SKRIPTUM ZUR VORLESUNG

Statik und Festigkeitslehre
von
Prof. Dr.-Ing. habil. G. Kuhn
Prof. Dr.-Ing. habil. P. Steinmann
LEHRSTUHL FÜR TECHNISCHE MECHANIK
UNIVERSITÄT ERLANGEN - NÜRNBERG
Stand: WS 2010/2011
i
Das vorliegende Skriptum ist zum Ge-
brauch neben der Vorlesung gedacht;
es kann den Besuch der Lehrveranstaltung
und das selbständige Erarbeiten des Vorle-
sungsinhaltes nicht ersetzen.
ii Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Statik 1
1.1 Grundlagen und Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1.1 Die Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1.2 Einteilung der Kräfte und Schnittprinzip . . . . . . . . . . . . . . 3
1.1.3 Die Axiome der Statik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1.2 Zentrale ebene Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.2.1 Reduktion der zentralen Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.2.2 Zerlegung einer Kraft in zwei Richtungen . . . . . . . . . . . . . . 8
1.2.3 Gleichgewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1.3 Allgemeine ebene Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.3.1 Das Kräftepaar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.3.2 Moment einer Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
1.3.3 Reduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
1.3.4 Gleichgewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.4 Räumliche Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.4.1 Momentenvektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.4.2 Gleichgewichtsbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5 Der Schwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5.1 Kräfteschwerpunkt von parallelen Kräften . . . . . . . . . . . . . 13
1.5.2 Massenschwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
1.5.3 Flächen– und Linienschwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.6 Auflagerreaktionen ebener Tragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
1.6.1 Elemente eines Tragwerks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
1.6.2 Belastungs– und Lagerungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
1.6.3 Statische Bestimmtheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
1.6.4 Bestimmung der Auflagerreaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
1.6.5 Mehrgliedrige Tragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Inhaltsverzeichnis iii
1.7 Schnittreaktionen eines Balkens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
1.7.1 Definition der Schnittreaktionen in der Ebene . . . . . . . . . . . 25
1.7.2 Gerader Balken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
1.7.3 Rahmenträger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
1.7.4 Bogenträger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
1.7.5 Definition der Schnittreaktionen im Raum . . . . . . . . . . . . . 33
1.8 Reibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
1.8.1 Haftreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
1.8.2 Gleitreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
1.8.3 Reibkegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
2 Elastostatik und Festigkeitslehre 41
2.1 Grundlagen und Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
2.1.1 Einführende Bemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
2.1.2 Spannungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
2.1.3 Verschiebungen und Verzerrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
2.1.4 Stoffgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
2.2 Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
2.2.1 Statisch bestimmte Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
2.2.2 Statisch unbestimmte Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
2.2.3 Mehrbereichsaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
2.3 Biegebeanspruchung gerader Balken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
2.3.1 Flächenmomente 2. Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
2.3.2 Spannung bei gerader Biegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
2.3.3 Spannung bei schiefer Biegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
2.3.4 Biegeverformung gerader Balken (Elastische Linie) . . . . . . . . . 73
2.4 Torsion gerader Stäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
2.4.1 Kreis– und kreisringförmiger Querschnitt . . . . . . . . . . . . . . 81
2.4.2 Dünnwandige geschlossene Querschnitte . . . . . . . . . . . . . . 84
iv Inhaltsverzeichnis
2.4.3 Dünnwandige offene Querschnitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
2.5 Energiemethoden der Elastostatik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
2.5.1 Spezifische Formänderungsenergie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
2.5.2 Formänderungsenergie eines Balkens . . . . . . . . . . . . . . . . 91
2.5.3 Kombinierte Beanspruchung und Mehrbereichsaufgaben . . . . . . 93
2.5.4 Prinzip der virtuellen Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
2.5.5 Verfahren von Castigliano . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
2.6 Beurteilung des Beanspruchungszustandes . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
2.6.1 Materialprüfung und Werkstoffkennwerte . . . . . . . . . . . . . . 103
2.6.2 Spannungstransformation und Hauptspannungen . . . . . . . . . 105
2.6.3 Spezifische Volumen– und Gestaltänderungsenergie . . . . . . . . 111
2.6.4 Festigkeitshypothesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
2.7 Stabilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
2.7.1 Stabilitätsprobleme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
2.7.2 Knicken im elastischen Bereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
2.7.3 Die vier EULERschen Knickfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
3 Empfohlene Literatur 124
A Anhang 125
A.1 Torsionsträgheitsmomente I
t
und Torsionswiderstandsmomente W
t
. . . . 125
A.2 Flächenträgheitsmomente I
yy
, I
zz
, I
yz
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
Statik 1
1 Statik
1.1 Grundlagen und Grundbegriffe
1.1.1 Die Kraft
Aus der täglichen Erfahrung ist bekannt, dass sich Kräfte in Größe, Richtung und An-
griffspunkt unterscheiden können.
Eine Kraft stellt somit einen gebundenen Vektor dar, der durch Betrag (Größe),
Richtung und Angriffspunkt gekennzeichnet ist. Grafisch wird die Kraft durch einen
Pfeil dargestellt (Bild 1.1.1).
|
F
|
F
f
P
Bild 1.1.1
Es bedeuten: |

F| = F – Betrag der Kraft (beschrieben durch die Pfeillänge nach
einem gewählten Kräftemaßstab),
f – Wirkungslinie der Kraft.
Entsprechend der Vektorsymbolik wird über Vektorgrößen ein Pfeil gesetzt. Wenn aus
einer Zeichnung die Richtung der Kraft (Wirkungslinie) eindeutig hervorgeht, genügt
auch der Betrag zur Kennzeichnung der Kraft.
Die Bedeutung des Angriffspunktes einer Kraft wird durch die unterschiedliche Reaktion
des starren Klotzes nach Bild 1.1.2 verdeutlicht.
F F
P P
Bild 1.1.2
2 Statik
In kartesischen Koordinaten (x, y, z) mit den Einheitsvektoren e
x
, e
y
, e
z
als Basis ergibt
sich

F =

F
x
+

F
y
+

F
z
= e
x
F
x
+ e
y
F
y
+ e
z
F
z
, (1.1)

F
x
,

F
y
,

F
z
− Komponenten der Kraft

F,
F
x
, F
y
, F
z
− Koordinaten der Kraft

F.
Für den Betrag der Kraft gilt
|

F| = F =
_
F
2
x
+ F
2
y
+ F
2
z
. (1.2)
Die Richtung der Kraft ist bestimmt durch
cos α =
F
x
F
; cos β =
F
y
F
; cos γ =
F
z
F
. (1.3)
F
F
y
F
x
F
F
y
F
x
F
z
y
x
z
x
y
e
z
e
x
e
x
e
y
a a
b
b
g
a) Kraft F im Raum b) Kraft F in der x-y-Ebene
e
y
Bild 1.1.3
(1.3) eingesetzt in (1.2) liefert die Beziehung zwischen den Winkeln
cos
2
α + cos
2
β + cos
2
γ = 1 . (1.4)
Für die Kraft in der Ebene ist aus Bild 1.1.3 b) abzulesen α + β =
π
2
und
F
x
= F cos α F
y
= F sin α . (1.5)
Grundlagen und Grundbegriffe 3
1.1.2 Einteilung der Kräfte und Schnittprinzip
Kräfte lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen.
Kräfte, die über das Volumen verteilt angreifen, nennt man Volumenkräfte. Beispiele
hierfür sind die Schwerkraft (Gewichtskraft), magnetische und elektrische Kräfte.
Treten Kräfte nur an Oberflächen von Körpern oder an Berührungsflächen zweier Körper
auf, so spricht man von Flächenkräften. Beispiele hierfür sind Kräfte durch Wind– oder
Wasserdruck oder auch eine Schneelast.
Ist die Berührung zweier Körper nahezu linien– bzw. punktförmig, erhält man Linien–
oder Streckenlasten bzw. Punkt– oder Einzelkräfte. Eine Linienlast entsteht z.B.
zwischen einer ebenen Unterlage und einem Zylinder. Eine Punktlast liegt näherungs-
weise vor, wenn eine Last über eine scharfe Kegelspitze aufgebracht wird.
Linien– und Punktlasten sind Idealisierungen, da eine bestimmte, wenn auch sehr kleine
Fläche immer zur Übertragung von Kräften notwendig ist.
dG
V
dV
F
F
g
a) Volumenkraft
b) Flächenkraft
c) Linienkraft d) Punktlast
Bild 1.1.4
Weiterhin kann man unterscheiden zwischen eingeprägten Kräften und Reaktions-
kräften. Unter eingeprägten Kräften versteht man physikalisch vorgegebene (also ein-
geprägte) Kräfte wie Gewicht, Schneelast usw. Reaktionskräfte entstehen infolge einge-
prägter Kräfte durch die Behinderung der Bewegungsfreiheit des Körpers. Ein Auflager,
das z.B. die Bewegung eines durch eingeprägte Kräfte belasteten Balkens verhindert,
übt auf diesen eine Reaktionskraft aus.
4 Statik
Der letzte Satz weist auf das Schnittprinzip hin, denn Reaktionskräfte können erst
durch das gedankliche Lösen des betrachteten Körpers von den geometrischen Bindungen
zu den benachbarten Körpern veranschaulicht werden.
Das geschieht durch einen geschlossenen Schnitt.
Bild 1.1.5 a) zeigt als wirkliches System einen geraden Balken, der durch die eingeprägte
Kraft F belastet ist und durch die Auflager A und B in seiner Bewegungsfreiheit be-
hindert wird. Nach dem Lösen der geometrischen Bindungen durch einen geschlossenen
Schnitt (Freischneiden) werden im freigemachten System die Reaktionskräfte A und
B sichtbar.
A
F
B
A
F
B
a) wirkliches System b) freigeschnittenes System
Bild 1.1.5
Ein weiteres Einteilungskriterium ist die Unterscheidung in äußere und innere Kräfte.
Betrachtet man ein System aus mehreren starren Körpern, die miteinander verbunden
sind, muß man die Kräfte zwischen den einzelnen starren Körpern des Systems als innere
Kräfte zählen. Schneidet man aber einen oder auch mehrere Körper des Systems frei,
werden die inneren Kräfte des Gesamtsystems zu äußeren Kräften des Teilsystems.
Als innere Kräfte bezeichnet man auch die Schnittgrößen bzw. Schnittreaktionen,
die beim Schnitt durch einen starren Körper entstehen (siehe dazu Kap. 1.7).
1.1.3 Die Axiome der Statik
Die aus der Erfahrung abgeleiteten, aber nicht bewiesenen Grundtatsachen einer Na-
turwissenschaft nennt man Axiome. Die Statik starrer Körper basiert auf folgenden 4
Axiomen:
1. Gleichgewichtsaxiom
Zwei an einem Punkt eines Körpers angreifende Kräfte

F sind
im Gleichgewicht, wenn sie entgegengesetzt gerichtet (gleiche Wir-
kungslinie) und gleich groß (gleicher Betrag) sind.
Grundlagen und Grundbegriffe 5
P
F
F
Bild 1.1.6
Man spricht auch von einer Gleichgewichtsgruppe. Eine Gleichgewichtsgruppe
hat keine Wirkung auf einen starren Körper.
2. Linienflüchtigkeitsaxiom
Der Angriffspunkt einer Kraft kann auf der Wirkungslinie beliebig
verschoben werden, ohne dass sich an der Wirkung auf den starren
Körper etwas ändert.
P
1
F
P
2
F
P
1
P
2
Bild 1.1.7
Dieses Axiom gilt nicht beim deformierbaren Körper.
3. Wechselwirkungsgesetz (actio = reactio)
Kräfte, die zwei Körper aufeinander ausüben, sind gleich groß,
entgegengesetzt gerichtet und liegen auf einer Wirkungslinie, d.h.,
Kräfte treten stets paarweise auf.
Für sich berührende Körper (Bild 1.1.8 a)) ist dies sehr anschaulich. Es gilt aber
auch für Körper in größerer Entfernung, wie das in Bild 1.1.8 b) für das Beispiel
der Anziehungskraft zwischen Erde und Mond gezeigt ist.
6 Statik
F
1
F
2
F
G
F
4
F
5
F
3
F
4
F
5
F
2
F
3
F
1
F
G
a) b)
Bild 1.1.8
4. Axiom vom Kräfteparallelogramm
Zwei an demselben Punkt angreifende Kräfte können zu einer sta-
tisch äquivalenten resultierenden Kraft zusammengefaßt werden, in-
dem man die Diagonale des von den beiden Kraftvektoren aufge-
spannten Parallelogramms bildet. Dabei genügt es, eines der beiden
Kräftedreiecke zu zeichnen.
F
1
F
2
F
R
F
1
F
2
F
2
F
1
F
R
F
R
a) Kräfteparallelogramm b) Kräftedreiecke
Bild 1.1.9
1.2 Zentrale ebene Kräftegruppe
Eine ebene Kräftegruppe liegt vor, wenn alle Kräfte in einer Ebene (z.B. x–y–Ebene)
liegen. Zentral ist die ebene Kräftegruppe dann, wenn sich die Wirkungslinien sämt-
licher Kräfte in einem Punkt schneiden. Nach dem Linienflüchtigkeitsaxiom lassen sich
dann alle Kräfte so verschieben, dass sie an einem Punkt angreifen.
Zentrale ebene Kräftegruppe 7
1.2.1 Reduktion der zentralen Kräftegruppe
Als Reduktion bezeichnet man die Zusammenfassung aller Kräfte zu einer statisch äqui-
valenten Resultierenden. Die Zusammenfassung kann sowohl grafisch als auch analy-
tisch erfolgen. Die grafische Reduktion ist in Bild 1.2.1 gezeigt.
F
R
F
1
F
2
F
R
F
3
Lageplan Kräfteplan
F
1
F
2
F
3
A
E
1 N 1 m
e
x
e
y
a
2
a
3
a
1
Bild 1.2.1
Die analytische Reduktion folgt aus der Vektorgleichung

F
R
=

F
1
+

F
2
+

F
3
=
3

i=1

F
i
. (1.6)
Nach (1.1) und (1.5) gilt

F
i
=

F
ix
+

F
iy
= e
x
F
ix
+e
y
F
iy
= e
x
(F
i
cos α
i
) +e
y
(F
i
sin α
i
)

F
R
=

F
Rx
+

F
Ry
= e
x
F
Rx
+e
y
F
Ry
.
(1.7)
Durch Einsetzen von (1.7) in (1.6) erhält man
e
x
F
Rx
+e
y
F
Ry
= e
x
3

i=1
F
ix
+e
y
3

i=1
F
iy
. (1.8)
Verallgemeinert man von 3 auf n Kräfte und beachtet, dass zwei Vektoren nur dann
gleich sind, wenn jede ihrer Komponenten übereinstimmt, folgt aus (1.8)
F
Rx
=
n

i=1
F
ix
=
n

i=1
F
i
cos α
i
F
Ry
=
n

i=1
F
iy
=
n

i=1
F
i
sin α
i
.
(1.9)
8 Statik
F
R
F
Ry
y
x
a
R
F
Rx
Bild 1.2.2
Nach (1.2) folgt für den Betrag der Re-
sultierenden
F
R
=
_
F
2
Rx
+ F
2
Ry
.
Die Richtung der Resultierenden ergibt
sich aus
tan α
R
=
F
Ry
F
Rx
.
1.2.2 Zerlegung einer Kraft in zwei Richtungen
In der Ebene ist die Zerlegung einer Kraft in zwei Richtungen eindeutig möglich. Die
Lösung kann wieder grafisch oder analytisch erfolgen. Besonders einfach und anschaulich
ist die grafische Lösung, wie Bild 1.2.3 zeigt.
F
R
F
R
F
2
1
2
F
1
Bild 1.2.3
Meist erfolgt die Zerlegung in zwei senkrecht aufeinander stehende Komponenten, wie
es analytisch in (1.5) getan wurde.
Die Zerlegung einer Kraft in mehr als zwei Richtungen ist nicht eindeutig.
1.2.3 Gleichgewicht
Eine zentrale Kräftegruppe ist im Gleichgewicht, wenn die statisch äquivalente Resul-
tierende verschwindet.
Das bedeutet
a) für den grafischen Lösungsweg:
Der Kräfteplan muß sich schließen.
b) für den analytischen Lösungsweg:

F
R
= 0 ⇒
F
Rx
=
n

i=1
F
ix
= 0
F
Ry
=
n

i=1
F
iy
= 0 .
(1.10)
Allgemeine ebene Kräftegruppe 9
(1.10) bezeichnet man als Kräftegleichgewichtsbedingungen (in diesem Fall für die
Kraftkomponenten in x– und y–Richtung).
1.3 Allgemeine ebene Kräftegruppe
Bei der allgemeinen Kräftegruppe schneiden sich nicht mehr alle Wirkungslinien in einem
Punkt. Man spricht in diesem Falle auch von einer nichtzentralen Kräftegruppe. Es
ist notwendig, auch die Momentenwirkung der Kräfte zu berücksichtigen.
1.3.1 Das Kräftepaar
Als Kräftepaar bezeichnet man zwei gleich große, entgegengesetzt
gerichtete, aber auf parallel zueinander verlaufenden Wirkungslini-
en liegende Kräfte.
F
F
a
Bild 1.3.1
Man erkennt, dass das Kräftegleichgewicht
(1.10) zwar erfüllt ist, dass aber das Kräfte-
paar eine Drehwirkung erzeugt. Die Drehwir-
kung ist proportional der Kraft F und dem
Abstand a. Damit entsteht das Moment des
Kräftepaares
M = a F (

+

−) .
Der Drehsinn des Kräftepaares wird im mathematisch positiven Sinn (entgegen dem
Uhrzeigersinn) mit dem positiven Vorzeichen (

+ ) und im mathematisch negativen Sinn
(im Uhrzeigersinn) mit dem negativen Vorzeichen (

− ) beschrieben. Ein Kräftepaar ist
durch Angabe des Betrages und des Drehsinns des Moments eindeutig bestimmt.
Für das Kräftepaar gelten folgende Aussagen:
a) Das Moment eines Kräftepaares ist gleich der Summe der Momente der beiden
Einzelkräfte bez. eines beliebigen Bezugspunktes (siehe hierzu Kap. 1.3.2).
b) Ein Kräftepaar darf in seiner Wirkungsebene beliebig verschoben werden, ohne
dass sich seine Wirkung auf den starren Körper ändert.
c) Das resultierende Moment mehrerer Kräftepaare folgt aus der algebraischen Sum-
me der Momente der einzelnen Kräftepaare (unter Beachtung des Drehsinns). Ist
die Summe Null, herrscht Gleichgewicht.
Daß ein Moment im Raum ein Vektor ist, von dem bei einer ebenen Kräftegruppe nur
eine Komponente übrigbleibt, wird im Kapitel 1.4.1 behandelt.
10 Statik
1.3.2 Moment einer Kraft
F F
y
F
x
y
x
a
A
x
F
y
F
Bild 1.3.2
Eine Kraft F bewirkt bez. eines nicht auf sei-
ner Wirkungslinie liegenden beliebigen Be-
zugspunktes A ein Moment vom Betrag
M
A
= a F (

+

−) . (1.11)
Der senkrechte Abstand a des Bezugspunk-
tes A von der Wirkungslinie wird Hebel-
arm genannt. In Komponentendarstellung
gilt:
M
A
= a F = x
F
F
y
−y
F
F
x
(1.12)
Die Parallelverschiebung der Kraft F um den Abstand a bedingt demnach die Hinzu-
nahme eines Momentes M = a F (Bild 1.3.3).
x
y
F
M = a F
x
F
y
a
=
Bild 1.3.3
1.3.3 Reduktion
Mehrere Kräfte ergeben das Moment
M
A
=

i
a
i
F
i
=

i
(x
i
F
iy
−y
i
F
ix
) . (1.13)
Will man die Kräfte F
i
zu einer Resultierenden F
R
zusammenfassen, so muß die Resul-
tierende die gleiche Momentenwirkung haben wie die einzelnen Kräfte, d.h.
M
A
= a
R
F
R
= x
R
F
Ry
−y
R
F
Rx
=

i
a
i
F
i
. (1.14)
Räumliche Kräftegruppe 11
Bei der analytischen Reduktion einer allgemeinen ebenen Kräftegruppe folgen somit die
Komponenten F
Rx
und F
Ry
aus (1.10) und die Wirkungslinie der Resultierenden y
R
(x
R
)
aus (1.14).
1.3.4 Gleichgewicht
Die Gleichgewichtsbedingungen der ebenen Statik lauten:

F
R
= 0 und M
A
= 0 , (1.15)
wobei der Bezugspunkt A beliebig gewählt werden kann. In Komponentendarstellung
folgt:
F
Rx
=
n

i=1
F
ix
= 0
F
Ry
=
n

i=1
F
iy
= 0
M
A
=
n

i=1
M
Ai
=

i
(x
i
F
iy
−y
i
F
ix
) = 0 .
(1.16)
Häufig ist es vorteilhafter, die beiden Kräftegleichgewichtsbedingungen in x– und y–
Richtung durch zwei weitere Momentengleichgewichtsbedingungen um voneinander ver-
schiedene neue Bezugspunkte B und C zu ersetzen. Dabei müssen aber die neu eingeführ-
ten Bezugspunkte gewisse Bedingungen erfüllen. Werden beide Kräftegleichgewichtsbe-
dingungen ersetzt, so dürfen z.B. die drei Bezugspunkte nicht auf einer gemeinsamen
Geraden liegen. Wird nur eine Kräftegleichgewichtsbedingung ersetzt, so darf der neue
Bezugspunkt nicht auf einer parallel zur ersetzten Kraftrichtung durch den Bezugspunkt
A verlaufenden Geraden liegen.
1.4 Räumliche Kräftegruppe
Wir wollen die räumliche Kräftegruppe nur in dem Umfang behandeln, wie es zum
Verständnis der in der Festigkeitslehre betrachteten Beanspruchungsarten eines Trägers
erforderlich ist.
1.4.1 Momentenvektor
Bei der ebenen Kräftegruppe traten nur zwei Komponenten des Kraftvektors und eine
Komponente des Momentenvektors auf.
12 Statik
Bei der räumlichen Kräftegruppe können alle Komponenten sowohl des Kraftvektors
als auch des Momentenvektors vorkommen.
In einem kartesischen Koordinatensystem bedeutet das
F
x
y
F
y
F
z
F
r
z
x
0
M
Bild 1.4.1

F = e
x
F
x
+e
y
F
y
+e
z
F
z

M = e
x
M
x
+e
y
M
y
+e
z
M
z
(1.17)
Das Moment

M einer Kraft

F bez. ei-
nes Punktes 0 (Bild 1.4.1) lautet

M = r ×

F
= (e
x
x
F
+e
y
y
F
+e
z
z
F
) ×(e
x
F
x
+e
y
F
y
+e
z
F
z
)
= (y
F
F
z
−z
F
F
y
)e
x
+ (z
F
F
x
−x
F
F
z
)e
y
+ (x
F
F
y
−y
F
F
x
)e
z
=
¸
¸
¸
¸
¸
¸
¸
e
x
e
y
e
z
x
F
y
F
z
F
F
x
F
y
F
z
¸
¸
¸
¸
¸
¸
¸
.
(1.18)
Man erkennt, dass sich (1.18) mit F
z
= 0, z = 0 für die ebene Kräftegruppe auf

M = (x
F
F
y
−y
F
F
x
)e
z
reduziert, was in Übereinstimmung mit (1.12) ist.
Vom physikalischen Charakter unterscheiden sich Kraft– und Momentenvektor dadurch,
dass


F ein gebundener bzw. ein linienflüchtiger Vektor ist, der bez. der Wirkung auf
einen starren Körper nur entlang seiner Wirkungslinie verschoben werden darf,


M ein freier Vektor ist, der beliebig im Raum parallel verschoben werden darf, ohne
seine Wirkung auf einen starren Körper zu ändern.
In der Darstellung wird für den Momentenvektor häufig ein Doppelpfeil benutzt.
Der Schwerpunkt 13
1.4.2 Gleichgewichtsbedingungen
Ein Körper befindet sich im Gleichgewicht, wenn resultierende Kraft und resultierendes
Moment Null sind. Das bedeutet

F
R
= 0 ⇒
n

i=1

F
i
= 0 ⇒

M
R
= 0 ⇒
n

i=1

M
i
= 0 ⇒
n

i=1
F
ix
= 0
n

i=1
F
iy
= 0
n

i=1
F
iz
= 0
n

i=1
M
ix
= 0
n

i=1
M
iy
= 0
n

i=1
M
iz
= 0
(1.19)
1.5 Der Schwerpunkt
1.5.1 Kräfteschwerpunkt von parallelen Kräften
Wir betrachten eine Gruppe von n parallelen Kräften F
1
, · · · , F
i
, · · · , F
n
, die alle in der
x–y–Ebene liegen und parallel zur y–Achse wirken (Bild 1.5.1). Faßt man die Kräfte F
i
zur Resultierenden F
R
=
n

i=1
F
i
zusammen, dann ergibt sich für den Kräftemittelpunkt
x
R
= x
s
=
1
F
R
n

i=1
F
i
x
i
. (1.20)
14 Statik
x
R
x x
y
y
x
n
x
i
x
1
F
1
F
R
F
n
F
i
Bild 1.5.1
In Verallgemeinerung von (1.20) bedeutet das
x
s
=
1
F
R
n

i=1
F
i
x
i
y
s
=
1
F
R
n

i=1
F
i
y
i
z
s
=
1
F
R
n

i=1
F
i
z
i
bzw. r
s
=
1
F
R
n

i=1
F
i
r
i
. (1.21)
1.5.2 Massenschwerpunkt
x
y
S
.
dm
z
r
S
r
Bild 1.5.2
Wir denken uns eine über ein bestimm-
tes Volumen verteilte Masse m in unend-
lich viele differentiell kleine Massen dm zer-
legt (Bild 1.5.2). Ordnet man diesen dif-
ferentiell kleinen Massen die Schwerkräfte
dmg zu, erhält man wieder den im vorigen
Kapitel behandelten Fall paralleler Kräfte.
Allerdings ist jetzt die Summe differentiell
kleiner Größen zu bilden, das bedeutet, die
Summen sind durch Integrale zu ersetzen.
Bei konstantem Schwerefeld kann dabei noch durch g gekürzt werden, und man erhält
x
s
=
1
m
_
(m)
xdm
y
s
=
1
m
_
(m)
y dm
z
s
=
1
m
_
(m)
z dm
bzw. r
s
=
1
m
_
(m)
r dm . (1.22)
Der Schwerpunkt 15
Für homogene Körper mit konstanter Dichte ̺ kann (1.22) durch ̺ gekürzt werden, und
man erhält den geometrischen Schwerpunkt
r
s
=
1
V
_
(V )
r dV (1.23)
mit den entsprechenden Komponenten analog (1.22).
Läßt sich die Masse m in Teilmassen m
i
mit bekannten Teilschwerpunkten r
si
aufteilen,
so folgt der Schwerpunkt aus
r
s
=
1
m

i
r
si
m
i
. (1.24)
Für die Aufteilung des Gesamtvolumens V in Teilvolumina V
i
gilt
r
s
=
1
V

i
r
si
V
i
. (1.25)
1.5.3 Flächen– und Linienschwerpunkt
dA
y
z
x
h
S.
r
S
Bild 1.5.3
Für einen flächenhaften Körper (z.B. dünnes
Blech) mit konstanter Wanddicke h und kon-
stanter Dichte ̺ (Bild 1.5.3) ist
dm = ̺ h dA,
und aus (1.22) wird
x
s
=
1
A
_
(A)
xdA
y
s
=
1
A
_
(A)
y dA
z
s
=
1
A
_
(A)
z dA
bzw. r
s
=
1
A
_
(A)
r dA . (1.26)
16 Statik
In der Festigkeitslehre ist vor allem der Schwerpunkt ebener Flächen (Querschnittsflä-
chen) von Bedeutung.
_
(A)
xdA,
_
(A)
y dA,
_
(A)
z dA bezeichnet man als Flächenmomente 1. Ordnung.
Merke:
Die Flächenmomente 1. Ordnung verschwinden in Bezug auf ein im
Schwerpunkt verankertes Koordinatensystem.
Bei bekannten Teilflächen A
i
mit den Teilschwerpunkten r
si
erhält man
r
s
=
1
A

i
A
i
r
si
bzw.
x
s
=
1
A

i
A
i
x
si
y
s
=
1
A

i
A
i
y
si
z
s
=
1
A

i
A
i
z
si
.
(1.27)
Bei linienförmigen Körpern (z.B. schlanker Träger) mit konstanter Querschnittsfläche A
und konstanter Dichte ̺ (Bild 1.5.4) gilt dm = ̺ Ads und
y
z
x
r
S
.
S
s
d
s
L
Bild 1.5.4
r
s
=
1
L
_
(L)
r ds mit L =
_
(L)
ds .
(1.28)
Bei bekannten Teillinien L
i
mit den Teilschwer-
punkten r
si
folgt
r
s
=
1
L

i
L
i
r
si
bzw.
x
s
=
1
L

i
L
i
x
si
y
s
=
1
L

i
L
i
y
si
z
s
=
1
L

i
L
i
z
si
.
(1.29)
Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 17
1.6 Auflagerreaktionen ebener Tragwerke
1.6.1 Elemente eines Tragwerks
Allgemein versteht man unter einem Tragwerk ein aus mehreren Elementen zusam-
mengesetztes Bauwerk, dessen Beweglichkeit durch geometrische Bindungen (Auflager,
Übertragungselemente) eingeschränkt ist und das in der Lage ist, eingeprägte Kräfte
aufzunehmen.
Die Elemente eines Tragwerks werden entsprechend ihrer Form und Beanspruchungsart
in verschiedene Klassen eingeteilt.
Unter einem Stab versteht man ein Bauteil, dessen Querschnittsabmessungen sehr viel
kleiner sind als seine Längsabmessung und das nur in seiner (geraden) Stabachse bean-
sprucht wird. Treten auch Momenten- und Querbeanspruchungen auf, so spricht man
von einem geraden Balken, wenn die Längsachse gerade, vom Bogenträger, wenn die
Längsachse gekrümmt und von Rahmen, wenn mehrere Balken mit unterschiedlichen
Achsrichtungen zusammengesetzt sind. Alle diese Tragwerke faßt man auch (unabhängig
von ihrer Beanspruchung) unter dem Begriff Linientragwerk zusammen.
Ebene Bauteile, bei denen die Dickenabmessung sehr viel kleiner ist als die sonstigen Ab-
messungen, werden als Scheiben bezeichnet, wenn sie nur in der Scheibenebene belastet
werden und als Platten, wenn sie auch Momenten- und Querbelastungen aufnehmen.
Handelt es sich um gekrümmte Elemente, so spricht man von Schalen. Scheiben, Platten
und Schalen werden zusammenfassend auch als Flächentragwerke bezeichnet.
1.6.2 Belastungs– und Lagerungsarten
Eingeprägte Kräfte belasten ein Tragwerk, Auflager und Verbindungselemente verhin-
dern die Beweglichkeit und ergeben die Reaktionskräfte.
Werden nur Linientragwerke betrachtet, so kommen als Belastungen Kräfte, Momente
und Streckenlasten (Linienlasten) in Frage. In den Gleichgewichtsbedingungen (1.16)
erscheinen jedoch nur Kräfte und Momente. Es wird daher im folgenden gezeigt, welche
Kraft– und Momentenwirkungen Streckenlasten haben.
Die resultierende Kraft der Streckenlast q(x) im Bereich 0 ≤ x ≤ l beträgt
|F
q
| =
l
_
0
q(x) dx . (1.30)
18 Statik
Das Moment um den Bezugspunkt A folgt aus
|M
q
| =
l
_
0
xq(x) dx . (1.31)
A
l
x
q (x)
Bild 1.6.1
In der Tabelle 1.1 sind einige typische Lagerungsarten und ihre Symbole zusammen-
gefaßt. Man unterscheidet ein–, zwei– und dreiwertige Lager. Die statische Wertigkeit
(Fesselwirkung) wird mit a
i
bezeichnet.
verschiebl.
Lager, Los-
lager, Rollen-
lager
Pendel-
stütze
Festes
Gelenk,
Festlager
Doppel-
stütze
1
1
2
2
Wertigkeit
a
i
Symbol
Statische
Lagerreaktionen
Ausführung
(Beispiele)
Lagertyp
Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 19
Parallel-
führung
Schiebe-
hülse
feste
Einspannung
2
2
3
Wertigkeit
a
i
Symbol
Statische
Lagerreaktionen
Ausführung
(Beispiele)
Lagertyp
Tabelle 1.1
1.6.3 Statische Bestimmtheit
Ein aus einem Element bestehendes ebenes Tragwerk besitzt ohne Bindungen den Frei-
heitsgrad f = 3. Die Lagerungen mit den entsprechenden Wertigkeiten a
i
vermindern
den Freiheitsgrad entsprechend
f = 3 −a mit a =

i
a
i
. (1.32)
Die notwendige Bedingung, dass das Tragwerk tragfähig ist (Starrheitsbedingung), lautet
a ≥ 3 bzw. f ≤ 0 .
Diese Bedingung ist jedoch nicht hinreichend. Dazu werden später noch Beispiele ge-
nannt.
Das aus einem Element bestehende ebene Tragwerk ist statisch bestimmt gelagert,
wenn die drei Gleichgewichtsbedingungen der Ebene ausreichen, die drei unbekann-
ten Auflagerreaktionen zu bestimmen. Treten mehr als drei Auflagerreaktionen auf, so
spricht man von einem statisch unbestimmt gelagerten Tragwerk.
So sind beispielsweise die Balken a) und b) in Bild 1.6.2 statisch bestimmt gelagert, der
Balken c) hingegen einfach statisch unbestimmt.
20 Statik
F F F
a) b) c)
Bild 1.6.2
Die notwendige Bedingung für die statische Bestimmtheit für ein Element in der Ebene
lautet demnach
a = 3 bzw. f = 0. (1.33)
Nachstehend sind einige Ausnahmefälle gezeigt, für die die notwendige Bedingung der
statischen Bestimmtheit erfüllt ist, die sich aber trotzdem nicht mit Hilfe der Gleichge-
wichtsbedingungen lösen lassen.
Bild 1.6.3
Ausnahmefälle liegen vor, wenn
a) die Wirkungslinien aller drei Auflagerkräfte durch einen Punkt gehen,
b) die Wirkungslinien aller drei Auflagerreaktionen parallel verlaufen,
c) die Auflagerreaktionen aus einem Moment und zwei Kräften bestehen und diese
zueinander parallel sind.
Für f < 0 (statisch unbestimmte Lagerung) reichen die Gleichgewichtsbedingungen für
eine eindeutige Bestimmung der Auflagerreaktionen nicht aus.
Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 21
Zum Beispiel würde für den in Bild 1.6.4 skizzierten Fall einer einfach statisch unbe-
stimmten Lagerung für jeden auf der Wirkungslinie von F liegenden Schnittpunkt der
Kräfte eine statisch mögliche Lösung existieren. Beim statisch unbestimmten Problem
muß man die Idealisierung „starrer Körper“ aufgeben, um eine eindeutige Lösung zu
erhalten.
Bild 1.6.4
1.6.4 Bestimmung der Auflagerreaktionen
Bei statisch bestimmten Aufgaben werden die Auflagerreaktionen mit Hilfe der Gleich-
gewichtsbedingungen bestimmt. Dies kann sowohl analytisch als auch grafisch erfolgen.
Beispiel: analytische Bestimmung der Auflagerreaktionen
A
α
α
a
1
F
1
F
2 F
1
A
H
A
V
F
2
a
2
l
a
1
a
2
l
a) wirkliches System b) freigeschnittenes System
B
B
Gleichgewichtsbedingungen:
→ A
H
−F
2
cos α = 0
↑ A
V
+ B −F
1
−F
2
sin α = 0

A Bl −F
1
a
1
−F
2
a
2
sin α = 0
22 Statik
Aus den 3 Gleichungen ergeben sich die 3 Unbekannten:
A
H
= F
2
cos α
A
V
= F
1
_
1 −
a
1
l
_
+ F
2
sin α
_
1 −
a
2
l
_
B = F
1
a
1
l
+ F
2
sin α
a
2
l
Durch ein Momentengleichgewicht um B

B −A
V
l + F
1
(l −a
1
) + F
2
sin α(l −a
2
) = 0
anstelle des Gleichgewichts der vertikalen Kräfte läßt sich gleich ein entkoppeltes
Gleichungssystem bilden.
Man kann das Aufstellen einer weiteren Momentengleichgewichtsbedingung auch als
Kontrolle der Berechnung benutzen.
1.6.5 Mehrgliedrige Tragwerke
Es sind mehrere Tragwerkselemente durch Verbindungselemente miteinander gekoppelt.
Die Verbindungselemente übertragen Kräfte bzw. Momente und schränken die Beweg-
lichkeit der Elemente ein. Die Wertigkeit der Verbindungselemente wird mit z
i
bezeich-
net. Die Tabelle 1.2 zeigt drei Verbindungselemente.
Wertigkeit z
i
Verbindungs-
element
Ausführung Übertragbare Kräfte
Pendelstütze
Gelenk
Parallel-
1
2
2
führung
Tabelle 1.2
Jedes Element hat zunächst 3 Freiheitsgrade. Bei n Elementen sind dies f = 3n
Freiheitsgrade. Durch die Lagerungen werden hiervon a =

a
i
und durch die Verbin-
dungselemente z =

z
i
Freiheitsgrade eingeschränkt.
Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 23
Somit gilt:
f = 3n −(a + z) (1.34)
Die notwendige Bedingung für die Tragfähigkeit des Systems lautet f ≤ 0. Ein
statisch bestimmtes System muß die Bedingung f = 0 erfüllen.
Es können jedoch auch hier wieder Ausnahmefälle auftreten. Dies wird in Bild 1.6.5
verdeutlicht.
Beispiel: Prüfung auf statische Bestimmtheit
F
z = 2
a = 3
a = 1
a = 3
z = 2
a = 1
a = 1
a = 1
z = 2
a = 3
F
F
a) b)
c)
Bild 1.6.5
Bild 1.6.5 a): f = 3n −(a + z) = 3 · 2 −(4 + 2) = 0 stat. bestimmt
Bild 1.6.5 b): f = 3n −(a + z) = 3 · 2 −(5 + 2) = −1 1-fach statisch
unbestimmt
Bild 1.6.5 c): f = 3n −(a + z) = 3 · 2 −(4 + 2) = 0 Ausnahmefall!
Für das Tragwerk 1.6.5 c) gilt zwar der Gesamtfreiheitsgrad f = 0, der linke Balken
ist aber statisch unbestimmt gelagert und der rechte ist beweglich.
Zwei typische Vertreter mehrgliedriger Tragwerke sind der Dreigelenkbogen und der
Gerberträger.
Der Dreigelenkbogen ist in Bild 1.6.6 dargestellt. Er ist immer dann statisch be-
stimmt, wenn die 3 Gelenke A, B und G nicht auf einer Geraden liegen. Die analytische
Ermittlung der Auflager– und Gelenkreaktionen erfolgt durch Freischneiden der beiden
Trägerteile. Den 6 Auflager– und Gelenkreaktionen stehen dann die 2 × 3 = 6 Gleich-
gewichtsbedingungen gegenüber.
24 Statik
G
A
B
A
H
A
V
G
V
G
H
B
V
B
H
F
1
F
2
G
H
G
V
F
2
F
1
a) Dreigelenkbogen (wirkliches System) b) freigeschnittenes System
Bild 1.6.6
Gerberträger entstehen dadurch, dass bei sehr langen Trägern Zwischenlager einge-
führt werden, andererseits aber auch zusätzliche Gelenke eingebaut werden, so dass die
statische Bestimmtheit erhalten bleibt. Durch geschickte Wahl der Zwischengelenke kann
die Momentenbeanspruchung des Trägers minimiert werden.
Beispiel: Gerber-Träger
2
1
a) Gerberträger (Gelenkträger) b) freigeschnittenes System
G
B
A
A
H
M
A
A
V
G
V
G
H
G
H
G
V
F
F
B
l l l
l
l l
Gleichgewichtsbedingungen und Ergebnisse für die beiden Balken 1 und 2 lauten:
a) Balken 2:

G −Fl + B 2l = 0 ⇒ B =
1
2
F
→ −G
H
= 0 ⇒ G
H
= 0
↑ B −G
V
−F = 0 ⇒ G
V
= −
1
2
F
b) Balken 1: → A
H
+ G
H
= 0 ⇒ A
H
= −G
H
= 0
↑ A
V
+ G
V
= 0 ⇒ A
V
= −G
V
=
1
2
F

A M
A
+ G
V
l = 0 ⇒ M
A
= −G
V
l =
1
2
Fl
Schnittreaktionen eines Balkens 25
1.7 Schnittreaktionen eines Balkens
1.7.1 Definition der Schnittreaktionen in der Ebene
Zur Erfassung der inneren Kräfte müssen wir einen gedanklichen Schnitt durch den
Balken legen. Der Schnitt erfolgt senkrecht zur Balkenachse. Die resultierende Wirkung
der inneren Kräfte ergibt die Schnittreaktionen (Schnittgrößen). In der Ebene sind das
zwei Komponenten der Schnittkraft, die Normalkraft N(x) und die Querkraft Q(x),
sowie ein Schnittmoment M(x). Ohne Begründung an dieser Stelle wollen wir den
Querschnittsschwerpunkt als Bezugspunkt der Reduktion wählen (Bild 1.7.1).
x
z
q(x) q(x)
A
B B A
V
A
H
F F
Bild 1.7.1
Gemäß dem Wechselwirkungsgesetz sind die Schnittreaktionen an beiden Schnittufern
jeweils entgegengesetzt gerichtet. War vor dem Schnitt das Gleichgewicht für den gesam-
ten Balken erfüllt, so müssen nach dem Schnitt beide durch den Schnitt entstandenen
Teile im Gleichgewicht sein. Das sind die Bestimmungsgleichungen für die Schnittreak-
tionen, wobei sowohl der linke als auch der rechte Balkenteil benutzt werden kann.
Eine häufig verwendete Vorzeichenregel, der wir uns hier anschließen wollen, ist die in
Bild 1.7.2 dargestellte:
x
e
x
z
e
z
N(x)
Q(x)
n
M(x)
positives negatives
Schnittufer
n
M(x)
Q(x)
N(x)
Bild 1.7.2
Die Vorzeichenregel orientiert sich an einem Koordinatensystem, bei dem die x–Achse in
Richtung der Balkenachse und die z–Achse nach unten weist. Der auf den Schnittufern
jeweils vom Material nach außen gerichtete Normalenvektor n definiert ein positives (n
in Richtung von e
x
) und ein negatives (n entgegen der Richtung von e
x
) Schnittufer.
26 Statik
Die Regel lautet:
Positive Schnittgrößen zeigen am positiven Schnittufer in positi-
ve Koordinatenrichtungen und am negativen Schnittufer in ne-
gative Koordinatenrichtungen.
0
q(x)
n(x)
M(x)
N(x)
M(x+dx)
=M(x)+dM(x)
N(x+dx)
=N(x)+dN(x)
Q(x+dx)
=Q(x)+dQ(x)
Q(x)
x
dx
Bild 1.7.3
Schneidet man ein differentiell klei-
nes Teilchen des Balkens heraus
und stellt die Gleichgewichtsbedin-
gungen für dieses Teilchen auf, er-
hält man einen differentiellen Zu-
sammenhang zwischen Strecken-
last q(x), Querkraft Q(x) und
Moment M(x).
→ −N(x) + [N(x) + dN(x)] + n(x)dx = 0
↑ Q(x) −[Q(x) + dQ(x)] −q(x)dx = 0

0 −M(x) + [M(x) + dM(x)] −Q(x)
dx
2
−[Q(x) + dQ(x)]
dx
2
= 0
(1.35)
Daraus folgt:
dN(x) + n(x)dx = 0 ⇒
dQ(x) + q(x)dx = 0 ⇒
dM(x) −Q(x)dx = 0 ⇒
dN(x)
dx
= −n(x)
dQ(x)
dx
= −q(x)
Q(x) = −
_
q(x) dx
dM(x)
dx
= +Q(x)
M(x) = +
_
Q(x) dx .
(1.36)
(1.36) ermöglicht die Ermittlung der Schnittgrößen Q(x) und M(x) durch ein– bzw.
zweimalige Integration der Streckenlast q(x).
1.7.2 Gerader Balken
Bei geraden Balken liegen alle Querschnittsschwerpunkte auf einer Geraden. Als Bela-
stung können Einzelkräfte, Momente und kontinuierlich verteilte Lasten (Streckenlasten)
vorkommen. Schräge Einzellasten zerlegt man zweckmäßigerweise in Komponenten in
Längs– und Querrichtung des Balkens.
Schnittreaktionen eines Balkens 27
Zur Bestimmung der Schnittreaktionen dienen entweder die Gleichgewichtsbedingungen
für den linken oder den rechten Balkenteil nach einem entsprechenden Schnitt oder die
Beziehungen (1.36). Beide Vorgehensweisen werden an je einem Beispiel erklärt.
Beispiel: Bestimmung der Schnittreaktionen (I)
Ein gerader Balken der Länge 3l ist durch eine konstante Streckenlast q, eine
Einzelkraft F (unter 45
o
) und ein Moment M
0
belastet.
Gegeben: q, l, F =

2 ql, M
0
= ql
2
.
Gesucht: Auflager– und Schnittreaktionen.
Die Bestimmung der Auflagerreaktionen aus den Gleichgewichtsbedingungen für den
gesamten Balken führt auf die in Bild 1.7.4 b) dargestellten Ergebnisse.
ql
ql
2
ql
ql
ql ql
M
0
q
l l
l
l l l
F
q
x
1
z
3 z
2
z
1
x
2
x
3
A B
45°
a)
1. Bereich
b)
3
2
2. Bereich 3. Bereich
1
2
Bild 1.7.4
Wegen der Unstetigkeiten der Belastungen kann nicht nur je eine Gleichung N(x), Q(x)
und M(x) für den gesamten Balken aufgestellt werden, sondern der Balken ist in Be-
reiche zu unterteilen. Die Unstetigkeiten der Belastungen (Angreifen einer Einzelkraft
oder eines Momentes oder eine unstetige Änderung der Streckenlast) kennzeichnen die
Bereichsgrenzen. In jedem Bereich ist einmal zu schneiden, und für jeden Bereich ist
ein Formelsatz N(x
i
), Q(x
i
), M(x
i
) zu berechnen.
28 Statik
1. Bereich: 0 ≤ x
1
< l
M(x
1
)
q
ql
3
2
ql
N(x
1
)
Q(x
1
)
x
1
z
1
→ N(x
1
) = −ql
↑ Q(x
1
) =
3
2
ql −qx
1

x
1
M(x
1
) =
3
2
qlx
1
−q
x
2
1
2
2. Bereich: 0 ≤ x
2
< l
1
2
l-x
2
x
2
z
2
ql
l
ql
ql
Q(x
2
)
N(x
2
)
M(x
2
)
Bild 1.7.5
→ N(x
2
) = −ql
↑ Q(x
2
) = −
1
2
ql + ql =
1
2
ql

x
2
M(x
2
) =
1
2
ql(2l −x
2
) −ql(l −x
2
) =
1
2
qlx
2
3. Bereich: 0 ≤ x
3
< l
ql
1
2
l-x
3
Q(x
3
)
N(x
3
)
x
3
z
3
M(x
3
)
Bild 1.7.6
→ N(x
3
) = 0
↑ Q(x
3
) = −
1
2
ql

x
3
M(x
3
) =
1
2
ql(l −x
3
)
Schnittreaktionen eines Balkens 29
N(x)
Q(x)
- ql
ql
3
2
ql
ql²
ql²
M(x)
1
2
ql
1
2
1
2
-
-
+
+
+
Bild 1.7.7
Die grafische Darstellung der Schnittreaktionen zeigt Bild 1.7.7. Positive Momente
sind dabei nach unten aufgetragen. Diese Art der Darstellung ist allgemein üblich,
da man so die Momente auf der Zugseite des auf Biegung beanspruchten Balkens
eingezeichnet hat.
Eine ein– bzw. zweimalige Integration der Streckenlast q(x) zur Ermittlung von Quer-
kraft Q(x) und Moment M(x) nach (1.36) wird zweckmäßigerweise dann vorgenommen,
wenn die Ermittlung der resultierenden Kraft– und Momentenwirkung der Streckenlast
ohnehin eine Integration erfordert. Bei dieser Vorgehensweise müssen die Auflagerreak-
tionen nicht vorher bestimmt werden.
Beispiel: Bestimmung der Schnittreaktionen (II)
l
x
z
A
B
Bild 1.7.8
Gegeben: q
0
, l,
q(x) = q
0
_
2
_
x
l
_

_
x
l
_
2
_
Gesucht:
Auflager– und Schnittreaktionen.
Q = −
_
q(x) dx = −q
0
l
_
_
x
l
_
2

1
3
_
x
l
_
3
+ C
1
_
M = +
_
Q(x) dx = −q
0
l
2
_
1
3
_
x
l
_
3

1
12
_
x
l
_
4
+ C
1
_
x
l
_
+ C
2
_
30 Statik
Die Integrationskonstanten C
1
und C
2
folgen aus den Randbedingungen
M(x = 0) = 0 und M(x = l) = 0 .
Das führt auf C
2
= 0 und C
1
= −
1
4
sowie
Q = q
0
l
_
1
4

_
x
l
_
2
+
1
3
_
x
l
_
3
_
M = q
0
l
2
_
1
4
_
x
l
_

1
3
_
x
l
_
3
+
1
12
_
x
l
_
4
_
.
Die Auflagerkräfte lassen sich aus dem Querkraftverlauf berechnen.
A = Q(x = 0) =
1
4
q
0
l
B = −Q(x = l) =
5
12
q
0
l
Die grafische Darstellung der Schnittreaktionen zeigt Bild 1.7.9.
-
+
+
Q(x)
M(x)
0,08967 q
0

A= q
0
l
1
4
B= q
0
l
0,55 l
0,55 l
5
12
Bild 1.7.9
1.7.3 Rahmenträger
Unter Rahmen werden Tragwerke verstanden, die aus mehreren Balken zusammengesetzt
sind, deren Balkenachsen nicht auf einer Geraden liegen.
Abwinklungen oder Verzweigungen stellen geometrische Unstetigkeiten dar, die getrenn-
te Bereiche zur Ermittlung der Schnittreaktionen erfordern. Für jeden Bereich des Rah-
mens wird ein lokales Koordinatensystem (x
i
, z
i
) eingeführt. Die x
i
–Koordinate zeigt
in Balkenrichtung, die z
i
–Koordinate ist dazu im Uhrzeigersinn um 90
o
gedreht (letz-
tere in Bild 1.7.10 nicht eingezeichnet). Die Schnittgrößen orientieren sich am lokalen
Koordinatensystem, wobei die gleiche Vorzeichenregel wie beim geraden Balken gilt.
Schnittreaktionen eines Balkens 31
Beispiel: Rahmenträger
x
1
z
1
x
2
z
2
x
3
z
3
F
F
a a
a a
a
a
F
F
A
V
A
H
A
B
B
a) wirkliches System b) freigeschnittenes System
Bild 1.7.10
1) Auflagerreaktionen:

A −F2a + Fa + Ba = 0 ⇒ B = F
↑ −F + B + A
V
= 0 ⇒ A
V
= 0
→ F + A
H
= 0 ⇒ A
H
= −F
2) Schnittreaktionen:
x
1
z
1
x
2
z
2
z
3
x
3
a-x
2
F
F
F
F
Q(x
1
)
Q(x
2
)
Q(x
3
)
N(x
1
)
N(x
2
)
N(x
3
)
M(x
1
)
M(x
2
)
M(x
3
)
Damit lauten die Normalkraft–, Querkraft– und Momentenverläufe:
Schnittgröße Bereich 1 Bereich 2 Bereich 3
N(x
i
) F 0 −F
Q(x
i
) 0 F −F
M(x
i
) 0 −F(a −x
2
) −Fx
3
32 Statik
Zur Probe wird das Gleichgewicht für das Knotenstück aufgestellt.
M(x
1
=a)
N(x
1
=a)
Q(x
1
=a)
Q(x
2
=0)
N(x
2
=0)
N(x
3
=a)
Q(x
3
=a)
M(x
3
=a)
M(x
2
=0)
→ −N(x
1
= a) −Q(x
3
= a) + N(x
2
= 0) = 0
↑ Q(x
1
= a) −Q(x
2
= 0) −N(x
3
= a) = 0

