Skript zur

Einführung in die Musiktherapie
Musikpsychologische und klinische Grundlagen des Helfens und Heilens mit Musik
Universität Siegen
Univ.-Prof. Hartmut Kapteina
Musikpädagogik Musiktherapie 57068 Siegen Hölderlinstr.3 Raum H-D 7203 Tel. 0271/740-3212 Email: kapteina@musik.uni-siegen.de

April 2009

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Inhaltsübersicht
1 2 3 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze......................................... 4 Literaturdienst ................................................................................................................................................. 6 Definition der Musiktherapie ......................................................................................................................... 8

3.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie .................................................................................... 11 3.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005............................................ 14 3.3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik........................................ 17
4 Was geschieht, wenn wir Musik hören? ........................................................................................................ 18

4.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs....................................................................... 19 4.2 Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen ...................................................................... 21 4.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere............................................................................ 23 4.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen............... 25 4.5 Biophysik des Musikerlebens.............................................................................................. 28 4.6 Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben ............................................................ 39 4.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben ...................................................................... 46 4.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik.......................................................... 54 4.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens.................................................................... 57 4.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens.................................... 58 4.11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ .................................... 59 4.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens................................................... 63 4.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens........................................................... 67 4.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens...................................... 68 4.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens ........................................................ 75 4.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens ..................................................................... 80 4.17 Politische Aspekte des Musikerlebens...................................................................... 82 4.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik............................. 84
5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen............................................................................................................... 90

5.1 5.2 5.3 5.4
6 7

Hören vor der Geburt .......................................................................................................... 91 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“................................................................................. 97 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten .............................................................. 98 Musiktherapie mit Koma - Patienten .................................................................................. 101

Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst ............................................. 102 Musiktherapie in der Psychiatrie ................................................................................................................... 106

7.1 Musiktherapie bei Schizophrenie........................................................................................ 110 7.2 Musiktherapie bei Depression............................................................................................. 114 2

7.3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen.................................................................. 124 7.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen.................................................... 135
8 9 Musiktherapie und Sozialpädagogik.............................................................................................................. 141 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit......................................................................................... 145

9.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen ................................ 149
10 Neue Musik, Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik ................................................................ 165

10.1
11 12

Ökologie der Gruppenimprovisation ........................................................................ 174

Weitere Themen der Vorlesung...................................................................................................................... 180 Anschriften, bei denen musiktherapeutische Weiterbildung, fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist:................................................................................................................... 184

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das keine andere Psychotherapie leisten kann. Henk Smeijsters: Musiktherapie als Psychotherapie (Stuttgart 1994) stellt die verschiedenen aktuellen Richtungen der Musiktherapie dar. entwicklungsgestörten Kindern. Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie.und sonderpädagogische Aspekte besonders berücksichtigt sind. München 2001 4 . Droh: Musik in der Medizin (Berlin und Heidelberg 1987) und Musik-Medizin (Stuttgart 1992) informieren über die medizinisch orientierten Ansätze der Musiktherapie. Er geht von der Frage aus. Praxis und Theoriestand. Bern 1999 stellt „Forschungsstrategien und praktische Erfahrungen“ heraus und bearbeitet auch die ästhetischen Aspekte der Musiktherapie. die stark an der Diagnostik orientiert ist. Heilpädagogik. bei Depression und im Strafvollzug. Herbert Bruhn: Musiktherapie.Szene. Spintge und R. mit Psychotikern und Neurotikern. Arbeit mit hirngeschädigten. Stuttgart). Göttingen 2000 bietet ebenfalls einen umfassenden Überblick. Eine neue Gesamtdarstellung von Hans Helmut Decker-Voigt (Hrsg. Ein Beitrag zur Ausbildung an der Wiener Hochschule und über außereuropäische Heilmusik beschließt den Bogen den dieses Werk umspannt. Eine Einführung in die Musiktherapie“ (Beck.1 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze Leslie Bunt: Musiktherapie. einem geschichtlichen Überblick. David Aldrige: Musiktherapie in der Medizin. Schließlich ist in der Reihe der Gesamtdarstellungen zu nennen: der von Gerhard Harrer 1982 herausgegebene Sammelband „Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie“ (Stuttgart) mit einigen musikpsychologischen Beiträgen. Eine Einführung in psychosoziale und medizinische Berufe. Petzold herausgegebene Buch „Musiktherapie in der klinischen Arbeit“ (Fischer. einem theoretischen Grundlagenbeitrag zur Methodik der Musiktherapie von Christoph Schwabe und Praxisbeiträgen aus der Psychiatrie. wobei heil. bei psychosomatischen Erkrankungen. Weinheim 1998 bietet einen Überblick über die weltweite Musiktherapie . München) enthält neben allgemeinen Beiträgen zum Berufsbild und zu Ausbildungsmöglichkeiten Praxisschilderungen von der Kinder. Geschichte – Theorien – Methoden. Göttingen 1999 hat eine Theorie und Forschungspraxis vorgelegt. Der 1998 von Werner Kraus herausgegebene Band „Die Heilkraft der Musik. Wolfgang Strobel/Gernot Huppmann: „Musiktherapie“ (Göttingen 1978) ist stark historisch orientiert und die Bücher von R.bis zu geriatrischer Therapie ebenso das 1997 von Lotti Müller und Hilarion G.) informiert über die Schulen der Musiktherapie. warum bei welcher Krankheit oder Störung Musiktherapie etwas leistet.

Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die OrffMusiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Forschungsansätze und Ausbildungsformen der Musiktherapie in Europa. Richtungen und Methoden (Göttingen 2007) gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen vor: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet). Clinical Practice. Das von Wigram. Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner).und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft informiert über Musiktherapie auf einer Internet Homepage: „www. es enthält in alphabetischer Reihenfolge ca. Richtungen. Anwendungsgebiete. theoretische Grundlagen. London 2002) liefert einen kompletten Überblick über Geschichte. 100 Beiträge von „Abwehr“ bis „Trance“ und ist das zur Zeit aktuellste Kompendium zur Musiktherapie. Research and Training.2009 erscheint die Neuauflage des „Lexikon Musiktherapie“ (Hogrefe Verlag Göttingen) erschienen.de“ 5 . Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert). Kindermusiktherapie. Der von Stiff und Tüpker herausgegebene Sammelband Kindermusiktherapie.musiktherapie. Inge Nygaard Pedersen und Lars Ole Bonde herausgegebene Lehrbuch zur Musiktherapie (A Comprehensive Guide to Music Therapy. Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel).

Altenarbeit. Leier. Entwicklungspsychologie. Neid. Hypermotorik. Islam. feministische Therapie. Neuseeland. Niederlande. Kinder. Australien. Lehrmusiktherapie. Notation. Klangschalen. Konsum. Improvisation. Manipulation. Drogenabhängigkeit. Musikethnologie. I Identifikation. Gestaltung. Berimbao. graphische Notation. Gehemmtheit. Bibliographie. Bulimie. Mädchenarbeit. Gruppenimprovisation. archetypische Klänge. integrative Musiktherapie. Musikwirkung. Massenmedien. Flüchtlinge. die sich in einen speziellen Bereich der Musiktherapie intensiver einarbeiten oder darüber eine Seminar-. Ekstase. Musikerleben. 6 . Koma. Adorno. Diplom-. Mutter-Kind-Interaktion. China. Epilepsie. Geburtsprozess. MusikerInnen-Krankheiten. Manie. Kommunikation. Geschichte der Musiktherapie. Klavier. Heilritual. Frühgeborene. Dramatherapie.€ (bitte als Schein der Literaturanfrage beifügen) in Anspruch nehmen. Alkoholabhängige. Belgien. Meditation. Diagnostik. Demenz. Hirnschädigung. Gruppenpädagogik.-.oder Masterarbeit verfassen möchten. Brasilien. morphologische Musiktherapie. Motivation. Flöte. Italien. Ausdruckstherapie. Linkshändigkeit. Gesetze. Krebs. H Hauterkrankungen. Bei mehr als sechs Stichwörtern schicken Sie uns bitte eine Diskette. Behinderung. Krankheitsbewältigung. Monocord. Mutismus. Artikel aus Fachzeitschriften und „graue Literatur”. Klang. Medizin. elektronische Musik. Hypnose talspiel. Kindertherapie. Musikwissenschaft. Evaluation. Mallet-Instrumente. Anthroposophische Musiktherapie. Bratsche. Geburtshilfe. DMVO. Freizeitpädagogik. Frühförderung. Indonesien. Bilderleben. Blasinstrumente. Indien. Borderline. Hartmut Kapteina. Gitarre. Dialyse. Musikpädagogik. Es enthält Bücher (Artikel aus Sammelbänden werden einzeln aufgeführt). Kontakt. Hörgeschädigte. Down-Syndrom. Ästhetik. N Nachsorge. Jugendliche. Kindergarten. Autonomie. Kunst. Atem. Gong. Free Jazz. Lieder. Bewußtseinsstruktur. Geige. Karibik. Ligeti. Dokumentation musiktherapeutischer Prozesse. Esoterik. Musikmalen. Frankreich. multimediale Arbeit. Multiple Sklerose. Gewalt. Intermusiktherapie Inzest. Kreativität. Komposition. Eskimo. Erwachsenenbildung. Hospiz. Universität Siegen. Emotionalität. M Malen. Eßstörungen. Musikalische Gestaltung. Hören. Geburtsvorbereitung. Angst. Musikgeschichte. E F G Gamelan-Musik. K Kalimba. Kontrabaß. Musikästhetik. D Dänemark. Morbus Huntington. Depression. Ethik. Kurzzeitmusiktherapie. Neue Musik. Conga. Nordoff-Robbins-Musiktherapie. Erziehung. NLP. Jazz. Autoaggression. Großbritannien. Dyskalkulie. Lernbehinderung. Körperbehinderung. Gesprächsführung. interkulturelle Arbeit. Amusie. geistige Behinderung. Kriegstrauma. Gruppentherapie. Neben den Bibliographien nach DIN-Norm umfasst die Recherche bei einem Teil der Veröffentlichungen eine Kurzzusammenfassung. Körpererfahrung. Griechenland. Genuß. Autogenes Training. Indianer. Altorientalische Musiktherapie. Imagination. Anorexia nervosa. Katathymes Bilderleben. Instrumentenbau. Drogenabhängige. Kopfschmerzen. Anaesthesiologie. frühe Störungen. Glocken. Körperkontakt. Musikschule. Beziehung. Anthroposophie. Anthropologie der Musik. Musikhören. unter Verwendung nachfolgender Stichworte an: Prof. Aggression. L Lautstärke. Bewegungstherapie. Gestaltungstherapie. Berufsbild des Musiktherapeuten. Keyboard. Entspannung. Dialog. Gesundheit. Israel. Familientherapie.2 Literaturdienst Die Universität Siegen hat einen speziellen Literaturdienst für Musiktherapie und Soziale Arbeit eingerichtet: Dieser Service richtet sich zum einen an Studierende der Universität Siegen und die Teilnehmer der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung. Herz. Narzissmus. Neurologie. Ausbildung. Adipositas. Heilpädagogische Musiktherapie. Blutdruck. Einzelmusiktherapie. Märchen. Bachelor. Intensivmedizin. Kuba. Kanada. Erotik. fernöstliche Medizin. klassische Musik. Musikpsychologie. Heilpädagogik. Gegenübertragung. Bewegungserziehung. Musiksoziologie. Jugendarbeit. Sonstige Interessenten können dieses Angebot gegen eine Gebühr in Höhe von 5. Alzheimer. Hirnphysiologie. Kindermusiktherapie. Didgeridoo. Multimorbidität. Forschung. initiatische Musiktherapie. Gestalttherapie. Afrika. Hölderlinstraße 3. Heimerziehung. Morphologie. Ehe. Immunsystem. ästhetische Erziehung. Grundschule. Norwegen. Chaos. InstrumenJ Japan. Asthma. Audio-Psycho-Phonologie. Geriatrie. Indikation. Für sie entstehen keine Kosten. Lese-Rechtschreibschwäche. aktive Musiktherapie. Musikinstrumente. musikalische Früherziehung. Cerebralparese. Das Literaturverzeichnis umfasst mehr als 7000 Titel und wird ständig aktualisiert und erweitert. Neurose. Kunsttherapie. Aids.und Jugendpsychiatrie. Logopädie. 57068 Siegen. Behinderte Kinder. Wenn Sie unsere Dienstleistung der Literaturrecherche nutzen möchten. Assoziation. Körpertherapie. forensische Psychiatrie. Jugendpsychiatrie. intermediale Arbeit. Gruppenmusiktherapie. Afrikanische Musik. Computermusik. Folteropfer. Melodie. Autismus. Gerontopsychiatrie. Eltern. richten Sie bitte einen schriftlichen Auftrag mit der genauen Beschreibung Ihrer Suchanfrage. Frauen. A B C Cello.

Trommel. Vorschulerziehung.O Obdachlose. Trauer. Rockmusik. Psychiatrie. Tomatis. Philosophie. Südafrika. Sucht. Perkussionsinstrumente. W Wahrnehmung. Verhaltenstherapie. Übertragung. Z Zahnmedizin. Ritual. Schwerst-Mehrfachbehinderung. Tod. Rhythmus. Videoarbeit. Prozesse. Sterbende. Supervision. Zwangserkrankungen. Psychotherapie Q Qualitätssicherung. V Vegetativum. Unterhaltungsmusik. Theater. Theorie der Musiktherapie. Verhaltensauffälligkeit. Schwangerschaftsabbruch. Schwirrholz. Schlaganfall. Sehbehinderung. Spiritualität. systemische Therapie. Schweden. Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Volkstanz. Stimme. Singeleitung. Selbstwahrnehmung. Regression. Ocean-Drum. Y Yoga. Vibration. Posaune. Tanz. Poesie. Säuglinge. Psychoanalyse. Werbung. Transzendenz. Österreich. Suchtprävention. Videofilme zur Musiktherapie. Trauma. sexueller Missbrauch. 7 . Sozialpsychologie. Trance. P Paartherapie. Synthesizer. Streichinstrumente. Psychopathologie. X Xylophon. Skandinavien. Sprachstörung. Rhythmik. Psychodrama. Utopie. Rheuma. Widerstand. Zeit. Traum. Schamanismus. rezeptive Musiktherapie. Tinnitus. therapeutische Beziehung. Polen. R Rassel. Pogrammusik. Politik. Orff. Psychomotorik. Schlagzeug. Schlitztrommel. Stress. Spielesammlung. TZI. Psychoanalytische Musiktherapie. Tanztherapie. Sprachentwicklung. Shruti-Box. Spiel. szenisches Spiel Tamtam. Regulative Musiktherapie. Rehabilitation. Sozialpsychiatrie. Selbstmanagement-Therapie. Rollenspiel Sansa. Obertöne. Ostdeutschland. Tibet. pränatal. Stille. Psychologie. Schmerz. Singen. Sonderpädagogik. Strafvollzug. USA. Parkinson. Prävention. Psychosomatik. Psychose. Türkei. Wahrnehmungsförderung. Sexualität. Sozialmusiktherapie. Vibraphon. Schweiz. Symbol. psychische Krankheit. Schule. Suchttherapie. S T U Ungarn. Schizophrenie. Suizid. Religion.

). Therapeutische Ziele stehen auch Definition des NAMT. Aspekte des Unbewussten zum Vorschein zu bringen. gilt (vgl. über Musik Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. ebd. (NORDOFF & ROBBINS 1986). die durch Musiktherapie bewirkt werden (vgl. psychische und physische Gesundheit wieder herzustellen. Jede denkbare Art von musikalischer Aktivität kann verwendet werden. wie Musik zur eigenen psychischen Stabilisierung beiträgt. um die geistige. Klient und Therapeut bestimmen gleichberechtigt über die musikalische Situation. Auf diese Weise kommen sie in Kontakt zu ihren eigenen Ressourcen und Stärken. Sie hebt die Bedeutung der Psychoanalyse von Sigmund Freud für die Musiktherapie hervor. Tony WIGRAM. 82). S. Für sie ist der Komponist Strawinsky einer der bedeutendsten Komponisten des 20ten Jahrhunderts. Über viele Jahre galt als Standard der britischen Musiktherapie die Definition von Juliette ALVIN. Wir können beobachten. bei dem die Therapie an Kindern und Erwachsenen vollzogen wird. Der Mensch könne sich selbst in seinen musikalischen Produkten erkennen. und schließlich pendelte sich das Selbstverständnis der Musiktherapie irgendwo zwischen den beiden Extremen ein (vgl. Clinical Practice.130-134) beschreiben die Musiktherapie von Juliette ALVIN. Ähnlich orientiert ist BRUSCIAS Definition der Australischen Musiktherapie .Vereinigung: Musiktherapie sei der gezielte Einsatz von Musik. körperliche oder intellektuelle Probleme haben (vgl. BUNT 1998). 59) und die sich innerhalb des kreativen Verlaufs einer therapeutischen Beziehung entwickeln. 1975. London 2002. dass zunächst die Betonung auf der Musik lag und die Rolle des Therapeuten vernachlässigt wurde. 1989. einer der modernen MusiktherapiePioniere als „Free Improvisation Therapy“. der mit den überlieferten musikalischen Gesetzen der Harmonielehre. der amerikanischen Musiktherapie . in der Klienten und Therapeuten ohne vorgegebene Regeln frei spielen und ihren persönlichen Charakter zum Ausdruck bringen können“ (131). FLESHMAN & FRYREAR 1981. die bestimmte soziale. Auch ALVIN betont: “Erfolg oder Versagen der Musiktherapie hängen sowohl von menschlichen wie musikalischen Faktoren der Beziehung ab” (1975. um Probleme in der Kommunikation zu überwinden. nach der Musiktherapie als der gezielte Einsatz von Musik bei Behandlung. Wie in den USA so verlief die Entwicklung der Musiktherapie auch in den europäischen Ländern so. Improvisation wird total frei behandelt. emotionale.Vereinigung im Vordergrund (1980.172). musikalische Vorkenntnisse und instrumentale Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt und der Therapeut gibt keine wie auch immer geartete Regeln oder musikalische Strukturen vor (vgl. Research and Training.3 Definition der Musiktherapie Für viele Menschen ist die Verbindung zwischen “Musik“ und “Therapie“ offensichtlich. zu erhalten und zu verbessern. und Erziehung von Kindern und Erwachsenen. die an physischen. des Kontrapunktes und der Formenlehre brach und mit der Akzeptanz von Dissonanz.Die Definition verfolgt insgesamt einen eher therapeutenzentrierten Ansatz. atonalen Klängen und asymmetrischen Rhythmen „die Tür für die Entwicklung der Freien Improvisationstherapie öffnete. Andere Definitionen heben Verhaltensänderungen hervor. Rehabilitation. sodann wurde die Musik zugunsten der therapeutischen Beziehung vernachlässigt. Diese verschiedenen Schwerpunkte bestimmen die Diskussionen weiterhin auf nationaler und 8 . weil Musik die Kraft besitze.4). vor allem wenn sie neben ihrem Unterhaltungswert entdeckt haben. wie Klienten die Musik benutzen. Inge NYGAARD PEDERSEN und Lars Ole BONDE (A Comprehensive Guide to Music Therapy. 1): Musiktherapie ist der Einsatz von Musik. In der Musiktherapie versuchen wir. psychischen und emotionalen Störungen leiden. um therapeutische Ziele bei Kindern und Erwachsenen zu erreichen.

der Psychologie. Ärzten und Pädagogen ausgeübt. BUNT 1998. verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen. musikalisch und emotional zu begleiten und differenzierte Interaktionen im klanglichen und psychischen Geschehen zu gestalten (vgl. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird.3). auch KENNY 1982. “die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. In Großbritannien standen Musik und Musiker als Musiktherapeuten immer im Mittelpunkt der Überlegungen.und Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind” und insofern “an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden” sind. 18). dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. gemeinsame Grundlagen und international anerkannte Standards zu entwickeln. Rezeption. der Musikwissenschaft und der Pädagogik. “die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. den Gesellschaftswissenschaften. Literatur: 9 . Der brasilianische Musiktherapeut BENENZON meint. An ihm können sich Wahrnehmungs-. dass ein Musiktherapeut als solcher besonders ausgebildet sein muss. KASSELER THESEN MUSIKTHERAPIE als “eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin“ gekennzeichnet. Manche Studiengänge lassen nur Musiker mit Hochschulabschluss und langjähriger Praxiserfahrung zu. anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen” (KASSELER KONFERENZ. 50). S. 17f. wird es immer wichtiger. dass sich sowohl aufseiten des Klienten als auch im therapeutischen Prozess selbst Veränderungen ereignen (vgl. die Musik wird von ihnen eher als Mittel einer anderen psychotherapeutischen Methode. Musiktherapie kann also als gezielter Einsatz von Klängen und Musik in einer sich entfaltenden Beziehung zwischen Klient und Therapeut definiert werden mit dem Ziel. die ermöglicht.1981. In anderen Ländern wird Musiktherapie von Musikpsychologen.” Der Begriff Musiktherapie wird verstanden als “summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen. Hinzu kommt die Fähigkeit. geistige.6). Erlebnis-. der “den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen” ermöglicht. das körperliche. etwa im Rahmen der Europäischen Union. Mit der internationalen Ausweitung des Berufes. In der musiktherapeutischen Beziehung wird Musik als subjektiver Bedeutungsträger verstanden. 1998). eher als Teil eines übergeordneten Behandlungsansatzes denn als eigenständige therapeutische Intervention angesehen (vgl. International bestehen unterschiedliche Ausbildungsstandards mit unterschiedlichen akademischen und berufsrechtlichen Abschlüssen. nicht aber notwendigerweise ausgebildeter Musiker sein muss (vgl.). andere bilden Studenten direkt nach der Schule aus.” Die verschiedenen “musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen. Das musikalische Material eignet sich. Insofern stellt Musiktherapie einen Kontext her. systemischen. Die Vertreter der wichtigsten musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland haben 1998 in den sog. in dem sich über gemeinsame musikalische Erfahrungen eine gegenseitige Beziehung zwischen Klienten und Therapeuten bildet. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren. insbesondere der Medizin. soziale und emotionale Wohlergehen zu fördern (BUNT 1998.internationaler Ebene. Dabei werden verschiedene Länder entsprechend ihrer jeweiligen Musik. APMT 1990). Symbolisierungs.” Sie ist “Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. Jedenfalls aber liegt die besondere Leistung der Musiktherapeuten in der “Bereitschaft und Fähigkeit zuzuhören” (STEELE 1988.und Kulturgeschichte unterschiedliche Definitionen für Musiktherapie entwickeln und die jeweiligen Besonderheiten ihres Gesundheitswesen berücksichtigen.

232-235 KENNY. Stuttgart 1986 WIGRAM. Chicago 1981 KASSELER KONFERENZ MUSIKTHERAPEUTISCHER VEREINIGUNGEN IN DEUTSCHLAND: Thesen zur Musiktherapie. L.: The Mythic Artery. 2/1988 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. und BONDE.: Music Therapy. R. The wounds that Sing.E. London 2000. Research and Training. Spring City.L. NYGAARD PEDERSEN.: Forward. T. P. Journal of British Music Therapy. SCHWABE. L. J. Atuscadero. 246 10 .: The Arts in Therapy..: A Comprehensive Guide to Music Therapy. Musiktherapeutische Umschau 1998. Illinois 1981 BRUSCIA. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. P. I. C.: Musiktherapie. London 2002. Clinical Practice. O. & ROBBINS.: Music Therapy Manual. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe. & FRYREAR. K.: Defining Music Therapy. C.: Schöpferische Musiktherapie.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. California 1982 NAMT (National Association of Music Therapy): Broschüre zur Berufslaufbahn 1980 NORDOFF.O. C. J. The Magic of Music Therapy.ALVIN. Jena 1969 STEELE. London 1975 BENENZON. B. Weinheim 1998 FLESHMAN. Springfield. Pennsylvania 1989 BUNT.

welche in einem ständigen Energiefluss improvisierend auf innere und äußere Anforderungen des täglichen Daseins treffen.“ Diesem „iatromechanischen Menschenbild“ setzt Aldridge entgegen. Mit diesem Repertoire gehen wir in die Welt und passen es immer wieder improvisierend den augenblicklichen Erfordernissen des Lebens an. indem sie „– im übertragenen und wörtlichen Sinne – dieses ‚Improvisations-’ Repertoire erweitern. wird dieser Körper zur Reparatur gebracht. einen schulenübergreifenden Konsens zur Musiktherapie herbeizuführen.und westdeutschen Fachtraditionen. und nach entsprechender Behandlung ist der Defekt behoben. der Musikwissenschaft und der Pädagogik. insbesondere der Medizin. Ist jemand krank. Dieser Prozess markiert den Beginn einer auf Integration und Kooperation ausgerichteten Entwicklung zwischen den VertreterInnen der unterschiedlichen Musiktherapierichtungen in Deutschland. der Psychologie.3. wenn das Leben durch einen unglücklichen Umstand erheblich gestört wird“ (474). da die einzelnen Aussagen einander bedingen und ergänzen. Die darin enthaltenen Festlegungen lassen Raum für die unterschiedlichen musiktherapeutischen Konzeptionen und geben gleichzeitig eine verbindliche Basis für die Qualitätssicherung. These 2 Der Begriff „Musiktherapie” ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen. Die Dynamik der fachlichen und verbandspolitischen Auseinandersetzung zur Erarbeitung der Kasseler Thesen wurde maßgeblich vorangetrieben durch die Begegnung der historisch gewachsenen ost. Crossen 2005. in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie. Antje (Hrsg. Jeder von uns hat ein kompositorisches Thema – seine Identität – und diese stellt ein Repertoire an Möglichkeiten des Seins dar. These 1 Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin. den Gesellschaftswissenschaften. in denen ebenfalls Musik eingesetzt wird. psychologische und soziale Organismen. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. Ulrike und Stolz. Musiktherapie näher zu definieren erfordert Aussagen zum zugrunde liegenden Psychotherapiebegriff und Musikbegriff. Das bio-psycho-soziale Menschenbild und Krankheitsverständnis verdeutlicht David Aldridge in seinem Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. Gleichzeitig implizieren sie eine Abgrenzung zu anderen therapeutischen Verfahren. These 3 Ausgehend von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis1 ist Psychotherapie wissenschaftlich fundierte Behandlung mit psychologischen Mitteln. Die Thesen können nur in ihrer Gesamtheit verstanden werden. konzeptionellen Voraussetzungen und Anwendungsbereichen. oder auch ein neues Repertoire zu entwickeln. Ausbildungsschwerpunkten. Dieser besteht in Aussagen zu theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen der Musiktherapie.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie Präambel Mit den vorliegenden Thesen haben die VertreterInnen der oben genannten acht musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland den Versuch unternommen. um so auf umwälzende Veränderungen zu reagieren. 473-487) mit dem Vergleich zwischen einer Symphonie und einer Maschine: „Eine geläufige Metapher für Heilung in der modernen Kultur setzt den Körper mit einer Maschine gleich. Wir sind in der Welt als biologische.“ Daraus würde sich für die Musiktherapeuten die Aufgabe ableiten. „dass der Mensch gleich einem Musikstück komponiert ist. die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind.) Improvisation – Therapie – Leben. auch in Be1 11 . Sie gehört zum Bereich der Medizin und hat dort eine integrative Funktion. den Patienten solche Anpassungsprozesse zu erleichtern. Musiktherapie bietet als kreativ gestaltendes Therapieverfahren „die Möglichkeit. Die Kasseler Thesen dienen einem gemeinsamen berufspolitischen Vorgehen zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die Ausübung von Musiktherapie.

Zu „zeitstrukturierend”: Musik beinhaltet Erfahrungen von und mit Zeit. An ihm können sich Wahrnehmungs-. Gestaltung schließt auch unbeabsichtigte Schallereignisse ein.B. Zu „Schall”: Schall ist die Bezeichnung für alle hörbaren Schwingungsvorgänge und schließt die Begriffe Ton und Klang als Phänomene universaler harmonikaler Gesetzmäßigkeiten und den Begriff Geräusch mit ein. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. Lucács). Klänge und Geräusche in übergreifende rhythmische. die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. Leipzig 1978) oder ästhetische (z. den dynamischen Prozessen der Dyade. zeitstrukturierendes Geschehen ist sie Artikulation menschlichen Erlebens mit Ausdrucks. Keine psychotherapeutische Methode oder Technik folgt einem monokausalen Wirkprinzip. sofern diese vom Rezipienten als bedeutsam wahrgenommen werden.und Sozialwesens einzustellen vermag. These 6 ziehung zu einer anderen Person zu hören. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren. Auch das Verständnis der Musik als präsentatives Symbolsystem ist darin enthalten (Maria Becker in: Lexikon der Musiktherapie 1996. das methodischdidaktische Therapeutenverhalten. These 4 Musik ist vom Menschen gestalteter Schall. rehabilitativen und präventiven Gebiete des Gesundheits. spiritueller. sozialer – und gesellschaftlich . Die Wirksamkeit der Psychotherapie entfaltet sich im Wahrnehmen. den Umgang mit der Gruppendynamik bzw. Verstehen und im Handeln des Patienten. Somit ist das Erscheinungsbild psychotherapeutischer Methoden theorie.Psychotherapie beruht auf einem jeweils zu definierenden theoretischen Konzept. Als akustisches.und kontextabhängig insbesondere im Bezug auf die Indikationsstellung. zur Ethik und zum Krankheitsverständnis beinhaltet. andere Zugänge sind aber ebenfalls abgedeckt. das Aussagen zum Menschenbild. Erlebnis-. 1 Zu „gestaltet”: Bei der musikalischen Gestaltung werden Töne. Musik wird zum subjektiven Bedeutungsträger über den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen. 12 . Rezeption. Daraus ergibt sich ein System von Methoden. Zu „Artikulation”: Diese Artikulation ist nonverbal und präverbal. 230). wie semiotische (Christoph Schwabe: Methodik der Musiktherapie.kultureller Bedingungen und ist dort wirksam und bedeutsam. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird. melodische und harmonische Strukturzusammenhänge gebracht. Psychotherapie begründet sich in der Konstituierung des therapeutischen Settings und ist an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden. Mukarowský. Wir können hören. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt. These 5 In der Musiktherapie ist Musik Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt.und Kommunikationsfunktion. Erkennen. Symbolisierungsund Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. Erleben. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. Das musikalische Material eignet sich. mit dem sie sich auf die therapeutischen. die Zielsetzung. psychischer.1 Sie befindet sich im dialektischen Spannungsfeld individueller – körperlicher. Dieser Vorgang ist Grundlage aller künstlerischen Schaffensprozesse in der Musik. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut“ (485).

Bundesarbeitsgemeinschaft der staatlich anerkannten Musiktherapieausbildungen (AMA) Ständige Ausbildungsleiter-Konferenz privatrechtlicher musiktherapeutischer Ausbildungen (SAMT) Veröffentlicht in Musiktherapeutische Umschau 1998.B. in stationären und semistationären Kliniken. (DMVO) Sektion des Berufsverbandes für Anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT) Verein zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie e. (BKM) Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung Ost e. (DBVMT) Berufsverband Klinischer Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e. 232 . der eigenen Emotionalität und interaktionellen Prozessen.B. medizinische. verhaltenstherapeutischlerntheoretischen. S. in Fördereinrichtungen für psychisch. Jugendlichen. Jugendliche und Erwachsene. den 04. in somatischen Fachkliniken) im rehabilitativen Bereich (z.V.1 These 7 Musiktherapie wird in Institutionen des Sozial . These 9 In der Musiktherapie werden spezifische Dokumentationsverfahren zur Therapieevaluation und zur wissenschaftlichen Forschung verwandt. Jugendliche und Erwachsene. supervidierte Praktika im Berufsfeld. 13 . Theorie und Methodik musiktherapeutischer Konzepte und deren anthropologische. systemischen.V. • • • These 8 Voraussetzung für die Anwendung von Musiktherapie ist eine syndromatologische und eine therapieprozessbezogene musiktherapeutische Diagnostik. in ambulanten psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen) im präventiven Bereich (z.B.V. musikwissenschaftliche.Musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen.V. These 10 Die Ausbildung von MusiktherapeutInnen umfaßt: • • • • einen Schwerpunkt in musiktherapeutischer Selbsterfahrung in Bezug auf den Umgang mit Musik. Kassel. in psychotherapeutischen Spezialkliniken für Kinder.und Gesundheitswesens durchgeführt: • im klinischen Bereich (z. seelischen und sozialen Vorgängen. erziehungswissenschaftliche und andere Grundlagen Musikpraxis (therapeutisches Handeln mit musikalischen Mitteln). anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen. Juli 1998 Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie e. (DGMT) Deutscher Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e. Das Wesen der musiktherapeutischen Diagnostik liegt in der Beschreibung der musikalischen Phänomene und ihrer Verbindung zu körperlichen. geistig und/oder körperlich behinderte Kinder.235 1 Der Begriff „Ansätze” beinhaltet Theoriebildung und zugehörige Handlungskonzepte. in der prophylaktischen und metaphylaktischen Arbeit bei Kindern.V. und Erwachsenen in allen Lebensabschnitten) und in freier Praxis. Daraus leiten sich Indikationsstellung und Zielformulierung ab.

Personelle Voraussetzung für die Berufsausübung Voraussetzung für die Ausübung des Berufes des Musiktherapeuten ist eine abgeschlossene Ausbildung auf der Grundlage konsensualer Standards.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005 Erste Konsensbildung zum Berufsbild Eine verbandsübergreifende Arbeit der Kasseler Delegierten Wegen seiner zentralen Bedeutung widmeten 15 Verbandsdelegierte unter der Gesprächsleitung eines Moderators dem Thema "Berufsbild für Musiktherapeuten" nach längerem Vorlauf eine eintägige Diskussion am 6. Grundlage waren die vorher formulierten Sichtweisen aller Verbände anhand von vierzehn (14) für wesentlich gehaltenen Stichpunkten.3. Die "Thesen der Kasseler Konferenz zur Musiktherapie" erwiesen sich in der Diskussion erneut als wertvolle grundlegende Verständigungsbasis. Erkennen von Möglichkeiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus AMA. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o klinisches Training / Praktika und supervidierte praktische musiktherapeutische Arbeit ethische Prinzipien und Forschung / Weiterentwicklung der musiktherapeutischen Konzeptionen 14 .und methodische Ansätze der Musiktherapie allgemein und in verschiedenen Praxisfeldern Wissen über musiktherapeutische Interventionsmöglichkeiten eingehende Kenntnisse in der Theorie und Methodik der gelehrten musiktherapeutischen Konzeption interdisziplinäre Teamfähigkeit einschließlich Dokumentation und Repräsentation o o o Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. Folgende inhaltliche Schwerpunkte sind verbindlich für alle Ausbildungen: musikalische Fertigkeiten und Wissen / professionelle Verfügbarkeit musikalischer Mittel in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen biologische. November 2004. SAMT und den Verbänden möchten mit diesen Konsensformulierungen einen konstruktiven Beitrag in alle musiktherapeutischen Felder hinein leisten. der zur Anerkennung des Berufes noch zu leisten ist. Psychologie.B. sind den Delegierten Rückmeldungen innerhalb des nächsten Jahres willkommen! 1. Angesichts des Weges. Entwicklungspsychologie. psychologische und soziale Lehrinhalte / Kenntnisse in Medizin.B. Psychotherapie und sozial-rehabilitative Sachverhalte musiktherapeutische Fertigkeiten und Wissen o theoretisch. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z.

Eingangsvoraussetzungen für die Ausbildung Mindestvoraussetzung 3-jähriger Fachschulabschluss mit Berufstätigkeit / Fachhochschulreife musikalisch-musiktherapeutische Eignung o musikalische Eignung: musikalische Fähigkeiten im Sinne persönlich und freier Ausdrucksmöglichkeit mit differenzierter ausbildungsbezogener Orientierung musiktherapeutische Eignung: psychische und physische Belastbarkeit. Therapien finden in Einzel. 6. und arbeiten übungszentriert/funktional. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit tätig.a. Ausgehend davon werden Handlungsziele und –Konzepte entwickelt. 15 . Empathiefähigkeit o 3. Fortbildung kann verlangt werden und ist in vielen Arbeitszusammenhängen sogar verpflichtend. Tätigkeitsfelder Musiktherapeuten sind im kurativen. Umgang mit Aggressivität. Reifung und Wachstum. Wirtschaft). Erlebnis.B. Begründung: Fortbildung und Weiterbildung sind zwei grundverschiedene Sachverhalte.und Beratungswesen (z.h. Aufgaben In Abhängigkeit vom Handlungsauftrag wird der Ist-Zustand benannt. Lehre und klinischer und beratender Praxis und in Wechselwirkung mit äußeren Rahmenbedingungen. psychotherapeutisch. sozial u. Netzwerke) in Forschung. Bildungs. 9.und Gestaltungsfeld ermöglicht Veränderung. Motivation zur Arbeit an sich selbst. Dabei muss das Handlungskonzept reflektiert und dem Entwicklungsprozess angepasst werden. Spezifische Merkmale Musik als zentrales Wahrnehmungs-. 8. Berufsentwicklung Der Beruf entwickelt sich zu Eigenständigkeit durch qualitätssichernde Maßnahmen (Dokumentation.und Gruppentherapien statt. erlebniszentriert/kreativ und konfliktzentriert-aufdeckend. Vorgaben der Berufsverbände sind zu beachten. Organisation. Weiterbildung ist nicht verpflichtend und liegt im Bereich der eigenen Entscheidung.) stattfinden. Ethik MusiktherapeutInnen sind der Einhaltung des Ethikkodexes der KK verpflichtet (worüber eine gemeinsame Ethikkommission wacht). Fortbildung Fortbildung soll regelmäßig sowohl fachspezifisch (d. rehabilitativen und präventiven Bereich tätig. Begegnungs-. angemessene Selbstdarstellung. Frustrationstoleranz. 7. Evtl.2. Flexibilität und Spontaneität bei eigener Kontinuität. Fähigkeit zu Selbstreflexion. 4. 5. musiktherapeutisch. medizinisch. sowie Nähe-Distanz-Regulierung. Evaluation. künstlerisch) als auch in ergänzenden Bereichen (menschenkundlich. Weiterhin sind sie in Forschung. Berufsfelder Musiktherapeuten arbeiten institutionell gebunden oder selbständig in den Berufsfeldern Gesundheitsund Sozialwesen. Auch das soziale Umfeld kann mit einbezogen werden. Rollenflexibilität.

und Beratungswesen. Forschung. Menschenbild Musiktherapie versteht den Menschen in einem humanistischen Sinne als bio-psycho-soziales Wesen in einem ökologischen und gesellschaftlichen Kontext. mindestens vergleichbar ist. Bildungs. der das bestehende Gesundheitswesen sowie das Sozial. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit). didaktischer. Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz zeigt sich in der Teamfähigkeit mit kooperierenden Fachdisziplinen (Gesundheits. 14. Der Berufsabschluss.B. Vorgaben der DGSv und/oder der Berufsverbände sind zu beachten. Supervision Supervision soll regelmäßig in Form von Einzel. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o Realisation in Dyade und / oder Gruppe Die Quantifizierung findet unter Berücksichtigung der Berufsverbands. 13. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z. der dem B. Selbsterfahrung Für den Bereich „Selbsterfahrung“ s.A. 11. wird erreicht in privatrechtlichen Ausbildungen und staatlichen Studiengängen. Standortbestimmung innerhalb des Gesundheitswesens und innerhalb des bundesweiten Berufs.und Ausbildungssystems Der Beruf wird verstanden als eigenständiger Heilberuf. als Team. Sie dient der Reflexion konzeptioneller.und/oder Gruppensupervision.10.und Sozialwesen. auch Punkt 1: Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. Evtl.und Bildungswesen um den nonverbalen und kreativtherapeutischen Ansatz bereichert.und EMTC-Vorgaben statt. inhaltlicher und institutioneller Fragen sowie der Reflexion der Therapeutenpersönlichkeit und seiner Handlungskompetenzen zum Zwecke der Sicherstellung einer qualifizierten musiktherapeutischen Behandlung. Sie setzt das Erkennen der eigenen Grenzen und Respekt vor Arbeitsweisen anderer sowie Transparenz im Darstellen der eigenen Tätigkeit voraus. 12.B. Erkennen von Möglichkeiten.und /oder klientenbezogene Supervision wahrgenommen werden. 16 .

um das Schnittfeld zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik zu erfassen: 17 .3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik Björn Tischler schlägt die folgende Übersicht vor.3.

religiöse und spirituelle Aspekte 18 . 9. kognitive Aspekte 15. tiefenpsychologische Aspekte 12. und Tieren schädliche Wirkungen beim Menschen Biophysik des Musikerlebens neurophysiologischephysiologische Vorgänge beim Musikhören Körperreaktionen emotionale Reaktionen wahrnehmungspsychologische Aspekte 10. soziale Aspekte 13. Musikwirkung bei Pflanzen . musikspezifische Zeiterfahrung 11. 6. 3. politische Aspekte 16.. Zur Physiologie des Hörvorgangs 2.. 4. 5. wenn wir Musik hören? Überblick 1. 7. 8.4 Was geschieht. Musikhören als Akt ästhetischer Aneignung 14.

S. Steigbügel) übertragen werden und von dort über das ovale Fenster die Innenohrflüssigkeit in Schwingung versetzen. wonach die Ohren von Wirbeltieren und den Menschen nicht einmal bei völliger Stille ihre Ruhe haben. der zufolge „das menschliche Ohr nicht nur als Empfänger sondern auch als Sender“ von Klängen fungiert.) berichtet. verstärken eintreffende Schallwellen und übertragen sie auf die inneren Haarzellen“ (Bild der Wissenschaft Heft 12. St. Thaut (Wie lassen sich die Wirkungen von Musik auf das Nervensystem therapeutisch nutzen? In: Ralph Spintge (Hrsg. dass die Vibrationen des Trommelfells auf die Gehörknöchelchen (Hammer. Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden.u. Augustin 2007. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen. im visuellen System. 49-56) hebt die die erstaunliche Reaktionsschnelligkeit der „mechanisch empfindlichen Haarzellen des auditorischen Systems“ hervor: „Sie antworten im innerhalb von Mikrosekunden. Diese Auffassung scheint die Erkenntnis von Zucarelli zu stützen. Details der Untersuchung sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005. dass der Schall im wesentlichen über die Vibration der Schädelknochen übertragen wird.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs Der Hörvorgang kann als vierfacher Transformationsvorgang schwingender Moleküle beschrieben werden: Akustische Vibration Außenohr Ohrmuschel Gehörgang Mechanische Vibration Mittelohr Trommelfell Ohrknöchelchen Flüssige Vibration Innenohr Cochlea Vestibulärsystem Neuronale Energie Hörnerv Gleichgewichtsnerv Zentr. sie erzeugen selber Töne. 137).B. Michael H.): Musik im Gesundheitswesen. 1989. die das Gehör über Nervenzellen mit dem Gehirn verbinden.“ In der Schnecke gibt es innere und äußere Haarzellen (Corti-Zellen). 233 f. „Tief aus dem Schneckengang schallt es in Richtung Trommelfell. S. Dieser ‚Rückschall’ erlaubt heute die präzise Messung der Hörfunktion. im Gegensatz biochemisch aktivierten Sinneskanälen z. Dabei nutzten sie das Phänomen der otoakustischen Emission (OAE). bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird. Während man generell davon ausgeht. 19 .und Ausgleichssystems erhalten (Alfred Tomatis 1987. geht Tomatis (s. dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten und dass umgekehrt im rechten deutlich Sprache stärker verstärkt werde. die in Millisekunden-Bereichen ansprechen“ (51). 21). München 1987.) davon aus. über die Stanislav Grof (Abenteuer der Selbstentdeckung. Funktion der äußeren Haarzellen ist: „sie erzeugen die mysteriösen Emissionen. Amboß. Die Emissionen spiegeln exakt die Sinnesverarbeitung im Innenohr wider. Diese Theorie ist neuerdings durch Forschungen an der Technischen Universität München belegt worden. die inneren machen nur ein Viertel aus „und doch sind vor allem sie es. Nervensyst. wobei Trommelfell und Gehörknöchelchen die Funktion eines Anpassungs. Bedeutung und Möglichkeiten musikmedizinscher und musiktherapeutischer Ansätze.4. 101). S. Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung.

WEBER (2001, 422) weist darauf hin, dass Basilarmembran auf der dem ovalen Fenster zugewandten Seite schmal und unelastisch ist und im weiteren Verlauf breiter und elastischer wird. Daher müssen die Wanderwellen, die sich in der Cochlea bilden, vom Beginn der Schnecke an bis zu ihrem Ende eine bestimmte Form annehmen, die jeweils an einer Stelle eine maximale Amplitude aufweist. Dort ist die Reizung der Haarzellen am stärksten. Das Gehirn wertet diese Information aus, indem es Lautstärke, Tonhöhe und Dauer des Schallreizes rekonstruiert. Joachim Ernst Berendt schreibt dazu: „Wir haben etwa zweimal 18000 Haarzellen in unseren Innenohren. Prof. Spreng von der Universität Erlangen hat unter dem Elektronenmikroskop erkannt: Sie stehen da ausgerichtet nebeneinander in mehreren Reihen (...). Wenn eine Zelle durch den Ton angesprochen wird, richtet sie sich auf“ und leitet den Impuls an das Gehirn weiter. „Das interessante ist dies: Nicht nur die Zelle des Grundtones richtet sich auf, sondern auch die Zellen der Obertöne (...). Spreng sagt: Es sieht so aus als warteten sie schon darauf, dass auch sie angesprochen werden. Als machten sie sich bereit –in den Tausendstel Mikrosekunden, auf die es hier ankommt-, weil sie wissen: Jetzt komme ich an die Reihe. Das heißt also: Unser Ohr will harmonikal hören.“ Es sei „etwas Muskelartiges“ in den Hörzellen, und „H.P. Zenner von der Universität Tübingen und andere Forscher haben diese kleinsten Muskeln nachgewiesen. Muskeln haben mit Willen zu tun, in diesem Fall deutlich mit Willen zum Aufnehmen der Schwingungen möglichst in harmonikalen Abläufen. Es ist ein „Wille“ von immerhin fast 30000 kleinsten mikro-Muskeln im Kern unseres Hörvorgangs“ (1996, 368 f). Die neuro-physiologische Verarbeitung von Hörreizen beschreibt auch Juliane Ribke in ihrem Buch „Elementare Musikpädagogik. Persönlichkeitsbildung als musikerzieherisches Konzept“ (Regensburg 1995, S. 67-90); es würden sich im Laufe der prä- und postnatalen Kindesentwicklung eine „sensorische Urmatrix“ entwickeln, die eng mit einer psychischen verbunden ist; aus dieser neuro-physiologischen Gesamtschau entwickelt sie das Konzept einer ganzheitlichen Musikpädagogik (s.S.96). Weitere Informationen in dem Beitrag von Karl Heinz Plattig im Handbuch Musikpsychologie, herausgegeben von Herbert Bruhn u.a. (Reinbek 1993, S. 613 ff) Eine umfassende und grundlegende Einführung in die vielfältigen Aspekte des Hörens gibt das Buch: Jürgen Hellbrück: Hören. Physiologie, Psychologie und Pathologie, Göttingen 1993; interessant zu lesen und etwas populärwissenschaftlich und esoterisch geprägt ist das Buch: Joachim-Ernst Berendt: Das dritte Ohr. Vom Hören der Welt, Reinbek 1985 ders.: Das Leben – ein Klang, München 1996 Die ersten Kapitel aus dem Buch Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht“, Heidelberg 1998 beschreiben sehr detailliert den Hörprozess und vor allem auch die äußerst komplexen Steuerungsmechanismen, mit denen sich das Ohr vor Schallüberflutung schützt. Muskeln an den Gehörknöchelchen versteifen sich bei zu hoher Schallenergie und verhindern so die Überlastung des Innenohrs (S. 29 f). Diese Muskeln dämpfen auch die Wahrnehmung der eigenen Stimme (S. 34 f). Im Innenohr gewährleisten Nervenbahnen, die vom Hörzentrum zur Cochlea zurückführen, das Zustandekommen von Feedbackschleifen, durch die wir störende Geräusche beim Zuhören ausblenden können (S. 35).

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4.2

Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen

Lore Auerbach berichtet, wie unter dem Vorspiel von Ragas (25 Minuten pro Tag) Balsampflanzen nach ca. einem halben Jahr 72% mehr Blätter entwickeln und 20% höher gewachsen waren als Kontrollpflanzen ohne Musikvorspiel. Stoffwechselprozesse der Pflanze würden unter dem Reiz von Musikklängen oder rhythmischen Erschütterungen beschleunigt und um mehr als 200% zunehmen; durch Beschallung mit Hochfrequenzwellen wird Wachstum derart beschleunigt, dass eine zweimalige Ernte möglich erscheint. (Lore Auerbach: Musik als Massendroge, intervalle, Heft 4, 1982, S. 43); sie bezieht sich dabei auf: Peter Tomkins/Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen, Berlin/ München 1973, S. 137 - 139 ff). Über die Wirkung von Musik auf Pflanzen berichtet ebenfalls Joachim-Ernst Berendt in "Nada Brahma. Die Welt ist Klang", Reinbeck 1985, auf den Seiten 102 ff. Tonius Timmermann schreibt in seinem Buch „Die Musik des Menschen. Gesundheit und Entfaltung durch eine menschennahe Kultur“ (München 1994) - übrigens auch eine gute Gesamtdarstellung der Musiktherapie -: „In die Natur noch integrierte Menschen singen für die Pflanzen, weil sie überzeugt davon sind, dass sich dieser Kontakt zum Wohle ihres Wachstums auswirkt“ (125f) und merkt dann an: „Wie die Hopi - Indianer erfolgreicher waren als staatliche Agrarspezialisten mit modernster Ausrüstung kann man nachlesen in Duerr 1983“ (Duerr, Hans-Peter: Der Wissenschaftler und das Irrationale, Band 1, Frankfurt a. M. 1983 und ders.: Traumzeit, Frankfurt a. M. 1983) Neuerdings werden eigens zur Wachstumsförderung komponierte Musiken als Patent angemeldet. Der französische Physiker Joel Sternberger hat die Vibrationen, die beim Zusammensetzen des Proteins aus einzelnen Aminosäuren entstehen, durch vielfaches Oktavieren so weit transponiert, dass sie als Musik in unseren Hörbereich gelangen.

Bei der Beschallung mit diesen Melodien von drei Minuten pro Tag sollen Tomaten zweieinhalb mal schneller wachsen und auch süßer schmecken. (Bild der Wissenschaft 8/94, S. 12)

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1988 untersuchte der chinesische Biophysiker Z. X. Zhu die Verteilung der Intensität und Leitfähigkeit von Schallwellen auf der Oberfläche von Pflanzen, wie Wassermelonen, Bananen und Kürbissen. Dabei zeigte sich in überraschender Deutlichkeit, dass sich die akustische Energie in gleicher Weise auf dem Pflanzenkörper verteilte, wie die elektromagnetische.

(Zhang und Kapteina: Biophysik und Musiktherapie, Siegen 2002)

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der komplizierter Lieder trällert“ (Bild der Wissenschaft. drängt sich der Gedanke auf. 9. obwohl unsere evolutionären Wege sich seit über 60 Millionen Jahren nicht kreuzten. aber keineswegs im Wettstreit und auch nicht in aggressiver Absicht" (S. wenn dieser Ton in seiner Tonhöhe verändert wurde. ein musikalisches Behandlungsprinzip für Autistische Kinder. Forscher des Max Planck Instituts für Ornithologie haben herausgefunden. 5). steckten oft die Köpfe zusammen. Er zitiert die Walforscherin Patricia Grey mit den Worten: „In Anbetracht. the neuro-affective foundations of musical appreciation. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. um ihren Gesang zu verstärken. reagierten die Ratten nicht. insbesondere beim Vogelgesang besteht eine enge Beziehung zwischen Gesang und Sexualtrieb. Sobald jedoch diese Veränderung das Schwingungsverhältnis 1 zu 2 (Oktave) betrug. das bedeutet. 2006. 4-9) wie folgt: "Bei Klassik waren die Mäuse besonders freundlich.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere Die unterschiedlichen Formen des Sozialverhaltens bei Mäusen unter Einwirkung von klassischer Musik und Rockmusik kommentiert Klaus-Ernst Behne in seinem Aufsatz "Wirkungen von Musik" (Musik und Unterricht Heft 18. dass Musik der menschlichen Rasse vorausging. auch bei Küken wirksam ist:. die ähnliche Rhythmen wie menschliche Musiker verwenden und deren Gesängen ähnliche zeitliche Ausdehnungen aufweisen. Gähnen und Federstreichen bei sieben Tage alten Küken nach Musikbeschallung beobachten (146 f. sondern eher „Latercomers“ in der Musikszene“ (Gray übersetzt von Bossinger. Stuttgart 1992. 6) Spintge und Droh berichten in ihrem Buch "Musik-Medizin“. Frösche benutzen den Resonanzraum von Baumhöhlen. wenn sie sich mit einem Vogel paaren. dass AIT (Auditory Integration Training. Anschließend konnten in den Gehirnen der Tiere vermehrt bzw. Die Walgesänge reichen ebenso über sieben Oktaven und basieren ähnlich auf Skalen wie die menschliche Musik. erkannten die Ratten offensichtlich den Ton wieder. 147 f. 1993. Ihnen wurde an zehn aufeinander folgenden Tagen morgens und nachmittags jeweils 30 Minuten lang Musik aus Mozarts Krönungskonzert vorgespielt.B. dass Ratten gelernt hatten. wie auf den ursprünglich konditionierten Ton" (S.). sozial und sexuell aktiv. 23 ff). dass "Ratten auf die Oktave eines bestimmten Tones genauso konditioniert reagierten. S. Auch konnten sie die Zunahme von gegenseitigem Kopfnicken. 133-155) konnten nachweisen. berichtet über musikalische Aktivitäten bei Tieren: bei Fischen insbesondere den Buckelwalen. die für die Steigerung der Aufmerksamkeitshaltung maßgeblich sind (vgl. 19). Weichen bekommen größere Eier und kräftigere Junge. (etwa so wie wir sagen das ist ein c und das ist ein hohes c) und reagierten Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain.). 9). Wir sind also nicht die Erfinder der Musik. Der Die Virtuosität Vogelgesang zeigt sich in hoher Variationsbreite (z. 23 . Rimland und Edelson 1995). Auf Rock bzw. Sexual Behaviour) zwangsläufig weniger Zeit. Behavioural Process 60 / 2002. dass Walmusik und menschliche Musik so viel gemeinsam haben. Norderstedt 2005) . 23).4. bis zu 700 Töne pro Minute) hoher energetischer Intensität (vgl." (S. formalen Aufbau haben und musikalische Themen und Phrasen enthalten wie menschliche Kompositionen. Rock 'n Roll reagierten sie "ausgesprochen aggressiv" und hatten für andere Tätigkeiten (Huddling. dass bei Kanarienvögeln (Serinus canaria) „neben der Größe und Stärke des Männchens auch sein Gesang großen einfluss auf die Beschaffenheit des Nachwuchses“ hat. bei einem bestimmten Ton eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. vermindert Botenstoffe nachgewiesen werden.

Gesang hat die Funktion von „Sozialem Kitt“. 24 . was insbesondere bei Affenpopulationen beobachtet wurde ((28).

die durch das Hören lauter Musik verursacht werden. da Besucher eines Rockkonzertes davon ausgehen dürften.Schäden behandelt haben. Stuttgart 1993. Zwar verfügt das menschliche Gehör über äußerst komplexe Steuerungsmechanismen. sieht man im Düsseldorfer Arbeitsministerium als Schadensquelle das Freizeitverhalten der Jugendlichen. 1 25 . insbesondere das Hören lauter Musik. musikalische Halluzinationen und durch Musik ausgelöste Herzanfälle. die stationär behandelt werden mussten. Bezüglich der Hörschäden.4. Ein 4-stündiges Popkonzert etwa entspricht in seiner Belastung für das Ohr einer ganzen Woche Arbeit am Preßlufthammer (Sozialmagazin Heft 5. Das Mädchen hatte sich nahe bei den Lautsprecherboxen aufgehalten. Zu ergänzen wären diese Hinweise insofern.“ Einer Notiz in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ zufolge (3/2002. Der Ohrenarzt attestierte ihr eine Innenohrschädigung. 1989. S. Ebenfalls aus dem Magazin „Bild der Wissenschaft“ (4/2005) stammt die Information. Das Oberlandesgericht Koblenz gab einer 13-jährigen Besucherin Recht. S. der vierte hatte eine extrem laute Stereoanlage in seinem Auto installiert. dass „’hochenergetische Niedrigfrequenzen’1 – also lautes Bassgedröhne – auch die feinen Bläschen in der Lunge zum Platzen bringen kann. S. Gesundheitsmagazin 1/96. dazu im Kapitel körperliche Reaktionen beim Musikhören.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen Stefan Evers trägt in seinem Aufsatz "Wenn Musik krank macht. der hat Anspruch auf Schmerzensgeld. Das entspricht einer Schädigung. dass ihnen selbst in Lautsprechernähe keine gesundheitlichen Schäden drohen (AZ 5 U 1324/00)“.. als Musik Streß und Hörschäden bewirken kann sowie als süchtiges Verhalten schädlich sein kann.. Heidelberg 1998. 32) erfüllt der Lärm bei Rockveranstaltungen den Tatbestand der Körperverletzung. Tiefe Frequenzen verändern den Schwingungszustand des Körpers. Im einzelnen heißt es: „Wem nach einem Konzert noch Wochen später die Ohren dröhnen. wie sie bei Industriearbeitern mit einer Dauerbelastung von 90 Dezibel und 40 Stundenwoche nach 10 Arbeitsjahren festgestellt wurde. Muskeln an den Gehörknöchelchen ziehen sich „bei gefährlich lautem Schall reflexartig zusammen und vermindern damit die Schwingungsenergie . Dazu wird erläutert. S. 29 f). mit denen es sich vor Schallüberflutung schützt (Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn.39 ausführlich hingewiesen. dass rund 100 von 4000 Jugendliche einen durchschnittlichen Innenohr-Verlust von etwa 30 Dezibel aufweisen.DM Schmerzensgeld. 6-9). Sie können auch therapeutisch genutzt werden. dass belgische Lungenspezialisten vier Patienten mit Pneumothorax . Drei hatten vorher ein Rockkonzert besucht. Außerdem erschöpfen sich die Muskeln.. die nach einem Konzert der Boy-Group NSYNC unter Hörschwierigkeiten litt." (in: Musik und Unterricht Heft 18/1993) in der Fachliteratur berichtete pathogene Wirkungen von Musik zusammen. Wie Musik im Kopf entsteht“. wenn das Ohr ständigem Lärm ausgesetzt wird. Dieser Reflex wird eine hundertstel Sekunde nach Auftreten des Impulses ausgelöst. 10 f. weisen Einstellungsuntersuchungen von Berufsanfängern in Nordrhein-Westfalen nach. S. er kann aber unter Umständen erst nach einer halben Sekunde seine volle Wirkung entfalten. Auf die Gefahren des süchtigen Musikverhaltens haben wir in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“... es handelt sich dabei um musikogene Epilepsie.-. beidseitiges Ohrenrauschen und Schwindelanfälle. um bis zu zwei Drittel. Da angeborene oder krankheitsbedingte Ursachen ausgeschlossen werden konnten. 32 . Die Richter verurteilten den Veranstalter zu 9000. Deswegen nutzt er wenig bei plötzlich auftretenden Geräuschen wie Schüssen.

: (2003). S. Opladen 1998 Karl Heinz Dentler: Party time. dem Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe sowie der Techniker Krankenkasse können in Bayern Discjockeys einen Führerschein machen.3. und: im Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ befindet sich ab S.a. Spatscheck u. Münster.).4. Allein in 2005 werden dadurch in Europa etwa 106 Milliarden Euro Kosten entstehen: www. Markus Nachtigall. Siegen). Jedenfalls stelle „jugendzentrierte Populärmusik. www. Handbuch Musik und Sozialpädagogik.pdf Das EARACTION Projekt an der FH München unter der Leitung von Bernhard Kurz tritt der Gefahr von Hörschädigung entgegen. Hamburg 1993 Elmar Nordmann und Thorsten Heimann: Rockmusik und Jugend. In Extremfällen kann das zu einem Pneumothorax führen: die Atemluft entweicht in den Brustraum. www. die sich besonders darum bemühen.) Handbuch Jugend und Musik. hier aus sozialpädagogischer Sicht anzusetzen habe ich im Aufsatz „Musik im Jugendhaus . Wilfried Grüßinger: „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren.earaction.pdf Burkhard Hill: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot.musiktherapiesasp. Eva Frank-Bleckwedel (Musikhören. Robert Lehenherr.1. um junge Menschen besser gegen Hörschäden zu schützen. Münster. heben in ihrem Buch „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren (Frankfurt am Main 1997) lediglich die aktivierende Wirkung von sehr lauter und rhythmischer Musik hervor. Berlin 1995 Wolfgang Hering u.musiktherapie-sasp. wie sie auch unter 100 Dezibel einen optimalen Sound erreichen können (MU 2006.das Beispiel der pädagogisch initiierten Diskothek“ in: Klaus Finkel (Hrsg. Jeder vierte Jugendliche ist von Schwerhörigkeit bedroht. (Hg): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit. außerdem werden ihnen technische Finessen gezeigt. 89). Möglichkeiten. 103).de/material/forum/3. Rockmusik-Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. 123-145 beschrieben.musiktherapie-sasp.de/material/forum/3.Schuld sind die rhythmisch wechselnden Luftdruckwerte. Sie werden über die gesundheitlichen Folgen lauter Musik informiert. Frankfurt am Main 1997 Dieter Baake (Hrsg. 2004. Siegen). Opladen 2002 Ders. wenn sie in hoher Lautstärke gehört wird.de/material/forum/3.de (MU 2005. www. die zu rauschartigen Zuständen führen kann. Rockmusikpraxis und Lebensbewältigung. präventiv auf das Hörverhalten junger Menschen einzuwirken: 26 . Opladen 1993 Elmar Nordmann: Musik in der Arbeit mit Jugendlichen. und der betroffenen Lungenflügel kollabiert wie ein undichter Fußball (33). Hamburg 1994 Christian Spatscheck. besonders. Hörschäden sind die Berufskrankheit Nummer 1. Im Rahmen einer bundesweiten Kooperation zwischen den Gesundheitsbehörden der Länder. unter anderem werden dort neuere Ansätze des sozialpädagogischen. ein sehr mächtiges Stimulationsmedium“ dar (159). 219 f) nennt folgend Initiativen. in: Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel (Hrsg) Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit.a. sozialtherapeutischen und musiktherapeutischen Arbeitens mit Rockmusik beschrieben. Neuere Literatur zum Thema Musik und Sozialpädagogik mit Jugendlichen: Hans Peter Jantzer und Wolfgang Krieger: Rockmusik in der sozialpädagogischen Gruppenarbeit.pdf Ders. Weinheim und München. 253 ein Kapitel über suchtpräventive Musikpädagogik. Regensburg 1979.

Kampagne des Berufsverbands der HNO-Ärzte: “Take care of your ears“, www.fgh-gutes-hoeren.de/web/fgh_content/de/takecareofyourears.htm Wanderausstellung des Gesundheitsamts des Rhein-Neckar Kreises ;na HÖR mal“ Fortbildungsprojekt der Universität München: „Ganz Ohr Sein“. http://www.ganzohrsein.de/ Hessischer Rundfunk: Produktionen wie „ear-sinn“. http://www.br-online.de/br-intern/thema/earsinn/ Netzwerk Zuhören e.V. http://www.hr-online.de/website/extern/zuhoeren/ „Menschen, vor deren Schlafzimmer ein mittlerer Schallpegel von 55 Dezibel herrscht (etwa Zimmerlautstärke des Fernsehers), sind doppelt so oft wegen hohen Blutdrucks in Behandlung, wie Mitbürger, bei denen die Lärmbelästigung unter 50 Dezibel liegt (etwa Brummen des Kühlschranks)“ (Bild der Wissenschaft 7/2003, 50). Das ist das Ergebnis einer Studie des Robert Koch Instituts mit über 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (s. auch: Musiktherapeutische Umschau 3002, 191) „...das Risiko, an einem durch Lärm verursachten Herzinfarkt zu sterben, ist höher als die Gefahr, die von krebserzeugenden Autoabgasen ausgeht“ (Sonntag, Jan Peter: Akustische Lebensräume in Hörweite der Musiktherapie. Über das Sonambiente stationärer Betreuung von Menschen mit Demenz, MU 2005, 264). R.M. Schafer (Soundscape und akustische Ökologie. In: Akademie der Künste Hrsg.: Klangkunst, Katalog des Festivals Sonambiente. München 1996, 209-212) berichtet: „In China glaubte man an die magische Kraft der Klänge, und so gab es sehr früh ein gut durchdachtes System, das den Zustand der Musik mit dem des Universums gleichsetzte. Kaiser Wuudih (141-87 v. Chr.) gründete das „Amt für Musik“, dem die Beaufsichtigung sowohl der Riten als auch der musikalischen Unterhaltung oblag. Da eine wesentliche Aufgabe dieses Amtes in der Überwachung der musikalischen Stimmung aller Klänge bestand, gehörte es zum Kaiserlichen „Amt für Gewichte und Maße“ ... In einem Lieg etwa sollte mit jedem aufsteigenden Intervall ein absteigendes Intervall gleicher Größe einer „friedlichen und freudigen Tonfolge korrespondieren, um eine geregelte Regierung sicherzustellen“ (209 zit. bei Sonntag s.o.). Sonntag kennzeichnet die klangökologische Misere unserer Lebenswelt folgendermaßen: „Aufgrund einer zunehmend lauten, gleich klingenden Umwelt und dem daraus folgenden Mangel an „Hörenswürdigkeiten“ (Schafer) hat der Mensch allmählich das Ohr aus dem alltäglichen Wahrnehmungszusammenhang ausgekoppelt (267). Einem Bericht der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ (3/2006, 10) zufolge, überschreitet der Geräuschpegel mit etwa 60 Dezibel (laut geführtes Gespräch) deutlich die von der WHO empfohlene Höchstgrenze von 30 bis 35 Dezibel (lautes Flüstern): „Türen knallen, Schuhe quietschen auf den Kunststoffbelägen der Stationsflure, Telefone klingeln und moderne medizinische Geräte piepen und Surren. Da dies oft im Frequenzbereich der menschlichen Stimme geschieht, ist das Krankenhauspersonal gezwungen, lauter zu sprechen. Stefan Willich, ein Sozialmediziner an der Berliner Charité, befürchtet, „dass sich der hohe Geräuschpegel auf die Konzentration der Ärzte bei Operationen auswirken und auch die Gesundung der Patienten verzögern könnte.“

27

4.5

Biophysik des Musikerlebens

Indem die Musiker auf ihren Instrumenten spielen, bringen sie die Moleküle der sie und die Hörer umgebenden Luft in eine ganz bestimmte Ordnung, die wir als „Musik“ bezeichnen. Beim Hören wandeln wir die Vibrationen der Luft um; zuerst in mechanische Bewegungen des Mittelohrapparates, sodann in die auf- und ab brandenden Wellen der Innenohr - Flüssigkeit und schließlich zu neuronalen Energieflüssen im zentralen Nervensystem. Am Ende steht dann die Wahrnehmung: „Ich höre Musik“. Die Auffassung von Musik als geordnetem System, das die in Unordnung geratene, sprich die erkrankte Seele oder den Körper des Menschen wieder herstellt, wieder „in Ordnung“ bringt, geht u.a. auf die Forschungen des griechischen Philosophen Pythagoras zurück. Er fand in den Tonsystemen seiner Zeit den Aufbau des damals bekannten Planetensystems wieder. Diese als „harmonikal“ bezeichneten Abb. Strukturen sind durch das mathematische Verhältnis kleiner ganzer Zahlen bestimmt. Die Frequenzen (Obertöne), die den einzelnen Ton bilden, sind nach diesem Prinzip angeordnet. Und unser Gehör, ob musikalisch gebildet oder nicht, erkennt spontan, ob in dem gehörten Ton diese Ordnung gestört ist oder nicht. Im ersten Fall registriert es eine Trübung, Rauschen oder Unreinheit. Die auf diesen Erkenntnissen beruhende Ansicht, Musik sei ein Abbild der kosmischen Ordnung, wurde weitgehend als esoterisch abgetan. Sie hielt dem modernen Wissen über die planetarischen Gegebenheiten und das Weltall insgesamt nicht Stand. Jedoch Vertreter der Teilchenphysik haben harmonikale Verhältnisse im Mikrokosmos der Atome aufgezeigt, so dass Musikhören durchaus wieder als Vorgang mikrostruktureller Ordnung und Umordnung aufgefasst werden kann. Daraus resultiert die Idee, die umfangreichen Forschungen über die physische, psychosomatische und psychische Wirkung der Musik auf den Menschen in Beziehung zur Biophysik lebender Systeme zu bringen. Dabei konnten wir zeigen, dass sich die Charakteristik der Energieverteilung im elektromagnetischen Feld des menschlichen Körpers im Sinne der durch die Musik gegebenen Verhältnisse ändert. Lebende Systeme und Musik sind dissipativ strukturiert. Das heißt, sie verlaufen im Prinzip wie ein Wasserfall oder eine Quelle. Die dissipative Struktur kann nur bestehen, so lange die Wasserzufuhr von oben anhält. Mit anderen Worten: der Wasserfall verströmt - „dissipiert“ständig Energie. Auch die Flamme einer Kerze hat eine dissipative Struktur, die nur bei ständig andauernder Energiezufuhr besteht und ständig Energie verströmt. Demgegenüber sind statische Strukturen Merkmal ganz gewöhnlicher Dinge, wie etwa ein Gebäude, ein Berg, auch ein Auto, ein Zug oder eine Rakete. Auch sie können in schneller Bewegung sein und Energie verbrauchen. Jedoch im Gegensatz zu dissipativen Strukturen können sie Ruhezustände einnehmen, die sie nicht in ihrem Fortbestand gefährden. Man kann das Auto in eine abgeschlossen Garage stellen, ohne dass es dadurch seine Existenz verlöre. Solche Isolierung wirkt sich auf alle dissipativen Strukturen katastrophal aus: der Wasserfall etwa würde augenblicklich verschwinden, wenn er von seinem Fluss getrennt würde. Dissipative Strukturen sind also „vital“, während die statischen Strukturen „tot“ sind. 28

Dissipative Strukturen finden sich nicht nur im molekularen, zellulären und organischen Bereich des lebenden Organismus sondern auch in den psychischen und sozialen Wechselwirkungen seines Umfeldes. Sie machen auch das Wesen musikalischen Spiels, insbesondere der musikalischen Improvisation aus, welches Drewer als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung bezeichnet, die besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz, Harmonie und Disharmonie“ u.s.f. zum Ausdruck kommt (2000, 83). Ein Sonderfall im Bereich der dissipativen Strukturen sind stehende Wellen. Die nebenstehende Abb. 2 zeigt, wie der zwischen zwei Polen gespannte Faden durch einen Motor in Schwingung gebracht wird. Je nach Energiezufuhr bilden sich einfachste stehende Wellen, welche die Länge des Fadens im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen (1:2:3) einteilen. Das ist das Prinzip, nach dem alle Saiteninstrumente funktionieren. Beim Musizieren wird die Länge der Saite durch die Finger des Musikers gesteuert (Abb. 3) Der Musiker bewegt ständig seine Finger, um besondere stehende Wellen in verschiedenen festgelegten Frequenzen in bestimmter Zeit aufzubauen und so die gewünschte Musik hervorzubringen. Jede der abgegriffenen Saitenlängen bringt neben der Grundfrequenz f1 die Frequenzen des Obertonspektrums f2-n hervor. Bei den verschiedenen Instrumenten treten Abb. unterschiedliche Kombinationen und Stärken dieser Obertöne auf, was wir als „Timbre“ oder „Klangfarbe“ wahrnehmen und woran wir den Klang einer Violine von dem einer Gitarre unterscheiden können. Abb. Bei Blasinstrumenten bilden sich die stehenden Wellen durch die vom Bläser mit seinem Atemstrom erzeugte Energie, welche auf die im Resonanzhohlraum des Instruments 29

Abb.

