einen Projektes begeistern

77 78 79

vgl. Gräßer/Pohlschmidt. 2007: 15 vgl. Dilk/Littger, 2010 vgl. Kressner, T., 2010d

Crowdfunding im Filmbereich

29

sich möglicherweise auch für andere Projekte und verknüpfen sich semantisch miteinander. Somit entstehen Synergieeffekte. Diese werden auch durch gezielte Pressearbeit der Plattformen verstärkt: Wird mit einem „Leuchtturmprojekt“ die Plattform beworben, so profitieren letztlich alle Projekte von der wachsenden Aufmerksamkeit (vgl. Kapitel 3.4.5 Grenzen der Ressource Crowd und des Finanzierungsniveaus). Traditionell übernehmen der Produzent, die Filmförderung, der Vertrieb etc. die Rolle des Vorabfilters, indem sie entscheiden, welcher Film produziert, gefördert und vertrieben wird. Crowdfunding übergibt nun diese Filterfunktion an die Crowd. Dennoch schalten sich viele der Crowdfunding-Plattformen noch vor der Crowd als relativ offene Vorabfilter dazwischen. So ist es oft nicht möglich sofort ein Projekt auf die Plattform zu stellen, sondern eine Art Bewerbung wird erfordert. Konzepte Die Plattformbetreiber prüfen eingereichte Projektvorstellungen,

und Datenangaben, ob sie mit den Richtlinien, AGBs und dem

geforderten Maß an Kreativität der jeweiligen Plattform übereinstimmen (vgl. Tabelle 1). Erst nach erfolgreicher redaktioneller Prüfung wird der Projektpitch freigegeben. Anmeldekosten werden dabei bei keiner Plattform fällig und die Anforderungen sind meist sehr offen, solange ein hohes Maß an Kreativität vorliegt und keine gesetzlichen Regeln verletzt werden. Eine besondere Art der Vorauswahl erfolgt bei Startnext: Jedes Projekt muss vorab mindestens 100 Unterstützer innerhalb eines Monats vorweisen, die das Projekt symbolisch mit 1 € unterstützen. Hier entscheiden also nicht die Plattformbetreiber über die Eignung des Projekts, sondern die Crowd. Was dem Konzept von Crowdfunding in hohem Maße gerecht wird. Manche Plattformen wie IndieGoGo betreiben keinerlei Vorabselektion und der Initiator kann das Projekt nach Anmeldung

umgehend freischalten (vgl. Tabelle 1). Der IndieGoGo-Mitbegründer Slava Rubin hält diese uneingeschränkte Offenheit für elementar: „Some other players out there decide whether or not your project deserves to be on there and we think that fundamentally goes against the reason the internet was created and how to best use an internet platform. Strategically, [...] I would compare that to eBay and those same people would say that eBay needed gatekeepers and I would argue that the whole point of the internet is to allow for it to be supply and demand,

Crowdfunding im Filmbereich

30

democratic determination of what deserves to be funded.“80 Die Vorabfilterung der Plattformbetreiber obliegt also derselben Gefahr wie alle Vorabfilter: Projekte, die kein offensichtliches Potential innehaben oder in irgendeiner Weise nicht die Vorstellungen der Betreiber treffen, werden aussortiert. Obgleich Beispiele zeigen, dass es immer wieder Überraschungserfolge gibt. Crowdfunding zeichnet sich gerade dadurch aus, jedem Projekt zumindest die Chance auf Finanzierung zu bieten, das auf idealtypischem Wege keine bekommen würde. Allein die Crowd filtert durch ihre Unterstützung. Wenngleich die Vorabfilterung meist nicht sehr streng und unter dem Argument der Anspruchserhaltung nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ betrieben wird, so ist dieser Aspekt dennoch kritisch zu betrachten. So lässt sich auch durchaus die finanzielle Motivation von Plattformbetreibern erkennen, wenn das Ziel ist, möglichst viele erfolgreiche Projekte auf der Seite zu haben. Denn wie jedes Unternehmen, handelt auch eine Crowdfunding-Plattform kommerziell in Form von Kapitalgesellschaften (vgl. Tabelle 1). Selbst Startnext, die versuchen den Status der Gemeinnützigkeit zu erreichen, planen neben der gGmbH eine kommerzielle Tochterfirma ein, deren Gewinn die laufenden Kosten decken soll. 81 So ist die Einstellung von Projekten zwar auf allen Plattformen kostenfrei, für erfolgreich abgeschlossene Projekte fallen jedoch prozentuale Gebühren (zwischen 5% und 8%) an (vgl. Tabelle 1). Erfolgreich bedeutet in diesem Zusammenhang das Erreichen der gesetzten Zielsumme innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens, meist 90 Tage (vgl. Tabelle 1). Gemäß dem AllesOder-Nichts-Prinzip werden die gefundeten Beträge also bei den meisten Crowdfunding-Plattformen nur bei Erreichen des Ziels ausgeschüttet. Die Plattformen IndieGoGo und InvestedIn stellen Ausnahmen dar: InvestedIn bietet die Auswahlmöglichkeit zwischen dem Alles-Oder-Nichts-System und

uneingeschränkten Geldsammeln zu je 3% Provision. IndieGoGo nützt die Provisionen von 9% für nicht erfolgreiche Projekte und 4% für Projekte, die das Betragsziel innerhalb der Zeitspanne erreichen, als indirekte Vorabfilter: Qualitativ minderwertige und unbeliebte Projekte, werden mit einer höheren Gebühr belangt. Die 9% Provision werden niemanden, der von seiner Projektidee
80 81

Bell, 2010 vgl. Bartelt, 2010b

Crowdfunding im Filmbereich

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vollkommen überzeugt ist, davon abbringen die Plattform zu nutzen, aber die Initiatoren sind motivierter alle Energie in die Crowdfunding-Kampagne zu stecken, um das Maximum aus der Unterstützung zu holen. Entscheidend für den Erfolg von Plattformen sind gut aufgestellte nachträgliche Filter wie Tags 82, sinnvolle Kategorisierungen, Empfehlungsfunktion und

Bestenlisten, damit der User den jeweilig passenden Inhalt finden kann. Mit einer gut durchdachten Plattformsoftware und einem übersichtlichen Aufbau,

ermöglichen Plattformen für Crowdfunding-Projekte so, was Youtube für Onlinevideos getan hat: eine Standardisierung des Prozesses. Im Bestfall führt diese dazu, dass Besucher auf eine selbstverständliche Art Projekte, die sie für gut befinden, finanziell unterstützen.

3.1.1.2 Projektspezifische Crowdfunding-Webseiten
Die ersten Crowdfunding-Projekte waren nicht über Plattformen, sondern über individuelle Webseiten organisiert. In spezifischen Ausformungen werden dort Projekt und Initiatoren vorgestellt, Wege und Ziele festgelegt um die Crowd zu erreichen. Der Spielraum, auf welche Art und mit welchen Schwerpunkten dies geschieht, ist dabei groß. Auffallend ist jedoch, dass häufig mehr Augenmerk auf die Tatsache des Crowdfundings gelegt wird, als auf den eigentlichen Inhalt des Films. So wird beispielsweise auf der Website von My Million Dollar Movie, abgesehen von einer kurzen Synopsis, kaum über den Filminhalt an sich berichtet. Dass die Tatsache des Crowdfunding an sich die Crowd motiviert Geld zu geben, mag noch ausgereicht haben, als diese Finanzierungsmethode etwas Neues im Netz war. Mit steigender Popularität von Crowdfunding wird dieser Effekt allein jedoch nicht mehr wirken. My Million Dollar Movie ist bereits seit 2006 online ohne das Ziel annähernd erreicht zu haben und eine Bewerbung des Filminhalts würde vermutlich mehr Geldgeber und großzügigere Unterstützung anziehen als die der Finanzierungsmethode. Zumal ist zu beobachten, dass, vermutlich aufgrund mangelnder Professionalisierung und geringem Budgets, Aktualität und kreativer Einsatz von Social Media Tools in den Hintergrund
82

Ein Tag (engl. Etikett) zeichnet einen Datenbestand mit

Meta-oder Zusatzinformationen aus, die die

Kategorisierungsmöglichkeiten erweiteren.

Crowdfunding im Filmbereich

32

geraten. Um noch einmal das Beispiel My Million Dollar Movie heranzuziehen: Obwohl das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, ist beispielsweise die letzte Twitter-Nachricht auf den 16. November 2010 datiert und die Zahl der facebookFreunde beläuft sich auf nur 1.460 (Stand: Dezember 2010). Ähnlich verhält es sich mit Buyacredit.com: Das Projekt verfügt allein durch die prominente Unterstützung von Jude Law, Whoppi Goldberg usw. über großes

Popularitätspotential, allerdings ist an der Frequentierung einschlägiger Social Media-Kanäle zu erkennen (nur 34 Facebook-Freunde im Dezember 2010), dass dieses nicht im Entferntesten ausgeschöpft ist. Im Vergleich dazu zeigt das Projekt Iron Sky, dass durch regelmäßige Einbeziehung der Crowd in den Projektverlauf, durch Updates und Beiträge in schriftlicher und audiovisueller Form eine große öffentliche Aufmerksamkeit erreicht werden kann. Die über 42.000 Anhänger auf Facebook zeigen den Erfolg des Einsatzes und den Rückhalt der Fans, der sich auch im bald bevorstehenden Erreichen der Zielsumme widerspiegelt. Eine Statistik der Plattform IndieGoGo bestätigt, dass die Zahl der Unterstützungen prozentual mit der Anzahl der Updates eines Projektes steigt. Ein Projekt, das keine Aktualisierungen vornimmt, generiert 137% weniger Geld als eine Kampagne, die wenigstens elf Updates posted.83 Doch die effektive Nutzung von Social Media Tools allein reicht auch nicht aus, wenn es an der Ausgereiftheit in der Gesamtorganisation insgesamt fehlt. Das Projekt Biracy versteht es zwar eine große Anzahl an Menschen über die digitalen Kommunikationskanäle zu erreichen, aber ähnlich dem Projekt My Million Dollar Movie, fehlt es dem Projekt Biracy es an Transparenz, was Inhalt und Finanzierungsdetails betrifft. Ausführlich werden zwar die Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung erläutert, nach Geschäftsbedingungen, dem Status Quo und Zeitplänen, sucht man jedoch vergeblich. Nur bei Anmeldung, die nur auf persönliche Einladung mit ID-Code möglich ist, kann der interessierte Nutzer weitere Details, wie beispielsweise den Namen des Regisseurs, erfahren. Jedoch wird diese Tatsache auf der Webseite so nicht kommuniziert. Erst nach Anmeldung ist der Mehrwert Mitglied zu sein, erkenntlich. Ein solches undurchschaubares Anmeldeverfahren, sowie eine augenscheinliche Exklusion von Unterstützern wirken einem uneingeschränkten Zulauf an Unterstützern
83

vgl. Labovitz, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

33

entgegen und halten diese aufgrund der Undurchsichtigkeit ab. Denn niemand wird Interesse zeigen, ein Projekt finanziell zu unterstützen, wenn die Verwendung des Geldes nicht deutlich ist und sich das Projekt im Nachhinein als zweifelhaft herausstellen könnte. Nur wenn Projektpräsentation, Transparenz und die Nutzung sämtlicher Kommunikationskanäle aufeinander abgestimmt sind, stellt sich optimaler Erfolg ein. Dazu sind ein hoher Aufwand und ein professionelles Verständnis der Initiatoren für sämtliche Bestandteile des Crowdfundings nötig. Doch einige Beispiele wie das Filmprojekt The Age of the Stupid oder Die 4. Revolution zeigen, dass dies möglich ist. Mit einer klaren Projektbotschaft und gezieltem Marketing wurden themeninteressierte Leute auf vertrauenserweckende Weise angesprochen. Damit wird die Wahrscheinlichkeit, dass diese das Projekt finanziell unterstützen und ein treues Publikum werden, gefördert, ebenso wie die Chance, dass deren Beiträge die 1€ Grenze überschreiten. Ob diese Projekte ähnlich erfolgreich oder gar noch erfolgreicher verlaufen wären, wenn sie auf die Infrastruktur funktionierender Crowdfunding-Plattformen zurückgreifen hätten können, lässt sich nur vermuten. Wenn auch individuelle Crowdfunding-Projektseiten nicht von den Vorteilen eine Plattformnetzwerks und der Vermarktungs- und Organisationsinfrastruktur profitieren können, so verfügen sie dennoch über eine größerer Freiheit in der konkreten Ausgestaltung. Sie unterliegen beispielsweise keinen Regularien Gebühren über oder Projektlaufzeit, redaktionelle

Summenbegrenzungen,

Vorabfilterungen,

Einschränkungen. Für manches Projekt ist diese maximale Selbstbestimmung das ausschlaggebende Argument von der Inanspruchnahme einer CrowdfundingPlattform abzusehen. Insgesamt lässt sich trotzdem feststellen, dass bei plattformgebundenen Crowdfunding-Projekten, tendenziell häufiger ein

schlüssiges Gesamtkonzept und weitaus größere Übersichtlichkeit bezüglich der Gesamtorganisation vorzufinden sind, als dies bei Projekten abseits von Plattformen der Fall ist. Die Erfüllung der Anmeldebedingungen und – anforderungen der Plattformen setzen ein Mindestmaß an Professionalität bei den Initiatoren voraus.

Crowdfunding im Filmbereich

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3.3.2 Die Initiatoren und das Funding
Die Initiatoren setzen Crowdfunding als Finanzierungsinstrument für ihr Projekt auf verschieden Weise ein: Es kann für die Vollfinanzierung eines Projektes oder ergänzend zu anderen Fördergeldern als Gap-Finanzierung genutzt werden. Auch als Vor- oder Zwischenfinanzierung84 ist Crowdfunding möglich. Welche Arten der Finanzierung unter welchen Bedingungen hierfür zur Auswahl stehen wird im Laufe dieses Kapitel behandelt. Ausschlaggebend für die jeweilige Anwendung des Crowdfundings als Finanzierungsinstrument sind die jeweiligen Motivationen der Initiatoren, die hier ebenfalls näher untersucht werden.

3.3.2.1 Gegenleistungen und Finanzierungsarten
Durch die Gegenleistungen bestimmen die Initiatoren, um welche Art der Finanzierung es sich bei dem jeweiligen Crowdfunding-Projekt handelt: mäzenatische Förderung, Spende, Sponsoring oder Investment. Die

Unterschiede und Überschneidungen von/mit anderen Finanzierungsarten sind folglich nicht pauschalisierbar, sondern müssen am jeweiligen konkreten Fall vorgenommen werden. Crowdfunding bedient über die unterschiedlichen Finanzierungsarten sowohl altruistische, eigennützige und/oder steuerliche Fördermotive. Dies hat den Vorteil, dass für den Geldgeber möglich ist, individuell und spontan zu entscheiden, welche Rolle er als Finanzier einnehmen möchte bzw. von welcher Rolle er den größten Nutzen für sich ziehen kann. Auf diese Motive der Crowd wird in Kapitel 3.3.3.3 Motivation der Crowd näher eingegangen. Im Folgenden werden zunächst die möglichen Finanzierungsarten im Zusammenhang mit Crowdfunding erläutert: • Mäzenatische Förderung

Entscheidet sich eine Privatperson oder Unternehmen, ein Filmprojekt aus rein altruistischen Gründen zu unterstützen, so handelt es sich hierbei um eine

84

Die Zwischenfinanzierung dient der Vorfinanzierung von vertraglich fixierten Einnahmen aus Förder- bzw.

Lizenzverträgen. Die Vorfinanzierung ist notwendig, da Filme nicht unmittelbar zu einem mindestens kostendeckenden Preis an Dritte weitergegeben werden können, da z.B. Vorleistungen über eine längere Zeitperiode anfallen oder zur Defizitdeckung, da es sich bei Filmen häufig nicht um betriebswirtschaftlich rentable sondern volkwirtschaftlich rentable Produkte handelt (vgl. Beckert, 1997: 74f.).

Crowdfunding im Filmbereich

35

mäzenatische Förderung. 85 Der Unterstützer erwartet keine Gegenleistung, schließt sie aber auch nicht aus. Die freiwilligen Gegenleistungen der Initiatoren sind nicht wirtschaftlicher Art beziehungsweise entsprechen nicht dem

monetären Gegenwert der Förderung. So entstehen die „Geschenke“ häufig während des Produktionsprozesses, wie beispielsweise das Drehbuch oder ein Song aus dem Soundtrack, und sind keine eigens als Gegenleistung produzierten Produkte. Die symbolische Bedankung für die Unterstützung, die in rein ideeller Form wie die namentliche Nennung auf der Website im Filmabspann geschieht, steht dabei im Mittelpunkt. Auch bei materiellen Gegenleistungen, wie Filmpostern, T-Shirts, digitalen Filmdownloads oder DVDs, ist von einer „Vorbestellung“/„Kaufbestellung“ nicht zu sprechen, da der geleistete Betrag dafür mehr einem ideellen Wert als dem tatsächlichen Produktwert entspricht. Die mäzenatischen Ausgaben sind beim Förderer steuerlich nicht abzugsfähig, beim Empfänger wird die Summe als Geschenk oder Spende steuerlich neutral behandelt. 86 • Spende

Spenden sind eng verwandt mit mäzenatischen Förderungen, es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Mäzenatentums.87 Jeder Spender ist in diesem Sinne auch ein Mäzen, denn „Spenden jeder Art sind freiwillig und unentgeltlich (ohne wirtschaftliche Gegenleistung) erbrachte Zuwendungen“88 und werden vor allem aus philanthropischen Gründen erbracht. Jedoch spielen steuerliche

Überlegungen bei der Leistung von Spenden eine Rolle. Bei anerkannter Gemeinnützigkeit eines Projektes sind steuerliche Erleichterungen nach § 10b EStG für erbrachte Beträge möglich. So stellt die Plattform Startnext abhängig vom gemeinnützigen Status eines Projektes auch Spendenquittungen aus. In diesem Sinn handelt es sich bei einem Teil der privat bzw. privatwirtschaftlich erbrachten Crowdfunding-Unterstützungen um Spenden. Die wenigsten

Filmprojekte sind aber als gemeinnützige Rechtsform organisiert, vielmehr handelt es sich bei den ausführenden Filmproduktionsfirmen meist um Kapitalgesellschaften. Für Crowdfunding im Filmbereich ist also die Finanzierung
85 86 87 88

Bruhn/Mehlinger, 1995: 5f. Heinze, 1999: 147f. vgl. Willnauer, 1997: 106 Lissek-Schütz, 2008: 498

Crowdfunding im Filmbereich

36

durch Spenden nur peripher von Bedeutung. Unter den wenigen Beispiele befinden sich die figeno deutsche filmgenossenschaft eG, die als „Deutschlands erstes Sozialunternehmen im Medienbereich“89 unter einem CrowdfundingAnsatz Filme produziert und das Filmprojekt The 1 Second Film, das von der Non-Profit-Organisation The Collaboration Foundation realisiert wird. 90 • Sponsoring

Beteiligen sich Unternehmen oder Einrichtungen unter der Bedingung, dass Gegenleistungen bereitgestellt werden, finanziell an einem Crowdfunding-Projekt, fällt diese Tätigkeit unter Sponsoring. „Sponsoring geht von den gleichen Grundsätzen des ‚to ask for moneyʼ aus wie die Spendenwerbung, richtet sich aber ausschließlich an Unternehmen als potenzielle Fundgiver [...] Sponsoring verfolgt aus der Sicht des Sponsors vorrangig unternehmensbezogene Motive, d.h. Marketing- und Kommunikationsziele des Unternehmens“91, entweder psychographischer Art wie dem positiven Imagetransfer und

Multiplikatorenwirkung oder ökonomischer Art wie die preisgünstige Ansprache einer Zielgruppe und Umsatzsteigerung unternehmenseigener Services, die langfristig ausgerichtet Die sind (vgl.
92

Kapitel des

3.3.3.3.4

Corporate von

Social diesen

Responsibilty).

