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Theodor Fontane

Effi Briest
Roman

Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel Zweites Kapitel Drittes Kapitel Viertes Kapitel Fünftes Kapitel Sechstes Kapitel Siebentes Kapitel Achtes Kapitel Neuntes Kapitel Zehntes Kapitel Elftes Kapitel Zwölftes Kapitel Dreizehntes Kapitel Vierzehntes Kapitel Fünfzehntes Kapitel Sechzehntes Kapitel Siebzehntes Kapitel Achtzehntes Kapitel Neunzehntes Kapitel Zwanzigstes Kapitel Einundzwanzigstes Kapitel Zweiundzwanzigstes Kapitel Dreiundzwanzigstes Kapitel Vierundzwanzigstes Kapitel Fünfundzwanzigstes Kapitel Sechsundzwanzigstes Kapitel Siebenundzwanzigstes Kapitel Achtundzwanzigstes Kapitel Neunundzwanzigstes Kapitel Dreißigstes Kapitel Einunddreißigstes Kapitel Zweiunddreißigstes Kapitel Dreiunddreißigstes Kapitel Vierunddreißigstes Kapitel Fünfunddreißigstes Kapitel

Erstes Kapitel
In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiß und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetztes Rondell warf. Einige zwanzig Schritte weiter, in Richtung und Lage genau dem Seitenflügel entsprechend, lief eine ganz in kleinblättrigem Efeu stehende, nur an einer Stelle von einer kleinen weißgestrichenen Eisentür unterbrochene Kirchhofsmauer, hinter der der Hohen-Cremmener Schindelturm mit seinem blitzenden, weil neuerdings erst wieder vergoldeten Wetterhahn aufragte. Fronthaus, Seitenflügel und Kirchhofsmauer bildeten ein einen kleinen Ziergarten umschließendes Hufeisen, an dessen offener Seite man eines Teiches mit Wassersteg und angeketteltem Boot und dicht daneben einer Schaukel gewahr wurde, deren horizontal gelegtes Brett zu Häupten und Füßen an je zwei Stricken hing – die Pfosten der Balkenlage schon etwas schief stehend. Zwischen Teich und Rondell aber und die Schaukel halb versteckend standen ein paar mächtige alte Platanen. Auch die Front des Herrenhauses – eine mit Aloekübeln und ein paar Gartenstühlen besetzte Rampe – gewährte bei bewölktem Himmel einen angenehmen und zugleich allerlei Zerstreuung bietenden Aufenthalt; an Tagen aber, wo die Sonne niederbrannte, wurde die Gartenseite ganz entschieden bevorzugt, besonders von Frau und Tochter des Hauses, die denn auch heute wieder auf dem im vollen Schatten liegenden Fliesengang saßen, in ihrem Rücken ein paar offene, von wildem Wein umrankte Fenster, neben sich eine vorspringende kleine Treppe, deren vier Steinstufen vom Garten aus in das Hochparterre des Seitenflügels hinaufführten. Beide, Mutter und Tochter, waren fleißig bei der Arbeit, die der Herstellung eines aus Einzelquadraten zusammenzusetzenden Altarteppichs galt;

daß sie sich diesen absichtlich ein wenig ins Komische gezogenen Übungen mit ganz besonderer Liebe hingab.« »Vielleicht. Immer am Trapez. schlanke Mama noch um eine Handbreit höher war. wer wäre schuld? Von wem hab ich es? Doch nur von dir. Und wenn ich die erst wieder habe. Rasch und sicher ging die Wollnadel der Damen hin und her. runden Tisch bunt durcheinander. halb kittelartiges Leinwandkleid. paarte sich Übermut und Grazie. Man nannte sie die »Kleine«. Mama. In allem. Und dann. während ihre lachenden braunen Augen eine große. die den Rufnamen Effi führte. dem erst ein fest zusammengezogener. daß du so was möchtest. so sah auch wohl die Mama von ihrer Handarbeit auf. Es war ersichtlich. der Hals war frei. aber während die Mutter kein Auge von der Arbeit ließ. Effi trug ein blau und weiß gestreiftes. dazwischen. Ich glaube beinah. was sie tat. die Handflächen hoch über dem Kopf zusammenlegte.ungezählte Wollsträhnen und Seidendocken lagen auf einem großen. um abwechselnd nach links und rechts ihre turnerischen Drehungen zu machen. weil die schöne. und wenn dann die Rathenower herüberkommen. warum steckst du mich in diesen Hänger. wie entzückend sie ihr eigenes Kind finde. legte die Tochter. was sie sich nur gefallen lassen mußte. Aber wenn es so wäre. von Zeit zu Zeit die Nadel nieder und erhob sich. aber immer nur flüchtig und verstohlen. langsam die Arme hebend. und über Schulter und Nacken fiel ein breiter Matrosenkragen. als die von ihrer Stickerei gerade wieder aufblickende Mama ihr zurief: »Effi. in diesen Jungenskittel? Mitunter denk ich. um unter allerlei kunstgerechten Beugungen und Streckungen den ganzen Kursus der Heil. . ich komme noch wieder in kurze Kleider. zu welcher Regung mütterlichen Stolzes sie voll berechtigt war. immer Tochter der Luft.und Zimmergymnastik durchzumachen. ein paar Dessertteller und eine mit großen. bronzefarbener Ledergürtel die Taille gab. noch vom Lunch her. und wenn sie dann so dastand und. schönen Stachelbeeren gefüllte Majolikaschale. dann knicks ich auch wieder wie ein Backfisch. weil sie nicht zeigen wollte. eigentlich hättest du doch wohl Kunstreiterin werden müssen. natürliche Klugheit und viel Lebenslust und Herzensgüte verrieten. Oder meinst du von Papa? Da mußt du nun selber lachen. Eben hatte sich Effi wieder erhoben.

Die dritte junge Dame war Hulda Niemeyer. mit etwas vorspringenden.« Und dabei stieg sie die vom Garten in den Seitenflügel führende Steintreppe hinauf. eine lymphatische Blondine.setze ich mich auf Oberst Goetzes Schoß und reite hopp. Skandinavien und Fritz Reuter eingeschworenen Kantors Jahnke. einen . rundliche Persönchen. in Äußerung ihrer Sorgen und Ängste fortzufahren. der denn auch.« Und die Mama schien ernstlich willens. daß der etwas kritische Klitzing nur zu sehr recht habe. Warum kriege ich keine Staatskleider? Warum machst du keine Dame aus mir?« »Möchtest du's?« »Nein. Du bist schuld. weshalb denn auch Klitzing von den Husaren gesagt hatte: »Sieht sie nicht aus. in der Kirchhofsmauer angebrachten Eisentür in den Garten eintraten und einen Kiesweg entlang auf das Rondell und die Sonnenuhr zuschritten. Effi. um dieser die Hand zu küssen. nicht so leidenschaftlich. Diese tat rasch ein paar Fragen und lud dann die Mädchen ein. Ich beunruhige mich immer. als erwarte sie jeden Augenblick den Engel Gabriel?« Effi fand. Alle drei grüßten mit ihren Sonnenschirmen zu Effi herüber und eilten dann auf Frau von Briest zu. die trotzdem beständig nach was zu suchen schienen. vermied es aber trotzdem. Warum auch nicht? Drei Viertel ist er Onkel und nur ein Viertel Courmacher. Zwei der jungen Mädchen – kleine. dafür aber langweilig und eingebildet. unter Anlehnung an seinen mecklenburgischen Landsmann und Lieblingsdichter und nach dem Vorbilde von Mining und Lining. Gehabt euch wohl.. hopp.. zu deren krausem. blöden Augen. und junges Volk ist am liebsten unter sich. weil in eben diesem Augenblicke drei junge Mädchen aus der kleinen. seinen eigenen Zwillingen die Namen Bertha und Hertha gegeben hatte. Aber sie kam nicht weit damit.« Und dabei lief sie auf die Mama zu und umarmte sie stürmisch und küßte sie. sie war damenhafter als die beiden anderen. »ich habe ohnehin noch zu tun. Pastor Niemeyers einziges Kind. rotblondem Haar ihre Sommersprossen und ihre gute Laune ganz vorzüglich paßten – waren Töchter des auf Hansa. Und da war nun die Jugend wirklich allein. »Nicht so wild. ihnen oder doch wenigstens Effi auf eine halbe Stunde Gesellschaft zu leisten. wenn ich dich so sehe.

sagte sie: »Diese langweilige Stickerei. man könne dabei ausgleiten und ein Bein brechen. er ist Landrat. sonst gibt es wieder eine Strafpredigt. eine Liebesgeschichte mit Held und Heldin und zuletzt mit Entsagung. lege sie hier auf die Zeitungsbeilage. und noch ist mir nichts gebrochen. und sagt immer. gute Figur und sehr männlich. nur wirf die Schalen weit weg oder. wir machen dann eine Tüte daraus und schaffen alles beiseite.« »Glaub ich nicht«. »Freilich ist das die Hauptsache.Unterschied zwischen den drei Freundinnen zu machen. nun ist es Zeit. einer von Papas Lieblingssätzen. Was meinst du. das bricht nicht so leicht. sie wäre doch gegangen. sie erwartet nämlich Besuch. Und nun helft mir erst Ordnung schaffen auf dem Tisch hier. Gott sei Dank. Effi. Oder ist es nicht so schlimm?« »Eine Geschichte mit Entsagung ist nie schlimm. und während sie die Arme auf den Tisch stemmte. dreimal. sagte Hulda. »Nicht doch. wie ihr wißt. wenn die Schlusen so überall umherliegen.« Im Nu waren die Docken in den Korb gepackt. »Denkt doch mal nach. Männer männlich‹ – das ist. meines gewiß nicht und deines auch nicht. »Ich auch nicht«. sagte Hulda: »Nun aber. Hertha. Aber ehe Hertha nicht von den Stachelbeeren genommen. bestätigte Effi. ich falle jeden Tag wenigstens zwei-. Am wenigsten war ihr in diesem Augenblicke danach zu Sinn. Ihr werdet Augen machen und euch wundern. Übrigens nimm. Mama kann es nicht leiden. Übrigens habe ich Mamas alten Freund schon drüben in Schwantikow gesehen. einen alten Freund aus ihren Mädchentagen her. noch besser. nun die Liebesgeschichte mit Entsagung. eh kann ich nicht anfangen – sie läßt ja kein Auge davon. wir können ja hinterher neue pflücken. soviel du willst. sagte Hertha. während sie den Stachelbeeren fleißig zusprach. sagte Hertha.« »Aber deine Mama haben wir vertrieben«. ›Weiber weiblich. daß ihr da seid. Was ein richtiges Bein ist. von dem ich euch nachher erzählen muß. und als alle wieder saßen.« »Das ist die Hauptsache«. Hulda?« . Wie sie euch schon sagte.

ich meine der Zeit nach. beinah romantisch. ja. was gilt die Wette. du brichst immer wieder ab. was ihr mir nicht übelnehmen dürft. bei einer anderen jungen Dame. ich will schon. desto mehr dürfen sie sich's gönnen. Effi.« »Allerdings Landrat. Aber davon versteht ihr nichts.‹ Aber er wollte davon nichts wissen und sagte: ›Nein.« »Oh.« »Ein schönes Alter. du bist doch die geborne alte Jungfer.« . wie Fräulein Hulda blond ist. auf den Tag. ich kriege schon einen. Er ist geradeso alt wie Mama. das haben sie. ›wohl möglich: Hulda ist die älteste und kann sich jeden Tag verheiraten. aber freilich. Dafür sind es eben Adelige.»Man soll sein Schicksal nicht versuchen: Hochmut kommt vor dem Fall. Da ist mir nicht bange.. Baron von Innstetten. am Ende willst du nicht. und je weiter zurück.« »Immer Gouvernante.« »Meinetwegen. Denkst du. Die dürfen sich das gönnen. Freilich. wir wollen dich ja nicht beleidigen und auch den Baron nicht. Neulich erst hat mir der kleine Ventivegni von drüben gesagt: ›Fräulein Effi. Und vielleicht eher als du.« »Ja. die gerade so brünett ist.‹ Und dabei sah er mich ganz ernsthaft an.‹« »Und was sagtest du da?« »›Wohl möglich‹. Geert von Innstetten also und Baron.« »Aber du sagtest doch. Übrigens. meine Liebe. Wir bleiben doch gute Freunde. »Was soll das heißen?« »Ach. Aber ich komme vom Hundertsten aufs Tausendste und vergesse die Geschichte. ich breche immer wieder ab. wir sind hier noch in diesem Jahre zu Polterabend und Hochzeit. er sei Landrat. Innstetten. »Warum lacht ihr?« sagte Effi pikiert. die adeligen Namen haben oft so was Komisches. sagtest du? Und Geert? So heißt doch hier kein Mensch.« »Und hoffe mich doch noch zu verheiraten.« »Ja. Und er heißt Geert von Innstetten. weil es alles ein bißchen sonderbar ist.« Alle drei lachten. und vielleicht bald..« »Und wie alt ist denn eigentlich deine Mama?« » Achtunddreißig. sagt ich. daß ich darauf warte? Das fehlte noch.

Und nun sage.. und sie nahm ihn und wurde Frau von Briest. Also Baron Innstetten! Als er noch keine zwanzig war.« »Kann schon sein«.»Ist es auch. Er war ja noch viel zu jung... Effi«. es war auch gegenseitig.« »Unsinn. gib dich zufrieden. Kurz und gut. Natürlich war es nicht des Großvaters wegen. stand er drüben bei den Rathenowern und verkehrte viel auf den Gütern hierherum. wie's immer kommt. wenn sie wüßte. das andere bist du. nun. und das ganze Soldatenleben überhaupt muß ihm damals wie verleidet gewesen sein. findet ihr nicht auch? Und wie sie alles so weghat.. Aber ein bißchen war es doch so was.« »Nein. Mama würde sich freuen. Und ich glaube.« »Nun. »Aber nun endlich die Geschichte. es kam. wenn es anders gekommen wäre. Juristerei zu . so kann jeder leicht sehen. was wurde aus ihm? Das Leben hat er sich nicht genommen. und wenn die Mama davon erzählt. sagte Bertha. daß ich so was gesagt habe. so würd ich mich in die Mama verlieben. das wißt ihr. das Leben hat er sich nicht genommen. unterbrach hier Hertha. Wie kann das gegen das vierte Gebot sein? Ich glaube. ich fange schon an. immer so sicher und dabei so fein und nie unpassend wie Papa. Und das andere. Sie ist doch eigentlich eine schöne Frau. Wenn ich ein junger Leutnant wäre. wir hätten dich nicht. er nahm den Abschied und fing an. wie's kommen mußte. »Das ist ja gegen das vierte Gebot. sonst könntet ihr ihn heute nicht erwarten. wie kannst du nur so was sagen«. Es war ja auch Friedenszeit.« »Ja. was tat Innstetten. daß er so oft drüben war.« »Aber Effi.. »Gott sei Dank. um wen es eigentlich war. der schon Ritterschaftsrat war und Hohen-Cremmen hatte..« »Und wie kam es nachher?« »Nun. und als mein Papa sich einfand.« »Hat er einen Versuch gemacht?« »Auch das nicht. was sonst noch kam. Aber er mochte doch nicht länger hier in der Nähe bleiben. und am liebsten war er in Schwantikow drüben bei meinem Großvater Belling. das andere bin ich. da war kein langes Besinnen mehr. namentlich wenn man noch so aussieht wie die Mama. sagte Hulda.

und vor allem hat er wohl Schwantikow und das Bellingsche Haus wiedersehen wollen.« »Hat er denn hier Verwandte?« »Ja und nein.studieren. das alte Briestsche Haus. aber bei den Perlebergern statt bei seinem alten Regiment. wie Papa sagt. an das ihn soviel Erinnerungen knüpfen. Er neckt sie bloß. in Pommern.und Familienfaktotum.« »Was ist Kessin? Ich kenne hier kein Kessin. erschien Wilke. überhaupt nicht mehr. daß alles besser versinken kann. Da war er denn vorgestern drüben. begann er auch schon auf dem Arbeitstisch der Damen abzuräumen und griff dabei zunächst nach dem Zeitungsblatt. gleich nach eins würde der Herr Baron wohl vorfahren. und die Ferienreise. mit einem ›wahren Biereifer‹.. Innstettens gibt es hier nicht. denn er ist sehr schneidig. nicht so.« »Nein. und so kam es denn. in Hinterpommern sogar. glaub ich. Hertha. weil es ein Badeort ist (alles da herum ist Badeort). und es heißt. und heute will er hier in Hohen-Cremmen sein.« »Und was sagt dein Vater dazu?« »Gar nichts. daß er Landrat wurde. daß das gnädige Fräulein zu rechter Zeit auch Toilette mache. »Nein. auf dem die Stachelbeerschalen lagen. gibt es. um an Fräulein Effi zu bestellen: »Die gnädige Frau ließe bitten.. die Baron Innstetten jetzt macht. Landrat im Kessiner Kreise. Und gleich nach dem Kriege saß er wieder bei seinen Akten. Und dann kennt er ja doch die Mama. es liegt eine hübsche Strecke von hier fort. Der ist nicht so. hier in unserer Gegend liegt es auch nicht. Wilke. das mit den Schlusen. ist eigentlich eine Vetternreise oder doch etwas Ähnliches.« Und während Wilke dies noch vermeldete. und hat auch das Kreuz. Bismarck halte große Stücke von ihm und auch der Kaiser. Aber er hat hier entfernte Vettern von der Mutter Seite her. nur als der siebziger Krieg kam. Er will hier alte Freundschaft und Verwandtschaft wiedersehn. trat er wieder ein. wie man's nehmen will. und ehe es noch ausgeschlagen. was aber nichts sagen will.« In diesem Augenblick schlug es Mittag. du mußt nun die Tüte machen und einen Stein hineintun. Und dann wollen wir . Natürlich. das ist unsere Sache.

Aber was sollen wir denn singen?« »Irgendwas.in einem langen Trauerzug aufbrechen und die Tüte auf offener See begraben. es muß nur einen Reim auf ›u‹ haben. natürlich wegen Untreue. das sagst du wohl. so gut wie ich. Aber so was vergißt man doch wieder.« »Ja«. auch davon wissen. Mach alles wieder gut.« »Ich nicht.« »Aber doch nicht hier. setzten sich alle vier auf den Steg hin in Bewegung. Ich behalte so was. »der erzählte immer so was. als uns Kandidat Holzapfel in der Geographiestunde davon erzählte. jeder an einem Zipfel.« »Ja. Flut. wie mir eben einfällt.« Wilke schmunzelte. »wobei mir übrigens einfällt. Effi aber. so vom Boot aus sollen früher auch arme unglückliche Frauen versenkt worden sein. es ist ganz gleich...« . so etwa gingen seine Gedanken. »hier kommt so was nicht vor.«. »Is doch ein Daus. nun ist deine Schuld versenkt«.« »Nein. sagte: »Nun fassen wir alle vier an. und du mußt ja. und während Effi diese Litanei feierlich anstimmte. und singen was Trauriges. sagte Effi. sagte Hulda. unser Fräulein«. Effi. lachte Effi. Also singen wir: Flut. du bist ja mit dabeigewesen. nicht hier«. Aber in Konstantinopel. stiegen in das dort angekettelte Boot und ließen von diesem aus die mit einem Kiesel beschwerte Tüte langsam in den Teich niedergleiten. ›u‹ ist immer Trauervokal. während sie die Tüte mitten auf die rasch zusammengeraffte Tischdecke legte. »Hertha.

Etwas muß ich doch von meinem Adel haben. Papa hat mir erst neulich wieder einen Mastbaum versprochen. wenn er immer sagt. du kämst dann von der anderen Seite her herauf. Jahnke hat ganz recht. Ja..« »Midshipman. ich bin nicht so waghalsig. denn ihr macht wieder lange Gesichter. Ich werde mich aber hüten.. du hättest zuviel von dem Bellingschen in dir. Übrigens Midshipman oder Schiffsjunge. auf jeder Seite zwei. hier dicht neben der Schaukel. geh mir.‹. Und du. wobei sie sich ihrer gemeinschaftlichen Schulstunden und einer ganzen Reihe Holzapfelscher Unpassendheiten mit Empörung und Behagen erinnerten. weiße Klappkragen. du siehst aus wie ein Schiffsjunge. Aber kommt. das sollte schmecken. als Vetter Briest als Kadett hier war.. mit Rahen und einer Strickleiter. Ich mag noch nicht hineingehen. dir nachzuklettern. er könnte ja beinah mein Vater sein.. wie du damals. ja. das sollte mir gefallen. und wenn er . und der große. Ältlich ist er auch. von deiner Mama her. reißen wird es ja wohl nicht. Ich bin bloß ein Pastorskind. Alle Wetter. Wahrhaftig. ich will es nicht verraten. und alles bloß. dann wollen wir Anschlag spielen. wenn ich bitten darf. wie das nun wieder klingt.. und oben in der Luft wollten wir Hurra rufen und uns einen Kuß geben. Stille Wasser sind tief. das Leinenzeug macht immer so viele Falten.. wie du damals auf dem Scheunendach entlangrutschtest. und den Wimpel oben selbst anzumachen.« »Ach. Eine Viertelstunde hab ich noch. ja. man konnte sich nicht genugtun damit. um einem Landrat guten Tag zu sagen. wir wollen uns schaukeln. Effi. wie sag ich nur. das ließ' ich mir nicht nehmen. Weißt du noch. wie wenn du vom Kirschenpflücken kämst. noch dazu einem Landrat aus Hinterpommern. aber doch schon groß genug. Und warum? Nun. bis Hulda mit einem Male sagte: »Nun aber ist es höchste Zeit. oder wenn ihr nicht Lust habt. Hulda.Zweites Kapitel Sie sprachen noch eine Weile so weiter.« »›Alle Wetter. Du sprichst wirklich wie ein Midshipman. alles zerknittert und zerknautscht. du siehst ja aus. du siehst ja aus. jetzt hab ich es. wahrhaftig.

mit ihrem Taschentuche winkte. sich erst hinter einer dort aufwachsenden dichten Haselnußhecke zu verstecken. »Nun bist du doch noch in deinem Kittel. bis sie mit einem Male verschwunden war. nun. die Mama. drei« den Freiplatz neben der Bank erreichte. von der Steintreppe her. sah wieder nichts.. soviel weiß ich von meinem Papa her. pfui für euch. aber der Besuch hat nicht Zeit gehalten. noch größer als ein Feigenblatt. rasch. weil ihr verspielt habt. mit »eins.« »Pfui. und neben der Bank hier ist frei. ich fliege aus. weil sie schon im Rücken ihrer Verfolger war. »Wo warst du?« »Hinter den Rhabarberstauden. aber freilich. die haben so große Blätter. Es ist noch nicht eins. die.« Hulda wollte noch ein paar Einschränkungen machen.. Also nur nicht ängstlich.« Und dabei flog Effi von neuem über das Rondell hin. wenn sie wen empfangen.« »Ich halte schon Zeit. ehe sie noch halb um den Teich herum war. noch lange nicht«. Kessin soll ja so was sein. weit über das Rondell und die beiden seitwärts stehenden Platanen hinaus. und sich nach den Zwillingen hin umwendend (Hulda war noch weiter . wo bist du? Wir spielen nicht Versteck.« »Nein. wieder bis an den Seitenflügel und seinen Freiplatz zu kommen. Fürsten. legen auch immer die Uniform aus der Gegend des anderen an. und Effi stand vor ihr. mit ihren großen Augen. und der Besuch ist da. da muß ich ihm in diesem Matrosenkostüm eigentlich am besten gefallen und muß ihm beinah wie eine große Aufmerksamkeit vorkommen. zwei. rechts hin. Noch einen Augenblick. Alles war gut berechnet. wir spielen Anschlag«.. rasch. unter diesen und ähnlichen Vorwürfen eilten die Freundinnen ihr nach. auf den Teich zu. bis die Verschwundene mit einem Male aus ihrem Verstecke hervorbrach und mühelos. »Effi. von dieser aus. um dann. aber Effi war schon den nächsten Kiesweg hinauf. mit einem weiten Umweg um Kirchhof und Fronthaus. das gilt nicht. immer ungeschickt. während sie sich umwandte. hörte sie schon vom Hause her ihren Namen rufen und sah.. links hin. vielleicht weil sie vorhatte.. Hulda. Nie hältst du Zeit..wirklich in einer Seestadt wohnt.

. Du siehst gerade sehr gut aus. was hast du nur? Mir wird ja ganz angst und bange. Es ist wirklich erst halb..« Schon im nächsten Augenblicke trat Effi mit der Mama in den großen Gartensaal. noch erhitzt von der Aufregung des Spiels. Effi.. die aus dem Saal in den Oberstock hinaufführte.« ». ».zurück). und darauf kommt es in diesem Augenblicke an. aber noch weniger zu früh. dazu ein Mann von Charakter.. du darfst mich nicht schelten. was ich mir von meiner klugen Effi kaum denken kann. Du hast ihn vorgestern gesehen. du siehst so unvorbereitet aus. So lange kann er warten oder mit dem Papa plaudern. Warum kommt er so früh? Kavaliere kommen nicht zu spät. Und wenn es auch nicht wäre. Frau von Briest aber. um einen Scherz daraus zu machen.. bleibe so. ich kann auch rasch sein. Ich muß dir nämlich sagen. ich muß dir nämlich sagen. von Stellung und guten Sitten. Ich muß dir nämlich sagen. Er ist freilich älter als du.. und sagte beinahe vertraulich: »Es ist am Ende das beste. die unter Umständen auch unkonventionell sein konnte.«. er hat dir auch gut gefallen. wollte sie leichten Fußes eine kleine eiserne Stiege hinauf. und wenn du nicht ›nein‹ sagst.« »Um meine Hand angehalten? Und im Ernst?« »Es ist keine Sache.. und ich glaube.« Frau von Briest war in sichtlicher Verlegenheit. das. warf einen Blick auf das jugendlich reizende Geschöpf. hielt plötzlich die schon forteilende Effi zurück. Effi aber schmiegte sich liebkosend an sie und sagte: »Verzeih. rief sie diesen zu: »Spielt nur weiter. und in fünf Minuten ist Aschenpuddel in eine Prinzessin verwandelt. wo . wie ein Bild frischesten Lebens vor ihr stand. was alles in allem ein Glück ist. so gar nicht zurechtgemacht. ich bin gleich wieder da. der fast den ganzen Raum des Seitenflügels füllte. du bleibst. »Mama. so stehst du mit zwanzig Jahren da. Ja.« Und der Mama zunickend. wie du bist. du weißt. daß Baron Innstetten eben um deine Hand angehalten hat..« »Aber Mama. und sie nahm ihres Kindes beide Hände. meine süße Effi. ich will mich nun eilen.

komm. und gleich danach überschritt Ritterschaftsrat von Briest. und man hörte nur noch ihr leises Kichern und Lachen. und beide Schwestern sprangen von der Banklehne. und Hertha.« Dann duckte sie sich. wurden an dem mittleren der weit offenstehenden und von wildem Wein halb überwachsenen Fenster die rotblonden Köpfe der Zwillinge sichtbar. kam in ein nervöses Zittern. denn im selben Augenblicke fast.andere mit vierzig stehen. wieder in den Garten hinab. brünett und von militärischer Haltung. darauf sie gestanden. . die Gartensalonschwelle – mit ihm Baron Innstetten. aber nicht auf lange. rief in den Saal hinein: »Effi. noch im Fronthause gelegenen Hinterzimmer her. schlank. Du wirst deine Mama weit überholen. als sie seiner ansichtig wurde. Effi. ein wohlkonservierter Fünfziger von ausgesprochener Bonhomie. wo sich Innstetten unter freundlicher Verneigung ihr näherte.« Effi schwieg und suchte nach einer Antwort. die Ausgelassenste. hörte sie schon des Vaters Stimme von dem angrenzenden. Aber ehe sie diese finden konnte.

um in einer zweiten Ansprache das allgemeine Familien-Du zu proponieren. eine Art Gemütlichkeitsrangliste aufzustellen. sie hatte es nicht sein können. Und was nun die Kinder angehe – bei welchem Wort er sich. das folgte. nahm der alte Ritterschaftsrat noch einmal das Wort. das liegt jenseits deiner Sphäre. nicht ohne herzbeweglichen Eindruck geblieben war. der sich nicht leicht in seiner Feierlichkeitsrolle zurechtfand. so sei Effi eben Effi und Geert Geert. sprich. das Eis wurde schon herumgereicht. das junge Paar leben lassen. und Effi sei dann also der Efeu. was du willst. die bei Briest mehr . nur poetische Bilder. das einfache Briest entschieden bevorzugen müsse. laß beiseite. nun. Aber nicht auf lange. so hieß es. Der joviale Brautvater. unter Verzicht auf den Ehrentitel »Papa«. Hiermit war aber die Sache für ihn noch nicht abgeschlossen. trotzdem er ein wenig prosaisch war und dann und wann einen kleinen frivolen Zug hatte. wenn er nicht irre. schon weil es so hübsch kurz sei. Aug in Auge mit dem nur etwa um ein Dutzend Jahre jüngeren Innstetten. vielmehr fuhr er fort. einen Ruck geben mußte –. die dabei der nun um kaum achtzehn Jahre zurückliegenden Zeit gedenken mochte. habe die Bedeutung von einem schlank aufgeschossenen Stamm. und formuliere deine Toaste nach Gefallen. während er für seine Person.« Zurechtweisende Worte. nun war es statt ihrer die Tochter – alles in allem ebensogut oder vielleicht noch besser. außer dem »Du« zugleich intimere Namen und Titel für den Hausverkehr zu empfehlen.Drittes Kapitel Noch an demselben Tage hatte sich Baron Innstetten mit Effi Briest verlobt. Denn mit Briest ließ sich leben. Das Brautpaar sah sich bei diesen Worten etwas verlegen an. Effi zugleich mit einem Ausdruck kindlicher Heiterkeit. was auf Frau von Briest. Frau von Briest aber sagte: »Briest. Er umarmte dabei Innstetten und gab ihm einen Kuß auf die linke Backe. hatte bei dem Verlobungsmahl. würde der Fortbestand von »Mama« (denn es gäbe auch junge Mamas) wohl das beste sein. Für seine Frau. wenn ich dich bitten darf. der sich darum zu ranken habe. Gegen Ende der Tafel. Geert. weil wohlerworbener Eigentümlichkeiten. natürlich unter Wahrung berechtigter.

so geht es. Mir ist aber doch so bange dabei. wie du nur sprichst. ein bißchen genant?« . Effi. durchaus Haltung bewahrend. »Es ist möglich. Alte Familien halten immer zusammen. »Nun. Effi«. das hast du. benahm sich sehr gut und überließ die Bezeugung von Unmut und Ärger ihrer Mutter. Unterwegs sagte sie sich: »Ich glaube. Sonst sprachst du doch ganz anders. kommt was dazu. sagte Hertha. wie ist dir eigentlich?« »Wie mir ist? Oh.« »Ja. wie mir einfällt. Hulda wird sich ärgern. Wenn's die Mutter nicht sein konnte. und wo was is. Hertha. die Zwillinge hatten schon nach ihr ausgeschaut und empfingen sie im Vorgarten.Zustimmung als Ablehnung gefunden hatten. während alle drei zwischen den rechts und links blühenden Studentenblumen auf und ab schritten. Nun bin ich ihr doch zuvorgekommen – sie war immer zu eitel und eingebildet. »Ja. Wir nennen uns auch schon du und bei Vornamen. Er heißt nämlich Geert. um einen Besuch drüben bei Pastors zu machen. muß es die Tochter sein. Ist es denn auch der Richtige?« »Gewiß ist es der Richtige. »nun.« »Ja. ist man immer ganz glücklich. daß du recht hast. wie sag ich nur.« Gleich nach Aufhebung der Tafel beurlaubte sich Effi.« Aber Effi traf es mit ihrer Erwartung nicht ganz. sonst. ja. der Frau Pastorin. Hulda. was ich euch. Luise. Wenigstens denk ich es mir so. ganz gut. ja. auch schon gesagt habe. Das kennt man. Effi. Jeder ist der Richtige. Das verstehst du nicht. Natürlich muß er von Adel sein und eine Stellung haben und gut aussehen. eine Wirtschafterin geheiratet zu haben. Von Pastors ging Effi natürlich auch zu Kantor Jahnkes. Natürlich.« »Und ist es dir denn gar nicht. die denn auch sehr sonderbare Bemerkungen machte.« »Und bist auch schon ganz glücklich?« »Wenn man zwei Stunden verlobt ist.« Der alte Niemeyer kam in arge Verlegenheit über diese fortgesetzten spitzen Redensarten ohne Bildung und Anstand und beklagte mal wieder.« »Gott.

nachdem er versprochen hatte. komm. Innstetten –. aber doch nicht sehr. als wäre der kleine Hergang doch mehr als ein bloßer Zufall gewesen. jedenfalls lieber – Pardon.« Er sprach noch mehr dergleichen. aber er habe jedesmal gedankt.« Er glaubte nicht an Zeichen und ähnliches. als so die Blicke beständig nach oben richten zu müssen. verschiedentlich wiederkehrenden »Pardon. und entschuldigte sich von Zeit zu Zeit mit einem kurzen. war Effi wieder nach drüben zurückgekehrt. wies alles Abergläubische weit zurück. ein Wort. Innstetten. Jeder mußte ihr zu diesem Tage schreiben. Das ist nichts für mich. das mußt du«. Hier leb ich so freiweg und freue mich über jedes grüne Blatt und über den wilden Wein. Aber er konnte trotzdem von den zwei Worten nicht los. hatte Effi gesagt. der da drüben in die Fenster wächst. sie sei ihm verschiedentlich angetragen worden. und während er dem nachhing.»Ja. Briest sprach von dem Schwierigen einer landrätlichen Stellung. Und ich denke. »So nach meinem eigenen Willen schalten und walten zu können ist mir immer das liebste gewesen. Innstetten«. jeden Tag schreiben zu wollen. das ihr von Herzen kam. Schwiegervater und Schwiegersohn gingen auf dem Kieswege zwischen den zwei Platanen auf und ab. der nur einen kurzen Urlaub genommen. immer aufs neue nach dem drüben am Fenster rankenden wilden Wein hinüber. In . war schon am folgenden Tage wieder abgereist. war es ihm. der keine halbe Stunde gedauert hatte. Man hat dann bloß immer Sinn und Merk für hohe und höchste Vorgesetzte. und während Briest immer weiter perorierte.und Kantorhause gemachten Besuche. ich werde darüber wegkommen. da sie seit Jahren nichts Schöneres kannte als beispielsweise den Empfang vieler Geburtstagsbriefe. sah vielmehr. war aber eigentlich wenig bei der Sache. allerhand Antibeamtliches.« Nach diesem im Pfarr. wo man auf der Gartenveranda eben den Kaffee nehmen wollte. Dieser nickte mechanisch zustimmend. war es ihm beständig. »Ja. im Gegenteil. wie gebannt. ein bißchen genant ist es mir. als säh er wieder die rotblonden Mädchenköpfe zwischen den Weinranken und höre dabei den übermütigen Zuruf: »Effi. von dem Briest eben gesprochen.

wie Briest sich ausdrückte. Vetter Briest vom Alexander-Regiment. in der Korrespondenz mit ihm. war der Umstand. etwa wie »Gertrud und Klara senden Dir mit mir ihre herzlichsten Glückwünsche«. könne ja von der Ausstattung abgezogen werden. stellte sich . als die große Berliner Woche nun wirklich da war. und es empfahl sich. womöglich – denn ihr Geburtstag fiel noch in die Reisezeit – mit einer fremden. Goschenhofer und ähnlichen Firmen. hatten dafür zu sorgen. aber doch sehr standesgemäß eingerichtet. als Frau von Briest über all diese Dinge genugsam unterrichtet war. Was es von ernsteren Dingen zu besprechen gab. war in seinem Kessiner Hause nicht glänzend. daß er allwöchentlich nur einmal einen ganz kleinen Antwortbrief erwartete. als der Vater darein gewilligt hatte. Ausstattungs. den sie beide. zu gewinnen. im Hotel du Nord Wohnung zu nehmen. Und diesen ihren heiteren Phantasien entsprach denn auch ihre Haltung. um so mehr. Den erhielt er denn auch. aus der Schweiz oder Karlsbad. viel mehr mit dem Eindruck. das verhandelte Frau von Briest mit ihrem Schwiegersohne: Festsetzungen wegen der Hochzeit.Einrichtungsfragen. als mit Spinn und Mencke. Schließlich. »Was es koste. Innstetten. wenn sie Freundinnen sein wollten. schrieb wirklich jeden Tag. den »Trousseau« für Prinzessin Effi zusammenzukaufen. ein ungemein ausgelassener. um nichts Unnützes anzuschaffen. ein Bild von allem.und Wirtschafts. der die »Fliegenden Blätter« hielt und über die besten Witze Buch führte. freudig zugestimmt und beschäftigte sich in ihren Gedanken viel. was da war. Innstetten. bei ihrem Erscheinen an der Table d'hôte machen würden. voll reizend nichtigen und ihn jedesmal entzückenden Inhalts. Innstetten habe ohnehin alles.oder ernsthaft gemeint hatte.« Effi – ganz im Gegensatze zu der solche »Mesquinerien« ein für allemal sich verbittenden Mama – hatte dem Vater. wurde seitens Mutter und Tochter eine Reise nach Berlin beschlossen. Effi freute sich sehr auf den Aufenthalt in Berlin. Mutter und Tochter. ohne jede Sorge darum. daß ein Brief mit selbständiger Marke daläge. um. schon an die drei Jahre im Amt.den Brief eingestreute Wendungen. was aber den Empfang seiner Briefe ganz besonders angenehm machte. die vorläufig notiert worden waren. ob er's scherz. wie versprochen. junger Leutnant. waren verpönt: Gertrud und Klara.

um für die gleich nach der Hochzeit geplante italienische Reise allerlei Einkäufe zu machen.« Das alles war auch richtig. sondern erkannte sogar einen Vorzug darin. mit Vorliebe behauptete: »sie sähen aus wie adlige alte Jungfern«. in die Nationalgalerie. aber doch nur halb.den Damen für jede dienstfreie Stunde zur Verfügung. sie lebt in ihren Vorstellungen und Träumen. nicht zum wenigsten für den Vetter.« Die Tante gab ihm einen Schlag mit dem Fächer. den Ton zu ändern. Frau von Briest. Es waren himmlische Tage für alle drei. Ob man von einer Sache sechs oder drei Dutzend erstand. um da die Giraffen zu sehen. so verwechselte sie regelmäßig die Zahlen. der übrigens Dagobert hieß. begleitete diesen Schlag aber mit einem so gnädigen Blick. daß er keine Veranlassung hatte. von denen Vetter Briest. An dem Besitze mehr oder weniger alltäglicher Dinge lag Effi nicht viel. auch ihrem eigenen geliebten Kinde gegenüber. so sagte sie sich. sonst so kritisch. es sei aber doch vielleicht gut. An solchen Meinungsverschiedenheiten zwischen Mutter und Tochter war nun. und wenn dann auf dem Heimwege von dem Preise der eben eingekauften Gegenstände gesprochen wurde. weil Vetter Dagobert seiner Cousine die »Insel der Seligen« zeigen wollte. wie vorgeschrieben. und wenn die Prinzessin Friedrich Karl vorüberfährt und sie von ihrem Wagen aus freundlich grüßt. so zeigte . und am dritten oder vierten Tage gingen sie. sich zu verheiraten. nahm dies anscheinend mangelnde Interesse nicht nur von der leichten Seite. »Fräulein Cousine stehe zwar auf dem Punkte. aber wenn sie mit der Mama die Linden hinauf und hinunter ging und nach Musterung der schönsten Schaufenster in den Demuthschen Laden eintrat. aber sie traten glücklicherweise nie bei den zu machenden Einkäufen hervor. all die Zeit über kein Mangel. wie das so geht. Effi ist anspruchslos. der so wundervoll zu chaperonieren und kleine Differenzen immer rasch auszugleichen verstand. »Alle diese Dinge«. Jeder Tag verlief programmäßig. »bedeuten Effi nicht viel. und so saßen sie denn mit ihm bei Kranzler am Eckfenster oder zu statthafter Zeit auch wohl im Café Bauer und fuhren nachmittags in den Zoologischen Garten. die ›Insel der Seligen‹ schon vorher kennengelernt zu haben. so gilt ihr das mehr als eine ganze Truhe voll Weißzeug. Effi war mit allem gleichmäßig einverstanden.

Ja. darin hatte die Mama recht. und in diesem Verzichtenkönnen lag etwas von Anspruchslosigkeit. so verzichtete sie auf das Zweitbeste. und wenn sie das Beste nicht haben konnte. . so mußte dies immer was ganz Apartes sein.sich ihr wahrer Charakter. sie konnte verzichten. Nur das Eleganteste gefiel ihr. Und darin war sie anspruchsvoll. weil ihr dies Zweite nun nichts mehr bedeutete. wenn es aber ausnahmsweise mal wirklich etwas zu besitzen galt.

»du kommst also zu meinem Polterabend. und fuhren in einer halben Stunde nach Hohen-Cremmen hinüber. ja dem Lieblinge zur Besiegelung des Einverständnisses einen Kuß auf die Stirn gegeben. auch so was gehabt: unser Inspektor Pink und die Gärtnersfrau. Mit Vetter Dagobert war das natürlich etwas ganz anderes gewesen. Denn nach den Aufführungen (aber kommt mir nicht mit Dienstmann oder Mausefallenhändler) ist Ball. Statt dessen erging er sich in Mitteilung dessen. als die Damen ihre Rückreise nach Hohen-Cremmen antraten. Briest war sehr froh. und diese gute Stimmung dauerte bis zuletzt. und so trennte man sich. während ihr fort wart. beides zusammen paßt nicht. »müssen wir diesmal inkognito bleiben. Und mit dem Frühzug könnt ihr wieder zurück. Es geht nicht. »Dagobert«.« Die Mama hatte sich schließlich einverstanden damit erklärt. daß solche . Unter sechs Kameraden – natürlich beste Tänzer wird gar nicht angenommen. deren Beantwortung er meist nicht abwartete. sowohl Mutter wie Tochter von Anfang an anzuregen und aufzuheitern gewußt. vor allem auch darin. »Ihr habt mir da vorhin von der Nationalgalerie gesprochen und von der ›Insel der Seligen‹ – nun. daß man nicht unter unbequemer und beinahe unstandesgemäßer Verwandtschaft gelitten hatte. mitten im Luch. daß sie hier ins Hotel kommt. »Für Tante Therese«. so hatte Effi gleich nach der Ankunft gesagt. mein erster großer Ball ist vielleicht auch mein letzter. übrigens ungern. wie sie bei den Alexanderoffizieren beinahe traditionell geworden. was er inzwischen erlebt. und stellte Fragen über Fragen. und natürlich mit Cortège.« Der Vetter versprach alles. Natürlich habe ich Pink entlassen müssen. Es waren glückliche Tage gewesen. wir haben hier. Entweder Hotel du Nord oder Tante Therese. so hieß es noch beim Abschied. Gegen Mittag trafen beide Damen an ihrer havelländischen Bahnstation ein. Und du mußt bedenken. Es ist sehr fatal. der hatte vor allem auch mit Hülfe jener eigentümlich guten Laune.Viertes Kapitel Vetter Dagobert war am Bahnhof. Frau und Tochter wieder zu Hause zu haben. der hatte nicht bloß den Gardepli.

von dem ihm viel erzählt wurde. die aber nicht groß war. hatte sich's als etwas besonders »Sinniges« ausgedacht. auch die verschämte Nutzanwendung auf Innstetten und Effi hinzuzudichten. denn ein kleiner Schabernack entsprach ganz seinem Geschmack. und überließ ihn im übrigen seiner eigenen Beschämung. Oktober) rückte näher. Bertha und Hertha als Lining und Mining auftreten zu lassen. Was meinst du. hatte keinen Augenblick gesäumt. oder wenigstens nicht ganz hinstarb. Luise? Wollen wir nachexerzieren? Spät kommt ihr. Niemeyer. das selbst noch anhielt. so sind wir zu Ostern auch in Rom und machen nach achtzehn Jahren unsere Hochzeitsreise. Man sah aber deutlich. das gute Einvernehmen mit dem Vetter. gleich nach der Leseprobe. freilich mit Ausnahme seines . Und Pink war sonst ein ungewöhnlich tüchtiger Mann. daß er inmitten seiner Mißbilligung sich eigentlich darüber freute. verriet er viel Interesse. doch ihr kommt. der Hochzeitstag (3. hatte seinen Beifall. Wilke wird schon unruhig. weniger das Verhalten gegen Tante Therese. der sich den Vater der Idee nennen durfte. Auch als nach Tisch einzelne der hübschesten Einkäufe vor ihm ausgepackt und seiner Beurteilung unterbreitet wurden. wenn du mir solchen Koffer und solche Reisedecke zu Weihnachten schenkst.« Frau von Briest machte eine Handbewegung. »Etwas teuer. getreu seiner Fritz-Reuter-Passion.Geschichten fast immer in die Erntezeit fallen. und Tante Therese war wirklich eine lächerliche Figur. von allen Beteiligten viel Freundliches darüber. daß ich deutlich fühle. wie wenn sie sagen wollte: »unverbesserlich«. ich möchte sagen so viel Animierendes. Leutnant Engelbrecht von den Husaren als Wetter vom Strahl. als er die Rechnung überflog. Aber lassen wir das. natürlich plattdeutsch. während Hulda das Käthchen von Heilbronn in der Holunderbaumszene darstellen sollte. oder sagen wir lieber sehr teuer. Er hob sein Glas und stieß mit Frau und Tochter an. Er selbst war mit seiner Arbeit zufrieden und hörte.« Bei Tische hörte Briest besser zu. Jahnke. und sowohl im Herrenhause wie in der Pfarre und Schule war man unausgesetzt bei den Vorbereitungen zum Polterabend. indessen es tut nichts. Es hat alles so viel Chic. hier leider am unrechten Fleck. Ende August war da.

wenn auch keineswegs aus literarischen Gründen. welche Wendung einer Waffenstreckung ziemlich gleichkam oder doch zu solcher hinüberleitete. das verschiebt alles. Das ist er aber nicht. die Briests sind schließlich auch nicht von schlechten Eltern. Da hätte sie wirklich selber mitspielen mögen. so schloß Effi mit der wiederholten Versicherung: es wäre wirklich so. der. die Mama könne es glauben. als er die Mischung von Kleist und Niemeyer mit angehört hatte. in der jeder das Widerspiel unserer Effi erkennen muß – ich will nicht. schon halb im Kostüm. daß sie der Mama mit allem Nachdruck erklärte.« Und wirklich. Und warum auch nicht? Es sei ja doch alles nur Theateraufführung. daß eine Briest oder doch mindestens eine Polterabendfigur. daß eine Briest mittelbar oder unmittelbar in einem fort von ›hoher Herr‹ spricht. unbestritten. lebhaft protestierte. Da müßte denn doch Innstetten wenigstens ein verkappter Hohenzoller sein. wenn auch nur. »das Käthchen liege sehr gut da«. aber was heißt Uradel? Ich will nicht. das sie noch am letzten Abend in Berlin gesehen hätte. Wir sind doch nun mal eine historische Familie. Daß alle diese Dinge vor Effi geheimgehalten wurden. ließ er sich – der es auch sonst nicht an Huldigungen gegen Hulda fehlen ließ -zu der Bemerkung hinreißen. wo das »Käthchen«. in die Vorbereitungen und geplanten Überraschungen einzudringen.Patronatsherrn und alten Freundes Briest. laß mich hinzufügen Gott sei Dank. und wenn diese dann zweifelte. meinetwegen Uradel. und so kann ich nur wiederholen. Erst nach der zweiten Probe. um dem lächerlichen Pensionslehrer einen Kreidestrich . braucht nicht erst gesagt zu werden. Innstetten. hübscher und poetischer könne es ja doch nicht sein. »Hoher Herr und immer wieder hoher Herr – was soll das? Das leitet in die Irre. »sie könne es abwarten«. aber Effi hatte so wenig Verlangen. es verschiebt die Situation. Luise –. Briest hielt mit besonderer Zähigkeit eine ganze Zeitlang an dieser Anschauung fest. Bei mehr Neugier auf seiten dieser letzteren wäre das nun freilich ganz unmöglich gewesen. ist ein famoses Menschenexemplar. aber die Briests – verzeih den Berolinismus. die Innstettens sind bloß alt. und die Innstettens sind es nicht. ein sehr eng anliegendes Sammetmieder trug. und hübscher und poetischer als »Aschenbrödel«. Mann von Charakter und Schneid. es gibt ja dergleichen.

« »Ungewöhnlich? Er ist immer in guter Laune. weil sich Effi. immer weniger wurden. mit kluger Berechnung. Nachher bleiben sie doch bloß stecken. »Ich hoffe. Wenn du aber noch kleine Wünsche hegst. was man hier braucht.. was doch ein gutes Zeichen war. Schilderungen. so hoch nördlich zu kommen. »Und wie reizend im letzten Akt ›Aschenbrödels Erwachen als Prinzessin‹ oder doch wenigstens als Gräfin. ich . und sehr zur Erheiterung der Mama. war es mir. als sie wie gewöhnlich in Front des Seitenflügels mit Effi am Arbeitstische saß.« »Ja.« In dieser Weise sprach sie oft.auf den Rücken zu machen.« So gingen Effis Spottreden. daß sie sich um Polterabend und Hochzeit nicht allzusehr kümmerte. Eigentlich habe ich ja alles. ich meine. ich bemerke. »Und die muß benutzt werden. in denen sich nebenher. wo Eis und Schnee nie recht aufhörten. was man braucht. Kessin als einen halb sibirischen Ort aufzufassen. sie hätten sich weniger wichtig und wären mehr für mich da. »Heute hat Goschenhofer das letzte geschickt«. im Gegenteil. wirklich. Sprich also.und Wäschevorräte beständig wuchsen. es war ganz wie ein Märchen. daß es meine Freundinnen sind. eine merkwürdige Vorstellung von Hinterpommern aussprach oder vielleicht auch. und ich muß mich um sie ängstigen und mich schämen. auf dem die Leinen. Mehrmals. »Ich wollte. sagte Frau von Briest. ziemlich viel mit ihrer Zukunft beschäftigte und sich. was soll ich da sagen. aber zu Sorgen kam es nicht. phantasiereich. Sie gefiel sich nämlich darin. Effi. viertelstundenlang in Schilderungen ihres Kessiner Lebens erging. als ob du doch nach dem einen oder anderen noch ein ganz besonderes Verlangen gehabt hättest. Papa hat den Raps vorteilhaft verkauft und ist ungewöhnlich guter Laune. als wir noch in Berlin waren. Frau von Briest hatte so ihre Gedanken darüber. liebe Mama. womöglich in dieser Stunde noch. aussprechen sollte. während der Zeitungen.. wie sie war. Aber da mir's nun mal bestimmt ist. die bloß Platz wegnahmen. so mußt du sie jetzt aussprechen. wiederholte die Mama. und es war ganz unverkennbar. daß ich nichts dagegen habe. du hast nun alles. war meist ausgelassener als vordem und ärgerte sich bloß über das beständige Tuscheln und Geheimtun der Freundinnen.« »In ungewöhnlich guter Laune«.

Auf dem Wege dahin bist du. auf die Nordlichter und auf den helleren Glanz der Sterne. wenn nicht gerade Sedantag gewesen wäre. nicht viel breiter als Leitersprossen. So aber wurden sie durch Trommel. und wenn du mit deinen siebzehn Jahren in Nerz oder Marder auftrittst. Kind.. so sollst du einen Pelz haben. ich kann mir den Himmel nicht schöner denken. Eine Woche später saßen Mutter und Tochter wieder am alten Fleck.« Das war am 2. da mir's nun mal so bestimmt ist. Im Nu war sie oben. »so wohl und so glücklich. Nur das laß mich im voraus sagen. mit seinem blanken Kugelstock zu salutieren. Ein Pelz ist für ältere Personen. aber was heißt das? Wenn du von hier nach Nauen fährst.« »Nein. Jahnke gravitätisch am rechten Flügel. Effi winkte mit dem Taschentuch. mit einem Gesichtsausdruck. so hätte ich wohl gern einen Pelz gehabt. Und . zu dem sechs Stufen. selbst deine alte Mama ist noch zu jung dafür. und die leise Brise. es sei eine Maskerade. die schon vorher von dem beabsichtigten Aufzuge gehört.. Du kommst ja nicht nach Petersburg oder nach Archangel.. aber es wieder vergessen hatte.« »Gewiß. die Schlacht bei Sedan noch einmal zu schlagen. so glauben die Kessiner. Kind. Es war ein wunderschöner Tag. und richtig. während ein kleiner Tambourmajor. an die Kirchhofsmauer angebauten Balkon zu. und Effi. ein Gespräch. wenn du's wünschst. Im übrigen.. September. ich rate dir davon ab. das sich wohl fortgesetzt hätte. als ob ihm obläge. stürzte mit einem Male von dem gemeinschaftlichen Arbeitstische fort und an Rondell und Teich vorüber auf einen kleinen.« »Aber Effi. auch wieder mit ihrer Arbeit beschäftigt. hinaufführten. »Ach. die ging. das ist doch alles bloß leere Torheit. an der Spitze des Zuges marschierte.freue mich darauf. wie wohl ich mich fühle«. und der Begrüßte versäumte nicht. sagte Effi. aber ich bin doch auf dem Wege dahin. bist du auch auf dem Wege nach Rußland.. weit voran. da kam auch schon die ganze Schuljugend heran. daß sie so sprachen. der in einem zierlichen Beet um die Sonnenuhr herum stehende Heliotrop blühte noch. trug den Duft davon zu ihnen herüber.und Pfeifenklang unterbrochen.

« Frau von Briest schwieg. Unerhört.. sagte. du schweigst und siehst aus. und je farbenreicher sie sind. als Jahnke mit der Schule vorbeikam. daß Niemeyer nur die einzige Tochter hat. So müßt es ein japanischer Bettschirm sein.. was er über ›Lots Frau‹. als ob ich etwas besonders Unpassendes gesagt hätte. die uns denn auch wirklich wieder mit ihrer Torheit und Anmaßung den ganzen Sedantag ruinierte. Wenn es aber doch am Ende was sein sollte.. Und vor deiner Mutter nun schon gewiß nicht. »Nun siehst du. ob sie im Himmel so wundervollen Heliotrop haben. nichts Unpassendes. mit rotem Schein.am Ende. so darfst du nicht sprechen: das hast du von deinem Vater. dein einziger Wunsch gewesen sein sollte.. in unserem Gespräche unterbrochen wurden – wenigstens kann ich mir nicht denken. alles im Halblicht einer roten Ampel. malst dir mit Vorliebe Zukunftsbilder aus. schwarz und goldene Vögel darauf. Denn ich kenne dich ja. Und nun denkst du dir's ganz wundervoll. Du bist eine phantastische kleine Person. Mama.« »Nun. in all und jedem. und zweitens ist es eine grenzenlose Rücksichtslosigkeit gegen Hulda. einen Bettschirm mit allerhand fabelhaftem Getier zu haben. Es kommt dir vor wie ein Märchen. Effi.. von dem du damals sprachst. Und was soll es nur heißen? Erstlich weiß er nicht. und du möchtest eine Prinzessin sein.« ». Ich sah das so recht.. daß der Pelz. Laß mich also wissen. dem nichts heilig ist und der neulich sogar sagte: Niemeyer sähe aus wie Lot. ganz im Ernste.« »Nein. dadurch fällt es eigentlich in sich zusammen.« »Aber Effi. wie Lot ausgesehen hat. unsere gute Frau Pastorin. alle mit einem langen Kranichschnabel. Schatz. Und dann vielleicht auch noch eine Ampel für unser Schlafzimmer. wer weiß. desto schöner und begehrlicher erscheinen sie dir.« . Mama.« »Nichts. In einem freilich hat er nur zu sehr recht gehabt.. Ein Glück. als wir die Reisesachen kauften.« »Wirklich nichts?« »Nein.. was du noch weiter auf dem Herzen hast.. Wobei mir übrigens einfällt. daß wir. wirklich nichts..

Mama. Und wenn du nun nach Kessin kommst. Vetter Briest.. so bist du. daß es wenigstens ein Badeort ist. Aber ich bekenne dir. Und auf dem Schiffe ist dann Ball (sie haben da natürlich auch Musik). Aber meine liebe Effi.Effi nahm die Hand der Mama und küßte sie. Das sind so Vorstellungen. aber in diesem Augenblicke kam Wilke und brachte Briefe. und zumal wir Frauen. das klingt ohnehin so nach Generalstab. Der eine war aus Kessin von Innstetten. so bin ich. und solche gibt es immer. daß es statt Licht und Schimmer ein Dunkel gibt. daß ich den Flügel schräg in die Stube stelle. den mir Geert versprochen hat. Und das Bild von dir.« »Also nichts Japanisches und auch keine Ampel. Dirigieren. einem kleinen Ort. und er tanzt sehr gut.« »Wer?« . fuhr sie in ruhigem Tone fort: »Aber das wirst du doch gestatten. von Geert«. dessen Mutter und Schwester immer nach Warnemünde gehen – nun. und ein Glück. ich sehe doch wirklich nicht ein. Schön und poetisch. und manche sagen auch wohl noch Schlimmeres. ganz ohne dich kann ich nicht sein. ambiert.« Frau von Briest war bewegt. wie mir neulich erst wer erzählt hat. alles in einem roten Schimmer zu sehen.« Effi schien antworten zu wollen. Sie stand auf und küßte Effi. die dir ungewogen sind. Übrigens haben die Kessiner. das stell ich dann auf eine Staffelei. Und wenn man bloß lachte. worauf er. und daran will ich mich aufrichten. nicht einmal einen Stabsarzt.« »Ja. glaub ich. wir müssen vorsichtig im Leben sein. und oft ist es gut. Ich weiß es wohl. vielleicht auf der Reise schon und dann in Kessin ganz gewiß. wie werd ich mich nach euch sehnen. Die Wirklichkeit ist anders. Es soll ja keine Garnison haben. Daran liegt mir mehr als an einem Kamin. Die. »Du bist ein Kind. Und dann kommt er natürlich mit und wohnt bei uns. »Ach. warum der die lieben Verwandten nicht auch einmal nach Kessin hin dirigieren sollte. »Ja. wo nachts kaum eine Laterne brennt. ein ziemlich großes Dampfschiff. sprechen von schlechter Erziehung. sagte Effi. das zweimal die Woche nach Schweden hinüberfährt. ich hatte es mir so schön und poetisch gedacht.. Ach. so lacht man über dergleichen. und während sie den Brief beiseite steckte.

wofür bist du denn eigentlich?« »Ich bin. Mama. dann bin ich für Reichtum und ein vornehmes Haus. Dagobert.‹ Denn er ist nicht nur ein Mann der feinsten Formen. »Nun. Zerstreuung. ist Langeweile. immer was. nun. aber gleich hinterher kommt Glanz und Ehre. Er sagt sich das immer und stimmt sich auf das Jugendliche hin. was man eine Musterehe nennt. er ist auch gerecht und verständig und weiß recht gut. überlege. dann bin ich für Hofball und Galaoper.. und dann kommt Zerstreuung – ja. Und wenn wir dann in Berlin sind. Und nun sage mir.. Und er schreibt doch immer so heiter und unterhaltlich und gar nicht väterlich weise.« »Ja. Effi.« »Das sieht dir ähnlich. Den hätt ich fast vergessen. was er schreibt. ein ganz vornehmes.»Nun. Er hat sein Alter. Mama. ich bin nicht so sehr für das. das ist mein völliger Ernst. Was ich nicht aushalten kann. Liebe kommt zuerst. oder wo der alte Kaiser vorfährt und für jede Dame.« »Ich dachte. wie Papa sagt. weil Liebe. was Jugend bedeutet. Effi. es zu sagen.« »Sagst du das so bloß aus Übermut und Laune?« »Nein. so werdet ihr eine Musterehe führen. doch nur ein Papperlapapp ist (was ich aber nicht glaube). auf Elchwild oder Auerhahn.. das ist das Bessere. ein gnädiges Wort hat. Und wenn es Zärtlichkeit und Liebe nicht sein können. immer dicht neben der großen Mittelloge. Aber jedenfalls ist es an der Zeit.« »Richtig. das glaube ich auch.‹« »Und dann würde er dir antworten: ›Was du hast. du meintest Innstetten. immer was Neues..« Und sie öffnete den Brief und überflog ihn. kein Wort? Du strahlst nicht und lachst nicht einmal. nun. Du hast ja den Brief noch in der Tasche.« »Das würd ich mir auch verbitten. wo Prinz Friedrich Karl zur Jagd kommt. auch für die jungen. Aber kannst du dir vorstellen.« . ich bin für gleich und gleich und natürlich auch für Zärtlichkeit und Liebe. und wenn er in der Ehe so bleibt. und ich schäme mich fast. und ich habe meine Jugend. daß ich lachen oder weinen muß. endlich zu wissen. Und ich würde ihm mit dem Finger drohen und ihm sagen: ›Geert. was besser ist.

Effi. Nun. vor allem aber. wenn er wieder heil heraus war. Tapezierer Madelung.‹ So fängt es nämlich immer an. in der Regel vergeblich.. die über einen kommen.« »›Liebe Effi.. er nimmt immer einen Anlauf.« »Lies. lies. Das sind so Stimmungen.« »Also: ›Liebe Effi! Je näher wir unsrem Hochzeitstage kommen. Mama. aber. wenn man so jung ist wie du und vor der Hochzeit steht und vor dem Ungewissen. und die Badewärter waren immer froh. wenn wir auf der Reise sind. wo immer die landrätlichen Verordnungen stehen. ist ein Original. lies. Das Beste wird wohl erst geschehen. und dabei wird es in unserer guten Stadt immer stiller und einsamer. Denn sie fürchteten einen Schlaganfall. Geert ist ja auch Landrat. wie du nur so was sagen kannst. je sparsamer werden Deine Briefe. so glücklich. warf sie sich heftig weinend vor der Mama auf die Knie und küßte ihre beiden Hände! »Steh auf. Im Hause sind jetzt die Handwerker. Aber nun lies mir den Brief vor.« »Lies. da macht sich's mitunter nicht sehr hübsch. das muß ich zugeben.« »Geheimnisse«. aber das meiste könnt ich auf dem Schulzenamt anschlagen lassen. was dann das Bad . über meine süße. Mir brennt hier der Boden unter den Füßen. Freilich. Aber sonst bin ich hier immer glücklich gewesen. der alles liefert. ja. er badete zuletzt bei 9 Grad. wenn im Winter die liebe Verwandtschaft vorgefahren kommt und sechs Stunden bleibt oder wohl auch noch länger und Tante Gundel und Tante Olga mich mustern und mich naseweis finden – und Tante Gundel hat es mir auch mal gesagt –.« Und während sie das sagte. und manchmal nennt er mich auch seine ›kleine Eva‹..»Wie bist du da nur mit uns fertig geworden?« »Ach. da. die die Zimmer.. lachte Effi und sprang in plötzlich veränderter Stimmung wieder auf. für Dein Kommen herrichten sollen. Du sollst ja lesen. suche ich immer zuerst nach Deiner Handschrift. Wenn die Post kommt.. freilich nur wenige.. Der letzte Badegast ist gestern abgereist. wie Du weißt (und ich hab es ja auch nicht anders gewollt). wenn er nicht was ganz Besonderes enthält oder vielleicht Geheimnisse. wie glücklich ich bin über Dich. »Geheimnisse! Ja. von dem ich Dir mit nächstem erzähle. kleine Effi.

das wünsche ich nicht. Und ich liebe auch den alten Niemeyer.« »Da ist es doch besser so. Da ist es doch besser so. Wie das nun wieder klingt. Und daß du vorhin weintest. daß ich in vier Wochen schon mit Dir von der Piazzetta aus nach dem Lido fahre oder nach Murano hin. »Das ist ein sehr hübscher Brief«. sagte Frau von Briest. und am liebsten immer in der Furcht. Ich juble. Er hat keine Ahnung davon. nein. Mama. um ihn in das Couvert zu stecken. davon spreche ich gar nicht erst. Natürlich auf seine Art. das freut mich. laß mich eine Frage tun. Und daß ich euch liebe. wünschtest du. Hast du was auf deinem Herzen? Noch ist es Zeit.in Mißkredit bringt. wenn ich denke. wo sie Glasperlen machen und schönen Schmuck. Geert ist ein Mann. Er will mir ja schon Schmuck schenken in Venedig. Liebst du Geert nicht?« »Warum soll ich ihn nicht lieben? Ich liebe Hulda. daß er zärtlicher wäre. und ich liebe Hertha. daß der Brief nicht das richtige Maß hielte.«‹ Effi faltete den Brief wieder zusammen. Und Geert wird mich auch wohl verwöhnen. Mama. Und der schönste sei für Dich. ein Mann. Ich klettre lieber. Der erheitert mich immer. daß ich mir nichts aus Schmuck mache. die's gut mit mir meinen und gütig gegen mich sind und mich verwöhnen. Ich liebe alle. und ich schaukle mich lieber. mit dem ich Staat machen kann und aus dem was wird in der Welt. Er ist ja noch ein halber Junge.« »Ja. das hält er. Wahr und wahrhaftig nicht. Effi. wünschtest du. vielleicht überschwenglich zärtlich?« »Nein. Du bist so sonderbar. als ob die Wellen hier schlimmer wären als woanders. »und daß er in allem das richtige Maß hält das ist ein Vorzug mehr.« »Und liebst du vielleicht auch deinen Vetter Briest?« »Ja. Den Kopf wird es ja nicht gleich kosten. Viele Grüße den Eltern und den zärtlichsten Kuß Dir von Deinem Geert.« »Und hättest du Vetter Briest heiraten mögen?« »Heiraten? Um Gottes willen nicht. das ist recht.« »Meine liebe Effi.« »Nun. Aber du hast noch was auf der Seele. ein schöner Mann. daß es irgendwo reißen oder brechen und ich niederstürzen könnte.« . sehr. Wo denkst du hin. das rechte Maß. und ich liebe Bertha.

wenn er nur.‹« »Das ist er auch. was mich quält und ängstigt. das schadet nichts... und ich. da liegt etwas. Und ich glaube.. wie. ich wäre ganz und gar für ihn. und sagte: ›Ja. glaub ich. daß er älter ist als ich. Effi. Nun. Wir sprachen da von Innstetten. das ist vielleicht recht gut: er ist ja doch nicht alt und ist gesund und frisch und so soldatisch und so schneidig. Und das ist. Er ist so lieb und gut gegen mich und so nachsichtig. er sei auch ein Mann von Grundsätzen.. sprich. Sieh.« »Gewiß.»Vielleicht. ja. ich fürchte mich vor ihm. was ich erst ganz vor kurzem aufgehorcht habe. wenn er nur ein bißchen anders wäre. Mama.« »Wie denn. Niemeyer sagte nachher sogar. ich habe keine. du darfst mich nicht auslachen. aber. der Baron! Das ist ein Mann von Charakter.. Es ist etwas. aber in Respekts. Mama. noch etwas mehr. Ach.« »Nun.und Bewunderungsfalten.« »Sieh. ein Mann von Prinzipien. drüben im Pastorhause.. Effi?« »Ja. und mit einem Male zog der alte Niemeyer seine Stirn in Falten. Und ich könnte beinah sagen.« .

war ihm in ziemlich ernstem Tone von seiner Frau zugeflüstert worden. gleich nach der Hochzeit nach Italien zu reisen. Er war als Demuthscher Kommis erschienen. auch das junge Paar. die junge Braut habe vor. der in Erfahrung gebracht. daß ihnen durchaus ein Riegel vorgeschoben werden mußte.Fünftes Kapitel Die Hohen-Cremmer Festtage lagen zurück. sowohl der Rathenower Husaren wie der etwas kritischer gestimmten Kameraden vom Alexanderregiment. Aber auch das hatte wenig geschadet. Eines ganz besonderen Triumphes hatte sich Vetter Briest in seiner selbstgedichteten Rolle rühmen dürfen. alles war gut und glatt verlaufen. übrigens sei er glücklich«. Wir haben eben eine Hochzeit und nicht eine Jagdpartie. Bis um drei Uhr war getanzt worden. weshalb er einen Reisekoffer abliefern wolle. Dieser Koffer entpuppte sich natürlich als eine Riesenbonbonniere von Hövel. Der Polterabend hatte jeden zufriedengestellt. Auch der Hochzeitstag selbst war gut verlaufen. und Hulda war dabei das Entzücken aller jungen Offiziere gewesen.« Worauf Briest geantwortet. besonders die Mitspielenden. Briest«. Ja. »das sei das Wahre. Niemeyer hatte vorzüglich gesprochen. Nur Bertha und Hertha hatten so heftig geschluchzt. Einige feine Kenner waren sogar der Meinung gewesen. wenn es so hübsche rotblonde Krausköpfe wären) werde immer am entschiedensten gesiegt«. »Nimm dich zusammen. Steckenbleiben und Schluchzen und Unverständlichkeit – in diesem Zeichen (und nun gar. »du stehst hier nicht. sondern um die Honneurs des Hauses zu machen. alles war abgereist. sich immer mehr steigernd. am Ende so weit gingen. fast über Erwarten. noch am Abend des Hochzeitstages. und einer der alten Berliner Herren. . Bemerkungen. die nicht abschließen wollten und. »er sähe darin keinen so großen Unterschied. bei welcher Gelegenheit der sich mehr und mehr in eine höchste Champagnerstimmung hineinredende alte Briest allerlei Bemerkungen über den an manchen Höfen immer noch üblichen Fackeltanz und die merkwürdige Sitte des StrumpfbandAustanzens gemacht hatte. daß Jahnkes plattdeutsche Verse so gut wie verlorengegangen waren. um Zweideutigkeiten zu sagen.

wie du zu solcher Bemerkung kommst. sah sehr wohl aus und erklärte. natürlich die eigene ausgenommen«. beide Hände auf dem Rücken. »Nur zu wahr. Freilich.. es sei doch merkwürdig. »Ich weiß nicht. daß du darunter gelitten haben willst. an den sich diese Worte gerichtet hatten. warum. Wenn ich bedenke. wie reich gesät in einem Staate. hatte sich auf dem Rückwege von der Kirche zum Hochzeitshause dahin geäußert. um den Frühstückstisch abzuräumen: »Und nun.. der gerade eintrat. trotzdem war es schon herbstlich frisch. Kögel ist zu kalt. »Ich sehe darin einen Triumph unserer Schulen und vielleicht mehr noch unserer Philosophie. dann sorgen Sie. ja. Freund. Übrigens muß ich Ihnen nachher eine Geschichte erzählen.. ein alter Dorfpastor. sagen Sie selbst. rückte gleichfalls näher an den Kamin und sagte zu Wilke. daß die Torten nach drüben kommen. Dieser Takt und diese Kunst der Antithese. wenn Sie drin im Saal. die Nußtorte zu Pastors und die Schüssel mit kleinen Kuchen zu Jahnkes. ganz wie Kögel. hat er nicht gesprochen wie ein Hofprediger. Ich wüßte auch nicht. dieser Niemeyer. der anfangs aussah wie ein Hospitalit. und Briest. Und nehmen Sie sich mit den Gläsern in acht. sagte er. Woran scheitert man denn im Leben überhaupt? Immer nur an der Wärme. ein Mann in seiner Stellung muß kalt sein. Wilke. und an Gefühl ihm noch über.. »nichts bekomme einem so gut wie eine Hochzeit. aber das geht vor.der halb und halb zur Hofgesellschaft gehörte. eine Handarbeit in Händen.« . Die Morgensonne blinkte. Frau von Briest. Ich meine die dünngeschliffenen. stimmte selbstverständlich zu. Mir war ganz neu. alles in Ordnung haben. »Zuviel Wärme.« Briest war schon bei der dritten Zigarette. Briest.! ganz vorzüglich.. lieber Freund«. der eben gemeinschaftlich mit seiner Frau das Frühstück genommen. aber wohl eben deshalb zum vierten Male in einem »Verhältnis« stehende Würdenträger.« Der Tag nach der Hochzeit war ein heller Oktobertag..« Der noch unverheiratete. erhob sich von seinem Platz und stellte sich. die Talente seien. gegen das mehr und mehr verglimmende Kaminfeuer. wie der unsrige.

nun ist es zu spät.« »Gefiel dir Effi? Gefiel dir die ganze Geschichte? Sie war so sonderbar. Und Kunstenthusiasmus ist noch lange nicht das Schlimmste. Mit dem Zehnuhrzug ab. du bist eine Spielverderberin. und es kann zu nichts führen. er ist nicht der Mann.« »Und auch in guter?« »Ich kann es fast sagen. daß sie noch nicht recht weiß. daß es nicht paßt. Aber du darfst sie nicht verderben.« . ist ein Naturkind. was wollen wir von uns sprechen. Überhaupt hättest du besser zu Innstetten gepaßt als Effi.« »Sehr gütig. Denn bei all seinen Vorzügen. aber er hat so was von einem Kunstfex. und Effi. Beneidenswert. du hättest dazu getaugt. Ich fürchte. gewiß nicht. Das kann doch nur so zusammenhängen. und ich nehme an. Dein Vater war dagegen. was sie an ihm hat.« »Ich habe dich nur in eine animierte Stimmung bringen wollen.« »Nein. halb wie ein Kind. sich diese Liebe mit leichter Manier zu gewinnen. Sie müssen jetzt schon bei Regensburg sein. nun ja. auch nicht einmal so was. daß du was auf dem Herzen hast. abgesehen davon. immer auf Jugendlichkeiten zurückzuweisen. daß er ihr – selbstverständlich ohne auszusteigen – die Hauptkunstschätze der Walhalla herzählt. Schade. Übrigens nicht nötig. Und dann sind auch die Menschen so verschieden. daß sie ihn nicht recht liebt? Das wäre schlimm. daß er sie mit seinem Kunstenthusiasmus etwas quälen wird. Gott. jedenfalls wollen wir darüber nicht streiten. wie sie's solchem Manne gegenüber sein müßte.»Luise. Aber ich nehme nichts übel. es ist ein weites Feld. Innstetten ist ein vorzüglicher Kerl. Ich bin in animierter Stimmung. was gewesen ist. Oder ist es einfach. Nun. Du.« »Überaus galant. ist gewesen. die wir nicht einmal eine Hochzeitsreise gemacht haben. In Übrigen. Jetzt ist er mein Schwiegersohn. Aber Effi macht nun eine Hochzeitsreise. Unter allen Umständen aber.« »Jeder quält seine Frau. und dann wieder sehr selbstbewußt und durchaus nicht so bescheiden. was hast du noch? Ich sehe. unsere arme Effi.

« »Hat sie dir ihr Herz ausgeschüttet?« »So möcht ich es nicht nennen. das liegt nicht in ihr. Aber wenn sie dir nichts gesagt hat.« »Was meinst du damit?« »Nun.. sich so recht von Herzen auszusprechen. wie man in diesen Dingen haben kann. Sie hat wohl das Bedürfnis zu sprechen. ich meine nur. großen und kleinen. aber sie hat nicht das Bedürfnis. ja beinah scherzhaft nehmen wollte. so alles von der Seele herunter. sehr wahr. überhaupt ein ganz eigenes Gemisch. und ich mußte sie eine Viertelstunde später erst erinnern.Frau von Briest schwieg und zählte die Stiche auf dem Kanevas. beinah versteckt. Briest. beschäftigt. soviel. Sie steckte ihn zu sich. deine Rede bei Tisch mit eingerechnet.. Ich bekenne dir. und weil ich bei ihrem eigenen Charakter einen feierlichen Ton vermeiden und alles so leicht wie möglich. ist das Gescheiteste. deshalb war es mir so wichtig. Ich habe auch so meine Bedenken gehabt.. woher weißt du's?« »Ich sagte nur. Solche Generalbeichte. Aber das ist ja ganz gleich.« »Ich bin ganz deiner Meinung.« »Und wann war es denn und bei welcher Gelegenheit?« »Es werden jetzt gerade drei Wochen sein. daß mir bang ums Herz dabei wurde. der ihr in Berlin sehr stark den Hof gemacht hatte.« »Sehr wahr. daß ich gern eine Gewißheit haben wollte. so bang. Aber gerade weil es so ungewollt und wie von ungefähr aus ihrer Seele kam. ich bin ganz Ohr. mit allerhand Ausstattungsdingen. sie habe mir nicht ihr Herz ausgeschüttet.« »Ich fragte also rundheraus. ob sie vielleicht den Vetter Briest. sie ist mitteilsam und verschlossen zugleich. wir können uns beruhigen. wie's stünde. aber verzog kaum eine Miene. und dann war es wieder vorüber. und macht vieles in sich selber ab. Aber ich glaube. ob sie den vielleicht lieber heiraten würde.« »Und?« . Dann las sie ihn. Sprich nur weiter. was ich seit drei Tagen von dir gehört habe. als Wilke einen Brief von Innstetten brachte. Es fuhr alles so bloß ruckweis und plötzlich aus ihr heraus. Endlich sagte sie: »Was du da sagst. und wir saßen im Garten. so warf ich die Frage hin. daß sie ja einen Brief habe..

Liebe sei nun mal das Höchste. also Karrieremacher. aber er wird sie auch nicht sonderlich amüsieren. das ist gut! Aber es ist erst die Hälfte. Vielleicht hat sie's auch bloß von der sentimentalen Person. wie das wohl anzufangen sei. Das wird eine Weile so gehen. weil sie es ist. Er wird sie nicht in einer geistigen Öde lassen. wenigstens nicht auf das. aber ob auch ihr Hang nach Spiel und Abenteuer? Ich bezweifle. Innstetten ist ein Karrieremacher – vom Streber will ich nicht sprechen. dazu ist er zu wirklich vornehm –. gehört und spricht es ihr nach. Und einen Kadetten könne sie nicht einmal lieben. Ihr Ehrgeiz wird befriedigt werden. der ihr mit einem Male der Träger aller männlichen Tugenden war. er wird sich nicht einmal recht mit der Frage beschäftigen.« »Nun also. Und was das schlimmste ist. aber doch nur. Sie redet zwar davon. sie gehört nicht zu denen. das Schönste. Für die stündliche kleine Zerstreuung und Anregung. was den Namen ehrlich verdient. daß es alles mal kommt. das kann passieren. Ihre nächste Antwort war ein schnippisches Lachen. für alles. dafür wird Innstetten sehr schlecht sorgen. geschweige heiraten. und das wird Effis Ehrgeiz befriedigen. was die Langeweile bekämpft. oder vielleicht auch. Wohl möglich.« »Ja.« »Und was ist da? Was hat sie?« »Sie hat nach meinem und auch nach ihrem eigenen Zeugnis zweierlei: Vergnügungssucht und Ehrgeiz.« »Ich nicht. und dann wird es sie beleidigen. Das ist doch gut. Der Vetter sei doch eigentlich nur ein großer Kadett in Leutnantsuniform.»Da hättest du sie sehen sollen.« »Nun. Da bin ich beruhigt. dazu ist er zu klug und zu weltmännisch. aber noch ist es nicht da. der Hulda. das Herrlichste. das ist er auch nicht. Und dann sprach sie von Innstetten. sogar mit Nachdruck und einem gewissen Überzeugungston. Und dann weiß ich . diese Todfeindin einer geistreichen kleinen Person. aber zuletzt wird sie's merken.« »Und wie erklärst du dir das?« »Ganz einfach. Aber sie empfindet nicht viel dabei. die so recht eigentlich auf Liebe gestellt sind. So geweckt und temperamentvoll und beinahe leidenschaftlich sie ist. Gott verhüte es. weil sie irgendwo gelesen hat. ohne viel Schaden anzurichten.

Hulda findet er etwas zierig. aber auch etwas müden Effi. als das Hoch ausgebracht wurde – Fräulein Hulda habe mit Leutnant Nienkerken zu scharf angestoßen.« »Ich begreife ihn vollkommen. »Versteht sich.« »Nein. aber anstrengend.« In diesem Augenblicke trat Wilke vom Saal her ein und meldete.« Solche Karten trafen nun täglich ein. eine jede fing an: »Wir haben heute vormittag die hiesige berühmte Galerie besucht«. und ich begreife Nienkerken nicht. namentlich wenn er was sagt oder erklärt. weil ich wegen der Rechtschreibung in Zweifel bin. aus Padua.nicht. In Italien wird es wohl nachlassen und besser werden. Denn so weich und nachgiebig sie ist. Geert wollte auch noch nach dem andern hinüber. Freilich ich muß es auch sein. aus Verona. ›draußen sei Herbst. daß er alles nachgezählt und alles vollzählig gefunden habe. daß er nicht einmal nachzuschlagen braucht. aber er habe in mir den Frühling‹.« Dies war am Tage nach der Hochzeit. Er weiß übrigens alles so gut. die Namen alle nur mit zwei Buchstaben angedeutet. aber schon gestern. aus Vicenza. mir zu sagen.« »Also zu was?« »Ein weites Feld. was geschieht. »Liebe Mama! Heute vormittag die Pinakothek besucht. Wir wohnen in den ›Vier Jahreszeiten‹. sie hat auch was Rabiates und läßt es auf alles ankommen. nur von den feinen Weingläsern sei eins zerbrochen. Tausend Grüße von Eurer ganz berauschten. das ich hier nicht nenne. Drei Tage später kam eine kleine gekritzelte Karte aus München. oder wenn es nicht die Galerie war. Überhaupt alles sehr schön. Mit Entzücken spricht er von Euch. und fragen mag ich ihn nicht. Luise. aber der alte Niemeyer hat es ihm ganz angetan. Aus Padua . aus Innsbruck. Er ist übrigens engelsgut gegen mich und erklärt mir alles. und unterm Holunderbaum ist es natürlich nicht besser geworden.« »Er kann sie doch nicht heiraten. so war es eine Arena oder irgendeine Kirche »Santa Maria« mit einem Zunamen. Er ist überhaupt sehr aufmerksam. Eine alberne Person. was Geert veranlaßte. von alter Zeit her immer im Schlaf. Ich finde es sehr sinnig. namentlich von Mama.

Vicenza muß man sehn wegen des Palladio. Und wenn ihr Mann. sagte er. Sie hat Sehnsucht. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. eine Hochzeitsreise machen und bei der Gelegenheit jede Galerie neu . Ich habe noch immer das Ziehen in den Füßen. aber etwas müde Effi. Hier in Padua (wo wir heute früh ankamen) sprach er im Hotelwagen etliche Male vor sich hin: ›Er liegt in Padua begraben‹ und war überrascht. noch ein wirklicher Brief.. vielleicht eine ganze Woche. als er von mir vernahm. Es soll Bilder geben. Aber es muß ja sein. zugleich mit der Karte. »Gestern waren wir in Vicenza. hinterher den Weisen zu spielen. Ach. schöne blonde Mädchen. daß ich nichts davon wüßte.« »Warum sagst du das jetzt? Du hättest es ja hindern können. und daß man sich da Tüten mit Erbsen kauft und dann die schönen Tiere damit füttert. Da bleiben wir fünf Tage. Oktober ist sie Baronin Innstetten. Effi ist unser Kind. »sie hat Sehnsucht. Schließlich aber sagte er. Geert hat mir schon von den Tauben auf dem Markusplatze vorgeschwärmt. es sei eigentlich ganz gut und ein Vorzug. Es soll ja auch das Schönste sein. Diese verwünschte Reiserei. Aber das ist so deine Art.« »Ach. ich gäbe was drum. Eure glückliche. Ich freue mich sehr auf Venedig. Die Pfauentaube mit dem starken Kropf dürft Ihr aber nicht schlachten.kam. Natürlich nur in bezug auf Baukunst. unser Herr Schwiegersohn. daß ich diese Worte noch nie gehört hatte. es ist so schön hier.« »Ja«. Ach. Wobei mir denn auch die Jahnkeschen Mädchen einfallen. Er ist überhaupt sehr gerecht. wenn ich mit ihnen auf unserm Hof auf einer Wagendeichsel sitzen und unsere Tauben füttern könnte. komme mir doch nicht mit solchen Geschichten. die will ich noch wiedersehen. und das Nachschlagen und das lange Stehen vor den Bildern strengt mich an. sagte: »Das arme Kind. daß in ihm alles Moderne wurzele. Luise. sagte Briest. ja. aber seit dem 3. ›ein Typus wie Hulda‹. die das darstellen. als sie den Brief vorgelesen hatte. Und vor allem ist er engelsgut gegen mich und gar nicht überheblich und auch gar nicht alt..« Frau von Briest. decken die Ratsherren den Brunnen zu. Geert sagte mir.

« »Ja.katalogisieren will. Aber wozu das jetzt. was man sich verheiraten nennt. immer bestritten. Das ist wirklich ein zu weites Feld. das hab ich. so kann ich ihn daran nicht hindern.« »Also jetzt gibst du das zu.« . Mir gegenüber hast du's immer bestritten. Luise. daß die Frau in einer Zwangslage sei. Das ist eben das.