Abb. dass die Arithmetik in der Welt der Wellen 1 + 1 = 1 lautet. wie die Bibel die Vereinigung von Mann mit seinem Weib beschreibt: „. sondern auch bei mehreren Wellen möglich. war bereits bei den musikalischen Obertönen die Rede. Die arithmetische Darstellung lautet 1 + 1 = 0. Vielleicht so. Abb. Abb. Physikalisch ausgedrückt: sie bilden eine „Interferenz“. In der Realität liegen die meisten Überlagerungen und Interferenzen irgendwo zwischen diesen beiden Extremfällen. und sie werden e i n Fleisch sein“ (Genesis 2. Dabei entstehen komplizierte periodische oder auch aperiodische Kurven. Wenn zwei Wellen mit gleicher Wellenlänge in gleicher Phase denselben Platz einnehmen(Abb. 5). Von dem Phänomen. Ein weiteres extrem ungewöhnliches Beispiel in der Welt der Wellen ist die Überlagerung zweier Wellen Abb. obgleich es ein wenig befremdend ist. Natürlich ist die Überlagerung von Wellen ist nicht auf zwei Wellen beschränkt. mit gegensätzlichen Phasen (vgl. die zusammen auf einem Sofa sitzen. zu einer einzigen Person von doppelter Größe verschmelzen. so dass sie sich gegenseitig auslöschen. ganz anders als das gewohnte 1 + 1 = 2 in der Welt der Teilchen. 4 zeigt. Sie können sich „überlagern“. Sie bilden eine „konstruktive Interferenz“. dass sie sich zu einer neuen Welle addieren oder einander auslöschen und ganz und gar in nichts auflösen können. dass zwei Wellen denselben Platz einnehmen können. als ob zwei Personen.. In der Sprache der Mathematik haben die beiden Wellen einen Phasenunterschied von genau 1π (180°). 25).. Gewissermaßen ist es so. Es ist nicht schwierig.befindliche Luft einwirkt. entsteht als Folge der Überlagerung eine neue Welle mit größerer Amplitude als Summe der beiden Ausgangswellen. wie die die jeweilige Länge des Rohres die Grundfrequenz der darin befindlichen stehenden Welle bestimmt. In diesem Fall ist die Folge der Überlagerung eine neue Welle mit Nullamplitude. 30 . denn die Wellenberge der einen treffen genau auf die Wellentäler der anderen Welle. Grundsätzlich gibt es dabei die Möglichkeit. sich die Addition beim Vorgang der Überlagerung vorzustellen und zu verstehen. 6).

flüssigen und gasförmigen Bestandteile des Körpers. Diese Herangehensweise hat beträchtliche Erfolge auf dem Gebiet der Medizin hervorgebracht. Diese Sichtweise entspricht der traditionellen naturwissenschaftlichen Auffassung von Materie als statischer Struktur. oder Substanzen oder Enzyme oder Gene u. die sich in äußerst vielschichtiger Komplexität zur charakteristischen unsichtbaren und unhörbaren dissipativen Struktur eines elektromagnetischen Feldes verbinden. wenn man die Energieverteilung innerhalb des Körpers misst und graphisch darstellt. diese wiederum bilden die festen. Ähnliche Kurven entstehen. man zerlegt das System in seine kleinsten Teile. also auch im menschlichen Körper: Eine nahezu unendliche Vielzahl von Oszillatoren erzeugt Schwingungsmuster. bzw. um es zu verstehen. so verbinden sich viele verschiedene Töne der Klarinette zur Melodie und viele Melodien und Töne einer Vielzahl von anderen Instrumenten zu einer Sinfonie. Die daraus resultierende Ausfassung vom lebenden System als einem elektromagnetischen Feld.s. die Störung eines lebenden Systems zu verstehen. Gleiches geschieht in jedem lebenden System. Dem gemäß ist die übliche Herangehensweise an den lebenden Organismus die des Sezierens. die kombinieren sich in molekularen Gruppen zu übergeordneten Strukturen. so dass schließlich der ganze Körper vorhanden ist. diese aus Knochen. Wir sind gewohnt.f. welches wir als den „Zustand des Systems“ wahrnehmen. dass sie auf einem Materieverständnis beruht. wie die Musiker spielen. die durch die Komposition bestimmt ist. Das heißt. nämlich den Ton der Klarinette. welches sich aus der Viel31 Abb. Sinnesorgane etc.Abb. also die Energiequellen akustische Schwingungen erzeugen. insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung von Krankheitserregern und der Chirurgie. 7 zeigt. So wie sich bei einem Klarinettenton eine Vielzahl von einzelnen sich überlagernden Frequenzen eine schwingende Einheit bilden. Sie ist so lange vorhanden. Die Energie wird im Konzertsaal auf diejenige charakteristische Weise verteilt. welches von den Erkenntnissen der modernen Physik über die Elementarteilchen längst überholt ist. Um die Funktion. Es handelt sich hierbei um die graphische Darstellung des Tones einer Klarinette. Danach ist Materie ebenfalls dissipativ und nicht statisch strukturiert. aus denen sich Zellen und Organe zusammenfügen. bzw. als vermeintlich kleinste Bausteine der Materie bilden die elementarsten und energiereichsten dissipativen Strukturmuster. . Muskeln. werden Organe identifiziert. Isolierens und des Katalogisierens. umgekehrt eine komplizierte Welle als Überlagerung mehrerer einfacher Wellen dargestellt werden kann. Sehnen etc. die für diese Störung verantwortlich sind. das Ganze als Addition von materiellen Einzelteilen zu verstehen: der Körper besteht aus Gliedmaßen. Atome. wie bei Überlagerung vieler sinusförmiger Wellen eine komplizierte neue Kurve entsteht. Das ändert aber nichts daran. Die heterogene Verteilung akustischer Energie im Konzertsaal ist eine unsichtbare dissipative Struktur. Bei jedem einzelnen Ton wird Energie in komplexe akustische Schwingungsmuster umgesetzt. Außerdem gibt es innere Organe.

obwohl das Zustandekommen ihrer Wirksamkeit bisher nur unzureichend verstanden wird. vergleichbar mit den Soldaten in der Ehrengarde. um zu wissen. die als besonders relevant für die Charakteristik des Interferenzmusters bekannt sind. in dem alle hörbaren Frequenzen ähnlich laut hörbar vertreten sind. Demzufolge kann ein komplexes System mit allen seinen Untersystemen sich in drei verschiedenen Zuständen befinden: Der erste Zustand kann mit einer Gruppe Kinder im Kindergarten ohne Aufsichtsperson verglichen werden. die durch die in Heilsubstanzen enthaltenen Informationen beeinflusst werden. so muss das Verhältnis zwischen den verschiedenen Tönen und zwischen den einzelnen Frequenzen kohärent sein. das weiterer Konkretisierung bedarf. Das Bild des Balletts ist dynamisch. In einem solchen chaotischen Zustand haben einhundert Kinder einhundert Grade der Freiheit. 8). die im Verlauf der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts im Bereich der Chaosforschung entwickelt wurden. Den zweiten Zustand verkörpern Soldaten einer Ehrengarde. ein Geräusch. nämlich zur selben Zeit alle dasselbe zu machen. im Idealfall „weißes Rauschen“. 32 . und wir können sehen. Wissenschaftler sprechen von einem „Kohärenzzustand“. Auf die Musik übertragen wäre bei der höchsten Ordnung nur eine akustische Frequenz vorhanden. Bei der Akupunktur wird durch mechanische oder auch elektrische Manipulation an bestimmten Stellen des Körpers. wie man gemeinsam spielt. Die Tänzer sind weder so chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. sie bewegen sich aber noch auf einem theoretischen Niveau. noch in so perfekter Ordnung wie die Soldaten in der Ehrengarde. wie zum Beispiel bei Homöopathie oder Akupunktur. wie das Verhältnis zwischen den Tänzern in einem Ballett. Die Ehrengarde befindet sich daher im „Zustand höchster Ordnung“ (Kristallzustand). Harmonie gibt es also weder in der perfekten Ordnung. Das wäre aber keine harmonische Musik. Die Kinder sind zu klein.zahl unterschiedlichster Schwingungsmuster zusammensetzt. sie gleichen einander genau und sind wie eine Person. Um die sich so vielfältig und vielschichtig beeinflussenden Interferenzmuster im lebenden System zu verstehen. der Schwingungszustand des Organismus beeinflusst. dass Kohärenz schlicht Harmonie ist. Wäre die Kombination der Frequenzen in einem Musikstück so perfekt chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. Das wäre lediglich ein ausgezeichneter Frequenzgenerator. Unsere bisherigen Ausführungen machen ihr Funktionieren zwar plausibel. so entstünde Abb. hat eine andere Herangehensweise zur Folge. Diese Behandlungstechniken haben sich über Jahrhunderte bewährt und werden auch in der westlichen Medizin zunehmend anerkannt. Das Bild ist dynamisch und harmonisch zugleich. Den dritten Zustand verkörpern die Tänzer in einem Ballett (Abb. Daher herrscht im Kindergarten ein fast perfekt „chaotischer Zustand“. haben sich holistische mathematische Prozeduren als hilfreich erwiesen. Diese Soldaten befinden sich in perfekter Ordnung. Soll Musik „harmonisch“ klingen. noch im Chaos. In einem solchen „Zustand perfekter Ordnung“ haben einhundert Soldaten nur einen Grad der Freiheit. die nicht sezierend sondern als ganzheitlich kommunikativ interagierend bestimmt ist. Im ersten Fall werden Schwingungsmuster als Informationsträger verstanden.

...703....703.. Diese Berechnungsmethode kann nun auf alle kooperierenden... Abb..375 Grade der Freiheit haben...Chaos... der die einzelnen Personen miteinander verbindet. Kristall und Harmonie gefunden......229...205. wollen wir die entsprechende Arithmetik Abb.. dass die 100 Tänzer 126....205..... sodann wie Tänzer 1 und 2 ihren gemeinsamen Freiraum gestalten (=1).. würde mathematisch folgendermaßen darzustellen sein: Bei zwei Tänzern: 1 + 1 = 3 = 2² . was das Wesen des Tanzes ausmacht.. 33 .750..1 Bei sechs Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 127 = 26 .750. wenn sie sich in perfekter Harmonie befinden.205... Der Chaos Zustand (Abb.... Interessanterweise haben die Mathematiker früherer Generationen wichtige Methoden zur Beschreibung der drei markanten Zustände .. Dieses „Wunder der Harmonie“ soll mit Abb.. Ihr liegt die Hypothese zu Grunde... Das.600....401.....228...Mathematisch formuliert bedeutet der chaotische Zustand: 1 + 1 = 2.600..229.. Der höchst mögliche Kohärenzgrad für drei Tänzer kann folglich mit „3+1+1+1+1=7“ dargestellt werden.... 9 befindet sich eine Gruppe von Tänzern..401.1 Bei fünf Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 63 = 25 . dass die Messwerte durch unendlich viele voneinander unabhängige Faktoren beeinflusst werden. der Kristallzustand: 1 + 1 = 1 und der Kohärenzzustand: 1 + 1 = 3.401....... 10 nochmals anhand von drei Tänzern graphisch verdeutlicht werden: Abb. + 1 + 1 = ? | | 100 2100 -1 = 126... Die Zahl der möglichen Kombinationen bei drei Tänzern ergibt sich aus der Art wie jeder einzelne Tänzer seinen Freiraum gestaltet (=3).... lange bevor die Wissenschaft sich mit der Harmonie befasst hat. Gauß-Verteilung..228....375 Das bedeutet.228..1 Bei vier Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 = 15 = 24 . interagierenden oder sonst wie miteinander in Beziehung stehenden Systeme übertragen werden. Da wir es in der Musik ebenso wie im lebenden System vorwiegend mit kohärenten Zuständen zu tun haben...1 Und bei einhundert Tänzern: 1 + 1 + 1 + .750....229.. 11) entspricht der sog. Auf Abb.....1 Bei drei Tänzern: 1 + 1 + 1 = 7 = 2³ .703.600. ebenso wie Tänzer 2 und 3 dies tun (=1) sowie Tänzer 1 und 3 (=1) und schließlich wie alle drei gemeinsam zusammenwirken (=1).375 verschiedene Kombinationen einnehmen können oder 126.. noch ein wenig weiter entwickeln.....

14). Wir benötigen aber eine solche Verteilung zur Berechnung. dass die Messwerte vieler physiologischer Systeme nicht in die Gauß-Verteilung. Die wichtigste Wahrscheinlichkeitsverteilung Abb. Erst als der deutsche Mathematiker L. denn sie bezieht sich auf lebende Systeme und auf das Konzept der Harmonie. der mit höchster Wahrscheinlichkeit. Es ist klar. wie wir ihn mit den Kindern ohne Aufsichtsperson beschrieben haben. 1 34 . Sachs 1969 herausfand. 121) passen. von Messwerten ist jedoch die Logarithmische Normalverteilung (Abb. Sie entspricht einer asymmetrischen Kurve. 13): Abb. dass eine Gruppe von beispielsweise einhundert Messwerten. Im Vergleich zur symmetrischen GaußVerteilung ist der Gipfel ausgeprägt und nach links verschoben.Die Gauß-Verteilung geht also von einem Zustand aus. also grundsätzlich immer auftritt (Abb. aus einem ideal chaotischen System mit unendlich vielen Elementen stammt. Demgegenüber wird der Kristallzustand auch als Delta-Verteilung beizeichnet und als Kurve mit einem einzigen Messwert dargestellt. perfekt in die Gauß-Verteilung (Abb. dass dies auf ein lebendes System nicht zutreffen kann. Die Logarithmische NormalVerteilung wurde zunächst kaum beachtet. Die Koordinaten weisen in der Horizontalen die an Elektroden gemessenen Stromflüsse aus und in der Vertikalen die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens. als Koordinatensystem. Die Darstellungen auf dieser Seite setzen das zuvor beschriebene mathematische Prinzip zur Feststellung des Kohärenzgrades um. Praktisch gilt. die Abb. in das wir den Zustand eines Patienten einordnen können.

Die musikalische Erfahrung bestand in der aktiven Teilnahme an einer Folkloretanz Gruppe (vgl. Bei gegenläufigen Ergebnissen machten Interviews mit den betroffenen Personen individuelle. Das ist die ungewöhnliche Arithmetik. Die Software analysiert die Ergebnisse nach den zuvor geschilderten mathematischen Prinzipien. die unterschiedliche musikalische Erfahrungen machten: Rezeption von Musikaufnahmen. Fast alle bisherigen Ergebnisse zeigen mehr oder weniger deutliche Verschiebungen der Daten in Richtung Logarithmischer Normalverteilung (wie in Abb. Am ausgeprägtesten sind die Veränderungen beim Tanzen und Obertonsingen. Damit können Schönheit und Harmonie in der Musik. 1994 hat Chang Lin Zhang den mathematischen Beweis geführt.sondern in die Logarithmische Normalverteilung passen. Auf den Abb. Das Messgerät bringt einen elektrischen Strom in den Körper ein und misst an 128 Elektroden Frequenz und Stärke des austretenden Stroms. dass die Beziehung der Elemente dieses Systems 1 + 1 = 3 ist. 15 Abb. um den Zustand von lebenden Systemen darzustellen. das sich aus unendlich vielen Elementen zusammen setzt. in einem Ballett und in Lebewesen nicht mehr nur von romantischen Poeten mit Worten. Abb. biogra35 . 15 und 16 sind Delta-Verteilung (Kristallzustand) rot.Prinzip mit Teilnehmern durchgeführt. Rezeption von monochromen Klängen (Monochord). In verschiedenen Messreihen haben wir untersucht. wie musikalische Situationen den Körperzustand Abb. Abb. dass die Logarithmische Normalverteilung einem System entspricht. 16 den Zustand nach der Erfahrung. sondern auch von Wissenschaftlern mit streng mathematischen Formeln. Klangmassage mit Klangschalen. Gauß-Verteilung (Chaos-Zustand) schwarz und Logarithmische Normalverteilung (harmonischer Kohärenzzustand) grün dargestellt. Obertongesang). die ein schönes Ballett beschreibt. Kapteina 2000 und 2004). Wenn also die Messwerte aus einem System in die Logarithmische Normalverteilung passen. wurde sie vermehrt herangezogen. Weitere Messreihen wurden nach dem Vorher – Nachher . Improvisation mit Trommelrhythmen in der Gruppe. unabhängig zu bleiben und doch alle Möglichkeiten zur Kooperation mit den anderen Elementen besitzen. Die blauen Balken geben die gemessenen Werte an. verändern. zeigt das. bildet des Zustand der Versuchsperson vor der musikalischen Erfahrungen ab. die alle die Fähigkeit haben. 15 und 16 dargestellt. praktischen Messungen und quantitativen Berechnungen beschrieben werden. Singen (Chanten von Vokalen.

Generell müssen die biophysikalisch gewonnenen Daten durch Interviews mit dem psychosozialen Kontext der untersuchten Personen in Beziehung gebracht werden. das sie aus ihrer Kindheit kannten. So waren zum Beispiel die Daten von zwei Personen bei insgesamt 20 nach dem Anhören des Monochords auf einer Klangliege überdeutlich in Richtung Gauß-Verteilung gewandert. Beim anschließenden Interview gaben beide an. in denen die Versuchsperson den Klängen zuhört.phisch bedingte Bewertungen der musikalischen Situation deutlich. fünf Minuten. den Klang des Monochords als bedrohlich erlebt zu haben. Er erinnerte sie an das Geräusch von herannahenden Bombern. Zur Zeit wird die Hardware des Messinstruments neu gestaltet. Hier sehen wir das Messergebnis vor dem Hören von Klängen des 26-saitigen Monocords: Dieser Verteilung entspricht die Verteilung der Frequenzen eines geräuschhaften Klanges: Nach ca. wird die folgende Verteilung der Stromflüsse gemessen: 36 . so dass in Zukunft auch offline und prozessbegleitend gemessen werden kann.

etwa nach Meditationsübungen. dass das erste Messergebnis bei Stresszuständen auftritt.Aus anderen Untersuchungen ist bekannt. Wirklich überraschend war für die Biophysiker. schematisch dargestellt für den Ton „a“ 660 Hz 880 Hz 1100 Hz 1320 Hz 1540 Hz Frequenz 37 . dass die Anordnung der Stromflüsse nach der Log-normal Verteilung große Ähnlichkeit mit der Anordnung der Frequenzen des reinen Tones aufweist. das zweite bei entspannter Aktivität. Die Abbildung des Frequenzspektrums etwa eines Altsaxophon Tones macht das deutlich: 220 Hz Lautstärke 440 Hz Das Prinzip der harmonikalen Anordnung von Frequenzen.

In: Wolfgang Bossinger und Raimund Eckle (Hrsg. Beim Musikhören gilt dieses Prinzip sowohl in akustischer Hinsicht (die schwingende Luft im Raum) als auch in körperlicher Hinsicht (schwingende Moleküle in den einzelnen Organen). In: Hartogh. Martin (2000): Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. Die oben dargestellten Stromflussmessungen geben darüber Auskunft. (2002): Skin Resistance vs. (2001): Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems. MISAHA Newsletter #32-35. In: Schwabe. München 38 . wie die musikalischen Klänge die Schwingungsverhältnisse in den Zellen und Organen des Körpers verändern. 415-426 Kapteina. welche Schwingungsform im Organismus überwiegt und sie zeigen gleichzeitig. Hangzhou. Die Wellen können nach stehendem Prinzip angeordnet sein. Theo. Hartmut. L. bei dem die einzelnen Frequenzen in symmetrischer Anordnung von den Begrenzungen des Raumes reflektiert werden.) (1996) : Current Development of Biophysics. Die dissipative Struktur des elektromagnetischen Feldes in Lebewesen. Weinheim. die sich zu vielschichtig kombinierten Wellen verbinden. wie das in der Musik der Fall ist. et al (Hrsg.): Schwingung und Gesundheit. ( in English ) Zhang. Der Hintergrund der ältesten Heilverfahren und das jüngste Kapitel der modernen Biologie. L. Hans-Dieter (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. Changlin Zhang Forschungen über Biophysik und Musiktherapie. basiert auf der Vorstellung. 15-25 Zhang. Literatur: Drewer. C. Folkloretänze in Therapie und Prävention. die unsymmetrischer Anordnung auf die Raumgrenzen treffen. Traumzeit Verlag 2008. (2007): Der unsichtbare Regenbogen und die unhörbare Musik. C. Christoph. Hangzhou University Press. Der Energieverlust bei solchen stehenden Wellen ist wesentlich geringer als bei Wellen. Frontier Perspectives 11 (2). C. L. 394-414 Kapteina. Ingeborg Hrsg. Schreiber. Hans Hermann (Hrsg): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.Die Idee. 131-145 Zhang. (2002): Invisible Rainbow and Inaudible Music: The Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems Zhang. Hartmut (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". C. Body Conductivity (On the Background of Electromagnetic Measurement on Skin). Die nebenstehende Abbildung zeigt diesen Schwingungszustand. L. 18-21 Zhang. welche der Biophysik des Hörens zugrunde liegt. Wickel. Klug. Hartmut. C. Crossen.): Ressourcenorientierte Musiktherapie. Münster Kapteina. L. Stein. Bettina. dass alle Materie aus vibrierenden Teilchen besteht.

4.6

Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben

Den aktuellen Stand der Forschungen fasst Stefan Koelsch in einem Artikel der Musiktherapeutischen Umschau (2005, 365-381) wie folgt zusammen: Bei der Wahrnehmung von Musik laufen komplexe Handlungsfunktionen ab: 1. akustische Analyse 2. auditorisches Gedächtnis 3. auditorische Gestaltbildung sowie Verarbeitung musikalischer Syntax und Semantik;außerdem: 4. Effekte auf Emotionen 5. das vegetative Nervensystem 6. das Hormon- und das Immunsystem und schließlich kann 7. Aktivierung (prä-)motorischer Handlungspräsentationen (vgl. 365). Spintge und Droh weisen in ihrem Buch: Musik - Medizin, Stuttgart 1992, darauf hin, dass zentrale Musikverarbeitungsprozesse in beiden Hirnhemisphären ablaufen. „Linkshemisphärische Leistungen sind dabei vor allem die Verarbeitung von Lautstärke, Klangfarbe, musikalischen Intervallen, Akkorden, Tondauer, Tonhöhe, Takt, Rhythmus. Rechtshemisphärische Leistungen sind insbesondere die Wahrnehmung von Tempoänderungen und der Ausdrucksmodalität von Tonhöhen“ (S. 17, ebenfalls s. S. 243 ff und Christoph Fassbender in Handbuch Musikpsychologie, hrsg. v. Bruhn u.a. 1993 S. 622 ff.). Geschlecht, Händigkeit, Spielen eines Instruments haben entscheidenden Einfluß auf die Lokalisation der Hirnaktivität beim Musikerleben. Helmuth Petsche hat nachgewiesen, dass beim Musikhören Frauen ihre linke und rechte Hirnhälfte wesentlich intensiver verschalten als Männer (Bild der Wissenschaft, Heft 12/1989, S. 17; auch 5/1996, S.46 ff: Bei Frauen arbeiten während des Redens beide Gehirnhälften, Männergehirne steuern das Sprechen nur im linken Hinterkopf; ebd. 10/2002, S. 72: beim Zuhören von vorgelesenen Geschichten arbeitet bei Männern „nur das Areal zur Sprachverarbeitung im linken Schläfenlappen. Bei weiblichen Testpersonen arbeiteten zusätzlich die Bereiche der rechten Hemisphäre, die für nichtsprachliche Höreindrücke zuständig sind, etwa für Musikverarbeitung und damit verbundene Vorstellungen). Auch interkulturelle Unterschiede spielen eine Rolle: "So findet die musikalische Verarbeitung westlicher Musik bei Japanern bevorzugt in der rechten Hirnhemisphäre statt, wohingegen japanische Musik bevorzugt linkshemisphärisch verarbeitet wird. Bei westlichen Probanden ist die Lateralität genau umgekehrt." Die Ursache dafür wird vor allem in der "durch Vokale geprägten japanischen Sprache" gesehen. (Spintge/Droh, S. 18) Helga de la Motte-Haber fasst im Handbuch der Musikpsychologie (Laaber 1985, S. 21 - 23) den Stand der Forschung so zusammen, dass für das Musikhören „beide Verarbeitungsmodalitäten der Hemisphären von Bedeutung sein“ können. „Denn deren grundsätzlich verschiedene Arbeitsweisen - rechts findet eine mehr holistisch-ganzheitliche Gestalterfassung und links ein mehr analytisch-begriffliches Denken in der Reihenfolge statt ist in vollem Umfang zumindest für das Verständnis jener Musik nötig, deren syntaktische Bedeutung den analytisch zergliedernden Verstand voraussetzt“ (S. 23).

39

Ein Musikstück aktiviert das Gehirn bei jedem Hören anders, fanden ameri• Intelligenz • Intuition kanische Wissenschaft• Rationalität • Gefühl ler. Ihre Beobachtung sei • Yang (männlich) • Yin (weiblich) gleichzeitig der erste • Bewusste Vorgänge • Unbewusste Vorgänge • Intellektuelle Einsicht • Emotionale Verarbeitung handfeste Beweis für die • Analytisches Denken • Ganzheitliche Betrachtung schon lange gehegte • Abstrakte Begabung • Künstlerisch, kreativ Vermutung, dass das Ge• Zeit • Raum hirn auch gleiche Infor• Aktivität • Passivität • Digital • Analog mationen auf eine dyna• Analyse von Worten • Sprach- u. Sinnerkennung mische Weise immer • Sprache • Musik wieder neu verarbeitet, • Zeitliche Abläufe • Zeitlosigkeit schreiben sie im Magazin "Science" (Bd. 298, S. Quelle: http://www.medicrossover.de/abhoer.htm 2167). Die Forscher vom Dartmouth-Zentrum für kognitive Hirnforschung haben verschiedenen Testpersonen ein kompliziertes Musikstück vorgespielt, das innerhalb von acht Minuten alle Tonarten der westlichen Musik durchläuft. Gleichzeitig beobachteten sie die Aktivität im Gehirn der Probanden mit einem bildgebenden Verfahren. Die musikgeübten Versuchspersonen sollten während der Sitzungen eine bestimmte Melodie und einen Instrumentenwechsel aus dem Stück heraushören. Zur Überraschung der Forscher aktivierte das gleiche Musikstück bei den Testpersonen bei jedem Hören andere Areale im Gehirn. Mit Hilfe statistischer Methoden konnten die Wissenschaftler dennoch ein Zentrum im Gehirn ausfindig machen, das sich offenbar mit der Analyse von Musik beschäftigt. Während Melodien zunächst in Hirnregionen hinter den Schläfen verarbeitet werden, befindet sich das höhere Analysezentrum direkt hinter der Stirn, im so genannten rostromedialen Stirnhirn. Dieses Zentrum ist Wissenschaftlern schon länger bekannt als eine Region, in der das Gehirn emotional bewegende Eindrücke mit vernünftigen Erwägungen in Einklang bringt. Warum ausgerechnet diese Region auch Musik analysiert, konnten die Forscher jedoch nicht klären (Bild der Wissenschaft 12, 2002).
Linke Gehirnhälfte Yang (männliches Prinzip) Rechte Gehirnhälfte Yin (weibliches Prinzip)

Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden, dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten. In rechten werde deutlich Sprache stärker verstärkt. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen, Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. Details der Untersuchung, die unter Verwendung der otoakustischen Emission (OAE) durchgeführt wurden, bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird, sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005, 101). Klaus-Ernst Behne u.a. kamen in ihrer Untersuchung „EEG-Korrelate des Musikerlebens“ in: Musikpsychologie, Heft 4, 1987, S. 49-63 und Heft 5, 1988, S. 95-105, zu dem Ergebnis, dass bestimmte Musik, nach Tempo, Dynamik und Stil ausgewählt, nicht zu systematischen Veränderungen in den EEG-Befunden führt. Dieses insgesamt negative Ergebnis erklären die Autoren dahingehend, „dass sich Unterschiede zwischen den Musikstücken nicht im oberen, kortikalen Bereich auswirken, sondern in tieferen Schichten, in denen verschiedene Aktivierungssysteme vermutet werden“ (S. 105). Mit diesen tieferen Schichten sind die Funktionen der Formatio retikularis bzw. das Limbische System im Zwischenhirn gemeint, über die Sinnes40

wahrnehmungen zuerst und vor allem emotionale, vegetative, d.h. körperliche Reaktionen auslösen.
Ablauf der neuronalen Prozesse im Gehirn während des Musikhörens (Aus bild der Wissenschaft 7/2003)

Boris Luban-Plozza weist in diesem Zusammenhang auf die Funktion des linksseitigen Ammonshorn1 hin, einer Schaltstelle für Gedächtnis und Gefühl. Es sei das „Tor zum Gedächtnisspeicher“, und beim Hören der Konsonanzen und Dissonanzen der Musik träten „verborgene, verschüttete und gefühlsbetonte Inhalte aus dem Unbewussten hervor. („Das Dritte Ohr - Musik und innere Harmonie“, Zeitschr. Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 3/1990, S. 119-124)
Neurophysiologische Prozesse bei Musikhören

Musikhören; Reizung der Sinnesorgane

linke Hemisphäre
operiert linear, sukzessiv, schrittweise nacheinander, wie die Sprache, bei der wir Gleichzeitiges in ein Nacheinander auflösen

rechte Hemisphäre
leistet das prompte gleichzeitige Integrieren vieler Informationen, beherbergt Fähigkeiten, wie Kreativität und Intuition und ist für das Hören von Musik, auch für das Nicht - Hören von Klängen verantwortlich

Ammonshorn
Langzeit Gedächtnis

Formatio retikularis

Limbisches System
Prüft, ob die Wahrnehmung eine Chance oder eine Gefahr beinhaltet; setzt musikalische Informationen in Emotionen um, löst vegetative Reaktionen aus

Vegetativum
Herz- Atem-, Darm- Blasen-, Haut- und andere Reaktionen
(vgl. auch Elisabeth Haselauer: Berieselungsmusik. Droge und Terror, Wien 1986, S. 29 ff)

Diese spezielle Verarbeitung von Hörreizen hat sicherlich ihren Grund in der Funktion des Gehörs als „Frühwarnsystem“. „Die Schnellverbindung zwischen Wahrnehmen und Handeln
Cornu Ammonis, ein wulstartiger Gehirnabschnitt am Boden des Seitenventrikels, der wichtige Rindengebiete des Riechhirns enthält, Brockhaus 1966
1

41

Theo und Wickel. das Informationen von außen aufnimmt.als auch akustische Informationen aufnimmt. im Innenohr sitzt nicht nur ein extrozeptives Organ. R. 21) Augsburg: Wissmer.. 42 . Es ist besser vor einem Hasen Reißaus zu nehmen. Kraemer.) nicht nur die rechte Seite aktiv“ ist... Musikverarbeitung in der Darstellung kortikaler Aktivierungspotentiale. der sowohl Bewegungs. ob das Gehörte von Interesse ist. Franz Amrhein (Musik und Bewegung. während „bei praktischer musikalischer Tätigkeit. „dass musikalische Bewegung. Maas (Hrsg. sondern auch ein mit diesem verbundenes propriozeptives. wird (. Die Großhirnrinde. In der Rinde selbst trifft der Höreindruck auf drei benachbarte Areale: die sensorischen und motorischen Rindenfelder sowie das Hörzentrum (233). schützt vor Reizüberflutung und entscheidet. In: H. das Zentrum für Bewegungsempfindung und –Koordination. Gembris. Bd.. ist bereits mit Bewegungs. Weinheim 2004. ob sich ein Bär heranpirscht“ (Bild der Wissenschaft 11/2001. wenn es im Gebüsch raschelt.. dem Nervus vestibulocochlearis.existiert wahrscheinlich aus guten Gründen der Anpassung’ argumentiert Bargh. dass „bei einer mehrtheoretisch-analytischen Beschäftigung mit Musik“ die linke Seite aktiver ist als die rechte. G.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Über die Aktivierung der beiden Hemisphären haben Altenmüller und Gruhn (Das Bild der Musik im Kopf... der zusammen mit Gollwitzer 1990 den Forschungspreis der Max-Plank-Gesellschaft erhielt. . das über den inneren Zustand informiert“ (232). sondern auch die linke deutlich beeinflusst.. Amrhein sieht darin das „neuronale Korrelat“ für die Tatsache gegeben. die ‚Musiksensomotorik’. Im Mittelhirn (vor allem im Limbischen System.): Physiologische und neurophysiologische Aspekte musikalischen Wahrnehmens.h. Das Stammhirn.) vom 8. „D.-D. Das. Verarbeitens und Verhaltens (Forum Musikpädagogik. 231-244) weist darauf hin. das „Wachzentrum“. bei Bewegung und Spiel (. 1996. Gehirnnerv. nachdem sie die für Bewegungsempfindung und Gefühle zuständigen Zentren durchlaufen hat. Thalamus und Hypothalamus) erfolgt die gefühlshafte Wertung. 232) und zu Zentren der visuellen Wahrnehmung hergestellt. Amrhein stellt den neurophysiologischen Ablauf der Musikverarbeitung bei gleichzeitiger Akzentuierung der sensumotorischen Verarbeitung folgendermaßen dar: „Was wir hören. Hermann (Hrsg. erreicht die Botschaft aus dem Ohr erst. zunächst in tiefere Regionen zur weiteren Verarbeitung transportiert. als erst einmal abzuwarten. auch strukturierende. Bewegungs. 74). 11-40) bei musikalisch tätigen Kindern und Jugendlichen herausgefunden. das Zentrum des Bewusstseins. Eine wichtige Station ist das Kleinhirn.und Gleichgewichtssinn (das vestibuläre System) und der Gehörsinn (das cochleare System)“ verbunden sind. was wir letztlich hören. dass im Innenohr „in derselben Flüssigkeit: der Körper-. in: Hartogh. es werden Verbindungen zum vegetativen System (. ‚rationale’ Elemente enthält – ein auf Musik und Bewegung bezogener neurophysiologischer Beleg für Piagets These von der ‚sensumotorischen Intelligenz’“ (233).und Gefühlseindrücken ‚aufgeladen’.

Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. 2001) mit bildgebenden Untersuchungen. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. Es spezialisierte „sich darauf. in: Peter Bubmann (Hrsg.: Hits to the left.und Selbstbelohnungssystems tief im Inneren des Gehirns“ belegen. ultrahohe Frequenzen wesentlich besser als der Mensch). Proc Nat Acad Sci USA 98 (20)(2201). Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. PRAUSE. des Mittelhirns. Besonders intensive Reaktionen wurden z. ferner zu motorischen Bahnen. 58 f). Reinhard Flender (Vom Dreifachen Ursprung der Musik. „Es kam zu einer Aktivierung des endogenen limbischen Selbstbelohnungssystems im Bereich der tief gelegenen Hirnregionen der Mandelkerne. Plath formuliert: „Die im Rezeptor des Innenohrs durch Schallschwingungen ausgelösten Nervenpotentiale werden über den Hörnerv (Nervus statoacusticus. in: Tillmann Bendikowski u. Band 5. 1181-23. Musik und Gehörlosigkeit.und Schläfenregion“ einhergeht (vgl. Im Hirnstamm bestehen Verbindungen zu den vegetativen Zentren. S. 2242-56). Auch das Richtungshören und das Erkennen von Signalen in Störgeräuschen werden als perzeptive Prozesse im Hirnstamm und dem ihm nachgeschalteten Mittelhirn geleistet“ (zit. VIII. Forscher vom Sahlgranska-Krankenhaus in Göteborg um Hakan Olausson hatten eine Patientin untersucht. der inneren Anteile der Schläfenlappen und der unteren Stirnregion. Manuela Carmen. 9-20) führt aus.B. Des weiteren zitieren sie Anna Blood und Robert Zatorre (Intensely pleasurable response to music correlate with activity in brain regions implicated in reward and emotion. „Sie sind verantwortlich für Streicheleinheiten an das Gehirn.) Menschenfreundliche Musik. in Großhirn zu leiten und dort zu decodieren. „dass beim Streicheln vor allem diejeni- 43 . Gütersloh 1993. flops to the right: different emotions during listening to music are reflected in cortical lateralization patterns. Münster 2003. diejenigen Frequenzen. der auf Grund einer Krankheit die wichtigsten Tastnerven in der Haut fehlten. 13-22) erwähnen neuere Untersuchungen mithilfe von bildgebenden Verfahren zeigten. Allerdings war das System der C-Fasern noch intakt. die nicht der Willkür unterliegen.“ wohingegen „sich das menschliche Gehör in eine ganz andere Richtung“ weiterentwickelte. während negativ bewertete Musik „mit stärkerer Aktivierung der rechten Stirnhirn. Klavierkonzert (d-moll) oder Barbers Adagio für Streicher hervorgerufen. die „eine starke Beteiligung des limbischen Emotions. n. Köln-Rheinkassel 2001. Sprache zu verarbeiten“ (10). in einer Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten herauszufiltern. das bei Einnahme starker Rauschdrogen wie Heroin und Kokain entspricht“ (16). dass bei Jugendlichen von diesen als schön empfundene Musik stärker die linke Hirnhälfte aktiviert wird. Bei gleichzeitigem Scannen des Gehirns wurde deutlich. e. hier finden auch die Verknüpfungen mit der Hörbahn der anderen Seite statt. von Rachmaninoffs 2. Eine ähnlich direkte Verbindung zu den vegetativen Zentren besteht auch zwischen bestimmten Nervenzellen in der Haut. Eckart Altenmüller u. und die Anzahl von Mundgeräuschen. Katzen. (Hrsg. die Signale nur sehr langsam transportieren. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. das sind nämlich die Potenzen von 28 – 212 Herz.): Die Macht der Töne. i ergeben.a. dass sich bei Tieren die Funktion des Gehörs „als Gefahrenindikator noch weiter perfektioniert hat (Hunde. Erste Umschaltungen erfolgen im Hirnstamm. Kurz. a. Nachtvögel hören z. Neuropsychologica 40 (13) 2002.B. die wir Konsonanzen nennen. die die Vokale u. die wir beim Sprechen ausstoßen.“ Sie konnte Streicheln mit einem weichen Pinsel spüren und fand es angenehm.a. Hirnnerv) zum Gehirn geleitet. das menschliche Ohr hat sich in Jahrtausenden physiologisch dazu entwickelt. o. Dieses Aktivierungsmuster entspricht exakt demjenigen. Jahrhundert.

Musizieren. Hirnareale. Das Gehirn passt sich durch die jahrelange Musikpraxis an. Norderstedt 2005. Nr. 6678.und abschwillt und zudem Melodielinien häufig wiederholt werden. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. S. dass ausgebildete Musiker aufgrund ihres hervorragenden Gehörs mehr Nervenzellen für die Verarbeitung von Tönen der Tonleiter mobilisieren als andere Menschen. Leah Ariniello. (für Musikerinnen können keine gesicherten Aussagen gemacht werden. die Tastreize verarbeiten. 2003. das Kleinhirn von Musikern ist im Durchschnitt 5% größer als das von Nichtmusikern. „dass eine Sonate für zwei Klaviere von Mozart nicht alleine die im EEG gemessene Hirnstromaktivität normalisieren konnte – selbst bei Patienten im Koma -. aus dieser Tatsache erscheint Musizieren als geeignetes Mittel zur Therapie neurologischer Schäden. Stuttgart 2002 44 .) Der Chicagoer Neurologe John Hughes hat „bei Epilepsie-Patienten festgestellt. 811. S. Musiktherapeutische Umschau 1999. 392. Dieser Tatbestand kann für die Wiederherstellung von beschädigten Gehirnfunktionen genutzt werden (nature Bd. Washington D. 41) Das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl. Hören. dass Musik verschiedene Seiten des Gehirns aktiviert. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr langsamen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). Weitere Literatur: Manfred Spitzer: Musik im Kopf. Genau diese Regelmäßigkeiten aber – die sich in geringerem Maß beispielsweise auch in der Musik Haydns und Bachs fanden – gingen parallel mit manchen im Gehirn selbst auftretenden rhythmischen Aktivitätsschwankungen“. Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. Bei anschließenden Computeranalysen zeigte sich. 100 f). insbesondere auch die motorischen Zentren bei musizierenden Männern vergrößern sich sogar manche Hirnteile. 64).gen Hirnareale aktiv sind. Musiker werden mit dieser Eigenart nicht geboren. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren haben Forscher des Gesellschaft für Neurologische Wissenschaften nachgewiesen. Insofern würde durch die Musik „gewissermaßen der natürliche Takt des Gehirns aufgegriffen und stabilisiert“ (Bild der Wissenschaft 8. sondern tatsächlich auch die Zahl der Anfälle senkte. dass in der Mozartschen Musik die Lautstärke offenbar in besonders regelmäßigen Perioden an. weil an den Versuchen nur wenige Frauen teilnahmen. Christo Pantev vom Institut für experimentelle Audiologie an der Universität Münster hat mit einem Magneto-Encephalographen nachgewiesen. Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. 11). die Emotionen auslösen. Society for Neuroscience.C. reagierten auf die Zärtlichkeiten nicht“ (Bild der Wissenschaft 10/2002.

Melodie und Rhythmus sind Schlüssel zur Sprache.Robert Jourdain: Das Wohltemperierte Klavier. 137-156) Im Internet: www. 2004 der Musiktherapeutischen Umschau ist der Beziehung zwischen Musiktherapie und den Neurowissenschaften gewidmet. Aktivierung emotionaler Netzwerke und Neubahnung.): The biological foundations of music.de www. Gisela M. dort sind weitere Quellen angegeben. Behavioural Process 60 / 2002. the neuroaffective foundations of musical appreciation. Hüther. Musiktherapeutische Umschau 2005. Stefan Koelsch: Ein kognitives Modell der Musikrezeption. S.de „Das Gehirn giert nach Musik. Norderstedt 2005.. 133-171 45 . beschreibt Wolfgang Bossinger in seinem Buch über die „Heilende Kraft des Singens“.hmt-hannover. Wiesbaden: Reichert. Zatrone und Isabelle Peretz (Hrsg. Lenz. New York (Academy of Science) 2000 Das Themenheft 1.cns. Heidelberg 1998 und: Robert J.immm. Wie Musik im Kopf entsteht. 2003. Die Wirkungen des Singens auf das das Gehirn: neuronale Harmonisierung und Synchronisation. 133-155 Nöcker-Ribaupierre.mpg.: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland): Jahrbuch Musiktherapie. Heilmittel nach Schlaganfall“ ist Titelthema des Zeitschrift Bild der Wissenschaft 8. Monika. 365-381 Jaak Panksepp und Günther Bernatzky: Emotional sounds and the brain. Gerald (2006): Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. In: Hrsg.

sagt Thaut. S.“ Körperreaktionen beim Musikhören sind: Pulsbeschleunigung. So konnten Schlaganfallpatienten nach einer Musiktherapie zielgerichteter nach einem Gegenstand greifen als zuvor. „wenn die Aufmerksamkeit der Versuchsperson abgelenkt ist.4. „Einstellung zur Musik.: Neue Entwicklungen der neurologischen Musiktherapie und ihre Bedeutung für Alterspatienten. und zwar auch dann. 3.H. Dabei hilft Musik nicht nur beim Erlernen von rhythmischen Bewegungen wie Gehen. Hautwiderstand. Offenbar unterstütze Musik alle Aspekte einer Bewegung. weitergegeben: 46 . dass der Mechanismus dem Gehirn hilft. In Bild der Wissenschaft 8. 2002. Neben Schlaganfall-Patienten üben auch Parkinson. Dabei entdeckten sie eine direkte und nach Thaut „erstaunlich schnelle" Verbindung zwischen den Hörzentren im Gehirn und den Bereichen. 2003. Bachs Musik steigert Muskelpotentiale sowohl im Beinals auch im Stirnbereich. passten die Probanden die Bewegungen ihrer Finger sofort an. Hormonhaushalt. 42) „Das Team um Thaut vom Zentrum für biomedizinische Musikforschung untersucht seit Jahren die Wirkung von Musik auf das Gehirn. Habe ein Zweig geknackt oder das Laub geraschelt. 17-18). obwohl sie die Taktänderung bewusst gar nicht wahrgenommen hatten. dazu: Rüdiger Liedtke.B. Änderte sich dabei der Rhythmus leicht. dass Musik auch willensgesteuerte Armbewegungen verbessern kann. Was Tänzer schon immer wussten. M. unsere Bewegungen an Geschehnisse in der Umwelt anzupassen. die eigene Gestimmtheit. Stoffwechsel und Verdauung. München 1985. individueller Geschmack.“ (s. (Vgl.“ Rhythmische Musik lässt Muskelpotentiale im Bein ansteigen. Die Vertreibung der Stille. Thaut vermutet. aktiviert Muskelpotentiale im Stirnbereich. wird die folgende Fallgeschichte der ParkinsonPatientin Alice H. Mitbestimmend für die Körperreaktionen sind. konnten sie ohne lange zu zögern wegrennen. meint der gebürtige Hamburger. nicht nur die rhythmischen. 36 ff. Das sei für unsere Vorfahren überlebenswichtig gewesen. Veränderung von Blutdruck. das Lösen von Rechenaufgaben z. Atmung.und Huntingtonkranke in seinem Zentrum das Gehen mit Musik.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben Musik bringt das Vegetativum zum Mitschwingen. so dass sie das dargebotene Musikstück nicht einmal bewusst wahrnimmt. musikalische Vorbildung. sagt Thaut. Musik und Gesundheit. Sensibilität. Die Forscher ließen Freiwillige zum Takt eines Metronoms mit einem Finger klopfen. Kürzlich konnte das Team zusammen mit Volker Hömberg von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf zeigen. konnte Thaut in Experimenten nachweisen: Rhythmen dringen direkt und ohne Umweg über das Bewusstsein in die Glieder.: Thaut. Heute dagegen helfe die Direktverbindung im Gehirn Patienten beim Erlernen von Bewegungen. die Bewegungen steuern.

ihr Körper wackelte und zitterte. Reilly (Über den Einsatz von Musik gegen Operationsstress bei Alters-Patienten. „werden ihre Bewegungen fließend und frei. Therapieerleben und immunologisch relevante Speichelparameter. M. Selbst die Aktivität von motorischen Nervenzellen im Rückenmark scheint durch akustische Reize beeinflusst zu werden.tiefe Körperentspannung. wie Blutspiegel des Stresshormons Cortisol. die mit unklaren BeWirkebenen der Musik: fürchtungen unvereinbar sind. sowie emotional-positives Erleben tionsstress bei Alters-Patienten. 47 . die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu hemmen. „Wenn die zeitlich hochkomplexen motorischen Abläufe im Gehirn nicht mehr ausreichend abgestimmt würden. und kaum dass sie ihre Glieder bewegen wollte. Singen. Herzfrequenz. Doch nun trägt Alice bei all ihrem Tun einen Walkman. Die Forschungen von Michael Thaut und seinem Team zeigen. dass durch Musikhören in Verbindung mit katathymem Bilderleben. Akustische Reize sind daher in der Lage. schienen sie zu Eis zu erstarren. besonders aber durch Improvisation auf Instrumenten in Musiktherapie-Sitzungen das Immunsystem deutlich gestärkt wird. dass schmerzleitende und akustische Nervenbahnen im Körper dicht beieinander liegen. musste sie wie angewurzelt auf der Schwelle verharren. könnte rhythmische Musik die Funktion eines Zeitgebers übernehmen – und gewissermaßen den Takt geben. Wenn Alice eine Zimmertüre öffnen wollte. Musizieren und bewusstes Zuhören ermöglichen Schmerz-Patienten zu entspannen. Offenbar fließen akustische Informationen direkt in das motorische System ein.“ Wenn sie den aufsetzt. Sowohl psychologische Tests als auch Messungen der biologischen Parameter. die bekanntermaßen bei der Koordination motorischer Abläufe im Spiel sind. ebenso wie das Kleinhirn – ein ganzes Netz von Nervenzentren also. und wenn die Ampel auf Grün sprang.“ „Die Verbindungen zwischen Musik und Motorik funktionieren teilweise sogar unterhalb der Bewusstseinsschwelle“ (38).und Schmerz. „sondern auch eine Vielzahl sogenannter senso-motorischer Rindenareale. Musik und Gesundheit 4/2002. der das Konzert der Neuronen koordiniert“ (41). Untersuchungen der Zusammensetzung des Speichels haben ergeben.„Immer wieder hatten die Krankheitsattacken sie überfallen.“ Die Autorin betont in positive Imagination und diesem Zusammenhang vier wichtige Gedankenklarheit. ergaben. die on mit unklaren Befürchtungen unvereinbar Maureen P. Bei einer Gruppe von 32 Patienten im Lebensalter über 65 Jahren wurde vor und während der Operation vom Patienten selbst gewählt Musik per Kopfhörer angeboten. Frankfurt a. und springt die Ampel auf Grün.) konnte die positive Beeinflussung des vegetativen Nervensystems und des Stress. Musik und Gesundheit 4/2002 15 f. dass die Musikanwendung vor und während des nicht ganz angenehmen Eingriffes in 4 Wirk-Ebenen der Musik: Lokalanästhesie zu einer signifikanten Senkung der Stress. Der schmerzlindernde Effekt von Musik beruht darauf. (Anne Müller: Aktive Musiktherapie: Stimmungen. REILLY: Über den Einsatz von Musik gegen Operasind. als gehorchten sie dem Willen nicht mehr. sowie „tiefe Körperentspannung. Maureen P. dass sich mit rhythmischen Reizen motorische Prozesse im Gehirn von außen steuern lassen.und Schmerzempfindens bei Katarakt-Augen-Operationen in Lokalanästhesie durch Musik nachweisen. Ihr Gesicht zuckte dann. Das bestätigen Forscher vom Memorial SloanKettering Cancer Center in New York. positive emotional-positives Erleben einer SituatiImagination und Gedankenklarheit. einer Situation“ (16). Musik gibt ihr die Gewalt über ihren Körper zurück. dass rhythmische Reize nicht nur die Hörrinde stimulieren. klebten ihre Füße am Boden. nachzudenken und neuen Mut zu schöpfen. 1994). Reaktionen führte. Blutdruck. überquert sie mit sicherem Schritt die Straße. Daraus folgt.

handelt es sich zugleich immer auch um Indikatoren für emotionale Einflüsse durch Musik. der sich im berühmten „kalten Schauer“. S. wobei die Messung der Gehirnwellen ein ähnliches Bild zeigten wie bei meditierenden Personen“ (trophotrope Wirkung) (Vgl. Ein weiterer schmerzlindernder Aspekt liegt darin. Michael Schreiber: Körperreaktion: Sympathische parasympathische Musik .Die Musiktherapie bietet darüber hinaus dem Patienten durch eigenes Musizieren die Möglichkeit. MediBlutdruck steigt fällt zin und elektronische Atmung steigt fällt Musik aus der Sicht eines Herzfrequenz steigt fällt Hautwiderstand steigt fällt Münchner Arztes. der Blutdruck sank.Ouvertüre Nr. die Behandlung aktiv mitzugestalten. Beim Hören von sehr lauter Musik entstehen Stressphänomene. Für Menschen. Wien 1986). S. die Beschleunigung steigerte sich bis zu 14%. durch leichtes Schwitzen. der Blutdruck kann bis zu 240 Millimeter/Quecksilbersäule steigen. 7): in einer Untersuchung aus dem Jahre 1911 wurde bei einem 6-Tage-Rennen festgestellt. Wenn das nicht polyphon homophon geschieht. Oktober/ Verdauungsmobilität fällt steigt November 1988. Zur ergotropen und trophotropen Wirkung von Musik: Nach einer bulgarischen Untersuchung wirkt klassische Musik mit dem Grundschlag 60 pro Min. Berieselungsmusik. 304). schafft eine Verarbeitung dieser Gefühle Erleichterung und verringert dadurch das Leiden (aus: „Hören heute“. die Radfahrer schneller fuhren. Aufstellen der Haare und ähnlichen zeigt. Ein Beispiel für ergotrope Musikwirkung gibt Klaus-Ernst Behne in seinem Artikel: Wirkungen von Musik (Musik und Unterricht. 44) innere Sekretion (Drüsen) gehemmt angeregt Stefan Evers gibt eine Muskelspannung steigt fällt Zusammenfassung aller weit Pupillen eng nachgewiesenen Körperreaktionen beim Musikhören in seinem Aufsatz „Was geschieht bei Musikhören im 48 . Elisabeth Haselauer. zeigte vegetative Körperreaktionen. Droge und Terror. die stärker waren als bei höchst riskanten Flugmanövern. Musiktherapeutische Umschau 2002. S. von denen er selbst meinte. dass immer.B. dass sie ihn besonders emotional berührten (Liedtke 1985. Da beispielweise Trauer und Angst die Schmerzintensität steigern. während er normalerweise bei 120 liegt. das geschieht durch das musikalische Antistresshormon Eigenschaften: (ACTH). Neue periphere Durchblutung fällt steigt Musikzeitung. deren Leben häufig nur noch vom Schmerz bestimmt wird. bei der Veränderung des Hautwiderstandes etwa. während des Dirigierens der Leonoren . 46). Bei diesen Körperreaktionen sind Emotionalität und Körper nicht voneinander zu trennen.. das langsam wieder zur Norm Dur Moll zurückgeführt werden dissonant konsonant muss. beruhigend auf Körperrhythmen.Trostspenderin Tonuslage: Tonuslage: oder Nervensäge. Karajan z. feuchte Handflächen. sind Kreislaufstaccato legato großer Ambitus kleiner Ambitus und Herzüberbelastung akzentuierter Rhythmus melodischer Rhythmus die Folge. löst Tiefenentspannung bei gleichzeitiger geistiger Leistungssteigerung aus. dass Patienten beim Musizieren negative Gefühle ausleben können. wenn die Band Musik spielte. „Der Herzschlag verlangsamte sich um durchschnittlich 5 Schläge pro Min. dramatisch lyrisch (Vgl. 3 bei Stellen. Heft 18/1993. bedeutet das wieder ein Stück Selbstbestimmung.

herzharmonie.immm. 3-54) konnte nachweisen.und Verdauungstätigkeit und Verengung der Pupillen einher geht. Lutz Neugebauer (Musik als Dialog – eine Untersuchung zu physiologischen Veränderungen während der Musiktherapie. Hrsg.hmt-hannover. So kommt etwa Cheryl Dileo Maranto in einer Untersuchung über rezeptive Musiktherapie zum Ergebnis. Es gilt kein mechanistisches Verständnis. bei der Blutdruck. in: M..menschlichen Körper? Zur Physiologie des Musikerlebens“ (Musik und Unterricht 7/1991. dass Singen die Herzratenvariabilität.) Music Therapy in Health and Education. kleinem Tonumfang. dass neben den Eigenschaften und Elementen der Musik auch der Vertrautheitsgrad. wichtig zur Vermeidung von Schlafstörungen) und des Dehydroepiandrosteron aus der Nebenniere. Bei eigenen Patienten konnte er nachweisen. angeregter Drüsen. 29-43) konnte bei Versuchspersonen. die Verdauungstätigkeit und Drüsensekretion abnehmen und sich die Pupillen weiten. dass es darüber hinaus noch mit mehr Sauerstoff versorgt wird (vgl. 157). beim Gesang kommt noch hinzu. ein optimal harmonisches Frequenzspektrum im EKG (ebd. dass beim Singen verbesserte „Herzkohärenz“ auftritt. 105). MU 1998. während homophone.16-18): Körperliche Reaktionen sind stark von der individuellen Disposition des Menschen abhängig. Norderstedt 2005. http://www.de/pages/presto0505.a.). 94. sie können allerdings nicht verallgemeinert werden. Stuttgart 1992.“ zu stabilisieren vermag (ebd. Bossinger zeigt auf. dass zwischen dem Rhythmus regelmäßiger Klicks und Pulsfrequenz ein von ihm als „Magneteffekt“ bezeichneter Anpassungsprozess entsteht. den Darm. Dennoch kann folgendes grobe Reaktionsschema festgestellt werden: Polyphone Musik in Dur. Louis 1993. akzentuiertem Rhythmus und dramatischem Charakter ruft eine „sympathische Tonuslage“ hervor. die mit fallendem Blutdruck und Hautwiderstand. dessen Mangel bei vielen schweren Erkrankungen festgestellt wird (vgl. abfallendem Muskeltonus. Atem. „die Fähigkeit des Herzens. in : ders. der musikalische Geschmack sowie biographische Erfahrungen und Assoziationen für die Wirkung von Musik verantwortlich sind.: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie.. 49 . bei der das Herz sich regenerieren kann. S. Vgl.und Herzschlagfrequenz sowie Muskelspannung steigen. St. mit Dissonanzen und Staccato-Klängen. die periphere Durchblutung. Norderstedt 2005) in entspannender. Bei der Gestaltung rezeptiver Musikbehandlungen müssen diese Faktoren neben der Beschaffenheit der gewählten Musik berücksichtigt werden (Applications of music in medicine. Wigram (Hrsg. Heal and T. außerdem unter www. die miteinander Dialoge improvisieren hoch signifikante Übereinstimmungen zwischen der Herzfrequenz der beiden Musiker und dem Rhythmus der von ihnen gestalteten Musik feststellen. 120 ff) und fördert die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen und insbesondere des Hormons Melatonin aus der Zirbeldrüse (u.de ). 128 ff). 107-120 ausführlich dargestellt.und Herzschlagfrequenz. die Sexualität. Blutdruck und Herzfrequenz senkender Wirkungen. s. Singen stärkt das Immunsystem (vgl. mit großem Tonumfang.pdf Gerhard Harrer (Das Musikerlebnis im Griff des naturwissenschaftlichen Experiments. Die körperlichen Reaktionen auf Musik stellen sich allerdings nicht automatisch ein. melodischem Rhythmus und lyrischem Charakter eine „parasympathische Tonuslage“ hervorruft. konsonante Musik in Moll mit legato geführter Melodiebildung. löst Angst und Schmerz. hierzu auch: Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. . geringerer Atem. Die Wirkungen der Musik auf das Herz bestehen nach Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Des weiteren wirkt des Singen positiv auf den Magen. die zeitlichen Abstände der Herzschläge kontinuierlich zu verändern. indem die Muskulatur entspannt wird.

S. Tony Wigram berichtet in seinem Aufsatz "Die Wirkung von tiefen Tönen und Musik auf den Muskeltonus und die Blutzirkulation" (Zeitschr. Band 5.15. Karl Adamek: Singen als Lebenshilfe. dass durch Musik und einzelne Klänge der Schwingungszustand des Körpers sowohl auf der Haut als im Körper verändert wird. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle empfunden (zit. Östrr. Aufgrund dieser Beobachtungen kann davon ausgegangen werden.a. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. 50 . dass Niederfrequenzklänge mit 30-40 Hz.musiktherapie-sasp. Siegen). Wien 1974. PRAUSE. 68). Musik und Gehörlosigkeit. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. die ergaben.de/material/forum/2. Schmerzlinderung. Steigerung der Gedächtnisleistung und des psycho-physischen Gesamtzustandes (Hans Sittner: Musikerziehung zwischen Theorie und Therapie. Besserung bei Rheumatismus und verlängerte Schlafdauer herbeiführt. d.norwegischen Untersuchungen. Band 5. in Knöcheln und Waden. Berufsverb. 3-12) von britisch . 179. Manuela Carmen. mit 50-60 Hz im Bereich des Brustkorbs und mit 60-75 Hz in Kopf und Nacken gespürt werden. mit 40-50 Hz in Knien. bei spastischen Reaktionen. Schenkeln und Unterleib. Fallbeispiele belegen. Auch die Obertöne der verschiedenen Vokale bringen Zentren im Körper zum Schwingen: Das I schwingt im Kopfbereich Das E im HalsDas A im BrustDas O im Bauch. n. Aus diesen Erkenntnissen wurde eine "Vibrations-Akustik-Therapie" (VAT) entwickelt. dass der ganze Körper als vibratorsicher Rezeptor dient. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle (Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. Klänge versetzen den Körper in Schwingung. d.Unabhängig von diesen Faktoren lösen tiefe Frequenzen vibratorische Tonempfindungen im Körper aus. 68). die krampflösende Effekte. Köln-Rheinkassel 2001. VAN UHDEN weist darauf hin. S.pdf Singen führt zur Verbesserung des Atemvolumens. Münster 1997). Mthp. KölnRheinkassel 2001. dass Hilfe u. 2/91.und Das U im Gesäßbereich Inge Kritzer: Atem und Stimme. Berufsstress und bei Neurosen eintreten. Dabei werden Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. www.

6) wird eine amerikanische Untersuchung zitiert. Adamek spricht dem Singen eine Energie kanalisierende. 180 ff) wies in einer empirischen Untersuchung nach. S. 2. der zufolge Opernsänger ein größeres Lungenvolumen und eine effektivere Herzfunktion und eine deutlich höhere Lebenserwartung besitzen.: Vokalspirale). 23 Männer. Norderstedt 2005. Weiterhin beeinflussen die beim Singen beteiligten Vorgänge wie Atmung und Muskeltonus direkt vegetative Prozesse im Gehirn“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. es verlängert den Prozess des Ausatmens. die Vokaltöne fördern die Durchblutung in verschiedenen Körperregionen (s. die gleichzeitiges Singen nicht ausschließt. ebd. Alter 16 bis 64. Die Aufgabe bestand für alle darin. das Atemvolumen wird vergrößert 8. 3. an waagerecht seitlich ausgestreckten Armen Gewichte von 500 Gramm so lange wie möglich zu halten. 34) sollte zuerst die Aufgabe singend und nach der Pause nicht singend erledigen. Durchschn.Im „Readers Digest (Sept 1987. Durchschn. Adamek untersuchte drei verschiedene Gruppen: die erste Gruppe bestand aus 51 Personen (30 Frauen. 5. die zweite Gruppe (48 Personen. die zweite Gruppe erreichte bei ihrem zweiten Durchlauf ohne Singen lediglich nur 56% ihrer zuvor singend erbrachten Leistung. zweites die Mobilisierung von Körperkräften und drittes die Umwandlung von psychischen Spannungen in Kräfte des Wachstums und der Genesung im musiktherapeutischen Prozess. löst muskuläre Verkrampfungen und Verspannungen. 21 Männer) im Alter von 16 bis 60 Jahren (Durchschn. 37) bewältigten die Aufgabe ohne Singen. 97 f). insbesondere auch das Rosenkranz – Beten aktivieren Selbstheilungskräfte und befreien von Stress und Verspannungen (vgl. Singen von Mantren. eine Energie generierende und eine Energie transformierende Funktion zu. sie bildet „eine ‚Hotline’ zum vegetativen Nervensystem. 29 Frauen und 23 Männer im Alter von 16 bis 59. 35). die beim Singen gesteigerte Zwerchfellaktivität stimuliert alle Organfunktionen in der Bauchregion. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens.o. das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato. trainiert die Atemmuskulatur und Lungengewebe. Die besonders intensiv belebende und/oder entspannende Wirkung des Singens entsteht aufgrund der direkten Verbindung zwischen „Kehlkopfmuskulatur und dem parasympathischen Vagusnerv“. 95). 4. Erstere betrifft das Abreagieren von Spannungen. 6. 7. - Die erste Gruppe konnte ihre Leistungen allein durch Singen um 132 % steigern. 25 Frauen. Karl Adamek (Singen als Lebenshilfe. „Eine körperliche Belastung. Entschlackung und Entsäuerung des Körpers. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr lang51 . Norderstedt 2005) beschreibt ausführlich die Wirkung des Singens auf die Atemtätigkeit: 1. ebenfalls in zwei Abschnitten mit einer halben Stunde Pause dazwischen. steigert die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus’. eine Kontrollgruppe (52 Personen. die einen ersten Testdurchlauf ohne Singen und einen zweiten nach einer halben Stunde Pause singend absolvieren sollte. fördert damit die Entgiftung. Münster 1996. die nicht singende Gruppe lediglich um 73%. Rezitieren und Beten. dass „durch Singen temporär die physische Leistungsfähigkeit erhöht“ wird. S. kann singend länger ausgehalten werden als nicht singend“ (185).

