Skript zur

Einführung in die Musiktherapie
Musikpsychologische und klinische Grundlagen des Helfens und Heilens mit Musik
Universität Siegen
Univ.-Prof. Hartmut Kapteina
Musikpädagogik Musiktherapie 57068 Siegen Hölderlinstr.3 Raum H-D 7203 Tel. 0271/740-3212 Email: kapteina@musik.uni-siegen.de

April 2009

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Inhaltsübersicht
1 2 3 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze......................................... 4 Literaturdienst ................................................................................................................................................. 6 Definition der Musiktherapie ......................................................................................................................... 8

3.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie .................................................................................... 11 3.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005............................................ 14 3.3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik........................................ 17
4 Was geschieht, wenn wir Musik hören? ........................................................................................................ 18

4.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs....................................................................... 19 4.2 Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen ...................................................................... 21 4.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere............................................................................ 23 4.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen............... 25 4.5 Biophysik des Musikerlebens.............................................................................................. 28 4.6 Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben ............................................................ 39 4.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben ...................................................................... 46 4.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik.......................................................... 54 4.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens.................................................................... 57 4.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens.................................... 58 4.11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ .................................... 59 4.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens................................................... 63 4.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens........................................................... 67 4.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens...................................... 68 4.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens ........................................................ 75 4.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens ..................................................................... 80 4.17 Politische Aspekte des Musikerlebens...................................................................... 82 4.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik............................. 84
5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen............................................................................................................... 90

5.1 5.2 5.3 5.4
6 7

Hören vor der Geburt .......................................................................................................... 91 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“................................................................................. 97 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten .............................................................. 98 Musiktherapie mit Koma - Patienten .................................................................................. 101

Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst ............................................. 102 Musiktherapie in der Psychiatrie ................................................................................................................... 106

7.1 Musiktherapie bei Schizophrenie........................................................................................ 110 7.2 Musiktherapie bei Depression............................................................................................. 114 2

7.3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen.................................................................. 124 7.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen.................................................... 135
8 9 Musiktherapie und Sozialpädagogik.............................................................................................................. 141 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit......................................................................................... 145

9.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen ................................ 149
10 Neue Musik, Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik ................................................................ 165

10.1
11 12

Ökologie der Gruppenimprovisation ........................................................................ 174

Weitere Themen der Vorlesung...................................................................................................................... 180 Anschriften, bei denen musiktherapeutische Weiterbildung, fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist:................................................................................................................... 184

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Geschichte – Theorien – Methoden. Schließlich ist in der Reihe der Gesamtdarstellungen zu nennen: der von Gerhard Harrer 1982 herausgegebene Sammelband „Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie“ (Stuttgart) mit einigen musikpsychologischen Beiträgen. Wolfgang Strobel/Gernot Huppmann: „Musiktherapie“ (Göttingen 1978) ist stark historisch orientiert und die Bücher von R.bis zu geriatrischer Therapie ebenso das 1997 von Lotti Müller und Hilarion G. Praxis und Theoriestand. Petzold herausgegebene Buch „Musiktherapie in der klinischen Arbeit“ (Fischer. bei psychosomatischen Erkrankungen.) informiert über die Schulen der Musiktherapie. Eine Einführung in die Musiktherapie“ (Beck. Arbeit mit hirngeschädigten. Ein Beitrag zur Ausbildung an der Wiener Hochschule und über außereuropäische Heilmusik beschließt den Bogen den dieses Werk umspannt. Göttingen 2000 bietet ebenfalls einen umfassenden Überblick.Szene. Bern 1999 stellt „Forschungsstrategien und praktische Erfahrungen“ heraus und bearbeitet auch die ästhetischen Aspekte der Musiktherapie. David Aldrige: Musiktherapie in der Medizin. Spintge und R. wobei heil. Droh: Musik in der Medizin (Berlin und Heidelberg 1987) und Musik-Medizin (Stuttgart 1992) informieren über die medizinisch orientierten Ansätze der Musiktherapie. Herbert Bruhn: Musiktherapie. Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie. entwicklungsgestörten Kindern. mit Psychotikern und Neurotikern. warum bei welcher Krankheit oder Störung Musiktherapie etwas leistet. München) enthält neben allgemeinen Beiträgen zum Berufsbild und zu Ausbildungsmöglichkeiten Praxisschilderungen von der Kinder. einem theoretischen Grundlagenbeitrag zur Methodik der Musiktherapie von Christoph Schwabe und Praxisbeiträgen aus der Psychiatrie. Eine Einführung in psychosoziale und medizinische Berufe. Henk Smeijsters: Musiktherapie als Psychotherapie (Stuttgart 1994) stellt die verschiedenen aktuellen Richtungen der Musiktherapie dar. Göttingen 1999 hat eine Theorie und Forschungspraxis vorgelegt. die stark an der Diagnostik orientiert ist.1 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze Leslie Bunt: Musiktherapie. Eine neue Gesamtdarstellung von Hans Helmut Decker-Voigt (Hrsg. Stuttgart). das keine andere Psychotherapie leisten kann. Der 1998 von Werner Kraus herausgegebene Band „Die Heilkraft der Musik. Weinheim 1998 bietet einen Überblick über die weltweite Musiktherapie . einem geschichtlichen Überblick. München 2001 4 .und sonderpädagogische Aspekte besonders berücksichtigt sind. Heilpädagogik. Er geht von der Frage aus. bei Depression und im Strafvollzug.

de“ 5 . Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. Inge Nygaard Pedersen und Lars Ole Bonde herausgegebene Lehrbuch zur Musiktherapie (A Comprehensive Guide to Music Therapy. theoretische Grundlagen.und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Richtungen. Das von Wigram. Clinical Practice. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner). Research and Training.2009 erscheint die Neuauflage des „Lexikon Musiktherapie“ (Hogrefe Verlag Göttingen) erschienen. London 2002) liefert einen kompletten Überblick über Geschichte. Der von Stiff und Tüpker herausgegebene Sammelband Kindermusiktherapie. Richtungen und Methoden (Göttingen 2007) gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen vor: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet). Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel).musiktherapie. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die OrffMusiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft informiert über Musiktherapie auf einer Internet Homepage: „www. es enthält in alphabetischer Reihenfolge ca. Anwendungsgebiete. Kindermusiktherapie. Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert). 100 Beiträge von „Abwehr“ bis „Trance“ und ist das zur Zeit aktuellste Kompendium zur Musiktherapie. Forschungsansätze und Ausbildungsformen der Musiktherapie in Europa.

Linkshändigkeit. Hirnschädigung. Bachelor. Indien. Das Literaturverzeichnis umfasst mehr als 7000 Titel und wird ständig aktualisiert und erweitert. die sich in einen speziellen Bereich der Musiktherapie intensiver einarbeiten oder darüber eine Seminar-. Demenz. Atem. I Identifikation. Intensivmedizin. Jugendpsychiatrie. Kunst. Anaesthesiologie. Märchen. Neuseeland. Frankreich. Körperkontakt. Bilderleben. Angst. Gegenübertragung. Down-Syndrom. Kindertherapie. Musikhören. unter Verwendung nachfolgender Stichworte an: Prof. Es enthält Bücher (Artikel aus Sammelbänden werden einzeln aufgeführt). Kontakt. Adipositas. Chaos. fernöstliche Medizin. Multiple Sklerose. Eßstörungen. Heilritual. Altorientalische Musiktherapie. Didgeridoo. NLP. geistige Behinderung. Genuß. Italien. Dramatherapie. morphologische Musiktherapie. Klavier. Ausbildung. Erziehung. Imagination. Geburtshilfe. Lehrmusiktherapie. Berufsbild des Musiktherapeuten. Emotionalität. Alkoholabhängige. Drogenabhängige. Beziehung. Intermusiktherapie Inzest. Instrumentenbau. Autismus. Frühförderung. Bulimie. Israel. Gruppentherapie. Freizeitpädagogik. Gewalt. Logopädie. Sonstige Interessenten können dieses Angebot gegen eine Gebühr in Höhe von 5. Anthroposophische Musiktherapie. Multimorbidität. Gong. Mutismus. Lieder. elektronische Musik. Mutter-Kind-Interaktion.und Jugendpsychiatrie. Forschung.oder Masterarbeit verfassen möchten. Kindermusiktherapie. Frauen. Krebs. Blutdruck. Motivation. Neue Musik. Gestaltungstherapie. Gruppenmusiktherapie. Behinderung. Kriegstrauma. InstrumenJ Japan. Drogenabhängigkeit. Kurzzeitmusiktherapie. Hypnose talspiel. Neben den Bibliographien nach DIN-Norm umfasst die Recherche bei einem Teil der Veröffentlichungen eine Kurzzusammenfassung. Depression. Neid.-. Musikpsychologie. Universität Siegen. Musikerleben. M Malen. aktive Musiktherapie. Morphologie. Kontrabaß. Gruppenimprovisation. Neurose. Borderline. Berimbao. Altenarbeit. Blasinstrumente. Amusie. Körpererfahrung. Behinderte Kinder. Notation. Cerebralparese. Ethik. Familientherapie. Flüchtlinge. Hörgeschädigte. A B C Cello. initiatische Musiktherapie. Eskimo. D Dänemark. Hypermotorik. Krankheitsbewältigung. Narzissmus. Australien. Folteropfer. Autogenes Training. Gruppenpädagogik. Bewegungserziehung. Musikmalen. Aids. Assoziation. Ausdruckstherapie. Hören. Herz. Kommunikation. klassische Musik. Musikalische Gestaltung. Komposition. Manipulation. Kuba. Musikethnologie. Großbritannien. Gesundheit. Griechenland. Bei mehr als sechs Stichwörtern schicken Sie uns bitte eine Diskette. musikalische Früherziehung. Musikwirkung. China. Alzheimer. Geschichte der Musiktherapie. Audio-Psycho-Phonologie. Belgien. Indianer. Meditation. Jazz. Entspannung. Neurologie. Kreativität. Geburtsprozess. Asthma. Mädchenarbeit. feministische Therapie. Musikästhetik.2 Literaturdienst Die Universität Siegen hat einen speziellen Literaturdienst für Musiktherapie und Soziale Arbeit eingerichtet: Dieser Service richtet sich zum einen an Studierende der Universität Siegen und die Teilnehmer der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung. Morbus Huntington. L Lautstärke. Wenn Sie unsere Dienstleistung der Literaturrecherche nutzen möchten. K Kalimba. Norwegen. Anorexia nervosa. Afrikanische Musik. Bewegungstherapie. Autonomie. Indonesien. 57068 Siegen. Esoterik. Lernbehinderung. Dialog. Autoaggression. Epilepsie. integrative Musiktherapie. Musikschule. Musiksoziologie. Katathymes Bilderleben. Adorno. Geburtsvorbereitung. Gesprächsführung. Hölderlinstraße 3. Diagnostik. Musikgeschichte. Islam. Kindergarten. Erotik. Koma. forensische Psychiatrie. Geige. Bibliographie. Heilpädagogische Musiktherapie. Gehemmtheit. Medizin.€ (bitte als Schein der Literaturanfrage beifügen) in Anspruch nehmen. Anthroposophie. Afrika. Eltern. 6 . Konsum. Kunsttherapie. Glocken. Massenmedien. Dialyse. Bratsche. Kanada. Gitarre. Hospiz. Heilpädagogik. Kinder. Manie. Mallet-Instrumente. Für sie entstehen keine Kosten. ästhetische Erziehung. Conga. Hartmut Kapteina. Hirnphysiologie. Dokumentation musiktherapeutischer Prozesse. N Nachsorge. Gerontopsychiatrie. Klang. DMVO. richten Sie bitte einen schriftlichen Auftrag mit der genauen Beschreibung Ihrer Suchanfrage. intermediale Arbeit. Jugendliche. Frühgeborene. interkulturelle Arbeit. Musikpädagogik. Ehe. Ästhetik. Aggression. Anthropologie der Musik. Karibik. Immunsystem. multimediale Arbeit. Entwicklungspsychologie. Heimerziehung. Niederlande. Melodie. MusikerInnen-Krankheiten. Geriatrie. Brasilien. Flöte. Musikinstrumente. Nordoff-Robbins-Musiktherapie. Bewußtseinsstruktur. Computermusik. Diplom-. Gesetze. Ligeti. Ekstase. Klangschalen. frühe Störungen. Indikation. Artikel aus Fachzeitschriften und „graue Literatur”. Keyboard. archetypische Klänge. Free Jazz. graphische Notation. Musikwissenschaft. H Hauterkrankungen. Gestalttherapie. Einzelmusiktherapie. Kopfschmerzen. Jugendarbeit. Leier. Lese-Rechtschreibschwäche. Monocord. Gestaltung. Improvisation. Körpertherapie. Körperbehinderung. Erwachsenenbildung. Evaluation. Dyskalkulie. E F G Gamelan-Musik. Grundschule.

Sprachstörung. Schweiz. Schwirrholz. Sehbehinderung. szenisches Spiel Tamtam. Rollenspiel Sansa.O Obdachlose. Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Rhythmik. Spiritualität. Suchttherapie. Vibration. Schlagzeug. W Wahrnehmung. Vorschulerziehung. Sozialpsychiatrie. Selbstwahrnehmung. Vibraphon. Transzendenz. Schamanismus. Türkei. Wahrnehmungsförderung. P Paartherapie. Shruti-Box. Schwangerschaftsabbruch. Tomatis. 7 . Sonderpädagogik. V Vegetativum. Stress. Theater. Religion. Psychoanalytische Musiktherapie. Psychoanalyse. Stimme. Traum. Supervision. Symbol. Rehabilitation. Spielesammlung. Psychotherapie Q Qualitätssicherung. Ostdeutschland. S T U Ungarn. Trauer. Trauma. Suizid. Singen. Unterhaltungsmusik. Politik. USA. Verhaltenstherapie. Philosophie. Regression. Österreich. Übertragung. Schule. Psychomotorik. Regulative Musiktherapie. Schweden. Schlitztrommel. Tibet. Skandinavien. Theorie der Musiktherapie. Schlaganfall. Trance. Prozesse. Schizophrenie. Sprachentwicklung. Tinnitus. X Xylophon. Zeit. Streichinstrumente. Psychopathologie. Strafvollzug. Sterbende. Stille. TZI. therapeutische Beziehung. Psychosomatik. Videoarbeit. R Rassel. Psychodrama. Widerstand. Parkinson. Tanztherapie. Rockmusik. Volkstanz. Psychose. Orff. Synthesizer. Südafrika. Singeleitung. Poesie. psychische Krankheit. Schwerst-Mehrfachbehinderung. Tod. Videofilme zur Musiktherapie. Prävention. Rhythmus. Sozialpsychologie. Psychiatrie. Posaune. Verhaltensauffälligkeit. Ocean-Drum. Spiel. Ritual. Säuglinge. Trommel. Perkussionsinstrumente. Suchtprävention. Psychologie. Zwangserkrankungen. rezeptive Musiktherapie. Obertöne. Schmerz. Polen. Sozialmusiktherapie. Y Yoga. Tanz. Sexualität. Werbung. pränatal. sexueller Missbrauch. Rheuma. Z Zahnmedizin. Sucht. systemische Therapie. Utopie. Selbstmanagement-Therapie. Pogrammusik.

3 Definition der Musiktherapie Für viele Menschen ist die Verbindung zwischen “Musik“ und “Therapie“ offensichtlich. BUNT 1998). psychischen und emotionalen Störungen leiden. dass zunächst die Betonung auf der Musik lag und die Rolle des Therapeuten vernachlässigt wurde. Research and Training. FLESHMAN & FRYREAR 1981. Clinical Practice. Wir können beobachten. musikalische Vorkenntnisse und instrumentale Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt und der Therapeut gibt keine wie auch immer geartete Regeln oder musikalische Strukturen vor (vgl. Klient und Therapeut bestimmen gleichberechtigt über die musikalische Situation. bei dem die Therapie an Kindern und Erwachsenen vollzogen wird. nach der Musiktherapie als der gezielte Einsatz von Musik bei Behandlung. psychische und physische Gesundheit wieder herzustellen. die durch Musiktherapie bewirkt werden (vgl.130-134) beschreiben die Musiktherapie von Juliette ALVIN. 59) und die sich innerhalb des kreativen Verlaufs einer therapeutischen Beziehung entwickeln. Andere Definitionen heben Verhaltensänderungen hervor.). um Probleme in der Kommunikation zu überwinden. der mit den überlieferten musikalischen Gesetzen der Harmonielehre. um therapeutische Ziele bei Kindern und Erwachsenen zu erreichen. die an physischen. Jede denkbare Art von musikalischer Aktivität kann verwendet werden.Die Definition verfolgt insgesamt einen eher therapeutenzentrierten Ansatz. Der Mensch könne sich selbst in seinen musikalischen Produkten erkennen. Therapeutische Ziele stehen auch Definition des NAMT. wie Musik zur eigenen psychischen Stabilisierung beiträgt. wie Klienten die Musik benutzen. Aspekte des Unbewussten zum Vorschein zu bringen. und schließlich pendelte sich das Selbstverständnis der Musiktherapie irgendwo zwischen den beiden Extremen ein (vgl. Für sie ist der Komponist Strawinsky einer der bedeutendsten Komponisten des 20ten Jahrhunderts. atonalen Klängen und asymmetrischen Rhythmen „die Tür für die Entwicklung der Freien Improvisationstherapie öffnete.Vereinigung: Musiktherapie sei der gezielte Einsatz von Musik. Diese verschiedenen Schwerpunkte bestimmen die Diskussionen weiterhin auf nationaler und 8 . In der Musiktherapie versuchen wir.4).Vereinigung im Vordergrund (1980.172). sodann wurde die Musik zugunsten der therapeutischen Beziehung vernachlässigt. 1989. gilt (vgl. vor allem wenn sie neben ihrem Unterhaltungswert entdeckt haben. zu erhalten und zu verbessern. emotionale. körperliche oder intellektuelle Probleme haben (vgl. in der Klienten und Therapeuten ohne vorgegebene Regeln frei spielen und ihren persönlichen Charakter zum Ausdruck bringen können“ (131). Auch ALVIN betont: “Erfolg oder Versagen der Musiktherapie hängen sowohl von menschlichen wie musikalischen Faktoren der Beziehung ab” (1975. 1975. Improvisation wird total frei behandelt. 82). um die geistige. Über viele Jahre galt als Standard der britischen Musiktherapie die Definition von Juliette ALVIN. Rehabilitation. 1): Musiktherapie ist der Einsatz von Musik. London 2002. ebd. über Musik Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. Tony WIGRAM. des Kontrapunktes und der Formenlehre brach und mit der Akzeptanz von Dissonanz. Inge NYGAARD PEDERSEN und Lars Ole BONDE (A Comprehensive Guide to Music Therapy. Sie hebt die Bedeutung der Psychoanalyse von Sigmund Freud für die Musiktherapie hervor. der amerikanischen Musiktherapie . Auf diese Weise kommen sie in Kontakt zu ihren eigenen Ressourcen und Stärken. Ähnlich orientiert ist BRUSCIAS Definition der Australischen Musiktherapie . weil Musik die Kraft besitze. die bestimmte soziale. einer der modernen MusiktherapiePioniere als „Free Improvisation Therapy“. S. und Erziehung von Kindern und Erwachsenen. Wie in den USA so verlief die Entwicklung der Musiktherapie auch in den europäischen Ländern so. (NORDOFF & ROBBINS 1986).

eher als Teil eines übergeordneten Behandlungsansatzes denn als eigenständige therapeutische Intervention angesehen (vgl. Ärzten und Pädagogen ausgeübt. Literatur: 9 . “die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte.6). Rezeption. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird.3).internationaler Ebene. verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen. geistige. Musiktherapie kann also als gezielter Einsatz von Klängen und Musik in einer sich entfaltenden Beziehung zwischen Klient und Therapeut definiert werden mit dem Ziel. soziale und emotionale Wohlergehen zu fördern (BUNT 1998. Der brasilianische Musiktherapeut BENENZON meint. systemischen.” Sie ist “Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt. wird es immer wichtiger. Das musikalische Material eignet sich. musikalisch und emotional zu begleiten und differenzierte Interaktionen im klanglichen und psychischen Geschehen zu gestalten (vgl. In der musiktherapeutischen Beziehung wird Musik als subjektiver Bedeutungsträger verstanden. Hinzu kommt die Fähigkeit. An ihm können sich Wahrnehmungs-. Manche Studiengänge lassen nur Musiker mit Hochschulabschluss und langjähriger Praxiserfahrung zu.). anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen” (KASSELER KONFERENZ.und Kulturgeschichte unterschiedliche Definitionen für Musiktherapie entwickeln und die jeweiligen Besonderheiten ihres Gesundheitswesen berücksichtigen. der “den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen” ermöglicht.und Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. KASSELER THESEN MUSIKTHERAPIE als “eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin“ gekennzeichnet.” Der Begriff Musiktherapie wird verstanden als “summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen. das körperliche.1981. die ermöglicht. Mit der internationalen Ausweitung des Berufes. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. insbesondere der Medizin. gemeinsame Grundlagen und international anerkannte Standards zu entwickeln. andere bilden Studenten direkt nach der Schule aus. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren. “die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. dass ein Musiktherapeut als solcher besonders ausgebildet sein muss. der Musikwissenschaft und der Pädagogik. Symbolisierungs. auch KENNY 1982. S. dass sich sowohl aufseiten des Klienten als auch im therapeutischen Prozess selbst Veränderungen ereignen (vgl. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind” und insofern “an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden” sind. 50). BUNT 1998. die Musik wird von ihnen eher als Mittel einer anderen psychotherapeutischen Methode. der Psychologie. etwa im Rahmen der Europäischen Union. Erlebnis-. Insofern stellt Musiktherapie einen Kontext her. nicht aber notwendigerweise ausgebildeter Musiker sein muss (vgl. Die Vertreter der wichtigsten musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland haben 1998 in den sog. In anderen Ländern wird Musiktherapie von Musikpsychologen. den Gesellschaftswissenschaften. 18). International bestehen unterschiedliche Ausbildungsstandards mit unterschiedlichen akademischen und berufsrechtlichen Abschlüssen. Jedenfalls aber liegt die besondere Leistung der Musiktherapeuten in der “Bereitschaft und Fähigkeit zuzuhören” (STEELE 1988.” Die verschiedenen “musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen. Dabei werden verschiedene Länder entsprechend ihrer jeweiligen Musik. 1998). APMT 1990). In Großbritannien standen Musik und Musiker als Musiktherapeuten immer im Mittelpunkt der Überlegungen. in dem sich über gemeinsame musikalische Erfahrungen eine gegenseitige Beziehung zwischen Klienten und Therapeuten bildet. 17f.

Spring City. Springfield.: Defining Music Therapy. Pennsylvania 1989 BUNT. und BONDE. Atuscadero. & FRYREAR. NYGAARD PEDERSEN. P.ALVIN. Jena 1969 STEELE.: Schöpferische Musiktherapie. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing.: Forward. L. T.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. & ROBBINS. 232-235 KENNY.: A Comprehensive Guide to Music Therapy. L. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe. C. The wounds that Sing. California 1982 NAMT (National Association of Music Therapy): Broschüre zur Berufslaufbahn 1980 NORDOFF. J. London 2000. P. 2/1988 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. Stuttgart 1986 WIGRAM. Research and Training. The Magic of Music Therapy. Weinheim 1998 FLESHMAN. London 2002. Chicago 1981 KASSELER KONFERENZ MUSIKTHERAPEUTISCHER VEREINIGUNGEN IN DEUTSCHLAND: Thesen zur Musiktherapie. Musiktherapeutische Umschau 1998.: Music Therapy. C.: The Mythic Artery. I. Illinois 1981 BRUSCIA. SCHWABE. O. J..: Music Therapy Manual. London 1975 BENENZON.: The Arts in Therapy. Journal of British Music Therapy. 246 10 .O.: Musiktherapie.E. C. R. Clinical Practice. B. K.L.

da die einzelnen Aussagen einander bedingen und ergänzen.) Improvisation – Therapie – Leben.3. Die Thesen können nur in ihrer Gesamtheit verstanden werden. Sie gehört zum Bereich der Medizin und hat dort eine integrative Funktion. Musiktherapie bietet als kreativ gestaltendes Therapieverfahren „die Möglichkeit. These 1 Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin. Antje (Hrsg. Die Kasseler Thesen dienen einem gemeinsamen berufspolitischen Vorgehen zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die Ausübung von Musiktherapie. oder auch ein neues Repertoire zu entwickeln. Jeder von uns hat ein kompositorisches Thema – seine Identität – und diese stellt ein Repertoire an Möglichkeiten des Seins dar. und nach entsprechender Behandlung ist der Defekt behoben. einen schulenübergreifenden Konsens zur Musiktherapie herbeizuführen. der Psychologie. Mit diesem Repertoire gehen wir in die Welt und passen es immer wieder improvisierend den augenblicklichen Erfordernissen des Lebens an.und westdeutschen Fachtraditionen. wenn das Leben durch einen unglücklichen Umstand erheblich gestört wird“ (474). die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind. welche in einem ständigen Energiefluss improvisierend auf innere und äußere Anforderungen des täglichen Daseins treffen. den Patienten solche Anpassungsprozesse zu erleichtern. in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie. These 3 Ausgehend von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis1 ist Psychotherapie wissenschaftlich fundierte Behandlung mit psychologischen Mitteln. Gleichzeitig implizieren sie eine Abgrenzung zu anderen therapeutischen Verfahren. wird dieser Körper zur Reparatur gebracht. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. These 2 Der Begriff „Musiktherapie” ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen.“ Daraus würde sich für die Musiktherapeuten die Aufgabe ableiten. Ausbildungsschwerpunkten.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie Präambel Mit den vorliegenden Thesen haben die VertreterInnen der oben genannten acht musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland den Versuch unternommen. der Musikwissenschaft und der Pädagogik. Musiktherapie näher zu definieren erfordert Aussagen zum zugrunde liegenden Psychotherapiebegriff und Musikbegriff. Die darin enthaltenen Festlegungen lassen Raum für die unterschiedlichen musiktherapeutischen Konzeptionen und geben gleichzeitig eine verbindliche Basis für die Qualitätssicherung. Ist jemand krank. in denen ebenfalls Musik eingesetzt wird. die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. Dieser Prozess markiert den Beginn einer auf Integration und Kooperation ausgerichteten Entwicklung zwischen den VertreterInnen der unterschiedlichen Musiktherapierichtungen in Deutschland. insbesondere der Medizin. Dieser besteht in Aussagen zu theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen der Musiktherapie. Ulrike und Stolz. „dass der Mensch gleich einem Musikstück komponiert ist. psychologische und soziale Organismen. indem sie „– im übertragenen und wörtlichen Sinne – dieses ‚Improvisations-’ Repertoire erweitern. Crossen 2005. Das bio-psycho-soziale Menschenbild und Krankheitsverständnis verdeutlicht David Aldridge in seinem Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. konzeptionellen Voraussetzungen und Anwendungsbereichen. um so auf umwälzende Veränderungen zu reagieren. auch in Be1 11 . den Gesellschaftswissenschaften. Wir sind in der Welt als biologische. 473-487) mit dem Vergleich zwischen einer Symphonie und einer Maschine: „Eine geläufige Metapher für Heilung in der modernen Kultur setzt den Körper mit einer Maschine gleich.“ Diesem „iatromechanischen Menschenbild“ setzt Aldridge entgegen. Die Dynamik der fachlichen und verbandspolitischen Auseinandersetzung zur Erarbeitung der Kasseler Thesen wurde maßgeblich vorangetrieben durch die Begegnung der historisch gewachsenen ost.

und Kommunikationsfunktion. 1 Zu „gestaltet”: Bei der musikalischen Gestaltung werden Töne. 230). Das musikalische Material eignet sich. These 4 Musik ist vom Menschen gestalteter Schall. Erlebnis-. Keine psychotherapeutische Methode oder Technik folgt einem monokausalen Wirkprinzip. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. Musik wird zum subjektiven Bedeutungsträger über den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen. Mukarowský. Zu „Artikulation”: Diese Artikulation ist nonverbal und präverbal. Gestaltung schließt auch unbeabsichtigte Schallereignisse ein. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird. wie semiotische (Christoph Schwabe: Methodik der Musiktherapie. die Zielsetzung. Wir können hören.1 Sie befindet sich im dialektischen Spannungsfeld individueller – körperlicher. Somit ist das Erscheinungsbild psychotherapeutischer Methoden theorie. den dynamischen Prozessen der Dyade. zur Ethik und zum Krankheitsverständnis beinhaltet. These 6 ziehung zu einer anderen Person zu hören. 12 . wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt. Erkennen. melodische und harmonische Strukturzusammenhänge gebracht.und Sozialwesens einzustellen vermag. Zu „zeitstrukturierend”: Musik beinhaltet Erfahrungen von und mit Zeit. spiritueller. zeitstrukturierendes Geschehen ist sie Artikulation menschlichen Erlebens mit Ausdrucks. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut“ (485). Verstehen und im Handeln des Patienten. Dieser Vorgang ist Grundlage aller künstlerischen Schaffensprozesse in der Musik. Erleben. psychischer. andere Zugänge sind aber ebenfalls abgedeckt. Zu „Schall”: Schall ist die Bezeichnung für alle hörbaren Schwingungsvorgänge und schließt die Begriffe Ton und Klang als Phänomene universaler harmonikaler Gesetzmäßigkeiten und den Begriff Geräusch mit ein. These 5 In der Musiktherapie ist Musik Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt.kultureller Bedingungen und ist dort wirksam und bedeutsam. die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. rehabilitativen und präventiven Gebiete des Gesundheits. sozialer – und gesellschaftlich . Leipzig 1978) oder ästhetische (z. An ihm können sich Wahrnehmungs-. Rezeption. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren. Daraus ergibt sich ein System von Methoden.Psychotherapie beruht auf einem jeweils zu definierenden theoretischen Konzept. das methodischdidaktische Therapeutenverhalten. Als akustisches. Lucács). sofern diese vom Rezipienten als bedeutsam wahrgenommen werden. Psychotherapie begründet sich in der Konstituierung des therapeutischen Settings und ist an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden. Klänge und Geräusche in übergreifende rhythmische. mit dem sie sich auf die therapeutischen. den Umgang mit der Gruppendynamik bzw. Auch das Verständnis der Musik als präsentatives Symbolsystem ist darin enthalten (Maria Becker in: Lexikon der Musiktherapie 1996.B.und kontextabhängig insbesondere im Bezug auf die Indikationsstellung. Die Wirksamkeit der Psychotherapie entfaltet sich im Wahrnehmen. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. Symbolisierungsund Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. das Aussagen zum Menschenbild.

medizinische.B. in psychotherapeutischen Spezialkliniken für Kinder.und Gesundheitswesens durchgeführt: • im klinischen Bereich (z. (DGMT) Deutscher Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e. den 04. 232 . verhaltenstherapeutischlerntheoretischen. in ambulanten psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen) im präventiven Bereich (z. erziehungswissenschaftliche und andere Grundlagen Musikpraxis (therapeutisches Handeln mit musikalischen Mitteln). (BKM) Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung Ost e. in der prophylaktischen und metaphylaktischen Arbeit bei Kindern.V. und Erwachsenen in allen Lebensabschnitten) und in freier Praxis. der eigenen Emotionalität und interaktionellen Prozessen. Kassel. seelischen und sozialen Vorgängen.V. • • • These 8 Voraussetzung für die Anwendung von Musiktherapie ist eine syndromatologische und eine therapieprozessbezogene musiktherapeutische Diagnostik.B. Jugendliche und Erwachsene. Daraus leiten sich Indikationsstellung und Zielformulierung ab.235 1 Der Begriff „Ansätze” beinhaltet Theoriebildung und zugehörige Handlungskonzepte.V. Das Wesen der musiktherapeutischen Diagnostik liegt in der Beschreibung der musikalischen Phänomene und ihrer Verbindung zu körperlichen.V. anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen. Juli 1998 Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie e. musikwissenschaftliche. Jugendlichen. These 9 In der Musiktherapie werden spezifische Dokumentationsverfahren zur Therapieevaluation und zur wissenschaftlichen Forschung verwandt. Jugendliche und Erwachsene. Bundesarbeitsgemeinschaft der staatlich anerkannten Musiktherapieausbildungen (AMA) Ständige Ausbildungsleiter-Konferenz privatrechtlicher musiktherapeutischer Ausbildungen (SAMT) Veröffentlicht in Musiktherapeutische Umschau 1998.1 These 7 Musiktherapie wird in Institutionen des Sozial . in Fördereinrichtungen für psychisch. S.V. in stationären und semistationären Kliniken. (DMVO) Sektion des Berufsverbandes für Anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT) Verein zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie e. geistig und/oder körperlich behinderte Kinder. supervidierte Praktika im Berufsfeld. 13 . systemischen. in somatischen Fachkliniken) im rehabilitativen Bereich (z.Musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen.B. (DBVMT) Berufsverband Klinischer Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e. These 10 Die Ausbildung von MusiktherapeutInnen umfaßt: • • • • einen Schwerpunkt in musiktherapeutischer Selbsterfahrung in Bezug auf den Umgang mit Musik. Theorie und Methodik musiktherapeutischer Konzepte und deren anthropologische.