Es war eine angenehme Fahrt. die zwei bis zum Abgange des Stettiner Zuges noch zur Verfügung bleibenden Stunden zum Besuche des St. am 1. früh traf er denn auch mit dem Kurierzuge in Berlin ein.Sechstes Kapitel Mitte November – sie waren bis Capri und Sorrent gekommen – lief Innstettens Urlaub ab. von dem seit lange vergeblich gewünscht wurde. nachdem. dem Kessin selbst seinen Namen verdankte. grüßte Effi vom Coupé aus. alles in Ordnung?« »Zu Befehl. auf einem alten Raddampfer. »doch auch mal herüberzukommen«. die glücklicherweise nie ernstgemeinte Aufforderung. Noch als der Zug sich schon in Bewegung setzte. Bahnhof Klein-Tantow. Am 14. und pünktlich erreichte der Zug den Bahnhof Klein-Tantow. Um Mittag war man wieder auf dem Bahnhof und nahm hier. unter herzlichem Händeschütteln Abschied voneinander. und es entsprach seinem Charakter und seinen Gewohnheiten. Beides wurde dankbar akzeptiert. weshalb denn auch Innstetten bereits von Stettin aus an seinen Kutscher Kruse telegraphiert hatte: »Fünf Uhr. Herr Landrat. Bei Sommerzeit. hinunter.-Privat-Panoramas zu benutzen und diesem Panoramabesuch ein kleines Gabelfrühstück folgen zu lassen. das Flüßchen Kessine. regelmäßig seine Fahrten ein. ebenso von Effi wie von Innstetten ausgesprochen worden war. von dem aus eine Chaussee nach dem noch zwei Meilen entfernten Kessin hinüberführte. benutzte man statt der Chaussee lieber den Wasserweg und fuhr. namentlich während der Bademonate. daß er in einer passagierfreien Stunde sich seines Namens entsinnen und verbrennen möge. Dann machte sie sich's bequem und schloß die Augen. nur von Zeit zu Zeit richtete sie sich wieder auf und reichte Innstetten die Hand. wie herkömmlich. Oktober aber stellte der »Phönix«. genau Zeit und Stunde zu halten. wo Vetter Briest ihn und die Cousine begrüßte und vorschlug.« . Kruse. und Kruse hielt in offenem Gefährt am Bahnhof und begrüßte die Ankommenden mit dem vorschriftsmäßigen Anstand eines herrschaftlichen Kutschers. »Nun.« Und nun war gutes Wetter. Bei gutem Wetter offener Wagen.

aber ihr Ja ist Ja. wie rechts nach Kessin. und wenn wir hier Wahl haben oder eine Jagd. was man von ihnen sagen kann. gab Innstetten Weisung. heißt Golchowski. Effi. Er ist nämlich ein halber Pole. weil wir ihn brauchen. welch letztere er. gilt auch für wohlhabend.« Und über die Schienen weg. und in ihrer Haltung sind sie weniger respektvoll. Aber was hilft's? Wir dürfen es nicht mit ihm verderben. Eigentlich ein ganz unsicherer Passagier. die durch alles. den Rest des Gepäcks mit dem Omnibus nachzuschicken. einen der Umstehenden um Feuer und rief Kruse zu: »Nun vorwärts.»Dann. Aber das ist auch das Beste. Dabei leiht er auf Wucher. eigentlich gar nicht.« Und während Effi dem nachkam und einer von den Bahnhofsleuten einen kleinen Handkoffer vorn beim Kutscher unterbrachte. gut aussehen tut er. mit vieler Würde vom Haupte nahm. aufs höchste interessiert und schon deshalb bei bester Laune war. dem ich nicht über den Weg traue und der wohl viel auf dem Gewissen hat. und wenn die Varziner Herrschaften hier vorüberkommen. so links nach Varzin hin ab. die vielgleisig an der Übergangsstelle lagen. was sie sah.« »Was auch nicht schadet. Kruse. bitte. »Wer war denn das?« sagte Effi. wobei ich freilich bekennen muß. das den Namen »Zum Fürsten Bismarck« führte. Ein hübscher Schlag Menschen. dann ist er obenauf. Vor dem Gasthofe stand ein mittelgroßer breitschultriger Mann in Pelz und Pelzmütze. bat. steig ein. Eure märkischen Leute sehen unscheinbarer aus und verdrießlicher. Er hat hier die ganze Gegend in der Tasche und versteht die Wahlmache wie kein anderer. Denn an eben dieser Stelle gabelte der Weg und zweigte. Effi. . Du hast es trotzdem sehr gut getroffen. sich populär machend. Er spielt sich aber auf den Loyalen hin aus. in der Regel das Gegenteil. Gut aussehen tun die meisten hier.« »Ja.« »Er sah aber gut aus. Gleich danach nahm auch er seinen Platz. als der Herr Landrat vorüberfuhr. möcht er sich am liebsten vor den Wagen werfen. ging es in Schräglinie den Bahndamm hinunter und gleich danach an einem schon an der Chaussee gelegenen Gasthause vorüber. daß er dem Fürsten auch widerlich ist. Er sieht wirklich aus wie ein Starost und ist auch so was. was sonst die Polen nicht tun. nie einen Starosten gesehen zu haben. »Er sah ja aus wie ein Starost. Ich weiß.

mit denen sie Handel treiben. das sind von weither Eingewanderte. und nun finde ich. Auch in unserem guten Kessin. daß wir wirklich noch einen haben. Worauf sie angewiesen sind. trotzdem es eigentlich nur ein Nest ist. von denen du vielleicht gehört hast. Wie gut du raten kannst.« »Und wie kommt das?« »Weil es eben ganz andere Menschen sind. unsere guten Kessiner. Nicht wahr. will ich nicht gerade behaupten. oder sind sie wirklich so gut?« »Daß sie wirklich gut sind. eine ganz neue Welt hier. so findest du zwischen ihnen auch Menschen aus aller Welt Ecken und Enden. was hier an der Küste hin in den kleinen See. du wirst nicht viel von ihnen hören und sehen.« »Unsere guten Kessiner. vielleicht einen Neger oder einen Türken oder vielleicht sogar einen Chinesen. will ich dir bei Gelegenheit mal . Alles aber.« »Auch einen Chinesen. ihrer Abstammung nach und ihren Beziehungen nach. ja.« »Warum sagst du mir das? Ich muß nun doch hier mit ihnen leben.« »Aber das ist ja entzückend. und da sie das mit aller Welt tun und mit aller Welt in Verbindung stehen. Geert. Was du hier landeinwärts findest. Allerlei Exotisches. und man kann sich auf sie verlassen. jetzt ist er tot und auf einem kleinen eingegitterten Stück Erde begraben.« »Du nicht. Es ist möglich. die sich um das kaschubische Hinterland wenig kümmern. Ist es Spott. so was Ähnliches meintest du doch?« Er nickte. wenn du nicht übertrieben hast. Wenn du nicht furchtsam bist. Hier ist alles unsicher. das sind die Gegenden. das sind sogenannte Kaschuben. sag ich. die hier schon tausend Jahre sitzen und wahrscheinlich noch viel länger.und Handelsstädten wohnt. slawische Leute. »Eine ganz neue Welt. Denn Stadt und Land hier sind sehr verschieden. sie haben gar keine Ähnlichkeit mit der Landbevölkerung hier. und du wirst nur unsere Städter kennenlernen. weil sie wenig davon haben und auf etwas ganz anderes angewiesen sind.und Nein ist Nein. Du sprichst immer von Nest. aber jedenfalls haben wir einen gehabt. dicht neben dem Kirchhof. aber sie sind doch anders als die andern.

das tu. Gott sei Dank nicht. Ja. Bitte. aber du gehst darin ein bißchen weit. vielleicht ein bißchen zu sehr Kaufmann.« »Ja. Und solche fremde Leute habt ihr viele in Kessin?« »Sehr viele. es liegt zwischen den Dünen. und immer hört man das Meer. von ganz anderer Art. find ich.« »Und trägt sich auch noch so?« »Nein. Beza.sein Grab zeigen. »Aber der Rest ist. Und dann haben wir in demselben Hause. Es ist sehr schön und sehr schauerlich. eigentlich bloß Barbier. deren Eltern oder Großeltern noch ganz woanders saßen. auch noch einen alten Wundarzt. gleich einen Chinesen an mein Bett treten sehen. wo auch der berühmte General de Meza herstammt – Meza. und unsere Gärten stoßen sogar zusammen. Du willst mir Kessin interessant machen. daß ich dir nichts vorgemacht habe. Höre. hat immer was Gruseliges. sage mir mehr davon. als ob es doch möglich wäre. Aber nicht wieder was Gruseliges. lachte Geert.« »Höchst merkwürdig. Aber sonst ganz gemütlich. wenn ich diese Nacht hoffentlich gut schlafe. ein bißchen zu sehr auf ihren Vorteil bedacht und mit Wechseln von zweifelhaftem Wert immer bei der Hand. Gott sei Dank. will ich dir nur so eine kleine Probe geben. Die ganze Stadt besteht aus solchen Fremden. das klingt ja sonderbar. aus Menschen. Geert. man muß sich vorsehen mit ihnen.« »Ja. Und damit du siehst. Beza mit Namen. der stammt aus Lissabon. Ein Chinese. so eine Art Register oder Personenverzeichnis. gerade daher. den Maschinenund Baggermeister Macpherson. Aber doch lieber nicht. wo dieser Macpherson wohnt.« »Ja. denn es ist ein verhutzeltes Männchen.« »Da haben wir beispielsweise keine fünfzig Schritt von uns.« »Das wird er auch nicht. ich habe dann immer gleich Visionen und Träume und möchte doch nicht. schauerlich.« »Das wird er auch nicht. auf das weder sein Clan noch Walter Scott besonders stolz sein würden. lauter manierliche Leute. du hörst die Landesverwandtschaft . das hat er«. bloß Strandhafer drum rum und dann und wann ein paar Immortellen. und ich möchte wohl mehr davon wissen. einen richtigen Schotten und Hochländer.

denn zu allem andern. die so heißen.. so lange bist du sicher und kann nichts an dich heran. Es klingt erst spießbürgerlich und ist doch hinterher ganz apart. ja. Rollo. was wir haben. Was sind Schwarzflaggen?« »Das sind Leute weit dahinten in Tonkin und an der Südsee. wenn ich über Land bin oder zum Tee beim Fürsten.« »Rollo?« »Ja. schon weil es eine Seestadt ist. ein wunderschönes Tier. Geert.. Du denkst dabei. Und solange du den um dich hast. hat er auch wieder die besten Formen und ist ganz unterhaltlich. Seit er aber wieder unter Menschen ist. und des weiteren.« »Ich würde mich aber doch vor ihm fürchten. Ihr müßt doch auch Kapitäne haben. Aber sieh mal den Mond da drüben. Und dann haben wir flußaufwärts am Bollwerk – das ist nämlich der Quai. das mich liebt und dich auch lieben wird.« »Was du nicht nötig hast.. der war Seeräuber unter den Schwarzflaggen.heraus. der natürlich ein Däne ist und lange in Island war und sogar ein kleines Buch geschrieben hat über den letzten Ausbruch des Hekla oder Krabla.. vorausgesetzt.« »Das ist ja aber großartig. irgendeinen fliegenden Holländer oder. Es ist aber bloß ein Neufundländer. haben wir ja Gott sei Dank auch Rollo. ich glaube. daß du bei Niemeyer oder Jahnke von dergleichen gehört hast. Ist es nicht schön?« Effi. halb begierig eingesogen hatte. unter weißem. die nicht bloß Chirurgen oder Barbiere sind oder sonst dergleichen. jedes Wort halb ängstlich.« »Da hast du ganz recht. an den Normannenherzog. zu keiner Zeit und auch dann nicht. wo der Mond. Das ist ja wie sechs Romane. kein Lebendiger und kein Toter. still in sich versunken. richtete sich jetzt auf und sah nach rechts hinüber. Und dann müßt ihr ja doch auch Menschen haben. Wir haben sogar einen Kapitän. Denn Rollo ist ein Kenner.. damit kann man ja gar nicht fertig werden. aber rasch . wo die Schiffe liegen – einen Goldschmied namens Stedingk. und unserer hat auch so was. die. und damit will ich dann vorläufig abschließen. haben wir den guten alten Doktor Hannemann. der aus einer alten schwedischen Familie stammt. es gibt sogar Reichsgrafen.« »Kenn ich nicht..

und ich dachte. dann siehst du schon den Turm von Kessin oder richtiger beide. Ich glaube. an der anderen Seite der Straße lag.. und eh der erste Eisbär kommt. In Italien habe ich nie solchen Eindruck gehabt.« »Nein.« »Hat es denn zwei?« »Ja. Siehst du da vor dir das kleine Haus mit dem Licht? Es ist eine Schmiede. Da biegt der Weg. du hast recht. »Ja.. Dies altmodische Fachwerkhaus war übrigens nur Innstettens Privatwohnung. mußt du noch eine Weile warten. das die »Plantage« hieß.« »Ja«. lachte sie.hinschwindendem Gewölk. nicht das eigentliche Landratsamt. Kupferfarben stand die große Scheibe hinter einem Erlengehölz und warf ihr Licht auf eine breite Wasserfläche. Oder vielleicht war es auch schon ein Haff. etwas altmodischen Fachwerkhause. du bist nervös von der langen Reise und dazu das St.. Effi war wie benommen. herniederblickte. schräg gegenüber. an dem das Meer draußen seinen Anteil hatte. »Wir sind hier fünfzehn Meilen nördlicher als in Hohen-Cremmen. Kessin nimmt sich auf.« Eine halbe Stunde später hielt der Wagen an der ganz am entgegengesetzten Ende der Stadt gelegenen landrätlichen Wohnung. . einem einfachen. das mit seiner Front auf die nach den Seebädern hinausführende Hauptstraße. aber es war nicht so gespenstig. als wir von Mestre nach Venedig hinüberfuhren. die die Kessine hier bildete.. Und wenn wir die Biegung gemacht haben. mit seinem Giebel aber auf ein zwischen der Stadt und den Dünen liegendes Wäldchen. eben aufgegangen war. die Brücke würde brechen. Aber ein Chinese ist schon an und für sich eine Geschichte. auch nicht. Da war auch Wasser und Sumpf und Mondschein. Woran liegt es nur? Ist es doch das Nördliche?« Innstetten lachte.-Privat-Panorama und die Geschichte von dem Chinesen. »Und jedenfalls hast du's bald überstanden. ich hab ihn nur eben genannt. Geert. wie schön. Es hat jetzt auch eine katholische Kirche.« »Du hast mir ja gar keine erzählt. aber es hat zugleich so was Unheimliches. welches letztere.

Nun. Aber ehe sie noch dazu kommen konnte. Innstetten war zunächst seiner jungen Frau beim Aussteigen behilflich und ging dann. . diesen zu umkreisen begann.. Rollo. märkische Landsmännin von dir. daß du ein schönes Tier seiest und sie schützen würdest. unter freundlichem Gruß an der Dienerschaft vorüber. Nicht wahr. der wir mittags und abends unser leibliches Wohl anvertrauen und die zu kochen versteht. Und als diese ihm die Hand hinhielt. gab er einen Freudenblaff.« Und nun ließ Rollo ab und setzte sich vor Innstetten nieder. wo der Wagen hielt. Dies hier ist mein alter Friedrich. sagte Innstetten: »Es wird das beste sein. nicht mehr ganz jugendliche Person.. wenn du. denn im selben Augenblicke. noch für voll gelten lassen willst. und dies hier ist Johanna. eine hübsche. der ihre stattliche Fülle fast ebensogut kleidete wie das zierliche Mützchen auf dem blonden Haar. um ihr auch die mit Pelz gefütterten Gummistiefel auszuziehen. durch einen dreimaligen Peitschenknips die Ankunft zu vermelden. Friedrich. der schon mit mir auf der Universität war. gute Zeiten damals. wie geht's?« Rollo schien nur auf diese spezielle Ansprache gewartet zu haben. und ehe noch der Wagen heran war. vorauf Rollo. dieser den Arm reichend. Aber sieh da. Das Hausmädchen. das kann ich dir versichern. ich hab ihr von dir erzählt und ihr gesagt. »Schon gut. mit Ausnahme der Frau Kruse. war der gnädigen Frau beim Ablegen von Muff und Mantel behilflich und bückte sich eben. die sich – ich vermute sie wieder bei ihrem unvermeidlichen schwarzen Huhn – nicht gerne sehen läßt. was aus Pasewalker Gegend stammt. der im selben Augenblicke. und dies ist Christel. wo er seinen Namen hörte. Und dies hier ist Rollo.Kruse hatte nicht nötig. umschmeichelte er sie. zugleich neugierig zu der jungen Frau aufblickend.. waren bereits alle Hausinsassen auf dem die ganze Breite des Bürgersteiges einnehmenden Schwellstein versammelt. ich stelle dir gleich hier unsere gesamte Hausgenossenschaft vor. Rollo. längst hatte man von Tür und Fenstern aus nach den Herrschaften ausgeschaut..« Alles lächelte.. »Aber lassen wir Frau Kruse. richtete sich auf und legte die Pfoten auf seines Herrn Schulter.. das ist die Frau. schon gut. die nun dem jungen Paare in den mit prächtigen alten Wandschränken umstandenen Hausflur folgte.

Effi hatte während dieser Vorstellungsszene Zeit gefunden, sich umzuschauen. Sie war wie gebannt von allem, was sie sah, und dabei geblendet von der Fülle von Licht. In der vorderen Flurhälfte brannten vier, fünf Wandleuchter, die Leuchter selbst sehr primitiv, von bloßem Weißblech, was aber den Glanz und die Helle nur noch steigerte. Zwei mit roten Schleiern bedeckte Astrallampen, Hochzeitsgeschenk von Niemeyer, standen auf einem zwischen zwei Eichenschränken angebrachten Klapptisch, in Front davon das Teezeug, dessen Lämpchen unter dem Kessel schon angezündet war. Aber noch viel, viel anderes und zum Teil sehr Sonderbares kam zu dem allen hinzu. Quer über den Flur fort liefen drei, die Flurdecke in ebenso viele Felder teilende Balken; an dem vordersten hing ein Schiff mit vollen Segeln, hohem Hinterdeck und Kanonenluken, während weiter hin ein riesiger Fisch in der Luft zu schwimmen schien. Effi nahm ihren Schirm, den sie noch in Händen hielt, und stieß leis an das Ungetüm an, so daß es sich in eine langsam schaukelnde Bewegung setzte. »Was ist das, Geert?« fragte sie. »Das ist ein Haifisch.« »Und ganz dahinten das, was aussieht wie eine große Zigarre vor einem Tabaksladen?« »Das ist ein junges Krokodil. Aber das kannst du dir alles morgen viel besser und genauer ansehen; jetzt komm und laß uns eine Tasse Tee nehmen. Denn trotz aller Plaids und Decken wirst du gefroren haben. Es war zuletzt empfindlich kalt.« Er bot nun Effi den Arm, und während sich die beiden Mädchen zurückzogen und nur Friedrich und Rollo folgten, trat man, nach links hin, in des Hausherrn Wohn- und Arbeitszimmer ein. Effi war hier ähnlich überrascht wie draußen im Flur; aber ehe sie sich darüber äußern konnte, schlug Innstetten eine Portiere zurück, hinter der ein zweites, etwas größeres Zimmer, mit Blick auf Hof und Garten, gelegen war. »Das, Effi, ist nun also dein. Friedrich und Johanna haben es, so gut es ging, nach meinen Anordnungen herrichten müssen. Ich finde es ganz erträglich und würde mich freuen, wenn es dir auch gefiele.« Sie nahm ihren Arm aus dem seinigen und hob sich auf die Fußspitzen, um ihm einen herzlichen Kuß zu geben.

»Ich armes kleines Ding, wie du mich verwöhnst. Dieser Flügel und dieser Teppich, ich glaube gar, es ist ein türkischer, und das Bassin mit den Fischchen und dazu der Blumentisch. Verwöhnung, wohin ich sehe.« »Ja, meine liebe Effi, das mußt du dir nun schon gefallen lassen, dafür ist man jung und hübsch und liebenswürdig, was die Kessiner wohl auch schon erfahren haben werden, Gott weiß, woher. Denn an dem Blumentisch wenigstens bin ich unschuldig. Friedrich, wo kommt der Blumentisch her?« »Apotheker Gieshübler... Es liegt auch eine Karte bei.« »Ah, Gieshübler, Alonzo Gieshübler«, sagte Innstetten und reichte lachend und in beinahe ausgelassener Laune die Karte mit dem etwas fremdartig klingenden Vornamen zu Effi hinüber. »Gieshübler, von dem hab ich dir zu erzählen vergessen – beiläufig, er führt auch den Doktortitel, hat's aber nicht gern, wenn man ihn dabei nennt, das ärgere, so meint er, die richtigen Doktors bloß, und darin wird er wohl recht haben. Nun, ich denke, du wirst ihn kennenlernen, und zwar bald: er ist unsere beste Nummer hier, Schöngeist und Original und vor allem Seele von Mensch, was doch immer die Hauptsache bleibt. Aber lassen wir das alles und setzen uns und nehmen unsern Tee. Wo soll es sein? Hier bei dir oder drin bei mir? Denn eine weitere Wahl gibt es nicht. Eng und klein ist meine Hütte.« Sie setzte sich ohne Besinnen auf ein kleines Ecksofa. »Heute bleiben wir hier, heute bist du bei mir zu Gast. Oder lieber so: den Tee regelmäßig bei mir, das Frühstück bei dir; dann kommt jeder zu seinem Recht, und ich bin neugierig, wo mir's am besten gefallen wird.« »Das ist eine Morgen- und Abendfrage.« »Gewiß. Aber wie sie sich stellt oder, richtiger, wie wir uns dazu stellen, das ist es eben.« Und sie lachte und schmiegte sich an ihn und wollte ihm die Hand küssen. »Nein, Effi, um Himmels willen nicht, nicht so. Mir liegt nicht daran, die Respektsperson zu sein, das bin ich für die Kessiner. Für dich bin ich...« »Nun was?« »Ach laß. Ich werde mich hüten, es zu sagen.«

Siebentes Kapitel
Es war schon heller Tag, als Effi am andern Morgen erwachte. Sie hatte Mühe, sich zurechtzufinden. Wo war sie? Richtig, in Kessin, im Hause des Landrats von Innstetten, und sie war seine Frau, Baronin Innstetten. Und sich aufrichtend, sah sie sich neugierig um; am Abend vorher war sie zu müde gewesen, um alles, was sie da halb fremdartig, halb altmodisch umgab, genauer in Augenschein zu nehmen. Zwei Säulen stützten den Deckenbalken, und grüne Vorhänge schlossen den alkovenartigen Schlafraum, in welchem die Betten standen, von dem Rest des Zimmers ab; nur in der Mitte fehlte der Vorhang oder war zurückgeschlagen, was ihr von ihrem Bette aus eine bequeme Orientierung gestattete. Da, zwischen den zwei Fenstern, stand der schmale, bis hoch hinauf reichende Trumeau, während rechts daneben, und schon an der Flurwand hin, der große schwarze Kachelofen aufragte, der noch (soviel hatte sie schon am Abend vorher bemerkt) nach alter Sitte von außen her geheizt wurde. Sie fühlte jetzt, wie seine Wärme herüberströmte. Wie schön es doch war, im eigenen Hause zu sein; soviel Behagen hatte sie während der ganzen Reise nicht empfunden, nicht einmal in Sorrent. Aber wo war Innstetten? Alles still um sie her, niemand da. Sie hörte nur den Ticktackschlag einer kleinen Pendule und dann und wann einen dumpfen Ton im Ofen, woraus sie schloß, daß vom Flur her ein paar neue Scheite nachgeschoben würden. Allmählich entsann sie sich auch, daß Geert, am Abend vorher, von einer elektrischen Klingel gesprochen hatte, nach der sie denn auch nicht lange mehr zu suchen brauchte; dicht neben ihrem Kissen war der kleine weiße Elfenbeinknopf, auf den sie nun leise drückte. Gleich danach erschien Johanna. »Gnädige Frau haben befohlen.« »Ach, Johanna, ich glaube, ich habe mich verschlafen. Es muß schon spät sein.« »Eben neun.«

»Und der Herr...«, es wollt ihr nicht glücken, so ohne weiteres von ihrem »Manne« zu sprechen, »...der Herr, er muß sehr leise gemacht haben; ich habe nichts gehört.« »Das hat er gewiß. Und gnäd'ge Frau werden fest geschlafen haben. Nach der langen Reise...« »Ja, das hab ich. Und der Herr, ist er immer so früh auf?« »Immer, gnäd'ge Frau. Darin ist er streng: er kann das lange Schlafen nicht leiden, und wenn er drüben in sein Zimmer tritt, da muß der Ofen warm sein, und der Kaffee darf auch nicht auf sich warten lassen.« »Da hat er also schon gefrühstückt?« »O nicht doch, gnäd'ge Frau... der gnäd'ge Herr...« Effi fühlte, daß sie die Frage nicht hätte tun und die Vermutung, Innstetten könne nicht auf sie gewartet haben, lieber nicht hätte aussprechen sollen. Es lag ihr denn auch daran, diesen ihren Fehler, so gut es ging, wieder auszugleichen, und als sie sich erhoben und vor dem Trumeau Platz genommen hatte, nahm sie das Gespräch wieder auf und sagte: »Der Herr hat übrigens ganz recht. Immer früh auf, das war auch Regel in meiner Eltern Hause. Wo die Leute den Morgen verschlafen, da gibt es den ganzen Tag keine Ordnung mehr. Aber der Herr wird es so streng mit mir nicht nehmen; eine ganze Weile hab ich diese Nacht nicht schlafen können und habe mich sogar ein wenig geängstigt.« »Was ich hören muß, gnäd'ge Frau! Was war es denn?« »Es war über mir ein ganz sonderbarer Ton, nicht laut, aber doch sehr eindringlich. Erst klang es, wie wenn lange Schleppenkleider über die Diele hinschleiften, und in meiner Erregung war es mir ein paarmal, als ob ich kleine weiße Atlasschuhe sähe. Es war, als tanze man oben, aber ganz leise.« Johanna, während das Gespräch so ging, sah über die Schulter der jungen Frau fort in den hohen schmalen Spiegel hinein, um die Mienen Effis besser beobachten zu können. Dann sagte sie: »Ja, das ist oben im Saal. Früher hörten wir es in der Küche auch. Aber jetzt hören wir es nicht mehr; wir haben uns daran gewöhnt.« »Ist es denn etwas Besonderes damit?« »O, Gott bewahre, nicht im geringsten. Eine Weile wußte man nicht recht, woher es käme, und der Herr Prediger machte ein

verlegenes Gesicht, trotzdem Doktor Gieshübler immer nur darüber lachte. Nun aber wissen wir, daß es die Gardinen sind. Der Saal ist etwas multrig und stockig, und deshalb stehen immer die Fenster auf, wenn nicht gerade Sturm ist, Und da ist denn fast immer ein starker Zug oben und fegt die alten, weißen Gardinen, die außerdem viel zu lang sind, über die Dielen hin und her. Das klingt dann so wie seidne Kleider oder auch wie Atlasschuhe, wie die gnäd'ge Frau eben bemerkten.« »Natürlich ist es das. Aber ich begreife nur nicht, warum dann die Gardinen nicht abgenommen werden. Oder man könnte sie ja kürzer machen. Es ist ein so sonderbares Geräusch, das einem auf die Nerven fällt. Und nun, Johanna, bitte, geben Sie mir noch das kleine Tuch und tupfen Sie mir die Stirn. Oder nehmen Sie lieber den Refraichisseur aus meiner Reisetasche... Ach, das ist schön und erfrischt mich. Nun werde ich hinübergehen. Er ist doch noch da, oder war er schon aus?« »Der gnäd'ge Herr war schon aus, ich glaube drüben auf dem Amt. Aber seit einer Viertelstunde ist er zurück. Ich werde Friedrich sagen, daß er das Frühstück bringt.« Und damit verließ Johanna das Zimmer, während Effi noch einen Blick in den Spiegel tat und dann über den Flur fort, der bei der Tagesbeleuchtung viel von seinem Zauber vom Abend vorher eingebüßt hatte, bei Geert eintrat. Dieser saß an seinem Schreibtisch, einem etwas schwerfälligen Zylinderbureau, das er aber, als Erbstück aus dem elterlichen Hause, nicht missen mochte. Effi stand hinter ihm und umarmte und küßte ihn, noch eh er sich von seinem Platz erheben konnte. »Schon?« »Schon, sagst du. Natürlich um mich zu verspotten.« Innstetten schüttelte den Kopf. »Wie werd ich das?« Effi fand aber ein Gefallen daran, sich anzuklagen, und wollte von den Versicherungen ihres Mannes, daß sein »schon« ganz aufrichtig gemeint gewesen sei, nichts hören. »Du mußt noch von der Reise her wissen, daß ich morgens nie habe warten lassen. Im Laufe des Tages, nun ja, da ist es etwas anderes. Es ist wahr, ich bin nicht sehr pünktlich, aber ich bin keine Langschläferin. Darin, denk ich, haben mich die Eltern gut erzogen.« »Darin? In allem, meine süße Effi.«

Um 's Himmels willen. Geert. »Der Kaffee ist ja vorzüglich«. da nehme ich es als Wahrheit. sechs Wochen und einen Tag. Bei uns konnte alles nur so gerade passieren.« »Torheit. Ich weiß gar nicht. und in seinem Rücken war außerdem noch eine große rote Seidenrolle. die links und rechts ganz bauschig zum Vorschein kam. mit dem Blick auf den Dom. wie du wohnst.. Effi. in Florenz. das ist etwas anderes. »Das ist noch Hotelkaffee oder wie bei der Bottegone. während sie zugleich das Zimmer und seine Einrichtung musterte. daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich habe mal ein Bilderbuch gehabt. wo ein persischer oder indischer Fürst (denn er trug einen Turban) mit untergeschlagenen Beinen auf einem roten Seidenkissen saß. als ich nur so flüchtig darüber hinsah. wir sind ja schon heraus. ich sehe nun erst. Hier setzten sich beide. solchen Kaffee haben wir in Hohen-Cremmen nicht. wir sind ja schon über sechs Wochen verheiratet. Der Frühstückstisch stand in Schräglinie vor einem kleinen rechtwinkligen Sofa. schon gestern abend. womit ich das alles vergleichen soll.« In diesem Augenblicke trat Friedrich ein und brachte den Kaffee.. Überhaupt. das gerade die eine Ecke des Wohnzimmers ausfüllte. kamen mir allerhand Gedanken. ich habe nie eine bessere Hausführung gesehen als bei euch. sagte Effi. Als Papa sich den neuen Gewehrschrank angeschafft und über seinem Schreibtisch einen Büffelkopf und dicht darunter den alten Wrangel angebracht hatte (er war nämlich mal Adjutant bei dem Alten). Du darfst aber nicht drüber lachen. daneben ist unsere ganze Hohen-Cremmener Herrlichkeit ja bloß dürftig und alltäglich. welche. und die Wand hinter dem indischen Fürsten starrte von Schwertern und Dolchen und Parderfellen und Schilden und langen türkischen Flinten. da nehme ich es nicht mehr als Schmeichelei. erinnerst du dich noch.« »Und welche. aber nein. Geert. Und . Ja. wunder was er getan: aber wenn ich mich hier umsehe. da dacht er.»Das sagst du so. wie vornehm ich mich verheiratet habe.. weil wir noch in den Flitterwochen sind.« »Und dann. wenn ich fragen darf?« »Ja.. Davon muß ich der Mama schreiben.

liebes Geschöpf.« . Freilich. aber wir müssen doch in dem ›guten Kessin‹. Daß hier alles anders ist als in Hohen-Cremmen und Schwantikow. ganz so sieht es hier bei dir aus. wie leben wir hier? Du hast mir unterwegs allerlei Sonderbares von Stadt und Land erzählt.« »Wenigstens nicht vor mir. wie du's immer nennst. Honoratioren oder dergleichen. lassen wir's überhaupt. Geert. Ihr seid doch bis zu dreitausend Menschen. das sind bloß Konsuln. ist es nicht viel damit.sieh. Honoratioren. davon kein Wort. ich bin für Leben.« »Bloß Konsuln. Und nun sage mir. aber wie wir selber hier leben werden. du bist ein entzückendes. ein Beil heraussah. auch etwas wie Umgang und Gesellschaft haben können. die du kennenlernen wirst. nach dieser Seite hin gehst du großen Enttäuschungen entgegen. Oder lieber. dazu ist ja noch vollauf Zeit. das sind doch die mit dem Rutenbündel. Ich spreche nicht gern von Tod. zu sterben. »Ja. Du weißt gar nicht. draus. Und was dann noch bleibt. ich bin ja erst siebzehn und habe noch nicht vor. und unter dreitausend Menschen muß es doch außer so kleinen Leuten wie Barbier Beza (so hieß er ja wohl) doch auch noch eine Elite geben. und wenn du noch die Beine unterschlägst. die gibt es. Habt ihr denn Leute von Familie in der Stadt?« »Nein. Konsuln. und von solchen beamteten Leuten findet sich schließlich wohl ein ganzes Dutzend zusammen. aber hier in der Stadt ist gar nichts. das seh ich wohl. In der Nähe haben wir ein paar Adlige. meine liebe Effi. glaub ich. Das ist doch etwas sehr Hohes und Großes. Ich bitte dich. Aber bei Lichte besehen.« Innstetten lachte. daß ich's finde. und ich möchte beinah sagen Furchtbares.« »Gar nichts? das kann ich nicht glauben. aber die meisten davon: gute Menschen und schlechte Musikanten. Ich will dich keinem andern lassen. ist die Ähnlichkeit vollkommen. wenn ich dann stürbe. nähme ich dich am liebsten mit.« »Effi.« »Nun. wie sehr ich's finde und wie gern ich dir in jedem Augenblicke zeigen möchte. Natürlich haben wir einen Prediger und einen Amtsrichter und einen Rektor und einen Lotsenkommandeur. was meinst du dazu?« »Das muß ich mir doch noch überlegen. wie kannst du nur sagen ›bloß Konsuln‹.

Fürstin. ich finde immer wieder und wieder. gleich gestern abend das merkwürdige Schiff draußen im Flur und dahinter der Haifisch und das Krokodil und hier dein eigenes Zimmer. Überhaupt. so flaggt es immer bloß Schwarz und Weiß und allenfalls ein bißchen Rot dazwischen. und wenn sie diesen Rat gegeben und irgendeinem holländischen oder portugiesischen Schiff einen Dienst geleistet haben. und es gibt hier viel Festtage. Geert. dann werden alle Wimpel gehißt. und wenn irgendein Festtag ist. muß dir gestehen. es hat alles so was Fremdländisches hier. Aber Konsuln ist doch auch etwas sehr Vornehmes und Hochgesetzliches. so viele Konsuln haben wir auch in Kessin. und geradeso viele Botschafter und Gesandte. Brutus war doch ein Konsul. die. Es sind kleine. und verkaufen dir dann das Stück pro zehn Pfennige. so siehst du an solchem Tage ganz Europa von unsern Dächern flaggen und das Sternenbanner und den chinesischen Drachen dazu. und ich muß es wiederholen. mit Zucker und Kaffee zu handeln oder eine Kiste mit Apfelsinen aufzubrechen.« »Du bist in einer spöttischen Laune. aber das kann sich doch nicht vergleichen mit der Welt von Flaggen. Wenn sie da Kaisers Geburtstag feiern. Ich gratuliere. wie wir in Berlin haben. was mich nicht in eine gewisse Verwunderung gesetzt hätte..« »Richtig..« »Nicht möglich.. die heißen Liktoren. Aber ich.« »Meinetwegen. die dann mit ihrem Rate zur Hand sind. und ich habe noch nichts gehört und gesehen. Aber unsere sind ihm nicht sehr ähnlich und begnügen sich damit. und haben wir gerad eine grelle Morgensonne. alles wie bei einem indischen Fürsten .. für meine kleine Person.»Nicht ganz. wie ich dir schon sagte. Brutus war ein Konsul. von der du sprichst. wenn fremdländische Schiffe hier einlaufen und in irgendeiner Geschäftsfrage nicht recht aus noch ein wissen. so werden sie zuletzt zu beglaubigten Vertretern solcher fremder Staaten.« . Die heißen Liktoren. Effi.« »Sogar gewiß. Alles so orientalisch. daß ich dies alles entzückend finde und daß unsere havelländischen Städte daneben verschwinden. pfiffige Kaufleute.« »Ja. und magst auch wohl recht haben.

Aber es eilt nicht damit. als ob ich Schuhe auf der Erde schleifen hörte und als würde getanzt und fast auch wie Musik. Das ist nämlich die Sprache. und ich müßte mich sehr in ihm irren. wir wollen die langen Gardinen oben kürzer machen. als es nicht sicher ist. drin er sich ergeht. Und das hab ich dann heute früh an Johanna erzählt. natürlich unter meiner Führung. der dein Freund werden wird. im Rauchfang oder der Wurm im Holz oder ein Iltis.»Und dann oben der Saal mit seinen langen Gardinen. das sei von den langen Gardinen oben im Saal. eh wir Änderungen vornehmen. denn eigentlich bist du so am reizendsten – Toilette für unseren Freund Gieshübler. nur ein ganz klein wenig. Jedenfalls aber. ein kapitaler Mann. wir machen kurzen Prozeß damit und schneiden die Gardinen etwas ab oder schließen wenigstens die Fenster. als was ich dir eben gesagt habe. in einer Viertelstunde zwingen wir's. Und dann machst du Toilette. es wird ohnehin bald stürmisch genug werden. wenn er nicht um elf oder doch spätestens um die Mittagsstunde hier antreten und dir seinen Respekt devotest zu Füßen legen sollte. ob es hilft. daß ich hinterher so lange geschlafen.« »Aber was weißt du denn von dem Saal.« Innstetten sah in einer kleinen Verlegenheit vor sich hin und schien schwankend. Übrigens. Schließlich entschied er sich für Schweigen. als ich in der Nacht aufwachte. Es kann auch was anderes sein.« . Ich denke. Effi?« »Nichts. war es mir. »Du hast ganz recht. es ist jetzt zehn vorüber. Wohl eine Stunde lang. Mitte November ist ja die Zeit. wie ich dir schon sagte. Wir haben nämlich hier Iltisse. wenn ich ihn und dich recht kenne. Effi. um so weniger. Aber alles ganz leise. die über die Diele hinfegen. mußt du dich in unserem Hauswesen erst umsehen. Und da sagte sie mir. ob er auf all das antworten solle. bloß um mich zu entschuldigen.

dann aber waren sie von der Küche wieder in den Flur zurückund von diesem in den Hof hinausgetreten. In diesen Flügeln war alles untergebracht. während ihrer Umschau haltenden Musterung im Hause gesehen hatte. ist er befangen. Erwarte mich nicht vor drei. kurz vorher. wir lassen es beim alten. als ihr Innstetten davon erzählt hatte. in einem lauschigen Winkel am Fenster und stützte sich. »Ich kann nicht länger warten«. dann redet er wie ein Buch. Nun. Diese saß. deren Herd eine moderne Konstruktion aufwies. war alles leer und still. hatte Geert gesagt. das aus dem Zylinderbureau herausgezogen war. der in seiner ersten Hälfte nicht viel mehr als ein zwischen zwei Seitenflügeln hinlaufender ziemlich schmaler Gang war. den der Dienst abrief. die sie. er darf nicht verlegen werden. es wird aber wohl am besten sein. mit ihrem linken Arm auf ein kleines Seitenbrett. während an der Decke hin. rechts Mädchenstube. Die Straße war die Hauptverkehrsstraße nach dem Strande hin. Effi empfand aber nichts von dieser Einsamkeit. so kann er kein Wort finden oder sagt die sonderbarsten Dinge. jetzt aber. es gibt drüben allerlei zu tun. deren Eltern in etlichen ganz am äußersten Rande der »Plantage« gelegenen Strohdachhäusern wohnten. Effi war erfreut gewesen. weshalb denn auch in Sommerzeit ein reges Leben hier herrschte.Achtes Kapitel Elf war es längst vorüber. aber Gieshübler hatte sich noch immer nicht sehen lassen.« Damit ging Innstetten und ließ seine junge Frau allein. während sie hinaussah. denn ihre Phantasie war noch immer bei den wunderlichen Dingen. und nur ein paar arme Kinder. du wirst es schon machen. um Mitte November. was sonst noch zu Haushalt und Wirtschaftsführung gehörte. klappten in ihren Holzpantinen an dem Innstettenschen Hause vorüber. Und das mit dem Saal oben wollen wir noch überlegen. weißt du ihn aber in Zutrauen und gute Laune zu bringen. . dann wird es vorzüglich gehen. Diese Musterung hatte mit der Küche begonnen. etwas zurückgelehnt. so sei möglichst entgegenkommend. »Wenn Gieshübler noch erscheint. ein elektrischer Draht lief – beides vor kurzem erst hergerichtet. und zwar bis in die Mädchenstube hinein.

Bedientenstube, Rollkammer, links eine zwischen Pferdestall und Wagenremise gelegene, von der Familie Kruse bewohnte Kutscherwohnung. Über dieser, in einem Verschlage, waren die Hühner einlogiert, und eine Dachklappe über dem Pferdestall bildete den Aus- und Einschlupf für die Tauben. All dies hatte sich Effi mit vielem Interesse angesehen, aber dies Interesse sah sich doch weit überholt, als sie, nach ihrer Rückkehr vom Hof ins Vorderhaus, unter Innstettens Führung die nach oben führende Treppe hinaufgestiegen war. Diese war schief, baufällig, dunkel; der Flur dagegen, auf den sie mündete, wirkte beinah heiter, weil er viel Licht und einen guten landschaftlichen Ausblick hatte: nach der einen Seite hin, über die Dächer des Stadtrandes und die »Plantage« fort, auf eine hoch auf einer Düne stehende holländische Windmühle, nach der anderen Seite hin auf die Kessine, die hier, unmittelbar vor ihrer Einmündung, ziemlich breit war und einen stattlichen Eindruck machte. Diesem Eindruck konnte man sich unmöglich entziehen, und Effi hatte denn auch nicht gesäumt, ihrer Freude lebhaften Ausdruck zu geben. »Ja, sehr schön, sehr malerisch«, hatte Innstetten, ohne weiter darauf einzugehen, geantwortet und dann eine mit ihren Flügeln etwas schief hängende Doppeltür geöffnet, die nach rechts hin in den sogenannten Saal führte. Dieser lief durch die ganze Etage; Vorder- und Hinterfenster standen auf, und die mehrerwähnten langen Gardinen bewegten sich in dem starken Luftzuge hin und her. In der Mitte der einen Längswand sprang ein Kamin vor mit einer großen Steinplatte, während an der Wand gegenüber ein paar blecherne Leuchter hingen, jeder mit zwei Lichtöffnungen, ganz so wie unten im Flur, aber alles stumpf und ungepflegt. Effi war einigermaßen enttäuscht, sprach es auch aus und erklärte, statt des öden und ärmlichen Saals, doch lieber die Zimmer an der gegenübergelegenen Flurseite sehen zu wollen. »Da ist nun eigentlich vollends nichts«, hatte Innstetten geantwortet, aber doch die Türen geöffnet. Es befanden sich hier vier einfenstrige Zimmer, alle gelb getüncht, gerade wie der Saal, und ebenfalls ganz leer. Nur in einem standen drei Binsenstühle, die durchgesessen waren, und an die Lehne des einen war ein kleines, nur einen halben Finger langes Bildchen geklebt, das einen Chinesen darstellte, blauer Rock mit gelben Pluderhosen und einen flachen Hut auf dem Kopf. Effi

sah es und sagte: »Was soll der Chinese?« Innstetten selber schien von dem Bildchen überrascht und versicherte, daß er es nicht wisse. »Das hat Christel angeklebt oder Johanna. Spielerei. Du kannst sehen, es ist aus einer Fibel herausgeschnitten.« Effi fand es auch und war nur verwundert, daß Innstetten alles so ernsthaft nahm, als ob es doch etwas sei. Dann hatte sie noch einmal einen Blick in den Saal getan und sich dabei dahin geäußert, wie es doch eigentlich schade sei, daß das alles leer stehe. »Wir haben unten ja nur drei Zimmer, und wenn uns wer besucht, so wissen wir nicht aus noch ein. Meinst du nicht, daß man aus dem Saal zwei hübsche Fremdenzimmer machen könnte. Das wäre so was für die Mama; nach hinten heraus könnte sie schlafen und hätte den Blick auf den Fluß und die beiden Molen, und vorn hätte sie die Stadt und die holländische Windmühle. In Hohen-Cremmen haben wir noch immer bloß eine Bockmühle. Nun sage, was meinst du dazu? Nächsten Mai wird doch die Mama wohl kommen.« Innstetten war mit allem einverstanden gewesen und hatte nur zum Schlusse gesagt: »Alles ganz gut. Aber es ist doch am Ende besser, wir logieren die Mama drüben ein, auf dem Landratsamt; die ganze erste Etage steht da auch leer, geradeso wie hier, und sie ist da noch mehr für sich.« Das war so das Resultat des ersten Umgangs im Hause gewesen; dann hatte Effi drüben ihre Toilette gemacht, nicht ganz so schnell, wie Innstetten angenommen, und nun saß sie in ihres Gatten Zimmer und beschäftigte sich in ihren Gedanken abwechselnd mit dem kleinen Chinesen oben und mit Gieshübler, der noch immer nicht kam. Vor einer Viertelstunde war freilich ein kleiner, schiefschultriger und fast schon so gut wie verwachsener Herr in einem kurzen eleganten Pelzrock und einem hohen, sehr glatt gebürsteten Zylinder an der andern Seite der Straße vorbeigegangen und hatte nach ihrem Fenster hinübergesehen. Aber das konnte Gieshübler wohl nicht gewesen sein! Nein, dieser schiefschultrige Herr, der zugleich etwas so Distinguiertes hatte, das mußte der Herr Gerichtspräsident gewesen sein, und sie entsann sich auch wirklich, in einer Gesellschaft bei Tante Therese, mal einen

solchen gesehen zu haben, bis ihr mit einem Male einfiel, daß Kessin bloß einen Amtsrichter habe. Während sie diesen Betrachtungen noch nachhing, wurde der Gegenstand derselben, der augenscheinlich erst eine Morgenoder vielleicht auch eine Ermutigungspromenade um die Plantage herum gemacht hatte, wieder sichtbar, und eine Minute später erschien Friedrich, um Apotheker Gieshübler anzumelden. »Ich lasse sehr bitten.« Der armen jungen Frau schlug das Herz, weil es das erste Mal war, daß sie sich als Hausfrau und noch dazu als erste Frau der Stadt zu zeigen hatte. Friedrich half Gieshübler den Pelzrock ablegen und öffnete dann wieder die Tür. Effi reichte dem verlegen Eintretenden die Hand, die dieser mit einem gewissen Ungestüm küßte. Die junge Frau schien sofort einen großen Eindruck auf ihn gemacht zu haben. »Mein Mann hat mir bereits gesagt... Aber ich empfange Sie hier in meines Mannes Zimmer... er ist drüben auf dem Amt und kann jeden Augenblick zurück sein... Darf ich Sie bitten, bei mir eintreten zu wollen?« Gieshübler folgte der voranschreitenden Effi ins Nebenzimmer, wo diese auf einen der Fauteuils wies, während sie sich selbst ins Sofa setzte. »Daß ich Ihnen sagen könnte, welche Freude Sie mir gestern durch die schönen Blumen und Ihre Karte gemacht haben. Ich hörte sofort auf, mich hier als eine Fremde zu fühlen, und als ich dies Innstetten aussprach, sagte er mir, wir würden überhaupt gute Freunde sein.« »Sagte er so? Der gute Herr Landrat. Ja, der Herr Landrat und Sie, meine gnädigste Frau, da sind, das bitte ich sagen zu dürfen, zwei liebe Menschen zueinandergekommen. Denn wie Ihr Herr Gemahl ist, das weiß ich, und wie Sie sind, meine gnädigste Frau, das sehe ich.« »Wenn Sie nur nicht mit zu freundlichen Augen sehen. Ich bin so sehr jung. Und Jugend ...« »Ach, meine gnädigste Frau, sagen Sie nichts gegen die Jugend. Die Jugend, auch in ihren Fehlern ist sie noch schön und liebenswürdig, und das Alter, auch in seinen Tugenden taugt es nicht viel. Persönlich kann ich in dieser Frage freilich nicht mitsprechen, vom Alter wohl, aber von der Jugend nicht, denn

ich bin eigentlich nie jung gewesen. Personen meines Schlages sind nie jung. Ich darf wohl sagen, das ist das Traurigste von der Sache. Man hat keinen rechten Mut, man hat kein Vertrauen zu sich selbst, man wagt kaum, eine Dame zum Tanz aufzufordern, weil man ihr eine Verlegenheit ersparen will, und so gehen die Jahre hin, und man wird alt, und das Leben war arm und leer.« Effi gab ihm die Hand. »Ach, Sie dürfen so was nicht sagen. Wir Frauen sind gar nicht so schlecht.« »Oh, nein, gewiß nicht...« »Und wenn ich mir so zurückrufe«, fuhr Effi fort, »was ich alles erlebt habe... viel ist es nicht, denn ich bin wenig herausgekommen und habe fast immer auf dem Lande gelebt..., aber wenn ich es mir zurückrufe, so finde ich doch, daß wir immer das lieben, was liebenswert ist. Und dann sehe ich doch auch gleich, daß Sie anders sind als andere, dafür haben wir Frauen ein scharfes Auge. Vielleicht ist es auch der Name, der in ihrem Falle mitwirkt. Das war immer eine Lieblingsbehauptung unseres alten Pastors Niemeyer; der Name, so liebte er zu sagen, besonders der Taufname, habe was geheimnisvoll Bestimmendes, und Alonzo Gieshübler, so mein ich, schließt eine ganz neue Welt vor einem auf, ja, fast möcht ich sagen dürfen, Alonzo ist ein romantischer Name, ein Preziosa-Name.« Gieshübler lächelte mit einem ganz ungemeinen Behagen und fand den Mut, seinen für seine Verhältnisse viel zu hohen Zylinder, den er bis dahin in der Hand gedreht hatte, beiseite zu stellen. »Ja, meine gnädigste Frau, da treffen Sie's« »Oh, ich verstehe. Ich habe von den Konsuln gehört, deren Kessin so viele haben soll, und in dem Hause des spanischen Konsuls hat Ihr Herr Vater mutmaßlich die Tochter eines seemännischen Capitanos kennengelernt, wie ich annehme, irgendeine schöne Andalusierin. Andalusierinnen sind immer schön.« »Ganz wie Sie vermuten, meine Gnädigste. Und meine Mutter war wirklich eine schöne Frau, so schlecht es mir persönlich zusteht, die Beweisführung zu übernehmen. Aber als Ihr Herr Gemahl vor drei Jahren hierherkam, lebte sie noch und hatte noch ganz die Feueraugen. Er wird es mir bestätigen. Ich persönlich bin mehr ins Gieshüblersche geschlagen, Leute von

wenig Exterieur, aber sonst leidlich im Stande. Wir sitzen hier schon in der vierten Generation, volle hundert Jahre, und wenn es so einen Apothekeradel gäbe...« »So würden Sie ihn beanspruchen dürfen. Und ich meinerseits nehme ihn für bewiesen an und sogar für bewiesen ohne jede Einschränkung. Uns, aus den alten Familien, wird das am leichtesten, weil wir, so wenigstens bin ich von meinem Vater und auch von meiner Mutter her erzogen, jede gute Gesinnung, sie komme, woher sie wolle, mit Freudigkeit gelten lassen. Ich bin eine geborene Briest und stamme von dem Briest ab, der, am Tage vor der Fehrbelliner Schlacht, den Überfall von Rathenow ausführte, wovon Sie vielleicht einmal gehört haben...« »Oh, gewiß, meine Gnädigste, das ist ja meine Spezialität.« »Eine Briest also. Und mein Vater, da reichen keine hundert Male, daß er zu mir gesagt hat: Effi (so heiße ich nämlich), Effi, hier sitzt es, bloß hier, und als Froben das Pferd tauschte, da war er von Adel, und als Luther sagte: ›Hier stehe ich‹, da war er erst recht von Adel. Und ich denke, Herr Gieshübler, Innstetten hatte ganz recht, als er mir versicherte, wir würden gute Freundschaft halten.« Gieshübler hätte nun am liebsten gleich eine Liebeserklärung gemacht und gebeten, daß er als Cid oder irgend sonst ein Campeador für sie kämpfen und sterben könne. Da dies alles aber nicht ging und sein Herz es nicht mehr aushalten konnte, so stand er auf, suchte nach seinem Hut, den er auch glücklicherweise gleich fand, und zog sich, nach wiederholtem Handkuß, rasch zurück, ohne weiter ein Wort gesagt zu haben.

Mutter. bei den Grasenabbs in Kroschentin aber rundweg für eine »Atheistin« erklärt worden. In Rothenmoor bei den Borckes und dann auch bei den Familien in Morgnitz und Dabergotz war sie für »rationalistisch angekränkelt«. war barsch dazwischengefahren: »Ich sage dir. während sie vorgaben. Als man damit fertig war. einen schwachen Versuch gemacht. klüglich geschwiegen hatte. . sich einzurichten und die verschiedensten Briefe nach Hohen-Cremmen zu schreiben. Zuerst war man bei den Borckes in Rothenmoor. und dabei bleibt es«. war überall derselbe: mittelmäßige Menschen. Das dauerte länger. unter denen auch der alte Baron von Güldenklee auf Papenhagen war. an jedem Tage nur eine Visite machen ließ. Noch ein paar andere folgten. einfach Atheistin. daß man sich diese Ungewöhnlichkeit schon gestatten konnte) in einer geschlossenen Kutsche gemacht wurden. kam der Landadel an die Reihe. die zum Teil (es regnete gerade so. die von einigen als zu prätentiös für eine so jugendliche Dame. an Hulda und die Zwillinge. dann aber hatten die Stadtbesuche begonnen. an die Mama. bei den meist großen Entfernungen. kein Zollbreit weniger. den Jatzkows und den Grasenabbs den pflichtschuldigen Besuch abstattete.Neuntes Kapitel So war Effis erster Tag in Kessin gewesen. die. Man merke doch an allem die Berliner Schule: Sinn für Äußerliches und eine merkwürdige Verlegenheit und Unsicherheit bei Berührung großer Fragen. den Effi empfing. Allerdings hatte die alte Frau von Grasenabb. eigentlich nur Effis Toilette musterten. die sich vor ihrer eigenen Tochter fürchtete. Effi wenigstens für den Deismus zu retten. über Bismarck und die Kronprinzessin zu sprechen. Dabergotz und Kroschentin. Der Eindruck. von andern als zuwenig dezent für eine Dame von gesellschaftlicher Stellung befunden wurde. Innstetten gab ihr noch eine halbe Woche Zeit. von meist zweifelhafter Liebenswürdigkeit. Sidonie von Grasenabb aber. wo man bei den Ahlemanns. eine Süddeutsche (geborene Stiefel von Stiefelstein). da sich. eine dreiundvierzigjährige alte Jungfer. dann ging es nach Morgnitz. worauf die Alte.

« »Wachs in den Händen seiner Frau. sehen Sie. im günstigsten Falle war sie eine Dame. mit dem alten Güldenklee politisieren zu müssen. wie er's verdient. der klug genug war. und es war am 2. Na. die ihm dann eine Nase drehte. was er tat. »der Held und Eroberer von Saarbrücken wußte nicht. der kartätschte damals auf die Pariser Kanaille. da war auch ein zweiter Dezember. Ich richte mich auch schon darauf ein. für so was war er der rechte Mann. zu schon später Stunde. Diese Eugenie – über deren Verhältnis zu dem jüdischen Bankier ich hier gern . Wer ist am Ende Herr in seinem Hause? Niemand. nur freilich. Dezember. das war. An und für sich ist es übrigens noch gar nicht mal erwiesen«. dir nichts auch mit uns anbinden wollte. Aber damit wollen Sie diese Puppe doch nicht etwa retten? Er ist und bleibt gerichtet.« »Ja«. der war vollends ein Stück Wachs in den Händen seiner katholischen Frau. Dieser letzte Besuch hatte den Güldenklees auf Papenhagen gegolten. Unser Alter da oben läßt sich nicht spotten.‹ Aber daß er nachher alle Schätzung verlor und Anno 70 so mir nichts. Aber Sie dürfen nicht zu streng mit ihm persönlich abrechnen. als man. Innstetten. und sein Blick suchte bei diesen Worten etwas ängstlich nach dem Auge seiner Ehehälfte. auf solche Philistereien anscheinend ernsthaft einzugehen. ja. das sagt alles. das mag ihm verziehen sein. wenn ich so den Wechsel der Zeiten bedenke! Heute vor einem Menschenalter oder ungefähr so lange. ›Dame‹ hat beinah immer einen Beigeschmack. Natürlich. Es ist ihm aber auch heimgezahlt worden. und ich halte zu dem Satze: ›Jeder hat es gerade so gut und so schlecht. die Frau muß danach sein. von dem letzten dieser Besuche nach Kessin zurückkehrte. der steht zu uns. bei welcher Gelegenheit Innstetten dem Schicksal nicht entgangen war. teuerster Landrat.Die ganze Tournee hatte so ziemlich zwei Wochen gedauert. das war eine Insolenz. die Zügel der Regierung in andere Hände zu legen. ja wie sag ich. Aber wer war diese Frau? Sie war überhaupt keine Frau. oder sagen wir lieber. »ob nicht Frauenherrschaft eigentlich als ein Vorzug gelten kann. Baron. das war er. sagte Innstetten. seiner jesuitischen Frau. »Ja. nun. und Louis Napoleon. und der gute Louis und Napoleons-Neffe – wenn er so was war und nicht eigentlich ganz woanders herstammte –.

»Ja«. fuhr Innstetten fort.« »Gott sei Dank. daß ich diese Dinge vor Ihren Ohren überhaupt berührt habe. ohne sich stören zu lassen. Innstetten. Ich mag mich nicht deutlicher ausdrücken. frostig wie ein Schneemann. Nur einen Kuß könntest du mir geben. das war nun heute die letzte Visite. nachdem man vorher von Wahl. so war sie das Weib von Babel. sagte Effi. denn ich hasse Tugendhochmut – hatte was vom Café chantant. ich werde mich schon bessern und will vorläufig nur wissen. »was ich deutschen Frauen schuldig bin. Effi war noch in ihrer Gesellschaftstoilette. »diesen Tag müßten wir nun wohl eigentlich feiern. Und immer nur die Zigarre. daß wir nun Ruhe haben. ist. in der sie lebte. und ich weiß nur noch nicht. denn ich weiß«. in kurzem Hausrock und Saffianschuhen. Die beiden Mädchen im Hause waren schon zu Bett. und er verneigte sich gegen Effi.« »Laß. Aber daran denkst du nicht.« So war die Unterhaltung gegangen. denk ich. und wenn die Stadt. sagte Innstetten. gerade Feier genug. während er sein Aufundabschreiten im Zimmer unterbrach. »wie stehst du zu den Kessiner Stadthonoratioren? wie stehst du zur Ressource? Daran hängt . denn es war nah an Mitternacht. auch medisant! Ich lerne Sie von einer ganz neuen Seite kennen. wie stehst du zu dieser ganzen Umgangs. und nun saßen Innstetten und Effi wieder daheim und plauderten noch eine halbe Stunde. ging auf und ab. das Babel war. Um Vergebung. Soll ich dir einen Siegesmarsch vorspielen oder den Haifisch draußen in Bewegung setzen oder dich im Triumph über den Flur tragen? Etwas muß doch geschehen. Nobiling und Raps gesprochen hatte. denn du mußt wissen. meine Gnädigste. sieh. Auf dem ganzen weiten Wege nicht gerührt.hingehe. Herr von Innstetten.und Verkehrsfrage? Fühlst du dich zu dem einen oder andern hingezogen? Haben die Borckes die Grasenabbs geschlagen oder umgekehrt.« »Ei. machte doch einen sehr edlen und reinen Eindruck. womit.« »Und wenn's unser Adel nicht tut«. Fächer und Handschuhe lagen neben ihr. war sie's«. »Aber das Gefühl. oder hältst du's mit dem alten Guldenklee? Was er da über die Eugenie sagte.

Effi. denn der jugendliche. Und seine Frau! sie gilt als die beste Bostonspielerin und hat auch die hübschesten Anlegemarken. mit dem sich ein Wort reden läßt. Bei Sidonie werd ich dadurch freilich noch etwas tiefer sinken. wie wird es werden in Kessin? Wirst du dich einleben? Wirst du populär werden und mir die Majorität sichern. Das war am 2. Eine Woche später war Bismarck in Varzin. Der Fürst hatte noch von Versailles her eine Vorliebe für ihn und lud ihn. sagte Innstetten. aber er ist wirklich der einzige. durch Haltung und Klugheit gleich ausgezeichnete Landrat stand ebenso in Gunst bei der Fürstin. die Wiedereroberung von Le Bourget durch sein Erscheinen in der Flanke zustande gebracht zu haben. Ich steh und falle mit Gieshübler.« »Das ist er«. »Warte nicht auf mich. Es klingt etwas komisch. Gehab dich wohl und auf Wiedersehen morgen früh. wahrscheinlich wird es zwei oder noch später. wenn mich die Mohrenapotheke nicht herausreißt. wenn Besuch da war. Zum 14. erfolgte die erste Einladung. mit dem sich vielleicht durchkommen ließe. Dezember. wenn ich in den Reichstag will? Oder bist du für Einsiedlertum. »Wie gut du zu wählen verstehst. einem zierlichen Männchen. daß bis Weihnachten und vielleicht noch drüber hinaus. für Abschluß von der Kessiner Menschheit. und nun wußte Innstetten. Vor Mitternacht kann ich nicht zurück sein. Ich habe dich da neulich mit unserem reserveleutnantlichen Amtsrichter sprechen sehen.doch am Ende Leben und Sterben. dieser Kampf muß eben gekämpft werden. an ruhige Tage für ihn gar nicht mehr zu denken sei. aber auch allein. Also nochmals.« »Hätte ich sonst dich?« sagte Effi und hing sich an seinen Arm. weshalb Innstetten die fast zweistündige Fahrt bis an den Bahnhof. Ich störe dich aber nicht. und die beiden . Effi. im Schlitten zu machen vorhatte. wenn er nur endlich von der Vorstellung loskönnte. der einzige richtige Mensch hier. häufig zu Tisch. aber darauf muß ich es ankommen lassen. so Stadt wie Land?« »Ich werde mich wohl für Einsiedlertum entschließen.« Und damit stieg er ein. Es lag Schnee. von wo noch eine Stunde Eisenbahn war.

Hatte sie schon vorher ein Gefühl der Einsamkeit gehabt. Nein. Arme Effi. Schließlich klappte sie den Flügel auf um zu spielen. Diese lehnte aber alles ab. Da werd ich mich nun wohl setzen müssen. ob die Kranke etwas haben wolle. »Nein. Effi stellte sich ans Fenster ihres Zimmers und sah auf das Wäldchen hinaus. Was hätte sie darum gegeben. Abendbrot. und so stand sie wieder auf und las den an die Mama geschriebenen Brief noch einmal durch. wieder ging und nur noch fragte. rotes Reisehandbuch. daß Friedrich still und geräuschlos ein Couvert gelegt und ein Kabarett auf den Sofatisch gestellt hatte. es gibt nichts . was hinter ihr in dem Zimmer vorging. Die Freundlichkeit indessen. Wie sollte sie den Abend verbringen? Früh zu Bett. dann wachte sie auf und konnte nicht wieder einschlafen und horchte auf alles. Sie war von dem Bilde ganz in Anspruch genommen und kümmerte sich nicht um das. was ihr zu Händen kam.« Und so suchte sie nach einem Buche. so jetzt doppelt. als sie wahrnahm. »Ja. und die Lampe brannte schon. Als sie sich wieder umsah. deren gemütskranker Zustand – sie hatte das schwarze Huhn oft bis in die Nacht hinein auf ihrem Schoß – ihr Teilnahme einflößte. fast auf zwölf Stunden. Das erste. erst recht müde werden und dann ein fester Schlaf. dabei werd ich vollends melancholisch. wurde von der in ihrer überheizten Stube sitzenden und nur still und stumm vor sich hin brütenden Frau keinen Augenblick erwidert.. alter Jahrgang. auf dessen Zweigen der glitzernde Schnee lag. weshalb Effi.isabellfarbenen Graditzer jagten im Fluge durch die Stadt hin und dann landeinwärts auf den Bahnhof zu. wenn die beiden Jahnkeschen Rotköpfe jetzt eingetreten wären oder selbst Hulda. das war gefährlich. Die war freilich immer so sentimental und beschäftigte sich meist nur mit ihren Triumphen. war ein dickes.« Aber es wollte nicht schmecken. lieber lesen. das war das Beste. darin will ich lesen. aber es ging nicht. aber so zweifelhaft und anfechtbar diese Triumphe waren. »Ja so. Sie schrieb einen Brief an die Mama und ging dann zu der Frau Kruse. daß ihr Besuch mehr als Störung wie als Freude empfunden wurde. sie hätte sich in diesem Augenblicke doch gern davon erzählen lassen. die sich darin aussprach. bemerkte sie.. Inzwischen war es Abend geworden. Das war die erste lange Trennung. vielleicht schon aus Innstettens Leutnantstagen her.

ist die Geschichte von der Weißen Frau. daß es an einer dem Fremden unsichtbaren Tapetentür hängt. werd ich mich schon hüten. das ich hasse. und so las sie denn: »Unter den Bildern in der Eremitage nennen wir noch eins. was ich lese. Der . Es heißt. auf die große geflochtene Matte. wie jeden Abend. Richard Wagner. die ›Weiße Frau‹ aus dem Rahmen herausgetreten und auf sein Bett zugeschritten sei. die Rede.« Und so schlug sie denn auf gut Glück auf. »ich will mir die Nerven beruhigen. Aber da nun das Gruseln mal da ist. ein Interesse beansprucht. daß. hinter der sich eine vom Souterrain her hinaufführende Treppe befindet. die es darstellt. während sie das Buch beiseite schob. die den Kopf zu tragen scheint. daß es das Bildnis der Dame sei.« »Das hab ich gut getroffen«. Nebenan hörte sie das Ticktack der Uhr und draußen Rollo. etwas unheimlichen Gesichtszügen und einer Halskrause. Das Gefährliche sind bloß immer die Karten. die seither in der Geschichte der Hohenzollern unter dem Namen der ›Weißen Frau‹ eine gewisse Berühmtheit erlangt hat.« Und sie schlug wieder auf und las weiter: ». der.. es sei eine alte Markgräfin aus dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. aber vor diesem Augenpulver. die vor dem Schlafzimmer lag. Eben dies alte Original in der Hohenzollernschen Porträt (dessen Familiengeschichte solche Rolle spielt) spielt als Bild auch eine Rolle in der Spezialgeschichte des Schlosses Eremitage. Das Bewußtsein seiner Nähe minderte das Gefühl ihrer Verlassenheit. seinen Platz in der Remise aufgegeben und sich. das nicht durch seine Schönheit.Beruhigenderes als solche Bücher. dem bekannten markgräflichen Lust schloß in der Nähe von Bayreuth. vor der ich mich gefürchtet habe. kleiner Kopf. mit herben. ja. wohl aber durch sein Alter und durch die Person. was wohl damit zusammenhängt. darin aber sind beide einig. es sei die Gräfin von Orlamünde. sagte Effi. solang ich denken kann. das lockte sie. will ich doch auch zu Ende lesen. und so begann sie denn auch unverzüglich zu lesen. und das erste. seit es dunkel war. sie kam fast in Stimmung. Auf der gerade vor ihr aufgeschlagenen Seite war von der »Eremitage«. andere sind der Ansicht. Einige meinen. Seite 153. ausgestreckt hatte. Es ist dies ein stark nachgedunkeltes Frauenporträt. Bayreuth.. so auch heute wieder. als Napoleon hier übernachtete.

Und wenn auch nicht.« »Nun. und wenn Sie wieder da sind. Friedrich?« »Es geht auf neun. wie sie vor Tränen nicht weiterkonnten. »Wie spät ist es. Aber ich bin so allein. der. nun. tun Sie den Brief erst ein. als sich alles verlegen anblickte. Ich will zu Bett gehen.« In diesem Augenblicke kam Friedrich. entsetzt auffahrend. und dazu den Vetter Briest. »Lese ich weiter.« Effi nahm die Lampe und ging in ihr Schlafzimmer hinüber. und in einem Reisehandbuch muß es sich natürlich alles zusammenfinden. Ich will also lieber wieder die Augen schließen und mir.. Aber ich weiß doch nicht. dann wird es wohl Zeit sein. wo der Teufel auf einem Weinfaß davongeritten ist. wie's einer Landrätin zukommt. sagte Effi. Und nun ich! Und gerade hier. auf der Binsenmatte lag Rollo. Johanna. Die Mama. Bitte. das sei ein Glück. Als er Effi kommen sah.Kaiser. Einmal hab ich gehört. die hätte hierher gepaßt. Aber ich.« »Gnäd'ge Frau haben befohlen. Es ist eigentlich noch früh. um den Tisch abzuräumen. und Sidonie Grasenabb wäre ganz Huldigung gegen sie gewesen und hätte sich über ihren Glauben oder Unglauben nicht groß beunruhigt.. Dann legte er sich wieder nieder. so gut es geht. so komm ich gewiß noch nach einem Kellergewölbe. Schicken Sie mir Johanna. Es gibt. erhob er sich. Man muß doch immer dahin passen. Er war wirklich charmant und immer so übermütig. die hätte.« »Ich muß es aufgeben.. Ach. Richtig.. ja. glaub ich. ob das wahr ist. um den Platz freizugeben. ich tauge doch gar nicht für eine große Dame. gnäd'ge Frau. das läßt sich hören. mit erstaunlicher Würde behauptete. in Deutschland viel dergleichen. wohin man nun mal gestellt ist. . mich durch Lektüre beruhigen zu wollen«.« »Ja. meinen Polterabend vorstellen: die Zwillinge. Ich bin ein Kind und werd es auch wohl bleiben. habe nach seinem Adjutanten gerufen und bis an sein Lebensende mit Entrüstung von diesem ›maudit château‹ gesprochen. den Ton angegeben. solche Tränen öffneten einem das Paradies. und strich mit seinem Behang an ihrer Hand hin.

ein Gespräch zu führen. mit der Frau Paaschen.« »Ja. liebe Paaschen. und ganz ohne Not.« »Gewiß. Johanna.. er ist ja doch am Ende Landrat.« »Aber daß er sie so allein läßt.« »Nun.. man muß auch schweigen können.Johanna war inzwischen nach dem Landratsamt hinübergegangen. und Friedrich ist so dusig und auch so vorsichtig und will mit der Sprache nie recht heraus.. wenn man mal was hört und sieht. aber man hat es doch gern. daß sie draußen immer die Lichtstümpfe zählen und einem nicht gönnen. des Amtsdieners Frau. der Fürst. aber sie spricht nicht.. Das können Sie doch wohl denken. Sie hatte sich drüben nicht sonderlich beeilt. Paaschen sagt es auch immer.« »Ja«.« . stehen immer bloß vorm Spiegel und zupfen und stecken sich was vor und sehen nicht viel und hören nicht viel und sind noch nicht so. Und er wird auch noch. Johanna. Und dann. und als Johanna wieder zurück war.. und da hab ich mich ein wenig verweilt. Sie dürfen nicht vergessen. Aber davon hat unsere Gnäd'ge nichts. und das ist eben das Gute. und der kennt seine Leute. mit dem man ein Wort sprechen kann. »Ja. vielmehr vorgezogen. wenn man einen Menschen trifft. und die Paaschen. will er. Man ist immer froh.« Effi seufzte.. daß man einen Kuß kriegt.. saß Effi schon vor dem Trumeau und wartete.« »Ist er denn sehr zärtlich?« »O sehr. das ist auch das Beste... Ich traf drüben die Frau Paaschen.« »Ja. Und vielleicht will er auch noch höher.. das ist kein Unglück. Natürlich über die junge Frau. »Wie ist sie denn?« fragte die Paaschen. sagte Johanna. die so neugierig und so ganz gewöhnlich ist. Es ist so still hier. eher umgekehrt. um da den Brief einzustecken. Christel ist eine sehr gute Person. Gnäd'ge Frau wollen entschuldigen. Gewiß. »so war meine vorige Madam. bloß weil sie selber keinen mehr kriegen. ist eigentlich gar nicht nach meinem Geschmack. Er hat so was. »Sie sind lange geblieben. »Sehr jung ist sie. gnäd'ge Frau.« Während dieses Ganges drüben nach dem Amt hinüber war wohl eine Viertelstunde vergangen. Die Jungen.

es ist sehr weich. denn. und war eine Predigerstochter.« »Ach. Und dann habe ich eine Freundin.« »Ja. was selbst unsere Offiziere – wir hatten nämlich Offiziere. schwarzes Sammetmieder und eine Blume. Johanna. gnäd'ge Frau. gnäd'ge Frau.. gnäd'ge Frau. das ist doch sehr verschieden. so lang und so seidenweich.. und. daß Sie viel Nachstellung haben. Johanna..« »Ja.. Das klingt ja ganz anzüglich und sonderbar. »so wäre sie geradezu eine Schönheit gewesen. Aber die. Wie das Haar ist. die blond sind. Das haben die Männer am liebsten. die hätten Sie sehen sollen.. Ich bin noch sehr jung. noch blonder als Sie. und Sie werden doch nichts gegen Predigerstöchter haben.. Und ein weicher Charakter ist doch besser als ein harter. Es wird wohl an was ganz anderem liegen. und wenn sie nicht so vorstehende große Augen gehabt hätte. ist der Charakter. und ich möchte mich wohl verwetten. die war auch so blond. Sie auch. Ich habe auch weiches Haar.« »Aber ich bitte Sie.«. die hatten wir alle. das gibt sich. und verstand sich dabei sehr gut auf Toilette.« »Die hattet ihr alle? Was soll das heißen. Johanna.. da in der kleinen Sofaecke. aber wenn ich sie jetzt hier hätte und sie da säße.. so wollte ich bis Mitternacht mit ihr plaudern oder noch länger. was meinen Sie mit ›ja denn‹. die haben auch immer einen weißen Teint.« »Freilich«. aber das weiß ich doch auch. »das habe ich auch schon gefunden. ganz flachsblond. Rose oder auch Heliotrop. Sie hieß Hulda.. Manche sind doch auch für das schwarze. Und Sie haben auch blondes. und wir waren nicht einmal so ganz intim. Johanna?« . ach. und dabei zog sie Johannas Kopf dicht an sich heran. noch dazu rote Husaren – auch immer fanden. wenigstens so groß« (und Effi zog unter Lachen an ihrem rechten Augenlid). lachte Effi. Johanna.. ». Ich habe solche Sehnsucht. Es war ein sehr hübsches Mädchen.« »Ach.« »Ja. Johanna. Aber das ist nicht gut..« »Gewiß. Hulda Niemeyer. ich habe solche Angst..»Gnäd'ge Frau haben so schönes Haar.

Johanna. Ihr war. und dann schlafe ich hier bis morgen früh oder bis der gnäd'ge Herr wieder da ist. so kann ich mir ja ein Lager hier machen.. Das Stümpfchen Licht in dem kleinen Silberleuchter brannte allmählich nieder. Der Herr darf nicht wissen. das ginge vielleicht. und nun flackerte es noch einmal auf und erlosch. wie Rollo draußen anschlug. so jetzt ihre Hochzeitsreise zu rekapitulieren und alles an sich vorüberziehen zu lassen.. Ich nehme die Strohmatte und kehre einen Stuhl um.. vielmehr vorhatte. und in diesem Augenblicke huschte was an ihr vorbei. sie hörte selber noch den Aufschrei und auch. ich sehe wohl ein. Aber mit einem Male fuhr sie mit einem lauten Schrei aus ihrem Schlafe auf. dumpf und selber beinah ängstlich. Dann nahm sie die Lampe. das auf Effis Nachttisch stand. Effi schlief eine Weile ganz fest.« »Gut. gnäd'ge Frau. Und wenn die gnäd'ge Frau wirklich solche Angst haben. Der liegt ja vor der Türschwelle.». Und dann habe ich ja auch Rollo. Aber es kam anders. Es ist sonst so dunkel und so stickig. Das hat er mir eigens versprochen. daß ich eine Kopf lehne habe. das liebt er nicht. wie vorhin ihren Polterabend. sie konnte nicht rufen.. ich muß mich bezwingen und ihm in solchen Stücken und überhaupt zu Willen sein. so wie er. ja. Aber freilich. Und das kann ich nicht. ich war immer etwas anfällig. nicht gleich einzuschlafen.. wau« klang es den Flur entlang.« »Ja.« »Oder ich setze mich bloß in die Sofaecke. Er will immer. und als sie bis Verona war und nach dem Hause der Julia Capulet suchte. »Befehlen gnäd'ge Frau noch etwas?« »Nein.. daß ich mich ängstige. – »wau. weil sie gewillt war. Sie ließ das Licht brennen.« Und nun entfernte sich Johanna. wie sie gedacht. Effi aber ging auf ihr Bett zu und wickelte sich in ihre Decken.« »Er will mich nicht stören. es geht auch nicht.« Johanna nickte zu jedem Wort und zündete dann das Licht an. gut. daß ich tapfer und entschlossen bin. und die nach dem Flur hinausführende Tür sprang . als ob ihr das Herz stillstände. Die Läden sind doch fest geschlossen?« »Bloß angelegt. Aber nein. fielen ihr schon die Augen zu.

wenn ich doch wen hier hätte. da strich was an meinem Bett vorbei.. geträumt.. den Rock über dem Arm und ein großes kariertes Tuch über Kopf und Schulter geschlagen. denn. suchte mit seinem Kopf nach ihrer Hand und legte sich. gerade da. und als ich mich umsah. Johanna. statt etwas Schrecklichem. aber das ist leicht gesagt.. und wenn Sie schon wach waren.« »Nun was denn..« »Was denn. der muß es also auch gesehen haben. ich fuhr also auf aus dem Schlaf und schrie. Effi selber aber hatte mit der andern Hand dreimal auf den Knopf der Klingel gedrückt. Und wenn ich mich recht frage. so war es doch alles noch aus dem Traum. »Gott sei Dank. als er diese gefunden. was es war. daß es ein Alpdruck war. Ach. und das gute. »unser kleiner Chinese. und mit einem Male fuhr ich auf und schrie.« . und dann war es weg. gnäd'ge Frau haben geträumt. von Hause. Aber eben dieser Moment höchster Angst war auch der ihrer Befreiung.. Christel und ich. wo Rollo draußen anschlug. Es muß so was gewesen sein. und dann flog die Tür auf.« »Was war denn.. Aber so weit von Hause. treue Tier sprang auf mich los. den wir an die Stuhllehne geklebt haben. ich mag es nicht sagen... Aber es war genau derselbe Augenblick. und nur die Mama sagt immer. Und ich so allein. und so jung. Ach. vielleicht... mein Papa hat es auch und ängstigt uns damit. so gut es eben ging in dem Dunkel. und keine halbe Minute.auf.« » Der von oben?« und Johanna versuchte zu lachen. auf den vor ihrem Bett ausgebreiteten Teppich nieder.« »Ja.. er solle sich nicht so gehenlassen... so war Johanna da. wo Sie jetzt stehen. daß Sie da sind.« »Ich würd es glauben.... gnäd'ge Frau? Gnäd'ge Frau haben geträumt. aber es war doch auch noch was anderes.. als ob es mich zu retten käme.. barfüßig. aber ich glaube. Ach. gnäd'ge Frau?« »Ich schlief ganz fest. es war entsetzlich. Ach. gnäd'ge Frau?« »Und wenn ich mich recht frage. meine liebe Johanna. der Chinese. bei dem ich weinen könnte. Johanna. Alpdruck ist in unserer Familie. kam jetzt Rollo auf sie zu. Johanna.

. daß ich Luft und Licht habe.. und Effi fiel in ihre Kissen zurück und bald danach in einen lethargischen Schlaf.« Johanna tat. Und wie gut. Sie müssen nun hierbleiben.»Der Herr kann jede Stunde kommen. das ist auch so was. Johanna. die sitzt die ganze Nacht da. ich muß es so nennen. die schläft doch nicht. wenn es auch sonderbar klingt. Nein. recht laut.. die darf nicht kommen. Sie bleiben allein hier.. und dann machen Sie das Fenster ein wenig auf. einen menschlichen Ton.« »Oder vielleicht kann ich auch die Frau Kruse holen. nein. daß Sie die Läden nur angelegt. . Das mit dem schwarzen Huhn. er soll mich so nicht sehen. und das könnt ich ihm nie verzeihen. daß ich einen Ton höre.. Stoßen Sie sie auf.« »Nein. die ist selber so was. Denn es war so furchtbar... Er würde mich vielleicht auslachen. Aber lassen Sie Christel schlafen und Friedrich auch... Johanna. wie ihr geheißen. Es soll es keiner wissen.« »Nein. er soll nicht kommen.

dicht an ihr vorbei.« »Nun. meinetwegen auch.« »Welches andere?« »Ach. »Was ist das mit der gnäd'gen Frau? Friedrich sagt mir.« »Ich weiß nichts. Johanna hat die Nacht über im Zimmer der gnädigen Frau schlafen müssen. Und dann blieben Sie bei der Frau?« . der neben dem Bett der gnäd'gen Frau stand. Und so war es auch. schien sich also die Vorgänge der Nacht nicht sonderlich zu Gemüte genommen zu haben. Gnäd'ge Frau klingelte dreimal ganz rasch hintereinander. was hatte sie gehört oder gesehen? Was sagte sie?« »Es sei so hingeschlichen. Ist etwas passiert?« »Ich weiß es nicht. daß ihn Friedrich mit einer Reisedecke zudeckte. daß ich gleich dachte. Herr Baron. oder vielleicht war es auch das andere.Zehntes Kapitel Innstetten war erst sechs Uhr früh von Varzin zurückgekommen und hatte sich.« Und um diese Stunde war er denn auch geweckt worden. Und wie fanden Sie die Frau?« »Sie war wie außer sich und hielt das Halsband von Rollo. fest umklammert.« »Was? Wer?« »Der von oben. Sie hat wohl geträumt. ich mag davon nicht mehr hören. Der aus dem Saal oder aus der kleinen Kammer.« »Unsinn. Sie hatte denselben rosigen Teint wie immer. Jedenfalls muß ein Ende damit gemacht werden.« »Und was hatte sie geträumt oder.« »Die gnädige Frau schläft noch. »Wecke mich um neun. Und das Tier ängstigte sich auch. Er stand rasch auf und sagte: »Bringe das Frühstück. Immer wieder das alberne Zeug. es sei was passiert und Sie hätten drüben geschlafen. der gnäd'ge Herr wissen ja. Rollos Liebkosungen abwehrend. sag ich.« »Aber es ist ja schon spät. so leise wie möglich in sein Zimmer zurückgezogen. dann schicke Johanna.« »Ja. Er machte sich's hier bequem und duldete nur.« Diese kam denn auch. es bedeutet was. ich weiß nur.

du darfst mich nicht wieder allein lassen. ganz blaß. Man kann sich gesund schlafen. denn ich bin eigentlich begieriger danach als du.. Und machen Sie's geschickt. Aber was wolltest du noch sagen?« »Ich wollte sagen.. und ich bleibe hier und warte auf meinen ›hohen Herrn‹.« »Das ist mir ängstlich. was sie sichtlich belebte.« »Und sie schläft noch?« »Ganz fest. »Ach. du nimmst die Einladungen an nach wie vor. daß sie nicht wieder erschrickt. ich lasse dich ja nicht allein aus Rücksichtslosigkeit oder Laune. Gott sei Dank. meine liebe Effi.« »So sind alle Frauen«. ich will warten. Wenn ich das sagte. Dann ergriff sie wieder ihres Mannes Hand und sagte: »Du sollst recht haben. Und dann wollen wir ja auch höher hinauf.« Effi trank. ich kann zum Fürsten oder auch zur Fürstin nicht sagen: Durchlaucht. meine Frau ist so allein. stürzte sie auf ihn zu und umarmte und küßte ihn. bis die gnäd'ge Frau da ist. wenn es sein muß. Aber nimm erst eine Tasse Kaffee.« Eine halbe Stunde später kam Effi.« »Meine liebe Effi. Und dabei liefen ihr die Tränen übers Gesicht. ich bin ein Mann im Dienst.. Als sie aber Innstettens ansichtig wurde. Du darfst nicht wieder fort. Nun ist alles wieder gut. würden wir in einem ziemlich komischen Lichte dastehen..»Ja. ich sehe ein. und stützte sich auf Johanna. Und ich mußte ihre Hand halten. und du auch. gnäd'ger Herr. Aber nicht in diesem Hause. ich werde schon alles zurechtmachen. und dann schlief sie ein. stellen Sie hin. Und Friedrich soll das Frühstück nicht bringen. ich gewiß. Geert. Wir müssen sie wecken. daß du da bist. sondern weil es so sein muß. Johanna. das geht nicht. oder meine Frau fürchtet sich. Ich sage wir. Friedrich. Sie sah reizend aus. lachte Innstetten. ich kann nicht kommen.. ich habe keine Wahl. »Also abgemacht. Wie's ihr wohl gehen mag?« »Damen wie Hulda geht es immer gut. Laß uns die Wohnung . aber auch krank.. natürlich vorsichtig. ich bleibe hier und auch allein. wobei mir Hulda unterm Holunderbaum einfällt. Ich machte mir ein Lager an der Erde dicht neben ihr..

