DIE VERLORENEN KINDER DER MAYA

Mayanische Legende
ERZÄHLT VON PIA DE PINEDA © 2011 Copyright by Pia De Pineda Alle Rechte vorbehalten

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die Pflanzen und die gewundenen Wege des Parks. Im Schlafanzug schlichen wir uns aus dem Gebäude und gingen auf dem riesigem Gelände gemütlich umher. Leider war sie mit den Jahren erblindet. bis mich meine Mutter fand. um die Richtung angezeigt zu bekommen. die immer nur mündlich weiter gegeben wurde – und nur von Großeltern an Kinder. da es mir langsam langweilig wurde. Ich war dann auch froh. Sie war klein. daß die mich endlich fanden. Dann begann sie.In liebender Erinnerung an meine Oma Wir befanden uns gerade mit der gesamten Familie im Urlaub. drahtig und hatte immer einen glatten Zopf nach hinten. Ich überlegte kurz. daß meine Oma mir irgendwas zeigen wollte und meine kindliche Neugier ließ die Kühle des Morgens vergessen. die Info. nahe des Landes der einstigen Maya. vier Nachbarn und den Pförtner. um die Heimat und Verwandten meiner Mutter zu besuchen. die ich als kleines Kind mit meiner geliebten Großmutter haben durfte.Tour gemacht hatte. „Wo gehen wir hin?“ fragte ich sie. „Irgendwo hin. Was konnte ich dafür. als wäre es das Normalste der Welt gewesen. so viele Stunden ausharren zu müssen. mir eine uralte Überlieferung zu erzählen. setzten wir uns auf das saftig grüne Latino-Gras. außer beim längerem Gehen. Ich bin nun 36 und darf die nette Story weiter erzählen 2 . „Laß uns ein wenig spazieren gehen!“ sagte sie. „Soo alt? Da bin ich schon eine Oma!“ rief ich. bis du 36 bist!“ sagte sie. „Das was ich dir heute erzähle. Es sollte eines der letzten Gespräche werden. Wo genau? Och. darfst du niemanden erzählen. Ich merkte aber an jenem Morgen. halb wahnsinnig. jedoch handelte sie ihre Situation.. die Blumen. als ich mich mal wieder unerlaubt auf Entdeckungs . Sie brauchte kaum Hilfe von jemanden. versteckt hinter einer Gruppe Palmen und hohen südländischem Gebüsche. im Schlepptau das Kindermädchen. Ich mochte die Palmen. Noch nicht. Die ordentliche Tracht Prügel danach war für mich eine riesen Sauerei.. ist jetzt nicht wichtig. wenn die nicht gut genug gesucht hatten? Meine Oma und ich fanden wo anders eine schöne Stelle. Eines frühen Morgen weckte sie mich damals. auch meine Großmutter angereist. Meine Großmutter lachte. Da hatte ich doch vor zwei Tagen ein super Plätzchen gefunden gehabt. Dort saß ich dann solange versteckt. als noch alle schliefen. Die Sonne hing noch halb am Horizont unten und es war noch etwas frisch. aus ihrem Heimatdorf. In diesen Tagen kam. wo uns niemand findet die nächste Zeit!“ antwortete sie leise.

Risse gingen im Boden auf und die Menschen schrien vor Angst. da kamen Besucher aus dem Himmel. ‚Das ist Avi. er wird euer Land auf Erden beherrschen und euch vor den schlimmsten Erdbeben bewahren‘ 3 . Sogleich fing die Erde. also nahm der kleine Himmels – Sohn gleich wieder seine Händchen von der Erde und der Boden wurde sofort ruhig und fest. Die Menschen bekamen Angst. zu zittern und die Luft sammelte sich und wurde in der Ferne zu einem gewaltigen Tornado. sie werden eure Welt bändigen. damit ihr euch entwickeln könnt‘ Es trat ein weibliches kleines Wesen hervor und streckte beide Händchen gen Himmel und die Blätter an den Bäumen fingen an. sie wird euren Wind auf Erden beherrschen und euch vor den schlimmsten Stürmen bewahren‘ Ein männliches Kind trat hervor. so senkte das kleine Wesen bald wieder ihre Ärmchen und der Wind hörte sofort auf zu atmen. ‚Das ist Ru. Diese Wesen waren hochgewachsen und sie übertrugen den Menschen ihre Gedanken und hatten acht kleine Wesen dabei – acht von ihren Kindern. an.------------------------------------------------------------------- Der Mensch war noch in seinem Urvolk und das Land noch nicht in die großen Kontinente weg geschwommen. ging in die Knie und berührte mit seinen Händchen den Boden. zu beben und zu wackeln. auf denen die Menschen standen. ‚Nehmt unsere Kinder.

Mädchen. wurde Vai genannt. daß das Wasser beherrschte auf Erden. wie Jungen.Das weibliche Kind. Die Kinder sahen. fast ähnlich aus und die Menschen wurden stolz auf die kleinen machtvollen Wesen. 4 .