2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005 Erste Konsensbildung zum Berufsbild Eine verbandsübergreifende Arbeit der Kasseler Delegierten Wegen seiner zentralen Bedeutung widmeten 15 Verbandsdelegierte unter der Gesprächsleitung eines Moderators dem Thema "Berufsbild für Musiktherapeuten" nach längerem Vorlauf eine eintägige Diskussion am 6. Psychotherapie und sozial-rehabilitative Sachverhalte musiktherapeutische Fertigkeiten und Wissen o theoretisch. der zur Anerkennung des Berufes noch zu leisten ist. Angesichts des Weges. Folgende inhaltliche Schwerpunkte sind verbindlich für alle Ausbildungen: musikalische Fertigkeiten und Wissen / professionelle Verfügbarkeit musikalischer Mittel in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen biologische. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus AMA. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z. November 2004. psychologische und soziale Lehrinhalte / Kenntnisse in Medizin. Erkennen von Möglichkeiten. SAMT und den Verbänden möchten mit diesen Konsensformulierungen einen konstruktiven Beitrag in alle musiktherapeutischen Felder hinein leisten.B. Die "Thesen der Kasseler Konferenz zur Musiktherapie" erwiesen sich in der Diskussion erneut als wertvolle grundlegende Verständigungsbasis. Entwicklungspsychologie. sind den Delegierten Rückmeldungen innerhalb des nächsten Jahres willkommen! 1. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o klinisches Training / Praktika und supervidierte praktische musiktherapeutische Arbeit ethische Prinzipien und Forschung / Weiterentwicklung der musiktherapeutischen Konzeptionen 14 . Psychologie.3.und methodische Ansätze der Musiktherapie allgemein und in verschiedenen Praxisfeldern Wissen über musiktherapeutische Interventionsmöglichkeiten eingehende Kenntnisse in der Theorie und Methodik der gelehrten musiktherapeutischen Konzeption interdisziplinäre Teamfähigkeit einschließlich Dokumentation und Repräsentation o o o Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. Grundlage waren die vorher formulierten Sichtweisen aller Verbände anhand von vierzehn (14) für wesentlich gehaltenen Stichpunkten.B. Personelle Voraussetzung für die Berufsausübung Voraussetzung für die Ausübung des Berufes des Musiktherapeuten ist eine abgeschlossene Ausbildung auf der Grundlage konsensualer Standards.

Ausgehend davon werden Handlungsziele und –Konzepte entwickelt. Erlebnis. rehabilitativen und präventiven Bereich tätig. Flexibilität und Spontaneität bei eigener Kontinuität. Organisation. psychotherapeutisch. Therapien finden in Einzel. 5. sozial u. Weiterhin sind sie in Forschung. sowie Nähe-Distanz-Regulierung. Motivation zur Arbeit an sich selbst. Netzwerke) in Forschung. 15 . Evtl. Eingangsvoraussetzungen für die Ausbildung Mindestvoraussetzung 3-jähriger Fachschulabschluss mit Berufstätigkeit / Fachhochschulreife musikalisch-musiktherapeutische Eignung o musikalische Eignung: musikalische Fähigkeiten im Sinne persönlich und freier Ausdrucksmöglichkeit mit differenzierter ausbildungsbezogener Orientierung musiktherapeutische Eignung: psychische und physische Belastbarkeit. und arbeiten übungszentriert/funktional. 4.und Beratungswesen (z.B.) stattfinden. Wirtschaft). Ethik MusiktherapeutInnen sind der Einhaltung des Ethikkodexes der KK verpflichtet (worüber eine gemeinsame Ethikkommission wacht). Fähigkeit zu Selbstreflexion. Fortbildung Fortbildung soll regelmäßig sowohl fachspezifisch (d.a. Umgang mit Aggressivität. Dabei muss das Handlungskonzept reflektiert und dem Entwicklungsprozess angepasst werden. Tätigkeitsfelder Musiktherapeuten sind im kurativen. 9.2. Berufsfelder Musiktherapeuten arbeiten institutionell gebunden oder selbständig in den Berufsfeldern Gesundheitsund Sozialwesen.und Gruppentherapien statt.h. 6. Lehre und klinischer und beratender Praxis und in Wechselwirkung mit äußeren Rahmenbedingungen. Empathiefähigkeit o 3. Bildungs. musiktherapeutisch. Weiterbildung ist nicht verpflichtend und liegt im Bereich der eigenen Entscheidung. Begegnungs-. Reifung und Wachstum. Auch das soziale Umfeld kann mit einbezogen werden. Evaluation. erlebniszentriert/kreativ und konfliktzentriert-aufdeckend. Aufgaben In Abhängigkeit vom Handlungsauftrag wird der Ist-Zustand benannt. Berufsentwicklung Der Beruf entwickelt sich zu Eigenständigkeit durch qualitätssichernde Maßnahmen (Dokumentation. 7. Fortbildung kann verlangt werden und ist in vielen Arbeitszusammenhängen sogar verpflichtend. 8.und Gestaltungsfeld ermöglicht Veränderung. Frustrationstoleranz. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit tätig. medizinisch. Spezifische Merkmale Musik als zentrales Wahrnehmungs-. angemessene Selbstdarstellung. Rollenflexibilität. künstlerisch) als auch in ergänzenden Bereichen (menschenkundlich. Begründung: Fortbildung und Weiterbildung sind zwei grundverschiedene Sachverhalte. Vorgaben der Berufsverbände sind zu beachten.

auch Punkt 1: Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. Sie setzt das Erkennen der eigenen Grenzen und Respekt vor Arbeitsweisen anderer sowie Transparenz im Darstellen der eigenen Tätigkeit voraus. 11. Sie dient der Reflexion konzeptioneller. 16 .und /oder klientenbezogene Supervision wahrgenommen werden. Bildungs. der dem B. Der Berufsabschluss. als Team. didaktischer. Supervision Supervision soll regelmäßig in Form von Einzel. 14. Selbsterfahrung Für den Bereich „Selbsterfahrung“ s.und EMTC-Vorgaben statt. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o Realisation in Dyade und / oder Gruppe Die Quantifizierung findet unter Berücksichtigung der Berufsverbands. 12.B. mindestens vergleichbar ist. der das bestehende Gesundheitswesen sowie das Sozial. Erkennen von Möglichkeiten. Forschung. Vorgaben der DGSv und/oder der Berufsverbände sind zu beachten. wird erreicht in privatrechtlichen Ausbildungen und staatlichen Studiengängen. Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz zeigt sich in der Teamfähigkeit mit kooperierenden Fachdisziplinen (Gesundheits.und Beratungswesen. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit).und Ausbildungssystems Der Beruf wird verstanden als eigenständiger Heilberuf. inhaltlicher und institutioneller Fragen sowie der Reflexion der Therapeutenpersönlichkeit und seiner Handlungskompetenzen zum Zwecke der Sicherstellung einer qualifizierten musiktherapeutischen Behandlung.und Bildungswesen um den nonverbalen und kreativtherapeutischen Ansatz bereichert.und Sozialwesen. 13.A. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z. Evtl.10. Menschenbild Musiktherapie versteht den Menschen in einem humanistischen Sinne als bio-psycho-soziales Wesen in einem ökologischen und gesellschaftlichen Kontext.B.und/oder Gruppensupervision. Standortbestimmung innerhalb des Gesundheitswesens und innerhalb des bundesweiten Berufs.

um das Schnittfeld zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik zu erfassen: 17 .3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik Björn Tischler schlägt die folgende Übersicht vor.3.

wenn wir Musik hören? Überblick 1. kognitive Aspekte 15. 8. politische Aspekte 16. Musikwirkung bei Pflanzen .. tiefenpsychologische Aspekte 12. und Tieren schädliche Wirkungen beim Menschen Biophysik des Musikerlebens neurophysiologischephysiologische Vorgänge beim Musikhören Körperreaktionen emotionale Reaktionen wahrnehmungspsychologische Aspekte 10. soziale Aspekte 13.. religiöse und spirituelle Aspekte 18 .4 Was geschieht. 3. 7. 4. 9. 5. Zur Physiologie des Hörvorgangs 2. musikspezifische Zeiterfahrung 11. 6. Musikhören als Akt ästhetischer Aneignung 14.

Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. 49-56) hebt die die erstaunliche Reaktionsschnelligkeit der „mechanisch empfindlichen Haarzellen des auditorischen Systems“ hervor: „Sie antworten im innerhalb von Mikrosekunden. wobei Trommelfell und Gehörknöchelchen die Funktion eines Anpassungs.B. im Gegensatz biochemisch aktivierten Sinneskanälen z. dass die Vibrationen des Trommelfells auf die Gehörknöchelchen (Hammer. Nervensyst. 1989. Während man generell davon ausgeht.): Musik im Gesundheitswesen. Bedeutung und Möglichkeiten musikmedizinscher und musiktherapeutischer Ansätze. 137). Amboß. Funktion der äußeren Haarzellen ist: „sie erzeugen die mysteriösen Emissionen. bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen. 101).u.4. der zufolge „das menschliche Ohr nicht nur als Empfänger sondern auch als Sender“ von Klängen fungiert. Diese Auffassung scheint die Erkenntnis von Zucarelli zu stützen. S. geht Tomatis (s. wonach die Ohren von Wirbeltieren und den Menschen nicht einmal bei völliger Stille ihre Ruhe haben. „Tief aus dem Schneckengang schallt es in Richtung Trommelfell. Dabei nutzten sie das Phänomen der otoakustischen Emission (OAE). S.) davon aus. dass der Schall im wesentlichen über die Vibration der Schädelknochen übertragen wird. die inneren machen nur ein Viertel aus „und doch sind vor allem sie es. 21). Augustin 2007. München 1987. St. 233 f. S.“ In der Schnecke gibt es innere und äußere Haarzellen (Corti-Zellen). im visuellen System. über die Stanislav Grof (Abenteuer der Selbstentdeckung. verstärken eintreffende Schallwellen und übertragen sie auf die inneren Haarzellen“ (Bild der Wissenschaft Heft 12. die das Gehör über Nervenzellen mit dem Gehirn verbinden. Michael H. Details der Untersuchung sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005. Dieser ‚Rückschall’ erlaubt heute die präzise Messung der Hörfunktion.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs Der Hörvorgang kann als vierfacher Transformationsvorgang schwingender Moleküle beschrieben werden: Akustische Vibration Außenohr Ohrmuschel Gehörgang Mechanische Vibration Mittelohr Trommelfell Ohrknöchelchen Flüssige Vibration Innenohr Cochlea Vestibulärsystem Neuronale Energie Hörnerv Gleichgewichtsnerv Zentr. dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten und dass umgekehrt im rechten deutlich Sprache stärker verstärkt werde. Thaut (Wie lassen sich die Wirkungen von Musik auf das Nervensystem therapeutisch nutzen? In: Ralph Spintge (Hrsg. Die Emissionen spiegeln exakt die Sinnesverarbeitung im Innenohr wider. Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden. die in Millisekunden-Bereichen ansprechen“ (51). Diese Theorie ist neuerdings durch Forschungen an der Technischen Universität München belegt worden. Steigbügel) übertragen werden und von dort über das ovale Fenster die Innenohrflüssigkeit in Schwingung versetzen.) berichtet. 19 .und Ausgleichssystems erhalten (Alfred Tomatis 1987. sie erzeugen selber Töne.

WEBER (2001, 422) weist darauf hin, dass Basilarmembran auf der dem ovalen Fenster zugewandten Seite schmal und unelastisch ist und im weiteren Verlauf breiter und elastischer wird. Daher müssen die Wanderwellen, die sich in der Cochlea bilden, vom Beginn der Schnecke an bis zu ihrem Ende eine bestimmte Form annehmen, die jeweils an einer Stelle eine maximale Amplitude aufweist. Dort ist die Reizung der Haarzellen am stärksten. Das Gehirn wertet diese Information aus, indem es Lautstärke, Tonhöhe und Dauer des Schallreizes rekonstruiert. Joachim Ernst Berendt schreibt dazu: „Wir haben etwa zweimal 18000 Haarzellen in unseren Innenohren. Prof. Spreng von der Universität Erlangen hat unter dem Elektronenmikroskop erkannt: Sie stehen da ausgerichtet nebeneinander in mehreren Reihen (...). Wenn eine Zelle durch den Ton angesprochen wird, richtet sie sich auf“ und leitet den Impuls an das Gehirn weiter. „Das interessante ist dies: Nicht nur die Zelle des Grundtones richtet sich auf, sondern auch die Zellen der Obertöne (...). Spreng sagt: Es sieht so aus als warteten sie schon darauf, dass auch sie angesprochen werden. Als machten sie sich bereit –in den Tausendstel Mikrosekunden, auf die es hier ankommt-, weil sie wissen: Jetzt komme ich an die Reihe. Das heißt also: Unser Ohr will harmonikal hören.“ Es sei „etwas Muskelartiges“ in den Hörzellen, und „H.P. Zenner von der Universität Tübingen und andere Forscher haben diese kleinsten Muskeln nachgewiesen. Muskeln haben mit Willen zu tun, in diesem Fall deutlich mit Willen zum Aufnehmen der Schwingungen möglichst in harmonikalen Abläufen. Es ist ein „Wille“ von immerhin fast 30000 kleinsten mikro-Muskeln im Kern unseres Hörvorgangs“ (1996, 368 f). Die neuro-physiologische Verarbeitung von Hörreizen beschreibt auch Juliane Ribke in ihrem Buch „Elementare Musikpädagogik. Persönlichkeitsbildung als musikerzieherisches Konzept“ (Regensburg 1995, S. 67-90); es würden sich im Laufe der prä- und postnatalen Kindesentwicklung eine „sensorische Urmatrix“ entwickeln, die eng mit einer psychischen verbunden ist; aus dieser neuro-physiologischen Gesamtschau entwickelt sie das Konzept einer ganzheitlichen Musikpädagogik (s.S.96). Weitere Informationen in dem Beitrag von Karl Heinz Plattig im Handbuch Musikpsychologie, herausgegeben von Herbert Bruhn u.a. (Reinbek 1993, S. 613 ff) Eine umfassende und grundlegende Einführung in die vielfältigen Aspekte des Hörens gibt das Buch: Jürgen Hellbrück: Hören. Physiologie, Psychologie und Pathologie, Göttingen 1993; interessant zu lesen und etwas populärwissenschaftlich und esoterisch geprägt ist das Buch: Joachim-Ernst Berendt: Das dritte Ohr. Vom Hören der Welt, Reinbek 1985 ders.: Das Leben – ein Klang, München 1996 Die ersten Kapitel aus dem Buch Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht“, Heidelberg 1998 beschreiben sehr detailliert den Hörprozess und vor allem auch die äußerst komplexen Steuerungsmechanismen, mit denen sich das Ohr vor Schallüberflutung schützt. Muskeln an den Gehörknöchelchen versteifen sich bei zu hoher Schallenergie und verhindern so die Überlastung des Innenohrs (S. 29 f). Diese Muskeln dämpfen auch die Wahrnehmung der eigenen Stimme (S. 34 f). Im Innenohr gewährleisten Nervenbahnen, die vom Hörzentrum zur Cochlea zurückführen, das Zustandekommen von Feedbackschleifen, durch die wir störende Geräusche beim Zuhören ausblenden können (S. 35).

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4.2

Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen

Lore Auerbach berichtet, wie unter dem Vorspiel von Ragas (25 Minuten pro Tag) Balsampflanzen nach ca. einem halben Jahr 72% mehr Blätter entwickeln und 20% höher gewachsen waren als Kontrollpflanzen ohne Musikvorspiel. Stoffwechselprozesse der Pflanze würden unter dem Reiz von Musikklängen oder rhythmischen Erschütterungen beschleunigt und um mehr als 200% zunehmen; durch Beschallung mit Hochfrequenzwellen wird Wachstum derart beschleunigt, dass eine zweimalige Ernte möglich erscheint. (Lore Auerbach: Musik als Massendroge, intervalle, Heft 4, 1982, S. 43); sie bezieht sich dabei auf: Peter Tomkins/Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen, Berlin/ München 1973, S. 137 - 139 ff). Über die Wirkung von Musik auf Pflanzen berichtet ebenfalls Joachim-Ernst Berendt in "Nada Brahma. Die Welt ist Klang", Reinbeck 1985, auf den Seiten 102 ff. Tonius Timmermann schreibt in seinem Buch „Die Musik des Menschen. Gesundheit und Entfaltung durch eine menschennahe Kultur“ (München 1994) - übrigens auch eine gute Gesamtdarstellung der Musiktherapie -: „In die Natur noch integrierte Menschen singen für die Pflanzen, weil sie überzeugt davon sind, dass sich dieser Kontakt zum Wohle ihres Wachstums auswirkt“ (125f) und merkt dann an: „Wie die Hopi - Indianer erfolgreicher waren als staatliche Agrarspezialisten mit modernster Ausrüstung kann man nachlesen in Duerr 1983“ (Duerr, Hans-Peter: Der Wissenschaftler und das Irrationale, Band 1, Frankfurt a. M. 1983 und ders.: Traumzeit, Frankfurt a. M. 1983) Neuerdings werden eigens zur Wachstumsförderung komponierte Musiken als Patent angemeldet. Der französische Physiker Joel Sternberger hat die Vibrationen, die beim Zusammensetzen des Proteins aus einzelnen Aminosäuren entstehen, durch vielfaches Oktavieren so weit transponiert, dass sie als Musik in unseren Hörbereich gelangen.

Bei der Beschallung mit diesen Melodien von drei Minuten pro Tag sollen Tomaten zweieinhalb mal schneller wachsen und auch süßer schmecken. (Bild der Wissenschaft 8/94, S. 12)

21

1988 untersuchte der chinesische Biophysiker Z. X. Zhu die Verteilung der Intensität und Leitfähigkeit von Schallwellen auf der Oberfläche von Pflanzen, wie Wassermelonen, Bananen und Kürbissen. Dabei zeigte sich in überraschender Deutlichkeit, dass sich die akustische Energie in gleicher Weise auf dem Pflanzenkörper verteilte, wie die elektromagnetische.

(Zhang und Kapteina: Biophysik und Musiktherapie, Siegen 2002)

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obwohl unsere evolutionären Wege sich seit über 60 Millionen Jahren nicht kreuzten. drängt sich der Gedanke auf. wie auf den ursprünglich konditionierten Ton" (S. 23 . 23). Forscher des Max Planck Instituts für Ornithologie haben herausgefunden. Wir sind also nicht die Erfinder der Musik. 4-9) wie folgt: "Bei Klassik waren die Mäuse besonders freundlich. Behavioural Process 60 / 2002. Der Die Virtuosität Vogelgesang zeigt sich in hoher Variationsbreite (z. 19). the neuro-affective foundations of musical appreciation. dass "Ratten auf die Oktave eines bestimmten Tones genauso konditioniert reagierten. 147 f. (etwa so wie wir sagen das ist ein c und das ist ein hohes c) und reagierten Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain. wenn sie sich mit einem Vogel paaren. reagierten die Ratten nicht. 2006.B. 133-155) konnten nachweisen. Ihnen wurde an zehn aufeinander folgenden Tagen morgens und nachmittags jeweils 30 Minuten lang Musik aus Mozarts Krönungskonzert vorgespielt. 6) Spintge und Droh berichten in ihrem Buch "Musik-Medizin“. 1993. 9). dass Ratten gelernt hatten. dass Walmusik und menschliche Musik so viel gemeinsam haben. Die Walgesänge reichen ebenso über sieben Oktaven und basieren ähnlich auf Skalen wie die menschliche Musik." (S. dass Musik der menschlichen Rasse vorausging. das bedeutet. wenn dieser Ton in seiner Tonhöhe verändert wurde. Norderstedt 2005) . insbesondere beim Vogelgesang besteht eine enge Beziehung zwischen Gesang und Sexualtrieb. dass bei Kanarienvögeln (Serinus canaria) „neben der Größe und Stärke des Männchens auch sein Gesang großen einfluss auf die Beschaffenheit des Nachwuchses“ hat. Auch konnten sie die Zunahme von gegenseitigem Kopfnicken. die für die Steigerung der Aufmerksamkeitshaltung maßgeblich sind (vgl. auch bei Küken wirksam ist:. 23 ff). Rimland und Edelson 1995). Weichen bekommen größere Eier und kräftigere Junge.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere Die unterschiedlichen Formen des Sozialverhaltens bei Mäusen unter Einwirkung von klassischer Musik und Rockmusik kommentiert Klaus-Ernst Behne in seinem Aufsatz "Wirkungen von Musik" (Musik und Unterricht Heft 18. vermindert Botenstoffe nachgewiesen werden. um ihren Gesang zu verstärken. 5).4. erkannten die Ratten offensichtlich den Ton wieder. Er zitiert die Walforscherin Patricia Grey mit den Worten: „In Anbetracht. die ähnliche Rhythmen wie menschliche Musiker verwenden und deren Gesängen ähnliche zeitliche Ausdehnungen aufweisen. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. der komplizierter Lieder trällert“ (Bild der Wissenschaft. Frösche benutzen den Resonanzraum von Baumhöhlen. Sobald jedoch diese Veränderung das Schwingungsverhältnis 1 zu 2 (Oktave) betrug. Rock 'n Roll reagierten sie "ausgesprochen aggressiv" und hatten für andere Tätigkeiten (Huddling. berichtet über musikalische Aktivitäten bei Tieren: bei Fischen insbesondere den Buckelwalen. Sexual Behaviour) zwangsläufig weniger Zeit. Gähnen und Federstreichen bei sieben Tage alten Küken nach Musikbeschallung beobachten (146 f. ein musikalisches Behandlungsprinzip für Autistische Kinder. Stuttgart 1992. aber keineswegs im Wettstreit und auch nicht in aggressiver Absicht" (S. steckten oft die Köpfe zusammen. Anschließend konnten in den Gehirnen der Tiere vermehrt bzw. bis zu 700 Töne pro Minute) hoher energetischer Intensität (vgl. Auf Rock bzw. bei einem bestimmten Ton eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. sondern eher „Latercomers“ in der Musikszene“ (Gray übersetzt von Bossinger. 9. sozial und sexuell aktiv. S.). formalen Aufbau haben und musikalische Themen und Phrasen enthalten wie menschliche Kompositionen. dass AIT (Auditory Integration Training.).

was insbesondere bei Affenpopulationen beobachtet wurde ((28).Gesang hat die Funktion von „Sozialem Kitt“. 24 .

Das entspricht einer Schädigung. weisen Einstellungsuntersuchungen von Berufsanfängern in Nordrhein-Westfalen nach..4. Deswegen nutzt er wenig bei plötzlich auftretenden Geräuschen wie Schüssen.DM Schmerzensgeld. wenn das Ohr ständigem Lärm ausgesetzt wird. Gesundheitsmagazin 1/96. die stationär behandelt werden mussten. musikalische Halluzinationen und durch Musik ausgelöste Herzanfälle. dass rund 100 von 4000 Jugendliche einen durchschnittlichen Innenohr-Verlust von etwa 30 Dezibel aufweisen. insbesondere das Hören lauter Musik. Zu ergänzen wären diese Hinweise insofern. 1989. Bezüglich der Hörschäden.. Da angeborene oder krankheitsbedingte Ursachen ausgeschlossen werden konnten. dazu im Kapitel körperliche Reaktionen beim Musikhören. er kann aber unter Umständen erst nach einer halben Sekunde seine volle Wirkung entfalten. 1 25 . Ein 4-stündiges Popkonzert etwa entspricht in seiner Belastung für das Ohr einer ganzen Woche Arbeit am Preßlufthammer (Sozialmagazin Heft 5. S. 6-9). mit denen es sich vor Schallüberflutung schützt (Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. beidseitiges Ohrenrauschen und Schwindelanfälle. Sie können auch therapeutisch genutzt werden. wie sie bei Industriearbeitern mit einer Dauerbelastung von 90 Dezibel und 40 Stundenwoche nach 10 Arbeitsjahren festgestellt wurde. Außerdem erschöpfen sich die Muskeln. die durch das Hören lauter Musik verursacht werden.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen Stefan Evers trägt in seinem Aufsatz "Wenn Musik krank macht.. um bis zu zwei Drittel. Muskeln an den Gehörknöchelchen ziehen sich „bei gefährlich lautem Schall reflexartig zusammen und vermindern damit die Schwingungsenergie . Das Oberlandesgericht Koblenz gab einer 13-jährigen Besucherin Recht. S. Der Ohrenarzt attestierte ihr eine Innenohrschädigung. dass belgische Lungenspezialisten vier Patienten mit Pneumothorax . Wie Musik im Kopf entsteht“. Drei hatten vorher ein Rockkonzert besucht.Schäden behandelt haben. da Besucher eines Rockkonzertes davon ausgehen dürften. S. S. sieht man im Düsseldorfer Arbeitsministerium als Schadensquelle das Freizeitverhalten der Jugendlichen. 32) erfüllt der Lärm bei Rockveranstaltungen den Tatbestand der Körperverletzung. 32 .39 ausführlich hingewiesen. dass ihnen selbst in Lautsprechernähe keine gesundheitlichen Schäden drohen (AZ 5 U 1324/00)“. als Musik Streß und Hörschäden bewirken kann sowie als süchtiges Verhalten schädlich sein kann.. der vierte hatte eine extrem laute Stereoanlage in seinem Auto installiert.-. der hat Anspruch auf Schmerzensgeld. Im einzelnen heißt es: „Wem nach einem Konzert noch Wochen später die Ohren dröhnen." (in: Musik und Unterricht Heft 18/1993) in der Fachliteratur berichtete pathogene Wirkungen von Musik zusammen. 10 f. Stuttgart 1993.. Das Mädchen hatte sich nahe bei den Lautsprecherboxen aufgehalten. es handelt sich dabei um musikogene Epilepsie. Tiefe Frequenzen verändern den Schwingungszustand des Körpers. Heidelberg 1998. die nach einem Konzert der Boy-Group NSYNC unter Hörschwierigkeiten litt. Dazu wird erläutert.“ Einer Notiz in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ zufolge (3/2002. Dieser Reflex wird eine hundertstel Sekunde nach Auftreten des Impulses ausgelöst. 29 f). S. Die Richter verurteilten den Veranstalter zu 9000. Ebenfalls aus dem Magazin „Bild der Wissenschaft“ (4/2005) stammt die Information. Auf die Gefahren des süchtigen Musikverhaltens haben wir in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“. dass „’hochenergetische Niedrigfrequenzen’1 – also lautes Bassgedröhne – auch die feinen Bläschen in der Lunge zum Platzen bringen kann. Zwar verfügt das menschliche Gehör über äußerst komplexe Steuerungsmechanismen.

die sich besonders darum bemühen. Frankfurt am Main 1997 Dieter Baake (Hrsg. In Extremfällen kann das zu einem Pneumothorax führen: die Atemluft entweicht in den Brustraum. heben in ihrem Buch „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren (Frankfurt am Main 1997) lediglich die aktivierende Wirkung von sehr lauter und rhythmischer Musik hervor. Opladen 1993 Elmar Nordmann: Musik in der Arbeit mit Jugendlichen. um junge Menschen besser gegen Hörschäden zu schützen.1. 89). außerdem werden ihnen technische Finessen gezeigt.musiktherapie-sasp.de/material/forum/3. 103).3. Siegen). Weinheim und München. Möglichkeiten.de (MU 2005. und: im Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ befindet sich ab S.: (2003). www. www. Jedenfalls stelle „jugendzentrierte Populärmusik.a. Rockmusik-Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit.musiktherapiesasp.: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. www.earaction. Berlin 1995 Wolfgang Hering u.das Beispiel der pädagogisch initiierten Diskothek“ in: Klaus Finkel (Hrsg.musiktherapie-sasp. Hörschäden sind die Berufskrankheit Nummer 1. Eva Frank-Bleckwedel (Musikhören. hier aus sozialpädagogischer Sicht anzusetzen habe ich im Aufsatz „Musik im Jugendhaus . Regensburg 1979. 219 f) nennt folgend Initiativen. Neuere Literatur zum Thema Musik und Sozialpädagogik mit Jugendlichen: Hans Peter Jantzer und Wolfgang Krieger: Rockmusik in der sozialpädagogischen Gruppenarbeit. unter anderem werden dort neuere Ansätze des sozialpädagogischen.pdf Burkhard Hill: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. 2004. Opladen 1998 Karl Heinz Dentler: Party time. 253 ein Kapitel über suchtpräventive Musikpädagogik. Münster. die zu rauschartigen Zuständen führen kann. Robert Lehenherr. Markus Nachtigall.de/material/forum/3.pdf Das EARACTION Projekt an der FH München unter der Leitung von Bernhard Kurz tritt der Gefahr von Hörschädigung entgegen. Rockmusikpraxis und Lebensbewältigung. Opladen 2002 Ders. präventiv auf das Hörverhalten junger Menschen einzuwirken: 26 .pdf Ders. S. 123-145 beschrieben. besonders. Jeder vierte Jugendliche ist von Schwerhörigkeit bedroht. Münster.4.) Handbuch Jugend und Musik. Hamburg 1993 Elmar Nordmann und Thorsten Heimann: Rockmusik und Jugend.).a. Sie werden über die gesundheitlichen Folgen lauter Musik informiert. Hamburg 1994 Christian Spatscheck. wie sie auch unter 100 Dezibel einen optimalen Sound erreichen können (MU 2006. Spatscheck u. Im Rahmen einer bundesweiten Kooperation zwischen den Gesundheitsbehörden der Länder. Siegen). Allein in 2005 werden dadurch in Europa etwa 106 Milliarden Euro Kosten entstehen: www. und der betroffenen Lungenflügel kollabiert wie ein undichter Fußball (33). wenn sie in hoher Lautstärke gehört wird. ein sehr mächtiges Stimulationsmedium“ dar (159). Handbuch Musik und Sozialpädagogik. in: Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel (Hrsg) Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.de/material/forum/3. (Hg): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit. sozialtherapeutischen und musiktherapeutischen Arbeitens mit Rockmusik beschrieben. Wilfried Grüßinger: „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren.Schuld sind die rhythmisch wechselnden Luftdruckwerte. dem Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe sowie der Techniker Krankenkasse können in Bayern Discjockeys einen Führerschein machen.