„Zuwendungen

Sponsors

werden

Gegenleistungen abhängig gemacht.“

Das Sponsoring stellt dabei entweder

eine direkte Finanzierung durch Geldbeträge oder eine indirekte Finanzierung durch Beistellungen dar. Die Gegenleistung erfolgt meist nicht unmittelbar, sondern in Form von Nennung des Sponsorenprodukts oder Unternehmens im Abspann des Films, die laut EU-Richtlinie 89-552 vorgegeben ist. Bei solch geringen kommunikativen Gegenleistungen wohnt dem Sponsoring ein

mäzenatischer Charakter inne: Das Fördermotiv dominiert beim Sponsor. „Der mäzenatische Sponsor spricht allerdings öffentlich sehr intensiv über seine Förderung und schafft sich damit eigene kommunikative Gegenleistungen. Deshalb wirkt das mäzenatische Sponsoring im Sinne der eigenen

kommunikativen Ziele des Sponsors. Beim mäzenatischen Sponsoring will sich der Geldgeber als Mäzen verstanden wissen, obwohl er durch sein öffentliches
89 90 91 92

figeno deutsche filmgenossenschaft eG, 2010 The 1 Second Film, 2010c Lissek-Schütz, 2008: 499 Bruhn/Mehlinger, 1995: 6

Crowdfunding im Filmbereich

37

Auftreten und die Hervorhebung seiner Förderung faktisch zum Sponsor geworden ist.“93 Häufig steht beim Sponsoring im klassischen Sinne aber das Erreichen von Zielen für die Unternehmenskommunikation, wie Werbung, dominant gegenüber dem Fördermotiv.94 Eine besondere Form des Sponsorings ist Product-Placement: Produkte des Sponsors werden im Film platziert. Letztlich basiert dies auf einer unsicheren Rechtslage, da laut Rundfunkstaatsvertrag (betrifft hauptsächlich Fernsehen und Telemedien) Schleichwerbung größtenteils unzulässig ist. Je nachdem welche Auswertung ein Film anstrebt unterliegt er den Regeln des

Rundfunkstaatsvertrags. Es ist zwar eine liberalisierte Neuregelung bezüglich Product-Placement angestrebt, dennoch stützt das Product-Placement bisher aufgrund der Einschränkungen meist nur auf mündlichen Vereinbarungen, anstelle schriftlicher Verträge. 95 Da eine undokumentierte, verbale Form der Kommunikation bei Crowdfunding äußerst selten vorkommt, ist die Vereinbarung von Product-Placement schwer durchzuführen. Themen-Placement hingegen ist eine Form des Sponsoring, welche bei Crowdfunding durchaus zur Anwendung kommt. Unternehmen werben hier nicht für ein bestimmtes Produkt oder ihr Unternehmen im speziellen, vielmehr findet die Werbung insofern statt, dass ganze Produktgattungen platziert werden. Im Fall von Die 4.Revolution beispielsweise, ist der Hauptsponsor das Unternehmen für regenerative Energietechnologien, Beteiligung.
96

juwi

Holding

AG mit 550.000

Das Thema regenerative Energie und Solaranlagen zieht sich

durch den ganzen Film und ist somit eine indirekte Imagekampagne für das Unternehmen. 97 • Investment

Die Motivation eines Investors ist, Geld in einem Projekt anzulegen mit der Absicht Gewinn daraus zu schöpfen. Nur selten bieten Crowdfunding-Projekte die Möglichkeit einer finanziellen Gewinnbeteiligung. Manche Plattformen wie Startnext untersagen dies gar. Erstens ist eine transparente Gewinnbeteiligung
93 94 95 96 97

Bruhn/Mehlinger, 1995: 7 vgl. Bruhn/Mehlinger, 1995: 7 vgl. Storm, 2000: 64f. vgl. Fechner/Willenbacher, 2010 vgl. Storm, 2000: 64f.

Crowdfunding im Filmbereich

38

schwer zu handhaben, zweitens ist die zu erwartende Gewinnspanne vor allem bei Low-Budget-Filmen äußerst überschaubar und bietet kaum finanziellen Anreiz. Dennoch bieten Projekte wie Iron Sky (kurz: pro investierter 1,000 € bekommt man circa 0,3% der Netto-Einnahmen bis zum Recoupement, danach eine anteilige Beteiligung an den Produktionserlösen)98 oder The Age of Stupid (kurz: je nach Höhe und Zeitpunkt der Investition sind bis zu 1% NettoGewinnbeteiligung möglich)99 auch die Möglichkeit der Investition. Während sich der Finanzmarkt unter tief greifenden Veränderungen leidet, die sich eher negativ auf das klassische Risikokapital-Investment auswirken, bildet sich ein Nährboden für Crowdfunding als eine neue Form des Venture Financing. „And what Venture Capital is to startups, Hollywood is to movies“.100 Wo sich also Hollywood-Studios und große Produktionsfirmen zurückziehen, weil das Risiko zu hoch erscheint, ist die Crowd bereit in filmische Wagnisse zu investieren. Jedoch ist Crowdfunding kein bloßer Ersatz für klassische Risikokapitalfinanizerung, Crowdfunding als Investment ist vom Ansatz ein weitaus organischeres, transparenteres und dezentralisierteres Phänomen, das sämtliche sozioökonomischen Grenzen durchdringt. „This is the first time in our history, that the world at large has or will become part of the financing of new ventures of all types.“101 Da bei Crowdfunding im Filmbereich nur wenige Initiatoren eine Investitionsakquise beabsichtigen, sondern vielmehr auf „selbstlose“ Geldgaben zielen, sind Investments als Finanzierungsart hier nicht allzu schwerwiegend.

3.3.2.2 Motivation der Initiatoren
Die Entscheidung wie das Funding konkret ablaufen soll, welche Arten der Finanzierung der Initiator bieten möchte, hängt eng mit seiner Motivation zusammen. Warum also starten Projektinitiatoren Crowdfunding-Aktionen? In erster Linie geht es um das Auftreiben von fehlenden Finanzmitteln für ein bestimmtes Projekt. Doch darüber hinaus bringt Crowdfunding noch eine Reihe

98 99

vgl. Blind Spot Pictures, 2010b vgl. Spanner Films, 2010a Marom/Lawton, 2010: 32 Marom/Lawton, 2010: 33

100 101

Crowdfunding im Filmbereich

39

anderer nützlicher Begleitfunktionen mit sich, die Anreize für die Initiatoren geben, die Methode des Crowdfundings anzuwenden.

3.3.2.2.1 Marketingfunktion
Crowdfunding bringt für den Initiator nicht nur Vorteile in finanzieller Hinsicht, sondern ist auch Marketinginstrument. Der Erfolg von Marketingstrategien liegt im wirksamen „Management der Austauschbeziehungen mit den verschiedenen Märkten und Interessentengruppen“102 und hängt von der Gestaltung von Kommunikation zwischen Produzenten und Zielgruppen ab. Crowdfunding steht in seiner Struktur in Verbindung mit einer Vielzahl von Kommunikationskanälen wie den Social Media-Netzwerken, die „nur“ noch entsprechend sinnvoll bedient werden müssen. Es ist somit gleichzeitig ein Marketinginstrument mit enormem Potential, das als Element der Kommunikationsstrategie öffentliche

Aufmerksamkeit und Multiplikatorenwirkung der Crowd generieren kann. Denn selbst große Produktionen befinden sich in einer Art Marketingkrise: Die Marketingbudgets werden stetig angehoben, trotzdem können sich die wenigsten deutschen Produktionen beispielsweise große Plattformstarts mit der Anfertigung von über 500 Filmkopien (entsprechend viele Filmtheater werden für einen gleichzeitigen Kinostart bestückt) leisten.
103

Solche Plattformstarts sind jedoch

für eine hohe öffentliche Wahrnehmung enorm wichtig.104 Ähnlich verhält es sich mit sämtlichen Marketingaktivitäten, die dazu dienen, den Film in den Interessensbereich von Kinotheatern, Verleihern, und Zuschauern zu rücken. Um kommunizierbare Ereignisse zu schaffen, „fließen inzwischen nicht nur bei Hollywood-Produktionen 30-50% der vergleichbaren Produktionskosten in p&a.“105 So entsprechen die durchschnittlichen Marketingkosten (Deutschland: 2 Mio. €, USA: $ 60 Mio.) nicht selten einem ganzen Produktionsbudget. 106 Dabei ist ein hohes Marketingbudget keinesfalls ein Erfolgsgarant, auch wenn sich

102 103 104 105 106

Fabisch, 2002: 22 vgl. Castendyk, 2009: 120 vgl. Castendyk, 2009: 106 Iljine/Keil, 2000: 253 MedienWG GmbH, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

40

dieser Trugschluss hartnäckig hält.107 Nachweisbar ist auch, dass der bloße Einsatz klassischer Werbemittel wie Filmplakaten zur Erreichung der Zielgruppen nicht mehr ausreicht. Denn die Wirksamkeit dieser ist nur noch begrenzt: die Zielgruppen leiden unter einem Informationsoverflow mit bis zu 5.000

Werbebotschaften pro Person und Tag und verlieren ihr Vertrauen in die Glaubwürdigkeit dieser. Folglich zeigen übliche Marketinggrundsätze wie das AIDA-Modell (Attention-Interest-Desire-Action) kaum noch Wirkung. Wie auch Social Media-Experte Vaynerchuk darlegt, sind die Zeiten in denen die Produzenten ihre Produkte über aggressive Werbebotschaften an die Zielgruppen verkaufen können vorbei.108 „Sie müssen sich mit der Zielgruppe vernetzen, diese gut behandeln, Mehrwerte schaffen und sie so zu begeisterten Weiterempfehlern transferieren.“109 Es ist aber auch nicht zwangsläufig davon auszugehen, dass der bloße Einsatz von Viralem oder/und Online-Marketing zu einer Chancengleichheit zwischen Großproduktionen und Low-Budget-Filmen oder Werbeerfolg allgemein führt. Auch der, auf den ersten Blick weniger kostenintensivere Marketingaufwand im Internet lässt sich schwer über einen größeren Zeitraum halten und ist nur begrenzt planbar. 110 Zudem ist die besondere Herausforderung in der Filmvermarktung, dass ein Film ein relativ kurzlebiges Produkt ist und der Markenaufbau in einem sehr kurzen Zeitraum (23 Monate vor Kinostart) gelingen muss.111 Denn jeder einzelne Film ist eine Marke, die es neu aufzubauen zu gilt. Ziel des ist Initiators, es, um diese treue

Marketingherausforderung

meistern,

eine

Unterstützergemeinschaft aufzubauen, diese möglichst langfristig an das Projekt zu binden und sie dadurch zu Multiplikatoren auszubilden. Da Crowdfunding die Unterstützer schon vor Beginn der Filmherstellung involviert und an das Projekt bindet, ist sowohl der zeitliche als auch der methodische Spielraum etwas größer als bei der klassischen Filmvermarktung. Crowd und Initiatoren sind durch das Projekt, über die zugesagte Gegenleistung hinaus, eng aneinander gebunden. Durch
107 108 109 110 111

den

Einsatz

vielseitiger

Kommunikationsmöglichkeiten

von

der

vgl. Castendyk, 2009: 119 vgl. Vaynerchuk, 2011 Kressner, 2010b vgl. Castendyk, 2009: 120 vgl. Kressner, 2010b

Crowdfunding im Filmbereich

41

ansprechenden und ständig aktualisierten Präsentation des Projekts, der direkten Ansprache persönlicher sowie recherchierter Kontakte und Social MediaNetzwerke bishin zu traditionellen Mitteln wie Pressemitteilungen, kann der Projektinitiator mit den Geldgebern eine intensive Kommunikation auf- und ausbauen. Ein Projektinitiator benennt die vorteilhafte Verbindung so: „we are much more organically connected to a final, evangelistic audience – who will also perform much of the marketing needed at launch.“112 Das The 1 Second FilmProjekt beispielsweise stellt seit Beginn der Crowdfunding-Aktion, die vier Nachfolgeprojekte (The 2 Second Film, The 3 Second Film, The Second Film Festival und The Big Picture) vor, in die bereits die Unterstützer des The 1 Second Film eingeplant sind und suggeriert somit allen Beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes Teil des Großen Ganzen zu sein. 113 Crowdfunding ermöglicht somit die Herausbildung einer „fan base“114 über die ganze Produktionsphase hinweg und nicht erst mit Veröffentlichung des Films. Dies bedeutet zwar einen Mehraufwand für die Initiatoren während der Produktionsphase, dieser zahlt sich aber letztlich insofern wieder aus, da mindestens Teile der Werbemaßnahmen nach Fertigstellung des Films eingespart werden können. Sind die Förderer und potentiellen Filmkonsumenten via Crowdfunding an einen Film gebunden und begeistert, lässt sich deren Word-of-Mouth-Marketing instrumentalisieren um den Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad des Films. Mindestens 78% der Kunden vertrauen in Empfehlungen anderer Konsumenten.115 So ist es auch sinnvoll die Crowd gezielt zu animieren, wie es das Die 4. Revolution-Projekt tat: Die Unterstützer wurden aufgefordert Eventpartner zu werden und nicht nur Kinopremieren und Filmvorführungen, sondern auch lokale Events vor und zur Veröffentlichung des Film zu organisieren. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, hat die Website des Projekts Hilfestellung in Form von Vorschlägen, Checklisten und einem Handbuch angeboten und somit das Aktivwerden der Crowd vereinfacht.116 So standen zur Veröffentlichung des Films rund 100 Eventpartner im deutschsprachigen Raum fest, die mit zum Teil viralen Aktionen
112 113 114 115 116

Hayes, 2010 vgl. The 1 Second Film, 2010b Rosenbaum, 2010 vgl. Shimp, 2008 vgl. Energy Autonomy– Der Film GmbH, 2010a

Crowdfunding im Filmbereich

42

wie Flashmobs und Menschenketten aktiv Marketing betrieben.117 Dies alles wurde über die Website kommuniziert und vernetzt. Ähnlich nutzen auch andere Crowdfunding-Projekte wie beispielsweise The Age of Stupid118 oder Irak for sale119 das Potential der Crowd. Eine aktive und emotional stark verbundene Crowd erhöht somit auch die Verwertungschancen des Films. Das bedeutet, nicht nur die Absatzchance im B2C-Segment120, sondern auch die B2BVerbindungswahrscheinlichkeit121 steigen: Eine große Crowd suggeriert eine starke öffentliche Aufmerksamkeit und Nachfrage und erleichtert, sofern gewünscht, das Finden von Filmvertrieben und -verleihen. Crowdfunding steht also im Sinne von Fundraising, das wörtlich übersetzt als Tätigkeit des „Mittelbeschaffens“ zu verstehen ist und darüber hinaus eine Marketingtätigkeit mit einschließt. Neben dem systematischen Sammeln von Spenden für eine kulturelle oder andere gemeinnützige Einrichtung und Projekte, bringt es das (Film-)Projekt den gegenwärtigen und potentiellen Förderern und Kunden auf verständliche Art und Weise nahe. 122 „Fundraising verlangt Kundenorientierung im Hinblick auf die Förderer. Es gilt, deren Motive und Erwartungen herauszufinden
123

und

möglichst

individualisierte

Kommunikationspläne zu entwickeln.“

Zwar agieren nur wenige Crowdfunding-

Projekte im Filmbereich gemeinnützig, dennoch bestehen Übereinstimmungen zwischen der Tätigkeit des Crowdfundings und des Fundraisings. So dient auch Crowdfunding dem Friendraising, d.h. einer langfristigen Bindung von Kunden und Unterstützern, Gewinn von Vertrauen, Interesse und Sympathie. Eine persönliche und personenbezogene Verbindung steht also getreu dem Prinzip „people give to people“ an erster Stelle und ermöglicht eine stabile Kundenbindung und Marktpositionierung. Da im Fall des Crowdfundings Förderer und Zielgruppe identisch sind, muss eine Kundenorientierung im Hinblick auf die Förderer vorgenommen werden. Das bedeutet, der Geldgeber fördert im
117 118 119 120

vgl. Energy Autonomy– Der Film GmbH, 2010b vgl. Spanner Films, 2010b vgl. Brave New Films, 2010 B2C (engl. business to consumer) beschreibt die Kommunikations- und Handelsbeziehungen zwischen B2B (engl. business to business) : Geschäftsbeziehungen Klein/ Heinrichs, 1996: 120 Haibach, 1996: 24

Unternehmen und Konsumenten.
121 122 123

Crowdfunding im Filmbereich

43

Allgemeinen ein Filmprojekt, um dieses am Ende verwirklicht sehen zu können. Die Möglichkeit des Gebens von Kleinbeträgen ist entscheidend, damit jede Zielgruppe, unabhängig von ihrer Liquidität, Förderer sein kann. Das

Friendraising geht so der eigentlichen Crowdfunding-Tätigkeit voraus. Allein schon dadurch unterscheidet sich Crowdfunding vom allgemeinen Geldsammeln. Es muss „dialogisch sein, partizipativ und in Netzwerken erfolgen.“124 Im Sinne des Crowdfunding-Ansatzes ist in den Stakeholdern nicht lediglich ʻSpenderʼ sondern Mitgestalter zu sehen und dieses Potential auch zu nutzen.