5 .

Das Feuer beherrschte ein männliches Kind. Die Himmels – Kinder waren sehr traurig. daß der Mensch nicht mehr ausgerottet werden konnte. Die Himmels-Wesen verabschiedeten sich von den Menschen und von ihren eigenen Kindern. alle acht Kinder in ihre Obhut zu nehmen. dem Menschen nun als Schutz und Hilfe bei seiner Entwicklung beistehen zu dürfen. in dem sie nunmehr lebten. die etwas außerhalb standen. über was die anderen vier Kinder herrschten. Diese Gruppe erfuhr als einzige. denn was. Wasser. was ihr gemeinsam aus der Erde für schöne Dinge hervor gebracht habt. 6 . außer Feuer. Die Himmels . alle ihrer acht Kinder mögen an diesem Tag an einem bestimmten Ort zusammen sein und gemeinsam mit den Menschen auf sie warten. steinerne Platte. in welche Richtung die Gruppierung reisen würde. aber dennoch waren sie voller Freude. Die Menschen sahen sich erstaunt um. waren alle Elemente doch bereits unter herrschenden. und dann dürft ihr uns besuchen kommen‘ Sie übergaben dem ausgewähltem Volk eine runde. die Erde zu formen. Das ausgewählte Volk schwamm mit den acht Kindern auf einer Landplatte davon und nannte sich eines Tages das Volk der Maya. das Mo genannt wurde. das Volk. würde sie glücklich leben lassen und die Erde würde zu einem Eben-Bild ihrer eigenen Heimat werden. ‚Wir kommen wieder zurück und werden uns ansehen. Einen Kalender mit dem Datum ihrer Rückkehr und sie äußerten nur den Wunsch. Luft. kindlichen Mächten? Die Besucher aus dem Himmel riefen eine Gruppe an Menschen herbei. egal.Kinder begannen. Sie bekamen auch den Auftrag. das dem Menschen gefährlich werden konnte? Für was standen die übrigen vier Himmels-Kinder. Erde konnte man auf der Welt finden. Die Kontinente verschoben sich und das Klima wurde so stabil. Zudem waren sie sicher.

wie den Maya. alles. die nicht kamen. die sie irgendwann NIM nannten. damit sie sich besser vor den weissen Feuermenschen verstecken konnten. die über Jahrhunderte das Volk der Maya gesucht hatten. diese Wesen für sich zu haben. damit sie glücklich im Herzen waren und daß es ihnen nie an körperlichem Leiden fehle. um sich zu verbünden. die ein schreckliches Unheil bevorstehen sahen. ohne vorzeitig zu altern und die Ankunft ihrer Eltern noch jung und stark entgegen treten. Das Blut der Geopferten machte die NIMs traurig und sie fingen schließlich oft an. am meisten. es stehe ihnen genauso zu. Die Maya verbündeten sich mit den benachbarten.Die Maya gaben den Himmels-Kindern. Das Königspaar der Maya befürchtete nämlich. zu weinen. Denn selbst als Menschen würden sie eine halbe Ewigkeit leben können. daß diese neidischen Menschen die Kinder für ihre Gier und Zwecke missbrauchen könnten. da sie fanden. Und schon war die Abreise fast bereit. die Kinder zu stehlen. unerkannt mit den NIMs leben konnten. dem das Land gehorchte. während sie weinten und das Land geriet jedes mal außer Rand und Band. kamen an ihr Ufer Menschen mit weisser Haut an. wo sie wieder friedlich. verwandelten sich in sterbliche Menschenkinder um. dorthin. kleineren Stämme und schlugen alle Eifersüchtigen mit Leichtigkeit immer wieder in die Flucht. Also verteidigten die Maya jeden Angriff unerschütterlich und opferten als Mahnwache alle Angreifer. die vorhatten. Zu dieser Zeit weinte Ru. um ihnen die Kinder weg zu nehmen. Der Boden trocknete aus und die Ernte wurde oft verdorrt. 7 . Da beschlossen die Maya aus dem Land zu ziehen. Eines Tages jedoch kam eine kleine Truppe eifersüchtiger Menschen. da die Zeit friedlich verging. Gleichzeitig mit ihrer Trauer entfesselten sich ihre jeweiligen Kräfte. Ohne Kontrolle luden sich die Elementar-Kräfte der NIMs aus. sondern um zu plündern! Die NIMs. Sie bauten den Treffpunkt der Rückkehr mit prunkvollen Landeplätzen aus und waren guter Dinge.

8 .Ihre verwandelten Menschengesichter unterschieden sich natürlich von ihrem ursprünglichem Aussehen.