Geert.« ». Landrat .. wollen wir dies verwunschene Haus aufgeben. Was du da gesehen hast oder was da. Chinesen.« Sie nickte. kann ich hier nicht gut fort.« »Wenn das um solcher Dinge willen möglich ist. daß er einen blauen Rock anhatte und einen ganz flachen Deckelhut mit einem blanken Knopf oben.wechseln. daß in Berlin Familien ausziehen wegen Klavierspiel oder wegen Schwaben oder wegen einer unfreundlichen Portiersfrau. wenn wir Freunde und Verwandte zum Besuch hatten. Ich kann hier in der Stadt die Leute nicht sagen lassen. gerade gegenüber von Gieshübler.. Aber ich sehe doch aus dem allen.« »Ja. wo du Landrat bist und die Leute dir zu Willen sind und viele selbst zu Dank verpflichtet. wie du meinst. fandest du's märchenhaft. wenn auch nur um meinetwegen... warum können wir da nicht wohnen? Warum gerade hier? Ich habe. Gieshübler würde uns gewiß dabei behülflich sein.. Effi. Du siehst. man kann das furchtbare Wort aussprechen. denn er wird Mitleid mit mir haben. »Nun siehst du. dies Haus mit dem. wenn das um solcher Kleinigkeit willen geschieht...« » Nein.« »Desto besser. so muß es doch auch hier möglich sein. Und dann. Es ist damit ganz wie mit einer Absage nach Varzin hin. ich wette. oft gehört. daß es hier etwas Sonderbares gibt.... von der Hochzeit hier oben.« »Kein Wort hat sie mir erzählt. auch wenn es möglich wäre. Und dann wird dir Johanna wohl gestern abend was erzählt haben.. das Haus zu verkaufen oder einen Tausch zu machen. Und nun sage. Effi. eins zwischen Konsul Martens und Konsul Grützmacher und eins am Markt.« »Kleinigkeiten? Portiersfrau? das sage nicht. Traum. das war der kleine Chinese.« ».. den die Mädchen oben an die Stuhllehne geklebt haben. Es gibt so hübsche Häuser am Bollwerk. Sinnestäuschung.. ohne daß er erscheint. Und dann das Krokodil... an deinem Bette vorüberschlich. willst du sagen. es ist alles so unheimlich hier..« »Den ersten Abend. als du das Krokodil sahst. damals.

Geert. daß du deinerseits teilnahmsvoller sein könntest. wie wenn du aus einem kleinen Bürgerhause stammtest. mir gilt mein Wappen mehr. wie Stammbaum und dergleichen. wirklich sehr. daß sie sich tummeln. Vorausgesetzt. aber ich finde doch. Spuk ist ein Vorzug.Innstetten verkauft sein Haus. ist viel schlimmer und gefährlicher als diese ganze Geistertummelage. was schadet es? Daß in der Luft Bazillen herumfliegen. solcher Furcht und Abneigung gerade bei dir zu begegnen. Wenn du wüßtest. die sich ebensogern ihr Wappen nehmen ließen als ihre ›Weiße Frau‹. wenn Friedrich nicht . bei einer Briest. daß so was wirklich existiert. den hab ich nicht. daß es so was nicht gibt?« »Will ich nicht behaupten. dich lächerlich zu machen. und ich kenne Familien. Ich habe sehr gelitten. es gäbe dergleichen. Effi. Es ist eine Sache. Effi. Keine Antwort?« »Was soll ich antworten? Ich habe dir nachgegeben und mich willig gezeigt. da dacht ich. denen ihr Spuk soviel wert sei wie ihr Wappen.« Der Streit hätte wohl noch angedauert und vielleicht zu einer ersten ernstlichen Verstimmung geführt. Aber du sagst mir bloß. Dann bin ich verloren. und damit hängt es wohl zusammen. so ist das Geschmackssache. Das ist ein geringer Trost. die man glauben und noch besser nicht glauben kann. nun würd ich frei werden von meiner Angst. Ich finde es wenig und um so weniger. Das ist ja.« Effi schwieg. von denen du gehört haben wirst. nicht vor dem Fürsten und auch nicht vor der Stadt. Nun. daß du nicht Lust hättest. Und dann bin ich überrascht. weil seine Frau den aufgeklebten kleinen Chinesen als Spuk an ihrem Bette gesehen hat. Und wenn du von Familien sprichst. Aber angenommen. Die Briests waren immer sehr gute Leute. sondern auch noch einen adligen Spukstolz von mir forderst. Von solcher Lächerlichkeit kann man sich nie wieder erholen. bist du denn so sicher. wie mir gerade danach verlangt. als du dir schließlich auch noch widersprichst und nicht bloß persönlich an diese Dinge zu glauben scheinst. die natürlich auch eine schwarze sein kann.« »Ja. Gott sei Dank haben wir Briests keinen Spuk. und als ich dich sah. »Nun.

eingetreten wäre. eine Tochter unserer guten Stadt Kessin. um der gnädigen Frau einen Brief zu überreichen. Fräulein Marietta Trippelli. um daselbst bis Mitte Januar zu konzertieren. In ihrer immer gleichen Güte gegen mich hat die Trippelli mir zugesagt. sagen Sie Mirambo. sagte Innstetten. eine Lyra. geb. Der Bote wartet auf Antwort. fragte Effi: »Wer ist Mirambo?« . diesem Musikabende beizuwohnen? sieben Uhr. Sie reichte das Billet ihrem Manne. wir würden die Ehre haben. Könnten sich Frau Baronin dazu verstehen. Fürst Kotschukoff öffnet ihr auch diesmal wieder sein gastliches Haus. gnädigste Frau Baronin! Gestatten Sie mir. von Briest« in wundervoller Kanzleihandschrift und statt des Siegels ein aufgeklebtes rundes Bildchen. Dieser Stab konnte aber auch ein Pfeil sein. und ihr Wohlgefühl steigerte sich. hier eintreffen und bis morgen früh unter uns weilen. will sie in Petersburg sein. darin ein Stab steckte. Als er fort war. der doch wohl das Billet gebracht haben wird. schon bloß Gieshüblers Namen zu hören tat Effi wohl. als sie jetzt den Brief musterte. »Nun lies aber. »ja oder nein?« »Natürlich ja. Also.« »Einverstanden. Friedrich. Am 17. In vorzüglicher Ergebenheit A. sondern ein Billet. Das wird mich herausreißen.« »Nun –«. Und dann kann ich doch meinem lieben Gieshübler nicht gleich bei seiner ersten Einladung einen Korb geben.« Friedrich ging. Zunächst war es gar kein Brief. die Adresse »Frau Baronin von Innstetten.« Und nun löste Effi die Oblate und las: »Hochverehrteste Frau. Anwesend nur Pastor Lindequist (der begleitet) und natürlich die verwitwete Frau Pastorin Trippel. der es ebenfalls bewunderte. meinem respektvollsten Vormittagsgruß eine ganz gehorsamste Bitte hinzufügen zu dürfen. Gieshübler. Mit dem Mittagszuge wird eine vieljährige liebe Freundin von mir. Ihr Herr Gemahl. wird meine gehorsamste Bitte unterstützen. »Von Herrn Gieshübler. auf dessen Erscheinen ich mit Sicherheit rechne. den heutigen Abend bei mir zubringen und einige Lieder ganz nach meiner Wahl (denn sie kennt keine Schwierigkeiten) vortragen zu wollen.« Aller Unmut auf Effis Antlitz war sofort verschwunden.

Und auf der Station essen wir oder noch besser bei Golchowski. das zu meiner Effi nicht paßt. Ich liebe dich ja. es schleicht dir noch von der Nacht her etwas nach. aber eine lange. aber auf einem Umwege. daß ich dir einen Hausverkauf und. erst das mit meiner Angst und dann hinterher. Auch über mich. daß der kleine Zwischenfall auf Effi günstig eingewirkt und ihr ein gut Teil ihrer Leichtlebigkeit zurückgegeben hatte. als Innstetten noch immer schwieg. wenn man einen Zweig abbricht und die Blätter abreißt? Von Herzen. diese Rekonvaleszenz zu steigern. und wie nachsichtig. Ich habe dich eigentlich bloß aus Ehrgeiz geheiratet. kaum daß ein Lüftchen geht. daß du ja gesagt hast und so rasch und ohne Besinnen. Denn ich muß dir ja kindisch oder doch wenigstens sehr kindlich vorgekommen sein. Das Wetter ist prachtvoll. Denn schließlich ist er doch der Mann. »wo soll es hingehen?« »Ich habe mir gedacht. frisch und milde zugleich. was noch schlimmer ist. Tanganjika-See. nicht bloß so durch die Plantage hin. und nun möcht ich dir noch einen Vorschlag machen. und dazu gibt es nichts Besseres als frische Luft. wenn wir eine Spazierfahrt machten.. wie heißt es doch. wenn du dich . was meinst du. Geert.. und natürlich im Schlitten und das Geläut auf und die weißen Schneedecken. und dann auf der Chaussee zurück. und um sieben sind wir bei Gieshübler und hören die Trippelli. wenn deine Geographie so weit reicht. der über uns entscheidet. über alle Maßen. und wenn wir dann um vier zurück sind. in dem Gasthofe ›Zum Fürsten Bismarck‹. wie ehrgeizig ich bin.. um dich ganz wieder in Ordnung zu bringen. Ich sehe wohl.»Der echte Mirambo ist Räuberhauptmann in Afrika. das durchaus wieder fort muß.« Effi nahm seine Hand. »Wie gut du bist. mit Schmerzen..« Es war ganz ersichtlich. Du glaubst gar nicht. Aber du mußt nicht solch ernstes Gesicht dabei machen. dran wir... »Und nun sage mir«.« Und sie lachte hell auf. das mit dem Fürsten ansinne. »Ich freue mich. nach der Bahnstation. dann ruhst du dich aus.. unserer aber ist bloß Gieshüblers Kohlenprovisor und Faktotum und wird heute abend in Frack und baumwollenen Handschuhen sehr wahrscheinlich aufwarten. Du sollst ihm den Stuhl vor die Tür setzen – es ist zum Lachen. fuhr sie fort. Innstetten aber wollte das Seine tun.

und ich habe dann mit dem Starosten von Effis Gnaden ein Wahlgespräch. diese Stelle gekauft und ihn hier begraben lassen. und da hat denn Kapitän Thomsen. aber Effi hatte nach allem. so daß der Schnee auf ihre Reisedecke fiel. Der Chinese. Auf Essen und Trinken verstehen sich die Leute hier. und Effi stieg ein. Ich denke. »Ja. Solch Vorsprechen wirkt immer gut. Innstetten aber sagte zu Kruse: »Kruse. »Liegt da auch wer begraben?« fragte Effi. so sehr das Bedürfnis nach frischer Luft. es war ihr wie ein Stich. An der anderen Seite des Wegs war ein eingefriedeter Platz. Johanna wollte Fußsack und Pelze bringen. und im Fluge fuhren sie daran vorüber. wo wir zwei beide heute früh schon mal waren. wir fahren hier an der Plantage lang und dann links auf den Kroschentiner Kirchturm zu.« Und so ging die Fahrt. aber es schadet nichts. Auch Utpatels Mühle drehte sich nur langsam. Aber es wird noch immer davon gesprochen. der so was wie ein Freund war. am Tage unserer Ankunft vorbeikamen. und fragte mit anscheinender Ruhe: »Unserer?« »Ja. unserer.« . Um zwölf hielt Kruse mit dem Schlitten vor der Tür. wir wollen nun also nach dem Bahnhof. Aber sie hatte doch Kraft genug. nicht viel größer als ein Gartenbeet. denn die Luftbewegung war gering. Alles natürlich vor meiner Zeit.« Effi fuhr zusammen.vielleicht erinnerst. Um eins müssen wir am Bahnhof sein. seine Wirtschaft hält er in Ordnung und seine Küche noch besser. Lassen Sie die Pferde laufen. daß sie dies Gespräch führten. sich zu beherrschen. Auf dem Gemeindekirchhof war er natürlich nicht unterzubringen. Es ist auch ein Stein da mit Inschrift. dessen Berberitzensträucher über das Gitter hinauswuchsen und mit ihren Spitzen Effi streiften. die mitten daraus hervorragte. dicht am Kirchhofe hin. Über den weißen Dächern der Stadt stand der Rauch. Die Leute werden sich wundern. was noch auf ihr lag.« Es war gegen elf. und wenn er auch persönlich nicht viel taugt. daß sie alles zurückwies und nur eine doppelte Decke nahm. und innerhalb nichts sichtbar als eine junge Kiefer.

dasselbe.« .. draus er nicht viel herausschlug.« »Glaub ich. Wollen wir nicht den Bahnhof aufgeben und lieber bei der alten Frau von Grasenabb vorfahren? Sidonie. Ich merke das auch. ich höre. Eine Geschichte.« »Ja. und das ist gut. als er hier ankam. gut. war viele Jahre lang ein sogenannter Chinafahrer. ob er hier geboren war oder ob er andere Beziehungen hier hatte. Ich glaube. ich denke. Der Anfang ist immer das schwerste. sie sind hier so streng und selbstgerecht. auch bei Geschichten. er war nun da und verkaufte sein Schiff. das ist pommersch... bin ich.« »Also Thomsen.. immer mit Reisfracht zwischen Shanghai und Singapore. gar nichts oder viel oder wenig. Ich weiß nicht.« »Mir gleich. was es ist. Aber nun macht es sich so von selbst. Auch beim Bürgermeister Kirstein und vor allem bei dem damaligen Pastor in Kessin.. da haben wir gerade den Kroschentiner Kirchturm dicht vor uns. doch immer ein Opfer meiner Vorstellungen. und mochte wohl schon sechzig sein.. einem Berliner. Solang ich es nicht weiß. Die Wirklichkeit kann mich nicht so quälen wie meine Phantasie. den ich dir schon genannt habe.« »Bravo. je nachdem. Also Thomsen war nun da. Effi. ein sehr adretter Mann (so wenigstens hat man mir gesagt) und wohl gelitten. Ich wollte nicht davon sprechen. Aber sieh nur. ich beginne mit Kapitän Thomsen.»Also es ist doch was damit. Fange nur an. Und von daher schreibt sich auch das Krokodil und der Haifisch und natürlich auch das Schiff.« »Gut. Effi. Kurz und gut. Nun. der kurz vor Thomsen auch hierhergekommen war und viel Anfeindung hatte. einen alten Kasten. Übrigens ist es eigentlich gar nichts. Wir könnten es also wagen.« »Ja und nein. trotz aller guten Vorsätze. wo sie gar nicht streng sind und wo's drunter und drüber geht. wenn ich recht berichtet bin. Erzähle mir das Wirkliche. Du sagtest schon heute früh so was. Es gibt auch Gegenden. und kaufte sich ein Haus. das ist leicht gesagt. drin wir jetzt wohnen. Denn er war draußen in der Welt ein vermögender Mann geworden. ist nicht zu Hause. Und es wird am Ende das beste sein.

gut. Wen er mit den ›anderen‹ eigentlich gemeint hat.« »Also dieser Chinese war Diener bei Thomsen. Geert. Thomsens Enkelin. der Berliner Pastor tat sie zusammen. Es gab eine große Hochzeit im Hause. und Thomsen hielt so große Stücke auf ihn. die Braut nämlich. der ein Konventikler war. dem man in der Stadt in kirchlichen Dingen auch nicht recht traute. Und sie war auch wirklich fort. Und außer der Enkelin oder der Nichte war da auch noch ein Chinese. Und das ging so Jahr und Tag. das wisse man nicht recht. Thomsen kaufte die Stelle. So soll er gewesen sein. Und wie man sich denken kann. die ich dir gezeigt habe. Da mit einemmal hieß es. Nina hieß. so hinzufliegen. wo denkst du hin? Es ist ja himmlisch. was übrigens den Jahren nach kaum möglich. und Gieshübler. Und dann will ich vor allem auch die Geschichte hören. seine Enkelin. und da wurd er begraben. und Müller Utpatel. Und mit ihm war eine junge Person von etwa zwanzig. so war es auch..« . derselbe. irgendwohin.« »Ganz richtig. Um Gottes willen nicht. auch mit einem Kapitän. sie sei seine Nichte gewesen. es ging hoch her. sie sei fort. Da mit einemmal hieß es. wie mir so frei wird und wie alle Angst von mir abfällt. aber die meisten sagen. Am Abend aber war Tanz. sagte mir Gieshübler. und niemand weiß. von der einige sagen. Und nun soll ich das alles aufgeben. Der Berliner Pastor aber soll gesagt haben: Man hätte ihn auch ruhig auf dem christlichen Kirchhof begraben können. sehr sauber. Und nach vierzehn Tagen starb der Chinese. verheiraten.« »Gut. der da zwischen den Dünen liegt und an dessen Grab wir eben vorübergekommen sind. die. und die Braut tanzte mit jedem und zuletzt auch mit dem Chinesen. was da vorgefallen. Und richtig. nach des Alten Wunsche.. glaub ich. und ich fühle ordentlich. solle sich.»Ich bitte dich. daß er eigentlich mehr Freund als Diener war. waren geladen und vor allem viele Kapitäne mit ihren Frauen und Töchtern. Also wir waren bei Kapitän Thomsen. mit weißen Vatermördern und ganz weißer Wäsche. bloß um den alten Leuten eine Stippvisite zu machen und ihnen sehr wahrscheinlich eine Verlegenheit zu schaffen. den ich mir als einen Dänen oder Engländer denke. denn der Chinese sei ein sehr guter Mensch gewesen und geradesogut wie die anderen.

Aber hüte dich vor dem Aparten. sehr verdacht worden. das bezahlt man in der Regel mit seinem Glück. und Kotschukoff und Gieshübler – den sie übrigens ›Onkel‹ nennt. »Von der Trippelli! Nun sehe ich erst klar in allem. dazu kann man sich stellen. die wir heute abend sehen sollen?« »Natürlich hängt er mit der zusammen. aber du spottest doch auch oft darüber und hast keine Ahnung davon. sie sei die Tochter von einem italienischen Konsul.« . Wir haben ja so viele fremdländische Namen hier. wie sehr du dein Hohen-Cremmen liebst und daran hängst. Gieshübler war es. Daß sie in Kessin geboren. war doch auch gegen ihn. über kleine Standesvorurteile weg. Was dir so verlockend erscheint – und ich rechne auch ein Leben dahin. denn die russischen Fürsten sind sehr aufgeklärt. was stille Tage.« »Trippel sagst du? Dann hängt er am Ende mit der Frau Pastor Trippel zusammen. wie's die Trippelli führt –. Spuk. durch den sie nach Paris kam. geradeso wie du. Ist sie denn so vorzüglich. so was darf man nicht aussprechen. bedeuten. wie reizend ist das alles. die die kleine Marie Trippel zu dem gemacht haben. Sie war ein paar Jahr lang in Paris bei der berühmten Viardot. und Kotschukoff hat sie dann in die Trippelli transponiert. was sie jetzt ist. Geert. wie man will. er sei der geborne Onkel –.« Innstetten nahm ihre Hand und sagte: »So darfst du nicht sprechen.« »Ach. Das würde selbst Niemeyer nicht gesagt haben. wo sie auch den russischen Fürsten kennenlernte.« Effi lachte. Denn die Stadt. weil es gewagt und unpassend ist. daß er drüber hinstarb. oder was man so das Aparte nennt. Ich weiß wohl. wie die Hohen-Cremmner. Effi. sich so zu italienisieren?« »Dem Mutigen gehört die Welt. so daß es eigentlich ein Glück war. und man kann fast von ihm sagen. schrieb ja schon Gieshübler. daß sie wagen konnte. Und nun ist sie gut deutsch und stammt von Trippel. diese beiden sind es recht eigentlich. trotzdem sie ihn gewählt. und das Konsistorium natürlich erst recht. der übrigens Trippel hieß. aber ich dachte. Übrigens ist sie ganz tüchtig. und welch Alltagsleben habe ich doch in Hohen-Cremmen geführt! Nie was Apartes.« »Und ist auch dem armen Pastor.»Aber ich bin in dieser Sache doch ganz und gar gegen den Pastor. sonst hätte er seine Stelle verloren. Er war ihr Mann und ist der Vater von der Trippelli.

»Ich weiß es wohl.« . und dann wandelt mich die Lust an. mal so. Immer Phantasien. mal so. Aber du hast ganz recht. mit dabeizusein.»Doch.« Innstetten drohte ihr mit dem Finger. das denkst du dir nun auch wieder so aus. sagte sie. »Meine einzig liebe Effi. doch«. Und eigentlich hab ich doch eine Sehnsucht nach Ruh und Frieden. Ich höre nur gern einmal von etwas anderem.

und mit dem alten Fraude steh es schlecht – es werde zwar in Kurs gesetzt.Elftes Kapitel Die Fahrt verlief ganz wie geplant. da hilft keine Größe. Golchowski?« »Das ist der Danziger Schnellzug. Und da hilft auch kein Fürst und keine Größe. Innstetten sah nach der Uhr. »Ja«. sagte Golchowski. und Golchowski. den Landrat bei sich zu sehen.« Wahrscheinlich. war. Das zeigte sich auch heute wieder. nein. sich mit an den Tisch zu setzen und ihnen was zu erzählen. »aber aus solchen Widersprüchen kommt man im Leben nicht heraus. habe ihre Jungfer wegen einer fatalen Geschichte Knall und Fall entlassen müssen. sagte Innstetten. Um ein Uhr hielt der Schlitten unten am Bahndamm vor dem Gasthause »Zum Fürsten Bismarck«. wie vorige Weihnachten. und der Sohn.« »Nein. aber ich gehe doch immer hinauf und zähle die Wagen. der in Lissa bei den Husaren stehe. Frau von Palleske. Nach diesem Geplänkel war man dann. auf zwei Meilen in der Runde wurde kein Ei gelegt. »wenn man sich den Fürsten so als Papiermüller denkt! Es ist doch alles sehr merkwürdig. aber es sei ein Schlaganfall gewesen. glücklich. daß sich dies Gespräch über den Fürsten noch fortgesetzt hätte. er sei bloß ausgeglitten. von dem er nicht wußte. lieber Golchowski«. und nun legt er doch selber eine Papiermühle an. ein vorzügliches Dejeuner herzurichten. Als zuletzt das Dessert und der Ungarwein aufgetragen wurden. Innstetten hatte recht vermutet. auf Varzin gekommen. war beflissen. wenn nicht in eben diesem Augenblicke die von der Bahn her herüberklingende Signalglocke einen bald eintreffenden Zug angemeldet hätte. so auch diesmal wieder auf vier Wochen zu »Hofpredigers« gereist. Sidonie Grasenabb. »Welcher Zug ist das. Dazu war Golchowski denn auch der rechte Mann. zu Ernsthafterem übergehend.« »Schon recht. er hält hier nicht. so hieß es weiter. werde jede Stunde erwartet. eigentlich kann er die Schreiberei nicht leiden und das bedruckte Papier erst recht nicht. und mitunter . rief Innstetten den von Zeit zu Zeit erscheinenden und nach der Ordnung sehenden Wirt heran und bat ihn.

und da nach der anderen Seite hin blitzte der Kroschentiner Kirchturm auf und weiter hin der Morgenitzer.. Und jetzt jagte der Zug über das Bahnhofsgeleise hin und im nächsten Augenblick an dem Häuschen und an dem Gartenstreifen vorüber. Der Bahnwärter stand schon da. ganz wie benommen nachblickte. »Ich sehe so gern Züge.. nach Kessin zurückgekehrt. Als er aber zu ihr hinüberblickte. in der Ferne vorbeiklappern hören.steht auch einer am Fenster. Wärterhaus 417. Da drüben lag Varzin. Effi?« Sie sagte nichts. um lange dabei zu verweilen. fast mit dem Glockenschlage sieben . als der Zug vorbeijagte.. den ich kenne. auf dessen Höhe ein Bremser saß. was ihr fehlte. und da saßen die Grasenabbs und die Borckes. so kam ihr doch gleich nachher zum Bewußtsein. Effi war so erregt. gnäd'ge Frau. so können ihn die Hohen-Cremmner. und sie sah jetzt wieder alles. aber doch eine freigeschaufelte Stelle hatte. Aber so gewiß sie voll Sehnsucht dem Zuge nachgesehen. und als sie. Effi war. in einem neben dem Wärterhause gelegenen Gartenstreifen auf. fühlte sie sich wieder freier. wie in einer Verklärung. Wenn sie sich eben noch an dem einen oder andern entzückt hatte. »Sechs Uhr fünfzig ist er in Berlin«. als der rote Ball der niedergehenden Sonne seinen Schimmer über den Schnee ausgoß. daß eine Träne in ihrem Auge stand. die!« Innstetten hatte ganz recht gehabt mit dem raschen Wechsel ihrer Stimmung. von einer herzlichen Sehnsucht erfaßt worden. So gut es ihr ging. Hier gleich hinter meinem Hofe führt eine Treppe den Damm hinauf..« »Dann ist es die höchste Zeit. und schon auf der Heimfahrt. Möchtest du mit. nicht die Bellings und nicht die Briests. der jetzt freilich unter Schnee lag. alles erschien ihr schön und frisch. das wollen wir uns zunutze machen«. »und noch eine Stunde später. was zurücklag.« »Oh. sah er. wenn der Wind so steht. sagte Innstetten. sagte Effi. die Fahne in der Hand. »Ja. daß sie nichts sah und nur dem letzten Wagen. als sie oben waren.« Und so machten sich denn alle drei auf den Weg und stellten sich. sie war doch andererseits viel zu beweglichen Gemüts. sie fühlte sich trotzdem wie in einer fremden Welt.

daß ihr . so eigensinnig ist er auch. so gut er ist. Die Trippelli. ist noch nach einem altmodischen Versenkungsprinzip gebaut. sinkt ins Bodenlose. Gieshübler – im blauen Frack mit mattgoldenen Knöpfen. in einem Tone. Anfang der Dreißig.« All dies wurde seitens der Trippelli mit ebensoviel Bonhomie wie Sicherheit hingesprochen. Fräulein Marietta Trippelli. Frau Pastor Trippel. Pastor Lindequist.« »Dies Sofa nämlich.und Veilchenwurzelluft das Ihrige beitragen mochte. Pünktlich waren Innstetten und Frau erschienen. die Bürden und Fährlichkeiten Ihres Amtes auf sich nehmen zu wollen. Baron und Baronin Innstetten. dazu Pincenez an einem breiten schwarzen Bande. während sie auf einen in der Nähe stehenden Stuhl mit hoher Lehne zuschritt: »Ich bitte Sie nunmehro. »Darf ich die Herrschaften miteinander bekannt machen. sondern beinah übermütig zu Sinn.« Pastor Lindequist.. Nach der Vorstellung aber sagte sie. den alle kannten.« »Aber Marietta. aber leider vergeblich. hatte bis zu dem Momente der Vorstellung den Sofa-Ehrenplatz innegehabt. Ich habe Gieshübler schon vor Jahr und Tag darauf aufmerksam gemacht. aber all seine Begeisterung konnte ihn doch nicht blind gegen die Tatsache machen. die alte Frau Trippel und die Trippelli selbst waren schon da. aber trotz dieser Pünktlichkeit immer noch hinter den anderen Geladenen zurückgeblieben. Denn von ›Fährlichkeiten‹« – und sie wies auf das Sofa – »wird sich in diesem Falle wohl sprechen lassen. stand lächelnd beiseite. Gieshübler konnte seiner Erregung nur mit Mühe Herr werden. ich bin die Trippelli. jedenfalls aber gerade tief genug. und wer sich ihm anvertraut. das wie ein Ordensband auf der blendendweißen Piquéweste lag –..« Gieshübler liebte seine Künstlerfreundin enthusiastisch und dachte hoch von ihren Talenten. um die Knie wie ein Monument anfragen zu lassen. männlich und von ausgesprochen humoristischem Typus. dessen Geburt um wenigstens fünfzig Jahre zurückliegt. war ihr nicht bloß behaglich.in den Gieshüblerschen Flur eintrat. der ausdrücken sollte: »Du bist die Baronin Innstetten. ohne vorher einen Kissenturm untergeschoben zu haben. gnäd'ge Frau. stark. wozu die das Haus durchziehende Baldrian.

wenn Sie nicht vielleicht vorziehen. von Musik gewiß nicht. aber von Kunst und ähnlichen Sachen versteht er gar nichts. eine so schwierig werdende Unterhaltung zu coupieren. was bunt aussieht und viel Geld kostet. Wir hätten also noch dreiviertel Stunden. nahm er also das Wort. Es gibt nichts Unästhetischeres als einen Gesangsvortrag mit vollem . ich bitte Sie. und jeder Sachverständige mag zwischen uns entscheiden. und Pastor Lindequist war in einem allersichtlichsten Behagen. es liegt wirklich anders. gehören auch unbedingt Einrichtungs. Und diese Feinheit war gerade das. »ich habe unser kleines Mahl zu acht Uhr bestellt. ›immer frei weg‹..« Innstetten amüsierte sich.« »Ich bitte Sie. aber was mein Sofa betrifft. Sie kennen meine Devise. während Tisch ein heitres Lied zu singen oder vielleicht erst.und Tapezierfragen. Die gute alte Trippel aber geriet über den ungenierten Ton ihrer Tochter aus einer Verlegenheit in die andere. um sich alles als schön aufreden zu lassen. war nicht anzunehmen.. als ob ich bei diesem Fürsten – der übrigens nur zu den kleineren zählt und nicht mehr als tausend Seelen hat. so haben Sie wirklich unrecht. daß der Inhalt dadurch geadelt wurde. während Gieshübler es für angezeigt hielt. der Mann der Ästhetik. Gieshübler. nahm er das Wort. wo die Rechnung noch nach Seelen ging) –. lassen Sie doch den. »Sie haben eine so reizend heitere Behandlung solcher Fragen. das heißt hatte (früher. und zu den vielen Dingen. wenn wir von Tisch aufgestanden sind. Kotschukoff ist ein guter Kamerad und mein Freund. Selbst ein Mann wie Fürst Kotschukoff. Gieshübler. Gieshübler! Sie. Nein. und selbst wenn dies sein sollte. als ob ich stolz wäre.. fallen ein bißchen nach der geistlichen oder orthodoxen Seite hin –. wenn sie Kunst treiben. Er ist gerade vornehm genug. wiewohl er Messen und Oratorien komponiert – die meisten russischen Fürsten.« »Ach. Sie werden mich bei der gnäd'gen Frau hier noch in den Verdacht bringen. »Liebe Marietta«. was er persönlich kultivierte. so war ihre Vortragskunst so groß. Dazu waren etliche Gesangspiecen das beste. Daß Marietta Lieder von anfechtbarem Inhalt wählen würde.. seine tausendundeinste Seele zu sein. Immer Kotschukoff. »Liebe Marietta«.von gesellschaftlicher Feinheit nur ein bescheidenes Maß zuteil geworden war. von denen er nichts versteht.

Aber hier ›Ritter Olaf‹. Gieshübler? Wie ich Sie kenne. Außerdem – und ich weiß. »Ich möchte annehmen«.. Gieshübler.. Effi geriet dabei in eine kleine Verlegenheit.« Und er machte sich an einem Schranke zu schaffen. daß sie lediglich Konzertsängerin sind.. »etwas von Glück. etwas ausgesprochen Dramatisches. werden Sie ganze Schränke voll Noten haben.« . Aber ich dächte Orpheus oder Chrimhild oder die Vestalin. daß es richtig liegt. ja.. Ich dächte. das ist die richtige Reihenfolge. für die Bühne berufen sein müßten. ›Bächlein. das geht.. weil eben jetzt Gieshübler wieder erschien und ein halbes Dutzend Notenhefte vorlegte. was heißt das. ich bin überrascht. daß Sie.‹ Aber Gieshübler. während die Trippelli ihren Stuhl weiter links um den Tisch herumschob. Erst Kunst und dann Nußeis. immer nur auf kurzen Besuchen in Berlin. kam aber zu keiner Entgegnung... auch nicht gerade das Neueste. so daß sie nun dicht neben Effi saß. Und dann. »Ich bin neugierig. und ich kann Ihnen doch nicht den ganzen Bock und Bote vorspielen. Sie sind ein Mann der ausgesuchten Küche. das beinahe einer Kulissenreißerei gleichkommt. Ihre Kraft. ist geschmacklos und abgestanden. wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf. ›Glocken von Speyer‹. Gourmand –. sagte sie. ah...« Die Trippelli wiegte den Kopf und sah in Abgründe. bah.« »Also ich darf Ihnen die Noten bringen. ich bitte Sie... mein gnädigstes Fräulein.« »Nun ich werde schon bringen. Sie sind ein Murmeltier. »›Erlkönig‹. Ja. was er bringen wird«. antwortete sie befangen.. Ach. Überhaupt. Ihr Organ. Noten! Was für Noten. Altstimme.. und dann war ich noch ein halbes Kind. zu hören.. ich habe noch sowenig der Art kennengelernt. Und hier Loewesche Balladen... ein Fach nach dem andern herausziehend. darauf kommt es an.. Marietta?« »Noten bringen.. die seine Freundin in rascher Reihenfolge durch die Hand gleiten ließ. wie wenige. nun. wenn man die Sache hinter sich hat. laß dein Rauschen sein. dies ewige Bimbam. Ihre Erscheinung..Magen. außerdem schmeckt es besser. Sie haben sieben Jahre lang geschlafen.

ich versichere Ihnen. was ich Ihnen diesen Abend verdanke. eine Erklärung. über mir hörte ich ein leises Tanzen oder Musizieren. so gewandt. so bin ich außer mir und kann es tagelang nicht vergessen. sagte sie: »Nun ist es genug«. die so bestimmt von ihr abgegeben wurde. wie dankbar ich Ihnen bin! Alles so schön. vor dem ich übrigens glücklicherweise bewahrt geblieben bin.« . oder er drückt ihr einen kleinen Liebesbrief in die Hand. lauter Sachen. Als die Trippelli mit dem »Heideknaben« fertig war. als Gieshüblers Freundin wieder neben ihr saß: »Daß ich Ihnen doch sagen könnte. Aber eines. und während der Pastor begleitete. daß weder Gieshübler noch ein anderer den Mut hatte. mein gnädigstes Fräulein. das ist in der Kunst nicht anders. Im übrigen stumpft man ab. meine gnädigste Frau. Es wurde dann noch ähnlich Romantisches gefunden. und der toten Julia flüstert Romeo einen Kalauer ins Ohr oder wohl auch eine Malice. Am wenigsten Effi. während doch niemand da ist. wenn Sie mir verzeihen. so sicher. Denn so gewiß ich mich persönlich gegen seine Versuchungen gefeit fühle – es verdirbt den Ruf. die sie mit ebensoviel Virtuosität wie Seelenruhe vortrug. bewundere ich fast noch mehr. mit weiteren Bitten in sie zu dringen. Und um bei dem stehenzubleiben.« »Es ist mir unbegreiflich. was man hat. Diese sagte nur. oder es schleicht wer an meinem Bette vorbei. dann »Der Heideknabe«.Und sie stand auf. Da wird vergiftet und erstochen. also das Beste. und wenn ich die kleinste Gespenstergeschichte höre. Und Sie tragen das so mächtig und erschütternd vor und sind selbst ganz heiter und guter Dinge. während Effi von Text und Komposition wie benommen war. sang sie den »Olaf« mit großer Sicherheit und Bravour und erntete allgemeinen Beifall. so zittere ich und kann mich kaum wieder zurechtfinden. das ist die Ruhe. wenn ich einen ängstlichen Traum habe oder wenn ich glaube. beispielsweise bei dem Gespenstischen im ›Olaf‹.« »Ja. Und nun gar erst auf dem Theater. einiges aus dem »Fliegenden Holländer« und aus »Zampa«. Ich bin so leicht Eindrücken hingegeben. womit Sie diese Sachen vorzutragen wissen. wie mir Kolleginnen hundertfach versichert haben.

wenn man so alt ist wie ich und viel rumgestoßen wurde und in Rußland war und sogar auch ein halbes Jahr in Rumänien. Und noch dazu bei Kotschukoff. da graule ich mich gar nicht. dann folgte Pastor Lindequist und die verwitwete Trippel. Das ist nämlich eine Quäkerin. meine gnädigste Frau. aber ein Gespenst. Marie.« Effi horchte auf. sehr unangenehm. es ist auch was damit. Überhaupt. und da ist man sicher. So ging man zu Tisch. »Ich bin«.« In diesem Augenblicke trat Gieshübler heran und bot Effi den Arm. was Sie da schildern und beschreiben. und doch sagte mir mein Vater. das gehört dann sozusagen mit dazu.« »Haben Sie denn dergleichen auch einmal erlebt?« »Gewiß. man ist links und rechts umlauert. und das andere findet sich dann auch. ist mir. das ist ja wirklich oder kann wenigstens etwas Wirkliches sein. Und ich habe mir auch ausbedungen. da hält man alles für möglich. geradeso wie andern. Innstetten führte Marietta.»Ja.‹ Und er hat recht gehabt. das ist auch etwas anderes. . Es gibt soviel schlechte Menschen. das ist was. fuhr die Trippelli fort. vielleicht mit der englischen Gouvernante zusammen. Sie werden das noch kennenlernen. das durch die Ballade geht. als das mit dem Psychographen aufkam: ›Höre. Darin empfinden wir also ganz gleich. »aus einer sehr aufgeklärten Familie (bloß mit Mutter war es immer nicht so recht).« »Und Sie halten dergleichen für möglich?« »Meine gnädigste Frau. daß ich diesmal anders schlafe. das durch meine Stube geht. Ein Gespenst. hinten und vorn.

Übrigens schläft man in Rußland wundervoll. die den Zug nicht versäumen dürfe. die danebenstehende Trippelli aber. hatte die Trippelli. Es muß die Luft machen oder das späte Diner. lachen Sie nur. was entscheidet. als man aufbrach. Brust und Lunge müssen immer frei sein. und so war Mitternacht herangekommen.« Nach dieser Erklärung der Trippelli hatte Effi von allen Mahnungen zum Aufbruch Abstand genommen. hatte mit der ihr eigenen ungenierten Beredsamkeit gegen solche zarte Rücksichtsnahme protestiert. daß Pastor Lindequist bat. Effi begann mit dem. »Ach. Ja. Innstetten und Frau eine Strecke begleiten zu dürfen. mal links. um über Gieshüblers Rheinwein hinwegzukommen. die diese Worte gehört. Sorgen gibt es in Rußland nicht. meine gnädigste Frau. ein Ironikus. so schließlich auch nach ihrer kirchlichen . trotz des starken Tees. mal rechts. das trifft aber nicht zu. das ist die Hauptsache. müsse ja schon um sechs von Kessin aufbrechen«. Der Weg von der Mohrenapotheke bis zur landrätlichen Wohnung war ziemlich weit. ein Spaziergang unterm Sternenhimmel sei das Beste. Und dann das Kapitel Schlaf überhaupt – die Menge tut es nicht. und vor allem das Herz. Freilich bin ich auch nie eingepreßt.Zwölftes Kapitel Es war spät. Außerdem (so was lernt man) kann ich auch im Coupé schlafen. heißt Beifall und hohe Preise. Fräulein Trippelli. Schon bald nach zehn hatte Effi zu Gieshübler gesagt: »es sei nun wohl Zeit. was ihr in Erinnerung geblieben. die verschiedensten Trippelliana heranzuziehen. daß unsereins einen regelmäßigen Schlaf braucht. meine gnädigste Frau. ist die Qualität: ein guter Nicker von fünf Minuten ist besser als fünf Stunden unruhige Rumdreherei. in jeder Situation und sogar auf der linken Seite und brauche nicht einmal das Kleid aufzumachen. Sie glauben. er kürzte sich aber dadurch. Man trennte sich heiter und herzlich und mit einer gewissen Vertraulichkeit. Ja. was wir regelmäßig brauchen. oder weil man so verwöhnt wird. darin – im Geldpunkt sind beide gleich – ist Rußland noch besser als Amerika. Unterwegs wurde man natürlich nicht müde. wie nach vielem sehr Weltlichen. Dieser. und gleich nach ihr kam der Pastor an die Reihe.

das beständige Gefährdetsein. Prince K. trotzdem sie persönlich des großen Vorzugs genieße. Mille fois merci de votre bon accueil. am meisten die Stimme. und wenn ihr das Kultusministerium oder gar ein Konsistorialregiment unterstünde. daß das ein Spezialluxus sei. und erst drei Tage später hatte sich Gieshüblers Freundin durch ein von Petersburg aus an Effi gerichtetes Telegramm noch einmal in Erinnerung gebracht.« Innstetten war sehr erheitert und erzählte seinerseits. Aber sie sei sich in ihrem entschiedenen Nichtglauben doch auch jeden Augenblick bewußt. nee de Briest. daß sie nur eine Richtung kenne. Gieshübler wird wohl eine Stiftung machen.« »Weil du die Trippelli nicht verstehst. Staatlich höre der Spaß auf.« Unter solchem Geplauder war. aber dafür das Moralische desto mehr in den Vordergrund gestellt habe. die orthodoxe. sie ihrerseits sei aber ganz entgegengesetzter Ansicht. alles da. das in allem öffentlichen Auftreten liege. vielleicht auch bloß ein Legat für die Trippelli.Richtung gefragt und dabei von ihr in Erfahrung gebracht. als Effi begreifen konnte.« »Aber als was sonst? Alles berechnet für dort und für hier. worauf die Trippelli leichthin und nur mit Betonung der zweiten Satzhälfte geantwortet habe: »Ja. Bien arrivée. Geert. wie das Dogmatische. weshalb er auch den Chinesen am liebsten auf dem Gemeindekirchhof gehabt hätte. so würde sie mit unnachsichtiger Strenge vorgehen. ehe man sich trennte. Mich entzückt die Echtheit. à la gare. Hauptthema sei das Verführerische gewesen. gar nichts zu glauben. bis auf das Pünktchen überm i. daß er etwas so Heikles. der Trippelli-Abend noch einmal an ihnen vorübergezogen. fast schon ein Freigeist. für Kotschukoff und für Gieshübler. Ihr Vater sei freilich ein Rationalist gewesen. Compliments empressés à Monsieur le Baron.« »Du nimmst also alles als eine Komödie. geflissentlich vermieden. beständig gefährdet.« Innstetten war entzückt und gab diesem Entzücken lebhafteren Ausdruck. Marietta Trippelli. »Ich fühle so was von einem Torquemada in mir. Es lautete: »Madame la Baronne d'Innstetten.« . den man sich nur als Privatperson gestatten könne. Plus épris de moi que jamais. »Ich verstehe dich nicht.

Doch statt Weihrauch und Myrrhen. mit allerlei japanischen Bildchen überklebtes Morsellenkästchen. nach altpommerschem Weihnachtsbrauch. Zuletzt fand man die Hauptsache. sich mit Anbetern zu umgeben. den Effi und Jahnke vor mehreren Jahren gemeinschaftlich okuliert hatten. Dann ging sie auf Innstetten zu. ein Julklapp in den Hausflur: eine große Kiste. weil sie. dessen Ansprüche befriedigt werden mußten. X. dessen eigentlichem Inhalt auch noch ein Zettelchen beigegeben war. – Ein Mohrenapothekerlein Erscheinet heute mit Spezerein. »Ich wette. wie sie sich entschuldigte. segnete es. und mit in die Kiste waren allerhand Kleinigkeiten aus dem Kantorhause gepackt: wunderschöne Reinetten von einem Baum.und Kniewärmer von Bertha und Hertha. deren eine sich. anschaffen. flog. Daß sie nicht davon lassen kann. Hulda schrieb nur wenige Zeilen. Es galt nachsinnen. Effi las es und errötete.und Mandel-Morselle. und Effi. aber eh sie dies konnte. Mohrenkönig einer gewesen ist. sagte Effi. »Was einfach nicht wahr ist«. existiert gar nicht. drin eine Welt von Dingen steckte. fragen. die nicht zur Stelle. und dazu braune Puls. daß sie selber einen Hausstand hatte. die sonst schwer über diese Tage hingekommen wäre. auf ein dem Innstettenschen Hause für nächstes Jahr bevorstehendes Ereignis bezog. um ihm zu danken. . und ein kleiner Engel schwebte oben in Lüften. Auch eine Krippe war da mit hübschen Transparenten und Inschriften. noch eine Reisedecke zu stricken habe. Innstetten selbst baute auf für seine junge Frau. ein zierliches. Am Tage vor Heiligabend trafen Geschenke von den Eltern aus Hohen-Cremmen ein. der Baum brannte. in leiser Andeutung. die nicht da sind!« Und so kam Heiligabend heran. für X. und das alles ließ trübe Gedanken nicht aufkommen. Es hieß da: Drei Könige kamen zum Heiligenchrist. gleich danach begannen die Vorbereitungen für Weihnachten. Bringt er Pistazien.Die musikalische Soiree bei Gieshübler hatte Mitte Dezember stattgefunden.

Dezember . so knapp bemessen die Zeit für ihn war. Als ich das letzte Mal schrieb. was man als Entschuldigung allseitig ziemlich sonderbar fand. beschäftigungslos. »Die Huldigungen eines guten Menschen haben doch etwas besonders Wohltuendes. Meinst du nicht auch. Innstetten und mein guter Freund Gieshübler hatten alles aufgeboten. der. endlich einmal die ganze Stadtflora beisammen zu sehen. Einige tuschelten sogar: »Umgekehrt. »weil Sidonie nicht da sei«. zwischen Spiegel und Sofa. hatte sich schläfrig eine Fußbank an den Herd gerückt. schickte Kamelien.« Am Silvester war Ressourcenball. was einem Freude macht oder wenigstens Freude machen sollte. steckte ich noch in den Weihnachtsvorbereitungen. Überhaupt. alles zugegen.« Der erste Feiertag war Kirchtag. Christel. dreimal und freute sich darüber. wo drei Scheunen abgebrannt waren. wo sie sich. so auch ein Treibhaus hatte. Gieshübler. die nicht kommen wollten. gerade deshalb hätten sie kommen sollen. denn ich habe – die Karte rechnet nicht – lange nichts von mir hören lassen. 31. am zweiten war man bei Borckes draußen. und Effi zog sich in ihr Schlafzimmer zurück. eigens zu diesem Zweck zurechtgemachten Schreibtisch setzte. Es war ganz still im Hause. und Innstetten. jetzt liegen die Weihnachtstage schon zurück. Meine liebe Mama! Das wird nun wohl ein langer Schreibebrief werden.Effi las es zwei-. wie alles. Johanna hatte mit den Vorbereitungen zum Ballstaate für ihre Gnäd'ge vollauf zu tun. Ich auch. wie man ist. der sie für Weihnachtsbrief und Weihnachtsgeschenke bis dahin bloß in einer Karte gedankt. soviel Ursache »Kessin. um von hier aus an die Mama zu schreiben. mit Ausnahme von Grasenabbs. fuhr am Nachmittage noch über Land nach Papenhagen. Geert?« »Gewiß meine ich das. sonst aber seit Wochen keine Nachricht gegeben hatte. denn der Ball gab ihr Gelegenheit. aber ich fühlte mich doch ein wenig einsam und bangte mich nach Euch. an einen kleinen. Aber freilich. man ist. mir den Heiligen Abend so angenehm wie möglich zu machen. Denn jeder steckt noch so nebenher in allerhand dummem Zeuge drin. Es ist eigentlich das einzige. auf dem Effi nicht fehlen durfte und auch nicht wollte.

meine liebe Mama. und das wird der Fall sein. meine liebe Mama. als die guten Flemmingschen Damen sich neulich nach allem möglichen erkundigten. zu danken und froh und glücklich zu sein. und ich sehe schon. wenn unser Hausstand sich mehr belebt. denn es wird doch wohl fühlen. weil es mir immer einen kleinen Stich gibt und mich daran erinnert. ist doch bloß Neugier und wirkt um so zudringlicher. Mit diesem Worte wird er wohl recht haben. doch fast noch mehr eine beständige Verlegenheit für mich ist. und Innstetten bezeugt mir täglich seine Freude darüber. Ach. wie jung ich bin und daß ich noch halb in die Kinderstube gehöre. als stünd ich schlecht vorbereitet in einem Examen. Innstetten darf nicht davon wissen. komme ich. und dann jeden Tag eine Fahrt ins Luch. es sei krankhaft) und bringt es zuwege. Dann mußt Du kommen. vielleicht mehr als nötig. auf das frohe Ereignis zu warten habe. daß das. bis in den Sommer hinein. Wie glücklich ich selber im Hinblick darauf bin. Aber das schreibe ich nur Dir. das ist nun Gewißheit. brauche ich nicht erst zu versichern. daß es eigentlich da zu Hause ist. als ich ja noch lange. statt Dich. die ersten Julitage. dringend und herzlich nach Kessin hin . daß ich recht dumm geantwortet habe. schon weil ich dann Leben und Zerstreuung um mich her haben werde oder. über Huldas ewige Gefühlsträne mokiert habe. so werde ich jetzt dafür bestraft und habe selber mit dieser Träne zu kämpfen. Denn Innstetten darf es nicht sehen. ich kann ein Gefühl des Alleinseins nicht ganz loswerden. was wie Teilnahme aussieht. Ich denke. alles rot und gelb. und ich glaube auch. Verdrießlich war ich auch. aber er sollte es lieber nicht gebrauchen. sobald ich einigermaßen wieder bei Wege bin.ich habe. und wenn ich mich früher. noch besser. Was ich neulich andeutete. meine liebe Mama. Denn manches. oder. ›ein liebes Spielzeug‹. Diese Vorstellung verläßt mich nicht (Geert meint. nehme hier Urlaub und mache mich auf nach Hohen-Cremmen. und auch Dir gegenüber muß ich mich wie entschuldigen. wie das Kind die Hände danach streckt. wie Geert sich ausdrückt. Ich bin aber sicher. daß ich mit dem Kinde nach Hohen-Cremmen will und mich heute schon anmelde. wie ich mich darauf freue und auf die havelländische Luft – hier ist es fast immer rauh und kalt –. daß das alles besser werden wird. war mir zumut. was mein höchstes Glück sein sollte. Ja.

sie sind aber ganz leer. das alles sei ja leicht zu ändern.einzuladen. das. Es ist eine Geschichte von einem alten Kapitän.. das wir bewohnen. einen großen Saal und vier kleine Zimmer. denn ich zeige Innstetten immer Eure Briefe. ist. einen sehr sonderbaren Eindruck. einem sogenannten Chinafahrer. wenn ein paar Personen zu Besuch sich einstellen. Wir haben freilich noch Räumlichkeiten im ersten Stock. den ihr Vater aus China mit zurückgebracht hatte und der erst der Diener und dann der Freund des Alten war. und ich würde sie Rumpelkammern nennen.. und zwar um so weniger. das ja doch jeden Sommer fünfzehnhundert Badegäste hat und Schiffe mit allen möglichen Flaggen und sogar ein Dünenhotel. es käme immer mal wieder. Nun wirst Du wohl meinen. daß ich Dir das geschrieben. ein junger Chinese. weil ich glaube. da ist es heraus. und machen. denn das Haus. so sehr bin ich nicht aus der Art geschlagen. Aber es ist nicht zu ändern. daß ich ungastlich wäre. Ich bin neulich da vorübergefahren. Ich beschwöre Dich übrigens. mir auf diese meine Mitteilung nicht zu antworten. denn wir haben nicht einmal ein Eßzimmer. ich hätte ihn sonst . soviel Hübsches und Apartes es hat. und er wäre außer sich. aber Johanna sagt mir. Das möchte hingehn. das macht einfach unser landrätliches Haus. Aber daß ich sowenig Gastlichkeit zeige. Aber was wichtiger ist. und auch das kaum. wandte mich aber rasch ab und sah nach der andern Seite. der starb kurze Zeit danach und ist an einer einsamen Stelle neben dem Kirchhof begraben worden. wenn das zuviel gesagt ist. ist ein Spukhaus. sondern nur eine Wohnung für zwei Menschen. namentlich wenn wer Neues im Hause erschiene. aber sie haben alle etwas wenig Einladendes. Und ich kann Dich doch einer solchen Gefahr oder. ein paar Binsenstühle abgerechnet. wenn sich etwas Gerümpel darin vorfände. die mit einem hiesigen jungen Kapitän eine kurze Zeit verlobt war und an ihrem Hochzeitstage plötzlich verschwand. und seiner Enkelin. was doch genant ist. jedenfalls nicht ausführlich. mich zu ängstigen. wenn er erführe. einer solchen eigentümlichen und unbequemen Störung nicht aussetzen! Mit der Sache selber will ich Dich heute nicht behelligen. das macht nicht. als ich seit vielen Wochen in Ruhe geblieben bin und aufgehört habe. Ich hätte es auch nicht getan. doch eigentlich gar kein richtiges Haus ist. das mindeste zu sagen.

Denn daß es etwas damit ist. aber mit einemmal schien er doch auch wieder selber daran zu glauben und stellte mir zugleich die sonderbare Zumutung. trotzdem ich ihm schließlich in vielen Stücken zustimmte. Dies allein schon ist ängstlich genug. Ach. oder es ist mir wenigstens so vorgekommen. soviel möcht ich sagen dürfen. Er verlangte von mir. Es war schrecklich. Unser Arzt sagt. hat sich dabei. trotzdem er eine hohe Schulter hat. ich solle das alles als AltenWeiber-Unsinn ansehen und darüber lachen. ich möchte so was nicht wieder erleben. warum ich es wünsche.auf dem Grabe sitzen sehen. warum ich kommen will. Deine Effi« . hat auch eingewilligt. Und nun grüße und küsse Papa und all die andern Lieben. kann ich Dich doch nicht gut einladen. nicht gütig und nachsichtig genug gegen mich. Und Innstetten. Das ist nämlich unsere Kutscherfrau. Und in ein solches Haus. es würde mir nichts schaden. Er ist in diesem Punkte. als ich fest schlief und Innstetten auf Besuch beim Fürsten war. Heute abend haben wir Silvesterball. Gieshübler hat mir Kamelien geschickt. das weiß ich von Johanna und weiß es auch von unserer Frau Kruse. im Gegenteil. Es sind so viele Gründe. Und nun weißt Du. und Gieshübler – der einzig nette Mensch hier. auch nicht ganz richtig benommen. die mit einem schwarzen Huhn beständig in einer überheizten Stube sitzt. so hübsch es sonst ist (es ist sonderbarerweise gemütlich und unheimlich zugleich). Das kann ich aber nicht und will es auch nicht. so gütig er sonst ist. oder eigentlich schon etwas mehr –. was mich fast überraschte. meine liebe Mama. wenn es erst soweit ist. Ich werde doch vielleicht tanzen. einen solchen Hausspuk als etwas Vornehmes und Altadliges anzusehen. ich habe ihn einmal wirklich gesehen. wäre es nur erst soweit. Denn ach. Glückauf zum neuen Jahr. Und Innstetten.

er habe das Zeug. so freundlich die Familien. gesinnt waren es wollte mit allen nicht so recht gehen. daß er an der Spitze des Journalzirkels stand. und Effi war ausgiebig bewundert worden. auch ein eifriger und aufmerksamer Zeitungsleser. Kinder. und so verging denn fast kein Tag. Zerstreuung und auch nur leidlichem Sich-behaglich-Fühlen manchmal recht schlimm gestanden. wenn es durchaus sein muß.Dreizehntes Kapitel Der Silvesterball hatte bis an den frühen Morgen gedauert. mit allerhand Blättern und Zeitungen. wo nicht Mirambo ein großes. neben allem anderen. und so kam es denn. Was an solchen Besuchsnachmittagen über Familie.oder Fragezeichen daneben. dann riß Effi der Faden der Geduld. trotzdem es bei jeder größeren Feierlichkeit hieß. von Sidonie Grasenabb abgesehen. mitunter aber auch dick mit Blaustift und ein Ausrufungs. wenn Gieshübler nicht gewesen wäre. den Flemmings. und dem pflichtschuldigen Gegenbesuche ging in einem halben Trauertone jedesmal die Bemerkung voraus: »Ja. meist eine kleine. Geert. und sie wußte es ihm auch Dank. aber ich vergehe vor Langerweile. kaum daß Versuche gesellschaftlicher Annäherung gemacht worden wären. freilich nicht ganz so anstandslos wie das Kamelienbukett. und es hätte mit Freude. ganz zu geschweigen. wenn dann aber die kirchlichen Fragen an die Reihe kamen und die mitanwesenden Pastoren wie kleine Päpste behandelt wurden oder sich auch wohl selbst als solche ansahen. denen Innstetten nur immer zustimmte. Besuche seitens der benachbarten Adelsfamilien fanden nur selten statt. Der sorgte für Effi wie eine kleine Vorsehung. der immer zurückhaltend und anspruchslos war. den Grasenabbs. er schickte auch . in denen die betreffenden Stellen angestrichen waren. daß es aus dem Gieshüblerschen Treibhause kam. auch Landwirtschaft gesagt wurde. an den »Dom« berufen zu werden. und sie dachte mit Wehmut an Niemeyer. weißes Couvert gebracht hätte. Mit den Borckes. daß der Winter als recht lange dauernd empfunden wurde. Natürlich war er. Und dabei ließ er es nicht bewenden. Im übrigen blieb auch nach dem Silvesterball alles beim alten. mochte gehen. von dem man wußte. feine Bleistiftlinie.« Worte.

»Ich habe da noch eine verzwickte Geschichte zu erledigen. aber ein Liebhaber war er nicht. Innstetten war lieb und gut. zumal über diesen Eugen Richter. ließ ihn von besonderen Anstrengungen absehen. so daß die Mama sie mit ihrer »Liebe zum Alchimisten« zu necken begann. der wieder viel Ärger habe.« Um neun erschien dann Innstetten wieder zum Tee. wenn auch unklar. Um zehn war Innstetten dann abgespannt . als ob er sagen wolle: »Muß nur mal wieder nach dir sehen. dessen Haltung und Sprache ganz unqualifizierbar seien. so bat er Effi. denn er war ein Wagner-Schwärmer.« Und dann beugte sie sich nieder und sagte leise: »Ja. weil ihr. kleine Aufmerksamkeiten. was ihr in ihrer Ehe eigentlich fehlte: Huldigungen. meist die Zeitung in der Hand. Effi war gerührt von dem allen und schrieb öfters darüber nach Hohen-Cremmen. Effi zu lieben. wenn Friedrich die Lampe brachte. andere schoben es auf Wagners Stellung zur Judenfrage. aus seiner Frau Zimmer in sein eigenes zurückzog. denn so nüchtern er schien. für die er alle schönen Liebesgefühle durch. Schokoladentafeln in Satineepapier und ein rotes Bändchen drum. sprach vom Fürsten. Rollo. und ging dann die Ernennungen und Ordensverleihungen durch. und das gute Gewissen. seine Nerven. aber diese wohlgemeinten Neckereien verfehlten ihren Zweck. einige sagten. Was ihn zu diesem hinübergeführt hatte.und nebeneinander hatte. Anregungen. eigentlich war er nervös. von denen er die meisten beanstandete. wir sind allein. und daß es ein Glück sei. daß sie was spiele. Die Portiere blieb freilich zurückgeschlagen. und wenn etwas besonders Schönes in seinem Treibhaus blühte. einem Kreise vorzustehen. aus »Lohengrin« oder aus der »Walküre«.Feigen und Datteln. ja berührten sie beinahe schmerzlich. daß es so sei. die des Vaters und Onkels. Rollo kam dann wohl und legte sich vor sie hin auf den Kaminteppich. dabei zum Bewußtsein kam. in dem es noch Respekt gäbe.« Und damit ging er. daß er sich. Es war fast zur Regel geworden. Wahrscheinlich hatten beide recht. so daß Effi das Blättern in dem Aktenstück oder das Kritzeln seiner Feder hören konnte. des Lehrers und Verehrers. Zuletzt sprach er von den Wahlen. ein anderer tut's doch nicht. so brachte er es selbst und hatte dann eine glückliche Plauderstunde mit der ihm so sympathischen jungen Frau. War er damit durch. aber das war auch alles. war ungewiß. Er hatte das Gefühl.

und es war in demselben Briefe. meine liebe Mama. dann horche ich mitunter hinauf. und vor allem waren sie so monoton gewesen. weil Du den gesellschaftlichen Notstand nicht kennst. und wenn alles still bleibt. sosehr Du darüber lachen wirst und auch lachen mußt. der April kam. Oder wenigstens ich. Vielleicht meine Schuld. wo Geert drüben beim Fürsten war. und einer schwebte langsam über ihr Haus hin und ließ sich dann auf einer Scheune nieder. das war etwas Hübsches gewesen. die sich Effi gefallen ließ. aber etwas müden Zärtlichkeiten. Und in derselben Woche war es auch. die ich mich mit dem Adel hier nicht gut zurechtfinden kann. nein. die dann gefolgt waren.und erging sich in ein paar wohlgemeinten. .« Das war im Februar. die möcht ich nicht noch einmal durchmachen. in dem wir uns nach wie vor befinden. die jetzt überhaupt häufiger nach Hohen-Cremmen schrieb. so bin ich fast wie enttäuscht und sage mir: wenn es doch nur wiederkäme. daß sie sogar mal an die Mama geschrieben hatte: »Kannst Du Dir denken. daß der Sommer komme mit seinen Spaziergängen am Strand und seinen Badegästen. der Trippelli-Abend bei Gieshübler und dann der Silvesterball. hätte ich beinah vergessen: den neuen Landwehrbezirkskommandeur. ohne sie recht zu erwidern. und wenn ich dann in der Nacht aufwache. daß Effi so schrieb. Auch über dies Ereignis berichtete Effi. den wir nun schon beinah vier Wochen hier haben. Drüben in der Plantage belebte sich's schon wieder. das hat doch auch sein Schweres. ja. worüber sich Effi freute. daß es am Schlusse hieß: »Etwas. Ja. das ging. Mama. nur nicht zu arg und nicht zu nah. daß ich mich mit unsrem Spuk beinah ausgesöhnt habe? Natürlich die schreckliche Nacht. ob ich nicht die Schuhe schleifen höre. die neben Utpatels Mühle stand. die hatten doch viel zu wünschen übriggelassen. und nun war bei nahe Mai. daß die Störche kamen. und in dem Garten hinter dem Hofe begann es zu grünen. aber immer das Alleinsein und so gar nichts erleben. und eine Frage von Wichtigkeit dazu. sie konnte gar nicht abwarten. gewiß nicht. So verging der Winter. Das war seine alte Raststätte. Wenn sie so zurückblickte. aber die Monate. und man hörte die Finken schlagen. haben wir ihn wirklich? Das ist die Frage.

trotzdem er da ist. ein Damenmann. soll nämlich ein Mann vieler Verhältnisse sein. Aber mit der Frau von Crampas. kann es nichts werden. beinahe melancholisch (ähnlich wie unsere Frau Kruse. warum soll ich mich nicht mit einer mütterlichen Freundin wundervoll unterhalten können? Die Trippelli war auch nahe an Dreißig. daß er in eine halbe und ich in eine ganze Verlegenheit kam. es war eine sehr peinliche Situation. um eben solcher Dinge willen.und Rettungsbringer entgegen. dem neuen Bezirkskommandeur wie einem Trost. und das alles aus Eifersucht. Er. und man sieht es sofort. da fielen wir uns in die Arme. waren vor vierzehn Tagen bei uns. was mir immer lächerlich ist und mir auch in diesem Falle lächerlich sein würde.Aber das ist gleich. Beide. Nachher sprach auch ich ihn. Innstetten noch mehr als ich. Herr und Frau von Crampas. ungewöhnlich gewandt. Sein Vorgänger war ein Greuel. als könne uns nun nichts Schlimmes mehr in diesem lieben Kessin passieren. davon überzeugte ich mich. damals noch von Wilms ausgeführt). um uns ihren Besuch zu machen. Crampas. Aber. denn Frau von Crampas beobachtete ihren Mann so. von meinem Zimmer her. wenn er nicht. wie schon kurz erwähnt. ausgelassen und übermütig. trotzdem die Operation. Vollkommener Kavalier. und als wir Anfang April hörten. und sie . als ein Meisterstück der Kunst gerühmt wurde. Major von Crampas sei da. wieder nichts werden zu wollen. dem Gang ihrer Unterhaltung folgen konnte. Daß er selbst sehr anders sein kann. die Frau ein Jahr älter als er. Sie ist immer verstimmt. Crampas ist verheiratet. und zum Überfluß auch noch immer schlecht bei Kasse. Wir haben all die Zeit über unter ihm gelitten. an die sie mich überhaupt erinnert). durch all diese Winterwochen hin. das ist nämlich der Name des neuen. Das wurde nun an und für sich nicht viel schaden. übrigens keine Geborne. und deshalb sah ich. Tatsache bleibt: Notstand. sie nennen es Resektion. und es ging ganz gut. wie mir Innstetten erzählt (ich glaube. Innstetten war während des Krieges in derselben Brigade mit ihm. ein Duell mit einem Kameraden gehabt hätte. zwei Kinder von zehn und acht Jahren. etwas. Der linke Arm wurde ihm dicht unter der Schulter zerschmettert. als er vor drei Tagen mit Innstetten allein war und ich. also sagen wir fünfundvierzig. von schlechten Manieren und noch schlechteren Sitten. es scheint.

so gut es ging. die feucht lagen. als Anfang Juni die Saison sich ankündigte. selbst Frau Kruse wollte mittun. daß nur die Frau Kruse nichts anfaßt. also den Schwamm unter der Diele hatten. »Ein Herr?« »Nein. Christel und Johanna hätten ja Zeit genug. um in Kessin ein neues Leben beginnen zu können. da kann nichts werden. In der Plantage wurden Karussell und Scheibenstände hergerichtet. und um seiner jungen Frau Gedanken überhaupt in eine andere Richtung zu bringen. ließ er das Thema der Vorbereitungen ganz fallen und fragte statt dessen. es kam aber über kurze Begrüßungen nicht hinaus. Aber die Frau! Ohne sie geht es natürlich nicht und mit ihr erst recht nicht. aber schon die Vorbereitungen waren eine Zerstreuung.« Effi hatte ganz recht gehabt. und ich ängstige mich schon gerade genug. die nach einem am Breitling gelegenen großen Buchen. hat auch nicht die pommerschen Vorurteile. jede kleine Wohnung erhielt neue Gardinen. Ja. meine liebe Mama. der Major. die Schiffersleute kalfaterten und strichen ihre Boote.und Eichenwalde. wurden ausgeschwefelt und dann gelüftet. eine Dame. Freilich fehlte es noch an Badegästen. gemacht wurde. die schon früher hier war. der »der Schnatermann« hieß. und Effi war froh. und es kam wirklich zu keiner weiteren Annäherung mit dem Crampasschen Paare. Man sah sich mal bei der Borckeschen Familie draußen. die vor Johanni überhaupt nur in Einzelexemplaren einzutreffen pflegten. nicht gerade der erste. war alles in einer gewissen Erregung. er. weil sie's nicht leiden kann. daß drüben ein Badegast eingezogen sei. jedesmal in derselben Wohnung. ein andermal ganz flüchtig auf dem Bahnhof und wenige Tage später auf einer Boot. das wäre nun also etwas gewesen.« Innstetten versprach auch alles. Und sie kommt immer so früh. ob sie denn schon bemerkt habe. trotzdem er in Schwedisch-Pommern zu Hause sein soll.« . und die Zimmer. Auch in Effis eigener Wohnung. wenn alles schon so voll ist.und Vergnügungsfahrt. freilich um eines anderen Ankömmlings als der Badegäste willen.haben sich im Norden von Paris bei Graf Gröben öfter gesehen. aber doch einer der ersten. Aber davor erschrak Effi lebhaft und sagte: »Geert.

wenn ihr was passiert. um immer wieder Zeuge davon zu sein. das ist sie. und war denn auch. von dessen Fenstern aus sich alles am besten beobachten ließ.»Das kann ich ihr nicht verdenken. daß kurz vor elf Uhr vormittags. aber sie hatte doch wenigstens die Freude. Aber ein klein bißchen dumm. Aber hier hast du eine Ausnahme. wurde. und nach dem Bollwerk hin spazierengehen. Sie kommt immer mit viel Gepäck. daß Innstetten und Effi dies Gespräch hatten.« »Oh. Johanna stand dann neben ihr und gab Antwort auf ziemlich alles.« »Richtig. statt der mit Ehepaaren.« Das war Mitte Juni. weil Innstetten sie nicht begleiten konnte. Ich habe mir Registratorwitwen immer arm gedacht. kränklich und namentlich schwach auf den Füßen. Grade am Johannistage aber traf es sich. als sie gebraucht. sonst so menschenleere Straße sich beleben zu sehen. denn da die meisten alljährlich wiederkehrende Gäste waren. die einen treu und zuversichtlich ansehen. viel mehr als sonst in ihrem Schlafzimmer. Und wer ist es denn?« »Die verwitwete Registrator Rode. nur noch stärker. was sie wissen wollte. die kräftig genug ist. unendlich viel mehr. Das alles war unterhaltlich und erheiternd für Effi. die nach dem Strand und dem Strandhotel hinausführende. Diesmal hat sie eine neue. Gute braune Augen. mußte darauf verzichten. sondern mitunter auch eine Geschichte dazu geben. Aber doch auch wieder eine ganz ramassierte Person. ähnlich wie die Trippelli. Von da ab brachte jeder Tag Zuzug. so konnte das Mädchen nicht bloß die Namen nennen. eine Art Tagesbeschäftigung für die Kessiner.« »Sonderbar. die hab ich schon gesehen. Sie mißtraut sich deshalb auch und hat immer eine ältliche Dienerin um sich. und scheint überhaupt eine ganz eigene Frau. um daselbst die Ankunft des Dampfschiffes abzuwarten. wunderlich. Effi freilich. lachte Innstetten. Kindern und . wo sonst der Verkehr vom Dampfschiff her am buntesten vorüberflutete. wie immer um diese Zeit. Jedenfalls hat sie mehr als ihre Witwenpension.« »Ja«. sie zu schützen oder sie zu tragen. »das ist die Regel.

sondern auf dem Kessiner Dünenkirchhof begraben zu wollen. der sehr heftig schluchzenden Hauswirtin aber. was eigentlich Trauer sei. trotzdem sie in der bevorzugten und von anderen Wirtinnen auch sehr beneideten Lage war. um hier. Die Neffen. Effi stand am Fenster und sah neugierig auf die sonderbar feierliche Szene. und von beneidenswert gesunder Gesichtsfarbe. und die beiden Ehepaare setzten sich in die Kutschen. den Eindruck des Lieb. Effi. daß sie sich beständig die Möglichkeit eines Extrageschenkes berechnete. war im Grunde mehr kleidsam als störend.und Leblosen. die sich drüben abspielte. Letztere war sehr aufgeregt und schien durchaus ehrlich darin. alle gegen vierzig. einer Witwe. auf dem einige Kränze und sogar ein Palmenwedel lagen. hinter der zweiten Kutsche aber ging die Hauswirtin und neben dieser die stattliche Person. wieder . die sich in ihrem gesamten Tun ausdrückte.Reisekoffern besetzten Droschken. Aber die beiden Frauen! Sie waren ganz ersichtlich bemüht. in gutsitzenden Fracks. Die verwitwete Frau Registrator Rode war nämlich drei Tage vorher gestorben. die für den ganzen Sommer vermietete Wohnung noch einmal vermieten zu können. ein schwarzverhangener Wagen (dem sich zwei Trauerkutschen anschlossen) die zur Plantage führende Straße herunterkam und vor dem der landrätlichen Wohnung gegenüber gelegenen Hause hielt. Die zum Begräbnis von Berlin her Eingetroffenen waren zwei Neffen mit ihren Frauen. konnten passieren. und trugen denn auch lange. auf den Wagen gestellt. sah man dagegen fast allzu deutlich an. die zugleich ihr Gesicht verhüllten. bis an die Erde reichende schwarze Kreppschleier. wenn dies Aufgeregtsein auch vielleicht nicht gerade Trauer war. In die erste – gemeinschaftlich mit dem einen der beiden leidtragenden Paare – stieg auch Lindequist. die die Verstorbene zur Aushülfe mit nach Kessin gebracht hatte. Und nun wurde der Sarg. die Tote nicht nach Berlin hin überführen. zwischen den Buchsbaumbeeten. als der Zug sich in Bewegung setzte. aus der Mitte der Stadt her. und nach Eintreffen der in aller Kürze benachrichtigten Berliner Verwandten war seitens eben dieser beschlossen worden. den Kessinern zu zeigen. den die ganze Szene drüben auf sie gemacht hatte. ging in ihren hinter dem Hofe gelegenen Garten. etwas mehr oder weniger. und die nüchterne Geschäftsmäßigkeit.

»Da drüben liegt Bornholm und dahinter Wisby. wovon mir Jahnke vor Zeiten immer Wunderdinge vorschwärmte. Sie ließ sich ein Glas Sherry und eine Flasche Biliner Wasser bringen und sah auf das Meer hinaus. als ihr der Arzt gesagt hatte. Drinnen im Saal wurde schon gegessen. was ihr so nahe bevorstand. Unterwegs standen Bänke. während ich doch an das Nächste denken müßte. kam ihr die Lust. Und hinter Wisby kommt Stockholm. und dann kommen die großen Ströme und dann das Nordkap und dann die Mitternachtssonne. »Es ist eine Sünde. so belebte sie sich wieder. Als dies aber nicht glücken wollte. die mit im Garten war. denn das Gehen griff sie an. wo das Stockholmer Blutbad war. die da hinausfuhren. wenn auch erhitzt und müde. das im hellen Sonnenlichte schimmerte.« Und im Augenblick erfaßte sie eine Sehnsucht. Und der Wagen und die zwei Kutschen. neben dessen breitem chaussierten Mittelweg ein schmalerer Fußsteig auf die Dünen und das am Strand gelegene Hotel zulief. was sie. die halten dann nicht drüben vor dem Hause. und so kam sie. Denn Heiteres sehen war ihr wie Lebensluft. und um so mehr. brachte ihr denn auch Umhang. Aber dann gedachte sie wieder dessen. und mit einem freundlichen »Guten Tag« trat Effi aus dem Hause heraus und ging auf das Wäldchen zu. viel Bewegung im Freien sei das Beste. und sie erschrak fast. Sand und wieder Sand und nirgends eine Spur von Schatten. tun könne. während es am Ufer in kleinen Wellen brandete. Als das Wäldchen aufhörte. die . das Kind und ich. Wisby ging ihm fast noch über Lübeck und Wullenweber.loszuwerden. kam freilich noch eine allerschlimmste Wegstelle. was ihr bevorstände. aber glücklicherweise waren hier Bohlen und Bretter gelegt. und zwar um so mehr. Johanna. bei dem. und alles stirbt hin. von denen sie jede benutzte. was ihr in diesem Augenblicke denn auch das liebste war. statt ihrer eintönigen Gartenpromenade lieber einen weiteren Spaziergang zu machen. Hut und Entoutcas. als inzwischen die heiße Mittagsstunde herangekommen war. aber hier draußen um sie her war alles still und leer. das alles zu sehen. daß ich so leichtsinnig bin und solche Gedanken habe und mich wegträume. Aber wenn sie saß und von ihrem bequemen Platz aus die Wagen und die Damen in Toilette beobachtete. doch in guter Laune bei dem Strandhotel an. Vielleicht bestraft es sich auch noch.

ich will hier nicht begraben sein. die Sie sich da ausgesucht haben«.. er hat mich getauft und eingesegnet und getraut. auf einen schattigen Gang zu. Als sie bis an das Ende dieses Ganges gekommen. und Niemeyer ist siebenundfünfzig. Und wenn ein Unglück kommen soll. Und Lindequist. um auf einem Umweg nach der Stadt zurückzukehren.« »Wie das?« »Dann wär ich aus der Welt. So erhob sie sich auch ihrerseits rasch wieder von ihrem Platz. nein. »viel zu heiß. Aber mit einem Male war es ihr.« »Das wär auch das beste. als ob die Stühle geschoben würden.halten dann bei uns. so gut er ist – aber Niemeyer ist mir lieber. ich mag hier nicht sterben. Schmetterlinge flogen über die Gräber hin. mit vier. denn dafür mußte sie sie halten. sagte Effi. Effi erkannte sie sofort wieder und war in ihrem Herzen bewegt. und hoch in den Lüften standen ein paar Möwen. trat sie ein. Dann aber lachte sie wieder. dann haben Sie den Sonnenstich. vielleicht stand man schon auf. aber weil die Sonne mit jedem Augenblick heißer niederbrannte. in sengender Sonnenhitze hier vorzufinden.« Und dabei fiel eine Träne auf ihre Hand.« In dem Eßsaal hörte sie das Geklapper des Geschirrs. »Ich lebe ja noch und bin erst siebzehn. dem Sarge der verwitweten Registratorin als letzte Leidtragende gefolgt war.« . und dicht daneben eine schon außerhalb der Baumreihe stehende Bank. den Hängeweiden und etliche an den Gräbern stehende Trauereschen bildeten. und sie wollte jede Begegnung vermeiden. an der Seite der Hauswirtin. Dieser Umweg führte sie dicht an dem Dünenkirchhof vorüber. ich will nach Hohen-Cremmen. sah sie zur Rechten einen frisch aufgeworfenen Sandhügel. und sie hätte hier gleich bei den ersten Gräbern verweilen mögen. die. robuste Person saß. Nein. »Es ist eine heiße Stelle. Alles blühte hier. Es war so still und schön. treue Person. fünf Kränzen darauf. ging sie höher hinauf. und Niemeyer soll mich auch begraben.. darauf die gute. und weil der Torweg des Kirchhofs gerade offenstand. Seit dem Begräbnis waren wohl an zwei Stunden vergangen. die gute.

. und haben mir barsch und unfreundlich und mit allerlei Redensarten meinen Lohn ausgezahlt. ich dachte nun mal Ruhe zu haben und hätte auch ausgehalten bei der Alten. und sie könnte meinetwegen weiterleben. Gott bewahre. gezankt haben sie sich bis in die sinkende Nacht. Gott.« »Den hat es auch. Aber ich will auch gar nicht.« »Kennen Sie mich?« »Ja. daß ich nach Berlin zurückreisen kann. na. Sie hatten sie wohl sehr lieb?« »Ich? Die? I. Das muß doch einen Grund haben. gnädigste Frau. weil sie keine rechte Luft mehr hatte. Ach. na. Na. happig und gierig und hartherzig. denn es saß ihr hier und wird wohl Wasser gewesen sein. Und ich habe mit der Alten immer von Ihnen gesprochen. Zuletzt konnte sie nicht mehr. Nichts aus freien Stücken. wenn ich das sagen wollte.. Sie hätte gerne noch weitergelebt.. Sie sind die Frau Landrätin von drüben.. und soll mich wieder rumstoßen lassen. Es war 'ne richtige Berlinsche.. die wird sie ja wohl haben! Aber sie taugte nichts und war zänkisch und geizig.. auch wenn man unglücklich ist oder wenn einem wer gestorben ist. und man soll von einem Toten nichts Schlimmes sagen. und ich werde wohl auf meinem Koffer sitzen müssen. die taugt auch nichts...»Ich meine. das darf man nicht sagen. ich hab es satt und läg am liebsten. müßt ich lügen.« »Sie sind aber doch sehr traurig. die da gestern von Berlin gekommen. wenn er so kaum seine Ruhe hat. den man liebhatte. Und katholsch bin ich auch noch. Und nun ist es wieder nichts. es reicht so gerade für die vierte Klasse. die taugt erst recht nichts. bloß weil sie mußten und weil es bloß noch sechs Tage sind bis zum Vierteljahrsersten. und für mich hat sie auch nicht gesorgt. Sonst hätte ich nichts gekriegt.. .« »Gute Frau?« »Nein. Und einen eingerissenen Fünfmarkschein haben sie mir gegeben. und erst recht nicht. oder bloß halb oder bloß ein Viertel. Lauter schlechtes Volk. Und die Verwandtschaft. bis ich sterbe. redete sie immerzu.. ich will hier sitzen bleiben und warten.. aber solange sie noch reden konnte. wo die Alte liegt. Da liegt sie nun.

