Politische Theologie

Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität
Von
Carl Schmitt
DRITTE AUFLAGE
DUNCKER & HUMBLOT I BERLIN
UNIVEf-1:31TATS-
BIBLIOTHEK
HEIDELBERG
Alle Rechte vorbehalten
© 1979 Duncker & Humblot, Berlin 41
Unveränderter Nachdruck der 1934 erschienenen zweiten Auflage
Gedruclü 1979 bei fotokop, wilhelm weihert, Darmstadt
Printed in Germany
ISBN 3 428 01327 1
Inhaltsübersicht
Seite
Vorbemerkung zur zweiten Ausgabe ..... .
I. Kapitel. Definition der Souveränität . . . . . . . 11-'22
Souveränität und Ausnahmezustand S. 11/1'2. Der Souve-
ränitätsbegriff bei Bodin und in der naturrechtliehen Staats-
lehre als Beispiel für die begriflli<he Verbindung von Sou-
veränität und AusnahmezustandS. 13-18. lgnoriei·ung des
Ausnahmefalles in der Doktrin des liberalen Re<h.tsstaates
S. 18-22. Allgemeine Bedeutung des versmiedenartigen
wissensrnafti!<nen-Intere:oiSes an Regel (Norm) oder Aus-
- ~ l l a h m e S. '2'2. ~ - - - - ·
II. Kapitel. Das Problem der Souveränität als Pro-
b I e m der Rechts f o r m u n d d er E n t s c h e i dun g. . 25-46
Neuere S<hrnen zur Staatslehre: Kelsen, Krabbe, Wolzen-
dorff S. 29-36. Die Eigenart der Red1tsform (gegenüber
der te<hnis<hen oder ä.sthl·tis<hen Form), berii.lleil-aaliT<fe-r
Dezision S. 36-43. Inhalt der Ents<h.eidunf.! und Subjekt der
Ents<heidung und die selbständige Bedeutung der Ent-
scheidung an sich S. 43-44. Hobbes als Beispiel "dezislo-
nistismen" Denkens S. 44-46.
lll. Kapitel. Politische Theologie ........... 49-66
Theologls<he Vorstellungen in der Staatslehre S. 46-55.
Soziologie jmistis<her Begriffe, insbesondere des Souveräni-
tätsbegl'iffes S. 55-6o. Die Obereinstimmung der sozialen
Struktur einer Epoche mit ihrem metaphysis<hen Weltbild,
insbesondere Monar<hie und theistis<hes Weltbild S. 6o.
Obergang von Transzendenzvorstellungen zur Immanenz
vom 18. zum 19. Jahrhundert (Demokratie, organisme Staats-
lehre, Identität von Re<ht und Staat) S. 63-66.
IV. Kapitel. Zur Staatsphi I o so p h i e der Gegen r e v o-
1 u ti o n ( de Maistre, Bonald, Donoso Cortes) . . . . . . 67-84
Dezisionismus in der Staatsphilosophie der Gegenrevolution
S. 69-71. Autoritäre und anarmistis<he Theorien auf der
Grundlage des Gegensatzes der Thesen vom "nati.irlim
bösen" und "nati.irlim guten" Mens<hen S. 71-74. Die
Stellung der liberalen Bourgeoisie und deren Definition
durm Donoso S. 75-80. ldeengesmi<htli<he Entwicklung
von der Legitimität zur Diktatur S. S0-84.
Vorbemerkung zur zweiten Ausgabe
iese zweite Ausgabe der "Politisd1en Theologie" ist
verändert geblieben. Heute, nach zwölf Jahren, wird man
beurteilen können, wie weit die im März 1922 ersmienene kleine
Smrift standgehalten hat. Aum die Auseinandersetzung mit dem
liberalen Normativismus und seiner Art "Remtsstaat" ist Wort
für Wort geblieben. Einige Kürzungen bestehen nur darin, daß
Stellen, die sich mit Unwesentlimem befaßten, gestrimen sind.
Im Verlauf der letzten Jahre haben sim zahlreime neue
wendungsfälle der Politismen Theologie ergeben. Die" Repräsen-
tation"vom 15.bis zum 19.Jahrhundert,dieMonarmiedes1?.Jahr-
hunderts, die dem Gott der Baro<kphilosophie analog
wird, die "neutrale" Gewalt des 19. Jahrhunderts, "qui regne et
ne gouverne pas", bis zu den Vorstellungen des reinen Maß-
nahmen- und Verwaltungsstaates, "qui administre et ne gouvernc
pas", sind ebenso viele Beispiele für die Frumtbarkeit des Ge-
dankens einer Politismen Theologie. Das große Problem der
einzelnen Stufen des Säkularisationsprozesses - vom Theo-
logisdlen über das Metaphysisd1e zum Moralism-Humanen und
zum Ökonomismen- habe i(h in meiner Hede über "Das Zeitalter
der Neutralisierungen und Entpolitisierungen" (Oktober 1929
in Barcelona) behandelt. Vonprotestantismen Theologen haben
besonders Heinrid1 Forsthoff und Friedrim Gagarten gezeigt)
daß ohne den Begriff einer Säkularisierung ein Verständnis der
letzten Jahrhunderte unserer Cesmimte überhaupt nimt möglim
ist. Freilid1 stellt in der protestantischen Theologie eine andere,
angeblim unpolitisme Lehre Gott in det·selben Weise als das
"Ganz Andere" hin, wie für den ihr zugehörigen politismen
1
1
Libemlismus Staat und Politik das "Ganz Andere" sind. lnzwismen r
haben wir das Politisd1e als, das Totale erkannt il!:; ''
die E,ntsd1eidung darüber, oll etwas un-
woTilT !fcli i t i . . · t
p .. . •..... J::! . 1
.. .. e ..... :r ........si·eJ:r·.·······1···& ... tuld .. roit .... lYddt •... e .. n· .. HI •... .. ....n ... ·.·.... ··.·.s···J·:···1·
ümkleidet. Das gilt aum.für die ob. eine
IQgte palitisme o(Jer unpolitisme.Theologie. ist. ·
Öie ffeJherkung zu Hobbes, über die beiden Typen juristismen
Denkens, am Smluß des zweiten Kapitels (S. 44) mömte im nom
mit einem Wort ergänzen, weil diese Frage meinen Stand und
Beruf als Reihtslehrer angeht. Im würde heute niiht mehr zwei,
sondern drei Arten re<htswissensihaftliihen Denkens unter-
siheiden, nämli<h außer dem normativistisihen und dem dezisio-
nistisihen no<h den institutionellen Typus. Die Erörterung meiner
Lehre von den "institutionellen Garantien" in der deutsihen
Re<htswissens<haft und die Besd1äftigung mit der tiefen und be-
deutenden Institutionstheorie Maurice Haurious haben mir diese
Erkenntnis vers<hafft. Während der reine Normativist in un-
persönli<hen Regeln denkt und der Dezisionist das gute Remt der
riihtig erkannten politismen Situation in einer persönlimen Ent-
smeidung durmsetzt, entfaltet sim das institutionelle Red1tS-
denken in überpersönlimen Einriihtungen und Gestaltungen. Und
während der Normativist in seiner Kntartung das Remt zum
bloßen Funktionsmodus einer staatlimen Bürokratie maiht und
: der Dezisionist immer in der Gefahr steht, durih die Punktuali-
sierung des Augenbli<ks das in jeder großen politisd1en Bewegung
enthaltene ruhende Sein zu verfehlen, führt ein isoliert institu-
tionelles Denken in den Pluralismus eines souveränitätslosen,
feudal-ständisihen Wamstums. So lassen siih die drei Sphären
und Elemente der politismen f ~ i n h e i t - Staat, Bewegung, Volk -
den drei juristismen Denktypen sowohl in deren gesunden wie
in ihren entarteten Ersmeinungsformen zuordnen. Der soge-
nannte Positivismus und Normativismus der deutsmen Staats-
reihtslehre der Wilhelminisihen und der W eimm·er Zeit ist nur
ein degenerierter- weil statt auf ein Naturremt oder Vernunft-
remt begründeter, an bloß faktism "geltende" Normen angehäng-
ter - daher in sim widersprumsvoller Normativismus, vermismt
mit einem Positivismus, der nur ein remtsblinder, an die "nonna-
tive Kraft des Faktismen" statt an eine ernte Entsmeidung siih
haltender, degenerierter Dezisionismus war. Die gestaltlose und
gestaltungsunfähige Mismung war keinem ernsten staats- und
verfassungsremtlimen Problem gewac:hsen. Diese letzte Epome
der deutsmen Staatsremtswissensmaft ist dadurm gekennzeimnet,
daß sie die staatsremtlime Antwort auf den entsmeidenden Fall,
nämlim die Antwort auf den preußisd1en Verfassungskonflikt mit
Bismar<k und infolgedessen aum die Antwort auf alle weiteren
entsmeidenden Fälle smuldig geblieben ist. Um der Entsmeidung
auszuweimen, prägte sie für solme Fälle einen Satz, der auf sie
selbst zurückgefallen ist und den sie nunmehr selbst als Motto
trägt: "Das Staatsremt hört hier auf."
Berlin, im November 1933. Carl Sc.hmitt.
I.
Definition der Souveränität
ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.
[) Diese Definition kann dem Begriff der Souveränität als
Grenzbegriff allein gerecht werden. Denn Grenzbegriff
r
pedeutet nicht einen konfusen Begriff, wie in der unsauhern
ferminologie populärer Literatur, sondern einen Begriff der
Jußersten Sphäre. Dem entspricht es, daß seine Definition nicht
kann an den Normalfall, sondern an einen Grenzfall.
E
paß hier unter Ausnahmezustand ein allgemeiner Begriff der
'·'
l'
\
zu verstehen ist, nicht irgendeine Notverordnung oder
feder Belagerungszustand, wird sich aus dem Folgenden ergeben.
paß der Ausnahmezustand im eminenten Sinne für die juristische , \ ,., I l
J:>efinition der Souveränität geeignet ist, hat einen systematischen, i
}-echtslogischen Grund. Die Entscheidung über die Ausnahme ist '
' -··---" .. _ .-.. - ..

... ..g .. '
bsolute Ausnahme niemals erfassen und daher auch die Ent-
. -··. . ....
.
f.' ein echter Ausnahmefall gegeben ist, nicht restlos
regründen. Wenn Mohl (Monographien, S. 626) sagt, die Prü-
Jfung, ob ein Notstand vorliege, könne keine juristische sein, so
eht er von der Voraussetzung aus, daß efrie Entscheidung Im
echtssinne aus dem Inhalt einer Norm restlos abgeleitet \ve:rden
I1iß. Das aber ist die Frage. In der Allgemeinheit, wie Mohl
en Satz ausspricht, ist er nur ein Ausdruck von rechtsstaat-
'chem Liberalismus und verkennt er die selbständige Bedeutung
',
12 I. Definition der Souveränität
I. Definition der Souveränität 13
Das abstrakte Schema, das als Definition der Souveränität vorliegt, als auch darüber, was geschehen soll, um ihn zu
gestellt wird (Souveränität ist höchste, abgeleitete Herr.sche.4peseitigen. Er steht der
macht), kann man gelten lassen oder mcht, ohne daß dann elfordnung und gehört doch zu 1hr, denn er 1st zustand1g fur d1e
.. großer praktischer oder theoretischer Unterschi·ed läge. Um ob die Verfassung in totosuspendiert werden kann.
Begriff an sich wird im allgemeinen nicht gestritten werden, atfAlle Tendenzen der modernen rechtsstaatliehen Entwicklung
wenigsten in der Geschichte der Souveränität. Man streitet urfg. ehen dahin, den Souverän in diesem Sinne zu beseitigen. Darin
die konkrete Anwendung, und das bedeutet darüber, wer i1iegt die Konsequenz der im folgenden Kapitel behandelten Ideen
Konfliktsfall entscheidet, worin das öffentliche oder Krabbe und Kelsen. Aber ob der extreme Ausnahmefall wirk-

Interesse, die öffentliche Sicherheit und Ordnung, le salut publill.ich aus der Welt geschafft werden kann oder nicht, das ist keine
usw. besteht. Der Ausnahmefall, der in der geltenden RechtsUuristische frage. Ob man das Vertrauen und die Hoffnung hat,
ordnung nicht umschriebene Fall, kann höchstens als Faier lasse sich tatsächlich beseitigen, hängt von philosophischen,
äußerster Not, Gefährdung der Existenz des Staates oder derknabesondere geschichtsphilosophischen oder metaphysischen
gleichen bezeichnet, nicht aber tatbestandsmäßig umschrieheLberzeugungen ab.
werden. Erst dieser Fall macht die Frage nach dem Subjekt det Es gibt einige geschichtliche Darstellungen der Entwicklung
Souveränität, das heißt die Frage nach der Souveränität Souveränitätsbegriffes. Doch begnügen sie sich mit der Zu-
haupt, aktuell. Es kann weder mit subsumierbarer Klarheit

ammenstellung der letzten abstrakten Formeln, in denen lehr-
gegeben werden, wann vorliegt, noch kann inhaltlie.buchartig, abfragbar, die Definitionen der Souveränität
aufgezählt werden, was m emem solchen Fall geschehen darf ind. Keiner scheint sich die Mühe gegeben zu habr.n, dte endlos
wenn es sich wirklich um den extremen Notfall und um sein1wiederholte, völlig leere Redensart von der höch;;ip:n. '!.s'ht bei
Beseitigung handelt. Voraussetzung wie Inhalt der Kompetentden berühmten Autoren des Souveränitätsbegriffes . :r zu
sind hier notwendig unbegrenzt. Im rechtsstaatliehen Sinne liegJuntersuchen. Daß dieser Begriff sich an dem k!( ..sv""'' das
daher überhaupt keine Kompetenz vor. Die Verfassung dem Ausnahmefall orientiert, tritt scJ,.l .'' J, ' ·
höchstens wer in einem solchen Falle handeln darf4Mehr als mit seiner oft zitierten Definition ((<', u' "' ,,
Ist dieses Handeln keiner Kontrolle unterworfen, wird es puissance absolute et perpetuelle d'une , ·.. , , i
wie in der Praxis der rechtsstaatliehen Verfassung, in Lehre von den »Vraies remarques de souverainete« (Cap. X
Weise auf verschiedene, sich gegenseitig hemmende und balanides I. Buches der Republik) der Anfang der modernen Staats-
cierende Instanzen verteilt, so ist ohne weiteres klar, wer derilehre. Er erörtert seinen Begriff an vielen praktischen Beispielen
Souverän ist. Er entscheidet sowohl darüber, ob der extreme Not1und kommt dabei immer auf die Frage zurück: Wieweit ist
I
l
r=
l
14 I. Definition der Souveränität I. Definition der Souveränität 15
der Souverän an die Gesetze gebunden und den Ständen gegefuntertanen dispensieren lassen. Das aber erscheint Bodin als eine
über verpflichtet? Diese letzte besonders wichtige Frage h"-bsurdität; denn er meint, weil die Stände doch auch nicht die
antwortet Bodin dahin, daß Versprechen bindend sind, weil 4Herren über die Gesetze sind, so müßten sie wiederum ihrerseits
verpflichtende Kraft eines Versprechens auf dem Naturrecht von ihren Fürsten dispensieren lassen, und so wäre die Sou-
ruht; im Notfall aber hört die Bindung nach allgemeinen jouee a deux parties; bald das Volk und bald der Fürst
liehen Grundsätzen auf. Allgemein sagt er, daß gegenüber d{väre Herr, und das ist gegen alle Vernunft und alles Recht.
Ständen oder dem Volk der Fürst nur so lange verpflichtet isloarum i'>t die Befugnis, das geltende Gesetz aufzuheben - sei
als die Erfüllung seines Versprechens im Interesse des generell, sei es im einzelnen Fall -, so sehr das eigentliche
liegt, daß er aber nicht gebunden ist, si Ia necessite est dee Souveränität, daß Bodin alle anderen Merkmale
Das sind an sich keine neuen Thesen. Das Entscheidende in d,(Kriegserldärung und Friedensschluß, Ernennung der Beamten,
Ausführungen Bodins liegt darin, daß er die Erörterung der Instanz, Begnadigungsrecht usw.) daraus ableiten will.
ziehungen zwischen Fürst und Ständen auf ein einfaches En{ In meinem Buche über die Diktatur (München und Leipzig
weder-Oder bringt, l1Ild zwar dadurch, daß er auf den Notf4
1
g2 I) habe ich, entgegen dem überlieferten Schema der ge-
verweist. Das war das eigentlich Imponierende seiner Darstellung, gezeigt, daß auch bei den Autoren des
die die Souveränität als unteilbare Einheit auffaßte und die im I 7· Jahrhundert die Frage der Souveränität als
nach der Macht im Staat endgültig entschied. Seine wissenschaffdie Frage nach der Entscheidung über den Ausnahmefall ver-
liehe Leistung und der Grund seines Erfolges lieg·en also wurde. Insbesondere gilt das für Pufendorff. Alle sind
daß er die Dezision in den Souveränitätsbegriff hineingetrag1darüber eilug, daß, wenn innerhalb eines Staates Gegensätze
hat .. Es Souv ...eränitäl.auftretcn, jede natürlich nur. das allgemeine Beste will
begnffes, m der mcht die ubliche Zitierung Bodms vorkame. Ab---- darin besteht Ja das bellum ommum contra omnes -, daß
nirgends findet man die Kernstelle jenes Kapitels der Republ a.ber die Souveränität, und damit der Staat selbst, darin besteht,
zitiert. Bodin fragt, ob die Versprechungen, die der Fürst d diesen Streit zu entscheiden, also definitiv zu bestimmen, was
I .
· Ständen oder dem Volke gibt, seine Souveränität aufheben. Ordnung und Sicherheit ist, wann sie gestört wird usw.
antwortet mit dem Hinweis auf den Fall, daß es nötig wirbn der konkreten Wil·klichkeit stellt sich die öffentliche Ordnung
t
solchen Versprechungen zuwider zu handeln, die Gesetze abz4und Sicherheit sehr verschieden dar, je nachdem etwa eine
ändern oder ganz aufzuheben, selon l'exigenoe des cas, des temdmilitaristische Bureaukratie, eine von kaufmännischem Geist be-
et des personnes. Wenn in einem solchen Fall der Fürst vorhiherrschte Selbstverwaltung oder eine radikale Parteiorganisation
einen Senat oder das Volk fragen muß, so muß er sich von entscheidet, wann diese Ordnung und Sicherheit besteht
I
I
I
.I
I
I
I

16 I. Definition der Souveränität
I. Definition der Souveränität 17
und wann sie gefährdet oder gestört wird. Denn jede Ordn Iäufigeren Wendung fragte man, wer die Vermutung der nicht
beruht auf einer Entscheidung, und auch der Begriff der Rech beg!enzten Macht für sich habe. Daher die Diskussion über den
ordnung, der gedankenlos als etwas Selbstverständliches a den extremus necessitatis casus. In den Erörte-
gewa.ndt wird, enthält den Gegensatz der zwei verschiedenen EI rung·en über das sogenannte monarchische Prinzip wiederholt
mente des Juristischen in sich. Auch die Rechtsordnung, wie je sich das mit derselben rechtslogischen Auch hier wird
I
Ordnung, ht}ruht auf einer Entscheidung und nicht aw. infolgedessen immer danach gefragt, wer über die Verfassungs-
Norm. mäßig nicht g·eregelten Befugnisse entscheidet, das heißt wer zu-
Ob nur Gptt souverän ist, da;s heißt derjenige, der in d ständig ist, wenn die Rechtsordnung auf die Frage nach der Zu-
irdischen Wirklichkeit widerspruchslos als sein Vertreterhand ständigkeit keine Antwort gibt. Bei der Kontroverse, ob die deut-
oder der Kaiser oder der Landesherr oder das Volk, das hei sehen Einzelstaaten nach der Verfassung von 1871 souverän
diejenigen, die sich widerspruchslos mit dem Volk identifizier waren, handelte es sich um eine Angelegenheit von weit ge-
dürfen, immer ist die Frage auf das Subjekt der Souveränität g ringerer politischer Betleutung. Immerhin läßt sich dasselbe
richtet, das heißt die Anwendung des Begriffes auf einen ko Schema der Argumentation auch hier wieder erkennen. Der Nach-
kreten Tatbestand. Die Juristen, die über Fragen der Souveräni weis, daß die Einzelstaaten souverän seien, den Seydel versuchte,
diskutieren, gehen seit dem I 6. Jahrhundert von einem Katal hatte zum Angelpunkt weniger den Begriff der Ableitbarkeit oder
der Souveränitätsbefugnisse aus, der eine Reihe von notwendig Nicht-Ableitbarkeit der den Einzelstaaten verbliebenen Rechte,
Merkmalen der Souveränität zusammenstellt und im wesen als die Behauptung, daß die Zuständigkeit des Reichs durch die
liehen auf die eben zitierten Erörterungen von Bodin zurüc Verfassung umschrieben, das heißt prinzipiell begrenzt sei, wäh-
zuführen ist. Souverän sein bedeutete, diese Befugnisse zu hab rend die der Einzelstaaten prinzipiell unbegrenzt s·ei. In der
Die staatsrechtliche Argumentation operierte in den unklar geltenden deutschen Verfassung von 1919 wird nach Artikel 48
Rechtsverhältnissen des alten Deutschen Reiches gern so, daß der Ausnahmezustand vom Reichspräsidenten erklärt, aber unter
von einem der zahlreichen Merkmale, das zweifellos gegeben w der Kontrolle des Reichstags, der jederzeit die Aufhebung ver-
den Schluß zog, daß die andern zweifelhaften Merkmale eh langen kann. Diese Regelung entspricht der rechtsstaatliehen Ent-
falls gegeben sein müßten. Die Kontroverse bewegte sich imm wicklung und Praxis, durch eine Teilung der Zuständig-
darum, wem diejenigen Befugnisse zukamen, über die nicht h keiten und gegenseitige Kontrolle die Frag,e nach der Souveränität
reits durch eine positive Bestimmung, etwa eine Kapitulation, ve möglichst weit hinauszuschieben sucht. Der rechtsstaatliehen
fügt war, mit andern Worten, wer für den Fall zuständig se' Tendenz entspricht aber die Regelung der Voraussetzung
sollte, für den keine Zuständigkeit vorgesehen war. In einer Ausnahmcbefugnisse, nicht die inhaltliche Regelung des
18
I. Definition der Souveränität
%
'
Artikels 48, der vielmehr eine grenzenlose Machtvollkommenheil
:{
verleiht und daher, wenn ohne Kontrolle darüber
0
würde, in derselben Weise eine Souv·eränität verleihen
wie die Ausnahmebefugnisse des Artikels 14 der Charbe von I 8 I f
den Monarchen zum Souverän machte. Wenn die
"R
nach der herrschenden Auslegung des Artikels 48 keine selbf
ständige Befugnis mehr haben, den Ausnahmezustand zu eri
klären, sind sie keine Staaten. In Artikel liegt der eigentliche
j;
Schwerpunkt der Frage, ob die deutschen Länder Staaten sini
oder nicht. .
Gelingt es, die Befugnisse, die für den Ausnahmefall
werden, zu umschreiben -- sei es durch eine gegenseitige
trolle, sei es durch zeitliche Beschränkung, sei es endlich, wie i,
der rechtsstaatliehen Regelung des BelagerWigszustandes, durc
AufzählWig der außerordentlichen Befugnisse -,so ist die
nach der Souveränität um einen wichtigen Schritt zurückgedräng
aber natürlich nicht beseitigt. Praktisch hat eine Jmispruden'
die sich an den Fragen des täglichen Lebens und der laufend
Geschäfte orientiert, kein Intere.(?se an dem Begriff der
tät. Auch für sie ist nur das Normale das Erkennbare und all
andere eine "StörWig". Dem extremen Fall steht sie fassungsl
gegenüber. Denn nicht jede außergewöhnliche Befugnis, nicli
jede polizeiliche Notstandsmaßnahme oder Notverordnung ist b
reits Ausnahmezustand. Dazu gehört vielmehr eine prinzipiell u
begrenzte Befugnis, das heißt die SuspendierWig der
bestehenden Ordnung. Ist dieser Zustand eingetveten, so ist kl
daß der Staat bestehen bleibt, während das Recht
Weil der Ausnahmezustand immer noch etwas anderes ist als ei '
I. Definition der Souveränität 19
Ana1·chie und ein Chaos, besteht im juristischen Sinne immer I
noch eine Ordnung, wenn auch keine Rechtsordnung. Die Exi-
stenz bewährt hier eine zweifellose Überlegenheit über
. ....... . ...... .
die Die Entscheidung macht sich frei
von jeder normativen Gebundenheit und wird im eigentlichen
Sinne absolut. Im Ausnahmefall suspendiert der Staat das Recht,
kraft eines Selbsterhaltungsrechtes, wie man sagt. Die zwei Ele-
mente des Begriffes "Rechts-Ordnung" treten hier einander
gegenüber und begriffliche Selbständigkeit. So wie
flil .. Normalfall das selbständige Moment der EntscheidWig auf ein
Minimum zurückgedrängt werden kann, wird im Ausnahmefall
die Norm vernichtet. Trotzdem bleibt auch der Ausnahmefall der
juri<>tischen Erkenntnis zugänglich, weil beide Elemente, die
Norm wie die Entscheidung, im Rahmen des Juristischen ver-
bleiben.
Es wät·e eine ro9e Übertragung der schematischen Disjunktion
von Soziologie und Rechtslehre, wenn man sagen wollte, die Aus-
nahme habe keine juristische Bedeutung und sei infolg-edessen
"Soziologie". Die Ausnahme ist das nicht Subsumierbare; sie
entzieht sich der generellen Fassung, aber gleichzeitig offenbart
sie ein spezifisch-juristisches Formelement, die ab-
solutet· Reinheit. In seiner absoluten Gestalt ist

fnll dann eingetreten, wenn erst die Situation geschaffen werden
muß, in der Rechtssätze gelten können. Jede g·enerelle Norm ver-
langt eine normale Gestaltung der Lebensverhältnis&e, auf welche
sie tatbestandsmäßig AnwendWig finden soll und die sie ihrer
normativen Regelung unterwirft. Die Norm braucht ein homo-
genes Medium. Diese faktische Normalität ist nicht bloß eine
2*
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20 I. Definition der Souveränität I
I
äußere Voraussetzung", die der Jurist ignorieren kann; sie I
"
hört vielmehr zu ihrer immanenten Geltung. Es gibt keine Norm
1
J
die auf ein Chaos anwendbar wäre. Die Ordnung muß hergestelltl