.. aber die meisten brachen auf. einst eifersüchtigen Stämmen gemeinsam – um die Rettung ihrer NIMs. Die Schiffe verließen das Land.. Die NIMs fielen den Weissen auf und wurden geraubt. Die Indianer verließen so schnell wie möglich ihre Heimat. um die Geschichte zu bewahren und den Treffpunkt der Rückkehr zu pflegen. Damit die Fremden nicht sahen. Die überlebenden INDIANER verbündeten sich und einige blieben im Land. Und seit dem Tag an. Sanft und wohltönend waren ihre Stimmen und ihre Haut glich samtiger Seide. warum der Ort so fluchtartig verlassen geworden sei. fälschlicherweise. die später INDIANER genannt wurden. in denen ihre NIMs nun waren. gingen in den Tod. Die geraubten Engel.Dennoch erglänzte ihre Herkunft durch die menschliche Hülle und ihre Augen strahlten größer und reiner und ihre Bewegungen waren anmutiger. die den Boden mit ihrem Blut tränkten. die See anfing zu beben und der Wind erhob sich zu immer stärker werdenden Stürmen und die Berge Feuer spuckten: Denn die gefangenen NIMs weinten bitterlich um ihre Stief-Eltern. Viele Menschen. Erbittert kämpften die Maya – nun sogar mit den einstigen bekämpften. sie alle wieder zu finden. die in Schiffe gebracht waren. Ihre geliebten. so verehrten acht Himmels – Kinder. die niedergemetzelt am Strand lagen und vom Meer davon getragen wurden. Und mit ihnen die zu Mensch gewordenen Himmels-Kinder. daß der Himmel sich schwärzte. gab es keine Maya mehr und keine INDIANER.. die nun unter den Menschen weilen und warten. später würde man sich wundern. Es waren so viele INDIANER. bis sie abgeholt werden würden. was für einen unermeßlichen Schatz sie raubten. nur noch das Volk der heimatlosen Suchenden in der Hoffnung. um in die Länder zu segeln. 9 . wehrten sich die NIMs nicht.

warum erst mit 36. Die Legende WAR so passiert und es gab diese menschlichen NIMs irgendwo da draußen und ich als entfernter... Ihre Worte sind einleuchtend nach all den Jahren.Während meine Großmutter erzählte. warum ich die Geschichte erst mit soooo vielen Jahren weiter erzählen dürfte. müder Nachfahre der Mayas würde ganz ganz ganz bestimmt MINDESTENS einen davon finden – von den Himmels-Kinder! Wenn nicht sogar alle acht. mit leiser Stimme: „Bis dahin sind wenigstens ein paar Menschen bereit für die Legende!“ 10 . da die Familie langsam aufwachen würde. wie die Geschichte endet. mystische Weise. um meine Gedanken weiter zu erklären. wir erinnern uns. Wo immer man sich befand. kleiner... den NIMs. könnte ja sein. was ich damals beim besten Willen und gedanklichen kindlichen Höchstleistungen nicht verstand.. Zum Schluss möchte ich noch die Antwort meiner Oma wieder geben. Was für ein tolles Volk... Was für eine großartige. stand auf und nahm mich an der Hand. aus dem meine Oma hervor ging.was glaubt ihr.Sollte. Mit dem Alter. wollte ich dann aber noch dringend wissen.Kinder zu beschützen. was es nur gibt. seien wir mal etwas verrückt. Die Aussage. es würde jedem so ergehen wie mir.. Sie lächelte. daß ich was verpasse.. würde die Legende wahr sein. geschieht mit uns Menschen. kullerten bei mir damals viele Tränchen. Als sie mit der Erzählung zu Ende war. Trotzdem schaut man ab und an in den Himmel hoch. noch wieder zu finden? Denn anscheinend geht es ihnen nicht so besonders gut. da unsere Erde immer mehr aus den Fugen gerät.würde. Mal angenommen. wem immer auch die Kinder gehörten. der Kern der Legende hat mich im zarten Kindesalter geprägt und wie oft wünschte ich mir. Aber ich muß nichts Weiteres schreiben. Unter’m Gehen meinte sie lächelnd und auf ihre einzigartige. Sie antwortete etwas. Natürlich erzählte sie die Legende weiter und fertig und ich weiß. da mir die Geschichte sehr zu Herzen ging. Für mich als Kind war alles glasklar. die Legende wäre wahr. geheimnisvolle Großmutter ich haben durfte. wird man skeptisch.. als ich die Geschichte zum ersten Mal hörte. Heute jedoch schmunzel ich darüber.. um wieder in’s Haus zurück zu gehen. . mickriger. die weder fähig waren. als ich fragte. Das man ab da an nach den Kindern sieht. ich bin bereits uralte 36. dafür kann ich mich nicht genug bedanken bei.. Das Wohl eines Kindes sollte eigentlich auf der Erde das Selbstverständlichste sein. die Himmels.

für den wäre es besser. so könnt ihr nicht in unser himmelreich kommen“ „ wer einen von diesen kleinen. zum bösen verführt.------------------------------------------------------------------------ Story und Bilder von Pia De Pineda „wenn ihr nicht umkehrt und so wie kinder werdet. die an mich glauben. wenn er mit einem mühlstein um den hals im tiefen meer versenkt würde“ ( matthäus 18. 1.5 ) 11 .

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