Kampagne des Berufsverbands der HNO-Ärzte: “Take care of your ears“, www.fgh-gutes-hoeren.de/web/fgh_content/de/takecareofyourears.htm Wanderausstellung des Gesundheitsamts des Rhein-Neckar Kreises ;na HÖR mal“ Fortbildungsprojekt der Universität München: „Ganz Ohr Sein“. http://www.ganzohrsein.de/ Hessischer Rundfunk: Produktionen wie „ear-sinn“. http://www.br-online.de/br-intern/thema/earsinn/ Netzwerk Zuhören e.V. http://www.hr-online.de/website/extern/zuhoeren/ „Menschen, vor deren Schlafzimmer ein mittlerer Schallpegel von 55 Dezibel herrscht (etwa Zimmerlautstärke des Fernsehers), sind doppelt so oft wegen hohen Blutdrucks in Behandlung, wie Mitbürger, bei denen die Lärmbelästigung unter 50 Dezibel liegt (etwa Brummen des Kühlschranks)“ (Bild der Wissenschaft 7/2003, 50). Das ist das Ergebnis einer Studie des Robert Koch Instituts mit über 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (s. auch: Musiktherapeutische Umschau 3002, 191) „...das Risiko, an einem durch Lärm verursachten Herzinfarkt zu sterben, ist höher als die Gefahr, die von krebserzeugenden Autoabgasen ausgeht“ (Sonntag, Jan Peter: Akustische Lebensräume in Hörweite der Musiktherapie. Über das Sonambiente stationärer Betreuung von Menschen mit Demenz, MU 2005, 264). R.M. Schafer (Soundscape und akustische Ökologie. In: Akademie der Künste Hrsg.: Klangkunst, Katalog des Festivals Sonambiente. München 1996, 209-212) berichtet: „In China glaubte man an die magische Kraft der Klänge, und so gab es sehr früh ein gut durchdachtes System, das den Zustand der Musik mit dem des Universums gleichsetzte. Kaiser Wuudih (141-87 v. Chr.) gründete das „Amt für Musik“, dem die Beaufsichtigung sowohl der Riten als auch der musikalischen Unterhaltung oblag. Da eine wesentliche Aufgabe dieses Amtes in der Überwachung der musikalischen Stimmung aller Klänge bestand, gehörte es zum Kaiserlichen „Amt für Gewichte und Maße“ ... In einem Lieg etwa sollte mit jedem aufsteigenden Intervall ein absteigendes Intervall gleicher Größe einer „friedlichen und freudigen Tonfolge korrespondieren, um eine geregelte Regierung sicherzustellen“ (209 zit. bei Sonntag s.o.). Sonntag kennzeichnet die klangökologische Misere unserer Lebenswelt folgendermaßen: „Aufgrund einer zunehmend lauten, gleich klingenden Umwelt und dem daraus folgenden Mangel an „Hörenswürdigkeiten“ (Schafer) hat der Mensch allmählich das Ohr aus dem alltäglichen Wahrnehmungszusammenhang ausgekoppelt (267). Einem Bericht der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ (3/2006, 10) zufolge, überschreitet der Geräuschpegel mit etwa 60 Dezibel (laut geführtes Gespräch) deutlich die von der WHO empfohlene Höchstgrenze von 30 bis 35 Dezibel (lautes Flüstern): „Türen knallen, Schuhe quietschen auf den Kunststoffbelägen der Stationsflure, Telefone klingeln und moderne medizinische Geräte piepen und Surren. Da dies oft im Frequenzbereich der menschlichen Stimme geschieht, ist das Krankenhauspersonal gezwungen, lauter zu sprechen. Stefan Willich, ein Sozialmediziner an der Berliner Charité, befürchtet, „dass sich der hohe Geräuschpegel auf die Konzentration der Ärzte bei Operationen auswirken und auch die Gesundung der Patienten verzögern könnte.“

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4.5

Biophysik des Musikerlebens

Indem die Musiker auf ihren Instrumenten spielen, bringen sie die Moleküle der sie und die Hörer umgebenden Luft in eine ganz bestimmte Ordnung, die wir als „Musik“ bezeichnen. Beim Hören wandeln wir die Vibrationen der Luft um; zuerst in mechanische Bewegungen des Mittelohrapparates, sodann in die auf- und ab brandenden Wellen der Innenohr - Flüssigkeit und schließlich zu neuronalen Energieflüssen im zentralen Nervensystem. Am Ende steht dann die Wahrnehmung: „Ich höre Musik“. Die Auffassung von Musik als geordnetem System, das die in Unordnung geratene, sprich die erkrankte Seele oder den Körper des Menschen wieder herstellt, wieder „in Ordnung“ bringt, geht u.a. auf die Forschungen des griechischen Philosophen Pythagoras zurück. Er fand in den Tonsystemen seiner Zeit den Aufbau des damals bekannten Planetensystems wieder. Diese als „harmonikal“ bezeichneten Abb. Strukturen sind durch das mathematische Verhältnis kleiner ganzer Zahlen bestimmt. Die Frequenzen (Obertöne), die den einzelnen Ton bilden, sind nach diesem Prinzip angeordnet. Und unser Gehör, ob musikalisch gebildet oder nicht, erkennt spontan, ob in dem gehörten Ton diese Ordnung gestört ist oder nicht. Im ersten Fall registriert es eine Trübung, Rauschen oder Unreinheit. Die auf diesen Erkenntnissen beruhende Ansicht, Musik sei ein Abbild der kosmischen Ordnung, wurde weitgehend als esoterisch abgetan. Sie hielt dem modernen Wissen über die planetarischen Gegebenheiten und das Weltall insgesamt nicht Stand. Jedoch Vertreter der Teilchenphysik haben harmonikale Verhältnisse im Mikrokosmos der Atome aufgezeigt, so dass Musikhören durchaus wieder als Vorgang mikrostruktureller Ordnung und Umordnung aufgefasst werden kann. Daraus resultiert die Idee, die umfangreichen Forschungen über die physische, psychosomatische und psychische Wirkung der Musik auf den Menschen in Beziehung zur Biophysik lebender Systeme zu bringen. Dabei konnten wir zeigen, dass sich die Charakteristik der Energieverteilung im elektromagnetischen Feld des menschlichen Körpers im Sinne der durch die Musik gegebenen Verhältnisse ändert. Lebende Systeme und Musik sind dissipativ strukturiert. Das heißt, sie verlaufen im Prinzip wie ein Wasserfall oder eine Quelle. Die dissipative Struktur kann nur bestehen, so lange die Wasserzufuhr von oben anhält. Mit anderen Worten: der Wasserfall verströmt - „dissipiert“ständig Energie. Auch die Flamme einer Kerze hat eine dissipative Struktur, die nur bei ständig andauernder Energiezufuhr besteht und ständig Energie verströmt. Demgegenüber sind statische Strukturen Merkmal ganz gewöhnlicher Dinge, wie etwa ein Gebäude, ein Berg, auch ein Auto, ein Zug oder eine Rakete. Auch sie können in schneller Bewegung sein und Energie verbrauchen. Jedoch im Gegensatz zu dissipativen Strukturen können sie Ruhezustände einnehmen, die sie nicht in ihrem Fortbestand gefährden. Man kann das Auto in eine abgeschlossen Garage stellen, ohne dass es dadurch seine Existenz verlöre. Solche Isolierung wirkt sich auf alle dissipativen Strukturen katastrophal aus: der Wasserfall etwa würde augenblicklich verschwinden, wenn er von seinem Fluss getrennt würde. Dissipative Strukturen sind also „vital“, während die statischen Strukturen „tot“ sind. 28

Dissipative Strukturen finden sich nicht nur im molekularen, zellulären und organischen Bereich des lebenden Organismus sondern auch in den psychischen und sozialen Wechselwirkungen seines Umfeldes. Sie machen auch das Wesen musikalischen Spiels, insbesondere der musikalischen Improvisation aus, welches Drewer als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung bezeichnet, die besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz, Harmonie und Disharmonie“ u.s.f. zum Ausdruck kommt (2000, 83). Ein Sonderfall im Bereich der dissipativen Strukturen sind stehende Wellen. Die nebenstehende Abb. 2 zeigt, wie der zwischen zwei Polen gespannte Faden durch einen Motor in Schwingung gebracht wird. Je nach Energiezufuhr bilden sich einfachste stehende Wellen, welche die Länge des Fadens im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen (1:2:3) einteilen. Das ist das Prinzip, nach dem alle Saiteninstrumente funktionieren. Beim Musizieren wird die Länge der Saite durch die Finger des Musikers gesteuert (Abb. 3) Der Musiker bewegt ständig seine Finger, um besondere stehende Wellen in verschiedenen festgelegten Frequenzen in bestimmter Zeit aufzubauen und so die gewünschte Musik hervorzubringen. Jede der abgegriffenen Saitenlängen bringt neben der Grundfrequenz f1 die Frequenzen des Obertonspektrums f2-n hervor. Bei den verschiedenen Instrumenten treten Abb. unterschiedliche Kombinationen und Stärken dieser Obertöne auf, was wir als „Timbre“ oder „Klangfarbe“ wahrnehmen und woran wir den Klang einer Violine von dem einer Gitarre unterscheiden können. Abb. Bei Blasinstrumenten bilden sich die stehenden Wellen durch die vom Bläser mit seinem Atemstrom erzeugte Energie, welche auf die im Resonanzhohlraum des Instruments 29

Abb.

Abb. Abb. dass sie sich zu einer neuen Welle addieren oder einander auslöschen und ganz und gar in nichts auflösen können. Abb. In diesem Fall ist die Folge der Überlagerung eine neue Welle mit Nullamplitude. Von dem Phänomen. und sie werden e i n Fleisch sein“ (Genesis 2.. Vielleicht so. die zusammen auf einem Sofa sitzen. Die arithmetische Darstellung lautet 1 + 1 = 0. In der Sprache der Mathematik haben die beiden Wellen einen Phasenunterschied von genau 1π (180°). obgleich es ein wenig befremdend ist. Grundsätzlich gibt es dabei die Möglichkeit. Sie können sich „überlagern“. dass die Arithmetik in der Welt der Wellen 1 + 1 = 1 lautet. wie die Bibel die Vereinigung von Mann mit seinem Weib beschreibt: „. Physikalisch ausgedrückt: sie bilden eine „Interferenz“. ganz anders als das gewohnte 1 + 1 = 2 in der Welt der Teilchen. 30 . zu einer einzigen Person von doppelter Größe verschmelzen. war bereits bei den musikalischen Obertönen die Rede. als ob zwei Personen. sich die Addition beim Vorgang der Überlagerung vorzustellen und zu verstehen. Gewissermaßen ist es so. 5). Sie bilden eine „konstruktive Interferenz“. Wenn zwei Wellen mit gleicher Wellenlänge in gleicher Phase denselben Platz einnehmen(Abb. so dass sie sich gegenseitig auslöschen..befindliche Luft einwirkt. dass zwei Wellen denselben Platz einnehmen können. Dabei entstehen komplizierte periodische oder auch aperiodische Kurven. sondern auch bei mehreren Wellen möglich. In der Realität liegen die meisten Überlagerungen und Interferenzen irgendwo zwischen diesen beiden Extremfällen. Ein weiteres extrem ungewöhnliches Beispiel in der Welt der Wellen ist die Überlagerung zweier Wellen Abb. 25). wie die die jeweilige Länge des Rohres die Grundfrequenz der darin befindlichen stehenden Welle bestimmt. Es ist nicht schwierig. entsteht als Folge der Überlagerung eine neue Welle mit größerer Amplitude als Summe der beiden Ausgangswellen. Natürlich ist die Überlagerung von Wellen ist nicht auf zwei Wellen beschränkt. mit gegensätzlichen Phasen (vgl. denn die Wellenberge der einen treffen genau auf die Wellentäler der anderen Welle. 6). 4 zeigt.

werden Organe identifiziert. flüssigen und gasförmigen Bestandteile des Körpers. nämlich den Ton der Klarinette. so dass schließlich der ganze Körper vorhanden ist. Wir sind gewohnt. diese aus Knochen. Sie ist so lange vorhanden. Die Energie wird im Konzertsaal auf diejenige charakteristische Weise verteilt. Diese Sichtweise entspricht der traditionellen naturwissenschaftlichen Auffassung von Materie als statischer Struktur. man zerlegt das System in seine kleinsten Teile. Gleiches geschieht in jedem lebenden System. Es handelt sich hierbei um die graphische Darstellung des Tones einer Klarinette.s. Sinnesorgane etc. aus denen sich Zellen und Organe zusammenfügen. Das heißt. Die daraus resultierende Ausfassung vom lebenden System als einem elektromagnetischen Feld. Danach ist Materie ebenfalls dissipativ und nicht statisch strukturiert. insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung von Krankheitserregern und der Chirurgie. Diese Herangehensweise hat beträchtliche Erfolge auf dem Gebiet der Medizin hervorgebracht.f. die für diese Störung verantwortlich sind. dass sie auf einem Materieverständnis beruht. welches wir als den „Zustand des Systems“ wahrnehmen. oder Substanzen oder Enzyme oder Gene u. welches von den Erkenntnissen der modernen Physik über die Elementarteilchen längst überholt ist. bzw. die sich in äußerst vielschichtiger Komplexität zur charakteristischen unsichtbaren und unhörbaren dissipativen Struktur eines elektromagnetischen Feldes verbinden. Das ändert aber nichts daran. als vermeintlich kleinste Bausteine der Materie bilden die elementarsten und energiereichsten dissipativen Strukturmuster. also die Energiequellen akustische Schwingungen erzeugen. Die heterogene Verteilung akustischer Energie im Konzertsaal ist eine unsichtbare dissipative Struktur. diese wiederum bilden die festen. Dem gemäß ist die übliche Herangehensweise an den lebenden Organismus die des Sezierens. . bzw. Muskeln. die durch die Komposition bestimmt ist.Abb. Bei jedem einzelnen Ton wird Energie in komplexe akustische Schwingungsmuster umgesetzt. Um die Funktion. das Ganze als Addition von materiellen Einzelteilen zu verstehen: der Körper besteht aus Gliedmaßen. Atome. Sehnen etc. Isolierens und des Katalogisierens. die kombinieren sich in molekularen Gruppen zu übergeordneten Strukturen. 7 zeigt. umgekehrt eine komplizierte Welle als Überlagerung mehrerer einfacher Wellen dargestellt werden kann. um es zu verstehen. wie bei Überlagerung vieler sinusförmiger Wellen eine komplizierte neue Kurve entsteht. so verbinden sich viele verschiedene Töne der Klarinette zur Melodie und viele Melodien und Töne einer Vielzahl von anderen Instrumenten zu einer Sinfonie. welches sich aus der Viel31 Abb. die Störung eines lebenden Systems zu verstehen. wie die Musiker spielen. Ähnliche Kurven entstehen. So wie sich bei einem Klarinettenton eine Vielzahl von einzelnen sich überlagernden Frequenzen eine schwingende Einheit bilden. also auch im menschlichen Körper: Eine nahezu unendliche Vielzahl von Oszillatoren erzeugt Schwingungsmuster. Außerdem gibt es innere Organe. wenn man die Energieverteilung innerhalb des Körpers misst und graphisch darstellt.

noch im Chaos. Den zweiten Zustand verkörpern Soldaten einer Ehrengarde. sie gleichen einander genau und sind wie eine Person. Um die sich so vielfältig und vielschichtig beeinflussenden Interferenzmuster im lebenden System zu verstehen. Wissenschaftler sprechen von einem „Kohärenzzustand“. ein Geräusch. Diese Behandlungstechniken haben sich über Jahrhunderte bewährt und werden auch in der westlichen Medizin zunehmend anerkannt. sie bewegen sich aber noch auf einem theoretischen Niveau. Harmonie gibt es also weder in der perfekten Ordnung. das weiterer Konkretisierung bedarf. der Schwingungszustand des Organismus beeinflusst. haben sich holistische mathematische Prozeduren als hilfreich erwiesen. Soll Musik „harmonisch“ klingen. so entstünde Abb. In einem solchen chaotischen Zustand haben einhundert Kinder einhundert Grade der Freiheit. 8). hat eine andere Herangehensweise zur Folge. Die Ehrengarde befindet sich daher im „Zustand höchster Ordnung“ (Kristallzustand). Diese Soldaten befinden sich in perfekter Ordnung. obwohl das Zustandekommen ihrer Wirksamkeit bisher nur unzureichend verstanden wird. Den dritten Zustand verkörpern die Tänzer in einem Ballett (Abb. dass Kohärenz schlicht Harmonie ist. Das Bild des Balletts ist dynamisch. wie man gemeinsam spielt. die nicht sezierend sondern als ganzheitlich kommunikativ interagierend bestimmt ist. Das wäre aber keine harmonische Musik. und wir können sehen. im Idealfall „weißes Rauschen“. 32 . nämlich zur selben Zeit alle dasselbe zu machen. so muss das Verhältnis zwischen den verschiedenen Tönen und zwischen den einzelnen Frequenzen kohärent sein. wie das Verhältnis zwischen den Tänzern in einem Ballett. Bei der Akupunktur wird durch mechanische oder auch elektrische Manipulation an bestimmten Stellen des Körpers. Auf die Musik übertragen wäre bei der höchsten Ordnung nur eine akustische Frequenz vorhanden. Wäre die Kombination der Frequenzen in einem Musikstück so perfekt chaotisch wie die Kinder im Kindergarten.zahl unterschiedlichster Schwingungsmuster zusammensetzt. noch in so perfekter Ordnung wie die Soldaten in der Ehrengarde. Die Kinder sind zu klein. die im Verlauf der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts im Bereich der Chaosforschung entwickelt wurden. wie zum Beispiel bei Homöopathie oder Akupunktur. Daher herrscht im Kindergarten ein fast perfekt „chaotischer Zustand“. In einem solchen „Zustand perfekter Ordnung“ haben einhundert Soldaten nur einen Grad der Freiheit. die durch die in Heilsubstanzen enthaltenen Informationen beeinflusst werden. Unsere bisherigen Ausführungen machen ihr Funktionieren zwar plausibel. Im ersten Fall werden Schwingungsmuster als Informationsträger verstanden. in dem alle hörbaren Frequenzen ähnlich laut hörbar vertreten sind. Das Bild ist dynamisch und harmonisch zugleich. Die Tänzer sind weder so chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. vergleichbar mit den Soldaten in der Ehrengarde. Das wäre lediglich ein ausgezeichneter Frequenzgenerator. Demzufolge kann ein komplexes System mit allen seinen Untersystemen sich in drei verschiedenen Zuständen befinden: Der erste Zustand kann mit einer Gruppe Kinder im Kindergarten ohne Aufsichtsperson verglichen werden. die als besonders relevant für die Charakteristik des Interferenzmusters bekannt sind. um zu wissen.

401..600..228.. wenn sie sich in perfekter Harmonie befinden..205. 11) entspricht der sog. + 1 + 1 = ? | | 100 2100 -1 = 126.....229. 33 ....750.. lange bevor die Wissenschaft sich mit der Harmonie befasst hat.750..1 Bei vier Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 = 15 = 24 ..703.... Der Chaos Zustand (Abb. Kristall und Harmonie gefunden.600..401..1 Und bei einhundert Tänzern: 1 + 1 + 1 + .. Ihr liegt die Hypothese zu Grunde.1 Bei sechs Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 127 = 26 . 10 nochmals anhand von drei Tänzern graphisch verdeutlicht werden: Abb.....1 Bei fünf Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 63 = 25 ..375 Grade der Freiheit haben. noch ein wenig weiter entwickeln.. was das Wesen des Tanzes ausmacht....375 verschiedene Kombinationen einnehmen können oder 126.. sodann wie Tänzer 1 und 2 ihren gemeinsamen Freiraum gestalten (=1).229.. 9 befindet sich eine Gruppe von Tänzern.228..401.. Abb.750.. interagierenden oder sonst wie miteinander in Beziehung stehenden Systeme übertragen werden.703.... Der höchst mögliche Kohärenzgrad für drei Tänzer kann folglich mit „3+1+1+1+1=7“ dargestellt werden.. würde mathematisch folgendermaßen darzustellen sein: Bei zwei Tänzern: 1 + 1 = 3 = 2² ..703.600.. Die Zahl der möglichen Kombinationen bei drei Tänzern ergibt sich aus der Art wie jeder einzelne Tänzer seinen Freiraum gestaltet (=3)... wollen wir die entsprechende Arithmetik Abb... Da wir es in der Musik ebenso wie im lebenden System vorwiegend mit kohärenten Zuständen zu tun haben. Interessanterweise haben die Mathematiker früherer Generationen wichtige Methoden zur Beschreibung der drei markanten Zustände ... der die einzelnen Personen miteinander verbindet... Diese Berechnungsmethode kann nun auf alle kooperierenden..375 Das bedeutet.205..229..Chaos....... ebenso wie Tänzer 2 und 3 dies tun (=1) sowie Tänzer 1 und 3 (=1) und schließlich wie alle drei gemeinsam zusammenwirken (=1).......228....... der Kristallzustand: 1 + 1 = 1 und der Kohärenzzustand: 1 + 1 = 3....1 Bei drei Tänzern: 1 + 1 + 1 = 7 = 2³ .... Das...... Gauß-Verteilung. Auf Abb..Mathematisch formuliert bedeutet der chaotische Zustand: 1 + 1 = 2. dass die Messwerte durch unendlich viele voneinander unabhängige Faktoren beeinflusst werden.205.. dass die 100 Tänzer 126...... Dieses „Wunder der Harmonie“ soll mit Abb.

wie wir ihn mit den Kindern ohne Aufsichtsperson beschrieben haben. dass eine Gruppe von beispielsweise einhundert Messwerten. denn sie bezieht sich auf lebende Systeme und auf das Konzept der Harmonie. Die Logarithmische NormalVerteilung wurde zunächst kaum beachtet. Die wichtigste Wahrscheinlichkeitsverteilung Abb. die Abb. aus einem ideal chaotischen System mit unendlich vielen Elementen stammt. der mit höchster Wahrscheinlichkeit. Es ist klar. 121) passen. also grundsätzlich immer auftritt (Abb.Die Gauß-Verteilung geht also von einem Zustand aus. Demgegenüber wird der Kristallzustand auch als Delta-Verteilung beizeichnet und als Kurve mit einem einzigen Messwert dargestellt. Sie entspricht einer asymmetrischen Kurve. in das wir den Zustand eines Patienten einordnen können. Sachs 1969 herausfand. 13): Abb. 14). Im Vergleich zur symmetrischen GaußVerteilung ist der Gipfel ausgeprägt und nach links verschoben. als Koordinatensystem. dass dies auf ein lebendes System nicht zutreffen kann. von Messwerten ist jedoch die Logarithmische Normalverteilung (Abb. Praktisch gilt. Erst als der deutsche Mathematiker L. dass die Messwerte vieler physiologischer Systeme nicht in die Gauß-Verteilung. perfekt in die Gauß-Verteilung (Abb. Wir benötigen aber eine solche Verteilung zur Berechnung. Die Darstellungen auf dieser Seite setzen das zuvor beschriebene mathematische Prinzip zur Feststellung des Kohärenzgrades um. 1 34 . Die Koordinaten weisen in der Horizontalen die an Elektroden gemessenen Stromflüsse aus und in der Vertikalen die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens.

Improvisation mit Trommelrhythmen in der Gruppe. Am ausgeprägtesten sind die Veränderungen beim Tanzen und Obertonsingen. Abb. zeigt das.Prinzip mit Teilnehmern durchgeführt. Die blauen Balken geben die gemessenen Werte an. das sich aus unendlich vielen Elementen zusammen setzt. wie musikalische Situationen den Körperzustand Abb. 15 und 16 sind Delta-Verteilung (Kristallzustand) rot. verändern. Rezeption von monochromen Klängen (Monochord). Das Messgerät bringt einen elektrischen Strom in den Körper ein und misst an 128 Elektroden Frequenz und Stärke des austretenden Stroms. Damit können Schönheit und Harmonie in der Musik. unabhängig zu bleiben und doch alle Möglichkeiten zur Kooperation mit den anderen Elementen besitzen. 16 den Zustand nach der Erfahrung. Klangmassage mit Klangschalen. Auf den Abb. 15 Abb. Die Software analysiert die Ergebnisse nach den zuvor geschilderten mathematischen Prinzipien. sondern auch von Wissenschaftlern mit streng mathematischen Formeln.sondern in die Logarithmische Normalverteilung passen. In verschiedenen Messreihen haben wir untersucht. praktischen Messungen und quantitativen Berechnungen beschrieben werden. Das ist die ungewöhnliche Arithmetik. die ein schönes Ballett beschreibt. wurde sie vermehrt herangezogen. Singen (Chanten von Vokalen. Wenn also die Messwerte aus einem System in die Logarithmische Normalverteilung passen. dass die Beziehung der Elemente dieses Systems 1 + 1 = 3 ist. dass die Logarithmische Normalverteilung einem System entspricht. bildet des Zustand der Versuchsperson vor der musikalischen Erfahrungen ab. die unterschiedliche musikalische Erfahrungen machten: Rezeption von Musikaufnahmen. Bei gegenläufigen Ergebnissen machten Interviews mit den betroffenen Personen individuelle. Weitere Messreihen wurden nach dem Vorher – Nachher . in einem Ballett und in Lebewesen nicht mehr nur von romantischen Poeten mit Worten. die alle die Fähigkeit haben. Die musikalische Erfahrung bestand in der aktiven Teilnahme an einer Folkloretanz Gruppe (vgl. Gauß-Verteilung (Chaos-Zustand) schwarz und Logarithmische Normalverteilung (harmonischer Kohärenzzustand) grün dargestellt. biogra35 . um den Zustand von lebenden Systemen darzustellen. Abb. Kapteina 2000 und 2004). 15 und 16 dargestellt. Fast alle bisherigen Ergebnisse zeigen mehr oder weniger deutliche Verschiebungen der Daten in Richtung Logarithmischer Normalverteilung (wie in Abb. 1994 hat Chang Lin Zhang den mathematischen Beweis geführt. Obertongesang).

phisch bedingte Bewertungen der musikalischen Situation deutlich. wird die folgende Verteilung der Stromflüsse gemessen: 36 . Zur Zeit wird die Hardware des Messinstruments neu gestaltet. in denen die Versuchsperson den Klängen zuhört. fünf Minuten. Generell müssen die biophysikalisch gewonnenen Daten durch Interviews mit dem psychosozialen Kontext der untersuchten Personen in Beziehung gebracht werden. Er erinnerte sie an das Geräusch von herannahenden Bombern. So waren zum Beispiel die Daten von zwei Personen bei insgesamt 20 nach dem Anhören des Monochords auf einer Klangliege überdeutlich in Richtung Gauß-Verteilung gewandert. so dass in Zukunft auch offline und prozessbegleitend gemessen werden kann. Hier sehen wir das Messergebnis vor dem Hören von Klängen des 26-saitigen Monocords: Dieser Verteilung entspricht die Verteilung der Frequenzen eines geräuschhaften Klanges: Nach ca. das sie aus ihrer Kindheit kannten. Beim anschließenden Interview gaben beide an. den Klang des Monochords als bedrohlich erlebt zu haben.