damit die Rechtsordnung einen Sinn Es muß eine
I
Situation geschaffen werden, und souverän ist derjenige,j
der definitiv darüber entscheidet, ob dieser normal-e Zustandj
- ,
wirklich herrscht. Alles Recht ist "Situationsrecht". Der Souverän I
\ l''
schafft und garantiert die Situation als Ganzes in ihrer Totalität. J
Er hat das Monopol dieser letzten Entscheidung. Darin liegtj
das Wesen der staatlichen Souveränität, die also richtigerweisel
nicht als Zwangs- oder Herrschaftsmonopol, sondern als Entj
scheidungsmonopol juristisch zu definieren ist, wobei das Wortl
Entscheidung in dem noch weiter zu entwickelnden allgemeinenJ
Sinne gebraucht wird. Der Ausnahmefall offenbart das Wesen de!j
staatlichen Autorität am klarsten. Hier sondert sich die
scheidung von der Rechtsnorm, und (um es paradox zu for-
mulieren) die Autorität beweist, daß sie, um Recht zu
nicht Recht zu haben braucht. I
Der rechtsstaatliehen Doktrin Lockes und dem rationalistischenj
18. Jahrhundert war der Ausnahmezustand etwas Inkommensu-J
rables. Das lebhafte Bewußtsein von der Bedeutung des Aus-<
I. Definition der Souveränität 21
überstehen. Daß ein Neukantianer wie Kelsen mit dem Aus-
nahmezustand systematisch nichts anzufangen weiß, versteht sich
von selbst. Aber auch den Hationalisten müßte es doch inter-\
essieren, daß die Rechtsordnung selbst den Ausnahmefall vor-
sehen und "sich selber suspendieren" kann. Daß eine Norm oder
eine Ordnung oder ein Zurechnungspunkt "sich selber setzt",
solleint dieser Art juristischen Rationalismus eine besonders leicht \ .••_
vollziehbare Vorstellung zu sein. Wie aber die systematische Ein- _
heit und Ordnung in einem ganz konkreten Fall sich selber sus-
pendieren kann, ist schwierig zu konstruieren und doch ein
juristisches Problem, solange der Ausnahmezustand sich vom
juristischen Chaos, von irgendeiner beliebigen Anarchie, unter-
scheidet. Die rechtsstaatliche Tendenz, den Ausnahmezustand
möglichst eingehend zu regeln, bedeutet ja nur den Versuch, den
Fall genau zu umschreiben, in welchem das Hecht sich selber
suspendiert. Woher schöpft das Recht diese Kraft, und wie ist
es logisch möglich, daß eine Norm gilt mit Ausnahme eines kon-
kreten Falles, den sie nicht restlos tatbestandsmäßig erfassen
kann?
Es wäre konsequentet' Rationalismus, zu sagen, daß die Aus-
nahme nichts beweist und nur das Normale Gegenstand wissen-
nahmefalles, das im Naturrecht des 1 7· Jahrhunderts herrscht, schaftliehen Interesses sein kann. Die Ausnahme verwirrt die
geht im 18. Jahrhundert, als eine relativ dauernde Ordnung her..-;
gestellt war, bald wieder verloren. Für Kant ist das Notrecht
überhaupt kein Recht mehr. Die heutige Staatslehre zeigt das
interessante Schauspiel, daß beide Tendenz·en, die
Ignorierung und das von wesentlich entgegengesetzten Ideen
gehende Interesse für den Notfall, einander gleichzeitig gegen-;
1
I
Einheit und Ordnung des rationalistischen Schemas. In der posi-
tiven Staatslehre begegnet man öfters einem ähnlichen Argument.
So antwortet Anschütz auf die Frage, wie bei nicht vorhandenem
Etatsgesetz zu verfahren ist, das sei überhaupt keine Rechts-
frage. "Es liegt hier nicht sowohl eine Lücke im Gesetz, das
heißt im V crfassungstext, als vielmehr eine Lücke im Recht
22 I. Definition der Souveränität
vor, welche durch keinerlei rechtswissenschaftliche ßegrifl's-
operationen ausgefüllt werden kann. Das Staatsrecht hört hier
auf" (Staatsrecht, S. goß). Gerade eine Philosophie des konkreten
Lebens darf sich vor der Ausnahme und vor dem extremen Falle
nicht zurückziehen, sondern muß sich im höchsten Maße für ihn
interessieren. Ihr kann die Ausnahme wichtiger sein als die Regel,
nicht aus einer romantischen Ironie für das Paradoxe, sondern
mit dem ganzen Ernst einer Einsicht, die tiefer geht als die klaren
Gencralisationen des durchschnittlich sich Wiederholenden. Die
Ausnahme ist interessanter als der NormalfalL Das Normale be-
weist nichts, die Ausnahme beweist alles; sie bestätigt nicht nur
die H.egel, die H.egel lebt überhaupt nur von der Ausnahme. In
der Ausnal1me durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die
Kruste einer in Wiederholung erstarrten Mechanik.
stantischer Theologe, der bewiesen hat, welche.r· vitalen Intensität
die theologische Hoflexion auch im 1 g. J uhrhundert fähig sein
\
kann, ha.t es gesagt: "Die Ausnahme erklärt das Allgeilleine und
sich selbst. Und wenn man das Allgemeinei-iclitig studieren will,
sich nur nach einer wirklichen Ausnahme umzu-
sehen. Sie legt alles viel deutlicher an den Tag als das Allgemeine
selbst. Auf die Länge wird man des ewigen vom All-
gemeinen überdrüssig; es gibt Ausnahmen. Kann man sie nicht
erklären, so kann man auch das Allgemeine nicht erklären. Ge-
wöhnlich merkt man die Schwierigkeit nicht, weil man das All-
gemeine nicht einmal mit Leidenschaft, sondern mit einer be-
quemen Oberflächlichkeit denkt. Die Ausnahme dagcg·en denkt
das Allgemeine mit energischer Leidenschaft."
n.
Das Problem der Souveränität
als Problem der Rechtsform
und der Entscheidung
"\ A, Jenn staatsrechtliche Theorien und Begriffe sich unter
'f 'f dem Eindruck politischer Ereignisse und Änderungen um-
gestalten, so steht die Diskussion zunächst unter den praktischen
Gesichtspunkten des Tages und modifiziert die überlieferten Vor-
stellungen nach irgendeinem naheliegenden Zweck. Die neuen
Aktualitäten können ein neues soziologisches Interesse und eine
Reaktion gegen die "formalistische" Methode der Behandlung
staatsrechtlicher Probleme hervorrufen. Es ist aber auch mög-
lich, daß sich das Bestreben zeigt, die juristische Behandlung von
dem Wechsel der politischen Verhältnisse unabhängig zu machen
und gerade in einer konsequent formalen Behandlungsweise die
wissenschaftliche Objektivität zu gewinnen. So können aus der-
selben politischen Sachlage verschiedene wissenschaftliche Ten-
denzen und Strömungen hervorgehen.
Von allen juristischen Begriffen ist der Begriff der Souveränität
am meisten von aktuellen Interessen beherrscht. Man pflegt seine
Geschichte mit Bodin beginnen zu lassen, aber man kann nicht.
sagen, daß er seit dem 16. Jahrhundert eine logische Entwicklung
oder Fortbildung erfahren hätte. Die Etappen seiner Dogmen-
geschichte sind bezeichnet durch verschiedene politische Macht-
kämpfe, nicht durch eine dialektische Steigerung aus der Im-
manenz seiner Begrifflichkeit. Im 16. Jahrhundert entsteht aus
der endgültigen Auflösung Europas in nationale Staaten und aus ~
dem Kampf des absoluten Fürstentums mit den Ständen der
Souveränitätsbegriff Bodins. Im 18, Jahrhundert reflektiert sich
II. Das Problem der Souveränität
26
das staatliche der neu entstandenen Staaten in
dem völkerrechtlichen Souveränitätsbegriff Vattels. Im neu ge-
crründetcn Deutschen B.eich ergibt sich nach I 87 I die Notwendig-
für die Abgrenzung der Hoheitssphäre de.r Gliedstaaten
gegenüber dem Bundesstaate ein Prinzip aufzustellen,.
diesem Interesse findet die deutsche Staatslehre eine D1stmktw.n
· 1 s ... '•l'ts und Staatsbegriff mit deren Hilfe sto
ZWlSC 1en OUVel antu'\ - '
den Einzelstaaten den Charakter der Staatlichkeil retten .kan:l,
ohne ihnen Souveränität zusprechen zu müssen. Immer wu·d
111
. - v- . . d' lt Definition wiederholt:
den versclnedensten ai'tatwnen te a e
Souveränität ist höchste, rechtlich unabhängige, nicht abgeleitete
.
Eine solche Definition )äßt sich auf die verschiedensten polt-
tisch-soziologischen Komplexe anwenden und in den Dienst der
verschiedensten politischen Interessen stellen. Sie ist nicht
adäquate Ausdruck einer B.ealität, sondern eine Forme.l, em
Zeichen, ein Signal. Sie ist unendlich vieldeutig und daher 1n der
I
>
18
• J. e nach der Situation außerordentlich brauchbar oder
rax h "
gänzlich wertlos. Sie verwendet den "höcl!Ste Mac t.
als Bezeichnung einer realen Größe, obwohlm der vom Kausah-
tätsgesetz beherrschten Wirklichkeit kein einzelner Faktor her-
'ff n(l n
11
't einem solchen Superlativ bedacht werd.e,n
ausgegn en u . . .
kann. Eine unwiderstehliche, mit naturges.e,tzhcher Steherbett
funktionierende höchste, das heißt größte Macht gibt es in der
politischen Wirklichkeit nicht; die Macht beweist nichts für
Recht und zwar aus dem banalen Grunde,, den Rousseau m
mit seinem ganzen Zeitalter so hat:·
La force est une puissance physique; le pistolet que l.e br1gand
als Problem der Rechtsform und d01· Entscheidung 27
tient csL aussi une puissance (Contrat social I 3) D'e V b' _]
, • , • 1 er
von f. aktiSch und rechtheb höchster Macht ist das Grundprobl
.· mn
dc.-; Souveränitätsbegriffes. Hier liegen alle seine Schwierigkeiten,
und es handelt sich darum, eine Definition zu finden, die nicht
mit allgemeinen tautologischen Prädikaten, sondern durch die
Pt·äzisierung des juristisch Wesentlichen diesen Grundbegriff der
Jurisprudenz erfaßt.
Die eingehendste Behandlung des Souveränitätsbegriffes, die
aus den letzten Jahren vorliegt, versucht allerdings eine ein-
fachere Lösung, indem sie eine Disjunktion: Soziologie _ Juris-
prudenz, aufstellt und mit einem simplistischen Entweder-Oder
etwas rein Soziologisches und etwas rein Juristisches gewinnt.
Kelsen hat in seinen Schriften "Das Problem der Souveränität
und die Theorie des Völkerrechts" (Tübingen 1 g:w) und "Der
und der juristische Staatsbegriff" (Tübingen 1 gn)
diesen Weg verfolgt. Alle soziologischen Elemente werden aus
dem juristischen Begriff ferngelassen, damit in unverfälschter
lleinheit ein System von Zurechnungen auf Normen und auf eine
letzte einheitliche Grundnorm gewonnen wird. Die alte Gegen-
überstellung von Sein und Sollen, von kausaler und normativer
Betrachtung wird mit größerer Nachdrücklichkeit und Rigorosi-
tät, als es bereits Georg Jellinek und Kistiakowski getan hatten,
aber mit derselben unbewiesenen Selbstverständlichkeit, auf den
Gegensatz von Soziologie und Jurisprudenz übertragen. Es scheint
zum Schicksal der juristischen Wissenschaft zu gehören, daß ihr
von irgendeiner anderen Wissenschaft oder von der Erkenntnis-
theorie her solche Disjunktionen appliziert werden. Kelsen
kommt mit Hilfe dieses Verfahrens zu dem über-
\
28
II. Das Problem der Souveränität
h d R
ultat
daß für die J. uristische Betrachtung der
rase en en es ,
Staat etwas rein Juristisches sein müsse, etwas normativ Gelten-
des, also nicht irgendeine Realität oder ein Gedacht.es neben
außer der Rechtsordnung, sondern nichts anderes als eben d1ese
Rechtsordnung selbst, freilich (daß hier das Problem liegt,
scheint keine Schwierigkeiten zu machen) als eine Einheit. Der
Staat ist also weder der Urheber noch die Quelle der Rechts-
dn
. alle solche Vorstellungen sind nach Kelsen Personi-
or ung, . .
fikationen und Hypostasienmgen, Verdoppelungen der emhelt-
lichen und identischen Rechtsordnung zu verschiedenen Sub-
jekten. Der Staat, das heißt die Rechtsordnung, ist ein
von Zurechnung!m auf einen letzten Zurechnungspunkt und eme
Grundnorm. Die im Staat geltende über- und Unter-
ordnung beruht darauf, daß von dem. einheitlichen Mittelpunkt
bis zur untersten Stufe Ermächtigungen und Kompetenzen aus-
gehen. Die höchste Kompetenz konunt nicht etwa einer Person
oder einem soziologisch-psychologischen Machtkomplex zu, son-
dern nur der souveränen Ordnung selbst in der Einheit des
Normensystems. Für die juristische Betrachtung gibt es weder
wirkliche noch fingierte Personen, nur Zureclmungs-
punkte. Der Staat ist der Endpunkt der Punkt,
an dem die Zurechnungen, die das Wesen der Junstischen Be-
trachtung sind, "haltmachen können". Dieser "Punkt" ist zu-
gleich eine "nicht weiter ableitbare Ordnung". Ein durchgehendes
System von Ordnungen, ausgehend von . der
letzten, höchsten zu einer niederen, das hetßt delegterten Norm,
kann auf solche Weise gedacht werden. Das entscheidende,
immer und immer von neuem wiederholte und gegen jeden
als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 29
wissenschaftlichen Gegner von neuem vorgebrachte Argument
bleibt immer dasselbe: der Grund für die Geltung einer Norm
kann wiederum nur eine Norm sein; der Staat ist daher für die
juristische Betrachtung identisch mit seiner Verfassun d g, as
heißt der einheitlichen Grundnorm.
Das große Wort dieser Deduktion ist "Einheit". "Die Einheit
des Erkenntnisstandpunktes fordert gebieterisch ein.e monistische
Anschauung.'' Der Dualismus der Methoden von Soziologie und
Jurisprudenz endet rn einer monistischen Metaphysik. Die Ein-
heit der Rechtsordnung aber, das heißt der Staat, bleibt im
Hahmen des Juristischen von allem Soziologischen "rein". Ist
diese juristische Einheit von derselben Art wie die welt-
umfassende Einheit des ganzen Systems? Wie kommt es, daß ein
Haufe positiver Bestimmungen auf eine Einheit mit demselben
Zurechnungspunkt zurückgeführt werden kann, wenn nicht die
Einheit eines naturrechtlicf1en Systems oder einer theoretischen
allgemeinen Hechtslehre, sondern die Einheit einer positiv gelten-
den Ordnung gemeint ist? Worte wie Ordnung, System, Einheit
doch nur Umschreibungen desselben Postulats, von dem ge-
zeigt werden müßte, wie es sich in seiner erfüllen läßt
wie es sich. fügt, auf der Grundlage einer "Verfassung" (
entweder eme wettere tautologische Umschreibung der "Einheit"
oder ein brutales soziologisch-politisches Faktum bedeutet) ein
System entsteht. Die systematische Einheit ist nach Kels.en eine
"freie Tat der juristischen Erkenntnis". Sehen wir einmal ab
von der interessanten mathematischen Mythologie, nach welcher
ein Punkt eine Ordnung und ein System und identisch mit einer
Norm sein soll, und fragen wir, worauf die gedankliche Not-
30
II. Das Problem der Souveränität.
wendigkeit und Objektivität der verschiedenen auf
die verschiedenen Zurechnungspunkte beruht, wenn s1e mcht auf
einer positiven Bestimmung, das heißt auf einem Befehl, beruht.
Als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt, wird
immer wieder von der durchgehenden Einheit und Ordnung ge-
sprochen; als bestände eine prästabilierte
Resultat einer freien juristischen Erkenntms und emem nur m
der politischen Wirklichkeit zu einer Einheit verbundenen Kom-
plex, wird von einer Stufenleiter höherer und nwderer
gesprochen, die sich in allem finden lassen soll, was der .Tuns-
prudenz an positiven Anordnungen auf den Tisch
Die normative Wissenschaft, zu der Kelsen die .Tunsprudenz m
aller Reinheit erheben will, kann nicht normativ in dem Sinne
sein, daß der Jurist aus eigener freier Tat wertet; er kann nur
auf ihm gegebene (positiv gegebene) w,erte beziehen.
scheint eine Objektivität möglich zu werden, aber kem not-
wendiger Zusammenhang mit einer Positivität. Die Werte,
die der Jurist bezieht, werden ihm zwar gegeben, aber er verhalt
sich ihnen gegenüber mit relativistischer Überlegenheit. Denn Cl'
kann aus allem eine Einheit konstruieren, wofür er sich juristisch
interessiert, wofern er nur "rein" bleibt. Einheit und Reinheit
sind aber leicht gewonnen, wenn man die eigentliche Schwierig-
keit mit rrroßem Nachdruck ignoriert und aus formalen Gründen
alles, wa: sich der Systematik widersetzt, als unrein ausscheidet.
Wer sich auf nichts einläßt und entschlossen methodologisch
bleibt ohne an einem einzigen konkreten Beispiel zu zeigen, worin
sich Jurisprudenz von dem unterscheidet, was man bisher
als Jurisprndem: betrieb, hat es leicht, zu kritisieren. Die metho-
als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 31
dologischen Beschwörungen und Begriffsschärfungen und die
scharfsinnige Kritik sind nur als Vorbereitung wertvoll. Wenn
sie mit der Begründung, daß die Jurisprudenz etwas Formales
sei, nicht zur Sache kommen, so bleiben sie trotz allen Aufwandes
in der Antichambre der Jurisprudenz.
Kelsen löst das Problem des Souveränitätsbegriffs dadurch, daß
et' es negiert. Der Schluß seiner Deduktionen ist: "Der Sou-
muß radikal verdrängt werden" (Problem der
Souveränität, S. 32o). In der Sache ist das die alte liberale Ne-
des Staates gegenüber dem Recht und die Jgnorierung
des selbständigen Pl'Oblems der Rechtsverwirklichung. Diese Auf-
fassung hat eine bedeutende Darlegung gefunden durch H. Krabbe, l/·, n \.
dessen Lehre von der Rechtssouveränität ( 1906, unter dem Titel
"Die moderne Staatsidee" I 9 I 9 in zweiter deutscher vermehrter
Ausgabe erschienen) auf der These beruht, daß nicht der Staat,
sondern das Hecht souverän ist. Kelsen scheint hier nur einen
Vorläufer seiner Lehre der Identität von Staat und Rechtsordnung
zu In Wahrheit hat die Theorie Krabhes wohl eine gemein-
same, weltanschauungsmäßige Wurzel mit dem Resultat Kelsens;
aber gerade in dem, was Kelsen originell ist, in seiner Methodo-
logie, besteht kein Zusammenhang des holländischen Rechts-
gelehrten mit den erkenntnistheoretischen und methodologischen
Distinktionen des deutschen Neukantianers. "Die Lehl'e von der
Rechtssouveränität ist", wie Krabbe sagt, "je nachdem man es
nehmen will, entweder die Beschreibung eines wirklich bestehen-
den Zustandes oder ein Postulat, nach dessen Verwirklichung ge-
strebt werden soll" (S. 39)· Die moderne Staatsidee ootzt nach
Krabbe an die Stelle einer persönlichen Gewalt (des Königs, der
32 II. Das Problem der Souveränität
Obrigkeit) eine geistige Macht. "Wir leben jetzt nicht mehr unter
der Herrschaft von Personen, seien es natürliche oder konstruierte
(Rechts-) Personen, sondern unter der Herrschaft von Normen,
geistigen Kräften. Darin offenbart sich die moderne Staatsidee.''
"Diese Kräfte herrschen im strengsten Sinne des Wortes. Denn
diesen Kräften kann, eben weil sie aus der geistigen Natur des
Menschen hervorgehen, freiwillig Gehorsam geleistet werden."
Die Grundlage, die Quelle der Rechtsordnung, ist "nur in dem
Rechtsgefühl und Rechtsbewußtsein der Volksgenossen zu finden''.
"über diese Grundlage läßt sich nicht weiter diskutieren: sie ist
die einzige, welche Wirklichkeitswert besitzt."· Obwohl Krabbe
sagt, er befasse sich nicht mit soziologischen Untersuchungen
über die Formen der Herrschaft (S. 7S), macht er doch wesent-
lich soziologische Ausführungen über die organisatorische Ge-
staltung des modernen Staates, in welchem sich das Berufs-
beamtentum als selbständige obrigkeitliche Gewalt mit dem Staat<e
identifiziert und das Beamtenverhältnis als etwas spezifisch
öffentlich-rechtliches, von dem gewöhnlichen Dienstverhältnis
Verschiedenes hinstellt. Der Gegensatz von öffentlichem und pri-
vatem Recht, sofern er sich auf einen Unterschied in der Wirk-
lichkeit der Subjekte stützt, wird radikal abgelehnt (S. I 38). Die
Weiterentwicklung der Dezentralisation und Selbstverwaltung auf
allen Gebieten soll die moderne Staatsidee immer deutlicher her-
vortreten lassen. Nicht der Staat, sondern das Recht soll die Macht
haben. "Das alte, stets wieder aufs neue aufgestellte Merkmal des
Staates, die Macht, und die Begriffsbestimmung dieses Staates als
einer Machterscheinung, können wir auch weiterhin zulassen
unter dieser einzigen Bedingung, daß in bezug auf dies,e Macht
als Problem der Rechtsform und der Entscheidung
33
anerkannt wird, daß sie sich im Rechte offenbart und in keiner
anderen Weise als durch Erlassung einer Rechtsnorm sich zur
Geltung bringen kann. Zugleich ist dann aber auch hieran festzu-
halten, daß ausschließlich in der Erzeugung des Rechts, sei es
mittels der Gesetzgebung, sei es auf dem Wege des umgeschrie-
benen Rechts, der Staat sich kenntlich macht. Nicht also in der
Gesetzen oder der Wahrnehmung irgendwelcher
offentlicher Interessen" (S. 2 55). Der Staat hat nur die Aufgabe,
das Recht zu "bilden", das heißt die Feststellung des Rechts-
wertes der Interessen (S. 2 61 ).
Beherrschung irgendwelcher Interessen, sondern
ausschheßhch durch die eigene ursprüngliche Rechtsquel1e, von
woher alle jene Interessen und alle sonstigen Interessen ihren
erhalten" (S. 2 6o ). Der Staat wird ausschließlich auf
beschränkt. Das bedeutet aber nicht, daß er
mhalthch Recht produziere. Er tut nichts als d R ht
, en ec swert
von Interessen, wie er sich nach dem Rechtsbewußtsein der Volks-
genossen ergibt, feststellen. Darin liegt eine doppelte Beschrän-
kung; nämlich einmal die auf das Hecht, im Gegensatz zu Inter-
esse, Wohlfahrt, also das, was in der Kautischen Rechtslehre
Materie heißt; zweitens auf den deklaratorisch·en I'n I . W .
, r·emer eise
konstitutiven Akt der Feststellung Daß g r d . d'
· e a e m teser 'est-
stellung das Problem des Rechts als einer substanziellen For
r . m
tegt, wtrd sich aus dem Folgenden ergeben. Bei Krabbe muß
beachtet werden, daß der Gegensatz von Recht und Interesse f".
'h w
l n mc t der Gegensatz von Form und Materie
1
·st ur
.. . . n enn er sagt,
alle offentliehen Interessen seien dem Recht unterwoi·f b
en, so e-
a Schmitt, PolitischeTheologie
t '
I',
II. Das Problem der Souveränität
34
deutet das: im·modernen Staat ist das Rechtsinteresse das höchst.e
Interesse, der Rechtswert der höchste Wert.
Der gemeinsame Gegensatz zum zentralistischen Obrigkeits-
staat bringt Krabbe in die Nähe der Genossenschaftstheorie. Sein
Kampf gegen den Obrigkeitsstaat und gegen die Juristen des
Obrigkeitsstaates erinnert an die bekannten Schriften von Hugo
Preuß. Gierke selbst, der Begründer der Genossenschaftstheorie,
formulierte seinen Staatsbegriff dahin, daß der "Staats- bzw.
Herrscherwille nicht die letzte Quelle des Rechts, sondern das
berufene Organ des Volkes für den Ausspruch des vom Volks-
leben hervorgebrachten Rechtshewußts.eins sei" (Grundbegriff·e
des Staatsrechts, S. 3 I). Der persönliche Wille des Herrschers
wird in den Staat als in ein organisches Ganzes eingefügt. Doch
sind für Gierke H.echt und Staat "ebenbürtige Mächte", und die
grundlegende Frage nach ihrem gegens.eitigen Verhältnis beant-
wortet er dahin, daß beide zwei selbständige Faktoren d·es
menschlichen Gemeinlebens sind, das eine nicht ohne das andere
denkbar, aber keines durch das andere oder vor dem anderen
bestehend. Bei revolutionären Verfassungsänderung·OO ·liegt ein
Rechtsbruch vor, eine Durchbrechung der H.echtskontinuität, die
ethisch geboten oder geschichtlich berechtigt sein kann; aber ein
"
Rechtsbruch bleibt. Doch kann er geheilt werden und nachträg-
lich einen Hechtsgrund erhalten "durch irgendeinen für das
Rechtsbewußtsein des Volkes ausreichenden rechtlichen Vorgang",
z. B. eine Verfassungsvereinbarung oder Volksabstimmung oder
die heiligende Macht der Gewohnheit (S. 35). Es besteht die
Tendenz, daß Recht und Macht sich finden und dadurch der
sonst unerträgliche "Spannungszustand" beseitigt wird. Die Eben-
niR Problem ller Reehtsf'o 1 I rm um <er Entschei1Iung 3r; ,. ,)
bürtigkeit des Staates wird ll d' .
nach Gierke die staatlich Ga ter tbngs dadurch verdunkelt, daß
e ese zge ung nur d I t f
Siegel" ist, welches der St t d " as e zte ormelle
aa em Recht aufd .. 1 t ·
liehe Ausprägung", die nur . .. ruc' ' eme "staat-
emen "außeren formalen W " h
also nur das ist was Krabb· . bl ·ert at,
' e eme oße Festst ll d
wertes nennt, die aber . ht e ung es Rechts-
mc zum Wesen des Rechts h"
halb nach Gierke das V"lk h ge ort, wes-
o errec t Recht sein I h
liebes Recht zu sein w· d d S {ann, o ne staat-
. ll' er taat auf d' . V' · ·
des bloß dekl · d V · tese ·v eise m die Rolle
aneren en Herolds ed ..
souverän sein. Preuß .ko t . gd rangt, so kann er nicht mehr
nn e nu t en Arg t d
schaftstheorie den So .. . .. b . umen en er Genossen-
uveramtats egriff als ein R . d
Obrigkeitsstaates ablehnen und . d eSI uum des
unter sich aufba d G . m em genossenschaftlich von
uen en ememwesen ein 0. . .
die das Herrschaftsmonorlol nicht I I e Igamsahon finden,
S
Jrauc 1t und dahe 1 h
ouveränität auskommt U t . d r auc 1 o ne
. n eJ en lleueren Vert. t d
noss·enschaftstheorie hat ur I d . Ie ern er Ge-
vvo zen orff auf Jh. G d
Prob I · ·
1
er run lage das
em emer neuen Staalser)Oche" , I" "
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za 1 reichen Aufsätzen ( , :·I . · on semen
mwamt sc1en· D 1 1
denken, H)I
9
; Die I .. 0' d .. · eu sc I es Völkerrechts-
, ... ut>e es Volkerrechts I . G .
Staatsrechls
19
?.
0
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9• e1st d.es
' ·" ' ei reme Staat I92o) . t .
meisten die letzte S ·I ·'ft D . .' " m eresswrt hier am
c ui " er reme Staat" s·. .
daß der Staat das Recht d d R . Ie geht davon aus,
un as echt den St t b
,,das Recht als das tiefere p : . .. aa raucht, aber
in Banden". Der Staat . t letzten Endes den Staat
IS ursprunghebe H 1
er ist es als di M h errsc lergewalt; aber
e ac t der Ordnung als die F "
Iebens, nicht als ein b
1
. b' ' " orm des Voiles-
e Je Iger Zwang d h · .
Von dieser Macht . d I urc Irgendeme Gewalt.
. Wir ver angt, daß sie . . . .
freie, individuelle od nm emgreife, soweit
3 * er genossenschaftliche Tat unvermögend
11. Das Problem der Souveränität
. . . Hintergrund bleiben; das Otd-
. . ll al ulttma tatlO IDl • 1 d
tst; sle so s . . ts h ftlichen noch soZla en o er
. d f wedet mit wn c a
nungsmäßtge al' d weil diese der Selbst-
verknüpft wer en,
kultmellen Interessen .. D ß zm Selbstverwaltung
b
1 n werden mussen. a ff
venvaltung ü er asse .. d" ft allerdings Wolzendor .s
'f " ehort ur e
eine gewisse "Rel e g ' .. . d nn solche historisch-
f"h r h werden konnen, e . h
Postulaten ge a r lC . d eschichtlichen Wirkhc -
. p bl me nehmen m er g .
pädagogtSchen ro e von der DiskusSIOD zur
· rwartete Wendung f
keit häufig eme une . t · Staat der sich au
ff . er Staat lS em '
Diktatur. Wolzendor s rem D hört auch die Rechts-
f ktion beschränkt. azu ge
seine Ordnungs un . . p blem des ß.estand,es der
'1 all Recht zugleich em ro
bildung, wet es ll d s Recht bewahren; er
0 d
ist Der Staat so a .
staatlichen r nung · h ls Hüter nicht bloß em
. ht G bieter" aber auc a
ist "Hüter, nie e ' tl' h r und letztentscheiden-
. " d rn verantwor lC e
"blinder Dtener 'son e ,, . ht VVolzendorff eine Äuß,erung
" I Rätegedanken sie
der Garant . m h ftli hen Selbstverwaltung, zur
d
g
enassense a c k
dieser Ten enz zur . . . " zustehenden Fun -
.. k d Staates auf dte Ihm "rem
Beschran ung es
tionen. d ff 'eh bewußt gewesen ist,
. h d ß Wolzen or SI
Ich glaube mc t, a d letztentscheidenden Ga-
. . der Wendung von em " .
wte sehr er mit f
1
. h d demokratischen Staats-
" . d nossenscha t tc en un .
rauten emer er ge t r'tären Staatstheone
t eaengesetzten au
0 1
auffassung extrem en g l' bb und den genannten Ver-
. t Gegenuber "-ra e
nahegekommen IS . . . t di letzte Schrift Wolzen-
chaftstheone 1S ese
treternder Genassens . s· brinat die Diskussion auf
dorffs deshalb besonders. hte d n Form im substan-
'd d Begnff nam c e
den entschet en en ' · h wird so hoch be-
. ie Macht der Ordnung an stc
ziellen Smne. D , . Selbständiaes, daß
d d
ie Garantiefunktion Ist etwas so o
wertet, un
als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 37
der Staat nicht mehr nur der Feststeller oder "äußerlich formale"
Umschalter der Rechtsidee ist. Es erhebt sich das Problem, wie-
1
weit in jeder Feststellung und Entscheidung mit rechtslogischer
Notwendigkeit ein konstitutives Element enthalten ist, ein Eigen-
wert der Form. VVolzendorff spricht von der Form als einem
"sozial-psychologischen Phänomen", einem wirkenden Faktor des
historisch-politischen Lebens, dessen Bedeutung darin besteht,
daß er den gegeneinander wirkenden politischen Triebkräften die
Möglichkeit gibt, in der gedanklichen Struktur der staatlichen
Verfassung ein feststehendes Element konstruktioneUer Berech-
nung zu erfassen (Arch. d. öfi. Hechts, Bd. S. !177). DerStaat
wird also zu einer Form im Sinne einer Lebensgcstaltung.
Zwischen einer Gestaltung, die dem Zweck ber,cchcnbaren Funk-
tioniereng dient, und einer Form im ästhetischen Sinne, so wie
das Wort etwa bei Hermann Hefele gehraucht wird, hat Wolzen-
dorfi nicht deutlich unterschieden.
Die Verwirrung, die sich in der Philosophie um den Begriff der
Form verbreitet, wiederholt sich hier besonders unheilvoll in der
Soziologie und der Jurisprudenz. Hechtsform, technische Form,
ästhetische Form und schließlich der Formbegriff der tran-
szendalen Philosophie bezeichnen wesentlich verschiedene Dinge.
In der Rechtssoziologie Max Webers kann man drei Begriffe der
Form unterscheiden. Einmal ist für ihn die begriffliche Präzi-
sierung des rechtlichen Inhaltes dessen rechtliche Form, die
normative Regelung, wie er sagt, aber nur als "kausale Kompo-
nente des Einverständnishandelns". Dann, wo er von der Diffe-
renzierung der Sachgebiete spricht, wird das Wort formal gleich-
bedeutend mit rationalisiert, fachmäßig geschult und schließlich
38
II. Das Problem der Souveränität
I 1 b 1
• 1.1
0

1
o·t e1· llaß ein formell entwickeltes Recht ein
)erec lCll a · LJ < tJ ' .
Komplex bewußter Entscheidungsmaximen ist, und daß sozio-
logisch dazu die Mitwirkung von geschulten
amtetcn Trägern der Rechtspflege usw. gehört. FaclunaßJgc
Schulung, das (sie!) rationale Schulung, wird mit steigen-
llem Verkehrsbedürfnis notwendig, woraus sich die moderne
1\ationalisierung des Rechts zum spezifisch-juristischen und die
Herausbildung "formaler Qualitäten" ergibt (Rechtssoziologie II,

