Skript zur

Einführung in die Musiktherapie
Musikpsychologische und klinische Grundlagen des Helfens und Heilens mit Musik
Universität Siegen
Univ.-Prof. Hartmut Kapteina
Musikpädagogik Musiktherapie 57068 Siegen Hölderlinstr.3 Raum H-D 7203 Tel. 0271/740-3212 Email: kapteina@musik.uni-siegen.de

April 2009

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Inhaltsübersicht
1 2 3 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze......................................... 4 Literaturdienst ................................................................................................................................................. 6 Definition der Musiktherapie ......................................................................................................................... 8

3.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie .................................................................................... 11 3.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005............................................ 14 3.3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik........................................ 17
4 Was geschieht, wenn wir Musik hören? ........................................................................................................ 18

4.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs....................................................................... 19 4.2 Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen ...................................................................... 21 4.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere............................................................................ 23 4.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen............... 25 4.5 Biophysik des Musikerlebens.............................................................................................. 28 4.6 Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben ............................................................ 39 4.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben ...................................................................... 46 4.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik.......................................................... 54 4.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens.................................................................... 57 4.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens.................................... 58 4.11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ .................................... 59 4.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens................................................... 63 4.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens........................................................... 67 4.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens...................................... 68 4.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens ........................................................ 75 4.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens ..................................................................... 80 4.17 Politische Aspekte des Musikerlebens...................................................................... 82 4.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik............................. 84
5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen............................................................................................................... 90

5.1 5.2 5.3 5.4
6 7

Hören vor der Geburt .......................................................................................................... 91 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“................................................................................. 97 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten .............................................................. 98 Musiktherapie mit Koma - Patienten .................................................................................. 101

Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst ............................................. 102 Musiktherapie in der Psychiatrie ................................................................................................................... 106

7.1 Musiktherapie bei Schizophrenie........................................................................................ 110 7.2 Musiktherapie bei Depression............................................................................................. 114 2

7.3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen.................................................................. 124 7.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen.................................................... 135
8 9 Musiktherapie und Sozialpädagogik.............................................................................................................. 141 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit......................................................................................... 145

9.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen ................................ 149
10 Neue Musik, Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik ................................................................ 165

10.1
11 12

Ökologie der Gruppenimprovisation ........................................................................ 174

Weitere Themen der Vorlesung...................................................................................................................... 180 Anschriften, bei denen musiktherapeutische Weiterbildung, fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist:................................................................................................................... 184

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entwicklungsgestörten Kindern. Herbert Bruhn: Musiktherapie. Bern 1999 stellt „Forschungsstrategien und praktische Erfahrungen“ heraus und bearbeitet auch die ästhetischen Aspekte der Musiktherapie. warum bei welcher Krankheit oder Störung Musiktherapie etwas leistet. das keine andere Psychotherapie leisten kann. Droh: Musik in der Medizin (Berlin und Heidelberg 1987) und Musik-Medizin (Stuttgart 1992) informieren über die medizinisch orientierten Ansätze der Musiktherapie. Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie.Szene. einem theoretischen Grundlagenbeitrag zur Methodik der Musiktherapie von Christoph Schwabe und Praxisbeiträgen aus der Psychiatrie.1 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze Leslie Bunt: Musiktherapie. Petzold herausgegebene Buch „Musiktherapie in der klinischen Arbeit“ (Fischer. Henk Smeijsters: Musiktherapie als Psychotherapie (Stuttgart 1994) stellt die verschiedenen aktuellen Richtungen der Musiktherapie dar. bei psychosomatischen Erkrankungen. Er geht von der Frage aus. Stuttgart). Heilpädagogik. Arbeit mit hirngeschädigten.bis zu geriatrischer Therapie ebenso das 1997 von Lotti Müller und Hilarion G. Ein Beitrag zur Ausbildung an der Wiener Hochschule und über außereuropäische Heilmusik beschließt den Bogen den dieses Werk umspannt. David Aldrige: Musiktherapie in der Medizin. Weinheim 1998 bietet einen Überblick über die weltweite Musiktherapie . Eine Einführung in die Musiktherapie“ (Beck. Geschichte – Theorien – Methoden. Der 1998 von Werner Kraus herausgegebene Band „Die Heilkraft der Musik. Eine neue Gesamtdarstellung von Hans Helmut Decker-Voigt (Hrsg. die stark an der Diagnostik orientiert ist. Wolfgang Strobel/Gernot Huppmann: „Musiktherapie“ (Göttingen 1978) ist stark historisch orientiert und die Bücher von R. mit Psychotikern und Neurotikern.) informiert über die Schulen der Musiktherapie. bei Depression und im Strafvollzug. einem geschichtlichen Überblick. Schließlich ist in der Reihe der Gesamtdarstellungen zu nennen: der von Gerhard Harrer 1982 herausgegebene Sammelband „Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie“ (Stuttgart) mit einigen musikpsychologischen Beiträgen. Eine Einführung in psychosoziale und medizinische Berufe. Göttingen 2000 bietet ebenfalls einen umfassenden Überblick. Göttingen 1999 hat eine Theorie und Forschungspraxis vorgelegt. Spintge und R. München 2001 4 . Praxis und Theoriestand.und sonderpädagogische Aspekte besonders berücksichtigt sind. wobei heil. München) enthält neben allgemeinen Beiträgen zum Berufsbild und zu Ausbildungsmöglichkeiten Praxisschilderungen von der Kinder.

Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. Das von Wigram.2009 erscheint die Neuauflage des „Lexikon Musiktherapie“ (Hogrefe Verlag Göttingen) erschienen. Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel).musiktherapie. Forschungsansätze und Ausbildungsformen der Musiktherapie in Europa. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner).de“ 5 . Anwendungsgebiete.und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Kindermusiktherapie. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. Der von Stiff und Tüpker herausgegebene Sammelband Kindermusiktherapie. es enthält in alphabetischer Reihenfolge ca. Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft informiert über Musiktherapie auf einer Internet Homepage: „www. Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert). Research and Training. Richtungen. London 2002) liefert einen kompletten Überblick über Geschichte. Richtungen und Methoden (Göttingen 2007) gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen vor: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet). Clinical Practice. Inge Nygaard Pedersen und Lars Ole Bonde herausgegebene Lehrbuch zur Musiktherapie (A Comprehensive Guide to Music Therapy. 100 Beiträge von „Abwehr“ bis „Trance“ und ist das zur Zeit aktuellste Kompendium zur Musiktherapie. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die OrffMusiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). theoretische Grundlagen.

Musikethnologie. Anthroposophische Musiktherapie. Depression. Dyskalkulie. Körpertherapie. Ausdruckstherapie. Neuseeland. Es enthält Bücher (Artikel aus Sammelbänden werden einzeln aufgeführt). Musikschule. Grundschule. Gesprächsführung. Italien. Bachelor. Berimbao. Evaluation. klassische Musik. Frühförderung. Emotionalität. Melodie. Cerebralparese. Autismus. MusikerInnen-Krankheiten. integrative Musiktherapie. Indien. D Dänemark. Bei mehr als sechs Stichwörtern schicken Sie uns bitte eine Diskette. Anthropologie der Musik. Afrika. Herz. Multimorbidität. Großbritannien. Lieder. 6 . Indianer. Musikalische Gestaltung. Geschichte der Musiktherapie. Adipositas. Narzissmus. feministische Therapie. N Nachsorge. Israel. Altenarbeit. Mädchenarbeit. Jugendliche. Kopfschmerzen.oder Masterarbeit verfassen möchten. Gegenübertragung. Katathymes Bilderleben. Mutter-Kind-Interaktion. Musikpsychologie. Körperkontakt. Krebs. Ehe. Morphologie. Entwicklungspsychologie. Blasinstrumente. Demenz. Hörgeschädigte. Freizeitpädagogik. Bulimie. Gesetze. Neben den Bibliographien nach DIN-Norm umfasst die Recherche bei einem Teil der Veröffentlichungen eine Kurzzusammenfassung. Multiple Sklerose. Australien. Neid. Morbus Huntington. Belgien. Nordoff-Robbins-Musiktherapie. Medizin. Komposition. Kunsttherapie. Ligeti. Gruppenmusiktherapie. Musikpädagogik. Bibliographie. Das Literaturverzeichnis umfasst mehr als 7000 Titel und wird ständig aktualisiert und erweitert. Immunsystem. Hartmut Kapteina. Ekstase. Bratsche. Hypermotorik. Geburtshilfe. Sonstige Interessenten können dieses Angebot gegen eine Gebühr in Höhe von 5. Für sie entstehen keine Kosten. Erziehung. China. DMVO. Gestalttherapie. Alzheimer. Eßstörungen. die sich in einen speziellen Bereich der Musiktherapie intensiver einarbeiten oder darüber eine Seminar-. Neue Musik. E F G Gamelan-Musik. Jazz. aktive Musiktherapie. Conga. ästhetische Erziehung. Musikerleben. multimediale Arbeit. Amusie. Niederlande. I Identifikation. M Malen. Forschung. Intensivmedizin. Familientherapie. Kuba.€ (bitte als Schein der Literaturanfrage beifügen) in Anspruch nehmen. Klang. Lernbehinderung. Erwachsenenbildung. Epilepsie. Wenn Sie unsere Dienstleistung der Literaturrecherche nutzen möchten. elektronische Musik. Instrumentenbau. Dialyse. Karibik. Universität Siegen. intermediale Arbeit. Gruppentherapie. Behinderte Kinder. Gong. Kindertherapie. Kommunikation. A B C Cello. Kunst. Kurzzeitmusiktherapie. interkulturelle Arbeit. Beziehung. Kanada. Logopädie.-. fernöstliche Medizin. Manie. Erotik. Neurologie. Musikästhetik. Autoaggression. Gesundheit. Meditation. Asthma. Einzelmusiktherapie. Brasilien. Hören. Hölderlinstraße 3. Kinder. Gehemmtheit. Heilpädagogische Musiktherapie. Gewalt. Berufsbild des Musiktherapeuten. Altorientalische Musiktherapie. Anorexia nervosa. Hospiz. Neurose. Geburtsvorbereitung. Hirnphysiologie. Leier. Glocken. Assoziation. Jugendarbeit. Gruppenimprovisation. InstrumenJ Japan. Dramatherapie. Massenmedien. Geriatrie. forensische Psychiatrie. Klangschalen. Audio-Psycho-Phonologie. Imagination. Kriegstrauma. Kontrabaß. unter Verwendung nachfolgender Stichworte an: Prof. Genuß. Heilpädagogik. Drogenabhängigkeit. Hirnschädigung. graphische Notation.2 Literaturdienst Die Universität Siegen hat einen speziellen Literaturdienst für Musiktherapie und Soziale Arbeit eingerichtet: Dieser Service richtet sich zum einen an Studierende der Universität Siegen und die Teilnehmer der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung. Behinderung. K Kalimba. Drogenabhängige. Musikmalen. Indikation. frühe Störungen. Atem. Entspannung. Linkshändigkeit. Märchen. Afrikanische Musik. Didgeridoo. Ästhetik. Gitarre. Griechenland. Dokumentation musiktherapeutischer Prozesse. 57068 Siegen. Flöte. Körperbehinderung. Autonomie. morphologische Musiktherapie. archetypische Klänge. Aids. Angst. Mutismus. Folteropfer. Kreativität. Lese-Rechtschreibschwäche. initiatische Musiktherapie. Borderline. Flüchtlinge. geistige Behinderung. Heimerziehung. Artikel aus Fachzeitschriften und „graue Literatur”. Alkoholabhängige. Lehrmusiktherapie. Islam. Musiksoziologie. Jugendpsychiatrie. Frankreich. Aggression. Geige. Konsum. Musikgeschichte. Diagnostik. Ausbildung. Mallet-Instrumente. H Hauterkrankungen. Notation. Hypnose talspiel. Keyboard. Manipulation. musikalische Früherziehung. Dialog. Anaesthesiologie. Esoterik.und Jugendpsychiatrie. Bilderleben. Musikwirkung. Bewegungstherapie. Indonesien. Kindermusiktherapie. Autogenes Training. Bewegungserziehung. Eskimo. Norwegen. Kindergarten. Free Jazz. Frühgeborene. Diplom-. Improvisation. Körpererfahrung. NLP. Geburtsprozess. Anthroposophie. Gestaltungstherapie. Eltern. richten Sie bitte einen schriftlichen Auftrag mit der genauen Beschreibung Ihrer Suchanfrage. Krankheitsbewältigung. Chaos. Heilritual. Intermusiktherapie Inzest. Computermusik. Koma. Musikhören. Gestaltung. Down-Syndrom. Blutdruck. Klavier. Musikinstrumente. Ethik. Kontakt. Musikwissenschaft. Motivation. L Lautstärke. Adorno. Gruppenpädagogik. Monocord. Frauen. Gerontopsychiatrie. Bewußtseinsstruktur.

Philosophie. Schwirrholz. Schizophrenie. Supervision. Selbstwahrnehmung. Trommel. Verhaltensauffälligkeit. Utopie. Sozialmusiktherapie. Österreich. Psychiatrie. Videoarbeit. Schwerst-Mehrfachbehinderung. Schmerz. Schlagzeug. Regulative Musiktherapie. TZI. systemische Therapie. pränatal. Singen. Zwangserkrankungen. Ostdeutschland. Vibraphon. Rollenspiel Sansa. Z Zahnmedizin. Obertöne. Vorschulerziehung. Y Yoga. Psychoanalyse. Parkinson. Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Rehabilitation. 7 . X Xylophon. szenisches Spiel Tamtam. Strafvollzug. Schamanismus. Tod. Spielesammlung. Politik. psychische Krankheit. Posaune. Sexualität. Symbol. Rheuma. R Rassel. USA. Werbung. Singeleitung. Türkei. Sprachstörung. Tinnitus. Stimme. Stress. rezeptive Musiktherapie. Sozialpsychologie. Sprachentwicklung. V Vegetativum. Ritual. sexueller Missbrauch. Rhythmik. Suchtprävention. Suchttherapie. Ocean-Drum. Spiritualität. Volkstanz. Schwangerschaftsabbruch. Rockmusik. Psychomotorik. Streichinstrumente. Traum. Sozialpsychiatrie. Tanztherapie. Psychotherapie Q Qualitätssicherung. Psychodrama. Schweiz. Prävention. Trauer. Tibet. Säuglinge. Tanz. Sterbende. Tomatis. Verhaltenstherapie. therapeutische Beziehung.O Obdachlose. Theorie der Musiktherapie. Synthesizer. Schule. Videofilme zur Musiktherapie. Zeit. Vibration. Südafrika. Psychose. W Wahrnehmung. Prozesse. Perkussionsinstrumente. Stille. Schlaganfall. Regression. Poesie. Suizid. Sehbehinderung. Schlitztrommel. Trauma. S T U Ungarn. Religion. Skandinavien. Pogrammusik. Selbstmanagement-Therapie. Theater. Wahrnehmungsförderung. Psychosomatik. Unterhaltungsmusik. Transzendenz. Spiel. Trance. P Paartherapie. Rhythmus. Sonderpädagogik. Orff. Übertragung. Polen. Widerstand. Psychopathologie. Psychologie. Schweden. Psychoanalytische Musiktherapie. Sucht. Shruti-Box.

1989. gilt (vgl. Research and Training. In der Musiktherapie versuchen wir. Improvisation wird total frei behandelt. der amerikanischen Musiktherapie . wie Klienten die Musik benutzen. um die geistige. Für sie ist der Komponist Strawinsky einer der bedeutendsten Komponisten des 20ten Jahrhunderts. und Erziehung von Kindern und Erwachsenen. weil Musik die Kraft besitze. 1): Musiktherapie ist der Einsatz von Musik. die bestimmte soziale.). wie Musik zur eigenen psychischen Stabilisierung beiträgt. atonalen Klängen und asymmetrischen Rhythmen „die Tür für die Entwicklung der Freien Improvisationstherapie öffnete. über Musik Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. Auch ALVIN betont: “Erfolg oder Versagen der Musiktherapie hängen sowohl von menschlichen wie musikalischen Faktoren der Beziehung ab” (1975. musikalische Vorkenntnisse und instrumentale Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt und der Therapeut gibt keine wie auch immer geartete Regeln oder musikalische Strukturen vor (vgl. Der Mensch könne sich selbst in seinen musikalischen Produkten erkennen.4). Inge NYGAARD PEDERSEN und Lars Ole BONDE (A Comprehensive Guide to Music Therapy. Rehabilitation.130-134) beschreiben die Musiktherapie von Juliette ALVIN. des Kontrapunktes und der Formenlehre brach und mit der Akzeptanz von Dissonanz.Die Definition verfolgt insgesamt einen eher therapeutenzentrierten Ansatz. Therapeutische Ziele stehen auch Definition des NAMT. nach der Musiktherapie als der gezielte Einsatz von Musik bei Behandlung. Ähnlich orientiert ist BRUSCIAS Definition der Australischen Musiktherapie . Sie hebt die Bedeutung der Psychoanalyse von Sigmund Freud für die Musiktherapie hervor. FLESHMAN & FRYREAR 1981. um Probleme in der Kommunikation zu überwinden. 59) und die sich innerhalb des kreativen Verlaufs einer therapeutischen Beziehung entwickeln. 82). der mit den überlieferten musikalischen Gesetzen der Harmonielehre. zu erhalten und zu verbessern. Über viele Jahre galt als Standard der britischen Musiktherapie die Definition von Juliette ALVIN. körperliche oder intellektuelle Probleme haben (vgl. London 2002. Andere Definitionen heben Verhaltensänderungen hervor. und schließlich pendelte sich das Selbstverständnis der Musiktherapie irgendwo zwischen den beiden Extremen ein (vgl. Jede denkbare Art von musikalischer Aktivität kann verwendet werden. S. Auf diese Weise kommen sie in Kontakt zu ihren eigenen Ressourcen und Stärken. um therapeutische Ziele bei Kindern und Erwachsenen zu erreichen.Vereinigung: Musiktherapie sei der gezielte Einsatz von Musik. ebd. dass zunächst die Betonung auf der Musik lag und die Rolle des Therapeuten vernachlässigt wurde. einer der modernen MusiktherapiePioniere als „Free Improvisation Therapy“. Diese verschiedenen Schwerpunkte bestimmen die Diskussionen weiterhin auf nationaler und 8 . Wie in den USA so verlief die Entwicklung der Musiktherapie auch in den europäischen Ländern so. (NORDOFF & ROBBINS 1986). 1975. Clinical Practice. psychische und physische Gesundheit wieder herzustellen.3 Definition der Musiktherapie Für viele Menschen ist die Verbindung zwischen “Musik“ und “Therapie“ offensichtlich.172). bei dem die Therapie an Kindern und Erwachsenen vollzogen wird. Wir können beobachten. Tony WIGRAM. BUNT 1998). Aspekte des Unbewussten zum Vorschein zu bringen. die durch Musiktherapie bewirkt werden (vgl. die an physischen.Vereinigung im Vordergrund (1980. in der Klienten und Therapeuten ohne vorgegebene Regeln frei spielen und ihren persönlichen Charakter zum Ausdruck bringen können“ (131). vor allem wenn sie neben ihrem Unterhaltungswert entdeckt haben. emotionale. psychischen und emotionalen Störungen leiden. Klient und Therapeut bestimmen gleichberechtigt über die musikalische Situation. sodann wurde die Musik zugunsten der therapeutischen Beziehung vernachlässigt.

auch KENNY 1982. der Psychologie. gemeinsame Grundlagen und international anerkannte Standards zu entwickeln. der Musikwissenschaft und der Pädagogik. andere bilden Studenten direkt nach der Schule aus.6). in dem sich über gemeinsame musikalische Erfahrungen eine gegenseitige Beziehung zwischen Klienten und Therapeuten bildet. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind” und insofern “an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden” sind. Ärzten und Pädagogen ausgeübt. Das musikalische Material eignet sich.” Die verschiedenen “musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen.” Der Begriff Musiktherapie wird verstanden als “summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen.” Sie ist “Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt. musikalisch und emotional zu begleiten und differenzierte Interaktionen im klanglichen und psychischen Geschehen zu gestalten (vgl. soziale und emotionale Wohlergehen zu fördern (BUNT 1998. Musiktherapie kann also als gezielter Einsatz von Klängen und Musik in einer sich entfaltenden Beziehung zwischen Klient und Therapeut definiert werden mit dem Ziel. dass ein Musiktherapeut als solcher besonders ausgebildet sein muss. Mit der internationalen Ausweitung des Berufes. etwa im Rahmen der Europäischen Union. 1998). In der musiktherapeutischen Beziehung wird Musik als subjektiver Bedeutungsträger verstanden. wird es immer wichtiger. systemischen.internationaler Ebene. S. die ermöglicht. Manche Studiengänge lassen nur Musiker mit Hochschulabschluss und langjähriger Praxiserfahrung zu. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird. Erlebnis-. der “den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen” ermöglicht. KASSELER THESEN MUSIKTHERAPIE als “eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin“ gekennzeichnet. das körperliche. dass sich sowohl aufseiten des Klienten als auch im therapeutischen Prozess selbst Veränderungen ereignen (vgl. Die Vertreter der wichtigsten musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland haben 1998 in den sog. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. Hinzu kommt die Fähigkeit. insbesondere der Medizin. International bestehen unterschiedliche Ausbildungsstandards mit unterschiedlichen akademischen und berufsrechtlichen Abschlüssen. geistige. den Gesellschaftswissenschaften.). Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. In Großbritannien standen Musik und Musiker als Musiktherapeuten immer im Mittelpunkt der Überlegungen.und Kulturgeschichte unterschiedliche Definitionen für Musiktherapie entwickeln und die jeweiligen Besonderheiten ihres Gesundheitswesen berücksichtigen. Insofern stellt Musiktherapie einen Kontext her. 18). Symbolisierungs. nicht aber notwendigerweise ausgebildeter Musiker sein muss (vgl. BUNT 1998. verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen. An ihm können sich Wahrnehmungs-. 50). Literatur: 9 . APMT 1990). In anderen Ländern wird Musiktherapie von Musikpsychologen. die Musik wird von ihnen eher als Mittel einer anderen psychotherapeutischen Methode. “die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. Der brasilianische Musiktherapeut BENENZON meint. anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen” (KASSELER KONFERENZ. “die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht.1981. 17f.und Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. Jedenfalls aber liegt die besondere Leistung der Musiktherapeuten in der “Bereitschaft und Fähigkeit zuzuhören” (STEELE 1988. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren. eher als Teil eines übergeordneten Behandlungsansatzes denn als eigenständige therapeutische Intervention angesehen (vgl. Dabei werden verschiedene Länder entsprechend ihrer jeweiligen Musik.3). Rezeption.

L. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe. L. C. L.: Defining Music Therapy. T..: Forward.: A Comprehensive Guide to Music Therapy. NYGAARD PEDERSEN. Jena 1969 STEELE. & ROBBINS. The wounds that Sing. Weinheim 1998 FLESHMAN.: The Arts in Therapy. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. und BONDE.ALVIN. R. Musiktherapeutische Umschau 1998. Clinical Practice. Illinois 1981 BRUSCIA.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. P. Springfield. London 2000. I.E. Stuttgart 1986 WIGRAM.O. P. Journal of British Music Therapy.: The Mythic Artery. SCHWABE. K. O. The Magic of Music Therapy. J. C. Chicago 1981 KASSELER KONFERENZ MUSIKTHERAPEUTISCHER VEREINIGUNGEN IN DEUTSCHLAND: Thesen zur Musiktherapie. Atuscadero. London 1975 BENENZON.: Music Therapy Manual.: Musiktherapie. & FRYREAR. Spring City. Pennsylvania 1989 BUNT. B. 246 10 . C. 2/1988 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. J. California 1982 NAMT (National Association of Music Therapy): Broschüre zur Berufslaufbahn 1980 NORDOFF. Research and Training. London 2002.: Schöpferische Musiktherapie.: Music Therapy. 232-235 KENNY.

These 3 Ausgehend von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis1 ist Psychotherapie wissenschaftlich fundierte Behandlung mit psychologischen Mitteln. der Psychologie. Antje (Hrsg. Gleichzeitig implizieren sie eine Abgrenzung zu anderen therapeutischen Verfahren. oder auch ein neues Repertoire zu entwickeln. Musiktherapie bietet als kreativ gestaltendes Therapieverfahren „die Möglichkeit. Die Kasseler Thesen dienen einem gemeinsamen berufspolitischen Vorgehen zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die Ausübung von Musiktherapie. 473-487) mit dem Vergleich zwischen einer Symphonie und einer Maschine: „Eine geläufige Metapher für Heilung in der modernen Kultur setzt den Körper mit einer Maschine gleich. einen schulenübergreifenden Konsens zur Musiktherapie herbeizuführen. Mit diesem Repertoire gehen wir in die Welt und passen es immer wieder improvisierend den augenblicklichen Erfordernissen des Lebens an.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie Präambel Mit den vorliegenden Thesen haben die VertreterInnen der oben genannten acht musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland den Versuch unternommen. Die darin enthaltenen Festlegungen lassen Raum für die unterschiedlichen musiktherapeutischen Konzeptionen und geben gleichzeitig eine verbindliche Basis für die Qualitätssicherung. Ulrike und Stolz.) Improvisation – Therapie – Leben. insbesondere der Medizin.“ Diesem „iatromechanischen Menschenbild“ setzt Aldridge entgegen.“ Daraus würde sich für die Musiktherapeuten die Aufgabe ableiten. These 2 Der Begriff „Musiktherapie” ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen. Dieser Prozess markiert den Beginn einer auf Integration und Kooperation ausgerichteten Entwicklung zwischen den VertreterInnen der unterschiedlichen Musiktherapierichtungen in Deutschland. wird dieser Körper zur Reparatur gebracht. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind. wenn das Leben durch einen unglücklichen Umstand erheblich gestört wird“ (474). Die Thesen können nur in ihrer Gesamtheit verstanden werden. da die einzelnen Aussagen einander bedingen und ergänzen.3. Wir sind in der Welt als biologische. den Patienten solche Anpassungsprozesse zu erleichtern. Die Dynamik der fachlichen und verbandspolitischen Auseinandersetzung zur Erarbeitung der Kasseler Thesen wurde maßgeblich vorangetrieben durch die Begegnung der historisch gewachsenen ost. „dass der Mensch gleich einem Musikstück komponiert ist. Ausbildungsschwerpunkten. den Gesellschaftswissenschaften. Jeder von uns hat ein kompositorisches Thema – seine Identität – und diese stellt ein Repertoire an Möglichkeiten des Seins dar. psychologische und soziale Organismen. um so auf umwälzende Veränderungen zu reagieren. die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. Dieser besteht in Aussagen zu theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen der Musiktherapie. indem sie „– im übertragenen und wörtlichen Sinne – dieses ‚Improvisations-’ Repertoire erweitern.und westdeutschen Fachtraditionen. Sie gehört zum Bereich der Medizin und hat dort eine integrative Funktion. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie. Das bio-psycho-soziale Menschenbild und Krankheitsverständnis verdeutlicht David Aldridge in seinem Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. und nach entsprechender Behandlung ist der Defekt behoben. in denen ebenfalls Musik eingesetzt wird. These 1 Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin. Ist jemand krank. konzeptionellen Voraussetzungen und Anwendungsbereichen. welche in einem ständigen Energiefluss improvisierend auf innere und äußere Anforderungen des täglichen Daseins treffen. auch in Be1 11 . Crossen 2005. Musiktherapie näher zu definieren erfordert Aussagen zum zugrunde liegenden Psychotherapiebegriff und Musikbegriff. der Musikwissenschaft und der Pädagogik.

Als akustisches. An ihm können sich Wahrnehmungs-. Somit ist das Erscheinungsbild psychotherapeutischer Methoden theorie. Erkennen. sozialer – und gesellschaftlich . mit dem sie sich auf die therapeutischen. Auch das Verständnis der Musik als präsentatives Symbolsystem ist darin enthalten (Maria Becker in: Lexikon der Musiktherapie 1996. spiritueller.und Sozialwesens einzustellen vermag. Dieser Vorgang ist Grundlage aller künstlerischen Schaffensprozesse in der Musik. den dynamischen Prozessen der Dyade. psychischer. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. Keine psychotherapeutische Methode oder Technik folgt einem monokausalen Wirkprinzip. 12 . Mukarowský. Psychotherapie begründet sich in der Konstituierung des therapeutischen Settings und ist an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden. Die Wirksamkeit der Psychotherapie entfaltet sich im Wahrnehmen. Musik wird zum subjektiven Bedeutungsträger über den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen. Klänge und Geräusche in übergreifende rhythmische. These 6 ziehung zu einer anderen Person zu hören. wie semiotische (Christoph Schwabe: Methodik der Musiktherapie. Zu „Schall”: Schall ist die Bezeichnung für alle hörbaren Schwingungsvorgänge und schließt die Begriffe Ton und Klang als Phänomene universaler harmonikaler Gesetzmäßigkeiten und den Begriff Geräusch mit ein. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut“ (485). Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren.B. andere Zugänge sind aber ebenfalls abgedeckt. Erlebnis-.1 Sie befindet sich im dialektischen Spannungsfeld individueller – körperlicher. Zu „Artikulation”: Diese Artikulation ist nonverbal und präverbal. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird. das methodischdidaktische Therapeutenverhalten. Lucács). Leipzig 1978) oder ästhetische (z. 230). melodische und harmonische Strukturzusammenhänge gebracht. Wir können hören. Verstehen und im Handeln des Patienten. 1 Zu „gestaltet”: Bei der musikalischen Gestaltung werden Töne. Das musikalische Material eignet sich.Psychotherapie beruht auf einem jeweils zu definierenden theoretischen Konzept. zeitstrukturierendes Geschehen ist sie Artikulation menschlichen Erlebens mit Ausdrucks. das Aussagen zum Menschenbild. sofern diese vom Rezipienten als bedeutsam wahrgenommen werden.und kontextabhängig insbesondere im Bezug auf die Indikationsstellung. den Umgang mit der Gruppendynamik bzw.kultureller Bedingungen und ist dort wirksam und bedeutsam. die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. Symbolisierungsund Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. These 5 In der Musiktherapie ist Musik Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. Erleben. Daraus ergibt sich ein System von Methoden. These 4 Musik ist vom Menschen gestalteter Schall. rehabilitativen und präventiven Gebiete des Gesundheits. zur Ethik und zum Krankheitsverständnis beinhaltet. die Zielsetzung. Rezeption.und Kommunikationsfunktion. Gestaltung schließt auch unbeabsichtigte Schallereignisse ein. Zu „zeitstrukturierend”: Musik beinhaltet Erfahrungen von und mit Zeit. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt.

seelischen und sozialen Vorgängen. Jugendliche und Erwachsene. in Fördereinrichtungen für psychisch. Juli 1998 Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie e. 232 .B.V.V. in psychotherapeutischen Spezialkliniken für Kinder. (DGMT) Deutscher Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e. in stationären und semistationären Kliniken. Das Wesen der musiktherapeutischen Diagnostik liegt in der Beschreibung der musikalischen Phänomene und ihrer Verbindung zu körperlichen. Bundesarbeitsgemeinschaft der staatlich anerkannten Musiktherapieausbildungen (AMA) Ständige Ausbildungsleiter-Konferenz privatrechtlicher musiktherapeutischer Ausbildungen (SAMT) Veröffentlicht in Musiktherapeutische Umschau 1998.235 1 Der Begriff „Ansätze” beinhaltet Theoriebildung und zugehörige Handlungskonzepte. und Erwachsenen in allen Lebensabschnitten) und in freier Praxis. (DBVMT) Berufsverband Klinischer Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e.Musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen.und Gesundheitswesens durchgeführt: • im klinischen Bereich (z. (BKM) Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung Ost e. musikwissenschaftliche. in der prophylaktischen und metaphylaktischen Arbeit bei Kindern. supervidierte Praktika im Berufsfeld. Jugendlichen. Theorie und Methodik musiktherapeutischer Konzepte und deren anthropologische. in ambulanten psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen) im präventiven Bereich (z. medizinische.1 These 7 Musiktherapie wird in Institutionen des Sozial . Kassel. These 10 Die Ausbildung von MusiktherapeutInnen umfaßt: • • • • einen Schwerpunkt in musiktherapeutischer Selbsterfahrung in Bezug auf den Umgang mit Musik. geistig und/oder körperlich behinderte Kinder.V.V. verhaltenstherapeutischlerntheoretischen.B.B. 13 . den 04. Daraus leiten sich Indikationsstellung und Zielformulierung ab. (DMVO) Sektion des Berufsverbandes für Anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT) Verein zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie e.V. Jugendliche und Erwachsene. in somatischen Fachkliniken) im rehabilitativen Bereich (z. erziehungswissenschaftliche und andere Grundlagen Musikpraxis (therapeutisches Handeln mit musikalischen Mitteln). der eigenen Emotionalität und interaktionellen Prozessen. anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen. systemischen. • • • These 8 Voraussetzung für die Anwendung von Musiktherapie ist eine syndromatologische und eine therapieprozessbezogene musiktherapeutische Diagnostik. S. These 9 In der Musiktherapie werden spezifische Dokumentationsverfahren zur Therapieevaluation und zur wissenschaftlichen Forschung verwandt.

Erkennen von Möglichkeiten.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005 Erste Konsensbildung zum Berufsbild Eine verbandsübergreifende Arbeit der Kasseler Delegierten Wegen seiner zentralen Bedeutung widmeten 15 Verbandsdelegierte unter der Gesprächsleitung eines Moderators dem Thema "Berufsbild für Musiktherapeuten" nach längerem Vorlauf eine eintägige Diskussion am 6. Folgende inhaltliche Schwerpunkte sind verbindlich für alle Ausbildungen: musikalische Fertigkeiten und Wissen / professionelle Verfügbarkeit musikalischer Mittel in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen biologische. November 2004.und methodische Ansätze der Musiktherapie allgemein und in verschiedenen Praxisfeldern Wissen über musiktherapeutische Interventionsmöglichkeiten eingehende Kenntnisse in der Theorie und Methodik der gelehrten musiktherapeutischen Konzeption interdisziplinäre Teamfähigkeit einschließlich Dokumentation und Repräsentation o o o Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. psychologische und soziale Lehrinhalte / Kenntnisse in Medizin. SAMT und den Verbänden möchten mit diesen Konsensformulierungen einen konstruktiven Beitrag in alle musiktherapeutischen Felder hinein leisten. Psychologie.3. der zur Anerkennung des Berufes noch zu leisten ist.B.B. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o klinisches Training / Praktika und supervidierte praktische musiktherapeutische Arbeit ethische Prinzipien und Forschung / Weiterentwicklung der musiktherapeutischen Konzeptionen 14 . Grundlage waren die vorher formulierten Sichtweisen aller Verbände anhand von vierzehn (14) für wesentlich gehaltenen Stichpunkten. Die "Thesen der Kasseler Konferenz zur Musiktherapie" erwiesen sich in der Diskussion erneut als wertvolle grundlegende Verständigungsbasis. Personelle Voraussetzung für die Berufsausübung Voraussetzung für die Ausübung des Berufes des Musiktherapeuten ist eine abgeschlossene Ausbildung auf der Grundlage konsensualer Standards. Entwicklungspsychologie. Psychotherapie und sozial-rehabilitative Sachverhalte musiktherapeutische Fertigkeiten und Wissen o theoretisch. Angesichts des Weges. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z. sind den Delegierten Rückmeldungen innerhalb des nächsten Jahres willkommen! 1. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus AMA.

Rollenflexibilität. rehabilitativen und präventiven Bereich tätig. Netzwerke) in Forschung. 4. 15 . Ethik MusiktherapeutInnen sind der Einhaltung des Ethikkodexes der KK verpflichtet (worüber eine gemeinsame Ethikkommission wacht). Flexibilität und Spontaneität bei eigener Kontinuität. Evaluation. Empathiefähigkeit o 3. erlebniszentriert/kreativ und konfliktzentriert-aufdeckend. Umgang mit Aggressivität. Aufgaben In Abhängigkeit vom Handlungsauftrag wird der Ist-Zustand benannt.) stattfinden. Organisation. künstlerisch) als auch in ergänzenden Bereichen (menschenkundlich. Begegnungs-. angemessene Selbstdarstellung. 8. Berufsfelder Musiktherapeuten arbeiten institutionell gebunden oder selbständig in den Berufsfeldern Gesundheitsund Sozialwesen. Vorgaben der Berufsverbände sind zu beachten. Lehre und klinischer und beratender Praxis und in Wechselwirkung mit äußeren Rahmenbedingungen.und Gruppentherapien statt. 6. Berufsentwicklung Der Beruf entwickelt sich zu Eigenständigkeit durch qualitätssichernde Maßnahmen (Dokumentation. medizinisch. Frustrationstoleranz.h. musiktherapeutisch. Ausgehend davon werden Handlungsziele und –Konzepte entwickelt. Motivation zur Arbeit an sich selbst.2. Reifung und Wachstum. psychotherapeutisch. sowie Nähe-Distanz-Regulierung. Erlebnis.a. 7. Weiterbildung ist nicht verpflichtend und liegt im Bereich der eigenen Entscheidung. Spezifische Merkmale Musik als zentrales Wahrnehmungs-.B. Dabei muss das Handlungskonzept reflektiert und dem Entwicklungsprozess angepasst werden. sozial u. Weiterhin sind sie in Forschung. Therapien finden in Einzel. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Tätigkeitsfelder Musiktherapeuten sind im kurativen. Auch das soziale Umfeld kann mit einbezogen werden. Begründung: Fortbildung und Weiterbildung sind zwei grundverschiedene Sachverhalte.und Gestaltungsfeld ermöglicht Veränderung. 5.und Beratungswesen (z. Evtl. Fortbildung kann verlangt werden und ist in vielen Arbeitszusammenhängen sogar verpflichtend. Fähigkeit zu Selbstreflexion. 9. Wirtschaft). Fortbildung Fortbildung soll regelmäßig sowohl fachspezifisch (d. Bildungs. Eingangsvoraussetzungen für die Ausbildung Mindestvoraussetzung 3-jähriger Fachschulabschluss mit Berufstätigkeit / Fachhochschulreife musikalisch-musiktherapeutische Eignung o musikalische Eignung: musikalische Fähigkeiten im Sinne persönlich und freier Ausdrucksmöglichkeit mit differenzierter ausbildungsbezogener Orientierung musiktherapeutische Eignung: psychische und physische Belastbarkeit. und arbeiten übungszentriert/funktional.

als Team. Der Berufsabschluss. mindestens vergleichbar ist.und Bildungswesen um den nonverbalen und kreativtherapeutischen Ansatz bereichert. 14. Sie dient der Reflexion konzeptioneller. Sie setzt das Erkennen der eigenen Grenzen und Respekt vor Arbeitsweisen anderer sowie Transparenz im Darstellen der eigenen Tätigkeit voraus.und Beratungswesen. Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz zeigt sich in der Teamfähigkeit mit kooperierenden Fachdisziplinen (Gesundheits. auch Punkt 1: Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. 12. Standortbestimmung innerhalb des Gesundheitswesens und innerhalb des bundesweiten Berufs. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o Realisation in Dyade und / oder Gruppe Die Quantifizierung findet unter Berücksichtigung der Berufsverbands. der dem B. Vorgaben der DGSv und/oder der Berufsverbände sind zu beachten.B. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z. Menschenbild Musiktherapie versteht den Menschen in einem humanistischen Sinne als bio-psycho-soziales Wesen in einem ökologischen und gesellschaftlichen Kontext.A. Selbsterfahrung Für den Bereich „Selbsterfahrung“ s.und /oder klientenbezogene Supervision wahrgenommen werden. Bildungs.und EMTC-Vorgaben statt.und/oder Gruppensupervision. 16 . 13.10. Evtl. wird erreicht in privatrechtlichen Ausbildungen und staatlichen Studiengängen.B. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit). Erkennen von Möglichkeiten. didaktischer. der das bestehende Gesundheitswesen sowie das Sozial.und Ausbildungssystems Der Beruf wird verstanden als eigenständiger Heilberuf.und Sozialwesen. Supervision Supervision soll regelmäßig in Form von Einzel. Forschung. 11. inhaltlicher und institutioneller Fragen sowie der Reflexion der Therapeutenpersönlichkeit und seiner Handlungskompetenzen zum Zwecke der Sicherstellung einer qualifizierten musiktherapeutischen Behandlung.

um das Schnittfeld zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik zu erfassen: 17 .3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik Björn Tischler schlägt die folgende Übersicht vor.3.

. religiöse und spirituelle Aspekte 18 . 4. politische Aspekte 16. Zur Physiologie des Hörvorgangs 2. wenn wir Musik hören? Überblick 1. tiefenpsychologische Aspekte 12. Musikhören als Akt ästhetischer Aneignung 14. 7. 3. kognitive Aspekte 15. soziale Aspekte 13. 8. 5..4 Was geschieht. 9. 6. und Tieren schädliche Wirkungen beim Menschen Biophysik des Musikerlebens neurophysiologischephysiologische Vorgänge beim Musikhören Körperreaktionen emotionale Reaktionen wahrnehmungspsychologische Aspekte 10. Musikwirkung bei Pflanzen . musikspezifische Zeiterfahrung 11.

geht Tomatis (s. Amboß. St.): Musik im Gesundheitswesen. verstärken eintreffende Schallwellen und übertragen sie auf die inneren Haarzellen“ (Bild der Wissenschaft Heft 12. die in Millisekunden-Bereichen ansprechen“ (51). Die Emissionen spiegeln exakt die Sinnesverarbeitung im Innenohr wider. Details der Untersuchung sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005. „Tief aus dem Schneckengang schallt es in Richtung Trommelfell. 233 f. Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. wonach die Ohren von Wirbeltieren und den Menschen nicht einmal bei völliger Stille ihre Ruhe haben. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs Der Hörvorgang kann als vierfacher Transformationsvorgang schwingender Moleküle beschrieben werden: Akustische Vibration Außenohr Ohrmuschel Gehörgang Mechanische Vibration Mittelohr Trommelfell Ohrknöchelchen Flüssige Vibration Innenohr Cochlea Vestibulärsystem Neuronale Energie Hörnerv Gleichgewichtsnerv Zentr. dass der Schall im wesentlichen über die Vibration der Schädelknochen übertragen wird. Diese Theorie ist neuerdings durch Forschungen an der Technischen Universität München belegt worden.und Ausgleichssystems erhalten (Alfred Tomatis 1987. 137). S.4. sie erzeugen selber Töne. im Gegensatz biochemisch aktivierten Sinneskanälen z. bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird. im visuellen System. Funktion der äußeren Haarzellen ist: „sie erzeugen die mysteriösen Emissionen. Diese Auffassung scheint die Erkenntnis von Zucarelli zu stützen.u. Bedeutung und Möglichkeiten musikmedizinscher und musiktherapeutischer Ansätze. Steigbügel) übertragen werden und von dort über das ovale Fenster die Innenohrflüssigkeit in Schwingung versetzen. dass die Vibrationen des Trommelfells auf die Gehörknöchelchen (Hammer. Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden. S. 19 . Während man generell davon ausgeht. dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten und dass umgekehrt im rechten deutlich Sprache stärker verstärkt werde. 21). Michael H.“ In der Schnecke gibt es innere und äußere Haarzellen (Corti-Zellen). Dieser ‚Rückschall’ erlaubt heute die präzise Messung der Hörfunktion.B. die das Gehör über Nervenzellen mit dem Gehirn verbinden. 1989. die inneren machen nur ein Viertel aus „und doch sind vor allem sie es. Augustin 2007. S. Dabei nutzten sie das Phänomen der otoakustischen Emission (OAE). über die Stanislav Grof (Abenteuer der Selbstentdeckung. 49-56) hebt die die erstaunliche Reaktionsschnelligkeit der „mechanisch empfindlichen Haarzellen des auditorischen Systems“ hervor: „Sie antworten im innerhalb von Mikrosekunden.) davon aus. der zufolge „das menschliche Ohr nicht nur als Empfänger sondern auch als Sender“ von Klängen fungiert. 101). Nervensyst. Thaut (Wie lassen sich die Wirkungen von Musik auf das Nervensystem therapeutisch nutzen? In: Ralph Spintge (Hrsg.) berichtet. wobei Trommelfell und Gehörknöchelchen die Funktion eines Anpassungs. München 1987.

WEBER (2001, 422) weist darauf hin, dass Basilarmembran auf der dem ovalen Fenster zugewandten Seite schmal und unelastisch ist und im weiteren Verlauf breiter und elastischer wird. Daher müssen die Wanderwellen, die sich in der Cochlea bilden, vom Beginn der Schnecke an bis zu ihrem Ende eine bestimmte Form annehmen, die jeweils an einer Stelle eine maximale Amplitude aufweist. Dort ist die Reizung der Haarzellen am stärksten. Das Gehirn wertet diese Information aus, indem es Lautstärke, Tonhöhe und Dauer des Schallreizes rekonstruiert. Joachim Ernst Berendt schreibt dazu: „Wir haben etwa zweimal 18000 Haarzellen in unseren Innenohren. Prof. Spreng von der Universität Erlangen hat unter dem Elektronenmikroskop erkannt: Sie stehen da ausgerichtet nebeneinander in mehreren Reihen (...). Wenn eine Zelle durch den Ton angesprochen wird, richtet sie sich auf“ und leitet den Impuls an das Gehirn weiter. „Das interessante ist dies: Nicht nur die Zelle des Grundtones richtet sich auf, sondern auch die Zellen der Obertöne (...). Spreng sagt: Es sieht so aus als warteten sie schon darauf, dass auch sie angesprochen werden. Als machten sie sich bereit –in den Tausendstel Mikrosekunden, auf die es hier ankommt-, weil sie wissen: Jetzt komme ich an die Reihe. Das heißt also: Unser Ohr will harmonikal hören.“ Es sei „etwas Muskelartiges“ in den Hörzellen, und „H.P. Zenner von der Universität Tübingen und andere Forscher haben diese kleinsten Muskeln nachgewiesen. Muskeln haben mit Willen zu tun, in diesem Fall deutlich mit Willen zum Aufnehmen der Schwingungen möglichst in harmonikalen Abläufen. Es ist ein „Wille“ von immerhin fast 30000 kleinsten mikro-Muskeln im Kern unseres Hörvorgangs“ (1996, 368 f). Die neuro-physiologische Verarbeitung von Hörreizen beschreibt auch Juliane Ribke in ihrem Buch „Elementare Musikpädagogik. Persönlichkeitsbildung als musikerzieherisches Konzept“ (Regensburg 1995, S. 67-90); es würden sich im Laufe der prä- und postnatalen Kindesentwicklung eine „sensorische Urmatrix“ entwickeln, die eng mit einer psychischen verbunden ist; aus dieser neuro-physiologischen Gesamtschau entwickelt sie das Konzept einer ganzheitlichen Musikpädagogik (s.S.96). Weitere Informationen in dem Beitrag von Karl Heinz Plattig im Handbuch Musikpsychologie, herausgegeben von Herbert Bruhn u.a. (Reinbek 1993, S. 613 ff) Eine umfassende und grundlegende Einführung in die vielfältigen Aspekte des Hörens gibt das Buch: Jürgen Hellbrück: Hören. Physiologie, Psychologie und Pathologie, Göttingen 1993; interessant zu lesen und etwas populärwissenschaftlich und esoterisch geprägt ist das Buch: Joachim-Ernst Berendt: Das dritte Ohr. Vom Hören der Welt, Reinbek 1985 ders.: Das Leben – ein Klang, München 1996 Die ersten Kapitel aus dem Buch Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht“, Heidelberg 1998 beschreiben sehr detailliert den Hörprozess und vor allem auch die äußerst komplexen Steuerungsmechanismen, mit denen sich das Ohr vor Schallüberflutung schützt. Muskeln an den Gehörknöchelchen versteifen sich bei zu hoher Schallenergie und verhindern so die Überlastung des Innenohrs (S. 29 f). Diese Muskeln dämpfen auch die Wahrnehmung der eigenen Stimme (S. 34 f). Im Innenohr gewährleisten Nervenbahnen, die vom Hörzentrum zur Cochlea zurückführen, das Zustandekommen von Feedbackschleifen, durch die wir störende Geräusche beim Zuhören ausblenden können (S. 35).

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4.2

Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen

Lore Auerbach berichtet, wie unter dem Vorspiel von Ragas (25 Minuten pro Tag) Balsampflanzen nach ca. einem halben Jahr 72% mehr Blätter entwickeln und 20% höher gewachsen waren als Kontrollpflanzen ohne Musikvorspiel. Stoffwechselprozesse der Pflanze würden unter dem Reiz von Musikklängen oder rhythmischen Erschütterungen beschleunigt und um mehr als 200% zunehmen; durch Beschallung mit Hochfrequenzwellen wird Wachstum derart beschleunigt, dass eine zweimalige Ernte möglich erscheint. (Lore Auerbach: Musik als Massendroge, intervalle, Heft 4, 1982, S. 43); sie bezieht sich dabei auf: Peter Tomkins/Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen, Berlin/ München 1973, S. 137 - 139 ff). Über die Wirkung von Musik auf Pflanzen berichtet ebenfalls Joachim-Ernst Berendt in "Nada Brahma. Die Welt ist Klang", Reinbeck 1985, auf den Seiten 102 ff. Tonius Timmermann schreibt in seinem Buch „Die Musik des Menschen. Gesundheit und Entfaltung durch eine menschennahe Kultur“ (München 1994) - übrigens auch eine gute Gesamtdarstellung der Musiktherapie -: „In die Natur noch integrierte Menschen singen für die Pflanzen, weil sie überzeugt davon sind, dass sich dieser Kontakt zum Wohle ihres Wachstums auswirkt“ (125f) und merkt dann an: „Wie die Hopi - Indianer erfolgreicher waren als staatliche Agrarspezialisten mit modernster Ausrüstung kann man nachlesen in Duerr 1983“ (Duerr, Hans-Peter: Der Wissenschaftler und das Irrationale, Band 1, Frankfurt a. M. 1983 und ders.: Traumzeit, Frankfurt a. M. 1983) Neuerdings werden eigens zur Wachstumsförderung komponierte Musiken als Patent angemeldet. Der französische Physiker Joel Sternberger hat die Vibrationen, die beim Zusammensetzen des Proteins aus einzelnen Aminosäuren entstehen, durch vielfaches Oktavieren so weit transponiert, dass sie als Musik in unseren Hörbereich gelangen.

Bei der Beschallung mit diesen Melodien von drei Minuten pro Tag sollen Tomaten zweieinhalb mal schneller wachsen und auch süßer schmecken. (Bild der Wissenschaft 8/94, S. 12)

21

1988 untersuchte der chinesische Biophysiker Z. X. Zhu die Verteilung der Intensität und Leitfähigkeit von Schallwellen auf der Oberfläche von Pflanzen, wie Wassermelonen, Bananen und Kürbissen. Dabei zeigte sich in überraschender Deutlichkeit, dass sich die akustische Energie in gleicher Weise auf dem Pflanzenkörper verteilte, wie die elektromagnetische.

(Zhang und Kapteina: Biophysik und Musiktherapie, Siegen 2002)

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sondern eher „Latercomers“ in der Musikszene“ (Gray übersetzt von Bossinger. dass AIT (Auditory Integration Training.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere Die unterschiedlichen Formen des Sozialverhaltens bei Mäusen unter Einwirkung von klassischer Musik und Rockmusik kommentiert Klaus-Ernst Behne in seinem Aufsatz "Wirkungen von Musik" (Musik und Unterricht Heft 18. dass "Ratten auf die Oktave eines bestimmten Tones genauso konditioniert reagierten. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 4-9) wie folgt: "Bei Klassik waren die Mäuse besonders freundlich. Rock 'n Roll reagierten sie "ausgesprochen aggressiv" und hatten für andere Tätigkeiten (Huddling. erkannten die Ratten offensichtlich den Ton wieder. bei einem bestimmten Ton eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. 133-155) konnten nachweisen. Sobald jedoch diese Veränderung das Schwingungsverhältnis 1 zu 2 (Oktave) betrug. Er zitiert die Walforscherin Patricia Grey mit den Worten: „In Anbetracht. Auch konnten sie die Zunahme von gegenseitigem Kopfnicken. 9. die ähnliche Rhythmen wie menschliche Musiker verwenden und deren Gesängen ähnliche zeitliche Ausdehnungen aufweisen. S. steckten oft die Köpfe zusammen. Anschließend konnten in den Gehirnen der Tiere vermehrt bzw. der komplizierter Lieder trällert“ (Bild der Wissenschaft. dass bei Kanarienvögeln (Serinus canaria) „neben der Größe und Stärke des Männchens auch sein Gesang großen einfluss auf die Beschaffenheit des Nachwuchses“ hat. wenn sie sich mit einem Vogel paaren. drängt sich der Gedanke auf. Norderstedt 2005) . Der Die Virtuosität Vogelgesang zeigt sich in hoher Variationsbreite (z. berichtet über musikalische Aktivitäten bei Tieren: bei Fischen insbesondere den Buckelwalen. Wir sind also nicht die Erfinder der Musik. 19). Behavioural Process 60 / 2002.). dass Musik der menschlichen Rasse vorausging. aber keineswegs im Wettstreit und auch nicht in aggressiver Absicht" (S. Rimland und Edelson 1995). die für die Steigerung der Aufmerksamkeitshaltung maßgeblich sind (vgl. wenn dieser Ton in seiner Tonhöhe verändert wurde. 6) Spintge und Droh berichten in ihrem Buch "Musik-Medizin“. reagierten die Ratten nicht." (S. vermindert Botenstoffe nachgewiesen werden.B. Forscher des Max Planck Instituts für Ornithologie haben herausgefunden. wie auf den ursprünglich konditionierten Ton" (S. 1993. Stuttgart 1992. um ihren Gesang zu verstärken.4. 5). das bedeutet. Gähnen und Federstreichen bei sieben Tage alten Küken nach Musikbeschallung beobachten (146 f. dass Walmusik und menschliche Musik so viel gemeinsam haben. obwohl unsere evolutionären Wege sich seit über 60 Millionen Jahren nicht kreuzten. 23). insbesondere beim Vogelgesang besteht eine enge Beziehung zwischen Gesang und Sexualtrieb. auch bei Küken wirksam ist:. bis zu 700 Töne pro Minute) hoher energetischer Intensität (vgl. Auf Rock bzw. (etwa so wie wir sagen das ist ein c und das ist ein hohes c) und reagierten Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain. Ihnen wurde an zehn aufeinander folgenden Tagen morgens und nachmittags jeweils 30 Minuten lang Musik aus Mozarts Krönungskonzert vorgespielt. Die Walgesänge reichen ebenso über sieben Oktaven und basieren ähnlich auf Skalen wie die menschliche Musik. Weichen bekommen größere Eier und kräftigere Junge. ein musikalisches Behandlungsprinzip für Autistische Kinder. 2006. the neuro-affective foundations of musical appreciation. Sexual Behaviour) zwangsläufig weniger Zeit. 23 . 147 f. 23 ff). dass Ratten gelernt hatten. sozial und sexuell aktiv. Frösche benutzen den Resonanzraum von Baumhöhlen.). 9). formalen Aufbau haben und musikalische Themen und Phrasen enthalten wie menschliche Kompositionen.

24 . was insbesondere bei Affenpopulationen beobachtet wurde ((28).Gesang hat die Funktion von „Sozialem Kitt“.

32) erfüllt der Lärm bei Rockveranstaltungen den Tatbestand der Körperverletzung. 32 . Außerdem erschöpfen sich die Muskeln. dass rund 100 von 4000 Jugendliche einen durchschnittlichen Innenohr-Verlust von etwa 30 Dezibel aufweisen. Heidelberg 1998. dass „’hochenergetische Niedrigfrequenzen’1 – also lautes Bassgedröhne – auch die feinen Bläschen in der Lunge zum Platzen bringen kann. Der Ohrenarzt attestierte ihr eine Innenohrschädigung. 6-9)..4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen Stefan Evers trägt in seinem Aufsatz "Wenn Musik krank macht. Da angeborene oder krankheitsbedingte Ursachen ausgeschlossen werden konnten. die stationär behandelt werden mussten. dass ihnen selbst in Lautsprechernähe keine gesundheitlichen Schäden drohen (AZ 5 U 1324/00)“.Schäden behandelt haben. musikalische Halluzinationen und durch Musik ausgelöste Herzanfälle. die nach einem Konzert der Boy-Group NSYNC unter Hörschwierigkeiten litt. der hat Anspruch auf Schmerzensgeld. Sie können auch therapeutisch genutzt werden. Dazu wird erläutert. mit denen es sich vor Schallüberflutung schützt (Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. Zu ergänzen wären diese Hinweise insofern. 1 25 . S. wie sie bei Industriearbeitern mit einer Dauerbelastung von 90 Dezibel und 40 Stundenwoche nach 10 Arbeitsjahren festgestellt wurde.4. Das entspricht einer Schädigung. als Musik Streß und Hörschäden bewirken kann sowie als süchtiges Verhalten schädlich sein kann. weisen Einstellungsuntersuchungen von Berufsanfängern in Nordrhein-Westfalen nach. 1989. wenn das Ohr ständigem Lärm ausgesetzt wird.. Deswegen nutzt er wenig bei plötzlich auftretenden Geräuschen wie Schüssen.. Tiefe Frequenzen verändern den Schwingungszustand des Körpers. S.DM Schmerzensgeld. Die Richter verurteilten den Veranstalter zu 9000. um bis zu zwei Drittel. Im einzelnen heißt es: „Wem nach einem Konzert noch Wochen später die Ohren dröhnen. Stuttgart 1993. S. S. Auf die Gefahren des süchtigen Musikverhaltens haben wir in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“. Bezüglich der Hörschäden.“ Einer Notiz in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ zufolge (3/2002.. S.-. sieht man im Düsseldorfer Arbeitsministerium als Schadensquelle das Freizeitverhalten der Jugendlichen. Zwar verfügt das menschliche Gehör über äußerst komplexe Steuerungsmechanismen. dass belgische Lungenspezialisten vier Patienten mit Pneumothorax ." (in: Musik und Unterricht Heft 18/1993) in der Fachliteratur berichtete pathogene Wirkungen von Musik zusammen. dazu im Kapitel körperliche Reaktionen beim Musikhören. Das Oberlandesgericht Koblenz gab einer 13-jährigen Besucherin Recht.. insbesondere das Hören lauter Musik. er kann aber unter Umständen erst nach einer halben Sekunde seine volle Wirkung entfalten. 10 f. der vierte hatte eine extrem laute Stereoanlage in seinem Auto installiert. da Besucher eines Rockkonzertes davon ausgehen dürften. Wie Musik im Kopf entsteht“. Ebenfalls aus dem Magazin „Bild der Wissenschaft“ (4/2005) stammt die Information. Dieser Reflex wird eine hundertstel Sekunde nach Auftreten des Impulses ausgelöst. es handelt sich dabei um musikogene Epilepsie. Muskeln an den Gehörknöchelchen ziehen sich „bei gefährlich lautem Schall reflexartig zusammen und vermindern damit die Schwingungsenergie . Ein 4-stündiges Popkonzert etwa entspricht in seiner Belastung für das Ohr einer ganzen Woche Arbeit am Preßlufthammer (Sozialmagazin Heft 5. die durch das Hören lauter Musik verursacht werden.39 ausführlich hingewiesen. 29 f). Drei hatten vorher ein Rockkonzert besucht. Gesundheitsmagazin 1/96. beidseitiges Ohrenrauschen und Schwindelanfälle. Das Mädchen hatte sich nahe bei den Lautsprecherboxen aufgehalten.

www. Rockmusikpraxis und Lebensbewältigung. Robert Lehenherr. heben in ihrem Buch „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren (Frankfurt am Main 1997) lediglich die aktivierende Wirkung von sehr lauter und rhythmischer Musik hervor.). Jedenfalls stelle „jugendzentrierte Populärmusik. in: Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel (Hrsg) Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Siegen). 253 ein Kapitel über suchtpräventive Musikpädagogik. Hörschäden sind die Berufskrankheit Nummer 1. die zu rauschartigen Zuständen führen kann. Möglichkeiten. 123-145 beschrieben. Frankfurt am Main 1997 Dieter Baake (Hrsg. Opladen 1993 Elmar Nordmann: Musik in der Arbeit mit Jugendlichen.: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. ein sehr mächtiges Stimulationsmedium“ dar (159). Allein in 2005 werden dadurch in Europa etwa 106 Milliarden Euro Kosten entstehen: www.musiktherapiesasp.Schuld sind die rhythmisch wechselnden Luftdruckwerte.de (MU 2005. Eva Frank-Bleckwedel (Musikhören. besonders. Sie werden über die gesundheitlichen Folgen lauter Musik informiert. Münster. präventiv auf das Hörverhalten junger Menschen einzuwirken: 26 .pdf Burkhard Hill: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. 103). Spatscheck u. und der betroffenen Lungenflügel kollabiert wie ein undichter Fußball (33). Handbuch Musik und Sozialpädagogik. Regensburg 1979. Neuere Literatur zum Thema Musik und Sozialpädagogik mit Jugendlichen: Hans Peter Jantzer und Wolfgang Krieger: Rockmusik in der sozialpädagogischen Gruppenarbeit.pdf Das EARACTION Projekt an der FH München unter der Leitung von Bernhard Kurz tritt der Gefahr von Hörschädigung entgegen. Jeder vierte Jugendliche ist von Schwerhörigkeit bedroht. dem Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe sowie der Techniker Krankenkasse können in Bayern Discjockeys einen Führerschein machen. (Hg): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit. 2004. In Extremfällen kann das zu einem Pneumothorax führen: die Atemluft entweicht in den Brustraum.pdf Ders. die sich besonders darum bemühen. außerdem werden ihnen technische Finessen gezeigt.) Handbuch Jugend und Musik. Hamburg 1993 Elmar Nordmann und Thorsten Heimann: Rockmusik und Jugend. 89). wie sie auch unter 100 Dezibel einen optimalen Sound erreichen können (MU 2006.4.de/material/forum/3.3. wenn sie in hoher Lautstärke gehört wird.a. unter anderem werden dort neuere Ansätze des sozialpädagogischen. Berlin 1995 Wolfgang Hering u. Hamburg 1994 Christian Spatscheck. Opladen 1998 Karl Heinz Dentler: Party time. Münster.earaction. Im Rahmen einer bundesweiten Kooperation zwischen den Gesundheitsbehörden der Länder.1. www.: (2003).das Beispiel der pädagogisch initiierten Diskothek“ in: Klaus Finkel (Hrsg. 219 f) nennt folgend Initiativen. hier aus sozialpädagogischer Sicht anzusetzen habe ich im Aufsatz „Musik im Jugendhaus . Opladen 2002 Ders. Weinheim und München.musiktherapie-sasp. und: im Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ befindet sich ab S. Siegen). sozialtherapeutischen und musiktherapeutischen Arbeitens mit Rockmusik beschrieben. S.musiktherapie-sasp.a.de/material/forum/3. Markus Nachtigall. Rockmusik-Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. um junge Menschen besser gegen Hörschäden zu schützen. Wilfried Grüßinger: „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren.de/material/forum/3. www.

Kampagne des Berufsverbands der HNO-Ärzte: “Take care of your ears“, www.fgh-gutes-hoeren.de/web/fgh_content/de/takecareofyourears.htm Wanderausstellung des Gesundheitsamts des Rhein-Neckar Kreises ;na HÖR mal“ Fortbildungsprojekt der Universität München: „Ganz Ohr Sein“. http://www.ganzohrsein.de/ Hessischer Rundfunk: Produktionen wie „ear-sinn“. http://www.br-online.de/br-intern/thema/earsinn/ Netzwerk Zuhören e.V. http://www.hr-online.de/website/extern/zuhoeren/ „Menschen, vor deren Schlafzimmer ein mittlerer Schallpegel von 55 Dezibel herrscht (etwa Zimmerlautstärke des Fernsehers), sind doppelt so oft wegen hohen Blutdrucks in Behandlung, wie Mitbürger, bei denen die Lärmbelästigung unter 50 Dezibel liegt (etwa Brummen des Kühlschranks)“ (Bild der Wissenschaft 7/2003, 50). Das ist das Ergebnis einer Studie des Robert Koch Instituts mit über 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (s. auch: Musiktherapeutische Umschau 3002, 191) „...das Risiko, an einem durch Lärm verursachten Herzinfarkt zu sterben, ist höher als die Gefahr, die von krebserzeugenden Autoabgasen ausgeht“ (Sonntag, Jan Peter: Akustische Lebensräume in Hörweite der Musiktherapie. Über das Sonambiente stationärer Betreuung von Menschen mit Demenz, MU 2005, 264). R.M. Schafer (Soundscape und akustische Ökologie. In: Akademie der Künste Hrsg.: Klangkunst, Katalog des Festivals Sonambiente. München 1996, 209-212) berichtet: „In China glaubte man an die magische Kraft der Klänge, und so gab es sehr früh ein gut durchdachtes System, das den Zustand der Musik mit dem des Universums gleichsetzte. Kaiser Wuudih (141-87 v. Chr.) gründete das „Amt für Musik“, dem die Beaufsichtigung sowohl der Riten als auch der musikalischen Unterhaltung oblag. Da eine wesentliche Aufgabe dieses Amtes in der Überwachung der musikalischen Stimmung aller Klänge bestand, gehörte es zum Kaiserlichen „Amt für Gewichte und Maße“ ... In einem Lieg etwa sollte mit jedem aufsteigenden Intervall ein absteigendes Intervall gleicher Größe einer „friedlichen und freudigen Tonfolge korrespondieren, um eine geregelte Regierung sicherzustellen“ (209 zit. bei Sonntag s.o.). Sonntag kennzeichnet die klangökologische Misere unserer Lebenswelt folgendermaßen: „Aufgrund einer zunehmend lauten, gleich klingenden Umwelt und dem daraus folgenden Mangel an „Hörenswürdigkeiten“ (Schafer) hat der Mensch allmählich das Ohr aus dem alltäglichen Wahrnehmungszusammenhang ausgekoppelt (267). Einem Bericht der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ (3/2006, 10) zufolge, überschreitet der Geräuschpegel mit etwa 60 Dezibel (laut geführtes Gespräch) deutlich die von der WHO empfohlene Höchstgrenze von 30 bis 35 Dezibel (lautes Flüstern): „Türen knallen, Schuhe quietschen auf den Kunststoffbelägen der Stationsflure, Telefone klingeln und moderne medizinische Geräte piepen und Surren. Da dies oft im Frequenzbereich der menschlichen Stimme geschieht, ist das Krankenhauspersonal gezwungen, lauter zu sprechen. Stefan Willich, ein Sozialmediziner an der Berliner Charité, befürchtet, „dass sich der hohe Geräuschpegel auf die Konzentration der Ärzte bei Operationen auswirken und auch die Gesundung der Patienten verzögern könnte.“

27

4.5

Biophysik des Musikerlebens

Indem die Musiker auf ihren Instrumenten spielen, bringen sie die Moleküle der sie und die Hörer umgebenden Luft in eine ganz bestimmte Ordnung, die wir als „Musik“ bezeichnen. Beim Hören wandeln wir die Vibrationen der Luft um; zuerst in mechanische Bewegungen des Mittelohrapparates, sodann in die auf- und ab brandenden Wellen der Innenohr - Flüssigkeit und schließlich zu neuronalen Energieflüssen im zentralen Nervensystem. Am Ende steht dann die Wahrnehmung: „Ich höre Musik“. Die Auffassung von Musik als geordnetem System, das die in Unordnung geratene, sprich die erkrankte Seele oder den Körper des Menschen wieder herstellt, wieder „in Ordnung“ bringt, geht u.a. auf die Forschungen des griechischen Philosophen Pythagoras zurück. Er fand in den Tonsystemen seiner Zeit den Aufbau des damals bekannten Planetensystems wieder. Diese als „harmonikal“ bezeichneten Abb. Strukturen sind durch das mathematische Verhältnis kleiner ganzer Zahlen bestimmt. Die Frequenzen (Obertöne), die den einzelnen Ton bilden, sind nach diesem Prinzip angeordnet. Und unser Gehör, ob musikalisch gebildet oder nicht, erkennt spontan, ob in dem gehörten Ton diese Ordnung gestört ist oder nicht. Im ersten Fall registriert es eine Trübung, Rauschen oder Unreinheit. Die auf diesen Erkenntnissen beruhende Ansicht, Musik sei ein Abbild der kosmischen Ordnung, wurde weitgehend als esoterisch abgetan. Sie hielt dem modernen Wissen über die planetarischen Gegebenheiten und das Weltall insgesamt nicht Stand. Jedoch Vertreter der Teilchenphysik haben harmonikale Verhältnisse im Mikrokosmos der Atome aufgezeigt, so dass Musikhören durchaus wieder als Vorgang mikrostruktureller Ordnung und Umordnung aufgefasst werden kann. Daraus resultiert die Idee, die umfangreichen Forschungen über die physische, psychosomatische und psychische Wirkung der Musik auf den Menschen in Beziehung zur Biophysik lebender Systeme zu bringen. Dabei konnten wir zeigen, dass sich die Charakteristik der Energieverteilung im elektromagnetischen Feld des menschlichen Körpers im Sinne der durch die Musik gegebenen Verhältnisse ändert. Lebende Systeme und Musik sind dissipativ strukturiert. Das heißt, sie verlaufen im Prinzip wie ein Wasserfall oder eine Quelle. Die dissipative Struktur kann nur bestehen, so lange die Wasserzufuhr von oben anhält. Mit anderen Worten: der Wasserfall verströmt - „dissipiert“ständig Energie. Auch die Flamme einer Kerze hat eine dissipative Struktur, die nur bei ständig andauernder Energiezufuhr besteht und ständig Energie verströmt. Demgegenüber sind statische Strukturen Merkmal ganz gewöhnlicher Dinge, wie etwa ein Gebäude, ein Berg, auch ein Auto, ein Zug oder eine Rakete. Auch sie können in schneller Bewegung sein und Energie verbrauchen. Jedoch im Gegensatz zu dissipativen Strukturen können sie Ruhezustände einnehmen, die sie nicht in ihrem Fortbestand gefährden. Man kann das Auto in eine abgeschlossen Garage stellen, ohne dass es dadurch seine Existenz verlöre. Solche Isolierung wirkt sich auf alle dissipativen Strukturen katastrophal aus: der Wasserfall etwa würde augenblicklich verschwinden, wenn er von seinem Fluss getrennt würde. Dissipative Strukturen sind also „vital“, während die statischen Strukturen „tot“ sind. 28

Dissipative Strukturen finden sich nicht nur im molekularen, zellulären und organischen Bereich des lebenden Organismus sondern auch in den psychischen und sozialen Wechselwirkungen seines Umfeldes. Sie machen auch das Wesen musikalischen Spiels, insbesondere der musikalischen Improvisation aus, welches Drewer als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung bezeichnet, die besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz, Harmonie und Disharmonie“ u.s.f. zum Ausdruck kommt (2000, 83). Ein Sonderfall im Bereich der dissipativen Strukturen sind stehende Wellen. Die nebenstehende Abb. 2 zeigt, wie der zwischen zwei Polen gespannte Faden durch einen Motor in Schwingung gebracht wird. Je nach Energiezufuhr bilden sich einfachste stehende Wellen, welche die Länge des Fadens im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen (1:2:3) einteilen. Das ist das Prinzip, nach dem alle Saiteninstrumente funktionieren. Beim Musizieren wird die Länge der Saite durch die Finger des Musikers gesteuert (Abb. 3) Der Musiker bewegt ständig seine Finger, um besondere stehende Wellen in verschiedenen festgelegten Frequenzen in bestimmter Zeit aufzubauen und so die gewünschte Musik hervorzubringen. Jede der abgegriffenen Saitenlängen bringt neben der Grundfrequenz f1 die Frequenzen des Obertonspektrums f2-n hervor. Bei den verschiedenen Instrumenten treten Abb. unterschiedliche Kombinationen und Stärken dieser Obertöne auf, was wir als „Timbre“ oder „Klangfarbe“ wahrnehmen und woran wir den Klang einer Violine von dem einer Gitarre unterscheiden können. Abb. Bei Blasinstrumenten bilden sich die stehenden Wellen durch die vom Bläser mit seinem Atemstrom erzeugte Energie, welche auf die im Resonanzhohlraum des Instruments 29

Abb.