›Immer in die Beichte. das macht es einem immer noch schwerer und saurer.« »Rollo«. Und das Katholsche. »Rollo. Und das kommt auch noch dazu. Mit einem Male war die Person wie verwandelt. und die Hauptsache sagen sie doch nich‹ – Gott.« »Roswitha«. »Was haben Sie nun vor?« »Ach. Viele wollen keine Katholsche. und vielleicht geht es mir deshalb so schlecht. die leben immer am liebsten. wiederholte Effi den Namen und setzte sich zu ihr auf die Bank. was soll ich vorhaben. für solche Alte stirbt man nicht. das ist ein katholscher Name. ganz recht. Da is ja 'ne Kreatur. Ich habe auch einen sonderbaren Namen. erst als ich in Giebichenstein im Dienst war und dann in Berlin.« »Ja. ich möchte hier sitzen bleiben und warten. daß ich eine Katholsche bin.« . gnäd'ge Frau. Ich habe gar nichts vor. Aber der Name tut nichts. wie oft hab ich das hören müssen. die nich mal Luft haben. Aus 'm Eichsfeld. weil sie soviel in die Kirche rennen. die mich leiden kann.. Und einen andern hat unsereins ja nicht. ging einen Schritt vor und legte seinen Kopf auf ihre Knie. das ist sonderbar. Nun. das ist ja. gnädige Frau.« Rollo. Ich bin aber eine schlechte Katholikin und bin ganz davon abgekommen. ich hätte die Alte so geliebt wie ein treuer Hund und hätte von ihrem Grabe nicht weg gewollt und wäre da gestorben. hatte sich mittlerweile vor die Person hingesetzt. die Zunge weit heraus. Das wär mir das liebste.. weil ich nicht leben kann. und sah sie an. bis ich tot umfalle. daß ich so was gehabt habe. Als sie jetzt schwieg. wie heißt du denn? Du bist ja ein Prachtkerl.solche Menschenschikanierer. Aber das ist falsch. die mich freundlich ansieht und ihren Kopf auf meine Knie legt. das heißt Vornamen. erhob er sich. man darf nich von seinem Glauben lassen und muß alles ordentlich mitmachen. der Effi begleitet hatte. das ist selten. Wahr und wahrhaftig. sagte Effi. mein Alterchen.« »Wie heißen Sie denn?« »Ich heiße Roswitha. das bedeutet mir was. Und dann würden die Leute noch denken. ja. das ist lange her.« »Ja. Gott. »Gott. ich will bloß sterben.

wenn du mal solchen Dienst hättest. Sie sollen sehn. solch Dingelchen wie 'ne Puppe. Solche alte Berlinsche – Gott verzeih mir die Sünde. Sind Sie. daß ich mich in Ihnen irre. aber das schadet nichts. solche Alte. und steht einem hier vor Brust und Magen.‹ Und nun soll ich ihn haben. Gleich den ersten Tag. ist die Hülfe am nächsten. das sind mitunter die Besten. da hab ich Zwillinge mit der Flasche großgezogen. Das können Sie sehn. da war ich Amme bei der Frau Salzdirektorin. es geht. dann muß es gepflegt und abgewartet werden und vielleicht auch gepäppelt. Ich erwarte nun bald ein Kleines. aber solch kleines. Gott gebe mir seine Hülfe dazu. es ist doch ein Gott im Himmel. da geht einem das Herz auf. wiewohl ich es anders wünsche. das ist was.« »Ja. und wenn die Not am größten ist. das seh ich Ihnen an. das einen mit seinen Guckäugelchen ansieht. O du lieber Gott. ich bin eine ordentliche Person und habe gute Zeugnisse. wissen Sie was. Was meinen Sie.« . unverhofft kommt oft. treue Person. als hätte Gott Sie mir geschickt. ein bißchen gradezu. Wollen Sie mit zu mir kommen? Mir ist. und ich habe gleich ein Zutrauen zu Ihnen gefaßt. Sie sind eine gute. und mich hier sitzenließen. ja. wer mir das gesagt hätte. und in Giebichenstein. wollen Sie mit zu mir kommen? Ich kann mir nicht denken. was man so ›kinderlieb‹ nennt? Waren Sie schon mal bei kleinen Kindern?« »Gewiß. daß sie wieder fortkamen. das versteh ich. »Ach. gnäd'ge Frau. o du heil'ge Jungfrau Maria.»Ich will Sie was fragen. liebes Ding. Als ich in Halle war. wie die da.« Roswitha war aufgesprungen und hatte die Hand der jungen Frau ergriffen und küßte sie mit Ungestüm. und wenn das Kind da ist. da dacht ich: ›Ja. Rollo wird schon ungeduldig und läuft immer auf das Tor zu. das ist schrecklich. Und nun wollen wir gehen. und mitunter auch im guten. da drin bin ich wie zu Hause. wenn ich Ihnen mein Buch bringe. gnäd'ge Frau. Roswitha. ja. war ich. Das ist ja mein Bestes und Schönstes. Roswitha. wie wir die Alte hier unter der Erde hatten und die Verwandten machten.« »Nun. ja. wo ich nachher hinkam. was man da alles tun muß. denn sie ist nun tot und steht vor Gottes Thron und kann mich da verklagen –. Roswitha. als ich die gnäd'ge Frau sah. Man kann das ja nicht wissen.

brummelte was vor sich hin und machte ein Kreuz. Da bog sie links ein. Effi konnte jetzt ruhiger hinsehen. den Außenrand des Wäldchens erreichte. bis sie. deren weißer Stein in der Nachmittagssonne blinkte und blitzte. Und dann gingen sie den schattigen Gang hinunter und wieder auf das Kirchhofstor zu. dicht vor Utpatels Mühle.Roswitha war gleich bereit. die die »Reeperbahn« hieß. Eine Weile noch führte der Weg zwischen Dünen hin. und unter Benutzung einer schräglaufenden Allee. . Drüben lag die eingegitterte Stelle. ging sie mit Roswitha auf die landrätliche Wohnung zu. trat aber noch einmal an das Grab.

dann müssen wir ihn ausquartieren. du weißt ja. Ich will erst zu meinem Manne nach dem Landratsamt hinüber – das große Haus da neben dem kleinen.« »Um was. Ich denke. wie befangen. sowenig Schwierigkeiten zu begegnen. selten. war Roswitha beim Anblick all des Sonderbaren. sagte rasch und in guter Laune: »Das hast du recht gemacht. Effi aber ließ sie nicht zu weiteren Betrachtungen kommen und sagte: »Roswitha. gleich ein. ermüdet wie sie war. Gott sei Dank. so was. mitunter schlimmer als alles. ging sie früh zu Bett und schlief. Effi?« »Ach.. und sagte: »Nun wird es gehen. in dem Sie gewohnt haben – und will ihm sagen. wir werden uns schon vertragen. so nehmen wir sie auf ihr gutes Gesicht hin. daß ich Sie zur Pflege haben möchte bei dem Kinde. als er erfuhr. und Sie schlafen mit mir in dem Alkoven. aber ich muß doch erst seine Zustimmung haben. »Was?« fragte diese. und wenn ihr Gesindebuch nicht zu schlimme Sachen sagt. so war die Wohnung erreicht.« Effi war sehr glücklich. Ich fürchte mich jetzt nicht mehr. um was sich's handle. Und wenn ich die habe.« Roswitha zog in selbiger Stunde noch mit ihren paar Habseligkeiten in das landrätliche Haus hinüber und richtete sich in dem kleinen Alkoven ein. Das ist das Zimmer. wo wir schlafen. wie wenn ein Besen fegt oder wie wenn einer über die Diele schlittert. Aber Einbildungen sind das schlimmste. Es ist doch.« . das da umherhing. nun gehen Sie da hinein. Am andern Morgen erkundigte sich Effi – die seit einiger Zeit (denn es war gerade Vollmond) wieder in Ängsten lebte –. Als der Tag um war. Als beide hier in den kühlen Flur traten.Vierzehntes Kapitel Keine Viertelstunde. »Oh. wie Roswitha geschlafen und ob sie nichts gehört habe. daß einen das täuscht. Er wird wohl mit allem einverstanden sein.« Innstetten. nichts.. Effi. Ich meine nur so.

daß Roswitha gerade auf diesen Namen gekommen sei. und die Preußen haben viele Siegestage. Roswitha war einfach die komische Figur. was da war. ungeängstigter als früher entgegensah. war doch auch wieder ein Glück und sorgte dafür. ganz erheblich mitgewirkt. Man lebte sich schnell ein. die mit einem starken Überlegenheitsgefühle Hand in Hand ging.« Roswitha mochte wohl Ähnliches denken. trotzdem glaubte sie. freute sich indessen vorläufig ganz uneingeschränkt über das. weil Effi dem. plauderhaft und beinahe gemütlich. Juli stand neben Effis Bett eine Wiege. da gab es ein Laufen und Rennen. Effi war fest protestantisch erzogen und würde sehr erschrocken gewesen sein. sich gern allerlei kleine Geschichten erzählen zu lassen. ja. wenn man an und in ihr was Katholisches entdeckt hätte. daß die gnädige Frau an all dem dummen Zeuge soviel Gefallen finde. und die verstorbene Frau Registratorin und ihr Geiz und ihre Neffen und deren Frauen boten einen unerschöpflichen Stoff. Roswitha ins Haus zu nehmen. Auch Johanna hörte dabei gerne zu. Auch glaubte sie nicht. daß der Katholizismus uns gegen solche Dinge »wie da oben« besser schütze. Den neunten Tag aber war es mit dem Plaudern und den Gemütlichkeiten vorbei. wie wenn sie Rollo um seine Freundschaftsstellung beneidet hätte. was auf ihre junge Herrin einen besonders guten Eindruck machte. was ihr persönlich bevorstand. Diese. wenn Effi bei den drastischen Stellen oft laut lachte.Roswitha lachte. und Neid gegen sie zu hegen wäre für Johanna nichts anderes gewesen. diese Verwunderung aber. So verging eine Woche. denn Effi hatte ganz den liebenswürdigen Zug der meisten märkischen Landfräulein. was der jungen Mutter als ein Zeichen galt. »Es müsse doch wohl eine Eingebung gewesen sein. diese Betrachtung hatte bei dem Plane. Innstetten selbst kam ganz aus seiner gewohnten Reserve heraus. Doktor Hannemann patschelte der jungen Frau die Hand und sagte: »Wir haben heute den Tag von Königgrätz. und am Morgen des 3. Aber das andere kann ja nachkommen. lächelte freilich und verwunderte sich im stillen.« . daß es so nahe sei. daß es ein Mädchen ist. schade. und nannte das Kind ohne weiteres »Lütt-Annie«. daß keine Rangstreitigkeiten aufkommen konnten.

sie werde nachher an den alten Justizrat Gadebusch herantreten und ihn fragen. damit zwingen wir's und zertreten dem Drachen der Revolution das giftige Haupt. achten müssen. Ja. es sind schwere Zeiten.« Gleich danach nahm auch der alte Herr von Borcke das Wort. Effi. Aber seine Predigten kann er vor Gott und Menschen nicht verantworten. Aber solange wir noch Männer haben. Baron Innstetten. so lange geht es noch. Innstetten konnte nicht Urlaub nehmen. in denen wir leben. wohin wir blicken. den ich stolz bin meinen Freund nennen zu dürfen. ob er nicht ihrer Meinung sei. so lange hält unser altes Preußen noch. Das sich anschließende Festmahl. hätte die Taufe gern bis dahin verschoben. bemerkte: »Ja. Indisziplin. natürlich in der Kirche.. fand in dem großen Ressourcen-Hotel am Bollwerk statt. einem adligen Assessor von der strengen Richtung. Pastor Lindequist ließ Mutter und Kind in einem liebenswürdigen und allseitig bewunderten Toaste leben. die wir. Trotz. und so wurde schon von Klein-Annie gesprochen. seine Kasualreden. lange bevor der Tauftag da war. Fest und treu. Pommern und Brandenburg. unsere Brüder. trotzdem es der Napoleonstag war (was denn auch von seiten einiger Familien beanstandet wurde). Aber es ließ sich nicht tun. er ist ein Halber. und ich darf hinzusetzen. Frauen und Mütter« (und hierbei verbeugte er sich mit einer eleganten Handbewegung gegen Effi). die von Mitte August an bei den Eltern in HohenCremmen sein wollte. Effi sagte zu dem neben ihr sitzenden Major von Crampas: Das mit dem »Felsen Petri« sei wahrscheinlich eine Huldigung gegen Roswitha gewesen. wir aber haben den Rocher de bronze. haben den Felsen Petri.Selbst Innstetten wußte nichts dagegen zu sagen. ». meine Freunde. und der gesamte Nachbaradel war geladen und auch erschienen. so siegen wir..solange wir noch Männer haben wie Baron Innstetten. Die Katholiken. die verworfen sind. Auflehnung. weil sie lau sind. das geht. August. Crampas nahm . »Meine Herrschaften. um Innstetten leben zu lassen. bei welcher Gelegenheit Sidonie von Grasenabb zu ihrem Nachbar. für diesen Taufakt festgesetzt. weil das landrätliche Haus keinen Saal hatte. und so wurde denn der 15. Ich mag das Bibelwort hier nicht wörtlich zitieren. er lebe hoch!« Innstetten dankte ganz kurz. auch wenn wir sie bekämpfen. einer von denen.

« Als man von Tisch aufgestanden war. Nur bloß ich brachte kein Anniechen mit. ich kenne das auch. und sah dem Schauspiel drüben zu. sagte Crampas. »Stoßen Sie an. Gieshübler. an. sind Sie auch mal so froh gewesen. daß ich noch nicht achtzehn bin. und am Abend bin ich in Hohen-Cremmen. die noch nicht achtzehn sind. bei schönen. scheitert alle Lesekunst. jungen Frauen. wie mir schon heute zumute ist! Lieber Gieshübler. »Morgen früh um neun führt mich dasselbe Schiff den Fluß hinauf. und zu Mittag bin ich in Berlin.« »Desto besser.« »Ach. Effi saß mit Crampas und Gieshübler beim Kaffee. »Ich habe Sie doch für einen besseren Seelenleser gehalten. Ihr elterliches Haus wiederzusehen?« »Ja. kam der Spätnachmittags-Dampfer die Kessine herunter und legte an der Landungsbrücke. wir haben ja bloß noch den Cognac.diese Bemerkung unerklärlicherweise für Ernst und riet von einer Anfrage bei dem Justizrat ab. weil ich keins hatte.« »Kommt noch«.« »Sie verderben sich vollends. Major. meine Gnädigste. alle Fenster auf. das kann Ihnen nie verziehen werden. gegenüber dem Hotel. und Roswitha geht neben mir und hält das Kind auf dem Arme. Ach.« »Aber. aber Anspielungen darauf.« . gnädigste Frau. was Effi ungemein erheiterte. Sie sind der einzige vernünftige Mensch hier. Sie können mich eine Großmutter nennen. Hoffentlich schreit es nicht. Herr Major.

großen Stube. Sie saßen dann oben in der luftigen. die sie beinahe jeden Morgen mit der Mama hatte. meist im Jagdwagen. in dem Gefühle: »Jetzt stürz ich«.« Ja. an die sich gelegentlich auch Fahrten in das sommerliche Luch schlossen. auf den Park hinunter. während sie sprachen. war ihr's ganz aus dem Sinn gekommen. die beinahe regungslos über . auf die Sonnenuhr oder auf die Libellen. allem voran aber standen für Effi doch die Plaudereien. hatte sie sich nicht recht stellen können. auf den nur von der Treppenstiege her ein etwas fahles Licht fiel. die niemand recht verstand. Das waren dann glückliche Viertelstunden gewesen. etwas eigentümlich Prickelndes. das halb hanseatisch und halb skandinavisch und jedenfalls sehr anders als in Schwantikow und Hohen-Cremmen sei. während ihrer Hohen-Cremmer Tage.Fünfzehntes Kapitel Mitte August war Effi abgereist. desto besser dagegen mit den Zwillingen. Mit Hulda freilich. als sie aber wieder da war und in den dunklen Flur eintrat. überhaupt verheiratet zu sein. Das waren so die täglichen kleinen Zerstreuungen. hatte sie Sehnsucht nach dem »verwunschenen Hause« gehabt. und sie sagte leise: »Solch fahles. noch immer auf Mann oder Bräutigam warten zu müssen. und mehr als einmal. Effi und Frau von Briest aber rückten ans offene Fenster und sahen. Ende September war sie wieder in Kessin. Am liebsten aber hatte sie wie früher auf dem durch die Luft fliegenden Schaukelbrett gestanden und. wurde ihr mit einemmal wieder bang. wenn sie mit ihnen Ball oder Krocket gespielt hatte. Sprang sie dann schließlich von der Schaukel ab. vielleicht sie selber nicht. Roswitha wiegte das Kind und sang in einem thüringischen Platt allerlei Wiegenlieder. alles in allem aber war ihr doch das Leben daheim voller Glück und Zufriedenheit gewesen. so begleitete sie die beiden Mädchen bis an die Bank vor dem Schulhause und erzählte. gelbes Licht gibt es in HohenCremmen gar nicht. wenn sie da saßen. einen Schauer süßer Gefahr empfunden. ein paarmal. Manchmal in den zwischenliegenden sechs Wochen hatte sie's zurückverlangt. die's nicht verwinden konnte. dem alsbald hinzukommenden alten Jahnke von ihrem Leben in Kessin.

denn wir haben bloß einen kleinen Garten hinter dem Hause der eigentlich kaum ein Garten ist. das sie die Plantage nennen. wo's ohne Rollo gar nicht gegangen wäre. eine verrostete Pyramide mit einem gegossenen Blücher in Front und einem dito Wellington auf der Rückseite. Das mit der Kreatur. wenn's auch freilich – soviel muß ich zugeben – eine Zeit gegeben hat. nun.. um sich entweder zu ihm zu setzen oder um mit ihm durch Garten und Park zu schlendern. oder ich habe mir's wenigstens eingebildet.« »Ach. Und erst kommen doch natürlich die Menschen. Da hat er mich so gut wie gerettet. daran bist du doch gewöhnt. so sollte man beinah glauben. vier Obstbäumen drin. Das ist ausgeschlossen. du weißt schon. »Wenn man's nicht anders wüßte. sagte Briest.dem Teich standen. aber ich habe da doch so meine Zweifel. das wäre ja schrecklich.. Rollo sei dir mehr ans Herz gewachsen als Mann und Kind. Aber er ist doch bloß ein Hund. Einmal bei solcher Gelegenheit traten sie. lachte Briest. zur Seite stehendes Denkmal heran. Unser Haus liegt an einem Wäldchen. so ging Effi hinunter. das sagt man immer. an ein kleines. Und da geh ich denn viel spazieren und Rollo mit mir. solche Spaziergänge habe ich nicht. oder auch auf den Fliesengang. und seitdem ist er mein guter Freund und mein ganz besonderer Verlaß. damit hat's doch seine eigene . Papa.« »Ja. »Hast du nun solche Spaziergänge auch in Kessin«. das schon Briests Großvater zur Erinnerung an die Schlacht von Waterloo hatte aufrichten lassen. Immer wenn er umschlug.. du mußt doch Bewegung haben und frische Luft. Innstetten hat keinen Sinn dafür und denkt wohl auch nicht sehr lange mehr in Kessin zu bleiben. bloß ein paar Buchsbaumrabatten und Gemüsebeete mit drei. von dem Kieswege her. nahm er zuvor den Kneifer ab und grüßte zu Frau und Tochter hinauf. Papa. Kam dann das letzte Blatt an die Reihe. wo Herr von Briest neben dem Treppenvorbau saß und die Zeitungen las. Das war damals.« »Immer Rollo«.« »Aber Kind.. »und begleitet dich Innstetten auch und erzählt dir allerlei?« »Nein.« »Hab ich auch. das in der Regel der »Anzeiger fürs Havelland« war.

der ruht nicht eher. ist dabei. Effi. Aber darauf muß man's ankommen lassen. bis wer kommt. und solch ein Hund. Und wo Liebe ist. »Innstetten ist so gewissenhaft und will. wenn ich das Innstetten wiedererzählte. Wenn man zu zärtlich ist.« Effi errötete. Papa. das tu lieber nicht. Und nun nimm dagegen die Menschheit! Gott.« »Nein. als ob die Kreatur besser wäre als der Mensch. Sie mochte es aber nicht einräumen. Effi. und dazu der Unterschied der Jahre. auch nicht zu Mama. Und das tut solch Tier immer. da ist auch Gegenliebe. weil sie geradeso dachte.« Gespräche wie diese waren während Effis Besuch im elterlichen Hause mehr als einmal geführt worden. Wenn man eine so junge Frau hat. das tun sie. aber Innstetten würde mich auch retten. Das ist auch ein weites Feld.« »Ja.. dann legt er sich neben den Toten hin und blafft und winselt so lange. aber mitunter ist mir's doch. Effi. daß er nicht mal Urlaub genommen hat und rübergeflitzt ist.. gut angeschrieben sein und hat so seine Pläne für die Zukunft. und ebenso war auch der etwas melancholische Eindruck rasch verflogen. sagen wir so einer wie dein Rollo..« »Aber. den das . und was da das Richtige ist. Kessin ist doch bloß eine Station. und wenn keiner kommt. Glaube mir. hatten aber glücklicherweise nicht lange nachgewirkt. was man tun und lassen soll. Das ist nun mal so..« »Versteht sich.Bewandtnis.« »Das ist er. ich lauf ihm ja nicht fort. Es ist so schwer. Er hat mich ja. Er ist ja ein Mann von Ehre. versteht sich.. Mich wundert nur.« »Rollo würde mich ja natürlich retten.. ja. darüber sind die Akten noch nicht geschlossen. Übrigens sage nichts darüber. Und wenn der Verunglückte schon tot ist.. da verunglückt einer auf dem Wasser oder gar auf dem schülbrigen Eis. Wenn ich mir so denke. glaub ich. dann bleibt er bei dem Toten liegen. das ist auch ein weites Feld. als bis er den Verunglückten wieder an Land hat. bis er selber tot ist. Und dann am Ende. da lächeln die Leute bloß. vergib mir die Sünde.« »Und liebt mich.....

Es war ein reizender Platz. drei. vorn offen. mit einer mächtigen Markise zu Häupten. während sie das Kaffeebrett von der Seite her ihrem Manne zuschob: »Geert. Die Veranda. du könntest heute den liebenswürdigen Wirt machen. und als der Tee genommen und alle Stadt. Effi. Effi hatte sich in einen Schaukelstuhl gelehnt und sagte. die nach der Gesindestube hin ausquartierte Roswitha auf unbestimmte Zeit los zu sein. »Wie bist du nur eigentlich ohne mich fertig geworden?« »Schlecht genug.« . In unsere Zimmer kommen wir ohnehin noch früh genug. fühlte sich ganz als junge Frau und war froh. Innstetten zeigte sich voll kleiner Aufmerksamkeiten. und bestand aus einem großen gedielten Podium. Effi war bei diesem Gespräch sehr ausgelassen. von der Effi gesprochen und die vielleicht richtiger ein Zelt genannt worden wäre.« Innstetten war sehr einverstanden. ich für mein Teil find es so schön in diesem Schaukelstuhl. und wenn du dich recht freust. die sich mit Hülfe von Ringen an einer Eisenstange hin und her schieben ließen. bewundert. die neuerdings wieder mit Gieshübler in einer lebhaften Korrespondenz gestanden hatte. vier Wochen vor Effis Abreise nach Hohen-Cremmen. hing sich Effi zärtlich an seinen Arm.erste Wiederbetreten ihres Kessiner Hauses auf Effi gemacht hatte. was immer gleichbedeutend mit einer neuen Belastung ihres nie ausgeglichenen Kontos war. die Veranda nach der Plantage hinaus ist noch in gutem Stande und wir können uns ins Freie setzen und da das Frühstück nehmen. mich wieder hierzuhaben. die Innstetten nahm und küßte. und der Kessiner Winter ist wirklich um vier Wochen zu lang. Am anderen Morgen sagte sie: »Das Wetter ist schön und mild.« Und dabei zupfte sie die weiße Damastdecke zurecht und legte ihre Hand darauf. war schon im Sommer hergerichtet worden. und ich hoffe. Also strenge dich an. daß ich nicht aufstehen mag. so werd ich mich auch zu revanchieren wissen. um drüben ihre Plaudereien mit ihm fortzusetzen und noch einige Anekdoten von der Trippelli zu hören.und Liebesgeschichten in heiterster Stimmung durchgesprochen waren. den ganzen Sommer über von allen Badegästen. die hier vorüber mußten. während links und rechts breite Leinwandvorhänge waren.

ein Zärtlichkeitsmensch und unterm Liebesstern geboren. wenn du nur ein bißchen Sehnsucht gehabt hättest. Und du bist nichts anderes als die anderen.. Ich weiß es recht gut.« »Nun?« »Mit einemmal bist du wie vertauscht. du kommst mir ganz anders vor.« »Nun?« »Ja. es schickt sich nicht und verdirbt einem die Karriere. was du da sagst. daß du das sagst. Weißt du was.« »Was ich dir beweisen will. als ob sie sich vor mir gefürchtet hätten oder als ob ich zu alt geworden sei. Hab ich's getroffen?« Innstetten lachte.... Weißt du. was ist man am Ende solchem hohen Herrn. »Ein bißchen getroffen hast du's.« »Aber Effi.. ich will es lieber nicht sagen. nun wird mir erst recht wohl ums Herz. Effi. wie der Schwantikower Onkel mal sagte. Bis Anniechen da war. Aber ich kenne dich recht gut.. Geert. Gib mir noch eine halbe Tasse. Aber es steht dir..« »Ach.« »Ach. der so lange Jahre Junggeselle war und es nicht eilig hatte.»Das sagst du so hin und machst ein betrübtes Gesicht. Du willst es bloß nicht zeigen und denkst. du gefällst mir sehr. was?« »Nun. daß ich mir das immer . Weißt du denn.. warst du ein Kind.. Effi. und Onkel Belling hatte ganz recht. Denn wenn du ein bißchen Sehnsucht nach deinem Kinde gehabt hättest – von mir selber will ich nicht sprechen... und nichts da als Niemeyer und Jahnke und mal die Schwantikower. und ist doch eigentlich alles nicht wahr. das ist ja herrlich. Weißt du was?« »Nun?« »Du hast was Verführerisches. wie du nur sprichst. Geert. daß du eine kleine Kokette bist?« »Gott sei Dank. Das ist für euch das Beste. mein einziger Geert. Effi. Aber mit einemmal.. du bist eigentlich. Und von den Rathenowern ist niemand gekommen.. was man sein kann.« »Nun. so hättest du mich nicht sechs Wochen mutterwindallein in Hohen-Cremmen sitzen lassen wie eine Witwe. Eigentlich bist du. . wenn du auch so feierlich und ehrsam tust. als er das sagte.

»Unverantwortlich«. sonst sind wir gar nichts..« Er nickte. »Entschuldigen Sie mich.« Crampas lachte. ich wünschte Ihnen. daß ich so schlecht die Honneurs des Hauses mache. solche gibt es hier nicht. »Da haben Sie nun selber vor vier Wochen die Geschichte mit dem Bankier Heinersdorf erlebt. halb ernst-.« Crampas trat heran. wenn Sie wollen. halb scherzhaft. ist das ein Pastor.gewünscht habe. unsereins kann sich so was ohne Furcht vor .« »Ja.. wenn ich die hätte.. rief Innstetten ihm zu.« Derweilen war Crampas bis in nächste Nähe gekommen und grüßte. der auch dachte. daß es mehr wäre. als ob es irgendein Don Juan oder Herzensbrecher gesprochen hätte. da hätt ich es am Ende nicht gewagt. wer weiß«. das Wasser hatte nur neun Grad. lachte Effi.. Nein. sagte Innstetten. gestatten Sie mir diese kleine Renommage.« »Von Niemeyer! O du himmlischer Vater. daß Sie gebadet haben. Da wird man formlos oder. Er war in Zivil und küßte der in ihrem Schaukelstuhl sich weiter wiegenden Effi die Hand.. Und nun setzen Sie sich und geben Sie Rechenschaft von Ihrem Tun. Major. intim.. »Guten Morgen«.« »Er macht öfter solche Sachen. sieht man deutlich. denn so schön das Wetter ist. September. und zehn Uhr früh ist eigentlich gar keine Zeit. Aber unsereins mit seiner Million Unterbilanz. Aber ich hab es von Niemeyer. Reine Renommisterei. eine Million Mark! Lieber Innstetten. und Neptun stellte sich ohne weiteres gegen Pluto oder doch wenigstens gegen Heinersdorf. »Ja. »Nur näher. Denn an Ihrem Haar. aber die Veranda ist kein Haus.. Er wird doch nicht gebadet haben? Am 27. Aber die Götter sind eifersüchtig untereinander.Aber kommt da nicht Crampas? Und vom Strand her. ».. nur näher. Wir müssen verführerisch sein. Aber wie kam denn der dazu? Das ist ja.« »Hast du das aus dir?« »Ich könnt es wohl auch aus mir haben. das Meer und der grandiose Wellenschlag würden ihn um seiner Million willen respektieren.

Major. daß. glauben sie mir. Zunächst bloß Zigeunerprophezeiung. Der Fürst ist auch nur ein Mensch. wenn Sie nicht vorhaben. Major. ich meine das. Hier ist die Geschichte. in zehn Wochen spätestens ist der Fürst wieder in Varzin. auf dreißig Jahre vorbei. ist es keine herkömmliche Todesart. an den Hals reden wollen. Trotzdem. Weiß ich alles. daß ihn jeder mehr oder weniger verdiene. um so anzuzeigen. daß ich einen richtigen und hoffentlich ehrlichen Soldatentod sterben werde. daß ihr ein Wechsel des Themas wünschenswert wäre. so werden Sie einem alten Kameraden von Vionville her doch wohl ein bißchen Krieg besorgen können.. Zugegeben. was denn Effi bestimmte. Major... Innstetten. Trotzdem schien Innstetten auf Crampas' scherzhafte Bemerkungen antworten zu wollen. Jetzt haben wir Ende September. Und dann muß einen das Sprichwort trösten: ›Wer für den Strick geboren ist. Nicht herkömmlich und in meinem Falle auch nicht einmal sehr wahrscheinlich – also alles bloß Zitat oder. façon de parler. Und doch steckt etwas Aufrichtiggemeintes dahinter.. der muß sich erst bei Bismarck einen Krieg bestellen. Es steht mir nämlich fest. beim Großtürken oder unterm chinesischen Drachen Dienste zu nehmen.« Innstetten lachte. und da er ein liking für Sie hat – mit der volkstümlicheren Wendung will ich zurückhalten... um nicht direkt vor Ihren Pistolenlauf zu kommen –..‹« »Aber.. warum wir . »Ich sehe nicht ein. die See werde mir nichts anhaben. Aber das ist doch für Sie eine Kleinigkeit. Crampas. lieber direkt einzugreifen.. noch richtiger. Sie werden sich doch nicht etwas so Urprosaisches.. aber mit Resonanz im eigenen Gewissen.. »Das wird seine Schwierigkeiten haben.. wenn ich da eben sagte..« ». meine Gnädigste. Allerdings glauben manche. und Zureden hilft. wovon Sie eben gesprochen haben..« ». kann im Wasser nicht umkommen. für einen Major. würfelte damit und legte sie zu Figuren zusammen.. und wer seinen Soldatentod sterben will. Da schlägt man sich jetzt herum.« Effi hatte während dieses Gesprächs einige Brotkügelchen gedreht.der Götter Eifersucht erlauben. ich möchte beinah sagen.

« Crampas nickte. so zeigte ich Ihnen den Brief. als wäre unser Freund statt am Kessiner Alten Markt an einem altfranzösischen Hofe erzogen.« »Mitnichten. dazu braucht es aller bewährten Kräfte. Innstetten braucht ihn nicht zu lesen. Die Theaterstücke sind schon ausgesucht: ›Krieg im Frieden‹. deren Vizevorstand zu sein ich zur Zeit die Ehre habe. ›Monsieur Herkules‹. das ist wichtiger als alles andere.uns mit Ihrer Todesart beschäftigen sollen.. Gieshübler hat mir darüber geschrieben. gnädigste Frau. die freilich jede glückliche Ehe zu widerlegen scheint.. beiläufig eine Handschrift wie gestochen und Ausdrucksformen. »Das ist recht. Wie soll man hier leben? Das ist vorläufig die Frage.. wie gut ich den Dichterfürsten tragiere. ich der alte Goethe. Die Trippelli kann nicht von Sonntag bis wieder Sonntag singen. und sie reichte Innstetten die Hand. wenn wir uns der Unterstützung der gnädigen Frau versichert halten dürfen. »Und diese für uns und unsere Ressource zu gewinnen. das gefällt mir besser als der Soldatentod oder gar der andere. namens Crampas. ›Jugendliebe‹ von Wilbrandt. eine Wahrheit. Sehen Sie. das paßt alles so vorzüglich.«. der hat keinen Sinn für dergleichen. Abwechslung ist des Lebens Reiz.. Und es muß ein Prachtwinter werden. wo er die Plätterin hernimmt –.« . Nun. also Gieshübler hat mir von Plänen für die Ressourcenabende geschrieben und von einem Entrepreneur.. die meinige ausgenommen.« »Mir persönlich nicht minder. vielleicht auch ›Euphrosyne‹ von Gensichen. fuhr Crampas fort. Sie die Euphrosyne. Wenn wir uns zusammentun. so müssen wir das ganze Nest auf den Kopf stellen. Sie sollen staunen.. »Abwechslung also«. daß Sie mir recht geben.« »Die Trippelli? Dann bin ich überflüssig.« »Wenn es glückliche Ehen gibt.. Major. das Leben ist uns näher und zunächst auch eine viel ernstere Sache. wenn ›tragieren‹ das richtige Wort ist. es wäre zuviel für sie und für uns... Und daß er verwachsen ist und weiße Jabots trägt wie kein anderer Mensch mehr – ich weiß nur nicht. und wenn es nicht indiskret und eitel wäre. denn es steht noch allerlei nebenher darin.. Die Trippelli kommt..

Da kommt ja Roswitha mit LüttAnnie.»Kein Zweifel. gelegentlich auch Dichter sind.« »Nicht für mich. Hab ich doch inzwischen aus dem Briefe meines alchimistischen Geheimkorrespondenten erfahren. neun Grad Ostsee. daß Sie. neben vielem anderen.. Anfangs habe ich mich gewundert..« »Nein. wenigstens wird mich niemand widerlegen.. . Aber nun muß ich aufstehen.« Und sie erhob sich rasch und ging auf Roswitha zu.« »Dessen Temperatur unbekannt ist.. daß Sie bei neun Grad baden.. das geht über den Kastalischen Quell. Aber seit ich weiß.« »Denn Sie haben es mir nicht angesehen.. bin ich anderen Sinnes geworden. nahm ihr das Kind aus dem Arm und hielt es stolz und glücklich in die Höhe.

daß er immer wieder hervorhob. »das solle seine Sorge sein«. um sie dem Kinde als Spielzeug zu geben. während Effi hinterherging. oft landeinwärts. um sich zunächst nach dem Befinden der gnädigen Frau zu erkundigen und mit ihr ein wenig zu medisieren. mit ausreiten zu dürfen. das einem soviel wert sei. und dann spannte sich Roswitha vor den Korbwagen und fuhr. jetzt wo »Damenbad« und »Herrenbad« keine scheidenden Schreckensworte mehr waren. In die Stadt kam Effi wenig. mit der Frau von Crampas auf einen Umgangsfuß zu kommen. noch häufiger auf die Molen zu. nachdem ein Versuch. wo Kastanien ausgestreut lagen. die man nun auflas. sie habe nun mal die Passion. wenn die Herren fort waren. was man wünschte. fand sich auch.Sechzehntes Kapitel Die Tage waren schön und blieben es bis in den Oktober hinein. Eine Folge davon war. Der Major fand die Sache kapital. Innstetten mußte nachgeben. spielte mit dem Kind oder durchblätterte die von Gieshübler nach wie vor ihr zugeschickten Zeitungen und Journale. was er wundervoll verstand. Die Majorin war und blieb menschenscheu. es war niemand recht da. ein paar hundert Schritt in das Wäldchen hinein. so sehr. Gegen elf kam dann wohl der Major. auf eine Stelle zu. danach aber mit Innstetten einen Ausritt zu verabreden. daß die halb zeltartige Veranda draußen zu ihrem Rechte kam. mit dem sie hätte plaudern können. die Kessine hinauf bis an den Breitling. als Crampas versicherte. es werde sich kein Damenpferd finden lassen –. Meist war auch Rollo mit von der Partie. bis Effi plötzlich den Wunsch äußerte. und weil es sich ein paarmal ereignet hatte. Effi. und Innstetten. auf etwas zu verzichten. daß man am Strande zu rasten oder auch eine Strecke Wegs zu Fuß zu . wir wollen mit Annie spazierenfahren«. am Strande hinjagen zu können. Das ging so wochenlang. daß sich wenigstens die Vormittagsstunden regelmäßig darin abspielten. schrieb auch wohl einen Brief an die Mama oder sagte: »Roswitha. aufs neue gescheitert war. bloß um des Geredes der Kessiner willen. dem es augenscheinlich weniger paßte – so wenig. und es sei doch zuviel verlangt. Und richtig. und Effi war selig.

Eine kurze Weile noch sah man den Kopf. Zwischen den beiden Steindämmen floß die Kessine breit und ruhig dem Meere zu. dann Kruse und Knut und zuletzt Rollo. zu Effis Leidwesen. verspürte man Lust. und Innstettens Kutscher Kruse zu Reitknechten umgewandelt wurden. als man. allerdings ziemlich unvollkommen. fand alles groß und herrlich. in eine Phantasielivree gesteckt wurden. darauf nur hier und da eine leichte Welle kräuselte. so herausstaffiert. indem sie. ein alter Treptower Ulan. denn als sie vorigen November in Kessin eintraf. Effi war noch nie hier draußen gewesen. das wie eine sonnenbeschienene Fläche. vor ihnen lag. so kam man überein. . war sie nicht mehr imstande. zum erstenmal in voller Kavalkade aufbrach. und sich vorsichtig. ein Stück angeschwemmtes Holz. Mitte Oktober war schon heran. auf dem von einer mäßigen Brandung überschäumten Strandwege den diesseitigen Molendamm erreicht hatte. dann tauchte auch dieser unter. sooft die Gelegenheit dazu sich bot. um es nach links hin in die See oder nach rechts hin in die Kessine zu werfen. der Knut hieß. sich von entsprechender Dienerschaft begleiten zu lassen. zu welchem Behufe des Majors Bursche. im Dienste seiner Herrin sich nachstürzen zu können. darin der eigentliche Beruf beider noch nachspukte. denn im selben Augenblicke glitt von einem sonnenbeschienenen und mit grünem Tang überwachsenen Stein eine Robbe glatt und geräuschlos in das nur etwa fünf Schritt entfernte Meer hinunter. allen vorauf war. sich rechts haltend. ja beinahe ängstlich vorwärts schleichend. freilich vergeblich. Effi zwischen ihnen. abzusteigen und einen Spaziergang bis an den Kopf der Mole zu machen. in Front Innstetten und Crampas. der aber bald. Als man das jetzt öde Strandhotel passiert und bald danach. sprang er plötzlich auf einen in Front sichtbar werdenden Gegenstand zu.machen wünschte. war schon Sturmzeit und als der Sommer kam. Sie war jetzt entzückt. weite Gänge zu machen. Effi war die erste aus dem Sattel. Rollo war immer glücklich. erging sich in kränkenden Vergleichen zwischen dem Luch und dem Meer und ergriff. weil ihm das Nachtrotten mißfiel. mit einemmal aber wurde seine Aufmerksamkeit nach einer ganz anderen Seite hin abgezogen.

Indessen. was aber nicht der Fall war. ohne Leichtsinn ist das ganze Leben keinen Schuß Pulver wert. ich weiß schon. Wer geradegewachsen ist. Aber am Ende woher? warum? Weil er einen ›Verdruß‹ hat. Gieshübler.« Crampas wurde einen Augenblick verlegen.« »Nein«. Auf Mohrenwäsche lasse ich mich nicht ein. der sollte doch eigentlich so was nicht reden. der Himmel wird nicht gleich einstürzen. Aber einer wie Sie. Sie haben einen himmlischen Kehrmichnichtdran und denken. der unter der Fahne der Disziplin großgeworden ist und recht gut weiß.Alle waren erregt. klatscht Ihnen Beifall. weil er glaubte. die wir hier haben werden doch wohl untereinander die Augen zudrücken können. und Crampas phantasierte von Robbenjagd und daß man das nächste Mal die Büchse mitnehmen müsse. Aber mal kommt es. »Geht nicht«. Innstetten. »Hafenpolizei. Muß denn alles so furchtbar gesetzlich sein? Alle Gesetzlichkeiten sind langweilig. Überhaupt. wenn möglich. sagte Innstetten. . ist für Leichtsinn. Sie kleidet das.« Der Major hatte sich mittlerweile wieder zurechtgefunden und sagte in seinem alten Ton: »Ja. aber von Gesetz wollen sie nichts wissen.« »Wenn ich so was höre«. »und ich will es auch nicht. lachte dieser.« Und dabei sah er auf des Majors linken. wie Sie sehen.« »Das ist so Frauenrecht von alter Zeit her. etwas verkürzten Arm. ein Mann wie Sie. lachte der Major. Crampas. »denn die Dinger haben ein festes Fell«. noch bessere Grundsätze. »Ja. das alles sei mit einer gewissen Absicht gesprochen. »Da lob ich mir Gieshübler«. Crampas. »immer Kavalier und dabei doch Grundsätze. und wir werden's nicht ändern. auch nicht einmal im Spaß.« »Nun hören Sie. und Effi. zu denen er überhaupt hinneigte. die Weiber schreien sofort nach einem Schutzmann. Crampas. der beste Kerl von der Welt und. Innstetten hielt nur einen seiner kleinen moralischen Vorträge. sagte er einlenkend.« Effi klatschte in die Hände. daß es ohne Zucht und Ordnung nicht geht. gerade soviel kommt mitunter dabei heraus. Natürlich. Nein. gleich nicht. »Hafenpolizei! Die drei Behörden.

Dann sahen beide. wo die Robbe gelegen. von dem Stein weg. daß sich die Spazierritte bis in den November hinein fortsetzten. aber Regen und Kälte fehlten noch. auch Anekdoten und kleine Charakterzüge von Innstetten. erzählte dann Kriegs. in den weiter zurückgelegenen Kiefernwald einlenkte. Das war dann die Zeit. Ein Wetterumschlag war freilich eingetreten. was Innstetten hinderte. so daß er eigentlich immer mehr respektiert als geliebt worden sei«. und so waren diese Ausflüge bei grauem Himmel und lärmender Brandung fast noch schöner. die mitunter Anstoß gab. als sie vorher bei Sonnenschein und stiller See gewesen waren. Crampas.und Regimentsgeschichten. daß der Respekt die Hauptsache ist. weil Soldaten überhaupt nicht sehr für derlei Dinge sind. »der mit seinem Ernst und seiner Zugeknöpftheit in den übermütigen Kreis der Kameraden nie recht hineingepaßt habe. »ein Glück nur. und dann. . »Das kann ich mir denken«. und der Schleier von Effis Reithut flatterte im Winde. die der Brandungslärm unterbrochen hatte. ein guter Causeur. zu seiner Zeit. Rollo jagte vorauf.« »Ja. dann und wann von dem Gischt überspritzt. einmal. so wurd es still. Ende Oktober begann die Wahlkampagne. und die Enge des Wegs zwang die beiden Reiter dicht nebeneinander. und Rollo stand neben ihr. wo man – schon um der Knorren und Wurzeln willen im Schritt reitend – die Gespräche. und das Meer schäumte mächtig. Dabei zu sprechen war fast unmöglich. auf das Meer und warteten. Sie war dicht an die Stelle getreten. wenn man dann aber. und auch Crampas und Effi hätten jetzt um der lieben Kessiner willen wohl verzichten müssen.Effi hatte von diesem Gespräche wenig gehört. Effis Schleier flatterte nicht mehr. ein andauernder Nordwest trieb Wolkenmassen heran. wieder aufnehmen konnte. vom Meere fort. sich ferner an den Ausflügen zu beteiligen. Aber er paßt doch nicht immer. in die schutzgebenden Dünen oder. noch besser. ob die »Seejungfrau« noch einmal sichtbar werden würde. wenn nicht Knut und Kruse als eine Art Ehrengarde gewesen wären. Und zu dem allen kam noch seine mystische Richtung. weil wir die Vorstellung unterhielten. sagte Effi. So kam es.

»Sie schweigen.‹« Effi sagte kein Wort. Auch nicht einmal den aus der Oper. In höheren Karrieren will man keine Alltagsmenschen.« »Darf ich fragen.. daß Ungewöhnlichkeiten nach oben hin besser empfehlen. Aber es ist vielleicht besser. ich muß das trotz aller Verwahrungen einräumen. was dem Major zuletzt bedrücklich wurde. einen abwesenden Freund. Das alles soll ganz ungeniert seine Fortsetzung vor seinen Ohren haben. ich habe seinen Namen vergessen. Sie treiben Ihr Spiel mit uns. warum? Hab ich Anstoß gegeben? Oder finden Sie's unritterlich. Und kurz und gut.« »Aber das ist ja grausam. Und da Sie so was vorhaben. aber Sie wollen sich interessant machen und haben eine Vorstellung davon.« »Ja. »Ja. zu was Sonderbarem aufgebauscht werden. Eigentlich glauben Sie's grad sowenig wie wir. das ist ja alles bloß Komödie.. ein klein wenig zu hecheln? Aber da tun Sie mir trotz alledem unrecht.vielleicht mit Unrecht. Erst ist es was.« »Mystische Richtung?« sagte Effi. Aber er hatte eine Vorliebe. so weit ging er nicht. wie er's uns einreden wollte. Zudem sind es Dinge. als habe er sich über alle die Leichtgläubigen bloß mokieren wollen. Ich möchte nicht hinter seinem Rücken etwas sagen. Major. davon abzubrechen. Major. daß ich ihm auf den Kopf zusagte: ›Ach was. so haben Sie sich was Apartes ausgesucht und sind bei der Gelegenheit auf den Spuk gefallen. daß er doch nicht ganz so dazu stände.« »Nein. gnädigste Frau. die nur. Dinge. und ich will . was verstehen Sie darunter? Er kann doch keine Konventikel abgehalten und den Propheten gespielt haben. wenn er nicht dabei ist und nicht jeden Augenblick eingreifen und uns widerlegen oder meinetwegen auch auslachen kann. einmal kam es. Und Mystik! Ist er denn ein Geisterseher?« »Ein Geisterseher! Das will ich nicht gerade sagen. uns Spukgeschichten zu erzählen. dann war es mit einem Male wieder. Mich täuschen Sie nicht. Wie können Sie meine Neugier so auf die Folter spannen. was falsch ausgelegt werden könnte. die sich sehr gut auch in seiner Gegenwart verhandeln lassen. und dann ist es wieder nichts. man mag wollen oder nicht. Und wenn er uns dann in große Aufregung versetzt und manchen auch wohl geängstigt hatte. Innstetten.

aber ich müßte noch vor der Einsegnung und beinah vor der Taufe stehen. als wir in Liancourt und dann später in Beauvais mit ihm in Quartier lagen.. wie hängt dies zusammen? Was denkt er sich dabei?« »Ja. Es konnte auch nichts sein.« Und nun brach Effi ihr Schweigen und erzählte. Er wohnte da in einem alten bischöflichen Palast – beiläufig. daß ein Mann wie Baron Innstetten . Gott sieht ins Herz. Dies alles ist sehr wichtig für mich. Wie soll ich solche psychologischen Rätsel lösen? Ich bin ein einfacher Mann. was einem guten Vierziger. und ich bin nicht klug aus ihm geworden.« Effi nickte. »Er sagte nicht ja und nicht nein. wenn ich durchaus sprechen soll. aber ein Major vom Landwehrbezirkskommando. und ich bin ihre Freundin. was Sie vielleicht interessieren wird. der die Jungfrau von Orleans zum Feuertod verurteilte –. was sich Innstetten dabei denkt.D. Sie sind gefährlich. der sieht in gar nichts. meine gnädigste Frau. und da verging denn kein Tag. gut.« »Ach. »Ja. glücklicherweise ›Cochon‹ mit Namen. Freilich immer nur so halb. auf das ich mir eine ernste Antwort erbitte: wie erklären Sie sich dies alles?« »Ja.« »Also ganz der alte«. was ich jetzt eben gesagt habe. wie ich sehe. reden Sie nicht so töricht. Crampas. Und nun ein ernstes Wort. Er ist Ihr Freund. Ich bin zu jung. mit einem a..« »Keine Ausweichungen. Sie sind das Gegenteil davon. Major. was sie alles in ihrem Hause erlebt und wie sonderbar sich Innstetten damals dazu gestellt habe. gesagt werden kann. lachte Crampas. Ich will wissen. meine gnädigste Frau.. auf der Karte. Und nun also.« »Das Schmeichelhafteste. wo Innstetten nicht Unglaubliches erlebt hatte. er ist hoch hinaus).. Und nach diesem Prinzip arbeitet er noch. der jeden Tag Ministerialdirektor oder dergleichen werden kann (denn glauben Sie mir..ihm dabei jedes Wort wiederholen. Crampas.« »Gut. war es ein Bischof von Beauvais. daß ein Mann wie Landrat Baron Innstetten.. um Sie für einen einfachen Mann zu halten.« »Glaub es. »So war er damals auch schon. er denkt sich dabei. um eine große Menschenkennerin zu sein. das heißt keine Nacht.

Aber doch erziehen auf einem Umweg. da sind wir wieder aus dem Walde heraus«. nicht in einer solchen Kate. wo der Chinese lag. noch eine zweite Passion: er operiert nämlich immer erzieherisch. was es wolle. ich bitte um Vergebung. beinah Gewagtes. wie die landrätliche Wohnung.« Gleich danach passierten sie den Hohlweg zwischen dem Kirchhof und der eingegitterten Stelle.. Aber wenn es sein kann. lassen Sie's was Gutes sein. gnädigste Frau. doch eigentlich ist. seine Karriere zu machen. ist der geborene Pädagog und hätte.« »Gut denn.« »Ah. haben Sie noch etwas?« »Ja.nicht in einem gewöhnlichen Hause wohnen kann. ja. . hat außer seinem brennenden Verlangen.. Er kutschiert oft im Kreise umher. und dann ist das Haus allein und unbewohnt. wenn es sein muß unter Heranziehung eines Spuks. ich bin ganz Ohr. Wir müssen nur noch an dem Kirchhof vorüber. sagte Effi.« »Ich verstehe Sie nicht. Da hilft er denn nach.« »Und will er mich auch erziehen? Erziehen durch Spuk?« »Erziehen ist vielleicht nicht das richtige Wort.« »Nun denn.. Das ist das eine. »Und da ist Utpatels Mühle. gnädigste Frau. Also Innstetten. Es ist etwas Heikles.. Ein Spukhaus ist nie was Gewöhnliches.« »Das macht mich nur um so neugieriger. es koste. meine gnädigste Frau.« »Eine junge Frau ist eine junge Frau. und Effi sah nach dem Stein und der Tanne hinüber. Aber solch Spuk ist wie ein Cherub mit dem Schwert. links Basedow und rechts Pestalozzi (aber doch kirchlicher als beide). eigentlich nach Schnepfenthal oder Bunzlau hingepaßt. und ganz besonders vor Ihren Ohren.« »Das eine? mein Gott. und ein Landrat ist ein Landrat.« »Dessen bin ich nicht ganz sicher.

der schließlich Innstetten nicht das Wasser reicht. je mehr sie das Gefühl hatte. aber er ist unzuverlässig und ein bloßer Haselant. weil er medisant ist. Aber ganz konnte sie das.« Zuletzt indessen vergaß sie's und ließ sich unbefangen von ihm erzählen. der heute früher zurückkam als gewöhnlich. Crampas verabschiedete sich und ritt in die Stadt hinein.Siebzehntes Kapitel Es schlug zwei Uhr. um ein nicht ganz gewöhnliches Haus zu bewohnen. das stimmte zu seinem Hange. Und »Erziehungsmittel«. denn ihre Verstimmung war noch größer als ihre Müdigkeit. Inzwischen war Mitte November herangekommen. darüber war sie sich klar. Effi ihrerseits kleidete sich um und versuchte zu schlafen. daß die mehr und mehr zurückgestaute Kessine das Bollwerk überstieg und in die Straßen trat. um ihn schon im Flur zu begrüßen. das mochte hingehen. und während sie mit anscheinendem Interesse zuhörte. was Crampas gemeint hatte. das war doch arg und beinahe beleidigend. und inmitten ihrer Zärtlichkeiten. aber das andere. aber mit einem Male mußte sie wieder lachen. sagte nur die kleinere Hälfte. daß er den Spuk als Erziehungsmittel brauchte. klang es in ihr immer wieder: »Also Spuk aus Berechnung. sich von der großen Menge zu unterscheiden. viel mehr war eine Art Angstapparat aus Kalkül. legte sich das . um dich in Ordnung zu halten. und sie ballte ihre kleine Hand und wollte Pläne schmieden. als man zurück war. und der bis zum Sturm sich steigernde Nordwester stand anderthalb Tag lang so hart auf die Molen. es wollte aber nicht glücken. bis er vor seiner am Marktplatz gelegenen Wohnung hielt. was Crampas gesagt hatte. etwas gutmachen zu müssen. Effi sprang auf. Das Blut stieg ihr zu Kopf. Spuk. »Ich Kindskopf! Wer bürgt mir denn dafür. Es fehlte jede Herzensgüte darin und grenzte schon fast an Grausamkeit. und war um so zärtlicher.« In diesem Augenblick fuhr Innstetten vor. Daß Innstetten sich seinen Spuk parat hielt. doch nicht verwinden. war viel. Aber nachdem sich's ausgetobt. daß Crampas recht hat! Crampas ist unterhaltlich.

dann Kruse. Es sollte zunächst wieder bis an die Mole gehen. wo's windstill war.« »Sehr richtig. und so beschloß man. da wollte man dann absteigen. vielleicht aber auch aufrichtig.« »Merkwürdig«. also angelegt –. der wohl der letzte in diesem Herbste sein werde.« »Und dann glauben sie wieder vieles.« »Glaub ich nicht. ein wenig am Strande promenieren und schließlich im Schutze der Dünen. ein Frühstück nehmen. Natürlich. Der Ritt ging wie gewöhnlich durch die Plantage hin. Rollo war wieder vorauf. da habe er hingemußt. Er tat das eine und das andere mit unglaublicher Bonhomie. Denn Ziegenpeter ist ansteckend.Unwetter. Um die festgesetzte Stunde ritt Crampas vor dem landrätlichen Hause vor. Kruse hielt schon das Pferd der gnädigen Frau. was sie besser nicht glaubten. so sehr war er auch wieder guter Kamerad. alles ganz oberflächlich. »Wo haben Sie Knut gelassen?« »Er hat einen Ziegenpeter. schon bloß durch Anblick. um was zu sagen. Aber Sie sollten ihn jetzt sehen! Oder doch lieber nicht. auch Innstetten. denn so rücksichtslos er im Punkte chevaleresker Liebesabenteuer war.« . denn er habe sich auf diesen Ausritt. am nächsten Vormittage noch einmal auszureiten. und es kamen noch ein paar sonnige Spätherbsttage. der einen freien Tag hatte. lachte Effi. dann kamen Crampas und Effi. »Eigentlich sah er schon immer so aus. sagte Effi zu Crampas. wirklich gefreut.« »An meine Adresse?« »Nein. die sich mit seinem Ehrbegriffe sehr wohl vertrugen. vielleicht nur.« »Junge Frauen glauben vieles nicht. »Wer weiß. die sich rasch in den Sattel hob und noch im Aufsteigen Innstetten entschuldigte. Einem Freunde helfen und fünf Minuten später ihn betrügen waren Dinge. Knut fehlte. sehr zu seinem Leidwesen. der nun doch verhindert sei: letzte Nacht wieder großes Feuer in Morgenitz – das dritte seit drei Wochen. wollte mit. Crampas sprach sein Bedauern aus. wie lange sie dauern«.

die roten Fahnen sah.« »Das fragt sich. wo ich mich bis an den Strand hinauswagte. Auch darin übertreiben Sie wieder.« »Wie dies ›schade‹ Sie kleidet.« . Aber sehen Sie da die Bojen. sagt ich mir: da liegt Vineta. Ich glaube wirklich. Sie sind.. die paar Mal. das sei ein Husarenfähnrich von achtzehn. der sich dergleichen nicht wünschte. Sie sind.. In Hohen-Cremmen sagten wir immer. Aber ich möchte den sehen.»Schade.. was es gibt. alles wiedergutmachen – küß die Hand. Gedanken und Wünsche sind zollfrei.. Major. küß die Hand.. wo sie mir vierzehnjährigem Dinge den Hof machten. wie die schwimmen und tanzen.« »Nein. wäre das.« »Nur nicht gerade diesen Vergleich!« »Ach. Das ist wienerisch. die Sie mir gnädigst erlassen. die hab ich kennengelernt. da muß es liegen. das noch im Hintergrunde liegt... ist ein Landwehrbezirksmajor von zweiundvierzig..« »Das macht. Die kleinen roten Fahnen sind eingezogen. und ich mit. Crampas...« »Ein Narr. das für Sie paßt. was es gäbe.« ». Gedanken sind in der Regel etwas.« »So weit will ich nicht gehen.« »Wenn das zuträfe. in Karlsbad. vor vier Jahren... das Eitelste. als recht war. Was ich da alles gehört habe!« »Gewiß nicht mehr. das sind die Turmspitzen.« »Ja. Sie hielten es für ganz in der Ordnung. Das ist so recht das Wort. wenn ich Ihnen eine Liebeserklärung machte. Und dann ist doch immer noch ein Unterschied zwischen Gedanken und Wünschen.« »Welches?« »Nun. weil Sie das Heinesche Gedicht kennen.« »Und jetzt?« »Und jetzt sag ich. das von Vineta. was mir schmeicheln soll. Wünsche aber liegen meist schon auf der Lippe. Aber Sie sind etwas anderes. ziemlich ungezogen. Wobei die zwei Jahre. das Eitelste. Immer wenn ich diesen Sommer. Und die Wiener.

. Aber doch meist aus anderen. das wäre am Ende noch nicht das schlimmste. oder eigentlich hat er es selber getan. das kenne ich nicht.. welche Anschaulichkeit! Er ist mein Lieblingsdichter. er ist nicht bloß für die Liebe. wenn ich Ihnen so ohne weiteres den Inhalt hier wiedergebe –. Was ich aber nicht glaube. gröberen Motiven. und alle haben ein Gesangbuch in Händen und wollen zur Kirche.. mittelalterliche Straßen und trippelnde Frauen in Kapotthüten. da faßt ihn eine Sehnsucht. Aber im selben Augenblicke packt ihn der Kapitän am Bein und ruft ihm zu: ›Doktor.. sind Sie des Teufels?‹« »Das ist ja allerliebst. was freilich gleich nach der Liebe kommt und nach Meinung einiger sogar damit zusammenfällt. der Dichter also. Bei Heine liegt es aber anders: Alles ist Leben. aus der Dichterei mache. und ich kann ihn auswendig.« »Und haben doch Gieshübler und den Journalzirkel! Übrigens hat Heine dem Gedicht einen anderen Namen gegeben. allerdings vielfach aus Liebe.»Nein.« »Wie meinen Sie das?« »Ich meine... Er ist übrigens nicht einseitig darin. Und als er das hört. während er die Stelle passiert. die doch die Hauptsache bleibt. Denn in seinen späteren Gedichten. liegt auf einem Schiffsdeck und sieht hinunter und sieht da schmale.« »Nun. Wofür ist er denn sonst noch?« »Er ist auch sehr für das Romantische. sowenig ich mir sonst. ich kenne überhaupt nur wenig. trotz gelegentlich eigener Versündigungen. auch mit in die Kirche zu gehen. Aber Vineta hat er gemeint. ich glaube ›Seegespenst‹ oder so ähnlich. welche Schilderungskraft. wenn auch bloß um der Kapotthüte willen. »Aber lang oder kurz. und er berührte leise ihre Hand. Ist es lang?« »Nein. Das möcht ich lesen.«. und alle Glocken läuten. die man denn auch die ›romantischen‹ genannt hat. wenn er diese Einseitigkeit auch hätte. die fast . und vor Verlangen schreit er auf und will sich hinunterstürzen. es ist eigentlich kurz. in diesen romantischen Dichtungen wird in einem fort hingerichtet. wohin ich in erster Reihe die Politik. Und er selber – verzeihen Sie. etwas länger als ›Du hast Diamanten und Perlen‹ oder ›Deine weichen Lilienfinger‹. und vor allem versteht er sich auf die Liebe. Leider.

. Bauch auf. Und das alles so ziemlich in demselben Augenblicke. wo wir frühstücken wollen. vor dem gedeckten Tische niederließen. und ging auch alles im Handumdrehen. Kruse. und das helle Gelb der Immortellen hob sich.« . so dürfen Sie nicht weitersprechen. Teebrötchen und Aufschnitt von kaltem Braten. trotz der Farbenverwandtschaft. der voraufgeritten.. Und nun stieg man ab. während sich Crampas und Effi. Landessitte. Strandhafer stand umher. klein und mit Goldrand.« »Von wem?« »Vom Vitzliputzli..« »Ich für meine Person sehe mich dadurch unbeeinflußt und stelle meinen Appetit überhaupt nur in Abhängigkeit vom Menü. Über das von den Sturmtagen her noch bewegte Meer goß die schon halb winterliche Novembersonne ihr fahles Licht aus.. mit einem äußerst primitiven Tisch davor. Das ist indezent und degoutant zugleich. Herz raus. ganz wie's das Programm wollte. Kultus. rechne. »Es tut mir leid.. hatte hier bereits serviert. Major.immer gröblich ist.« »Nein. und die Brandung ging hoch. und noch fataler ist die Geschichte vom Vitzliputzli. Dann und wann kam ein Windzug und trieb den Schaum bis dicht an sie heran. Effi machte die Wirtin.« Während dieser Worte waren sie. Vitzliputzli ist nämlich ein mexikanischer Gott. und als die Mexikaner zwanzig oder dreißig Spanier gefangengenommen hatten. Das war da nicht anders. Ihnen diese Brötchen in einem Korbdeckel präsentieren zu müssen. zwei Pfosten mit einem Brett darüber. Karl Stuart zum Beispiel trägt in einer dieser Romanzen seinen Kopf unterm Arm. darauf sie wuchsen. die durch eine schmale Dünenöffnung einen freien Blick auf Strand und Mole hatten. vom Strand her bis an eine schon halb im Schutze der Dünen aufgeschlagene Bank. Kruse. mußten diese zwanzig oder dreißig dem Vitzliputzli geopfert werden.. gekommen. wie man sie in Badeörtern kauft oder von Glashütten als Erinnerung mitbringt. von dem gelben Sande. ging mit den beiden anderen Pferden auf und ab. scharf ab. Crampas. dazu Rotwein und neben der Flasche zwei hübsche zierliche Trinkgläser. der die Zügel seines eigenen Pferdes um eine Krüppelkiefer geschlungen hatte.

Eine Art Blaubartskönig. immer behaupteten: sie wisse nichts von Geschichte.« .. Denn sehen Sie. Dies Kreuz gehörte mit dazu. Auf dich ist unser Vorrat aber nicht eingerichtet.. . Haben Sie mal von einem gewissen Pedro dem Grausamen gehört?« »So dunkel. gnädigste Frau..« Effi sah ihn an.« ».. schwarzer spanischer Ritter...« ».. wiewohl es die noch gar nicht gab denn es war grade hundert Jahre vor der Entdeckung von Amerika.. an Don Pedros Hofe war ein schöner.. namentlich den von der Mutter der Elisabeth – so schrecklich verlegen.»Ein Korbdeckel ist kein Korb.« »Das ist gut. Aber nun bitte.. einen Neufundländer. sagen wir wie Rollo. Von so einem hört man immer am liebsten. als wäre sie nun an der Reihe. diesem englischen Blaubart. Indessen Kruse hat es so gewollt. diese sechs kannte sie auswendig. Und da bist du ja auch. Einen wunderschönen Hund also. weil Liebesgeschichte.« »Nun also.« »Warum natürlich?« »Weil wir in Spanien sind.« »Ach so. deren Namen Sie ja kennen. die Geschichte von Don Pedro. und dieser Calatrava-Ritter. Rollo erinnert mich wieder an das. hatte einen wunderschönen Hund.« »Und dieser Calatrava-Ritter. mit Ausnahme der sechs Frauen von Heinrich dem Achten... ich meinerseits schon aus Dankbarkeit. wir geben ihm alles. wie sie die Namen aussprach. sag ich. Denn sehen Sie.. daß wir von meiner Freundin Hulda Niemeyer. ». Und wirklich. der das Kreuz von Calatrava – was ungefähr soviel bedeutet wie Schwarzer Adler und Pour le mérite zusammengenommen – auf seiner Brust trug. den die Königin natürlich heimlich liebte.. Und dabei hätten Sie hören sollen... teuerste Effi. Rollo. Was machen wir mit Rollo?« »Ich denke.. und ich weiß noch. wenn das Wort für ihn reicht. das mußten sie immer tragen. was ich Ihnen noch als Fortsetzung oder Seitenstück zum Vitzliputzli erzählen wollte – nur viel pikanter.

« »Ich weiß doch nicht. was geschehen ist. dem dies alles galt. und da war er nun. ging um ein erkleckliches zu weit. und im selben Augenblicke. Hören Sie nur weiter. nicht recht passen sollte. meine Gnädigste.und Heldentaten ein Fest veranstalten wolle. an der langen Festestafel und verklagte den königlichen Mörder. der König. dieser Pedro. Rollo hatte seinen Herrn auf seinem letzten Gange begleitet. den Calatrava-Ritter für die heimliche Liebe heimlich hinrichten zu lassen. lange Tafel. so beschloß er. wenigstens ein Neidling –. und über eben dieses Haupt hinweg starrt Rollo auf sein Gegenüber. für den an diesem Tage zu Feiernden. aber es war zuviel. die wohl nicht ganz heimlich blieb. find ich. um gleisnerisch sein Bedauern auszusprechen. wenn das Wort für einen König und noch mehr für meine liebenswürdige Zuhörerin. und alle Granden des Reichs saßen an dieser Tafel.Rollo schlug an. trotzdem man schon eine ganze Weile seiner gewartet hatte. und es blieb ein leerer Platz – ein leerer Platz gerade gegenüber dem König. Frau Effi. Er heuchelte nämlich. noch immer nicht kommen wollte. hatte das treue Tier das fallende Haupt gepackt. unser Freund Rollo. jagt etwas an der langen Festestafel entlang. Und weil der. »Das ging so manchen Tag. das wurde dem Könige doch zuviel. und da gab es denn eine lange. und weil er den schönen Calatrava-Ritter überhaupt nicht recht leiden mochte – denn er war nicht bloß grausam. und ehe noch irgendwer weiß. daß sein ›lieber Gast‹ noch immer fehle. so mußte schließlich die Festlichkeit ohne ihn begonnen werden. und ihm gegenüber war der Platz für den. den König. wie der König. sich eben erheben will.« »Und nun?« »Und nun denken Sie.« . Etwas geht schon.« »Kann ich ihm nicht verdenken. als er seinen Namen hörte. meine gnädigste Frau. da hört man auf der Treppe draußen einen Aufschrei der entsetzten Dienerschaften. also für den Calatrava-Ritter. er war auch ein Neidhammel oder. und nun springt es auf den Stuhl und setzt ein abgeschlagenes Haupt auf den leer gebliebenen Platz. und in der Mitte saß der König. wo das Beil fiel. und wedelte mit dem Schweif. Aber das mit der heimlichen Liebe. daß er dem Ritter wegen seiner Kriegs.

so haben Sie vor – es ist zum Lachen. das eine Glas. Rollo! Armes Tier. so haben Sie vor. dies Dreißigpfennigglas aus der Josefinenhütte. welche.« Kruse kam. ich kann dich gar nicht mehr ansehen. es auszusprechen –. Sie haben soviel von einem Humoristen. meinetwegen. und ich geniere mich fast. Nur das muß ich Ihnen doch sagen dürfen.« Effi. Rufen Sie. die dies mit angehört hatte. Das werde ich selber nehmen.« »Warum nicht?« . Kruse. was fällt Ihnen nur eigentlich ein? Kruse ist dumm genug. wenn Sie mir andere Geschichten erzählten. den die Königin heimlich liebte. und weil es sehr schön ist.« »Zu Befehl. Ich werde Innstetten davon erzählen.. ziehen Sie nicht Schlüsse daraus.. das lassen Sie stehen.« Er nickte mit einem Anfluge von Schelmerei. müssen Sie mir was anderes erzählen. Aber das berechtigt Sie doch nicht. Herr Major. meine gnädigste Frau. Als er aber die Gläser nehmen wollte.Effi war ganz still geworden. daß er die Sachen hier wieder in die Halfter steckt. sagte Crampas: »Kruse. die Sie mir dabei zudiktieren. sich vor der Zeit auf den König von Thule hin auszuspielen. läßt mich seinen Wert um so tiefer empfinden.« »Daß Sie so spöttisch den Preis nennen. Ich mag nicht als Reimwort auf Ihren König von Thule herumlaufen. Endlich sagte sie: »Crampas. »Crampas. Heine wird doch nicht bloß von Vitzliputzli und Don Pedro und Ihrem Rollo – denn meiner hätte so was nicht getan – gedichtet haben. die Rolle. die mich kompromittieren. Jeder trägt seine Kappe. ohne an den Calatrava-Ritter zu denken. das da. »Nun denn.. so findet er glücklicherweise nichts. Aber Sie könnten doch Beßres und zugleich mir Lieberes tun.. schüttelte den Kopf. aber bitte. und wenn wir zurückreiten. ganz was anderes.« »Das werden Sie nicht tun. Behalten Sie das Glas. Komm. bitte. das ist in seiner Art sehr schön. Wenn ich Sie recht verstehe. Sie wissen... ist mir zuwenig schmeichelhaft. will ich es Ihnen verzeihen. Dann lachte sie.« »Immer derselbe. Auch von Heine. und wenn er darüber nachdenkt. über die Sache nicht weiter nachzudenken. dies Glas. aber doch von ganz sonderbarer Art.

»Innstetten ist nicht der Mann.« Sie sah ihn einen Augenblick scharf an. wie sie gesehen sein wollen. . solche Dinge so zu sehen. Dann aber schlug sie verwirrt und fast verlegen die Augen nieder.

die freilich für den Winter in Sicht standen. was sie dem Verkehr mit dem Major verdankte. daß Innstetten ihr mitteilte. mit . das ihm immer lieber zu werden scheine. Eine solche Rekapitulation sei eigentlich die Hauptsache. Überlegte sie. und wenn es ihr recht wäre. nicht allzu schwer ankommen würde. die man nur flüchtig gesehen und von denen man kaum wisse. daß ihr der Verzicht auf das. Denn an ein häufigeres Sichsehen en famille war nicht wohl zu denken. daß ihn Gieshübler. diese gemeinschaftlichen Ausflüge für die ganze Winterdauer auf sich beruhen zu lassen. berührt und angedeutet war. daß es nunmehr feststand. frei. so fand sie nichts. wenn sie sich ihm gegenüber aufgesteift und jeden Augenblick die Regeln strengen Anstandes befolgt hätte. und selbst Dinge. seine Fahrten nach Varzin würden in diesem Jahre fortfallen: der Fürst gehe nach Friedrichsruh. Er führte das noch weiter aus und fügte hinzu. kämen einem durch solche nachträglichen Studien erst voll zu Bewußtsein und Besitz. Crampas war ein kluger Mann. noch einmal durchmachen. das war durch die Crampasschen Hauszustände so gut wie ausgeschlossen.Achtzehntes Kapitel Effi war unzufrieden mit sich und freute sich. was während all dieser Wochen und Tage gesprochen. Nein. auf seinen Ton eingegangen zu sein. sie konnte sich nicht tadeln. und doch hatte sie ganz leise das Gefühl einer überstandenen Gefahr und beglückwünschte sich. konnten immer nur sehr vereinzelt und sehr flüchtige sein. der den ganzen »italienischen Stiefel« bis Palermo kenne. um dessentwillen sie sich direkte Vorwürfe zu machen gehabt hätte. daß das alles nun mutmaßlich hinter ihr läge. und es wäre kleinlich und kümmerlich gewesen. Dazu kam noch. dadurch mache man sich alles erst dauernd zu eigen. nach der anderen sei es ihm lieb – er könne sich nun ganz seinem Hause widmen. gebeten habe. nach der einen Seite hin bedauere er das. an der Hand seiner Aufzeichnungen. und Begegnungen bei den benachbarten adligen Familien. daß man sie in seiner Seele beherberge. welterfahren. so wollten sie die italienische Reise. Effi rechnete sich dies alles mit wachsender Befriedigung heraus und fand schließlich. frei auch im Guten. humoristisch.

und sie würden sich. war Innstetten. Aber als ob eine Stimme ihr zugerufen hätte: »Sieh dich vor!«. wenn nicht der unschuldige. daß er einstimmig in das Vergnügungskomitee gewählt wurde. und wenn ich mir dann denke. Frisches war es. der den Plan aufgebracht hat?« »Ja. dem er diente. Effi?« Solche Abende wurden nicht bloß geplant. schon um Effis willen. Vicenza daneben bedeuten! Effi war nicht für Aufgewärmtheiten. viel lieber gewesen wäre. so fragte sie doch. mit Effi. die die Rolle der Ella spielen sollte. sie nahmen auch ihren Anfang. Nach einem Crampasschen Plane nämlich sollte noch vor Weihnachten »Ein Schritt vom Wege« aufgeführt werden. Der eine. Effi. auch Roswitha und Annie müssen dabeisein. Sie wissen. trotz größter Abgeneigtheit gegen zweideutiges Handeln. so können das schöne Winterabende werden. gnädigste Frau. Effi war wie elektrisiert. merkte nichts und fuhr fort: »Natürlich ist nicht bloß Gieshübler zugegen. ganz erfüllt von seinem Plane. wonach sie sich sehnte. inmitten ihrer freudigen Erregung: »Ist es der Major. Wir dürfen uns endlich einen hübschen Winter in der Ressource versprechen. nahm Gieshübler die Gelegenheit wahr. mit der er Crampas gehorchte. auch mit aufrichtigster Freude Folge leistete. Was meinst du dazu. was wollten Padua. und du sitzest dabei und strickst mir eine große Winterkappe. daß wir den Canal Grande hinauffahren und hören dabei ganz in der Ferne die Gondoliere singen. Innstetten indessen. Er ist ja wie geschaffen dazu. und wenn er der Innstettenschen Aufforderung zu den italienischen Abenden. der andere war Crampas. während drei Schritte von uns Roswitha sich über Annie beugt und ›Buküken von Halberstadt‹ oder so was Ähnliches zum besten gibt. doch noch eine größere. und als man vor dem dritten italienischen Abend stand.dabeisein zu dürfen. der ein ganz gewöhnlicher Plauderabend ohne den »italienischen Stiefel« (es sollten sogar Photographien herumgereicht werden) viel. darüber zu sprechen. harmlose Gieshübler.« »Und wird er auch mitspielen?« . Wechsel der Dinge. aller Wahrscheinlichkeit nach. über viele Wochen hin ausgedehnt haben. dennoch im Dienste zweier Herren gestanden hätte. so war die Freude. antwortete mit einer gewissen Gezwungenheit.

wie er will. Am Theaterabend in der Ressource trennte man sich spät. Christel und sie selber und auch die alte Unke. die Kruse. um behülflich zu sein. Dann ging Johanna. Sie dürfen das nicht so feierlich nehmen. Denn er kann ja alles und würde den Arthur von Schmettwitz ganz vorzüglich geben. Und er war klug und Frauenkenner genug. sich von ihm zurückzuziehen. die müde war. den er nach seinen Erfahrungen nur zu gut kannte. und es ging vorzüglich.« »Desto schlimmer. oder er hatte es auch aus sich selber bemerkt. das hat er abgelehnt. diese freundlich ansehend und ihre Hand in der seinen haltend. . so strengte sich alles an. daß er nicht vorher daran gedacht. Crampas hatte sich wirklich mit der Regie begnügt. und Effi. es seien viele dagewesen.« »Desto schlimmer?« wiederholte Gieshübler. der auf seine junge Frau nicht wenig eitel war. und so streng er gegen alle anderen war. der Major hat so was Gewaltsames. »Oh. er nimmt einem die Dinge gern über den Kopf fort. ernteten reichen Beifall. wie reizend die gnädige Frau ausgesehen und wie gut sie gespielt habe. daß Effi beflissen war. Der »Schritt vom Wege« kam wirklich zustande. die Mitspielenden.« Sie sprach noch so weiter und verwickelte sich immer mehr in Widersprüche. Ich muß sagen. legte sich nieder. Er hat nur die Regie übernommen. Und man muß dann spielen. Innstetten aber. leider. Entweder waren ihm von seiten Gieshüblers Mitteilungen über das mit Effi gehabte Gespräch gemacht worden. Auf der anderen Seite freilich. um den natürlichen Entwicklungsgang. erzählte Johanna. und nicht. Johanna war noch auf. und Mitternacht war vorüber. hätten von der Musikgalerie her sehr gut zusehen können. wie man selber will. Schade. die eigentlich das Gegenteil bedeutet.»Nein. und Innstetten. und gerade weil man nur noch gute vierzehn Tage hatte (die letzte Woche vor Weihnachten war ausgeschlossen). sowenig hatte er auf den Proben in Effis Spiel hineingeredet. schob einen Stuhl heran und setzte sich an das Bett seiner Frau. das ist nur so eine Redensart. als Innstetten und Effi wieder zu Hause bei sich eintrafen. der noch plaudern wollte. nicht zu stören. vor allem Effi.

das wird wohl richtig sein. und nun gar Damen wie du. denn erstens ist er überhaupt ein Damenmann. »Soll ich noch nach Johanna klingeln. ich bitte dich. das bildest du dir wieder ein. wie. Aber doch lange nicht so eitel wie die anderen.« »Wie galant du bist. Wenn ich daran denke. Und ich wette auch. Ich bin schon gerade eitel genug. Und das ist zu deinen sieben Schönheiten. Geert.« »Sieben Schönheiten haben alle.« Und sie richtete sich im Bett in die Höh und sah ihn starr an. »Nein. Geert. daß es keiner besser weiß als meine kleine Frau selber. die allen die Köpfe verdreht hat.« Er küßte ihr die Hand.« »Eitel genug.« ». eigentlich kaum zu glauben. Wenn ich dich nicht kennte. und dich hätte sie vom Erdboden vertilgen mögen. gegen keinen freundlich.« »Ach. Aber worüber ich mich am meisten gefreut. Du könntest ja auch so sein wie die arme Frau Crampas: das ist eine schreckliche Frau. wie ich dir sage. Effi. Aber es war so.. du kannst die Zahl gut mit sich selbst multiplizieren. das war doch meine entzückende kleine Frau.. und du weißt. der Dichter ist ein Kammergerichtsrat. das ist seine besondere Passion. sprich nicht so. das . Und denke dir.« »Ach. Geert. So manchmal empfindet man's doch stärker. das war ein hübscher Abend. Und noch dazu aus Königsberg. könnt ich mich fürchten. Ich habe mich auch bloß versprochen. Nein. Oder lauert wirklich was dahinter?« »Hast du ein schlechtes Gewissen? Selber hinter der Tür gestanden?« »Ach. daß ich dich habe.. Ich habe mich amüsiert über das hübsche Stück. daß sie uns Tee bringt? Du hast es so gern vor dem Schlafengehen. ich mag die Leute nicht mehr in Anspruch nehmen als nötig. Nach Mitternacht kann auch der Kaiser keine Tasse Tee mehr verlangen.»Ja. ich will nichts als dich ansehen und mich freuen.. Pardon. Die arme Frau! Mir ist nichts aufgefallen.« »Weil du für derlei keine Augen hast. Effi. welchen Schatz man hat. Geert. Was doch ganz unnatürlich ist. ich ängstige mich wirklich. und der arme Crampas war wie befangen dadurch und mied dich immer und sah dich kaum an.

mal kommt es. mit welcher Geschicklichkeit er bewies. heute. Man merkt. unser Freund hält zu denen. Übrigens hat Crampas ein Talent. kein rechter Verlaß. keine grauen Haare wachsen lassen. aber er hazardiert im Leben in einem fort. Aber ich habe mit ihm eine Partie zu Oberförster Ring verabredet.« »Aber heute war sie doch da. am wenigsten mit Frauen. Er spielt nicht am Spieltisch. die Kruse ist unheimlich.« »Ja. für schlecht nicht. Er erfindet immer etwas. Und ich kann es ihm nicht verdenken. Es ist. daß du noch nicht unglücklich warst. Aber ich glaube. er.« »Und da bist du doch mehr für das Unglückliche?« »Ganz entschieden.« »Nun höre. Da würd ich mich auch bedanken. was kommt.« »Es ist mir doch lieb daß du mir das sagst.« . und da hättest du sehen sollen. Gieshübler und der Pastor. das ist Geschmacksache. Beinah im Gegenteil. er traute sich heute nicht. Da ging es nicht anders. und so was bestraft sich immer.« »Sind es denn nur Herren?« »O bewahre. Ich werde mich vorsehen mit ihm. sie zu Hause zu lassen. die von den Gütern ungerechnet. eigentlich in nichts. ich meine von Crampas.« »Ich wüßt es schon. und man muß ihm auf die Finger sehen. ich wüßte nicht wen. und wenn ich zwischen beiden wählen müßte. Eine Spielernatur.« »Hältst du ihn für schlecht?« »Nein. wenn er morgens in die Veranda kam oder wenn wir am Strande ritten oder auf der Mole spazierengingen. daß sie. die sich über das. jedenfalls hat er gute Seiten. die Frau.« »Aber dann ist es doch auch häßlich von ihm. drei andere Damen. Aber er ist so 'n halber Pole.« »Ja. zu Hause bleiben müsse. Du bist mit dabei und noch zwei.Geschnatter hin und her ging. er fürchtete sich vor seiner Frau. die arme Frau zu eskamotieren. auf den dritten Feiertag. es ist doch ein Unterschied zwischen den beiden. Die Majorin ist so etwas wie unsere Frau Kruse. Die arme Majorin ist unglücklich. wie ich dir sage.

Von Crampas war kein Weihnachtsgruß eingetroffen. eine reine Seele. schien sich seines häuslichen Glücks zu freuen und beschäftigte sich viel mit dem Kinde.« . Sonderbar. Weißt du. Innstetten. Aber nicht zu sehr.« Sie sah ihn groß an. und das Kind griff mit seinen Händchen danach. Dann sagte sie: »Ja. dann hilft es nichts. Roswitha war erstaunt.« »Das will ich doch nicht sagen.« »Damit darf man sich nicht quälen. sagte Innstetten nach einer Weile.»Das tu. und seine Gleichgültigkeiten verstimmten sie. Innstetten oder sich selber. und Vetter Briest sandte eine Karte: Schneelandschaft mit Telegraphenstangen. und noch dazu lauter Dinge. eigentlich war es ihr lieb. Aber so oder so. es kam ihr aber nicht aus innerster Seele. auf deren Draht geduckt ein Vögelchen saß. aber auch wieder nicht. wen sie dafür verantwortlich machen sollte. die mich nicht recht froh machen können. den gnädigen Herrn so zärtlich und zugleich so aufgeräumt zu sehen. weil ich fühle. mir ist. die ihr Crampas über ihren Mann als »Erzieher« gesagt hatte. es war nicht alles so. seine Huldigungen erfüllten sie mit einem gewissen Bangen. »Ja. wenn ich solch steifleinenes Wort brauchen darf. Unbefangenheit ist immer das beste.« Effi nickte und dachte mit einem Male wieder an die Worte. aus Hohen-Cremmen kamen Geschenke und Briefe. das bedrückt mich. als hörte ich oben das Tanzen. sie sah ein. Aber nun sprich nicht mehr. Der Heilige Abend kam und verging ähnlich wie das Jahr vorher. Zuletzt ist es doch so: was man empfängt. wie's sein sollte. Gieshübler war wieder mit einem Huldigungsvers zur Stelle. am meisten du. Auch für Annie war aufgebaut: ein Baum mit Lichtern. Sie fühlte sich bedrückt und wußte nur nicht. daß es immer wiederkommt. »Du bist so unruhig«. daß ich es nicht verdiene. Ich dachte. das hat man auch verdient. Alle Welt hat es gut mit mir gemeint. Effi. und natürlich das allerbeste ist Charakter und Festigkeit und. Auch Effi sprach viel und lachte viel. du hättest mit dem allen nur so gespaßt. unbefangen und heiter. Effi. gewiß. man muß nur in Ordnung sein und sich nicht zu fürchten brauchen.

und ihr schlechtes Gewissen ließ sie sich selber fragen. wobei dann der landrätliche Schlitten die Tête zu nehmen und der Crampassche zu folgen hätte. bis weit an den Horizont hin. Zwischen Kessin und Uvagla (wo. um zu gratulieren und noch wegen der Partie nach der Oberförsterei Uvagla hin anzufragen. Denn mit der Wegkenntnis Mirambos. Hannemann war nämlich in seiner Jugend Schiffschirurgus auf einem Grönlandfahrer gewesen. und so würde es sich vielleicht empfehlen. daß er wenigstens dreißig Dienstjahre zählte. Wahrscheinlich auch der Gieshüblersche.Effi hörte scharf hin. ein Wendentempel gestanden) lag ein nur etwa tausend Schritt breiter. Nach diesem Übereinkommen wurde denn auch verfahren. und als Innstetten Punkt zwei Uhr den Marktplatz passierte. den diese kleinen Verlegenheiten erheiterten. Gieshüblers Schlitten. anvertrauen wolle. Spät gegen Abend kam Pastor Lindequist. ob er das absichtlich in so zweideutiger Form gesagt habe. aber wohl anderthalb Meilen langer Waldstreifen. ganz wie Lindequist vermutet hatte. der an seiner rechten Längsseite das Meer. Innstetten. Schon nach zwei Minuten war man an Utpatels Mühle vorbei. dieser in einem Bärenpelz. aber weder der Major noch sein Bursche. folgte. dem man ansah. die natürlich eine Schlittenpartie werden müsse. mit Gieshübler selbst und Doktor Hannemann. der doch sonst so vorsichtig. ein großes. überaus fruchtbares und gut . auch das Kutschieren übernehmen solle. war mit Lindequists Vorschlage durchaus einverstanden und ordnete die Sache dahin. dem sich unerklärlicherweise Freund Alonzo. jener in einem eleganten Büffelrock mit Marderbesatz. der. Crampas habe ihm einen Platz in seinem Schlitten angeboten. der Sage nach. Mirambo saß vorn. grüßte Crampas zunächst von seinem Schlitten aus zu Effi hinüber und schloß sich dann dem Innstettenschen an. wie alles. etwas aufgeregt wegen Unkenntnis im Kutschieren. die Fahrt gemeinschaftlich zu machen. an seiner linken. Der Pastor saß neben ihm. kenne den Weg. daß er pünktlich um zwei Uhr über den Marktplatz fahren und ohne alles Säumen die Führung des Zuges in die Hand nehmen werde. stehe es wahrscheinlich noch schlechter als mit der des sommersprossigen Treptower Ulanen.

eine von Natur sehr ängstliche. Natürlich. fuhr Effi halb verlegen. als ich vierzehn war. Zum Glück kam sein Unmut zu keinem Ausbruch. so daß man schon um drei vor der Oberförsterei hielt. und nur. auf dem kunstvoll aufgeschichtete Kuchenpyramiden standen. Statt dessen sagte diese: »Das kann ich mir denken. Sidonie nickte. flogen jetzt die drei Schlitten hin. Einer dieser Wagen war an seinen altmodisch hohen Rädern deutlich zu erkennen. an der Binnenseite. es war der Papenhagensche.angebautes Stück Land hatte. Güldenklee galt als der beste Redner des Kreises (noch besser als Borcke. Cora. der für Sicherheit und Schneidigkeit war. hatten seine Töchter desto mehr. militärisch dreinschauender Herr von Mitte Fünfzig. Sie saß neben Sidonie von Grasenabb und sagte: »Sonderbar. bildhübsche Backfische von vierzehn und dreizehn. denn von dem. die.« . Ring. kokettierte sofort mit Innstetten und Crampas. stand in der Tür und empfing seine Gäste. so bin ich auch gewesen. die ganz nach dem Vater schlugen. zeigte sich auch als Wirtin so. ganz augenscheinlich verdroß. zum mindesten aber sehr befangene Frau. Besonders die ältere.« Effi rechnete darauf. Hier. zunächst vor einem langgedeckten Kaffeetische Platz nahmen. Das ist die Signatur unserer Zeit. um doch was zu sagen. ja selbst besser als Grasenabb) und durfte bei Festlichkeiten nicht leicht fehlen. Die Oberförsterin. in einiger Entfernung ein paar alte Kutschwagen vor sich. was seine Frau vermissen ließ. daß Sidonie dies bestreiten oder doch wenigstens Einschränkungen machen würde. und beide gingen auch darauf ein. Die Fahrt ging rasch – auch die herrschaftlichen Kutscher strengten sich an und wollten sich nicht überholen lassen –. »Da liegt es. der den ersten Feldzug in Schleswig noch unter Wrangel und Bonin mitgemacht und sich bei Erstürmung des Danewerks ausgezeichnet hatte. Keine Zucht. was den überaus eitlen Oberförster. aller Wahrscheinlichkeit nach. nachdem sie abgelegt und die Frau des Hauses begrüßt hatten. fort. in denen. ein stattlicher. Effi ärgerte sich darüber und schämte sich dann wieder. daß sie sich geärgert habe. andere nach der Oberförsterei hin eingeladene Gäste saßen.« »Und wie der Vater sie verzieht«.