I −M(x
1
= a) + M(x
2
= 0) −M(x
3
= a) = 0
Grafische Darstellung der Ergebnisse:
Normalkraftverlauf Querkraftverlauf Momentenverlauf
F
F
-Fa
-F
+
_
+
_ _
_
-F
1.7.4 Bogenträger
Wir betrachten einen halbkreisförmigen Bogenträger, der an einem Ende eingespannt
und am anderen Ende durch eine Einzelkraft F belastet ist.
Als Koordinate zur Kennzeichnung der Schnittstelle kann die Kreisbogenkoordinate s
oder der Winkel ϕ benutzt werden, wobei
s = rϕ
gilt. Damit kann jede Stelle des Trägers erfaßt werden, d.h., es gibt nur einen Bereich.
Schnittreaktionen eines Balkens 33
s
e
t
e
n
j
r
F
F
j
Q(j)
M(j)
N(j)
F
a) wirkliches System b) freigeschnittenes System
Bild 1.7.11
Da die Schnittkraft wie bisher in eine Komponente N normal zur Schnittfläche und eine
Komponente Q in der Schnittfläche zerlegt werden soll, wird ein lokales e
n
, e
t
–System
eingeführt.
Für den linken Trägerteil gilt:
N(ϕ) −F sin ϕ = 0
Q(ϕ) −F cos ϕ = 0
M(ϕ) −Fr sin ϕ = 0
⇒ N(ϕ) = F sin ϕ
⇒ Q(ϕ) = F cos ϕ
⇒ M(ϕ) = Fr sin ϕ
Auf die grafische Darstellung der Schnittgrößen für den Bogenträger soll hier verzichtet
werden.
1.7.5 Definition der Schnittreaktionen im Raum
Wie beim ebenen Kraftsystem wird auch bei räumlich belasteten Balken zur Ermitt-
lung der Schnittreaktionen ein gedachter Schnitt durch den Balken geführt, und an der
Schnittstelle werden die möglichen Kräfte und Momente angetragen. Im räumlichen Fall
sind das alle 3 Komponenten einer Kraft und alle 3 Komponenten eines Momentes.
In Bild 1.7.12 sind die Schnittreaktionen bei ebener und räumlicher Belastung eines
Balkens gegenübergestellt.
34 Statik
x
x
z
z
y
y
M
by
M
bz
M
t
Q
z
Q
y
N
N
M
b
Q
a) eben b) räumlich
x
N
M
b
z
Q
oder
Bild 1.7.12
Räumliche Schnittreaktionen am Balken sind
• 1 Normalkraft (Längskraft),
• 2 Querkräfte (Unterscheidung durch Index),
• 1 Torsionsmoment,
• 2 Biegemomente (Unterscheidung durch Index).
Die Berechnung der 6 Schnittreaktionen erfolgt durch Aufstellen und Lösen der 6 Gleich-
gewichtsbedingungen für einen der beiden durch den Schnitt entstandenen Balkenteile.
1.8 Reibung
Reale Körper besitzen eine Oberflächenrauhigkeit und können infolge dessen bei Berüh-
rung auch Tangentialkräfte (Reibkräfte) übertragen.
Wir betrachten einen Klotz vom Ge-
wicht G auf einer rauhen schiefen Un-
terlage, bei der wir den Neigungswinkel
α stufenlos verstellen können.
Reibung 35
1.8.1 Haftreibung
Im Winkelbereich 0 ≤ α < α
max
stellt sich die Haftkraft so ein, dass der Klotz in Ruhe
bleibt. In diesem Bereich ist die Haftkraft eine Reaktionskraft.
G
G cos α
α
G sin α
N
H
Schneiden wir den Klotz frei, so gilt:
ց: H = Gsin α
ր: N = Gcos α
Für α = α
max
stellt sich die maximal mögliche
Grenzkraft H
max
ein. Das Coulombsche Reib-
gesetz lautet:
H
max
= µ
H
N
Aus der Gleichgewichtsbedingung für den Grenzfall des Haftens, d. h. α = α
max
folgt
H
max
= Gsin α
max
= µ
H
Gcos α
max
→ µ
H
= tan α
max
.
Der Winkel α
max
wird auch als Haftreibungswinkel bezeichnet.
1.8.2 Gleitreibung
Für α > α
max
reicht die maximale Haftkraft nicht mehr aus um den Körper im Gleichge-
wicht zu halten. Der Körper fängt an sich zu bewegen. Es wirkt weiterhin eine Reibkraft,
die nun aber keine Reaktionskraft sondern eine eingeprägte Kraft darstellt. Nach Cou-
lomb gilt:
R = µ
G
N
Die Gleitreibung ist immer der Bewegung entgegengesetzt gerichtet, was durch

R = −
v
|v|
µ
G
N
ausgedrückt werden kann.
Die Reibungskoeffizienten µ
H
bzw. µ
G
hängen im wesentlichen von der Werkstoffpaarung
und der Rauhigkeit der berührenden Flächen und weniger von der Größe ab.
Werkstoffpaarung Haftreibungskoeffizient µ
H
Gleitreibungskoeffizient µ
G
Stahl/Stahl 0,1 . . . 0,5 0,1 . . . 0,3
Stahl/Kunststoff 0,04 0,04
Stahl/Eis 0,03 0,015
Holz/Holz 0,4 . . . 0,6 0,3
Gummireifen/Straße 0,6 . . . 0,9 0,5 . . . 0,7
36 Statik
1.8.3 Reibkegel
α
max
F
R
H
N
n
W
Zeichnet man um die senkrecht zur
Berührfläche stehende Normale n
einen Rotationskegel mit dem hal-
ben Öffnungswinkel α
max
, so wird
dadurch der sog. Haftreibungskegel
definiert.
Verläuft die Wirkungslinie der ein-
geprägten resultierenden Kraft

F
R
innerhalb des Kegels, ist Gleichge-
wicht möglich. Liegt die Wirkungs-
linie von

F
R
auf dem Kegelman-
tel, so ist gerade der Grenzfall des
Haftens erreicht. Verläuft die Wir-
kungslinie von

F
R
außerhalb des
Haftreibungskegels, so ist Haften
nicht mehr möglich. Der Körper
wird sich beschleunigt bewegen.
Beispiel: an Wand gelehnte Leiter (analytische und graphische Lösung)
Eine Leiter ist in der gezeichneten Weise unter
dem Winkel α schräg an eine Wand gestellt.
Bis zu welcher Stelle x darf eine Person vom
Gewicht G steigen, bis die Leiter wegrutscht?
Das Leitergewicht sei vernachlässigbar klein.
Folgende Fallunterscheidungen sind zu untersu-
chen:
1. Boden rauh (Haftreibungskoeffizien µ
H
)
und Wand glatt
2. Boden und Wand rauh (Haftreibungsko-
effizient jeweils µ
H
)
Reibung 37
1. Fall: (Boden rauh und Wand glatt)
analytische Lösung
H
A
N
B
N
A
x
G
h
Gleichgewicht:
→ : H
A
−N
B
= 0
↑ : N
A
−G = 0

A
: N
B
h −Gx = 0
Daraus folgt:
N
B
= H
A
N
A
= G
x = h
N
B
G
= h
H
A
G
Die Haftbedingung lautet: H
A
≤ µ
H
N
A
= µ
H
G
Damit folgt
x ≤ µ
H
h
graphische Lösung
α
max
α
max
N
B
x
M
A
G
Die Leiter ist gerade noch im Gleichgewicht, wenn
die Wirkungslinie der Auflagerkraft A auf der Man-
tellinie des Haftreibungssektors liegt. Ferner müs-
sen sich die Wirkungslinien der drei Kräfte in ei-
nem Punkt (zentrales Kraftsystem) schneiden. Da-
mit sind die Wirkungslinien der Auflagerreaktionen
bekannt. Die Wirkungslinie von G muß durch den
gemeinsamen Schnittpunkt M gehen. Daraus ergibt
sich der Grenzabstand x.
38 Statik
2. Fall: (Boden und Wand rauh)
analytische Lösung
H
A
H
B
N
B
N
A
x
h tanα
α
G
h
Die Aufgabe ist einfach statisch unbe-
stimmt. Den vier unbekannten Reaktions-
kräften stehen nur drei Gleichgewichtsbe-
dingungen gegenüber.
Für den Grenzfall, dass an beiden Aufla-
gern A und B die maximale Haftkraft aus-
genützt wird, läßt sich die Aufgabe den-
noch eindeutig lösen. Den insgesamt 5 Un-
bekannten (4 Reaktionskräfte und der Ab-
stand x) stehen dann die drei Gleichge-
wichtsbedingungen und die beiden Cou-
lombschen Reibbeziehungen gegenüber.
(1) ↑ : N
A
+ H
B
−G = 0
(2) → : H
A
−N
B
= 0
(3)

A
: −Gx + N
B
h + H
B
h tanα = 0
(4) H
A
= µ
H
N
A
(5) H
B
= µ
H
N
B
α) β)
Mit (1) und (5) ⇒ N
A
+ µ
H
N
B
= G ·1 ·µ
H
Mit (2) und (4) ⇒ µ
H
N
A
−N
B
= 0 ·µ
H
·(−1)
N
A
=
1
1 + µ
2
H
G; N
B
=
µ
H
1 + µ
2
H
G
Mit (5) eingesetzt in (3) folgt
x = h
N
B
G
(1 + µ
H
tanα) =
µ
H
(1 + µ
H
tanα)
1 + µ
2
H
h
Reibung 39
graphische Lösung

max

max
x
G
Trägt man an den beiden Auflager-
punkten die Haftreibungssektoren an,
so stellt der schraffierte Überlappungs-
bereich den geometrischen Ort al-
ler möglichen Lagen des gemeinsamen
Schnittpunktes M der drei Wirkungs-
linien dar, für den Gleichgewicht mög-
lich ist. Der Punkt, für den der maxi-
male Abstand x folgt, ist hieraus leicht
zu entnehmen.
Beispiel: aufgehängtes Bild
B
C
A
µ
H
h
G
Ein Bild soll an einer Schnur so auf-
gehängt werden, dass es sich ohne eine
zusätzliche Abstützung in der gezeich-
neten Lage gegen eine rauhe Wand
lehnt. Die Schnur ist im Punkt C am
Bild befestigt. In welchem Abstand h
muß die Schnur an der Wand befestigt
werden?
40 Statik
Wir wollen hier nur die graphische Lösung betrachten.
Β
S
Μ
Α
h
h
m
a
x
h
m
i
n
G

max
Das Bild ist im Gleichgewicht, wenn sich
die drei Wirkungslinien der Gewichtskraft
G, der Fadenkraft S und der Auflagerkraft
A in einem gemeinsamen Schnittpunkt
schneiden und dieser innerhalb des Haft-
reibungssektors des Auflagers A liegt. Die
Grenzzustände ergeben sich dann, wenn die
Wirkungslinie der Kraft A gerade auf dem
Rand des Sektors liegt.
h
min
≤ h ≤ h
max
Elastostatik und Festigkeitslehre 41
2 Elastostatik und Festigkeitslehre
2.1 Grundlagen und Grundbegriffe
2.1.1 Einführende Bemerkungen
Innerhalb der Statik starrer Körper haben wir uns mit der Ermittlung der Schnittgrößen,
die die resultierende Wirkung der inneren Kräfte im Balken darstellen, zufrieden
gegeben. Innerhalb der Elastostatik und Festigkeitslehre wollen wir einen Schritt weiter-
gehen und uns über die Verteilung der inneren Kräfte ein Bild verschaffen. Ferner
interessieren wir uns dafür, wie der Körper unter Einwirkung äußerer Lasten seine Form
ändert. Hierzu müssen wir die Idealisierung „starrer“ Körper verlassen und zur Statik
der deformierbaren Körper übergehen.
Wir wollen uns im Rahmen dieser Betrachtungen auf elastische Körper beschränken (Ela-
stostatik) und homogenes (ortsunabhängiges), isotropes (richtungsunabhängiges) Ma-
terialverhalten voraussetzen. Ferner wollen wir nur kleine Verformungen zulassen, d.h.,
die Verformungen sollen klein gegenüber den Bauteilabmessungen sein. Bei der Aufstel-
lung der Gleichgewichtsbedingungen können wir dann in der Regel von der Geometrie
des unverformten Körpers ausgehen (Theorie 1. Ordnung). Eine Ausnahme davon
werden wir im Kapitel über Stabilität kennenlernen.
Die Betrachtung der Verformungen der Körper ermöglicht es, auch statisch unbestimmte
Aufgaben zu lösen.
Die folgende Abbildung zeigt einen Überblick über die grundlegenden Beanspruchungs-
arten eines Bauteils. Die Zug-/Druckbeanspruchung wird in Kapitel 2.2, die Biegebean-
spruchung wird in Kapitel 2.3 und die Torsionsbeanspruchung wird in Kapitel 2.4 näher
betrachtet. Die Schubbeanspruchung ist hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt
und soll in diesem Skript nicht weiter untersucht werden.
F
Zug
deformiert
undeformiert
Torsion Schub
Biegung
F
F
F
M
b
M
b
M
t
M
t
42 Elastostatik und Festigkeitslehre
2.1.2 Spannungen
Um den tatsächlichen an der Trennfläche vorhandenen lokalen Kräfteübertragungsme-
chanismus besser zu erkennen, betrachten wir ein Flächenelement ∆A der gedanklichen
Trennfläche (Bild 2.1.1).
A
DA
DF
DM
Bild 2.1.1
Über dieses Flächenelement werde gerade die resultierende Kraftwirkung ∆

F und die
resultierende Momentenwirkung ∆

M übertragen. Diese jeweils auf die Flächeneinheit
bezogenen Schnittreaktionsanteile bezeichnet man im Grenzfall ∆A → 0 als
Spannungsvektor σ = lim
∆A→0

F
∆A
=
d

F
dA
bzw. Momentenspannungsvektor m = lim
∆A→0


M
∆A
=
d

M
dA
Innerhalb der klassischen Mechanik wird der Momentenspannungsvektor m vernachläs-
sigt und nur der bereits von Cauchy eingeführte Spannungsvektor berücksichtigt. Damit
lassen sich auch die Schnittmomente beschreiben. Die Einbeziehung des Momentenspan-
nungsvektors würde auf die sog. Cosserat–Theorie führen, die von einer verfeinerten
Materieauffassung ausgeht.
Die Spannung hat die Dimension Kraft/Fläche, die im SI–System allgemein durch das
Pascal (Pa) gemäß 1Pa = 1
N
m
2
angegeben wird. In der Mechanik wird häufig die
Dimension
N
mm
2
verwendet.
Es gilt: 1
N
mm
2
= 10
6
N
m
2
= 1MPa.
Für die weitere Beschreibung des Spannungsvektors verwenden wir ein lokales Basissy-
steme
x
, e
y
, e
z
, das wir so einführen, dass e
x
mit der vom Material nach außen gerichteten
Flächennormalen übereinstimmt (Bild 2.1.2)
Grundlagen und Grundbegriffe 43
Bild 2.1.2
Den auf das nun mit dA
x
bezeichnete Flächenelement bezogenen Spannungsvektor wollen
wir mit σ
x
kennzeichnen. Die senkrecht zur Schnittfläche wirkende Komponente σ
xx
wird
als Normalspannung und die in der Schnittfläche wirkenden Komponenten σ
xy
und σ
xz
werden als Tangential– oder Schubspannungen bezeichnet.
σ
x
= e
x
σ
xx
+e
y
σ
xy
+e
z
σ
xz
(2.1)
Man erkennt, dass der erste Index der Spannungskomponente die Orientierung des Flä-
chenelementes beschreibt und der zweite Index die Richtung der Spannungskomponente
angibt. Die Normalspannungskomponente wird durch gleiche Indizes, die Schubspan-
nungskomponenten durch ungleiche Indizes charakterisiert.
Um den allgemeinen räumlichen Spannungszustand in einem Innenpunkt des Körpers
zu erfassen, trennt man gedanklich ein infinitesimales Volumenelement dV mit den Kan-
tenlängen dx, dy und dz aus dem belasteten Körper heraus (Bild 2.1.3).
e
y
e
z
e
x
y
z
x
dx
dz
d
y
s
yy
s
yz s
yx
s
y
s
zz s
zx
s
z
s
zy
s
xz
s
xx
s
x
s
xy
Bild 2.1.3
44 Elastostatik und Festigkeitslehre
An den Schnittflächen dA
x
, dA
y
und dA
z
greifen die Spannungsvektoren σ
x
, σ
y
und σ
z
an, deren Komponentendarstellung durch
σ
x
= e
x
σ
xx
+e
y
σ
xy
+e
z
σ
xz
σ
y
= e
x
σ
yx
+e
y
σ
yy
+e
z
σ
yz
σ
z
= e
x
σ
zx
+e
y
σ
zy
+e
z
σ
zz
kurz
σ
i
=

j
e
j
σ
ij
= e
j
σ
ij
(i, j = x, y, z)
(2.2)
gegeben ist. Durch die Angabe der drei Spannungsvektoren bzw. deren Koordinaten ist
der Spannungszustand in dem betrachteten Punkt eindeutig beschrieben.
Mit dieser Darstellung (je ein Vektor in jeder der drei Raumrichtungen) ergibt sich die
Spannung allgemein als Tensor 2. Stufe.
Man faßt die 9 Spannungskomponenten bezüglich einer gewählten Basis zum Span-
nungstensor zusammen.

ij
] =
_
¸
_
σ
xx
σ
xy
σ
xz
σ
yx
σ
yy
σ
yz
σ
zx
σ
zy
σ
zz
_
¸
_
(2.3)
In der technischen Anwendung, in der auf die abkürzende Indexschreibweise verzichtet
wird, hat sich die Bezeichnung σ für Normalspannungen und τ für Tangentialspannungen
eingebürgert. Bei den Normalspannungen genügt dann ein Index zur Kennzeichnung. Es
gilt
σ
xx
= σ
x
σ
xy
= τ
xy
σ
yy
= σ
y
σ
yz
= τ
yz
σ
zz
= σ
z
σ
zx
= τ
zx
.
Als nächstes wollen wir die Bedingungen für das Gleichgewicht eines Spannungszustandes
herleiten. Dazu denken wir uns wieder ein infinitesimales Volumenelement dV = dxdy dz
aus dem Körper herausgetrennt. Das Element muß unter Einwirkung aller angreifenden
Spannungskomponenten in Kräfte– und Momentengleichgewicht sein. Wir wollen ferner
eine auf das Volumen bezogene Kraft

f =

f(x, y, z) zulassen.
Bei der vorzeichenrichtigen Eintragung der Spannungskomponenten in die Abbildung ha-
ben wir zwischen positiven und negativen Schnittufern zu unterscheiden. Für die Span-
nungskomponenten gelte die gleiche Vorzeichenregel wie für die Schnittgrößen.
Vorzeichenregel: Am positiven Schnittufer zeigen positive
Spannungskomponenten in positive Koordinatenrichtung, am ne-
gativen Schnittufer in negative Koordinatenrichtung.
Wir gehen bei der weiteren Betrachtung von einem stetigen, ortsabhängigen Spannungs-
zustand σ
ij
= σ
ij
(x, y, z) aus. Für den zu dem Punkt P(x, y, z) infinitesimal benachbar-
ten Punkt P

(x + dx, y + dy, z + dz) gilt
Grundlagen und Grundbegriffe 45
σ
ij
(x + dx, y + dy, z + dz) =
σ
ij
(x, y, z) +
∂σ
ij
(x, y, z)
∂x
dx +
∂σ
ij
(x, y, z)
∂y
dy +
∂σ
ij
(x, y, z)
∂z
dz .
(2.4)
In Bild 2.1.4 sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nur alle in x–Richtung wirkenden
Schnittkräfte eingezeichnet.
y
x
z
dx
dz
d
y
(s
yx
+ dy) dz dx
¶s
yx
¶y
(s
zx
+ dz) dx dy
¶s
zx
¶z
(s
xx
+ dx) dy dz
¶s
xx
¶x
s
xx
dy dz
s
yx
dx dz
s
zx
dx dy
f
x
dx dy dz
Bild 2.1.4
Das Kräftegleichgewicht in x–Richtung liefert:

∂σ
xx
∂x
+
∂σ
yx
∂y
+
∂σ
zx
∂z
+ f
x
= 0 . (2.5)
Analog folgt für das Gleichgewicht in y– und z–Richtung:

∂σ
xy
∂x
+
∂σ
yy
∂y
+
∂σ
zy
∂z
+ f
y
= 0 ,
ւ
∂σ
xz
∂x
+
∂σ
yz
∂y
+
∂σ
zz
∂z
+ f
z
= 0 .
(2.6)
Die drei Gleichgewichtsbedingungen (2.5) und (2.6) lassen sich in der Form

j
∂σ
ji
∂j
+ f
i
= 0 mit i, j = x, y, z (2.7)
zusammenfassen.
Das Momentengleichgewicht stellen wir um Achsen auf, die zu den Koordinatenrichtun-
gen parallel sind und die durch den geometrischen Mittelpunkt des Volumenelementes
46 Elastostatik und Festigkeitslehre
verlaufen. Die für das Momentengleichgewicht um die zur x–Achse parallele Achse maß-
gebenden Schnittkräfte sind in Bild 2.1.5 eingezeichnet.
.
I
x
y
z
Bild 2.1.5
Das Momentengleichgewicht um die Bezugsachse I lautet
_
σ
yz
+
∂σ
yz
∂y
dy
_
dxdz
dy
2
+ σ
yz
dxdz
dy
2

_
σ
zy
+
∂σ
zy
∂z
dz
_
dxdy
dz
2
−σ
zy
dxdy
dz
2
= 0 .
(2.8)
Daraus erhält man σ
yz
= σ
zy
.
Eine analoge Aussage ergibt sich aus dem Momentengleichgewicht um die zur y– und
z–Richtung parallelen Achsen.
Damit gilt: Das Momentengleichgewicht ist erfüllt, wenn
σ
ij
= σ
ji
mit i, j = x, y, z (2.9)
gilt, d.h., wenn die Schubspannungskomponenten symmetrisch sind.
2.1.3 Verschiebungen und Verzerrungen
a) Eindimensionales Verschiebungsfeld:
Wir betrachten einen elastischen Stab, der durch die Kraft S belastet wird. Die Verfor-
mung des Stabes werde durch das eindimensionale Verschiebungsfeld
u = u(x) = e
x
u(x) (2.10)
beschrieben. Um die lokale Dehnung ε
x
eines Stabelementes dx zu erfassen, betrachten
wir die Verformung zweier infinitesimal benachbarter Punkte A(x) und B(x + dx).
Grundlagen und Grundbegriffe 47
A B
. .
A' B' S S
. .
u u+du
x dx
du+dx
l Dl
undeformierter Zustand
deformierter Zustand
Bild 2.1.6
Der Punkt A erfährt eine Verschiebung u(x), der infinitesimal benachbarte Punkt B die
Verschiebung u(x + dx) = u(x) + du.
Die Dehnung ε
x
des Stabelementes dx ist definiert als der dimensionslose Quotient aus
Verlängerung des Elementes zu ursprünglicher Länge, d.h.
ε
x
=
A

B

−AB
AB
=
(dx + du) −dx
dx
=
du
dx
. (2.11)
b) Zweidimensionales Verschiebungsfeld:
Wir wenden uns der ebenen Verformung einer elastischen Scheibe zu, die durch das
zweidimensionale Verschiebungsfeld
u = u(x, y) = e
x
u
x
(x, y) +e
y
u
y
(x, y) (2.12)
beschrieben werde. Um die lokalen Dehnungen und Winkeländerungen eines Scheiben-
elementes zu erfassen, betrachten wir das von den Punkten A(x, y), B(x + dx, y) und
C(x, y + dy) aufgespannte Zweibein vor der Verformung, das nach der Verformung die
Punkte A’, B’ und C’ einnimmt. Der Punkt A verschiebt sich um u
x
bzw. u
y
, der Punkt
B um u
x
+
∂u
x
∂x
dx bzw. u
y
+
∂u
y
∂x
dx und der Punkt C um u
x
+
∂u
x
∂y
dy bzw. u
y
+
∂u
y
∂y
dy
(Bild 2.1.7).
48 Elastostatik und Festigkeitslehre
b
a
A
A'
B'
B
C
C'
y
y
x
x
dy
u
y
u
x
dx
Bild 2.1.7
Die Verschiebungskomponenten der Punkte A, B und C lauten:
Punkt A:
u
x
(x, y)
u
y
(x, y)
Punkt B:
u
x
(x + dx, y) = u
x
(x, y) +
∂u
x
(x, y)
∂x
dx
u
y
(x + dx, y) = u
y
(x, y) +
∂u
y
(x, y)
∂x
dx
Punkt C:
u
x
(x, y + dy) = u
x
(x, y) +
∂u
x
(x, y)
∂y
dy
u
y
(x, y + dy) = u
y
(x, y) +
∂u
y
(x, y)
∂y
dy
Für kleine Verformungen entnimmt man Bild 2.1.7
ε
x
=
A

B

−AB
AB
=
dx +
∂u
x
∂x
dx −dx
dx
=
∂u
x
∂x
ε
y
=
A

C

−AC
AC
=
dy +
∂u
y
∂y
dy −dy
dy
=
∂u
y
∂y
.
(2.13)
Damit sind die Dehnungen in x–Richtung (ε
x
) und in y–Richtung (ε
y
) durch die Ver-
schiebungsableitungen ausgedrückt.
Grundlagen und Grundbegriffe 49
Die Änderung des rechten Winkels wird als Schiebung γ
xy
bzw. die halbe Winkelände-
rung als Verzerrung ε
xy
bezeichnet.
Es gilt
γ
xy
= 2ε
xy
= α + β ≈ tan α + tanβ =
∂u
y
∂x
dx
dx +
∂u
x
∂x
dx
+
∂u
x
∂y
dy
dy +
∂u
y
∂y
dy
.
Unter Beachtung von
∂u
x
∂x
≪1 und
∂u
y
∂y
≪1 erhält man
ε
xy
=
1
2
_
∂u
x
∂y
+
∂u
y
∂x
_
. (2.14)
c) Dreidimensionales Verschiebungsfeld:
Die allgemeine räumliche Verformung wird durch das dreidimensionale Verschiebungsfeld
u = u(x, y, z) = e
x
u
x
(x, y, z) +e
y
u
y
(x, y, z) +e
z
u
z
(x, y, z) (2.15)
beschrieben. Zur Erfassung der lokalen Dehnungen wird ein infinitesimales Dreibein vor
und nach der Verzerrung verglichen. Die Herleitung der Verzerrungs–Verschiebungs–
Beziehungen verläuft wie beim ebenen Fall.
Man erhält
ε
x
=
∂u
x
∂x
γ
xy
= 2ε
xy
=
∂u
x
∂y
+
∂u
y
∂x
ε
y
=
∂u
y
∂y
γ
yz
= 2ε
yz
=
∂u
y
∂z
+
∂u
z
∂y
ε
z
=
∂u
z
∂z
γ
zx
= 2ε
zx
=
∂u
z
∂x
+
∂u
x
∂z
.
(2.16)
(2.16) läßt sich zu
ε
ij
=
1
2
_
∂u
i
∂j
+
∂u
j
∂i
_
i, j = x, y, z (2.17)
zusammenfassen.
Der allgemeine Verzerrungszustand wird wie der allgemeine Spannungszustand durch
einen Tensor 2. Stufe dargestellt. Die ε
ij
bezeichnet man als die Komponenten des
Verzerrungstensors oder kurz als die Verzerrungskomponenten. Bei gleichen Indizes han-
delt es sich um eine Dehnung, bei unterschiedlichen Indizes um die halben Schiebungen
(auch Winkeländerungen genannt).
50 Elastostatik und Festigkeitslehre
Aus (2.17) erkennt man die Symmetrie der Winkelverzerrungen
ε
ij
= ε
ji
(2.18)
Analog zum Spannungstensor faßt man die dimensionslosen Verzerrungskomponenten
zum symmetrischen Verzerrungstensor

ij
] =
_
¸
_
ε
xx
ε
xy
ε
xz
ε
yx
ε
yy
ε
yz
ε
zx
ε
zy
ε
zz
_
¸
_
(2.19)
zusammen. In der praktischen Anwendung hat sich die Bezeichnung ε für Dehnungen
und γ für Schiebungen eingebürgert. Es gilt
ε
xx
= ε
x
ε
yy
= ε
y
ε
zz
= ε
z

xy
= γ
xy

yz
= γ
yz

zx
= γ
zx
.
Nach den 6 Komponenten des Spannungstensors haben wir in diesem Kapitel
6 Komponenten des Verzerrungstensors und 3 Komponenten des Verschie-
bungsvektors kennengelernt.
2.1.4 Stoffgesetz
Das Stoffgesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Spannungs– und dem Ver-
zerrungszustand. Es muß für den jeweiligen Werkstoff durch das Experiment ermittelt
werden.
D
l
S
x
l
Bild 2.1.8
Hierzu dient meist der einfache Zugversuch als ein Grund-
versuch der Materialprüfung (Bild 2.1.8). Er liefert einen ex-
perimentellen Zusammenhang zwischen der Belastung S und
der Stabverlängerung ∆l eines geeigneten Probestabes. Die ge-
messene Kraft–Verlängerungskurve wird in eine Spannungs–
Dehnungskurve umgerechnet. Dabei wird bei der Spannungs-
berechnung die Stabkraft auf den unverformten Stabquer-
schnitt bezogen.
Bild 2.1.9 zeigt zwei typische Spannungs–Dehnungslinien, wie
sie für weiche Baustähle bzw. hochfeste Stähle gemessen wer-
den.
Grundlagen und Grundbegriffe 51
Bild 2.1.9
Beim weichen Baustahl zeigt sich eine ausgeprägte Fließgrenze. Anschließend kommt es
zunächst zu einer Verfestigung, der eine lokale Einschnürung und schließlich der Bruch
folgen. Der vermeintliche Spannungsabfall zwischen der Maximalspannung R
m
und der
Bruchspannung erklärt sich damit, dass trotz der Einschnürung (aktuelle Querschnitts-
verminderung) die Stabkraft nach wie vor auf den Ausgangsquerschnitt A
0
bezogen wird.
Bis zur Spannung R
p 0,01
(Elastizitätsgrenze) verhält sich das Material elastisch, d.h.,
es bleiben keine meßbaren (unter 0,01 %) plastischen Verformungen nach der Entla-
stung zurück. Bis zu einer Spannung unterhalb R
p 0,01
besteht eine lineare Abhängigkeit
zwischen Spannung und Dehnung, d.h., das Material verhält sich linear–elastisch.
Beim hochfesten Stahl fehlt die ausgeprägte natürliche Fließgrenze. Als Ersatzgröße führt
man per Definition die 0,2 % Dehngrenze (d.h. 0,2 % bleibende plastische Verformung
nach der Entlastung) ein.
Werkstoffe zeigen im Verhalten deutliche Unterschiede.
Bei elastischem Verhalten verschwinden die Verformungen nach der Entlastung. Sind
Spannungen und Dehnungen proportional, spricht man von linear–elastischem, sonst von
nichtlinear–elastischem Werkstoffverhalten.
s s
e
e
a) linear-elastisch b) nichtlinear-elastisch
Bild 2.1.10
Bleiben nach der Entlastung plastische Verformungen bestehen, so spricht man von
plastischem Materialverhalten. Idealisierungen stellen das starr–plastische und das
linearelastisch–idealplastische Materialverhalten dar.
52 Elastostatik und Festigkeitslehre
I I I
A A A
A
pl
A
pl
A
pl
c) plastisch mit
Verfestigung
d) starr-plastisch e) linearelastisch-
idealplastisch
Bild 2.1.11
Bei Kunststoffen bereits bei Raumtemperatur und bei Metallen unter hoher Temperatur
wird ein stark zeitabhängiges Werkstoffverhalten beobachtet. Man unterscheidet dann
zwischen dem Kriechversuch (S = konst.) und dem Relaxationsversuch (∆l bzw. ε =
konst.) und spricht vom viskoelastischen Verhalten des Werkstoffes.
t
t
Dl
S
S = konst.
Dl = konst.
a) Kriechversuch b) Relaxationsversuch
Bild 2.1.12
Im Rahmen der Grundvorlesung Elastostatik wird linear–elastisches Werkstoffverhalten
vorausgesetzt.
Es gilt das Hookesche Gesetz
σ = Eε (2.20)
mit dem Elastizitätsmodul E. Er kann als Tangens des Winkels α zwischen der σ, ε–
Linie und der ε–Achse im σ, ε–Diagramm gedeutet werden.
Im weiteren wollen wir die x–Achse in Richtung der Stabachse legen. Das Hookesche
Gesetz lautet dann
ε
x
=
1
E
σ
x
. (2.21)
Grundlagen und Grundbegriffe 53
Beobachtet man während der Versuchsdurchführung neben der Axialdehnung ε
x
auch
die Querdehnungen ε
y
und ε
z
, so findet man den Zusammenhang
ε
y
= −νε
x
= −
ν
E
σ
x
, ε
z
= −νε
x
= −
ν
E
σ
x
. (2.22)
Man erkennt, dass der einachsige Zugversuch einen räumlichen Verformungszustand
hervorruft. Die dimensionslose Proportionalitätskonstante ν wird als Querdehnzahl
(Poisson–Zahl) bezeichnet.
Für Stahl gelten mittlere Werte E = 2 · 10
5 N
mm
2
und ν = 0,3. Sie können in einem
begrenzten Bereich als temperaturunabhängig angesehen werden.
Um den Zusammenhang zwischen Schubspannungen und Schiebungen zu erhalten, muß
man einen reinen Scherversuch (z.B. Torsionsversuch) durchführen.
.
.
. .
y
x
t
xy
Bild 2.1.13
Innerhalb der Proportionalitätsgrenze stellt man wieder einen linearen Zusammenhang
fest.
τ = Gγ bzw. τ
xy
= Gγ
xy
(2.23)
Die Proportionalitätskonstante G wird als Schubmodul bezeichnet. Der Schubmodul
darf nicht unabhängig von E und ν gesehen werden, vielmehr besteht der Zusammenhang
E = 2G(1 + ν). (2.24)
Wegen des linearen Zusammenhanges zwischen den Normalspannungen und den Deh-
nungen sowie den Schubspannungen und den Schiebungen dürfen die einzelnen Bean-
spruchungsfälle überlagert werden (es gilt das Superpositionsprinzip), und man erhält
für den allgemeinen dreidimensionalen Fall das verallgemeinerte Hookesche Gesetz
ε
x
= +
1
E
σ
x

ν
E
σ
y

ν
E
σ
z
ε
y
= −
ν
E
σ
x
+
1
E
σ
y

ν
E
σ
z
ε
z
= −
ν
E
σ
x

ν
E
σ
y
+
1
E
σ
z
γ
xy
=
1
G
τ
xy
γ
yz
=
1
G
τ
yz
γ
zx
=
1
G
τ
zx
.
(2.25)
54 Elastostatik und Festigkeitslehre
Mit E = 2G(1 + ν) und γ
ij
= 2ε
ij
sowie unter Benutzung des Kronecker–Symbols
δ
ij
=
_
1 für i = j
0 für i = j
lassen sich die 6 Beziehungen (2.25) zu einer gemeinsamen Formel
ε
ij
=
1
2G
_
σ
ij
−δ
ij
ν
1 + ν
s
_
i, j = x, y, z und s = σ
xx
+ σ
yy
+ σ
zz
(2.26)
zusammenfassen.
Ändert sich die Temperatur eines Körpers, so dehnt er sich aus, und die thermischen
Dehnungen überlagern sich den bisher behandelten elastischen Dehnungen. Man spricht
dann von einem thermoelastischen Problem. Bei linearer Temperaturausdehnung gilt im
Falle der Isotropie
ε
θ
x
= ε
θ
y
= ε
θ
z
= αΘ (2.27)
mit Θ als Temperaturdifferenz (positiv bei Temperaturerhöhung) gegenüber dem Aus-
gangszustand und α als Temperaturausdehnungskoeffizient. In einem begrenzten Bereich
kann α als temperaturunabhängig angesehen werden.
Innerhalb eines Temperaturbereiches von 0 bis 100

C gilt z.B.
Eisen, rein α ≈ 12 · 10
−6
1/K
Stahl α ≈ (9 · · · 19) · 10
−6
1/K
Aluminium α ≈ 24 · 10
−6
1/K
Das verallgemeinerte Hookesche Gesetz für den Fall der Thermoelastizität ergibt sich
aus der Überlagerung der elastischen und der thermischen Dehnungen zu
ε
ij
=
1
2G
_
σ
ij
−δ
ij
_
ν
1 + ν
s −2GαΘ
_
_
i, j = x, y, z und s = σ
xx
+ σ
yy
+ σ
zz
.
(2.28)
Mit (2.7) (3 Gleichungen), (2.17) (6 Gleichungen) und (2.26) bzw. (2.28) (6 Gleichungen)
stehen insgesamt 15 Gleichungen für die 15 Unbekannten σ
ij
(6), ε
ij
(6) und u
i
(3)
zur Verfügung. Lösungen dieses Gleichungssystems existieren jedoch nur für einfache
Sonderfälle.
Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben 55
2.2 Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben
Wir betrachten in diesem Abschnitt Stäbe mit gerader Achse, die durch Kräfte belastet
werden, deren Wirkungslinien mit der Stabachse zusammenfallen (zentrische Kraftein-
leitung). Ist der Stabquerschnitt konstant (prismatischer Stab) oder nur wenig veränder-
lich, so können wir (in genügender Entfernung von der Krafteinleitungsstelle) annehmen,
dass die Spannung gleichmäßig über den Querschnitt verteilt ist. Es treten nur Nor-
malspannungen in Stablängsrichtung auf, es handelt sich daher um einen einachsigen
Spannungszustand (σ
xx
= σ).
2.2.1 Statisch bestimmte Aufgaben
Bei statisch bestimmt gelagerten Tragwerken lassen sich die Schnittgrößen allein mit
Hilfe der Gleichgewichtbedingungen berechnen.
Ist die Normalkraft auf diese Weise bestimmt, lassen sich anschließend Spannung und
Verformung berechnen.
Am einfachsten läßt sich das bei einem Stab mit konstanter Normalkraft und kon-
stantem Querschnitt verfolgen.
F
F
S(x)
S(x)
x
l
,
l
Bild 2.2.1
Für den in Bild 2.2.1 skizzierten prismatischen
Stab unter der Wirkung der Kraft F sollen Span-
nung und Verlängerung berechnet werden.
1. Gleichgewicht:
↑ S(x) −F = 0 ⇒ S(x) = F = konst.
σ =
S(x)
A
=
F
A
= konst. (2.29)
2. Kinematik:
ε =
du
dx
=
∆l
l
= konst. (2.30)
3. Stoffgesetz:
ε =
σ
E
(2.31)
Durch Einsetzen von (2.29) und (2.30) in (2.31) folgt
∆l
l
=
F
EA
⇒ ∆l =
Fl
EA
.
Die Größe E A nennt man Dehnsteifigkeit. Der Ausdruck c =
EA
l
stellt die Federstei-
figkeit des Stabes dar. Bei einer gleichförmigen Temperaturänderung Θ des betrachteten
Stabes gilt
∆l =
Fl
EA
+ αΘl .
56 Elastostatik und Festigkeitslehre
Auf die Spannung hat die Temperaturausdehnung in diesem Fall keinen Einfluß, da der
Stab statisch bestimmt gelagert ist und die thermische Dehnung somit nicht behindert
wird.
Wir betrachten nun den allgemeineren Fall, dass Längskraft, Flächenquerschnitt und
Temperaturänderung Funktionen der x–Koordinate sind, d.h. S = S(x), A = A(x),
Θ = Θ(x). Die Veränderlichkeit der Normalkraft resultiert aus einer kontinuierlichen
Last n(x) (z.B. Eigengewicht). Es sollen wieder Spannung und Verlängerung bestimmt
werden.
S(x)
x
l
S(x)
n(x)
A(x)
Θ(x)
n(ξ)
ξ
d
ξ

l
F
F
Bild 2.2.2
1. Gleichgewicht:
↑ S(x) −F −
l
_
ξ=x
n(ξ) dξ = 0
S(x) = F +
l
_
ξ=x
n(ξ) dξ
σ(x) =
S(x)
A(x)
(2.32)
2. Kinematik:
ε(x) =
du(x)
dx
(2.33)
3. Stoffgesetz:
ε(x) =
σ(x)
E
+ αΘ(x) (2.34)
Einsetzen von (2.32) und (2.33) in (2.34) liefert
du(x)
dx
=
S(x)
EA(x)
+ αΘ ⇒ u(x) =
x
_
0
_
S(x

)
EA(x

)
+ αΘ(x

)
_
dx

+ u
0
bzw.
∆l =
l
_
0
_
S(x)
EA(x)
+ αΘ(x)
_
dx. (2.35)
2.2.2 Statisch unbestimmte Aufgaben
Bei statisch unbestimmten Aufgaben reichen die statischen Betrachtungen (Gleichge-
wichtsbedingungen) nicht aus, Auflager– und Schnittreaktionen zu bestimmen. Die Ver-
formungen müssen zur Lösung der Aufgabe mit herangezogen werden, auch wenn bei
Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben 57
der speziellen Aufgabe die Verformungen nicht gesucht sind. Jede gegenüber statisch
bestimmten Aufgaben fehlende statische Randbedingung wird durch eine geometrische
Randbedingung ersetzt.
Betrachten wir zuerst wieder einen sehr einfachen Fall. Ein gerader Stab ist an beiden
Enden starr befestigt und wird um Θ = konst. erwärmt. Gesucht sind die Auflagerkräfte
und die Spannung im Stab.
S(x)
l
x
x
B
B
C
C
EA, Θ
Bild 2.2.3
1. Gleichgewicht:
S(x) = S = −B = −C ; σ =
S
A
(2.36)
2. Kinematik:
ε =
du
dx
=
∆l
l
= 0 (2.37)
3. Stoffgesetz:
ε =
σ
E
+ αΘ (2.38)
Setzt man (2.36) und (2.37) in (2.38) ein, so erhält man
∆l
l
=
S
EA
+ αΘ = 0,
und durch Auflösung folgt
S = −EAαΘ = −B = −C . (2.39)
Für die Spannung erhält man
σ =
S
A
= −EαΘ. (2.40)
Es wird deutlich, dass nicht die statische sondern die geometrische Betrachtung zur
Lösung der Aufgabe führt.
Als allgemeineren Fall betrachten wir nun wieder einen Stab, dessen Normalkraft, Quer-
schnittsfläche und Temperaturänderung von der Koordinate x abhängen. Beide Enden
des Stabes sind unverschieblich (siehe Bild 2.2.4).
58 Elastostatik und Festigkeitslehre
x
l
d
x
n(x)
A(x)
Θ(x)
n(x)dx
S(x+dx)=
S(x)+dS(x)
S(x)
Bild 2.2.4
1. Gleichgewicht:
Wir wollen das Gleichgewicht in diesem
Fall am infinitesimalen Stabelement der
Länge dx aufstellen.
↑ S(x) −(S(x) + dS(x)) −n(x)dx = 0
dS(x)
dx
= −n(x) (2.41)
2. Kinematik:
ε(x) =
du(x)
dx
(2.42)
3. Stoffgesetz:
ε(x) =
σ(x)
E
+ αΘ(x) (2.43)
Setzt man (2.42) und σ(x) = S(x)/A(x) in (2.43) ein, so folgt
du(x)
dx
= ε
x
=
S(x)
EA(x)
+ αΘ(x)
und durch Differenzieren nach x und Einsetzen von (2.41) erhält man
d
dx
_
EA(x)
du(x)
dx
_
= −n(x) +
d
dx
_
EA(x)αΘ(x)
¸
. (2.44)
eine Differentialgleichung 2. Ordnung für u(x), bei deren Lösung die Integrationskon-
stanten den Randbedingungen angepaßt werden müssen. Für das Beispiel nach Bild
2.2.4 gilt u(0) = u(l) = 0.
Längskraft S(x) und Spannung σ(x) folgen aus den Beziehungen
S(x) = EA(x)
_
du(x)
dx
−αΘ(x)
_
(2.45)
und
σ(x) =
S(x)
A(x)
= E
_
du(x)
dx
−αΘ(x)
_
. (2.46)
Man erkennt, dass bei statisch unbestimmter Lagerung die Lösung über die Aufstel-
lung einer Differentialgleichung für die Verschiebung u(x) gefunden werden kann. Eine
Temperaturänderung Θ wirkt sich auf die statischen Größen (Kräfte und Spannungen)
aus.
Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben 59
Beispiel: statisch unbestimmt gelagerter Stab
x
l
C
A
0

0
= konst
n(x)=γA
0
= konst
B
Wir betrachten den beidseitig eingespannten, hängen-
den Stab (A
0
= konst.) unter Eigengewicht und gleich-
förmiger Temperaturverteilung (Θ
0
= konst.).
Gegeben: A
0
, l, γ, α, Θ
0
, E.
Gesucht: B, C, σ(x) und u(x).
Für A
0
= konst. und Θ
0
= konst. geht die Gleichung
(2.44) über in
d
2
u(x)
dx
2
= −
n(x)
EA
0
= −
γ
E
.
Zweimalige Integration ergibt
u(x) = −
γ
E
x
2
2
+ C
1
x + C
2
.
Die Randbedingungen liefern
x = 0 : u(0) = 0 ⇒ C
2
= 0
x = l : u(l) = 0 ⇒ C
1
=
γ
E
l
2
.
Damit folgt
u(x) =
γ
E
lx
2
_
1 −
x
l
_
.
Mit
du(x)
dx
=
γ
E
l
2
_
1 −2
x
l
_
in (2.45) erhält man den Verlauf der Stabkraft
S(x) =
γA
0
l
2
_
1 −2
x
l
_
−EA
0
αΘ
0
bzw. für den Verlauf der Stabspannung
σ(x) =
γl
2
_
1 −2
x
l
_
−EαΘ
0
.
Mit dem Gesamtgewicht des Stabes γA
0
l = G folgen die Auflagerreaktionen zu
B = −S(l) =
G
2
+ EA
0
αΘ
0
, sowie C = −S(0) = −
G
2
+ EA
0
αΘ
0
.
Die durch die gleichförmige Temperaturverteilung hervorgerufenen Anteile der statisch
unbestimmten Auflagerreaktionen betragen
B
th
= C
th
= EA
0
αΘ
0
.
B
th
und C
th
sind gerade die Kräfte, die benötigt werden, um die thermische Dehnung
zu verhindern.
60 Elastostatik und Festigkeitslehre
2.2.3 Mehrbereichsaufgaben
Bisher haben wir über die gesamte Stablänge konstante oder kontinuierlich verteilte
Größen betrachtet. Treten im Stab geometrische (diskontinuierliche Querschnittsände-
rungen), statische (Einleitung von Einzelkräften) oder stoffliche (Änderung des Materi-
als) Unstetigkeiten auf, ist der Stab in einzelne Bereiche zu unterteilen.
In jedem Bereich gilt im allgemeinen Fall die Beziehung (2.44). Bei n Bereichen stehen
somit n Differentialgleichungen 2. Ordnung zur Verfügung. Die 2n Integrationskonstan-
ten lassen sich aus den 2 Randbedingungen und den 2(n − 1) Übergangsbedingungen
ermitteln.
l
1
l
2
u
i
(l
i
) u
i+1
(0)
S
i
(l
i
)
S
i+1
(0)
F
i
F
i
l
i
l
i
+
1
x
i
+
1
x
i
F
i
Bild 2.2.5
Die geometrische Übergangsbedingung lautet
u
i
(x
i
= l
i
) = u
i+1
(x
i+1
= 0) . (2.47)
Die statische Übergangsbedingung ergibt sich aus dem Gleichgewicht für das gedanklich
herausgetrennte, infinitesimale Zwischenstück
S
i
(x
i
= l
i
) −S
i+1
(x
i+1
= 0) = F
i
. (2.48)
Es sei noch einmal daran erinnert, dass die gleichmäßige Spannungsverteilung über den
Querschnitt nur in ausreichender Entfernung von einer plötzlichen Querschnittsänderung
oder einer Einzelkrafteinleitung gilt.
Biegebeanspruchung gerader Balken 61
2.3 Biegebeanspruchung gerader Balken
Wir werden uns ausschließlich mit der sog. Technischen Biegelehre beschäftigen, in
der einige vereinfachende Annahmen getroffen werden. Im folgenden wird vorausgesetzt:
• der Balken ist im unbelasteten Zustand gerade,
• der Balken ist schlank (Querschnittsabmessungen ≪ Längenabmessung),
• der Bereich des Hookeschen Gesetzes wird an keiner Stelle verlassen,
• die Verformungen sind klein, und die Gleichgewichtsbedingungen können am un-
verformten Balken aufgestellt werden (Theorie 1. Ordnung).
2.3.1 Flächenmomente 2. Ordnung
In den Gleichungen zur Bestimmung der Biegespannung, die in den folgenden Abschnit-
ten hergeleitet werden, tauchen bestimmte Terme, die sogenannten Flächenmomente
2. Ordnung, auf. Diese Terme sollen zunächst genauer betrachtet werden.
Es sei daran erinnert, dass bei der Berechnung des Flächenschwerpunktes (Kapitel 1.5.3)
die Flächenmomente 1. Ordnung
_
(A)
xdA,
_
(A)
y dA und
_
(A)
z dA vorkamen.
Die Flächenmomente 2. Ordnung, mit denen wir uns hier beschäftigen wollen, sind fol-
gendermaßen definiert:
I
yy
=
_
(A)
z
2
dA I
zz
=
_
(A)
y
2
dA I
yz
= −
_
(A)
yz dA (2.49)
I
yy
und I
zz
werden als axiale Flächenträgheitsmomente bezeichnet, I
yz
nennt man
Deviations– oder Zentrifugalmoment.
Bei der Torsion von Trägern mit Kreisquerschnitt wird uns noch das polare Flächen-
trägheitsmoment
I
p
=
_
(A)
r
2
dA (2.50)
begegnen, für das wegen r
2
= y
2
+ z
2
die Beziehung I
p
= I
yy
+ I
zz
gilt.
Die axialen Flächenträgheitsmomente sind stets positiv; das Deviationsmoment kann
positiv, negativ oder Null sein. Ist mindestens eine der beiden Achsen y oder z eine
Symmetrieachse, so gilt I
yz
= 0.
Die Flächenträgheitsmomente 2. Ordnung lassen sich mittels der Index–Schreibweise in
kompakter Form darstellen
I
ij
=
_
(A)
(r
2
δ
ij
−ij) dA i, j = y, z δ
ij
=
_
1 für i = j
0 für i = j
. (2.51)
62 Elastostatik und Festigkeitslehre
Die Flächenmomente einiger einfacher Flächen werden im folgenden berechnet.
Rechteckquerschnitt:
y
z
S
b
h
dA = b dz
I
yz
= 0 (y und z sind Symmetrieachsen)
I
yy
=
_
(A)
z
2
dA = b
h
2
_

h
2
z
2
dz = b
z
3
3
¸
¸
¸
¸
¸
h
2

h
2
I
yy
=
bh
3
12
Analog dazu gilt I
zz
=
b
3
h
12
.
Kreisquerschnitt:
R y
z
dA = 2 p r dr
I
yz
= 0 (y und z sind Symmetrieachsen)
Eine besonders einfache Berechnung der axialen
Flächenträgheitsmomente kann mit Hilfe des
polaren Flächenträgheitsmomentes erfolgen.
I
p
=
_
(A)
r
2
dA =
R
_
r=0
r
2
2πr dr =
π
2
R
4
Wegen I
yy
= I
zz
und I
p
= I
yy
+ I
zz
gilt
I
yy
= I
zz
=
I
p
2
=
π
4
R
4
.
Biegebeanspruchung gerader Balken 63
Rechtwinkliges Dreieck:
-
b
h
h 3
y
z
-
b
3
S
.
dA = b(z) dz
I
yy
=
_
(A)
z
2
dA =
2
3
h
_
z=−
h
3
z
2
b(z) dz
Mit b(z) = b
_
2
3

z
h
_
ergibt sich nach Ausfüh-
rung der Integration
I
yy
=
1
36
bh
3
.
Analog dazu gilt I
zz
=
1
36
b
3
h .
Das Deviationsmoment in der Form
I
yz
= −
2
3
h
_
z=−
h
3
_b(
1
3

z
h
)
_
y=−
b
3
y dy
_
z dz
ergibt nach ausgeführter Integration
I
yz
=
1
72
b
2
h
2
.
Bisher wurde das Koordinatensystem stets in den Flächenschwerpunkt gelegt. Setzt sich
ein Querschnitt aus mehreren bekannten Teilquerschnitten zusammen, so dürfen die Flä-
chenträgheitsmomente der Teilflächen addiert werden, wenn sie auf das gleiche Ko-
ordinatensystem bezogen sind. Das erfordert die Berechnung von Trägheitsmomenten
um Achsen, die parallel zu den Achsen durch den Flächenschwerpunkt liegen.
64 Elastostatik und Festigkeitslehre
Parallelverschiebung der Koordinatenachsen — Satz von Steiner:
S
.
y
S
_
y
y
_
z z
_
z
S
_
Bild 2.3.1
Die Flächenmomente I
yy
, I
zz
und I
yz
be-
züglich des im Flächenschwerpunkt ver-
ankerten y, z–Koordinatensystems seien
bekannt. Der Satz von Steiner (teil-
weise auch als Satz von Huygens–
Steiner bezeichnet) erlaubt hieraus
die Berechnung der Flächenmomen-
te I
¯ y¯ y
, I
¯ z¯ z
, I
¯ y¯ z
bezüglich eines ¯ y, ¯ z –
Koordinatensystems (Bild 2.3.1).
Es gilt
¯ y = y + ¯ y
s
und ¯ z = z + ¯ z
s
.
Durch Einsetzen in (2.49) folgt
I
¯ y¯ y
=
_
(A)
(z + ¯ z
s
)
2
dA =
_
(A)
z
2
dA
. ¸¸ .
I
yy
+¯ z
2
s
_
(A)
dA
. ¸¸ .
A
+2¯ z
s
_
(A)
z dA
. ¸¸ .
0
.
Damit ergibt sich I
¯ y¯ y
= I
yy
+ ¯ z
2
s
A. Analog dazu folgen die anderen Transformationsglei-
chungen, somit insgesamt
I
¯ y¯ y
= I
yy
+ ¯ z
2
s
A
I
¯ z¯ z
= I
zz
+ ¯ y
2
s
A
I
¯ y¯ z
= I
yz
− ¯ y
s
¯ z
s
A .
(2.52)
Man erkennt, dass die axialen Flächenträgheitsmomente für Achsen durch den Flächen-
schwerpunkt stets kleiner sind als für hierzu parallele Achsen.
Als Beispiel für die Anwendung des Satzes von Steiner betrachten wir ein T–Profil,
das aus zwei gleich großen Rechtecken (1 und 2) besteht.
Biegebeanspruchung gerader Balken 65
Beispiel: Satz von Steiner
3c
S .
3
c
c
c
- 5 2
z
y
1
c
2
I
yz
= 0, da die z–Achse eine Symmetrieachse ist.
I
zz
=
c(3c)
3
12
. ¸¸ .
I
zz1
+
3c c
3
12
. ¸¸ .
I
zz2
=
5
2
c
4
I
yy
=
3cc
3
12
+ c
2
3c
2
. ¸¸ .
I
yy1
+
c(3c)
3
12
+ c
2
3c
2
. ¸¸ .
I
yy2
I
yy
=
17
2
c
4
Bei der Bestimmung von I
yy
mußte für beide Teilflächen 1 und 2 der Satz von Steiner
angewandt werden, da eine Transformation von den Achsen durch die Schwerpunkte
der Teilflächen auf die Schwerpunktsachse des Gesamtschwerpunktes erforderlich ist.
Von Bedeutung ist weiterhin die Frage, wie sich die Flächenträgheitsmomente bei Dre-
hung des Koordinatensystems verhalten.
A
S
α
α
ζ
η
dA
e
η
e
ζ
e
z
e
y
z
y
Bild 2.3.2
Wir betrachten ein y, z–System und
ein dazu gedrehtes η, ζ–System, jeweils
mit Koordinatenursprung im Flächen-
schwerpunkt (Bild 2.3.2).
Die Flächenträgheitsmomente I
yy
,
I
zz
, I
yz
seien bekannt, die Flächen-
trägheitsmomente I
ηη
, I
ζζ
, I
ηζ
sind
gesucht.
Nach Bild 2.3.2 gilt
η = y cos α + z sin α
ζ = −y sin α + z cos α. (2.53)
Mit (2.53) erhält man
I
ηη
=
_
(A)
ζ
2
dA = cos
2
α
_
(A)
z
2
dA+ sin
2
α
_
(A)
y
2
dA−2 sin αcos α
_
(A)
yz dA
I
ζζ
=
_
(A)
η
2
dA = cos
2
α
_
(A)
y
2
dA+ sin
2
α
_
(A)
z
2
dA+ 2 sin αcos α
_
(A)
yz dA
I
ηζ
= −
_
(A)
ζη dA = −sin αcos α
__
(A)
z
2
dA−
_
(A)
y
2
dA
_