In diesem Fall ist die Folge der Überlagerung eine neue Welle mit Nullamplitude. Natürlich ist die Überlagerung von Wellen ist nicht auf zwei Wellen beschränkt. Ein weiteres extrem ungewöhnliches Beispiel in der Welt der Wellen ist die Überlagerung zweier Wellen Abb. so dass sie sich gegenseitig auslöschen. ganz anders als das gewohnte 1 + 1 = 2 in der Welt der Teilchen. obgleich es ein wenig befremdend ist. Abb. dass die Arithmetik in der Welt der Wellen 1 + 1 = 1 lautet. Physikalisch ausgedrückt: sie bilden eine „Interferenz“. Dabei entstehen komplizierte periodische oder auch aperiodische Kurven. wie die Bibel die Vereinigung von Mann mit seinem Weib beschreibt: „. zu einer einzigen Person von doppelter Größe verschmelzen. Sie können sich „überlagern“. Gewissermaßen ist es so. 6). und sie werden e i n Fleisch sein“ (Genesis 2. dass zwei Wellen denselben Platz einnehmen können. Vielleicht so.. Von dem Phänomen.. sondern auch bei mehreren Wellen möglich. In der Sprache der Mathematik haben die beiden Wellen einen Phasenunterschied von genau 1π (180°). dass sie sich zu einer neuen Welle addieren oder einander auslöschen und ganz und gar in nichts auflösen können. 30 . als ob zwei Personen. wie die die jeweilige Länge des Rohres die Grundfrequenz der darin befindlichen stehenden Welle bestimmt. Grundsätzlich gibt es dabei die Möglichkeit. denn die Wellenberge der einen treffen genau auf die Wellentäler der anderen Welle. Abb. Es ist nicht schwierig.befindliche Luft einwirkt. 25). Abb. In der Realität liegen die meisten Überlagerungen und Interferenzen irgendwo zwischen diesen beiden Extremfällen. Wenn zwei Wellen mit gleicher Wellenlänge in gleicher Phase denselben Platz einnehmen(Abb. 4 zeigt. die zusammen auf einem Sofa sitzen. Sie bilden eine „konstruktive Interferenz“. entsteht als Folge der Überlagerung eine neue Welle mit größerer Amplitude als Summe der beiden Ausgangswellen. war bereits bei den musikalischen Obertönen die Rede. Die arithmetische Darstellung lautet 1 + 1 = 0. sich die Addition beim Vorgang der Überlagerung vorzustellen und zu verstehen. mit gegensätzlichen Phasen (vgl. 5).

so verbinden sich viele verschiedene Töne der Klarinette zur Melodie und viele Melodien und Töne einer Vielzahl von anderen Instrumenten zu einer Sinfonie. diese wiederum bilden die festen. . die durch die Komposition bestimmt ist. das Ganze als Addition von materiellen Einzelteilen zu verstehen: der Körper besteht aus Gliedmaßen. Atome. als vermeintlich kleinste Bausteine der Materie bilden die elementarsten und energiereichsten dissipativen Strukturmuster. Sie ist so lange vorhanden. welches sich aus der Viel31 Abb. welches wir als den „Zustand des Systems“ wahrnehmen. die sich in äußerst vielschichtiger Komplexität zur charakteristischen unsichtbaren und unhörbaren dissipativen Struktur eines elektromagnetischen Feldes verbinden. die kombinieren sich in molekularen Gruppen zu übergeordneten Strukturen. flüssigen und gasförmigen Bestandteile des Körpers. Isolierens und des Katalogisierens.s. die Störung eines lebenden Systems zu verstehen. werden Organe identifiziert.Abb. insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung von Krankheitserregern und der Chirurgie. so dass schließlich der ganze Körper vorhanden ist. die für diese Störung verantwortlich sind. bzw. Muskeln. oder Substanzen oder Enzyme oder Gene u. umgekehrt eine komplizierte Welle als Überlagerung mehrerer einfacher Wellen dargestellt werden kann. Ähnliche Kurven entstehen. Dem gemäß ist die übliche Herangehensweise an den lebenden Organismus die des Sezierens. Es handelt sich hierbei um die graphische Darstellung des Tones einer Klarinette. Wir sind gewohnt.f. nämlich den Ton der Klarinette. Das ändert aber nichts daran. 7 zeigt. Gleiches geschieht in jedem lebenden System. Das heißt. Sehnen etc. man zerlegt das System in seine kleinsten Teile. Um die Funktion. Die daraus resultierende Ausfassung vom lebenden System als einem elektromagnetischen Feld. So wie sich bei einem Klarinettenton eine Vielzahl von einzelnen sich überlagernden Frequenzen eine schwingende Einheit bilden. wie die Musiker spielen. Außerdem gibt es innere Organe. Diese Sichtweise entspricht der traditionellen naturwissenschaftlichen Auffassung von Materie als statischer Struktur. Die Energie wird im Konzertsaal auf diejenige charakteristische Weise verteilt. Die heterogene Verteilung akustischer Energie im Konzertsaal ist eine unsichtbare dissipative Struktur. Danach ist Materie ebenfalls dissipativ und nicht statisch strukturiert. Bei jedem einzelnen Ton wird Energie in komplexe akustische Schwingungsmuster umgesetzt. wenn man die Energieverteilung innerhalb des Körpers misst und graphisch darstellt. bzw. diese aus Knochen. dass sie auf einem Materieverständnis beruht. Sinnesorgane etc. Diese Herangehensweise hat beträchtliche Erfolge auf dem Gebiet der Medizin hervorgebracht. um es zu verstehen. welches von den Erkenntnissen der modernen Physik über die Elementarteilchen längst überholt ist. aus denen sich Zellen und Organe zusammenfügen. wie bei Überlagerung vieler sinusförmiger Wellen eine komplizierte neue Kurve entsteht. also auch im menschlichen Körper: Eine nahezu unendliche Vielzahl von Oszillatoren erzeugt Schwingungsmuster. also die Energiequellen akustische Schwingungen erzeugen.

Wissenschaftler sprechen von einem „Kohärenzzustand“. Auf die Musik übertragen wäre bei der höchsten Ordnung nur eine akustische Frequenz vorhanden. noch im Chaos. 8). wie man gemeinsam spielt. Daher herrscht im Kindergarten ein fast perfekt „chaotischer Zustand“. so entstünde Abb. noch in so perfekter Ordnung wie die Soldaten in der Ehrengarde. Das Bild des Balletts ist dynamisch. die im Verlauf der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts im Bereich der Chaosforschung entwickelt wurden. Das Bild ist dynamisch und harmonisch zugleich. obwohl das Zustandekommen ihrer Wirksamkeit bisher nur unzureichend verstanden wird. das weiterer Konkretisierung bedarf. In einem solchen chaotischen Zustand haben einhundert Kinder einhundert Grade der Freiheit. Wäre die Kombination der Frequenzen in einem Musikstück so perfekt chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. so muss das Verhältnis zwischen den verschiedenen Tönen und zwischen den einzelnen Frequenzen kohärent sein. Diese Soldaten befinden sich in perfekter Ordnung. der Schwingungszustand des Organismus beeinflusst. sie gleichen einander genau und sind wie eine Person. in dem alle hörbaren Frequenzen ähnlich laut hörbar vertreten sind. Den dritten Zustand verkörpern die Tänzer in einem Ballett (Abb.zahl unterschiedlichster Schwingungsmuster zusammensetzt. im Idealfall „weißes Rauschen“. die nicht sezierend sondern als ganzheitlich kommunikativ interagierend bestimmt ist. Unsere bisherigen Ausführungen machen ihr Funktionieren zwar plausibel. um zu wissen. Die Kinder sind zu klein. die durch die in Heilsubstanzen enthaltenen Informationen beeinflusst werden. Diese Behandlungstechniken haben sich über Jahrhunderte bewährt und werden auch in der westlichen Medizin zunehmend anerkannt. wie zum Beispiel bei Homöopathie oder Akupunktur. Die Ehrengarde befindet sich daher im „Zustand höchster Ordnung“ (Kristallzustand). wie das Verhältnis zwischen den Tänzern in einem Ballett. ein Geräusch. nämlich zur selben Zeit alle dasselbe zu machen. In einem solchen „Zustand perfekter Ordnung“ haben einhundert Soldaten nur einen Grad der Freiheit. und wir können sehen. sie bewegen sich aber noch auf einem theoretischen Niveau. hat eine andere Herangehensweise zur Folge. Soll Musik „harmonisch“ klingen. Bei der Akupunktur wird durch mechanische oder auch elektrische Manipulation an bestimmten Stellen des Körpers. Um die sich so vielfältig und vielschichtig beeinflussenden Interferenzmuster im lebenden System zu verstehen. Das wäre aber keine harmonische Musik. Im ersten Fall werden Schwingungsmuster als Informationsträger verstanden. 32 . Das wäre lediglich ein ausgezeichneter Frequenzgenerator. die als besonders relevant für die Charakteristik des Interferenzmusters bekannt sind. Den zweiten Zustand verkörpern Soldaten einer Ehrengarde. Die Tänzer sind weder so chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. haben sich holistische mathematische Prozeduren als hilfreich erwiesen. Harmonie gibt es also weder in der perfekten Ordnung. dass Kohärenz schlicht Harmonie ist. Demzufolge kann ein komplexes System mit allen seinen Untersystemen sich in drei verschiedenen Zuständen befinden: Der erste Zustand kann mit einer Gruppe Kinder im Kindergarten ohne Aufsichtsperson verglichen werden. vergleichbar mit den Soldaten in der Ehrengarde.

...205....... wenn sie sich in perfekter Harmonie befinden. dass die Messwerte durch unendlich viele voneinander unabhängige Faktoren beeinflusst werden... würde mathematisch folgendermaßen darzustellen sein: Bei zwei Tänzern: 1 + 1 = 3 = 2² ...229.. Dieses „Wunder der Harmonie“ soll mit Abb...375 Das bedeutet. Der Chaos Zustand (Abb..........228... Auf Abb..Chaos. sodann wie Tänzer 1 und 2 ihren gemeinsamen Freiraum gestalten (=1).229.228. was das Wesen des Tanzes ausmacht.. 10 nochmals anhand von drei Tänzern graphisch verdeutlicht werden: Abb.228..229.401. Die Zahl der möglichen Kombinationen bei drei Tänzern ergibt sich aus der Art wie jeder einzelne Tänzer seinen Freiraum gestaltet (=3).205...750. interagierenden oder sonst wie miteinander in Beziehung stehenden Systeme übertragen werden....375 verschiedene Kombinationen einnehmen können oder 126. 9 befindet sich eine Gruppe von Tänzern...205.600..... dass die 100 Tänzer 126.. 33 . Diese Berechnungsmethode kann nun auf alle kooperierenden. Abb.1 Und bei einhundert Tänzern: 1 + 1 + 1 + ...... lange bevor die Wissenschaft sich mit der Harmonie befasst hat..750.1 Bei vier Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 = 15 = 24 ...600. Das. der Kristallzustand: 1 + 1 = 1 und der Kohärenzzustand: 1 + 1 = 3. der die einzelnen Personen miteinander verbindet.703....750....375 Grade der Freiheit haben.703.... Ihr liegt die Hypothese zu Grunde.....1 Bei fünf Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 63 = 25 .401. ebenso wie Tänzer 2 und 3 dies tun (=1) sowie Tänzer 1 und 3 (=1) und schließlich wie alle drei gemeinsam zusammenwirken (=1).......... noch ein wenig weiter entwickeln.401... Kristall und Harmonie gefunden.. Interessanterweise haben die Mathematiker früherer Generationen wichtige Methoden zur Beschreibung der drei markanten Zustände ... Der höchst mögliche Kohärenzgrad für drei Tänzer kann folglich mit „3+1+1+1+1=7“ dargestellt werden...1 Bei drei Tänzern: 1 + 1 + 1 = 7 = 2³ ...600. wollen wir die entsprechende Arithmetik Abb. Gauß-Verteilung.Mathematisch formuliert bedeutet der chaotische Zustand: 1 + 1 = 2.1 Bei sechs Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 127 = 26 .703.... + 1 + 1 = ? | | 100 2100 -1 = 126.... 11) entspricht der sog. Da wir es in der Musik ebenso wie im lebenden System vorwiegend mit kohärenten Zuständen zu tun haben.

Sie entspricht einer asymmetrischen Kurve. Die Logarithmische NormalVerteilung wurde zunächst kaum beachtet. von Messwerten ist jedoch die Logarithmische Normalverteilung (Abb. also grundsätzlich immer auftritt (Abb. als Koordinatensystem. 1 34 . 121) passen. Wir benötigen aber eine solche Verteilung zur Berechnung. dass eine Gruppe von beispielsweise einhundert Messwerten. Erst als der deutsche Mathematiker L. perfekt in die Gauß-Verteilung (Abb. Im Vergleich zur symmetrischen GaußVerteilung ist der Gipfel ausgeprägt und nach links verschoben. aus einem ideal chaotischen System mit unendlich vielen Elementen stammt. Demgegenüber wird der Kristallzustand auch als Delta-Verteilung beizeichnet und als Kurve mit einem einzigen Messwert dargestellt. dass dies auf ein lebendes System nicht zutreffen kann. in das wir den Zustand eines Patienten einordnen können. der mit höchster Wahrscheinlichkeit. 13): Abb. Es ist klar. die Abb. Die Koordinaten weisen in der Horizontalen die an Elektroden gemessenen Stromflüsse aus und in der Vertikalen die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens.Die Gauß-Verteilung geht also von einem Zustand aus. Praktisch gilt. Die wichtigste Wahrscheinlichkeitsverteilung Abb. Sachs 1969 herausfand. Die Darstellungen auf dieser Seite setzen das zuvor beschriebene mathematische Prinzip zur Feststellung des Kohärenzgrades um. dass die Messwerte vieler physiologischer Systeme nicht in die Gauß-Verteilung. denn sie bezieht sich auf lebende Systeme und auf das Konzept der Harmonie. 14). wie wir ihn mit den Kindern ohne Aufsichtsperson beschrieben haben.

in einem Ballett und in Lebewesen nicht mehr nur von romantischen Poeten mit Worten. unabhängig zu bleiben und doch alle Möglichkeiten zur Kooperation mit den anderen Elementen besitzen. 1994 hat Chang Lin Zhang den mathematischen Beweis geführt. 15 Abb. Die Software analysiert die Ergebnisse nach den zuvor geschilderten mathematischen Prinzipien. Abb. praktischen Messungen und quantitativen Berechnungen beschrieben werden. dass die Beziehung der Elemente dieses Systems 1 + 1 = 3 ist. bildet des Zustand der Versuchsperson vor der musikalischen Erfahrungen ab. Weitere Messreihen wurden nach dem Vorher – Nachher . 15 und 16 sind Delta-Verteilung (Kristallzustand) rot. das sich aus unendlich vielen Elementen zusammen setzt. Klangmassage mit Klangschalen. In verschiedenen Messreihen haben wir untersucht. Das ist die ungewöhnliche Arithmetik. 16 den Zustand nach der Erfahrung. Damit können Schönheit und Harmonie in der Musik. sondern auch von Wissenschaftlern mit streng mathematischen Formeln. wie musikalische Situationen den Körperzustand Abb. 15 und 16 dargestellt. zeigt das. verändern. Improvisation mit Trommelrhythmen in der Gruppe. Bei gegenläufigen Ergebnissen machten Interviews mit den betroffenen Personen individuelle. Obertongesang). Singen (Chanten von Vokalen. Auf den Abb. Fast alle bisherigen Ergebnisse zeigen mehr oder weniger deutliche Verschiebungen der Daten in Richtung Logarithmischer Normalverteilung (wie in Abb. die ein schönes Ballett beschreibt. Rezeption von monochromen Klängen (Monochord). die unterschiedliche musikalische Erfahrungen machten: Rezeption von Musikaufnahmen. wurde sie vermehrt herangezogen. Die musikalische Erfahrung bestand in der aktiven Teilnahme an einer Folkloretanz Gruppe (vgl. die alle die Fähigkeit haben. biogra35 . Das Messgerät bringt einen elektrischen Strom in den Körper ein und misst an 128 Elektroden Frequenz und Stärke des austretenden Stroms. Wenn also die Messwerte aus einem System in die Logarithmische Normalverteilung passen. Kapteina 2000 und 2004).sondern in die Logarithmische Normalverteilung passen.Prinzip mit Teilnehmern durchgeführt. Am ausgeprägtesten sind die Veränderungen beim Tanzen und Obertonsingen. dass die Logarithmische Normalverteilung einem System entspricht. um den Zustand von lebenden Systemen darzustellen. Abb. Die blauen Balken geben die gemessenen Werte an. Gauß-Verteilung (Chaos-Zustand) schwarz und Logarithmische Normalverteilung (harmonischer Kohärenzzustand) grün dargestellt.

wird die folgende Verteilung der Stromflüsse gemessen: 36 . Generell müssen die biophysikalisch gewonnenen Daten durch Interviews mit dem psychosozialen Kontext der untersuchten Personen in Beziehung gebracht werden.phisch bedingte Bewertungen der musikalischen Situation deutlich. Hier sehen wir das Messergebnis vor dem Hören von Klängen des 26-saitigen Monocords: Dieser Verteilung entspricht die Verteilung der Frequenzen eines geräuschhaften Klanges: Nach ca. Beim anschließenden Interview gaben beide an. das sie aus ihrer Kindheit kannten. fünf Minuten. Er erinnerte sie an das Geräusch von herannahenden Bombern. So waren zum Beispiel die Daten von zwei Personen bei insgesamt 20 nach dem Anhören des Monochords auf einer Klangliege überdeutlich in Richtung Gauß-Verteilung gewandert. Zur Zeit wird die Hardware des Messinstruments neu gestaltet. den Klang des Monochords als bedrohlich erlebt zu haben. in denen die Versuchsperson den Klängen zuhört. so dass in Zukunft auch offline und prozessbegleitend gemessen werden kann.

dass das erste Messergebnis bei Stresszuständen auftritt.Aus anderen Untersuchungen ist bekannt. Die Abbildung des Frequenzspektrums etwa eines Altsaxophon Tones macht das deutlich: 220 Hz Lautstärke 440 Hz Das Prinzip der harmonikalen Anordnung von Frequenzen. das zweite bei entspannter Aktivität. etwa nach Meditationsübungen. dass die Anordnung der Stromflüsse nach der Log-normal Verteilung große Ähnlichkeit mit der Anordnung der Frequenzen des reinen Tones aufweist. schematisch dargestellt für den Ton „a“ 660 Hz 880 Hz 1100 Hz 1320 Hz 1540 Hz Frequenz 37 . Wirklich überraschend war für die Biophysiker.

Die Wellen können nach stehendem Prinzip angeordnet sein. C. In: Hartogh. 131-145 Zhang. L. Traumzeit Verlag 2008. Beim Musikhören gilt dieses Prinzip sowohl in akustischer Hinsicht (die schwingende Luft im Raum) als auch in körperlicher Hinsicht (schwingende Moleküle in den einzelnen Organen). MISAHA Newsletter #32-35. Hartmut (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". C. (2007): Der unsichtbare Regenbogen und die unhörbare Musik. Christoph. Frontier Perspectives 11 (2). Der Hintergrund der ältesten Heilverfahren und das jüngste Kapitel der modernen Biologie. Crossen. Hans Hermann (Hrsg): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Martin (2000): Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. Hangzhou. Ingeborg Hrsg. Klug. L. Hartmut. C. (2002): Skin Resistance vs. ( in English ) Zhang. (2001): Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems. Weinheim. C. L. basiert auf der Vorstellung. Hans-Dieter (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. dass alle Materie aus vibrierenden Teilchen besteht. Changlin Zhang Forschungen über Biophysik und Musiktherapie. L. Die oben dargestellten Stromflussmessungen geben darüber Auskunft. Münster Kapteina. Die nebenstehende Abbildung zeigt diesen Schwingungszustand. Hartmut. Die dissipative Struktur des elektromagnetischen Feldes in Lebewesen. Hangzhou University Press. Folkloretänze in Therapie und Prävention. welche Schwingungsform im Organismus überwiegt und sie zeigen gleichzeitig. Schreiber. L. welche der Biophysik des Hörens zugrunde liegt. Der Energieverlust bei solchen stehenden Wellen ist wesentlich geringer als bei Wellen. 15-25 Zhang. Bettina.) (1996) : Current Development of Biophysics. die unsymmetrischer Anordnung auf die Raumgrenzen treffen. Literatur: Drewer. In: Wolfgang Bossinger und Raimund Eckle (Hrsg.): Ressourcenorientierte Musiktherapie. 18-21 Zhang.): Schwingung und Gesundheit. bei dem die einzelnen Frequenzen in symmetrischer Anordnung von den Begrenzungen des Raumes reflektiert werden. (2002): Invisible Rainbow and Inaudible Music: The Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems Zhang. Body Conductivity (On the Background of Electromagnetic Measurement on Skin). In: Schwabe. 415-426 Kapteina. Stein. 394-414 Kapteina. wie die musikalischen Klänge die Schwingungsverhältnisse in den Zellen und Organen des Körpers verändern. C. wie das in der Musik der Fall ist.Die Idee. München 38 . et al (Hrsg. Theo. die sich zu vielschichtig kombinierten Wellen verbinden. Wickel.

4.6

Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben

Den aktuellen Stand der Forschungen fasst Stefan Koelsch in einem Artikel der Musiktherapeutischen Umschau (2005, 365-381) wie folgt zusammen: Bei der Wahrnehmung von Musik laufen komplexe Handlungsfunktionen ab: 1. akustische Analyse 2. auditorisches Gedächtnis 3. auditorische Gestaltbildung sowie Verarbeitung musikalischer Syntax und Semantik;außerdem: 4. Effekte auf Emotionen 5. das vegetative Nervensystem 6. das Hormon- und das Immunsystem und schließlich kann 7. Aktivierung (prä-)motorischer Handlungspräsentationen (vgl. 365). Spintge und Droh weisen in ihrem Buch: Musik - Medizin, Stuttgart 1992, darauf hin, dass zentrale Musikverarbeitungsprozesse in beiden Hirnhemisphären ablaufen. „Linkshemisphärische Leistungen sind dabei vor allem die Verarbeitung von Lautstärke, Klangfarbe, musikalischen Intervallen, Akkorden, Tondauer, Tonhöhe, Takt, Rhythmus. Rechtshemisphärische Leistungen sind insbesondere die Wahrnehmung von Tempoänderungen und der Ausdrucksmodalität von Tonhöhen“ (S. 17, ebenfalls s. S. 243 ff und Christoph Fassbender in Handbuch Musikpsychologie, hrsg. v. Bruhn u.a. 1993 S. 622 ff.). Geschlecht, Händigkeit, Spielen eines Instruments haben entscheidenden Einfluß auf die Lokalisation der Hirnaktivität beim Musikerleben. Helmuth Petsche hat nachgewiesen, dass beim Musikhören Frauen ihre linke und rechte Hirnhälfte wesentlich intensiver verschalten als Männer (Bild der Wissenschaft, Heft 12/1989, S. 17; auch 5/1996, S.46 ff: Bei Frauen arbeiten während des Redens beide Gehirnhälften, Männergehirne steuern das Sprechen nur im linken Hinterkopf; ebd. 10/2002, S. 72: beim Zuhören von vorgelesenen Geschichten arbeitet bei Männern „nur das Areal zur Sprachverarbeitung im linken Schläfenlappen. Bei weiblichen Testpersonen arbeiteten zusätzlich die Bereiche der rechten Hemisphäre, die für nichtsprachliche Höreindrücke zuständig sind, etwa für Musikverarbeitung und damit verbundene Vorstellungen). Auch interkulturelle Unterschiede spielen eine Rolle: "So findet die musikalische Verarbeitung westlicher Musik bei Japanern bevorzugt in der rechten Hirnhemisphäre statt, wohingegen japanische Musik bevorzugt linkshemisphärisch verarbeitet wird. Bei westlichen Probanden ist die Lateralität genau umgekehrt." Die Ursache dafür wird vor allem in der "durch Vokale geprägten japanischen Sprache" gesehen. (Spintge/Droh, S. 18) Helga de la Motte-Haber fasst im Handbuch der Musikpsychologie (Laaber 1985, S. 21 - 23) den Stand der Forschung so zusammen, dass für das Musikhören „beide Verarbeitungsmodalitäten der Hemisphären von Bedeutung sein“ können. „Denn deren grundsätzlich verschiedene Arbeitsweisen - rechts findet eine mehr holistisch-ganzheitliche Gestalterfassung und links ein mehr analytisch-begriffliches Denken in der Reihenfolge statt ist in vollem Umfang zumindest für das Verständnis jener Musik nötig, deren syntaktische Bedeutung den analytisch zergliedernden Verstand voraussetzt“ (S. 23).

39

Ein Musikstück aktiviert das Gehirn bei jedem Hören anders, fanden ameri• Intelligenz • Intuition kanische Wissenschaft• Rationalität • Gefühl ler. Ihre Beobachtung sei • Yang (männlich) • Yin (weiblich) gleichzeitig der erste • Bewusste Vorgänge • Unbewusste Vorgänge • Intellektuelle Einsicht • Emotionale Verarbeitung handfeste Beweis für die • Analytisches Denken • Ganzheitliche Betrachtung schon lange gehegte • Abstrakte Begabung • Künstlerisch, kreativ Vermutung, dass das Ge• Zeit • Raum hirn auch gleiche Infor• Aktivität • Passivität • Digital • Analog mationen auf eine dyna• Analyse von Worten • Sprach- u. Sinnerkennung mische Weise immer • Sprache • Musik wieder neu verarbeitet, • Zeitliche Abläufe • Zeitlosigkeit schreiben sie im Magazin "Science" (Bd. 298, S. Quelle: http://www.medicrossover.de/abhoer.htm 2167). Die Forscher vom Dartmouth-Zentrum für kognitive Hirnforschung haben verschiedenen Testpersonen ein kompliziertes Musikstück vorgespielt, das innerhalb von acht Minuten alle Tonarten der westlichen Musik durchläuft. Gleichzeitig beobachteten sie die Aktivität im Gehirn der Probanden mit einem bildgebenden Verfahren. Die musikgeübten Versuchspersonen sollten während der Sitzungen eine bestimmte Melodie und einen Instrumentenwechsel aus dem Stück heraushören. Zur Überraschung der Forscher aktivierte das gleiche Musikstück bei den Testpersonen bei jedem Hören andere Areale im Gehirn. Mit Hilfe statistischer Methoden konnten die Wissenschaftler dennoch ein Zentrum im Gehirn ausfindig machen, das sich offenbar mit der Analyse von Musik beschäftigt. Während Melodien zunächst in Hirnregionen hinter den Schläfen verarbeitet werden, befindet sich das höhere Analysezentrum direkt hinter der Stirn, im so genannten rostromedialen Stirnhirn. Dieses Zentrum ist Wissenschaftlern schon länger bekannt als eine Region, in der das Gehirn emotional bewegende Eindrücke mit vernünftigen Erwägungen in Einklang bringt. Warum ausgerechnet diese Region auch Musik analysiert, konnten die Forscher jedoch nicht klären (Bild der Wissenschaft 12, 2002).
Linke Gehirnhälfte Yang (männliches Prinzip) Rechte Gehirnhälfte Yin (weibliches Prinzip)

Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden, dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten. In rechten werde deutlich Sprache stärker verstärkt. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen, Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. Details der Untersuchung, die unter Verwendung der otoakustischen Emission (OAE) durchgeführt wurden, bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird, sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005, 101). Klaus-Ernst Behne u.a. kamen in ihrer Untersuchung „EEG-Korrelate des Musikerlebens“ in: Musikpsychologie, Heft 4, 1987, S. 49-63 und Heft 5, 1988, S. 95-105, zu dem Ergebnis, dass bestimmte Musik, nach Tempo, Dynamik und Stil ausgewählt, nicht zu systematischen Veränderungen in den EEG-Befunden führt. Dieses insgesamt negative Ergebnis erklären die Autoren dahingehend, „dass sich Unterschiede zwischen den Musikstücken nicht im oberen, kortikalen Bereich auswirken, sondern in tieferen Schichten, in denen verschiedene Aktivierungssysteme vermutet werden“ (S. 105). Mit diesen tieferen Schichten sind die Funktionen der Formatio retikularis bzw. das Limbische System im Zwischenhirn gemeint, über die Sinnes40

wahrnehmungen zuerst und vor allem emotionale, vegetative, d.h. körperliche Reaktionen auslösen.
Ablauf der neuronalen Prozesse im Gehirn während des Musikhörens (Aus bild der Wissenschaft 7/2003)

Boris Luban-Plozza weist in diesem Zusammenhang auf die Funktion des linksseitigen Ammonshorn1 hin, einer Schaltstelle für Gedächtnis und Gefühl. Es sei das „Tor zum Gedächtnisspeicher“, und beim Hören der Konsonanzen und Dissonanzen der Musik träten „verborgene, verschüttete und gefühlsbetonte Inhalte aus dem Unbewussten hervor. („Das Dritte Ohr - Musik und innere Harmonie“, Zeitschr. Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 3/1990, S. 119-124)
Neurophysiologische Prozesse bei Musikhören

Musikhören; Reizung der Sinnesorgane

linke Hemisphäre
operiert linear, sukzessiv, schrittweise nacheinander, wie die Sprache, bei der wir Gleichzeitiges in ein Nacheinander auflösen

rechte Hemisphäre
leistet das prompte gleichzeitige Integrieren vieler Informationen, beherbergt Fähigkeiten, wie Kreativität und Intuition und ist für das Hören von Musik, auch für das Nicht - Hören von Klängen verantwortlich

Ammonshorn
Langzeit Gedächtnis

Formatio retikularis

Limbisches System
Prüft, ob die Wahrnehmung eine Chance oder eine Gefahr beinhaltet; setzt musikalische Informationen in Emotionen um, löst vegetative Reaktionen aus

Vegetativum
Herz- Atem-, Darm- Blasen-, Haut- und andere Reaktionen
(vgl. auch Elisabeth Haselauer: Berieselungsmusik. Droge und Terror, Wien 1986, S. 29 ff)

Diese spezielle Verarbeitung von Hörreizen hat sicherlich ihren Grund in der Funktion des Gehörs als „Frühwarnsystem“. „Die Schnellverbindung zwischen Wahrnehmen und Handeln
Cornu Ammonis, ein wulstartiger Gehirnabschnitt am Boden des Seitenventrikels, der wichtige Rindengebiete des Riechhirns enthält, Brockhaus 1966
1

41

zunächst in tiefere Regionen zur weiteren Verarbeitung transportiert. was wir letztlich hören. 42 .. In: H.als auch akustische Informationen aufnimmt. „dass musikalische Bewegung. während „bei praktischer musikalischer Tätigkeit. ob das Gehörte von Interesse ist. Gembris. sondern auch ein mit diesem verbundenes propriozeptives. Hermann (Hrsg. 1996.h. erreicht die Botschaft aus dem Ohr erst. Amrhein stellt den neurophysiologischen Ablauf der Musikverarbeitung bei gleichzeitiger Akzentuierung der sensumotorischen Verarbeitung folgendermaßen dar: „Was wir hören. ‚rationale’ Elemente enthält – ein auf Musik und Bewegung bezogener neurophysiologischer Beleg für Piagets These von der ‚sensumotorischen Intelligenz’“ (233). es werden Verbindungen zum vegetativen System (.. „D. im Innenohr sitzt nicht nur ein extrozeptives Organ. das „Wachzentrum“. dass „bei einer mehrtheoretisch-analytischen Beschäftigung mit Musik“ die linke Seite aktiver ist als die rechte. das über den inneren Zustand informiert“ (232). das Zentrum des Bewusstseins. ob sich ein Bär heranpirscht“ (Bild der Wissenschaft 11/2001..-D. Bewegungs. dass im Innenohr „in derselben Flüssigkeit: der Körper-. Das.existiert wahrscheinlich aus guten Gründen der Anpassung’ argumentiert Bargh. Kraemer. Über die Aktivierung der beiden Hemisphären haben Altenmüller und Gruhn (Das Bild der Musik im Kopf.) vom 8. schützt vor Reizüberflutung und entscheidet. dem Nervus vestibulocochlearis. wird (.. . In der Rinde selbst trifft der Höreindruck auf drei benachbarte Areale: die sensorischen und motorischen Rindenfelder sowie das Hörzentrum (233). Theo und Wickel. ist bereits mit Bewegungs. sondern auch die linke deutlich beeinflusst. der sowohl Bewegungs. Maas (Hrsg. Eine wichtige Station ist das Kleinhirn. Bd. Im Mittelhirn (vor allem im Limbischen System. die ‚Musiksensomotorik’. auch strukturierende. bei Bewegung und Spiel (. Musikverarbeitung in der Darstellung kortikaler Aktivierungspotentiale. 11-40) bei musikalisch tätigen Kindern und Jugendlichen herausgefunden. Gehirnnerv. 21) Augsburg: Wissmer. das Informationen von außen aufnimmt. Verarbeitens und Verhaltens (Forum Musikpädagogik. Das Stammhirn.. Weinheim 2004. Thalamus und Hypothalamus) erfolgt die gefühlshafte Wertung. in: Hartogh. 74)... das Zentrum für Bewegungsempfindung und –Koordination. nachdem sie die für Bewegungsempfindung und Gefühle zuständigen Zentren durchlaufen hat. 231-244) weist darauf hin. 232) und zu Zentren der visuellen Wahrnehmung hergestellt. wenn es im Gebüsch raschelt. als erst einmal abzuwarten. G.und Gefühlseindrücken ‚aufgeladen’..) nicht nur die rechte Seite aktiv“ ist. der zusammen mit Gollwitzer 1990 den Forschungspreis der Max-Plank-Gesellschaft erhielt. Franz Amrhein (Musik und Bewegung.): Physiologische und neurophysiologische Aspekte musikalischen Wahrnehmens. Die Großhirnrinde. Es ist besser vor einem Hasen Reißaus zu nehmen.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.und Gleichgewichtssinn (das vestibuläre System) und der Gehörsinn (das cochleare System)“ verbunden sind. R. Amrhein sieht darin das „neuronale Korrelat“ für die Tatsache gegeben.

Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. flops to the right: different emotions during listening to music are reflected in cortical lateralization patterns. der inneren Anteile der Schläfenlappen und der unteren Stirnregion. die wir beim Sprechen ausstoßen.a.) Menschenfreundliche Musik.“ wohingegen „sich das menschliche Gehör in eine ganz andere Richtung“ weiterentwickelte. Forscher vom Sahlgranska-Krankenhaus in Göteborg um Hakan Olausson hatten eine Patientin untersucht. (Hrsg. Eine ähnlich direkte Verbindung zu den vegetativen Zentren besteht auch zwischen bestimmten Nervenzellen in der Haut. Proc Nat Acad Sci USA 98 (20)(2201). ultrahohe Frequenzen wesentlich besser als der Mensch). Besonders intensive Reaktionen wurden z. PRAUSE. des Mittelhirns.und Selbstbelohnungssystems tief im Inneren des Gehirns“ belegen. Musik und Gehörlosigkeit. der auf Grund einer Krankheit die wichtigsten Tastnerven in der Haut fehlten. Klavierkonzert (d-moll) oder Barbers Adagio für Streicher hervorgerufen. Plath formuliert: „Die im Rezeptor des Innenohrs durch Schallschwingungen ausgelösten Nervenpotentiale werden über den Hörnerv (Nervus statoacusticus. und die Anzahl von Mundgeräuschen. „dass beim Streicheln vor allem diejeni- 43 . Dieses Aktivierungsmuster entspricht exakt demjenigen. Neuropsychologica 40 (13) 2002. Allerdings war das System der C-Fasern noch intakt. 13-22) erwähnen neuere Untersuchungen mithilfe von bildgebenden Verfahren zeigten. in: Tillmann Bendikowski u. die „eine starke Beteiligung des limbischen Emotions. 1181-23. Des weiteren zitieren sie Anna Blood und Robert Zatorre (Intensely pleasurable response to music correlate with activity in brain regions implicated in reward and emotion. während negativ bewertete Musik „mit stärkerer Aktivierung der rechten Stirnhirn. das bei Einnahme starker Rauschdrogen wie Heroin und Kokain entspricht“ (16). dass sich bei Tieren die Funktion des Gehörs „als Gefahrenindikator noch weiter perfektioniert hat (Hunde. Köln-Rheinkassel 2001. Kurz. Auch das Richtungshören und das Erkennen von Signalen in Störgeräuschen werden als perzeptive Prozesse im Hirnstamm und dem ihm nachgeschalteten Mittelhirn geleistet“ (zit. Nachtvögel hören z. Es spezialisierte „sich darauf. o. 2001) mit bildgebenden Untersuchungen. ferner zu motorischen Bahnen.: Hits to the left. Manuela Carmen. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. S. das menschliche Ohr hat sich in Jahrtausenden physiologisch dazu entwickelt.“ Sie konnte Streicheln mit einem weichen Pinsel spüren und fand es angenehm. Bei gleichzeitigem Scannen des Gehirns wurde deutlich. in Großhirn zu leiten und dort zu decodieren. Jahrhundert. die nicht der Willkür unterliegen. die wir Konsonanzen nennen. in: Peter Bubmann (Hrsg. von Rachmaninoffs 2. „Sie sind verantwortlich für Streicheleinheiten an das Gehirn. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. die Signale nur sehr langsam transportieren. in einer Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten herauszufiltern. e. die die Vokale u. n. Band 5. Eckart Altenmüller u. das sind nämlich die Potenzen von 28 – 212 Herz. 2242-56). „Es kam zu einer Aktivierung des endogenen limbischen Selbstbelohnungssystems im Bereich der tief gelegenen Hirnregionen der Mandelkerne. Im Hirnstamm bestehen Verbindungen zu den vegetativen Zentren.B. dass bei Jugendlichen von diesen als schön empfundene Musik stärker die linke Hirnhälfte aktiviert wird. hier finden auch die Verknüpfungen mit der Hörbahn der anderen Seite statt. Hirnnerv) zum Gehirn geleitet. 9-20) führt aus. Münster 2003. i ergeben.): Die Macht der Töne. a. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. Katzen. 58 f).B. Reinhard Flender (Vom Dreifachen Ursprung der Musik. Erste Umschaltungen erfolgen im Hirnstamm. Sprache zu verarbeiten“ (10). Gütersloh 1993. diejenigen Frequenzen.und Schläfenregion“ einhergeht (vgl.a. VIII.

11). Musiktherapeutische Umschau 1999. 2003. Stuttgart 2002 44 . Insofern würde durch die Musik „gewissermaßen der natürliche Takt des Gehirns aufgegriffen und stabilisiert“ (Bild der Wissenschaft 8. Norderstedt 2005. Dieser Tatbestand kann für die Wiederherstellung von beschädigten Gehirnfunktionen genutzt werden (nature Bd. sondern tatsächlich auch die Zahl der Anfälle senkte. (für Musikerinnen können keine gesicherten Aussagen gemacht werden. „dass eine Sonate für zwei Klaviere von Mozart nicht alleine die im EEG gemessene Hirnstromaktivität normalisieren konnte – selbst bei Patienten im Koma -. 811. Hören. aus dieser Tatsache erscheint Musizieren als geeignetes Mittel zur Therapie neurologischer Schäden. Musizieren.und abschwillt und zudem Melodielinien häufig wiederholt werden. 6678. 41) Das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato.C. S.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl.gen Hirnareale aktiv sind.) Der Chicagoer Neurologe John Hughes hat „bei Epilepsie-Patienten festgestellt. S. Washington D. insbesondere auch die motorischen Zentren bei musizierenden Männern vergrößern sich sogar manche Hirnteile. dass in der Mozartschen Musik die Lautstärke offenbar in besonders regelmäßigen Perioden an. 100 f). dass ausgebildete Musiker aufgrund ihres hervorragenden Gehörs mehr Nervenzellen für die Verarbeitung von Tönen der Tonleiter mobilisieren als andere Menschen. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren haben Forscher des Gesellschaft für Neurologische Wissenschaften nachgewiesen. Bei anschließenden Computeranalysen zeigte sich. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. Weitere Literatur: Manfred Spitzer: Musik im Kopf. Leah Ariniello. weil an den Versuchen nur wenige Frauen teilnahmen. das Kleinhirn von Musikern ist im Durchschnitt 5% größer als das von Nichtmusikern. Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. Genau diese Regelmäßigkeiten aber – die sich in geringerem Maß beispielsweise auch in der Musik Haydns und Bachs fanden – gingen parallel mit manchen im Gehirn selbst auftretenden rhythmischen Aktivitätsschwankungen“. die Tastreize verarbeiten. die Emotionen auslösen. Christo Pantev vom Institut für experimentelle Audiologie an der Universität Münster hat mit einem Magneto-Encephalographen nachgewiesen. 64). 392. dass Musik verschiedene Seiten des Gehirns aktiviert. Nr. Das Gehirn passt sich durch die jahrelange Musikpraxis an. Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. Musiker werden mit dieser Eigenart nicht geboren. Society for Neuroscience. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr langsamen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). reagierten auf die Zärtlichkeiten nicht“ (Bild der Wissenschaft 10/2002. Hirnareale.

137-156) Im Internet: www. Wie Musik im Kopf entsteht. beschreibt Wolfgang Bossinger in seinem Buch über die „Heilende Kraft des Singens“. Zatrone und Isabelle Peretz (Hrsg. Wiesbaden: Reichert. New York (Academy of Science) 2000 Das Themenheft 1. Hüther. In: Hrsg. Heilmittel nach Schlaganfall“ ist Titelthema des Zeitschrift Bild der Wissenschaft 8. Monika.hmt-hannover. Lenz. Gisela M. 2004 der Musiktherapeutischen Umschau ist der Beziehung zwischen Musiktherapie und den Neurowissenschaften gewidmet. Die Wirkungen des Singens auf das das Gehirn: neuronale Harmonisierung und Synchronisation.): The biological foundations of music. 133-155 Nöcker-Ribaupierre. dort sind weitere Quellen angegeben. Melodie und Rhythmus sind Schlüssel zur Sprache.Robert Jourdain: Das Wohltemperierte Klavier.: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland): Jahrbuch Musiktherapie. S. 133-171 45 . 365-381 Jaak Panksepp und Günther Bernatzky: Emotional sounds and the brain. Stefan Koelsch: Ein kognitives Modell der Musikrezeption.de www.mpg.immm. 2003.. the neuroaffective foundations of musical appreciation.de „Das Gehirn giert nach Musik. Aktivierung emotionaler Netzwerke und Neubahnung. Heidelberg 1998 und: Robert J. Gerald (2006): Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. Norderstedt 2005. Behavioural Process 60 / 2002.cns. Musiktherapeutische Umschau 2005.

Dabei entdeckten sie eine direkte und nach Thaut „erstaunlich schnelle" Verbindung zwischen den Hörzentren im Gehirn und den Bereichen. Veränderung von Blutdruck. Die Vertreibung der Stille. In Bild der Wissenschaft 8. Habe ein Zweig geknackt oder das Laub geraschelt. weitergegeben: 46 . musikalische Vorbildung. Sensibilität. sagt Thaut. konnte Thaut in Experimenten nachweisen: Rhythmen dringen direkt und ohne Umweg über das Bewusstsein in die Glieder. Neben Schlaganfall-Patienten üben auch Parkinson. Was Tänzer schon immer wussten.“ Rhythmische Musik lässt Muskelpotentiale im Bein ansteigen. meint der gebürtige Hamburger. konnten sie ohne lange zu zögern wegrennen.“ Körperreaktionen beim Musikhören sind: Pulsbeschleunigung. Heute dagegen helfe die Direktverbindung im Gehirn Patienten beim Erlernen von Bewegungen.und Huntingtonkranke in seinem Zentrum das Gehen mit Musik. dazu: Rüdiger Liedtke. 3. Hautwiderstand. Mitbestimmend für die Körperreaktionen sind. 36 ff.: Neue Entwicklungen der neurologischen Musiktherapie und ihre Bedeutung für Alterspatienten. und zwar auch dann. Dabei hilft Musik nicht nur beim Erlernen von rhythmischen Bewegungen wie Gehen. Musik und Gesundheit. S. (Vgl. 17-18). „Einstellung zur Musik. Atmung. dass der Mechanismus dem Gehirn hilft. die eigene Gestimmtheit. obwohl sie die Taktänderung bewusst gar nicht wahrgenommen hatten. 2003. nicht nur die rhythmischen. Kürzlich konnte das Team zusammen mit Volker Hömberg von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf zeigen. die Bewegungen steuern. M.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben Musik bringt das Vegetativum zum Mitschwingen. Das sei für unsere Vorfahren überlebenswichtig gewesen. wird die folgende Fallgeschichte der ParkinsonPatientin Alice H. 42) „Das Team um Thaut vom Zentrum für biomedizinische Musikforschung untersucht seit Jahren die Wirkung von Musik auf das Gehirn. dass Musik auch willensgesteuerte Armbewegungen verbessern kann. das Lösen von Rechenaufgaben z. sagt Thaut. so dass sie das dargebotene Musikstück nicht einmal bewusst wahrnimmt. Stoffwechsel und Verdauung. 2002. Die Forscher ließen Freiwillige zum Takt eines Metronoms mit einem Finger klopfen.B. individueller Geschmack. Hormonhaushalt. passten die Probanden die Bewegungen ihrer Finger sofort an. So konnten Schlaganfallpatienten nach einer Musiktherapie zielgerichteter nach einem Gegenstand greifen als zuvor. Änderte sich dabei der Rhythmus leicht. Thaut vermutet. unsere Bewegungen an Geschehnisse in der Umwelt anzupassen. „wenn die Aufmerksamkeit der Versuchsperson abgelenkt ist. aktiviert Muskelpotentiale im Stirnbereich.“ (s. Offenbar unterstütze Musik alle Aspekte einer Bewegung. Bachs Musik steigert Muskelpotentiale sowohl im Beinals auch im Stirnbereich.4. München 1985.H.: Thaut.

Musik und Gesundheit 4/2002. wie Blutspiegel des Stresshormons Cortisol. Frankfurt a. nachzudenken und neuen Mut zu schöpfen. dass schmerzleitende und akustische Nervenbahnen im Körper dicht beieinander liegen. 47 . einer Situation“ (16). Das bestätigen Forscher vom Memorial SloanKettering Cancer Center in New York.“ „Die Verbindungen zwischen Musik und Motorik funktionieren teilweise sogar unterhalb der Bewusstseinsschwelle“ (38). Singen. M. „Wenn die zeitlich hochkomplexen motorischen Abläufe im Gehirn nicht mehr ausreichend abgestimmt würden. die mit unklaren BeWirkebenen der Musik: fürchtungen unvereinbar sind. Therapieerleben und immunologisch relevante Speichelparameter. überquert sie mit sicherem Schritt die Straße.“ Wenn sie den aufsetzt.“ Die Autorin betont in positive Imagination und diesem Zusammenhang vier wichtige Gedankenklarheit. Musik gibt ihr die Gewalt über ihren Körper zurück. Ihr Gesicht zuckte dann. positive emotional-positives Erleben einer SituatiImagination und Gedankenklarheit. Daraus folgt. Offenbar fließen akustische Informationen direkt in das motorische System ein.und Schmerzempfindens bei Katarakt-Augen-Operationen in Lokalanästhesie durch Musik nachweisen. Wenn Alice eine Zimmertüre öffnen wollte. Selbst die Aktivität von motorischen Nervenzellen im Rückenmark scheint durch akustische Reize beeinflusst zu werden. klebten ihre Füße am Boden. und kaum dass sie ihre Glieder bewegen wollte. Sowohl psychologische Tests als auch Messungen der biologischen Parameter. die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu hemmen. und springt die Ampel auf Grün. Akustische Reize sind daher in der Lage. und wenn die Ampel auf Grün sprang. Reaktionen führte. dass die Musikanwendung vor und während des nicht ganz angenehmen Eingriffes in 4 Wirk-Ebenen der Musik: Lokalanästhesie zu einer signifikanten Senkung der Stress. Musizieren und bewusstes Zuhören ermöglichen Schmerz-Patienten zu entspannen. schienen sie zu Eis zu erstarren. Blutdruck. besonders aber durch Improvisation auf Instrumenten in Musiktherapie-Sitzungen das Immunsystem deutlich gestärkt wird. Untersuchungen der Zusammensetzung des Speichels haben ergeben. Musik und Gesundheit 4/2002 15 f. „werden ihre Bewegungen fließend und frei. Maureen P. ihr Körper wackelte und zitterte. Die Forschungen von Michael Thaut und seinem Team zeigen. „sondern auch eine Vielzahl sogenannter senso-motorischer Rindenareale. 1994). sowie „tiefe Körperentspannung. ergaben. die on mit unklaren Befürchtungen unvereinbar Maureen P. Herzfrequenz. dass sich mit rhythmischen Reizen motorische Prozesse im Gehirn von außen steuern lassen. die bekanntermaßen bei der Koordination motorischer Abläufe im Spiel sind. könnte rhythmische Musik die Funktion eines Zeitgebers übernehmen – und gewissermaßen den Takt geben. der das Konzert der Neuronen koordiniert“ (41). REILLY: Über den Einsatz von Musik gegen Operasind. ebenso wie das Kleinhirn – ein ganzes Netz von Nervenzentren also.„Immer wieder hatten die Krankheitsattacken sie überfallen. dass durch Musikhören in Verbindung mit katathymem Bilderleben. Bei einer Gruppe von 32 Patienten im Lebensalter über 65 Jahren wurde vor und während der Operation vom Patienten selbst gewählt Musik per Kopfhörer angeboten. als gehorchten sie dem Willen nicht mehr. dass rhythmische Reize nicht nur die Hörrinde stimulieren.) konnte die positive Beeinflussung des vegetativen Nervensystems und des Stress. Doch nun trägt Alice bei all ihrem Tun einen Walkman. (Anne Müller: Aktive Musiktherapie: Stimmungen. sowie emotional-positives Erleben tionsstress bei Alters-Patienten. musste sie wie angewurzelt auf der Schwelle verharren.und Schmerz. Reilly (Über den Einsatz von Musik gegen Operationsstress bei Alters-Patienten.tiefe Körperentspannung. Der schmerzlindernde Effekt von Musik beruht darauf.

wobei die Messung der Gehirnwellen ein ähnliches Bild zeigten wie bei meditierenden Personen“ (trophotrope Wirkung) (Vgl. S. während des Dirigierens der Leonoren . löst Tiefenentspannung bei gleichzeitiger geistiger Leistungssteigerung aus.Die Musiktherapie bietet darüber hinaus dem Patienten durch eigenes Musizieren die Möglichkeit. 304). die Beschleunigung steigerte sich bis zu 14%. Wien 1986). Elisabeth Haselauer. Für Menschen. Aufstellen der Haare und ähnlichen zeigt. von denen er selbst meinte. der sich im berühmten „kalten Schauer“. während er normalerweise bei 120 liegt. Heft 18/1993. das geschieht durch das musikalische Antistresshormon Eigenschaften: (ACTH). sind Kreislaufstaccato legato großer Ambitus kleiner Ambitus und Herzüberbelastung akzentuierter Rhythmus melodischer Rhythmus die Folge. S. MediBlutdruck steigt fällt zin und elektronische Atmung steigt fällt Musik aus der Sicht eines Herzfrequenz steigt fällt Hautwiderstand steigt fällt Münchner Arztes. deren Leben häufig nur noch vom Schmerz bestimmt wird. Neue periphere Durchblutung fällt steigt Musikzeitung. bei der Veränderung des Hautwiderstandes etwa. das langsam wieder zur Norm Dur Moll zurückgeführt werden dissonant konsonant muss. Karajan z.Ouvertüre Nr. Oktober/ Verdauungsmobilität fällt steigt November 1988. Ein weiterer schmerzlindernder Aspekt liegt darin. wenn die Band Musik spielte. 46). dramatisch lyrisch (Vgl. S. beruhigend auf Körperrhythmen. Droge und Terror. Bei diesen Körperreaktionen sind Emotionalität und Körper nicht voneinander zu trennen. Beim Hören von sehr lauter Musik entstehen Stressphänomene..B. Musiktherapeutische Umschau 2002. dass immer. die stärker waren als bei höchst riskanten Flugmanövern. die Behandlung aktiv mitzugestalten. 7): in einer Untersuchung aus dem Jahre 1911 wurde bei einem 6-Tage-Rennen festgestellt. 44) innere Sekretion (Drüsen) gehemmt angeregt Stefan Evers gibt eine Muskelspannung steigt fällt Zusammenfassung aller weit Pupillen eng nachgewiesenen Körperreaktionen beim Musikhören in seinem Aufsatz „Was geschieht bei Musikhören im 48 . Zur ergotropen und trophotropen Wirkung von Musik: Nach einer bulgarischen Untersuchung wirkt klassische Musik mit dem Grundschlag 60 pro Min. dass sie ihn besonders emotional berührten (Liedtke 1985. feuchte Handflächen. dass Patienten beim Musizieren negative Gefühle ausleben können. bedeutet das wieder ein Stück Selbstbestimmung. zeigte vegetative Körperreaktionen. der Blutdruck sank. Michael Schreiber: Körperreaktion: Sympathische parasympathische Musik . 3 bei Stellen. „Der Herzschlag verlangsamte sich um durchschnittlich 5 Schläge pro Min.Trostspenderin Tonuslage: Tonuslage: oder Nervensäge. Berieselungsmusik. Da beispielweise Trauer und Angst die Schmerzintensität steigern. durch leichtes Schwitzen. Ein Beispiel für ergotrope Musikwirkung gibt Klaus-Ernst Behne in seinem Artikel: Wirkungen von Musik (Musik und Unterricht. die Radfahrer schneller fuhren. handelt es sich zugleich immer auch um Indikatoren für emotionale Einflüsse durch Musik. der Blutdruck kann bis zu 240 Millimeter/Quecksilbersäule steigen. Wenn das nicht polyphon homophon geschieht. schafft eine Verarbeitung dieser Gefühle Erleichterung und verringert dadurch das Leiden (aus: „Hören heute“.

in: M. Blutdruck und Herzfrequenz senkender Wirkungen. melodischem Rhythmus und lyrischem Charakter eine „parasympathische Tonuslage“ hervorruft. wichtig zur Vermeidung von Schlafstörungen) und des Dehydroepiandrosteron aus der Nebenniere. http://www. Des weiteren wirkt des Singen positiv auf den Magen. MU 1998. So kommt etwa Cheryl Dileo Maranto in einer Untersuchung über rezeptive Musiktherapie zum Ergebnis. geringerer Atem. Norderstedt 2005. Wigram (Hrsg. dass es darüber hinaus noch mit mehr Sauerstoff versorgt wird (vgl. S. Es gilt kein mechanistisches Verständnis. dass neben den Eigenschaften und Elementen der Musik auch der Vertrautheitsgrad. dessen Mangel bei vielen schweren Erkrankungen festgestellt wird (vgl. bei der Blutdruck. die periphere Durchblutung. Bossinger zeigt auf.immm. beim Gesang kommt noch hinzu. angeregter Drüsen. die miteinander Dialoge improvisieren hoch signifikante Übereinstimmungen zwischen der Herzfrequenz der beiden Musiker und dem Rhythmus der von ihnen gestalteten Musik feststellen. abfallendem Muskeltonus. indem die Muskulatur entspannt wird. dass beim Singen verbesserte „Herzkohärenz“ auftritt.16-18): Körperliche Reaktionen sind stark von der individuellen Disposition des Menschen abhängig. . St. die zeitlichen Abstände der Herzschläge kontinuierlich zu verändern. Atem. Dennoch kann folgendes grobe Reaktionsschema festgestellt werden: Polyphone Musik in Dur.pdf Gerhard Harrer (Das Musikerlebnis im Griff des naturwissenschaftlichen Experiments.de/pages/presto0505. Heal and T. ein optimal harmonisches Frequenzspektrum im EKG (ebd. akzentuiertem Rhythmus und dramatischem Charakter ruft eine „sympathische Tonuslage“ hervor. die Verdauungstätigkeit und Drüsensekretion abnehmen und sich die Pupillen weiten.menschlichen Körper? Zur Physiologie des Musikerlebens“ (Musik und Unterricht 7/1991.und Herzschlagfrequenz sowie Muskelspannung steigen. 157).und Verdauungstätigkeit und Verengung der Pupillen einher geht. Lutz Neugebauer (Musik als Dialog – eine Untersuchung zu physiologischen Veränderungen während der Musiktherapie. 29-43) konnte bei Versuchspersonen.. dass zwischen dem Rhythmus regelmäßiger Klicks und Pulsfrequenz ein von ihm als „Magneteffekt“ bezeichneter Anpassungsprozess entsteht. mit Dissonanzen und Staccato-Klängen. mit großem Tonumfang. die Sexualität.). der musikalische Geschmack sowie biographische Erfahrungen und Assoziationen für die Wirkung von Musik verantwortlich sind. s. löst Angst und Schmerz. Die körperlichen Reaktionen auf Musik stellen sich allerdings nicht automatisch ein. Vgl. die mit fallendem Blutdruck und Hautwiderstand. Bei eigenen Patienten konnte er nachweisen. hierzu auch: Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. kleinem Tonumfang. 128 ff). sie können allerdings nicht verallgemeinert werden.: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie.de ). 49 . dass Singen die Herzratenvariabilität.herzharmonie. Bei der Gestaltung rezeptiver Musikbehandlungen müssen diese Faktoren neben der Beschaffenheit der gewählten Musik berücksichtigt werden (Applications of music in medicine. Louis 1993.“ zu stabilisieren vermag (ebd.a. Singen stärkt das Immunsystem (vgl. 120 ff) und fördert die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen und insbesondere des Hormons Melatonin aus der Zirbeldrüse (u. 3-54) konnte nachweisen. während homophone. Die Wirkungen der Musik auf das Herz bestehen nach Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 105).und Herzschlagfrequenz. den Darm. bei der das Herz sich regenerieren kann. 107-120 ausführlich dargestellt. „die Fähigkeit des Herzens. in : ders.hmt-hannover. Hrsg. Stuttgart 1992. Norderstedt 2005) in entspannender. konsonante Musik in Moll mit legato geführter Melodiebildung.. außerdem unter www. 94.) Music Therapy in Health and Education.

Unabhängig von diesen Faktoren lösen tiefe Frequenzen vibratorische Tonempfindungen im Körper aus. 68). Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. www. in Knöcheln und Waden. KölnRheinkassel 2001. die ergaben.a. Aufgrund dieser Beobachtungen kann davon ausgegangen werden. Auch die Obertöne der verschiedenen Vokale bringen Zentren im Körper zum Schwingen: Das I schwingt im Kopfbereich Das E im HalsDas A im BrustDas O im Bauch. 68). Schenkeln und Unterleib. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle (Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. Musik und Gehörlosigkeit. Manuela Carmen. Wien 1974. 3-12) von britisch . Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. Band 5. Tony Wigram berichtet in seinem Aufsatz "Die Wirkung von tiefen Tönen und Musik auf den Muskeltonus und die Blutzirkulation" (Zeitschr. Siegen). Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit.norwegischen Untersuchungen. Östrr. Münster 1997). Klänge versetzen den Körper in Schwingung.pdf Singen führt zur Verbesserung des Atemvolumens. Besserung bei Rheumatismus und verlängerte Schlafdauer herbeiführt. S. mit 40-50 Hz in Knien. Berufsverb.und Das U im Gesäßbereich Inge Kritzer: Atem und Stimme.musiktherapie-sasp. dass durch Musik und einzelne Klänge der Schwingungszustand des Körpers sowohl auf der Haut als im Körper verändert wird. VAN UHDEN weist darauf hin. dass Hilfe u. bei spastischen Reaktionen. dass der ganze Körper als vibratorsicher Rezeptor dient. Steigerung der Gedächtnisleistung und des psycho-physischen Gesamtzustandes (Hans Sittner: Musikerziehung zwischen Theorie und Therapie. S. Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. Schmerzlinderung. n. 2/91. 50 . d. dass Niederfrequenzklänge mit 30-40 Hz. d. Dabei werden Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. die krampflösende Effekte. PRAUSE. Berufsstress und bei Neurosen eintreten. Fallbeispiele belegen. Band 5. 179. Karl Adamek: Singen als Lebenshilfe. mit 50-60 Hz im Bereich des Brustkorbs und mit 60-75 Hz in Kopf und Nacken gespürt werden. Aus diesen Erkenntnissen wurde eine "Vibrations-Akustik-Therapie" (VAT) entwickelt. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle empfunden (zit.de/material/forum/2. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie.15. Köln-Rheinkassel 2001. Mthp. Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust.

Durchschn. 97 f). ebenfalls in zwei Abschnitten mit einer halben Stunde Pause dazwischen. 21 Männer) im Alter von 16 bis 60 Jahren (Durchschn. die zweite Gruppe erreichte bei ihrem zweiten Durchlauf ohne Singen lediglich nur 56% ihrer zuvor singend erbrachten Leistung. Die Aufgabe bestand für alle darin. 6) wird eine amerikanische Untersuchung zitiert. trainiert die Atemmuskulatur und Lungengewebe. die beim Singen gesteigerte Zwerchfellaktivität stimuliert alle Organfunktionen in der Bauchregion. Weiterhin beeinflussen die beim Singen beteiligten Vorgänge wie Atmung und Muskeltonus direkt vegetative Prozesse im Gehirn“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. „Eine körperliche Belastung. 3.: Vokalspirale). die Vokaltöne fördern die Durchblutung in verschiedenen Körperregionen (s. die nicht singende Gruppe lediglich um 73%. 4. Entschlackung und Entsäuerung des Körpers. sie bildet „eine ‚Hotline’ zum vegetativen Nervensystem. Adamek untersuchte drei verschiedene Gruppen: die erste Gruppe bestand aus 51 Personen (30 Frauen. 25 Frauen. das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato. es verlängert den Prozess des Ausatmens. Durchschn. S. 180 ff) wies in einer empirischen Untersuchung nach. Die besonders intensiv belebende und/oder entspannende Wirkung des Singens entsteht aufgrund der direkten Verbindung zwischen „Kehlkopfmuskulatur und dem parasympathischen Vagusnerv“. 23 Männer. Erstere betrifft das Abreagieren von Spannungen. zweites die Mobilisierung von Körperkräften und drittes die Umwandlung von psychischen Spannungen in Kräfte des Wachstums und der Genesung im musiktherapeutischen Prozess. 34) sollte zuerst die Aufgabe singend und nach der Pause nicht singend erledigen. eine Kontrollgruppe (52 Personen. 2. Karl Adamek (Singen als Lebenshilfe. ebd. eine Energie generierende und eine Energie transformierende Funktion zu.Im „Readers Digest (Sept 1987. der zufolge Opernsänger ein größeres Lungenvolumen und eine effektivere Herzfunktion und eine deutlich höhere Lebenserwartung besitzen. 6. Norderstedt 2005) beschreibt ausführlich die Wirkung des Singens auf die Atemtätigkeit: 1. Alter 16 bis 64.o. kann singend länger ausgehalten werden als nicht singend“ (185). löst muskuläre Verkrampfungen und Verspannungen. 29 Frauen und 23 Männer im Alter von 16 bis 59. die einen ersten Testdurchlauf ohne Singen und einen zweiten nach einer halben Stunde Pause singend absolvieren sollte. die gleichzeitiges Singen nicht ausschließt. Münster 1996. das Atemvolumen wird vergrößert 8. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. S. Singen von Mantren. Norderstedt 2005. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr lang51 . fördert damit die Entgiftung. an waagerecht seitlich ausgestreckten Armen Gewichte von 500 Gramm so lange wie möglich zu halten. steigert die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus’. die zweite Gruppe (48 Personen. 35). Rezitieren und Beten. 7. 37) bewältigten die Aufgabe ohne Singen. Adamek spricht dem Singen eine Energie kanalisierende. dass „durch Singen temporär die physische Leistungsfähigkeit erhöht“ wird. insbesondere auch das Rosenkranz – Beten aktivieren Selbstheilungskräfte und befreien von Stress und Verspannungen (vgl. - Die erste Gruppe konnte ihre Leistungen allein durch Singen um 132 % steigern. 5. 95).

sind gesünder und leben länger als der Durchschnitt der Bevölkerung (L. fand bei Chorsängern eine Steigerung der Immunglobulins A auf bis zu 240% des Ausgangswertes.157f). (Hier ist allerdings auch an aggressionssteigernde Kampflieder zu denken. 201-220) die Ergebnisse von Forschungen über die Wirksamkeit des Singens in der folgenden Liste zusammengestellt (215 f. Singen kann überschüssige Magensäure reduzieren und die Durchblutung der Magenschleimhaut verbessern (vgl. Singen stimuliert die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin (es lässt Menschen friedfertiger. Singen stimuliert das Knochensystem und unterstützt die Beweglichkeit der Gelenke (vgl.B. 52 . Adamek 1999). vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein).130f). welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. umso stärker ist die heilende Wirkung« (in: Bossinger 2007. Speziell das wiederholte Rezitieren von tradierten Lautformeln. Früher halfen dazu die Arbeitslieder. Beck. Bossinger 2007. S. der durch Rückkoppelungseffekte harmonische. Aktive Sänger (z. Singen steigert die Endorphinproduktion (Endorphine sind körpereigene Opiate.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl. S. regenerierende Pulsationen herbeiführt (Herzkohärenz) (vgl. Durch die Atemintensivierung und verstärkte Zwerchfellaktivität wird eine Stimulation sämtlicher Organfunktionen in der Bauchregion angeregt und die Verdauung reguliert. 5. Cramer 1998. Hierdurch wird ein Resonanzeffekt mit endogenen Rhythmen des Blutdrucks und des Herzschlages ausgelöst. Rittner.K.201).O. Hervorhebungen H. 132)“. Bygren et al in: Bossinger 2007. Die Resonanzen von Vokalen (und auch von Strömungskonsonanten wie »sss« oder »mmm«) lösen Durchblutungsverbesserungen in ganz bestimmten Körperregionen aus. 100 f). 5. Singen weckt physische Kraftreserven (vgl. Bossinger 2007. Sabine hat in ihrem Aufsatz „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (MU 2008.samen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). die viel und lustvoll singen. Opernsänger) und Menschen.148f).) Singen verbessert die Herzratenvariabilität (ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Herzens). der diese Zusammenhänge an der University of California erforschte.): - - - - - - - - - „Singen intensiviert die Körperinnenwahrnehmung »durch die Vibrationen in den Hohlräumen des Skeletts und durch die Schwingungen der Körperflüssigkeiten« (Cramer 1998. Er entdeckte auch Zusammenhänge zur inneren Beteiligung der Sänger: »Je leidenschaftlicher und hingebungsvoller die innere emotionale Beteiligung beim Singen. gesungenen Gebeten oder einigen spezifischen Mantras kann die Atmung auf 6 Schwingungen pro Minute einschwingen. die schmerzstillend und stimmungsaufhellend wirken). S. 201). S. Singen stärkt das Immunsystem.

