You are on page 1of 21

Peter Pörtner Vom Fürbläuen (besser Fürbleuen

)

FÜRBLÄUEN, besser fürbleuen, 1) durch schlagen vorthun, damit es nachgethan werde. dann bildlich 2) wiederholt und damit eindringlich, d. h. zu besserer auffassung, vorsagen: so haben uns unsere blindeleiter fürgeblewet. Luther 4, 63a; wir sind so geschickt, was gott zusaget und gelobt, kan man uns nicht gnug einbilden und fürblewen, das (dasz) wirs feste glauben. 231a; denn es ... den leuten fürgeblewet ist. 112; denn etliche betrieger wollen den unverstendigen fürblewen als u. s. w. Melanchthon corpus doctr. christ. 626.

I

Wunschliste zum 4. Oktober Für und an alle, die mich nicht kennen Tragt mir nichts nach! Ich hab schon genug zu tragen. Widmet mir keine Zeit! Es bliebe nur, sie totzuschlagen. Bringt mir keine Geduld entgegen! Ich werde euch zulieb kein Lamm. Sucht auch bei mir keine Zuflucht! Ich bin ihr entflohn, da sie kam. Gebt mir nicht noch eine Chance! Ich hab schon so viele im Haus. Die bestehn alle auf Gleichheit Und nutzen einander nur aus. Und gebt mir, bitte, keine Gelegenheit! Ihr wisst, die macht, sagt man, Diebe. Und schenkt mir ja keinen Glauben, der mir die letzten Grillen vertriebe! Schenkt mir auch, bitte, kein Gehör! Mir reicht doch schon das eine. Ja, leiht mir nicht mal ein Ohr, denn, echt, Zinsen zahle ich keine!

II

SumpfDotterBlume
(Gar nicht imaginär, denn für K.K.)

Du mehr Blume Ich mehr Dotter Du mehr Brot Und ich mehr Krume Du mehr Sumpf Und Torf und Moor Ich stecke drin mit Rumpf Und Ohr Du mehr Eis Und ich mehr Watte Du stiftetest den Preis Den ich zu zahlen hatte Ich mehr Knolle Du mehr Krokant Ich fall aus der Rolle In deine Hand Du karnivor - Am liebsten Seele – Ich mehr Tor Und Psychedele Ich häng an mir Und meinem Sehnen Wie an einem Galgen dran Und liebe dir Mit allen Venen Achtung! Veneficium steht an!

III

Wanderers Prachtlied, am Bache Es kühlt sich die Füß ein Wanderer. Er ist so braun wie kein anderer. Es tropft ihm der Schweiß vom Gesicht. Woher er kommt? Ach, ich weiß es nicht. Es trocknet die Füß sich der Wanderer. Schon fühlt er sich so wie kein anderer. Jetzt trocknet er sich noch´s Gesicht. Wohn in er geht? Ach, ich weiß es nicht. Sind wir nicht alle Wanderer? Jeder allein, wie kein anderer. -?: Schau mir nicht so ins Gesicht! Warum ich das schreib? Ach, ich weiß es nicht.

IV

Für Albertus Magnus Im alten Nachtkästchen Knackt nach langen Jahren Ein darein verarbeitetes Ästchen Ein solch Gebaren Nach so langen Jahren Gleicht einem Festchen der Seele – ist von Gott ein Beweis Je wahrer desto leis

V

Viertes Alsosprach
(Für R. auf der borderline)

Ich find ihn nicht, den Winkel. Er wurde mir verschwiegen. Mir fehlt zum Brot der Dinkel. Der muss im Argen liegen. Ich machte gern ein groß Getu. Würd gern auf Spatzen schießen. Doch verfliegen die im Nu. Bleibt also nur, die Hunde zu begießen. Brächt mich gern auch auf die Palme. Säß selbst in jeder Patsche gern. Griff gern nach jedem letzten Halme. Und auch nach so manchem Stern. Doch wird mir nicht im Schlaf gegeben. Die Götter sehn mich nicht als Ihren. So muss mein Mund von dem nur leben, was die Nornen aus der Hand verlieren.