3.3.2.2.2 Erhöhung der Absatzchancen
Die Crowd trägt nicht nur zum Erfolg eines Filmprojekts bei, sondern dient auch dem Projektinitiator als wichtiger Anhaltspunkt um die Arbeit am Projekt zu optimieren. „It already has or has the potentially all of the components of a prediction market!“125 Denn Crowdfunding ermöglicht den Prognosemarkt relativ realistisch einzuschätzen gemäß dem Schwarmintelligenz-Phänomen, wonach mit Hilfe der kognitiven Fähigkeiten einer Gruppe bessere Entscheidungen vorgenommen werden können als dies durch einzelne Experten möglich ist.126 Durch die Anzahl von Teilnehmern an einem erfolgreichen Crowdfunding-Projekt gibt bereits die Beteiligungsrate an sich Auskunft über die tatsächliche Nachfrage der potentiellen Konsumenten. Die Tatsache, dass die Unterstützer

selbstmotiviert ein Projekt unterstützen, ist eine zuverlässige Quelle über ernsthaftes Interesse. „No amount of focus grouping or test marketing- which the studios [...] engage in aggressively- can change essential difficulty of discerning what separates a hit form a dud.“127 Meist liegt die Entscheidung welcher Film produziert wird und welcher nicht, in den Händen einiger weniger „Experten“, die letztlich danach entscheiden, welcher Film am ehesten die Geschmäcker und Interessen der Kinogänger trifft. So beeinflussen auch die Entscheidungen der sechs Major-Studios, die den deutschen Filmmarkt dominieren, was in den Kinos

124 125 126 127

Reiser, 2009 Marom/Lawton, 2010: 135 vgl. Surowiecki, 2005 Howe, 2008: 254

Crowdfunding im Filmbereich

44

zum großen Teil läuft.128 Dieses System ist nicht nur undemokratisch, sondern auch ineffizient im Hinblick auf die zahlreichen und kostenintensiven Kinoflops die Jahr für Jahr produziert werden. Die große Anzahl von Anhängern eines Crowdfunding-Projektes sorgt hingegen automatisch dafür, dass der Film Aufmerksamkeit erfährt und Zuschauer anlockt. Dass Crowdfunding und die damit einhergehende internationalisierte Kommunikation und Demokratisierung eine große Chance für eine zielgruppengerechte Vermarktung ist, zeigt sich beispielhaft an der Nachfrage von Filmprojekten wie The 1 Second Film mit mehr als 30,000 Unterstützern aus 97 Ländern und The Age of the Stupid, dessen Filmpremiere in mehr als 50 Ländern und 700 Kinos gleichzeitig stattfand.129 Die Finanziers sind gleichzeitig Konsumenten und Werber. „Who would better decide what should be created than the same people who will ulitmately consume the product?“130 Denn die finanzielle Beteiligung an einem Projekt garantiert ernsthaftes Interesse und der Beteiligung an einer Crowdfunding-Aktion wohnt weit mehr Bedeutung inne als einer bloßen Geldüberweisung. „Why pay twentyfive quid to be an asshole? In essence, youʼre turning cinema from what it has become, a business, back to what it was originally, an art form. Instead of having pleased some producer with purse strings, yourʼre dealing with a community.“131 So dient das Crowdfunding nicht nur zur Visualisierung einer echten Nachfrage, sondern auch zur Lokalisierung und Definition von Zielgruppen.

3.3.2.2.3 Kundennähe
Doch nicht allein das Wissen über die potentiellen Marktchancen ist für den Projektinitiator von Bedeutung, auch die bloße symbolische Unterstützung einer Crowd und deren Feedbackfunktion ist eine nicht zu unterschätzende Motivation. „Man kennt das ja als Kreativer: Es gibt durchaus Phasen, in denen man sich fragt, warum mache ich das hier. Und wenn man dann eine Community hat, die nicht nur positives Feedback zurückgibt, sondern sich sogar finanziell beteiligt, dann ist das natürlich ein sehr starker Anreiz auch künftig die Projekte zu
128 129 130 131

vgl. Lang/Winter, 2005: 129 vgl. The 1 Second Film, 2010a , Spanner Films, 2010c Howe, 2008: 254 Howe, 2008: 255f

Crowdfunding im Filmbereich

45

realisieren, die die Fancommunity eben wertschätzt.“132, bemerkt Social MediaBerater Leander Wattig. Ein Crowdfunding-Projekt bietet diverse Möglichkeiten über seine Webseite, damit ein konstruktiver Austausch zwischen Initiator und Förderer stattfinden kann. So würdigen Crowdfunder nicht nur die Realisierung einer Fortsetzung vergangener Arbeiten oder des geplanten Projektes, sondern motivieren den Produzenten zum Weitermachen und zur Planung zukünftiger Projekte. Crowdfunding wendet sich somit an die Reputation des

Inhalteherstellers – und diese bezieht sich auf vergangene als auch auf zukünftige Projekte. 133

3.3.2.2.4 Unabhängigkeit in Herstellung und Distribution
Entscheidend für die Motivation vieler Filmemacher ist die Bewahrung einer größtmöglichen künstlerischen Unabhängigkeit. Tatsächlich kann Crowdfunding als Finanzierungsmodell eine neue Unabhängigkeit in der Herstellung

ermöglichen. Wie die Erläuterung des idealtypischen Finanzierungsmodells für Filme zeigte, sind die Filmemacher dabei abhängig von der Erfüllung der Förderrichtlinien und auch den Präferenzen der Förderer und Fernsehsender. Im Gegensatz dazu unterstützt die Crowd Projekte, ohne formelle oder inhaltliche Bedingungen zu stellen. "Wäre der Film von einem Fernsehsender wie BBC oder Channel Four finanziert worden, hätten Redakteure Einfluss genommen und gesagt: So geht das aber nicht. Ich wollte die absolute Freiheit, den Film zu machen, den ich wollte."134, konkretisiert die The Age of the Stupid-Regisseurin Franny Armstrong ihre Motivation Crowdfunding einzusetzen. Unabhängige Filmproduktion heißt in erster Linie von Auftraggebern wie Fernsehsendern und Medienkonzernen gelöst zu sein, um sich eine unternehmensrechtliche und kreative Freiheit zu bewahren. Doch auch der freie Produzent befindet sich letztlich zumindest in der Abhängigkeit vom Publikum und dieses hat im Fall von Crowdfunding zwar keinen inhaltlichen Einfluss, jedoch die Macht über die

132 133 134

Meyer/Wattig, 2010 Wenzlaff, 2010 Herwig/Wicker/Erne, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

46

Realisierung

eines

Projektes

mit

zu

entscheiden.135

Dennoch

ist

der

Projektinitiator nicht von der Gunst einzelner Abhängig, sondern kann das Risiko einer Ablehnung auf allein in Deutschland auf 81 Millionen Bürger verteilen. Gerade in Zeiten von Finanz- und Bankenkrisen, wenn es für Filmemacher noch schwieriger ist, klassische Banken oder Filmförderinstitutionen von einer Geldvergabe zu überzeugen, lassen sich mit Crowdfunding daraus resultierende Unsicherheiten umgehen. Produktionsfirmen finanzieren möglichst mehrere Filme parallel, um „das Risiko eines Verlustgeschäfts bei einem einzelnen Film zu minimieren. [...] Eine kleine Firma gerät da schnell in hohe finanzielle Belastungen, um überhaupt neue Projekte starten zu können.“136 Die Finanzkrise des neuen Jahrtausends destabilisiert nicht nur die Märkte, sondern veranlasst auch zahlreiche Banken, offene Kredite einzufordern. Selbst renommierte Filmunternehmen haben Probleme Gelder für neue Projekte von den Banken bewilligt zu bekommen. Kleineren Filmproduktionsfirmen und Anfängern ergeht es da nicht besser. Peter Wintonick erklärt, dass der Zulauf zu Alternativen Finanzierungstools wie Crowdfunding eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise und den „angeschlagenen Kapitalismus“137 sei. Die Vertrauenskrise der Banken und auch der Politik mit ihrer Subventionsmittelvergabe fördert die Entwicklung von alternativen Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding. „Crowdfunding ist der Ausdruck eines profunden Misstrauens gegen die etablierten Institutionen, weil von ihnen nichts mehr zu erwarten ist, und weil neue Wege und Werkzeuge da sind, um geschäftliche Verbindungen über andere Wege aufzubauen“138. Es ermöglicht nicht nur eine Unabhängigkeit in der Filmherstellung, sondern auch in der Distribution. Initiatoren können auch das Potential der Crowd als Filmvertreiber nutzen. Das Filmprojekt The Age of the Stupid beispielsweise forderte die Crowd auf, selbstorganisierte Filmvorführungen zu veranstalten. Mit Hilfe der Initiative Indiescreenings.net kann jeder eine Filmvorführung

organisieren und dafür die Filmemacher direkt bezahlen und sogar selbst Gewinn erzielen. Dabei wird die Verwertungskette um die üblichen Verleiher und

135 136 137 138

vgl. Iljine/Keil, 2000: 124 Kölmel, 2009: 111 vgl. Lavaux [et al.], 2010 Lochmaier, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

47

Vertriebe verkürzt und sowohl Filmemacher und Vorführer profitieren davon.139 Die 4. Revolution, wenn auch im Repertoire die Delphi Filmverleih GmbH, forderte die Crowd auf, aktiv zu werden und auch Filmlizenzen für öffentliche, nicht kommerzielle Vorführzwecke zu erwerben. Iron Sky bietet auf seiner Website die Möglichkeit einen „screening request“ (Anfrage zur Filmvorführung) vorzunehmen. Konkret bedeutet das, dass potentielle Kinogänger ihre Nachfrage lokalisieren. Für die Initiatoren ist es auf diese Weise möglich den Film gezielt in die jeweiligen Kinos zu bringen bzw. Verleihe zu überzeugen. In Folge werden die User, die bei ihrer Nachfragebekundung ihre Kontaktdaten hinterlegen, speziell über Events zum Filmprojekt in ihrer Nähe informiert und so gezielt beworben. Mehr als 24.000 Menschen haben bereits ihr Interesse bekundet den Iron Sky im Kino zu besuchen. 140 Crowdfunding ermöglicht damit, die Crowd und deren Begeisterung für das Projekt nicht nur zur Produktionsfinanzierung, sondern auch konkret für die Verwertung des Films zu nutzen. Dabei wird die Crowd aber nicht ausgenutzt, sondern vielmehr wird auch deren Bedürfnis nach Zugang zum Film befriedigt.

3.3.3 Die Crowd
Ein weiterer elementarer Bestandteil des Crowdfunding-Modells ist die Crowd. Doch wer genau verbirgt sich hinter dieser anonymen und amorphen Masse? Die vermeintliche Anonymität der Masse birgt viele Risiken für die erfolgreiche Durchführung einer Crowdfunding-Aktion. Gerade deshalb ist es nötig diese „Unbekannte“ und deren Motive zu verstehen, um die „Crowdfunding-Gleichung“ lösen zu können. Häufig wird hinsichtlich der Crowd auch von „Community“ und „Communitybuilding“ gesprochen. Was diese Begrifflichkeiten im Bezug auf Crowdfunding bedeuten, sowie die Charakteristika und die Motive der Crowd, wird im diesem Kapitel erläutert. Ein Verständnis wer die Crowd und/oder Community ist, erleichtert ein zielgerichtetes und erfolgreiches Herangehen an ein Crowdfunding-Projekt.

139 140

vgl. Spanner Films, 2010b vgl. Blind Spot Pictures, 2010a

Crowdfunding im Filmbereich

48

3.3.3.1 Charakteristika
Die Crowd wird als die anonyme Masse beschrieben, die mehr oder weniger viel Geld aus verschiedenen Motiven (siehe Kapitel 3.3.3.3 Motivation der Crowd) für ein Crowdfunding-Projekt gibt. Zwar ist bei den meisten CrowdfundingProjekten eine anonyme Beteiligung möglich (vgl. Tabelle 1) jedoch nutzen nicht viele diese Möglichkeit. Dies liegt auch in der Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der Gelder aus den Händen von Bekanntes des Initiators kommt. 141 Die Crowd ist also schon allein deshalb nur bedingt eine wirklich anonyme Masse. Dennoch beteiligen sich im Regelfall auch Nutzer, die dem Initiator nicht persönlich bekannt sind. Um diese besser Erreichen zu können, ist ein Verständnis der allgemeinen Charakteristika von Crowdfundern hilfreich. Da Crowdfunding auf der Nutzung des Internets basiert, dient als Grundlage zur Beschreibung der Crowdfunder, die Mediennutzertypologie (MNT), die aus ARD/ZDF-Online-Studien hervorgeht.142 Die MNT berücksichtig die Veränderung der Nutzertypologien durch die technologische Weiterentwicklung des Internets und der gesellschaftlichen Etablierung des Web 2.0. Mit Hilfe der Typologie wird deutlich welches Crowdfunding-Potential in der Gesamtbevölkerung hinsichtlich deren Mediennutzung besteht. Aufgrund der noch jungen und überschaubaren „Crowdfunding-Szene“, ist diese zwar nicht explizit in der Studie berücksichtigt, es lassen sich aber Ähnlichkeiten und Rückschlüsse aus diesen

verallgemeinerten Ergebnissen der Mediennutzer-Typisierungen ziehen, die dem Verständnis der Crowd dienen. In der deutschen Gesamtbevölkerung sind die potentiellen CrowdfundingUnterstützer vor allem in der Gruppe der Zielstrebigen Trendsetter (6,5% der Bevölkerung) zu sehen. Anhand ihrer Charakterisierung lässt sich auf ein hohes Interesse an der Beteiligung an neuen Web 2.0- Services, wie Crowdfunding schließen. Denn sie verfügen über ein breites Interessensfeld, einen

pragmatischen Idealismus, Erfolgsorientierung und einen kommunikativen, selbstbewussten Charakter. Zudem greifen sie sämtliche Möglichkeiten des Web 2.0 schnell und aktiv auf und binden sie in ihren Alltag ein, was ihren Trendsetter-

141 142

vgl. Marom/Lawton, 2010: 73 vgl. Oehmichen, 2007: 226–234

Crowdfunding im Filmbereich

49

Charakter unterstreicht. In der Phase der Etablierung von Crowdfunding in der Gesellschaft sind die Zielstrebigen Trendsetter die ersten, die sich aktiv diesem Phänomen zuwenden und zu einer Art Vorreiter in dessen Nutzung werden, noch ehe es in der breiten Masse angekommen ist. Hinsichtlich der Erwerbsstruktur der Zielstrebigen Trendsetter zeigt sich, wie wichtig auch aus diesem Aspekt die Möglichkeit einer Beteiligung an Crowdfunding durch Mikrobeträge ist. Von den weitgehend unter 30-Jährigen, befinden sich noch nahezu die Hälfte in der Ausbildung und verfügen daher über begrenzten finanziellen Spielraum. Das hohe Bildungsniveau lässt gleichzeitig auf ein qualifiziertes Urteils- und Selektionsvermögen hinsichtlich der unterstützten Projekte schließen. 143 Die Erkenntnisse des Online-Spendeverhaltens (vgl. Kapitel 2.2 Internet und Gesellschaft) bestätigen dies. Selbst die Crowdfunding-Plattformbegründer von Startnext, Inkubato und Visionbakery entsprechen meist dieser Typologie. Ihre Motivation ist sowohl auf extrinisische als auch intrinische Motive zurückzuführen (vgl. Kapitel 3.3.3.3 Motivation der Crowd). Auch Nutzer der Typologie der modernen Kulturinteressierten, Jungen Wilden und Berufsorientierten stehen hinsichtlich ihres Profils dem Crowdfunding nahe: Der moderne Kulturorientierte (6,0% der Bevölkerung) zeigt sich gegenüber Crowdfunding prinzipiell aufgeschlossen, denn er ist stark an Kultur und Kunst interessiert und hat ein offenes Kulturverständnis. Da er neue Entwicklungen und Fragestellungen nicht so schnell aufnimmt, sowie kritisch und selektiv mit dem Medium Internet umgeht, ist der moderne Kulturorentierte aber kein „Early Adopter“ (frühzeitiger Anwender). Es ist jedoch zu erwarten, dass er sich mit fortschreitender Etablierung des Crowdfundings aktiv beteiligt, da dies seiner kulturell avantgardistischen Natur entspricht.144 Die modernen Kulturorientierten sind über die Nutz- und Norm-Motive (vgl. Kapitel 3.3.3.3 Motivation der Crowd) zu erreichen. Die Jungen Wilden (11,3% der Bevölkerung) sind als hedonistisch,

materialistisch und konsumorientiert charakterisiert. Solange die Beteiligung an einem Crowdfunding-Projekt genügend Spaß bietet, sind die Jungen Wilden nicht abgeneigt. Da sie aber, aufgrund ihrer Jugendlichkeit, noch unter starker Stil- und
143 144

vgl. Oehmichen, 2007: 229f. vgl. Oehmichen, 2007: 251

Crowdfunding im Filmbereich

50

Selbstunsicherheit leiden, orientieren sie sich am Nutzungsverhalten von ihren Altergenossen. Sie sind nicht die anspruchvollsten und auch nicht die schnellsten Nutzer; doch ist der Trend der Crowdfundings erst in ihrer Gruppe angekommen, entspricht eine Beteiligung ihrem Hang zu Neuem und Abwechslung. 145 Bei gezielter Ansprache des Hedonismus-Motive (vgl. Kapitel

3.3.3.3.2 Hedonismus-Motive) kann diese beschleunigt werden. Die Berufsorientierten (8,4% der Bevölkerung) verfolgen Ziele beständig, nutzen das Internet selbstverständlich und sind stark kulturinteressiert. Das Engagement im Crowdfunding kommt ihren breiten Interessen, aber gleichzeitigem Zeitmangel entgegen.146 Ihre Motivation sich an Crowdfunding zu beteiligen beruht vor allem auf extrinsischen Faktoren (vgl. Kapitel

3.3.3.3.2 Hedonismus-Motive). Nimmt man diese Gruppen zusammen, so sind knapp 30% der deutschen Bevölkerung potentielle Crowdfunding-Teilnehmer. Während die „Early