Wiesbaden 2001) hebt die enge Verbindung des Musikerlebens mit der Leiblichkeit hervor. weiche Musik. dass Menschen ihre gerade statthabende Befindlichkeit durch Musikwahl noch verstärken. träumerischen Situationen wählen die Leute auch entsprechende ruhige. der im „Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen“ mitschwingt (266 f). 11). schwächer ausgebildet. aus dem Autoradio Musik in einem Tempo dröhnen. waren danach „tagsüber deutlich wacher und schliefen nachts besser. 3/2006. Östrr. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft verstärkt zu Flaschen aus Deutschland“ (72). das geeignet ist. „Der ganze Leib“. statt sie herabzusetzen. Es besteht also eine Tendenz. Wir sind Leib. Umgekehrt lässt ein hektischer Mensch im Auto. Und genau diese Muskeln werden durch die spezielle Atemtechnik beim Spielen des Didgeridoos stark beansprucht und intensiv trainiert“ („Bild der Wissenschaft“. Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. die Körperrhythmen auf ihre doppelte Frequenz zu treiben. Mthp. d. 21-27): „Wir beobachten.3/88. (nicht. Schweizer Forscher um Milo Puhan von der Universität Zürich und Otto Brändi von der Züricher Höhenklinik Wald weisen in einer Studie nach. Barbara Haselauer schreibt in ihrem Aufsatz „Leise rieselt der Beat“ (Zeitschr. In Bild der Wissenschaft 11/2001 wird von einem Versuch berichtet . Lebenslagen zu perpetuieren . „dass das Spielen des australischen Didgeridoo krankhaftes Schnarchen mildern kann. wie wir beim Einkaufen unbewussten Abläufen zum Opfer fallen. 53 . Teilnehmer an der Studie.“ Brändi erklärt sich den Effekt folgendermaßen: „Bei krankhaften Schnarchern sind die Muskeln. das ohnehin schon vibriert. der wir sind. Berufsverb. In ruhigen. den wir haben) sei „als totales Sinnesorgan“ bei der Wahrnehmung aktiv. d. Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische Akkordeon-Weisen erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer wein als deutscher verkauft. weichen. die über vier Monate das Didgeridoo spielten. durch den Psychologen der Universität Leicester nachweisen.Die enge Verbindung zwischen Musik und unbewussten psycho-physischen Vorgängen nutzen Werbestrategen in großem Stil. die die oberen Atemwege offen halten.grundsätzlich und daher auch vermittels Musik.

4. Heft 18/1993. aktivierende Musik. während die andere Hälfte traurige Musik hört. in Vorb. erlebt werden (S. zu letzterem eher die Knaben. Stuttgart 1992) weisen darauf hin. beispielsweise beruhigende Musik in Zuständen des Ärgers (überwiegend ältere Personen) Bei Trauer und Melancholie wählen 50% der Befragten nach dem Kompensationsprinzip lieber fröhliche. zu dem Ergebnis dass uns Menschen in bestimmten Stimmungslagen „unbeabsichtigt“ und scheinbar ohne ersichtlichen Grund Melodien . 271 ff.einfallen. Aufgrund von Leitfadeninterviews mit 21 Personen und einer repräsentativen teilstandardisierten Telefonbefragung von 150 Personen kommen H. (Hrsg.a. um die Trauer zu intensivieren.Schaltkreise angelegt sind. Weinheim und München. um sie zu kompensieren. etwa zur Bewältigung unangenehmer Stimmungen und Gefühle einzusetzen. Musik und Medien. Musik und Unterricht. die einem im Alltagsleben unvermittelt und unwillkürlich in den sinn kommen. in welchem Ausmaß Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren „über Strategien verfügen. Vorderer (Musikpräferenzen im Alltag. in: Müller. Freude. Ein Drittel dieser Personen gibt an. Liebe. S. u. Ruhe und Gelassenheit wird stimmungskongruente Musik gewählt („IsoPrinzip“) Bei Trauer. auf deren tiefenpsychologische Bedeutung übrigens bereits C. um sich mit ihr zu trösten.“ Impulse des nervus acusticus beeinflussen direkt die im Limbischen System "lokalisierten emotional aktivierenden Strukturen.): Jugend. wie Heavy Metal.sogenannte „neurophysiologische patterns. einer guten Freundin enttäuscht worden seien und nun stinksauer seien. Das Ergebnis zeigt. Jung 1907 hinwies). Jedoch produzieren wir diese Melodien nicht immer richtig in Tempo und Tonlage son54 . R. 164 ff. oder um in ihre Rachegefühle auszuleben. dass insbesondere im Limbischen System lokalisierbare Neuronen . 22) . dass die Musik ihnen helfe. Frauen sind bei dieser Gruppe stärker vertreten Ältere Personen greifen bei Melancholie und Trauer eher zu fröhlicher Musik Jugendliche hören dann vorzugsweise traurige Musik.in 80 % der Fälle Melodien mit Text . Musik kompensatorisch. Wut oder Ärger (auch bei monotoner Hausarbeit) wird kontrastierende Musik nach dem Kompensationsprinzip gewählt.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik Spintge und Droh (Musik-Medizin. Ein Vergleich zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. 4 . Zu ersterem neigen eher die Mädchen.) Diese Beziehungen zwischen emotionalem Erleben und Musikwahl korrespondieren mit Gesetzmäßigkeiten bei musikalischen Tagträumereien (Melodien. Eifersucht. 20) Klaus-Ernst Behne (Wirkungen von Musik. dass Kinder in einer solchen Situation entweder Musik einsetzen. Musikalische Fähigkeiten scheinen bei diesen emotional motivierten Musikpräferenzen kaum eine Rolle zu spielen (Musiktherapeutische Umschau 2002. welche Art von Musik sie wählen würden. Wut. G. die Trauerarbeit zu intensivieren und somit zu verkürzen. einige. darunter sind keine Jugendlichen Jugendliche benutzen bei Wut und Ärger primär aggressive Musik. Neid. um sich abzureagieren Bei Freude. wenn sie von einem guten Freund bzw. durch die von allen Menschen "anscheinend gleich" verschiedene Emotionen wie Angst. Herma Petri-Wolde kommt in ihrer Dissertation „Wesen und Erscheinungsformen musikalischer Tagträumereien“ aus dem Jahre1958. bei Wut und Ärger keine Musik hören zu wollen. Trauer." (S. Melancholie.9) ist der Frage nachgegangen. Schramm und P.“ Sie sollten angeben.) zu folgenden Ergebnissen: Ein Drittel der Befragten geben an. schlechtes Gewissen etc.

Im weiteren Verlauf würden sie das Tempo beschleunigen und die Tonlage anheben. also „stimmungsaffin“ produzieren. the neuro-affective foundations of musical appreciation. die sie aber zu tief und/oder zu langsam. Solche psychodynamische Selbststeuerungsmechanismen können musiktherapeutisch genutzt werden. Jahrbuch der Musikpsychologie 13. Anhand von Handzeichnungen zu bestimmten Gefühlen konnte Behne diesen Zusammenhang auch kulturübergreifend nachweisen (Musik . Hrsg. bei positiver Ausgangsstimmung bewirke die Melodieproduktion gleichbleibende oder gesteigerte positive Stimmung. Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain. Ärger und Angst angeben. dass der Gesang überhaupt zustande kommt. Freude. 205-214) Das allgemein menschliche Vermögen. oder es fallen ihnen beschwingte Melodien ein.improvisatorischer Ausdruck und Erkennen von Gefühlsqualitäten. Mergl. insbesondere auch diejenigen mit psychischer Behinderung Darstellungen von Gefühle besser erkennen können als Erwachsene (Darstellung und Erkennen des emotionalen Ausdrucks in musikalischen Improvisationen bei Kindern und Erwachsenen. dass Kinder. bestimmten Gefühlen entsprechen bestimmte Körpergesten. Ärger und Angst waren nach dem Anhören der Musik deut55 . S. 69-81) konnten in einer Studie mit 20 Gymnasialschülern im Alter von 17 bis 20 Jahren sowie mit 74 Studierenden und Bediensteten einer Behörde nachweisen. zu hoch oder zu tief.a. in Behne u. Trauer und Freude ausdrücken und als Zuhörer erkennen können. wobei es zur Stimmungsaufhellung komme. Im Verlauf der folgenden 20 Minuten. wenn Liedauswahl sowie Tempo und Lage von den Patienten selbst bestimmt werden. je nach Gestimmtheit. S. wobei der Therapeut nur insoweit behutsam begleitend mitwirkt. 125-145). Freude. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden. dass die Melodieproduktionen stets einen positiven Effekt auf die Stimmungslage haben. bei negativer Stimmung Aufhellung. die in den Bewegungen der Klänge wiedererkannt werden. dass Zuhörer die jeweils auszudrückenden Gefühle wie z. die ihnen in den Sinn kamen und während derer sie nach jeweils zehn Minuten erneut ihre Stimmungslage angaben. Dabei zeigte sich unter anderen. pendelten sich die Gefühle wieder im Bereich der Ausgangslage ein. entweder traurige Melodien einfallen. Piesbergen und Tunner (Musikalisch . Trauer und Wut durch. Musiktherapeutische Umschau 2003. Petri-Wolde hat bei ihren Versuchspersonen herausgefunden. Musikpädagogische Forschung 1982. wenn sie traurig sind. z.dern. Als musikalischer Stimulus diente die zufällige Auswahl aus Titeln. Dabei würden den Personen. die die Studierenden selbst zu den Sitzungen mitbrachten (hauptsächlich populäre amerikanische Titel der frühen 1990er Jahre. Trauer. Wie zu erwarten hellten sich verstärkten sich die Gefühle von Freude und Trauer nach dem zehnminütigen Anhören der jeweiligen Musik signifikant. dass Berufsmusiker Kompositionen so interpretieren können. die von ihnen als traurig oder fröhlich eingeschätzt wurde. während derer die Versuchspersonen Sachen aufschreiben konnten. zu schnell oder zu langsam.Kommunikation oder Geste?. An vier Messzeitpunkten der insgesamt vierzigminütigen Musik-Sitzungen sollten die Versuchspersonen auf einem siebenstufigen Selbsteinschätzungsbogen ihre jeweiligen Gefühlslage in Bezug auf Trauer. die kathartisch entlasten. Behavioural Process 60 / 2002. mittels Musik Gefühle zu kommunizieren zu können. B. Handbewegungen. führt Klaus Ernst Behne auf das Phänomen der Geste zurück. 1998. 133-155) berichten von einer Untersuchung der Stimmungsveränderung bei 16 Studenten im Alter von 19 bis 23 durch Musik.B. Eine ähnliche Untersuchung führten Cordelia Volland und Gabriele Hofmann mit Erwachsenen sowie Kindern mit und ohne psychischer Behinderung anhand der Gefühle Freude. Ärger und Feierlichkeit weitgehend identifizieren können. dass auch musikalische Laien in spontanen Improvisationen auf Xylophonen die Grundgefühle Wut.

erscheinen und in dieser Zeit bestimmend sind. Lebenswoche der Entwicklung des Menschen.h. Karl Adamek bezeichnet in diesem Zusammenhang Singen als die Möglichkeit zur Bewältigung von emotionalen Spannungen und schwierigen Lebenssituationen und Lebenslagen. d. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse aber eine sehr signifikante Beschränkung des Gefühlsausdrucks durch Musik auf die Gefühle von Freude. in denen durch Singen kritische Lebenssituationen bewältigt wurden L Summe der Intensität und Häufigkeit aller vergangenen und aktuellen positiven Erlebnisse mit dem eigenen Singen in der persönlichen Lerngeschichte. stiegen anschließend wieder an. blieben aber unter dem Ausgangniveau (vgl. 144-146). Verachtung. Wut. ob und in welchem Maße der Mensch diese Möglichkeit der emotionalen Regulation nutzen kann: Die„Formel des individuellen. Harm Willms führte Befragungen bei psychiatrischen Patienten durch. die Beeinflussung interpersoneller Beziehungen im Sinne von Nähe und Distanz (Ist Musik die Sprache der Gefühle? Musik. die beim Hören von Musik empfunden wurden. Töne und Tonfolgen frei hörbar oder auch im Stillen vor sich hinsingt. Tanz und Kunst-Therapie 2004.B. die während der symbiotischen Entwicklungsphase. Allerdings hängt es sehr von den musikalischen Vorerfahrungen ab. Dabei spielt es keine Rolle. Trauer. in welchem Umfang Gefühle wie Freude. Mitleid. Bei diesen Gefühlen handelt es sich um diejenigen. die über B und K hinausgehen S Trauma Traumatische Verletzungen in Bezug auf das Singen in der persönlichen Lebensgeschichte zweite Klammer: Elemente der Aktualgenese H aktuelle physiologische Hörfähigkeit W aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Wahrnehmung Ref aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Reflexion Bef aktuelle physische und psychische Befindlichkeit 56 . Es ergaben sich keinerlei Unterschiede zwischen dem Ausdruck von Gefühlen in der Improvisationsgruppe und den Gefühlen. Münster 1996) GL + B + K + L Bi = ( 1 + S Trauma ) X (H + W + Ref + Bef) Bi Bewältigungspotential erste Klammer: Elemente der Ontogenese GL Die Erfahrung der Gestaltungsmöglichkeit durch Lautgebärden im Säuglingsalter B Intensität und Häufigkeit des frühkindlichen Singens mit der Mutter oder einer anderen Bezugsperson K Intensität und Häufigkeit von vergangenen und aktuellen Erlebnissen in der persönlichen Lerngeschichte. durch Intonisation (Singen) erreichbaren Bewältigungspotentials“ macht das Zusammenspiel der dabei wirksamen Faktoren deutlich: (Singen als Lebenshilfe. Überraschung. ob der betreffende Mensch Lieder singt oder nur „intonisiert“. In einem geringen Maße gab es auch einen musikalischen Bezug zu Angst und Überraschung. bis 26. Trauer und Wut.lich reduziert. Auf diesem Hintergrund erklärt er beispielhaft soziopsychologische Phänomene wie z. also in der 4. Ekel. Angst. 113-119). Neugier. Schuldgefühle und Scham musikalisch ausgedrückt werden können.

wurde sie weniger differenziert beurteilt als vertraute Musik. erkannten in unvertrauter Musik keine Ausdrucksqualität und hielten sie für dumm und bedeutungslos. The Wounds that Sing. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Warum auch immer: Schüler sind deutlich weniger bereit. 226). die in ihrem Herkunftsland als fröhlich gilt. In einem Fall hielten die meisten Hörer eine Musik für traurig. War die Musik unvertraut. vor allem die Schüler. in asiatischer Musik einen Stimmungsausdruck wahrzunehmen als Erwachsene (vgl. Arbeitern und alten Menschen. Viele Teilnehmer. Sie kam zu folgenden Ergebnissen: Vertraute Musikstücke wurden von den Testpersonen ähnlich wie von den Komponisten beabsichtigt aufgefasst.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens Ruth Bright (Cultural aspects of Music Therapy.4. London 2000. Springfield 1993) spielte Hörproben aus Europa und Asien verschiedenen Gruppen von kaukasischen Testpersonen vor: Studenten. 57 .

72). das die Fähigkeit besitzt.E.. 10-14) Martin Buber. Wie Musik unser unbewusstes Handeln beeinflusst. konnten Psychologen der Universität Leicester zeigen: Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische AkkordeonKlänge erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer Wein als deutscher verkauft. "wenn mir ein Mensch begegnet. das von außen auf ihn eindringt.. Berendt: Das dritte Ohr. „aus der Fülle der uns umgebenden Geräusche und Klänge wählt unser Ohr“ aus. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft zu Flaschen aus Deutschland“ (Bild der Wissenschaft 11/2001. Das Ohr nimmt eine kreative Rolle „als ein Informationen suchendes Wesen“ ein. „Der Mensch hört nicht etwas. 2. sondern ein wahrgenommenes Geheimnis. Jörg Harries führt in seinem Aufsatz „Musikerleben als Herausforderung“ (in: Hermann J.Therapie und Kunst – Therapeuten“ (Zeitschr. Eine kognitionspsychologische Beschreibung des Hörvorgangs verdeckt eher." (S. „Alle Antworten auf die Frage ‘was ist Hören?’ müssen unvollständig bleiben und führen immer zu neuen Fragen.73) O.G.4. Hören als „höchst aktive und individuelle Tätigkeit“ ist „von Anfang an bereits als interpretierender Akt zu verstehen“. was eben nur in dieser Sprache sagbar ist. Wittgenstein zitiert in seinem Aufsatz „Kunst . 12) 58 . 1/89. Es gehe nicht nur um die Art des Musikerlebens.“(72. dass das Phänomen des Hörens letztlich ein Geheimnis bleibt (so wie das Leben)“. Kaiser (Hrsg. Auch das Gefühl für die zeitliche Ausdehnung erlaubt uns nur Urteile von ungefährer Treffsicherheit. S. . sondern er schafft aktiv und individuell das. 66-82) diesen Gedanken weiter: Musik sei.. Reinbek 1985 Auf das Hören als kreativen. das nicht das eigene des Bildners ist.nicht ein Gefühl. 20-25) hin. S. was er hört als ein Zusammenspiel in ihm liegender Fähigkeiten mit einem äußeren akustischen Angebot“. 3. Essen 1992. Wahrnehmen als Betrachter = analogisch. Sie alle sagen dem Empfangenden etwas. d. Abmessungen und Proportionen mit unfehlbarer Zuverlässigkeit zu erkennen und zu beurteilen. das nicht das eigene des Musikers. schöpferischen Vorgang weist Werner Pütz in seinem Aufsatz „Auf der Suche nach der verlorenen Ganzheit“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. Mainz 1940.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens Paul Hindemith weist auf die besondere Beschaffenheit des Ohres hin: „Das Auge und das Tastgefühl können Größenverhältnisse und Mengen nur aufgrund der Erinnerung und des Vergleichens mit anderen Größen annähernd genau abschätzen. alle Bildnerei gilt einem Auge. sondern immer auch gleichzeitig um die Lebensmethode und das Selbstkonzept. Das Ohr hingegen erweist sich als das einzige Sinnesorgan. S. mit "schwebender Aufmerksamkeit" (Freud) Wahrnehmen als "Innewerden" = dialogisch. Heft 49/1989. der mir etwas sagt. der 3 Arten der Wahrnehmung kennzeichnet: Wahrnehmen als Beobachter = katalogisch 1. wie wir sie wahrnehmen.): Musikalische Erfahrung. unsere Erfindung und für diese Wahrnehmung seien wir selbst verantwortlich. 40) Zu diesem Phänomen siehe auch das Kapitel „Das Ohr rechnet“ in: J. Mthp.“ ( Paul Hindemith: Unterweisung im Tonsatz. das der musikalischen Erfahrung und „ihrer Art und Weise der Wahrnehmung zugrunde liegende Selbstkonzept“ also den „Erlebenden selbst." Kunst sei von ihrem Ursprung her wesenhaft dialogisch: "alle Musik ruft einem Ohr. d. Berufsverb.. Östrr.

Im Leben. modellhaft dafür 59 . in der Evolution. Musik ist geordnete Zeit. die gemeinsame Einteilung von Zeit zu akzeptieren.“ Reinhard Schneider knüpft in seinem Aufsatz „Musikzeit“ (Musik und Unterricht. Ulrike und Stolz. Crossen 2005. bedeutet Vereinigung und nähert sich dem Zustand vor dem Bewusstsein von Zeit. weil „Prozesse der Durchdringung von Gegensätzen . ein Ziel zu avisieren. S. So gibt es immer gegenläufiges. deren Inhalt die Zeit ist. Um trennen. . 482) bezugnehmend auf: Gerstner.die Unterscheidung von Vergangenheit.K.. dass die Zeitdauer.... 1992. immer Spannung. also bereits Verklungenes. an der gemeinsamen Zeit teilzunehmen. So geht es auch in der Musik um beides. die vom Kurzzeitgedächtnis noch als psychologische Gegenwart erlebt wird. Anfang und Ende hat. Eine eigene Zeiteinteilung zu haben sei Ausdruck des autonomen Selbst (Individuation). L. Und gemeinsam musizieren (oder Musik hören. des technischen Zeitalters. und verschmelzen. Münster 2000) hat Musik mit „ökologischer Zirkularität“ zu tun. 157-166) die Zeiterfahrung in der Musik auf musiktherapeutische Problemstellungen angewandt.“ Für Wickel erschließt sich Musik „als Zeitkunst“ und als „gestaltete Zeit“ in ihrer „Ganzheit. Musiktherapie. aber bereits innerlich Vorgehörtes zusammensetzt. kommt einer Kunst. die Wirksamkeit von Musik besteht darin. also wiedervereinen. Wenn man bedenkt. die Messung und Planung von Zeit..11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ „Musikzeit ist eine intensiv erlebte Zeit“.u. 141).. S. das Eintauchen in die gleiche Zeit. eine ganz besondere Bedeutung zu. Regensburg 1991. In: Ethnology and Sociobiology 15. sie löst sich auf in der Zeit (Musikpädagogik in der Sozialen Arbeit. Gegenwart und Zukunft. die ihr eigenes Tempo. „in gleicher Zeit etwas zu erleben.ein musikalischer Prozess ist eine Art Zeitreise. um es sodann auf dem effizientesten Weg schnell zu erreichen. S.): Musikwissenschaft als Kulturwissenschaft. „dass sie in das Zeitgefühl und in das Zeitbewusstsein des Menschen eingreift und es durchgreifend modelliert. David Aldridge: „Leben als Jazz“ (in: Haase. eine musikalische Gestaltung bleibt damit streng genommen einmalig und unwiederholbar. im Ästhetischen ist häufig der Umweg die in Wahrheit kürzeste Verbindung. 161).) Improvisation – Therapie – Leben. die Phasen der Beschleunigung und Beruhigung.) bedeutet. immer beides: die Zeit aufhalten und das Verrinnen der Zeit. etwa drei Sekunden beträgt (vgl. Ästhetik. indem Vergangenes.“ (Verschmelzung/Auflösung) Nach Martin Drewer (Gestalt. Münster 1998. Gegenwärtigen. „Das Leben bedeutet auf den Tod zuzugehen also sterben. Antje (Hrsg. 1994: Evidence of a time constant associated with movement patterns in six mammalian species. Harm Willms hat in seiner Arbeit „Umgang mit der Zeit und musikalisches Verhalten bei Zwangsneurotiker“ (in: Klaus-Ernst Behne (Hg. die gleiche Identität anzunehmen“ (Willms s. In der Therapie versucht man heute zumeist. 181-205). geradezu als eines ihrer Grundmerkmale angesehen werden können. also gerade Ertönendes und noch zu Erwartendes. Das Schema der Gravitation.. die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit. H.4.. Die Frage nach der zeitlichen Seinsweise der Musik lässt sich nicht trennen von der Frage nach der Seinsweise des Menschen. & Goldberg. des Lebens und des Todes ein Hauptmerkmal der menschlichen Existenz ist.. Heft 14. G. „Ein einmal erklungener Ton verschwindet unwiederbringlich im Medium Luft. also strukturieren. 4-11) an diese Kennzeichnung der Musikerfahrung als Zeiterfahrung den Hinweis auf die enge Beziehung zwischen Musik und den elementaren Grunderfahrungen des Lebens an: „Da der spezifische Umgang mit der Zeit ..

Tonhöhe. Verläufe werden gedehnt. installierte den Wechsel. das Gleiche. die Wiederkehr. Zeiteinteilung. 54) Alle Musikalischen Parameter1 Klangfarbe. Tag und Nacht. heute nicht mehr zirkulär begriffen. Puls. Was sagt uns der Mythos? Schon am Beginn der Genesis schied Gott Tag und Nacht. Ulrike und Stolz. so reichte eine einfache Landstraße. denn es ist jedes Mal ein anderer Tag und eine andere Nacht. Auflösungen verzögert und verschoben. wir könnten aus der Welt herausfallen.unser Verkehrswesen: Die schnellste Verbindung zwischen Hamburg und Berlin sind eine gerade Autobahn. Rhythmus. Bei Luis Zett heißt es: „Was gibt uns der Rhythmus? Ist es das Gefühl des Versichert seins – versichert gegen die dumpfe Angst. übereinstimmen. etc Kosmische Rhythmen. Weder die biologische und die menschliche Evolution noch die Sozialgeschichte scheint dergestalt verlaufen zu sein. einstimmen.“ Musikalische Parameter: die Eigenschaftsmerkmale der Musik Klangfarbe. Entwicklungsphasen. Jahreszeiten. Crossen 2005.Rhythtarteiltöne höhe mus chen Klangfarbe Form Lebensrhythmen Atem. aus der Ordnung von Raum und Zeit ins konturlose. Planetenphasen etc Mikrorhythmen in der Materie MUSIK Makrorhythmen in der Materie David Aldridge hebt hervor. haltlose Chaos? Oder ist Rhythmus ganz einfach ein biologischer oder überhaupt stofflicher Grundfaktor? Auch eine Zelle hat ja ihren Lebensrhythmus. Zeit.) Improvisation – Therapie – Leben.Ton. Antje (Hrsg. Lautstärke 1 60 . Melodie. Elemen. ein Flugzeug oder die Hochgeschwindigkeitstrasse. Entscheidend ist aber nicht mehr wie wir irgendwohin gelangen. (stimmen. unv. 2003. Vom Standpunkt eines konservativen Unternehmers wäre das pure Verschwendung“ (108 f). das sich „isomorph“ zum Lebensprozess verhält Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. ist dadurch knapp geworden. Harmonie. sondern wie schnell. Hätte der Weg noch Erlebniswert. 473-487). „Beim Zuhören bewegen wir uns synchron zu der Artikulationsstruktur des Sprechenden. Umwege verstärken die Spannung und erzeugen so erst die Sehnsucht nach ihrer Entladung. auch in der Musik bestimmt nicht der Wunsch. zu einer schnellen Lösung zu gelangen. auch ein Elektron schwingt im Takt. und Rhythmus selbst ist strukturierte Zeit. Melodie (als Abfolge verschiedener Tonhöhen) und Harmonie (als gleichzeitiges Erklingen verschiedener Tonhöhen) stellen Quantensprünge des Rhythmus dar. das niemals gleich ist.Atome Moleküle Ober. Ms. dass sich Musik besonders hinsichtlich ihrer rhythmischen Qualität „als wirkungsvolles und dabei subtiles Kommunikationsmittel“ darstellt.

“ Beim „Zusammenbruch der Synchronisation des Verhaltens tritt das Pathologische hervor“ (484). Singenden bzw. dass eine Therapie mit improvisierter Musik (. Wir können hören. Dennoch sind Verstehensprozesse Möglich.. psychologische und soziale Aktivitäten finden in einem zeitlichen Kontext statt. Wenn das überleben des Menschen bestimmt wird von dem Repertoire an flexiblen Reaktionen. und zwar innerhalb des Individuums als Selbstsynchronisation und in Beziehungen als interaktionale Synchronisation. Sie bieten den Ausgangspunkt für die Musik des Therapeuten. Die Klänge.“ Maschinengeräusche können einen solchen Kontext nicht herstellen. So kommt es zu gemeinsamen Bewegungsmustern die nicht nur eine gemeinsame Hirnaktivität darstellen sondern gleichzeitig „eine Interaktion zwischen Person und ihrer Umgebung. Menschliche Aktivitäten sind grundlegend als Hierarchie rhythmischer Anpassungsprozesse organisiert. Darüber hinaus sind alle „grundlegenden Elemente menschlicher Kommunikation (. die einen solchen Kontext bietet“ (482). „Eine kreativ gestaltende Musiktherapie bietet die Möglichkeit.) musikalischer Natur. Durch die Musiktherapie erhalten die beteiligten Personen außerdem die Möglichkeit. sie hören. dazu angeregt werden.) ein wirksames Mittel darstellt.“ Diese Erfahrungen von Periodizität bilden sind die Grundlagen jeglicher Art von Kommunikation.. der dynamisch und von musikalischer Struktur ist. mit der eine Person diese Anforderungen bewältigt.„Jeder synchronisiert die Rhythmen erst für sich. auch in Beziehung zu einer anderen Person zu hören. Vielleicht kann man Krankheit als einen Zustand beschreiben.“ dienen entscheidend „zur Konditionierung der Wahrnehmung von Rhythmen. sich konkret in der Zeit zu erfahren.h.. Durch die Förderung der Entwicklung von kreativen Reaktionsformen ließen sich dann die Möglichkeiten für eine Genesung schaffen“ (485). indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut. Spielenden ein“ (478).) Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. die zu verbaler Kommunikation nicht fähig sind. Zudem sollten Kliniker unabhängig davon. Auf diesem Wege könnten die Künste wie auch die Wissenschaft die medizinische Praxis bereichern“ (485).“ (. Physiologische. um innere Bedürfnisse und äußere Anforderungen zu bewältigen. wie wir mit unserer Umgebung interagieren. bei dem die Person in ihren Möglichkeiten eingeschränkt ist. kreativ zu improvisieren (d. Es könnten alternative. sondern um einen Ausdruck dafür.. „in dem sich Menschen als gegenwärtig erleben und ihre Bewegungen dadurch koordinieren. damit sie nicht von sich selbst oder von anderen Personen entfremdet werden.. kreative Dialoge innerhalb der einzelnen Person gefördert werden. aus welchem Fachbereich sie kommen. Ihr Schlüssel ist die Periodizität der Vitalrhythmen Puls und Atmung. Das wir besonders bei der Arbeit mit Menschen im Koma deutlich. 61 . im wahrsten Sinne des Wortes. neue Lösungen für ein Problem zu entwickeln) oder nur ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsformen besteht. dann geht der Zuhörer auf die rhythmische Struktur des Sprechenden. dann wird vielleicht beim musikalischen Improvisieren auf akustischem Weg Kreativität vermittelt. Indem man mit dem Patienten singt oder musiziert. den musikalischen Komponenten der Kommunikation Beachtung zu schenken. erhält man eine Zeitstruktur. um Kommunikation im Sinne einer personellen und interpersonellen Integration zu fördern. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. Demzufolge kann man annehmen.. ihr Selbst im Sein.

„dass die in dieser Lebensmethode kristallisierten Stockungen und Probleme einen breiteren Ausdruck bekommen. Indem man ihn aber mit den jeweils folgenden in einen sinnvollen Zusammenhang bringt. 62 .. 101-117) kennzeichnet Shushanik Sukiasyan das seelische Befinden des Patienten als „eingeengten Zustand. Das lässt sich auch auf die Erfahrung des formalen Geschehens übertragen: Formteile oder Motive werden wiedererkannt und fügen sich im Erleben des Hörers zu übergeordneten Strukturen zusammen. wodurch ihm „eine andere Sichtweise auf seine Probleme und sein Leiden“ eröffnet werden kann (106). so dass mit dem veränderten Zeitempfinden auch veränderte Bewusstseinszustände möglich sind. Dadurch hat der Patient die Möglichkeit während der Improvisation sowohl die problematischen Formenbildungen als auch Lösungschancen (. wird es möglich. Gleichzeitig bringt die musikalische Improvisation „das Typische der Lebensmethode“ hervor und ermöglicht durch den Prozess der Zerdehnung. zu benennen und sich damit auseinander zu setzen“ (112). .Die Patienten können. „in der musikalischen Improvisation der Musiktherapie eine unmittelbare Möglichkeit der Zerdehnung des seelischen Augenblicks erleben“ (111). in dem er nur seine Probleme wahrnimmt“ (105). Diesen Augenblick müsse man „zerdehnen“. der im musikalischen Augenblick geschieht. was die Autorin an der „Analyse des Melodischen“ veranschaulicht: Im Moment hört man immer nur einen Ton. so folgert Shushanik Sukiasyan. Wiesbaden 2006.) gleichzeitig in der Gegenwart wahrzunehmen. die ganze Melodie als Gegenwart zu empfinden. Die Musik kann in diesem Zusammenhang als Zerdehnung des Augenblicks verstanden werden. Jahrbuch Musiktherapie. deren sinnvolle Eingliederung in die sich vollendende Gesamtgestalt der Hörer erwartet.In ihrem Aufsatz über „die Zerdehnung des seelischen Augenblicks und den zerdehnten Musik-Augenblick am Beispiel psychosomatischer Patienten“ (in: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg.. Auf diese Weise kann sich die subjektiv erlebte Gegenwart des Musikerlebenden weit in Vergangenheit und Zukunft hinausdehnen.

20-40). 25 ff. Östrr. Kind und Glaube. dass sein Schreien die Mutter herbeiruft. die ihn füttert und trocken legt usw. S.wir denken auch an gehorsam. Und Luther sagte: In der Kirche Gottes wird nichts verlangt außer hören . Hände.hätte der Mensch nur Augen.“ (Frieder Harz: Musik. Zeitschr. Guten und Sinnhaften. Er macht die Erfahrung. S. denn all jene Sinnesorgane sind Organe der Kritik und des Skeptizismus. Das Wiedererkennen bedeutet außerdem ein Lusterlebnis da es möglicherweise entstandene Angst wegen des Nichtvorhandenseins der Mutter wieder löst. 73) Für Sigmund Freud ging es bei der „Verbindung der Hörsphäre mit der Angst“ um die Angst „vor dem Über-Ich.. die schreckhaft auf Geräusche reagieren. Stuttgart 1975. verändert und mit diesem akustischen Eingriff in die ihn umgebenden Klangwelt seine Lebensumstände verändert (die Mutter kommt herbei und wendet sich ihm zu). Insofern kann man auch sagen.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens Viele Autoren verbinden frühste Klang. und einer als bedrohlich erlebten Außenwelt. dass auditive Patienten (insbesondere Frauen). sich zu entziehen. (S. dass er mit Hilfe seiner eigenen klanglichen Äußerung die bedrohliche klangliche Außenwelt beeinflußt. 32) Er weist auch auf die zwiespältige Erfahrung beim kindlichen Spracherwerb hin. Stuttgart 1982. die angenehmer sind: die beruhigende Stimme und das Singen der Mutter.B. prägt. Mthp. Sowohl Luther wie Beethoven litten an quälendem Ohrensausen. S. bei taktilen Reizen ist es ihm nach wenigen Tagen bereits möglich. So z.“ (Felix de Mendelssohn: Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. Harm Willms weist auf die Besonderheit hin. dass das Kind an der sprachlichen Verständigung teilhaben kann. S. vor den Stimmen der magisch-allmächtigen Eltern. S. dem Geräusch. in: IMAGO. dass der Schmerz die „ursprüngliche Quelle der Musik“ sei (Dezsö Mosonyi. 63 . 3/1989. Die irrationalen Grundlagen der Musik. gleichzeitig enthalte sie aber auch den Schmerz darüber. dann hätte er keine Religion.“ Feuerbach schrieb 1851: „Das Ohr ist das Organ der Angst. De Mendelssohn hat beobachtet. Das Kind erkennt die Stimme der Mutter wieder und wirkt durch die konstante Zuwendung beruhigt. auf der einen Seite sei die Erfahrung.“ (Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen. gleichfalls hohe Sensitivität für autoritäres Vatergehabe zeigten. Leipzig 1935. d.und Musikerlebnisse des Menschen mit der Erfahrung von Angst und ihrer Bewältigung. dass die ursprüngliche Übereinstimmung mit der Mutter im frühkindlichen Zustand der Symbiose vor und jenseits aller sprachlichen Verständigungsbemühungen verloren gegangen ist.) Umgekehrt schreit der Säugling bei Erfahrungen von Unlust und lernt bald. indem sie ihn einzuordnen versucht in einem größeren Sinnzusammenhang. denn im Schmerz werde die Musik als wirksame Kraft erlebt. 207).. d. Geschmacksund Geruchssinn. gehorchen und Hörigkeit. So kommt es zu einer frühen Verbindung zwischen dieser präverbalen akustischen Erfahrung. mit Befriedigung verbunden. beruft sich auf sie und hält an ihr fest. 21.. die als Ausgeliefertsein oder ausgesetzt Sein erlebt werden muss.4. Etwas später macht der Säugling auch noch andere akustische Erfahrungen. nimmt der Klagegesang „den erlebten Schmerz auf und bindet ihn ein in die im Gesang körperlich nah vergegenwärtigte Erfahrung des Geordneten. Berufsverb. Dem Geräusch gegenüber besteht jedoch eine gewisse Wehrlosigkeit. in der der Säugling Geräusche im Gegensatz zu anderen Reizen erlebt: „Bei optischen Reizen kann er die Augen schließen.

die Musik wird zu einer Projektionsfläche. 31) Nach Stanislav Grof (Das Abenteuer der Selbstendeckung. als wären sie seine eigenen seelischen Bewegungen. 231) (wir gehen auf frühere Überhaupt kann Musikhören mit der Phantasietätigkeit. Klausmeier (1984) hat die Prozesse des Musikerlebens mit den neun Gesetzen. Insofern hat die Musik „für jeden einzelnen.. in denen Musik als Trauminhalt auftaucht (vgl. „nicht aber –wie man annehmen würde. zu dem wir in unserer analytischen Arbeit mit Patienten nur selten gelangen. bei der Identifikation erlebt der Hörer sich. dass Musik von jetzt an ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Analyse sein müßte. was Sie mir heute gezeigt haben. die Musik wird zur Projektionsfläche. bei der der Hörer auf Projektion frühere Erlebnisweisen und (Wir „legen etwas in die Musik hinein“. als wären sie unsere eigenen seelischen Bewegungen) Erlebnisweisen und Gefühlszustände zurück. München 1987) kann das Musikerleben alte Emotionen mobilisieren. Sie gelangt zu tiefem archetypischem Material. 224) Friedrich Klausmeier (Die Lust. Traumtätigkeit verglichen Tagträumerei) werden. Teile von sich in der Musik wieder. sozusagen direkten Eingang in die für die Steuerung der Emotionen und vegetativen Vorgänge verantwortlichen Hirnstrukturen findet“ (32). Harrer. sondern lässt die besondere Bedeutung der Musikerfahrung für tiefenpsychologische Prozesse aufscheinen. Freiburg 1982) sind musikalische Erfahrungen „mit Erlebnissen oder Erinnerungen aus meist sehr frühen Stadien der individuellen Entwicklung“ verknüpft. bzw. Dann träumen die Versuchspersonen von ihr als solcher. die beim Musikhören wirksam werden: die Projektion und die Identifikation. Reinbek 1978) nennt als psychische Aktivitäten. sich musikalisch auszudrücken. Basel 1988 folgendes Zitat von C.in verschlüsselter. Die Musik wird also ohne die sonst übliche Übersetzung in die Traumsprache direkt in den Trauminhalt übernommen. die Projektion und die Identifikation vollziehen sich im Zustand der Regression im Dienste des Ich. ohne das Tor des Verstandes passieren zu müssen. (S. er erlebt musikalische Prozesse. Das legen auch Untersuchungen von Träumen nahe. dass Musik „einzigartig mit der psychischen Energie“ korrespondiert. 154) Nach Claudia Schumann (Musiktherapie und Psychoanalyse. Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. Regression Gefühlszustände zurückgeht. (im Dienste des Ich) auf der sich innerpsychisches Geschehen Phantasietätigkeit und Tagabbildet) träumerei. auf der sich psychisches Geschehen abbildet. Gerhard Hrsg. Jung: „Das eröffnet eine ganz neue Forschungsrichtung. symbolhafter Form. belegt nicht nur die zuvor ausgeführten neurophysiologischen Vorgänge. als wäre es außerhalb des Hörers. Erfahrungen intensivieren und vertiefen und psychische Abwehrmechanismen durchbrechen. 64 . eine ganz individuelle Bedeutung.Boris Luban-Plozza bringt in seinem Buch „Musik und Psyche“. dass gerade die zum Teil aus primitiven Kulturkreisen stammende Musik.“ (S.. Wenn man dem energetischen Modell Freuds folgend beim seelischen Geschehen zwischen Primärprozessen (Prozessen des Unbewussten) und Sekundärprozessen (bewusste Prozesse) ausgeht. Das. Beide psychischen Aktivitäten.G.“ (S.lässt mich fühlen. (S. stellt man fest. Die Erfahrung. die Freud für Identifikation (wir erleben die musikalischen Prozesse. Stuttgart 1992). bei der Projektion legen wir etwas in die Musik herein. von der ich mir nie hätte träumen lassen. der sie hört oder ausübt.

Frankfurt/M. Ich und Über-Ich. Sexualität) drückt sich im verbunden. Rainer Dollase (Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. 2. verglichen und dabei viele Übereinstimmungen entdeckt. Ob etwas positiv oder negativ gemeint ist. 1977. gung. Ich und Über-Ich (Vitalität. indem Musik sinnliche Lust verschafft. Musik ist (im Gegensatz zur Sprache) präsentative Symbolik. Gegensätze können friedlich nebeneinander stehen. Es gibt keinen Ausdruck von Abwesenheit und Negation 5. in Beziehung zum Ich steht das Musikerleben Ich .Ich . Opladen 1998) erläutert die Entstehung von Musikpräferenzen als Ergebnis tiefenpsychologischer Prozesse im Spannungsfeld zwischen Es.Funktion insofern. Eine Bestandsaufnahme. als es eine Freude spendende Form des (Verstand. selbst durch die Fähigkeit. nach den Regeln der „das verwandt ist mit der moralischen Befriediästhetischen Konvention oder dem bewußten Verstoß gegen diese). und geordnet wahrzunehmen). Wille) drückt sich in der Beherrschens beinhaltet. Sie existiert nur in der Gegenwart. Sexualität in Beziehung steht (Es-Funktion).den seelischen Primärprozess festgestellt hat.243). 115-129). Der psychische Primärprozess und die musikalische Interpretation. 7. Die neun Gesetze im einzelnen können folgendermaßen auch im musikalischen Geschehen wiedererkannt werden: 1. (Überwindung von Geräuschangst aus (die Freude spendende Fähigkeit. Der Zuhörer wiederum entschlüsselt diese musikalischen Symbole und erlebt dabei eine ähnliche Ersatzbefriedigung wie der Musiker (347 f). S. 218 . Nach Heinz Kohut ist das Musikerleben mit den ES . Friedrich Klausmeier. 9. Gießen 2002) in der Zeit von 1910 bis 1950 auf die sexuelle Triebdynamik. wodurch der Musiker ein aus (im „richtigen“ Zusammenklang Gefühl von Befriedigung und Sicherheit erhält. Musiktherapeutische Umschau 1984. die mit aus (Ausagieren motorischer Impulsivität). 8. 4. In Teilen zeigt sich das Prinzip das Ganzen (Verdichtung) (vgl. recht gehandelt zu haben“ (Heinz Kohut: Introspektion. Musik wird als „Ersatzbefriedigung der Triebe in der Phantasie“ bezeichnet. wobei der Musiker oder Produzent seine Triebproblematik in musikalische Symbole verschlüsselt und sich dadurch von seinem Es-Über-Ich-Konflikt befreit. die Beziehung zur Über-Ich-Funktion vollzieht sich in der Über . verschiedener Klänge. In: Dieter Baake (Hrsg.) Handbuch Jugend und Musik. Es kann mehreres gleichzeitig geschehen. 3. von 1950 bis 1975 auf die Bewältigungsmechanismen 65 . insbesondere in der Melodie Melodiebildung. Arbeiten über psychoanalytisches Verständnis von Musik beziehen sich nach Bernd Oberhoff (Psychoanalyse und Musik. Es gibt keine Konditionalia oder einschränkende Negationen 6.Funktion psychischen Funktionen Es.Funktion Unterwerfung unter eine Reihe ästhetischer Regeln (Moral) drückt sich in der (Harmonielehre) oder auch in kreativem Umgang Harmonie mit ihnen (Rebellion). ergibt sich nur aus dem Zusammenhang. selbst Klänge hervorzubringen Klänge hervorzubringen und sie geordnet wahrzunehmen). Zunächst verläuft die primärseelische Logik wie „alle Musik in der Zeit als Energiestrom ab und korrespondiert damit einzigartig mit der psychischen Energie“ (123). Empathie und Psychoanalyse. Gegenstände können stellvertretend füreinander stehen. Rhythmus insbesondere in der Rhythmuserfahrung.

die von der Therapeutin respektiert und geschützt wird. Edith weist in ihrem Aufsatz „Zum Umgang mit den Begriffen Übergangsobjekte und Objektbesetzungen in der Musiktherapie“ (Musiktherapeutische Umschau. Musiktherapeutische Umschau 2003. 39-49) auf die Bedeutung und musiktherapeutische Relevanz von Objektbeziehungen hin. Das an Regression gebundene Übergangsobjekt tritt nur in solchen Zuständen in Erscheinung. Die Objektbesetzung ist dynamisch und kann innerhalb des Therapieprozesses ‚kommen und gehen’“ (49). 2005. Bei Objektbesetzungen dürfen seitens der Patientin andere die Musik und das Instrument verwenden und verändern. Das Übergangobjekt hat Anfang und Ende. Ludger Kowal-Summek.des Ichs und in der Zeit danach auf die präverbalen Prozesse der Mutter-Kind-Beziehung (vgl. Das Übergangsobjekt darf seitens der Patientin im musiktherapeutischen Geschehen von der Therapeutin und den Gruppenteilnehmern meist nicht verwendet (gespielt) werden. Wiesmüller. erlaubt der Patientin ein Regredieren auf eine frühkindliche Ebene. Die Objektbeziehung muss nicht an Regression gebunden sein und kann sämtliche Entwicklungsstufen mit ihren jeweiligen Objektbeziehungen repräsentieren. 66 . Es verliert im Laufe des Therapieprozesses an Bedeutung. Anhand von Übergangsobjekten und Objektbesetzungen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet und anhand von Therapiebeispielen beschrieben: „Im musiktherapeutischen Prozess sollte die Therapeutin wissen. 403). Diese Sphäre. ob es sich bei Musik und beim Instrument um ein Übergangsobjekt oder um ‚bloße’ Objektbesetzung handelt: Das Übergangsobjekt ist durch den intermediären Raum gekennzeichnet.

die in erfreulichen Situationen gehört wurde.) Handbuch Jugend und Musik. die in unerfreulichen Situationen gehört wurde.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens Beim klassischen Konditionieren Musik. Opladen 1998.4. In: Dieter Baake (Hrsg. Musik. wird positiv bewertet Beim operanten Konditionieren wirkt die Anerkennung von Gleichaltrigen für den Kauf einer bestimmten Platte oder den Besuch eines „richtigen“ Konzerts als Verstärkung Rainer Dollase: Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. wird negativ bewertet. 349 67 .

indem sie jedoch verklingt. des Auf-sich-aufmerksam-machenKönnens und des angenommen Werdens sind soziale und zugleich akustische Erfahrungen. in: Musik und Bildung. S. sich also "gegenüber dem. die bei Menschen entsteht. Für die Dauer dieser geteilten Zeit ist das. 28." verbindet uns auf dieser ursprünglichen Ebene des Gleichklangs und Gleichschwingens mit der Mutter. dass seine vorsprachlichen Erfahrungen nicht durchgängig in Sprache übersetzbar sind. folgendermaßen: „Die musikalische Zeit. Zur anthropologischen Begründung und Ausrichtung eines ausgewogenen Musikunterrichts für alle Stufen der allgemeinbildenden Schule. "als Gefühlsausdruck von gelebter Zeit.nicht neutral verhält. ist geteilte Zeit. im rhythmischen Auf und Ab der geräuschvollen Atmung und im rhythmischen Schlag des Herzens. Musiktherapeutische Umschau. andererseits verliert das Kind seine Ganzheit. Wir formieren uns zu einer hörenden Gemeinschaft oder einem singenden Chor. 201-204) beschreibt die besondere Verbundenheit.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens Wenn man bedenkt. die rund 10 Millionen mal kleiner sind als die beim Berühren. Das hängt schon damit zusammen. die ich mit anderen verbringe.kommunikativ verhält . Sprache wirkt wie ein "zweischneidiges Schwert . Mthp. wenn man berücksichtigt. der in Musikerfahrung symbolisch für kurze Zeit gekittet zu werden scheint.rhythmisches" ist. aber auch im Musikhören erleben wir die Abwesenheit von Missverständnissen. 3 (2007). S. die 68 . Später tritt die Sprache in die Sozial.Helfen . dass "die Reaktionsstärke des menschlichen Organismus auf akustische Reize erheblich größer als die auf optische und taktile Berührungsreize" ist." so kann zusammengefasst werden. Im gemeinsamen Singen oder Musizieren. welches dem Individuum jene ersten . Der musikalische Raum wird in der Musik zum gemeinsamen Raum. Trauer und Schmerz die uns nicht sprachlos machen dürfen." und dass "das entscheidende pränatale Erlebnis Mutter ein akustisch . und 38) Musikalisches Geschehen ist immer auch ein soziales Ereignis. "erlebt im rhythmischen Wiegen des Ganges. dass es vor allem auch das Medium Schall ist. Räume zu überschreiten und die Ohren und den Körper von anderen Menschen als Vibration zu erreichen.einerseits werden durch das Verhandeln von Bedeutungen zwischen Eltern und Kind die Gefühle von Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit bereichert. dass schon der Embryo "spezifische Reaktionen auf akustische Reize" zeigt.kurz. Bilden . gekittet.4. oder einem spielenden Orchester oder einer Improvisationsrunde. dass Klänge in der Lage sind.Heilen. Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. 4) Jene sozialen Urerfahrungen des ausgesetzt Seins. Die Musik als vor. Jede Musik hat ihre speziellen Versammlungs. wie sie sich akustisch . die die Herausbildung eines sozialen Selbstverständnisses entscheidend prägen. Musikerleben ist auch immer mit sozialen Gesellungsformen verknüpft. wenn auch nur für kurze Zeit. von Lebzeit. dass "die Hörzellen schon auf Reizenergien.und außersprachliches Geschehen. sie wirkt wie ein Riß zwischen Mutter und Kind. die miteinander Musik erleben. "kann sie uns Trauer und Schmerz nicht ersparen. d." reagieren. d. Östrr." Deshalb erfordert musikalisches Erleben immer wieder die sprachliche Vergewisserung.und wohl intensivsten ." In der Musikerfahrung ist dieser „Riß in unserem Dasein“. aufgehoben. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. indem es spürt. Heft 1/1978. Berufsverb.passiven wie aktiven Kommunikationserfahrungen ermöglicht. was die Mutter hört oder spricht . (Hermann Rauhe. (Felix de Mendelssohn. 3/1989. 27 f. was uns im Alltag voneinander trennt.und Gesellungsformen. in: Zeitschr.und Kommunikationserfahrung hinein. sei es gewollt oder ungewollt.

Journ. Nach diesen unterschiedlichen Erfahrungen sollten die Teilnehmer. den wir auf andere Weise vielleicht nicht erreichen könnten. bei manchen Krankheitsbildern sogar das letzte und einzige Kommunikationsmittel sein kann. warum Musik in der Therapie ein einzigartiges. können wir nicht einander Feind sein. Sie lenkt die Kognitionen und kanalisiert die Gedanken in die gleiche Richtung. Wenn wir uns aber nahe sind. in einer dritten Situation wurde Musik vom Band gehört (Musik/Passivität) und in der letzten Gruppe wurde gemeinsam ein Film betrachtet (nicht Musik/Passivität). die wir hören oder die wir selbst erzeugen. den Grad des Vertrauens zu ihrem Nachbarn in einem Fragebogen angeben und danach in dem berühmten Gefangenendilemma-Spiel demonstrieren. Die Ausdrucksmotorik derer. Das gemeinsame Singen ist auch Ausdruck gemeinsamer Identität und Orientierung. Kipper: The influence of group singing on trust and cooperation. führt zu einer Synchronisierung mit anderen Menschen. und zwar gerade dann. das eine Verbindung zu anderen schafft. der zufolge Versuchspersonen "eine Stunde lang in sehr verschiedene Situationen gebracht wurden: einmal wurde gemeinsam gesungen (Musik/Aktivität). So hat Musik auch friedensstiftendes Element. Of music therapy 3/88.uns voneinander trennen und das Miteinander im Alltag oft erschweren. Auf diese Weise vermittelt Musik uns Sicherheit. Die gemeinsam erlebte oder musizierte Musik wird so zur Brücke zum anderen Menschen. die wir teilen. Klaus-Ernst Behne berichtet über eine israelische Studie. Anshel & D. dieselben Inhalte und Themen. wenn alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation nicht mehr funktionieren. Das emotionale Erleben fokussiert sich auf den gleichen Gegenstand. zu wieviel Kooperation sie bereit wären. Das ist auch der Grund. wird synchronisiert. Die Musik. Die Musik erzeugt Gefühle und Emotionen. die singen oder musizieren oder auch nur Musik hören. die sich vorher noch nicht kannten. 145-155 Soziale Wirkungen des Musikerlebens „Vertrauen“ „Kooperation“ Film Betrachten Gedicht Rezitieren Musik Hören Singen 69 . Sie bewirkt eine gemeinsame Fokussierung der Aufmerksamkeit. Und als Mitfühlende sind wir einander nahe.A. ein andermal wurden gemeinsam Gedichte rezitiert (nicht Musik/Aktivität). (A. wir erleben Geborgenheit in der Musik.

Sobald wir kommunizieren und ganz besonders beim gemeinsamen Singen. 35 f). In der Säuglingsforschung spricht man von hochwirksamen „Bindungs-Duetten“ zwischen Müttern und Kindern. diskfunktionalen Beziehungen und unglücklichen Lebensumständen. vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein“ lässt“ (in: „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (2008. als auch unsere Frequenzspektren dazu.). Heft 18/1993. die belegen. als er sich an seine eigene Zeit im Chor erinnerte – an seine damaligen Gefühle der Freude und Zufriedenheit. Er erhoffte sich ähnliche Auswirkungen auf die Wohnsitzlosen. MU. Insgesamt ergaben sich für die beiden Aspekte beim Singen in der Gruppe die höchsten Werte (Klaus-Ernst Behne. einige zeigten Verhaltensweisen. S. Bossinger berichtet über einige Studien. manisch-depressiven und schizophrenen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen waren. 215). Die Ergebnisse zeigen ganz eindeutig. Norderstedt 2005) weist darauf hin. tendieren sowohl unsere physiologischen Zustände durch wechselseitige ‚organismische Resonanz’1. 7 f. in: Musik und Unterricht. die wenig Hoffnung hatten. Diese Männer waren soziale Außenseiter. Einige von ihnen hatten viele Jahre auf der Straße gelebt. jemals ein produktives und erfülltes Leben zu führen“ (74). sich zu synchronisieren“ (34). das „Menschen friedfertiger. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 29. mehr Vertrauen zu einem Nachbarn zu haben als in einer nicht musikalischen Situation. „wir schwingen uns also auf ‚gleiche Wellenlänge’ ein. Er „ging ursprünglich zurück auf die Initiative eines jungen Mannes. Die Idee hierzu bekam der junge Mann und spätere Chorleiter. 1 70 . gegründet1996 in Montreal. Besonders eindrucksvoll der Bericht über den Chor der Wohnsitzlosen („Homeless-Choir“). dass bei erfolgreich miteinander kommunizierenden Menschen die Frequenzspektren ihrer Stimmen einander annähern. Außerdem kommt es zur Synchronisierung „von gemeinsamen Atemmustern über synchronisierte Herzfrequenzen und Blutdruckschwankungen bis zur Synchronisation und Harmonisierung neuronaler Netzwerke in unseren Gehirnen. Außerdem verbinde Singen in Gemeinschaft die Menschen untereinander und wirke „krankmachender Vereinsamung entgegen“ (ebd. „dass Singen in Chören und Gruppen Gefühle der Verbundenheit und Gemeinschaft stärken kann und sogar teilweise therapeutische Effekte hat“ (65). weil der Nervus Vagus und über ihn das gesamte vegetative Nervensystem mit der Kehlkopfmuskulatur verbunden ist. Die Interview der Teilnehmer des Chores ergab: Sabine Rittner (im Lexikon Musiktherapie (Hrsg. die auch im Tierreich beobachtet werden können (ebd. dass hingegen Aktivität (Singen oder Rezitation) die Bereitschaft zur Kooperation erhöht. und ihnen war auch nicht bewusst. 359-368) beschreibt unwillkürliche wechselseitige neuromuskuläre Übertragungsvorgänge zwischen Gesprächspartnern. dass Singen die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin stimuliert. 216). der als Helfer in einer Suppenküche für Wohnungslose mitarbeitete. Wirkungen von Musik. Decker-Voigt et al Göttingen 1996) S. Rittner.“ Deshalb kann geschlossen werden. Alkoholismus und/oder Drogenabhängigkeit. „dass Gesang ein ideales Mittel zur Schaffung sozialer Verbundenheit darstellt und er kann sogar eine Resonanz auf der Ebene biologischer Körperrhythmen bewirken“ (35). dass „Vertrauen“ und „Kooperationsbereitschaft“ die relevanten Aspekte in dieser Studie waren.“ Später heißt es in der wissenschaftlichen Begleitstudie zu dem Projekt: „Viele der wohnsitzlosen Chorsänger litten an emotionalen Problemen. Kanada.Den Versuchspersonen war nicht bewusst. dass sie sich jeweils in einer von vier unterschiedlichen Situationen kennengelernt hatten. Sabine berichtet. von denen der gesamte Organismus betroffen ist. die konsistent mit Symptomen von depressiven. dass ein musikalischer Kontext (Singen oder Hören) uns dazu veranlaßt.

Mainz 2000. was ihm möglicherweise im Feld erwartet – ein ähnliches Phänomen wie bei dem pfeifenden einsamen Spaziergänger. in der sie ein angemessenes interpersonelles Verhalten entwickeln können. Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. Die Konzentration. in: Tillmann Bendikowski u.) bei den Frühmenschenvorteilhaft auf die Überlebenskraft und kulturelle Entwicklung der Frühmenschen ausgewirkt hat. Jahrhundert. 13-22) erinnern daran. Einen noch stärker manipulativen Charakter haben Nationalhymnen. wer singt. und „erhöhte Bereitschaft zum gemeinsamen Singen (Grunzen. (Hrsg. Kopiez / G. die allerdings je nach aktueller Spielsituation zwischen Unterstützung des Vereins. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen. keine Zeit zum Nachdenken hat. Die Wirkung beispielsweise von Marschliedern wird dem Umstand zugeschrieben. wie auch ein Milieu zu schaffen. 2. Die Studie selbst hat den Titel: Musikerziehung und ihre Wirkung.): Die Macht der Töne. dass Menschen die miteinander musizieren. dass Kinder. also keine Angst davor bekommen kann. aktive Teilnahme am Gruppensingen verringert depressive Stimmungen und fördert emotionale und körperliche Gesundheit. 71 . Letzteres spielt wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle bei den Stadiongesängen von Fußballfans. Die Autoren vermuten auch. der im Wald von der Dunkelheit überrascht wurde-. um der Repertoire zu erlernen und auszuführen. des Straßenbaus. war Ziel der ‚chain-gang’-songs der Gefangenen in nordamerikanischen Gefängnissen bis weit ins 20. emotional ausgeglichenere Gedankenprozesse zu etablieren“ (75). Jahrhundert hinein. 3. Die Wechselwirkung zwischen dem Chor und dem Publikum scheint den Chorsängern sowohl ein Gefühl von persönlicher Bestätigung zu geben. die sie von den normalöen Netzwerken getrennt hat. Schreien etc. Eine Fanomenologie. Brink: Fußballfangesänge. Die Synchronisierung der gemeinsamen Arbeit.a. die gerade in Kriegszeiten die Loyalität gegenüber den Herrschenden sowie die Opferbereitschaft erhöhen sollen. 64 f). sowohl bei der Zivilbevölkerung als auch bei der kämpfenden Truppe“ (17).1. die Synchronizität der marschierenden Mitkämpfer unterstreicht möglicherweise beim Individuum den Eindruck des einheitlichen Handelns und stärkt so das Gefühl der Geborgenheit in der Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel. Beschimpfungen der gegnerischen Mannschaft und Spielkommentierungen wechseln (vgl. also Schaffung einer Stimmungskongruenz einander persönlich häufig unbekannter politisch Ähnlichdenkender. welche erforderlich ist. Münster 2003. „ein starkes Gefühl der zumindest vorübergehenden Verbundenheit“ empfinden. R. fungiert als ein Stimulus für geistige Beschäftigung. wie z. welches wiederum das Erreichen von Gruppenzielen ermöglicht und 4. S. Während dieser Zeiten ist die Aufmerksamkeit abgelenkt von störenden internalen Gedankenreflektionen und kann helfen. in welchem die Kluft überbrückt werden kann. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. häufig monotone und manchmal sogar gefährliche Tätigkeit erleichtert durch emotionale Aufhellung und verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl. dass. „Auf diese Weise wird eine anstrengende. Bei politischen Liedern kann zunächst eine Meinungsbeeinflussung vermutet werden. Hans Günther Bastian weist in einer 1999 veröffentlichten Studie nach. Würzburg 1998). Der Chor bietet den Chormitgliedern eine familiäre Atmosphäre. „das oft als auf einer anderen Ebene lokalisiert oder intensiver wahrgenommen wird als alltägliche Interaktionen mit Mitmenschen. dass sich die genetische Verankerung der Fähigkeit. die aus Schulklassen mit Musikgruppen (Chor oder Orchestergruppen) sozialer eingestellt sind als Kinder ohne solche besondere Förderung (Musiktherapeutische Umschau 1999. Letzteres führt wiederum zu einer Selbstbelohnung“ (18).B.

Augsburg 2001. Jean-Luc u. Freiburg/CH. die Situation im Elternhaus etc.a. die nicht nur ausschließlich etwas mit Musik zu tun haben. 72 . wie etwa die Einstellung und das Verhalten der Lehrer. (Hrsg. Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“.a.) Macht Musik wirklich klüger? Musikalisches Lernen und Transfereffekte. An ihrem Zustandekommen sind immer viele Faktoren beteiligt.Eine ähnliche Langzeitstudie ist in der Schweiz durchgeführt worden und unter dem Titel Patry. (Hrsg): Musik mach Schule. Heiner u. Transfereffekte zwischen Musik und sozialem Verhalten sind nicht leicht sicher nachzuweisen. Beide Studien werden ausführlich diskutiert in dem Sammelband Gembris. 1993.

In Anlehnung an Daniel N. Folie: Beziehungsqualität in der Musiktherapie Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Therapeuten: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Du bemerkst mich und meine Angebote nicht. Ich verfolge mit großer Aufmerksamkeit dein Spiel und zeige die meine Anteilnahme. Bewegens. Du bemerkst etwas. Wir erfreuen uns am gemeinsamen Spiel. dass du bemerkst. die wir bereits mit in diese Welt aus der des Uterus bringen. München 2001) sieht in diesen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen Begründungen dafür. mit deren Hilfe sie die Entwicklung des behandelten Kindes und den Fortgang der Musiktherapie einschätzt (Musiktherapie und Säuglingsforschung. dass du der Urheber des Spiels bist. warum Musik als nonverbales Medium auf besondere Weise heilsam wirken kann: „Die Erfahrungsstufen des Säuglings in der Entwicklung vom auftauchenden Selbst zum verbalen Selbst und synchron im Bereich seiner Bezogenheit zur Mutter und anderen Bezugspersonen. elementar-musikalischen Bereich (. und ich achte darauf. Un73 . 249 f). aktiv wie rezeptiv. Musiktherapeuten verwenden diese Modi auch als Diagnose. Frankfurt am Main 1999. Lautlallens.. Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Hans-Helmut Decker-Voigt (Schulen der Musiktherapie. wir spielen zusammen. ob der Andere mein Spiel wahrnimmt Ich höre dich und mich Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Ich höre uns und freue mich über das gemeinsame Spiel s. den ihn umgebenden Dingen und mit seinen Bezugspersonen her. Hörens. dass ich der Urheber des Spiels bin Ich höre mich und will wissen. bedeuten das Erlernen von Kompetenzen und Ausprägen erster Potentiale im auditiven. über weitestgehend mediale Ebenen des Fühlens.). Stern hat Karin Schumacher in ihrer Arbeit mit autistischen Kindern 6 Modi der Beziehung beschrieben..In seiner frühen Entwicklung stellt der Mensch unterschiedliche Beziehungsqualitäten im Kontakt mit sich selbst. Sehens. Singens. Du hörst dir zu.und Evaluationsinstrument für jede Musiktherapie: Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Kindes: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Ich ohne mich Ich bemerke etwas Ich verwende Personen oder Instrumente für meine Bedürfnisse Ich höre mich und bemerke. Ich spiele mit dir und du mit mir. Du verwendest mich wie einen Gegenstand und die Instrumente als wären sie ein Teil deiner selbst.

Musik dient der Abkapselung von der Umwelt.. 74 . (Kontaktfunktion) Im Singen oder Spielen eines Tons berühre ich einen anderen Menschen.. bis es uns verlässt“ (31) (Hervorhebung H.) 4. (Funktion der Auseinandersetzung) Durch die Erforschung der äußeren Natur der Gegenstände erfahren Menschen ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen (301). Musik dient der Verdoppelung des eigenen Selbst.und elementar musikalischen Ein..sere lebenslange Dialogfähigkeit mit uns selbst und anderen haben wir im Uterus und in früher Kindheit im prä.. In Interaktionszusammenhängen betrachtet. Musik dient der symbolischen Berührung mit den anderen Menschen. (Funktion der Selbstverdoppelung). 295-305) vier übergeordnete Funktionen für Musik benennen: 1. werde zu zwei „Personen“: Körper-Ich und musikalischer Symbolausdruck.und Ausdruck disponiert. Indem ich auf meinem Instrument spiele. (Funktion der Einhüllung) Beispiel: Lallmonologe des Säuglings.K. der – sich selbst einhüllend – sich in den Schlaf singt.) 3. 2. In: Musiktherapeutische Umschau. lassen sich nach Wolfgang Mahns (Das Musikkonzept in der Musiktherapie. 1984. und diese Disposition ist Basis für sämtliche verbalen und nonverbalen Kompetenzen des gesamten Lebens. Musik dient der Auseinandersetzung mit der äußeren Natur. verschaffe ich mir ein Gegenüber. sofern dieser anwesend ist. Auf symbolischer Ebene findet Berührung statt (. (.).

was ist gut.4. Berlin 1974. die der Patient in der Musiktherapie macht. München 2001. „Das Ästhetische stellt einen festen Bestandteil des gesamten Lebens dar“. 295). so wie er denken und erkennen. was ist Wahrheit? Was ist richtig. gleichzeitig liegt hier die eigentliche Begründung der Musiktherapie. was ihn emotional in seinem Sein bewegt.). Münster 2000. zum Anderen. In diesen Symbolen kommen auch Utopien zum Ausdruck. 13) Ästhetische Aneignung ist gebunden an die Voraussetzung eines sinnli75 . das meint die Vorstellung davon. der Begründer der Ausdruckstherapie vertritt eine „nicht-restriktive Kunstauffassung“. Sie betreffen nicht nur die Kunst. Münster 2000.. dass sich durch die musikalische Erfahrung. zum Ausdruck kommt.“ Insofern seien Kunst und Heilkunst öriginär miteinander verknüpft und sei „künstlerischer Ausdruck nicht nur Medium. 294). sondern Methode zugleich“ (ebd. um dem. so vermag er seine „immateriellen Emotionen und Phantasien“ in Symbolen zu kodifizieren (Martin Drewer. das ist auch die je spezielle Art. Ästhetik. was ist falsch?) und Ethik (Morallehre. erlaubt Kunst. sagt etwas aus über das Verhältnis einer Person zu sich selbst. ob als schön oder hässlich. so wie er sich sozial entwickeln kann. Im Laufe der Geschichte wurde Ästhetik zur „Lehre vom Schönen“ verkürzt und lediglich auf die Bewertung künstlerischer Produkte bezogen. „Der ursprüngliche Gefühlsausdruck ermöglicht dem Menschen eine gesunde regulierende und sinnstiftende Kommunikation mit sich und der Welt. was ist böse?) als Lehre von der sinnlichen Erkenntnis (was ist schön. Neben Logik (Erkenntnislehre. 83 f. was besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz. Auch Paolo Knill. Das sind nicht nur Bilder. der zu Folge Kunst „nach dem direkten unmittelbaren Gefühlsausdruck das ursprünglichste Ausdrucksmittel des Menschen ist. Harmonie und Disharmonie“ u. 80 ff).f. Gestalt.s. Während Wissenschaft die Gesetze sowie die Ordnungen dieser Welt entwerfe und Philosophie sinnstiftende Zusammenhänge herstelle. etwas in seinem Leben verändert.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens Alexander Gottlieb Baumgarten (1717-1762) gilt als Begründer der deutschen wissenschaftlichen Ästhetik. Und die Art. (Alltagsästhetik). Die ästhetische Auseinandersetzung ermöglicht erst die Vorstellung des Transfers zwischen Musikerfahrung und Alltagsleben. Musikstücke etc. was ist hässlich?) gilt sie als eine der drei Fundamentaldisziplinen der Philosophie. zur Welt“ (Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. Das gesamte Leben vollzieht sich in solchen Bewegungen.“ (Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. Musik in der Ausdruckstherapie. In archaischen Kulturen sei der 2künstlerische Ausdruck nicht von dem direkten Gefühlsausdruck abgespalten (Sabine Bach. in: Hans Helmut Decker-Voigt: Schulen der Musiktherapie. wie der Mensch sich wohnlich einrichtet. Ästhetik definiert Moissej Kagan „als die Wissenschaft von der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit durch den Menschen. Drewer charakterisiert das Ästhetische auch als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung. bringe der Mensch in der Kunst „seine kreative Wahrnehmung der Dinge und seiner selbst“ zum Ausdruck. „wie wir Musik wahrnehmen und einordnen. S. um seiner Selbst und der Welterfahrung äußere Gestalt zu geben und es in dieser Veräußerung mitteilbar zu machen“. kleidet etc. Die Phänomene des Ästhetischen hingegen sind wie denken und wollen als Empfindung von schönem und hässlichem im gesamten Leben des Menschen gegenwärtig. der Notwendigkeit von Ausdruck und dem Bedürfnis nach Mitteilung eine Weg zu bahnen. Es gehört zur Grundausstattung der Gattung Mensch. das Ästhetische transzendiert die bloße Zweckdienlichkeit. es ist „integraler Bestandteil“ der Entwicklung der Menschheit wie des einzelnen Menschen. Ist dieser Ausdruck gestört. Damit ist die Brücke geschlagen von der Kunst zum Leben. Musiktherapie.