_
cos
2
α −sin
2
α
_
_
(A)
yz dA
66 Elastostatik und Festigkeitslehre
oder ausgerechnet
I
ηη
= I
yy
cos
2
α + I
zz
sin
2
α + 2I
yz
sin αcos α
I
ζζ
= I
zz
cos
2
α + I
yy
sin
2
α −2I
yz
sin αcos α
I
ηζ
= −
_
I
yy
−I
zz
_
sin αcos α + I
yz
_
cos
2
α −sin
2
α
_
.
(2.54)
In kompakter Indexschreibweise lautet (2.54)
I
λµ
=

i

j
cos(λ, i) cos(µ, j)I
ij
mit i, j = y, z; λ, µ = η, ζ (2.55)
Mit cos(λ, i) bzw. cos(µ, j) ist der Kosinus des jeweils zwischen der e
λ
– und e
i
– bzw. der
e
µ
– und e
j
–Richtung eingeschlossenen Winkels bezeichnet.
Die Flächenträgheitsmomente stellen somit einen Tensor 2. Stufe dar. In Matrix–
Schreibweise ergibt sich
[I
ij
] =
_
I
yy
I
yz
I
zy
I
zz
_
bzw. [I
λµ
] =
_
I
ηη
I
ηζ
I
ζη
I
ζζ
_
(2.56)
wobei die Transformationsgleichungen (2.54) und (2.55) die Elemente des Flächenträg-
heitstensors [I
ij
] bei Drehung des Bezugssystems in den Tensor [I
λµ
] überführen.
Invarianten des Flächenträgheitstensors sind
a) seine Spur I
yy
+ I
zz
= I
ηη
+ I
ζζ
b) seine Determinante I
yy
I
zz
−I
2
yz
= I
ηη
I
ζζ
−I
2
ηζ
Mit den geometrischen Beziehungen
2 sin αcos α = sin 2α; sin
2
α =
1
2
(1 −cos 2α); cos
2
α =
1
2
(1 + cos 2α)
lassen sich die Transformationsgleichungen (2.54) in der Form
I
ηη
=
1
2
(I
yy
+ I
zz
) +
1
2
(I
yy
−I
zz
) cos 2α + I
yz
sin 2α
I
ζζ
=
1
2
(I
yy
+ I
zz
) −
1
2
(I
yy
−I
zz
) cos 2α −I
yz
sin 2α
I
ηζ
= I
ζη
= −
1
2
(I
yy
−I
zz
) sin 2α + I
yz
cos 2α
(2.57)
angeben.
Biegebeanspruchung gerader Balken 67
y
z
S
u
v
a
~
Bild 2.3.3
Wir suchen uns nun aus der Schar der ge-
drehten Bezugssysteme jenes spezielle u, v–
System heraus, für das die axialen Flä-
chenträgheitsmomente Extremwerte werden.
Den zugehörigen Winkel bezeichnen wir mit
˜ α.
dI
ηη

= −
dI
ζζ

= −(I
yy
−I
zz
) sin 2˜ α + 2I
yz
cos 2˜ α = 0 (2.58)
tan 2˜ α =
2I
yz
I
yy
−I
zz
(2.59)
(2.59) erhält man auch aus der Forderung, dass das Deviationsmoment I
ηζ
Null wird.
(2.59) besitzt im Intervall 0 ≤ 2˜ α ≤ 2π zwei Lösungen, die sich um π unterscheiden.
Entsprechend existieren im Intervall 0 ≤ ˜ α ≤ π für ˜ α zwei um
π
2
unterschiedliche Lö-
sungen. Das bedeutet, es gibt zwei senkrecht aufeinander stehende Achsen u und v, für
die die axialen Flächenträgheitsmomente zu Extremwerten werden und das Deviations-
moment Null ist. Diese Achsen werden als Hauptträgheitsachsen oder Hauptachsen
bezeichnet.
Die zugehörigen Extremwerte der axialen Flächenträgheitsmomente, die man Haupt-
trägheitsmomente nennt, bestimmt man durch Einsetzen von (2.59) in (2.57).
2=
~
(I
yy
- I
zz
) -
1
2
I
yz
Hierzu lesen wir aus dem nebenstehenden Dreieck
ab:
sin 2˜ α =
I
yz
_
_
Iyy−Izz
2
_
2
+ I
yz
2
cos 2˜ α =
Iyy−Izz
2
_
_
Iyy−Izz
2
_
2
+ I
yz
2
Damit folgt
I
uu
= I
max
=
1
2
(I
yy
+ I
zz
) +
_
_
I
yy
−I
zz
2
_
2
+ I
yz
2
I
vv
= I
min
=
1
2
(I
yy
+ I
zz
) −
_
_
I
yy
−I
zz
2
_
2
+ I
yz
2
(2.60)
Um eine eindeutige Zuordnung von Winkel und Hauptträgheitsmoment zu haben (Bild
2.3.3), geht man über auf die Beziehung
tan ˜ α =
1 −cos 2˜ α
sin 2˜ α
=
1
I
yz
_
_
_
I
yy
−I
zz
2
_
2
+ I
yz
2

I
yy
−I
zz
2
_
=
I
uu
−I
yy
I
yz
. (2.61)
68 Elastostatik und Festigkeitslehre
Achsen maximalen Deviationsmomentes ergeben sich aus
dI
ηζ

= −(I
yy
−I
zz
) cos 2¯ α −2I
yz
sin 2¯ α = 0 (2.62)
tan2¯ α =
I
zz
−I
yy
2I
yz
(2.63)
Das maximale Deviationsmoment beträgt
I
¯ u¯ v
=
_
_
I
yy
−I
zz
2
_
2
+ I
2
yz
(2.64)
Zwischen den Winkeln ¯ α und ˜ α besteht die Beziehung ¯ α = ˜ α −
π
4
.
Alle Beziehungen für die Tranformation der Flächenträgheitsmomente bei Drehung des
Koordinatensystems lassen sich anschaulich im Mohrschen Trägheitskreis darstellen
(Bild 2.3.4).
Hierzu eliminiert man durch Quadrieren und Addieren der 1. und 3. Gleichung von (2.57)
den Winkel 2α und erhält mit
_
I
ηη

I
yy
+ I
zz
2
_
2
+ I
2
ηζ
=
_
I
yy
−I
zz
2
_
2
+ I
2
yz
die Gleichung eines Kreises.
Beispiel: Mohrscher Trägheitskreis: I
yy
> I
zz
und I
yz
> 0
2a
~
a
~
A
M
B
a
~
z
y
v
u I
hh ,
I
zz
I
yy
I
uu
-I
yy
(I
yy
-I
zz
)
1
-
2
(I
yy
+I
zz
)
1
-
2
I
uu
I
vv
I
hz
I
yz
I
zz
I
I
I
2
-
+
2
2
( )
z
yz
yy z
Bild 2.3.4
Biegebeanspruchung gerader Balken 69
2.3.2 Spannung bei gerader Biegung
Wir wollen zwischen gerader und schiefer Biegung unterscheiden. Bei der geraden
Biegung liegen Lastebene und Verformungsebene zueinander parallel, was immer dann
der Fall ist, wenn die Biegeachse senkrecht zu einer Symmetrieebene des Balkenquer-
schnittes steht (sog. Hauptachse). Dies ist jedoch nur ein Spezialfall einer Biegungs-
hauptachse. Wie wir in Abschnitt 2.3.1 gezeigt haben, weist jeder beliebige Querschnitt
zwei solche zueinander senkrecht stehende Hauptachsen auf, um die eine gerade Biegung
erfolgt. Bei schiefer Biegung kann das resultierende Biegemoment um eine beliebige
Querschnittsachse wirken. Die gerade Biegung ist somit ein Sonderfall der schiefen Bie-
gung. Wir werden voraussetzen, dass die Achsen y und z durch den Flächenschwerpunkt
Hauptachsen sind und dass das resultierende Biegemoment um die y–Achse wirkt.
Die Bestimmung der Spannungsverteilung im Balken ist ein statisch unbestimmtes Pro-
blem. Allein aus dem Gleichgewicht folgt die Spannungsverteilung nicht; es müssen viel-
mehr Annahmen über die Verformung gemacht werden. Besonders plausibel ist eine
solche Annahme bei reiner Biegung, bei der ein konstantes Biegemoment, d.h.
keine Querkraft wirkt. An jeder Stelle des Balkens ist das Biegemoment und damit die
Krümmung der Balkenachse gleich groß, so dass die Balkenachse unter reiner Biegung
die Form eines Kreisbogens hat (Bild 2.3.5). Das bedeutet, dass die Querschnitte, die vor
der Verformung eben und senkrecht zur Balkenachse waren, auch nach der Verformung
eben und senkrecht zur Balkenachse sind. Bei gerader Biegung um die y–Achse ist die
Dehnung linear abhängig von der Koordinate z.
dx
z
Bild 2.3.5
Für die Dehnung gilt somit
ε
x
= c

1
+ c

2
z . (2.65)
Bei Gültigkeit des Hookeschen Gesetzes
folgt daraus
σ
x
= c
1
+ c
2
z . (2.66)
Bei einem mit x veränderlichen Biegemoment, d.h. bei Vorhandensein von Querkräften
weicht die Verformung von der o.g. ab; die Abweichungen sind bei schlanken Trägern, wie
sie in der technischen Biegelehre vorausgesetzt werden, jedoch so gering, dass man auch
hier die Annahme vom Ebenbleiben der Querschnitte senkrecht zur Balkenlängsachse
aufrecht erhalten kann. Diese Annahme geht auf Jacob Bernoulli zurück und wird
als Bernoullische Hypothese bezeichnet.
Die im weiteren in diesem Kapitel genannten Gleichungen gelten somit sowohl für reine
Biegung als auch für Querkraftbiegung und erfassen nur die Normalspannung σ
x
(ein-
achsiger Spannungszustand).
70 Elastostatik und Festigkeitslehre
S
z
y
dA
x
I
x
dA
M
y
Bild 2.3.6
Wir betrachten einen symmetrischen
Querschnitt, in dem y und z Hauptach-
sen sind, mit einer Belastung, die ein
Biegemoment M
y
zur Folge hat (Bild
2.3.6).
Die Schnittreaktionen stellen die resultierende Wirkung der Spannungen dar
N =
_
(A)
σ
x
dA = c
1
A+ c
2
_
(A)
z dA
−M
z
=
_
(A)
σ
x
y dA = c
1
_
(A)
y dA+ c
2
_
(A)
yz dA
M
y
=
_
(A)
σ
x
z dA = c
1
_
(A)
z dA+ c
2
_
(A)
z
2
dA .
(2.67)
Die hier auftretenden Flächenmomente 2. Ordnung
_
(A)
z
2
dA =: I
yy
(axiales Flächenträg-
heitsmoment) bzw.
_
(A)
yz dA =: −I
yz
(Deviationsmoment) wurden in Abschnitt 2.3.1
ausführlich hergeleitet.
Bei gerader Biegung um die y–Achse ohne Längskraft sind M
z
= N = 0.
Für das y, z–Hauptachsensystem gilt
_
(A)
y dA =
_
(A)
z dA =
_
(A)
yz dA = 0,
_
(A)
z
2
dA = I
yy
.
Damit folgt aus (2.67) c
1
= 0 und c
2
=
M
y
I
yy
.
σ
x
(z)
x

x
|
max
z
Bild 2.3.7
Die Gleichung für die Biegespannung bei gerader Bie-
gung um die y–Achse lautet
σ
x
(x, z) =
M
y
(x)
I
yy
(x)
z (2.68)
In Bild 2.3.7 ist die Spannungsverteilung als Funktion
von z dargestellt.
Biegebeanspruchung gerader Balken 71
Der Maximalwert der Spannung innerhalb eines Querschnittes tritt bei |z
max
| auf und
beträgt

max
x
| =
|M
y
|
I
yy
|z
max
| =
|M
y
|
W
y
. (2.69)
W
y
ist das Widerstandsmoment W
y
=
I
yy
|z
max
|
.
2.3.3 Spannung bei schiefer Biegung
Wie bei gerader Biegung gilt auch bei schiefer Biegung die Bernoullische Hypothese
für das Ebenbleiben der Querschnitte.
M
y
s
x
dA
z
x
y
S
dA
M
z
Bild 2.3.8
Wir verwenden ein Koordinatensystem
y, z mit dem Koordinatenurprung im
Flächenschwerpunkt S; y und z müssen
jedoch hier keine Hauptachsen sein.
Die Forderung des Ebenbleibens der
Querschnitte führt auf den Ansatz
σ
x
= c
1
+ c
2
z + c
3
y . (2.70)
Analog zu (2.67) gilt jetzt
N =
_
(A)
σ
x
dA = c
1
A+ c
2
_
(A)
z dA+ c
3
_
(A)
y dA = 0 ,
−M
z
=
_
(A)
σ
x
y dA = c
1
_
(A)
y dA+ c
2
_
(A)
yz dA+ c
3
_
(A)
y
2
dA,
M
y
=
_
(A)
σ
x
z dA = c
1
_
(A)
z dA+ c
2
_
(A)
z
2
dA+ c
3
_
(A)
yz dA .
(2.71)
(2.71) vereinfacht sich mit folgenden Beziehungen:
_
(A)
y dA =
_
(A)
z dA = 0,
_
(A)
z
2
dA = I
yy
,
_
(A)
y
2
dA = I
zz
,
_
(A)
yz dA = −I
yz
.
72 Elastostatik und Festigkeitslehre
Damit erhalten wir c
1
= 0 und
−M
z
= −c
2
I
yz
+ c
3
I
zz
M
y
= +c
2
I
yy
−c
3
I
yz
.
Die Konstanten c
2
und c
3
ergeben sich zu
c
2
=
M
y
I
zz
−M
z
I
yz
I
yy
I
zz
−I
2
yz
, c
3
= −
M
z
I
yy
−M
y
I
yz
I
yy
I
zz
−I
2
yz
.
Die Gleichung für die Spannung bei schiefer Biegung lautet damit
σ
x
(x, y, z) =
M
y
(x)I
zz
−M
z
(x)I
yz
I
yy
I
zz
−I
2
yz
z −
M
z
(x)I
yy
−M
y
(x)I
yz
I
yy
I
zz
−I
2
yz
y . (2.72)
Für den Sonderfall, dass das y–z–System ein Hauptachsensystem ist, gilt I
yz
= 0 und
(2.72) vereinfacht sich zu
σ
x
(x, y, z) =
M
y
(x)
I
yy
z −
M
z
(x)
I
zz
y . (2.73)
Um die Spannungsnullinie des Querschnittes zu ermitteln, wird in (2.72) bzw. in (2.73)
die Spannung σ
x
(x, y, z) = 0 gesetzt, und man erhält
z =
M
z
(x)I
yy
−M
y
(x)I
yz
M
y
(x)I
zz
−M
z
(x)I
yz
y (2.74)
bzw.
z =
M
z
(x)
M
y
(x)
I
yy
I
zz
y . (2.75)
Die Richtungen des resultierenden Biegemomentes und der Spannungsnullinie stimmen
i.a. nicht überein.
Um bei schiefer Biegung die größte Spannung |σ
x
|
max
im Querschnitt zu bestimmen, muß
man zuerst die Spannungsnullinie berechnen und dann den Ort suchen, der den größten
Abstand von der Spannungsnullinie hat. Dies ist die Stelle der größten Spannung, und
die entsprechenden Koordinaten sind in (2.72) bzw. in (2.73) einzusetzen, um |σ
x
|
max
zu
ermitteln.
Biegebeanspruchung gerader Balken 73
2.3.4 Biegeverformung gerader Balken (Elastische Linie)
Auch bei der Verformung wird nur die Momentenbelastung erfaßt, die Wirkung der
Querkraft bleibt unberücksichtigt. Außerdem wollen wir uns auf gerade Biegung be-
schränken, wobei y und z Hauptachsen sind und die Biegung nur um die y–Achse erfolgt.
Auf den Fall der Verformung bei schiefer Biegung wird am Ende des Kapitels hingewie-
sen.
x
Elastische Linie
z
w(x)
Bild 2.3.9
Die Verschiebung der Balkenachse in z–Richtung bezeichnen wir mit w(x), und es geht
im folgenden um die Bestimmung dieser Funktion.
r
z
r dj
dj
(r + z) dj
Bild 2.3.10
In Bild 2.3.10 ist ein gekrümmtes Balkenelement dar-
gestellt.
Für die Dehnung in x–Richtung ist abzulesen
ε
x
(x, z) =
(̺(x) + z)dϕ −̺(x)dϕ
̺(x)dϕ
=
z
̺(x)
. (2.76)
Benutzt man das Hookesche Gesetz und die Glei-
chung (2.68) für die Spannung bei gerader Biegung
ε
x
(x, z) =
σ
x
E
=
M
y
(x)
EI
yy
z ,
so folgt aus (2.76) die Beziehung
1
̺(x)
=
M
y
(x)
EI
yy
. (2.77)
(2.77) besagt, dass die Krümmung der Biegelinie pro-
portional der Momentenbelastung ist. Den Faktor
EI
yy
nennt man Biegesteifigkeit.
74 Elastostatik und Festigkeitslehre
Für die Krümmung ebener Kurven (x–w–Ebene) gilt
1
̺
= −
w
′′
(1 + w
′2
)
3
2
mit w

=
dw
dx
und w
′′
=
d
2
w
dx
2
.
Damit geht (2.77) über in
w
′′
(1 + w
′2
)
3
2
= −
M
y
(x)
EI
yy
.
Beschränkt man sich auf kleine Verformungen, so ist w

≪1, und als Differentialglei-
chung der elastischen Linie ergibt sich
w
′′
(x) = −
M
y
(x)
EI
yy
(x)
. (2.78)
Durch zweimalige Integration von (2.78) erhält man w(x). Die dabei auftretenden Inte-
grationskonstanten lassen sich aus den Randbedingungen für die durch die Integration
gewonnenen Größen w

und w bestimmen.
In (2.78) wird vom Biegemomentenverlauf M
y
(x) ausgegangen. Stellen wir (2.78) um,
differenzieren zweimal und verwenden dabei die Beziehungen (1.36), so erhalten wir
__
EI
yy
(x)
_
w
′′
(x)
¸
= −M
y
(x)
__
EI
yy
(x)
_
w
′′
(x)
¸

= −Q
z
(x)
__
EI
yy
(x)
_
w
′′
(x)
¸
′′
= q
z
(x) .
(2.79)
Für konstante Biegesteifigkeit EI
yy
folgt aus der 3. Gleichung von (2.79)
EI
yy
w(x)
IV
= q
z
(x) . (2.80)
Bei (2.80) geht man von der Streckenlast q
z
(x) aus und hat viermal zu integrieren,
um w(x) zu erhalten. Entsprechend sind zur Bestimmung der Integrationskonstanten
Randbedingungen für w
′′′
, w
′′
, w

und w zu formulieren.
Im folgenden wollen wir einige Beispiele betrachten.
Biegebeanspruchung gerader Balken 75
Beispiel: DGL der elastischen Linie (I)
q
q
A
A
M
A
F
x
l
F
EI
Ein gerader Träger der Länge l ist bei A
eingespannt und wird durch eine konstante
Streckenlast q und eine Einzelkraft F belastet.
Gegeben: F, q, l, EI
yy
= EI (konst.).
Gesucht: Durchbiegung w(x).
↑ A−F −ql = 0

A M
A
−Fl −q
l
2
2
= 0
A = F + ql M
A
= Fl + q
l
2
2
M
y
(x) = M(x) = −F(l −x) −
q
2
(l −x)
2
EIw
′′
(x) = −M(x) = Fl
_
1 −
_
x
l
__
+
ql
2
2
_
1 −2
_
x
l
_
+
_
x
l
_
2
_
EIw

(x) = Fl
2
_
_
x
l
_

1
2
_
x
l
_
2
_
+
ql
3
2
_
_
x
l
_

_
x
l
_
2
+
1
3
_
x
l
_
3
_
+ C
1
EIw(x) = Fl
3
_
1
2
_
x
l
_
2

1
6
_
x
l
_
3
_
+
ql
4
2
_
1
2
_
x
l
_
2

1
3
_
x
l
_
3
+
1
12
_
x
l
_
4
_
+ C
1
x + C
2
Randbedingungen: w(x = 0) = 0
w

(x = 0) = 0
_

C
2
= 0
C
1
= 0
Damit lautet das Ergebnis
w(x) =
Fl
3
6EI
_
3
_
x
l
_
2

_
x
l
_
3
_
+
ql
4
24EI
_
6
_
x
l
_
2
−4
_
x
l
_
3
+
_
x
l
_
4
_
.
76 Elastostatik und Festigkeitslehre
Beispiel: DGL der elastischen Linie (II)
A
x
l
q
0
M
A
EI
Ein gerader, bei A eingespannter Balken
der Länge l wird durch eine linear verän-
derliche Streckenlast q(x) beansprucht.
Gegeben: q
0
, l, EI
yy
= EI (konst.)
Gesucht: w(x)
q(x) = q
0
_
1 −
x
l
_
EIw
IV
(x) = q
0
_
1 −
_
x
l
__
EIw
′′′
(x) = q
0
l
_
_
x
l
_

1
2
_
x
l
_
2
_
+ C
1
EIw
′′
(x) = q
0
l
2
_
1
2
_
x
l
_
2

1
6
_
x
l
_
3
_
+ C
1
x + C
2
EIw

(x) = q
0
l
3
_
1
6
_
x
l
_
3

1
24
_
x
l
_
4
_
+ C
1
x
2
2
+ C
2
x + C
3
EIw(x) = q
0
l
4
_
1
24
_
x
l
_
4

1
120
_
x
l
_
5
_
+ C
1
x
3
6
+ C
2
x
2
2
+ C
3
x + C
4
Randbedingungen:
w(x = 0) = 0
w

(x = 0) = 0
Q(x = l) = 0 ⇒ w
′′′
(x = l) = 0
M(x = l) = 0 ⇒ w
′′
(x = l) = 0
_
¸
¸
¸
_
¸
¸
¸
_

C
1
= −
1
2
q
0
l
C
2
=
1
6
q
0
l
2
C
3
= 0
C
4
= 0
Damit ergibt sich
w(x) =
q
0
l
4
120EI
_
10
_
x
l
_
2
−10
_
x
l
_
3
+ 5
_
x
l
_
4

_
x
l
_
5
_
.
Die Auflagerreaktionen wurden zur Berechnung der Durchbiegung w(x) offenbar nicht
gebraucht. Man kann sie ohne globales Gleichgewicht nachträglich aus EIw
′′′
(x = 0)
und EIw
′′
(x = 0) berechnen.
EIw
′′′
(x = 0) = −Q(x = 0) = −A ⇒ A =
1
2
q
0
l
EIw
′′
(x = 0) = −M(x = 0) = M
A
⇒ M
A
=
1
6
q
0
l
2
.
Biegebeanspruchung gerader Balken 77
Beispiel: DGL der elastischen Linie, Mehrbereichsaufgabe
2l
EI
l
A
B
F
- F x
1
x
2
1
3
- F
2
3
F
Ein gerader Balken ist durch ein Fest-
lager und ein Rollenlager abgestützt
und wird durch eine Kraft F belastet.
Gegeben: F, l, EI
yy
= EI (konst.)
Gesucht: w
i
(x
i
)
Bei mehreren Bereichen ist die Integra-
tion der Differentialgleichung der ela-
stischen Linie für jeden Bereich durch-
zuführen.
M
1
(x
1
) =
1
3
Fx
1
, M
2
(x
2
) =
2
3
F(l −x
2
)
EIw
′′
1
(x
1
) = −
1
3
Fx
1
EIw

1
(x
1
) = −
1
6
Fx
2
1
+ C
1
EIw
1
(x
1
) = −
1
18
Fx
3
1
+ C
1
x
1
+ C
2
EIw
′′
2
(x
2
) = −
2
3
Fl
_
1 −
_
x
2
l
__
EIw

2
(x
2
) = −
1
3
Fl
2
_
2
_
x
2
l
_

_
x
2
l
_
2
_
+ C
3
EIw
2
(x
2
) = −
1
9
Fl
3
_
3
_
x
2
l
_
2

_
x
2
l
_
3
_
+ C
3
x
2
+ C
4
Die 4 Integrationskonstanten C
1
· · · C
4
lassen sich aus den Rand– und Übergangsbedin-
gungen bestimmen. Unter Übergangsbedingungen wollen wir dabei die Bedingungen
beim Übergang von einem zum anderen Bereich verstehen.
w
1
(x
1
= 0) = 0
w
2
(x
2
= l) = 0
w
1
(x
1
= 2l) = w
2
(x
2
= 0)
w

1
(x
1
= 2l) = w

2
(x
2
= 0)
_
¸
¸
¸
_
¸
¸
¸
_

C
1
=
4
9
Fl
2
C
2
= 0
C
3
= −
2
9
Fl
2
C
4
=
4
9
Fl
3
Das Ergebnis lautet damit
w
1
=
Fl
3
18EI
_
8
_
x
1
l
_

_
x
1
l
_
3
_
w
2
=
Fl
3
18EI
_
8 −4
_
x
2
l
_
−6
_
x
2
l
_
2
+ 2
_
x
2
l
_
3
_
78 Elastostatik und Festigkeitslehre
Durch die Einbeziehung der Verformungen können wir nun auch statisch unbestimmte
Aufgaben lösen. Dafür betrachten wir ein 4. Beispiel.
Beispiel: DGL der elastischen Linie, statisch unbestimmte Aufgabe
B
B
q
q
A
A
M
A
x
l
EI
Ein gerader Träger ist bei A eingespannt und
bei B durch ein Rollenlager abgestützt. Bela-
stet wird er durch eine konstante Streckenlast q.
Gegeben: q, l, EI
yy
= EI (konst.).
Gesucht: Auflagerreaktionen und w(x).
Gleichgewichtsbedingungen:
↑ A + B −ql = 0

A M
A
+ Bl −q
l
2
2
= 0
Die 2 Gleichgewichtsbedingungen enthalten 3 Unbekannte (einfach statisch unbe-
stimmt).
M
y
(x) = M(x) = B(l −x) −
q
2
(l −x)
2
EIw
′′
(x) = −Bl
_
1 −
_
x
l
__
+
ql
2
2
_
1 −2
_
x
l
_
+
_
x
l
_
2
_
EIw

(x) = −Bl
2
_
_
x
l
_

1
2
_
x
l
_
2
_
+
ql
3
2
_
_
x
l
_

_
x
l
_
2
+
1
3
_
x
l
_
3
_
+ C
1
EIw(x) = −Bl
3
_
1
2
_
x
l
_
2

1
6
_
x
l
_
3
_
+
ql
4
2
_
1
2
_
x
l
_
2

1
3
_
x
l
_
3
+
1
12
_
x
l
_
4
_
+C
1
x + C
2
Aus den Randbedingungen erhält man:
w(x = 0) = 0
w

(x = 0) = 0
w(x = l) = 0
_
¸
_
¸
_

C
2
= 0
C
1
= 0
B =
3
8
ql.
Setzt man die Auflagerreaktion B in die Gleichgewichtsbedingungen ein, so folgt für
das Auflager A
A =
5
8
ql und M
A
=
1
8
ql
2
.
Die Gleichung der elastischen Linie lautet:
w(x) =
ql
4
48EI
_
3
_
x
l
_
2
−5
_
x
l
_
3
+ 2
_
x
l
_
4
_
.
Biegebeanspruchung gerader Balken 79
Geht man bei statisch unbestimmten Aufgaben von der Differentialgleichung 2.
Ordnung aus, so ist die Anzahl von Gleichgewichts– und Randbedingungen stets
gleich der Anzahl von unbekannten Auflagerreaktionen und Integrationskonstanten.
Benutzt man (2.80), so folgt für das 4. Beispiel
EIw
IV
(x) = q
EIw
′′′
(x) = qx + C
1
EIw
′′
(x) = q
x
2
2
+ C
1
x + C
2
EIw

(x) = q
x
3
6
+ C
1
x
2
2
+ C
2
x + C
3
EIw(x) = q
x
4
24
+ C
1
x
3
6
+ C
2
x
2
2
+ C
3
x + C
4
Randbedingungen:
w(x = 0) = 0
w

(x = 0) = 0
w
′′
(x = l) = 0
w(x = l) = 0
_
¸
¸
¸
_
¸
¸
¸
_

C
1
= −
5
8
ql
C
2
=
1
8
ql
2
C
3
= 0
C
4
= 0
Ohne Aufstellung des globalen Gleichgewichtes erhält man
EIw
′′′
(x = 0) = −Q(x = 0) = −A ⇒ A =
5
8
ql
EIw
′′
(x = 0) = −M(x = 0) = M
A
⇒ M
A
=
1
8
ql
2
EIw
′′′
(x = l) = −Q(x = l) = B ⇒ B =
3
8
ql
Geht man bei statisch unbestimmten Aufgaben von der Differentialgleichung 4. Ord-
nung aus, ergeben sich stets ebenso viele Randbedingungen wie Integrationskonstan-
ten, und die unbekannten Auflagerreaktionen lassen sich ohne globales Gleichgewicht
aus EI w
′′′
und EI w
′′
berechnen.
Im folgenden wollen wir noch einmal Rand– und Übergangsbedingungen systematisch
zusammenstellen. Es handelt sich um Bedingungen für die kinematischen Größen w
und w

und für die statischen Größen Q
z
= Q ( ˆ =w
′′′
) und M
y
= M ( ˆ =w
′′
).
Randbedingungen: (2 Bedingungen)
x
1.
w(x = 0) = 0
w

(x = 0) = 0
80 Elastostatik und Festigkeitslehre
x
M
0
F
2.
Q(x = 0) = −F
M(x = 0) = M
0
M
0
x
3.
w(x = 0) = 0
M(x = 0) = −M
0
x
F
4.
w

(x = 0) = 0
Q(x = 0) = −F
Übergangsbedingungen: (4 Bedingungen)
1.
dx
M
0
M
0
F
F
l
x
i
x
i+1
Q(x
i
=l)
M(x
i
=l)
Q(x
i+1
=0)
M(x
i+1
=0)
w(x
i
= l) = w(x
i+1
= 0)
w

(x
i
= l) = w

(x
i+1
= 0)
Q(x
i
= l) −F −Q(x
i+1
= 0) = 0
M(x
i
= l) −M
0
−M(x
i+1
= 0) = 0
w(x
i
= l) = 0
w(x
i+1
= 0) = 0
w

(x
i
= l) = w

(x
i+1
= 0)
M(x
i
= l) = M(x
i+1
= 0)
Torsion gerader Stäbe 81
w(x
i
= l) = w(x
i+1
= 0)
M(x
i
= l) = 0
M(x
i+1
= 0) = 0
Q(x
i
= l) = Q(x
i+1
= 0)
Bei schiefer Biegung ist die Berechnung der Durchbiegungen in zwei senkrecht aufein-
ander stehenden, durch die Lage der Hauptachsen y und z gegebenen Ebenen vorzuneh-
men. Die Gesamtdurchbiegung folgt dann aus
w(x) =
_
w
2
z
(x) + w
2
y
(x) (2.81)
2.4 Torsion gerader Stäbe
Im folgenden betrachten wir gerade Stäbe, die durch ein Moment M
t
um ihre Stabachse
beansprucht werden. Spannungs– und Verformungszustand des Stabes werden berechnet.
Bei Torsion erhält man einen zweiachsigen Spannungszustand. Zug und Biegung (oh-
ne Berücksichtigung des Querkraftschubs) eines prismatischen Trägers ergaben einen
einachsigen Spannungszustand.
Ein weiterer Unterschied zu den bisher betrachteten Beanspruchungsarten Zug (Druck)
und Biegung besteht darin, dass bei Torsion Spannungsverteilungen auftreten, die von
der Querschnittsform abhängen. Dementsprechend wird in den folgenden Kapitel eine
Einteilung gewählt, die sich nach verschiedenen Querschnittsformen orientiert.
2.4.1 Kreis– und kreisringförmiger Querschnitt
r
a
M
t
(x)
M
t0
r
y
z
x
ϕ
Bild 2.4.1
Es wird ein prismatischer Stab
angenommen. Das Schnittmoment
an der Stelle x bezeichnen wir
mit M
t
(x) und die Querschnitts-
verdrehung mit ϕ
t
(x). In der Quer-
schnittsebene benutzen wir ein Po-
larkoordinatensystem.
1. Statik (Gleichgewicht):
Das Momentengleichgewicht um
die x–Achse liefert eine Bezie-
hung für das Schnittmoment
M
t
(x). Bei einer Belastung von
M
t0
an beiden Stabenden erhält
man
M
t
(x) = M
t0
.
82 Elastostatik und Festigkeitslehre
2. Kinematik (Verformung):
Nach Coulomb werden bei der Torsion kreisförmiger Querschnitte folgende Annahmen
getroffen:
a) Die Stabquerschnitte verdrehen sich gegeneinander wie starre Scheiben. Sie blei-
ben unverzerrt. Daraus folgt:
u
r
= 0 und γ

= 0 . (2.82)
b) Die Stabquerschnitte bleiben eben, d.h., es tritt keine Verschiebung u
x
(Verwöl-
bung) senkrecht zur Querschnittsfläche auf, d.h.
u
x
= 0 und γ
xr
= 0 . (2.83)
Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen in zwei infinitesimal benachbarten Schnit-
ten x und (x + dx) die Punkte A und B vor der Deformation und A’ und B’ nach der
Deformation, so kann man aus Bild 2.4.2 ablesen
dj
t
j
t
B
r
A
dx
B'
A'
u
j
(x,r)
g
xj
Bild 2.4.2
u
ϕ
(x, r) = rϕ
t
(x) (2.84)
γ

=
∂u
ϕ
∂x
= r

t
dx
(2.85)
Neben der Gleitung γ

(r, x) und der Verschiebung u
ϕ
(x, r) treten bei der Torsion kreis-
förmiger Querschnitte keine weiteren Verformungsgrößen auf.
3. Stoffgesetz (Hookesches Gesetz):
Der Zusammenhang zwischen Schubverzerrung und Schubspannung lautet
γ

= γ =
τ

G
=
τ
G
⇒ τ = Gr

t
dx
. (2.86)
Zur Vereinfachung der Schreibweise werden die Indizes weggelassen.
Da das Schnittmoment M
t
(x) die resultierende Wirkung der Spannungen darstellt, gilt
M
t
=
_
(A)
rτ dA bzw. M
t
= G

t
dx
_
(A)
r
2
dA = GI
p

t
dx
(2.87)
Torsion gerader Stäbe 83
mit dem bereits bekannten polaren Flächenträgheitsmoment
y
z
r
a
r
i
I
p
=
_
(A)
r
2
dA =
_
¸
_
¸
_
π
2
r
4
a
bei Vollquerschnitt
π
2
(r
4
a
−r
4
i
) bei Ringquerschnitt
Das Elastizitätsgesetz der Torsion eines kreisförmigen Stabes lautet somit
ϑ(x) =

t
dx
=
M
t
(x)
GI
p
. (2.88)
Die Größe GI
p
wird als Torsionssteifigkeit bezeichnet, und ϑ(x) nennt man Verwin-
dung, Verdrillung oder Drillung.
In (2.88) wäre auch eine mit x veränderliche Torsionssteifigkeit möglich.
(2.88) zeigt im Prinzip den gleichen Aufbau wie (2.77) für Biegung.
y
z
t
max
t (r)
Bild 2.4.3
Der in Bild 2.4.3 dargestellte Spannungsverlauf im Stabquer-
schnitt folgt aus (2.87) mit (2.86) und (2.88)
τ(x, r) =
M
t
(x)
I
p
r . (2.89)
Die Torsionsspannung wächst linear mit r an. Die maximale Spannung tritt am Außen-
rand r
a
auf. Es gilt

max
| =
|M
t
|
W
t
mit W
t
=
I
p
r
a
(2.90)
Analog zur Gleichung für die maximale Spannung bei gerader Biegung (2.69) wird hier
das Torsionswiderstandsmoment W
t
eingeführt.
Schließlich ergibt sich durch Integration von (2.88) die Verdrehung zweier um ∆l ent-
fernter Querschnitte des Stabes
∆ϕ
t
=
l+∆l
_
x=l
ϑ(x) dx =
1
GI
p
l+∆l
_
x=l
M
t
(x) dx . (2.91)
84 Elastostatik und Festigkeitslehre
Für M
t
= M
t0
= konst. führt die Integration auf
∆ϕ
t
=
M
t0
∆l
GI
p
.
2.4.2 Dünnwandige geschlossene Querschnitte
Aus Bild 2.4.3 ist zu erkennen, dass sich die Spannung τ über die Wandstärke eines
Kreisringquerschnittes umso weniger ändert je dünnwandiger das Profil ist. Diese Tat-
sache trifft auch auf andere dünnwandige geschlossene Querschnitte zu. Es ist somit
eine gute Näherung, bei dünnwandigen geschlossenen Querschnitten (d.h. Wanddicke
h(s) ≪ sonstige Querschnittsabmessungen) mit einem über die Wanddicke konstanten
Schubspannungsverlauf zu rechnen. Wir führen den Schubfluß
t(x, s) = τ(x, s)h(s) (2.92)
ein. Die Koordinate s gilt entlang der Wandungsmittellinie. Wegen der Schubspannungs-
freiheit der Manteloberflächen ist der Schubfluß immer tangential zur Wandungsmittel-
linie gerichtet.
M
t0
z
y
x
x
d
x
M
t
(x)
s
h(s)
d
s
t (x,s)dx
d
s
s
d
x
Bild 2.4.4
1. Statik (Gleichgewicht):
Das Gleichgewicht in Längsrichtung eines an der Stelle (x, s) herausgetrennten infinite-
simalen Elementes h(s) dxds (siehe Bild 2.4.4) liefert
∂t(x, s)
∂s
= 0 ⇒ t = t(x) (2.93)
d.h., der Schubfluß ist nur von der Koordinate x abhängig, von der Koordinate s ist er
unabhängig.
Torsion gerader Stäbe 85
B
M
t
(x)
dF
t
ds
s
~
r
Bild 2.4.5
Das resultierende Torsionsmoment M
t
(x) bezüglich
eines zunächst beliebigen Bezugspunktes B folgt aus
(siehe Bild 2.4.5)
M
t
(x) =
_
˜ rt ds und mit
˜ rds
2
= dΦ
M
t
(x) = 2tΦ (2.94)
wobei Φ die von der Wandungsmittellinie umschlos-
sene Fläche ist.
Damit gilt der 1. Satz von Bredt:
t(x) =
M
t
(x)

. (2.95)
Die Schubspannung folgt aus
τ(x, s) =
t(x)
h(s)
=
M
t
(x)
2Φh(s)
, (2.96)
und für die maximale Schubspannung gilt

max
| =
|t|
h
min
=
|M
t
|
W
t
mit W
t
= 2Φh
min
. (2.97)
Das Problem der Torsion dünnwandiger geschlossener Profile ist unter den getroffenen
Annahmen offensichtlich statisch bestimmt. Wir konnten die Spannungsverteilung im
Querschnitt ermitteln, ohne die Verformungsgleichungen mit heranziehen zu müssen.
2. Kinematik (Verformung):
Nach Saint Venant drehen sich die Querschnitte beliebiger prismatischer Stäbe bei
reiner Torsion zwar „quasi–starr“ in ihrer Ebene um einen Drehpol, es können aber
Verschiebungen u
x
(Verwölbungen) parallel zur Stabachse auftreten.
In der Querschnittsebene gilt nach wie vor
u
r
= 0 und du
ϕ
(x, r) = rdϕ
t
(x) . (2.98)
Dabei zählt r vom zunächst unbekannten Drillmittelpunkt D aus.
86 Elastostatik und Festigkeitslehre
r
~
dj
t
du
s
du
n
du
j
r
D
Bild 2.4.6
Durch die „quasi–starre“ Querschnittsdrehung um den
Drillmittelpunkt ergibt sich beim Fortschreiten um dx der
in Bild 2.4.6 dargestellte Sachverhalt.
du
s
du
ϕ
=
du
s
rdϕ
t
=
˜ r
r
⇒ du
s
= ˜ rdϕ
t
. (2.99)
d
s
dx
g
xs
- -
g
xs
p
2
Bild 2.4.7
Ein am Ort (x, s) gedanklich herausgeschnittenes
kleines Wandelement h(s) dxds erfährt infolge der
Torsionsspannungen die Winkeländerung γ
xs
.
Das infinitesimale Element kann als eben angese-
hen werden. Aus (2.16) folgt mit u
y
→ u
ϕ
und
dy →ds unter Beachtung von (2.99)
γ
xs
= γ =
∂u
x
∂s
+
∂u
s
∂x
=
∂u
x
∂s
+ ˜ r

t
dx
=
∂u
x
∂s
+ ˜ r ϑ
(2.100)
3. Stoffgesetz (Hookesches Gesetz):
Nach (2.25) erhalten wir für reine Schubbeanspruchung
γ
xs
=
τ
xs
G
bzw. abgekürzt γ =
τ
G
(2.101)
Setzt man (2.101) in (2.100) ein und integriert, so folgt für die Querschnittsverwölbung
u
x
−u
x0
=
1
G
s
_
s

=0
τ ds

−ϑ
s
_
s

=0
˜ r ds

(2.102)
Die Integration von (2.102) über den gesamten Umfang ergibt wegen der Stetigkeit der
Verwölbung (Kompatibilität)
0 =
1
G
_
τ ds −ϑ
_
˜ r ds =
1
G
_
τ ds −2ϑΦ
Torsion gerader Stäbe 87
bzw.
_
τ ds = 2 GϑΦ . (2.103)
(2.103) stellt den 2. Satz von Bredt dar, der nicht nur für dünnwandige Profile sondern
auch für Vollquerschnitte gilt, sofern eine Torsionsdeformation nach Saint Venant
vorliegt.
Umstellen von (2.103) und Einsetzen von τ nach (2.92) bzw. (2.95) ergibt
ϑ =
_
τ ds
2GΦ
=
M
t
_
ds
h(s)
G4Φ
2
⇒ ϑ =
M
t
GI
t
(2.104)
mit der Torsionssteifigkeit GI
t
, wobei für I
t
gilt
I
t
=

2
Λ
mit Λ =
_
ds
h(s)
. (2.105)
Mit (2.96) und (2.104) läßt sich die Bestimmungsgleichung für die Verwölbung u
x
(x, s)
auf die Form
u
x
(s) −u
x0
= ϑ
s
_
s

=0
_
I
t

1
h(s

)
− ˜ r
_
ds

(2.106)
bringen. Führt man noch die Einheitsverwölbung ω
x
als die auf den Drillwinkel ϑ bezo-
gene Verwölbung gemäß
ω
x
(s) =
u
x
(s)
ϑ
bzw. ω
x0
=
u
x0
ϑ
ein, so erhält man
ω
x
(s) =
s
_
s

=0
_
I
t

1
h(s

)
− ˜ r
_
ds

+ ω
x0
. (2.107)
Der bisher unbekannte Drillmittelpunkt sowie die Verwölbungskonstante ω
x0
sind über
das Gedankenmodell einer elastischen Wölbbehinderung zu bestimmen. Die durch die
Wölbbehinderung entstehenden, zur Einheitsverwölbung proportionalen Normalspan-
nungen müssen eine Gleichgewichtsgruppe bilden, woraus folgt
N ∼
_
ω
x
h(s) ds = 0 ; M
y

_
ω
x
zh(s) ds = 0 ; M
z

_
ω
x
yh(s) ds = 0
(2.108)
88 Elastostatik und Festigkeitslehre
Mit (2.108) stehen 3 Gleichungen zur Bestimmung von y
D
, z
D
(Koordinaten des Drill-
mittelpunktes) und ω
x0
zur Verfügung.
Bei doppelsymmetrischen Querschnitten fällt der Drillmittelpunkt mit dem Quer-
schnittsschwerpunkt zusammen.
2.4.3 Dünnwandige offene Querschnitte
Dünnwandige offene Querschnitte besitzen eine nur geringe Torsionssteifigkeit. Da die
Schubspannungen jeweils tangential zum schubfreien Rand verlaufen, müssen sie zwangs-
läufig innerhalb des dünnwandigen Querschnittes umlaufen. Auf der Wandungsmittelli-
nie sind die Schubspannungen gerade Null; am Rand weisen sie ihr Maximum auf (Bild
2.4.8).
Für Drillwinkel und maximale Schubspannung gelten
ϑ =

t
dx
=
M
t
GI
t
und |τ
max
| =
|M
t
|
W
t
. (2.109)
In (2.109) sind für einen Querschnitt, der aus mehreren Teilstücken mit jeweils konstanter
Wandstärke h
i
besteht (siehe Bild 2.4.8), näherungsweise
h
1
a
3
a
1
a
2
h
2
h
3
t
Bild 2.4.8
I
t
=
1
3

i
a
i
h
3
i
(2.110)
und
W
t
=
I
t
h
max
. (2.111)
τ
max
tritt im Teilstück mit der größten
Wandstärke auf.
Auf die Herleitung von (2.110) und (2.111) wurde verzichtet.
Die Einheitsverwölbung folgt aus der zu (2.107) analogen Beziehung
ω
x
(s) = −
s
_
s

=0
˜ r ds

+ ω
x0
. (2.112)
Zur Bestimmung von ω
x0
und der Koordinaten des Drillmittelpunktes dient wieder
(2.108).
Energiemethoden der Elastostatik 89
Beispiel: Vergleich dünnwandig offener und geschlossener Querschnitt
Der große Unterschied in der Torsionssteifigkeit zwischen geschlossenen und offenen
Profilen wird am Beispiel eines dünnwandigen Kreisringprofils, das einmal offen und
einmal geschlitzt ist, gezeigt (Bild 2.4.9). Das Verhältnis von Radius R zu Wandstärke
h soll 20 betragen.
h
h
R
R
Bild 2.4.9
Geschlossenes Kreisrohr:
I
t geschl
=

2
_
ds
h
=
4(πR
2
)
2
h
2πR
= 2πR
3
h = 16000 π h
4
Geschlitztes Kreisrohr:
I
t offen
=
1
3

i
a
i
h
3
i
=

3
Rh
3
=
40
3
πh
4
Das bedeutet für das Verhältnis der Torsionssteifigkeiten
I
t geschl
I
t offen
= 3
_
R
h
_
2
= 1200
Man verwendet daher geschlossene Profile für verwindungssteife und offene Profile für
verwindungsweiche Konstruktionen.
2.5 Energiemethoden der Elastostatik
Wir haben bisher die Gleichgewichtsbedingungen, die Verzerrungs– Verschiebungs– Be-
ziehungen und das Hookesche Stoffgesetz herangezogen, um die Beanspruchungen und
Deformationen von elastischen Systemen zu bestimmen. In diesem Abschnitt werden
wir zeigen, daß man mittels der Energiemethoden ebenfalls die Deformationen statisch
bestimmter bzw. statisch unbestimmter elastischer Systeme ermitteln kann.
90 Elastostatik und Festigkeitslehre
2.5.1 Spezifische Formänderungsenergie
Unter spezifischer Formänderungsenergie Π

(bzw. spezifischer Verzerrungs-
energie) versteht man die in einem deformierten Körper gespeicherte mechanische Ener-
gie, bezogen auf das Volumen des Körpers.
Wir betrachten zunächst ein Volumen ∆V , in dem ein homogener einachsiger Spannungs-
zustand (σ
xx
) herrscht (Bild 2.5.1) und berechnen die von außen aufgeprägte Arbeit .
σ
xx
∆Α

x
ε
xx

x
Bild 2.5.1
Für die Arbeit gilt (Kraft und Verschiebung nur in
x–Richtung)
∆W =
_
F
x
du
x
bzw.
∆W =
_
σ
xx
∆Ad(ε
xx
∆x)
und mit ∆A· ∆x = ∆V
∆W
∆V
=
_
σ
xx

xx
.
Für einen im Körper kontinuierlich veränderlichen einachsigen Spannungszustand (in
x–Richtung) ist
W

=
dW
dV
=
_
σ
xx

xx
. (2.113)
Das elastische Volumen ist offensichtlich in der Lage, die aufgebrachte Arbeit W

ver-
lustfrei zu speichern. Die pro Volumen gespeicherte spezifische Formänderungsarbeit Π

entspricht genau der von außen aufgebrachten Arbeit. Es gilt also
Π

= W

(2.114)
Unter Benutzung des Hookeschen Gesetzes (ohne Temperaturdehnung) σ
xx
= E ε
xx
folgt
W

= Π

= E
_
ε
xx

xx
=
E
2
ε
2
xx
=
1
2
σ ε =
σ
2
xx
2E
. (2.115)
Die Erweiterung von (2.113) auf den allgemeinen räumlichen Spannungszustand liefert
W

=
¯
Π

=
_

xx

xx
+ σ
yy

yy
+ σ
zz

zz
+ τ
xy

xy
+ τ
yz

yz
+ τ
zx

zx
) . (2.116)
Mit dem verallgemeinerten Hookeschen Gesetz (2.25) für den dreidimensionalen Span-
nungszustand lassen sich die Spannungen durch die Verzerrungen auszudrücken, so daß
die Integration von (2.116) ausgeführt werden kann. Man erhält
Π

= G
_
1 −ν
1 −2ν

xx
+ ε
yy
+ ε
zz
)
2
−2(ε
xx
ε
yy
+ ε
yy
ε
zz
+ ε
zz
ε
xx
) +
1
2

2
xy
+ γ
2
yz
+ γ
2
zx
)
_
(2.117)
Energiemethoden der Elastostatik 91
oder, ausgedrückt durch die Spannungen,
¯
Π

=
1
2E

xx

yy

zz
)
2

1
2G

xx
σ
yy

yy
σ
zz

zz
σ
xx
)+
1
2G

2
xy

2
yz

2
zx
) . (2.118)
Die gesamte in einem elastischen Körper gespeicherte Formänderungsenergie erhält man
durch Integration der spezifischen Formänderungsenergie über das Körpervolumen
Π =
_
(V )
Π

dV . (2.119)
2.5.2 Formänderungsenergie eines Balkens
Wir haben bisher ausschließlich den Beanspruchungszustand in Stäben und Balken, d.h.
in Linientragwerken untersucht. Die Berechnung der Formänderungsenergie soll daher
auch nur für diese Tragwerke erfolgen. Dabei werden wir der Reihe nach die Bean-
spruchungsarten Zug (Druck), Biegung, Torsion und Querkraftschub betrachten.
Letzterer spielt bei schlanken Trägern eine untergeordnete Rolle.
Beim Balken wird die Integration über das Volumen aufgespalten in eine Integration
über die Querschnittsfläche A und eine Integration über die Balkenlänge l gemäß
¯
Π =
_
(V )
¯
Π

dV =
_
(l)
_
(A)
¯
Π

dAdx . (2.120)
Zug (Druck):
Es ist nur eine über die Querschnittsfläche konstante Normalspannung σ
xx
= σ =
N(x)
A
(einachsiger Spannungszustand) vorhanden. Das ergibt
¯
Π =
_
(l)
_
(A)
σ
2
2E
dAdx =
_
(l)
N
2
(x)
2EA
2
_
(A)
dAdx =
_
(l)
N
2
(x)
2EA
dx . (2.121)
Biegung:
Wie bei Zug gibt es nur eine Normalspannungskomponente σ
xx
= σ. Wir setzen eine
gerade Biegung um die y-Achse (Hauptachse) voraus, so daß für die Spannung
σ =
M
y
(x)
I
yy
z gilt.
92 Elastostatik und Festigkeitslehre
Damit folgt
¯
Π =
_
(l)
M
2
y
(x)
2EI
2
yy
_
(A)
z
2
dAdx =
_
(l)
M
2
y
(x)
2EI
yy
dx . (2.122)
Torsion:
Wir betrachten zunächst Kreis– und Kreisringquerschnitte, bei denen nur eine Tangen-
tialspannung τ