1
). Form kann also bedeuten: erstens die transzendentale "Be-
dingung" juristischer Erkenntnis; zweitens eine gleichmäßige,
aus wiederholter übung und fachmäßigem Durchdenken ent-
stehende Hegelmäßigkeit, die weg.en ihrer Gleichmäßigkeit und
Berechenbarkeit übergeht in die dritte, "rationalistische" Form,
das heißt eine aus den Notwendigkeiten des Y·erkehrs oder auch
der Interessen einer juristisch gebildeten Bürokratie entstehende,
auf Berechenbarkeit gerichtete technische Vervollkornmnung, die
beherrscht ist von dem Ideal reibungslosen Funktionierens.
Auf den Formbegriff der Neukantianer braucht hier nicht ein-
gegangen zu werden. Was die technische Form be-
deutet sie eine Präzisicrung, die von ZweckmäßigkCltsgestehls-
punkten beherrscht ist und sich zwar auf den organisierten staat-
lichen Apparat anwenden läßt, aber das "Justizförmige" nicht
trifft. Der militärische Befehl wird in seiner Präzision einem
technischen, nicht einem Rechtsideal gerecht. Daß er ästhetisch
bewertet werden kann, vielleicht auch Zeremonien zugänglich ist,
ändert nichts an seiner Technizität. Die uralte aristotelische
Gegenüberstellung von cleliberare und agere geht von zwei ver-
schiedenen Formen aus; das deliberare ist einer Rechtsform zu-
als Problem der Rechtsform und der Entscheidung
39
gänglich, das agere nur einer technischen Formierqng. Die
Rechtsform wird beherrscht von der Rechtsidee und der Not-
wendigkeit, einen Rechtsgedanken .auf eine.n konkreten Tatbestand
anzuwenden, das heißt von der Rechtsverwirklichung im weitesten
Sinue. Weil die Rechtsidee sich nicht selbst verwirklichen kann
' '
bedarf es zu -jeder Umsetzung in die Wirklichkeit einer beson-
deren Gestaltung und Formung. Das gilt sowohl für die Formie-
rung eines allgemeinen Rechtsgedankens in einem positiven Ge-
_setz als auch für die Anwendung einer positiven generellen
Rechtsnorm in der Rechtspflege oder Verwaltung. Hiervon ist bei
einer Erörterung der Eigenart der Rechtsform auszugehen.
Was bedeutet es, wenn heule in der Staatslehre der Formalis-
mus der Neukantianer beiseite geworfen, gleichzeitig aber von
einer ganz anderen Seite her eine Form postuliert wird? Ist das
eine jener ewigen Vertauschungen, welche die Geschichte der
Philosophie so monoton machen? Eines ist jedenfalls in diesem
Bestreben der modernen Staatslehre sicher zu erkennen: die Form
soll aus dem Subjektiven ins Objektive verlegt werden. Der Form-
begriff der Kategorienlehre von Lask ist noch subjektiv, wie das
zu jeder erkenntniskritischen Einstellung gehört. Kelsen wider-
spricht sich selbst, wenn er einmal einen solchen kritisch ge-
subjektivistischen Formbegriff zum Ausgangspunkt
mmmt und die Einheit der Rechtsordnung als eine freie Tat
juristischen Erkennens auffaßt, dann aber, wo er sich zu einer
Weltanschauung bekennt, Objektivität verlangt und selbst dem
Hegeischen Kollektivismus den Vorwurf des Staatssubjektivismus
?ie Objektivität, die er für sich beansprucht, erschöpft
Sich dal'ln, daß er alles Personalistische vermeidet und die Rechts-
40
· II .. Das Problem der Souveränität
ordnung auf das unpersönliche Gelten einer unpersönlichen Norm
zurückführt.
Die verschiedensten Theorien des Souveränitätsbegriffes -
Krabbe, Preuß, Kelsen - verlangen eine solche Objektivität,
wobei sie sich darüber einig sind, daß alles Persönliche aus dem
Staatsbegriff verschwinden muß. Persönlichkeit und Befehl ge-
hören für sie offenbar zusammen. Nach Kelsen ist die Vorstellung
vom persönlichen Befehlsrecht der eigentliche Irrtum der Lehre
von der Staatssouveränität; die Theorie vom Primat der staat-
lichen Rechtsordnung nennt er "subjektivistisch" und eine Nega-
tion der Rechtsidee, weil der Subjektivismus des Befehls an die
Stelle der objektiv geltenden Norm ges.etzt werde. Bei Krabbe
verbindet sich der Gegensatz von Persönlich und Unpersönlich
mit dem von Konkret und Allgemein, Individuell und Generell,
und man kann ihn weitertreiben zu dem von Obrigkeit und
Hechtssatz, Autorität und Qualität und in seiner allgemeinen phi-
losophischen Formulierung zum Gegensatz von Person und Idee.
Es entspricht der rechtsstaatliehen Tradition, in dieser Weise den
nersönlichen Befehl der sachlichen Geltung einer abstrakten Norm
In der Rechtsphilosophie des I g. Jahrhunderts
hat das zum Beispiel Ahrens besonders deutlich und interessant
ausgeführt. Für Preuß und Krabbe sind alle Persönlichkeitsvor-
stellungen historische Nachwirkungen aus der absoluten Mon-
archie. Alle diese Einwendungen verkennen, daß die Persönlich-
keitsvorstellung und ihr Zusammenhang mit der formalen Auto-
rität einem spezifisch juristischen Interesse entsprungen ist,
nämlich einem besonders klaren Bewußtsein dessen, was das
Wesen der rechtlichen Entscheidung ausmacht.
als Problem de1· Rechtsform und der Entscheidung
41
Eine solche. Entscheidung im weitesten Sinne gehört zu j-eder
rechtlichen Perzeption. Denn jeder Rechtsgedanke überführt die
niemals in ihrer Reinheit Wirklichkeit werdende R·echtsidee in
einen anderen Aggregatzustand und fügt ein Moment hinzu, das
sich weder aus dem Inhalt der Rechtsidee noch, bei der Anwen-
dung irgendeiner generellen positiven R·echtsnorm, aus deren In-
halt entnehmen läßt. Jede konkrete juristische Entscheidung ent-
hält ein Moment inhaltlicher Indifferenz, weil der juristische
Schluß nicht bis zum letzten Rest aus seinen Prämissen ableitbar
ist, und der Umstand, daß eine Entscheidung notwendig ist, ein
selbständiges determinierendes Moment bleibt. Dabei handelt es
sich nicht um die kausale und psychologische Entstehung einer
solchen Entscheidung, obwohl auch hierfür die abstrakte Ent-
scheidung als solche von Bedeutung ist, sondern um die Bestim-
mung des rechtlichen Wertes. Soziologisch tritt das Interesse an
der Bestimmtheit der Entscheidung besonders im Zeitalter einer
intensiven Verkehrswirtschaft hervor, weil der Verkehr in zahl-
losen Fällen häufig weniger Interesse an einem bestimmt ge-
arteten Inhalt als an einer berechenbaren Bestimmtheit hat. (Oft
interessiert es mich weniger, wie der Fahrplan im einz·elnen Falle
die Abfahrt- oder Ankunftzeit festsetzt, als daß er zuverlässig
funktioniert, so daß ich mich danach richten kann.) Im recht-
lichen Verkehr bietet die sogenannte "formal·e Wechselstrenge"
des Wechselrechts ein Beispiel solchen Interesses. Mit dieser Art
Berechenbarkeit ist das rechtliche Interesse an der Entscheidung
als solcher nicht zu vermengen. Es ist in der Eigenart des Norma-
tiven begründet und ergibt sich daraus, daß ein konkretes Faldum
konkret beurteilt werden muß, obwohl als Maßstab' der Beur-
42
II. Das Problem der Souveränität
teilmw nur ein rechtliches Prinzip in seiner generellen Allge-
o .
· 1 't eben ist So liegt ]. edesmal ·eine Transformatton vor ..
mem1m geg .
Daß die Rechtsidee sich nicht aus sich selbst umsetzen kann,
er.ribt sich schon daraus, daß sie nichts darüber aussagt, wer sie
·
0
1 11 Itl
1
·edct· Umformung liegt eine auctoritatis inter-
auwenc en so .
positio. Eine unterscheidende Bestimmung darü.ber, welche in-
diYiduelle Person oder welche konkrete Instanz eme solche Auto-
rität für sich in Anspruch nehmen kann, ist aus der bloßen
Hechtsqualität eines Satzes nicht zu entnehmen. Das ist die
Schwierigkeit, die Krabbe beständig ignoriert. . . ..
Daß es die zuständige Stelle W<H', die eine Enlschmdung lallt,
macht die Entscheidung relativ, unter Umständen auch absolut,
unabhängig von der H.ichtigkeit ihres Inhaltes undschneidet die
weitere Diskussion darüber, ob noch Zweifel bestehen können,
Die Entscheidung wird im Augenblick unabhängig von der
t
. den Begründung und erhält emen s·elbständigen
argumen ICren .
Wert. In der Lehre vom fehlerh,dten Staatsakt offenbart s1ch
das in seiner ganzen theoretischen und praktischen
Der unrichtigen und fehlerhaften Entscheidung eme
Hechtswirkung zu. Die unrichtige Entscheidung enthält em kon-
stitulives Moment, gerade wegen ihrer Unrichtigkeit. Aber es
liegt in det' Idee der Entscheidung, es überhaupt keine ab-
solut deklaratorischen Entscheidungen geben kann. Von dem In-
halt der zugrundeliegenden Norm aus betrachtet ist jenes kon-
. stitutive, spezifische Entscheidungsmoment etwas Neues . und
: ')Fremdes. Die Entscheidung ist, normativ emem ..
J Nichts geboren. Die rechtliche Iüaft der DeziSIOn 1st
'' anderes als das H.esultat der Begründung. Es wird nicht mit
/ i f,r
(/'
als Problem der Rechtsform und der Entscheidmw
"
43
Hilfe einer Norm zugerechnet, sondern umgekehrt; e1·st voll
einem Zurechnungspunkt aus bestimmt sich, was eine und
was normative Richtigkeit ist. Von der Norm aus ergibt sich
kein Zurechnungspunkt, wndern nur eine Qualität eines Inhaltes.
Das Formale im spezifisch-rechtlichen Sinne liegt in einem
Gegensatz :w dieser inhaltlichen Qualität, nicht zu der quantita-
tiven Inhaltlichkcit eines Kausalzusammenhanges. Denn
dieser letzte Gegensalz für die Hechtswissenschaft nicht in Be-
tracht komml, sollte sich eigentlich von selbst verstehen.
Die spezifische Eigenart der Hechtsform muß in ihrer rein
juristischen Natur erkannt werden. Hier sollen nicht Spekula-
tionen angestellt werden über die philosophische Bedeutung der
l\echtskraft einer Entscheidung oder die unbewegliche, von Zeit
und Baum unberührte "Ewigkeit" des Hechts, von der Mcrkl
(Arch. d. öffentl. Rechts, I gq, S. I g) gesprochen hat. Wenn
er sagt: "Eine Entwicklung der Hechtsform ist ausgeschlossen,
denn sie hebt die Identität auf", so verrät er damit, daß im
Grunde eine grob-quantitative Vorstellung von Form bei ihm
wit·ksam ist. Von dieser Art Form aus ist es allerdings unerklär-
lich, wie ein personalistisches Moment in die Lehre von Hecht
uucl Staat hineinkommen kann. Es entspricht der uralten rechts-
staatlichen Tradition, die immer davon ausgegangen ist, daß nur
ein genereller Rechtssatz maßgebend sein dürfe. The Law
authority, sagt Locke und braucht hier das Wort Gesetz in be-
wußter Antithetik zur commissio, das heißt dem persönlichen
Befehl des Monarchen. Aber er sieht nicht, daß das Gesetz nicht
sagt, wem es Autorität gibt. Es kann doch nicht jeder jeden be-
liebigen Rechtssatz vollstrecken und realisieren. Der Rechtssatz
! \
44 II. Das Problem der Souveränität
als Entscheidungsnorm besagt nur, wie entschieden werdoo soll,
aber nicht, wer entscheiden soll. Auf die inhaltliche Richtigkeit
könnte sich jeder berufen, wenn es keine letzte Instanz gäbe.
Die letzte Instanz ergibt sich aber nicht aus der Entscheidungs-
norm. Demnach ist die Frage die nach der Kompetenz; eine
Frage, die sich aus der inhaltlichen Rechtsqualität eines Satzes
heraus nicht einmal erheben, viel weniger beantworten läßt.
Kompetenzfragen damit zu beantworten, daß auf das materielle
hingewiesen wird, heißt, einen zum Narren halten.
- Es gibt vielleicht zwei Typen juristischer Wissenschaftlichkeit,
die man danach bestimmen kann, wie weit ein wissenschaftliches
Bewußtsein von der normativen Eigenheit der rechtlichen Ent-
scheidung besteht oder nicht. Der klassische Vertreter des (wenn
ich dies Wort bilden darf) dezisionistischen Typus ist Hobbes.
Aus der Eigenart dieses Typus erklärt es sich auch, daß er, und
nicht der andere Typus, die klassische Formulierung der
Antithese gefunden hat: Autoritas, non veritas facit Iegern
(Leviathan, Kap. 26). Die Antithese von autoritas und veritas ist
radikaler als Stahls Gegenüberstellung\Ailtorität,
nichf Majoritätl Hobbes hat auch ein entscheidendes Argument
vorgebracht, welches den Zusammenhang dieses DezisiO'Ilismus
mit dem Personalismus enthält und alle Versuche, an die SteHe
der konkreten Staatssouveränität eine abstrakt geltende Ordnung
zn setzen, ablehnt. Er erörtert die Forderung, daß die staatliche
Gewalt der geistlichen Gewalt unterworfen sein muß, weil die
geistliche Gewalt eine höhere Ordnung sei. Auf eine solche Be-
gründung gibt er die Antwort: Wenn eine ,,Gewalt" (Power,
potestas) der andern unterworfen sein soll, so bedeutet das nur,
als Problem der Rechtsform und der Entscheidung
45
daß derjenige, der die Gewalt hat dem.. . d .
G alt h ' Jemgen, er die andere
ew at, unterworfen sein soll; he whi h h th h .
. b . . c a t e one Power
lS su Ject to lnm that hath the other D ß
U
· a mau von übe . d
nterordnun · h . I- un
. . . g spnc .t und srch gleichzeitig bemüht, abstrakt
blmben, Ist ihm unverständli h ( . zu
. . c "we cannot understand") F
SubJechon, Command, Right and p . . ,, or
Powers but of p " ower are acCidents, not of
. ersons ( cap. 42 ). Er illustriert das durch .
Jener Vergleiche, die er in der unbeirrten N" ht h . emen
d uc ern eit seines
gesun en Menschenverstandes so schlagend b . .
eine Gewalt oder Ordnun k . . anzu rmgen wmß:
. . . g ann emer andern so unterwoden
sem, ww die Kunst des Sattlers der des R 't
er ers unterworfe . t
aber das Wesentliche ist doch daß trot di ab n ls ;
1 't ' z eser · strakten Stuf.en-
m er von Ordnungen niemand daran denkt de . .
zeinen Sattler · d . . ' shalb den em-
Je em emzelnen Rmter zu unterwerfen und zurn
Gehorsam zu verpflichten.
Daß einer der 1
. wnsequentesten Vertreter der abst 1 t i\r
1 f l
. .ra <: en
WISsensc la trchkeit des I 7 J ah h d • -
· · r un erts so personalistisch · d
Ist auffallend. Es Prklärt s' 1 I d Wir '
, , Ic 1 a )er araus d ß 1 . . .
D I . b . ' a ., er a s Juristischer
en <:et e ensosehr ehe effektive Wirklichkeit d
liehen L b · es gesellschaft-
e ens Wie als Ph'l , 1 d
Denker die Wirklichk '. osop I un naturwissenschaftlicher
. . . dei Natur erfa.'lsen will D ß .
JUnshsche Wirklichkeit und Leb di 1 . . . a es emc
w· ·kr h1 . en g <.Clt gibt, die nicht die
u rc <.elt der natmwissenschaftlichen Reall'ta" t . b
I t · · zu sem raucht
Auch sind mathematischet:
mma Ismus nebeneinand . I
scheint öfters die er Wir <.sam Er
Einheit des Staates von J'edem h 1' b' .
gebene p kt e Ie Ig ge-
n un aus konstruieren zu können Ab d . . .
Denken war damals 1 . . er as JUnst.Ische
noc 1 mcht so vom naturwissenschaftlichen
'p' \
1
46 JT. Das der Sonverlinitiit nlR Prohlem d!w Tiechtsform
überwältigt, daß er bei der Intensität seiner
keit an der in der Rechtsform liegenden spezifischen Realität
des Rechtslebens ahnungslos hätte vorbeigehen können. Die Form,
die er sucht, liegt in der konkreten, von einer bestimmten In-
stanz ausgehenden Entscheidung. Bei der selbständigen Be-
deutung der Entscheidung hat das Subjekt der Entscheidung
eine selbständige Bedeutung neben ihrem Inhalt. Es kommt für
die Wirklichkeit des Rechtslebens darauf an, wer entscheidet
Neben der Frage nach der inhaltlichen Richtigkeit steht die Frage
. nach der Zuständigkeit. In dem Gegensatz von Subjekt und In-
halt der Entscheidung und in der Eigenbedeutung des
liegt das Problem der juristischen Form. Sie hat nicht die aprio-
rische Leerheit der transzendentalen Form; denn sie entsteht ge-
rade aus dem juristisch Konkreten. Sie ist auch nicht die Form
der technischen P rüzision; denn diese hnt ein wesentlich sach-
liches, unpersönliches Zweckinteresse. Sie ist endlich auch nicht
die Form der ästhetischen Gestaltung, die eine Dezision nicht
kennt.
IH.
Politisme 'fheologie
Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind sä-
_t-'\_kularisierte theologische Begriffe. Nicht nur ihrer histo-
rischen Entwicklung nach, weil sie aus der Theologie auf die
Staatslehre übertragen wurden, indem zum Beispiel der all-
mächtige Gott zum omnipotenten Gesetzgeber wurde, sondern
auch in ihrer systematischen Struktur, deren Erkenntnis not-
wendig ist für eine soziologische Betrachtung dieser Begriffe.
Der Ausnahmezustand hat für die Jurisprudenz eine analoge Be-
1
1
deutungwie das Wunder für die Theologie. Erst in dem Bewußt-
~ solcher analogen S!ellung läßt sich die Entwicklung er- I
kennen, welche die staatsphilosophischen Ideen in den letzten
Jahrhunderten genommen haben. Denn die Idee des modernen
Hechtsstaates setzt sich mit dem Deismus durch, mit einer Theo-,
.........--·-- - --. . - --- '- ~ \\ j
logie und Metaphysik, die das Wundet' aüs-der Welt verweist und \
-die im Begriff des Wunders enthaltene, durch ein-en unmittel-
baren Eingriff eine Ausnahme statuierende Durchbrechung der
Naturgesetze ebenso ablehnt wie den unmittelbaren Eingriff des
Souveräns in die geltende Rechtsordnung. Der Rationalismus der
Aufklärung verwarf den Ausnahmefall T ~ - - jf;lder Form. Die,
theisti&che Überzeugung der konservativen Schriftsteller der
Gegenrevolution konnte daher versuchen, mit Analogien aus
einer theistischen Theologie die persönliche Souveränität des
Monarchen ideologisch zu stützen.
Seit langem habe ich auf die fundamentale systematische und
methodische Bedeutung solcher Analogien hingewiesen (Der
4 S eh ml tt, Politlsc,he Theologie
': \
\ '
50
III. Politische Theologie
Wert des Staates, I9I4; Politische Romantik, I9I9; Die
) E
. ausführliche Darlegung der Bedeutung, dw
tatur, I 92 I . me
d B
'ff d Wunders in diesem Zusammenhange hat, muß
er egn es
. h . f" m' e andere Stelle vorbehalten. interessiert
1C m1r ur e
. 't d' r Zusammenhang für eine juristischer
w1e we1 1ese
Begriffe in Betracht kommt. Die Ver-
cl ti
. Analogien findet s1ch bm den katholiSchen
wertung erar ger .
Staatsphilosophen der Gegenrevolution, bei Bonald, de
und Donoso Cortes. Bei ihnen ist auch auf den ersten zu
1
l daß es sich um eine begrifflich klare, systematiSche
er wnnen, .
Analogie und nicht um irgendwelche mystischen,
sophischen oder gar romantischen Spielereien handelt, dte, Wie
für alles andere, so natürlich auch für Staat und
bunte Symbole und Bilder finden. Die klarste philosopbtsche
Äußerung über jene Analogie steht aber in der Nova
(§§ 4, 5) von Leibniz. Er lehnt die Vergleichung Junspru.denz
. d M d' 'n ·•nd der Mathematik ab, um dw systematische
mit er e 1z1 u
Verwandtschaft mit der Theologie zu betonen: "Merito
1 T
beoloma ad J urisprudentiam transtuhmus,
nostrae exemp um a o- .
quia mira est utriusque Facultatis .haben em
duplex principium, die ratio (daher gibt es eme Theo-
logie und eine natül'lliche Jurisprudenz) und dle scnptura, das
heißt ein Buch mit positiven Offenbarungen und Anordnungen.
Adolf Menzel hat in einem Aufsatz "Naturrecht und Sozio-
logie" (Wien I 9 I 2) bemerkt, daß heute die Soziologie Funk-
tionen übernommen hat, die im I 7· und I 8. Jahrhundert das
Naturrecht ausübte, nämlich Gerechtigkeitsforderungen, ge-
i scbichtsphilosophische Konstruktionen oder Ideale nuszudrücken.
III. Politische Theologie
Er scheint zu gla,uben, daß die Soziologie dadlU'ch der JlU'is-
prudenz, die positiv geworden sein soll, unterlegen ist, und sucht
zu zeigen, daß alle bisherigen soziologischen Systeme darin enden,
daß sie "politische Tendenzen mit dem Schein der Wiss·enschaft-
licbkeit" versehen. Wer sich aber die Mühe gibt, die staatsrecht-
liche Literatur der positiven Jurisprudenz auf ihre letzten Be-
griff·e und Argumente zu untersuchen, siebt, daß an allen SteHen
der Staat eingreift, bald wie ein deus ex macbina im der
positiven Gesetzgebung eine Kontroverse entscheidend, welche die
freie Tat der juristischen Erkenntnis nicht zu einer allgemein
einleuchtenden Löstmg führen konnte, bald als cJ.er Gütige und
Barmherzige, der durch Begnadigungen und Amnestien seine
Überlegenheit über seine eigenen Gesetze beweist; immer dieselbe
unerklärliche Identität, als Gesetzgeber, als Exekutiv·e, als Polizei,
als Gnadeninstanz, als Fürsorge, so daß einem Betrachter, der
sieb die Mühe nimmt, das Gesamtbild der heutigen Jurisprudenz
aus einer gewissen Distanz auf sich wirken zu lassen, ein großes
Degen- und Mantelstück erscheint, in welchem der Staat unter
vielen Verkleidungen, aber als immer dieselbe unsichtbare Person
agiert. Die des modernen Gesetzg.ebers, von der
man in jedem Lehrb-uch des Staatsrechts hört, nicht nu;
sprachlich aus der Theologie hergeholt. Aber auch in den Einzel-
heiten der Argumentation tauchen theologische Reminiszenzen auf.
Meistens natürlic.h in polemischer Absicht. Im
Zeitalter macht man seinem wissenschaftlichen Gegner gern den
Vorwurf, daß er Theologie oder Metaphysik treibe. Wenn der
Vorwurf mehr als eine bloße Beschimpfung sein soll, hätte
wenigstens die Frage naheliegen können, woher die Neigung zu
4*
'\
52
Ill. Politische Theologie
solchen theologischen und metaphysischen Entgleisungen eigent-
lich stammt; man hätte untersuchen müssen, ob sie historisch zu
erklären sind, vielleicht als Nachwirkung der monarchistischen
Staatslehre, die den theistischen Gott mit dem König identifi-
zierte, oder ob ihnen vielleicht systematische oder methodische
Notwendigkeiten zugrunde liegen. Ich gebe g•ern zu, es .J u-
risten gibt, bei denen aus einer Unfähigkeit, widersprechende
Argumente oder Einwendungen gedanklich zu dm:
Staat mit einer Art Kurzschluß des Denkens erschemt, wtc bct
gewissen Metaphysikern der Name Gottes für solche miß-
braucht wird. Aber damit ist die sachliche Frage noch mcht be-
antwortet. Bisher hat man sich im allgemeinen nur mit bei-
läufigen Andeutungen begnügt. Hänel hat in der Schrift über
das Gesetz im formel•len und materiellen Sinne (S. I 5o) di311
alten Einwand vorgebracht, es sei "Metaphysik", wegen der not-
wendigen Einheitlichkeit und Planmäßigkeit alles staatlichen
Willens (welche notwendige Einheitlichkeit und t
er also keineswegs bestreitet) die v,ereinigung aller staatlichen
Funktionen in einem einzigen Organ zu fordern. Preuß (in der
Festgabe für Laband I go8, II, S. 2 36) sucht seinen genossen-
schaftlichen Staatsbegriff ebenfalls dadurch zu verteidigen, Jaß
er den Gegner ins Theologische und Metaphysische drängt: der
Souveränitätsbegriff der Staatslehre von Laband und Jellinek und
die Theorie von der "alleinigen Herrschergewalt des Staates"
macht aus dem Staat ein abstraktes Quasi-Individuum, ein "uni-
euro sui generis", mit ihrem durch "mystische Erzeugung" ent-
standenen Herrschaftsmonopot Das ist nach Preuß eine
stische Verkleidung des Gottesgnadentums, die "Viederholung der
III. Politische Theologie
53
Lehreu Maurenbrechers mit der Modifikation, daß an die Stelle
der religiösen die juristische Fiktion gesetzt wird. Während
solchermaßen ein Vertreter der organischen Staatslehre seinem
Gegner den Einwand macht .. daß er theologisiere, bringt Bernatzik
in seinen kritischen Studien über den Bngriff der juristischen
Person (Arch. d. öffentl. Rechts, V., 18go, S. 210, 226, 2tr4)
umgekehrt den Einwand gemde gegen die organische Staatslehre
vor und sucht eine Ansicht von Stein, Schulze, Gierke und Preuß
mit der höhnischen Bemerkung zu erledigen: Wenn die Organe
der Gesamtpersönlichkeit wiederum Personen sein sollen, dann
wäre jede Verwaltungsbehörde, jedes Gericht usw. eine juristische
Person und doch der Staat als Ganzes ebenfalls wieder eine
einzige solche juristische Person. "Dagegen gehalten wäre ja der
Versuch, das Dogma der Dreieinigkeit zu begreifen, eine Kleinig-
keit." Auch die Meinung Stobbes, daß die Gesamthänderschaft
eine juristische Person sei, tut er ab mit dem Satz, "derlei aber-
mals an das Dogma von der Dreieinigkeit erinnernde Wendungen"
verstehe er nicht. Er selber sagt freilich: "Schon in dem Begriff
der Rechtsfähigkeit liegt es, daß die Quelle derselben, die staat-
liche Hechtsordnung, sich selbst als Subjekt allen Rechts, mithin
als juristische Person, setzen muß." Dieses Sich-selber-Setzen
ist ihm anscheinend so einfach und plausibel, daß er eine ab-
weichende Meinung "nur als Kuriosität" erwähnt, ohne sich zu
fragen, warum es in höherem Maße logische Notwendigkeit sein
soll, daß die Quelle der Rechtsfähigkeit, nämlich die Rechts-
ordnung, und zwar die staatliche Rechtsordnung, sich selbst als
Produkt setzt, als wenn Stahl sagt, daß immer nur eine Person
der Grund einer anderen Person sein könne.
54.
III. Politische Theologie
Kelsen hat das Verdienst, seit I 9 2 o mit dem ihm eigenen
Akzent auf die methodische Verwandtschaft von Theologie und
Jurisprudenz hingewiesen zu haben. In seiner letzten Schrift über
den soziologischen und den juristischen Staatsbegriff führt er ein•e
Menge freilich diffuser Analogien an, die aber für eine tiefere
ideengeschichtliche Einsicht die innere Heterogenität seines er-
kenntnistheoretischen Ausgangspunktes nnd seines weltanschau-
ungsmäßigen, demokratischen Resultates erkennen lassen. Denn
seiner rechtsstaatliehen Identifikation von Staat und Rechts-
ordnung liegt eine Metaphysik zugrunde, die Naturgesetzlichkeit
und normative Gesetzlichkeit identifiziert. Sie ist aus ein·em aus-
schließlich naturwissenschaftlichen Denken entstanden, beruht
auf der Verwerfung aller "Willkür" und sucht jede Ausnahme
aus dem Bereich des menschlichen Geistes zu verweisen. In
der Geschichte jener Parallele von Theologie und Jurisprudenz
findet eine solche Überzeugung ihren Platz am besten wohl bei
J. St. Mill. Auch er betonte im Interesse der Objektivität und
aus Furcht vor Willkür die ausnahmslose Geltung jeder Art von
Gesetzen, aber er nahm wohl nicht - wie Kels·en - an, daß
die freie Tat der juristischen Erkenntnis aus jeder beliebigen
positiv·en Gesetzesmasse den Kosmos ilues Systems g•estalten
könne; denn dadurch wird die Objektivität wieder aufgehoben.
Ob der bedingungslose Positivismus sich unmittelbar an das ihm
zugeworfene Gesetz hält, oder ob er sich erst die Mühe gibt, ein
System herzustellen, sollte vor einer Metaphysik, di-e plötzlich
in das Pathos der Objektivität fällt, keinen Unterschied recht-
fertigen. Daß Kelsen, sobald er über seine methodologische Kritik
hinaus einen Schritt weiter geht, mit einem ganz naturwissen-
III. Politische Theologie 55
schaftliehen Ursachenbegriff operiert, zeigt sich am schönsten
darin, daß er glaubt, Humes und Kants Kritik des Substanz-
begriffes lassen sich auf die Staatslehre übertragen (Staa;sbegriff,
S. 208), ohne zu sehen, daß der Substanzbegriff des scholasti-
schen Denkens etwas ganz anderes ist als der des mathematisch-
naturwissenschaftlichen Denkens. Die Unterscheidung von Sub-
.stanz und Ausübung eines Rechts, die in der Dogmengeschichte
des Souveränitätsbegriffes eine fundamentale Bedeutung hat (ich
habe in meinem Buch über die Diktatur, S. 44, I05, 1 g4, darauf
hingewiesen), ist mit naturwissenschaftlichen Begriffen überhaupt
nicht zu erfassen und doch ein wesentliches Moment der juristi-
schen Argumentation. In der Begründung, die Kelsen sein·em Be-
kenntnis zur Demokratie gibt, spricht sich die konstitutionell
mathematisch-naturwissenschaftliche Art seines Denkens offen
aus (Arch. f. Soz.-W. 1920, S. 84): die Demokratie ist der
Ausdruck eines politischen Relativismus und einer wunder- und
.dogmenbefreiten, auf den menschlichen Verstand und den Zweifel
der Kritik gegründeten Wissenschaftlichkeit.
Für die Soziologie des Souveränitätsbegriffes ist es notwendig,
sich über die Soziologie juristischer Begriffe überhaupt klarzu-
werden. Jene systematische Analogie theologischer und juristi-
scher Begriffe wird hier deshalb hervorgehoben, weil eine Sozio-
logie juristischer Begriffe eine konsequente und radikale Ideo-
logie voraussetzt. Es wäre ein arges Mißverständnis, zu glauben,
darin liege eine spiritualistische im Gegoosatz zu ein.er materiali-
stischen Geschichtsphilosophie. Zu dem Satz, den Max Weber in
seiner Kritik der Stammlersehen Rechtsphilosophie ausgefühl't
hat, daß man einer radikal materialistischen Geschichtsphilosophie
l
I
56
III. Politische Theologie
. , , d'k l spiritualistische Geschichts-
'd l r eh eme l a l a
unw1 er eg
1
k" b' t t allerdinas die politische
. . enüberstellen onne, Ie e o .
ph1losoph1e geg . 't . e vortreffliche IllustratiOn.
o ie der Restauratwnszei em . . .
Theol g . .. S l 'ftsteller erklärten diC pohtl-
d' e enrevolutwnaren c In
Denn Ie g g . . :. d rung der vVdtanschanung und
.. d . ngen aus emer 1'-n e
sehen An Cl u
1
t' f die Philosophie der Auf-
"h die französische H.evo u IOn au .
fu rten . ll r\ntithese wenn radikale
.. k E war nur eme < are J '
klärung zuruc · s . .. . Dcnken der .\nde-
. "re um ekehrt ehe Anderung ll11
Hevolutwna g d .
1
Verhältnissen zureclmeten.
. d n olitischen un sozw en .
rung m e P J h ·h nderl<> war <'S em
h . den zwanziger Jahren des I 9· . a r u
Sc on m . F k . h verbreitetes Dogma, daf..
b d S 111
• ran rmc ,
in Westeuropa, eson er . . \nde-
'1 1 . h künstlerische und literansehe '
reliaiöse pht osop usc e, '
o ' . . d . 1 n Zuständen eng zusammt n-
. t ohhschen un sozw e .
rung·en mi p M . t' l n isL cheser
h=- . In der arx1s 1sc 1e .
angen. . Ö . , l ·adikalisierl und systematisch
Zusammenhang ms kononusc le I •
. d m auch für die politischen und sozialen
ernst genommen, m e im ökonomi-
Änderungen ein Zurechnungspunkt gesucht und .. ht
f J
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sehen ge un en wn . .. 1' h
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·eine isolierte Betrachtung 1 eo ogiS " kl 'd a ...
" S . elungen Ver ei unb en
'1 sie überall nur "Reflexe ' " pieg , ' " . h
wei . h B . h ngen sieht, also konsequent nut psyc o-
ökonomisc ·er ezie u . 'h l
d 'gstens m 1 rer vu-
1
. hen Erklärungen, Deutungen un ' wem .
og1sc b . t G . de wcg.en Ihres
't Verdächtigunaen ar mte. ma
aär·en Fassung, ml
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• • l'
o k . aber leicht in eine Irrahona 1-
. R t' 1' mus ann s1e
mass1ven a wna 1S ll D k
1 'l sie a es en en
stische Geschiehtsauffassung umsch agen, wel •
1 Funktion und Emanation vitaler Vorgänge auffaßt. Der
a s . . G orges Sorel hat auf
h ndika
listische Sozialismus von e
o-sy
III. Politische Theologie
57
diese Weise Bergsous Lebensphilosophie mit der ökonomischen
Geschiehtsauffassung von Marx zu verbinden gewußt.
Die spiritualistische Erklärung materieller Vorgänge und die
materialistische Erklärung geistiger Phänomene suchen beide
ursächliche Zusammenhänge zu ermitteln. Sie stellen erst einen
Gegensatz zweier Sphären auf und lösen dann, durch die Redu-
zierung des einen auf das andere, diesen Gegensatz wieder in ein
Nichts auf, ein Verfahren, das mit methodischer Notwendigkeit
zur Karikatur werden muß. Wenn Engels das kalvinistische
Dogma von der Prädestination als eine Spiegelung der Sinnlosig-
keit und Unberechenbarkeit des kapitalistischen Konkurrenz-
kampfes ansieht, so kann man ebensogut die moderne Relativi-
tätstheorie und ihren Erfolg auf die Valutaverhältnisse des
heutigen Weltmarkts reduzieren und hätte dann ihren ökonomi-
schen Unterbau gefunden. Es gibt einen Sprachgebrauch, der das
als Soziologie 'eines Begriffes oder einer Theorie bezeichnen
würde. Das kommt hier nicht in Betracht. Anders verhält es sich
mit der soziologischen Methode, die für bestimmte lde,en und
intellektuelle Gestaltungen den typischen P.ersonenkreis sucht,
der aus seiner soziologischen Lage heraus zu bestimmten ideo-
logischen Resultaten kommt. In diesem Sinne ist es Soziologie
juristischer Begriffe, wenn Max Weber die Diffevenzierung der
sachlichen Rechtsgebiete auf die Herausbildung geschulber
1\echtskundiger, beamteter Träger der RechtspHege oder Rechts-
honoratioren zurückführt (Rechtssoziologie, II, § I). Die sozio-
logische "Eigenart des Personenkreises, der sich berufsmäßig mit
der Hechtsgestaltung befaßt", bedingt gewisse Methoden und
Evidemen der juristischen Argumentation. Aber auch das ist noch
58
III. Politische Theologie
nicht Soziologie eines juristischen Begriffes. Ein begriffliches
Resultat auf den soziologischen Träger zurückzuführen, ist
Psychologie und Feststellung einer bestimmt.en der .Motivation
ll
. h Handelns Das ist allerdings em soz10logi.Sches Pro-
Jnensc 1 lC en .
blem, aber nicht das der Soziologie eines Begriff-es. Wird diese
Methode auf geistige Leistungen angewandt, so führt sie zu Er-
klärungen aus dem Milieu oder gar zu der geistreichen "Psycho-
logie", die man als Soziologie bestimmter Typen, des Büro-
kraten, des Anwalts, des staatlich angestellten Professors, kennt.
Sie würde zum Beispiel eine Soziologie des Hegeischen Systems
darin finden können, daß man es als die Philosophie des berufs-
mäßigen Dozenten bezeichnet, dem durch seine und
soziale Situation ermöglicht wird, sich mit kontemplativer Über-
legenheit des absoluten Bewußtseins bewußt zu werden, das
seinen Beruf als Dozent der Philosophie auszuüben; oder man
könnte die Kelsensche Jurisprudenz als die Ideologie des bei
wechselnden politischen Verhältnissen arbeitenden juristischen
Bürokraten betrachten, der unter den verschiedensten Herr-
schaftsformen, mit relativistischer Überlegenheit über die je-
weilige politische Macht, die ihm zugeworfenen positiven An-
-ordnungen und Bestimmungen systematisch zu verarbeiten sucht.
In ihrer konsequenten Manier ist das jene Art Soziologie, di.e man
.am besten der schönen Literatur zuweist, ein sozial-psychologi-
sches "Porträt", dessen Verfahren sich von der literarisch-geist-
vollen Kritik, etwa von Sainte-Beuve, nicht unterscheidet.
Etwas ganz anderes ist die Soziologie von Begriffen, die hier
vorgeschlagen wird und die einem Begriff wie dem der
Souveränität allein Aussicht auf ein wissenschaftliches Resultat
--------------------
III. Politische Theologie
59
daß, hinausgehend über die an den nächsten
tischen Interessen des Rechtslebens orientierte juristische Be-
>YTuu_,",_,..._..,u, die letzte, radikal systematische Struktur gefunden
. diese begriffliche Struktur mit der begrifflichen Verarbei-
tung der sozialen Struktur einer bestimmten Epoche verglichen
Ob das Ideelle der radil(alen Begrifflichkeit hier der Reflex
soziologischen Wirklichkeit ist, oder ob die soziale
als die Folge einer bestimmten Art zu denken
infolgedessen auch zu handeln aufgefaßt wird, kommt
nicht in Betracht. Vielmehr sind zwei geistige, aber
sulost;anl:ielle Identitäten nachzuweisen. Es ist also nicht So-
"''v-•v ... •v des Souveränitätsbegriffes, wenn beispielsweise die Mon-
des I 7· Jahrhunderts als dus Heale bezeichnet wird, das
im kartesianischen Gottesbegriff "spiegelte". Wohl aber ge-
es zur Soziologie des Souveränitätsbegriffes jener Epoche,
zeigen, daß der historisch-politische Bestand der Monarchie
gesamten damaligen Bewußtseinslage der westeuTopäischen
entsprach und die juristische Gestaltung der histo-
Wirklichkeit einen Begriff finden konnte,
Struktur mit der Struktur metaphysischer Begriffe über-
. ""''"u
1
•umle. Dadurch erhielt die MonM·chie für das Bewußtsein
ener Zeit dieselbe Evidenz, wie für eine spätere Epoche die De-
. Voraussetzung dieser Art Soziologie juristischer Be-
e ist also radikale Begrifflichkeit, das heißt eine bis zum
und zum Theologischen weitergetriebene Kon-
z. Das metaphysische Bild, das sich ein bestimmtes Zeit-
von der Welt macht, hat dieselbe Strulüur wie das, was
als Form ihrer politischen Organisation ohne weiteres em-
60
III. Politü;chc Theologie
leuchtet. Die Feststellung einer solchen Identität it>t die Sozio-
logie des Souveränitätsbegriffes. Sie beweist, daß in der Tat, wie
Edward Caird in seinem Buch über Auguste Comte gesagt hat, die
Metaphysik der intensivste und klarste Ausdruck einer Epoche ist.
»lmiter les decrets immuables de la Divinite« war das Ideal
staatlichen Rechtslebens, das dem Rationalismus lles I 8. Jahr-
hunderts ohne weiteres einleuchtete. Bei Rousseau, in dessen Auf-
satz "E.conomie politique" sich dieser Ausspruch findet, ist die
Politisierung theologischer Begriffe gerade beim Souveränitäts-
begriff so auffällig, daß sie wohl kaum einem wirklichen
Kenner seiner politischen Schriften entgangen ist. Boutmy (An-
nales des sciences politiques I go 2, p. 4 1 8) sagt: »Rousseau
applique au souverain l'idee que les philosophes se font de Dieu:
il peut tout ce qu'il veut; mais il ne peut vouloir le mal«
Daß der Monarch in der Staatslehre des I 7· Jahrhunderts
Gott identifiziert wird und im Staat die genau analoge
hat, die dem Gott des kartesianischen Systems in der Welt
kommt, hat Atger (Essai sur l'histoire des doctrines du
social xgo6 S. x36) bemerkt: »Le prince developpe toutes
virtualites de l'Etat par une sorte de creation continuelle. Le
est le Dieu cartesien transpose dans le monde politique.« Dafür
daß hier zunächst psychologisch (für einen Phänomenologen
auch phänomenologisch) eine vollkommene Identität durch
metaphysischen, politischen und soziologischen V
hindurchgeht und den Souverän als eine persönliche Einheit
letzten Urheber postuliert, gibt die schöne Erzählung des
cours de la methode ein außerordentlich lehrreiches B
Sie ist ein Dokument des neuen rationalistischen Geistes, der
III. Politische Theologie
61
allen Zweifeln eine Beruhigung darin findet, unbei'lTt seinen Ver-
stand zu gebrauchen: j'etais assure d'user en tout de ma raison.
Aber was ist das Erste, das dem plötzlich zum Nachdenken sich
sammelnden Geist einleuchtet? Daß die Werke, die von mehreren
Meistern geschaffen wurden, nicht so vollkommen sind \'\rie die
andern, an denen ein einziger hat. "Un seul architecte"
muß ein Haus und eine Stadt bauen; die besten Verfassungen sind
das 'Verk eines einzigen klugen legislateur, sie sind "inven tees
par un seul", und schließlich: ein einziger Gott regiert die Welt.
Wie Descarles einmal an Mersenne schreibt: c' est Dien qui a etabli
ces lois en nature ainsi qu'un roi etablit les lois en son royaume.
Das I 7· und I8. Jahrhundert war YOn dieser Vorstellung be-
herrscht; das ist, abgesehen von der dezisionistischen Art.
enkens, einer der Gründe, warum Hobbes trolz Nominalismus
und NaLurwissenschaftlichkeit, trotz seiner Vernichtung des In-
diYidumns zum Atom, doch personalistisch bleibt und eine letzte
konkrete entscheidende Instanz postuliert, und auch seinen Staat,
den Leviathan, zu einet· ungeheuren Person geradezu ins Mytho-
"""'"'""'ue steigert. Das Ü;t bei ihm kein Anthropomorphismus;
war er wirklich frei, sondern eine methodische und sy:-;te-
. ehe Notwendigkeit seines juristischen Denkens. Das Bild
vom Architekten und Welthaumeister enthält allerdings die Un-
'L des Kausalitätsbegriff:-;. Der 'Veltbaumeis,ter ist gleich-
Urheberund Gesetzgeber, das heißt legitimi€'!.'ende Autori-
tät. Während der ganzen Aufklärung bis zur framösischen Re-
lion is l ein solcher 'Velt- und Staatsbaumeister der "legis-
'
Seit dieser Zeit dringt die Konsequenz des ausschließlich natm:-
62
III. Politische Theologie
wissenschaftlichen Denkens auch in den politischBn Vorstellungen
durch und verdrängt das wesentlich juristisch..,.ethische Denken,
das in der Aufklärung noch vorherrschte. Die generelle Geltung·
eines Rechtssatzes wird mit der ausnahmslos geltenden Natux-
gesetzlichkeit identifiziert. Der Souverän, der im deistischen
Weltbild, wenn auch außerhalb der Welt, so doch als Monteur
der großen Maschine geblieben war, wird radil(al verdrängt. Die
Maschine läuft jetzt von selbst. Der metaphysische Satz, daß Gott
nul' generelle, nicht partikulare Willensäußerungen von sich gibt,
beherrscht die Metaphysik von Leibniz und Malebranche. Bei
Rousseau wird die volonte generale identisch mit dem Willen des
Souveräns; gleichzeitig aber erhält der Begriff des Generellen
auch in seinem Subjekt eine quantitative Bestimmung, das heißt
das Volk ,vird zum Souverän. Dadurch geht das dezisionistische
und personalistische Element des bisherigen Souveränitäts-
begriffes verloren. Der Wille des Volkes ist immer gut, le peuple
est toujours vertueux. »De quelque maniere qu'une nation
veuille, il suffit qu' elle veuille; toutes les form es sont bonnes
et sa volonte est toujours la loi supreme« (Sieyes). Aber die Not-
wendigkeit, aus der heraus das Volk immer das Richtige will,
war eine andere als die Richtigkeit, welche die Befehle des persön-
lichen Souveräns auszeichnete. Die absolute Monarchie hatte in
1. dem Kampf widerstreitender Interessen und Koalitionen die E n t ~
l scheidung gegeben und dadurch die staatliche Einheit begründet.
Die Einheit, die ein Volk darstellt, hat nicht diesen dezisionisti-
1 sehen Charakter; sie ist eine organische Einheit, und mit dem
I
Nationalbewußtsein entstehen die Vorstellungen vom organi-
. sehen Staatsganzen. Dadmch wird der theistische wie der de-
III. Politische Theologie
63
istische Gottesbegriff für die politische Metaphysik unverständ-
lich. Zwar bleiben noch eine Zeitlang die Nachwi;lmngen der
Gottesvorstellung erkennbar. In Amerika wird das zu dem ver-
nünftig-pragmatischen Glauben, daß die Stimme des Volkes
Gottes Stimme sei, ein Glaube, der J effersons Sieg von I So I zu-
grunde liegt. Tocqucville sagte noch in seiner Schilderung der
amcrilwnischen Demokratie, im demokratischen Denken schwebe
das Volk über dem ganzen staatlichen Leben wie Gott über der
'Velt, als Ursache und Ende aller Dinge, von dem alles ausgeht
und zu dem alles zurückkehrt. Heute dagegen kann ein bedeu-
tender Staatsphilosoph wie Kelsen die Demokratie als den Aus-
druck relativistischer, unpersönlicher Wissenschaftlichkeit auf-
fassen. Das entspricht in der Tat der Entwicklung, die sich in
der politischen Theologie und Metaphysil( des 1 g. Jahrhunderts
durchgesetzt hat.
Zu dem Gottesbegriff des q. und 18. Jahrhunderts gehört
die Transzendenz Gottes gegenüber der Welt, wie eine Tran-
szendenz des Souveräns gegenüber dem Staat zu seiner Staats-
philosophie gehört. Im 1 9· J uhrhundert wird in immer weiterer
Ausdehnung alles von Immanenzvorstellungen beherrscht. Alle
die ldentitäten, die in der politischen m1d staatsrechtlichen Dok-
tein des I 9· Jahrhunderts wiederkehren, beruhen auf solchen lm-
manenzvorstellungen: die demokratische These von der Identität 0 I
der Regierenden mit den Regierten, die organische Staatslehre
und ihre Identität von Staat und Souveränität, die rechtsstaatliche
Lehre Krabbes und ihre Identität von Souveränität und Rechts-
ordnung, endlich Kelsens Lehre von der Identität des Staates
mit der Rechtsordnung. Nachdem die Schriftsteller der Restau-
64
III. Politische Theologie
rationszeit zuerst eine politische Theologie entwickelt hatten,
richtete sich der ideologische Kampf der radikalen Gegner aller
bestehenden Ordnung mit steigendem Bewußtsein gegen den
Gottesglauben überhaupt als gegen den extremsten fundamen-
talen Ausdruck des Glaubens an eine Herrschaft und an eine
Einheit. Unter dem deutlichen Einfluß von Auguste Comte hat
Proudhon den Kampf gegen Gott aufgenommen. Bakunin hat ihn
mit einer skythischen ·wucht fortgesetzt. Der Kampf gegen die
überlieferte Religiosität hat selbstverständlich sehr verschiedene
politische und soziologische Mo live: die konservative Haltung des
kirchlichen Christentums, das Bündnis von Thron und Altar, der
Umstand, daß so viele große Schriftsteller "deklassiert" waren,
daß im 19. Jahrhundert eine Kunst und Literatur entstand, deren
geniale Vertreter wenigstens in entscheidenden Epochen ihres
o<..__ Lebens von der bürgerlichen Ordnung ausgespieen wurden, alles
das ist in den soziologischen Einzelheiten bei weitem noch nicht
el'kannt und gewürdigt. Die große Linie der Entwicklung geht
zweifellos dahin, daß bei der Masse der GebildeLen alle Vorstel-
lungen yon Transzendenz untergehen und ihnen entweder ein
mehr oder weniger klarer Immanenz-Pantheismus oder aber eine
positivistische Gleichgültigkeit gegen jede Metaphysik evident
wird. Soweit die Immanenz-Philosophie, die ihre großartigste
systematische Architektur in Hegels Philosophie gefunden hat,
den Gottesbegriff beibehält, bezieht sie Gott in die \IV elt ein und
läßt sie das Recht und den Staat aus der Immanenz des Objek-
tiven hervorgehen. Bei den exh·emsten Radileuleu wurde ein kon-
l sequenter Atheismus herrschend. Die deutschen Links-Hegelianer
waren sich dieses Zusammenhanges am meisten bewußt. Daß die
III. Politische Theologie 65
Menschheit an die Stelle Gottes treten mußte, haben sie nicht
weniger entschieden ausgesprochen wie Proudhon. Daß ·dieses
Ideal einer sich ihrer selbst bewußt werdenden Menschheit in
einer anarchistischen Freiheit enden müsse, haben Marx und
Engels niemals verkannt. Von größter Bedeutung gerade wegen
seiner intuitiven Jugendlichkeit ist hier ein Ausspruch des jungen
Engels aus den Jahren I842-44 (Schriften aus der Frühzeit,
herausgegeben von G. Mayer, 1920, S. 281): "Das Wesen des
Staates wie der Religion ist die Angst der Menschheit vor sich
selber."
Von dieser Art ideengeschichtlicher Betrachtung aus gesehen,
zeigt die staatstheoretische Entwicklung des xg. Jahrhunderts
zwei charakteristische Momente: die Beseitigung aller theistischen
und transzendenten Vorstellungen ood die Bildung eines neuen
Legitimilätsbegriffes. Der überlieferte Legitimitätsbegriff verliert
offenbar alle Evidenz. Weder die privatrechtlich-patrimoniale
Fassung der Restaurationszeit, noch die Fundier·un,g auf ein ge-
fühlsmäßiges, pietätvolles Atlachement halten dieser Entwick-
lung stand. Seit I 848 wird die Staatsrechtslehre positiv und ver-
birgt gewöhnlich hinter diestim Wort ihre oder aher
sie gründet in den verschiedensten Umschreibungen alle Gewalt
auf den pouvoir constiluant des Volkes, das heißt: an die Stelle
des monarchistischen tritt der demokratische Legitimilätsgedanke.
Es ist daher ein Vorgang von unermeßlicher Bedeutung, daß
einer der größten Repräsentanten dezisionistischen Denkens und
ein katholischer Staatsphilosoph, der sich mit großartigem Radi-
kalismus des metaphysischen Kernes aller Politik bewußt war,
Donaso Cortes, im Anblick der Revolution von 1848 zu der Er-
5 So h rn I t t, Politische Theologie
66 III. Politische Theologie
kenntnis kam, daß die Epoche des Royalismus zu Ende ist. Es
gibt keinen Hoyalismus mehr, weil es keine Könige mehr gibt.
" Es gibt daher auch keine Legitimität im überlieferten Sinne.
Demnach bleibt für ihn nur ein Resultat: die Diktatur. Es ist das
Resultat, zu dem auch Hobbes gekommen ist, aus derselben, wenn
auch mit einem mathematischen Relativismus vermischten Kon-
sequenz dezisionistischen Denkens. Autoritas, non veritas facit
legem.
Eine ausführliche Darstellung dieses Dezisionismus und eine
eingehende Würdigung von Donaso Cortes gibt es noch nicht.
Hier kann nur darauf hingewiesen werden, daß die theologische
Art des Spaniers ganz in der Linie mittelalterlichen Denkens
bleibt, dessen Struktur juristisch ist. Alle seine Perzeptionen, alle
seine Argumente sind so bis ins letzte Atom juristisch, daß er der
mathematischen Naturwissenschaftlichkeit des 1 9· Jahrhunderts
mit derselben Verständnislosigkeit gegenübersteht wie diese Natur-
wissenschaftlichkeit dem Dezisionismus und der spezifischen
Schlüssigkeit jenes juristischen, in einer persönlichen Entschei-
dung kulminierenden Denkens.
IV.
Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
(De Maistre, Bonald, Donaso Cortes)
D
en deutschen Romantikern ist eine originelle Vorstellung
eigentümlich: das ewige Gespräch; N ovalis und Adam
Müller bewegen sich darin als der eigentlichen Realisierung ihres
Geistes. Die katholischen Staatsphilosophen, die man in Deutsch-
land Romantiker nennt, weil sie konservativ oder reaktionär
waren und mittelalterliche Zustände idealisierten, de Maistre, Bo-
nald und Donoso Cortes, hätten ein ewiges Gespräch wohl eher
für ein Phantasieprodukt von grausiger Komik gehalten. Denn
was ihre gegenrevolutionäre Staatsphilosophie auszeichnet, ist das
Bewußtsein, daß die Zeit eine Entscheidung verlangt, und mit
einer Energie, die sich zwischen den beiden Revolutionen von
I 789 und 1848 zum äußersten Extrem steigert, tritt der Begriff
der Entscheidung in den Mittelpunkt ihres Denkens. überall, wo
die katholische Philosophie des I 9· Jahrhunderts sich in geistiger
Aktualität äußert, hat sie in irgendeiner Form den Gedanken
ausgesprochen, daß eine große Alterna live sich aufdrängt, die
keine Vermittlung mehr zuläßt. No medium, sagt Newman, be-
tween ca!holicity and atheism. Alle formulieren ein großes Ent-
weder-Oder, dessen Rigorosität eher nach Diktatur klingt als nach
einem ewigen Gespräch.
Mit Begriffen wie Tradition und Gewohnheit und mit der Er-
kenntnis des langsamen geschichtlichen Wachstums kämpfte die
Restauration gegen den aktivistischen Geist der Revolution. Solche
Ideen konnten zu völliger Negation der natürlichen Vernunft und
zu einer absoluten moralischen Passivität führen, die es als böse
70 IV. Staatsphilosophie det Gegenrevolution
ansieht, überhaupt tätig zu werden. Theologisch ist der Traditio-
nalismus durch J. Lupus und den P. Chastel widerlegt worden,
vor diesem übrigens unter Hinweisen auf den "sentimentalisme
allemand", der die Quelle derartiger Irrtümer sein soll. Im letz-
ten Resultat bedeutete der extreme Traditionalismus tatsächlich
eine irrationalist.ische Ablehnung jeder intellektuell bewußten
Entscheidung. Trotzdem ist Bonald, der BegTünder des Traditio-
nalismus, weit entfernt von der Idee eines ewigen, sich von selbst
aus sich selbst entwickelnden Werdens. Sein Geist hat allerdings
eine andere Struktur als der von de Maistre oder gar Donoso
Cortes; oft zeigt er sich wirklich überraschend deutsch. Niemals
aber wird bei ihm der Glaube an die Tradition etwas wie Schel-
lings Naturphilosophie, Adam Müllers Mischung der Gegensätze
oder Hegels Geschichtsglaube. \Die Tradition ist für ihn die einzige
I Möglichkeit, den Inhalt zu gewinnen, den der metaphysische
Glaube des Menschen akzeptieren kann, weil der Verstand des
Einzelnen zu schwach und elend ist, um von sich aus die
heit zu erkennen. Welch ein Gegensatz zu jedem jener drei Deut-
schen offenbart sich in dem furchtbaren Bild, das den Weg der
Menschheit durch die Geschichte darstellen soll: eine Herde von
Blinden, geführt von einem Blinden, der sich an einem Stock
weitertastetl In Wahrheit enthalten auch die Antithesen und Di-
stinktionen, die er so liebt und die ihm den Namen eines Schola-
stikers eingetragen haben, moralische Disjunktionen, keineswegs
Polantäten der SeheHingsehen Naturphilosophie, die einen "In-
differenzpunkt" haben, oder bloß dialektische Negationen des ge-
schichtlichen Prozesses. »Je me trouve constamment entre deux
abimes, je marche toujours entre l'etre et le neant.« Es sind die
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
71
Gegensätze von Gut und Böse, Gott und Teufel, zwischen denen
auf Leben und Tod ein Entweder-Oder besteht, das keine Syn-
these und kein "höheres Drittes" kennt.
De Maistre spricht mit besonderer Vorliebe von der Souveräni-
tät, die bei ihm wesentlich Entscheidung bedeutet. Der Wert des
Staates liegt darin, daß er eine Entscheidung gibt, der Wert der
Kirche, daß sie letzte inappellable Entscheidung ist. Infallibili-
tät ist für ihn das Wesen der inappellablen Entscheidung und die
Unfehlbarkeit der geistlichen Ordnung mit der Souveränität der
staatlichen Ordnung wesensgleich; die beiden Worte Unfehlba.r-
keit und Souveräni1ät sind "parfaitement synonymes" (du Pape,
eh. 1). Jede Souveränität handelt, als wäre sie unfehlbar, jede
Regierung ist absolut - ein Satz, den ein Anarchist, wenn auch
aus ganz anderer Absicht, wörtlich ebenso hätte aussprechen
können. Die klarste Antithese, die in der ganzen Geschichte der
politischen Idee überhaupt auftritt, liegt in einem solchen Satz.
Alle anarchistischen Lehren, von Babeuf bis Bakunin, Kropotkin
und Otto Groß, drehen sich um das eine Axiom: le peuple est bon
et le magistrat corruptible. De Maistre dagegen erklärt gerade
umgekehrt die Obrigkeit als solche für gut, wenn sie nur besteht:
tout gouvernement est bon lorsqu'il est etabli. Der Grund liegt
darin, daß in ein,e.r Qhrigkeitlichen Autorität
und die Entscheidung wiederum als solche
wertvoll ist, weil es gerade in den wichtigsten Dingen wichtiger
ist, daß entschieden werde, als wie entschieden wird. »Notre in-
n'est point, qu'une question soit decidee de teile ou teile
maniere, mais qu'elle le soit sans retard et sans appel.« In der
Praxis ist es für ihn dasselbe: keinem Irrtum unterworfen zu
'<
72 IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
sein und keines Irrtums angeklagt werden zu können; das Wesent-
liche ist, daß keine höhere Instanz die Entscheidung überprüft.
Wie der revolutionäre Radikalismus in der proletarischen Re-
volution von 1848 unendlich tiefer und konsequenter ist als in der
Revolution des dritten Standes von 1789, so steigerte sich auch im
'staatsphilosophischen Denken der Gegenrevolution die Inten-
sität der Entscheidung. Nur auf diese Weise kann die Entwick-
lung von de Maistre zu Donoso Cortes - von der Legitimität zur
Diktatur - begriffen werden. An der steigenden Bedeutung der
axiomatischen Thesen über die Natur des Menschen manifestiert
sich diese radikale Steigerung. Jede politische Idee nimmt irgend-
wie Stellung zur "Natur" des Menschen und setzt voraus, daß er
entweder "von Natur gut" oder "von Natur böse" ist. Mit päd-
agogischen oder ökonomischen Erklärungen kann man der Frage
nur scheinbar ausweichen. Für den Rationalismus der Auf-
klärung war der Mensch von Natur dumm und roh, aber erzieh-
bar. So rechtfertigte sich sein Ideal eines "legalen Despotismus"
aus pädagogischen Gründen: die ungebildete Menschheit wird er-
zogen von einem legislateur (der nach dem Cantrat social Raus-
seaus imstande ist, »de changer la nature de l'homme«), oder die
widerspenstige Natur wird bezwungen durch Fichtes "Zwing-
. herrn" und der Staat wird, wie Fichte mit naiver Brutalität sagt,
eine "Bildungsfabrik". Der marxistische Sozialismus hält die
Frage nach der Natur des Menschen deshalb für nebensächlich
und überflüssig, weil er glaubt, mit den ökonomischen und so-
zialen Bedingungen auch die Menschen zu ändern. Dagegen ist
für die bewußt atheistischen Anarchisten der Mensch entschieden
gut und alles Böse die Folge theologischen Denkens Wld seiner
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
73
Derivate, zu denen alle Vorstellungen von Autorität, Staat und
Obrigkeit gehören. Im Cantrat social, mit dessen staatstheore- \
tischen Konstruktionen de Maistre und Bonald sich hauptsäch-
lich beschäftigen, ist der Mensch noch keineswegs von Natur gut;
erst in Rousseaus spätern Romanen entfaltet sich, wie SeillißTe
vortrefflich nachgewiesen hat, die berühmte "rousseauistische"
These vom guten Menschen. Donoso Cortes dagegen stand (
· Proudhon gegenüber, dessen antitheologischer Anarchismus kon--:.:-
sequent von jenem Axiom hätte ausgehen müssen, während der
katholische Christ von dem Dogma der Erbsünde ausging. Aller-
dings hat er es polemisch radikalisiert zu einer Lehre von der
absoluten Sündhaftigkeit und Verworfenheit der menschlichen
Natur. Denn das tridentinische Dogma von der Erbsünde ist nicht
einfach radikal Es spricht, im Gegensatz zur lutherischen Auf-
fassung, nicht von Nichtswürdigkeit, sondern nu;r von einer Ent-
stellung, Trübung, Verwundung, und läßt die Möglichkeit zum
natürlich Guten durchaus bestehen. Der Abhe Gaduel, der Donoso
Cortes vom dogmatischen Standpunkt aus kritisierte, hatte daher
recht, wenn er gegen die Übertreibung der natürlichen Bosheit
und Nichtswürdigkeit des Menschen dogmatische Bedenken erhob.
Dennoch war es wohl ein Unrecht, zu übersehen, daß es sich für
Cortes um eine religiöse und politische Entscheidung von un-
geheurer Aktualität handelte, nicht um die Ausarbeitung eines
Dogmas. Wenn er über die natürliche Bosheit des Menschen
spricht, so wendet er sich polemisch gegen den atheistischen An-
archismus und dessen Axiom vom guten Menschen; er meint es
ciyul'ltltG)c; und nicht Boyp.oc't'tltwc;. Obwohl er hier mit dem Luthe-
rischen Dogma übereinzustimmen scheint, hat er doch eine
74 IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
andere Haltung als der Lutheraner, der sich jeder Obrigkeit
beugt; er behält auch hier die selbstbewußte Größe eines geistigen
Nachfahren von Großinquisitoren.
Freilich, was er über die natürliche Verworfenheit und Ge-
meinheit des Menschen sagt, ist schrecklicher als alles, was jemals
, eine absolutistische Staatsphilosophie zur Begründung eines
strengen Regiments vorgebracht hat. Auch de Maistre konnte
vor der Bosheit der Menschen erschrecken, und seine Äußerungen
über die Natur des Menschen haben die Kraft, die aus illusions-
loser Moral und einsamen psychologischen Erfahrungen kommt.
Bonald täuscht sich ebensowenig über die fundamental bösen In-
stinkte des Menschen und hat den unausrottbaren "Willen zur
Macht" so gut erkannt wie irgendeine moderne Psychologie. Aber
das verschwindet neben den Ausbrüchen von Donoso. Seine Verach-
tung der Menschen kennt keineGrenzen mehr; ihr blinder Verstand,
ihr schwächlicher Wille, der lächerliche Elan ihrer fleischlichen
Begierden scheinen ihm so erbärmlich, daß alle Worte aller
menschlichen Sprachen nicht ausreichen, um die ganze Niedrig-
keit dieser Kreatur auszudrücken. Wäre Gott nicht Mensch ge-
worden - das Reptil, das mein Fuß zertritt, wäre weniger ver_:
ächtlich .als ein Mensch; el reptil que piso oon mis pies, seria a mis
ojos menos despreciable que el hombre. Die Stupidität der Massen
ist ihm ebenso erstaunlich wie die dumme Eitelkeit ihrer Führer.
Sein Sündenbewußtsein ist universal, furchtbarer als das eines
Puritaners. Kein russischer Anarchist hat seine Behauptung, "der
Mensch ist gut", mit solcher elementaren Überzeugung aus-
gesprochen, wie der spanische Katholik die Antwort: Woher
weiß er, daß er gut ist, wenn Gott es ihm nicht gesagt hat? De
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
75
donde sabe que es noble si Dios no se lo ha dicho? Die Verzweif-
lung dieses Mannes, namentlich in den Briefen an seinen Freund,
den Grafen Raczynski, ist oft dem Wahnsinn nahe; nach seiner
Geschichtsphilosophie ist der Sieg des Bösen selbstverständlich
und natürlich und nur ein Wunder Gottes wendet ihn ab; die
Bilder, in denen sich sein Eindruck von der menschlichen Ge-
schichte objektiviert, sind voll Grauen und Entsetzen; die Mensch-
heit taumelt blind durch ein Labyrinth dessen E" A
, mgang, us-
gang und Struktur keiner kennt, und das nennen wir Geschichte
(Obras V, p. I 9 2); die Menschheit ist ein Schiff, das ziellos auf
dem Meer umhergeworfen wird, bepackt mit einer aufrühre-
rischen, ordinären, zwangsweise rekrutierten Mannschaft, die
gröhlt und tanzt, bis Gottes Zorn das rebellische Gesindel ins
Meer stößt, damit wieder Schweigen herrsche (IV,
102
). Aber das
typische Bild ist ein anderes: die blutige Entscheidungsschlacht, ..
die heute zwischen dem Katholizismus und dem atheistischen So-
zialismus entbrannt ist.
Es liegt, nach Donoso, im Wesen des bürgerlichen Liberalis-
mus, sich in diesem Kampf nicht zu entscheiden, sondern zu ver-
suchen, statt dessen eine Diskussion anzuknüpfen. Die Bour-
geoisie definiert er geradezu als eine "diskutierende
Klasse", una clasa discutidora. Damit ist sie gerichtet, denn
darin liegt, daß sie der Entscheidung ausweichen will. Eine Klasse,
die alle politische Aktivität ins Reden verlegt, in Presse und
ist einer Zeit sozialer Kämpfe nicht gewachsen.
lJberall erkennt man die innere Unsicherheit und Halbheit dieser
liberalen Bourgeoisie des Julikönigtums. Ihr liberaler Konstitu-
tionalismus versucht, den König durch das Parlament zu paraly-
c;.,
76
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
sieren, ihn aber doch auf dem Thron zu lassen, also dieselbe
Inkonsequenz, die der Deismus begeht, wenn er Gott aus der
Welt ausschließt, aber doch an seiner Existenz festhält (hier über-
nimmt Donoso von Bonald die unermeßlich fruchtbare Parallele
von Metaphysik und Staatstheorie). Die liberale Bourgeoisie will
also einen Gott, aber er soll nicht aktiv werden können; sie will
einen Monarchen, aber er soll ohnmächtig sein; sie verlangt
Freiheit und Gleichheit und trotzdem Beschränkung des Wahl-
rechts auf die besitzenden Klassen, um Bildung und Besitz den
nötigen Einfluß auf die Gesetzgebung zu sichern, als ob
Bildung und Besitz ein Recht gäben, arme und ungebildete
Menschen zu unterdrücken; sie schafft die Aristokratie des Blutes
und der Familie ab und läßt doch die unverschämte Herrschaft
der Geldaristokratie zu, die dümmste und ordinärste Form einer
Aristokratie; sie will weder die Souveränität des Königs noch die
des Vollces. Was will sie also eigentlich?
Die merkwürdigen Widersprüche dieses Liberalismus sind
nicht nur Reaktionären wie Donoso und F. J. Stahl und nicht nur
Revolutionären wie Marx und Engels aufgefallen. Vielmehr ist
der seltene Fall eingetreten, daß man einmal bei einem kon-
kreten politischen Tatbestand einen bürgerlichen deutschen Ge-
lehrten Regelscher Bildung mit einem spanischen Katholiken kon-
frontieren kann, weil beide - natürlich ohne gegenseitige Be-
einflussung - die gleichen Inkonsequenzen feststellen, um dann
durch ihre verschiedene Bewertung in einen Gegensatz von
schönster typischer Klarheit zu treten. Lorenz von Stein spricht in
seiner "Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich" aus-
führlich über die Liberalen: Sie wollen einen Monarchen, eine
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 77
persönliche Staatsgewalt also, einen selbstÄndigen Willen und eine
selbständige Tat, machen aber den König zum bloßen
organ und jeden seiner Akte von der Zustimmung des Ministe-
riums abhängig, nehmen also wieder eben jenes persönliche Mo-
ment; sie wollen einen König, der über den Parteien steht, der
also auch über der Volksvertretung stehen müßte, und bestimmen
gleichzeitig, daß der König nichts tun darf, als den Willen dieser
Volksvertretung auszuführen; sie erklären die Person des Königs
für unverletzlich und lassen ihn doch einen Schwur auf die Ver-
fassung leisten, so daß eine Verfassungsverletzung möglich, aber
doch nicht verfolgbar ist. "Kein menschlicher Scharfsinn", sagt
Stein, "ist scharf genug, um diesen Gegensatz begrifflich zu
.lösen." Bei einer Partei wie der liberalen, di,e sich gerade ihres
Rationalismus rühmt, muß das doppelt sonderbar sein. Ein
preußischer Konservativer wie F. J. Stahl, der in seinen Vorträgen
"über die gegenwärtigen Parteien in Staat und Kirche" ebenfalls
die vielen Widersprüche des konstitutionellen Liberalismus be-
handelt, hat eine sehr einfache Erldärung: der Haß gegen König-
tum und Aristokratie treibt den liberalen Bourgeois nach links;
die Angst um seinen durch radikale Demokratie und Sozialismus
bedrohten Besitz treibt ihn wieder nach rechts zu einem mächtigen
Königtum, dessen Militär ihn schützen kann; so schwankt er
zwischen seinen beiden Feinden und möchte beide betrügen. Ganz
anders die Erklärung von Stein. Er antwortet mit dem Hinweis
auf das "Leben" und vielen Widersprüchen
die Fülle des Lebens. Das "unlösliche Verschwimmen der feind-
lichen Elemente ineinander", das ist "eben der wahre Charakter
alles Lebendigen"; jedes Daseieode birgt seinen Gegensatz; "das
I
78 IV.· Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
pulsierende Leben besteht in der fortwährenden Durchdringung
der entgegengesetzten Kräfte; und in der Tat sind sie erst wirklich
entgegengesetzte, wenn ma,n sie aus dem Leben herausschneidet".
Dann vergleicht er die gegenseitige Durchdringung der
sätze mit dem Vorgang der organischen Natur und des persön-
lichen Lebens und sagt vom Staat, daß dieser ja auch persönliches
Leben habe. Es gehört zum Wesen des Lebens, immer neue Gegen-
sätze und immer neue Harmonien langsam aus sich selbst zu
schaffen usw. u.sw.
Solchen "organischen" Denkens waren de Maistre _wie Donoso
Cortes unfähig. De Maistre hat es bewiesen dUII.'ch seine totale
Verständnislosigkeit für Schellings Lebensphilosophie; Donoso
wurde von Entsetzen ergriffen, als er in Berlin im Jahre r84g
den Hegelianismus von Angesicht sah. Beide waren Diplomaten
und Politiker von großer Erfahrung und Praxis und haben genug
verständige Kompromisse geschlossen. Aber der systematische
und metaphysische Kompromiß war ihnen unfaßbar. Am ent-
scheidenden Funkt die Entscheidung Slllspendieren, indem man
leugnet, daß hier überhaupt etwas zu entscheiden sei, mußte
ihnen als eine seltsame pantheistische Verwirrung erscheinen.
J euer Liberalismus mit seinen Inkonsequenzen und Kom-
promissen lebt für Cortes nur in dem kurzen Interim, in dem
es möglich ist, auf die Frage: Christus oder Barrabas, mit einem
Vertagungsantrag oder der Einsetzung einer Untersuchungs-
kommission zu antworten. Eine solche Haltung ist nicht zu-
fällig, sondern in der liberalen Metaphysik begründet. Die Bour-
/' geoisie ist die Klasse der Rede- und Preßfreiheit und kommt
gerade zu diesen Freiheiten nicht aus irgendeinem beliebigen psy-
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
79
chologischen und ökonomischen Zustand, aus handelsmäßigem
Denken oder dergleichen. Man wußte längst, daß die Idee der
liberalen Freiheitsrechte aus den nordamerikanischen Staaten
stammt. vVenn in neuerer Zeit Georg Jellinek den nordamerika-
nischen Ursprung dieser Freiheiten demonstriert, so ist das eine
These, die den katholischen Staatsphilosophen (so wenig übrigens
wie Karl Marx, den Autor des Aufsatzes über die Judenfrage)
kaum überrascht hätte. Auch die ökonomischen Postulate,
Handels- und Gewerbefreiheit sind für eine entschieden ideen-
geschichtliche Untersuchung nur Derivate eines metaphysischen
Kerns. Donoso sieht in seiner radikalen Geistigkeit immer nur
die Theologie des Gegners. Er "theologisiert" keineswegs; keine
vieldeutigen, mystischen Kombinationen und Analogien, kein
orphisches Orakel; in den Briefen über aktuelle politische Fragen
eine nüchterne, oft grausame Illusionslosigkeit und keinerlei An-
wandlung von Donquichotterie; in den systematischen Gedanken-
gängen der V ersuch, zur Konzision der guten dogmatischen Theo-
logie zu gelangen. Daher ist seine Intuition in geistigen Dingen
oft frappant. Die Definition der Bourgeoisie als einer "Clasa
discutidora" und die Erkenntnis, daß ihre Religion in Rede- und
Preßfreiheit liegt, sind Beispiele dafür. Ich halte es nicht für
das letzte Wort über den gesamten, aber wohl für das erstaun-
lichste Aper<;u über den kontinentalen Liberalismus. Vor dem
System eines zum Beispiel - dessen typische Bedeu-
tung Wolzendorff, vielleicht aus verwandtem Geist, erkannt und
vortrefflich geschildert hat - muß man doch wirklich glauben,
das Ideal des politischen Lebens bestehe darin, daß nicht nur die
gesetzgebende Körperschaft, sondern die ganze Bevölkerung dis-
''
80 IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
kutiert, die menschliche Gesellschaft sich in einen ungeheuren
Klub verwandelt und die Wahrheit sich auf diese Weise durch
Abstimmung von selbst ergibt. Donoso hält das nur für eine
Methode, die Verantwortung zu umgehen und der Rede- und
Preßfreiheit eine übermäßig betonte Wichtigkeit zu geben, damit
man sich im letzten nicht zu entscheiden brauche. Wie der Libe-
ralismus in jeder politischen Einzelheit diskutiert und transigiert,
so. möchte er auch die metaphysische Wahrheit in eine Dis-
kussion auflösen. Sein Wesen ist Verhandeln, abwartende Halb-
heit, mit der Hoffn.ung, die definitive. die ··I
blutige Entscheidungsschlacht, könnte m eme
Debatte verwandelt werden und ließe sich durch eme ew1ge Dis-
kussion ewig suspendieren. ,
·Dikta .. tur ist der Gegensatz zu Es gehört zum De- ···\
zisionismus der Geistesart von Cortes, imme
1
r den extremen Fall ..
anzunehmen, das jüngste Gericht zu erwarten. Darum verachtet
er dieLiberalen, während er den atheistisch-anarchistischen So-
zialismus als seinen Todfeind respektiert und ihm eine diabolische
Größe gibt. In Proudhon glaubt er einen Dämon zu sehen.
Proudhon hat darüber gelacht und unter Anspielung auf die In-
quisition, als fühle er sich schon auf dem Scheiterhaufen, Donoso
zugerufen: allume! (Zusatz in den späteren Auflagen der Con-
fessions d'un Revolutionnaire.) Aber der Satanismus dieser Zeit
war doch keine beiläufige Paradoxie, sondern ein starkes, in-
tellektuelles Prinzip. Sein literarischer Ausdruck ist die Thron-
erhebung des Satans, des »Pere adoptif de ceux qu' en sa noire
colere, Du paradis terrestre a chasses Dieu le pere«, und des
IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
81
Brudermörders Kain, während Abel der Bourgeois ist, »chauffant
SOll ventre a SOll foyer patriarcal«.
Race de Cain, au ciel monte
Et sur la terre jette Dieu! (Baudelaire.)
Nur ließ sich diese Position nicht halten, denn sie enthielt zu-
nächst nur eine Vertauschung der Rollen von Gott und dem
Teufel. Auch ist Proudhon im Vergleich zu den spätern An-
archisten noch ein moralistischer Kleinbürger, der an der Auto-
rität des Familienvaters und am monogamen Familienprinzip
festhält. Erst Bakunin gibt dem Kampf gegen die Theologie die
ganze Konsequenz eines absoluten Naturalismus. Zwar will auch
er den "Satan verbreiten", und hält er das - im Gegensatz zu
Karl Marx, der jede Art Religion verachtete - für die einzige
wirkliche Revolution. Aber seine intellektuelle Bedeutung beruht
doch auf seiner Vorstellung vom Lehen, das kraft seiner natür-
lichen Richtigkeit die richtigen Formen von selbst aus sich selbst
schafft. Für ihn gibt es daher nichts Negatives und Böses als die
theologische Lehre von Gott und Sünde, die den Menschen zum
Bösewicht stempelt, um einen Vorwand für ihre Herrschsucht und
Machtgier zu haben. Alle moralischen Bewertungen führen zur
Theologie und zu einer Autorität, die ein fremdes, von außen
kommendes Sollen der natürlichen und immanenten Wahrheit
und Schönheit menschlichen Lebens künstlich oktroyiert, deren
Quelle Habsucht und Herrschgier ist und deren Ergebnis eine all-
gemeine Korruption bedeutet, sowohl derer, die die Macht
ausüben, als derer, über die sie ausgeübt wird. Wenn heute An-
archisten in der auf väterlicher Gewalt und Monogamie beruhen-
6 Schmitt, Politische Theologie
82 IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
den Familie den eigentlichen Sündenzustand sehen und die Rück-
kehr zum Matriarchat, dem angeblichen paradiesischen Ur-
zustande, predigen, so äußert sich darin ein stärkeres Bewußt-
sein der tiefsten Zusammenhänge als in jenem Lachen von Prond-
hon. Solche letzten Konsequenzen, wie die Auflösung der auf
väterlicher Gewalt beruhenden Familie, hat Donoso immer im
Auge, weil er sieht, daß mit dem Theologischen das Moralische,
tpit dem Moralischen die politische Idee verschwindet und jede
moralische und politische Entscheidung paralysiert wird in einem
paradiesischen Diesseits unmittelbaren, natürlichen Lebens nnd
problemloser »Leib«haftigkeit.
Heule ist nichts moderner als der Kampf gegen das Politische.
Amerikanische Finanzleute, industrielle Techniker, marxistische
Sozialisten und anarcho-syndikalistische Revolutionäre vereinigen
sich in der Forderung, daß die Unsachliche Herrschaft der Politik
über die Sachlichkeit des wirtschaftlichen Lebens beseitigt werden
müsse. Es soll nur noch organisatorisch-technische und ökono-
misch-soziologische Aufgaben, aber keine politischen Probleme
mehr geben.· Die heute herrschende Art ökonomisch-technischen
Denkens vermag eine politische Idee gar nicht mehr zu per-
zipieren. Der moderne Staat scheint wirklich das geworden zu
sein, was Max Weber in ihm sieht: ein großer Betrieb. Eine
politische Idee· wird im allgemeinen erst dann begriffen, wenn es
gelungen ist, den Personenkreis nachzuweisen, der ein plausibles
ökonomisches Interesse daran hat, sich ih.rer zu seinem Vorteil
zu bedienen. Verschwindet hier das Politische im Ökonomischen
oder Technisch-Organisatorischen, so zergeht es auf der andern
Seite in dem ewigen Gespräch kultur- und geschichtsphilo-
I V. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
83
sophischer Allgemeinheiten, die mit ästhetischen Charakteri-
sierungen eine Epoche als klassisch, romantisch oder barock
goutieren. In beidem ist der Kern der politischen Idee, die an-
spruchsvolle moralische Entscheidung, umgangen. Die aktuelle
Bedeutung jener gegenrevolutionäreil Staatsphilosophen aber liegt
in der Konsequenz, mit der sie sich entscheiden. Sie steigern das
Moment der Dezision so stark, daß es schließlich den Gedanken
der Legitimität, von dem sie ausgegangen sind, aufhebt. Sobald
Donoso Cortes erkannte, daß die Zeit der Monarchie zu Ende ist,
weil es keine Könige mehr gibt und keiner den Mut haben würde,
anders als durch den Willen des Volkes König zu sein, führte .
et· seinen Dezisionismus zu Ende, das heißt, er verlangte eine
politische Diktatur. Schon in den zitierten Äußerun o·cn von de
1::>
Maistre lag eine Reduzierung des Staates auf das Moment der
Entscheidung, konsequent auf eine reine, nicht räsonnierende und
nicht diskutierende, sich nicht rechtfertigende, also aus dem
Nichts geschaffene absolute Entscheidung.
Das ist aber wesentlich Diktatur, nicht Legitimität. Donoso war
überzeugt, daß der Augenblick des letzten Kampfes gekommen
war; angesichts des radikal Bösen gibt es nur eine Diktatur, unll
der legitimistische Gedanke der Erbfolge wird in einem solchen
Augenblick leere Hechthaberei. So konnten die Gegensätze von
Autorität und Anarchie in absoluter Entschiedenheit einander
gegenübertreten und die oben erwähnte klare Antithese bilden:
wenn de Maistre sagt, jede Hegierung ist notwendig absolut, so
sagt ein Anarchist wörtlich dasselbe; nur zieht er, mit Hilfe seines
Axioms vom guten Menschen nncl der korrupten Regierung, den
entgegengesetzten praktischen Schluß, d a f ~ nämlich eben deshalb
u•
84
·IV. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution
jede Regierung bekämpft werden müsse, weil jede Regierung
Dildatur ist. Jede Prätention einer Entscheidung muß für den
Anarchisten böse sein, weil das Richtige sich von selbst ergibt,
wenn man die Immanenz des Lebens nicht mit solchen Präten-
tionen stört. Freilich, diese radikale Antithese zwingt ihn, sich
selbst entschieden gegen die Dezision zu entscheiden; und bei dem
<Yrößten Anarchisten des 1 g. Jahrhunderts, Balmnin, ergibt sich
0
die seltsame Paradoxie, daß er theoretisch der Theologe des
Anti-Theologischen und in der Praxis der Diktator einer Anti-
Diktatur werden mußte.
V 01 44221 0 90
CARL SCHMITT
Verfassungslehre. 5., unveränderte Auflage. XX, 404 S. 1970. Ln.
DM 44,-.
Verfassungsrechtliche Aufsätze aus den Jahren 1924 -1954. 2. Auflage.
517 S. 1973. Ln. DM 68,-.
Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum.
2. Auflage. 308 S. 1974. Ln. DM 48,-.
Die Diktatur. 4. Aluflage. XXIII, 259 S. 1978. DM 48,-.
Der Hüter der Verfassung. 2., unveränderte Auflage. VIII, 159 S. 1969.
DM 18,60.
Politische Romantik. 3., unveränderte Auflage. 234 S. 1968. DM 29,60.
Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. 4. Auf-
lage. 90S. 1969. DM 9,80.
Politische Theologie II. Die Legende von der Erledigung jeder Politi-
schen Theologie. 126 S. 1970. DM 16,60.
Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei
CoroUarien. 124 S. 1963. DM 12,60.
Theorie der Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politi-
schen. 2., unveränderte Auflage. 96 S. 1975. DM 12,60.
Legalität und Legitimität. 2., unveränderte Auflage. 98 S. 1968.
DM 12,60.
Epirrhosis. Festgabe für Carl Schmitt zum achtzigsten Geburtstag.
Hrsg. von H. Barion, E.-W. Böckenförde, E. Forsthoff und W. Weber.
2 Bände. 794 S. 1968. Lw. DM 126,-.
DUNCKER & HUMBLOT I BERLII'l