(Hier ist allerdings auch an aggressionssteigernde Kampflieder zu denken. gesungenen Gebeten oder einigen spezifischen Mantras kann die Atmung auf 6 Schwingungen pro Minute einschwingen. vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein).130f). Bossinger 2007. 201). Er entdeckte auch Zusammenhänge zur inneren Beteiligung der Sänger: »Je leidenschaftlicher und hingebungsvoller die innere emotionale Beteiligung beim Singen. 100 f). 5. S. Früher halfen dazu die Arbeitslieder.201). Die Resonanzen von Vokalen (und auch von Strömungskonsonanten wie »sss« oder »mmm«) lösen Durchblutungsverbesserungen in ganz bestimmten Körperregionen aus. sind gesünder und leben länger als der Durchschnitt der Bevölkerung (L. die viel und lustvoll singen. Opernsänger) und Menschen. Singen stärkt das Immunsystem. der diese Zusammenhänge an der University of California erforschte. Cramer 1998. Sabine hat in ihrem Aufsatz „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (MU 2008. 201-220) die Ergebnisse von Forschungen über die Wirksamkeit des Singens in der folgenden Liste zusammengestellt (215 f. umso stärker ist die heilende Wirkung« (in: Bossinger 2007. Bygren et al in: Bossinger 2007.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl. die schmerzstillend und stimmungsaufhellend wirken). Aktive Sänger (z. Speziell das wiederholte Rezitieren von tradierten Lautformeln. Beck.157f). Singen weckt physische Kraftreserven (vgl. S. Hierdurch wird ein Resonanzeffekt mit endogenen Rhythmen des Blutdrucks und des Herzschlages ausgelöst. Singen stimuliert das Knochensystem und unterstützt die Beweglichkeit der Gelenke (vgl. fand bei Chorsängern eine Steigerung der Immunglobulins A auf bis zu 240% des Ausgangswertes. Bossinger 2007. Singen stimuliert die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin (es lässt Menschen friedfertiger.148f). Singen steigert die Endorphinproduktion (Endorphine sind körpereigene Opiate. der durch Rückkoppelungseffekte harmonische. Hervorhebungen H.) Singen verbessert die Herzratenvariabilität (ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Herzens).K. Durch die Atemintensivierung und verstärkte Zwerchfellaktivität wird eine Stimulation sämtlicher Organfunktionen in der Bauchregion angeregt und die Verdauung reguliert. Rittner. S.): - - - - - - - - - „Singen intensiviert die Körperinnenwahrnehmung »durch die Vibrationen in den Hohlräumen des Skeletts und durch die Schwingungen der Körperflüssigkeiten« (Cramer 1998. 52 . Adamek 1999). 132)“. Singen kann überschüssige Magensäure reduzieren und die Durchblutung der Magenschleimhaut verbessern (vgl.B.O. S.samen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). regenerierende Pulsationen herbeiführt (Herzkohärenz) (vgl. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. 5.

weichen. Und genau diese Muskeln werden durch die spezielle Atemtechnik beim Spielen des Didgeridoos stark beansprucht und intensiv trainiert“ („Bild der Wissenschaft“. Wir sind Leib. 3/2006. weiche Musik. 53 . d. die Körperrhythmen auf ihre doppelte Frequenz zu treiben. die die oberen Atemwege offen halten. der im „Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen“ mitschwingt (266 f). Östrr. Schweizer Forscher um Milo Puhan von der Universität Zürich und Otto Brändi von der Züricher Höhenklinik Wald weisen in einer Studie nach. (nicht. das ohnehin schon vibriert. 11).3/88. Es besteht also eine Tendenz. dass Menschen ihre gerade statthabende Befindlichkeit durch Musikwahl noch verstärken. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft verstärkt zu Flaschen aus Deutschland“ (72).grundsätzlich und daher auch vermittels Musik. wie wir beim Einkaufen unbewussten Abläufen zum Opfer fallen.Die enge Verbindung zwischen Musik und unbewussten psycho-physischen Vorgängen nutzen Werbestrategen in großem Stil. „Der ganze Leib“. der wir sind. 21-27): „Wir beobachten. In Bild der Wissenschaft 11/2001 wird von einem Versuch berichtet . Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. träumerischen Situationen wählen die Leute auch entsprechende ruhige. durch den Psychologen der Universität Leicester nachweisen. die über vier Monate das Didgeridoo spielten. Umgekehrt lässt ein hektischer Mensch im Auto. Berufsverb. Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische Akkordeon-Weisen erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer wein als deutscher verkauft. Lebenslagen zu perpetuieren . d. Barbara Haselauer schreibt in ihrem Aufsatz „Leise rieselt der Beat“ (Zeitschr. waren danach „tagsüber deutlich wacher und schliefen nachts besser. Teilnehmer an der Studie. schwächer ausgebildet. den wir haben) sei „als totales Sinnesorgan“ bei der Wahrnehmung aktiv. Mthp. das geeignet ist. statt sie herabzusetzen. „dass das Spielen des australischen Didgeridoo krankhaftes Schnarchen mildern kann. aus dem Autoradio Musik in einem Tempo dröhnen. Wiesbaden 2001) hebt die enge Verbindung des Musikerlebens mit der Leiblichkeit hervor.“ Brändi erklärt sich den Effekt folgendermaßen: „Bei krankhaften Schnarchern sind die Muskeln. In ruhigen.

S. Jung 1907 hinwies). durch die von allen Menschen "anscheinend gleich" verschiedene Emotionen wie Angst. Weinheim und München.Schaltkreise angelegt sind. Musikalische Fähigkeiten scheinen bei diesen emotional motivierten Musikpräferenzen kaum eine Rolle zu spielen (Musiktherapeutische Umschau 2002. um sich mit ihr zu trösten.“ Sie sollten angeben. aktivierende Musik. Frauen sind bei dieser Gruppe stärker vertreten Ältere Personen greifen bei Melancholie und Trauer eher zu fröhlicher Musik Jugendliche hören dann vorzugsweise traurige Musik. 164 ff. Ruhe und Gelassenheit wird stimmungskongruente Musik gewählt („IsoPrinzip“) Bei Trauer. bei Wut und Ärger keine Musik hören zu wollen. dass die Musik ihnen helfe." (S. um sie zu kompensieren. Heft 18/1993. beispielsweise beruhigende Musik in Zuständen des Ärgers (überwiegend ältere Personen) Bei Trauer und Melancholie wählen 50% der Befragten nach dem Kompensationsprinzip lieber fröhliche. in welchem Ausmaß Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren „über Strategien verfügen.a. in Vorb.“ Impulse des nervus acusticus beeinflussen direkt die im Limbischen System "lokalisierten emotional aktivierenden Strukturen. zu dem Ergebnis dass uns Menschen in bestimmten Stimmungslagen „unbeabsichtigt“ und scheinbar ohne ersichtlichen Grund Melodien . die Trauerarbeit zu intensivieren und somit zu verkürzen. Freude.4.) Diese Beziehungen zwischen emotionalem Erleben und Musikwahl korrespondieren mit Gesetzmäßigkeiten bei musikalischen Tagträumereien (Melodien. auf deren tiefenpsychologische Bedeutung übrigens bereits C. 4 . Eifersucht. Ein Drittel dieser Personen gibt an. wie Heavy Metal. erlebt werden (S. um sich abzureagieren Bei Freude. Musik und Medien. Jedoch produzieren wir diese Melodien nicht immer richtig in Tempo und Tonlage son54 . einige. 271 ff. schlechtes Gewissen etc. dass Kinder in einer solchen Situation entweder Musik einsetzen. Vorderer (Musikpräferenzen im Alltag. etwa zur Bewältigung unangenehmer Stimmungen und Gefühle einzusetzen.sogenannte „neurophysiologische patterns. 20) Klaus-Ernst Behne (Wirkungen von Musik. G.einfallen. welche Art von Musik sie wählen würden. wenn sie von einem guten Freund bzw.): Jugend. in: Müller. Musik und Unterricht. Neid. die einem im Alltagsleben unvermittelt und unwillkürlich in den sinn kommen. Liebe. Schramm und P. oder um in ihre Rachegefühle auszuleben. u. während die andere Hälfte traurige Musik hört. Musik kompensatorisch. (Hrsg. Wut oder Ärger (auch bei monotoner Hausarbeit) wird kontrastierende Musik nach dem Kompensationsprinzip gewählt. Wut. zu letzterem eher die Knaben. Trauer.9) ist der Frage nachgegangen. darunter sind keine Jugendlichen Jugendliche benutzen bei Wut und Ärger primär aggressive Musik. um die Trauer zu intensivieren.) zu folgenden Ergebnissen: Ein Drittel der Befragten geben an. R. einer guten Freundin enttäuscht worden seien und nun stinksauer seien. Zu ersterem neigen eher die Mädchen. Melancholie. 22) . Stuttgart 1992) weisen darauf hin. Herma Petri-Wolde kommt in ihrer Dissertation „Wesen und Erscheinungsformen musikalischer Tagträumereien“ aus dem Jahre1958. dass insbesondere im Limbischen System lokalisierbare Neuronen . Aufgrund von Leitfadeninterviews mit 21 Personen und einer repräsentativen teilstandardisierten Telefonbefragung von 150 Personen kommen H. Das Ergebnis zeigt. Ein Vergleich zwischen Jugendlichen und Erwachsenen.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik Spintge und Droh (Musik-Medizin.in 80 % der Fälle Melodien mit Text .

zu hoch oder zu tief.Kommunikation oder Geste?. führt Klaus Ernst Behne auf das Phänomen der Geste zurück. die von ihnen als traurig oder fröhlich eingeschätzt wurde. Musikpädagogische Forschung 1982. 1998. dass der Gesang überhaupt zustande kommt. z. Trauer und Wut durch. Ärger und Angst waren nach dem Anhören der Musik deut55 . B. Freude. dass Zuhörer die jeweils auszudrückenden Gefühle wie z. insbesondere auch diejenigen mit psychischer Behinderung Darstellungen von Gefühle besser erkennen können als Erwachsene (Darstellung und Erkennen des emotionalen Ausdrucks in musikalischen Improvisationen bei Kindern und Erwachsenen. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden. wobei der Therapeut nur insoweit behutsam begleitend mitwirkt. je nach Gestimmtheit. Im weiteren Verlauf würden sie das Tempo beschleunigen und die Tonlage anheben. Behavioural Process 60 / 2002. dass auch musikalische Laien in spontanen Improvisationen auf Xylophonen die Grundgefühle Wut.dern. Im Verlauf der folgenden 20 Minuten. dass Kinder. oder es fallen ihnen beschwingte Melodien ein. Ärger und Angst angeben. dass Berufsmusiker Kompositionen so interpretieren können. die kathartisch entlasten. dass die Melodieproduktionen stets einen positiven Effekt auf die Stimmungslage haben.B. Ärger und Feierlichkeit weitgehend identifizieren können. bestimmten Gefühlen entsprechen bestimmte Körpergesten. mittels Musik Gefühle zu kommunizieren zu können. Wie zu erwarten hellten sich verstärkten sich die Gefühle von Freude und Trauer nach dem zehnminütigen Anhören der jeweiligen Musik signifikant. Piesbergen und Tunner (Musikalisch . Als musikalischer Stimulus diente die zufällige Auswahl aus Titeln. zu schnell oder zu langsam. Dabei zeigte sich unter anderen. An vier Messzeitpunkten der insgesamt vierzigminütigen Musik-Sitzungen sollten die Versuchspersonen auf einem siebenstufigen Selbsteinschätzungsbogen ihre jeweiligen Gefühlslage in Bezug auf Trauer. Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain. Hrsg.improvisatorischer Ausdruck und Erkennen von Gefühlsqualitäten. Dabei würden den Personen. Trauer. die die Studierenden selbst zu den Sitzungen mitbrachten (hauptsächlich populäre amerikanische Titel der frühen 1990er Jahre. 205-214) Das allgemein menschliche Vermögen. wenn Liedauswahl sowie Tempo und Lage von den Patienten selbst bestimmt werden. wobei es zur Stimmungsaufhellung komme. Jahrbuch der Musikpsychologie 13. bei negativer Stimmung Aufhellung. Petri-Wolde hat bei ihren Versuchspersonen herausgefunden. die in den Bewegungen der Klänge wiedererkannt werden. 69-81) konnten in einer Studie mit 20 Gymnasialschülern im Alter von 17 bis 20 Jahren sowie mit 74 Studierenden und Bediensteten einer Behörde nachweisen. Anhand von Handzeichnungen zu bestimmten Gefühlen konnte Behne diesen Zusammenhang auch kulturübergreifend nachweisen (Musik . wenn sie traurig sind. 125-145). die sie aber zu tief und/oder zu langsam. Eine ähnliche Untersuchung führten Cordelia Volland und Gabriele Hofmann mit Erwachsenen sowie Kindern mit und ohne psychischer Behinderung anhand der Gefühle Freude. entweder traurige Melodien einfallen. bei positiver Ausgangsstimmung bewirke die Melodieproduktion gleichbleibende oder gesteigerte positive Stimmung. Musiktherapeutische Umschau 2003.a. the neuro-affective foundations of musical appreciation. also „stimmungsaffin“ produzieren. Handbewegungen. S. die ihnen in den Sinn kamen und während derer sie nach jeweils zehn Minuten erneut ihre Stimmungslage angaben. Trauer und Freude ausdrücken und als Zuhörer erkennen können. in Behne u. Solche psychodynamische Selbststeuerungsmechanismen können musiktherapeutisch genutzt werden. Freude. pendelten sich die Gefühle wieder im Bereich der Ausgangslage ein. 133-155) berichten von einer Untersuchung der Stimmungsveränderung bei 16 Studenten im Alter von 19 bis 23 durch Musik. während derer die Versuchspersonen Sachen aufschreiben konnten. S. Mergl.

Wut. in welchem Umfang Gefühle wie Freude. blieben aber unter dem Ausgangniveau (vgl. stiegen anschließend wieder an. Lebenswoche der Entwicklung des Menschen. Trauer und Wut. In einem geringen Maße gab es auch einen musikalischen Bezug zu Angst und Überraschung. also in der 4. Neugier. Trauer. durch Intonisation (Singen) erreichbaren Bewältigungspotentials“ macht das Zusammenspiel der dabei wirksamen Faktoren deutlich: (Singen als Lebenshilfe. 113-119). Münster 1996) GL + B + K + L Bi = ( 1 + S Trauma ) X (H + W + Ref + Bef) Bi Bewältigungspotential erste Klammer: Elemente der Ontogenese GL Die Erfahrung der Gestaltungsmöglichkeit durch Lautgebärden im Säuglingsalter B Intensität und Häufigkeit des frühkindlichen Singens mit der Mutter oder einer anderen Bezugsperson K Intensität und Häufigkeit von vergangenen und aktuellen Erlebnissen in der persönlichen Lerngeschichte. in denen durch Singen kritische Lebenssituationen bewältigt wurden L Summe der Intensität und Häufigkeit aller vergangenen und aktuellen positiven Erlebnisse mit dem eigenen Singen in der persönlichen Lerngeschichte. Überraschung.B.lich reduziert. Karl Adamek bezeichnet in diesem Zusammenhang Singen als die Möglichkeit zur Bewältigung von emotionalen Spannungen und schwierigen Lebenssituationen und Lebenslagen. Dabei spielt es keine Rolle. Tanz und Kunst-Therapie 2004. Bei diesen Gefühlen handelt es sich um diejenigen. erscheinen und in dieser Zeit bestimmend sind. Schuldgefühle und Scham musikalisch ausgedrückt werden können. die über B und K hinausgehen S Trauma Traumatische Verletzungen in Bezug auf das Singen in der persönlichen Lebensgeschichte zweite Klammer: Elemente der Aktualgenese H aktuelle physiologische Hörfähigkeit W aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Wahrnehmung Ref aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Reflexion Bef aktuelle physische und psychische Befindlichkeit 56 . Mitleid. ob und in welchem Maße der Mensch diese Möglichkeit der emotionalen Regulation nutzen kann: Die„Formel des individuellen. die während der symbiotischen Entwicklungsphase. Verachtung.h. bis 26. Es ergaben sich keinerlei Unterschiede zwischen dem Ausdruck von Gefühlen in der Improvisationsgruppe und den Gefühlen. 144-146). Töne und Tonfolgen frei hörbar oder auch im Stillen vor sich hinsingt. Allerdings hängt es sehr von den musikalischen Vorerfahrungen ab. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse aber eine sehr signifikante Beschränkung des Gefühlsausdrucks durch Musik auf die Gefühle von Freude. Harm Willms führte Befragungen bei psychiatrischen Patienten durch. die beim Hören von Musik empfunden wurden. d. Auf diesem Hintergrund erklärt er beispielhaft soziopsychologische Phänomene wie z. Angst. die Beeinflussung interpersoneller Beziehungen im Sinne von Nähe und Distanz (Ist Musik die Sprache der Gefühle? Musik. ob der betreffende Mensch Lieder singt oder nur „intonisiert“. Ekel.

Springfield 1993) spielte Hörproben aus Europa und Asien verschiedenen Gruppen von kaukasischen Testpersonen vor: Studenten. vor allem die Schüler. War die Musik unvertraut.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens Ruth Bright (Cultural aspects of Music Therapy. Viele Teilnehmer. In einem Fall hielten die meisten Hörer eine Musik für traurig. Arbeitern und alten Menschen.4. Sie kam zu folgenden Ergebnissen: Vertraute Musikstücke wurden von den Testpersonen ähnlich wie von den Komponisten beabsichtigt aufgefasst. The Wounds that Sing. London 2000. erkannten in unvertrauter Musik keine Ausdrucksqualität und hielten sie für dumm und bedeutungslos. wurde sie weniger differenziert beurteilt als vertraute Musik. 226). 57 . in asiatischer Musik einen Stimmungsausdruck wahrzunehmen als Erwachsene (vgl. Warum auch immer: Schüler sind deutlich weniger bereit. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. die in ihrem Herkunftsland als fröhlich gilt.

Therapie und Kunst – Therapeuten“ (Zeitschr. 20-25) hin. d. dass das Phänomen des Hörens letztlich ein Geheimnis bleibt (so wie das Leben)“. d. sondern er schafft aktiv und individuell das. das von außen auf ihn eindringt. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft zu Flaschen aus Deutschland“ (Bild der Wissenschaft 11/2001. der mir etwas sagt. Es gehe nicht nur um die Art des Musikerlebens.G. schöpferischen Vorgang weist Werner Pütz in seinem Aufsatz „Auf der Suche nach der verlorenen Ganzheit“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. Abmessungen und Proportionen mit unfehlbarer Zuverlässigkeit zu erkennen und zu beurteilen. Kaiser (Hrsg.“(72. Auch das Gefühl für die zeitliche Ausdehnung erlaubt uns nur Urteile von ungefährer Treffsicherheit. Östrr. Mainz 1940. das nicht das eigene des Musikers. Reinbek 1985 Auf das Hören als kreativen. 1/89. Eine kognitionspsychologische Beschreibung des Hörvorgangs verdeckt eher. S. das der musikalischen Erfahrung und „ihrer Art und Weise der Wahrnehmung zugrunde liegende Selbstkonzept“ also den „Erlebenden selbst. S..): Musikalische Erfahrung. sondern immer auch gleichzeitig um die Lebensmethode und das Selbstkonzept. der 3 Arten der Wahrnehmung kennzeichnet: Wahrnehmen als Beobachter = katalogisch 1. Sie alle sagen dem Empfangenden etwas. Wittgenstein zitiert in seinem Aufsatz „Kunst .73) O. wie wir sie wahrnehmen. was eben nur in dieser Sprache sagbar ist.“ ( Paul Hindemith: Unterweisung im Tonsatz. Heft 49/1989. „aus der Fülle der uns umgebenden Geräusche und Klänge wählt unser Ohr“ aus. „Alle Antworten auf die Frage ‘was ist Hören?’ müssen unvollständig bleiben und führen immer zu neuen Fragen. 72). 10-14) Martin Buber. das die Fähigkeit besitzt. 12) 58 ." (S. Wahrnehmen als Betrachter = analogisch.. Mthp.. sondern ein wahrgenommenes Geheimnis. 40) Zu diesem Phänomen siehe auch das Kapitel „Das Ohr rechnet“ in: J." Kunst sei von ihrem Ursprung her wesenhaft dialogisch: "alle Musik ruft einem Ohr. Berufsverb.nicht ein Gefühl. alle Bildnerei gilt einem Auge. Hören als „höchst aktive und individuelle Tätigkeit“ ist „von Anfang an bereits als interpretierender Akt zu verstehen“. S. 2. was er hört als ein Zusammenspiel in ihm liegender Fähigkeiten mit einem äußeren akustischen Angebot“.E. Essen 1992. 3. konnten Psychologen der Universität Leicester zeigen: Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische AkkordeonKlänge erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer Wein als deutscher verkauft. 66-82) diesen Gedanken weiter: Musik sei. mit "schwebender Aufmerksamkeit" (Freud) Wahrnehmen als "Innewerden" = dialogisch. unsere Erfindung und für diese Wahrnehmung seien wir selbst verantwortlich. Berendt: Das dritte Ohr. .4. Wie Musik unser unbewusstes Handeln beeinflusst. "wenn mir ein Mensch begegnet. Jörg Harries führt in seinem Aufsatz „Musikerleben als Herausforderung“ (in: Hermann J.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens Paul Hindemith weist auf die besondere Beschaffenheit des Ohres hin: „Das Auge und das Tastgefühl können Größenverhältnisse und Mengen nur aufgrund der Erinnerung und des Vergleichens mit anderen Größen annähernd genau abschätzen. Das Ohr nimmt eine kreative Rolle „als ein Informationen suchendes Wesen“ ein. Das Ohr hingegen erweist sich als das einzige Sinnesorgan.. das nicht das eigene des Bildners ist. „Der Mensch hört nicht etwas.

. Regensburg 1991.) bedeutet.4. ein Ziel zu avisieren.11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ „Musikzeit ist eine intensiv erlebte Zeit“. Um trennen.) Improvisation – Therapie – Leben. & Goldberg. 161).): Musikwissenschaft als Kulturwissenschaft. H. die ihr eigenes Tempo. L. die Wirksamkeit von Musik besteht darin. G. 141).. „dass sie in das Zeitgefühl und in das Zeitbewusstsein des Menschen eingreift und es durchgreifend modelliert. Musik ist geordnete Zeit. immer beides: die Zeit aufhalten und das Verrinnen der Zeit. David Aldridge: „Leben als Jazz“ (in: Haase. modellhaft dafür 59 . geradezu als eines ihrer Grundmerkmale angesehen werden können. deren Inhalt die Zeit ist.. bedeutet Vereinigung und nähert sich dem Zustand vor dem Bewusstsein von Zeit. also bereits Verklungenes. Crossen 2005.u. des technischen Zeitalters. Antje (Hrsg. „Das Leben bedeutet auf den Tod zuzugehen also sterben. weil „Prozesse der Durchdringung von Gegensätzen .die Unterscheidung von Vergangenheit. kommt einer Kunst. die Phasen der Beschleunigung und Beruhigung. aber bereits innerlich Vorgehörtes zusammensetzt... immer Spannung. . Ulrike und Stolz. „in gleicher Zeit etwas zu erleben. im Ästhetischen ist häufig der Umweg die in Wahrheit kürzeste Verbindung. So gibt es immer gegenläufiges. Ästhetik. in der Evolution. die vom Kurzzeitgedächtnis noch als psychologische Gegenwart erlebt wird.. Musiktherapie. also gerade Ertönendes und noch zu Erwartendes. Eine eigene Zeiteinteilung zu haben sei Ausdruck des autonomen Selbst (Individuation). indem Vergangenes. das Eintauchen in die gleiche Zeit. 1992. etwa drei Sekunden beträgt (vgl. Münster 1998.. S. Und gemeinsam musizieren (oder Musik hören.ein musikalischer Prozess ist eine Art Zeitreise.K. des Lebens und des Todes ein Hauptmerkmal der menschlichen Existenz ist. In der Therapie versucht man heute zumeist. eine ganz besondere Bedeutung zu. 157-166) die Zeiterfahrung in der Musik auf musiktherapeutische Problemstellungen angewandt. 1994: Evidence of a time constant associated with movement patterns in six mammalian species. „Ein einmal erklungener Ton verschwindet unwiederbringlich im Medium Luft. Die Frage nach der zeitlichen Seinsweise der Musik lässt sich nicht trennen von der Frage nach der Seinsweise des Menschen.. an der gemeinsamen Zeit teilzunehmen. Gegenwärtigen. eine musikalische Gestaltung bleibt damit streng genommen einmalig und unwiederholbar. sie löst sich auf in der Zeit (Musikpädagogik in der Sozialen Arbeit. Wenn man bedenkt. also strukturieren. die Messung und Planung von Zeit.“ (Verschmelzung/Auflösung) Nach Martin Drewer (Gestalt. also wiedervereinen. die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit. 181-205). Im Leben.“ Reinhard Schneider knüpft in seinem Aufsatz „Musikzeit“ (Musik und Unterricht. In: Ethnology and Sociobiology 15. die gleiche Identität anzunehmen“ (Willms s. Münster 2000) hat Musik mit „ökologischer Zirkularität“ zu tun.. S. S.“ Für Wickel erschließt sich Musik „als Zeitkunst“ und als „gestaltete Zeit“ in ihrer „Ganzheit. So geht es auch in der Musik um beides. Gegenwart und Zukunft. dass die Zeitdauer.. Harm Willms hat in seiner Arbeit „Umgang mit der Zeit und musikalisches Verhalten bei Zwangsneurotiker“ (in: Klaus-Ernst Behne (Hg. die gemeinsame Einteilung von Zeit zu akzeptieren. Das Schema der Gravitation. um es sodann auf dem effizientesten Weg schnell zu erreichen. und verschmelzen. 4-11) an diese Kennzeichnung der Musikerfahrung als Zeiterfahrung den Hinweis auf die enge Beziehung zwischen Musik und den elementaren Grunderfahrungen des Lebens an: „Da der spezifische Umgang mit der Zeit . Heft 14. Anfang und Ende hat. 482) bezugnehmend auf: Gerstner.

denn es ist jedes Mal ein anderer Tag und eine andere Nacht.Rhythtarteiltöne höhe mus chen Klangfarbe Form Lebensrhythmen Atem. Ms. Vom Standpunkt eines konservativen Unternehmers wäre das pure Verschwendung“ (108 f). sondern wie schnell. Rhythmus. wir könnten aus der Welt herausfallen. Jahreszeiten. Bei Luis Zett heißt es: „Was gibt uns der Rhythmus? Ist es das Gefühl des Versichert seins – versichert gegen die dumpfe Angst.Ton.) Improvisation – Therapie – Leben. unv. dass sich Musik besonders hinsichtlich ihrer rhythmischen Qualität „als wirkungsvolles und dabei subtiles Kommunikationsmittel“ darstellt. Umwege verstärken die Spannung und erzeugen so erst die Sehnsucht nach ihrer Entladung. 2003. auch ein Elektron schwingt im Takt.Atome Moleküle Ober. Crossen 2005. (stimmen. haltlose Chaos? Oder ist Rhythmus ganz einfach ein biologischer oder überhaupt stofflicher Grundfaktor? Auch eine Zelle hat ja ihren Lebensrhythmus. Zeit. einstimmen. 473-487). das Gleiche. zu einer schnellen Lösung zu gelangen. auch in der Musik bestimmt nicht der Wunsch. Antje (Hrsg. so reichte eine einfache Landstraße. Harmonie. Tonhöhe. Planetenphasen etc Mikrorhythmen in der Materie MUSIK Makrorhythmen in der Materie David Aldridge hebt hervor. Melodie. Melodie (als Abfolge verschiedener Tonhöhen) und Harmonie (als gleichzeitiges Erklingen verschiedener Tonhöhen) stellen Quantensprünge des Rhythmus dar. Puls. Zeiteinteilung. das sich „isomorph“ zum Lebensprozess verhält Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. Hätte der Weg noch Erlebniswert. „Beim Zuhören bewegen wir uns synchron zu der Artikulationsstruktur des Sprechenden. aus der Ordnung von Raum und Zeit ins konturlose. Ulrike und Stolz.unser Verkehrswesen: Die schnellste Verbindung zwischen Hamburg und Berlin sind eine gerade Autobahn. ein Flugzeug oder die Hochgeschwindigkeitstrasse. Elemen. installierte den Wechsel. übereinstimmen. und Rhythmus selbst ist strukturierte Zeit. etc Kosmische Rhythmen. ist dadurch knapp geworden. Entwicklungsphasen. das niemals gleich ist. Weder die biologische und die menschliche Evolution noch die Sozialgeschichte scheint dergestalt verlaufen zu sein. Verläufe werden gedehnt. Entscheidend ist aber nicht mehr wie wir irgendwohin gelangen. Tag und Nacht. 54) Alle Musikalischen Parameter1 Klangfarbe.“ Musikalische Parameter: die Eigenschaftsmerkmale der Musik Klangfarbe. Auflösungen verzögert und verschoben. Lautstärke 1 60 . heute nicht mehr zirkulär begriffen. Was sagt uns der Mythos? Schon am Beginn der Genesis schied Gott Tag und Nacht. die Wiederkehr.

. um Kommunikation im Sinne einer personellen und interpersonellen Integration zu fördern. die zu verbaler Kommunikation nicht fähig sind.. bei dem die Person in ihren Möglichkeiten eingeschränkt ist. Die Klänge. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden. „in dem sich Menschen als gegenwärtig erleben und ihre Bewegungen dadurch koordinieren.. sich konkret in der Zeit zu erfahren. Das wir besonders bei der Arbeit mit Menschen im Koma deutlich. dann geht der Zuhörer auf die rhythmische Struktur des Sprechenden.. Sie bieten den Ausgangspunkt für die Musik des Therapeuten. Wir können hören.) Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. um innere Bedürfnisse und äußere Anforderungen zu bewältigen. So kommt es zu gemeinsamen Bewegungsmustern die nicht nur eine gemeinsame Hirnaktivität darstellen sondern gleichzeitig „eine Interaktion zwischen Person und ihrer Umgebung. Durch die Musiktherapie erhalten die beteiligten Personen außerdem die Möglichkeit. Durch die Förderung der Entwicklung von kreativen Reaktionsformen ließen sich dann die Möglichkeiten für eine Genesung schaffen“ (485). im wahrsten Sinne des Wortes. die einen solchen Kontext bietet“ (482). ihr Selbst im Sein.) musikalischer Natur. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. Indem man mit dem Patienten singt oder musiziert. wie wir mit unserer Umgebung interagieren. Singenden bzw. Menschliche Aktivitäten sind grundlegend als Hierarchie rhythmischer Anpassungsprozesse organisiert. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt.“ Beim „Zusammenbruch der Synchronisation des Verhaltens tritt das Pathologische hervor“ (484). den musikalischen Komponenten der Kommunikation Beachtung zu schenken. erhält man eine Zeitstruktur. sie hören. Ihr Schlüssel ist die Periodizität der Vitalrhythmen Puls und Atmung...„Jeder synchronisiert die Rhythmen erst für sich. Dennoch sind Verstehensprozesse Möglich. Wenn das überleben des Menschen bestimmt wird von dem Repertoire an flexiblen Reaktionen. Vielleicht kann man Krankheit als einen Zustand beschreiben. Physiologische.“ Diese Erfahrungen von Periodizität bilden sind die Grundlagen jeglicher Art von Kommunikation. auch in Beziehung zu einer anderen Person zu hören. „Eine kreativ gestaltende Musiktherapie bietet die Möglichkeit. neue Lösungen für ein Problem zu entwickeln) oder nur ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsformen besteht. Es könnten alternative. dazu angeregt werden. Spielenden ein“ (478). dann wird vielleicht beim musikalischen Improvisieren auf akustischem Weg Kreativität vermittelt. der dynamisch und von musikalischer Struktur ist. aus welchem Fachbereich sie kommen.“ Maschinengeräusche können einen solchen Kontext nicht herstellen. damit sie nicht von sich selbst oder von anderen Personen entfremdet werden.“ (.“ dienen entscheidend „zur Konditionierung der Wahrnehmung von Rhythmen. Auf diesem Wege könnten die Künste wie auch die Wissenschaft die medizinische Praxis bereichern“ (485). dass eine Therapie mit improvisierter Musik (. 61 . Zudem sollten Kliniker unabhängig davon. Demzufolge kann man annehmen. kreative Dialoge innerhalb der einzelnen Person gefördert werden. kreativ zu improvisieren (d.h. Darüber hinaus sind alle „grundlegenden Elemente menschlicher Kommunikation (. sondern um einen Ausdruck dafür. psychologische und soziale Aktivitäten finden in einem zeitlichen Kontext statt. und zwar innerhalb des Individuums als Selbstsynchronisation und in Beziehungen als interaktionale Synchronisation. mit der eine Person diese Anforderungen bewältigt.) ein wirksames Mittel darstellt.

. Auf diese Weise kann sich die subjektiv erlebte Gegenwart des Musikerlebenden weit in Vergangenheit und Zukunft hinausdehnen. . Dadurch hat der Patient die Möglichkeit während der Improvisation sowohl die problematischen Formenbildungen als auch Lösungschancen (. in dem er nur seine Probleme wahrnimmt“ (105). so dass mit dem veränderten Zeitempfinden auch veränderte Bewusstseinszustände möglich sind. was die Autorin an der „Analyse des Melodischen“ veranschaulicht: Im Moment hört man immer nur einen Ton. die ganze Melodie als Gegenwart zu empfinden.Die Patienten können. „dass die in dieser Lebensmethode kristallisierten Stockungen und Probleme einen breiteren Ausdruck bekommen. Wiesbaden 2006. Die Musik kann in diesem Zusammenhang als Zerdehnung des Augenblicks verstanden werden. wodurch ihm „eine andere Sichtweise auf seine Probleme und sein Leiden“ eröffnet werden kann (106). Diesen Augenblick müsse man „zerdehnen“. 101-117) kennzeichnet Shushanik Sukiasyan das seelische Befinden des Patienten als „eingeengten Zustand. so folgert Shushanik Sukiasyan. Indem man ihn aber mit den jeweils folgenden in einen sinnvollen Zusammenhang bringt. der im musikalischen Augenblick geschieht. deren sinnvolle Eingliederung in die sich vollendende Gesamtgestalt der Hörer erwartet. zu benennen und sich damit auseinander zu setzen“ (112). Das lässt sich auch auf die Erfahrung des formalen Geschehens übertragen: Formteile oder Motive werden wiedererkannt und fügen sich im Erleben des Hörers zu übergeordneten Strukturen zusammen.In ihrem Aufsatz über „die Zerdehnung des seelischen Augenblicks und den zerdehnten Musik-Augenblick am Beispiel psychosomatischer Patienten“ (in: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg. wird es möglich.. „in der musikalischen Improvisation der Musiktherapie eine unmittelbare Möglichkeit der Zerdehnung des seelischen Augenblicks erleben“ (111). 62 . Jahrbuch Musiktherapie. Gleichzeitig bringt die musikalische Improvisation „das Typische der Lebensmethode“ hervor und ermöglicht durch den Prozess der Zerdehnung.) gleichzeitig in der Gegenwart wahrzunehmen.

dass sein Schreien die Mutter herbeiruft. Und Luther sagte: In der Kirche Gottes wird nichts verlangt außer hören . indem sie ihn einzuordnen versucht in einem größeren Sinnzusammenhang. d.und Musikerlebnisse des Menschen mit der Erfahrung von Angst und ihrer Bewältigung. dass der Schmerz die „ursprüngliche Quelle der Musik“ sei (Dezsö Mosonyi. mit Befriedigung verbunden. S. So kommt es zu einer frühen Verbindung zwischen dieser präverbalen akustischen Erfahrung. Das Wiedererkennen bedeutet außerdem ein Lusterlebnis da es möglicherweise entstandene Angst wegen des Nichtvorhandenseins der Mutter wieder löst. 20-40). Kind und Glaube. die angenehmer sind: die beruhigende Stimme und das Singen der Mutter.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens Viele Autoren verbinden frühste Klang. in der der Säugling Geräusche im Gegensatz zu anderen Reizen erlebt: „Bei optischen Reizen kann er die Augen schließen. Insofern kann man auch sagen. Zeitschr. Berufsverb. gleichfalls hohe Sensitivität für autoritäres Vatergehabe zeigten. 63 . bei taktilen Reizen ist es ihm nach wenigen Tagen bereits möglich. sich zu entziehen. De Mendelssohn hat beobachtet. Etwas später macht der Säugling auch noch andere akustische Erfahrungen.“ (Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen. 3/1989.) Umgekehrt schreit der Säugling bei Erfahrungen von Unlust und lernt bald. Sowohl Luther wie Beethoven litten an quälendem Ohrensausen.hätte der Mensch nur Augen. 25 ff. Harm Willms weist auf die Besonderheit hin. dass das Kind an der sprachlichen Verständigung teilhaben kann.“ (Frieder Harz: Musik. gehorchen und Hörigkeit. Er macht die Erfahrung. dann hätte er keine Religion. Stuttgart 1975. beruft sich auf sie und hält an ihr fest. Dem Geräusch gegenüber besteht jedoch eine gewisse Wehrlosigkeit.. S. S. Hände. dass er mit Hilfe seiner eigenen klanglichen Äußerung die bedrohliche klangliche Außenwelt beeinflußt. d. und einer als bedrohlich erlebten Außenwelt. Geschmacksund Geruchssinn. die als Ausgeliefertsein oder ausgesetzt Sein erlebt werden muss. Stuttgart 1982. dem Geräusch. prägt.. Östrr. So z. S.. denn im Schmerz werde die Musik als wirksame Kraft erlebt. 73) Für Sigmund Freud ging es bei der „Verbindung der Hörsphäre mit der Angst“ um die Angst „vor dem Über-Ich. dass auditive Patienten (insbesondere Frauen). Guten und Sinnhaften. verändert und mit diesem akustischen Eingriff in die ihn umgebenden Klangwelt seine Lebensumstände verändert (die Mutter kommt herbei und wendet sich ihm zu). Mthp. 32) Er weist auch auf die zwiespältige Erfahrung beim kindlichen Spracherwerb hin. dass die ursprüngliche Übereinstimmung mit der Mutter im frühkindlichen Zustand der Symbiose vor und jenseits aller sprachlichen Verständigungsbemühungen verloren gegangen ist. Das Kind erkennt die Stimme der Mutter wieder und wirkt durch die konstante Zuwendung beruhigt. vor den Stimmen der magisch-allmächtigen Eltern. die schreckhaft auf Geräusche reagieren.“ Feuerbach schrieb 1851: „Das Ohr ist das Organ der Angst. Die irrationalen Grundlagen der Musik.wir denken auch an gehorsam. nimmt der Klagegesang „den erlebten Schmerz auf und bindet ihn ein in die im Gesang körperlich nah vergegenwärtigte Erfahrung des Geordneten. in: IMAGO. die ihn füttert und trocken legt usw. (S. S.B.4. Leipzig 1935. 207). 21. gleichzeitig enthalte sie aber auch den Schmerz darüber. denn all jene Sinnesorgane sind Organe der Kritik und des Skeptizismus. auf der einen Seite sei die Erfahrung.“ (Felix de Mendelssohn: Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik.

München 1987) kann das Musikerleben alte Emotionen mobilisieren. 224) Friedrich Klausmeier (Die Lust. die Musik wird zur Projektionsfläche. von der ich mir nie hätte träumen lassen.in verschlüsselter. dass gerade die zum Teil aus primitiven Kulturkreisen stammende Musik. symbolhafter Form. sondern lässt die besondere Bedeutung der Musikerfahrung für tiefenpsychologische Prozesse aufscheinen. sozusagen direkten Eingang in die für die Steuerung der Emotionen und vegetativen Vorgänge verantwortlichen Hirnstrukturen findet“ (32).. die Projektion und die Identifikation vollziehen sich im Zustand der Regression im Dienste des Ich. als wären sie unsere eigenen seelischen Bewegungen) Erlebnisweisen und Gefühlszustände zurück. stellt man fest. Gerhard Hrsg. dass Musik von jetzt an ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Analyse sein müßte. Dann träumen die Versuchspersonen von ihr als solcher. auf der sich psychisches Geschehen abbildet. die beim Musikhören wirksam werden: die Projektion und die Identifikation. Freiburg 1982) sind musikalische Erfahrungen „mit Erlebnissen oder Erinnerungen aus meist sehr frühen Stadien der individuellen Entwicklung“ verknüpft. Traumtätigkeit verglichen Tagträumerei) werden. Erfahrungen intensivieren und vertiefen und psychische Abwehrmechanismen durchbrechen. Harrer. (S. belegt nicht nur die zuvor ausgeführten neurophysiologischen Vorgänge. (im Dienste des Ich) auf der sich innerpsychisches Geschehen Phantasietätigkeit und Tagabbildet) träumerei. bzw. bei der der Hörer auf Projektion frühere Erlebnisweisen und (Wir „legen etwas in die Musik hinein“. 64 . als wären sie seine eigenen seelischen Bewegungen. 231) (wir gehen auf frühere Überhaupt kann Musikhören mit der Phantasietätigkeit. (S. eine ganz individuelle Bedeutung. die Freud für Identifikation (wir erleben die musikalischen Prozesse. Beide psychischen Aktivitäten. Basel 1988 folgendes Zitat von C. Insofern hat die Musik „für jeden einzelnen. sich musikalisch auszudrücken.Boris Luban-Plozza bringt in seinem Buch „Musik und Psyche“. die Musik wird zu einer Projektionsfläche. Sie gelangt zu tiefem archetypischem Material. zu dem wir in unserer analytischen Arbeit mit Patienten nur selten gelangen.“ (S. der sie hört oder ausübt.. „nicht aber –wie man annehmen würde. Das. Stuttgart 1992). was Sie mir heute gezeigt haben. als wäre es außerhalb des Hörers. ohne das Tor des Verstandes passieren zu müssen.“ (S. Reinbek 1978) nennt als psychische Aktivitäten. in denen Musik als Trauminhalt auftaucht (vgl.lässt mich fühlen. dass Musik „einzigartig mit der psychischen Energie“ korrespondiert. Das legen auch Untersuchungen von Träumen nahe. er erlebt musikalische Prozesse. Regression Gefühlszustände zurückgeht. Jung: „Das eröffnet eine ganz neue Forschungsrichtung. Klausmeier (1984) hat die Prozesse des Musikerlebens mit den neun Gesetzen. Die Erfahrung. bei der Projektion legen wir etwas in die Musik herein. 154) Nach Claudia Schumann (Musiktherapie und Psychoanalyse. Wenn man dem energetischen Modell Freuds folgend beim seelischen Geschehen zwischen Primärprozessen (Prozessen des Unbewussten) und Sekundärprozessen (bewusste Prozesse) ausgeht. Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. bei der Identifikation erlebt der Hörer sich. Die Musik wird also ohne die sonst übliche Übersetzung in die Traumsprache direkt in den Trauminhalt übernommen. 31) Nach Stanislav Grof (Das Abenteuer der Selbstendeckung. Teile von sich in der Musik wieder.G.

In Teilen zeigt sich das Prinzip das Ganzen (Verdichtung) (vgl. Eine Bestandsaufnahme. Die neun Gesetze im einzelnen können folgendermaßen auch im musikalischen Geschehen wiedererkannt werden: 1. Nach Heinz Kohut ist das Musikerleben mit den ES . die Beziehung zur Über-Ich-Funktion vollzieht sich in der Über . Es gibt keinen Ausdruck von Abwesenheit und Negation 5. Zunächst verläuft die primärseelische Logik wie „alle Musik in der Zeit als Energiestrom ab und korrespondiert damit einzigartig mit der psychischen Energie“ (123). Friedrich Klausmeier. Gegensätze können friedlich nebeneinander stehen. von 1950 bis 1975 auf die Bewältigungsmechanismen 65 . 8. 218 . Musik wird als „Ersatzbefriedigung der Triebe in der Phantasie“ bezeichnet. Der Zuhörer wiederum entschlüsselt diese musikalischen Symbole und erlebt dabei eine ähnliche Ersatzbefriedigung wie der Musiker (347 f). 4. Gießen 2002) in der Zeit von 1910 bis 1950 auf die sexuelle Triebdynamik. recht gehandelt zu haben“ (Heinz Kohut: Introspektion. Wille) drückt sich in der Beherrschens beinhaltet.Funktion insofern. Der psychische Primärprozess und die musikalische Interpretation. Sexualität in Beziehung steht (Es-Funktion). 2. und geordnet wahrzunehmen). Empathie und Psychoanalyse.243). verglichen und dabei viele Übereinstimmungen entdeckt. Rainer Dollase (Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. Ich und Über-Ich (Vitalität. ergibt sich nur aus dem Zusammenhang. Es kann mehreres gleichzeitig geschehen. Ich und Über-Ich. verschiedener Klänge. Gegenstände können stellvertretend füreinander stehen. Rhythmus insbesondere in der Rhythmuserfahrung. 9. selbst Klänge hervorzubringen Klänge hervorzubringen und sie geordnet wahrzunehmen). 3. gung. selbst durch die Fähigkeit. wobei der Musiker oder Produzent seine Triebproblematik in musikalische Symbole verschlüsselt und sich dadurch von seinem Es-Über-Ich-Konflikt befreit. 115-129). Frankfurt/M. In: Dieter Baake (Hrsg. Musiktherapeutische Umschau 1984. indem Musik sinnliche Lust verschafft. Sexualität) drückt sich im verbunden. S.den seelischen Primärprozess festgestellt hat. Opladen 1998) erläutert die Entstehung von Musikpräferenzen als Ergebnis tiefenpsychologischer Prozesse im Spannungsfeld zwischen Es. Sie existiert nur in der Gegenwart.) Handbuch Jugend und Musik. in Beziehung zum Ich steht das Musikerleben Ich . 1977. insbesondere in der Melodie Melodiebildung.Ich . wodurch der Musiker ein aus (im „richtigen“ Zusammenklang Gefühl von Befriedigung und Sicherheit erhält. als es eine Freude spendende Form des (Verstand.Funktion psychischen Funktionen Es. Es gibt keine Konditionalia oder einschränkende Negationen 6.Funktion Unterwerfung unter eine Reihe ästhetischer Regeln (Moral) drückt sich in der (Harmonielehre) oder auch in kreativem Umgang Harmonie mit ihnen (Rebellion). nach den Regeln der „das verwandt ist mit der moralischen Befriediästhetischen Konvention oder dem bewußten Verstoß gegen diese). (Überwindung von Geräuschangst aus (die Freude spendende Fähigkeit. Ob etwas positiv oder negativ gemeint ist. 7. die mit aus (Ausagieren motorischer Impulsivität). Arbeiten über psychoanalytisches Verständnis von Musik beziehen sich nach Bernd Oberhoff (Psychoanalyse und Musik. Musik ist (im Gegensatz zur Sprache) präsentative Symbolik.

66 . 39-49) auf die Bedeutung und musiktherapeutische Relevanz von Objektbeziehungen hin. Das an Regression gebundene Übergangsobjekt tritt nur in solchen Zuständen in Erscheinung. 403). Das Übergangobjekt hat Anfang und Ende. Anhand von Übergangsobjekten und Objektbesetzungen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet und anhand von Therapiebeispielen beschrieben: „Im musiktherapeutischen Prozess sollte die Therapeutin wissen. Edith weist in ihrem Aufsatz „Zum Umgang mit den Begriffen Übergangsobjekte und Objektbesetzungen in der Musiktherapie“ (Musiktherapeutische Umschau. Ludger Kowal-Summek. 2005.des Ichs und in der Zeit danach auf die präverbalen Prozesse der Mutter-Kind-Beziehung (vgl. Das Übergangsobjekt darf seitens der Patientin im musiktherapeutischen Geschehen von der Therapeutin und den Gruppenteilnehmern meist nicht verwendet (gespielt) werden. Musiktherapeutische Umschau 2003. Es verliert im Laufe des Therapieprozesses an Bedeutung. erlaubt der Patientin ein Regredieren auf eine frühkindliche Ebene. Diese Sphäre. die von der Therapeutin respektiert und geschützt wird. Die Objektbesetzung ist dynamisch und kann innerhalb des Therapieprozesses ‚kommen und gehen’“ (49). ob es sich bei Musik und beim Instrument um ein Übergangsobjekt oder um ‚bloße’ Objektbesetzung handelt: Das Übergangsobjekt ist durch den intermediären Raum gekennzeichnet. Wiesmüller. Die Objektbeziehung muss nicht an Regression gebunden sein und kann sämtliche Entwicklungsstufen mit ihren jeweiligen Objektbeziehungen repräsentieren. Bei Objektbesetzungen dürfen seitens der Patientin andere die Musik und das Instrument verwenden und verändern.

13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens Beim klassischen Konditionieren Musik.) Handbuch Jugend und Musik. In: Dieter Baake (Hrsg. die in unerfreulichen Situationen gehört wurde.4. Opladen 1998. die in erfreulichen Situationen gehört wurde. wird negativ bewertet. Musik. wird positiv bewertet Beim operanten Konditionieren wirkt die Anerkennung von Gleichaltrigen für den Kauf einer bestimmten Platte oder den Besuch eines „richtigen“ Konzerts als Verstärkung Rainer Dollase: Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. 349 67 .

S. Das hängt schon damit zusammen.und Gesellungsformen. ist geteilte Zeit. Wir formieren uns zu einer hörenden Gemeinschaft oder einem singenden Chor. Räume zu überschreiten und die Ohren und den Körper von anderen Menschen als Vibration zu erreichen. Die Musik als vor. im rhythmischen Auf und Ab der geräuschvollen Atmung und im rhythmischen Schlag des Herzens.und Kommunikationserfahrung hinein. Musiktherapeutische Umschau. Später tritt die Sprache in die Sozial. (Felix de Mendelssohn. 4) Jene sozialen Urerfahrungen des ausgesetzt Seins. Trauer und Schmerz die uns nicht sprachlos machen dürfen. 27 f.Helfen .passiven wie aktiven Kommunikationserfahrungen ermöglicht. und 38) Musikalisches Geschehen ist immer auch ein soziales Ereignis. in: Zeitschr.und außersprachliches Geschehen. Zur anthropologischen Begründung und Ausrichtung eines ausgewogenen Musikunterrichts für alle Stufen der allgemeinbildenden Schule. in: Musik und Bildung. Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. Für die Dauer dieser geteilten Zeit ist das. Berufsverb.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens Wenn man bedenkt. 3 (2007). sich also "gegenüber dem. d. Jede Musik hat ihre speziellen Versammlungs. 3/1989. sie wirkt wie ein Riß zwischen Mutter und Kind. (Hermann Rauhe. was die Mutter hört oder spricht . oder einem spielenden Orchester oder einer Improvisationsrunde. des Auf-sich-aufmerksam-machenKönnens und des angenommen Werdens sind soziale und zugleich akustische Erfahrungen. Bilden . dass es vor allem auch das Medium Schall ist.kommunikativ verhält . was uns im Alltag voneinander trennt. dass "die Hörzellen schon auf Reizenergien. welches dem Individuum jene ersten . Der musikalische Raum wird in der Musik zum gemeinsamen Raum. d.4. Musikerleben ist auch immer mit sozialen Gesellungsformen verknüpft. wenn man berücksichtigt. die ich mit anderen verbringe. indem es spürt." In der Musikerfahrung ist dieser „Riß in unserem Dasein“.einerseits werden durch das Verhandeln von Bedeutungen zwischen Eltern und Kind die Gefühle von Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit bereichert. dass Klänge in der Lage sind. die rund 10 Millionen mal kleiner sind als die beim Berühren. aber auch im Musikhören erleben wir die Abwesenheit von Missverständnissen. der in Musikerfahrung symbolisch für kurze Zeit gekittet zu werden scheint. dass "die Reaktionsstärke des menschlichen Organismus auf akustische Reize erheblich größer als die auf optische und taktile Berührungsreize" ist." verbindet uns auf dieser ursprünglichen Ebene des Gleichklangs und Gleichschwingens mit der Mutter. die die Herausbildung eines sozialen Selbstverständnisses entscheidend prägen. wenn auch nur für kurze Zeit. 201-204) beschreibt die besondere Verbundenheit. Heft 1/1978. gekittet. aufgehoben. Im gemeinsamen Singen oder Musizieren. "als Gefühlsausdruck von gelebter Zeit." und dass "das entscheidende pränatale Erlebnis Mutter ein akustisch . Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie.und wohl intensivsten . die miteinander Musik erleben. "erlebt im rhythmischen Wiegen des Ganges. S. Mthp. Östrr. "kann sie uns Trauer und Schmerz nicht ersparen. die bei Menschen entsteht. Sprache wirkt wie ein "zweischneidiges Schwert . wie sie sich akustisch ." so kann zusammengefasst werden. die 68 . dass seine vorsprachlichen Erfahrungen nicht durchgängig in Sprache übersetzbar sind.kurz. dass schon der Embryo "spezifische Reaktionen auf akustische Reize" zeigt. indem sie jedoch verklingt." reagieren.rhythmisches" ist. sei es gewollt oder ungewollt." Deshalb erfordert musikalisches Erleben immer wieder die sprachliche Vergewisserung. von Lebzeit.nicht neutral verhält. 28.Heilen. folgendermaßen: „Die musikalische Zeit. andererseits verliert das Kind seine Ganzheit.

wenn alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation nicht mehr funktionieren. warum Musik in der Therapie ein einzigartiges. (A. Kipper: The influence of group singing on trust and cooperation. dieselben Inhalte und Themen. bei manchen Krankheitsbildern sogar das letzte und einzige Kommunikationsmittel sein kann. die sich vorher noch nicht kannten. zu wieviel Kooperation sie bereit wären. Das emotionale Erleben fokussiert sich auf den gleichen Gegenstand. Die Musik. Of music therapy 3/88. Journ. die wir teilen. wir erleben Geborgenheit in der Musik. Anshel & D. der zufolge Versuchspersonen "eine Stunde lang in sehr verschiedene Situationen gebracht wurden: einmal wurde gemeinsam gesungen (Musik/Aktivität). 145-155 Soziale Wirkungen des Musikerlebens „Vertrauen“ „Kooperation“ Film Betrachten Gedicht Rezitieren Musik Hören Singen 69 . Die Ausdrucksmotorik derer. die singen oder musizieren oder auch nur Musik hören. das eine Verbindung zu anderen schafft. Klaus-Ernst Behne berichtet über eine israelische Studie. den Grad des Vertrauens zu ihrem Nachbarn in einem Fragebogen angeben und danach in dem berühmten Gefangenendilemma-Spiel demonstrieren. Sie lenkt die Kognitionen und kanalisiert die Gedanken in die gleiche Richtung. ein andermal wurden gemeinsam Gedichte rezitiert (nicht Musik/Aktivität).A. die wir hören oder die wir selbst erzeugen. Nach diesen unterschiedlichen Erfahrungen sollten die Teilnehmer. den wir auf andere Weise vielleicht nicht erreichen könnten. wird synchronisiert. führt zu einer Synchronisierung mit anderen Menschen. Die Musik erzeugt Gefühle und Emotionen. können wir nicht einander Feind sein. in einer dritten Situation wurde Musik vom Band gehört (Musik/Passivität) und in der letzten Gruppe wurde gemeinsam ein Film betrachtet (nicht Musik/Passivität). Das ist auch der Grund. Auf diese Weise vermittelt Musik uns Sicherheit. und zwar gerade dann. Und als Mitfühlende sind wir einander nahe. Das gemeinsame Singen ist auch Ausdruck gemeinsamer Identität und Orientierung. So hat Musik auch friedensstiftendes Element. Sie bewirkt eine gemeinsame Fokussierung der Aufmerksamkeit. Wenn wir uns aber nahe sind. Die gemeinsam erlebte oder musizierte Musik wird so zur Brücke zum anderen Menschen.uns voneinander trennen und das Miteinander im Alltag oft erschweren.

dass Singen die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin stimuliert.“ Deshalb kann geschlossen werden.Den Versuchspersonen war nicht bewusst. Heft 18/1993. Außerdem kommt es zur Synchronisierung „von gemeinsamen Atemmustern über synchronisierte Herzfrequenzen und Blutdruckschwankungen bis zur Synchronisation und Harmonisierung neuronaler Netzwerke in unseren Gehirnen. tendieren sowohl unsere physiologischen Zustände durch wechselseitige ‚organismische Resonanz’1. die auch im Tierreich beobachtet werden können (ebd. In der Säuglingsforschung spricht man von hochwirksamen „Bindungs-Duetten“ zwischen Müttern und Kindern. vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein“ lässt“ (in: „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (2008. 359-368) beschreibt unwillkürliche wechselseitige neuromuskuläre Übertragungsvorgänge zwischen Gesprächspartnern. Sobald wir kommunizieren und ganz besonders beim gemeinsamen Singen. und ihnen war auch nicht bewusst. mehr Vertrauen zu einem Nachbarn zu haben als in einer nicht musikalischen Situation. als auch unsere Frequenzspektren dazu. von denen der gesamte Organismus betroffen ist. dass sie sich jeweils in einer von vier unterschiedlichen Situationen kennengelernt hatten. Die Interview der Teilnehmer des Chores ergab: Sabine Rittner (im Lexikon Musiktherapie (Hrsg. dass bei erfolgreich miteinander kommunizierenden Menschen die Frequenzspektren ihrer Stimmen einander annähern. Außerdem verbinde Singen in Gemeinschaft die Menschen untereinander und wirke „krankmachender Vereinsamung entgegen“ (ebd. 1 70 . dass hingegen Aktivität (Singen oder Rezitation) die Bereitschaft zur Kooperation erhöht. Alkoholismus und/oder Drogenabhängigkeit. Die Ergebnisse zeigen ganz eindeutig. weil der Nervus Vagus und über ihn das gesamte vegetative Nervensystem mit der Kehlkopfmuskulatur verbunden ist. „dass Singen in Chören und Gruppen Gefühle der Verbundenheit und Gemeinschaft stärken kann und sogar teilweise therapeutische Effekte hat“ (65). dass „Vertrauen“ und „Kooperationsbereitschaft“ die relevanten Aspekte in dieser Studie waren. der als Helfer in einer Suppenküche für Wohnungslose mitarbeitete. S. einige zeigten Verhaltensweisen. diskfunktionalen Beziehungen und unglücklichen Lebensumständen.“ Später heißt es in der wissenschaftlichen Begleitstudie zu dem Projekt: „Viele der wohnsitzlosen Chorsänger litten an emotionalen Problemen. Wirkungen von Musik. 215). Rittner. jemals ein produktives und erfülltes Leben zu führen“ (74). in: Musik und Unterricht. 29. 35 f). die belegen. Diese Männer waren soziale Außenseiter.). Er „ging ursprünglich zurück auf die Initiative eines jungen Mannes. Besonders eindrucksvoll der Bericht über den Chor der Wohnsitzlosen („Homeless-Choir“). Er erhoffte sich ähnliche Auswirkungen auf die Wohnsitzlosen. das „Menschen friedfertiger. als er sich an seine eigene Zeit im Chor erinnerte – an seine damaligen Gefühle der Freude und Zufriedenheit. Sabine berichtet. gegründet1996 in Montreal. Kanada. dass ein musikalischer Kontext (Singen oder Hören) uns dazu veranlaßt. „dass Gesang ein ideales Mittel zur Schaffung sozialer Verbundenheit darstellt und er kann sogar eine Resonanz auf der Ebene biologischer Körperrhythmen bewirken“ (35). „wir schwingen uns also auf ‚gleiche Wellenlänge’ ein. MU. die wenig Hoffnung hatten. 7 f. Decker-Voigt et al Göttingen 1996) S. Die Idee hierzu bekam der junge Mann und spätere Chorleiter. Bossinger berichtet über einige Studien. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. sich zu synchronisieren“ (34). 216). Insgesamt ergaben sich für die beiden Aspekte beim Singen in der Gruppe die höchsten Werte (Klaus-Ernst Behne. Norderstedt 2005) weist darauf hin. Einige von ihnen hatten viele Jahre auf der Straße gelebt. manisch-depressiven und schizophrenen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen waren. die konsistent mit Symptomen von depressiven.

13-22) erinnern daran. Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. Bei politischen Liedern kann zunächst eine Meinungsbeeinflussung vermutet werden. wer singt. dass sich die genetische Verankerung der Fähigkeit. Beschimpfungen der gegnerischen Mannschaft und Spielkommentierungen wechseln (vgl. Münster 2003. um der Repertoire zu erlernen und auszuführen. in welchem die Kluft überbrückt werden kann. dass Kinder. „Auf diese Weise wird eine anstrengende. sowohl bei der Zivilbevölkerung als auch bei der kämpfenden Truppe“ (17). keine Zeit zum Nachdenken hat.1. Schreien etc. Der Chor bietet den Chormitgliedern eine familiäre Atmosphäre. wie z. Jahrhundert hinein.B. in: Tillmann Bendikowski u.): Die Macht der Töne. häufig monotone und manchmal sogar gefährliche Tätigkeit erleichtert durch emotionale Aufhellung und verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl. 3. dass. „ein starkes Gefühl der zumindest vorübergehenden Verbundenheit“ empfinden. war Ziel der ‚chain-gang’-songs der Gefangenen in nordamerikanischen Gefängnissen bis weit ins 20.a. die allerdings je nach aktueller Spielsituation zwischen Unterstützung des Vereins. Kopiez / G. aktive Teilnahme am Gruppensingen verringert depressive Stimmungen und fördert emotionale und körperliche Gesundheit. was ihm möglicherweise im Feld erwartet – ein ähnliches Phänomen wie bei dem pfeifenden einsamen Spaziergänger. die aus Schulklassen mit Musikgruppen (Chor oder Orchestergruppen) sozialer eingestellt sind als Kinder ohne solche besondere Förderung (Musiktherapeutische Umschau 1999. R. 71 . also Schaffung einer Stimmungskongruenz einander persönlich häufig unbekannter politisch Ähnlichdenkender. Hans Günther Bastian weist in einer 1999 veröffentlichten Studie nach. 2. wie auch ein Milieu zu schaffen. Würzburg 1998). Während dieser Zeiten ist die Aufmerksamkeit abgelenkt von störenden internalen Gedankenreflektionen und kann helfen. also keine Angst davor bekommen kann. und „erhöhte Bereitschaft zum gemeinsamen Singen (Grunzen. der im Wald von der Dunkelheit überrascht wurde-. Die Synchronisierung der gemeinsamen Arbeit. (Hrsg. welche erforderlich ist. in der sie ein angemessenes interpersonelles Verhalten entwickeln können. Eine Fanomenologie. 64 f). dass Menschen die miteinander musizieren. Die Autoren vermuten auch. die gerade in Kriegszeiten die Loyalität gegenüber den Herrschenden sowie die Opferbereitschaft erhöhen sollen. des Straßenbaus.) bei den Frühmenschenvorteilhaft auf die Überlebenskraft und kulturelle Entwicklung der Frühmenschen ausgewirkt hat. die sie von den normalöen Netzwerken getrennt hat. Die Konzentration. Letzteres spielt wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle bei den Stadiongesängen von Fußballfans. Die Wirkung beispielsweise von Marschliedern wird dem Umstand zugeschrieben. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. Einen noch stärker manipulativen Charakter haben Nationalhymnen. Jahrhundert. Die Wechselwirkung zwischen dem Chor und dem Publikum scheint den Chorsängern sowohl ein Gefühl von persönlicher Bestätigung zu geben. fungiert als ein Stimulus für geistige Beschäftigung. Mainz 2000. „das oft als auf einer anderen Ebene lokalisiert oder intensiver wahrgenommen wird als alltägliche Interaktionen mit Mitmenschen. Letzteres führt wiederum zu einer Selbstbelohnung“ (18). S. Brink: Fußballfangesänge. Die Studie selbst hat den Titel: Musikerziehung und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen. die Synchronizität der marschierenden Mitkämpfer unterstreicht möglicherweise beim Individuum den Eindruck des einheitlichen Handelns und stärkt so das Gefühl der Geborgenheit in der Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel. emotional ausgeglichenere Gedankenprozesse zu etablieren“ (75). welches wiederum das Erreichen von Gruppenzielen ermöglicht und 4.

Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“. (Hrsg.a. Jean-Luc u. die Situation im Elternhaus etc.) Macht Musik wirklich klüger? Musikalisches Lernen und Transfereffekte.a. 72 . Augsburg 2001. Heiner u. die nicht nur ausschließlich etwas mit Musik zu tun haben. 1993. (Hrsg): Musik mach Schule. Beide Studien werden ausführlich diskutiert in dem Sammelband Gembris.Eine ähnliche Langzeitstudie ist in der Schweiz durchgeführt worden und unter dem Titel Patry. Transfereffekte zwischen Musik und sozialem Verhalten sind nicht leicht sicher nachzuweisen. An ihrem Zustandekommen sind immer viele Faktoren beteiligt. wie etwa die Einstellung und das Verhalten der Lehrer. Freiburg/CH.

und Evaluationsinstrument für jede Musiktherapie: Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Kindes: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Ich ohne mich Ich bemerke etwas Ich verwende Personen oder Instrumente für meine Bedürfnisse Ich höre mich und bemerke. elementar-musikalischen Bereich (. Ich verfolge mit großer Aufmerksamkeit dein Spiel und zeige die meine Anteilnahme. Hörens. 249 f). Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Hans-Helmut Decker-Voigt (Schulen der Musiktherapie. Folie: Beziehungsqualität in der Musiktherapie Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Therapeuten: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Du bemerkst mich und meine Angebote nicht. Frankfurt am Main 1999. In Anlehnung an Daniel N. Bewegens. Wir erfreuen uns am gemeinsamen Spiel. den ihn umgebenden Dingen und mit seinen Bezugspersonen her. Singens. Du verwendest mich wie einen Gegenstand und die Instrumente als wären sie ein Teil deiner selbst. Musiktherapeuten verwenden diese Modi auch als Diagnose. dass ich der Urheber des Spiels bin Ich höre mich und will wissen. München 2001) sieht in diesen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen Begründungen dafür. über weitestgehend mediale Ebenen des Fühlens. ob der Andere mein Spiel wahrnimmt Ich höre dich und mich Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Ich höre uns und freue mich über das gemeinsame Spiel s. die wir bereits mit in diese Welt aus der des Uterus bringen. mit deren Hilfe sie die Entwicklung des behandelten Kindes und den Fortgang der Musiktherapie einschätzt (Musiktherapie und Säuglingsforschung. aktiv wie rezeptiv. und ich achte darauf.. warum Musik als nonverbales Medium auf besondere Weise heilsam wirken kann: „Die Erfahrungsstufen des Säuglings in der Entwicklung vom auftauchenden Selbst zum verbalen Selbst und synchron im Bereich seiner Bezogenheit zur Mutter und anderen Bezugspersonen.. Sehens. Lautlallens.). wir spielen zusammen. dass du der Urheber des Spiels bist. Ich spiele mit dir und du mit mir. Du bemerkst etwas. Stern hat Karin Schumacher in ihrer Arbeit mit autistischen Kindern 6 Modi der Beziehung beschrieben.In seiner frühen Entwicklung stellt der Mensch unterschiedliche Beziehungsqualitäten im Kontakt mit sich selbst. Du hörst dir zu. bedeuten das Erlernen von Kompetenzen und Ausprägen erster Potentiale im auditiven. dass du bemerkst. Un73 .

(. (Kontaktfunktion) Im Singen oder Spielen eines Tons berühre ich einen anderen Menschen. Musik dient der symbolischen Berührung mit den anderen Menschen. Musik dient der Verdoppelung des eigenen Selbst.. Indem ich auf meinem Instrument spiele. sofern dieser anwesend ist...und Ausdruck disponiert. werde zu zwei „Personen“: Körper-Ich und musikalischer Symbolausdruck.K..) 4. Auf symbolischer Ebene findet Berührung statt (. Musik dient der Auseinandersetzung mit der äußeren Natur. (Funktion der Einhüllung) Beispiel: Lallmonologe des Säuglings. 2. In: Musiktherapeutische Umschau. In Interaktionszusammenhängen betrachtet.) 3. der – sich selbst einhüllend – sich in den Schlaf singt. (Funktion der Selbstverdoppelung). 295-305) vier übergeordnete Funktionen für Musik benennen: 1. Musik dient der Abkapselung von der Umwelt. 74 . bis es uns verlässt“ (31) (Hervorhebung H. (Funktion der Auseinandersetzung) Durch die Erforschung der äußeren Natur der Gegenstände erfahren Menschen ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen (301). 1984.sere lebenslange Dialogfähigkeit mit uns selbst und anderen haben wir im Uterus und in früher Kindheit im prä. lassen sich nach Wolfgang Mahns (Das Musikkonzept in der Musiktherapie.).und elementar musikalischen Ein. verschaffe ich mir ein Gegenüber. und diese Disposition ist Basis für sämtliche verbalen und nonverbalen Kompetenzen des gesamten Lebens.