= τ =
M
t
(x)
I
p
r auftritt.
¯
Π =
_
(l)
_
(A)
τ
2
2G
dAdx =
_
(l)
M
2
t
(x)
2GI
2
p
_
(A)
r
2
dAdx =
_
(l)
M
2
t
2GI
p
dx . (2.123)
Neben der Torsionsspannungsverteilung bei Kreis– und Kreisringquerschnitten haben
wir im Kap. 2.4 noch die Spannunsverteilung bei dünnwandigen geschlossenen Quer-
schnitten mit τ
xs
= τ =
M
t
(x)
2 Φh(s)
kennengelernt. Setzt man noch dA = h(s) ds, so ergibt
sich
¯
Π =
_
(l)
_
M
2
t
(x)
8GΦ
2
h(s)
ds dx (2.124)
Da I
t
=

2
_
ds
h(s)
ist, erhält man
¯
Π =
_
(l)
M
2
t
2 GI
t
dx . (2.125)
Benutzt man auch bei Kreis– und Kreisringquerschnitt die Bezeichnung I
t
, d.h. I
p
= I
t
,
so gilt einheitlich (2.125).
Querkraftschub:
Die Gleichung für die Schubspannungsverteilung infolge Q
z
(x) läßt sich in der Form
τ
xz
(x, z) = τ(x, z) =
Q
z
(x)
A
f
z
(z)
anschreiben.
f
z
(z) bezeichnet man als Verteilungsfunktion. Damit kann die spezifische Formände-
rungsenergie in der Form
¯
Π

=
τ
2
2G
=
Q
2
z
(x)
2GA
2
f
2
z
(z)
angeschrieben werden und nach Integration über das Volumen folgt
Energiemethoden der Elastostatik 93
¯
Π =
_
(l)
Q
2
z
(x)
2GA
2
_
(A)
f
2
z
(z) dAdx.
Führt man die (dimensionslose) Querschubzahl
κ
z
=
1
A
_
(A)
f
2
z
(z) dA. (2.126)
ein, so folgt
¯
Π =
_
(l)
κ
z
Q
2
z
(x)
2GA
dx . (2.127)
In der nachstehenden Abbildung ist die Querschubzahl für einige wichtige Querschnitts-
formen zusammengestellt.
1
y
z
y y
a
2
12 12 10 6
κ
z
=
5 5 5 9
2
a
z
z
y
z
y
z
y
z
2.5.3 Kombinierte Beanspruchung und Mehrbereichsaufgaben
Die Überlagerung von Zug (Druck), Biegung, Torsion und Querkraftschub ergibt insge-
samt die Formänderungsarbeit für einen Balken
¯
Π =
_
(l)
_
N
2
(x)
2EA
+
M
2
y
(x)
2EI
yy
+
M
2
t
(x)
2GI
t
+ κ
z
Q
2
z
(x)
2GA
_
dx (2.128)
Bei mehreren Bereichen des Balkens sind die entsprechenden Anteile bereichsweise zu
addieren.
1
Nach Neuber, Band 2, Seite 302, Springer-Verlag 1971.
94 Elastostatik und Festigkeitslehre
Beispiel: Kragträger unter Einzellast
x
F
l
w
F
M(x)
EI
Der Querkraftanteil kann vernachlässigt wer-
den.
Gegeben: F, l, EI
Gesucht: w
F
Statik: M(x) = −F(l −x)
Arbeitssatz: W =
¯
Π
mit W =
1
2
Fw
F
und
¯
Π =
l
_
0
M
2
(x)
2EI
dx =
F
2
2EI
l
_
0
(l −x)
2
dx =
F
2
l
3
6EI
Damit erhält man
1
2
Fw
F
=
F
2
l
3
6EI
⇒ w
F
=
Fl
3
3EI
.
2.5.4 Prinzip der virtuellen Arbeit
Das Prinzip der virtuellen Arbeit, im engeren Sinn auch als Prinzip der virtuellen
Verschiebungen bezeichnet, besagt, daß bei einem mechanischen System im Gleichge-
wicht die Gesamtarbeit bei einer virtuellen Änderung der Verschiebungen verschwindet.
Virtuelle Verschiebungen sind
• gedacht, d.h. in Wirklichkeit nicht vorhanden,
• differentiell klein,
• mit den kinematischen Bedingungen des Systems verträglich,
• beliebig
Bei einem deformierbaren Körper setzt sich die gesamte virtuelle Arbeit aus der äußeren
virtuellen Arbeit (Arbeit der äußeren eingeprägten Kräfte) und der inneren virtuellen
Arbeit (negative virtuelle Formänderungsarbeit) zusammen.
δW = δW
(a)
−δW
(i)
= δW
(a)
−δΠ = 0 ⇒ δW
(a)
= δΠ (2.129)
Energiemethoden der Elastostatik 95
Gemäß (2.116) und (2.119) gilt in Indexschreibweise
δΠ =
_
(V )
σ
ij
δε
ij
dV . (2.130)
Ein komplementäres Prinzip ist das Prinzip der virtuellen Ergänzungsarbeit, das
auch als Prinzip der virtuellen Kräfte bezeichnet wird.
Es besagt, daß im Gleichgewichtszustand die virtuelle Ergänzungsarbeit bei einer virtu-
ellen Änderung der Kräfte verschwindet. Die virtuelle Änderung der Kräfte muß statisch
verträglich sein (Gleichgewicht erfüllt). Für deformierbare Körper gilt analog zu (2.129)
δ
¯
W = δ
¯
W
(a)
−δ
¯
W
(i)
= δ
¯
W
(a)
−δ
¯
Π = 0 ⇒ δ
¯
W
(a)
= δ
¯
Π (2.131)
und weiterhin
δ
¯
Π =
_
(V )
ε
ij
δσ
ij
dV . (2.132)
Die Bedeutung der Integranden σ
ij
δε
ij
in (2.130) und ε
ij
δσ
ij
in (2.132) ist in Bild 2.5.2
dargestellt.
I
I
A
I @A
I @A
A @I A @I
A
F
F
F
F
Bild 2.5.2
Es ist zu erkennen, daß bei einem linearen Zusammenhang zwischen Spannung und
Dehnung (Hookesches Gesetz)
¯
Π = Π ist.
Auf die umfassende Bedeutung der genannten Prinzipien wollen wir hier nicht eingehen;
wir wollen vielmehr (2.132) für die Herleitung des Satzes von Castigliano im Kapitel
2.5.5 benutzen.
2.5.5 Verfahren von Castigliano
Wir werden uns nur mit dem 2. Satz von Castigliano beschäftigen, der die Bestim-
mung von Verformungen bei gegebenen Belastungen ermöglicht.
96 Elastostatik und Festigkeitslehre
Als einfaches Beispiel für die Herleitung wollen wir den statisch bestimmt gelagerten Trä-
ger nach Bild 2.5.3 betrachten, der durch n vertikale Einzellasten F
1
, F
2
, · · · , F
k
, · · · , F
n
,
m Einzelmomente M
1
, M
2
, · · · , M
k
, · · · , M
m
und r Streckenlasten q
1
, q
2
, · · · , q
r
bela-
stet ist.
F
1
F
2
F
k
F
n
f
k
O
k
M
1
M
2
M
k
M
m
q
r
Bild 2.5.3
Es sollen die Durchbiegung f
k
des Angriffspunktes der Kraft F
k
und die Verdrehung ψ
k
des Angriffspunktes des Momentes M
k
ermittelt werden.
Da das System statisch bestimmt ist, lassen sich alle Schnittgrößen über die Gleichge-
wichtsbedingungen berechnen, und die gesamte komplementäre Formänderungsenergie
ist eine quadratische Funktion der eingeprägten äußeren Lasten.
¯
Π =
¯
Π(F
1
, F
2
, . . . , F
k
, . . . , F
n
, M
1
, M
2
, . . . , M
k
, . . . , M
m
, q
1
, q
2
, . . . q
r
)
Variiert man nur die Kraft F
k
und das Moment M
k
(die anderen äußeren Lasten bleiben
konstant), so ist
δ
¯
Π =

¯
Π
∂F
k
δF
k
+

¯
Π
∂M
k
δM
k
. (2.133)
Für die Variation der äußeren Arbeit gilt
δ
¯
W
a
= f
k
δF
k
+ ψ
k
δM
k
. (2.134)
(2.133) und (2.134) eingesetzt in (2.131) liefert
_
f
k


¯
Π
∂F
k
_
δF
k
+
_
ψ
k


¯
Π
∂M
k
_
δM
k
= 0 . (2.135)
Da (2.135) für alle möglichen Variationen δF
k
und δM
k
erfüllt sein muß, folgt
f
k
=

¯
Π
∂F
k
; ψ
k
=

¯
Π
∂M
k
. (2.136)
Energiemethoden der Elastostatik 97
(2.136) ist der 2. Satz von Castigliano, der verbal folgendermaßen lautet:
Die partielle Ableitung der komplementären Formänderungsenergie
¯
Π nach einer äußeren Kraft (bzw. einem äußeren Moment) liefert
die Verschiebung (bzw. Verdrehung) des entsprechenden Angriffs-
punktes in Richtung der Kraft (bzw. des Momentes).
Will man die Verschiebung (bzw. Verdrehung) an einer Stelle wissen, an der keine ent-
sprechende äußere Last angreift, so führt man eine Hilfskraft F
H
(bzw. ein Hilfsmoment
M
H
) ein und setzt diese Hilfslasten nach der partiellen Ableitung von
¯
Π
(i)
wieder Null,
d.h.
f
H
=

¯
Π
∂F
H
¸
¸
¸
¸
F
H
=0
; ψ
H
=

¯
Π
∂M
H
¸
¸
¸
¸
M
H
=0
. (2.137)
Von einem linear elastischen System wissen wir, daß
¯
Π = Π ist. Für einen Träger mit j
Bereichen ergibt sich damit
¯
Π = Π =

j
_
(l
j
)
_
N
2
j
2EA
j
+
M
2
yj
2EI
yyj
+
M
2
tj
2GI
tj
+ κ
zj
Q
2
zj
2GA
j
_
dx
j
. (2.138)
Die Schnittgrößen sind Funktionen der äußeren Lasten.
Die partielle Differentiation erfolgt nach der Kettenregel und ergibt unter Beachtung der
Tatsache, daß Integration und Differentiation im vorliegenden Fall vertauschbar sind
f
k
=

j
_
(l
j
)
_
N
j
EA
j
∂N
j
∂F
k
+
M
yj
EI
yyj
∂M
byj
∂F
k
+
M
tj
GI
tj
∂M
tj
∂F
k
+ κ
zj
Q
zj
GA
j
∂Q
zj
∂F
k
_
dx
j
, (2.139)
ψ
k
=

j
_
(l
j
)
_
N
j
EA
j
∂N
j
∂M
k
+
M
yj
EI
yyj
∂M
byj
∂M
k
+
M
tj
GI
tj
∂M
tj
∂M
k
+ κ
zj
Q
zj
GA
j
∂Q
zj
∂M
k
_
dx
j
. (2.140)
Besondere Vorteile bietet der Satz von Castigliano bei der Berechnung von Deformatio-
nen, wenn mehrere Beanspruchungsarten überlagert sind. Weiterhin können auch Defor-
mationen von gekrümmten Trägern bestimmt werden.
98 Elastostatik und Festigkeitslehre
Beispiel: gerader Träger unter alleiniger Berücksichtigung der Biegearbeit
l
EI
F
Gegeben: F, l, EI = konst.
Gesucht: Verschiebung und Verdrehung an der
Kraftangriffsstelle.
M
by
M
H
x
F Da an der Kraftangriffsstelle nicht nur nach der Verschie-
bung sondern auch nach der Verdrehung gefragt ist, müssen
wir an dieser Stelle ein Hilfsmoment M
H
annehmen.
Für Biegemoment und Ableitungen erhalten wir
M
by
= M = −Fx −M
H
,
∂M
∂F
= −x ,
∂M
∂M
H
= −1 .
Damit folgt (M
H
wird nach der partiellen Ableitung wieder weggelassen)
f
F
=

¯
Π
∂F
=
l
_
x=0
M
EI
∂M
∂F
dx =
1
EI
l
_
x=0
Fx
2
dx =
1
3
Fl
3
EI
.
Entsprechend ergibt sich für den Winkel
ψ
F
=

¯
Π
∂M
H
¸
¸
¸
¸
M
H
=0
=
l
_
x=0
M
EI
∂M
∂M
H
¸
¸
¸
¸
M
H
=0
dx =
1
EI
l
_
x=0
Fxdx =
1
2
Fl
2
EI
.
Der 2. Satz von Castigliano läßt sich besonders effektiv auf statisch unbestimmte
Systeme anwenden.
Bei der Deformation leisten nur die eingeprägten äußeren Belastungen Arbeit am Ge-
samtsystem, nicht aber die Reaktionskräfte und –momente.
Ist eine Aufgabe z.B. einfach statisch unbestimmt und bezeichnet man eine nicht
unmittelbar aus den Gleichgewichtsbedingungen berechenbare Auflagerreaktion mit X,
so gilt

¯
Π
∂X
= 0 . (2.141)
Vor der Anwendung von (2.141) ist unbedingt darauf zu achten, daß
¯
Π bzw. Π nur
als eine Funktion der statisch Unbestimmten X und der äußeren Belastung ange-
geben ist. Andere in
¯
Π bzw. in Π auftretende Auflagerreaktionen müssen mit Hilfe der
Gleichgewichtsbedingungen durch X und die äußere Belastung ausgedrückt werden.
Energiemethoden der Elastostatik 99
Die Verschiebung an der Angriffsstelle der Kraft F
k
in Richtung dieser Kraft folgt aus
f
k
=

¯
Π
∂F
k
+

¯
Π
∂X
∂X
∂F
k
=

¯
Π
∂F
k
. (2.142)
(2.142) ist zunächst so formuliert, dass
¯
Π zum einen direkt und zum anderen indirekt
über X von F
k
abhängt. Wegen (2.141) vereinfacht sich (2.142) aber auf die zuletzt ge-
nannte Form, und man erkennt, daß die partielle Ableitung nach einer äußeren Belastung
vorgenommen werden kann, ohne das Ergebnis für X einzusetzen.
(2.141) wird auch als Satz von Menabrea bezeichnet, da von Menabrea die Aussage
stammt (ohne Beweis), daß sich bei einer statisch unbestimmten Aufgabe die statisch
Unbestimmte so einstellt, daß die Formänderungsenergie zu einem Minimum wird, was
unmittelbar (2.141) zur Folge hat. Der Satz von Menabrea kann auch als Sonderfall
des allgemeiner gültigen Satzes vom Minimum der potentiellen Energie interpretiert
werden.
Ist eine Aufgabe mehrfach (n–fach) statisch unbestimmt, so gibt es n statisch Unbe-
stimmte X
1
· · · X
n
, und es gelten die n Gleichungen

¯
Π
∂X
k
= 0 k = 1 · · · n (2.143)
Als statisch Unbestimmte sind auch innere Kräfte und Momente (an bestimmten Stellen)
möglich.
Beispiel: statisch unbestimmt gelagerter Balken
B
q
q
x
A
V
M
A
A
H
l
B
A
Ein gerader Balken (Länge l, konstante Bie-
gesteifigkeit EI ) wird durch eine konstante
Streckenlast q belastet. Er ist bei A fest
eingespannt und bei B durch ein Rollenlager
gehalten.
Gegeben: q, l, EI (konst.).
Gesucht: Auflagerreaktionen.
Gleichgewichtsbedingungen:
→ A
H
= 0
↑ A
V
+ B −ql = 0

A M
A
+ Bl −
1
2
ql
2
= 0
100 Elastostatik und Festigkeitslehre
Die Aufgabe ist einfach statisch unbestimmt. Als statisch Unbestimmte kommen
A
V
, M
A
oder B in Frage. Mit der in der Skizze angegebenen Koordinate x läßt sich
das Biegemoment in der Form M = Bx −
1
2
qx
2
schreiben.
Es wird B als statisch Unbestimmte gewählt, da so bereits ohne Benutzung der Gleich-
gewichtsbedingungen die Forderung erfüllt ist, daß in den Schnittgrößen nur die äußere
Belastung und die statisch Unbestimmte vorkommen.
M = Bx −
1
2
qx
2
∂M
∂B
= x

¯
Π
∂B
= 0 =
1
EI
l
_
0
M
∂M
∂B
dx =
1
EI
l
_
0
(Bx −
1
2
qx
2
)xdx
0 =
l
3
EI
_
1
3
B −
1
8
ql
_
⇒ B =
3
8
ql
Aus den Gleichgewichtsbedingungen folgen:
A
H
= 0 , A
V
=
5
8
ql und M
A
=
1
8
ql
2
.
Beispiel: Rahmen
F
l
l
G
A B
Gegeben: F, l, EI (konst.)
Gesucht: 1. Auflagerreaktionen,
2. Verschiebung des Gelenkes.
Es soll nur die Biegearbeit berücksichtigt wer-
den.
F
x
2
x
1
x
3
G
V
G
H
A
H B
H
M
A
M
B
A
V
B
V
G
V
I
II
Gleichgewicht:
I : → A
H
+ F −G
H
= 0
↑ A
V
+ G
V
= 0

A M
A
+ G
V
l + G
H
l −Fl = 0
II : → G
H
+ B
H
= 0
↑ B
V
−G
V
= 0

B M
B
−G
H
l = 0
Energiemethoden der Elastostatik 101
Die Aufgabe ist 2–fach statisch unbestimmt.
Als statisch Unbestimmte wählen wir G
H
und G
V
(für das Gesamtsystem gesehen
innere Kräfte). Diese Kräfte können zwar am Teilsystem, nicht aber am Gesamtsystem
Arbeit verrichten.
Für die Berechnung der Verschiebung des Gelenkes benötigen wir keine Hilfskraft,
obwohl direkt am Gelenk keine äußere Kraft angreift. Da der Normalkraftanteil in
der komplementären Formänderungsarbeit unberücksichtigt bleiben soll, verschiebt
sich der Kraftangriffspunkt um den gleichen Betrag (in horizontaler Richtung) wie
das Gelenk, d.h. f
G
=

¯
Π
∂F
.
Momente und Ableitungen werden in Tabellenform gegeben.
i M
i
∂M
i
∂G
V
∂M
i
∂G
H
∂M
i
∂F
1 G
V
x
1
x
1
0 0
2 G
V
l + G
H
x
2
−Fx
2
l x
2
−x
2
3 G
H
x
3
0 x
3
0
Die weitere Berechnung liefert

¯
Π
∂G
V
= 0 =
1
EI
3

i=1
l
_
0
M
i
∂M
i
∂G
V
dx
i
=
1
EI
_
_
l
_
0
G
V
x
2
1
dx
1
+
l
_
0
(G
V
l + G
H
x
2
−Fx
2
)l dx
2
_
_
=
l
3
EI
_
1
3
G
V
+ G
V
+
1
2
G
H

1
2
F
_
.

¯
Π
∂G
H
= 0 =
1
EI
3

i=1
l
_
0
M
i
∂M
i
∂G
H
dx
i
=
1
EI
_
_
+
l
_
0
(G
V
l + G
H
x
2
−Fx
2
)x
2
dx
2
+
l
_
0
G
H
x
2
3
dx
3
_
_
=
l
3
EI
_
1
2
G
V
+
1
3
G
H

1
3
F +
1
3
G
H
_
.
Daraus folgen: G
V
=
6
23
F , G
H
=
7
23
F .
102 Elastostatik und Festigkeitslehre
Die (horizontale) Verschiebung des Gelenkes beträgt
f
G
=

¯
Π
∂F
=
1
EI
3

i=1
l
_
0
M
i
∂M
i
∂F
dx
i
=
1
EI
l
_
0
(G
V
l + G
H
x
2
−Fx
2
) (−x
2
) dx
2
=
l
3
EI
_

1
2
G
V

1
3
G
H
+
1
3
F
_
⇒ f
G
=
7
69
Fl
3
EI
.
Die Verschiebung f
G
erhält man auch dadurch, daß man nur das Teilsystem II
betrachtet und G
H
als äußere Kraft auffaßt.
Die Gleichgewichtsbedingungen liefern schließlich:
A
H
= −
16
23
F
B
H
= −
7
23
F
A
V
= −
6
23
F
B
V
= +
6
23
F
M
A
= +
10
23
Fl
M
B
= +
7
23
Fl .
Beispiel: Überlagerung verschiedener Beanspruchungsarten
x
2
Seil
l
F
x1
b
b
Das Tragwerk besteht aus einem abgewinkelten Träger
und einem Seil. Die Belastung erfolgt durch die Kraft
F . Seil und äußere Last F liegen in einer Richtung
senkrecht zur Trägerebene.
Gegeben:
Kraft F ; Längen b, l;
Biege– und Torsionssteifigkeit des Trägers (EI)
T
und
(GI
t
)
T
;
Dehnsteifigkeit des Seils (EA)
S
.
Gesucht: Seilkraft S.
Zu berücksichtigen sind die Zugarbeit im Seil sowie
Biege– und Torsionsarbeit im Träger.
Die Aufgabe ist einfach statisch unbestimmt. Als statisch Unbestimmte wählen
wir die Seilkraft S.
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 103
Seil: N = S
∂N
∂S
= 1
Träger, Bereich 1: M
b1
= (S −F)x
1
∂M
b1
∂S
= x
1
Träger, Bereich 2: M
b2
= (S −F)x
2
∂M
b2
∂S
= x
2
M
t2
= −(S −F)b
∂M
t2
∂S
= −b

¯
Π
∂S
= 0 =
N
(EA)
S
∂N
∂S
l +
b
_
0
M
b1
(EI)
T
∂M
b1
∂S
dx
1
+
b
_
0
_
M
b2
(EI)
T
∂M
b2
∂S
+
M
t2
(GI
t
)
T
∂M
t2
∂S
_
dx
2
0 =
Sl
(EA)
S
+
2b
3
3(EI)
T
(S −F) +
b
3
(GI
t
)
T
(S −F)
Ergebnis: S = F
2 + 3
_
EI
GIt
_
T
3
l(EI)
T
b
3
(EA)
S
+ 2 + 3
_
EI
GIt
_
T
Bei einer Feder anstelle des Seils wäre lediglich die Dehnsteifigkeit
(EA)
S
l
durch die
Federsteifigkeit c zu ersetzen.
2.6 Beurteilung des Beanspruchungszustandes
Bisher haben wir uns nur mit der Ermittlung des Beanspruchungszustandes befaßt.
Es geht in der Festigkeitslehre aber auch um seine Beurteilung. Das bedeutet, dass
eine charakteristische Beanspruchungsgröße B einem experimentell ermittelten Werk-
stoffkennwert W gegenübergestellt wird. Unsicherheiten und Streuungen von B und W
erfordern Sicherheitsfaktoren S, die ein vertretbares Versagensrisiko zum Ausdruck brin-
gen.
B ≤ B
zul
=
W
S
(S > 1) (2.144)
Welches charakteristische Beanspruchungsgrößen B sind und was man als Werkstoff-
kennwert W verwenden kann, wird in den folgenden Kapiteln behandelt.
2.6.1 Materialprüfung und Werkstoffkennwerte
Es gibt eine Reihe von genormten Materialprüfverfahren, von denen wir hier nur die
wichtigsten ansprechen wollen. In den meisten Fällen werden die Materialkennwerte
unter den Bedingungen des einachsigen Spannungszustandes bestimmt.
104 Elastostatik und Festigkeitslehre
Prinzipiell unterscheidet man
1. eine zügige (statische) Belastung,
2. eine zyklische Belastung, z.B. Dauerschwingversuch, Betriebsfestigkeitsversuch,
3. eine schlagartige Belastung, z.B. Kerbschlagversuch.
Die bei zügiger Belastung (1.) erkennbaren Werkstoffkennwerte wie Fließ– und Bruch-
grenze wurden bereits im Kapitel 2.1.4 behandelt.
Bei zyklischer Belastung (2.) unterscheidet man den Dauerversuch mit harmonischer
Lastfolge und den Betriebsfestigkeitsversuch, bei dem realistischere (praxisnähere) Be-
lastungsfolgen aufgebracht werden.
Die beim einfachen harmonischen Dauerversuch in Abhängigkeit von der Mittelspannung
auftretenden unterschiedlichen Belastungsarten sind in Bild 2.6.1 dargestellt. Unter einer
derartigen Belastung werden die Lastspiele bis zum Bruch ermittelt.
s
s s
Zeit t Zeit t Zeit t
s
o 2
s
a
s
u
s
m
s
m
Lastspiel
Bild 2.6.1
Die für eine bestimmte konstant gehaltene Mittelspannung σ
m
erreichbare Lastspielzahl
bis zum Bruch wird in Abhängigkeit von der Spannungsamplitude σ
a
im Wöhler–
Diagramm aufgetragen (Bild 2.6.2).
s
a
s
aD
z.B. 10
7
Lastspielzahl
Bild 2.6.2
Unterhalb einer Grenze σ
aD
übersteigt
die Lastspielzahl eine bestimmte
Grenzlastspielzahl (bei Stahl 10
7
),
und die nach der Beziehung
σ
D
= σ
m
±σ
aD
(2.145)
berechnete Spannung wird als Dauer-
festigkeit σ
D
bezeichnet.
Die Abhängigkeit der Dauerfestigkeit von der Mittelspannung (d.h. die Ergebnisse
von mehreren Wöhlerversuchen bei unterschiedlicher Mittelspannung) wird im Smith–
Diagramm dargestellt (Bild 2.6.3).
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 105
s
D
s
F
s
m
s
m
s
S
c
h
w
s
W
Bild 2.6.3
Im Smith–Diagramm sind die ertragba-
ren Spannungsamplituden abhängig von
der Mittelspannung σ
m
aufgetragen. Der
Gültigkeitsbereich des Diagramms wird
üblicherweise durch die Fließgrenze ab-
geschnitten. Man erkennt die Wechsel-
festigkeit σ
W
(bei einer Mittelspannung
gleich Null) und die Schwellfestigkeit σ
Schw
(bei einer Mittelspannung gleich der Span-
nungsamplitude).
Reicht die Aussage des einfachen Dauerversuches nicht aus, so muß ein Betriebsfestig-
keitsversuch mit realistischerer Belastungsfolge (nicht nur harmonische Lastaufbringung)
durchgeführt werden.
Für bestimmte Bauteile mit nicht so hohen Lebensdauer–Lastspielzahlen kann man auch
höhere Belastungswerte als die Dauerfestigkeit zulassen. Man dimensioniert dann im sog.
Zeitfestigkeitsbereich.
Die Prüfverfahren mit schlagartiger Belastung (3.) geben qualitativ Aufschluß darüber,
ob sich ein Material spröde oder duktil verhält, was i.a. von der Temperatur des Werk-
stoffes abhängt.
Die Sicherheitsfaktoren S können sehr unterschiedlich sein. Ist das Risiko bei Versa-
gen der Konstruktion sehr hoch, wird man mit entsprechend großen Sicherheitsfakto-
ren rechnen. Weiterhin ist zu beachten, dass in bestimmten Bereichen (z.B. Bauwesen,
Druckkesselbau) Normen für Sicherheitsfaktoren existieren.
2.6.2 Spannungstransformation und Hauptspannungen
Die am häufigsten verwendete Beanspruchungsgröße B ist eine lokale Spannung. Wir
haben im Kapitel 2.6.1 gesehen, dass Werkstoffkennwerte meist unter den Bedingun-
gen des einachsigen Spannungszustandes ermittelt werden; tatsächlich liegt im Bauteil
aber häufig ein mehrachsiger Spannungszustand vor. Wir wollen uns daher etwas nä-
her mit dem mehrachsigen Spannungszustand beschäftigen und verfolgen zunächst den
zweiachsigen Spannungszustand.
Wir werden die Änderung der Spannungskomponenten bei Drehung des Koordinatensy-
stems untersuchen. Unser ursprüngliches System hat die Achsen x und y, das gedrehte
System die Achsen ξ und η (Bild 2.6.4).
106 Elastostatik und Festigkeitslehre
e
y
e
x
e
D
e
D
N
y
x
=
=
dy = ds cos=
dx = ds sin=
I
yy
h dx
I
xx
h dy
I
NN
h ds
I
ND
h ds
I
xy
h dy
I
yx
h dx
ds
N
Bild 2.6.4
Gleichgewicht in ξ–Richtung: (bezogen auf die Scheibendicke)
σ
ξξ
ds = σ
xx
dy cos α + σ
yy
dxsin α + σ
xy
dy sin α + σ
yx
dxcos α
σ
ξξ
= σ
xx
cos
2
α + σ
yy
sin
2
α + 2σ
xy
sin αcos α
(2.146)
Gleichgewicht in η–Richtung: (bezogen auf die Scheibendicke)
σ
ξη
ds = −σ
xx
dy sin α + σ
yy
dxcos α + σ
xy
dy cos α −σ
yx
dxsin α
σ
ξη
= −σ
xx
sin αcos α + σ
yy
sin αcos α + σ
xy
(cos
2
α −sin
2
α) .
(2.147)
Durch andere Orientierung des Dreieckelementes in Bild 2.6.4 oder mit α +
π
2
anstelle
von α in (2.146) erhalten wir die noch fehlende Gleichung für σ
ηη
, so dass sich zusam-
mengefaßt ergibt
σ
ξξ
= σ
xx
cos
2
α + σ
yy
sin
2
α + 2σ
xy
sin αcos α
σ
ηη
= σ
xx
sin
2
α + σ
yy
cos
2
α −2σ
xy
sin αcos α
σ
ξη
= −σ
xx
sin αcos α + σ
yy
sin αcos α + σ
xy
(cos
2
α −sin
2
α)
(2.148)
Die Transformationsgleichungen (2.148) für die Spannungskomponenten bei Drehung
des Koordinatensystems haben die gleiche Form wie die entsprechenden Gleichungen
(2.54) für die Flächenträgheitsmomente, da es sich in beiden Fällen um Tensoren 2.
Stufe handelt.
In kompakter Schreibweise lautet (2.148)
σ
λµ
=

i

j
cos(λ, i) cos(µ, j)σ
ij
i, j = x, y
λ, µ = ξ, η
(2.149)
Mit cos
2
α =
1
2
(1 + cos 2α), sin
2
α =
1
2
(1 −cos 2α), 2 sin αcos α = sin 2α geht (2.148)
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 107
über in die Form
σ
ξξ
=
1
2

xx
+ σ
yy
) +
1
2

xx
−σ
yy
) cos 2α + σ
xy
sin 2α
σ
ηη
=
1
2

xx
+ σ
yy
) −
1
2

xx
−σ
yy
) cos 2α −σ
xy
sin 2α
σ
ξη
= −
1
2

xx
−σ
yy
) sin 2α + σ
xy
cos 2α
(2.150)
(2.150) stimmt formal überein mit (2.57). Auch alle weiteren Beziehungen für die Flä-
chenträgheitsmomente kann man auf die Spannungskomponenten formal übertragen.
Während bei den Flächenträgheitsmomenten jeweils I
yy
> 0, I
zz
> 0 galt, können die
Normalspannungen auch negative Werte (Druckspannungen) annehmen.
Durch formale Übertragung von (2.56) erhalten wir

ij
] =
_
σ
xx
σ
xy
σ
yx
σ
yy
_
bzw. [σ
λµ
] =
_
σ
ξξ
σ
ξη
σ
ηξ
σ
ηη
_
(2.151)
Hauptnormalspannungen:
σ
uu
= σ
max
= σ
I
=
1
2

xx
+ σ
yy
) +
¸
_
σ
xx
−σ
yy
2
_
2
+ σ
2
xy
σ
vv
= σ
min
= σ
II
=
1
2

xx
+ σ
yy
) −
¸
_
σ
xx
−σ
yy
2
_
2
+ σ
2
xy
.
(2.152)
Hauptnormalspannungsachsen: (Achsen mit σ
uv
= 0)
tan2˜ α =

xy
σ
xx
−σ
yy
bzw. tan ˜ α =
σ
uu
−σ
xx
σ
xy
. (2.153)
Hauptschubspannungen: (max. Schubspannungen)
σ
ξη max
= σ
ξη
(α = ¯ α) =
¸
_
σ
xx
−σ
yy
2
_
2
+ σ
2
xy
. (2.154)
Hauptschubspannungsachsen:
¯ α = ˜ α −
π
4
. (2.155)
108 Elastostatik und Festigkeitslehre
Invarianten des Spannungstensors:
1) Spur Spur[σ
ij
] = σ
xx
+ σ
yy
= σ
ξξ
+ σ
ηη
= σ
uu
+ σ
vv
.
2) Determinante Det [σ
ij
] = σ
xx
σ
yy
−σ
2
xy
= σ
ξξ
σ
ηη
−σ
2
ξη
= σ
uu
σ
vv
.
Eine anschauliche grafische Darstellung der Zusammenhänge bei der Drehung des Ko-
ordinatensystems gestattet der Mohrsche Spannungskreis (Bild 2.6.5).
Beispiel: Mohrscher Spannungskreis: σ
xx
> σ
yy
und σ
xy
> 0
~
~
v
u
y
x
~
(= )
v
u
-
+
+
-
Vorzeichenregel
2
2
( + ) / 2
-
2
( )
+
σ
ξη
σ
ξξ

ηη
σ
ξη,
max
τ
max
σ
xx
σ
xx
σ
xx
σ
xx
σ
yy
σ
yy
σ
yy
σ
yy
σ
xy
σ
xy
σ
xy
α
α
~
α

σ
vv
σ
uu
Bild 2.6.5
Beispiel: Mohrscher Spannungskreis: Reiner Schub im x, y-System
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 109
Beispiel: Mohrscher Spannungskreis: Allseitiger Zug (hydrostatischer Span-
nungszustand)
s
s s
s
s
xh
s
xx
,s
hh
s
y
x
Der Mohrsche Spannungskreis reduziert sich hier auf einen Punkt. Es gibt keine
Schubspannungen, und alle Achsen sind Hauptnormalspannungsachsen.
Erweiterung auf den räumlichen Spannungszustand
Bisher haben wir den ebenen Spannungszustand betrachtet. Nun wollen wir die Bezie-
hungen auf den räumlichen Spannungszustand erweitern.
(2.149) gilt in der gleichen Form auch für den räumlichen Spannungszustand, wobei
lediglich die z– bzw. ζ–Koordinate zu ergänzen ist, d.h.
σ
λµ
=

i

j
cos(λ, i) cos(µ, j)σ
ij
i, j = x, y, z
λ, µ = ξ, η, ζ
(2.156)
Die Hauptnormalspannungen ergeben sich aufgrund der Bedingung
σ
λµ
= 0 für λ = µ,
d.h., wir suchen Schnittflächen, auf denen der Spannungsvektor σ
λ
gerade senkrecht
steht.
s
yy
A
l
x
z
y
s
yx
s
yz
s
l
e
l
A
x
(0,II,III)
0
I
II
III
A
z
(0,I,II)
A
y
(0,I,III)
Bild 2.6.6
Mit A
x
= cos(λ, x)A
λ
, A
y
= cos(λ, y)A
λ
und
A
z
= cos(λ, z)A
λ
gilt für das gezeichnete Tetraede-
relement die vektorielle Gleichgewichtsbedingung
e
λ
σ
λ
A
λ
= σ
x
cos(λ, x)A
λ

y
cos(λ, y)A
λ

z
cos(λ, z)A
λ
bzw.
e
λ
σ
λ
=

i
σ
i
cos(λ, i).
¸
¸
¸ · e
j
110 Elastostatik und Festigkeitslehre
Multipliziert man die ganze Gleichung mit e
j
und beachtet
e
λ
e
j
= cos(λ, j) bzw. e
j
σ
i
= σ
ij
,
so folgt σ
λ
cos(λ, j) =

i
σ
ij
cos(λ, i)

i

ij
−δ
ij
σ
λ
] cos(λ, i) = 0 (2.157)
als Bestimmungsgleichung für die Hauptnormalspannungen. Bei der Gleichung (2.157)
handelt es sich um das Eigenwertproblem des Spannungstensors. Die Hauptnormalspan-
nungen σ
λ
= σ
I
, σ
II
, σ
III
sind die Eigenwerte, die durch die Richtungskosinusse cos(λ, i)
beschriebenen Hauptnormalspannungsachsen sind die Eigenvektoren.
Nichttriviale Lösungen cos(λ, i) existieren nur, wenn die Koeffizientendeterminante von
(2.157) verschwindet.
¸
¸
¸
¸
¸
¸
¸
σ
xx
−σ
λ
σ
xy
σ
xz
σ
yx
σ
yy
−σ
λ
σ
yz
σ
zx
σ
zy
σ
zz
−σ
λ
¸
¸
¸
¸
¸
¸
¸
= 0
Als charakteristische Gleichung folgt die kubische Gleichung für σ
λ
σ
3
−I
I
σ
2
+ I
II
σ −I
III
= 0 (2.158)
In (2.158) sind
I
I
= σ
xx
+ σ
yy
+ σ
zz
(Spur)
I
II
= σ
xx
σ
yy
+ σ
yy
σ
zz
+ σ
zz
σ
xx
−(σ
2
xy
+ σ
2
yz
+ σ
2
zx
)
I
III
=
¸
¸
¸
¸
¸
¸
¸
σ
xx
σ
xy
σ
xz
σ
yx
σ
yy
σ
yz
σ
zx
σ
zy
σ
zz
¸
¸
¸
¸
¸
¸
¸
(Determinante)
die Invarianten des räumlichen Spannungstensors.
Wir setzen voraus, dass die Hauptspannungen als Lösungen von (2.158) so bezeichnet
werden, dass
σ
I
≥ σ
II
≥ σ
III
gilt. Für die I–II–, II–III– und III–I–Ebene erhalten wir wieder die Mohrschen Span-
nungskreise (Bild 2.6.7)
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 111
t
s
t
max
s
III
s
II
s
I
Bild 2.6.7
Die Kurven in Bild 2.6.7 stellen jeweils Grenzzustände dar. Der allgemeine räumliche
Spannungszustand liegt innerhalb der schraffierten Fläche.
Für τ
max
gilt
τ
max
=
σ
I
−σ
III
2
. (2.159)
Es gibt auch für den räumlichen Spannungszustand ein anschauliches grafisches Trans-
formationsverfahren, auf das hier aber nicht eingegangen werden soll.
2.6.3 Spezifische Volumen– und Gestaltänderungsenergie
Die spezifische Formänderungsenergie Π

, ausgedrückt durch die Spannungen, ist für den
allgemeinen räumlichen Spannungszustand in (2.118) angegeben. Diese Energie wollen
wir nun aufspalten in die
Volumenänderungsenergie und die Gestaltänderungsenergie.
Dazu spalten wir vom Spannungstensor und vom Verzerrungstensor den entsprechenden
hydrostatischen Anteil
σ
o
ij
=
1
3

xx
+ σ
yy
+ σ
zz

ij
=
1
3
s δ
ij
ε
o
ij
=
1
3

xx
+ ε
yy
+ ε
zz

ij
=
1
3
e δ
ij
(2.160)
ab, den man auch als den jeweiligen Kugeltensor bezeichnet. Die verbleibenden Größen
nennt man Deviatoranteile
˜ σ
ij
= σ
ij
−σ
o
ij
˜ ε
ij
= ε
ij
−ε
o
ij
(2.161)
112 Elastostatik und Festigkeitslehre
Die Kugeltensoren enthalten nur Normalspannungen bzw. Dehnungen und keine Tan-
gentialspannungen bzw. Winkeländerungen. Sie bewirken eine reine Volumenänderung
und keine Änderung der Gestalt.
Hingegen weist der Deviator des Verzerrungstensors die Dehnungssumme e = 0 auf. Die
Deviatorkomponenten bewirken keine Volumenänderung sondern eine reine Gestaltän-
derung.
Damit gilt die Aufspaltung
Π

= Π

V
+ Π

G
mit
Π

V
=
1
2

i

j
σ
o
ij
ε
o
ij
Π

G
=
1
2

i

j
˜ σ
ij
˜ ε
ij
.
(2.162)
Um Π

V
bzw. Π

G
allein durch die entsprechenden Spannungskomponenten auszudrücken,
müssen wir das Hookesche Gesetz umformen. Unter Benutzung von (2.26) erhält man

i
ε
ii
= e =
1 + ν
E

i
_
σ
ii
−δ
ii
ν
1 + ν
s
_
=
1 + ν
E
_
s −

1 + ν
s
_
=
1 −2ν
E
s .
Hieraus folgt
ε
o
ij
=
1 −2ν
E
σ
o
ij
. (2.163)
Ausgehend von (2.26) ergeben sich die Deviatoranteile zu
˜ ε
ij
= ε
ij
−δ
ij
e
3
=
1 + ν
E
_
σ
ij
−δ
ij
_
ν
1 + ν
s +
1 −2ν
1 + ν
s
3
__
=
1 + ν
E
_
σ
ij
−δ
ij
s
3
_
=
1 + ν
E
˜ σ
ij
.
(2.164)
Bei der Formulierung des Hookeschen Stoffgesetzes hätten ein reiner Kompressionsver-
such (Volumenänderung) und ein reiner Gestaltänderungsversuch für isotropes linear–
elastisches Materialverhalten von vornherein nur zwei unabhängige Elastizitätskonstan-
ten ergeben.
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 113
Mit (2.163) bzw. (2.164) folgt aus (2.162)
Π

V
=
1 −2ν
2E

i

j
σ
o
ij
σ
o
ij
=
3(1 −2ν)
2E
_
s
3
_
2
=
1 −2ν
6E
s
2
,
Π

G
=
1 + ν
2E

i

j
˜ σ
ij
˜ σ
ij
=
1 + ν
2E
_

i

j
σ
ij
σ
ij

s
2
3
_
,
und ausführlich im x, y, z–Koordinatensystem
Π

V
=
1 −2ν
6E

xx
+ σ
yy
+ σ
zz
)
2
,
Π

G
=
1 + ν
6E
_

xx
−σ
yy
)
2
+ (σ
yy
−σ
zz
)
2
+ (σ
zz
−σ
xx
)
2
+6(τ
2
xy
+ τ
2
yz
+ τ
2
zx
)
¸
,
(2.165)
bzw. im I, II, III–Hauptachsensystem
Π

V
=
1 −2ν
6E

I
+ σ
II
+ σ
III
)
2
,
Π

G
=
1 + ν
6E
_

I
−σ
II
)
2
+ (σ
II
−σ
III
)
2
+ (σ
III
−σ
I
)
2
¸
.
(2.166)
2.6.4 Festigkeitshypothesen
In einer Konstruktion stellt sich häufig ein mehrachsiger Spannungszustand ein; dage-
gen werden Materialkennwerte meist im einfachen (einachsigen) Zugversuch ermittelt.
Damit ergibt sich die Frage, wie zur Beurteilung des Festigkeitsverhaltens eines Bauteils
der mehrachsige Spannungszustand dem im einachsigen Zugversuch ermittelten Werk-
stoffkennwert gegenübergestellt werden soll.
Eine Antwort hierauf geben die Festigkeitshypothesen, die den mehrachsigen Span-
nungszustand auf eine einachsige Vergleichsspannung σ
v
zurückführen. Da es kein
physikalisches Gesetz für eine solche Rückführung gibt, werden Hypothesen aufgestellt,
deren Gültigkeitsbereich im Experiment nachzuweisen ist.
Die 4 bekanntesten Festigkeitshypothesen werden im folgenden genannt.
114 Elastostatik und Festigkeitslehre
1. Hypothese der maximalen Normalspannung
(Galilei, Leibniz, Navier, Lamé, Clapeyron)
Die Normalspannungshypothese beruht auf der Annahme, dass in einem Material Ver-
sagen eintritt, wenn die betragsmäßig größte Hauptspannung σ
I
bzw. |σ
III
| einen be-
stimmten Wert erreicht. Damit ergibt sich
σ
v
=
_
σ
I
für σ
I
≥ |σ
III
|

III
| für σ
I
< |σ
III
| .
(2.167)
Diese Hypothese berücksichtigt offenbar nur eine Hauptspannung und besagt, dass all-
seitiger Zug oder Druck ebenso zum Versagen führt wie einachsiger Zug oder Druck. Das
steht jedoch nicht im Einklang mit entsprechenden Experimenten.
Geeignet ist die Hypothese i.w. für den Zug–Trennbruch spröder Werkstoffe.
2. Hypothese der maximalen Dehnung
(Navier, Saint–Venant)
Als Beanspruchungsmaß bei der Hauptdehnungshypothese dient die betragsmäßig größte
Dehnung. Das führt auf
ε
v
=
_
ε
I
für ε
I
≥ |ε
III
|

III
| für ε
I
< |ε
III
| .
(2.168)
In Spannungen ausgedrückt erhält man
σ
v
=
_
σ
I
−ν(σ
II
+ σ
III
) für σ
I
≥ |σ
III
|
−σ
III
+ ν(σ
I
+ σ
II
) für σ
I
< |σ
III
| .
(2.169)
Wie die Hauptspannungshypothese ist die Hauptdehnungshypothese geeignet zur Beur-
teilung trennflächiger (spröder) Brüche. Beim Bewerten von mehrachsigen Spannungs-
zuständen, bei denen eine Hauptspannung als Druckspannung auftritt, ist sie der Haupt-
spannungshypothese überlegen.
3. Hypothese der maximalen Schubspannung
(Coulomb, Saint–Venant, Tresca, Mohr)
Als maßgebend wird in dieser Hypothese die größte auftretende Schubspannung angese-
hen, die nach (2.159) durch die Differenz der maximalen und der minimalen Hauptnor-
malspannung gegeben ist. Das ergibt
τ
v
=
σ
v
2
= τ
max
=
σ
I
−σ
III
2
⇒ σ
v
= σ
I
−σ
III
. (2.170)
Beurteilung des Beanspruchungszustandes 115
Die Hypothese der maximalen Schubspannung ist sehr brauchbar für die Versagensar-
ten Fließen und Gleitbruch. Es gibt eine von Mohr stammende Modifikation dieser
Hypothese, auf die aber hier nicht eingegangen werden soll.
4. Hypothese der Gestaltänderungsenergie
(Huber, Hencky, v. Mises, Nadai)
Hier wird die spezifische Gestaltänderungsenergie Π

G
nach (2.166) als Vergleichsmaß
herangezogen. Somit folgt
Π

Gv
= Π

G
und mit Π

Gv
= 2
1 + ν
6E
σ
2
v
sowie Π

G
nach (2.165)
σ
v
=
_
1
2
_

I
−σ
II
)
2
+ (σ
II
−σ
III
)
2
+ (σ
III
−σ
I
)
2
¸
. (2.171)
Diese Hypothese, in der alle Hauptnormalspannungen erfaßt werden, hat sich für eine
Vielzahl von Fällen sehr gut bewährt; sie versagt jedoch für hydrostatische Spannungs-
zustände.
Beispiel: Vergleichsspannungen
Wir wollen die vier Hypothesen für den Sonderfall nur einer Normalspannung (σ
xx
)
und einer Schubspannung (τ
xy
), wie sie z.B. in einer auf Biegung und Torsion
beanspruchten Welle vorkommen, gegenüberstellen.
Nach (2.152) erhält man für den oben genannten Fall (unter der Voraussetzung
σ
I
≥ σ
II
≥ σ
III
) die 3 Hauptspannungen
σ
I
=
σ
2
+
_
_
σ
2
_
2
+ τ
2
,
σ
II
= 0 ,
σ
III
=
σ
2

_
_
σ
2
_
2
+ τ
2
.
Eingesetzt in (2.167), (2.169), (2.170) und (2.171) ergibt das
σ
v1
=
|σ|
2
+
_
_
σ
2
_
2
+ τ
2
,
σ
v2
= (1 −ν)
|σ|
2
+ (1 + ν)
_
_
σ
2
_
2
+ τ
2
,
σ
v3
=

σ
2
+ 4τ
2
,
σ
v4
=

σ
2
+ 3τ
2
.
116 Elastostatik und Festigkeitslehre
In Bild 2.6.8 sind die
σ
vi
σ
über
τ
σ
(mit ν = 0, 3) aufgetragen.
s
n
s
-
t
s
- 0
1
3.Hypothese
4.Hypothese
2.Hypothese
1.Hypothese
Bild 2.6.8
Häufig wird σ
v4
zur Dimensionierung einer auf Biegung und Torsion beanspruchten
Welle aus Stahl benutzt. Mit W
b
=
1
2
W
t
=
πd
3
32
für den Kreisquerschnitt folgt
σ
v4
=
M
b
W
b
¸
1 +
3
4
_
M
t
M
b
_
2
≤ σ
zul
⇒ d
3

32M
b
πσ
zul
¸
1 +
3
4
_
M
t
M
b
_
2
.
2.7 Stabilität
2.7.1 Stabilitätsprobleme
Wir wollen zunächst die Frage klären, wodurch sich Stabilitätsprobleme von den bisher
behandelten Festigkeitsproblemen unterscheiden.
F
F
F
s
Bild 2.7.1
Dazu betrachten wir einen schlanken und einen
gedrungenen Stab und belasten beide Stäbe
durch eine Druckkraft F. Nach der bisheri-
gen Vorgehensweise ist die Belastungsgrenze
erreicht, wenn es infolge der Druckspannung
zu einer deutlichen Plastifizierung kommt. Die-
se Grenzspannung bezeichnen wir als Quetsch-
grenze σ
Q
, so dass bei Versagen gilt
F
Q
A
= σ
Q
⇒ F
Q
= σ
Q
A .
Für den gedrungenen Stab trifft die angegebene Gleichung zu; für den schlanken Stab ist
jedoch die Belastungsgrenze deutlich eher erreicht, und es kommt schon bei geringerer
Belastung zum Knicken, d.h. zum seitlichen Ausweichen des Stabes.
Stabilität 117
Ursache dafür ist die Tatsache, dass beim schlanken Träger ab einer bestimmten Druck-
kraft im Ausgangszustand kein stabiler sondern ein instabiler Gleichgewichtszustand
vorliegt. Bei einer kleinen Störung kehrt der Träger nicht wieder in seine Ausgangslage
zurück; er weicht vielmehr noch weiter aus.
Andere derartige Stabilitätsprobleme sind das Kippen schmaler Träger, das Durchschla-
gen von Bogenträgern und das Ausbeulen von Rohren unter äußerem Überdruck (Bild
2.7.2).
Alle diese Stabilitätsprobleme lassen sich nicht mehr durch Gleichgewichtsbetrachtungen
des unverformten Bauteils lösen (Theorie 1. Ordnung); vielmehr müssen Gleichgewichts-
lagen des verformten Bauteils untersucht werden (Theorie 2. Ordnung). Die Verformun-
gen können jedoch als klein angenommen werden.
Auch energetische Betrachtungen sind zur Lösung von Stabilitätsproblemen möglich, sie
sollen aber hier nicht weiter verfolgt werden.
F
F
Kippen schmaler
Träger
Durchschlagen von
Bogenträgern
Ausbeulen zylindrischer
Rohre unter äußerem
Überdruck
Bild 2.7.2
Im folgenden wollen wir uns auf das Knicken schlanker Träger beschränken.
2.7.2 Knicken im elastischen Bereich
Ein besonders einfaches Beispiel ist der an beiden Enden gelenkig gelagerte Stab. Wir
setzen voraus, dass das y, z–System der Querschnittskoordinaten ein Hauptachsensystem
ist und dass I
yy
< I
zz
(I
yy
= I
min
) gilt. Der Stab wird dann im kritischen Fall in z–
Richtung (Biegung um die y–Achse) ausweichen.
Bild 2.7.3 zeigt den unverformten Grundzustand, den verformten Zustand beim Knicken
und den Schnitt durch den verformten Träger zur Ermittlung der Schnittgrößen.
118 Elastostatik und Festigkeitslehre
F
F
l
x
z, (w)
F
N(x)
M(x)
Q(x)
w(x)
l - x
oberer Trägerteil
nach dem Schnitt
Bild 2.7.3
Aus dem Momentengleichgewicht um die Schnittstelle folgt
−M(x) + Fw(x) = 0 . (2.172)
Das Moment M(x) können wir über die DGL der elastischen Linie (2.78) durch die
2. Ableitung w
′′
(x) ausdrücken, und wir erhalten
w
′′
(x) +
F
EI
min
w(x) = 0 . (2.173)
(2.173) ist eine gewöhnliche, homogene, lineare Differentialgleichung 2. Ordnung mit
konstanten Koeffizienten und besitzt die Lösung
w(x) = C
1
cos(κx) + C
2
sin(κx) mit κ
2
=
F
EI
min
. (2.174)
Die Integrationskonstanten C
1
und C
2
lassen sich aus den (geometrischen) Randbedin-
gungen bestimmen.
w(0) = 0 ⇒ C
1
= 0
w(l) = 0 ⇒ C
2
sin(κl) = 0
Die 2. Randbedingung ist erfüllt, wenn entweder C
2
= 0 ist (triviale Lösung) oder
sin(κl) = 0 gilt.
Die nichttriviale Lösung sin(κl) = 0 ergibt κ
n
= n
π
l
(n = 1, 2, · · ·).
Man nennt sin(κl) = 0 die Eigenwertgleichung des Problems und die Werte κ
n
die
Eigenwerte.
Stabilität 119
Die kleinste kritische Kraft, für die eine nichttriviale Lösung w(x) = 0 existiert, folgt
aus dem niedrigsten Eigenwert κ
1
=
π
l
und beträgt
F
krit
=
EI
min
π
2
l
2
. (2.175)
Die Eigenfunktionen ergeben sich durch Einsetzen der Eigenwerte κ
n
in die Lösung
(2.173) zu
w
n
(x) = C
2,n
sin(κ
n
x) . (2.176)
Die Amplituden C
2,n
bleiben dabei unbestimmt, was charakteristisch für ein Eigenwert-
problem (homogenes Gleichungssystem) ist.
l
w
n
C
2,n
w
2
C
2,2
w
1
C
2,1
x
Bild 2.7.4
In Bild 2.7.4 sind die Eigenfunktionen
w
1
(x) = C
2,1
sin
_
π
x
l
_
und
w
2
(x) = C
2,2
sin
_

x
l
_
dargestellt.
Wir sind bisher davon ausgegangen, dass der Stab ideal gerade ist und die Druckkraft
genau zentrisch im Schwerpunkt der Querschnittsfläche angreift. Praktisch muß man
jedoch mit Vorverformungen bzw. mit exzentrischer Krafteinleitung rechnen.
Wir wollen deren Auswirkungen am Beispiel des Knickstabes mit exzentrischer Kraftein-
leitung studieren (Bild 2.7.5).
A
F
e
B
l
F
e
B
A
H
A
V
F
e
B
Q(x)
N(x)
M(x)
w(x)
l - x
x
w
Bild 2.7.5
120 Elastostatik und Festigkeitslehre
Die Auflagerkraft B folgt aus dem Momentengleichgewicht um A für den gesamten Stab:
−Bl + Fe = 0 ⇒ B = F
e
l
Für den Momentenverlauf M(x) ergibt sich
M(x) = F[e + w(x)] −B(l −x) = F
_
w(x) + e
x
l
_
. (2.177)
(2.177) eingesetzt in die Gleichung der elastischen Linie liefert die inhomogene Differen-
tialgleichung 2. Ordnung
w
′′
(x) + κ
2
w(x) = −κ
2
e
x
l
(2.178)
mit der Lösung
w(x) = C
1
cos(κx) + C
2
sin(κx) −e
x
l
. (2.179)
Aus den Randbedingungen ergibt sich
w(0) = 0 ⇒ C
1
= 0
w(l) = 0 ⇒ C
2
sin(κl) −e = 0 ⇒ C
2
=
e
sin(κl)
und eingesetzt in (2.179)
w(x) = e
_
sin(κx)
sin(κl)

x
l
_
. (2.180)
Für e = 0 existiert für jede beliebige Druckkraft F = 0 eine ausgelenkte Gleichgewichts-
lage.
Für die Eigenwerte der homogenen Gleichung κ
n
= n
π
l
(n = 1, 2, · · ·) wird sin(κl) →0
und damit w(x) →∞.
Das bedeutet auch bei vorhandener Exzentrizität eine kritische Druckkraft
F
krit
=
EI
min
π
2
l
2
, (2.181)
die mit (2.175) übereinstimmt.
Stabilität 121
F F
krit
w(-)
l
2
Bild 2.7.6
Trägt man im Fall der exzentrischen Krafteinleitung
die Durchbiegung w
_
x =
l
2
_
als Funktion der Druck-
kraft F auf, so erhält man den in Bild 2.7.6 dargestell-
ten Verlauf.
Der kritische Wert für das Versagen durch eine Druck-
kraft F ändert sich durch die Exzentrizität nicht. Glei-
ches gilt für eine vorhandene Vorkrümmung.
2.7.3 Die vier EULERschen Knickfälle
Wir wollen zu den Fällen ohne Exzentrizität und Vorkrümmung zurückkehren, dafür
aber verschiedene Lagerungsarten untersuchen (Bild 2.7.7).
F F
l
F F
Fall 1 Fall 2 Fall 3 Fall 4
l
*
= 2 l l
*
= l l
*
» 0,7 l l
*
= 0,5 l
Bild 2.7.7
Die 4 dargestellten Fälle wurden bereits von Euler berechnet und werden nach ihm als
Eulersche Knickfälle bezeichnet.
Die grundsätzliche Vorgehensweise ist die gleiche wie beim bereits betrachteten Fall 2.
Die Ergebnisse lassen sich in einer gemeinsamen Gleichung
F
krit
=
EI
min
π
2
l