Adopters“, die frühzeitigen Anwender wie die Zielstrebigen Trendsetter, sich bereits aktiv mit Crowdfunding auseinandersetzen, liegt es vor allem an der positiven Weiterentwicklung von Crowdfunding und der gezielten Ansprache der Nutzermotive, zurückhaltendere Mediennutzer-Typen damit vertraut zu machen. Der Erfolg von Crowdfunding ist aber nicht nur von den Anstrengungen der Initiatoren und technischen Vorraussetzungen abhängig, sondern auch vom Zugang zu den jeweiligen Nutzergruppen und deren Medienkompetenzen. Die Nutzer müssen mit dem Internet und dessen Informationsflut umzugehen wissen. Bei dem Überfluss an Möglichkeiten, die das Internet in inhaltlicher und funktioneller Hinsicht bietet, erfordert es kompetente Entscheidungen und Auswahlen treffen zu können und „setzt intellektuelle Fertigkeiten voraus, die mit dem technischen Zugang zu den Informationen nichts zu tun haben.“147 Das betrifft die Nutzer des Internets im Allgemeinen, zeigt aber auch, dass nur eine medienkompetente Masse bereit ist zu entscheiden, ob, wie und warum sie ein
145 146 147

vgl. Oehmichen, 2007: 229 vgl. Oehmichen, 2007: 230 Abelshauser/Wehler, 2001

Crowdfunding im Filmbereich

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Crowdfunding-Projekt, einen Film, unterstützt. Gapski versteht darunter, „die Fähigkeit zur Selbstorganisation eines Einzelnen oder eines sozialen Systems im Hinblick auf die sinnvolle, effektive und reflektierte Nutzung technischer Medien, um dadurch die Lebensqualität in der Informationsgesellschaft zu steigern.“148 Der Begriff Lebensqualität hinsichtlich der Nutzung von Crowdfunding ist dabei aus verschiedenen Perspektiven, wie der Medienwirtschaft oder der Bildung zu betrachten. Grundlegend sind dabei die Vereinfachung des Lebens der Nutzer (als Argument zur Etablierung neuer Geschäfts- und Servicemodelle, wie Crowdfunding) oder die Entfaltung einer kritischen, selbstbestimmten und reflektierten Persönlichkeit durch eine ebensolche Nutzung des Web 2.0. „Während die technisch-instrumentellen Kompetenzen auf der Anwenderseite weiter an Bedeutung verlieren, da die Technik sehr einfach zu bedienen ist, gewinnen insbesondere selbstreflexive und soziale Kompetenzen an Bedeutung.“149 Das Bewusstsein und die Souveränität im Umgang mit Medien und der Bewertung und Kontextualisierung von Angeboten steigen vor allem bei den jüngeren Generationen. Dies wird bereits gezielt durch die Integration der Vermittlung von Medienkompetenzen im Schulunterricht versucht zu fördern.150 Mit dem Bewusstsein, dass ein verantwortungsbewusster und kritischer Umgang mit den Möglichkeiten des Web 2.0 verstärkt in die Bildung eingegliedert werden muss, ist eine weitere Verbesserung in dieser Hinsicht zu erwarten. Der intuitive Umgang mit neuen Anwendungen des Internets von

Nutzertypologien wie den Zielstrebigen Trendsettern, den Berufsorientierten und den Jungen Wilden führt dazu, dass viele Internetnutzer, beziehungsweise die Unterstützer eine Crowdfunding-Aktion, als „Prosumenten“

(=Produzent+Konsument) bezeichnet werden. Unter sämtlichen Möglichkeiten, die das Internet bietet, von der Beteiligung an Wikipedia, Twitter bis zur Nutzung des „Gefällt“-Buttons auf Facebook, ist Crowdfunding eine neue Möglichkeit der Zusammenarbeit von Filmherstellern und Filmfans. Durch das Crowdfunding eines Films, werden Personen, die eigentlich Konsumenten sind, gleichzeitig zu Produzenten. Der Nutzer wird Teil des Produktionsprozesses und somit zu einem

148 149 150

Gräßer/Pohlschmidt, 2007: 17 Gräßer/Pohlschmidt, 2007: 19 vgl. Geuking, 2010

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gewissen Grad auch zum Produzenten des Films. Buchstäblich ist dies zu erkennen, wenn die Crowdfunding-Projektförderer als Produzenten im Filmabspann genannt werden.151 In Konsequenz entwickeln sich diese Prosumenten immer mehr zu „Pro-Ams“ (=professionellen Amateuren), die Aufgaben auf einem hohen qualitativen Niveau, sozusagen professionell, erfüllen. Sie sind gebildet, engagiert und gut vernetzt und gehen Interessen wie Film, im Internet nach und arbeiten dort eng mit professionellen Filmemachern zusammen.152 Profi und Amateur gleichen sich so immer mehr an und das öffentliche Vertrauen in „echte Experten“ sinkt, während das Ansehen von Amateuren steigt. Dies hat für das Crowdfunding im Filmbereich weit reichende Bedeutungen: Zum einen, trauen die Filmproduzenten den Crowdfundern in ihrer Rolle des „Amateurfilmförderers“ mehr Urteilsqualität zu als den „professionellen“

Filmfördergremien, was bedeutet, dass die „Amateurfilmförderer“ immer mehr an Ansehen und Bedeutung gewinnen. Deren Selbstvertrauen („I could do that job as well as that guy“153) steigt wiederum, um die Rolle des Filmförderers zu aktiv und häufiger einzunehmen. Damit steigt auch die Bereitschaft sich an Crowdfunding-Projekten finanziell zu beteiligen. Die konventionelle

Förderhierarchie wird in Frage gestellt oder anders formuliert: „it becomes evident that the traditional role of a board of directors has become clunky, if not anachronistic.“154 Zum anderen ermöglicht das Crowdfunding auch „Amateurfilmemachern“ ein Projekt zu realisieren. Aufgrund unzureichender Referenzen wie einer fehlenden Filmhochschul-Ausbildung haben diese kaum Chancen ihre Filmidee auf Basis des „traditionellen“ Filmfinanzierungsmodells zu finanzieren. Die Crowd jedoch vertraut in die „Amateurfilmemacher“ und zeigt dieses durch ihre finanzielle Unterstützung.155

151 152 153 154 155

vgl. Sobczak/Groß, 2010 20 vgl. Sobczak/Groß, 2010: 37 Howe, 2008: 39 Marom/Lawton, 2010: 107 vgl. Howe, 2008: 39f.

Crowdfunding im Filmbereich

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3.3.3.2 Die Crowd als Community
Häufig wird die Größe der Community als entscheidender Faktor für erfolgreiches Crowdfunding beschrieben. Auch in Berichten über Crowdfunding-Projekte und „How-To-Crowdfund“-Anweisungen fällt immer wieder der Begriff Community. Es stellt sich dabei die Frage, ob die Crowd automatisch eine Online- oder VirtualCommunity und warum das Communitybuilding unterstützenswert ist? So fallen deutliche Unterschiede in der Nutzung des Begriffs der Online- oder Virtual-Community auf. „Von einem einheitlichen Verständnis kann keine Rede sein.“156 Teils steht der Begriff „Community für Zusammenschlüsse mit starken Bindungen oder auch für Zusammenschlüsse [...], die eher lose agieren“157, teils werden Online-Communities einfach mit den registrierten Nutzern einer Plattform oder eines sozialen Netzwerkes gleichgesetzt, wo jedoch nicht zwangsläufig ein regelmäßiger Austausch oder starke Verbundenheit unter den registrierten Benutzern vorzufinden ist.158 Sehr vereinfach lässt sich eine Community als eine interaktive Gruppe von Personen gemeinsamen Interesses definieren, „die sich aufgrund haben.“159 Im Falle eines von

zusammengefunden

Crowdfunding trifft zwar ein starkes gemeinsames Interesse zu, hingegen ist die Interaktivität der Gruppe stark projekt- und/oder plattformabhängig: Wie interaktiv können die Unterstützer dort agieren? Wie stark wird ein Austausch gefördert? Die spezialisierten Beziehungen, die sich über das Crowdfunding bilden, basieren oft nur auf einem einzigen gemeinsamen Interesse. „Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Bindungen nicht allzu stabil sind, da es sich um ‚uniplexe Bindungenʼ handelt.“160 Es ist eher die Ausnahme, dass sich multiplexe, eng verwobene Beziehungen unter den Beteiligten ergeben. Es ist auch keine Notwendigkeit für eine funktionierende Crowdfunding-Aktion, dass sich die Crowdmitglieder untereinander kennen, austauschen und Verbindungen

eingehen. Vielmehr sammelt sich eine anonyme Masse zum Zwecke der Projektförderung an und verbleibt häufig auch in dieser Unverbundenheit. Blickt

156 157 158 159 160

Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 11 Stegbauer, 2001: 67ff. vgl. Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 12 Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 11 Stegbauer, 2001: 67

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man in die Foren oder Gästebücher, so beteiligen sich nur wenige Förderer aktiv an Diskussionen oder Ähnlichem. Häufig liegt das Fördern der Entstehung einer Unterstützer-Community (z.B. durch Offline-Treffen, personalisierte Profile oder Chatfunktionen) auch nicht im Fokus der Projektinitiatoren. Dabei ist die Bildung solcher persönlichen Verbindungen durchaus zu deren Vorteil. Sie fördert die Kontinuität der Unterstützung und die emotionale Bindung an das Projekt. Einige Plattformen unterstützen dies zum Beispiel durch die Möglichkeit der Integration von Crowdfunding-Aktivitäten in Social Media-Profile wie Facebook. Zwischen Initiator und einzelnen Förderern hingegen ist eine enge Verbindung besonders wichtig für den Erfolg des Projektes und auch einfacher zu verfestigen. „Normalerweise lassen sich Beziehungen durch eine Erwiderung erfordernde Hilfeleistung (Reziprozitätsnorm) stabilisieren.“161 Auf dieser

Annahme basiert auch das Crowdfunding-Prinzip: Die finanzielle Unterstützung des Förderers und das Geschenk des Initiators stellen reziproke

Gegenleistungen dar. Die Reziprozitätsregel besagt, dass Menschen, wenn sie etwas erhalten, motiviert sind eine Gegenleistung zu erbringen. Dadurch, aber auch durch die virtuelle Teilnahme an den Höhen und Tiefen der

Projektrealisierung, entsteht eine Verbindung zumindest von den Förderern zu den Initiatoren. Diese wiederum stehen meist einer anonymen Masse gegenüber. Abschließend lässt sich feststellen, dass der Begriff der Community als Äquivalent zu Crowd vorsichtig zu benutzen ist. Die Nutzer einer CrowdfundingPlattform oder –Webseite sind mehr als eine „virtuelle Gruppe“ anzusehen, deren vage Form kurzfristiger, gemeinschaftlicher Verbundenheit vor allem auf der Nutzung derselben Plattform, Technologie oder Tools, sowie einem gemeinsamen thematisches Interesse beruht. 162 Doch gleichgültig welche Begrifflichkeiten man für die Crowd wählt, so sollte doch die Gemeinschaftsbildung nicht aus dem Fokus der Initiatoren geraten oder gar unterschätzt werden. Denn, zum einen ist dadurch die Kommunikation mit der Crowd und damit die Bewerbung des Projekts einfacher (vgl. Kapitel 3.3.2.2.1 Marketingfunktion), zum anderen ist ein Großteil der Internetnutzer an der
161 162

Stegbauer 2001: 68 vgl. Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 13

Crowdfunding im Filmbereich

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Teilnahme an Communities interessiert und deren Austausch wirkt sich motivierend auf die Crowd aus (vgl. Kapitel 3.3.3.3 Motivation der Crowd).163 Solche Gemeinschaften sind als organische Systeme zu sehen.

Schaffert/Wieden-Bischoff ziehen dazu den Vergleich zur Pflanzenwelt heran: Gemeinschaften sind wie „Kulturpflanzen“ zu sehen,“ d.h. sie können zwar auch wie „Wildblumen“ heranwachsen, weil die entsprechenden Bedingungen zufällig zusammenkommen, sie können und sollten aber auch, eben „Kulturpflanzen“, „durch eingehende Pflege geschaffen und wie bei unterstützt

werden.“164 Die Initiatoren können dies am einfachsten fördern, indem sie die Crowd involvieren, sie nach ihrer Meinung fragen und sie einladen sich mit den Projektinitiatoren und untereinander auszutauschen.165 Zu beachten bleibt aber, dass die Eigendynamik und unvorhersehbare externe Faktoren, welche die Entwicklung einer Community beeinflussen, zu einem gewissen Grad bestehen bleiben.166 Die Betonung soziopsychologischer Faktoren des Crowdfunding ist dabei ein wichtiger Schritt mit dem die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls aktiv gefördert werden kann. Hilfreich ist hierbei die Ritualisierung des Crowdfundings, um Nutzer an das Projekt, die Plattform zu binden und deren Loyalität zu fördern. Beispiele sind, Mitgliedschaftsrituale, um die Nutzer mit den Aktivitäten und Werkzeugen vertraut zu machen, zum Beispiel in Form eines Startguthabens für jeden neuen Unterstützer wie es bei der Plattform Startnext der Fall ist. Aber auch regelmäßige virtuelle und/oder reale Treffen mit Projektleitern und die Möglichkeit, die Crowdfunding-Aktivitäten in verschiedenste Social NetworkingSeiten einzubinden, unterstützen die Entwicklung von Crowdfunding zu einem Ritual. 167 Brian Meece, von der amerikanischen Plattform RocketHub erklärt, dass Crowdfunding für die Nutzer von RocketHub bereits ein neues Ritual ist und folglich zu einem Teil ihrer Identität wird. Mit steigender Popularität von Crowdfunding wird es gesellschaftlich relevanter zu beobachten und zu verfolgen, wer, wie und wo als Crowdfunder aktiv ist, um die Persönlichkeiten der

163 164 165 166 167

vgl. ARD/ZDF-Medienkommission, 2010c Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 29 vgl. King, 2010 vgl. Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 29 vgl. Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 50f.

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anderen besser einschätzen zu können. 168 Ähnlich wie es durch Facebook-Profile heute bereits geschieht. Diesen Einzug in den Alltag der Gesellschaft gilt es seitens der Initiatoren zu fördern, um so einen maximale Nutzensteigerung für beide Seiten zu erreichen.

3.3.3.3 Motivation der Crowd
Beobachtet man das Förderverhalten der Gesellschaft, stellt sich schnell die Frage nach dem Anreiz. Der Nutzen, Unterstützer eines Crowdfunding-Aktion zu sein, ist oftmals nicht sofort offensichtlich und der Mensch im Allgemeinen als ein rationales Wesen bekannt. Doch es kann kaum der Kosten-Nutzen-Anreiz sein, der die Crowd motiviert ein Filmprojekt finanziell zu unterstützen, denn die Gegenleistungen der Projektinitiatoren sind meist nur von symbolischem Wert. Einer der zentralsten Aspekte des Crowdfundings ist die Ansprache des entsprechend richtigen Motiv- beziehungsweise Anreizsystems. „Ist es gar nicht vorhanden oder entspricht es nicht adäquat der erwarteten Leistung des Teilnehmers, vermittelt das Projekt dem User schnell das Gefühl des Ausnutzens“169. Die drei Motivkategorien mit extrinsischen und/oder intrinsischen Faktoren geben Aufschluss über das Anreizsystem der Unterstützer:

3.3.3.3.1 Nutz-Motive
Mögliche extrinsische Beweggründe sich an Crowdfunding zu beteiligen, sind auf die Teilmotive Bedürfnisse, Unzufriedenheit und das Verlangen nach Vergütung zurückzuführen. Diese Motive verfolgen dabei keinen Selbstzweck, sondern sind vielmehr Mittel zum Zweck und auf das Erreichen bestimmter Endzustände ausgerichtet. Die Bedürfnisse der Nutzer sind stark individuell und führen zu einer immer stärker werdenden „Heterogenisierung der Nachfrage auf Märkten“170, auch bei der Filmnachfrage. Gleichzeitig wird das Kinoprogramm (zumindest jenseits der wenigen Programmkinos) immer homogener und

168 169 170

vgl. Marom/Lawton, 2010: 79 Sobczak/Groß, 2010: 41 Sobczak/Groß, 2010: 39

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kommerzieller. Der Marktdruck durch Zuschauerrückgang und Kinosterben bringt eine Dominanz der Blockbuster mit sich und dem geneigten Zuschauer stehen weniger Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung. Folge ist eine Unzufriedenheit der Konsumenten, da ein Ungleichgewicht zwischen Erwartung und Wahrnehmung der Leistung entsteht: Die Filmeprogramme enttäuschen die Qualitätserwartung des Zuschauers. Die mangelnde Vielfalt der Programminhalte gilt auch als Grund des „Aufstandes der Massen“ gegen Massenproduktionen und Mainstream.171 Die Internationalisierung der Filmbranche, die Dominanz des Hollywoodkinos und die damit einhergehende Homogenisierung der Inhalte und Ästhetik, „wird in Europa oft mit Trivialisierung und Nivellierung gleichgesetzt und als amerikanischer Kulturimperialismus“172 kritisiert. Die europäische Filmlandschaft und ihr Filmangebot stehen unter amerikanischem Einfluss, sei es durch die dominierenden Marktpositionen amerikanischer Produktionsfirmen, die Präsenz amerikanischer Filme oder deren Vorbildfunktion inhaltlicher und ästhetischer Art.173 Der amerikanische Medienimperialismus wird von vielen Menschen als Bedrohung der kulturellen Identität empfunden, weshalb die europäische Kulturpolitik mit verschiedenen Maßnahmen wie Quotenregelungen und Subventionen versucht, die europäische Filmproduktion zu unterstützen.174 Inwiefern nationale Filmkulturen nun tatsächlich bestehen und erhaltbar sind, ist im Umfang dieser Arbeit nicht zu klären. Aufbauend aber, auf dem Versuch eine filmische Vielfalt fernab des Hollywood-Mainstream-Kinos zu bewahren, bietet Crowdfunding in der Tat eine Möglichkeit für den Filmkonsumenten sich aktiv in die Produktionslandschaft einzumischen und somit auch die Programmvielfalt mit zu bestimmen. Diese Partizipation könnte mehr Wirkung zeigen als

beispielsweise die oft kritisierten Quotenregelungen, zumal solche politischen Eingriffe in die Filmlandschaft bis heute wenig erfolgreich waren. So „hinderten Schutzmechanismen wie Quoten den kommerzialisierten Markt mit Film- und Fernsehprogrammen nicht daran, weiter primär nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu funktionieren.“175 Crowdfunding bietet in dieser Situation dem
171 172 173 174 175

vgl. Friebe/Ramge, 2008: 92f. Wasilewski, 2009: 48 vgl. Hepp/Krotz/Winter, 2005: 305- 310 vgl. Wasilewski, 2009: 48 Wasilewski, 2009: 283

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Filmkonsumenten die Möglichkeit durch aktive Mitgestaltung der Filmlandschaft, die eigenen filmischen Bedürfnisse zu erfüllen und die Unzufriedenheit zu stillen. Diese Nutz-Motive, wie individuelle Bedürfnisse, Unzufriedenheiten und

Vergütungen zeichnen sich dadurch aus, dass bestimmte Wünsche nur zum Erreichen eines eigenen Vorteils im Vordergrund stehen. Ein Filmprojekt verfügt nicht unmittelbar und automatisch über einen Nutzen für den Projektunterstützer, vielmehr wird dessen eigene „Fähigkeit zur Nutzenstiftung [...] mit dem Vorhandensein eines Bedürfnisses materialisiert. Nutzen ist deshalb von der Eignung zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses zu einem konkreten Zeitpunkt abhängig.“176 Für die Crowd handelt es sich bei der Nutzenerwartung um den erwarteten Erfolg ihrer kollektiven Aktivitäten. Diese Nutz-Motivation wird gesteigert durch einen bereits absehbaren Erfolg des Projekts und der Beteiligung daran. Der Einsatz an Interesse und Förderwillen des Crowdfunders wird durch die Gegenleistung, als eine Art Vergütung, gewürdigt. „Die Ökonomie geht von rationalem Handeln der Teilnehmer aus, die nur dann etwas beitragen, wenn sie dafür auch einen Gegenwert erhalten.“177 So ist für manchen Unterstützer die Gegenleistung von ausschlaggebender Kraft sich für oder gegen die Unterstützung eines Projektes zu entscheiden. „In diesem Sinne kann die individuelle Entscheidung von Akteuren, sich an kollektiven Aktivitäten zu beteiligen als eine Abwägung der erwarteten Nutzen und Kosten einer Teilnahme modelliert werden“178. Ob die Gegenleistung nun monetarisierbar ist oder nicht, bleibt dennoch häufig zweitrangig, wie die folgenden Motive zeigen.