Harmonie und Disharmonie“ u. Die ästhetische Auseinandersetzung ermöglicht erst die Vorstellung des Transfers zwischen Musikerfahrung und Alltagsleben. Ist dieser Ausdruck gestört.“ (Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. Drewer charakterisiert das Ästhetische auch als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung. was ist hässlich?) gilt sie als eine der drei Fundamentaldisziplinen der Philosophie. etwas in seinem Leben verändert. so wie er sich sozial entwickeln kann. 80 ff). in: Hans Helmut Decker-Voigt: Schulen der Musiktherapie. was besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz. 83 f. Das sind nicht nur Bilder. der Notwendigkeit von Ausdruck und dem Bedürfnis nach Mitteilung eine Weg zu bahnen. zur Welt“ (Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. so wie er denken und erkennen. Musiktherapie. dass sich durch die musikalische Erfahrung. Münster 2000. was ist falsch?) und Ethik (Morallehre. was ihn emotional in seinem Sein bewegt. S.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens Alexander Gottlieb Baumgarten (1717-1762) gilt als Begründer der deutschen wissenschaftlichen Ästhetik.). was ist gut. das ist auch die je spezielle Art. ob als schön oder hässlich. es ist „integraler Bestandteil“ der Entwicklung der Menschheit wie des einzelnen Menschen. „Der ursprüngliche Gefühlsausdruck ermöglicht dem Menschen eine gesunde regulierende und sinnstiftende Kommunikation mit sich und der Welt. (Alltagsästhetik). Musikstücke etc.4.“ Insofern seien Kunst und Heilkunst öriginär miteinander verknüpft und sei „künstlerischer Ausdruck nicht nur Medium. Berlin 1974. Ästhetik definiert Moissej Kagan „als die Wissenschaft von der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit durch den Menschen. In archaischen Kulturen sei der 2künstlerische Ausdruck nicht von dem direkten Gefühlsausdruck abgespalten (Sabine Bach. Damit ist die Brücke geschlagen von der Kunst zum Leben. so vermag er seine „immateriellen Emotionen und Phantasien“ in Symbolen zu kodifizieren (Martin Drewer. Neben Logik (Erkenntnislehre. wie der Mensch sich wohnlich einrichtet.f. Es gehört zur Grundausstattung der Gattung Mensch. zum Ausdruck kommt.. um dem. um seiner Selbst und der Welterfahrung äußere Gestalt zu geben und es in dieser Veräußerung mitteilbar zu machen“. In diesen Symbolen kommen auch Utopien zum Ausdruck. München 2001. der zu Folge Kunst „nach dem direkten unmittelbaren Gefühlsausdruck das ursprünglichste Ausdrucksmittel des Menschen ist. Die Phänomene des Ästhetischen hingegen sind wie denken und wollen als Empfindung von schönem und hässlichem im gesamten Leben des Menschen gegenwärtig. sagt etwas aus über das Verhältnis einer Person zu sich selbst. 294).s. erlaubt Kunst. was ist Wahrheit? Was ist richtig. Das gesamte Leben vollzieht sich in solchen Bewegungen. Münster 2000. Ästhetik. die der Patient in der Musiktherapie macht. zum Anderen. 13) Ästhetische Aneignung ist gebunden an die Voraussetzung eines sinnli75 . Sie betreffen nicht nur die Kunst. was ist böse?) als Lehre von der sinnlichen Erkenntnis (was ist schön. bringe der Mensch in der Kunst „seine kreative Wahrnehmung der Dinge und seiner selbst“ zum Ausdruck. „Das Ästhetische stellt einen festen Bestandteil des gesamten Lebens dar“. Musik in der Ausdruckstherapie. das Ästhetische transzendiert die bloße Zweckdienlichkeit. kleidet etc. Gestalt. das meint die Vorstellung davon. gleichzeitig liegt hier die eigentliche Begründung der Musiktherapie. 295). Auch Paolo Knill. Während Wissenschaft die Gesetze sowie die Ordnungen dieser Welt entwerfe und Philosophie sinnstiftende Zusammenhänge herstelle. Und die Art. Im Laufe der Geschichte wurde Ästhetik zur „Lehre vom Schönen“ verkürzt und lediglich auf die Bewertung künstlerischer Produkte bezogen. der Begründer der Ausdruckstherapie vertritt eine „nicht-restriktive Kunstauffassung“. „wie wir Musik wahrnehmen und einordnen. sondern Methode zugleich“ (ebd.

in Mittelalter. Subjekt und Mitwelt“. Ängsten.. Sie plädiert deshalb für eine „Ästhetik vom Leibe aus“ (289). Heraklit. Wünschen. die durch die vorfindliche Gegenwart ausgelöst werden“ (ebd. Verqueren.chen Kontaktes. Ihr ästhetisches Handeln sei „Erzeugung. Damit ist nicht nur ein in Kauf nehmen missklingender oder chaotischer Musik gemeint. Erkenntnis und Gestaltung von Wirklichkeit“ und habe „existentielle Bedeutung“. des zeitweiligen Steckenbleibens und Resignierens. 2001. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. noch nicht Gedachtes. „dass musikalisch-improvisatorische Prozesse primär der (Organ-)Logik folgen“ und dass Erkenntnis nicht nur im Organischen wurzelt. n. Gestalt oder Verhaltenstherapie). zellulären und organischem Bereich basiert. Aristoteles. auch tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. die auf dissipativen Strukturen im molekularen. Auch Isabelle Frohne-Hagemann (in: Decker-Voigt (Hrsg. mehr noch. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. Vor dem Hintergrund der ursprünglichen Bedeutung von aisthesis. (S. 45 . Erfreuliche. „das weh tut. Ich habe diese Dinge in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranke“ unter dem Kapitel „Musiktherapie als besondere Form der ästhetischen Aneignung“ (S. Und wenn dies dazu beiträgt. dass die Patienten beim Spielen und Experimentieren mit Klängen ihre Wirklichkeit ästhetisch hervorbringen. „die dem zielgerichteten Verhalten aufgrund dessen Einengung verschlossen sind“ (Drewer 91). Der Ästhetik Adornos folgend. Adorno. als im Artifiziellen zu transzendieren erscheint. Pythagoras. Heilung bedeutet unter ästhetischen Gesichtspunkten nun. Erkenntnis.) Für den psychotherapeutischen Prozess sind ästhetische Erfahrungen deshalb so bedeutsam. als der Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung seien die metaphysischen Richtungen eigentlich als „anästhetisch“ zu betrachten. an Geistestätigkeit und an „Uneigennützigkeit“. Impulsen. weil Sinnlichkeit Teil der Physis ist. Barock. Stimmige. weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. u. Darstellung.w. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. Frankfurt am Main 1973. die Organ-Logik bei Drewer). bzw. noch nicht Erkanntes entstehen und erfahren werden. Individuen. ausgehend von den alten Griechen. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. Romantik bis Kant. als Engrammierung in den Zellen) (96 f). Das Ästhetische ist für ihn ein „auf allen körperlichen und geistigen Ebenen vermittelter Austausch von Systemen. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt. 259-294) hält die Untersuchung der von vielen Theoretikern vernachlässigten ästhetische Dimension der Musiktherapie für hilfreich bei der Entwicklung einer musiktherapeutischen Metatheorie. Isabelle Frohne-Hagemann betont. die das Hässliche umschließt. 289) sei „auch in der Musiktherapie die Kakophonie legitimiert. dann soll 76 . Ästhetische Theorie. sondern die Wertschätzung des Mühsamen. Platon. Leichte und Erleuchtete. weil sie nicht zweckgebunden sind und deshalb Zugänge zu Möglichkeiten eröffnen.52) im einzelnen erläutert. Wiesbaden 2001. weil das alles ebenso zur Ästhetik gehört wie das Schöne.B. So betont er . Hässlichen. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt wird. Als „ästhetische Konstruktion“ seien sie „eine ständige Suchbewegung und Auseinandersetzung mit Erfahrungen. der Therapeutin Kraft. schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw. Reflexionen.s. 53. des Haderns und Trotzens. So kann Neues. Renaissance. zit. der ganze Leib totales Sinnesorgan ist (vgl. Auch Drewer bemüht sich um eine solche ästhetische Begründung der Musiktherapie und warnt vor einer bloßen Orientierung an den etablierten Therapierichtungen (Psychoanalyse. 287). Ausgewogene.): Fenster zur Musiktherapie. W. mit Möglichkeiten. die Leiblichkeit als zentrale Instanz für künstlerische Verstehensprozesse anerkennt. Vorstellungen. Frohne-Hagemann. 105 ff. sondern bereits dort stattfindet (z.

und jeder hört nur dann und nur das aus der Improvisation heraus“. welches „von den Bedingungen. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. nach dem Bild der Einheit des Subjekts unifiziert d..: sie provozieren Bewegungen der Sinne..das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. Atmosphären. (auch Vorurteilen). Einfällen. d. dass die Bedeutung musikalischer Gestalten sich auf völlig anderem Wege ereignet als die von Sprache (Bedeutung ästhetischer Zeichen.. Wahrnehmungen beschreiben.. sowohl im Blick auf die Musik als auch im Blick auf den Körper. bevor in einem elevatorischen Vorgang von dieser aisthesis zur ästhetischen Sinngebung fortgeschritten wird“ (ebd. des Körpers. aber sie „bedeutet“ zunächst einmal nichts. zielen auf eine vereinheitlichende Verhaltensweise d. Der tschechische Philosoph Jan Mukarovský kennzeichnet die ästhetische Aneignung. sondern willkommen geheißen“ sein(289 f. in denen eine bestimmte Art.). „ästhetische Zeichen“ herzubringen und zu rezipieren. 264). die Wirklichkeit ästhetisch zu erleben.“ Jede Wahrnehmung sei bereits eine Interpretation. bilden die Wirklichkeit als Ganzes ab ..B. 291). als die Fähigkeit. Daraus resultiert die besondere Qualität der therapeutischen Beziehung in der Musiktherapie.: zuerst wahrnehmen. ästhetische Zeichen sind z.: sie enthalten die Wirklichkeit als Ganzes nach der subjektiven Sichtweise des einzelnen vereinheitlicht . Gedanken. Musikstücke: ästhetische Zeichen . und erst dann nach Bedeutungen fragen und Bedeutungen finden. unter denen wir es betrachten. wie jedes Musikstück sind auch die Improvisationen der Patienten „ein komplexes Symbol“. die von unseren „eigenen ästhetischen und therapietheoretischen Vorannahmen“ bestimmt ist (ebd. d. 290 f. Wie jedes Kunstwerk.). denn „das ästhetisch Empfundene haftet den Gegenständen nämlich nicht an. Bedeutungen legen wir in Abhängigkeit von unserem Vorwissen. des Denkens..h. . Emotionen. der Situation und den ablaufenden Konsensprozessen in sie hinein. das heißt..: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein . 287). Aachen 1985).. die Fähigkeit des Menschen. Deshalb müssen die Improvisationen der Musiktherapie hermeneutisch interpretiert werden.h. Gruppenprozessen. sondern es entwickelt sich erst in der Beziehung zum Subjekt“ (ebd.h.. die verdeutlichen. Musik und Sprache. erlebt wird 77 . Diese Auffassungen basieren auf semiotischen Analysen zu Musik und Sprache von Peter Faltin. dass man „sowohl von der gegenstandsnahen Wahrnehmung als auch von der leiblichen Empfindung und Resonanz auf die ästhetischen Phänomene ausgeht. dh. was er selbst in das Werk hineingelegt hat (Frohne-Hagemann 2001.. Musik ist zwar auch „sinnvolle Struktur.h. abhängt. Grundlage der Ästhetischen Situation ist die „Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt“.

" (S. .. . . Aus dem Grundbedürfnis nach Musik ist heutzutage „ein Kompensationsbedürfnis geworden. aber auch 78 . Wiederholtes Hören führt jedoch allmählich dazu.. bald konstatierend. hierzu auch John Diamond: Lebensenergie in der Musik.. eine „Theorie des Empfindens“ . bekannten und angenehmen gebildet.. Musik ist eigentlich das mächtigste Mittel zur Erzeugung von Atmosphären . Georg Böhme.. Zürich 1981. . dass in Ungewohntem Beziehungen zu bekannten Klangelementen erkannt werden... Jan: Kapitel aus der Ästhetik. dann wird die konkrete Form dieser Arbeit. Vergleich und Auswahl vollzieht sich auch beim Komponisten während der schöpferischen Arbeit. hören wir Beziehungsgefüge und dieses er-fahren wir mit dem Leib als totalem Sinnesorgan. Beim Hören jedes neuen Musikwerkes vergleichen die Menschen die unbekannten Klangkomplexe mit den bekannten und treffen eine Auswahl. Wenn wir Musik ästhetisch hören. betont in einem Interview mit Eckhard Weymann und Martin Deuter die Notwendigkeit einer ökologischen Ästhetik .“ Es geschieht eine Reihe von Energie . „angefangen von ihrem ersten Keimen in der Vorstellungskraft des Komponisten unter dem Einfluss seiner Umwelt bis hin zur ihrer Rezeption durch den aufmerksamen Hörer. sondern aus ‚Kraftfeldern’.Mukarovský.Unwandlungen. und das drängt die Atmosphären immer in den Hintergrund ... Allmählich fixieren sich diese Klangkomplexe im Bewusstsein und werden zu leicht erkennbaren.) Eine Musik zu verstehen bedeutet für Assafjew: „Die Zweckdienlichkeit der Vorwärtsbewegung des gehörmäßig wahrgenommenen Klangflusses erfassen und sich darüber klar zu sein. seit eh und je befestigten Klangverbindungen einerseits. Beziehungen. Ein ähnlicher Prozess des Anklammerns an gewohnte Klangverbindungen oder deren Zurückweisung. fortsetzt. Frankfurt am Main 1971 Boris Assafjew beschreibt das Musik .“ Das geht nur. so dass durch die Musik. vergleichen die Menschen instinktiv die Momente der vorbeifließenden Musik miteinander und prägen sich im Gedächtnis ähnliche und häufig wiederkehrende Klangkomplexe ein. Musik besteht nicht aus Tönen. Alle Menschen müssen sich ja sehr funktional und cool verhalten. atmosphärische Erfahrung sei zugleich eine Erfahrung der eigenen leiblichen Anwesenheit . Zwischenräumen. S. 34 f. das musikalische Werk. 57 f. weil ja die technische Zivilisation im Grunde darauf abzielt. wobei sie besonders ungewohnte Verbindungen ablehnen.) „Musik klingt nicht als Summe einzelner hörbarer Töne.. irrational erscheinenden Einfällen.. 267). s. bald ausdehnend... das heißt auch affektiv neutral zu machen. zu einer Form der Umwandlung der Energie des Komponisten.. sondern sie wird in unseren Ohren Musik durch ein sinnenhaftes Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen.. „wenn wir uns dafür öffnen und leiblich mitschwingen“ (Frohne-Hagemann 2001.“ Um ein musikalisches Werk zu verstehen.und Wiedergabegeräte“ betrieben.Erleben (das Anhören einer Musik) als Prozess der Umwandlung von Energie: „Wenn ein Komponist bei seinem Schaffen eine Arbeit durchführt und dabei ein Teil seiner Lebensenergie aufwendet. also zwischen einerseits völlig rational begründeten Klangverbindungen und andererseits einstweilen unerklärbar. Berlin 1976. das Normalleben möglichst ereignisarm. Atmosphären sollten auch klanglich und damit in zeitlicher Dimension begriffen werden und nicht immer nur räumlich (letzteres sein geradezu eine Berufskrankheit der Architekten).. Die Industrie hat ungefähr seit den 1950er Jahren eine „Eskalation der Speicher. Trägheit oder Aktivität im kompositorischen Schaffen hängt mit ab von einer solchen Wahl zwischen den passiv im Gedächtnis gespeicherten. unsere ganzen Bewegungs.... und "noch nicht bewältigtem Material" andererseits. warum sich die Bewegung.und Kommunikationsformen sind technikvermittelt.“ (Die musikalische Form als Prozess...

The wounds that Sing.die Fernsehindustrie eine Kompensationsleistung erbracht wird: es wird ein harmloser Bereich des Auslebens von Gefühlen bereit gestellt. so ähnlich wie das Atmen. 246 79 . die Möglichkeit. gegenwärtig zu sein (Die Musik modifiziert mein Gefühl. London 2000. den Menschen die Erfahrung zu vermitteln. Es wird von der Kulturindustrie ein systematischen Veralten geplant. Musiktherapeutische Umschau 2005 307-313 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. die sich ständig erneuern müssen. im Raum zu sein. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Die Industrie entwickelt hier die Steigerungsmöglichkeiten über die Geräte und auch über die musikalischen Moden. sowohl der Geräte als auch der Musik.“ So müsse „das Bewusstsein vom Lebensvollzug wieder gewonnen werden“ und „die Musik hätte.

64) In einem Schulversuch von 1972 bis 1979 in der Schweiz erhielten die Schüler 5 Stunden Musik. Psychologen der Universität Hongkong fanden heraus. Eine Dissertation an der Universität Washington (D.4. dass Kinder in Klassen mit regelmäßigem Musikunterricht zwei Stunden pro Woche und zusätzlicher Musikpraxis im Chor oder Musikgruppen verbunden mit Instrumentalunterricht in allen übrigen Schulfächern deutlich bessere Lernfortschritte machen.“ (S. 1993. 28) Helmut Moog weist in einer Untersuchung "Transfereffekte des Musizierens auf sprachliche Leistung" (in Kemmelmeyer / Probst: Quellentexte zur pädagogischen Musiktherapie. S. Musiktherapeutische Umschau 1999. kann in einer Schülerlaufbahn in der Zeit vor der Pubertät schon einiges geschehen sein. dass musikalisch praktizierende Menschen im allgemeinen höhere Intelligenz aufweisen als andere. Regensburg 1981. Jean-Luc u. dass frühzeitiger Musikunterricht die sprachlichen Fähigkeiten eines Menschen dauerhaft verbessere (Nature Bd. Die Studie zeigte auch.und Lesevermögen von sprach. Und obwohl die Nichtmusiker nach Eintritt der Pubertät dank eines großen Entwicklungsschubes die Musiker . 1987. An diesem Versuch nahmen 2400 Schüler aus Berliner Stadtteilen teil. S. Lu. wonach regelmäßiges Anhören von Mozart Musik Intelligenzleistungen. die überwiegend musikalisch ausübend sind. Ihre eigene Untersuchung in Tübingen mit 60 Jungen und Mädchen ergibt. (Hrsg): Musik macht Schule. 4-22). Sie ist erschienen unter dem Titel Patry.wieder einholen. die in der Schweiz durchgeführt wurde. Musikpäd. die zu großen Teilen auch aus sozialen Brennpunkten kamen (Musiktherapeutische Umschau 1999. S.die musikalisch nicht ausübend sind. als Kinder in Klassen ohne Musikgruppen. S. 307-320) nach.und lernbehinderten Kindern sehr deutlich verbessert werden konnte. Musikforum 86/1997.T. Eine Langzeitstudie. 22 . 396.a. 80 . Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen“. bei dem die Musiker einen Vorteil hatten. einen deutlichen Entwicklungsvorsprung in nichtmusikalischen Bereichen haben.zumindest teilweise . Dennoch verbesserten sich ihre Leistungen in diesen Fächern (Ernst Weber. f. verglichen mit ihren Freunden. S. 33-36. Bastian: Beeinflusst intensive Musikerziehung die Entwicklung von Kindern? Zwischenbilanzen einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen.28) referieren Arnold Feil und Marianne Hassler die Ergebnisse vieler Untersuchungen. S. Überhaupt ist fraglich. „dass Jungen und Mädchen mit musikalischer Begabung. Die komplette Studie trägt den Titel: „Musikerziehung und ihre Wirkung. Intelligenter durch Musik? Zeitschr. 23/1983. Heft 40. 128. werden von Sozialwissenschaftlern bisher noch mit Skepsis betrachtet. dass durch regelmäßiges tägliches Singen das Sprach. kommt zu ähnlichen Ergebnissen. die alle zum Ergebnis kommen. S.. 1986) kommt zu demselben Ergebnis. Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“. dass Kinder mit mehr Musikerfahrungen in besseres Sozialverhalten zeigten.und Gesangsunterricht wöchentlich und dafür je eine Stunde weniger Unterricht in den sprachlichen Hauptfächern Deutsch und Französisch sowie Mathematik. inwieweit solche „Transferleistungen“ überhaupt einzig auf die Musikerfahrung zurückzuführen sind und wie lange sie Bestand haben. Mainz 2000. 64 f. vor allem das räumliche Vorstellungsvermögen steigerten („Mozart Effekt“). Eine Studie zu diesem Thema von Hans-Günther Bastian zeigt... insbesondere gab es in diesen Klassen weniger Außenseiter.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens In ihrem Aufsatz „Musikalität und Leistungen in nichtmusikalischen Bereichen“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. Amerikanische Studien. Freiburg/CH.

Geselligkeit. hierzu auch die zusammenfassende Darstellung über die Musikpädagogische Forschung zur Steigerung sozialer Kompetenz. und diese hervorgehobenen Frequenzen bilden genau die chromatische Tonleiter. Dem zufolge wirken Fühlen und Denken zirkulär zusammen: „Einerseits lösen bestimmte Erlebnisse. 409 f. Die hohe affektive Qualität des Musikerlebens erscheint in diesem Zusammenhang als „Energielieferant“ für kognitive Entwicklung.und Verhaltensweisen. wenn man das von Luc Ciompi beschriebene Phänomen der fraktalen Affektlogik zu Grunde legt (vgl.49-68) sowie Luc Ciompi: Die emotionalen Grundlagen des Denkens. findet!“ Das Phänomen aus Sicht der Affektlogik.): Gefühle und Systeme.und den entsprechenden Denk. So bilden sich funktionell integrierte ’Fühl – Denk Verhaltensprogramme’. die den Hörern von der Sprache her vertraut sind (ebd. Kommunikation. Interview mit Luc Ciompi in: ringgespräch über gruppenimprovisation LXIX. zur Affektlogik im einzelnen das Kapitel „Das Schizophrenieverständnis der Affektlogik und seine therapeutischen Implikationen“ (in: Luc Ciompi u. und andererseits beeinflussen diese Gefühle dann ihrerseits das Denken und Wahrnehmen in einem viel höheren Ausmaß. als wir gemeinhin für wahr halten“. 33).a. Wahrnehmungen oder Gedanken bestimmte Gefühle aus. Göttingen 1997 Neuerdings stellt man enge klangliche Beziehungen zwischen Sprachklang und Musik fest. Die emotionalen Grundlagen des Denkens: Entwurf einer fraktalen Affektlogik. (Hrsg. S.): Wie wirkt Soteria. 411). Nahrungssuche u. Naheliegend erscheint der positive Einfluss des Musikerlebens auf die kognitive und soziale Entwicklung besonders.S. die in ähnlichen Situationen immer wieder aktiviert werden“ („Wer nicht sucht. Kampf. Gewaltprävention und Intelligenzförderung bei Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens.s. welche die Grundlage fast aller Formen von Musik darstellt (Musiktherapeutische Umschau 2003. Heidelberg 1998). 81 . Göttingen 1997 und: Die affektiven Grundlagen des Denkens .und situationsabhängig mit bestimmten Wahrnehmungs. s. 2003. denn es handelt sich bei Affekten „um bestimmte biologisch sinnvolle Energieverteilungen sowohl im Körper wie in der Psyche und im Gehirn.63). Andererseits erscheinen manche Tonfolgen „dem Menschen harmonischer als andere.Kommunikation und Psychotherapie aus der sicht der fraktalen Affektlogik. Bern 2001. Welter-Enderlin und B.w.“ Sie „koppeln sich erlebnis. Sexualität. Norderstedt 2005. Hildenbrand (Hrsg. in: R. „In praktisch allen menschlichen Sprachen werden bestimmte Tonhöhen lauter gesprochen als andere“.). weil sie physikalisch den Mustern der Schallenergie ähnlich sind. 59 . Sie „sind evolutionär gekoppelt mit wichtigen Verhaltensweisen wie Flucht.

Einen historischen und politischen Kontext zwischen Musik und Politik sieht Joachim Ernst Berendt (Das Leben – ein Klang. Überschreiten sie diese Grenze. Hrsg. allerdings garantiert es „noch keine politische Mündigkeit. Das heißt. ästhetisch anspruchsvolle und fortgeschrittene Kunstmusik transportiere automatisch positive politische Grundwerte (. Ästhetische Theorie. als diese bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse transzendiert.4. politisches Ethos und ästhetische Kunst zehren von der kommunikativ begriffenen Freiheit der Handelnden und Hörenden. Dissipative Strukturen sind allgegenwärtig.) eher Wunschtraum denn Wirklichkeit (Peter Bubmann. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. das aber kreativ ist. Gütersloh 1993. die Art und Weise. noch ‚höhere’ Ordnungen und Strukturen aus sich heraus neu zu erschaffen. W. abgeschafft werden und ein utopischer (noch nicht realisierter) gesellschaftlicher Zustand dargestellt wird. Turbulenzen. 54). weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. „Das spielerische Musizieren fördert die Konzentration und die Geduld. Adorno. Selbstorganisation ist auch hier ein sehr viel stärker herausforderndes Konzept als alles. Auch in der Gesellschaft (zum Beispiel bei der Bildung von Lichterketten. Nun können diese Beziehungen hierarchisch. ohne selbst diese Hoffnungen einlösen zu können“ (ebd.. was der Musikwissenschaft bisher am Herzen lag“ (371 f).. ermöglicht eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung“. dieses eher befestigen und kräftigen. Tönend bewegte Freiheit. ‚kippt’ das System um. das alles ist ein Abbild eines gesellschaftlichen Zustandes. So unterstützt Musik zunächst auf indirekte Weise die Bemühungen um eine menschenfreundlichere Gesellschaft“ (ebd. S. in ders. „das weh tut. Frankfurt/M. Theodor W. „Er hat gezeigt. als bestehende gesellschaftliche Verhältnisse sich in ihr abbilden oder insofern. die ein System bestürmen. 379). München 1996) in den von Ilya Prigogine beschriebenen dissipativen Strukturen und Prozessen der Selbstorganisation. bei einem sich auflösenden Verkehrschaos. nach dem Muster von Herrschaft organisiert sein oder demokratisch bzw. Ersteres ist „Alte Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände lediglich abbildet) .: Menschenfreundliche Musik. 35-57. 1979. denn chaotische Systeme tendieren dazu. Allerdings ist „die Vorstellung. 82 . Sie wird in solchen musikalischen Freiheits. „Beide. solange sie nicht über eine bestimmte Grenze hinausgehen. Versammlungen etc.) Und natürlich in der Musik. neue. Dieses letztere zu untersuchen. Es entsteht Chaos.17 Politische Aspekte des Musikerlebens „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. Politisches kann also in Musik einmal insofern enthalten sein. Fluktuationen. bei einem sich herausschälenden Konsens. dass Störungen. in Sitzungen. miteinander umgehen. Frankfurt am Main 1973. Sie tun das in – dies wurde ein Schlüsselwort – ‚Selbstorganisation’.“ „Ohne diesen sozialisierenden Beitrag der Musik zur Gesellschaft jedoch wäre die Welt sicher fried.letzteres ist „Neue Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände überwindet). Für Adorno gehört auch zur Ästhetik das Hässliche. wie sie für die Improvisation in der Musik typisch sind. wie die Musizierenden sich zueinander verhalten. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind.und trostloser als sie es ist.und Kommunikationsprozessen zum Hoffnungszeichen des politischen Ethos. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. Adorno. 50). Nicht nur in der Physik und Chemie. anarchistisch. Ästhetische Theorie. 55). Musik kann spielerisch Erfahrungen der Freiheit und Gemeinschaft für die Dauer des Erklingens stimulieren. könnte durchaus ein paar Generationen von Musikwissenschaftlern in Atem halten. Es gibt kein Formales ohne inhaltliche Implikate und diese reichen bis zur Politik“ (Vgl.

Wiesbaden 2001.“ 83 . Die Improvisation ‚bedeutet’ in ihrer ästhetischen Gestaltung also nur etwas vor diesem Hintergrund“ (Frohne-Hagemann. die das Individuum stigmatisieren. Zum Verhältnis von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung eines Volkes und seiner Tanzkultur: (Interview mit dem Choreograf und Theoretiker Alphonse Tiérou von Jasmina Sopova in: UNESCO-Kurier 7/8.“ „Der Tanz kann in der Gesellschaft etwas bewegen. doch muss diese immer vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen. Kapital. als entscheidender Katalysator des Fortschritts“ hervorzuheben.53). Eine musiktherapeutische Improvisation kann zwar das Weben und Walten einer sich im Individuum manifestierenden Störung sozialer und gesellschaftlicher Genese hinweisen. 65 f) „Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes hängt nicht allein von Geld und Arbeit ab“. Fenster zur Musiktherapie. „nicht nur die Erscheinungen und Hintergründe. Investition und Wachstumsrate als Triebfeder der Volkswirtschaft sehen.“ Stattdessen sind „kulturelle Werte. Die großen Theorien sind überholt. Deshalb ist es auch Aufgabe der Musiktherapie. bedeutet ja. die sich aus freien. wird ihre Schwierigkeiten meistern. „Der schöpferische Akt ist für die Emanzipation des Einzelnen bekanntlich von entscheidender Bedeutung. Produktion. dass wir uns selbst zu akzeptieren beginnen. Musiktherapie befasst sich ja mit dem Unerhörten und Ungehörten auch nicht nur im Seelenleben. Man muss vorsichtig sein mit ‚rein’ klinischen Diagnosen. denen zufolge „Faktoren wie Rohstoff. 290). Arbeit. sozialen und politischen Geschehnisse gesehen werden. sondern auch im gesellschaftlichen Kontext. dass wir über den Tanz nachdenken. Denn nur eine Gesellschaft.“ Allein bereits „die Tatsache. 2000. selbstbewussten Menschen zusammensetzt. 1995) Gerade „die immateriellen Werte“ prägen „die Mentalität eines Volkes“. die bislang nur eine Nebenrolle spielten. Alain Peyrefitte: La Société de confiance. sondern die Bedingungen für bestimmte gesellschaftlich determinierte Lebenswirklichkeiten aufzuspüren. (vgl.

Musiktherapeutische Umschau. Das Musikerleben konfrontiert uns unausweichlich mit der Tatsache. dass „menschliche Wesen und menschliche Natur als etwas Heiliges zu sehen“ sind (295). in: Peter Faltin: Bedeutung ästhetischer Zeichen. Thomas Ostermann. Musiktherapie ist für ihn einer „ökologischen Sichtweise“ verpflichtet.“ Man kann ein Musikstück mit den Mitteln der Sprache nicht durchdringen. 84 . was wir tun. dem Unsichtbaren und Vergänglichen zu tun. unbedingt schweigen muss. wäre Musik damit überflüssig." Wenn überhaupt: man beschreibt den tönenden Prozess. Arndt Büssing (Spiritualität und Gesundheit: Konzepte. geht über Worte hinaus. da wir am Ursprung des 'Denn' sind. Denn im Bereich des Ästhetischen gibt es kein 'Weil' oder 'Denn'.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik „Musik gestattet es uns. Musik und Sprache. was man nicht beschreiben kann. worüber man streng logisch sprechen kann. 28. Aachen 1985. und gerade wegen dieser transzendierenden Natur der Musik können wichtige Heilungsprozesse in der Musiktherapie überhaupt stattfinden und finden überhaupt statt“ (294). das man sieht. Durch Musik herbeigeführte Ausnahmezustände sind zunächst nur psychologischer Natur. „dass es auch jenseits der beschreibenden Sprache eine Welt gibt. 217-230) fordern. Musik und Transzendenz. dazu auch: Hartmut Handt: Vorspiel der Ewigkeit. deren Teil die ästhetische Welt ist.) David Aldridge (Über den Sinn hinaus . 149 ff.“ (Susan Munro. 3 (2007). weinen oder stöhnen. Wittgenstein. 84-99) Das Musikerleben hat es mit dem „Unaussprechlichen“ zu tun: „Die Grenzen der Sprache sind nicht die Grenzen der Welt. dass trotz der immer noch sehr schwierigen Kommunikation zwischen Therapeuten und Patienten über Spiritualität“ insbesondere „im Bereich der künstlerischen Therapien“ eine „auch die Spiritualität umfassende Patientenversorgung“ aufgegriffen werden und „nicht als eine zu delegierende Aufgabe aus der Therapeuten-Patienten-Begegnung herausgelöst werden“ sollte. der sich von der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft spannt. Er sieht auch die Gefahr. (s. es gibt nichts 'Genaueres' als das „ästhetische Zeichen“ selbst. 3 (2007). dass hier kein Erklären möglich ist. Musiktherapie bei Sterbenden. nicht aber die Musik. S. 293-301) zitiert Lucanne Magill: „So viel von dem. einen Übergang zu erleben. 88) Musik hat es mit dem Unsagbaren. S. Stuttgart 1986.etwa von der Verstandeswelt . hört.: Menschenfreundliche Musik. Musik belebt wie Sauerstoff. deshalb plädiert er dafür. Außerdem: Aussagen des Gefallens oder Mißfallens. Gütersloh 1993. Die Welt des Ästhetischen unterscheidet sich von anderen Welten . in: Peter Bubmann.eine transzendentale Sichtweise von Musik in der Therapie. zu der Auffassung zurückzukehren. sie spricht von der Folge der Dinge. Dabei könnte auch auf die „Möglichkeiten der Krankenseelsorge und der psychologischen Beratung“ zurückgegriffen werden (226). worüber man nur dichten oder eben schweigen kann. um es genauer zu fassen. einen Moment der Veränderung und Transzendenz. Studienergebnisse. Hrsg. können weder richtig noch unrichtig sein. könnte man es. Sie ist der Bogen. sondern auch das. Die Verwechslung von Emotionen mit Spiritualität kann zur Entwicklung von Abhängigkeiten führen (298 f). fühlt oder riecht. emotionale Erfahrungen mit religiösen zu verwechseln.eben dadurch. 28. und dass man nicht über alles. es besteht nur eine Möglichkeit: haltmachen und hinnehmen.“ (L. S. dass es hier nicht nur das gibt. Musiktherapeutische Umschau. Operationalisierung. Die spirituelle Qualität ist damit nicht unbedingt gegeben. an die Grenze des Lebens zu treten und wieder zurück zu kommen.4.

In der Tat habe ich in ihren musikalischen Aktionen. was man hofft.und Denkmuster zu überwinden. London 2000. (2001): Grundlage des gemeinsamen Faktors Placebo und Erwartung. destruktive und neurotische Handlungs. die Angst und die Trauer so bindet. sondern willkommen geheißen“ (289 f. Sie orientiert sich an den Stärken des Patienten und an dem. 219). dass ich in ihrem musikalischen Spiel so viele „gesunde Anteile“ erkenne. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. In: Hubble. nach einem Prozess von etwa vier Jahren. ihre Träume zu bearbeiten. und ein Nichtzweifeln an dem. aus dem Hingabe und die Akzeptanz der anderen folgt und die Erfurcht vor der Heiligkeit des Lebens“ (Bonny. Der Aufbau von Hoffnung ist Grundvoraussetzung jeder Therapie. 293). dann soll das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. Musik und ästhetisches überhaupt konfrontiert uns mit „dem Gefühl für das Unbegreifliche des Seins. dass ich gesund werde?“ Schwierig. d. was man nicht sieht“ (Bibel. et al. H. sondern dem Leibe die Möglichkeit gibt. nach tieferem Wissen über sich selbst. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen. auch in ihrer Fähigkeit. Heilung bedeutet für Isabelle Frohne-Hagemann auch.A. immer wieder Ansatzpunkte gefunden.Für Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. (Hrsg): So wirkt Psychotherapie. Ich will damit nicht behaupten. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt. 60 (übers. „tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. Empirische Ergebnisse und praktische Folgerungen. Das war noch aus der Rolle des Musiktherapeuten gesprochen. ehrlich zu antworten. der zufolge Schizophrenie nicht heilbar ist. für diese Patientin zu beten. dass es um noch etwas anderes ging. was bereits in seinem Leben funktioniert. Dortmund: verlag modernes lernen. sind die psychotischen Symptome verschwunden.“ Für Carolyn Kenny „Wird spirituelle Weisheit als „embodied spirituality“ erfahrbar (ebd. damit Patienten wissen. Einmal fragte mich eine Patientin: „Glauben Sie an mich?“ Und. 85 . 272). die Patientin sei durch das Gebet geheilt worden. dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und dass die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. und die Ärzte haben ihre Diagnose korrigiert.). Glaube und Hoffnung waren gefragt und die Zuversicht. und projiziert das in die zu erwartende Zukunft (vgl. 1). dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. der Therapeutin Kraft.) in FrohneHagemann 2001.K. welcher das Leid. Wiesbaden 2001) vermittelt Musik „sozusagen zwischen Himmel und Erde“. auf was sie sich einlassen. 193-219). dem Trauma einen musikalischen. dass die Erlebnisse intersubjektiv geteilt werden und dadurch verarbeitet werden können“ (ebd. indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt. 2001. fuhr sie fort zu fragen: „glauben Sie. Von diesem Tag an habe ich begonnen.h. in der Zeit eingebetteten Ausdruck zu ermöglichen. Synder et al.“ Sie führt uns in Situationen. weshalb Musiktherapeuten ihre eigene Haltung zur Entwicklung von Bewusstsein und Spiritualität reflektieren sollten. als ich mit der Antwort zögerte. Heb 11. The wounds that Sing. die hoffnungslose medizinische Prognose zu annullieren? In meinem Inneren spürte ich. die mir den Mut geben. wenn man den schulmedizinisch – psychiatrischen Befund kennt und die Auffassung der psychiatrischen Fachleute. M. Ich konnte ehrlich sagen. von dem es heißt er sei eine „Zuversicht auf das. Sie zitiert Helen Bonny mit der Definition von Spiritualität als innere und äußere Suche nach dem Sinn des Lebens. Und wenn dies dazu beiträgt. schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw. Hoffnung ist wie der Glaube.und Begriffsvermögen mit dem netzlosen Hier und Jetzt konfrontieren“ muss. „Für MusiktherapeutInnen bedeutet dieser Aspekt von Ästhetik. Bilder zu gestalten und ähnlichem. mich auf ihre Selbstheilungskräfte zu verlassen. nach Antworten über Leben und Tod. Heute. dass auch Unerwartetes geschehen kann. Aber würde dieses Potential ausreichen. wo „der Horizont des Erwartbaren durchbrochen wird“ und wo „sich das Gefühls. die mich an sie glauben lassen. 271). dass sich ein traumatisierter Mensch nach dem ersten Schock nicht vom Fühlen abspaltet.

Wenn man ein Bild gebrauchen wollte. Vielfach wird die Wirksamkeit des Glaubens des Patienten an die Wirksamkeit eines Medikaments bestätigt. Ihre Idee ist die Gestalt des göttlichen Namens. ist als Erscheinendes bestimmt und zugleich verborgen. 252). Jesus wies viele der Patienten. alles nachzulesen in der Zeitschrift „esotera essenz. Collipp kommt ebenfalls zu positiven Ergebnissen (Medical Times. Was sie sagt. Bedürfnisse und Sehnsucht lässt mich (203) ein Stück von dem empfinden. und die flüchtige Anwesenheit von etwas Größerem fühlen lässt. nicht Bedeutungen mitzuteilen“ (Theodor W. signifikant weniger Komplikationen. Unvorhersehbares in der Begegnung eintreten“ (Musik in der Ausdruckstherapie. findet ihren Ausdruck nicht nur in der Religion. dass ihm „sein Glaube“ geholfen habe.). die belegt. sondern auch in der Musik . 201-204) stellt ebenfalls heraus. und das war für mich in diesem Falle nur auf dem Wege der seelsorgerlichen Auseinandersetzung mit der Patientin. Es fassendes. die er heilte darauf hin. 1986) Eine andere Untersuchung von Platon J. Bedarf an Antibiotika und Todesfälle gab (Randy Byrd. Sabine Bach hebt hervor. der wie immer auch vergebliche menschliche Versuch. kann sich etwas für alle Beteiligten Überraschendes. Schr. 3 (2007). 299). Medical Tribune. den Namen selbst zu nennen. Auch wird über die Wirksamkeit des Glaubens des Therapeuten berichtet. „Gegenüber der meinenden Sprache ist Musik eine von ganz anderem Typus. 28. mit mir und mit Gott (sprich: im Gebet) möglich. aber eben auch nicht zu leugnendes Phänomen“ (ebd. ohne die wir nicht leben können. die der Philosoph Max Horkheimer als das Wesen der Theologie beschrieben hat. S. dass es bei den Patienten. „dass die beteiligten Menschen unter Verzicht auf ein Machtgefälle ganz bewusst und offen für Unbestimmtes. dass es in künstlerischen Therapien zu echten Begegnungen im zwischenmenschlichen Bereich kommt. denen wir bei Therapeuten allzu oft begegnen. in Decker-Voigt. Musiktherapeutische Umschau. könnte man sagen: Die Musik ist wie der Flügelschlag eines Engels. Im Zusammenhang mit therapeutischen Prozessen stellt sich immer auch die Frage nach dem Glauben. dass solche Dinge nicht instrumentalisiert werden können. Der gesungene oder mit Instrumenten musizierte Ausdruck dessen. Adorno. Neues ereignen.B.Ich weiß es im Letzten nicht. Zynismus und Resignation. für die gebetet wurde. haben auch darin ihre Ursache.. Der musikalische Ausdruck meiner Wünsche. Ich könnte auf eine empirische Studie mit 191 Testpersonen und einer Kontrollgruppe mit 201 Personen aus den USA verweisen. was ich in der Realität entbehre..Forschung. 48-51). der Arzt ohne es zu wissen ein Placebo verabreicht. Diese »Sehnsucht nach dem ganz Anderen«. das Element der Hoffnung. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. aber dass man in seinem Gegenübertragungserleben an einem bestimmten Punkt der Therapie die „Energie der Hoffnung“ benötigt. gibt mir bereits etwas vom Gegenstand meiner Sehnsucht. auch wenn das Medikament objektiv nicht wirksam ist. der uns berührt. S. Fragment über Musik und Sprache. dass das „Element der Utopie. 86 . was die Heilung in diesem Symptombereich bewirkte. befreit von der Magie des Einwirkens. In ihm liegt ihr theologischer Aspekt. Schulen der Musiktherapie. wenn in der therapeutischen Beziehung Offenheit für Unvorhersehbares besteht. dass den Helfern die spirituelle Sinngebung für ihr Handeln fehlt. Für das therapeutische Selbstverständnis scheint mir wichtig zu sein. München 2001. ges. deren Qualität sich dadurch auszeichnet. das uns über die Grenzen unserer Befangenheit in der Welt hinausträgt“ (204). Der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe 45/1994 zusammenfassend über Ergebnisse der Placebo .. S. Unvorhersehbares ist die wörtliche Übersetzung von Improvisation. um die therapeutische Beziehung fortsetzen zu können. wenn z. Band 16. wonach ich mich sehne. Jan. in Musik und Religion gleichermaßen zu finden ist. das dem Patienten hilft. Sie ist entmythologisiertes Gebet.

das gemeinsam gesungene Lied im theologischen Sinne zur Brücke des religiösen Glaubens werden. "heilende Berührungen" oder fürsprechende Gebete. 122-129) veröffentlichte Studie der Universität von Kalifornien. Ihre Studie lege außerdem nahe. jedesmal hilft nur das Mittel. Für Herzkranke zu beten hat eine nachweisbar heilende Wirkung .Effekt“ (Bild der Wissenschaft 4. für die gebetet wurde. S. zu einer Brücke. davon überzeugt zu sein. Orientierung. Sie starben nicht so oft und litten seltener unter Herzversagen oder Herzattacken als die anderen Patienten. Die Wirkung von Placebos untermauert eine im Journal of Psychiatry (Nr. Etliche Male wiederholt er den Wechsel vom Wirkstoff zum Placebo und zurück. Die Forscher um Mitch Krucoff vom medizinischen Zentrum der Duke Universität beobachteten 150 Patienten mit akuten Herzproblemen. sagt Krucoff (Bild der Wissenschaft 11. vermuten die Forscher. sofort zurück. S. "Das unterstützt die Genesung. Gebetet haben bei den Versuchen Buddhisten. Zu seinem Erstaunen erfährt er. vielversprechenden Mittels bekommt. Sicherheit und Geborgenheit. bittet der Arzt die Herstellerfirma um Nachschub. dass streng wissenschaftliche Untersuchungen über den Nutzen ungewöhnlicher Behandlungen wie etwa das Beten möglich seien. bei denen weder das Placebo noch der echte Wirkstoff erfolgreich war. sondern nur Placebos geschickt. kommen aber. war ein bestimmtes Areal der Großhirnrinde – der präfrontale Kortex – besser durchblutet als vor der Studie. dass die Zuwendung des Arztes. 159. 87 . und geschehe sie auch nur auf dem Wege der Medikation. vermittelt Identität. 33). "Geistige Unterstützung wie Stressabbau oder heilende Berührungen helfen den Leuten. dass Placebos den Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Nunmehr sicher. Als der Arzt von einer Pharmafirma Proben eines neuen. die alle für eine Herzoperation vorgesehen waren. auf der spirituelle Dimensionen und Inhalte zum anderen Menschen getragen werden. „Auf die gleiche Weise kann Musik. auf der psychischen Aktivität des Patienten. Sie enthält den Nachweis. fokussiert die gemeinsame Aufmerksamkeit. dass gemeinsam erlebte und gespielte Musik eine Brücke zum anderen Menschen schlägt. 3 (2007). die positiv auf die Scheinmedikamente reagierten. "Wir wissen. Die Symptome verschwinden umgehend. sie ist geteilte Zeit im geteilten Raum. S. „Bei depressiven Patienten. Diese Brückenfunktion. können sie jedoch nicht erklären. Keine veränderte Hirnaktivität fanden die Ärzte bei Patienten. Er versucht es mit Placebo. wie aktiven Stressabbau. Nach dem Abschluss des Versuches zeigte ein Vergleich: Die besten Heilerfolge hatten Patienten. Vermutlich beruhen 50 bis 75 Prozent der Wirkung von Antidepressiva auf dem Placebo . ein wirksames Pharmakon für den Asthmatiker gefunden zu haben. schreiben sie in der angesehenen Fachzeitschrift "American Heart Journal". probiert er es gleich bei dem Asthmatiker aus. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. Musiktherapeutische Umschau. In weiteren Studien wollen die Mediziner das Phänomen genauer erforschen. Juden und Vertreter anderer Religionen. Katholiken. ihm helfen werde. dass sich Patienten sehr für diese Art der Behandlung interessieren – vor allem für den Einfluss von Spiritualität und Gebet auf die Gesundheit". 2002. Ob für einen Patienten gebetet wurde oder nicht. synchronisiert die Ausdrucksmotorik und die Emotionen." Warum die Gebete den stärksten Effekt zu haben scheinen. wussten dabei weder die Ärzte noch die Patienten. dessen Asthma auf erprobte Medikamente nicht anspricht. doch die Krankheitszeichen bleiben. das bedeutet also. Einige Patienten bekamen zusätzlich unkonventionelle Behandlungen. 201-204) hebt hervor. sich zu entspannen". 28. 2001).das behaupten zumindest amerikanische Mediziner. 2002. Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie. das Unternehmen habe ihm vorher wegen fälschlich gemeldeter Bedenklichkeiten gar keine Arznei. als Wolf das Medikament stoppt.„Stewart Wolf von der Oklahoma University berichtet über einen Patienten.

Herder) . Wie bereits die Vögel ein über die rein signalhafte Verständigung hinausgehendes zweckfreies Singen kennen. welche Musik unter welchen Bedingungen spirituelle Funktionen erfüllen kann und wie sie dabei mit heilenden Wirkungen verbunden sein kann. sondern sein Kontext“ (203). Die aus der Funktionalisierung unserer Welt herausgelöste freie Musik wird damit auch zum Symbol für die voraussetzungslose Annahme der Menschen durch Gott“ (ebd.G. Steven Halpern. kosmologisch begründen: Die Musik könne die Ordnung des Kosmos und dessen Harmonie widerspiegeln.. Entscheidend ist nicht der einzelne Ton. sie spreche die universale Schöpfungssprache und ermögliche die Erfahrung der Urtöne des Lebens. auf eine ganzheitliche Lebensweise und auf mehr Lebensfreude“ (ebd. die sich durch ihre Nähe zu kosmischen oder psychisch-archetypischen Strukturen als heilsam-ordnend für den Menschen erwiesen hat. archetypische) Bewusstseinsschichten (Heilender Klang II. 172 ff). dass „nahezu alle Theorien zur Verbindung von Musiktherapie und Religion den therapeutischen Wert der Musik schöpfungstheoretisch bzw.“ In ihrem Kontext ist „Musik für und mit anderen“ . Das spirituelle Potenzial ist nicht ein Privileg dieser oder jener Musik.“ Bei der diakonische Musik gehe es „um den Protest gegen Ungerechtigkeit. sei allerdings „keine selbstgenügsame oder gar egoistische Freiheit. Die Freiheit der Christen. sondern es kann jeder prinzipiell jeder Musik oder jedem Musikstil eigen sein. „Der Mensch ist befreit von vollständiger Instinktsteuerung und damit von vielen Zwängen der Natur.) Wolfgang Bossinger berichtet von Transzendenzerfahrungen beim gemeinsamen Singen (Die heilende Kraft des Singens. „diakonische und therapeutische Musik. Der Kirchenmusiker 1993.). Der Mensch sei „als ‚der erste Freigelassene der Schöpfung’ (J. Marianne Kawohl.. Peter Michael Hamel.). sondern allein geschichtliche Erfahrungswerte sowie Ergebnisse der musikwissenschaftlichen Wirkungsforschung bestimmen die Wahl der für Heilungsprozesse geeigneten Musik und Techniken. Dabei transzendiere sie die Möglichkeiten des rationalen Verstandes und führe in tiefere (z. Heilender Klang I. Ingo Steinbach. Die christlich begründete Anwendung von Musik ergebe sich aus der Tatsache.diese spirituelle Dimension. Auch Peter Bubmann setzt sich mit der Frage auseinander. Er konstatiert. Kein kosmo-religiöser ideologischer Überbau. Norderstedt 2005. dass der Mensch sowohl Teil der Schöpfung als auch „in die Freiheit gesetzt und mit der verantwortlichen Kultivierung des Erdkreises beauftragt“ ist. Dazu können sie sich durchaus solcher Musik bedienen. Der Kirchenmusiker 1993. kann prinzipiell jede Art von Musik besitzen.“ Therapeutische Musik ziele auf die „Heilung von Schädigung aller Art. Christ/innen/en sind befreit zum therapeutischen Dienst am anderen Menschen. so Bubmann weiter. Die Freiheit der Totalbestimmung durch Naturgesetze findet im musikalischen Spiel. Rassismus etc. Weder Rockmusik noch Zwölftonkompositionen sind daher prinzipiell auszuschließen“ (ebd.B. auf Stabilisierung der Identität.. Von diesen kosmologischen Theorien abgesetzt entwickelt er eine christlich-theologische Begründung des therapeutischen Musikeinsatzes. auch in seiner musikalischen Tätigkeit befreit von der Knechtschaft kosmischer Gesetzmäßigkeiten. Zum Beispiel könnte hierbei eine 88 . Klängen und Rhythmen im freien Spiel zielund zweckfrei umgehen. In diesem Zusammenhang führt er insbesondere Joachim-Ernst Berendt. so kann der Mensch mit Tönen. John Diamond und andere an (vgl.). Sexismus. Dabei wird die transpersonale Qualität der Musiktherapie nicht mit einer spekulativen Kosmologie erfolgen begründet sondern „von dem durch das Evangelium ergriffenen geschichtlichen Menschen und damit letztlich von Jesus Christus her“ (130 f. Unterdrückung. Als Christ und Christin jedoch ist sie und er gleichzeitig ‚Knecht’ Christi und damit allen und allem in Liebe und Verantwortung ‚untertan’. 91). in freier Improvisation wie in der Ästhetik der autonomen Kunstmusik (des l’art pour l’art) einen charakteristischen Ausdruck. 130).. John Beaulieu.

dem Geliebten . aus dem alle Form (auch der Mensch) hervorgeht und in die sich alles wieder auflöst. Das Monocord macht das (noch vorbewusste) Einssein mit der Schöpfung .“ Einschränkend betont der Autor. Der gleichmäßig fließende Klang des Gongs Chau Lou führt über die Schwelle von Geburt und/oder Tod in die Welt und in transzendente Bereiche. singt das Lied der Erde. sondern Dein Wille geschehe!« geht er mit nun entwickeltem Bewusstsein wieder ein in die Einheit. 2007. denen er „spirituelles Potential“ zuschreibt: ihr gleichmäßiges „Rauschen der Oceandrum thematisiert das Tao.dem einen SELBST. Letztlich macht er die Unsterblichkeit des Lebens erfahrbar. der sie rezipiert“ und der sie anbietet (288) 89 .also mit der Mutter. Das Didgeridoo. dass auch diese Ebene heilig ist. sondern „immer nur in Verbindung mit dem Bewusstsein dessen. Die Shrutibox lenkt das Bewusstsein auf die Qualitäten der Beziehungen der Menschen untereinander und auf die transformierende Kraft seiner Beziehung zu Gott. der Natur. der Welt. die der Erkenntnis im Wege stehen. Damit kommt er am ersehnten Ziel der inneren Heimat an . der Materie. dass die Klänge keinesfalls an sich wirken. 286-289 führt verschiedene Musikinstrumente an. »untere Oktav« des OM. und dem Entwicklungsstand und der Offenheit dessen. den nicht manifestierten Urgrund der reinen Potentialität allen Seins. alles Erreichte wieder hinzugeben. der sie erzeugt . das Lied von Körperlichkeit und Sinnlichkeit. die Fülle des Nirwana. Die Klangschale schließlich lädt den in seiner Ichheit gefestigten und in seinem Willen gestärkten Menschen dazu ein.morphische Resonanz mit den „Gesangsfeldern aller Kulturen und Zeiten der Menschheit entstehen und ozeanische Gefühle transpersonaler Verbundenheit erlebt werden (vgl.erfahrbar (und immer auch dessen Störungen). Wolfgang Strobel (Klänge als Wegbereiter zu Spirituellem Erwachen Musiktherapeutische Umschau. Das Herzmetrum auf der Rahmentrommel fokussiert auf die Entstehung der Ichheit in der Begegnung mit einem Du und vermag jene narzisstischen Störungen zu bereinigen. die der Erfahrung einer bedingungslosen Liebe und eines unbedingten Selbst(wert)gefühls im Wege stehen. In seiner Entscheidung »nicht mein. Es vermag alle Beeinträchtigungen aufzulösen. 184 f).

5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen Überblick: 1. Hören vor der Geburt 2. Erfahrungen im „Pränatalraum“ und zum „Snoozelen“ 3. Musiktherapie bei Patienten in komatösen Zuständen 90 . Zum Hören von Gehörlosen und Ertaubten 4.

57 ff. Dieses Urhören wird als harmonikales Ereignis angenommen. zuerst würden vom Fötus die tiefen Klänge gehört.und Kommunikationserfahrungen berichtet u. Dortmund 1992. Der Dirigent „Brott berichtete.5. die eine wahre Aufladung. 92). chemische und molekular/atomare Prozesse mit Hilfe feinster Zilien in der sie umgebenden Umwelt zu registrieren und als Information aufzunehmen. während er sich sonst ganz still verhält(58). die über die Fortbewegung der Mutter erworben werden. Er berichtet. Die Mutter informiert das Kind unbewusst mittels der Variationen ihres „Hormonspiels“ „über die reale Lage in der Welt um sie herum“. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. 29). in einem „zellulären Gedächtnis“ zu speichern und in neuronale Energie umzuwandeln. Harmonikal bedeutet Schwingungen im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen. „sein Herz schneller schlägt.) seines Buches „Lebensraum: Musik“ (Stuttgart 1991). dass der Embryo in dieser frühen Entwicklung bereits Reaktionen zeigt. erste Hörerfahrungen eher im Bereich um 4000 Herz anzunehmen sind. mit Hilfe derer sich alle weiteren sensorischen und neurologischen Prozesse beim Wachstum des Embryos entfalten.“ (Gela Brüggebors. „In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. das Hören vor der Geburt. Kreativität. Die Welt ist Klang“ (Reinbek 1983. welche seine Mutter – wie er später herausfand – als Berufscellistin einstudiert 91 . mit deren Hilfe die Hirntätigkeit aktiviert wird. da die atomaren bzw. Tonfall und emotionale Prägung im Obertonbereich der mütterlichen Stimme werden über das Knochengerüst in die Flüssigkeit des Uterus als subtile Information eingegeben. Man hat nachgewiesen. S.Ausführungen über die Ursprünge des Hörens.also bin ich“ (Berendt) . dass entgegen der bisherigen Ansicht. Intrauterines Hören.a. jene erste spezialisierte Zelle des Embryos. die imstande ist. heraus. dass er genau die Cellostimmen bei seinen Konzerten auswendig kannte. 28 . „Die Wahrnehmung der Mutterstimme in Verbindung mit rhythmischen Erfahrungen. auf denen neue Erfahrungen aufgebaut werden können“ (Peter Brünger: Singen im Kindergarten. Bernd Vogel im Kapitel „Pränatale Psychologie“ (S. Dieser Urklang wird von Tomatis als „Klang des Lebens“ bezeichnet.h. siehe dazu auch die entsprechende Schilderung von Joachim-Ernst Berendt in „Nada Brahma. Augsburg 2003.“ Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Alfred A. Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI).1 Hören vor der Geburt Anmerkungen zum Thema: „Ich höre . Hören bedeutet insofern auch: Aufnehmen von Energie. dort sei es die Corti-Zelle. Bewusstseinsprozesse wie Denken. indem z. d. haben hohen Anteil an der Bildung des neuronalen Netzes und hinterlassen Spuren.B.36). dass der Embryo in den ersten Tagen seines Lebens mit dem Stoffwechsel der Mutter verbunden ist und so „permanent Anteil an ihrer Gefühlswelt“ hat. Über erste intrauterine Hör. Emotionen. in fernöstlichen Meditationstraditionen wird die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Urerfahrung gerichtet. Tomatis stellt in seinem Buch „Der Klang des Lebens. Engrammierung (Gedächtnis).die Anfänge der seelischen Entwicklung“ (Reinbek 1987). mechanische. Vorgeburtliche Kommunikation . Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. S. Vitalität. molekularen Schwingungsprozesse harmonikale Struktur haben. Harmonikal strukturiert sind aber auch die Vokale der Sprache sowie die Töne der Musik.

und gewöhnen sich an sie. Instrumentalisten beobachten größere Aktivität des Fetus während bzw. Bei einem anderen Versuch wurde 102 Säuglingen von Geburt an bis zum vierten Tag rund um die Uhr der 72/min Herzschlag vorgespielt. dass das Gehör funktionstüchtig ist. dass es u. dass auf der ganzen Welt die ersten Kinderworte eine zweisilbige Rhythmik besitzen: Mama. Parncutt: Pränatale Erfahrung und die Ursprünge von Musik.). dass 13 % der Säuglinge von Müttern. Tempowahrnehmung scheint ein sehr früh angelegtes Vermögen und eine angeborene Musikkompetenz zu sein (BUNT.a. Außerdem zeigten die „Herzschlag-Kinder“ deutlich stärkere Gewichtszunahme. Ein Puls von ca. Reflexe. 61). und 8. wachen die meisten Säuglinge auf und fangen an zu weinen. Näheres hierzu in: R. Woche hat sich der Hörnerv so weit ausgebildet. sanften Bewegungen bei ruhiger Musik. Bei diesen Kindern schien ein oder mehrere Kinder während 38. Woche ist das Corti-Organ reaktionsfähig. Den Kontrollgruppen wird bei gleicher Lautstärke ein Herzschlag mit 128/min und ein Galopprhythmus vorgespielt. In der siebten Woche bilden sich die Synapsen. beruhigen sie sich spontan. Läuft das Tonband wieder weiter. Mittel. werden sehr ruhig.8 %. welche Informationen von Zelle zu Zelle weiterleiten (Vogel. Haibach (Hrsg. in Vogel). kurz nach dem Spielen – insbesondre während der letzten drei Schwangerschaftsmonate (BUNT 1994. ANDO und HATTORI (1970) stellten fest. Feten reagieren mit scharfen. Woche nimmt das Hautsinnesorgan „als erstes Wahrnehmungssystem“. s. Norderstedt 2005. MUROOKA fand heraus. 1960: „Einer Gruppe von Neugeborenen wird ein gleichmäßiger Herzschlag von 72/min vorgespielt.und Innenohr angelegt. 76). auch Folie „Pränatale Entwicklung des Gehörs“ Mehr als 25 Millionen Mal ereignet sich während der Schwangerschaft der Pulsschlag der Mutter. in der Kontrollgruppe während 59. die sie während der Schwangerschaft aufgenommen haben.hatte. in: L. als nur der bloße Herzschlag. dass die Beschallung mit dem gesamten intrauterinen Klanggeschehen stärkere beruhigende Wirkung besitzt. Neu-Isenburg 1997.): Seelisches Erleben vor und während der Geburt.O. damit sind die anatomischen Voraussetzungen für das Hören vollständig gegeben. 72/min hat auf Säuglinge beruhigende Wirkung (Die Untersuchung von Lee SALK.4 % der Zeit. die man darin erkennen mag. die während der ersten fünf Monate ihrer Schwangerschaft 92 . die bereits schlafen. s. linkshändige zu 78% ihre neugeborenen Kinder an die linke Brust bzw. In der 18. ebd. Papa. Kinder prägen sich Geräusche und Klänge ein. Sein Vestibularsystem („Labyrinth“) „ist dann so weit differenziert. Sänger berichten. Janus und S. dass Ungeborene während des Singens ruhiger sind. In der zehnten Woche ist der Fetus etwa vier Zentimeter groß. auf die linke Schulter (SALK 1973. als sie mit ihm schwanger war“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. Dieser Rhythmus hat prägende Bedeutung.a. Wird das Tonband abgeschaltet. Ab der 24. zwischen 6. 51). 58). fetale Bewegungsabläufe und Muskeltonus steuert“ (59). 225-240). auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ „Pulsschläge während der Schwangerschaft“ „Mutterleib musikalisches Milieu“ In der sechsten Woche sind äußeres. Die Reaktionen sind sehr eindeutig: die meisten Säuglinge beginnen zu schreien. Rechtshändige Mütter nehmen zu 83%. Vogel a. Die meisten Säuglinge schlafen ein bzw. kantigen und aufgeregten Bewegungen bei stimulierender und mit fließenden. wachen auf“.

höher organisiertes und artikuliertes Sprachvermögen besitzen (BUNT ebd. dass pränatal gehörte Texte wieder erkannt werden können. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ Durch eine geschickte Versuchsanordnung wurde Säuglingen „die Möglichkeit gegeben. Schon wenige Tage nach der Geburt kann der Säugling die Klangstruktur der Mutterstimme wiedererkennen. Darüber hinaus zeigen Neugeborene schon zwei Tage nach der Geburt eine Präferenz für die Muttersprache. welches ihnen schon aus der vorgeburtlichen Lebenszeit heraus bekannt war“ (Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 90-98 dargestellt. die ihnen von unterschiedlichen Tonbändern vorgespielt wurden. auf die Entdeckung. MU 1993.): Hohe Töne sind beruhigender als tiefe. 1992. Sie erzeugen mehr Geschrei bei echtem Säuglingslärm als bei synthetischem. Weniger als 24 Stunden alte Babys orientieren sich bereits zur Mutterstimme hin (BUNT. Während der Schwangerschaft waren die Mütter der Kinder gebeten worden. Das Ergebnis verwundert eigentlich nicht: Alle Kinder auf das Märchen ein.O. dass Kinder. wenn sie mit der mütterlichen Stimme vorgetragen wird. s. zu tönen und Musik zu genießen. wird einer neuen vorgezogen. aus einem vorgegebenen Pool von Grimmschen Märchen ein Märchen auszuwählen und es ihrem Ungeborenen im Verlauf der Schwangerschaft öfter vorzulesen.). dass die intrauterinen Erfahrungen den Fötus noch vor der Geburt in die Lage versetzen.). Keller: Handbuch der Kleinkindforschung. Siehe dazu ebenfalls: H. Eine auf sieben Jahre angelegte Untersuchung von Donald SCHELTER hat ergeben.). Sie setzt gezielt Tonbandaufnahmen mit der Mutterstimme bei Frühgeborenen ein. in: H. während 85 % der Säuglinge von Müttern aufwachen. Er empfiehlt. die intrauterin gehört wurde. insbesondere. „Studien haben ergeben. Bern 1997. Hans Helmut Decker-Voigt fasst in seinem Buch „Mit Musik ins Leben“ (Kreuzlingen 1999) viele Erkenntnisse über das pränatale Hören zusammen. männliche und weibliche Stimmen zu unterscheiden. die einer großen vorgeburtlichen musikalischen Stimulation ausgesetzt waren. Säuglinge erkennen ihre Mutter am Geruch und bevorzugen den Geruch der Mutter. die sie aufgrund ihrer prosodischen Struktur als solche wahrnehmen“ (Brünger a. die erst während der letzten vier Schwangerschaftswochen in das gleiche Wohngebiet gezogen sind (Vogel ebd. Diese und weitere Untersuchungen werden bei Otto H. Monika Nöcker-Ribaupierre berichtet in der Musiktherapeutischen Umschau (Heft 4. S. Martin DORNES berichtet in seinem Buch „Der kompetente Säugling“ (Frankfurt am Min 1994 (41 f. ebd. Papousek: „Anfang und Bedeutung der menschlichen Musikalität“. 53). Schuppan: Frühe Erfahrungen – frühe Prägungen. Norderstedt 2005. mittels Saugfrequenz an ihrem Schnuller zwischen mehreren Angeboten von Märchen zu wählen. in der Schwangerschaft zu singen. und unmittelbar nach der Geburt besteht eine ausgeprägte Präferenz für die mütterliche Stimme: Eine Geschichte.a.in unmittelbarer Nähe eines Flugplatzes wohnten. bei Fluglärm aufwachen. 239-248) und in ihrem Buch „Auditive Stimulation nach Frühgeburt“ (Stuttgart 1995) über die pränatale Wahrnehmung akustischer Phänomene. leise beruhigender als laute Bereits intrauterin werden akustische Zeichen mit bemerkenswerter Genauigkeit wahrgenommen. 93 .). Schon Neugeborene bemerken den Unterschied zwischen synthetisch erzeugten Geräuschen und der menschlichen Stimme. Dabei bezieht sie sich u.a.

Zum Thema Singen für Frühgeborenen und bei der Geburt berichtet Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden. „Die Bedeutung pränataler auditiver Wahrnehmung und Erinnerung für die psychische Entwicklung – eine psychoanalytische Perspektive. Das doppelte Trauma des frühgeborenen Kindes“. Bei höherem Geräuschpegel ging das schon nicht mehr (vgl. Gerhardt. dass mit ihnen geredet wird. der präund postnatalen Mutter-Kind-Interaktion. Crossen 2005. David Aldridge betont. Während das erwachsene Hörvermögen im Bereich von 20-20. a. Ulrike und Stolz. der Traumatisierung durch Frühgeburt und zur musiktherapeutischen Arbeit im Kontext der Neugeborenen-Intensivmedizin enthalten. Monika 2003. Dabei scheinen tiefe Signale eher das Hörvermögen zu erreichen als hohe. insbesondere auch im Bezug auf die Mutterstimme psychoanalytische Entwicklungsspuren bis in die vorgeburtliche Zeit hinein zu verfolgen erlauben. aus voller Kehle zu singen. Kenneth J..a. Bei zu früh geborenen Säuglingen ist diese Entwicklung unterbrochen und muss durch geeignete auditive Stimulation gefördert werden (vgl. Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. bemerken die Kinder nicht. Forschung und klinische Praxis“ (Göttingen 2003) sind Beiträge zur Entwicklung des intrauterinen und postnatalen Hörens.“ entscheidend dazu dienen. Ist zu viel Krach im Raum. 482). Was hört der Fetus tatsächlich? Die fetale Geräuschwelt besteht aus einer Vielzahl im Körper erzeugter Geräusche und aus Lauten. MU 2005. dass die ausgeprägten rhythmischen und klanglichen Hörerfahrungen des Fetus. dass Feten über Knochenleitung und aus der akustischen Außenwelt unterschiedlich hören und auf akustische Signale reagieren. Bei geringem Hintergrundgeräusch konnten 5 Monate alte Kinder noch gut ihren Namen heraushören: sie wandten den Blick Richtung Stimme.O.000 Hz liegt und seine größte Empfindlichkeit im Bereich von 300-3000 Hz aufweist. 94 . in dem Moment als sie zu singen begann. die Wahrnehmung von Rhythmen zu koordinieren.) Improvisation – Therapie – Leben.In dem von Monika Nöcker-Ribaupierre herausgegebenen Buch „Hören – Brücke ins Leben. sondern um einen Ausdruck dafür. eine „studierte Opernsängerin. Kinder lernen Sprache vor allem durch Zuhören. Abrams. 2005). und tatsächlich fing. Musiktherapie mit früh. Auf einer Intensivstation für Frühgeborene müssen schädliche Wirkungen durch das akustische Milieu besonders beachtet werden (vgl.und neugeborenen Kindern. dass die Klänge. Norderstedt 2005) die folgende Begebenheit: Bei der Geburt kommt es zu einem Herzstillstand beim Kind. Sie werden durch das flüssige Medium in der Gebärmutter modifiziert. 333 f). Forscher um Rochelle Newman von der Universität von Maryland haben herausgefunden. Robert: Das fetale Hören: Implikationen für das Neugeborene Suzanne Maiello stellt fest. hört der Fetus in einem wesentlich eingeschränkteren Bereich. Antje (Hrsg. 85-108). Lärm scheint die Entwicklung des Hörvermögens bereits im Uterus zu beeinträchtigen. Der Überblick über Forschungen zum pränatalen Hören ergibt. dass zu viel Krach und laute Hintergrundgeräusche Kleinkindern das Erlernen von Sprache schwer machen (Development Psychology 41/2. in: M: Nöcker-Ribaupierre. wie wir mit unserer Umgebung interagieren“ (in: Haase. die aus der Umgebung der Mutter stammen. Die Hebamme ermutigt die Mutter. das Herz des Kindes wieder zu schlagen an und das Kind konnte bald darauf zur Welt gebracht werden“ (55).