Frohne-Hagemann. 289) sei „auch in der Musiktherapie die Kakophonie legitimiert. Hässlichen. Platon.): Fenster zur Musiktherapie. So kann Neues. u. als im Artifiziellen zu transzendieren erscheint. 105 ff. Gestalt oder Verhaltenstherapie). W. Darstellung. Sie plädiert deshalb für eine „Ästhetik vom Leibe aus“ (289). Ästhetische Theorie. 53. als der Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung seien die metaphysischen Richtungen eigentlich als „anästhetisch“ zu betrachten. Aristoteles. mehr noch. Ängsten.w. die durch die vorfindliche Gegenwart ausgelöst werden“ (ebd.) Für den psychotherapeutischen Prozess sind ästhetische Erfahrungen deshalb so bedeutsam. „das weh tut. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. Der Ästhetik Adornos folgend. Wünschen. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. dass die Patienten beim Spielen und Experimentieren mit Klängen ihre Wirklichkeit ästhetisch hervorbringen. noch nicht Erkanntes entstehen und erfahren werden. Romantik bis Kant. (S. Pythagoras.chen Kontaktes. weil Sinnlichkeit Teil der Physis ist. n. sondern bereits dort stattfindet (z. Heraklit. Isabelle Frohne-Hagemann betont. Stimmige. ausgehend von den alten Griechen. bzw. Ich habe diese Dinge in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranke“ unter dem Kapitel „Musiktherapie als besondere Form der ästhetischen Aneignung“ (S. weil das alles ebenso zur Ästhetik gehört wie das Schöne. So betont er . Leichte und Erleuchtete. Renaissance. 259-294) hält die Untersuchung der von vielen Theoretikern vernachlässigten ästhetische Dimension der Musiktherapie für hilfreich bei der Entwicklung einer musiktherapeutischen Metatheorie. als Engrammierung in den Zellen) (96 f). schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt wird. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. zit. Barock. die Leiblichkeit als zentrale Instanz für künstlerische Verstehensprozesse anerkennt. mit Möglichkeiten. des Haderns und Trotzens. in Mittelalter. Erkenntnis. 2001. die Organ-Logik bei Drewer). 287). Und wenn dies dazu beiträgt. zellulären und organischem Bereich basiert. Heilung bedeutet unter ästhetischen Gesichtspunkten nun. sondern die Wertschätzung des Mühsamen. dann soll 76 . Auch Isabelle Frohne-Hagemann (in: Decker-Voigt (Hrsg. des zeitweiligen Steckenbleibens und Resignierens. Erkenntnis und Gestaltung von Wirklichkeit“ und habe „existentielle Bedeutung“. Ausgewogene. Ihr ästhetisches Handeln sei „Erzeugung. auch tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. Subjekt und Mitwelt“. Auch Drewer bemüht sich um eine solche ästhetische Begründung der Musiktherapie und warnt vor einer bloßen Orientierung an den etablierten Therapierichtungen (Psychoanalyse. Reflexionen. an Geistestätigkeit und an „Uneigennützigkeit“. Impulsen.s.52) im einzelnen erläutert. „dass musikalisch-improvisatorische Prozesse primär der (Organ-)Logik folgen“ und dass Erkenntnis nicht nur im Organischen wurzelt. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. Vor dem Hintergrund der ursprünglichen Bedeutung von aisthesis. Erfreuliche. weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. Wiesbaden 2001. Frankfurt am Main 1973. Damit ist nicht nur ein in Kauf nehmen missklingender oder chaotischer Musik gemeint.. die auf dissipativen Strukturen im molekularen. noch nicht Gedachtes. Adorno. die das Hässliche umschließt. der ganze Leib totales Sinnesorgan ist (vgl. 45 .B. Das Ästhetische ist für ihn ein „auf allen körperlichen und geistigen Ebenen vermittelter Austausch von Systemen. „die dem zielgerichteten Verhalten aufgrund dessen Einengung verschlossen sind“ (Drewer 91). Individuen. der Therapeutin Kraft. Als „ästhetische Konstruktion“ seien sie „eine ständige Suchbewegung und Auseinandersetzung mit Erfahrungen. Verqueren. weil sie nicht zweckgebunden sind und deshalb Zugänge zu Möglichkeiten eröffnen. Vorstellungen. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt.

290 f. dh. denn „das ästhetisch Empfundene haftet den Gegenständen nämlich nicht an. Emotionen. Deshalb müssen die Improvisationen der Musiktherapie hermeneutisch interpretiert werden. die Wirklichkeit ästhetisch zu erleben. Einfällen. dass die Bedeutung musikalischer Gestalten sich auf völlig anderem Wege ereignet als die von Sprache (Bedeutung ästhetischer Zeichen. dass man „sowohl von der gegenstandsnahen Wahrnehmung als auch von der leiblichen Empfindung und Resonanz auf die ästhetischen Phänomene ausgeht. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. als die Fähigkeit. Musikstücke: ästhetische Zeichen .h. des Körpers. 264). (auch Vorurteilen)... das heißt. bilden die Wirklichkeit als Ganzes ab . der Situation und den ablaufenden Konsensprozessen in sie hinein. die verdeutlichen. Grundlage der Ästhetischen Situation ist die „Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt“.). des Denkens. sondern willkommen geheißen“ sein(289 f. d. und jeder hört nur dann und nur das aus der Improvisation heraus“. nach dem Bild der Einheit des Subjekts unifiziert d..: sie enthalten die Wirklichkeit als Ganzes nach der subjektiven Sichtweise des einzelnen vereinheitlicht . Musik und Sprache. sondern es entwickelt sich erst in der Beziehung zum Subjekt“ (ebd.. sowohl im Blick auf die Musik als auch im Blick auf den Körper... unter denen wir es betrachten. in denen eine bestimmte Art. d. welches „von den Bedingungen..“ Jede Wahrnehmung sei bereits eine Interpretation. 287). Daraus resultiert die besondere Qualität der therapeutischen Beziehung in der Musiktherapie.h. erlebt wird 77 .das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. die von unseren „eigenen ästhetischen und therapietheoretischen Vorannahmen“ bestimmt ist (ebd. Der tschechische Philosoph Jan Mukarovský kennzeichnet die ästhetische Aneignung.: sie provozieren Bewegungen der Sinne.). Wahrnehmungen beschreiben.: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein .. abhängt. . die Fähigkeit des Menschen.: zuerst wahrnehmen. Musik ist zwar auch „sinnvolle Struktur. ästhetische Zeichen sind z. Aachen 1985). wie jedes Musikstück sind auch die Improvisationen der Patienten „ein komplexes Symbol“. Gedanken. und erst dann nach Bedeutungen fragen und Bedeutungen finden. 291). „ästhetische Zeichen“ herzubringen und zu rezipieren.h. Wie jedes Kunstwerk. Gruppenprozessen. Diese Auffassungen basieren auf semiotischen Analysen zu Musik und Sprache von Peter Faltin. Atmosphären.B. aber sie „bedeutet“ zunächst einmal nichts. was er selbst in das Werk hineingelegt hat (Frohne-Hagemann 2001. Bedeutungen legen wir in Abhängigkeit von unserem Vorwissen.h. bevor in einem elevatorischen Vorgang von dieser aisthesis zur ästhetischen Sinngebung fortgeschritten wird“ (ebd... zielen auf eine vereinheitlichende Verhaltensweise d.

Zürich 1981. weil ja die technische Zivilisation im Grunde darauf abzielt.. Die Industrie hat ungefähr seit den 1950er Jahren eine „Eskalation der Speicher. atmosphärische Erfahrung sei zugleich eine Erfahrung der eigenen leiblichen Anwesenheit .. 57 f.. unsere ganzen Bewegungs..“ Das geht nur. Beim Hören jedes neuen Musikwerkes vergleichen die Menschen die unbekannten Klangkomplexe mit den bekannten und treffen eine Auswahl. und das drängt die Atmosphären immer in den Hintergrund . . das heißt auch affektiv neutral zu machen.. also zwischen einerseits völlig rational begründeten Klangverbindungen und andererseits einstweilen unerklärbar. bekannten und angenehmen gebildet.. eine „Theorie des Empfindens“ . bald konstatierend. bald ausdehnend. S.und Kommunikationsformen sind technikvermittelt. Beziehungen. so dass durch die Musik.. . Alle Menschen müssen sich ja sehr funktional und cool verhalten. dann wird die konkrete Form dieser Arbeit. Trägheit oder Aktivität im kompositorischen Schaffen hängt mit ab von einer solchen Wahl zwischen den passiv im Gedächtnis gespeicherten. warum sich die Bewegung. 34 f. Aus dem Grundbedürfnis nach Musik ist heutzutage „ein Kompensationsbedürfnis geworden.. Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Frankfurt am Main 1971 Boris Assafjew beschreibt das Musik . Zwischenräumen.. vergleichen die Menschen instinktiv die Momente der vorbeifließenden Musik miteinander und prägen sich im Gedächtnis ähnliche und häufig wiederkehrende Klangkomplexe ein.“ Um ein musikalisches Werk zu verstehen... dass in Ungewohntem Beziehungen zu bekannten Klangelementen erkannt werden..“ (Die musikalische Form als Prozess. „wenn wir uns dafür öffnen und leiblich mitschwingen“ (Frohne-Hagemann 2001. 267). s. Wiederholtes Hören führt jedoch allmählich dazu.“ Es geschieht eine Reihe von Energie . hören wir Beziehungsgefüge und dieses er-fahren wir mit dem Leib als totalem Sinnesorgan. Wenn wir Musik ästhetisch hören.) „Musik klingt nicht als Summe einzelner hörbarer Töne. sondern aus ‚Kraftfeldern’. seit eh und je befestigten Klangverbindungen einerseits.. Ein ähnlicher Prozess des Anklammerns an gewohnte Klangverbindungen oder deren Zurückweisung. „angefangen von ihrem ersten Keimen in der Vorstellungskraft des Komponisten unter dem Einfluss seiner Umwelt bis hin zur ihrer Rezeption durch den aufmerksamen Hörer.. fortsetzt." (S.. Georg Böhme.. aber auch 78 . Berlin 1976. Vergleich und Auswahl vollzieht sich auch beim Komponisten während der schöpferischen Arbeit. Allmählich fixieren sich diese Klangkomplexe im Bewusstsein und werden zu leicht erkennbaren. das musikalische Werk..Erleben (das Anhören einer Musik) als Prozess der Umwandlung von Energie: „Wenn ein Komponist bei seinem Schaffen eine Arbeit durchführt und dabei ein Teil seiner Lebensenergie aufwendet.) Eine Musik zu verstehen bedeutet für Assafjew: „Die Zweckdienlichkeit der Vorwärtsbewegung des gehörmäßig wahrgenommenen Klangflusses erfassen und sich darüber klar zu sein. Atmosphären sollten auch klanglich und damit in zeitlicher Dimension begriffen werden und nicht immer nur räumlich (letzteres sein geradezu eine Berufskrankheit der Architekten). Musik besteht nicht aus Tönen.Mukarovský.Unwandlungen. . betont in einem Interview mit Eckhard Weymann und Martin Deuter die Notwendigkeit einer ökologischen Ästhetik . . das Normalleben möglichst ereignisarm... zu einer Form der Umwandlung der Energie des Komponisten. wobei sie besonders ungewohnte Verbindungen ablehnen.und Wiedergabegeräte“ betrieben... hierzu auch John Diamond: Lebensenergie in der Musik. irrational erscheinenden Einfällen. Musik ist eigentlich das mächtigste Mittel zur Erzeugung von Atmosphären . sondern sie wird in unseren Ohren Musik durch ein sinnenhaftes Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen. und "noch nicht bewältigtem Material" andererseits.

die Möglichkeit. Die Industrie entwickelt hier die Steigerungsmöglichkeiten über die Geräte und auch über die musikalischen Moden.“ So müsse „das Bewusstsein vom Lebensvollzug wieder gewonnen werden“ und „die Musik hätte.die Fernsehindustrie eine Kompensationsleistung erbracht wird: es wird ein harmloser Bereich des Auslebens von Gefühlen bereit gestellt. sowohl der Geräte als auch der Musik. so ähnlich wie das Atmen. London 2000. The wounds that Sing. die sich ständig erneuern müssen. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. gegenwärtig zu sein (Die Musik modifiziert mein Gefühl. Musiktherapeutische Umschau 2005 307-313 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. den Menschen die Erfahrung zu vermitteln. Es wird von der Kulturindustrie ein systematischen Veralten geplant. 246 79 . im Raum zu sein.

“ (S. 1993.T.und Lesevermögen von sprach. Jean-Luc u. Mainz 2000. „dass Jungen und Mädchen mit musikalischer Begabung. inwieweit solche „Transferleistungen“ überhaupt einzig auf die Musikerfahrung zurückzuführen sind und wie lange sie Bestand haben. dass frühzeitiger Musikunterricht die sprachlichen Fähigkeiten eines Menschen dauerhaft verbessere (Nature Bd. insbesondere gab es in diesen Klassen weniger Außenseiter. 396. 22 . (Hrsg): Musik macht Schule.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens In ihrem Aufsatz „Musikalität und Leistungen in nichtmusikalischen Bereichen“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. Musikpäd. als Kinder in Klassen ohne Musikgruppen. f. die alle zum Ergebnis kommen. Heft 40. Musiktherapeutische Umschau 1999. verglichen mit ihren Freunden. Die Studie zeigte auch. Überhaupt ist fraglich. dass durch regelmäßiges tägliches Singen das Sprach. Eine Studie zu diesem Thema von Hans-Günther Bastian zeigt. die überwiegend musikalisch ausübend sind. S. 1986) kommt zu demselben Ergebnis.zumindest teilweise .und Gesangsunterricht wöchentlich und dafür je eine Stunde weniger Unterricht in den sprachlichen Hauptfächern Deutsch und Französisch sowie Mathematik.die musikalisch nicht ausübend sind. 307-320) nach. vor allem das räumliche Vorstellungsvermögen steigerten („Mozart Effekt“). kommt zu ähnlichen Ergebnissen. die in der Schweiz durchgeführt wurde. Freiburg/CH. Psychologen der Universität Hongkong fanden heraus.und lernbehinderten Kindern sehr deutlich verbessert werden konnte. S.. 1987.wieder einholen.28) referieren Arnold Feil und Marianne Hassler die Ergebnisse vieler Untersuchungen. 64) In einem Schulversuch von 1972 bis 1979 in der Schweiz erhielten die Schüler 5 Stunden Musik. wonach regelmäßiges Anhören von Mozart Musik Intelligenzleistungen. An diesem Versuch nahmen 2400 Schüler aus Berliner Stadtteilen teil. kann in einer Schülerlaufbahn in der Zeit vor der Pubertät schon einiges geschehen sein. S. 80 . S.. Dennoch verbesserten sich ihre Leistungen in diesen Fächern (Ernst Weber. Amerikanische Studien. S. S. Die komplette Studie trägt den Titel: „Musikerziehung und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie. 4-22). Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen“. 23/1983. Und obwohl die Nichtmusiker nach Eintritt der Pubertät dank eines großen Entwicklungsschubes die Musiker . 128. Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“. Musikforum 86/1997. 33-36. die zu großen Teilen auch aus sozialen Brennpunkten kamen (Musiktherapeutische Umschau 1999.. Ihre eigene Untersuchung in Tübingen mit 60 Jungen und Mädchen ergibt. 28) Helmut Moog weist in einer Untersuchung "Transfereffekte des Musizierens auf sprachliche Leistung" (in Kemmelmeyer / Probst: Quellentexte zur pädagogischen Musiktherapie. dass Kinder in Klassen mit regelmäßigem Musikunterricht zwei Stunden pro Woche und zusätzlicher Musikpraxis im Chor oder Musikgruppen verbunden mit Instrumentalunterricht in allen übrigen Schulfächern deutlich bessere Lernfortschritte machen. Eine Dissertation an der Universität Washington (D. dass musikalisch praktizierende Menschen im allgemeinen höhere Intelligenz aufweisen als andere. Lu. dass Kinder mit mehr Musikerfahrungen in besseres Sozialverhalten zeigten. bei dem die Musiker einen Vorteil hatten. Sie ist erschienen unter dem Titel Patry. Bastian: Beeinflusst intensive Musikerziehung die Entwicklung von Kindern? Zwischenbilanzen einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen. Intelligenter durch Musik? Zeitschr. 64 f. werden von Sozialwissenschaftlern bisher noch mit Skepsis betrachtet. Regensburg 1981. S.a. einen deutlichen Entwicklungsvorsprung in nichtmusikalischen Bereichen haben.4.

w. Gewaltprävention und Intelligenzförderung bei Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens.Kommunikation und Psychotherapie aus der sicht der fraktalen Affektlogik. 409 f. Interview mit Luc Ciompi in: ringgespräch über gruppenimprovisation LXIX. 33). Bern 2001.): Gefühle und Systeme. die in ähnlichen Situationen immer wieder aktiviert werden“ („Wer nicht sucht.): Wie wirkt Soteria. Göttingen 1997 Neuerdings stellt man enge klangliche Beziehungen zwischen Sprachklang und Musik fest.a. 81 . 2003. wenn man das von Luc Ciompi beschriebene Phänomen der fraktalen Affektlogik zu Grunde legt (vgl. Sie „sind evolutionär gekoppelt mit wichtigen Verhaltensweisen wie Flucht.). Norderstedt 2005. s. 59 . Heidelberg 1998). und diese hervorgehobenen Frequenzen bilden genau die chromatische Tonleiter.S. Die hohe affektive Qualität des Musikerlebens erscheint in diesem Zusammenhang als „Energielieferant“ für kognitive Entwicklung. (Hrsg. Naheliegend erscheint der positive Einfluss des Musikerlebens auf die kognitive und soziale Entwicklung besonders. denn es handelt sich bei Affekten „um bestimmte biologisch sinnvolle Energieverteilungen sowohl im Körper wie in der Psyche und im Gehirn.63). als wir gemeinhin für wahr halten“. Kampf. Hildenbrand (Hrsg. und andererseits beeinflussen diese Gefühle dann ihrerseits das Denken und Wahrnehmen in einem viel höheren Ausmaß. 411). So bilden sich funktionell integrierte ’Fühl – Denk Verhaltensprogramme’. Nahrungssuche u.und den entsprechenden Denk.s. Sexualität. Andererseits erscheinen manche Tonfolgen „dem Menschen harmonischer als andere. Welter-Enderlin und B. „In praktisch allen menschlichen Sprachen werden bestimmte Tonhöhen lauter gesprochen als andere“. findet!“ Das Phänomen aus Sicht der Affektlogik.“ Sie „koppeln sich erlebnis. weil sie physikalisch den Mustern der Schallenergie ähnlich sind. Geselligkeit. Kommunikation.und situationsabhängig mit bestimmten Wahrnehmungs. in: R. Die emotionalen Grundlagen des Denkens: Entwurf einer fraktalen Affektlogik. die den Hörern von der Sprache her vertraut sind (ebd. Dem zufolge wirken Fühlen und Denken zirkulär zusammen: „Einerseits lösen bestimmte Erlebnisse. welche die Grundlage fast aller Formen von Musik darstellt (Musiktherapeutische Umschau 2003. hierzu auch die zusammenfassende Darstellung über die Musikpädagogische Forschung zur Steigerung sozialer Kompetenz. S. Wahrnehmungen oder Gedanken bestimmte Gefühle aus. zur Affektlogik im einzelnen das Kapitel „Das Schizophrenieverständnis der Affektlogik und seine therapeutischen Implikationen“ (in: Luc Ciompi u.und Verhaltensweisen.49-68) sowie Luc Ciompi: Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Göttingen 1997 und: Die affektiven Grundlagen des Denkens .

das alles ist ein Abbild eines gesellschaftlichen Zustandes. „Das spielerische Musizieren fördert die Konzentration und die Geduld. 82 .und Kommunikationsprozessen zum Hoffnungszeichen des politischen Ethos. 55). „Beide.letzteres ist „Neue Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände überwindet). anarchistisch. weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. Musik kann spielerisch Erfahrungen der Freiheit und Gemeinschaft für die Dauer des Erklingens stimulieren. S. Dissipative Strukturen sind allgegenwärtig. „das weh tut. ermöglicht eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung“. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. die ein System bestürmen.. denn chaotische Systeme tendieren dazu. 50). Selbstorganisation ist auch hier ein sehr viel stärker herausforderndes Konzept als alles. Ästhetische Theorie. als bestehende gesellschaftliche Verhältnisse sich in ihr abbilden oder insofern. Es gibt kein Formales ohne inhaltliche Implikate und diese reichen bis zur Politik“ (Vgl. Einen historischen und politischen Kontext zwischen Musik und Politik sieht Joachim Ernst Berendt (Das Leben – ein Klang. München 1996) in den von Ilya Prigogine beschriebenen dissipativen Strukturen und Prozessen der Selbstorganisation. die Art und Weise. Frankfurt am Main 1973. miteinander umgehen.) Und natürlich in der Musik. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind.und trostloser als sie es ist.4. „Er hat gezeigt. Hrsg. Sie wird in solchen musikalischen Freiheits. bei einem sich auflösenden Verkehrschaos. 35-57. abgeschafft werden und ein utopischer (noch nicht realisierter) gesellschaftlicher Zustand dargestellt wird. Sie tun das in – dies wurde ein Schlüsselwort – ‚Selbstorganisation’. Überschreiten sie diese Grenze. solange sie nicht über eine bestimmte Grenze hinausgehen. noch ‚höhere’ Ordnungen und Strukturen aus sich heraus neu zu erschaffen. Gütersloh 1993. wie die Musizierenden sich zueinander verhalten.) eher Wunschtraum denn Wirklichkeit (Peter Bubmann. das aber kreativ ist. Nun können diese Beziehungen hierarchisch. Politisches kann also in Musik einmal insofern enthalten sein. als diese bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse transzendiert. politisches Ethos und ästhetische Kunst zehren von der kommunikativ begriffenen Freiheit der Handelnden und Hörenden. 1979. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. Ersteres ist „Alte Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände lediglich abbildet) . in Sitzungen. Theodor W..17 Politische Aspekte des Musikerlebens „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. Allerdings ist „die Vorstellung. Für Adorno gehört auch zur Ästhetik das Hässliche. ‚kippt’ das System um. neue. Adorno. wie sie für die Improvisation in der Musik typisch sind. Adorno. Es entsteht Chaos. was der Musikwissenschaft bisher am Herzen lag“ (371 f). W. So unterstützt Musik zunächst auf indirekte Weise die Bemühungen um eine menschenfreundlichere Gesellschaft“ (ebd. ohne selbst diese Hoffnungen einlösen zu können“ (ebd. dieses eher befestigen und kräftigen. allerdings garantiert es „noch keine politische Mündigkeit. Turbulenzen. könnte durchaus ein paar Generationen von Musikwissenschaftlern in Atem halten. ästhetisch anspruchsvolle und fortgeschrittene Kunstmusik transportiere automatisch positive politische Grundwerte (. Tönend bewegte Freiheit.: Menschenfreundliche Musik. Das heißt. dass Störungen. Versammlungen etc. nach dem Muster von Herrschaft organisiert sein oder demokratisch bzw. Fluktuationen. 379). bei einem sich herausschälenden Konsens. Ästhetische Theorie. Frankfurt/M. in ders.“ „Ohne diesen sozialisierenden Beitrag der Musik zur Gesellschaft jedoch wäre die Welt sicher fried. Dieses letztere zu untersuchen. Auch in der Gesellschaft (zum Beispiel bei der Bildung von Lichterketten. Nicht nur in der Physik und Chemie. 54).

Deshalb ist es auch Aufgabe der Musiktherapie. sozialen und politischen Geschehnisse gesehen werden. Man muss vorsichtig sein mit ‚rein’ klinischen Diagnosen. dass wir uns selbst zu akzeptieren beginnen. 1995) Gerade „die immateriellen Werte“ prägen „die Mentalität eines Volkes“. dass wir über den Tanz nachdenken.“ „Der Tanz kann in der Gesellschaft etwas bewegen. Investition und Wachstumsrate als Triebfeder der Volkswirtschaft sehen. 65 f) „Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes hängt nicht allein von Geld und Arbeit ab“. die sich aus freien. Denn nur eine Gesellschaft. bedeutet ja. die das Individuum stigmatisieren. denen zufolge „Faktoren wie Rohstoff. „Der schöpferische Akt ist für die Emanzipation des Einzelnen bekanntlich von entscheidender Bedeutung. 2000. „nicht nur die Erscheinungen und Hintergründe. selbstbewussten Menschen zusammensetzt. Zum Verhältnis von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung eines Volkes und seiner Tanzkultur: (Interview mit dem Choreograf und Theoretiker Alphonse Tiérou von Jasmina Sopova in: UNESCO-Kurier 7/8. Wiesbaden 2001. Alain Peyrefitte: La Société de confiance. doch muss diese immer vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen. sondern auch im gesellschaftlichen Kontext. wird ihre Schwierigkeiten meistern.“ Stattdessen sind „kulturelle Werte. als entscheidender Katalysator des Fortschritts“ hervorzuheben.“ Allein bereits „die Tatsache. Musiktherapie befasst sich ja mit dem Unerhörten und Ungehörten auch nicht nur im Seelenleben. sondern die Bedingungen für bestimmte gesellschaftlich determinierte Lebenswirklichkeiten aufzuspüren. Produktion. Fenster zur Musiktherapie. Die großen Theorien sind überholt. 290).“ 83 . (vgl. Eine musiktherapeutische Improvisation kann zwar das Weben und Walten einer sich im Individuum manifestierenden Störung sozialer und gesellschaftlicher Genese hinweisen. Arbeit. Kapital. Die Improvisation ‚bedeutet’ in ihrer ästhetischen Gestaltung also nur etwas vor diesem Hintergrund“ (Frohne-Hagemann.53). die bislang nur eine Nebenrolle spielten.

dazu auch: Hartmut Handt: Vorspiel der Ewigkeit. Er sieht auch die Gefahr. könnte man es. Musik und Transzendenz. Musiktherapeutische Umschau. Operationalisierung. hört. Das Musikerleben konfrontiert uns unausweichlich mit der Tatsache. 28. emotionale Erfahrungen mit religiösen zu verwechseln." Wenn überhaupt: man beschreibt den tönenden Prozess. Dabei könnte auch auf die „Möglichkeiten der Krankenseelsorge und der psychologischen Beratung“ zurückgegriffen werden (226). da wir am Ursprung des 'Denn' sind.“ (L. was man nicht beschreiben kann. Gütersloh 1993. 84 . Musiktherapie ist für ihn einer „ökologischen Sichtweise“ verpflichtet.“ Man kann ein Musikstück mit den Mitteln der Sprache nicht durchdringen. 217-230) fordern. Die spirituelle Qualität ist damit nicht unbedingt gegeben. weinen oder stöhnen.etwa von der Verstandeswelt . Musik und Sprache. an die Grenze des Lebens zu treten und wieder zurück zu kommen.eine transzendentale Sichtweise von Musik in der Therapie. 3 (2007). Wittgenstein. Aachen 1985. S. Sie ist der Bogen. Studienergebnisse.) David Aldridge (Über den Sinn hinaus . zu der Auffassung zurückzukehren. dass es hier nicht nur das gibt.eben dadurch.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik „Musik gestattet es uns.4. und gerade wegen dieser transzendierenden Natur der Musik können wichtige Heilungsprozesse in der Musiktherapie überhaupt stattfinden und finden überhaupt statt“ (294). S. 88) Musik hat es mit dem Unsagbaren. Thomas Ostermann. „dass es auch jenseits der beschreibenden Sprache eine Welt gibt. in: Peter Bubmann. Musiktherapie bei Sterbenden. fühlt oder riecht. in: Peter Faltin: Bedeutung ästhetischer Zeichen. es besteht nur eine Möglichkeit: haltmachen und hinnehmen. dem Unsichtbaren und Vergänglichen zu tun.“ (Susan Munro. 84-99) Das Musikerleben hat es mit dem „Unaussprechlichen“ zu tun: „Die Grenzen der Sprache sind nicht die Grenzen der Welt. Denn im Bereich des Ästhetischen gibt es kein 'Weil' oder 'Denn'. Hrsg. dass trotz der immer noch sehr schwierigen Kommunikation zwischen Therapeuten und Patienten über Spiritualität“ insbesondere „im Bereich der künstlerischen Therapien“ eine „auch die Spiritualität umfassende Patientenversorgung“ aufgegriffen werden und „nicht als eine zu delegierende Aufgabe aus der Therapeuten-Patienten-Begegnung herausgelöst werden“ sollte. Die Verwechslung von Emotionen mit Spiritualität kann zur Entwicklung von Abhängigkeiten führen (298 f). worüber man nur dichten oder eben schweigen kann. können weder richtig noch unrichtig sein. es gibt nichts 'Genaueres' als das „ästhetische Zeichen“ selbst. 293-301) zitiert Lucanne Magill: „So viel von dem. der sich von der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft spannt. wäre Musik damit überflüssig. Die Welt des Ästhetischen unterscheidet sich von anderen Welten . deren Teil die ästhetische Welt ist. geht über Worte hinaus. Musiktherapeutische Umschau. nicht aber die Musik. Außerdem: Aussagen des Gefallens oder Mißfallens. deshalb plädiert er dafür. worüber man streng logisch sprechen kann. dass hier kein Erklären möglich ist. einen Moment der Veränderung und Transzendenz. 28. einen Übergang zu erleben. 3 (2007). um es genauer zu fassen. sie spricht von der Folge der Dinge. Arndt Büssing (Spiritualität und Gesundheit: Konzepte. (s. das man sieht.: Menschenfreundliche Musik. Stuttgart 1986. unbedingt schweigen muss. sondern auch das. dass „menschliche Wesen und menschliche Natur als etwas Heiliges zu sehen“ sind (295). 149 ff. S. Durch Musik herbeigeführte Ausnahmezustände sind zunächst nur psychologischer Natur. Musik belebt wie Sauerstoff. was wir tun. und dass man nicht über alles.

der Therapeutin Kraft.und Begriffsvermögen mit dem netzlosen Hier und Jetzt konfrontieren“ muss. und ein Nichtzweifeln an dem. von dem es heißt er sei eine „Zuversicht auf das. auch in ihrer Fähigkeit. die mir den Mut geben. ehrlich zu antworten. nach tieferem Wissen über sich selbst. immer wieder Ansatzpunkte gefunden. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen. Heute.). sondern dem Leibe die Möglichkeit gibt. dann soll das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. 60 (übers. Sie orientiert sich an den Stärken des Patienten und an dem. dass es um noch etwas anderes ging. was bereits in seinem Leben funktioniert. 271).“ Sie führt uns in Situationen. Empirische Ergebnisse und praktische Folgerungen. M. damit Patienten wissen. wenn man den schulmedizinisch – psychiatrischen Befund kennt und die Auffassung der psychiatrischen Fachleute. der zufolge Schizophrenie nicht heilbar ist. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. Das war noch aus der Rolle des Musiktherapeuten gesprochen. Der Aufbau von Hoffnung ist Grundvoraussetzung jeder Therapie. Dortmund: verlag modernes lernen. indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt. als ich mit der Antwort zögerte. aus dem Hingabe und die Akzeptanz der anderen folgt und die Erfurcht vor der Heiligkeit des Lebens“ (Bonny. „tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. In: Hubble. dass ich gesund werde?“ Schwierig. dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und dass die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. 85 . d. Und wenn dies dazu beiträgt. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. Ich will damit nicht behaupten. 272). „Für MusiktherapeutInnen bedeutet dieser Aspekt von Ästhetik. Aber würde dieses Potential ausreichen. sondern willkommen geheißen“ (289 f. Sie zitiert Helen Bonny mit der Definition von Spiritualität als innere und äußere Suche nach dem Sinn des Lebens. dem Trauma einen musikalischen. 193-219). 219). Musik und ästhetisches überhaupt konfrontiert uns mit „dem Gefühl für das Unbegreifliche des Seins. Einmal fragte mich eine Patientin: „Glauben Sie an mich?“ Und. dass sich ein traumatisierter Mensch nach dem ersten Schock nicht vom Fühlen abspaltet. Hoffnung ist wie der Glaube.K. wo „der Horizont des Erwartbaren durchbrochen wird“ und wo „sich das Gefühls. The wounds that Sing. und projiziert das in die zu erwartende Zukunft (vgl. H. die mich an sie glauben lassen. für diese Patientin zu beten. (Hrsg): So wirkt Psychotherapie. was man nicht sieht“ (Bibel. dass ich in ihrem musikalischen Spiel so viele „gesunde Anteile“ erkenne. 2001. welcher das Leid. nach einem Prozess von etwa vier Jahren. dass auch Unerwartetes geschehen kann.A. Wiesbaden 2001) vermittelt Musik „sozusagen zwischen Himmel und Erde“. 293).) in FrohneHagemann 2001. dass die Erlebnisse intersubjektiv geteilt werden und dadurch verarbeitet werden können“ (ebd. die Patientin sei durch das Gebet geheilt worden. die Angst und die Trauer so bindet. et al. und die Ärzte haben ihre Diagnose korrigiert. destruktive und neurotische Handlungs. Heb 11. die hoffnungslose medizinische Prognose zu annullieren? In meinem Inneren spürte ich. Von diesem Tag an habe ich begonnen.h. 1). schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw.“ Für Carolyn Kenny „Wird spirituelle Weisheit als „embodied spirituality“ erfahrbar (ebd. nach Antworten über Leben und Tod. (2001): Grundlage des gemeinsamen Faktors Placebo und Erwartung. Synder et al.und Denkmuster zu überwinden. ihre Träume zu bearbeiten.Für Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. fuhr sie fort zu fragen: „glauben Sie. Ich konnte ehrlich sagen. Glaube und Hoffnung waren gefragt und die Zuversicht. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. auf was sie sich einlassen. London 2000. mich auf ihre Selbstheilungskräfte zu verlassen. sind die psychotischen Symptome verschwunden. Heilung bedeutet für Isabelle Frohne-Hagemann auch. was man hofft. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt. Bilder zu gestalten und ähnlichem. In der Tat habe ich in ihren musikalischen Aktionen. weshalb Musiktherapeuten ihre eigene Haltung zur Entwicklung von Bewusstsein und Spiritualität reflektieren sollten. in der Zeit eingebetteten Ausdruck zu ermöglichen.

Adorno. Diese »Sehnsucht nach dem ganz Anderen«. München 2001. Es fassendes. Der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe 45/1994 zusammenfassend über Ergebnisse der Placebo . Jan. haben auch darin ihre Ursache. dass das „Element der Utopie. Auch wird über die Wirksamkeit des Glaubens des Therapeuten berichtet. In ihm liegt ihr theologischer Aspekt. und die flüchtige Anwesenheit von etwas Größerem fühlen lässt. nicht Bedeutungen mitzuteilen“ (Theodor W. Neues ereignen. der wie immer auch vergebliche menschliche Versuch. gibt mir bereits etwas vom Gegenstand meiner Sehnsucht. der uns berührt. findet ihren Ausdruck nicht nur in der Religion. 48-51).). die belegt. dass es in künstlerischen Therapien zu echten Begegnungen im zwischenmenschlichen Bereich kommt. könnte man sagen: Die Musik ist wie der Flügelschlag eines Engels. wenn z. Zynismus und Resignation. das Element der Hoffnung. deren Qualität sich dadurch auszeichnet. kann sich etwas für alle Beteiligten Überraschendes. 86 . S. befreit von der Magie des Einwirkens. Bedarf an Antibiotika und Todesfälle gab (Randy Byrd. Unvorhersehbares ist die wörtliche Übersetzung von Improvisation. Ich könnte auf eine empirische Studie mit 191 Testpersonen und einer Kontrollgruppe mit 201 Personen aus den USA verweisen. Unvorhersehbares in der Begegnung eintreten“ (Musik in der Ausdruckstherapie. was ich in der Realität entbehre. Schr. aber eben auch nicht zu leugnendes Phänomen“ (ebd. wenn in der therapeutischen Beziehung Offenheit für Unvorhersehbares besteht. dass ihm „sein Glaube“ geholfen habe. und das war für mich in diesem Falle nur auf dem Wege der seelsorgerlichen Auseinandersetzung mit der Patientin. dass den Helfern die spirituelle Sinngebung für ihr Handeln fehlt. Fragment über Musik und Sprache. alles nachzulesen in der Zeitschrift „esotera essenz. dass solche Dinge nicht instrumentalisiert werden können.Ich weiß es im Letzten nicht. dass es bei den Patienten. Jesus wies viele der Patienten. auch wenn das Medikament objektiv nicht wirksam ist. Musiktherapeutische Umschau. Collipp kommt ebenfalls zu positiven Ergebnissen (Medical Times. Der gesungene oder mit Instrumenten musizierte Ausdruck dessen. Sabine Bach hebt hervor. für die gebetet wurde. Ihre Idee ist die Gestalt des göttlichen Namens. sondern auch in der Musik . der Arzt ohne es zu wissen ein Placebo verabreicht. ohne die wir nicht leben können. Medical Tribune. den Namen selbst zu nennen. Was sie sagt. Schulen der Musiktherapie. ist als Erscheinendes bestimmt und zugleich verborgen. ges. Vielfach wird die Wirksamkeit des Glaubens des Patienten an die Wirksamkeit eines Medikaments bestätigt. 1986) Eine andere Untersuchung von Platon J. 299). Wenn man ein Bild gebrauchen wollte. 252). Der musikalische Ausdruck meiner Wünsche..Forschung. 3 (2007). 201-204) stellt ebenfalls heraus. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. „dass die beteiligten Menschen unter Verzicht auf ein Machtgefälle ganz bewusst und offen für Unbestimmtes. S.. signifikant weniger Komplikationen. Sie ist entmythologisiertes Gebet. das uns über die Grenzen unserer Befangenheit in der Welt hinausträgt“ (204). 28. Für das therapeutische Selbstverständnis scheint mir wichtig zu sein. in Musik und Religion gleichermaßen zu finden ist. um die therapeutische Beziehung fortsetzen zu können. die er heilte darauf hin. die der Philosoph Max Horkheimer als das Wesen der Theologie beschrieben hat. denen wir bei Therapeuten allzu oft begegnen. Bedürfnisse und Sehnsucht lässt mich (203) ein Stück von dem empfinden. S. was die Heilung in diesem Symptombereich bewirkte. Band 16. in Decker-Voigt. mit mir und mit Gott (sprich: im Gebet) möglich. „Gegenüber der meinenden Sprache ist Musik eine von ganz anderem Typus. wonach ich mich sehne. aber dass man in seinem Gegenübertragungserleben an einem bestimmten Punkt der Therapie die „Energie der Hoffnung“ benötigt.. Im Zusammenhang mit therapeutischen Prozessen stellt sich immer auch die Frage nach dem Glauben. das dem Patienten hilft.B.

vermuten die Forscher. für die gebetet wurde. dass streng wissenschaftliche Untersuchungen über den Nutzen ungewöhnlicher Behandlungen wie etwa das Beten möglich seien. Diese Brückenfunktion. Keine veränderte Hirnaktivität fanden die Ärzte bei Patienten. sich zu entspannen". probiert er es gleich bei dem Asthmatiker aus. und geschehe sie auch nur auf dem Wege der Medikation. ein wirksames Pharmakon für den Asthmatiker gefunden zu haben. das gemeinsam gesungene Lied im theologischen Sinne zur Brücke des religiösen Glaubens werden. wie aktiven Stressabbau. dass sich Patienten sehr für diese Art der Behandlung interessieren – vor allem für den Einfluss von Spiritualität und Gebet auf die Gesundheit". dessen Asthma auf erprobte Medikamente nicht anspricht. dass Placebos den Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. 2002. dass gemeinsam erlebte und gespielte Musik eine Brücke zum anderen Menschen schlägt. 122-129) veröffentlichte Studie der Universität von Kalifornien. die positiv auf die Scheinmedikamente reagierten. sondern nur Placebos geschickt. 3 (2007). sie ist geteilte Zeit im geteilten Raum. Als der Arzt von einer Pharmafirma Proben eines neuen. 2002. auf der spirituelle Dimensionen und Inhalte zum anderen Menschen getragen werden. vielversprechenden Mittels bekommt. "Geistige Unterstützung wie Stressabbau oder heilende Berührungen helfen den Leuten. Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie.das behaupten zumindest amerikanische Mediziner. fokussiert die gemeinsame Aufmerksamkeit. "Wir wissen. Zu seinem Erstaunen erfährt er. Sicherheit und Geborgenheit. Sie starben nicht so oft und litten seltener unter Herzversagen oder Herzattacken als die anderen Patienten. synchronisiert die Ausdrucksmotorik und die Emotionen. Ihre Studie lege außerdem nahe. Die Wirkung von Placebos untermauert eine im Journal of Psychiatry (Nr. jedesmal hilft nur das Mittel. 159. ihm helfen werde. Für Herzkranke zu beten hat eine nachweisbar heilende Wirkung . Vermutlich beruhen 50 bis 75 Prozent der Wirkung von Antidepressiva auf dem Placebo . als Wolf das Medikament stoppt. doch die Krankheitszeichen bleiben. „Auf die gleiche Weise kann Musik. das bedeutet also. die alle für eine Herzoperation vorgesehen waren. vermittelt Identität. Musiktherapeutische Umschau. 87 . Ob für einen Patienten gebetet wurde oder nicht. "Das unterstützt die Genesung. S. war ein bestimmtes Areal der Großhirnrinde – der präfrontale Kortex – besser durchblutet als vor der Studie. das Unternehmen habe ihm vorher wegen fälschlich gemeldeter Bedenklichkeiten gar keine Arznei.„Stewart Wolf von der Oklahoma University berichtet über einen Patienten. dass die Zuwendung des Arztes. Katholiken. bittet der Arzt die Herstellerfirma um Nachschub. auf der psychischen Aktivität des Patienten. davon überzeugt zu sein.Effekt“ (Bild der Wissenschaft 4. Orientierung. zu einer Brücke. Die Forscher um Mitch Krucoff vom medizinischen Zentrum der Duke Universität beobachteten 150 Patienten mit akuten Herzproblemen. "heilende Berührungen" oder fürsprechende Gebete. Einige Patienten bekamen zusätzlich unkonventionelle Behandlungen. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. S. S. Nunmehr sicher. Er versucht es mit Placebo." Warum die Gebete den stärksten Effekt zu haben scheinen. sagt Krucoff (Bild der Wissenschaft 11. Gebetet haben bei den Versuchen Buddhisten. wussten dabei weder die Ärzte noch die Patienten. kommen aber. Juden und Vertreter anderer Religionen. 33). Die Symptome verschwinden umgehend. 28. bei denen weder das Placebo noch der echte Wirkstoff erfolgreich war. sofort zurück. Etliche Male wiederholt er den Wechsel vom Wirkstoff zum Placebo und zurück. Nach dem Abschluss des Versuches zeigte ein Vergleich: Die besten Heilerfolge hatten Patienten. In weiteren Studien wollen die Mediziner das Phänomen genauer erforschen. Sie enthält den Nachweis. können sie jedoch nicht erklären. „Bei depressiven Patienten. 201-204) hebt hervor. 2001). schreiben sie in der angesehenen Fachzeitschrift "American Heart Journal".

dass „nahezu alle Theorien zur Verbindung von Musiktherapie und Religion den therapeutischen Wert der Musik schöpfungstheoretisch bzw. Dazu können sie sich durchaus solcher Musik bedienen. auch in seiner musikalischen Tätigkeit befreit von der Knechtschaft kosmischer Gesetzmäßigkeiten. Klängen und Rhythmen im freien Spiel zielund zweckfrei umgehen. Die aus der Funktionalisierung unserer Welt herausgelöste freie Musik wird damit auch zum Symbol für die voraussetzungslose Annahme der Menschen durch Gott“ (ebd. Ingo Steinbach. Der Mensch sei „als ‚der erste Freigelassene der Schöpfung’ (J. 91). Der Kirchenmusiker 1993. 130). sondern allein geschichtliche Erfahrungswerte sowie Ergebnisse der musikwissenschaftlichen Wirkungsforschung bestimmen die Wahl der für Heilungsprozesse geeigneten Musik und Techniken. Die Freiheit der Christen.) Wolfgang Bossinger berichtet von Transzendenzerfahrungen beim gemeinsamen Singen (Die heilende Kraft des Singens. Peter Michael Hamel. Die christlich begründete Anwendung von Musik ergebe sich aus der Tatsache.G. Norderstedt 2005. welche Musik unter welchen Bedingungen spirituelle Funktionen erfüllen kann und wie sie dabei mit heilenden Wirkungen verbunden sein kann. sondern sein Kontext“ (203). Auch Peter Bubmann setzt sich mit der Frage auseinander.B. sondern es kann jeder prinzipiell jeder Musik oder jedem Musikstil eigen sein. Dabei wird die transpersonale Qualität der Musiktherapie nicht mit einer spekulativen Kosmologie erfolgen begründet sondern „von dem durch das Evangelium ergriffenen geschichtlichen Menschen und damit letztlich von Jesus Christus her“ (130 f.. Wie bereits die Vögel ein über die rein signalhafte Verständigung hinausgehendes zweckfreies Singen kennen. Marianne Kawohl.). John Diamond und andere an (vgl. sie spreche die universale Schöpfungssprache und ermögliche die Erfahrung der Urtöne des Lebens. Als Christ und Christin jedoch ist sie und er gleichzeitig ‚Knecht’ Christi und damit allen und allem in Liebe und Verantwortung ‚untertan’.“ Therapeutische Musik ziele auf die „Heilung von Schädigung aller Art. so kann der Mensch mit Tönen.). so Bubmann weiter. auf Stabilisierung der Identität. Sexismus..“ Bei der diakonische Musik gehe es „um den Protest gegen Ungerechtigkeit. dass der Mensch sowohl Teil der Schöpfung als auch „in die Freiheit gesetzt und mit der verantwortlichen Kultivierung des Erdkreises beauftragt“ ist. Kein kosmo-religiöser ideologischer Überbau. Herder) . Rassismus etc. Das spirituelle Potenzial ist nicht ein Privileg dieser oder jener Musik. Zum Beispiel könnte hierbei eine 88 . Weder Rockmusik noch Zwölftonkompositionen sind daher prinzipiell auszuschließen“ (ebd. Die Freiheit der Totalbestimmung durch Naturgesetze findet im musikalischen Spiel. Heilender Klang I. Dabei transzendiere sie die Möglichkeiten des rationalen Verstandes und führe in tiefere (z.. archetypische) Bewusstseinsschichten (Heilender Klang II.diese spirituelle Dimension. kann prinzipiell jede Art von Musik besitzen..). auf eine ganzheitliche Lebensweise und auf mehr Lebensfreude“ (ebd. sei allerdings „keine selbstgenügsame oder gar egoistische Freiheit. 172 ff). Der Kirchenmusiker 1993. Er konstatiert. in freier Improvisation wie in der Ästhetik der autonomen Kunstmusik (des l’art pour l’art) einen charakteristischen Ausdruck. In diesem Zusammenhang führt er insbesondere Joachim-Ernst Berendt. „Der Mensch ist befreit von vollständiger Instinktsteuerung und damit von vielen Zwängen der Natur. John Beaulieu. Unterdrückung. Von diesen kosmologischen Theorien abgesetzt entwickelt er eine christlich-theologische Begründung des therapeutischen Musikeinsatzes. die sich durch ihre Nähe zu kosmischen oder psychisch-archetypischen Strukturen als heilsam-ordnend für den Menschen erwiesen hat. Steven Halpern. Entscheidend ist nicht der einzelne Ton.“ In ihrem Kontext ist „Musik für und mit anderen“ . „diakonische und therapeutische Musik. kosmologisch begründen: Die Musik könne die Ordnung des Kosmos und dessen Harmonie widerspiegeln. Christ/innen/en sind befreit zum therapeutischen Dienst am anderen Menschen.

Die Shrutibox lenkt das Bewusstsein auf die Qualitäten der Beziehungen der Menschen untereinander und auf die transformierende Kraft seiner Beziehung zu Gott. der sie erzeugt . 184 f). dass auch diese Ebene heilig ist. die der Erfahrung einer bedingungslosen Liebe und eines unbedingten Selbst(wert)gefühls im Wege stehen. »untere Oktav« des OM. der Materie. denen er „spirituelles Potential“ zuschreibt: ihr gleichmäßiges „Rauschen der Oceandrum thematisiert das Tao. sondern „immer nur in Verbindung mit dem Bewusstsein dessen. Die Klangschale schließlich lädt den in seiner Ichheit gefestigten und in seinem Willen gestärkten Menschen dazu ein. sondern Dein Wille geschehe!« geht er mit nun entwickeltem Bewusstsein wieder ein in die Einheit.“ Einschränkend betont der Autor. und dem Entwicklungsstand und der Offenheit dessen.dem einen SELBST. 2007. Wolfgang Strobel (Klänge als Wegbereiter zu Spirituellem Erwachen Musiktherapeutische Umschau. Das Herzmetrum auf der Rahmentrommel fokussiert auf die Entstehung der Ichheit in der Begegnung mit einem Du und vermag jene narzisstischen Störungen zu bereinigen. der sie rezipiert“ und der sie anbietet (288) 89 . das Lied von Körperlichkeit und Sinnlichkeit. aus dem alle Form (auch der Mensch) hervorgeht und in die sich alles wieder auflöst. der Natur. Der gleichmäßig fließende Klang des Gongs Chau Lou führt über die Schwelle von Geburt und/oder Tod in die Welt und in transzendente Bereiche. Damit kommt er am ersehnten Ziel der inneren Heimat an . Das Monocord macht das (noch vorbewusste) Einssein mit der Schöpfung .erfahrbar (und immer auch dessen Störungen). Das Didgeridoo. dass die Klänge keinesfalls an sich wirken. der Welt. Es vermag alle Beeinträchtigungen aufzulösen. den nicht manifestierten Urgrund der reinen Potentialität allen Seins. die der Erkenntnis im Wege stehen. dem Geliebten . Letztlich macht er die Unsterblichkeit des Lebens erfahrbar. alles Erreichte wieder hinzugeben. singt das Lied der Erde. In seiner Entscheidung »nicht mein.morphische Resonanz mit den „Gesangsfeldern aller Kulturen und Zeiten der Menschheit entstehen und ozeanische Gefühle transpersonaler Verbundenheit erlebt werden (vgl.also mit der Mutter. 286-289 führt verschiedene Musikinstrumente an. die Fülle des Nirwana.

Musiktherapie bei Patienten in komatösen Zuständen 90 . Hören vor der Geburt 2. Erfahrungen im „Pränatalraum“ und zum „Snoozelen“ 3. Zum Hören von Gehörlosen und Ertaubten 4.5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen Überblick: 1.

d. Vitalität. Dieses Urhören wird als harmonikales Ereignis angenommen. Die Welt ist Klang“ (Reinbek 1983. Tonfall und emotionale Prägung im Obertonbereich der mütterlichen Stimme werden über das Knochengerüst in die Flüssigkeit des Uterus als subtile Information eingegeben. welche seine Mutter – wie er später herausfand – als Berufscellistin einstudiert 91 . in fernöstlichen Meditationstraditionen wird die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Urerfahrung gerichtet. dass der Embryo in den ersten Tagen seines Lebens mit dem Stoffwechsel der Mutter verbunden ist und so „permanent Anteil an ihrer Gefühlswelt“ hat. Tomatis stellt in seinem Buch „Der Klang des Lebens.1 Hören vor der Geburt Anmerkungen zum Thema: „Ich höre . auf denen neue Erfahrungen aufgebaut werden können“ (Peter Brünger: Singen im Kindergarten.die Anfänge der seelischen Entwicklung“ (Reinbek 1987). die eine wahre Aufladung. dass der Embryo in dieser frühen Entwicklung bereits Reaktionen zeigt. Augsburg 2003.5. chemische und molekular/atomare Prozesse mit Hilfe feinster Zilien in der sie umgebenden Umwelt zu registrieren und als Information aufzunehmen.also bin ich“ (Berendt) . indem z.) seines Buches „Lebensraum: Musik“ (Stuttgart 1991). Dortmund 1992. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. Bewusstseinsprozesse wie Denken. siehe dazu auch die entsprechende Schilderung von Joachim-Ernst Berendt in „Nada Brahma. Harmonikal bedeutet Schwingungen im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen. zuerst würden vom Fötus die tiefen Klänge gehört. „Die Wahrnehmung der Mutterstimme in Verbindung mit rhythmischen Erfahrungen. jene erste spezialisierte Zelle des Embryos. S. Vorgeburtliche Kommunikation . während er sich sonst ganz still verhält(58). Harmonikal strukturiert sind aber auch die Vokale der Sprache sowie die Töne der Musik. Der Dirigent „Brott berichtete.a. Intrauterines Hören. dort sei es die Corti-Zelle. Man hat nachgewiesen.“ (Gela Brüggebors.B. Er berichtet.h. S. haben hohen Anteil an der Bildung des neuronalen Netzes und hinterlassen Spuren. das Hören vor der Geburt. Emotionen. Kreativität. mechanische. die imstande ist. in einem „zellulären Gedächtnis“ zu speichern und in neuronale Energie umzuwandeln. 92). erste Hörerfahrungen eher im Bereich um 4000 Herz anzunehmen sind. Über erste intrauterine Hör. Dieser Urklang wird von Tomatis als „Klang des Lebens“ bezeichnet. heraus. die über die Fortbewegung der Mutter erworben werden. „sein Herz schneller schlägt.Ausführungen über die Ursprünge des Hörens. Engrammierung (Gedächtnis). Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI).36). Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. 28 . „In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. Die Mutter informiert das Kind unbewusst mittels der Variationen ihres „Hormonspiels“ „über die reale Lage in der Welt um sie herum“. molekularen Schwingungsprozesse harmonikale Struktur haben. mit deren Hilfe die Hirntätigkeit aktiviert wird. dass er genau die Cellostimmen bei seinen Konzerten auswendig kannte. 57 ff.und Kommunikationserfahrungen berichtet u. 29). mit Hilfe derer sich alle weiteren sensorischen und neurologischen Prozesse beim Wachstum des Embryos entfalten. da die atomaren bzw.“ Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Alfred A. Bernd Vogel im Kapitel „Pränatale Psychologie“ (S. dass entgegen der bisherigen Ansicht. Hören bedeutet insofern auch: Aufnehmen von Energie.

auf die linke Schulter (SALK 1973. Bei diesen Kindern schien ein oder mehrere Kinder während 38. In der zehnten Woche ist der Fetus etwa vier Zentimeter groß. Neu-Isenburg 1997. die man darin erkennen mag. dass es u. Mittel. 76). ebd. Woche nimmt das Hautsinnesorgan „als erstes Wahrnehmungssystem“. Papa. Reflexe. dass das Gehör funktionstüchtig ist. ANDO und HATTORI (1970) stellten fest. 1960: „Einer Gruppe von Neugeborenen wird ein gleichmäßiger Herzschlag von 72/min vorgespielt. Norderstedt 2005. Janus und S. in Vogel). Woche hat sich der Hörnerv so weit ausgebildet. dass die Beschallung mit dem gesamten intrauterinen Klanggeschehen stärkere beruhigende Wirkung besitzt.): Seelisches Erleben vor und während der Geburt. Wird das Tonband abgeschaltet. Läuft das Tonband wieder weiter. Parncutt: Pränatale Erfahrung und die Ursprünge von Musik. Kinder prägen sich Geräusche und Klänge ein. 58).4 % der Zeit. Sänger berichten. werden sehr ruhig. 225-240). 72/min hat auf Säuglinge beruhigende Wirkung (Die Untersuchung von Lee SALK. wachen auf“. Rechtshändige Mütter nehmen zu 83%. Die Reaktionen sind sehr eindeutig: die meisten Säuglinge beginnen zu schreien. in der Kontrollgruppe während 59. Instrumentalisten beobachten größere Aktivität des Fetus während bzw.). beruhigen sie sich spontan. dass Ungeborene während des Singens ruhiger sind. damit sind die anatomischen Voraussetzungen für das Hören vollständig gegeben. 61).hatte. s. fetale Bewegungsabläufe und Muskeltonus steuert“ (59). zwischen 6. Vogel a.O.a. s. Woche ist das Corti-Organ reaktionsfähig. Dieser Rhythmus hat prägende Bedeutung. als nur der bloße Herzschlag. In der siebten Woche bilden sich die Synapsen.8 %. als sie mit ihm schwanger war“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. die bereits schlafen. dass auf der ganzen Welt die ersten Kinderworte eine zweisilbige Rhythmik besitzen: Mama. Näheres hierzu in: R. Tempowahrnehmung scheint ein sehr früh angelegtes Vermögen und eine angeborene Musikkompetenz zu sein (BUNT. sanften Bewegungen bei ruhiger Musik. Ab der 24. kantigen und aufgeregten Bewegungen bei stimulierender und mit fließenden. dass 13 % der Säuglinge von Müttern. und gewöhnen sich an sie. Den Kontrollgruppen wird bei gleicher Lautstärke ein Herzschlag mit 128/min und ein Galopprhythmus vorgespielt. auch Folie „Pränatale Entwicklung des Gehörs“ Mehr als 25 Millionen Mal ereignet sich während der Schwangerschaft der Pulsschlag der Mutter. in: L. Außerdem zeigten die „Herzschlag-Kinder“ deutlich stärkere Gewichtszunahme. MUROOKA fand heraus. Sein Vestibularsystem („Labyrinth“) „ist dann so weit differenziert. 51). Haibach (Hrsg. und 8. In der 18. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ „Pulsschläge während der Schwangerschaft“ „Mutterleib musikalisches Milieu“ In der sechsten Woche sind äußeres. Die meisten Säuglinge schlafen ein bzw. Feten reagieren mit scharfen. die sie während der Schwangerschaft aufgenommen haben. linkshändige zu 78% ihre neugeborenen Kinder an die linke Brust bzw. wachen die meisten Säuglinge auf und fangen an zu weinen.und Innenohr angelegt. die während der ersten fünf Monate ihrer Schwangerschaft 92 .a. kurz nach dem Spielen – insbesondre während der letzten drei Schwangerschaftsmonate (BUNT 1994. Bei einem anderen Versuch wurde 102 Säuglingen von Geburt an bis zum vierten Tag rund um die Uhr der 72/min Herzschlag vorgespielt. Ein Puls von ca. welche Informationen von Zelle zu Zelle weiterleiten (Vogel.

auf die Entdeckung. Eine auf sieben Jahre angelegte Untersuchung von Donald SCHELTER hat ergeben. Dabei bezieht sie sich u.O. Er empfiehlt. MU 1993. Das Ergebnis verwundert eigentlich nicht: Alle Kinder auf das Märchen ein. Norderstedt 2005. Schon Neugeborene bemerken den Unterschied zwischen synthetisch erzeugten Geräuschen und der menschlichen Stimme. wenn sie mit der mütterlichen Stimme vorgetragen wird. Weniger als 24 Stunden alte Babys orientieren sich bereits zur Mutterstimme hin (BUNT. bei Fluglärm aufwachen. die intrauterin gehört wurde. dass die intrauterinen Erfahrungen den Fötus noch vor der Geburt in die Lage versetzen. 53). mittels Saugfrequenz an ihrem Schnuller zwischen mehreren Angeboten von Märchen zu wählen. wird einer neuen vorgezogen. männliche und weibliche Stimmen zu unterscheiden. 1992. und unmittelbar nach der Geburt besteht eine ausgeprägte Präferenz für die mütterliche Stimme: Eine Geschichte. dass pränatal gehörte Texte wieder erkannt werden können. welches ihnen schon aus der vorgeburtlichen Lebenszeit heraus bekannt war“ (Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Papousek: „Anfang und Bedeutung der menschlichen Musikalität“.a. in der Schwangerschaft zu singen. Säuglinge erkennen ihre Mutter am Geruch und bevorzugen den Geruch der Mutter.a.). Während der Schwangerschaft waren die Mütter der Kinder gebeten worden. insbesondere. 239-248) und in ihrem Buch „Auditive Stimulation nach Frühgeburt“ (Stuttgart 1995) über die pränatale Wahrnehmung akustischer Phänomene. Diese und weitere Untersuchungen werden bei Otto H. in: H. während 85 % der Säuglinge von Müttern aufwachen. zu tönen und Musik zu genießen.). höher organisiertes und artikuliertes Sprachvermögen besitzen (BUNT ebd. ebd. s. die einer großen vorgeburtlichen musikalischen Stimulation ausgesetzt waren. 93 . die sie aufgrund ihrer prosodischen Struktur als solche wahrnehmen“ (Brünger a.). Siehe dazu ebenfalls: H. Darüber hinaus zeigen Neugeborene schon zwei Tage nach der Geburt eine Präferenz für die Muttersprache. Keller: Handbuch der Kleinkindforschung.): Hohe Töne sind beruhigender als tiefe. aus einem vorgegebenen Pool von Grimmschen Märchen ein Märchen auszuwählen und es ihrem Ungeborenen im Verlauf der Schwangerschaft öfter vorzulesen. die ihnen von unterschiedlichen Tonbändern vorgespielt wurden. die erst während der letzten vier Schwangerschaftswochen in das gleiche Wohngebiet gezogen sind (Vogel ebd. dass Kinder. leise beruhigender als laute Bereits intrauterin werden akustische Zeichen mit bemerkenswerter Genauigkeit wahrgenommen.in unmittelbarer Nähe eines Flugplatzes wohnten. Sie erzeugen mehr Geschrei bei echtem Säuglingslärm als bei synthetischem. S. Bern 1997. Sie setzt gezielt Tonbandaufnahmen mit der Mutterstimme bei Frühgeborenen ein. Monika Nöcker-Ribaupierre berichtet in der Musiktherapeutischen Umschau (Heft 4. Martin DORNES berichtet in seinem Buch „Der kompetente Säugling“ (Frankfurt am Min 1994 (41 f. „Studien haben ergeben. 90-98 dargestellt. Schon wenige Tage nach der Geburt kann der Säugling die Klangstruktur der Mutterstimme wiedererkennen. Schuppan: Frühe Erfahrungen – frühe Prägungen. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ Durch eine geschickte Versuchsanordnung wurde Säuglingen „die Möglichkeit gegeben.). Hans Helmut Decker-Voigt fasst in seinem Buch „Mit Musik ins Leben“ (Kreuzlingen 1999) viele Erkenntnisse über das pränatale Hören zusammen.

Was hört der Fetus tatsächlich? Die fetale Geräuschwelt besteht aus einer Vielzahl im Körper erzeugter Geräusche und aus Lauten. Abrams. 85-108). sondern um einen Ausdruck dafür. 333 f).. Lärm scheint die Entwicklung des Hörvermögens bereits im Uterus zu beeinträchtigen. Dabei scheinen tiefe Signale eher das Hörvermögen zu erreichen als hohe. bemerken die Kinder nicht. Robert: Das fetale Hören: Implikationen für das Neugeborene Suzanne Maiello stellt fest. Sie werden durch das flüssige Medium in der Gebärmutter modifiziert. der Traumatisierung durch Frühgeburt und zur musiktherapeutischen Arbeit im Kontext der Neugeborenen-Intensivmedizin enthalten. Kenneth J. dass mit ihnen geredet wird. Auf einer Intensivstation für Frühgeborene müssen schädliche Wirkungen durch das akustische Milieu besonders beachtet werden (vgl. hört der Fetus in einem wesentlich eingeschränkteren Bereich. dass die Klänge. insbesondere auch im Bezug auf die Mutterstimme psychoanalytische Entwicklungsspuren bis in die vorgeburtliche Zeit hinein zu verfolgen erlauben. die aus der Umgebung der Mutter stammen. Musiktherapie mit früh. Bei höherem Geräuschpegel ging das schon nicht mehr (vgl. Der Überblick über Forschungen zum pränatalen Hören ergibt. Gerhardt. der präund postnatalen Mutter-Kind-Interaktion. David Aldridge betont. Antje (Hrsg.und neugeborenen Kindern. das Herz des Kindes wieder zu schlagen an und das Kind konnte bald darauf zur Welt gebracht werden“ (55). die Wahrnehmung von Rhythmen zu koordinieren. 482). dass die ausgeprägten rhythmischen und klanglichen Hörerfahrungen des Fetus. Bei geringem Hintergrundgeräusch konnten 5 Monate alte Kinder noch gut ihren Namen heraushören: sie wandten den Blick Richtung Stimme. Kinder lernen Sprache vor allem durch Zuhören. 94 . wie wir mit unserer Umgebung interagieren“ (in: Haase. Forschung und klinische Praxis“ (Göttingen 2003) sind Beiträge zur Entwicklung des intrauterinen und postnatalen Hörens. Ulrike und Stolz.) Improvisation – Therapie – Leben. a. Die Hebamme ermutigt die Mutter.In dem von Monika Nöcker-Ribaupierre herausgegebenen Buch „Hören – Brücke ins Leben. MU 2005. dass Feten über Knochenleitung und aus der akustischen Außenwelt unterschiedlich hören und auf akustische Signale reagieren. Zum Thema Singen für Frühgeborenen und bei der Geburt berichtet Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. dass zu viel Krach und laute Hintergrundgeräusche Kleinkindern das Erlernen von Sprache schwer machen (Development Psychology 41/2. Monika 2003. Bei zu früh geborenen Säuglingen ist diese Entwicklung unterbrochen und muss durch geeignete auditive Stimulation gefördert werden (vgl. Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns.“ entscheidend dazu dienen. aus voller Kehle zu singen. Forscher um Rochelle Newman von der Universität von Maryland haben herausgefunden. Crossen 2005. in dem Moment als sie zu singen begann.O. „Die Bedeutung pränataler auditiver Wahrnehmung und Erinnerung für die psychische Entwicklung – eine psychoanalytische Perspektive. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden.a. Ist zu viel Krach im Raum. eine „studierte Opernsängerin. Das doppelte Trauma des frühgeborenen Kindes“. Norderstedt 2005) die folgende Begebenheit: Bei der Geburt kommt es zu einem Herzstillstand beim Kind. 2005). in: M: Nöcker-Ribaupierre.000 Hz liegt und seine größte Empfindlichkeit im Bereich von 300-3000 Hz aufweist. und tatsächlich fing. Während das erwachsene Hörvermögen im Bereich von 20-20.