Aus anderen Untersuchungen ist bekannt. dass das erste Messergebnis bei Stresszuständen auftritt. etwa nach Meditationsübungen. Die Abbildung des Frequenzspektrums etwa eines Altsaxophon Tones macht das deutlich: 220 Hz Lautstärke 440 Hz Das Prinzip der harmonikalen Anordnung von Frequenzen. Wirklich überraschend war für die Biophysiker. schematisch dargestellt für den Ton „a“ 660 Hz 880 Hz 1100 Hz 1320 Hz 1540 Hz Frequenz 37 . das zweite bei entspannter Aktivität. dass die Anordnung der Stromflüsse nach der Log-normal Verteilung große Ähnlichkeit mit der Anordnung der Frequenzen des reinen Tones aufweist.

MISAHA Newsletter #32-35. Beim Musikhören gilt dieses Prinzip sowohl in akustischer Hinsicht (die schwingende Luft im Raum) als auch in körperlicher Hinsicht (schwingende Moleküle in den einzelnen Organen). C. Hartmut. Christoph. Changlin Zhang Forschungen über Biophysik und Musiktherapie. Der Energieverlust bei solchen stehenden Wellen ist wesentlich geringer als bei Wellen. Hartmut (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". Stein. L.): Schwingung und Gesundheit. Ingeborg Hrsg.Die Idee. welche Schwingungsform im Organismus überwiegt und sie zeigen gleichzeitig. Theo. welche der Biophysik des Hörens zugrunde liegt. bei dem die einzelnen Frequenzen in symmetrischer Anordnung von den Begrenzungen des Raumes reflektiert werden. et al (Hrsg. basiert auf der Vorstellung. Die dissipative Struktur des elektromagnetischen Feldes in Lebewesen. C. 415-426 Kapteina. Die oben dargestellten Stromflussmessungen geben darüber Auskunft. 18-21 Zhang. Die Wellen können nach stehendem Prinzip angeordnet sein. Hartmut. (2007): Der unsichtbare Regenbogen und die unhörbare Musik. wie die musikalischen Klänge die Schwingungsverhältnisse in den Zellen und Organen des Körpers verändern. Body Conductivity (On the Background of Electromagnetic Measurement on Skin). dass alle Materie aus vibrierenden Teilchen besteht. Folkloretänze in Therapie und Prävention. L. C. ( in English ) Zhang. Literatur: Drewer.) (1996) : Current Development of Biophysics. Crossen. C. 131-145 Zhang. In: Wolfgang Bossinger und Raimund Eckle (Hrsg. München 38 . Hangzhou. Hans Hermann (Hrsg): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. wie das in der Musik der Fall ist. Traumzeit Verlag 2008. Weinheim. Hans-Dieter (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. Münster Kapteina. Wickel. L. Schreiber. Martin (2000): Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. (2001): Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems. L. Frontier Perspectives 11 (2). 394-414 Kapteina. Der Hintergrund der ältesten Heilverfahren und das jüngste Kapitel der modernen Biologie. In: Hartogh.): Ressourcenorientierte Musiktherapie. Klug. L. 15-25 Zhang. C. Hangzhou University Press. In: Schwabe. Bettina. die sich zu vielschichtig kombinierten Wellen verbinden. (2002): Skin Resistance vs. Die nebenstehende Abbildung zeigt diesen Schwingungszustand. die unsymmetrischer Anordnung auf die Raumgrenzen treffen. (2002): Invisible Rainbow and Inaudible Music: The Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems Zhang.

4.6

Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben

Den aktuellen Stand der Forschungen fasst Stefan Koelsch in einem Artikel der Musiktherapeutischen Umschau (2005, 365-381) wie folgt zusammen: Bei der Wahrnehmung von Musik laufen komplexe Handlungsfunktionen ab: 1. akustische Analyse 2. auditorisches Gedächtnis 3. auditorische Gestaltbildung sowie Verarbeitung musikalischer Syntax und Semantik;außerdem: 4. Effekte auf Emotionen 5. das vegetative Nervensystem 6. das Hormon- und das Immunsystem und schließlich kann 7. Aktivierung (prä-)motorischer Handlungspräsentationen (vgl. 365). Spintge und Droh weisen in ihrem Buch: Musik - Medizin, Stuttgart 1992, darauf hin, dass zentrale Musikverarbeitungsprozesse in beiden Hirnhemisphären ablaufen. „Linkshemisphärische Leistungen sind dabei vor allem die Verarbeitung von Lautstärke, Klangfarbe, musikalischen Intervallen, Akkorden, Tondauer, Tonhöhe, Takt, Rhythmus. Rechtshemisphärische Leistungen sind insbesondere die Wahrnehmung von Tempoänderungen und der Ausdrucksmodalität von Tonhöhen“ (S. 17, ebenfalls s. S. 243 ff und Christoph Fassbender in Handbuch Musikpsychologie, hrsg. v. Bruhn u.a. 1993 S. 622 ff.). Geschlecht, Händigkeit, Spielen eines Instruments haben entscheidenden Einfluß auf die Lokalisation der Hirnaktivität beim Musikerleben. Helmuth Petsche hat nachgewiesen, dass beim Musikhören Frauen ihre linke und rechte Hirnhälfte wesentlich intensiver verschalten als Männer (Bild der Wissenschaft, Heft 12/1989, S. 17; auch 5/1996, S.46 ff: Bei Frauen arbeiten während des Redens beide Gehirnhälften, Männergehirne steuern das Sprechen nur im linken Hinterkopf; ebd. 10/2002, S. 72: beim Zuhören von vorgelesenen Geschichten arbeitet bei Männern „nur das Areal zur Sprachverarbeitung im linken Schläfenlappen. Bei weiblichen Testpersonen arbeiteten zusätzlich die Bereiche der rechten Hemisphäre, die für nichtsprachliche Höreindrücke zuständig sind, etwa für Musikverarbeitung und damit verbundene Vorstellungen). Auch interkulturelle Unterschiede spielen eine Rolle: "So findet die musikalische Verarbeitung westlicher Musik bei Japanern bevorzugt in der rechten Hirnhemisphäre statt, wohingegen japanische Musik bevorzugt linkshemisphärisch verarbeitet wird. Bei westlichen Probanden ist die Lateralität genau umgekehrt." Die Ursache dafür wird vor allem in der "durch Vokale geprägten japanischen Sprache" gesehen. (Spintge/Droh, S. 18) Helga de la Motte-Haber fasst im Handbuch der Musikpsychologie (Laaber 1985, S. 21 - 23) den Stand der Forschung so zusammen, dass für das Musikhören „beide Verarbeitungsmodalitäten der Hemisphären von Bedeutung sein“ können. „Denn deren grundsätzlich verschiedene Arbeitsweisen - rechts findet eine mehr holistisch-ganzheitliche Gestalterfassung und links ein mehr analytisch-begriffliches Denken in der Reihenfolge statt ist in vollem Umfang zumindest für das Verständnis jener Musik nötig, deren syntaktische Bedeutung den analytisch zergliedernden Verstand voraussetzt“ (S. 23).

39

Ein Musikstück aktiviert das Gehirn bei jedem Hören anders, fanden ameri• Intelligenz • Intuition kanische Wissenschaft• Rationalität • Gefühl ler. Ihre Beobachtung sei • Yang (männlich) • Yin (weiblich) gleichzeitig der erste • Bewusste Vorgänge • Unbewusste Vorgänge • Intellektuelle Einsicht • Emotionale Verarbeitung handfeste Beweis für die • Analytisches Denken • Ganzheitliche Betrachtung schon lange gehegte • Abstrakte Begabung • Künstlerisch, kreativ Vermutung, dass das Ge• Zeit • Raum hirn auch gleiche Infor• Aktivität • Passivität • Digital • Analog mationen auf eine dyna• Analyse von Worten • Sprach- u. Sinnerkennung mische Weise immer • Sprache • Musik wieder neu verarbeitet, • Zeitliche Abläufe • Zeitlosigkeit schreiben sie im Magazin "Science" (Bd. 298, S. Quelle: http://www.medicrossover.de/abhoer.htm 2167). Die Forscher vom Dartmouth-Zentrum für kognitive Hirnforschung haben verschiedenen Testpersonen ein kompliziertes Musikstück vorgespielt, das innerhalb von acht Minuten alle Tonarten der westlichen Musik durchläuft. Gleichzeitig beobachteten sie die Aktivität im Gehirn der Probanden mit einem bildgebenden Verfahren. Die musikgeübten Versuchspersonen sollten während der Sitzungen eine bestimmte Melodie und einen Instrumentenwechsel aus dem Stück heraushören. Zur Überraschung der Forscher aktivierte das gleiche Musikstück bei den Testpersonen bei jedem Hören andere Areale im Gehirn. Mit Hilfe statistischer Methoden konnten die Wissenschaftler dennoch ein Zentrum im Gehirn ausfindig machen, das sich offenbar mit der Analyse von Musik beschäftigt. Während Melodien zunächst in Hirnregionen hinter den Schläfen verarbeitet werden, befindet sich das höhere Analysezentrum direkt hinter der Stirn, im so genannten rostromedialen Stirnhirn. Dieses Zentrum ist Wissenschaftlern schon länger bekannt als eine Region, in der das Gehirn emotional bewegende Eindrücke mit vernünftigen Erwägungen in Einklang bringt. Warum ausgerechnet diese Region auch Musik analysiert, konnten die Forscher jedoch nicht klären (Bild der Wissenschaft 12, 2002).
Linke Gehirnhälfte Yang (männliches Prinzip) Rechte Gehirnhälfte Yin (weibliches Prinzip)

Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden, dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten. In rechten werde deutlich Sprache stärker verstärkt. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen, Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. Details der Untersuchung, die unter Verwendung der otoakustischen Emission (OAE) durchgeführt wurden, bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird, sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005, 101). Klaus-Ernst Behne u.a. kamen in ihrer Untersuchung „EEG-Korrelate des Musikerlebens“ in: Musikpsychologie, Heft 4, 1987, S. 49-63 und Heft 5, 1988, S. 95-105, zu dem Ergebnis, dass bestimmte Musik, nach Tempo, Dynamik und Stil ausgewählt, nicht zu systematischen Veränderungen in den EEG-Befunden führt. Dieses insgesamt negative Ergebnis erklären die Autoren dahingehend, „dass sich Unterschiede zwischen den Musikstücken nicht im oberen, kortikalen Bereich auswirken, sondern in tieferen Schichten, in denen verschiedene Aktivierungssysteme vermutet werden“ (S. 105). Mit diesen tieferen Schichten sind die Funktionen der Formatio retikularis bzw. das Limbische System im Zwischenhirn gemeint, über die Sinnes40

wahrnehmungen zuerst und vor allem emotionale, vegetative, d.h. körperliche Reaktionen auslösen.
Ablauf der neuronalen Prozesse im Gehirn während des Musikhörens (Aus bild der Wissenschaft 7/2003)

Boris Luban-Plozza weist in diesem Zusammenhang auf die Funktion des linksseitigen Ammonshorn1 hin, einer Schaltstelle für Gedächtnis und Gefühl. Es sei das „Tor zum Gedächtnisspeicher“, und beim Hören der Konsonanzen und Dissonanzen der Musik träten „verborgene, verschüttete und gefühlsbetonte Inhalte aus dem Unbewussten hervor. („Das Dritte Ohr - Musik und innere Harmonie“, Zeitschr. Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 3/1990, S. 119-124)
Neurophysiologische Prozesse bei Musikhören

Musikhören; Reizung der Sinnesorgane

linke Hemisphäre
operiert linear, sukzessiv, schrittweise nacheinander, wie die Sprache, bei der wir Gleichzeitiges in ein Nacheinander auflösen

rechte Hemisphäre
leistet das prompte gleichzeitige Integrieren vieler Informationen, beherbergt Fähigkeiten, wie Kreativität und Intuition und ist für das Hören von Musik, auch für das Nicht - Hören von Klängen verantwortlich

Ammonshorn
Langzeit Gedächtnis

Formatio retikularis

Limbisches System
Prüft, ob die Wahrnehmung eine Chance oder eine Gefahr beinhaltet; setzt musikalische Informationen in Emotionen um, löst vegetative Reaktionen aus

Vegetativum
Herz- Atem-, Darm- Blasen-, Haut- und andere Reaktionen
(vgl. auch Elisabeth Haselauer: Berieselungsmusik. Droge und Terror, Wien 1986, S. 29 ff)

Diese spezielle Verarbeitung von Hörreizen hat sicherlich ihren Grund in der Funktion des Gehörs als „Frühwarnsystem“. „Die Schnellverbindung zwischen Wahrnehmen und Handeln
Cornu Ammonis, ein wulstartiger Gehirnabschnitt am Boden des Seitenventrikels, der wichtige Rindengebiete des Riechhirns enthält, Brockhaus 1966
1

41

In der Rinde selbst trifft der Höreindruck auf drei benachbarte Areale: die sensorischen und motorischen Rindenfelder sowie das Hörzentrum (233). ist bereits mit Bewegungs. wird (. Bd. Es ist besser vor einem Hasen Reißaus zu nehmen. Die Großhirnrinde.und Gefühlseindrücken ‚aufgeladen’. R. Maas (Hrsg. Weinheim 2004. 42 . Über die Aktivierung der beiden Hemisphären haben Altenmüller und Gruhn (Das Bild der Musik im Kopf. in: Hartogh. 11-40) bei musikalisch tätigen Kindern und Jugendlichen herausgefunden...): Physiologische und neurophysiologische Aspekte musikalischen Wahrnehmens. der sowohl Bewegungs. „dass musikalische Bewegung..): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. „D. schützt vor Reizüberflutung und entscheidet. . das Zentrum des Bewusstseins. wenn es im Gebüsch raschelt. Franz Amrhein (Musik und Bewegung. ob das Gehörte von Interesse ist.existiert wahrscheinlich aus guten Gründen der Anpassung’ argumentiert Bargh. ob sich ein Bär heranpirscht“ (Bild der Wissenschaft 11/2001. auch strukturierende. Das Stammhirn. dass „bei einer mehrtheoretisch-analytischen Beschäftigung mit Musik“ die linke Seite aktiver ist als die rechte. das über den inneren Zustand informiert“ (232). Gehirnnerv.-D. die ‚Musiksensomotorik’. dass im Innenohr „in derselben Flüssigkeit: der Körper-. 1996. Im Mittelhirn (vor allem im Limbischen System. 232) und zu Zentren der visuellen Wahrnehmung hergestellt. im Innenohr sitzt nicht nur ein extrozeptives Organ. Bewegungs.. das „Wachzentrum“. sondern auch ein mit diesem verbundenes propriozeptives.als auch akustische Informationen aufnimmt..) nicht nur die rechte Seite aktiv“ ist. Thalamus und Hypothalamus) erfolgt die gefühlshafte Wertung. ‚rationale’ Elemente enthält – ein auf Musik und Bewegung bezogener neurophysiologischer Beleg für Piagets These von der ‚sensumotorischen Intelligenz’“ (233). Das.) vom 8. 21) Augsburg: Wissmer. erreicht die Botschaft aus dem Ohr erst. Amrhein sieht darin das „neuronale Korrelat“ für die Tatsache gegeben.h..und Gleichgewichtssinn (das vestibuläre System) und der Gehörsinn (das cochleare System)“ verbunden sind. Gembris. bei Bewegung und Spiel (. Eine wichtige Station ist das Kleinhirn. Hermann (Hrsg.. 74). sondern auch die linke deutlich beeinflusst. das Zentrum für Bewegungsempfindung und –Koordination. 231-244) weist darauf hin. zunächst in tiefere Regionen zur weiteren Verarbeitung transportiert.. als erst einmal abzuwarten. Amrhein stellt den neurophysiologischen Ablauf der Musikverarbeitung bei gleichzeitiger Akzentuierung der sensumotorischen Verarbeitung folgendermaßen dar: „Was wir hören. es werden Verbindungen zum vegetativen System (. was wir letztlich hören. Verarbeitens und Verhaltens (Forum Musikpädagogik. Theo und Wickel. Kraemer. das Informationen von außen aufnimmt. G. während „bei praktischer musikalischer Tätigkeit. nachdem sie die für Bewegungsempfindung und Gefühle zuständigen Zentren durchlaufen hat. der zusammen mit Gollwitzer 1990 den Forschungspreis der Max-Plank-Gesellschaft erhielt. dem Nervus vestibulocochlearis. Musikverarbeitung in der Darstellung kortikaler Aktivierungspotentiale. In: H.

1181-23.und Schläfenregion“ einhergeht (vgl. die nicht der Willkür unterliegen. Jahrhundert. i ergeben.a. Kurz. Hirnnerv) zum Gehirn geleitet. o. das menschliche Ohr hat sich in Jahrtausenden physiologisch dazu entwickelt. Auch das Richtungshören und das Erkennen von Signalen in Störgeräuschen werden als perzeptive Prozesse im Hirnstamm und dem ihm nachgeschalteten Mittelhirn geleistet“ (zit. Manuela Carmen.) Menschenfreundliche Musik. Münster 2003.): Die Macht der Töne. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. dass bei Jugendlichen von diesen als schön empfundene Musik stärker die linke Hirnhälfte aktiviert wird.“ Sie konnte Streicheln mit einem weichen Pinsel spüren und fand es angenehm. während negativ bewertete Musik „mit stärkerer Aktivierung der rechten Stirnhirn. Nachtvögel hören z. 13-22) erwähnen neuere Untersuchungen mithilfe von bildgebenden Verfahren zeigten. 2242-56). Proc Nat Acad Sci USA 98 (20)(2201). Es spezialisierte „sich darauf.“ wohingegen „sich das menschliche Gehör in eine ganz andere Richtung“ weiterentwickelte. (Hrsg. Reinhard Flender (Vom Dreifachen Ursprung der Musik. flops to the right: different emotions during listening to music are reflected in cortical lateralization patterns. Erste Umschaltungen erfolgen im Hirnstamm. und die Anzahl von Mundgeräuschen.: Hits to the left. Forscher vom Sahlgranska-Krankenhaus in Göteborg um Hakan Olausson hatten eine Patientin untersucht. die „eine starke Beteiligung des limbischen Emotions. Eckart Altenmüller u. Eine ähnlich direkte Verbindung zu den vegetativen Zentren besteht auch zwischen bestimmten Nervenzellen in der Haut. Im Hirnstamm bestehen Verbindungen zu den vegetativen Zentren. S. Köln-Rheinkassel 2001. der inneren Anteile der Schläfenlappen und der unteren Stirnregion. Katzen. Neuropsychologica 40 (13) 2002.B. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. das sind nämlich die Potenzen von 28 – 212 Herz.a. a. Musik und Gehörlosigkeit. Bei gleichzeitigem Scannen des Gehirns wurde deutlich. in einer Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten herauszufiltern. die die Vokale u. „Es kam zu einer Aktivierung des endogenen limbischen Selbstbelohnungssystems im Bereich der tief gelegenen Hirnregionen der Mandelkerne. die wir Konsonanzen nennen. in Großhirn zu leiten und dort zu decodieren.B. die wir beim Sprechen ausstoßen. hier finden auch die Verknüpfungen mit der Hörbahn der anderen Seite statt. von Rachmaninoffs 2. Besonders intensive Reaktionen wurden z. Plath formuliert: „Die im Rezeptor des Innenohrs durch Schallschwingungen ausgelösten Nervenpotentiale werden über den Hörnerv (Nervus statoacusticus.Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. die Signale nur sehr langsam transportieren. in: Peter Bubmann (Hrsg. Sprache zu verarbeiten“ (10). diejenigen Frequenzen. der auf Grund einer Krankheit die wichtigsten Tastnerven in der Haut fehlten. Klavierkonzert (d-moll) oder Barbers Adagio für Streicher hervorgerufen. des Mittelhirns. 9-20) führt aus. PRAUSE. dass sich bei Tieren die Funktion des Gehörs „als Gefahrenindikator noch weiter perfektioniert hat (Hunde. Gütersloh 1993. Des weiteren zitieren sie Anna Blood und Robert Zatorre (Intensely pleasurable response to music correlate with activity in brain regions implicated in reward and emotion. 2001) mit bildgebenden Untersuchungen. e. Allerdings war das System der C-Fasern noch intakt. 58 f). In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. ultrahohe Frequenzen wesentlich besser als der Mensch). n. Band 5. VIII. „Sie sind verantwortlich für Streicheleinheiten an das Gehirn.und Selbstbelohnungssystems tief im Inneren des Gehirns“ belegen. „dass beim Streicheln vor allem diejeni- 43 . ferner zu motorischen Bahnen. in: Tillmann Bendikowski u. das bei Einnahme starker Rauschdrogen wie Heroin und Kokain entspricht“ (16). Dieses Aktivierungsmuster entspricht exakt demjenigen.

Leah Ariniello. Musiktherapeutische Umschau 1999. sondern tatsächlich auch die Zahl der Anfälle senkte. insbesondere auch die motorischen Zentren bei musizierenden Männern vergrößern sich sogar manche Hirnteile.) Der Chicagoer Neurologe John Hughes hat „bei Epilepsie-Patienten festgestellt. Nr. Musizieren. (für Musikerinnen können keine gesicherten Aussagen gemacht werden. 392. Weitere Literatur: Manfred Spitzer: Musik im Kopf. Musiker werden mit dieser Eigenart nicht geboren. Hören. 41) Das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato. reagierten auf die Zärtlichkeiten nicht“ (Bild der Wissenschaft 10/2002.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl.und abschwillt und zudem Melodielinien häufig wiederholt werden. S. Christo Pantev vom Institut für experimentelle Audiologie an der Universität Münster hat mit einem Magneto-Encephalographen nachgewiesen. Stuttgart 2002 44 . Dieser Tatbestand kann für die Wiederherstellung von beschädigten Gehirnfunktionen genutzt werden (nature Bd. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren haben Forscher des Gesellschaft für Neurologische Wissenschaften nachgewiesen. Insofern würde durch die Musik „gewissermaßen der natürliche Takt des Gehirns aufgegriffen und stabilisiert“ (Bild der Wissenschaft 8. Genau diese Regelmäßigkeiten aber – die sich in geringerem Maß beispielsweise auch in der Musik Haydns und Bachs fanden – gingen parallel mit manchen im Gehirn selbst auftretenden rhythmischen Aktivitätsschwankungen“. 811. Hirnareale. 100 f). Washington D. 2003. weil an den Versuchen nur wenige Frauen teilnahmen. die Tastreize verarbeiten. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr langsamen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). dass in der Mozartschen Musik die Lautstärke offenbar in besonders regelmäßigen Perioden an. das Kleinhirn von Musikern ist im Durchschnitt 5% größer als das von Nichtmusikern. 64). Society for Neuroscience. 6678. „dass eine Sonate für zwei Klaviere von Mozart nicht alleine die im EEG gemessene Hirnstromaktivität normalisieren konnte – selbst bei Patienten im Koma -. Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. Norderstedt 2005.C. dass ausgebildete Musiker aufgrund ihres hervorragenden Gehörs mehr Nervenzellen für die Verarbeitung von Tönen der Tonleiter mobilisieren als andere Menschen. Das Gehirn passt sich durch die jahrelange Musikpraxis an. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. 11). die Emotionen auslösen. Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. Bei anschließenden Computeranalysen zeigte sich. S. aus dieser Tatsache erscheint Musizieren als geeignetes Mittel zur Therapie neurologischer Schäden. dass Musik verschiedene Seiten des Gehirns aktiviert.gen Hirnareale aktiv sind.

: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland): Jahrbuch Musiktherapie. 2003. beschreibt Wolfgang Bossinger in seinem Buch über die „Heilende Kraft des Singens“. 365-381 Jaak Panksepp und Günther Bernatzky: Emotional sounds and the brain.): The biological foundations of music. Wiesbaden: Reichert. S. Gisela M. the neuroaffective foundations of musical appreciation. Zatrone und Isabelle Peretz (Hrsg. Hüther. Heidelberg 1998 und: Robert J.de „Das Gehirn giert nach Musik. Wie Musik im Kopf entsteht. dort sind weitere Quellen angegeben. Die Wirkungen des Singens auf das das Gehirn: neuronale Harmonisierung und Synchronisation. Stefan Koelsch: Ein kognitives Modell der Musikrezeption. 2004 der Musiktherapeutischen Umschau ist der Beziehung zwischen Musiktherapie und den Neurowissenschaften gewidmet. 133-155 Nöcker-Ribaupierre. New York (Academy of Science) 2000 Das Themenheft 1.mpg.de www.Robert Jourdain: Das Wohltemperierte Klavier.cns. In: Hrsg. Norderstedt 2005. Aktivierung emotionaler Netzwerke und Neubahnung. Monika. Melodie und Rhythmus sind Schlüssel zur Sprache. Behavioural Process 60 / 2002.immm. Lenz. 133-171 45 .hmt-hannover. Heilmittel nach Schlaganfall“ ist Titelthema des Zeitschrift Bild der Wissenschaft 8.. 137-156) Im Internet: www. Gerald (2006): Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. Musiktherapeutische Umschau 2005.

2003. die eigene Gestimmtheit. konnte Thaut in Experimenten nachweisen: Rhythmen dringen direkt und ohne Umweg über das Bewusstsein in die Glieder. Sensibilität. 2002. dass der Mechanismus dem Gehirn hilft. Hautwiderstand. das Lösen von Rechenaufgaben z. und zwar auch dann. weitergegeben: 46 .4. München 1985. Dabei hilft Musik nicht nur beim Erlernen von rhythmischen Bewegungen wie Gehen. Musik und Gesundheit. Neben Schlaganfall-Patienten üben auch Parkinson. dazu: Rüdiger Liedtke. „wenn die Aufmerksamkeit der Versuchsperson abgelenkt ist. 36 ff. unsere Bewegungen an Geschehnisse in der Umwelt anzupassen. musikalische Vorbildung. Mitbestimmend für die Körperreaktionen sind. Dabei entdeckten sie eine direkte und nach Thaut „erstaunlich schnelle" Verbindung zwischen den Hörzentren im Gehirn und den Bereichen. Thaut vermutet. obwohl sie die Taktänderung bewusst gar nicht wahrgenommen hatten. aktiviert Muskelpotentiale im Stirnbereich. S. Hormonhaushalt. individueller Geschmack. Änderte sich dabei der Rhythmus leicht. konnten sie ohne lange zu zögern wegrennen. Was Tänzer schon immer wussten. meint der gebürtige Hamburger. Veränderung von Blutdruck.H. Die Forscher ließen Freiwillige zum Takt eines Metronoms mit einem Finger klopfen.“ Rhythmische Musik lässt Muskelpotentiale im Bein ansteigen.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben Musik bringt das Vegetativum zum Mitschwingen. nicht nur die rhythmischen. (Vgl. 42) „Das Team um Thaut vom Zentrum für biomedizinische Musikforschung untersucht seit Jahren die Wirkung von Musik auf das Gehirn. Atmung. sagt Thaut. sagt Thaut. M. Habe ein Zweig geknackt oder das Laub geraschelt.: Neue Entwicklungen der neurologischen Musiktherapie und ihre Bedeutung für Alterspatienten. Die Vertreibung der Stille. „Einstellung zur Musik. 17-18).“ Körperreaktionen beim Musikhören sind: Pulsbeschleunigung. so dass sie das dargebotene Musikstück nicht einmal bewusst wahrnimmt. wird die folgende Fallgeschichte der ParkinsonPatientin Alice H. dass Musik auch willensgesteuerte Armbewegungen verbessern kann.: Thaut. 3. Kürzlich konnte das Team zusammen mit Volker Hömberg von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf zeigen.“ (s. In Bild der Wissenschaft 8. Stoffwechsel und Verdauung. die Bewegungen steuern. Heute dagegen helfe die Direktverbindung im Gehirn Patienten beim Erlernen von Bewegungen.und Huntingtonkranke in seinem Zentrum das Gehen mit Musik. So konnten Schlaganfallpatienten nach einer Musiktherapie zielgerichteter nach einem Gegenstand greifen als zuvor. passten die Probanden die Bewegungen ihrer Finger sofort an. Das sei für unsere Vorfahren überlebenswichtig gewesen.B. Bachs Musik steigert Muskelpotentiale sowohl im Beinals auch im Stirnbereich. Offenbar unterstütze Musik alle Aspekte einer Bewegung.