»Ein hübscher Titel. so kamen auch schon die Rehe auf sie zu. Major.« Auf dem Rückwege vom Walde nach der Oberförsterei begann es zu schneien. Der Kaffee war bald genommen.« »Ja«. und sagte: »Wenn das so weitergeht. wiederholte Crampas. drin Wild eingezäunt war. »so bin ich doch nicht gewesen.« »Gottesmauer«. auswendig gelernt. aber mit einem Gedichte – freilich keinem Heineschen. Sie sind so belesen. die fielen. ein lebendes Bild zu stellen. doch voraus. auch nach dem. »Nein«. vielleicht auch anderes noch. am wenigsten bei Effi. schweren Schneeflocken. man macht sie sich nicht bloß nach dem. Es war eigentlich reizend. Zugleich wies er auf die großen. als ich noch ganz klein war. wie diese furchtbare Sidonie mir eben andeutete. eine Vorstellung von Schutz und Beistand. Vielleicht hat es mir auch an Zucht gefehlt. Dies Gedicht heißt die ›Gottesmauer‹. ließ doch einen reinen Eindruck nicht aufkommen. Crampas gesellte sich zu Effi und sprach ihr sein Bedauern aus. ganz wie ein Märchen.« »Das wäre nicht das Schlimmste. als ich diesen Sommer sie wiedersah. und wie verhält es sich damit?« . Cora öffnete das Gatter. zunächst auf ein Gehege zu. meine gnädigste Frau. um noch einen halbstündigen Spaziergang in den umliegenden Wald zu machen. was man persönlich erfahren hat.Effi brach nun ab. das sich bewußt war. und kaum daß sie eingetreten. daß er noch nicht Gelegenheit gehabt habe. Das war immer Huldas Sache. »mit den Vorstellungen ist es ein eigen Ding. ich habe mich nie geziert. was man irgendwo gehört oder ganz zufällig weiß. fuhr Effi fort und versuchte zu lachen. und man stand auf. wie mir scheint. und ich hab es bei unserm Hohen-Cremmner Pastor vor vielen. Aber die Eitelkeit des jungen Dinges. so schneien wir hier ein. sie zu begrüßen.« »Das ist mir neu. Darum gefiel sie mir auch nicht. Mit dem Eingeschneitwerden verbinde ich von langer Zeit her eine freundliche Vorstellung. Man war zu Haus zu gütig gegen mich. keinem ›Seegespenst‹ und keinem ›Vitzliputzli‹ bin ich Ihnen. sagte sie zu sich selber. Aber das darf ich doch wohl sagen. vielen Jahren. man liebte mich zu sehr.

die sich vor dem Feinde mächtig fürchtete. er möge doch ›eine Mauer um sie bauen‹. Da war irgendwo Krieg.»Eine kleine Geschichte. nur ganz kurz. waren alle wieder in der Oberförsterei zurück. ein Winterfeldzug. Und da ließ Gott das Haus einschneien. . und eine alte Witwe. und der Feind zog daran vorüber.« Crampas war sichtlich betroffen und wechselte das Gespräch. betete zu Gott. um sie vor dem Landesfeinde zu schützen. Als es dunkelte.

was soll dabei herauskommen?« . war helle Bewunderung. daß der Weihnachtsbaum. als sie Coras ansichtig wurde: »Da ist ja wieder dies unausstehliche Balg. Außerdem befand sich über dem Büfett ein sehr nachgedunkeltes Porträt des alten Nettelbeck.Neunzehntes Kapitel Gleich nach sieben ging man zu Tisch. sie könnte jeden Augenblick Kellnerin werden. darauf geboten hatte. das reiche Silbergeschirr. diese Cora. Der Damast. einmal in Öl und einmal in Kork geschnitzt. Diese saß zwischen Innstetten und Lindequist und sagte. aus einem reichen Danziger Kornhändlerhause stammte. und alles freute sich. Ganz unerträglich. das Bild des Alten haben wollen. mit Ausnahme Sidoniens. Das Nettelbeck-Bild ließ ziemlich viel zu wünschen übrig. Sehen Sie nur. eine beinahe an Glanz streifende Wohlhabenheit. noch einmal angesteckt wurde. bei der wie gewöhnlich stattfindenden Auktion. Kloster Oliva war zweimal da. weit über oberförsterliche Durchschnittsverhältnisse hinaus. Crampas. Innstetten. das aufgetragen wurde. eine mit zahllosen Silberkugeln bedeckte Tanne. ein wahres Kunststück. Niemand hatte damals. alles wirkte herrschaftlich. wie sie die kleinen Weingläser präsentiert. und der alte Kolbergverteidiger war der Oberförsterei verblieben. wie schon angedeutet. was darin seinen Grund hatte. der sich über diese Mißachtung ärgerte. so scheu und verlegen sie war. Jeder hatte mehr oder weniger seine Freude daran. bis Innstetten. Da hatte sich denn auch Ring patriotisch besonnen. und dem entsprach denn auch das Mahl. die Weinkühler. der Marienburger Remter und eine gute Kopie nach dem berühmten Memlingschen Altarbilde in der Danziger Marienkirche. Von da her rührten auch die meisten der ringsumher hängenden Bilder: der Kornhändler und seine Frau. Und dazu die Blicke von Ihrem Freunde Crampas! Das ist so die rechte Saat! Ich frage Sie. sonst aber verriet alles. das noch aus dem bescheidenen Mobiliar des erst vor anderthalb Jahren verstorbenen Ringschen Amtsvorgängers herrührte. der das Ringsche Haus noch nicht kannte. daß Rings Frau.

meine Gnädigste. Nun sehen Sie. Zucht. als ob er von dem abstamme. Ich kenne das.« »Dann müssen Sie mir die Bemerkung verzeihen. in dem das alles gesagt wurde. war eine Plättfrau in Köslin. so verletzend herbe.« In diesem Augenblicke kam ein englisches Roastbeef. es hält das heutzutage sehr schwer. gewiß. die Hauptschuld tragen die Eltern und Erzieher. Aber so viel muß ich doch von Ihnen. Ring – wenn ich nicht irre. die ich noch gekannt habe. der Geist der Zeit aber zu mächtig sei. das ist der Ausdruck höchster Schwäche. aber. »Kommen Sie mir nicht damit. immer dem Unbequemen aus dem Wege gehen. was Sie hier sehen. nicht wohl anders sein. was dabei herauskommen soll? Ich weiß es auch nicht« – worauf sich Sidonie von ihm ab. »Geist der Zeit!« sagte Sidonie.. aber ich weiß auch. denselben Ton anschlagend wie Innstetten. Denn Pflicht ist unbequem. der ihr eigentlich zustimmte. daß er spöttisch bemerkte: »Ja. Es bleibt dabei. daß sie mit vieler Unbefangenheit fortfuhr: »Es kann übrigens alles. es vielfach an dem rechten Ernste fehlen lassen. Und so wird nur allzuleicht vergessen. alles ist schief und verfahren von Anfang an.« »Schlimmes finden? Ich auch nicht. daß das uns anvertraute Gut auch mal von uns zurückgefordert wird. hat es drüben in Schweden oder da herum mal einen Sagenkönig dieses Namens gegeben. Pastor. antwortete. Das Fleisch ist schwach. so durfte es auch nicht wundernehmen. als einem . von dem Sidonie ziemlich ausgiebig nahm.Innstetten. lieber Pastor. Eingreifen..« Lindequist. Und weil sie's nicht bemerkte. denen die Fürsorge für junge Seelen obliegt. fand trotzdem den Ton. Ring. daß Sie sie nicht in die richtige Schule genommen haben. nie scharf zufassen wollen. Ich weiß wohl. Bankrutterklärung. und seine Mutter. daß die. ohne Lindequists Lächeln dabei zu bemerken. benimmt er sich nicht. Und jedenfalls gibt es Schlimmeres. ist diese vierzehnjährige Kokette schon im Unterricht bei Ihnen?« »Ja.« »Ich kann darin nichts Schlimmes finden. daß das alles sehr richtig. Das kann ich nicht hören. mein gnädigstes Fräulein.und ihrem Nachbar zur Linken zuwandte: »Sagen Sie.

geschickt übereinandergetürmt. einen Toast auf seinen lieben Oberförster auszubringen. Rotgolden wölbte sich dabei der Strahl. mit einer gewissen strahlenden Feierlichkeit in Aktion und begann die vor ihm stehenden Gläser. So war es auch heute wieder. die die Geschichte von den ›drei Ringen‹ heißt. die wir alle kennen. Ein Oberförster ist ein bißchen mehr als ein Förster. gewärtigen dürfen.« »Unerhört«.. noch weit über die vor einigen Stunden aufgetragene Kaffeekuchenpyramide hinauswuchs. als jeder. wenn nicht in eben diesem Augenblicke die dampfende Punschbowle – womit die Weihnachtsreunions bei Ring immer abschlossen – auf der Tafel erschienen wäre. meine Freunde«. wenn sie. und es gibt sogar eine Geschichte. »Ja.geweihten Diener der Kirche. daß Sie die gesellschaftlichen Ordnungen gelten lassen. »Es gäbe viele Ringe«. ein Einschenkekunststück. Gardinenringe. wie herkömmlich bei Festlichkeiten der Art. das alles ist ungehörig und zieht dann solche Kinder groß wie dies Fräulein Cora. würde sich auch heute bis zum Kassandrablick in die Zukunft gesteigert haben. in Händen hielt – auch Cora. große geschliffene Römer. der sich bis dahin etwas zurückgehalten hatte.. das die stets schlagfertige Frau von Padden. Und nun trat auch Ring selbst. »Jahresringe. Zuletzt aber. um. jedesmal bereit. und ein Förster hat nicht solche Weinkühler und solch Silberzeug.« Sidonie. irgendwas Schreckliches zu prophezeien. die heute leider fehlte. in virtuosem Bogensturz zu füllen. fuhr Güldenklee mit gehobener Stimme fort. was ihm zukam. vom Geist überkommen. und kein Tropfen durfte verlorengehen. »viele Ringe gibt es. so sei glücklicherweise die Gewähr gegeben. so etwa begann er. . die sich mittlerweile mit ihrem rotblonden Wellenhaar auf »Onkel Crampas'« Schoß gesetzt hatte –. daß einer davon in kürzester Frist in diesem Hause sichtbar werden und den Ringfinger (und zwar hier in einem doppelten Sinne den Ringfinger) eines kleinen hübschen Pätschelchens zieren werde. und was nun gar – denn auch davon dürfe sich am Ende wohl sprechen lassen – die Verlobungsringe angehe. raunte Sidonie dem Pastor zu. das. die Schalen ihres Zornes ausschüttete. erhob sich der alte Papenhagner. Trauringe. dazu Krausgebackenes. mal als »Ringsche Füllung en cascade« bezeichnet hatte.

»in anderen Ländern hat man was anderes. um gleich Unruhe zu zeigen oder gar Lärm zu machen. wie der ganze liberale Krimskrams. die Wagen seien vorgefahren. Für diesen Ring bin ich. Und nun lassen Sie mich schließen. um Ihre Geduld und Nachsicht nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen. antwortete Innstetten. der alles Gute. ein Ring. die. wie er sein soll. Ich bin nicht für diese drei Ringe.« Man sang alle Strophen durch.« . alles. das Amt des »Einschenkens en cascade« an den ihm gegenübersitzenden Crampas abtreten mußte. will ein Preuße sein. worauf alles stehend und feierlich einfiel: »Ich bin ein Preuße.« »Nein«. was noch mit Gott für König und Vaterland einsteht – und es sind ihrer noch einige« (lauter Jubel) –. sagte gleich nach der ersten Strophe der alte Borcke zu Innstetten. ich bin vielmehr für einen Ring. der von solchem Patriotismus nicht viel hielt. »so was hat man in anderen Ländern nicht. Im Hausflur standen zwei hübsche Mägde.« »Es ist doch etwas Schönes«. und gleich darnach erhob sich alles. und das Einsteigen in die verschiedenen Gefährte schien sich schnell und ohne Störung vollziehen zu sollen. der. um den Herrschaften beim Anziehen ihrer Pelze behülflich zu sein. Er liegt im Stall und schreit. »an diesem seinem gastlichen Tisch vereinigt sieht. der Gieshüblersche Schlitten sei nicht da.. Er lebe hoch!« Alles stimmte ein und umdrängte Ring. um die Pferde nicht warten zu lassen. »was es denn eigentlich sei. Alles war heiter angeregt. für einen Ring. meine Lieben.« »Mirambo kann nicht fahren«. dann hieß es. einige mehr als das. nichts wie Verwirrung und Unheil gestiftet hat und noch stiftet. als es mit einemmal hieß. Ring hielt auf dergleichen. »das linke Pferd hat ihn beim Anspannen vor das Schienbein geschlagen. Denn diese Rücksicht »auf die Pferde« ging auch im Kreise Kessin allem anderen vor. Gieshübler selbst war viel zu artig. sagte der Hofeknecht. Gott bessere es.eine Judengeschichte. weil doch wer das Wort nehmen mußte. fragte Crampas. solange das dauerte. der Hauslehrer aber stürzte von seinem Platz am unteren Ende der Tafel an das Klavier und schlug die ersten Takte des Preußenliedes an. endlich aber. der so recht ein Ring ist.. was wir in unsrem altpommerschen Kessiner Kreise haben.

in die Stadt führte. von der man einen prächtigen Ausblick auf das Meer hatte. Wo der Morgnitzer Weg abzweigt. eine Meile lang. mein Vater liebt das. und Effi. die Luft war frisch. Mirambo müsse zurückbleiben. wurde dem Vorschlage zugestimmt. Sie wußte recht gut. aber schaffte doch die Verlegenheit.Nun wurde natürlich nach Doktor Hannemann gerufen. »In unserer Kutsche ist es immer so stickig. steig ich aus und muß dann wieder in unsern unbequemen Kasten. mitunter den Schaum der Brandung durchschneidend. und so stieg denn das Fräulein ein. und von der oberförsterlichen Rampe her. nicht aus der Welt. daß er für Mirambo einzutreten und das Zwiegestirn von Doktor und Apotheker persönlich glücklich heimzusteuern gedenke. Der Schneefall hatte schon seit ein paar Stunden aufgehört. der denn auch hinausging und nach fünf Minuten mit echter Chirurgenruhe versicherte: »Ja. es sei vorläufig in der Sache nichts zu machen als stilliegen und kühlen.« Das war nun einigermaßen ein Trost. rechts einbiegend. durch die Plantage hin. wie der Gieshüblersche Schlitten zurückzufahren sei. und Innstetten. und auf das weite dunkelnde Meer fiel der matte Schein der Mondsichel. um hülfreich zu sein. mit ihr fahren zu dürfen. Lachend und unter ziemlich angeheiterten Scherzen gegen den verbindlichsten aller Landräte. trat Sidonie lächelnd an Effi heran und bat diese. in beinahe gerader Linie bis an das Kessiner Strandhotel und von dort aus. Kruse fuhr hart am Wasser hin. der. und kaum daß beide Damen ihre Plätze genommen hatten. Übrigens von Bedenklichem keine Rede. da ja nun ein Platz frei sei. auf den Strandweg zu. so gab Kruse den Pferden auch schon einen Peitschenknips. Aber nur bis Quappendorf. die etwas fröstelte. Und außerdem. Und als gleich danach auch Kruse mit dem landrätlichen Schlitten vorfuhr. der sich. daß das mit der »stickigen . Crampas und Lindequist folgten unmittelbar. nahm jetzt wieder die Tête. ging es. aber ihr blieb keine Wahl. mit Gieshübler und dem Doktor im Fond. sogar von seiner jungen Frau trennen wolle. Und Papa raucht auch noch.« Effi war wenig erfreut über diese Begleitung und hätte die Fahrt lieber allein gemacht. bis Innstetten erklärte. die ziemlich steile Düne hinunter. ich möchte so gerne mit Ihnen plaudern. wickelte sich fester in ihren Mantel und schwieg noch immer und mit Absicht.

wenn ich hinausflöge. es ist Torheit..« »Hören Sie nicht etwas wie Musik?« »Orgel?« »Nein. daß er sich einbilden würde. Da würd ich denken.. sonst würd ich mir einbilden. was ist das? Es blitzt ja bis hoch in den Himmel hinauf. Aber. »Sie sind nervenkrank. Und wenn es dergleichen wäre. ich weiß. als ob es ein Weltwunder wäre..« »Das sind Sinnestäuschungen«. ein unendlich feiner Ton. vielleicht auch von dem oberförsterlichen Punsch. diesen eitelsten aller Sterblichen. wie ich sehe. tapfer zugesprochen hatte. Zudem war sie wirklich müde. Übrigens ein wahres Glück.. Übrigens hören Sie nichts?« »Nein. Freilich ein etwas kaltes Bad. Fährt der Schlitten auf einen Stein. daß Sie auch die richtige Stimme hören. schloß die Augen und neigte den Kopf immer mehr nach links. das tue ihm der Himmel zu Gefallen.. Güldenklee konnte Besseres tun als ihn feiern. Das ist es nicht. Und dann. Und das kam immer noch früh genug. Aber es ist etwas anderes. es sei das Meer. ich bitte Sie. sie haben so was Prosaisches.. gewiß. Sie tat denn auch.. vielleicht von dem Spaziergang im Walde. am liebsten gleich in die Brandung. auch nicht einmal die Haken dazu. ich hätte die Meerfrauen singen hören. unsern Freund Oberförster. um sein Fest noch festlicher zu machen. Er ist ein Narr. über dies Nordlicht sprechen zu hören. wir haben uns vor Naturkultus zu hüten. daß wir außer Gefahr sind. Gebe Gott. Ihr Schlitten hat ohnehin kein Schutzleder und. als ob sie schliefe.« »Ja«. fast wie menschliche Stimme. dem sie. Das muß ein Nordlicht sein. sagte Sidonie. nicht Orgel. mir wär es recht.« »Ich kann die Schutzleder nicht leiden. meine gnädigste Frau. um ihr etwas Unangenehmes zu sagen. »Sie sollten sich nicht so sehr nach links beugen. Sie hören Stimmen. so fliegen Sie hinaus.« »Ich höre.. die jetzt den richtigen Einsetzemoment gekommen glaubte. Ich wette. sagte Sidonie. auf Zureden der neben ihr sitzenden Frau von Flemming. »Gnädigste Frau tun ja. aber was tut's. nun. Und dabei spielt er sich auf den Kirchlichen .Kutsche« bloß Vorwand gewesen und daß sich Sidonie nur zu ihr gesetzt hatte.

die ihren Zweck erreicht hatte und deshalb ruhig lächelnd fortfuhr.« Und dabei sah sie die junge Frau mit beinahe ungezogener Eindringlichkeit an. auch die beiden anderen Schlitten hielten – am weitesten nach rechts der von Innstetten geführte. gnäd'ge Frau. sagte Sidonie. die's ernst mit dem Heil ihrer Seele meinen. Kruse wandte sich halb herum und sagte: »Der Schloon. »und zu diesen leichten Rätseln gehört unser Oberförster.. es liegt bei ihm alles klar da. daß die Frage leichter gestellt als beantwortet sei. denn ihre Weltlichkeit liegt immer obenauf und wird denen mit angerechnet.« »Der Schloon? Was ist das? Ich sehe nichts. Und wie bei ihm selbst. Das ist es. Für mich hat es nicht viel auf sich. ist es ganz leicht«. daß rechts von ihnen. und unsere Pferde sind außerdem daran gewöhnt. sag ich. die haben hohe Räder. daß Cora daran mitgestickt hat. Effi schwieg und wandte sich ungeduldig zur Seite. und als sich beide Damen umsahen. ins Herz zu sehen!« »Ja. Worin er auch recht hatte.. Wer seine Kinder so erzieht. »Ja. Diese Unechten sind schuld an allem. wiederholte Sidonie. denn wenn erst die Wagen heran sind.aus und hat auch neulich eine Altardecke geschenkt. Aber bei manchem ist es auch ganz leicht. das hier mit allem Bescheid wußte und natürlich auch mit dem Schloon.« In diesem Augenblicke hielt der Schlitten. »da steht es schlimm. wie wenn er ausdrücken wollte. Kruse fand aber in seiner Verlegenheit alsbald Hülfe bei dem gnädigen Fräulein. in jedem Fall ist sie verloren. Cora geht nach Amerika und wird Millionärin oder Methodistenpredigerin. »Bei manchem. in etwa dreißig Schritt Abstand. aber das eine Gute hat es. so bei den Töchtern.« »Es ist so schwer. Aber mit solchem Schlitten ist es was anderes. näher heran der Crampassche. meine gnädigste Frau«. die versinken im . das war nicht so mit drei Worten zu sagen. Ich habe noch keine Vierzehnjährige gesehen. bemerkten sie. ich komme bequem durch. was es denn eigentlich sei. um in Erfahrung zu bringen.« Kruse wiegte den Kopf hin und her. »Was ist?« fragte Effi. Denn was der Schloon sei. den beklag ich. Vielleicht.

das hier rechts vom Gothener See her herunterkommt und sich durch die Dünen schleicht. so vermeldete er. müßten die Entscheidung treffen.« »Und doch ist es so was.« »Das kenn ich«. aber nicht so. sagte Effi lebhaft. um hier mit Innstetten zu verabreden. es müsse durchaus noch mal versucht werden. aber Knut sei dumm und verstehe nichts von der Sache. dann sinkt man ein. ich sehe noch immer nicht klar. daß man es sehen kann. die hier zu Hause seien. war Crampas aus seinem Schlitten ausgestiegen und auf den am äußersten Flügel haltenden Gieshüblerschen zugeschritten. Während das Gespräch noch so ging und sich fortsetzte. und am stärksten immer dann. Und im Sommer trocknet es mitunter ganz aus.. drin man mit Mann und Maus zugrunde gehen muß? Ich kann mir so was hierzulande gar nicht denken. er wisse schon. Ist denn der Schloon ein Abgrund oder irgendwas.« »Und im Winter?« »Ja.« »Versinken! Ich bitte Sie. Alles geht nämlich unterirdisch vor sich. Knut. Da wird es ein Sog. wenn der Wind nach dem Lande hin steht.. was sind das nur alles für Namen und Wörter!« ». Und wenn man dann über solche Sandstelle weg will. mein gnädigstes Fräulein. die keine mehr ist. die Geschichte wiederhole sich jedesmal: die Leute hier hätten einen Aberglauben und vorweg . »Das ist wie in unsrem Luch«. und der ganze Strandsand ist dann bis tief hinunter mit Wasser durchsetzt und gefüllt. und Sie fahren dann ruhig drüber hin und wissen es nicht einmal. nur freilich im kleinen. im Winter. Da wird es dann ein Sog. Und das ist das Schlimmste von der Sache.« »Mein Gott. was nun wohl eigentlich zu tun sei. nur solche. da ist es was anderes. aber doch oft. und inmitten all ihrer Ängstlichkeit wurde ihr mit einem Male ganz wehmütig-freudig zu Sinn. Innstetten – sehr zu Crampas' Überraschung – war auch fürs »Riskieren«. und Sie werden wohl oder übel einen Umweg machen müssen. dieser Schloon ist eigentlich bloß ein kümmerliches Rinnsal. wolle die Durchfahrt riskieren.Schloon. nicht immer.. darin steckt die eigentliche Gefahr. als ob es ein Sumpf oder ein Moor wäre. Dann drückt der Wind das Meerwasser in das kleine Rinnsal hinein..

wo die Pferde den Schloon auch nur berührten. Nicht Knut. sich verabschiedet und dem seine türkische Pfeife rauchenden Vater gegenüber ihren Rückplatz eingenommen hatte. »Es geht nicht«. ging es mit dem Wagen ohne weiteres auf den Schloon zu. das friedlichere Mittel eines Umwegs zu wählen. der eigentlich nichts als eine mit Tuch überzogene Leiste war. und ehe eine halbe Minute vorüber war. statt aller weiteren Forcierung. um Sidonie zu helfen. sanken sie bis über die Knöchel in den Sand ein.« Dieser hatte denn auch die Pferde bereits um hundert Schritte zurückgezoppt und hoffte. Während sich dies abspielte. Vom rechten Flügel her klang des Landrats bestimmte Weisung herüber. und rief Kruse zu: »Nun vorwärts. und als Sidonie. die Pferde sanken tief ein. so verständigt waren.eine Furcht. der. vorläufig diesseits zu bleiben und ihm durch die Dünen hin bis an eine weiter hinauf gelegene Bohlenbrücke zu folgen. und zwar einfach dadurch. ganz nach empfangener Ordre den kleinen Sitzplatz ein. aber die Räder ließen alle Gefahr leicht überwinden. nach kurzem Dank gegen Effi. der wisse nicht Bescheid. trat der Major. daß sich Innstetten entschlossen hatte. als er lachend seinen Auftrag ausgeführt hatte. um bei der Hand zu sein. Also genau das. und Kruse nickte. wieder an Effi . denn auch für die Schlittenfahrer war in der zwischenliegenden Zeit Rat geschafft worden. sagte Crampas. Effi sah ihnen nicht ohne Neid nach. den Schlitten glücklich durchbringen zu können. waren endlich auch die Kutschen herangekommen. Als beide Kutscher. trabten auch schon die Grasenabbs drüben weiter. Knut und Kruse. Mit dieser Innstettenschen Botschaft erschien jetzt Crampas bei den beiden Damen und nahm. wenn der Schlitten umkippe. im selben Augenblick aber. Indessen nicht lange. wohl aber Kruse solle noch einmal einen Anlauf nehmen und Crampas derweilen bei den Damen einsteigen (ein kleiner Rücksitz sei ja noch da). während es doch eigentlich wenig zu bedeuten habe. Das sei doch schließlich das Schlimmste. Die andern Kutschen folgten. die Grasenabbsche vorauf. scharf anfahrend. gleichzeitig mit dieser ausgestiegen war. so daß sie nur mit Mühe nach rückwärts wieder heraus konnten. was geschehen könne. Kruse. was Sidonie gleich anfangs in Sicht gestellt hatte.

wo sein Schlitten die Bohlenbrücke passierte. auf dem man in früher Nachmittagsstunde gekommen war. und sie hörte. Dann nahm er ihre Hand und löste die Finger. »Effi«. das die »Gottesmauer« hieß. und sie schob die Finger fest ineinander. bog er. der mitten durch die dichte Waldmasse hindurchführte. drei Male kam es auch über ihre Lippen. um es sich bloß in Eitelkeit zurechtzulegen. genau also den Weg entlang. und Crampas nahm links neben ihr Platz. und im selben Augenblicke. statt den Außenweg zu wählen. aber mit einemmal fühlte sie. Crampas selbst aber war zu sehr Frauenkenner. Gedanken und Bilder jagten sich. so betete auch sie jetzt. Innstetten aber hatte sich inzwischen einen andern Plan gemacht. Und so ging es denn im Fluge den beiden anderen Schlitten nach. All dies hätte vielleicht mißdeutet werden können. das einzig Richtige war. Immer vernehmlicher klang es. um sich einen Halt zu geben. immer dicht an dem Wasserlaufe hin. Zwei. Effi schrak zusammen. in einen schmaleren Weg ein.heran und sagte: »Ich kann Sie nicht allein lassen. und überdeckte sie mit heißen Küssen. Er sah deutlich. und eines dieser Bilder war das Mütterchen in dem Gedichte. daß Gott eine Mauer um sie her bauen möge. und in geringer Entfernung vor sich hörte sie das Geläut der voraufeilenden Schlitten. Es war unmöglich für sie. und wie das Mütterchen. die sie noch immer geschlossen hielt. gnäd'ge Frau. was. und . daß Effi nur tat. Als sie die Augen wieder öffnete. und die dunklen Kronen wölbten sich über ihr. war man aus dem Walde heraus. daß seine Stimme zitterte. Es war ihr. Sie fürchtete sich und war doch zugleich wie in einem Zauberbann und wollte auch nicht heraus. Effi sah hinüber und nahm an. klang es jetzt leis an ihr Ohr. aber jetzt war es damit vorbei. daß es tote Worte waren. daß schließlich an dem landeinwärts gelegenen Außenrande des Waldes hin die Weiterfahrt gehen würde. Ein Zittern überkam sie. rückte dann aber rasch von der einen Seite nach der anderen hinüber. nach Lage der Sache. Bis dahin waren Luft und Licht um sie her gewesen. an dessen anderem Ufer dunkle Waldmassen aufragten. sich seine Gegenwart zu verbitten.« Effi war einen Augenblick unschlüssig. als wandle sie eine Ohnmacht an.

und im nächsten Augenblicke hielt der Schlitten vor dem landrätlichen Hause. von den Dünen her in die Stadt einbog.als man. . dicht vor Utpatels Mühle. lagen rechts die kleinen Häuser mit ihren Schneedächern neben ihnen. Effi blickte sich um.

»Ja.« »Du bist nicht einverstanden damit. aber doch ein Sprechen über die sonderbare Fahrt zu zweien vermieden hatte.« »Wohl dir. und dagegen bist du doch so empfindlich. als Effi zum Frühstück kam. daß wir unter deiner Zustimmung viele Male gemeinschaftlich spazierengeritten sind. war am anderen Morgen früh auf und suchte seiner Verstimmung. Es verbirgt sich ein Vorwurf dahinter. und nun sollte ich nicht gemeinschaftlich mit ihm fahren? Es ist falsch. und Crampas mühte sich. uns. als er sie aus dem Schlitten hob. Ich kann dasselbe von mir nicht sagen. daß du mit dem Schlitten im Schloon verunglückt seist.« »Uns?« »Ja. beiläufig jämmerlich genug auf der elenden schmalen Leiste. der Effi. so hieß es bei uns zu Haus. einem Edelmanne Mißtrauen zu zeigen. sagte Innstetten mit Betonung.« »Einem Edelmanne«. als die Grasenabbs kamen und mit einem Male die Fahrt weiterging? Ich hätte mich lächerlich gemacht. aber er versank mit dir.« »Sehr merkwürdig. Geert. fuhr Innstetten fort. ein . »Ist er keiner? Du hast ihn selbst einen Kavalier genannt. Aber Edelmann! Meine liebe Effi. dich zu retten.Zwanzigstes Kapitel Innstetten. Und als er mir erst gegenübersaß. und ein perfekter Kavalier. »Kavalier. »Du hast gut geschlafen?« sagte er. trotzdem ein leiser Spott noch darin nachklang. sogar einen perfekten Kavalier.« »Du sprichst das alles so sonderbar. daß Crampas kam und uns seine Hülfe anbot. sollte ich ihn da ausweisen. scharf beobachtet. ich muß es so nennen. und seine Stimme wurde freundlicher. das ist er. so gut es ging. Sidonien und mir. das ist er nun schon ganz gewiß.« »Ja«. Du mußt durchaus vergessen haben. und ich ahne weshalb. Ich träumte. daß der Major in deinem Auftrage kam. Erinnere dich. die noch nachwirkte. Herr zu werden.

Sie sind sozusagen nicht von gleichem Karat.« »Eine Tröstung von praktisch außerordentlicher Geringfügigkeit.« »Ich verkenne ihn nicht« »Oder mich«. Hast du schon etwas Edles an ihm bemerkt? Ich nicht. Oder nicht?« »Nein. um zu gehen. soweit ich's hindern kann. von einem Fauxpas mag ich nicht sprechen. um ein Gieshüblersches Billet abzugeben. und es soll nicht wieder vorkommen. trat Friedrich ein. als wir sind. Aber lassen wir das. »Eine Geheimkorrespondenz mit Gieshübler«. du verkennst ihn. nicht ganz meine liebe Effi. aber Festigkeit ist nicht eben deine Spezialität.« Effi sah vor sich hin und schwieg. Er ist ein Mann der Rücksichtslosigkeiten und hat so seine Ansichten über junge Frauen. das ist in diesem Zusammenhange kein gutes Wort. meine liebe Effi. unter Umständen auch der Menschen. Also selber schuld. sagte sie mit einer Kraftanstrengung und versuchte seinem Blicke zu begegnen. daß dies weiblicher Geschmack ist. wie du schon sagtest.« »Ich werde mir deine Worte gesagt sein lassen. sagte sie: »Stoff zu neuer Eifersucht für meinen gestrengen Herrn.« Er erhob sich. sei auf deiner Hut. trotzdem kein Mensch mehr Jabots trägt. wir sind gleicher Meinung. Nur soviel. Lies lieber. um auch das noch zu sagen. Du bist eine reizende kleine Frau. ich glaube. erheblich lieber als Crampas' rotblonder Sappeurbart. daß Sie dem Schloon glücklich entronnen sind: aber es blieb auch durch den Wald hin immer . Aber ich bezweifle. wenn ich dir raten darf. Als er bis an die Tür gegangen war. nach Karat berechnet man nämlich den reinen Goldeswert. ich bin selber schuld. das natürlich an die gnädige Frau gerichtet war. »Auch dich nicht.Edelmann sieht anders aus.« Und Effi las: »Darf ich mich nach der gnäd'gen Frau Befinden erkundigen? Ich weiß nur. Effi nahm es. Im übrigen. zwischen Crampas und Gieshübler einen Unterschied zu machen. Aber auch du. Ich kenne ihn von früher.« »Du hältst uns für schwächer. Ich begehe die Torheit. Mir persönlich. ist Gieshüblers weißes Jabot. »Es scheint.

Es war eine reizende Fahrt. In dieser Strenge ging sie so weit. der. stattgefunden hatte. was die Natur. Drei Tage später war Silvester. war in allen Stücken ein Original und suchte das. Effi erschien in einer reizenden Balltoilette. ganz in der Nähe der Musikempore. mal wieder »destruktiver Tendenzen« beschuldigt worden war. was sagst du?« »Nach wie vor nur das eine. das ihr der Weihnachtstisch gebracht hatte. mit denen Innstettens vorzugsweise verkehrten. heute nicht mehr. waren aus zum Teil weiter Entfernung über das Flußeis gekommen und freuten sich. »Nun. müssen wir verzichten. als er uns habe sagen wollen. Auf eine Festlichkeit. wie die vorjährige. besonders durch starke Backenknochenbildung. aber einen Ball haben wir natürlich. Effi saß zwischen der alten Ritterschaftsrätin von Padden und einer etwas jüngeren Frau von Titzewitz. wogegen sie freilich – vielleicht weil sich die Radegaster und die Swantowiter . nach der wendisch-heidnischen Seite hin für sie getan hatte. weil kurz vorher ein kleines Zerwürfnis mit dem städtischen Ressourcenvorstand. Die Ritterschaftsrätin. für die. vier andere adlige Familien aber. eine vorzügliche alte Dame. die nicht Mitglieder der Ressource. sondern nahm ihren Platz bei den alten Damen.noch Fährlichkeit genug.« »Weil du den Crampas zu schwer und den Gieshübler zu leicht nimmst. daß ich dich lieber mit Gieshübler als mit Crampas sehe. Eben kommt Dr. war niemand da. die Fauteuils gestellt waren. daß selbst Sidonie von Grasenabb eine Art Esprit fort neben ihr war. Hannemann von Uvagla zurück und beruhigt mich über Mirambo: gestern habe er die Sache für bedenklicher angesehen. sie tanzte aber nicht.« Effi lachte. namentlich seitens des alten Güldenklee.« Innstetten drohte ihr scherzhaft mit dem Finger. drei. sondern immer nur geladene Gäste waren und deren Güter an der anderen Seite der Kessine lagen. an dem Feste teilnehmen zu können. Von den adligen Familien. und Sie erscheinen zu sehen würde die Tanzwelt beglücken und nicht am wenigsten Ihren respektvollst ergebenen Alonzo G. – In drei Tagen feiern wir Silvester. durch christlich-germanische Glaubensstrenge wieder in Ausgleich zu bringen. einem Geschenk.

sich nach ihrem Befinden erkundigen zu dürfen. Aber je schwerer. aber ehe sie noch antworten konnte. Das mit dem Fleisch. wie ein Segen auf der Familie ruhte und jeden. desto besser.« In diesem Augenblicke trat Major Crampas an Effi heran und bat.. Aber das hilft nicht immer. Kennen Sie seine Tischreden?« »Nein. darauf kommt es an. das ist das Wahre. Kind«. gnädigste Frau. weil's weh tut.« »Die werde ich Ihnen schicken. der mit derselben in Berührung kam. der seinerseits schon vorher vollkommen orientiert war und in leichtem Geplauder alle . Denn worauf es ankommt. das machte die Sache nur noch erquicklicher. ich habe einen sehr ausgezeichneten Mann. Das hat uns unser alter Martin Luther zur Erkenntnis gebracht. Darin ändern die Zeiten nichts. sagte die Ritterschaftsrätin. Es ist oft recht schwer. Wie steht es hier? Keine Anfechtungen?« Effi erschrak und war zugleich wie gerührt. Aber im Glauben sich unterkriegen. da seh ich es jeden Tag. in dem die alte Dame sprach. sagte Crampas: »Darf ich Sie bitten. auch wenn es Gegner in Politik und Kirche waren. gnädigste Frau.« »Freilich ist es schwer.« »Da kommt es schon.« »Weiß ich. das ist das Kämpfen. gnädigste Frau. Man muß immer ringen mit dem natürlichen Menschen. »wie geht es Ihnen denn eigentlich?« »Gut. meine liebe junge Frau.Linie des Hauses in ihr vereinigten – über jenen alten Paddenhumor verfügte. Immer dasselbe. von langer Zeit her. dann jubeln die lieben Engel!« »Ach.. Ich hatte auch einen ausgezeichneten Mann. meine liebe Frau. der. gnädigste Frau. »Ach. Darüber müssen Sie sich freuen. der Gottesmann. herzlich erfreute. mich den Damen vorstellen zu wollen?« Effi nannte nun Crampas' Namen. Ich kenne das. Und wenn man sich dann so unter hat und beinah schreien möchte. Effi war wie mit Blut übergossen. »Nun. gnädigste Frau. Es lag etwas ungemein Erquickliches in dem freien und natürlichen Ton. Und vielleicht ist es auch recht gut so. das bleibt. und ich habe Enkel und Enkelinnen. und daß es eine so fromme Frau war.

die Lotsen könnten beim Ausfahren. und am dritten Januar nachmittags hieß es.« »Wirklich«. daß das neue Jahr. »Verkehrt er in Ihrem Hause?« » Flüchtig.. Aufklärungen zu geben.« »Wie?« fragte die alte Titzewitz.. wollte für das Wasser eintreten.. Revue passieren ließ. Ein bißchen zu sicher.Paddens und Titzewitze. Es sei dasselbe wie mit dem Canal La Manche. wiederholte die Padden. allerlei Aufregungen brachte. Dann empfahl er sich rasch unter Verbeugung gegen alle drei. die doch zu nichts geführt haben würden. . »aber es sei sonderbar. sieben Mann an Bord.« Es kam Effi sehr zupaß. »ein schöner Mann. Crampas aber sprach mit immer wachsendem Redefluß weiter und lenkte die Aufmerksamkeit der Damen auf ein schönes Fräulein von Stojentin. daß ein Schiff draußen mit der Einfahrt nicht zustande gekommen und hundert Schritt vor der Mole gescheitert sei. es sei ein englisches. die darin mit feinem Instinkt etwas Anzügliches witterte. wobei sein Blick übrigens Effi bewundernd streifte. die nach Frankreich gehen. Sie scheinen ihn ja gut zu kennen. trotz aller Anstrengung. und fuhr fort »Auf zwanzig Deutsche.« Frau von Padden. von denen er je gehört hatte. von Sunderland her. gleich in seinem Anfang. und soweit sich erkennen lasse. ei. der nach England geht. kommt noch nicht einer. sagte die Padden. der sich in den nächsten Tagen fast bis zum Sturm steigerte. »Schöner Mann«. Das macht das Wasser. den Herrschaften jenseits der Kessine noch immer nicht seinen Besuch gemacht und seine Frau vorgestellt zu haben. daran sei nun vollends nicht zu denken. wenigstens Mitte Vierzig. Zugleich entschuldigte er sich. welche trennende Macht das Wasser habe. Eigentlich ist er doch zu alt. Und Hochmut kommt vor dem Fall. »das ohne Zweifel die Ballkönigin« sei. und vom Strande aus ein Boot abzulassen. nicht um die Mole herum. Seit Silvesternacht ging ein scharfer Nordost.. ich wiederhole. das Wasser hat eine scheidende Kraft.« »Er wird vierundvierzig.« »Ei. Crampas seinerseits hielt es für unangebracht. Aber sehen Sie nur. da tritt er wirklich mit der Grete Stojentin an.

und Effi hätte sich. so kam der Korb in einer Art Kreislauf wieder zurück. denn im Augenblick. von der Plantage her. wie die Rakete mit dem Fangseil unter dem Sturmgewölk hinflog und über das Schiff weg jenseits niederfiel. daß es so war.und Kasernenbauten. Innstetten hatte Gieshübler. fiel der erste Schuß. Bei nötigem Entgegenkommen. und nun holten sie. das dickere Tau samt dem Korb heran. und beide waren aufgebrochen. als sie nach einer halben Stunde mit ihrem Manne wieder heimging. sei schon unterwegs. wo's doch auch gegangen. den Strand erreichten. der natürlich auch Stadtrat und Magistratsmitglied war. Aber Johanna. die Entfernung sei nicht voll so weit wie Anno 75. als sie. Schon am Fünften kam ihr eine neue Aufregung. wie sich das Tier gefreut und die Kapitänsfrau und das liebe. und nicht lange. mit Hülfe der kleinen Leine. die die Nachricht brachte. daß seitens des Kriegsministeriums angefragt worden sei. war geborgen an Land und wurde neugierig ausgefragt. und einer der Matrosen. Alle Hände regten sich sofort an Bord. könnten ihnen zwei Schwadronen Husaren zugesagt werden. und es wäre ordentlich rührend gewesen. bildhübscher Mensch mit einer wachsleinenen Kappe. in die Dünen werfen und sich ausweinen mögen. kleine Kind.die Brandung sei viel zu stark. was sagst du dazu?« – Effi war wie . um nicht zu spät zu kommen. Ein schönes Gefühl hatte wieder Platz in ihrem Herzen gefunden. mit dem Rettungsapparat und der Raketenbatterie. Alle wurden gerettet. freilich ganz anderer Art. nicht viel größer als Anniechen. »Nun. und es beglückte sie unendlich. das muß ich sehen«. ein schlanker. zunächst den zweiten und dann den dritten heranzuholen und so fort. Das war am Dritten gewesen. während der Korb aufs neue seinen Weg machte. wie sich die Stadtbehörden eventuell zur Garnisonsfrage zu stellen gedächten. immer wieder mit seiner roten Zunge geleckt habe. Effi. und es würde gewiß glücken. beim Herauskommen aus dem Rathause getroffen und im Gespräche mit ihm erfahren. »Geert. und sie sahen ganz deutlich. hatte Effi sofort erklärt. und hatten denn auch den rechten Moment abgepaßt. also bei Bereitwilligkeit zu Stall. da muß ich mit hinaus. hatte doch auch Trost bei der Hand: Konsul Eschrich. und sie hätten damals sogar den Pudel mit gerettet. Das klang traurig genug.

Statt einfach über die Ehre. in ein verstecktes Komödienspiel mehr und mehr hineinlebte.« Effi lachte so herzlich. seine Kollegen.« »Ja. sonderbar. Aber sie sind sämtlich hors concours. morgen. und wenn nicht über die Ehre. Geert. du weißt es ja selbst. Effi. und im Augenblick war es ihr. daß sie wie eine Gefangene sei und nicht mehr heraus könne. Hat er denn Töchter?« »Gewiß. Mitunter erschrak sie. ihr fehlte die Nachhaltigkeit. und alle guten Anwandlungen gingen wieder vorüber. als ob rote Husaren – denn es waren auch rote wie daheim in Hohen-Cremmen – so recht eigentlich die Hüter von Paradies und Unschuld seien. so doch wenigstens über den Vorteil einig und glücklich zu sein. weil sie's nicht ändern wollte. weil sie's nicht ändern konnte.« »Es ist nicht zu glauben. verdienten es gar nicht. Aber wiewohl sie starker Empfindungen fähig war. Aber es beglückt mich so. ja. der möge sich vorsehen und Gitterfenster anschaffen. Wird es denn auch sein? Werden sie denn auch kommen?« »Damit hat's freilich noch gute Wege. Nun. Und dabei schwieg sie noch immer. Pfefferküchler Michelsen habe sogar gesagt. und sie fühlte. Es brach wieder über sie herein. Nur in einem blieb sie sich . So trieb sie denn weiter. wie sie seit lange nicht mehr gelacht hatte. Sie litt schwer darunter und wollte sich befreien. Und nun will dieser Michelsen alles vergittern. Ich habe nie manierlichere Leute gesehen als unsere Husaren. setzte sie sich an die Wiege des Kindes. wirklich. ja. es verderbe die Sitten der Stadt. wären sie mit allerlei ›Wenns‹ und ›Abers‹ gekommen und hätten geknausert wegen der neuen Bauten. daß sie sich. All das unschuldige Glück ihrer Kinderjahre stand mit einemmal wieder vor ihrer Seele. heute. sogar drei. und ihre Tränen fielen auf die Kissen. das Geheimnisvolle hatte seine Macht über sie. von Natur frei und offen. daß ich vor Freude nichts sagen kann. die Väter der Stadt. So kam es. und wer eine Tochter habe. Geert. Doch es war von keiner Dauer. Gieshübler meinte sogar. wie leicht es ihr wurde. so war sie doch keine starke Natur.benommen. »Du sagst ja nichts. und als Innstetten ging und sie allein ließ. Das Verbotene.

es wäre mein Tod. das Eigentliche heißt: du willst nicht. die Lichter und Schatten flogen hin und her.. da. Effi. eine Strecke Wegs begleiten zu können. vielleicht mit Preßkopf und Aal in Aspik. daß ich jeden Tag von dem Eisenwasser trinke. und sie wies mit dem Finger nach dem Spukzimmer oben. bis an die Mühle gewiß oder bis an den Kirchhof oder auch bis an die Waldecke.« »Ich bitte dich. Das hab ich getan. und nun muß ich doch seinem Rate folgen. Wenn du dir ein Borckesches Diner dazu vorstellst. Übrigens freu ich mich. Das ist das Vorgebliche. Ich soll es auf die Kur schieben. Der gute Doktor. »Kur. was es ist. Und so wirst du dich doch zu deiner Effi nicht stellen wollen. sonderbar genug. geeinigt: die Borckes sollten beginnen.. und Rollo schlug draußen an. Immer eine Woche dazwischen. und im selben Augenblicke war es ihr. als sähe ihr wer über die Schulter. mit denen Innstettens vorzugsweise verkehrten. Alle vier Einladungen kamen am selben Tage. mein Gewissen. und das ist das einzige Gute dabei. die Flemmings und Grasenabbs folgten. dich jedesmal.« ».. Aber sie besann sich rasch. die Kugel war im Rollen.« »Nein.. Freilich mitunter ist es mir. machte das Tun des andern zur Notwendigkeit. und was an einem Tage geschah... er hält mich für bleichsüchtig. Geert. »Ich weiß schon.. als du zugeben willst. auch wohl den einer besonderen freundschaftlichen Zusammengehörigkeit.. »Ich werde nicht dabeisein. in der ich nun seit Wochen stehe. Um die Mitte des Monats kamen Einladungen aufs Land. und du weißt. sie sollten ersichtlich den Eindruck des Ordentlichen und Wohlerwogenen machen. du bist verloren. von vornherein entschuldigen. es war nicht der«. Effi . so mußt du den Eindruck haben. und du mußt mich der Kur halber. wo der Morgnitzer . Einmal trat sie spätabends vor den Spiegel in ihrer Schlafstube.« Es ging aber doch weiter so.. Du hast selbst gewollt. die Güldenklees schlossen ab. Über die dabei innezuhaltende Reihenfolge hatten sich die vier Familien. »Es war was anderes. daß ich den Doktor zu Rate ziehe. wenn du fährst.« Innstetten lachte.gleich: sie sah alles klar und beschönigte nichts. es ist doch mehr Ehrlichkeit dabei..

einer Wirtschaft für kleine Bürger. frische Luft. Und wenn sie nicht schläft. wo sie nicht ihren vorgeschriebenen Spaziergang gemacht hätte. daß sie der ärztlichen Verordnung streng nachkam. ich gehe rechts bis an den Strand und durch die Plantage zurück. Aber komme nur. Es ist etwas weit. als es so verabredet war. Du fährst nun links weiter.« Innstetten war einverstanden. eine milde. gelb mit schwarzgestrichenen Balken. und wenn sie dann zurückkam und in den Hausflur . so schicke Johanna. Und ich glaube beinah. Es verging kein Tag. ich gehe nun also die Chaussee hinunter und dann rechts an den Platz mit dem Karussell. Effi saß auf einer an einem langen Holzschuppen sich hinziehenden Bank und sah nach einem niedrigen Fachwerkhause hinüber. Bewegung sei alles. »Sieh. Sie ging in der Regel allein und sagte zu Roswitha: »Roswitha. wiederholten sich allwöchentlich. die hier ihr Glas Bier tranken oder Solo spielten. Roswitha. es ist nicht nötig.« Den ersten Tag. Doktor Hannemann sagt mir jeden Tag. daß er recht hat. Und dann gehen wir durch die Birkenallee oder durch die Reeperbahn wieder zurück. auf denen Effi ihren Gatten bis an die Waldecke begleitete. wenn Annie schläft. Oder laß es lieber ganz. wie schön das aussieht. da will ich auf dich warten. Und dann steig ich ab und schlendere wieder zurück. da hole mich ab. Das Wetter war schön. Es dunkelte noch kaum.Querweg einmündet. In den Dünen ist es immer am schönsten. Meist aber. die Fenster aber waren schon hell. Geert. wenn sich Innstetten in seine Zeitungen zu vertiefen begann. wenn Roswitha bei dem Karussell und dem Holzschuppen ankam. ich finde mich schon zurecht.« Die Fahrten. stieg Effi mit auf und gab ihrem Manne das Geleit bis an die Waldecke. nur bei Sidonie kannst du schweigen. Bewegung und frische Luft. trafen sie sich auch wirklich. der Himmel bedeckt. aber auch in der zwischenliegenden Zeit hielt Effi darauf. und ihr Lichtschimmer fiel auf die Schneemassen und etliche zur Seite stehende Bäume. war niemand da. »Hier laß halten. aber doch nicht zu weit. Empfiehl mich all den Herrschaften.« Ein paar Tage wiederholte sich das. und als drei Tage später der Wagen vorfuhr. meist nachmittags.

es wird ja wohl nicht wiederkommen. Endlich sagte sie: »Es ist recht gut so. wird er wenigstens vorübergehend was Neues zu sagen haben. Das mit den Husaren hatte sich wegen der Schwierigkeiten.. Aber er sah nichts. wie Crampas. denn man ist froh.. Innstetten. Gutes und Böses. Über das.« »Wie meinst du das?« »Daß er fort ist. Meine liebe Effi will immer gern was Neues hören. Diese blieb ruhig. Und ängstige dich nicht. Den dritten Tag reiste Innstetten ab. Von dort schrieb er den zweiten Tag an Innstetten: »Pardon.. einmal draußen zu sein. was er in Berlin vorhabe.eintrat. hatte er nichts gesagt. wo Crampas ihr zum erstenmal gesagt hatte. du weißt schon. aber da die Verhandlungen noch nicht geradezu abgeschlossen waren und neuerdings durch eine andere Behörde. Er sagt eigentlich immer dasselbe. Wenn er wieder da ist. ging ihr durch den Kopf... »sogar nach Berlin. meiner liebenswürdigen Gönnerin.. so war Crampas nach Stettin berufen worden. vielleicht kann ich dann. Ich werde gegen acht Tage fort sein. so gut wie zerschlagen.« In dieser Art ging es durch Wochen hin. sagte er nach einer Weile. daß er mit dem Spuk und ihrer Furcht eine Komödie spiele. die die Bürgerschaft machte.« Innstettens Blick flog scharf über sie hin.« Er las es Effi vor. wo man seine Meinung in dieser Angelegenheit hören wollte. Es kam alles so schnell. Der große Erzieher! Aber hatte er nicht recht? War die Komödie nicht am Platz? Und allerhand Widerstreitendes. auch mal was Neues mitbringen. Empfehlen Sie mich der gnädigen Frau. daß ich mich auf französisch empfohlen. ich bin schon lange wieder hier. Sie mußte des Tages gedenken.« Effi lächelte vor sich hin. und sein Verdacht beruhigte sich wieder. und es mischte sich etwas von Wehmut mit ein. »Ich will auch fort«. sie langweilt sich in unserm guten Kessin. . du hast ja Rollo und Roswitha. vielleicht noch einen Tag länger. das Generalkommando. kam ihr Effi schon entgegen und sagte: »Wo du nur bleibst. gingen. Und wenn doch. das da oben. Roswitha.. Ich werde übrigens die Sache hinauszuspinnen suchen.

machte der Magistrat ein ziemlich verlegenes Gesicht. wenn er nicht ihr Erfinder war. daß das Ganze geglaubt wurde. was sie noch als Frau gehabt hatte. Seitens der kleinen Leute griff. weil er der Philisterei seiner Kollegen eine Niederlage gönnte. aber nicht einem zögernden zu begegnen. die von Gieshübler. nur Gieshübler. sondern vor allem auch eine große Eismaschine sei. Innstetten würde als Führer einer Gesandtschaft nach Marokko gehn. war hin. wo sie sich darüber erheitert hätte. es gäbe so viele kleine Städte. triumphierte.Einundzwanzigstes Kapitel Innstetten war erst vier Tage fort. und das halb rührend. Diese wollte den überaus wohlgelittenen Landrat nicht gern verlieren. Als Crampas dies mitteilte. unbefangen und ausgelassen über derlei Dinge zu lachen. mit Rücksicht auf die marokkanischen Temperaturverhältnisse. aufgegeben hatte. war sie nicht mehr fähig. daß man gewohnt sei. halb schelmisch Kindliche. die Kessiner Bevölkerung oder doch wenigstens die Honoratiorenschaft der Stadt mehr interessierte. Ihre Gesichtszüge hatten einen ganz anderen Ausdruck angenommen. so wahrscheinlich. bei solchem Anerbieten einem herzlichen Entgegenkommen. und doch gingen darüber ganz ausschweifende Gerüchte. Unter anderem hieß es. aber in der Seelenstimmung. während Crampas in Stettin war. die sich um eine Kavallerie-Garnison. Die Tage. und nun gar um Blüchersche Husaren. die sie. ja selbst einige Konsuls mit Töchtern waren momentan unzufrieden. nahm . vielleicht weil die nebenherlaufende Frage. Effi hörte auch davon. als Crampas von Stettin wieder eintraf und die Nachricht brachte. und zwar mit Geschenken. in der sie sich seit Schluß des Jahres befand. wenigstens genährt und weiterverbreitet wurden. »was Innstetten in Berlin vorhabe«. unter denen nicht bloß die herkömmliche Vase mit Sanssouci und dem Neuen Palais. bewürben. beim Bekanntwerden der Nachricht. Das letztere erschien. im ganzen aber kam man rasch über die Sache hin. Die Spaziergänge nach dem Strand und der Plantage. eine gewisse Verstimmung Platz. zwei Schwadronen nach Kessin zu legen. endgültig fallenlassen. man hätte höheren Orts die Absicht. lagen noch nicht allzuweit zurück.

und der Chinese konnte es bloß nicht aushalten.« Die Kruse nickte. für die ist so was nicht. Roswitha. die tut immer so vornehm.« Roswitha blieb denn auch zu Haus. »Ich könnte dich schelten. sonst müßte ich besser aussehn. »war es eine unglückliche Liebe« (die Kruse nickte wieder). Ob ich heute wohl noch gehe? Doktor Hannemann besteht darauf und meint in einem fort. wir treffen uns ja doch nicht«. daß es alles mit einemmal so wieder vorbei sein sollte. »Wirklich. du bist gar nicht findig. und sie lachte. Roswitha machte nicht viel davon und beschäftigte sich lieber damit. ich meine mit dem Chinesen und mit Thomsens Nichte. sie verfehlten sich aber noch häufiger als früher. wenn es nicht seine Enkelin war. er wird sich freuen über all das Grün. sagte sie. Es wurde wie früher bestimmt. und der Himmel ist so grau. »Sie wollten mir ja das mit dem Chinesen noch erzählen. Girlanden über den Türen anzubringen. daß ihr Roswitha bis an den Ausgang der Reeperbahn oder bis in die Nähe des Kirchhofs entgegenkommen solle. Denn die Chinesen sind doch auch Menschen. und weil Annie schlief. Aber es hat nichts auf sich.« »Das tu! Aber komme heute nicht nach.« Es war am Tage vor Innstettens Rückkehr von Berlin.sie nach seiner Rückkehr wieder auf und ließ sich auch durch ungünstige Witterung nicht davon abhalten. auch nicht einmal am Kirchhof. ich ängstige mich nicht mehr. Gestern kam die Johanna dazwischen. Roswitha. Roswitha. daß du mich nie findest. daß es was gewesen ist. fuhr Roswitha fort. ich nähme es nicht ernst genug. und im Walde bin ich noch keiner Menschenseele begegnet. Ich glaube aber doch. daß Effi das sagte. daß du dich erkältest. es nieselt. und es wird wohl alles ebenso mit ihnen sein wie mit uns. »Entweder«. wenn er morgen wieder da ist. um mit der Frau zu plaudern. Effi sagte: »Das ist recht. auch der Haifisch bekam einen Fichtenzweig und sah noch merkwürdiger aus als gewöhnlich. Und ich mag nicht. und alles um nichts. ging sie zu Kruses. ich habe aber keine rechte Lust heut.« »Ich werde der gnäd'gen Frau den Regenmantel bringen. »oder es kann auch eine glückliche gewesen sein.« . »Liebe Frau Kruse«.

un wenn ich ein reines Hemd anziehen will. und die Blänke vergeht doch wieder. als ihr Mann eintrat und sagte: »Mutter. Un das schwarze Huhn legt nich mal Eier. das kann ich gleich sehn. es nieselt in einem weg. und nun sagen Sie so was wie das da von Kikeriki. »viel hilft es ja nicht. das Kruse eben über den Gartenzaun gelegt hatte. alles muß seine Ordnung haben. Aber das muß ich doch sagen. »Unsinn is es. dann schadet es nich mehr. der klebt nicht lange. der meist den Würdigen spielte. und Kruse. Ich habe Sie immer für einen anständigen Menschen gehalten. und was ein richtiger Lack ist. der sieht alles. Un eigentlich müßt ich nu gleich den Pinsel hier nehmen und Ihnen einen schwarzen Schnurrbart anmalen. solange wir hier sind. das werde ich Ihrer Frau wiedererzählen. Die Mannsleute sind doch immer noch schlimmer. du könntest mir die Flasche mit dem Lederlack geben.»Alles«. Roswitha. sagte er. als man denkt.« Roswitha. erzählt immer so was. das mit dem Chinesen is eine merkwürdige Geschichte. »Ihre Frau will mir bloß noch was erzählen. es ist ja doch auch ein richtiger Lack. Un am Ende. sagte Roswitha. Kruse«. der muß gleich trocknen. Kruse. so merkt man doch. und dann komm ich und bring es. ich muß doch das Sielenzeug blank haben. Aber ich denke. Kruse. und von 's bloße Kikeriki kann doch so was nich kommen.« »Nu von Ihnen. wovon soll es auch Eier legen? Es kommt ja nich raus. statt aufs Richtige zu sehen. Und wenn es dann morgen nebelt oder naß fällt.« »Hören Sie. fehlt ein Knopp. Roswitha. und wenn er auch nichts sagt.« Kruse lachte. kann man sich das schon gefallen lassen«. Sie hat immer bloß solche Geschichten in ihrem Kopp und dazu das schwarze Huhn.« »Das muß es. Das is von keinem Huhn nich zu verlangen. schien in . wenn der Herr morgen wieder da ist. daß er's gesehn hat. versicherte die Kruse und wollte dies eben durch ihre Geschichte bestätigen. die Flasche mit dem Lack in der Hand.« »Ich bring es Ihnen raus. während er ihr die Flasche aus der Hand nahm. kam denn auch ein paar Minuten danach auf den Hof hinaus und stellte sich neben das Sielenzeug. Und dann. aber es is gleich aus. Und meine Frau. »Gott«. Un so is es nu schon.

es seien bloß Mäuse.. Und ich wette. Mäuse. wie du mit dem Kruse schwatztest und vertraulich tatest. Roswitha. da machst du die Rechnung ohne den Wirt. Vor dem hüte dich.« »Ach. weil es zu Haus weniger zu tun gab. Aber schrecklich ist es doch. als sie das sagte. ließ sich dann Hut und Regenmantel abnehmen und setzte sich auf das kleine Sofa in ihrer Schlafstube. »Guten Tag. Ich kann keine Mäuse leiden. das ist auch gerade schlimm genug. gnäd'ge Frau.« »Was sagte der?« »Er sagte. ich habe einen Schauder davor. Und Kruse. daß das alles da oben mit dem Huhn zusammenhängt. gnäd'ge Frau. war doch rot geworden und ging.« »Ich weiß. daß Kruse verheiratet ist. der immer gegen seine Frau ist. Die Kranken leben am längsten. und sagte.einen mehr und mehr schäkrigen Ton übergehen zu wollen.« »Ja. das glaub ich nicht. auf das Haus zu. während sie sichtlich das Ruhebehagen nach einem ziemlich langen Spaziergange genoß: »Ich muß dich darauf aufmerksam machen. den Roswitha herangeschoben. Das kann nie was werden. Roswitha. Und dann hat sie das schwarze Huhn.. kann es mir nicht ausreden. und Friedrich und Christel waren ihr zu langweilig und wußten nie was. sie sei krank. Aber ich sah ja deutlich. . Effi beugte sich über die Wiege. Annie schlief noch. rasch abbrechend. als ob man es nicht wüßte. um der gnädigen Frau beim Umkleiden behülflich zu sein.« »Denn wenn du denkst. Denn ob Johanna da war.« Aber Roswitha. gnäd'ge Frau. und ich glaube sogar. als er plötzlich der gnädigen Frau ansichtig wurde. Die steckte jetzt viel auf dem »Amt« drüben. das war die Frage. du bist ja so ausgelassen. Was macht denn Annie?« »Sie schläft. Ich weiß nicht.« »Nun. legte die Füße auf einen niedrigen Stuhl. Das feuchte Haar strich sie langsam zurück.« »Es soll ja auch nichts werden. das weiß alles und plaudert alles aus. was weiß man nicht alles und handelt doch. die heute von der anderen Seite der Plantage herkam und in eben diesem Augenblicke den Gartenzaun passierte.

Die Mutter. zuerst is es wohl immer dasselbe.. wo es sei. Aber wie sie's mir dann auf den Kopf zusagten und ich mit einem Male sagen mußte: ›Ja. das ist ungehörig. soviel kann ich dir bloß sagen. da kam er mit einer Stange auf mich los. gnädigste Frau.. ging ich in eine Scheune nebenan. Und dann.. weil ich mir's bei uns nicht getraute. ja.« »Ach. und als ich nachher fragte. Ach. aber der Vater. der war streng und wütend. und ich will mir auch nicht einbilden. Das ist doch schon sehr viel. »Nun erzähle. der hat genug davon und paßt auf. Aber sie war doch mehr erschrocken als empört. Und nachher sitzest du da.« Effi fuhr auf und sah Roswitha mit großen Augen an. das paßt sich nicht. es sei gut aufgehoben.. Mitunter träume ich noch davon. immer dieselbe Geschichte. Da fanden mich fremde Leute halbtot und trugen mich ins Haus und in mein Bett. es ist so‹. Aber sieh dich vor. wie das Kind kommen sollte. Und dann hatte ich noch eine jüngere Schwester. Und weil es so schrecklich war. Und den dritten Tag nahmen sie mir das Kind fort. Und ich schrie laut auf und lief auf den Boden und versteckte mich. daß es mit mir was Besonderes war. und als er's hörte. Wie kann es denn gewesen sein? Es ist ja mit euch. Wie war es denn eigentlich das erste Mal mit dir? Ist es so. Wem es so gegangen ist wie mir. gnädigste Frau. ich solle nur kommen.« Effi hatte sich aufgerichtet und stützte den Kopf auf ihren Arm. das weiß ich noch von Hause her. ganz und gar nicht. daß du mir's erzählen kannst?« »Ach. ich kann schon. und da lag ich und zitterte und kam erst wieder nach unten. als sie mich riefen und sagten. da hieß es.. na. »Was du nur sprichst! Ich bin ja doch eine verheiratete Frau. drum können gnäd'ge Frau auch ganz ruhig sein.du wolltest ihm einen Schnurrbart anmalen. Aber schrecklich war es. Solche grausame Angst. das ging noch. von wegen dem Kruse. das war schrecklich..« »Ja.« . und wollte mich umbringen. und dann bin ich den andern Tag wie zerschlagen. die wies immer auf mich hin und sagte ›Pfui‹. der die Dorfschmiede hatte. Du bist ja noch eine schmucke Person und hast so was. die heil'ge Mutter Gottes bewahre Sie vor solchem Elend. So was darfst du nicht sagen. die er eben aus dem Feuer genommen hatte.

das uns trifft. Johanna ärgert sich immer. und Effi. »Laß«... daß sie so was nicht haben kann. und zuletzt bin ich zu Ihnen gekommen. und ich könnte nicht mehr anders. Roswitha. Aber bringe mir die Zeitungen.« Und sie warf sich vor Annies Wiege nieder und wiegte das Kind hin und her und sang in einem fort ihr »Buküken von Halberstadt«. eh sie rüberging. da kam wer aus Erfurt. nach ein paar Tagen. Mit einem Ehemanne. aber ich bin doch schuld.« »Siehst du.« . Und die Modezeitung lag obenauf. da lief ich gleich ins Wasser. dem is nich zu helfen. das is ja nichts. mit dem Kruse. selbst bei der Registratorin war es doch immer noch zum Aushalten.« Roswitha ging. ich mag das nicht. die bringe und bring auch die Lampe.« Und als sie das sagte. Das Kind hatten sie dir genommen. Aber es ist das Beste. siehst du. Und wen es nicht bessert. trat sie an das Sofa heran und küßte Effi die Hand. was aus dir wurde.« »Und dann. Oder hat Gieshübler vielleicht die Journale geschickt?« »Das hat er. Alles.. Und nimm dich nur in acht mit dem Kruse. So weit warst du. sagte: »Womit man sich nicht alles hilft! Eine hübsche Dame mit einem Muff und eine mit einem Halbschleier.. Gott und seine Heiligen führen uns wunderbar. und von da an hab ich beßre Tage gehabt. der fuhr bei dem Schulzen vor und fragte. mich auf andre Gedanken zu bringen. sie haben es umkommen lassen. ›ob da nicht eine Amme sei‹.. Ich kann eigentlich die Mannsleute gut leiden. daß es noch lebt. sagte Effi.. das Allerbeste. das tut nie gut. Es war zu schrecklich. Modepuppen. Da sagte der Schulze ›Ja‹.« »Ach. »Singe nicht mehr.« »Aber wenn es mal wieder so über mich käme. Und was nur aus dem armen Wurm geworden is? Ich glaube nicht. Gott lohne es ihm.»Erzähle mir lieber. und das Unglück.. Da haben wir drin geblättert. gnäd'ge Frau. du mußt mir nicht immer die Hand küssen.. gnädige Frau. ich habe Kopfweh. das hat doch auch sein Glück.. Und das war das Beste. Du bist doch sonst eine so gute und verständige Person. ich und Johanna. Soll ich die Modezeitung bringen?« »Ja. »Roswitha. und der fremde Herr nahm mich gleich mit.. als sie allein war.

das Friedrich schon auf einen der zwischen den Schränken stehenden Tische gestellt hatte. nein. also nicht vor Abend in Kessin eintreffen werde. Rollo?« Rollo strich an seinem Herrn vorbei und wedelte. aber es kleidet dich.Im Laufe des andern Vormittags kam ein Telegramm von Innstetten. Du hattest so was von einem verwöhnten Kind. Aber es ist. daß er die Verlegenheit nicht sah.« »Nein.« . glücklicherweise kam Gieshübler im Laufe des Nachmittags und half über eine Stunde weg. daß er erst mit dem zweiten Zuge kommen. reflektierte den Lichterglanz.« »Das hör ich gern. worin er mitteilte. Geert. du kannst es dir gutschreiben. Innstetten war in einer ihm sonst fremden Erregung. neben ihm Platz zu nehmen. und man begrüßte sich. »Das sieht ja ganz so aus wie damals. als wir hier ankamen. »Der ist nicht recht zufrieden. »Es war so hübsch in Berlin. über Erwarten. »Und nun wirst du auch noch rot. ich will annehmen. Und wie gut du aussiehst! Ein bißchen blaß und auch ein bißchen verändert. du sagst es nur so.. aber ich glaube. Endlich um sieben Uhr fuhr der Wagen vor.« Effi wurde rot. von wem ich dir Grüße bringe. Drinnen im Flur brannten die Lampen und Lichter. aber in all meiner Freude habe ich mich immer zurückgesehnt. und so kam es. entweder mit mir nicht oder mit andern. Was ist das mit dir. mit einemmal siehst du aus wie eine Frau. Weißt du noch. wenn es etwas Gutes ist.« »Ich dächte doch. wie ich dir sage.. mit mir. während er sich aufs Sofa niederließ. Nun. Jedenfalls laß uns eintreten. Effi?« Sie nickte. Effi trat hinaus. und auch Rollo spielt den Zurückhaltenden und legt mir nicht mehr die Pfoten auf die Schulter. »Nur der Haifisch mit seinem Fichtenzweig verhält sich heute ruhiger. Der Tag verging in ewiger Unruhe.« »Und nun rate. und das Teezeug. die sich in Effis Herzlichkeit mischte.« Und er trat in sein Zimmer und bat Effi.

« »Das ist der schwärzeste Undank. diese Stimmung kenn ich an ihm.. alle alten Tanten sind neidisch. die war auch nach meinem Geschmack. Wie hat's mich nach dieser Stunde verlangt! Und hab es auch ausgesprochen. den ich in Berlin kenne.« »Ja. Aber das glaub ich. das ist wahr. die noch aussah wie ein Kind. wir raten leicht.« . Die Ohren müssen dir geklungen haben. seitdem du wieder da bist. ja rechnen darf« (und sie reichte ihm die Hand und lachte). daß es ihm ganz ernst war. und vielleicht hätte ich es auch damals nicht mehr sagen können.. darauf lasse ich mich nicht ein. Glaubst du nicht. wir Frauen. Innstetten. Und vielleicht wäre es auch das richtige gewesen.« »Nun von wem?« »Nun natürlich von Vetter Briest.« »Oh. das ist ganz meine alte Effi wieder. sogar zu deinem Vetter Briest.« »Das ist eine Doktorfrage.. ich hätte auch nicht einmal mit ihm leben können. Aber beinah möchte ich sagen. Grad so wie die jetzige gnäd'ge Frau. nun. ›meine schöne Cousine.. Denn du mußt wissen.. ›Lassen wir Effi leben‹. Aber da bringt Friedrich den Tee. Wissen Sie.‹ Und dabei sah er so ernst und wehmütig aus. die du nicht aufgesucht haben wirst und die viel zu neidisch sind. Und daß du das sagst. Darin ist er groß. daß man's beinah hätte glauben können. daß ich Sie am liebsten fordern und totschießen möchte? Denn Effi ist ein Engel.. als wir bei Dressel saßen und in Champagner dein Wohl tranken. was dein Vetter dabei sagte?« »Gewiß etwas Albernes. zu denen ich mich. daß du mit ihm hättest leben können?« »Leben können? Das ist wenig. Effi. den ich all mein Lebtag erlebt habe.« »Meinst du? Und wenn du dich zwischen beiden entscheiden solltest..»Das ist nicht schwer. sagte er. und Sie haben mich um diesen Engel gebracht. die alte Effi. Geert. um mich grüßen zu lassen. Hast du nicht auch gefunden. Bei der wievielten wart ihr?« »Ich hab es nicht mehr gegenwärtig. die Tanten abgerechnet. Und weißt du.. Geert. Wir sind nicht so schwerfällig wie ihr. Er ist ja der einzige. Außerdem. »wir Frauen.

wie denkst du dir ein Ministerium?« »Ein Ministerium? Nun. wenn wir noch halbe Kinder sind. Effi. aber ich werde täglich ins Ministerium gehen. und ich bin erst achtzehn. in solchem Palazzo zu wohnen? Ich meine in solchem Ministerium?« »Um Gottes willen. vornehme Herren. Und ich kann von Glück sagen. trotz meiner Fortschritte.« .. Und das ist keine Eigenschaft. Es können Menschen sein.« Innstetten lachte.»Warum nicht? Er ist wirklich ein liebenswürdiger und netter Mensch und auch ganz gescheit. Gott. daß du das sagst.« »Ja. und es kann auch bloß ein Haus sein. kluge. Und der Fürst kann alles. Männer müssen Männer sein. Das Dalbrige.« »Aber. auch nicht einmal dann. Aber vielleicht kommen noch allerhand Gaben in mir heraus. irgendein andrer. das kann zweierlei sein. wie ich jetzt in unser Landratsamt gehe. Und du wirst eine Ministerialrätin sein und in Berlin leben. wenn die nicht passen. »Nein. die wir Frauen lieben. Und wir werden.« »Gut. das wie Zusammennehmen aussieht oder wenigstens ein Zusammennehmen in Zukunft fordert. die den Staat regieren.. sie haben dich doch nicht zum Minister gemacht? Gieshübler sagte so was.. und in einem halben Jahre wirst du kaum noch wissen. ein Palazzo Strozzi oder Pitti oder. das ist nicht unsre Sache. auch jetzt noch rechnest. so gut wie direkt herkomme. ich habe meine italienische Reise nicht umsonst gemacht. und dann ist es nicht unmöglich. und werde dem Minister Vortrag halten und mit ihm reisen.. daß ich von so was. Geert.. noch nicht Minister?« »Nein. auch nicht einmal in einem Ministerium wohnen. die Wahrheit zu sagen. ein Palazzo. daß du hier in Kessin gewesen bist und nichts gehabt hast als Gieshübler und die Dünen und die Plantage. da muß man sich ja zusammennehmen. wohin du mich immer gerechnet hast und vielleicht. Alle Teufel. Sage. wenn er die Provinzialbehörden inspiziert. das ist er.« »Und könntest du dich entschließen..« »Aber er ist dalbrig.« »Also jetzt noch nicht. nicht Minister. Du siehst. der hat es am Ende durchgesetzt. soweit sind wir noch nicht.

von mir abfallen. daß es mir wieder über die Schulter sah. gewiß. Sie mußte das wieder ausgleichen. sagte sie. Was war das? Etwas. Es ist ein Spukhaus. Mit einem Male aber glitt sie von ihrem Sitze vor Innstetten nieder. denk ich. als sie sagen durfte. und Rollo schlug wieder an. Sie hatte sich durch ein schönes Gefühl. war wieder da und sprach so deutlich aus seinem Auge. nicht das Gesicht. War ich dir ein Schrecknis? Oder war es was andres? Sprich.Effi sagte kein Wort. glückliche Tage. die's auch gehört. soviel weiß ich. irgendeinen Ausweg. Geert«. »Glückliche Tage! Ja. das bist du. Aber sie nahm ihren Platz auf dem Sofa nicht wieder ein. schliefen wir wieder ein. weil sie nicht Kraft genug fühlte. nie. derselbe fahle Teint. hinreißen lassen und dabei mehr gesagt. das mit dem Spuk – denn du bist ein Erzieher. es koste. wie wenn sie betete: »Gott sei Dank!« Innstetten verfärbte sich. aber es schlurrte wieder. Geert. Was hast du?« Effi erhob sich rasch. »Was hast du?« wiederholte Innstetten. Und nun rufst du ›Gott sei Dank‹. als ob dir hier alles nur ein Schrecknis gewesen wäre. »Ich dachte. und ich hab es auch glauben sollen. so wird es. aber doch immer sich erneuernd über ihn kam. ich habe mich ein ganzes Jahr lang und länger in diesem Hause gefürchtet. war es auch wieder da. umklammerte seine Knie und sagte in einem Tone. und ich werde wieder frei sein. und erst als es schon dämmerte. »Steh auf. daß Effi davor erschrak. wie's will.« »Daß du noch fragen kannst. während sie mit einer äußersten Anstrengung das Zittern ihrer Stimme zu bezwingen suchte. und wenn ich von hier fortkomme. Noch keine vierzehn Tage.« . sich ohne Stütze zu halten. Und diese letzten Nächte. dasselbe Gesicht. was es wolle. um ihre Mundwinkel war ein nervöses Zucken. aber doch auch andre. augenscheinlich. Effi. kam an mein Bett und setzte sich zu mir. was seit Wochen flüchtig. und Roswitha. Nie bin ich die Angst hier ganz losgeworden. und ihr ganzer zarter Körper zitterte. das nicht viel was andres als ein Bekenntnis ihrer Schuld war. sondern schob einen Stuhl mit hoher Lehne heran. mußte was finden. du hättest hier glückliche Tage verlebt. wo du fort warst. und nur ihre Augen wurden immer größer. Aber laß es sein. Ja.

Wir Männer sind alle Egoisten. trotz ihrer hundert Augen. und das Gefühl.Innstetten hatte kein Auge von ihr gelassen und war jedem Worte gefolgt. was vorausging: »Und ich hab es auch glauben sollen. warum sollte sie nicht ausrufen: »Gott sei Dank!« Und so. Ein Gutes hat Berlin gewiß: Spukhäuser gibt es da nicht. rasch alle Möglichkeiten ins Auge fassend. wurde er seines Argwohns wieder Herr und reichte ihr die Hand über den Tisch hin: »Verzeih mir. daß ich Annie sehe. gab ihr ihre Spannkraft und gute Haltung wieder zurück. um zu wissen.« Was war das alles? Wo kam das her? Und er fühlte seinen leisen Argwohn sich wieder regen und fester einnisten. Wo sollen die auch herkommen? Und nun laß uns hinübergehen. daß alle Zeichen trügen und daß wir in unsrer Eifersucht. das mit dem Spuk. Aber das soll nun anders werden. wie sie sagte. Ich bin immer zu sehr mit mir beschäftigt gewesen. Es konnte ja so sein. Roswitha verklagt mich sonst als einen unzärtlichen Vater. aber ich war so sehr überrascht von dem allen.« Effi war unter diesen Worten allmählich ruhiger geworden. aus einer selbstgeschaffenen Gefahr sich glücklich befreit zu haben. Und wenn es so war. Aber er hatte lange genug gelebt. Effi. oft noch mehr in die Irre gehen als in der Blindheit unsres Vertrauens. Freilich wohl meine Schuld. . Was sollte das heißen: »Du bist ein Erzieher?« und dann das andre.

und Effi lebte so ganz dem Gefühl ihrer Befreiung. so soll's auch nicht sein. sondern fast auch ihre frühere Unbefangenheit wiedergewonnen hatte. Roswitha und Annie müssen mit. Und wenn ich etwas finde.« Effi lachte. Da sollst du's in Berlin besser haben. Innstetten hatte seine Mißstimmung und Schlimmeres überwunden. während sie das Kaffeegeschirr. ich bin froh. sagte Innstetten.Zweiundzwanzigstes Kapitel Am andern Morgen nahmen beide gemeinschaftlich ihr etwas verspätetes Frühstück. das ist viel zu spät. Am schönsten wär es. »Ich habe mir's überlegt. nicht heut und nicht morgen. daß sie nicht bloß die Fähigkeit einer gewissen erkünstelten guten Laune. Aber noch eins.« »Nein«. Kaiser Wilhelm mit Zepter und Krone oder auch was Kirchliches. Sagen wir Jungfrau Maria.« »Ja. und auf Flur und Treppe hohe bunte Glasfenster.« »Oh. um eine aufsteigende Verlegenheit zu verbergen. dann ist ja alles fort. Die guten Wohnungen werden schwerlich auf uns warten!« »Ist schon recht. Sie war noch in Kessin. Aber wer sucht uns eine Wohnung? Ich kann doch nicht Vetter Briest auf die Suche schicken. ziemlich geräuschvoll zusammenrückte. du auch.« »Und wann meinst du?« »Mitte März. sagte sie. was du gegen unser Haus hier gesagt hast. »So soll es sein. »nein. aber einen andern als hier. das Wohnungsuchen. Aber ich bin erst seit gestern wieder hier und kann doch nicht sagen ›reise morgen‹. auch einen Saal. Oder gar die Tanten! Die finden alles gut genug. da mußt du selber hin. aber doch in den nächsten Tagen. daß ich dich wiederhabe. Das macht einem keiner zu Dank. Für Kapitän Thomsen war es gerade gut genug. Geert. heilige Elisabeth oder Jungfrau Maria. kein Platz. »du hast nicht so ganz unrecht mit allem. so bin ich rasch wieder zurück. alles altmodisch. Ich denke. als läge es weit hinter ihr. und doch war ihr schon zumute. . Das würde mich schlecht kleiden und paßte mir auch wenig. Effi«. das sind wir Roswitha schuldig. aber nicht für eine junge verwöhnte Frau.

wo ich miete. Ich bin ein wenig ärgerlich. und als ich erstaunt ihn frage. ist es besser. sieh nur. so rasch es Dir Deine Zeit erlaubt.. lachte Innstetten. noch bei den Rathenowern war). so komme.Aber ich sehe ein. Aber das ist ja nicht der Friesacker Poststempel. Ich will auch ein Geheimnis haben. neben dem meinigen sind noch Zimmer frei. Was es mit meinem Auge ist. die Handschrift der Mama. da ist auch ein Brief für dich«. »Ah. die Trennung soll nicht lange dauern. darüber mündlich. wozu. Ich weiß auch schon. Aber ich ängstige mich doch beinah und kann keinen rechten Trost darin finden. Aber nun lies den Brief. Natürlich müßt Ihr eine Wohnung haben und eine andere Einrichtung. sagte Innstetten. Das meiste war Dienstliches und Zeitungen. Damit will ich dich dann überraschen. Aber in meinem Stolz und meiner Freude sei Euch verziehen. »Und wenn ich nicht irre.« »Ja«. beglückwünscht er mich. als ob es ein Wunder wäre. daß man dergleichen von einem Dritten erfahren muß. sagte Effi. von der Mama. Als er mich sieht. das geht nicht. um die Postsachen abzugeben. »Ja. Ich bleibe acht Tage hier in Kur. daß Hulda Niemeyer immer sagte: ›Wenn man sich ängstigt. »Du tust. Schweigger drückt sich unbestimmt darüber aus. als wenn man hofft.« Effi schnitt das Couvert auf und las: »Meine liebe Effi.. daß Ministerialdirektor Wüllersdorf eben bei ihm gewesen und ihm erzählt habe: Innstetten sei ins Ministerium berufen. Seit 24 Stunden bin ich hier in Berlin. Ich habe es übrigens immer gewußt (schon als 1. Hier ist ein Papiermesser.« In diesem Augenblick trat Friedrich ein. meines Rates dabei bedürfen zu können.« »Nun?« »Das bleibt mein Geheimnis. meine liebe Effi. Konsultationen bei Schweigger. Wenn du.« Effi nahm den Brief. daß etwas aus ihm werden würde. Nun kommt es Dir zugute. Und ich denke.« »Freilich«. erfahr ich. das heißt ja deutlich Berlin. und wenn es nicht anschlägt. Ich habe eine Privatwohnung in der Schadowstraße genommen. »so wird es sein. Die Mama wird in Berlin sein und hat ihrem Liebling von ihrem Hotel aus einen Brief geschrieben. glaubst.‹ Was meinst du dazu?« »Für eine Pastorstochter nicht ganz auf der Höhe. vielleicht noch etwas länger. .

und sehe nun.« Effi legte den Brief aus der Hand und sagte nichts. Aber es ist nicht alles.« »Ach. eigentlich hängt er aber mehr daran als ich.« »So darfst du nicht sprechen. ist sehr bestimmt und kennt nur ihren eignen Willen. Ich dachte immer. die mir gefällt. und eine neue Einrichtung. daß du . es hat alles so seine zwei Seiten. Ich will es glauben und doch zugleich auch den Heroischen spielen. und ich will es glauben. halb gewaltsam. Aber wir sind alle so eitel. und dann wollte sie zögernd ja sagen. Geert. wie du weißt. ich möchte nicht gleich wieder von dir fort.« Innstetten lachte. weil du meine Schwäche kennst. du bleibst so ruhig. er tut immer so gleichgültig gegen dergleichen. Innstetten sollte damit kommen. Was sie zu tun habe. dann reise ich nie.‹ Oder doch so etwas Ähnliches. die Du vielleicht mitbringst. Dem Papa gegenüber hat sie alles durchsetzen können. du bist mir zu fein. Geert. Grüße Innstetten. aber sie wollte es nicht selber aussprechen. ›vor meinem Herzen verantworten‹. die nach meinem Geschmack ist. Aber ich möchte gern eine Wohnung haben. Aber es spricht auch so vieles dagegen. Geert. Damit schiebst du mir. Auf der einen Seite beglückt es mich. und ich muß dir dann aus reiner Koketterie sagen: ›Ach. das stand bei ihr fest.« »Schelm. das sagst du so. Reise. es wäre grade genug. »Und das ist alles?« »Nun. Geert. Briest wird unendlich glücklich sein. Wie immer Deine Dich zärtlich liebende Mutter Luise von B. eine Zärtlichkeitsrolle zu. den Entsagenden.« »Was?« »Die Mama. »Effi. du wärst ein Kind. küsse Annie. Effi.vorläufig beschäftigt mich nur Eure Zukunft. die Mama wiederzusehen und vielleicht sogar schon in wenig Tagen.« Innstetten drohte ihr mit dem Finger. sobald du's für nötig hältst und vor deinem Herzen verantworten kannst. »Nun. Innstetten ging auch wirklich in die Falle.« Und nun nahm sie sich zusammen und sah ihn an und sagte: »Und dann. Was heißt das.