Inhaltsübersicht
Seite

Vorbemerkung zur zweiten Ausgabe . . . . . . I. Kapitel. Definition der Souveränität . . . . . . . 11-'22 Souveränität und Ausnahmezustand S. 11/1'2. Der Souveränitätsbegriff bei Bodin und in der naturrechtliehen Staatslehre als Beispiel für die begriflli<he Verbindung von Souveränität und AusnahmezustandS. 13-18. lgnoriei·ung des Ausnahmefalles in der Doktrin des liberalen Re<h.tsstaates S. 18-22. Allgemeine Bedeutung des versmiedenartigen wissensrnafti!<nen-Intere:oiSes Regel (Norm) oder Aus-~llahme

S. '2'2.

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II. Kapitel. Das Problem der Souveränität als Prob I e m der Rechts f o r m u n d d er E n t s c h e i dun g. . Neuere S<hrnen zur Staatslehre: Kelsen, Krabbe, Wolzendorff S. 29-36. Die Eigenart der Red1tsform (gegenüber der te<hnis<hen oder ä.sthl·tis<hen Form), berii.lleil-aaliT<fe-r Dezision S. 36-43. Inhalt der Ents<h.eidunf.! und Subjekt der Ents<heidung und die selbständige Bedeutung der Entscheidung an sich S. 43-44. Hobbes als Beispiel "dezislonistismen" Denkens S. 44-46.