2
(2.182)
122 Elastostatik und Festigkeitslehre
zusammenfassen, wobei nur für die sog. freie Knicklänge l

unterschiedliche Längen ein-
zusetzen sind (siehe Bild 2.7.7).
Die Eulersche Knickspannung (in diesem Fall trotz Druckbeanspruchung mit positivem
Vorzeichen) ergibt sich zu
σ
kE
=
F
krit
A
=
EI
min
π
2
Al

2
. (2.183)
Mit dem Trägheitsradius
i
min
=
_
I
min
A
(2.184)
und dem Schlankheitsgrad
λ =
l

i
min
(2.185)
folgt
σ
kE
=
π
2
E
λ
2
. (2.186)
σ
kE
σ
Q
λ
max
λ
EULER-Hyperbel
Bild 2.7.8
Die in Bild 2.7.8 beispielhaft dargestellte Euler-Hyperbel im σ
kE
, λ-Diagramm ergibt
sich gemäß Gleichung (2.186) in Abhängigkeit vom verwendeten Werkstoff. Der tatsäch-
lich relevante Bereich unter der Hyperbel ist schraffiert dargestellt. Für Werte λ > λ
max
Stabilität 123
haben die Stäbe einen zu hohen Schlankheitsgrad und damit keine ausreichende Steifig-
keit gegenüber unvermeidlichen Nebenbeanspruchungen (Herstellung, Transport, Mon-
tage usw.), sowie ihrem Eigengewicht. Für Werte σ > σ
Q
ist die Quetschspannung des
Materials erreicht, der elastische Bereich wird somit verlassen.
Bisher haben wir nur Stäbe mit konstanter Biegesteifigkeit und einem Bereich betrach-
tet. Bei veränderlicher Biegesteifigkeit bzw. mehreren Bereichen kann in der gleichen
Weise vorgegangen werden, der mathematische Aufwand bei der Lösung der Diffential-
gleichung bzw. des Differentialgleichungssystems wächst jedoch deutlich. Daher sind in
solchen Fällen häufig Näherungsverfahren gebräuchlich.
124 Elastostatik und Festigkeitslehre
3 Empfohlene Literatur
[1] Gross, D.; Hauger, W.; Schröder, J.; Wall, W.
Technische Mechanik, Band 1: Statik
Springer, Berlin, 2007
[2] Gross, D.; Ehlers, W.; Wriggers, P.
Formeln und Aufgaben zur Technischen Mechanik 1: Statik
Springer, Berlin, 2008
[3] Gross, D.; Hauger, W.; Schröder, J.; Wall, W.
Technische Mechanik, Band 2: Elastostatik
Springer, Berlin, 2007
[4] Gross, D.; Ehlers, W.; Wriggers, P.
Formeln und Aufgaben zur Technischen Mechanik 2: Elastostatik, Hydrostatik
Springer, Berlin, 2007
[5] Göldner, H.; Holzweissig, F.
Leitfaden der Technischen Mechanik
Steinkopff Verlag, Darmstadt, 1976
[6] Magnus, K.; Müller, H. H.
Grundlagen der Technischen Mechanik
Teubner Studienbücher, Stuttgart, 1982
[6] Magnus, K.; Müller, H. H.
Übungen zur Technischen Mechanik
Teubner Studienbücher, Stuttgart, 1982
[7] Hahn, H.-G.
Technische Mechanik
Carl Hanser Verlag, München, 1990
[8] Hahn, H.-G.; Barth, F.-J.
Aufgaben zur Technische Mechanik
Carl Hanser Verlag, München, 1995
[9] Szabo, I.
Einführung in die Technische Mechanik
Springer, Berlin, 1975
Stabilität 125
A Anhang
Der Anhang enthält Tabellen, wie man sie auch in Nachschlagewerken finden kann.
Dadurch bedingt, können andere Bezeichnungsweisen auftreten. Es sollte aber keine
Schwierigkeiten bereiten, diese mit den Beziehungen im vorliegenden Skriptum zu iden-
tifizieren.
A.1 Torsionsträgheitsmomente I
t
und Torsionswiderstandsmo-
mente W
t
Querschnitt I
t
W
t
Bemerkungen
1
d
πd
4
32
(= I
p
)
πd
3
16
τ
max
am Umfang
2
d
a
d
i
d
m
t
π(d
4
a
−d
4
i
)
32
(= I
p
)
t
d
m
≪1 :
πd
3
m
t
4
π(d
4
a
−d
4
i
)
16d
a
t
d
m
≪1 :
πd
2
m
t
2
τ
max
am Umfang
3
2a
P
1
P
2
2
b
πa
3
b
3
a
2
+ b
2
=
πn
3
b
4
n
2
+ 1
πab
2
2
=
πnb
3
2
Voraussetzung:
a
b
= n ≥ 1
τ
max
in P
1
, in P
2
τ =
1
n
τ
max
4
P
1
P
2
2
b
1
2
b
2
2a
2
2a
1
πn
3
(b
4
1
−b
4
2
)
n
2
+ 1
πn(b
4
1
−b
4
2
)
2b
1
Voraussetzung:
a
b
= n ≥ 1
τ
max
in P
1
, in P
2
τ =
1
n
τ
max
5
b
b
b
h
P
1
P
2
b
4
46, 19

h
4
26
b
3
20

h
3
13
τ
max
in P
1
(Seitenmitte)
in P
2
τ
2
= 0 (Ecke)
6
c
1
hb
3
= c
1
nb
4
c
2
hb
2
= c
2
nb
3
Voraussetzung:
h
b
= n ≥ 1
τ
max
in P
1
, in P
3
τ
3
= 0,
in P
2
τ
2
= c
3
τ
max
b
h
P
2
P
1
P
3
n = h/b 1,0 1,5 2,0 3,0 4,0 6,0 8,0 10 ∞
c
1
0,141 0,196 0,229 0,263 0,281 0,298 0,307 0,312 0,333
c
2
0,208 0,231 0,246 0,267 0,282 0,299 0,307 0,312 0,333
c
3
1,000 0,858 0,796 0,753 0,745 0,743 0,743 0,743 0,743
126 Elastostatik und Festigkeitslehre
A.2 Flächenträgheitsmomente I
yy
, I
zz
, I
yz
Querschnitt Flächenträgheitsmomente
1
z
b
y
h
I
yy
=
1
12
bh
3
, I
zz
=
1
12
hb
3
, I
yz
= 0
2
y
z
b
h
I
yy
=
1
36
bh
3
, I
zz
=
1
36
hb
3
, I
yz
=
1
72
b
2
h
2
3
h
y
z
b c
I
yy
=
1
12
bh
3
, I
zz
=
1
12
hb(b
2
+ c
2
), I
yz
= −
1
12
h
2
bc
4
r
i
r
a y
z
I
yy
= I
zz
=
π
4
(r
4
a
−r
4
i
), I
yz
= 0
5
r
a
z
y
e
e =
4
3
r
sin
α
2
α
, I
yz
= 0
I
yy
= r
4
_
1
8
(α + sin α) +
4
9
(
cos α −1
α
)
_
, I
zz
=
r
4
8
(α −sin α)
6
B B B
b
H
a
b
d
y
y y
z z z e
1
a
b/2 b/2
a/2 a/2
I
yy
=
1
3
(Be
3
1
−bh
3
+ ae
3
2
)
e
1
=
aH
2
+ bd
2
2(aH + bd)
e
2
= H −e
1
h = e
1
−d
7
H h
I
yy
=
1
12
(BH
3
−bh
3
)
e =
HB
2
−hb
2
2(HB −hb)
8
z z
y y y
z
h
H
b
b
B
e
B
b/2 b/2
B/2
B/2
I
yy
=
1
12
(BH
3
+ bh
3
)
e =
HB
2
−hb
2
2(HB + hb)

i

Das vorliegende Skriptum ist zum Gebrauch neben der Vorlesung gedacht; es kann den Besuch der Lehrveranstaltung und das selbständige Erarbeiten des Vorlesungsinhaltes nicht ersetzen.

ii

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
1 Statik 1.1 Grundlagen und Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.1 1.1.2 1.1.3 Die Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einteilung der Kräfte und Schnittprinzip . . . . . . . . . . . . . . Die Axiome der Statik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 1 1 3 4 6 7 8 8 9 9 10 10 11 11 11 13 13 13 14 15 17 17 17 19 21 22

1.2 Zentrale ebene Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.2.1 1.2.2 1.2.3 Reduktion der zentralen Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . Zerlegung einer Kraft in zwei Richtungen . . . . . . . . . . . . . . Gleichgewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

1.3 Allgemeine ebene Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3.1 1.3.2 1.3.3 1.3.4 Das Kräftepaar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Moment einer Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Reduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gleichgewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

1.4 Räumliche Kräftegruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.4.1 1.4.2 Momentenvektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gleichgewichtsbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

1.5 Der Schwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.5.1 1.5.2 1.5.3 Kräfteschwerpunkt von parallelen Kräften . . . . . . . . . . . . . Massenschwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Flächen– und Linienschwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . .

1.6 Auflagerreaktionen ebener Tragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.6.1 1.6.2 1.6.3 1.6.4 1.6.5 Elemente eines Tragwerks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Belastungs– und Lagerungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Statische Bestimmtheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bestimmung der Auflagerreaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . Mehrgliedrige Tragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . Definition der Schnittreaktionen im Raum . . Ordnung . . . . . . . . . . Spannung bei gerader Biegung . . . . . . . . . .1. . . . Dünnwandige geschlossene Querschnitte . . . .7. . . . . . . . . . . . . . . . . Rahmenträger . . . . . . . . . . .8. . .2. . 2 Elastostatik und Festigkeitslehre 2. . . . . . . . . . .4 Flächenmomente 2. . . . . . . . . . . .3. . . . . . . Biegeverformung gerader Balken (Elastische Linie) . . . . . .1 2. . . . . . . . . . . . . .2. . . . . . . .4 2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spannungen . .3 Statisch bestimmte Aufgaben . Stoffgesetz .7 Schnittreaktionen eines Balkens . . . . . . Verschiebungen und Verzerrungen . . .1. . . . . . . . . . . . . Bogenträger . . . . . . 2.2 2. .7. Spannung bei schiefer Biegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2. . . . . . . . . . . . . .2 1. . . . .2 2. . . . . . 2. . . Mehrbereichsaufgaben . . . . . . . . . . .1 1. . . . . . . .1. . . .7. . . . . . . . . . . . .8. . . . . . . .1 Grundlagen und Grundbegriffe . Reibkegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1 2. . . .4 1. . . Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben . . 1. .8. . . . . . .3 Biegebeanspruchung gerader Balken . . . . . . . . . .8 Reibung . .5 Definition der Schnittreaktionen in der Ebene . . . . . . . . . . .2 Kreis– und kreisringförmiger Querschnitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 Haftreibung . . .1 2. . . . . . . . .1. . . . . . . .2 1. . . . . . Gerader Balken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2 2. . . . . . . . . . . . . . . 2.3 2. . .1 2. . . . . .4. . . Statisch unbestimmte Aufgaben . . .3 1. . . . .7. . 1. . . . 2. . . . . . . . . . . . . . . .4. . . . . . . . . . . . . . . . .3. . . . . . . . . . . . .7. . .Inhaltsverzeichnis iii 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4 Torsion gerader Stäbe 2. . . . . . . . . . . . . . 25 25 26 30 32 33 34 35 35 36 41 41 41 42 46 50 55 55 56 60 61 61 69 71 73 81 81 84 1. . . . . . . . . . .3. . . . . . . . . . . 2. . . . . .2 Einführende Bemerkungen . . . . . . Gleitreibung . .3. . . .1 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. 125 A. . 116 2. . . . . . . . . . . . . . . . . Iyz . . . . . . . . . . . . . . .7. . .4. . . . . . . . . . . . . 121 124 125 3 Empfohlene Literatur A Anhang A. . . . . . . . . Formänderungsenergie eines Balkens . . . . . . . . . . . 126 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7. . . Prinzip der virtuellen Arbeit . . . . .2 2.5. . . . 103 2. . .5. . . . . .6. . . . . . . . .3 Stabilitätsprobleme . . . .5 Spezifische Formänderungsenergie . . . . . . . . . . . . . .1 2. . . . . . . . . . . . . .7 Stabilität 2. . .6.5. . . . . . . . .5. . . . . . . . . . . Izz . . . 113 . . . . . . . . . 2. . . . . 111 Festigkeitshypothesen . . . . . . . . . . Kombinierte Beanspruchung und Mehrbereichsaufgaben . . . . 103 Spannungstransformation und Hauptspannungen .iv Inhaltsverzeichnis 2.5. . . . . . . . . . . . . . . . .2 Flächenträgheitsmomente Iyy .2 2. . . . . . .1 2. . . . . . .7. .3 2. . . . . . . .3 2. . 88 89 90 91 93 94 95 2. . . Verfahren von Castigliano . . . . . .6. . . . . . . . . . . . . . . . 2. 117 Die vier EULERschen Knickfälle . . . . . . . .6 Beurteilung des Beanspruchungszustandes .3 Dünnwandige offene Querschnitte .1 Torsionsträgheitsmomente It und Torsionswiderstandsmomente Wt . . . . .4 Materialprüfung und Werkstoffkennwerte . . . . . . . . . . . . . 116 Knicken im elastischen Bereich . . 105 Spezifische Volumen– und Gestaltänderungsenergie . . . . . . . . . .1 2. .2 2. . . . . . . . . .6. .5 Energiemethoden der Elastostatik . . . . . .4 2. . . . . .

Entsprechend der Vektorsymbolik wird über Vektorgrößen ein Pfeil gesetzt.1).1 1.1. Grafisch wird die Kraft durch einen Pfeil dargestellt (Bild 1.1 Es bedeuten: |F | = F – Betrag der Kraft (beschrieben durch die Pfeillänge nach einem gewählten Kräftemaßstab).2 . dass sich Kräfte in Größe.2 verdeutlicht. Richtung und Angriffspunkt gekennzeichnet ist. f – Wirkungslinie der Kraft.1.1 Statik Grundlagen und Grundbegriffe Die Kraft Aus der täglichen Erfahrung ist bekannt. Die Bedeutung des Angriffspunktes einer Kraft wird durch die unterschiedliche Reaktion des starren Klotzes nach Bild 1.1. genügt auch der Betrag zur Kennzeichnung der Kraft. F P F P Bild 1. |F| f F P Bild 1. Wenn aus einer Zeichnung die Richtung der Kraft (Wirkungslinie) eindeutig hervorgeht. der durch Betrag (Größe). Richtung und Angriffspunkt unterscheiden können.1.Statik 1 1 1.1. Eine Kraft stellt somit einen gebundenen Vektor dar.

ez als Basis ergibt sich F = Fx + Fy + Fz = ex Fx + ey Fy + ez Fz . ey .5) (1.1. Fy . Für den Betrag der Kraft gilt |F | = F = 2 2 Fx + Fy + Fz2 . Fx .3 (1. z) mit den Einheitsvektoren ex . F cos β = Fy .1) Fx . F cos γ = Fz F . Fy .3 b) abzulesen α + β = Fx = F cos α Fy = F sin α .3) eingesetzt in (1. Fz − Koordinaten der Kraft F .2) liefert die Beziehung zwischen den Winkeln cos2 α + cos2 β + cos2 γ = 1 .2 Statik In kartesischen Koordinaten (x. (1. y.1.2) Die Richtung der Kraft ist bestimmt durch cos α = Fx . π und 2 (1. (1. Fz − Komponenten der Kraft F .4) . Für die Kraft in der Ebene ist aus Bild 1.3) y y Fy F ey b g ez Fz z a) Kraft F im Raum Fy F b Fx x ey ex a ex a Fx x b) Kraft F in der x-y-Ebene Bild 1. (1.

Grundlagen und Grundbegriffe 3 1. Unter eingeprägten Kräften versteht man physikalisch vorgegebene (also eingeprägte) Kräfte wie Gewicht. Beispiele hierfür sind Kräfte durch Wind– oder Wasserdruck oder auch eine Schneelast. wenn eine Last über eine scharfe Kegelspitze aufgebracht wird. so spricht man von Flächenkräften. . Eine Punktlast liegt näherungsweise vor. die Bewegung eines durch eingeprägte Kräfte belasteten Balkens verhindert. Punkt– oder Einzelkräfte. nennt man Volumenkräfte.B. das z. V dV dG g a) Volumenkraft b) Flächenkraft F F c) Linienkraft d) Punktlast Bild 1.1. Linien– und Punktlasten sind Idealisierungen. Ist die Berührung zweier Körper nahezu linien– bzw.1. Eine Linienlast entsteht z. zwischen einer ebenen Unterlage und einem Zylinder. übt auf diesen eine Reaktionskraft aus. erhält man Linien– oder Streckenlasten bzw. Beispiele hierfür sind die Schwerkraft (Gewichtskraft).B. da eine bestimmte. Schneelast usw. wenn auch sehr kleine Fläche immer zur Übertragung von Kräften notwendig ist. Ein Auflager. punktförmig.4 Weiterhin kann man unterscheiden zwischen eingeprägten Kräften und Reaktionskräften. magnetische und elektrische Kräfte. Kräfte. Treten Kräfte nur an Oberflächen von Körpern oder an Berührungsflächen zweier Körper auf. die über das Volumen verteilt angreifen.2 Einteilung der Kräfte und Schnittprinzip Kräfte lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen. Reaktionskräfte entstehen infolge eingeprägter Kräfte durch die Behinderung der Bewegungsfreiheit des Körpers.

werden die inneren Kräfte des Gesamtsystems zu äußeren Kräften des Teilsystems.1.1. der durch die eingeprägte Kraft F belastet ist und durch die Auflager A und B in seiner Bewegungsfreiheit behindert wird. Betrachtet man ein System aus mehreren starren Körpern. 1.5 a) zeigt als wirkliches System einen geraden Balken. 1. Gleichgewichtsaxiom Zwei an einem Punkt eines Körpers angreifende Kräfte F sind im Gleichgewicht. Die Statik starrer Körper basiert auf folgenden 4 Axiomen: 1. Schnittreaktionen. aber nicht bewiesenen Grundtatsachen einer Naturwissenschaft nennt man Axiome. wenn sie entgegengesetzt gerichtet (gleiche Wirkungslinie) und gleich groß (gleicher Betrag) sind.7).4 Statik Der letzte Satz weist auf das Schnittprinzip hin. Als innere Kräfte bezeichnet man auch die Schnittgrößen bzw. Bild 1. Das geschieht durch einen geschlossenen Schnitt. Nach dem Lösen der geometrischen Bindungen durch einen geschlossenen Schnitt (Freischneiden) werden im freigemachten System die Reaktionskräfte A und B sichtbar.3 Die Axiome der Statik Die aus der Erfahrung abgeleiteten. . die beim Schnitt durch einen starren Körper entstehen (siehe dazu Kap. denn Reaktionskräfte können erst durch das gedankliche Lösen des betrachteten Körpers von den geometrischen Bindungen zu den benachbarten Körpern veranschaulicht werden. Schneidet man aber einen oder auch mehrere Körper des Systems frei. die miteinander verbunden sind. muß man die Kräfte zwischen den einzelnen starren Körpern des Systems als innere Kräfte zählen. F F A a) wirkliches System B A b) freigeschnittenes System Bild 1.5 B Ein weiteres Einteilungskriterium ist die Unterscheidung in äußere und innere Kräfte.1.

Wechselwirkungsgesetz (actio = reactio) Kräfte.7 Dieses Axiom gilt nicht beim deformierbaren Körper.1. die zwei Körper aufeinander ausüben.1. Es gilt aber auch für Körper in größerer Entfernung. sind gleich groß. d.8 a)) ist dies sehr anschaulich. ohne dass sich an der Wirkung auf den starren Körper etwas ändert. P2 P1 P1 P2 F F Bild 1.1. Linienflüchtigkeitsaxiom Der Angriffspunkt einer Kraft kann auf der Wirkungslinie beliebig verschoben werden. Für sich berührende Körper (Bild 1. 2. wie das in Bild 1.1. Eine Gleichgewichtsgruppe hat keine Wirkung auf einen starren Körper. Kräfte treten stets paarweise auf. .Grundlagen und Grundbegriffe 5 F F P Bild 1. 3. entgegengesetzt gerichtet und liegen auf einer Wirkungslinie.h.8 b) für das Beispiel der Anziehungskraft zwischen Erde und Mond gezeigt ist..6 Man spricht auch von einer Gleichgewichtsgruppe.

1. indem man die Diagonale des von den beiden Kraftvektoren aufgespannten Parallelogramms bildet. Zentral ist die ebene Kräftegruppe dann. eines der beiden Kräftedreiecke zu zeichnen.8 4. wenn sich die Wirkungslinien sämtlicher Kräfte in einem Punkt schneiden.6 Statik F1 F2 FG F1 F3 F4 F4 F3 F5 F5 F2 FG a) Bild 1. . Dabei genügt es.2 Zentrale ebene Kräftegruppe Eine ebene Kräftegruppe liegt vor.9 F2 FR FR F2 F2 a) Kräfteparallelogramm 1. dass sie an einem Punkt angreifen.1. Nach dem Linienflüchtigkeitsaxiom lassen sich dann alle Kräfte so verschieben. x–y–Ebene) liegen.B. F1 F1 FR F1 b) Kräftedreiecke Bild 1. wenn alle Kräfte in einer Ebene (z. Axiom vom Kräfteparallelogramm b) Zwei an demselben Punkt angreifende Kräfte können zu einer statisch äquivalenten resultierenden Kraft zusammengefaßt werden.

9) Fi sin αi .6) erhält man 3 3 (1.1 Reduktion der zentralen Kräftegruppe Als Reduktion bezeichnet man die Zusammenfassung aller Kräfte zu einer statisch äquivalenten Resultierenden.6) Nach (1.2. Die Zusammenfassung kann sowohl grafisch als auch analytisch erfolgen.1 Die analytische Reduktion folgt aus der Vektorgleichung 3 K rä fte p la n FR = F1 + F2 + F3 = i=1 Fi . Die grafische Reduktion ist in Bild 1.8) Verallgemeinert man von 3 auf n Kräfte und beachtet.7) . (1. F 2 F R F 1 a 2 F e 3 y F 2 a 1 E F F R 1 a 3 e x 1 m F 3 1 N A L a g e p la n Bild 1. dass zwei Vektoren nur dann gleich sind.2.Zentrale ebene Kräftegruppe 7 1.1 gezeigt. i=1 FRy = i=1 Fiy = . ex FRx + ey FRy = ex i=1 Fix + ey i=1 Fiy .1) und (1.7) in (1. wenn jede ihrer Komponenten übereinstimmt. (1.8) n n FRx = i=1 n Fix = i=1 n Fi cos αi (1.2.5) gilt Fi = Fix + Fiy = ex Fix + ey Fiy = ex (Fi cos αi ) + ey (Fi sin αi ) FR = FRx + FRy = ex FRx + ey FRy Durch Einsetzen von (1. folgt aus (1.

2. wie es analytisch in (1.2.3 FR F1 Meist erfolgt die Zerlegung in zwei senkrecht aufeinander stehende Komponenten. Besonders einfach und anschaulich ist die grafische Lösung.3 Gleichgewicht Eine zentrale Kräftegruppe ist im Gleichgewicht.2) folgt für den Betrag der Resultierenden y FR FRy FR = 2 2 FRx + FRy . Die Zerlegung einer Kraft in mehr als zwei Richtungen ist nicht eindeutig. i=1 FRy = .8 Statik Nach (1. FRx Zerlegung einer Kraft in zwei Richtungen In der Ebene ist die Zerlegung einer Kraft in zwei Richtungen eindeutig möglich. 2 FR F2 1 Bild 1.5) getan wurde. wie Bild 1. Das bedeutet a) für den grafischen Lösungsweg: Der Kräfteplan muß sich schließen.3 zeigt.2 x Die Richtung der Resultierenden ergibt sich aus FRy tan αR = . aR FRx Bild 1. b) für den analytischen Lösungsweg: n FRx = FR = 0 ⇒ i=1 n Fix = 0 (1. wenn die statisch äquivalente Resultierende verschwindet.2. Die Lösung kann wieder grafisch oder analytisch erfolgen. 1.2 1.2.10) Fiy = 0 .2.

Man spricht in diesem Falle auch von einer nichtzentralen Kräftegruppe. ohne dass sich seine Wirkung auf den starren Körper ändert. Es ist notwendig. auch die Momentenwirkung der Kräfte zu berücksichtigen. herrscht Gleichgewicht. Ist die Summe Null. von dem bei einer ebenen Kräftegruppe nur eine Komponente übrigbleibt.2).3. 1.1 Der Drehsinn des Kräftepaares wird im mathematisch positiven Sinn (entgegen dem Uhrzeigersinn) mit dem positiven Vorzeichen ( + ) und im mathematisch negativen Sinn (im Uhrzeigersinn) mit dem negativen Vorzeichen ( − ) beschrieben.3. b) Ein Kräftepaar darf in seiner Wirkungsebene beliebig verschoben werden. 1. eines beliebigen Bezugspunktes (siehe hierzu Kap. dass aber das Kräftepaar eine Drehwirkung erzeugt. dass das Kräftegleichgewicht (1. Für das Kräftepaar gelten folgende Aussagen: a) Das Moment eines Kräftepaares ist gleich der Summe der Momente der beiden Einzelkräfte bez.1 behandelt. 1. F a F .Allgemeine ebene Kräftegruppe 9 (1. Die Drehwirkung ist proportional der Kraft F und dem Abstand a. wird im Kapitel 1.10) zwar erfüllt ist. entgegengesetzt gerichtete. Daß ein Moment im Raum ein Vektor ist. Man erkennt. (+ −) . c) Das resultierende Moment mehrerer Kräftepaare folgt aus der algebraischen Summe der Momente der einzelnen Kräftepaare (unter Beachtung des Drehsinns).4. Ein Kräftepaar ist durch Angabe des Betrages und des Drehsinns des Moments eindeutig bestimmt.1 Das Kräftepaar Als Kräftepaar bezeichnet man zwei gleich große.10) bezeichnet man als Kräftegleichgewichtsbedingungen (in diesem Fall für die Kraftkomponenten in x– und y–Richtung).3 Allgemeine ebene Kräftegruppe Bei der allgemeinen Kräftegruppe schneiden sich nicht mehr alle Wirkungslinien in einem Punkt. Damit entsteht das Moment des Kräftepaares M = aF Bild 1. aber auf parallel zueinander verlaufenden Wirkungslinien liegende Kräfte.3.

13) Will man die Kräfte Fi zu einer Resultierenden FR zusammenfassen.2 x MA = a F = xF Fy − yF Fx (1. (1.3. d. y F = y F M=aF x Bild 1.2 Moment einer Kraft Eine Kraft F bewirkt bez.3 a x 1. In Komponentendarstellung gilt: a xF Bild 1. (1.3.11) Fx A Der senkrechte Abstand a des Bezugspunktes A von der Wirkungslinie wird Hebelarm genannt. MA = aR FR = xR FRy − yR FRx = ai Fi i .3).3 Reduktion Mehrere Kräfte ergeben das Moment MA = i ai Fi = i (xi Fiy − yi Fix ) .3. so muß die Resultierende die gleiche Momentenwirkung haben wie die einzelnen Kräfte.3.14) .3. (1.h.12) Die Parallelverschiebung der Kraft F um den Abstand a bedingt demnach die Hinzunahme eines Momentes M = a F (Bild 1. eines nicht auf seiner Wirkungslinie liegenden beliebigen Bezugspunktes A ein Moment vom Betrag y Fy yF F MA = a F (+ −) .10 Statik 1.

1.4.14). .Räumliche Kräftegruppe 11 Bei der analytischen Reduktion einer allgemeinen ebenen Kräftegruppe folgen somit die Komponenten FRx und FRy aus (1. Werden beide Kräftegleichgewichtsbedingungen ersetzt.B. 1.3.15) wobei der Bezugspunkt A beliebig gewählt werden kann. die beiden Kräftegleichgewichtsbedingungen in x– und y– Richtung durch zwei weitere Momentengleichgewichtsbedingungen um voneinander verschiedene neue Bezugspunkte B und C zu ersetzen.4 Räumliche Kräftegruppe Wir wollen die räumliche Kräftegruppe nur in dem Umfang behandeln. wie es zum Verständnis der in der Festigkeitslehre betrachteten Beanspruchungsarten eines Trägers erforderlich ist. 1.1 Momentenvektor Bei der ebenen Kräftegruppe traten nur zwei Komponenten des Kraftvektors und eine Komponente des Momentenvektors auf. (1.16) (xi Fiy − yi Fix ) = 0 . MAi = i Häufig ist es vorteilhafter.4 Gleichgewicht Die Gleichgewichtsbedingungen der ebenen Statik lauten: FR = 0 und MA = 0 . so dürfen z. In Komponentendarstellung folgt: n FRx = i=1 n Fix = 0 Fiy = 0 i=1 n FRy = MA = i=1 (1.10) und die Wirkungslinie der Resultierenden yR (xR ) aus (1. Wird nur eine Kräftegleichgewichtsbedingung ersetzt. so darf der neue Bezugspunkt nicht auf einer parallel zur ersetzten Kraftrichtung durch den Bezugspunkt A verlaufenden Geraden liegen. Dabei müssen aber die neu eingeführten Bezugspunkte gewisse Bedingungen erfüllen. die drei Bezugspunkte nicht auf einer gemeinsamen Geraden liegen.

ohne seine Wirkung auf einen starren Körper zu ändern. z = 0 für die ebene Kräftegruppe auf M = (xF Fy − yF Fx )ez reduziert.12) ist. dass sich (1.18) Man erkennt.1 M = r×F = (ex xF + ey yF + ez zF ) × (ex Fx + ey Fy + ez Fz ) = (yF Fz − zF Fy )ex + (zF Fx − xF Fz )ey + (xF Fy − yF Fx )ez = ex ey ez xF yF zF Fx Fy Fz . In der Darstellung wird für den Momentenvektor häufig ein Doppelpfeil benutzt. In einem kartesischen Koordinatensystem bedeutet das z F z F = ex Fx + ey Fy + ez Fz M = ex Mx + ey My + ez Mz (1. was in Übereinstimmung mit (1. der beliebig im Raum parallel verschoben werden darf. dass – F ein gebundener bzw.4.12 Statik Bei der räumlichen Kräftegruppe können alle Komponenten sowohl des Kraftvektors als auch des Momentenvektors vorkommen. eines Punktes 0 (Bild 1.18) mit Fz = 0. – M ein freier Vektor ist. Vom physikalischen Charakter unterscheiden sich Kraft– und Momentenvektor dadurch. der bez.17) M F Das Moment M einer Kraft F bez. ein linienflüchtiger Vektor ist.4. der Wirkung auf einen starren Körper nur entlang seiner Wirkungslinie verschoben werden darf. (1.1) lautet F y r 0 F x y x Bild 1. .

· · · . dann ergibt sich für den Kräftemittelpunkt 1 FR n xR = xs = Fi xi i=1 .5.Der Schwerpunkt 13 1. wenn resultierende Kraft und resultierendes Moment Null sind. Fi .2 Gleichgewichtsbedingungen Ein Körper befindet sich im Gleichgewicht. Faßt man die Kräfte Fi n zur Resultierenden FR = i=1 Fi zusammen.19) Mix = 0 n MR = 0 ⇒ Mi = 0 i=1 ⇒ i=1 n Miy = 0 i=1 n Miz = 0 i=1 1. · · · . Fn .1). die alle in der x–y–Ebene liegen und parallel zur y–Achse wirken (Bild 1.5 1.4. Das bedeutet n Fix = 0 n i=1 n FR = 0 ⇒ Fi = 0 i=1 ⇒ i=1 n Fiy = 0 Fiz = 0 i=1 n (1.1 Der Schwerpunkt Kräfteschwerpunkt von parallelen Kräften Wir betrachten eine Gruppe von n parallelen Kräften F1 . (1.20) .5.

5. und man erhält 1 x dm xs = m (m) ys zs 1 = m (m) y dm z dm (m) bzw.5. (1. Ordnet man diesen differentiell kleinen Massen die Schwerkräfte dm g zu. das bedeutet.2 x Bei konstantem Schwerefeld kann dabei noch durch g gekürzt werden.20) bedeutet das xs ys 1 = FR 1 = FR 1 FR n Fi xi i=1 n Fi yi i=1 n bzw.21) zs = Fi zi i=1 1. Allerdings ist jetzt die Summe differentiell kleiner Größen zu bilden.S dm rS r z Bild 1.1 In Verallgemeinerung von (1.22) 1 = m . rs = 1 m (m) r dm .2 Massenschwerpunkt Wir denken uns eine über ein bestimmtes Volumen verteilte Masse m in unendlich viele differentiell kleine Massen dm zerlegt (Bild 1. (1. 1 rs = FR n Fi ri i=1 . erhält man wieder den im vorigen Kapitel behandelten Fall paralleler Kräfte.14 Statik y F1 Fi x1 Fn xi xn x y xR FR x Bild 1.5.2).5. die Summen sind durch Integrale zu ersetzen. y .

5.24) Für die Aufteilung des Gesamtvolumens V in Teilvolumina Vi gilt rs = 1 V rsi Vi i .22). (1. und aus (1.23) mit den entsprechenden Komponenten analog (1.3 xs = ys zs 1 A (A) x dA y dA (A) 1 = A 1 = A (A) bzw.22) wird y S.B.5. und man erhält den geometrischen Schwerpunkt rs = 1 V (V ) r dV (1. so folgt der Schwerpunkt aus rs = 1 m rsi mi i .26) z dA .22) durch ̺ gekürzt werden.25) 1.5. (1. dünnes Blech) mit konstanter Wanddicke h und konstanter Dichte ̺ (Bild 1. rs = 1 A (A) r dA .3 Flächen– und Linienschwerpunkt Für einen flächenhaften Körper (z. (1. Läßt sich die Masse m in Teilmassen mi mit bekannten Teilschwerpunkten rsi aufteilen.Der Schwerpunkt 15 Für homogene Körper mit konstanter Dichte ̺ kann (1. dA h rS x z Bild 1.3) ist dm = ̺ h dA .

16 Statik In der Festigkeitslehre ist vor allem der Schwerpunkt ebener Flächen (Querschnittsflächen) von Bedeutung.27) .5. z dA bezeichnet man als Flächenmomente 1.4 1 L (L) r ds mit L= (L) ds . ys zs 1 L 1 = L 1 = L Li xsi i Li ysi i (1.4) gilt dm = ̺ A ds und y s d L s rs = . Ordnung verschwinden in Bezug auf ein im Schwerpunkt verankertes Koordinatensystem. (A) Merke: Die Flächenmomente 1.5. S rS x z Bild 1.B. (A) (A) y dA. Ai zsi i Bei linienförmigen Körpern (z.29) . Li zsi i . Bei bekannten Teilflächen Ai mit den Teilschwerpunkten rsi erhält man xs = 1 rs = A Ai rsi i bzw.28) Bei bekannten Teillinien Li mit den Teilschwerpunkten rsi folgt xs = 1 rs = L Li rsi i bzw. Ordnung. ys zs 1 A 1 = A 1 = A Ai xsi i Ai ysi i (1. x dA. schlanker Träger) mit konstanter Querschnittsfläche A und konstanter Dichte ̺ (Bild 1. (1.

In den Gleichgewichtsbedingungen (1. wenn sie auch Momenten. Es wird daher im folgenden gezeigt. dessen Querschnittsabmessungen sehr viel kleiner sind als seine Längsabmessung und das nur in seiner (geraden) Stabachse beansprucht wird. Alle diese Tragwerke faßt man auch (unabhängig von ihrer Beanspruchung) unter dem Begriff Linientragwerk zusammen. Übertragungselemente) eingeschränkt ist und das in der Lage ist. Treten auch Momenten. Scheiben. 0 (1. werden als Scheiben bezeichnet.2 Belastungs– und Lagerungsarten Eingeprägte Kräfte belasten ein Tragwerk. Ebene Bauteile. bei denen die Dickenabmessung sehr viel kleiner ist als die sonstigen Abmessungen.und Querbeanspruchungen auf. welche Kraft– und Momentenwirkungen Streckenlasten haben.und Querbelastungen aufnehmen.30) . wenn mehrere Balken mit unterschiedlichen Achsrichtungen zusammengesetzt sind. so spricht man von Schalen. wenn die Längsachse gerade.Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 17 1. so kommen als Belastungen Kräfte.6. eingeprägte Kräfte aufzunehmen. Auflager und Verbindungselemente verhindern die Beweglichkeit und ergeben die Reaktionskräfte. Unter einem Stab versteht man ein Bauteil. Die resultierende Kraft der Streckenlast q(x) im Bereich 0 ≤ x ≤ l beträgt l |Fq | = q(x) dx .6. wenn die Längsachse gekrümmt und von Rahmen. Die Elemente eines Tragwerks werden entsprechend ihrer Form und Beanspruchungsart in verschiedene Klassen eingeteilt. wenn sie nur in der Scheibenebene belastet werden und als Platten. Momente und Streckenlasten (Linienlasten) in Frage. so spricht man von einem geraden Balken. vom Bogenträger. Werden nur Linientragwerke betrachtet.16) erscheinen jedoch nur Kräfte und Momente. dessen Beweglichkeit durch geometrische Bindungen (Auflager. Platten und Schalen werden zusammenfassend auch als Flächentragwerke bezeichnet. Handelt es sich um gekrümmte Elemente.6 1.1 Auflagerreaktionen ebener Tragwerke Elemente eines Tragwerks Allgemein versteht man unter einem Tragwerk ein aus mehreren Elementen zusammengesetztes Bauwerk. 1.

Lager.6. Die statische Wertigkeit (Fesselwirkung) wird mit ai bezeichnet.1 sind einige typische Lagerungsarten und ihre Symbole zusammengefaßt.1 In der Tabelle 1. (1. Man unterscheidet ein–. Rollenlager Ausführung (Beispiele) Symbol Wertigkeit Statische ai Lagerreaktionen 1 Pendelstütze 1 Festes Gelenk. Loslager.31) q (x) A x l Bild 1. Lagertyp verschiebl. Festlager 2 Doppelstütze 2 .18 Statik Das Moment um den Bezugspunkt A folgt aus l |Mq | = 0 x q(x) dx . zwei– und dreiwertige Lager.

2 statisch bestimmt gelagert.6. (1. dass das Tragwerk tragfähig ist (Starrheitsbedingung). Die Lagerungen mit den entsprechenden Wertigkeiten ai vermindern den Freiheitsgrad entsprechend f = 3−a mit a= i ai . So sind beispielsweise die Balken a) und b) in Bild 1.1 1.32) Die notwendige Bedingung. f ≤0 .Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 19 Lagertyp Ausführung (Beispiele) Symbol Wertigkeit Statische ai Lagerreaktionen Parallelführung 2 Schiebehülse 2 feste Einspannung Tabelle 1. . Diese Bedingung ist jedoch nicht hinreichend. wenn die drei Gleichgewichtsbedingungen der Ebene ausreichen. so spricht man von einem statisch unbestimmt gelagerten Tragwerk.6. der Balken c) hingegen einfach statisch unbestimmt. lautet a≥3 bzw.3 Statische Bestimmtheit 3 Ein aus einem Element bestehendes ebenes Tragwerk besitzt ohne Bindungen den Freiheitsgrad f = 3. Treten mehr als drei Auflagerreaktionen auf. Das aus einem Element bestehende ebene Tragwerk ist statisch bestimmt gelagert. die drei unbekannten Auflagerreaktionen zu bestimmen. Dazu werden später noch Beispiele genannt.

b) die Wirkungslinien aller drei Auflagerreaktionen parallel verlaufen. f = 0. Bild 1. Für f < 0 (statisch unbestimmte Lagerung) reichen die Gleichgewichtsbedingungen für eine eindeutige Bestimmung der Auflagerreaktionen nicht aus.3 Ausnahmefälle liegen vor.6. die sich aber trotzdem nicht mit Hilfe der Gleichgewichtsbedingungen lösen lassen.2 c) Die notwendige Bedingung für die statische Bestimmtheit für ein Element in der Ebene lautet demnach a=3 bzw. . für die die notwendige Bedingung der statischen Bestimmtheit erfüllt ist. c) die Auflagerreaktionen aus einem Moment und zwei Kräften bestehen und diese zueinander parallel sind. wenn a) die Wirkungslinien aller drei Auflagerkräfte durch einen Punkt gehen. (1.6.33) Nachstehend sind einige Ausnahmefälle gezeigt.20 Statik F F F a) b) Bild 1.

Beim statisch unbestimmten Problem muß man die Idealisierung „starrer Körper“ aufgeben. Bild 1. Dies kann sowohl analytisch als auch grafisch erfolgen. um eine eindeutige Lösung zu erhalten. Beispiel: analytische Bestimmung der Auflagerreaktionen F1 F2 α AH B a2 l AV a1 F1 F2 α A a1 a2 l B a) wirkliches System Gleichgewichtsbedingungen: → A b) freigeschnittenes System ↑ AV + B − F1 − F2 sin α = 0 Bl − F1 a1 − F2 a2 sin α = 0 AH − F2 cos α = 0 .4 Bestimmung der Auflagerreaktionen Bei statisch bestimmten Aufgaben werden die Auflagerreaktionen mit Hilfe der Gleichgewichtsbedingungen bestimmt.6.6.Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 21 Zum Beispiel würde für den in Bild 1.4 skizzierten Fall einer einfach statisch unbestimmten Lagerung für jeden auf der Wirkungslinie von F liegenden Schnittpunkt der Kräfte eine statisch mögliche Lösung existieren.4 1.6.

Man kann das Aufstellen einer weiteren Momentengleichgewichtsbedingung auch als Kontrolle der Berechnung benutzen. . Bei n Elementen sind dies f = 3n Freiheitsgrade.2 zeigt drei Verbindungselemente.22 Statik Aus den 3 Gleichungen ergeben sich die 3 Unbekannten: AH = F2 cos α AV = F1 1 − a2 a1 + F2 sin α 1 − l l a1 a2 B = F1 + F2 sin α l l Durch ein Momentengleichgewicht um B B − AV l + F1 (l − a1 ) + F2 sin α(l − a2 ) = 0 anstelle des Gleichgewichts der vertikalen Kräfte läßt sich gleich ein entkoppeltes Gleichungssystem bilden. Die Tabelle 1.6. 1. Die Wertigkeit der Verbindungselemente wird mit zi bezeichnet.5 Mehrgliedrige Tragwerke Es sind mehrere Tragwerkselemente durch Verbindungselemente miteinander gekoppelt. Momente und schränken die Beweglichkeit der Elemente ein. Die Verbindungselemente übertragen Kräfte bzw. Durch die Lagerungen werden hiervon a = ai und durch die Verbindungselemente z = zi Freiheitsgrade eingeschränkt.2 2 Jedes Element hat zunächst 3 Freiheitsgrade. Verbindungselement Pendelstütze Ausführung Übertragbare Kräfte Wertigkeit zi 1 Gelenk 2 Parallelführung Tabelle 1.

Beispiel: Prüfung auf statische Bestimmtheit a) F z=2 b) F z=2 a=3 a=1 c) a=3 a=1 a=1 F z=2 a=3 a=1 Bild 1.5 verdeutlicht.34) Die notwendige Bedingung für die Tragfähigkeit des Systems lautet f ≤ 0.6. . Den 6 Auflager– und Gelenkreaktionen stehen dann die 2 × 3 = 6 Gleichgewichtsbedingungen gegenüber.6. wenn die 3 Gelenke A. Ein statisch bestimmtes System muß die Bedingung f = 0 erfüllen. Es können jedoch auch hier wieder Ausnahmefälle auftreten.6 dargestellt.5 c): f = 3n − (a + z) = 3 · 2 − (4 + 2) = 0 f = 3n − (a + z) = 3 · 2 − (5 + 2) = −1 f = 3n − (a + z) = 3 · 2 − (4 + 2) = 0 stat.Auflagerreaktionen ebener Tragwerke 23 Somit gilt: f = 3n − (a + z) (1.6. Dies wird in Bild 1.5 a): Bild 1.5 c) gilt zwar der Gesamtfreiheitsgrad f = 0. bestimmt 1-fach statisch unbestimmt Ausnahmefall! Für das Tragwerk 1. Die analytische Ermittlung der Auflager– und Gelenkreaktionen erfolgt durch Freischneiden der beiden Trägerteile. Zwei typische Vertreter mehrgliedriger Tragwerke sind der Dreigelenkbogen und der Gerberträger. der linke Balken ist aber statisch unbestimmt gelagert und der rechte ist beweglich. Der Dreigelenkbogen ist in Bild 1.6.6.6. Er ist immer dann statisch bestimmt.5 b): Bild 1.6.5 Bild 1. B und G nicht auf einer Geraden liegen.

andererseits aber auch zusätzliche Gelenke eingebaut werden.6 Gerberträger entstehen dadurch.6. so dass die statische Bestimmtheit erhalten bleibt. Beispiel: Gerber-Träger 1 F G A l l l B AH MA AV GV l GH GV l l GH F 2 B a) Gerberträger (Gelenkträger) b) freigeschnittenes System Gleichgewichtsbedingungen und Ergebnisse für die beiden Balken 1 und 2 lauten: a) Balken 2: G → ↑ b) Balken 1: → ↑ A − F l + B 2l = 0 −GH = 0 B − GV − F = 0 AH + GH = 0 AV + GV = 0 MA + GV l = 0 ⇒ 1 B= F 2 GH = 0 1 GV = − F 2 AH = −GH = 0 1 AV = −GV = F 2 1 MA = −GV l = F l 2 ⇒ ⇒ ⇒ ⇒ ⇒ . dass bei sehr langen Trägern Zwischenlager eingeführt werden.24 Statik F1 G F2 GV F1 GH GH GV F2 BH A B AH AV b) freigeschnittenes System BV a) Dreigelenkbogen (wirkliches System) Bild 1. Durch geschickte Wahl der Zwischengelenke kann die Momentenbeanspruchung des Trägers minimiert werden.

Eine häufig verwendete Vorzeichenregel. Das sind die Bestimmungsgleichungen für die Schnittreaktionen. bei dem die x–Achse in Richtung der Balkenachse und die z–Achse nach unten weist.7 1. Ohne Begründung an dieser Stelle wollen wir den Querschnittsschwerpunkt als Bezugspunkt der Reduktion wählen (Bild 1. Die resultierende Wirkung der inneren Kräfte ergibt die Schnittreaktionen (Schnittgrößen). In der Ebene sind das zwei Komponenten der Schnittkraft.Schnittreaktionen eines Balkens 25 1.2 dargestellte: M(x) M(x) Q(x) n ex ez z x n Q(x) N(x) N(x) positives negatives Schnittufer Bild 1.7. . wobei sowohl der linke als auch der rechte Balkenteil benutzt werden kann.7. der wir uns hier anschließen wollen. War vor dem Schnitt das Gleichgewicht für den gesamten Balken erfüllt. so müssen nach dem Schnitt beide durch den Schnitt entstandenen Teile im Gleichgewicht sein. die Normalkraft N(x) und die Querkraft Q(x).2 Die Vorzeichenregel orientiert sich an einem Koordinatensystem. sowie ein Schnittmoment M(x).7. Der Schnitt erfolgt senkrecht zur Balkenachse.1 B Gemäß dem Wechselwirkungsgesetz sind die Schnittreaktionen an beiden Schnittufern jeweils entgegengesetzt gerichtet. Der auf den Schnittufern jeweils vom Material nach außen gerichtete Normalenvektor n definiert ein positives (n in Richtung von ex ) und ein negatives (n entgegen der Richtung von ex ) Schnittufer. ist die in Bild 1.7. F q(x) AH F q(x) A z x B AV Bild 1.1 Schnittreaktionen eines Balkens Definition der Schnittreaktionen in der Ebene Zur Erfassung der inneren Kräfte müssen wir einen gedanklichen Schnitt durch den Balken legen.1).7.

2 Gerader Balken Bei geraden Balken liegen alle Querschnittsschwerpunkte auf einer Geraden. erhält man einen differentiellen Zusammenhang zwischen Streckenlast q(x). Schräge Einzellasten zerlegt man zweckmäßigerweise in Komponenten in Längs– und Querrichtung des Balkens.36) ermöglicht die Ermittlung der Schnittgrößen Q(x) und M(x) durch ein– bzw. Schneidet man ein differentiell kleines Teilchen des Balkens heraus und stellt die Gleichgewichtsbedingungen für dieses Teilchen auf. (1.35) dM(x) = +Q(x) dx M(x) = + Q(x) dx .7. Momente und kontinuierlich verteilte Lasten (Streckenlasten) vorkommen. Querkraft Q(x) und Moment M(x). zweimalige Integration der Streckenlast q(x). Als Belastung können Einzelkräfte. 1.3 → −N(x) + [N(x) + dN(x)] + n(x)dx = 0 ↑ Q(x) − [Q(x) + dQ(x)] − q(x)dx = 0 dx dx 0 − M(x) + [M(x) + dM(x)] − Q(x) − [Q(x) + dQ(x)] =0 2 2 Daraus folgt: dN(x) + n(x)dx = 0 dQ(x) + q(x)dx = 0 ⇒ ⇒ dN(x) = −n(x) dx dQ(x) = −q(x) dx Q(x) = − dM(x) − Q(x)dx = 0 ⇒ q(x) dx (1.26 Statik Die Regel lautet: Positive Schnittgrößen zeigen am positiven Schnittufer in positive Koordinatenrichtungen und am negativen Schnittufer in negative Koordinatenrichtungen.7. q(x) M(x) N(x) Q(x) x n(x) 0 dx M(x+dx) =M(x)+dM(x) N(x+dx) =N(x)+dN(x) Q(x+dx) =Q(x)+dQ(x) Bild 1.36) (1. .