) konnte die positive Beeinflussung des vegetativen Nervensystems und des Stress. Bei einer Gruppe von 32 Patienten im Lebensalter über 65 Jahren wurde vor und während der Operation vom Patienten selbst gewählt Musik per Kopfhörer angeboten. dass durch Musikhören in Verbindung mit katathymem Bilderleben. Die Forschungen von Michael Thaut und seinem Team zeigen. Selbst die Aktivität von motorischen Nervenzellen im Rückenmark scheint durch akustische Reize beeinflusst zu werden.„Immer wieder hatten die Krankheitsattacken sie überfallen. wie Blutspiegel des Stresshormons Cortisol. positive emotional-positives Erleben einer SituatiImagination und Gedankenklarheit.“ „Die Verbindungen zwischen Musik und Motorik funktionieren teilweise sogar unterhalb der Bewusstseinsschwelle“ (38). die on mit unklaren Befürchtungen unvereinbar Maureen P. und wenn die Ampel auf Grün sprang. die mit unklaren BeWirkebenen der Musik: fürchtungen unvereinbar sind. sowie „tiefe Körperentspannung. Musik und Gesundheit 4/2002 15 f. und springt die Ampel auf Grün. „sondern auch eine Vielzahl sogenannter senso-motorischer Rindenareale. Musizieren und bewusstes Zuhören ermöglichen Schmerz-Patienten zu entspannen. Frankfurt a. der das Konzert der Neuronen koordiniert“ (41).und Schmerz. Maureen P. Doch nun trägt Alice bei all ihrem Tun einen Walkman. Reaktionen führte. M. Wenn Alice eine Zimmertüre öffnen wollte. dass die Musikanwendung vor und während des nicht ganz angenehmen Eingriffes in 4 Wirk-Ebenen der Musik: Lokalanästhesie zu einer signifikanten Senkung der Stress. ebenso wie das Kleinhirn – ein ganzes Netz von Nervenzentren also. schienen sie zu Eis zu erstarren. Ihr Gesicht zuckte dann.und Schmerzempfindens bei Katarakt-Augen-Operationen in Lokalanästhesie durch Musik nachweisen. klebten ihre Füße am Boden. Blutdruck. und kaum dass sie ihre Glieder bewegen wollte. REILLY: Über den Einsatz von Musik gegen Operasind. Daraus folgt. Reilly (Über den Einsatz von Musik gegen Operationsstress bei Alters-Patienten.tiefe Körperentspannung. Singen. Musik und Gesundheit 4/2002. dass rhythmische Reize nicht nur die Hörrinde stimulieren. ergaben. besonders aber durch Improvisation auf Instrumenten in Musiktherapie-Sitzungen das Immunsystem deutlich gestärkt wird. die bekanntermaßen bei der Koordination motorischer Abläufe im Spiel sind. könnte rhythmische Musik die Funktion eines Zeitgebers übernehmen – und gewissermaßen den Takt geben. Untersuchungen der Zusammensetzung des Speichels haben ergeben. die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu hemmen. als gehorchten sie dem Willen nicht mehr. (Anne Müller: Aktive Musiktherapie: Stimmungen. Offenbar fließen akustische Informationen direkt in das motorische System ein. Therapieerleben und immunologisch relevante Speichelparameter. musste sie wie angewurzelt auf der Schwelle verharren. nachzudenken und neuen Mut zu schöpfen. Herzfrequenz. Der schmerzlindernde Effekt von Musik beruht darauf. „werden ihre Bewegungen fließend und frei. einer Situation“ (16). „Wenn die zeitlich hochkomplexen motorischen Abläufe im Gehirn nicht mehr ausreichend abgestimmt würden. 47 .“ Wenn sie den aufsetzt. Musik gibt ihr die Gewalt über ihren Körper zurück. ihr Körper wackelte und zitterte.“ Die Autorin betont in positive Imagination und diesem Zusammenhang vier wichtige Gedankenklarheit. Akustische Reize sind daher in der Lage. überquert sie mit sicherem Schritt die Straße. dass schmerzleitende und akustische Nervenbahnen im Körper dicht beieinander liegen. Sowohl psychologische Tests als auch Messungen der biologischen Parameter. 1994). sowie emotional-positives Erleben tionsstress bei Alters-Patienten. Das bestätigen Forscher vom Memorial SloanKettering Cancer Center in New York. dass sich mit rhythmischen Reizen motorische Prozesse im Gehirn von außen steuern lassen.

„Der Herzschlag verlangsamte sich um durchschnittlich 5 Schläge pro Min. das langsam wieder zur Norm Dur Moll zurückgeführt werden dissonant konsonant muss. Wien 1986). Für Menschen. der Blutdruck kann bis zu 240 Millimeter/Quecksilbersäule steigen. dass Patienten beim Musizieren negative Gefühle ausleben können. Da beispielweise Trauer und Angst die Schmerzintensität steigern. sind Kreislaufstaccato legato großer Ambitus kleiner Ambitus und Herzüberbelastung akzentuierter Rhythmus melodischer Rhythmus die Folge. MediBlutdruck steigt fällt zin und elektronische Atmung steigt fällt Musik aus der Sicht eines Herzfrequenz steigt fällt Hautwiderstand steigt fällt Münchner Arztes. 46). der sich im berühmten „kalten Schauer“. Aufstellen der Haare und ähnlichen zeigt. Droge und Terror. handelt es sich zugleich immer auch um Indikatoren für emotionale Einflüsse durch Musik. deren Leben häufig nur noch vom Schmerz bestimmt wird. Zur ergotropen und trophotropen Wirkung von Musik: Nach einer bulgarischen Untersuchung wirkt klassische Musik mit dem Grundschlag 60 pro Min. die stärker waren als bei höchst riskanten Flugmanövern. Wenn das nicht polyphon homophon geschieht. 44) innere Sekretion (Drüsen) gehemmt angeregt Stefan Evers gibt eine Muskelspannung steigt fällt Zusammenfassung aller weit Pupillen eng nachgewiesenen Körperreaktionen beim Musikhören in seinem Aufsatz „Was geschieht bei Musikhören im 48 . S. von denen er selbst meinte. bedeutet das wieder ein Stück Selbstbestimmung.. die Behandlung aktiv mitzugestalten. Karajan z. Musiktherapeutische Umschau 2002. 304). schafft eine Verarbeitung dieser Gefühle Erleichterung und verringert dadurch das Leiden (aus: „Hören heute“. während er normalerweise bei 120 liegt. dass immer. das geschieht durch das musikalische Antistresshormon Eigenschaften: (ACTH). der Blutdruck sank. Neue periphere Durchblutung fällt steigt Musikzeitung. bei der Veränderung des Hautwiderstandes etwa. dass sie ihn besonders emotional berührten (Liedtke 1985. löst Tiefenentspannung bei gleichzeitiger geistiger Leistungssteigerung aus. Ein Beispiel für ergotrope Musikwirkung gibt Klaus-Ernst Behne in seinem Artikel: Wirkungen von Musik (Musik und Unterricht. 3 bei Stellen. zeigte vegetative Körperreaktionen.Die Musiktherapie bietet darüber hinaus dem Patienten durch eigenes Musizieren die Möglichkeit. beruhigend auf Körperrhythmen. S. durch leichtes Schwitzen. 7): in einer Untersuchung aus dem Jahre 1911 wurde bei einem 6-Tage-Rennen festgestellt.Ouvertüre Nr. die Beschleunigung steigerte sich bis zu 14%. Berieselungsmusik.Trostspenderin Tonuslage: Tonuslage: oder Nervensäge. Elisabeth Haselauer. Michael Schreiber: Körperreaktion: Sympathische parasympathische Musik . während des Dirigierens der Leonoren . dramatisch lyrisch (Vgl. die Radfahrer schneller fuhren. Ein weiterer schmerzlindernder Aspekt liegt darin. S. wobei die Messung der Gehirnwellen ein ähnliches Bild zeigten wie bei meditierenden Personen“ (trophotrope Wirkung) (Vgl. wenn die Band Musik spielte. Bei diesen Körperreaktionen sind Emotionalität und Körper nicht voneinander zu trennen. Oktober/ Verdauungsmobilität fällt steigt November 1988.B. feuchte Handflächen. Beim Hören von sehr lauter Musik entstehen Stressphänomene. Heft 18/1993.

konsonante Musik in Moll mit legato geführter Melodiebildung. angeregter Drüsen.herzharmonie. . wichtig zur Vermeidung von Schlafstörungen) und des Dehydroepiandrosteron aus der Nebenniere. mit großem Tonumfang. Bei eigenen Patienten konnte er nachweisen. abfallendem Muskeltonus.16-18): Körperliche Reaktionen sind stark von der individuellen Disposition des Menschen abhängig. sie können allerdings nicht verallgemeinert werden. Die körperlichen Reaktionen auf Musik stellen sich allerdings nicht automatisch ein. dessen Mangel bei vielen schweren Erkrankungen festgestellt wird (vgl.a.hmt-hannover. Atem. S. akzentuiertem Rhythmus und dramatischem Charakter ruft eine „sympathische Tonuslage“ hervor.menschlichen Körper? Zur Physiologie des Musikerlebens“ (Musik und Unterricht 7/1991. MU 1998. dass neben den Eigenschaften und Elementen der Musik auch der Vertrautheitsgrad. 107-120 ausführlich dargestellt. Singen stärkt das Immunsystem (vgl.. Hrsg.immm. Heal and T. 94. Des weiteren wirkt des Singen positiv auf den Magen. den Darm. 3-54) konnte nachweisen. melodischem Rhythmus und lyrischem Charakter eine „parasympathische Tonuslage“ hervorruft. bei der Blutdruck. während homophone. Wigram (Hrsg. 49 . bei der das Herz sich regenerieren kann. „die Fähigkeit des Herzens. mit Dissonanzen und Staccato-Klängen. dass Singen die Herzratenvariabilität. Bossinger zeigt auf. Dennoch kann folgendes grobe Reaktionsschema festgestellt werden: Polyphone Musik in Dur. dass zwischen dem Rhythmus regelmäßiger Klicks und Pulsfrequenz ein von ihm als „Magneteffekt“ bezeichneter Anpassungsprozess entsteht.und Verdauungstätigkeit und Verengung der Pupillen einher geht. 29-43) konnte bei Versuchspersonen. dass es darüber hinaus noch mit mehr Sauerstoff versorgt wird (vgl. beim Gesang kommt noch hinzu.. hierzu auch: Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens.pdf Gerhard Harrer (Das Musikerlebnis im Griff des naturwissenschaftlichen Experiments.). Norderstedt 2005.und Herzschlagfrequenz sowie Muskelspannung steigen. Bei der Gestaltung rezeptiver Musikbehandlungen müssen diese Faktoren neben der Beschaffenheit der gewählten Musik berücksichtigt werden (Applications of music in medicine.) Music Therapy in Health and Education. Norderstedt 2005) in entspannender. Louis 1993.“ zu stabilisieren vermag (ebd. Lutz Neugebauer (Musik als Dialog – eine Untersuchung zu physiologischen Veränderungen während der Musiktherapie. die miteinander Dialoge improvisieren hoch signifikante Übereinstimmungen zwischen der Herzfrequenz der beiden Musiker und dem Rhythmus der von ihnen gestalteten Musik feststellen. Die Wirkungen der Musik auf das Herz bestehen nach Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Blutdruck und Herzfrequenz senkender Wirkungen. kleinem Tonumfang. die Verdauungstätigkeit und Drüsensekretion abnehmen und sich die Pupillen weiten. löst Angst und Schmerz. 128 ff). geringerer Atem. außerdem unter www. http://www. die Sexualität. Es gilt kein mechanistisches Verständnis.: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. dass beim Singen verbesserte „Herzkohärenz“ auftritt. Vgl.de ). indem die Muskulatur entspannt wird. s. in: M. Stuttgart 1992. So kommt etwa Cheryl Dileo Maranto in einer Untersuchung über rezeptive Musiktherapie zum Ergebnis. die zeitlichen Abstände der Herzschläge kontinuierlich zu verändern. St. die mit fallendem Blutdruck und Hautwiderstand.und Herzschlagfrequenz. 157). ein optimal harmonisches Frequenzspektrum im EKG (ebd. der musikalische Geschmack sowie biographische Erfahrungen und Assoziationen für die Wirkung von Musik verantwortlich sind. die periphere Durchblutung.de/pages/presto0505. in : ders. 120 ff) und fördert die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen und insbesondere des Hormons Melatonin aus der Zirbeldrüse (u. 105).

Wien 1974. www. dass der ganze Körper als vibratorsicher Rezeptor dient. Dabei werden Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. 179. 2/91. Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. mit 50-60 Hz im Bereich des Brustkorbs und mit 60-75 Hz in Kopf und Nacken gespürt werden. PRAUSE. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. Schmerzlinderung. Berufsstress und bei Neurosen eintreten. VAN UHDEN weist darauf hin. 50 . Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. S. Münster 1997). bei spastischen Reaktionen.Unabhängig von diesen Faktoren lösen tiefe Frequenzen vibratorische Tonempfindungen im Körper aus. die ergaben. dass Niederfrequenzklänge mit 30-40 Hz. Köln-Rheinkassel 2001. Berufsverb. in Knöcheln und Waden.a. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle (Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. 68). Tony Wigram berichtet in seinem Aufsatz "Die Wirkung von tiefen Tönen und Musik auf den Muskeltonus und die Blutzirkulation" (Zeitschr. Östrr. Band 5. S. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle empfunden (zit. mit 40-50 Hz in Knien. 68). Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. Steigerung der Gedächtnisleistung und des psycho-physischen Gesamtzustandes (Hans Sittner: Musikerziehung zwischen Theorie und Therapie. 3-12) von britisch . Fallbeispiele belegen. Musik und Gehörlosigkeit. Siegen). Auch die Obertöne der verschiedenen Vokale bringen Zentren im Körper zum Schwingen: Das I schwingt im Kopfbereich Das E im HalsDas A im BrustDas O im Bauch.musiktherapie-sasp. Besserung bei Rheumatismus und verlängerte Schlafdauer herbeiführt. Band 5. d. n. dass Hilfe u. Manuela Carmen. Aus diesen Erkenntnissen wurde eine "Vibrations-Akustik-Therapie" (VAT) entwickelt.norwegischen Untersuchungen.und Das U im Gesäßbereich Inge Kritzer: Atem und Stimme.pdf Singen führt zur Verbesserung des Atemvolumens. Mthp. Schenkeln und Unterleib.de/material/forum/2. KölnRheinkassel 2001. Karl Adamek: Singen als Lebenshilfe.15. Aufgrund dieser Beobachtungen kann davon ausgegangen werden. die krampflösende Effekte. Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. Klänge versetzen den Körper in Schwingung. d. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. dass durch Musik und einzelne Klänge der Schwingungszustand des Körpers sowohl auf der Haut als im Körper verändert wird.

34) sollte zuerst die Aufgabe singend und nach der Pause nicht singend erledigen. insbesondere auch das Rosenkranz – Beten aktivieren Selbstheilungskräfte und befreien von Stress und Verspannungen (vgl. die zweite Gruppe erreichte bei ihrem zweiten Durchlauf ohne Singen lediglich nur 56% ihrer zuvor singend erbrachten Leistung. die einen ersten Testdurchlauf ohne Singen und einen zweiten nach einer halben Stunde Pause singend absolvieren sollte. steigert die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus’. 29 Frauen und 23 Männer im Alter von 16 bis 59. trainiert die Atemmuskulatur und Lungengewebe. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 37) bewältigten die Aufgabe ohne Singen. ebenfalls in zwei Abschnitten mit einer halben Stunde Pause dazwischen. Die Aufgabe bestand für alle darin. der zufolge Opernsänger ein größeres Lungenvolumen und eine effektivere Herzfunktion und eine deutlich höhere Lebenserwartung besitzen. Rezitieren und Beten. 25 Frauen. Adamek untersuchte drei verschiedene Gruppen: die erste Gruppe bestand aus 51 Personen (30 Frauen. 7. kann singend länger ausgehalten werden als nicht singend“ (185). 6. 5. 4. an waagerecht seitlich ausgestreckten Armen Gewichte von 500 Gramm so lange wie möglich zu halten.: Vokalspirale). „Eine körperliche Belastung. 95). Adamek spricht dem Singen eine Energie kanalisierende.Im „Readers Digest (Sept 1987.o. eine Energie generierende und eine Energie transformierende Funktion zu. Durchschn. 35). 3. Münster 1996. Singen von Mantren. Erstere betrifft das Abreagieren von Spannungen. Karl Adamek (Singen als Lebenshilfe. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr lang51 . das Atemvolumen wird vergrößert 8. 6) wird eine amerikanische Untersuchung zitiert. Entschlackung und Entsäuerung des Körpers. 2. Weiterhin beeinflussen die beim Singen beteiligten Vorgänge wie Atmung und Muskeltonus direkt vegetative Prozesse im Gehirn“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. - Die erste Gruppe konnte ihre Leistungen allein durch Singen um 132 % steigern. Durchschn. die zweite Gruppe (48 Personen. fördert damit die Entgiftung. ebd. zweites die Mobilisierung von Körperkräften und drittes die Umwandlung von psychischen Spannungen in Kräfte des Wachstums und der Genesung im musiktherapeutischen Prozess. das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato. Alter 16 bis 64. Norderstedt 2005. löst muskuläre Verkrampfungen und Verspannungen. 21 Männer) im Alter von 16 bis 60 Jahren (Durchschn. die beim Singen gesteigerte Zwerchfellaktivität stimuliert alle Organfunktionen in der Bauchregion. 180 ff) wies in einer empirischen Untersuchung nach. Norderstedt 2005) beschreibt ausführlich die Wirkung des Singens auf die Atemtätigkeit: 1. 97 f). eine Kontrollgruppe (52 Personen. sie bildet „eine ‚Hotline’ zum vegetativen Nervensystem. die nicht singende Gruppe lediglich um 73%. die gleichzeitiges Singen nicht ausschließt. 23 Männer. S. es verlängert den Prozess des Ausatmens. dass „durch Singen temporär die physische Leistungsfähigkeit erhöht“ wird. die Vokaltöne fördern die Durchblutung in verschiedenen Körperregionen (s. S. Die besonders intensiv belebende und/oder entspannende Wirkung des Singens entsteht aufgrund der direkten Verbindung zwischen „Kehlkopfmuskulatur und dem parasympathischen Vagusnerv“.

5. Bygren et al in: Bossinger 2007. Die Resonanzen von Vokalen (und auch von Strömungskonsonanten wie »sss« oder »mmm«) lösen Durchblutungsverbesserungen in ganz bestimmten Körperregionen aus. Aktive Sänger (z.): - - - - - - - - - „Singen intensiviert die Körperinnenwahrnehmung »durch die Vibrationen in den Hohlräumen des Skeletts und durch die Schwingungen der Körperflüssigkeiten« (Cramer 1998.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl. Hervorhebungen H. Speziell das wiederholte Rezitieren von tradierten Lautformeln. Durch die Atemintensivierung und verstärkte Zwerchfellaktivität wird eine Stimulation sämtlicher Organfunktionen in der Bauchregion angeregt und die Verdauung reguliert. fand bei Chorsängern eine Steigerung der Immunglobulins A auf bis zu 240% des Ausgangswertes.157f). S. Rittner. Bossinger 2007. Sabine hat in ihrem Aufsatz „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (MU 2008. Adamek 1999). 132)“.) Singen verbessert die Herzratenvariabilität (ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Herzens). Beck. 100 f). 5. sind gesünder und leben länger als der Durchschnitt der Bevölkerung (L. Singen weckt physische Kraftreserven (vgl.130f). Früher halfen dazu die Arbeitslieder.O. Singen stimuliert die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin (es lässt Menschen friedfertiger. Singen stimuliert das Knochensystem und unterstützt die Beweglichkeit der Gelenke (vgl. 52 . vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein). gesungenen Gebeten oder einigen spezifischen Mantras kann die Atmung auf 6 Schwingungen pro Minute einschwingen. 201-220) die Ergebnisse von Forschungen über die Wirksamkeit des Singens in der folgenden Liste zusammengestellt (215 f. 201). S.201). Singen kann überschüssige Magensäure reduzieren und die Durchblutung der Magenschleimhaut verbessern (vgl. die schmerzstillend und stimmungsaufhellend wirken). Singen stärkt das Immunsystem. Bossinger 2007. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern.samen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz).B. Er entdeckte auch Zusammenhänge zur inneren Beteiligung der Sänger: »Je leidenschaftlicher und hingebungsvoller die innere emotionale Beteiligung beim Singen. die viel und lustvoll singen. regenerierende Pulsationen herbeiführt (Herzkohärenz) (vgl.K. (Hier ist allerdings auch an aggressionssteigernde Kampflieder zu denken. S. Hierdurch wird ein Resonanzeffekt mit endogenen Rhythmen des Blutdrucks und des Herzschlages ausgelöst. Cramer 1998.148f). Opernsänger) und Menschen. S. Singen steigert die Endorphinproduktion (Endorphine sind körpereigene Opiate. umso stärker ist die heilende Wirkung« (in: Bossinger 2007. der diese Zusammenhänge an der University of California erforschte. der durch Rückkoppelungseffekte harmonische.

Mthp. In ruhigen. die die oberen Atemwege offen halten. den wir haben) sei „als totales Sinnesorgan“ bei der Wahrnehmung aktiv. „Der ganze Leib“. schwächer ausgebildet. Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. 3/2006. weichen. dass Menschen ihre gerade statthabende Befindlichkeit durch Musikwahl noch verstärken.3/88. „dass das Spielen des australischen Didgeridoo krankhaftes Schnarchen mildern kann. der wir sind. d. Wiesbaden 2001) hebt die enge Verbindung des Musikerlebens mit der Leiblichkeit hervor. das geeignet ist. In Bild der Wissenschaft 11/2001 wird von einem Versuch berichtet . die Körperrhythmen auf ihre doppelte Frequenz zu treiben. Östrr. Wir sind Leib. waren danach „tagsüber deutlich wacher und schliefen nachts besser. wie wir beim Einkaufen unbewussten Abläufen zum Opfer fallen. d. Lebenslagen zu perpetuieren . Berufsverb. träumerischen Situationen wählen die Leute auch entsprechende ruhige. weiche Musik. Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische Akkordeon-Weisen erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer wein als deutscher verkauft. die über vier Monate das Didgeridoo spielten. Und genau diese Muskeln werden durch die spezielle Atemtechnik beim Spielen des Didgeridoos stark beansprucht und intensiv trainiert“ („Bild der Wissenschaft“. Umgekehrt lässt ein hektischer Mensch im Auto. 53 . 11). der im „Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen“ mitschwingt (266 f). Teilnehmer an der Studie. aus dem Autoradio Musik in einem Tempo dröhnen. 21-27): „Wir beobachten. Schweizer Forscher um Milo Puhan von der Universität Zürich und Otto Brändi von der Züricher Höhenklinik Wald weisen in einer Studie nach.grundsätzlich und daher auch vermittels Musik. Barbara Haselauer schreibt in ihrem Aufsatz „Leise rieselt der Beat“ (Zeitschr. das ohnehin schon vibriert. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft verstärkt zu Flaschen aus Deutschland“ (72).Die enge Verbindung zwischen Musik und unbewussten psycho-physischen Vorgängen nutzen Werbestrategen in großem Stil. statt sie herabzusetzen. (nicht.“ Brändi erklärt sich den Effekt folgendermaßen: „Bei krankhaften Schnarchern sind die Muskeln. durch den Psychologen der Universität Leicester nachweisen. Es besteht also eine Tendenz.

4. Wut. um sich mit ihr zu trösten.“ Sie sollten angeben. dass insbesondere im Limbischen System lokalisierbare Neuronen .9) ist der Frage nachgegangen. Musik und Unterricht.): Jugend. in: Müller. während die andere Hälfte traurige Musik hört.) Diese Beziehungen zwischen emotionalem Erleben und Musikwahl korrespondieren mit Gesetzmäßigkeiten bei musikalischen Tagträumereien (Melodien. Schramm und P. Musikalische Fähigkeiten scheinen bei diesen emotional motivierten Musikpräferenzen kaum eine Rolle zu spielen (Musiktherapeutische Umschau 2002. einige. Wut oder Ärger (auch bei monotoner Hausarbeit) wird kontrastierende Musik nach dem Kompensationsprinzip gewählt. darunter sind keine Jugendlichen Jugendliche benutzen bei Wut und Ärger primär aggressive Musik.“ Impulse des nervus acusticus beeinflussen direkt die im Limbischen System "lokalisierten emotional aktivierenden Strukturen. Jedoch produzieren wir diese Melodien nicht immer richtig in Tempo und Tonlage son54 .a.) zu folgenden Ergebnissen: Ein Drittel der Befragten geben an." (S. 271 ff. Heft 18/1993. 164 ff.in 80 % der Fälle Melodien mit Text . etwa zur Bewältigung unangenehmer Stimmungen und Gefühle einzusetzen. Herma Petri-Wolde kommt in ihrer Dissertation „Wesen und Erscheinungsformen musikalischer Tagträumereien“ aus dem Jahre1958. um sich abzureagieren Bei Freude. in Vorb. zu letzterem eher die Knaben. (Hrsg. 20) Klaus-Ernst Behne (Wirkungen von Musik. Trauer. Eifersucht.einfallen. Das Ergebnis zeigt. durch die von allen Menschen "anscheinend gleich" verschiedene Emotionen wie Angst. Ein Vergleich zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. um sie zu kompensieren. Ein Drittel dieser Personen gibt an. bei Wut und Ärger keine Musik hören zu wollen. beispielsweise beruhigende Musik in Zuständen des Ärgers (überwiegend ältere Personen) Bei Trauer und Melancholie wählen 50% der Befragten nach dem Kompensationsprinzip lieber fröhliche. Stuttgart 1992) weisen darauf hin.sogenannte „neurophysiologische patterns. einer guten Freundin enttäuscht worden seien und nun stinksauer seien. Liebe. welche Art von Musik sie wählen würden. die einem im Alltagsleben unvermittelt und unwillkürlich in den sinn kommen. G. Freude. auf deren tiefenpsychologische Bedeutung übrigens bereits C. Musik und Medien. oder um in ihre Rachegefühle auszuleben. zu dem Ergebnis dass uns Menschen in bestimmten Stimmungslagen „unbeabsichtigt“ und scheinbar ohne ersichtlichen Grund Melodien . u. Melancholie. Weinheim und München. dass Kinder in einer solchen Situation entweder Musik einsetzen. 22) . die Trauerarbeit zu intensivieren und somit zu verkürzen. Zu ersterem neigen eher die Mädchen. R. schlechtes Gewissen etc. Vorderer (Musikpräferenzen im Alltag. erlebt werden (S. um die Trauer zu intensivieren. wenn sie von einem guten Freund bzw.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik Spintge und Droh (Musik-Medizin. Aufgrund von Leitfadeninterviews mit 21 Personen und einer repräsentativen teilstandardisierten Telefonbefragung von 150 Personen kommen H. Frauen sind bei dieser Gruppe stärker vertreten Ältere Personen greifen bei Melancholie und Trauer eher zu fröhlicher Musik Jugendliche hören dann vorzugsweise traurige Musik. Jung 1907 hinwies). 4 . Neid. wie Heavy Metal. aktivierende Musik. dass die Musik ihnen helfe. Ruhe und Gelassenheit wird stimmungskongruente Musik gewählt („IsoPrinzip“) Bei Trauer.Schaltkreise angelegt sind. Musik kompensatorisch. S. in welchem Ausmaß Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren „über Strategien verfügen.

dass Berufsmusiker Kompositionen so interpretieren können.B. dass die Melodieproduktionen stets einen positiven Effekt auf die Stimmungslage haben. bestimmten Gefühlen entsprechen bestimmte Körpergesten. die von ihnen als traurig oder fröhlich eingeschätzt wurde. also „stimmungsaffin“ produzieren. zu hoch oder zu tief. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden. oder es fallen ihnen beschwingte Melodien ein. wenn sie traurig sind. Musiktherapeutische Umschau 2003. Ärger und Angst waren nach dem Anhören der Musik deut55 . Trauer. Freude. 1998. je nach Gestimmtheit. Behavioural Process 60 / 2002. Trauer und Freude ausdrücken und als Zuhörer erkennen können. 125-145). zu schnell oder zu langsam. die die Studierenden selbst zu den Sitzungen mitbrachten (hauptsächlich populäre amerikanische Titel der frühen 1990er Jahre. Freude. S. Piesbergen und Tunner (Musikalisch . 133-155) berichten von einer Untersuchung der Stimmungsveränderung bei 16 Studenten im Alter von 19 bis 23 durch Musik. Anhand von Handzeichnungen zu bestimmten Gefühlen konnte Behne diesen Zusammenhang auch kulturübergreifend nachweisen (Musik . dass auch musikalische Laien in spontanen Improvisationen auf Xylophonen die Grundgefühle Wut.a. die sie aber zu tief und/oder zu langsam. Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain.dern. mittels Musik Gefühle zu kommunizieren zu können. Petri-Wolde hat bei ihren Versuchspersonen herausgefunden. dass der Gesang überhaupt zustande kommt. pendelten sich die Gefühle wieder im Bereich der Ausgangslage ein.Kommunikation oder Geste?. Im Verlauf der folgenden 20 Minuten. B. Handbewegungen. Hrsg. Dabei würden den Personen. An vier Messzeitpunkten der insgesamt vierzigminütigen Musik-Sitzungen sollten die Versuchspersonen auf einem siebenstufigen Selbsteinschätzungsbogen ihre jeweiligen Gefühlslage in Bezug auf Trauer. entweder traurige Melodien einfallen. Eine ähnliche Untersuchung führten Cordelia Volland und Gabriele Hofmann mit Erwachsenen sowie Kindern mit und ohne psychischer Behinderung anhand der Gefühle Freude. insbesondere auch diejenigen mit psychischer Behinderung Darstellungen von Gefühle besser erkennen können als Erwachsene (Darstellung und Erkennen des emotionalen Ausdrucks in musikalischen Improvisationen bei Kindern und Erwachsenen. Im weiteren Verlauf würden sie das Tempo beschleunigen und die Tonlage anheben. die in den Bewegungen der Klänge wiedererkannt werden. Musikpädagogische Forschung 1982. Solche psychodynamische Selbststeuerungsmechanismen können musiktherapeutisch genutzt werden. Jahrbuch der Musikpsychologie 13. wenn Liedauswahl sowie Tempo und Lage von den Patienten selbst bestimmt werden. Ärger und Angst angeben. die ihnen in den Sinn kamen und während derer sie nach jeweils zehn Minuten erneut ihre Stimmungslage angaben. Als musikalischer Stimulus diente die zufällige Auswahl aus Titeln. wobei der Therapeut nur insoweit behutsam begleitend mitwirkt. 69-81) konnten in einer Studie mit 20 Gymnasialschülern im Alter von 17 bis 20 Jahren sowie mit 74 Studierenden und Bediensteten einer Behörde nachweisen. bei negativer Stimmung Aufhellung. führt Klaus Ernst Behne auf das Phänomen der Geste zurück. bei positiver Ausgangsstimmung bewirke die Melodieproduktion gleichbleibende oder gesteigerte positive Stimmung. S.improvisatorischer Ausdruck und Erkennen von Gefühlsqualitäten. the neuro-affective foundations of musical appreciation. die kathartisch entlasten. dass Zuhörer die jeweils auszudrückenden Gefühle wie z. in Behne u. Wie zu erwarten hellten sich verstärkten sich die Gefühle von Freude und Trauer nach dem zehnminütigen Anhören der jeweiligen Musik signifikant. z. dass Kinder. Ärger und Feierlichkeit weitgehend identifizieren können. Dabei zeigte sich unter anderen. 205-214) Das allgemein menschliche Vermögen. wobei es zur Stimmungsaufhellung komme. während derer die Versuchspersonen Sachen aufschreiben konnten. Mergl. Trauer und Wut durch.

die während der symbiotischen Entwicklungsphase. Ekel. Verachtung.B. Lebenswoche der Entwicklung des Menschen. Münster 1996) GL + B + K + L Bi = ( 1 + S Trauma ) X (H + W + Ref + Bef) Bi Bewältigungspotential erste Klammer: Elemente der Ontogenese GL Die Erfahrung der Gestaltungsmöglichkeit durch Lautgebärden im Säuglingsalter B Intensität und Häufigkeit des frühkindlichen Singens mit der Mutter oder einer anderen Bezugsperson K Intensität und Häufigkeit von vergangenen und aktuellen Erlebnissen in der persönlichen Lerngeschichte. 113-119). die Beeinflussung interpersoneller Beziehungen im Sinne von Nähe und Distanz (Ist Musik die Sprache der Gefühle? Musik. Trauer. ob der betreffende Mensch Lieder singt oder nur „intonisiert“. 144-146). Harm Willms führte Befragungen bei psychiatrischen Patienten durch. Angst. die über B und K hinausgehen S Trauma Traumatische Verletzungen in Bezug auf das Singen in der persönlichen Lebensgeschichte zweite Klammer: Elemente der Aktualgenese H aktuelle physiologische Hörfähigkeit W aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Wahrnehmung Ref aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Reflexion Bef aktuelle physische und psychische Befindlichkeit 56 . In einem geringen Maße gab es auch einen musikalischen Bezug zu Angst und Überraschung. Trauer und Wut. Bei diesen Gefühlen handelt es sich um diejenigen. Überraschung. erscheinen und in dieser Zeit bestimmend sind. durch Intonisation (Singen) erreichbaren Bewältigungspotentials“ macht das Zusammenspiel der dabei wirksamen Faktoren deutlich: (Singen als Lebenshilfe. die beim Hören von Musik empfunden wurden. Es ergaben sich keinerlei Unterschiede zwischen dem Ausdruck von Gefühlen in der Improvisationsgruppe und den Gefühlen. also in der 4. in welchem Umfang Gefühle wie Freude. Schuldgefühle und Scham musikalisch ausgedrückt werden können. d. Neugier. Karl Adamek bezeichnet in diesem Zusammenhang Singen als die Möglichkeit zur Bewältigung von emotionalen Spannungen und schwierigen Lebenssituationen und Lebenslagen. Mitleid. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse aber eine sehr signifikante Beschränkung des Gefühlsausdrucks durch Musik auf die Gefühle von Freude. stiegen anschließend wieder an.h. in denen durch Singen kritische Lebenssituationen bewältigt wurden L Summe der Intensität und Häufigkeit aller vergangenen und aktuellen positiven Erlebnisse mit dem eigenen Singen in der persönlichen Lerngeschichte. Töne und Tonfolgen frei hörbar oder auch im Stillen vor sich hinsingt. blieben aber unter dem Ausgangniveau (vgl.lich reduziert. Allerdings hängt es sehr von den musikalischen Vorerfahrungen ab. Dabei spielt es keine Rolle. Auf diesem Hintergrund erklärt er beispielhaft soziopsychologische Phänomene wie z. Tanz und Kunst-Therapie 2004. bis 26. Wut. ob und in welchem Maße der Mensch diese Möglichkeit der emotionalen Regulation nutzen kann: Die„Formel des individuellen.