Entscheidungen darüber. Musiktherapeutische Umschau 2004. Lenz und Gerald Hüther (Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. „Einsichten verändern nichts grundlegend.h. „Diese Erfahrungen sind dem Bewusstsein nicht zugänglich. Leicht nachweisbar sind hierbei Koppelungen von Sprache. Gesang oder Musik mit bestimmten. ihrer Sprachmelodie. dass das vorgeburtliche Hören beispielsweise der Stimme der Mutter gleichzeitig über mehrere Sinne erfolgt und über diese Verschaltungsmuster als eine Gesamterfahrung im Gehirn verankert wird“ (143). Denken.“ Sie kann in ihrer komplexen Verknüpfung von Rhythmus.. taktilem. „von einem psychosomatischen Gedächtnis“ zu sprechen. Handeln. 137-156) führen aus: „Das ungeborene Kind ist über die physiologische Einheit mit seiner Mutter gleichzeitig mit ihrem psychischen Zustand verbunden. sie sind auch nicht in der Lage. damit einhergehenden und gleichzeitig ausgelösten Körpererfahrungen: im positiven Fall mit Wiegen und Schaukeln. was wir letztlich tun oder nicht tun. Fühlen und Handeln verantwortlichen Strukturen „nur schwer und. und gleichzeitig auch ihr Herzschlag. betonen Nöcker-Ribaupierre. vor allem der Amygdala) gespeichert und komplex verschaltet. Worte allein wirken nicht. dann nur über die gleichzeitige Aktivierung der emotionalen Zentren im limbischen System veränderbar“ ist (vg. Auf das Hören bezogen bedeutet dies: über die Stimme der Mutter vermittelt sich dem Ungeborenen (142) ihr emotionaler Zustand. diese unbewussten frühe Erfahrungen zu erreichen“ (149). Streicheln und Bewegen. Die Chance von Psychotherapie ist es. Sättigung und Befriedigung basaler Bedürfnisse. Die gilt es in unserem Fall mithilfe von Musik zu erreichen. d. Roth (Fühlen.. In: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg. Von dort steuern und beeinflussen sie (uns nicht bewusst) unser gesamtes späteres Leben. dem jeweils Geschehenen. ihre Stimme verändert sich. Wiesbaden. aber sie werden – das belegt die Hirnforschung heute – in den tiefen Schichten unseres Gehirns (in den teilen des limbischen Systems. Gerochenen oder Gespürten“ (144). Die vor der Geburt stattfindenden physiologischen Austauschprozesse erlauben es. treffen wir auf der Grundlage unserer unbewussten emotionalen Erfahrung. neue kompensatorische Netzwerke aufzubauen. „In der Zeit nach der Geburt werden solche Koppelungsphänomene vielfältiger und nun auch deutlicher beobachtbar. All die damit einhergehenden Körpererfahrungen werden mit der von der Mutter ausgehenden Stimme. Sprache dient allein der verbalen Kommunikation. Je stärker die emotionalen Zentren im limbischen System dabei miterregt werden. Gisela M. motorischem und emotionalem Erleben 95 . auch Gerald Hüther: Ebenen salutogenetische Wirkungen von Musik auf das Gehirn.Monika Nöcker-Ribaupierre. desto intensiver wird die entsprechende Verkoppelung mit den in dieser Situation besonders eindringlich wahrgenommenen Sinneseindrücken. dass die unser Denken. Das bedeutet. mit einzelnen Wörtern oder ihrem Gesang verbunden“ (143).) in der Amygdala ‚Ersatzschaltungen’ angelegt werden“ (439 f. Klang. ihre Atmung und der Hormonspiegel im Blut.: Jahrbuch Musiktherapie. Durch solche Koppelungsphänomene werden die vom Kind über verschiedene Sinneseingänge gemachten Wahrnehmungen nicht nur miteinander. „Auf diese Weise werden gewissermaßen als ‚Gesamtbild’ im Gehirn in form miteinander verkoppelter neuronaler Netzwerke und synaptischer Verschaltungsmuster verankert. sondern auch mit dem dadurch ausgelösten Gefühl“ verknüpft. Nöcker-Ribaupierre. Lenz und Hüther betonen aber. Diese Stimme ist also mit sich verändernden rhythmischen Erfahrungen durch Sprache und Herzschlag verbunden. zusätzlich zu Vibrationen über das taktile Erleben und den Auswirkungen der hormonalen Veränderungen. Lenz und Hüther. 21). Gehörten. Nach G. wenn überhaupt.). Frankfurt 2003) könne die Wirkung der Psychotherapie darin bestehen. „dass im Laufe einer Therapie aufgrund andersartiger Erfahrungen (.

zugleich als Reinszenierung frühester basaler Beziehungserfahrungen angesehen werden und mit dieser Qualität „eine Wandlung einschränkender impliziter Muster“ anregen „und sie in ihrer eingefrorenen Dynamik wieder in Schwingung“ versetzen“ (152). 96 .

25). 97 . ähnliche sensorische Erfahrungen wieder zu machen. 74934 Reichartshausen.2 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“ Zugrunde liegt die Idee des argentinischen Musiktherapeuten Rolando O. München 1983. Frank Rotter bezeichnet Musik als „Mutterersatz“ (Musik und Kommunikation 10. Die Anschrift von Berndt Vogel: Feldbusch 2. Benonzon. 26). Ein Therapieansatz für schwerst und mehrfach Behinderte.5.beschrieben im Aufsatz „Der Pränatalraum. S. Benonzon hat Kinder während des Spielen oder Malens mit Uterusgeräuschen beschallt und die therapeutische Wirkung beschrieben. 1985. Stuttgart 1991. Musiktherapeutische Umschau 1987. S. wie er sie aus seiner pränatalen Existenz kennt“ (Einführung in die Musiktherapie. „Die Musik ist wie die Erinnerung an die Mutter und ein Wiederaufnehmen der Beziehung zu ihr und zur Natur“ (25).224) und außerdem im Buch: Lebensraum: Musik. Die Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung dieses Ansatzes finden wir in der Pränatalraum – Therapie von Berndt Vogel . 204 . der ausgehend von den frühsten intrauterinen Klangerfahrungen Musik und Tanz versteht als „unbewusste Versuche des Menschen.

„Die Muskulatur scheint sich in der Folge um die Knochen zu lockern. Heidelberg 1980) Der Frequenzumfang. Kreativität. Engrammierung (Gedächtnis). 60 % an der energetischen Hirnaufladung (= 90 % aller Prozesse) beteiligt. Jedoch schränkt sie diese Auffassung zugleich wieder ein. dass tiefe Töne. Sie begründet dies folgendermaßen: "In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. (S..5. die eine wahre Aufladung. Im Kopfbereich sind die hohen Frequenzen zu spüren. liegt." Bei Gehörlosen würde diese energetische Aufladung des Gehirns nachlassen bzw. dass die Hörtests sich im allgemeinen auf die Fähigkeit beziehen. S. Musiktherapie mit Gehörlosen.man fühlt sich "von innen her massiert“ und berichtet über eine „angenehme Wärme im Rumpfbereich“. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. von 16 bis 380 Hz ausgehend als Vibrationen von Becken an aufwärts beginnend bis in den Kopf im Körper zu spüren sind. 16 Hz 80 Hz 380 Hz Sprachklangschwerpunkt 800 Hz 1. fortfallen. Musik zu erleben ist auch zu berücksichtigen. Vitalität. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um.. Als satter tiefer Ton wird die Baßtrommel eher im Beckenbereich gespürt.000 Hz. Mit Hilfe von Hörresten können manche als gehörlos diagnostizierte Menschen beträchtliche Teile der Musik (die ja über das gesamte Hörspektrum reicht) wahrnehmen. liegt bis zu 500 Hz.000 Hz menschlicher Hörbereich Klangbereich der Musik 98 .3 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten Auch Gela Brüggebors (Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI). das Gleichgewichtsorgan. Diplomarbeit Siegen 1993) Bei der Frage. Die Cochlea ist nach Schätzung von Tomatis mit ca.) unterstellt Apathie und Depressivität bei Gehörlosen mit zunehmender Schwerhörigkeit. Die Konsonanten sind in einem höheren Frequenzbereich zu finden. inwiefern „Gehörlose“ fähig sind. Sprache zu vernehmen. Bewusstseinsprozesse wie Denken. die Vibration des Tamtams (Gongs) „als Prickeln auf und unter der Haut. Der Klangschwerpunkt der Sprache liegt allerdings nur im Bereich von etwa 80 bis 380 Hz. (Das gehörlose Kind. 30 % und das Labyrinth mit ca. Emotionen.B. der von 16 bis 20. Der Frequenzbereich der Lautsprache beginnt erst bei der Obergrenze dieser Körperrezeption mit den Vokalen.. Labyrinth und Schnecke vereinen sich zu einem Nerven (vestibulo cochlearis) und bilden sozusagen eine Funktionseinheit. Demnach ergibt sich.. indem sie fortführt: „Direkt neben der Cochlea (Schnecke) sitzt der Vestibularis-Apparat.“ (Gerd Treschhaus. Dortmund 1992. der über den Vibrationssinn aufgenommen wird. also einem relativ kleinen Ausschnitt des gesamten Hörbereichs. d.mehr rechts als links.“ Auf die Bedeutung des Vibrationssinns bei Gehörlosen weist Antonius van Uden hin.600 Hz 20. 45) Gehörlose beschreiben z. 92 f.h. die Wirkung der großen Baßtrommeln wird als "Vibrieren der Knochen des Skeletts" beschrieben.

Das Frequenzspektrum der Musik gibt Prause mit ca. 1984 der Zeitschrift Hörgeschädigtenpädagogik sehr ausführlich beschrieben. wie zehn Gehörlose und elf hörende Testpersonen auf Vibrationen an den Händen reagierten. Kontaktadresse: Internationale Gesellschaft für musikpädagogische Fortbildung IGMF e. Claus Bang kommt jährlich einmal nach Deutschland und hält Weiterbildungen in Musiktherapie und musikalische Sprachtherapie bei Hörgeschädigten und mehrfach behinderten Kindern in der Deutschen LandjugendAkademie in Fredeburg.2001) veröffentlicht wurden.11. Beispiele aus Tansania. 28. die es auszunutzen gilt“ (440). dass bei allen Personen die für Vibration zuständige Hirnregion aktiviert wurde. Die Verarbeitung von Vibrationen ist nicht mit dem Hören identisch. das der Sprache mit ca. in: Hörgeschädigten Pädagogik Heft 2.V. Nun dürfen sie nicht mehr zum Lehrer schauen. Die Hörrinde ist aber offenbar nicht von Geburt an auf diese Aufgabe beschränkt. Rosemarie. raten die Forscher. die vom Sprachklang nicht erfasst werden.): Musik bis ins hohe Alter. 1992. wird folgende Übung eingesetzt: Die Schüler stehen mit dem Rücken zum trommelnden Lehrer. Die Versuche mit Gehörlosen zeigen. Die Region ist eigentlich auf die Verarbeitung von Tönen spezialisiert. Email: DLA-Fredeburg@t-online. Köln Rheinkassel 2001) hebt Ansätze und Möglichkeiten hervor.93) berichtet von Forschungsergebnissen. In ihrem Aufsatz: „Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit“ (in: Tüpker. Vibrationen wahrnehmen. Hans Hermann (Hrsg. der eigentlich Töne verarbeitet. Auf ein optisches Zeichen hin beginnen die Schüler zu tanzen. Wickel. Danach können Gehörlose mit jenem Teil des Gehirns. 200-2000 Hz an (2001. Bei den Gehörlosen wurde aber zusätzlich auch die Hörrinde. Die Betroffenen sollten deshalb schon im Kindesalter regelmäßig diese Fähigkeiten schulen. Die Gehörlosen sollen das Fehlen der Trommelrhythmen wahrnehmen und aufhören zu tanzen. jenseits der musikalischen Förderung zum Sprachtraining und Sprachentwicklung unter Ausnutzung von Vibrationssinn.de Die Musiktherapeutische Umschau (2002. 02974 9110). Hirnstrommessungen zeigten. der auditive Kortex.. S. eröffnet aber Gehörlosen zusätzlichen Sinnesreize.116) beschreibt folgendes Beispiel aus der afrikanischen Musikpädagogik mit Gehörlosen: „Um den Vibrationssinn zu sensibilisieren. Trotz des Zementbodens in den Klassenräumen konnte eine Reihe von Schülern die Aufgabe erfüllen." (S. Manuela-Carmen Prause (Musik und Gehörlosigkeit. „welche vielfältige „Möglichkeiten der Teilhabe eröffnet. angesprochen. Münster 2001. S. dass das Gehirn brach liegenden Bereichen neue Aufgaben zuweisen kann. Die Wissenschaftler hatten verglichen. als Kulturgut zu vermitteln“. 110 . Johannes Hummel Weg 1 57392 Schmallenberg (Telefon-Nr. Deshalb können von Hörminderung betroffene Menschen über noch bestehende Hörreste von Musik eher erreicht werden als durch Sprache. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. 177-197) schreibt Manuela-Carmen Prause: „Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht 99 . 180) Jedenfalls erreicht die Musik Hörreste. die an der University of Washington (Neuroscience Letters. Dann stoppt der Lehrer seine Tätigkeit. Jutta Polzius (Afrodance in der Schule. Bewegung und Visualisierung die „Musik (auch) als Wert an sich. 16-4608 Hz. 113) Die Musikpädagogik mit Gehörlosen von Claus Bang wird im Heft 2.

Metallophone. dass nur wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen sollten. „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. nicht zu laut spricht. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. f) dafür zu sorgen. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens.darin. h) Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f.) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. wie die z. In Anlehnung an Fengler hebt sie hervor. und in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194).und Bassxylophon. ist nicht so wichtig“). auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd. Bei der Improvisation können „von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte“ aufgegriffen werden. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. Es kann „zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles“ beigetragen „und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation“ entgegengewirkt werden (ebd. b) der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und c) nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. des Unterscheidens. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal.) 100 .und Melodieinstrumente wie Sopran-. Im Gegensatz zur verbalen Situation. Alt. Zur Realisation der Musiktherapie mit Hörgeschädigten und Gehörlosen empfiehlt Prause. dass a) möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat. findet er hier eine autonome. e) man das von anderen Gesagte wiederholt.). d) man ruhig und etwas langsamer als normal. g) auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann.B. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. Hörgeschädigte Menschen. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann“ (191). bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. stressfreie Handlungsmöglichkeit. Beratung. Therapie und Selbsthilfe.). Stuttgart 1990). Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. dass es letztlich um die Versöhnung mit sich selbst gehe (vgl.

Die Aufnahmen belegen. insbesondere die Gefühle Schmerz und Wut ausleben können.4 Musiktherapie mit Koma .V.Stunden mit Patienten im sog Wach . Claudiusring 4i.Patienten Musiktherapie mit komatösen Patienten Dissertation von Dagmar Gustorff (Universität Witten Herdecke). herausgegeben vom „Schädel-Hirnpatienten in Not e. Silke Jochims.“. 4/1996.5. 23566 Lübeck (Tel. und Fax: 0451/6110238) Man beachte auch die Arbeiten von Dümpelmann (Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation) und Klettke-Drawert (Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma) im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT. um den Prozess der Trauerarbeit zu führen. Göttingen 2000 außerdem ein Gutachten zur Wirksamkeit der Musiktherapie in der Zeitschrift „not“. das sie zusammen mit Hans-Joachim Hannich herausgegeben hat: Jenseits des Wortes. die auf eine Auswertung warten. Silke Jochims hat viele Musiktherapie . sowie das Buch. 101 . Bayreuther Straße 33 in 92224 Amberg wichtige Arbeiten auch von Silke Jochims unter anderem in der Musiktherapeutischen Umschau. Musiktherapie mit komatösen Patienten auf der Intensivstation.Koma auf Video aufgenommen. dass mit Koma Patienten über die Musik Kommunikation hergestellt werden kann und sie die Musik nutzen können.

Boethius Mittelalter Renaissance Aufklärung Romantik 20. Chr. Neue Musik und Gruppenimprovisation als Ausgangspunkt für neue Konzepte der Musiktherapie Geschichte und gegenwärtiger Entwicklungsstand der Musiktherapie Musik wurde während aller Epochen der Menschheitsentwicklung und in allen Kulturräumen umfassend genutzt.Lehre in Verbindung mit Intervall. Chr. 1000 v. 102 . um zu heilen bzw. Chr. Korpus Hippocratium Elemente. Medizin. 500 n. Natur. Es besteht eine unauflösliche Einheit von Religion. Körper und Seele ca.Ganzheit statistische Empirie in Medizin. Plato Das harmonikale Prinzip in Wille.6 Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst Felsmalerei ca. Stoiker Lehre vom Pneuma ca. Chr. 24000 v. Körper – Seele . Chr. 300 v. 0 v. Bei den Naturvölkern ist die Behandlung von Krankheiten an die Anwesenheit der musizierenden und tanzenden Stammesangehörigen gebunden. Revolution des Musikbegriffs. Moral und Gesellschaft ca. Chr. Ablösung der musikalischen Kosmologie durch Affektenlehre ca.und Tonartenlehre ca. Chr. Tanz und Öffentlichkeit. 280 v. Charakter. 1500 n. Krankheit als göttliche Fügung Psalmodie und Krankenheilung pneumatische und Säfte . Krankheit und Not zu lindern. Musik. Chr. 550 v. Gegenbewegungen gegen das iatromechanische Menschenbild. 180 v. Chr. Jahrhundert „musica mundana . Vitalismus. Chr. Psychologie und Musikwissenschaft.musica humana musica instrumentalis“ ca. Pythagoreer mathematische Ordnung in Kosmos. „iatromechanisches Menschenbild“. zwei musiktherapeutische Modelle einer Therapeut – Patient .und Säftelehre ca. Aristoteles Das Element der Katharsis ca. 1650 n. Ausführlich dokumentiert sind der Einsatz von Musik bei den Naturvölkern und in den Hochkulturen des Altertums.Beziehung ca. Heilungszeremonien bei „Naturvölkern“ Frühgeschichte Musiktherapie in der altjüdischen Tradition David und Saul.

. transzendiert wird.B. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt. Die ewige Wiederkehr der Sternenkonstellation wird entdeckt“ und die Musik gilt als Wiederspiegelung der kosmischen Ordnung. KÜMMEL 1977..und Makrokosmos). 275-288) Auch in der modernen Musiktherapie wird die Frage nach den Wirkfaktoren der Musikthera103 . oft noch mit zusätzlichem Gebrauch von psychotropen Substanzen in Trance oder Ekstase versetzen. Der Blick in die Musikgeschichte offenbart zwei unterschiedliche Ansätze bei der Verwendung von Musik im therapeutischen Kontext: Mal steht stärker die der Musik innewohnende Ordnung im Vordergrund (Musik gilt als Abbild der natürlichen Strukturen des Mikro. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Jahrtausend v. 1974. (2001. Mondjahr (=Quintenzirkel) und Sonnenjahr (=Oktavzirkel) müssen aufeinander abgestimmt werden. die das Sonnenjahr dauert. Ebenso müssen wir jedem Monat ein paar Tage hinzufügen. FLENDER sieht noch in unserem heutigen Tonsystem frappierende Verbindungen zur modernen westlichen Zeitrechnung: „Die zwölf Töne werden abgeleitet aus der Abfolge von 12 Quinten. das bewusstseinsverändernde Wahrnehmung hervorruft. die auf den körperlich oder seelisch “in Unordnung geratenen“ also erkrankten Menschen einwirkt. Berühmt und immer wieder angeführt werden die Behandlung des an einer schweren Depression erkrankten König Saul durch David im alten Israel (ca.“ Solche „Periodizität ist aber genau das Element. um auf 365 Tage zu kommen. durch die sich die Menschen. Platon. Plato und Aristoteles angeregten musikalischen Praktiken zur Heilung und Prävention von körperlichen und seelischen Krankheitszuständen (vgl. bei den Chinesen. Heraklit. Norderstedt 2005)weist darauf hin. Eine Differenz.) oder die von Pythagoras. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. an denen die stärksten Resonanzphänomene auf die Singstimme auftreten. genau im Verhältnis 2/3 gestimmt. „die besondere Resonanzphänomene hervorrufen“ und „sich genau an den Stellen befinden. bzw. z. Außerdem wurden auch Tanzspuren entdeckt. . 12 oder 24 Grundschläge. „die auf kultische Tänze hindeuten“ (39). 2-12). 14). ausgehend von den alten Griechen. seit dem 5. Pythagoras war „das letzte Glied in der Kette“ von Vertretern der Einheit von Kosmologie und Musik. sich von Emotionen und sprachlich nicht oder nur schwer fassbaren Erlebnisinhalten zu befreien und sie mit anderen zu teilen. Babyloniern oder Ägyptern. SPINTGE & DROH 1992.“ FLENDER 1993.Die Musik besteht aus der Wiederholung von immer gleichen übereinandergeschichteten Rhythmen (patterns). Aristoteles. kleiner als ein Halbton. Barock. In allen Hochkulturen.h. d. 10. gibt es „die Symbiose von Musik und Zahl.B. dass viele Höhlenmalereien an Stellen angebracht sind. bleibt als Differenz. 1000 v. MÖLLER 1971. LINKE 1977. in Mittelalter. die es dem Menschen erlaubt. Romantik bis Kant. erreichen wir nicht genau den Ausgangston. Chr. Genau das tun wir im sogenannten temperierten Tonsystem“ (17). das sogenannte pythagoreische Komma. Pythagoras. („Alle rhythmischen Figuren in der afrikanischen Musik beziehen sich auf durch 2 oder 3 teilbare Perioden von z.. Renaissance. Chr. Sind jedoch diese Quinten rein. FROHNE-HAGEMANN beschreibt die Entwicklung ästhetischer Positionen in der Geschichte. mal wird mehr die expressive Funktion der Musik hervorgehoben.

Literatur zur Geschichte der Musiktherapie Bunt.: Musiktherapie.H. J.pie immer wieder aufgeworfen. BUNT 1998). Australien. Werner Friedrich: Musik und Medizin. so auch in Deutschland werden Musiktherapeuten im Rahmen von privatrechtlichen Vereinbarungen tätig. 1944 in den USA. Dort wird sie unter der Verantwortung habilitierter Chefärzte angewandt und evaluiert bzw. an Universitätsklinken und an den verschiedensten Fachkliniken. Musiker und Musiklehrer wurden als reguläre Teammitglieder in Krankenhäusern eingestellt. Stuttgart 1982 Kohler. Reinhard: Vom Dreifachen Ursprung der Musik.: Geschichtlicher Abriss der Musiktherapie in der BRD – aus höchst persönlicher Sicht. Isabelle: Fenster zur Musiktherapie. Jena 1971 Kümmel. DECKER-VOIGT & ESCHER 1994. So entstanden die ersten Schulungskurse für Musiker. als “Musik Medizin“ und nicht als Musiktherapie bezeichnet (vgl. In Londoner Krankenhäusern spielten Gruppen von Sängerinnen und Instrumentalisten den Patienten beruhigende Musik vor (vgl. Im angloamerikanischen Bereich beeinflusste der hohe Anteil an Veteranen des 2. Periodika und Fachzeitschriften sowie auf regelmäßigen nationalen und internationalen Konferenzen ihren Niederschlag.): Schulen der Musiktherapie. 1958 in Großbritannien (vgl. SCHWABE 1969). wirkt die Musik oder wirkt die therapeutische Beziehung? Inzwischen werden Verfahren. G. Jahrhunderts datiert werden. in den Siebziger Jahren in Ost.: Musik gegen Wahnsinn. Freiburg 1977 Linke. Musiktherapie ist heute fester Bestandteil des Psychotherapieangebots an vielen Allgemeinkrankenhäusern.: Musiktherapie. bei denen ausschließlich die Beeinflussbarkeit des Organismus’ durch Klänge genutzt wird. HARRER 1982. Wiesbaden 2001 Harrer. Hrsg. KOHLER 1971. Gleichzeitig wurde es erforderlich. 1992. China und in osteuropäischen Ländern vertreten und erscheint als eine global vernetzte Wissenschaftsdisziplin. HE: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe. Heute ist Musiktherapie als wissenschaftliche Disziplin an Universitäten und Hochschulen in fast allen europäischen Ländern in den USA. an fast allen psychiatrischen Landeskrankenhäusern. Israel. (Hrsg. jedenfalls von gründlich ausgebildeten Musiktherapeuten durchgeführt. in Südamerika. Weinheim 1998 Decker-Voigt. H. SPINTGE & DROH 1987. Musiktherapie ist von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen als förderungswürdiges Verfahren der Psychotherapie anerkannt. München 2001 Flender. Japan. Der Beginn der neuzeitlichen Musiktherapie . gelegentlich auch von promovierten und habilitierten Medizinern oder Psychologen. Gütersloh 1993. 9-20 Frohne-Hagemann. Hrsg. in: Peter Bubmann: Menschenfreundliche Musik. Sammelbänden. Theorie und Methodik. Südafrika. STERN 1987). Wie in solchen frühen angloamerikanischen Projekten entwickelten auch in Deutschland Therapeuten Konzepte für solchen eher unspezifischen Einsatz der Musik (vgl.und Besoldungsstruktur für Musiktherapeuten. Bremen 1994 ders. Weltkriegs in den Krankenhäusern die Entwicklung der Musiktherapie nachhaltig. wie etwa in der Anästhesie oder bei chirurgischen oder zahnmedizinischen Behandlungen. In Großbritannien gibt es eine eigene gesetzlich geregelte Berufs. C. Stuttgart 1971 104 . S. & Escher. Die Qualität der musiktherapeutischen Leistungen wird durch Berufsverbände sichergestellt. in ders. BUNT 1998. musiktherapeutische Behandlungen indikationsspezifisch zu systematisieren und Musiker oder Mediziner für die spezielle musiktherapeutische Arbeit auszubilden.: Neue Klänge in der Medizin.Entwicklung kann auf den Anfang des 20. Norbert: Heilung durch Musik? Wilhelmshaven 1977 ders. die ihre Fähigkeiten im therapeutischen Gebrauch von Musik weiterbilden wollten. Eine umfassende wissenschaftliche Fachdiskussion findet in vielen Monographien. In anderen Ländern.13). L.und in den Achtziger Jahren in Westdeutschland.

R. in: SPINTGE. Hans-Jürgen: Psychotherapeutische Aspekte der Musikanschauung der Jahrtausende. Revers u.a. Stuttgart 1992. R. R. 51-160 Schwabe.: Musik in der Medizin. a.O.Möller.J. Christoph: Aktive Musiktherapie für erwachsene Patienten.a.): Neue Wege der Musiktherapie. Jena 1969 Schwabe. Düsseldorf 1974. in: W. Hrsg.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. 217-222 105 . R. Rolf & Droh. (Hg. Christoph. R.: Musiktherapie in der zahnärztlichen Praxis. Stuttgart 1983 Spintge. & Droh. Berlin 1987 Spintge. 2-12 Stern. & DROH. Hrsg. Rolf: Musik-Medizin.

weil die Erfahrung lehrt. Belebung oder Abreaktion werden zugelassen. je nach Wunsch der Patientinnen und Patienten auch Lieder singen und instrumental begleiten. die ihnen in der jeweiligen Situation gut tun und auch entsprechend auf ihnen spielen. über die anschließend wieder gesprochen wird u. Bewegungsspiele oder Musik-Mal-Aktionen durchführen. mit Gesprächsphasen ab. da klangliche Erfahrungen und Musik früheste und pränatale Erlebnisschichten ansprechen. Musiktherapie erreicht besonders Patienten.s. 3. die sich sprachlich kaum oder gar nicht artikulieren können oder die nur sehr schwer und auf sprachlichem Wege gar nicht Zugang zu ihren Gefühlen bekommen.und Lebensmuster. 1. Ablauf der Musiktherapie-Sitzungen In den Musiktherapie-Sitzungen wechseln Musikphasen. Darüber hinaus werden in der Musiktherapie Patienten mit frühen Störungen erfolgreich behandelt. Sie verfolgt den bio-psycho-sozialen Ansatz einer ganzheitlichen Psychotherapie. in denen wir musikalische Gruppenspiele mit Instrumenten oder auch mit der Stimme durchführen. um den Patientinnen und Patienten zu introspektiven Verstehensprozessen verhelfen. begleitet und . auf leicht spielbaren Musikinstrumenten miteinander zu musizieren.f.sofern möglich. in denen wir das Erlebte beschreiben und in Beziehung setzen zu unseren sonstigen Lebenserfahrungen. Im allgemeinen spielen wir den Patientinnen und Patienten keine Musik vor. dass die Patientinnen und Patienten intuitiv die Instrumente wählen. Aber auch in verhaltenstherapeutischer Hinsicht liefert sie über das gemeinsame Spiel an Musikinstrumenten wertvolle Beiträge zur Modifikation pathologischer Einstellungs. in der neue Handlungsmöglichkeiten ausprobiert werden können.reflektiert. Das führt zum Einstieg in eine weitere Musikphase. 2. Aufgrund ihres nonverbalen Charakters (Improvisation und Interaktion mit Musikinstrumenten) wird sie tiefenpsychologisch genutzt. Wirkung der Musiktherapie Je nach praktizierter Arbeitsweise treten folgende drei Wirkungsbereiche der Musiktherapie in den Vordergrund: a) vorbewusste psycho-vegetative Regulation 106 . Was geschieht in der Musiktherapie? In der Musiktherapie leiten wir die Patientinnen und Patienten an.7 Musiktherapie in der Psychiatrie Aus dem Merkblatt einer psychiatrischen Klinik: Musiktherapie ergänzt und vertieft das psychotherapeutische Angebot der psychiatrischen Abteilung. Die auf der Klangwirkung und den Aktionen an und mit den Instrumenten beruhenden Effekte psycho-physischer Beruhigung.

Indikationsstellung für die Musiktherapie Für Patientinnen und Patienten in chronischen oder akuten psychotischen Zuständen bieten wir eine Gruppe an. Wir bearbeiten Lebensthemen. An den Gruppen nimmt stets eine Vertreterin/ein Vertreter des Personals in Co-TherapeutenFunktion teil. kurze Gesprächsphasen dienen als Feed-back-Möglichkeit. in Beziehung zu den Mitgliedern der Gruppe und zu den Therapeutinnen und Therapeuten symbolisiert und thematisiert sinnfällig Verhaltensmuster. sie tun es auch von sich aus. wie sie mit sich selbst. die dann mit gesprächspsychotherapeutischen und mit musikalischen Mitteln bearbeitet werden. sofern sie von Patientinnen und Patienten thematisiert werden.B. nur mit Klängen“).h.“ oder: „wir führen ein Gespräch ohne Worte. die die Informationen über den Therapieverlauf bei den Stationsbesprechungen weitergibt. sich bewusst zu machen. was sie gespielt haben. Hemmungen und schädliche Reaktionsweisen bei der Gestaltung von sozialen Beziehungen und auch im Umgang mit sich selbst können erkannt und im musikalischen Spiel verändert werden. die Musikerfahrung zu beschreiben (d. Das musiktherapeutische Behandlungsprinzip ist hier die freie musikalische Improvisation (z. Der Einfluss auf Vitalfunktionen wie Atmung und Blutdruck bedingt verändertes Körpergefühl und Ich-Bewusstsein. oder: „wir spielen Angst“. in der der Wirkungsbereich der psycho-vegetativen Regulation im Vordergrund steht. Maximale Gruppengröße: 6 Patientinnen und Patienten. mit unseren Klängen Kontakt zueinander herzustellen. bei der verbalen Aufarbeitung leiten wir die Patientinnen und Patienten dazu an.B. die von den Patientinnen und Patienten genannt werden. mit den Musikinstrumenten und der Gruppe umgegangen sind und wie das Handeln der anderen auf sie eingewirkt hat). Indem sie das musikalische Geschehen beschreiben oder mit ihm verbundene Einfälle mitteilen.. in denen neben psycho-vegetativer Regulation auch an pathogenen Lebenserfahrungen und Verhaltensweisen.Physiologische Reaktionen beim Musik-Erleben sind durch vielfältige Forschungen belegt und beschrieben. ich spiele einmal nach dem Motto „ich lasse mich nicht mehr bevormunden“. c) Bewusstwerden pathogener Verhaltensweisen Das Handeln am und mit dem Instrument. wobei soziale Kompetenzen entdeckt und auf das Leben außerhalb der Therapie angewandt werden. Assoziationen. Ängste. über ihre musikalischen Erfahrungen zu sprechen (sofern das möglich ist) bzw. Bei erkennbarer Introspektionsfähigkeit und -bereitschaft und einer absehbaren Verweildauer von mindestens vier Wochen bieten wir für Patientinnen und Patienten in post-akut psychotischen Phasen und bei reaktiven Depressionen. 4. die auch das sonstige Leben bestimmen. gearbeitet wird. 107 . b) 2. die musikalischen Aktionen sind vorstrukturiert (Spiele mit Instrumenten nach vorgegebenen Regeln.) anbieten. indem wir weiterführende Musikaktionen (z. Lieder singen und mit Instrumenten begleiten). Erinnerungen etc. Bewusstwerden pathogener Lebenserfahrungen Die Patientinnen und Patienten werden dazu angeregt. Neurosen und psychosomatischen Störungen Gruppen an.: „wir spielen. Psychische Erlebnisbereiche können im Spiel symbolisch und vorbewusst verarbeitet werden. wie uns heute zu Mute ist und versuchen dabei. oder wir machen ein musikalisches Rollenspiel etc. Diese neuen musikalischen Erfahrungen werden anschließend wieder im Gespräch aufgearbeitet werden usf. können unbewusste Erlebnisinhalte ins Bewusstsein treten. Grenzen.

in den Arzt. dass sie die Patienten über die Musiktherapie informieren und sich insbesondre mit ihnen über die Behandlungsziele verständigen.und Kreislauffunktionen und belebt durch die Vibration des Stimmorgans den gesamten Körper.oder Gruppenmusiktherapie treffen.5. Zur Wahrnehmung der ergänzenden musiktherapeutischen Angebote wird die Teilnahme an Gruppen außerhalb der Klinik empfohlen. 6. meditativen Tänzen und Sitztänzen vermittelt das Erlebnis von Genuss und Lebensfreude in der Gemeinschaft. Körperliche Lockerung. Sie bestehen aus regelmäßigen offenen Gruppenangeboten in folgenden Bereichen: a) Musik und Bewegung. Bei Demenzstörungen aktiviert das Singen bekannter Lieder Fähigkeiten des Gedächtnisses und der Sprache. Der jeweils behandelnde Arzt oder Psychologe gibt ein dafür vorgesehenes Formular. Ambulante Anschlussbehandlung Patientinnen und Patienten.und Psychologengesprächen sollen auch die Erlebnisse aus der Musiktherapie thematisiert werden. Ergänzende musiktherapeutische Angebote Ergänzende Angebote der Musik haben präventiven Charakter und steigern die Lebensqualität während der psychiatrischen Stationärbehandlung und sowie in der nachstationären Zeit. an die Station. mit denen die psychiatrische Abteilung des Kreiskrankenhauses zusammenarbeitet. um die Möglichkeiten dieser Behandlungsform sicher einschätzen zu können. Ärztliche Anordnung und Evaluation Die Musiktherapie wird nur auf Anordnung der Ärzte und Psychologen durchgeführt.. zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. b) offenes und geselliges Singen Singen aktiviert Atem. können mit den Musiktherapeuten entsprechende Vereinbarungen über ambulante Einzel. Es aktiviert positive Gefühle und die Bereitschaft. Außerdem vermitteln wir an niedergelassenen Musiktherapeuten weiter. Die Musiktherapeuten sind bei den großen Übergaben zugegen. Entspannung und Stärkung sowie emotionale Aktivierung und positive soziale Erfahrungen unterstützen den Heilungsfortschritt und helfen. Ärzte und Psychologen. Tanz Das Erleben von einfachen Folkloretänzen. sollten einige Sitzungen in der Musiktherapie hospitieren. die musiktherapeutische Behandlungen verschreiben. wird erwartet. die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Fortsetzung der Musiktherapie wünschen. 108 . den Rückfall in pathogene Verhaltensweisen zu vermeiden. die musiktherapeutische Behandlungen zu verschreiben beabsichtigen. um über die Therapien zu berichten und mit dem therapeutischen Team das weitere Vorgehen zu beraten. auf dem er die erforderlichen diagnostischen und indikationsspezifischen Angaben einträgt und sich über mögliche Behandlungsziele äußert. 7. Von den Ärzten und Psychologen. ob und ab wann die Musiktherapie möglich ist. Die Musiktherapie wird in den Pflegeakten dokumentiert. von wo aus zurückgemeldet wird. die von niedergelassenen Musiktherapeuten geleitet werden.

in Musiktherapeutische Umschau 1993. Stuttgart 1975 Außerdem: die entsprechenden Kapitel in Leslie BUNT. z. S. in: Einblicke 13. in Musiktherapeutische Umschau 1985. Weinheim 1998 Peter Hess (Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. Wiesbaden 1999. in Musik und Kommunikation 6 / 1981 Wolfgang Strobel: Musiktherapie mit schizophrenen Patienten. Musiktherapie. 177-208 und im READER MUSIKTHERAPIE. 72-86) fasst die Organisation der Musiktherapie in der Psychiatrischen Abteilung des Städtischen Allgemeinkrankenhauses in Frankenthal in folgender Tabelle zusammen: AufBehandlung von Krankheitsursatrag chen Setting Gongtherapie Tischtrommelkonferenz Behandlung von Krankheitsfolgen Musiktherapie auf der Akutstation „offene“ Musiktherapiegruppe „Freitags-„ Musiktherapiegruppe Märchen & Musiktherapiegruppe Loslösen aus der Isolation Zurückkommen in das Hier und Jetzt Schaffung einer angstfreien Begegnungsebene Aufbau basaler Beziehungsstrukturen Reflexion der Eigen. 2002. 80) 109 . Didgeridoo. 126-133 Musiktherapie bei Psychosen Wolf Schmidt: Mit der Mundharmonika gegen den Wahnsinn.Literatur Musiktherapie bei Depression Jürgen Preckel: Das Erscheinungsbild der Depression.B. 25-64 Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen. Gitarre Ziele Verständnis für die Erkrankung gewinnen Herausarbeiten von Vulnerabilitätsfaktoren Entschlüsselung pathologisch wirkender innerpsychischer Systeme Traum-Bearbeitung „Korrigierende Erfahrung“ Reinstallierung innerer Grenzen Entdecken von Ressourcen Kreativitätsförderung Spielfreude (Hess 2002. Wege zum Verständnis.und Fremdwahrnehmung Entwicklung von Verhaltensalternativen Förderung von Ressourcen Morgen-Musikgruppe Trommel-Gruppe Instrumentenbau Förderung von Instrumentalspiel.

deren wichtigste die Schizophrenie ist. Eigenschaften der Struktur und Beschaffenheit treten in der Wahrnehmung zurück Halluzinationen akustische Halluzinationen. enthemmt. Störungen des Denkens und der Wahrnehmung im Vordergrund. bei denen Probleme im Bereich der Emotionalität vorrangig sind. Begriffszerfall. Wahrnehmung von ausströmendem Gas etc.und Ausdruckseigenschaften ein Übergewicht gegenüber Struktur und Beschaffenheit der Gegenstände Störungen der Affektivität Verstimmungen verschiedenster Art. Ansprechen. Einer richtigen Wahrnehmung wird eine abnorme Bedeutung beigelegt. Symboldenken (Gespräche unter gesunden Angehörigen klingen nicht selten wie der zerfahrene Gedankengang eines Schizophrenen) geordnetes und zerfahrenes Denken nebeneinander Die Sprache wirkt manieriert. seinen Namen rufen. Stimmen. verschroben.B. die Wahnidee gehört der Vorstellungswelt des Kranken an. ferngesteuerte Schläge.). elektrischer Strom im Körper. Wortneuschöpfungen Bei der Wahrnehmung erhalten Wesens. optische Halluzinationen. Ansprechen.und Ausdruckseigenschaften am wahrgenommenen Gegenstand erhalten Übergewicht. Eifersuchts-. die den Pat. wie es im „normalen“ nicht möglich ist Autismus Ich . Handlungen kommentieren etc. läppisch (Hebephrenie). albern. gespreizt. die Zusammengehörigkeit von Gefühl und Ausdruck ist aufgehoben. Stiche. gustatorische Halluzinationen. Störungen des Körperschemas akustische Halluzinationen. ausgelassen. Stimmungslage und gegenwärtige Situation passen nicht zusammen.Störungen Depersonalisation Desintegration Akzessorische Symptome der Schizophrenie Wahnerleben (Beziehungs.Beeinträchtigungs-. Ambivalenz. Stimmen. 110 . die den Pat. die Einheit des Erlebens. z. zusammenhanglos. z.B. stehen bei den psychotischen Störungen. Wesens. unvereinbare Erlebnisqualitäten stehen beziehungslos nebeneinander. Trugwahrnehmungen des Geschmacks taktile Halluzinationen. seinen Namen rufen.Versunkenheit und Verlust der Realitätsbeziehungen Passivität Wahnerleben Ich . sexuelle Manipulationen an Genitalien etc. Kontaminationen.1 Musiktherapie bei Schizophrenie Im Gegensatz zu den neurotischen Störungen. Handlungen kommentieren etc. daneben: depressive Verstimmungen Angst ist sehr häufig vorherrschendes Gefühl inadäquate Affektivität (Parathymie).a. laut. Begriffsverschiebung. Trugwahrnehmungen des Gesichtssinns olfaktorische Halluzinationen. Größenwahn u. Grundsymptome der Schizophrenie Störungen des Denkens zerfahren.7. Zönästhetische Halluzinationen. Gedanken abreißen. Verfolgungs-. dabei karikaturhaft.

dass die Psychose von Erfahrenen einfühlbar und unter Einbeziehung aller Bewusstseinsschichten auch voll erklärbar ist. gehen wir davon aus. dass die Psychose uneinfühlbar sei und unverständlich und nach eigenen Gesetzen ablaufe. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Vielfach wird bei akuten Zuständen von Musiktherapie abgeraten. London 2000. Die alte Psychiatrie hielt eine Heilung. wenn man spirituelle transpersonale Dimensionen der Psychose mit ein bezieht. wieder auf die Erde zurückzu111 . Leerlaufstereotypien und Dyskinesien. außer mit biologischen Methoden. wie Neuroleptika und Elektrokrampftherapie zu beeinflussen sei. n. Klangschalen. Didgeridoo. In der Therapie wird der musikalische Ausdruck zur Symbolisierung bedrängender Gefühle. Selbstverständlich sind psychodynamische und familientherapeutische Therapiemethoden unverzichtbar“ (79). dass hilfreiche Therapieschritte gerade in akuten Phasen mit Musik gemacht werden. meist pentatonisch und dienen vor allem dazu. ihre Gefühle auszuagieren und sich in einer basal stimulierenden Atmosphäre zu entängstigen.Katatone Symptome psychomotorische Phänomene der Schizophrenie Stupor. Gerade wenn Patienten sprachlich nicht erreichbar sind. 96 f Hinweise zur Musiktherapie: Schizophrenie kann man verstehen als die Unfähigkeit.und Abschiedsritualen umrahmt. geborgenheitsvermittelnden Atmosphäre. die es noch zu entdecken gilt. 222). geeignete Symbole für Emotionen zu finden. Die Instrumente sind gut aufeinander abgestimmt. weiche Behandlungsmethoden erfolgreich sind. Mundt. nämlich. Monocord. dass eine kausale Therapie und echte Heilung möglich ist. London 1993. Wenig Instrumente. Auch die musikalischen Erfahrungen sollten überschaubar und vertraut sein. Peter Hess arbeitet als Oberarzt und Musiktherapeut an der Psychiatrischen Abteilung eines Städtischen Allgemeinkrankenhauses (Frankenthal) mit rezeptiven und aktiven Methoden unter Verwendung von archaischen Klängen von Trommeln. Während des Akutstadiums der Psychose wird „großer Wert gelegt auf die Schaffung einer schützenden. Echophänomene Quelle: Schulte. besonders. die nur durch drastische Mittel. Ist weitgehend reglos Mutismus. Es gibt aber Erfahrungen. können Klänge helfen. seien es Gefühle der Übertragung. Wir dagegen sind der Auffassung. relativ reizarmer therapeutischer Rahmen hergestellt werden. Hanne Mette Kortegaard: Music Therapy in Psychodynamic Treatment of Schizophrenia. Über die „Bedingungen. Einfache Improvisationsspiele oder auch Lieder und Tänze finden Verwendung. The wounds that Sing. 61 zit. Gongs. die belegen. 2002. unter denen eine solche intensive Therapie mit schwer gestörten Patienten überhaupt möglich ist“ schreibt er: (Einblicke. in Faust 1995. Die Sitzungen werden von wiederkehrenden Eingangs. Pat. 72-86) „Entgegen den alten Dogmen der Psychiatrie. für nicht möglich und aufdeckende Therapie und Entspannungsverfahren seien besonders bei Psychosen contraindiziert. 13. die in der Improvisation mitgeteilt werden können. ohne sprachliche Äußerung wichtig: Patienten haben auch in dieser Verfassung ein völlig waches Bewusstsein und können später ihre Erlebnisse genau schildern Katatonismen. Tölle 71985. Bei längerer Therapiedauer können auch freie Improvisationen hilfreich sein. der Gegenübertragung oder neu geschaffene Symbole der therapeutischen Beziehung (vgl. in Heal and Mead (eds) Music Therapie in Health and Education. Bei schizophrenen Patienten sollte zuerst einmal ein sicherer. Berimbao und anderen.

in: Einblicke 13. bei dem der angenommene kognitive Symptomkomplex (Denkstörungen) mit kognitiver Therapie durch Training von semantischen Bezügen und Re112 .“ „Eine besondere Behandlungschance ergibt sich immer dann. Außerdem geht es dann in der Gongtherapie auch um einen kausalen Behandlungsansatz“ (81). Indikationen und Kontraindikationen ergeben sich „weniger aus dem Krankheitsbild an sich. dass die Affektlabilität Folge einer Grundstörung im Bereich der Kognition sei. Didgeridoo und Oceandrum Gong Stille Rücknahme der Trance Koto oder Flöte und Tabla unterstützt von der Shrutibox Aktive Gruppenimprovisation Spontanes Maler und/oder Gedicht Verbale Integration mittels Kreisritual mit zweimaliger Runde Schriftliche Integration mittels Eigenprotokoll 1-2 Tage nach der Sitzung Thomas Wosch (in: Hans-Helmut Decker-Voigt (Hrsg): Schulen der Musiktherapie.“ Die beschriebene Auflösung des Denkens und der Sprache sei eine Folge der Affektstörung und nicht umgekehrt. „wie sie als Phänomen im ICD 10 und DSM IV als ein notwendiger Faktor beschrieben wird. dass „die schizophrene Störung nicht primär als Denkstörung“ zu verstehen ist. 72-86) Einzelheiten zur Organisation der Musiktherapie bei Hess s. Aufbau der Gongtherapie (Ritual mit Life-Musik) nach Hess (2002. München 2001. Dieser Ansatz geht auf antipsychiatrische Reformbewegungen der sechziger Jahre zurück und basiert auf der Erkenntnis. 78): Einstimmen der Instrumente und der Teilnehmer Verbale Trance-Induktion mittels geführter Meditation Klangtrance Monocord Monocord und Obertongesang Tanpura und Gesang (Wiegenliedähnlich) Tanpura und Tabla Tanpura. sich auf körperorientierte Therapie einzulassen. Je gesünder der Patient wird. Die Skalen sind dann nicht mehr begrenzt. Mit Hilfe von EEG-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden. Es geht aber auch um Eröffnung neuer Handlungsspielräume in der freien Gruppenimprovisation.kommen und Wege aus der Isolation zu eröffnen. unter Kapitel 7. dass bei „Menschen mit akuten schizophrenen Störungen eine intensive Überlagerung der Gefühlslandschaft mit dem Affekt Angst“ gegeben ist (195). 183-207) beschreibt musiktherapeutische Einzelmusiktherapie mit schizophrenen Patienten in der Akutpsychiatrie auf Grundlage von „verstehender Psychiatrie“. sondern vor allem als affektive Störung. wenn akustisch gespeicherte Traumata vorliegen“ (83). wie allgemein beschrieben. (Peter Hess: Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. sondern eher an der individuellen Bereitschaft. 2002. Als weiteres Argument gegen die Auffassung des Primats einer Denkstörung bei Schizophrenen führt Thomas Wosch Ergebnisse von Untersuchungen mit dem Integrierten Psychologischen Therapieprogramm (ITP) an. um so mehr Chaos kann in den Gruppen dann wieder zugelassen werden. Im Remissionsstadium der Psychose geht es dann mehr um die Entdeckung und Ausbau kreativer Fähigkeiten mit gemeinsamen Musizieren mit leicht spielbaren Instrumenten.

Psychiatrie in der Gemeinde. a. und Burti. Das Setting ist: zweimal wöchentlich jeweils eine Zeitstunde in der verlässlichen Dyade mit Methoden der musikalischen Improvisation auf Instrumenten und anderen vom Patienten angeregten musikalischen Aktivitäten.aktionsfähigkeit beeinflusst werden sollte. denn es seien „starke emotionale Blockaden im späteren Verlauf des Erlernens sozialer Fertigkeiten zu beobachten“ gewesen (196). Dabei zeigte sich. Bonn 1994) erhalten durch diese Untersuchungen zusätzliche Begründung und Bestätigung. deren Wirksamkeit er an Hand von zwei stilisierten Fallbeispielen nachweist (198-204). 113 . Bonn 1992) und Schweiz (Aebi. dass die Patienten zwar neue Denkmuster lernen konnten.. H. Hansen. „die pharmakologische Behandlung nur gering zu halten und der Klientin eine Möglichkeit des Ausagierens und Verstehens ihres Zustandes zu geben“ (201). Hier „wird dem gestörten überdimensionalen Affekt Angst mit den Mitteln zwischenmenschlicher Beziehungen und einer Wohngemeinschaft begegnet. Zu dem besonderen Milieu gehört für die verstärkt akuten Erscheinungen von Schizophrenie ebenfalls das ‚weiche Zimmer’ mit der 1:1-Begleitung rund um die Uhr“ (196). Aus alledem folgert Wosch die Indikation einer musiktherapeutischen Einzelmusiktherapie für Patienten in akuten schizophrenen Zuständen.) kamen auf diesem Wege „zu der Annahme. dass zu Beginn der Therapie ‚an eine stärkere Beachtung psychophysiologischer und emotionaler Prozesse’“ zu denken ist.. In diesen Fällen erwies es sich auch als sinnvoll.O. sich aber im Bereich der sozialen Wahrnehmung und Problemlösung keinerlei Veränderungen zeigten. Die positiven Erfahrungen im Bereich der Soteria Projekte in Amerika (Mosher.a. Die beiden Autoren (Roder und Brenner. L. E.R. Ciompi. L.: Soteria im Gespräch. L.

7.2 Musiktherapie bei Depression 114 .

Die nachfolgende Fallgeschichte verdeutlicht einen solchen Therapieprozess: 115 . musikalische Symbiose“ (149). Die depressiven Symptome zeigen sich im musikalischen Verhalten der Patienten 1. Schlagzeug).: leise klingende Instrumente auswählen (Xylophon). Sie leiden unter einem „Defizit an Verstärkung“. z. innerhalb eines begrenzten melodischen Umfanges spielen. sowie neue Erfahrungen im Bereich der sozialen Beziehungen zu finden. Rhythmen und Tempi bewusst und abwechslungsreich zu gestalten. durch Analogien. in einem langsamen Tempo spielen. dass es bei der Therapie darum gehen muss. weil musikalische Erleben einerseits eng mit primärpsychischen Prozessen. ebenso der „Ersatz von disfunktionellen Kognitionen durch funktionelle Kognitionen“ (kognitive Therapie). in denen Verlusterfahrung nicht ausreichend betrauert wurde. Die bei Depressiven zu beobachtenden „disfunktionellen Kognitionen beeinflussen Emotionen“ und „negative Ereignisse“ werden „dem eigenen Unvermögen“ zugeschrieben. zu wählen und Initiative zu ergreifen.B. Das beinhaltet die Auseinandersetzung mit biographischen Situationen. monotones und nicht rhythmisches Spiel. einen Zugang zu abgespaltenen und nicht mehr zugänglichen Emotionen zu öffnen.zum Thema Depression“ aus Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie. bewährt. Lautstärke zuzulassen. Melodien zu entdecken und zu gestalten. in denen die natürlichen Gefühle nicht ausgelebt wurden und in denen persönliche Kränkungen nicht wahrgenommen und verarbeitet wurden. Göttingen 1999 Versteht man „abnorme Trauer“ als Ausgangspunkt depressiver Erkrankungen. „die in der Musiktherapie noch nicht spezifisch musikalisch sind“. kognitive und verhaltenstherapeutische Zugänge nicht voneinander trennen. durch Analogien. extrem empfindlich sein für Dynamik (sich abwenden von Klavier. insbesondere von gegen sich selbst gerichteten Aggressionen. In der Therapie haben sich emotionale Äußerung. „z. Bei der Musiktherapie lassen sich tiefenpsychologische. die in der Behandlung einzelner musikalischer Parameter durch die Patienten erkennbar werden.B. mit Emotionen und präverbalen Erfahrungsinhalten verbunden ist und andererseits interaktive Handlung und symbolischer Ausdruck von sozialen Beziehungsmustern ist. 148). haben sich „die Psychoanalyse und Interpersönliche Therapie (Klerman)“ insofern bewährt. Theoretisch wäre zu erwägen. wie sich im Verlauf der Therapie die Bereitschaft. die Verhinderung von Hilflosigkeit und die Vermehrung von angenehmen Aktivitäten (Verhaltenstherapie) (147). und eigenständig zwischen musikalischer Verschmelzung und Übereinstimmung (Symbiose) sowie Abgrenzung und Kontrast (Individuation) entwickelt (vgl. Die oben dargestellte Symptomübersicht verdeutlicht. nicht auswählen können oder keine Initiative ergreifen 2. als sie „durch Äußerung der nach innengekehrten Aggressionen einen Trauerprozess in Bewegung“ bringen.

äußert aber auch Schuldgefühle. die ich auf der Handtrommel musikalisch darstellen soll. Sie hat die Augen geschlossen. Ich bitte sie. vorne leise und sanft spielen und von hinten einen Schubs geben. erleichtert. zu leben. mit den Fingern auf sie zeigen und ihr sagen. das seien „klagende Hilferufe“.12. sie hätte am liebsten das Instrument (Glockenspiel und Flöte) in die Ecke geworfen. Dabei wird viel gelacht. mir weist sie die Rolle des Ehemannes zu. die aus zwei Planken besteht. das sie irgendwo einmal gesehen habe.63): Es sind sechs Patientinnen gekommen. und hinter ihm ihr Schutzengel. 81): In dieser Sitzung ist das Thema die Familien der Patientinnen. ein kleines Mädchen auf einer Wiese. darauf zu spielen. sie solle sich vorstellen. dabei ist sie sehr aufgeregt und presst ihre Fäuste in den Nacken. sie sehe jetzt auch Blumen und Schmetterlinge. das verzweifelt ist. ___________________________________________________________________________ 3. auch einmal so aus sich herauszukommen./S. es gehe ihr schlecht. ledig. dass sie sich so habe gehen lassen. Sie setzt sich auf einen Stuhl.67): Ich bitte die drei Patientinnen. Daraufhin sagen Frau N. 96): Frau N. sie wünschten sich. was sie auch tut. es sei ihr Vater. Dort entschließt sie sich. Der habe sich vor sieben Monaten das Leben genommen. sie wählt für ihre Rolle die Klanghölzer. was sie jetzt tun wolle. am Rand des Abgrundes steht ein kleines Mädchen. ich beschreibe ihr Spiel. in einer Musiktherapiegruppe zu behandeln. Wir spielen dann alle gemeinsam mit ihr „Lebensfreude“.11. wird während des Erzählens unruhig. wie ein vierjähriges Kind das machen würde. Sitzung (26. sie wisse aber nicht mehr wo. wie sie den Kontakt bestimmt und dass ihr Mann dabei durchaus nicht immer in der stärkeren Position ist. erkennt. jetzt drehe sie sich um und laufe über die Wiese einen Weg entlang. verheiratet. wobei es ihr allerdings zunehmend schwerer fällt zu stehen. der Tod hinter ihr her.s. Beim anschl. Frau N. unerledigte Trauerarbeit. was er ihnen angetan habe. Frau W. zusammen mit Frau S.) Frau W. eine Tochter. die einzelnen Rollen werden mit Musikinstrumenten dargestellt. macht ihm Vorwürfe und läuft dann wieder fort. Sie sehe ein Haus.. im Kreis herum läuft und weint. Wir beschließen nach dieser Sitzung. Sitzung (12. Jetzt komme sie an einen Bach. dort stehe eine Gestalt. und ebenso Frau S. Frau W. ich frage: „wer klagt da?“. den Impuls verspürte „Raus! Nichts wie weg hier!“. Sitzung (3. die Beziehung zu ihrem Ehemann.Fallbeispiel Frau N. sie sei „ganz unten“. Am Ende schlägt sie deutlich und für alle vernehmlich gegen das hintere Ende des Instruments.“ Sie spielt. Eine Mitpatientin (Frau W. die an einen Abgrund stößt. Sitzung (19. Frau N. sagt. den Weg zurück. z. an der sie nicht teilgenommen habe. wie sie sich fühlt. Ich stelle die Instrumente vor und lasse sie von Patientin zu Patientin weitergeben und ausprobieren. dass dieses Bild über ihrem Kinderbettchen hing. ___________________________________________________________________________ 2. sie so einfach im Stich zu lassen. was sie in den Händen spürt. (Am Ende der Sitzung fällt ihr ein. Diagnose „Depression“ (endogen?) Alter: 62 Jahre. sich nicht so gehen lassen u. sie sagt dem Tod und dem Vater: „Ich will leben. ich gebe ihr die Hilfe. sie spielt mit leisen Schlägen und sanftem Reiben. ___________________________________________________________________________ 116 . jetzt trete sie allmählich zurück. schließlich sinkt sie an der Conga zusammen und kauert am Boden.11./S. bis sie wieder vor dem Abgrund steht. und ich frage sie. wir stellen die musikalisch dar. die sie verspotten. überquere. sie sagt ihm. Ich frage.“ Sie erzählte dann noch über die näheren Umstände des Suizids ihres Vaters. kurze Tonfolgen auf dem Glockenspiel mit Filzschlegel. nimmt sich eine Handtrommel. Am Ende der Sitzung sprechen wir über Ursachen der Depression.f. Anschließend ist Frau W./ S./S. um sie nicht zu übertönen. bis das Trommelfell reißt. auf die sie mit den Fäusten einschlägt.11. Wir spielen die Wiese. ___________________________________________________________________________ 1. sie stehe wieder am Abgrund.B. Austausch sagt Frau W. die ihr zuwinkt und sie zu sich ruft. den sie mit Hilfe einer schmalen Brücke. wie das geht. das Mädchen. und Frau W. berichtet von einem Bild. sie wirft plötzlich das Glockenspiel auf den Boden. Danach sagt sie.) berichtet. wobei sie mich zu äußerst leisem Spiel zwingt. was sie sieht. keinen Weg sieht. auf der Conga weiterzutrommeln. Frau N. Sie geht nicht zu ihm. um darauf zu spielen. dass sie beim Klang der großen Klangschale und den Glockeninstrumenten Angstgefühle und eine „Friedhofsstimmung“ erlebt hat sowie starke Unruhe. ich halte ihr die Handtrommel hin und bitte sie. es kommt daraufhin zu drei wilden Aggressionsausbrüchen auf der Trommel. Im Verlauf der Arbeit thematisiert Frau N.. jede solle sich ein bis zwei Instrumente wählen. Frau N. Anschließend sprechen wir darüber. Die anderen spielen die Wiese.. über die Beerdigung. wie es ihnen geht. es zeige eine abschüssige Wiese. sie solle sich zusammenreißen. kommt nicht zur Musiktherapie. Mitte 30. der Ehemann ist Stahlarbeiter. Sie sehe ihre Mutter und Schwester vor sich. will auf der Mundharmonika Lebensfreude spielen aber sie wisse nicht. sie befinde sich „in einem Loch. ___________________________________________________________________________ 4.

sich ihrer geschämt oder sie moralisch abgewertet („schmutzig.Entladung nach innen oder außen. 116): Frau N. Wut zu zeigen wo sie entsteht in den einzelnen Situationen (z. Sitzung 28. ihrem Ehemann in diesen Prozess mit einzubeziehen und zu lernen. an dessen Ende sich eine Schnalle mit der Aufschrift befand: „Gott mit uns. 103): Frau W. solange zu spielen bis sie den Wunsch spürt. etc. sie berichtet dann. er liebt mich wohl doch. dass sie ihren Mann sehr liebt. sie wirft ihn symbolisch hinter sich. Schellenring. zugleich empfindet sie Schuldgefühle und macht sich Vorwürfe wegen ihres Wunsches nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung.“). vielleicht aber nicht konsequent genug. die eigentlich so schön hell sein könnte. sie spürt Angst („das dicke Ende kommt nach“). nagendes Geräusch auf der Handtrommel. wobei Frau N. anhaltend klagende Spiel fortsetzt. Im Akzeptieren dieser Seite empfindet sie zugleich die Wut gegen ihren Mann. zunächst äußert sie Wut auf eine Mitpatientin. ich antworte ebenfalls mit Rasseln./S.12. er liebt mich nicht. ___________________________________________________________________________ 6.sie hat deswegen Schuldgefühle. der sie sich gern überlässt. Ein farbenfroher Kreis von vielen Gefühlen. Xylophon). Es kommt zu einem Dialog zwischen 2 Seiten in ihr: Die eine die sich abgrenzt. Ein Baum und eine grüne (Hoffnung) und eine dunkle (traurige) Blume. schwarzen Kloß mit vielen Zacken im Magen.). die Herzschmerzen (ein rotes Herz). andererseits aber ist er eifersüchtig. wenn sie sich mit ihren Angehörigen auseinandersetzt.kalte Wut . etwas zu verändern. Musikmalen (18.vor und zurück. das dann ganz allmählich in einen anapästischen Rhythmus einmündet. ein „Schwänzchen von den Gefühlen“ ragt aus dem schwarzen Kasten.Hass .. die Aufgabe. Sitzung (9. die sich nach diesem Erleben aber auflöst. zugleich ihr aber in Form von Selbstbefriedigung oder Nachgiebigkeit dem Schwager gegenüber Raum gegeben. dass die ihr immer dazwischen kommen. Sitzung (21. In diesem Zusammenhang berichtet sie über ihre Kindheit und ihren jähzornigen und frommen Vater. Wir betrachten die Beziehung Wut . die anderen in der Gruppe.12. die Herzschlagkurve mit unterschiedlichen Phasen. ___________________________________________________________________________ 8.B. Die Notwendigkeit. Über diese Thematik kommt sie an die Wut gegen ihren Ehemann. mit den Fingernägeln macht sie ein kratzendes.. 122): Frau N..12. Sitzung (16. Frau N. eine Art „klagender Kreislauf“ .127): 117 . führt sie aus. spürt einen spitzen. indem sie sehr lange das monotone. ist erleichtert und Gesicht und Schultern entkrampfen sich. dreckig./S.12. spielt die Traurigkeit mit Klanghölzern. sie könne „zum Triebtäter werden“. sich anschließend nicht erleichtert fühlt.sie hat ihn irgendwann einmal vor die Alternative gestellt: „entweder die Kneipe oder ich“) .12. die andere. als sie die ausagiert (in Form eines tätlichen Angriffs gegen mich). betont ihre Schwierigkeiten Konflikte konsequent auszutragen. sie habe an scheinbar kleinen Dingen (Adventskranz. dann kommt die Wut gegen ihren Schwager zum Ausbruch. es entsteht „eine richtige Melodie“ (Frau N. kommt sehr bald zum Thema. spürt sie die Verlassenheitsangst und. der aber schwarz eingerahmt ist („da bekomme ich immer eins auf den Hut“). insbesondere dass sie seit 2 Jahren nicht mehr bei (und mit) ihm schläft („wegen Alkohol“. Plätzchen. beschreibt die Beziehung zu ihrem Ehemann. zum Kaffeetrinken fahren) Freude gehabt.“ Diese alte Angst ist jetzt noch spürbar. Wut empfindet gegen die Männer.“ Die Problematik besteht darin. Bei Unterstützung mit der Stimme kommt der Kloß heraus. Zum Abschluss spricht sie ihre Angst an. von dem sie sich vernachlässigt fühlt. begleitet den ganzen Prozess und erkennt die Parallelen zu ihrem eigenen Leben. in dem sie sich ganz wohl fühlt. . h. dass die verhüllte Wut auch die Liebe verhüllt. d. der rechts unten leicht durchbrochen ist. Sie bringt im Gespräch den Kloß mit den permanenten „Sticheleien und Verletzungen durch den Ehemann“ in Beziehung. der sie mit einem Riemen verprügelte. heraus. „mein Mann würde mich auf der Stelle verlassen wenn ich ihm offen meine Wut zeigen würde. gegenüber den Mitpatienten). 124): Frau N. als Ausdruck für die „Sehnsucht nach einem natürlichen Leben“. dass es ihr zu Hause wesentlich besser gegangen sei. Andererseits ist diese Abgrenzung notwendig gewesen. keine Symptome seien aufgetreten. von denen sie sich schlecht behandelt fühlt./S. ___________________________________________________________________________ 7. vor und zurück./S. malt zur Musik von Jade Warrior mit Wachsmalstiften eine Bildergeschichte. dieses Gefühl drückt sie mit Rasseln aus. 1. stimmen in diesen Rhythmus ein (Tabla. Frau W./S. wir. Wir spielen dann „Streit“. die sich nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung sehnt. bisher habe sie diese nur abgewehrt bzw. Frau N. der sie nun auch ihrer Berechtigung zuspricht.5.

da wo das Bild der starken Frau N. dann will sie sie trösten. Zusammenfassend gesehen war es ein nachträgliches Erledigen der Weisung vom letzten Mal (wahrzunehmen wie es dem anderen geht und was er wohl auch tatsächlich braucht). sagt sie könne nicht „schreien. was sie mit der Angst machen wolle? Sie versucht sie zu verharmlosen. sie in den nächsten Tagen üben: Einander Schwachheit zuzugestehen und sich zu sagen.1. sie habe bei Frau N. Frau N. Sie weint. sie solle sich entscheiden was sie nun anschauen wolle. gesagt. zu Hause könne sie sich (insbesondere vor ihrem Mann) nie schwach zeigen. was sie an Frau W. was ich aber verhindere. sie malt sich alles mögliche aus. „ausdauernd“ (Frau W. soweit kommt sie. zu fragen („vielleicht später. sie (Frau N. (sie sagt sie sei sehr müde) die hölzerne (leisen).) sei die stärkere. ob sie sie auch als schwaches Gegenüber mögen würde. wird er auf seine schwache Seite festgelegt. wenn sie wirklich ihr Schwachsein zur Kenntnis nähme. kann diese Fremdbeobachtung nicht annehmen und teilt mit. sehe und was sie machen wolle. Sie holt sich Feedback von jedem aus der Gruppe. wir üben detailliert wahrzunehmen (ist traurig). Blickkontakt zu haben. wenn sie es will. dann fragen. sie müsse die Starke sein. sagt. dass sie stärker und sicherer geworden sei. sei der ruhende Pol. in Wahrheit sei sie schwach und sehr traurig (weint). nur handeln tut sie nicht und die zuständige Ärztin fragen. Frau N./S. wenn sie wütend ist. spricht von Schuldgefühlen (weil sie Frau N. sie solle weiter vorangehen und nicht zurück oder seitwärts ausweichen. wenn sie schwach sind. Sie spricht die Angst aus. sie wegzuerklären. die laute (aus Plastik).12. als ich sie darauf hinweise. so dass Frau W. beschreibt ein „Feuer“ in sich. Ich frage. dass sie sich ausgesprochen schwach und elend fühle. beim abschließenden musikalischen Gespräch spielt Frau W.. nicht mehr verstehen. Frau W. beide Patientinnen wählen Rasseln als „ihr“ Instrument. anschließend fühlt sie sich „um 6 Zentner erleichtert“. Frau W. weil sie nun schon solange weg sei etc. Das aber kann sie nicht. Frau N. kann dieser nicht auf eigenen Füßen stehen. nehmen an der Sitzung teil. meint. als tatsächlich der Fall sei. Frau W. sie weint. nun kann die Beziehung in der alten Weise nicht mehr fortbestehen. die ja (als Co-Therapeutin) neben ihr sitzt (!). die Kränkung zurückzumelden darüber. sie benennt ihre Schwierigkeit. Ich frage ob sie sie denn verstehen wolle und wie sie das bewerkstelligen wolle. dass sie es darf. und Frau W. sich besser durchsetzen könne etc. Sitzung (13. die Beobachtung gemacht habe. dass dies nur so scheine. Solange Frau N. dass Frau W. ist zuversichtlich und teilt mit. Es gelingt ihr auch. Frau N. dass sie sich ihrer Familie gegenüber schuldig fühle. dass Frau W. Sie könne Frau N.): Holzrassel leise umdrehen. ihr Mann habe sie wohl noch nie schwach gesehen. als Co-Therapeutin. verletzt habe) und von Verwirrung und innerer Leere („ich spüre nichts in mir“). was sie sieht. am dicken Ende müsse sie doch immer wieder alles ausbügeln. sie berichtet. Sie habe Mühe mit einem schwachen Gegenüber umzugehen. sagt sie. 147): Frau N. Frau N. in deren Verlauf Frau W. dass sie sich nicht zu schämen braucht. äußert Angst. ob sie zu ihr kommen solle. sie komme ihr ganz fremd vor. wo sie sich noch unfähig fühlt. 28./S. das Abladen (des schweren Korbes) sei Stück für Stück in der Musiktherapie geschehen.Frau N. aber dreht das Instrument beständig. Nun habe sie hier ihre schwache Seite gezeigt und fühle uns gegenüber Scham.) ___________________________________________________________________________ 9. zu fragen. Damit hat Sie Frau N’s Frage. hat sie nicht den Mut. „ob man das hier dürfe. was sie brauchen. als klar ist . wenn ich sie mal zufällig treffe. das sollen. Frau W. das ist als ob jemand um mich herum schleicht und was von mir will!“. auch nie so schwach gesehen. Es muss etwas neues gefunden werden. wir spielen dieses Märchen mit den Instrumenten. kurzzeitig heftig spielt. Im weiteren Verlauf erzähle ich das Märchen von der Frau mit dem schweren Korb.“ Außerdem.das ist als wenn ständig jemand um mich herumschleicht!“). Dann spürt sie ihre Schuldgefühle und schaut nach innen. das ihr sagt. sie zuerst anschauen.) leise. Angstgefühle (auf der Brust) spüre. im Spiel findet eine Auseinandersetzung statt. es sei alles in ihr verwirrt (früher hat Frau W. ist es nun leer. Ich rege an. sie selbst habe sich zuerst von Frau N’s Tönen (langsames Drehen der Rassel) bedrängt gefühlt. Frau N. (was wünschst du dir von mir?) und zu entscheiden (was will ich. sie nicht mehr mögen würde. dass sie sie anschaut und sich klarmacht. schließlich fasst sie allen Mut zusammen und fragt. aufgeregt hat und die sie unter keinen Umständen mehr hatte hören wollen („hör auf damit. schließlich „aufgibt“ („hör auf damit . bereits musikalisch beantwortet. ihrem Mann nicht ihre schwache Seite zumutet. Frau N. dass sie bereits nun schon entlassen werden soll. Nun spüre sie ihre eigene Schwachheit. oder ihre Schuldgefühle. Sitzung (6. frage ich ob sie mal Zeit für mich hätte“). so meine Anweisung. etwas anderes in ihr sehen will. dieselbe Musik. die sie bei der schwachen Frau N. K. der allen Halt gibt. Ich richte die Frage an Frau N. war. sie solle langsam Schritt für Schritt auf sie zugehen. Frau W. und dann erst auf sie zugehen. dass sie wohl auch daran gedacht habe aber nicht wisse.1. was kann ich von dem Wunsch erfüllen?) und Rückmeldung geben und es dann tun. _________________________________________________________________________________________ 10.“ ___________________________________________________________________________ 118 . wiederum hat Frau N. 133): Frau W. außerdem eine Schülerin und Frau Dr.