3.3.3.3.2 Hedonismus-Motive
Die hedonistischen Motive, sich an Crowdfunding zu beteiligen, sind intrinsisch geprägt und dienen der Spaßbefriedigung und Stimulation. Diese von innen kommenden Anreize sind nicht auf äußere Handlungen, sondern auf das positive Erfahren einer Tätigkeit zurückzuführen. Der Unterstützer profitiert von der

176 177 178

Lohse, 2002: 51 vgl. Sobczak/Groß, 2010: 38 Lohse, 2002: 52

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hedonistischen Qualität des Produktes und der Aktion, die seine Neugier, Kreativität, Selbstlosigkeit und seine Lust am Teilen erfüllen.179 Diese Motivation entsteht, „wenn der Kunde dem Produkt durch den Neuheitswert, Status oder Originalität einen höheren emotionalen Wert zuschreibt oder sich davon eine soziale Anerkennung erhofft.“180 Dabei ist der Unterhaltungsfaktor eines Projektes bedeutend für die Aktivierung der Crowd. Durch die

abwechslungsreiche und kreative Einbeziehung der Projektunterstützter in den Produktionsverlauf werden die Motive angeregt. Dabei sind Gegenleistungen zweitrangig, denn „intrinsischer Nutzen bezieht sich auf die Ausführung einer Tätigkeit selbst“181. Der Anreiz ist nicht vorrangig die Finanzierung des Projekts, sondern die Möglichkeit mit einem Filmprojekt und gemeinsamer Unterstützung von vielen Menschen eine Diskussionsplattform zu schaffen und wichtig erscheinende Inhalte zu verbreiten. 182 Nicht nur politische Dokumentationen wie das Projekt The Age of Stupid können dadurch einen großen Erfolg erzielen. Es „sind häufig solche Themen und Projekte erfolgreich, die Aktivisten ansprechen (zum Beispiel Umweltschutz) oder Emotionen, die erst in Gruppen ihre volle Wirkung entfalten können (Zusammengehörigkeit, Heimatgefühl, Fans)“183 Solange das Filmprojekt also Potential hat die Emotionen ganzer Gruppen anzusprechen, wird es an hedonistisch motivieren Unterstützern nicht mangeln. „People in the crowd tend to invest in projects which they have an emotional and social attraction to.“184 Menschen verfolgen gemeinsam ein Ziel anstatt die Anstrengung allein auf sich zu nehmen. Dem Trend des DIY (Do-it-yourself) folgt konsequenterweise der des DIWO (Do-it-with-others). Auch Crowdfunding steht im Geiste dieser Gruppenmentalität. Zum einen wird die Lust am Teilen und dem Austausch mit anderen befriedigt, zum anderen bringt die Gruppendynamik schnelleren Erfolg. Die Förderung von Communitybuilding innerhalb der Unterstützer sollte daher, wie bereits erwähnt, ein erklärtes Ziel der

Projektinitiatoren sein.
179 180 181 182 183 184

Sobczak/Groß, 2010: 40 Sobczak/Groß, 2010: 41 Sobczak/Groß, 2010: 40 vgl. Wild, 2008 Feuer, 2010: 9 Marom/Lawton, 2010: 73

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3.3.3.3.3 Norm-Motive
Manche Unterstützer sind von Norm-Motiven wie dem extrinsischen Verlangen nach Anerkennung und den intrinsischen Motiven Altruismus und Identifikation angetrieben sich am Crowdfunding zu beteiligen.
185

Ein finanzielle Aspekt steht

dabei nicht im Vordergrund: „they have money, but they want a glimpse of creativity which they often cannot have in their normal jobs“ 186 Das Gefühl der Talentendeckung und -förderung, erweitert die Rolle des bloßen Konsumenten (vgl. "Prosumenten“ in Kapitel 3.3.3.1 Charakteristika). Der Unterstützer identifiziert sich stark mit dem Projekt und ist zum Teil auch involviert, beispielsweise durch eine Einladung ans Filmset als mögliche Gegenleistung durch die Möglichkeit unmittelbares Feedback zur geben. „Geld wird nicht aus Eigennutz, um Inhalte zu konsumieren, gegeben, sondern weil in den Medienkonsumenten das Bewusstsein entsteht, dass die sozialen Zahlungen den Produzenten des jeweiligen Inhalts ein Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung ist.“187 Durch das System der Gegenleistungen aber wird der Altruismus des Förderers nur noch begrenzt herausgefordert. Was wiederum bedeutet, dass der mäzenatische Charakter des Crowdfunding-Unterstützers eher schwach ausgeprägt ist, im Gegensatz zu dem des Mäzens, wie er vor historischem Kontext zu verstehen ist.188 Dieses Phänomen wird auch „impure altruism“ (schmutziger Altruismus) genannt. Dennoch steht ein altruistischer Anreiz in den meisten Fällen der Beteiligung an einer Crowdfunding-Aktion im Vordergrund, aber auch die gesellschaftliche Anerkennung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wie erwähnt, geht die Ökonomie von rational handelnden Menschen aus. Beispiele von Spendenaktionen zeigen jedoch das Gegenteil: „If giving were strictly rational, the announcement of a big donation might lead other people to give less to the cause; they might figure it no longer needs their money as

185 186 187 188

vgl. Sobczak/Groß, 2010: 41 vgl. Lavaux [et al.], 2010 Wenzlaff, 2010 vgl. Klein/Heinrichs, 1996: 270 und Willnauer, 1997: 106

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much.“189 Fakt ist jedoch, dass eine besonders stark frequentierte und bereits erfolgreich laufende Aktion noch mehr Crowdfunder anzieht. „They can then have the sense that theyʼre joining forces with someone else [...] and becoming part of a larger cause.“190 Die Unterstützer wollen am schnellen Erfolg der

Crowdfunding-Aktion beteiligt sein und den richtigen „Riecher“ beweisen. Aus diesem Grund eignen sich die Viralität von Facebook, Twitter und anderer Social Media Tools für den Supporter bestens, um seinen Kontakten zu zeigen, wofür er sich finanziell engagiert hat (Statusgewinn). 191 Wenn sich eine Person für die Unterstützung eines Vorhabens [...] entscheidet, so geschieht dies vor dem Hintergrund von persönlichen Überzeugungen und Wertvorstellungen („values“), die eine entscheidende Rolle bei der Kommunikation mit Freunden und Förderern spielen.“192

3.3.3.3.4 Corporate Social Responsibilty
Je nachdem ob es sich um eine Privatperson oder eine juristische Person handelt, die sich einem Crowdfunding-Projekt beteiligt, kann die Motivation nochmals variieren. Die einen handeln aus privater Natur, die Anderen verfolgen ein professionelles Interesse. So beteiligen sich Unternehmen vor allem unter dem Anreiz der Corporate Social Responsibilty (CSR), einem

Unnehmenskonzept das freiwillige Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung für ökologische, soziale und kulturelle Belange vorsieht. Die Auswirkungen der nachhaltigen Verantwortungsübernahme auf interne und externe Stakeholder eines Unternehmens sind eine wesentliche Charakteristik. Betrachtet man die Beteiligung am Crowdfunding als die Übernahme sozialer Verantwortung, so kann ein Unternehmen dadurch Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufbauen. Kundenloyalität wird erzeugt, Mitarbeiter motiviert und die Basis für Kooperationen beispielsweise mit der Politik geschaffen. 193 Die Unternehmen handeln aus dem Bewusstsein heraus, „der Gesellschaft verpflichtet zu sein,
189 190 191 192 193

Leonhardt, 2008 Leonhardt, 2008 vgl. Luchsinger, 2010 Lissek-Schütz, 2008: 500 vgl. Mayerhofer/Grusch/Metzbach, 2008: 7

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aber auch aus dem Wissen um die eigene Abhängigkeit von einem funktionierenden Umfeld“194. Je nach Unternehmensphilosophie agiert dieses aus einem altruistischem Selbstverständnis und/oder profitorientierten Beweggründen heraus. Abhängig vom jeweiligen Filmprojekt zielt das Engagement dann auf verschiedene Leistungsebenen wie Nachwuchsförderung (vgl. der Debütfilm dreier Studenten Buyacredit.com/Clovis Dardentor) oder politische Aufklärung (vgl. Iraq for sale). So zeigt auch das Beispiel der juwi Holding AG als Hauptsponsor von Die 4. Revolution, dass das finanzielle Engagement sowohl aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Verantwortung heraus geschah und die Synergien dieser Dimensionen zur nachhaltigen Entwicklung des

Unternehmens beigetragen haben.

3.4 Herausforderungen und Problemstellungen
„Viele Leute geben einen Obolus und schon ist das Projekt finanziert.“- Das klingt einfach und nicht weiter problematisch. Doch viele Crowdfunding-Aktionen und webseiten sind längst nicht ausgereift und bergen sowohl für Initiator als auch Unterstützer Risiken verschiedenster Art. Je geringer diese Risiken gehalten werden, desto wahrscheinlicher stellt sich Erfolg ein. Der kreative und lösungsorientierte Umgang mit Herausforderungen in der Durchführung stellt gleichzeitig auch immer eine Chance dar Crowdfunding zu optimieren und stabilisieren.

3.4.1 Infragestellung des demokratischen Prinzips
Crowdfunding zeigt neue Chancen für die bestehenden Modelle der Filmfinanzierung auf, gerade weil es der existierenden Ordnung dieses Bereiches radikal anders gegenübersteht.195 Durch abgeflachte Hierarchien und die Vermeidung bürokratischer Hürden entsteht zwischen Geldgeber und

Geldnehmer, eine direkte Verbindung. Crowdfunding ist somit auch als Demokratisierung des Finanzierungsprozesses zu verstehen, komplementär zu
194 195

Münstermann, 2007: 1 vgl. Howe, 2008: 247

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Instrumenten der Demokratisierung der Produktion (wie erschwingliche digitale Kameras, Crowdsourcing usw.) und des Vertriebs (wie Amazon.com, ebay.com). 196 Das Internet trägt wesentlich zu dieser Transformation zu: „The architecture of the Internet conspires against closed systems, [...] flattens all hierarchies.“197 Demokratisierung im Sinne des Crowdfundings „ist also der Inbegriff aller Aktivitäten, deren Ziel es ist, autoritäre Herrschaftsstrukturen zu ersetzen durch Formen der Herrschaftskontrolle von „unten“, der

gesellschaftlichen Mitbestimmung, Kooperation und –wo immer möglich- durch freie Selbstbestimmung.“198 In der konventionellen Praxis der Filmproduktion sah und sieht es heute noch häufig so aus, dass die Verteilungskanäle beschränkt sind. Da „wegen der hohen Produktionskosten nur die Wohlhabendsten Zugang zur Filmproduktion hatten [...], unterlag das Medium einer strengen Kontrolle“199, die nur wenige unangepasste Filmemacher zu durchschreiten schafften. Tendenziell hat Crowdfunding die Kraft die Filmkulturlandschaft zu

demokratisieren, die unter einem sehr zentralistischen Ansatz organisiert ist. Filme, als Spiegel der gesellschaftlichen Umgebung, dienen als

Identifikationsangebot zur „Konstruktion der eigenen Identität sowie der Schaffung des Selbstbildes einer Nation“200. Konsequenterweise sollte dann auch die Gesellschaft mitentscheiden können, welcher Film produziert wird und welches Filmsujet am besten Einblicke in das politische, soziale, kulturelle und gesellschaftliche Leben vermittelt. Nicht zuletzt deshalb thematisieren viele „crowdgefundete“ Filme ökologische und politische Inhalte, die, die

zunehmenden Wünsche, Träume und Ängste der globalen Gesellschaft vor Klimakatastrophen, sozialer Ungerechtigkeit und Terrorismus verarbeiten.

Dennoch muss angemerkt werden, dass die Crowd keine repräsentatives Gesellschaftsbild vermittelt, sondern vornehmlich aus Bildungsbürgertum besteht (vgl. Kapitel 3.3.3.1 Charakteristika) Zwar ist „demokratisch finanzierte“ Filmproduktion, nicht mit „qualitativ

hochwertigster“ Filmproduktion gleichzusetzen, doch ist der Qualitätsstandart
196 197 198 199 200

vgl. Anderson, 2006: 67 Howe, 2008: 40 Vilmar, 1973: 21 Monaco, 2009: 281 Wasilewski, 2009: 50 und vgl. dazu: Theorien von Siegfried Kracauer, Edgar Morin und Paul F. Lazarsfeld

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durch die finanzielle Unterstützung durchaus zu beeinflussen. Es liegt so auch in der Verantwortung und Macht der Nutzer durch ihre Geldabgabe eine qualitativ hochwertigere Produktion zu ermöglichen.201 Die Initiatoren müssen ihre qualitativen Ansprüche aber auch kommunizieren, so dass die Crowd die Chance hat mit ihrer Unterstützung wissentlich die Qualität des Filmes zu heben. Es bleibt jedoch kritisch zu hinterfragen, inwiefern Crowdfunding wirklich demokratischer als andere Filmfinanzierungsmodelle ist. Denn theoretisch kann ein liquider Förderer allein dafür sorgen, dass ein Film finanziert wird. Die Initiatoren stehen hier zwischen zwei Positionen: Einerseits wollen sie natürlich möglichst hohe finanzielle Unterstützung, andererseits auch eine bereitgestellte Crowd. Auch mit der Motivation, das Projekt vor Missbrauch zu schützen (vgl. Kapitel 3.4.8 Unglaubwürdigkeit ) und die Marketingfunktion der Unterstützer auszuschöpfen (vgl. Kapitel 3.3.2.2.1 Marketingfunktion), sollte die Priorität der Initiatoren auf der Mobilisierung einer möglichst großen Crowd, unabhängig von deren finanziellen Möglichkeiten, liegen. Das Modell Crowdfunding basiert auf einem demokratischen Ansatz, wie stark dieser jedoch verfolgt wird, liegt hauptsächlich in den Händen der Initiatoren.

3.4.2 Unfaire Anerkennung
Der Initiator sollte im Sinne des demokratischen und gerechten Prinzips von Crowdfunding auch ein weiteres Risiko beachten, das der Nutzung von Crowdfunding beiwohnt: Das „first timersʼ syndrome“ bezeichnet eine, seitens der Unterstützer, empfundene Ungerechtigkeit. So mancher Nutzer unterstützt ein Projekt nicht finanziell, sondern durch die Vermittlung vielversprechender Kontakte. Beispielsweise hat ein interessierter Unterstützer ein großes

Facebook- und Twitter-Netzwerk, auf deren Kanälen er das Projekt nach allen Kräften bewirbt und ihm damit viel Aufmerksamkeit und neue Spender bringt. Das Projekt Iron Sky ruft die Fans beispielsweise direkt dazu auf, über ein Formular Vorschläge für Sponsoren und Partner für das Filmprojekt einzureichen. 202 Obwohl das Projekt unter Umständen enorm vom Engagement
201 202

vgl. Bulkley, 2010 Blind Spot Pictures, 2010a

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des Nutzers profitiert, wird diese Leistung nicht honoriert. Die Nutzer, vor allem solche, die sich zum ersten Mal an einem Crowdfunding-Projekt beteiligen, empfinden die fehlende Anerkennung ihres Einsatzes oft als enttäuschend und ungerecht. Ihre anfängliche Euphorie, das Projekt zu unterstützen, schwindet. „Thatʼs reason enough to prognosticate that in the future, most successful crowdfunding sites will offer mechanisms to map non-monetary inputs into rewards.“203 Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Anzahl der vermittelten Unterstützer auf einem „Konto“ zu verbuchen, das equivalent zu echtem Geld für das Projekt verrechnet wird. Dies würde nicht nur dazu führen, dass, das System fairer scheint, sondern auch das Involvement stärken.