25-46

lll. Kapitel. Politische Theologie . . . . . . . . . . . 49-66 Theologls<he Vorstellungen in der Staatslehre S. 46-55. Soziologie jmistis<her Begriffe, insbesondere des Souveränitätsbegl'iffes S. 55-6o. Die Obereinstimmung der sozialen Struktur einer Epoche mit ihrem metaphysis<hen Weltbild, insbesondere Monar<hie und theistis<hes Weltbild S. 6o. Obergang von Transzendenzvorstellungen zur Immanenz vom 18. zum 19. Jahrhundert (Demokratie, organisme Staatslehre, Identität von Re<ht und Staat) S. 63-66. IV. Kapitel. Zur Staatsphi I o so p h i e der Gegen r e v o1u ti o n ( de Maistre, Bonald, Donoso Cortes) . . . . . . 67-84 Dezisionismus in der Staatsphilosophie der Gegenrevolution S. 69-71. Autoritäre und anarmistis<he Theorien auf der Grundlage des Gegensatzes der Thesen vom "nati.irlim bösen" und "nati.irlim guten" Mens<hen S. 71-74. Die Stellung der liberalen Bourgeoisie und deren Definition durm Donoso S. 75-80. ldeengesmi<htli<he Entwicklung von der Legitimität zur Diktatur S. S0-84.

UNIVEf-1:31TATSBIBLIOTHEK HEIDELBERG
Alle Rechte vorbehalten © 1979 Duncker & Humblot, Berlin 41 Unveränderter Nachdruck der 1934 erschienenen zweiten Auflage Gedruclü 1979 bei fotokop, wilhelm weihert, Darmstadt Printed in Germany ISBN 3 428 01327 1

Vorbemerkung zur zweiten Ausgabe

iese zweite Ausgabe der "Politisd1en Theologie" ist un~ verändert geblieben. Heute, nach zwölf Jahren, wird man beurteilen können, wie weit die im März 1922 ersmienene kleine Smrift standgehalten hat. Aum die Auseinandersetzung mit dem liberalen Normativismus und seiner Art "Remtsstaat" ist Wort für Wort geblieben. Einige Kürzungen bestehen nur darin, daß Stellen, die sich mit Unwesentlimem befaßten, gestrimen sind. Im Verlauf der letzten Jahre haben sim zahlreime neue An~ wendungsfälle der Politismen Theologie ergeben. Die" Repräsentation"vom 15.bis zum 19.Jahrhundert,dieMonarmiedes1?.Jahrhunderts, die dem Gott der Baro<kphilosophie analog ~edamt wird, die "neutrale" Gewalt des 19. Jahrhunderts, "qui regne et ne gouverne pas", bis zu den Vorstellungen des reinen Maßnahmen- und Verwaltungsstaates, "qui administre et ne gouvernc pas", sind ebenso viele Beispiele für die Frumtbarkeit des Gedankens einer Politismen Theologie. Das große Problem der einzelnen Stufen des Säkularisationsprozesses - vom Theologisdlen über das Metaphysisd1e zum Moralism-Humanen und zum Ökonomismen- habe i(h in meiner Hede über "Das Zeitalter der Neutralisierungen und Entpolitisierungen" (Oktober 1929 in Barcelona) behandelt. Vonprotestantismen Theologen haben besonders Heinrid1 Forsthoff und Friedrim Gagarten gezeigt) daß ohne den Begriff einer Säkularisierung ein Verständnis der letzten Jahrhunderte unserer Cesmimte überhaupt nimt möglim ist. Freilid1 stellt in der protestantischen Theologie eine andere, angeblim unpolitisme Lehre Gott in det·selben Weise als das "Ganz Andere" hin, wie für den ihr zugehörigen politismen ~ Libemlismus Staat und Politik das "Ganz Andere" sind. lnzwismen r haben wir das Politisd1e als, das Totale erkannt ~!!!<!~~ il!:; '' folgedessen~ ~l!9JJ~~91!f3 die E,ntsd1eidung darüber, oll etwas unwoTilT !fcli i i .. ~ ~ 'T~~e~w~~;r~t:1rl~'~tl ·t 1 p ~···· ~· ~~~ß.t. ,.,~UIJ]lCf~ .l!~~.Jl.Qw-!.1<~ ·~·~·· ~.. . •..... r··~·~·· J::! .
1 1

. ..e.:r . si·eJ:r·.·······1···& tuld. roit . .lYddt .. •.eine Ilestiromtup~g.: . ... •... ob. . . . . n ·.·.... ··.·.s···J·:···1· . ümkleidet. Das. . . gilt aum.für die Fr~;tg.~, e n·..HI IQgte palitisme o(Jer unpolitisme.Theologie. ist. · Öie ffeJherkung zu Hobbes, über die beiden Typen juristismen Denkens, am Smluß des zweiten Kapitels (S. 44) mömte im nom mit einem Wort ergänzen, weil diese Frage meinen Stand und

g·Ie·e.im·····g··u.···rt·ig.~~v

ew.~.!s.~s..r.!PJI~.~ ~

Beruf als Reihtslehrer angeht. würde heute niiht mehr zwei, sondern drei Arten re<htswissensihaftliihen Denkens untersiheiden, nämli<h außer dem normativistisihen und dem dezisionistisihen no<h den institutionellen Typus. Die Erörterung meiner Lehre von den "institutionellen Garantien" in der deutsihen Re<htswissens<haft und die Besd1äftigung mit der tiefen und bedeutenden Institutionstheorie Maurice Haurious haben mir diese Erkenntnis vers<hafft. Während der reine Normativist in unpersönli<hen Regeln denkt und der Dezisionist das gute Remt der riihtig erkannten politismen Situation in einer persönlimen Entsmeidung durmsetzt, entfaltet sim das institutionelle Red1tSdenken in überpersönlimen Einriihtungen und Gestaltungen. Und während der Normativist in seiner Kntartung das Remt zum bloßen Funktionsmodus einer staatlimen Bürokratie maiht und : der Dezisionist immer in der Gefahr steht, durih die Punktualisierung des Augenbli<ks das in jeder großen politisd1en Bewegung enthaltene ruhende Sein zu verfehlen, führt ein isoliert institutionelles Denken in den Pluralismus eines souveränitätslosen, feudal-ständisihen Wamstums. So lassen siih die drei Sphären und Elemente der politismen f~inheit - Staat, Bewegung, Volk den drei juristismen Denktypen sowohl in deren gesunden wie in ihren entarteten Ersmeinungsformen zuordnen. Der sogenannte Positivismus und Normativismus der deutsmen Staatsreihtslehre der Wilhelminisihen und der W eimm·er Zeit ist nur ein degenerierter- weil statt auf ein Naturremt oder Vernunftremt begründeter, an bloß faktism "geltende" Normen angehängter - daher in sim widersprumsvoller Normativismus, vermismt mit einem Positivismus, der nur ein remtsblinder, an die "nonnative Kraft des Faktismen" statt an eine ernte Entsmeidung siih haltender, degenerierter Dezisionismus war. Die gestaltlose und gestaltungsunfähige Mismung war keinem ernsten staats- und verfassungsremtlimen Problem gewac:hsen. Diese letzte Epome der deutsmen Staatsremtswissensmaft ist dadurm gekennzeimnet, daß sie die staatsremtlime Antwort auf den entsmeidenden Fall, nämlim die Antwort auf den preußisd1en Verfassungskonflikt mit Bismar<k und infolgedessen aum die Antwort auf alle weiteren entsmeidenden Fälle smuldig geblieben ist. Um der Entsmeidung auszuweimen, prägte sie für solme Fälle einen Satz, der auf sie selbst zurückgefallen ist und den sie nunmehr selbst als Motto trägt: "Das Staatsremt hört hier auf." Berlin, im November 1933.

Im

I.

Definition der Souveränität

Carl Sc.hmitt.

. Wenn Mohl (Monographien. E paß hier unter Ausnahmezustand ein allgemeiner Begriff der ~taatslehrc zu verstehen ist. .. i \~Ir }-echtslogischen Grund. \ .. wie in der unsauhern ferminologie populärer Literatur. .:~:.e:~.e::.~c--~~ ~ ..e~~~. die Prü. daß seine Definition nicht ~nknüpfen kann an den Normalfall.~~. paß der Ausnahmezustand im eminenten Sinne für die juristische [) \ '·' l' .... Dem entspricht es. _ "~~-~--······ . . nicht restlos regründen. ·~·~~:~~~. .. so eht er von der Voraussetzung aus. Diese Definition kann dem Begriff der Souveränität als ~inem Grenzbegriff allein gerecht werden.n. daß efrie Entscheidung echtssinne aus dem Inhalt einer Norm restlos abgeleitet \ve:rden I1iß. wie Mohl en Satz ausspricht. ob ein Notstand vorliege. .~ouverän ist. ' bsolute Ausnahme niemals erfassen und daher auch die Ent- Jfung.. Denn Grenzbegriff r pedeutet nicht einen konfusen Begriff. hat einen systematischen. könne keine juristische sein..~: ' --~~""%---. sondern an einen Grenzfall.. sondern einen Begriff der Jußersten Sphäre.. nicht irgendeine Notverordnung oder feder Belagerungszustand. 626) sagt.""""'~-----. I l ~ J:>efinition der Souveränität geeignet ist. ist er nur ein Ausdruck von rechtsstaat'chem Liberalismus und verkennt er die selbständige Bedeutung Im .:. S. wer über den Ausnahmezustand entscheidet. Das aber ist die Frage.g .~~d~c~:~t~s~tz~:::t. wird sich aus dem Folgenden ergeben.l:~ kgan.-. In der Allgemeinheit. -··. -··---" .'cheidung~·~aaß ein echter Ausnahmefall gegeben ist.. Die Entscheidung über die Ausnahme ist ' f.

X Weise auf verschiedene.. hängt von philosophischen. abfragbar. kann man gelten lassen oder mcht.buchartig. Um eine~ntscheidung. den Souverän in diesem Sinne zu beseitigen. Er erörtert seinen Begriff an vielen praktischen Beispielen Souverän ist. Darin die konkrete Anwendung. atfAlle Tendenzen der modernen rechtsstaatliehen Entwicklung wenigsten in der Geschichte der Souveränität. Voraussetzung wie Inhalt der Kompetentden berühmten Autoren des Souveränitätsbegriffes . das heißt die Frage nach der Souveränität über~es Souveränitätsbegriffes. so ist ohne weiteres klar. Die Verfassung kan~heißt dem Ausnahmefall orientiert.n. wird es nicht~la puissance absolute et perpetuelle d'une .. um ihn zu gestellt wird (Souveränität ist höchste. Keiner scheint sich die Mühe gegeben zu habr. der in der geltenden RechtsUuristische frage. I~ '!. . worin das öffentliche oder staatlich~on Krabbe und Kelsen. Doch begnügen sie sich mit der Zu1 haupt. in irgendeine~seiner Lehre von den »Vraies remarques de souverainete« (Cap. und das bedeutet darüber. Definition der Souveränität I. Ob man das Vertrauen und die Hoffnung hat. ' höchstens eJ~zeben. Begriff an sich wird im allgemeinen nicht gestritten werden. u' "' . i '. das als Definition der Souveränität au~all vorliegt. Erst dieser Fall macht die Frage nach dem Subjekt det Es gibt einige geschichtliche Darstellungen der Entwicklung Souveränität. dte endlos wenn es sich wirklich um den extremen Notfall und um sein1wiederholte. völlig leere Redensart von der höch. in denen lehrgegeben werden. Man streitet urfg.' J. als auch darüber. Gefährdung der Existenz des Staates oder derknabesondere geschichtsphilosophischen oder metaphysischen gleichen bezeichnet. Daß dieser Begriff sich an dem k!(. das ist keine usw. ·. was geschehen soll.. Er steht außerh~ der norm~l gelt~de~ ~~ch~­ macht). äußerster Not.l . wann ei~ N~tfall vorliegt. Ist dieses Handeln keiner Kontrolle unterworfen. ob die Verfassung in totosuspendiert werden kann. ob der extreme Not1und kommt dabei immer auf die Frage zurück: Wieweit ist I l . aktuell. die öffentliche Sicherheit und Ordnung. die Definitionen der Souveränität ~nthalten aufgezählt werden. wie in der Praxis der rechtsstaatliehen Verfassung. kann höchstens als Faier lasse sich tatsächlich beseitigen. Es kann weder mit subsumierbarer Klarheit an~ ammenstellung der letzten abstrakten Formeln. wer derilehre. nicht aber tatbestandsmäßig umschrieheLberzeugungen ab. Im rechtsstaatliehen Sinne liegJuntersuchen.. Definition der Souveränität 13 Das abstrakte Schema.4peseitigen.. Er entscheidet sowohl darüber. tritt scJ.s'ht bei Beseitigung handelt. le salut publill. :r zu sind hier notwendig unbegrenzt.sche. denn er 1st zustand1g fur d1e . ehen dahin.12 I. Aber ob der extreme Ausnahmefall wirk~ Interesse. besteht. sich gegenseitig hemmende und balanides I. Buches der Republik) der Anfang der modernen Staatscierende Instanzen verteilt. ohne daß dann elfordnung und gehört doch zu 1hr. wer in einem solchen Falle handeln darf4Mehr als mit seiner oft zitierten Definition ((<'. sv""'' das · daher überhaupt keine Kompetenz vor. ni~ht abgeleitete Herr. Der Ausnahmefall.ip:n. ordnung nicht umschriebene Fall. großer praktischer oder theoretischer Unterschi·ed läge. wer i1iegt die Konsequenz der im folgenden Kapitel behandelten Ideen Konfliktsfall entscheidet. was m emem solchen Fall geschehen darf ind. werden. noch kann inhaltlie.ich aus der Welt geschafft werden kann oder nicht.

also definitiv zu bestimmen. Begnadigungsrecht usw. so muß er sich von sein~darüber entscheidet. Das aber erscheint Bodin als eine über verpflichtet? Diese letzte besonders wichtige Frage h"-bsurdität. daß. das geltende Gesetz aufzuheben . ~öffentliche Ordnung und Sicherheit ist.nden wurde. Das Entscheidende in d. eine von kaufmännischem Geist beet des personnes.I I I I I I • . Wenn in einem solchen Fall der Fürst vorhiherrschte Selbstverwaltung oder eine radikale Parteiorganisation einen Senat oder das Volk fragen muß. wann sie gestört wird usw. Das war das eigentlich Imponierende seiner Definitio~chichtlichen Darstellung. Alle sind daß er die Dezision in den Souveränitätsbegriff hineingetrag1darüber eilug. Ausführungen Bodins liegt darin. sei es im einzelnen Fall -. ziehungen zwischen Fürst und Ständen auf ein einfaches En{ In meinem Buche über die Diktatur (München und Leipzig weder-Oder bringt.auftretcn. daß Versprechen bindend sind. daß er auf den Notf4 1g2 I) habe ich. und das ist gegen alle Vernunft und alles Recht. l1Ild zwar dadurch.ber die Souveränität. · Ständen oder dem Volke gibt. weil die Stände doch auch nicht die antwortet Bodin dahin. Definition der Souveränität 15 der Souverän an die Gesetze gebunden und den Ständen gegefuntertanen dispensieren lassen. daß auch bei den Autoren des die die Souveränität als unteilbare Einheit auffaßte und die Fra~Naturrechts im I 7· Jahrhundert die Frage der Souveränität als nach der Macht im Staat endgültig entschied. si Ia necessite est urgen~Kennzeichen dee Souveränität. und so wäre die Souruht.. hat. daß Bodin alle anderen Merkmale Das sind an sich keine neuen Thesen. Ständen oder dem Volk der Fürst nur so lange verpflichtet isloarum i'>t die Befugnis. Bodin fragt. daß er aber nicht gebunden ist. darin besteht.darin besteht Ja das bellum ommum contra omnes -. weil 4Herren über die Gesetze sind. m der mcht die ubliche Zitierung Bodms vorkame. wann diese Ordnung und Sicherheit besteht I . Ernennung der Beamten. die der Fürst d diesen Streit zu entscheiden. was I . antwortet mit dem Hinweis auf den Fall. und damit der Staat selbst. des temdmilitaristische Bureaukratie. Insbesondere gilt das für Pufendorff.. daß gegenüber d{väre Herr.(Kriegserldärung und Friedensschluß. daß er die Erörterung der B~etztc Instanz. so sehr das eigentliche liegt. im Notfall aber hört die Bindung nach allgemeinen natü~eränität jouee a deux parties. daß es nötig wirbn der konkreten Wil·klichkeit stellt sich die öffentliche Ordnung t solchen Versprechungen zuwider zu handeln. jede P~rlei natürlich nur. entgegen dem überlieferten Schema der geverweist. Es ~ibt he~te k~UI~ ~ine ~r~rterung ~es Souv eränitäl. Ab---. ob die Versprechungen. Allgemein sagt er. so müßten sie wiederum ihrerseits verpflichtende Kraft eines Versprechens auf dem Naturrecht b~ich von ihren Fürsten dispensieren lassen. gezeigt.. seine Souveränität aufheben. daß nirgends findet man die Kernstelle jenes Kapitels der Republ a.) daraus ableiten will. Seine wissenschaffdie Frage nach der Entscheidung über den Ausnahmefall verliehe Leistung und der Grund seines Erfolges lieg·en also dari~ta. Definition der Souveränität 14 I.sei als die Erfüllung seines Versprechens im Interesse des Volk~s generell. je nachdem etwa eine ändern oder ganz aufzuheben. die Gesetze abz4und Sicherheit sehr verschieden dar. selon l'exigenoe des cas. bald das Volk und bald der Fürst liehen Grundsätzen auf. zitiert. wenn innerhalb eines Staates Gegensätze . denn er meint.l r= I. das allgemeine Beste will begnffes.

ndt wird. Die Juristen. hatte zum Angelpunkt weniger den Begriff der Ableitbarkeit oder Nicht-Ableitbarkeit der den Einzelstaaten verbliebenen Rechte. enthält den Gegensatz der zwei verschiedenen EI mente des Juristischen in sich. Souverän sein bedeutete. mit andern Worten. Denn jede Ordn beruht auf einer Entscheidung. nicht die inhaltliche Regelung des . Daher die Diskussion über den A~snahmefall. aber unter der Kontrolle des Reichstags. Die Kontroverse bewegte sich imm darum. wenn die Rechtsordnung auf die Frage nach der Zuständigkeit keine Antwort gibt. die über Fragen der Souveräni diskutieren. der gedankenlos als etwas Selbstverständliches a gewa. Norm. wer die Vermutung der nicht beg!enzten Macht für sich habe. Ob nur Gptt souverän ist. Der rechtsstaatliehen Tendenz entspricht aber n~r die Regelung der Voraussetzung Ausnahmcbefugnisse. immer ist die Frage auf das Subjekt der Souveränität g richtet. während die der Einzelstaaten prinzipiell unbegrenzt s·ei. über die nicht h reits durch eine positive Bestimmung. ht}ruht auf einer Entscheidung und nicht aw.s heißt derjenige. Jahrhundert von einem Katal der Souveränitätsbefugnisse aus. das hei diejenigen. die sich widerspruchslos mit dem Volk identifizier dürfen. daß von einem der zahlreichen Merkmale. das heißt die Anwendung des Begriffes auf einen ko kreten Tatbestand. gehen seit dem I 6. In einer Iäufigeren Wendung fragte man. daß die Einzelstaaten souverän seien. das heißt wer zuständig ist. als die Behauptung. daß die andern zweifelhaften Merkmale eh falls gegeben sein müßten. das zweifellos gegeben w den Schluß zog. Definition der Souveränität I. wer über I die Verfassungsmäßig nicht g·eregelten Befugnisse entscheidet. ve fügt war.e nach der Souveränität möglichst weit hinauszuschieben sucht. ob die deutsehen Einzelstaaten nach der Verfassung von 1871 souverän waren. der in d irdischen Wirklichkeit widerspruchslos als sein Vertreterhand oder der Kaiser oder der Landesherr oder das Volk. wer für den Fall zuständig se' sollte. Auch die Rechtsordnung. diese Befugnisse zu hab Die staatsrechtliche Argumentation operierte in den unklar Rechtsverhältnissen des alten Deutschen Reiches gern so. In der geltenden deutschen Verfassung von 1919 wird nach Artikel 48 der Ausnahmezustand vom Reichspräsidenten erklärt. der jederzeit die Aufhebung verlangen kann. welc_~e durch eine Teilung der Zuständigkeiten und gegenseitige Kontrolle die Frag. da. Immerhin läßt sich dasselbe Schema der Argumentation auch hier wieder erkennen.16 I. Der Nachweis. den Seydel versuchte. daß die Zuständigkeit des Reichs durch die Verfassung umschrieben. wem diejenigen Befugnisse zukamen. den extremus necessitatis casus. Bei der Kontroverse. Definition der Souveränität 17 und wann sie gefährdet oder gestört wird. Diese Regelung entspricht der rechtsstaatliehen Entwicklung und Praxis. und auch der Begriff der Rech ordnung. etwa eine Kapitulation. der eine Reihe von notwendig Merkmalen der Souveränität zusammenstellt und im wesen liehen auf die eben zitierten Erörterungen von Bodin zurüc zuführen ist. handelte es sich um eine Angelegenheit von weit geringerer politischer Betleutung. das heißt prinzipiell begrenzt sei. In den Erörterung·en über das sogenannte monarchische Prinzip wiederholt sich das mit derselben rechtslogischen Struktur~ Auch hier wird infolgedessen immer danach gefragt. für den keine Zuständigkeit vorgesehen war. wie je --~ Ordnung.

. ständige Befugnis mehr haben.. Dazu gehört vielmehr eine prinzipiell u ~ begrenzte Befugnis. Wenn die Einzelstaaoo~ von jeder normativen Gebundenheit und wird im eigentlichen "R nach der herrschenden Auslegung des Artikels 48 keine selbf Sinne absolut. die Ausdie sich an den Fragen des täglichen Lebens und der laufend Geschäfte orientiert. Dem extremen Fall steht sie fassungsl gegenüber. eri j.. die Befugnisse. . der vielmehr eine grenzenlose Machtvollkommenheil Ana1·chie und ein Chaos. in der Rechtssätze gelten können. die für den Ausnahmefall .norm.sei es durch eine gegenseitige Ko~ trolle. sind sie keine Staaten. Im Ausnahmefall suspendiert der Staat das Recht. Jede g·enerelle Norm verlangt eine normale Gestaltung der Lebensverhältnis&e.. Definition der Souveränität 19 ' Artikels 48... wird im Ausnahmefall die Norm vernichtet. .(?se an dem Begriff der Souverän~ tät. im Rahmen des Juristischen verAufzählWig der außerordentlichen Befugnisse -. Gelingt es. Ist dieser Zustand eingetveten. in derselben Weise eine Souv·eränität verleihen würd~ stenz c!~ bewährt hier eine zweifellose Überlegenheit über .!?. besteht im juristischen Sinne immer :{ verleiht und daher. Definition der Souveränität % I. Weil der Ausnahmezustand immer noch etwas anderes ist als ei ' nahme habe keine juristische Bedeutung und sei infolg-edessen "Soziologie".. Trotzdem bleibt auch der Ausnahmefall der verhebe~ werden. durc Norm wie die Entscheidung. ~ flil. In seiner absoluten Gestalt ist ~Cfer ~~t'usllahme­ 4 fnll dann eingetreten.in absolutet· Reinheit. juri<>tischen Erkenntnis zugänglich. sei es endlich. Praktisch hat eine Jmispruden' von Soziologie und Rechtslehre. die !?~!?. den Ausnahmezustand zu kraft eines Selbsterhaltungsrechtes. die der rechtsstaatliehen Regelung des BelagerWigszustandes. Die Exi0 I würde. Die Norm braucht ein homogenes Medium.18 I. So wie oder nicht. nach der Souveränität um einen wichtigen Schritt zurückgedräng Es wät·e eine ro9e Übertragung der schematischen Disjunktion aber natürlich nicht beseitigt. Die zwei Eleklären. wie i. wie man sagt. wenn man sagen wollte.so ist die Fra~ bleiben. während das Recht zurücktri~. sei es durch zeitliche Beschränkung. nicli jede polizeiliche Notstandsmaßnahme oder Notverordnung ist b reits Ausnahmezustand. zu umschreiben -.. das heißt die SuspendierWig der gesamt~ bestehenden Ordnung. ob die deutschen Länder Staaten sini gegenüber und beweisen'~1hre begriffliche Selbständigkeit. weil beide Elemente. Diese faktische Normalität ist nicht bloß eine 2* .... Auch für sie ist nur das Normale das Erkennbare und all andere eine "StörWig". Normalfall das selbständige Moment der EntscheidWig auf ein Minimum zurückgedrängt werden kann.. Die Ausnahme ist das nicht Subsumierbare.. wie die Ausnahmebefugnisse des Artikels 14 der Charbe von I 8 I die Geltu~~---~~r ß~cht-.. In Artikel !~8 liegt der eigentliche mente des Begriffes "Rechts-Ordnung" treten hier einander f ~- ----~~---~. wenn ohne Kontrolle darüber entschiede~ noch eine Ordnung. Schwerpunkt der Frage. Denn nicht jede außergewöhnliche Befugnis. sie entzieht sich der generellen Fassung.. wenn erst die Situation geschaffen werden muß. so ist kl ~ daß der Staat bestehen bleibt. Die Entscheidung macht sich frei den Monarchen zum Souverän machte. aber gleichzeitig offenbart sie ein spezifisch-juristisches Formelement. wenn auch keine Rechtsordnung. auf welche sie tatbestandsmäßig AnwendWig finden soll und die sie ihrer normativen Regelung unterwirft. kein Intere..

Die heutige Staatslehre zeigt das So antwortet Anschütz auf die Frage. das gehende Interesse für den Notfall.•_ vollziehbare Vorstellung zu sein. daß die Ausrables. Hier sondert sich die Ent~~~. Die Ordnung muß hergestelltl ~ ~ein. und souverän ist derjenige._­ scheidung von der Rechtsnorm. Darin liegtj das Wesen der staatlichen Souveränität. Für Kant ist das Notrecht tiven Staatslehre begegnet man öfters einem ähnlichen Argument. Die Ausnahme verwirrt die geht im 18.oder Herrschaftsmonopol. heißt im Vcrfassungstext. Der rechtsstaatliehen Doktrin Lockes und dem rationalistischenj kann? 18. daß sie. solange der Ausnahmezustand sich vom juristischen Chaos. die rationalistische~ Etatsgesetz zu verfahren ist. ist schwierig zu konstruieren und doch ein juristisches Problem..) 1. versteht sich von selbst. den sie nicht restlos tatbestandsmäßig erfassen . das sei überhaupt keine RechtsIgnorierung und das von wesentlich entgegengesetzten Ideen aus-~t frage.. wobei das Wortl Entscheidung in dem noch weiter zu entwickelnden allgemeinenJ Sinne gebraucht wird. Daß ein Neukantianer wie Kelsen mit dem Ausnahmezustand systematisch nichts anzufangen weiß. J Er hat das Monopol dieser letzten Entscheidung. Der Ausnahmefall offenbart das Wesen de!j staatlichen Autorität am klarsten. sie ge~ ~ hört vielmehr zu ihrer immanenten Geltung. Definition der Souveränität " s. zu sagen. überhaupt kein Recht mehr. daß beide Tendenz·en. in welchem das Hecht sich selber suspendiert. und wie ist es logisch möglich. daß die Rechtsordnung selbst den Ausnahmefall vorsehen und "sich selber suspendieren" kann. Einheit und Ordnung des rationalistischen Schemas. unterscheidet. In der posigestellt war. Daß eine Norm oder eine Ordnung oder ein Zurechnungspunkt "sich selber setzt". Die rechtsstaatliche Tendenz. Der Souverän l'' I schafft und garantiert die Situation als Ganzes in ihrer Totalität. um Recht zu schaffen~~ nicht Recht zu haben braucht. die der Jurist ignorieren kann. Jahrhundert. \ Alles Recht ist "Situationsrecht". Woher schöpft das Recht diese Kraft. bedeutet ja nur den Versuch. das im Naturrecht des 1 7· Jahrhunderts herrscht. als vielmehr eine Lücke im Recht I I 1 . Definition der Souveränität I t ~ I. damit die Rechtsordnung einen Sinn hat~ Es muß eine nor~1 I Situation geschaffen werden.' ' s_ (\ i ' /) \_ äußere Voraussetzung". .._ heit und Ordnung in einem ganz konkreten Fall sich selber suspendieren kann.ob dieser normal-e Zustandj wirklich herrscht. solleint dieser Art juristischen Rationalismus eine besonders leicht \. ~'. ~·· nicht als Zwangs. von irgendeiner beliebigen Anarchie. den Fall genau zu umschreiben. Wie aber die systematische Ein. "Es liegt hier nicht sowohl eine Lücke im Gesetz. Jahrhundert war der Ausnahmezustand etwas Inkommensu-J Es wäre konsequentet' Rationalismus. einander gleichzeitig gegen-. daß eine Norm gilt mit Ausnahme eines konkreten Falles. sondern als Entj scheidungsmonopol juristisch zu definieren ist. als eine relativ dauernde Ordnung her.-. wie bei nicht vorhandenem interessante Schauspiel. schaftliehen Interesses sein kann. Das lebhafte Bewußtsein von der Bedeutung des Aus-< nahme nichts beweist und nur das Normale Gegenstand wissennahmefalles. Aber auch den Hationalisten müßte es doch inter-\ essieren. bald wieder verloren.j der definitiv darüber entscheidet. Es gibt keine Norm1 die auf ein Chaos anwendbar wäre. die also richtigerweisel I J I 21 überstehen. den Ausnahmezustand möglichst eingehend zu regeln. und (um es paradox zu formulieren) die Autorität beweist.J .r f 'I ~ -~ 20 I.

J uhrhundert fähig sein kann.egel. Ihr kann die Ausnahme wichtiger sein als die Regel. Sie legt alles viel deutlicher an den Tag als das Allgemeine selbst." n. Die Ausnahme ist interessanter als der NormalfalL Das Normale beweist nichts. ha. br. Auf die Länge wird man des ewigen Gered~ vom Allgemeinen überdrüssig.~h'tclmarl sich nur nach einer wirklichen Ausnahme umzusehen.t es gesagt: "Die Ausnahme erklärt das Allgeilleine und sich selbst. Ein. sondern muß sich im höchsten Maße für ihn interessieren.egel lebt überhaupt nur von der Ausnahme. die Ausnahme beweist alles. die tiefer geht als die klaren Gencralisationen des durchschnittlich sich Wiederholenden. sondern mit dem ganzen Ernst einer Einsicht. sie bestätigt nicht nur die H. goß). der bewiesen hat. sondern mit einer bequemen Oberflächlichkeit denkt. Definition der Souveränität vor. die H. Das Staatsrecht hört hier auf" (Staatsrecht. S. Gewöhnlich merkt man die Schwierigkeit nicht. so kann man auch das Allgemeine nicht erklären.~prote­ stantischer Theologe. Und wenn man das Allgemeinei-iclitig studieren will.r· vitalen Intensität die theologische Hoflexion auch im 1 g. welche. weil man das Allgemeine nicht einmal mit Leidenschaft. Das Problem der Souveränität als Problem der Rechtsform und der Entscheidung \ . Gerade eine Philosophie des konkreten Lebens darf sich vor der Ausnahme und vor dem extremen Falle nicht zurückziehen. nicht aus einer romantischen Ironie für das Paradoxe. Die Ausnahme dagcg·en denkt das Allgemeine mit energischer Leidenschaft.22 I. In der Ausnal1me durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in Wiederholung erstarrten Mechanik. es gibt Ausnahmen. Kann man sie nicht erklären. welche durch keinerlei rechtswissenschaftliche ßegrifl'soperationen ausgefüllt werden kann.

Man pflegt seine Geschichte mit Bodin beginnen zu lassen. Im 16. Jahrhundert reflektiert sich ~ . Jahrhundert entsteht aus der endgültigen Auflösung Europas in nationale Staaten und aus dem Kampf des absoluten Fürstentums mit den Ständen der Souveränitätsbegriff Bodins. nicht durch eine dialektische Steigerung aus der Immanenz seiner Begrifflichkeit. So können aus derselben politischen Sachlage verschiedene wissenschaftliche Tendenzen und Strömungen hervorgehen. Im 18. Die neuen Aktualitäten können ein neues soziologisches Interesse und eine Reaktion gegen die "formalistische" Methode der Behandlung staatsrechtlicher Probleme hervorrufen. Jenn staatsrechtliche Theorien und Begriffe sich unter 'f dem Eindruck politischer Ereignisse und Änderungen umgestalten. Die Etappen seiner Dogmengeschichte sind bezeichnet durch verschiedene politische Machtkämpfe. so steht die Diskussion zunächst unter den praktischen 'f Gesichtspunkten des Tages und modifiziert die überlieferten Vorstellungen nach irgendeinem naheliegenden Zweck. daß sich das Bestreben zeigt. Jahrhundert eine logische Entwicklung oder Fortbildung erfahren hätte. sagen. Es ist aber auch möglich. die juristische Behandlung von dem Wechsel der politischen Verhältnisse unabhängig zu machen und gerade in einer konsequent formalen Behandlungsweise die wissenschaftliche Objektivität zu gewinnen. daß er seit dem 16. aber man kann nicht. Von allen juristischen Begriffen ist der Begriff der Souveränität am meisten von aktuellen Interessen beherrscht."\ A.