June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Viele Teilnehmer. Arbeitern und alten Menschen. Sie kam zu folgenden Ergebnissen: Vertraute Musikstücke wurden von den Testpersonen ähnlich wie von den Komponisten beabsichtigt aufgefasst. London 2000. wurde sie weniger differenziert beurteilt als vertraute Musik. die in ihrem Herkunftsland als fröhlich gilt. Springfield 1993) spielte Hörproben aus Europa und Asien verschiedenen Gruppen von kaukasischen Testpersonen vor: Studenten. Warum auch immer: Schüler sind deutlich weniger bereit. The Wounds that Sing. War die Musik unvertraut. vor allem die Schüler. 57 . erkannten in unvertrauter Musik keine Ausdrucksqualität und hielten sie für dumm und bedeutungslos.4.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens Ruth Bright (Cultural aspects of Music Therapy. 226). in asiatischer Musik einen Stimmungsausdruck wahrzunehmen als Erwachsene (vgl. In einem Fall hielten die meisten Hörer eine Musik für traurig.

Das Ohr hingegen erweist sich als das einzige Sinnesorgan. Östrr. wie wir sie wahrnehmen.. „aus der Fülle der uns umgebenden Geräusche und Klänge wählt unser Ohr“ aus. dass das Phänomen des Hörens letztlich ein Geheimnis bleibt (so wie das Leben)“. 40) Zu diesem Phänomen siehe auch das Kapitel „Das Ohr rechnet“ in: J. Reinbek 1985 Auf das Hören als kreativen. 3. Jörg Harries führt in seinem Aufsatz „Musikerleben als Herausforderung“ (in: Hermann J. Wittgenstein zitiert in seinem Aufsatz „Kunst . Mthp. „Alle Antworten auf die Frage ‘was ist Hören?’ müssen unvollständig bleiben und führen immer zu neuen Fragen. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft zu Flaschen aus Deutschland“ (Bild der Wissenschaft 11/2001.. der mir etwas sagt." Kunst sei von ihrem Ursprung her wesenhaft dialogisch: "alle Musik ruft einem Ohr. „Der Mensch hört nicht etwas.“(72. S. unsere Erfindung und für diese Wahrnehmung seien wir selbst verantwortlich. S. sondern ein wahrgenommenes Geheimnis. Kaiser (Hrsg. das die Fähigkeit besitzt. 2." (S. 1/89. "wenn mir ein Mensch begegnet. Wie Musik unser unbewusstes Handeln beeinflusst.): Musikalische Erfahrung.E. sondern immer auch gleichzeitig um die Lebensmethode und das Selbstkonzept. das nicht das eigene des Musikers. Das Ohr nimmt eine kreative Rolle „als ein Informationen suchendes Wesen“ ein. Mainz 1940. sondern er schafft aktiv und individuell das. Sie alle sagen dem Empfangenden etwas. konnten Psychologen der Universität Leicester zeigen: Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische AkkordeonKlänge erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer Wein als deutscher verkauft. mit "schwebender Aufmerksamkeit" (Freud) Wahrnehmen als "Innewerden" = dialogisch. 12) 58 . d. Berendt: Das dritte Ohr. 20-25) hin. das der musikalischen Erfahrung und „ihrer Art und Weise der Wahrnehmung zugrunde liegende Selbstkonzept“ also den „Erlebenden selbst.. schöpferischen Vorgang weist Werner Pütz in seinem Aufsatz „Auf der Suche nach der verlorenen Ganzheit“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. Abmessungen und Proportionen mit unfehlbarer Zuverlässigkeit zu erkennen und zu beurteilen. Berufsverb. Essen 1992. das nicht das eigene des Bildners ist. 72).Therapie und Kunst – Therapeuten“ (Zeitschr. alle Bildnerei gilt einem Auge.4. Es gehe nicht nur um die Art des Musikerlebens..“ ( Paul Hindemith: Unterweisung im Tonsatz.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens Paul Hindemith weist auf die besondere Beschaffenheit des Ohres hin: „Das Auge und das Tastgefühl können Größenverhältnisse und Mengen nur aufgrund der Erinnerung und des Vergleichens mit anderen Größen annähernd genau abschätzen.nicht ein Gefühl. Wahrnehmen als Betrachter = analogisch. was er hört als ein Zusammenspiel in ihm liegender Fähigkeiten mit einem äußeren akustischen Angebot“.73) O. 10-14) Martin Buber. der 3 Arten der Wahrnehmung kennzeichnet: Wahrnehmen als Beobachter = katalogisch 1. Auch das Gefühl für die zeitliche Ausdehnung erlaubt uns nur Urteile von ungefährer Treffsicherheit. Eine kognitionspsychologische Beschreibung des Hörvorgangs verdeckt eher. Heft 49/1989. d. 66-82) diesen Gedanken weiter: Musik sei.G. . das von außen auf ihn eindringt. S. was eben nur in dieser Sprache sagbar ist. Hören als „höchst aktive und individuelle Tätigkeit“ ist „von Anfang an bereits als interpretierender Akt zu verstehen“.

die ihr eigenes Tempo. „dass sie in das Zeitgefühl und in das Zeitbewusstsein des Menschen eingreift und es durchgreifend modelliert. die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit. 181-205). 157-166) die Zeiterfahrung in der Musik auf musiktherapeutische Problemstellungen angewandt. G. .4. „in gleicher Zeit etwas zu erleben. Ästhetik. und verschmelzen. S. die gemeinsame Einteilung von Zeit zu akzeptieren. sie löst sich auf in der Zeit (Musikpädagogik in der Sozialen Arbeit. 161). die gleiche Identität anzunehmen“ (Willms s. also wiedervereinen. So geht es auch in der Musik um beides. immer Spannung. Eine eigene Zeiteinteilung zu haben sei Ausdruck des autonomen Selbst (Individuation).. aber bereits innerlich Vorgehörtes zusammensetzt. bedeutet Vereinigung und nähert sich dem Zustand vor dem Bewusstsein von Zeit. David Aldridge: „Leben als Jazz“ (in: Haase.“ Für Wickel erschließt sich Musik „als Zeitkunst“ und als „gestaltete Zeit“ in ihrer „Ganzheit. H.K.u. Crossen 2005. Gegenwärtigen. deren Inhalt die Zeit ist. in der Evolution.11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ „Musikzeit ist eine intensiv erlebte Zeit“. das Eintauchen in die gleiche Zeit. eine ganz besondere Bedeutung zu. an der gemeinsamen Zeit teilzunehmen. etwa drei Sekunden beträgt (vgl. dass die Zeitdauer. „Das Leben bedeutet auf den Tod zuzugehen also sterben. geradezu als eines ihrer Grundmerkmale angesehen werden können. die Wirksamkeit von Musik besteht darin. Wenn man bedenkt. also gerade Ertönendes und noch zu Erwartendes. S.. Heft 14. im Ästhetischen ist häufig der Umweg die in Wahrheit kürzeste Verbindung. Die Frage nach der zeitlichen Seinsweise der Musik lässt sich nicht trennen von der Frage nach der Seinsweise des Menschen. 141). die vom Kurzzeitgedächtnis noch als psychologische Gegenwart erlebt wird. 4-11) an diese Kennzeichnung der Musikerfahrung als Zeiterfahrung den Hinweis auf die enge Beziehung zwischen Musik und den elementaren Grunderfahrungen des Lebens an: „Da der spezifische Umgang mit der Zeit . ein Ziel zu avisieren. 1994: Evidence of a time constant associated with movement patterns in six mammalian species.. Ulrike und Stolz. kommt einer Kunst. So gibt es immer gegenläufiges. 482) bezugnehmend auf: Gerstner. Gegenwart und Zukunft. L. immer beides: die Zeit aufhalten und das Verrinnen der Zeit. also strukturieren. In der Therapie versucht man heute zumeist. In: Ethnology and Sociobiology 15.. Im Leben.. modellhaft dafür 59 . weil „Prozesse der Durchdringung von Gegensätzen . Antje (Hrsg. „Ein einmal erklungener Ton verschwindet unwiederbringlich im Medium Luft.die Unterscheidung von Vergangenheit. S.) Improvisation – Therapie – Leben.. um es sodann auf dem effizientesten Weg schnell zu erreichen.“ (Verschmelzung/Auflösung) Nach Martin Drewer (Gestalt. Das Schema der Gravitation. Um trennen. Harm Willms hat in seiner Arbeit „Umgang mit der Zeit und musikalisches Verhalten bei Zwangsneurotiker“ (in: Klaus-Ernst Behne (Hg.. Regensburg 1991.“ Reinhard Schneider knüpft in seinem Aufsatz „Musikzeit“ (Musik und Unterricht. Musiktherapie.ein musikalischer Prozess ist eine Art Zeitreise. also bereits Verklungenes. des Lebens und des Todes ein Hauptmerkmal der menschlichen Existenz ist. indem Vergangenes. Münster 1998. Musik ist geordnete Zeit. 1992. die Messung und Planung von Zeit. des technischen Zeitalters. Und gemeinsam musizieren (oder Musik hören....): Musikwissenschaft als Kulturwissenschaft.) bedeutet. eine musikalische Gestaltung bleibt damit streng genommen einmalig und unwiederholbar. Münster 2000) hat Musik mit „ökologischer Zirkularität“ zu tun. Anfang und Ende hat. & Goldberg. die Phasen der Beschleunigung und Beruhigung.

Melodie (als Abfolge verschiedener Tonhöhen) und Harmonie (als gleichzeitiges Erklingen verschiedener Tonhöhen) stellen Quantensprünge des Rhythmus dar. denn es ist jedes Mal ein anderer Tag und eine andere Nacht. etc Kosmische Rhythmen. dass sich Musik besonders hinsichtlich ihrer rhythmischen Qualität „als wirkungsvolles und dabei subtiles Kommunikationsmittel“ darstellt. und Rhythmus selbst ist strukturierte Zeit. Vom Standpunkt eines konservativen Unternehmers wäre das pure Verschwendung“ (108 f). Crossen 2005. ein Flugzeug oder die Hochgeschwindigkeitstrasse. sondern wie schnell. Rhythmus. Umwege verstärken die Spannung und erzeugen so erst die Sehnsucht nach ihrer Entladung.Ton. Hätte der Weg noch Erlebniswert. (stimmen.unser Verkehrswesen: Die schnellste Verbindung zwischen Hamburg und Berlin sind eine gerade Autobahn. aus der Ordnung von Raum und Zeit ins konturlose. ist dadurch knapp geworden. heute nicht mehr zirkulär begriffen. Tag und Nacht. Tonhöhe. Planetenphasen etc Mikrorhythmen in der Materie MUSIK Makrorhythmen in der Materie David Aldridge hebt hervor. installierte den Wechsel. Entwicklungsphasen. Ms. Antje (Hrsg.) Improvisation – Therapie – Leben. Zeit. Auflösungen verzögert und verschoben. wir könnten aus der Welt herausfallen. Puls. übereinstimmen. Bei Luis Zett heißt es: „Was gibt uns der Rhythmus? Ist es das Gefühl des Versichert seins – versichert gegen die dumpfe Angst. Elemen. das niemals gleich ist. Melodie. das Gleiche. unv. so reichte eine einfache Landstraße. auch ein Elektron schwingt im Takt. 473-487). das sich „isomorph“ zum Lebensprozess verhält Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase.Atome Moleküle Ober.Rhythtarteiltöne höhe mus chen Klangfarbe Form Lebensrhythmen Atem. auch in der Musik bestimmt nicht der Wunsch. Lautstärke 1 60 . Ulrike und Stolz. Weder die biologische und die menschliche Evolution noch die Sozialgeschichte scheint dergestalt verlaufen zu sein.“ Musikalische Parameter: die Eigenschaftsmerkmale der Musik Klangfarbe. Entscheidend ist aber nicht mehr wie wir irgendwohin gelangen. Jahreszeiten. Verläufe werden gedehnt. 2003. „Beim Zuhören bewegen wir uns synchron zu der Artikulationsstruktur des Sprechenden. Was sagt uns der Mythos? Schon am Beginn der Genesis schied Gott Tag und Nacht. 54) Alle Musikalischen Parameter1 Klangfarbe. die Wiederkehr. zu einer schnellen Lösung zu gelangen. haltlose Chaos? Oder ist Rhythmus ganz einfach ein biologischer oder überhaupt stofflicher Grundfaktor? Auch eine Zelle hat ja ihren Lebensrhythmus. Zeiteinteilung. Harmonie. einstimmen.

um innere Bedürfnisse und äußere Anforderungen zu bewältigen. der dynamisch und von musikalischer Struktur ist. mit der eine Person diese Anforderungen bewältigt. 61 . kreative Dialoge innerhalb der einzelnen Person gefördert werden. Es könnten alternative. Durch die Musiktherapie erhalten die beteiligten Personen außerdem die Möglichkeit. bei dem die Person in ihren Möglichkeiten eingeschränkt ist.) Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. damit sie nicht von sich selbst oder von anderen Personen entfremdet werden..) ein wirksames Mittel darstellt. Menschliche Aktivitäten sind grundlegend als Hierarchie rhythmischer Anpassungsprozesse organisiert. Vielleicht kann man Krankheit als einen Zustand beschreiben. neue Lösungen für ein Problem zu entwickeln) oder nur ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsformen besteht. erhält man eine Zeitstruktur.“ Maschinengeräusche können einen solchen Kontext nicht herstellen. aus welchem Fachbereich sie kommen.h. „Eine kreativ gestaltende Musiktherapie bietet die Möglichkeit. Indem man mit dem Patienten singt oder musiziert. ihr Selbst im Sein. Physiologische.“ dienen entscheidend „zur Konditionierung der Wahrnehmung von Rhythmen. Darüber hinaus sind alle „grundlegenden Elemente menschlicher Kommunikation (. psychologische und soziale Aktivitäten finden in einem zeitlichen Kontext statt. auch in Beziehung zu einer anderen Person zu hören.. wie wir mit unserer Umgebung interagieren.“ Diese Erfahrungen von Periodizität bilden sind die Grundlagen jeglicher Art von Kommunikation. und zwar innerhalb des Individuums als Selbstsynchronisation und in Beziehungen als interaktionale Synchronisation. Durch die Förderung der Entwicklung von kreativen Reaktionsformen ließen sich dann die Möglichkeiten für eine Genesung schaffen“ (485). dass eine Therapie mit improvisierter Musik (. Singenden bzw. So kommt es zu gemeinsamen Bewegungsmustern die nicht nur eine gemeinsame Hirnaktivität darstellen sondern gleichzeitig „eine Interaktion zwischen Person und ihrer Umgebung. Auf diesem Wege könnten die Künste wie auch die Wissenschaft die medizinische Praxis bereichern“ (485).. Ihr Schlüssel ist die Periodizität der Vitalrhythmen Puls und Atmung. Dennoch sind Verstehensprozesse Möglich.“ (. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut. um Kommunikation im Sinne einer personellen und interpersonellen Integration zu fördern. dazu angeregt werden. Die Klänge.„Jeder synchronisiert die Rhythmen erst für sich. die zu verbaler Kommunikation nicht fähig sind.) musikalischer Natur.. sich konkret in der Zeit zu erfahren. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt.“ Beim „Zusammenbruch der Synchronisation des Verhaltens tritt das Pathologische hervor“ (484).. im wahrsten Sinne des Wortes. Wir können hören. dann wird vielleicht beim musikalischen Improvisieren auf akustischem Weg Kreativität vermittelt. Wenn das überleben des Menschen bestimmt wird von dem Repertoire an flexiblen Reaktionen. Demzufolge kann man annehmen. sondern um einen Ausdruck dafür.. Das wir besonders bei der Arbeit mit Menschen im Koma deutlich. „in dem sich Menschen als gegenwärtig erleben und ihre Bewegungen dadurch koordinieren. Zudem sollten Kliniker unabhängig davon. Spielenden ein“ (478). Sie bieten den Ausgangspunkt für die Musik des Therapeuten. den musikalischen Komponenten der Kommunikation Beachtung zu schenken. dann geht der Zuhörer auf die rhythmische Struktur des Sprechenden. die einen solchen Kontext bietet“ (482). auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. sie hören. kreativ zu improvisieren (d. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden.

Diesen Augenblick müsse man „zerdehnen“. . so dass mit dem veränderten Zeitempfinden auch veränderte Bewusstseinszustände möglich sind. Wiesbaden 2006. so folgert Shushanik Sukiasyan. 101-117) kennzeichnet Shushanik Sukiasyan das seelische Befinden des Patienten als „eingeengten Zustand. Auf diese Weise kann sich die subjektiv erlebte Gegenwart des Musikerlebenden weit in Vergangenheit und Zukunft hinausdehnen. Indem man ihn aber mit den jeweils folgenden in einen sinnvollen Zusammenhang bringt. Die Musik kann in diesem Zusammenhang als Zerdehnung des Augenblicks verstanden werden. „dass die in dieser Lebensmethode kristallisierten Stockungen und Probleme einen breiteren Ausdruck bekommen. in dem er nur seine Probleme wahrnimmt“ (105). Das lässt sich auch auf die Erfahrung des formalen Geschehens übertragen: Formteile oder Motive werden wiedererkannt und fügen sich im Erleben des Hörers zu übergeordneten Strukturen zusammen. Dadurch hat der Patient die Möglichkeit während der Improvisation sowohl die problematischen Formenbildungen als auch Lösungschancen (. deren sinnvolle Eingliederung in die sich vollendende Gesamtgestalt der Hörer erwartet. der im musikalischen Augenblick geschieht. wird es möglich. Jahrbuch Musiktherapie. wodurch ihm „eine andere Sichtweise auf seine Probleme und sein Leiden“ eröffnet werden kann (106). 62 .. „in der musikalischen Improvisation der Musiktherapie eine unmittelbare Möglichkeit der Zerdehnung des seelischen Augenblicks erleben“ (111). die ganze Melodie als Gegenwart zu empfinden. zu benennen und sich damit auseinander zu setzen“ (112).) gleichzeitig in der Gegenwart wahrzunehmen.Die Patienten können.. was die Autorin an der „Analyse des Melodischen“ veranschaulicht: Im Moment hört man immer nur einen Ton. Gleichzeitig bringt die musikalische Improvisation „das Typische der Lebensmethode“ hervor und ermöglicht durch den Prozess der Zerdehnung.In ihrem Aufsatz über „die Zerdehnung des seelischen Augenblicks und den zerdehnten Musik-Augenblick am Beispiel psychosomatischer Patienten“ (in: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg.

Sowohl Luther wie Beethoven litten an quälendem Ohrensausen. S. indem sie ihn einzuordnen versucht in einem größeren Sinnzusammenhang. gleichfalls hohe Sensitivität für autoritäres Vatergehabe zeigten. die als Ausgeliefertsein oder ausgesetzt Sein erlebt werden muss. die angenehmer sind: die beruhigende Stimme und das Singen der Mutter. 20-40). vor den Stimmen der magisch-allmächtigen Eltern. d. dass das Kind an der sprachlichen Verständigung teilhaben kann. dass die ursprüngliche Übereinstimmung mit der Mutter im frühkindlichen Zustand der Symbiose vor und jenseits aller sprachlichen Verständigungsbemühungen verloren gegangen ist. dem Geräusch.hätte der Mensch nur Augen. dann hätte er keine Religion. dass der Schmerz die „ursprüngliche Quelle der Musik“ sei (Dezsö Mosonyi. Berufsverb. 3/1989. denn im Schmerz werde die Musik als wirksame Kraft erlebt. Insofern kann man auch sagen. Stuttgart 1982. 63 . (S.. 207). beruft sich auf sie und hält an ihr fest. Kind und Glaube. nimmt der Klagegesang „den erlebten Schmerz auf und bindet ihn ein in die im Gesang körperlich nah vergegenwärtigte Erfahrung des Geordneten. De Mendelssohn hat beobachtet. Stuttgart 1975. Etwas später macht der Säugling auch noch andere akustische Erfahrungen. Das Wiedererkennen bedeutet außerdem ein Lusterlebnis da es möglicherweise entstandene Angst wegen des Nichtvorhandenseins der Mutter wieder löst.wir denken auch an gehorsam.) Umgekehrt schreit der Säugling bei Erfahrungen von Unlust und lernt bald. in der der Säugling Geräusche im Gegensatz zu anderen Reizen erlebt: „Bei optischen Reizen kann er die Augen schließen. 73) Für Sigmund Freud ging es bei der „Verbindung der Hörsphäre mit der Angst“ um die Angst „vor dem Über-Ich. S. Hände.4. und einer als bedrohlich erlebten Außenwelt. Guten und Sinnhaften. die schreckhaft auf Geräusche reagieren. dass sein Schreien die Mutter herbeiruft.und Musikerlebnisse des Menschen mit der Erfahrung von Angst und ihrer Bewältigung. Zeitschr.“ (Felix de Mendelssohn: Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. gleichzeitig enthalte sie aber auch den Schmerz darüber.“ Feuerbach schrieb 1851: „Das Ohr ist das Organ der Angst..B. denn all jene Sinnesorgane sind Organe der Kritik und des Skeptizismus.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens Viele Autoren verbinden frühste Klang. S. Geschmacksund Geruchssinn.“ (Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen. Dem Geräusch gegenüber besteht jedoch eine gewisse Wehrlosigkeit. dass auditive Patienten (insbesondere Frauen). Das Kind erkennt die Stimme der Mutter wieder und wirkt durch die konstante Zuwendung beruhigt. prägt. S. So z. sich zu entziehen. Mthp. verändert und mit diesem akustischen Eingriff in die ihn umgebenden Klangwelt seine Lebensumstände verändert (die Mutter kommt herbei und wendet sich ihm zu). gehorchen und Hörigkeit. So kommt es zu einer frühen Verbindung zwischen dieser präverbalen akustischen Erfahrung.“ (Frieder Harz: Musik. in: IMAGO. Harm Willms weist auf die Besonderheit hin. Leipzig 1935. S. Er macht die Erfahrung.. mit Befriedigung verbunden. 21. die ihn füttert und trocken legt usw. 25 ff. Östrr. bei taktilen Reizen ist es ihm nach wenigen Tagen bereits möglich. dass er mit Hilfe seiner eigenen klanglichen Äußerung die bedrohliche klangliche Außenwelt beeinflußt. auf der einen Seite sei die Erfahrung. Und Luther sagte: In der Kirche Gottes wird nichts verlangt außer hören . Die irrationalen Grundlagen der Musik. 32) Er weist auch auf die zwiespältige Erfahrung beim kindlichen Spracherwerb hin. d.