3.4.3 Unterstützungs-Tief im Fundingverlauf
Allein der Verlauf von Crowdfunding-Aktionen birgt einige Risiken. Ziel ist es, eine große und vor allem großzügige Crowd zu mobilisieren. Angefangen bei Freunden, Bekannten und Familie ist die Unterstützung eines Projekts in der Startphase meist entsprechend hoch: „typically 95% of contributions in the creative space come from 1st and 2nd level friends circles.“204 Auch die Angaben der Plattform IndieGoGo belegen dies. 205 Diese erste Unterstützergruppe sendet eine Art „Vertrauenssignal“ an die nächste Unterstützerwelle, das entscheidend ist für den erfolgreichen Fortlauf des Projekts. Erfahrungsgemäß verläuft der Zulauf an zahlungswilligen Projektunterstützern U-förmig. „That means there is typically strong support at the launch of your campaign, then it quiets down in the middle, before a flurry of support at the end.“206

203 204 205 206

Lawton/Marom, 2010: 153 Marom/ Lawton, 2010: 73 vgl. Bell, 2010 Branin, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

66

Abbildung 3: Fundingverlauf

207

Die Plattform Kickstarter evaluierte ihre Projekte und kam zum selben Ergebnis (vgl. Abbildung 3): Die so genannte Dead Zone, das Tief in der Mitte der Projektlaufzeit folgt der ersten Euphorie, in Folge nimmt die Spendenaktivität ab. Sich nach einer vermutlich effektiven Marketingoffensive und einem viel versprechenden Projektstart auf ein entsprechendes Fortlaufen der FundingAktivitäten zu verlassen, ist riskant. Denn nur ein geringer Anteil aller Projekte erreicht den Punkt der Viralität, an dem 70-80% der Unterstützung von Fremden kommt. Entscheidend ist also, dass dieses erste Momentum gehalten wird und die Motivations- und Marketingarbeiten noch in dieser Phase verstärkt werden, um dem Tiefpunkt entgegenzuwirken. Nahe der Deadline steigt die

Spendenaktivität, gemäß dem U-Verlauf, zu einem weiteren Höhepunkt. Die Gründe hierfür liegen darin: „1. the creator and backers promote the project to make sure itʼs funded or that their friends get in before the end, and 2. people whoʼve been sitting on the sidelines (but meaning to pledge) finally jump in before the bell rings“208. Die zeitliche Begrenzung (meist 90 Tage), um eine bestimmte Summe zu erreichen, ist ein entscheidender Motivationstrick, der auch als „Kickstarter-Effekt“ bekannt ist und von zahlreichen Crowdfunding-Plattformen (z.B. Startnext, IndieGoGo) übernommen wurde (vgl. Tabelle 1) Die

207

Benenson, 2010 Benenson, 2010

208

Crowdfunding im Filmbereich

67

Aktivitätskurve zeigt bei sämtlichen Projekten, unabhängig von Kategorie und Aktionsdauer, eine ähnliche Entwicklung auf. Für Initiatoren ist es also entscheidend, sich diesem Risiko offensiv entgegenzustellen. Dazu gehört auch die Erhaltung maximaler Transparenz, im künstlerischen Projektverlauf im Budgetplan und im organisatorischen Ablauf wie der Zahlungsabwicklung. Dennoch liegt nicht jedes Detail in der Hand der Projektinitiatoren: Gestaltet sich ein Projekt zum Eigenläufer, bekommt einen Viral-Marketing Charakter und verbreitet sich über die Weiten des Internets, ist ein Kontrollverlust über die Außendarstellung des Projekts nicht auszuschließen. Mit dem Risiko, dass ein Projekt aus dem eigentlichen Kontext gerissen und in einen neuen,

möglicherweise ungewünschten Zusammenhang gestellt wird, müssen die Initiatoren kreativ umgehen. Durch unmissverständliche Botschaften und zielgruppengenaue Streuung lässt sich die Gefahr einer schlechten Publicity

jedoch eindämmen. Ähnlich der Vorbereitung des Projektlaunches, erfordert Crowdfunding auch eine Nachbereitung der Crowdfunding-Aktion, egal ob nach erfolgreichem oder auch nicht erfolgreichem Ablauf. Für den Fortlauf und die Verwertung des Filmprojektes und auch in Hinsicht auf zukünftige Projekte sind die Unterstützer weiterhin zu motivieren und in die Arbeit mit einzubinden, ganz dem Prinzip der Kundenpflege folgend.

3.4.4 Mangel an professioneller Einstellung
Gerade durch die scheinbare Einfachheit, eine Crowdfunding-Aktion zu starten, unterschätzen viele Initiatoren den Aufwand, der hinter einer erfolgreichen Aktion steckt. Letztlich bildet sich die Crowd nicht von allein, vielmehr liegt der Erfolg in der professionellen Herangehensweise. Der Zugang zum „Funder-Markt“ erfordert vor allem auch die Investition von Zeit, die der Filmemacher selten im Überfluss hat. Erfahrungswerte belegen, dass eine effektive

Unterstützermotivierung ein Vollzeit-Job ist und bestenfalls nicht nebenbei erledigt wird. Die Finanzierung wie auch Marketing- und Vertriebsstrategien eines Projekts, egal auf welchem Wege, muss ernsthaft und professionell durchdacht betrieben werden und das Agenturen ist durchaus Engagement von (Marketing-)Experten oder Eine erfolgreiche Kampagne setzt

förderlich.

Crowdfunding im Filmbereich

68

Professionalisierung voraus, denn häufig liegt das Problem zwischen Theorie und Praxis der Umsetzung bei den Filmemachern selbst. Es fehlt oft das Know-how im Marketingbereich und Lernprozesse von Anfängern sind für erfolgreiche Marketingkampagnen, aufgrund der knappen Zeitspanne, hinderlich. Die verschiedenen Plattformen und Projekte begegnen dieser Herausforderung auf unterschiedliche Art und Weise: Das Projekt Leg ihn um! setzt auf „professionelle Marketingstrategen, die gelernt haben, Hypes zu erzeugen, ohne das Interesse zu verbrennen, ein Hauptproblem im Crowdfunding-Geschäft.“209 Erleichtert wird das hier durch die Tatsache, dass „der Plot so schlicht ist, das er sich gut im Smalltalk eines Sektempfangs pitchen lässt.“210 Eine erfolgreiche Crowdfunding-Aktion ist Ergebnis von dauerhaftem und authentischem Engagement mit Fans. „Fan/community funding is not an easy way out. We didnʼt come out of nowhere. Weʼve been building our internet community and visibility since 1999, with Star Wreck. You have to invest a lot of time and energy to win the trust of the internet audience“211, erklärt Samuli Torssonen vom Iron Sky-Projekt. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier: Projekte, die ohne eine lange Vorarbeit oder bereits bekannte, frühere Arbeiten erfolgreich durchstarten. Ein Beispiel hierfür sind die drei Teenager aus England mit ihrem Projekt Clovis Dardentor, die ohne große Referenzen, aber mit Hilfe gut inszenierter Selbstvermarktung, einem vermeintlich unentdeckten Klassiker der Literatur als Drehbuchvorlage und prominenter Unterstützung bereits eine beachtliche Anzahl an Unterstützern und Publicity haben.212 In verstärkter Weise sind eine professionelle Herangehensweise und ein fundierter Auftritt für die Gewinnung von Sponsoringpartnern erforderlich. Nur mit einer qualitativ hochwertigen und transparenten Infrastruktur des CrowdfundingProjekts können auch professionelle Förderer und Unternehmen als Unterstützer gewonnen werden. Ein bedeutender Aspekt in der professionellen Herangehensweise, der das Vertrauen der Unterstützer entscheidend beeinflusst, ist der Datenschutz. „Die Betreiber unterliegen strengen Datenschutzbestimmungen und wissen, dass das
209 210 211 212

vgl. Katrin, 2010 Hallensleben, 2010 Lawton/Marom, 2010: 68 vgl. Buyacredit.com, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

69

Vertrauen der Nutzer die Basis für ihren geschäftlichen Erfolg ist.“213 Dieser Schutz kann nur in Zusammenarbeit mit seriösen und datenschutzgeprüften Transaktionsunternehmen und einem fachmännischen Betreiben der Website gewährt werden.

3.4.5 Grenzen der Ressource Crowd und des Finanzierungsniveaus
Ist sich der Filmemacher des Aufwandes einer Crowdfunding-Aktion bewusst und entscheidet sich zur Nutzung, ist sich eine weitere Herausforderung zu beachten: Die Unterstützermasse ist im derzeitigen Anfangsstadium von Crowdfunding noch sehr limitiert. Die Zahl der Projekte und Plattformen steigt wesentlich schneller als das Modell Crowdfunding in der Gesellschaft angenommen wird und wird die Ressource Crowd wird folglich knapp.214 „There will be a lull in the performance and general vibe in crowdfunding [...] as the volumetrics pick up before the infrastructure and social behaviors mature to catch up with the volumes.“215 Dies zeigt bei sich auch am niedrigen Durchschnitt Während des das

Finanzierungsniveaus

Crowdfunding-Aktionen:

Produktionsbudget eines Kinofilms in Deutschland durchschnittlich 4,4 Mio. €216, $ 60 Mio. 217 in den USA beträgt, liegt die durchschnittliche Summe einer Crowdfunding-Aktion mit etwa 5.000 € und damit deutlich unter dem typischerweise benötigtem Budget (vgl. Tabelle 1). Natürlich gibt es positive Ausnahmen, jedoch wurde noch nie ein Film mit einem $ 60 Mio. Budget durch Crowdfunding ermöglicht und es ist fraglich inwiefern solche Summen überhaupt realistisch anzustreben sind. Zu diesem Zeitpunkt nutzen vor allem No-/Micround Low-Budget-Filme Crowdfunding als Finanzierungsinstrument, während Großproduktionen weiterhin auf die bestehenden (Finanzierungs-)Strukturen zurückgreifen. So sind die angestrebten Zielsummen der Crowdfunding-Projekte meist
213 214 215 216 217

realistisch

und

daher

entsprechend

gering

gehalten.

Manche

Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 54 vgl. Friebe/Ramge, 2008: 182 Lawton/Marom, 2010: 102 Castendyk, 2008: 111 Castendyk, 2008: 21

Crowdfunding im Filmbereich

70

Crowdfunding-Plattformen

limitieren

die

Zielsumme

gar,

um

einem

„Größenwahnsinn“ der Initiatoren vorzubeugen und die Chance auf erfolgreiche Crowdfunding-Aktionen damit zu erhöhen. Der maximale Zielbetrag beträgt beispielsweise bei Inkubato 50.000 € und bei mysherpas 10.000 € (vgl. Tabelle 1: Crowdfunding-Plattformen). Tatsächlich entscheiden sich immer mehr

Filmemacher bewusst für eine unabhängige Low-Budget-Produktion, um ihre kreative Freiheit zu erhalten. Nicht zuletzt stellen Low-Budget-Produktionen oft die einzige Möglichkeit für den Filmnachwuchs dar, ihr Debüt zu schaffen und damit auf sich aufmerksam zu machen.218 Dies spiegelt sich im hohen Interesse an der Nutzung von Crowdfunding wieder. Doch wie bei jeder Art der Projektfinanzierung, bleibt der Kampf um die Gunst der Geldgeber, auch im Bereich des Crowdfunding, hart. Letztlich liegt es an den Projekten, wie stark sie sich um die Gunst der Crowd bemühen. Die Nutzung einer bestimmten Crowdfunding-Plattform an sich garantiert zwar noch keinen sicheren Zugang zur Ressource Crowd, dazu sind die Plattformen in Deutschland noch zu unpopulär. Hat sich aber erstmal eine Plattform bewährt und entsprechend erfolgreiche Vorzeigeprojekte hervorgebracht, so wird sich Zahlen dort die Mehrheit der

Crowdfunding-Unterstützer

akkumulieren.

von

amerikanischen

Crowdfunding-Plattformen zeigen, dass mit steigender Legitimisierung von Crowdfunding durch A-Festivals, die Filmbranche und positive Fallstudien, die Zahl der Förderer und deren Bereitschaft größere Summen zu geben steigen.219 Durch den Zuwachs an Nutzern sowohl bei Crowdfunding-Plattformen als auch bei Crowdfunding-Projektseiten, ist ein „externer Netzwerkeffekt“ zu beobachten (vgl. Kapitel 3.1.1.1 Plattformen). Dieser entsteht, wenn die Mitgliederzahl eines Netzwerkes eine Mindestgrößte erreicht und somit dessen Wert wächst und diese Tatsache weitere Nutzer anzieht. Kurz: Mit wachsender Userzahl steigt der Nutzen des Netzwerks und es entsteht eine positive Rückkopplung. Das heißt, im Fall von Crowdfunding wirkt sich dieser Effekt auf die Geberaktivität aus: Sobald ein Projekt oder eine Plattform einen deutlichen Vorsprung an Unterstützern im Vergleich zu anderen besitzt, steigt deren Nutzerzahl rasant an, während die Konkurrenz-Projekte massiv an Attraktivität verlieren. Ähnlich verhält es sich
218 219

vgl. Rattey, 2005: 64 vgl. Lavaux [et al.], 2010

Crowdfunding im Filmbereich

71

auch mit der Spendenhöhe: Studien belegen, dass sich die Einzelspende an der Spendenhöhe der Masse orientiert- der Spender passt sich an und will nicht durch vermeintliche Geizigkeit auffallen.220

3.4.6 Künstlerische und kulturelle Vorbehalte
Unabhängig von der angestrebten Summe und Crowd, ist das scheinbare Stigma, das durch Crowdfunding finanzierten Filmen anlastet ein weiterer Grund der manchen Filmemacher davon zurückhält, Crowdfunding als

Finanzierungsmöglichkeit in Betracht zu ziehen. Natürlich wurde und wird besonders bei den ersten erfolgreichen Crowdfunding-Projekten deren genutztes Finanzierungsmodell besonders hervorgehoben und die Presse fokussiert sich oftmals mehr darauf als auf den Inhalt. Zwar ist dies teilweise auch durch die jeweilige Projektpräsentation selbstverschuldet (vgl. Kapitel 3.1.1.2

Projektspezifische Crowdfunding-Webseiten), doch je mehr sich Crowdfunding auch in Deutschland etabliert, desto nebensächlicher wird dieser Aspekt. Qualitative Vorurteile werden regelmäßig widerlegt und auch die Anerkennung durch das Filmbusiness steigt. Stars wie Kiefer Sutherland221 beteiligen sich und „crowdgefundete“ Filme werden auf A-Festivals222 eingeladen und erzielen renommierte Auszeichnungen: Putty Hill feierte auf der 60sten Berlinale Premiere, Die 4. Revolution223 erhält das „Prädikat besonders wertvoll“ der FBW und wird für den Deutschen Kamerapreis 2010 nominiert, Crude224 glänzt mit mehr als zwanzig Auszeichnungen. Abgesehen davon, gibt es für die Zuschauer weitaus attraktivere, weil kostengünstigere und schnellere Möglichkeiten in den Genuss primitiver Filmproduktionen zu kommen als deren Produktion durch Crowdfunding zu unterstützen.

220 221 222

vgl. Sobczak/Groß, 2010: 68f. vgl. The 1 Second Film, 2010a Als A-Festival klassifiziert der Filmproduzentenverband Filmfestival mit internationalem Wettbewerb. Das sind

derzeit weltweit 13 Festivals, u.a. die Internationalen Filmfestspiele von Berlin und Cannes (vgl. International Federation of Film Producers Associations, 2010)
223 224

vgl. Energy Autonom – Der Film GmbH, 2010c vgl. Crude- The Movie, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

72

Ein weiteres Vorurteil über Crowdfunding taucht immer wieder in Diskussionen auf: „Verkauft“ sich der Filmemacher durch die neue Form der Geldakquise an den Kunden? Richtet er sein Projekt auf eine einfache Beschaffung des Geldes aus und stellt dabei das eigentliche künstlerische Schaffen hintenan? Denis Bartelt von Startnext erklärt dazu: „Ziel von Crowdfunding soll ja nun aber genau das Gegenteil sein. Geld sammeln für Projekte, die nicht profitorientiert sind und schon deshalb eher als gesellschaftskritisch, sehr spezifisch und dadurch auch super interessant gelten können. Natürlich werden Projekte auch auf ihren Unterhaltungswert hin unterstützt werden. Entsprechend werden auch diese Projekte ihren Weg ins Portal finden. Jedoch bleibt für alle Initiatoren [...] der Weg der gleiche.“225 Zumindest kann eine Projektidee nach Start der Aktion auf Crowdfunding-Plattformen nicht mehr überarbeitet oder angepasst werden. Dass sich Projekte von vornherein am Publikumsgeschmack zu orientieren versuchen, ist allerdings nichts Crowdfunding-Spezifisches. Im Gegenteil, Crowdfunding entstand unter anderem aus der Initiative heraus, sich gegen den

vorherrschenden Kino-Mainstream zu wehren. Außerdem funktioniert laut Dr. Sören Auer, Wissenschaftler am Computer- und Informationsfachbereich der Universität Pennsylvania, Crowdfunding nur, weil man "keinen großen Profit erzielen, sondern einem Bedürfnis gerecht werden" wolle– den emotionalen, hedonistischen und altruistischen Bedürfnissen der Geldgeber. Dennoch weiß keiner der Förderer genau, "ob man am Ende bekommt, womit man gerechnet hat"226 Kurz: Es herrscht Informations-Asymmetrie. Die Unterstützer wissen nicht ob sich ihre Geldspende „lohnt“, die Teilnahme am Crowdfunding ihre Erwartungen erfüllt. Gleichzeitig leben auch die Initiatoren erst einmal in Ungewissheit darüber, ob und wer ihren Film sehen und fördern will. Der kontinuierliche und transparente Austausch zwischen Initiatoren und Förderern jedoch, ist ein effektives Mittel, um ein Informations-Gleichgewicht zu fördern. Ein Vorbehalt von Filmemachern ist auch, dass die Crowd nicht zwangsläufig experimentierfreudiger sind als beispielsweise Fördergremien und sich am Ende doch lieber bekannten und populären Themen zuwendet, die ihren

225 226

Bartelt, 2010a Wild, 2008

Crowdfunding im Filmbereich

73

Erfahrungshorizont und Vorstellungsvermögen nicht übersteigen.227 Letztlich würden demnach die „middle of the road“- Projekte, hinsichtlich künstlerischer und thematischer Wagnis, den Kampf um die Crowd gewinnen. 228 Erfolgreiche Crowdfunding-Projekte wie Iron Sky oder The Age of the Stupid zeigen aber, dass es nicht darauf ankommt den Mainstream-Geschmack zu treffen, sondern das Projekt überzeugend darzustellen. Denn gerade Crowdfunding-Supporter sind nicht gewillt einen Film zu unterstützen, der den üblichen

Kinofilmprogrammen gerecht wird, sondern sie sind auf der Suche nach neuen Inhalten und ästhetischen Formen, die auf idealtypischem Finanzierungsweg keinen Weg ins Kino finden würden. Abgesehen von den künstlerischen Vorbehalten gegenüber "crowdgefundeten" Filmen, sind auch die kulturellen Vorbehalte nicht zu unterschätzen. Es ist weitaus schwieriger in Deutschland Menschen dazu zu bewegen kulturelle Zwecke zu unterstützen, da dies primär als staatliche Aufgabe gesehen wird. Während die Spendenbereitschaft in den USA, die weltweit höchste ist, befinden sich die Deutschen erst an 32. Stelle. 229 Die Spendenbereitschaft steht hier stellvertretend für die Entwicklungstendenzen sämtlicher philantrophischer Unterstützungsformen wie dem der mäzenatischen Förderung oder des mäzenatischen Sponsorings (vgl. Kapitel 3.3.2.1 Gegenleistungen und

Finanzierungsarten). In Deutschland und den USA herrschen völlig verschiedene Spendenkulturen vor. „In Amerika gibt es allgemein weniger Staat, mehr Eigenverantwortung Engagement“
230

der

Bürger

und

folglich

mehr

zivilgesellschaftliches

. Zugleich ist der soziale Druck höher sich gemeinnützig zu

betätigen und damit das Image zu verbessern. „Philanthropie ist eine Grundhaltung, eine Tradition und eine Institution in den USA.“231 Dies bedeutet allerdings auch, dass das Netz des Sozialstaats und die Rolle des Staats bei weitem nicht so umfangreich ist wie in Deutschland: Hier hat der Staat „das soziale und kulturelle Leben immer mehr übernommen und sogar monopolisiert. Weil der Staat sich ausbreitete und hohe Steuern verlangte, sei die private
227 228 229 230 231

vgl. Bulkley, 2010 vgl. Hallensleben, 2010 vgl. Welter, 2010 Welter, 2010 Haibach, 1996: 27