M(xi ) zu berechnen. Gesucht: Auflager– und Schnittreaktionen.4 x3 l 3. Bereich 1 ql 2 Wegen der Unstetigkeiten der Belastungen kann nicht nur je eine Gleichung N(x).36). und für jeden Bereich ist ein Formelsatz N(xi ). M0 = ql2 . F = √ 2 ql.7. eine Einzelkraft F (unter 45o ) und ein Moment M0 belastet.4 b) dargestellten Ergebnisse. l. Bereich z3 Bild 1. Die Unstetigkeiten der Belastungen (Angreifen einer Einzelkraft oder eines Momentes oder eine unstetige Änderung der Streckenlast) kennzeichnen die Bereichsgrenzen. sondern der Balken ist in Bereiche zu unterteilen. Q(xi ). Bereich z2 x2 l 2. Die Bestimmung der Auflagerreaktionen aus den Gleichgewichtsbedingungen für den gesamten Balken führt auf die in Bild 1. In jedem Bereich ist einmal zu schneiden. Q(x) und M(x) für den gesamten Balken aufgestellt werden.7.Schnittreaktionen eines Balkens 27 Zur Bestimmung der Schnittreaktionen dienen entweder die Gleichgewichtsbedingungen für den linken oder den rechten Balkenteil nach einem entsprechenden Schnitt oder die Beziehungen (1. Gegeben: q. q M0 F 45° A a) q ql 3 ql 2 b) z1 l l ql ql2 ql l B x1 l 1. . Beispiel: Bestimmung der Schnittreaktionen (I) Ein gerader Balken der Länge 3l ist durch eine konstante Streckenlast q. Beide Vorgehensweisen werden an je einem Beispiel erklärt.

28 Statik 1.5 ql ql l-x2 l 1 ql 2 N(x2 ) = −ql 1 1 ↑ Q(x2 ) = − ql + ql = ql 2 2 1 1 x2 M(x2 ) = ql(2l − x2 ) − ql(l − x2 ) = qlx2 2 2 → 3.7. Bereich: 0 ≤ x1 < l q ql 3 ql 2 x1 z1 M(x1) N(x1) Q(x1) N(x1 ) = −ql 3 ↑ Q(x1 ) = ql − qx1 2 3 x2 x1 M(x1 ) = qlx1 − q 1 2 2 → 2.7.6 . Bereich: 0 ≤ x3 < l M(x3) l-x3 1 ql 2 → ↑ x3 N(x3 ) = 0 1 Q(x3 ) = − ql 2 1 M(x3 ) = ql(l − x3 ) 2 x3 z3 N(x3) Q(x3) Bild 1. Bereich: 0 ≤ x2 < l M(x2) x2 z2 N(x2) Q(x2) Bild 1.

Bild 1.ql Q(x) 3 ql 2 + 1 ql 2 - 1 ql 2 + M(x) Bild 1.7. l. zweimalige Integration der Streckenlast q(x) zur Ermittlung von Querkraft Q(x) und Moment M(x) nach (1. Positive Momente sind dabei nach unten aufgetragen. Bei dieser Vorgehensweise müssen die Auflagerreaktionen nicht vorher bestimmt werden.7 + ql² 1 ql² 2 Die grafische Darstellung der Schnittreaktionen zeigt Bild 1.7.Schnittreaktionen eines Balkens 29 N(x) . Eine ein– bzw. da man so die Momente auf der Zugseite des auf Biegung beanspruchten Balkens eingezeichnet hat. wenn die Ermittlung der resultierenden Kraft– und Momentenwirkung der Streckenlast ohnehin eine Integration erfordert. Beispiel: Bestimmung der Schnittreaktionen (II) Gegeben: q0 .7. Diese Art der Darstellung ist allgemein üblich. q(x) = q0 2 x x − l l 2 A z x l B Gesucht: Auflager– und Schnittreaktionen.8 Q = − M = + q(x) dx = −q0 l Q(x) dx = −q0 l2 x 2 1 x 3 − + C1 l 3 l 1 x 3 1 x 4 x + C2 − + C1 3 l 12 l l .7.36) wird zweckmäßigerweise dann vorgenommen.

Die xi –Koordinate zeigt in Balkenrichtung.7. zi ) eingeführt. Abwinklungen oder Verzweigungen stellen geometrische Unstetigkeiten dar.08967 q0l² + M(x) 0. .55 l 1.55 l 0. Die Auflagerkräfte lassen sich aus dem Querkraftverlauf berechnen. Die Schnittgrößen orientieren sich am lokalen Koordinatensystem. die zi –Koordinate ist dazu im Uhrzeigersinn um 90o gedreht (letztere in Bild 1. 1 A = Q(x = 0) = q0 l 4 5 B = −Q(x = l) = q0 l 12 Die grafische Darstellung der Schnittreaktionen zeigt Bild 1. deren Balkenachsen nicht auf einer Geraden liegen.7. wobei die gleiche Vorzeichenregel wie beim geraden Balken gilt. Für jeden Bereich des Rahmens wird ein lokales Koordinatensystem (xi . die getrennte Bereiche zur Ermittlung der Schnittreaktionen erfordern.7.10 nicht eingezeichnet). 1 sowie 4 1 x 3 3 l x 3 1 x + l 12 l x 2 1 − + 4 l 1 x 1 M = q0 l2 − 4 l 3 4 .3 Rahmenträger Unter Rahmen werden Tragwerke verstanden. Q(x) + A= 1 ql 4 0 B= 5 ql 12 0 Bild 1.30 Statik Die Integrationskonstanten C1 und C2 folgen aus den Randbedingungen M(x = 0) = 0 Das führt auf C2 = 0 und C1 = − Q = q0 l und M(x = l) = 0 . die aus mehreren Balken zusammengesetzt sind.7.9 0.9.

7.10 1) Auflagerreaktionen: A ↑ → 2) Schnittreaktionen: − F 2a + F a + Ba = 0 −F + B + AV = 0 F + AH = 0 ⇒ ⇒ ⇒ B=F AV = 0 AH = −F a F z1 z2 x3 B x2 a z3 F F a b) freigeschnittenes System M(x1) F x1 z1 Q(x1) M(x3) N(x1) x2 z2 N(x3) Q(x2) M(x2) N(x2) F a-x2 x3 Q(x3) z3 F F Damit lauten die Normalkraft–.Schnittreaktionen eines Balkens 31 Beispiel: Rahmenträger a A F AH x1 a AV B a a) wirkliches System Bild 1. Querkraft– und Momentenverläufe: Schnittgröße N(xi ) Q(xi ) M(xi ) Bereich 1 Bereich 2 F 0 0 F 0 −F (a − x2 ) Bereich 3 −F −F −F x3 .

der an einem Ende eingespannt und am anderen Ende durch eine Einzelkraft F belastet ist.7.4 Bogenträger Wir betrachten einen halbkreisförmigen Bogenträger. es gibt nur einen Bereich. Als Koordinate zur Kennzeichnung der Schnittstelle kann die Kreisbogenkoordinate s oder der Winkel ϕ benutzt werden. Damit kann jede Stelle des Trägers erfaßt werden. M(x1=a) N(x1=a) Q(x1=a) M(x2=0) N(x2=0) Q(x3=a) M(x3=a) Q(x2=0) N(x3=a) → ↑ I −M(x1 = a) + M(x2 = 0) − M(x3 = a) = 0 −N(x1 = a) − Q(x3 = a) + N(x2 = 0) = 0 Q(x1 = a) − Q(x2 = 0) − N(x3 = a) = 0 Grafische Darstellung der Ergebnisse: F + _ F _ + -Fa _ -F -F _ Normalkraftverlauf Querkraftverlauf Momentenverlauf 1.h. d. wobei s = rϕ gilt..32 Statik Zur Probe wird das Gleichgewicht für das Knotenstück aufgestellt. .

12 sind die Schnittreaktionen bei ebener und räumlicher Belastung eines Balkens gegenübergestellt.5 Definition der Schnittreaktionen im Raum Wie beim ebenen Kraftsystem wird auch bei räumlich belasteten Balken zur Ermittlung der Schnittreaktionen ein gedachter Schnitt durch den Balken geführt.Schnittreaktionen eines Balkens 33 et en j F r M(j) N(j) Q(j) j s F F a) wirkliches System Bild 1. 1. wird ein lokales en . et –System eingeführt. und an der Schnittstelle werden die möglichen Kräfte und Momente angetragen. Im räumlichen Fall sind das alle 3 Komponenten einer Kraft und alle 3 Komponenten eines Momentes.11 b) freigeschnittenes System Da die Schnittkraft wie bisher in eine Komponente N normal zur Schnittfläche und eine Komponente Q in der Schnittfläche zerlegt werden soll. In Bild 1.7.7.7. . Für den linken Trägerteil gilt: N(ϕ) − F sin ϕ = 0 Q(ϕ) − F cos ϕ = 0 M(ϕ) − F r sin ϕ = 0 ⇒ ⇒ ⇒ N(ϕ) = F sin ϕ Q(ϕ) = F cos ϕ M(ϕ) = F r sin ϕ Auf die grafische Darstellung der Schnittgrößen für den Bogenträger soll hier verzichtet werden.

34 Statik Mb Q z oder N x Qy Mb y a) eben N Qz N x Q z Mby y b) räumlich Bild 1. • 2 Biegemomente (Unterscheidung durch Index). • 1 Torsionsmoment.12 Mt x Mbz z Räumliche Schnittreaktionen am Balken sind • 1 Normalkraft (Längskraft). • 2 Querkräfte (Unterscheidung durch Index). .7.8 Reibung Reale Körper besitzen eine Oberflächenrauhigkeit und können infolge dessen bei Berührung auch Tangentialkräfte (Reibkräfte) übertragen. Die Berechnung der 6 Schnittreaktionen erfolgt durch Aufstellen und Lösen der 6 Gleichgewichtsbedingungen für einen der beiden durch den Schnitt entstandenen Balkenteile. 1. bei der wir den Neigungswinkel α stufenlos verstellen können. Wir betrachten einen Klotz vom Gewicht G auf einer rauhen schiefen Unterlage.

. was durch R = − ausgedrückt werden kann. .5 . 0. 0. v µG N |v| Die Reibungskoeffizienten µH bzw. h.03 0. d.8.Reibung 35 1. Es wirkt weiterhin eine Reibkraft. 1. . α = αmax folgt Hmax = G sin αmax = µH G cos αmax → µH = tan αmax .5 0. Nach Coulomb gilt: R = µG N Die Gleitreibung ist immer der Bewegung entgegengesetzt gerichtet.04 0.1 . Der Winkel αmax wird auch als Haftreibungswinkel bezeichnet. µG hängen im wesentlichen von der Werkstoffpaarung und der Rauhigkeit der berührenden Flächen und weniger von der Größe ab. die nun aber keine Reaktionskraft sondern eine eingeprägte Kraft darstellt.6 0.3 0. 0.6 . Werkstoffpaarung Stahl/Stahl Stahl/Kunststoff Stahl/Eis Holz/Holz Gummireifen/Straße Haftreibungskoeffizient µH 0. Das Coulombsche Reibgesetz lautet: H G cos α α N G Hmax = µH N Aus der Gleichgewichtsbedingung für den Grenzfall des Haftens. Schneiden wir den Klotz frei.015 0.2 Gleitreibung Für α > αmax reicht die maximale Haftkraft nicht mehr aus um den Körper im Gleichgewicht zu halten. 0.1 . so gilt: ց : H = G sin α G sin α ր : N = G cos α Für α = αmax stellt sich die maximal mögliche Grenzkraft Hmax ein.04 0. 0. Der Körper fängt an sich zu bewegen.3 0.4 . . .7 .1 Haftreibung Im Winkelbereich 0 ≤ α < αmax stellt sich die Haftkraft so ein. .9 Gleitreibungskoeffizient µG 0.8. . . In diesem Bereich ist die Haftkraft eine Reaktionskraft. . . dass der Klotz in Ruhe bleibt.

so ist Haften nicht mehr möglich. Liegt die Wirkungslinie von FR auf dem Kegelmantel. Boden und Wand rauh (Haftreibungskoeffizient jeweils µH ) . so wird dadurch der sog.36 Statik 1. Bis zu welcher Stelle x darf eine Person vom Gewicht G steigen. Haftreibungskegel definiert. Der Körper wird sich beschleunigt bewegen. Boden rauh (Haftreibungskoeffizien µH ) und Wand glatt 2. bis die Leiter wegrutscht? Das Leitergewicht sei vernachlässigbar klein. Beispiel: an Wand gelehnte Leiter (analytische und graphische Lösung) Eine Leiter ist in der gezeichneten Weise unter dem Winkel α schräg an eine Wand gestellt. ist Gleichgewicht möglich.8.3 Reibkegel FR H N W αmax n Zeichnet man um die senkrecht zur Berührfläche stehende Normale n einen Rotationskegel mit dem halben Öffnungswinkel αmax . Folgende Fallunterscheidungen sind zu untersuchen: 1. Verläuft die Wirkungslinie der eingeprägten resultierenden Kraft FR innerhalb des Kegels. Verläuft die Wirkungslinie von FR außerhalb des Haftreibungskegels. so ist gerade der Grenzfall des Haftens erreicht.

Fall: (Boden rauh und Wand glatt) analytische Lösung NB Gleichgewicht: G → : HA − NB = 0 ↑ : NA − G = 0 A : NB h − Gx = 0 Daraus folgt: NB = HA h HA NA NA = G HA NB =h x = h G G x Die Haftbedingung lautet: Damit folgt HA ≤ µH NA = µH G x ≤ µH h graphische Lösung M NB G x A αmax αmax Die Leiter ist gerade noch im Gleichgewicht. Daraus ergibt sich der Grenzabstand x. Die Wirkungslinie von G muß durch den gemeinsamen Schnittpunkt M gehen. Ferner müssen sich die Wirkungslinien der drei Kräfte in einem Punkt (zentrales Kraftsystem) schneiden.Reibung 37 1. wenn die Wirkungslinie der Auflagerkraft A auf der Mantellinie des Haftreibungssektors liegt. . Damit sind die Wirkungslinien der Auflagerreaktionen bekannt.

läßt sich die Aufgabe dennoch eindeutig lösen. Den vier unbekannten Reaktionskräften stehen nur drei Gleichgewichtsbedingungen gegenüber. 1 + µ2 H NA + µH NB = G ·1 µH NA − NB = 0 NB = µH G 1 + µ2 H β) ·µH h : NA + HB − G = 0 ·µH ·(−1) Mit (5) eingesetzt in (3) folgt x=h µH (1 + µH tan α) NB (1 + µH tan α) = h G 1 + µ2 H . Fall: (Boden und Wand rauh) analytische Lösung NB HB α G HA NA x h tanα Die Aufgabe ist einfach statisch unbestimmt. dass an beiden Auflagern A und B die maximale Haftkraft ausgenützt wird. Für den Grenzfall. (1) (2) (3) (4) (5) ↑ A → : HA − NB = 0 : −Gx + NB h + HB h tan α = 0 HA = µH NA HB = µH NB α) Mit (1) und (5) Mit (2) und (4) NA = ⇒ ⇒ 1 G. Den insgesamt 5 Unbekannten (4 Reaktionskräfte und der Abstand x) stehen dann die drei Gleichgewichtsbedingungen und die beiden Coulombschen Reibbeziehungen gegenüber.38 Statik 2.

ist hieraus leicht zu entnehmen. In welchem Abstand h muß die Schnur an der Wand befestigt werden? .Reibung 39 graphische Lösung 2αmax G 2αmax Trägt man an den beiden Auflagerpunkten die Haftreibungssektoren an. Die Schnur ist im Punkt C am Bild befestigt. dass es sich ohne eine zusätzliche Abstützung in der gezeichneten Lage gegen eine rauhe Wand lehnt. so stellt der schraffierte Überlappungsbereich den geometrischen Ort aller möglichen Lagen des gemeinsamen Schnittpunktes M der drei Wirkungslinien dar. x Beispiel: aufgehängtes Bild B C h G A µH Ein Bild soll an einer Schnur so aufgehängt werden. für den der maximale Abstand x folgt. für den Gleichgewicht möglich ist. Der Punkt.

wenn sich die drei Wirkungslinien der Gewichtskraft G. S Β G Μ 2αmax Das Bild ist im Gleichgewicht. Die Grenzzustände ergeben sich dann. hmin ≤ h ≤ hmax hmax h hmin Α .40 Statik Wir wollen hier nur die graphische Lösung betrachten. der Fadenkraft S und der Auflagerkraft A in einem gemeinsamen Schnittpunkt schneiden und dieser innerhalb des Haftreibungssektors des Auflagers A liegt. wenn die Wirkungslinie der Kraft A gerade auf dem Rand des Sektors liegt.

3 und die Torsionsbeanspruchung wird in Kapitel 2. wie der Körper unter Einwirkung äußerer Lasten seine Form ändert. Hierzu müssen wir die Idealisierung „starrer“ Körper verlassen und zur Statik der deformierbaren Körper übergehen. isotropes (richtungsunabhängiges) Materialverhalten voraussetzen.1 2. F F Mb Mb Zug undeformiert deformiert F Biegung Mt Mt F Torsion Schub . Wir wollen uns im Rahmen dieser Betrachtungen auf elastische Körper beschränken (Elastostatik) und homogenes (ortsunabhängiges). Eine Ausnahme davon werden wir im Kapitel über Stabilität kennenlernen.4 näher betrachtet. die Biegebeanspruchung wird in Kapitel 2. zufrieden gegeben. Die Zug-/Druckbeanspruchung wird in Kapitel 2. d. Ferner interessieren wir uns dafür. Die Betrachtung der Verformungen der Körper ermöglicht es. Die Schubbeanspruchung ist hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt und soll in diesem Skript nicht weiter untersucht werden.1. Ordnung). Ferner wollen wir nur kleine Verformungen zulassen. auch statisch unbestimmte Aufgaben zu lösen.Elastostatik und Festigkeitslehre 41 2 2.1 Elastostatik und Festigkeitslehre Grundlagen und Grundbegriffe Einführende Bemerkungen Innerhalb der Statik starrer Körper haben wir uns mit der Ermittlung der Schnittgrößen.2.. Die folgende Abbildung zeigt einen Überblick über die grundlegenden Beanspruchungsarten eines Bauteils. Bei der Aufstellung der Gleichgewichtsbedingungen können wir dann in der Regel von der Geometrie des unverformten Körpers ausgehen (Theorie 1. die die resultierende Wirkung der inneren Kräfte im Balken darstellen. die Verformungen sollen klein gegenüber den Bauteilabmessungen sein.h. Innerhalb der Elastostatik und Festigkeitslehre wollen wir einen Schritt weitergehen und uns über die Verteilung der inneren Kräfte ein Bild verschaffen.

In der Mechanik wird häufig die N Dimension mm2 verwendet.2 Spannungen Um den tatsächlichen an der Trennfläche vorhandenen lokalen Kräfteübertragungsmechanismus besser zu erkennen. Cosserat–Theorie führen.1.1. dass ex mit der vom Material nach außen gerichteten Flächennormalen übereinstimmt (Bild 2.1). die von einer verfeinerten Materieauffassung ausgeht. Die Einbeziehung des Momentenspannungsvektors würde auf die sog. Momentenspannungsvektor m = lim ∆A→0 ∆M dM = ∆A dA Innerhalb der klassischen Mechanik wird der Momentenspannungsvektor m vernachlässigt und nur der bereits von Cauchy eingeführte Spannungsvektor berücksichtigt. 2 mm m Für die weitere Beschreibung des Spannungsvektors verwenden wir ein lokales Basissystem ex . das wir so einführen. ez . Damit lassen sich auch die Schnittmomente beschreiben.1.42 Elastostatik und Festigkeitslehre 2.2) . die im SI–System allgemein durch das N Pascal (Pa) gemäß 1Pa = 1 m2 angegeben wird. ey . Es gilt: 1 N N = 106 2 = 1MPa. Diese jeweils auf die Flächeneinheit bezogenen Schnittreaktionsanteile bezeichnet man im Grenzfall ∆A → 0 als ∆F dF Spannungsvektor σ = lim = ∆A→0 ∆A dA bzw.1. betrachten wir ein Flächenelement ∆A der gedanklichen Trennfläche (Bild 2. A DA DF Bild 2.1 DM Über dieses Flächenelement werde gerade die resultierende Kraftwirkung ∆F und die resultierende Momentenwirkung ∆M übertragen. Die Spannung hat die Dimension Kraft/Fläche.

Um den allgemeinen räumlichen Spannungszustand in einem Innenpunkt des Körpers zu erfassen.1) Man erkennt.1.3 szy x szz szx sxz dz .1. die Schubspannungskomponenten durch ungleiche Indizes charakterisiert. y syy sy syx sz sxy sx sxx syz ey dy ex ez z dx Bild 2. σx = ex σxx + ey σxy + ez σxz (2.1.2 Den auf das nun mit dAx bezeichnete Flächenelement bezogenen Spannungsvektor wollen wir mit σx kennzeichnen. trennt man gedanklich ein infinitesimales Volumenelement dV mit den Kantenlängen dx.Grundlagen und Grundbegriffe 43 Bild 2.3). dass der erste Index der Spannungskomponente die Orientierung des Flächenelementes beschreibt und der zweite Index die Richtung der Spannungskomponente angibt. Die Normalspannungskomponente wird durch gleiche Indizes. dy und dz aus dem belasteten Körper heraus (Bild 2. Die senkrecht zur Schnittfläche wirkende Komponente σxx wird als Normalspannung und die in der Schnittfläche wirkenden Komponenten σxy und σxz werden als Tangential– oder Schubspannungen bezeichnet.

Das Element muß unter Einwirkung aller angreifenden Spannungskomponenten in Kräfte– und Momentengleichgewicht sein. Wir wollen ferner eine auf das Volumen bezogene Kraft f = f (x. y. j = x. z) aus. Dazu denken wir uns wieder ein infinitesimales Volumenelement dV = dx dy dz aus dem Körper herausgetrennt. Als nächstes wollen wir die Bedingungen für das Gleichgewicht eines Spannungszustandes herleiten.2) (i.3) [σij ] =  σyx σyy σyz  σzx σzy σzz In der technischen Anwendung. Mit dieser Darstellung (je ein Vektor in jeder der drei Raumrichtungen) ergibt sich die Spannung allgemein als Tensor 2. z) gegeben ist.44 Elastostatik und Festigkeitslehre An den Schnittflächen dAx . y. σy und σz an. Für den zu dem Punkt P (x. deren Komponentendarstellung durch σx = ex σxx + ey σxy + ez σxz σy = ex σyx + ey σyy + ez σyz σz = ex σzx + ey σzy + ez σzz σi = j kurz ej σij = ej σij (2. in der auf die abkürzende Indexschreibweise verzichtet wird. z) infinitesimal benachbarten Punkt P ′ (x + dx. deren Koordinaten ist der Spannungszustand in dem betrachteten Punkt eindeutig beschrieben. Wir gehen bei der weiteren Betrachtung von einem stetigen. z) zulassen. hat sich die Bezeichnung σ für Normalspannungen und τ für Tangentialspannungen eingebürgert. Vorzeichenregel: Am positiven Schnittufer zeigen positive Spannungskomponenten in positive Koordinatenrichtung. y. y + dy. y. Für die Spannungskomponenten gelte die gleiche Vorzeichenregel wie für die Schnittgrößen. Bei der vorzeichenrichtigen Eintragung der Spannungskomponenten in die Abbildung haben wir zwischen positiven und negativen Schnittufern zu unterscheiden. Bei den Normalspannungen genügt dann ein Index zur Kennzeichnung. Durch die Angabe der drei Spannungsvektoren bzw. am negativen Schnittufer in negative Koordinatenrichtung. Stufe. Es gilt σxx = σx σyy = σy σzz = σz σxy = τxy σyz = τyz σzx = τzx .   σxx σxy σxz   (2. Man faßt die 9 Spannungskomponenten bezüglich einer gewählten Basis zum Spannungstensor zusammen. ortsabhängigen Spannungszustand σij = σij (x. dAy und dAz greifen die Spannungsvektoren σx . z + dz) gilt .

y.1. y. Das Momentengleichgewicht stellen wir um Achsen auf.7) j zusammenfassen. z) ∂σij (x. y + dy. (2. die zu den Koordinatenrichtungen parallel sind und die durch den geometrischen Mittelpunkt des Volumenelementes .4) In Bild 2. z + dz) = σij (x. ∂x ∂y ∂z (2. ∂x ∂y ∂z ∂σxz ∂σyz ∂σzz + + + fz = 0 .1.5) Analog folgt für das Gleichgewicht in y– und z–Richtung: ↑ ւ ∂σxy ∂σyy ∂σzy + + + fy = 0 . y. z) ∂σij (x. z (2. y.5) und (2. ¶ s yx d y ) d z d x ¶ y + (s y x y s x x d y d z s fx d x d y d z z x d x d y d y x z (s z x ¶ s zx + d z ) d x d y ¶ z s y x (s d x d z x x + ¶ s xx d x ) d y d z ¶ x d z d x Bild 2.4 Das Kräftegleichgewicht in x–Richtung liefert: ∂σxx ∂σyx ∂σzx + + + fx = 0 .Grundlagen und Grundbegriffe 45 σij (x + dx. y.6) Die drei Gleichgewichtsbedingungen (2. z) + ∂σij (x. z) dx + dy + dz ∂x ∂y ∂z .6) lassen sich in der Form ∂σji + fi = 0 ∂j mit i.4 sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nur alle in x–Richtung wirkenden Schnittkräfte eingezeichnet. j = x. ∂x ∂y ∂z → (2.

.1. I z Bild 2. y .h.10) beschrieben. Die für das Momentengleichgewicht um die zur x–Achse parallele Achse maßgebenden Schnittkräfte sind in Bild 2.8) gilt.. d. j = x.5 Das Momentengleichgewicht um die Bezugsachse I lautet ∂σyz dy dy dy dxdz + σyz dxdz ∂y 2 2 dz dz ∂σzy dz dxdy − σzy dxdy =0 .9) x (2. betrachten wir die Verformung zweier infinitesimal benachbarter Punkte A(x) und B(x + dx). y. der durch die Kraft S belastet wird. Eine analoge Aussage ergibt sich aus dem Momentengleichgewicht um die zur y– und z–Richtung parallelen Achsen. Um die lokale Dehnung εx eines Stabelementes dx zu erfassen. z (2. − σzy + ∂z 2 2 σyz + Daraus erhält man σyz = σzy .46 Elastostatik und Festigkeitslehre verlaufen. Damit gilt: Das Momentengleichgewicht ist erfüllt.1. wenn σij = σji mit i.3 Verschiebungen und Verzerrungen a) Eindimensionales Verschiebungsfeld: Wir betrachten einen elastischen Stab. 2.1. wenn die Schubspannungskomponenten symmetrisch sind.5 eingezeichnet. Die Verformung des Stabes werde durch das eindimensionale Verschiebungsfeld u = u(x) = ex u(x) (2.

der infinitesimal benachbarte Punkt B die Verschiebung u(x + dx) = u(x) + du. y) = ex ux (x. (2. A′ B ′ − AB du (dx + du) − dx = = dx dx AB εx = . y) und C(x. x S dx u B . u+du undeformierter Zustand A' . .1.12) beschrieben werde. uy .6 Der Punkt A erfährt eine Verschiebung u(x). y) (2. B(x + dx. y + dy) aufgespannte Zweibein vor der Verformung. d. y). . uy + dy ∂x ∂x ∂y ∂y (Bild 2.h. y) + ey uy (x.11) b) Zweidimensionales Verschiebungsfeld: Wir wenden uns der ebenen Verformung einer elastischen Scheibe zu. betrachten wir das von den Punkten A(x. der Punkt ∂ux ∂uy ∂ux ∂uy B um ux + dx bzw. Um die lokalen Dehnungen und Winkeländerungen eines Scheibenelementes zu erfassen. uy + dx und der Punkt C um ux + dy bzw. B' S deformierter Zustand du+dx l Dl Bild 2. die durch das zweidimensionale Verschiebungsfeld u = u(x. Der Punkt A verschiebt sich um ux bzw. Die Dehnung εx des Stabelementes dx ist definiert als der dimensionslose Quotient aus Verlängerung des Elementes zu ursprünglicher Länge.Grundlagen und Grundbegriffe 47 A . B’ und C’ einnimmt.7). das nach der Verformung die Punkte A’.1.

7 ∂ux dx − dx − AB ∂ux ∂x εx = = = dx ∂x AB ∂uy dy − dy dy + A′ C ′ − AC ∂uy ∂y = εy = = . y) uy (x. y) = uy (x. y + dy) = ux (x. y) + ∂y ux (x + dx.48 Elastostatik und Festigkeitslehre y b C' C dy a B' uy y A x ux A' B dx x Bild 2. y) uy (x + dx.1. y) dx ∂x ∂uy (x.13) Damit sind die Dehnungen in x–Richtung (εx ) und in y–Richtung (εy ) durch die Verschiebungsableitungen ausgedrückt. y) + ∂y ∂uy (x.7 Die Verschiebungskomponenten der Punkte A. y) dy uy (x. . y) + dx ∂x ∂ux (x.1. y) + Punkt A: Punkt B: Punkt C: Für kleine Verformungen entnimmt man Bild 2. y) ∂ux (x. y) dy ux (x. y) = ux (x. dy ∂y AC A′ B ′ dx + (2. B und C lauten: ux (x. y + dy) = uy (x.

Stufe dargestellt. z (2. die halbe Winkeländerung als Verzerrung εxy bezeichnet. εij = zusammenfassen. Man erhält ∂ux ∂x ∂uy εy = ∂y ∂uz εz = ∂z εx = (2. Die εij bezeichnet man als die Komponenten des Verzerrungstensors oder kurz als die Verzerrungskomponenten. bei unterschiedlichen Indizes um die halben Schiebungen (auch Winkeländerungen genannt). Die Herleitung der Verzerrungs–Verschiebungs– Beziehungen verläuft wie beim ebenen Fall.15) beschrieben. z) + ez uz (x. z) (2. i.16) läßt sich zu 1 ∂ui ∂uj + 2 ∂j ∂i γxy = 2εxy = γyz γzx ∂ux ∂uy + ∂y ∂x ∂uy ∂uz = 2εyz = + ∂z ∂y ∂uz ∂ux = 2εzx = + ∂x ∂z (2. Bei gleichen Indizes handelt es sich um eine Dehnung. j = x.Grundlagen und Grundbegriffe 49 Die Änderung des rechten Winkels wird als Schiebung γxy bzw.16) . y. y. y. y. Es gilt ∂ux ∂uy dy dx ∂y ∂x = α + β ≈ tan α + tan β = + ∂ux ∂uy dx dy + dy dx + ∂x ∂y ∂ux ∂uy ≪ 1 und ≪ 1 erhält man ∂x ∂y εxy = 1 ∂ux ∂uy + 2 ∂y ∂x . . Unter Beachtung von c) Dreidimensionales Verschiebungsfeld: Die allgemeine räumliche Verformung wird durch das dreidimensionale Verschiebungsfeld u = u(x. z) = ex ux (x. z) + ey uy (x. Zur Erfassung der lokalen Dehnungen wird ein infinitesimales Dreibein vor und nach der Verzerrung verglichen.17) Der allgemeine Verzerrungszustand wird wie der allgemeine Spannungszustand durch einen Tensor 2. (2. y.14) γxy = 2εxy .

wie sie für weiche Baustähle bzw.18) Analog zum Spannungstensor faßt man die dimensionslosen Verzerrungskomponenten zum symmetrischen Verzerrungstensor  εxx εxy εxz   [εij ] =  εyx εyy εyz  εzx εzy εzz  (2. Nach den 6 Komponenten des Spannungstensors haben wir in diesem Kapitel 6 Komponenten des Verzerrungstensors und 3 Komponenten des Verschiebungsvektors kennengelernt.50 Elastostatik und Festigkeitslehre Aus (2.1.8 x . D l l S Bild 2.1. Es muß für den jeweiligen Werkstoff durch das Experiment ermittelt werden.9 zeigt zwei typische Spannungs–Dehnungslinien.1. Dabei wird bei der Spannungsberechnung die Stabkraft auf den unverformten Stabquerschnitt bezogen. Bild 2. In der praktischen Anwendung hat sich die Bezeichnung ε für Dehnungen und γ für Schiebungen eingebürgert.8).17) erkennt man die Symmetrie der Winkelverzerrungen εij = εji (2. hochfeste Stähle gemessen werden. 2. Es gilt εxx = εx εyy = εy εzz = εz 2εxy = γxy 2εyz = γyz 2εzx = γzx . Die gemessene Kraft–Verlängerungskurve wird in eine Spannungs– Dehnungskurve umgerechnet. Hierzu dient meist der einfache Zugversuch als ein Grundversuch der Materialprüfung (Bild 2. Er liefert einen experimentellen Zusammenhang zwischen der Belastung S und der Stabverlängerung ∆l eines geeigneten Probestabes.19) zusammen.1.4 Stoffgesetz Das Stoffgesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Spannungs– und dem Verzerrungszustand.

es bleiben keine meßbaren (unter 0. Werkstoffe zeigen im Verhalten deutliche Unterschiede. Anschließend kommt es zunächst zu einer Verfestigung. dass trotz der Einschnürung (aktuelle Querschnittsverminderung) die Stabkraft nach wie vor auf den Ausgangsquerschnitt A0 bezogen wird.1. d. Sind Spannungen und Dehnungen proportional.10 e b) nichtlinear-elastisch Bleiben nach der Entlastung plastische Verformungen bestehen. ..Grundlagen und Grundbegriffe 51 Bild 2. 0. Bis zu einer Spannung unterhalb Rp 0. der eine lokale Einschnürung und schließlich der Bruch folgen. Idealisierungen stellen das starr–plastische und das linearelastisch–idealplastische Materialverhalten dar. so spricht man von plastischem Materialverhalten.h.. Als Ersatzgröße führt man per Definition die 0. Der vermeintliche Spannungsabfall zwischen der Maximalspannung Rm und der Bruchspannung erklärt sich damit.9 Beim weichen Baustahl zeigt sich eine ausgeprägte Fließgrenze. spricht man von linear–elastischem.01 (Elastizitätsgrenze) verhält sich das Material elastisch.1.h.2 % Dehngrenze (d.h.01 besteht eine lineare Abhängigkeit zwischen Spannung und Dehnung.01 %) plastischen Verformungen nach der Entlastung zurück. d. Bis zur Spannung Rp 0.2 % bleibende plastische Verformung nach der Entlastung) ein. sonst von nichtlinear–elastischem Werkstoffverhalten. das Material verhält sich linear–elastisch. Bei elastischem Verhalten verschwinden die Verformungen nach der Entlastung. s s e a) linear-elastisch Bild 2. Beim hochfesten Stahl fehlt die ausgeprägte natürliche Fließgrenze.

20) Dl = konst. (2.) und spricht vom viskoelastischen Verhalten des Werkstoffes. ε = konst. Im weiteren wollen wir die x–Achse in Richtung der Stabachse legen. Man unterscheidet dann zwischen dem Kriechversuch (S = konst. Dl S S = konst. ε– Linie und der ε–Achse im σ.21) E .52 Elastostatik und Festigkeitslehre I I I A p l A A A p l A A p l c ) p la s tis c h m it V e rfe s tig u n g d ) s ta rr-p la s tis c h Bild 2. ε–Diagramm gedeutet werden.1. b) Relaxationsversuch t mit dem Elastizitätsmodul E. Er kann als Tangens des Winkels α zwischen der σ.12 Im Rahmen der Grundvorlesung Elastostatik wird linear–elastisches Werkstoffverhalten vorausgesetzt. Es gilt das Hookesche Gesetz σ = Eε (2. t a) Kriechversuch Bild 2. Das Hookesche Gesetz lautet dann 1 εx = σx .1.) und dem Relaxationsversuch (∆l bzw.11 e ) lin e a re la s tis c h id e a lp la s tis c h Bei Kunststoffen bereits bei Raumtemperatur und bei Metallen unter hoher Temperatur wird ein stark zeitabhängiges Werkstoffverhalten beobachtet.

(2.Grundlagen und Grundbegriffe 53 Beobachtet man während der Versuchsdurchführung neben der Axialdehnung εx auch die Querdehnungen εy und εz . . (2. (2. Der Schubmodul darf nicht unabhängig von E und ν gesehen werden.3. vielmehr besteht der Zusammenhang E = 2G(1 + ν). Torsionsversuch) durchführen. Die dimensionslose Proportionalitätskonstante ν wird als Querdehnzahl (Poisson–Zahl) bezeichnet.B. .1. txy . τxy = Gγxy Die Proportionalitätskonstante G wird als Schubmodul bezeichnet. muß man einen reinen Scherversuch (z. E ν εz = −νεx = − σx E . dass der einachsige Zugversuch einen räumlichen Verformungszustand hervorruft. und man erhält für den allgemeinen dreidimensionalen Fall das verallgemeinerte Hookesche Gesetz 1 ν ν εx = + σx − σy − σz E E E 1 ν ν εy = − σx + σy − σz E E E ν 1 ν εz = − σx − σy + σz E E E γxy = 1 τxy G 1 γyz = τyz G 1 γzx = τzx G (2. . y x . so findet man den Zusammenhang ν εy = −νεx = − σx .23) τ = Gγ bzw. Um den Zusammenhang zwischen Schubspannungen und Schiebungen zu erhalten. Bild 2.24) Wegen des linearen Zusammenhanges zwischen den Normalspannungen und den Dehnungen sowie den Schubspannungen und den Schiebungen dürfen die einzelnen Beanspruchungsfälle überlagert werden (es gilt das Superpositionsprinzip). Sie können in einem begrenzten Bereich als temperaturunabhängig angesehen werden.25) . N Für Stahl gelten mittlere Werte E = 2 · 105 mm2 und ν = 0.22) Man erkennt.13 Innerhalb der Proportionalitätsgrenze stellt man wieder einen linearen Zusammenhang fest.

εij (6) und ui (3) zur Verfügung.26) mit Θ als Temperaturdifferenz (positiv bei Temperaturerhöhung) gegenüber dem Ausgangszustand und α als Temperaturausdehnungskoeffizient. In einem begrenzten Bereich kann α als temperaturunabhängig angesehen werden.54 Elastostatik und Festigkeitslehre Mit E = 2G(1 + ν) und γij = 2εij sowie unter Benutzung des Kronecker–Symbols 1 für i = j 0 für i = j δij = lassen sich die 6 Beziehungen (2.28) . Lösungen dieses Gleichungssystems existieren jedoch nur für einfache Sonderfälle. (2.7) (3 Gleichungen). Mit (2. (2. j = x. Eisen.26) bzw.27) (2. . Bei linearer Temperaturausdehnung gilt im Falle der Isotropie εθ = εθ = εθ = αΘ x y z (2.25) zu einer gemeinsamen Formel ν 1 σij − δij s 2G 1+ν i.17) (6 Gleichungen) und (2. so dehnt er sich aus.B. und die thermischen Dehnungen überlagern sich den bisher behandelten elastischen Dehnungen. Innerhalb eines Temperaturbereiches von 0 bis 100◦ C gilt z.28) (6 Gleichungen) stehen insgesamt 15 Gleichungen für die 15 Unbekannten σij (6). y. Ändert sich die Temperatur eines Körpers. z und s = σxx + σyy + σzz εij = (2. j = x. rein Stahl Aluminium α ≈ 12 · 10−6 α ≈ (9 · · · 19) · 10−6 α ≈ 24 · 10−6 1/K 1/K 1/K Das verallgemeinerte Hookesche Gesetz für den Fall der Thermoelastizität ergibt sich aus der Überlagerung der elastischen und der thermischen Dehnungen zu ν 1 σij − δij s − 2GαΘ 2G 1+ν i. Man spricht dann von einem thermoelastischen Problem. y. z und s = σxx + σyy + σzz εij = zusammenfassen.

deren Wirkungslinien mit der Stabachse zusammenfallen (zentrische Krafteinleitung). A A du ∆l = = konst.1 F 3. EA stellt die FedersteiDie Größe E A nennt man Dehnsteifigkeit. 2. l F Bild 2.30) in (2. Es treten nur Normalspannungen in Stablängsrichtung auf.2.29) S (x ) x l S (x ) F S(x) = = konst. so können wir (in genügender Entfernung von der Krafteinleitungsstelle) annehmen.29) und (2. Ist der Stabquerschnitt konstant (prismatischer Stab) oder nur wenig veränderlich. Der Ausdruck c = l figkeit des Stabes dar.30) (2.Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben 55 2. (2. dass die Spannung gleichmäßig über den Querschnitt verteilt ist.2. Gleichgewicht: ↑ S(x) − F = 0 ⇒ σ= 2.1 skizzierten prismatischen Stab unter der Wirkung der Kraft F sollen Spannung und Verlängerung berechnet werden.2. Stoffgesetz: Durch Einsetzen von (2. Am einfachsten läßt sich das bei einem Stab mit konstanter Normalkraft und konstantem Querschnitt verfolgen. es handelt sich daher um einen einachsigen Spannungszustand (σxx = σ). die durch Kräfte belastet werden.2 Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben Wir betrachten in diesem Abschnitt Stäbe mit gerader Achse. Für den in Bild 2. dx l ε= σ E (2. Bei einer gleichförmigen Temperaturänderung Θ des betrachteten Stabes gilt ∆l = Fl + αΘl .1 Statisch bestimmte Aufgaben Bei statisch bestimmt gelagerten Tragwerken lassen sich die Schnittgrößen allein mit Hilfe der Gleichgewichtbedingungen berechnen.31) folgt ∆l F = l EA ⇒ ∆l = Fl EA . 1. Ist die Normalkraft auf diese Weise bestimmt.31) . lassen sich anschließend Spannung und Verformung berechnen. EA . Kinematik: ε= S(x) = F = konst.

33) ∆l F Bild 2. Kinematik: ε(x) = 3. S = S(x). auch wenn bei . Eigengewicht). Die Verformungen müssen zur Lösung der Aufgabe mit herangezogen werden. Flächenquerschnitt und Temperaturänderung Funktionen der x–Koordinate sind.2. Auflager– und Schnittreaktionen zu bestimmen. 1.34) (2.B. ∆l = 0 x ⇒ l u(x) = 0 S(x∗ ) + αΘ(x∗ ) dx∗ + u0 EA(x∗ ) S(x) + αΘ(x) dx . da der Stab statisch bestimmt gelagert ist und die thermische Dehnung somit nicht behindert wird. EA(x) (2. A = A(x). Stoffgesetz: ε(x) = σ(x) + αΘ(x) E (2. dass Längskraft. Es sollen wieder Spannung und Verlängerung bestimmt werden. Θ = Θ(x). Gleichgewicht: l S(x) x ↑ S(x) − F − ξ=x l n(ξ) dξ = 0 l n(x) A(x) Θ(x) S(x) n(ξ) S(x) = F + ξ=x n(ξ) dξ ξ σ(x) = S(x) A(x) du(x) dx (2. Die Veränderlichkeit der Normalkraft resultiert aus einer kontinuierlichen Last n(x) (z.32) und (2.32) dξ 2.2.35) 2.2 Statisch unbestimmte Aufgaben Bei statisch unbestimmten Aufgaben reichen die statischen Betrachtungen (Gleichgewichtsbedingungen) nicht aus.h. d. Wir betrachten nun den allgemeineren Fall.56 Elastostatik und Festigkeitslehre Auf die Spannung hat die Temperaturausdehnung in diesem Fall keinen Einfluß.34) liefert du(x) S(x) = + αΘ dx EA(x) bzw.2 F Einsetzen von (2.33) in (2.

Beide Enden des Stabes sind unverschieblich (siehe Bild 2.38) Setzt man (2.2.38) ein. Für die Spannung erhält man σ= S = −EαΘ . Betrachten wir zuerst wieder einen sehr einfachen Fall. . erwärmt.36) ∆l du = =0 dx l σ + αΘ E (2. σ= S A (2.Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben 57 der speziellen Aufgabe die Verformungen nicht gesucht sind. Gleichgewicht: S(x) = S = −B = −C 2. dessen Normalkraft. Kinematik: ε= 3. dass nicht die statische sondern die geometrische Betrachtung zur Lösung der Aufgabe führt. Als allgemeineren Fall betrachten wir nun wieder einen Stab. so erhält man ∆l S = + αΘ = 0. Ein gerader Stab ist an beiden Enden starr befestigt und wird um Θ = konst.36) und (2.40) (2. Querschnittsfläche und Temperaturänderung von der Koordinate x abhängen.37) in (2.37) (2.39) Es wird deutlich. Stoffgesetz: ε= . Jede gegenüber statisch bestimmten Aufgaben fehlende statische Randbedingung wird durch eine geometrische Randbedingung ersetzt.4). A (2. l EA und durch Auflösung folgt S = −EAαΘ = −B = −C . Gesucht sind die Auflagerkräfte und die Spannung im Stab.2. EA.3 S(x) C 1. Θ B x l C B x Bild 2.

43) du(x) dx (2. ↑ S(x) − (S(x) + dS(x)) − n(x)dx = 0 dS(x) = −n(x) (2. Kinematik: ε(x) = 3. (2. Gleichgewicht: S(x) n(x)dx Wir wollen das Gleichgewicht in diesem Fall am infinitesimalen Stabelement der Länge dx aufstellen. Eine Temperaturänderung Θ wirkt sich auf die statischen Größen (Kräfte und Spannungen) aus.43) ein. Längskraft S(x) und Spannung σ(x) folgen aus den Beziehungen du(x) − αΘ(x) dx (2. so folgt S(x) du(x) = εx = + αΘ(x) dx EA(x) und durch Differenzieren nach x und Einsetzen von (2.41) erhält man du(x) d d EA(x) = −n(x) + EA(x)αΘ(x) dx dx dx (2.58 Elastostatik und Festigkeitslehre 1.45) S(x) = EA(x) und σ(x) = S(x) du(x) =E − αΘ(x) A(x) dx .42) und σ(x) = S(x)/A(x) in (2. bei deren Lösung die Integrationskonstanten den Randbedingungen angepaßt werden müssen. eine Differentialgleichung 2.46) Man erkennt. Stoffgesetz: ε(x) = σ(x) + αΘ(x) E (2. dass bei statisch unbestimmter Lagerung die Lösung über die Aufstellung einer Differentialgleichung für die Verschiebung u(x) gefunden werden kann.44) .2. Für das Beispiel nach Bild 2.2.42) Setzt man (2. Ordnung für u(x).41) dx l dx x n(x) A(x) Θ(x) Bild 2. .4 S(x+dx)= S(x)+dS(x) 2.4 gilt u(0) = u(l) = 0.

Für A0 = konst. Gesucht: B. σ(x) und u(x). E 2 Damit folgt u(x) = Mit du(x) x γ l 1−2 = dx E 2 l x γ lx . Bth und Cth sind gerade die Kräfte.Θ0 = konst n(x)=γA0= konst B Zweimalige Integration ergibt u(x) = − Die Randbedingungen liefern γ n(x) d2 u(x) =− . Gegeben: A0 . für den Verlauf der Stabspannung σ(x) = x γl 1−2 − EαΘ0 .44) über in x l A0. Θ0. und Θ0 = konst.45) erhält man den Verlauf der Stabkraft γA0 l x 1−2 − EA0 αΘ0 2 l S(x) = bzw.Zug– und Druckbeanspruchung von Stäben 59 Beispiel: statisch unbestimmt gelagerter Stab C Wir betrachten den beidseitig eingespannten. sowie C = −S(0) = − + EA0 αΘ0 .). E. =− 2 dx EA0 E γ x2 + C1 x + C2 . C. l. 1− E 2 l in (2. hängenden Stab (A0 = konst. γ. 2 2 Die durch die gleichförmige Temperaturverteilung hervorgerufenen Anteile der statisch unbestimmten Auflagerreaktionen betragen Bth = Cth = EA0 αΘ0 .) unter Eigengewicht und gleichförmiger Temperaturverteilung (Θ0 = konst. α. 2 l Mit dem Gesamtgewicht des Stabes γA0 l = G folgen die Auflagerreaktionen zu B = −S(l) = G G + EA0 αΘ0 . um die thermische Dehnung zu verhindern. . E 2 x = 0 : u(0) = 0 ⇒ C2 = 0 γ l x = l : u(l) = 0 ⇒ C1 = . geht die Gleichung (2. die benötigt werden.

In jedem Bereich gilt im allgemeinen Fall die Beziehung (2.44). (2. dass die gleichmäßige Spannungsverteilung über den Querschnitt nur in ausreichender Entfernung von einer plötzlichen Querschnittsänderung oder einer Einzelkrafteinleitung gilt. Bei n Bereichen stehen somit n Differentialgleichungen 2. Treten im Stab geometrische (diskontinuierliche Querschnittsänderungen).2. infinitesimale Zwischenstück Si (xi = li ) − Si+1 (xi+1 = 0) = Fi . (2.60 Elastostatik und Festigkeitslehre 2. l2 l1 u i( l i) li x i u i+ 1 (0 ) S i( l i) F i l i+ F i i+ 1 F i 1 x S Bild 2.2. Ordnung zur Verfügung. . ist der Stab in einzelne Bereiche zu unterteilen. statische (Einleitung von Einzelkräften) oder stoffliche (Änderung des Materials) Unstetigkeiten auf.48) Es sei noch einmal daran erinnert.47) Die statische Übergangsbedingung ergibt sich aus dem Gleichgewicht für das gedanklich herausgetrennte.3 Mehrbereichsaufgaben Bisher haben wir über die gesamte Stablänge konstante oder kontinuierlich verteilte Größen betrachtet.5 i+ 1 (0 ) Die geometrische Übergangsbedingung lautet ui (xi = li ) = ui+1 (xi+1 = 0) . Die 2n Integrationskonstanten lassen sich aus den 2 Randbedingungen und den 2(n − 1) Übergangsbedingungen ermitteln.

Ist mindestens eine der beiden Achsen y oder z eine Symmetrieachse. so gilt Iyz = 0. mit denen wir uns hier beschäftigen wollen. auf. Ordnung.50) begegnen. y dA und z dA vorkamen. Es sei daran erinnert. Ordnung).5. • die Verformungen sind klein.3. • der Bereich des Hookeschen Gesetzes wird an keiner Stelle verlassen. 2. dass bei der Berechnung des Flächenschwerpunktes (Kapitel 1. (A) (A) (A) Die Flächenmomente 2. und die Gleichgewichtsbedingungen können am unverformten Balken aufgestellt werden (Theorie 1. Im folgenden wird vorausgesetzt: • der Balken ist im unbelasteten Zustand gerade. Ordnung lassen sich mittels der Index–Schreibweise in kompakter Form darstellen Iij = (A) (r 2 δij − ij) dA i. Die axialen Flächenträgheitsmomente sind stets positiv. Die Flächenträgheitsmomente 2.3 Biegebeanspruchung gerader Balken Wir werden uns ausschließlich mit der sog. Ordnung x dA.Biegebeanspruchung gerader Balken 61 2. für das wegen r 2 = y 2 + z 2 die Beziehung Ip = Iyy + Izz gilt. • der Balken ist schlank (Querschnittsabmessungen ≪ Längenabmessung). Iyz nennt man Deviations– oder Zentrifugalmoment. Ordnung. Bei der Torsion von Trägern mit Kreisquerschnitt wird uns noch das polare Flächenträgheitsmoment Ip = (A) r 2 dA (2. 0 für i = j (2.1 Flächenmomente 2. sind folgendermaßen definiert: Iyy = (A) z 2 dA Izz = (A) y 2 dA Iyz = − (A) yz dA (2. die in den folgenden Abschnitten hergeleitet werden. Technischen Biegelehre beschäftigen.49) Iyy und Izz werden als axiale Flächenträgheitsmomente bezeichnet. die sogenannten Flächenmomente 2.51) . tauchen bestimmte Terme. das Deviationsmoment kann positiv. j = y. z δij = 1 für i = j . negativ oder Null sein.3) die Flächenmomente 1. Ordnung In den Gleichungen zur Bestimmung der Biegespannung. in der einige vereinfachende Annahmen getroffen werden. Diese Terme sollen zunächst genauer betrachtet werden.

62 Elastostatik und Festigkeitslehre Die Flächenmomente einiger einfacher Flächen werden im folgenden berechnet. R z dA = 2 p r dr Ip = (A) r dA = r=0 2 r 2 2πr dr = π 4 R 2 Wegen Iyy = Izz und Ip = Iyy + Izz gilt Iyy = Izz = Ip π = R4 2 4 . 12 dA = b dz Analog dazu gilt Izz = Kreisquerschnitt: Iyz = 0 (y und z sind Symmetrieachsen) y R Eine besonders einfache Berechnung der axialen Flächenträgheitsmomente kann mit Hilfe des polaren Flächenträgheitsmomentes erfolgen. . Rechteckquerschnitt: b Iyz = 0 (y und z sind Symmetrieachsen) h 2 h 2 h y S Iyy = (A) z 2 dA = b −h 2 z3 z 2 dz = b 3 −h 2 Iyy z bh3 = 12 b3 h .