Lenz und Gerald Hüther (Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht.. Nach G. Durch solche Koppelungsphänomene werden die vom Kind über verschiedene Sinneseingänge gemachten Wahrnehmungen nicht nur miteinander. motorischem und emotionalem Erleben 95 . Sättigung und Befriedigung basaler Bedürfnisse. mit einzelnen Wörtern oder ihrem Gesang verbunden“ (143). sondern auch mit dem dadurch ausgelösten Gefühl“ verknüpft. taktilem. dass das vorgeburtliche Hören beispielsweise der Stimme der Mutter gleichzeitig über mehrere Sinne erfolgt und über diese Verschaltungsmuster als eine Gesamterfahrung im Gehirn verankert wird“ (143). Die vor der Geburt stattfindenden physiologischen Austauschprozesse erlauben es.Monika Nöcker-Ribaupierre. aber sie werden – das belegt die Hirnforschung heute – in den tiefen Schichten unseres Gehirns (in den teilen des limbischen Systems. zusätzlich zu Vibrationen über das taktile Erleben und den Auswirkungen der hormonalen Veränderungen. diese unbewussten frühe Erfahrungen zu erreichen“ (149). ihre Stimme verändert sich. betonen Nöcker-Ribaupierre. Musiktherapeutische Umschau 2004. und gleichzeitig auch ihr Herzschlag. Worte allein wirken nicht. 137-156) führen aus: „Das ungeborene Kind ist über die physiologische Einheit mit seiner Mutter gleichzeitig mit ihrem psychischen Zustand verbunden. All die damit einhergehenden Körpererfahrungen werden mit der von der Mutter ausgehenden Stimme. „Einsichten verändern nichts grundlegend. Gehörten. Lenz und Hüther betonen aber. dass die unser Denken. neue kompensatorische Netzwerke aufzubauen. Gerochenen oder Gespürten“ (144). dem jeweils Geschehenen. Streicheln und Bewegen. wenn überhaupt. Leicht nachweisbar sind hierbei Koppelungen von Sprache. damit einhergehenden und gleichzeitig ausgelösten Körpererfahrungen: im positiven Fall mit Wiegen und Schaukeln.. Diese Stimme ist also mit sich verändernden rhythmischen Erfahrungen durch Sprache und Herzschlag verbunden. treffen wir auf der Grundlage unserer unbewussten emotionalen Erfahrung.: Jahrbuch Musiktherapie. Von dort steuern und beeinflussen sie (uns nicht bewusst) unser gesamtes späteres Leben. „Auf diese Weise werden gewissermaßen als ‚Gesamtbild’ im Gehirn in form miteinander verkoppelter neuronaler Netzwerke und synaptischer Verschaltungsmuster verankert. Wiesbaden. „dass im Laufe einer Therapie aufgrund andersartiger Erfahrungen (. Roth (Fühlen. Lenz und Hüther. Handeln.). Klang. Je stärker die emotionalen Zentren im limbischen System dabei miterregt werden.h. ihre Atmung und der Hormonspiegel im Blut. was wir letztlich tun oder nicht tun. Sprache dient allein der verbalen Kommunikation. auch Gerald Hüther: Ebenen salutogenetische Wirkungen von Musik auf das Gehirn. Nöcker-Ribaupierre. sie sind auch nicht in der Lage. In: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg. Frankfurt 2003) könne die Wirkung der Psychotherapie darin bestehen. Gesang oder Musik mit bestimmten. Auf das Hören bezogen bedeutet dies: über die Stimme der Mutter vermittelt sich dem Ungeborenen (142) ihr emotionaler Zustand. vor allem der Amygdala) gespeichert und komplex verschaltet. Das bedeutet. Fühlen und Handeln verantwortlichen Strukturen „nur schwer und. „Diese Erfahrungen sind dem Bewusstsein nicht zugänglich. Entscheidungen darüber.) in der Amygdala ‚Ersatzschaltungen’ angelegt werden“ (439 f. ihrer Sprachmelodie. Die gilt es in unserem Fall mithilfe von Musik zu erreichen. Die Chance von Psychotherapie ist es. „In der Zeit nach der Geburt werden solche Koppelungsphänomene vielfältiger und nun auch deutlicher beobachtbar. d. desto intensiver wird die entsprechende Verkoppelung mit den in dieser Situation besonders eindringlich wahrgenommenen Sinneseindrücken. Gisela M.“ Sie kann in ihrer komplexen Verknüpfung von Rhythmus. dann nur über die gleichzeitige Aktivierung der emotionalen Zentren im limbischen System veränderbar“ ist (vg. 21). „von einem psychosomatischen Gedächtnis“ zu sprechen. Denken.

96 .zugleich als Reinszenierung frühester basaler Beziehungserfahrungen angesehen werden und mit dieser Qualität „eine Wandlung einschränkender impliziter Muster“ anregen „und sie in ihrer eingefrorenen Dynamik wieder in Schwingung“ versetzen“ (152).

Benonzon hat Kinder während des Spielen oder Malens mit Uterusgeräuschen beschallt und die therapeutische Wirkung beschrieben. Ein Therapieansatz für schwerst und mehrfach Behinderte. S. München 1983. 26). Stuttgart 1991.224) und außerdem im Buch: Lebensraum: Musik.2 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“ Zugrunde liegt die Idee des argentinischen Musiktherapeuten Rolando O. Musiktherapeutische Umschau 1987. S. Die Anschrift von Berndt Vogel: Feldbusch 2. 1985. Frank Rotter bezeichnet Musik als „Mutterersatz“ (Musik und Kommunikation 10. ähnliche sensorische Erfahrungen wieder zu machen. 74934 Reichartshausen. „Die Musik ist wie die Erinnerung an die Mutter und ein Wiederaufnehmen der Beziehung zu ihr und zur Natur“ (25). 204 .beschrieben im Aufsatz „Der Pränatalraum.5. 25). 97 . wie er sie aus seiner pränatalen Existenz kennt“ (Einführung in die Musiktherapie. Die Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung dieses Ansatzes finden wir in der Pränatalraum – Therapie von Berndt Vogel . Benonzon. der ausgehend von den frühsten intrauterinen Klangerfahrungen Musik und Tanz versteht als „unbewusste Versuche des Menschen.

Die Konsonanten sind in einem höheren Frequenzbereich zu finden. die Wirkung der großen Baßtrommeln wird als "Vibrieren der Knochen des Skeletts" beschrieben. Der Frequenzbereich der Lautsprache beginnt erst bei der Obergrenze dieser Körperrezeption mit den Vokalen. Diplomarbeit Siegen 1993) Bei der Frage. 45) Gehörlose beschreiben z. 92 f. das Gleichgewichtsorgan. liegt. fortfallen. die eine wahre Aufladung. der über den Vibrationssinn aufgenommen wird. Im Kopfbereich sind die hohen Frequenzen zu spüren..) unterstellt Apathie und Depressivität bei Gehörlosen mit zunehmender Schwerhörigkeit." Bei Gehörlosen würde diese energetische Aufladung des Gehirns nachlassen bzw.000 Hz menschlicher Hörbereich Klangbereich der Musik 98 .B. dass tiefe Töne. Vitalität. d. Musik zu erleben ist auch zu berücksichtigen. der von 16 bis 20. Bewusstseinsprozesse wie Denken. liegt bis zu 500 Hz.h. Mit Hilfe von Hörresten können manche als gehörlos diagnostizierte Menschen beträchtliche Teile der Musik (die ja über das gesamte Hörspektrum reicht) wahrnehmen. Dortmund 1992. Kreativität. Sie begründet dies folgendermaßen: "In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. Labyrinth und Schnecke vereinen sich zu einem Nerven (vestibulo cochlearis) und bilden sozusagen eine Funktionseinheit. Jedoch schränkt sie diese Auffassung zugleich wieder ein. Demnach ergibt sich. Die Cochlea ist nach Schätzung von Tomatis mit ca.“ Auf die Bedeutung des Vibrationssinns bei Gehörlosen weist Antonius van Uden hin.3 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten Auch Gela Brüggebors (Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI). indem sie fortführt: „Direkt neben der Cochlea (Schnecke) sitzt der Vestibularis-Apparat.000 Hz. 16 Hz 80 Hz 380 Hz Sprachklangschwerpunkt 800 Hz 1. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken.“ (Gerd Treschhaus. (Das gehörlose Kind.mehr rechts als links. 30 % und das Labyrinth mit ca.. 60 % an der energetischen Hirnaufladung (= 90 % aller Prozesse) beteiligt. S. Engrammierung (Gedächtnis).. Musiktherapie mit Gehörlosen. also einem relativ kleinen Ausschnitt des gesamten Hörbereichs.600 Hz 20.. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. die Vibration des Tamtams (Gongs) „als Prickeln auf und unter der Haut.man fühlt sich "von innen her massiert“ und berichtet über eine „angenehme Wärme im Rumpfbereich“. Heidelberg 1980) Der Frequenzumfang. inwiefern „Gehörlose“ fähig sind. Sprache zu vernehmen. Als satter tiefer Ton wird die Baßtrommel eher im Beckenbereich gespürt. Der Klangschwerpunkt der Sprache liegt allerdings nur im Bereich von etwa 80 bis 380 Hz. dass die Hörtests sich im allgemeinen auf die Fähigkeit beziehen.5. (S. Emotionen. „Die Muskulatur scheint sich in der Folge um die Knochen zu lockern. von 16 bis 380 Hz ausgehend als Vibrationen von Becken an aufwärts beginnend bis in den Kopf im Körper zu spüren sind.

in: Hörgeschädigten Pädagogik Heft 2. Email: DLA-Fredeburg@t-online. 16-4608 Hz. Beispiele aus Tansania. Bewegung und Visualisierung die „Musik (auch) als Wert an sich." (S.Das Frequenzspektrum der Musik gibt Prause mit ca. Johannes Hummel Weg 1 57392 Schmallenberg (Telefon-Nr. 180) Jedenfalls erreicht die Musik Hörreste. dass das Gehirn brach liegenden Bereichen neue Aufgaben zuweisen kann. Die Wissenschaftler hatten verglichen. Danach können Gehörlose mit jenem Teil des Gehirns.): Musik bis ins hohe Alter.116) beschreibt folgendes Beispiel aus der afrikanischen Musikpädagogik mit Gehörlosen: „Um den Vibrationssinn zu sensibilisieren. die vom Sprachklang nicht erfasst werden. 1992. 02974 9110). Die Gehörlosen sollen das Fehlen der Trommelrhythmen wahrnehmen und aufhören zu tanzen. Die Verarbeitung von Vibrationen ist nicht mit dem Hören identisch. 200-2000 Hz an (2001. Dann stoppt der Lehrer seine Tätigkeit. Trotz des Zementbodens in den Klassenräumen konnte eine Reihe von Schülern die Aufgabe erfüllen. 177-197) schreibt Manuela-Carmen Prause: „Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht 99 . die es auszunutzen gilt“ (440). 113) Die Musikpädagogik mit Gehörlosen von Claus Bang wird im Heft 2. „welche vielfältige „Möglichkeiten der Teilhabe eröffnet.de Die Musiktherapeutische Umschau (2002. die an der University of Washington (Neuroscience Letters. In ihrem Aufsatz: „Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit“ (in: Tüpker. Hans Hermann (Hrsg. der eigentlich Töne verarbeitet. Claus Bang kommt jährlich einmal nach Deutschland und hält Weiterbildungen in Musiktherapie und musikalische Sprachtherapie bei Hörgeschädigten und mehrfach behinderten Kindern in der Deutschen LandjugendAkademie in Fredeburg.V.11. Jutta Polzius (Afrodance in der Schule. Bei den Gehörlosen wurde aber zusätzlich auch die Hörrinde. Rosemarie. dass bei allen Personen die für Vibration zuständige Hirnregion aktiviert wurde. als Kulturgut zu vermitteln“. S. 1984 der Zeitschrift Hörgeschädigtenpädagogik sehr ausführlich beschrieben. 28. Vibrationen wahrnehmen. Kontaktadresse: Internationale Gesellschaft für musikpädagogische Fortbildung IGMF e. eröffnet aber Gehörlosen zusätzlichen Sinnesreize. Auf ein optisches Zeichen hin beginnen die Schüler zu tanzen. Die Betroffenen sollten deshalb schon im Kindesalter regelmäßig diese Fähigkeiten schulen. Die Hörrinde ist aber offenbar nicht von Geburt an auf diese Aufgabe beschränkt. wird folgende Übung eingesetzt: Die Schüler stehen mit dem Rücken zum trommelnden Lehrer.2001) veröffentlicht wurden. angesprochen. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets.93) berichtet von Forschungsergebnissen. S. raten die Forscher. 110 . Manuela-Carmen Prause (Musik und Gehörlosigkeit. das der Sprache mit ca. Köln Rheinkassel 2001) hebt Ansätze und Möglichkeiten hervor. wie zehn Gehörlose und elf hörende Testpersonen auf Vibrationen an den Händen reagierten. Deshalb können von Hörminderung betroffene Menschen über noch bestehende Hörreste von Musik eher erreicht werden als durch Sprache. Nun dürfen sie nicht mehr zum Lehrer schauen. jenseits der musikalischen Förderung zum Sprachtraining und Sprachentwicklung unter Ausnutzung von Vibrationssinn. Die Region ist eigentlich auf die Verarbeitung von Tönen spezialisiert. Hirnstrommessungen zeigten.. Die Versuche mit Gehörlosen zeigen. der auditive Kortex. Wickel. Münster 2001.

ist nicht so wichtig“).). Stuttgart 1990).darin. e) man das von anderen Gesagte wiederholt. Gitarren und mittelgroße Trommeln“.und Melodieinstrumente wie Sopran-. Beratung. Metallophone. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann“ (191). Hörgeschädigte Menschen. b) der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und c) nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. nicht zu laut spricht. dass nur wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen sollten. Im Gegensatz zur verbalen Situation. wie die z. Therapie und Selbsthilfe. findet er hier eine autonome. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. Zur Realisation der Musiktherapie mit Hörgeschädigten und Gehörlosen empfiehlt Prause. Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194). Bei der Improvisation können „von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte“ aufgegriffen werden. In Anlehnung an Fengler hebt sie hervor. d) man ruhig und etwas langsamer als normal.B. f) dafür zu sorgen. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens. Es kann „zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles“ beigetragen „und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation“ entgegengewirkt werden (ebd. stressfreie Handlungsmöglichkeit. „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. dass a) möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat.) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. dass es letztlich um die Versöhnung mit sich selbst gehe (vgl. und in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. h) Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f. g) auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). Alt.) 100 . dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. des Unterscheidens.und Bassxylophon. bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus.).

Silke Jochims hat viele Musiktherapie . das sie zusammen mit Hans-Joachim Hannich herausgegeben hat: Jenseits des Wortes.Stunden mit Patienten im sog Wach . 4/1996. herausgegeben vom „Schädel-Hirnpatienten in Not e.Koma auf Video aufgenommen. Göttingen 2000 außerdem ein Gutachten zur Wirksamkeit der Musiktherapie in der Zeitschrift „not“.V.Patienten Musiktherapie mit komatösen Patienten Dissertation von Dagmar Gustorff (Universität Witten Herdecke). Claudiusring 4i. 23566 Lübeck (Tel. 101 . sowie das Buch. Silke Jochims.4 Musiktherapie mit Koma . und Fax: 0451/6110238) Man beachte auch die Arbeiten von Dümpelmann (Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation) und Klettke-Drawert (Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma) im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT.“. Bayreuther Straße 33 in 92224 Amberg wichtige Arbeiten auch von Silke Jochims unter anderem in der Musiktherapeutischen Umschau. Musiktherapie mit komatösen Patienten auf der Intensivstation. dass mit Koma Patienten über die Musik Kommunikation hergestellt werden kann und sie die Musik nutzen können. um den Prozess der Trauerarbeit zu führen. insbesondere die Gefühle Schmerz und Wut ausleben können. Die Aufnahmen belegen.5. die auf eine Auswertung warten.

Bei den Naturvölkern ist die Behandlung von Krankheiten an die Anwesenheit der musizierenden und tanzenden Stammesangehörigen gebunden.und Säftelehre ca. Chr. Chr. Körper und Seele ca.Lehre in Verbindung mit Intervall. um zu heilen bzw. 1650 n. Körper – Seele . Charakter. 102 . Krankheit als göttliche Fügung Psalmodie und Krankenheilung pneumatische und Säfte . Boethius Mittelalter Renaissance Aufklärung Romantik 20. Revolution des Musikbegriffs. Chr. Stoiker Lehre vom Pneuma ca. Musik. 1500 n.und Tonartenlehre ca. Chr. 280 v. Psychologie und Musikwissenschaft. Tanz und Öffentlichkeit. Plato Das harmonikale Prinzip in Wille. 0 v.6 Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst Felsmalerei ca. Medizin.Ganzheit statistische Empirie in Medizin. Chr. 1000 v. 550 v.Beziehung ca. Ausführlich dokumentiert sind der Einsatz von Musik bei den Naturvölkern und in den Hochkulturen des Altertums. Natur. 300 v. „iatromechanisches Menschenbild“. Moral und Gesellschaft ca. 24000 v. Chr. Neue Musik und Gruppenimprovisation als Ausgangspunkt für neue Konzepte der Musiktherapie Geschichte und gegenwärtiger Entwicklungsstand der Musiktherapie Musik wurde während aller Epochen der Menschheitsentwicklung und in allen Kulturräumen umfassend genutzt. 500 n.musica humana musica instrumentalis“ ca. zwei musiktherapeutische Modelle einer Therapeut – Patient . Chr. Es besteht eine unauflösliche Einheit von Religion. Vitalismus. Aristoteles Das Element der Katharsis ca. Gegenbewegungen gegen das iatromechanische Menschenbild. Chr. Korpus Hippocratium Elemente. Chr. Heilungszeremonien bei „Naturvölkern“ Frühgeschichte Musiktherapie in der altjüdischen Tradition David und Saul. Chr. Jahrhundert „musica mundana . 180 v. Ablösung der musikalischen Kosmologie durch Affektenlehre ca. Pythagoreer mathematische Ordnung in Kosmos. Krankheit und Not zu lindern.

das sogenannte pythagoreische Komma. Babyloniern oder Ägyptern. z. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. erreichen wir nicht genau den Ausgangston. Der Blick in die Musikgeschichte offenbart zwei unterschiedliche Ansätze bei der Verwendung von Musik im therapeutischen Kontext: Mal steht stärker die der Musik innewohnende Ordnung im Vordergrund (Musik gilt als Abbild der natürlichen Strukturen des Mikro. Genau das tun wir im sogenannten temperierten Tonsystem“ (17). Norderstedt 2005)weist darauf hin. kleiner als ein Halbton. Platon. Romantik bis Kant.Die Musik besteht aus der Wiederholung von immer gleichen übereinandergeschichteten Rhythmen (patterns). Berühmt und immer wieder angeführt werden die Behandlung des an einer schweren Depression erkrankten König Saul durch David im alten Israel (ca. Pythagoras war „das letzte Glied in der Kette“ von Vertretern der Einheit von Kosmologie und Musik. Aristoteles. sich von Emotionen und sprachlich nicht oder nur schwer fassbaren Erlebnisinhalten zu befreien und sie mit anderen zu teilen. an denen die stärksten Resonanzphänomene auf die Singstimme auftreten. bleibt als Differenz. 14).B. dass viele Höhlenmalereien an Stellen angebracht sind. um auf 365 Tage zu kommen.. MÖLLER 1971.“ FLENDER 1993. FROHNE-HAGEMANN beschreibt die Entwicklung ästhetischer Positionen in der Geschichte. Außerdem wurden auch Tanzspuren entdeckt. 12 oder 24 Grundschläge. d. genau im Verhältnis 2/3 gestimmt. 1974..und Makrokosmos). 1000 v. . bei den Chinesen. Eine Differenz. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. „die besondere Resonanzphänomene hervorrufen“ und „sich genau an den Stellen befinden. Renaissance. bzw. In allen Hochkulturen. („Alle rhythmischen Figuren in der afrikanischen Musik beziehen sich auf durch 2 oder 3 teilbare Perioden von z. mal wird mehr die expressive Funktion der Musik hervorgehoben. oft noch mit zusätzlichem Gebrauch von psychotropen Substanzen in Trance oder Ekstase versetzen. SPINTGE & DROH 1992. die das Sonnenjahr dauert. Jahrtausend v. seit dem 5. Ebenso müssen wir jedem Monat ein paar Tage hinzufügen.h. Sind jedoch diese Quinten rein. Pythagoras. Heraklit.) oder die von Pythagoras. Chr. transzendiert wird. durch die sich die Menschen. die es dem Menschen erlaubt. in Mittelalter. 2-12). 10. gibt es „die Symbiose von Musik und Zahl. KÜMMEL 1977. FLENDER sieht noch in unserem heutigen Tonsystem frappierende Verbindungen zur modernen westlichen Zeitrechnung: „Die zwölf Töne werden abgeleitet aus der Abfolge von 12 Quinten. Mondjahr (=Quintenzirkel) und Sonnenjahr (=Oktavzirkel) müssen aufeinander abgestimmt werden. Die ewige Wiederkehr der Sternenkonstellation wird entdeckt“ und die Musik gilt als Wiederspiegelung der kosmischen Ordnung. Barock.B. LINKE 1977. das bewusstseinsverändernde Wahrnehmung hervorruft. Chr. „die auf kultische Tänze hindeuten“ (39).. (2001. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt. ausgehend von den alten Griechen. die auf den körperlich oder seelisch “in Unordnung geratenen“ also erkrankten Menschen einwirkt.“ Solche „Periodizität ist aber genau das Element. 275-288) Auch in der modernen Musiktherapie wird die Frage nach den Wirkfaktoren der Musikthera103 . Plato und Aristoteles angeregten musikalischen Praktiken zur Heilung und Prävention von körperlichen und seelischen Krankheitszuständen (vgl.

C. J. 1944 in den USA. Musiker und Musiklehrer wurden als reguläre Teammitglieder in Krankenhäusern eingestellt. in ders. Eine umfassende wissenschaftliche Fachdiskussion findet in vielen Monographien.: Musik gegen Wahnsinn.): Schulen der Musiktherapie. wirkt die Musik oder wirkt die therapeutische Beziehung? Inzwischen werden Verfahren. China und in osteuropäischen Ländern vertreten und erscheint als eine global vernetzte Wissenschaftsdisziplin.: Musiktherapie. Jahrhunderts datiert werden. wie etwa in der Anästhesie oder bei chirurgischen oder zahnmedizinischen Behandlungen. Weltkriegs in den Krankenhäusern die Entwicklung der Musiktherapie nachhaltig. Heute ist Musiktherapie als wissenschaftliche Disziplin an Universitäten und Hochschulen in fast allen europäischen Ländern in den USA. 9-20 Frohne-Hagemann. gelegentlich auch von promovierten und habilitierten Medizinern oder Psychologen.und Besoldungsstruktur für Musiktherapeuten. München 2001 Flender. Musiktherapie ist von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen als förderungswürdiges Verfahren der Psychotherapie anerkannt. DECKER-VOIGT & ESCHER 1994. in Südamerika. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe. Sammelbänden. S.: Geschichtlicher Abriss der Musiktherapie in der BRD – aus höchst persönlicher Sicht.und in den Achtziger Jahren in Westdeutschland. Australien. in: Peter Bubmann: Menschenfreundliche Musik. In Londoner Krankenhäusern spielten Gruppen von Sängerinnen und Instrumentalisten den Patienten beruhigende Musik vor (vgl. L. bei denen ausschließlich die Beeinflussbarkeit des Organismus’ durch Klänge genutzt wird. Bremen 1994 ders. Dort wird sie unter der Verantwortung habilitierter Chefärzte angewandt und evaluiert bzw. an fast allen psychiatrischen Landeskrankenhäusern.13).: Musiktherapie. Theorie und Methodik. Hrsg. so auch in Deutschland werden Musiktherapeuten im Rahmen von privatrechtlichen Vereinbarungen tätig. Weinheim 1998 Decker-Voigt. Der Beginn der neuzeitlichen Musiktherapie . die ihre Fähigkeiten im therapeutischen Gebrauch von Musik weiterbilden wollten. (Hrsg. an Universitätsklinken und an den verschiedensten Fachkliniken. musiktherapeutische Behandlungen indikationsspezifisch zu systematisieren und Musiker oder Mediziner für die spezielle musiktherapeutische Arbeit auszubilden. HARRER 1982. So entstanden die ersten Schulungskurse für Musiker. Literatur zur Geschichte der Musiktherapie Bunt.Entwicklung kann auf den Anfang des 20. HE: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie.H. Stuttgart 1982 Kohler. Die Qualität der musiktherapeutischen Leistungen wird durch Berufsverbände sichergestellt. als “Musik Medizin“ und nicht als Musiktherapie bezeichnet (vgl. In Großbritannien gibt es eine eigene gesetzlich geregelte Berufs. Hrsg. Werner Friedrich: Musik und Medizin. BUNT 1998. In anderen Ländern. 1958 in Großbritannien (vgl. KOHLER 1971. Gütersloh 1993. H. STERN 1987). in den Siebziger Jahren in Ost. & Escher. SCHWABE 1969). 1992. Südafrika. Musiktherapie ist heute fester Bestandteil des Psychotherapieangebots an vielen Allgemeinkrankenhäusern.pie immer wieder aufgeworfen. Reinhard: Vom Dreifachen Ursprung der Musik. Japan. BUNT 1998). Wie in solchen frühen angloamerikanischen Projekten entwickelten auch in Deutschland Therapeuten Konzepte für solchen eher unspezifischen Einsatz der Musik (vgl. Israel. Stuttgart 1971 104 .: Neue Klänge in der Medizin. Norbert: Heilung durch Musik? Wilhelmshaven 1977 ders. jedenfalls von gründlich ausgebildeten Musiktherapeuten durchgeführt. Freiburg 1977 Linke. Wiesbaden 2001 Harrer. Gleichzeitig wurde es erforderlich. Im angloamerikanischen Bereich beeinflusste der hohe Anteil an Veteranen des 2. G. SPINTGE & DROH 1987. Periodika und Fachzeitschriften sowie auf regelmäßigen nationalen und internationalen Konferenzen ihren Niederschlag. Isabelle: Fenster zur Musiktherapie. Jena 1971 Kümmel.

R.a. R. a. Hans-Jürgen: Psychotherapeutische Aspekte der Musikanschauung der Jahrtausende.J. (Hg. 217-222 105 . Jena 1969 Schwabe. Berlin 1987 Spintge. Christoph: Aktive Musiktherapie für erwachsene Patienten. Hrsg. Christoph. R. & DROH.: Musik in der Medizin. Düsseldorf 1974. Stuttgart 1983 Spintge. Rolf & Droh. 51-160 Schwabe.Möller. Hrsg. R.a. in: W.): Neue Wege der Musiktherapie.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. Rolf: Musik-Medizin.O. & Droh. R. in: SPINTGE.: Musiktherapie in der zahnärztlichen Praxis. 2-12 Stern. Stuttgart 1992. Revers u.

reflektiert. in denen wir das Erlebte beschreiben und in Beziehung setzen zu unseren sonstigen Lebenserfahrungen. mit Gesprächsphasen ab. über die anschließend wieder gesprochen wird u. Bewegungsspiele oder Musik-Mal-Aktionen durchführen. Was geschieht in der Musiktherapie? In der Musiktherapie leiten wir die Patientinnen und Patienten an. weil die Erfahrung lehrt.sofern möglich. die ihnen in der jeweiligen Situation gut tun und auch entsprechend auf ihnen spielen. die sich sprachlich kaum oder gar nicht artikulieren können oder die nur sehr schwer und auf sprachlichem Wege gar nicht Zugang zu ihren Gefühlen bekommen. begleitet und . Ablauf der Musiktherapie-Sitzungen In den Musiktherapie-Sitzungen wechseln Musikphasen. 1. 2.s. Wirkung der Musiktherapie Je nach praktizierter Arbeitsweise treten folgende drei Wirkungsbereiche der Musiktherapie in den Vordergrund: a) vorbewusste psycho-vegetative Regulation 106 . Die auf der Klangwirkung und den Aktionen an und mit den Instrumenten beruhenden Effekte psycho-physischer Beruhigung. Musiktherapie erreicht besonders Patienten. Darüber hinaus werden in der Musiktherapie Patienten mit frühen Störungen erfolgreich behandelt. da klangliche Erfahrungen und Musik früheste und pränatale Erlebnisschichten ansprechen. Aber auch in verhaltenstherapeutischer Hinsicht liefert sie über das gemeinsame Spiel an Musikinstrumenten wertvolle Beiträge zur Modifikation pathologischer Einstellungs. Sie verfolgt den bio-psycho-sozialen Ansatz einer ganzheitlichen Psychotherapie. je nach Wunsch der Patientinnen und Patienten auch Lieder singen und instrumental begleiten. in der neue Handlungsmöglichkeiten ausprobiert werden können. Belebung oder Abreaktion werden zugelassen.f.7 Musiktherapie in der Psychiatrie Aus dem Merkblatt einer psychiatrischen Klinik: Musiktherapie ergänzt und vertieft das psychotherapeutische Angebot der psychiatrischen Abteilung. in denen wir musikalische Gruppenspiele mit Instrumenten oder auch mit der Stimme durchführen. auf leicht spielbaren Musikinstrumenten miteinander zu musizieren. Das führt zum Einstieg in eine weitere Musikphase. dass die Patientinnen und Patienten intuitiv die Instrumente wählen. Im allgemeinen spielen wir den Patientinnen und Patienten keine Musik vor. 3.und Lebensmuster. Aufgrund ihres nonverbalen Charakters (Improvisation und Interaktion mit Musikinstrumenten) wird sie tiefenpsychologisch genutzt. um den Patientinnen und Patienten zu introspektiven Verstehensprozessen verhelfen.

indem wir weiterführende Musikaktionen (z. ich spiele einmal nach dem Motto „ich lasse mich nicht mehr bevormunden“. bei der verbalen Aufarbeitung leiten wir die Patientinnen und Patienten dazu an.. Bei erkennbarer Introspektionsfähigkeit und -bereitschaft und einer absehbaren Verweildauer von mindestens vier Wochen bieten wir für Patientinnen und Patienten in post-akut psychotischen Phasen und bei reaktiven Depressionen.B. mit den Musikinstrumenten und der Gruppe umgegangen sind und wie das Handeln der anderen auf sie eingewirkt hat). Ängste. über ihre musikalischen Erfahrungen zu sprechen (sofern das möglich ist) bzw. sie tun es auch von sich aus. nur mit Klängen“). gearbeitet wird. Der Einfluss auf Vitalfunktionen wie Atmung und Blutdruck bedingt verändertes Körpergefühl und Ich-Bewusstsein. können unbewusste Erlebnisinhalte ins Bewusstsein treten. 107 . oder: „wir spielen Angst“. Wir bearbeiten Lebensthemen. wie sie mit sich selbst. wobei soziale Kompetenzen entdeckt und auf das Leben außerhalb der Therapie angewandt werden. Assoziationen. Indikationsstellung für die Musiktherapie Für Patientinnen und Patienten in chronischen oder akuten psychotischen Zuständen bieten wir eine Gruppe an.“ oder: „wir führen ein Gespräch ohne Worte. 4. Erinnerungen etc. die dann mit gesprächspsychotherapeutischen und mit musikalischen Mitteln bearbeitet werden. die von den Patientinnen und Patienten genannt werden. b) 2. was sie gespielt haben. c) Bewusstwerden pathogener Verhaltensweisen Das Handeln am und mit dem Instrument. Hemmungen und schädliche Reaktionsweisen bei der Gestaltung von sozialen Beziehungen und auch im Umgang mit sich selbst können erkannt und im musikalischen Spiel verändert werden.) anbieten. in Beziehung zu den Mitgliedern der Gruppe und zu den Therapeutinnen und Therapeuten symbolisiert und thematisiert sinnfällig Verhaltensmuster. wie uns heute zu Mute ist und versuchen dabei.h. An den Gruppen nimmt stets eine Vertreterin/ein Vertreter des Personals in Co-TherapeutenFunktion teil. Indem sie das musikalische Geschehen beschreiben oder mit ihm verbundene Einfälle mitteilen. die Musikerfahrung zu beschreiben (d. die auch das sonstige Leben bestimmen. Das musiktherapeutische Behandlungsprinzip ist hier die freie musikalische Improvisation (z. Diese neuen musikalischen Erfahrungen werden anschließend wieder im Gespräch aufgearbeitet werden usf. in denen neben psycho-vegetativer Regulation auch an pathogenen Lebenserfahrungen und Verhaltensweisen. kurze Gesprächsphasen dienen als Feed-back-Möglichkeit. oder wir machen ein musikalisches Rollenspiel etc. Maximale Gruppengröße: 6 Patientinnen und Patienten. sofern sie von Patientinnen und Patienten thematisiert werden. Bewusstwerden pathogener Lebenserfahrungen Die Patientinnen und Patienten werden dazu angeregt.Physiologische Reaktionen beim Musik-Erleben sind durch vielfältige Forschungen belegt und beschrieben. sich bewusst zu machen.B. in der der Wirkungsbereich der psycho-vegetativen Regulation im Vordergrund steht. mit unseren Klängen Kontakt zueinander herzustellen. die musikalischen Aktionen sind vorstrukturiert (Spiele mit Instrumenten nach vorgegebenen Regeln. Psychische Erlebnisbereiche können im Spiel symbolisch und vorbewusst verarbeitet werden. Neurosen und psychosomatischen Störungen Gruppen an. Lieder singen und mit Instrumenten begleiten).: „wir spielen. Grenzen. die die Informationen über den Therapieverlauf bei den Stationsbesprechungen weitergibt.

Die Musiktherapie wird in den Pflegeakten dokumentiert. Der jeweils behandelnde Arzt oder Psychologe gibt ein dafür vorgesehenes Formular. b) offenes und geselliges Singen Singen aktiviert Atem.5.und Kreislauffunktionen und belebt durch die Vibration des Stimmorgans den gesamten Körper. Sie bestehen aus regelmäßigen offenen Gruppenangeboten in folgenden Bereichen: a) Musik und Bewegung.oder Gruppenmusiktherapie treffen. die von niedergelassenen Musiktherapeuten geleitet werden. um über die Therapien zu berichten und mit dem therapeutischen Team das weitere Vorgehen zu beraten. Außerdem vermitteln wir an niedergelassenen Musiktherapeuten weiter. die musiktherapeutische Behandlungen verschreiben. 7. wird erwartet. dass sie die Patienten über die Musiktherapie informieren und sich insbesondre mit ihnen über die Behandlungsziele verständigen.und Psychologengesprächen sollen auch die Erlebnisse aus der Musiktherapie thematisiert werden. 108 . Es aktiviert positive Gefühle und die Bereitschaft. 6. Die Musiktherapeuten sind bei den großen Übergaben zugegen. Ambulante Anschlussbehandlung Patientinnen und Patienten. den Rückfall in pathogene Verhaltensweisen zu vermeiden. Ärzte und Psychologen.. Tanz Das Erleben von einfachen Folkloretänzen. die musiktherapeutische Behandlungen zu verschreiben beabsichtigen. sollten einige Sitzungen in der Musiktherapie hospitieren. Ergänzende musiktherapeutische Angebote Ergänzende Angebote der Musik haben präventiven Charakter und steigern die Lebensqualität während der psychiatrischen Stationärbehandlung und sowie in der nachstationären Zeit. zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. um die Möglichkeiten dieser Behandlungsform sicher einschätzen zu können. Körperliche Lockerung. meditativen Tänzen und Sitztänzen vermittelt das Erlebnis von Genuss und Lebensfreude in der Gemeinschaft. Entspannung und Stärkung sowie emotionale Aktivierung und positive soziale Erfahrungen unterstützen den Heilungsfortschritt und helfen. können mit den Musiktherapeuten entsprechende Vereinbarungen über ambulante Einzel. die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Fortsetzung der Musiktherapie wünschen. von wo aus zurückgemeldet wird. mit denen die psychiatrische Abteilung des Kreiskrankenhauses zusammenarbeitet. Von den Ärzten und Psychologen. Ärztliche Anordnung und Evaluation Die Musiktherapie wird nur auf Anordnung der Ärzte und Psychologen durchgeführt. Zur Wahrnehmung der ergänzenden musiktherapeutischen Angebote wird die Teilnahme an Gruppen außerhalb der Klinik empfohlen. in den Arzt. ob und ab wann die Musiktherapie möglich ist. an die Station. Bei Demenzstörungen aktiviert das Singen bekannter Lieder Fähigkeiten des Gedächtnisses und der Sprache. auf dem er die erforderlichen diagnostischen und indikationsspezifischen Angaben einträgt und sich über mögliche Behandlungsziele äußert.

Didgeridoo. Weinheim 1998 Peter Hess (Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. Stuttgart 1975 Außerdem: die entsprechenden Kapitel in Leslie BUNT. in Musiktherapeutische Umschau 1993. in Musik und Kommunikation 6 / 1981 Wolfgang Strobel: Musiktherapie mit schizophrenen Patienten. Wiesbaden 1999. S. Wege zum Verständnis. 80) 109 . Gitarre Ziele Verständnis für die Erkrankung gewinnen Herausarbeiten von Vulnerabilitätsfaktoren Entschlüsselung pathologisch wirkender innerpsychischer Systeme Traum-Bearbeitung „Korrigierende Erfahrung“ Reinstallierung innerer Grenzen Entdecken von Ressourcen Kreativitätsförderung Spielfreude (Hess 2002. in Musiktherapeutische Umschau 1985.Literatur Musiktherapie bei Depression Jürgen Preckel: Das Erscheinungsbild der Depression.und Fremdwahrnehmung Entwicklung von Verhaltensalternativen Förderung von Ressourcen Morgen-Musikgruppe Trommel-Gruppe Instrumentenbau Förderung von Instrumentalspiel. 177-208 und im READER MUSIKTHERAPIE. z. 126-133 Musiktherapie bei Psychosen Wolf Schmidt: Mit der Mundharmonika gegen den Wahnsinn.B. 72-86) fasst die Organisation der Musiktherapie in der Psychiatrischen Abteilung des Städtischen Allgemeinkrankenhauses in Frankenthal in folgender Tabelle zusammen: AufBehandlung von Krankheitsursatrag chen Setting Gongtherapie Tischtrommelkonferenz Behandlung von Krankheitsfolgen Musiktherapie auf der Akutstation „offene“ Musiktherapiegruppe „Freitags-„ Musiktherapiegruppe Märchen & Musiktherapiegruppe Loslösen aus der Isolation Zurückkommen in das Hier und Jetzt Schaffung einer angstfreien Begegnungsebene Aufbau basaler Beziehungsstrukturen Reflexion der Eigen. 2002. Musiktherapie. in: Einblicke 13. 25-64 Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen.

Störungen des Denkens und der Wahrnehmung im Vordergrund. Trugwahrnehmungen des Geschmacks taktile Halluzinationen. albern. verschroben.). Stimmen. Begriffszerfall. Wahrnehmung von ausströmendem Gas etc. die Wahnidee gehört der Vorstellungswelt des Kranken an. Ansprechen.1 Musiktherapie bei Schizophrenie Im Gegensatz zu den neurotischen Störungen. Ambivalenz. die Zusammengehörigkeit von Gefühl und Ausdruck ist aufgehoben. stehen bei den psychotischen Störungen. ausgelassen. Handlungen kommentieren etc. die Einheit des Erlebens. wie es im „normalen“ nicht möglich ist Autismus Ich .Versunkenheit und Verlust der Realitätsbeziehungen Passivität Wahnerleben Ich . z. Zönästhetische Halluzinationen. Trugwahrnehmungen des Gesichtssinns olfaktorische Halluzinationen.B. Wesens. Eigenschaften der Struktur und Beschaffenheit treten in der Wahrnehmung zurück Halluzinationen akustische Halluzinationen. enthemmt. seinen Namen rufen. Kontaminationen.7. Handlungen kommentieren etc. Größenwahn u. Wortneuschöpfungen Bei der Wahrnehmung erhalten Wesens. Störungen des Körperschemas akustische Halluzinationen. seinen Namen rufen.B. z. gespreizt. Stiche. 110 . laut. Gedanken abreißen.und Ausdruckseigenschaften am wahrgenommenen Gegenstand erhalten Übergewicht. Stimmungslage und gegenwärtige Situation passen nicht zusammen. elektrischer Strom im Körper. ferngesteuerte Schläge.Störungen Depersonalisation Desintegration Akzessorische Symptome der Schizophrenie Wahnerleben (Beziehungs. Eifersuchts-. die den Pat. Verfolgungs-. daneben: depressive Verstimmungen Angst ist sehr häufig vorherrschendes Gefühl inadäquate Affektivität (Parathymie).und Ausdruckseigenschaften ein Übergewicht gegenüber Struktur und Beschaffenheit der Gegenstände Störungen der Affektivität Verstimmungen verschiedenster Art. unvereinbare Erlebnisqualitäten stehen beziehungslos nebeneinander. deren wichtigste die Schizophrenie ist. gustatorische Halluzinationen.a. Stimmen. sexuelle Manipulationen an Genitalien etc. die den Pat. bei denen Probleme im Bereich der Emotionalität vorrangig sind. dabei karikaturhaft. Symboldenken (Gespräche unter gesunden Angehörigen klingen nicht selten wie der zerfahrene Gedankengang eines Schizophrenen) geordnetes und zerfahrenes Denken nebeneinander Die Sprache wirkt manieriert. Begriffsverschiebung. Grundsymptome der Schizophrenie Störungen des Denkens zerfahren. Einer richtigen Wahrnehmung wird eine abnorme Bedeutung beigelegt. zusammenhanglos.Beeinträchtigungs-. optische Halluzinationen. läppisch (Hebephrenie). Ansprechen.

ohne sprachliche Äußerung wichtig: Patienten haben auch in dieser Verfassung ein völlig waches Bewusstsein und können später ihre Erlebnisse genau schildern Katatonismen. Vielfach wird bei akuten Zuständen von Musiktherapie abgeraten. Didgeridoo. geborgenheitsvermittelnden Atmosphäre. The wounds that Sing. Bei schizophrenen Patienten sollte zuerst einmal ein sicherer. Die alte Psychiatrie hielt eine Heilung. in Faust 1995. relativ reizarmer therapeutischer Rahmen hergestellt werden. Pat. können Klänge helfen.Katatone Symptome psychomotorische Phänomene der Schizophrenie Stupor. besonders. Leerlaufstereotypien und Dyskinesien. Mundt. in Heal and Mead (eds) Music Therapie in Health and Education. 222). 96 f Hinweise zur Musiktherapie: Schizophrenie kann man verstehen als die Unfähigkeit. für nicht möglich und aufdeckende Therapie und Entspannungsverfahren seien besonders bei Psychosen contraindiziert. Einfache Improvisationsspiele oder auch Lieder und Tänze finden Verwendung. 2002. wie Neuroleptika und Elektrokrampftherapie zu beeinflussen sei. seien es Gefühle der Übertragung. geeignete Symbole für Emotionen zu finden. gehen wir davon aus. Gongs. Selbstverständlich sind psychodynamische und familientherapeutische Therapiemethoden unverzichtbar“ (79). Klangschalen. dass hilfreiche Therapieschritte gerade in akuten Phasen mit Musik gemacht werden. die es noch zu entdecken gilt. unter denen eine solche intensive Therapie mit schwer gestörten Patienten überhaupt möglich ist“ schreibt er: (Einblicke. Über die „Bedingungen. Es gibt aber Erfahrungen. London 2000. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Ist weitgehend reglos Mutismus. Gerade wenn Patienten sprachlich nicht erreichbar sind. wenn man spirituelle transpersonale Dimensionen der Psychose mit ein bezieht. nämlich. Die Sitzungen werden von wiederkehrenden Eingangs. Peter Hess arbeitet als Oberarzt und Musiktherapeut an der Psychiatrischen Abteilung eines Städtischen Allgemeinkrankenhauses (Frankenthal) mit rezeptiven und aktiven Methoden unter Verwendung von archaischen Klängen von Trommeln.und Abschiedsritualen umrahmt. 13. dass die Psychose uneinfühlbar sei und unverständlich und nach eigenen Gesetzen ablaufe. dass die Psychose von Erfahrenen einfühlbar und unter Einbeziehung aller Bewusstseinsschichten auch voll erklärbar ist. Tölle 71985. dass eine kausale Therapie und echte Heilung möglich ist. Auch die musikalischen Erfahrungen sollten überschaubar und vertraut sein. Echophänomene Quelle: Schulte. die in der Improvisation mitgeteilt werden können. Wenig Instrumente. In der Therapie wird der musikalische Ausdruck zur Symbolisierung bedrängender Gefühle. der Gegenübertragung oder neu geschaffene Symbole der therapeutischen Beziehung (vgl. Während des Akutstadiums der Psychose wird „großer Wert gelegt auf die Schaffung einer schützenden. außer mit biologischen Methoden. die belegen. weiche Behandlungsmethoden erfolgreich sind. meist pentatonisch und dienen vor allem dazu. 61 zit. die nur durch drastische Mittel. ihre Gefühle auszuagieren und sich in einer basal stimulierenden Atmosphäre zu entängstigen. Berimbao und anderen. n. wieder auf die Erde zurückzu111 . 72-86) „Entgegen den alten Dogmen der Psychiatrie. Die Instrumente sind gut aufeinander abgestimmt. Monocord. Wir dagegen sind der Auffassung. London 1993. Bei längerer Therapiedauer können auch freie Improvisationen hilfreich sein. Hanne Mette Kortegaard: Music Therapy in Psychodynamic Treatment of Schizophrenia.

Aufbau der Gongtherapie (Ritual mit Life-Musik) nach Hess (2002. dass bei „Menschen mit akuten schizophrenen Störungen eine intensive Überlagerung der Gefühlslandschaft mit dem Affekt Angst“ gegeben ist (195). unter Kapitel 7. Mit Hilfe von EEG-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden. 78): Einstimmen der Instrumente und der Teilnehmer Verbale Trance-Induktion mittels geführter Meditation Klangtrance Monocord Monocord und Obertongesang Tanpura und Gesang (Wiegenliedähnlich) Tanpura und Tabla Tanpura. Didgeridoo und Oceandrum Gong Stille Rücknahme der Trance Koto oder Flöte und Tabla unterstützt von der Shrutibox Aktive Gruppenimprovisation Spontanes Maler und/oder Gedicht Verbale Integration mittels Kreisritual mit zweimaliger Runde Schriftliche Integration mittels Eigenprotokoll 1-2 Tage nach der Sitzung Thomas Wosch (in: Hans-Helmut Decker-Voigt (Hrsg): Schulen der Musiktherapie. „wie sie als Phänomen im ICD 10 und DSM IV als ein notwendiger Faktor beschrieben wird. Als weiteres Argument gegen die Auffassung des Primats einer Denkstörung bei Schizophrenen führt Thomas Wosch Ergebnisse von Untersuchungen mit dem Integrierten Psychologischen Therapieprogramm (ITP) an. München 2001. sondern vor allem als affektive Störung. sich auf körperorientierte Therapie einzulassen. dass die Affektlabilität Folge einer Grundstörung im Bereich der Kognition sei. wie allgemein beschrieben. bei dem der angenommene kognitive Symptomkomplex (Denkstörungen) mit kognitiver Therapie durch Training von semantischen Bezügen und Re112 . Die Skalen sind dann nicht mehr begrenzt.“ Die beschriebene Auflösung des Denkens und der Sprache sei eine Folge der Affektstörung und nicht umgekehrt. 183-207) beschreibt musiktherapeutische Einzelmusiktherapie mit schizophrenen Patienten in der Akutpsychiatrie auf Grundlage von „verstehender Psychiatrie“. 2002. sondern eher an der individuellen Bereitschaft. um so mehr Chaos kann in den Gruppen dann wieder zugelassen werden. Im Remissionsstadium der Psychose geht es dann mehr um die Entdeckung und Ausbau kreativer Fähigkeiten mit gemeinsamen Musizieren mit leicht spielbaren Instrumenten. (Peter Hess: Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. dass „die schizophrene Störung nicht primär als Denkstörung“ zu verstehen ist. wenn akustisch gespeicherte Traumata vorliegen“ (83). Je gesünder der Patient wird. in: Einblicke 13.kommen und Wege aus der Isolation zu eröffnen.“ „Eine besondere Behandlungschance ergibt sich immer dann. 72-86) Einzelheiten zur Organisation der Musiktherapie bei Hess s. Indikationen und Kontraindikationen ergeben sich „weniger aus dem Krankheitsbild an sich. Dieser Ansatz geht auf antipsychiatrische Reformbewegungen der sechziger Jahre zurück und basiert auf der Erkenntnis. Außerdem geht es dann in der Gongtherapie auch um einen kausalen Behandlungsansatz“ (81). Es geht aber auch um Eröffnung neuer Handlungsspielräume in der freien Gruppenimprovisation.

deren Wirksamkeit er an Hand von zwei stilisierten Fallbeispielen nachweist (198-204). und Burti. In diesen Fällen erwies es sich auch als sinnvoll. Ciompi.: Soteria im Gespräch. 113 . Zu dem besonderen Milieu gehört für die verstärkt akuten Erscheinungen von Schizophrenie ebenfalls das ‚weiche Zimmer’ mit der 1:1-Begleitung rund um die Uhr“ (196). dass die Patienten zwar neue Denkmuster lernen konnten.) kamen auf diesem Wege „zu der Annahme. L. Hier „wird dem gestörten überdimensionalen Affekt Angst mit den Mitteln zwischenmenschlicher Beziehungen und einer Wohngemeinschaft begegnet. Bonn 1994) erhalten durch diese Untersuchungen zusätzliche Begründung und Bestätigung.R.a. E.. dass zu Beginn der Therapie ‚an eine stärkere Beachtung psychophysiologischer und emotionaler Prozesse’“ zu denken ist. Aus alledem folgert Wosch die Indikation einer musiktherapeutischen Einzelmusiktherapie für Patienten in akuten schizophrenen Zuständen. L. Die positiven Erfahrungen im Bereich der Soteria Projekte in Amerika (Mosher. Bonn 1992) und Schweiz (Aebi. Das Setting ist: zweimal wöchentlich jeweils eine Zeitstunde in der verlässlichen Dyade mit Methoden der musikalischen Improvisation auf Instrumenten und anderen vom Patienten angeregten musikalischen Aktivitäten. „die pharmakologische Behandlung nur gering zu halten und der Klientin eine Möglichkeit des Ausagierens und Verstehens ihres Zustandes zu geben“ (201). Hansen. denn es seien „starke emotionale Blockaden im späteren Verlauf des Erlernens sozialer Fertigkeiten zu beobachten“ gewesen (196). Dabei zeigte sich. L.O.aktionsfähigkeit beeinflusst werden sollte. sich aber im Bereich der sozialen Wahrnehmung und Problemlösung keinerlei Veränderungen zeigten. a.. Psychiatrie in der Gemeinde. H. Die beiden Autoren (Roder und Brenner.

7.2 Musiktherapie bei Depression 114 .

In der Therapie haben sich emotionale Äußerung. „die in der Musiktherapie noch nicht spezifisch musikalisch sind“. Melodien zu entdecken und zu gestalten. musikalische Symbiose“ (149). nicht auswählen können oder keine Initiative ergreifen 2. Die depressiven Symptome zeigen sich im musikalischen Verhalten der Patienten 1. Die oben dargestellte Symptomübersicht verdeutlicht. sowie neue Erfahrungen im Bereich der sozialen Beziehungen zu finden. weil musikalische Erleben einerseits eng mit primärpsychischen Prozessen. extrem empfindlich sein für Dynamik (sich abwenden von Klavier. die Verhinderung von Hilflosigkeit und die Vermehrung von angenehmen Aktivitäten (Verhaltenstherapie) (147). Rhythmen und Tempi bewusst und abwechslungsreich zu gestalten. „z. durch Analogien. ebenso der „Ersatz von disfunktionellen Kognitionen durch funktionelle Kognitionen“ (kognitive Therapie). zu wählen und Initiative zu ergreifen. als sie „durch Äußerung der nach innengekehrten Aggressionen einen Trauerprozess in Bewegung“ bringen. und eigenständig zwischen musikalischer Verschmelzung und Übereinstimmung (Symbiose) sowie Abgrenzung und Kontrast (Individuation) entwickelt (vgl.: leise klingende Instrumente auswählen (Xylophon). Das beinhaltet die Auseinandersetzung mit biographischen Situationen. wie sich im Verlauf der Therapie die Bereitschaft. Schlagzeug). Die nachfolgende Fallgeschichte verdeutlicht einen solchen Therapieprozess: 115 . durch Analogien. einen Zugang zu abgespaltenen und nicht mehr zugänglichen Emotionen zu öffnen. bewährt. dass es bei der Therapie darum gehen muss.B. z.B. in einem langsamen Tempo spielen. mit Emotionen und präverbalen Erfahrungsinhalten verbunden ist und andererseits interaktive Handlung und symbolischer Ausdruck von sozialen Beziehungsmustern ist. Die bei Depressiven zu beobachtenden „disfunktionellen Kognitionen beeinflussen Emotionen“ und „negative Ereignisse“ werden „dem eigenen Unvermögen“ zugeschrieben. Theoretisch wäre zu erwägen. monotones und nicht rhythmisches Spiel. in denen die natürlichen Gefühle nicht ausgelebt wurden und in denen persönliche Kränkungen nicht wahrgenommen und verarbeitet wurden. 148). Sie leiden unter einem „Defizit an Verstärkung“. innerhalb eines begrenzten melodischen Umfanges spielen. in denen Verlusterfahrung nicht ausreichend betrauert wurde. kognitive und verhaltenstherapeutische Zugänge nicht voneinander trennen. insbesondere von gegen sich selbst gerichteten Aggressionen. Göttingen 1999 Versteht man „abnorme Trauer“ als Ausgangspunkt depressiver Erkrankungen. die in der Behandlung einzelner musikalischer Parameter durch die Patienten erkennbar werden. haben sich „die Psychoanalyse und Interpersönliche Therapie (Klerman)“ insofern bewährt.zum Thema Depression“ aus Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie. Lautstärke zuzulassen. Bei der Musiktherapie lassen sich tiefenpsychologische.

ein kleines Mädchen auf einer Wiese. zu leben. ___________________________________________________________________________ 4. 81): In dieser Sitzung ist das Thema die Familien der Patientinnen. auch einmal so aus sich herauszukommen. wie sie sich fühlt.. ___________________________________________________________________________ 116 . Dabei wird viel gelacht. dass sie sich so habe gehen lassen. dass sie beim Klang der großen Klangschale und den Glockeninstrumenten Angstgefühle und eine „Friedhofsstimmung“ erlebt hat sowie starke Unruhe. wird während des Erzählens unruhig. sie solle sich zusammenreißen. wobei sie mich zu äußerst leisem Spiel zwingt. die ich auf der Handtrommel musikalisch darstellen soll. Sitzung (12. Diagnose „Depression“ (endogen?) Alter: 62 Jahre. dort stehe eine Gestalt. Dort entschließt sie sich. die ihr zuwinkt und sie zu sich ruft. jetzt trete sie allmählich zurück. Am Ende schlägt sie deutlich und für alle vernehmlich gegen das hintere Ende des Instruments. will auf der Mundharmonika Lebensfreude spielen aber sie wisse nicht.s. erkennt. den Weg zurück. wie es ihnen geht.12. zusammen mit Frau S. Jetzt komme sie an einen Bach. dass dieses Bild über ihrem Kinderbettchen hing. um darauf zu spielen. Frau N.63): Es sind sechs Patientinnen gekommen. jede solle sich ein bis zwei Instrumente wählen. Der habe sich vor sieben Monaten das Leben genommen. Am Ende der Sitzung sprechen wir über Ursachen der Depression. eine Tochter. Sie setzt sich auf einen Stuhl.) berichtet.) Frau W. sie wirft plötzlich das Glockenspiel auf den Boden. bis das Trommelfell reißt. am Rand des Abgrundes steht ein kleines Mädchen. die an einen Abgrund stößt. der Ehemann ist Stahlarbeiter. Austausch sagt Frau W. bis sie wieder vor dem Abgrund steht.11. Sie geht nicht zu ihm. Sie hat die Augen geschlossen.Fallbeispiel Frau N../ S. sie sagt ihm. und Frau W. Anschließend ist Frau W. mit den Fingern auf sie zeigen und ihr sagen. berichtet von einem Bild. ___________________________________________________________________________ 3. die Beziehung zu ihrem Ehemann. in einer Musiktherapiegruppe zu behandeln. es sei ihr Vater.11. Frau N. sie sehe jetzt auch Blumen und Schmetterlinge. den sie mit Hilfe einer schmalen Brücke. Ich bitte sie. ich frage: „wer klagt da?“. Beim anschl. dabei ist sie sehr aufgeregt und presst ihre Fäuste in den Nacken. an der sie nicht teilgenommen habe. wobei es ihr allerdings zunehmend schwerer fällt zu stehen..“ Sie erzählte dann noch über die näheren Umstände des Suizids ihres Vaters. den Impuls verspürte „Raus! Nichts wie weg hier!“. sie so einfach im Stich zu lassen./S. das seien „klagende Hilferufe“. Ich stelle die Instrumente vor und lasse sie von Patientin zu Patientin weitergeben und ausprobieren. wie ein vierjähriges Kind das machen würde. sie solle sich vorstellen. sie spielt mit leisen Schlägen und sanftem Reiben. Frau W. es kommt daraufhin zu drei wilden Aggressionsausbrüchen auf der Trommel. Sitzung (26. was sie sieht. Sitzung (3. Sie sehe ein Haus. äußert aber auch Schuldgefühle. auf der Conga weiterzutrommeln. sie wisse aber nicht mehr wo. verheiratet. und ich frage sie. Wir beschließen nach dieser Sitzung.11. was sie in den Händen spürt. Wir spielen die Wiese. sie stehe wieder am Abgrund. z. was sie jetzt tun wolle. Wir spielen dann alle gemeinsam mit ihr „Lebensfreude“. sich nicht so gehen lassen u. Ich frage. sie wünschten sich. wie das geht. unerledigte Trauerarbeit. wie sie den Kontakt bestimmt und dass ihr Mann dabei durchaus nicht immer in der stärkeren Position ist. Sie sehe ihre Mutter und Schwester vor sich.“ Sie spielt. der Tod hinter ihr her. ich beschreibe ihr Spiel.67): Ich bitte die drei Patientinnen. sie hätte am liebsten das Instrument (Glockenspiel und Flöte) in die Ecke geworfen. sagt.f. kurze Tonfolgen auf dem Glockenspiel mit Filzschlegel. das Mädchen. sie wählt für ihre Rolle die Klanghölzer. sie befinde sich „in einem Loch. überquere. und hinter ihm ihr Schutzengel. sie sei „ganz unten“. Die anderen spielen die Wiese. auf die sie mit den Fäusten einschlägt. sie sagt dem Tod und dem Vater: „Ich will leben. jetzt drehe sie sich um und laufe über die Wiese einen Weg entlang. was er ihnen angetan habe. erleichtert. schließlich sinkt sie an der Conga zusammen und kauert am Boden. im Kreis herum läuft und weint. mir weist sie die Rolle des Ehemannes zu. um sie nicht zu übertönen. kommt nicht zur Musiktherapie. über die Beerdigung. Eine Mitpatientin (Frau W. die aus zwei Planken besteht. ___________________________________________________________________________ 2. die sie verspotten. es gehe ihr schlecht. ___________________________________________________________________________ 1.B. Sitzung (19. ledig. Anschließend sprechen wir darüber. es zeige eine abschüssige Wiese. Mitte 30. das verzweifelt ist. Frau N. und ebenso Frau S. Daraufhin sagen Frau N./S. (Am Ende der Sitzung fällt ihr ein. 96): Frau N. das sie irgendwo einmal gesehen habe. Frau W./S. Im Verlauf der Arbeit thematisiert Frau N. ich gebe ihr die Hilfe. keinen Weg sieht. Danach sagt sie. darauf zu spielen. nimmt sich eine Handtrommel. wir stellen die musikalisch dar. macht ihm Vorwürfe und läuft dann wieder fort. vorne leise und sanft spielen und von hinten einen Schubs geben. was sie auch tut. ich halte ihr die Handtrommel hin und bitte sie. die einzelnen Rollen werden mit Musikinstrumenten dargestellt. Frau N.

keine Symptome seien aufgetreten. Im Akzeptieren dieser Seite empfindet sie zugleich die Wut gegen ihren Mann. 122): Frau N.12. sie berichtet dann.12.sie hat ihn irgendwann einmal vor die Alternative gestellt: „entweder die Kneipe oder ich“) . indem sie sehr lange das monotone. sich anschließend nicht erleichtert fühlt.Entladung nach innen oder außen. nagendes Geräusch auf der Handtrommel.“ Diese alte Angst ist jetzt noch spürbar. sie wirft ihn symbolisch hinter sich.vor und zurück. etwas zu verändern. es entsteht „eine richtige Melodie“ (Frau N. der sie sich gern überlässt.sie hat deswegen Schuldgefühle. zugleich ihr aber in Form von Selbstbefriedigung oder Nachgiebigkeit dem Schwager gegenüber Raum gegeben. 124): Frau N. er liebt mich nicht. Frau W.). Frau N. mit den Fingernägeln macht sie ein kratzendes. 1. wir. die Aufgabe. Xylophon). h. die eigentlich so schön hell sein könnte. er liebt mich wohl doch. zum Kaffeetrinken fahren) Freude gehabt. die sich nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung sehnt. Frau N. vielleicht aber nicht konsequent genug. von denen sie sich schlecht behandelt fühlt. eine Art „klagender Kreislauf“ . gegenüber den Mitpatienten). die Herzschlagkurve mit unterschiedlichen Phasen. ___________________________________________________________________________ 6. stimmen in diesen Rhythmus ein (Tabla. „mein Mann würde mich auf der Stelle verlassen wenn ich ihm offen meine Wut zeigen würde. ein „Schwänzchen von den Gefühlen“ ragt aus dem schwarzen Kasten. ihrem Ehemann in diesen Prozess mit einzubeziehen und zu lernen. der sie mit einem Riemen verprügelte. sich ihrer geschämt oder sie moralisch abgewertet („schmutzig. Ein farbenfroher Kreis von vielen Gefühlen.12. Andererseits ist diese Abgrenzung notwendig gewesen. sie könne „zum Triebtäter werden“. beschreibt die Beziehung zu ihrem Ehemann. Die Notwendigkeit. spürt einen spitzen. spielt die Traurigkeit mit Klanghölzern. dann kommt die Wut gegen ihren Schwager zum Ausbruch. insbesondere dass sie seit 2 Jahren nicht mehr bei (und mit) ihm schläft („wegen Alkohol“.B. Wut empfindet gegen die Männer. Schellenring. das dann ganz allmählich in einen anapästischen Rhythmus einmündet. ___________________________________________________________________________ 7. zugleich empfindet sie Schuldgefühle und macht sich Vorwürfe wegen ihres Wunsches nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung. d.. Plätzchen. Bei Unterstützung mit der Stimme kommt der Kloß heraus./S. betont ihre Schwierigkeiten Konflikte konsequent auszutragen. spürt sie die Verlassenheitsangst und. begleitet den ganzen Prozess und erkennt die Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Es kommt zu einem Dialog zwischen 2 Seiten in ihr: Die eine die sich abgrenzt... kommt sehr bald zum Thema.kalte Wut . Sitzung (21./S. solange zu spielen bis sie den Wunsch spürt. Sitzung (16.12. der sie nun auch ihrer Berechtigung zuspricht. der aber schwarz eingerahmt ist („da bekomme ich immer eins auf den Hut“). dass es ihr zu Hause wesentlich besser gegangen sei. von dem sie sich vernachlässigt fühlt. schwarzen Kloß mit vielen Zacken im Magen. als Ausdruck für die „Sehnsucht nach einem natürlichen Leben“. bisher habe sie diese nur abgewehrt bzw. malt zur Musik von Jade Warrior mit Wachsmalstiften eine Bildergeschichte. dieses Gefühl drückt sie mit Rasseln aus. dass die verhüllte Wut auch die Liebe verhüllt. heraus.“).127): 117 . ___________________________________________________________________________ 8.5. Ein Baum und eine grüne (Hoffnung) und eine dunkle (traurige) Blume. wenn sie sich mit ihren Angehörigen auseinandersetzt. Musikmalen (18. anhaltend klagende Spiel fortsetzt. Wir betrachten die Beziehung Wut . In diesem Zusammenhang berichtet sie über ihre Kindheit und ihren jähzornigen und frommen Vater. als sie die ausagiert (in Form eines tätlichen Angriffs gegen mich). sie spürt Angst („das dicke Ende kommt nach“).“ Die Problematik besteht darin. die Herzschmerzen (ein rotes Herz). dass sie ihren Mann sehr liebt.Hass . dass die ihr immer dazwischen kommen. Über diese Thematik kommt sie an die Wut gegen ihren Ehemann. wobei Frau N. Sitzung 28. in dem sie sich ganz wohl fühlt. die andere. etc. die sich nach diesem Erleben aber auflöst. Wut zu zeigen wo sie entsteht in den einzelnen Situationen (z. ist erleichtert und Gesicht und Schultern entkrampfen sich. andererseits aber ist er eifersüchtig. führt sie aus. die anderen in der Gruppe. vor und zurück. 103): Frau W. 116): Frau N./S./S./S. dreckig. Sie bringt im Gespräch den Kloß mit den permanenten „Sticheleien und Verletzungen durch den Ehemann“ in Beziehung. Wir spielen dann „Streit“. an dessen Ende sich eine Schnalle mit der Aufschrift befand: „Gott mit uns.12. Sitzung (9. sie habe an scheinbar kleinen Dingen (Adventskranz. zunächst äußert sie Wut auf eine Mitpatientin. der rechts unten leicht durchbrochen ist. . ich antworte ebenfalls mit Rasseln. Zum Abschluss spricht sie ihre Angst an.

anschließend fühlt sie sich „um 6 Zentner erleichtert“. im Spiel findet eine Auseinandersetzung statt. zu fragen („vielleicht später. sie müsse die Starke sein. ob sie zu ihr kommen solle. bereits musikalisch beantwortet. sagt sie. Solange Frau N. Nun habe sie hier ihre schwache Seite gezeigt und fühle uns gegenüber Scham. als klar ist . es sei alles in ihr verwirrt (früher hat Frau W. die Beobachtung gemacht habe. die Kränkung zurückzumelden darüber. Es muss etwas neues gefunden werden. wir üben detailliert wahrzunehmen (ist traurig). als tatsächlich der Fall sei. Ich frage. war. in deren Verlauf Frau W. sei der ruhende Pol. ihr Mann habe sie wohl noch nie schwach gesehen. schließlich fasst sie allen Mut zusammen und fragt.Frau N. sie berichtet. _________________________________________________________________________________________ 10. Frau N. Ich rege an. beide Patientinnen wählen Rasseln als „ihr“ Instrument.) ___________________________________________________________________________ 9. dass dies nur so scheine. Im weiteren Verlauf erzähle ich das Märchen von der Frau mit dem schweren Korb. äußert Angst. als ich sie darauf hinweise. spricht von Schuldgefühlen (weil sie Frau N. Sie habe Mühe mit einem schwachen Gegenüber umzugehen. dass sie es darf. sagt. sehe und was sie machen wolle. sie (Frau N. nicht mehr verstehen. sie solle weiter vorangehen und nicht zurück oder seitwärts ausweichen. das sollen. Zusammenfassend gesehen war es ein nachträgliches Erledigen der Weisung vom letzten Mal (wahrzunehmen wie es dem anderen geht und was er wohl auch tatsächlich braucht). Frau N. Ich frage ob sie sie denn verstehen wolle und wie sie das bewerkstelligen wolle. aufgeregt hat und die sie unter keinen Umständen mehr hatte hören wollen („hör auf damit. was sie brauchen. Damit hat Sie Frau N’s Frage. etwas anderes in ihr sehen will. Frau N. sie habe bei Frau N. außerdem eine Schülerin und Frau Dr. dass Frau W. und dann erst auf sie zugehen. kurzzeitig heftig spielt./S. beim abschließenden musikalischen Gespräch spielt Frau W. dass sie stärker und sicherer geworden sei. was sie an Frau W. sie nicht mehr mögen würde. Frau W. sie malt sich alles mögliche aus. Das aber kann sie nicht. zu Hause könne sie sich (insbesondere vor ihrem Mann) nie schwach zeigen. 28. oder ihre Schuldgefühle. dass sie sich ihrer Familie gegenüber schuldig fühle. und Frau W. weil sie nun schon solange weg sei etc. dann will sie sie trösten. sie zuerst anschauen. die sie bei der schwachen Frau N. Es gelingt ihr auch. 133): Frau W. auch nie so schwach gesehen. dass sie wohl auch daran gedacht habe aber nicht wisse. dass sie sich ausgesprochen schwach und elend fühle. meint. sie wegzuerklären. hat sie nicht den Mut. Frau N. wir spielen dieses Märchen mit den Instrumenten. Frau W. der allen Halt gibt. wenn sie schwach sind. sie solle sich entscheiden was sie nun anschauen wolle. „ausdauernd“ (Frau W. so dass Frau W. ist es nun leer.): Holzrassel leise umdrehen. dass sie sie anschaut und sich klarmacht.“ Außerdem.) sei die stärkere. sie komme ihr ganz fremd vor. Blickkontakt zu haben. in Wahrheit sei sie schwach und sehr traurig (weint). die ja (als Co-Therapeutin) neben ihr sitzt (!). was kann ich von dem Wunsch erfüllen?) und Rückmeldung geben und es dann tun. sie in den nächsten Tagen üben: Einander Schwachheit zuzugestehen und sich zu sagen. Dann spürt sie ihre Schuldgefühle und schaut nach innen. verletzt habe) und von Verwirrung und innerer Leere („ich spüre nichts in mir“). 147): Frau N. wiederum hat Frau N. sie selbst habe sich zuerst von Frau N’s Tönen (langsames Drehen der Rassel) bedrängt gefühlt. am dicken Ende müsse sie doch immer wieder alles ausbügeln. gesagt. kann diese Fremdbeobachtung nicht annehmen und teilt mit. dieselbe Musik. als Co-Therapeutin. dass sie sich nicht zu schämen braucht. sagt sie könne nicht „schreien. das Abladen (des schweren Korbes) sei Stück für Stück in der Musiktherapie geschehen. K. dass Frau W. sie benennt ihre Schwierigkeit. sich besser durchsetzen könne etc. beschreibt ein „Feuer“ in sich. was sie sieht. „ob man das hier dürfe.. was ich aber verhindere. Frau W. Sitzung (13.das ist als wenn ständig jemand um mich herumschleicht!“). schließlich „aufgibt“ („hör auf damit . wenn sie wirklich ihr Schwachsein zur Kenntnis nähme. zu fragen.12. wenn ich sie mal zufällig treffe.“ ___________________________________________________________________________ 118 . Nun spüre sie ihre eigene Schwachheit. Frau N. Sie holt sich Feedback von jedem aus der Gruppe. da wo das Bild der starken Frau N./S. sie weint. ist zuversichtlich und teilt mit. dass sie bereits nun schon entlassen werden soll. Sie spricht die Angst aus. (was wünschst du dir von mir?) und zu entscheiden (was will ich. ihrem Mann nicht ihre schwache Seite zumutet. Frau N. wenn sie wütend ist. nur handeln tut sie nicht und die zuständige Ärztin fragen. Frau N. Ich richte die Frage an Frau N. Frau W.) leise. aber dreht das Instrument beständig. wird er auf seine schwache Seite festgelegt. so meine Anweisung. Sie könne Frau N. wo sie sich noch unfähig fühlt. das ist als ob jemand um mich herum schleicht und was von mir will!“. ob sie sie auch als schwaches Gegenüber mögen würde.1. nehmen an der Sitzung teil. Angstgefühle (auf der Brust) spüre. kann dieser nicht auf eigenen Füßen stehen. (sie sagt sie sei sehr müde) die hölzerne (leisen). wenn sie es will. Sie weint. soweit kommt sie. dann fragen. nun kann die Beziehung in der alten Weise nicht mehr fortbestehen. die laute (aus Plastik). Sitzung (6. frage ich ob sie mal Zeit für mich hätte“). Frau W. was sie mit der Angst machen wolle? Sie versucht sie zu verharmlosen.1. sie solle langsam Schritt für Schritt auf sie zugehen. das ihr sagt.

um selbst zu spielen./S. aufgrund technischer Unzulänglichkeiten (?!) sei es ihr nicht gelungen. Musikmalen (15. die Schale steht zwischen ihnen wenn er etwa zu ihr sagt. Kummer (Plastikrassel). ___________________________________________________________________________ 3. bis sie uns wieder herein holt. Verständnis und Geduld von uns bekommen zu haben außerdem: ihre Krankheit.. _________________________________________________ 13. In der jetzigen Therapiephase sei es wichtig. sich damit auseinander zu setzen. _________________________________________________ 11. Traurigkeit (Melodie „Die alte Kapelle“ auf der Mundharmonika.2. Bei der Darstellung des Gefühls Wut sind alle hinterher sehr erheitert. ich frage Frau N. Ich sage. sei das Gefühl bzw. Satz der 6. ___________________________________________________________________________ 12. Sitzung (21. Er hat zwei Wünsche zu seinem Geburtstag: eine Mundharmonika und mit ihr zu schlafen (nach 2 Jahren). wenn sie Angst hat. mit Aggressionen umzugehen. 159): Heute nehmen wir Abschied von Frau W. sie solle sich zusammenreißen etc. Ich empfehle ihnen zum Abschluss. Wir spielen alle Gefühle des Zauberspruchs. aber dazu ihre Bedingungen und Wünsche formulieren solle.. Sitzung (27. Sie sitzen nebeneinander auf der Couch und haben die Mundharmonika zwischen sich liegen.aber (im Bild) die Klangschale ist beiden im Weg. zum Thema Freude. auch die Aggressionen anzunehmen. die entlassen wird. dass er. dann hätte sie aber nicht mit dem Boot bei den Steinen ans Ufer gehen und der Gefahr ausweichen können. spielt danach das Lied „An der Saale hellem Strande“. die er ihr nicht zu geben gelernt habe. 175): Es ist die letzte Musiktherapiesitzung vor der Entlassung aus der Klinik. sie übe das Spiel auf der Mundharmonika. sie sei dazu noch nicht weit genug. was sie mitnimmt und was sie hier lässt.1. sie wünsche sich vielmehr Zärtlichkeit. Vorschlag meinerseits: zu sagen. den Berg und die Felsen zu malen. nachdem sie die Traurigkeit zulassen könne. Das Bild zeigt deutlich Möglichkeiten. Sitzung (20. Was sie mitnimmt. malt (mit Fingerfarben) zum 2. was sie sich von ihm wünsche. keinen Berg (!). Sinfonie von Beethoven einen Wildwasserfluss. 119 . mit dieser Aufgabe lassen wir sie eine Weile allein im Raum und warten. später kommt ihr Mann in der Sitzung dazu und setzt sich ihr gegenüber. Thema Abschiednehmen. das wäre so als wenn sie die Schale allein auf dem Schoß hätte. 168): Frau N./S. obwohl sie einen habe malen wollen. danach holt Frau N. doch ihr Mann nehme sie ihr immer wieder weg. Verzweiflung (Holzrassel). Ich gebe ihr zum Schluss der Sitzung die Mundharmonika mit. diese (als Klangschale symbolisiert) enthält: Angst (Trommel). sondern legt sie neben sich.. die Erfahrung./S. die Schale steht zwischen ihnen. 164): Auf Wunsch der Patientin eine Einzelsitzung./S. Frau N.1. die das verhindert hätten. 154): Frau N. eine Wiese. Musikmalen (22.1. ein Kanu. die Schale beiseite zu schaffen. mit der Therapeutin ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen und eine psychotherapeutische Weiterbehandlung anzustreben. damit sie für sich selbst üben kann. Damit endet die Therapie. Ich lade sie ein.1. es sei ihre gemeinsame Aufgabe. uns wieder in den Raum: Sie hätten den Weg zueinander freigemacht. malt zur Musik von „Rondo Veneziano“ ein „Meer von Traurigkeit“ mit einem einsamen schwarzen Raben und einer kleine roten Sonne (Fingerfarbe)./S. dass sie wohl gerne mit ihm schlafen wolle. sie wünscht sich von ihm. sie würde seine Unsauberkeit (lange Fingernägel und zotige Witze) ekeln. Letztere legt sie nicht in die Klangschale (Klangschale gleich Krankheit).1. nahe bei ihr ist .

kein Berg gemeinsame Sitzung mit dem Ehemann Klanghölzer Schwäche zeigen. aus klagendem Kreislauf wird eine richtige Melodie 7. Boot. 3. Malen froher Kreis von Gefühlen in schwarzem Kasten. Hoffnung. 9. „ich kann nicht wütend sein“. Traurigkeit. Lied mit der Mundharmonika Wut spielen erheitert 11. MusikMalen 12. 3.: 1. Bedürfnisse äußern. mit „Schwänzchen“ 6. Musik. 4. 8. Neue Zugänge zur Emotionalität ermöglichen Veränderungen auf dem Gebiet der Beziehungsgestaltung. wie der therapeutische Prozess zwischen Themen aus dem Bereich der Emotionalität und des Beziehungsgeschehens hin.„Ein Meer von Traurigkeit“ Malen 10. 5. Angst vor Entlassung 2.und herpendelt. Sehnsucht nach Liebe Angst Ereignisse im Bereich der Emotionalität „ich möchte aus mir herauskommen können“ Lebensfreude als Ziel klagendes Mädchen am Abgrund Ereignisse im Bereich der Beziehungen Musikinstrument Mundharmonika Kontakt zum Ehemann: „zurückziehen und einen kleinen Schubs von hinten“ Klanghölzer Ehebeziehung: Alkohol. Erlebnisse mit dem prügelnden Vater Trommel 1. kein Sex. erotische Wünsche (Integration von emotionaler und sozialer Thematik) Alle Instrumente in der Klangschale 120 . Abgrenzung gegen Mitpatientinnen Mut gegenüber der Ärztin Rassel Rassel Mundharmonika Trommel Ekel gegenüber Ehemann. Wildwasserfuß. Wiese.Die nachfolgende Übersicht zeigt. Musik. Sitzung Nr. Unterschiedliche Instrumente dienen hierbei als emotionale Katalysatoren. 2.Herzschmerzen.