Crowdfunding im Filmbereich

74

Initiative ausgetrocknet, merkt Welter an. 232 Der Begriff der Philanthropie ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Das Förderbewusstsein und die Einstellung der Deutschen verändern sich aber in jüngster Zeit, wenn auch sehr langsam. So fallen immer häufiger Stichworte wie „aktive Bürgergesellschaft“, „Revitalisierung der Demokratie“, „bürgerliche Partizipation“ und „Gemeinsinn“.233 Die kulturell bedingte Zurückhaltung an „Spendenaktionen“ ist zwar zu berücksichtigen, dennoch ist das Potential in der Entwicklung der deutschen Spendkultur zu sehen. So zeigten Statistiken des Spendenmonitors bereits 2007 die Tendenz, dass die Spendenquote für den Kunst-/Kulturbereich steigt.234 Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzt, auch online. So trägt die Verbreitung des Internets wesentlich zu einer Veränderung der

Spendenbereitschaft bei. „Es bietet exakt das, wonach Spender heutzutage suchen: Mehr Transparenz über die Verwendung ihres Geldes und direkten Austausch mit jenen, des denen die Spende wird zugute kommt"235 ein Aus der „Kreisverkehr“.236

"Einbahnstraße“

Unterstützen

sozusagen

Beispielhaft ist zu Beobachten, dass Services wie flattr oder kachingle237, die ähnlich dem Crowdfunding auf freiwilligen Kleingeldabgaben basieren, entgegen aller Erwartungen in Deutschland eine enorm hohe Nachfrage erfahren. Das zeigt, das eine generelle Bereitschaft für kulturelle/künstlerische Inhalte Mikrobeträge zu leisten auch in Deutschland tatsächlich vorhanden ist und sich durch entsprechende Angebote wie Crowdfunding weiter entfalten wird.238

3.4.7 Finanzgesetzliche Vorbehalte
Neben den künstlerischen und kulturellen Vorbehalten gegenüber Crowdfunding, sind auch rechtliche Aspekte in zu berücksichtigen. auf Crowdfunding keiner als

Finanzierungsmodell

besteht

Deutschland

spezifischen

232 233 234 235 236 237 238

vgl. Welter, 2010 vgl. Lavaux [et al.], 2010 und Haibach, 1996: 27 vgl. Deutscher Fundraising Verband e.V., 2010d Eckert, 2009 vgl. Eckert, 2009 Flattr.com und kachingle.com sind die derzeit meistgenutzten Social-Payment-Services. vgl. Meyer/Wattig, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

75

finanzgesetzlichen Grundlage. Je nachdem welche Art der Finanzierung stattfindet (von Spende bis Investition), ist die Gesetzeslage anders. Sowohl Unterstützer als auch Initiatoren stehen vor der Herausforderung sich nicht in finanzrechtlichen Netzen zu verfangen, was beispielsweise die Rechte und Pflichten der jeweiligen Finanzierungsart betrifft. So bilden sich rechtliche Vorbehalte was das Zurückzahlversprechen bei Investments, den DVDVorverkauf und den Spendenaufruf im Allgemeinen betrifft.239 Hier obliegt es den Organisatoren diese Vorbehalte ernst zu nehmen und für Klärung und Transparenz hinsichtlich solcher finanzrechtlichen Fragen zu sorgen. In den meisten Fällen werden innerhalb der AGBs und der FAQs der Projekte und Webseiten situationsabhängige und fallspezifische Antworten und Lösungen angeboten.

3.4.8 Schutz der Idee
Fakt ist, dass der Geldgeber über ein Projekt bestmöglich informiert sein muss, ehe er bereit ist Geld dafür zu geben. Fakt ist auch, dass es in der Vorproduktionsphase häufig noch keine konkreten „Produkte“ wie Trailer, Drehbuch oder ähnliches gibt, sondern vielmehr eher eine Idee vorgestellt wird. Und genau darin liegt eine Gefahr: der nicht vorhandene Schutz einer Idee. Ideen sind nicht zu schützen, sie sind frei und juristisch gesehen gibt es keinen Ideenklau. Der urheberrechtliche Schutz entsteht erst ab dem Expose240, das heißt „sobald eine individuelle geistige Schöpfung niedergeschrieben wurde (die Niederschrift ist keine Vorraussetzung, aber regelmäßig manifestiert sich die individuelle geistige Schöpfung in der Niederschrift).“241 Der Filmstoff kann somit aber auch in Form eines Storyboards oder in Fotos, Videos oder eigenen Filmaufnahmen festgehalten und urheberrechtlich geschützt werden. Dabei greift das Urheberrecht je nach Format mehr oder weniger: Spielfilmexposes erlangen
239 240

vgl. Lavaux [et al.], 2010 Ein Expose ist eine „szenische Darstellung der Haupt- und Nebenstränge des Plots, der Hauptfiguren und

ihrer Charakteristika, ihrer Motive und Konflikte sowie der wesentlichen Schauplätze eine (Kino-, Fernseh-) Films“. (Jacobshaben, 2001: 39) Ein Expose von mindestens acht Seiten für einen 90 Minuten Spielfilm wird als Schriftwerk gem. § 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG urheberrechtlich geschützt (vgl. UrhG §2).
241

Jacobshagen, 2008: 39

Crowdfunding im Filmbereich

76

beispielsweise am leichtesten Urheberrechtsschutz, da sie eine konkrete Geschichte aus persönlicher geistiger Schöpfung darstellen. Bei

Dokumentarfilmen hingegen ist es deutlich schwieriger: Sie vermitteln eine Wirklichkeit und auf „die Wirklichkeit gibt es kein Urheberrecht“242.

Zusammengefasst ist festzustellen, dass das Urheberrecht an einer Geschichte theoretisch schwer nachzuweisen ist und alle entwickelten Gegenstrategien nicht wirksam sind. Die einzige Maßnahme die 100% sicher schützt, allerdings auch vor jeglicher Art von Förderern und Finanziers, ist die Idee für sich zu behalten. Praktisch kommt aber der Diebstahl- und das ist auch im Falle des Crowdfunding anzunehmen- äußerst selten vor. 243 Zwischen Geldgeber, Projektinitiator und gegebenenfalls Plattformbetreiber sind die Rechte hingegen zweifelsfrei zu klären. Die Geschäftbedingungen enthalten mittlerweile immer die Klausel, dass die Rechte am Werk zu 100% bei den Initiatoren bleiben und dass sowohl Geldgeber als auch Plattformbetreiber keinerlei Anspruch auf das Filmwerk haben. Damit sind also Missverständnisse ausgeschlossen. Manche Plattformen bestehen, letztlich auch im Interesse des Projektinitiators, auf Leistungsschutzrechte, die dazu dienen, das Projekt im Rahmen der jeweiligen Plattform zu bewerben (vgl. Tabelle 1)

3.4.8 Unglaubwürdigkeit
Der Gefahr, dass durch Crowdfunding Konzepte und Gelder missbraucht und zweckentfremdet werden, sind sowohl die Initiatoren als auch die Unterstützer ausgesetzt. Es besteht das Risiko, dass die Glaubwürdigkeit des Projektes und aller Beteiligten darunter nachhaltig leidet. Die Finanzierungsart des Sponsorings ist dem Vorwurf ausgesetzt, dass durch die Beteiligung von Unternehmen der Inhalt und Wert der künstlerischen Leistung und deren meinungsbildende Kraft beeinflusst werden könnten. Der

grundgesetzliche Schutz der Kunstfreiheit greift hier nur, wenn in manipulativer und nicht erkennbarer Weise auf das Filmwerk Einfluss ausgeübt wird. „Dagegen ist in den Bereichen, in denen deutlich wird, dass hinter einer künstlerischen
242 243

Jacobshagen, 2008: 35f. vgl. Jacobshagen, 2008: 23

Crowdfunding im Filmbereich

77

Aussage ein Sponsor steht, diese Gefahr nicht gegeben, da derjenige, der weiß, dass aus einer bestimmten Richtung Einfluss auf ihn genommen werden soll, sich regelmäßig dagegen schützen kann.“244 Man kann sich darüber streiten, inwiefern sich ein Konsument wirklich schützen kann und den Einfluss von Sponsoren erkennen kann. Schwieriger sieht es bei den Initiatoren des Crowdfunding-Projektes aus: Der Projektinitiator hat keinen Einfluss auf die Crowd, sie schließt erstmal niemanden aus. Es spricht auch durchaus nichts gegen Unternehmen/ Einrichtungen, die sich unter dem Motiv des CSR an einem Crowdfunding-Projekt finanziell beteiligen, solange das tatsächliche Auftreten des Unternehmens im Einklang mit dem kommunizierten Engagement steht. Was aber, wenn eine Firma

Crowdfunding zum Greenwashing missbraucht? Wenn unter den Geldgebern Personen oder Organisationen auftauchen, die die Glaubwürdigkeit und ethische Moral eines Projekts gefährden? Wie kann sich beispielsweise eine

Klimadokumentation vor einen Energiekonzernvertreter als Spender schützen? Theoretisch ist es möglich, dass „unerwünschte“ Unterstützer sich beteiligen. Die Praxis bietet diesbezüglich zwar keine Erfahrungswerte, einige Betreiber behalten sich aber das Recht vor, im Falle von Greenwashing-Versuchen einzugreifen zu können. Generell sehen Crowdfunding-Betreiber aber die Gefahr von Missbrauch als eher unwahrscheinlich an, da sich die Projektinitiatoren über die ihnen verfügbaren Medienkanäle kritisch mit ihren Unterstützern

auseinandersetzen, was einer versuchten Imagepolitur eines Unternehmens nicht förderlich wäre. Selbst bei Umweltfilmen wie Home245, der zwar kein

crowdfunding-finanziertes Projekt ist, fällt der negative Beigeschmack des Greenwashings nicht auf den Film zurück. Vielmehr schadet diese Beteiligung dem Unternehmen und dessen Glaubwürdigkeit, wenn es nicht im Sinne der Botschaft des Filmes handelt. 246 „Niemand wird bestreiten, dass die Gefahr besteht, dass derjenige, der Geld gibt, auch Einfluss nehmen könnte. Hier gilt es, durch entsprechende gesetzliche Vorgaben unzulässigen Einfluss

244 245

Bruhn/Mehlinger, 1998: 113 Der Film Home wurde zu einem Großteil durch die Unterstützung des fränzösischen Luxusgüter-Konzerns vgl. Stockrahm, 2009

PPR (Gucci, Puma, Yves Saint Laurent usw.) finanziert.
246

Crowdfunding im Filmbereich

78

abzuwehren.“247 Die Crowdfunding-Betreiber klären zwar jeweils die Rechte von Unterstützer und Initiator, plattform- und projektübergreifende Regelwerke ähnlich dem Rundfunkstaatsvertrag der beispielsweise Dauer und Form von Werbung regelt, gibt es für Crowdfunding jedoch nicht. Seitens der Projektunterstützer besteht die Befürchtung, dass ihr eingesetztes Geld nicht in ihrem Sinne verwendet wird oder der Initiator dieses nicht verantwortungsvoll einsetzt. Die Gefahr des Geldmissbrauchs von Seiten des Initiators ist ein Faktor, der theoretisch nicht zu verhindern ist, praktisch aber sehr unwahrscheinlich ist. Die Vertrauens- und Rufschädigung wäre nachhaltig und würde die Karriere des Initiators dauerhaft schädigen. Allein aus diesem Grund ist ein bewusster Geldmissbrauch nicht die Intention der Projektstarter. Zumal gestaltet der transparente und offene Ansatz des Crowdfundings einen Geldmissbrauch durchaus schwer, denn die Gemeinschaft „hat auch sehr starke Selbstreinigungskräfte oder schafft eine starke Transparenz darüber, welche Akteure dort aktiv präsent sind. Und es ist ja nicht so, dass man als unbekannter Mensch auf diese Plattform gehen und plötzlich 10.000 € akquirieren kann. Das mag es im Einzelfall geben, aber in der Regel werden ja die Leute gefördert, die schon erfolgreich sind.“248 Erfolgreich bezieht sich hier vor auf eine

vertrauenserweckende Projektplanung und –präsentation. Konkret wird dieses Risiko auf verschiedene Art und Weise minimiert: So muss zum Beispiel bei Startnext jedes Projekt vor dem offiziellen Crowdfunding-Start mindestens 100 symbolische Unterstützer des Projekts vorweisen.249 Da sich in der Regel eine Vielzahl von Menschen an der Finanzierung beteiligen, sich eingehend über das Projekt informieren und im Austausch stehen, wird eine Ungereimtheit oder Unseriösität, die im Falle einer Betrugsabsicht mit Sicherheit augenscheinlich wird, schnell auffallen und bekannt gemacht.

247 248 249

Bruhn/Mehlinger, 1998: 78 Meyer/Wattig, 2010 vgl. Kressner, 2010c

Crowdfunding im Filmbereich

79

4. Perspektive und Vision
Hinsichtlich der steigenden Anzahl von Crowdfunding-Plattformen, Besprechungen in Medien und Branchentreffen zum Thema, liegt die Vermutung eines Hypes nahe. Die Nachrichtenagentur Reuters wähnt Crowdfunding sogar als den Finanzierungstrend für das Jahr 2011.250 Jedoch steht Crowdfunding noch ganz am Anfang und wird meist nur sehr oberflächlich betrachtet. Dass das Thema Crowdfunding sehr komplex ist und die Nutzung, sowohl für Initiatoren und Crowd eine Herausforderung darstellt, wurde in den vorangegangen Kapiteln erläutert. Die Chance, dass Crowdfunding ein wichtiger und ernstzunehmender Bestandteil der Filmfinanzierung in Deutschland wird, besteht insofern, als dass das Modell in naher Zukunft noch weiter entwickelt wird und als eine reelle Finanzierungsmöglichkeit über die Tatsache eines Trendtool des Web 2.0 hinaus gehandelt wird. Denn, so negativ der Beigeschmack eines Hypes, nämlich, dass Aufmerksamkeit und Popularität nur punktuell und nicht weiter nachhaltig sind, auch ist, so sagt dessen Entstehung nichts über die Qualität oder den Bestand einer neuen Entwicklung wie der des Crowdfunding aus. Vielmehr handelt es sich um eine Phase, durch die jede neue Technologie schreiten muss. So beschreibt auch die Gartner Group den Hype-Zyklus als eine wellenförmige Kurve nach der die Adaption einer neuen Technologie wie Crowdfunding erfolgt:

Abbildung 4: Hype-Zyklus

251

250 251

vgl. Gunn, 2010 Schmitz, 2010

Crowdfunding im Filmbereich

80

Zu Beginn stößt die neue Technologie auf beachtliches Interesse und sogleich finden sich auch Nachahmer: Mittlerweile gibt es allein im deutschsprachigen Raum fünf Crowdfunding-Plattformen für den Filmbereich. Das Interesse steigert sich hin zu übertriebenem Enthusiasmus und

Erwartungen, die fern der Realität liegen, obwohl neben den erfolgreichen Projekten auch die ersten Schwächen erkennbar werden: Während

Crowdfunding einerseits als revolutionär gehuldigt wird, erste Projekte auch in Deutschland erfolgreich durch Crowdfunding produziert werden konnten, wird deutlich, dass dieses Finanzierungsmodell in seiner derzeitigen Form nicht die Kraft hat, die Filmbranche aus der Krise zu führen und auch nicht jedes Projekt mittels Crowdfunding einen wahren Geldregen erlebt. Das führt dann zur Ernüchterung und das mediale Interesse flacht ab. Wenn trotzdem die realistischen Vorteile erkannt werden und sich durchsetzen, etabliert sich die neue Technologie auf einem soliden Niveau. Je nach dem auf welchem Produktivitätslevel die Technologie sich einpendelt, spricht es den Nischen- oder Massenmarkt an. Wenn sich eine Technologie auf der Welle der Entwicklung nicht von Anfang an weiterbewegt, wird der Eingang in den Alltag nicht gelingen. 252 Verortet man Crowdfunding im Verlauf des Hype-Zyklus (vgl. Abbildung 4), befindet es sich derzeit zwischen dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ und dem „Tal der Enttäuschung“. Die einen setzen sämtliche Hoffnungen auf eine einfachere Filmfinanzierung in die Entwicklung des Crowdfundings, die anderen nehmen es als Filmfinanzierungwerkzeug erst gar nicht ernst. Nach des Hype-Zyklus geht diese Arbeit einen Schritt auf dem „Pfad der Erleuchtung“ und gibt ein realistisches Verständnis der Vorteile und der praktischen Umsetzung, lässt gleichzeitig aber auch die Grenzen und Probleme der Filmfinanzierung durch Crowdfunding nicht außer Acht. Dabei wird deutlich, dass mit fortlaufendem Engagement, Crowdfunding ein enormes Potential hinsichtlich der Filmfinanzierung, vor allem aber mit Blick auf die

Filmvermarktung darstellt. Im Moment jedoch, und soviel steht auch fest, müssen sich die Beteiligten erst über Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Crowdfunding bewusst werden, um diese effektiv nutzen und erweitern zu können. Finden Crowdfunding-Aktivitäten auf diesem Weg den Eingang in den
252

vgl. Schaffert/Wieden-Bischof, 2009: 22

Crowdfunding im Filmbereich

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Alltag der Gesellschaft, sind viel versprechende Perspektiven in Sicht. Zwar ist es ein wichtiger Aspekt das Crowdfunding nachhaltig in die Gesellschaft zu integrieren und die Nutzung zu einer Selbstverständlichkeit zu machen, dennoch bleibt die Frage, wie der professionelle Nutzen für die Initiatoren auf hohem finanziellen Niveau erreicht werden kann und High-Budget-Projekt nicht nur eine Ausnahme darstellen. Wie kann es als ernstzunehmendes