Es rauscht und rauscht immer. aber Berlin ist es nicht. ich. manchen Tag sehen wir keine sechs Menschen.« Und damit erhob sich Innstetten.. daß sie Anniechen nicht zu sehr verwöhnt.« »Ja. das mit dem Kruse war nicht in der Richtigkeit. Die Tage bis zur Abreise vergingen wie im Fluge. du hast recht. Deine Sachen kannst du eigentlich ganz mitnehmen und Annies auch. Und wenn es dann so klingelt und man nicht weiß.« »Abgemacht.. gnädigste Frau.« »Und dann ist Anniechen ja auch so zum Anbeißen. Das sind dann drei Tage. aber ein Enkelkind. ob man links oder rechts soll. nun ja. Der Herr wünscht es. Roswitha. Ich glaube. Kessin. Und nimm nur nicht zuwenig Sachen mit. Dann bin ich am Abend in Berlin. Sagen wir also Freitag mittag mit dem Schiff. Nein. Und das rauscht und rauscht.. bei meiner Mutter. Und immer bloß die Dünen und draußen die See. Roswitha war sehr glücklich.« »Ich denke..« »Also auf Diskretion.« »Ach.. »Ach. oder wie dein Papa immer sagte: ›Das ist ein zu weites Feld. Aber lassen wir das. Gegen mich war sie mitunter streng.« »Gut. um nach dem Landratsamte hinüberzugehen. Aber ihr könnt vielleicht dableiben.das Maß hast wie alle andern. aber weiter ist es auch nichts. Das kannst du doch nicht bestreiten.‹ Sage lieber.« »Ja. wir kommen noch mal wieder.« . In drei Tagen kannst du's nicht zwingen. Und wann zurück?« »Nun. als ginge alles grad über mich weg.« »Geht nicht. so was ist hier nicht. Sorge nur. und mitunter ist mir schon gewesen. gnädigste Frau. Du wirst es natürlich nicht zugeben. Und dann kommen einem allerhand dumme Gedanken. ich will nicht weiter nachforschen.. Und die Pferdebahn. Und so rasch läßt dich die Mama auch nicht fort. sagen wir Montag abend. Da muß ja jeder zärtlich sein. wann willst du fort?« »Heute haben wir Dienstag. aber es ist kein richtiges Leben. Das ist zu früh.« »Nun.

Am Nachmittag ging Effi in die Stadt. Und wenn ich hundert Jahr alt würde. Ich habe gehört. schwerer. vier Tage. einen Augenblick Platz zu nehmen?« »Gewiß. auf denen allerlei Kolben und Retorten standen. Gieshübler war beglückt und verlegen. lieber Gieshübler.. daß ich noch zu jung sei. hohe Stube.. lieber Gieshübler. welche tausend Möglichkeiten es gibt. mit wem man reist«.. Ich will Ihnen adieu sagen. »Ist der Herr Doktor zu Hause?« fragte sie weiter. Und ich will Ihnen danken. am Tage vor der Abreise. Denn Sie waren das Beste hier. so werde ich Sie nicht vergessen. natürlich. Muß ich Ihnen sagen.. als sie das Fläschchen eingesteckt hatte. und es ist sogar verabredet. als wär es für immer. vorn mit einem Eisenringe versehene Kästen.« »Ich werde ihn doch nicht stören?« »Oh.Das war am Donnerstag. daß ich spätestens in einer Woche wieder in Kessin bin. Aber auch wirklich nur einen Augenblick. auch Junge können sterben. als Sie wissen können. gnädigste Frau. er ist hier nebenan und liest die Zeitungen. »Man weiß nie. Und dann so vieles andere noch. Innstetten war über Land gefahren und wurde erst gegen Abend zurückerwartet..« »Aber meine gnädigste Frau..« Und Effi trat ein. bis auf den Marktplatz. nur auf drei. sagte sie zu dem alten Gehülfen. Sie wollen mir sagen. und mitunter war mir so schwer ums Herz. Darf ich die gnädige Frau auffordern. und trat hier in die Apotheke und bat um eine Flasche Sal volatile.« »Aber meine gnädigste Frau. Und da will ich doch lieber Abschied nehmen von Ihnen. Ich sehe. Aber ich könnte doch auch nicht wiederkommen. mit Regalen ringsherum. nur an der einen Wand befanden sich alphabetisch geordnete. lieber Freund. nie. Sie kommen ja doch wieder. in denen die Rezepte lagen.. Ich habe mich hier mitunter einsam gefühlt.« »Als wär es für immer. »Welche Ehre..« »Ja. »Gewiß. Es war eine kleine. mit dem sie auf dem Plauderfuße stand und der sie anschwärmte wie Gieshübler selbst. ich soll wiederkommen. Hier unter meinen Retorten. weil Sie der Beste waren. ich habe es nicht immer richtig .

daß ich noch zu Gnaden angenommen werden kann. Effi ging wieder nach Haus. was sie gesprochen. schloß Effi sich ein.. .. im Coupé sind mitunter so merkwürdige Menschen und wollen einem nicht mal erlauben. Und nun schrieb sie: »Ich reise morgen mit dem Schiff. sagte sie. Ihre Effi. Blick ich auf Ihr Haus. ich meine das Salz – die Augen übergehen.. dies nicht als einen Vorwurf zu fassen. Daß wir hier abberufen wurden. »aber in mein Schlafzimmer. Johanna.eingerichtet. bis der Herr wieder da ist. Adieu. ganz hinwegsah. Und lassen Sie einmal von sich hören. »Bitte.« Als Johanna das Zimmer wieder verlassen hatte. Innstetten erwartet mich in wenig Tagen zurück. und wenn mir dann vielleicht – denn es steigt einem ja ordentlich zu Kopf. dann will ich an Sie denken.. Ich beschwöre Sie. Ein eigentümliches Verhältnis bleibt es doch. ich hätte dies Stück Erde nie gesehen. einen Briefbogen vor sich. sah einen Augenblick in den Spiegel und setzte sich dann wieder. Meine Schuld ist sehr schwer. Effi saß schon an ihrem kleinen Schreibtisch. Es wäre das beste gewesen. Ich habe in den letzten Wochen öfter an sie gedacht und an Fürst Kotschukoff. Ich hab es so kalt und kann nicht warten.« »Aber meine gnädigste Frau.« Beides kam. die Trippelli. vom ersten Tage an. ist mir wie ein Zeichen.. so sehr. Gieshübler begleitete sie bis auf den Platz hinaus. Aber vielleicht kann ich noch heraus. Aber ich kann mich hineinfinden. Warum ich nicht wiederkomme. Und dann eine Tasse Tee. den Tee auf den Tisch da. Vergessen Sie das Geschehene. Ihr Tun mag entschuldbar sein. Oder ich werde schreiben. daß man ein Fenster aufmacht. Johanna«. vergessen Sie mich. aber wenn ich Sie gesehen habe. die Feder in der Hand. »Bringen Sie mir die Lampe. Er war wie benommen.« »Und dafür wollte ich Ihnen danken.. und dies sind Abschiedszeilen. lieber Freund. Sie wissen es..« Damit ging Effi. alle Schuld ist bei mir. aber ich komme nicht wieder.« . dann habe ich mich immer wohler gefühlt und auch besser. und grüßen Sie Ihre Freundin. Ich habe mir eben ein Fläschchen mit Sal volatile gekauft. nicht das meine. daß er über manches Rätselhafte.

sah sie. . die dem Zuge des Bollwerks folgte. von dessen Giebeldach eine gelbe Flagge. mit Kreuz und Krone darin. in einem Regenmantel und hellgrauen Reisehut. Effi?« Das Schiff. etwas nebeligen Luft herniederhing. Und nun schob sie die Zeilen in ein Couvert und ging auf ein Haus zu. blieb sie. und musterte von hier aus das Bollwerk und die hübsche Häuserreihe. ein Gruß. in dem etwas stickigen Raume.Sie überflog die Zeilen noch einmal. »Wo hast du nur dein Latein her. Als sie wieder zurück war. Da gab sie die Zeilen ab. ein drei Stock hohes Gebäude. das Schiff setzte sich langsam in Bewegung. in seiner ganzen Haltung verändert. die neugierig am Bollwerk umherstanden. zwischen dem Kirchhof und der Waldecke. es sollte ausdrücken. Dann ging sie rasch auf die Kajüte zu. ließ dann aber ihr Auge wieder abwärts gleiten und verweilte zuletzt auf einer Anzahl von Personen. und sie setzte sich zu ihm und erzählte ihm von Gieshübler und dem Sal volatile. ein leichtes Segelschiff (die Dampfboote gingen nur sommers). am fremdesten war ihr das »Sie«. auch Roswitha und Annie. Er seinerseits. aber auch das mußte sein. fuhr um zwölf. bis man aus dem Fluß in die weite Bucht des Breitling eingefahren war. Innstetten lachte. Effi war ganz eigen zumut. erwiderte. Schon eine Viertelstunde vorher waren Effi und Innstetten an Bord. wo sich Roswitha mit Annie schon eingerichtet hatte. stand auf dem Hinterdeck. Effi sah eine Weile nach der Flagge hinauf. Innstetten sprach mit dem Kapitän: Effi. schlaff in der stillen. Hier. und als sie die Landungsbrücke noch einmal musterte. war Innstetten schon da. daß keine Brücke mehr da sei. In diesem Augenblicke wurde geläutet. dabei lag etwas Bittendes in ihrem Auge. daß sie sich an dem herrlichen Anblick erfreue. als es für einen auf so wenig Tage geplanten Ausflug geboten erschien. da kam Innstetten und rief sie nach oben. war sichtlich bewegt und grüßte ernst zu ihr hinüber. aber doch zugleich in großer Freundlichkeit. nahe am Steuer. Gerade der Landungsbrücke gegenüber lag Hoppensacks Hotel. den sie ebenso. Das Gepäck war größer. Ein dünner Rauch stieg aus dem halb eingefallenen Schornstein. Sie erschrak bei seinem Anblick und freute sich doch auch. daß Crampas in vorderster Reihe stand.

»Ich will den Finkenschlag hören und die Papageien auch«. sagte Innstetten. man war einig über den Stadtteil. Effi gedachte des Tages. Oben war der Zug noch nicht angemeldet. vor jetzt gerade fünf Vierteljahren. Sie ging dann auch hinauf. Als man gleich danach das Gasthaus des »Fürsten Bismarck« passierte. und Effi stimmte ihm zu. im offenen Wagen am Ufer eben dieses Breitlings hin entlanggefahren war. und Effi und Innstetten schritten auf dem Bahnsteig auf und ab. und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. was war alles seitdem geschehen! So fuhr man die Wasserstraße hinauf und war um zwei an der Station oder doch ganz in Nähe derselben. stand auch Golchowski wieder in der Tür und versäumte nicht. Ihr Gespräch drehte sich um die Wohnungsfrage. Eine kurze Spanne Zeit. Nun aber hörte man das Signal. und das Leben oft so still und einsam. Und doch. der Bahnhofsinspektor war voller Entgegenkommen. den Herrn Landrat und die gnädige Frau bis an die Stufen der Böschung zu geleiten. und daß es zwischen dem Tiergarten und dem Zoologischen Garten sein müsse. ein Wehen mit dem Tuch.den die Landschaft gerade an dieser Stelle bot. und nur dann und wann schoß ein halbumschleierter Sonnenblick aus dem Gewölk hervor. Über dem Wasserspiegel hingen graue Wolken. . wo sie. Noch ein Händedruck. und Effi erhielt ein Coupé für sich. und der Zug lief ein.

das Warten in der Gepäckhalle stellte die Geduld auf keine allzu harte Probe. die nicht wie erwartet. »Du wohnst ja reizend. viel zuviel. ganz unverändert. Auf dem runden Tische mit grüner Schirmlampe waren drei Couverts gelegt. denn es war mildes. und das geht nicht so weiter. an deren nächstgelegener Ecke sich die »Pension« befand. Nun war man da. Die Freude des Wiedersehens war groß. und auf einem Nebentischchen stand das Teezeug. Mama«. »Effi. deine Augen sind mir wichtiger.« »Ich versteh. und nach wenig mehr als fünf Minuten rollte die Droschke neben dem Pferdebahngeleise hin. einem kleinen Salon mit Kamin. Gott sei Dank. du siehst mich immer noch so freundlich an wie früher. während sie dem Sofa gegenüber Platz nahm. erschien Effi wieder im Zimmer der Mama. deiner Augen halber.Dreiundzwanzigstes Kapitel Auf dem Friedrichstraßen-Bahnhofe war ein Gedränge. glaube mir. haben wir immer nur von Innstetten und unserer großen Karriere gesprochen. du bist so stürmisch. in die Dorotheenstraße hinein und auf die Schadowstraße zu. Mama. meine liebe Effi. beinah warmes Wetter. »Darf ich wieder die Rolle des Teefräuleins übernehmen?« »Gewiß. Ganz die alte. die die Händchen nach den Lichtern ausstreckte. aber trotzdem. was ist es damit? In der Droschke. neben denen der Frau von Briest. aber nur um sich gleich danach an dem Teetisch zu schaffen zu machen. Aber nun sage mir. und in einem finde ich sie. Ich meinerseits muß verzichten. die noch dazu so klapperte. Effi hatte schon vom Coupé aus die Mama erkannt und neben ihr den Vetter Briest. sagte Effi.« Und sie eilte auf die Mama zu und küßte ihr die Hand. Aber nur für Dagobert und dich selbst. aber doch auf demselben Korridor lagen. Effi erhielt ihre zwei Zimmer.« . was mir beinah schwerfällt. drin ein schwaches Feuer brannte. Roswitha war entzückt und freute sich über Annie. und als alles seinen Platz und Stand hatte und Annie in einem Bettchen mit Gitter glücklich untergebracht war.

Bier. daß das das Beste von der Sache ist und mich über die mutmaßlich lange Kurdauer schon vorweg tröstet.oder Keithstraße gedacht. Es ist sonderbar. Kessin. dann würde es bald besser werden. Denn ihr werdet euch einschränken müssen. aber sie wirft nicht allzuviel ab. und er erzählt mir jeden Tag. Innstettens Stellung ist sehr ehrenvoll. Die Preise gehen herunter. Tee – alles gestrichen und gelegentlich eine lokale Blutentziehung. wie's mit Mamas Augen steht.« »Aber Cousine.« »Ich könnte dir erwidern. und ich werde noch hiersein. ich merke nicht viel davon. Effi selbst aber wollte davon nichts hören und sagte: »Dagobert. Man ändert sich in der Ehe. Sucht euch nur recht was Hübsches. du bist noch hübscher geworden. Mama. daß es der Augenarzt für Blutandrang nach dem Gehirn ausgegeben habe. du bist alles nur kein Menschenkenner. die jungen gewiß nicht. wenn nicht Schutzzölle kämen. Du weißt. Ich wollte.« »Ganz der Vetter«. hat ja auf die ihm zugedachten Husaren verzichtet. Ich habe mir Landgrafen. Und willst du von alten Zeiten sprechen? Du warst ja noch ein halbes Kind. Nicht die alte. wenn Innstetten kommt und ihr in eure neue Wohnung einzieht. Ich will auch nicht leugnen. als die Rathenower zu euch herüberkamen. »Cousine. elegant und doch nicht allzu teuer. Die wissen nun vollends nichts. er übertreibt gern. Aber ich kenne die Doktorangaben. wo hast du denn diese ganze Weisheit her? Du kennst ja keine Offiziere. Daher käme das Flimmern. das sind ja alles bloß Allotria. Ich will wissen. Und mit dem Stürmischen wird es wohl auch noch nicht vorbei sein. Kaffee. Dagobert. »Er sprach so von vierzehn Tagen. Aber ich mag nicht. versicherte die Mama. daß Kinder am besten beobachten.« Vetter Briest lachte. Es müsse mit Diät gezwungen werden. ein Fall.« Frau von Briest erzählte nun. Und Briest klagt auch. vierzehn Tage heißt sechs Wochen. und . Aber nun lange zu. so müß er mit einem Bettelsack von Hohen-Cremmen abziehen. so habe ich gelesen. Ihr guckt euch immer nur selber an oder eure Rekruten. und die von der Kavallerie haben auch noch ihre Pferde.»Ach nein. das ist alles. der übrigens einzig in der Weltgeschichte dasteht. es wäre so. Ihr Offiziere seid keine guten Menschenkenner.

so gib uns eine Probe. Effi wird wohl auch gern eine Geschichte hören. Aber ob zulässig oder nicht. Aber Wippchen. Er soll aber nicht mehr so gut sein. und da macht es sich von selber. sie stehen jetzt hoch im Preise. erzähle uns was Hübsches. ist etwas hervorragend Feines.« »Sehr gut. etwas aus den ›Fliegenden Blättern‹ oder aus dem ›Kladderadatsch‹. du triffst damit nicht ins Schwarze. Cousine. weil es nicht anders geht. das ist ein eigen Ding. er ist noch ebensogut wie früher. Du bist doch ein Daus. Das ist nicht für jedermann. das sind die Besten. der übrigens – Pardon. schöne Cousine – keine Kladderadatschfigur ist.« »Eben deshalb sagte ich. wie Kiebitzeier. und er strich vom Knopfloch nach der Achsel hinüber.« »Ja.wenn es sein kann. Ich wäre nicht daraufgekommen. Und ich möchte sogar hinzusetzen dürfen. Modesache.. Erzähle lieber.« »Die Bibelwitze? Was soll das heißen. Aber trotzdem. es sei nicht für jedermann.« »Nun. »endlich loswerden. es ist ja kein Krieg mehr. Jetzt haben wir nämlich die Bibelwitze. Was jetzt nämlich kursiert. Effi. vielleicht Apollo. und die liebsten Menschen hören bloß zu. Unsereins möchte doch auch mal an die Reihe kommen und hier diese schreckliche Leere«. Krankheitsberichte sind immer langweilig. Geht es?« »Gewiß geht es. wenn es nicht zu toll ist.« »Mein Liebling ist Karlchen Mießnick und Wippchen von Bernau. Leider. Die Fragestellung – alle diese Witze treten nämlich in Frageform auf – ist übrigens in vorliegendem Falle von großer Simplizität und lautet: ›Wer war der erste Kutscher?‹ Und nun rate. weil es als Kombination auftritt und in die einfache Bibelstelle noch das dativisch Wrangelsche mit einmischt. Sie haben immer noch Strudelwitz und Prudelwitz.« »Oh. Wippchen hat gegenwärtig nichts zu tun. du triffst es besonders gut. das sind ja bloß Eitelkeiten. Was ist denn jetzt dran?« »Ja.« »Ach.? Bibel und Witze gehören nicht zusammen.« .« »Nun..

und Mutter und Tochter brachen früh auf. um wieder unter Menschen zu sein. wer war es denn?« »Der erste Kutscher war ›Leid‹. ich bin dir doch dankbar dafür.« ». daß es so lange gedauert. immer erneut erst auf den Gleichklang und dann auch wieder auf den Unterschied von »widerfahren« und »wieder fahren« hinweisen zu müssen. auch die Zubemerkung.. was man hört. Cousine. Bald nach zehn Uhr brach er auf und versprach.‹ Sonderbar. »Dumm und unpassend und kann einem Berlin ordentlich verleiden. kaum aus der Schlinge heraus. und das sagt genug. Am andern Tage war das schönste Wetter.« Effi wiederholte kopfschüttelnd den Satz. und so kam denn Vetter Briest in die nicht beneidenswerte Situation. versuchte über Effis Feierlichkeit zu spötteln. Aber es ist wirklich zu dumm. Den Rückzug erleichtern und es ganz ernsthaft als ein gutes Zeichen nehmen. Auch Mama schweigt. dumm ist es«. von meinem Vetter Dagobert gesagt wurde: ›Leid soll mir nicht widerfahren. um nach den Befehlen zu fragen. Dann ging es nach dem Tiergarten und bis in die Nähe des »Zoologischen«. ist ein Bibelwitz. Und du mußt mir verzeihen. zunächst nach der Augenklinik. sie gehörte ganz ausgesprochen zu den Bevorzugten. »Ach.« Dagobert.. daß es sie verdroß. sagte Dagobert kleinlaut. als erstes hier.« »Ja. Da geht man nun aus Kessin fort. Denn schon im Buche Hiob heißt es: ›Leid soll mir nicht widerfahren‹ oder auch ›wieder fahren‹ in zwei Wörtern und mit einem e. die für derlei Dinge durchaus kein Organ haben. um dortherum nach einer . als er sah.. nun versteh ich. Vetter. zog sich auch Effi in ihre Zimmer zurück. und das erste. konnte sich aber trotz aller Mühe nicht drin zurechtfinden. Ich will dir aber doch den Rückzug erleichtern. Und gleich nachdem er gegangen. ließ aber ab davon. daß mir.« »Das tu..»Nun. wo Effi im Vorzimmer verblieb und sich mit dem Durchblättern eines Albums beschäftigte. am anderen Tage wiederzukommen. so schwach die Sache als Witz ist.

worauf sich ihre Wünsche von Anfang an gerichtet hatten. »Wir wollen diese Wohnung aber doch im Auge behalten. sich wiederzuhaben und nach so langer Zeit wieder ausgiebig miteinander plaudern zu können. und waren am Abend in der Oper. Mama. man war aufrichtig erfreut. Cousine. sagte Frau von Briest. und so war ihr denn ein Hinausschieben der ganzen Angelegenheit eigentlich das Liebste.« Das gab dann jedesmal ein Lachen bei Mutter und Tochter. fast auch gegen die Schwiegermama.Wohnung zu suchen. du bist freilich noch sehr jung. etwas durchaus Passendes ausfindig machte. ganz im Gegenteil: »Zeit gewonnen. »Es wird nicht gehen. aßen im Restaurant. es wiederhole sich ihnen allen die schöne Zeit von vor fast zwei Jahren. das man ihnen empfohlen. Auch Vetter Briest sei ganz der alte. sie liegt so schön und ist im wesentlichen das was ich mir gewünscht habe.« Dann fuhren beide Damen in die Stadt zurück. liebe Effi«.« Effi. aber zu solcher Form des Courmachens doch nicht mehr jung genug. geriet mehr als einmal in ihren alten Übermut.« So waren schon beinah vierzehn Tage vergangen. Effi. nur mit dem Unterschiede. Das war nun auch wirklich der Fall. das »Kind« wieder so heiter und lachlustig zu finden. wie glücklich sie sei. wo man die Ausstattung besorgt habe. was ihr begegnen konnte. Die nächsten Tage nahmen einen ähnlichen Verlauf. so daß Effi einsah. die sich nicht bloß auf Zuhören und Erzählen. daß man in der Keithstraße. auch auf Medisieren ganz vorzüglich verstand. daß er sich seltener sehen ließ als vordem und auf die Frage nach dem »Warum« anscheinend ernsthaft versicherte: »Du bist mir zu gefährlich. Es traf sich auch wirklich so. und Effi sagte: »Dagobert. als ihr an einer raschen Erledigung überhaupt nicht lag. ein weiteres . die Erlaubnis gegeben hatte. daß Frau von Briest mehr hören als sehen wolle. alles gewonnen«. Und dann. Innstetten schrieb immer dringlicher und wurde ziemlich spitz. wozu der Arzt unter der Bedingung. feucht und noch unfertig. wenn ihr am wohlsten war. sosehr ihr die Wohnung gefiel. sondern. und die Mama schrieb nach Hause. ein Geheimrat ist kein Trockenwohner. »schon einfach Gesundheitsrücksichten werden es verbieten. nur daß es ein Neubau war. war um so einverstandener mit diesem Bedenken.

Der ist ja ein Spezialist. mich von dir zu trennen. Sie wird wohl noch nicht ganz ausgetrocknet sein. »Mama. ließ Effi die Mama an ihr Bett rufen und sagte: »Mama. bis in die kleinsten Einzelheiten hinein. so hab ich ja schließlich immer noch Hohen-Cremmen. mußte krank werden.« »Kind. und heute ist es schon da. »Und welche Wohnung wirst du wählen?« »Natürlich die erste.« Frau von Briest war einverstanden. Es gab also nur ein Mittel: sie mußte wieder eine Komödie spielen.« »Nein.Hinausschieben sei nicht mehr gut möglich und es müsse nun wirklich gemietet werden. aber es mußte sein. und ich glaube beinah. Gleich danach wurden auch wirklich die Koffer gepackt und alle Vorbereitungen getroffen. beruf es nicht. Ich habe ein solches Reißen und Ziehen. stand ihr auch fest. Das geht nicht. Ich hätte nicht gedacht. Wenn ich Schweigger sehe. Das kam ihr aus mehr als einem Grunde nicht leicht an. was du tun sollst. Und wird es mit der Feuchtigkeit zu arg und kommt ein bißchen Rheumatismus. was ich dir gesagt habe: man soll den Teufel nicht an die Wand malen. es wird mir so schwer. und Innstetten drang auf rasche Rückkehr. ein Rheumatismus ist mitunter da. ich kann nicht reisen. Und morgen reise ich. wie du siehst. werde ich ihn fragen. gespielt werden müsse.« Diese Worte der Mama kamen Effi sehr zupaß. Gestern hast du noch leichtsinnig darüber gesprochen. Aber was dann? Bis zum Umzuge nach Berlin waren immer noch drei Wochen. in so was anderem . wir gehen also nach und mieten heute noch. Sie mietete denselben Vormittag noch und schrieb eine Karte an Innstetten. was einigermaßen ein Trost ist. Innstetten. und als ihr das feststand. wie die Rolle. Ich denke. es schmerzt mich über den ganzen Rücken hin. daß sie den nächsten Tag zurückwolle. nicht Schweigger. aber es ist ja das Sommerhalbjahr.« »Siehst du. wird über mein Ausbleiben empfindlich. die in der Keithstraße. es ist ein Rheumatismus. Ach. und er könnt es am Ende übelnehmen. die mir von Anfang an so gut gefiel und dir auch. Als dann aber der andere Morgen da war. man weiß nicht wie. daß das so schmerzhaft sei.

ich will alte. schrieb ein Telegramm an Innstetten. komm ich vielleicht drüber hin. aber doch nur momentanen Behinderung sprach. »Effi. wovor die Doktoren am meisten warnen und mit Recht. das sei ganz falsch und schwäche bloß. als ich noch in der Heckerschen Pension war. Wenn so was einreißt. desto schlimmer. also vor etlichen zwanzig Jahren. und wenn er es nicht ist. Aber du kannst dich beruhigen. Ich werde den ganzen Tag über von Tee und Sodawasser leben. der mich schon behandelt hat. Dickens. denn mitunter haben sie nicht das eine. allerlei zur Auswahl. und Effi schrieb auf: Walter Scott. aber in den . gnäd'ge Frau. aber wen sollen wir nehmen? Nur keinen jungen. sie genierte sich ihret. worin sie von dem »leidigen Zwischenfall« und einer ärgerlichen. Mama. wir warten es ab. Effi sog sich nicht wenig Trost aus diesen Anschauungen. wie das früher Mode war. Ohne besondere Vorkommnisse verging der Tag. Er war ein Damenmann. Die Leihbibliothek ist ja gleich hier nebenan. »Die Hosen des Herrn von Bredow«. ganz kraus. »Ivanhoe« oder »Quentin Durward«.« Frau von Briest drückte ihre Zustimmung aus. Ich denke. und wenn ich dann transpiriere.und ihrer Frau wegen. ich weiß nicht. Was soll ich besorgen?« »Ich will es aufschreiben. was man grade haben will.« »Gewiß. »Ja. ich komme mit einem ganz alten. du mußt mir nun auch Bücher besorgen.« Effi seufzte. Es kann ja auch vorübergehen. dann wird man's nicht wieder los. »David Copperfield«. das geht so nicht länger. Willibald Alexis. den Zettel in seiner ursprünglichen Gestalt abzugeben. es wird nicht schwerhalten. aber es würde mich genieren. Und damals war er nah an fünfzig und hatte schönes graues Haar. »Der Spion«.« Roswitha brachte Bleistift und Papier. Daß man nichts genießen müsse. das sind solche Verschleppungen. Am andern Morgen war es nicht besser und am dritten auch nicht.zu Rate gezogen zu werden.« »Ein junger Doktor ist immer genannt. Cooper. und sagte dann zu Roswitha: »Roswitha. das beste ist. bestand aber darauf. ganz alte. in diesem Punkte stehe sie ganz zu der jungen Schule: tüchtig essen. Roswitha las den Zettel durch und schnitt in der anderen Stube die letzte Zeile fort. daß sie sich gut verpflege.

aber wenn er überhaupt erst einen Eindruck empfangen habe. Es wechselt beständig.richtigen Grenzen. »Rummschüttel! Und als Arzt für jemanden. aber ich möchte beinah glauben. zugleich versichernd: nicht jeder Kopf präge sich ihm ein. Ärzte. der den Puls gefühlt und die Patientin leicht. »Sehr wahrscheinlich.« »Effi. unsere Frauen. wo fehlt es. in diesem Augenblicke nicht.« Er ließ jedoch nichts davon merken. so bleibe der auch für immer.« »Nein.« Diese wollte den Vergleich ablehnen und meinte. Ihnen auszudrücken.« Was er aber still zu sich selber sagte. so was Gutes zu hören. Und schwer mag es wohl oft sein. die das vergessen. gehen unter.« »Sehr wahrscheinlich«. da hab ich es früher beobachten können. Denn mitunter hört man doch auch andres. aber doch scharf beobachtet hatte. was es ist. du sprichst so sonderbar. der sich nicht rühren kann. und es kann auch nicht anders sein. und als er Effi sah. sondern sagte mit allem wünschenswerten . Anfangs habe ich an Rheumatisches gedacht. Vielleicht ein Erbstück von ihm. wenigstens die aus der Gesellschaft. Rummschüttel blieb aber bei seiner Behauptung. Schmerzen den Rücken entlang.« »Meinst du? Ich freue mich immer. zwanzig Jahre und drüber seien doch eine lange Zeit. meine gnädigste Frau. daß es ein Geheimrat ist. es wechselt beständig. Frau von Briest empfing ihn. wo sollen wir helfen?« »Ach. meine gnädigste Frau von Innstetten. Evastochter comme il faut. das lautete: »Schulkrank und mit Virtuosität gespielt.« Effi lachte herzlich. Große Schmerzen kannst du nicht haben. Herr Geheimrat. haben immer noch einen guten Fond. es sei eine Neuralgie. Und wie heißt denn der alte Geheimrat? Ich nehme an. und dann kann ich mich nicht aufrichten.« »Geheimrat Rummschüttel. »Und nun. war sein erstes Wort: »Ganz die Mama. ich komme in Verlegenheit.« Am andern Morgen erschien Geheimrat Rummschüttel. Mein Papa leidet an Neuralgie. In diesem Augenblick ist es wie weggeflogen. sagte Rummschüttel.

Er war offenbar ein überaus lebensgewandter Herr. »Es ist Scott. daß er ihrer Komödie mit einer Komödie begegnet war. daß dergleichen auch mal zu respektieren sein könne. übrigens nichts Schlimmes. und sein Urteil stand ihm nach dem dritten Besuche fest: »Hier liegt etwas vor. so zu handeln. und es half auch gleich. weil er sah. keine Besuche. Du sollst aber nur alle drei Stunden nehmen. dagegen ist nichts einzuwenden. fand er Effi auf. Eine Medizin. eine solche? Bald danach kam die Mama zurück. Es wird Ihre Nerven beruhigen. der trotz seiner beinah Siebzig noch etwas Jugendliches habe. Das beste sind Reisebeschreibungen. Dies nahm ihn für sie ein. Denn gab es nicht zu respektierende Komödien. und Mutter und Tochter ergingen sich in Lobeserhebungen über den feinen alten Herrn. in einem Schaukelstuhl sitzend.Ernst: »Ruhe und Wärme sind das Beste. Als sie wieder allein war – die Mama begleitete den Geheimrat –. So war er schon damals. welche Verlegenheit sein Kommen der jungen Frau bereitete. ihre Rolle gut durchgespielt. hat er mir draußen noch eigens gesagt. Annie neben ihr.« Dabei wies er auf das neben ihr liegende Buch.« »Oh. Sirupus florum Aurantii zwei Unzen. Ich spreche morgen wieder vor. sie hatte recht gut bemerkt. vielleicht weil er wußte.. um das Rezept aufzuschreiben Aqua Amygdalarum amararum eine halbe Unze. was die Frau zwingt. wird das Weitere tun.. »Hiervon. was ich anraten kann.« Rummschüttel kam den zweiten Tag und dann jeden dritten. die sie selber spielte. Als Rummschüttel seinen vierten Besuch machte. wie sie handelt.« Über solche Dinge den Empfindlichen zu spielen lag längst hinter ihm. alle zwei Stunden einen halben Teelöffel voll nehmen zu wollen. »Schicke nur gleich Roswitha nach der Apotheke. meine gnädigste Frau.« Und er erhob sich. aber immer Energisches. keine Lektüre. . ein Buch in der Hand. er verschrieb nicht oft und nicht viel. bitte ich Sie. aber nicht alles sehen wollte. Und worauf ich noch dringen möchte: keine geistigen Anstrengungen. war nicht die.« Effi hatte sich wundervoll gehalten. der alles recht gut sah. schoß ihr trotzdem das Blut zu Kopf.

Die Sachen sind ja ohnehin schon unterwegs.»Ah. ›Damendoktor‹ sagen seine Gegner und Neider. fuhr sie fort. Ich denke. unter anderem ist Rummschüttel zu honorieren. Ich könnte nun reisen. in die Keithstraße. Und mit Ihrer Neuralgie. Übrigens ein sehr liebenswürdiger alter Herr. »ein Neubau. Aber ich freue mich Ihrer Vorsicht. aber heut ist schon der 24. eine alte Bekanntschaft zu erneuern und eine neue zu machen. meine gnädigste Frau. wo wir gemietet haben. sah noch Annie freundlich in die Augen und verabschiedete sich unter Empfehlungen an die Mama.« »Nicht im geringsten. den ich mich. macht mir freilich Sorge. Daß ich von den Kessinern nicht persönlich Abschied nehme. Herr Geheimrat. morgen etwa.. Er gilt ärztlich nicht für ersten Ranges. so setzte sich Effi an den Schreibtisch und schrieb: »Lieber Innstetten! Eben war Rummschüttel hier und hat mich aus der Kur entlassen. wenn er uns auch als Arzt verbleibt. frischen Märztage da fällt die Krankheit ab. auf meine Verantwortung. wenn in unserer Wohnung erst alles in Ordnung sein wird. willst Du hier eintreffen. Aber dies Wort umschließt doch auch ein Lob. in Hoppensacks Hotel wie Fremde leben müssen. daß Sie auch in Zukunft sich meiner annehmen werden.. die mir Gelegenheit gegeben hat. Kaum daß er fort war. Bei . die hellen. wenn ich käme. da können Sie's wagen.« Er wiederholte seine Verbeugung. wenn ich die Reise ganz aufgebe. Ich schiebe es nicht auf die Arznei. Und die Frau Mama?« »Sie ist ausgegangen. die Ausgaben werden sich ohnehin häufen. Lassen Sie drei. meine gnädigste Frau! Hocherfreut. Denn ich darf doch wohl hoffen. vier Tage lang tüchtig heizen und immer Türen und Fenster auf. das war nicht von solcher Bedeutung. das schöne Wetter. Glauben Sie. Auch der Kostenpunkt ist in Betracht zu ziehen. Ich beglückwünsche Sie. herzlich freue Ihnen vorstellen zu können. und am 28. es kann eben nicht jeder mit uns umgehen. »Die neue Wohnung«. Herr Geheimrat. daß die feuchten Wände. Du wirst einverstanden sein.« Er verbeugte sich. hat nicht viel auf sich. und wir würden. Angegriffen bin ich ohnehin noch. Ich erwarte nun innerhalb weniger Tage meinen Mann.

weiß ich nicht). erhob den Blick und faltete die Hände. und als sie auf den breiten aufgemauerten Balkon hinaustrat. die mir am Silvesterabend so außerordentlich gut gefiel. so gut es geht. Laß mich in einem Telegramm wissen. bleibt nur noch der Pastor und Dr. und am nächsten Vormittage traf denn auch das erbetene Telegramm von Innstetten ein: »Einverstanden mit allem.« Und erst die Linden und dann die Tiergartenstraße hinunter flog die Droschke. An Frau von Padden. Hannemann und Crampas. dessen Bäume schon überall einen grünen Schimmer zeigten. Wie immer Deine Effi« Effi brachte selber den Brief zur Post. aber es störte sie nicht. und nun hielt sie vor der neuen Wohnung. Empfiehl mich letzterem. vom Balkon her. wieder über die Türschwelle zurück. Die Frau Majorin hat sich immer ablehnend gegen mich verhalten.« Ihr Herz jubelte. ein neues Leben! Es soll anders werden. »Nun. Güldenklees. sind in Italien (was sie da wollen. und so bleiben nur die drei andern. sie eilte hinunter und auf den nächsten Droschkenstand zu. Entschuldige mich. ob Du mit allem einverstanden bist. Oben standen die den Tag vorher eingetroffenen Sachen noch bunt durcheinander. Darüber aber ein klarer blauer Himmel und eine lachende Sonne. ablehnend bis zur Unart. Du bist ja der Mann der Formen und weißt das richtige Wort zu treffen.« . schreibe ich vielleicht selber noch und spreche ihr mein Bedauern aus. wie Du mir schreibst. Sie zitterte vor Erregung und atmete hoch auf. mit Gott. lag jenseits der Kanalbrücke der Tiergarten vor ihr. als ob sie dadurch die Antwort beschleunigen könne. »Keithstraße 1 c. Dann trat sie.Gieshübler war ich. An die Familien auf dem Lande schicke ich Karten.

»kein Haifisch. da hast du gut gewählt. Rummschüttel hat sich bewährt.« »Nein. ein feiner.« Alles das flüsterte sie ihm zu. und nun ist es vorbei. als der Wagen. das sei ein Vorzug. und man hatte bereits eine Welt von Dingen durchgesprochen. du bist doch ein kleines Genie«. nahm er Effis Hand und sagte: »Aber Effi. Effi. Oben fehlte noch manches. Zuletzt kam auch Roswitha. Und sie wird wohl recht haben wie in . Alles war am Bahnhof. die habe das eigentliche Verdienst. In seiner Wissenschaft soll er nicht gerade glänzen. glaub ich. um die neunte Stunde. traf Innstetten in Berlin ein. als er in das Vestibül eintrat. liebenswürdiger alter Herr. schon schrieb. nun erzähle mir. »Ach. Und nun nahmen sie Platz um den schon gedeckten Tisch. am herzlichsten von seiten Effis. Der Vetter führte die Mama. vor der neuen Wohnung in der Keithstraße hielt. ein bißchen schmerzhaft und eine rechte Störung. was war das mit deiner Krankheit?« »Ach. Effi«. um den Herrn zu begrüßen. Aber mehr war es nicht. lassen wir doch das. weil es einen Strich durch unsere Pläne machte. aber für einen wohnlichen Eindruck war doch gesorgt. wie ich dir. und Innstetten sprach seine Freude darüber aus. sagte Innstetten. der Vetter. Geert. den man genommen. so hab es unerbittlich geheißen. aber Mama sagt. die Mama. nicht der Rede wert. während sie die teppichbedeckte Treppe bis in den zweiten Stock hinanstiegen. bei welcher Gelegenheit sie sagte: »Fräulein Annie ließe sich für heute entschuldigen« – ein kleiner Witz. aber diese lehnte das Lob ab und zeigte auf die Mama. kein Krokodil und hoffentlich auch kein Spuk. »Effi. der Empfang war herzlich. damit ist es nun vorbei. ziemlich spät. auf den sie stolz war und mit dem sie auch ihren Zweck vollkommen erreichte. Nun bricht eine andere Zeit an. und immer habe sie's getroffen.Vierundzwanzigstes Kapitel Drei Tage danach. wodurch natürlich viel Zeit gespart und die gute Laune nie gestört worden sei. »Hier muß es stehen«. und ich fürchte mich nicht mehr und will auch besser sein als früher und dir mehr zu Willen leben. und als Innstetten sich ein Glas Wein eingeschenkt und »auf glückliche Tage« mit allen angestoßen hatte.

Unsere Freundin Sidonie war sogar spitz.« Und er wollte sie zu necken fortfahren.. Das Gespräch.« Vetter Briest lachte. Unser guter Doktor Hannemann war auch kein Licht und traf es doch immer. mit diesem Luxus ist es in Berlin vorbei. drei Tagen mit dem Rest der Sachen eintreffen. als er sah. und sie habe noch einen .‹ Da hörst du's.allen Stücken. Nicht einmal das schwarze Huhn hätten wir unterbringen können.« »Ah. daß ich mehr ein "Erzieher" als ein Ehemann sei‹. was Innstetten mitteilte. denn sie sei immer die brauchbarste gewesen und von einem ausgesprochen großstädtischen Chic. spann sich noch eine Weile weiter. werde aber in zwei. freute sich aufrichtig über deinen Gruß und deine Liebeserklärung an sie. Cousine. er sei froh über ihren Entschluß. erhob sich die Mama.‹ Und dann brach sie ab. sagte sie. das meist zurückliegende Verhältnisse berührte. Vielleicht ein bißchen zu sehr. »Pferd und Wagen.« »Und der Pastor will dir desgleichen empfohlen sein. und als eine kleine Pause eintrat. daß sich von dem ganzen Kessiner Hausstande nur Johanna bereit erklärt habe. und Effi erfuhr zuletzt aus diesem und jenem. und mit Kruse zu verhandeln habe sich von vornherein verboten. zu der ich eigens vorgestern noch hinüberfuhr. nur die Herrschaften auf dem Lande waren ziemlich nüchtern und schienen auch mich für deinen Abschied ohne Abschied verantwortlich machen zu wollen. . »Was soll uns ein Kutscher hier?« schloß Innstetten. und nur die gute Frau von Padden. das sind Tempi passati. daß sie sich verfärbte.. »›Ein junges Lämmchen weiß wie Schnee.‹ Und als ich ihr erwiderte: ›Du fändest schon. Oder unterschätz ich die Wohnung?« Effi schüttelte den Kopf. ›aber ich sollte dich gut hüten. sagte sie halblaut und beinahe wie abwesend: ›Ein junges Lämmchen weiß wie Schnee. wer sind die anderen alle? Campas läßt sich der gnäd'gen Frau empfehlen. Sie sei natürlich noch zurückgeblieben.. ›Du seist eine reizende Frau‹. gab es aber auf. Und nun sage. sehr artig. Christel und Friedrich hätten sich beide für zu alt erklärt. die Übersiedelung nach Berlin mitzumachen. was macht Gieshübler und die anderen alle?« »Ja. es sei bald elf.

weiten Weg. aber doch beinah. sah sich seitens seines Chefs durch besonders entgegenkommende Liebenswürdigkeit ausgezeichnet. am 1. was sagst du? Du wolltest den Finkenschlag aus dem Tiergarten hören und die Papageien aus dem Zoologischen. Es ist nicht der eigentliche Tiergarten. daß Innstetten eine große Veränderung an dem Kinde finden solle. trotzdem es ein geschäftlich und gesellschaftlich sehr unruhiger Tag war. was er an ihm habe. April. Und dann plauderten sie weiter. Mitten im Gespräch aber mußten sie abbrechen. besuchte verschiedene Läden. »Er wisse. ja. Effi war ziemlich früh auf und hatte – die Luft war beinahe sommerlich warm – den Kaffeetisch bis nahe an die geöffnete Balkontür rücken lassen. bei Helms. wie verabredet. und ging dann aufs Ministerium. was er denn auch schließlich tat. das Vetter Briest natürlich ablehnte. um sich da zu melden. Es war ein gelungenes Beisammensein gewesen. ihr Einvernehmen nie gestört zu sehen. Man traf sich. und sei sicher. nachdem noch Rendezvous für den andern Vormittag verabredet war. der Droschkenstand sei ja nah – ein Ansinnen. um rechtzeitig beim Rendezvous erscheinen zu können. Hörst du wohl? Das kam von drüben. aber möglich ist es. und nun kam auch Annie. begab er sich in das Kanzlerpalais. Er wurde auch angenommen. drüben aus dem kleinen Park. aß bei Hiller und war bei guter Zeit wieder zu Haus. abwechselnd über die Kessiner und die in Berlin zu machenden Visiten und ganz zuletzt auch über eine Sommerreise. um sich einzuschreiben (eine persönliche Gratulation unterließ er aus Rücksicht). Bald darauf trennte man sich. Roswitha verlangte. Innstetten herzlich froh. Dann setzten sie sich. Ich weiß nicht. als ob Effi ihm das alles persönlich herangezaubert habe. und als Innstetten nun auch erschien. ob beide dir den Gefallen tun werden.« Innstetten war entzückt und von einer Dankbarkeit. übrigens solle sie niemand begleiten. gegenüber dem Roten Schloß. Tags darauf. das großstädtische Leben wieder mitmachen und auf sich wirken lassen zu können. trat sie mit ihm auf den Balkon hinaus und sagte: »Nun.« .

so war sie doch gleichmäßig angesehen. weil ihm nicht entging. dem Küchendepartement vorstehen sollte. ganz wie früher. als Hausmädchen und Jungfer. und alles. Ein aufrichtiges Bedauern war es für Effi. woraus man sich auch ihre vornehme Gesinnung. wohl aber im Erlöschen. noch nicht vorüber. dies alles noch deutlicher zeigen zu können. als sie während der ersten Aprilwochen ihre Besuche machten. was davon noch in ihr nachzitterte. ein Bedauern. daß sich Johanna denselben Tag noch in Berlin einstellte. und so kam es für sie zu keiner rechten Teilnahme mehr daran. fast sechs Wochen lang in Kur gewesen. Denn sie kannte die jungen Frauen. wie eine Abbitte. lag etwas Wehmütiges. Er war glücklicher als vordem in Kessin. Innstetten lebte ganz seinem Dienst und seinem Haus. und war durchaus einverstanden damit.Auch im Hause gestaltete sich alles zum Guten. In der zweiten Hälfte des . nach Hohen-Cremmen zurückkehren zu sehen. ihr schönes blondes Haar und die besondere Plastik ihrer Gesamterscheinung erklären wollte. Aber das verbot sich freilich. den Dienst bei Effi zu übernehmen. Johanna selbst teilte die Freude. weil sie sehr geschickt und brauchbar und der Männerwelt gegenüber von einer ausgesprochenen und selbstbewußten Reserviertheit war. und es hätte sie glücklich gemacht. was sie tat. oder doch um vieles seltener und vorübergehender. Annies Abwartung und Pflege fiel Effi selber zu. die man allerseits über ihr Eintreffen empfand. die Mama. Und das konnte sie. gab ihrer Haltung einen eigenen Reiz. nachdem diese. wie gleich anfänglich vermutet. während Roswitha. Das war immerhin was. ebenso bei Innstetten wie bei ihrer jungen Herrin. daß Effi sich unbefangener und heiterer gab. das nur dadurch einigermaßen gemildert wurde. weil sie sich freier fühlte. In jeglichem. Das gesellschaftliche Leben der großen Stadt war. Einem Kessiner on dit zufolge ließen sich die Wurzeln ihrer Existenz auf eine längst pensionierte Größe der Garnison Pasewalk zurückführen. Wohl blickte das Vergangene noch in ihr Leben hinein. aber es ängstigte sie nicht mehr. worüber Roswitha freilich lachte. und wenn die hübsche Blondine dem Herzen Effis auch nicht ganz so nahestand wie die ganz selbstsuchtslose und unendlich gutmütige Roswitha. die der Christel in beinahe Jahresfrist ihre Kochkünste so ziemlich abgelernt hatte.

Mai starb es dann ganz hin, und mehr noch als vorher war man glücklich, sich in der Mittagsstunde, wenn Innstetten von seinem Ministerium kam, im Tiergarten treffen oder nachmittags einen Spaziergang nach dem Charlottenburger Schloßgarten machen zu können. Effi sah sich, wenn sie die lange Front zwischen dem Schloß und den Orangeriebäumen auf und ab schritt, immer wieder die massenhaft dort stehenden römischen Kaiser an, fand eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Nero und Titus, sammelte Tannenäpfel, die von den Trauertannen gefallen waren, und ging dann, Arm in Arm mit ihrem Manne, bis auf das nach der Spree hin einsam gelegene »Belvedere« zu. »Da drin soll es auch einmal gespukt haben«, sagte sie. »Nein, bloß Geistererscheinungen.« »Das ist dasselbe.« »Ja, zuweilen«, sagte Innstetten. »Aber eigentlich ist doch ein Unterschied. Geistererscheinungen werden immer gemacht – wenigstens soll es hier in dem ›Belvedere‹ so gewesen sein, wie mir Vetter Briest erst gestern noch erzählte –, Spuk aber wird nie gemacht, Spuk ist natürlich.« »Also glaubst du doch dran?« »Gewiß glaub ich dran. Es gibt so was. Nur an das, was wir in Kessin davon hatten, glaub ich nicht recht. Hat dir denn Johanna schon ihren Chinesen gezeigt?« »Welchen?« »Nun, unsern. Sie hat ihn, eh sie unser altes Haus verließ, oben von der Stuhllehne abgelöst und ihn ins Portemonnaie gelegt. Als ich mir neulich ein Markstück bei ihr wechselte, hab ich ihn gesehen. Und sie hat es mir auch verlegen bestätigt.« »Ach, Geert, das hättest du mir nicht sagen sollen. Nun ist doch wieder so was in unserm Hause.« »Sag ihr, daß sie ihn verbrennt.« »Nein, das mag ich auch nicht, und das hilft auch nichts. Aber ich will Roswitha bitten...« »Um was? Ah, ich verstehe schon, ich ahne, was du vorhast. Die soll ein Heiligenbild kaufen und es dann auch ins Portemonnaie tun. Ist es so was?« Effi nickte. »Nun, tu, was du willst. Aber sag es niemandem.«

Effi meinte dann schließlich, es lieber doch lassen zu wollen, und unter allerhand kleinem Geplauder, in welchem die Reisepläne für den Sommer mehr und mehr Platz gewannen, fuhren sie bis an den Großen Stern zurück und gingen dann durch die Korso-Allee und die breite Friedrich-Wilhelms-Straße auf ihre Wohnung zu. Sie hatten vor, schon Ende Juli Urlaub zu nehmen und ins bayerische Gebirge zu gehen, wo gerade in diesem Jahre wieder die Oberammergauer Spiele stattfanden. Es ließ sich aber nicht tun; Geheimrat von Wüllersdorf, den Innstetten schon von früher her kannte und der jetzt sein Spezialkollege war, erkrankte plötzlich, und Innstetten mußte bleiben und ihn vertreten. Erst Mitte August war alles wieder beglichen und damit die Reisemöglichkeit gegeben; es war aber nun zu spät geworden, um noch nach Oberammergau zu gehen, und so entschied man sich für einen Aufenthalt auf Rügen. »Zunächst natürlich Stralsund, mit Schill, den du kennst, und mit Scheele, den du nicht kennst und der den Sauerstoff entdeckte was man aber nicht zu wissen braucht. Und dann von Stralsund nach Bergen und dem Rugard, von wo man, wie mir Wüllersdorf sagte, die ganze Insel übersehen kann, und dann zwischen dem Großen und Kleinen Jasmunder Bodden hin, bis nach Saßnitz. Denn nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen. Binz ginge vielleicht auch noch, aber da sind – ich muß Wüllersdorf noch einmal zitieren – so viele kleine Steinchen und Muschelschalen am Strande, und wir wollen doch baden.« Effi war einverstanden mit allem, was von seiten Innstettens geplant wurde, vor allem auch damit, daß der ganze Hausstand auf vier Wochen aufgelöst werden und Roswitha mit Annie nach Hohen-Cremmen, Johanna aber zu ihrem etwas jüngeren Halbbruder reisen sollte, der bei Pasewalk eine Schneidemühle hatte. So war alles gut untergebracht. Mit Beginn der nächsten Woche brach man denn auch wirklich auf, und am selben Abende noch war man in Saßnitz. Über dem Gasthause stand »Hotel Fahrenheit«. »Die Preise hoffentlich nach Réaumur«, setzte Innstetten, als er den Namen las, hinzu, und in bester Laune machten beide noch einen Abendspaziergang an dem Klippenstrande hin und sahen von einem Felsenvorsprung aus

auf die stille, vom Mondschein überzitterte Bucht. Effi war entzückt. »Ach, Geert, das ist ja Capri, das ist ja Sorrent. Ja, hier bleiben wir. Aber natürlich nicht im Hotel; die Kellner sind mir zu vornehm, und man geniert sich, um eine Flasche Sodawasser zu bitten...« »Ja, lauter Attachés. Es wird sich aber wohl eine Privatwohnung finden lassen.« »Denk ich auch. Und wir wollen gleich morgen danach aussehen.« Schön wie der Abend war der Morgen, und man nahm das Frühstück im Freien. Innstetten empfing etliche Briefe, die schnell erledigt werden mußten, und so beschloß Effi, die für sie frei gewordene Stunde sofort zur Wohnungssuche zu benutzen. Sie ging erst an einer eingepferchten Wiese, dann an Häusergruppen und Haferfeldern vorüber und bog zuletzt in einen Weg ein, der schluchtartig auf das Meer zulief. Da, wo dieser Schluchtenweg den Strand traf, stand ein von hohen Buchen überschattetes Gasthaus, nicht so vornehm wie das Fahrenheitsche, mehr ein bloßes Restaurant, in dem, der frühen Stunde halber, noch alles leer war. Effi nahm an einem Aussichtspunkte Platz, und kaum daß sie von dem Sherry, den sie bestellt, genippt hatte, so trat auch schon der Wirt an sie heran, um halb aus Neugier und halb aus Artigkeit ein Gespräch mit ihr anzuknüpfen. »Es gefällt uns sehr gut hier«, sagte sie, »meinem Manne und mir; welch prächtiger Blick über die Bucht, und wir sind nur in Sorge wegen einer Wohnung.« »Ja, gnädigste Frau, das wird schwerhalten . .« »Es ist aber schon spät im Jahr...« »Trotzdem. Hier in Saßnitz ist sicherlich nichts zu finden, dafür möcht ich mich verbürgen; aber weiter hin am Strand, wo das nächste Dorf anfängt, Sie können die Dächer von hier aus blinken sehen, da möcht es vielleicht sein.« »Und wie heißt das Dorf?« »Crampas.« Effi glaubte nicht recht gehört zu haben. »Crampas«, wiederholte sie mit Anstrengung. »Ich habe den Namen als Ortsnamen nie gehört... Und sonst nichts in der Nähe?«

»Nein, gnädigste Frau. Hierherum nichts. Aber höher hinauf, nach Norden zu, da kommen noch wieder Dörfer, und in dem Gasthause, das dicht neben Stubbenkammer liegt, wird man Ihnen gewiß Auskunft gehen können. Es werden dort von solchen, die gerne noch vermieten wollen, immer Adressen abgegeben.« Effi war froh, das Gespräch allein geführt zu haben, und als sie bald danach ihrem Manne Bericht erstattet und nur den Namen des an Saßnitz angrenzenden Dorfes verschwiegen hatte, sagte dieser: »Nun, wenn es hierherum nichts gibt, so wird es das beste sein, wir nehmen einen Wagen (wodurch man sich beiläufig einem Hotel immer empfiehlt) und übersiedeln ohne weiteres da höher hinauf, nach Stubbenkammer hin. Irgendwas Idyllisches mit einer Geißblattlaube wird sich da wohl finden lassen, und finden wir nichts, so bleibt uns immer noch das Hotel selbst. Eins ist schließlich wie das andere.« Effi war einverstanden, und gegen Mittag schon erreichten sie das neben Stubbenkammer gelegene Gasthaus, von dem Innstetten eben gesprochen, und bestellten daselbst einen Imbiß. »Aber erst nach einer halben Stunde; wir haben vor, zunächst noch einen Spaziergang zu machen und uns den Herthasee anzusehen. Ein Führer ist doch wohl da?« Dies wurde bejaht, und ein Mann von mittleren Jahren trat alsbald an unsere Reisenden heran. Er sah so wichtig und feierlich aus, als ob er mindestens ein Adjunkt bei dem alten Herthadienst gewesen wäre. Der von hohen Bäumen umstandene See lag ganz in der Nähe, Binsen säumten ihn ein, und auf der stillen, schwarzen Wasserfläche schwammen zahlreiche Mummeln. »Es sieht wirklich nach so was aus«, sagte Effi, »nach Herthadienst.« »Ja, gnäd'ge Frau... Dessen sind auch noch die Steine Zeugen.« »Welche Steine?« »Die Opfersteine.« Und während sich das Gespräch in dieser Weise fortsetzte, traten alle drei vom See her an eine senkrecht abgestochene Kies- und Lehmwand heran, an die sich etliche glattpolierte

Steine lehnten, alle mit einer flachen Höhlung und etlichen nach unten laufenden Rinnen. »Und was bezwecken die?« »Daß es besser abliefe, gnäd'ge Frau.« »Laß uns gehen«, sagte Effi, und den Arm ihres Mannes nehmend, ging sie mit ihm wieder auf das Gasthaus zurück, wo nun, an einer Stelle mit weitem Ausblick auf das Meer, das vorher bestellte Frühstück aufgetragen wurde. Die Bucht lag im Sonnenlichte vor ihnen, einzelne Segelboote glitten darüber hin, und um die benachbarten Klippen haschten sich die Möwen. Es war sehr schön, auch Effi fand es, aber wenn sie dann über die glitzernde Fläche hinwegsah, bemerkte sie, nach Süden zu, wieder die hell aufleuchtenden Dächer des langgestreckten Dorfes, dessen Name sie heute früh so sehr erschreckt hatte. Innstetten, wenn auch ohne Wissen und Ahnung dessen, was in ihr vorging, sah doch deutlich, daß es ihr an aller Lust und Freude gebrach. »Es tut mir leid, Effi, daß du der Sache hier nicht recht froh wirst. Du kannst den Herthasee nicht vergessen und noch weniger die Steine.« Sie nickte. »Es ist so, wie du sagst. Und ich muß dir bekennen, ich habe nichts in meinem Leben gesehen, was mich so traurig gestimmt hätte. Wir wollen das Wohnungssuchen ganz aufgeben; ich kann hier nicht bleiben.« »Und gestern war es dir noch der Golf von Neapel und alles mögliche Schöne.« »Ja, gestern.« »Und heute? Heute keine Spur mehr von Sorrent?« »Eine Spur noch, aber auch nur eine Spur; es ist Sorrent, als ob es sterben wollte.« »Gut dann, Effi«, sagte Innstetten und reichte ihr die Hand. »Ich will dich mit Rügen nicht quälen, und so geben wir's denn auf. Abgemacht. Es ist nicht nötig, daß wir uns an Stubbenkammer anklammern oder an Saßnitz oder da weiter hinunter. Aber wohin?« »Ich denke, wir bleiben noch einen Tag und warten das Dampfschiff ab, das, wenn ich nicht irre, morgen von Stettin kommt und nach Kopenhagen hinüberfährt. Da soll es ja so vergnüglich sein, und ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich nach etwas Vergnüglichem sehne. Hier ist mir, als ob ich in

das Maß des Glücks voll zu machen. daß ich allmählich wieder zu mir komme. Zwei Stunden später waren sie schon im Thorwaldsen-Museum. daß wir uns hierher auf den Weg gemacht haben. Ich habe nun mal den Sinn für dergleichen.« ». Unser gutes Kessin war ein Unglück für mich.. wir .« Innstetten zeigte sich voll Teilnahme mit ihrem Zustand. das ist schön. Rügen beinah auch. und ich bin glücklich. Kopenhagen wieder verlassen mußte – die Hoffnung ausgesprochen. Effi war wie berauscht von den kleinen Schelmereien. So vergingen die Stunden im Hotel. und als man sich nach anderthalb Stunden von Tisch erhob.« »Offen gestanden. und als sie spät am Abend nach ihrem Hotel zurückkehrten.. wo sie auf Kongens Nytorv Wohnung nahmen. Thora von Penz.. blauen Augen und dem flachsblonden Haar. so schön es war. ja. Alles fiel mir da auf die Nerven. und du weißt doch. die von den Innstettens auch ohne langes Zögern angenommen wurde. sagte sie: »Weißt du. wie gern ich lache.. Arlequin und Colombine. von dem Effi denn auch versicherte. aber wenn ich bedenke. ebenso Innstettens wie Effis beinah bewundernde Aufmerksamkeit sofort in Anspruch nahm. Aber damit war es nicht genug des Guten an diesem denkwürdigen Tage. Es war wirklich alles schwermütig. das junge preußische Paar mit nächstem in Schloß Aggerhuus (eine halbe Meile vom Limfjord) begrüßen zu dürfen. daß er im Kalender rot angestrichen werden müsse. denselben Tag noch.« Bald danach gingen sie zu Tisch und machten an der Table d'hôte die Bekanntschaft einer ihnen gegenübersitzenden jütländischen Familie. und das um so lieber. eine Vorstellung im Tivoli-Theater: eine italienische Pantomime. eine Einladung. wurde seitens der Penzschen Familie – die leider. als er ihr in vielem recht gab. nun fühl ich doch. Ich denke. Geert. deren bildschöne Tochter. Und so warteten sie denn das Stettiner Schiff ab und trafen am dritten Tage in aller Frühe in Kopenhagen ein. die dir im Grunde doch noch lieber war als Thorwaldsen. und Effi sagte: »Ja. Geert. heute vormittag Thorwaldsen und heute abend diese Colombine. Effi konnte sich nicht satt sehen an den großen. Von der schönen Thora will ich gar nicht erst sprechen.meinem ganzen Leben nicht mehr lachen könnte und überhaupt nie gelacht hätte.. Der Abend brachte..

Drüben in Jütland fuhren sie den Limfjord hinauf. und dann nach Jütland hinüber. Briest gab sich als zärtlicher Großvater. warnte vor zuviel Liebe. Effi blieb aber noch eine Woche länger und sprach es aus. noch mehr vor zuviel Strenge. wenn er mit seiner Frau allein war. wo sie drei Tage bei der Penzschen Familie verblieben. als mir lieb ist. Wir können Gott nicht genug danken. und war in allem der alte. wohl aber vorher nach Hohen-Cremmen. das gelang auch vollkommen. Flensburg. bis Schloß Aggerhuus. und du sollst sehen.« »Wär mir schon recht. zumeist auch.« Innstetten lachte. als wäre dies hier immer noch ihre Heimstätte. »Du weißt noch nicht. als . und der Mann ist ein Juwel. daß sie der Mama in Stiefelchen entgegenlaufen sollte. aber dabei tut sie. Eigentlich aber galt seine Zärtlichkeit doch nur Effi. Annie war in der Landluft prächtig gediehen. Für Innstetten bedeutete das nur wenige Tage.« »Ja«. die schöne Thora wiederzusehen.« »Das brauchst du mir nicht erst zu versichern. erst zum dritten Oktober. wieder unter unserm Dach zu sein. Dann gibt es einen Wettstreit. mit der er sich in seinem Gemüt immer beschäftigte. Eigentlich ist es. eine so liebenswürdige Tochter zu haben. Sie hat doch den Mann und das Kind. dann hab ich auch noch meine Kräfte. »Wie findest du Effi?« »Lieb und gut wie immer. und das Kind ist ein Engel. da sein Urlaub abgelaufen war.« So verlief denn auch die Reise. sagte Briest. was ich tue. Und wie dankbar sie für alles ist und immer so glücklich. Kiel über Hamburg (das ihnen ungemein gefiel) in die Heimat zurück – nicht direkt nach Berlin in die Keithstraße. so verliebte ich mich in sie. und was Roswitha geplant hatte.bleiben noch ein paar Tage hier in Kopenhagen. wo man sich nun einer wohlverdienten Ruhe hingeben wollte. natürlich mit Ausflug nach Frederiksborg und Helsingör. und wenn ich ein Mann wäre. »sie hat von dieser Tugend mehr. und kehrten dann mit vielen Stationen und kürzeren und längeren Aufenthalten in Viborg. wieder zu Haus eintreffen zu wollen. ich freue mich aufrichtig. ihrem Hochzeitstage.

und dann langweilen sie sich. Es ängstigt mich ein bißchen. Und auch gut?« »Auch gut.. Und ist auch ungerecht gegen Innstetten. mich in ihre Geheimnisse einzuweihen.« »Also das gibst du doch zu. ja. Sie ist eine prächtige Tochter. Luise. ich glaube. aber Schätzung gewiß nicht. sie hat einen Zug. daß wir darüber gesprochen und unsere Meinungen ausgetauscht haben. wenn mir Effi ihr Herz ausgeschüttet hat? Oder was man wenigstens so nennt. er werde wohl nicht allzu streng mit ihr sein. Aber schrauben wir uns nicht weiter. Briest. von wem sie's hat. sie ist eine sehr schlaue kleine Person. Briest. als ob ich in alle Tiefen sähe. erst ärgern sie sich. den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und sich zu trösten. liebenswürdig.wäre Hohen-Cremmen immer noch die Hauptsache für sie und Mann und Kind kämen gegen uns beide nicht an. was meinst du?« »Nun. wenn sie wen schätzen müssen.« »Meinst du?« . was ich meine. Sie wird sich hüten. Dazu stand ich nicht hoch genug in der Schätzung. ich weiß nicht.. Was hast du nur für Vorstellungen von einer jungen Frau und ganz speziell von deiner Tochter? Glaubst du. aber sie ist es mir zu sehr. Wie steht es denn eigentlich damit?« »Ja. und diese Schlauheit an ihr ist um so gefährlicher.. Ist sie glücklich? Oder ist da doch irgendwas im Wege? Von Anfang an war mir's so. und du weißt auch was. als ob sie ihn mehr schätze als liebe.« »Hast du so was an dir selber erfahren?« »Das will ich nicht sagen. Sage. Wie's sonst steht. und zuletzt lachen sie. wie steht es?« »Ja. weil sie so sehr liebenswürdig ist. Da reicht ja kein dutzendmal. du kommst immer auf diese Dinge zurück. und immer bist du wieder da mit deinem Alles-wissen-Wollen und fragst dabei so schrecklich naiv. Und das ist in meinen Augen ein schlimm Ding. ich meine. da bin ich mir doch nicht sicher. sie ist. Denn was heißt ausschütten? Das Eigentliche bleibt doch zurück. Außerdem. daß das alles so plan daliegt? Oder daß ich ein Orakel bin (ich kann mich nicht gleich auf den Namen der Person besinnen) oder daß ich die Wahrheit sofort klipp und klar in den Händen halte.. Das heißt voll Herzensgüte. Eigentlich ärgern sich die Weiber. Liebe hält auch nicht immer vor.

« »Nun also. die andern zu platt.« »Nun.« »Es steckt etwas dahinter. und sie leben sich mehr und mehr ineinander ein. Dies Gespräch führten Briest und Frau an demselben Tage. kenn ich. . Effi auf wenigstens noch eine Woche zurücklassend. der Ausdruck. und so brach das Gespräch ab. Und fremd war er auch in seiner Zärtlichkeit. Briest? Soll ich mich gefürchtet haben oder willst du dich gefürchtet haben? Ich finde beides gleich lächerlich. wo Innstetten von Hohen-Cremmen nach Berlin hin abgereist war. so einer. sie gestand mir. und wenn die Welle gut ist. und. Aber darin irrst du. ich hab es auch bestätigt gefunden.« »Was soll das heißen. Er sei der beste Mensch.« »Meinst du?« »Ja. wie er ist. er hatte so was Fremdes. Er wußte. der mir allerdings auffiel.« »Du wolltest von Effi erzählen. du glaubst immer. dann ist sie auch selber gut. daß dies Gefühl des Fremden sie verlassen habe.« Roswitha kam mit Annie.»Ja. wie's nicht viele gibt. Sie läßt sich gern treiben. was sie sehr glücklich mache. die einen zu fromm. Kampf und Widerstand sind nicht ihre Sache. es hat Zeiten gegeben. mit Augen gesehen... es geht jetzt besser. Kessin sei nicht der rechte Platz für sie gewesen. aber sie sei nun über den Berg. Ja. was mir wichtiger ist. etwas zu alt für sie und zu gut für sie. aber seit ihrer Übersiedlung nach Berlin fühle sie sich ganz an ihrem Platz. Übrigens glaube ich. Und sie hat mir das auch andeuten wollen.. sie könne kein Wasser trüben.. daß sich vieles gebessert hat.« »Wieso? Er ist nicht ganz auf der Höhe. Sie brauchte diesen Ausdruck. Briest. wo ich mich davor fürchtete. aber ich konnte nicht recht an ihn heran. Ihr Charakter ist. Sie hat mir so was gesagt. Innstetten war immer ein vortrefflicher Mann. das mein ich. Aber. ich meine.« »Kenn ich. dann am meisten. das spukige Haus und die Menschen da. was sagte sie?« Sie sagte: »Mama. aber die Verhältnisse liegen seit ihrer Übersiedlung um vieles günstiger.

an dem rechten Anziehungspunkte gebrach. Ja. um sehr viel langlebiger erwies. ließ dann aber die Familienthemata fallen und erzählte von »Kjöbenhavn« und Helsingör. wenigstens für die junge Welt. vom Limfjord und Schloß Aggerhuus und vor allem von Thora von Penz. Hulda schrieb aber trotzdem immer zufriedene Briefe. Die Zwillinge hatten sich im Frühjahr an zwei Lehrer in der Nähe von Genthin verheiratet. rein germanisch. das war das. daß sie packen und alles zur Rückreise vorbereiten wolle. während der ebenfalls ganz in seinen Töchtern lebende Jahnke sich herausgerechnet hatte. die. . Besuch kam selten. blauäugig. als Niemeyers angenommen hatten.« An ihrem Hochzeitstage. dem dritten Oktober. die sich übrigens. wie sie nur sagen könne. was sie noch vor Jahr und Tag gewesen waren. trotzdem jede Zerstreuung fehlte. immer freundliche Worte zu hören und die Versicherung. Eigentlich lag ihr aber nur daran.daß es nichts Schöneres für sie gab. Zumal im Schulhause stand alles halb leer. weil es seit ihrer Verheiratung. »typisch skandinavisch« gewesen sei. und zwar am Weihnachtsheiligabend. wobei sich Jahnke verklärte und ein Mal über das andere sagte: »Ja. ein schwacher Vater. beiden Enkeln zu Gevatter geladen zu werden. so sind sie. viel deutscher als die Deutschen. Effi lachte herzlich und drückte dem Großvater in spe zunächst den Wunsch aus. und sie genoß es auch diesmal wieder in vollen Zügen und aufs dankbarste. daß es einem so ausgezeichneten Wesen anders als sehr gut ergehen könne. nicht weil sie wirklich zufrieden war (im Gegenteil). wollte Effi wieder in Berlin sein. sondern weil sie den Verdacht nicht aufkommen lassen wollte. große Doppelhochzeit mit Festbericht im »Anzeiger fürs Havelland«. und Hulda war in Friesack zur Pflege einer alten Erbtante. als so sorglos in einer weichen Stimmung hinträumen zu können. und unter dem Vorgeben. ihre Niederkunft halten würden. hatte sie sich schon verhältnismäßig früh auf ihr Zimmer zurückgezogen. zeigte die Briefe mit Stolz und Freude. flachsen und immer in einer roten Plüschtaille. wie liebenswürdig sie sei. Nun war es der Abend vorher. was ihr vor allem wohltat. daß beide junge Frauen am selben Tage. und selbst die Pfarre und die Schule waren nicht mehr das. wie gewöhnlich in solchen Fällen. Niemeyer.

traten ungerufen allerlei Bilder aus den Kessiner Tagen wieder vor ihre Seele: das landrätliche Haus mit seinem Giebel und die Veranda mit dem Blick auf die Plantage. dessen Flügel sie offenließ. Neben dem Kirchturm stand der Mond und warf sein Licht auch auf den Rasenplatz mit der Sonnenuhr und den Heliotropbeeten. der ging. bis ein neuer Zugwind kam und sie wieder frei machte. in dem größeren.allein zu sein. um sie zu begrüßen. ich kann so was Kriegerisches nicht leiden. und daneben: »König Wilhelm und Graf Bismarck auf der Höhe von Lipa«. und eine Stunde später war sie Braut. das sie selber innehatte. . wo sie hier mit Hulda und den Jahnkeschen Mädchen gespielt hatte. und dann kam Roswitha mit dem Kinde. während sie das Kind so vor sich hatte. Sie erhob sich und ging auf die Tür zu und horchte: Roswitha schlief schon und Annie auch. und fielen dann langsam über die Stuhllehne. Effi schüttelte den Kopf und lächelte. die Blätter herbstlich gelb. ging sie auf und ab: die unteren Fensterflügel waren geöffnet. die kleine Steintreppe neben der Bank hinaufgestiegen. Schanze V«. Wie tat ihr das alles so wohl. als läge Leinwand auf der Bleiche. in dem kleineren schlief Roswitha und Annie. und sie nahm es und hob es hoch in die Höhe und küßte es. und nun trat Crampas an sie heran. die Tür nur angelehnt. und sie mußte des Tages gedenken. so gern sie plauderte. so hatte sie doch auch Stunden. nun erst wenig über zwei Jahre. und sie saß im Schaukelstuhl und wiegte sich. und die kleinen weißen Gardinen bauschten sich in dem Zuge. Und dann war sie. »Wenn ich wieder hier bin. wo sie sich nach Ruhe sehnte. und neben den Schattenstreifen lagen weiße Lichtstreifen. Alles schimmerte silbern. als der Besuch kam. Und mit einem Male. so weiß. Weiter hin aber standen die hohen Rhabarberstauden wieder.« Und nun schloß sie das eine Fenster und setzte sich an das andere. Die von ihr im Oberstock bewohnten Zimmer lagen nach dem Garten hinaus. Dabei war es so hell. bitt ich mir andere Bilder aus. daß man die Unterschriften unter den über dem Sofa hängenden und in schmale Goldleisten eingerahmten Bildern deutlich lesen konnte: »Der Sturm auf Düppel.

. dann sei man in einer ewigen Gefahr. Aber lastet sie auch auf meiner Seele? Nein..« Und während sie dem nachhing. dann steht es schlecht um mich. das ist etwas ganz anderes – Angst.« In diesem Augenblicke setzte die Turmuhr drüben ein.. Wenn alle Weiber so sind. immer war es mein Stolz.»Das war der erste Tag. Und das hat mir der alte Niemeyer in seinen guten Tagen noch. »Ich kann es nicht loswerden«. daß ich sie nicht habe.. Und wir sprechen davon. warum ich vor mir selbst erschrecke. Ich schäme mich.« Und sie stützte den Kopf auf ihre Hand und starrte vor sich hin und schwieg. da fing es an. wie ich hoffe. und nun habe ich doch immer lügen müssen. und das bringt mich um. Aber Scham über meine Schuld. Angst quält mich und dazu Scham über mein Lügenspiel. was . Und das ist es. Scham. die hab ich nicht oder doch nicht so recht oder doch nicht genug. mal gesagt: auf ein richtiges Gefühl. dann fehlt mir das richtige Gefühl. und wer weiß. und wenn man es nicht habe. Und morgen um diese Stunde bin ich in Berlin. darauf käme es an. lügen ist so gemein. Aber wie ich nicht die rechte Reue habe. Was da lastet. da hab ich sie. vor ihm und vor aller Welt. so hab ich auch nicht die rechte Scham. und Rummschüttel hat es gemerkt und hat die Achseln gezuckt. jedenfalls nicht das Beste. und er sagt mir Liebes und Freundliches und vielleicht Zärtliches. und Effi zählte die Schläge. und das. »Und was das schlimmste ist und mich ganz irremacht an mir selbst. Ja. »Und habe die Schuld auf meiner Seele«. als ich noch ein halbes Kind war. und wenn sie nicht so sind. daß unser Hochzeitstag sei.. wiederholte sie. »Zehn. »Ja. dann könne einem das Schlimmste nicht passieren. Und ich sitze dabei und höre es und habe die Schuld auf meiner Seele. und setzte sich wieder an das offene Fenster und sah in die stille Nacht hinaus. drin die beiden schliefen. verließ sie das Zimmer. und wenn man das habe. Ich schäme mich bloß von wegen dem ewigen Lug und Trug.. Todesangst und die ewige Furcht: es kommt doch am Ende noch an den Tag. sagte sie. daß ich nicht lügen könne und auch nicht zu lügen brauche. dann ist es schrecklich. im großen und im kleinen. dann ist etwas nicht in Ordnung in meiner Seele. was er von mir denkt. Und dann außer der Angst.

der. Dann wurde der Lärm wieder schwächer. feiner Ton. steht es so mit mir?« Und sie legte den Kopf in ihre Arme und weinte bitterlich. Als sie sich wieder aufrichtete. Aber es war nur die Nachtluft. vernahm sie von fern her. war sie ruhiger geworden und sah wieder in den Garten hinaus. und als er zuletzt schwieg. an Hohen-Cremmen vorüberfuhr. . Um Gottes Barmherzigkeit willen.man den Teufel nenne. auf eine halbe Meile Entfernung. und nur der Mondschein lag noch auf dem Grasplatz. aber immer näher kommend. und nur auf die Platanen rauschte es nach wie vor wie leiser Regen nieder. Alles war so still. das habe dann eine sichere Macht über uns. So verging eine Weile. wie wenn es regnete. endlich erstarb er ganz. die ging. und ein leiser. Herüber von der Dorfstraße klang ein Geplärr: der alte Nachtwächter Kulicke rief die Stunden ab. traf von den Platanen her ihr Ohr. das Rasseln des Zuges.

die noch mobil genug sind. und Innstetten hörte drüber hin. um ein Haus zu machen. der. Ja. Effi. Ich erwartete dich damals in Kessin. Und wir wollen es auch. ob wahr oder nicht. der ist leider Junggeselle. dann soll es im ganzen Ministerium heißen: ›Ja. kaum noch. Immer Wort halten ist sehr viel. als du die Wohnung mietetest..« »Sage das nicht. Denke doch zurück.‹« »Ach. und Innstetten empfing sie am Bahnhof. der einzige.« »Es ist unser Hochzeitstag. die wir jetzt haben.« »Ja. das ist doch das erste. und Wüllersdorf. auf das stille Leben.« »Aber Geert. mit ihm Rollo. damals ging es mit der Saison auf die Neige. die liebenswürdigste Frau. daß wir unsere Besuche machen konnten. war Effi. Er hatte seinen Kopf auch voll anderer Dinge. die sich auf sein Amt und seine gesellschaftliche Stellung bezogen. macht keinen Unterschied. und die heruntergelassenen Rouleaux verkünden einem schon auf hundert Schritt: ›Alles ausgeflogen‹. das ist kein richtiges Berliner Leben. und da mußt du mir schon was zugute halten. »ich war krank«. fängt unser Berliner Leben nun erst an. als sie plaudernd durch den Tiergarten hinfuhren. Als wir im April hier einzogen. wollen auch ein Haus machen. was blieb da noch? Mal mit Vetter Briest sprechen. mal bei Hiller essen. du würdest nicht Wort halten. das ist doch die Frau von Innstetten. »Ich dachte schon. Aber nun soll es anders werden. ich werde doch Wort halten.Fünfundzwanzigstes Kapitel Am andern Abend war Effi wieder in Berlin.« Innstetten war ernsthaft gewillt. Ich habe mir die Namen aller Räte notiert.« Sie mochte nicht sagen. dem wir näherstanden – nun. ich kenne dich ja gar nicht wieder. und wer nicht kam. Von Juni an schläft dann alles ein.. und wenn der Winter dann da ist. das war was anderes. nebenhertrabte. das er in seiner landrätlichen Stellung geführt. Geert. du sprichst ja wie ein Courmacher. »Eigentlich. Und mitunter kann man auch nicht. ein gesellschaftlich .

man gab es aber wieder auf.oder begreiflicherweise.. auch Vetter Briest. war genauso wie während des zurückliegenden Halbjahres ein Leben im Hause. Wüllersdorf kam oft. weshalb er denn auch den bekannten Spottvers: Schrimm Ist schlimm. seine kluge. was dann meistens Veranlassung wurde. so hieß es dann wohl. Aber weh dir nach Samter Verdammter – mit ebensoviel Emphase wie Vorliebe zu zitieren pflegte. mit Oberförster Ring und Sidonie Grasenabb – kam dann wohl an die Reihe. daß eine Plauderei gemütlicher wäre. aufgeweckte Frau ein Fräulein von Schmettau.« – »Sagen wir begreiflicherweise«. »Ja«. es ließ sich aber anfangs nur schwach und vereinzelt damit an. soll ich sagen unbegreiflicher. kurze Zeit sogar ein Whist versucht. es war eigentlich reich an Figuren. Gizicki selbst war Landgerichtsrat. den meine Frau. in den verschiedensten kleinen Nestern der Provinz Posen gewesen.. nicht leicht genugtun konnte. daß er Ressourcenvorstand war und Komödie spielte. ich weiß nicht. kleinstädtische Geschichten in Hülle und Fülle folgen zu lassen. um seinet. stark in Affektion genommen hatte. Liebhaber oder Bonvivants. und . Major Crampas. Mitunter wurde musiziert. und Wüllersdorf war sogar. »unser gutes Kessin! Das muß ich zugeben.angeregteres folgen zu lassen. Auch Kessin – mit Gieshübler und der Trippelli. warf Wüllersdorf ein. wenn er guter Laune war. die rechte Zeit war noch nicht gekommen. so schickte man zu Gizickis hinauf. weil man fand. freilich vor einer Reihe von Jahren schon. was man zunächst von dem neuen Leben hatte. ganz Beau und halber Barbarossa. und waren die da.und noch mehr um Effis willen. »denn ich nehme an. Niemand erheiterte sich dabei mehr als Effi. einem jungen Ehepaare. obenan Crampas. das über ihnen wohnte. vielleicht war er auch ein Tenor. Gizickis hatten bis vor kurzem in einer kleinen oberschlesischen Stadt gelebt.« Innstetten bestätigte das eine wie das andere. Und vielleicht noch mehr. wobei sich Innstetten. und das Beste. Rogasen Zum Rasen.

eine selbst noch junge Frau. die die Ministerin. aber weit. der den Fortbestand anderer Familien obenhin behandelte. bei Klein-Annie sein Bewenden haben werde. Die Liebe. und wenn es an dem klaren Himmel eine Wolke gab. Solche Beängstigungen blieben ihr auch. Annie wuchs heran – »schön wie die Großmutter«. für sie an den Tag legte – all das ließ die Sorgen und Ängste zurückliegender Tage sich wenigstens mindern. die »Frau Geheimrätin« mit ausgewählt und in die Zahl der Ehrendamen eingereiht. und alles löste sich wie ein Nebelbild und wurde Traum. so fühlte sie sich immer aufs neue von den alten Vorstellungen gequält. wenn's deren dann noch gibt). um noch einen Stoß Akten abzuarbeiten. und es war ihr zu Sinn. bei Gelegenheit einer neuen Stiftung. sondern auch fernerstehende Personen begegneten. huldvolle Worte an die schöne. in der preußischen Geschichte fortleben lassen« – Ausführungen. wie auf einem andern Stern. Die Hohen-Cremmener kamen dann und wann auf Besuch und freuten sich des Glücks der Kinder. was weniger wichtig ist. daß es. als ob ihr ein Schatten nachginge. wie sich ihr Leben gestaltete. und nicht zum wenigsten die beinah zärtliche Freundschaft. Aber sie kamen doch seltener und schwächer. und als ein zweites Jahr ins Land gegangen war und die Kaiserin. sagte der alte Briest –. weil er eigentlich nur an die Briests glaubte. da fiel es allmählich von ihr ab. mit der ihr nicht nur Innstetten. Haus Innstetten (denn es gab nicht einmal Namensvettern) stand also mutmaßlich auf dem Aussterbe-Etat. der alte Kaiser Wilhelm aber auf dem Hofball gnädige. so war es die. »von der er schon gehört habe«. wenn das so weitergeht. so wird Annie seinerzeit wohl einen Bankier heiraten (hoffentlich einen christlichen. junge Frau. die von Innstetten selbst .Effi suchte lachend darauf einzugehen. Es war einmal gewesen. und wenn dann die Gäste gingen und Innstetten sich in sein Zimmer zurückzog. scherzte mitunter darüber und sagte: »Ja. aber es gelang ihr nur mit Anstrengung. Briest. und mit Rücksicht auf das alte freiherrliche Geschlecht der Innstetten wird dann Seine Majestät Annies Hautefinance-Kinder unter dem Namen ›von der Innstetten‹ im Gothaischen Kalender oder. weit weg. gerichtet hatte. Innstetten. nicht wundernehmen konnte. was bei der Art. wie man nun beinahe annehmen mußte.

immer mit einer kleinen Verlegenheit, von Frau von Briest mit Achselzucken, von Effi dagegen mit Heiterkeit aufgenommen wurden. Denn so adelsstolz sie war, so war sie's doch nur für ihre Person, und ein eleganter und welterfahrener und vor allem sehr, sehr reicher Bankierschwiegersohn wäre durchaus nicht gegen ihre Wünsche gewesen. Ja, Effi nahm die Erbfolgefrage leicht, wie junge, reizende Frauen das tun; als aber eine lange, lange Zeit – sie waren schon im siebenten Jahre in ihrer neuen Stellung – vergangen war, wurde der alte Rummschüttel, der auf dem Gebiete der Gynäkologie nicht ganz ohne Ruf war, durch Frau von Briest doch schließlich zu Rate gezogen. Er verordnete Schwalbach. Weil aber Effi seit letztem Winter auch an katarrhalischen Affektionen litt und ein paarmal sogar auf Lunge hin behorcht worden war, so hieß es abschließend: »Also zunächst Schwalbach, meine Gnädigste, sagen wir drei Wochen, und dann ebensolange Ems. Bei der Emser Kur kann aber der Geheimrat zugegen sein. Bedeutet mithin alles in allem drei Wochen Trennung. Mehr kann ich für Sie nicht tun, lieber Innstetten.« Damit war man denn auch einverstanden, und zwar sollte Effi, dahin ging ein weiterer Beschluß, die Reise mit einer Geheimrätin Zwicker zusammen machen, wie Briest sagte, »zum Schutze dieser letzteren«, worin er nicht ganz unrecht hatte, da die Zwicker, trotz guter vierzig, eines Schutzes erheblich bedürftiger war als Effi. Innstetten, der wieder viel mit Vertretung zu tun hatte, beklagte, daß er, von Schwalbach gar nicht zu reden, wahrscheinlich auch auf gemeinschaftliche Tage in Ems werde verzichten müssen. Im übrigen wurde der 24. Juni (Johannistag) als Abreisetag festgesetzt, und Roswitha half der gnädigen Frau beim Packen und Aufschreiben der Wäsche. Effi hatte noch immer die alte Liebe für sie, war doch Roswitha die einzige, mit der sie von all dem Zurückliegenden, von Kessin und Crampas, von dem Chinesen und Kapitän Thomsens Nichte, frei und unbefangen reden konnte. »Sage, Roswitha, du bist doch eigentlich katholisch. Gehst du denn nie zur Beichte?« »Nein.« »Warum nicht?«

»Ich bin früher gegangen. Aber das Richtige hab ich doch nicht gesagt.« »Das ist sehr unrecht. Dann freilich kann es nicht helfen.« »Ach, gnädigste Frau, bei mir im Dorfe machten es alle so. Und welche waren, die kicherten bloß.« »Hast du denn nie empfunden, daß es ein Glück ist, wenn man etwas auf der Seele hat, daß es runter kann?« »Nein, gnädigste Frau. Angst habe ich wohl gehabt, als mein Vater damals mit dem glühenden Eisen auf mich loskam; ja, das war eine große Furcht, aber weiter war es nichts.« »Nicht vor Gott?« »Nicht so recht, gnädigste Frau. Wenn man sich vor seinem Vater so fürchtet, wie ich mich gefürchtet habe, dann fürchtet man sich nicht so sehr vor Gott. Ich habe bloß immer gedacht, der liebe Gott sei gut und werde mir armem Wurm schon helfen.« Effi lächelte und brach ab und fand es auch natürlich, daß die arme Roswitha so sprach, wie sie sprach. Sie sagte aber doch: »Weißt du, Roswitha, wenn ich wiederkomme, müssen wir doch noch mal ernstlich drüber reden. Es war doch eigentlich eine große Sünde.« »Das mit dem Kinde, und daß es verhungert ist? Ja, gnädigste Frau, das war es. Aber ich war es ja nicht, das waren ja die anderen... Und dann ist es auch schon so sehr lange her.«

Sechsundzwanzigstes Kapitel
Effi war nun schon in die fünfte Woche fort und schrieb glückliche, beinahe übermütige Briefe, namentlich seit ihrem Eintreffen in Ems, wo man doch unter Menschen sei, das heißt unter Männern, von denen sich in Schwalbach nur ausnahmsweise was gezeigt habe. Geheimrätin Zwicker, ihre Reisegefährtin, habe freilich die Frage nach dem Kurgemäßen dieser Zutat aufgeworfen und sich aufs entschiedenste dagegen ausgesprochen, alles natürlich mit einem Gesichtsausdrucke, der so ziemlich das Gegenteil versichert habe; die Zwicker sei reizend, etwas frei, wahrscheinlich sogar mit einer Vergangenheit, aber höchst amüsant, und man könne viel, sehr viel von ihr lernen; nie habe sie sich, trotz ihrer fünfundzwanzig, so als Kind gefühlt wie nach der Bekanntschaft mit dieser Dame. Dabei sei sie so belesen, auch in fremder Literatur, und als sie, Effi, beispielsweise neulich von »Nana« gesprochen und dabei gefragt habe, »ob es denn wirklich so schrecklich sei,« habe die Zwicker geantwortet: »Ach, meine liebe Baronin, was heißt schrecklich? Da gibt es noch ganz anderes.« – »Sie schien mich auch«, so schloß Effi ihren Brief, »mit diesem ›anderen‹ bekannt machen zu wollen. Ich habe es aber abgelehnt, weil ich weiß, daß Du die Unsitte unserer Zeit aus diesem und ähnlichem herleitest, und wohl mit Recht. Leicht ist es mir aber nicht geworden. Dazu kommt noch, daß Ems in einem Kessel liegt. Wir leiden hier außerordentlich unter der Hitze.« Innstetten hatte diesen letzten Brief mit geteilten Empfindungen gelesen, etwas erheitert, aber doch auch ein wenig mißmutig. Die Zwicker war keine Frau für Effi, der nun mal ein Zug innewohnte, sich nach links hin treiben zu lassen; er gab es aber auf, irgendwas in diesem Sinne zu schreiben, einmal, weil er sie nicht verstimmen wollte, mehr noch, weil er sich sagte, daß es doch nichts helfen würde. Dabei sah er der Rückkehr seiner Frau mit Sehnsucht entgegen und beklagte des Dienstes nicht bloß »immer gleichgestellte«, sondern jetzt, wo jeder Ministerialrat fort war oder fort wollte, leider auch auf Doppelstunden gestellte Uhr.