VI

Jener exzellente Klumpen der Trauer, die letzte gelungene Wertschöpfung von Sein, verhält sich immer ungenauer und verlernt noch die Verwendung des „Nein!“ Aber was ist noch zu sagen, Jahrzehnte nach dem Tode Des Wortes ATEMHAUCH. Die Barke hat es getragen auf den Schwertern der Mode ins chambre separé, wo auch die Trauer gerne feiert: süße Nacht der Barkarolen. Türkisen verwest die Zeit und verschleiert hängen köstlich unverhohlen trunkene Engel im Geäst, kopfüber, wie es sich gehört für selige Amateure. Nun schauen sie verkehrt die Verkehrten. Sie, die einst noch den Atem gespürt, unverschämte Jongleure der Gnade, der ihnen gewährten. Und noch im Antlitz der veraasten Zeit genießen sie infam Des toten Atemhauches Witz, der Trauer Menschenewigkeit und des Gottes Scham.

VII

Mittagsdämon Wenn das Auge sich beruhigt, beginnt das Rauschen, Pan, im linken Ohr. Widerstrebig in die Zeit gefügt, musst du erlauschen, was der Bote verlor, der seinen Auftrag nicht zu Ende brachte, der auf der Rast den Krug mit beiden Händen fasste, vom Wein den Blick gegen die Wände hob und von der Last des Grauens vor dem Gaste, der er selber war, sich nicht kehren konnte. So verdarb sein Wille und seine Finger liebkosten den Staub. Er schenkte sich den schweren Wolkenzügen und der Mittagstille, Pan, ohrenblind und augentaub.

VIII

In Erinnerung an A.B (C.D.E..........) Welt, mit Lust betupft. (Patchwork-Dasein, unberufen.) Seelenflügel ausgerupft. (Ernteschlitten, ohne Kufen.) Insuliert, ganz himmelisch. (Allah zählt die Blätter.) Ruft da einer? – „Den Schimmel wisch weg!“ (Der weiß Bescheid! Alle Wetter!) Und ich sitz hier; und trink Veltliner. (Grün war der mir noch nie!) Ja, bonjour! Du Hoffnungsinduktionsschlawiner. (Du raffinierte Spiegeltravestie.) Ich stemm die Füße in den Äther. (Ich kann das, wenn gerade keiner schaut.) Bin doch Schlüsselträger und Fels, vulgo: Peter. Und Jakobs Leiter verdunstet, so traut (so „traut“!) Und jetzt fehlt das Papier. (Das ist gut, so gut!) Und liebe Düfte! – Traumscharnier: Es kocht und rinnt und schwächt; das Blut. Ich hätt mir nie die Hände waschen sollen. Denn was da blieb im Pathostopf, das ist – realiter – verschollen, das ist, das war, das ist ... vom Glück der Kropf.

IX

Ein ander Mittagsgesicht, stimmhaft Der Psalmenlektor im Gegenlicht: Salve, du Blendgebilde! Irrst du noch immer, Schattengewicht, durchs Geisteswüstengefilde? Als Tröster, Bote der Boten, gefällst du mir äußerst gut. Was für eine Musik! Die Noten - quasi aus Nektar ein Sud -, sie tropfen auf die Horizonte, tönende Tränenketten; heiteren Jenseits ganz ungewohnte Nähe. Himmelsstätten: Sagen wir: Jerusalem offne Stadt für Deserteure, Kummermüde ("Diadem in Gottes Hand"?). Ich höre.

X

T-Zeremonie Man nehme eine gefriergetrocknete Tüte Instantwasser (fünfzehn Gramm) und ziehe eine Talglinie, gieße den wohlgefüllten Humpen dann auf mit Flüssigbohnen (so dreizehn Stück) und ziehe eine Talglinie, mag dann mit glasierten Zuckerkugeln noch verfeinern (gesundheitsfördernd sind nur sechs). Wichtig ist, vorm ersten Schluck die Unterlippe vorzuschieben und ein Stoßgebet zu senden an Dünkelspiegel, den Herrn der Verwegenheit. Auch ein Libationsopfer ist angesagt, für alle flügellahmen Eulen. – Und jetzt setze an den Humpen: im soßengelben Angesicht der Sonne. Enjoy! - Und springe über die Talglinie.
XI