Setzt sich ein Querschnitt aus mehreren bekannten Teilquerschnitten zusammen. . die parallel zu den Achsen durch den Flächenschwerpunkt liegen. Bisher wurde das Koordinatensystem stets in den Flächenschwerpunkt gelegt. S h 3 2 z ergibt sich nach AusfühMit b(z) = b − 3 h rung der Integration Iyy = 1 3 bh 36 1 3 bh 36 . so dürfen die Flächenträgheitsmomente der Teilflächen addiert werden. wenn sie auf das gleiche Koordinatensystem bezogen sind.Biegebeanspruchung gerader Balken 63 Rechtwinkliges Dreieck: b b 3 2 h 3 Iyy = (A) z 2 dA = z=− h 3 z 2 b(z) dz y . . dA = b(z) dz z h Analog dazu gilt Izz = Das Deviationsmoment in der Form 2 h 3 z b( 1 − h ) 3 Iyz = − z=− h 3 b y=− 3 y dy z dz ergibt nach ausgeführter Integration Iyz = 1 2 2 bh 72 . Das erfordert die Berechnung von Trägheitsmomenten um Achsen.

z – ¯ ¯ ¯¯ ¯¯ ¯¯ Koordinatensystems (Bild 2. z–Koordinatensystems seien bekannt.52) Man erkennt. Iz z . Iy y = ¯¯ z2 z 2 dA +¯s (A) z dA +2¯s (A) z dA 0 .1). Iyy A Damit ergibt sich Iy y = Iyy + zs A. ¯¯ ¯¯ (2. das aus zwei gleich großen Rechtecken (1 und 2) besteht. Der Satz von Steiner (teilweise auch als Satz von Huygens– Steiner bezeichnet) erlaubt hieraus die Berechnung der Flächenmomente Iy y . S yS z Bild 2. Izz und Iyz bezüglich des im Flächenschwerpunkt verankerten y. Analog dazu folgen die anderen Transformationsglei¯2 ¯¯ chungen.64 Elastostatik und Festigkeitslehre Parallelverschiebung der Koordinatenachsen — Satz von Steiner: y _ y . somit insgesamt Iyy = Iyy + zs A ¯2 ¯¯ Iz z = Izz + ys A ¯2 ¯¯ Iyz = Iyz − ys zs A . zS _ z _ Es gilt y = y + ys ¯ ¯ Durch Einsetzen in (2. dass die axialen Flächenträgheitsmomente für Achsen durch den Flächenschwerpunkt stets kleiner sind als für hierzu parallele Achsen. Als Beispiel für die Anwendung des Satzes von Steiner betrachten wir ein T–Profil.3. Iyz bezüglich eines y .49) folgt (z + zs )2 dA = ¯ (A) (A) und z = z + zs ¯ ¯ . .3.1 _ Die Flächenmomente Iyy .

3.Biegebeanspruchung gerader Balken 65 Beispiel: Satz von Steiner 3c 1 y . jeweils mit Koordinatenursprung im Flächenschwerpunkt (Bild 2.2 gilt η = y cos α + z sin α ζ = −y sin α + z cos α . 5 -c 2 Iyz = 0. wie sich die Flächenträgheitsmomente bei Drehung des Koordinatensystems verhalten.2 Mit (2. Iζζ .2). z Iyy = Von Bedeutung ist weiterhin die Frage. Iηζ sind gesucht.3. Nach Bild 2.53) erhält man Iηη = (A) ζ 2 dA = cos2 α (A) z 2 dA + sin2 α (A) y 2 dA − 2 sin α cos α (A) yz dA yz dA Iζζ = (A) η 2 dA = cos2 α (A) y 2 dA + sin2 α (A) z 2 dA + 2 sin α cos α (A) Iηζ = − (A) ζη dA = − sin α cos α (A) 2 2 z 2 dA − (A) y 2 dA − cos α − sin α (A) yz dA . A y α ey eη S eζ ez ζ Wir betrachten ein y. ζ–System. da die z–Achse eine Symmetrieachse ist.53) α η dA z Bild 2. Izz . (2. Die Flächenträgheitsmomente Iyy . die Flächenträgheitsmomente Iηη . z–System und ein dazu gedrehtes η. da eine Transformation von den Achsen durch die Schwerpunkte der Teilflächen auf die Schwerpunktsachse des Gesamtschwerpunktes erforderlich ist. Iyz seien bekannt. Izz = 5 c(3c)3 3c c3 + = c4 12 12 2 Izz1 Izz2 S c 3c Iyy = c 2 c(3c)3 3cc3 + c2 3c2 + + c2 3c2 12 12 Iyy1 Iyy2 17 4 c 2 Bei der Bestimmung von Iyy mußte für beide Teilflächen 1 und 2 der Satz von Steiner angewandt werden.3.

Stufe dar. der eµ – und ej –Richtung eingeschlossenen Winkels bezeichnet.57) . λ. i) bzw. cos(µ.54) und (2. (2.54) in der Form 1 1 (Iyy + Izz ) + (Iyy − Izz ) cos 2α + Iyz sin 2α 2 2 1 1 = (Iyy + Izz ) − (Iyy − Izz ) cos 2α − Iyz sin 2α 2 2 1 = Iζη = − (Iyy − Izz ) sin 2α + Iyz cos 2α 2 Iηη = Iζζ Iηζ angeben.55) die Elemente des Flächenträgheitstensors [Iij ] bei Drehung des Bezugssystems in den Tensor [Iλµ ] überführen. z. j) ist der Kosinus des jeweils zwischen der eλ – und ei – bzw.66 Elastostatik und Festigkeitslehre oder ausgerechnet Iηη = Iyy cos2 α + Izz sin2 α + 2Iyz sin α cos α Iζζ = Izz cos2 α + Iyy sin2 α − 2Iyz sin α cos α Iηζ = − Iyy − Izz sin α cos α + Iyz cos2 α − sin2 α In kompakter Indexschreibweise lautet (2.56) wobei die Transformationsgleichungen (2. 2 cos2 α = 1 (1 + cos 2α) 2 lassen sich die Transformationsgleichungen (2.55) Mit cos(λ. µ = η. j)Iij mit i. [Iλµ ] = (2. j = y.54) . Invarianten des Flächenträgheitstensors sind a) seine Spur b) seine Determinante Iyy + Izz = Iηη + Iζζ 2 2 Iyy Izz − Iyz = Iηη Iζζ − Iηζ Mit den geometrischen Beziehungen 2 sin α cos α = sin 2α. ζ (2. sin2 α = 1 (1 − cos 2α). cos(λ. In Matrix– Schreibweise ergibt sich Iyy Iyz Izy Izz Iηη Iηζ Iζη Iζζ [Iij ] = bzw. Die Flächenträgheitsmomente stellen somit einen Tensor 2. i) cos(µ.54) Iλµ = i j (2.

˜ Entsprechend existieren im Intervall 0 ≤ α ≤ π für α zwei um π unterschiedliche Lö˜ ˜ 2 sungen. Hierzu lesen wir aus dem nebenstehenden Dreieck ab: I y z sin 2α = ˜ 2 =~ Iyz Iyy −Izz 2 2 Iyy −Izz 2 Iyy −Izz 2 2 2 + Iyz 2 -12 ( I y y .59) besitzt im Intervall 0 ≤ 2α ≤ 2π zwei Lösungen.57). die sich um π unterscheiden.59) erhält man auch aus der Forderung.3.3.58) (2. dass das Deviationsmoment Iηζ Null wird. geht man über auf die Beziehung tan α = ˜ 1 1 − cos 2α ˜ = sin 2α ˜ Iyz Iyy − Izz 2 2 + Iyz 2 − Iyy − Izz 2 = Iuu − Iyy . Den zugehörigen Winkel bezeichnen wir mit α. es gibt zwei senkrecht aufeinander stehende Achsen u und v. ˜ u Bild 2. Das bedeutet. v– System heraus. Die zugehörigen Extremwerte der axialen Flächenträgheitsmomente. bestimmt man durch Einsetzen von (2.61) . Diese Achsen werden als Hauptträgheitsachsen oder Hauptachsen bezeichnet.3 v z dIηη dIζζ =− = −(Iyy − Izz ) sin 2α + 2Iyz cos 2α = 0 ˜ ˜ dα dα 2Iyz tan 2α = ˜ Iyy − Izz (2. (2.60) + Iyz 2 2 Um eine eindeutige Zuordnung von Winkel und Hauptträgheitsmoment zu haben (Bild 2.I zz) cos 2α = ˜ Damit folgt Iuu = Imax = Ivv = Imin 1 (Iyy + Izz ) + 2 1 = (Iyy + Izz ) − 2 Iyy − Izz 2 Iyy − Izz 2 + Iyz 2 + Iyz 2 (2. die man Hauptträgheitsmomente nennt. für die die axialen Flächenträgheitsmomente zu Extremwerten werden und das Deviationsmoment Null ist.59) (2.3).59) in (2. für das die axialen Flächenträgheitsmomente Extremwerte werden. Iyz (2.Biegebeanspruchung gerader Balken 67 y ~ a S Wir suchen uns nun aus der Schar der gedrehten Bezugssysteme jenes spezielle u.

Gleichung von (2.Izz 2 ) +I 2 y Bild 2.62) (2.4 .57) den Winkel 2α und erhält mit Iyy + Izz Iηη − 2 die Gleichung eines Kreises. Beispiel: Mohrscher Trägheitskreis: Iyy > Izz und Iyz > 0 2 + 2 Iηζ = Iyy − Izz 2 2 2 + Iyz Iuu 1 2 (Iyy+Izz) 1 . ¯ ˜ ¯ ˜ 4 Alle Beziehungen für die Tranformation der Flächenträgheitsmomente bei Drehung des Koordinatensystems lassen sich anschaulich im Mohrschen Trägheitskreis darstellen (Bild 2.4).68 Elastostatik und Festigkeitslehre Achsen maximalen Deviationsmomentes ergeben sich aus dIηζ = −(Iyy − Izz ) cos 2α − 2Iyz sin 2α = 0 ¯ ¯ dα tan 2α = ¯ Izz − Iyy 2Iyz (2.64) Zwischen den Winkeln α und α besteht die Beziehung α = α − π . Izz ( Ihz Iyy . Hierzu eliminiert man durch Quadrieren und Addieren der 1. und 3.3.(I -I ) 2 yy zz Iuu-Iyy v Ivv Izz A ~ a M ~ 2a Iyz Iyy B ~ a z 2 yz u Ihh .3.63) Das maximale Deviationsmoment beträgt Iu v = ¯¯ Iyy − Izz 2 2 2 + Iyz (2.

ab. weist jeder beliebige Querschnitt zwei solche zueinander senkrecht stehende Hauptachsen auf. An jeder Stelle des Balkens ist das Biegemoment und damit die Krümmung der Balkenachse gleich groß. die vor der Verformung eben und senkrecht zur Balkenachse waren. so dass die Balkenachse unter reiner Biegung die Form eines Kreisbogens hat (Bild 2. (2.g. Hauptachse).3. Dies ist jedoch nur ein Spezialfall einer Biegungshauptachse.5). dass die Querschnitte. Die Bestimmung der Spannungsverteilung im Balken ist ein statisch unbestimmtes Problem. wenn die Biegeachse senkrecht zu einer Symmetrieebene des Balkenquerschnittes steht (sog. bei Vorhandensein von Querkräften weicht die Verformung von der o. es müssen vielmehr Annahmen über die Verformung gemacht werden. Für die Dehnung gilt somit z ε x = c∗ + c∗ z 1 2 . was immer dann der Fall ist. Bei gerader Biegung um die y–Achse ist die Dehnung linear abhängig von der Koordinate z. Wie wir in Abschnitt 2. dass die Achsen y und z durch den Flächenschwerpunkt Hauptachsen sind und dass das resultierende Biegemoment um die y–Achse wirkt.3.1 gezeigt haben.h.5 σx = c1 + c2 z . Das bedeutet. Die gerade Biegung ist somit ein Sonderfall der schiefen Biegung.65) Bei Gültigkeit des Hookeschen Gesetzes folgt daraus dx Bild 2.2 Spannung bei gerader Biegung Wir wollen zwischen gerader und schiefer Biegung unterscheiden.66) Bei einem mit x veränderlichen Biegemoment. wie sie in der technischen Biegelehre vorausgesetzt werden.3. die Abweichungen sind bei schlanken Trägern. d. bei der ein konstantes Biegemoment. Wir werden voraussetzen. um die eine gerade Biegung erfolgt. keine Querkraft wirkt. Allein aus dem Gleichgewicht folgt die Spannungsverteilung nicht. Bei schiefer Biegung kann das resultierende Biegemoment um eine beliebige Querschnittsachse wirken.Biegebeanspruchung gerader Balken 69 2. .h. dass man auch hier die Annahme vom Ebenbleiben der Querschnitte senkrecht zur Balkenlängsachse aufrecht erhalten kann. Bei der geraden Biegung liegen Lastebene und Verformungsebene zueinander parallel. auch nach der Verformung eben und senkrecht zur Balkenachse sind. Diese Annahme geht auf Jacob Bernoulli zurück und wird als Bernoullische Hypothese bezeichnet. (2. Besonders plausibel ist eine solche Annahme bei reiner Biegung. jedoch so gering. Die im weiteren in diesem Kapitel genannten Gleichungen gelten somit sowohl für reine Biegung als auch für Querkraftbiegung und erfassen nur die Normalspannung σx (einachsiger Spannungszustand). d.3.

Damit folgt aus (2. z–Hauptachsensystem gilt y dA = (A) (A) z dA = (A) yz dA = 0.6 Die Schnittreaktionen stellen die resultierende Wirkung der Spannungen dar N = (A) σx dA = c1 A + c2 (A) z dA yz dA z 2 dA . −Mz = (A) σx y dA = c1 (A) y dA + c2 (A) (2.70 Elastostatik und Festigkeitslehre S M y Wir betrachten einen symmetrischen Querschnitt.67) My = (A) σx z dA = c1 (A) z dA + c2 (A) Die hier auftretenden Flächenmomente 2.3.7 ist die Spannungsverteilung als Funktion von z dargestellt. y d A x I x d A z Bild 2.67) c1 = 0 und c2 = My . z) = My (x) z Iyy (x) (2.3.6).3. Iyy x σx(z) max |σx | Die Gleichung für die Biegespannung bei gerader Biegung um die y–Achse lautet σx (x. mit einer Belastung. Bild 2.3. in dem y und z Hauptachsen sind.3. Ordnung (A) z 2 dA =: Iyy (axiales Flächenträgheitsmoment) bzw.1 ausführlich hergeleitet.68) z In Bild 2. (A) z 2 dA = Iyy . Bei gerader Biegung um die y–Achse ohne Längskraft sind Mz = N = 0. Für das y. die ein Biegemoment My zur Folge hat (Bild 2. (A) yz dA =: −Iyz (Deviationsmoment) wurden in Abschnitt 2.7 .

Biegebeanspruchung gerader Balken 71 Der Maximalwert der Spannung innerhalb eines Querschnittes tritt bei |z max | auf und beträgt max |σx | = |My | max |My | |z | = . Die Forderung des Ebenbleibens der Querschnitte führt auf den Ansatz S My y dA Mz z Bild 2.71) vereinfacht sich mit folgenden Beziehungen: z 2 dA = Iyy . . Analog zu (2. Wir verwenden ein Koordinatensystem y.70) N = (A) σx dA = c1 A + c2 (A) z dA + c3 (A) y dA = 0 . y 2 dA = Izz . yz dA .8 x sx dA σx = c1 + c2 z + c3 y . y 2 dA .3.71) −Mz = (A) σx y dA = c1 (A) y dA + c2 (A) yz dA + c3 (A) My = (A) σx z dA = c1 (A) z dA + c2 (A) z 2 dA + c3 (A) (2.69) Wy ist das Widerstandsmoment 2. Iyy Wy Wy = Iyy . |z max | (2.3. y und z müssen jedoch hier keine Hauptachsen sein. (A) yz dA = −Iyz . (2. (A) (A) y dA = (A) (A) z dA = 0. z mit dem Koordinatenurprung im Flächenschwerpunkt S.67) gilt jetzt (2.3 Spannung bei schiefer Biegung Wie bei gerader Biegung gilt auch bei schiefer Biegung die Bernoullische Hypothese für das Ebenbleiben der Querschnitte.

Für den Sonderfall. z) = 0 gesetzt.75) Mz (x)Iyy − My (x)Iyz y My (x)Izz − Mz (x)Iyz (2.72 Elastostatik und Festigkeitslehre Damit erhalten wir c1 = 0 und −Mz = −c2 Iyz + c3 Izz My = +c2 Iyy − c3 Iyz Die Konstanten c2 und c3 ergeben sich zu c2 = My Izz − Mz Iyz 2 Iyy Izz − Iyz . y.73) einzusetzen. in (2. und die entsprechenden Koordinaten sind in (2. z) = . c3 = − Mz Iyy − My Iyz 2 Iyy Izz − Iyz . um |σx |max zu ermitteln. und man erhält z= bzw. (2. . Die Gleichung für die Spannung bei schiefer Biegung lautet damit My (x)Izz − Mz (x)Iyz Mz (x)Iyy − My (x)Iyz z− y 2 2 Iyy Izz − Iyz Iyy Izz − Iyz (2. wird in (2. y. der den größten Abstand von der Spannungsnullinie hat. gilt Iyz = 0 und (2. Dies ist die Stelle der größten Spannung. muß man zuerst die Spannungsnullinie berechnen und dann den Ort suchen.a.72) bzw.72) vereinfacht sich zu My (x) Mz (x) z− y Iyy Izz σx (x. nicht überein.74) z= . z) = . Die Richtungen des resultierenden Biegemomentes und der Spannungsnullinie stimmen i.72) σx (x. Um bei schiefer Biegung die größte Spannung |σx |max im Querschnitt zu bestimmen. in (2.73) Um die Spannungsnullinie des Querschnittes zu ermitteln.73) die Spannung σx (x. Mz (x) Iyy y My (x) Izz (2. y. dass das y–z–System ein Hauptachsensystem ist. .72) bzw.

3. dass die Krümmung der Biegelinie proportional der Momentenbelastung ist. Für die Dehnung in x–Richtung ist abzulesen εx (x. Den Faktor EIyy nennt man Biegesteifigkeit. (2.10 1 My (x) = ̺(x) EIyy . z) = σx My (x) = z E EIyy .10 ist ein gekrümmtes Balkenelement dargestellt. Auf den Fall der Verformung bei schiefer Biegung wird am Ende des Kapitels hingewiesen.76) die Beziehung r dj r z (r + z) dj Bild 2. wobei y und z Hauptachsen sind und die Biegung nur um die y–Achse erfolgt.Biegebeanspruchung gerader Balken 73 2. die Wirkung der Querkraft bleibt unberücksichtigt.76) ̺(x)dϕ ̺(x) Elastische Linie dj Benutzt man das Hookesche Gesetz und die Gleichung (2. .77) (2.9 Die Verschiebung der Balkenachse in z–Richtung bezeichnen wir mit w(x). so folgt aus (2.3.4 Biegeverformung gerader Balken (Elastische Linie) Auch bei der Verformung wird nur die Momentenbelastung erfaßt. x w(x) z Bild 2. z) = z (̺(x) + z)dϕ − ̺(x)dϕ = .68) für die Spannung bei gerader Biegung εx (x. In Bild 2.77) besagt. und es geht im folgenden um die Bestimmung dieser Funktion.3. (2. Außerdem wollen wir uns auf gerade Biegung beschränken.3.

79) EIyy w(x)IV = qz (x) . Entsprechend sind zur Bestimmung der Integrationskonstanten Randbedingungen für w ′′′ . so ist w ′ ≪ 1. Im folgenden wollen wir einige Beispiele betrachten.77) über in w ′′ (1 + w ′2 ) 3 2 mit w′ = dw dx und w ′′ = d2 w dx2 .80) (2. Beschränkt man sich auf kleine Verformungen.78) um. Die dabei auftretenden Integrationskonstanten lassen sich aus den Randbedingungen für die durch die Integration gewonnenen Größen w ′ und w bestimmen. (2. um w(x) zu erhalten. Für konstante Biegesteifigkeit EIyy folgt aus der 3.74 Elastostatik und Festigkeitslehre Für die Krümmung ebener Kurven (x–w–Ebene) gilt w ′′ 1 =− 3 ̺ (1 + w ′2 ) 2 Damit geht (2. differenzieren zweimal und verwenden dabei die Beziehungen (1.36).78) wird vom Biegemomentenverlauf My (x) ausgegangen. =− My (x) EIyy . (2. und als Differentialgleichung der elastischen Linie ergibt sich My (x) EIyy (x) w ′′ (x) = − . Stellen wir (2.80) geht man von der Streckenlast qz (x) aus und hat viermal zu integrieren.79) Bei (2. In (2. Gleichung von (2.78) Durch zweimalige Integration von (2.78) erhält man w(x). w ′ und w zu formulieren. w ′′. . so erhalten wir EIyy (x) w ′′ (x) = −My (x) ′ EIyy (x) w ′′ (x) = −Qz (x) ′′ EIyy (x) w ′′ (x) = qz (x) .

Biegebeanspruchung gerader Balken

75

Beispiel: DGL der elastischen Linie (I)

q

F

Ein gerader Träger der Länge l ist bei A eingespannt und wird durch eine konstante Streckenlast q und eine Einzelkraft F belastet. Gegeben: F, q, l, EIyy = EI (konst.).

A l q EI F

Gesucht: Durchbiegung w(x). ↑ A A − F − ql = 0 l2 MA − F l − q = 0 2 MA = F l + q

MA

A

A = F + ql

x
x l
2

l2 2q My (x) = M(x) = −F (l − x) − (l − x)2 2
2

EIw ′′ (x) = −M(x) = F l 1 − EIw ′ (x) = F l2 x 1 x − l 2 l 1 x 2 l
2

+ ql3 2 +

ql2 x x 1−2 + 2 l l x x − l l
2 2

+
3

+

1 x 3 l
3

3

+ C1 1 x 12 l
4

EIw(x) = F l3

1 x 6 l

ql4 1 x 2 2 l

1 x 3 l

+

+ C1 x + C2

Randbedingungen:

w(x = 0) = 0 w ′ (x = 0) = 0

C2 = 0 C1 = 0

Damit lautet das Ergebnis w(x) = x F l3 3 6EI l
2

x l

3

+

ql4 x 6 24EI l

2

−4

x l

3

+

x l

4

.

76

Elastostatik und Festigkeitslehre

Beispiel: DGL der elastischen Linie (II) Ein gerader, bei A eingespannter Balken der Länge l wird durch eine linear veränderliche Streckenlast q(x) beansprucht. Gegeben: q0 , l, EIyy = EI (konst.)

q0

MA A

Gesucht: w(x)

x

l

EI
q(x) = q0 1 − x l

EIw IV (x) = q0 1 − EIw ′′′ (x) = q0 l x l 1 EIw ′′ (x) = q0 l2 2 1 EIw ′ (x) = q0 l3 6 1 EIw(x) = q0 l4 24

x l − x l x l x l 1 x 2 + C1 2 l 2 1 x 3 + C1 x + C2 − 6 l 3 x2 1 x 4 + C1 + C2 x + C3 − 24 l 2 4 x3 1 x 5 x2 + C1 + C2 + C3 x + C4 − 120 l 6 2

Randbedingungen: w(x = 0) w ′(x = 0) Q(x = l) M(x = l) Damit ergibt sich w(x) = q0 l4 x 10 120EI l
2

= = = =

0 0 0 ⇒ 0 ⇒

w ′′′ (x = l) = 0 w ′′ (x = l) = 0

         x l

1 C1 = − q0 l 2 1 2 C2 = q0 l 6 C3 = 0 C4 = 0

− 10

x l

3

+5

4

x l

5

.

Die Auflagerreaktionen wurden zur Berechnung der Durchbiegung w(x) offenbar nicht gebraucht. Man kann sie ohne globales Gleichgewicht nachträglich aus EIw ′′′ (x = 0) und EIw ′′ (x = 0) berechnen. EIw ′′′ (x = 0) = −Q(x = 0) = −A EIw ′′ (x = 0) = −M(x = 0) = MA ⇒ ⇒ 1 A = q0 l 2 1 MA = q0 l2 6

.

Biegebeanspruchung gerader Balken

77

Beispiel: DGL der elastischen Linie, Mehrbereichsaufgabe

F A 2l EI F l B

Ein gerader Balken ist durch ein Festlager und ein Rollenlager abgestützt und wird durch eine Kraft F belastet. Gegeben: F, l, EIyy = EI (konst.) Gesucht: wi (xi ) Bei mehreren Bereichen ist die Integration der Differentialgleichung der elastischen Linie für jeden Bereich durchzuführen.

1 -F 3

x1
1 M1 (x1 ) = F x1 3

x2
,

2 -F 3

2 M2 (x2 ) = F (l − x2 ) 3

1 ′′ EIw1 (x1 ) = − F x1 3 1 2 ′ EIw1 (x1 ) = − F x1 + C1 6 1 EIw1 (x1 ) = − F x3 + C1 x1 + C2 18 1 2 ′′ EIw2 (x2 ) = − F l 1 − 3 1 ′ EIw2 (x2 ) = − F l2 2 3 1 EIw2 (x2 ) = − F l3 3 9 x2 l x2 x2 − l l 2 x2 x2 − l l
2

+ C3
3

+ C3 x2 + C4

Die 4 Integrationskonstanten C1 · · · C4 lassen sich aus den Rand– und Übergangsbedingungen bestimmen. Unter Übergangsbedingungen wollen wir dabei die Bedingungen beim Übergang von einem zum anderen Bereich verstehen. w1 (x1 w2 (x2 w1 (x1 ′ w1 (x1 = 0) = 0 = l) = 0 = 2l) = w2 (x2 = 0) ′ = 2l) = w2 (x2 = 0)          4 C1 = F l 2 9 C2 = 0 2 C3 = − F l 2 9 4 3 C4 = F l 9

Das Ergebnis lautet damit

x1 x1 3 F l3 8 − w1 = 18EI l l 3 Fl x2 x2 w2 = 8−4 −6 18EI l l

2

+2

x2 l

3

. q My (x) = M(x) = B(l − x) − (l − x)2 2 ql2 x x 2 1−2 + 2 l l 3 2 1 x ql x x 2 x − + − + EIw ′(x) = −Bl2 l 2 l 2 l l 1 x 2 1 x 3 ql4 1 x 2 1 EIw(x) = −Bl3 + − − 2 l 6 l 2 2 l 3 +C1 x + C2 EIw ′′(x) = −Bl 1 − x l + Aus den Randbedingungen erhält man: w (x = 0) = 0 w ′ (x = 0) = 0 w (x = l) = 0      C2 = 0 C1 = 0 3 B = ql. so folgt für das Auflager A 5 A = ql 8 und 1 MA = ql2 8 . Belastet wird er durch eine konstante Streckenlast q. Die Gleichung der elastischen Linie lautet: w(x) = x ql4 3 48EI l 2 −5 x l 3 +2 x l 4 . 8 1 x 3 + C1 3 l x 3 1 x + l 12 l 4 ⇒ Setzt man die Auflagerreaktion B in die Gleichgewichtsbedingungen ein. Gesucht: Auflagerreaktionen und w(x).78 Elastostatik und Festigkeitslehre Durch die Einbeziehung der Verformungen können wir nun auch statisch unbestimmte Aufgaben lösen. Gegeben: q. Dafür betrachten wir ein 4. Gleichgewichtsbedingungen: MA A x B ↑ A + B − ql = 0 l2 A MA + Bl − q = 0 2 Die 2 Gleichgewichtsbedingungen enthalten 3 Unbekannte (einfach statisch unbestimmt). Beispiel. EIyy = EI (konst. statisch unbestimmte Aufgabe q A l q EI B Ein gerader Träger ist bei A eingespannt und bei B durch ein Rollenlager abgestützt. Beispiel: DGL der elastischen Linie. l.).

Benutzt man (2. Ordnung aus. Ordnung aus. so folgt für das 4. so ist die Anzahl von Gleichgewichts– und Randbedingungen stets gleich der Anzahl von unbekannten Auflagerreaktionen und Integrationskonstanten.Biegebeanspruchung gerader Balken 79 Geht man bei statisch unbestimmten Aufgaben von der Differentialgleichung 2. ˆ ˆ Randbedingungen: (2 Bedingungen) 1. ergeben sich stets ebenso viele Randbedingungen wie Integrationskonstanten. Es handelt sich um Bedingungen für die kinematischen Größen w und w ′ und für die statischen Größen Qz = Q (= w ′′′ ) und My = M (= w ′′).80). Beispiel EIw IV (x) = q EIw ′′′ (x) = qx + C1 EIw ′′ (x) = q x2 + C1 x + C2 2 x3 x2 EIw ′ (x) = q + C1 + C2 x + C3 6 2 x4 x3 x2 EIw(x) = q + C1 + C2 + C3 x + C4 24 6 2 w(x = 0) = 0 w ′ (x = 0) = 0 w ′′ (x = l) = 0 w(x = l) = 0          5 C1 = − ql 8 1 2 C2 = ql 8 C3 = 0 C4 = 0 Randbedingungen: ⇒ Ohne Aufstellung des globalen Gleichgewichtes erhält man EIw ′′′ (x = 0) = −Q(x = 0) = −A EIw ′′ (x = 0) = −M(x = 0) = MA EIw ′′′ (x = l) = −Q(x = l) = B ⇒ ⇒ ⇒ 5 A = ql 8 1 MA = ql2 8 3 B = ql 8 Geht man bei statisch unbestimmten Aufgaben von der Differentialgleichung 4. und die unbekannten Auflagerreaktionen lassen sich ohne globales Gleichgewicht aus EI w ′′′ und EI w ′′ berechnen. Im folgenden wollen wir noch einmal Rand– und Übergangsbedingungen systematisch zusammenstellen. x w(x = 0) = 0 w ′ (x = 0) = 0 .

w(x = 0) = 0 M(x = 0) = −M0 F x w ′(x = 0) = 0 Q(x = 0) = −F Übergangsbedingungen: (4 Bedingungen) 1. F M0 x x Q(x = 0) = −F M(x = 0) = M0 3. M0 4.80 Elastostatik und Festigkeitslehre 2. M0 F w(xi = l) = w(xi+1 = 0) w ′(xi = l) = w ′(xi+1 = 0) xi l M(xi=l) F Q(xi=l) xi+1 M(xi+1=0) Q(xi+1=0) Q(xi = l) − F − Q(xi+1 = 0) = 0 M(xi = l) − M0 − M(xi+1 = 0) = 0 dx M0 w(xi = l) = 0 w(xi+1 = 0) = 0 w ′(xi = l) = w ′(xi+1 = 0) M(xi = l) = M(xi+1 = 0) .

die durch ein Moment Mt um ihre Stabachse beansprucht werden.4. die sich nach verschiedenen Querschnittsformen orientiert. dass bei Torsion Spannungsverteilungen auftreten. die von der Querschnittsform abhängen. Statik (Gleichgewicht): Das Momentengleichgewicht um die x–Achse liefert eine Beziehung für das Schnittmoment Mt (x). Das Schnittmoment an der Stelle x bezeichnen wir mit Mt (x) und die Querschnittsverdrehung mit ϕt (x). Mt0 x y z r ϕ ra Bild 2. Ein weiterer Unterschied zu den bisher betrachteten Beanspruchungsarten Zug (Druck) und Biegung besteht darin.Torsion gerader Stäbe w(xi = l) = w(xi+1 = 0) M(xi = l) = 0 M(xi+1 = 0) = 0 Q(xi = l) = Q(xi+1 = 0) 81 Bei schiefer Biegung ist die Berechnung der Durchbiegungen in zwei senkrecht aufeinander stehenden. 2. In der Querschnittsebene benutzen wir ein Polarkoordinatensystem. . Bei einer Belastung von Mt0 an beiden Stabenden erhält man Mt (x) = Mt0 . Zug und Biegung (ohne Berücksichtigung des Querkraftschubs) eines prismatischen Trägers ergaben einen einachsigen Spannungszustand.1 Mt(x) 1. Die Gesamtdurchbiegung folgt dann aus w(x) = 2 2 wz (x) + wy (x) (2. Dementsprechend wird in den folgenden Kapitel eine Einteilung gewählt. durch die Lage der Hauptachsen y und z gegebenen Ebenen vorzunehmen. Spannungs– und Verformungszustand des Stabes werden berechnet. Bei Torsion erhält man einen zweiachsigen Spannungszustand.81) 2.1 Kreis– und kreisringförmiger Querschnitt Es wird ein prismatischer Stab angenommen.4 Torsion gerader Stäbe Im folgenden betrachten wir gerade Stäbe.4.

h.h. 3. r) = rϕt (x) ∂uϕ dϕt γxϕ = =r ∂x dx (2. (2.83) Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen in zwei infinitesimal benachbarten Schnitten x und (x + dx) die Punkte A und B vor der Deformation und A’ und B’ nach der Deformation. d.2 Neben der Gleitung γxϕ (r. ux = 0 und γxr = 0 . Kinematik (Verformung): Nach Coulomb werden bei der Torsion kreisförmiger Querschnitte folgende Annahmen getroffen: a) Die Stabquerschnitte verdrehen sich gegeneinander wie starre Scheiben.. so kann man aus Bild 2.82 Elastostatik und Festigkeitslehre 2. Stoffgesetz (Hookesches Gesetz): Der Zusammenhang zwischen Schubverzerrung und Schubspannung lautet γxϕ = γ = τxϕ τ = G G ⇒ τ = Gr dϕt dx . es tritt keine Verschiebung ux (Verwölbung) senkrecht zur Querschnittsfläche auf. (2.r) A' A dx B gxj r B' uϕ (x. d.84) (2. Sie bleiben unverzerrt. Daraus folgt: ur = 0 und γrϕ = 0 . (2.87) . r) treten bei der Torsion kreisförmiger Querschnitte keine weiteren Verformungsgrößen auf.82) b) Die Stabquerschnitte bleiben eben.4.4. Mt = G dϕt dx (A) r 2 dA = GIp dϕt dx (2. Da das Schnittmoment Mt (x) die resultierende Wirkung der Spannungen darstellt. gilt Mt = (A) rτ dA bzw. x) und der Verschiebung uϕ (x.2 ablesen uj(x.85) jt djt Bild 2.86) Zur Vereinfachung der Schreibweise werden die Indizes weggelassen.

r) = .88) zeigt im Prinzip den gleichen Aufbau wie (2. (2.Torsion gerader Stäbe 83 mit dem bereits bekannten polaren Flächenträgheitsmoment    π 4 r 2 a bei Vollquerschnitt ra Ip = (A) r dA = ri 2 y z  π 4  (r − r 4 ) bei Ringquerschnitt i 2 a Das Elastizitätsgesetz der Torsion eines kreisförmigen Stabes lautet somit Mt (x) dϕt = dx GIp ϑ(x) = . x=l (2. (2.87) mit (2.77) für Biegung.89) z Bild 2.86) und (2.88) Mt (x) r Ip τ (x.69) wird hier das Torsionswiderstandsmoment Wt eingeführt. tmax t (r) y Der in Bild 2.4. Es gilt Ip |Mt | mit Wt = (2.4. In (2.91) .90) |τmax | = Wt ra Analog zur Gleichung für die maximale Spannung bei gerader Biegung (2. Schließlich ergibt sich durch Integration von (2. Verdrillung oder Drillung.88) wäre auch eine mit x veränderliche Torsionssteifigkeit möglich. Die maximale Spannung tritt am Außenrand ra auf.88) Die Größe GIp wird als Torsionssteifigkeit bezeichnet.88) die Verdrehung zweier um ∆l entfernter Querschnitte des Stabes l+∆l ∆ϕt = x=l 1 ϑ(x) dx = GIp l+∆l Mt (x) dx .3 dargestellte Spannungsverlauf im Stabquerschnitt folgt aus (2. und ϑ(x) nennt man Verwindung. (2.3 Die Torsionsspannung wächst linear mit r an.

s) =0 ∂s ⇒ t = t(x) (2.93) d.h. von der Koordinate s ist er unabhängig.84 Elastostatik und Festigkeitslehre Für Mt = Mt0 = konst. der Schubfluß ist nur von der Koordinate x abhängig. s) = τ (x. führt die Integration auf ∆ϕt = Mt0 ∆l GIp . s)h(s) (2. ds s dx .h. x Mt0 x y h(s) z Mt(x) t (x.4) liefert ∂t(x. 2.4.4 1..3 ist zu erkennen. s) herausgetrennten infinitesimalen Elementes h(s) dx ds (siehe Bild 2. Wegen der Schubspannungsfreiheit der Manteloberflächen ist der Schubfluß immer tangential zur Wandungsmittellinie gerichtet.4. Es ist somit eine gute Näherung.2 Dünnwandige geschlossene Querschnitte Aus Bild 2. Wir führen den Schubfluß t(x. bei dünnwandigen geschlossenen Querschnitten (d. Statik (Gleichgewicht): Das Gleichgewicht in Längsrichtung eines an der Stelle (x.s)dx dx ds s Bild 2.4. Diese Tatsache trifft auch auf andere dünnwandige geschlossene Querschnitte zu.4. Die Koordinate s gilt entlang der Wandungsmittellinie. Wanddicke h(s) ≪ sonstige Querschnittsabmessungen) mit einem über die Wanddicke konstanten Schubspannungsverlauf zu rechnen.92) ein. dass sich die Spannung τ über die Wandstärke eines Kreisringquerschnittes umso weniger ändert je dünnwandiger das Profil ist.

(2.97) |τmax | = Wt = 2Φhmin . s) = Mt (x) t(x) = h(s) 2Φh(s) . Bild 2.94) s Mt (x) = 2tΦ wobei Φ die von der Wandungsmittellinie umschlossene Fläche ist.5) Mt (x) = r t ds und mit ˜ rds ˜ = dΦ 2 (2. es können aber Verschiebungen ux (Verwölbungen) parallel zur Stabachse auftreten. Kinematik (Verformung): Nach Saint Venant drehen sich die Querschnitte beliebiger prismatischer Stäbe bei reiner Torsion zwar „quasi–starr“ in ihrer Ebene um einen Drehpol. 2. Wir konnten die Spannungsverteilung im Querschnitt ermitteln. . Das Problem der Torsion dünnwandiger geschlossener Profile ist unter den getroffenen Annahmen offensichtlich statisch bestimmt. r) = rdϕt (x) . (2. (2.98) Dabei zählt r vom zunächst unbekannten Drillmittelpunkt D aus.5 Damit gilt der 1.96) und für die maximale Schubspannung gilt |t| |Mt | = hmin Wt mit (2.95) τ (x. In der Querschnittsebene gilt nach wie vor ur = 0 und duϕ (x.Torsion gerader Stäbe 85 t ds dF Mt(x) B ~ r Das resultierende Torsionsmoment Mt (x) bezüglich eines zunächst beliebigen Bezugspunktes B folgt aus (siehe Bild 2.4.4. ohne die Verformungsgleichungen mit heranziehen zu müssen. Satz von Bredt: Mt (x) 2Φ t(x) = Die Schubspannung folgt aus .

16) folgt mit uy → uϕ und dy → ds unter Beachtung von (2.99) γxs = γ = ∂ux ∂us ∂ux dϕt ∂ux + = +r ˜ = +rϑ ˜ ∂s ∂x ∂s dx ∂s (2.101) in (2.100) ds Bild 2.4. Aus (2.4. (2.86 Elastostatik und Festigkeitslehre dun duj r djt dus Durch die „quasi–starre“ Querschnittsdrehung um den Drillmittelpunkt ergibt sich beim Fortschreiten um dx der in Bild 2.6 dx Ein am Ort (x.101) Setzt man (2.102) Die Integration von (2. abgekürzt γ= τ G (2.100) ein und integriert.7 3.99) D Bild 2. so folgt für die Querschnittsverwölbung 1 = G s s ux − ux0 τ ds∗ − ϑ s∗ =0 s∗ =0 r ds∗ ˜ (2. s) gedanklich herausgeschnittenes kleines Wandelement h(s) dx ds erfährt infolge der Torsionsspannungen die Winkeländerung γxs . p 2 gxs gxs Das infinitesimale Element kann als eben angesehen werden.4.6 dargestellte Sachverhalt. dus dus r ˜ = = duϕ rdϕt r ~ r ⇒ dus = r dϕt ˜ .102) über den gesamten Umfang ergibt wegen der Stetigkeit der Verwölbung (Kompatibilität) 0= 1 G τ ds − ϑ r ds = ˜ 1 G τ ds − 2ϑΦ . Stoffgesetz (Hookesches Gesetz): Nach (2.25) erhalten wir für reine Schubbeanspruchung γxs = τxs G bzw.

104) mit der Torsionssteifigkeit G It . My ∼ ωx zh(s) ds = 0 . ωx0 = ux0 ϑ ωx (s) = s∗ =0 It 1 − r ds∗ + ωx0 ˜ 2Φ h(s∗ ) .103) (2. s) auf die Form s ux (s) − ux0 = ϑ s∗ =0 1 It − r ds∗ ˜ 2Φ h(s∗ ) (2. Führt man noch die Einheitsverwölbung ωx als die auf den Drillwinkel ϑ bezogene Verwölbung gemäß ωx (s) = ein.103) stellt den 2.103) und Einsetzen von τ nach (2. (2. Umstellen von (2. wobei für It gilt 4Φ 2 Λ mit ds h(s) (2. zur Einheitsverwölbung proportionalen Normalspannungen müssen eine Gleichgewichtsgruppe bilden.95) ergibt Mt = ds h(s) G4Φ 2 τ ds ϑ= 2GΦ ⇒ ϑ= Mt GIt (2. τ ds = 2 G ϑ Φ .106) bringen. Mz ∼ ωx yh(s) ds = 0 (2.104) läßt sich die Bestimmungsgleichung für die Verwölbung ux (x. (2.108) . Satz von Bredt dar. sofern eine Torsionsdeformation nach Saint Venant vorliegt. (2. der nicht nur für dünnwandige Profile sondern auch für Vollquerschnitte gilt. Mit (2. so erhält man s ux (s) ϑ bzw.Torsion gerader Stäbe 87 bzw.105) It = Λ= .96) und (2. Die durch die Wölbbehinderung entstehenden.92) bzw.107) Der bisher unbekannte Drillmittelpunkt sowie die Verwölbungskonstante ωx0 sind über das Gedankenmodell einer elastischen Wölbbehinderung zu bestimmen. woraus folgt N∼ ωx h(s) ds = 0 .

4.110) und (2. .111) a2 h3 h2 a3 τmax tritt im Teilstück mit der größten Wandstärke auf.109) ϑ= |τmax | = .111) wurde verzichtet. Die Einheitsverwölbung folgt aus der zu (2.88 Elastostatik und Festigkeitslehre Mit (2.4.109) sind für einen Querschnitt. müssen sie zwangsläufig innerhalb des dünnwandigen Querschnittes umlaufen. In (2. 2. der aus mehreren Teilstücken mit jeweils konstanter Wandstärke hi besteht (siehe Bild 2.108).107) analogen Beziehung s ωx (s) = − r ds∗ + ωx0 ˜ .8 Auf die Herleitung von (2. Bild 2. Bei doppelsymmetrischen Querschnitten fällt der Drillmittelpunkt mit dem Querschnittsschwerpunkt zusammen.3 Dünnwandige offene Querschnitte Dünnwandige offene Querschnitte besitzen eine nur geringe Torsionssteifigkeit.110) a 1 h 1 t Wt = It hmax . Da die Schubspannungen jeweils tangential zum schubfreien Rand verlaufen. Für Drillwinkel und maximale Schubspannung gelten dϕt Mt = dx GIt und |Mt | Wt (2. zD (Koordinaten des Drillmittelpunktes) und ωx0 zur Verfügung.4.112) s∗ =0 Zur Bestimmung von ωx0 und der Koordinaten des Drillmittelpunktes dient wieder (2. am Rand weisen sie ihr Maximum auf (Bild 2. (2.8).4. (2.108) stehen 3 Gleichungen zur Bestimmung von yD . Auf der Wandungsmittellinie sind die Schubspannungen gerade Null.8). näherungsweise 1 3 It = und ai h3 i i (2.

In diesem Abschnitt werden wir zeigen. die Verzerrungs– Verschiebungs– Beziehungen und das Hookesche Stoffgesetz herangezogen.9). 2.5 Energiemethoden der Elastostatik Wir haben bisher die Gleichgewichtsbedingungen.9 Das bedeutet für das Verhältnis der Torsionssteifigkeiten It geschl =3 It of f en R h 2 = 1200 Man verwendet daher geschlossene Profile für verwindungssteife und offene Profile für verwindungsweiche Konstruktionen. das einmal offen und einmal geschlitzt ist.4. gezeigt (Bild 2. Das Verhältnis von Radius R zu Wandstärke h soll 20 betragen. Geschlossenes Kreisrohr: R It geschl = 4(πR2 )2 h 4Φ2 = ds 2πR h = 2πR3 h = 16000 π h4 h Geschlitztes Kreisrohr: R It of f en = = 1 3 ai h3 i i 2π 3 40 4 Rh = πh 3 3 h Bild 2. statisch unbestimmter elastischer Systeme ermitteln kann. .4.Energiemethoden der Elastostatik 89 Beispiel: Vergleich dünnwandig offener und geschlossener Querschnitt Der große Unterschied in der Torsionssteifigkeit zwischen geschlossenen und offenen Profilen wird am Beispiel eines dünnwandigen Kreisringprofils. daß man mittels der Energiemethoden ebenfalls die Deformationen statisch bestimmter bzw. um die Beanspruchungen und Deformationen von elastischen Systemen zu bestimmen.

die aufgebrachte Arbeit W ∗ verlustfrei zu speichern.1) und berechnen die von außen aufgeprägte Arbeit .1 ∆W = σxx ∆A d(εxx ∆x) und mit ∆A · ∆x = ∆V ∆W = σxx dεxx . (2. ∆Α Für die Arbeit gilt (Kraft und Verschiebung nur in x–Richtung) ∆W = bzw. so daß die Integration von (2. spezifischer Verzerrungsenergie) versteht man die in einem deformierten Körper gespeicherte mechanische Energie.5. xx 2 2 2E Die Erweiterung von (2.5.1 Spezifische Formänderungsenergie Unter spezifischer Formänderungsenergie Π∗ (bzw. in dem ein homogener einachsiger Spannungszustand (σxx ) herrscht (Bild 2. (2.114) Unter Benutzung des Hookeschen Gesetzes (ohne Temperaturdehnung) σxx = E εxx folgt 1 σ2 E (2. Wir betrachten zunächst ein Volumen ∆V .113) auf den allgemeinen räumlichen Spannungszustand liefert ¯ W ∗ = Π∗ = (σxx dεxx + σyy dεyy + σzz dεzz + τxy dγxy + τyz dγyz + τzx dγzx) . Man erhält Π∗ = G 1 2 1−ν 2 2 (εxx + εyy + εzz )2 − 2(εxx εyy + εyy εzz + εzz εxx ) + (γxy + γyz + γzx ) 1 − 2ν 2 (2.117) . Fx dux ∆x σxx εxx ∆x Bild 2.25) für den dreidimensionalen Spannungszustand lassen sich die Spannungen durch die Verzerrungen auszudrücken.90 Elastostatik und Festigkeitslehre 2.113) dV Das elastische Volumen ist offensichtlich in der Lage.116) Mit dem verallgemeinerten Hookeschen Gesetz (2. bezogen auf das Volumen des Körpers.115) W ∗ = Π∗ = E εxx dεxx = ε2 = σ ε = xx . Es gilt also Π∗ = W ∗ (2.5. ∆V Für einen im Körper kontinuierlich veränderlichen einachsigen Spannungszustand (in x–Richtung) ist dW W∗ = = σxx dεxx . Die pro Volumen gespeicherte spezifische Formänderungsarbeit Π∗ entspricht genau der von außen aufgebrachten Arbeit.116) ausgeführt werden kann.

2 Formänderungsenergie eines Balkens Wir haben bisher ausschließlich den Beanspruchungszustand in Stäben und Balken.h. 2EA (2. Dabei werden wir der Reihe nach die Beanspruchungsarten Zug (Druck). Iyy .Energiemethoden der Elastostatik 91 oder. Das ergibt ¯ Π= (l) (A) N(x) A σ2 dA dx = 2E (l) N 2 (x) 2EA2 (A) dA dx = (l) N 2 (x) dx . so daß für die Spannung σ= My (x) z gilt. (2. (2.5. d. Torsion und Querkraftschub betrachten.120) Zug (Druck): Es ist nur eine über die Querschnittsfläche konstante Normalspannung σxx = σ = (einachsiger Spannungszustand) vorhanden. Letzterer spielt bei schlanken Trägern eine untergeordnete Rolle. (2. Wir setzen eine gerade Biegung um die y-Achse (Hauptachse) voraus.118) 2E 2G 2G Die gesamte in einem elastischen Körper gespeicherte Formänderungsenergie erhält man durch Integration der spezifischen Formänderungsenergie über das Körpervolumen Π= (V ) Π∗ dV . in Linientragwerken untersucht. Die Berechnung der Formänderungsenergie soll daher auch nur für diese Tragwerke erfolgen. Biegung.121) Biegung: Wie bei Zug gibt es nur eine Normalspannungskomponente σxx = σ. Beim Balken wird die Integration über das Volumen aufgespalten in eine Integration über die Querschnittsfläche A und eine Integration über die Balkenlänge l gemäß ¯ Π= (V ) ¯ Π∗ dV = (l) (A) ¯ Π∗ dA dx . ausgedrückt durch die Spannungen.119) 2. 1 1 1 2 2 2 ¯ Π∗ = (σxx +σyy +σzz )2 − (σxx σyy +σyy σzz +σzz σxx )+ (τxy +τyz +τzx ) .

123) Neben der Torsionsspannungsverteilung bei Kreis– und Kreisringquerschnitten haben wir im Kap.125) Benutzt man auch bei Kreis– und Kreisringquerschnitt die Bezeichnung It .92 Elastostatik und Festigkeitslehre Damit folgt ¯ Π= (l) 2 My (x) 2 2EIyy z dA dx = (A) (l) 2 2 My (x) dx . Damit kann die spezifische Formänderungsenergie in der Form τ2 Q2 (x) 2 ¯ Π∗ = = z 2 fz (z) 2G 2GA angeschrieben werden und nach Integration über das Volumen folgt Qz (x) fz (z) A . 2GIp (2. so ergibt 2 Φ h(s) sich Mt2 (x) ¯ Π= ds dx (2. z) = τ (x. bei denen nur eine TangenMt (x) r auftritt.4 noch die Spannunsverteilung bei dünnwandigen geschlossenen QuerMt (x) schnitten mit τxs = τ = kennengelernt.122) Torsion: Wir betrachten zunächst Kreis– und Kreisringquerschnitte. fz (z) bezeichnet man als Verteilungsfunktion. tialspannung τxϕ = τ = Ip ¯ Π= (l) (A) τ2 dA dx = 2G (l) Mt2 (x) 2 2GIp r 2 dA dx = (A) (l) Mt2 dx . Querkraftschub: Die Gleichung für die Schubspannungsverteilung infolge Qz (x) läßt sich in der Form τxz (x.124) 8GΦ2 h(s) (l) Da It = 4φ2 ds h(s) ist. 2 GIt (2. d. so gilt einheitlich (2. Ip = It . z) = anschreiben. Setzt man noch dA = h(s) ds.h.125). 2EIyy (2. 2. erhält man ¯ Π= (l) Mt2 dx .

Energiemethoden der Elastostatik

93

¯ Π=
(l)

Q2 (x) z 2GA2
(A)

2 fz (z) dA dx.

Führt man die (dimensionslose) Querschubzahl κz = 1 A
(A) 2 fz (z) dA.

(2.126)

ein, so folgt ¯ Π=
(l)

κz

Q2 (x) z dx . 2GA

(2.127)

In der nachstehenden Abbildung ist die Querschubzahl für einige wichtige Querschnittsformen zusammengestellt. 1

y z κz = 6 5

y z 10 9

a y z a 12 5

y z 12 5

y z 2

y z 2

2.5.3

Kombinierte Beanspruchung und Mehrbereichsaufgaben

Die Überlagerung von Zug (Druck), Biegung, Torsion und Querkraftschub ergibt insgesamt die Formänderungsarbeit für einen Balken ¯ Π=
(l) 2 Q2 (x) N 2 (x) My (x) Mt2 (x) dx + + + κz z 2EA 2EIyy 2GIt 2GA

(2.128)

Bei mehreren Bereichen des Balkens sind die entsprechenden Anteile bereichsweise zu addieren.
1

Nach Neuber, Band 2, Seite 302, Springer-Verlag 1971.

94

Elastostatik und Festigkeitslehre

Beispiel: Kragträger unter Einzellast
M(x) EI x l wF F

Der Querkraftanteil kann vernachlässigt werden. Gegeben: F, l, EI Gesucht: wF

Statik: Arbeitssatz:

M(x) = −F (l − x) ¯ W =Π mit W = ¯ und Π =
0

1 F wF 2
l

M 2 (x) F2 dx = 2EI 2EI
0

l

(l − x)2 dx =

F 2 l3 6EI

Damit erhält man F 2 l3 1 F wF = 2 6EI ⇒ wF = F l3 . 3EI

2.5.4

Prinzip der virtuellen Arbeit

Das Prinzip der virtuellen Arbeit, im engeren Sinn auch als Prinzip der virtuellen Verschiebungen bezeichnet, besagt, daß bei einem mechanischen System im Gleichgewicht die Gesamtarbeit bei einer virtuellen Änderung der Verschiebungen verschwindet. Virtuelle Verschiebungen sind • gedacht, d.h. in Wirklichkeit nicht vorhanden, • differentiell klein, • mit den kinematischen Bedingungen des Systems verträglich, • beliebig Bei einem deformierbaren Körper setzt sich die gesamte virtuelle Arbeit aus der äußeren virtuellen Arbeit (Arbeit der äußeren eingeprägten Kräfte) und der inneren virtuellen Arbeit (negative virtuelle Formänderungsarbeit) zusammen. δW = δW (a) − δW (i) = δW (a) − δΠ = 0 ⇒ δW (a) = δΠ (2.129)

Energiemethoden der Elastostatik

95

Gemäß (2.116) und (2.119) gilt in Indexschreibweise δΠ =
(V )

σij δεij dV

.