1./S. nachdem sie die Traurigkeit zulassen könne. Bei der Darstellung des Gefühls Wut sind alle hinterher sehr erheitert. Ich gebe ihr zum Schluss der Sitzung die Mundharmonika mit. spielt danach das Lied „An der Saale hellem Strande“. zum Thema Freude. das wäre so als wenn sie die Schale allein auf dem Schoß hätte. Wir spielen alle Gefühle des Zauberspruchs. wenn sie Angst hat. Sitzung (27. dann hätte sie aber nicht mit dem Boot bei den Steinen ans Ufer gehen und der Gefahr ausweichen können. mit der Therapeutin ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen und eine psychotherapeutische Weiterbehandlung anzustreben./S./S. 154): Frau N. Ich lade sie ein. Musikmalen (22. In der jetzigen Therapiephase sei es wichtig. sie solle sich zusammenreißen etc. bis sie uns wieder herein holt. sie wünsche sich vielmehr Zärtlichkeit. mit Aggressionen umzugehen. Verständnis und Geduld von uns bekommen zu haben außerdem: ihre Krankheit.. obwohl sie einen habe malen wollen. Sitzung (21. die das verhindert hätten. Sie sitzen nebeneinander auf der Couch und haben die Mundharmonika zwischen sich liegen. keinen Berg (!). später kommt ihr Mann in der Sitzung dazu und setzt sich ihr gegenüber. den Berg und die Felsen zu malen. sich damit auseinander zu setzen.1. ___________________________________________________________________________ 3. _________________________________________________ 13. Thema Abschiednehmen. Verzweiflung (Holzrassel). Traurigkeit (Melodie „Die alte Kapelle“ auf der Mundharmonika.aber (im Bild) die Klangschale ist beiden im Weg. mit dieser Aufgabe lassen wir sie eine Weile allein im Raum und warten.2./S.. sondern legt sie neben sich. Ich sage. sei das Gefühl bzw. Ich empfehle ihnen zum Abschluss. sie übe das Spiel auf der Mundharmonika. _________________________________________________ 11. die Schale steht zwischen ihnen. damit sie für sich selbst üben kann. sie sei dazu noch nicht weit genug. 175): Es ist die letzte Musiktherapiesitzung vor der Entlassung aus der Klinik. sie würde seine Unsauberkeit (lange Fingernägel und zotige Witze) ekeln. Was sie mitnimmt. 164): Auf Wunsch der Patientin eine Einzelsitzung. dass er. eine Wiese. Satz der 6. ich frage Frau N. Kummer (Plastikrassel). danach holt Frau N. ein Kanu.1./S. sie wünscht sich von ihm. die er ihr nicht zu geben gelernt habe. nahe bei ihr ist . Er hat zwei Wünsche zu seinem Geburtstag: eine Mundharmonika und mit ihr zu schlafen (nach 2 Jahren). aber dazu ihre Bedingungen und Wünsche formulieren solle. aufgrund technischer Unzulänglichkeiten (?!) sei es ihr nicht gelungen. die Erfahrung. diese (als Klangschale symbolisiert) enthält: Angst (Trommel). ___________________________________________________________________________ 12. Frau N. 119 . malt zur Musik von „Rondo Veneziano“ ein „Meer von Traurigkeit“ mit einem einsamen schwarzen Raben und einer kleine roten Sonne (Fingerfarbe). Letztere legt sie nicht in die Klangschale (Klangschale gleich Krankheit). Sitzung (20. doch ihr Mann nehme sie ihr immer wieder weg. uns wieder in den Raum: Sie hätten den Weg zueinander freigemacht. es sei ihre gemeinsame Aufgabe. die Schale steht zwischen ihnen wenn er etwa zu ihr sagt. Musikmalen (15. Damit endet die Therapie. die entlassen wird. 168): Frau N. Sinfonie von Beethoven einen Wildwasserfluss.1. die Schale beiseite zu schaffen. malt (mit Fingerfarben) zum 2. was sie mitnimmt und was sie hier lässt. 159): Heute nehmen wir Abschied von Frau W. dass sie wohl gerne mit ihm schlafen wolle.. auch die Aggressionen anzunehmen. um selbst zu spielen. Das Bild zeigt deutlich Möglichkeiten.1. was sie sich von ihm wünsche. Vorschlag meinerseits: zu sagen.

3. Neue Zugänge zur Emotionalität ermöglichen Veränderungen auf dem Gebiet der Beziehungsgestaltung. erotische Wünsche (Integration von emotionaler und sozialer Thematik) Alle Instrumente in der Klangschale 120 . aus klagendem Kreislauf wird eine richtige Melodie 7.: 1.„Ein Meer von Traurigkeit“ Malen 10. Musik. Traurigkeit. Bedürfnisse äußern. Unterschiedliche Instrumente dienen hierbei als emotionale Katalysatoren. wie der therapeutische Prozess zwischen Themen aus dem Bereich der Emotionalität und des Beziehungsgeschehens hin. Lied mit der Mundharmonika Wut spielen erheitert 11. Boot. 3. „ich kann nicht wütend sein“. 5. Hoffnung. Sitzung Nr. Sehnsucht nach Liebe Angst Ereignisse im Bereich der Emotionalität „ich möchte aus mir herauskommen können“ Lebensfreude als Ziel klagendes Mädchen am Abgrund Ereignisse im Bereich der Beziehungen Musikinstrument Mundharmonika Kontakt zum Ehemann: „zurückziehen und einen kleinen Schubs von hinten“ Klanghölzer Ehebeziehung: Alkohol. Musik. Wiese. Malen froher Kreis von Gefühlen in schwarzem Kasten. mit „Schwänzchen“ 6.Herzschmerzen. Wildwasserfuß. Angst vor Entlassung 2. kein Berg gemeinsame Sitzung mit dem Ehemann Klanghölzer Schwäche zeigen. 2. 9. 4. kein Sex. MusikMalen 12. 8.Die nachfolgende Übersicht zeigt. Erlebnisse mit dem prügelnden Vater Trommel 1.und herpendelt. Abgrenzung gegen Mitpatientinnen Mut gegenüber der Ärztin Rassel Rassel Mundharmonika Trommel Ekel gegenüber Ehemann.

Hans Hermann Wickel (Hrsg.): Musik bis ins hohe Alter. die häufig mit der Unfähigkeit einhergeht. die das Risiko des Scheiterns und der Enttäuschung in sich birgt. Wut auszudrücken. in: Rosemarie Tüpker. 2001. insbesondere der freien Improvisation. In Anlehnung an Yalom folgt sie der These. Harmoniestreben Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein „Depressive haben gelernt. „dass eine Depression für sich alleine nicht behandelbar sei. sich abzugrenzen und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen“ (125).„Aufgrund der oft massiven Kontakt. in dem sie ihre psychosozialen Prozesse autonom gestalten können. Er sieht darin „den Vorteil. Münster: Lit. Nun sollen sie einen Raum erleben. 121 .und Beziehungsschwierigkeiten“ bei depressiven Patienten hält auch Cornelia Tonn (Musiktherapeutische Umschau 2003. „gemeinsam einen Behandlungsauftrag schon im ersten Vorgespräch miteinander zu entwickeln“ . Bedürftigkeit „Hinter dem scheinbaren Altruismus depressiver Patienten stehen unbewusste überhöhte Erwartungen an die Umwelt gegenüber“ (127). Isolierung.und gruppentherapeutisch behandelt wurde. Überempfindlichkeit gegenüber Trennung und Unfähigkeit. Neid und Schuldgefühle Realitätsflucht Rücksichtnahme und unterdrückte Selbstbehauptung Kontaktvermeidung Markus Münsterteicher: Musiktherapie mit einer depressiven Patientin. von vornherein eher zu vermeiden“ (126). musiktherapeutische Prozesse und Behandlungsmethoden vorzustellen und an einer konkreten Behandlungssituation beispielhaft zu verdeutlichen und zu erklären. Zum Behandlungsprinzip des Autors gehört. Sie war zu dieser Zeit Patientin der gerontopsychiatrischen Abteilung einer psychiatrischen Landesklinik und bereits das dritte Mal wegen einer depressiven Erkrankung in Behandlung (168).“ In ihrer langjährigen Praxis an der psychosomatischen Klinik in Bad Saulgau hat sie festgestellt. 120-133) Gruppenmusiktherapie für „in der Regel indiziert“ (122). „dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird“ (170). Abhängigkeit. 168-176 Es geht dem Autor darum. „schmerzliche Situationen hilflos zu ertragen und eine aktive Bewältigung ihrer Situation. Verlässlichkeit und Überprüfbarkeit der Patientin gegenüber zu gewährleisten (169) Außerdem würden die Patienten in der Klinik nur allzu oft erfahren. Die musiktherapeutische Behandlung bezieht sich dabei auf eine 62-jährige Patientin. Unterwürfigkeit. die über einen Zeitraum von 2 Monaten einzel. bearbeitet werden können: - - - - Leistungsorientierung Aggression und Aggressionshemmung Außenorientierung „Die Fähigkeit zu verschmelzender Einfühlung in die tatsächlichen oder vermeintlichen Ansprüche und Gefühle des Anderen. dass sich in den musiktherapeutischen Gruppen mit Frauen „depressionsspezifische Themen“ zeigen die besonders sinnvoll mit musiktherapeutischen Mitteln. Yalom übersetzt den Begriff ‚Depression’ in ihre interpersonalen Elemente: Passivität.

. Mit der Harfe in der zweiten Improvisation findet sie eine Möglichkeit. sie nicht zu übertönen (vgl. wohingegen die Schmerzen im Arm ihr Ausdruck verleihen. Während der weiteren Sitzungen: Das musikalische Prinzip.(176) Emotionen: Über sich selbst sagt sie: „Ich muss immer weinen und weiß nicht warum .. Beim Spielen waren die Schmerzen nun kein Thema mehr“ (173). die ganze Improvisation über an einer Idee festzuhalten zeigt sie auch in der zweiten Sitzung. Sie wählte die Harfe. weil man ihre depressive Stimmungslage nicht sieht.. die aber ihre starre Eingebundenheit zu Gunsten flexibler gehandhabter Rhythmik verändert. „unvollständig verarbeitete Tod der Mutter und häusliche Konflikte“ (174). Der Autor versteht die als „Nebenschauplatz“. über Gefühle und inneres Erleben zu sprechen. der zu respektieren ist (172). Kindheitserinnerungen Szenen aus Kindheit und Jugend werden zur Musik assoziiert. dennoch aber für die Patientin wichtig ist. Variationen und größere Melodiebögen enthält. 122 .“ (169). Harfe mit Schlägeln spielen anderen Instrumente Das starre Motiv wird flexibler ausgeführt. das Spiel der Patientin kommt ihm wie ein „Festhalten an einer Idee“ vor. akkordisch und ruhig“ das Spiel der Patientin untermalt. bei der Abschiedsimprovisation am Xylophon gleichbleibende Struktur. was aber bei der Patientin nicht verfing (171). ohne dass von Schmerzen im linken Arm die Rede ist. es erklingen Melodiefragmente aus Kinder. das Ausblenden von eigenen Erfolgen oder Fortschritten (Leistungen. 173). Indem sie sich für die Harfe entschied. und spielte sie so leise. neue musikalische Ideen: z. dass der Therapeut Mühe hatte. indem er „langsam. Verändertes Zeiterleben: dass die Musiktherapiesitzung so schnell um sei (174) auch Spaß taucht auf (175) Lebensthemen: Zu Anfang gilt ihre Sorge „fast ausschließlich der Sorge um ihren Ehemann. der die eigentlichen Probleme „nur sehr oberflächlich berührt“.Musikalisches Verhalten Die erste Improvisation über spielt sie auf dem Xylophon durchgängig denselben Rhythmus: (170) Therapeut spielt dazu auf dem Klavier stützend und „Halt gebend“. entschied sie sich für den Umgang mit ihrem Leiden.. der „ohne sie zu Hause zurecht käme“ (169). fällt ihr schwer. von dem sie sich auch nicht abbringen lässt.und Volksliedern. stattdessen thematisiert sie somatische Beschwerden: Schmerz im linken Arm.B. als er sie durch größere Melodiebögen und vielseitigere Motive zu musikalischer Weiterentwicklung animieren wollte. . die sie beim Ausrichten des Geburtstags ihres Ehemannes vollbracht hat (174). für die es aber keine physische Erklärung gibt. Die Abschlussimprovisation findet wieder am Xylophon statt. „ihre körperlichen Schmerzen nicht zum Handicap werden zu lassen.

verbesserten sich erheblich. „Der Zustand von Mäusen. 123 . dessen Inaktivität sie für die Auslösung schwerer Depressionen verantwortlich machen. dass Stress einen Mechanismus auslösen kann. wenn man ihnen Substanzen verabreichte. Daraus schließen sie. die an depressionsähnlichen Symptomen litten. 14). der Depressionen zur Folge hat. dass Stresshormone die aktivität von P2RX7 reduzieren. die die Aktivität des Gens erhöhten.Ein Forscherteam am Centre Hospitalier Université Laval in Quebec hat ein Gen („P2RX7“) identifiziert.“ wobei es allerdings „auch auf weitere Faktoren“ ankommt. „wie etwa Umwelteinflüsse oder die Lebensumstände“ (Bild der Wissenschaft 11 / 2006. Umgekehrt stellten die Wissenschaftler fest.

Stoffwechsel. Bei musikogener Regression fühlt man sich verstanden und aufgehoben vor und jenseits des sprachlichen Begriffs. 1982. 1985.und Atemfrequenz. Blutdruck. galvanischer Hautwiderstand. um letztendlich doch wiederum dem Trauma ausgesetzt zu sein und so fort. „Musik ist Mutterersatz“ (Rotter. arbeiten etc. Ewers. Willms. beraubt“ (1982. die Wünsche werden erfüllt. 25). 1984. 1983. dem sie ihr erhebendes Gefühl verdanken. Pulsschlag. essen. Scheytt. Unterdessen verarmt sein Wirklichkeitsbezug immer mehr. Klang. 222 ff. Verdauung. 1985. 25).3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen Eine Abhängigkeitserkrankung liegt vor. Jourdain. ohne damit aufhören zu können. So könne man sich etwa „über Probleme. 85. der Abhängigkeit von Musik nicht nur bei Hörern von populärer Musik. Die Psychodynamik der Sucht ist zwanghafte Regression mit der Folge der Auflösung der Ich-Funktionen. Musik erfüllt die Kriterien. Müller. So wird kurzzeitig im Rauscherlebnis der existentielle Mangel aufgehoben „die Sehnsucht nach Verschmelzung der Gegensätze und der Gegenüber“ gestillt. erzählt Märchen und Phantasiegeschichten (etwa Haschisch oder LSD). wie sie eine gute Mutter bietet. Verlässlichkeit. Der Abhängige sucht diesen Ort frühen seelischen Geschehens immer wieder auf. ohne sich dem entziehen zu können. 1998. Auch das Musikerleben ist mit Regression verbunden und basiert auf Projektion und Identifikation (Klausmeier. sucht das Verlassenheitstrauma zu überwinden. 32). 2000. indem man sich in eine musikalische Welt illusionären Verständnisses flüchtet“ (ebd. Heroin) oder sie wiegt in Träumen. befreit von Angst (z. Auch die Droge kann die frühe Mutterbeziehung symbolisieren: Sie bietet Trost.) fixiert. Claudia Schumann sieht die Gefahr der Sucht. Liedtke. 86). Auch in anderer Weise ist die Droge „Mutterersatz“: Sie re-inszeniert traumatische Verletzungen. Einschränkung der Ich-Funktion. 45.und postnatale Mutter-Kind-Symbiose re-inszeniert. verlangt der Regredierende von der Droge wie von der Musik. hinwegtäuschen. den eigenen psychischen und physischen Zusammenbruch. Haselauer. 1984. die Protestierenden fühlten sich „des Wiedererkennungswertes. Auerbach. das „Absolute“ verwirklicht „ohne Weg dorthin" (Dörner. 247). Koelsch 2005). Aber auch bei der Musikausübung kann es zu suchtähnlichem Verhalten kommen. sie erlebt dabei den Verlust sozialer Bindungen. Die Krankheitsursache wird in „frühen Störungen der mitmenschlichen Kommunikation“ (Tölle. 1975. bis sein Denken und Handeln schließlich nur noch um die Droge kreist. 1994. 1994. spornt an und bestätigt (Kokain und Ecstasy). Bolin. da sie eine Art von Gefühlsersatz zu bieten vermag. Status des Immunsystems und anderes verändern sich (vgl. Hormonhaushalt.7. wie sich der Säugling einer guten Mutter. „die die Voraussetzung zur Suchtentwicklung darstellen. 2002. 1986. dass sich im nichtsprachlichen Melodie-. 32 ff. sie gibt das Gefühl von Wärme und Geborgenheit (z. 1994. indem er den Glückszustand gelungener Symbiose im erneuten Rausch erlebt. B. Die Wirksamkeit der Musiktherapie bei Suchtkranken resultiert aus der Tatsache. was sich in psychophysischer Resonanz bemerkbar macht (vgl. 1998. sondern auch bei Klassikfans: Die Rauschfunktionen von Wagner-Opern werde in den „sich immer wieder erhebenden Entrüstungsstürmen bei zeitgemäßen Neugestaltungen“ deutlich. sie ermuntert. B. die das Zusammenleben mit anderen Menschen bringt.und Rhythmusereignis der Musik die frühe prä. wenn die Person sich zwanghaft auf die unablässige Einnahme eines Stoffes oder die Wiederholung bestimmter Handlungen (spielen. Muskelpotentiale. indem sie am Ende die Rauschwirkung entzieht und den Süchtigen sich selbst überlässt. 162) gesehen. & Bernatzki. Alkohol). nämlich: Regression in den primären Zustand. Neugebauer. so kann sich der Konsument der Droge überlassen: Ihre Wirkung tritt zuverlässig ein. 1978.30). 1981. 231 ff). Wie die intrauterine Flüssigkeit oder die zärtlichen Berührungen der Mutterhände umgibt und stimuliert Klang als vibrierende Luft die Haut und dringt wie nahrhafte Muttermilch ins Innere des Menschen. Spitzer. Panksepp. unter denen sich „Urvertrauen in diese Welt“ nicht entwickeln konnte (Jores. 219ff. die Sehnsucht gestillt. Kompensation struktu124 .

sich zur Entgiftung entschließt. Peter Michael Hamel berichtet von Gruppen des Würzburger Klarinettisten und Psychotherapeuten Ernst Flackus. 149). „Gute Prognosen“ sprechen Schmidtbauer/vom Scheidt „Konsumenten von Cannabis und anderen auch stärkeren Halluzinogenen (LSD. Das zunächst lockere Spiel lasse bei immer mehr Leuten den Wunsch entstehen. Dabei werde Musikmachen als Möglichkeit entdeckt.169 und 179) und Hartgenbusch (1993). 1985. wie die Droge. durch Musik unterstützte Meditation lasse sich „verhältnismäßig rasch ein Ausgleich für den Verzicht auf die Räusche schaffen“ (1981. sie öffnet nicht nur den Weg in die Regression. Neben solchen rezeptiven Arbeitsweisen finden wir Hinweise auf aktive Musiktherapie bei Marx (1985. Aus dieser wesensmäßigen Spezifik des Musikerlebens wurden musiktherapeutische Vorgehensweisen abgeleitet. durch die der Patient in Kontakt zu frühen Traumata kommt. In Anlehnung an Kayser wird ein „Akkordbad“ empfohlen. sondern ebenfalls auf frühen Trennungserfahrungen: Geräuschangst gegenüber der akustischen Umgebung (vgl. bei der der Mensch neue Kräfte sammelt. Musiktherapie wird in diesem Kontext relativ selten praktiziert. Auch das Musikerleben reinszeniert frühe Traumata. 75 ff). 539).und Meditationsübungen werden leise Zen-Meditationsmusik. sondern auch den in die Progression. Während Entspannungs. die i. Haselauer. sie ermöglicht Regression im „Sinne vorübergehender Rekreation“. in denen „Tiefenentspannung durch Musikhören" praktiziert wird. wie z. während welcher der Klient Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnimmt. 29. suchtmittelfrei zu leben. Dennoch ist sie in ihrer psychotropen Wirksamkeit der Droge nicht vergleichbar. deren unterschwellige Wirkung den Vorgang der Entspannung und Versenkung verstärken sollen. obwohl die in der Literatur berichteten Praxisbeispiele positive Wirkungen aufzeigen. dessen regelmäßiger Genuss tief angelegte libidonöse Mangelerfahrungen auszugleichen vermöge (vgl.und Triebbereich direkt ansprechenden Methoden“. 1975. ein Instrument zu erlernen. 1986. Willms. können jetzt in gemeinsamer Improvisation und verbaler Reflexion erlebt. die zunehmend in der Arbeit mit Suchtkranken angewandt werden. psychedelischer Musikbegleitung vor. Meskalin)“ bei ambulanter Therapie zu.401). bearbeitet und integriert werden. Dabei wird gezielt die regressionsfördernde Qualität des Musikerlebens eingesetzt. Akustische Erfahrung basiert nämlich nicht nur auf frühen Verschmelzungszuständen mit der Mutter. 89). um dann auf Grundlage eines Behandlungsvertrages. 246). Verhaltenstherapie und systemische Therapie (Fuchtmann 1994. gestaltet. Ideen oder Visionen erhält. um mit anderen Rockmusik zu machen. 1978. Es besteht aus Einzel. stationär erfolgt.reller Mängel durch narzisstische Ersatzbefriedigung“ (Frohne.und Gruppenarbeit. Zur Anwendung kommen psychoanalytische Therapie. später auch elektronische Musik oder Aufnahmen mit Naturgeräuschen eingespielt.“ Durch die „Arbeit mit Träumen und anderen. „wenn die Persönlichkeit noch nicht zu sehr verändert ist.B. (vgl. den Gefühls. Adressaten dieses Behandlungsangebotes können auch Angehörige von Suchtkranken sein. Hamel 1976. die sonst mit Hilfe der Droge umgangen wurden. a. Smeijsters 1994.T. „den Kick“ zu 125 . Der entscheidende Unterschied liegt in dem ihr innewohnenden Appell an die Ich-Funktionen. Angst und Wut. Musiktherapie in der ambulanten Suchtkrankenberatung und –behandlung Ambulante Behandlung Suchtkranker setzt nach einer intensiven Beratungsarbeit ein (Motivationsphase). zu lernen. Die dabei erlebten Gefühle von Schmerz.und Beratungsstellen katathymes Bilderleben mit z. 26) wehrt der Säugling in seinem Schreien ab und verändert damit die ihn umgebende und beunruhigende Umwelt. 197 ff. jedoch in anderer Art als die Droge. Edda Klessmann schlägt als Therapiemöglichkeit bei jüngeren Drogenabhängigen in Erziehungs. mit denen er sich gestärkt und motiviert der ihn umgebenden Wirklichkeit zuwendet (vgl.

Bedürfnissen und Schwierigkeiten“. entsprechende Fallbeispiele bei Kapteina & Hörtreiter 1993. RockmusikPraxis wirke auf gefährdete Jugendliche „stabilisierend und befriedigend". und auch wieder aus dem erreichten Ausnahmezustand herausgeführt (vgl. insbesondere beim Malen nach Musik können sie belastende Erfahrungen in ihren Bilddarstellungen verarbeiten. Hartgenbusch 1993.158. Der Ausstieg aus der Sucht bei einem Familienmitglied hat eine Umstrukturierung des gesamten Familiensystems zur Konsequenz. 21 ff).U. 2006a und b. Kapteina und Kröger (2004) beschreiben eine musiktherapeutische Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien. vgl. bei denen die Betroffenen quasi „einen gesunden Ersatz für die Drogen" und zugleich ein „Lernfeld für das Leben ohne Drogen“ (Butzko 1979. stehen tiefenpsychologisch orientierte Arbeiten. nach dem Prinzip der Themenzentrierten Interaktion (Cohn 1975). Neben solchen sozialpädagogisch orientierten Ansätzen.oder Einzelsetting als integrierter Bestandteil der Gesprächstherapie. gestalttherapeutisch inspirierte Therapie mit Suchtkranken bei Fritz Hegi (1986. sich mit der eigenen Sozialisation auseinander zu setzen und das Alltagsleben bedürfnisgerecht zu gestalten. der „Gruppe mit ihren speziellen Gruppenstrukturen.bzw. das hier die Musik bzw. wächst bei dieser Arbeit nachweislich (Butzko 1979. 4) und die Bereitschaft. 159 f). Dabei werden durch Schreien Gefühle aktiviert und frühe traumatische Lebenssituationen aktualisiert. meist depressive Persönlichkeitsanteile abzuwehren. 132f. den die Gruppenmitglieder aufgrund ihrer gemeinsamen psychosozialen Erfahrungen in einer Weise eingrenzen. Die Musiktherapie ist eingebunden in den Gesamtplan der Beratungsstelle. wird mit 50% angegeben (Merkt 1986. Die regredierende Person wird von der Gruppe musikalisch begleitet. Kapteina & Hörtreiter dokumentieren in ihrem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ langjährige musiktherapeutische Erfahrungen in einer Suchtkranken Beratungs. 148) kennen lernen. wird zunächst musikalisch und als symbolhaftes Handeln für Änderungen im Alltag gelernt. Bei vielen sei diese Erfahrung „so sensationell. Gefühlen. sowie dem Thema. akzeptable Lösungen in konfliktbesetzten Sozialbeziehungen zu finden. gestalttherapeutischen Übungen und primär. die durch sie aktualisierten Konflikte und Lebensprozesse beinhaltet. ihren Gruppenprozessen“.und Behandlungsstelle. Dentler 1993. fördere „Beständigkeit und Initiative" und trage zur Entwicklung sozialer Kompetenz bei (Fey 1993. dabei gelten die Partnerinnen von Suchtkranken als gleichermaßen schwer belastete Personen. 2001. Der Anteil derer. Auch Haardt und Klemm (1982) arbeiten in ihrer ambulanten Therapie mit Suchtkranken auf der Grundlage musikalischer Improvisation. auch Barthel & Fierlings 1985.finden ohne Droge.) oder Isabelle Frohne & Maria-Magdalena Maack (1976). mit Instrumenten oder der Stimme. dem Ich. emotionaltherapeutisch orientierten Prozessen nach Cassriel (1975). die ihnen sinnvoll erscheint: Das Vermögen. Durch gemeinsames Musizieren können die Kinder neue soziale Erfahrungen machen. dass sie ihre Drogenproblematik u. poststationäre sowie präventive Behandlungsphasen umfasst. eine stationäre Entwöhnungsbehandlung aufzunehmen. wobei die Aufmerksamkeit aller Beteiligten in der Balance zwischen „der Einzelperson mit ihren Gedanken. die Abstand von der Drogenszene nehmen und den Entschluss fassen. Häufig wird aktiver Musikpraxis suchtpräventive Bedeutung zugesprochen. die den Suchtkranken brauchen. geregelt kriegen" (161). ästhetisches und konsumtives Verhalten kann sich neu organisieren (1985. Musiktherapie geschieht je nach Therapieverlauf im Gruppen. 85. Die Arbeit wendet sich gleichermaßen an Suchtkranke wie an deren Angehörige und Familien. die von ambulanten Hilfsangeboten naturgemäß besser begleitet werden kann als von stationären. 126 . 29). 139f und 141 t) Bei diesem Konzept werden die Möglichkeiten des Musikmalens besonders genutzt. Harald Butzko folgt in seiner Behandlung dem Prinzip der freien Gruppenimprovisation als eines regulationsfreien Erfahrungsraumes. dem Wir. um eigene. Sie verbinden bei ihrer Arbeitsweise Improvisation mit Gruppenkompositionen (Haardt & Klemm 1982.

Der Süchtige kann nicht genießen. den Jugendlichen den Zugang zu Instrumenten und Probenraum zu ermöglichen und sie zu beraten. der mit delinquenten und gewaltbereiten Jugendlichen gearbeitet hat. sich die Erlaubnis geben. Lutz (1987) schlägt eine „Kleine Schule des Genießens“ für das Musikhören vor.1983). Anregungen und Materialien für solch ganzheitlichen Musikunterricht sind bei Auerbach (1971). Fähigkeit zum differenzierten Umgang mit Emotionalität und Fähigkeit zur spontanen und ausdauernden Handlungsfähigkeit“ (Schwabe & Rudloff 1997. Dentler. beim Kapitel Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen) Musiktherapie in der Stationären Behandlung von Suchtkranken 127 . dass die Lehrenden eine Unterrichtsatmosphäre schaffen. ob in der Justiz-Vollzugsanstalt. Tischler (1990) und anderen zu finden. Von 1983 bis 1989 führte Christoph Schwabe an der Hochschule für Musik „Karl Maria von Weber“ in Dresden ein Forschungsprojekt durch. Des weiteren solle man sich bewusst Ruhephasen im Alltag schaffen für diesen Musikgenuss und unter der Masse der Genussmöglichkeiten einiges wenige aussuchen.27). Man solle sich der Erfahrung des Klanggeschehens überlassen. Auch der Musikunterricht in der Schule kann sich die „Erweiterung und Vertiefung des Erlebens und Wahrnehmens“ sowie „der ästhetischen Genussfähigkeit“ zum Ziel setzen. Man solle sich „Zeit schaffen und Zeit lassen“ zum Hören. Fähigkeit zur sozialen Kommunikation. Als Zielbestimmung dieser„musikalischen Elementarerziehung" wird die „stabile und ‚reiche’ Persönlichkeit angegeben. die in der Lage ist. aber auch von Schädigungen und frühem Verschleiß stellen zu können“. welche Musik einem gut tut. als nur der Musik zuzuhören und zu genießen und dabei das internalisierte Verbot des genussvollen Müßiggangs bewusst für sich aufheben. Die vier „psychischen Eigenschaften“. 32. 21. ästhetische und emotionale Bedürfnisse autonom zu befriedigen. bei der alle Beteiligten von Musik als einem Ereignis sprechen.und Tanztherapie. Küntzel-Hansen (1993). ob mit jugendlichen Aussiedlern. wenn sie auf ihn zukommen. das sie persönlich angeht.Merkt 1984. ohne auf die Konsumartikel der Musikindustrie angewiesen zu sein. sich Anforderungen und Belastungen ohne Gefahr von Behinderungen. in der Lebensfreude. Peter. 29. Rieger 1992. (Literatur: Mthp. die über den musikpädagogischen Prozess gefördert werden sollen. 1989). 1987. die erfahrene Wertschätzung und Anerkennung in der Gruppe und von Seiten des Publikums und die Genugtuung darüber. einmal nichts weiter zu tun. Friedemann (1971. ob in Kinderheimen oder Jugendhäusern: Das kathartische Ausagieren intensiver aggressiver und lebensbejahender Gefühle in Lautstärke und Rhythmus. 1982. Holthaus (1993). sich ihr uneingeschränkt zuwenden. Meyer-Denkmann (1970. ebenfalls Pütz 1987. 2006 a und b). Suchtprävention bedeutet hierbei. sind „Fähigkeit zum differenzierten Wahrnehmen. für sich selbst herausfinden. Schwabe (1992). 49). Genuss und Ekstase ohne Drogen möglich sind (Kapteina 1994). Geplantes pädagogisches Vorgehen lässt den Prozess von Vornherein scheitern (2001. Genuss zu lernen ist folglich auch Gegenstand der Suchtprävention. bei dem eine übergreifende musikpädagogische Konzeption für alle denkbaren schulischen.Arnold beschreibt eine ambulante Musik. Als Alternative zum Konsum gilt neben der Eigenaktivität die aktive Aneignung genießenden Hörens. 1973. entfalten offensichtlich die Perspektive. Pleiner & Müller 1997. dass im Unterricht Musik praktiziert wird. Seidel (1976). Wahl 1987. In diesem Zusammenhang kann auch das Entspannungstraining nach Christoph Schwabe Anwendung finden (1987). suchtmittelfrei oder zumindest von Suchtmitteln unabhängig zu leben. dass es lohnend erscheint. Anselm Ernst fordert. bei der rezeptive Verfahren mit Bewegungsimprovisationen verbunden werden (2003). hebt hervor. 1972). dass die Rolle des Pädagogen und Therapeuten darin bestehen. außerschulischen Lernsituationen entwickelt wurde. in der sich die Person als Ganzes erlebt (vgl. nicht „nebenbei" hören. ohne auf den allgemeinen Musikgeschmack zu achten.

je länger sie aktiv musizieren. Statt dessen kommen Musikzeiten für die gesamte Station und Hörübungen. Ärger. langfristige Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln (vgl.a. wie z. Auch in anderen Kliniken darf Musik nur im Aufenthaltsraum gehört werden. bei Doris Sondermann beschrieben (2003.B. Hinsichtlich der therapeutischen Ausrichtung stehen bis etwa Mitte der 1980er Jahre eher freizeit.und Merkfähigkeit.und Auffassungsvermögens.“ Große Lautstärke und Rhythmus erzeugen eine Art „High-Zustand. Stattdessen werden die Patienten zur aktiven Teilnahme an der Musikkultur und zu eigenem musikalischen Ausdruck ermutigt. Musikmalen. Vermittlung von Gemeinschaftserlebnissen.Eine nicht repräsentative Untersuchung aus dem Jahre 2000 bei 25 Fachkliniken und Suchtabteilungen in Landeskliniken ergab. wie etwa „Erziehung zur Selbstdisziplin. auch Lecourt 1979. Roth. 1982. Längere musiktherapeutische Behandlungen in psychiatrischen Kliniken sind möglich. Anregung zur Mit. 1981.und Selbstgestaltung sowie Förderung der Wissensbildung“ bei Formann-Radl & Kryspin-Exner (1976. Singen und Tanzen in therapeutischen Gruppen zur Anwendung.und kulturpädagogische Zielstellungen im Vordergrund. gemeinsamem Singen und Musizieren.“ Das aktive Musikzieren biete besondere Möglichkeiten. 141 f. Es orientiert sich an der bewussten Einbindung musikalischer Erfahrungen in das therapeutische Milieu der Suchtstation mit dem Ziel ästhetischen Genuss anstelle von süchtigem Konsum zu stellen. Der unkontrollierte individuelle Konsum von Musik über private Abspielgeräte wird untersagt. Bei diesem aktiven Musizieren sei die emotionale Beteiligung sehr groß. 1981. wie Depression oder Angst mitbehandelt. Erweiterung des Interessenhorizontes. 5). auch Breitenfeld. zumal bestimmte Musikarten mit Orten und Situationen assoziiert werden können. vgl. Verbesserung des Konzentrations. „Spannungen zu entladen und den Stimmungen Ausdruck zu verleihen. Deshalb muss die 128 . wird bei Kapteina (2004. durch Rockmusik-Praxis werde die Rückfallgefahr erhöht. 154f). Improvisation. Ein Konzept für den Einsatz von musikalischen Erfahrungsmöglichkeiten. wobei die Mitarbeiter zuweilen auch die Musikauswahl vornehmen (vgl. 101). die unmittelbar mit der Suchterfahrung zusammenhängen. wenn Doppeldiagnosen vorliegen. 255 ff) beschrieben. 101. ein Instrument zu spielen und sich musikalisch auszudrücken aufgegriffen. 88 f). wodurch Rückfallängste und -phantasien ausgelöst werden können. Mobilisierung des Pflicht. auch Formann-Radl & Kryspin-Exner. Hinführung zu kultureller Tätigkeit. die das Angebot der Qualifizierten Entgiftung hilfreich begleiten. der als Gegenentwurf zur Praxis des Drogenkonsums zu sehen“ sei. dass in 41% der stationären Einrichtungen Musiktherapie vertreten ist (Mehlmann 2000). Schulz. Rothenbacher & Truöl. zu sehr kurzen Therapieaufenthalten. Aggression oder Trauer" aufbrechen. sieht Munderloh durch seine therapeutischen Erfahrungen nicht bestätigt. desto eher beginnen. Damit werde der Wunsch vieler Jugendlicher. Die Anwendung rezeptiver Musiktherapie-Verfahren ist umstritten. so dass „Gefühle wie Wut. 1977. Vielmehr würden die Jugendlichen. die bis dahin oft mühsam mit den Rauschmitteln unterdrückt oder reguliert wurden. 201 ff). 1976. Wolfgang Munderloh berichtet über die Wirksamkeit von Rockmusik-Praxis in der Therapie mit Drogenabhängigen. Rollenspiel und Musiktheater. 1971. 91). wobei die Musikerfahrung „Ersatzbefriedigung gegenüber der Droge" vermitteln solle (92. Das Handlungsrepertoire besteht aus „Musik hören. Förderung der Fähigkeit zur Teilnahme an einem echten Leistungswettbewerb. 1993. so dass psychotherapeutisch ausgerichtete Maßnahmen selten angezeigt sind.“ Es soll das Gemeinschaftserlebnis fördern und zum Gespräch über persönliche Probleme anregen (v. In den psychiatrischen Klinken kommt es in Abeilungen für stationäre Entgiftung i. 58. Die Skepsis. Aufbau mitmenschlicher Kontakte. Dann werden Abhängigkeitsstörungen im Zusammenhang mit anderen Diagnosen. Steigerung der Lern. Bullinger & Will. kann sich doch im Hörerlebnis süchtiges Konsumverhalten wiederholen.und Verantwortungsbewusstseins. Blueskadenzen und Rockriffs ermöglichen schon bei relativ geringem Instrumentalkönnen Erfolge im Zusammenspiel.

Intensität. 211 ff. Bewegungsimprovisationen u.). Durch diese vielfältigen Handlungsanreize sollen die Risikobereitschaft gefördert . 193). Holger Ehrhardt beschreibt die Musiktherapie innerhalb eines Modellversuches an der Abteilung für Abhängigkeitskranke der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin.sie basiert auf gemeinsamem Gesang. etc sowie Instrumentenwahl und die Gestaltung von Anfang und Ende der Improvisation. emotionale Erlebnisse. 1993. Struktur und Dynamik. Prozessuale Diagnostik und Evaluation geschieht über differenzierte Dokumentation „der musikalischen Parameter Tempi. die Bullinger & Will dokumentieren noch eher als freizeitpädagogische Animation akzentuiert ist . auf Nachspielen z. 53 ff u. die das suchtspezifische Verhalten bestätigt und den Musiktherapeuten zum „Dealer“ macht (vgl. die vom Therapeuten vorgegeben werden. die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten und -bedürfnisse der Patienten berücksichtigt werden und das Prinzip der Improvisation als auf andere Erlebnisbereiche übertragbar und schließlich als Lebensprinzip erfahren werden. das neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und sozialem Kontext enthält (vgl. Konzentrations. 1983) oder mit tänzerischer Improvisation (Arnold 2003). Volkstänzen und Improvisation in Verbindung mit bekannten Instrumentalstücken oder über Dreiklängen (vgl. die musikalischen Beziehung der PatientInnen untereinander sowie auffallende Mi129 . Malaktionen. 175 f). Arnold 2003). an Gegensatzpaaren orientiert. Die improvisierte Musik als Drogensubstitut ermögliche einerseits als Verhaltensspiegel neue Orientierung. Während die Musiktherapie. Bilderleben. Beziehungsstörungen. wie etwa bei Purdon & Hutschenreuter (1983). a. 1981). Kontaktspielen. Annette Golomski (2007) beschreibt eine Musiktherapie auf der Akutstation für Suchtpatienten an einem Psychiatrischen Krankenhaus. wie etwa beim Musikmalen (vgl. anderseits könne sie aber auch zur „Ersatzdroge“ werden. Stimmungen und Atmosphären. Sie ist eingebunden in ein psychotherapeutisches Konzept. die sie situationsgemäß themenorientiert. Elemente des Psychodramas und verschiedene kunsttherapeutische Verfahren (1985. von kleinen Beat-Stücken. Pausen. 1986.Hörerfahrung in ein psychotherapeutisches Setting integriert sein.und Minderwertigkeitsgefühle sowie Zukunftsprojektionen und Verhaltensmodelle im Vordergrund. Ursula Jetter (1986.m. nach Spielregeln. Außerdem soll „durch musikalische Betätigung aus dem Stegreif Spannungs.. bei dem Puppen-. Fritz Hegi hebt für seine Musiktherapie in einer Drogenklinik hervor. B. Bei Schwabe wird zusätzlich zur instrumentalen Improvisation in der Gruppe jeweils einmal pro Woche Bewegungsimprovisation nach „klassischer" Musik als musiktherapeutische Intensivtherapie sowie einmal pro Woche Gruppensingtherapie als Training geselligen Miteinanders ohne Droge empfohlen (vgl. dass die Patienten in die angstbesetzte Situation geführt werden. 1983. In der Musiktherapie stehen die Entwicklung von Phantasie und Aktivität. Bei Klaus Finkel wird die Verbindung von Musikimprovisation und Psychodrama dargestellt (1979. a. 1986. Ihre Hauptmethode ist die musikalische Improvisation. Purdon & Hutschenreuter. Kapteina & Hörtreiter. tritt mit stärkerer psychotherapeutischer Betonung bei den neueren Therapiekonzepten die freie Improvisation in den Vordergrund.und Schattenspiel hinzutreten. Pfeiffer. 237f. 247). nach vorgegebenen Klangbildern oder Gefühlszuständen oder auch frei gestaltet und im therapeutischen Gruppengespräch reflektiert. mit dynamischen Elementen. das die Patienten zu aktiver Hörhaltung führt. Masken. sich ohne Drogen auf Gefühle und Beziehungen einlassen zu müssen.werden. 1991) verknüpft sie mit musikalischem und szenischem Rollenspiel. oder bei der Kombination mit instrumentaler (vgl. Lautstärke. Zentrale Behandlungsmethode ist die Improvisation nach Spielregeln.und Affektabfuhr ohne Suchtmittel erlebt" werden (252). das sich ausschließlich auf nonverbale Methoden stützt: Autogenes Training. 194 und 199). Kapteina & Hörtreiter 1993. Schuld. Timmermann u. 228 f.und Entspannungsübungen mit Musik.

die während der Reflexion aufkommen (9). vertieft und intensiviert werden kann (1993. Trotz massiver Gedächtnisstörungen. 232ff). Zeitschrift für Musik-. wenn Patienten ihr musikalisches Handlungsspektrum erweitern und differenzieren. „brüchiger Bindung an Spiel. 356 und 2005. eindeutige. Erstellung und Umsetzung eines wissenschaftlichen Konzepts am Beispiel einer ambulanten Suchtberatungsstelle in Baden Württemberg. Timmermann. instrumentale und vokale Improvisation. Die Untersuchung einzelner Therapieausschnitte erfolgt „im Stile morphologischer Beschreibungen“ nach dem Anhören von Tonaufzeichnungen anhand von Assoziationen.mik und Körperhaltungen. L. L. (1971): Hören lernen . Entspannungsübungen und Instrumentenbau“ angewandt (14). Tanz. O. Tanz. Deshalb trage „Instrumentalimprovisation mit dazu bei. Mund hebt hervor. Kapteina & Hörtreiter beschreiben. Zum Nachweis solcher Therapieerfolge hat er ein verlaufsdiagnostisches Messinstrument entwickelt. dass der Suchtkranke pathologische Objektbeziehungen zugunsten größerer Autonomie korrigieren kann und die Fähigkeit zur Sublimation“ erwirbt (2000. in sicherem Rahmen „neue Erfahrungen auf sich wirken zu lassen und daran wachsen zu können“ (23). 353). Abschied oder körperlichen Empfindungen etc. auf der „Ebene der Emotionen“. 360 f und Flögel 2005.und Kommunikationsregeln“. 347 f). In dieser soziotherapeutisch ausgerichteten Gruppenarbeit werden die Methoden „Lieder singen.und Tanztherapie in der ambulanten Rehabilitation Drogenabhängiger. 1983. (2003): Musik. wie Musiktherapie in die psychotherapeutische Gesprächsgruppe integriert werden kann. Literatur Arnold. Langenberg. Musikspiele. rascher Ermüdbarkeit oder „’tröpfelnder’ Motivation“ können eigene Töne der Patienten „als ihr ureigenes“ und „unverwechselbar erlebbare Klangaussage“ erfahren werden und als „Ausgangspunkt für neue seelische Beweglichkeit“ gelten (147). 1983) und scheinen in der stationären Suchttherapie entsprechend wenig durchgeführt zu werden. B. „Bildern. Leideckers Studie „Klänge der Betäubung“ (2002) dokumentiert musiktherapeutische Gruppen. Intervalle 4. (1982): Musik als Massendroge unserer Zeit. das aus einem Patienten-Fragebogen und einem Beurteilungsbogen besteht (2000. 19-31 und 100-117 Auerbach. Veränderungen während der stationären Therapie in der Klinik für Suchtkranke wie in der forensischen Therapie Abhängigkeitskranker konstatiert er auf der „Symbolebene“. 41-48 130 . autonome und sichere Beziehungen aufnehmen und gestalten können (2000.und Einzeltherapie auf Grundlage der morphologischen Psychologie bei chronisch alkoholkranken Männern mit Korsakow Syndrom. wenn die Patienten flexible. Nach langer Behandlungszeit wird erkennbar.Musik erleben. Wegen ihrer hohen Effizienz und Wirkungsdynamik sollte sie nicht als Begleittherapie durchgeführt werden. 357 f. Begründung. 343). wenn sie insbesondere nicht akzeptierte Gefühle zulassen können. Rückfall. dass bei auf Instrumenten gemeinsam improvisierter Musik „durch die symbolische Gestaltung musikalischen Materials und musikalisch-improvisatorisches Probehandeln“ „pathologische Affektivität und Beziehungsgestaltung sowohl vermittelt zugänglich als auch vermittelt wandelbar“ werden. Malen mit Musik. Bewegung.“ die von einer Studentengruppe zusammengetragen werden (121). Gedanken.und Kunsttherapie. Einzeltherapien werden selten beschrieben (vgl. Musiktherapie in einem „Wohnheim für chronisch mehrfachbelastete alkoholabhängige Menschen“ beschreibt Anna Maria Unz (2007). indem der gesprächstherapeutische Prozess durch musikalische Spiele oder thematisch orientierte Improvisationen zu gerade aktuellen Themen wie z. dass Musiktherapie auch bei diesem Klientel die Möglichkeit bietet. und auf der „Ebene der Beziehungsgestaltung“. Wolfenbüttel: Möseler Auerbach.“ Außerdem werden die Themen erfasst. Überhaupt wäre die Ansiedlung der Musiktherapie im stationären Setting zu problematisieren. Erinnerungen.

Band II. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. H. C. www. 306-323. Tönen. (1993): Rockmusik-Machen als Medium sozialpädagogischen Handelns. 33-45 Flögel. (1985): Musiktherapie innerhalb eines Modellversuchs zur Therapie Abhängigkeitskranker. Zeitschrift für Musikpädagogik 18. www. U. 159-161 Haselauer. In Spintge & Droh (Hrsg. Opladen Dentler. Stuttgart: Fischer Fey. 157 f. 161-168 Frohne.). (1993): Erfahrungen mit Rockmusik in der Drogenarbeit. Plog. Freiburg i. Drogenarbeit. N.). Reinbek: Rowohlt Bolin.a. U. H. H. (1986): Musiktherapie in einem psychiatrischen Landeskrankenhaus. Leske+Budrich. (1984): Wirkungen von Musiktherapie im Rahmen der Behandlung Alkoholkranker. (Hrsg. 147-160. München: Goldmann Cohn.: Lambertus Golomski.): Musiktherapeutische Ausbildung und Praxis. In: Haase.): Handbuch Musik und Sozialpädagogik. Bonn: Psychiatrie-Verlag Ehrhardt. (1986): Improvisation und Musiktherapie. Wien: Universal Edition Friedemann.) Musik in der Medizin. Boppard: Fidula Jetter. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie. E. die nicht bevormundet. 346-349 Formann-Radl.. L. In G. A. (1993): „Lasting Value"-Blues in der therapeutischen Nachsorgewohngemeinschaft Eschenbachhaus. Berlin: Express Edition Ernst. {1983): Trommeln.): Musiktherapie. (1993): Klangdörfer. S. Stuttgart: Hippokrates 131 .de Hartgenbusch. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Hering u. wir alle spielen. H. (2006 a): Rockmusik-Machen als sozialpädagogisches Handeln mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen. (1971): Kinder spielen mit Tönen und Klängen. Hilfe für alkoholgefährdete Kinder und Jugendliche. 269-283. S. (1979): Freie Gruppenimprovisation mit Drogenabhängigen. I. (1973): Einstiege in neue Klangbereiche durch Gruppenimprovisation. D. In Finkel. 85-95 Friedemann. 8594.. H. (1980): „Einer spielt. In Berliner Studiengruppe für Musiktherapie. In G. Tanzen.a. Musikmachen und Lebensbewältigung. I. Siegen: Universität Dentler. M.. (2001): „Partytime. R. nichts mehr reindrücken". Laux u. Jena: Fischer. M. F. (2007): Musiktherapie mit alkohol. Br. (1994): Ambulante Suchttherapie. & Maak.M. 9-35 Breitenfeld.O.de Dörner. K. (1985): Das dritte Ohr.Weinheim: päd. (1987): Musik in der Therapie Drogenabhängiger. (2005): Veränderungen durch Improvisation – Beobachtungen von musikalischen Abläufen und Interaktionen in der Gruppentherapie von Suchtpatienten. (2006 b): Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit. A.Barthel. (Hrsg. a. W.a.de Dentler. (Hrsg. (1979): Therapeutische Ansätze mit Musik.musiktherapie.). Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. (1995): Alkoholkrankheit. Schreitherapie und Gruppendynamik. L. (Hrsg.) (1993): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit. 40-42 Feuerlein. S. (1986): Irren ist menschlich. (1975): Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. H.eine Droge!? Musik und Unterricht 24. U.uni-siegen. V. BSMT (Hrsg.musiktherapie. H. (Hrsg. Krauß W & Stefan (Hrsg): „. Regensburg: Bosse Butzko. In W. Wien: Böhlau Hegi. (Hrsg. Finkel.uni-siegen. www. (Hrsg): Psychiatrie." Musikalisch erweitertes Psychodrama mit Suchtkranken.. Bullinger. U. Wien: Universal Edition Frohne. (1975): Die Wiederentdeckung des Gefühls. E. (1976) Musiktherapie in der Drogenberatung. Musik und Medizin 1. Lilienthal: Eres Frohne. Paderborn: Jungfermann Hering. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. I. W. (1994): Musik . (1986): Berieselungsmusik Droge und Terror. (1976): Möglichkeiten der Musiktherapie bei Drogenabhängigen. A.): Improvisation – Therapie . K. (1971): Erfahrungen mit Musiktherapie bei hospitalisierten Alkoholikern. E. Psychotherapie medizinische Psychologie 26.und drogenabhängigen Erwachsenen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. 24. Regensburg: Bosse. In Finkel. K. Musikalische und soziale Vorgänge spielend erleben. K. Wolfenbüttel: Möseler Friedemann. Zur Neuorientierung der Schulmusik. Handbuch Musik und Sozialpädagogik. Klinische Psychiatrie. & Will. Sprache und Szene in der Drogenberatung. In Faust. W.a. 44-49 Evers. 141 f. Heidelberg: Dissertation Butzko. 243-256 Fuchtmann. K. K.Leben. E. 246-268. In Forum Drogen und Sucht NW 1. M. Kryspin-Exner. K. Bewegung. (1985): Kreativ-therapeutische Gruppen . Basel: Springer. D. a. Opladen: Leske & Budrich Holthaus. I.musiktherapie.(1994): Musik als biologische Droge? Musik und Unterricht. K. K. 4 Casriel. L. (Hrsg. u. H..O. & Fierlings. Stuttgart: Klett-Cotta Dentler.uni-siegen. K. (1982): Musik und Sozialpädagogik. & Stolz.ein alternativer Weg in der Drogenarbeit. In Hering a. R.(1985): Laß 1000 Steine rollen. In Kohler. D.extra Buchverlag Berendt.

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2 x wöchentlich an den neun Kriterien für das genussvolle Musik Erleben orientiert. Personal) ZWEITE STUFE: “GENUSSTHERAPIE” (ärztl. offene Hörstunden.40 min. die aus besonderen Gründen (z. 30 min. 2-3 x wöchentlich mit einführenden Erläuterungen und kurzen Feedback . Musik Erleben . 415) Voraussetzung für musikalischen Genuss ist das Zulassen von Stille (Liedtke 1985. musikalische Kommunikation in der Gruppe mit Musik. die bei einer Verweildauer von maximal 18 Tagen die Entgiftung in einer Suchtstation mit dem Einstieg in eine psychotherapeutische EntwöhnungsBehandlung verbinden wollen. 9.. sich der Musik uneingeschränkt zuzuwenden Die Eigenschaften der Musik beschreiben Eigene Bewertungskriterien herausfinden (was tut mir gut. Lutz 1987. mit thp.Suchtverhalten Abbauen Der Unterschied zwischen Sucht und genießendem Verhalten liegt im Wechsel von Askese und Befriedigung (R. offene Hörprogramme für die ganze Station 30 . 214) Grundsätze für den genußvollen Umgang mit Musik: 1. Die Erste Stufe gilt für alle Patienten der Entgiftungsstation und bestimmt das therapeutische Klima der Einrichtung.Genießen Lernen .Musiktherapie als Element der Qualifizierten Entgiftungstherapie ERSTE STUFE: MILIEUTHERAPIE (Keine Abspielgeräte auf den Zimmern. verordnet. 2-3 x tägl. 2. 4. die in einen psychotherapeutischen Behandlungsprozess eintreten wollen. 5. als nur der Musik zuhören Das Verbot des genußvollen Müßiggangs aufheben Nicht nebenbei hören Der Wahrnehmung gestatten. 3. Die zweite Stufe gilt für Patienten.und Cotherapeut) Das Angebot der Qualifizierten Entgiftung richtet sich an suchtkranke Patienten. was nicht?) Bewußt Ruhephasen für den Genuß von Musik im Alltag schaffen Einiges Wenige aus dem Angebot musikalischer Genussmöglichkeiten auswählen 134 . mit Musik.und Cotherapeut) “SINGTHERAPIE” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Singgruppe mit Musik.und Cotherapeut) DRITTE STUFE: MUSIKTHERAPIE (Sensibilisierung für Klang und Körpererfahrung.Runden.und Cotherapeut) “MUSIK UND BEWEGUNG” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Tanzgruppe mit Musik. Zeit Schaffen und Zeit Lassen Nichts anderes tun. 7.B. Für diese Form der Entgiftung habe ich im Team der psychiatrischen Abteilung eines Allgemeinkrankenhauses das nebenstehende Konzept einer begleitenden Musiktherapie entwickelt. und die dritte Stufe können Patienten nutzen. 6. wegen einer Doppeldiagnose) längere Verweildauern haben. 8. offene Therapiegruppe.

„In Institutionen für ältere Menschen wie Pflegeheimen und Tagesstätten lässt sich Musik nicht einfach verordnen. Effekte hat Musik nur. Vor Hintergrundmusik ist im Allgemeinen abzuraten“ (ebd. die als unangenehm empfunden werden“ (ebd. wenn die Teilnehmer daran interessiert sind. Klavierunterricht mit Erwachsenen zwischen 60 und 84 Jahren erwies sich als erfolgreich. 135 f). 143 f. Der Lernfortschritt übertraf die Erwartungen der Teilnehmer oft. obwohl sie bedauerten. 143). wie ältere Menschen im Konzertsaal ein anderes (möglicherweise älteres) Hörgerät verwenden oder den Apparat sogar vollständig ausschalten“ (Herbert Bruhn: Musikalische Entwicklung im Alter. dass berichtet wird. obwohl sie schlechter hören. Es gibt keine signifikanten Korrelationen zwischen den Ergebnissen von Begabungstests und dem Alter. „dass Männer schlechter hören als Frauen. zu wenig Zeit zum Üben einsetzen zu können“ (ebd. „Das Hören von Evergreens aus der Jugendzeit aktiviert signifikant wirksam die Erinnerung an frühere Lebensereignisse“. „Auch der emotionale Gehalt von Musik wird in dieser Gehirneinheit verarbeitet (ebd. „ergeben sich Probleme für das Musikhören. So ist es nicht verwunderlich. Das resultiert daraus. 134-149. wenn sie auf den individuellen Musikgeschmack eingehen kann. Ein alternder Mensch hat trotz des Nachlassens seines Gehörs eine Präferenz für ein Klangspektrum von Musik. Musiktherapeutische Umschau 2003. 135 . „Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Bei den über 50-Jährigen kann man feststellen. „Bei Demenz bleiben die rhythmischen Fähigkeiten bei Musik am längsten erhalten“. Die Korrektur der Hördefizite mit einem Hörgerät verändert den subjektiven Höreindruck gravierend.).4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen Zum Hören bei älteren Menschen: Mit zunehmendem Alter nimmt die Lautstärkewahrnehmung ab.“ Das hat mit den Hörgewohnheiten zu tun. noch in hohem Alter mit dem Musizieren zu beginnen. Hördefizite mit Hörgeräten auszugleichen.). erst Verstärkeranlagen der letzten zwanzig Jahre geben Musik laut und unverzerrt wieder. 139). Auch die Lernfähigkeit scheint mit dem Alter nicht nachzulassen. dass die für das Langzeitgedächtnis zuständigen Speicherareale mit den Sinnesorganen verbunden sind.7. „sondern führt im Gegenteil zu Verzerrungen. „Ältere Menschen hören Musik lieber leiser als jüngere. Rhythmus scheint als „motorische Repräsentation“ in einer Art Körper-Gedächtnis unabhängig von gestörten kognitiven Fähigkeiten lange funktionstüchtig zu bleiben (ebd.“ Trotz der Möglichkeiten. Außerdem gibt es auch physiologische Gründe: höhere Lautstärke verbessert nicht den Höreindruck bei Schwerhörigen. 142).

mehr zu sich zu nehmen Musikhören beim Waschen und Baden verzögert den Ausbruch aggressiver Abwehr. die soziale Kommunikation und das Schlafverhalten Musikhören und aktive Musiktherapie reduzieren zielloses Herumirren und agitiertes Verhalten Das Anhören von ruhiger Musik wirkt beruhigend. dass durch Musik in der Pflege von an Demenz erkranken alten Menschen Verbesserungen in folgenden Bereichen herbeigeführt werden können: der Beteiligung an musikalischen Aktivitäten überhaupt. Ängstlichkeit und Depression Musiktherapie in Verbindung mit Verhaltenstherapie verbessert die Orientierung.): Music therapy in dementia Care. (vgl. der physische Begleitsymptomatik sowie bei den kognitiven Fähigkeiten. 116). agitiertes Reden beim Essen Musikhören beim Essen veranlasst alte Menschen. 2003.Eine Besprechung von 38 klinisch empirischen Studien im Zeitraum von 1986-1998 aus dem angloamerikanischen Raum (M. schnelle Musik ist eher ohne Effekt Musikhören reduziert unruhiges Verhalten bzw. London and Philadelphia 2000. Brotons: An overview of the Music Therapy Literature Relating to Elderly People. den sozial-emotionalen Fähigkeiten. Nachgewiesene Effekte aktiven Musizierens und Musikhörens auf das Verhalten von Demenzkranken: Musikhören verringert Verwirrtheit. so dass die Dementen kooperativer erscheinen. 33-62) belegt. Einblick 14. Musikhören vermindert das unvermittelte Schreien von dementen Klienten Tägliches Musikhören hat positiven Einfluss auf die Länge und Ruhe des Nachtschlafs zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) Ziele musiktherapeutischen Handelns mit alten Menschen: Emotionale Aktivierung Erinnerungsaktivierung Förderung sozialer Verhaltensweisen und Kommunikation Freude Gedächtnistraining / Realitätsorientierung Musikalische Kreativität / Ausdrucksfähigkeit / Fantasie Steigerung des Selbstwertgefühls Trauerarbeit nach Grümme (1997) zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) 136 . in: David Aldrige (Hrsg. Susanne Landsiedel-Anders: Ein Triptychon: Fallstudie eines schwer dementen Altenheimbewohners.

12-14) berichtet von Forschungen aus dem nationalen Alterns-Forschungsinstitut in Melbourne. Als ihr aber eine Aufnahme von Art Tatum „Gone with the wind“ aus dem Jahre 1938 vorgespielt wird.“ Im Labor verhält sie sich völlig passiv. fremde Geräusche meiden Biographie der musikalischen Präferenzen (wann und in welchen Zusammenhängen wurde welche Musik gehört) ein Musikprogramm herstellen (zusammen mit Bewohnern und Angehörigen) mit kurzen Musikzeiten (max. Auf Anfrage schildert Dorothy. Druckmesskammer am Arm) zeigen die Untersuchungen. den Beat der Musik zu klopfen. Musik und Gesundheit 4/2002. dass die „Patienten sehr stark auf die eingesetzten musikalischen Stimuli reagieren. Gedichte etc. sie lächelt und der Ausdruck der Gleichgültigkeit schwindet aus ihrem Gesicht. ohne Wünsche zu äußern. wobei aus früheren Lebensabschnitten bekannte Musik die größten Reaktionen hervorruft.Konsequenzen für die Pflege ein passendes musikalisch – klangliches Milieu herstellen Stille Phasen herstellen Naturklänge ermöglichen Vertraute Geräusche zulassen. Kommentare. bei denen „hirnelektrophysiologische Untersuchungen (EEG) über musikinduzierte funktionale Veränderungen in verschiedenen Strukturen und Regionen des Neokortex“ bei Alzheimer-Patienten durchgeführt werden. wie sie früher mit ihren drei Freundinnen samstags zum Tanzen ging. Choreinladungen etc. duldet aber das Anlegen der Untersuchungsinstrumente. Versuche sprachlicher Kommunikation scheitern an entweder fehlenden Antworten oder an Antworten ohne jeden erfassbaren Sinn.“ Er schildert exemplarisch den Fall von Dorothy. bevorzugte Sendungen. Skalp-Elektroden. „Für die folgenden 5 Minuten sprach Dorothy im Wechselgespräch 137 . einer Alzheimer-Patientin: „üblicherweise sitzt sie in ihrem Krankenzimmer mit dem Blick ins Leere gerichtet. den Jahresablauf markieren im häuslichen Umfeld: welcher Sender. Trotz der im Labor gegebenen beeinträchtigenden Rahmenbedingungen (Messinstrumente.) mit Konzerten. beginnt ihre linke Hand. ohne Erwartungen auszudrücken. ½ Stunde) den Tagesablauf strukturieren gemeinsames Musikhören in regelmäßig gestalteten Musikstunden (Höratmosphäre schaffen. Soziale Kontakte finden nicht statt. Nach dem Anhören eines Stückes von Edward Elgar äußert sie sich mit einem einzigen Wort: „Liebe“ und lächelt. bevorzugte Hörzeiten berücksichtigen musikalische Aktivitäten Singen Biographie des Singens erstellen Liedpräferenzen ermitteln Gesangssituationen ermitteln Singen in Sondersituationen (Singstunde) Alltägliches Singen Musizieren Mit Alltagsgeräuschen Tätigkeiten begleiten Mit Perkussionsinstrumenten Lieder begleiten Fantasieren am Klavier An musikalischen Kompetenzen anknüpfen Bruce Barber (Musik im Alter. menschlicher Begleitung oder intellektueller Ansprache. sie hat keine besonderen Bedürfnisse nach Komfort.

138 .ohne erkennbare Beeinträchtigungen über Erinnerungen aus ihrem Leben. in dem neue Pfade geöffnet werden. subkortikale und kortikale Strukturen des Gehirnes auf ein quasi normales Aktivitätsniveau vorübergehend angehoben werden können. ob derartige Ist nur autobiographisch bedeutsame Musik Veränderungen auch anhaltend sein können wirksam? und auf andere Personen übertragbar sind. Danach fiel sie in ihren alten Zustand zurück“ (13). Sind spezifische musikalische Strukturen Kann eine noch zu entwickelnde musik.maßgeblich für die Verbesserung der Wirtherapeutische Methodik Demenz-Patienten kung? auch längerfristig auf einer höheren neurofunktionalen Leistungsebene halten? Kann nur autobiographisch bedeutsame Musik wirken. Dennoch scheint es bei der Musikwirkung zu zeitlich begrenzten. will man dem Menschen als Ganzem gerecht werden“(14). wie wir sie bei Musikwirkung? Dorothy beobachten konnten. ein wichtiges Musikwirkung auf andere Personen überZiel für zukünftige Forschung. „In Dorothys Fall hat die Musik eindeutig ihren Bewusstseinszustand auf ein höheres Niveau anheben können. dass limbische. die ihrerseits zuvor beeinträchtigte Funktionen des ZNV wieder möglich machen. zu Verhaltensabweichungen. Fragen der Forschung: In jedem Fall sind derartige Veränderungen Auch anhaltende Veränderungen durch des Bewusstseinszustandes. dass die fortschreitenden und irreversiblen pathologischen Veränderungen der Alzheimer Demenz zu Störungen des Gedächtnisses. dass bei der zunehmenden Pharmakologisierung der Demenz-Behandlung auch Raum sein muss für nicht-pharmakologische Interventionen. oder gibt es spezifische musikalische Strukturen. Anschließend führt Barber aus. Möglicherweise kann Musik so intensiv als Stimulus einwirken. emotionalen Störungen und sozialer Isolation führen. mit denen man die Wirksamkeit verbessern kann? Sicher ist. aber nachweisbaren Überbrückungen der gestörten Verbindungen zwischen Primärbewusstsein (Formatio Reticularis und Limbischem System) und den Funktionen des Neokortex zu kommen. Zum Beispiel tragbar? ist die Frage zu klären.

Frequenzspektrum der Musik: ca. 139 . Es sollten wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen. so kann grundsätzlich gesagt werden. 16 bis 4608 Hertz) verglichen mit Sprache 250 bis2000 Hertz) ist ein Zugang über das Ohr selbst dann noch möglich. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann" (191). . des Unterscheidens. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. Manuela-Carmen Prause: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit.). Beratung. in: Tüpker.): Musik bis ins hohe Alter.) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. Münster: Lit. Hörgeschädigte Menschen. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. Stuttgart 1990). in: Rosemarie Tüpker. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. Es kann "zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles" beigetragen "und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation" entgegengewirkt werden (ebd. „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Fengler. Therapie und Selbsthilfe. Wickel.„Was das Musikerleben von Altersschwerhörigen betrifft. Manuela-Carmen: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. 2001. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. 177-197 "Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht darin. Rosemarie. bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. der Sprache: ca.. 177-197 Prause. dass Musik für sie besser zugänglich ist als Sprache: Aufgrund des erheblich größeren Umfangs des Frequenzspektrums von Musik(ca. wie die z. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194).B. 16-4608 Hz.und Bassxylophon.). 200-2000 (180) Therapeutische Aspekte: . in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens..): Musik bis ins hohe Alter. Bei der Improvisation können "von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte" aufgegriffen werden. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). wenn Sprache nicht mehr auditiv wahrgenommen werden kann“ (180).. Alt.letztlich geht es um die Versöhnung mit sich selbst (vgl. Münster 2001. Metallophone. Hans Hermann (Hrsg. Im Gegensatz zur verbalen Situation. Hans Hermann Wickel (Hrsg. Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd.und Melodieinstrumente wie Sopran-. stressfreie Handlungsmöglichkeit. findet er hier eine autonome.