. ohne ihnen Souveränität zusprechen zu müssen. auf den Gegensatz von Soziologie und Jurisprudenz übertragen. . als Bezeichnung einer realen Größe.kan:l. damit in unverfälschter lleinheit ein System von Zurechnungen auf Normen und auf eine letzte einheitliche Grundnorm gewonnen wird. Immer wu·d .n · 1 s . aber mit derselben unbewiesenen Selbstverständlichkeit. das heißt größte Macht gibt es in der politischen Wirklichkeit nicht.-. für die Abgrenzung der Hoheitssphäre de. indem sie eine Disjunktion: Soziologie _ Jurisprudenz. die nicht mit allgemeinen tautologischen Prädikaten. Im neu gecrründetcn Deutschen B.l. Sie verwendet den Superla~v "höcl!Ste Mac t. Kelsen hat in seinen Schriften "Das Problem der Souveränität und die Theorie des Völkerrechts" (Tübingen 1 g:w) und "Der s~ziologische und der juristische Staatsbegriff" (Tübingen 1 gn) diesen Weg verfolgt.eich ergibt sich nach I 87 I die Notwendig~cit. '•l'ts und Staatsbegriff ' mit deren Hilfe sto ZWlSC 1en OUVel antu'\ den Einzelstaaten den Charakter der Staatlichkeil retten . die Macht beweist nichts für d~s Recht und zwar aus dem banalen Grunde. sondern durch die Pt·äzisierung des juristisch Wesentlichen diesen Grundbegriff der Jurisprudenz erfaßt. ein Signal. von kausaler und normativer Betrachtung wird mit größerer Nachdrücklichkeit und Rigorosität. le pistolet que l. kann.r Gliedstaaten gegenüber dem Bundesstaate ein Prinzip aufzustellen. 3) • D'e Ver b'mu~~g _] . eine Definition zu finden. Sie ist unendlich vieldeutig und daher 1n der > • J. versucht allerdings eine einfachere Lösung. aufstellt und mit einem simplistischen Entweder-Oder etwas rein Soziologisches und etwas rein Juristisches gewinnt. • 1 von f.. Souveränitätsbegriffes.ealität. Es scheint zum Schicksal der juristischen Wissenschaft zu gehören. mit naturges. Hier liegen alle seine Schwierigkeiten. aktiSch und rechtheb höchster Macht ist das Grundprobl mn .. sondern eine Forme.n 't ausgegn en u .e. v.als Problem der Rechtsform und d01· Entscheidung 27 26 II. den Rousseau m über~instimmung mit seinem ganzen Zeitalter so formulier~ hat:· La force est une puissance physique. Eine solche Definition )äßt sich auf die verschiedensten polt- tient csL aussi une puissance (Contrat social I. Die alte Gegenüberstellung von Sein und Sollen. nicht abgeleitete M~ht 111 . Kelsen kommt mit Hilfe dieses Verfahrens zu dem keinesw~s über- \ tisch-soziologischen Komplexe anwenden und in den Dienst der verschiedensten politischen Interessen stellen. Eine unwiderstehliche. u~1d ~us diesem Interesse findet die deutsche Staatslehre eine D1stmktw.e br1gand ..tzhcher Steherbett funktionierende höchste. Das Problem der Souveränität das staatliche Selbstbewul~tsein der neu entstandenen Staaten in dem völkerrechtlichen Souveränitätsbegriff Vattels. Sie ist nicht d~r adäquate Ausdruck einer B.e. d' lt Definition wiederholt: den versclnedensten ai'tatwnen te a e Souveränität ist höchste. em Zeichen. . obwohlm der vom Kausahtätsgesetz beherrschten Wirklichkeit kein einzelner Faktor her'ff n(l n11 einem solchen Superlativ bedacht werd. Alle soziologischen Elemente werden aus dem juristischen Begriff ferngelassen.· dc. . rechtlich unabhängige. daß ihr von irgendeiner anderen Wissenschaft oder von der Erkenntnistheorie her solche Disjunktionen appliziert werden.. als es bereits Georg Jellinek und Kistiakowski getan hatten. die aus den letzten Jahren vorliegt. e nach der Situation außerordentlich brauchbar oder I rax 18 h " gänzlich wertlos. Die eingehendste Behandlung des Souveränitätsbegriffes. und es handelt sich darum.

Staat etwas rein Juristisches sein müsse. das hetßt delegterten Norm. fügt. Dieser "Punkt" ist zugleich eine "nicht weiter ableitbare Ordnung". ~er Punkt. Das entscheidende. der doch nur Umschreibungen desselben Postulats. Die höchste Kompetenz konunt nicht etwa einer Person oder einem soziologisch-psychologischen Machtkomplex zu. "haltmachen können". Die systematische Einheit ist nach Kels. Für die juristische Betrachtung gibt es weder wirkliche noch fingierte Personen. System. Das große Wort dieser Deduktion ist "Einheit". Das Problem der Souveränität 29 daß für die J. "Die Einheit des Erkenntnisstandpunktes fordert gebieterisch ein. Der Staat ist der Endpunkt der Zurechn~n~. Die im Staat geltende über. .e monistische Anschauung. einheitlichen Mittelpunkt bis zur untersten Stufe Ermächtigungen und Kompetenzen ausgehen. nach welcher ein Punkt eine Ordnung und ein System und identisch mit einer Norm sein soll. sondern die Einheit einer positiv geltenden Ordnung gemeint ist? Worte wie Ordnung. höchsten zu einer niederen.es neben wissenschaftlichen Gegner von neuem vorgebrachte Argument bleibt immer dasselbe: der Grund für die Geltung einer Norm kann wiederum nur eine Norm sein. bleibt im Hahmen des Juristischen von allem Soziologischen "rein". daß von dem. das heißt die Rechtsordnung. freilich (daß hier das Problem liegt. wie es sich in seiner wie es sich. fikationen und Hypostasienmgen.en eine "freie Tat der juristischen Erkenntnis". sondern nur der souveränen Ordnung selbst in der Einheit des Normensystems. daß ein Haufe positiver Bestimmungen auf eine Einheit mit demselben Zurechnungspunkt zurückgeführt werden kann. Sehen wir einmal ab von der interessanten mathematischen Mythologie. . ist ein Syst~m von Zurechnung!m auf einen letzten Zurechnungspunkt und eme lt~tzte Grundnorm. Ein durchgehendes System von Ordnungen.als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 28 II. an dem die Zurechnungen. der Staat ist daher für die juristische Betrachtung identisch mit seiner Verfassun g. wenn nicht die Einheit eines naturrechtlicf1en Systems oder einer theoretischen allgemeinen Hechtslehre. sondern nichts anderes als eben d1ese Rechtsordnung selbst.'' Der Dualismus der Methoden von Soziologie und Jurisprudenz endet ~d außer der Rechtsordnung. also nicht irgendeine Realität oder ein Gedacht. Ist diese juristische von derselben Art wie die weltumfassende Einheit des ganzen Systems? Wie kommt es. scheint keine Schwierigkeiten zu machen) als eine Einheit. ausgehend von . von dem ge- sondt~rn nur Zureclmungs- zeigt werden müßte. worauf die gedankliche Not- ur~prünglichen. und fragen wir. immer und immer von neuem wiederholte und gegen jeden . die das Wesen der Junstischen Betrachtung sind. uristische Betrachtung der raseh end en R es ultat .und Unter- ordnung beruht darauf. auf der Grundlage einer "Verfassung" ( entweder eme wettere tautologische Umschreibung der "Einheit" ~aß HeinlH~it erfüllen läßt di~ oder ein brutales soziologisch-politisches Faktum bedeutet) ein System entsteht. das heißt der Staat. etwas normativ Geltendes. punkte. Der Staat. Die Ein- heit der Rechtsordnung aber. letzten. kann auf solche Weise gedacht werden. Verdoppelungen der emheltlichen und identischen Rechtsordnung zu verschiedenen Sub- rn einer monistischen Einheit Metaphysik. Der Staat ist also weder der Urheber noch die Quelle der Rechts. Einheit si~d jekten. das heißt der einheitlichen Grundnorm. alle solche Vorstellungen sind nach Kelsen Personiordnung.

Einheit und Reinheit sind aber leicht gewonnen. aber gerade in dem. n \. er kann nur auf ihm gegebene (positiv gegebene) w.erte beziehen. wofern er nur "rein" bleibt. sondern das Hecht souverän ist. 32o). aber kem notwendiger Zusammenhang mit einer Positivität. a~lf die der Jurist bezieht. wie Krabbe sagt. dessen Lehre von der Rechtssouveränität ( 1906. ~adurch scheint eine Objektivität möglich zu werden. Kelsen scheint hier nur einen Vorläufer seiner Lehre der Identität von Staat und Rechtsordnung zu sehen~ In Wahrheit hat die Theorie Krabhes wohl eine gemeinsame. als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 31 wendigkeit und Objektivität der verschiedenen Zurech~un~en auf die verschiedenen Zurechnungspunkte beruht. wa: sich der Systematik widersetzt. Als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt. in seiner Methodologie. beruht. Diese Auffassung hat eine bedeutende Darlegung gefunden durch H. nach dessen Verwirklichung gestrebt werden soll" (S. kann nicht normativ in dem Sinne sein. zu kritisieren. Denn Cl' kann aus allem eine Einheit konstruieren. unter dem Titel "Die moderne Staatsidee" I 9 I 9 in zweiter deutscher vermehrter Ausgabe erschienen) auf der These beruht. als bestände eine prästabilierte Ha~monie z~vischen de~n Resultat einer freien juristischen Erkenntms und emem nur m der politischen Wirklichkeit zu einer Einheit verbundenen Komplex. daß die Jurisprudenz etwas Formales sei. entweder die Beschreibung eines wirklich bestehenden Zustandes oder ein Postulat. daß nicht der Staat. daß et' es negiert. S. besteht kein Zusammenhang des holländischen Rechtsgelehrten mit den erkenntnistheoretischen und methodologischen Distinktionen des deutschen Neukantianers. das heißt auf einem Befehl. Das Problem der Souveränität. sich ~eine Jurisprudenz von dem unterscheidet. daß der Jurist aus eigener freier Tat wertet. nicht zur Sache kommen. "Die Lehl'e von der Rechtssouveränität ist". der l/·. wenn s1e mcht auf einer positiven Bestimmung. was der . Krabbe. wofür er sich juristisch interessiert. Die normative Wissenschaft. hat es leicht. Kelsen löst das Problem des Souveränitätsbegriffs dadurch. Die Werte. so bleiben sie trotz allen Aufwandes in der Antichambre der Jurisprudenz. Der Schluß seiner Deduktionen ist: "Der Sou~·eränitlitsbegriff muß radikal verdrängt werden" (Problem der Souveränität. Die metho- . was man bisher als Jurisprndem: betrieb.Tunsprudenz an positiven Anordnungen auf den Tisch ge~orfen wir~. was Kelsen originell ist. 39)· Die moderne Staatsidee ootzt nach Krabbe an die Stelle einer persönlichen Gewalt (des Königs. werden ihm zwar gegeben. zu der Kelsen die . die sich in allem finden lassen soll. wird immer wieder von der durchgehenden Einheit und Ordnung ge- sprochen. worin dologischen Beschwörungen und Begriffsschärfungen und die scharfsinnige Kritik sind nur als Vorbereitung wertvoll. In der Sache ist das die alte liberale Ne~ierung des Staates gegenüber dem Recht und die Jgnorierung des selbständigen Pl'Oblems der Rechtsverwirklichung. Wer sich auf nichts einläßt und entschlossen methodologisch bleibt ohne an einem einzigen konkreten Beispiel zu zeigen. weltanschauungsmäßige Wurzel mit dem Resultat Kelsens. aber er verhalt sich ihnen gegenüber mit relativistischer Überlegenheit. "je nachdem man es nehmen will. wenn man die eigentliche Schwierigkeit mit rrroßem Nachdruck ignoriert und aus formalen Gründen alles. Wenn sie mit der Begründung. als unrein ausscheidet.Tunsprudenz m aller Reinheit erheben will.30 II. wird von einer Stufenleiter höherer und nwderer Ordnung~n gesprochen.

welche Wirklichkeitswert besitzt.'' "Diese Kräfte herrschen im strengsten Sinne des Wortes. macht er doch wesentlich soziologische Ausführungen über die organisatorische Gestaltung des modernen Staates. der Staat sich kenntlich macht. Der Staat wird ausschließlich auf ~le Re~htsproduktion beschränkt. stets wieder aufs neue aufgestellte Merkmal des Staates. Nicht also in der ~~awqtl~~l!!~Y9n Gesetzen oder der Wahrnehmung irgendwelcher offentlicher Interessen" (S. Beherrschung irgendwelcher Interessen. freiwillig Gehorsam geleistet werden. eben weil sie aus der geistigen Natur des Menschen hervorgehen. also das. Darin offenbart sich die moderne Staatsidee. die Macht. was in der Kautischen Rechtslehre W . das heißt die Feststellung des Rechtswertes der Interessen (S. und die Begriffsbestimmung dieses Staates als einer Machterscheinung. 7S). "Wir leben jetzt nicht mehr unter der Herrschaft von Personen. d' I~ · e a e m teser 'eststellung das Problem des Rechts als einer substanziellen For r . in welchem sich das Berufsbeamtentum als selbständige obrigkeitliche Gewalt mit dem Staat<e identifiziert und das Beamtenverhältnis als etwas spezifisch öffentlich-rechtliches. können wir auch weiterhin zulassen unter dieser einzigen Bedingung. von woher alle jene Interessen und alle sonstigen Interessen ihren "Nic~t ~urch ~echtswert erhalten" (S. "Das alte. Der Staat hat nur die Aufgabe. 2 55). ~ 'h w l n mc t der Gegensatz von Form und Materie 1 ur ·st . die Quelle der Rechtsordnung. wie er sich nach dem Rechtsbewußtsein der Volksgenossen ergibt. sondern ausschheßhch durch die eigene ursprüngliche Rechtsquel1e. daß in bezug auf dies. "über diese Grundlage läßt sich nicht weiter diskutieren: sie ist die einzige.." Die Grundlage. daß ausschließlich in der Erzeugung des Rechts. er befasse sich nicht mit soziologischen Untersuchungen über die Formen der Herrschaft (S. ist "nur in dem Rechtsgefühl und Rechtsbewußtsein der Volksgenossen zu finden''. Nicht der Staat. konstitutiven Akt der Feststellung Daß g r d . Zugleich ist dann aber auch hieran festzuhalten. Denn diesen Kräften kann. . seien es natürliche oder konstruierte (Rechts-) Personen. n enn er sagt. Darin liegt eine doppelte Beschränkung. nämlich einmal die auf das Hecht. geistigen Kräften. . 2 61 ). das Recht zu "bilden". PolitischeTheologie .32 II. daß sie sich im Rechte offenbart und in keiner anderen Weise als durch Erlassung einer Rechtsnorm sich zur Geltung bringen kann. Er tut nichts als d R ht . zweitens auf den deklaratorisch·en I'n I . wird radikal abgelehnt (S. Wohlfahrt. m tegt. sei es mittels der Gesetzgebung. Das Problem der Souveränität als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 33 Obrigkeit) eine geistige Macht. Bei Krabbe muß beachtet werden. Materie heißt. daß der Gegensatz von Recht und Interesse f". Die Weiterentwicklung der Dezentralisation und Selbstverwaltung auf allen Gebieten soll die moderne Staatsidee immer deutlicher hervortreten lassen. I 38).e Macht anerkannt wird. von dem gewöhnlichen Dienstverhältnis Verschiedenes hinstellt. im Gegensatz zu Interesse."· Obwohl Krabbe sagt. sondern unter der Herrschaft von Normen. r·emer eise . sofern er sich auf einen Unterschied in der Wirklichkeit der Subjekte stützt. so ea Schmitt. daß er mhalthch Recht produziere. sei es auf dem Wege des umgeschriebenen Rechts. wtrd sich aus dem Folgenden ergeben. feststellen. 2 6o ). alle offentliehen Interessen seien dem Recht unterwoi·f b en. en ec swert von Interessen. Das bedeutet aber nicht. sondern das Recht soll die Macht haben. Der Gegensatz von öffentlichem und privatem Recht.

. die das Herrschaftsmonorlol nicht IJrauc I1te und dahe h V · 1 d Souveränität auskommt . ht mc zum Wesen des Rechts h" halb nach Gierke das V"lkerrec h t Recht sein I geh ort. . G ern er Ge. 3 I). I" " . das eine nicht ohne das andere denkbar. d unter sich aufba d G .eitigen Verhältnis beantwortet er dahin.. :·I . . soweit 3* sonst unerträgliche "Spannungszustand" beseitigt wird. eine Verfassungsvereinbarung oder Volksabstimmung oder die heiligende Macht der Gewohnheit (S. "Doch kann er geheilt werden und nachträglich einen Hechtsgrund erhalten "durch irgendeinen für das Rechtsbewußtsein des Volkes ausreichenden rechtlichen Vorgang". daß f e ese zge ung nur d I t Siegel" ist. der Begründer der Genossenschaftstheorie. . 0' d . . · eu sc I es Völkerrechts. in Banden". . b . 1 Ie d vvo · -~~······· · er run lage das ProbI em emer neuen Staalser)Oche" . D . souverän sein. V' · · des bloß dekl · d tese ·v eise m die Rolle aneren en Herolds ed . Bei revolutionären Verfassungsänderung·OO ·liegt ein Rechtsbruch vor.) 3r. Ie geht davon aus. 9 9• e1st d. . Unt eJ. d I urc Irgendeme Gewalt.bzw. .. .. aber . nach Gierke die staatlich Ga ter tbngs dadurch verdunkelt. d en lleueren Vert. .. 34 II. d~e freie. S. ut>e es Volkerrechts I 1 . Die EbenI'. 9 . Das Problem der Souveränität deutet das: im·modernen Staat ist das Rechtsinteresse das höchst.. nicht als ein b . daß der "Staats.ko t .echtskontinuität.niR Problem ller Reehtsf'o rm um1 <er Entschei 1Iung I .eins sei" (Grundbegriff·e des Staatsrechts. Es besteht die Tendenz. Herrscherwille nicht die letzte Quelle des Rechts. . b' ' " orm des Voilese1 Iger Zwang d h · Je . Igamsahon finden.. d ·ert at. umen en er Genossenuveramtats egriff als ein R . e ung es Rechtswertes nennt.es Staatsrechls ' 19 ·" 0 ' ei reme Staat I92o) . .das Recht als das tiefere p : . w osen versucht V · za ll reichen Aufsätzen ( mwamt sc1en· D 1 1 1 . daß beide zwei selbständige Faktoren d·es menschlichen Gemeinlebens sind. welches der Staa t d em Recht aufd as 1t zte ormelle " . . t onz~: h~lt letzten Endes den Staat IS ursprunghebe H 1 er ist es als di M h errsc lergewalt. aa raucht. ?. e · liehe Ausprägung". t . individuelle od er genossenschaftliche Tat unvermögend nm emgreife. m em genossenschaftlich von uen en ememwesen ein 0. ll' er taat auf d' . daß Recht und Macht sich finden und dadurch der t ' bürtigkeit des Staates wird ll d' .echt und Staat "ebenbürtige Mächte". z. so kann er nicht mehr nn e nu t en Arg t d schaftstheorie den So . . t r auc 1 o ne noss·enschaftstheorie hat ur Izen dorff auf Jh. die ethisch geboten oder geschichtlich berechtigt sein kann. G . eine Durchbrechung der H. gd rangt. . 35). B.... un as echt den St t b . sondern das berufene Organ des Volkes für den Ausspruch des vom Volksleben hervorgebrachten Rechtshewußts. ruc' ' eme "staatemen "außeren formalen W " h also nur das ist' was Krabb· e eme bloße Festst ll . · on semen denken. daß der Staat das Recht d d R . und die grundlegende Frage nach ihrem gegens.' " m eresswrt hier am meisten die letzte S ·I ·'ft D c ui " er reme Staat" s·. der Rechtswert der höchste Wert. formulierte seinen Staatsbegriff dahin. . weso liebes Recht zu sein w· d d S {ann. daß sie . aber keines durch das andere oder vor dem anderen bestehend. Der persönliche Wille des Herrschers wird in den Staat als in ein organisches Ganzes eingefügt. Preuß . d eSI uum des Obrigkeitsstaates ablehnen und . Die I . aber e ac t der Ordnung als die F " Iebens. Doch sind für Gierke H. Gierke selbst. . Von dieser Macht . Sein Kampf gegen den Obrigkeitsstaat und gegen die Juristen des Obrigkeitsstaates erinnert an die bekannten Schriften von Hugo Preuß. ..e Interesse. aber ein Rechtsbruch bleibt. die nur .. Wir ver angt. die aber . o ne staat. Der gemeinsame Gegensatz zum zentralistischen Obrigkeitsstaat bringt Krabbe in die Nähe der Genossenschaftstheorie. Der Staat . H)I .

. In der Rechtssoziologie Max Webers kann man drei Begriffe der Form unterscheiden. und einer Form im ästhetischen Sinne. aber nur als "kausale Komponente des Einverständnishandelns".. daß o d d ie Garantiefunktion Ist etwas so wertet. Dann.11. . d ff 'eh bewußt gewesen ist. wie er sagt. a . Hechts. Hintergrund bleiben.es der seine Ordnungs un '1 all Recht zugleich em ro bildung. die sich in der Philosophie um den Begriff der Form verbreitet. er a . Das Problem der Souveränität als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 37 .cchcnbaren Funktioniereng dient. azu ge . " zustehenden Fun . a venvaltung ü b er asse . Zwischen einer Gestaltung. Hechtsform. . . wet es ll d s Recht bewahren. der Wendung von em " .. l' bb und den genannten Ver. einem wirkenden Faktor des historisch-politischen Lebens. t · Staat der sich au ff . . Einmal ist für ihn die begriffliche Präzisierung des rechtlichen Inhaltes dessen rechtliche Form. !177). s· brinat die Diskussion auf dorffs deshalb besonders. ts h ftlichen noch soZla en o er . wo er von der Differenzierung der Sachgebiete spricht. nie e ' tl' h r und letztentscheiden. ht VVolzendorff eine Äuß. pädagogtSchen ro e von der DiskusSIOD zur · rwartete Wendung f keit häufig eme une . d nn solche historischeine gewisse "Rel e g f"h r h werden konnen. d. er Staat lS em ' D hört auch die RechtsDiktatur. kultmellen Interessen . d eschichtlichen Wirkhc . un der Staat nicht mehr nur der Feststeller oder "äußerlich formale" Umschalter der Rechtsidee ist. "sozial-psychologischen Phänomen". Selbständiaes. chaftstheone 1S ese treternder Genassens . das Otd. S. die dem Zweck ber. . ein EigenVVolzendorff spricht von der Form als einem 1wert der Form. Beschrank ung d es Staates auf dte Ihm "rem tionen. sle so s . technische Form. ie Macht ziellen Smne.estand. " . p bl me nehmen m er g . .erung " I Rätegedanken sie der Garant . wte sehr er mit f .. . in der gedanklichen Struktur der staatlichen Verfassung ein feststehendes Element konstruktioneUer Berechnung zu erfassen (Arch. d" ft allerdings Wolzendor . 3(~. t Gegenuber "-ra e . fachmäßig geschult und schließlich . . die normative Regelung. daß er den gegeneinander wirkenden politischen Triebkräften die Möglichkeit gibt. c dieser Ten . Die Verwirrung. D . d f wedet mit wn c a nungsmäßtge al' d weil diese der Selbstverknüpft wer en. Wolzendor s rem f ktion beschränkt. . ästhetische Form und schließlich der Formbegriff der transzendalen Philosophie bezeichnen wesentlich verschiedene Dinge. ll al ulttma tatlO IDl • 1 d tst. e . h Postulaten ge a r lC . t di letzte Schrift Wolzennahegekommen IS . Bd. so wie das Wort etwa bei Hermann Hefele gehraucht wird.. wich~lg. a d letztentscheidenden Ga. wieweit in jeder Feststellung und Entscheidung mit rechtslogischer Notwendigkeit ein konstitutives Element enthalten ist. 0 r dnung ist · Der Staat soh ls Hüter nicht bloß em staatlichen . wird das Wort formal gleichbedeutend mit rationalisiert. h d demokratischen Staats1tc en un d nossenscha t . ht G bieter" aber auc a ist "Hüter. h d ß Wolzen or SI Ich glaube mc t. rauten emer er ge t r'tären Staatstheone t eaengesetzten au 0 1 auffassung extrem en g ~. dessen Bedeutung darin besteht.li hte d n ~er Form im substan'd d Begnff nam c e den entschet en en ' · h wird so hoch beder Ordnung an stc . p blem des ß. m h ftli hen Selbstverwaltung.s 'f " ehort ur e ' . Es erhebt sich das Problem. zur k d enz zur g enassense . öfi. D ß zm Selbstverwaltung ff 1 n werden mussen. DerStaat wird also zu einer Form im Sinne einer Lebensgcstaltung.. " d rn verantwor lC e "blinder Dtener 'son e . wiederholt sich hier besonders unheilvoll in der Soziologie und der Jurisprudenz. hat Wolzendorfi nicht deutlich unterschieden. .

die von ZweckmäßigkCltsgestehlspunkten beherrscht ist und sich zwar auf den organisierten staatlichen Apparat anwenden läßt. Der militärische Befehl wird in seiner Präzision einem technischen.ang~ht. Das Problem der Souveränität als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 39 s·1o·t e1· llaß ein formell entwickeltes Recht ein < tJ gänglich. nicht einem Rechtsideal gerecht. aber das "Justizförmige" nicht trifft. ~ 1 ).n konkreten Tatbestand anzuwenden. ändert nichts an seiner Technizität. Hiervon ist bei einer Erörterung der Eigenart der Rechtsform auszugehen. Auf den Formbegriff der Neukantianer braucht hier nicht eingegangen zu werden.1 LJ 0 II. ~c­ amtetcn Trägern der Rechtspflege usw. Die uralte aristotelische Gegenüberstellung von cleliberare und agere geht von zwei verschiedenen Formen aus. Daß er ästhetisch bewertet werden kann. wie das zu jeder erkenntniskritischen Einstellung gehört. daß er alles Personalistische vermeidet und die Rechts- . das deliberare ist einer Rechtsform zu- bedarf es zu -jeder Umsetzung in die Wirklichkeit einer besonderen Gestaltung und Formung. wo er sich zu einer Weltanschauung bekennt. die weg. das heil~t (sie!) rationale Schulung. Form kann also bedeuten: erstens die transzendentale "Bedingung" juristischer Erkenntnis. Der Formbegriff der Kategorienlehre von Lask ist noch subjektiv. auf Berechenbarkeit gerichtete technische Vervollkornmnung. Das gilt sowohl für die Formierung eines allgemeinen Rechtsgedankens in einem positiven Ge_setz als auch für die Anwendung einer positiven generellen Rechtsnorm in der Rechtspflege oder Verwaltung. Kelsen widerspricht sich selbst. Was bedeutet es. das heißt von der Rechtsverwirklichung im weitesten Sinue. gehört. s~ bedeutet sie eine Präzisicrung. erschöpft Sich dal'ln. vielleicht auch Zeremonien zugänglich ist.auf eine. Weil die Rechtsidee sich nicht selbst verwirklichen kann ' ' . aus wiederholter übung und fachmäßigem Durchdenken entstehende Hegelmäßigkeit. die beherrscht ist von dem Ideal reibungslosen Funktionierens. Die Rechtsform wird beherrscht von der Rechtsidee und der Notwendigkeit. wird mit steigenllem Verkehrsbedürfnis notwendig.en ihrer Gleichmäßigkeit und Berechenbarkeit übergeht in die dritte. gleichzeitig aber von einer ganz anderen Seite her eine Form postuliert wird? Ist das eine jener ewigen Vertauschungen. wenn heule in der Staatslehre der Formalismus der Neukantianer beiseite geworfen. ?ie Objektivität. die er für sich beansprucht. dann aber. FaclunaßJgc Schulung.38 lCll I)erec1 b a1 · • 1. und daß soziologisch dazu die Mitwirkung von geschulten Rechtskundige~. wenn er einmal einen solchen kritisch ge'~onnenen subjektivistischen Formbegriff zum Ausgangspunkt ' mmmt und die Einheit der Rechtsordnung als eine freie Tat juristischen Erkennens auffaßt. einen Rechtsgedanken . welche die Geschichte der Philosophie so monoton machen? Eines ist jedenfalls in diesem Bestreben der modernen Staatslehre sicher zu erkennen: die Form soll aus dem Subjektiven ins Objektive verlegt werden. Komplex bewußter Entscheidungsmaximen ist. Was die technische Form . das heißt eine aus den Notwendigkeiten des Y·erkehrs oder auch der Interessen einer juristisch gebildeten Bürokratie entstehende. "rationalistische" Form. das agere nur einer technischen Formierqng. woraus sich die moderne 1\ationalisierung des Rechts zum spezifisch-juristischen und die Herausbildung "formaler Qualitäten" ergibt (Rechtssoziologie II. zweitens eine gleichmäßige. Objektivität verlangt und selbst dem Hegeischen Kollektivismus den Vorwurf des Staatssubjektivismus l~acht.

Es ist in der Eigenart des Normativen begründet und ergibt sich daraus. als daß er zuverlässig funktioniert. Denn jeder Rechtsgedanke überführt die niemals in ihrer Reinheit Wirklichkeit werdende R·echtsidee in einen anderen Aggregatzustand und fügt ein Moment hinzu. obwohl als Maßstab' der Beur- . so daß ich mich danach richten kann. das sich weder aus dem Inhalt der Rechtsidee noch. In der Rechtsphilosophie des I g. daß alles Persönliche aus dem Staatsbegriff verschwinden muß. und man kann ihn weitertreiben zu dem von Obrigkeit und Hechtssatz. sondern um die Bestimmung des rechtlichen Wertes. Für Preuß und Krabbe sind alle Persönlichkeitsvorstellungen historische Nachwirkungen aus der absoluten Monarchie. Preuß.40 · II . Die verschiedensten Theorien des Souveränitätsbegriffes Krabbe. Kelsen . nämlich einem besonders klaren Bewußtsein dessen. Individuell und Generell. Nach Kelsen ist die Vorstellung vom persönlichen Befehlsrecht der eigentliche Irrtum der Lehre von der Staatssouveränität. Entscheidung im weitesten Sinne gehört zu j-eder rechtlichen Perzeption. aus deren Inhalt entnehmen läßt. Jahrhunderts hat das zum Beispiel Ahrens besonders deutlich und interessant ausgeführt. die Theorie vom Primat der staatlichen Rechtsordnung nennt er "subjektivistisch" und eine Negation der Rechtsidee. daß ein konkretes Faldum konkret beurteilt werden muß. und der Umstand.oder Ankunftzeit festsetzt. wobei sie sich darüber einig sind.) Im rechtlichen Verkehr bietet die sogenannte "formal·e Wechselstrenge" des Wechselrechts ein Beispiel solchen Interesses. obwohl auch hierfür die abstrakte Entscheidung als solche von Bedeutung ist. Dabei handelt es sich nicht um die kausale und psychologische Entstehung einer solchen Entscheidung.etzt werde. Jede konkrete juristische Entscheidung enthält ein Moment inhaltlicher Indifferenz.. weil der juristische Schluß nicht bis zum letzten Rest aus seinen Prämissen ableitbar ist. weil der Verkehr in zahllosen Fällen häufig weniger Interesse an einem bestimmt gearteten Inhalt als an einer berechenbaren Bestimmtheit hat. Persönlichkeit und Befehl gehören für sie offenbar zusammen. was das Wesen der rechtlichen Entscheidung ausmacht. Eine solche. daß eine Entscheidung notwendig ist. Alle diese Einwendungen verkennen. ein selbständiges determinierendes Moment bleibt. bei der Anwendung irgendeiner generellen positiven R·echtsnorm. Mit dieser Art Berechenbarkeit ist das rechtliche Interesse an der Entscheidung als solcher nicht zu vermengen. Das Problem der Souveränität als Problem de1· Rechtsform und der Entscheidung 41 ordnung auf das unpersönliche Gelten einer unpersönlichen Norm zurückführt. weil der Subjektivismus des Befehls an die Stelle der objektiv geltenden Norm ges. Soziologisch tritt das Interesse an der Bestimmtheit der Entscheidung besonders im Zeitalter einer intensiven Verkehrswirtschaft hervor.verlangen eine solche Objektivität. Autorität und Qualität und in seiner allgemeinen philosophischen Formulierung zum Gegensatz von Person und Idee. Bei Krabbe verbindet sich der Gegensatz von Persönlich und Unpersönlich mit dem von Konkret und Allgemein. wie der Fahrplan im einz·elnen Falle die Abfahrt. daß die Persönlichkeitsvorstellung und ihr Zusammenhang mit der formalen Autorität einem spezifisch juristischen Interesse entsprungen ist. (Oft interessiert es mich weniger. Es entspricht der rechtsstaatliehen Tradition. in dieser Weise den nersönlichen Befehl der sachlichen Geltung einer abstrakten Norm ~ntgegenzustellen.

~b. und : ')Fremdes.esultat der Begründung. er. daß das Gesetz nicht sagt. Von dem Inhalt der zugrundeliegenden Norm aus betrachtet ist jenes kon. öffentl. Es wird nicht mit II. daß sie nichts darüber aussagt. Das Formale im spezifisch-rechtlichen Sinne liegt in einem Gegensatz :w dieser inhaltlichen Qualität. wem es Autorität gibt. von der Mcrkl Bedeutu~g. unter Umständen auch absolut. denn sie hebt die Identität auf". stitutive. J Nichts geboren. macht die Entscheidung relativ. spezifische Entscheidungsmoment etwas Neues . unabhängig von der H. Wenn er sagt: "Eine Entwicklung der Hechtsform ist ausgeschlossen. nicht zu der quantitativen Inhaltlichkcit eines Kausalzusammenhanges. The Law g~ves authority. welche indiYiduelle Person oder welche konkrete Instanz eme solche Autorität für sich in Anspruch nehmen kann. sagt Locke und braucht hier das Wort Gesetz in bewußter Antithetik zur commissio. wie ein personalistisches Moment in die Lehre von Hecht uucl Staat hineinkommen kann.ichtigkeit ihres Inhaltes undschneidet die weitere Diskussion darüber. Eine unterscheidende Bestimmung darü. Aber er sieht nicht. sondern umgekehrt. so verrät er damit. sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Das ist die Schwierigkeit. Von der Norm aus ergibt sich kein Zurechnungspunkt. mem1m geg .ribt sich schon daraus.dten Staatsakt offenbart s1ch das in seiner ganzen theoretischen und praktischen Der unrichtigen und fehlerhaften Entscheidung Hechtswirkung zu. Hier sollen nicht Spekulationen angestellt werden über die philosophische Bedeutung der l\echtskraft einer Entscheidung oder die unbewegliche. Die unrichtige Entscheidung enthält em konstitulives Moment. daß im Grunde eine grob-quantitative Vorstellung von Form bei ihm wit·ksam ist. Wert. da(~ es überhaupt keine absolut deklaratorischen Entscheidungen geben kann. daß nur ein genereller Rechtssatz maßgebend sein dürfe. Daß es die zuständige Stelle W<H'. Denn da(~ dieser letzte Gegensalz für die Hechtswissenschaft nicht in Betracht komml. die immer davon ausgegangen ist. die Krabbe beständig ignoriert. Die spezifische Eigenart der Hechtsform muß in ihrer rein juristischen Natur erkannt werden. e1·st voll einem Zurechnungspunkt aus bestimmt sich. In der Lehre vom fehlerh. I / i f. Aber es liegt in det' Idee der Entscheidung. 1 positio. Die Entscheidung ist. d.. Rechts.r (/' . von Zeit und Baum unberührte "Ewigkeit" des Hechts. Daß die Rechtsidee sich nicht aus sich selbst umsetzen kann. .. S. I g) gesprochen hat. Der Rechtssatz (Arch. a~s emem . die eine Enlschmdung lallt. Es kann doch nicht jeder jeden beliebigen Rechtssatz vollstrecken und realisieren.42 teilmw nur ein rechtliches Prinzip in seiner generellen Allgeo . den Begründung und erhält emen s·elbständigen argumen tICren . wndern nur eine Qualität eines Inhaltes. Das Problem der Souveränität als Problem der Rechtsform und der Entscheidmw " 43 ! \ Hilfe einer Norm zugerechnet. ob noch Zweifel bestehen können. Von dieser Art Form aus ist es allerdings unerklärlich. · 1 't eben ist So liegt ]. normativ betrac~t~t. edesmal ·eine Transformatton vor. gerade wegen ihrer Unrichtigkeit. Es entspricht der uralten rechtsstaatlichen Tradition.. ist aus der bloßen Hechtsqualität eines Satzes nicht zu entnehmen. wer sie 0 · 1 11 Itl ·edct· Umformung liegt eine auctoritatis interauwenc en so .ber. . kom~t eme gq. was eine Nor~ und was normative Richtigkeit ist.. Die rechtliche Iüaft der DeziSIOn 1st etw~s '' anderes als das H. das heißt dem persönlichen Befehl des Monarchen. Die Entscheidung wird im Augenblick unabhängig von der .