„dass eine Depression für sich alleine nicht behandelbar sei. in: Rosemarie Tüpker. Yalom übersetzt den Begriff ‚Depression’ in ihre interpersonalen Elemente: Passivität. Harmoniestreben Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein „Depressive haben gelernt. musiktherapeutische Prozesse und Behandlungsmethoden vorzustellen und an einer konkreten Behandlungssituation beispielhaft zu verdeutlichen und zu erklären. die über einen Zeitraum von 2 Monaten einzel. Verlässlichkeit und Überprüfbarkeit der Patientin gegenüber zu gewährleisten (169) Außerdem würden die Patienten in der Klinik nur allzu oft erfahren. die das Risiko des Scheiterns und der Enttäuschung in sich birgt. insbesondere der freien Improvisation.und Beziehungsschwierigkeiten“ bei depressiven Patienten hält auch Cornelia Tonn (Musiktherapeutische Umschau 2003.„Aufgrund der oft massiven Kontakt. Die musiktherapeutische Behandlung bezieht sich dabei auf eine 62-jährige Patientin. sich abzugrenzen und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen“ (125). in dem sie ihre psychosozialen Prozesse autonom gestalten können.“ In ihrer langjährigen Praxis an der psychosomatischen Klinik in Bad Saulgau hat sie festgestellt. dass sich in den musiktherapeutischen Gruppen mit Frauen „depressionsspezifische Themen“ zeigen die besonders sinnvoll mit musiktherapeutischen Mitteln. Wut auszudrücken. die häufig mit der Unfähigkeit einhergeht. Isolierung. 121 . Er sieht darin „den Vorteil. Hans Hermann Wickel (Hrsg. 120-133) Gruppenmusiktherapie für „in der Regel indiziert“ (122). Abhängigkeit. 2001.): Musik bis ins hohe Alter. „schmerzliche Situationen hilflos zu ertragen und eine aktive Bewältigung ihrer Situation. bearbeitet werden können: - - - - Leistungsorientierung Aggression und Aggressionshemmung Außenorientierung „Die Fähigkeit zu verschmelzender Einfühlung in die tatsächlichen oder vermeintlichen Ansprüche und Gefühle des Anderen. Zum Behandlungsprinzip des Autors gehört. Münster: Lit. Neid und Schuldgefühle Realitätsflucht Rücksichtnahme und unterdrückte Selbstbehauptung Kontaktvermeidung Markus Münsterteicher: Musiktherapie mit einer depressiven Patientin. In Anlehnung an Yalom folgt sie der These. Unterwürfigkeit. 168-176 Es geht dem Autor darum. Überempfindlichkeit gegenüber Trennung und Unfähigkeit. Bedürftigkeit „Hinter dem scheinbaren Altruismus depressiver Patienten stehen unbewusste überhöhte Erwartungen an die Umwelt gegenüber“ (127). „gemeinsam einen Behandlungsauftrag schon im ersten Vorgespräch miteinander zu entwickeln“ .und gruppentherapeutisch behandelt wurde. von vornherein eher zu vermeiden“ (126). Sie war zu dieser Zeit Patientin der gerontopsychiatrischen Abteilung einer psychiatrischen Landesklinik und bereits das dritte Mal wegen einer depressiven Erkrankung in Behandlung (168). Nun sollen sie einen Raum erleben. „dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird“ (170).

bei der Abschiedsimprovisation am Xylophon gleichbleibende Struktur. für die es aber keine physische Erklärung gibt.Musikalisches Verhalten Die erste Improvisation über spielt sie auf dem Xylophon durchgängig denselben Rhythmus: (170) Therapeut spielt dazu auf dem Klavier stützend und „Halt gebend“. die ganze Improvisation über an einer Idee festzuhalten zeigt sie auch in der zweiten Sitzung.. was aber bei der Patientin nicht verfing (171). stattdessen thematisiert sie somatische Beschwerden: Schmerz im linken Arm. . neue musikalische Ideen: z. die sie beim Ausrichten des Geburtstags ihres Ehemannes vollbracht hat (174). als er sie durch größere Melodiebögen und vielseitigere Motive zu musikalischer Weiterentwicklung animieren wollte. der die eigentlichen Probleme „nur sehr oberflächlich berührt“. Kindheitserinnerungen Szenen aus Kindheit und Jugend werden zur Musik assoziiert. „unvollständig verarbeitete Tod der Mutter und häusliche Konflikte“ (174). sie nicht zu übertönen (vgl. indem er „langsam. Variationen und größere Melodiebögen enthält. das Ausblenden von eigenen Erfolgen oder Fortschritten (Leistungen. dass der Therapeut Mühe hatte. entschied sie sich für den Umgang mit ihrem Leiden. 173). ohne dass von Schmerzen im linken Arm die Rede ist.. Sie wählte die Harfe. über Gefühle und inneres Erleben zu sprechen.(176) Emotionen: Über sich selbst sagt sie: „Ich muss immer weinen und weiß nicht warum . Während der weiteren Sitzungen: Das musikalische Prinzip. Der Autor versteht die als „Nebenschauplatz“. wohingegen die Schmerzen im Arm ihr Ausdruck verleihen.B..und Volksliedern. der „ohne sie zu Hause zurecht käme“ (169). und spielte sie so leise. weil man ihre depressive Stimmungslage nicht sieht. „ihre körperlichen Schmerzen nicht zum Handicap werden zu lassen. der zu respektieren ist (172). das Spiel der Patientin kommt ihm wie ein „Festhalten an einer Idee“ vor. akkordisch und ruhig“ das Spiel der Patientin untermalt. fällt ihr schwer. von dem sie sich auch nicht abbringen lässt. Mit der Harfe in der zweiten Improvisation findet sie eine Möglichkeit. Indem sie sich für die Harfe entschied. Harfe mit Schlägeln spielen anderen Instrumente Das starre Motiv wird flexibler ausgeführt. dennoch aber für die Patientin wichtig ist.“ (169). Verändertes Zeiterleben: dass die Musiktherapiesitzung so schnell um sei (174) auch Spaß taucht auf (175) Lebensthemen: Zu Anfang gilt ihre Sorge „fast ausschließlich der Sorge um ihren Ehemann. 122 . Die Abschlussimprovisation findet wieder am Xylophon statt. die aber ihre starre Eingebundenheit zu Gunsten flexibler gehandhabter Rhythmik verändert. es erklingen Melodiefragmente aus Kinder. Beim Spielen waren die Schmerzen nun kein Thema mehr“ (173)..

„Der Zustand von Mäusen.Ein Forscherteam am Centre Hospitalier Université Laval in Quebec hat ein Gen („P2RX7“) identifiziert. „wie etwa Umwelteinflüsse oder die Lebensumstände“ (Bild der Wissenschaft 11 / 2006. Daraus schließen sie. dessen Inaktivität sie für die Auslösung schwerer Depressionen verantwortlich machen. dass Stresshormone die aktivität von P2RX7 reduzieren. wenn man ihnen Substanzen verabreichte. 14). die die Aktivität des Gens erhöhten. Umgekehrt stellten die Wissenschaftler fest. 123 .“ wobei es allerdings „auch auf weitere Faktoren“ ankommt. dass Stress einen Mechanismus auslösen kann. der Depressionen zur Folge hat. verbesserten sich erheblich. die an depressionsähnlichen Symptomen litten.

Aber auch bei der Musikausübung kann es zu suchtähnlichem Verhalten kommen. Einschränkung der Ich-Funktion. Spitzer. sie erlebt dabei den Verlust sozialer Bindungen. indem er den Glückszustand gelungener Symbiose im erneuten Rausch erlebt. erzählt Märchen und Phantasiegeschichten (etwa Haschisch oder LSD). so kann sich der Konsument der Droge überlassen: Ihre Wirkung tritt zuverlässig ein. wenn die Person sich zwanghaft auf die unablässige Einnahme eines Stoffes oder die Wiederholung bestimmter Handlungen (spielen. 1982. bis sein Denken und Handeln schließlich nur noch um die Droge kreist. 1986. wie sich der Säugling einer guten Mutter. 32 ff. Auch die Droge kann die frühe Mutterbeziehung symbolisieren: Sie bietet Trost. Unterdessen verarmt sein Wirklichkeitsbezug immer mehr. 1984. sucht das Verlassenheitstrauma zu überwinden. den eigenen psychischen und physischen Zusammenbruch. wie sie eine gute Mutter bietet. Stoffwechsel. 1994. Bolin. Wie die intrauterine Flüssigkeit oder die zärtlichen Berührungen der Mutterhände umgibt und stimuliert Klang als vibrierende Luft die Haut und dringt wie nahrhafte Muttermilch ins Innere des Menschen. dem sie ihr erhebendes Gefühl verdanken. die Wünsche werden erfüllt. indem man sich in eine musikalische Welt illusionären Verständnisses flüchtet“ (ebd. B. 1985. So könne man sich etwa „über Probleme. Koelsch 2005). Ewers. „die die Voraussetzung zur Suchtentwicklung darstellen. um letztendlich doch wiederum dem Trauma ausgesetzt zu sein und so fort. indem sie am Ende die Rauschwirkung entzieht und den Süchtigen sich selbst überlässt. Panksepp. Heroin) oder sie wiegt in Träumen. da sie eine Art von Gefühlsersatz zu bieten vermag. Haselauer. essen. Bei musikogener Regression fühlt man sich verstanden und aufgehoben vor und jenseits des sprachlichen Begriffs. beraubt“ (1982. 85. was sich in psychophysischer Resonanz bemerkbar macht (vgl. 1984. 1998. Jourdain.) fixiert. Scheytt. das „Absolute“ verwirklicht „ohne Weg dorthin" (Dörner.und postnatale Mutter-Kind-Symbiose re-inszeniert. 86). „Musik ist Mutterersatz“ (Rotter. 231 ff). ohne damit aufhören zu können.und Atemfrequenz. 1975. 25). befreit von Angst (z. dass sich im nichtsprachlichen Melodie-. Die Psychodynamik der Sucht ist zwanghafte Regression mit der Folge der Auflösung der Ich-Funktionen. Auch in anderer Weise ist die Droge „Mutterersatz“: Sie re-inszeniert traumatische Verletzungen. Auch das Musikerleben ist mit Regression verbunden und basiert auf Projektion und Identifikation (Klausmeier. 1981. 1978. So wird kurzzeitig im Rauscherlebnis der existentielle Mangel aufgehoben „die Sehnsucht nach Verschmelzung der Gegensätze und der Gegenüber“ gestillt. sie gibt das Gefühl von Wärme und Geborgenheit (z. arbeiten etc. die Protestierenden fühlten sich „des Wiedererkennungswertes. Verdauung. nämlich: Regression in den primären Zustand. 2002. sondern auch bei Klassikfans: Die Rauschfunktionen von Wagner-Opern werde in den „sich immer wieder erhebenden Entrüstungsstürmen bei zeitgemäßen Neugestaltungen“ deutlich.30).3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen Eine Abhängigkeitserkrankung liegt vor. Neugebauer. unter denen sich „Urvertrauen in diese Welt“ nicht entwickeln konnte (Jores. Kompensation struktu124 . Hormonhaushalt. Liedtke. ohne sich dem entziehen zu können.und Rhythmusereignis der Musik die frühe prä. der Abhängigkeit von Musik nicht nur bei Hörern von populärer Musik. 1983. 2000. Claudia Schumann sieht die Gefahr der Sucht. Müller. 222 ff. sie ermuntert. B. 1998. Willms. 45. Die Krankheitsursache wird in „frühen Störungen der mitmenschlichen Kommunikation“ (Tölle. Muskelpotentiale. Auerbach.7. Verlässlichkeit. Der Abhängige sucht diesen Ort frühen seelischen Geschehens immer wieder auf. verlangt der Regredierende von der Droge wie von der Musik. Status des Immunsystems und anderes verändern sich (vgl. 1994. 219ff. 247). Pulsschlag. Blutdruck. die Sehnsucht gestillt. 1985. spornt an und bestätigt (Kokain und Ecstasy). 25). 162) gesehen. 32). & Bernatzki. die das Zusammenleben mit anderen Menschen bringt. galvanischer Hautwiderstand. 1994. Musik erfüllt die Kriterien. Klang. hinwegtäuschen. Die Wirksamkeit der Musiktherapie bei Suchtkranken resultiert aus der Tatsache. Alkohol).

sie ermöglicht Regression im „Sinne vorübergehender Rekreation“. um dann auf Grundlage eines Behandlungsvertrages. die zunehmend in der Arbeit mit Suchtkranken angewandt werden. durch Musik unterstützte Meditation lasse sich „verhältnismäßig rasch ein Ausgleich für den Verzicht auf die Räusche schaffen“ (1981. 246). 1978.“ Durch die „Arbeit mit Träumen und anderen. Aus dieser wesensmäßigen Spezifik des Musikerlebens wurden musiktherapeutische Vorgehensweisen abgeleitet. Adressaten dieses Behandlungsangebotes können auch Angehörige von Suchtkranken sein. a. die sonst mit Hilfe der Droge umgangen wurden.169 und 179) und Hartgenbusch (1993). den Gefühls. Willms. zu lernen. mit denen er sich gestärkt und motiviert der ihn umgebenden Wirklichkeit zuwendet (vgl. 1985. „Gute Prognosen“ sprechen Schmidtbauer/vom Scheidt „Konsumenten von Cannabis und anderen auch stärkeren Halluzinogenen (LSD. 149).401). später auch elektronische Musik oder Aufnahmen mit Naturgeräuschen eingespielt.T. Das zunächst lockere Spiel lasse bei immer mehr Leuten den Wunsch entstehen. wie z. Edda Klessmann schlägt als Therapiemöglichkeit bei jüngeren Drogenabhängigen in Erziehungs. Ideen oder Visionen erhält. Angst und Wut. Hamel 1976. Die dabei erlebten Gefühle von Schmerz.und Triebbereich direkt ansprechenden Methoden“.und Meditationsübungen werden leise Zen-Meditationsmusik. Zur Anwendung kommen psychoanalytische Therapie. Der entscheidende Unterschied liegt in dem ihr innewohnenden Appell an die Ich-Funktionen. Peter Michael Hamel berichtet von Gruppen des Würzburger Klarinettisten und Psychotherapeuten Ernst Flackus. Musiktherapie wird in diesem Kontext relativ selten praktiziert. Dabei werde Musikmachen als Möglichkeit entdeckt.reller Mängel durch narzisstische Ersatzbefriedigung“ (Frohne. „den Kick“ zu 125 . um mit anderen Rockmusik zu machen.und Gruppenarbeit. 1975. Während Entspannungs. obwohl die in der Literatur berichteten Praxisbeispiele positive Wirkungen aufzeigen. Dabei wird gezielt die regressionsfördernde Qualität des Musikerlebens eingesetzt. Meskalin)“ bei ambulanter Therapie zu. 75 ff). Neben solchen rezeptiven Arbeitsweisen finden wir Hinweise auf aktive Musiktherapie bei Marx (1985. durch die der Patient in Kontakt zu frühen Traumata kommt. Musiktherapie in der ambulanten Suchtkrankenberatung und –behandlung Ambulante Behandlung Suchtkranker setzt nach einer intensiven Beratungsarbeit ein (Motivationsphase). während welcher der Klient Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnimmt. (vgl. 539). psychedelischer Musikbegleitung vor. In Anlehnung an Kayser wird ein „Akkordbad“ empfohlen. deren unterschwellige Wirkung den Vorgang der Entspannung und Versenkung verstärken sollen. Dennoch ist sie in ihrer psychotropen Wirksamkeit der Droge nicht vergleichbar. sondern ebenfalls auf frühen Trennungserfahrungen: Geräuschangst gegenüber der akustischen Umgebung (vgl. in denen „Tiefenentspannung durch Musikhören" praktiziert wird. 26) wehrt der Säugling in seinem Schreien ab und verändert damit die ihn umgebende und beunruhigende Umwelt. „wenn die Persönlichkeit noch nicht zu sehr verändert ist.und Beratungsstellen katathymes Bilderleben mit z. die i. Auch das Musikerleben reinszeniert frühe Traumata. 1986. Haselauer. können jetzt in gemeinsamer Improvisation und verbaler Reflexion erlebt. suchtmittelfrei zu leben. bei der der Mensch neue Kräfte sammelt. stationär erfolgt.B. 89). sie öffnet nicht nur den Weg in die Regression. Verhaltenstherapie und systemische Therapie (Fuchtmann 1994. bearbeitet und integriert werden. 197 ff. wie die Droge. dessen regelmäßiger Genuss tief angelegte libidonöse Mangelerfahrungen auszugleichen vermöge (vgl. Es besteht aus Einzel. Akustische Erfahrung basiert nämlich nicht nur auf frühen Verschmelzungszuständen mit der Mutter. sondern auch den in die Progression. ein Instrument zu erlernen. Smeijsters 1994. sich zur Entgiftung entschließt. gestaltet. 29. jedoch in anderer Art als die Droge.

auch Barthel & Fierlings 1985. Die regredierende Person wird von der Gruppe musikalisch begleitet. 21 ff). sich mit der eigenen Sozialisation auseinander zu setzen und das Alltagsleben bedürfnisgerecht zu gestalten. wird mit 50% angegeben (Merkt 1986.oder Einzelsetting als integrierter Bestandteil der Gesprächstherapie. Bei vielen sei diese Erfahrung „so sensationell. Neben solchen sozialpädagogisch orientierten Ansätzen. Der Ausstieg aus der Sucht bei einem Familienmitglied hat eine Umstrukturierung des gesamten Familiensystems zur Konsequenz. wobei die Aufmerksamkeit aller Beteiligten in der Balance zwischen „der Einzelperson mit ihren Gedanken. Harald Butzko folgt in seiner Behandlung dem Prinzip der freien Gruppenimprovisation als eines regulationsfreien Erfahrungsraumes. entsprechende Fallbeispiele bei Kapteina & Hörtreiter 1993. ihren Gruppenprozessen“. Dentler 1993. Häufig wird aktiver Musikpraxis suchtpräventive Bedeutung zugesprochen. vgl. geregelt kriegen" (161). 2006a und b. wächst bei dieser Arbeit nachweislich (Butzko 1979. bei denen die Betroffenen quasi „einen gesunden Ersatz für die Drogen" und zugleich ein „Lernfeld für das Leben ohne Drogen“ (Butzko 1979. gestalttherapeutisch inspirierte Therapie mit Suchtkranken bei Fritz Hegi (1986. dem Ich. der „Gruppe mit ihren speziellen Gruppenstrukturen. 4) und die Bereitschaft. Sie verbinden bei ihrer Arbeitsweise Improvisation mit Gruppenkompositionen (Haardt & Klemm 1982. dem Wir. 85. Kapteina & Hörtreiter dokumentieren in ihrem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ langjährige musiktherapeutische Erfahrungen in einer Suchtkranken Beratungs. die von ambulanten Hilfsangeboten naturgemäß besser begleitet werden kann als von stationären. nach dem Prinzip der Themenzentrierten Interaktion (Cohn 1975). Musiktherapie geschieht je nach Therapieverlauf im Gruppen. den die Gruppenmitglieder aufgrund ihrer gemeinsamen psychosozialen Erfahrungen in einer Weise eingrenzen. wird zunächst musikalisch und als symbolhaftes Handeln für Änderungen im Alltag gelernt. um eigene. Gefühlen. und auch wieder aus dem erreichten Ausnahmezustand herausgeführt (vgl. Die Musiktherapie ist eingebunden in den Gesamtplan der Beratungsstelle. akzeptable Lösungen in konfliktbesetzten Sozialbeziehungen zu finden. die durch sie aktualisierten Konflikte und Lebensprozesse beinhaltet. 148) kennen lernen. dass sie ihre Drogenproblematik u.finden ohne Droge. das hier die Musik bzw. Bedürfnissen und Schwierigkeiten“.und Behandlungsstelle. Dabei werden durch Schreien Gefühle aktiviert und frühe traumatische Lebenssituationen aktualisiert. gestalttherapeutischen Übungen und primär.) oder Isabelle Frohne & Maria-Magdalena Maack (1976).U. fördere „Beständigkeit und Initiative" und trage zur Entwicklung sozialer Kompetenz bei (Fey 1993. Durch gemeinsames Musizieren können die Kinder neue soziale Erfahrungen machen.bzw. die den Suchtkranken brauchen. stehen tiefenpsychologisch orientierte Arbeiten. mit Instrumenten oder der Stimme. 126 . Kapteina und Kröger (2004) beschreiben eine musiktherapeutische Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien. ästhetisches und konsumtives Verhalten kann sich neu organisieren (1985. 159 f). insbesondere beim Malen nach Musik können sie belastende Erfahrungen in ihren Bilddarstellungen verarbeiten. die Abstand von der Drogenszene nehmen und den Entschluss fassen. Der Anteil derer. die ihnen sinnvoll erscheint: Das Vermögen. Die Arbeit wendet sich gleichermaßen an Suchtkranke wie an deren Angehörige und Familien. dabei gelten die Partnerinnen von Suchtkranken als gleichermaßen schwer belastete Personen. eine stationäre Entwöhnungsbehandlung aufzunehmen. emotionaltherapeutisch orientierten Prozessen nach Cassriel (1975). Hartgenbusch 1993. 29). 2001. Auch Haardt und Klemm (1982) arbeiten in ihrer ambulanten Therapie mit Suchtkranken auf der Grundlage musikalischer Improvisation. sowie dem Thema. 139f und 141 t) Bei diesem Konzept werden die Möglichkeiten des Musikmalens besonders genutzt. meist depressive Persönlichkeitsanteile abzuwehren. poststationäre sowie präventive Behandlungsphasen umfasst.158. 132f. RockmusikPraxis wirke auf gefährdete Jugendliche „stabilisierend und befriedigend".

ob in der Justiz-Vollzugsanstalt. dass die Lehrenden eine Unterrichtsatmosphäre schaffen. ästhetische und emotionale Bedürfnisse autonom zu befriedigen. Die vier „psychischen Eigenschaften“. aber auch von Schädigungen und frühem Verschleiß stellen zu können“. Fähigkeit zur sozialen Kommunikation. 1987. Man solle sich der Erfahrung des Klanggeschehens überlassen. Als Zielbestimmung dieser„musikalischen Elementarerziehung" wird die „stabile und ‚reiche’ Persönlichkeit angegeben. Seidel (1976). Geplantes pädagogisches Vorgehen lässt den Prozess von Vornherein scheitern (2001. sich ihr uneingeschränkt zuwenden. Lutz (1987) schlägt eine „Kleine Schule des Genießens“ für das Musikhören vor. 49). ob mit jugendlichen Aussiedlern. Der Süchtige kann nicht genießen. hebt hervor. den Jugendlichen den Zugang zu Instrumenten und Probenraum zu ermöglichen und sie zu beraten. Schwabe (1992). entfalten offensichtlich die Perspektive. Anregungen und Materialien für solch ganzheitlichen Musikunterricht sind bei Auerbach (1971). ebenfalls Pütz 1987. suchtmittelfrei oder zumindest von Suchtmitteln unabhängig zu leben. 29. als nur der Musik zuzuhören und zu genießen und dabei das internalisierte Verbot des genussvollen Müßiggangs bewusst für sich aufheben. Man solle sich „Zeit schaffen und Zeit lassen“ zum Hören. Genuss zu lernen ist folglich auch Gegenstand der Suchtprävention. 1972). beim Kapitel Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen) Musiktherapie in der Stationären Behandlung von Suchtkranken 127 . ohne auf den allgemeinen Musikgeschmack zu achten. nicht „nebenbei" hören. wenn sie auf ihn zukommen. bei der alle Beteiligten von Musik als einem Ereignis sprechen.1983). 2006 a und b). Pleiner & Müller 1997. Dentler.und Tanztherapie. Als Alternative zum Konsum gilt neben der Eigenaktivität die aktive Aneignung genießenden Hörens. sind „Fähigkeit zum differenzierten Wahrnehmen. Tischler (1990) und anderen zu finden. Auch der Musikunterricht in der Schule kann sich die „Erweiterung und Vertiefung des Erlebens und Wahrnehmens“ sowie „der ästhetischen Genussfähigkeit“ zum Ziel setzen.Arnold beschreibt eine ambulante Musik. 1973. Von 1983 bis 1989 führte Christoph Schwabe an der Hochschule für Musik „Karl Maria von Weber“ in Dresden ein Forschungsprojekt durch. dass die Rolle des Pädagogen und Therapeuten darin bestehen. Des weiteren solle man sich bewusst Ruhephasen im Alltag schaffen für diesen Musikgenuss und unter der Masse der Genussmöglichkeiten einiges wenige aussuchen. Wahl 1987. außerschulischen Lernsituationen entwickelt wurde. einmal nichts weiter zu tun. sich die Erlaubnis geben. dass im Unterricht Musik praktiziert wird. in der Lebensfreude. Fähigkeit zum differenzierten Umgang mit Emotionalität und Fähigkeit zur spontanen und ausdauernden Handlungsfähigkeit“ (Schwabe & Rudloff 1997. dass es lohnend erscheint. 32. Holthaus (1993). Peter. 1989). für sich selbst herausfinden. welche Musik einem gut tut. 21. Meyer-Denkmann (1970. bei dem eine übergreifende musikpädagogische Konzeption für alle denkbaren schulischen. In diesem Zusammenhang kann auch das Entspannungstraining nach Christoph Schwabe Anwendung finden (1987). bei der rezeptive Verfahren mit Bewegungsimprovisationen verbunden werden (2003). ohne auf die Konsumartikel der Musikindustrie angewiesen zu sein.Merkt 1984. (Literatur: Mthp. Küntzel-Hansen (1993). die erfahrene Wertschätzung und Anerkennung in der Gruppe und von Seiten des Publikums und die Genugtuung darüber. ob in Kinderheimen oder Jugendhäusern: Das kathartische Ausagieren intensiver aggressiver und lebensbejahender Gefühle in Lautstärke und Rhythmus. Friedemann (1971. 1982. Genuss und Ekstase ohne Drogen möglich sind (Kapteina 1994). die über den musikpädagogischen Prozess gefördert werden sollen. sich Anforderungen und Belastungen ohne Gefahr von Behinderungen. Rieger 1992.27). die in der Lage ist. das sie persönlich angeht. Suchtprävention bedeutet hierbei. Anselm Ernst fordert. in der sich die Person als Ganzes erlebt (vgl. der mit delinquenten und gewaltbereiten Jugendlichen gearbeitet hat.

Hinsichtlich der therapeutischen Ausrichtung stehen bis etwa Mitte der 1980er Jahre eher freizeit. wodurch Rückfallängste und -phantasien ausgelöst werden können. sieht Munderloh durch seine therapeutischen Erfahrungen nicht bestätigt. vgl. Ärger. Blueskadenzen und Rockriffs ermöglichen schon bei relativ geringem Instrumentalkönnen Erfolge im Zusammenspiel.a. auch Lecourt 1979. 91). durch Rockmusik-Praxis werde die Rückfallgefahr erhöht. zumal bestimmte Musikarten mit Orten und Situationen assoziiert werden können. Förderung der Fähigkeit zur Teilnahme an einem echten Leistungswettbewerb. Die Anwendung rezeptiver Musiktherapie-Verfahren ist umstritten. desto eher beginnen.und kulturpädagogische Zielstellungen im Vordergrund. Rollenspiel und Musiktheater. 58. Aufbau mitmenschlicher Kontakte. 1976. Roth. zu sehr kurzen Therapieaufenthalten. 1981. ein Instrument zu spielen und sich musikalisch auszudrücken aufgegriffen. Damit werde der Wunsch vieler Jugendlicher. Stattdessen werden die Patienten zur aktiven Teilnahme an der Musikkultur und zu eigenem musikalischen Ausdruck ermutigt. Vielmehr würden die Jugendlichen. Anregung zur Mit. In den psychiatrischen Klinken kommt es in Abeilungen für stationäre Entgiftung i. dass in 41% der stationären Einrichtungen Musiktherapie vertreten ist (Mehlmann 2000). der als Gegenentwurf zur Praxis des Drogenkonsums zu sehen“ sei. Rothenbacher & Truöl. Auch in anderen Kliniken darf Musik nur im Aufenthaltsraum gehört werden.“ Große Lautstärke und Rhythmus erzeugen eine Art „High-Zustand. wie etwa „Erziehung zur Selbstdisziplin. Längere musiktherapeutische Behandlungen in psychiatrischen Kliniken sind möglich. Ein Konzept für den Einsatz von musikalischen Erfahrungsmöglichkeiten. Das Handlungsrepertoire besteht aus „Musik hören. die bis dahin oft mühsam mit den Rauschmitteln unterdrückt oder reguliert wurden. langfristige Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln (vgl.“ Das aktive Musikzieren biete besondere Möglichkeiten. Die Skepsis. so dass „Gefühle wie Wut.Eine nicht repräsentative Untersuchung aus dem Jahre 2000 bei 25 Fachkliniken und Suchtabteilungen in Landeskliniken ergab. Schulz. 1981.und Auffassungsvermögens. je länger sie aktiv musizieren. 101). Bei diesem aktiven Musizieren sei die emotionale Beteiligung sehr groß. wenn Doppeldiagnosen vorliegen. so dass psychotherapeutisch ausgerichtete Maßnahmen selten angezeigt sind. Musikmalen. 1977. Hinführung zu kultureller Tätigkeit. gemeinsamem Singen und Musizieren. die unmittelbar mit der Suchterfahrung zusammenhängen. 255 ff) beschrieben. 1971. auch Formann-Radl & Kryspin-Exner. wobei die Mitarbeiter zuweilen auch die Musikauswahl vornehmen (vgl. 88 f). Statt dessen kommen Musikzeiten für die gesamte Station und Hörübungen. 154f). Aggression oder Trauer" aufbrechen. Vermittlung von Gemeinschaftserlebnissen. 1982. 101. Verbesserung des Konzentrations. die das Angebot der Qualifizierten Entgiftung hilfreich begleiten. Mobilisierung des Pflicht. 141 f. Der unkontrollierte individuelle Konsum von Musik über private Abspielgeräte wird untersagt. wobei die Musikerfahrung „Ersatzbefriedigung gegenüber der Droge" vermitteln solle (92. Singen und Tanzen in therapeutischen Gruppen zur Anwendung. wird bei Kapteina (2004. Improvisation. Dann werden Abhängigkeitsstörungen im Zusammenhang mit anderen Diagnosen. Wolfgang Munderloh berichtet über die Wirksamkeit von Rockmusik-Praxis in der Therapie mit Drogenabhängigen. auch Breitenfeld. Es orientiert sich an der bewussten Einbindung musikalischer Erfahrungen in das therapeutische Milieu der Suchtstation mit dem Ziel ästhetischen Genuss anstelle von süchtigem Konsum zu stellen. kann sich doch im Hörerlebnis süchtiges Konsumverhalten wiederholen. Steigerung der Lern. Deshalb muss die 128 .und Merkfähigkeit.und Verantwortungsbewusstseins. wie z. „Spannungen zu entladen und den Stimmungen Ausdruck zu verleihen.B.und Selbstgestaltung sowie Förderung der Wissensbildung“ bei Formann-Radl & Kryspin-Exner (1976. 5). Bullinger & Will. bei Doris Sondermann beschrieben (2003. wie Depression oder Angst mitbehandelt.“ Es soll das Gemeinschaftserlebnis fördern und zum Gespräch über persönliche Probleme anregen (v. 201 ff). 1993. Erweiterung des Interessenhorizontes.

wie etwa beim Musikmalen (vgl. Bei Klaus Finkel wird die Verbindung von Musikimprovisation und Psychodrama dargestellt (1979. a. die sie situationsgemäß themenorientiert. In der Musiktherapie stehen die Entwicklung von Phantasie und Aktivität. Kontaktspielen. auf Nachspielen z. Pausen. 1991) verknüpft sie mit musikalischem und szenischem Rollenspiel. die Bullinger & Will dokumentieren noch eher als freizeitpädagogische Animation akzentuiert ist . 1986. Durch diese vielfältigen Handlungsanreize sollen die Risikobereitschaft gefördert .und Affektabfuhr ohne Suchtmittel erlebt" werden (252). 193). Volkstänzen und Improvisation in Verbindung mit bekannten Instrumentalstücken oder über Dreiklängen (vgl. tritt mit stärkerer psychotherapeutischer Betonung bei den neueren Therapiekonzepten die freie Improvisation in den Vordergrund. Malaktionen. Bilderleben. Bewegungsimprovisationen u. Struktur und Dynamik.m. die das suchtspezifische Verhalten bestätigt und den Musiktherapeuten zum „Dealer“ macht (vgl. die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten und -bedürfnisse der Patienten berücksichtigt werden und das Prinzip der Improvisation als auf andere Erlebnisbereiche übertragbar und schließlich als Lebensprinzip erfahren werden. B. Arnold 2003). Masken. sich ohne Drogen auf Gefühle und Beziehungen einlassen zu müssen. 1983) oder mit tänzerischer Improvisation (Arnold 2003). Bei Schwabe wird zusätzlich zur instrumentalen Improvisation in der Gruppe jeweils einmal pro Woche Bewegungsimprovisation nach „klassischer" Musik als musiktherapeutische Intensivtherapie sowie einmal pro Woche Gruppensingtherapie als Training geselligen Miteinanders ohne Droge empfohlen (vgl. Ursula Jetter (1986. 1983. 1993. die vom Therapeuten vorgegeben werden. Intensität. 211 ff. mit dynamischen Elementen.sie basiert auf gemeinsamem Gesang. Während die Musiktherapie. Annette Golomski (2007) beschreibt eine Musiktherapie auf der Akutstation für Suchtpatienten an einem Psychiatrischen Krankenhaus. Die improvisierte Musik als Drogensubstitut ermögliche einerseits als Verhaltensspiegel neue Orientierung. Kapteina & Hörtreiter. Purdon & Hutschenreuter. nach Spielregeln. Zentrale Behandlungsmethode ist die Improvisation nach Spielregeln. die musikalischen Beziehung der PatientInnen untereinander sowie auffallende Mi129 . Holger Ehrhardt beschreibt die Musiktherapie innerhalb eines Modellversuches an der Abteilung für Abhängigkeitskranke der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin. Schuld. 237f. oder bei der Kombination mit instrumentaler (vgl.und Entspannungsübungen mit Musik. 228 f. an Gegensatzpaaren orientiert.. 194 und 199). wie etwa bei Purdon & Hutschenreuter (1983). Kapteina & Hörtreiter 1993. Lautstärke. Prozessuale Diagnostik und Evaluation geschieht über differenzierte Dokumentation „der musikalischen Parameter Tempi. von kleinen Beat-Stücken. emotionale Erlebnisse.Hörerfahrung in ein psychotherapeutisches Setting integriert sein. 1981). etc sowie Instrumentenwahl und die Gestaltung von Anfang und Ende der Improvisation.). das sich ausschließlich auf nonverbale Methoden stützt: Autogenes Training. das die Patienten zu aktiver Hörhaltung führt. Konzentrations. Fritz Hegi hebt für seine Musiktherapie in einer Drogenklinik hervor. Pfeiffer. bei dem Puppen-. Timmermann u.werden. 1986.und Schattenspiel hinzutreten. a. Außerdem soll „durch musikalische Betätigung aus dem Stegreif Spannungs. Stimmungen und Atmosphären. nach vorgegebenen Klangbildern oder Gefühlszuständen oder auch frei gestaltet und im therapeutischen Gruppengespräch reflektiert. Ihre Hauptmethode ist die musikalische Improvisation. Elemente des Psychodramas und verschiedene kunsttherapeutische Verfahren (1985.und Minderwertigkeitsgefühle sowie Zukunftsprojektionen und Verhaltensmodelle im Vordergrund. 247). Beziehungsstörungen. das neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und sozialem Kontext enthält (vgl. anderseits könne sie aber auch zur „Ersatzdroge“ werden. 53 ff u. Sie ist eingebunden in ein psychotherapeutisches Konzept. 175 f). dass die Patienten in die angstbesetzte Situation geführt werden.

und auf der „Ebene der Beziehungsgestaltung“. Malen mit Musik. Timmermann. wenn sie insbesondere nicht akzeptierte Gefühle zulassen können. Zeitschrift für Musik-. wenn die Patienten flexible.und Kommunikationsregeln“. dass Musiktherapie auch bei diesem Klientel die Möglichkeit bietet. Intervalle 4. Langenberg. Gedanken. Erinnerungen. Tanz. 356 und 2005. instrumentale und vokale Improvisation. dass bei auf Instrumenten gemeinsam improvisierter Musik „durch die symbolische Gestaltung musikalischen Materials und musikalisch-improvisatorisches Probehandeln“ „pathologische Affektivität und Beziehungsgestaltung sowohl vermittelt zugänglich als auch vermittelt wandelbar“ werden. L. das aus einem Patienten-Fragebogen und einem Beurteilungsbogen besteht (2000.“ die von einer Studentengruppe zusammengetragen werden (121).und Kunsttherapie. Entspannungsübungen und Instrumentenbau“ angewandt (14). in sicherem Rahmen „neue Erfahrungen auf sich wirken zu lassen und daran wachsen zu können“ (23). die während der Reflexion aufkommen (9). 1983. Die Untersuchung einzelner Therapieausschnitte erfolgt „im Stile morphologischer Beschreibungen“ nach dem Anhören von Tonaufzeichnungen anhand von Assoziationen. Veränderungen während der stationären Therapie in der Klinik für Suchtkranke wie in der forensischen Therapie Abhängigkeitskranker konstatiert er auf der „Symbolebene“. indem der gesprächstherapeutische Prozess durch musikalische Spiele oder thematisch orientierte Improvisationen zu gerade aktuellen Themen wie z. 19-31 und 100-117 Auerbach. O. 41-48 130 . (1982): Musik als Massendroge unserer Zeit. „Bildern.“ Außerdem werden die Themen erfasst. wie Musiktherapie in die psychotherapeutische Gesprächsgruppe integriert werden kann. auf der „Ebene der Emotionen“. Erstellung und Umsetzung eines wissenschaftlichen Konzepts am Beispiel einer ambulanten Suchtberatungsstelle in Baden Württemberg.und Tanztherapie in der ambulanten Rehabilitation Drogenabhängiger. Einzeltherapien werden selten beschrieben (vgl. B. Zum Nachweis solcher Therapieerfolge hat er ein verlaufsdiagnostisches Messinstrument entwickelt. dass der Suchtkranke pathologische Objektbeziehungen zugunsten größerer Autonomie korrigieren kann und die Fähigkeit zur Sublimation“ erwirbt (2000. Wegen ihrer hohen Effizienz und Wirkungsdynamik sollte sie nicht als Begleittherapie durchgeführt werden. autonome und sichere Beziehungen aufnehmen und gestalten können (2000. 357 f. 232ff). Wolfenbüttel: Möseler Auerbach. Mund hebt hervor. Nach langer Behandlungszeit wird erkennbar. eindeutige. vertieft und intensiviert werden kann (1993. Musiktherapie in einem „Wohnheim für chronisch mehrfachbelastete alkoholabhängige Menschen“ beschreibt Anna Maria Unz (2007). L.und Einzeltherapie auf Grundlage der morphologischen Psychologie bei chronisch alkoholkranken Männern mit Korsakow Syndrom. Kapteina & Hörtreiter beschreiben. 343). Tanz. (1971): Hören lernen .Musik erleben.mik und Körperhaltungen. Begründung. „brüchiger Bindung an Spiel. Leideckers Studie „Klänge der Betäubung“ (2002) dokumentiert musiktherapeutische Gruppen. Überhaupt wäre die Ansiedlung der Musiktherapie im stationären Setting zu problematisieren. 360 f und Flögel 2005. Rückfall. Bewegung. Musikspiele. Literatur Arnold. Trotz massiver Gedächtnisstörungen. 1983) und scheinen in der stationären Suchttherapie entsprechend wenig durchgeführt zu werden. 347 f). In dieser soziotherapeutisch ausgerichteten Gruppenarbeit werden die Methoden „Lieder singen. wenn Patienten ihr musikalisches Handlungsspektrum erweitern und differenzieren. rascher Ermüdbarkeit oder „’tröpfelnder’ Motivation“ können eigene Töne der Patienten „als ihr ureigenes“ und „unverwechselbar erlebbare Klangaussage“ erfahren werden und als „Ausgangspunkt für neue seelische Beweglichkeit“ gelten (147). 353). Abschied oder körperlichen Empfindungen etc. Deshalb trage „Instrumentalimprovisation mit dazu bei. (2003): Musik.

de Dörner. Laux u.uni-siegen.musiktherapie. E. E.). Stuttgart: Fischer Fey.eine Droge!? Musik und Unterricht 24. E.uni-siegen.ein alternativer Weg in der Drogenarbeit. 9-35 Breitenfeld. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie. München: Goldmann Cohn.a. I. F. S. Jena: Fischer. Wien: Universal Edition Friedemann. Schreitherapie und Gruppendynamik. In Kohler. R. (1985): Musiktherapie innerhalb eines Modellversuchs zur Therapie Abhängigkeitskranker. wir alle spielen. I. Krauß W & Stefan (Hrsg): „. Regensburg: Bosse. Tönen.Weinheim: päd. (1976) Musiktherapie in der Drogenberatung. Klinische Psychiatrie.(1985): Laß 1000 Steine rollen. (1986): Improvisation und Musiktherapie. 269-283. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. In Forum Drogen und Sucht NW 1. K. Br. K. Wien: Universal Edition Frohne. (1979): Therapeutische Ansätze mit Musik. {1983): Trommeln. (1994): Ambulante Suchttherapie. I. Bonn: Psychiatrie-Verlag Ehrhardt. U.a. Musikmachen und Lebensbewältigung. Finkel. A. (1986): Musiktherapie in einem psychiatrischen Landeskrankenhaus. Hilfe für alkoholgefährdete Kinder und Jugendliche. (1979): Freie Gruppenimprovisation mit Drogenabhängigen. (Hrsg. In G. (1971): Kinder spielen mit Tönen und Klängen. S. 157 f. a. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. Stuttgart: Klett-Cotta Dentler. 4 Casriel.de Hartgenbusch.: Lambertus Golomski. (1993): Erfahrungen mit Rockmusik in der Drogenarbeit. Musikalische und soziale Vorgänge spielend erleben. N. a. Wien: Böhlau Hegi.): Musiktherapie. (Hrsg. (1973): Einstiege in neue Klangbereiche durch Gruppenimprovisation. www. H. Zeitschrift für Musikpädagogik 18. (1982): Musik und Sozialpädagogik. u.a. nichts mehr reindrücken". In Faust. Boppard: Fidula Jetter. R." Musikalisch erweitertes Psychodrama mit Suchtkranken. (Hrsg. BSMT (Hrsg. Sprache und Szene in der Drogenberatung.). D. Tanzen. Regensburg: Bosse Butzko. In Spintge & Droh (Hrsg. Paderborn: Jungfermann Hering. 159-161 Haselauer. (1980): „Einer spielt. K. www. 44-49 Evers. (2006 b): Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit. (1971): Erfahrungen mit Musiktherapie bei hospitalisierten Alkoholikern. In: Haase. I. In Hering a. H. Siegen: Universität Dentler. (Hrsg. Band II. Basel: Springer. 306-323. Lilienthal: Eres Frohne. M. 40-42 Feuerlein. 85-95 Friedemann.Leben.). (1984): Wirkungen von Musiktherapie im Rahmen der Behandlung Alkoholkranker. 147-160. U. die nicht bevormundet. (1975): Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. In W. Plog. H. H. Wolfenbüttel: Möseler Friedemann. Berlin: Express Edition Ernst. (1995): Alkoholkrankheit.. M.): Handbuch Musik und Sozialpädagogik. In Finkel. H. (1985): Kreativ-therapeutische Gruppen . W. & Will. M. Zur Neuorientierung der Schulmusik. (Hrsg. In Finkel. Stuttgart: Hippokrates 131 . L. & Stolz. & Maak.a. Leske+Budrich.Barthel. Freiburg i... (1993): Klangdörfer.und drogenabhängigen Erwachsenen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Musik und Medizin 1. & Fierlings. 246-268. www. Bewegung. (Hrsg. 24. (1993): „Lasting Value"-Blues in der therapeutischen Nachsorgewohngemeinschaft Eschenbachhaus. 33-45 Flögel. E.) Musik in der Medizin. U. Hering u. Heidelberg: Dissertation Butzko. (1976): Möglichkeiten der Musiktherapie bei Drogenabhängigen. W. (2005): Veränderungen durch Improvisation – Beobachtungen von musikalischen Abläufen und Interaktionen in der Gruppentherapie von Suchtpatienten.musiktherapie.O. In Berliner Studiengruppe für Musiktherapie. A. Handbuch Musik und Sozialpädagogik. V. 161-168 Frohne. A. 141 f.M. In G. L. (2001): „Partytime. K. D. 8594. Opladen Dentler. H.(1994): Musik als biologische Droge? Musik und Unterricht. K. (1975): Die Wiederentdeckung des Gefühls. H. (2007): Musiktherapie mit alkohol. 346-349 Formann-Radl. (1994): Musik . 243-256 Fuchtmann. (1986): Irren ist menschlich. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. W. Reinbek: Rowohlt Bolin. K.) (1993): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit.): Musiktherapeutische Ausbildung und Praxis. K. Bullinger. (1993): Rockmusik-Machen als Medium sozialpädagogischen Handelns.O. K. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. (Hrsg): Psychiatrie. Psychotherapie medizinische Psychologie 26..de Dentler. K. K. Kryspin-Exner.. Opladen: Leske & Budrich Holthaus. D. U.uni-siegen. C.): Improvisation – Therapie . L. (1987): Musik in der Therapie Drogenabhängiger. H. (1986): Berieselungsmusik Droge und Terror. (Hrsg. (2006 a): Rockmusik-Machen als sozialpädagogisches Handeln mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen.musiktherapie. Drogenarbeit. (1985): Das dritte Ohr. S.extra Buchverlag Berendt.

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offene Therapiegruppe. was nicht?) Bewußt Ruhephasen für den Genuß von Musik im Alltag schaffen Einiges Wenige aus dem Angebot musikalischer Genussmöglichkeiten auswählen 134 . die bei einer Verweildauer von maximal 18 Tagen die Entgiftung in einer Suchtstation mit dem Einstieg in eine psychotherapeutische EntwöhnungsBehandlung verbinden wollen. verordnet. Die Erste Stufe gilt für alle Patienten der Entgiftungsstation und bestimmt das therapeutische Klima der Einrichtung. offene Hörstunden. Zeit Schaffen und Zeit Lassen Nichts anderes tun.und Cotherapeut) DRITTE STUFE: MUSIKTHERAPIE (Sensibilisierung für Klang und Körpererfahrung. Lutz 1987.Genießen Lernen . musikalische Kommunikation in der Gruppe mit Musik. 6. mit Musik.und Cotherapeut) Das Angebot der Qualifizierten Entgiftung richtet sich an suchtkranke Patienten. die aus besonderen Gründen (z. 7. 5. 2 x wöchentlich an den neun Kriterien für das genussvolle Musik Erleben orientiert. 30 min.Suchtverhalten Abbauen Der Unterschied zwischen Sucht und genießendem Verhalten liegt im Wechsel von Askese und Befriedigung (R. 9.Musiktherapie als Element der Qualifizierten Entgiftungstherapie ERSTE STUFE: MILIEUTHERAPIE (Keine Abspielgeräte auf den Zimmern. Für diese Form der Entgiftung habe ich im Team der psychiatrischen Abteilung eines Allgemeinkrankenhauses das nebenstehende Konzept einer begleitenden Musiktherapie entwickelt. als nur der Musik zuhören Das Verbot des genußvollen Müßiggangs aufheben Nicht nebenbei hören Der Wahrnehmung gestatten. Die zweite Stufe gilt für Patienten. 4. 2.. offene Hörprogramme für die ganze Station 30 . 3. 2-3 x wöchentlich mit einführenden Erläuterungen und kurzen Feedback . 2-3 x tägl. 214) Grundsätze für den genußvollen Umgang mit Musik: 1. mit thp.und Cotherapeut) “MUSIK UND BEWEGUNG” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Tanzgruppe mit Musik.40 min.Runden. wegen einer Doppeldiagnose) längere Verweildauern haben. und die dritte Stufe können Patienten nutzen.B. 8. sich der Musik uneingeschränkt zuzuwenden Die Eigenschaften der Musik beschreiben Eigene Bewertungskriterien herausfinden (was tut mir gut. 415) Voraussetzung für musikalischen Genuss ist das Zulassen von Stille (Liedtke 1985.und Cotherapeut) “SINGTHERAPIE” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Singgruppe mit Musik. Personal) ZWEITE STUFE: “GENUSSTHERAPIE” (ärztl. Musik Erleben . die in einen psychotherapeutischen Behandlungsprozess eintreten wollen.

„Auch der emotionale Gehalt von Musik wird in dieser Gehirneinheit verarbeitet (ebd. Ein alternder Mensch hat trotz des Nachlassens seines Gehörs eine Präferenz für ein Klangspektrum von Musik. Musiktherapeutische Umschau 2003. „dass Männer schlechter hören als Frauen. Rhythmus scheint als „motorische Repräsentation“ in einer Art Körper-Gedächtnis unabhängig von gestörten kognitiven Fähigkeiten lange funktionstüchtig zu bleiben (ebd. Der Lernfortschritt übertraf die Erwartungen der Teilnehmer oft. Außerdem gibt es auch physiologische Gründe: höhere Lautstärke verbessert nicht den Höreindruck bei Schwerhörigen. Effekte hat Musik nur. wie ältere Menschen im Konzertsaal ein anderes (möglicherweise älteres) Hörgerät verwenden oder den Apparat sogar vollständig ausschalten“ (Herbert Bruhn: Musikalische Entwicklung im Alter. Es gibt keine signifikanten Korrelationen zwischen den Ergebnissen von Begabungstests und dem Alter. „sondern führt im Gegenteil zu Verzerrungen.). wenn die Teilnehmer daran interessiert sind. 134-149. zu wenig Zeit zum Üben einsetzen zu können“ (ebd. 135 f). „In Institutionen für ältere Menschen wie Pflegeheimen und Tagesstätten lässt sich Musik nicht einfach verordnen. So ist es nicht verwunderlich.“ Das hat mit den Hörgewohnheiten zu tun. Das resultiert daraus. dass die für das Langzeitgedächtnis zuständigen Speicherareale mit den Sinnesorganen verbunden sind. 135 . 139). Bei den über 50-Jährigen kann man feststellen. Die Korrektur der Hördefizite mit einem Hörgerät verändert den subjektiven Höreindruck gravierend. Hördefizite mit Hörgeräten auszugleichen. dass berichtet wird. wenn sie auf den individuellen Musikgeschmack eingehen kann. 142). 143). Vor Hintergrundmusik ist im Allgemeinen abzuraten“ (ebd.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen Zum Hören bei älteren Menschen: Mit zunehmendem Alter nimmt die Lautstärkewahrnehmung ab. „ergeben sich Probleme für das Musikhören. Auch die Lernfähigkeit scheint mit dem Alter nicht nachzulassen. Klavierunterricht mit Erwachsenen zwischen 60 und 84 Jahren erwies sich als erfolgreich. „Bei Demenz bleiben die rhythmischen Fähigkeiten bei Musik am längsten erhalten“.“ Trotz der Möglichkeiten.). erst Verstärkeranlagen der letzten zwanzig Jahre geben Musik laut und unverzerrt wieder. noch in hohem Alter mit dem Musizieren zu beginnen. „Das Hören von Evergreens aus der Jugendzeit aktiviert signifikant wirksam die Erinnerung an frühere Lebensereignisse“. die als unangenehm empfunden werden“ (ebd. 143 f. obwohl sie bedauerten. „Ältere Menschen hören Musik lieber leiser als jüngere. „Grundsätzlich spricht nichts dagegen. obwohl sie schlechter hören.7.

2003. Brotons: An overview of the Music Therapy Literature Relating to Elderly People. agitiertes Reden beim Essen Musikhören beim Essen veranlasst alte Menschen. schnelle Musik ist eher ohne Effekt Musikhören reduziert unruhiges Verhalten bzw. (vgl. Ängstlichkeit und Depression Musiktherapie in Verbindung mit Verhaltenstherapie verbessert die Orientierung. 116). so dass die Dementen kooperativer erscheinen. der physische Begleitsymptomatik sowie bei den kognitiven Fähigkeiten. Einblick 14. die soziale Kommunikation und das Schlafverhalten Musikhören und aktive Musiktherapie reduzieren zielloses Herumirren und agitiertes Verhalten Das Anhören von ruhiger Musik wirkt beruhigend. Musikhören vermindert das unvermittelte Schreien von dementen Klienten Tägliches Musikhören hat positiven Einfluss auf die Länge und Ruhe des Nachtschlafs zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) Ziele musiktherapeutischen Handelns mit alten Menschen: Emotionale Aktivierung Erinnerungsaktivierung Förderung sozialer Verhaltensweisen und Kommunikation Freude Gedächtnistraining / Realitätsorientierung Musikalische Kreativität / Ausdrucksfähigkeit / Fantasie Steigerung des Selbstwertgefühls Trauerarbeit nach Grümme (1997) zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) 136 . mehr zu sich zu nehmen Musikhören beim Waschen und Baden verzögert den Ausbruch aggressiver Abwehr.Eine Besprechung von 38 klinisch empirischen Studien im Zeitraum von 1986-1998 aus dem angloamerikanischen Raum (M.): Music therapy in dementia Care. in: David Aldrige (Hrsg. London and Philadelphia 2000. Susanne Landsiedel-Anders: Ein Triptychon: Fallstudie eines schwer dementen Altenheimbewohners. Nachgewiesene Effekte aktiven Musizierens und Musikhörens auf das Verhalten von Demenzkranken: Musikhören verringert Verwirrtheit. den sozial-emotionalen Fähigkeiten. 33-62) belegt. dass durch Musik in der Pflege von an Demenz erkranken alten Menschen Verbesserungen in folgenden Bereichen herbeigeführt werden können: der Beteiligung an musikalischen Aktivitäten überhaupt.

Druckmesskammer am Arm) zeigen die Untersuchungen. bei denen „hirnelektrophysiologische Untersuchungen (EEG) über musikinduzierte funktionale Veränderungen in verschiedenen Strukturen und Regionen des Neokortex“ bei Alzheimer-Patienten durchgeführt werden. Choreinladungen etc.“ Im Labor verhält sie sich völlig passiv. wie sie früher mit ihren drei Freundinnen samstags zum Tanzen ging. 12-14) berichtet von Forschungen aus dem nationalen Alterns-Forschungsinstitut in Melbourne. Kommentare. beginnt ihre linke Hand. duldet aber das Anlegen der Untersuchungsinstrumente.“ Er schildert exemplarisch den Fall von Dorothy. bevorzugte Hörzeiten berücksichtigen musikalische Aktivitäten Singen Biographie des Singens erstellen Liedpräferenzen ermitteln Gesangssituationen ermitteln Singen in Sondersituationen (Singstunde) Alltägliches Singen Musizieren Mit Alltagsgeräuschen Tätigkeiten begleiten Mit Perkussionsinstrumenten Lieder begleiten Fantasieren am Klavier An musikalischen Kompetenzen anknüpfen Bruce Barber (Musik im Alter.Konsequenzen für die Pflege ein passendes musikalisch – klangliches Milieu herstellen Stille Phasen herstellen Naturklänge ermöglichen Vertraute Geräusche zulassen.) mit Konzerten. menschlicher Begleitung oder intellektueller Ansprache. Auf Anfrage schildert Dorothy. bevorzugte Sendungen. den Beat der Musik zu klopfen. ohne Erwartungen auszudrücken. Musik und Gesundheit 4/2002. einer Alzheimer-Patientin: „üblicherweise sitzt sie in ihrem Krankenzimmer mit dem Blick ins Leere gerichtet. Trotz der im Labor gegebenen beeinträchtigenden Rahmenbedingungen (Messinstrumente. Gedichte etc. Soziale Kontakte finden nicht statt. wobei aus früheren Lebensabschnitten bekannte Musik die größten Reaktionen hervorruft. sie lächelt und der Ausdruck der Gleichgültigkeit schwindet aus ihrem Gesicht. Skalp-Elektroden. Nach dem Anhören eines Stückes von Edward Elgar äußert sie sich mit einem einzigen Wort: „Liebe“ und lächelt. Als ihr aber eine Aufnahme von Art Tatum „Gone with the wind“ aus dem Jahre 1938 vorgespielt wird. ½ Stunde) den Tagesablauf strukturieren gemeinsames Musikhören in regelmäßig gestalteten Musikstunden (Höratmosphäre schaffen. dass die „Patienten sehr stark auf die eingesetzten musikalischen Stimuli reagieren. den Jahresablauf markieren im häuslichen Umfeld: welcher Sender. fremde Geräusche meiden Biographie der musikalischen Präferenzen (wann und in welchen Zusammenhängen wurde welche Musik gehört) ein Musikprogramm herstellen (zusammen mit Bewohnern und Angehörigen) mit kurzen Musikzeiten (max. sie hat keine besonderen Bedürfnisse nach Komfort. Versuche sprachlicher Kommunikation scheitern an entweder fehlenden Antworten oder an Antworten ohne jeden erfassbaren Sinn. ohne Wünsche zu äußern. „Für die folgenden 5 Minuten sprach Dorothy im Wechselgespräch 137 .

wie wir sie bei Musikwirkung? Dorothy beobachten konnten. Zum Beispiel tragbar? ist die Frage zu klären.ohne erkennbare Beeinträchtigungen über Erinnerungen aus ihrem Leben. ob derartige Ist nur autobiographisch bedeutsame Musik Veränderungen auch anhaltend sein können wirksam? und auf andere Personen übertragbar sind. 138 . will man dem Menschen als Ganzem gerecht werden“(14). mit denen man die Wirksamkeit verbessern kann? Sicher ist. Danach fiel sie in ihren alten Zustand zurück“ (13). Möglicherweise kann Musik so intensiv als Stimulus einwirken. oder gibt es spezifische musikalische Strukturen. Anschließend führt Barber aus. Sind spezifische musikalische Strukturen Kann eine noch zu entwickelnde musik. in dem neue Pfade geöffnet werden. aber nachweisbaren Überbrückungen der gestörten Verbindungen zwischen Primärbewusstsein (Formatio Reticularis und Limbischem System) und den Funktionen des Neokortex zu kommen. Dennoch scheint es bei der Musikwirkung zu zeitlich begrenzten. dass die fortschreitenden und irreversiblen pathologischen Veränderungen der Alzheimer Demenz zu Störungen des Gedächtnisses. Fragen der Forschung: In jedem Fall sind derartige Veränderungen Auch anhaltende Veränderungen durch des Bewusstseinszustandes. ein wichtiges Musikwirkung auf andere Personen überZiel für zukünftige Forschung. „In Dorothys Fall hat die Musik eindeutig ihren Bewusstseinszustand auf ein höheres Niveau anheben können. dass limbische. dass bei der zunehmenden Pharmakologisierung der Demenz-Behandlung auch Raum sein muss für nicht-pharmakologische Interventionen. subkortikale und kortikale Strukturen des Gehirnes auf ein quasi normales Aktivitätsniveau vorübergehend angehoben werden können.maßgeblich für die Verbesserung der Wirtherapeutische Methodik Demenz-Patienten kung? auch längerfristig auf einer höheren neurofunktionalen Leistungsebene halten? Kann nur autobiographisch bedeutsame Musik wirken. emotionalen Störungen und sozialer Isolation führen. zu Verhaltensabweichungen. die ihrerseits zuvor beeinträchtigte Funktionen des ZNV wieder möglich machen.

letztlich geht es um die Versöhnung mit sich selbst (vgl. Metallophone.): Musik bis ins hohe Alter. Hörgeschädigte Menschen. 177-197 Prause.B. in: Rosemarie Tüpker. Hans Hermann Wickel (Hrsg. 200-2000 (180) Therapeutische Aspekte: .und Bassxylophon. Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd. wie die z. Frequenzspektrum der Musik: ca. Therapie und Selbsthilfe.. Beratung.) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. des Unterscheidens. 16 bis 4608 Hertz) verglichen mit Sprache 250 bis2000 Hertz) ist ein Zugang über das Ohr selbst dann noch möglich. 139 . 177-197 "Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht darin. Rosemarie.„Was das Musikerleben von Altersschwerhörigen betrifft. Wickel. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). Münster: Lit. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. dass Musik für sie besser zugänglich ist als Sprache: Aufgrund des erheblich größeren Umfangs des Frequenzspektrums von Musik(ca.und Melodieinstrumente wie Sopran-. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens. Manuela-Carmen: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. 16-4608 Hz. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194). Bei der Improvisation können "von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte" aufgegriffen werden. in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. Münster 2001. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. stressfreie Handlungsmöglichkeit.. so kann grundsätzlich gesagt werden. Im Gegensatz zur verbalen Situation. 2001. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann" (191). in: Tüpker.). wenn Sprache nicht mehr auditiv wahrgenommen werden kann“ (180). Alt. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. Manuela-Carmen Prause: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. findet er hier eine autonome. Es sollten wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen. bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. Stuttgart 1990)..): Musik bis ins hohe Alter. Hans Hermann (Hrsg. der Sprache: ca. Es kann "zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles" beigetragen "und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation" entgegengewirkt werden (ebd. „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Fengler. .).