Autocafé Das Scheinwerferlicht aus Klängen Durchschlägt das Fensterglas Es tanzt auf Luftgestängen Das pas-de-deux ein Aas Mit sich selbst Eine blonde Musette Verstreut ihre Pulvertränen Die rieseln durch das Blut so nett So nett Man könnte gähnen Nachbar merkst dus? Das Sein Kommt jetzt auf seinen Punkt Die Wahrheit und der Schein Vereint im Tango Es funkt Holder hat sich der Tod Noch nie dem Leben vertraut Es herzt mit dem Glücke die Not Der Morgen des Endes blaut

XII

Nachgedanken, die erklären, warum die Welt ein endlos stürzendes Wort ist I Gewiss ist es konkret so dass! Aber wie? (Aber wie!) II Zweifellos liegt es an der Welt dass du sie nicht verstehst III Wenn die Kaffeebohnen sonnenbaden

XIII

das heißt sich auf den Liegestühlen räkeln dann können sie das nur [tun] weil die Denker und die Politiker wasserbaden gegangen sind (denn sonst wäre ja kein Platz für die Bohnen) IV (hab ich vergessen) V Die Mandelform der Augen spricht dafür dass sie (die Augen) XIV

nicht die Form von Hörrohren annehmen wollten Sie hätten das Getöse das von den Ohren kommt nicht ertragen Das wussten sie von Anfang an als das Wort noch bei – aber VI könnte es nicht sein dass am Anfang doch Gott war und Gott bei dem Wort war und die Schöpfung geschah weil er es nicht halten konnte VII Ja, XV

(letzter Nachtgedanke)

es stimmt, jetzt weiß ich es: Die Schöpfung ist kein gefallener Engel wie etwa der Satan Die Schöpfung ist das erste gefallene Wort und gefallene Mädchen VIII Nachtragsnachtgedanke oder Nachtgedankennachtrag
Verbunden mit Einer kleinen Frage an die Menschheit

Ist das etwa keine tröstliche Vorstellung, dass die Schöpfung ein gefallenes Mädchen ist; vulgo: das aus den Händen Gottes geglittene, gestürzte Wort; das Wort, das er nicht halten konnte, das Wort, das als erstes fiel und niemals zu fallen aufhört...

XVI

Aphorismen zur Schöpfungsgeschichte Die Welt ist alles, was der Wortfall ist. (Pseudo-Wittgenstein) Da fiel das erste Wort; und so fort. (Neue Genesis; vollständig)

Aus einem Brief eines Bruder Grimm „[...] [I]ch könnte mich auf der Stelle zerrumbelstilzen; würde das an jedweder Stelle auch tun, [...] wenn ich nur wüszte, was „stilzen“ bedeutet[...]!“

XVII

APO-KALYPSO

Wenn Zeus des morgens erwacht Zieht er Windhose und Windjacke an Nippt kurz am Kaffeeokean Betupft sich mit Aurorens Puder Stoßbetet zu sich selbst (ja das tut er!) Joggt dann die Galaxien entlang Schwingt seinen Donnerkeil (for ever young!) Und rutschet keck auf Iris´ Bogen Stracks auf den Olymp In der Bar ZUM MYSTAGOGEN Nennt er Hermes einen Pimp Schlürft ein schwarzes Loch voll Nektar Kitzelt kurz Dionysos Mäht dann noch so 1000 Hektar Elysisch Feld – springt auf sein Ross Und mit dem Lasso in der Götterpranke Fängt er ´ne Nymphe (eine schlanke!) Und freut sich sa(r)do-lakonisch – der Lose – Seiner heutigen Metamorphose: „Darauf kommen die nie Die Schreiber der Mythologie!“

XVIII

Und beschwingt hörts heute auf:
(Ein Service für SCRIBD)

Der Himmel hat sich aufgetan Komm wir drehen eine Runde Wir fangen gleich hier vorne an An der eckigen Rotunde Da trinken wir ein Gläselein Vom ambrosischen Prosecco Und knabbern am Himmelskäselein (Welch celestisches Geschleck, o!) Am Eingang zum Elysium Da tanzen wir ne Tarantella Links- und auch mal rechtsherum Das freut die Maris Stella Ganz paradeisisch aufgedreht Durchschnurren wir die Sphären In Eden eine Schänke steht Die werden wir beehren (Wenn das so himmlisch weitergeht Müssen wir uns wehren)

XIX

Mir ist heut so rilkisch zumute Mit einem Engel spräche ich gern Wenn er nur käme der Gute Doch klug wie er ist hält er sich fern

Finem lauda! (=Fortsetzung folgt!)

XX

XXI