. ' shalb den emJe em emzelnen Rmter zu unterwerfen und zurn Gehorsam zu verpflichten.un d · h . . Aus der Eigenart dieses Typus erklärt es sich auch. .. Auf die inhaltliche Richtigkeit könnte sich jeder berufen. . Wir ' D I . . WISsensc1 f trchkeit des I 7 J ah h d la l • r un erts so personalistisch · d · · Ist auffallend. g ann emer andern so unterwoden sem.~~~. potestas) der andern unterworfen sein soll. Ist ihm unverständli h ( . . er as JUnst. 1 .. die klassische Formulierung der Antithese gefunden hat: Autoritas.Es gibt vielleicht zwei Typen juristischer Wissenschaftlichkeit. heißt. Right and p . 26). .sam Er scheint öfters die Einheit des Staates von J'edem h 1' b' .. wie weit ein wissenschaftliches Bewußtsein von der normativen Eigenheit der rechtlichen Entscheidung besteht oder nicht. Die Antithese von autoritas und veritas ist radikaler und~J:lräziser als Stahls Gegenüberstellung\Ailtorität. so bedeutet das nur. Er illustriert das durch . ablehnt.elt der natmwissenschaftlichen Reall'ta" t . aber nicht. und nicht der andere Typus. daß auf das materielle hingewiesen wird..t und srch gleichzeitig bemüht. emen Jener Vergleiche. daß er. welches den Zusammenhang dieses DezisiO'Ilismus mit dem Personalismus enthält und alle Versuche. 1 d Denker die Wirklichk '. Command. die man danach bestimmen kann. Demnach ist die Frage die nach der Kompetenz. . he whi h h th h .Ische Denken war damals noc 1 mcht so vom naturwissenschaftlichen 'p' \ 1 ~~:la~:i::: n:~~ ~=u~St l~emacht. zu "we cannot understand") F . b . Unterordnun . or Powers but of p " ower are acCidents. a es emc w· ·kr h1 . unterworfen sein soll.. ew at. .Gewalt" (Power. . 1 't ' z eser · strakten Stuf. anzu rmgen wmß: eine Gewalt oder Ordnun k . G alt h ' Jemgen. weil die geistliche Gewalt eine höhere Ordnung sei.~~I~t dei Natur erfa. wie entschieden werdoo soll. an die SteHe der konkreten Staatssouveränität eine abstrakt geltende Ordnung zn setzen. b. .enm er von Ordnungen niemand daran denkt de . en g <. Die letzte Instanz ergibt sich aber nicht aus der Entscheidungsnorm. ersons ( cap..I er Wir <. b · · zu sem raucht I t Auch sind mathematischet: mma Ismus nebeneinand . Auf eine solche Begründung gibt er die Antwort: Wenn eine . . g spnc . er die andere . nichf Majoritätl Hobbes hat auch ein entscheidendes Argument vorgebracht.44 II. . zeinen Sattler · d . c a t e one Power lS su Ject to lnm that hath the other D ß . . Kompetenzfragen damit zu beantworten. die er in der unbeirrten N" ht uc ern eit seines d b . ~.'lsen will D ß . . JUnshsche Wirklichkeit und Leb di 1 . non veritas facit Iegern (Leviathan. die sich aus der inhaltlichen Rechtsqualität eines Satzes heraus nicht einmal erheben. die nicht die u rc <. einen zum Narren halten. . ww die Kunst des Sattlers der des R 't er ers unterworfe . Das Problem der Souveränität als Problem der Rechtsform und der Entscheidung 45 als Entscheidungsnorm besagt nur. c SubJechon.. 1 . eine Frage. . Ic1 aI d araus d ß s' 1 )er . der die Gewalt hat dem. . h .Clt gibt. Es Prklärt . d . . not of . . er a s Juristischer en <:et e ensosehr ehe effektive Wirklichkeit d · "---~~~~-~ es gesellschaftliehen L b e ens Wie als Ph'l . . . Er erörtert die Forderung. Kap. gesun en Menschenverstandes so schlagend . . wnsequentesten Vertreter der abst. osop I un naturwissenschaftlicher .ra1t en i\r <: l~atur . abstrakt blmben. . 42 ). . t aber das Wesentliche ist doch daß trot di ab n ls . wer entscheiden soll. ' a . viel weniger beantworten läßt. daß derjenige. gebene p kt e Ie Ig gen un aus konstruieren zu können Ab d . daß die staatliche Gewalt der geistlichen Gewalt unterworfen sein muß. · a mau von übe I. ~. Daß einer der 1 . wenn es keine letzte Instanz gäbe. Der klassische Vertreter des (wenn ich dies Wort bilden darf) dezisionistischen Typus ist Hobbes.

Sie ist endlich auch nicht die Form der ästhetischen Gestaltung. unpersönliches Zweckinteresse. Das Pr~blem der Sonverlinitiit nlR Prohlem d!w Tiechtsform überwältigt. Es kommt für die Wirklichkeit des Rechtslebens darauf an. Sie hat nicht die apriorische Leerheit der transzendentalen Form.46 JT. von einer bestimmten Instanz ausgehenden Entscheidung. die eine Dezision nicht kennt. Sie ist auch nicht die Form der technischen P rüzision. In dem Gegensatz von Subjekt und Inhalt der Entscheidung und in der Eigenbedeutung des Subjekts~ liegt das Problem der juristischen Form. nach der Zuständigkeit. daß er bei der Intensität seiner Wiss. Die Form. die er sucht. denn sie entsteht gerade aus dem juristisch Konkreten. Politisme 'fheologie . liegt in der konkreten. wer entscheidet Neben der Frage nach der inhaltlichen Richtigkeit steht die Frage . denn diese hnt ein wesentlich sachliches. IH. Bei der selbständigen Bedeutung der Entscheidung hat das Subjekt der Entscheidung eine selbständige Bedeutung neben ihrem Inhalt.enschaftlich~ keit an der in der Rechtsform liegenden spezifischen Realität des Rechtslebens ahnungslos hätte vorbeigehen können.

. deren Erkenntnis notwendig ist für eine soziologische Betrachtung dieser Begriffe. durch ein-en unmittelbaren Eingriff eine Ausnahme statuierende Durchbrechung der Naturgesetze ebenso ablehnt wie den unmittelbaren Eingriff des Souveräns in die geltende Rechtsordnung..--·-. mit . Erst in dem Bewußt- 1 ~ solcher analogen S!ellung läßt sich die Entwicklung er. Die.lder Form.Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind sä_t-'\_kularisierte theologische Begriffe. '. Nicht nur ihrer historischen Entwicklung nach. welche die staatsphilosophischen Ideen in den letzten Jahrhunderten genommen haben. Denn die Idee des modernen Hechtsstaates setzt sich mit dem Deismus durch. Der Ausnahmezustand hat für die Jurisprudenz eine analoge Be.1 deutungwie das Wunder für die Theologie.he Theologie \ ': \ ' . die das Wundet' aüs-der Welt verweist und \ -die im Begriff des Wunders enthaltene..einer---Theo-. ..~ \\ logie und Metaphysik.. theisti&che Überzeugung der konservativen Schriftsteller der Gegenrevolution konnte daher versuchen...jf. Der Rationalismus der Aufklärung verwarf den Ausnahmefall T~-. weil sie aus der Theologie auf die Staatslehre übertragen wurden. indem zum Beispiel der allmächtige Gott zum omnipotenten Gesetzgeber wurde..--. sondern auch in ihrer systematischen Struktur. Politlsc.I kennen. mit Analogien aus einer theistischen Theologie die persönliche Souveränität des Monarchen ideologisch zu stützen. j . Seit langem habe ich auf die fundamentale systematische und methodische Bedeutung solcher Analogien hingewiesen (Der 4 S eh ml tt.

I9I9. woher die Neigung zu 4* Verwandtschaft mit der Theologie zu betonen: "Merito parti~ionis beoloma ad J urisprudentiam transtuhmus. I 92 I ) .50 III. von der man in jedem Lehrb-uch des Staatsrechts hört. der durch Begnadigungen und Amnestien seine Überlegenheit über seine eigenen Gesetze beweist. nämlich Gerechtigkeitsforderungen. der sieb die Mühe nimmt. daß an allen SteHen der Staat eingreift. Adolf Menzel hat in einem Aufsatz "Naturrecht und Soziologie" (Wien I 9 I 2) bemerkt. unterlegen ist. ausführliche Darlegung der Bedeutung. Politische Theologie III. f" e andere Stelle vorbehalten. gescbichtsphilosophische Konstruktionen oder Ideale nuszudrücken. Er lehnt die Vergleichung ~er Junspru. i . Die klarste philosopbtsche Äußerung über jene Analogie steht aber in der Nova ~ethodus (§§ 4. bald als cJ. de ~aistre und Donoso Cortes. hätte wenigstens die Frage naheliegen können. h . aber als immer dieselbe unsichtbare Person agiert. das Gesamtbild der heutigen Jurisprudenz aus einer gewissen Distanz auf sich wirken zu lassen. und sucht zu zeigen. ein großes Degen. Politische Theologie Wert des Staates. Die "O~l1ipotenz" des modernen Gesetzg. dte. w1e we1 1ese Begriffe in Betracht kommt. Die Di~. E me 'ff d Wunders in diesem Zusammenhange hat. als Fürsorge. Staatsphilosophen der Gegenrevolution.haben em duplex principium. so natürlich auch für Staat und Gesells~haft bunte Symbole und Bilder finden. 5) von Leibniz. Wenn der Vorwurf mehr als eine bloße Beschimpfung sein soll. das heißt ein Buch mit positiven Offenbarungen und Anordnungen. natu:hil~sophischen oder gar romantischen Spielereien handelt.IChe Theologie und eine natül'lliche Jurisprudenz) und dle scnptura.uben.er Gütige und Barmherzige. als Polizei. bei Bonald. Die inter~ssante_ste politisch~ Ver. die staatsrechtliche Literatur der positiven Jurisprudenz auf ihre letzten Begriff·e und Argumente zu untersuchen. Bei ihnen ist auch auf den ersten Bhc~{ zu 1 l daß es sich um eine begrifflich klare.denz . Politische Romantik. o. nostrae exemp1um a T quia mira est utriusque Facultatis similitud~. siebt. Im positivistisch~n Zeitalter macht man seinem wissenschaftlichen Gegner gern den Vorwurf. daß die Soziologie dadlU'ch der JlU'isprudenz. H~er interessiert nur~ 1C m1r ur e 't d' r Zusammenhang für eine Soziolog~e juristischer . muß es der Begn . in welchem der Staat unter vielen Verkleidungen. Analogien findet s1ch bm den katholiSchen wertung cl erarti ger . Jahrhundert das Naturrecht ausübte. I9I4. dw tatur.h in polemischer Absicht. Aber auch in den Einzelheiten der Argumentation tauchen theologische Reminiszenzen auf. daß er Theologie oder Metaphysik treibe. die ratio (daher gibt es eme ~atuPl. daß sie "politische Tendenzen mit dem Schein der Wiss·enschaftlicbkeit" versehen. Meistens natürlic. Wer sich aber die Mühe gibt. daß heute die Soziologie Funktionen übernommen hat. so daß einem Betrachter. ist~ nicht nu. die positiv geworden sein soll. bald wie ein deus ex macbina im We~e der positiven Gesetzgebung eine Kontroverse entscheidend. um dw systematische 1z1 u Er scheint zu gla.und Mantelstück erscheint. als Gesetzgeber. sprachlich aus der Theologie hergeholt. daß alle bisherigen soziologischen Systeme darin enden. Analogie und nicht um irgendwelche mystischen. . die im I 7· und I 8.ebers." Bei~e . mit der Med' 'n ·•nd der Mathematik ab. systematiSche er wnnen. immer dieselbe unerklärliche Identität. als Gnadeninstanz. Wie m' für alles andere. welche die freie Tat der juristischen Erkenntnis nicht zu einer allgemein einleuchtenden Löstmg führen konnte. als Exekutiv·e.

tut er ab mit dem Satz. wegen der notwendigen Einheitlichkeit und Planmäßigkeit alles staatlichen Willens (welche notwendige Einheitlichkeit und Planmäf~igkei t er also keineswegs bestreitet) die v. 226. das Dogma der Dreieinigkeit zu begreifen. II. Politische Theologie III. öffentl. bringt Bernatzik in seinen kritischen Studien über den Bngriff der juristischen Person (Arch. daß er theologisiere. widersprechende Argumente oder Einwendungen gedanklich zu bew~ltige~. 2 36) sucht seinen genossenschaftlichen Staatsbegriff ebenfalls dadurch zu verteidigen. daf~ es . daß die Gesamthänderschaft eine juristische Person sei. 2tr4) umgekehrt den Einwand gemde gegen die organische Staatslehre vor und sucht eine Ansicht von Stein. setzen muß. Schulze. I 5o) di311 alten Einwand vorgebracht. man hätte untersuchen müssen. d. oder ob ihnen vielleicht systematische oder methodische Notwendigkeiten zugrunde liegen. S. jedes Gericht usw. ob sie historisch zu erklären sind. daß an die Stelle der religiösen die juristische Fiktion gesetzt wird. Jaß er den Gegner ins Theologische und Metaphysische drängt: der Souveränitätsbegriff der Staatslehre von Laband und Jellinek und die Theorie von der "alleinigen Herrschergewalt des Staates" macht aus dem Staat ein abstraktes Quasi-Individuum." Dieses Sich-selber-Setzen ist ihm anscheinend so einfach und plausibel.52 Ill. 210. daß immer nur eine Person der Grund einer anderen Person sein könne. Gierke und Preuß mit der höhnischen Bemerkung zu erledigen: Wenn die Organe der Gesamtpersönlichkeit wiederum Personen sein sollen.. sich selbst als Subjekt allen Rechts. Während solchermaßen ein Vertreter der organischen Staatslehre seinem Gegner den Einwand macht . daß die Quelle derselben. Preuß (in der Festgabe für Laband I go8. ohne sich zu fragen. es sei "Metaphysik". eine Kleinigkeit. Hänel hat in der Schrift über das Gesetz im formel•len und materiellen Sinne (S. vielleicht als Nachwirkung der monarchistischen Staatslehre. und zwar die staatliche Rechtsordnung. als wenn Stahl sagt. Ich gebe g•ern zu. die staatliche Hechtsordnung. dm: Staat mit einer Art Kurzschluß des Denkens erschemt. daß die Quelle der Rechtsfähigkeit.e mißbraucht wird." Auch die Meinung Stobbes. Aber damit ist die sachliche Frage noch mcht beantwortet. bei denen aus einer Unfähigkeit. V. "Dagegen gehalten wäre ja der Versuch. wtc bct Lehreu Maurenbrechers mit der Modifikation. "derlei abermals an das Dogma von der Dreieinigkeit erinnernde Wendungen" verstehe er nicht. Politische Theologie 53 solchen theologischen und metaphysischen Entgleisungen eigentlich stammt. Rechts.J uristen gibt. Bisher hat man sich im allgemeinen nur mit beiläufigen Andeutungen begnügt. mit ihrem durch "mystische Erzeugung" entstandenen Herrschaftsmonopot Das ist nach Preuß eine juri~ stische Verkleidung des Gottesgnadentums. Er selber sagt freilich: "Schon in dem Begriff der Rechtsfähigkeit liegt es. eine juristische Person und doch der Staat als Ganzes ebenfalls wieder eine einzige solche juristische Person.ereinigung aller staatlichen Funktionen in einem einzigen Organ zu fordern. ein "unieuro sui generis". S. sich selbst als Produkt setzt. nämlich die Rechtsordnung. warum es in höherem Maße logische Notwendigkeit sein soll. dann wäre jede Verwaltungsbehörde. '\ gewissen Metaphysikern der Name Gottes für solche Zwec~\. mithin als juristische Person. 18go. die den theistischen Gott mit dem König identifizierte. die "Viederholung der . daß er eine abweichende Meinung "nur als Kuriosität" erwähnt.

sollte vor einer Metaphysik. Politische Theologie 55 I Kelsen hat das Verdienst.er materialistischen Geschichtsphilosophie. f. weil eine Soziologie juristischer Begriffe eine konsequente und radikale Ideologie voraussetzt.dogmenbefreiten. Humes und Kants Kritik des Substanzbegriffes lassen sich auf die Staatslehre übertragen (Staa. Jene systematische Analogie theologischer und juristischer Begriffe wird hier deshalb hervorgehoben. Die Unterscheidung von Sub. Für die Soziologie des Souveränitätsbegriffes ist es notwendig. di-e plötzlich in das Pathos der Objektivität fällt. ein System herzustellen. mit einem ganz naturwissen- schaftliehen Ursachenbegriff operiert. In der Geschichte jener Parallele von Theologie und Jurisprudenz findet eine solche Überzeugung ihren Platz am besten wohl bei J. S. beruht auf der Verwerfung aller "Willkür" und sucht jede Ausnahme aus dem Bereich des menschlichen Geistes zu verweisen. III. In der Begründung. 1920. Politische Theologie 54.l III. zeigt sich am schönsten darin. die aber für eine tiefere ideengeschichtliche Einsicht die innere Heterogenität seines erkenntnistheoretischen Ausgangspunktes nnd seines weltanschauungsmäßigen. keinen Unterschied rechtfertigen. den Max Weber in seiner Kritik der Stammlersehen Rechtsphilosophie ausgefühl't hat.an. spricht sich die konstitutionell mathematisch-naturwissenschaftliche Art seines Denkens offen aus (Arch. S. darauf hingewiesen).stanz und Ausübung eines Rechts. daß man einer radikal materialistischen Geschichtsphilosophie . seit I 9 2 o mit dem ihm eigenen Akzent auf die methodische Verwandtschaft von Theologie und Jurisprudenz hingewiesen zu haben. 84): die Demokratie ist der Ausdruck eines politischen Relativismus und einer wunder. zu glauben. oder ob er sich erst die Mühe gibt. die Kelsen sein·em Bekenntnis zur Demokratie gibt. Auch er betonte im Interesse der Objektivität und aus Furcht vor Willkür die ausnahmslose Geltung jeder Art von Gesetzen. Mill. 208). Zu dem Satz. Ob der bedingungslose Positivismus sich unmittelbar an das ihm zugeworfene Gesetz hält. sobald er über seine methodologische Kritik hinaus einen Schritt weiter geht. S. Denn seiner rechtsstaatliehen Identifikation von Staat und Rechtsordnung liegt eine Metaphysik zugrunde. 44. In seiner letzten Schrift über den soziologischen und den juristischen Staatsbegriff führt er ein•e Menge freilich diffuser Analogien an. daß die freie Tat der juristischen Erkenntnis aus jeder beliebigen positiv·en Gesetzesmasse den Kosmos ilues Systems g•estalten könne. Soz. demokratischen Resultates erkennen lassen. ohne zu sehen. ist mit naturwissenschaftlichen Begriffen überhaupt nicht zu erfassen und doch ein wesentliches Moment der juristischen Argumentation.sbegriff. daß er glaubt. die in der Dogmengeschichte des Souveränitätsbegriffes eine fundamentale Bedeutung hat (ich habe in meinem Buch über die Diktatur. Daß Kelsen. die Naturgesetzlichkeit und normative Gesetzlichkeit identifiziert. 1 g4. St. Sie ist aus ein·em ausschließlich naturwissenschaftlichen Denken entstanden. I05.wie Kels·en .und . aber er nahm wohl nicht . darin liege eine spiritualistische im Gegoosatz zu ein. daß der Substanzbegriff des scholastischen Denkens etwas ganz anderes ist als der des mathematischnaturwissenschaftlichen Denkens.-W. denn dadurch wird die Objektivität wieder aufgehoben. Es wäre ein arges Mißverständnis. auf den menschlichen Verstand und den Zweifel der Kritik gegründeten Wissenschaftlichkeit. sich über die Soziologie juristischer Begriffe überhaupt klarzuwerden.

wel sie a es en en• 1 Funktion und Emanation vitaler Vorgänge auffaßt. das mit methodischer Notwendigkeit zur Karikatur werden muß.ersonenkreis sucht. II. . t G . . den zwanziger Jahren des I 9· . Ö . .ad'k al spiritualistische Geschichtsunw1 er eg k" b' t t allerdinas die politische o .. . rung·en mi p M . . :. Politische Theologie III. 'h l 'gstens m 1 rer . also konsequent nut psyc oökonomisc ·er ezie u . S l 'ftsteller erklärten diC pohtld' e enrevolutwnaren c In Denn Ie g g . o . "re um ekehrt ehe Anderung ll11 Hevolutwna g d . 1' h sehen gef un J en wn .. . hen Erklärungen. der aus seiner soziologischen Lage heraus zu bestimmten ideologischen Resultaten kommt. . Politische Theologie 57 . daf... § I).ei unb en . t' l n Geschichtsphilo~ophie isL cheser h=... Es gibt einen Sprachgebrauch. Anders verhält es sich mit der soziologischen Methode. e vortreffliche IllustratiOn.. bedingt gewisse Methoden und Evidemen der juristischen Argumentation. d . ·eher Konsequenz unmog IC ' ·eine isolierte Betrachtung 1 eo ogiS " kl 'd a . Der as . o ie der Restauratwnszei em . Ie e 't . Verhältnissen zureclmeten. a r u ~ Sc on m . vu. . \nde'1 reliaiöse pht osop 1 . de wcg. .56 III. . ·d Diese materialistische Erklarung mac . verbreitetes Dogma. . ht . der das als Soziologie 'eines Begriffes oder einer Theorie bezeichnen würde. b eson d erS 111 . d m auch für die politischen und sozialen im ökonomiernst genommen.en und intellektuelle Gestaltungen den typischen P. h B . . h wei . ml Verdächtigunaen ar mte. ngen aus emer 1'-n e sehen An Cl u t' f die Philosophie der Auf"h die französische H.. . Die spiritualistische Erklärung materieller Vorgänge und die materialistische Erklärung geistiger Phänomene suchen beide ursächliche Zusammenhänge zu ermitteln. künstlerische und literansehe ' ' usc ' . h ngen sieht. Die soziologische "Eigenart des Personenkreises. ll r\ntithese wenn radikale . Wenn Engels das kalvinistische Dogma von der Prädestination als eine Spiegelung der Sinnlosigkeit und Unberechenbarkeit des kapitalistischen Konkurrenzkampfes ansieht. ph1losoph1e geg . diesen Gegensatz wieder in ein Nichts auf. d rung der vVdtanschanung und . durch die Reduzierung des einen auf das andere. Deutungen un d ' wem 1 og1sc b . • in Westeuropa.. Theol g . t ohhschen un d sozw1en Zuständen eng zusammt n. Sie stellen erst einen Gegensatz zweier Sphären auf und lösen dann. . d n olitischen un sozw1en J h ·h nderl<> war <'S em rung m e P h . . wenn Max Weber die Diffevenzierung der sachlichen Rechtsgebiete auf die Herausbildung geschulber 1\echtskundiger. so kann man ebensogut die moderne Relativitätstheorie und ihren Erfolg auf die Valutaverhältnisse des heutigen Weltmarkts reduzieren und hätte dann ihren ökonomischen Unterbau gefunden. mass1ven R at'wna 1' mus 1S ll D k 'l stische Geschiehtsauffassung umsch1agen. h e. . In der arx1s 1sc 1e . Das kommt hier nicht in Betracht. ein Verfahren. Dcnken der . F ran k rmch .. listische Sozialismus von G eorges Sorel hat auf ~marc ho-sy ndika diese Weise Bergsous Lebensphilosophie mit der ökonomischen Geschiehtsauffassung von Marx zu verbinden gewußt.. Aber auch das ist noch . . '1 sie überall nur "Reflexe " ' " Spieg elungen ' " Ver . . l 'd l r1eh eme eben~o l .. angen. m e Änderungen ein Zurechnungspunkt gesucht und .. der sich berufsmäßig mit der Hechtsgestaltung befaßt". beamteter Träger der RechtspHege oder Rechtshonoratioren zurückführt (Rechtssoziologie. k E war nur eme < are J ' klärung zuruc · s . fu rten . die für bestimmte lde.evo1u IOn au . ma l' o k ann s1e aber leicht in eine Irrahona 1.\nde.d l . l ·adikalisierl und systematisch Zusammenhang ms kononusc le I • .en Ihres 't 0 • • aär·en Fassung. In diesem Sinne ist es Soziologie juristischer Begriffe. enüberstellen onne.

_.. oder man könnte die Kelsensche Jurisprudenz als die Ideologie des bei wechselnden politischen Verhältnissen arbeitenden juristischen Bürokraten betrachten. aber sulost. JnensclllCh en Handelns . kennt. zeigen. der unter den verschiedensten Herrschaftsformen. oder ob die soziale als die Folge einer bestimmten Art zu denken infolgedessen auch zu handeln aufgefaßt wird.""''"u1•umle._. Vielmehr sind zwei geistige. mit relativistischer Überlegenheit über die jeweilige politische Macht. das im kartesianischen Gottesbegriff "spiegelte". was als Form ihrer politischen Organisation ohne weiteres em- . des Bürokraten.e man .Motivation . •v des Souveränitätsbegriffes. wie für eine spätere Epoche die De. Voraussetzung dieser Art Soziologie juristischer Bee ist also radikale Begrifflichkeit. das heißt eine bis zum und zum Theologischen weitergetriebene Konz. so führt sie zu Erklärungen aus dem Milieu oder gar zu der geistreichen "Psychologie". des Anwalts.". Dadurch erhielt die MonM·chie für das Bewußtsein ener Zeit dieselbe Evidenz.am besten der schönen Literatur zuweist.u. Politische Theologie III..-------------------58 III. Politische Theologie 59 nicht Soziologie eines juristischen Begriffes.. ist Psychologie und Feststellung einer bestimmt. sich mit kontemplativer Überlegenheit des absoluten Bewußtseins bewußt zu werden. wenn beispielsweise die Mon- des I 7· Jahrhunderts als dus Heale bezeichnet wird. Wohl aber gees zur Soziologie des Souveränitätsbegriffes jener Epoche.. daß der historisch-politische Bestand der Monarchie gesamten damaligen Bewußtseinslage der westeuTopäischen entsprach und die juristische Gestaltung der histoWirklichkeit einen Begriff finden konnte.. Ein begriffliches Resultat auf den soziologischen Träger zurückzuführen. hinausgehend über die an den nächsten tischen Interessen des Rechtslebens orientierte juristische Be>YTuu_. diese begriffliche Struktur mit der begrifflichen Verarbeitung der sozialen Struktur einer bestimmten Epoche verglichen Ob das Ideelle der radil(alen Begrifflichkeit hier der Reflex soziologischen Wirklichkeit ist. Etwas ganz anderes ist die Soziologie von Begriffen. hat dieselbe Strulüur wie das. etwa von Sainte-Beuve.Sches Pro1 blem. das heif~t seinen Beruf als Dozent der Philosophie auszuüben. ein sozial-psychologisches "Porträt".anl:ielle Identitäten nachzuweisen. die hier vorgeschlagen wird und die gegenub~r einem Begriff wie dem der Souveränität allein Aussicht auf ein wissenschaftliches Resultat daß. Das ist allerdings em soz10logi. aber nicht das der Soziologie eines Begriff-es. Struktur mit der Struktur metaphysischer Begriffe über. Das metaphysische Bild.. die letzte. daß man es als die Philosophie des berufsmäßigen Dozenten bezeichnet.en Ar~ der . des staatlich angestellten Professors. Es ist also nicht So"''v-•v . das sich ein bestimmtes Zeitvon der Welt macht.. dessen Verfahren sich von der literarisch-geistvollen Kritik. radikal systematische Struktur gefunden . die man als Soziologie bestimmter Typen. die ihm zugeworfenen positiven An-ordnungen und Bestimmungen systematisch zu verarbeiten sucht. Wird diese Methode auf geistige Leistungen angewandt. di. In ihrer konsequenten Manier ist das jene Art Soziologie. Sie würde zum Beispiel eine Soziologie des Hegeischen Systems darin finden können. dem durch seine ökono~ische und soziale Situation ermöglicht wird. nicht unterscheidet. kommt nicht in Betracht.

einer der Gründe. den Leviathan. doch personalistisch bleibt und eine letzte konkrete entscheidende Instanz postuliert. Jahrhundert war YOn dieser Vorstellung beherrscht. Politü. p. sondern eine methodische und sy:-. das heißt legitimi€'!. Der 'Veltbaumeis. das ist.'ende Autorität. Politische Theologie 61 leuchtet. politischen und soziologischen V hindurchgeht und den Souverän als eine persönliche Einheit letzten Urheber postuliert.t bei ihm kein Anthropomorphismus.« Dafür daß hier zunächst psychologisch (für einen Phänomenologen auch phänomenologisch) eine vollkommene Identität durch metaphysischen. Bei Rousseau.und Staatsbaumeister der "legis' Seit dieser Zeit dringt die Konsequenz des ausschließlich natm:- . hat Atger (Essai sur l'histoire des doctrines du social xgo6 S.conomie politique" sich dieser Ausspruch findet. das dem Rationalismus lles I 8. Boutmy (Annales des sciences politiques I go 2. die dem Gott des kartesianischen Systems in der Welt kommt. Le est le Dieu cartesien transpose dans le monde politique. an denen ein einziger gea~·beilet hat. ~eines enkens. die besten Verfassungen sind das 'Verk eines einzigen klugen legislateur. x36) bemerkt: »Le prince developpe toutes virtualites de l'Etat par une sorte de creation continuelle.60 III. zu einet· ungeheuren Person geradezu ins Mytho"""'"'""'ue steigert. daß in der Tat. 41 8) sagt: »Rousseau applique au souverain l'idee que les philosophes se font de Dieu: il peut tout ce qu'il veut. die Metaphysik der intensivste und klarste Ausdruck einer Epoche ist. das dem plötzlich zum Nachdenken sich sammelnden Geist einleuchtet? Daß die Werke. Wie Descarles einmal an Mersenne schreibt: c' est Dien qui a etabli ces lois en nature ainsi qu'un roi etablit les lois en son royaume. Sie beweist.. abgesehen von der dezisionistischen Art. daß sie wohl kaum einem wirklichen Kenner seiner politischen Schriften entgangen ist. Das I 7· und I8. die von mehreren Meistern geschaffen wurden. mais il ne peut vouloir le mal« Daß der Monarch in der Staatslehre des I 7· Jahrhunderts Gott identifiziert wird und im Staat die genau analoge hat. war er wirklich frei. "Un seul architecte" muß ein Haus und eine Stadt bauen. Jahrhunderts ohne weiteres einleuchtete. sie sind "inven tees par un seul".chc Theologie III. »lmiter les decrets immuables de la Divinite« war das Ideal staatlichen Rechtslebens. Das Ü. Aber was ist das Erste. unbei'lTt seinen Verstand zu gebrauchen: j'etais assure d'user en tout de ma raison. Die Feststellung einer solchen Identität it>t die Soziologie des Souveränitätsbegriffes. Während der ganzen Aufklärung bis zur framösischen Relion is l ein solcher 'Velt. nicht so vollkommen sind \'\rie die andern. trotz seiner Vernichtung des IndiYidumns zum Atom. gibt die schöne Erzählung des cours de la methode ein außerordentlich lehrreiches B Sie ist ein Dokument des neuen rationalistischen Geistes.ter ist gleich- Urheberund Gesetzgeber. Das Bild vom Architekten und Welthaumeister enthält allerdings die Un'L des Kausalitätsbegriff:-. warum Hobbes trolz Nominalismus und NaLurwissenschaftlichkeit. wie Edward Caird in seinem Buch über Auguste Comte gesagt hat. und schließlich: ein einziger Gott regiert die Welt. ehe Notwendigkeit seines juristischen Denkens. in dessen Aufsatz "E. ist die Politisierung theologischer Begriffe gerade beim Souveränitätsbegriff so auffällig. der allen Zweifeln eine Beruhigung darin findet. und auch seinen Staat.te.

daß Gott nul' generelle. dem Kampf widerstreitender Interessen und Koalitionen die Ent~ scheidung gegeben und dadurch die staatliche Einheit begründet. Die Einheit. das heißt das Volk . Nachdem die Schriftsteller der Restau- l 0I I . Dadurch geht das dezisionistische und personalistische Element des bisherigen Souveränitätsbegriffes verloren. ein Glaube. Dadmch wird der theistische wie der de- istische Gottesbegriff für die politische Metaphysik unverständlich.ethische Denken. Die generelle Geltung· eines Rechtssatzes wird mit der ausnahmslos geltenden Natuxgesetzlichkeit identifiziert. Der metaphysische Satz. Aber die Notwendigkeit. beherrscht die Metaphysik von Leibniz und Malebranche. daß die Stimme des Volkes Gottes Stimme sei. gleichzeitig aber erhält der Begriff des Generellen auch in seinem Subjekt eine quantitative Bestimmung. nicht partikulare Willensäußerungen von sich gibt. Zu dem Gottesbegriff des q. war eine andere als die Richtigkeit. der J effersons Sieg von I So I zugrunde liegt.lmngen der Gottesvorstellung erkennbar. Alle die ldentitäten. Der Souverän.62 III. In Amerika wird das zu dem vernünftig-pragmatischen Glauben. als Ursache und Ende aller Dinge. Heute dagegen kann ein bedeutender Staatsphilosoph wie Kelsen die Demokratie als den Ausdruck relativistischer.. und mit dem Nationalbewußtsein entstehen die Vorstellungen vom organi. Bei Rousseau wird die volonte generale identisch mit dem Willen des Souveräns. Politische Theologie III. Jahrhunderts durchgesetzt hat. toutes les form es sont bonnes et sa volonte est toujours la loi supreme« (Sieyes). von dem alles ausgeht und zu dem alles zurückkehrt. Die absolute Monarchie hatte in 1. aus der heraus das Volk immer das Richtige will. sehen Staatsganzen. die organische Staatslehre und ihre Identität von Staat und Souveränität. wenn auch außerhalb der Welt.. die sich in der politischen Theologie und Metaphysil( des 1 g. Der Wille des Volkes ist immer gut. sie ist eine organische Einheit. Die Maschine läuft jetzt von selbst. endlich Kelsens Lehre von der Identität des Staates mit der Rechtsordnung. wie eine Transzendenz des Souveräns gegenüber dem Staat zu seiner Staatsphilosophie gehört. Das entspricht in der Tat der Entwicklung. il suffit qu' elle veuille. Tocqucville sagte noch in seiner Schilderung der amcrilwnischen Demokratie. le peuple est toujours vertueux. die rechtsstaatliche Lehre Krabbes und ihre Identität von Souveränität und Rechtsordnung. hat nicht diesen dezisionisti1 sehen Charakter. die ein Volk darstellt. »De quelque maniere qu'une nation veuille. Im 1 9· J uhrhundert wird in immer weiterer Ausdehnung alles von Immanenzvorstellungen beherrscht. wird radil(al verdrängt. die in der politischen m1d staatsrechtlichen Doktein des I 9· Jahrhunderts wiederkehren. Zwar bleiben noch eine Zeitlang die Nachwi. welche die Befehle des persönlichen Souveräns auszeichnete. Politische Theologie 63 wissenschaftlichen Denkens auch in den politischBn Vorstellungen durch und verdrängt das wesentlich juristisch. das in der Aufklärung noch vorherrschte. und 18. unpersönlicher Wissenschaftlichkeit auffassen. so doch als Monteur der großen Maschine geblieben war. im demokratischen Denken schwebe das Volk über dem ganzen staatlichen Leben wie Gott über der 'Velt. Jahrhunderts gehört die Transzendenz Gottes gegenüber der Welt.vird zum Souverän. der im deistischen Weltbild.. beruhen auf solchen lmmanenzvorstellungen: die demokratische These von der Identität der Regierenden mit den Regierten.