Hierbei müssen wir uns auf unsere Beobachtungsgabe und intaktes Einfühlungsvermögen verlassen können..“ .) Jan-Peter Sonntag (MU 2005. z. 261-274) weist auf die Bedeutung der Hörwelt (das Sonambiente) hin. „Wir sind aktiv an der Gestaltung der Soundscapes beteiligt. so wrid sich an dem Wohlbefinden der dort lebenden und arbeitenden Menschen einschätzen lassen müssen. dass manch aggressives Verhalten oder auch Zustände von Apathie der Pflegeempfangenden besser verstanden werden können.“ Man kann mit „Musikeinspielungen als Klangkulisse“ experimentieren. man ruhig und etwas langsamer als normal. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. dafür zu sorgen. ist nicht so wichtig“). ist dafür erforderlich (267).“ Die Entwicklung der Wahrnehmungskompetenzen derer. Es sei „leicht vorstellbar. nicht zu laut spricht.Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. auch wenn wir „Stille in die Klanglandschaft hinein“ komponieren (271). möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat. das auf demente Bewohner von Pflegeheimen einwirkt. dass 1. für die wir sensibel werden müssen. 7. man das von anderen Gesagte wiederholt. nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. 8. 6. die mit der Betreuung dementiell Erkrankter tätig sind. Einhüllung von Klängen“ Verwendung klanglicher Stimuli Klangquellen.. die zu Begegnung und Interaktionen einladen Unterstützung zeitlicher und räumlicher Orientierung 140 . Bei seinen Vorschlägen für die Entwicklung einer „ambientalen Perspektive“ am Beispiel des Altenpflegeheims betont Sonntag. auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann. ob sie ihren Bedürfnissen entspricht. wenn die Betreuenden ihre eigenen Sinne einsetzen. „Anregungen.. Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f. „dass Klänge eine Beziehung zwischen uns und unserer Umwelt herstellen“. im klingenden Miteinander zu experimentieren (272 f): Anbindung an vertraute Klänge Verwendung von geräuschdämpfenden Stoffen Anpassung an veränderte Hörfähigkeit Berücksichtigung des Bedürfnisses nach Sicherheit und Geborgenheit .. „Nähern wir uns dem Lebensraum Pflegestation aus musiktherapeutischer Perspektive. der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und 3.B. 4. während der gemeinsamen Mahlzeiten. 5. 2. um die verursachenden (Schall-) Quellen auszumachen.

den kindlichen Wachstumsprozess fördern. Göttingen 2007. Vertreter dieser Arbeitsweise sind eher in den USA als im deutschsprachigen Raum zu finden (vgl.a. Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel). Zugrunde liegt die Annahme einer psychophysischen Wirkung von Musik auf den Menschen. Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. Sie geht davon aus. Musiktherapie für Kinder.pdf) im Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit folgende musiktherapeutischen Ansätze: Medizinischer Ansatz Hierbei geht es insbesondere um die Beeinflussung von Krankheitssymptomen wie Schmerzen oder Schädigungen. 154). Wolfgang Mahns in: Musiktherapeutische Umschau 1998. Der Focus liegt somit mehr auf der Entfaltung der individuellen Möglichkeiten als auf der Behandlung der Symptome (Vertreter sind u. arrangiert sein. J. Humanistischer Ansatz Musiktherapie wird als ein kreativer Prozess beschrieben. Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert). Traumatisierungen und Konflikte des Kindes bear141 . dass in unserer Art des Musikmachens unsere verborgenen Seiten und damit verbunden unsere frühesten Erfahrungen zum Klingen kommen. weshalb im musikalischen Dialog zwischen Kind und Therapeut/in frühe Erfahrungen. ggf. Kathrin Grewe-Heitfeld beschreibt in ihrem Beitrag „Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung“ (http://www. Verhaltenstherapeutischer Ansatz Hierbei handelt es sich um therapeutische Verfahren. der von der Beziehung zwischen Therapeut/in und Kind lebt. Diese Beziehung bietet den Rahmen für Kommunikationserfahrungen. Arbeitsfelder sind beispielsweise die Schmerztherapie und die Arbeit mit Frühgeborenen.a. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner). Zwischen dem musikalischen Dialog und dem Dialog zwischen Mutter und Säugling werden Analogien gesehen. die das positive oder negative Erleben von Musik und der sich daraus ergebenden Situation nutzen. Bunt 1993. um unangemessenes Verhalten zu verringern bzw. dass sie die Vorgänge hinter den Symptomen oder die Symptome selbst beeinflussen kann“. P. Robbins 1986. Alvin 1988). welche die Persönlichkeitsentwicklung bzw. L. Stuttgart 1997 Stiff und Tüpker (Hrsg. Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern. Kindermusiktherapie. auch Grenzerfahrungen.uni-siegen.musiktherapie. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Psychoanalytischer Ansatz Analytische Arbeit ist biographisch orientiert. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. (Monika NöckerRibaupierre). Richtungen und Methoden. Es biete einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet).): Kindermusiktherapie.de/forum/kinder/vortraege/219_grewe_heitfeld. „Musik sollte so beschaffen bzw. Nordoff / C.8 Musiktherapie mit Kindern Standardwerke sind: Jutta Brückner u.und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. erwünschtes Verhalten zu verstärken.

Musiktherapie und Säuglingsforschung. Ingrid Mederacke und Christel Ulbrich. Spielarten. 37-48 und Christine Plahl: Entwicklung fördern durch Musik. Die musikalische Entwicklung beginnt bereits im Mutterleib. dass Musik und Klänge bereits früh auf das Kind einwirken. Zwischen Hören und Bewegen. Stuttgart 1990). Göttingen. dass die 142 . Berlin 1991). Geistig Behinderte verstehen. Während der Behandlung tritt je nach ärztlicher Diagnose (besonders in Medizin und Heilpädagogik zu finden) entweder Melodie.): Musik und Gestalt. dass jedes Kind hat ein individuelles Entwicklungstempo hat. Deshalb ist das Spiel mit verschienenen Materialien und mit allen Sinnen gleichbedeutend wie das mit Klängen und Musikinstrumenten. in: Frohne-Hagemann. Kombinierte Verfahren Hier wäre die Orff Musiktherapie als eine multisensorische Therapie zu nennen.h. Barbara Irle und Irene Müller (Raum zum Spielen – Raum zum Verstehen. Bestandsaufnahme und Versuch einer Neuorientierung. Intervalle und Rhythmen) und die Auswahl bestimmter Instrumente( z. Evaluation musiktherapeutischer Behandlung. Dietmut. Tonarten. d. die jeweils vorhandene Fähigkeit des Kindes. Musiktherapie und Entwicklung von Gestaltbewußtsein beim Kind. Stuttgart 1989. Musikalische Prozesse werden als seelische Prozesse verstanden. Musiktherapie für Kinder. Heiner Ruland. Dieses Wissen ermöglicht es. Niedecken. andererseits – und dies ist entscheidender – ist das Spiel die dem Kind eigentlich entsprechende Ausdrucksform. bei denen der Wichtigkeit des kindlichen Spiels Rechnung getragen wird. Vertreter sind z. hierzu: Gertrud Orff. (vgl. Einerseits mögen Kinder nicht immer Musik machen. Leier. Musiktherapie bei verhaltensauffälligen Kindern. Isabelle (Hrsg. Wuppertal 1988. Ein Buch für Psychologen und Eltern. Musiktherapie mit Kindern impliziert das Wissen um die Entwicklungspsychologie des Kindes allgemein und um die musikalische Entwicklung im Besonderen. Eigenarten. Bewegungs.B. 1997). Häufig ist die Kombination von nicht direktvier Spieltherapie. 2001 sowie auch: Jutta Brückner. psychoanalytischem Denkhintergrund und musikalischer Improvisation (vgl. Schumacher. Kunst Therapie Kreativität. Anthroposophischer Ansatz Kennzeichen des anthroposophischen Denkmodells ist die Arbeit mit den „musikalischen Urelementen“ (dies sind Einzeltöne. Sie verbindet analytische Musiktherapie mit der Morphologischen Psychologie Salbers. Praxisberichte. nur den Hörsinn anzusprechen. Münster 2000). Musiktherapie und nondirektive Spieltherapie Häufig werden Verfahren angewandt. Musik als erlebte Menschenkunde.beitet werden können (vgl. wobei zu berücksichtigen ist. Streichpsalter). Beate Mahns. kann man davon ausgehen. über welche die „Beziehungsqualität“. Die Therapie soll ganzheitlichere Erfahrungen ermöglichen. und so die Möglichkeit bieten. Sie arbeitet vor allem mit autistischen Kindern und verbindet dabei Musik-. Stuttgart. Rhythmus oder Harmonie in den Vordergrund vgl.) Erziehen und Heilen durch Musik. dass Defizite in einem Sinnesbereich durch Förderung anderer Sinne kompensiert werden (s. München 1989. Gerhard Beilharz (Hrsg. Da das Hörorgan früh entwickelt ist. Musiktherapie mit Kindern. Namenlos. Julius Knierim.und Sprachspiele. mit der Bezugsperson in Beziehung zu sein. Verschiedene Forschungsarbeiten lassen sich dahingehend zusammenfassen. erlebt und weiter entwickelt werden kann (vgl. Als kombiniertes Verfahren gilt auch die Musiktherapie von Karin Schumacher. 249 f). die mit allen Sinnen erlebt werden. die davon ausgeht. Frankfurt am Main 1999. an den altersspezifischen Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes anzusetzen. Klinische Musiktherapie als integrative Psychotherapie.B. Münster 1996). Paderborn 1990. Ein weiteres kombiniertes Verfahren stellt die morphologische Musiktherapie dar.: Dietrich Petersen und Eckhard Thiel. dass es insbesondere für behinderte Kinder nicht ausreichend ist.

o. die Mischungen aus Bekanntem und Eigenem enthalten. Rhythmische Fähigkeiten entwickeln sich vor metrischen. sondern alles was klingt. Ab dem 2. herrscht im zweiten Lebensjahr die motorische Aktivität als Antwort auf Musik vor. daran erkennt.B. Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. wenn in eine Melodie ein unpassender Ton eingeflochten wird. Einführung in die Musiktherapie. sechsmonatige Kinder halten inne. zunächst im Tonumfang der Quart und Quint. Klangbezogene Aufmerksamkeit In der frühen Kindheit stehen die geäußerten Klänge eines Babys in Zusammenhang mit seinem seelischen Befinden.h. Mit 4 Jahren singen Kinder mehr oder weniger genau. Das Kind möchte die Natur des Klanges. Das Musikerleben des vorschulpflichtigen Kindes. Sie entwickeln Lieder. als anregend und positiv eingeschätzt werden (Helmut Moog. was man z. 1986. London: Routledge.oder Unwohlsein drückt es klanglich aus. 86-144). Mainz 1968. Kinder sind zwar in der Lage. Bevorzugen von dissonanter Begleitung Kinder im Vorschulalter empfinden Harmonien offensichtlich anders als Erwachsene. K. sein Entstehen untersuchen. außerdem: Swanwick. Sensorische Entwicklungsstufe 0-3 Jahre Das Kind befasst sich mit Klangeindrücken. ist besonders fasziniert von Klangformen und dynamischen Abstufungen. Music. Erst mit 5einhalb bis 6 Jahren beginnt eine stetig ansteigende Bevorzugung einer harmonischen Begleitung. Umgekehrt reagiert ein Baby in der Regel beruhigt auf Wiegenlieder und interessiert auf Klangquellen allgemein. Erstes Singen Während das erste Lebensjahr musikalisch gesehen durch die Aufmerksamkeit auf Klänge geprägt ist. Die musikalische Entwicklungsspirale nach Keith Swanwick und June Tillman (The Sequence of Musical Development. Bereits in den ersten Monaten können Babys Melodien auseinanderhalten.).Auswirkungen des Hörens allgemein und insbesondere des Hörens von Musik in größerem Ausmaß. bevorzugen aber auch gerne eine dissonante Begleitung. 143 . Sein Wohl. 1988) 1. 3. Es erforscht nicht nur Musikinstrumente im engeren Sinn. vol. Bausteine für Musikerziehung und Musikpflege. später in der Oktav. No. harmonische Veränderungen wahrzunehmen (s. Geburtstag beginnen Kinder zu singen. d. Leslie Bunt. 3. Heiner Gembris. mit 5 Jahren halten sie ungefähr ein Tempo ein. Mind and Education. Augsburg 1998. British Journal of Music Education. Weinheim 1993.

und Lauterwerden gestaltet. dass musikalische Formen im Kopf des Kindes zwar vorhanden sind. Materialien zu beherrschen und ggf. 4. Improvisationen sind häufig lang und „wirr“ und eher durch die Gegebenheiten der Instrumente als durch Absichten des Kindes geprägt. Dieser Umgang mit Musik wird in der Musiktherapie mit Kindern nicht anzutreffen sein bzw. werden harmonisch weiterentwickelt und gestaltet. 144 . Meta-Kognition symbolischer Bedeutung Ab 15 Jahre Hier ist die Identifikation mit einzelnen Musikstücken wichtig. Es testet Möglichkeiten des musikalischen Spiels aus Es gibt musikalische „Überraschungen“. das Kind intendiert damit noch keine Aussage. wie Glissandos. dem Stil der sozialen Gruppe. die im vorigen Muster sozial wichtig erschienen. Manipulative Entwicklungsstufe 4-5 Jahre Das Kind hat mehr Kontrolle in der Handhabung der Instrumente erworben. Phantastisch imaginatives Spiel ca 10 – 13 Jahre Das Kind ist experimentierfreudig. in Instrumentalstücken besonders durch Tempoveränderungen und Dynamik. Insgesamt ist das. Einfache musikalische Phrasen sind zu erkennen und die Tendenz zu beginnender Strukturierung. Variationen in der Musik entstehen eher zufällig. Mit Bedeutungen besetztes imaginatives Spiel 13 – 14 Jahre Allmählich werden kompositorische Einfälle stärker in einen bestimmten Stil integriert. weil der inzwischen der Jugendliche in erkennbare musikalische Gemeinschaften eintreten will. 2. Musikalische Stilmittel.dass Fell und Holz einer Trommel bespielt werden oder verschiedene Teile der Hände genutzt werden oder verschiedene Instrumente gegeneinander geschlagen werden. auch ist die Tendenz zu regelmäßigerem Metrum zu erkennen. der man sich zugehörig fühlt. bzw. Dieser ist meist von Popmusik beeinflusst. nicht reflektierten Gefühlserlebnis des Kindes bestimmt. Tonleitern oder Trillern. nur auf der Seite der Therapeuten. Höhepunkte werden durch Schneller. Personal gerichteter Ausdruck 4 – 9 Jahre Individuelle Ausdrucksfähigkeiten werden zuerst im Lied deutlich. Es existiert wachsendes Bewusstsein für die emotionale Kraft der Musik und damit einhergehend wachsende Fähigkeit entsprechende Erfahrungen musikalisch ausdrücken zu können. Oft scheint es aber auch noch so zu sein. Mit der Entwicklung von übergeordnetem systematischem Verständnis ist die musikalische Reife voll ausgebildet. hat Spaß am Verändern musikalischer Formen. Die zunehmenden Fähigkeiten des Kindes werden deutlich und damit einher geht das Bedürfnis. aber noch nicht ganz umgesetzt werden können. 3. 6. auch das gemeinsame Spiel zu bestimmen. Sie ist vom unmittelbaren. Die improvisierte Musik wirkt spontan und unkoordiniert. die sich nicht in den übrigen Stil einfügen. Der individuelle Wert von Musik einschließlich dessen Reflektion ist somit für diesen Abschnitt bestimmend. Das Interesse an Klangfarben und -effekten verändert sich in Richtung Interesse an besonderen Spielweisen. Die zuvor entwickelte Fähigkeit zu phantasievollen Musikformen wird nun weniger genutzt. 5.

. Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet. Gitarre. Identifikationen. Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. Neben Vorlesungen und Seminaren mit theoretischen Einführungen reicht das Spektrum von allgemeinen historischen. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. ästhetische Erfahrungen anzuregen. Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl.9 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit Die Durchsicht von Vorlesungsverzeichnissen der Studiengänge für Sozialpädagogik und Sozialarbeit an Hochschulen in Deutschland ergibt ein vielfältiges Professionalisierungsangebot auf dem Gebiet musikalischer Kompetenzen. Erfahrungs. Assoziationen. Sie ist „Beziehungsarbeit“ und dementsprechend „geprägt von situativer Offenheit. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. Hörspiel. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. der es möglich macht. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind auf soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. 805). die Universalität ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. Für soziale Arbeit gilt wie für soziale Berufe generell der Grundsatz der Personenbezogenheit. soziales. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. Kinderkunstwerkstatt. als Partner. einen Rahmen. Mann et al 1995). 28). Gehörbildung. Radiosendungen. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten. Sprache. emotionales. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden. „de145 . Darüber hinaus erhalten Studierende in Methodenseminaren und Übungen das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. auch Musik mit digitalen Medien. wie Musiktheorie. Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. sondern jede subjektive Lösung wird gewürdigt. szenischem Spiel. Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . Festund Feiergestaltung. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Musikalisches. wie Rockmusik mit Jugendlichen. Musik oder Folkloretanz mit Senioren. als Gruppe.und Videopraxis. wie Bewegung. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen. kommunikativer Flexibilität und inhaltlicher Ungewissheit“ (Rauschenbach 2005.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. Rhythmusarbeit. Er ist in der Lage. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Tanz. Erinnerungen. als Einzelner. Rockmusikpraxis. ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden (vgl.. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin.). Kindermusical. ebd.

Keyboard-. Frühförderstellen und im Rahmen schulbegleitenden Sozialen Arbeit praktiziert. 2000. 222 f). Zeuch beschreibt und evaluiert rezeptive Musikanwendungen im Strafvollzug (2001 und 2004).ren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und -pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. 1996. Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. Entsprechende Zusatzund Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. Rieger 2006)) oder Prävention.“ auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung des akustischen und musikalischen Milieus in den Einrichtungen. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit. „Musiktherapeutische Momente“ (Leidecker 2004. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop. Hill. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. 21 ff) sind dabei implizit. Klug und Schreiber 2004. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. „Mobile Musikschulen“ stellen lebensweltbezogene Projekte der Gemeinwesenarbeit dar (vgl. wie Musikfreizeiten. Dentler 2001). wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht. 10). um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. Soziale Berufskarrieren verlaufen nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in das professionelle Beziehungsgeschehen mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und -management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. 146 . Neben den bereits erwähnten bei Mann et al. die soziale Brennpunkte. Bass. 2004a und b. Komponieren und Improvisieren von Musik ist. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). Auch in der Jugendarbeit haben sich kommunalorientierte mobile Projekte bewährt. auch Tüpker. 2006. Seidel 1992. Familienwochenenden etc. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer dann zum Tragen. und Tanznachmittage. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie familienorientierte Angebote. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. in Kapteina 2006). Kapteina 2006). Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu.und Familienberatung können Rollenkonflikte. Kapteina. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. Auch in der Ehe.

dass Musik und Soziale Arbeit bei gefährdeten Personen wirksam wird. ein seit vielen Jahren bestehendes offenes sozialräumlich orientiertes Gemeinschaftsprogramm von Universität und Kirchengemeinde an Menschen. Damit stehen Konzepte. 128. Opladen Hill. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Der schöpferische und improvisierende Umgang mit Musik. Johannes Pluto1997. das auf kommunaler Ebene für „Menschen jeden Alters Einzel.). und schließlich sollen die Handlungen und ihre schöpferischen Ergebnisse mit breiterer Bedeutung belegt werden: von der Funktion der Musik als Bedeutungsträger und Medium zum Verständnis der Musik als sozialökologische Veranstaltung (2005. H. Literatur: Ansdell. Zugleich ist es Anlaufstelle für ehemalige Patienten der örtlichen Psychiatrie.: (2001): Partytime. orientiert sein müssen: Erweiterte Programme. K. Schnittmengen liegen in präventiven und rehabilitativen Funktionen. auf der Linie der Agenda 21. bei denen sich der Fokus von individuellen Veränderungen hin zum aktiven Interesse an gesellschaftlicher Veränderung und der Beziehung zwischen Individuum und sozialem Umfeld verlagert. bei der Funktionen und Verantwortlichkeit der handelnden Personen flexibel ausgehandelt werden. die Soziale Arbeit mit Musik und Musiktherapie verbinden. einer effizienten Wirtschaft und einer solidarischen Gesellschaft im 21. Muthesius 2005. Jahrhundert“ (Wendt 2005. 852). dem „Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung hin zu einer gesunden Umwelt. in denen sich Musiktherapie und Sozialpädagogik begegnen. bei der Ausbildung von Musiktherapiestudenten mitwirkt. Mager 2006. bevor Probleme eskalieren. (2006): Community Music Therapy – Ein neuer alter Gedanke. Es kann sein. die Musiktherapie und Soziale Arbeit miteinander in Beziehung bringen. Schließlich ist es auch ein Beitrag zur kommunalen Kulturarbeit (Kapteina 2000).und Gruppenmusiktherapie anbietet. B. Stige formuliert die Prinzipien. So richtet sich zum Beispiel das Projekt „Folkloretanz für Jung und Alt“. 2006). Ein Vorbild bietet auch das Konzept „MUSICSPACE“ von Leslie Bunt (1998). Konzeptionell sind solche Projekte an der „Musikalischen Elementarerziehung“ (Schwabe & Rudloff 1997. Seit 2000 werden gemeinwesenorientierte Projekte der Musiktherapie als „Community Music Therapy“ beschrieben und diskutiert (Ansdell 2006). In: Musiktherapeutische Umschau 227-238 Dentler. Indikationsstellung. den Patienten in der Musiktherapie erleben. Leidecker 2002) sowie der „Sozialmusiktherapie“ (Schwabe & Haase 1998) orientiert. die beteiligten Akteure orientieren sich neu: an die Stelle der Expertenzentrierung tritt Teilhabe.eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. Hier setzen gemeindeorientierte Konzepte an. (1996): „Rockmobil“ . Öffnung der Handlungsräume vom diskreten klinischen Setting hin zum öffentlichen oder semi-öffentlichen Angebot. oder dass sie nach musiktherapeutischen oder psychiatrischen Behandlungen zur psychosozialen Stabilisierung beitragen. Opladen 147 . Übertragung ins deutsche. 348). impliziert neue musikalische und psychosoziale Sensibilisierung im Alltag. Musikmachen und Lebensbewältigung. Die Mitarbeiter sind sozialpädagogisch und musiktherapeutisch qualifiziert. die im Alltag auftauchen (1996.In der ambulanten Pflege und Betreuung alter Menschen gewinnen mobile MusiktherapieAngebote zunehmend Bedeutung (vgl. Für Almut Seidel begegnen sich Sozialpädagogik und Musiktherapie in ihrer Alltagsorientierung. therapeutische Beziehung sowie räumlich und zeitlich angepasstes Setting. Tagesfortbildungen und Workshops über den Einsatz von Musik im Gesundheitsdienst für Kinder und Erwachsene sowie Forschung über die Wirkungen und Prozesse der Musiktherapie koordiniert und Proben und Aufführungen eines möglichst breiten Spektrums unterschiedlicher Musikarten fördert“ (189). G. die von Vereinsamung und Verelendung bedroht sind. beide wollen einen Beitrag zur Lösung von Problemen leisten.K. Die Abgrenzung zwischen Musik und Sozialer Arbeit und Musiktherapie verläuft über Diagnostik. H.

Weinheim: Juventa.uni-siegen. Ein Elementarkurs für Erwachsene. Weinheim: Juventa 415-426 Leidecker. H. (2004): Das Leben klingen lassen. Crossen. In: Musiktherapeutische Umschau 239-248 Schwabe.. In: Musiktherapeutische Umschau. C. Ressourcenorientierte Musiktherapie.: (2002): Musik als Begegnung. D. K. (Hrsg. (1992): Sozialpädagogische Musiktherapie. Folkloretänze in Therapie und Prävention. Weinheim: Juventa. (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. U. Tanz und Kunst-Therapie. In: Kreft. 107-134 Tüpker. (2005): Soziale Berufe. A. und Mielenz. st.. B. (Hrsg.de Hill. T. Verbesserung der häuslichen Pflegesituation gerontopsychiatrischer Patienten unter Einsatz von Musiktherapie. In Hartogh. B. Crossener Schriften zur Musiktherapie. (1997): Musik praktisch erfahren.musiktherapie. und Wickel. 13-20 Zeuch. al. Essen: Die Blaue Eule Leidecker. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. B. D.unisiegen. T. (2005): Sozialökologie. Pfaff. T. Weinheim: Juventa. und Stein. (2004): Ergebnisse musiktherapeutischer Entspannung im sozialtherapeutischen Strafvollzug. H. B. 394-414 Kapteina.) Jahrbuch Musiktherapie.) Wörterbuch Soziale Arbeit. und Wickel.de Kapteina. H. (2004a): Soziale Kulturarbeit mit Musik. R. (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. (2004b): Bandworkshop. 801-806 Rieger. Anmerkungen zu einem Praxis.und Ausbildungskonzept. Köln: Kuratorium Deutsche Altenhilfe Rauschenbach. & Hörtreiter. (1998): Die Sozialmusiktherapie. In BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland (Hrsg. H. H. (2001): Rezeptive Musiktherapie im sozialtherapeutischen Strafvollzug. In: Musiktherapeutische Umschau. B. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Münster Zeuch. I. Chr. In Hartogh. Chr. H. G. http://www. A.musiktherapie. In Hartogh. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. I. al (2005): Balsam für die Seele: Hausmusik. Klug. H. In: Kreft. I. Musikinterventionen in der Sozialpädagogik. W. H. (2001): Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. D. (2006): Musiktherapie und Gemeinwesenarbeit.-D.Hill. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Schwabe. & Haase. Tanz und KunstTherapie. Hasselberg. Musik. (1995): Selbsterfahrung durch Kunst. (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". R. 5. 5. (1997): Die Musikalische Elementarerziehung. B.. et. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII. von Grüner. 16-23 148 . Burkhard. H. Schreiber. H. 35-44 Kapteina. (2007): Musiktherapeutische Zusatzausbildung für Helfende Berufe. und Wickel. Weinheim: Juventa. H. Eine Einführung. In: Schwabe. (1998): Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. Chr. Kassel: Bosse Kapteina. 175-181 Johannes-Pluto. I. Musiktherapie zuhause. http://www. In: Musiktherapeutische Umschau 261-264 Mann. 298-306 Stige. Wiesbaden Mager. (2000): “Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. T.. Wiesbaden: Reichert. F. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. Stuttgart Kapteina. 83-100 Hill. A. A. H. H. H.) Wörterbuch Soziale Arbeit. 216-226) Wendt. Musik. K. H. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Seidel. (2006): Neue Wege der Musiktherapie. (2005): Toward an Notion of Community Music Therapy. W. und Mielenz. Siegen: Universität. & Rudloff. Weinheim Muthesius. 851-852 Wickel. H.

und Bezugspunkt für die musikpädagogische. Studierenden auf dem Gebiet Musik einen Professionalisierungsprozess zu eröffnen. das weiterentwickelt werden konnte und mit dem die didaktische Herausforderung bewältigt werden konnte.und Literaturpädagogik. Musik im Ausbildungsfach „Ästhetik und Kommunikation“ Wie für jedes der Teilgebiete wurden dem entsprechend auch für die Musikpädagogik erziehungswissenschaftliche.und Gesamthochschulen in den 1970er Jahren wurden die künstlerischen Ausbildungsinhalte im Zuge einer damals äußerst intensiv geführten hochschuldidaktischen Diskussion in dem neuen Fach „Ästhetik und Kommunikation“ zusammengefasst (vgl. in dem die musikpraktischen Erfahrungen als Ausgangs. Bewegungspädagogik und Pädagogik der Massenkommunikation enthält. 1971. Demgegenüber setzt die Musikpädagogik im Sozialwesen bei der „Aktivierung originärer Musikfähigkeit“ (Ernst 1982. Sprach. das im tertiären Bildungsbereich sonst nur dann offen steht. das zur Einsicht in gesellschaftliche Widersprüche führt. die gesamte Person sich einbringen kann und die im musikalischen Handeln zum Ausdruck kommenden psychosozialen Inhalte bearbeitet werden (vgl. Der durch diesen Studienbereich ausgelöste Professionalisierungsschub im Bereich der Sozialen Arbeit schlug sich in vielen soziokulturellen Initiativen nieder. Kernstück der Musikpädagogik im Sozialwesen an der Universität Siegen1 war (bei einem Gesamtstudium im Fach Ästhetik und Kommunikation von 18 Semesterwochenstunden) von Anfang an ein dreisemestriger Kurs über musikalische Gruppenimprovisation im Umfang von jeweils vier Semesterwochenstunden. Spiel. 20% des Lehrangebots im Studiengang Sozialpädagogik und 10% im Studiengang Sozialarbeit sollten durch das Fach Ä&K abgedeckt werden. 1973) stand damals bereits ein Konzept ästhetischer Erziehung zur Verfügung. Mit der Musikalischen Gruppenimprovisation (Friedemann 1969a.9. Die Studierenden sollen in diesem neuen Studienfach ihre ästhetische Wahrnehmungs. zur Entwicklung von Interessenbewusstsein leitet und in befreienden Aktionen mündet“ (Kapteina 1977. Kapteina 1977).und Kommunikationskompetenz auf wissenschaftlicher Grundlage reflektieren und weiterentwickeln sowie ästhetische Erfahrungsmöglichkeiten in der sozialpädagogischen Praxis nutzen können (Ministerium für Wissenschaft und Forschung 1976. für jedes Teilgebiet wurden zwei Professorenstellen eingerichtet. Leidecker 2002). Musikpädagogik. 301). Seit 2002 ist die Siegener Hochschule Universität. wie zum Beispiel Mobile und stationäre Kinder. musikalische integrative Förderprojekte mit Der Studiengang Sozialwesen (Sozialpädagogik und Sozialarbeit) wurde 1971 an der damaligen Fachhochschule Siegen-Gummersbach eingerichtet.und Jugendmusikschulen. Wrisch 1978). wenn Studierende sich zuvor spezielle Musikkenntnisse und Fähigkeiten angeeignet haben. b.und Theaterpädagogik. das die Teilgebiete: Kunstpädagogik. musiksoziologische sowie handlungsorientierte Studieninhalte definiert. -psychologische und –soziologische Theoriebildung dienten und gleichzeitig exemplarisch als Modelle für die Anwendung in der sozialpädagogischen Praxis gelten konnten. später wurde die Bezeichnung Universität-Gesamthochschule eingeführt. musikpsychologische. Seidel 1976. Musikpädagogik wurde „neben ihrer erzieherischen und therapeutischen Funktion auch als politisches Handlungskonzept begriffen.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen Hochschuldidaktischer Kontext Bei der Einführung der Studiengänge Sozialarbeit und Sozialpädagogik („Sozialwesen“) an den Fach. Kapteina 1977. 1 149 . 1976 in die neu gegründete Gesamthochschule Siegen integriert. 47) an und entwickelt Konzepte. bei denen alles was klingt als Musik akzeptiert wird.

In der sozialpädagogischen Beratungstätigkeit. Altenarbeit. Diese zusätzlichen Studienleistungen können seit Mitte der der 1990er Jahre auf eine kulturpädagogische Zusatzausbildung angerechnet werden. An dieser Stelle greifen die Möglichkeiten der Musiktherapie (1977). Davon unberührt blieb allerdings das Verhalten der Studierenden.V. Immerhin wurde die Soziale Arbeit an der Universität Siegen in einen wissenschaftlichen Studiengang integriert. wie Prävention. 4). die weniger an hochschuldidaktischen als an fiskalischen Zielen orientiert waren. die grundsätzlich allen Studierenden der Universität Siegen zugänglich ist. FrühDie Bezirksarbeitsgemeinschaft für Freizeitkulturelle Jugendarbeit e. (BAG) ist anerkannter Träger der Freien Kinder. dass der wissenschaftliche Nachwuchs sich auch aus den Reihen der Sozialpädagogischen Profession rekrutieren kann. Ansonsten ist Psychotherapie in der Sozialen Arbeit insofern wichtig. nicht nur Bereiche der politischen und persönlichen Bildung sondern auch solche der künstlerischen Psychotherapien erreichen. die musiktherapeutische Arbeitsweisen beherrschen (Kapteina 1989). dass der Sozialarbeiter psychotherapeutische Angebote kennen muss. wie die musikalische Improvisation als eine Musikpädagogik im Sinne der „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ (Friedemann 1973. Anfang der 1990er Jahre ein eigenes musiktherapeutisches Fortbildungsinstitut. werden psychotherapeutische Methoden schon länger angewandt (Lutz von Werder 1977). so dass er seine Klienten entsprechend informieren und beraten kann. 2 Das Musiktherapeutische Institut für Kreative Kommunikation e. zur sukzessiven Verringerung der Anteile des Studienfachs Ästhetik und Kommunikation. wenn er selbst dergleichen nicht anbietet. auf dem in der Sozialarbeit psychotherapeutische Methoden Anwendung finden.und anderen psychischen Erkrankungen.und Jugendhilfe. Lutz von Werder weist darauf hin. die wir von 1985 bis 1987 durchführten.2 Didaktisches Profil der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung Im Verlauf der 1980er Jahre führten einige „Studienreformen“.V. Andererseits fallen der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund wachsender sozialer Verelendung und gesundheitspolitischer Engpässe neue. Sie trägt neben der geschilderten hochschulpolitischen Entwicklung auch der inhaltlichen Tatsache Rechnung. Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung oder Sucht. Ende der 1970er Jahre gründeten Absolventen ihren eigenen Trägerverein für Fortbildungen1. 1 150 . dass ästhetische Aneignungsprozesse. Mit der stärkeren „Verwissenschaftlichung“ ging allerdings auch die Vernachlässigung handlungsbezogener Professionalisierungsanteile einher.Kindern. Im neuen Bachelor Studiengang „Bildung und Soziale Arbeit“ an der Universität Siegen umfasst er 4%. Eine Pilotstudie. wie der Drogenberatung. Der Studienanteil des Faches Ästhetik und Kommunikation wurde sukzessive von ursprünglich achtzehn Semesterwochenstunden auf zwölf und schließlich auf sechs verringert. schulbegleitende Förderung. Heute werden originär sozialpädagogische Praxisfelder. der Familienberatung. ist die Supervision. usw. durch die sicher gestellt werden kann. Lehrveranstaltungen im Fach Ästhetik und Kommunikation wurden weit über den durch die Studienordnung vorgegebenen Rahmen nachgefragt. (MIK) veranstaltet auf Grundlage eines Kooperationsvertrags mit der Universität Siegen die Seminare und Übungen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für die postgraduierten Teilnehmer. Das dritte Gebiet. Sie führt Projekte auf dem Gebiet der ästhetischen Bildung für Kinder und Jugendliche durch sowie Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter. ermittelte den Bedarf an Sozialpädagogen. dass gerade bei der Arbeit mit Menschen aus der gesellschaftlichen Unterschicht nonverbale und handlungsorientierte Verfahren von großer Wichtigkeit sind. Im entsprechenden Master Studiengang ist es gar nicht vertreten. auch psychotherapeutische Funktionen zu. Nach einer dreijährigen Erprobungsphase wurde die Musiktherapeutische Zusatzausbildung im Februar 1989 vom damaligen Senat der Universität Gesamthochschule Siegen eingeführt. eine seit langem überfällige Maßnahme.

Juni 2002 von der Mitgliederversammlung des DBVMT beschlossene Anerkennungsvereinbarung zwischen Berufsverband und Universität Siegen.h. 15). dass die Kompetenz von Musiktherapeuten auf den vier Säulen Musikpraxis. heute spricht man von „Modulen“. Es besteht ein Konsens unter allen Ausbildungsstätten an Hochschulen in Deutschland. die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. Psychologen und Ärzten musiktherapeutischer Fortbildungsbedarf besteht. Die einzelnen „Bausteine“. Die Absolvierung der gesamten Ausbildung wäre frühestens in dreieinhalb Jahren möglich. musiktherapeutisch im Rahmen seines Berufes zu arbeiten. Praxiserfahrung mit Klienten und medizinisch-therapeutischem Wissen stehen muss (Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland. musiktherapeutische Selbsterfahrung. Ausbildungsstufen I. Vor dem Hintergrund.1 Nach dem Studium der Module 1 und 2 kann das Zertifikat der Universität verliehen werden. 1 151 . Die Siegener Ausbildung ist wachstumsorientiert. dass Sozialpädagogen mit musiktherapeutischen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt gute Arbeitsmöglichkeiten haben und auch bei anderen Berufsgruppen. der besonders dann gelingt.oder Gesundheitswesens zur Geltung bringen kann. können die Teilnehmer ihrer jeweiligen beruflichen Situation oder auch ihrer persönlichen Entwicklung gemäß in weitgehend beliebiger zeitlicher Abfolge studieren. 100 Stunden Einzel-Lehrmusiktherapie sowie musiktherapeutische Berufspraxis nach der Erwerb des Hochschulzertifikats zur Aufnahme in den Berufsverband BVM. Statt dessen stellen unsere Absolventinnen im Rahmen einer öffentlichen Fachtagung ihr jeweils eigenes. Er dokumentiert darüber hinaus aber auch. Elf Begleitseminare. Aufwand und Umfang dieses Vortrages entsprechen den Abschlussarbeiten anderer Ausbildungen. in welcher Fachwissen und Kenntnisse abgefragt würden. konzipierten wir eine Zusatzausbildung nach dem Baukastenprinzip für Studierende und praktizierende Angehörige von Helfenden Berufen. wie sie dessen Grundlage mit Klienten mindestens ein Jahr lang erfolgreich gearbeitet haben. Die methodische Gestaltung der Ausbildungselemente folgt den Erkenntnissen der aus neurowissenschaftlicher Sicht elaborierten Lerntheorie. Jugendarbeit. sondern wir begleiten die individuelle Entwicklung und Reifung von „Musiktherapeutischen“ Persönlichkeiten. Gemäß einer am 8. Am Ende des Studienganges steht demnach keine ritualisierte Prüfung. An ihre Stelle treten intensive Beratungen während der gesamten Studienzeit. Qualität. psychosoziale Beratung und Supervision neu als Tätigkeitsbereiche für Musiktherapeuten entdeckt (Tüpker 2006). die jeweils auf ein halbes Jahr terminiert sind und nacheinander studiert werden müssen. wobei zwischen den einzelnen Stufen beliebig lange Pausen eingelegt werden. individuelles Konzept vor und schildern. wir bilden nicht nur in einem therapeutischen Verfahren aus. dass der Inhaber berechtigt und befähigt ist. der zu Folge Lernen „ein ganzheitlicher Prozess ist. Therapeuten. welches bestätigt. d. 1998 und 2006). wie Lehrern. wenn er dem Entwicklungsprozess“ des einzelnen „und der Gruppe entspricht und aus ihm heraus entstehen darf“ (Frohne-Hagemann und Petzold 2006. Sechs Zusatzseminare.förderung. Dieser Richtlinie folgt die Ausbildung an der Universität Siegen mit dem Angebot der im folgenden genauer dargestellten drei „Module“: Sechs Hauptstufen. Bei dieser Vorgehensweise erübrigt sich die übliche Kontrolle durch Prüfungen. dass und in welcher Weise der Absolvent die erworbenen Kompetenzen in einem Feld des Sozial.

horchen und lauschen zu können. weiterentwickeln. diese Themen weiter zu bearbeiten. Zusammenklang und Klangfarbe. am Körper usw. treten in der zweiten Stufe „freie“ Improvisationen in den Vordergrund. Übertragungs. Die Teilnehmer übernehmen zeitweise die Leitung der Gruppe. Abstinenzverhalten u. ist neben den allgemeinen psychotherapeutischen Kriterien in der Musiktherapie der 152 . miteinander musikalisch in Kontakt zu kommen. Seele und Gruppengeschehen erforscht. sich von den Klängen faszinieren zu lassen. Der zweite Schwerpunkt in dieser Ausbildungsstufe ist die Erfahrung und Beschreibung von musikalischer Kommunikation. indem die Teilnehmer ihre Fähigkeit. Während in der ersten Stufe vorrangig Improvisationsspiele angeboten werden. wie wir uns im Moment fühlen“. sie führen die reflektierenden Gruppengespräche und machen weiterführende Vorschläge.m.und Gegenübertragungsprozessen. Dabei werden dann mehr oder weniger zwangsläufig die Lebensthemen aktualisiert.So wie die Sozialpädagogische Musikpädagogik am „musikalischen Nullpunkt“ beginnt (Ernst 1982). Damit einher geht die intensive Auseinandersetzung mit den musikalischen Parametern Rhythmus. Rollenklarheit. staunend und versunken hören. wenn sie durch das Spiel und in der anschließenden Reflexion zur Sprache kommen. bei der ästhetische Ereignisse als nicht sprachliche Bedeutungsträger erfasst werden. teilen selbst mit. bieten wir geeignete musikalische Spiele an. Stille und Klang als unerschöpfliche Erfahrungsräume erleben zu können. Die Bandbreite geht von musikalischen Rollenspielen über die musikalische Reinszenierung einer bestimmten Familienszene bis hin zur musikalischen Darstellung eines Gefühlszustands oder eines Körpersymptoms u. die Entwicklung von Introspektionsfähigkeit und Sensibilität in der Gruppe sowie Konfliktfähigkeit steht im Vordergrund. Blas. entdecken wir in der ersten Ausbildungsstufe der Musiktherapie Ausbildung unser „music child“ (Nordoff und Robbins 1986). die sie der Gruppe vorschlagen. die bio-psycho-sozialen Dimensionen musikalischer Ausdrucksphänomene zu erfassen (vgl. die die differenzierte Beschreibung musikalischer Erfahrung ermöglichen. im Wald. In Phasen der Meta-Kommunikation erhalten sie Feedback von der Gruppe. der die Ausbildungsstufe leitet.und Saiteninstrumenten. Musikalische Lerneffekte ereignen sich dabei als beiläufige Zugabe. Damit werden Begriffe zur Verfügung gestellt. Kapteina 2007). Da Musik direkt auf die subkortikalen Funktionen des limbischen und vegetativen Systems wirkt. wie Therapievereinbarungen. die Instrumente sicher zu handhaben und sich musikalisch auszudrücken. wie sie sich in der Leiterrolle erlebt haben und bekommen Feedback vom Dozenten. deren Erfahrungsraum durch Spielregeln auf elementare Klang. die der betreffenden Person helfen.und Kommunikationserfahrungen eingegrenzt ist. und ihre Wirkung auf Körper. II In einer zweiten Ausbildungsstufe steht die Bearbeitung der durch die musikalischen Erfahrungen aktualisierten Lebensthemen und biographischen Materialien im Vordergrund (Musiktherapeutische Selbsterfahrung. Lehrmusiktherapie). Im permanenten Wechsel zwischen musikalischer und Selbsterfahrung und methodischer Reflexion werden die für wichtigsten Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit mit Musik erfasst.a. Spiele von Lilli Friedmann (1973) oder Fritz Hegi (1997) erweisen sich als besonders geeignet. Das können Episoden aus der Kindheit sein oder aktuelle Konflikte. Rassel-. Melodie.a. III In der dritten Ausbildungsstufe soll das Leiterverhalten gelernt werden. die sie anleiten und mitspielend und beobachtend begleiten. genau zu hören. Der Lernprozess orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen der Gruppenmitglieder. Metall-. oder „was uns gerade einfällt“ oder „wonach es uns gerade ist“ und versuchen. der Stimme oder von schallfähigen Materialien im Raum. bei denen wir „spielen. Jenseits von musikkulturellen Bewertungen werden die Klänge von Fell-. das heißt die Fähigkeit. überlegen sich geeignete Spielangebote.

Inhalte sind Indikationsstellung und Therapieplanung. IV Bei einer Zusatzausbildung für Helfende Berufe (Sozialpädagogen. konfrontativ. probeweise durchspielen. Pädagogen.Umgang mit Emotionen und Affekten besonders zu beachten (vgl. akuten psychotischen und anderen Ausnahmezuständen usw. stabilisierend. sind auch die der Musik zu Grunde liegenden Emotionen wert zu schätzen. Charles 1984. die sie mit ihren Klienten durchführen wollen. zeigt Gefühle. erlebnisorientiert. Sie ist freundlich. ob und inwiefern sie geplante Vorhaben modifizieren sollten. integrierend.und Orientierungsrahmen für deren Evaluation. Zielentwicklung. Vereinbarte Therapieziele. Er stellt ein seinem therapeutischen Verständnis entsprechendes Untersuchungsdesign her. verändert es nach Maßgabe der prozessualen Diagnostik und passt es neuen Erkenntnisse an. 40). Suizidgefährdung. Anhand von Tonband. Er stellt die erforderlichen Methoden und Materialien bereit. Therapeuten. V und VI In der vierten und fünften Ausbildungsstufe wenden die Lernenden mindestens ein Jahr lang ihre Fähigkeiten in der selbständigen Arbeit mit Klientengruppen an. ermutigend. offen. dass Beschreiben und Verstehen den verbalen Diskurs bestimmen und nicht Interpretationen. erörtert. die es ihnen ermöglicht. die durch die Arbeit mit den Klienten aktualisiert werden. Des weiteren werden während der vierten Ausbildungsstufe geeignete Methoden der Erfolgskontrolle und Qualitätssicherung vermittelt. Autoaggression. etc. um sich Feedback über ihr Leiterverhalten zu holen. aufdeckend.B. Problemanalyse. um einfühlendes Verstehen bemüht. Dieses musikästhetische Prinzip der generellen Akzeptanz impliziert. Dabei werden sie durch intensive Ausbildungssupervision begleitet. Während der vierten Ausbildungsstufe sollen sie bei der musiktherapeutischen Profilbildung unterstützt werden. festgestellte Krankheiten oder Störungen sind die Faktoren. Bewertungen und Beurteilungen. Ärzte und Psychologen) wird vorausgesetzt. Er ist engagiert. dass die Teilnehmer bereits therapeutische Vorkenntnisse und Erfahrungen mitbringen und die spezifisch musiktherapeutischen Inhalte auf eine Weise vermittelt bekommen. B. die sie mit ihren Klienten durchgeführt haben. Fachliche Defizite werden aufgearbeitet. verständnisvoll. Der Therapeut geht nicht direktiv vor. Ein geeignetes Evaluationsverfahren muss eng auf das Selbstverständnis. lässt dem Gegenüber aber die Entscheidungsfreiheit. Sie können nachträglich Interventionen. Kontraktvereinbarung. erarbeitet. Hilfreiche Fragen. dass jeder Klang und jedes musikalische Ereignis gleich wichtig ist (vgl. Er ist (selektiv) echt. akzeptierend. Feedback. Spiele und musiktherapeutische Inszenierungen. sich beraten lassen. wie z. an denen die Evaluation die Bewertung des therapeutischen Prozess ausrichtet. Informationen und Hinweise bestimmen den Dialog zwischen Therapeut und Klient. und Gegenübertragungsgefühle werden mit der Methode der musikalischen Improvisation bearbeitet. anerkennend. epileptischen Anfällen. übungszentriert. Er macht Vorschläge. Die erarbeiteten Therapieverfahren werden auch unter Gesichtspunkten der Risikoplanung bei z. sie in ihre bereits vorhandene professionelle Identität zu integrieren. Die Supervision bedeutet 153 . sagt was er denkt und fühlt. nährend. mit der Supervisionsgruppe nachspielen. Die therapeutische Haltung ist partnerschaftlich. soweit das nicht störend für den Prozess oder die Beziehung ist. hier können sie zusammen mit ihren Kollegen Interventionen. Persönliche Themen. Sie bilden gleichzeitig den Bezugs. Folglich sind Therapiekontrakt und die Anamnese nicht nur die Grundlage der jeweiligen Therapie. So wie in der freien musikalischen Improvisation gilt. hierzu Kapteina und Hörtreiter 1993. aggressivem Verhalten. das Konzept und die Arbeitsweise des jeweiligen Therapeuten abgestimmt sein. bemüht und interessiert.oder Videoaufzeichnungen werden Praxissituationen analysiert. Anhand von musiktherapeutischen Improvisationsübungen werden unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen. 132-168).

Das Baukastenprinzip impliziert. Gesprächsführung. Singen u. Logopäde. die derzeitige berufliche Beschäftigung. Die Datenerhebung ergab.B. dass Dipl. Ziele der musiktherapeutischen Intervention.außerdem die Verankerung von musiktherapeutischen Konzepten und Evaluationsverfahren in das eigene berufliche Konzept. Psychologen. weitere therapeutische Qualifikationen. musiktherapeutische Kompetenzen wirksam auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren. Sozialpädagogen und Dipl. Gestalt. Verlaufsanalysen. Umfang und Bedingungen musiktherapeutischen Wirkens im Rahmen eines Arbeitsplatzes (im Grundberuf) und zusätzlich oder ausschließlich in einem anderen Kontext.a. Heilpädagoge. Unter der Position „Sonstige“ (10%) sind die übrigen Berufsgruppen zusammengefasst. Gemeindepädagoge. Außerdem muss sich jeder Teilnehmer eine Methode der Gesprächsführung angeeignet haben. Seelsorger. Tanz. wie z. Gerontotherapeut. Selbstständiger Arbeit in eigener Praxis. Umgang mit Atem und Stimme. Weitere Ausbildungselemente In den 11 Begleitseminaren des zweiten Moduls wird die musiktherapeutische Basiskompetenz durch zusätzliche musikpraktische Erfahrungen ergänzt: Elementare Musiklehre. zur Musikpsychologie und die theoretischen Grundlagen der Musiktherapie vermittelt. Basiswissen wird in Seminaren zur Sozialmedizin. die Entwicklung der therapeutischen Rolle in der Auseinandersetzung mit der bisherigen beruflichen Tätigkeit. wie Honorartätigkeit in einer Einrichtung. Personen aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich wie Ärzte. Dipl. Ergotherapeut. Im Jahre 2006/07 fand eine Absolventenbefragung mittels Fragebogen statt. Am Ende der sechsten Ausbildungsstufe wird eine Praxisdokumentation erstellt. Liedersingen und arrangieren sowie Musik. Hebamme. Sozialarbeiter. Ergebnisse der musiktherapeutischen Praxis darstellt. je nach Grundberuf und vorherigen Ausbildungen (TZI. das Arrangement von Rock. Musik. freier Mitarbeit in einer Praxis.a. Diese Dokumentation wird als öffentlicher Fachvortrag vor einem Fachpublikum gehalten. Eine weitere stark vertretene Gruppe sind Erzieherinnen (12%). sowie nach Präventionsarbeit2 in pädagogischen und sozialtherapeutischen Feldern. Erziehungswissenschaft.und Integrationsverfahren. Evaluation Die Universität hat in im Rahmen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung ca.und Popmusik. 200 Teilnehmer pro Jahr betreut.v.und Popmusikstücken. Krankenschwestern u. Tanzen in der sozialen Gruppenarbeit. Psychoanalyse. auf den die Zusatzausbildung aufbaut.). die diagnostische Angaben zum Klientel. sind mit 10% vertreten. 1 2 von 176 versandten Fragebögen kamen bis Juni 2006 139 zurück Eine Besonderheit der Siegener Ausbildung ist es. Pädagogen sind mit 49% die weitaus größte Berufsgruppe ist. Dabei soll auch gelernt werden.und Instrumentalpädagogen stellen mit 16% die zweitgrößte Gruppe dar. Altenpfleger. dass viele Teilnehmer die Absolvierung der einzelnen Ausbildungsteile zum Teil über mehr als zehn Jahre verteilen. und die der Zusatzausbildung beigemessene Bedeutung wurde nach Möglichkeiten. präventive Methoden mit einzubinden in Form von Begleitseminaren zu Themen wie Rock. Instrumentenbau und akustische Klangerkundung. Bewegung. Des weiteren werden Informationen erhoben über die musiktherapeutischen Schwerpunkte der Absolventen. Verknüpfung musiktherapeutischer Kompetenzen mit einem sprachlich orientierten psychotherapeutischen Auswertungs. die ihre Qualifikation durch die Musiktherapeutische Zusatzausbildung erweitert hat. Neben Informationen über den Grundberuf. Lehrer. etc. wodurch der Erfolg der Zusatzausbildung evaluiert wurde1. 154 .

Dipl. als Honorarkraft 49 Pers. Einsatzorte 36 Personen setzen Musiktherapie freiberuflich ein. In 13 der 23 Fälle lässt sich Musiktherapie nicht in den derzeitigen Aufgabenbereich integrieren. Arb. die in ihrem Beruf tätig sind. 49 Absolventen haben eine Honorarstelle. 3 auf der Suche nach einer Honorarstelle. 22 als Honorarkraft. in einem Fall ohne Angabe. Musiktherapie dort jedoch nicht integrieren können und deshalb zusätzlich eine Honorartätigkeit in geringem Umfang (1-3 Stunden/Woche ) in einer anderen Einrichtung ausüben. Soz. Psychologen Sonstige Eingesetzt wird Musiktherapie von 78 Personen in ihrem Grundberuf. teilweise gibt es Kombinationen. Pädagogen Lehrer Musik. integriert im Grundberuf 78 Personen zur Zeit nicht 23 Pers. bei einer Person steht die Dissertation über Musiktherapeutische Arbeit im Vordergrund. Soz. 105 Absolventen erbringen institutionell eingebettete Angebote1. Dies ist noch bei 8 weiteren Personen der Fall. in eigener Praxis 33 Pers. 10 in Kombination Honorarstelle und freiberufliche Tätigkeit in einer Praxis und 17 kombinieren Beschäftigung im Grundberuf und zusätzlich Honorartätigkeit Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Einsatzorte von Musiktherapie 1 teilweise Überlappungen 155 .und Instrumentalpäd. 5 Personen waren zum Zeitpunkt der Erhebung in Familienpause. 33 sind in eigener Praxis tätig. Musiker Kirchenmusiker Erzieherinnen Krankenschwester/-Pfleger Ärzte 12% 3% 6% 10% 6% Dipl. Auch die Gründe für den Nicht-Einsatz wurden erfragt. Päd. davon: 78 integriert am Arbeitsplatz bei Beschäftigung im Grundberuf.Grundberuf 10% 2% 2% 6% 43% Dipl.

bzw. Heime Kliniken (stat. Die Behandlungs. Arbeitsschwerpunkte Die Angaben wurden durch Multiple-Choice-Auswahl ermittelt Verhaltensauffälligkeiten 61 Ängste / Angststörungen 60 Depression 54 Aggression 53 Musiktherapie bei Trauer 38 ADHS 37 Demenz 24 Schmerz 21 in offener Form erfragte sonstige Behandlungs.und Therapieeinrichtungen Hospize Fortbildungsinstitute Ambulante Pflege Kichengemeinde Werkstätten Familienhilfe 33 3 23 22 16 10 8 7 6 5 2 2 1 1 1 1 Bezüglich des Klientels geben von 116 musiktherapeutisch tätigen Absolventen 68 an.Selbstständig/Freiberufl. Sozialpädagogen. andere 43 Die Frage nach dem präventiven Einsatz musiktherapeutischer Methoden ergab. Dipl. die Präventionsarbeit in Form von 1 Mehrfachnennungen möglich 156 . 7 speziell mit Frauen und 10 mit Familien zu arbeiten. 12 davon ausschließlich. 62 schwerpunktmäßig mit Kindern.) Schulen/ Sonderschulen Tageskliniken/-stätten Musikschulen Kindergarten/Kitas Beratungsstellen Förder. Diplompädagogen.und Arbeitsschwerpunkte1 Geistige Behinderung 12 Entwicklungsverzögerungen 5 Behinderungen allgemein 9 Sprachstörungen 4 Autismus 9 Down Syndrom 4 Psychische Erkrankungen 8 Rettsyndrom 3 Psychosomatische Störungen 6 Mutismus 3 Persönlichkeitsstörungen 4 Traumata 5 Trennung und Scheidung 4 Wachkoma 3 div. dass 93 von 139 Absolventen zum Zeitpunkt der Befragung Präventionsarbeit leisteten. Bei diesen handelt es sich zu ungefähr gleichen Teilen um Dipl. Sozialarbeiter und Lehrer bzw. 40 mit Jugendlichen und 27 mit Senioren. schwerpunktmäßig mit Erwachsenen. in eigener Praxis als freier Mitarbeiter in einer Praxis Div.

Lilli (1973): Einstiege in neue Klangbereiche durch Gruppenimprovisation. Ramona (2005) Die Bedeutung der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für Studium und Praxis. 39 Personen haben sich auf Grund der Zusatzausbildung beruflich umorientiert.und Kommunikations. machten diese Angabe. SIEGEN:SOZIAL 68-70 Kapteina. Tanzen. Musikmalen. Singen. kann sie als Binnenqualifikation in einem pädagogischen. Literatur: Charles. Trommeln. Musiktherapeuti1 auch Absolventen. Klangmassage anbieten. Berlin Ernst. 123 gaben an. Möglichkeiten und Wirkungen von freier Musik.Musizieren. Daniel (1984): Musik und Vergessen. Bandarbeit. Allerdings ist es oft schwierig. Befragt danach gaben 1341 Personen an. Siegen: Universität Kapteina. Archiv für angewandte Sozialpädagogik 289-302 Kapteina. so ein Absolvent in einem Interview über die Bedeutung der Zusatzausbildung (Hesse 2005). Fritz (1997): Improvisation und Musiktherapie.und anderer pädagogischer Basisqualifikationen sowie Selbsterfahrung. Fazit Unabhängig von der derzeitigen Arbeitsmarktsituation. Lilli (1969b): Kollektivimprovisation als Studium und Gestaltung neuer Musik. soziale und professionelle Aspekte. Wien Friedemann. Persönlichkeitsentwicklung und Erweiterung des methodischen Handlungsrepertoires.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Hartmut (2007): Zur Ästhetik der musikalischen Improvisation in der Musiktherapie. Hilarion (2006): Lehrtherapie in der Ausbildung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten – personale. Lilli (1969a): Musikalische Bewusstseinsbildung ohne Noten.und Weiterbildung In: Marchal. bis die Voraussetzungen für die berufspolitische Anerkennung der Musiktherapie gegeben sind. dass immer weniger Institutionen sich einen hauptberuflichen Musiktherapeuten leisten können oder wollen. 500-502 Friedemann. Anselm (1982): Musik und Sozialpädagogik – Zur Neuorientierung der Schulmusik. Siegen. den Rahmen musiktherapeutischer Arbeit durch klare Abgrenzung zu anderen Aufgaben der Institution sicher zu stellen. Wien Frohne Hagemann. die Musiktherapie derzeit nicht ausüben. Peter (Hrsg. die dazu führt dazu. Ein weiterer Gewinn des Siegener Modells ist der Nutzen der Musiktherapeutischen Ausbildung als Erweiterung und Bereicherung des Sozialpädagogikstudiums oder Lehramtsstudiums hinsichtlich Wahrnehmungs. Hartmut (1977) Anmerkungen zum derzeitigen Stand der Musikpädagogik im Sozialwesen. und damit Angehörige anerkannter Professionen mit musiktherapeutischer Zusatzausbildung hervorragende Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen. Musik und Bildung. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. Der Ausbildung beigemessene Bedeutung Der signifikante Einsatz von Musiktherapie (116 von 139 Absolventen) lässt bereits vermuten. 100-118. pflegenden oder anderen helfenden Beruf so lange dem Gesundheitsund Sozialwesen als Ressource zur Verfügung zu stehen. denn sie dienen mir auch heute noch zur Psychohygiene“. die Zusatzausbildung als persönliche Bereicherung zu erleben. Paderborn Hesse. Wolfenbüttel Friedemann. Musiktherapeutische Umschau 517 Hegi. Zeitschrift für Musikpädagogik 18: 44-49 Friedemann. dass ihre berufliche Perspektive durch diese Zusatzausbildung erweitert wurde. Die musiktherapeutische Spezialisierung in einem anerkannten Grundberuf ermöglicht den Zuwachs an Methoden und Handlungsrepertoire und damit einen besseren Zugang zum Klientel. Hartmut (1989): Musiktherapie in der Sozialarbeit. „Die Erfahrungen in der Ausbildung sind eine Bereicherung für das gesamte Leben. Isabelle und Petzold. 157 . dass der Zusatzausbildung eine erheblich Bedeutung seitens der Absolventen beigemessen wird. Improvisation. Lilli (1971): Kinder spielen mit Klängen und Tönen.

Lutz (1997): Psychotherapeutische Sozialarbeit am Ende des Sozialstaats. Hans (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken.sche Umschau 5-16 Kapteina. Schöpferisches Handeln zwischen Pädagogik und Therapie. Sozialpädagogin mit Musiktherapeutischer Zusatzausbildung und Zusatzstudium Kulturpädagogik. Sozialmagazin 5. *1957. Sozialarbeiterin. Tanz an der Universität Siegen Hartmut Kapteina. Betr. Wiesbaden Tüpker. Supervisorin DGSv. Professor für Musikpädagogik und Musiktherapie an der Universität Siegen 158 . Wiesbaden Ministerium für Wissenschaft und Forschung. *1951. Musiktherapeutische Praxis an einer akutpsychiatrischen Klinik. Rosemarie (2006): Neue Wege der Musiktherapie. Seevetal Die Autoren des vorstehenden Textes sind: Inge Kritzer. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Dipl. Stuttgart Seidel. Almut (1976): Musik in der Sozialpädagogik. Klaus (2002): Musik als Begegnung. Musikschullehrer. Musiktherapeutische Umschau 216-226 von Werder. Individuelle Behandlung für das behinderte Kind. Paul und Robbins. 26-37 Wrisch. Sozialpädagoge. Dipl. Musiktherapeutin (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis und an der Musikschule der Stadt Siegen. Materialien zur Didaktik und Methodik des Musikunterrichts. Musiktherapeutische Umschau 77-79 Leidecker. Gestaltberater. NW (1976): Erlass von September 1976. Musiktherapeut (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis mit erwachsenen Patienten. Lehrbeauftragte und Lehrmusiktherapeutin der Universität Siegen. Dipl. Hartmut. Ausbildungsleiterin der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung der Universität Siegen Karl Heinz Wortmann. Nr. Lehrbeauftragte für Msuik und Bewegung. Musiktherapeut mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG). Musiktherapeutische Umschau 232 – 235 Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (2005): Erste Konsensbildung zum Berufsbild. Lehrbeauftragter und Lehrmusiktherapeut der Universität Siegen. Stuttgart Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (1998): Thesen zur Musiktherapie. Leitender Dozent in der musiktherapeutischen Zusatzausbildung an der Universität Siegen Ramona Hesse. Düsseldorf Nordoff. *1946. Wolf (1978) Der Lernbereich Ästhetik und Kommunikation. Supervisor DGSv. *1944. Hörtreiter. IV A 2 6406. Ästhetik und Kommunikation.

über großes Repertoire an Möglichkeiten. ausreichend Raum und Zeit geben zur sinnlichen Erfahrung 2.Aus dem Titel: Christine Mann u. Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anerkennen: Sachaussagen. Projektionen. Musik und allen anderen Fächern“ versehen sein könnte: Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik 1. ausgewogenes Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion anregen 4.a. Identifikationen. Erinnerungen.: „Selbsterfahrung durch Kunst“ (Weinheim 1995) gebe ich nachfolgend unter dem Stichwort „Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik“ eine kleine Zusammenfassung. direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer annehmen 7. verfügen 6. die auch mit der Überschrift „ganzheitlicher Unterricht in Kunst. es gibt kein richtig und falsch. ästhetische Erfahrungen anzuregen. Beziehung zwischen ästhetischer Erfahrung und Alltagsleben herstellen 5. Assoziationen. Methoden der Gesprächsführung beherrschen und anwenden clientzentrierte Gesprächsführung (Rogers) themenzentrierte Interaktion (Cohn) 159 . jede subjektive Lösung würdigen 3.

100-118).und Popmusik belegt Wolfgang Jaedke eine ganze Reihe musikalischer Konstanten. Besetzung“. Krankheitsbilder. Rock. A. B.): Populäre Musik im kulturwissenschaftlichen Diskurs. in: Marchal. improvisieren können .und Popmusik ist Vokalmusik mit lyrischer Grundhaltung (Ausdruck eines fühlenden Subjekts). Peter (Hg): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. z.. Refrain) Rhythmisch dominiert der 4/4 Takt. psychologisches und medizinisches Wissen (psychosoziale Konfliktfelder. (Wolfgang Jaedke: Popmusik als Epochenstil. Praxis reflektieren können.) Selbsterfahrung (sich selbst kennen. 201-206) 160 . D. Schwerpunkt-Antizipationen... Synkopen. singen können. Karben: CODA Musikservice + Verlag. Instrumentenbau. Versuch einer musikhistorischen und musiktheoretischen Aufarbeitung. Improvisation nach Regeln B.. Singen. Einfühlungsvermögen. wissen. ein Soloinstrument diese „spezifische Klangfarbe“ wird durch hinzukommende elektronisch erzeugte Klangeffekte modifiziert. wie Musik auf einen selbst wirkt.B. für die Arbeit mit Heimkindern: A. Musikpsychologie . E-Bass. Jugendsoziologie Bei der Arbeit mit Behinderten: Selbst eine enge persönliche Beziehung zur Musik haben B. konsequentes Verhalten C. Tanzen. einer oder mehreren Gitarren. Musiktherapie in der Sozialarbeit. C. Kreativität.) Praxiserfahrung (musiktherapeutische Settings kennen. höchstens in Abhängigkeit von Schlagfolge bzw. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. damit man den Jugendlichen eigene Rockmusik – Praxis ermöglichen kann. C. sich selbst annehmen und einbringen können ..In den Jahren 1987 und 1988 haben wir im Kreis Siegen Wittgenstein eine Befragung bei allen Trägern sozialer Arbeit über den Bedarf an musikbezogenen Kompetenzen bei Sozialpädagogen und Sozialarbeitern durchgeführt (vgl. Begeistern können A. Tanz und Bewegung Reflexion der eigenen Jugendphase Sensibilität für die Geschichte und die besondere Entwicklungssituation der Jugendlichen Entwicklungspsychologie des Kinder. Frustrationstoleranz. Varianten sind bei der Behandlung gesellschaftlicher Themen gegeben. D. 1 Zur Frage der „Neuheit“ im Bereich der Rock. Liederrepertoire beherrschen. Gruppen leiten können. Supervision . 2000. die für die Szene seit den 50er mit geringfügigen Abweichungen unverändert gültig sind: das Schlagzeug grundiert ein Stück von Beginn bis zum Ende das Instrumentarium besteht aus Schlagzeug.) Soziologisches.und Jugendalters. musikalische Hörstunden veranstalten können. Schlagzeug. Musikpraxis (Instrumente spielen können. Interaktionen gestalten können. Siegen 1989. bestimmte Instrumente mit geringem Schwierigkeitsgrad spielen können (Gitarre.und Weiterbildung. die Rhythmische Gestaltung ist den bekannten afroamerikanischen Merkmalen verpflichtet: Offbeat. Keyboard.. In: Helmut Rösing und Thomas Phleps (Hrsg. außerdem wird verlangt: Singen. In der Jugendarbeit: Sich musikalisch ausdrücken können.. Keyboard1). die Ergebnisse zeigten Kompetenzbedarf auf den vier „Säulen der Musiktherapeutischen Ausbildung“ (Kasseler Konferenz): A. Beiträge zur Popularmusikforschung 25/26.) Je nach Klientel werden verschiedene Kompetenzen zusätzlich genannt. Realitätssinn. Gesang und ggf. Kreuzrhythmen etc.. Formales Kompositionsprinzip ist die Liedform (Strophen. „Tempo und Lautstärke variieren fast nie.