8.“ Die Entwicklung der Wahrnehmungskompetenzen derer. 261-274) weist auf die Bedeutung der Hörwelt (das Sonambiente) hin. 4. Es sei „leicht vorstellbar. Einhüllung von Klängen“ Verwendung klanglicher Stimuli Klangquellen. 5. „Anregungen. „dass Klänge eine Beziehung zwischen uns und unserer Umwelt herstellen“.. für die wir sensibel werden müssen. um die verursachenden (Schall-) Quellen auszumachen. die mit der Betreuung dementiell Erkrankter tätig sind. der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und 3. die zu Begegnung und Interaktionen einladen Unterstützung zeitlicher und räumlicher Orientierung 140 .Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat. 7. man das von anderen Gesagte wiederholt.. ob sie ihren Bedürfnissen entspricht. wenn die Betreuenden ihre eigenen Sinne einsetzen. „Nähern wir uns dem Lebensraum Pflegestation aus musiktherapeutischer Perspektive.“ Man kann mit „Musikeinspielungen als Klangkulisse“ experimentieren. z. 2. dafür zu sorgen. das auf demente Bewohner von Pflegeheimen einwirkt. auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann. dass manch aggressives Verhalten oder auch Zustände von Apathie der Pflegeempfangenden besser verstanden werden können. nicht zu laut spricht. während der gemeinsamen Mahlzeiten. Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. dass 1.) Jan-Peter Sonntag (MU 2005.B. man ruhig und etwas langsamer als normal.“ . „Wir sind aktiv an der Gestaltung der Soundscapes beteiligt. ist dafür erforderlich (267). ist nicht so wichtig“). auch wenn wir „Stille in die Klanglandschaft hinein“ komponieren (271). so wrid sich an dem Wohlbefinden der dort lebenden und arbeitenden Menschen einschätzen lassen müssen. 6. im klingenden Miteinander zu experimentieren (272 f): Anbindung an vertraute Klänge Verwendung von geräuschdämpfenden Stoffen Anpassung an veränderte Hörfähigkeit Berücksichtigung des Bedürfnisses nach Sicherheit und Geborgenheit . Hierbei müssen wir uns auf unsere Beobachtungsgabe und intaktes Einfühlungsvermögen verlassen können... Bei seinen Vorschlägen für die Entwicklung einer „ambientalen Perspektive“ am Beispiel des Altenpflegeheims betont Sonntag.

Stuttgart 1997 Stiff und Tüpker (Hrsg. der von der Beziehung zwischen Therapeut/in und Kind lebt. die das positive oder negative Erleben von Musik und der sich daraus ergebenden Situation nutzen.uni-siegen. J. Wolfgang Mahns in: Musiktherapeutische Umschau 1998. Psychoanalytischer Ansatz Analytische Arbeit ist biographisch orientiert. dass in unserer Art des Musikmachens unsere verborgenen Seiten und damit verbunden unsere frühesten Erfahrungen zum Klingen kommen. Nordoff / C. Richtungen und Methoden. arrangiert sein. Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel). L. Vertreter dieser Arbeitsweise sind eher in den USA als im deutschsprachigen Raum zu finden (vgl.a. Arbeitsfelder sind beispielsweise die Schmerztherapie und die Arbeit mit Frühgeborenen. Robbins 1986. Alvin 1988). auch Grenzerfahrungen. „Musik sollte so beschaffen bzw.pdf) im Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit folgende musiktherapeutischen Ansätze: Medizinischer Ansatz Hierbei geht es insbesondere um die Beeinflussung von Krankheitssymptomen wie Schmerzen oder Schädigungen.de/forum/kinder/vortraege/219_grewe_heitfeld.musiktherapie. Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern. erwünschtes Verhalten zu verstärken. Sie geht davon aus. Der Focus liegt somit mehr auf der Entfaltung der individuellen Möglichkeiten als auf der Behandlung der Symptome (Vertreter sind u. Zugrunde liegt die Annahme einer psychophysischen Wirkung von Musik auf den Menschen. Kindermusiktherapie. Diese Beziehung bietet den Rahmen für Kommunikationserfahrungen. Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert). dass sie die Vorgänge hinter den Symptomen oder die Symptome selbst beeinflussen kann“. den kindlichen Wachstumsprozess fördern. Musiktherapie für Kinder.): Kindermusiktherapie. weshalb im musikalischen Dialog zwischen Kind und Therapeut/in frühe Erfahrungen. 154). Kathrin Grewe-Heitfeld beschreibt in ihrem Beitrag „Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung“ (http://www. welche die Persönlichkeitsentwicklung bzw. Humanistischer Ansatz Musiktherapie wird als ein kreativer Prozess beschrieben. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations.und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Göttingen 2007.8 Musiktherapie mit Kindern Standardwerke sind: Jutta Brückner u. Traumatisierungen und Konflikte des Kindes bear141 . Verhaltenstherapeutischer Ansatz Hierbei handelt es sich um therapeutische Verfahren. Zwischen dem musikalischen Dialog und dem Dialog zwischen Mutter und Säugling werden Analogien gesehen. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). um unangemessenes Verhalten zu verringern bzw.a. Bunt 1993. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner). Es biete einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet). ggf. (Monika NöckerRibaupierre). Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. P.

Stuttgart. Beate Mahns. psychoanalytischem Denkhintergrund und musikalischer Improvisation (vgl. nur den Hörsinn anzusprechen. Heiner Ruland. Evaluation musiktherapeutischer Behandlung. Schumacher. Praxisberichte. Gerhard Beilharz (Hrsg. Frankfurt am Main 1999. d. Bestandsaufnahme und Versuch einer Neuorientierung. Da das Hörorgan früh entwickelt ist. kann man davon ausgehen. Stuttgart 1990). Tonarten. die mit allen Sinnen erlebt werden.und Sprachspiele. dass Defizite in einem Sinnesbereich durch Förderung anderer Sinne kompensiert werden (s.beitet werden können (vgl. (vgl. Münster 2000). mit der Bezugsperson in Beziehung zu sein. 1997). Ingrid Mederacke und Christel Ulbrich. Musiktherapie bei verhaltensauffälligen Kindern. Ein weiteres kombiniertes Verfahren stellt die morphologische Musiktherapie dar. Musik als erlebte Menschenkunde. Namenlos. und so die Möglichkeit bieten. an den altersspezifischen Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes anzusetzen. Eigenarten. Musiktherapie und Säuglingsforschung. 37-48 und Christine Plahl: Entwicklung fördern durch Musik. bei denen der Wichtigkeit des kindlichen Spiels Rechnung getragen wird. Musiktherapie und nondirektive Spieltherapie Häufig werden Verfahren angewandt. die jeweils vorhandene Fähigkeit des Kindes. Dieses Wissen ermöglicht es.B. Die musikalische Entwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Einerseits mögen Kinder nicht immer Musik machen. Die Therapie soll ganzheitlichere Erfahrungen ermöglichen. Isabelle (Hrsg. Dietmut. Häufig ist die Kombination von nicht direktvier Spieltherapie. hierzu: Gertrud Orff. Kombinierte Verfahren Hier wäre die Orff Musiktherapie als eine multisensorische Therapie zu nennen. erlebt und weiter entwickelt werden kann (vgl. Musiktherapie und Entwicklung von Gestaltbewußtsein beim Kind. Verschiedene Forschungsarbeiten lassen sich dahingehend zusammenfassen. Geistig Behinderte verstehen. die davon ausgeht. Sie verbindet analytische Musiktherapie mit der Morphologischen Psychologie Salbers. Barbara Irle und Irene Müller (Raum zum Spielen – Raum zum Verstehen. Leier. Musikalische Prozesse werden als seelische Prozesse verstanden. Streichpsalter). Musiktherapie mit Kindern. Musiktherapie für Kinder. Julius Knierim. Ein Buch für Psychologen und Eltern. Sie arbeitet vor allem mit autistischen Kindern und verbindet dabei Musik-. 249 f). Spielarten. über welche die „Beziehungsqualität“. Bewegungs. Paderborn 1990. andererseits – und dies ist entscheidender – ist das Spiel die dem Kind eigentlich entsprechende Ausdrucksform. Während der Behandlung tritt je nach ärztlicher Diagnose (besonders in Medizin und Heilpädagogik zu finden) entweder Melodie.h. München 1989.): Musik und Gestalt. Göttingen. Wuppertal 1988. 2001 sowie auch: Jutta Brückner. dass die 142 . Als kombiniertes Verfahren gilt auch die Musiktherapie von Karin Schumacher. Stuttgart 1989.B. wobei zu berücksichtigen ist. Klinische Musiktherapie als integrative Psychotherapie. Zwischen Hören und Bewegen. Berlin 1991).) Erziehen und Heilen durch Musik. dass jedes Kind hat ein individuelles Entwicklungstempo hat. Niedecken. Rhythmus oder Harmonie in den Vordergrund vgl. Vertreter sind z. Anthroposophischer Ansatz Kennzeichen des anthroposophischen Denkmodells ist die Arbeit mit den „musikalischen Urelementen“ (dies sind Einzeltöne. dass es insbesondere für behinderte Kinder nicht ausreichend ist. Kunst Therapie Kreativität. Münster 1996). Deshalb ist das Spiel mit verschienenen Materialien und mit allen Sinnen gleichbedeutend wie das mit Klängen und Musikinstrumenten. Intervalle und Rhythmen) und die Auswahl bestimmter Instrumente( z. in: Frohne-Hagemann. Musiktherapie mit Kindern impliziert das Wissen um die Entwicklungspsychologie des Kindes allgemein und um die musikalische Entwicklung im Besonderen.: Dietrich Petersen und Eckhard Thiel. dass Musik und Klänge bereits früh auf das Kind einwirken.

mit 5 Jahren halten sie ungefähr ein Tempo ein.). Sensorische Entwicklungsstufe 0-3 Jahre Das Kind befasst sich mit Klangeindrücken. daran erkennt. 1986. ist besonders fasziniert von Klangformen und dynamischen Abstufungen. Sein Wohl. Leslie Bunt. herrscht im zweiten Lebensjahr die motorische Aktivität als Antwort auf Musik vor.o. Bevorzugen von dissonanter Begleitung Kinder im Vorschulalter empfinden Harmonien offensichtlich anders als Erwachsene. zunächst im Tonumfang der Quart und Quint.B. Das Musikerleben des vorschulpflichtigen Kindes.Auswirkungen des Hörens allgemein und insbesondere des Hörens von Musik in größerem Ausmaß. sechsmonatige Kinder halten inne. 1988) 1. Sie entwickeln Lieder. vol. Mainz 1968. Heiner Gembris. Weinheim 1993. Ab dem 2. Geburtstag beginnen Kinder zu singen. außerdem: Swanwick. British Journal of Music Education. K. wenn in eine Melodie ein unpassender Ton eingeflochten wird. Erst mit 5einhalb bis 6 Jahren beginnt eine stetig ansteigende Bevorzugung einer harmonischen Begleitung. London: Routledge.oder Unwohlsein drückt es klanglich aus. Music. Bausteine für Musikerziehung und Musikpflege. sondern alles was klingt. No. Augsburg 1998. Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. 3. bevorzugen aber auch gerne eine dissonante Begleitung. Einführung in die Musiktherapie. Mit 4 Jahren singen Kinder mehr oder weniger genau. als anregend und positiv eingeschätzt werden (Helmut Moog. Die musikalische Entwicklungsspirale nach Keith Swanwick und June Tillman (The Sequence of Musical Development. Klangbezogene Aufmerksamkeit In der frühen Kindheit stehen die geäußerten Klänge eines Babys in Zusammenhang mit seinem seelischen Befinden. die Mischungen aus Bekanntem und Eigenem enthalten. Erstes Singen Während das erste Lebensjahr musikalisch gesehen durch die Aufmerksamkeit auf Klänge geprägt ist.h. was man z. Umgekehrt reagiert ein Baby in der Regel beruhigt auf Wiegenlieder und interessiert auf Klangquellen allgemein. 86-144). Kinder sind zwar in der Lage. harmonische Veränderungen wahrzunehmen (s. Rhythmische Fähigkeiten entwickeln sich vor metrischen. 143 . d. Es erforscht nicht nur Musikinstrumente im engeren Sinn. sein Entstehen untersuchen. Mind and Education. später in der Oktav. 3. Das Kind möchte die Natur des Klanges. Bereits in den ersten Monaten können Babys Melodien auseinanderhalten.

Manipulative Entwicklungsstufe 4-5 Jahre Das Kind hat mehr Kontrolle in der Handhabung der Instrumente erworben. Phantastisch imaginatives Spiel ca 10 – 13 Jahre Das Kind ist experimentierfreudig. 2. bzw. werden harmonisch weiterentwickelt und gestaltet. 4. dem Stil der sozialen Gruppe. 6.dass Fell und Holz einer Trommel bespielt werden oder verschiedene Teile der Hände genutzt werden oder verschiedene Instrumente gegeneinander geschlagen werden. Improvisationen sind häufig lang und „wirr“ und eher durch die Gegebenheiten der Instrumente als durch Absichten des Kindes geprägt. der man sich zugehörig fühlt. Dieser ist meist von Popmusik beeinflusst. Einfache musikalische Phrasen sind zu erkennen und die Tendenz zu beginnender Strukturierung. Mit Bedeutungen besetztes imaginatives Spiel 13 – 14 Jahre Allmählich werden kompositorische Einfälle stärker in einen bestimmten Stil integriert. Das Interesse an Klangfarben und -effekten verändert sich in Richtung Interesse an besonderen Spielweisen. 144 . wie Glissandos. Die zunehmenden Fähigkeiten des Kindes werden deutlich und damit einher geht das Bedürfnis. weil der inzwischen der Jugendliche in erkennbare musikalische Gemeinschaften eintreten will. 5. hat Spaß am Verändern musikalischer Formen. Sie ist vom unmittelbaren. Materialien zu beherrschen und ggf. aber noch nicht ganz umgesetzt werden können.und Lauterwerden gestaltet. nur auf der Seite der Therapeuten. nicht reflektierten Gefühlserlebnis des Kindes bestimmt. Variationen in der Musik entstehen eher zufällig. dass musikalische Formen im Kopf des Kindes zwar vorhanden sind. Personal gerichteter Ausdruck 4 – 9 Jahre Individuelle Ausdrucksfähigkeiten werden zuerst im Lied deutlich. Oft scheint es aber auch noch so zu sein. das Kind intendiert damit noch keine Aussage. auch das gemeinsame Spiel zu bestimmen. 3. Dieser Umgang mit Musik wird in der Musiktherapie mit Kindern nicht anzutreffen sein bzw. Die improvisierte Musik wirkt spontan und unkoordiniert. Es testet Möglichkeiten des musikalischen Spiels aus Es gibt musikalische „Überraschungen“. in Instrumentalstücken besonders durch Tempoveränderungen und Dynamik. Es existiert wachsendes Bewusstsein für die emotionale Kraft der Musik und damit einhergehend wachsende Fähigkeit entsprechende Erfahrungen musikalisch ausdrücken zu können. Meta-Kognition symbolischer Bedeutung Ab 15 Jahre Hier ist die Identifikation mit einzelnen Musikstücken wichtig. die im vorigen Muster sozial wichtig erschienen. Der individuelle Wert von Musik einschließlich dessen Reflektion ist somit für diesen Abschnitt bestimmend. auch ist die Tendenz zu regelmäßigerem Metrum zu erkennen. die sich nicht in den übrigen Stil einfügen. Höhepunkte werden durch Schneller. Mit der Entwicklung von übergeordnetem systematischem Verständnis ist die musikalische Reife voll ausgebildet. Musikalische Stilmittel. Insgesamt ist das. Tonleitern oder Trillern. Die zuvor entwickelte Fähigkeit zu phantasievollen Musikformen wird nun weniger genutzt.

emotionales. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. Hörspiel. Kindermusical. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten. soziales. Festund Feiergestaltung. Radiosendungen. auch Musik mit digitalen Medien. der es möglich macht. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind auf soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. sondern jede subjektive Lösung wird gewürdigt. Assoziationen. Rockmusikpraxis. Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet. Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. Gehörbildung. wie Musiktheorie. Erfahrungs. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. die Universalität ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen.. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird. Musikalisches.. ästhetische Erfahrungen anzuregen. Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. „de145 . Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. 28). Tanz. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. Sie ist „Beziehungsarbeit“ und dementsprechend „geprägt von situativer Offenheit. Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. kommunikativer Flexibilität und inhaltlicher Ungewissheit“ (Rauschenbach 2005. Kinderkunstwerkstatt. Erinnerungen. Musik oder Folkloretanz mit Senioren. Gitarre. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden (vgl. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Er ist in der Lage. Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. Für soziale Arbeit gilt wie für soziale Berufe generell der Grundsatz der Personenbezogenheit. szenischem Spiel. als Einzelner.und Videopraxis. Mann et al 1995).). ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . Rhythmusarbeit. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. wie Bewegung. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. als Gruppe. Neben Vorlesungen und Seminaren mit theoretischen Einführungen reicht das Spektrum von allgemeinen historischen. einen Rahmen. Sprache. als Partner. Darüber hinaus erhalten Studierende in Methodenseminaren und Übungen das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. Identifikationen. 805).9 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit Die Durchsicht von Vorlesungsverzeichnissen der Studiengänge für Sozialpädagogik und Sozialarbeit an Hochschulen in Deutschland ergibt ein vielfältiges Professionalisierungsangebot auf dem Gebiet musikalischer Kompetenzen. ebd. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. wie Rockmusik mit Jugendlichen.

Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. 2004a und b. 21 ff) sind dabei implizit. 10). Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop. oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung des akustischen und musikalischen Milieus in den Einrichtungen. Seidel 1992. wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht. Soziale Berufskarrieren verlaufen nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in das professionelle Beziehungsgeschehen mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und -management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. 1996. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. Entsprechende Zusatzund Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie familienorientierte Angebote. 146 . „Musiktherapeutische Momente“ (Leidecker 2004. 2000. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. Kapteina.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. Keyboard-. die soziale Brennpunkte. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen.“ auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. Klug und Schreiber 2004. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer dann zum Tragen. Rieger 2006)) oder Prävention. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und -pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. Kapteina 2006).und Familienberatung können Rollenkonflikte. Neben den bereits erwähnten bei Mann et al. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001. und Tanznachmittage. Auch in der Jugendarbeit haben sich kommunalorientierte mobile Projekte bewährt. wie Musikfreizeiten. Auch in der Ehe. Dentler 2001). Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. in Kapteina 2006). Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. Komponieren und Improvisieren von Musik ist. Hill. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. 222 f). Rockmobile sind fahrende Musikstudios. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. „Mobile Musikschulen“ stellen lebensweltbezogene Projekte der Gemeinwesenarbeit dar (vgl. Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. 2006. Familienwochenenden etc. Zeuch beschreibt und evaluiert rezeptive Musikanwendungen im Strafvollzug (2001 und 2004). Frühförderstellen und im Rahmen schulbegleitenden Sozialen Arbeit praktiziert. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit.ren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. Bass. auch Tüpker.

). Jahrhundert“ (Wendt 2005. In: Musiktherapeutische Umschau 227-238 Dentler. bevor Probleme eskalieren. G. die Musiktherapie und Soziale Arbeit miteinander in Beziehung bringen. B. Muthesius 2005. Öffnung der Handlungsräume vom diskreten klinischen Setting hin zum öffentlichen oder semi-öffentlichen Angebot. dass Musik und Soziale Arbeit bei gefährdeten Personen wirksam wird. Seit 2000 werden gemeinwesenorientierte Projekte der Musiktherapie als „Community Music Therapy“ beschrieben und diskutiert (Ansdell 2006). auf der Linie der Agenda 21.: (2001): Partytime. Johannes Pluto1997. Schnittmengen liegen in präventiven und rehabilitativen Funktionen. (1996): „Rockmobil“ . Mager 2006. Opladen Hill.und Gruppenmusiktherapie anbietet. Zugleich ist es Anlaufstelle für ehemalige Patienten der örtlichen Psychiatrie. Für Almut Seidel begegnen sich Sozialpädagogik und Musiktherapie in ihrer Alltagsorientierung. in denen sich Musiktherapie und Sozialpädagogik begegnen. Literatur: Ansdell. und schließlich sollen die Handlungen und ihre schöpferischen Ergebnisse mit breiterer Bedeutung belegt werden: von der Funktion der Musik als Bedeutungsträger und Medium zum Verständnis der Musik als sozialökologische Veranstaltung (2005. (2006): Community Music Therapy – Ein neuer alter Gedanke. die von Vereinsamung und Verelendung bedroht sind. Damit stehen Konzepte. den Patienten in der Musiktherapie erleben. das auf kommunaler Ebene für „Menschen jeden Alters Einzel. Leidecker 2002) sowie der „Sozialmusiktherapie“ (Schwabe & Haase 1998) orientiert. impliziert neue musikalische und psychosoziale Sensibilisierung im Alltag. die beteiligten Akteure orientieren sich neu: an die Stelle der Expertenzentrierung tritt Teilhabe. Schließlich ist es auch ein Beitrag zur kommunalen Kulturarbeit (Kapteina 2000).eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. Tagesfortbildungen und Workshops über den Einsatz von Musik im Gesundheitsdienst für Kinder und Erwachsene sowie Forschung über die Wirkungen und Prozesse der Musiktherapie koordiniert und Proben und Aufführungen eines möglichst breiten Spektrums unterschiedlicher Musikarten fördert“ (189). K.In der ambulanten Pflege und Betreuung alter Menschen gewinnen mobile MusiktherapieAngebote zunehmend Bedeutung (vgl. therapeutische Beziehung sowie räumlich und zeitlich angepasstes Setting. 348). Ein Vorbild bietet auch das Konzept „MUSICSPACE“ von Leslie Bunt (1998). 2006). bei der Ausbildung von Musiktherapiestudenten mitwirkt. Musikmachen und Lebensbewältigung. die im Alltag auftauchen (1996. H. 128.K. ein seit vielen Jahren bestehendes offenes sozialräumlich orientiertes Gemeinschaftsprogramm von Universität und Kirchengemeinde an Menschen. einer effizienten Wirtschaft und einer solidarischen Gesellschaft im 21. Die Mitarbeiter sind sozialpädagogisch und musiktherapeutisch qualifiziert. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Opladen 147 . bei denen sich der Fokus von individuellen Veränderungen hin zum aktiven Interesse an gesellschaftlicher Veränderung und der Beziehung zwischen Individuum und sozialem Umfeld verlagert. Die Abgrenzung zwischen Musik und Sozialer Arbeit und Musiktherapie verläuft über Diagnostik. Hier setzen gemeindeorientierte Konzepte an. Der schöpferische und improvisierende Umgang mit Musik. Konzeptionell sind solche Projekte an der „Musikalischen Elementarerziehung“ (Schwabe & Rudloff 1997. Übertragung ins deutsche. Stige formuliert die Prinzipien. H. dem „Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung hin zu einer gesunden Umwelt. bei der Funktionen und Verantwortlichkeit der handelnden Personen flexibel ausgehandelt werden. Es kann sein. Indikationsstellung. So richtet sich zum Beispiel das Projekt „Folkloretanz für Jung und Alt“. 852). beide wollen einen Beitrag zur Lösung von Problemen leisten. oder dass sie nach musiktherapeutischen oder psychiatrischen Behandlungen zur psychosozialen Stabilisierung beitragen. orientiert sein müssen: Erweiterte Programme. die Soziale Arbeit mit Musik und Musiktherapie verbinden.

Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. I. B.uni-siegen. 216-226) Wendt. (1997): Musik praktisch erfahren. In Hartogh. (2004a): Soziale Kulturarbeit mit Musik. In: Musiktherapeutische Umschau. H. 35-44 Kapteina. Kassel: Bosse Kapteina. H. Pfaff. und Wickel. und Stein. 851-852 Wickel.. I. I. Folkloretänze in Therapie und Prävention. Weinheim: Juventa. Anmerkungen zu einem Praxis. (1997): Die Musikalische Elementarerziehung. R. F. 175-181 Johannes-Pluto. Weinheim: Juventa 415-426 Leidecker. (2005): Soziale Berufe. H. (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. Chr. U. Wiesbaden: Reichert. H. In: Musiktherapeutische Umschau 261-264 Mann. H. (2004): Das Leben klingen lassen. und Wickel. (2005): Sozialökologie. In: Musiktherapeutische Umschau. D.und Ausbildungskonzept. (2005): Toward an Notion of Community Music Therapy. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. Chr. (1995): Selbsterfahrung durch Kunst. (2000): “Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. Klug. T.de Kapteina. Tanz und KunstTherapie. (1998): Die Sozialmusiktherapie. B. In: Kreft. Köln: Kuratorium Deutsche Altenhilfe Rauschenbach. C. R. (1998): Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. (2001): Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. Ressourcenorientierte Musiktherapie. Tanz und Kunst-Therapie. W.de Hill. Stuttgart Kapteina. Weinheim: Juventa. al. (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". In: Kreft. H. D. H. Hasselberg. Schreiber. H. & Rudloff. T. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. von Grüner.musiktherapie. B. A. Wiesbaden Mager. I.. (Hrsg. Verbesserung der häuslichen Pflegesituation gerontopsychiatrischer Patienten unter Einsatz von Musiktherapie.-D. (Hrsg. Crossener Schriften zur Musiktherapie. T. A. T. al (2005): Balsam für die Seele: Hausmusik. Münster Zeuch.) Jahrbuch Musiktherapie. (2007): Musiktherapeutische Zusatzausbildung für Helfende Berufe. H.) Wörterbuch Soziale Arbeit.Hill. K.unisiegen. H. & Haase. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Seidel. D. (2001): Rezeptive Musiktherapie im sozialtherapeutischen Strafvollzug. B. A. In: Musiktherapeutische Umschau 239-248 Schwabe. (2004b): Bandworkshop. W. Weinheim: Juventa. und Mielenz.musiktherapie. K. et. Chr. 394-414 Kapteina. 5. & Hörtreiter. H.. Musiktherapie zuhause. 801-806 Rieger. In: Schwabe. 16-23 148 . H. Musikinterventionen in der Sozialpädagogik. (1992): Sozialpädagogische Musiktherapie. Eine Einführung. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII. Essen: Die Blaue Eule Leidecker. H. B. st. (2006): Musiktherapie und Gemeinwesenarbeit. (2006): Neue Wege der Musiktherapie. und Mielenz. http://www. In BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland (Hrsg.. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. In Hartogh.) Wörterbuch Soziale Arbeit. und Wickel. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Schwabe. Musik. Crossen. B. (2004): Ergebnisse musiktherapeutischer Entspannung im sozialtherapeutischen Strafvollzug.: (2002): Musik als Begegnung. http://www. In Hartogh. H. 13-20 Zeuch. Weinheim Muthesius. 298-306 Stige. G. 5. H. Ein Elementarkurs für Erwachsene. 107-134 Tüpker. 83-100 Hill. Musik. Weinheim: Juventa. H. A. Siegen: Universität. Burkhard.

bei denen alles was klingt als Musik akzeptiert wird. Bewegungspädagogik und Pädagogik der Massenkommunikation enthält. Sprach. das weiterentwickelt werden konnte und mit dem die didaktische Herausforderung bewältigt werden konnte. Seit 2002 ist die Siegener Hochschule Universität. Spiel. musiksoziologische sowie handlungsorientierte Studieninhalte definiert. Musikpädagogik. die gesamte Person sich einbringen kann und die im musikalischen Handeln zum Ausdruck kommenden psychosozialen Inhalte bearbeitet werden (vgl. Seidel 1976. 1971. Kapteina 1977). 301). 20% des Lehrangebots im Studiengang Sozialpädagogik und 10% im Studiengang Sozialarbeit sollten durch das Fach Ä&K abgedeckt werden. Kernstück der Musikpädagogik im Sozialwesen an der Universität Siegen1 war (bei einem Gesamtstudium im Fach Ästhetik und Kommunikation von 18 Semesterwochenstunden) von Anfang an ein dreisemestriger Kurs über musikalische Gruppenimprovisation im Umfang von jeweils vier Semesterwochenstunden. Studierenden auf dem Gebiet Musik einen Professionalisierungsprozess zu eröffnen. das im tertiären Bildungsbereich sonst nur dann offen steht. 1973) stand damals bereits ein Konzept ästhetischer Erziehung zur Verfügung. 1976 in die neu gegründete Gesamthochschule Siegen integriert. zur Entwicklung von Interessenbewusstsein leitet und in befreienden Aktionen mündet“ (Kapteina 1977.und Kommunikationskompetenz auf wissenschaftlicher Grundlage reflektieren und weiterentwickeln sowie ästhetische Erfahrungsmöglichkeiten in der sozialpädagogischen Praxis nutzen können (Ministerium für Wissenschaft und Forschung 1976. wie zum Beispiel Mobile und stationäre Kinder. Die Studierenden sollen in diesem neuen Studienfach ihre ästhetische Wahrnehmungs. Mit der Musikalischen Gruppenimprovisation (Friedemann 1969a.9.und Theaterpädagogik. Musikpädagogik wurde „neben ihrer erzieherischen und therapeutischen Funktion auch als politisches Handlungskonzept begriffen.und Bezugspunkt für die musikpädagogische. Kapteina 1977.und Gesamthochschulen in den 1970er Jahren wurden die künstlerischen Ausbildungsinhalte im Zuge einer damals äußerst intensiv geführten hochschuldidaktischen Diskussion in dem neuen Fach „Ästhetik und Kommunikation“ zusammengefasst (vgl. Demgegenüber setzt die Musikpädagogik im Sozialwesen bei der „Aktivierung originärer Musikfähigkeit“ (Ernst 1982. das die Teilgebiete: Kunstpädagogik. -psychologische und –soziologische Theoriebildung dienten und gleichzeitig exemplarisch als Modelle für die Anwendung in der sozialpädagogischen Praxis gelten konnten. Leidecker 2002).1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen Hochschuldidaktischer Kontext Bei der Einführung der Studiengänge Sozialarbeit und Sozialpädagogik („Sozialwesen“) an den Fach. 47) an und entwickelt Konzepte. Wrisch 1978).und Literaturpädagogik. für jedes Teilgebiet wurden zwei Professorenstellen eingerichtet. Musik im Ausbildungsfach „Ästhetik und Kommunikation“ Wie für jedes der Teilgebiete wurden dem entsprechend auch für die Musikpädagogik erziehungswissenschaftliche. 1 149 . musikalische integrative Förderprojekte mit Der Studiengang Sozialwesen (Sozialpädagogik und Sozialarbeit) wurde 1971 an der damaligen Fachhochschule Siegen-Gummersbach eingerichtet. Der durch diesen Studienbereich ausgelöste Professionalisierungsschub im Bereich der Sozialen Arbeit schlug sich in vielen soziokulturellen Initiativen nieder. musikpsychologische. wenn Studierende sich zuvor spezielle Musikkenntnisse und Fähigkeiten angeeignet haben. in dem die musikpraktischen Erfahrungen als Ausgangs.und Jugendmusikschulen. das zur Einsicht in gesellschaftliche Widersprüche führt. b. später wurde die Bezeichnung Universität-Gesamthochschule eingeführt.

An dieser Stelle greifen die Möglichkeiten der Musiktherapie (1977). wenn er selbst dergleichen nicht anbietet.Kindern. die grundsätzlich allen Studierenden der Universität Siegen zugänglich ist. zur sukzessiven Verringerung der Anteile des Studienfachs Ästhetik und Kommunikation. der Familienberatung. 2 Das Musiktherapeutische Institut für Kreative Kommunikation e. 4). Lehrveranstaltungen im Fach Ästhetik und Kommunikation wurden weit über den durch die Studienordnung vorgegebenen Rahmen nachgefragt. durch die sicher gestellt werden kann. dass der Sozialarbeiter psychotherapeutische Angebote kennen muss. die musiktherapeutische Arbeitsweisen beherrschen (Kapteina 1989). wie die musikalische Improvisation als eine Musikpädagogik im Sinne der „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ (Friedemann 1973. dass der wissenschaftliche Nachwuchs sich auch aus den Reihen der Sozialpädagogischen Profession rekrutieren kann. Im neuen Bachelor Studiengang „Bildung und Soziale Arbeit“ an der Universität Siegen umfasst er 4%. ermittelte den Bedarf an Sozialpädagogen. auch psychotherapeutische Funktionen zu. eine seit langem überfällige Maßnahme. so dass er seine Klienten entsprechend informieren und beraten kann. (MIK) veranstaltet auf Grundlage eines Kooperationsvertrags mit der Universität Siegen die Seminare und Übungen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für die postgraduierten Teilnehmer. Heute werden originär sozialpädagogische Praxisfelder. Eine Pilotstudie.und Jugendhilfe. In der sozialpädagogischen Beratungstätigkeit. Der Studienanteil des Faches Ästhetik und Kommunikation wurde sukzessive von ursprünglich achtzehn Semesterwochenstunden auf zwölf und schließlich auf sechs verringert. Im entsprechenden Master Studiengang ist es gar nicht vertreten. wie der Drogenberatung. nicht nur Bereiche der politischen und persönlichen Bildung sondern auch solche der künstlerischen Psychotherapien erreichen. Lutz von Werder weist darauf hin.V. die wir von 1985 bis 1987 durchführten. werden psychotherapeutische Methoden schon länger angewandt (Lutz von Werder 1977). Davon unberührt blieb allerdings das Verhalten der Studierenden. dass ästhetische Aneignungsprozesse.2 Didaktisches Profil der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung Im Verlauf der 1980er Jahre führten einige „Studienreformen“. Sie führt Projekte auf dem Gebiet der ästhetischen Bildung für Kinder und Jugendliche durch sowie Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter. Altenarbeit. 1 150 . Anfang der 1990er Jahre ein eigenes musiktherapeutisches Fortbildungsinstitut. Sie trägt neben der geschilderten hochschulpolitischen Entwicklung auch der inhaltlichen Tatsache Rechnung. Andererseits fallen der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund wachsender sozialer Verelendung und gesundheitspolitischer Engpässe neue. Nach einer dreijährigen Erprobungsphase wurde die Musiktherapeutische Zusatzausbildung im Februar 1989 vom damaligen Senat der Universität Gesamthochschule Siegen eingeführt. FrühDie Bezirksarbeitsgemeinschaft für Freizeitkulturelle Jugendarbeit e. (BAG) ist anerkannter Träger der Freien Kinder. ist die Supervision. auf dem in der Sozialarbeit psychotherapeutische Methoden Anwendung finden. Ansonsten ist Psychotherapie in der Sozialen Arbeit insofern wichtig. wie Prävention. Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung oder Sucht. usw. Immerhin wurde die Soziale Arbeit an der Universität Siegen in einen wissenschaftlichen Studiengang integriert. die weniger an hochschuldidaktischen als an fiskalischen Zielen orientiert waren. Mit der stärkeren „Verwissenschaftlichung“ ging allerdings auch die Vernachlässigung handlungsbezogener Professionalisierungsanteile einher.V. Das dritte Gebiet. dass gerade bei der Arbeit mit Menschen aus der gesellschaftlichen Unterschicht nonverbale und handlungsorientierte Verfahren von großer Wichtigkeit sind.und anderen psychischen Erkrankungen. Diese zusätzlichen Studienleistungen können seit Mitte der der 1990er Jahre auf eine kulturpädagogische Zusatzausbildung angerechnet werden. schulbegleitende Förderung. Ende der 1970er Jahre gründeten Absolventen ihren eigenen Trägerverein für Fortbildungen1.

musiktherapeutisch im Rahmen seines Berufes zu arbeiten. in welcher Fachwissen und Kenntnisse abgefragt würden. Praxiserfahrung mit Klienten und medizinisch-therapeutischem Wissen stehen muss (Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland. Die methodische Gestaltung der Ausbildungselemente folgt den Erkenntnissen der aus neurowissenschaftlicher Sicht elaborierten Lerntheorie. können die Teilnehmer ihrer jeweiligen beruflichen Situation oder auch ihrer persönlichen Entwicklung gemäß in weitgehend beliebiger zeitlicher Abfolge studieren. der zu Folge Lernen „ein ganzheitlicher Prozess ist.Juni 2002 von der Mitgliederversammlung des DBVMT beschlossene Anerkennungsvereinbarung zwischen Berufsverband und Universität Siegen. psychosoziale Beratung und Supervision neu als Tätigkeitsbereiche für Musiktherapeuten entdeckt (Tüpker 2006). sondern wir begleiten die individuelle Entwicklung und Reifung von „Musiktherapeutischen“ Persönlichkeiten. Er dokumentiert darüber hinaus aber auch. wie Lehrern. Gemäß einer am 8. Aufwand und Umfang dieses Vortrages entsprechen den Abschlussarbeiten anderer Ausbildungen. Dieser Richtlinie folgt die Ausbildung an der Universität Siegen mit dem Angebot der im folgenden genauer dargestellten drei „Module“: Sechs Hauptstufen. Jugendarbeit. dass die Kompetenz von Musiktherapeuten auf den vier Säulen Musikpraxis. Die einzelnen „Bausteine“. heute spricht man von „Modulen“. der besonders dann gelingt. dass der Inhaber berechtigt und befähigt ist.förderung.1 Nach dem Studium der Module 1 und 2 kann das Zertifikat der Universität verliehen werden. Die Absolvierung der gesamten Ausbildung wäre frühestens in dreieinhalb Jahren möglich. wobei zwischen den einzelnen Stufen beliebig lange Pausen eingelegt werden. 1 151 . dass und in welcher Weise der Absolvent die erworbenen Kompetenzen in einem Feld des Sozial. Ausbildungsstufen I. Vor dem Hintergrund. Bei dieser Vorgehensweise erübrigt sich die übliche Kontrolle durch Prüfungen. Die Siegener Ausbildung ist wachstumsorientiert.h. 15). wir bilden nicht nur in einem therapeutischen Verfahren aus. dass Sozialpädagogen mit musiktherapeutischen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt gute Arbeitsmöglichkeiten haben und auch bei anderen Berufsgruppen. wie sie dessen Grundlage mit Klienten mindestens ein Jahr lang erfolgreich gearbeitet haben. An ihre Stelle treten intensive Beratungen während der gesamten Studienzeit. 1998 und 2006). d. die jeweils auf ein halbes Jahr terminiert sind und nacheinander studiert werden müssen. musiktherapeutische Selbsterfahrung. Therapeuten. Es besteht ein Konsens unter allen Ausbildungsstätten an Hochschulen in Deutschland. welches bestätigt. Elf Begleitseminare. die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. 100 Stunden Einzel-Lehrmusiktherapie sowie musiktherapeutische Berufspraxis nach der Erwerb des Hochschulzertifikats zur Aufnahme in den Berufsverband BVM. Statt dessen stellen unsere Absolventinnen im Rahmen einer öffentlichen Fachtagung ihr jeweils eigenes. Sechs Zusatzseminare.oder Gesundheitswesens zur Geltung bringen kann. wenn er dem Entwicklungsprozess“ des einzelnen „und der Gruppe entspricht und aus ihm heraus entstehen darf“ (Frohne-Hagemann und Petzold 2006. individuelles Konzept vor und schildern. Qualität. Psychologen und Ärzten musiktherapeutischer Fortbildungsbedarf besteht. konzipierten wir eine Zusatzausbildung nach dem Baukastenprinzip für Studierende und praktizierende Angehörige von Helfenden Berufen. Am Ende des Studienganges steht demnach keine ritualisierte Prüfung.

der die Ausbildungsstufe leitet. Jenseits von musikkulturellen Bewertungen werden die Klänge von Fell-.m. Stille und Klang als unerschöpfliche Erfahrungsräume erleben zu können. die sie der Gruppe vorschlagen. sich von den Klängen faszinieren zu lassen. Dabei werden dann mehr oder weniger zwangsläufig die Lebensthemen aktualisiert. Rollenklarheit. das heißt die Fähigkeit. entdecken wir in der ersten Ausbildungsstufe der Musiktherapie Ausbildung unser „music child“ (Nordoff und Robbins 1986).So wie die Sozialpädagogische Musikpädagogik am „musikalischen Nullpunkt“ beginnt (Ernst 1982). ist neben den allgemeinen psychotherapeutischen Kriterien in der Musiktherapie der 152 . die Instrumente sicher zu handhaben und sich musikalisch auszudrücken. Damit werden Begriffe zur Verfügung gestellt. III In der dritten Ausbildungsstufe soll das Leiterverhalten gelernt werden. die sie anleiten und mitspielend und beobachtend begleiten. Der zweite Schwerpunkt in dieser Ausbildungsstufe ist die Erfahrung und Beschreibung von musikalischer Kommunikation. Musikalische Lerneffekte ereignen sich dabei als beiläufige Zugabe. Während in der ersten Stufe vorrangig Improvisationsspiele angeboten werden. Das können Episoden aus der Kindheit sein oder aktuelle Konflikte.a. miteinander musikalisch in Kontakt zu kommen. Der Lernprozess orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen der Gruppenmitglieder. deren Erfahrungsraum durch Spielregeln auf elementare Klang. horchen und lauschen zu können. Damit einher geht die intensive Auseinandersetzung mit den musikalischen Parametern Rhythmus. sie führen die reflektierenden Gruppengespräche und machen weiterführende Vorschläge. Abstinenzverhalten u. die bio-psycho-sozialen Dimensionen musikalischer Ausdrucksphänomene zu erfassen (vgl. und ihre Wirkung auf Körper. wenn sie durch das Spiel und in der anschließenden Reflexion zur Sprache kommen. Melodie. staunend und versunken hören. im Wald. wie sie sich in der Leiterrolle erlebt haben und bekommen Feedback vom Dozenten. am Körper usw. bei denen wir „spielen.und Saiteninstrumenten. diese Themen weiter zu bearbeiten. Spiele von Lilli Friedmann (1973) oder Fritz Hegi (1997) erweisen sich als besonders geeignet. Seele und Gruppengeschehen erforscht. die Entwicklung von Introspektionsfähigkeit und Sensibilität in der Gruppe sowie Konfliktfähigkeit steht im Vordergrund. In Phasen der Meta-Kommunikation erhalten sie Feedback von der Gruppe. wie wir uns im Moment fühlen“. Lehrmusiktherapie). indem die Teilnehmer ihre Fähigkeit. Zusammenklang und Klangfarbe. bei der ästhetische Ereignisse als nicht sprachliche Bedeutungsträger erfasst werden.und Gegenübertragungsprozessen.a. Rassel-.und Kommunikationserfahrungen eingegrenzt ist. überlegen sich geeignete Spielangebote. bieten wir geeignete musikalische Spiele an. Die Bandbreite geht von musikalischen Rollenspielen über die musikalische Reinszenierung einer bestimmten Familienszene bis hin zur musikalischen Darstellung eines Gefühlszustands oder eines Körpersymptoms u. weiterentwickeln. II In einer zweiten Ausbildungsstufe steht die Bearbeitung der durch die musikalischen Erfahrungen aktualisierten Lebensthemen und biographischen Materialien im Vordergrund (Musiktherapeutische Selbsterfahrung. oder „was uns gerade einfällt“ oder „wonach es uns gerade ist“ und versuchen. Übertragungs. die der betreffenden Person helfen. genau zu hören. wie Therapievereinbarungen. Kapteina 2007). Metall-. teilen selbst mit. treten in der zweiten Stufe „freie“ Improvisationen in den Vordergrund. Da Musik direkt auf die subkortikalen Funktionen des limbischen und vegetativen Systems wirkt. Im permanenten Wechsel zwischen musikalischer und Selbsterfahrung und methodischer Reflexion werden die für wichtigsten Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit mit Musik erfasst. Die Teilnehmer übernehmen zeitweise die Leitung der Gruppe. der Stimme oder von schallfähigen Materialien im Raum. die die differenzierte Beschreibung musikalischer Erfahrung ermöglichen. Blas.

Er macht Vorschläge. Ärzte und Psychologen) wird vorausgesetzt. Anhand von musiktherapeutischen Improvisationsübungen werden unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen. lässt dem Gegenüber aber die Entscheidungsfreiheit. Er ist engagiert.B. sagt was er denkt und fühlt. Feedback. Dieses musikästhetische Prinzip der generellen Akzeptanz impliziert. Der Therapeut geht nicht direktiv vor. dass jeder Klang und jedes musikalische Ereignis gleich wichtig ist (vgl. integrierend. sind auch die der Musik zu Grunde liegenden Emotionen wert zu schätzen. hierzu Kapteina und Hörtreiter 1993. die sie mit ihren Klienten durchgeführt haben. So wie in der freien musikalischen Improvisation gilt. nährend. probeweise durchspielen. Charles 1984. dass Beschreiben und Verstehen den verbalen Diskurs bestimmen und nicht Interpretationen. epileptischen Anfällen. stabilisierend. Vereinbarte Therapieziele. Er stellt ein seinem therapeutischen Verständnis entsprechendes Untersuchungsdesign her. soweit das nicht störend für den Prozess oder die Beziehung ist. V und VI In der vierten und fünften Ausbildungsstufe wenden die Lernenden mindestens ein Jahr lang ihre Fähigkeiten in der selbständigen Arbeit mit Klientengruppen an. die sie mit ihren Klienten durchführen wollen. wie z. um sich Feedback über ihr Leiterverhalten zu holen. Sie bilden gleichzeitig den Bezugs. aufdeckend. die es ihnen ermöglicht. um einfühlendes Verstehen bemüht. B. erarbeitet. Bewertungen und Beurteilungen. erörtert. und Gegenübertragungsgefühle werden mit der Methode der musikalischen Improvisation bearbeitet. Spiele und musiktherapeutische Inszenierungen. Die erarbeiteten Therapieverfahren werden auch unter Gesichtspunkten der Risikoplanung bei z.oder Videoaufzeichnungen werden Praxissituationen analysiert. Die Supervision bedeutet 153 . Dabei werden sie durch intensive Ausbildungssupervision begleitet. Anhand von Tonband.und Orientierungsrahmen für deren Evaluation. Er stellt die erforderlichen Methoden und Materialien bereit. verändert es nach Maßgabe der prozessualen Diagnostik und passt es neuen Erkenntnisse an. zeigt Gefühle. die durch die Arbeit mit den Klienten aktualisiert werden. IV Bei einer Zusatzausbildung für Helfende Berufe (Sozialpädagogen. Folglich sind Therapiekontrakt und die Anamnese nicht nur die Grundlage der jeweiligen Therapie. Hilfreiche Fragen. 132-168). aggressivem Verhalten. Problemanalyse. dass die Teilnehmer bereits therapeutische Vorkenntnisse und Erfahrungen mitbringen und die spezifisch musiktherapeutischen Inhalte auf eine Weise vermittelt bekommen. anerkennend. Pädagogen. an denen die Evaluation die Bewertung des therapeutischen Prozess ausrichtet. Die therapeutische Haltung ist partnerschaftlich. Sie können nachträglich Interventionen. akuten psychotischen und anderen Ausnahmezuständen usw. etc. Zielentwicklung. ob und inwiefern sie geplante Vorhaben modifizieren sollten. Persönliche Themen. Autoaggression. Informationen und Hinweise bestimmen den Dialog zwischen Therapeut und Klient. Während der vierten Ausbildungsstufe sollen sie bei der musiktherapeutischen Profilbildung unterstützt werden. akzeptierend. 40). erlebnisorientiert. hier können sie zusammen mit ihren Kollegen Interventionen. übungszentriert.Umgang mit Emotionen und Affekten besonders zu beachten (vgl. Er ist (selektiv) echt. Inhalte sind Indikationsstellung und Therapieplanung. Des weiteren werden während der vierten Ausbildungsstufe geeignete Methoden der Erfolgskontrolle und Qualitätssicherung vermittelt. Therapeuten. Kontraktvereinbarung. offen. verständnisvoll. das Konzept und die Arbeitsweise des jeweiligen Therapeuten abgestimmt sein. Suizidgefährdung. sich beraten lassen. mit der Supervisionsgruppe nachspielen. ermutigend. bemüht und interessiert. Sie ist freundlich. sie in ihre bereits vorhandene professionelle Identität zu integrieren. Fachliche Defizite werden aufgearbeitet. Ein geeignetes Evaluationsverfahren muss eng auf das Selbstverständnis. festgestellte Krankheiten oder Störungen sind die Faktoren. konfrontativ.

a. Sozialarbeiter. Ergebnisse der musiktherapeutischen Praxis darstellt. das Arrangement von Rock. Krankenschwestern u. Instrumentenbau und akustische Klangerkundung. dass viele Teilnehmer die Absolvierung der einzelnen Ausbildungsteile zum Teil über mehr als zehn Jahre verteilen. Evaluation Die Universität hat in im Rahmen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung ca. Ergotherapeut. Verlaufsanalysen. und die der Zusatzausbildung beigemessene Bedeutung wurde nach Möglichkeiten.und Popmusik. Psychologen. Musik.a. Eine weitere stark vertretene Gruppe sind Erzieherinnen (12%).außerdem die Verankerung von musiktherapeutischen Konzepten und Evaluationsverfahren in das eigene berufliche Konzept. Lehrer. sowie nach Präventionsarbeit2 in pädagogischen und sozialtherapeutischen Feldern. Ziele der musiktherapeutischen Intervention. Hebamme. dass Dipl. Altenpfleger. Gemeindepädagoge. Verknüpfung musiktherapeutischer Kompetenzen mit einem sprachlich orientierten psychotherapeutischen Auswertungs. Singen u. Gerontotherapeut. Umgang mit Atem und Stimme. 1 2 von 176 versandten Fragebögen kamen bis Juni 2006 139 zurück Eine Besonderheit der Siegener Ausbildung ist es. Selbstständiger Arbeit in eigener Praxis. 154 . Die Datenerhebung ergab.und Instrumentalpädagogen stellen mit 16% die zweitgrößte Gruppe dar. Psychoanalyse. 200 Teilnehmer pro Jahr betreut. Gesprächsführung. Pädagogen sind mit 49% die weitaus größte Berufsgruppe ist. Neben Informationen über den Grundberuf.und Integrationsverfahren. Am Ende der sechsten Ausbildungsstufe wird eine Praxisdokumentation erstellt.v. etc. Heilpädagoge. Gestalt. Bewegung. Umfang und Bedingungen musiktherapeutischen Wirkens im Rahmen eines Arbeitsplatzes (im Grundberuf) und zusätzlich oder ausschließlich in einem anderen Kontext.und Popmusikstücken. Unter der Position „Sonstige“ (10%) sind die übrigen Berufsgruppen zusammengefasst. zur Musikpsychologie und die theoretischen Grundlagen der Musiktherapie vermittelt. Tanzen in der sozialen Gruppenarbeit. die diagnostische Angaben zum Klientel.B. Tanz. sind mit 10% vertreten. Basiswissen wird in Seminaren zur Sozialmedizin. die ihre Qualifikation durch die Musiktherapeutische Zusatzausbildung erweitert hat. Erziehungswissenschaft. weitere therapeutische Qualifikationen. je nach Grundberuf und vorherigen Ausbildungen (TZI. Dabei soll auch gelernt werden. Dipl. die derzeitige berufliche Beschäftigung. Im Jahre 2006/07 fand eine Absolventenbefragung mittels Fragebogen statt. Logopäde.). auf den die Zusatzausbildung aufbaut. Weitere Ausbildungselemente In den 11 Begleitseminaren des zweiten Moduls wird die musiktherapeutische Basiskompetenz durch zusätzliche musikpraktische Erfahrungen ergänzt: Elementare Musiklehre. präventive Methoden mit einzubinden in Form von Begleitseminaren zu Themen wie Rock. Außerdem muss sich jeder Teilnehmer eine Methode der Gesprächsführung angeeignet haben. wodurch der Erfolg der Zusatzausbildung evaluiert wurde1. wie z. freier Mitarbeit in einer Praxis. Personen aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich wie Ärzte. Diese Dokumentation wird als öffentlicher Fachvortrag vor einem Fachpublikum gehalten. musiktherapeutische Kompetenzen wirksam auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren. Seelsorger. die Entwicklung der therapeutischen Rolle in der Auseinandersetzung mit der bisherigen beruflichen Tätigkeit. Das Baukastenprinzip impliziert. wie Honorartätigkeit in einer Einrichtung. Liedersingen und arrangieren sowie Musik. Des weiteren werden Informationen erhoben über die musiktherapeutischen Schwerpunkte der Absolventen. Sozialpädagogen und Dipl.

Musiker Kirchenmusiker Erzieherinnen Krankenschwester/-Pfleger Ärzte 12% 3% 6% 10% 6% Dipl. in einem Fall ohne Angabe. als Honorarkraft 49 Pers. Dies ist noch bei 8 weiteren Personen der Fall. teilweise gibt es Kombinationen. Arb.Grundberuf 10% 2% 2% 6% 43% Dipl. 49 Absolventen haben eine Honorarstelle. Soz. integriert im Grundberuf 78 Personen zur Zeit nicht 23 Pers. In 13 der 23 Fälle lässt sich Musiktherapie nicht in den derzeitigen Aufgabenbereich integrieren. Soz. 3 auf der Suche nach einer Honorarstelle.und Instrumentalpäd. die in ihrem Beruf tätig sind. 105 Absolventen erbringen institutionell eingebettete Angebote1. bei einer Person steht die Dissertation über Musiktherapeutische Arbeit im Vordergrund. 5 Personen waren zum Zeitpunkt der Erhebung in Familienpause. Dipl. in eigener Praxis 33 Pers. Auch die Gründe für den Nicht-Einsatz wurden erfragt. Pädagogen Lehrer Musik. Psychologen Sonstige Eingesetzt wird Musiktherapie von 78 Personen in ihrem Grundberuf. Päd. 22 als Honorarkraft. Musiktherapie dort jedoch nicht integrieren können und deshalb zusätzlich eine Honorartätigkeit in geringem Umfang (1-3 Stunden/Woche ) in einer anderen Einrichtung ausüben. davon: 78 integriert am Arbeitsplatz bei Beschäftigung im Grundberuf. 10 in Kombination Honorarstelle und freiberufliche Tätigkeit in einer Praxis und 17 kombinieren Beschäftigung im Grundberuf und zusätzlich Honorartätigkeit Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Einsatzorte von Musiktherapie 1 teilweise Überlappungen 155 . 33 sind in eigener Praxis tätig. Einsatzorte 36 Personen setzen Musiktherapie freiberuflich ein.

Diplompädagogen. 40 mit Jugendlichen und 27 mit Senioren. Dipl.Selbstständig/Freiberufl. dass 93 von 139 Absolventen zum Zeitpunkt der Befragung Präventionsarbeit leisteten. in eigener Praxis als freier Mitarbeiter in einer Praxis Div. schwerpunktmäßig mit Erwachsenen.und Therapieeinrichtungen Hospize Fortbildungsinstitute Ambulante Pflege Kichengemeinde Werkstätten Familienhilfe 33 3 23 22 16 10 8 7 6 5 2 2 1 1 1 1 Bezüglich des Klientels geben von 116 musiktherapeutisch tätigen Absolventen 68 an. andere 43 Die Frage nach dem präventiven Einsatz musiktherapeutischer Methoden ergab. 7 speziell mit Frauen und 10 mit Familien zu arbeiten. die Präventionsarbeit in Form von 1 Mehrfachnennungen möglich 156 . Arbeitsschwerpunkte Die Angaben wurden durch Multiple-Choice-Auswahl ermittelt Verhaltensauffälligkeiten 61 Ängste / Angststörungen 60 Depression 54 Aggression 53 Musiktherapie bei Trauer 38 ADHS 37 Demenz 24 Schmerz 21 in offener Form erfragte sonstige Behandlungs. Sozialarbeiter und Lehrer bzw. Sozialpädagogen.) Schulen/ Sonderschulen Tageskliniken/-stätten Musikschulen Kindergarten/Kitas Beratungsstellen Förder. 62 schwerpunktmäßig mit Kindern. Bei diesen handelt es sich zu ungefähr gleichen Teilen um Dipl.und Arbeitsschwerpunkte1 Geistige Behinderung 12 Entwicklungsverzögerungen 5 Behinderungen allgemein 9 Sprachstörungen 4 Autismus 9 Down Syndrom 4 Psychische Erkrankungen 8 Rettsyndrom 3 Psychosomatische Störungen 6 Mutismus 3 Persönlichkeitsstörungen 4 Traumata 5 Trennung und Scheidung 4 Wachkoma 3 div. Die Behandlungs. 12 davon ausschließlich.bzw. Heime Kliniken (stat.

Peter (Hrsg. Musikmalen. „Die Erfahrungen in der Ausbildung sind eine Bereicherung für das gesamte Leben. Anselm (1982): Musik und Sozialpädagogik – Zur Neuorientierung der Schulmusik. 123 gaben an. Zeitschrift für Musikpädagogik 18: 44-49 Friedemann. Hartmut (1989): Musiktherapie in der Sozialarbeit. Musiktherapeuti1 auch Absolventen. soziale und professionelle Aspekte. SIEGEN:SOZIAL 68-70 Kapteina. Siegen. Hartmut (1977) Anmerkungen zum derzeitigen Stand der Musikpädagogik im Sozialwesen. und damit Angehörige anerkannter Professionen mit musiktherapeutischer Zusatzausbildung hervorragende Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen. Lilli (1969a): Musikalische Bewusstseinsbildung ohne Noten. Trommeln. Klangmassage anbieten. 157 . Singen. so ein Absolvent in einem Interview über die Bedeutung der Zusatzausbildung (Hesse 2005). Lilli (1969b): Kollektivimprovisation als Studium und Gestaltung neuer Musik. Tanzen. Musiktherapeutische Umschau 517 Hegi. 100-118. bis die Voraussetzungen für die berufspolitische Anerkennung der Musiktherapie gegeben sind. Literatur: Charles.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Befragt danach gaben 1341 Personen an. 500-502 Friedemann. Ein weiterer Gewinn des Siegener Modells ist der Nutzen der Musiktherapeutischen Ausbildung als Erweiterung und Bereicherung des Sozialpädagogikstudiums oder Lehramtsstudiums hinsichtlich Wahrnehmungs. Lilli (1973): Einstiege in neue Klangbereiche durch Gruppenimprovisation.und Kommunikations. Wolfenbüttel Friedemann. Improvisation. Isabelle und Petzold.und Weiterbildung In: Marchal.und anderer pädagogischer Basisqualifikationen sowie Selbsterfahrung. Allerdings ist es oft schwierig. Die musiktherapeutische Spezialisierung in einem anerkannten Grundberuf ermöglicht den Zuwachs an Methoden und Handlungsrepertoire und damit einen besseren Zugang zum Klientel. Fazit Unabhängig von der derzeitigen Arbeitsmarktsituation. dass immer weniger Institutionen sich einen hauptberuflichen Musiktherapeuten leisten können oder wollen. Hartmut (2007): Zur Ästhetik der musikalischen Improvisation in der Musiktherapie. die Zusatzausbildung als persönliche Bereicherung zu erleben. Siegen: Universität Kapteina. Daniel (1984): Musik und Vergessen. Der Ausbildung beigemessene Bedeutung Der signifikante Einsatz von Musiktherapie (116 von 139 Absolventen) lässt bereits vermuten. den Rahmen musiktherapeutischer Arbeit durch klare Abgrenzung zu anderen Aufgaben der Institution sicher zu stellen. die dazu führt dazu. 39 Personen haben sich auf Grund der Zusatzausbildung beruflich umorientiert. Berlin Ernst. Musik und Bildung. Paderborn Hesse. machten diese Angabe. Hilarion (2006): Lehrtherapie in der Ausbildung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten – personale. Persönlichkeitsentwicklung und Erweiterung des methodischen Handlungsrepertoires. die Musiktherapie derzeit nicht ausüben. Fritz (1997): Improvisation und Musiktherapie. Möglichkeiten und Wirkungen von freier Musik. Archiv für angewandte Sozialpädagogik 289-302 Kapteina. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. Ramona (2005) Die Bedeutung der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für Studium und Praxis. denn sie dienen mir auch heute noch zur Psychohygiene“. Wien Friedemann.Musizieren. dass der Zusatzausbildung eine erheblich Bedeutung seitens der Absolventen beigemessen wird. pflegenden oder anderen helfenden Beruf so lange dem Gesundheitsund Sozialwesen als Ressource zur Verfügung zu stehen. Wien Frohne Hagemann. kann sie als Binnenqualifikation in einem pädagogischen. Bandarbeit. Lilli (1971): Kinder spielen mit Klängen und Tönen. dass ihre berufliche Perspektive durch diese Zusatzausbildung erweitert wurde.

Musiktherapeutische Umschau 77-79 Leidecker. Dipl. IV A 2 6406. Seevetal Die Autoren des vorstehenden Textes sind: Inge Kritzer. 26-37 Wrisch. Gestaltberater. Hartmut. Hans (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. *1951. Klaus (2002): Musik als Begegnung. Individuelle Behandlung für das behinderte Kind. Stuttgart Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (1998): Thesen zur Musiktherapie. Lehrbeauftragte und Lehrmusiktherapeutin der Universität Siegen. Tanz an der Universität Siegen Hartmut Kapteina. Hörtreiter. Wiesbaden Tüpker. Professor für Musikpädagogik und Musiktherapie an der Universität Siegen 158 . Wiesbaden Ministerium für Wissenschaft und Forschung. Musiktherapeutische Praxis an einer akutpsychiatrischen Klinik. Ästhetik und Kommunikation. Musikschullehrer. Sozialarbeiterin. Musiktherapeutische Umschau 232 – 235 Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (2005): Erste Konsensbildung zum Berufsbild. *1957. Musiktherapeutin (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis und an der Musikschule der Stadt Siegen. NW (1976): Erlass von September 1976. Dipl. Paul und Robbins. Betr. Musiktherapeut mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG).sche Umschau 5-16 Kapteina. *1946. Wolf (1978) Der Lernbereich Ästhetik und Kommunikation. Sozialpädagogin mit Musiktherapeutischer Zusatzausbildung und Zusatzstudium Kulturpädagogik. Lehrbeauftragter und Lehrmusiktherapeut der Universität Siegen. Almut (1976): Musik in der Sozialpädagogik. Rosemarie (2006): Neue Wege der Musiktherapie. Stuttgart Seidel. Leitender Dozent in der musiktherapeutischen Zusatzausbildung an der Universität Siegen Ramona Hesse. Schöpferisches Handeln zwischen Pädagogik und Therapie. Ausbildungsleiterin der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung der Universität Siegen Karl Heinz Wortmann. Materialien zur Didaktik und Methodik des Musikunterrichts. Lutz (1997): Psychotherapeutische Sozialarbeit am Ende des Sozialstaats. Lehrbeauftragte für Msuik und Bewegung. Sozialpädagoge. Düsseldorf Nordoff. Musiktherapeutische Umschau 216-226 von Werder. Sozialmagazin 5. Dipl. Supervisor DGSv. Nr. Supervisorin DGSv. *1944. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Musiktherapeut (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis mit erwachsenen Patienten.

über großes Repertoire an Möglichkeiten. Identifikationen. Methoden der Gesprächsführung beherrschen und anwenden clientzentrierte Gesprächsführung (Rogers) themenzentrierte Interaktion (Cohn) 159 . Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anerkennen: Sachaussagen. Beziehung zwischen ästhetischer Erfahrung und Alltagsleben herstellen 5. direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer annehmen 7. ausreichend Raum und Zeit geben zur sinnlichen Erfahrung 2. die auch mit der Überschrift „ganzheitlicher Unterricht in Kunst. es gibt kein richtig und falsch. Erinnerungen. Musik und allen anderen Fächern“ versehen sein könnte: Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik 1. ästhetische Erfahrungen anzuregen. Assoziationen. Projektionen. verfügen 6. ausgewogenes Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion anregen 4.Aus dem Titel: Christine Mann u.a. jede subjektive Lösung würdigen 3.: „Selbsterfahrung durch Kunst“ (Weinheim 1995) gebe ich nachfolgend unter dem Stichwort „Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik“ eine kleine Zusammenfassung.

Tanzen. C. sich selbst annehmen und einbringen können . damit man den Jugendlichen eigene Rockmusik – Praxis ermöglichen kann. Siegen 1989. Peter (Hg): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. A.): Populäre Musik im kulturwissenschaftlichen Diskurs.. Begeistern können A.) Praxiserfahrung (musiktherapeutische Settings kennen. Instrumentenbau. wie Musik auf einen selbst wirkt. Jugendsoziologie Bei der Arbeit mit Behinderten: Selbst eine enge persönliche Beziehung zur Musik haben B. Versuch einer musikhistorischen und musiktheoretischen Aufarbeitung. Supervision . E-Bass. 1 Zur Frage der „Neuheit“ im Bereich der Rock. in: Marchal. In der Jugendarbeit: Sich musikalisch ausdrücken können. Musikpraxis (Instrumente spielen können. Refrain) Rhythmisch dominiert der 4/4 Takt. Musiktherapie in der Sozialarbeit. Karben: CODA Musikservice + Verlag..) Selbsterfahrung (sich selbst kennen. improvisieren können . z. B. Keyboard. Keyboard1). Kreuzrhythmen etc. Beiträge zur Popularmusikforschung 25/26. Krankheitsbilder. bestimmte Instrumente mit geringem Schwierigkeitsgrad spielen können (Gitarre. konsequentes Verhalten C. Singen..und Weiterbildung.. In: Helmut Rösing und Thomas Phleps (Hrsg.und Jugendalters.und Popmusik belegt Wolfgang Jaedke eine ganze Reihe musikalischer Konstanten. (Wolfgang Jaedke: Popmusik als Epochenstil. „Tempo und Lautstärke variieren fast nie. musikalische Hörstunden veranstalten können. Gruppen leiten können. 201-206) 160 .. D. ein Soloinstrument diese „spezifische Klangfarbe“ wird durch hinzukommende elektronisch erzeugte Klangeffekte modifiziert. Gesang und ggf. einer oder mehreren Gitarren. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. Improvisation nach Regeln B. singen können. Schwerpunkt-Antizipationen. Schlagzeug. für die Arbeit mit Heimkindern: A. Rock. Formales Kompositionsprinzip ist die Liedform (Strophen. die Rhythmische Gestaltung ist den bekannten afroamerikanischen Merkmalen verpflichtet: Offbeat.In den Jahren 1987 und 1988 haben wir im Kreis Siegen Wittgenstein eine Befragung bei allen Trägern sozialer Arbeit über den Bedarf an musikbezogenen Kompetenzen bei Sozialpädagogen und Sozialarbeitern durchgeführt (vgl. Musikpsychologie .. Varianten sind bei der Behandlung gesellschaftlicher Themen gegeben. 100-118).und Popmusik ist Vokalmusik mit lyrischer Grundhaltung (Ausdruck eines fühlenden Subjekts).B. Synkopen. Tanz und Bewegung Reflexion der eigenen Jugendphase Sensibilität für die Geschichte und die besondere Entwicklungssituation der Jugendlichen Entwicklungspsychologie des Kinder.. Einfühlungsvermögen.) Soziologisches. Praxis reflektieren können. die für die Szene seit den 50er mit geringfügigen Abweichungen unverändert gültig sind: das Schlagzeug grundiert ein Stück von Beginn bis zum Ende das Instrumentarium besteht aus Schlagzeug.. wissen. außerdem wird verlangt: Singen. psychologisches und medizinisches Wissen (psychosoziale Konfliktfelder.) Je nach Klientel werden verschiedene Kompetenzen zusätzlich genannt. Realitätssinn. 2000. Besetzung“. Interaktionen gestalten können. Frustrationstoleranz. Kreativität. Liederrepertoire beherrschen. höchstens in Abhängigkeit von Schlagfolge bzw. D. die Ergebnisse zeigten Kompetenzbedarf auf den vier „Säulen der Musiktherapeutischen Ausbildung“ (Kasseler Konferenz): A. C.

Eine positive Einstellung zu Behinderungen haben Abgestimmte Einstiegesmöglichkeiten kennen und anwenden können. C. z. D. Glaube. B.B. Geduld Alterseinschränkungen und -krankheiten kennen A. bei offenen Veranstaltungen) Existenzfragen. Tod. bearbeitet haben Liebe. begleiten und auswerten können Persönliche Ausstrahlung. Verständnis für alte Menschen. in denen man mit Musik besser weiter kommt als mit Gespräch In der Altenarbeit Musik flexibel einsetzen können (im Krankenzimmer. C. in der Gruppe. B. die Mut macht zu musizieren Sensibel sein für Situationen. 161 . A. D. C. auf die Geschichte und die behinderungsbedingten Besonderheiten eingehen können Krankheiten und Behinderungsarten kennen In der Beratungsarbeit: Offene musikalische Spielsituationen personenbezogen gestalten.B.