Politische Theologie III. Unter dem deutlichen Einfluß von Auguste Comte hat Proudhon den Kampf gegen Gott aufgenommen." Von dieser Art ideengeschichtlicher Betrachtung aus gesehen. Bei den exh·emsten Radileuleu wurde ein konl 848 wird die Staatsrechtslehre positiv und ver- birgt gewöhnlich hinter diestim Wort ihre Ve~legenheit. Soweit die Immanenz-Philosophie. das Bündnis von Thron und Altar.. Mayer. 1920. das heißt: an die Stelle des monarchistischen tritt der demokratische Legitimilätsgedanke. daß bei der Masse der GebildeLen alle Vorstellungen yon Transzendenz untergehen und ihnen entweder ein mehr oder weniger klarer Immanenz-Pantheismus oder aber eine positivistische Gleichgültigkeit gegen jede Metaphysik evident wird. oder aher sie gründet in den verschiedensten Umschreibungen alle Gewalt auf den pouvoir constiluant des Volkes. Daß ·dieses Ideal einer sich ihrer selbst bewußt werdenden Menschheit in einer anarchistischen Freiheit enden müsse. zeigt die staatstheoretische Entwicklung des xg. im Anblick der Revolution von 1848 zu der Er5 So h rn I t t. daß einer der größten Repräsentanten dezisionistischen Denkens und ein katholischer Staatsphilosoph. bezieht sie Gott in die \IV elt ein und läßt sie das Recht und den Staat aus der Immanenz des Objektiven hervorgehen.g auf ein gefühlsmäßiges. Seit I Lebens von der bürgerlichen Ordnung ausgespieen wurden. Von größter Bedeutung gerade wegen seiner intuitiven Jugendlichkeit ist hier ein Ausspruch des jungen Engels aus den Jahren I842-44 (Schriften aus der Frühzeit. richtete sich der ideologische Kampf der radikalen Gegner aller bestehenden Ordnung mit steigendem Bewußtsein gegen den Gottesglauben überhaupt als gegen den extremsten fundamentalen Ausdruck des Glaubens an eine Herrschaft und an eine Einheit. Politische Theologie 65 rationszeit zuerst eine politische Theologie entwickelt hatten. Die große Linie der Entwicklung geht zweifellos dahin. Jahrhunderts zwei charakteristische Momente: die Beseitigung aller theistischen und transzendenten Vorstellungen ood die Bildung eines neuen Legitimilätsbegriffes. S. herausgegeben von G. Bakunin hat ihn mit einer skythischen ·wucht fortgesetzt. Es ist daher ein Vorgang von unermeßlicher Bedeutung. haben Marx und Engels niemals verkannt. alles das ist in den soziologischen Einzelheiten bei weitem noch nicht el'kannt und gewürdigt.__ Menschheit an die Stelle Gottes treten mußte. 281): "Das Wesen des Staates wie der Religion ist die Angst der Menschheit vor sich selber. Donaso Cortes. die ihre großartigste systematische Architektur in Hegels Philosophie gefunden hat. der sich mit großartigem Radikalismus des metaphysischen Kernes aller Politik bewußt war. daß so viele große Schriftsteller "deklassiert" waren.64 III. pietätvolles Atlachement halten dieser Entwicklung stand. Die deutschen Links-Hegelianer waren sich dieses Zusammenhanges am meisten bewußt. daß im 19. Der überlieferte Legitimitätsbegriff verliert offenbar alle Evidenz. Weder die privatrechtlich-patrimoniale Fassung der Restaurationszeit. Jahrhundert eine Kunst und Literatur entstand. Politische Theologie sequenter Atheismus herrschend. Der Kampf gegen die überlieferte Religiosität hat selbstverständlich sehr verschiedene politische und soziologische Mo live: die konservative Haltung des kirchlichen Christentums. haben sie nicht weniger entschieden ausgesprochen wie Proudhon. noch die Fundier·un. Daß die . der Umstand. den Gottesbegriff beibehält. deren geniale Vertreter wenigstens in entscheidenden Epochen ihres o<.

weil es keine Könige mehr gibt. Politische Theologie kenntnis kam.66 III. dessen Struktur juristisch ist. IV. Alle seine Perzeptionen. in einer persönlichen Entscheidung kulminierenden Denkens. Es ist das Resultat. Donaso Cortes) . Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution (De Maistre. alle seine Argumente sind so bis ins letzte Atom juristisch. aus derselben. Eine ausführliche Darstellung dieses Dezisionismus und eine eingehende Würdigung von Donaso Cortes gibt es noch nicht. Demnach bleibt für ihn nur ein Resultat: die Diktatur. non veritas facit legem. " Es gibt daher auch keine Legitimität im überlieferten Sinne. zu dem auch Hobbes gekommen ist. Hier kann nur darauf hingewiesen werden. Es gibt keinen Hoyalismus mehr. daß die Epoche des Royalismus zu Ende ist. Bonald. daß er der mathematischen Naturwissenschaftlichkeit des 1 9· Jahrhunderts mit derselben Verständnislosigkeit gegenübersteht wie diese Naturwissenschaftlichkeit dem Dezisionismus und der spezifischen Schlüssigkeit jenes juristischen. wenn auch mit einem mathematischen Relativismus vermischten Konsequenz dezisionistischen Denkens. Autoritas. daß die theologische Art des Spaniers ganz in der Linie mittelalterlichen Denkens bleibt.

Solche Ideen konnten zu völliger Negation der natürlichen Vernunft und zu einer absoluten moralischen Passivität führen. de Maistre. Alle formulieren ein großes Entweder-Oder. hätten ein ewiges Gespräch wohl eher für ein Phantasieprodukt von grausiger Komik gehalten. between ca!holicity and atheism. hat sie in irgendeiner Form den Gedanken ausgesprochen. die es als böse . weil sie konservativ oder reaktionär waren und mittelalterliche Zustände idealisierten. die keine Vermittlung mehr zuläßt. wo die katholische Philosophie des 9· Jahrhunderts sich in geistiger Aktualität äußert. und mit einer Energie. die man in Deutschland Romantiker nennt. Novalis und Adam 789 und 1848 zum äußersten Extrem steigert. Die katholischen Staatsphilosophen. sagt Newman. dessen Rigorosität eher nach Diktatur klingt als nach einem ewigen Gespräch. daß die Zeit eine Entscheidung verlangt. überall.Müller bewegen sich darin als der eigentlichen Realisierung ihres Geistes. ist das Bewußtsein. Denn was ihre gegenrevolutionäre Staatsphilosophie auszeichnet. Bonald und Donoso Cortes. die sich zwischen den beiden Revolutionen von I D en deutschen Romantikern ist eine originelle Vorstellung eigentümlich: das ewige Gespräch. Mit Begriffen wie Tradition und Gewohnheit und mit der Erkenntnis des langsamen geschichtlichen Wachstums kämpfte die Restauration gegen den aktivistischen Geist der Revolution. daß eine große Alterna live sich aufdrängt. tritt der Begriff I der Entscheidung in den Mittelpunkt ihres Denkens. No medium.

Die klarste Antithese. als wie entschieden wird. wenn sie nur besteht: tout gouvernement est bon lorsqu'il est etabli. weit entfernt von der Idee eines ewigen. Der Grund liegt darin.~~!!t~~he~dl!!!g)iegt und die Entscheidung wiederum als solche wertvoll ist. mais qu'elle le soit sans retard et sans appel.« Es sind die '< . jede Regierung ist absolut . Adam Müllers Mischung der Gegensätze Gegensätze von Gut und Böse. daß entschieden werde. Niemals aber wird bei ihm der Glaube an die Tradition etwas wie Schellings Naturphilosophie. vor diesem übrigens unter Hinweisen auf den "sentimentalisme allemand". Trotzdem ist Bonald. Sein Geist hat allerdings eine andere Struktur als der von de Maistre oder gar Donoso Cortes. Lupus und den P. liegt in einem solchen Satz. Alle anarchistischen Lehren. \Die Tradition ist für ihn die einzige Möglichkeit. daß in der.z. wörtlich ebenso hätte aussprechen können. je marche toujours entre l'etre et le neant. Theologisch ist der Traditionalismus durch J. die beiden Worte Unfehlba. Der Wert des Staates liegt darin. von Babeuf bis Bakunin. überhaupt tätig zu werden. den Inhalt zu gewinnen. eh. moralische Disjunktionen. der sich an einem Stock weitertastetl In Wahrheit enthalten auch die Antithesen und Distinktionen. geführt von einem Blinden. sich von selbst aus sich selbst entwickelnden Werdens. das den Weg der Menschheit durch die Geschichte darstellen soll: eine Herde von Blinden. Infallibilität ist für ihn das Wesen der inappellablen Entscheidung und die Unfehlbarkeit der geistlichen Ordnung mit der Souveränität der staatlichen Ordnung wesensgleich. De Maistre dagegen erklärt gerade umgekehrt die Obrigkeit als solche für gut. weil es gerade in den wichtigsten Dingen wichtiger ist. den der metaphysische Glaube des Menschen akzeptieren kann. Gott und Teufel. »Je me trouve constamment entre deux abimes. qu'une question soit decidee de teile ou teile maniere. daß er eine Entscheidung gibt.« In der Praxis ist es für ihn dasselbe: keinem Irrtum unterworfen zu I oder Hegels Geschichtsglaube. daß sie letzte inappellable Entscheidung ist. die einen "Indifferenzpunkt" haben. die er so liebt und die ihm den Namen eines Scholastikers eingetragen haben. wenn auch aus ganz anderer Absicht. 1). Z~r Staatsphilosophie det Gegenrevolution IV.rkeit und Souveräni1ät sind "parfaitement synonymes" (du Pape. um von sich aus die Wahr~ heit zu erkennen.~~~!ln. keineswegs Polantäten der SeheHingsehen Naturphilosophie. Jede Souveränität handelt.70 IV. »Notre inter~t n'est point. zwischen denen auf Leben und Tod ein Entweder-Oder besteht. Im letzten Resultat bedeutete der extreme Traditionalismus tatsächlich eine irrationalist. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 71 ansieht. Chastel widerlegt worden.e.ein Satz. als wäre sie unfehlbar. oder bloß dialektische Negationen des geschichtlichen Prozesses. drehen sich um das eine Axiom: le peuple est bon et le magistrat corruptible. das keine Synthese und kein "höheres Drittes" kennt. oft zeigt er sich wirklich überraschend deutsch. Welch ein Gegensatz zu jedem jener drei Deutschen offenbart sich in dem furchtbaren Bild. der Wert der Kirche. der BegTünder des Traditionalismus. die in der ganzen Geschichte der politischen Idee überhaupt auftritt. den ein Anarchist. De Maistre spricht mit besonderer Vorliebe von der Souveränität.r Qhrigkeitlichen Autorität ~in. der die Quelle derartiger Irrtümer sein soll. Kropotkin und Otto Groß. die bei ihm wesentlich Entscheidung bedeutet. ein.ische Ablehnung jeder intellektuell bewußten Entscheidung. weil der Verstand des Einzelnen zu schwach und elend ist.

Der marxistische Sozialismus hält die Frage nach der Natur des Menschen deshalb für nebensächlich und überflüssig. So rechtfertigte sich sein Ideal eines "legalen Despotismus" aus pädagogischen Gründen: die ungebildete Menschheit wird erzogen von einem legislateur (der nach dem Cantrat social Rausseaus imstande ist. dessen antitheologischer Anarchismus kon--:. aber erziehbar. Trübung. eine "Bildungsfabrik". Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution IV. während der katholische Christ von dem Dogma der Erbsünde ausging. daß es sich für Cortes um eine religiöse und politische Entscheidung von ungeheurer Aktualität handelte. daß er entweder "von Natur gut" oder "von Natur böse" ist. Dennoch war es wohl ein Unrecht. ist der Mensch noch keineswegs von Natur gut. erst in Rousseaus spätern Romanen entfaltet sich. zu übersehen.oc't'tltwc. Jede politische Idee nimmt irgendwie Stellung zur "Natur" des Menschen und setzt voraus. und nicht Boyp. Der Abhe Gaduel. zu denen alle Vorstellungen von Autorität.72 IV. das Wesentliche ist. so steigerte sich auch im 'staatsphilosophischen Denken der Gegenrevolution die Intensität der Entscheidung.r von einer Entstellung. mit den ökonomischen und sozialen Bedingungen auch die Menschen zu ändern. Denn das tridentinische Dogma von der Erbsünde ist nicht einfach radikal Es spricht. Verwundung. im Gegensatz zur lutherischen Auffassung. wie Fichte mit naiver Brutalität sagt. sondern nu. mit dessen staatstheore.begriffen werden.:sequent von jenem Axiom hätte ausgehen müssen.\ tischen Konstruktionen de Maistre und Bonald sich hauptsächlich beschäftigen. nicht um die Ausarbeitung eines Dogmas. Allerdings hat er es polemisch radikalisiert zu einer Lehre von der absoluten Sündhaftigkeit und Verworfenheit der menschlichen Natur.von der Legitimität zur Diktatur . Dagegen ist für die bewußt atheistischen Anarchisten der Mensch entschieden gut und alles Böse die Folge theologischen Denkens Wld seiner Derivate. An der steigenden Bedeutung der axiomatischen Thesen über die Natur des Menschen manifestiert sich diese radikale Steigerung. Für den Rationalismus der Aufklärung war der Mensch von Natur dumm und roh. Wenn er über die natürliche Bosheit des Menschen spricht. die berühmte "rousseauistische" These vom guten Menschen.. Wie der revolutionäre Radikalismus in der proletarischen Revolution von 1848 unendlich tiefer und konsequenter ist als in der Revolution des dritten Standes von 1789. Nur auf diese Weise kann die Entwicklung von de Maistre zu Donoso Cortes . Im Cantrat social. wenn er gegen die Übertreibung der natürlichen Bosheit und Nichtswürdigkeit des Menschen dogmatische Bedenken erhob. Staat und Obrigkeit gehören. oder die widerspenstige Natur wird bezwungen durch Fichtes "Zwing. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 73 sein und keines Irrtums angeklagt werden zu können. nicht von Nichtswürdigkeit. »de changer la nature de l'homme«). und läßt die Möglichkeit zum natürlich Guten durchaus bestehen. weil er glaubt. daß keine höhere Instanz die Entscheidung überprüft. wie SeillißTe vortrefflich nachgewiesen hat. Donoso Cortes dagegen stand ( · Proudhon gegenüber. Obwohl er hier mit dem Lutherischen Dogma übereinzustimmen scheint. so wendet er sich polemisch gegen den atheistischen Anarchismus und dessen Axiom vom guten Menschen. herrn" und der Staat wird. hat er doch eine . hatte daher recht. Mit pädagogischen oder ökonomischen Erklärungen kann man der Frage nur scheinbar ausweichen. er meint es ciyul'ltltG)c. der Donoso Cortes vom dogmatischen Standpunkt aus kritisierte.

den Grafen Raczynski. I 9 2). . ist einer Zeit sozialer Kämpfe nicht gewachsen. ihr blinder Verstand. Die Bourgeoisie definiert er geradezu als eine "diskutierende Klasse". ist schrecklicher als alles. mit solcher elementaren Überzeugung ausgesprochen. Ihr liberaler Konstitutionalismus versucht. der lächerliche Elan ihrer fleischlichen Begierden scheinen ihm so erbärmlich. in denen sich sein Eindruck von der menschlichen Geschichte objektiviert. . daß sie der Entscheidung ausweichen will. una clasa discutidora. die aus illusionsloser Moral und einsamen psychologischen Erfahrungen kommt. wie der spanische Katholik die Antwort: Woher weiß er. el reptil que piso oon mis pies.. die gröhlt und tanzt. seria a mis ojos menos despreciable que el hombre. Es liegt.74 IV. in Presse und ~arlament. daß alle Worte aller menschlichen Sprachen nicht ausreichen.als ein Mensch. namentlich in den Briefen an seinen Freund. der sich jeder Obrigkeit beugt. zwangsweise rekrutierten Mannschaft. wenn Gott es ihm nicht gesagt hat? De donde sabe que es noble si Dios no se lo ha dicho? Die Verzweiflung dieses Mannes.das Reptil. Damit ist sie gerichtet. Ausgang und Struktur keiner kennt. Eine Klasse. denn darin liegt. die alle politische Aktivität ins Reden verlegt. Auch de Maistre konnte vor der Bosheit der Menschen erschrecken. die Menschheit ist ein Schiff. Seine Verachtung der Menschen kennt keineGrenzen mehr. statt dessen eine Diskussion anzuknüpfen. Aber das verschwindet neben den Ausbrüchen von Donoso. die Menschheit taumelt blind durch ein Labyrinth . den König durch das Parlament zu paralyc. "der Mensch ist gut". Freilich. furchtbarer als das eines Puritaners. sondern zu versuchen. im Wesen des bürgerlichen Liberalismus. Bonald täuscht sich ebensowenig über die fundamental bösen Instinkte des Menschen und hat den unausrottbaren "Willen zur Macht" so gut erkannt wie irgendeine moderne Psychologie. er behält auch hier die selbstbewußte Größe eines geistigen Nachfahren von Großinquisitoren. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution IV. bepackt mit einer aufrührerischen. Die Stupidität der Massen ist ihm ebenso erstaunlich wie die dumme Eitelkeit ihrer Führer. was er über die natürliche Verworfenheit und Gemeinheit des Menschen sagt. 102 ). lJberall erkennt man die innere Unsicherheit und Halbheit dieser liberalen Bourgeoisie des Julikönigtums. daß er gut ist. p. das ziellos auf dem Meer umhergeworfen wird. die Bilder. dessen E" mgang. das mein Fuß zertritt. was jemals . ist oft dem Wahnsinn nahe. die heute zwischen dem Katholizismus und dem atheistischen Sozialismus entbrannt ist. damit wieder Schweigen herrsche (IV. bis Gottes Zorn das rebellische Gesindel ins Meer stößt. und seine Äußerungen über die Natur des Menschen haben die Kraft. nach seiner Geschichtsphilosophie ist der Sieg des Bösen selbstverständlich und natürlich und nur ein Wunder Gottes wendet ihn ab. um die ganze Niedrigkeit dieser Kreatur auszudrücken. und das nennen wir Geschichte (Obras V. wäre weniger ver_: ächtlich . Sein Sündenbewußtsein ist universal. nach Donoso. ihr schwächlicher Wille. sind voll Grauen und Entsetzen. sich in diesem Kampf nicht zu entscheiden. eine absolutistische Staatsphilosophie zur Begründung eines strengen Regiments vorgebracht hat.. Wäre Gott nicht Mensch geworden . Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 75 andere Haltung als der Lutheraner. Kein russischer Anarchist hat seine Behauptung. Aber das typische Bild ist ein anderes: die blutige Entscheidungsschlacht. ordinären.

hat eine sehr einfache Erldärung: der Haß gegen Königtum und Aristokratie treibt den liberalen Bourgeois nach links. aber er soll ohnmächtig sein. die dümmste und ordinärste Form einer Aristokratie.I 76 IV. aber er soll nicht aktiv werden können.lösen. also dieselbe Inkonsequenz. als ob Bildung und Besitz ein Recht gäben. eine persönliche Staatsgewalt also. um diesen Gegensatz begrifflich zu . sie will einen Monarchen.natürlich ohne gegenseitige Beeinflussung . Lorenz von Stein spricht in seiner "Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich" ausführlich über die Liberalen: Sie wollen einen Monarchen. die der Deismus begeht. um Bildung und Besitz den nötigen Einfluß auf die Gesetzgebung zu sichern. "Kein menschlicher Scharfsinn". J. und bestimmen gleichzeitig. der also auch über der Volksvertretung stehen müßte. "ist scharf genug. der über den Parteien steht.die gleichen Inkonsequenzen feststellen. machen aber den König zum bloßen Ex~kutiv­ organ und jeden seiner Akte von der Zustimmung des Ministeriums abhängig. weil beide . sie schafft die Aristokratie des Blutes und der Familie ab und läßt doch die unverschämte Herrschaft der Geldaristokratie zu. wenn er Gott aus der Welt ausschließt. Stahl und nicht nur Revolutionären wie Marx und Engels aufgefallen. sie verlangt Freiheit und Gleichheit und trotzdem Beschränkung des Wahlrechts auf die besitzenden Klassen. der in seinen Vorträgen "über die gegenwärtigen Parteien in Staat und Kirche" ebenfalls die vielen Widersprüche des konstitutionellen Liberalismus behandelt. sie will weder die Souveränität des Königs noch die des Vollces. Das "unlösliche Verschwimmen der feindlichen Elemente ineinander". daß der König nichts tun darf. aber doch an seiner Existenz festhält (hier übernimmt Donoso von Bonald die unermeßlich fruchtbare Parallele von Metaphysik und Staatstheorie). muß das doppelt sonderbar sein. J. die Angst um seinen durch radikale Demokratie und Sozialismus bedrohten Besitz treibt ihn wieder nach rechts zu einem mächtigen Königtum. um dann durch ihre verschiedene Bewertung in einen Gegensatz von schönster typischer Klarheit zu treten. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 77 sieren. sagt Stein. Ein preußischer Konservativer wie F. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution IV.e sich gerade ihres Rationalismus rühmt. Er antwortet mit dem Hinweis auf das "Leben" und erlcen1if~gerade ~den vielen Widersprüchen die Fülle des Lebens." Bei einer Partei wie der liberalen. sie erklären die Person des Königs für unverletzlich und lassen ihn doch einen Schwur auf die Verfassung leisten. dessen Militär ihn schützen kann. das ist "eben der wahre Charakter alles Lebendigen". ihn aber doch auf dem Thron zu lassen. nehmen also wieder eben jenes persönliche Moment. arme und ungebildete Menschen zu unterdrücken. als den Willen dieser Volksvertretung auszuführen. Ganz anders die Erklärung von Stein. so daß eine Verfassungsverletzung möglich. Vielmehr ist der seltene Fall eingetreten. di. aber doch nicht verfolgbar ist. "das . so schwankt er zwischen seinen beiden Feinden und möchte beide betrügen. jedes Daseieode birgt seinen Gegensatz. Stahl. einen selbstÄndigen Willen und eine selbständige Tat. Was will sie also eigentlich? Die merkwürdigen Widersprüche dieses Liberalismus sind nicht nur Reaktionären wie Donoso und F. daß man einmal bei einem konkreten politischen Tatbestand einen bürgerlichen deutschen Gelehrten Regelscher Bildung mit einem spanischen Katholiken konfrontieren kann. sie wollen einen König. Die liberale Bourgeoisie will also einen Gott.

daß hier überhaupt etwas zu entscheiden sei. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 79 pulsierende Leben besteht in der fortwährenden Durchdringung der entgegengesetzten Kräfte.und Gewerbefreiheit sind für eine entschieden ideengeschichtliche Untersuchung nur Derivate eines metaphysischen Kerns. u. Aber der systematische und metaphysische Kompromiß war ihnen unfaßbar. Auch die ökonomischen Postulate. den Autor des Aufsatzes über die Judenfrage) kaum überrascht hätte. Es gehört zum Wesen des Lebens. Er "theologisiert" keineswegs. Am entscheidenden Funkt die Entscheidung Slllspendieren. daß dieser ja auch persönliches Leben habe.'ch seine totale Verständnislosigkeit für Schellings Lebensphilosophie. Die Bour/' geoisie ist die Klasse der Rede. so ist das eine These. und in der Tat sind sie erst wirklich entgegengesetzte. Eine solche Haltung ist nicht zufällig. das Ideal des politischen Lebens bestehe darin. in dem es möglich ist. daß die Idee der liberalen Freiheitsrechte aus den nordamerikanischen Staaten stammt. sondern in der liberalen Metaphysik begründet. vielleicht aus verwandtem Geist.muß man doch wirklich glauben. in den Briefen über aktuelle politische Fragen eine nüchterne. als er in Berlin im Jahre r84g den Hegelianismus von Angesicht sah. Man wußte längst. auf die Frage: Christus oder Barrabas. wenn ma. daß ihre Religion in Rede. Vor dem System eines Cond~Iset zum Beispiel . sind Beispiele dafür. sondern die ganze Bevölkerung dis- .sw. De Maistre hat es bewiesen dUII. immer neue Gegensätze und immer neue Harmonien langsam aus sich selbst zu schaffen usw. Daher ist seine Intuition in geistigen Dingen oft frappant. daß nicht nur die gesetzgebende Körperschaft. Donoso wurde von Entsetzen ergriffen.und Preßfreiheit und kommt gerade zu diesen Freiheiten nicht aus irgendeinem beliebigen psy- chologischen und ökonomischen Zustand.u über den kontinentalen Liberalismus. J euer Liberalismus mit seinen Inkonsequenzen und Kompromissen lebt für Cortes nur in dem kurzen Interim. erkannt und vortrefflich geschildert hat . Solchen "organischen" Denkens waren de Maistre _wie Donoso Cortes unfähig. indem man leugnet. oft grausame Illusionslosigkeit und keinerlei Anwandlung von Donquichotterie. aus handelsmäßigem Denken oder dergleichen. kein orphisches Orakel. Die Definition der Bourgeoisie als einer "Clasa discutidora" und die Erkenntnis. Ich halte es nicht für das letzte Wort über den gesamten. keine vieldeutigen.78 IV. Dann vergleicht er die gegenseitige Durchdringung der ~gen­ sätze mit dem Vorgang der organischen Natur und des persönlichen Lebens und sagt vom Staat. in den systematischen Gedankengängen der Versuch.· Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution IV. vVenn in neuerer Zeit Georg Jellinek den nordamerikanischen Ursprung dieser Freiheiten demonstriert. die den katholischen Staatsphilosophen (so wenig übrigens wie Karl Marx. mystischen Kombinationen und Analogien. Donoso sieht in seiner radikalen Geistigkeit immer nur die Theologie des Gegners. mußte ihnen als eine seltsame pantheistische Verwirrung erscheinen.dessen typische Bedeutung Wolzendorff. zur Konzision der guten dogmatischen Theologie zu gelangen.n sie aus dem Leben herausschneidet". Handels. aber wohl für das erstaunlichste Aper<. Beide waren Diplomaten und Politiker von großer Erfahrung und Praxis und haben genug verständige Kompromisse geschlossen.und Preßfreiheit liegt. mit einem Vertagungsantrag oder der Einsetzung einer Untersuchungskommission zu antworten.

das kraft seiner natürlichen Richtigkeit die richtigen Formen von selbst aus sich selbst schafft. damit man sich im letzten nicht zu entscheiden brauche. und des Brudermörders Kain. . Race de Cain. Politische Theologie '' . von außen kommendes Sollen der natürlichen und immanenten Wahrheit und Schönheit menschlichen Lebens künstlich oktroyiert. könnte m eme pa~Iame~tansc~e Debatte verwandelt werden und ließe sich durch eme ew1ge Diskussion ewig suspendieren.im Gegensatz zu Karl Marx. als derer. imme r den extremen Fall. Für ihn gibt es daher nichts Negatives und Böses als die theologische Lehre von Gott und Sünde. die menschliche Gesellschaft sich in einen ungeheuren Klub verwandelt und die Wahrheit sich auf diese Weise durch Abstimmung von selbst ergibt.für die einzige wirkliche Revolution. Sein Wesen ist Verhandeln. mit der Hoffn. anzunehmen.. der jede Art Religion verachtete . Sein literarischer Ausdruck ist die Thronerhebung des Satans. das jüngste Gericht zu erwarten. au ciel monte Et sur la terre jette Dieu! (Baudelaire. Zwar will auch er den "Satan verbreiten".und Preßfreiheit eine übermäßig betonte Wichtigkeit zu geben. Donoso zugerufen: allume! (Zusatz in den späteren Auflagen der Confessions d'un Revolutionnaire. Du paradis terrestre a chasses Dieu le pere«. um einen Vorwand für ihre Herrschsucht und Machtgier zu haben. und hält er das . Alle moralischen Bewertungen führen zur Theologie und zu einer Autorität. Donoso hält das nur für eine Methode. Auch ist Proudhon im Vergleich zu den spätern Anarchisten noch ein moralistischer Kleinbürger. Darum verachtet er dieLiberalen. sondern ein starkes. der an der Autorität des Familienvaters und am monogamen Familienprinzip festhält.) Nur ließ sich diese Position nicht halten. sowohl derer.···\ 1 zisionismus der Geistesart von Cortes. Wenn heute Anarchisten in der auf väterlicher Gewalt und Monogamie beruhen6 Schmitt. ·Dikta tur ist der Gegensatz zu Diskussion~ Es gehört zum De. Erst Bakunin gibt dem Kampf gegen die Theologie die ganze Konsequenz eines absoluten Naturalismus. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 81 kutiert.) Aber der Satanismus dieser Zeit war doch keine beiläufige Paradoxie. Proudhon hat darüber gelacht und unter Anspielung auf die Inquisition. die definitive. Au~einandersetzung: die ··I blutige Entscheidungsschlacht. als fühle er sich schon auf dem Scheiterhaufen. so. In Proudhon glaubt er einen Dämon zu sehen. Wie der Liberalismus in jeder politischen Einzelheit diskutiert und transigiert. Aber seine intellektuelle Bedeutung beruht doch auf seiner Vorstellung vom Lehen. denn sie enthielt zunächst nur eine Vertauschung der Rollen von Gott und dem Teufel. »chauffant SOll ventre a SOll foyer patriarcal«. intellektuelles Prinzip. die die Macht ausüben.ung. die den Menschen zum Bösewicht stempelt. während Abel der Bourgeois ist. . des »Pere adoptif de ceux qu' en sa noire colere. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution IV. über die sie ausgeübt wird. während er den atheistisch-anarchistischen Sozialismus als seinen Todfeind respektiert und ihm eine diabolische Größe gibt. deren Quelle Habsucht und Herrschgier ist und deren Ergebnis eine allgemeine Korruption bedeutet. möchte er auch die metaphysische Wahrheit in eine Diskussion auflösen. die Verantwortung zu umgehen und der Rede.80 IV. die ein fremdes. abwartende Halbheit.

Die aktuelle Bedeutung jener gegenrevolutionäreil Staatsphilosophen aber liegt in der Konsequenz.· Die heute herrschende Art ökonomisch-technischen Denkens vermag eine politische Idee gar nicht mehr zu perzipieren.82 IV. Solche letzten Konsequenzen. weil es keine Könige mehr gibt und keiner den Mut haben würde. et· seinen Dezisionismus zu Ende. führte . sich ih. sich nicht rechtfertigende. daß es schließlich den Gedanken der Legitimität. marxistische Sozialisten und anarcho-syndikalistische Revolutionäre vereinigen sich in der Forderung. So konnten die Gegensätze von Autorität und Anarchie in absoluter Entschiedenheit einander gegenübertreten und die oben erwähnte klare Antithese bilden: wenn de Maistre sagt.und geschichtsphilo- sophischer Allgemeinheiten. daß der Augenblick des letzten Kampfes gekommen war. die anumgangen. Schon in den zitierten Äußerun 1::> Maistre lag eine Reduzierung des Staates auf das Moment der Entscheidung. jede Hegierung ist notwendig absolut. was Max Weber in ihm sieht: ein großer Betrieb. hat Donoso immer im Auge. daß die Zeit der Monarchie zu Ende ist. natürlichen Lebens nnd problemloser »Leib«haftigkeit. Sobald Donoso Cortes erkannte. nur zieht er. aber keine politischen Probleme mehr geben. er verlangte eine o·cn von de politische Diktatur. von dem sie ausgegangen sind. predigen. angesichts des radikal Bösen gibt es nur eine Diktatur. mit Hilfe seines Axioms vom guten Menschen nncl der korrupten Regierung. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution 83 den Familie den eigentlichen Sündenzustand sehen und die Rückkehr zum Matriarchat. aufhebt. so zergeht es auf der andern Seite in dem ewigen Gespräch kultur. dem angeblichen paradiesischen Urzustande. industrielle Techniker. In beidem ist der Kern der spruchsvolle moralische Entscheidung. den entgegengesetzten praktischen Schluß. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution I V. wie die Auflösung der auf väterlicher Gewalt beruhenden Familie. so sagt ein Anarchist wörtlich dasselbe. goutieren. weil er sieht. daf~ nämlich eben deshalb u• . Es soll nur noch organisatorisch-technische und ökonomisch-soziologische Aufgaben. anders als durch den Willen des Volkes König zu sein. nicht Legitimität. also aus dem Nichts geschaffene absolute Entscheidung. Der moderne Staat scheint wirklich das geworden zu sein. das heißt. Heule ist nichts moderner als der Kampf gegen das Politische. daß mit dem Theologischen das Moralische.rer zu seinem Vorteil zu bedienen. so äußert sich darin ein stärkeres Bewußtsein der tiefsten Zusammenhänge als in jenem Lachen von Prondhon. konsequent auf eine reine. Donoso war überzeugt. unll der legitimistische Gedanke der Erbfolge wird in einem solchen Augenblick leere Hechthaberei. die mit sierungen eine Epoche als klassisch. der ein plausibles ökonomisches Interesse daran hat. nicht räsonnierende und nicht diskutierende. wenn es gelungen ist. Verschwindet hier das Politische im Ökonomischen oder Technisch-Organisatorischen. Sie steigern das Moment der Dezision so stark. Das ist aber wesentlich Diktatur. den Personenkreis nachzuweisen. mit der sie sich entscheiden. ästhetischen Charakteriromantisch oder barock politischen Idee. daß die Unsachliche Herrschaft der Politik über die Sachlichkeit des wirtschaftlichen Lebens beseitigt werden müsse. tpit dem Moralischen die politische Idee verschwindet und jede moralische und politische Entscheidung paralysiert wird in einem paradiesischen Diesseits unmittelbaren. Eine politische Idee· wird im allgemeinen erst dann begriffen. Amerikanische Finanzleute.

2.-. von H. 404 S. 1970. Verfassungsrechtliche Aufsätze aus den Jahren 1924 -1954.60. 98 S. E. unveränderte Auflage. 2. Aluflage.. unveränderte Auflage. daß er theoretisch der Theologe des Anti-Theologischen und in der Praxis der Diktator einer AntiDiktatur werden mußte. 4. 126 S. Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum. sich selbst entschieden gegen die Dezision zu entscheiden. DM 44. XX. Politische Romantik.60. V 01 44221 0 90 DUNCKER & HUMBLOT I BERLII'l . Die Legende von der Erledigung jeder Politischen Theologie. 1970.60. XXIII. DM 12. 308 S. DM 9. Ln. 2 Bände. 234 S. Barion.-. Ln. Festgabe für Carl Schmitt zum achtzigsten Geburtstag. unveränderte Auflage. 3. DM 16.. Die Diktatur.60. 1963. unveränderte Auflage.-.-. DM 126. 1968. 2. Lw. 124 S. 1968. 5. Der Begriff des Politischen. DM 29. Auflage. 794 S. Zur Staatsphilosophie der Gegenrevolution CARL SCHMITT Verfassungslehre. Politische Theologie II.60. 1969. Theorie der Partisanen. DM 18. DM 48. Legalität und Legitimität. wenn man die Immanenz des Lebens nicht mit solchen Prätentionen stört. 1978. 159 S. Forsthoff und W. DM 68. Weber. 1973. Jahrhunderts.-W. 259 S. ergibt sich 0 die seltsame Paradoxie. VIII. E.. DM 48.. unveränderte Auflage.80. jede Regierung bekämpft werden müsse. Auflage. 1974. weil das Richtige sich von selbst ergibt. Der Hüter der Verfassung. Jede Prätention einer Entscheidung muß für den Anarchisten böse sein. Freilich. DM 12.60. Ln.-. Epirrhosis. 90S. Böckenförde.84 ·IV. Hrsg. weil jede Regierung Dildatur ist. 1968. 517 S. 2. und bei dem <Yrößten Anarchisten des 1 g. Auflage. 96 S. Balmnin. 1969. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei CoroUarien. 4. 2. diese radikale Antithese zwingt ihn.. DM 12. Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. 1975.

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