(2.130)

Ein komplementäres Prinzip ist das Prinzip der virtuellen Ergänzungsarbeit, das auch als Prinzip der virtuellen Kräfte bezeichnet wird. Es besagt, daß im Gleichgewichtszustand die virtuelle Ergänzungsarbeit bei einer virtuellen Änderung der Kräfte verschwindet. Die virtuelle Änderung der Kräfte muß statisch verträglich sein (Gleichgewicht erfüllt). Für deformierbare Körper gilt analog zu (2.129) ¯ ¯ ¯ ¯ ¯ δ W = δ W (a) − δ W (i) = δ W (a) − δ Π = 0 und weiterhin ¯ δΠ =
(V )

⇒ .

¯ ¯ δ W (a) = δ Π

(2.131)

εij δσij dV

(2.132)

Die Bedeutung der Integranden σij δεij in (2.130) und εij δσij in (2.132) ist in Bild 2.5.2 dargestellt.

I

F
I A @ I I @ A

F
A @ I

F

F
I @ A A

A
Bild 2.5.2

Es ist zu erkennen, daß bei einem linearen Zusammenhang zwischen Spannung und ¯ Dehnung (Hookesches Gesetz) Π = Π ist. Auf die umfassende Bedeutung der genannten Prinzipien wollen wir hier nicht eingehen; wir wollen vielmehr (2.132) für die Herleitung des Satzes von Castigliano im Kapitel 2.5.5 benutzen. 2.5.5 Verfahren von Castigliano

Wir werden uns nur mit dem 2. Satz von Castigliano beschäftigen, der die Bestimmung von Verformungen bei gegebenen Belastungen ermöglicht.

. . .96 Elastostatik und Festigkeitslehre Als einfaches Beispiel für die Herleitung wollen wir den statisch bestimmt gelagerten Träger nach Bild 2.5. q1 .134) eingesetzt in (2. . M2 . . und die gesamte komplementäre Formänderungsenergie ist eine quadratische Funktion der eingeprägten äußeren Lasten.135) . so ist ¯ δΠ = ¯ ¯ ∂Π ∂Π δFk + δMk ∂Fk ∂Mk (2. · · · . . . M1 .5. · · · . qr ) Variiert man nur die Kraft Fk und das Moment Mk (die anderen äußeren Lasten bleiben konstant). q2 . Für die Variation der äußeren Arbeit gilt ¯ δ W a = fk δFk + ψk δMk (2. · · · . F2 . q2 . . .133) . Mk . lassen sich alle Schnittgrößen über die Gleichgewichtsbedingungen berechnen. (2.134) fk − Da (2. ¯ ¯ Π = Π(F1 . . qr belastet ist.135) für alle möglichen Variationen δFk und δMk erfüllt sein muß.3 betrachten. folgt ¯ ∂Π . der durch n vertikale Einzellasten F1 .3 Es sollen die Durchbiegung fk des Angriffspunktes der Kraft Fk und die Verdrehung ψk des Angriffspunktes des Momentes Mk ermittelt werden. .133) und (2. Fn .131) liefert ¯ ¯ ∂Π ∂Π δFk + ψk − δMk = 0 . M2 . Fn . · · · . Da das System statisch bestimmt ist. . Mm und r Streckenlasten q1 . Fk . m Einzelmomente M1 . (2. . ∂Fk ¯ ∂Π ∂Mk fk = ψk = . . F 1 F 2 F k q r F n M 1 M 2 M k M m fk O k Bild 2. Fk . . ∂Fk ∂Mk (2.136) . . Mm . . Mk . · · · . . . F2 .

einem äußeren Moment) liefert die Verschiebung (bzw.136) ist der 2. Die partielle Differentiation erfolgt nach der Kettenregel und ergibt unter Beachtung der Tatsache. .h. daß Π = Π ist. ¯ ∂Π ∂FH ¯ ∂Π ∂MH (2.Energiemethoden der Elastostatik 97 (2. der verbal folgendermaßen lautet: Die partielle Ableitung der komplementären Formänderungsenergie ¯ Π nach einer äußeren Kraft (bzw. Verdrehung) des entsprechenden Angriffspunktes in Richtung der Kraft (bzw. Verdrehung) an einer Stelle wissen. MH =0 ¯ Von einem linear elastischen System wissen wir. Will man die Verschiebung (bzw. FH =0 ψH = . des Momentes). ein Hilfsmoment ¯ MH ) ein und setzt diese Hilfslasten nach der partiellen Ableitung von Π(i) wieder Null. (2. wenn mehrere Beanspruchungsarten überlagert sind. Satz von Castigliano.137) fH = . Weiterhin können auch Deformationen von gekrümmten Trägern bestimmt werden. (2. Für einen Träger mit j Bereichen ergibt sich damit ¯ Π=Π= j (lj ) 2 2 Myj Mtj Q2 Nj2 zj + + + κzj dxj . daß Integration und Differentiation im vorliegenden Fall vertauschbar sind fk = j (lj ) Nj ∂Nj Myj ∂Mbyj Mtj ∂Mtj Qzj ∂Qzj dxj + + + κzj EAj ∂Fk EIyyj ∂Fk GItj ∂Fk GAj ∂Fk . an der keine entsprechende äußere Last angreift.140) Besondere Vorteile bietet der Satz von Castigliano bei der Berechnung von Deformationen. 2EAj 2EIyyj 2GItj 2GAj (2. so führt man eine Hilfskraft FH (bzw.139) ψk = j (lj ) Myj ∂Mbyj Mtj ∂Mtj Qzj ∂Qzj Nj ∂Nj + + + κzj dxj EAj ∂Mk EIyyj ∂Mk GItj ∂Mk GAj ∂Mk . d.138) Die Schnittgrößen sind Funktionen der äußeren Lasten.

Andere in Π bzw. Satz von Castigliano läßt sich besonders effektiv auf statisch unbestimmte Systeme anwenden. .141) ist unbedingt darauf zu achten.141) ¯ Vor der Anwendung von (2. Ist eine Aufgabe z. müssen wir an dieser Stelle ein Hilfsmoment MH annehmen. ∂M = −x . EI l Mby x F F Gesucht: Verschiebung und Verdrehung an der Kraftangriffsstelle. Bei der Deformation leisten nur die eingeprägten äußeren Belastungen Arbeit am Gesamtsystem.B. so gilt ¯ ∂Π =0 . l. nicht aber die Reaktionskräfte und –momente. ∂F ∂M = −1 . Für Biegemoment und Ableitungen erhalten wir Mby = M = −F x − MH . Π nur als eine Funktion der statisch Unbestimmten X und der äußeren Belastung ange¯ geben ist. EI = konst. daß Π bzw. x=0 Entsprechend ergibt sich für den Winkel ¯ ∂Π ψF = ∂MH l = MH =0 x=0 M ∂M EI ∂MH MH =0 1 dx = EI l F x dx = x=0 1 F l2 2 EI . in Π auftretende Auflagerreaktionen müssen mit Hilfe der Gleichgewichtsbedingungen durch X und die äußere Belastung ausgedrückt werden. MH Da an der Kraftangriffsstelle nicht nur nach der Verschiebung sondern auch nach der Verdrehung gefragt ist. ∂MH Damit folgt (MH wird nach der partiellen Ableitung wieder weggelassen) ¯ ∂Π fF = = ∂F l M ∂M 1 dx = EI ∂F EI l F x2 dx = x=0 1 F l3 3 EI .98 Elastostatik und Festigkeitslehre Beispiel: gerader Träger unter alleiniger Berücksichtigung der Biegearbeit Gegeben: F. einfach statisch unbestimmt und bezeichnet man eine nicht unmittelbar aus den Gleichgewichtsbedingungen berechenbare Auflagerreaktion mit X. Der 2. ∂X (2.

Beispiel: statisch unbestimmt gelagerter Balken q B l A Ein gerader gesteifigkeit Streckenlast eingespannt gehalten. dass Π zum einen direkt und zum anderen indirekt über X von Fk abhängt. l.141) wird auch als Satz von Menabrea bezeichnet. q AH Gleichgewichtsbedingungen: → AH = 0 AV + B − ql = 0 1 MA + Bl − ql2 = 0 2 MA AV x B ↑ A . da von Menabrea die Aussage stammt (ohne Beweis). ¯ (2. daß die Formänderungsenergie zu einem Minimum wird.141) zur Folge hat.142) fk = . Wegen (2. so gibt es n statisch Unbestimmte X1 · · · Xn . Der Satz von Menabrea kann auch als Sonderfall des allgemeiner gültigen Satzes vom Minimum der potentiellen Energie interpretiert werden. daß die partielle Ableitung nach einer äußeren Belastung vorgenommen werden kann. Er ist bei A fest und bei B durch ein Rollenlager Gegeben: q.143) Als statisch Unbestimmte sind auch innere Kräfte und Momente (an bestimmten Stellen) möglich.141) vereinfacht sich (2. Gesucht: Auflagerreaktionen. und es gelten die n Gleichungen ¯ ∂Π =0 ∂Xk k = 1···n (2.). und man erkennt.142) ist zunächst so formuliert. was unmittelbar (2. konstante BieEI ) wird durch eine konstante q belastet. Balken (Länge l. EI (konst.142) aber auf die zuletzt genannte Form. (2. ohne das Ergebnis für X einzusetzen. daß sich bei einer statisch unbestimmten Aufgabe die statisch Unbestimmte so einstellt.Energiemethoden der Elastostatik 99 Die Verschiebung an der Angriffsstelle der Kraft Fk in Richtung dieser Kraft folgt aus ¯ ¯ ¯ ∂Π ∂ Π ∂X ∂Π + = ∂Fk ∂X ∂Fk ∂Fk (2. Ist eine Aufgabe mehrfach (n–fach) statisch unbestimmt.

Beispiel: Rahmen 5 AV = ql 8 und 1 MA = ql2 8 . 1 M = Bx − qx2 2 ¯ ∂Π 1 = 0= ∂B EI 0 l ∂M =x ∂B l ∂M 1 M dx = ∂B EI 0 1 (Bx − qx2 )x dx 2 3 B = ql 8 0 = l EI 3 1 1 B − ql 3 8 ⇒ Aus den Gleichgewichtsbedingungen folgen: AH = 0 . 2 Es wird B als statisch Unbestimmte gewählt. l Es soll nur die Biegearbeit berücksichtigt werden. MA oder B in Frage. l. Auflagerreaktionen.100 Elastostatik und Festigkeitslehre Die Aufgabe ist einfach statisch unbestimmt.) Gesucht: 1. daß in den Schnittgrößen nur die äußere Belastung und die statisch Unbestimmte vorkommen. l F G Gegeben: F. 2. Als statisch Unbestimmte kommen AV . A F x2 I x1 B GV GH GV x 3 II Gleichgewicht: I: → ↑ A AH + F − GH = 0 AV + GV = 0 MA + GV l + GH l − F l = 0 GH + BH = 0 BV − GV = 0 AH MA AV BH MB BV II : → ↑ B MB − GH l = 0 . da so bereits ohne Benutzung der Gleichgewichtsbedingungen die Forderung erfüllt ist. Verschiebung des Gelenkes. EI (konst. Mit der in der Skizze angegebenen Koordinate x läßt sich 1 das Biegemoment in der Form M = Bx − qx2 schreiben.

h. Da der Normalkraftanteil in der komplementären Formänderungsarbeit unberücksichtigt bleiben soll. Für die Berechnung der Verschiebung des Gelenkes benötigen wir keine Hilfskraft. . fG = . GH = 7 F 23 . Als statisch Unbestimmte wählen wir GH und GV (für das Gesamtsystem gesehen innere Kräfte). Diese Kräfte können zwar am Teilsystem. nicht aber am Gesamtsystem Arbeit verrichten. ∂Mi ∂GV x1 l 0 ∂Mi ∂GH 0 x2 x3 ∂Mi ∂F 0 −x2 0 i 1 2 3 Mi GV x1 GV l + GH x2 − F x2 GH x3 Die weitere Berechnung liefert ¯ 1 ∂Π =0 = ∂GV EI = = 3 l Mi i=1 0 ∂Mi dxi ∂GV l 1  EI l EI 3  0 l GV x2 dx1 + 1 0 1 1 1 GV + GV + GH − F 3 2 2 l (GV l + GH x2 − F x2 )l dx2  . obwohl direkt am Gelenk keine äußere Kraft angreift. GH x2 dx3  3  6 F 23 . ∂F Momente und Ableitungen werden in Tabellenform gegeben. d.  ¯ ∂Π 1 =0 = ∂GH EI = = Daraus folgen: GV = 3 Mi i=1 0 ∂Mi dxi ∂GH l 1  + EI l EI 3  l (GV l + GH x2 − F x2 )x2 dx2 + 0 0 1 1 1 1 GV + GH − F + GH 2 3 3 3 .Energiemethoden der Elastostatik 101 Die Aufgabe ist 2–fach statisch unbestimmt. verschiebt sich der Kraftangriffspunkt um den gleichen Betrag (in horizontaler Richtung) wie ¯ ∂Π das Gelenk.

= l EI 3 Die Verschiebung fG erhält man auch dadurch. Biege– und Torsionssteifigkeit des Trägers (EI)T und (GIt )T .102 Elastostatik und Festigkeitslehre Die (horizontale) Verschiebung des Gelenkes beträgt fG ¯ 1 ∂Π = = ∂F EI 1 = EI 0 l 3 l Mi i=1 0 ∂Mi dxi ∂F (GV l + GH x2 − F x2 ) (−x2 ) dx2 1 1 1 − GV − GH + F 2 3 3 ⇒ fG = 7 F l3 69 EI . Längen b. . Die Belastung erfolgt durch die Kraft F . Zu berücksichtigen sind die Zugarbeit im Seil sowie Biege– und Torsionsarbeit im Träger. b x 2 Seil l x1 b F Die Aufgabe ist einfach statisch unbestimmt. l. Seil und äußere Last F liegen in einer Richtung senkrecht zur Trägerebene. daß man nur das Teilsystem II betrachtet und GH als äußere Kraft auffaßt. Gesucht: Seilkraft S. Gegeben: Kraft F . 23 Beispiel: Überlagerung verschiedener Beanspruchungsarten Das Tragwerk besteht aus einem abgewinkelten Träger und einem Seil. Als statisch Unbestimmte wählen wir die Seilkraft S. Die Gleichgewichtsbedingungen liefern schließlich: AH = − 16 F 23 7 BH = − F 23 6 F 23 6 BV = + F 23 AV = − MA = + 10 Fl 23 7 MB = + F l . Dehnsteifigkeit des Seils (EA)S .

Bereich 1: Träger. Es geht in der Festigkeitslehre aber auch um seine Beurteilung.1 Materialprüfung und Werkstoffkennwerte Es gibt eine Reihe von genormten Materialprüfverfahren. In den meisten Fällen werden die Materialkennwerte unter den Bedingungen des einachsigen Spannungszustandes bestimmt.Beurteilung des Beanspruchungszustandes 103 Seil: Träger. . (EA)S durch die l 2. W B ≤ Bzul = (S > 1) (2. wird in den folgenden Kapiteln behandelt. Bereich 2: N =S Mb1 = (S − F )x1 Mb2 = (S − F )x2 Mt2 = −(S − F )b ¯ N ∂N ∂Π =0 = l+ ∂S (EA)S ∂S b b ∂N =1 ∂S ∂Mb1 = x1 ∂S ∂Mb2 = x2 ∂S ∂Mt2 = −b ∂S Mb1 ∂Mb1 dx1 (EI)T ∂S dx2 0 + 0 Mt2 ∂Mt2 Mb2 ∂Mb2 + (EI)T ∂S (GIt )T ∂S 0 = Sl 2b3 b3 + (S − F ) + (S − F ) (EA)S 3(EI)T (GIt )T 2+3 EI GIt T EI GIt T Ergebnis: S=F 3 bl(EI)TS 3 (EA) +2+3 Bei einer Feder anstelle des Seils wäre lediglich die Dehnsteifigkeit Federsteifigkeit c zu ersetzen. dass eine charakteristische Beanspruchungsgröße B einem experimentell ermittelten Werkstoffkennwert W gegenübergestellt wird. die ein vertretbares Versagensrisiko zum Ausdruck bringen.6.6 Beurteilung des Beanspruchungszustandes Bisher haben wir uns nur mit der Ermittlung des Beanspruchungszustandes befaßt. Das bedeutet. von denen wir hier nur die wichtigsten ansprechen wollen.144) S Welches charakteristische Beanspruchungsgrößen B sind und was man als Werkstoffkennwert W verwenden kann. 2. Unsicherheiten und Streuungen von B und W erfordern Sicherheitsfaktoren S.

eine schlagartige Belastung. bei dem realistischere (praxisnähere) Belastungsfolgen aufgebracht werden. z.2).h. Dauerschwingversuch.B. 2. und die nach der Beziehung σD = σm ± σaD (2.B.6.) erkennbaren Werkstoffkennwerte wie Fließ– und Bruchgrenze wurden bereits im Kapitel 2. Betriebsfestigkeitsversuch. die Ergebnisse von mehreren Wöhlerversuchen bei unterschiedlicher Mittelspannung) wird im Smith– Diagramm dargestellt (Bild 2. sm Zeit t .1 dargestellt. Die bei zügiger Belastung (1. eine zügige (statische) Belastung. sa saD Unterhalb einer Grenze σaD übersteigt die Lastspielzahl eine bestimmte Grenzlastspielzahl (bei Stahl 107 ). Die Abhängigkeit der Dauerfestigkeit von der Mittelspannung (d. Kerbschlagversuch.6.4 behandelt. Unter einer derartigen Belastung werden die Lastspiele bis zum Bruch ermittelt. 3. Die beim einfachen harmonischen Dauerversuch in Abhängigkeit von der Mittelspannung auftretenden unterschiedlichen Belastungsarten sind in Bild 2.104 Elastostatik und Festigkeitslehre Prinzipiell unterscheidet man 1.6.6.1. eine zyklische Belastung. s Lastspiel s s so 2sa sm Zeit t Bild 2.1 su Zeit t Die für eine bestimmte konstant gehaltene Mittelspannung σm erreichbare Lastspielzahl bis zum Bruch wird in Abhängigkeit von der Spannungsamplitude σa im Wöhler– Diagramm aufgetragen (Bild 2. Bei zyklischer Belastung (2. z.2 berechnete Spannung wird als Dauerfestigkeit σD bezeichnet.3). 10 7 Lastspielzahl Bild 2.145) z.) unterscheidet man den Dauerversuch mit harmonischer Lastfolge und den Betriebsfestigkeitsversuch.6.B.

Wir werden die Änderung der Spannungskomponenten bei Drehung des Koordinatensystems untersuchen. Wir haben im Kapitel 2. Zeitfestigkeitsbereich. 2. ob sich ein Material spröde oder duktil verhält.) geben qualitativ Aufschluß darüber. Man dimensioniert dann im sog.1 gesehen.Beurteilung des Beanspruchungszustandes 105 sD sF sm Im Smith–Diagramm sind die ertragbaren Spannungsamplituden abhängig von der Mittelspannung σm aufgetragen. was i.6. Der Gültigkeitsbereich des Diagramms wird üblicherweise durch die Fließgrenze abgeschnitten.6.6. Die Sicherheitsfaktoren S können sehr unterschiedlich sein. Ist das Risiko bei Versagen der Konstruktion sehr hoch.6. Druckkesselbau) Normen für Sicherheitsfaktoren existieren.2 Spannungstransformation und Hauptspannungen Die am häufigsten verwendete Beanspruchungsgröße B ist eine lokale Spannung. Unser ursprüngliches System hat die Achsen x und y.B. dass Werkstoffkennwerte meist unter den Bedingungen des einachsigen Spannungszustandes ermittelt werden. dass in bestimmten Bereichen (z. Man erkennt die Wechselfestigkeit σW (bei einer Mittelspannung gleich Null) und die Schwellfestigkeit σSchw (bei einer Mittelspannung gleich der Spannungsamplitude). Für bestimmte Bauteile mit nicht so hohen Lebensdauer–Lastspielzahlen kann man auch höhere Belastungswerte als die Dauerfestigkeit zulassen. . Weiterhin ist zu beachten. so muß ein Betriebsfestigkeitsversuch mit realistischerer Belastungsfolge (nicht nur harmonische Lastaufbringung) durchgeführt werden. Die Prüfverfahren mit schlagartiger Belastung (3. sSchw sW sm Bild 2.a. von der Temperatur des Werkstoffes abhängt.4).3 Reicht die Aussage des einfachen Dauerversuches nicht aus. tatsächlich liegt im Bauteil aber häufig ein mehrachsiger Spannungszustand vor. Bauwesen. Wir wollen uns daher etwas näher mit dem mehrachsigen Spannungszustand beschäftigen und verfolgen zunächst den zweiachsigen Spannungszustand. wird man mit entsprechend großen Sicherheitsfaktoren rechnen. das gedrehte System die Achsen ξ und η (Bild 2.

148) Die Transformationsgleichungen (2. (2. Stufe handelt.149) Mit cos2 α = 1 1 (1 + cos 2α). so dass sich zusammengefaßt ergibt σξξ = σxx cos2 α + σyy sin2 α + 2σxy sin α cos α σηη = σxx sin2 α + σyy cos2 α − 2σxy sin α cos α σξη = −σxx sin α cos α + σyy sin α cos α + σxy (cos2 α − sin2 α) (2.147) (2. i) cos(µ. η (2. 2 sin α cos α = sin 2α geht (2. sin2 α = (1 − cos 2α). µ = ξ. j)σij i.146) erhalten wir die noch fehlende Gleichung für σηη .148) für die Spannungskomponenten bei Drehung des Koordinatensystems haben die gleiche Form wie die entsprechenden Gleichungen (2.54) für die Flächenträgheitsmomente.148) 2 2 .4 oder mit α + π anstelle 2 von α in (2. da es sich in beiden Fällen um Tensoren 2.4 Gleichgewicht in ξ–Richtung: (bezogen auf die Scheibendicke) σξξ ds = σxx dy cos α + σyy dx sin α + σxy dy sin α + σyx dx cos α σξξ = σxx cos2 α + σyy sin2 α + 2σxy sin α cos α Gleichgewicht in η–Richtung: (bezogen auf die Scheibendicke) σξη ds = −σxx dy sin α + σyy dx cos α + σxy dy cos α − σyx dx sin α σξη = −σxx sin α cos α + σyy sin α cos α + σxy (cos2 α − sin2 α) . y λ.146) Durch andere Orientierung des Dreieckelementes in Bild 2.148) σλµ = i j cos(λ.6. In kompakter Schreibweise lautet (2. j = x.6.106 Elastostatik und Festigkeitslehre y D N e D d y = d s c o s= I = N D  h d s I e y x x h d y I N N  h d s e N I = x x x y h d y d s y x I h d x d x = d s s in = e I y y h d x Bild 2.

(2.152) . können die Normalspannungen auch negative Werte (Druckspannungen) annehmen.56) erhalten wir σxx σxy σyx σyy σξξ σξη σηξ σηη [σij ] = bzw.150) stimmt formal überein mit (2. Schubspannungen) σxx − σyy 2 2 2 + σxy σξη max = σξη (α = α) = ¯ Hauptschubspannungsachsen: α=α− ¯ ˜ .153) Hauptschubspannungen: (max.57). (2.154) π 4 .155) . Izz > 0 galt.151) Hauptnormalspannungen: 1 (σxx + σyy ) + = 2 1 = (σxx + σyy ) − 2 σxx − σyy 2 σxx − σyy 2 2 2 + σxy 2 2 + σxy σuu = σmax = σI σvv = σmin = σII (2. Durch formale Übertragung von (2. Während bei den Flächenträgheitsmomenten jeweils Iyy > 0. Hauptnormalspannungsachsen: (Achsen mit σuv = 0) tan 2α = ˜ 2σxy σxx − σyy bzw.150) (2. (2. Auch alle weiteren Beziehungen für die Flächenträgheitsmomente kann man auf die Spannungskomponenten formal übertragen. [σλµ ] = (2.Beurteilung des Beanspruchungszustandes 107 über in die Form σξξ = σηη σξη 1 1 (σxx + σyy ) + (σxx − σyy ) cos 2α + σxy sin 2α 2 2 1 1 = (σxx + σyy ) − (σxx − σyy ) cos 2α − σxy sin 2α 2 2 1 = − (σxx − σyy ) sin 2α + σxy cos 2α 2 (2. tan α = ˜ σuu − σxx σxy .

108 Elastostatik und Festigkeitslehre Invarianten des Spannungstensors: 1) Spur 2) Determinante Spur[σij ] = σxx + σyy = σξξ + σηη = σuu + σvv .σηη y Vorzeichenregel + ~ α - - (σ xx - σyy 2 ) +σ 2 x 2 xy + Bild 2. y-System .6. Beispiel: Mohrscher Spannungskreis: σxx > σyy und σxy > 0 σyy σξη σuu σxx ( σxx+ σyy) / 2 v σxy u σxx σξη.5).max(=τmax) ~ α σyy σvv ~ α v ~ 2α σxy u σξξ. 2 2 Det [σij ] = σxx σyy − σxy = σξξ σηη − σξη = σuu σvv .5 Beispiel: Mohrscher Spannungskreis: Reiner Schub im x. Eine anschauliche grafische Darstellung der Zusammenhänge bei der Drehung des Koordinatensystems gestattet der Mohrsche Spannungskreis (Bild 2.6.

Es gibt keine Schubspannungen. z)Aλ A z( 0 . z III A x ( 0 . y)Aλ und Az = cos(λ. (2. ζ–Koordinate zu ergänzen ist. y. Erweiterung auf den räumlichen Spannungszustand Bisher haben wir den ebenen Spannungszustand betrachtet. i A y ( 0 . Nun wollen wir die Beziehungen auf den räumlichen Spannungszustand erweitern. i) cos(µ.6 . j)σij i. η. d. µ = ξ. d.I I ) 0 s y z bzw. y)Aλ A l +σz cos(λ. ζ (2. j = x. z)Aλ gilt für das gezeichnete Tetraederelement die vektorielle Gleichgewichtsbedingung y II e l s s y y y x eλ σλ Aλ = σx cos(λ.149) gilt in der gleichen Form auch für den räumlichen Spannungszustand. auf denen der Spannungsvektor σλ gerade senkrecht steht. und alle Achsen sind Hauptnormalspannungsachsen. I I I ) s l Mit Ax = cos(λ. σλµ = i j cos(λ.h. wobei lediglich die z– bzw.I .I . i).h. z λ.6. wir suchen Schnittflächen.. x)Aλ . Ay = cos(λ.s h h Der Mohrsche Spannungskreis reduziert sich hier auf einen Punkt.156) Die Hauptnormalspannungen ergeben sich aufgrund der Bedingung σλµ = 0 für λ = µ.Beurteilung des Beanspruchungszustandes 109 Beispiel: Mohrscher Spannungskreis: Allseitiger Zug (hydrostatischer Spannungszustand) y s s s s s s x x x s x h . I I . x)Aλ + σy cos(λ. eλ σλ = σi cos(λ.I I I ) I x · ej Bild 2.

Die Hauptnormalspannungen σλ = σI . j) so folgt σλ cos(λ. i) existieren nur.158) In (2. σII . Für die I–II–.158) so bezeichnet werden. Wir setzen voraus. σij cos(λ. ej σi = σij .157) verschwindet. die durch die Richtungskosinusse cos(λ.7) . j) = i bzw. Nichttriviale Lösungen cos(λ. wenn die Koeffizientendeterminante von (2.157) handelt es sich um das Eigenwertproblem des Spannungstensors. Bei der Gleichung (2. σIII sind die Eigenwerte. dass die Hauptspannungen als Lösungen von (2.158) sind 2 2 2 III = σxx σyy + σyy σzz + σzz σxx − (σxy + σyz + σzx ) IIII = (Determinante) die Invarianten des räumlichen Spannungstensors. i) = 0 als Bestimmungsgleichung für die Hauptnormalspannungen. σxx − σλ σxy σxz σyx σyy − σλ σyz σzx σzy σzz − σλ = 0 Als charakteristische Gleichung folgt die kubische Gleichung für σλ σ 3 − II σ 2 + III σ − IIII = 0 II = σxx + σyy + σzz σxx σxy σxz σyx σyy σyz σzx σzy σzz (Spur) (2.110 Elastostatik und Festigkeitslehre Multipliziert man die ganze Gleichung mit ej und beachtet eλ ej = cos(λ.157) i [σij − δij σλ ] cos(λ. i) beschriebenen Hauptnormalspannungsachsen sind die Eigenvektoren. II–III– und III–I–Ebene erhalten wir wieder die Mohrschen Spannungskreise (Bild 2.6. dass σI ≥ σII ≥ σIII gilt. i) (2.

Die verbleibenden Größen nennt man Deviatoranteile o σij = σij − σij ˜ εij = εij − εo ˜ ij (2.118) angegeben.6.161) .7 stellen jeweils Grenzzustände dar.159) Es gibt auch für den räumlichen Spannungszustand ein anschauliches grafisches Transformationsverfahren.3 Spezifische Volumen– und Gestaltänderungsenergie Die spezifische Formänderungsenergie Π∗ .6.6. Der allgemeine räumliche Spannungszustand liegt innerhalb der schraffierten Fläche. ist für den allgemeinen räumlichen Spannungszustand in (2. 2. den man auch als den jeweiligen Kugeltensor bezeichnet.7 Die Kurven in Bild 2. (2.Beurteilung des Beanspruchungszustandes 111 t tmax sIII sII sI s Bild 2. Für τmax gilt τmax = σI − σIII 2 . Dazu spalten wir vom Spannungstensor und vom Verzerrungstensor den entsprechenden hydrostatischen Anteil o σij = εo ij 1 1 (σxx + σyy + σzz )δij = s δij 3 3 1 1 = (εxx + εyy + εzz )δij = e δij 3 3 (2. Diese Energie wollen wir nun aufspalten in die Volumenänderungsenergie und die Gestaltänderungsenergie.160) ab. auf das hier aber nicht eingegangen werden soll. ausgedrückt durch die Spannungen.

Dehnungen und keine Tangentialspannungen bzw. Damit gilt die Aufspaltung Π∗ = V Π∗ = Π∗ + Π∗ V G mit 1 2 o σij εo ij i j 1 Π∗ = G 2 (2.164) 1+ν σij − δij E 1+ν σij ˜ E . Π∗ allein durch die entsprechenden Spannungskomponenten auszudrücken. E = Hieraus folgt s− εo = ij 1 − 2ν o σij E .162) σij εij ˜ ˜ . V G müssen wir das Hookesche Gesetz umformen. Hingegen weist der Deviator des Verzerrungstensors die Dehnungssumme e = 0 auf. Winkeländerungen.26) erhält man εii = e = i 1+ν E 1+ν E i σii − δii 3ν s 1+ν ν s 1+ν = 1 − 2ν s . (2. Unter Benutzung von (2. Die Deviatorkomponenten bewirken keine Volumenänderung sondern eine reine Gestaltänderung. .26) ergeben sich die Deviatoranteile zu εij = εij − δij ˜ = = e 3 ν 1 − 2ν s s+ 1+ν 1+ν 3 = 1+ν E σij − δij s 3 (2.163) Ausgehend von (2. i j Um Π∗ bzw. Sie bewirken eine reine Volumenänderung und keine Änderung der Gestalt.112 Elastostatik und Festigkeitslehre Die Kugeltensoren enthalten nur Normalspannungen bzw. Bei der Formulierung des Hookeschen Stoffgesetzes hätten ein reiner Kompressionsversuch (Volumenänderung) und ein reiner Gestaltänderungsversuch für isotropes linear– elastisches Materialverhalten von vornherein nur zwei unabhängige Elastizitätskonstanten ergeben.

162) Π∗ V = 1 − 2ν 2E 1+ν 2E o o σij σij = i j 3(1 − 2ν) 2E s 3 2 = 1 − 2ν 2 s 6E s2 3 . deren Gültigkeitsbereich im Experiment nachzuweisen ist. (2. z–Koordinatensystem Π∗ V = 1 − 2ν (σxx + σyy + σzz )2 6E . . die den mehrachsigen Spannungszustand auf eine einachsige Vergleichsspannung σv zurückführen.164) folgt aus (2. Π∗ = G σij σij = ˜ ˜ i j 1+ν 2E i j σij σij − und ausführlich im x.Beurteilung des Beanspruchungszustandes 113 Mit (2. im I. Da es kein physikalisches Gesetz für eine solche Rückführung gibt. III–Hauptachsensystem Π∗ V Π∗ G 2. Die 4 bekanntesten Festigkeitshypothesen werden im folgenden genannt. dagegen werden Materialkennwerte meist im einfachen (einachsigen) Zugversuch ermittelt. (2. (2.165) Π∗ = G 1+ν (σxx − σyy )2 + (σyy − σzz )2 + (σzz − σxx )2 6E 2 2 2 + 6(τxy + τyz + τzx ) . wie zur Beurteilung des Festigkeitsverhaltens eines Bauteils der mehrachsige Spannungszustand dem im einachsigen Zugversuch ermittelten Werkstoffkennwert gegenübergestellt werden soll. . Damit ergibt sich die Frage. Eine Antwort hierauf geben die Festigkeitshypothesen. II. bzw.6.163) bzw.4 = 1 − 2ν (σI + σII + σIII )2 6E . werden Hypothesen aufgestellt. 1+ν = (σI − σII )2 + (σII − σIII )2 + (σIII − σI )2 6E Festigkeitshypothesen In einer Konstruktion stellt sich häufig ein mehrachsiger Spannungszustand ein.166) . y.

114

Elastostatik und Festigkeitslehre

1. Hypothese der maximalen Normalspannung (Galilei, Leibniz, Navier, Lamé, Clapeyron) Die Normalspannungshypothese beruht auf der Annahme, dass in einem Material Versagen eintritt, wenn die betragsmäßig größte Hauptspannung σI bzw. |σIII | einen bestimmten Wert erreicht. Damit ergibt sich σI |σIII | für für σI ≥ |σIII | σI < |σIII | .

σv =

(2.167)

Diese Hypothese berücksichtigt offenbar nur eine Hauptspannung und besagt, dass allseitiger Zug oder Druck ebenso zum Versagen führt wie einachsiger Zug oder Druck. Das steht jedoch nicht im Einklang mit entsprechenden Experimenten. Geeignet ist die Hypothese i.w. für den Zug–Trennbruch spröder Werkstoffe. 2. Hypothese der maximalen Dehnung (Navier, Saint–Venant) Als Beanspruchungsmaß bei der Hauptdehnungshypothese dient die betragsmäßig größte Dehnung. Das führt auf εv = εI |εIII | für für εI ≥ |εIII | εI < |εIII | . (2.168)

In Spannungen ausgedrückt erhält man σv = σI − ν(σII + σIII ) −σIII + ν(σI + σII ) für für σI ≥ |σIII | σI < |σIII | . (2.169)

Wie die Hauptspannungshypothese ist die Hauptdehnungshypothese geeignet zur Beurteilung trennflächiger (spröder) Brüche. Beim Bewerten von mehrachsigen Spannungszuständen, bei denen eine Hauptspannung als Druckspannung auftritt, ist sie der Hauptspannungshypothese überlegen. 3. Hypothese der maximalen Schubspannung (Coulomb, Saint–Venant, Tresca, Mohr) Als maßgebend wird in dieser Hypothese die größte auftretende Schubspannung angesehen, die nach (2.159) durch die Differenz der maximalen und der minimalen Hauptnormalspannung gegeben ist. Das ergibt τv = σv σI − σIII = τmax = 2 2 ⇒ σv = σI − σIII . (2.170)

Beurteilung des Beanspruchungszustandes

115

Die Hypothese der maximalen Schubspannung ist sehr brauchbar für die Versagensarten Fließen und Gleitbruch. Es gibt eine von Mohr stammende Modifikation dieser Hypothese, auf die aber hier nicht eingegangen werden soll. 4. Hypothese der Gestaltänderungsenergie (Huber, Hencky, v. Mises, Nadai) Hier wird die spezifische Gestaltänderungsenergie Π∗ nach (2.166) als Vergleichsmaß G herangezogen. Somit folgt ∗ ΠG v = Π∗ G und mit Π∗ = 2 Gv 1+ν 2 σ sowie Π∗ nach (2.165) G 6E v 1 (σI − σII )2 + (σII − σIII )2 + (σIII − σI )2 2 . (2.171)

σv =

Diese Hypothese, in der alle Hauptnormalspannungen erfaßt werden, hat sich für eine Vielzahl von Fällen sehr gut bewährt; sie versagt jedoch für hydrostatische Spannungszustände. Beispiel: Vergleichsspannungen Wir wollen die vier Hypothesen für den Sonderfall nur einer Normalspannung (σxx ) und einer Schubspannung (τxy ), wie sie z.B. in einer auf Biegung und Torsion beanspruchten Welle vorkommen, gegenüberstellen. Nach (2.152) erhält man für den oben genannten Fall (unter der Voraussetzung σI ≥ σII ≥ σIII ) die 3 Hauptspannungen σI = σII σ + 2 = 0 , σ − 2 σ 2 σ 2
2

+ τ2

,

σIII =

2

+ τ2

.

Eingesetzt in (2.167), (2.169), (2.170) und (2.171) ergibt das σv1 = σv2 σv3 σv4 σ 2 + τ2 , 2 |σ| σ = (1 − ν) + (1 + ν) 2 2 √ 2 + 4τ 2 = σ , √ σ 2 + 3τ 2 . = |σ| + 2

2

+ τ2

,

116

Elastostatik und Festigkeitslehre

In Bild 2.6.8 sind die

τ σvi über (mit ν = 0, 3) aufgetragen. σ σ

sn s

3.Hypothese 4.Hypothese 2.Hypothese 1.Hypothese

1 0
Bild 2.6.8

t s

Häufig wird σv4 zur Dimensionierung einer auf Biegung und Torsion beanspruchten πd3 1 für den Kreisquerschnitt folgt Welle aus Stahl benutzt. Mit Wb = Wt = 2 32 σv4 = Mb Wb 1+ 3 4 Mt Mb
2

≤ σzul

d3 ≥

32Mb πσzul

1+

3 4

Mt Mb

2

.

2.7
2.7.1

Stabilität
Stabilitätsprobleme

Wir wollen zunächst die Frage klären, wodurch sich Stabilitätsprobleme von den bisher behandelten Festigkeitsproblemen unterscheiden.

F F

Dazu betrachten wir einen schlanken und einen gedrungenen Stab und belasten beide Stäbe durch eine Druckkraft F . Nach der bisherigen Vorgehensweise ist die Belastungsgrenze erreicht, wenn es infolge der Druckspannung zu einer deutlichen Plastifizierung kommt. Diese Grenzspannung bezeichnen wir als Quetschgrenze σQ , so dass bei Versagen gilt FQ = σQ A ⇒ FQ = σQ A .

s
F
Bild 2.7.1

Für den gedrungenen Stab trifft die angegebene Gleichung zu; für den schlanken Stab ist jedoch die Belastungsgrenze deutlich eher erreicht, und es kommt schon bei geringerer Belastung zum Knicken, d.h. zum seitlichen Ausweichen des Stabes.

Ordnung).Stabilität 117 Ursache dafür ist die Tatsache.2 Ausbeulen zylindrischer Rohre unter äußerem Überdruck Im folgenden wollen wir uns auf das Knicken schlanker Träger beschränken. den verformten Zustand beim Knicken und den Schnitt durch den verformten Träger zur Ermittlung der Schnittgrößen. sie sollen aber hier nicht weiter verfolgt werden. z–System der Querschnittskoordinaten ein Hauptachsensystem ist und dass Iyy < Izz (Iyy = Imin ) gilt. Der Stab wird dann im kritischen Fall in z– Richtung (Biegung um die y–Achse) ausweichen. Wir setzen voraus. Alle diese Stabilitätsprobleme lassen sich nicht mehr durch Gleichgewichtsbetrachtungen des unverformten Bauteils lösen (Theorie 1. F F Kippen schmaler Träger Durchschlagen von Bogenträgern Bild 2. Bild 2. 2.7. das Durchschlagen von Bogenträgern und das Ausbeulen von Rohren unter äußerem Überdruck (Bild 2. vielmehr müssen Gleichgewichtslagen des verformten Bauteils untersucht werden (Theorie 2.2 Knicken im elastischen Bereich Ein besonders einfaches Beispiel ist der an beiden Enden gelenkig gelagerte Stab.3 zeigt den unverformten Grundzustand. .7.7.2).7. Ordnung). Bei einer kleinen Störung kehrt der Träger nicht wieder in seine Ausgangslage zurück. Andere derartige Stabilitätsprobleme sind das Kippen schmaler Träger. dass das y. er weicht vielmehr noch weiter aus. Die Verformungen können jedoch als klein angenommen werden. dass beim schlanken Träger ab einer bestimmten Druckkraft im Ausgangszustand kein stabiler sondern ein instabiler Gleichgewichtszustand vorliegt. Auch energetische Betrachtungen sind zur Lösung von Stabilitätsproblemen möglich.

· · ·).118 Elastostatik und Festigkeitslehre F F F l . (2. Ordnung mit konstanten Koeffizienten und besitzt die Lösung w(x) = C1 cos(κx) + C2 sin(κx) mit κ2 = F EImin . Man nennt sin(κl) = 0 die Eigenwertgleichung des Problems und die Werte κn die Eigenwerte. 2.7. wenn entweder C2 = 0 ist (triviale Lösung) oder sin(κl) = 0 gilt. Randbedingung ist erfüllt. .( w ) Bild 2.x w (x ) Q (x ) l M (x ) x N (x ) z . lineare Differentialgleichung 2. (2.78) durch die 2.173) ist eine gewöhnliche. und wir erhalten w ′′ (x) + F w(x) = 0 .174) Die Integrationskonstanten C1 und C2 lassen sich aus den (geometrischen) Randbedingungen bestimmen. Ableitung w ′′ (x) ausdrücken. EImin (2. Die nichttriviale Lösung sin(κl) = 0 ergibt κn = n π l (n = 1.173) (2.172) o b e re r T rä g e rte il n a c h d e m S c h n itt Das Moment M(x) können wir über die DGL der elastischen Linie (2. w(0) = 0 w(l) = 0 ⇒ C1 = 0 C2 sin(κl) = 0 ⇒ Die 2.3 Aus dem Momentengleichgewicht um die Schnittstelle folgt −M(x) + F w(x) = 0 . homogene.

4 sind die Eigenfunktionen x w1 (x) = C2. was charakteristisch für ein Eigenwertproblem (homogenes Gleichungssystem) ist.2 Bild 2. mit exzentrischer Krafteinleitung rechnen.5).173) zu wn (x) = C2.1 w2 C2. (2.1 sin π l und x w2 (x) = C2.2 sin 2π l dargestellt. Praktisch muß man jedoch mit Vorverformungen bzw. F e B F e B F e B l-x Q(x) w(x) M(x) l x AH A AV Bild 2.n sin(κn x) .Stabilität 119 Die kleinste kritische Kraft. für die eine nichttriviale Lösung w(x) = 0 existiert. Wir sind bisher davon ausgegangen. dass der Stab ideal gerade ist und die Druckkraft genau zentrisch im Schwerpunkt der Querschnittsfläche angreift.7.n In Bild 2.4 wn C2.176) Die Amplituden C2.n bleiben dabei unbestimmt. (2.7.175) Fkrit = l2 Die Eigenfunktionen ergeben sich durch Einsetzen der Eigenwerte κn in die Lösung (2. x l w 1 C2.7.7.5 N(x) w . Wir wollen deren Auswirkungen am Beispiel des Knickstabes mit exzentrischer Krafteinleitung studieren (Bild 2. folgt π aus dem niedrigsten Eigenwert κ1 = und beträgt l EImin π 2 .

175) übereinstimmt. π l (n = 1. (2. (2. .120 Elastostatik und Festigkeitslehre Die Auflagerkraft B folgt aus dem Momentengleichgewicht um A für den gesamten Stab: −Bl + F e = 0 Für den Momentenverlauf M(x) ergibt sich M(x) = F [e + w(x)] − B(l − x) = F w(x) + e x l .180) Für e = 0 existiert für jede beliebige Druckkraft F = 0 eine ausgelenkte Gleichgewichtslage. (2. Ordnung w ′′ (x) + κ2 w(x) = −κ2 e mit der Lösung w(x) = C1 cos(κx) + C2 sin(κx) − e Aus den Randbedingungen ergibt sich x l . 2.177) ⇒ B=F e l (2. Für die Eigenwerte der homogenen Gleichung κn = n und damit w(x) → ∞.179) x l (2.181) Fkrit = die mit (2.179) ⇒ ⇒ C1 = 0 C2 sin(κl) − e = 0 ⇒ C2 = e sin(κl) w(x) = e sin(κx) x − sin(κl) l . .177) eingesetzt in die Gleichung der elastischen Linie liefert die inhomogene Differentialgleichung 2. · · ·) wird sin(κl) → 0 Das bedeutet auch bei vorhandener Exzentrizität eine kritische Druckkraft EImin π 2 l2 (2.178) w(0) = 0 w(l) = 0 und eingesetzt in (2.

6 2.7. w(-) l 2 Fkrit F Bild 2.5 l Die 4 dargestellten Fälle wurden bereits von Euler berechnet und werden nach ihm als Eulersche Knickfälle bezeichnet.7.7. so erhält man den in Bild 2. Die Ergebnisse lassen sich in einer gemeinsamen Gleichung EImin π 2 l∗ 2 Fkrit = (2.182) .7.6 dargestellten Verlauf.7 l Fall 4 l * = 0.7. F F F F l Fall 1 l*=2l Fall 2 l*=l Bild 2.3 Die vier EULERschen Knickfälle Wir wollen zu den Fällen ohne Exzentrizität und Vorkrümmung zurückkehren. dafür aber verschiedene Lagerungsarten untersuchen (Bild 2.7 Fall 3 l * » 0. Die grundsätzliche Vorgehensweise ist die gleiche wie beim bereits betrachteten Fall 2.Stabilität 121 Trägt man im Fall der exzentrischen Krafteinleitung l die Durchbiegung w x = als Funktion der Druck2 kraft F auf.7). Gleiches gilt für eine vorhandene Vorkrümmung. Der kritische Wert für das Versagen durch eine Druckkraft F ändert sich durch die Exzentrizität nicht.

freie Knicklänge l∗ unterschiedliche Längen einzusetzen sind (siehe Bild 2. wobei nur für die sog.184) l∗ imin (2. Die Eulersche Knickspannung (in diesem Fall trotz Druckbeanspruchung mit positivem Vorzeichen) ergibt sich zu Fkrit EImin π 2 .7.7).183) σkE = Mit dem Trägheitsradius imin = und dem Schlankheitsgrad λ= folgt Imin A (2. λ-Diagramm ergibt sich gemäß Gleichung (2.7.8 λ Die in Bild 2.186) in Abhängigkeit vom verwendeten Werkstoff.7. Der tatsächlich relevante Bereich unter der Hyperbel ist schraffiert dargestellt.186) σkE σQ EULER-Hyperbel λmax Bild 2. Für Werte λ > λmax . = A Al∗ 2 (2. λ2 (2.185) σkE = π2E .122 Elastostatik und Festigkeitslehre zusammenfassen.8 beispielhaft dargestellte Euler-Hyperbel im σkE .

Bei veränderlicher Biegesteifigkeit bzw. mehreren Bereichen kann in der gleichen Weise vorgegangen werden. Für Werte σ > σQ ist die Quetschspannung des Materials erreicht. der mathematische Aufwand bei der Lösung der Diffentialgleichung bzw. Daher sind in solchen Fällen häufig Näherungsverfahren gebräuchlich. Transport. des Differentialgleichungssystems wächst jedoch deutlich. Montage usw. Bisher haben wir nur Stäbe mit konstanter Biegesteifigkeit und einem Bereich betrachtet. der elastische Bereich wird somit verlassen.). sowie ihrem Eigengewicht.Stabilität 123 haben die Stäbe einen zu hohen Schlankheitsgrad und damit keine ausreichende Steifigkeit gegenüber unvermeidlichen Nebenbeanspruchungen (Herstellung. .

H.. Barth. K. 1995 [9] Szabo. P. Wriggers. H. J. Band 2: Elastostatik Springer. 2008 [3] Gross.-G. 1982 [7] Hahn. F.-J. W. 1990 [8] Hahn. München.. I. Grundlagen der Technischen Mechanik Teubner Studienbücher. Hauger. Einführung in die Technische Mechanik Springer. W. D. Hauger. Übungen zur Technischen Mechanik Teubner Studienbücher. W. H. Wriggers. Formeln und Aufgaben zur Technischen Mechanik 1: Statik Springer. 1982 [6] Magnus..-G. Formeln und Aufgaben zur Technischen Mechanik 2: Elastostatik. W. Berlin. J. W. Berlin. Müller. Wall. Holzweissig. W. München.. Berlin. Leitfaden der Technischen Mechanik Steinkopff Verlag. D.. 1975 . Wall.. Berlin. Müller. Schröder. Ehlers. Aufgaben zur Technische Mechanik Carl Hanser Verlag.124 Elastostatik und Festigkeitslehre 3 Empfohlene Literatur [1] Gross. 2007 [5] Göldner. Darmstadt. H. Stuttgart. Ehlers. H. 1976 [6] Magnus. F. Berlin. K. Technische Mechanik.... H. D. P.. 2007 [4] Gross. Hydrostatik Springer.. 2007 [2] Gross.. Band 1: Statik Springer. Technische Mechanik Carl Hanser Verlag... Stuttgart. Technische Mechanik. D. H. Schröder.

141 0.333 c3 1.743 0.298 0.267 0.0 4.796 0.333 c2 0.0 8. in P2 τ = τmax n P 2 4 P 1 2 a 1 2 a 2 πn3 (b4 − b4 ) 1 2 n2 + 1 πn(b4 − b4 ) 1 2 2b1 Voraussetzung: τmax 2 2 b 2 b 1 5 P 1 P 2 b h4 b4 ≈ 46.281 0. A.753 0.312 0.Stabilität 125 A Anhang Der Anhang enthält Tabellen.229 0.263 0.0 10 ∞ c1 0.231 0.743 0.0 6.307 0. in P2 τ2 = c3 τmax b b h c1 hb3 = c1 nb4 P 3 c2 hb2 = c2 nb3 P 2 1 6 P h b n = h/b 1.0 1. Dadurch bedingt. 19 26 h3 b3 ≈ 20 13 τmax in P1 (Seitenmitte) in P2 τ2 = 0 (Ecke) Voraussetzung: h =n≥1 b τmax in P1 . in P2 τ = τmax n a =n≥1 b 1 in P1 .000 0.5 2.312 0.196 0.307 0.743 . können andere Bezeichnungsweisen auftreten.208 0.745 0.858 0. diese mit den Beziehungen im vorliegenden Skriptum zu identifizieren.743 0.0 3.246 0.1 Torsionsträgheitsmomente It und Torsionswiderstandsmomente Wt Querschnitt It πd4 (= Ip ) 32 π(d4 − d4 ) a i (= Ip ) 32 πd3 t t m ≪1: dm 4 πa3 b3 πn3 b4 = 2 a2 + b2 n +1 Wt πd3 16 π(d4 − d4 ) a i 16da πd2 t t m ≪1: dm 2 πab2 πnb3 = 2 2 Bemerkungen τmax am Umfang 1 t 2 d τmax am Umfang m i d d d a P 2 3 2 a P 2 b Voraussetzung: τmax 1 a =n≥1 b 1 in P1 .299 0. wie man sie auch in Nachschlagewerken finden kann. in P3 τ3 = 0.282 0. Es sollte aber keine Schwierigkeiten bereiten.

Izz = hb(b2 + c2 ). Iyz = b2 h2 36 36 72 3 y Iyy = z 1 3 1 1 bh . Izz . Iyz Querschnitt b Flächenträgheitsmomente 1 y z Iyy = 1 3 1 bh . Izz = (α − sin α) 8 9 α 8 B a a b y z z y b /2 6 z 1 Iyy = (Be3 − bh3 + ae3 ) 1 2 3 aH 2 + bd2 e2 = H − e1 h = e1 − d e1 = 2(aH + bd) 1 e d 7 b /2 b /2 B z z y B b h H Iyy = 1 (BH 3 − bh3 ) 12 2 HB − hb2 e= 2(HB − hb) 1 (BH 3 + bh3 ) 12 2 HB − hb2 e= 2(HB + hb) B /2 y B /2 H b z h 8 y Iyy = e . Iyz = 0 e= r 3 α 1 4 cos α − 1 r4 (α + sin α) + ( ) .126 Elastostatik und Festigkeitslehre A. Iyz = 0 4 a 5 a r e z Iyy = r 4 B B a /2 b /2 y b H a /2 4 sin α 2 . Izz = hb3 . Iyz = − h2 bc 12 12 12 r h 4 y i a r z y Iyy = Izz = π 4 4 (r − ri ). Iyz = 0 12 12 b h 2 y Iyy = z c b h 1 1 1 3 bh .2 Flächenträgheitsmomente Iyy . Izz = hb3 .

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