Glaube. C. Verständnis für alte Menschen. begleiten und auswerten können Persönliche Ausstrahlung. C. A. B. z. D. in denen man mit Musik besser weiter kommt als mit Gespräch In der Altenarbeit Musik flexibel einsetzen können (im Krankenzimmer. D. auf die Geschichte und die behinderungsbedingten Besonderheiten eingehen können Krankheiten und Behinderungsarten kennen In der Beratungsarbeit: Offene musikalische Spielsituationen personenbezogen gestalten. Geduld Alterseinschränkungen und -krankheiten kennen A. in der Gruppe. 161 . bei offenen Veranstaltungen) Existenzfragen. C. B. die Mut macht zu musizieren Sensibel sein für Situationen. Tod.B.B. bearbeitet haben Liebe. Eine positive Einstellung zu Behinderungen haben Abgestimmte Einstiegesmöglichkeiten kennen und anwenden können.

gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. als Einzelner. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Instrumentenbau oder Malen nach Musik.und Feiergestaltung. auch Musik am Computer und digitale Medien. wie Musiktheorie. Hörspiel. Gehörbildung. Tanz. der es möglich macht. Kindermusical. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Weinheim 2003: Mit einem Erlass zum Studienfach „Ästhetik und Kommunikation“ legte 1976 das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein Westfalen fest. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. Kinderkunstwerkstatt. Musik oder Folkloretanz mit Senioren. wie Bewegung.und Videopraxis über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . Seminare und Übungen gehören. Im Wintersemester 2002/2003 werden von den untersuchten Hochschulen 17 Vorlesungen und Seminare mit theoretischen Einführungen angeboten.Text zum Stichwort MUSIK aus dem Wörterbuch „Soziale Arbeit“. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. Bestandteil des sozialpädagogischen Qualifikationsprofils. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. als Gruppe. ästhetische Gegenstände differenziert wahrzunehmen und in den kommunikativen Prozessen des beruflichen Handelns schöpferisch zu nutzen. Sprache. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. Rockmusikpraxis. Gitarre. In 14 Veranstaltungen werden Praxisprojekte begleitet.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. ist noch heute die Fähigkeit. Das belegt ein Blick in die aktuellen Vorlesungsverzeichnisse: Von 22 Hochschulen mit sozialpädagogischen Studiengängen in Deutschland erbringen lediglich zwei kein musikpädagogisches Angebot. In 52 Methodenseminaren und Übungen erhalten die Studierenden das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. 28). Musik reflektiert und methodisch anzuwenden. Das Spektrum der Themen reicht von allgemeinen historischen. 162 . Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind generell auf kreative soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. emotionales. dass zur sozialpädagogischen Ausbildung zwingend auch Vorlesungen. wie Rockmusik mit Jugendlichen. Radiosendungen... ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). einen Rahmen. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden. Musikalisches. szenischem Spiel. Rhythmusarbeit. welche die Studierenden befähigen. als Partner. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen. Fest. Erfahrungs. soziales. Obwohl der damals festgelegte Umfang des Lehrangebots nie erreicht wurde.

Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet. „Mobile Musikschulen“ stellen Projekte der Gemeinwesenarbeit dar. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. 1995) Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. Mann 1995). Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. Seidel. al. die sich explizit an Kinder aus benachteiligten Familien richten (vgl. 1992. Komponieren und Improvisieren von Musik ist“. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. Bass.und Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. Soziale Berufskarrieren verlaufen dementsprechend nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in die Sozialpädagogik mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und –Management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. ästhetische Erfahrungen anzuregen. 10). „deren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. Familienwochenenden etc. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie Familienorientierte Angebote. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. Identifikationen. die Konzepte für die musikalische Breitenbildung aus der Nachkriegszeit für die Jugendmusikschule aktualisieren. Hill. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. Keyboard-. Assoziationen. Mann et. Erinnerungen. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001) oder Prävention.- Jede subjektive Lösung wird gewürdigt. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. (vgl. Dentler 2001). Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. die soziale Brennpunkte. Musikpädagogisch qualifizierte Sozialpädagogen führen in Stadtteilen oder in abgelegenen ländlichen Gebieten Musikkurse durch. wie Musikfreizeiten. Frühförderstellen und im Rahmen von Schulsozialarbeit praktiziert. Auch bei der Jugendarbeit haben sich mobile Projekte bewährt. auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop. Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. Kapteina 2003) Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden. 1996. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. 163 . Entsprechende Zusatz. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. Er ist in der Lage. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. die Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. Schreiber 2003). in Kapteina 2003).

wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht.uni-siegen. B. Literatur: Dentler. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer denn zum Tragen. K. Schreiber@momu. Helfen. H. Sie organisieren Kulturprogramme oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung akustischen und des musikalischen Milieus in den Einrichtungen.: MOMU. H. Weinheim 1995 Schreiber. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). Auch in der Ehe. H.: Sozialpädagogische Musiktherapie. Anmerkungen zu einem Praxis.: Musik als Begegnung. B.: Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII 2001.musiktherapie. K. 298-306 Wickel.Neben den bereits erwähnten bei Mann et. H. Stuttgart 1993 Kapteina. Opladen 2001 Hill. Hartmut: Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und –Pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. die Mobile Musikschule. al. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden und Tanznachmittage. H. http://www. Wiesbaden 2002 Mann. in: Musiktherapeutische Umschau 1992. al.: Partytime. Eine Einführung. Weinheim 2004 164 . H. C. Musikmachen und Lebensbewältigung. H. et.: Selbsterfahrung durch Kunst. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit.eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. Münster 1998 Wickel. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. Heilen. : „Rockmobil“ .de 2003 Seidel. 35-44 Kapteina. Opladen 1996 Kapteina.und Familienberatung können Rollenkonflikte.: Musik zum Erleben.und Ausbildungskonzept.: Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. / Hörtreiter.de/musiktherapie/ Leidecker. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. H. (Hrsg. A.

dass es doch möglich sein müsste. elektronischen und aleatorischen Kompositionsexperimenten im Aufbruchklima der Sechziger Jahre und an einer Musikhochschule. Musikalische Freiheit jenseits von Metrik und Tonalität Der Weg dahin verlief über kompositorische Erfahrungen mit der Zwölfton. mit Schülern in einen schöpferischen und sinnvollen Prozess des Musik Lernens zu kommen. wo die Avantgarde der damaligen Zeit zu Hause war: Bernd Alois Zimmermann. Die Schülerinnen kamen in Kontakt zu ihren schöpferischen Fähigkeiten. im Verlauf ihrer Depressionsbehandlung Kontakt zu ihren wilden. anderseits aber auch eine deutliche Abwertung des musikalischen Handelns – sowohl des der Patientin selbst als auch des ihrer Mitpatienten. in denen wir zusammen mit unseren Lehrern lernten. das erste Studio für elektronische Musik am WDR und später auch an der Hochschule. in den Musikunterricht einzubringen. wie es damals hieß. wie man es bei gestressten Eltern oder Lehrern tut. Wie ich darauf eingegangen bin.und Kompositionsstudiums an der Musikhochschule in Köln für mich selbst als Möglichkeit entwickelt. Antje (Hrsg. Sie äußert Klärungsbedarf einerseits. Ligeti. lauten und aggressiven Anteilen zu bekommen. bei denen ich die Freiräume jenseits von Metrik und Tonalität genoss. Die Geburt der Gruppenimprovisation aus der Neuen Musik Mein Studium finanzierte ich mit Musikunterricht an einer Fachschule für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. Kagel. Ich fühlte mich bedauert. die man beim Komponieren erlebt. Ulrike. eigene Ordnungsprinzipien zu entwerfen und musikalische Zusammenhänge zu stiften. 2 1 165 .und anderen Kompositionstechniken. Immerhin war es ihr gelungen. Stolz. Stockhausen. deren Kinder außer Rand und Band geraten sind. Sie entwarfen Modelle Erschienen in: Haase. Das war wie ein musikdidaktischer Quantensprung. Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik Improvisation als ästhetische und gesellschaftliche Zumutung in der Musiktherapie1 Am Beginn einer Musiktherapie Sitzung sprach eine Patientin Sitzung zu mir: „Wie kann man diesen Krach den ganzen Tag aushalten!“ Ich deutete ihn als Impuls auf mehreren Ebenen: Ich sah etwas wie Stolz in ihren Augen. weil der musiktherapeutische Kontext die therapeutische Beziehung von mindestens zwei Personen voraussetzt. Cage. werde ich am Ende meines Beitrags berichten. Ein spannendes Abenteuer mit seriellen. etwas von der schöpferischen Begeisterung. Zuvor möchte ich nach einer historischen und zum Teil auch biographischen Einleitung eine ästhetische Theorie der musikalischen Improvisation darlegen und anhand einer kurzen Szene aus der Behandlung der zitierten Patientin aufzeigen. denen sie zum Teil exzessiv in der Musiktherapie Ausdruck verlieh. Ich habe die musikalische Gruppenimprovisation2 in den Sechziger Jahren während meines Schulmusik.10 Neue Musik. Crossen 2005: Akademie für angewandte Musiktherapie. welche Bedeutung dem ästhetischen Zugang in der musiktherapeutischen Praxis und Theoriebildung zukommt. Hier entstand bei mir die Idee.): Improvisation – Therapie – Leben. Vor allem aber hörte ich eine ästhetische Anfrage: Was machen wir hier eigentlich? Musiktherapie oder Krachtherapie? Die ästhetische Anfrage berührt die theoretischen und ethischen Rahmenbedingungen der Therapie. nämlich von Patient und Therapeut. 64-75 Ich verwende in diesem Beitrag die Begriffe Improvisation und Gruppenimprovisation synonym.

Helmut Schaarschmidt. ähnliche Entwicklungen vollzogen. eben auch den sog. 160). innerhalb derer die Eigeninitiative der Ausführenden das klangliche Ergebnis bestimmt. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien (ein führender Musikwissenschaftler bezeichnete Anfang der Siebziger Jahre bei den Darmstädter Tagen für Neue Musik Gruppenimprovisation als „musikalischen Dreck“). gleichzeitig hatten Kolleginnen wie Gertrud Meyer-Denkmann. entstehen viele Varianten. Allerdings zeigte sich bald. den Kompositionsprozess neu zu definieren. Hier genau ist die Gruppenimprovisation entstanden. diskutierten die Ergebnisse. aus Fabrikhallen etc. Mit der Zeit merkte ich. wenn die Rollen von Komponist. dass ich nicht allein auf diese Idee gekommen war. sind sie von der radikalen Erweiterung des musikalischen Materials bestimmt. Das liegt inzwischen nicht nur jenseits von Metrik und Tonalität sondern umfasst Alltagsgeräusche. müssen sie mit psychothe166 . 1972 stellte ich die Gruppenimprovisation in meiner Probevorlesung an der damaligen Fachhochschule Siegen .für Kompositionen. „Krach“. die bei Schulfeiern zur Aufführung kamen. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. Peter Ausländer. Gruppenimprovisation als gesellschaftlicher Gegenentwurf Insofern gilt die Gruppenimprovisation als musikalische Subkultur und Entwurf einer Gesellschaft. Jahrhundert. Sie entwickelten große Musikaktionen. um nur einige zu nennen. Bei der Arbeit mit ihnen entdeckte ich die Gruppenimprovisation. Wolfgang Longardt. Sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft geläufigen Konsumgewohnheiten. Lilli Friedemann. Diese Entwicklung von der avantgardistischen Komposition zur Gruppenimprovisation war von intensiven gesellschaftspolitischen Reflexionen begleitet. Ich behauptete. Das musikalische Verhalten der Mitglieder bildet bestehende gesellschaftliche Verhältnisse ab und offenbart deren Veränderbarkeit. Den Interpreten und auch dem zuhörenden Publikum wird immer mehr Verantwortung für die Realisation des Werkes zugewiesen. dass die Beteiligten in der Gruppenimprovisation Verhaltensmuster bei sich selbst und bei den anderen erkennen können. schallfähige Materialen aus dem Wald.Gummersbach (heute Universität Siegen) im Fachbereich Sozialwesen als Methode politischer Bildung in der Sozialen Arbeit vor und erhielt den Ruf auf die Professur im Fach Musikpädagogik. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969). verglichen sie mit Werken neuer Musik. Gerd Lisken. Damit einher geht eine neue Rollenflexibilität der am musikalischen Prozess beteiligten Personen. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. zur Mitbestimmung. Jeder ist „in jeder Sekunde zur Entscheidung. So entstehe „ein Zusammenspiel. Eine erste ästhetische Beschreibung der Gruppenimprovisation unternahm ich 1974 in der Zeitschrift „Archiv für Angewandte Sozialpädagogik“. Die Komposition enthält mehr oder weniger umfangreiche Spielräume. zur Wahl“ gefordert (Loos 1986. Das äußerste Stadium dieser Entwicklung ist erreicht. Herkömmliche Instrumente werden unüblich bedient mit der menschlichen Stimme werden die unüblichsten Artikulationen hervorgebracht. die sie mit graphischen Zeichen darstellten und gemeinsam umsetzten. Frank Grootaers. Ich kennzeichnete sie als vorläufigen Endpunkt der Entwicklung von Kompositionstechniken im 20. Wenn dabei Traumata und ungelöste Lebenskonflikten zum Ausdruck kommen. Interpret und Hörer in ein und derselben Person vereinigt sind. Lore Auerbach. dass das musikalische Verhalten in der Gruppenimprovisationen auch von den individuellen Lebenserfahrungen jedes einzelnen bestimmt ist. In diesem Zusammenhang fungiert die Gruppe als Minigesellschaft. Zum Einsatz kommen Alltagsgegenstände.

Zeitstruktur (Rhythmus und Form). leibtherapeutische. Mukarovský diskutiert zunächst den Standort der Ästhetik. dass „die Grenzen der Sprache nicht die Grenzen der Welt sind. dass es in Zukunft zu einer stärkeren Orientierung an den ästhetischen Grundlagen kommt. die Art und Weise. was „bedeutet“ die Improvisation. Den Begriff des ästhetischen Zeichens hat Mukarovský eingeführt. das man sieht. morphologische. und es nichts ‚Genaueres’ gibt. Im Gegensatz zum öffentlich anerkannten „Kunstwerk“ haben diese musikalischen Zusammenhänge unmittelbar mit den musikalisch handelnden Personen zu tun. Das Verständnis der Improvisation solle sich „direkt aus der Bedeutung der Musik in der therapeutischen Begegnung und nicht aus der Umdeutung in die psychologisch-reduktive Sprache psychotherapeutischer Modelle“ ergeben (1990. eine Metapher. Zur ästhetischen Theorie von Jan Mukarovský Adornos „Zusammenhang alles Einzelnen“ wird über die eingehende musikalischen Analyse der Improvisationen erfasst: Instrumentenwahl. dass die Improvisation etwas wie ein Symbol.f. Schallverläufe. anthroposophische. fühlt oder riecht“ (1985. welche Inhalte transportiert sie? Nach Adorno.rapeutischen Mitteln aufgearbeitet werden. die Ethik oder die Moraltheorie (was ist gut. integrative.s. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. altorientalische Musiktherapie und viele andere mehr. Den zweiten Weg markierte zum Beispiel Paolo Knill mit seiner Forderung. hört. was ist 167 . dessen ästhetische Theorie (1971) ich hier kurz skizzieren möchte. verhaltenstherapeutische. 11 f) ist Musik keine Sprache. ist ein Abbild des gesellschaftlichen Zustandes. die klassische Philosophie umfasst drei Disziplinen: die Logik oder Erkenntnistheorie (was ist richtig. wenn sie im klinischen Rahmen stattfindet. eine ästhetische Angelegenheit ist. was ist böse?) und die Ästhetik (was ist schön. was ist falsch?). als Disziplin mit verschiedenen Varianten: psychoanalytische. Zwei Wege von der Gruppenimprovisation zur Musiktherapie: Improvisation als musiktherapeutische Spielart einer etablierten Psychotherapie oder Improvisation als Musiktherapie Für viele Vertreter der Gruppenimprovisation begann an dieser Stelle ihre Entwicklung zum Musiktherapeuten.w. 57). 1963. Das geschah auf. 149). Sozialtherapie u. Form und soziales Verhältnis Adorno formulierte in seiner „Ästhetischen Theorie“: „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. als das ‚ästhetische Zeichen’ selbst. oder andersherum formuliert: Die Musiktherapien erscheinen jeweils als musikalische Spielart einer mehr oder weniger etablierten Psychotherapie. (vgl. Verhaltenstherapie. ein Zeichen für etwas ist. und Peter Faltin führte weiter aus. dem das Werk entstammt. die etwas meint.s. So präsentiert sich die Musiktherapie in Deutschland. Gruppenimprovisationen stiften in ihrer jeweiligen formalen Gestalt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den musikalischen Einzelaktionen und stellen auf diese Weise soziale Verhältnisse dar.“ (1979. wenn auch seit 1998 unter der Klammer einer einheitlichen Definition ihres Begriffs (Kasseler Konferenz). 379). auch. Das bedeutet also. dass musiktherapeutische Theoriebildung grundsätzlich musikimmanent zu betreiben sei. Das heißt. Spielweise. die Adorno zufolge soziale Verhältnisse „vertritt“. und das auch mit ihren gesellschaftspolitischen Implikationen. Damit haben wir die Matrix erfasst. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind. sozialtherapeutische. Die eingehenden Diskussionen in der Kasseler Konferenz zu diesem Thema sowie jüngste Publikationen von Martin Drewer (2000) und Isabelle Frohne-Hagemann (2001) lassen hoffen. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. Das ändert aber nichts daran. Handhabung. Was „meint“ Musik. was außerhalb ihrer selbst liegt. wie Psychoanalyse. Die meisten stellten die Gruppenimprovisation in den Rahmen unterschiedlicher psychologischer und psychotherapeutischer Theorien und Verfahren. dass die Gruppenimprovisation. Intensitätsverhältnisse (Dynamik) u.

127). Tanz. sondern sie spiegeln „in sich die Wirklichkeit als Ganzes wider“ (129).: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein. Im Nachhinein sagt sie. möchte ich verdeutlichen. verheiratet. Mit der „Vereinheitlichung der Wirklichkeit“ erinnere „die ästhetische Funktion an die theoretische. Eigentlich hätte sie keine Unzufriedenheit empfunden.. Zusammenfassend können wir den Inhalt des ästhetischen Zeichens als global (spiegelt die Wirklichkeit als Ganzes). ist integriert in Nachbarschaft. dass ihr Mann bereits seit vielen Jahren eine Geliebte hat. Der Hausarzt weist sie in die akutpsychiatrische Klinik ein.. Sohn und Tochter. ebd. des Denkens. erlebt wird.hässlich?). die sich ästhetischer Zeichen bedient. Allerdings: die durch das ästhetische Zeichen „als Ganzes widergespiegelte Wirklichkeit ist im ästhetischen Zeichen nach dem Bild des Subjekts unifiziert“ (ebd. an deren Analysen er seine Ästhetische Theorie entwickelte. nach dem Bild des Subjekts unifiziert) und dynamisch (. wenn ihr Mann und die Kinder außer Haus waren.h. Nun zur Szene: 1 Der Name ist geändert 168 . wo sie in meine Musiktherapie Gruppe kommt. von der sie sich aber darin unterscheidet. bei der der Mensch semantische Zeichen (Sprache. umsorgt als umsichtige Hausfrau und Mutter Ehemann. Ebenfalls zu den unmittelbaren Funktionen gehört die theoretische. während die ästhetische eine vereinheitlichende Verhaltensweise ihr (der Wirklichkeit. Zum Ersten: „Ästhetische Zeichen spiegeln in sich die Wirklichkeit als Ganzes“ Fallbeispiel: Frau Berger mit Flexaton Frau Berger ist Mitte vierzig. Hinweisschilder etc. D. Sie lebt in einer typischen kleinbürgerlichen Familie. Ästhetische Zeichen Ästhetische Zeichen unterscheiden sich von symbolischen dadurch. Zu den unmittelbaren gehört die praktische Funktion wenn er mit Körperkraft oder Werkzeugen die Wirklichkeit zu seinem Vorteil umgestaltet (vgl. Verdeutlichung anhand eines Fallbeispiels Anhand einer kleinen Szene aus der Therapie mit Marion Berger1. erzeugt eine Verhaltensweise) charakterisieren. des Körpers. Die Tatsache. Auffällig war lediglich. Musik.: Die Vielfalt der Elemente.. Freundeskreis. wird nach der Art und Weise in einen Zusammenhang gebracht. dass sie „nach außen“ eine glückliche Kleinfamilie darstellten. obwohl es zwischen den Eheleuten nur wenig Austausch gab. dass sie immer große Unruhe überfiel.h. D. was die drei Eigenschaften von ästhetischen Zeichen in der musiktherapeutischen Praxis bedeuten.) mit dem Ziel verwendet.) Zu den zeichenhaften Funktionen zählt Mukarovský neben der symbolischen die ästhetische. in denen eine bestimmte Art.: das ästhetische Zeichen provoziert Bewegungen der Sinne. Der Mensch verfügt nach Mukarovský über unmittelbare und zeichenhafte Funktionen. subjektiv (. In einer solchen Situation fällt sie „wie aus heiterem Himmel“ in eine schwere Depression.).) gegenüber erzeugt“ (ebd.).h. Bildende Kunst oder Filme von Charley Chaplin. „dass sie auf keine singuläre Wirklichkeit“ verweisen. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. Theater. D.Vf. die Wirklichkeit in das Bewusstsein des Subjekts zu projizieren (vgl. hat zwei Kinder im Alter von fünfzehn und siebzehn Jahren. dass Menschen etwas als schön oder hässlich bewerten können.. d. Bei dem Besuch einer Freundin erfährt sie nebenbei. Zahlen. aus denen sich bei der Improvisation oder einer anderen Musik zu einem ästhetischen Zeichen zusammenfügen. der zu Beginn zitierten Patientin. bezeichnet Mukarovský als „Funktion“ und definiert: „Funktion ist die Art und Weise des Sichgeltend-Machens des Subjekts gegenüber der Außenwelt“ (125). die dem beteiligten Subjekt eigentümlich ist. dass die theoretische Funktion sich um ein zusammenfassendes Bild von der Wirklichkeit bemüht.

enthält in unserem Beispiel die Auseinandersetzung mit Schmerz. aber ihr fällt nichts weiter auf. sie solle sich nicht so anstellen. In dieser Situation hätte sie ihm „ein Messer in den Bauch rammen können. . der zufolge das ästhetische Zeichen eine vereinheitlichende Verhaltensweise der Wirklichkeit gegenüber erzeugt. Der Therapeut erlebt es mit in seiner Resonanz. ihr ureigenstes Bild. ob sie zu dem Satz „ich möchte ihm ein Messer in den Bauch rammen“ eine Musik machen könne. und nun kommt die zweite Bestimmung: die Wirklichkeit als Ganzes ist in dem ästhetischen Zeichen widergespiegelt nach dem Bild des Subjekts unifiziert. öffnet das ästhetische Zeichen den Mitteilungsraum zur „Wirklichkeit als Ganzes“ hin. nach dem sie die Wirklichkeit unifiziert. die sich ins Leere entlud. Ich bitte sie. Freundschaften seien daran zerbrochen. Gegenübertragung oder welchen psychologischen Begriff er auch immer verwendet. Sie wiederholt einige Mal die Klangaktionen von zuvor. und im übrigen sei die Beziehung auch gar nichts ernstes . Sie spielt nochmals. Ich selber spürte eine fast quälende Anspannung. die sie in solchen Stresssituationen bekommt. Eifersucht zu spielen. schneidende Gefühl an der Daumenkuppe beim Anspannen der Blechplatte. Sie erinnert das kalte. zu beschreiben. für sie hat die Musik mit Stress. wenn ein Mann eine Geliebte hätte. Andere Hörer mögen andere Inhalte empfunden haben. ich höre eine wimmernde helle Stimme und denke ein jam169 . wie sie ihn zur Rede stellen will und er abblockt mit der Bemerkung. Decrescendo-Klänge erzeugen. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Zorn und Verlassenheitsangst mit Flexaton In der therapeutischen Szene mit Frau Berger ist meine Aufmerksamkeit von Beginn an auf einen Teil des Klanggebildes gerichtet. dass sie seit eh und je diese Eifersucht hat. Dann kommt sie auf das Thema „Eifersucht“ zu sprechen. wobei die beiden Schlägel schnell aufeinanderfolgende. wo die besagten Klänge entstehen. mit Bauchschmerzen und Durchfall zu tun. was sie während der Musik erlebt hat. wenn sie das Blech wieder anspannt. „dieses Anklammern“. Das wäre eigentlich ein typisches Eifersuchtsinstrument. den sie noch nicht thematisiert hat: jenes leise. Ihr fällt dazu nichts mehr ein. Während die semantische Kommunikation über die Szene mit ihrem Mann und ihre Mordphantasie eindeutige Inhalte transportierte. ob sie vielleicht noch einmal hinhören wolle. dann lässt die das Instrument auf den Schoß sinken und atmet tief durch. und ich frage. Wir spüren die nerverzerreißende Anspannung und die unbefriedigende Entladung ins Leere hinein.“ Ich frage. Er ist jedenfalls mit hineingenommen in die vereinheitlichende Verhaltensweise. sie wiederholt die Aktion mehrere Male. und potentiell wäre tatsächlich alles nur denkbare in diese Klangaktion projizierbar. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Die währenddessen entstehenden Klänge nimmt sie nicht wahr. Ich komme nochmals auf ihr Spiel zu sprechen und frage. hatte sie von einem „schneidenden Gefühl an der Daumenkuppe“ gesprochen. Allerdings. Sie lässt kurz ihren Blick über die Instrumente schweifen. und ihren Mann habe das sicher auch genervt.Frau Berger schildert die Begegnung mit ihrem Ehemann. das ihre Wirklichkeitsbeziehung prägt. In diesem Schritt der Therapie erforscht die Patientin ein Motiv. Dann kommt sie auf Bauchschmerzen und Durchfall zu sprechen. Dort. Das zeigen die Äußerungen der Patientin. fast nicht hörbare hell klingende Glissando am Ende zwischen den Klangaktionen. Die dritte Bestimmung. Die Patientin nimmt ihn als schneidendes Gefühl an ihrem Daumen wahr. um immer wieder aufs Neue dasselbe Muster zu wiederholen. ergreift das Flexaton. das ihr Bild von der Wirklichkeit bestimmt. dann das „schnackelnde Geräusch“. ob sie ihre Musik vollständig beschrieben habe... Die vereinheitlichende Verhaltensweise. „Abwehr“ oder „Widerstand“ sind die psychologischen Begriffe. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Eifersucht mit Flexaton Frau Berger schaut auf das Instrument herab und wiegt es hin und her. sie habe das immer noch mal wiederholen müssen. oder in Mukarowskýs Terminologie ausgedrückt. Dann erzählt sie. das sei doch nichts ungewöhnliches. während des erneuten Dehnens hört man leise ein helles Glissando. Ich bitte sie. Jedenfalls ist die Wahrnehmungsgrenze zu respektieren. wird im Klangerleben unmittelbar erfahrbar. Empathie. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Sie dehnt die Blechplatte bis zum äußersten Punkt und lässt sie dann los. Es würde sich innerlich alles zusammenkrampfen.

merndes Kleinkind. 20 ff). der sie mal in den Arm oder auf den Schoß nahm. Sie bricht plötzlich ihre Erzählung ab. 1972. Gruppenimprovisation liegt extrem außerhalb des geläufigen Musikgeschmacks Gruppenimprovisation als Ergebnis der avantgardistischen Entwicklungen der Neuen Musik liegt extrem außerhalb des Mainstreams des gegenwärtigen Musikgeschmacks. und wieder entsteht ein ästhetisches Zeichen. die die ästhetischen Implikationen ihres Handwerks verstehen.. 3. Ich begleite sie an Xylophon und Metallophon mit Terzparallelen und verändere ihr Bild von der Wirklichkeit in dem Sinne.. Er war aber meistens weg. 4). sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft vorhandenen musikalischen Kommunikationsräume. hatte sie Angst. das sie lange Zeit.) zu bezeichnen. weil er es in diesem Frauenhaus nicht aushielt. Hier beende ich das Fallbeispiel und auch meinen Beitrag mit einigen Bruchstücken aus der ästhetischen Theorie. Das ästhetische Zeichen der Patientin und ihre Verhaltensweise weist in Erlebnisräume hinein. 1. Insofern muss Gruppenimprovisation heute ebenso wie zur Zeit ihrer Entstehung als subkulturelle Mu170 . dass sie jetzt nicht alleingelassen ist. 105 f.a. 2. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien. für die sie (noch) keine Sprache hat. in der Musik können sich Gefühle ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben Georg Lukács hat in seiner Ästhetik das einzigartige Verhältnis zwischen Musik und Emotionen hervorgehoben (vgl. ist für sie naheliegend. Diese Ansicht findet sich in der neurophysiologischen Forschung bestätigt. wiederholte es mehrmals und begann heftig zu weinen. damit man sie nicht hörte . Von den drei Frauen fühlte sie sich ständig schikaniert.s.. u. Ich meine. die für uns Musiktherapeuten von besonderem Interesse sein dürften.). das Hin und Her zwischen ästhetischer und semantischer Ebene. Der Vater war der einzige.w. Sie erzählte. Zum anderen macht die Betonung des sinnlichen Kontakts die Berücksichtigung des Körpererlebens und neurophysiologischer Zusammenhänge beim Erleben von Musik zwingend erforderlich. nahm auch noch ein letztes Mal das Flexaton zur Hand und sagte: „Das hört sich wie ein jammerndes Kind an“. nicht nur in dieser sondern auch in den folgenden Sitzungen wiederholt: Irgendwann habe sie begonnen. Kagan 1974. Abend für Abend habe sie in ihr Kissen hinein geweint. sie waren kalt und nur darauf bedacht. sich mit einem solchen Singsang in den Schlaf zu singen und das schlimme Verlassenheitsgefühl zu bewältigen. wie sie mit Mutter und zwei Tanten zusammen aufwuchs. zärtlich zu ihr war und ihr das Gefühl gab. 110). dass die Patienten Anspruch auf Musiktherapeuten haben. Zu Grunde liegt ein völlig anderer Begriff von Musik als der bei den Patienten gebräuchliche. So weit sie zurückdenken kann. In der Musik dagegen können sich Emotionen „ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben“ (ebd. dass er nicht zurückkommen würde und sie völlig den strengen und lieblosen Frauen ausgeliefert wäre. geliebt zu sein. die die unmittelbare Verbindung des Hörsinns mit den für das emotionale Erleben zuständigen neuronalen Mustern des Limbischen Systems beschreibt (vgl. alles im Haus sauber und steril zu halten. Von Natur aus würden Emotionen grundsätzlich Gegenstände der Wirklichkeit widerspiegeln. . Spintge und Droh 1992. Daraus resultiert zum einen der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie. In einer späteren Sitzungen kam sie auf das Thema Eifersucht zu sprechen. Ingarden 1969. Unter Tränen holt sie sich das Glockenspiel. Sie als „Krach“ (oder Geklimper oder Katzenmusik u. Ästhetisches Erleben ist an sinnlichen Kontakt und geistiges Erleben gebunden Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben sind die Voraussetzungen für ästhetisches Erleben (vgl.

Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit des Menschen und enden nicht an den Grenzen der etablierten Psychotherapien. versehen Warenproduzenten ihre Produkte mit einem „Gebrauchswertversprechen“. ihrer Qualität als Mimesis. Gleichwohl sind die verschiedenen psychotherapeutischen Theoreme hilfreich. 4). Werbebotschaften und –Kampagnen etc. Ingarden 1969. Widerspiegelung oder Abbildung von Wirklichkeit. Ansprüchen und Zumutungen der Gesellschaft gescheitert sind und deshalb nach den Standards der allgemein anerkannten Kultur als behandlungsbedürftig definiert werden. Leslie Bunt (1998). Paul Nordoff und Clive Robbins (vgl. 1 171 . wenn sie nicht den allgegenwärtigen Verlockungen und Verführungen erliegen wollten. Der Musikmarkt bestimmt das musikalische Bewusstsein der Menschen und nicht ihre schöpferischen Potentiale. der Indikation und der Evaluation zu erfassen. 1790) täte den Menschen der totalen Waren. die diese Bezeichnung im vollen Sinne ihrer Bedeutung verdient. Bei der Gruppenimprovisation ist jeder „in jeder Sekunde zur Entscheidung. Hinsichtlich des sinnlichen Kontakts liegt in der Musiktherapie zusätzlich ein besonderer Fokus auf Körperreaktionen und neurophysiologischen Wirkungen der Musik. dass ich auf die ästhetisch gemeinte Frage von Frau Marion Berger. uns. welches mit ästhetischen Mitteln dem Warenkörper hinzugefügt wird (Verpackung. ästhetische Theoriebildung. Kagan 1974. 4.) Da Gebrauchswertversprechen und Ge-brauchswert mehr oder weniger eklatant divergieren. die ja allenthalben mit ästhetischen Inszenierungen einhergehen. die an den Normen. Mit diesem gesellschaftlichen Kontext befinden wir uns bereits auf dem Gebiet der allgemeinen Ästhetik (griechisch: aisthesis). bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969). 160). welches ihn zur Fortsetzung und Steigerung des Konsums antreibt. Nachzutragen wäre noch. die in diesem Musiktherapieraum entsteht und die ich keineswegs für Krach halte. Was wundert’s: ist doch die Musiktherapie selbst Teil der Subkultur von Menschen. mit der folgenden ästhetischen Stellungnahme antwortete: „Wenn es auf der Welt Musik gäbe. dann wären es für mich die Improvisationen. für Medienkonsum eher atypisch. um Einzelheiten des musiktherapeutischen Prozesses zu überprüfen und zusätzlich zu verstehen. entsteht beim Konsumenten nach jedem Warengebrauch ein unbefriedigtes Restbedürfnis (Warenhunger). 1986). die sich ihrer bedient. Jenes Hin und Her zwischen sinnlicher und semantischer Ebene ist für Gruppenimprovisation typisch.und Konsumwelt Not. So entstehe „ein Zusammenspiel. erfordert von einer Therapie. wie ich denn diesen Krach den ganzen Tag über aushalte..sik gelten. die heute mehr denn je aktuelle „Kritik der Warenästhetik“ von Wolfgang Fritz Haug (1971): Um das Interesse der Gewinnmaximierung zu gewährleisten. Anderseits fragt die ästhetische Wissenschaft nach den Bedeutungen der Kunst. Markenzeichen. Daraus resultiert der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie und in der pädagogischen oder künstlerischen Gruppenarbeit. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. z. ästhetische Zeichen hervorzubringen und zu erleben. Henk Smeijsters (1999) und andere belegen. Als subkulturelle Kunst aber hat sie in der Musiktherapie große Bedeutung erlangt. die ich mit den Patienten täglich erleben kann. Probleme der Diagnose. dass ästhetische Kategorien sehr wohl in der Lage sind. zur Wahl“ gefordert (Loos 1968. Von Beginn wurde Gruppenimprovisation als Entwurf einer Gesellschaft verstanden. 105 f. diese kaum beachtete Wissenschaft von der sinnlichen Wahrnehmung und der „Urteilskraft“ (Immanuel Kant. Denn im Gegensatz zu allen Musiken um uns herum hat die Musik. zur Mitbestimmung.B.1 Die ästhetische Wissenschaft erfasst einerseits die Charakteristika der ästhetischen Situation: Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben (vgl. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. Zur theoretischen Fundierung der Musiktherapie reichen sie nicht hin. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit Musik als Verwirklichung des menschlichen Vermögens.

Wiesbaden. Gruppenimprovisation erfüllt die Kriterien der Ästhetischen Erziehung Gruppenimprovisation erfüllt auf idealtypische Weise die vier Funktionen welche Diethard Kerbs der Ästhetischen Erziehung zugesprochen hat (vgl. Hans Helmut (Hrsg. 259-294 Grootaers. 172 . Frank (1985): Gruppenmusiktherapie aus ganzheitlicher Sicht. 17 ff). Ästhetik. Theodor W. die zu eigener Lebensführung befähigt. Lilli (1973): einstiege in neue klangbereiche durch gruppenimprovisation. Begleittext zur Schallplatte DGG 643541 Faltin. Weinheim: Beltz Drewer. so Stefanie Marr „erschließen sich Menschen Lebenswirklichkeit“. Tagungsberichte. Ideologien und ökonomische Interessen zu erkennen (die Kritische Funktion). Wien: Universal Frohne-Hagemann. 37-67 Haug. ist neben seinen praktischen Verwendungszwecken immer auch als ästhetisches Zeichen zu verstehen und als solches wirksam. Isabelle (2001): Ästhetik und Leiblichkeit. Soziales und Gesellschaftliches umfasst. in: Otto. Lore (1972): Hören lernen – Musik erleben. Wolfgang Fritz: Kritik der Warenästhetik. und Gruppenimprovisation hat dort ihren Ort. 1975. 9-16 Adorno. Lilli Friedemann hat das an den Begriffen: „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ und „Wachstum nach allen Seiten hin“ festgemacht.): Musik und Kommunikation. (Hrsg. Literatur Adorno. ringgespräch über gruppenimprovisation März 1998. Frankfurt am Main: Suhrkamp Auerbach. Ziel ist die Entwicklung von „Gestaltungskompetenz. Erkenntnisse in konkrete ästhetische Handlungen umzusetzen (die Pragmatische Funktion) und die Sinne zu befreien und vom Konsumieren zum Genießen zu kommen (die Hedonistische Funktion). Berlin Kapteina. Günter (Hrsg.bedingt und aktuell mit nichts anderem als mit uns selbst zu tun und mit unserer Art in der Welt zu sein. Tübingen 1969 Jörgensmann. 12-24 Knill. Musiktherapeutische Umschau. in: Decker-Voigt. Martin (2000): Gestalt. Band 1. nämlich: gesellschaftlich vermittelte Manipulation zu durchschauen. Peter(1985): Bedeutung ästhetischer Zeichen. Gelingendes Leben als Ziel ästhetischer Bildung kann gleichermaßen für Therapie und ganzheitlich orientierte Pädagogik gelten. Alles. Essen 1991 Kagan. Leslie(1998): Musiktherapie. Gegenstand ästhetischer Erziehung ist nicht nur Kunst sondern der gesamte lebensweltliche Kontext. Diethard: Zum Begriff der ästhetischen Erziehung. Peter: Vokalimprovisation. also auch die alltäglichen Gegenstände. Kunstwerk und Wert. 6-10 Bunt. was uns dort begegnet. in dies. Frankfurt/M: Suhrkamp.): Fenster zur Musiktherapie. Rolf-Dieter: Kleine Ethik der Improvisation. (1963): Fragment über Musik und Sprache in ders.): Texte zur ästhetischen Erziehung.“ die gelingt. 245). Moissej (1974): Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. Frankfurt am Main 1971 Ingarden. Musiktherapeutische Umschau. Münster: LIT Evangelisiti. Theodor W. Braunschweig 1975. Theo und Weyer. 5. Wien: Universal Friedemann.: Quasi una fantasia. Paolo (1990): Wissenschaftliche Betrachtungen zur Musiktherapie unter ethischen Gesichtspunkten.Tanzen – Tönen. ästhetische und soziale Phantasie zu entwickeln und schöpferisch verändernd zu leben (die Utopische Funktion). 247-268 Kasseler Konferenz (1998): Kasseler Thesen zur Musiktherapie. Roman: Erlebnis. wenn sie „selbstbestimmt an Bedürfnissen und Interessen orientiert verwirklicht wird“ (2004. 232 – 235 Kerbs. (1979): Ästhetische Theorie. Lilli (1983): Trommeln . der über das Musikalische hinaus Seelisches. Aachen Friedemann. Archiv für Angewandte Sozialpädagogik. Lilienthal: Eres. Musik und Sprache. Wolfenbüttel: Möseler Ausländer. In ästhetischen Bildungsprozessen. Hartmut (1974): Gruppenimprovisation – eine musikpädagogische Methode. Franco (1969): Improvisationen der Gruppe Nuova Consonanca. Musiktherapie.

Stefanie: Lernziel Lebenskunst. Wien: Universal Mukarovský. Regensburg 1994. 232-248 Meyer-Denkmann. März 1998. Neue Wege einer musikalischen Grundausbildung. Siegen: Universität. 10-11 Longardt. Ästhetik heute. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. Darmstadt 1972 Marr. Gerd: Einige neue Überlegungen zur vokalen Gruppenimprovisation. 2004. ringgespräch über gruppenimprovisation. Gertrud (1972): Struktur und Praxis neuer Musik im Unterricht.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Georg: Ästhetik III. in: Marchal. Gertrud (1986): Spiel-Räume. Stuttgart: Fischer Lukács. Stuttgart. Wolfgang (1968): Musikerziehung braucht Phantasie. Henk: Grundlagen der Musiktherapie. Helmut: Gruppenimprovisation. Experiment und Methode. Frankfurt am Main 1971 Nordoff. Essen Loos. Rolf (1992): Musik-Medizin. Rolf und Droh. Helmut (Hrsg. Paul und Robbins. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Stuttgart: Fischer 173 . Göttingen 1999 Spintge. Gertrud (1970): Klangexperimente und Gestaltungsversuche im Kindesalter. Fischer Schaarschmidt. 102 ff Smeijsters.): Lexikon der Musikpädagogik. in: Hopf.39-58 Lisken. Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Peter (Hrsg. Wien: Universal Meyer-Denkmann.

bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert sowie die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft.und Blattwerk 174 . Lernen erfolgt nicht nach einem vorgegebenen Lehrplan sondern orientiert sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der betroffenen Personen sowie ihrer Lebenslage. auf ihnen die Klänge und die musikalischen Verläufe zu realisieren. Das besondere am musikalischen Lernprozess bei der Gruppenimprovisation kommt jedoch in der besonderen Charakteristik der Baum – Metapher zum Ausdruck. und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert werden. politisches Lernen bilden im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit. Sein Ast. Musikalisches. können mit den Begriffen Musikalische Sensibilität Musikalische Phantasie und Kreativität Musikalisches Differenzierungsvermögen Musikalische Kritikfähigkeit zusammengefasst werden. er lernt Klänge differenziert wahrzunehmen. So entfaltet der improvisierende Mensch seine musikalischen Fähigkeiten. „Ökologie“ bedeutet in diesem Zusammenhang die ausgewogene und gleichrangige Berücksichtigung aller Aspekte menschlichen Erlebens.10. Er lernt.1 Ökologie der Gruppenimprovisation Hartmut Kapteina „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Arbeitsprinzip. zu beschreiben und zu benennen. Der Baum entfaltet sich mit seinem Ast.und Blattwerk dem Licht entgegen. er lernt die verschiedenen Instrumente kennen und entwickelt die Fähigkeit. in der er lebt. musikalische Formbildungen zu erfassen und die Musik der Gruppe zu analysieren. die sich die Spieler bei der Gruppenimprovisation aneignen. die seinen Vorstellungen entsprechen. Das Bild des Baumes veranschaulicht den musikalischen Lernprozess. ästhetisches. entsprechend der aktuellen Situation der beteiligten Personen im Sinne bedürfnisund situationsorientierter Pädagogik. mit seinen musikalischen Beiträgen auf den musikalischen Gestaltungsprozess der Gruppe einzuwirken. Die musikalischen Kompetenzen. soziales.

In gleicher Weise „wurzeln“ bei der Gruppenimprovisation die musikalischen Kompetenzen in seelischen Entwicklungen der Introspektion. Dabei wird implizit deutlich. wie sich Unterschiede in Charakter und Temperament im Spiel dargestellt haben. diesem oder jenem mit einem Kontrast zu begegnen. bevor sie von den Instanzen des Bewusstseins verarbeitet werden. Und die kommen einzig aus seiner persönlichen Disposition. so kann es immer wieder bei der Gruppenimprovisation vorkommen. Dann Die Metaphorik des Baumes legt nahe. Schüler sollten Musik als Bereicherung ihrer Persönlichkeit erleben. Die Analyse der eigenen musikalischen Beiträge und der Musik der Gruppe wird so zum Prozess der Introspektion: So bin ich. diese oder jene Klänge seiner Mitspieler zu übergehen oder wahrzunehmen und sein Spiel an diesem oder jenen Klängen zu orientieren. Die präventive Beangemessen. Klänge rufen. Die veranlasst ihn. Dann erhält die Gruppenimprovisation tiefen175 . in den Steuerungszentren des Limbischen Systems in vegetative und emotionale Reaktionen hervor und verknüpfen sich mit Inhalten des Langzeitgedächtnisses. so werde ich von anderen wahrgenommen. wie sich gleichzeitig sein Wurzelwerk unter der Erde entwickelt. Woher aber nimmt er die Kriterien für diese Entscheidungen? Nun. Vielen sen mit sich selbst und anderen. sich hier oder dort anzuschließen. Es werden aber auch Grenzen der Wahrnehmung und des Verhaltens deutlich. dieses oder jenes Instrument zu wählen. dass jeder Spieler selbst entscheiden muss. ja.s. dass sie die Menschen oft tiefer und nachhaltiger berühren. Das gemeinsame Gespräch über die Improvisationen offenbart. deutung der Gruppenimprovisation ist damit unterstrichen. Musikern dienen die Musikalischen AusdrucksmöglichDie musikalische Arbeit ist in der Grupkeiten zu Verdrängung und Eskapismus. wann er was wie spielt. ernsthaft mit ihnen über die bei der Musik erlebten Gefühle zu sprechen. es Kritische Anmerkung zur herkömmlichen Musikpädagoeinmal ganz anders zu machen. der biographischen Verarbeitung und des emotionalen Ausdrucks. Bei der Gruppenimprovisation ist nicht vorgegeben. es gibt schlechterdings keine Instanz für sein musikalisches Verhalten in der Gruppe als nur seine ureigensten Intentionen. Das hat zur Folge. mit diesem oder jenem zu beginnen oder aufzuhören u. Es ist zum Beipenimprovisation also immer zugleich spiel nicht möglich. parallel zur musikalischen Kompeledigung der technischen Funktionen des Musizierens tenz entwickeln sich psychische Kompeempfunden. kennen und nutzen lernen. wer wann was wie zu spielen hat. die Beachtung Auseinandersetzung mit der eigenen Perder emotionalen Beteiligung wird als störend bei der Erson. wie unterschiedlich die Intentionen der einzelnen Mitspieler während der verschiedenen Situationen des Spielverlaufs waren. Gleichzeitig können solche Prozesse der Selbsterkenntnis Neugier und Lust wecken. so reagiere ich auf andere.vermag sich nur insoweit zu entfalten. dass bei der Verkann es zur Erweiterung es Verhaltensrenachlässigung der psychosozialen Implikationen des Musikerlebens die musikalischen Kompetenzen sich nur pertoires kommen und zur Entwicklung unzureichend entwickeln können. Nun haben es aber musikalische Ereignisse an sich. also neue gik: Verhaltensweisen auszuprobieren. diese oder jene Klänge zu bevorzugen oder zu vermeiden. als ihnen das lieb ist. so verhalte ich mich. Sie sind nicht organeuer Einstellungen zu und Umgangsweinisch im Inventar der Persönlichkeit implantiert. tenzen der Selbsterkenntnis und des UmZumindest für die Schulmusik ist diese Einstellung ungangs mit sich selbst.w. dass Spieler mit frühen traumatischen Erlebnissen in Kontakt kommen.

Dieselbe Untersuchung ergab. Eine Untersuchung bei ca. zeigte. ein Gespür für unhaltbare politische Zustände entwickeln und den Mut. Damit soll angedeutet werden. ihre Unzufriedenheit in Protest oder Resignation ummünzen. Es muss Raum. seine Interessen geltend macht und realisiert. die Klänge. Die Gruppe als „Mini – Gesellschaft“ ist nicht nur Ort des sozialen sondern auch des politischen Lernens. Die Wahl des jeweiligen Instruments. wie sie sich im Spiel an den allgemeinen Trend anpassen.psychologische Qualität. dass diese Personen kritischer beim Umgang mit den Gegenständen des täglichen Lebens werden. Andere Pflanzen stehen mit ihm in Konkurrenz oder Kooperation. sich Geltung und Aufmerksamkeit verschafft. Die Instrumente. dass die Prozesse der Gruppen Improvisation immer auch Prozesse der Auseinandersetzung mit anderen. Die Spieler erkennen. Die differenzierte Wahrnehmung auf dem Gebiet der Musik übertragen sie als allgemeine ästhetische Kompetenz auf alle Bereiche der sinnlichen Erfahrung. damit die betreffende Person die durch die Klänge aktivierten Erinnerungen mitteilen und die mit ihnen verbundenen Gefühle ausdrücken kann. 80 Personen. dass sie sich häufig in Parteien und Verbänden engagieren. die längere Zeit die musikalische Gruppenimprovisation praktizierten. das ganze zu verändern. wie erfolgreich ihre Versuche verlaufen. die jeweilige Art es zu spielen sind zugleich Darstellungen der jeweiligen Eigenarten. wie sich der einzelne Spieler im sozialen Kontext verhält. Im Bild ist dieser Bereich als unterirdischer Vulkan dargestellt. Das Spiel der Klänge wird zur Stimmabgabe. die mit ihrem Mineralienreichtum das Wachstum des Baumes zusätzlich zu fördern vermag. wählerisch und genussfähig werden. Prozesse der Übertragung und Gegenübertragung werden wirksam. An dieser Stelle wird die Gruppenimprovisation zur Musiktherapie. Das Spiel der Gruppenimprovisation wird zum gesellschaftspolitischen Planspiel. insbesondere bei ihrem musikalischen und sonstigen Konsumverhalten die Strategien der Werbung und der Massenmanipulation durchschauen. unzufrieden werden. Zeit und Zuwendung gegeben sein. sich einzurichten oder die eigenen Interessen zu vertreten. Ästhetische und insbesondere die musikalischen Erfahrungen der Gruppen 176 . Bei einer guten Kanalisation der darin gebundenen Energie kann er zu einer warmen Quelle werden. Regression auf frühere Phasen der Entwicklung. In der Horizontalen ist der Baum mit seinem ökologischen Umfeld verbunden. dagegen vorzugehen (Kapteina 1976). mit der eigenen Rolle und dem sozialen Verhalten sind. die Musik und die gesamte Gruppensituation erhalten symbolische Bedeutung.

): Ästhetik und Kommunikation heute. Literatur: Hartmut Kapteina: Musikpädagogik und Alltagsleben. Wilhelmsdorf 2000 177 . 141-143 Eckhard Weymann: Improvisation.): Musik und Kommunikation. Menschen erleben bei der musikalischen Improvisation Momente. 73-94 Hartmut Kapteina: Heilendes und Heilsamens Musikerleben. in: Archiv für Angewandte Sozialpädagogik 1976 Hartmut Kapteina: Dimensionen der Gruppenimprovisation. in: Peter Marchal (Hrsg. 137-139 Tilmann Weber: Improvisationsgestalt. Musik als gestaltete und vergehende Zeit wirft implizit die Fragen nach der Vergänglichkeit der Lebenszeit. Seevetal 1988. Decker-Voigt): Hartmut Kapteina: Improvisationsbewegung.und raumvergessen den Ursprung ihrer Existenz erahnen und erspüren. Die Musik hat es mit dem Unaussprechlichen zu tun. in Decker-Voigt (Hg). in denen sie zeit. in: Hans Helmut Decker Voigt (Hrsg. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. ebd. außerdem Literatur im Lexikon Musiktherapie. Vortrag über Musiktherapie zwischen Improvisation und Ritualen Mai 1999 Fritz Hegi: Improvisation und Ritual. 133-137 Gesundheit / Leben Ausgeglichenheit RITUAL Regelmäßigkeit Ordnung Gewöhnung Abhängigkeit Zwang Erstarrung Krankheit / Tod Vitalität IMPROVISATION offenes Spiel Chaos Entgrenzung Zerfall Verwahrlosung Zerstörung Fritz Hegi. Musiktherapie als Fachgebiet der „Ästhetik und Kommunikation“ und als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. mit Erfahrungsräumen vor und jenseits der Begrifflichkeit. S. ebd.Improvisation aktualisieren immer auch transzendente Themen der Spiritualität. was jenseits dieser Grenzen liegt. Siegen 1999 s. Göttingen 1996 (Hrsg. nach der Flüchtigkeit des Lebens und der Beziehungen und danach. Schaubild aus „Komplex Welt der Sinne“.

Einiges zur Improvisation in der Musiktherapie MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT.
June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. The wounds that Sing, London 2000, 246

Auszüge aus Tilmann 2000 in der Übersetzung von H. Kapteina: Die Verantwortung des Therapeuten besteht darin, musikalische Strukturen zu finden, in denen die Ideen des Patienten aufgehoben sind (Tilman 2000, 217). Der Fähigkeit des Klienten, sich frei auszudrücken, mitzuteilen und zu entfalten, entspricht die Fähigkeit des Therapeuten, auf diese Freiheit mit den passenden stilistischen Mitteln einzugehen (216). Irving Yalom, dem Vater der Gruppenanalyse, folgend ist die Grundvoraussetzung jeder Therapie der Aufbau von Hoffnung. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen, indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt und erlebt wird, dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (219). Zur Musiktherapeutischen Arbeit mit Gefühlen Smeijsters und van den Hurk (in: M. Heal and T. Wigram (eds): Music Therapy in Health and Education, London 1993) haben Vorschläge für die Behandlung von Gefühlen in der Musiktherapie vorgelegt. 1. Bei Aggressionen: Ermutige zum Ausdruck der Wut, bis sie „verraucht“ ist, das heißt, bis die Vehemenz nachlässt –hörbar in Lautstärke, Rhythmus und Tempo. Nach nicht allzu langer Zeit soll ein Ausgleich zwischen musikalischer Entspannung und Erleichterung entstehen. Ein solcher Vorgang nur einmal pro Sitzung.
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Wenn die Vehemenz des musikalischen Ausdruck nicht nachlässt und zu erwarten ist, dass der Gefühlsausdruck eskaliert und in unkontrolliertes regressives Verhalten abgleitet, soll der Prozess gestoppt werden, indem man das musikalische Spiel in eine andere Richtung lenkt. Wenn das nicht gelingt, muss der Klient bei seinem Spiel auf dem gewählten Instrument gestoppt werden und ihm ein anderes angeboten werden. Nach dem Prozess des Zulassens rege den Klienten an, „eine Linie zu ziehen“, das heißt zu erkennen, wie weit man den Affektausdruck zulassen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren. Hierbei ist es hilfreich, den Wechsel von musikalischer Spannung und Lösung im Zusammenhang mit emotionaler Entwicklung zu üben. Das Zulassen von Aggressionen sollte man unterlassen, wenn kein Verständnis entsteht zwischen dem Gefühl und der Lebenserfahrung und wenn der Gefühlsausdruck kein neues Material hervorbringt (255). 178

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2. Bei Trauer Rege den Patienten an, symbolisch Abschied zu nehmen und zu geben, musikalisch in der Musiktherapie und nicht musikalisch außerhalb der Musiktherapie, z.B. mit einem geeigneten Ritual. Schätze den emotionalen Ausdruck vor dem Hintergrund ein, welche Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks der Patient in der Vergangenheit hatte (255). 3. Bei Gefühlen der Nutz- und Wertlosigkeit ist die Haltung des „musikalischen Nährens und Pflegens“ erforderlich. Drücke die Gefühle musikalisch aus. Wenn der Therapeut das mit dem Patienten und für ihn tut, soll er empathischen Techniken und seiner Gegenübertragung folgen. Wenn erforderlich, mache dem Klienten ein musikalisches Geschenk, das Eigenschaften besitzt, die ihn emotional berühren. Nimm symbolisch die Rolle der frühsten Pflegeperson des Patienten ein. Versuche die Gefühle des Patienten zu kompensieren, indem du die Improvisation so gestaltest, dass der Patient wahrnimmt, wie notwendig sein eigener musikalischer Beitrag ist (256). 4. Für den Aufbau von Selbstvertrauen Unterstütze den Patienten in einer weise, dass er sein eigens Spiel als einen wichtigen Beitrag für das Zustandekommen der Musik erlebt. Räume dem Patienten zur rechten Zeit die Rolle ein, selbst initiativ zu werden und den musikalischen Prozess zu bestimmen. Konfrontiere den Patienten mit abweichendem Material, wenn er sich wiederholt und auf ein und dieselbe Ausdrucksweise festgelegt hat (257). 5. Zur Beeinflussung von Verhaltensweisen Verbreitet ist die Auffassung, dass Verhaltensmuster mit musikalischen Mitteln beeinflusst werden können. Mit anderen Worten: Wenn sich musikalische Verhaltensmuster verändern, ändern sich die entsprechenden allgemeinen Verhaltensmuster. Hierbei ist das Konzept der „Integration“ zu Grunde gelegt: Nicht gelebte Möglichkeiten des Verhaltens werden erkannt, musikalischerlebt und auf generelles (Alltags-)verhalten übertragen. Dieser Vorgang kann durch folgendes therapeutisches Vorgehen gefördert werden: Rege den Patienten in der Improvisation zu Formen an, die verschiedene Elemente enthalten. Ermutige den Patienten, Motive zu variieren. Beziehe Ausdrucksweisen in das Spiel ein, die der Patient vermeidet. Lade den Patienten ein, andere Personen musikalisch darzustellen, auf die er Teile von sich projiziert hat. Ermutige den Patienten, über unbekannte und unverständliche Anteile von sich selbst zu improvisieren. Finde Instrumente, die entgegengesetzte Verhaltensmuster und Gefühlsäußerungen zum Ausdruck bringen (257 f).

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11 Weitere Themen der Vorlesung
Rezeptive Musiktherapieverfahren Christoph Schwabe (Hg): Regulative Musiktherapie, Jena 1996 ders.: Entspannungstraining mit Musik, Leipzig 1987 Hermann Rauhe: Musik hilft heilen, München 1993 Musiktherapie bei Autismus Juliette Alvin: Musik und Musiktherapie für behinderte und autistische Kinder, Stuttgart 1988 Paul Nordoff, Clive Robbins: Musik als Therapie für behinderte Kinder, Stuttgart 1975 dies.: Schöpferische Musiktherapie, Stuttgart 1986 Karin Schumacher: Musiktherapie mit autistischen Kindern, Stuttgart 1994 dies.: Musiktherapie und Säuglingsforschung, Frankfurt am Main 2000 Musiktherapie mit Kindern Jutta Brückner u.a. Musiktherapie für Kinder, Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern, Stuttgart 1997 Das Buch „Kindermusiktherapie. Richtungen und Methoden“ (herausgegeben von Stiff und Tüpker (2007) Göttingen 2007 gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet), Kindermusiktherapie, die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner), Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel), Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert), Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung, eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations- und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT (www.musiktherapie.unisiegen.de) finden sich praxisnahe Beiträge zu:

MUSIKTHERAPIE MIT KINDERN
Armbrust, Wolfgang: „Zeige mir was du brauchst“ - Musiktherapie mit verhaltens-auffälligen, behinderten und schwerst- mehrfach behinderten Kindern Brockhaus-Albrecht, Katja: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Kindern in der Sozialpädagogik Drews, Ingrid: Der Klang der Sinne. Integration der Musiktherapie in das Konzept eines Kindergartens. Fraaß, Katja: Musiktherapie bei Kindern mit ADS Frings, Anke: „Begegnung durch Musik“ - Entwicklungsförderung durch Musiktherapie für Kinder im Vorschulalter Garthe, Susanne: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen und traumatisierten Kindern in einem Montessori – Kinderhaus 180

Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Grundschulkindern Schönich. Musiktherapie mit 3 Jungen mit dem „Hyperkinetischen Syndrom“ Kritzer. Beate: „Ich schenke Dir einen Klang“. Doris: Musiktherapie bei sexuellem Missbrauch Mayerle-Jarmer. Kathrin: Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung Hennen. Susanne: Musiktherapie mit systemischen Therapieansätzen als Arbeitsweise in einer Erziehungsberatungsstelle Knickel.Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen 181 . Christiane: Musiktherapeutische Arbeit mit Kindern an einer Grundschule Kolb. Mareile: Musiktherapie mit Kindern eines Schulkindergartens in einem sozialen Brennpunkt Ufer. Musiktherapeutische Einzelförderung in einem Kindergarten Medek.und Einzelarbeit in einem Kindergarten Mayerle-Jarmer. Annja: Musiktherapie mit Flüchtlingskindern AUS DER ARBEIT MIT JUGENDLICHEN Dentler. Renate: Möglichkeiten und Grenzen musikalisch-therapeutischer Arbeit mit „verhaltensauffälligen Kindern Kranz. Julia: Musiktherapeutische Einzelarbeit mit verhaltensauffälligen Kindern in einer Kindertagesstätte Heymann-Röder. Helmut: Grenzerfahrungen. Inge: Atem und Stimme. Ein präventives Gruppenangebot Rogmann. Bettina: Musiktherapie mit krebskranken Kindern Strietzel.Grewe-Heitfeld. Karl. Ursula: Musik mit Kindern nach Trennung und Scheidung. Aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen Schmidt-Poschinski. Marietheres: Musiktherapeutische Prozesse in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern Schreiber. Susanne: Beziehung – Klang – Resonanz. (macht noch lange nicht Musik) .. Saskia: Ein Ton allein. Ingrid: „Pass auf. Angela: Kann ich dir begegnen? Musiktherapie mit ungewöhnlichen Kindern an einem Sonderpädagogischen Zentrum in Österreich Münch.. Elisabeth: Musiktherapie mit Kindern an einer Schule für Sprachbehinderte Hövelmann. . dass du nicht auf einen Vulkan stößt!“ Musiktherapie mit Vorschulkindern dokumentiert anhand des Beispiels eines emotional verhaltensauffälligen Kindes in einem Kindergarten Kowald.. Daniela: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern Reukauf. Margrit und Kapteina.. Hartmut: Musik in der Therapie und Prävention bei Suchterkrankung und –Gefährdung am Beispiel von Kindern suchtkranker Eltern Marnach. Ursula: Musikalisch-therapeutische Maßnahmen im Förderunterricht der Grundschule Vetter. Dorothea: Zum Einsatz von Musik während der Dialyse von Kindern und Jugendlichen Tietke-Martel. Beate: Musikalisch-therapeutische Gruppen.Heinz: Rockmusik . Ursula: Musiktherapeutische Begleitung von Kindern innerhalb der Familienberatung Schicha. Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern Kröger.

Angelika: Musikalisch-therapeutische Selbsterfahrung in einem Müttergenesungsheim Hoffmann. Astrid: Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma Lingenfelder. Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung Liolios.“ Folkloretänze in Therapie und Prävention Kletke-Drawert.und Jugendpsychiatrie Wolf. Ingrid: Die Relevanz einer musikalisch-therapeutischen Frauen . Katrin: Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung und Autismus Golomski. Ramona: Wohin die Reise geht.Selbsterfahrungsgruppe für eine Frau mit depressivem Syndrom Döhler. Musiktherapie in der Palliativmedizin Behr.ach . Michael: Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation Fleischer. Hartmut: Liedersingen mit Psychose-Patienten Meier. Vassilios und Kapteina. Martina: Kontakt – Begegnung – Beziehung.und drogenabhängigen Erwachsenen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heinzen.Momente der Freude und des Glücks.in meinem Leib.. Beate Erinnerung durch vertraute Klänge Kapteina. Simone: Musiktherapie mit Menschen mit Behinderung und mit Menschen mit Autismus MUSIKTHERAPIE MIT ERWACHSENEN Alm. Ulrike: Musiktherapie als integraler Bestandteil in der tagesklinischen Betreuung psychisch Kranker Biewald. Nicole: Begegnungen für den Augenblick .. Burkhard: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot Hürkamp. Validierende Musiktherapie mit dementen Menschen 182 .Heinz: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit Hill.“ Musiktherapeutische Arbeit mit einer bulimischen Jugendlichen in der Kinder.Dentler. Elisabeth: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit lernbehinderten Jugendlichen Regenbrecht. Bettina: Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung Fliegner. Katharina: „Zwei Seelen wohnen . Andrea: Wirkungschancen von musiktherapeutischen Prozessen für Menschen mit Behinderungen am Beispiel eines Mannes mit Autismusdiagnose Derks. Karl. Hartmut: „Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen. Monika: Musiktherapie mit alten Menschen im klinischen Bereich Brucherseifer. Sabine: Aus den Quellen der Erinnerung die Gegenwart speisen. Ulrike: Musiktherapie mit chronisch kranken Menschen im Ambulanten Hospiz und in der Onkologie eines Akutkrankenhauses Hesse. Musiktherapie mit Patienten einer Akutpsychiatrischen Station Hillingshäuser. Maria: Musiktherapie im Behandlungskontext einer psychosomatischen Klinik Bartlau. Anita: Die Integration musiktherapeutischer Interventionen in gemeindepsychiatrische Angebote der Gelben Villa Cremer. Annette: Musiktherapie mit alkohol. Petra: Möglichkeiten und Grenzen der musikalischen Gruppenimprovisation mit psychose-erkrankten Erwachsenen in einem sozial-psychiatrischen Zentrum Dümpelmann..

Barbara: Musiktherapie mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Werbick. Kristin: Beziehung gestalten und sinnhaftes Leben erfahren – musiktherapeutische Anregungen zur Erhöhung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter Soost. Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Patienten der gynäkologischen Rehabilitation Sandte.und schwerkranken psychiatrischen Patienten Partner. Cornelia: Berührung . Elisabeth: Kirchenmusik im Spannungsfeld zwischen Seelsorge und Psychotherapie. Eva-Maria: Gruppenmusiktherapie mit chronisch.Beziehung . Wolfgang: Arbeit mit Erwachsenen. Musiktherapie: Ein neuer Weg? Schwarz. Rigulf: Musiktherapie mit PatientInnen in der Akut-Psychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Hildesheim Nolte. Die Bedeutung der musikalischen Improvisation in einer Selbsterfahrungsgruppe mit Männern in der Suchtprävention Weber. Peter: „Schläft ein Lied in allen Dingen …“ Biografieorientierte Musiktherapie mit BewohnerInnen einer Gerontopsychiatrie Scheu. die unter chronischen Schmerzen leiden Spörer. Oliver: Musiktherapie bei geistig behinderten Menschen mit psychischer Störung Schubarth. Eta: Ich spiele. Friedhelm: Einzelmusiktherapie mit dementen alten Menschen im Spannungsfeld zwischen Gedächtnistraining und Psychotherapie Schmidt-Rath. Beispiele aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit Erwachsenen Schneider.Musiktherapie in einer Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen 183 . Andreas: “Ich komme meiner Seele nahe” . Uta: Musiktherapie mit einer depressiven Klientin im Mutter-KindKurheim „Emmi Welter“ Werbick. Gabriele: Fermate. Manuel: Männer unterwegs. Barbara: Musik und Bewegung mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Ziebarth. Gerd: Erfahrungen mit einer neuen Form von Tiefenentspannung und der rezeptiven Musiktherapie mit onkologischen Patienten einer stationären Rehaklinik Vanegas. Werner: Musiktherapie mit alten verwirrten Menschen Rau-Krüger. was ich nicht sagen kann. Erfahrungen mit Musiktherapie in einer psychiatrischen Tagesklinik Reitz. Bärbel: KON-TAKTE. Heike: Einige grundlegende Gedanken über die Stimme in der Psychotherapie und dem Schnittfeld von Musiktherapie und Musikpädagogik aus der Sicht des Gestaltansatzes.Bewegung. Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Menschen mit mehrfacher Behinderung Schrade. Wolfgang: Musiktherapie bei Depression Soost. Musiktherapie in der Rehabilitation psychisch kranker Menschen Treschhaus.Nemitz.

zuständig. ist eine Mitgliedschaft in der DMGT sehr zu empfehlen. Praktikumplätze. 56 14136 Berlin 37 Hier erhält man auch die sehr lesenswerte Fachzeitschrift „ringgespräch über Gruppenimprovisation“. die musiktherapeutische Fortbildungen durchführen sind: Freies Musikzentrum e.V. Berechtigung.musiktherapie. Gestalttherapie und Kreativitätsförderung Wefelsen 5 in 42499 Hückeswagen und Internationale Gesellschaft für Musikpädagogische Fortbildung e. Für jeden. Die Landesarbeitsgemeinschaften für Musiktherapie und die Sektionen veranstalten Weiterbildungsveranstaltungen. außerdem zweimal im Jahr den „Info-Dienst“ mit aktuellen Insider-Informationen. und schließlich: über den aktuellen Berufs-. fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist: Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft (DMTG e. Literatur. Ressourcen und vieles andere mehr. Ismaninger Str. 4 Hefte pro Jahr im Gesamtumfang von ca. Die DGMT gliedert sich in Regionalverbände. Über die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie erhält man aktuelle Informationen über den gesamten Musiktherapiemarkt.Berlin@t-online. die Musiktherapeutische Umschau.V. den Titel Musiktherapeut/Musiktherapeutin zu führen und selbständig als Musiktherapeutin zu arbeiten.V.und Weiterbildungsmarkt informiert die Broschüre 2-II-A 3 „Blätter zur Berufskunde. freie Stellen für Musiktherapeuten. sogenannten Landesarbeitsgemeinschaften. Weitere Institutionen. Ebenfalls ist die DMTG für Fragen der berufsrechtlichen Anerkennung. zu beziehen über die Arbeitsämter. In der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie gibt es eine Sektion Studenten. bei denen musiktherapeutische Weiterbildung. (IGMF) Postfach 14 43 in 57319 Bad Berleburg Informationen über Gruppenimprovisation erhält man als Mitglied im Ring für Gruppenimprovisation Matthias Schwabe Wilskistr.) Libauer Straße 17 10245 Berlin Telefon 030/29 49 2493 Fax 030/29 49 2493 Email: DGMT.de Für einen Mitgliederbeitrag von DM 200. 184 .de http://www. Aus. 29 in 81675 München 80 Fritz Perls Institut für Integrative Therapie. 370 Seiten.im Jahr (Studierende unserer Ausbildung bekommen Ermäßigung) erhält man das meiner Meinung nach wichtigste musiktherapeutische Fachorgan in deutscher Sprache.12 Anschriften. Projektwochen etc. Diplom-Musiktherapeut / Diplom-Musiktherapeutin“ der Bundesanstalt für Arbeit. ungefähr entsprechend den Bundesländern.. der sich langfristig im Bereich der Musiktherapie engagieren und weiterentwickeln will.

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