Ja, Innstetten sehnte sich nach Unterbrechung von Arbeit und Einsamkeit, und verwandte Gefühle hegte man draußen in der Küche, wo Annie, wenn die Schulstunden hinter ihr lagen, ihre Zeit am liebsten verbrachte, was insoweit ganz natürlich war, als Roswitha und Johanna nicht nur das kleine Fräulein in gleichem Maße liebten, sondern auch untereinander nach wie vor auf dem besten Fuße standen. Diese Freundschaft der beiden Mädchen war ein Lieblingsgespräch zwischen den verschiedenen Freunden des Hauses, und Landgerichtsrat Gizicki sagte dann wohl zu Wüllersdorf: »Ich sehe darin nur eine neue Bestätigung des alten Weisheitssatzes: ›Laßt fette Leute um mich sein‹; – Cäsar war eben ein Menschenkenner und wußte, daß Dinge wie Behaglichkeit und Umgänglichkeit eigentlich nur beim Embonpoint sind.« Von einem solchen ließ sich denn nun bei beiden Mädchen auch wirklich sprechen, nur mit dem Unterschiede, daß das in diesem Falle nicht gut zu umgehende Fremdwort bei Roswitha schon stark eine Beschönigung, bei Johanna dagegen einfach die zutreffende Bezeichnung war. Diese letztere durfte man nämlich nicht eigentlich korpulent nennen, sie war nur prall und drall und sah jederzeit mit einer eigenen, ihr übrigens durchaus kleidenden Siegermiene gradlinig und blauäugig über ihre Normalbüste fort. Von Haltung und Anstand getragen, lebte sie ganz in dem Hochgefühl, die Dienerin eines guten Hauses zu sein, wobei sie das Überlegenheitsbewußtsein über die halb bäuerisch gebliebene Roswitha in einem so hohen Maße hatte, daß sie, was gelegentlich vorkam, die momentan bevorzugte Stellung dieser nur belächelte. Diese Bevorzugung – nun ja, wenn's dann mal so sein sollte, war eine kleine liebenswürdige Sonderbarkeit der gnädigen Frau, die man der guten alten Roswitha mit ihrer ewigen Geschichte »von dem Vater mit der glühenden Eisenstange« schon gönnen konnte. »Wenn man sich besser hält, so kann dergleichen nicht vorkommen.« Das alles dachte sie, sprach's aber nicht aus. Es war eben ein freundliches Miteinanderleben. Was aber wohl ganz besonders für Frieden und gutes Einvernehmen sorgte, das war der Umstand, daß man sich, nach einem stillen Übereinkommen, in die Behandlung und fast auch Erziehung Annies geteilt hatte. Roswitha hatte das poetische Departement, die Märchenund

Geschichtenerzählung, Johanna dagegen das des Anstands, eine Teilung, die hüben und drüben so festgewurzelt stand, daß Kompetenzkonflikte kaum vorkamen, wobei der Charakter Annies, die eine ganz entschiedene Neigung hatte, das vornehme Fräulein zu betonen, allerdings mithalf, eine Rolle, bei der sie keine bessere Lehrerin als Johanna haben konnte. Noch einmal also: Beide Mädchen waren gleichwertig in Annies Augen. In diesen Tagen aber, wo man sich auf die Rückkehr Effis vorbereitete, war Roswitha der Rivalin mal wieder um einen Pas voraus, weil ihr, und zwar als etwas ihr Zuständiges, die ganze Begrüßungsangelegenheit zugefallen war. Diese Begrüßung zerfiel in zwei Hauptteile: Girlande mit Kranz und dann, abschließend, Gedichtvortrag. Kranz und Girlande – nachdem man über »W.« oder »E.v.I.« eine Zeitlang geschwankt – hatte zuletzt keine sonderlichen Schwierigkeiten gemacht (»W.«, in Vergißmeinnicht geflochten, war bevorzugt worden), aber desto größere Verlegenheit schien die Gedichtfrage heraufbeschwören zu sollen und wäre vielleicht ganz unbeglichen geblieben, wenn Roswitha nicht den Mut gehabt hätte, den von einer Gerichtssitzung heimkehrenden Landgerichtsrat auf der zweiten Treppe zu stellen und ihm mit einem auf einen »Vers« gerichteten Ansinnen mutig entgegenzutreten. Gizicki, ein sehr gütiger Herr, hatte sofort alles versprochen, und noch am selben Spätnachmittage war seitens seiner Köchin der gewünschte Vers, und zwar folgenden Inhalts, abgegeben worden: Mama, wir erwarten dich lange schon, Durch Wochen und Tage und Stunden, Nun grüßen wir dich von Flur und Balkon Und haben Kränze gewunden. Nun lacht Papa voll Freudigkeit, Denn die gattin- und mutterlose Zeit Ist endlich von ihm genommen, Und Roswitha lacht und Johanna dazu, Und Annie springt aus ihrem Schuh Und ruft: Willkommen, willkommen. Es versteht sich von selbst, daß die Strophe noch an demselben Abend auswendig gelernt, aber doch nebenher auch auf ihre

mühevoll nachkeuchend. Annie. daß sie mit der Stirn auf den dicht an der Treppe befindlichen Abkratzer aufschlug und stark blutete. weil es zu lange dauere. und kam mit dem Bemerken zurück. erscheine zunächst freilich nur in der Ordnung.« Es war an einem Mittwoch. Roswitha. und sie persönlich würde sich als »Gattin und Mutter« dadurch verletzt fühlen. traf sie Roswitha vor ihrer Wohnung. oben angekommen. . das Gedicht am andern Tage der Klassenlehrerin vorlegen zu wollen. daß die Mädchen und Annie das vorstehende Gespräch geführt und den Streit um die bemängelte Zeile beigelegt hatten. »Wir wollen nach dem Doktor schicken. Jetzt war Mittag heran. Das Betonen von Gattin und Mutter. beratschlagte man. aber es läge doch auch etwas darin. eben vom Kanal her auf die Keithstraße zuschritt. »Nun laß sehen«. durch diese Bemerkung einigermaßen geängstigt. so daß man sich zu beruhigen begann.« Roswitha wollte von diesem Wettlauf nichts wissen. sagte schließlich Roswitha. man müsse gleich was tun. Am andern Morgen – ein erwarteter Brief Effis hatte noch den mutmaßlich erst in den Schluß der nächsten Woche fallenden Ankunftstag festzustellen – ging Innstetten auf das Ministerium. und als Johanna das etwas verängstigte Kind hineingetragen hatte. wir wollen nach dem gnädigen Herrn schicken. aber Annie jagte voran.Schönheit beziehungsweise Nicht-Schönheit kritisch geprüft worden war. so hatte sich Johanna geäußert. aber desto mehr gegen ›Roswitha und Johanna‹ gewesen« – worauf Roswitha erklärt hatte: »Das Fräulein sei eine dumme Gans... ins Stolpern und fiel dabei so unglücklich. was Anstoß erregen könne.. wenn man zuviel gelernt habe..« Es wurde aber alles wieder verworfen. »wer am ehesten von uns die Treppe heraufkommt. geriet. sagte Annie. versprach. was nun wohl zu machen sei. »Da muß ja noch die lange Binde sein. riß jetzt die Klingel. »Das Fräulein sei mit ›Gattin und Mutter‹ durchaus einverstanden. die Schule aus. ihre Mappe auf dem Rücken. und als Annie. die die gnädige Frau letzten Winter zuschnitt. »Und nun wollen wir sie verbinden«.. und so packte man denn das Kind aufs Sofa und begann mit kaltem Wasser zu kühlen. das käme davon. des Portiers Lene muß ja jetzt auch aus der Schule wieder dasein. Alles ging auch gut.

. freilich«. Er wird wohl zu sein. da fällt mir ein. flog alles. was ihr dabei zu Händen kam. »trotzdem. zu dem Kinde. Annie. zuletzt ein kleines Konvolut von Briefen. sagte er.« – »Freilich. Roswitha. Annie ist auf das Kratzeisen gefallen. daß sie nicht mit dabei war. die wird jetzt Zeit haben. das ist brav.. Aber was in aller Welt ist denn das da mit dem Nähtisch?« Und nun erzählte Roswitha. »Gott«. »Es ist nicht schlimm«. so zerre nicht und rücke und drücke nicht dran. In diesem Augenblicke trat Innstetten ein. auf das breite Fensterbrett: Nähzeug. Ich denke. Innstetten war einverstanden und setzte sich. sagte Johanna. »Du bist so wild.. . Gott. der Doktor wird in einer Stunde hiersein. »Ich weiß aber doch. Lene kann ja gehen.? Richtig. aber das Schloß ist Spielerei. kleine vertrocknete Veilchensträußchen. wir müssen sehen. tu nur alles. was er sagt. Rollen mit Zwirn und Seide. das unter dem dritten Einsatz gelegen hatte.« Innstetten hatte mittlerweile die vorläufig aufgelegte Kompresse fortgenommen und sah. »Es ist nichts. oben und unten. mit einem roten Seidenfaden umwickelt. »Du hast aber nicht geweint.als sie sich auf dem Eise den Fuß verknickt hatte. Aber dabei kommt nichts heraus oder höchstens so was. sagte Roswitha und stellte sich erschreckt neben das Kind. Nadelkissen. »bloß wo die Binde hernehmen..« Und er wies auf die Wunde und gab ihr einen Kuß.. daß Rummschüttel kommt. Aber die Binde hatte man noch immer nicht.. holen Sie nur das Stemmeisen. daß ich sie gesehn habe«. wir wollen den Deckel aufbrechen. ganz unten. und während sie halb ärgerlich immer weitersuchte. aber sie woll es nun aufgeben und lieber eine neue Leinwand schneiden. das hast du von der Mama.. was wird die gnädige Frau sagen. die liegt im Nähtisch. Billets. wie sie nach der gerollten Binde gesucht hätten. daß es ein tiefer Riß. gnädiger Herr. sagte Roswitha. die zusammengerollte Binde jedoch wollte sich nicht finden lassen. und wenn er dich verbunden hat. sonst aber ungefährlich war. Immer wie ein Wirbelwind. dann heilt . Roswitha. Karten. Und doch ist es ein Glück. als bald danach beide Mädchen das Zimmer verlassen hatten. und darum will ich dir die Wildheit verzeihen.« Und nun wuchteten sie auch wirklich den Deckel ab und begannen in den Fächern umherzukramen.

trotz ihrer Wunde. Ende nächster Woche.es schnell. Ein Glück ist es aber doch.« »Das will ich gern.« Aber eh er dazu kam. dann ist alles wieder in Ordnung oder doch beinah. stand mit auf. daß das Essen aufgetragen sei. dich wiederzusehen. so schreibt sie mir. . kam Johanna. und Vater und Tochter setzten sich zu Tisch. und wenn die Mama dann kommt. eben habe ich einen Brief von ihr bekommen.« »Du könntest mir den Brief eigentlich vorlesen. Papa. sie läßt dich grüßen und freut sich. um zu sagen. Annie. daß es noch bis nächste Woche dauert.

Siebenundzwanzigstes Kapitel Innstetten und Annie saßen sich eine Weile stumm gegenüber. Er sprach nur vor. Als man von Tisch aufgestanden und in das nebenangelegene Zimmer – dasselbe. mit dem Daumen . wieder in den Nähtisch einzuräumen begann. weil sie fühlte. ihrem Anniechen zuflüsterte. daß man nach ihm geschickt und um seinen Besuch gebeten habe. »Wo haben die Briefe gelegen. es gäbe noch was. und welche Lehrerin sie eigentlich am liebsten habe. Er fuhr. Dann und wann wußte er sich nicht recht Rat und mußte fragen. während Innstetten die zahllosen Dinge. die bunt durcheinandergewürfelt noch auf dem Fensterbrett umherlagen. als es gleich danach klingelte und Geheimrat Rummschüttel eintrat. wo man mit soviel Eifer und doch vergebens nach dem Verbandstück gesucht hatte – eingetreten war. mit einem roten Faden zusammengebundene Paket. die gute Roswitha. aber ohne rechte Lust. Es wurde erst besser. er werde den andern Tag wiederkommen und nachsehen. daß Innstetten wenig bei der Sache war. nach dem zweiten Gericht. endlich. Annie wurde bei diesem Anblicke denn auch etwas redseliger. »Lassen Sie noch etwas Bleiwasser holen und Annie morgen zu Hause bleiben. Und wirklich. hatte noch ein übriges getan und sich zu einer Omelette mit Apfelschnitten aufgeschwungen. das mehr aus einer Anzahl zusammengelegter Zettel als aus Briefen zu bestehen schien. Mit den aufgelegten Kompressen war er zufrieden.« Und während so Frage und Antwort ging. ohne jede Ahnung. und wie die Nachrichten aus Ems seien.« Dann frug er noch nach der gnädigen Frau. Überhaupt Ruhe. und ebenso zeigte sich Innstettens Stimmung gebessert. als ihm die Stille peinlich wurde. als wäre es ein Spiel Karten. die dem Liebling an diesem Unglückstage was schuldig zu sein glaubte. tat er ein paar Fragen über die Schulvorsteherin. Johanna kam und setzte sich zu dem Kinde. Ganz zufällig. »hier in diesem Fach. sagte diese. Annie antwortete auch. als Johanna. Johanna?« »Ganz zuunterst«. wurde Annie wieder auf das Sofa gebettet. betrachtete Innstetten etwas aufmerksamer als vorher das kleine.

Sie könnten uns den Kaffee bringen. aber dabei blieb es. Annie trinkt auch eine halbe Tasse. Nur zwei. In dem grauen Schirm befanden sich halb durchsichtige Ovale mit Photographien. Er gab Annie die Hand. Endlich erschien Innstetten wieder im Nebenzimmer und sagte: »Johanna. Innstetten wußte nichts von einer Korrespondenz zwischen Crampas und Effi. »Hast du gesehen. die noch in Kessin. daß ihm Johanna die Lampe in sein Zimmer bringe. Etliche Minuten später. Erst nach einer Viertelstunde hörte man wieder sein Aufundabschreiten auf dem Teppich. aber es kam ihm doch so vor. Der Doktor hat's nicht verboten. »Was nur Papa hat?« sagte Johanna zu Annie. allerlei Bildnisse seiner Frau. flogen dabei an seinem Auge vorüber. damals. als Innstetten wieder zurückkam.« Als er das sagte. und einige Zeilen. Von deutlichem Erkennen konnte keine Rede sein. klopfte leis an die Tür. den ganzen Inhalt des Päckchens rasch durch die Finger gleiten. wand er den roten Faden ab und ließ. daß der Kaffee da sei. drei Briefe waren adressiert: »An Frau Landrat von Innstetten. als habe er die Schriftzüge schon irgendwo gesehen. ist erlaubt. wie Papa aussah?« »Ja. Er steckte das Paket zu sich und ging in sein Zimmer zurück. So hab ich ihn noch nie gesehen. und in seinem Kopfe begann sich alles zu drehen.« Er erkannte jetzt auch die Handschrift. Die Lampe kam auch. Er war ganz blaß. achten Sie auf Annie. es war die des Majors. Die Sonne war schon unter. sonst alles still.« Es vergingen Stunden. während Johanna das Zimmer verließ.und Zeigefinger an der Seite des Päckchens hin. und nur ein roter Widerschein lag noch über den Dächern drüben.« Dann sah er das Kind aufmerksam an und entfernte sich. Innstetten antwortete auch. Ich will eine Stunde gehen oder vielleicht zwei. als man den Wichertschen »Schritt vom Wege« . und ordnete dann an. und Johanna. und daß sie ruhig auf dem Sofa bleibt. eigentlich nur vereinzelte Worte. fragte.« Das Aufundabschreiten nebenan wollte kein Ende nehmen. zum Zeichen. es sei nichts. Annie. »Der Doktor hat ihm doch gesagt. und was nicht verboten ist. wie's ihr gehe. Ob er nachsehen solle? »Johanna. Er muß einen großen Ärger gehabt haben. Johanna.

alle Furcht von Dir abfallen. Ich störe niemand gern in seiner Abendruhe. Alles ist Schicksal. Und hier eine Zigarre. empfing ihn Innstetten. daß etwas vorgefallen sein müsse. Du mußt Dich nicht um alles so bangen. Diese las er jetzt noch einmal mit halblauter Stimme. Flucht. so schreibst Du. Es geht nicht. Ich kann meine Frau nicht im Stich lassen. Es schien. sonst sind wir arm und verloren. öffnete. Und wenn Du Dir das eindringlich sagst. Wüllersdorf«. weil er es schwül fand. Ich bin außer mir.« Innstetten hatte die Briefe kaum wieder beiseite geschoben. Es hat so sein sollen. Wie sollen meine Tage hier verlaufen ohne Dich! In diesem öden Nest. Sei heute noch einmal an der alten Stelle. Wir haben auch ein Recht. für die verschiedenen Mitspielenden angefertigt waren. und wir müssen es leichtnehmen. ein paar davon ausgewählt und obenauf gelegt hatte. Leichtsinn ist das Beste.« ».. hinter der Mühle. und nur darin hast Du recht: es ist die Rettung. und wir müssen schließlich doch die Hand segnen. Bei der alten Adermann können wir uns ruhig sprechen.. Fort. was wir haben. Und möchtest Du. »Sei heute nachmittag wieder in den Dünen. Gleich danach meldete Johanna: »Geheimrat Wüllersdorf. »Pardon. »daß ich Sie gebeten habe. gleich beim ersten Durchsehen.. am wenigsten einen geplagten Ministerialrat.aufgeführt hatte. denk ich. Ich bitte Sie. das Haus ist abgelegen genug. daß er. daß wir uns nie gesehen hätten?« Dann kam der dritte Brief. zu allem andern auch noch in Not. Es ging aber nicht anders. Lerne Dich daran freuen. noch gleich heute bei mir vorzusprechen. Dann ließ er davon ab.. die Balkontür und nahm schließlich das Briefpaket wieder zur Hand. ». was zufällig gilt. als draußen die Klingel ging. daß es anders wäre. Das Leben wäre nicht des Lebens wert.« Wüllersdorf trat ein und sah auf den ersten Blick. Unmöglich. wird. die diese Trennung über uns verhängt. machen Sie sich's bequem. wenn das alles gelten sollte. Alles Beste liegt jenseits davon. Innstetten drehte den Schirm langsam von links nach rechts und musterte jedes einzelne Bildnis.« .

Indessen mißverstehen Sie mich nicht. »Die sind an Ihre Frau gerichtet?« »Ja. Sie haben über mich zu verfügen. um eine Forderung zu überbringen. So nahm er denn auch seinerseits eine Zigarre. Aber nun sagen Sie.« »Sie wissen. »Liegt also sechs Jahre zurück oder noch ein halb Jahr länger. Innstetten ging wieder auf und ab und wäre bei der ihn verzehrenden Unruhe gern in Bewegung geblieben.« Wüllersdorf schwieg. alles dies soll kein ›Nein‹ sein. und ich. Lesen Sie. setzte sich Wüllersdorf gegenüber und versuchte ruhig zu sein. in der Sache selbst. Wüllersdorf.« »Und wer hat sie geschrieben?« »Major Crampas. Aber eh ich die Sache kenne. es ist gewiß. das ist nicht möglich . »Innstetten. Ich fand sie heut in ihrem Nähtisch. Und nun Ihre Antwort. Sie. ob wir hier einen Fall haben. was ist es?« »Es handelt sich um einen Galan meiner Frau.« »Es ist mehr als möglich. Nach einer Weile sagte Innstetten: »Es sieht fast so aus. die sich abgespielt. als ob die sechs oder sieben Jahre einen Eindruck auf Sie machten. um dabei mitzumachen. der zugleich mein Freund war oder doch beinah. »um zweier Dinge willen. Innstetten. als Sie noch in Kessin waren?« Innstetten nickte. »Es ist«. Es gibt eine Verjährungstheorie. diese Theorie gelten zu lassen.« Wüllersdorf flog darüber hin.« . verzeihen Sie mir die naive Vorfrage: muß es sein? Wir sind doch über die Jahre weg. um die Pistole in die Hand zu nehmen. Wie könnte ich Ihnen etwas abschlagen.Wüllersdorf setzte sich. das eine ist nicht angenehm und das andere noch weniger. daß ich Sie habe bitten lassen: erst. sah aber. um hinterher. natürlich.« »Ja.« »Also Dinge. daß das nicht gehe. mein Sekundant zu sein. begann er.« Wüllersdorf sah Innstetten an. und zweitens. aber ich weiß doch nicht.

»Sie sagen das in vollem Ernst?« »In vollem Ernst. empört. ich bin so sehr im Bann ihrer Liebenswürdigkeit. daß ich ihr alles verzeihen kann‹. Man spricht immer von unsühnbarer Schuld. aber vor den Menschen auch. was geschehen. ja. »Und ich bekenne Ihnen offen. seltsam zu sagen.« Innstetten war aufgesprungen. beleidigt. würde mir vielleicht ebenso gehen. wie Sie das meinen. und zu dem Schmerz über empfangenes Leid kommt noch der Schmerz über getanes Leid. ging auf Wüllersdorf zu und sagte: »Nein. Ihre Lage ist furchtbar. schändlich hintergangen. und so furchtbar ich alles finde. so wirken könne. ich liebe sie noch.« »Sie müssen es wissen. Es ist keine Sache.»Ich weiß es auch nicht«.« »Wie steht es dann?« »Es steht so. Innstetten.« Innstetten sah ihn groß an. Aber wenn Sie so zu der Sache stehen und mir sagen: ›Ich liebe diese Frau so sehr. wie stehen Sie dazu?« »Innstetten. daß einer weg muß. Dann wandte er sich rasch wieder. müssen Sie's durchaus tun? Fühlen Sie sich so verletzt. daß die Zeit. Alles dreht sich um die Frage. »Kann ganz folgen. und wenn wir dann das andere hinzunehmen. daß ich mich. rein als Zeit. ist Ihr Lebensglück sozusagen doppelt hin. so steht es nicht. aber trotzdem.« Wüllersdorf nickte. trat ans Fenster und tippte voll nervöser Erregung an die Scheiben. . vor Gott ist es gewiß falsch. daß ich unendlich unglücklich bin. Ich hätte nie geglaubt. ich bin ohne jedes Gefühl von Haß oder gar vor Durst nach Rache. in meinem letzten Herzenswinkel zum Verzeihen geneigt fühle. Und wenn ich mich frage.« »Ich bin neugierig. sagte Wüllersdorf. ich bin gekränkt. Sagen Sie mir offen. er oder Sie? Steht es so?« »Ich weiß es nicht. so kann ich zunächst nichts anderes finden als die Jahre. und Ihr Lebensglück ist hin. Und dann als zweites: ich liebe meine Frau. sich in jeu d'esprit oder in dialektischen Spitzfindigkeiten zu versuchen. um diese Frage scheint sich hier alles zu drehen. Aber wenn Sie den Liebhaber totschießen. warum nicht?. eines ihr eignen heiteren Charmes. mir selbst zum Trotz.

ja.. Aber freilich. Verzeihen Sie. die schließlich doch nur sagt. wenn es so liegt.daß alles weit. in Einsamkeit zu leben. wie ein Geschehnis auf einem andern Stern. Vor sechs Stunden. so bin ich selber schuld daran. nichts von Haß oder dergleichen. Man braucht nicht glücklich zu sein. mag ich nicht Blut an den Händen haben. Es ist jetzt zehn Uhr. wenn Sie wollen. wir sind durchaus abhängig von ihm. am allerwenigsten hat man einen Anspruch darauf. und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf.« Innstetten lächelte. Aber . den braucht man nicht notwendig aus der Welt zu schaffen. konnt ich noch das eine und noch das andere. Man kann ihn. die andern und uns selbst. Ich habe keine Wahl. daß ich Ihnen solche Vorlesung halte. ich trüge dann die mir aufgepackte Last. wenn man weltabgewandt weiterexistieren will. was sich jeder selber hundertmal gesagt hat.« »Ich weiß doch nicht. da war noch ein Ausweg. Ich muß. diese Konzession will ich Ihnen vorweg machen. das rechte Glück wäre hin. auch laufenlassen. der einem das Glück genommen hat. und ich würde es auch müssen und – auch können. alles im eignen Herzen auskämpfen sollen.. uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas. »Sie sollen selbst entscheiden. so könnt ich es gehen lassen. und auf das Ganze haben wir beständig Rücksicht zu nehmen. und den. Innstetten. so frage ich. jetzt stecke ich in einer Sackgasse. Und dagegen zu verstoßen geht nicht. Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch. Wenn Sie wollen. Ging' es. man gehört einem Ganzen an. wozu die ganze Geschichte?« »Weil es trotzdem sein muß. die Gesellschaft verachtet uns. alles in mir verbergen. aber jenes. Ich habe mir's hin und her überlegt. das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben alles zu beurteilen. Innstetten. ich hätte mich besser beherrschen und bewachen. aber es müssen so viele leben ohne dies ›rechte Glück‹. das mir genommen wurde. wer kann was Neues sagen! Also noch einmal. weit zurückliegt. das fragt nicht nach Charme und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. und um eines Glückes willen. Jetzt nicht mehr. Wüllersdorf. Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas ausgebildet. hatt ich das Spiel noch in der Hand.

er hat doch eine wahre Passion.‹ Ich bin.es kam zu plötzlich. »Ich mag nicht gerne zu der alten abgestandenen Phrase greifen. die wir hier gewechselt. Ich ging zu Ihnen und schrieb Ihnen einen Zettel. Und wenn Sie's wahr machen und gegen andere die Verschwiegenheit selber sind. unterliegt Ihrer Kontrolle. »Ich finde es furchtbar.« »Ich weiß doch nicht«. Habe ich recht. Ich quäle Sie nicht länger mit meinem ›muß es sein‹. so weiß ich nicht. alle Beleidigungen auf ihren Beleidigungsgehalt chemisch zu untersuchen. wiederholte Wüllersdorf. . und damit war das Spiel aus meiner Hand. Sie mögen wollen oder nicht. und dabei bleibt es. daß Sie recht haben.. so heißt es immer. und die Dinge verlaufen nicht. Wüllersdorf. und wenn meine Frau von Treue spricht oder. von diesem Augenblicke an ein Gegenstand Ihrer Teilnahme (schon nicht etwas sehr Angenehmes). aber doch läßt sich's nicht besser sagen: Innstetten. wie sie ist. und in Ihrer Seele klingt es: ›Der gute Innstetten. und nach den ersten Worten. so wissen sie es. Von dem Augenblicke an hatte mein Unglück und. wie Frauen tun. oder nicht?« Wüllersdorf war aufgestanden. und so kann ich mir kaum einen Vorwurf machen. nichts davon. und es rettet mich nicht vor Ihnen. Er ist noch nie an einer Sache erstickt‹. oder es zuckt wenigstens darin. und jedes Wort. wie wir wollen. Die Welt ist einmal. daß Sie mir eben Ihre Zustimmung ausgedrückt und mir sogar gesagt haben: ›Ich kann Ihnen in allem folgen. ›weil ja der Dolus fehle‹ oder so was Ähnliches. der Fleck auf meiner Ehre einen halben Mitwisser. hat es einen ganzen. es ruht alles in mir wie in einem Grabe. Wüllersdorf. Und weil dieser Mitwisser da ist. wie manche hochtrabend versichern. das Sie mich mit meiner Frau wechseln hören. über eine andere zu Gericht sitzt. aber Sie haben recht. wo ich mit meinen Blicken hin soll. meine Nerven nicht geschickter in Ordnung gehalten zu haben.. kann ich nicht mehr zurück. Das mit dem ›Gottesgericht‹. Und ereignet sich's gar. Aber es gibt keine Verschwiegenheit. was schwerer wiegt. daß ich in irgendeiner ganz alltäglichen Beleidigungssache zum Guten rede. zu stark. und das richtige Quantum Stickstoff findet er nie. so geht ein Lächeln über Ihr Gesicht.« »Ja. ist freilich ein Unsinn. sondern wie die andern wollen.

unser Ehrenkultus ist ein Götzendienst. Dann trennten sie sich mit einem kurzen: »Auf Wiedersehen in Kessin. aber wir müssen uns ihm unterwerfen. Wüllersdorf solle noch denselben Abend abreisen. Sie blieben noch eine Viertelstunde miteinander.umgekehrt. solange der Götze gilt.« . und es wurde festgestellt.« Innstetten nickte. Ein Nachtzug ging um zwölf.

war er froh. wenn er vorüberfuhr. wo sie unter einem Zeltdach Platz nahmen. nur wenig Passagiere an Bord. als er. wie verabredet. . kam der Kessiner Kirchturm in Sicht und gleich danach auch das Bollwerk und die lange Häuserreihe mit Schiffen und Booten davor. ohne zunächst ein Wort zu sprechen. und jetzt. und der Novembertag war in ihm. helle Morgensonne. in hartem Gegensatz dazu. und nahm dann seinen Platz in der Nähe des Steuers. der sich über die Felder breitete. das Zuchtvieh in den Koppeln. solange die Saison dauerte. den am Tage vorher Wüllersdorf benutzt hatte. die Fruchtbarkeit der Äcker. Der Weg bis zur Anlegestelle war keine drei Minuten. der etwas verlegen war. den man. und der Frieden. Und nun waren sie heran. die Leute bei der Arbeit. herangerollt hatte. nachdem sie die prächtige Wasserfläche des »Breitling« passiert. Beide begrüßten sich. das alles hatte seinem Sinne wohlgetan. er schritt darauf zu und begrüßte den Kapitän. als etwas Gewölk heranzog und den lachenden blauen Himmel leise zu trüben begann. als er die letzten Stufen der vom Bahndamm hinabführenden Treppe erreicht hatte. hier am Ufer der Kessine hin in offenem Wagen gefahren war – ein grauer Novembertag damals. aber er selber froh im Herzen. quer über den Damm. So fuhren sie den Fluß hinab. von wo der Weg nach Kessin links abzweigte.Achtundzwanzigstes Kapitel Am andern Abend. Viele. das mehrerwähnte Dampfschiff. auf den Hoppensackschen Gasthof zu. und gingen dann. mit Effi von der Hochzeitsreise zurückkehrend. gleich nach Eintreffen des Zuges. das Wetter war herrlich. Innstetten gedachte des Tages. Er benutzte denselben Zug. und war bald nach fünf Uhr früh auf der Bahnstation. ging auch heute. also im Laufe des gestrigen Tages von der ganzen Sache schon gehört haben mußte. Innstetten verabschiedete sich von dem Kapitän und schritt auf den Steg zu. dessen erstes Läuten Innstetten schon hörte. viele Male war er dann des Weges hier gekommen. Gleich danach löste sich das Schiff vom Brückensteg los. bequemeren Aussteigens halber. nun hatte sich's verkehrt: das Licht lag draußen. und bald. Wie immer. reiste Innstetten. das aufhorchte. Wüllersdorf war schon da.

dann hatte er sich wieder gefaßt. und will auch nicht.»Ich habe mich gestern früh hier einquartiert«. daß es nicht viel damit ist. wurde er totenblaß und rang nach Fassung. ist es erstaunlich. warum Wüllersdorf diesen Ton anschlug. »Wir haben Zeit«. »Noch anderthalb Stunden oder doch beinah. Wie benahm er sich?« »Wundervoll. und von da ab war alles an ihm wehmütige Resignation. wollen Sie uns Kaffee und Cognac bringen. Hart am Strand. war auch damit einverstanden. bitte.‹ Und dann haben wir uns über eine Stelle zwischen den Dünen geeinigt.« Innstetten begriff vollkommen. gleich hinter dem Kirchhof. da nicht. seinem Scheitel und seiner ausgeschnittnen Weste nach können wir dreist auf vier rechnen. drei Sprachen spricht.« Innstetten lächelte. sagte Wüllersdorf.. Aber all das dauerte nur einen Augenblick. der Oberkellner. wen wird er mitbringen?« . er lebt gern und ist zugleich gleichgültig gegen das Leben. Er nimmt alles mit und weiß doch. Als ich Ihren Namen nannte. Innstetten. Ich bezweifle nicht. Ich bekenne Ihnen offen.« »Übermütig? frivol?« »Nicht das eine und nicht das andere. Jean. die vorderste Düne hat einen Einschnitt. »Crampas scheint sich einen Schönheitspunkt ausgesucht zu haben.« »Wer wird ihn sekundieren? Oder sag ich lieber. sagte Wüllersdorf.« »Und wo?« »Crampas schlug erst ein Waldeck vor. Aber dann unterbrach er sich und sagte: ›Nein. daß es mich erschütterte. er hat das Gefühl aus der Sache nicht heil herauszukommen. ein so gutes Hotel hier zu finden. der nicht gleich mit den Sachlichkeiten beginnen wollte. Ich habe den Wagen auf acht ein Viertel bestellt. und man sieht aufs Meer. daß mein Freund.. und um seine Mundwinkel sah ich ein Zittern. konnte aber seiner Unruhe nicht ganz Herr werden und zog unwillkürlich die Uhr. wir fahren nicht länger als zehn Minuten. »Wenn man bedenkt. Es ist mir ganz sicher. daß Kessin ein Nest ist. Wenn ich ihn richtig beurteile. Er hatte immer die Allüren dazu.

sie seien zu alt und zu fromm. den Neugierigen zu spielen. seine Hauptsorge. Das Haus lag noch stiller da als früher.« Die Mole lag nach der entgegengesetzten Strandseite. rechts statt links. und die falsche Weisung wurde nur gegeben. halb sind es Philister und halb Pfiffici. sie sind alle sehr manierlich.. das Innstetten an Effi so oft bekämpft oder auch . Im übrigen. er werde nach Treptow hin telegraphieren an seinen Freund Buddenbrook. Er nannte zwei. und Innstetten und Wüllersdorf erhoben sich. um etwaigen Zwischenfällen. Er konnte sich nicht beruhigen und ging in größter Erregung auf und ab. die doch immerhin möglich waren. und Wüllersdorf war wieder darauf aus. daß keiner von den Kessinern sich einfindet. ließ sie dann aber wieder fallen. durch die Plantage mußte man jedenfalls. ob man sich nun weiter draußen nach rechts oder links zu halten vorhatte. »Ist das unser?« fragte Innstetten. Und nun gar Ihr Freund Gieshübler. drei Adlige aus der Nähe. Aber als ich ihm alles gesagt hatte. Und nun gar mein alter Gieshübler. weil es noch vor der bestimmten Zeit war. famoser Mann. als er sich wieder gefunden hatte. aber eine Tugend haben sie. wie mocht es erst da oben sein! Und das Gefühl des Unheimlichen. Ich weiß doch. um was sich's handelt. sagte er geradeso wie wir: ›Sie haben recht. langsam herankam. Und der ist auch gekommen.« Innstetten lächelte. Man nahm eine Zigarre. daß Sie sehr beliebt gewesen sind..« Und gleich danach hielt der Wagen vor dem Hotel. aber eben deshalb hütet man sich. ziemlich vernachlässigt sah's in den Parterreräumen aus. Natürlich weiß jeder. nicht sehr nach meinem Geschmack. vorzubeugen.»Das war. das Gespräch auf mehr gleichgültige Dinge zu lenken. der. »Da verkennen Sie die Leute hier an der Küste. »Mutmaßlich. Sie zu begrüßen. es muß sein!‹« Der Kaffee kam.« In diesem Augenblicke wurde von links her ein zurückgeschlagener Chaisewagen sichtbar. schneidig und doch zugleich wie ein Kind. »Ich wundere mich. und so führte denn der Weg unvermeidlich an Innstettens alter Wohnung vorüber. Wüllersdorf trat an den Kutscher heran und sagte: »Nach der Mole.

Das mit der Mole kann nachher kommen. die die hier dreifache Dünenreihe senkrecht durchschnitt. etwas öd und verlassen. beides an Strippen und immer in Bewegung.« So gingen sie fünf Minuten. aber nicht jetzt. Man begrüßte sich. Es lief darauf hinaus. und auf dem Flur ein kleiner Haifisch und ein Krokodil. worauf beide Sekundanten beiseite traten. Überall zur Seite standen dichte Büschel von Strandhafer. »Da hab ich gewohnt«. Als sie bis an die ziemlich tiefe Senkung gekommen waren. Wüllersdorf. um noch ein kurzes sachliches Gespräch zu führen. es kann auch alles glatt ablaufen. sahen sie. Innstetten und Wüllersdorf gingen die Sandschlucht hinauf. »Die Immortellen nachher. so daß das weiße Haar im Winde flatterte. Als sie bis auf dreihundert Schritt an diesen heran waren.wohl belächelt hatte. und dann ein Chinese. als sie dran vorübe waren. eine ziemlich breite Fahrstraße hinunter. um diesen herum aber Immortellen und ein paar blutrote Nelken. Innstetten bückte sich und steckte sich eine der Nelken ins Knopfloch. und der Kutscher wollte jetzt rechts einbiegen auf die Mole zu. schon die Gegenpartei: Crampas und Buddenbrook und mit ihnen den guten Doktor Hannemann. Es spukt einem doch allerhand anderes im Kopf. die hinter dem Herrenbade grad auf den Wald zulief. die zwischen den beiden vordersten Dünenreihen hinlief. ließ Wüllersdorf den Wagen halten. Wundervoll zu erzählen. der seinen Hut in der Hand hielt. dummes Zeug: alter Schiffskapitän mit Enkelin oder Nichte.« »Mag auch wohl. und wie's heute daliegt. »Fahren Sie lieber links. sprachen Sie selber anders davon. »Es sieht sonderbar aus. jetzt überkam es ihn selbst. Und vorhin. und beide gingen nun. Buddenbrook kam ihnen entgegen.« Und der Kutscher bog links in eine breite Fahrstraße ein. immer durch mahlenden Sand hin. nach links hin.« »Was war es denn damit?« »Ach.« »Sie vergessen. kann ich den Leuten nicht unrecht geben. sagte er zu Wüllersdorf. die eines schönen Tages verschwand. der vielleicht ein Liebhaber war. daß man a .« »Darf nicht. In der Stadt galt es als ein Spukhaus.« Bald danach hatte man die Plantage passiert. als Sie von Crampas sprachen. und er war froh.

einige Schritt zurücktretend. Noch ein schmerzlicher und doch beinah freundlicher Schimmer in seinem Antlitz. »Crampas will Sie noch sprechen. der die Achseln zuckte. Wüllersdorf aber war auf Buddenbrook zugeschritten. alles erledigte sich rasch. Innstetten. . das waren seine letzten Worte.«. wandte sich ab von der Szene.tempo avancieren und auf zehn Schritt Distance feuern solle... Dann kehrte Buddenbrook an seinen Platz zurück. Zugleich deutete Crampas durch eine Handbewegung an. Sie müssen ihm zu Willen sein. Innstetten. Crampas stürzte. und die Schüsse fielen. Er hat keine drei Minuten Leben mehr. und ging dann auf Innstetten zu. daß er etwas sagen wollte. und beide warteten jetzt auf den Ausspruch des Doktors. »Wollen Sie. Wüllersdorf beugte sich zu ihm nieder. die kaum hörbar von des Sterbenden Lippen kamen.« Innstetten trat an Crampas heran. nickte zustimmend zu den paar Worten. und dann war es vorbei.

ist nicht an Ort und Stunde gebunden und kann nicht hinfällig werden von heute auf morgen. die Grenze.‹ Und er hatte vielleicht recht. daß es gekommen sei. Ja.« Und er richtete sich an dieser Vorstellung auf und wiederholte sich's. Treibt man etwas auf die Spitze. und nach elf Jahren oder vielleicht schon bei zehnundeinhalb heißt es Unsinn. ohne Kessin noch einmal zu berühren. wenn sie überhaupt was ist. Aber wo fängt es an? Wo liegt die Grenze? Zehn Jahre verlangen noch ein Duell. wo dies für ihn feststand. »Schuld. Sie konnten es mir ersparen und sich selber auch.Neunundzwanzigstes Kapitel Am Abend desselben Tages traf Innstetten wieder in Berlin ein. ob es nebenher auch noch prosaisch ist. den er innerhalb der Dünen an dem Querwege zurückgelassen hatte. so hieß der Blick: ›Innstetten. etwas Schwächliches.‹ Und wenn es Wüllersdorf nicht gesagt hätte. direkt nach der Bahnstation gefahren. das hat einen Sinn. nur daß sie jetzt den umgekehrten Gang gingen und mit der Überzeugtheit von seinem Recht und seiner Pflicht anfingen. resigniert und in seinem Elend doch noch ein Lächeln. »Es muß eine Verjährung geben.. Die Grenze. Schuld verlangt Sühne. wenn ich voll . Dann hätte Wüllersdorf gesagt: ›Innstetten. so war ich siebzig. Er war mit dem Wagen. dem Geschehenen nach. Wenn ich die Briefe fünfundzwanzig Jahre später gefunden hätte. Ich bin jetzt fünfundvierzig. zum mindesten was Prosaisches. so ich selbst. ist gleichgültig. so übertreibt man und hat die Lächerlichkeit. Dies ist mir klar. das Vernünftige ist meist prosaisch. warf er's auch wieder um. um mit Zweifeln daran aufzuhören. Kein Zweifel. Wo ist sie? War sie da? War sie schon überschritten? Wenn ich mir seinen letzten Blick vergegenwärtige. Verjährung ist das einzig Vernünftige. wie's habe kommen müssen. und wenn auch der nicht. seien Sie kein Narr. es waren dieselben Gedanken wie zwei Tage zuvor. und da heißt es Ehre. alles noch mal überdenkend. Aber im selben Augenblicke. Prinzipienreiterei. so hätt es Buddenbrook gesagt. Aber Verjährung ist etwas Halbes.. Mir klingt so was in der Seele. Unterwegs (er war allein im Coupé) hing er. dabei den beiden Sekundanten die Meldung an die Behörden überlassend.

Innstetten.« Johanna brachte den Tee. die keine sind. war eine gemachte Geschichte. aber Johanna ist eine kluge Person. daß sie eine gute Kranke sei. Wenn der gnäd'ge Herr. und so viele Ehen. sprach ein paar Worte mit ihr. Er ging auf und ab. und die Welt durfte nie davon erfahren. Und diese Komödie muß ich nun fortsetzen und muß Effi wegschicken und sie ruinieren und mich mit. halbe Komödie. in der Ordnung und überließ Innstetten das Weitere. der aus allem. was alles zum Zeichen wird und Geschichten ausplaudert.« Er fand alles. Er war nach der Überanstrengung totmüde und schlief ein.« »Nein.. Johanna kam und öffnete. heil herauskommt. wohl dem. Innstetten war zu guter Zeit auf. Sie schläft noch nicht. lobte sie. aber ich hätte das Auge mit seinem Frageblicke und mit seiner stummen leisen Anklage nicht vor mir. wie er's zu tun liebte. und ging dann aufs Ministerium.« Und nun war Innstetten wieder allein. Er sah Annie. Bringen Sie mir ein Glas Tee. So aber war alles einer Vorstellung. Wer war hier?« »Nur der Doktor.. und mußte mich innerlich von ihr scheiden. was geschehen. Es gibt so viele Leben... Innstetten trank. so haben sie sich's zurechtgelegt und wissen es doch.... das regt sie bloß auf. Ich mußte die Briefe verbrennen. . »Wie steht es mit Annie?« »Gut. gnäd'ger Herr. aber was Menschliches und hat ein natürlich menschliches Recht. so mußt ich ihr sagen: ›Da ist dein Platz‹. Johanna. Und wenn sie's nicht mit Bestimmtheit wissen.. was das leben uns bringen kann. »Sie wissen schon alles. Und wenn sie dann kam. Sie hat's getroffen.. dann war das Glück hin. Rache ist nichts Schönes. um seinem Chef von allem Vorgefallenen Meldung zu machen. ahnungslos. wenn mir hier ein tiefes Rachegefühl gesessen hätte. Roswitha ist dumm. die keine sind. als wäre jeder mit dabeigewesen.. Nicht vor der Welt. Es ist merkwürdig.« Kurz vor zehn hielt Innstetten vor seiner Wohnung. Er stieg die Treppen hinauf und zog die Glocke. »Ja. nein. einem Begriff zuliebe. Ich sehe sie lieber morgen früh.tödlichem Haß gewesen wäre. Der Minister war sehr gnädig.

aber die Frau. wenigstens jetzt nicht. Johanna. Eine Welt von Dingen erlebt.. Was alles vorkommt.. Und daß Roswitha nicht alles verdirbt. und ohne daß es ihr an gutem Herzen und selbst an Teilnahme mit der Frau gefehlt hätte. daß ihre Rivalin. ja beinahe von Glück.. über jedes andere hinaus. war sie von Stolz und Überlegenheit ganz erfüllt. Der Portier unten hatte nämlich. Roswitha. Aber machen Sie's gescheit.« Johanna stand einen Augenblick ganz wie benommen da.« Innstetten war ganz erschüttert. die Briefe in den Kasten. in der er ein paar Zeilen von Wüllersdorf vorfand. das . Der gnädige Herr hatte ihr nicht nur alles gesagt. so ziemlich um dieselbe Zeit. Dann ging sie auf Innstetten zu und küßte ihm die Hand. warum nicht. Schmerzliches. sondern am Schlusse auch noch hinzugesetzt: »und daß Roswitha nicht alles verdirbt«.. daß es mehr Gieshübler gäbe. Ich sehe Sie morgen. klingelte er: »Johanna. Sie werden von anderen erfahren. Als sie wieder draußen in der Küche war. Das arme Kind. der Triumph einer gewissen Intimitätsstellung zum gnädigen Herrn. den ich je gesehen. Das war die Hauptsache. Es wäre zu wünschen. Unter gewöhnlichen Umständen wäre ihr denn auch die Herauskehrung und Geltendmachung dieses Triumphes ein leichtes gewesen. wo dies spielte. und zuletzt brach der kleine Mann in Tränen aus. Kein Wort davon. ». Und dann. die Frau! Er konnte sich nicht beruhigen. »Heute früh wieder eingetroffen. Annie darf nichts wissen. Er setzte sich und schrieb seinerseits ein paar Briefe. Man hat wieder mal gelernt: aufpassen. sich doch als die Eingeweihtere zeigen sollte. noch eins: die Frau kommt nicht wieder. beschäftigte sie doch. aber heute traf sich's so wenig günstig für sie. Roswitha in seine kleine Stube hineingerufen und ihr gleich beim Eintreten ein Zeitungsblatt zum Lesen zugeschoben. Ihr W.Erst spätnachmittags war Innstetten wieder in seiner Wohnung. Und dann die Szene im Hause des Majors. Sie müssen es ihr allmählich beibringen. Als er damit zu Ende war. Gieshübler an der Spitze. ohne Vertrauensperson gewesen zu sein. Es gibt aber mehr andere.« Johanna nahm die Briefe und wollte gehen. furchtbar. als er gelesen. Der liebenswürdigste Pucklige. Von Ihnen sprach er nicht allzuviel. »Da. Ich kann es nicht. daß sie keine Mutter mehr hat. Rührendes.

die ihr Innstetten eben gegeben. Aber bedenken Sie doch. Roswitha. bestanden haben sollen. sonst. »Ja«..« Johanna nahm das Blatt und las nun halblaut eine mit einem dicken Tintenstrich markierte Stelle: »Wie wir kurz vor Redaktionsschluß von gutunterrichteter Seite her vernehmen.« »Ja. »Der Herr schreibt sonst nie nach Hohen-Cremmen. daß Beziehungen zwischen ihm und der Rätin. »Und das lesen nun die Menschen und verschimpfieren mir meine liebe. an wen sie gerichtet waren) und sagte mit gut erkünstelter Ruhe: »Einer ist nach Hohen-Cremmen.ist was für Sie. die mir gleich so sonderbar aussahen. Sie können es mir nachher wieder runterbringen. unser gnäd'ger Herr. sagte Roswitha. auf den Tisch. (Keithstraße) und dem Major von Crampas stattgefunden.« »Was solche Blätter auch alles schreiben«. der soll auch leben. arme Frau. Johanna. ein Duell zwischen dem Ministerialrat v. Aber jetzt. alles soll leben. als Johanna dazukam. hat gestern früh in dem Badeorte Kessin. sagte Johanna.« »Ja. Roswitha. Soll er nicht tot sein? Oder soll lieber unser gnädiger Herr tot sein?« »Nein. die wissen immer alles. sagte Roswitha. Johanna.. in Hinterpommern. Es ist bloß das ›Fremdenblatt‹: aber Lene ist schon hin und holt das ›Kleine Journal‹. hatte sich doch nach dieser Ansprache so rasch wie möglich die Hintertreppe hinaufbegeben und war mit dem Lesen gerade fertig. und die Briefe. was denken Sie sich eigentlich. wer so was gedacht hätte.« Roswitha. Es heißt. das ist ja nun schon eine halbe Ewigkeit her. Da wird wohl schon mehr drinstehen. Und der arme Major. Major von Crampas fiel. Denken Sie sich. ihre Neuigkeit überholt zu sehen. Johanna war nicht wenig erstaunt über diese Bemerkung. weil sie die rote Strippe hatten und dreioder viermal umwickelt und dann eingeknotet und keine . überflog die Adressen oder tat wenigstens so (denn sie wußte längst. einer schönen und noch sehr jungen Frau. Nun ist er tot. die verstimmt war.« »Das kann ich mir denken«. sonst nicht allzu neugierig.I. Ich bin nicht für totschießen und kann nicht mal das Knallen hören. Diese legte die Briefe. Hören Sie. das hat mir eben der Portier unten gegeben.

wie er Sie wegen des Kindes. muß ich auch wirklich immer an Ihren Vater denken und sehe immer. und vielleicht denselben Tag noch. Nur Sie sollen mir nicht kommen und sagen: ›Der arme Major. Aber wenn es so lange her ist. ich sage. davon sprechen Sie in einem fort. daß. man darf kein Schloß aufbrechen. Ja. was man nie darf. Roswitha. Wir sind ja nun schon über sechs Jahre hier.. und wie er damit auf Sie losgekommen. wer solchen rotblonden Schnurrbart hat und immer wribbelt. und Sie wissen doch. und dann kommt das. der taugt nie was und richtet bloß Schaden an. und da bin ich mit dem Stemmeisen gekommen. was man eine Forderung nennt. wenn so was vorkommt. Sie erzählen immer die alte Geschichte von Ihrem Vater mit dem glühenden Eisen. und das ärgert mich.« »Ach. Roswitha. so lange ist es her. dann weiß man auch. was ein anderer zugeschlossen hat. dann wird sie's auch gewiß erfahren. und es fehlt bloß noch. und nun soll ich schuld sein. daß Sie Anniechen auch die Geschichte erzählen. aber das haben Sie nicht.« »Ach.« »Nun. das ja nun tot ist... Nein. wie Sie mich immer machen wollen. der Nähtisch müsse aufgemacht werden. da wäre die Bandage drin. Und wenn man immer in vornehmen Häusern gedient hat. und weiß auch. daß Sie das alles erlebt haben. ich bin nicht so dumm. dann geht es nicht anders.« »Aber. daran sieht man ja eben..‹ Was heißt der arme Major! Der ganze arme Major taugte nichts. totmachen will. Und bei Lichte besehen. das weiß ich auch.« »Ja. und dann wird einer totgeschossen. Warum kamen Sie mit dem Stemmeisen und brachen den Nähtisch auf.. mir so was auf den Kopf zuzusagen. mit Ihrem ewigen ›so lange her‹. Roswitha. was sich paßt und schickt und was Ehre ist.. und jedesmal. Von den Briefen kommt es her. daß Sie nichts davon verstehen. und Ihr Vater war doch . Roswitha.Schleife – die sahen ja schon ganz gelb aus. und wenn Anniechen eingesegnet wird. Johanna.. und wie kann man wegen solcher alten Geschichten. ich will es nicht gesagt haben. Roswitha. sind Sie schuld. wie Sie's verstehen. Sie reden.. daß sie schuld sind und daß Sie wie närrisch in die Küche stürzten und mir sagten. wenn ich einen glühenden Bolzen eintue. das fehlt Ihnen eben. das ist doch wirklich zu schlecht von Ihnen..

aber das weiß ich. und nun kommen Sie und verlangen von unserm gnäd'gen Herrn. Sie haben wieder Ihren Koller. ich sage Ihnen. bloß weil es so lange her ist. Aber das Wort kennen Sie gar nicht. Ich habe doch recht verstanden. Roswitha. daß er Lene danach geschickt hat? Und es muß auch mehr darin stehen. Frieden zu schließen. ob der Portier vielleicht schon die andere Zeitung hat. davon weiß ich nichts.« »Ich will jetzt nur die Briefe forttragen und unten sehen.« . will auch nicht. Sie haben so was. lachen Sie nur. Johanna. bei sechsunddreißig muß man erst recht aufpassen. dann hätten ihn die vornehmen Leute ›geschnitten‹. unsre gnäd'ge Frau wird erst sechsundzwanzig.« Johanna schlug eine krampfhafte Lache auf. daß unser gnäd'ger Herr keine Augen dafür hat. und im August ist ihr Geburtstag. und da kommen Sie mir mit. daß er sich das alles ruhig gefallen läßt.« Johanna lag daran. Und wenn sie sechsunddreißig wäre. Ich seh es schon lange. lange her'. daß Sie in den gnäd'gen Herrn verliebt sind. Und unsre gnäd'ge Frau – die aber nicht wiederkommt.« »Kann schon sein.bloß ein Dorfschmied und hat Pferde beschlagen oder einen Radreifen gelegt. davon wissen Sie nichts. der gnäd'ge Herr hat es mir eben gesagt –. die arme Frau. Roswitha.. Die arme Frau. das hier ist ja so gut wie gar nichts. »Ja. Und ein Glück. aber ich weiß schon.« »Nein. »Lassen Sie's gut sein.. den haben alle vom Lande. und wenn der gnäd'ge Herr nichts getan hätte. Was heißt lange her? Sechs Jahre ist nicht lange her.

vom Salon her auf den Vorplatz hinaus. drin sich ein »Lokal« befand. gnäd'ge Frau. war aufgezogen. Es war ein herrlicher Morgen. ihnen zu Häupten. die mannigfachsten Erscheinungen des Lebens an Bonner Studenten und Bonner Husaren zu messen. Nur dann und wann wurden ein paar Worte gewechselt.« Effi fühlte sich durch den Ton. »Ich begreife nicht. und aus dem angrenzenden Hause. hörte man. um hier den Frühstückstisch abzuräumen. auf dem Effi dann und wann eine Sonate. um den Genuß der frischen Luft in nichts zu beschränken. die Markise. und sowohl Effi wie die Geheimrätin waren ziemlich emsig bei ihrer Handarbeit. Ob Annie krank ist? Oder er selbst?« Die Zwicker lächelte: »Sie werden erfahren. das sich von Jugend an daran gewöhnt hatte. in dem kleinen Garten zwitscherten die Vögel. »daß ich schon seit vier Tagen keinen Brief habe. aber in eben diesem Augenblicke trat das aus der Umgegend von Bonn stammende Hausmädchen. noch nicht. sondern auf einem ein paar Fuß hoch aufgemauerten und mit Kies bestreuten Vorplatz eingenommen. »Afra«. ganz gesund. Sie hieß Afra. von dem aus drei Stuten nach dem Garten hinunterführten. trotz der frühen Stunde. bereits das Zusammenschlagen der Billardbälle. liebe Freundin.« . wenig angenehm berührt und schien antworten zu wollen. Beide Damen hatten ihr Frühstück nicht im Salon selbst. sie war ganz unmusikalisch und beschränkte sich im wesentlichen darauf. in dem dies gesagt wurde. In ihrem zwischen ihren zwei Wohnzimmern gelegenen gemeinschaftlichen Salon mit Blick auf den Garten stand ein Polysanderflügel. »es muß doch schon neun sein.« sagte Effi. für Niemann als Tannhäuser zu schwärmen. die Zwicker dann und wann einen Walzer spielte. war der Postbote noch nicht da?« »Nein. sagte Effi.Dreißigstes Kapitel Effi und die Geheimrätin Zwicker waren seit fast drei Wochen in Ems und bewohnten daselbst das Erdgeschoß einer reizenden kleinen Villa. er schreibt sonst täglich. daß er gesund ist.

eine lange Stakete mit griesem Teint und schwarzen Rändern in der Türöffnung erscheinen zu sehen. daß die Korridore meistens so . »Und so quick und kasch. Sie haben recht. tagein bei der ewigen Hitze. wo's drinsteckt. »Eine hübsche Person«. daß unsere davon abstammt. Wissen Sie.. was Sie eigentlich sagen wollten . Hübsch sollen sie sein. wie unsere Johanna hat. Und wie ihm das Haar sitzt. da geht es auch. und vergessen darüber ganz.»Woran liegt es?« »Natürlich an dem Postboten. er weiß gar nicht. Es ist eine Ähnlichkeit da. Und nun auch noch von der Fülle! Wissen Sie.« »Doch nicht. und ein wahres Glück. ich glaube. daß man eine junge Frau mit solcher Begeisterung von dem flachsenen Haar ihres Hausmädchens sprechen hört. . . wenigstens die Männer. sagte die Zwicker. Denken Sie doch: Postbote. das sei die ›reine Lodderei‹. die zwingen's. das diesmal Afra heißt.« »Ist schon recht. vertiefen Sie sich wieder in Ihr Nebenthema. die ich in Ihrem Hause. nahm sie das Tablett geschickt auf ihre fünf Fingerspitzen und stieg die Stufen hinunter. von einer natürlichen Anmut. liebe Baronin. Denn eigentlich ist man doch bei der Wahl der Mädchen in einer beständigen Verlegenheit.. Ein bißchen davon sieht man ja wohl. weil es jeden Besucher. liebe Freundin.« »Afra. und es soll sogar eine heilige Afra gegeben haben. und ich möchte fast sagen.. Ich wollte sagen. stört. Ich habe so schönes flachsenes Haar.« »Und nun. gnäd'ge Frau. aber ich glaube nicht.« »Ja. »Das ist wirklich selten. und so tagaus.... daß ich das rührend finde. oder ich finde mich wenigstens wieder zurück. Nur unser Berliner Hausmädchen ist doch erheblich hübscher und namentlich ihr Haar viel schöner und voller. liebe Geheimrätin. daß mich diese Afra. Aber es gibt doch andere. Ich hab's ihm auch schon gesagt. um durch den Garten hin den näheren Weg in die Küche zu nehmen. daß mich diese Afra ganz ungemein an die stattliche Person erinnert. er ist aus dem Siegenschen und hat keinen Schneid. überhaupt noch nicht gesehen.. übrigens ein wundervoller Name.« Die Zwicker lächelte.. Sie sind mal wieder zu streng. aber solche Fülle.« Und während sie noch so sprach. was ein Scheitel ist..

Schmerzlich ist einfach zuviel. viel zuviel. liebe Freundin. auch dann noch. wohl fragen dürfen. wenn man nicht zu eitel ist und nicht zu viel Vertrauen zu sich selber hat. fesselnd. nicht recht zurechtfinden. liebe Freundin. ist doch immer noch eine Macht. und entschuldigt sich hinterher wegen der Aktenausdrücke. wenn man vielleicht wirklich manches erlebt hat. was Sie da von den Geheimräten sagen. Ihr Herr Gemahl war freilich schon länger im Dienst und überhaupt wohl älter.. alle Geheimräte haben solche Lieblingsworte. wie sie war. Sie sind heiter. Schmerzliches.. Remedur war nämlich ein Lieblingswort von Zwicker. so möcht ich.dunkel sind. »Ach. das ist ein zu großes Wort. solche Sorgen und Befürchtungen durchzumachen. anregend. Wenn die Geheimrätin nur ein bißchen anders gewesen wäre.. was man gute Sitte nennt. meine liebe. »Das ist schon recht.. Verzeihung. »Und alles in allem kann ich mich in Befürchtungen. daß ich diesen Punkt hier so offen berühre. Aber nimmt man wieder zuviel Rücksicht auf solche Hausrepräsentation und den sogenannten ersten Eindruck und schenkt man wohl gar noch einer solchen hübschen Person eine weiße Tändelschürze nach der andern. was sie sonst vielleicht einfach erheitert hätte.« »Um ein geringes«. Sie haben. so hätte dies alles reizend sein können. Innstetten hat sich auch dergleichen angewöhnt. daß es gerade Ihnen. wenn ich ihn daraufhin ansehe. lacht aber immer. so fühlte sich Effi wenig angenehm von dem berührt. gerade das.« »Meinen Sie?« ». was die Männer einen ›Charme‹ nennen. das Sie persönlich erlebt haben?« »Schmerzliches?« sagte die Zwicker.. Und ich kann mir namentlich nicht denken. auf allerlei Schmerzliches. angesichts dieser Ihrer Vorzüge.« Effi hörte mit sehr geteilten Empfindungen zu. gnädigste Frau. Und dann hat man . sagte die Geheimrätin spitz und ablehnend. ob da nicht Remedur geschaffen werden müsse. und wenn es nicht indiskret ist. stützt sich das. was Sie da sagen. so hat man eigentlich keine ruhige Stunde mehr und fragt sich. beschieden gewesen sein sollte.. aber da sie nun mal war. womit er mich oft gelangweilt hat. wie Sie sie aussprechen. Das. aber freilich.

« Effi nickte. meine Gnädigste. Haben Sie von Landpartien gehört?« »Gewiß. was können Sie von einer großen Stadt und ihren Sittlichkeitszuständen erwarten. liebe Freundin. das weiß ich auch.. wenn ich das Wort höre.. Sie dürfen dergleichen nicht zu tragisch nehmen.. Das alles liegt nach Westen zu. war. die Spree hinauf. sagen Sie selbst. aber es ist doch ein Unterschied. auch nach dieser Seite hin voller Mißtrauen bin oder. Aber da gibt es Außengebiete. wie ich jetzt sagen muß. Innstetten hätte mehr Sinn dafür. Und ich wollte wohl. Dreimal Pichel ist zuviel. Und doch. Nicht. ob man so hineingerät in allerlei schlechte Gedanken oder ob einem derlei Dinge zur halben oder auch wohl zur ganzen Lebensgewohnheit werden. »Und das alles«. alten Berlin! Denn ich liebe Berlin trotz alledem. Sie können die ganze Welt absuchen. obwohl ich.. fuhr die Zwicker fort. offen gestanden.« »Davon will ich nicht sprechen.« »Ich kann mir keine rechte Vorstellung von dem machen. Harmlosigkeiten. denn es liegt ja alles zurück. Ich kann Ihnen nur sagen. da haben Sie Kultur und höhere Gesittung. einem Pichelsberg. das sind Bagatellen. das finden Sie nicht wieder. aber wenn Sie die Spezialkarte zur Hand nehmen wollen.« »Überlegen Sie sich das. als ob ich nicht wüßte. Aber nun gehen Sie. nach der andern Seite hin. einem Pichelsdorf und einem Pichelswerder begegnen. da begegnen Sie neben mindestens sonderbaren Namen wie Kiekebusch. Sie lächeln.. was Sünde sei. Überhaupt diese Vergnügungsörter in der Umgegend unseres lieben. wie Wuhlheide. auf kaum tausend Schritte zusammengedrängt. Und nun gar im eigenen Hause. Ich spreche nicht von Treptow und Stralau. Zwicker saß immer in Saatwinkel. das will ich nicht so direkt gesagt haben. »geschieht am grünen Holze der Havelseite. liebe Freundin. was Sie anzudeuten belieben.doch schließlich auch seine Hülfsmittel und Gegenkräfte. gibt es mir noch jetzt einen Stich ins Herz. Sie hätten .. Aber schon die bloßen Namen der dabei in Frage kommenden Ortschaften umschließen eine Welt von Angst und Sorge. wenn Sie beinah unmittelbar vor den Toren derselben (denn zwischen Charlottenburg und Berlin ist kein rechter Unterschied mehr).

hören sollen. mit denen ich Ihr Ohr nicht verletzen will. natürlich. meine liebe Frau von Innstetten. das bin ich ihm schuldig. es war der fünfte Tag. wie Zwicker das Wort aussprach. Aber ich sehe. hört nur noch mit halbem Ohr zu. Böselager. was bringen Sie?« Der Angeredete war mittlerweile bis an den Tisch herangetreten und packte aus: mehrere Zeitungen. welche Mängel und Gebrechen er haben mochte.. der Betrag der eingelegten Summe verzeichnet war Sie schob das Konvolut . und die Adresse von der Handschrift der Mutter. Effi hörte nicht hin. darin eingelegt aber waren Geldscheine mit einem breiten Papierstreifen drum herum. Die Zwicker aber überflog die Friseuranzeigen und lachte über die Preisermäßigung von Shampooing. und schon Zwicker sagte mir noch in seinen letzten Tagen ›Glaube mir. in Wahrheit aber schlummern hier die Keime einer sozialen Revolution. von Briest. Der Briefbogen.. Was bedeutete das? Poststempel: »Hohen-Cremmen«. Wenn ich sage soziale Revolution. so artig sie sonst ist. die bevorzugt werden. und da fliegt denn das Herz hinüber und nimmt die Liebesworte vorweg aus dem Briefe heraus. Namen von geradezu brutalem Charakter. so meine ich natürlich moralische Revolution. Eingeschrieben und mit zwei großen Siegeln gesiegelt und ein dickes Couvert. zwei Friseuranzeigen und zuletzt auch einen großen eingeschriebenen Brief an Frau Baronin von Innstetten. ihn zu öffnen. keine Zeile. Saturn frißt seine Kinder. sie drehte den ihrerseits empfangenen Brief zwischen den Fingern und hatte eine ihr unerklärliche Scheu. geb. Nun. auf dem mit Rotstift. Die Empfängerin unterschrieb... ja das waren eng geschriebene Zeilen von der Mama. alles andere ist bereits wieder überholt. Ich hasse diese Landpartien.. und nun ging der Postbote wieder. Von Innstetten. der Postbote hat sich drüben blicken lassen. Und nun harrte ihrer eine neue Überraschung. Sie nahm eine Stickschere mit Perlmuttergriff und schnitt die Längsseite des Briefes langsam auf. die sich das Volksgemüt als eine Kremserpartie mit ›Ich bin ein Preuße‹ vorstellt. und zwar von des Vaters Hand. er war ein philosophischer Kopf und hatte ein natürliches Gefühl für historische Entwickelung. Aber natürlich sind das gerade die Plätze..‹ Und Zwicker. Sophie.

die Zeilen entfielen ihr. wo sie sichtlich froh war. liebe Geheimrätin. . aber ich möchte mich doch einen Augenblick zurückziehen. die Tür geöffnet und das Bett an der Wand gegenüber erreicht hatte. Aber sie kam nicht weit. während sie sich in den Schaukelstuhl zurücklehnte.. und aus ihrem Gesicht war alles Blut fort. Wenn Sie mir Afra schicken könnten. Als sie getrunken. »Was ist Ihnen. brach sie ohnmächtig zusammen.« Und nun erhob sie sich und trat in den Salon zurück. und als sie hier.. Dann bückte sie sich und nahm den Brief wieder auf. sagte sie: »Es wird vorübergehen. gab aber weiter keine Antwort und bat nur. tappend und suchend. ihr ein Glas Wasser reichen zu wollen.zurück und begann zu lesen. liebe Freundin? Schlechte Nachrichten?« Effi nickte. einen Halt gewinnen und sich an dem Polysanderflügel entlangfühlen zu können. So kam sie bis an ihr nach rechts hin gelegenes Zimmer.

Liebling aller. der das alles bloß ein »interessanter Fall« war und deren Teilnahme. Du wirst Dich auf Dich selbst stellen müssen und darfst dabei. Sie hatte nur erst den Anfang des Briefes gelesen. in der Du gelebt . meine liebe Effi. aber nur der Sonnenschein lag auf dem chaussierten Wege und dazwischen die Schatten. um den all dies kam. aber genug. Vor einer Stunde noch eine glückliche Frau. »Wohin?« Auf dem Tische vor ihr lag der Brief. die sie kannten. also fort von dieser Geheimrätin.« Und unter diesen Worten nahm sie den Brief wieder. wahrscheinlich aus Deiner Sphäre herabsteigen müssen. soweit äußere Mittel mitsprechen. was sie hier umgab. weiterzulesen. und das Kind wird man dem Vater lassen. setzte sie sich auf einen am Fenster stehenden Stuhl und sah auf die stille Straße hinaus.. Ich will sehen. die das Gitter und die Bäume warfen. in ein paar Wochen wird die Scheidung ausgesprochen sein.. wie sie sich mein Leben denkt. ist tot. wenn etwas davon existierte.Einunddreißigstes Kapitel Minuten vergingen. und eine Schuldige kann ihr Kind nicht erziehen. Ich bin schuldig. wenn Du das nicht willst. Du wirst einsam leben und. das ich mir nicht schon selber sagte? Der. Und nun Deine Zukunft. Das Gefühl des Alleinseins in der Welt überkam sie mit seiner ganzen Schwere. aber ihr fehlte der Mut. Wohin? Sie hatte keine Antwort darauf. Als Effi sich wieder erholt hatte. aus dem herauszukommen. Du wirst am besten in Berlin leben (in einer großen Stadt vertut sich dergleichen am besten) und wirst da zu den vielen gehören. Die Welt. eine Rückkehr in mein Haus gibt es nicht. Natürlich. Wenn da doch Lärm und Streit gewesen wäre. was die Mama darüber schreibt. und doch war sie voll tiefer Sehnsucht. ». Endlich sagte sie »Wovor bange ich mich noch? Was kann noch gesagt werden. unserer Unterstützung sicher sein. um ihre Lage klar vor Augen zu haben. sicher an das Maß ihrer Neugier nicht heranreichte. die sich um freie Luft und lichte Sonne gebracht haben. und nun ausgestoßen. Und wovon auch? Mich selbst werde ich wohl durchbringen. um auch den Schluß zu lesen.

« Die Geheimrätin setzte sich so. nicht einmal die gefalteten Hände. liebe. »Sie haben eine traurige Nachricht empfangen. aussprechen wollen. keine Zuflucht in unserem Hause. sich einen Stuhl zu nehmen. weil wir Farbe bekennen und vor aller Welt.hast. unsere Verurteilung Deines Tuns. auf dem Sofa lag. leicht zugedeckt und die Hände gefaltet. so gut es ging. aber ist es etwas mit Annie?« . »Jedenfalls traurig genug. nur fort wollte sie. und nachdem sie vergeblich dagegen angekämpft hatte. was die Frau dachte.... wir können Dir keinen stillen Platz in Hohen-Cremmen anbieten. des Tuns unseres einzigen und von uns so sehr geliebten Kindes. liebe Geheimrätin«. ich kann Dir das Wort nicht ersparen. denn es hieße das. sondern einfach. daß der Tisch. darin sich ihr Herz erleichterte. und auf Effis »Herein« erschien die Geheimrätin. um unserem Beisammensein ein rasches Ende zu machen. Nach einer halben Stunde klopfte es. Ich muß noch heute fort. »Darf ich eintreten?« »Gewiß. was sich ›Gesellschaft‹ nennt.« Effi konnte nicht weiterlesen. nicht deshalb. sagte Effi. wie wir Dich zu kennen vermeinen) – auch das elterliche Haus wird Dir verschlossen sein. uns als etwas unbedingt Unerträgliches erschiene. zwischen ihr und Effi war. Effi zeigte keine Spur von Verlegenheit und änderte nichts in ihrer Haltung. »Ich bin erschöpft und habe mich hier eingerichtet. Nicht weil wir zu sehr an der Welt hingen und ein Abschiednehmen von dem.. gnädigste Frau. mit einer Blumenschale darauf. sind wir entschieden nicht geneigt.« »Mehr als traurig«. dies Haus von aller Welt abschließen. die jetzt. Und was das traurigste für uns und für Dich ist (auch für Dich. nein.« »Ich möchte nicht zudringlich erscheinen. wird Dir verschlossen sein. brach sie zuletzt in ein heftiges Schluchzen und Weinen aus. Mit einem Male war es ihr vollkommen gleichgültig. sagte Effi. und das zu tun. Darf ich Sie bitten. ihre Augen füllten sich mit Tränen.

kam zu einem entschiedenen »Ja« und ging dann. Afra. trat Afra ein und meldete. daß man sich eben zum Lunch versammle. die man liebhabe. bis dahin zu bleiben. Afra begleitete Effi zum Bahnhof und ließ sich fest versprechen. gerade Personen. und die Bonner Husaren kämen auch. Als gleich danach auch Afra gehen wollte. Die Zwicker überschlug sofort. um mir beim Packen behülflich zu sein. Sie hat Sorgen um mich. so hatte Effi versichert. um Effis Ausbleiben beim Lunch zu entschuldigen. Die Herrschaften seien alle sehr in Aufregung: der Kaiser käme wahrscheinlich auf drei Wochen. wenn ich das nicht kann. und es liegt mir daran. diese letzten Emser Tage nun ohne Sie verbringen zu sollen. der komme immer wieder. außer Bonn. sie zu zerstreuen oder. daß die Frau Baronin im nächsten Sommer wiederkommen wolle. ob es sich verlohnen würde. der »Frau Baronin« beim Abschiede nicht das Geleit zu geben. es waren Zeilen meiner Mama. . gnädigste Frau. Darf ich Ihnen meine Dienste zur Verfügung stellen?« Ehe Effi darauf antworten konnte. kommen Sie wohl noch eine Viertelstunde zu mir. wenn Sie frei sind. sosehr ich es beklage. trotzdem sie das Vorgeschützte darin sehr wohl herausfühlte. sagte Effi: »Und dann. »Auf einem Bahnhofe«. die noch allerlei zu hören hoffte.»Nein. an demselben Tisch.« »Heute noch? Ach. Nun fangen ja die schönen Tage erst an. nicht mit Annie. nicht an dem etwas wackligen Rokokosekretär im Salon. Die Nachrichten kamen überhaupt nicht aus Berlin. Ems sei das schönste.« »Mir nur zu begreiflich. und am Schluß seien große Manöver. »sei man immer so zerstreut und nur mit seinem Platz und seinem Gepäck beschäftigt. Ich will heute noch mit dem Sieben-Uhr-Zuge fort. wenigstens an Ort und Stelle zu sein.« Effi lächelte. sondern draußen auf der Veranda. hatte sich nur mit Mühe bestimmen lassen. sie hatte hinter allen Türen gestanden und wußte gleich.« Die Zwicker bestätigte das. Die Zwicker hatte sich mittlerweile zum Briefschreiben niedergesetzt. von denen nähme man gern vorher Abschied. Die Zwicker. wer mal in Ems gewesen. das ist doch aber schade. was echt und unecht war.

reizende junge Frau. fünfundzwanzig oder nicht viel mehr. sind. wenn ich diese Stelle erst lese. anscheinend offen.an dem sie kaum zehn Stunden zuvor mit Effi das Frühstück genommen hatte. Das Zeitungsblatt war interessant genug und kam wie gerufen. Es wäre das erste Mal. die zwischen den zwei Freundinnen ausgetauscht wurden. schon schrieb. der jedesmal versicherte. das natürlich »Effi« hieß. Nun verzeih. Dessen bin ich so gut wie sicher. Nochmals also. Daß sie mit Vorliebe von den Berliner Modepredigern sprach und das Maß der Gottseligkeit jedes einzelnen feststellte. die sogenannten »forschen« am meisten. Die Zwicker war schon auf dem zweiten Bogen und fuhr in ihrem mehr als dankbaren Thema. Und doch hab ich dem Frieden nie getraut und traue ihm auch in diesem Augenblicke noch nicht. zur Zeit in Reichenhall weilenden Berliner Dame zugute kommen sollte.« Das waren so Weisheitssätze. der einer befreundeten. von der ich Dir glaub ich. sie fanden die Männer durchweg weit zurückbleibend hinter dem. wovon ich. daß ich mich in solcher Sache geirrt hätte. wie ich Dir nicht zu versichern brauche. Beider Seelen hatten sich längst gefunden und gipfelten in einer der ganzen Männerwelt geltenden starken Skepsis. was billigerweise gefördert werden könne. Die Geschichte heute mit dem Briefe – da steckt eine wirkliche Geschichte dahinter. nach einem kurzen Vorstudium.. »Die. und packt mir ein Zeitungsblatt auf den Tisch. Nachschrift. artig.. den ausgiebigsten Gebrauch machte. Aber da kommt eben unsere Afra. jetzt vielleicht am wenigsten. das ihr. das und der gelegentliche Gretchenblick. ihn zu verbergen) und immer interessiert. wenn man ihr etwas Interessantes erzählte.. immer noch die besten. eine hübsche Person. aber die eigentlichen Don Juans erweisen sich jedesmal als eine Enttäuschung. Wo soll es am Ende auch herkommen. unsere Frau Wirtin für mich gegeben habe. wie sie sagt. Sie freute sich auf den Brief. kein Wässerchen trüben zu können – alle diese Dinge haben mich in meinem Glauben.. ohne jeden Adelsdünkel (oder doch groß in der Kunst. ja. die vor Verlegenheit nicht wissen. die blau angestrichene Stelle. Ich schneide die blau angestrichene Stelle heraus . eben wie folgt fort: »Alles in allem war sie sehr zu leiden. wo sie hinsehen sollen.