(im Dienste des Ich) auf der sich innerpsychisches Geschehen Phantasietätigkeit und Tagabbildet) träumerei. Teile von sich in der Musik wieder. die Musik wird zu einer Projektionsfläche. zu dem wir in unserer analytischen Arbeit mit Patienten nur selten gelangen. Klausmeier (1984) hat die Prozesse des Musikerlebens mit den neun Gesetzen. Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. 224) Friedrich Klausmeier (Die Lust. Beide psychischen Aktivitäten. (S.. Erfahrungen intensivieren und vertiefen und psychische Abwehrmechanismen durchbrechen. „nicht aber –wie man annehmen würde. (S. er erlebt musikalische Prozesse.lässt mich fühlen. Die Erfahrung. Jung: „Das eröffnet eine ganz neue Forschungsrichtung.“ (S. stellt man fest. Insofern hat die Musik „für jeden einzelnen. Regression Gefühlszustände zurückgeht. als wären sie seine eigenen seelischen Bewegungen. die Musik wird zur Projektionsfläche. sondern lässt die besondere Bedeutung der Musikerfahrung für tiefenpsychologische Prozesse aufscheinen. 154) Nach Claudia Schumann (Musiktherapie und Psychoanalyse.in verschlüsselter. 64 . 231) (wir gehen auf frühere Überhaupt kann Musikhören mit der Phantasietätigkeit. sich musikalisch auszudrücken. Traumtätigkeit verglichen Tagträumerei) werden. als wären sie unsere eigenen seelischen Bewegungen) Erlebnisweisen und Gefühlszustände zurück.G. bzw. dass Musik „einzigartig mit der psychischen Energie“ korrespondiert. eine ganz individuelle Bedeutung. der sie hört oder ausübt. die Freud für Identifikation (wir erleben die musikalischen Prozesse. Dann träumen die Versuchspersonen von ihr als solcher. die Projektion und die Identifikation vollziehen sich im Zustand der Regression im Dienste des Ich. 31) Nach Stanislav Grof (Das Abenteuer der Selbstendeckung. Wenn man dem energetischen Modell Freuds folgend beim seelischen Geschehen zwischen Primärprozessen (Prozessen des Unbewussten) und Sekundärprozessen (bewusste Prozesse) ausgeht. belegt nicht nur die zuvor ausgeführten neurophysiologischen Vorgänge. Gerhard Hrsg. die beim Musikhören wirksam werden: die Projektion und die Identifikation. von der ich mir nie hätte träumen lassen..Boris Luban-Plozza bringt in seinem Buch „Musik und Psyche“. Die Musik wird also ohne die sonst übliche Übersetzung in die Traumsprache direkt in den Trauminhalt übernommen. Sie gelangt zu tiefem archetypischem Material. Stuttgart 1992). ohne das Tor des Verstandes passieren zu müssen. Das legen auch Untersuchungen von Träumen nahe. München 1987) kann das Musikerleben alte Emotionen mobilisieren. bei der Identifikation erlebt der Hörer sich. als wäre es außerhalb des Hörers. Basel 1988 folgendes Zitat von C. was Sie mir heute gezeigt haben. symbolhafter Form. auf der sich psychisches Geschehen abbildet. dass Musik von jetzt an ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Analyse sein müßte. Harrer. Freiburg 1982) sind musikalische Erfahrungen „mit Erlebnissen oder Erinnerungen aus meist sehr frühen Stadien der individuellen Entwicklung“ verknüpft. sozusagen direkten Eingang in die für die Steuerung der Emotionen und vegetativen Vorgänge verantwortlichen Hirnstrukturen findet“ (32).“ (S. in denen Musik als Trauminhalt auftaucht (vgl. Reinbek 1978) nennt als psychische Aktivitäten. bei der Projektion legen wir etwas in die Musik herein. Das. dass gerade die zum Teil aus primitiven Kulturkreisen stammende Musik. bei der der Hörer auf Projektion frühere Erlebnisweisen und (Wir „legen etwas in die Musik hinein“.

als es eine Freude spendende Form des (Verstand. Der Zuhörer wiederum entschlüsselt diese musikalischen Symbole und erlebt dabei eine ähnliche Ersatzbefriedigung wie der Musiker (347 f).243). 115-129). S.Funktion Unterwerfung unter eine Reihe ästhetischer Regeln (Moral) drückt sich in der (Harmonielehre) oder auch in kreativem Umgang Harmonie mit ihnen (Rebellion). Ich und Über-Ich (Vitalität. Musik wird als „Ersatzbefriedigung der Triebe in der Phantasie“ bezeichnet. wodurch der Musiker ein aus (im „richtigen“ Zusammenklang Gefühl von Befriedigung und Sicherheit erhält. 2. Ich und Über-Ich. Wille) drückt sich in der Beherrschens beinhaltet. Gießen 2002) in der Zeit von 1910 bis 1950 auf die sexuelle Triebdynamik. Es gibt keine Konditionalia oder einschränkende Negationen 6. 3. Musiktherapeutische Umschau 1984.Funktion psychischen Funktionen Es. nach den Regeln der „das verwandt ist mit der moralischen Befriediästhetischen Konvention oder dem bewußten Verstoß gegen diese). 8. 4. recht gehandelt zu haben“ (Heinz Kohut: Introspektion. Arbeiten über psychoanalytisches Verständnis von Musik beziehen sich nach Bernd Oberhoff (Psychoanalyse und Musik.den seelischen Primärprozess festgestellt hat. verglichen und dabei viele Übereinstimmungen entdeckt. Zunächst verläuft die primärseelische Logik wie „alle Musik in der Zeit als Energiestrom ab und korrespondiert damit einzigartig mit der psychischen Energie“ (123). 9. Der psychische Primärprozess und die musikalische Interpretation. Es kann mehreres gleichzeitig geschehen. Empathie und Psychoanalyse. Musik ist (im Gegensatz zur Sprache) präsentative Symbolik. 1977. Friedrich Klausmeier.Ich . die Beziehung zur Über-Ich-Funktion vollzieht sich in der Über . Die neun Gesetze im einzelnen können folgendermaßen auch im musikalischen Geschehen wiedererkannt werden: 1. in Beziehung zum Ich steht das Musikerleben Ich . und geordnet wahrzunehmen). Opladen 1998) erläutert die Entstehung von Musikpräferenzen als Ergebnis tiefenpsychologischer Prozesse im Spannungsfeld zwischen Es. Gegenstände können stellvertretend füreinander stehen. indem Musik sinnliche Lust verschafft. insbesondere in der Melodie Melodiebildung. 7. gung. ergibt sich nur aus dem Zusammenhang. Ob etwas positiv oder negativ gemeint ist. Gegensätze können friedlich nebeneinander stehen. die mit aus (Ausagieren motorischer Impulsivität). Nach Heinz Kohut ist das Musikerleben mit den ES . In: Dieter Baake (Hrsg. selbst durch die Fähigkeit.) Handbuch Jugend und Musik. Sexualität) drückt sich im verbunden. 218 . Frankfurt/M. Rhythmus insbesondere in der Rhythmuserfahrung. Eine Bestandsaufnahme. Es gibt keinen Ausdruck von Abwesenheit und Negation 5. wobei der Musiker oder Produzent seine Triebproblematik in musikalische Symbole verschlüsselt und sich dadurch von seinem Es-Über-Ich-Konflikt befreit. Sexualität in Beziehung steht (Es-Funktion). Sie existiert nur in der Gegenwart. verschiedener Klänge. In Teilen zeigt sich das Prinzip das Ganzen (Verdichtung) (vgl. selbst Klänge hervorzubringen Klänge hervorzubringen und sie geordnet wahrzunehmen). von 1950 bis 1975 auf die Bewältigungsmechanismen 65 . Rainer Dollase (Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher.Funktion insofern. (Überwindung von Geräuschangst aus (die Freude spendende Fähigkeit.

ob es sich bei Musik und beim Instrument um ein Übergangsobjekt oder um ‚bloße’ Objektbesetzung handelt: Das Übergangsobjekt ist durch den intermediären Raum gekennzeichnet. 403). erlaubt der Patientin ein Regredieren auf eine frühkindliche Ebene. Wiesmüller. Es verliert im Laufe des Therapieprozesses an Bedeutung.des Ichs und in der Zeit danach auf die präverbalen Prozesse der Mutter-Kind-Beziehung (vgl. Die Objektbeziehung muss nicht an Regression gebunden sein und kann sämtliche Entwicklungsstufen mit ihren jeweiligen Objektbeziehungen repräsentieren. Das an Regression gebundene Übergangsobjekt tritt nur in solchen Zuständen in Erscheinung. 2005. die von der Therapeutin respektiert und geschützt wird. Musiktherapeutische Umschau 2003. Bei Objektbesetzungen dürfen seitens der Patientin andere die Musik und das Instrument verwenden und verändern. Diese Sphäre. 39-49) auf die Bedeutung und musiktherapeutische Relevanz von Objektbeziehungen hin. Edith weist in ihrem Aufsatz „Zum Umgang mit den Begriffen Übergangsobjekte und Objektbesetzungen in der Musiktherapie“ (Musiktherapeutische Umschau. Anhand von Übergangsobjekten und Objektbesetzungen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet und anhand von Therapiebeispielen beschrieben: „Im musiktherapeutischen Prozess sollte die Therapeutin wissen. Die Objektbesetzung ist dynamisch und kann innerhalb des Therapieprozesses ‚kommen und gehen’“ (49). Das Übergangobjekt hat Anfang und Ende. 66 . Das Übergangsobjekt darf seitens der Patientin im musiktherapeutischen Geschehen von der Therapeutin und den Gruppenteilnehmern meist nicht verwendet (gespielt) werden. Ludger Kowal-Summek.

) Handbuch Jugend und Musik. In: Dieter Baake (Hrsg.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens Beim klassischen Konditionieren Musik. 349 67 .4. Musik. die in erfreulichen Situationen gehört wurde. wird positiv bewertet Beim operanten Konditionieren wirkt die Anerkennung von Gleichaltrigen für den Kauf einer bestimmten Platte oder den Besuch eines „richtigen“ Konzerts als Verstärkung Rainer Dollase: Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. Opladen 1998. wird negativ bewertet. die in unerfreulichen Situationen gehört wurde.

die ich mit anderen verbringe. 4) Jene sozialen Urerfahrungen des ausgesetzt Seins. von Lebzeit." Deshalb erfordert musikalisches Erleben immer wieder die sprachliche Vergewisserung. "kann sie uns Trauer und Schmerz nicht ersparen. Trauer und Schmerz die uns nicht sprachlos machen dürfen. (Hermann Rauhe. "erlebt im rhythmischen Wiegen des Ganges. indem es spürt.und Gesellungsformen. Östrr. Musiktherapeutische Umschau. was die Mutter hört oder spricht . S. (Felix de Mendelssohn. 3 (2007). 201-204) beschreibt die besondere Verbundenheit. wenn man berücksichtigt. Sprache wirkt wie ein "zweischneidiges Schwert .passiven wie aktiven Kommunikationserfahrungen ermöglicht. die rund 10 Millionen mal kleiner sind als die beim Berühren." so kann zusammengefasst werden." verbindet uns auf dieser ursprünglichen Ebene des Gleichklangs und Gleichschwingens mit der Mutter. Mthp. d. des Auf-sich-aufmerksam-machenKönnens und des angenommen Werdens sind soziale und zugleich akustische Erfahrungen. sie wirkt wie ein Riß zwischen Mutter und Kind. die 68 . Die Musik als vor. Für die Dauer dieser geteilten Zeit ist das. dass es vor allem auch das Medium Schall ist. ist geteilte Zeit.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens Wenn man bedenkt. 3/1989. folgendermaßen: „Die musikalische Zeit. die miteinander Musik erleben. dass schon der Embryo "spezifische Reaktionen auf akustische Reize" zeigt.Helfen . indem sie jedoch verklingt. welches dem Individuum jene ersten . Bilden . Musikerleben ist auch immer mit sozialen Gesellungsformen verknüpft. Zur anthropologischen Begründung und Ausrichtung eines ausgewogenen Musikunterrichts für alle Stufen der allgemeinbildenden Schule. Später tritt die Sprache in die Sozial. Berufsverb. oder einem spielenden Orchester oder einer Improvisationsrunde. und 38) Musikalisches Geschehen ist immer auch ein soziales Ereignis." und dass "das entscheidende pränatale Erlebnis Mutter ein akustisch . "als Gefühlsausdruck von gelebter Zeit. wie sie sich akustisch . im rhythmischen Auf und Ab der geräuschvollen Atmung und im rhythmischen Schlag des Herzens. Wir formieren uns zu einer hörenden Gemeinschaft oder einem singenden Chor. 28.kurz. Jede Musik hat ihre speziellen Versammlungs. sich also "gegenüber dem. was uns im Alltag voneinander trennt.einerseits werden durch das Verhandeln von Bedeutungen zwischen Eltern und Kind die Gefühle von Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit bereichert. der in Musikerfahrung symbolisch für kurze Zeit gekittet zu werden scheint. 27 f." reagieren. dass "die Hörzellen schon auf Reizenergien. Im gemeinsamen Singen oder Musizieren.und wohl intensivsten . sei es gewollt oder ungewollt." In der Musikerfahrung ist dieser „Riß in unserem Dasein“. gekittet. dass Klänge in der Lage sind. Der musikalische Raum wird in der Musik zum gemeinsamen Raum. d. die bei Menschen entsteht.und Kommunikationserfahrung hinein. Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. aufgehoben.nicht neutral verhält. wenn auch nur für kurze Zeit.und außersprachliches Geschehen.Heilen. andererseits verliert das Kind seine Ganzheit. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. dass "die Reaktionsstärke des menschlichen Organismus auf akustische Reize erheblich größer als die auf optische und taktile Berührungsreize" ist. aber auch im Musikhören erleben wir die Abwesenheit von Missverständnissen. dass seine vorsprachlichen Erfahrungen nicht durchgängig in Sprache übersetzbar sind. in: Zeitschr. die die Herausbildung eines sozialen Selbstverständnisses entscheidend prägen.kommunikativ verhält . Heft 1/1978. Das hängt schon damit zusammen. in: Musik und Bildung.4.rhythmisches" ist. S. Räume zu überschreiten und die Ohren und den Körper von anderen Menschen als Vibration zu erreichen.

wird synchronisiert. ein andermal wurden gemeinsam Gedichte rezitiert (nicht Musik/Aktivität). Das ist auch der Grund. Klaus-Ernst Behne berichtet über eine israelische Studie. Nach diesen unterschiedlichen Erfahrungen sollten die Teilnehmer. Sie lenkt die Kognitionen und kanalisiert die Gedanken in die gleiche Richtung. der zufolge Versuchspersonen "eine Stunde lang in sehr verschiedene Situationen gebracht wurden: einmal wurde gemeinsam gesungen (Musik/Aktivität).uns voneinander trennen und das Miteinander im Alltag oft erschweren. So hat Musik auch friedensstiftendes Element. Die Musik. Und als Mitfühlende sind wir einander nahe. (A. führt zu einer Synchronisierung mit anderen Menschen. Auf diese Weise vermittelt Musik uns Sicherheit. Die Ausdrucksmotorik derer. die wir hören oder die wir selbst erzeugen. 145-155 Soziale Wirkungen des Musikerlebens „Vertrauen“ „Kooperation“ Film Betrachten Gedicht Rezitieren Musik Hören Singen 69 . Journ. Die Musik erzeugt Gefühle und Emotionen. den Grad des Vertrauens zu ihrem Nachbarn in einem Fragebogen angeben und danach in dem berühmten Gefangenendilemma-Spiel demonstrieren. die singen oder musizieren oder auch nur Musik hören. Wenn wir uns aber nahe sind. zu wieviel Kooperation sie bereit wären. Of music therapy 3/88. in einer dritten Situation wurde Musik vom Band gehört (Musik/Passivität) und in der letzten Gruppe wurde gemeinsam ein Film betrachtet (nicht Musik/Passivität). das eine Verbindung zu anderen schafft. Kipper: The influence of group singing on trust and cooperation. dieselben Inhalte und Themen. die sich vorher noch nicht kannten. wenn alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation nicht mehr funktionieren.A. Anshel & D. und zwar gerade dann. Sie bewirkt eine gemeinsame Fokussierung der Aufmerksamkeit. Die gemeinsam erlebte oder musizierte Musik wird so zur Brücke zum anderen Menschen. den wir auf andere Weise vielleicht nicht erreichen könnten. warum Musik in der Therapie ein einzigartiges. wir erleben Geborgenheit in der Musik. bei manchen Krankheitsbildern sogar das letzte und einzige Kommunikationsmittel sein kann. Das gemeinsame Singen ist auch Ausdruck gemeinsamer Identität und Orientierung. können wir nicht einander Feind sein. Das emotionale Erleben fokussiert sich auf den gleichen Gegenstand. die wir teilen.

manisch-depressiven und schizophrenen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen waren. diskfunktionalen Beziehungen und unglücklichen Lebensumständen. weil der Nervus Vagus und über ihn das gesamte vegetative Nervensystem mit der Kehlkopfmuskulatur verbunden ist. jemals ein produktives und erfülltes Leben zu führen“ (74). Besonders eindrucksvoll der Bericht über den Chor der Wohnsitzlosen („Homeless-Choir“). von denen der gesamte Organismus betroffen ist.“ Später heißt es in der wissenschaftlichen Begleitstudie zu dem Projekt: „Viele der wohnsitzlosen Chorsänger litten an emotionalen Problemen. in: Musik und Unterricht.Den Versuchspersonen war nicht bewusst. Einige von ihnen hatten viele Jahre auf der Straße gelebt. die konsistent mit Symptomen von depressiven. Er erhoffte sich ähnliche Auswirkungen auf die Wohnsitzlosen. „dass Singen in Chören und Gruppen Gefühle der Verbundenheit und Gemeinschaft stärken kann und sogar teilweise therapeutische Effekte hat“ (65). als auch unsere Frequenzspektren dazu. Heft 18/1993. der als Helfer in einer Suppenküche für Wohnungslose mitarbeitete. 29. Außerdem kommt es zur Synchronisierung „von gemeinsamen Atemmustern über synchronisierte Herzfrequenzen und Blutdruckschwankungen bis zur Synchronisation und Harmonisierung neuronaler Netzwerke in unseren Gehirnen. dass hingegen Aktivität (Singen oder Rezitation) die Bereitschaft zur Kooperation erhöht. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. MU. 359-368) beschreibt unwillkürliche wechselseitige neuromuskuläre Übertragungsvorgänge zwischen Gesprächspartnern. dass Singen die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin stimuliert. Insgesamt ergaben sich für die beiden Aspekte beim Singen in der Gruppe die höchsten Werte (Klaus-Ernst Behne. „dass Gesang ein ideales Mittel zur Schaffung sozialer Verbundenheit darstellt und er kann sogar eine Resonanz auf der Ebene biologischer Körperrhythmen bewirken“ (35). 216).). 7 f. 215). mehr Vertrauen zu einem Nachbarn zu haben als in einer nicht musikalischen Situation. Sobald wir kommunizieren und ganz besonders beim gemeinsamen Singen. das „Menschen friedfertiger. Außerdem verbinde Singen in Gemeinschaft die Menschen untereinander und wirke „krankmachender Vereinsamung entgegen“ (ebd. 1 70 . dass ein musikalischer Kontext (Singen oder Hören) uns dazu veranlaßt. Sabine berichtet. dass bei erfolgreich miteinander kommunizierenden Menschen die Frequenzspektren ihrer Stimmen einander annähern. Kanada. einige zeigten Verhaltensweisen. gegründet1996 in Montreal. Alkoholismus und/oder Drogenabhängigkeit. 35 f). Die Interview der Teilnehmer des Chores ergab: Sabine Rittner (im Lexikon Musiktherapie (Hrsg. Wirkungen von Musik. Diese Männer waren soziale Außenseiter. „wir schwingen uns also auf ‚gleiche Wellenlänge’ ein. sich zu synchronisieren“ (34). dass „Vertrauen“ und „Kooperationsbereitschaft“ die relevanten Aspekte in dieser Studie waren. Die Idee hierzu bekam der junge Mann und spätere Chorleiter. als er sich an seine eigene Zeit im Chor erinnerte – an seine damaligen Gefühle der Freude und Zufriedenheit. Die Ergebnisse zeigen ganz eindeutig. Norderstedt 2005) weist darauf hin. die auch im Tierreich beobachtet werden können (ebd. und ihnen war auch nicht bewusst. S. Decker-Voigt et al Göttingen 1996) S. In der Säuglingsforschung spricht man von hochwirksamen „Bindungs-Duetten“ zwischen Müttern und Kindern. Bossinger berichtet über einige Studien. dass sie sich jeweils in einer von vier unterschiedlichen Situationen kennengelernt hatten. die belegen. tendieren sowohl unsere physiologischen Zustände durch wechselseitige ‚organismische Resonanz’1. die wenig Hoffnung hatten. vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein“ lässt“ (in: „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (2008. Rittner. Er „ging ursprünglich zurück auf die Initiative eines jungen Mannes.“ Deshalb kann geschlossen werden.

Letzteres spielt wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle bei den Stadiongesängen von Fußballfans. war Ziel der ‚chain-gang’-songs der Gefangenen in nordamerikanischen Gefängnissen bis weit ins 20. Die Autoren vermuten auch. Der Chor bietet den Chormitgliedern eine familiäre Atmosphäre. und „erhöhte Bereitschaft zum gemeinsamen Singen (Grunzen. S. „das oft als auf einer anderen Ebene lokalisiert oder intensiver wahrgenommen wird als alltägliche Interaktionen mit Mitmenschen. Eine Fanomenologie. die aus Schulklassen mit Musikgruppen (Chor oder Orchestergruppen) sozialer eingestellt sind als Kinder ohne solche besondere Förderung (Musiktherapeutische Umschau 1999. 13-22) erinnern daran. emotional ausgeglichenere Gedankenprozesse zu etablieren“ (75).1. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen. sowohl bei der Zivilbevölkerung als auch bei der kämpfenden Truppe“ (17). Die Studie selbst hat den Titel: Musikerziehung und ihre Wirkung. in der sie ein angemessenes interpersonelles Verhalten entwickeln können. Schreien etc. Beschimpfungen der gegnerischen Mannschaft und Spielkommentierungen wechseln (vgl. Während dieser Zeiten ist die Aufmerksamkeit abgelenkt von störenden internalen Gedankenreflektionen und kann helfen. Einen noch stärker manipulativen Charakter haben Nationalhymnen. (Hrsg. Die Konzentration. Hans Günther Bastian weist in einer 1999 veröffentlichten Studie nach. keine Zeit zum Nachdenken hat. Jahrhundert hinein. 71 . die gerade in Kriegszeiten die Loyalität gegenüber den Herrschenden sowie die Opferbereitschaft erhöhen sollen. aktive Teilnahme am Gruppensingen verringert depressive Stimmungen und fördert emotionale und körperliche Gesundheit. die Synchronizität der marschierenden Mitkämpfer unterstreicht möglicherweise beim Individuum den Eindruck des einheitlichen Handelns und stärkt so das Gefühl der Geborgenheit in der Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel. fungiert als ein Stimulus für geistige Beschäftigung. also Schaffung einer Stimmungskongruenz einander persönlich häufig unbekannter politisch Ähnlichdenkender. „Auf diese Weise wird eine anstrengende. des Straßenbaus. welches wiederum das Erreichen von Gruppenzielen ermöglicht und 4. R. dass Menschen die miteinander musizieren. wer singt. wie z. Mainz 2000.a. dass sich die genetische Verankerung der Fähigkeit. Brink: Fußballfangesänge. Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. Bei politischen Liedern kann zunächst eine Meinungsbeeinflussung vermutet werden. häufig monotone und manchmal sogar gefährliche Tätigkeit erleichtert durch emotionale Aufhellung und verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl. welche erforderlich ist. also keine Angst davor bekommen kann. Letzteres führt wiederum zu einer Selbstbelohnung“ (18). um der Repertoire zu erlernen und auszuführen. 64 f). Würzburg 1998). Kopiez / G. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. 3. in welchem die Kluft überbrückt werden kann. „ein starkes Gefühl der zumindest vorübergehenden Verbundenheit“ empfinden. 2. der im Wald von der Dunkelheit überrascht wurde-. die allerdings je nach aktueller Spielsituation zwischen Unterstützung des Vereins.) bei den Frühmenschenvorteilhaft auf die Überlebenskraft und kulturelle Entwicklung der Frühmenschen ausgewirkt hat.): Die Macht der Töne. Die Wirkung beispielsweise von Marschliedern wird dem Umstand zugeschrieben.B. Die Synchronisierung der gemeinsamen Arbeit. was ihm möglicherweise im Feld erwartet – ein ähnliches Phänomen wie bei dem pfeifenden einsamen Spaziergänger. Die Wechselwirkung zwischen dem Chor und dem Publikum scheint den Chorsängern sowohl ein Gefühl von persönlicher Bestätigung zu geben. Jahrhundert. wie auch ein Milieu zu schaffen. in: Tillmann Bendikowski u. Münster 2003. dass. die sie von den normalöen Netzwerken getrennt hat. dass Kinder.

Jean-Luc u.Eine ähnliche Langzeitstudie ist in der Schweiz durchgeführt worden und unter dem Titel Patry. Transfereffekte zwischen Musik und sozialem Verhalten sind nicht leicht sicher nachzuweisen. 72 . Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“. An ihrem Zustandekommen sind immer viele Faktoren beteiligt.) Macht Musik wirklich klüger? Musikalisches Lernen und Transfereffekte. Freiburg/CH. wie etwa die Einstellung und das Verhalten der Lehrer.a. Heiner u.a. Beide Studien werden ausführlich diskutiert in dem Sammelband Gembris. (Hrsg. 1993. die nicht nur ausschließlich etwas mit Musik zu tun haben. (Hrsg): Musik mach Schule. Augsburg 2001. die Situation im Elternhaus etc.

. Musiktherapeuten verwenden diese Modi auch als Diagnose. Un73 . Hörens. ob der Andere mein Spiel wahrnimmt Ich höre dich und mich Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Ich höre uns und freue mich über das gemeinsame Spiel s. den ihn umgebenden Dingen und mit seinen Bezugspersonen her. und ich achte darauf. dass du bemerkst. Ich spiele mit dir und du mit mir. Du hörst dir zu. Frankfurt am Main 1999. Du bemerkst etwas. mit deren Hilfe sie die Entwicklung des behandelten Kindes und den Fortgang der Musiktherapie einschätzt (Musiktherapie und Säuglingsforschung. Sehens. 249 f). Stern hat Karin Schumacher in ihrer Arbeit mit autistischen Kindern 6 Modi der Beziehung beschrieben. über weitestgehend mediale Ebenen des Fühlens.und Evaluationsinstrument für jede Musiktherapie: Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Kindes: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Ich ohne mich Ich bemerke etwas Ich verwende Personen oder Instrumente für meine Bedürfnisse Ich höre mich und bemerke.. die wir bereits mit in diese Welt aus der des Uterus bringen. Bewegens. Ich verfolge mit großer Aufmerksamkeit dein Spiel und zeige die meine Anteilnahme. Lautlallens. elementar-musikalischen Bereich (. Wir erfreuen uns am gemeinsamen Spiel. dass du der Urheber des Spiels bist.In seiner frühen Entwicklung stellt der Mensch unterschiedliche Beziehungsqualitäten im Kontakt mit sich selbst. aktiv wie rezeptiv. warum Musik als nonverbales Medium auf besondere Weise heilsam wirken kann: „Die Erfahrungsstufen des Säuglings in der Entwicklung vom auftauchenden Selbst zum verbalen Selbst und synchron im Bereich seiner Bezogenheit zur Mutter und anderen Bezugspersonen. In Anlehnung an Daniel N. dass ich der Urheber des Spiels bin Ich höre mich und will wissen. Du verwendest mich wie einen Gegenstand und die Instrumente als wären sie ein Teil deiner selbst. Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Hans-Helmut Decker-Voigt (Schulen der Musiktherapie. Singens. wir spielen zusammen.). bedeuten das Erlernen von Kompetenzen und Ausprägen erster Potentiale im auditiven. München 2001) sieht in diesen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen Begründungen dafür. Folie: Beziehungsqualität in der Musiktherapie Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Therapeuten: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Du bemerkst mich und meine Angebote nicht.

.) 4.K.. Auf symbolischer Ebene findet Berührung statt (. (Funktion der Einhüllung) Beispiel: Lallmonologe des Säuglings. (. sofern dieser anwesend ist. Musik dient der Verdoppelung des eigenen Selbst. und diese Disposition ist Basis für sämtliche verbalen und nonverbalen Kompetenzen des gesamten Lebens. bis es uns verlässt“ (31) (Hervorhebung H. In: Musiktherapeutische Umschau. Musik dient der Auseinandersetzung mit der äußeren Natur. 295-305) vier übergeordnete Funktionen für Musik benennen: 1. (Kontaktfunktion) Im Singen oder Spielen eines Tons berühre ich einen anderen Menschen.). 1984.sere lebenslange Dialogfähigkeit mit uns selbst und anderen haben wir im Uterus und in früher Kindheit im prä. Indem ich auf meinem Instrument spiele. (Funktion der Auseinandersetzung) Durch die Erforschung der äußeren Natur der Gegenstände erfahren Menschen ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen (301).und Ausdruck disponiert. lassen sich nach Wolfgang Mahns (Das Musikkonzept in der Musiktherapie. werde zu zwei „Personen“: Körper-Ich und musikalischer Symbolausdruck. der – sich selbst einhüllend – sich in den Schlaf singt..) 3. Musik dient der symbolischen Berührung mit den anderen Menschen. 74 . Musik dient der Abkapselung von der Umwelt. In Interaktionszusammenhängen betrachtet.. (Funktion der Selbstverdoppelung). verschaffe ich mir ein Gegenüber.und elementar musikalischen Ein. 2.