Das belegt ein Blick in die aktuellen Vorlesungsverzeichnisse: Von 22 Hochschulen mit sozialpädagogischen Studiengängen in Deutschland erbringen lediglich zwei kein musikpädagogisches Angebot.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind generell auf kreative soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss.. ästhetische Gegenstände differenziert wahrzunehmen und in den kommunikativen Prozessen des beruflichen Handelns schöpferisch zu nutzen. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden. Erfahrungs. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen.. Gehörbildung. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. In 52 Methodenseminaren und Übungen erhalten die Studierenden das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. Fest. Musik oder Folkloretanz mit Senioren. Rhythmusarbeit. welche die Studierenden befähigen. Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. dass zur sozialpädagogischen Ausbildung zwingend auch Vorlesungen. 28).und Feiergestaltung. Rockmusikpraxis. Kindermusical. der es möglich macht. als Partner. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten.und Videopraxis über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. Hörspiel. Bestandteil des sozialpädagogischen Qualifikationsprofils. Musikalisches. 162 . als Einzelner. Kinderkunstwerkstatt. Seminare und Übungen gehören. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. Radiosendungen.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . ist noch heute die Fähigkeit. ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. wie Musiktheorie.Text zum Stichwort MUSIK aus dem Wörterbuch „Soziale Arbeit“. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. wie Rockmusik mit Jugendlichen. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. Tanz. szenischem Spiel. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. auch Musik am Computer und digitale Medien. Im Wintersemester 2002/2003 werden von den untersuchten Hochschulen 17 Vorlesungen und Seminare mit theoretischen Einführungen angeboten. Gitarre. Weinheim 2003: Mit einem Erlass zum Studienfach „Ästhetik und Kommunikation“ legte 1976 das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein Westfalen fest. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. Sprache. wie Bewegung. In 14 Veranstaltungen werden Praxisprojekte begleitet. emotionales. als Gruppe. soziales. Obwohl der damals festgelegte Umfang des Lehrangebots nie erreicht wurde. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. einen Rahmen. Das Spektrum der Themen reicht von allgemeinen historischen. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Musik reflektiert und methodisch anzuwenden.

Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. Identifikationen. Familienwochenenden etc. die Konzepte für die musikalische Breitenbildung aus der Nachkriegszeit für die Jugendmusikschule aktualisieren. Hill. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. Soziale Berufskarrieren verlaufen dementsprechend nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in die Sozialpädagogik mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und –Management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001) oder Prävention. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. 1992. Mann 1995).und Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. Kapteina 2003) Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. die sich explizit an Kinder aus benachteiligten Familien richten (vgl. Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. in Kapteina 2003). Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet. Musikpädagogisch qualifizierte Sozialpädagogen führen in Stadtteilen oder in abgelegenen ländlichen Gebieten Musikkurse durch. wie Musikfreizeiten. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. Komponieren und Improvisieren von Musik ist“. die soziale Brennpunkte. Auch bei der Jugendarbeit haben sich mobile Projekte bewährt. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie Familienorientierte Angebote. Keyboard-. al. (vgl. Erinnerungen. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. die Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. Assoziationen. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. „deren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. Frühförderstellen und im Rahmen von Schulsozialarbeit praktiziert. Schreiber 2003). Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop. Seidel. 10). „Mobile Musikschulen“ stellen Projekte der Gemeinwesenarbeit dar. Er ist in der Lage. auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. 1995) Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. 1996. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. Dentler 2001). Bass.- Jede subjektive Lösung wird gewürdigt. Mann et. 163 . ästhetische Erfahrungen anzuregen. Entsprechende Zusatz.

und Ausbildungskonzept. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit. : „Rockmobil“ . H.: Musik als Begegnung. al.eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. Sie organisieren Kulturprogramme oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung akustischen und des musikalischen Milieus in den Einrichtungen. 35-44 Kapteina.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. in: Musiktherapeutische Umschau 1992. 298-306 Wickel. H. B. Opladen 1996 Kapteina. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). Heilen.: MOMU. H. Eine Einführung. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer denn zum Tragen. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden und Tanznachmittage. H. http://www.: Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. die Mobile Musikschule. Musikmachen und Lebensbewältigung. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Münster 1998 Wickel. Helfen. al. H. (Hrsg. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und –Pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. H. Wiesbaden 2002 Mann. K. Opladen 2001 Hill. Anmerkungen zu einem Praxis.de/musiktherapie/ Leidecker. C. A. Hartmut: Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe.Neben den bereits erwähnten bei Mann et. Schreiber@momu. B. Auch in der Ehe.uni-siegen.: Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII 2001. wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht. Weinheim 2004 164 . H.musiktherapie. Weinheim 1995 Schreiber.und Familienberatung können Rollenkonflikte.: Partytime.de 2003 Seidel. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. / Hörtreiter.: Musik zum Erleben.: Sozialpädagogische Musiktherapie. Stuttgart 1993 Kapteina. Literatur: Dentler. H. et. K.: Selbsterfahrung durch Kunst.

Ligeti. Cage. Ich fühlte mich bedauert. dass es doch möglich sein müsste. nämlich von Patient und Therapeut. Stolz. Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik Improvisation als ästhetische und gesellschaftliche Zumutung in der Musiktherapie1 Am Beginn einer Musiktherapie Sitzung sprach eine Patientin Sitzung zu mir: „Wie kann man diesen Krach den ganzen Tag aushalten!“ Ich deutete ihn als Impuls auf mehreren Ebenen: Ich sah etwas wie Stolz in ihren Augen. welche Bedeutung dem ästhetischen Zugang in der musiktherapeutischen Praxis und Theoriebildung zukommt. Musikalische Freiheit jenseits von Metrik und Tonalität Der Weg dahin verlief über kompositorische Erfahrungen mit der Zwölfton. wo die Avantgarde der damaligen Zeit zu Hause war: Bernd Alois Zimmermann. Die Geburt der Gruppenimprovisation aus der Neuen Musik Mein Studium finanzierte ich mit Musikunterricht an einer Fachschule für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. Ich habe die musikalische Gruppenimprovisation2 in den Sechziger Jahren während meines Schulmusik. Antje (Hrsg.und Kompositionsstudiums an der Musikhochschule in Köln für mich selbst als Möglichkeit entwickelt.10 Neue Musik.): Improvisation – Therapie – Leben. eigene Ordnungsprinzipien zu entwerfen und musikalische Zusammenhänge zu stiften. in denen wir zusammen mit unseren Lehrern lernten. Zuvor möchte ich nach einer historischen und zum Teil auch biographischen Einleitung eine ästhetische Theorie der musikalischen Improvisation darlegen und anhand einer kurzen Szene aus der Behandlung der zitierten Patientin aufzeigen. anderseits aber auch eine deutliche Abwertung des musikalischen Handelns – sowohl des der Patientin selbst als auch des ihrer Mitpatienten. wie man es bei gestressten Eltern oder Lehrern tut. Ulrike. Hier entstand bei mir die Idee. Das war wie ein musikdidaktischer Quantensprung. Sie entwarfen Modelle Erschienen in: Haase. etwas von der schöpferischen Begeisterung. elektronischen und aleatorischen Kompositionsexperimenten im Aufbruchklima der Sechziger Jahre und an einer Musikhochschule. 64-75 Ich verwende in diesem Beitrag die Begriffe Improvisation und Gruppenimprovisation synonym. bei denen ich die Freiräume jenseits von Metrik und Tonalität genoss. lauten und aggressiven Anteilen zu bekommen. die man beim Komponieren erlebt. Crossen 2005: Akademie für angewandte Musiktherapie. Vor allem aber hörte ich eine ästhetische Anfrage: Was machen wir hier eigentlich? Musiktherapie oder Krachtherapie? Die ästhetische Anfrage berührt die theoretischen und ethischen Rahmenbedingungen der Therapie. im Verlauf ihrer Depressionsbehandlung Kontakt zu ihren wilden. mit Schülern in einen schöpferischen und sinnvollen Prozess des Musik Lernens zu kommen. Stockhausen. weil der musiktherapeutische Kontext die therapeutische Beziehung von mindestens zwei Personen voraussetzt. wie es damals hieß. werde ich am Ende meines Beitrags berichten. deren Kinder außer Rand und Band geraten sind. Die Schülerinnen kamen in Kontakt zu ihren schöpferischen Fähigkeiten.und anderen Kompositionstechniken. denen sie zum Teil exzessiv in der Musiktherapie Ausdruck verlieh. das erste Studio für elektronische Musik am WDR und später auch an der Hochschule. 2 1 165 . Immerhin war es ihr gelungen. Sie äußert Klärungsbedarf einerseits. Ein spannendes Abenteuer mit seriellen. Wie ich darauf eingegangen bin. in den Musikunterricht einzubringen. Kagel.

Sie entwickelten große Musikaktionen. 1972 stellte ich die Gruppenimprovisation in meiner Probevorlesung an der damaligen Fachhochschule Siegen . Gerd Lisken. Mit der Zeit merkte ich. innerhalb derer die Eigeninitiative der Ausführenden das klangliche Ergebnis bestimmt. sind sie von der radikalen Erweiterung des musikalischen Materials bestimmt. Lore Auerbach. Damit einher geht eine neue Rollenflexibilität der am musikalischen Prozess beteiligten Personen. gleichzeitig hatten Kolleginnen wie Gertrud Meyer-Denkmann. aus Fabrikhallen etc. um nur einige zu nennen. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. So entstehe „ein Zusammenspiel. Ich behauptete. Eine erste ästhetische Beschreibung der Gruppenimprovisation unternahm ich 1974 in der Zeitschrift „Archiv für Angewandte Sozialpädagogik“. die bei Schulfeiern zur Aufführung kamen. den Kompositionsprozess neu zu definieren. diskutierten die Ergebnisse. müssen sie mit psychothe166 . 160). zur Wahl“ gefordert (Loos 1986. Wenn dabei Traumata und ungelöste Lebenskonflikten zum Ausdruck kommen. dass das musikalische Verhalten in der Gruppenimprovisationen auch von den individuellen Lebenserfahrungen jedes einzelnen bestimmt ist. Das äußerste Stadium dieser Entwicklung ist erreicht. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien (ein führender Musikwissenschaftler bezeichnete Anfang der Siebziger Jahre bei den Darmstädter Tagen für Neue Musik Gruppenimprovisation als „musikalischen Dreck“).Gummersbach (heute Universität Siegen) im Fachbereich Sozialwesen als Methode politischer Bildung in der Sozialen Arbeit vor und erhielt den Ruf auf die Professur im Fach Musikpädagogik. Den Interpreten und auch dem zuhörenden Publikum wird immer mehr Verantwortung für die Realisation des Werkes zugewiesen. ähnliche Entwicklungen vollzogen. „Krach“. Frank Grootaers. Jahrhundert. Sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft geläufigen Konsumgewohnheiten. Herkömmliche Instrumente werden unüblich bedient mit der menschlichen Stimme werden die unüblichsten Artikulationen hervorgebracht. Diese Entwicklung von der avantgardistischen Komposition zur Gruppenimprovisation war von intensiven gesellschaftspolitischen Reflexionen begleitet. dass die Beteiligten in der Gruppenimprovisation Verhaltensmuster bei sich selbst und bei den anderen erkennen können. Helmut Schaarschmidt. Allerdings zeigte sich bald. schallfähige Materialen aus dem Wald. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969). eben auch den sog. Peter Ausländer. Das musikalische Verhalten der Mitglieder bildet bestehende gesellschaftliche Verhältnisse ab und offenbart deren Veränderbarkeit. Bei der Arbeit mit ihnen entdeckte ich die Gruppenimprovisation. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. In diesem Zusammenhang fungiert die Gruppe als Minigesellschaft.für Kompositionen. Das liegt inzwischen nicht nur jenseits von Metrik und Tonalität sondern umfasst Alltagsgeräusche. dass ich nicht allein auf diese Idee gekommen war. zur Mitbestimmung. wenn die Rollen von Komponist. Hier genau ist die Gruppenimprovisation entstanden. Wolfgang Longardt. die sie mit graphischen Zeichen darstellten und gemeinsam umsetzten. Die Komposition enthält mehr oder weniger umfangreiche Spielräume. Ich kennzeichnete sie als vorläufigen Endpunkt der Entwicklung von Kompositionstechniken im 20. verglichen sie mit Werken neuer Musik. Lilli Friedemann. entstehen viele Varianten. Jeder ist „in jeder Sekunde zur Entscheidung. Interpret und Hörer in ein und derselben Person vereinigt sind. Gruppenimprovisation als gesellschaftlicher Gegenentwurf Insofern gilt die Gruppenimprovisation als musikalische Subkultur und Entwurf einer Gesellschaft. Zum Einsatz kommen Alltagsgegenstände.

Form und soziales Verhältnis Adorno formulierte in seiner „Ästhetischen Theorie“: „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. eine ästhetische Angelegenheit ist. die Adorno zufolge soziale Verhältnisse „vertritt“. verhaltenstherapeutische. dass die Improvisation etwas wie ein Symbol. die klassische Philosophie umfasst drei Disziplinen: die Logik oder Erkenntnistheorie (was ist richtig. Gruppenimprovisationen stiften in ihrer jeweiligen formalen Gestalt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den musikalischen Einzelaktionen und stellen auf diese Weise soziale Verhältnisse dar. was außerhalb ihrer selbst liegt. dass die Gruppenimprovisation. wenn auch seit 1998 unter der Klammer einer einheitlichen Definition ihres Begriffs (Kasseler Konferenz). dessen ästhetische Theorie (1971) ich hier kurz skizzieren möchte. Das Verständnis der Improvisation solle sich „direkt aus der Bedeutung der Musik in der therapeutischen Begegnung und nicht aus der Umdeutung in die psychologisch-reduktive Sprache psychotherapeutischer Modelle“ ergeben (1990. und es nichts ‚Genaueres’ gibt.w. Die meisten stellten die Gruppenimprovisation in den Rahmen unterschiedlicher psychologischer und psychotherapeutischer Theorien und Verfahren. Zur ästhetischen Theorie von Jan Mukarovský Adornos „Zusammenhang alles Einzelnen“ wird über die eingehende musikalischen Analyse der Improvisationen erfasst: Instrumentenwahl. ein Zeichen für etwas ist. 11 f) ist Musik keine Sprache. wenn sie im klinischen Rahmen stattfindet. dass musiktherapeutische Theoriebildung grundsätzlich musikimmanent zu betreiben sei. Sozialtherapie u. was ist böse?) und die Ästhetik (was ist schön. was „bedeutet“ die Improvisation. sozialtherapeutische. dass „die Grenzen der Sprache nicht die Grenzen der Welt sind. morphologische. Handhabung. dass es in Zukunft zu einer stärkeren Orientierung an den ästhetischen Grundlagen kommt. Damit haben wir die Matrix erfasst. als Disziplin mit verschiedenen Varianten: psychoanalytische. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. 57). Intensitätsverhältnisse (Dynamik) u. was ist falsch?). Das geschah auf. fühlt oder riecht“ (1985. Zwei Wege von der Gruppenimprovisation zur Musiktherapie: Improvisation als musiktherapeutische Spielart einer etablierten Psychotherapie oder Improvisation als Musiktherapie Für viele Vertreter der Gruppenimprovisation begann an dieser Stelle ihre Entwicklung zum Musiktherapeuten. 149). Spielweise. anthroposophische. die Art und Weise. Das ändert aber nichts daran. 1963. die Ethik oder die Moraltheorie (was ist gut. hört. die etwas meint. eine Metapher. So präsentiert sich die Musiktherapie in Deutschland. welche Inhalte transportiert sie? Nach Adorno. was ist 167 . Verhaltenstherapie. Zeitstruktur (Rhythmus und Form). das man sieht. Im Gegensatz zum öffentlich anerkannten „Kunstwerk“ haben diese musikalischen Zusammenhänge unmittelbar mit den musikalisch handelnden Personen zu tun.rapeutischen Mitteln aufgearbeitet werden. (vgl. als das ‚ästhetische Zeichen’ selbst. Schallverläufe. auch. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind. Was „meint“ Musik. wie Psychoanalyse.s. altorientalische Musiktherapie und viele andere mehr. leibtherapeutische. 379). Das bedeutet also.“ (1979. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. dem das Werk entstammt. und das auch mit ihren gesellschaftspolitischen Implikationen. oder andersherum formuliert: Die Musiktherapien erscheinen jeweils als musikalische Spielart einer mehr oder weniger etablierten Psychotherapie. Den Begriff des ästhetischen Zeichens hat Mukarovský eingeführt. ist ein Abbild des gesellschaftlichen Zustandes. integrative.f. Die eingehenden Diskussionen in der Kasseler Konferenz zu diesem Thema sowie jüngste Publikationen von Martin Drewer (2000) und Isabelle Frohne-Hagemann (2001) lassen hoffen. und Peter Faltin führte weiter aus. Den zweiten Weg markierte zum Beispiel Paolo Knill mit seiner Forderung. Das heißt. Mukarovský diskutiert zunächst den Standort der Ästhetik.s.

Freundeskreis. Hinweisschilder etc. aus denen sich bei der Improvisation oder einer anderen Musik zu einem ästhetischen Zeichen zusammenfügen. Theater. ist integriert in Nachbarschaft. die sich ästhetischer Zeichen bedient. Ebenfalls zu den unmittelbaren Funktionen gehört die theoretische. sondern sie spiegeln „in sich die Wirklichkeit als Ganzes wider“ (129). bezeichnet Mukarovský als „Funktion“ und definiert: „Funktion ist die Art und Weise des Sichgeltend-Machens des Subjekts gegenüber der Außenwelt“ (125). dass Menschen etwas als schön oder hässlich bewerten können. der zu Beginn zitierten Patientin. des Denkens. nach dem Bild des Subjekts unifiziert) und dynamisch (. obwohl es zwischen den Eheleuten nur wenig Austausch gab.. an deren Analysen er seine Ästhetische Theorie entwickelte. umsorgt als umsichtige Hausfrau und Mutter Ehemann. wenn ihr Mann und die Kinder außer Haus waren. von der sie sich aber darin unterscheidet. ebd. Bei dem Besuch einer Freundin erfährt sie nebenbei. Der Mensch verfügt nach Mukarovský über unmittelbare und zeichenhafte Funktionen. Zahlen. wo sie in meine Musiktherapie Gruppe kommt.Vf. Ästhetische Zeichen Ästhetische Zeichen unterscheiden sich von symbolischen dadurch. Tanz. Zusammenfassend können wir den Inhalt des ästhetischen Zeichens als global (spiegelt die Wirklichkeit als Ganzes). Die Tatsache. Sie lebt in einer typischen kleinbürgerlichen Familie. d. erzeugt eine Verhaltensweise) charakterisieren. Musik. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. während die ästhetische eine vereinheitlichende Verhaltensweise ihr (der Wirklichkeit. dass die theoretische Funktion sich um ein zusammenfassendes Bild von der Wirklichkeit bemüht. D.h. In einer solchen Situation fällt sie „wie aus heiterem Himmel“ in eine schwere Depression. 127). die dem beteiligten Subjekt eigentümlich ist.. D. Allerdings: die durch das ästhetische Zeichen „als Ganzes widergespiegelte Wirklichkeit ist im ästhetischen Zeichen nach dem Bild des Subjekts unifiziert“ (ebd. Im Nachhinein sagt sie. wird nach der Art und Weise in einen Zusammenhang gebracht. die Wirklichkeit in das Bewusstsein des Subjekts zu projizieren (vgl. möchte ich verdeutlichen. subjektiv (.) gegenüber erzeugt“ (ebd. dass sie „nach außen“ eine glückliche Kleinfamilie darstellten. dass ihr Mann bereits seit vielen Jahren eine Geliebte hat.) mit dem Ziel verwendet. erlebt wird.). in denen eine bestimmte Art. bei der der Mensch semantische Zeichen (Sprache. Mit der „Vereinheitlichung der Wirklichkeit“ erinnere „die ästhetische Funktion an die theoretische.h. Verdeutlichung anhand eines Fallbeispiels Anhand einer kleinen Szene aus der Therapie mit Marion Berger1. Zu den unmittelbaren gehört die praktische Funktion wenn er mit Körperkraft oder Werkzeugen die Wirklichkeit zu seinem Vorteil umgestaltet (vgl. hat zwei Kinder im Alter von fünfzehn und siebzehn Jahren. „dass sie auf keine singuläre Wirklichkeit“ verweisen. Bildende Kunst oder Filme von Charley Chaplin. dass sie immer große Unruhe überfiel.. was die drei Eigenschaften von ästhetischen Zeichen in der musiktherapeutischen Praxis bedeuten. Der Hausarzt weist sie in die akutpsychiatrische Klinik ein.h. Sohn und Tochter.).) Zu den zeichenhaften Funktionen zählt Mukarovský neben der symbolischen die ästhetische. Auffällig war lediglich. Eigentlich hätte sie keine Unzufriedenheit empfunden.: Die Vielfalt der Elemente.. verheiratet. D.: das ästhetische Zeichen provoziert Bewegungen der Sinne. des Körpers.: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein. Zum Ersten: „Ästhetische Zeichen spiegeln in sich die Wirklichkeit als Ganzes“ Fallbeispiel: Frau Berger mit Flexaton Frau Berger ist Mitte vierzig. Nun zur Szene: 1 Der Name ist geändert 168 .hässlich?).

um immer wieder aufs Neue dasselbe Muster zu wiederholen. Sie dehnt die Blechplatte bis zum äußersten Punkt und lässt sie dann los. das sei doch nichts ungewöhnliches. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Ich bitte sie. Jedenfalls ist die Wahrnehmungsgrenze zu respektieren. Die währenddessen entstehenden Klänge nimmt sie nicht wahr. Sie erinnert das kalte.Frau Berger schildert die Begegnung mit ihrem Ehemann. den sie noch nicht thematisiert hat: jenes leise. ob sie vielleicht noch einmal hinhören wolle. die sie in solchen Stresssituationen bekommt. Dann kommt sie auf das Thema „Eifersucht“ zu sprechen. „Abwehr“ oder „Widerstand“ sind die psychologischen Begriffe. Die Patientin nimmt ihn als schneidendes Gefühl an ihrem Daumen wahr. Er ist jedenfalls mit hineingenommen in die vereinheitlichende Verhaltensweise. Gegenübertragung oder welchen psychologischen Begriff er auch immer verwendet.. Es würde sich innerlich alles zusammenkrampfen. „dieses Anklammern“. das ihre Wirklichkeitsbeziehung prägt. Ich selber spürte eine fast quälende Anspannung. aber ihr fällt nichts weiter auf. Decrescendo-Klänge erzeugen. Das zeigen die Äußerungen der Patientin. Sie spielt nochmals. wenn sie das Blech wieder anspannt. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Eifersucht mit Flexaton Frau Berger schaut auf das Instrument herab und wiegt es hin und her. ich höre eine wimmernde helle Stimme und denke ein jam169 . wo die besagten Klänge entstehen. Sie wiederholt einige Mal die Klangaktionen von zuvor. ergreift das Flexaton. und potentiell wäre tatsächlich alles nur denkbare in diese Klangaktion projizierbar. Das wäre eigentlich ein typisches Eifersuchtsinstrument. und nun kommt die zweite Bestimmung: die Wirklichkeit als Ganzes ist in dem ästhetischen Zeichen widergespiegelt nach dem Bild des Subjekts unifiziert.“ Ich frage. oder in Mukarowskýs Terminologie ausgedrückt. und im übrigen sei die Beziehung auch gar nichts ernstes . Ich komme nochmals auf ihr Spiel zu sprechen und frage. Sie lässt kurz ihren Blick über die Instrumente schweifen. Die dritte Bestimmung. Empathie. . schneidende Gefühl an der Daumenkuppe beim Anspannen der Blechplatte. das ihr Bild von der Wirklichkeit bestimmt. ob sie zu dem Satz „ich möchte ihm ein Messer in den Bauch rammen“ eine Musik machen könne. sie solle sich nicht so anstellen. Allerdings. während des erneuten Dehnens hört man leise ein helles Glissando. In dieser Situation hätte sie ihm „ein Messer in den Bauch rammen können. Die vereinheitlichende Verhaltensweise. Dort. die sich ins Leere entlud. öffnet das ästhetische Zeichen den Mitteilungsraum zur „Wirklichkeit als Ganzes“ hin. hatte sie von einem „schneidenden Gefühl an der Daumenkuppe“ gesprochen. nach dem sie die Wirklichkeit unifiziert. und ihren Mann habe das sicher auch genervt. Freundschaften seien daran zerbrochen. und ich frage. ihr ureigenstes Bild. Dann kommt sie auf Bauchschmerzen und Durchfall zu sprechen.. Andere Hörer mögen andere Inhalte empfunden haben. wobei die beiden Schlägel schnell aufeinanderfolgende. wenn ein Mann eine Geliebte hätte. dann lässt die das Instrument auf den Schoß sinken und atmet tief durch. dass sie seit eh und je diese Eifersucht hat. Wir spüren die nerverzerreißende Anspannung und die unbefriedigende Entladung ins Leere hinein. wie sie ihn zur Rede stellen will und er abblockt mit der Bemerkung. für sie hat die Musik mit Stress. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Zorn und Verlassenheitsangst mit Flexaton In der therapeutischen Szene mit Frau Berger ist meine Aufmerksamkeit von Beginn an auf einen Teil des Klanggebildes gerichtet. Während die semantische Kommunikation über die Szene mit ihrem Mann und ihre Mordphantasie eindeutige Inhalte transportierte. der zufolge das ästhetische Zeichen eine vereinheitlichende Verhaltensweise der Wirklichkeit gegenüber erzeugt. Ich bitte sie. Der Therapeut erlebt es mit in seiner Resonanz. sie habe das immer noch mal wiederholen müssen. mit Bauchschmerzen und Durchfall zu tun. dann das „schnackelnde Geräusch“. Dann erzählt sie. ob sie ihre Musik vollständig beschrieben habe. zu beschreiben. was sie während der Musik erlebt hat. In diesem Schritt der Therapie erforscht die Patientin ein Motiv. sie wiederholt die Aktion mehrere Male. Eifersucht zu spielen. enthält in unserem Beispiel die Auseinandersetzung mit Schmerz. wird im Klangerleben unmittelbar erfahrbar. fast nicht hörbare hell klingende Glissando am Ende zwischen den Klangaktionen. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Ihr fällt dazu nichts mehr ein.

s. ist für sie naheliegend.. alles im Haus sauber und steril zu halten. dass die Patienten Anspruch auf Musiktherapeuten haben. Daraus resultiert zum einen der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie. u. 105 f. Ingarden 1969. Ästhetisches Erleben ist an sinnlichen Kontakt und geistiges Erleben gebunden Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben sind die Voraussetzungen für ästhetisches Erleben (vgl. sie waren kalt und nur darauf bedacht. Er war aber meistens weg. Der Vater war der einzige. die für uns Musiktherapeuten von besonderem Interesse sein dürften. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien. hatte sie Angst. wiederholte es mehrmals und begann heftig zu weinen. sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft vorhandenen musikalischen Kommunikationsräume. nicht nur in dieser sondern auch in den folgenden Sitzungen wiederholt: Irgendwann habe sie begonnen. Sie bricht plötzlich ihre Erzählung ab.w. Das ästhetische Zeichen der Patientin und ihre Verhaltensweise weist in Erlebnisräume hinein. . Abend für Abend habe sie in ihr Kissen hinein geweint. Ich meine. nahm auch noch ein letztes Mal das Flexaton zur Hand und sagte: „Das hört sich wie ein jammerndes Kind an“. 3. und wieder entsteht ein ästhetisches Zeichen. das sie lange Zeit.. 20 ff). Gruppenimprovisation liegt extrem außerhalb des geläufigen Musikgeschmacks Gruppenimprovisation als Ergebnis der avantgardistischen Entwicklungen der Neuen Musik liegt extrem außerhalb des Mainstreams des gegenwärtigen Musikgeschmacks. Sie als „Krach“ (oder Geklimper oder Katzenmusik u. 4). weil er es in diesem Frauenhaus nicht aushielt. Insofern muss Gruppenimprovisation heute ebenso wie zur Zeit ihrer Entstehung als subkulturelle Mu170 . Diese Ansicht findet sich in der neurophysiologischen Forschung bestätigt.). wie sie mit Mutter und zwei Tanten zusammen aufwuchs. in der Musik können sich Gefühle ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben Georg Lukács hat in seiner Ästhetik das einzigartige Verhältnis zwischen Musik und Emotionen hervorgehoben (vgl. der sie mal in den Arm oder auf den Schoß nahm. die die ästhetischen Implikationen ihres Handwerks verstehen. dass sie jetzt nicht alleingelassen ist. damit man sie nicht hörte . geliebt zu sein. 1. Von den drei Frauen fühlte sie sich ständig schikaniert. Zum anderen macht die Betonung des sinnlichen Kontakts die Berücksichtigung des Körpererlebens und neurophysiologischer Zusammenhänge beim Erleben von Musik zwingend erforderlich. So weit sie zurückdenken kann. In der Musik dagegen können sich Emotionen „ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben“ (ebd. 110). In einer späteren Sitzungen kam sie auf das Thema Eifersucht zu sprechen. 2. die die unmittelbare Verbindung des Hörsinns mit den für das emotionale Erleben zuständigen neuronalen Mustern des Limbischen Systems beschreibt (vgl. dass er nicht zurückkommen würde und sie völlig den strengen und lieblosen Frauen ausgeliefert wäre. das Hin und Her zwischen ästhetischer und semantischer Ebene. für die sie (noch) keine Sprache hat. Unter Tränen holt sie sich das Glockenspiel. zärtlich zu ihr war und ihr das Gefühl gab. Spintge und Droh 1992. Hier beende ich das Fallbeispiel und auch meinen Beitrag mit einigen Bruchstücken aus der ästhetischen Theorie. 1972.a. Ich begleite sie an Xylophon und Metallophon mit Terzparallelen und verändere ihr Bild von der Wirklichkeit in dem Sinne. sich mit einem solchen Singsang in den Schlaf zu singen und das schlimme Verlassenheitsgefühl zu bewältigen. Zu Grunde liegt ein völlig anderer Begriff von Musik als der bei den Patienten gebräuchliche. Kagan 1974. Sie erzählte.) zu bezeichnen. Von Natur aus würden Emotionen grundsätzlich Gegenstände der Wirklichkeit widerspiegeln.merndes Kleinkind..

die ja allenthalben mit ästhetischen Inszenierungen einhergehen. wie ich denn diesen Krach den ganzen Tag über aushalte.B. zur Wahl“ gefordert (Loos 1968. ästhetische Zeichen hervorzubringen und zu erleben. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969). Der Musikmarkt bestimmt das musikalische Bewusstsein der Menschen und nicht ihre schöpferischen Potentiale. 4. Werbebotschaften und –Kampagnen etc. Zur theoretischen Fundierung der Musiktherapie reichen sie nicht hin. Daraus resultiert der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie und in der pädagogischen oder künstlerischen Gruppenarbeit. um Einzelheiten des musiktherapeutischen Prozesses zu überprüfen und zusätzlich zu verstehen. Jenes Hin und Her zwischen sinnlicher und semantischer Ebene ist für Gruppenimprovisation typisch.sik gelten. Henk Smeijsters (1999) und andere belegen. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit des Menschen und enden nicht an den Grenzen der etablierten Psychotherapien. der Indikation und der Evaluation zu erfassen. Kagan 1974. Als subkulturelle Kunst aber hat sie in der Musiktherapie große Bedeutung erlangt. dann wären es für mich die Improvisationen. für Medienkonsum eher atypisch. So entstehe „ein Zusammenspiel. Gleichwohl sind die verschiedenen psychotherapeutischen Theoreme hilfreich. Von Beginn wurde Gruppenimprovisation als Entwurf einer Gesellschaft verstanden. 160). Denn im Gegensatz zu allen Musiken um uns herum hat die Musik. die sich ihrer bedient. Mit diesem gesellschaftlichen Kontext befinden wir uns bereits auf dem Gebiet der allgemeinen Ästhetik (griechisch: aisthesis). 105 f.und Konsumwelt Not. dass ästhetische Kategorien sehr wohl in der Lage sind. die an den Normen. zur Mitbestimmung. Anderseits fragt die ästhetische Wissenschaft nach den Bedeutungen der Kunst. Was wundert’s: ist doch die Musiktherapie selbst Teil der Subkultur von Menschen. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. Nachzutragen wäre noch. 4). Bei der Gruppenimprovisation ist jeder „in jeder Sekunde zur Entscheidung. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation.. ästhetische Theoriebildung. Widerspiegelung oder Abbildung von Wirklichkeit. uns. 1790) täte den Menschen der totalen Waren. 1986). Ingarden 1969. die heute mehr denn je aktuelle „Kritik der Warenästhetik“ von Wolfgang Fritz Haug (1971): Um das Interesse der Gewinnmaximierung zu gewährleisten. mit der folgenden ästhetischen Stellungnahme antwortete: „Wenn es auf der Welt Musik gäbe. ihrer Qualität als Mimesis. erfordert von einer Therapie. Paul Nordoff und Clive Robbins (vgl. welches ihn zur Fortsetzung und Steigerung des Konsums antreibt. z. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit Musik als Verwirklichung des menschlichen Vermögens. die ich mit den Patienten täglich erleben kann. die in diesem Musiktherapieraum entsteht und die ich keineswegs für Krach halte. Markenzeichen. versehen Warenproduzenten ihre Produkte mit einem „Gebrauchswertversprechen“.1 Die ästhetische Wissenschaft erfasst einerseits die Charakteristika der ästhetischen Situation: Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben (vgl. entsteht beim Konsumenten nach jedem Warengebrauch ein unbefriedigtes Restbedürfnis (Warenhunger). Leslie Bunt (1998). die diese Bezeichnung im vollen Sinne ihrer Bedeutung verdient. welches mit ästhetischen Mitteln dem Warenkörper hinzugefügt wird (Verpackung. Probleme der Diagnose. diese kaum beachtete Wissenschaft von der sinnlichen Wahrnehmung und der „Urteilskraft“ (Immanuel Kant. Ansprüchen und Zumutungen der Gesellschaft gescheitert sind und deshalb nach den Standards der allgemein anerkannten Kultur als behandlungsbedürftig definiert werden. 1 171 .) Da Gebrauchswertversprechen und Ge-brauchswert mehr oder weniger eklatant divergieren. dass ich auf die ästhetisch gemeinte Frage von Frau Marion Berger. wenn sie nicht den allgegenwärtigen Verlockungen und Verführungen erliegen wollten. Hinsichtlich des sinnlichen Kontakts liegt in der Musiktherapie zusätzlich ein besonderer Fokus auf Körperreaktionen und neurophysiologischen Wirkungen der Musik.

172 . Wien: Universal Friedemann. Gegenstand ästhetischer Erziehung ist nicht nur Kunst sondern der gesamte lebensweltliche Kontext. 9-16 Adorno. wenn sie „selbstbestimmt an Bedürfnissen und Interessen orientiert verwirklicht wird“ (2004. so Stefanie Marr „erschließen sich Menschen Lebenswirklichkeit“. Lilienthal: Eres. Frankfurt am Main: Suhrkamp Auerbach. 259-294 Grootaers. Alles. Archiv für Angewandte Sozialpädagogik. Kunstwerk und Wert. Wolfgang Fritz: Kritik der Warenästhetik. 232 – 235 Kerbs. Lilli (1973): einstiege in neue klangbereiche durch gruppenimprovisation. Martin (2000): Gestalt.Tanzen – Tönen. 12-24 Knill. ist neben seinen praktischen Verwendungszwecken immer auch als ästhetisches Zeichen zu verstehen und als solches wirksam.bedingt und aktuell mit nichts anderem als mit uns selbst zu tun und mit unserer Art in der Welt zu sein. 1975. in: Otto. Roman: Erlebnis. Erkenntnisse in konkrete ästhetische Handlungen umzusetzen (die Pragmatische Funktion) und die Sinne zu befreien und vom Konsumieren zum Genießen zu kommen (die Hedonistische Funktion). die zu eigener Lebensführung befähigt. Wolfenbüttel: Möseler Ausländer. 17 ff). Musiktherapeutische Umschau. Lilli (1983): Trommeln . Frankfurt am Main 1971 Ingarden. Wiesbaden.): Texte zur ästhetischen Erziehung. Berlin Kapteina. (1963): Fragment über Musik und Sprache in ders. ringgespräch über gruppenimprovisation März 1998. 37-67 Haug. Diethard: Zum Begriff der ästhetischen Erziehung.“ die gelingt. Essen 1991 Kagan. ästhetische und soziale Phantasie zu entwickeln und schöpferisch verändernd zu leben (die Utopische Funktion). Theo und Weyer.: Quasi una fantasia. Günter (Hrsg. der über das Musikalische hinaus Seelisches. Weinheim: Beltz Drewer. Literatur Adorno. nämlich: gesellschaftlich vermittelte Manipulation zu durchschauen. Tagungsberichte. Ideologien und ökonomische Interessen zu erkennen (die Kritische Funktion). Moissej (1974): Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. also auch die alltäglichen Gegenstände. Theodor W. Isabelle (2001): Ästhetik und Leiblichkeit. Gruppenimprovisation erfüllt die Kriterien der Ästhetischen Erziehung Gruppenimprovisation erfüllt auf idealtypische Weise die vier Funktionen welche Diethard Kerbs der Ästhetischen Erziehung zugesprochen hat (vgl. Paolo (1990): Wissenschaftliche Betrachtungen zur Musiktherapie unter ethischen Gesichtspunkten. 247-268 Kasseler Konferenz (1998): Kasseler Thesen zur Musiktherapie. und Gruppenimprovisation hat dort ihren Ort. in dies. Theodor W. Hartmut (1974): Gruppenimprovisation – eine musikpädagogische Methode. Begleittext zur Schallplatte DGG 643541 Faltin. In ästhetischen Bildungsprozessen. Aachen Friedemann. Gelingendes Leben als Ziel ästhetischer Bildung kann gleichermaßen für Therapie und ganzheitlich orientierte Pädagogik gelten. Lore (1972): Hören lernen – Musik erleben. Ziel ist die Entwicklung von „Gestaltungskompetenz.): Fenster zur Musiktherapie. Hans Helmut (Hrsg. Rolf-Dieter: Kleine Ethik der Improvisation. 5. Ästhetik. Frank (1985): Gruppenmusiktherapie aus ganzheitlicher Sicht. Frankfurt/M: Suhrkamp. was uns dort begegnet. Musik und Sprache. Münster: LIT Evangelisiti. Tübingen 1969 Jörgensmann. Peter: Vokalimprovisation. Lilli Friedemann hat das an den Begriffen: „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ und „Wachstum nach allen Seiten hin“ festgemacht. Wien: Universal Frohne-Hagemann.): Musik und Kommunikation. Braunschweig 1975. Soziales und Gesellschaftliches umfasst. Musiktherapeutische Umschau. Franco (1969): Improvisationen der Gruppe Nuova Consonanca. (Hrsg. in: Decker-Voigt. Musiktherapie. Peter(1985): Bedeutung ästhetischer Zeichen. 6-10 Bunt. 245). (1979): Ästhetische Theorie. Leslie(1998): Musiktherapie. Band 1.

Gertrud (1970): Klangexperimente und Gestaltungsversuche im Kindesalter. Experiment und Methode. 102 ff Smeijsters. Wolfgang (1968): Musikerziehung braucht Phantasie. Wien: Universal Meyer-Denkmann. Stuttgart: Fischer 173 . Stuttgart: Fischer Lukács. ringgespräch über gruppenimprovisation. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Gertrud (1972): Struktur und Praxis neuer Musik im Unterricht. Gertrud (1986): Spiel-Räume.): Lexikon der Musikpädagogik. Rolf und Droh. Wien: Universal Mukarovský. 2004. Ästhetik heute. Regensburg 1994.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Darmstadt 1972 Marr. 10-11 Longardt. Frankfurt am Main 1971 Nordoff. Peter (Hrsg. Stefanie: Lernziel Lebenskunst. März 1998. Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Göttingen 1999 Spintge. Fischer Schaarschmidt. Siegen: Universität.39-58 Lisken. Henk: Grundlagen der Musiktherapie. Paul und Robbins. in: Hopf. 232-248 Meyer-Denkmann. Georg: Ästhetik III. Neue Wege einer musikalischen Grundausbildung. Stuttgart. Gerd: Einige neue Überlegungen zur vokalen Gruppenimprovisation. Essen Loos. in: Marchal. Helmut (Hrsg. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. Rolf (1992): Musik-Medizin. Helmut: Gruppenimprovisation.

Musikalisches. die seinen Vorstellungen entsprechen. mit seinen musikalischen Beiträgen auf den musikalischen Gestaltungsprozess der Gruppe einzuwirken. auf ihnen die Klänge und die musikalischen Verläufe zu realisieren.10. soziales. „Ökologie“ bedeutet in diesem Zusammenhang die ausgewogene und gleichrangige Berücksichtigung aller Aspekte menschlichen Erlebens. Lernen erfolgt nicht nach einem vorgegebenen Lehrplan sondern orientiert sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der betroffenen Personen sowie ihrer Lebenslage. in der er lebt.und Blattwerk dem Licht entgegen. Der Baum entfaltet sich mit seinem Ast. Er lernt. ästhetisches.1 Ökologie der Gruppenimprovisation Hartmut Kapteina „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Arbeitsprinzip. er lernt die verschiedenen Instrumente kennen und entwickelt die Fähigkeit. und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert werden. zu beschreiben und zu benennen. musikalische Formbildungen zu erfassen und die Musik der Gruppe zu analysieren. Die musikalischen Kompetenzen. die sich die Spieler bei der Gruppenimprovisation aneignen. können mit den Begriffen Musikalische Sensibilität Musikalische Phantasie und Kreativität Musikalisches Differenzierungsvermögen Musikalische Kritikfähigkeit zusammengefasst werden. So entfaltet der improvisierende Mensch seine musikalischen Fähigkeiten. entsprechend der aktuellen Situation der beteiligten Personen im Sinne bedürfnisund situationsorientierter Pädagogik. Sein Ast.und Blattwerk 174 . bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert sowie die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft. politisches Lernen bilden im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit. Das besondere am musikalischen Lernprozess bei der Gruppenimprovisation kommt jedoch in der besonderen Charakteristik der Baum – Metapher zum Ausdruck. er lernt Klänge differenziert wahrzunehmen. Das Bild des Baumes veranschaulicht den musikalischen Lernprozess.

dieses oder jenes Instrument zu wählen. so kann es immer wieder bei der Gruppenimprovisation vorkommen. dass bei der Verkann es zur Erweiterung es Verhaltensrenachlässigung der psychosozialen Implikationen des Musikerlebens die musikalischen Kompetenzen sich nur pertoires kommen und zur Entwicklung unzureichend entwickeln können. sich hier oder dort anzuschließen. In gleicher Weise „wurzeln“ bei der Gruppenimprovisation die musikalischen Kompetenzen in seelischen Entwicklungen der Introspektion. Die Analyse der eigenen musikalischen Beiträge und der Musik der Gruppe wird so zum Prozess der Introspektion: So bin ich. wie sich gleichzeitig sein Wurzelwerk unter der Erde entwickelt. deutung der Gruppenimprovisation ist damit unterstrichen. so verhalte ich mich. Musikern dienen die Musikalischen AusdrucksmöglichDie musikalische Arbeit ist in der Grupkeiten zu Verdrängung und Eskapismus. Schüler sollten Musik als Bereicherung ihrer Persönlichkeit erleben. wie unterschiedlich die Intentionen der einzelnen Mitspieler während der verschiedenen Situationen des Spielverlaufs waren.vermag sich nur insoweit zu entfalten. Dann erhält die Gruppenimprovisation tiefen175 . diese oder jene Klänge zu bevorzugen oder zu vermeiden. in den Steuerungszentren des Limbischen Systems in vegetative und emotionale Reaktionen hervor und verknüpfen sich mit Inhalten des Langzeitgedächtnisses. Die präventive Beangemessen.s. so werde ich von anderen wahrgenommen. Bei der Gruppenimprovisation ist nicht vorgegeben. dass jeder Spieler selbst entscheiden muss. tenzen der Selbsterkenntnis und des UmZumindest für die Schulmusik ist diese Einstellung ungangs mit sich selbst. wer wann was wie zu spielen hat. wie sich Unterschiede in Charakter und Temperament im Spiel dargestellt haben. Dann Die Metaphorik des Baumes legt nahe. der biographischen Verarbeitung und des emotionalen Ausdrucks. diese oder jene Klänge seiner Mitspieler zu übergehen oder wahrzunehmen und sein Spiel an diesem oder jenen Klängen zu orientieren. kennen und nutzen lernen. Klänge rufen. Das hat zur Folge. als ihnen das lieb ist. diesem oder jenem mit einem Kontrast zu begegnen. Es werden aber auch Grenzen der Wahrnehmung und des Verhaltens deutlich. Das gemeinsame Gespräch über die Improvisationen offenbart. wann er was wie spielt. Nun haben es aber musikalische Ereignisse an sich. Die veranlasst ihn. ja.w. Und die kommen einzig aus seiner persönlichen Disposition. parallel zur musikalischen Kompeledigung der technischen Funktionen des Musizierens tenz entwickeln sich psychische Kompeempfunden. Sie sind nicht organeuer Einstellungen zu und Umgangsweinisch im Inventar der Persönlichkeit implantiert. dass sie die Menschen oft tiefer und nachhaltiger berühren. Dabei wird implizit deutlich. dass Spieler mit frühen traumatischen Erlebnissen in Kontakt kommen. Woher aber nimmt er die Kriterien für diese Entscheidungen? Nun. ernsthaft mit ihnen über die bei der Musik erlebten Gefühle zu sprechen. bevor sie von den Instanzen des Bewusstseins verarbeitet werden. Gleichzeitig können solche Prozesse der Selbsterkenntnis Neugier und Lust wecken. es gibt schlechterdings keine Instanz für sein musikalisches Verhalten in der Gruppe als nur seine ureigensten Intentionen. die Beachtung Auseinandersetzung mit der eigenen Perder emotionalen Beteiligung wird als störend bei der Erson. Es ist zum Beipenimprovisation also immer zugleich spiel nicht möglich. so reagiere ich auf andere. Vielen sen mit sich selbst und anderen. es Kritische Anmerkung zur herkömmlichen Musikpädagoeinmal ganz anders zu machen. also neue gik: Verhaltensweisen auszuprobieren. mit diesem oder jenem zu beginnen oder aufzuhören u.

An dieser Stelle wird die Gruppenimprovisation zur Musiktherapie. die jeweilige Art es zu spielen sind zugleich Darstellungen der jeweiligen Eigenarten. Zeit und Zuwendung gegeben sein. Die Spieler erkennen. dagegen vorzugehen (Kapteina 1976). ihre Unzufriedenheit in Protest oder Resignation ummünzen. wie erfolgreich ihre Versuche verlaufen. Dieselbe Untersuchung ergab. 80 Personen. wie sie sich im Spiel an den allgemeinen Trend anpassen. Die differenzierte Wahrnehmung auf dem Gebiet der Musik übertragen sie als allgemeine ästhetische Kompetenz auf alle Bereiche der sinnlichen Erfahrung. Eine Untersuchung bei ca. Die Wahl des jeweiligen Instruments. Ästhetische und insbesondere die musikalischen Erfahrungen der Gruppen 176 . die Musik und die gesamte Gruppensituation erhalten symbolische Bedeutung. Die Gruppe als „Mini – Gesellschaft“ ist nicht nur Ort des sozialen sondern auch des politischen Lernens. sich einzurichten oder die eigenen Interessen zu vertreten. Prozesse der Übertragung und Gegenübertragung werden wirksam. das ganze zu verändern. dass die Prozesse der Gruppen Improvisation immer auch Prozesse der Auseinandersetzung mit anderen. dass diese Personen kritischer beim Umgang mit den Gegenständen des täglichen Lebens werden. sich Geltung und Aufmerksamkeit verschafft. insbesondere bei ihrem musikalischen und sonstigen Konsumverhalten die Strategien der Werbung und der Massenmanipulation durchschauen. die mit ihrem Mineralienreichtum das Wachstum des Baumes zusätzlich zu fördern vermag. unzufrieden werden. ein Gespür für unhaltbare politische Zustände entwickeln und den Mut. die Klänge. damit die betreffende Person die durch die Klänge aktivierten Erinnerungen mitteilen und die mit ihnen verbundenen Gefühle ausdrücken kann. Regression auf frühere Phasen der Entwicklung. Bei einer guten Kanalisation der darin gebundenen Energie kann er zu einer warmen Quelle werden. Es muss Raum.psychologische Qualität. mit der eigenen Rolle und dem sozialen Verhalten sind. Das Spiel der Klänge wird zur Stimmabgabe. Andere Pflanzen stehen mit ihm in Konkurrenz oder Kooperation. Die Instrumente. In der Horizontalen ist der Baum mit seinem ökologischen Umfeld verbunden. Damit soll angedeutet werden. dass sie sich häufig in Parteien und Verbänden engagieren. wie sich der einzelne Spieler im sozialen Kontext verhält. Im Bild ist dieser Bereich als unterirdischer Vulkan dargestellt. wählerisch und genussfähig werden. Das Spiel der Gruppenimprovisation wird zum gesellschaftspolitischen Planspiel. zeigte. seine Interessen geltend macht und realisiert. die längere Zeit die musikalische Gruppenimprovisation praktizierten.

in denen sie zeit. Siegen 1999 s. ebd.): Musik und Kommunikation. Menschen erleben bei der musikalischen Improvisation Momente.Improvisation aktualisieren immer auch transzendente Themen der Spiritualität. mit Erfahrungsräumen vor und jenseits der Begrifflichkeit. ebd. 133-137 Gesundheit / Leben Ausgeglichenheit RITUAL Regelmäßigkeit Ordnung Gewöhnung Abhängigkeit Zwang Erstarrung Krankheit / Tod Vitalität IMPROVISATION offenes Spiel Chaos Entgrenzung Zerfall Verwahrlosung Zerstörung Fritz Hegi. Musiktherapie als Fachgebiet der „Ästhetik und Kommunikation“ und als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe.und raumvergessen den Ursprung ihrer Existenz erahnen und erspüren. Göttingen 1996 (Hrsg. Vortrag über Musiktherapie zwischen Improvisation und Ritualen Mai 1999 Fritz Hegi: Improvisation und Ritual. S. in: Hans Helmut Decker Voigt (Hrsg. 141-143 Eckhard Weymann: Improvisation. Schaubild aus „Komplex Welt der Sinne“. Seevetal 1988. nach der Flüchtigkeit des Lebens und der Beziehungen und danach. Die Musik hat es mit dem Unaussprechlichen zu tun. Decker-Voigt): Hartmut Kapteina: Improvisationsbewegung. was jenseits dieser Grenzen liegt. in: Peter Marchal (Hrsg. Musik als gestaltete und vergehende Zeit wirft implizit die Fragen nach der Vergänglichkeit der Lebenszeit. in: Archiv für Angewandte Sozialpädagogik 1976 Hartmut Kapteina: Dimensionen der Gruppenimprovisation.): Ästhetik und Kommunikation heute. 73-94 Hartmut Kapteina: Heilendes und Heilsamens Musikerleben. in Decker-Voigt (Hg). Wilhelmsdorf 2000 177 . 137-139 Tilmann Weber: Improvisationsgestalt. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. Literatur: Hartmut Kapteina: Musikpädagogik und Alltagsleben. außerdem Literatur im Lexikon Musiktherapie.

Einiges zur Improvisation in der Musiktherapie MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT.
June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. The wounds that Sing, London 2000, 246

Auszüge aus Tilmann 2000 in der Übersetzung von H. Kapteina: Die Verantwortung des Therapeuten besteht darin, musikalische Strukturen zu finden, in denen die Ideen des Patienten aufgehoben sind (Tilman 2000, 217). Der Fähigkeit des Klienten, sich frei auszudrücken, mitzuteilen und zu entfalten, entspricht die Fähigkeit des Therapeuten, auf diese Freiheit mit den passenden stilistischen Mitteln einzugehen (216). Irving Yalom, dem Vater der Gruppenanalyse, folgend ist die Grundvoraussetzung jeder Therapie der Aufbau von Hoffnung. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen, indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt und erlebt wird, dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (219). Zur Musiktherapeutischen Arbeit mit Gefühlen Smeijsters und van den Hurk (in: M. Heal and T. Wigram (eds): Music Therapy in Health and Education, London 1993) haben Vorschläge für die Behandlung von Gefühlen in der Musiktherapie vorgelegt. 1. Bei Aggressionen: Ermutige zum Ausdruck der Wut, bis sie „verraucht“ ist, das heißt, bis die Vehemenz nachlässt –hörbar in Lautstärke, Rhythmus und Tempo. Nach nicht allzu langer Zeit soll ein Ausgleich zwischen musikalischer Entspannung und Erleichterung entstehen. Ein solcher Vorgang nur einmal pro Sitzung.
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Wenn die Vehemenz des musikalischen Ausdruck nicht nachlässt und zu erwarten ist, dass der Gefühlsausdruck eskaliert und in unkontrolliertes regressives Verhalten abgleitet, soll der Prozess gestoppt werden, indem man das musikalische Spiel in eine andere Richtung lenkt. Wenn das nicht gelingt, muss der Klient bei seinem Spiel auf dem gewählten Instrument gestoppt werden und ihm ein anderes angeboten werden. Nach dem Prozess des Zulassens rege den Klienten an, „eine Linie zu ziehen“, das heißt zu erkennen, wie weit man den Affektausdruck zulassen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren. Hierbei ist es hilfreich, den Wechsel von musikalischer Spannung und Lösung im Zusammenhang mit emotionaler Entwicklung zu üben. Das Zulassen von Aggressionen sollte man unterlassen, wenn kein Verständnis entsteht zwischen dem Gefühl und der Lebenserfahrung und wenn der Gefühlsausdruck kein neues Material hervorbringt (255). 178

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2. Bei Trauer Rege den Patienten an, symbolisch Abschied zu nehmen und zu geben, musikalisch in der Musiktherapie und nicht musikalisch außerhalb der Musiktherapie, z.B. mit einem geeigneten Ritual. Schätze den emotionalen Ausdruck vor dem Hintergrund ein, welche Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks der Patient in der Vergangenheit hatte (255). 3. Bei Gefühlen der Nutz- und Wertlosigkeit ist die Haltung des „musikalischen Nährens und Pflegens“ erforderlich. Drücke die Gefühle musikalisch aus. Wenn der Therapeut das mit dem Patienten und für ihn tut, soll er empathischen Techniken und seiner Gegenübertragung folgen. Wenn erforderlich, mache dem Klienten ein musikalisches Geschenk, das Eigenschaften besitzt, die ihn emotional berühren. Nimm symbolisch die Rolle der frühsten Pflegeperson des Patienten ein. Versuche die Gefühle des Patienten zu kompensieren, indem du die Improvisation so gestaltest, dass der Patient wahrnimmt, wie notwendig sein eigener musikalischer Beitrag ist (256). 4. Für den Aufbau von Selbstvertrauen Unterstütze den Patienten in einer weise, dass er sein eigens Spiel als einen wichtigen Beitrag für das Zustandekommen der Musik erlebt. Räume dem Patienten zur rechten Zeit die Rolle ein, selbst initiativ zu werden und den musikalischen Prozess zu bestimmen. Konfrontiere den Patienten mit abweichendem Material, wenn er sich wiederholt und auf ein und dieselbe Ausdrucksweise festgelegt hat (257). 5. Zur Beeinflussung von Verhaltensweisen Verbreitet ist die Auffassung, dass Verhaltensmuster mit musikalischen Mitteln beeinflusst werden können. Mit anderen Worten: Wenn sich musikalische Verhaltensmuster verändern, ändern sich die entsprechenden allgemeinen Verhaltensmuster. Hierbei ist das Konzept der „Integration“ zu Grunde gelegt: Nicht gelebte Möglichkeiten des Verhaltens werden erkannt, musikalischerlebt und auf generelles (Alltags-)verhalten übertragen. Dieser Vorgang kann durch folgendes therapeutisches Vorgehen gefördert werden: Rege den Patienten in der Improvisation zu Formen an, die verschiedene Elemente enthalten. Ermutige den Patienten, Motive zu variieren. Beziehe Ausdrucksweisen in das Spiel ein, die der Patient vermeidet. Lade den Patienten ein, andere Personen musikalisch darzustellen, auf die er Teile von sich projiziert hat. Ermutige den Patienten, über unbekannte und unverständliche Anteile von sich selbst zu improvisieren. Finde Instrumente, die entgegengesetzte Verhaltensmuster und Gefühlsäußerungen zum Ausdruck bringen (257 f).

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11 Weitere Themen der Vorlesung
Rezeptive Musiktherapieverfahren Christoph Schwabe (Hg): Regulative Musiktherapie, Jena 1996 ders.: Entspannungstraining mit Musik, Leipzig 1987 Hermann Rauhe: Musik hilft heilen, München 1993 Musiktherapie bei Autismus Juliette Alvin: Musik und Musiktherapie für behinderte und autistische Kinder, Stuttgart 1988 Paul Nordoff, Clive Robbins: Musik als Therapie für behinderte Kinder, Stuttgart 1975 dies.: Schöpferische Musiktherapie, Stuttgart 1986 Karin Schumacher: Musiktherapie mit autistischen Kindern, Stuttgart 1994 dies.: Musiktherapie und Säuglingsforschung, Frankfurt am Main 2000 Musiktherapie mit Kindern Jutta Brückner u.a. Musiktherapie für Kinder, Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern, Stuttgart 1997 Das Buch „Kindermusiktherapie. Richtungen und Methoden“ (herausgegeben von Stiff und Tüpker (2007) Göttingen 2007 gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet), Kindermusiktherapie, die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner), Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel), Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert), Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung, eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations- und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT (www.musiktherapie.unisiegen.de) finden sich praxisnahe Beiträge zu:

MUSIKTHERAPIE MIT KINDERN
Armbrust, Wolfgang: „Zeige mir was du brauchst“ - Musiktherapie mit verhaltens-auffälligen, behinderten und schwerst- mehrfach behinderten Kindern Brockhaus-Albrecht, Katja: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Kindern in der Sozialpädagogik Drews, Ingrid: Der Klang der Sinne. Integration der Musiktherapie in das Konzept eines Kindergartens. Fraaß, Katja: Musiktherapie bei Kindern mit ADS Frings, Anke: „Begegnung durch Musik“ - Entwicklungsförderung durch Musiktherapie für Kinder im Vorschulalter Garthe, Susanne: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen und traumatisierten Kindern in einem Montessori – Kinderhaus 180

Musiktherapeutische Einzelförderung in einem Kindergarten Medek. Karl. Inge: Atem und Stimme.Grewe-Heitfeld. Dorothea: Zum Einsatz von Musik während der Dialyse von Kindern und Jugendlichen Tietke-Martel. Daniela: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern Reukauf. Mareile: Musiktherapie mit Kindern eines Schulkindergartens in einem sozialen Brennpunkt Ufer. Elisabeth: Musiktherapie mit Kindern an einer Schule für Sprachbehinderte Hövelmann. Bettina: Musiktherapie mit krebskranken Kindern Strietzel. Ingrid: „Pass auf. Julia: Musiktherapeutische Einzelarbeit mit verhaltensauffälligen Kindern in einer Kindertagesstätte Heymann-Röder.und Einzelarbeit in einem Kindergarten Mayerle-Jarmer. Angela: Kann ich dir begegnen? Musiktherapie mit ungewöhnlichen Kindern an einem Sonderpädagogischen Zentrum in Österreich Münch. Helmut: Grenzerfahrungen.. Hartmut: Musik in der Therapie und Prävention bei Suchterkrankung und –Gefährdung am Beispiel von Kindern suchtkranker Eltern Marnach.. Christiane: Musiktherapeutische Arbeit mit Kindern an einer Grundschule Kolb. Annja: Musiktherapie mit Flüchtlingskindern AUS DER ARBEIT MIT JUGENDLICHEN Dentler. Ursula: Musik mit Kindern nach Trennung und Scheidung.Heinz: Rockmusik . dass du nicht auf einen Vulkan stößt!“ Musiktherapie mit Vorschulkindern dokumentiert anhand des Beispiels eines emotional verhaltensauffälligen Kindes in einem Kindergarten Kowald. Ursula: Musikalisch-therapeutische Maßnahmen im Förderunterricht der Grundschule Vetter. Musiktherapie mit 3 Jungen mit dem „Hyperkinetischen Syndrom“ Kritzer. . Beate: Musikalisch-therapeutische Gruppen. Ein präventives Gruppenangebot Rogmann. Saskia: Ein Ton allein.. Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Grundschulkindern Schönich. (macht noch lange nicht Musik) . Susanne: Musiktherapie mit systemischen Therapieansätzen als Arbeitsweise in einer Erziehungsberatungsstelle Knickel. Marietheres: Musiktherapeutische Prozesse in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern Schreiber. Renate: Möglichkeiten und Grenzen musikalisch-therapeutischer Arbeit mit „verhaltensauffälligen Kindern Kranz. Beate: „Ich schenke Dir einen Klang“. Ursula: Musiktherapeutische Begleitung von Kindern innerhalb der Familienberatung Schicha. Margrit und Kapteina.Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen 181 . Kathrin: Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung Hennen. Susanne: Beziehung – Klang – Resonanz.. Doris: Musiktherapie bei sexuellem Missbrauch Mayerle-Jarmer. Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern Kröger. Aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen Schmidt-Poschinski.

Michael: Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation Fleischer.Selbsterfahrungsgruppe für eine Frau mit depressivem Syndrom Döhler.. Anita: Die Integration musiktherapeutischer Interventionen in gemeindepsychiatrische Angebote der Gelben Villa Cremer. Sabine: Aus den Quellen der Erinnerung die Gegenwart speisen. Vassilios und Kapteina.Momente der Freude und des Glücks.und drogenabhängigen Erwachsenen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heinzen. Ulrike: Musiktherapie als integraler Bestandteil in der tagesklinischen Betreuung psychisch Kranker Biewald. Maria: Musiktherapie im Behandlungskontext einer psychosomatischen Klinik Bartlau. Hartmut: Liedersingen mit Psychose-Patienten Meier. Andrea: Wirkungschancen von musiktherapeutischen Prozessen für Menschen mit Behinderungen am Beispiel eines Mannes mit Autismusdiagnose Derks.Heinz: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit Hill. Ulrike: Musiktherapie mit chronisch kranken Menschen im Ambulanten Hospiz und in der Onkologie eines Akutkrankenhauses Hesse.Dentler. Validierende Musiktherapie mit dementen Menschen 182 . Ingrid: Die Relevanz einer musikalisch-therapeutischen Frauen . Astrid: Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma Lingenfelder. Martina: Kontakt – Begegnung – Beziehung.und Jugendpsychiatrie Wolf. Ramona: Wohin die Reise geht. Angelika: Musikalisch-therapeutische Selbsterfahrung in einem Müttergenesungsheim Hoffmann. Beate Erinnerung durch vertraute Klänge Kapteina.ach . Petra: Möglichkeiten und Grenzen der musikalischen Gruppenimprovisation mit psychose-erkrankten Erwachsenen in einem sozial-psychiatrischen Zentrum Dümpelmann.“ Musiktherapeutische Arbeit mit einer bulimischen Jugendlichen in der Kinder. Katharina: „Zwei Seelen wohnen . Hartmut: „Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen. Elisabeth: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit lernbehinderten Jugendlichen Regenbrecht. Bettina: Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung Fliegner.. Katrin: Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung und Autismus Golomski. Annette: Musiktherapie mit alkohol.“ Folkloretänze in Therapie und Prävention Kletke-Drawert. Musiktherapie mit Patienten einer Akutpsychiatrischen Station Hillingshäuser. Monika: Musiktherapie mit alten Menschen im klinischen Bereich Brucherseifer. Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung Liolios.in meinem Leib. Simone: Musiktherapie mit Menschen mit Behinderung und mit Menschen mit Autismus MUSIKTHERAPIE MIT ERWACHSENEN Alm.. Burkhard: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot Hürkamp. Karl. Musiktherapie in der Palliativmedizin Behr. Nicole: Begegnungen für den Augenblick .

Musiktherapie in einer Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen 183 . Wolfgang: Arbeit mit Erwachsenen. Friedhelm: Einzelmusiktherapie mit dementen alten Menschen im Spannungsfeld zwischen Gedächtnistraining und Psychotherapie Schmidt-Rath. die unter chronischen Schmerzen leiden Spörer. Musiktherapie: Ein neuer Weg? Schwarz. Die Bedeutung der musikalischen Improvisation in einer Selbsterfahrungsgruppe mit Männern in der Suchtprävention Weber. Manuel: Männer unterwegs.Bewegung.Beziehung . Beispiele aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit Erwachsenen Schneider. Elisabeth: Kirchenmusik im Spannungsfeld zwischen Seelsorge und Psychotherapie. Oliver: Musiktherapie bei geistig behinderten Menschen mit psychischer Störung Schubarth. Barbara: Musiktherapie mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Werbick. Musiktherapie in der Rehabilitation psychisch kranker Menschen Treschhaus. Heike: Einige grundlegende Gedanken über die Stimme in der Psychotherapie und dem Schnittfeld von Musiktherapie und Musikpädagogik aus der Sicht des Gestaltansatzes. Bärbel: KON-TAKTE. Eta: Ich spiele. Gabriele: Fermate. Wolfgang: Musiktherapie bei Depression Soost. Barbara: Musik und Bewegung mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Ziebarth. Werner: Musiktherapie mit alten verwirrten Menschen Rau-Krüger. was ich nicht sagen kann.Nemitz. Rigulf: Musiktherapie mit PatientInnen in der Akut-Psychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Hildesheim Nolte. Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Patienten der gynäkologischen Rehabilitation Sandte. Andreas: “Ich komme meiner Seele nahe” .und schwerkranken psychiatrischen Patienten Partner. Erfahrungen mit Musiktherapie in einer psychiatrischen Tagesklinik Reitz. Eva-Maria: Gruppenmusiktherapie mit chronisch. Peter: „Schläft ein Lied in allen Dingen …“ Biografieorientierte Musiktherapie mit BewohnerInnen einer Gerontopsychiatrie Scheu. Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Menschen mit mehrfacher Behinderung Schrade. Kristin: Beziehung gestalten und sinnhaftes Leben erfahren – musiktherapeutische Anregungen zur Erhöhung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter Soost. Uta: Musiktherapie mit einer depressiven Klientin im Mutter-KindKurheim „Emmi Welter“ Werbick. Gerd: Erfahrungen mit einer neuen Form von Tiefenentspannung und der rezeptiven Musiktherapie mit onkologischen Patienten einer stationären Rehaklinik Vanegas. Cornelia: Berührung .

bei denen musiktherapeutische Weiterbildung.12 Anschriften.V.V. den Titel Musiktherapeut/Musiktherapeutin zu führen und selbständig als Musiktherapeutin zu arbeiten.Berlin@t-online. Über die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie erhält man aktuelle Informationen über den gesamten Musiktherapiemarkt. freie Stellen für Musiktherapeuten. Praktikumplätze. zuständig. ungefähr entsprechend den Bundesländern. Für jeden.und Weiterbildungsmarkt informiert die Broschüre 2-II-A 3 „Blätter zur Berufskunde. Ebenfalls ist die DMTG für Fragen der berufsrechtlichen Anerkennung. Literatur. Ressourcen und vieles andere mehr. Die Landesarbeitsgemeinschaften für Musiktherapie und die Sektionen veranstalten Weiterbildungsveranstaltungen. 4 Hefte pro Jahr im Gesamtumfang von ca. Die DGMT gliedert sich in Regionalverbände. ist eine Mitgliedschaft in der DMGT sehr zu empfehlen.de http://www. die Musiktherapeutische Umschau. Aus. (IGMF) Postfach 14 43 in 57319 Bad Berleburg Informationen über Gruppenimprovisation erhält man als Mitglied im Ring für Gruppenimprovisation Matthias Schwabe Wilskistr.V.im Jahr (Studierende unserer Ausbildung bekommen Ermäßigung) erhält man das meiner Meinung nach wichtigste musiktherapeutische Fachorgan in deutscher Sprache. Weitere Institutionen. 29 in 81675 München 80 Fritz Perls Institut für Integrative Therapie.musiktherapie. Gestalttherapie und Kreativitätsförderung Wefelsen 5 in 42499 Hückeswagen und Internationale Gesellschaft für Musikpädagogische Fortbildung e. 56 14136 Berlin 37 Hier erhält man auch die sehr lesenswerte Fachzeitschrift „ringgespräch über Gruppenimprovisation“. 184 . 370 Seiten.. Berechtigung. sogenannten Landesarbeitsgemeinschaften. fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist: Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft (DMTG e. zu beziehen über die Arbeitsämter. Diplom-Musiktherapeut / Diplom-Musiktherapeutin“ der Bundesanstalt für Arbeit. die musiktherapeutische Fortbildungen durchführen sind: Freies Musikzentrum e. der sich langfristig im Bereich der Musiktherapie engagieren und weiterentwickeln will. und schließlich: über den aktuellen Berufs-.) Libauer Straße 17 10245 Berlin Telefon 030/29 49 2493 Fax 030/29 49 2493 Email: DGMT.de Für einen Mitgliederbeitrag von DM 200. Ismaninger Str. außerdem zweimal im Jahr den „Info-Dienst“ mit aktuellen Insider-Informationen. In der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie gibt es eine Sektion Studenten. Projektwochen etc.

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