Übrigens bin ich voll Mitleid mit der jungen Baronin und finde. einem kommenden Geschlechte kann diese Briefschreibepassion (weil dann gefahrlos geworden) vielleicht freigegeben werden. darf dergleichen nicht vorkommen. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Ein schwächerer Diagnostiker hätte sich doch vielleicht hinters Licht führen lassen.und lege sie diesen Zeilen bei. Wie immer Deine Sophie« . daß ich mich nicht geirrt habe. Und der Fall lag nicht so ganz gewöhnlich. Du siehst daraus. eitel wie man nun mal ist. Wer mag nur der Crampas sein? Es ist unglaublich – erst selber Zettel und Briefe schreiben und dann auch noch die des anderen aufbewahren! Wozu gibt es Öfen und Kamine? Solange wenigstens. wie dieser Duellunsinn noch existiert. mich in der Sache selbst nicht getäuscht zu haben. meinen einzigen Trost darin.

und zweitens bin ich glücklich und beinahe stolz.« »Ich sehe gern Kirchhöfe. alles so durchschnittsmäßig und alltäglich wie nur möglich. am meisten vielleicht dem alten Geheimrat Rummschüttel. Wirklich herrlich. Und wie die Sonne den weißen Rauch durchleuchtet! Wäre der Matthäikirchhof nicht unmittelbar dahinter. Er war jetzt ausgangs Siebzig. der. doch«.« .. meine gnädigste Frau. Wenn ich nicht fürchten müßte. Sie zu belästigen – denn ich komme doch schließlich als Arzt und nicht als Naturfreund und Landschaftsschwärmer –. die jedem. denn erstens ist es mein Metier. Rummschüttel aber ließ sich nicht stören und fuhr fort: »Bitte. oder erlauben Sie mir. aber wenn Effi. nein vier. nichts wissen. drei. längst verziehen hatte. daß es so hoch sei. Ich glaube.und Neuralgiekomödie. die drei Treppen so gut noch steigen zu können. und Effi bewohnte seit fast ebenso langer Zeit eine kleine Wohnung in der Königgrätzer Straße. ihn brieflich um seinen Besuch bat. zwischen Askanischem Platz und Halleschem Tor: ein Vorderund Hinterzimmer und hinter diesem die Küche mit Mädchengelaß. meine liebe. Wieder ganz herrlich heute. wenn es für ihn der Verzeihung überhaupt bedurfte. was seitdem sonst noch vorgekommen war. »Nur keine Entschuldigungen. sagte Effi. Denn Rummschüttel kannte noch ganz anderes. Und doch war es eine apart hübsche Wohnung. sondern auch alles. treten Sie hier heran. so war er am anderen Vormittag auch da und wollte von Entschuldigungen. Sie würdigen den Ausblick nicht genug.« »O doch. und wie es beständig darauf hin und her gleitet. so käme ich wohl noch öfter. bloß um Sie zu sehen und mich hier etliche Minuten an Ihr Hinterfenster zu setzen. daß ich Sie bis an das Fenster führe.. nur einen Augenblick. Sehen Sie doch nur die verschiedenen Bahndämme. dann und wann vorsprechend. und nun verschwindet der Zug da wieder hinter einer Baumgruppe. die seit einiger Zeit ziemlich viel kränkelte. angenehm auffiel. der armen jungen Frau nicht bloß die nun weit zurückliegende Rheumatismus. der sie sah. so wäre es ideal. gnädigste Frau.Zweiunddreißigstes Kapitel Drei Jahre waren vergangen.

wie Effi selbst in der Königgrätzer Straße wohnte. meine gnädige Frau. und zwar sehr lange schon. der Brunnen selbst ist doch die Hauptsache. Nun. waren gebildet . gerade so lange. hatte Rummschüttel gesagt. die dem Pensionate vorstanden. Schicken Sie mir doch einfach Roswitha. Aber unserein! Unsereinem kommt unabweislich immer die Frage. Ich könnte Sie fast beneiden. hatte damals. so sehr. war denn Roswitha bei Effi? war sie denn statt in der Keith. so trinken Sie den Brunnen hier. nicht gleich eine selbständige Wohnung genommen.. daß dieses Tages hier noch nachträglich gedacht werden muß. bin ich mit Ihnen zufrieden und beklage nur.« Effi schwieg. Ems. daß Sie von Ems nichts wissen wollen. und Rummschüttel nahm Hut und Stock. Die beiden Damen... »Ich höre von einer Terrassierung des Kreuzbergs sprechen. könnten hier nicht vielleicht einige weniger liegen? Im übrigen. als der elterliche Absagebrief aus HohenCremmen kam und sie mit dem Abendzuge von Ems nach Berlin zurückreiste... sondern es mit einem Unterkommen in einem Pensionate versucht. »Ems würde Wunder tun.»Ja. Effi.. In drei Minuten sind Sie im Prinz-Albrechtschen Garten. Sie dürfen das sagen. Ja.in der Königgrätzer Straße? Gewiß war sie's. Aber er trat noch einmal an das Fenster heran. und das war ein großer Tag für beide gewesen.« Effi dankte ihm. Sie schreiben mir immer einen so liebenswürdigen Brief. würde Wunder. Aber da Sie's nicht mögen (und ich finde mich darin zurecht). Schon drei Tage vor diesem Einzug hatte sich Roswitha bei ihrer lieben gnädigen Frau sehen lassen.«. Gott segne die Stadtverwaltung. und so schieden sie. »Schicken Sie mir doch einfach Roswitha...« Effi war einverstanden. Und was ich schon längst einmal sagen wollte. Es war ihr damit auch leidlich geglückt. bei Ihren katarrhalischen Affektionen. wer freute sich dessen nicht? Aber es ist doch jedesmal eine Mühe. Eine reizende Wohnung.. und wenn dann erst die kahle Stelle dahinten mehr in Grün stehen wird. und wenn auch die Musik und die Toiletten und all die Zerstreuungen einer regelrechten Brunnenpromenade fehlen. meine gnädigste Frau..

die Malerin werden wollte. eine adelige Dame aus Sachsen. Dergleichen hinderte nur den Geschäftsgang. aus diesem äußerlichen Grunde. Sie sollte dieselbe zu Beginn des Herbstvierteljahrs beziehen.und voll Rücksicht und hatten es längst verlernt. und so sah sie sich. als aber vierzehn Tage vorüber waren. fühlte sich denn auch von dieser Zurückhaltung der Pensionsdamen sehr angenehm berührt. daß ein Eindringenwollen in die Geheimnisse jedes einzelnen viel zu umständlich gewesen wäre. und zwar außer Effi und der einen Pensionsvorsteherin (die andere leitete draußen das Wirtschaftliche) zwei die Hochschule besuchende Engländerinnen. Das war eine schlimme Zusammensetzung. und die gegenseitigen Überheblichkeiten. über den Druck. Woraus sich diese eigentlich zusammensetzte. die die mit den Augen angestellten Kreuzverhöre der Zwicker noch in Erinnerung hatte. aber daß sie der sehr empfindlichen Effi den Atem raubte. bei denen die Engländerinnen merkwürdigerweise nicht absolut obenan standen. neugierig zu sein. sondern mit der vom höchsten Malergefühl erfüllten Polzinerin um die Palme rangen. war vielleicht überhaupt unerforschlich. wenn nicht. nicht wohl ertragbar für sie sei. war nur zu gewiß. hinweggekommen. Es kam da so vieles zusammen. An einem dieser letzten Tage – sie hatte sich eine Viertelstunde zuvor aus dem Eßzimmer zurückgezogen und gedachte sich eben auf einem mit einem großblumigen Wollstoff . dennoch wäre Effi. und eine Kantorstochter aus Polzin in Pommern. die sich hinzugesellende Pensionsluft gewesen wäre. Effi. die sie denn auch in verhältnismäßiger Nähe fand. rein physisch und äußerlich. Bei Tisch waren sie zumeist zu sieben. eine sehr hübsche galizische Jüdin. von der niemand wußte. sehr bald schon zur Aus. Es war dies die vorgeschilderte Wohnung in der Königgrätzer Straße.und Umschau nach einer anderen Wohnung gezwungen. daß die hier herrschende Gesamtatmosphäre. empfand sie doch deutlich. was sie eigentlich vorhatte. die sich passiv verhielt. den diese geistige Atmosphäre übte. waren unerquicklich. die physische wie die moralische. hatte das Nötige dazu beschafft und zählte während der letzten Septembertage die Stunden bis zur Erlösung aus dem Pensionat.

um Roswitha bei beiden Händen zu fassen und in ihr Zimmer zu ziehen.überzogenen Seegras-Sofa auszuruhen – wurde leise an ihre Tür geklopft. ich könnte dir einen Kuß geben. ich hätte nicht gedacht. Ach. als der Chinese spukte? Das waren glückliche Zeiten.. meine gute Roswitha. ich habe solche Sehnsucht. wie geht es dir denn? Weißt du noch. Ich habe damals gedacht.« »Wer?« »Eine Frau.« Das eine Hausmädchen. der alte Kaiser habe gesagt. aber es wolle sie jemand sprechen. eine kränklich aussehende Person von Mitte Dreißig. Roswitha. trat ein und sagte: »Die gnädige Frau möchte entschuldigen. Ein so gutes altes Gesicht kann nur was Gutes bringen. es wären unglückliche. wie glücklich ich bin. wo der gnädige Herr wieder dasein würde. »sechs Wochen in solchem Falle sei gerade genug«.. die doch eine Aufsicht haben müsse. »Herein. Spuk ist lange nicht das schlimmste! Komm. Ach. kaum daß Effi diesen Namen gehört hatte. Endlich aber fand sie sich und sagte. die. weil ich das Harte des Lebens noch nicht kannte. Ist das eine Freude. Was macht Annie?« Roswitha konnte kaum reden und sah sich in dem sonderbaren Zimmer um. komm. aber sie sei doch noch zu hübsch und beschäftige sich noch zuviel mit sich . Du. Ach. Was bringst du? Natürlich was Gutes. wie's damals war. daß ich noch solche Freude haben könnte. so schüttelte sie den Halbschlaf von sich ab und sprang auf und lief auf den Korridor hinaus. Seitdem habe ich es kennengelernt. Denn Johanna sei wohl eine sehr propre Person. Mein gutes altes Herz. daß der gnädige Herr nun wieder aus Glatz zurück sei. wegen Annie.« »Und hat sie ihren Namen genannt?« »Ja. durch beständigen Aufenthalt auf dem Korridor des Pensionats. den hier lagernden Dunstkreis überallhin in ihren Falten mitschleppte. darauf habe sie bloß gewartet. dessen grau und verstaubt aussehende Wände in schmale Goldleisten gefaßt waren.« Und siehe da. setze dich hier zu mir und erzähle mir. »Roswitha. und auf den Tag.

das wäre was. Und wenn wir dann müde von all der Plackerei wären. ja. Also davon nichts. denn wenn man gearbeitet hat.« »Und habe mal sehen wollen ob der gnädigen Frau was fehle und ob sie sie vielleicht brauche. Roswitha. was wir sonst unser DonnerstagEssen nannten. da wird mir ordentlich leichter ums Herz. ich bleibe hier nicht in dieser Pension. daß es der gnädigen Frau wieder gut ginge. und wenn du kannst.. wo der gnädige Herr wieder aufpassen und in allem nach dem Rechten sehen könne.. dann sagte ich: ›Nun. wie sich alles verändert hat. Roswitha.selbst und denke vielleicht Gott weiß was alles. er war immer so schrecklich artig. Roswitha. dann will man doch auch trinken. Roswitha.. Ich bin nicht mehr wie damals. und der Portier wird sich wohl nicht sehr um dich und um mich bemühen. Aber mit eins richtete sie sich auf und sagte: »Ja. der Schrank muß dahin und der Spiegel da‹. wie der gute Gieshübler mal dazukam und sich zu uns setzen mußte und wie er dann sagte: ›So was Delikates habe er noch nie gegessen. was du da sagst. da nicht. ich habe da weiter hin eine Wohnung gemietet und auch Einrichtung besorgt.‹ Du wirst dich noch erinnern. Und wir werden eine sehr kleine Wirtschaft haben. dann wolle sie gleich hierbleiben und beispringen und alles machen und dafür sorgen. Aber nun.. an der du doch hängst. das ist ein Gedanke. hast du dir auch alles überlegt? Von Annie will ich nicht sprechen. weil da rein gemacht wurde. das ist was. und die Johanna hängt ja auch an ihr. Aber ich muß dich doch fragen. wenn ich mir das denke. Und wenn ich da mit dir ankäme und zu dir sagen könnte: ›Nein. da habe sie sich's doch antun wollen und mal sehen. und in drei Tagen will ich da einziehen. denn eigentlich war . für Annie wird schon gesorgt werden. das sollte mir schon gefallen.« Effi hatte sich in die Sofaecke zurückgelehnt und die Augen geschlossen. sie ist ja fast wie dein eigen Kind – aber trotzdem. gehe da hinüber und hole uns eine Karaffe Spatenbräu. Roswitha. ja. Aber bedenke. so bring uns auch etwas Gutes aus dem Habsburger Hof mit. wenn du wieder zu mir willst. ich habe jetzt eine ganz kleine Wohnung genommen. immer das. du kannst ja das Geschirr nachher wieder herüberbringen – ‹. wie's der gnädigen Frau gehe. Weißt du noch? Und weißt du noch. Denn du mußt wissen. »Das ist recht.

das hab ich nicht vergessen. Denn. nicht am Abend.« »Und dann. und bei mir dachte. Roswitha. Als mein Vater damals mit der glühenden Stange auf mich loskam.« »Ich weiß schon.. sondern gleich am Morgen. Und wenn ich es nicht verstünde. Und da kam die gnädige Frau. wenn ich das vergesse.‹ Für Roswitha ist alles gut. was meinst du?« »Daß ich nächsten Sonnabend mit meinem Koffer anziehe. das war schlimm genug. wiewohl es meine eigne Wirtschaft war –. und daß ich da bin. als ich da auf dem Kirchhof saß. dann wollte ich es schon lernen. Aber als ich da auf dem Kirchhof saß. das verstehe ich. Dann sollen Sie mal sehen. was sie mit der gnädigen Frau teilen muß.. so ganz arm und verlassen. gnädige Frau. gnädige Frau. denn ich bin arm und habe nur.« Roswitha freute sich über jedes Wort und sah schon alles in bestem Gange. aber jetzt muß ich sparsam sein.« Und nun trat auch Effi heran.er doch der einzige Mensch in der Stadt. wenn es was Trauriges ist. Roswitha.. du bist doch nun durch viele Jahre hin verwöhnt. Wenn man muß.. Denn ich kann doch ganz anders zufassen wie die gnädige Frau. Und nun sage. aber sie sind nicht reich. das war doch noch schlimmer. du weißt. darauf freue ich mich schon ordentlich. bis Effi wieder sagte: »Hast du dir das alles überlegt? Denn du bist doch – ich muß das sagen. nun wäre es doch wohl das beste. und am liebsten. mutterwindallein.« Und dabei stand sie auf und ging aufs Fenster zu. Die andern fanden alles schön. den müssen Sie doch auch noch sehen. wir hatten es nicht nötig. von Hohen-Cremmen her. soweit sie's können. was man mir gibt. Ja.« »Sage das nicht. . kann man alles. und es kam nie darauf an. gnädige Frau. Sie brauchen sich wegen meiner nicht zu fürchten. Ich kann es auch. als ob ich mal denken könnte: ›Für Roswitha ist das nicht gut genug. Und ich will nicht selig werden. sparsam zu sein. der von Essen was verstand. Meine Eltern sind sehr gut gegen mich. Wer kam da? Wer hat mich da bei Leben erhalten? Ach. wenn das Einrichten losgeht.« »Ja. »Sehen Sie. ich läge da gleich mit in der Reihe. ich habe soviel durchzumachen gehabt.

während sie das Pianino schloß: »Rücke heran. Einmal waren Sie ja schon drüben. aber diese Nocturnes waren auch nicht angetan.« »Ja.. aber sie hatte während ihrer Pensionstage von dem Verkehr mit Menschen so wenig Erfreuliches gehabt. Was tun? Sie las. sagte Effi. und wenn die Tage kurz waren. Roswitha. der Geheimrat hat leicht verbieten. sie stickte. sehe ich ja immer hinüber. auch nicht mal sprechen über das. und du hast es auch leicht. Roswitha. mich ängstigt es wieder. Wenige Tage danach bezog Effi. begann Effi ganz schwermütig zu werden. aber wenn es einfach menschliche Dinge betraf und Effi mit einem »Ach. Leiste mir Gesellschaft. nur grau und regnerisch. Aber was soll ich denn machen? Ich kann doch nicht den ganzen Tag am Fenster sitzen und nach der Christuskirche hinübersehen. viel Licht in ihr Leben zu tragen. sie spielte Chopin. wenigstens anfänglich nicht. »Ich weiß schon. beim Abendgottesdienst. dann sehen Sie immer so aus und haben rote Flecke.« Roswitha kam denn auch. Roswitha. was in der Zeitung stand. Bis Weihnachten ging es vorzüglich. und als das neue Jahr herankam. saß Rollo und sah nach den Fenstern der Pension hinauf. wenn die Fenster erleuchtet sind. daß ihr das Alleinsein nicht schwerfiel. ihre Wohnung in der Königgrätzer Straße..Drüben. Mit Roswitha ließ sich allerdings kein ästhetisches Gespräch führen. dann sollten Sie mal hineingehen. all das nachzusprechen. sie legte Patience. Sonntags. aber der Heiligabend verlief schon recht traurig. gnädige Frau. die gnädige Frau haben wieder zuviel gespielt.« »Ach. und wenn Roswitha mit dem Teebrett kam und außer dem Teezeug auch noch zwei Tellerchen mit einem Ei und einem in kleine Scheiben geschnittenen Wiener Schnitzel auf den Tisch setzte. dann wußte die treue Seele jedesmal gut zu antworten und hatte immer Trost und meist auch Rat. auf der anderen Seite der Straße.« ihren Satz begann. mir wird dann immer noch schwerer ums Herz. von Roswitha unterstützt.« . Es war nicht kalt. so waren die Abende desto länger. aber es hilft mir auch nichts. Umgang fehlte freilich. Der Geheimrat hat es doch verboten. darin es ihr von Anfang an gefiel.

wo junge Mädchen die Wirtschaft lernen. Er spricht immer soviel vom Alten Testament. ich müßte so viel zu tun haben. Er predigt ganz gut und ist ein sehr kluger Mann. »Wer so gut ist wie gnädige Frau. Aber daran ist gar nicht zu denken. oder Nähschulen oder Kindergärtnerinnen. du weißt es besser als ich. die Damen nehmen mich nicht an und können es auch nicht. Überhaupt all das Zuhören. siehst du. es wird alles noch wieder gut. »Du wirst wohl recht haben. dann bin ich aus meiner Andacht heraus. Ich kann nicht mal armen Kindern eine Nachhülfestunde geben. und es wird sich schon was finden. und ich sehe daran.. Und in solchen Verein. ich habe mal davon gehört. Roswitha. wo man sich nützlich machen kann. Aber es ist doch alles bloß. dem kann es gar nicht zu gut gehen. bei Gutem mit dabeizusein. und wenn er dann so laut spricht und herumficht und seine schwarzen Locken schüttelt. und mitunter denke ich mir.« Davon wollte aber Roswitha nichts wissen. daß ich noch zuviel von dem alten Menschen in mir habe und daß es mir noch zu gut geht. und ich wäre froh. daß einem die Welt so zu ist und daß es sich einem sogar verbietet. ich war noch gar nicht drin. »Du meinst. da möchte ich eintreten. wenn ich das Hundertste davon wüßte. Und das ist das schrecklichste.« »Das wäre auch nichts für Sie.»O schon öfters. Anniechen sollte mal in einen Kindergarten.« »Heraus?« Effi lachte. Aber an wem liegt das? Das liegt doch nicht an mir. wie wenn ich ein Buch lese.. Und Sie müssen nur nicht immer so was Trauriges spielen. und wenn es nasses Wetter ist – das ist dann solch Dunst und Schmok. Aber ich habe nicht viel davon gehabt.« Effi lächelte. das halten die gnädige Frau gar nicht aus. es erbaut mich nicht. daß du recht hast. es ist nicht das Rechte. Sieh. Das wäre was für mich.« . aber es ist schlimm. Und wenn es auch ganz gut ist. daß ich nicht ein noch aus wüßte. Und es wird wohl so sein.« »Nun. Da gibt es so Vereine. gnädige Frau. Hast du nie davon gehört?« »Ja. die Kinder haben immer so fettige Stiefel an.

als sie – der Wagen war gerade in einem langsamen Fahren – drei . die bei dem starken Luftzuge. Aber auch das sollte sich eines Tages ändern. weil sie sich bewußt war. nahe dem Halteplatz. so griff sie doch mit Passion danach. und der Tag ihrer ersten Malstunde bezeichnete für sie einen Wendepunkt zum Guten. Es war doch ihr Kind. Sehnsucht nach Hohen-Cremmen erfaßte sie mitunter mit einer wahren Leidenschaft. und Roswitha triumphierte. Ihr armes Leben war nun nicht so arm mehr. und so kam er ihr. daß ihm Effi von Anfang an ans Herz gewachsen erschien. wie sie's beglückte. Effi war sehr glücklich darüber. Es war sehr heiß. ganz nach ihrem Herzen war. und wenn sie dem nachhing und sich dabei gleichzeitig der Trippelli erinnerte. Effi. Sie lehnte sich in die dem Vorderperron zugekehrte Ecke und musterte eben mehrere in eine Glasscheibe eingebrannte Sofas. war eine Seele zu retten. mit einer ganz besonderen Liebenswürdigkeit entgegen. trotz der Kantorstochter aus Polzin. taten ihr wohl. mit Quasten und Puscheln daran. und die herabgelassenen Vorhänge. und in Mittelafrika könne man sicher sein. hin und her bauschten. weil sie nun eine Beschäftigung hatte. in einen die lange Kurfürstenstraße passierenden Pferdebahnwagen ein. Das ging so Jahr und Tag und darüber hinaus. Sie meldete sich denn auch bei einem ganz alten Malerprofessor. die. so gingen wohl seine Gedanken. Hier. über eine unterste Stufe des Dilettantismus nie hinauskommen zu können. Annie noch nie getroffen zu haben. Sie kam aus der Malstunde. als ob sie seine Tochter gewesen wäre. so ließ es auch wieder den Wunsch in ihr entstehen. und stieg. blau. dicht am Zoologischen Garten. wollte Malerin werden. deren Künstlerdünkel ihr immer noch als etwas Schreckliches vorschwebte.Und es fand sich auch was. noch dazu eine. der ging. Annie wiederzusehen. plötzlich einem alten Bekannten zu begegnen«. so war sie mit Recht verwundert. und noch leidenschaftlicher sehnte sie sich danach. und wiewohl sie selber darüber lachte. weil still und geräuschlos. daß sie recht gehabt und sich nun doch etwas gefunden habe. der in der märkischen Aristokratie sehr bewandert und zugleich so fromm war. die mal gesagt hatte: »die Welt sei so klein. Aber da sie nun wieder eine Berührung mit den Menschen hatte. daß diese Berührungen sich erneuern und mehren möchten.

aber es wird ja wohl mal gehn. nicht wohl angegangen sei.« Und nun erzählte sie von der Begegnung in dem Pferdebahnwagen. nahm er das Gitter aus. daß das.« »Na. Und wenn ich mir so alles überlege. die gnädige Frau weiß auch ganz gut. Effi fuhr heftig zusammen. das Sonderbare. konnte die Begegnung in ihrem Herzen doch nicht verwinden und litt unter der Vorstellung. Es war Annie. erfüllte sie jetzt mit einer wahren Todesangst. Dann mußte Effi erzählen. ich habe Annie gesehen. sie gab ihm aber ein Geldstück und sah ihn so bittend an. in Gegenwart so vieler Menschen. »Is verboten. der mehr für die Mama ist. auf dem niemand stand als der Kutscher. und bat diesen.« »Ach. Es quälte sie bis zur Beschämung. Aber Effi. grade über Annie mit Roswitha zu sprechen. Noch in großer Erregung kam Effi nach Hause. daß Mutter und Tochter keine Wiedersehensszene gefeiert hatten. ich lasse mir nichts vormachen. aber das Ernste. Was tun? Rasch entschlossen öffnete sie die Tür zu dem Vorderperron. zwei blond und ausgelassen. das ist nu doch auch noch die Frage.« Und als der Wagen hielt. Roswitha? Ich glaube es nicht. Das Hübsche und. wie's eigentlich ist und was die Männer am liebsten haben. das hat sie von der Mama. das ist ganz der Papa.Schulkinder aufspringen sah. Roswitha. daß der gutmütige Mensch anderen Sinnes wurde und vor sich hin sagte: »Sind soll es eigentlich nich. sprich nicht davon. Fräulein«.« »Gott sei Dank!« sagte Effi. sie bei der nächsten Haltestelle vorn absteigen zu lassen. na.« »Glaubst du. wie Annie ausgesehen habe. und eine Begegnung mit dem Kinde zu haben. »Na. die dritte dunkel und ernst. Und da wird ja wohl mancher sein. und das Verlangen nach einer Begegnung mit . Roswitha. und Effi sprang ab. gnäd'ge Frau. Roswitha war unzufrieden. ist sie doch wohl mehr wie der gnädige Herr. wenn sie's auch vermied. und ließ sich nur ungern überzeugen. und ich glaube. wenn ich es sagen darf. und als sie das mit mütterlichem Stolze getan. sie ist so halb und halb. mit kleinen spitzen Hüten.« Damit brach das Gespräch ab und wurde auch nicht wieder aufgenommen. sagte der Kutscher. die Mappen auf dem Rücken. sagte Roswitha »Ja. wonach sie sich doch so lange gesehnt. vor ihrem eigenen Kinde geflohen zu sein. »Denke dir.

Annie steigerte sich bis zum Krankhaften. ja. Da war zunächst Guido Renis »Aurora«. nur menschlich schöne Teilnahme. wo sie sich niederließ und trotz der Erregung. während sie selber Platz nahm. »Exzellenz lassen bitten. sich hier bei der Ministerin melden zu lassen. aber Annie wollte sie sehen und sprechen und an ihr Herz drücken. in der bekannten Aquatinta-Manier von viel Licht und Schatten. an Innstetten schreiben. schritt sie auf das Sofa zu und zog Effi. Alles Geschehene lag so weit zurück. aber inmitten ihres Schuldbewußtseins fühlte sie sich andererseits auch von einer gewissen Auflehnung gegen Innstetten erfüllt. sie nährte das Gefühl davon mit einer halb leidenschaftlichen Geflissentlichkeit. den Bilderschmuck an den Wänden musterte. sagte sie. Gleich am andern Vormittage kleidete sie sich sorgfältig in ein dezentes Schwarz und ging auf die Linden zu. und nachdem sie's tagelang überlegt hatte. Nein. gnädigste Frau«. auf der nur stand: Effi von Innstetten. zu sich nieder. Sie schickte ihre Karte hinein. geb. stand ihr fest. und zuletzt hatte er doch unrecht. ein neues Leben hatte begonnen – er hätte es können verbluten lassen. Keine Spur von Überheblichkeit oder Vorwurf. Effi hatte ihre Musterung kaum beendet. das ging nicht. schlanke Dame von einem sofort für sie einnehmenden Ausdruck auf die Bittstellerin zutrat und ihr die Hand reichte: »Meine liebe. Effi war bewegt durch die sich in allem aussprechende Herzensgüte. Sie sagte sich: er hatte recht und noch einmal und noch einmal. in der sie sich befand.« Und während sie das sagte.« und Effi folgte dem Diener bis in ein Vorzimmer.. »Womit kann ich Ihnen dienen?« nahm die Ministerin noch einmal das Wort. Ihrer Schuld war sie sich wohl bewußt. als die Tür des angrenzenden Zimmers sich öffnete und eine große. statt dessen verblutete der arme Crampas. wie's am besten zu machen sei. von Briest. Sie wiederzusehen.. gegenüber aber hingen englische Kupferstiche. auch die Baronin. Stiche nach Benjamin West. »welche Freude für mich. Eines der Bilder war König Lear im Unwetter auf der Heide. . Alles andere war fortgelassen. An Innstetten schreiben und ihn darum bitten. das war nicht möglich.

Treff' ich es darin?« »In allem. Ihr Herr Gemahl. in drei Jahren nicht gesehen. daß ich ihn nach wie vor so nenne. Aber das mit dem Kinde. die ich seit drei Jahren nicht gesehen habe und gern wiedersehen möchte. ist eine Bitte. und ich will nichts ändern in meinem Leben.« »Und so soll ich denn die Erlaubnis zu gelegentlichen Begegnungen erwirken. Ich weiß wohl. man liegt. in Ihrem Hause. und so habe ich denn den Wunsch. die sie mit Annie gehabt hatte. verzeihen Sie mir diese Bemerkung. so ist das nicht ganz richtig. wohl dem schönsten unserer Gefühle (wenigstens wir Frauen werden uns darin finden). Läg es nicht so.und Erziehungsweise . wie man sich bettet. der nicht nach Stimmungen und Laune.« Effi nickte. das ist doch zu hart. Vor drei Tagen habe ich sie wiedergesehen. Vielleicht. daß er recht hat. Endlich sagte sie: »Was mich herführt. Wie es ist. so ist es recht. und diese fallenzulassen oder auch nur momentan aufzugeben wird ihm hart ankommen. so wäre seine Handlungs. das Kind von der Mutter fernzuhalten. Aber wir werden es nicht eben leicht haben. Ich habe eine zehnjährige Tochter. über das ich mir kein Urteil erlaube. wo Sie versuchen können. ist ein Mann. während die Ministerin fortfuhr: »Ich werde also tun.« Und nun schilderte Effi mit großer Lebendigkeit die Begegnung. sein Recht werde. sich das Herz Ihres Kindes zurückzuerobern. deren Erfüllung Exzellenz vielleicht möglich machen.« Die Ministerin nahm Effis Hand und sah sie freundlich an. Ich sehe.« Effi drückte noch einmal ihre Zustimmung aus. ich habe es nicht anders gewollt. »Sie finden sich selbst in der Haltung Ihres Herrn Gemahls. sondern mit Wissen und Zustimmung aller Beteiligten. daß einem natürlichen Gefühle. es dann und wann sehen zu dürfen. »Vor meinem eigenen Kinde auf der Flucht. sondern nach Grundsätzen handelt. was ich tun kann.Um Effis Mund zuckte es. zurecht und verlangen nur. »Wenn ich sage. nicht heimlich und verstohlen. ein Verfahren. meine gnädigste Frau.« »Unter Wissen und Zustimmung aller Beteiligten wiederholte die Ministerin Effis Worte. "Das heißt also unter Zustimmung Ihres Herrn Gemahls. daß seine Erziehung dahin geht. verzeihen Sie. gnädige Frau.

und wollte zugleich die Schwierigkeiten andeuten. Wir haben morgen einen kleinen Zirkel.längst eine andere gewesen. stoßen werden. eingeleitet oder nicht. die ich an ihn richte. auf die wir. auf dem ich ihn sehe. Das. und übermorgen früh haben Sie ein paar Zeilen von mir. wissen mancherlei durchzusetzen. Denn wir Frauen. aller Wahrscheinlichkeit nach. wir zwingen es trotzdem. ob ich's klug. nicht wohl abschlagen. Nicht zu verwundern. um nicht zu sagen rechtfertigen.« »So meinen Exzellenz vielleicht. die Ihnen sagen werden. meine Bitte zurückzunehmen?« »Doch nicht. hält er für richtig. Aber ich denke.« . und Sie werden Ihr Kind wiedersehen und sich seiner freuen. Zudem gehört Ihr Herr Gemahl zu meinen besonderen Verehrern. Es soll ein sehr schönes Mädchen sein. und er wird mir eine Bitte. was hart für Ihr Herz ist. Ich denke. das heißt glücklich. wir siegen in der Sache. es wäre besser. Ich wollte nur das Tun Ihres Herrn Gemahls erklären. wenn wir's klug einleiten und den Bogen nicht überspannen.

wo sie mit Roswitha von allem möglichen sprach. daß Effi diese Zeilen empfing. daß sein ›Ja‹ nicht dem entsprach. liebe gnädige Frau. und bis zu Annies Erscheinen waren mutmaßlich keine zwei Stunden mehr. von dem Efeu drüben an der Christuskirche. Eine kurze Zeit. Nun war Mittag. und ganz leise. von dem Portier. schüchtern. es war Annie. um durch das Guckloch zu sehen. Alles ging nach Wunsch. nächstes Jahr würden die Fenster wohl ganz zugewachsen sein. ließ sie das Kind allein und ging wieder auf die Küche zu. und Effi las: »Es freut mich. und Roswitha ging. die trotz der Zeilen der Ministerin. Ihr Herr Gemahl ist zu sehr Mann von Welt. nur von Annie nicht. einige Zeilen ein. was er für klug und recht hält. als das Kind eintrat. wo wir uns freuen sollen. den Rücken gegen den Spiegelpfeiler. und daß sie das Petroleum doch lieber wieder aus der großen Lampenhandlung Unter den Linden als aus der Anhaltstraße holen solle – von allem möglichen sprach sie. und Effi schritt in Unruhe durch beide Zimmer und dann wieder in die Küche.« Und unter diesen Worten. führte sie das Kind vom Korridor her erst in die Hinterstube und dann bis an die nach vorn führende Tür. Aber kritteln wir nicht. Roswitha gab dem Kinde einen Kuß. ich sah deutlich. weil sie die Furcht nicht aufkommen lassen wollte. Richtig. wie versprochen. »Annie!« Aber Annie . sie wollte nicht stören. Ihre Annie. Annie. oder vielleicht auch um dieser Zeilen willen in ihr lebte. zugleich aber – auch das darf ich Ihnen nicht verschweigen –. sprach aber sonst kein Wort.Dreiunddreißigstes Kapitel Am zweitfolgenden Tage trafen. um einer Dame eine von ihr vorgetragene Bitte abschlagen zu können. und ein guter Stern stehe über Ihrem Wiedersehen. Ihnen gute Nachricht geben zu können. »Da geh hinein. der den Gashahn wieder so schlecht zugeschraubt habe (sie würden doch noch nächstens in die Luft fliegen).« Es war mit der zweiten Post. so haben wir es verabredet. Effi stand am andern Ende des Zimmers. wird über Mittag kommen. wie wenn ein Kranker im Hause wäre. aber immer noch zu lang. Endlich wurde geklingelt.

mein süßes Kind. Mythologie war immer mein Bestes.blieb an der nur angelehnten Tür stehen. und so eilte denn Effi auf das Kind zu. zwei aus der ersten Klasse wollen auch übertreten. Annie. aber ich hatte nicht solche gute Schule. das ist sehr schön. Du warst immer so wild und ausgelassen beim Spielen.« »Nun. Das ist recht. du siehst mir so aus.« »Ah. Wir hatten bloß einen Kandidaten.« »Ja. Das weiß man. während sie die Mutter immer noch scheu ansah. Ich war auch so ehrgeizig. »Warum ist er fort?« »Ich weiß es nicht. mit der Linken nach dem Zipfel der herabhängenden Tischdecke. Worin hast du denn die beste Zensur?« »In der Religion. »Weißt du wohl. mir war es auch so. wie freue ich mich. Komm. Ja.« »Und der ist fort?« Annie nickte. Wir haben nun wieder den Prediger. »Annie. daß dich das Fräulein von Wedelstädt so gelobt haben soll. aber es wird wohl auch an dem Unterricht gelegen haben. Roswitha hat mir davon erzählt. da weiß ich es doch. daß ich dich einmal gesehen habe.« »Den ihr alle sehr liebt. hob es in die Höhe und küßte es. Ich habe auch gehört. Das hast du von deiner Mama. siehst du. du wirst es schon wissen. das ist schön. Annie stand aufrecht und griff. um sich da zu setzen.« »Und nun erzähle mir recht viel..« »Und warum hast du sie nicht mit heraufgebracht?« . als müßtest du eine Musterschülerin sein und immer die besten Zensuren nach Hause bringen. du bist immer die Erste. halb verlegen. und dabei nahm sie Annie bei der Hand und ging auf das Sofa zu. die war auch so. ich verstehe. aber halb auch mit Vorbedacht. erzähle mir«. Und was macht Johanna?« »Johanna hat mich bis vor das Haus begleitet. Wie groß du geworden bist! Und das ist die Narbe da. Und in der Schule? ich denke mir. ich war nicht so gut darin.« »Ja. Worin bist du denn am besten?« »Ich weis es nicht.« »Wir hatten auch einen Kandidaten.« »Oh..

Hoffentlich hat sie sich nicht erkältet. sie wird da hoffentlich nicht ungeduldig werden. in dem es wie Empörung aufflammte. »Ich glaube. So war er schon.oder Vanilleneis. und darüber werde ich mich wohl freuen müssen.« »Ach. du bist sehr rücksichtsvoll.« Und sie zog die Klingel. er liegt immer in der Sonne.« »O gewiß. Grüße Johanna. die schon im Nebenzimmer war. wenn ich darf. Es ist ein kleiner Vorgarten da. sie wolle lieber unten bleiben und an der Kirche drüben warten.« Und nun gingen beide.. Effi sprang auf. als ob es eine alte Kirche wäre. das ihr beistehe. es ist die höchste Zeit.« »Wir können dann in dem Prinz-Albrechtschen Garten spazierengehen. Da neben dem Fenster war ein Bücherbrett.. und die Fenster sind schon halb von Efeu überwachsen. was macht Rollo?« »Rollo ist sehr gut. gib Annie das Geleit bis drüben zur Kirche. als du noch ganz klein warst. Es sollte mir leid tun. das aß ich immer am liebsten. und ein Blick. weil sie zu ersticken drohte. »So also sieht ein Wiedersehen aus«. Johanna wird sonst ungeduldig. Annie – denn heute haben wir uns ja bloß so mal wiedergesehen –. wenn ich darf. wenn ich darf. Und nun sage mir noch. »Roswitha. Und sie fand auch was in der Not ihres Herzens. Roswitha.« »Oder wir gehen zu Schilling und essen Eis. Kaum aber. Man muß es nur richtig einteilen. öffnete die Fensterflügel und suchte nach etwas.« Und bei diesem dritten »wenn ich darf« war das Maß voll. Ananas. traf das Kind.« »O gewiß. daß Roswitha draußen die Tür ins Schloß gezogen hatte. Annie. Und nun sage mir. und dabei stürzte sie nach vorn. Johanna wartet da. wirst du mich öfter besuchen?« »O gewiß.« »Das glaub ich. ihr Kleid auf und verfiel in ein krampfhaftes Lachen. Aber Papa sagt.. trat gleich ein.»Sie sagte.« »Nun.« »Ich möchte sie aber doch nicht gerne warten lassen. so riß Effi. er würde so faul. ein paar Bände von Schiller und Körner . ich sehe.« »Und da sollst du sie wohl abholen?« »Ja..

und habe mich immer klein neben ihm gefühlt. Ich hab es auch gewußt. – Ehre. Alles.. wie leblos. ich will euch nicht mehr. das ist er. richtet er's ab wie einen Papagei und bringt ihm die Phrase bei ›wenn ich darf‹. Und weil er klein ist. das Gesicht abgewandt. wenn ich darf. ich war kein Kind. weil er einer Ministerin nichts abschlagen kann. und mit einem heftigen Ruck warf sie sich davor nieder und sprach halblaut vor sich hin: »O du Gott im Himmel. Ehre. ist er grausam. spöttisch damals. weil ich ihn nicht liebte. aber ewig wird es ja wohl nicht dauern. bloß er! Ich habe geglaubt. daß er es ist. Das hat er dem Kinde beigebracht. vergib mir. Was zuviel ist. Weg mit euch. Ich muß leben. ist grausam. die alle gleiche Höhe hatten. aber er hat recht gehabt.. Und nun schickt er mir das Kind. Dummheit war alles. aber jetzt weiß ich. Sie griff danach. das bist nicht du. Denn das hier.darauf. ist zuviel. Und ich schuld. und ehe er das Kind schickt. nein. auch mein eigen Kind. ich haß euch.. und nun Blut und Mord. wo Annie gestanden hatte.. Gott.. aber das ist zuviel.« Als Roswitha wiederkam. gerade da.‹ Du brauchst nicht zu dürfen. Ehre.. was klein ist. und dann hat er den armen Kerl totgeschossen. was ich getan. vor dem sie knien und beten konnte. was ich tat. weil sie was haben mußte. Ein Streber war er. aber was mich noch mehr ekelt. den ich nicht einmal liebte und den ich vergessen hatte. daß er ein edles Herz habe. er ist klein. ich war ein Kind. ›O gewiß. und legte Bibel und Gesangbuch auf den Tischrand. lag eine Bibel und ein Gesangbuch. um zu wissen. mit dem Kind. lag Effi am Boden. ein Schulmeister war er immer. Crampas hat ihn so genannt. der mich strafen will. . weiter nichts. was ich getan. das ist eure Tugend. ich war alt genug. Mich ekelt. und ich will meine Schuld nicht kleiner machen. und auf den Gedichtbüchern. Aber nein.

Die arme gnädige Frau. Dienertreue ist schön. Dem Einhalt zu tun. und sie war ruhig. Andere Luft. Eine Disposition zu Phthisis war immer da. Als er schließlich ging. Gott – da hab ich ja keine ruhige Stunde mehr. zu diesem alten Übel hat sich nun ein neues gesellt: ihre Nerven zehren sich auf. Denn. wegen der Nervenkomplikation. in den schlesischen Bädern eine Auswahl zu treffen. Wir wollen schon sehen. der lautete: »Gnädigste Frau! Meine alten freundschaftlichen Beziehungen zu den Häusern Briest und Belling und nicht zum wenigsten die herzliche Liebe. als er gerufen wurde. wenn es nu mal wiederkommt.« »Lassen Sie nur. begleitete Roswitha den alten Herrn bis in den Vorflur und sagte: »Gott. solange Rummschüttel um sie war. und. trat ihm ausgesprochener als früher entgegen. werden diese Zeilen rechtfertigen. wo manche erst anfangen. Verzeihen Sie einem alten Manne dies Sicheinmischen in Dinge. Es geht so nicht weiter. aber Elternliebe ist besser. Das Hektische. wenn nicht etwas geschieht. die jenseits seines ärztlichen Berufes liegen. Herr Geheimrat. Aber es darf nur Hohen-Cremmen sein. noch besser. was Ihrer Frau Tochter Genesung bringen kann. Salzbrunn gut und Reinerz. und es kann doch. Aber wohin? Es würde nicht schwer sein.Vierunddreißigstes Kapitel Rummschüttel. andere Menschen. weil sie nichts hat als Roswitha. fand Effis Zustand nicht unbedenklich. Es war aber doch auch zuviel. das sie der Einsamkeit und dem Schmerzlichen ihres nun seit Jahren geführten Lebens entreißt. Und noch so jung. weshalb ich schon vor Jahren Ems verordnete. die ich zu Ihrer Frau Tochter hege. ist nicht Luft allein. Kann noch alles wieder werden. das mit dem Kind. Aber fort muß sie.« Den zweiten Tag danach traf ein Brief in Hohen-Cremmen ein. Roswitha. meine gnädigste Frau. ist ein Luftwechsel nötig. Seine ruhig freundliche Weise aber. was schlimmer war. der er einen Beisatz von Laune zu geben wußte. auch die ersten Zeichen eines Nervenleidens waren da. sie siecht hin. Ihre Frau Tochter. tat Effi wohl. mir ist so bange. Und doch auch . das er seit Jahr und Tag an ihr beobachtete. wird schnell hinsiechen.

sich ohne Gesellschaft zu behelfen. Und wenn man gar bloß eines hat. denn es ist schließlich auch der Arzt. ein Blitz aus heiterem Himmel. »Bitte.« »Natürlich. Ich habe soviel vom Leben gesehen.wieder nicht. vorläufig wenigstens. Mit der Bitte..« »Ach was. Daß ich trommle.. Der um die Fenster sich rankende wilde Wein bewegte sich leis in dem Luftzuge. und über dem Wasser standen ein paar Libellen im hellen Sonnenschein. wie ich darüber denke. der hier spricht und seiner Pflicht nach. Luise. Eins geht vor.« »Mache mir keine Vorwürfe. Briest schwieg und trommelte mit dem Finger auf dem Teebrett. vielleicht noch mehr. ich hab es seit lange satt. sagt gerade genug. Aber man lebt doch nicht bloß in der Welt. Damals. was soll ich sagen.. Du weißt seit Jahr und Tag. sprich lieber. ich liebe sie so wie du. Aber das ist nun schon wieder eine halbe Ewigkeit her. mich Ihrem Herrn Gemahl empfehlen zu wollen. aber was ist das eine?« »Liebe der Eltern zu ihren Kindern. aber nichts mehr in diesem Sinne. aber komme mir nicht mit ›Gesellschaft‹.« »Ach.. als Innstettens Brief kam. beide saßen auf dem schattigen Steinfliesengange.« Frau von Briest hatte den Brief ihrem Manne vorgelesen. eins geht vor.. komme mir mit Katechismus. Briest.« »Ach. der ging.« . was gegen Gesetz und Gebot ist und was die Menschen verurteilen und.. Luise. jeder hat seine Art. den Gartensaal im Rücken. Forderungen stellt. das Rondell mit der Sonnenuhr vor sich. damals war ich deiner Meinung. soll ich hier bis an mein Lebensende den Großinquisitor spielen? Ich kann dir sagen. trommle nicht.« »Dann ist es vorbei mit Katechismus und Moral und mit dem Anspruch der ›Gesellschaft‹.« »Es ist sehr schwer.. auch noch – mit Recht verurteilen. um schwach und zärtlich zu sein und alles mit Nachsicht zu behandeln. in vorzüglicher Ergebenheit Dr.. Rummschüttel. verzeihen Sie dies Wort. soviel du willst.

Und wenn ich das Kind erst wieder im Hause habe. weil sie's allemal als ein Unrecht gegen den guten und lieben Menschen empfand. mit dem Hut in der Hand und seinen endlosen Artigkeitsverbeugungen. Und nun will ich das Telegramm schicken. der einen Mirambo beherbergt und eine Trippelli großzieht – ja. und es kamen Tage. bei dem ihr eigenen Nachahmungstalent. Der Raps steht gut. die ›Gesellschaft‹.. wenn sie zu Besuch da war. ihm den ganzen Gieshübler. das hatte sich auch erfüllt. wenn sie nur will. wiewohl feststand. Und der Rotwein schmeckt mir noch. Und ich stehe so zu der Sache: kommen die Rathenower. dieser Preciosa-Spanier. wo sie wieder lachen konnte.« Effi war nun schon über ein halbes Jahr in Hohen-Cremmen.. kann auch ein Auge zudrücken. Das Hüsteln ließ nach. und im Herbst kann ich einen Hasen hetzen. dann schmeckt er mir noch besser. vorzuspielen. Ein leichter Schritt ist es nicht. Du solltest mir nur keinen Vorwurf machen.« »Ich kann's aushalten. das muß ein Genie sein. und kommen sie nicht. sie bewohnte die beiden Zimmer im ersten Stock. der herbe Zug.« Und dann mußte sich Effi bequemen. bewohnt hatte. Und dann glaube mir. Ich werde ganz einfach telegraphieren: ›Effi. nebenan schlief Roswitha. das größere war für sie persönlich hergerichtet. trotzdem aber ungern tat.»Ohne Kind auch.‹ Bist du einverstanden?« Sie stand auf und gab ihm einen Kuß auf die Stirn. Von Kessin und allem. was sie. . was da zurücklag. das laß ich mir nicht ausreden. wurde wenig gesprochen. Was Rummschüttel von diesem Aufenthalt und all dem andern Guten erwartet hatte. soweit sich's erfüllen konnte. schwand wieder hin. für den der alte Briest eine lebhafte Vorliebe hatte. komm. »Dieser Alonzo. die sie schon früher. »Natürlich bin ich's. so ist es auch gut. daß Annie Erbtochter sei und Hohen-Cremmen ihr zufallen würde. mit alleiniger Ausnahme von Frau von Padden und natürlich von Gieshübler. Luise. so ist es gut. sehr gut konnte. – Von Innstetten und Annie war nie die Rede. der das so gütige Gesicht um ein gut Teil seines Liebreizes gebracht hatte. Und unser Leben wird von Stund an ein anderes.

wenn die Sonnenstrahlen auf dem Eis des kleinen Teiches blitzten oder die ersten Krokus aus dem noch halb winterlichen Rondell aufblühten – das tat ihr wohl.Ja. »Solchen guten Winter haben wir lange nicht gehabt«. Sie beschäftigte sich mit allerlei Wirtschaflichem und sorgte für Ausschmückung und kleine Verbesserungen im Haushalt. nicht ganz abgeneigt war. so schmerzlich sie blieb. und wenn das Laub von den Platanen fiel. um was sie sich selbst gebracht hatte. freudig verwundert. Effi lebte wieder auf. als einen interessanten Fall anzusehen. wetteiferte mit ihrem Manne in Liebes. um ihnen einen guten Morgen zu bieten. die. Sie bildete statt dessen die Kunst aus. sahen dies. sagte Briest. Alle. nur Effi selbst sah es nicht und lebte ganz dem Glücksgefühle.und Aufmerksamkeitsbezeugungen. Lesen aber und vor allem die Beschäftigung mit den Künsten hatte sie ganz aufgegeben. Und dann erhob sich Effi von ihrem Platz und streichelte ihm das spärliche Haar aus der Stirn. in Wahrheit ging die Krankheit weiter und zehrte still das Leben auf. . sondern eine Verklärtheit war. was der schlanken Erscheinung und den leuchtenden Augen diesen eigentümlichen Ausdruck gab. auf Effis Gesundheit hin angesehen. aber doch auch wehmütig. die sie immer geliebt hatte und von denen sie immer geliebt worden war. die Hände in den Schoß legen zu können. daß es nicht die helle Jugend. und die Mama. die schärfer zusahen. nach Frauenart.« Es erinnerte sie auch wohl zu sehr an ihre traurigen Tage. Wenn Effi – die wieder wie damals an ihrem Verlobungstage mit Innstetten. daß ich froh bin. richtiger wohl. still und entzückt auf die Natur zu blicken. und auf all das konnte sie stundenlang blicken und dabei vergessen. was ihr das Leben versagt oder. auch in den Jahren ihres Elends und ihrer Verbannung. wieder an dieser für sie so freundlich friedreichen Stelle zu sein. die ganze Sache. so sahen sich diese freudig verwundert an. war es doch alles nur Schein. weil ihnen nicht entgehen konnte. Ihr Sinn für das Schöne ließ sie darin immer das Richtige treffen. Aber so schön das alles war. in Versöhnung mit denen. »Ich habe davon so viel gehabt. ein blau und weiß gestreiftes Kittelkleid mit einem losen Gürtel trug – rasch und elastisch auf die Eltern zutrat.

»von denen wir alle abstammen. »Ja. schon einmal schrieb oder vielleicht auch schon mal erzählt habe.« »Ach.« Und dann ließ sie Rügen und den Herthasee fallen und fragte nach seinen Enkeln. das wollt ich. freilich schade. Es ist komisch. ihren Hauptverkehr aber hatte sie doch in Schulhaus und Pfarre. der noch sichtbar sein soll. sagte Jahnke.. Denken Sie sich. Aber auf Rügen bin ich wirklich umhergefahren. denn ich bin nicht hingekommen. die von Bertha oder die von Hertha. das war ja schon wieder viel.« »Schade. Daß im Schulhaus die Töchter ausgeflogen waren. Aber das waren ja keine Wenden. reine Germanen. Hertha. Und denken Sie sich.. schadete nicht viel. aber nicht allzu weit davon ist der Herthasee mit weißen und gelben Mummeln. Denken Sie sich. daß . lachte Effi. und wie ich Ihnen. Aber Sie wollten von dem Herthasee sprechen. die Jahnkes gewiß und vielleicht auch die Briests. schade«. glaub ich.« »Ja.. zu diesem alten Freunde stand sie besser denn je. und so konnte es nicht wohl ausbleiben.. blank und noch die Rinnen drin.. Skandinavien und Wisby war er doch nur ein einfacher Mann. ja.« »Versteht sich«. dicht an dem See standen zwei große Opfersteine. Ich habe von der Zeit an einen Widerwillen gegen die Wenden. aber zu Jahnke selbst – der nicht bloß ganz Schwedisch-Pommern.. aber ich kann eigentlich von vielem in meinem Leben sagen ›beinah‹. gnäd'ge Frau verzeihen. Jahnke. Ich habe da viel an Ihre Hertha denken müssen.. es würde nicht mehr so recht gegangen sein.. ja. viel früher. Effi stand gut zu Jahnke.« »Nun. in denen vordem das Blut ablief. von denen wir alle abstammen. wir hatten ein Dampfschiff.Besuch blieb nicht ganz aus. sondern auch die Kessiner Gegend als Skandinavisches Vorland ansah und beständig darauf bezügliche Fragen stellte –. beinahe wär ich wirklich rüber nach Wisby gekommen. Und das wäre so was für Sie gewesen. Jahnke. »Ja.. nicht alle stellten sich gegen sie. Ja. Jahnke. und welche ihm lieber wären. Arkona mit einem großen Wenden-Lagerplatz. Aber trotz seiner intimen Stellung zu Herthasee. Das mit den Opfersteinen und mit dem Herthasee. ganz vor Christum natum. beinahe nach Wisby..

nach Ansicht der Gemeinde. wie du früher warst. Da mußt du dich an einen Philosophen wenden oder ein Ausschreiben an eine Fakultät machen. was halten Sie vom Leben?« »Ach. und ehe sich noch der Alte. weil sie das Predigerhaus selbst nicht gern betrat.der vereinsamten jungen Frau die Plaudereien mit Niemeyer um vieles lieber waren. Dann ließ sie die Schaukel wieder langsam gehen und sprang herab und nahm wieder Niemeyers Arm. waren sie bis an die Schaukel gekommen. wie viele Male er rief. und sie flog durch die Luft. Frau Pastor Niemeyer war immer eine sehr unangenehme Frau gewesen und schlug jetzt vollends hohe Töne an. Mitunter ist es recht viel und mitunter ist es recht wenig. »Effi.« »Nein. riß sie mit der andern ein kleines Seidentuch von Brust und Hals und schwenkte es wie in Glück und Übermut. Anfang April. es wäre so.und Niederschnellen ihres Körpers in Bewegung. Ich wollte. trotzdem sie. der ihr zusah. da wurden auch die Spaziergänge wieder aufgenommen. Als dann aber. das gefällt mir. Sie hatte sich an Niemeyers Arm gehängt und sagte: »Ja. du bist doch noch immer. solange sich im Parke promenieren ließ. mit einer Behendigkeit wie in ihren jüngsten Mädchentagen. Freund.« »Das ist recht. Ein paar Sekunden noch. Ich mag ihn nicht befragen. huckte sie schon zwischen den zwei Stricken nieder und setzte das Schaukelbrett durch ein geschicktes Auf. mit dem Eintreten des Winters aber kam eine mehrmonatliche Unterbrechung. Von fern her hörte man den Kuckuck. sehr zu Effis Leidwesen. wie schön es . da ruft der Kuckuck. von seinem halben Schreck erholen konnte. Sagen Sie. selber nicht ganz einwandsfrei war. und Effi zählte.« Und als sie das so sagte. und ich hab es nur noch einmal versuchen wollen. Aber es liegt ganz zurück. Ach. Im Herbst. Was ich vom Leben halte? Viel und wenig. Das ging so den ganzen Winter durch. liebe Effi. hatte sie denn auch die Hülle und Fülle davon. Einmal gingen sie auch wieder so. die Sträucher einen grünen Rand zeigten und die Parkwege rasch abtrockneten. Sie sprang hinauf. Freund. mit solchen Doktorfragen darfst du mir nicht kommen. und bloß mit einer Hand sich haltend. mehr brauch ich nicht zu wissen.

Freund. mir war. als flög ich in den Himmel. Effi.« . du wirst. bitte.. Bitte.« Niemeyer nahm ihren Kopf in seine zwei alten Hände und gab ihr einen Kuß auf die Stirn und sagte: »Ja.. und wie mir die Luft wohltat. Ob ich wohl hineinkomme? Sagen Sie mir's. Sie müssen es wissen.war.

Lethe. wie er der Sache beikommen solle. so daß sie sich während der kalten Tage im Mai heftig erkältete: sie wurde fiebrig. Reine Luft und freundliche Eindrücke. Wiesike war auch einverstanden damit. nach denen Effi verlangte. die das Alte vergessen machen . Aber Effi . sagte der alte Briest. wenn sie mich mit einem Male so fragend ansieht.« »Lethe. bloß das Wort hinterlassen haben und nicht zugleich auch die Quelle selbst. weil sie das Luftbedürfnis hatte. aber was sein muß. konnten ihr des Fiebers halber nicht gegeben werde. Mentone ist ja wohl Riviera? Die Kornpreise sind zwar in diesem Augenblicke wieder schlecht. gab ihr aber in diesem Stücke doch zuviel Freiheit. Daß sie so fiebert. Nun. das wär ein Geschäft.« »Oder wenigstens das Rezept dazu. »Das will ich nicht sagen. Wässer werden ja jetzt nachgemacht. hustete viel. Lethe«. muß sein. seinem Vorschlage zu Hülfe kam.« »Ja. gefällt mir nicht. zu tun.Fünfunddreißigstes Kapitel Effi war den ganzen Tag draußen im Park. denn die Schlaf. der alte Friesacker Dr. »Schade. Wiesike.. deren in letzter Zeit – wohl unter dem Eindruck zurückgezogenen Lebens – stark erwachte Lust. der sonst jeden dritten Tag herüberkam. lächelte Wiesike. wenn wir hier so ein Sanatorium anlegen könnten: Friesack als Vergessenheitsquelle. Ich werde mit meiner Frau darüber sprechen. und die roten Flecke und der Glanz in den Augen. Alle Wetter. Herr von Briest. und der Doktor. »was wird aus der Geschichte? Sie kennen sie ja von klein auf. »Doktor«. Aber wir werden es schon wieder runterkriegen.. die Griechen. auch mal den Süden zu sehen.und Hustenmittel. kam jetzt täglich und war in Verlegenheit. dann muß sie nach der Schweiz oder nach Mentone. sie nimmt sichtlich ab. vorläufig wollen wir's mit der Riviera versuchen. Was meinen Sie? Was wird? Muß sie sterben?« Wiesike wiegte den Kopf langsam hin und her. haben sie geholt. Mir gefällt das alles nicht. daß uns die alten Schweden. was sie wolle.« Das tat er denn auch und fand sofort seiner Frau Zustimmung.

« Das machte doch einen Eindruck auf Effi. denn das sind keine Launen. Und ich bin egoistisch genug. ich würde das Opfer auch annehmen. Der Heliotrop unten auf dem Rondell. und mit dem Kellner hört es auf. da läßt sich das Unangenehme nicht so beiseite tun. auf einen Hürdenzaun und sah. soviel er sich von Italien versprochen hatte. nein. Und was Frau Effi da gesagt hat von Schaffner und Kellner. Wenn ich mir die süffisanten Gesichter bloß vorstelle. und Wiesike. auf die Ranunkeln und roten Ampferstauden die sich im Winde bewegten. so wird mir schon ganz heiß. Nein. aber es schleicht auch soviel fremdes Gesindel umher. die an Gefahr nie gedacht hatte. sagte: »Das müssen wir respektieren. den Hotelärger (wenn man sich überhaupt darüber ärgert) zu balancieren. wenn es nicht das Beste ist. Ich mag nicht mehr weg von HohenCremmen.selbst wollte nichts davon wissen. An solchen Tagen ging sie wohl auch auf die Felder hinaus und ins Luch. hier ist meine Stelle. Ihr verwöhnt mich und räumt mir alles aus dem Wege. »Du gehst immer so allein«. in Träume verloren. solche Kranken haben ein sehr feines Gefühl und wissen. Also lassen wir sie hier. Dabei war aber ihr Luftbedürfnis in einem beständigen Wachsen. die soviel Heilkraft hätte.« »Nein. und es gibt keine Luft.« »Das redest du dir ein. so ist es gewiß nicht das Schlechteste. mit merkwürdiger Sicherheit. Effi. und als sie mit Roswitha allein war. Aber auf einer Reise. um die Sonnenuhr herum. da geht das nicht. oft eine halbe Meile weit. Ich bin so reizbar geworden. »Wie gut ihr gegen mich seid. nahm um ein geringes wieder zu (der alte Briest gehörte zu den Wiegefanatikern) und verlor ein gut Teil ihrer Reizbarkeit. sagte Frau von Briest. sagte sie: .« Nach diesem Gespräch ließ man den Plan wieder fallen. Nicht hier bei euch. und setzte sich. »Unter unseren Leuten bist du sicher. das ist doch auch eigentlich ganz richtig. verbrachte sie viele Stunden im Freien. wenn ich mir etwas davon verspräche. und zumal wenn Westwind ging und graues Gewölk am Himmel zog. was ihnen hilft und was nicht. laßt mich hier. ist mir lieber als Mentone.« Das bestätigte sich denn auch. alles ärgert mich. daß es mir bloß schaden würde. Mir steht es aber fest. mit dem Schaffner fängt es an. wenn sie müde geworden. Effi erholte sich.

und gratuliere Ihnen aufrichtig dazu. fast mehr als über die Ernennung selbst. du bist zu dick und nicht mehr fest auf den Füßen. »so was wie Rollo haben sie hier gar nicht. zwei Treppen hoch. neben der »Kreuzzeitung« und der »Norddeutschen Allgemeinen«. daß der eine vom Minister war. wenn der Jäger oder der Gärtner die Flinte vom Riegel nimmt. Nun war es eine Viertelstunde nach acht. lachte Effi. und weil er fühlen mochte. vier Tage nach diesem Gespräche zwischen Effi und Roswitha. Ich muß jetzt oft an Rollo denken. die schon seit geraumer Zeit der Erledigung harrte. Aber die Wohnungsangabe war wieder merkwürdig genau: W. so schlimm ist es doch noch nicht. Hohen-Cremmen ist sehr gut. um sich an eine Arbeit zu machen.« Es war drei. so war er . Ich könnte ja doch noch heiraten. Die Morgensonne.« Innstetten war erfreut über die liebenswürdigen Zeilen des Ministers. Roswitha. Jagdhunde sind so dumm. Er überflog die Adressen und erkannte an der Handschrift.« »Natürlich«. Johanna brachte das Frühstückstablett. daß Innstetten um eine Stunde früher in sein Arbeitszimmer trat als gewöhnlich. Dem entsprachen auch die Schriftzüge von sehr primitivem Charakter. gnäd'ge Frau. »Das kann man immer noch. und das »Sr. daß Seine Majestät Ihre Ernennung zu unterzeichnen geruht haben. Innstetten war Beamter genug. und er klingelte. Papas Jagdhund hat gar kein Attachement für mich. »Mein lieber Innstetten! Ich freue mich.« »Ja«. der mich begleitete.»Dich kann ich nicht gut mitnehmen. Aber damit will ich nichts gegen ›hier‹ gesagt haben. und er rührt sich immer erst.« »Nu. sagte Roswitha. Aber der andere? Der Poststempel war nicht deutlich zu lesen. Roswitha. hatte ihn geweckt. um den Brief von »Exzellenz« zuerst zu erbrechen. die sehr hell schien. Ihnen mitteilen zu können. Wohlgeboren Herrn Baron von Innstetten« bezeugte eine glückliche Unvertrautheit mit den landesüblichen Titulaturen. daß er nicht wieder einschlafen würde. auch noch zwei Briefe lagen. Denn was das Höherhinaufklimmen auf der Leiter anging. Keithstraße 1 c. auf dem.. war er aufgestanden. Aber weißt du. wenn ich einen Hund hätte.

und so gewiß ihm an Ehren und Gunstbezeugungen von oberster Stelle her lag. wenn's überhaupt existiere. gedenken müssen.« »Ihnen glaub ich's. die anderen werden sich ärgern. was war es am Ende? Mehr als einmal hatte er. als er nach langem Warten den Roten Adlerorden empfing. Sie werden doch in diesem Augenblicke nicht kritteln wollen.. Johanna trat ein und meldete: »Geheimrat Wüllersdorf. und das. daß es ein Glück gebe. war Innstetten auch heute wieder. also darin. es käme bei dem glänzenden Schein der Dinge nicht viel heraus. bis du schwarz wirst.« . Innstetten empfand das tief. Er maß seitdem mit anderem Maße. liegt in zweierlei: darin. aber um viele Tage zu spät und sicherlich ohne rechte Befriedigung für den Empfänger. wenigstens gelegen hatte. Innstetten. so gewiß stand ihm jetzt fest. daß man ausgeschlafen hat und daß einen die neuen Stiefel nicht drücken. ist an Zeit und Umstände gebunden.seit dem Morgen in Kessin. so läßt sich von einem glücklichen Tage sprechen. »Das Glück. sah alles anders an. Er nahm nun den zweiten Brief.« In einer Stimmung. aber daß er es nicht mehr habe und nicht mehr haben könne.« Wahrscheinlich war er dann hinterher auch »schwarz« geworden. Wenn einem die 720 Minuten eines zwölfstündigen Tages ohne besonderen Ärger vergehen.« Dieser stand schon auf der Türschwelle. wo Crampas mit einem Blick. Alles. den er immer vor Augen hatte. wo man hingehört (aber welcher Beamte kann das von sich sagen). was uns Freude machen soll. ist morgen wertlos. etwas kritisch gegen derlei Dinge geworden. einer halbvergessenen Ministerialanekdote. daß er es gehabt. Abschied von ihm genommen. Auszeichnung. und zum zweiten und besten in einem behaglichen Abwickeln des ganz Alltäglichen. aus den Zeiten des älteren Ladenberg her. Als er ihn gelesen. Im übrigen. die derlei schmerzlichen Betrachtungen nachhing. der.« »Im übrigen. sei was anderes als dieser Schein. daß man ganz da steht. und was uns heute noch beglückt. wenn mir recht ist. »Gratuliere.. ihn wütend und mit dem Ausrufe beiseite warf: »Da liege. was man »das Glück« nenne. fuhr er über seine Stirn und empfand schmerzlich. während der ihm immer freudloser dahinfließenden Tage.

fast noch mehr. »die ist uns über. Anniechen hat uns schon voriges Jahr gesagt: Rollo wäre jetzt so faul. Wenn ich es einem anderen als Ihnen sagte. und weiter will ich nichts sagen und den gnäd'gen Herrn bloß noch bitten. Sie sagt immer.« »Aber ich habe mich zu freuen verlernt. diese Zeilen habe ich eben bekommen. ob an die Menschheit oder an mich – ich finde das alles so trist und elend. je besser. und es wäre zum Totschießen. daß ich Ihnen schreibe.« das Papier wieder . je fauler. Von Ihrer treu ergebensten Dienerin Roswitha Gellenhagen« »Ja«. »Gnäd'ger Herr! Sie werden sich wohl am Ende wundern. so wird mir angst und bange. er kann hier so faul sein. aber es ist wegen Rollo. Sie finden sich darin zurecht. wenn es nicht so lächerlich wäre. daß sich die Tiere nicht so drum kümmern. dem ich das alles verdanke.. Sehen Sie sich hier um. Und auch die Johanna. mein Anniechen zu grüßen. ja. ich weiß nicht.»Nein. weil ich da so allein bin. Sie aber. aber das tut hier nichts. amüsierte sich über das »Wohlgeboren« und trat dann ans Fenster. die wie mit einem Spezialanspruch auftritt. Dieses Sich-in-Szene-Setzen« (und Innstetten ahmte Johannas Haltung nach). wenn sie ins Luch oder über Feld geht: ›Ich fürchte mich eigentlich. Roswitha. in dieser Stimmung wollen Sie Ministerialdirektor werden?« »Ah.« »Lieber Innstetten. Wenn die Johanna eintritt.. aber wer soll mich begleiten? Rollo. bah. so würde solche Rede für redensartlich gelten. das ginge. Die Gnade Seiner Majestät beschämt mich und die wohlwollende Gesinnung des Ministers. Das ist der Vorteil. um bequemer lesen zu können.« Wüllersdorf nahm den zweiten Brief mit dem unleserlichen Poststempel. ein sogenanntes Juwel. »diese halb komische Büstenplastik. wie leer und öde ist das alles.‹ Das sind die Worte der gnäd'gen Frau. der ist mir auch nicht gram. als er zusammenfaltete. Und die gnäd'ge Frau möchte es doch so gern. wie er will. sagte Wüllersdorf.« »Aber. Kann es anders sein? Lesen Sie.

Also bloßen Vorstellungen zuliebe.! Und da klappt denn . Mein Leben ist verpfuscht. Aber das alles kann ich nicht mehr. als ein Bestes herausgeklügelt: weg von hier. das würde gehen. als ein höherer Sittendirektor verwenden können. Es hat ja dergleichen gegeben. Mir ist eben alles verschlossen.. Es geht mir schon lange durch den Kopf. die von Kultur und Ehre nichts wissen.Nun sehen Sie. dieser ganze Krimskrams ist doch an allem schuld.. dann muß man wenigstens vor seinen zu bekehrenden Confratres den wahnsinnigen Büßer spielen und eine Riesenzerknirschung zum besten geben können. daß dies alles nichts ist.« Wüllersdorf nickte. weil das alles nicht geht. erst recht nicht.... je mehr fühle ich.« »Sie treffen's.. weg und hin unter lauter pechschwarze Kerle. was ja wohl mein Eigentlichstes ist. der alle Verbrecher mit seinem Blick und seiner Frömmigkeit bändigte.. Es quält mich seit Jahr und Tag schon. ich müßte mit all den Strebungen und Eitelkeiten überhaupt nichts mehr zu tun haben und mein Schulmeistertum. solche schrecklich berühmte Figur werden. Ich müßte also. Den Mann im Büßerhemd bring ich nicht mehr heraus und den Derwisch oder Fakir. was am Ende gehen möchte. Sie nicken. daß Ihnen alles andere so fraglich erscheint. Vorstellungen. Aus Passion. tut man dergleichen nicht.« »Und das ist auch der Grund. dieser Mirakelmensch. ». und diese schlichten Worte mit ihrer gewollten oder vielleicht auch nicht gewollten Anklage haben mich wieder vollends aus dem Häuschen gebracht. und ich möchte aus dieser ganzen Geschichte heraus. Auch das nicht mal.« »Hm. Diese Glücklichen! Denn gerade das. wenn's ginge. nichts gefällt mir mehr. Wie soll ich einen Totschläger an seiner Seele packen? Dazu muß man selber intakt sein. und so hab ich mir im stillen ausgedacht. wie beispielsweise der Doktor Wichern im Rauhen Hause zu Hamburg gewesen ist. Und wenn man's nicht mehr ist und selber so was an den Fingerspitzen hat. der unter Selbstanklagen sich zu Tode tanzt. Und da hab ich mir denn. je mehr man mich auszeichnet. es geht auch nicht.« »Nein.»Finde ich auch. dagegen ist nichts zu sagen.

Vorher aber im kleinen und kleinsten soviel herausschlagen wie möglich und ein Auge dafür haben. mit sechs Löchern oben. und wenn Sie dann nicht beruhigt sind. und einer. sehr viele. Und wenn Sie da stehen. In der Bresche stehen und aushalten. am Kongo entlangtasten. es geht überhaupt nicht ohne »Hülfskonstruktionen«!‹ Der das sagte. Wüllersdorf. sagte mir mal: ›Glauben Sie mir. dann haben wir Siechen. Wer ist denn unbedrückt? Wer sagte nicht jeden Tag: ›eigentlich eine sehr fragwürdige Geschichte‹. Nicht zu verachten. aber für unserein ist es nichts. Es .. und wenn es damit aus ist.« »Gut.. Quer durch Afrika. nicht gerade das Ihrige. der Schulden hat. Einfälle. die zu der ganzen Sache nicht anders stehen wie wir. bis man fällt. Aber das Jahr ist lang. ihm ein Grabhaus zu bauen. Sie wissen. dann überlegen Sie sich das Leben von dem. bis Sie bei Kamerun oder da herum wieder herauskommen? Unmöglich!« »Unmöglich? Warum? Und wenn unmöglich. Es ist Torheit mit dem Im-Urwald-Umherkriechen oder in einem Termitenhügel nächtigen. Innstetten. gut. was soll das heißen? Das ist für 'nen Leutnant. Und er hatte recht mit seinem Satz. wo Kaiser Friedrich liegt und wo sie jetzt eben anfangen. Da haben wir ›Sardanapal‹ oder ›Coppelia‹ mit der dell'Era.« »Mit dem ist immer noch am ehesten fertig zu werden. dem auch viel verquer gegangen war. wenn die Veilchen blühen oder das Luisendenkmal in Blumen steht oder die kleinen Mädchen mit hohen Schnürstiefeln über die Korde springen. was dann?« »Einfach hierbleiben und Resignation üben. und jeder einzelne Tag. Oder auch wohl nach Potsdam fahren und in die Friedenskirche gehen. aber nicht viel leichter. das sind Launen. Aber ein Mann wie Sie! Wollen Sie mit einem roten Fez einem Palaver präsidieren oder mit einem Schwiegersohn von König Mtesa Blutfreundschaft schließen? Oder wollen Sie sich in einem Tropenhelm. und man klappt selber nach.« »Ach was. Bloß noch schlimmer. war ein Baumeister und mußt es also wissen. dann ist Ihnen freilich nicht zu helfen. und dann der Abend. ich habe auch mein Päckchen zu tragen.einer zusammen. das ist das beste. der mag es. wer's mag. Drei Seidel beruhigen jedesmal. Es gibt immer noch viele.

Innstetten aber.« »Und das freut Sie? Das genügt Ihnen?« »Das will ich nicht gerade sagen. der mich nicht an die ›Hülfskonstruktionen‹ gemahnte.vergeht kein Tag. krittelt man nicht lange dran herum und hört dankbar zu. aber wenn es nur witzig ist. . Und dann ein kleines Vorsprechen bei Huth. der andere vom Fürstbischof Kopp und der dritte wohl gar von Bismarck.« »Ich schenk es mir heute ganz. Der eine erzählt dann vom Herzog von Ratibor. »Und wohin gehen Sie nun. nickte halb zustimmend und lächelte vor sich hin. deren Namen ich klüglich verschweige. Frühschoppler. Wüllersdorf? Es ist noch zu früh für das Ministerium. Dreiviertel stimmt nicht. die kleine Holztreppe vorsichtig hinauf. Potsdamer Straße.« Und damit ging er.« Wüllersdorf. Ich finde da verschiedene Stammgäste. Aber es hilft ein bißchen. Ein bißchen fällt immer ab. Unten ist ein Blumenladen. Erst noch eine Stunde Spaziergang am Kanal hin bis an die Charlottenburger Schleuse und dann wieder zurück. als er sich so expektoriert. der sich bei diesen Worten seines Freundes seiner eigenen voraufgegangenen Betrachtungen über das »kleine Glück« erinnert haben mochte. nahm Hut und Stock.

neben der Sonnenuhr. seiner Frau gegenüber. jagte er die Dorfstraße hinauf und wieder herunter und beruhigte sich erst. vermied die kleinen Waldpartien und hielt meist die große. und nur wenn sich Effi vom Frühstückstisch erhob und auf den Flur zuschritt und hier erst den Strohhut und dann den Sonnenschirm vom Ständer nahm. zunächst von uralten Rüstern und dann. Er wich seiner Herrin nicht von der Seite. und ohne sich darum zu kümmern. das Rollos Eintreffen in ihr geweckt hatte. das treue Tier wieder um sich zu haben. Nachts lag er vor Effis Tür auf der Binsenmatte. glücklich überwunden war. die nun einfach wieder behoben sei.Sechsunddreißigstes Kapitel Der Mai war schön. der freie Luft noch mehr galt als landschaftliche Schönheit. wo die Chaussee begann. aber doch als ein Wesen auf niederer Stufe. Eigentlich war es doch ein Musterpaar. von Pappeln besetzte große Straße. Mit seinen Zärtlichkeiten blieb er sparsam. »Schade. morgens. der bei dem Wiedersehen ruhig blieb. aber in seiner Treue war er womöglich noch gewachsen. Roswitha wurde belobt. wie er beim Wiedersehen sparsam mit seinen Freudenbezeugungen gewesen war. und Effi. kam ihm seine Jugend wieder. immer schläfrig. Effi. wirkte wohl auch mit dabei. weil er entweder kein Organ für Zeitmaß hatte oder die Trennung als eine Unordnung ansah. daran das . der Juni noch schöner. wohl eine Stunde Wegs. daß die dumme Geschichte dazwischenfahren mußte. der von den Raps. ob seine Kraft auf eine große oder kleine Probe gestellt werden würde. die nach der Bahnhofsstation führte. nicht kleinlich. war voll Freude. wenn sie zwischen den ersten Feldern waren. Daß er alt geworden. atmete beglückt den Duft ein. der ein Kavalier sei. war Rollo selbst.« Der einzige. Den Jagdhund behandelte er wohlwollend. in Worten der Anerkennung für Innstetten.und Kleefeldern herüberkam. immer ruhig. An allem freute sie sich. und immer das Herz auf dem rechten Fleck gehabt habe. und der alte Briest erging sich. nachdem ein erstes schmerzliches Gefühl. wenn das Frühstück im Freien genommen wurde. oder folgte dem Aufsteigen der Lerchen und zählte die Ziehbrunnen und Tröge.

Denn sie hatte die schönsten Zähne. Effi. dann ärgert man sich nicht mehr. liebe Mama. Und eigentlich hab ich doch auch euer Leben geändert und euch vor der Zeit zu alten Leuten gemacht. Jetzt weiß ich. aber wenn du wieder festere Nerven hast. weil du krank warst. an ihrem Frühstück teilnehmend. Das war ihr täglicher Rasteplatz. hart an der Chaussee. und mitunter sah sie zwei Rauchfahnen. Dabei klang ein leises Läuten zu ihr herüber. vor einem Jahre hätte ich's nicht gedacht« – das sagte Effi jeden Tag. das Glück findet sich dann. können wir noch reisen. Und dann war ihr zu Sinn. Als es kam. da warst du krank und reizbar und hattest. die sich einen Augenblick wie deckten und dann nach links und rechts hin wieder auseinandergingen. was du von den Schaffnern und Kellnern sagtest. wir werden schon etwas finden für dich. aber ein neues.« »Ihr seid so gut. wohl um sich dankbar zu bezeigen. Züge kamen und gingen. lag eine Chausseewalze. von dem aus sie das Treiben auf dem Bahndamm verfolgen konnte. wenn sie mit der Mama um den Teich schritt oder einen Frühapfel vom Zweig brach und tapfer einbiß. Und ich möchte es wohl kennenlernen. aber ich denke es mir so. Als Wiesike Mentone vorschlug. als müsse sie die Augen schließen und in einem süßen Vergessen hinübergehen. nicht das alte. Und du sollst sehen. fuhr er. wenn ein paar beim Brüten gestörte Rebhühner dicht neben ihm aus einer Nachbarfurche aufflogen. ganz recht mit dem. meine liebe Effi. und wenn er den letzten Bissen aufgefangen hatte. Und wenn du so fortfährst. irgendeine Ackerfurche wie ein Rasender hinauf und hielt nur inne.« »Ach. »Wie schön dieser Sommer! Daß ich noch so glücklich sein könnte.Vieh zur Tränke ging. In Nähe der Station. bis sie hinter Dorf und Wäldchen verschwanden. dann geht es. Rollo saß dann neben ihr. Und dann das blaue Meer und weiße Segel und die Felsen ganz mit rotem Kaktus überwachsen – ich habe es noch nicht gesehen. dann lacht man über die großen Allüren und das gekräuselte Haar. da dacht ich ebenso. Es gibt Gott sei Dank viele Arten von Glück. ganz gesund.« . daß unsere Stille besser ist als der Lärm und das laute Getriebe von vordem. Frau von Briest streichelte ihr dann die Hand und sagte: »Werde nur erst wieder gesund. davon sprich nicht.

liebe Effi?« . sie spricht immer so still vor sich hin. Roswitha nimmt alles so ängstlich. und mitunter ist es.So verging der Sommer. machen Sie sich auf ein baldiges Ende gefaßt. und wenige Tage danach. ich habe nur die Sehnsucht. nahm Effis Hand und sagte: »Wie geht es dir.« »Es ist gut. Effi? Roswitha sagt. aber ob wir doch vielleicht von da oben stammen und. als ob sie bete. sie möchte es. und das Ende war. Nun. »ich werde kommen. Aber sie denkt. die vom Teich her aufstiegen. mir ist. in unsere himmlische Heimat zurückkehren.« Arme Effi. Das Fenster stand auf.« »Bist du so ruhig über Sterben. daß die Nachtluft und die Nebel.« Und ehe die Uhr noch einsetzte.« Er hatte nur zu wahr gesprochen. Aber es wäre doch wohl gut. ich weiß nicht. Sie wissen ja. und als Wiesike gerufen wurde und sie gesehen hatte.« »Ach. zu den Sternen oben oder noch drüber hinaus! Ich weiß es nicht. wenn es hier vorbei ist. mit der gnädigen Frau oben ist es schlimm. es soll es jeder so ängstlich nehmen wie sie selbst. sie will Sie nicht stören und ängstlich machen. sie glaubt. du seiest so fiebrig. Effi hatte während dieser Nächte bis über Mitternacht hinaus am Fenster gesessen und sich nicht müde sehen können. sie wieder aufs Krankenbett warfen. Roswitha«. stieg Frau von Briest die Treppe hinauf und trat bei Effi ein. ich sterbe. du hattest zu den Himmelswundern zu lange hinaufgesehen und darüber nachgedacht. Aber ich glaube. die neben dem Fenster stand. nahm er Briest beiseite und sagte: »Wird nichts mehr. und ich weiß nicht. als ob es jede Stunde vorbei sein könnte. »Ich war immer eine schwache Christin. es war noch nicht spät und die zehnte Stunde noch nicht heran. Ich sah ihr an. sie will es aber nicht wahrhaben. da kam Roswitha nach unten und sagte zu Frau von Briest: »Gnädigste Frau. Frau von Briest schob einen kleinen schwarzen Stuhl mit drei goldenen Stäbchen in der Ebenholzlehne heran. ich will es auch nicht wissen. sagte Frau von Briest. wie sie ist.« »Will sie mich sprechen?« »Sie hat es nicht gesagt. und die Sternschnuppennächte lagen schon zurück. und sie lag auf einer Chaiselongue.

liebe Mama. da hab ich doch. ich sei noch so jung.« Effi nickte. er sei schuld.»Ganz ruhig. Dann sagte sie: »Du weißt. »Aber ich glaube«. es war noch allerlei. das macht still.« Effi schwieg eine Weile. aber eigentlich haben Sie nichts versäumt.« »Warst du denn in deiner Seele in so großer Bitterkeit mit ihm? Eigentlich. und es war ihm nicht recht.« »Nein. weil du davon sprachst. Effi. verzeihe mir. den Spieß umgekehrt und habe mich ganz ernsthaft in den Gedanken hineingelebt. er hatte sehr gute Bücher. Mama. Aber das schadet nichts. auch versöhnt mit ihm. nein. »du wolltest mir was erzählen« »Ja. ich habe nicht viel gelesen. daß sie Innstettens Namen nannte. Aber als dann all das Schreckliche kam. eigentlich hast du doch euer Leid heraufbeschworen. »Ja. nahm Frau von Briest das Wort. weil er nüchtern und berechnend gewesen sei und zuletzt auch noch . etwas von der Seele heruntersprechen. meine liebe Effi. daß es so ist.« »Du regst dich auf. wie's denn nachher gewesen sei. und zuletzt das mit Annie.« Frau von Briest schwieg. und in einem hieß es: es sei wer von einer fröhlichen Tafel abgerufen worden. Mama. muß ich dir doch noch etwas sagen. wenn man von der Tafel etwas früher abgerufen wird. und am anderen Tage habe der Abgerufene gefragt. das regt mich nicht auf. was einen großen Eindruck auf die Mama machte und dieser klar zeigte.« »Täuschst du dich darin nicht? Alles hängt am Leben und die Jugend erst recht. daß ich das jetzt noch sage. und Innstetten wunderte sich oft darüber.‹ Sieh. Und du bist noch so jung. Da habe man ihm geantwortet: ›Ach. diese Worte haben sich mir eingeprägt – es hat nicht viel zu bedeuten. Und da wollt ich dir denn sagen: ich sterbe mit Gott und Menschen versöhnt. daß es zu Ende sei. da las mir Innstetten abends vor. das wollte ich.« Es war das erste Mal. du weißt schon. Es war noch in glücklichen Tagen. wenn ich das lächerliche Wort gebrauchen darf. liebe Effi. Effi aber schob sich etwas höher hinauf und sagte dann: »Und da ich nun mal von alten Zeiten und auch von Innstetten gesprochen habe. Und traurig. Mama. Freilich bin ich noch jung.

je deutlicher hörte sie wieder. Auf dem Rondell hatte sich eine kleine Veränderung vollzogen. kaum daß sie fort war. wie mir hier in meinen Krankheitstagen. vielleicht versöhnen. erhob sich auch Effi und setzte sich an das offene Fenster. lagen die Blätter überallhin ausgestreut. den man . und im Parke regte sich kein Blatt. die drei Sturmtage gebracht hatten. Sie erhob sich leise von ihrem Platz und ging. Die Sterne flimmerten. um noch einmal die kühle Nachtluft einzusaugen. so hart es mir ankommt und so weh es mir tut.« »Und das bedrückt dich jetzt?« »Ja. Das war Effis letzte Bitte gewesen: »Ich möchte auf meinem Stein meinen alten Namen wiederhaben. Das Wetter war schön. Und da sind Verwünschungen gegen ihn über meine Lippen gekommen. Ja. wie mir hier klargeworden. lag seit gestern eine weiße Marmorplatte.« Es war einen Monat später. die Sonnenuhr war fort. Denn er hatte viel Gutes in seiner Natur und war so edel. was sollt er am Ende anders tun? Und dann. daß er erfährt. Aber je länger sie hinaushorchte. wie jemand sein kann. und an der Stelle. »Ruhe.« Und es war ihr versprochen worden. Und es liegt mir daran. daß es wie ein feines Rieseln auf die Platanen niederfiel. Ein Gefühl der Befreiung überkam sie. er hat auch darin recht gehabt. darauf stand nichts als »Effi Briest« und darunter ein Kreuz. Es wird ihn trösten. Indessen. daß ich in dieser Überzeugung gestorben bin. ich habe dem andern keine Ehre gemacht. die doch fast meine schönsten gewesen sind. womit er mich am tiefsten verletzte. und angesichts der Stelle saßen nun wieder Briest und Frau und sahen darauf hin und auf den Heliotrop. gestern war die Marmorplatte gekommen und aufgelegt worden. und der September ging auf die Neige. und seit den Äquinoktien. daß Effi erschöpft war und zu schlafen schien oder schlafen wollte. In der Geschichte mit dem armen Crampas – ja. Ruhe. daß er in allem recht gehandelt. wo sie gestanden hatte. Laß ihn das wissen. aufrichten. aber das Laub im Parke zeigte schon viel Rot und Gelb. daß er mein eigen Kind in einer Art Abwehr gegen mich erzogen hat.grausam. der ohne rechte Liebe ist.« Frau von Briest sah.

»Sieh. Du hast deinen guten Verstand. und Briest sagte ruhig »Ach. Luise. Rollo lag daneben. die Kreatur.« .. brachte das Frühstück und die Post. wie wir glauben. Luise. Denn Niemeyer ist doch eigentlich eine Null. Und dann. seit das arme Kind da liegt. Wilke. Deine beständigen Zweideutigkeiten. ob sie nicht doch vielleicht zu jung war?« Rollo. was ich immer sage. laß. aber du kannst doch nicht an solche Fragen. Rollo liegt wieder vor dem Stein.. Am Ende ist es doch das Beste.geschont und der den Stein jetzt einrahmte. Briest.. Ich will mit der Frau über Land fahren. das ist ein zu weites Feld. Das ist ja.. weil er alles in Zweifel läßt.« »Ja. dazu reicht es bei dir nicht aus. Gerade wir. Er frißt auch nicht mehr. schüttelte den Kopf langsam hin und her. und der alte Briest sagte: »Wilke. den Kopf in die Pfoten gesteckt.« »Und wenn denn schon überhaupt Fragen gestellt werden sollen.. Es ist nicht soviel mit uns. bestelle den kleinen Wagen. nimm es mir nicht übel.. Luise. und zuletzt.. wo mir solche Fragen nicht gekommen wären.« »Eigentlich nicht. und ich kann dir sagen. da gibt es ganz andere. womit ich mich selbst anklage. Wie meinst du das?« »Ob wir sie nicht anders in Zucht hätten nehmen müssen.« »Welche Fragen?« »Ob wir nicht doch vielleicht schuld sind?« »Unsinn. Wenn du so philosophierst..« »Sprich nicht so.. Es ist ihm doch noch tiefer gegangen als uns.. Da reden wir immer von Instinkt..« Frau von Briest hatte mittlerweile den Kaffee eingeschenkt und sah nach dem Rondell und seinem Blumenbeete. dessen Gamaschen immer weiter wurden.. es vergeht kein Tag. Briest. denn ich will nicht schuldlos ausgehen in dieser Sache. Briest. Briest. so Leid es mir tut. der bei diesen Worten aufwachte.

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