Finanzierungswerkzeug in die Filmbranche Einzug halten? Wie am Anfang der Arbeit erläutert, stellt die öffentliche Filmförderung einen Großteil der idealtypischen Filmfinanzierung dar, auf den kaum ein Filmbudget freiwillig verzichten kann und möchte. Es ist im Moment nicht in Sichtweite, dass Crowdfunding das finanzielle Potential staatlicher Filmförderung erreicht und als dominantes Modell der Filmfinanzierung besteht. Ebenso wie Crowdfunding als neuer, innovativer Weg wichtig und richtig ist, so ist auch die starke Förderaktivität des Staates gerechtfertigt. Denn trotz aller Kritik, ermöglichen die Fördereinrichtungen, dass Film als ein sehr riskantes und kostspieliges Wirtschaftsgut derzeit bestehen kann. Und trotz der immer kommerzielleren Ausrichtung einiger Institutionen kann man nicht abstreiten, dass Jahr für Jahr einige kreative Filmprojekte aus öffentlichen Mitteln gefördert werden.253 Als zuverlässige und sichere Quelle zur Budgetierung von Filmen, gerade ästhetisch und thematisch eigensinniger Filme, ist Crowdfunding bisher nicht geeignet. So wird Crowdfunding die traditionellen Filmfinanzierungsquellen erst einmal nicht ersetzen können.254 Die zukunftsträchtigste und sinnvollste Nutzung von Crowdfunding ist in einer hybriden Finanzierungsform, als Ergänzung und teilweiser Ersatz für die Bestandteile idealtypischer Finanzierungsmodelle, zu sehen. Crowdfunding als Teil einer Mischfinanzierung kann die Defizite, die das „Gießkannenprinzip“ (vgl. Kapitel 2.1.2 Öffentliche Filmförderung) der

Fördereinrichtungen mit sich bringt und die mangelhaften Eigenkapitaldecken der Produzenten ausgleichen. So könnte es dem Filmnachwuchs erspart bleiben, in Ermangelung öffentlicher Fördergelder und sonstiger Finanzierungslücken auf Privatvermögen zurückgreifen zu müssen. 255 Diese Integration und

253 254 255

vgl. Böttcher [et al.], 2010 vgl. Lawton/Marom, 2010: 92 vgl. Iljne/Keil, 2000: 112

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Hybridisierung von Crowdfunding mit konventionelleren Finanzierungsmethoden ist in einigen Projektbeispielen bereits der Fall und wird auch von Plattformen wie Startnext ausdrücklich unterstützt. Startnext selbst praktiziert auf hybride Weise, indem Projektintiatoren, die anerkannt gemeinnützig sind, unabhängig vom Erfolg der Crowdfunding-Aktion Spenden sammeln können. Ein anderes Beispiel für eine vorteilhafte Kombination von Crowdfunding und anderen

Finanzierungswegen ist das Projekt Iron Sky, dessen Gesamtbudget von 6,9 Mio. €, von dem bereits 6 Mio. € durch traditionelle Finanzierungsquellen wie Förderungen, Distributoren usw. zugesichert sind, via Crowdfunding komplettiert wird. Auch das Filmprojekt Putty Hill ergänzte den idealtypischen

Finanzierungsweg mit gleich zwei erfolgreichen Crowdfunding-Aktionen auf der Plattform Kickstarter. So konnte durch die Unterstützung der Crowd auftauchende Budgetdefizite ausgeglichen werden.256 Dabei muss nicht nur Crowdfunding offen für die Kombination mit anderen Finanzierungsmethoden sein, vielmehr müssen sich auch bestehende Budgetquellen kooperationswillig mit Crowdfunding-Initiativen zeigen. Es sind verschiedenste hybride

Finanzierungsmodelle denkbar, die ein weites Experimentierfeld bieten. Sie führen vielleicht nicht geradlinig zur bestmöglichen Lösung für alle Parteien führen, dennoch, und das zeigt allein die populäre Entwicklung von

Crowdfunding, sind Neuerungen und Experimente im Bereich der Filmförderung gefragt und offensichtlich notwendig. So wird in den nächsten Jahren eine weitere Transition hin zu Crowdfunding und damit verbundenen

Mischfinanzierungsformen stattfinden. Bisher sind die Summen die durch Crowdfunding gesammelt werden mit wenigen Ausnahmen eher gering. Doch wenn sich Niveau und Grad der Hybridisierung und Kooperation von verschiedenen Finanzierungsmodellen erhöhen, können in Zukunft auch Millionenbeträge mit Hilfe von Crowdfunding erwirtschaftet werden. So bietet Crowdfunding sowohl für Kleinprojekte als auch im Großprojekt die Chance auf eine tragfähige Finanzierung. Die Crowd wird dadurch noch heterogener werden, was den professionellen Hintergrund und die finanziellen Spielräume betrifft. Das bedeutet aber nicht, dass Geber von Micropayments dadurch aus dem Fokus der Initiatoren geraten, denn die Crowd selbst ist, unabhängig von ihrer Liquidität,
256

vgl. Porterfield, 2010

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ein wichtiger Faktor für den Filmerfolg.257 Für ein Zukunftsmodell der Filmfinanzierung lässt sich also vorstellen, dass anstelle über ausfilternde und bürokratische Filmfördereinrichtungen, die öffentlichen Filmförderungen über Crowdfunding-Prozesse verteilt werden. So könnten Filmförderungen ihre Vergabe beispielsweise verhältnismäßig an den Erfolg von Crowdfunding-Aktionen binden. Dies würde nicht nur eine gravierende Änderung der Zuschlagsverteilung bedeuten, sondern auch der Filmkultur. „If anything the strongest argument can be made for disintermediating any form of bureaucracy from interposing in the allocation of resouces to the Arts.“258 Am Ende stellt sich nicht die Frage, ob Crowdfunding nun ein Gegenentwurf zu konventionellen Filmförderung ist oder sein kann, vielmehr liegt das Potential von Crowdfunding darin, dass es eine weitaus „natürlichere“ Finanzierungsform ist, „natürlich“ im Sinne von nachfragespezifisch, demokratisch, partizipativ, flexibler und näher an den Bedürfnissen aller Beteiligten. Ein hybrides

Finanzierungsmodell aus Crowdfunding und den typischen Finanzierungsquellen, vor allem Filmförderungen, würde auch eine grundlegende Reformierung der deutschen Fördereinrichtungen und Fördergrundsätze bedingen. Die

Forderungen nach einer Neustrukturierung der Förderlandschaft, wie sie beispielsweise Storm vorschlägt, sind zu einem großen Teil mit den Prinzipien des Crowdfundings vereinbar. 259 Das Ziel der Reformierung muss mehr Effektivität und Transparenz des Fördersystems sein und die behutsame aber konsequente Entlassung der deutschen Filmproduktion in die Selbstregulierung. „So sollten Förderanträge nicht mehr durch Gremien oder Intendanten ob ihrer künstlerischen oder wirtschaftlichen Qualität beurteilt werden. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz der Filmwirtschaft, dass sich der künstlerische oder wirtschaftliche Erfolg eines Filmes kaum absehen lässt, auch nicht im Rahmen eines noch so erfahrenen Expertenkreises.“260 Zwar sind Gremien oder Intendanten gültige „Abkürzungen“ in der Entscheidungsfindung, doch oftmals ist deren langjährige Erfahrung nicht nur bereichernd, sondern kann auch gegenteilige Wirkung entfalten. „Past ‚experienceʼ is especially dangerous in the
257 258 259 260

vgl. Lawton/Marom, 2010:163 Lawton/Marom, 2010: 175 vgl. Storm, 2000: 97 Storm, 2000: 97

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hands of decision makers when that experience drives decisions which cross a time period where radical change occurs within related fields.“261 Das Filmbusiness befindet sich allein durch die Neuerungen digitaler Techniken in Umbrüchen und notwendigen Veränderungen. Ferner entspricht es nicht mehr der heutigen Zeit, dass ein Staat, bzw. seine beruflichen Entscheidungsträger, über das Zustandekommen von Filmproduktionen entscheiden. „Filme sind Zeugnis und Ausdruck der modernen Kultur und Gesellschaft“262 und mit ihnen auch ihre Produktionsformen, Technik und Finanzierung. So ist Crowdfunding Ausdruck der Filmproduktion einer modernen, digitalen Gesellschaft, in der Entscheidungen nicht auf Basis Einzelner stattfinden, sondern eine ganze Crowd die Rolle der Berater einnimmt. Die Gedankenspiele welche Rolle Crowdfunding in Zukunft in der Filmfinanzierung einnehmen wird und könnte, sind unendlich fortzuführen. Für die nahe Zukunft ist erst einmal entscheidend, dass Crowdfunding sich weiter den gesellschaftlichen, technischen und

filmherstellerischen Bedürfnissen anpasst. Wenn sich Crowdfunding erst einmal auf einem hohen Niveau in der Gesellschaft etabliert hat, müssen weitere Schritte wie die Eingliederung in die staatliche Filmförderung nicht mehr nur Vision bleiben.

261 262

Lawton/Marom, 2010: 148 Wasilewski, 2009: 47

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Anhang Tabelle 1: Crowdfunding-Plattformen für Film (1/2)

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Tabelle 1: Crowdfunding-Plattformen für Film (2/2) [Stand: 28.12.2010]

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Filmverzeichnis (alphabetisch)
Biracy (CA/USA, offen) www.biracy.com Regie: Jason Bourque Das Drehbuch befindet sich noch in Entwicklung, über den Inhalt ist, außer, dass es ein Science Fiction-Film wird, nichts bekannt.

Buyacredit.com/Clovis Dardentor (UK, voraussichtlich 2012) www.buyacredit.com Regie: Adrian Bliss, Benjamin Robbins and Toby Stubbs Der Spielfilm vergessenen “Clovis Dardentor” basiert auf dem gleichnamigen, Roman von Jules Verne. Zwei Jugendfreunde mit

wirtschaftlichen Problemen lernen den Milliardär Clovis Dardentor kennen, der keine rechtsmäßigen Erben für sein Vermögen besitzt. Indem sie ihm das Leben retten wollen, versuchen die zwei Dardentor dazu zu bringen, sie zu adoptieren und somit ihre finanzielle Zukunft zu sichern.

Crude (USA, 2009) www.crudethemovie.com Regie: Joe Berlinger Der Dokumentarfilm nimmt die weltweit größte Anklage einer

Bevölkerungsgruppe gegen einen multinationalen Konzern unter die Lupe: Über 30.000 Menschen der indigenen Stämme, die im

Amazonasbecken von Ecuador leben, haben den Öl-Konzern Chevron, ehemals Texaco, vor Gericht gebracht. Joe Berlinger präsentiert die komplexe Situation des „Tschernobyls des Amazonas“ aus verschiedenen Perspektiven. Doch egal aus welchem Blickwinkel: Die Naturzerstörung und das menschliche Leid dieser Region sind nicht zu verleugnen.

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Die 4. Revolution- Energy Autonomy (D, 2010) www.4-revolution.de Regie: Carl-A. Fechner Der Dokumentarfilm zeigt anhand beispielhafter Projekte und ihrer Vorkämpfer in zehn Ländern wie eine Welt-Gemeinschaft aussehen kann, deren Energieversorgung zu 100% aus erneuerbaren Quellen gespeist wird. Das Filmteam begleitet engagierte Prominente, Top-Managern, afrikanische Mütter, Banker und ambitionierte Aktivisten auf der ganzen Welt und zeigt, dass eine Energierevolution für jeden erreichbar und bezahlbar ist. Der Film legt nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen dar.

Here & there (SRB/USA/D, 2009) www.hereandthere-film.de Regisseur: Darko Lungulov Die Tragikömodie erzählt die Geschichte des New Yorker Jazz-Musikers Robert, der mitten in einer Lebenskrise steckt. Da schlägt ihm der Serbe Branko vor, nach Belgrad zu fliegen, um dort eine Scheinehe mit Brankos Braut Olga einzugehen. Robert braucht dringend Geld und geht den Deal ein, Brankos Freundin so ein Visum zu verschaffen. Während der Plan, sowohl für Branko als auch Robert immer komplizierter wird, kommen sich Robert und Olga in Belgrad ganz allmählich näher.

Home (FR, 2009) www.homethemovie.org Regie: Yann Arthus-Bertrand Der bekannte Luftbildfotograf und Umweltaktivist Yann Arthus-Bertrand zeigt dem Zuschauer in seinem Debütfilm beeindruckende Luftaufnahmen aus über fünfzig Ländern und lehrt ihn Ehrfurcht vor unserem Planten und die Sorge, um dessen Gesundheit. Der Dokumentarfilm bezieht klar Position gegen die zerstörerische Lebensweise der Menschheit und für den Erhalt der Erde.

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Iraq for sale (USA, 2006) www.iraqforsale.org Regie: Robert Greenwald Der Dokumentarfilm deckt die Tätigkeiten von amerikanischen

Unternehmen im Irakkrieg auf. Interview mit (Ex-)Angestellten solcher Firmen wie Halliburton, CACI und KBR belegen, dass hinter den Deals die Regierung und ihre Vetternwirtschaft steckt: Die Unternehmen erhalten im Gegenzug für die Unterstützung der amerikanischen Truppen große Freiheiten in ihrer Geschäftsführung mit wenig Kontrolle.

Angehörige von getöteten Angestellten kommen zu Wort und berichten, dass Profit vor Sicherheit kommt. Auch zeigt der Film, die vergeblichen Versuche die Geschäftsführer zu interviewen und eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten.

Iron sky (FI/ AUS/ D, voraussichtlich 2012) www.ironsky.net Regie: Timo Vuorensola Die SciFi- Komödie erzählt die Geschichte von den Nazis, die nach ihrer Niederlage im Zweiten Weltkrieg in die Antarktis und weiter auf den Mond flohen. Auf dessen dunkler Seite gründeten sie ihren Stützpunkt „Schwarze Sonne“ und planen die Eroberung der Welt. Im Jahr 2018 ist der Zeitpunkt gekommen. Renate, eine ihrer Nachkommen, kehrt auf die Erde zurück um die Chancen für die Rückkehr aus dem All zu überprüfen.

Leg ihn um! (D, voraussichtlich 2011) www.diegluecklichen.de Regie: Jan Georg Schütte „Würdest du deinen Vater umbringen, wenn er dich darum bittet?“ Der alte und kranke Patriarch der Traditionsfamilie Manzl strebt eine radikale Lösung für seine Krankheit und die Übergabe der Firma in die Hände des durchsetzungsstärksten Nachfolgers an. Schafft es eines der vier Kinder ihn innerhalb einer Woche ins Jenseits zu befördern, bekommt derjenige die Firma. Wenn es keiner über sich bringt, geht das

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Familienimperium an eine Stiftung. Während die Zeit läuft, stellt sich die Frage, nach Verzicht oder Mord?

My Million Dollar Movie/A little bit zombie (USA, voraussichtlich 2012) www.mymilliondollarmovie.com Regie: Casey Walker Die Komödie erzählt die Geschichte des schüchternen Managers Stevie, der bei seinem Junggesellenabschied von einem Virus angesteckt wird. Ab da versucht er sein unfassbares Verlangen nach Hirnen zu stillen und dabei zu vermeiden, dass Max, ein besessener Zombie-Jäger, ihm zu nah auf die Fersen kommt. Gleichzeitig bemüht er sich um Unauffälligkeit, um keinen Ärger mit seiner Zukünftigen zu bekommen.

Plans (USA, voraussichtlich 2011) www.plansmovie.com Regie: Jason Phillips Der Thriller ist eine existenzielle Reise durch die dunkle Vergangenheit auf der Suche nach der Zukunft, eine düstere Geschichte über Erlösung: Mark Tyler verlässt das Gefängnis am selben Tag seiner Verhaftung. In seinem früheren Leben. Er hat ein gefährliches Geheimnis. Ein korrupter Polizist hat den Daumen auf ihm, ein toter Mann hält eine geladene Pistole an Marks Kopf und Julie hält den Schlüssel zu dem Geheimnis in ihrer Hand, das sie alle verbindet.

Putty Hill (USA, 2010) www.puttyhillmovie.com Regie: Matthew Porterfield Das Drama erzählt die Geschichte von Cory, der mit Mitte 20 an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Am Vortag seiner Beerdigung in Baltimore erzählen seine Freunde und seine Familie in

quasidokumentarischen Interviews, wie unterschiedlich sie das Ereignis betrifft. So entsteht nicht nur ein Porträt von Cory selbst, sondern auch eine interessante Milieustudie über das Leben am Rande einer

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amerikanischen Großstadt. Armut, Freizeitgestaltung und Gewalt spielen ebenso eine Rolle wie zerplatzte Lebensträume und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Tapestries of Hope (USA, 2009) www.tapestriesofhope.com Regie: Michealene Cristini Risley Der Dokumentarfilm zeigt Leben und Arbeit der Menschenrechtsaktivistin Betty Makoni und ihrem Girl Child Network (GCN) in Zimbabwe, Africa. Risley dokumentiert, was so oft ignoriert wird: Missbrauch und

Vergewaltigung von tausenden jungen Mädchen, begangen von Männern, die glauben damit ihr HIV/ AIDS- Leiden heilen zu können. Und begleitet Makoni bei ihrer Arbeit, diesen Mädchen zu helfen, in ihr Leben zurück zu finden und aus dem Erlebten stark hervorzugehen.

The 1 Second Film (USA, offen) www.the1secondfilm.com Regie: Nirvan Mullick Eine Filmsekunde besteht aus 24 Bildern. Jedes der Bilder ist ein riesiges Gemälde, das von hunderten Leuten während einer Party gemalt wurde. Die Partygäste malten die Bilder so, dass diese wie eine Art Daumenkino animiert werden können. Nach dieser einen Sekunde Bildanimation, folgen die Credits. Diese werden alle Unterstützer auflisten und etwa eine Stunde dauern. Neben den Credits wird eine Making-Of-Dokumentation laufen, die die absurde Entstehungsgeschichte des Films erzählt.

The Age of the Stupid (UK, 2009) www.ageofstupid.tao.de Regie: Franny Armstrong Das Doku-Drama beginnt mit einer Frage aus der Zukunft: "Why didn't we stop climate change when we still had the chance?" Ein Überlebender steht in den Trümmern der Welt im Jahr 2055 und blickt zurück auf die Ursachen für das menschliche Scheitern. Unzählige

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Nachrichtenmeldungen

und

Dokumentationen,

ergeben

eine

erschütternde Bilanz: Ignoranz und Machtstreben waren die Auslöser für die Katastrophe. Während die Perspektive des Jahres 2055 Fiktion ist und auch mit gewollt unrealistischen Bildern arbeitet, so sind alle Geschichten und Szenarien dieses Doku-Dramas Realität.

Demain la veille (F, 2006) www.guyomcorp.com Regie: Julien Lecat, Sylvain Pioutaz Der SciFi-Kurzfilm erzählt die Geschichte von Bob, der in einer Welt lebt, in der alles rückwärts läuft: Tod ist Geburt, die Leute werden jünger, das Wissen wird immer weniger...Diese „Normalität“ kommt plötzlich

durcheinander, als Bob sich eines Tages vorwärts in der Zeit bewegt. Er versteht nun, dass sein bisheriges Leben falsch war und er beginnt einen Kampf gegen die „Rückwärts“-Welt.

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