Neben Logik (Erkenntnislehre. zum Ausdruck kommt. Musikstücke etc.“ Insofern seien Kunst und Heilkunst öriginär miteinander verknüpft und sei „künstlerischer Ausdruck nicht nur Medium. „Der ursprüngliche Gefühlsausdruck ermöglicht dem Menschen eine gesunde regulierende und sinnstiftende Kommunikation mit sich und der Welt. Auch Paolo Knill. so wie er sich sozial entwickeln kann. In archaischen Kulturen sei der 2künstlerische Ausdruck nicht von dem direkten Gefühlsausdruck abgespalten (Sabine Bach. „Das Ästhetische stellt einen festen Bestandteil des gesamten Lebens dar“. Münster 2000. Damit ist die Brücke geschlagen von der Kunst zum Leben. 13) Ästhetische Aneignung ist gebunden an die Voraussetzung eines sinnli75 . erlaubt Kunst. Die ästhetische Auseinandersetzung ermöglicht erst die Vorstellung des Transfers zwischen Musikerfahrung und Alltagsleben. Das gesamte Leben vollzieht sich in solchen Bewegungen. was besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz. S. Musiktherapie. in: Hans Helmut Decker-Voigt: Schulen der Musiktherapie. was ist gut. Und die Art. ob als schön oder hässlich. wie der Mensch sich wohnlich einrichtet. was ist hässlich?) gilt sie als eine der drei Fundamentaldisziplinen der Philosophie. Das sind nicht nur Bilder. so vermag er seine „immateriellen Emotionen und Phantasien“ in Symbolen zu kodifizieren (Martin Drewer. es ist „integraler Bestandteil“ der Entwicklung der Menschheit wie des einzelnen Menschen. München 2001. der Notwendigkeit von Ausdruck und dem Bedürfnis nach Mitteilung eine Weg zu bahnen. dass sich durch die musikalische Erfahrung.. (Alltagsästhetik). Die Phänomene des Ästhetischen hingegen sind wie denken und wollen als Empfindung von schönem und hässlichem im gesamten Leben des Menschen gegenwärtig. Musik in der Ausdruckstherapie. zum Anderen. Während Wissenschaft die Gesetze sowie die Ordnungen dieser Welt entwerfe und Philosophie sinnstiftende Zusammenhänge herstelle.4. Es gehört zur Grundausstattung der Gattung Mensch. sagt etwas aus über das Verhältnis einer Person zu sich selbst. gleichzeitig liegt hier die eigentliche Begründung der Musiktherapie. das ist auch die je spezielle Art. was ist Wahrheit? Was ist richtig. Gestalt. 80 ff). In diesen Symbolen kommen auch Utopien zum Ausdruck. das meint die Vorstellung davon. was ist falsch?) und Ethik (Morallehre. sondern Methode zugleich“ (ebd. der Begründer der Ausdruckstherapie vertritt eine „nicht-restriktive Kunstauffassung“. der zu Folge Kunst „nach dem direkten unmittelbaren Gefühlsausdruck das ursprünglichste Ausdrucksmittel des Menschen ist. was ihn emotional in seinem Sein bewegt. 295). zur Welt“ (Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. Berlin 1974. Ästhetik definiert Moissej Kagan „als die Wissenschaft von der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit durch den Menschen. das Ästhetische transzendiert die bloße Zweckdienlichkeit.). „wie wir Musik wahrnehmen und einordnen. kleidet etc. Harmonie und Disharmonie“ u.f. Im Laufe der Geschichte wurde Ästhetik zur „Lehre vom Schönen“ verkürzt und lediglich auf die Bewertung künstlerischer Produkte bezogen. Münster 2000. Ästhetik. bringe der Mensch in der Kunst „seine kreative Wahrnehmung der Dinge und seiner selbst“ zum Ausdruck. die der Patient in der Musiktherapie macht.“ (Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik.s. Sie betreffen nicht nur die Kunst. 83 f. 294). Drewer charakterisiert das Ästhetische auch als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung. was ist böse?) als Lehre von der sinnlichen Erkenntnis (was ist schön. um seiner Selbst und der Welterfahrung äußere Gestalt zu geben und es in dieser Veräußerung mitteilbar zu machen“.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens Alexander Gottlieb Baumgarten (1717-1762) gilt als Begründer der deutschen wissenschaftlichen Ästhetik. so wie er denken und erkennen. Ist dieser Ausdruck gestört. um dem. etwas in seinem Leben verändert.

als Engrammierung in den Zellen) (96 f). weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. als der Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung seien die metaphysischen Richtungen eigentlich als „anästhetisch“ zu betrachten. W. zellulären und organischem Bereich basiert. u. die durch die vorfindliche Gegenwart ausgelöst werden“ (ebd. 287). an Geistestätigkeit und an „Uneigennützigkeit“. als im Artifiziellen zu transzendieren erscheint. auch tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. Reflexionen. Das Ästhetische ist für ihn ein „auf allen körperlichen und geistigen Ebenen vermittelter Austausch von Systemen.chen Kontaktes. So kann Neues. der Therapeutin Kraft.B. bzw. Erfreuliche. Hässlichen. Ästhetische Theorie. 259-294) hält die Untersuchung der von vielen Theoretikern vernachlässigten ästhetische Dimension der Musiktherapie für hilfreich bei der Entwicklung einer musiktherapeutischen Metatheorie. Subjekt und Mitwelt“. Als „ästhetische Konstruktion“ seien sie „eine ständige Suchbewegung und Auseinandersetzung mit Erfahrungen. die Organ-Logik bei Drewer). Ihr ästhetisches Handeln sei „Erzeugung. Erkenntnis und Gestaltung von Wirklichkeit“ und habe „existentielle Bedeutung“. Erkenntnis. Stimmige. Aristoteles. Und wenn dies dazu beiträgt. der ganze Leib totales Sinnesorgan ist (vgl. Frohne-Hagemann. schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw. sondern die Wertschätzung des Mühsamen.): Fenster zur Musiktherapie. 105 ff. dann soll 76 . die auf dissipativen Strukturen im molekularen. Vor dem Hintergrund der ursprünglichen Bedeutung von aisthesis. Sie plädiert deshalb für eine „Ästhetik vom Leibe aus“ (289). Vorstellungen. Ausgewogene. sondern bereits dort stattfindet (z. des Haderns und Trotzens. Pythagoras. 2001. Wünschen. zit. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt. die das Hässliche umschließt. Gestalt oder Verhaltenstherapie). in Mittelalter. noch nicht Erkanntes entstehen und erfahren werden. Individuen. So betont er . „die dem zielgerichteten Verhalten aufgrund dessen Einengung verschlossen sind“ (Drewer 91). Auch Isabelle Frohne-Hagemann (in: Decker-Voigt (Hrsg. dass die Patienten beim Spielen und Experimentieren mit Klängen ihre Wirklichkeit ästhetisch hervorbringen. 289) sei „auch in der Musiktherapie die Kakophonie legitimiert.. Darstellung. Ich habe diese Dinge in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranke“ unter dem Kapitel „Musiktherapie als besondere Form der ästhetischen Aneignung“ (S. Auch Drewer bemüht sich um eine solche ästhetische Begründung der Musiktherapie und warnt vor einer bloßen Orientierung an den etablierten Therapierichtungen (Psychoanalyse. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. Der Ästhetik Adornos folgend. Heraklit. Verqueren. „das weh tut.w. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt wird.52) im einzelnen erläutert. Impulsen. Leichte und Erleuchtete. 53. Renaissance. Romantik bis Kant. Heilung bedeutet unter ästhetischen Gesichtspunkten nun. die Leiblichkeit als zentrale Instanz für künstlerische Verstehensprozesse anerkennt. Frankfurt am Main 1973. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. Wiesbaden 2001. n. weil Sinnlichkeit Teil der Physis ist. mehr noch. des zeitweiligen Steckenbleibens und Resignierens. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. weil sie nicht zweckgebunden sind und deshalb Zugänge zu Möglichkeiten eröffnen. ausgehend von den alten Griechen. Damit ist nicht nur ein in Kauf nehmen missklingender oder chaotischer Musik gemeint. „dass musikalisch-improvisatorische Prozesse primär der (Organ-)Logik folgen“ und dass Erkenntnis nicht nur im Organischen wurzelt.s. Platon. weil das alles ebenso zur Ästhetik gehört wie das Schöne. Isabelle Frohne-Hagemann betont. mit Möglichkeiten. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. Barock. (S. noch nicht Gedachtes. 45 .) Für den psychotherapeutischen Prozess sind ästhetische Erfahrungen deshalb so bedeutsam. Adorno. Ängsten.

und jeder hört nur dann und nur das aus der Improvisation heraus“. in denen eine bestimmte Art. Grundlage der Ästhetischen Situation ist die „Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt“.. sowohl im Blick auf die Musik als auch im Blick auf den Körper. Musikstücke: ästhetische Zeichen . „ästhetische Zeichen“ herzubringen und zu rezipieren. Einfällen. das heißt.). zielen auf eine vereinheitlichende Verhaltensweise d.. die Fähigkeit des Menschen.h. wie jedes Musikstück sind auch die Improvisationen der Patienten „ein komplexes Symbol“. die von unseren „eigenen ästhetischen und therapietheoretischen Vorannahmen“ bestimmt ist (ebd. 264). 287).. 291). der Situation und den ablaufenden Konsensprozessen in sie hinein. Aachen 1985). Bedeutungen legen wir in Abhängigkeit von unserem Vorwissen.h. abhängt. aber sie „bedeutet“ zunächst einmal nichts.. als die Fähigkeit.)..: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein . des Körpers. sondern willkommen geheißen“ sein(289 f. Der tschechische Philosoph Jan Mukarovský kennzeichnet die ästhetische Aneignung. ästhetische Zeichen sind z. welches „von den Bedingungen..B.: sie enthalten die Wirklichkeit als Ganzes nach der subjektiven Sichtweise des einzelnen vereinheitlicht .. Gedanken.. bevor in einem elevatorischen Vorgang von dieser aisthesis zur ästhetischen Sinngebung fortgeschritten wird“ (ebd. denn „das ästhetisch Empfundene haftet den Gegenständen nämlich nicht an.. und erst dann nach Bedeutungen fragen und Bedeutungen finden. Gruppenprozessen. dass die Bedeutung musikalischer Gestalten sich auf völlig anderem Wege ereignet als die von Sprache (Bedeutung ästhetischer Zeichen. dass man „sowohl von der gegenstandsnahen Wahrnehmung als auch von der leiblichen Empfindung und Resonanz auf die ästhetischen Phänomene ausgeht.“ Jede Wahrnehmung sei bereits eine Interpretation.: sie provozieren Bewegungen der Sinne. nach dem Bild der Einheit des Subjekts unifiziert d. . Wie jedes Kunstwerk. d. Daraus resultiert die besondere Qualität der therapeutischen Beziehung in der Musiktherapie.das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. die Wirklichkeit ästhetisch zu erleben. unter denen wir es betrachten. was er selbst in das Werk hineingelegt hat (Frohne-Hagemann 2001.: zuerst wahrnehmen. d. Musik und Sprache. Musik ist zwar auch „sinnvolle Struktur. die verdeutlichen.h. des Denkens. Atmosphären. (auch Vorurteilen). sondern es entwickelt sich erst in der Beziehung zum Subjekt“ (ebd.h. 290 f. dh. Diese Auffassungen basieren auf semiotischen Analysen zu Musik und Sprache von Peter Faltin. Wahrnehmungen beschreiben. erlebt wird 77 .. bilden die Wirklichkeit als Ganzes ab . Emotionen. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. Deshalb müssen die Improvisationen der Musiktherapie hermeneutisch interpretiert werden.

. also zwischen einerseits völlig rational begründeten Klangverbindungen und andererseits einstweilen unerklärbar. sondern sie wird in unseren Ohren Musik durch ein sinnenhaftes Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen.. . Trägheit oder Aktivität im kompositorischen Schaffen hängt mit ab von einer solchen Wahl zwischen den passiv im Gedächtnis gespeicherten. . zu einer Form der Umwandlung der Energie des Komponisten. Wenn wir Musik ästhetisch hören. Georg Böhme. 267). Berlin 1976.. das heißt auch affektiv neutral zu machen. eine „Theorie des Empfindens“ .. „angefangen von ihrem ersten Keimen in der Vorstellungskraft des Komponisten unter dem Einfluss seiner Umwelt bis hin zur ihrer Rezeption durch den aufmerksamen Hörer. irrational erscheinenden Einfällen. Die Industrie hat ungefähr seit den 1950er Jahren eine „Eskalation der Speicher..... Alle Menschen müssen sich ja sehr funktional und cool verhalten. dass in Ungewohntem Beziehungen zu bekannten Klangelementen erkannt werden. Allmählich fixieren sich diese Klangkomplexe im Bewusstsein und werden zu leicht erkennbaren. sondern aus ‚Kraftfeldern’.. bekannten und angenehmen gebildet.... hören wir Beziehungsgefüge und dieses er-fahren wir mit dem Leib als totalem Sinnesorgan.. so dass durch die Musik. betont in einem Interview mit Eckhard Weymann und Martin Deuter die Notwendigkeit einer ökologischen Ästhetik .“ Es geschieht eine Reihe von Energie .. Aus dem Grundbedürfnis nach Musik ist heutzutage „ein Kompensationsbedürfnis geworden.. das Normalleben möglichst ereignisarm. Zwischenräumen. s.“ (Die musikalische Form als Prozess. Vergleich und Auswahl vollzieht sich auch beim Komponisten während der schöpferischen Arbeit. seit eh und je befestigten Klangverbindungen einerseits.“ Um ein musikalisches Werk zu verstehen..Mukarovský. atmosphärische Erfahrung sei zugleich eine Erfahrung der eigenen leiblichen Anwesenheit . Zürich 1981. vergleichen die Menschen instinktiv die Momente der vorbeifließenden Musik miteinander und prägen sich im Gedächtnis ähnliche und häufig wiederkehrende Klangkomplexe ein. Beim Hören jedes neuen Musikwerkes vergleichen die Menschen die unbekannten Klangkomplexe mit den bekannten und treffen eine Auswahl.. aber auch 78 . das musikalische Werk.und Wiedergabegeräte“ betrieben. hierzu auch John Diamond: Lebensenergie in der Musik.“ Das geht nur. Musik ist eigentlich das mächtigste Mittel zur Erzeugung von Atmosphären .Unwandlungen. „wenn wir uns dafür öffnen und leiblich mitschwingen“ (Frohne-Hagemann 2001.. fortsetzt. dann wird die konkrete Form dieser Arbeit. wobei sie besonders ungewohnte Verbindungen ablehnen. Wiederholtes Hören führt jedoch allmählich dazu." (S. Frankfurt am Main 1971 Boris Assafjew beschreibt das Musik . S. und das drängt die Atmosphären immer in den Hintergrund ..) Eine Musik zu verstehen bedeutet für Assafjew: „Die Zweckdienlichkeit der Vorwärtsbewegung des gehörmäßig wahrgenommenen Klangflusses erfassen und sich darüber klar zu sein. Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Beziehungen. Ein ähnlicher Prozess des Anklammerns an gewohnte Klangverbindungen oder deren Zurückweisung. . weil ja die technische Zivilisation im Grunde darauf abzielt.Erleben (das Anhören einer Musik) als Prozess der Umwandlung von Energie: „Wenn ein Komponist bei seinem Schaffen eine Arbeit durchführt und dabei ein Teil seiner Lebensenergie aufwendet. 34 f... warum sich die Bewegung. bald konstatierend. unsere ganzen Bewegungs.und Kommunikationsformen sind technikvermittelt. Atmosphären sollten auch klanglich und damit in zeitlicher Dimension begriffen werden und nicht immer nur räumlich (letzteres sein geradezu eine Berufskrankheit der Architekten). 57 f. bald ausdehnend. Musik besteht nicht aus Tönen..) „Musik klingt nicht als Summe einzelner hörbarer Töne. und "noch nicht bewältigtem Material" andererseits.

die Fernsehindustrie eine Kompensationsleistung erbracht wird: es wird ein harmloser Bereich des Auslebens von Gefühlen bereit gestellt. 246 79 . The wounds that Sing. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. London 2000. die sich ständig erneuern müssen. Musiktherapeutische Umschau 2005 307-313 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. gegenwärtig zu sein (Die Musik modifiziert mein Gefühl. sowohl der Geräte als auch der Musik. den Menschen die Erfahrung zu vermitteln. im Raum zu sein. die Möglichkeit. so ähnlich wie das Atmen.“ So müsse „das Bewusstsein vom Lebensvollzug wieder gewonnen werden“ und „die Musik hätte. Es wird von der Kulturindustrie ein systematischen Veralten geplant. Die Industrie entwickelt hier die Steigerungsmöglichkeiten über die Geräte und auch über die musikalischen Moden.

1986) kommt zu demselben Ergebnis. Ihre eigene Untersuchung in Tübingen mit 60 Jungen und Mädchen ergibt. Überhaupt ist fraglich. die zu großen Teilen auch aus sozialen Brennpunkten kamen (Musiktherapeutische Umschau 1999. bei dem die Musiker einen Vorteil hatten. dass durch regelmäßiges tägliches Singen das Sprach. inwieweit solche „Transferleistungen“ überhaupt einzig auf die Musikerfahrung zurückzuführen sind und wie lange sie Bestand haben. Dennoch verbesserten sich ihre Leistungen in diesen Fächern (Ernst Weber. 128. S. Mainz 2000. An diesem Versuch nahmen 2400 Schüler aus Berliner Stadtteilen teil. Eine Dissertation an der Universität Washington (D.4. dass musikalisch praktizierende Menschen im allgemeinen höhere Intelligenz aufweisen als andere. die alle zum Ergebnis kommen. S. Eine Studie zu diesem Thema von Hans-Günther Bastian zeigt. insbesondere gab es in diesen Klassen weniger Außenseiter.und lernbehinderten Kindern sehr deutlich verbessert werden konnte. Heft 40. Lu. Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen“. S. vor allem das räumliche Vorstellungsvermögen steigerten („Mozart Effekt“). Die Studie zeigte auch. verglichen mit ihren Freunden.wieder einholen. Sie ist erschienen unter dem Titel Patry. Regensburg 1981.28) referieren Arnold Feil und Marianne Hassler die Ergebnisse vieler Untersuchungen. 4-22). Musikpäd. S. 33-36. Und obwohl die Nichtmusiker nach Eintritt der Pubertät dank eines großen Entwicklungsschubes die Musiker . die überwiegend musikalisch ausübend sind. kann in einer Schülerlaufbahn in der Zeit vor der Pubertät schon einiges geschehen sein. Intelligenter durch Musik? Zeitschr.zumindest teilweise . Musiktherapeutische Umschau 1999. Eine Langzeitstudie.die musikalisch nicht ausübend sind. (Hrsg): Musik macht Schule. 28) Helmut Moog weist in einer Untersuchung "Transfereffekte des Musizierens auf sprachliche Leistung" (in Kemmelmeyer / Probst: Quellentexte zur pädagogischen Musiktherapie. Bastian: Beeinflusst intensive Musikerziehung die Entwicklung von Kindern? Zwischenbilanzen einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen..und Lesevermögen von sprach. 1993.. Jean-Luc u.und Gesangsunterricht wöchentlich und dafür je eine Stunde weniger Unterricht in den sprachlichen Hauptfächern Deutsch und Französisch sowie Mathematik..16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens In ihrem Aufsatz „Musikalität und Leistungen in nichtmusikalischen Bereichen“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. dass Kinder in Klassen mit regelmäßigem Musikunterricht zwei Stunden pro Woche und zusätzlicher Musikpraxis im Chor oder Musikgruppen verbunden mit Instrumentalunterricht in allen übrigen Schulfächern deutlich bessere Lernfortschritte machen. 22 . S. 307-320) nach. dass frühzeitiger Musikunterricht die sprachlichen Fähigkeiten eines Menschen dauerhaft verbessere (Nature Bd.a. kommt zu ähnlichen Ergebnissen. S. Psychologen der Universität Hongkong fanden heraus. werden von Sozialwissenschaftlern bisher noch mit Skepsis betrachtet. Freiburg/CH.T. 64) In einem Schulversuch von 1972 bis 1979 in der Schweiz erhielten die Schüler 5 Stunden Musik. „dass Jungen und Mädchen mit musikalischer Begabung. als Kinder in Klassen ohne Musikgruppen. einen deutlichen Entwicklungsvorsprung in nichtmusikalischen Bereichen haben. Die komplette Studie trägt den Titel: „Musikerziehung und ihre Wirkung. 80 . 396.“ (S. 23/1983. 1987. f. Musikforum 86/1997. 64 f. die in der Schweiz durchgeführt wurde. dass Kinder mit mehr Musikerfahrungen in besseres Sozialverhalten zeigten. S. Amerikanische Studien. wonach regelmäßiges Anhören von Mozart Musik Intelligenzleistungen.

„In praktisch allen menschlichen Sprachen werden bestimmte Tonhöhen lauter gesprochen als andere“.a. Göttingen 1997 und: Die affektiven Grundlagen des Denkens . S.s. die in ähnlichen Situationen immer wieder aktiviert werden“ („Wer nicht sucht.S.): Gefühle und Systeme. 2003. und diese hervorgehobenen Frequenzen bilden genau die chromatische Tonleiter. zur Affektlogik im einzelnen das Kapitel „Das Schizophrenieverständnis der Affektlogik und seine therapeutischen Implikationen“ (in: Luc Ciompi u.Kommunikation und Psychotherapie aus der sicht der fraktalen Affektlogik. als wir gemeinhin für wahr halten“. Welter-Enderlin und B. Sie „sind evolutionär gekoppelt mit wichtigen Verhaltensweisen wie Flucht. Die emotionalen Grundlagen des Denkens: Entwurf einer fraktalen Affektlogik.49-68) sowie Luc Ciompi: Die emotionalen Grundlagen des Denkens.): Wie wirkt Soteria. Göttingen 1997 Neuerdings stellt man enge klangliche Beziehungen zwischen Sprachklang und Musik fest.63).und den entsprechenden Denk. Sexualität. So bilden sich funktionell integrierte ’Fühl – Denk Verhaltensprogramme’. weil sie physikalisch den Mustern der Schallenergie ähnlich sind. Kommunikation. Wahrnehmungen oder Gedanken bestimmte Gefühle aus. Naheliegend erscheint der positive Einfluss des Musikerlebens auf die kognitive und soziale Entwicklung besonders. 411). welche die Grundlage fast aller Formen von Musik darstellt (Musiktherapeutische Umschau 2003. Norderstedt 2005. Hildenbrand (Hrsg. Andererseits erscheinen manche Tonfolgen „dem Menschen harmonischer als andere.und situationsabhängig mit bestimmten Wahrnehmungs. 59 . 81 . Bern 2001.w. hierzu auch die zusammenfassende Darstellung über die Musikpädagogische Forschung zur Steigerung sozialer Kompetenz. Heidelberg 1998). findet!“ Das Phänomen aus Sicht der Affektlogik.). (Hrsg. Geselligkeit. und andererseits beeinflussen diese Gefühle dann ihrerseits das Denken und Wahrnehmen in einem viel höheren Ausmaß. Dem zufolge wirken Fühlen und Denken zirkulär zusammen: „Einerseits lösen bestimmte Erlebnisse. 409 f. Gewaltprävention und Intelligenzförderung bei Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Interview mit Luc Ciompi in: ringgespräch über gruppenimprovisation LXIX. wenn man das von Luc Ciompi beschriebene Phänomen der fraktalen Affektlogik zu Grunde legt (vgl. 33).“ Sie „koppeln sich erlebnis. Kampf. Nahrungssuche u. denn es handelt sich bei Affekten „um bestimmte biologisch sinnvolle Energieverteilungen sowohl im Körper wie in der Psyche und im Gehirn.und Verhaltensweisen. die den Hörern von der Sprache her vertraut sind (ebd. in: R. Die hohe affektive Qualität des Musikerlebens erscheint in diesem Zusammenhang als „Energielieferant“ für kognitive Entwicklung. s.

S. 379). 35-57. ohne selbst diese Hoffnungen einlösen zu können“ (ebd. Theodor W. Musik kann spielerisch Erfahrungen der Freiheit und Gemeinschaft für die Dauer des Erklingens stimulieren. 54). Für Adorno gehört auch zur Ästhetik das Hässliche. weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. 50). Es entsteht Chaos.und trostloser als sie es ist. Ersteres ist „Alte Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände lediglich abbildet) . „Das spielerische Musizieren fördert die Konzentration und die Geduld. nach dem Muster von Herrschaft organisiert sein oder demokratisch bzw.“ „Ohne diesen sozialisierenden Beitrag der Musik zur Gesellschaft jedoch wäre die Welt sicher fried. Sie tun das in – dies wurde ein Schlüsselwort – ‚Selbstorganisation’. solange sie nicht über eine bestimmte Grenze hinausgehen. Fluktuationen. wie sie für die Improvisation in der Musik typisch sind.4.: Menschenfreundliche Musik. allerdings garantiert es „noch keine politische Mündigkeit. 82 . die Art und Weise. Dieses letztere zu untersuchen. Dissipative Strukturen sind allgegenwärtig. das aber kreativ ist. Auch in der Gesellschaft (zum Beispiel bei der Bildung von Lichterketten. Das heißt. noch ‚höhere’ Ordnungen und Strukturen aus sich heraus neu zu erschaffen. in ders. Nicht nur in der Physik und Chemie. Politisches kann also in Musik einmal insofern enthalten sein. Ästhetische Theorie. Adorno. Es gibt kein Formales ohne inhaltliche Implikate und diese reichen bis zur Politik“ (Vgl. München 1996) in den von Ilya Prigogine beschriebenen dissipativen Strukturen und Prozessen der Selbstorganisation. Einen historischen und politischen Kontext zwischen Musik und Politik sieht Joachim Ernst Berendt (Das Leben – ein Klang. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind. „Er hat gezeigt. 1979. „Beide. dass Störungen. wie die Musizierenden sich zueinander verhalten. politisches Ethos und ästhetische Kunst zehren von der kommunikativ begriffenen Freiheit der Handelnden und Hörenden. So unterstützt Musik zunächst auf indirekte Weise die Bemühungen um eine menschenfreundlichere Gesellschaft“ (ebd. Sie wird in solchen musikalischen Freiheits. 55). Frankfurt/M. „das weh tut. was der Musikwissenschaft bisher am Herzen lag“ (371 f). Überschreiten sie diese Grenze. abgeschafft werden und ein utopischer (noch nicht realisierter) gesellschaftlicher Zustand dargestellt wird.17 Politische Aspekte des Musikerlebens „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. miteinander umgehen. Tönend bewegte Freiheit. Hrsg. ‚kippt’ das System um. Ästhetische Theorie. bei einem sich auflösenden Verkehrschaos. neue. die ein System bestürmen.. Selbstorganisation ist auch hier ein sehr viel stärker herausforderndes Konzept als alles. das alles ist ein Abbild eines gesellschaftlichen Zustandes.letzteres ist „Neue Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände überwindet). Versammlungen etc. Gütersloh 1993. Allerdings ist „die Vorstellung.) eher Wunschtraum denn Wirklichkeit (Peter Bubmann. W. anarchistisch. in Sitzungen. Frankfurt am Main 1973.. als bestehende gesellschaftliche Verhältnisse sich in ihr abbilden oder insofern. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. Nun können diese Beziehungen hierarchisch. ermöglicht eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung“. als diese bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse transzendiert. denn chaotische Systeme tendieren dazu.) Und natürlich in der Musik.und Kommunikationsprozessen zum Hoffnungszeichen des politischen Ethos. Turbulenzen. ästhetisch anspruchsvolle und fortgeschrittene Kunstmusik transportiere automatisch positive politische Grundwerte (. könnte durchaus ein paar Generationen von Musikwissenschaftlern in Atem halten. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. Adorno. bei einem sich herausschälenden Konsens. dieses eher befestigen und kräftigen.

1995) Gerade „die immateriellen Werte“ prägen „die Mentalität eines Volkes“. als entscheidender Katalysator des Fortschritts“ hervorzuheben. die sich aus freien. denen zufolge „Faktoren wie Rohstoff. Arbeit. die das Individuum stigmatisieren. Man muss vorsichtig sein mit ‚rein’ klinischen Diagnosen. „nicht nur die Erscheinungen und Hintergründe. doch muss diese immer vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen. bedeutet ja. Eine musiktherapeutische Improvisation kann zwar das Weben und Walten einer sich im Individuum manifestierenden Störung sozialer und gesellschaftlicher Genese hinweisen. 2000. wird ihre Schwierigkeiten meistern. die bislang nur eine Nebenrolle spielten.“ 83 . Kapital. Musiktherapie befasst sich ja mit dem Unerhörten und Ungehörten auch nicht nur im Seelenleben. (vgl.“ „Der Tanz kann in der Gesellschaft etwas bewegen.“ Allein bereits „die Tatsache. Alain Peyrefitte: La Société de confiance. dass wir uns selbst zu akzeptieren beginnen. Deshalb ist es auch Aufgabe der Musiktherapie. Fenster zur Musiktherapie. Die Improvisation ‚bedeutet’ in ihrer ästhetischen Gestaltung also nur etwas vor diesem Hintergrund“ (Frohne-Hagemann. „Der schöpferische Akt ist für die Emanzipation des Einzelnen bekanntlich von entscheidender Bedeutung. Denn nur eine Gesellschaft. Produktion.53). 290). sondern auch im gesellschaftlichen Kontext. Wiesbaden 2001. Die großen Theorien sind überholt. selbstbewussten Menschen zusammensetzt. Investition und Wachstumsrate als Triebfeder der Volkswirtschaft sehen. sondern die Bedingungen für bestimmte gesellschaftlich determinierte Lebenswirklichkeiten aufzuspüren.“ Stattdessen sind „kulturelle Werte. dass wir über den Tanz nachdenken. sozialen und politischen Geschehnisse gesehen werden. Zum Verhältnis von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung eines Volkes und seiner Tanzkultur: (Interview mit dem Choreograf und Theoretiker Alphonse Tiérou von Jasmina Sopova in: UNESCO-Kurier 7/8. 65 f) „Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes hängt nicht allein von Geld und Arbeit ab“.

" Wenn überhaupt: man beschreibt den tönenden Prozess. Wittgenstein. Aachen 1985. dass es hier nicht nur das gibt. Stuttgart 1986.“ (Susan Munro. „dass es auch jenseits der beschreibenden Sprache eine Welt gibt. fühlt oder riecht. Thomas Ostermann. 28.“ (L. 3 (2007). 3 (2007).: Menschenfreundliche Musik. sondern auch das. könnte man es. Außerdem: Aussagen des Gefallens oder Mißfallens. 28. geht über Worte hinaus. was man nicht beschreiben kann. S.etwa von der Verstandeswelt .4. 217-230) fordern. worüber man streng logisch sprechen kann. dass „menschliche Wesen und menschliche Natur als etwas Heiliges zu sehen“ sind (295). Arndt Büssing (Spiritualität und Gesundheit: Konzepte. Musik belebt wie Sauerstoff. dass hier kein Erklären möglich ist. S. in: Peter Bubmann. Musiktherapie bei Sterbenden. Die spirituelle Qualität ist damit nicht unbedingt gegeben. weinen oder stöhnen. Sie ist der Bogen. Denn im Bereich des Ästhetischen gibt es kein 'Weil' oder 'Denn'. Musiktherapie ist für ihn einer „ökologischen Sichtweise“ verpflichtet. Musik und Transzendenz.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik „Musik gestattet es uns. das man sieht. Musiktherapeutische Umschau. 84 . dazu auch: Hartmut Handt: Vorspiel der Ewigkeit. was wir tun. Gütersloh 1993. Die Verwechslung von Emotionen mit Spiritualität kann zur Entwicklung von Abhängigkeiten führen (298 f). es besteht nur eine Möglichkeit: haltmachen und hinnehmen. und dass man nicht über alles. 149 ff. dem Unsichtbaren und Vergänglichen zu tun.) David Aldridge (Über den Sinn hinaus . können weder richtig noch unrichtig sein. es gibt nichts 'Genaueres' als das „ästhetische Zeichen“ selbst. Musik und Sprache. deren Teil die ästhetische Welt ist. S. der sich von der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft spannt.eben dadurch.“ Man kann ein Musikstück mit den Mitteln der Sprache nicht durchdringen. da wir am Ursprung des 'Denn' sind. und gerade wegen dieser transzendierenden Natur der Musik können wichtige Heilungsprozesse in der Musiktherapie überhaupt stattfinden und finden überhaupt statt“ (294). Er sieht auch die Gefahr. (s. 293-301) zitiert Lucanne Magill: „So viel von dem. unbedingt schweigen muss. an die Grenze des Lebens zu treten und wieder zurück zu kommen. um es genauer zu fassen. emotionale Erfahrungen mit religiösen zu verwechseln. wäre Musik damit überflüssig. einen Moment der Veränderung und Transzendenz. deshalb plädiert er dafür. Hrsg. Operationalisierung. einen Übergang zu erleben. Musiktherapeutische Umschau.eine transzendentale Sichtweise von Musik in der Therapie. zu der Auffassung zurückzukehren. Das Musikerleben konfrontiert uns unausweichlich mit der Tatsache. Durch Musik herbeigeführte Ausnahmezustände sind zunächst nur psychologischer Natur. dass trotz der immer noch sehr schwierigen Kommunikation zwischen Therapeuten und Patienten über Spiritualität“ insbesondere „im Bereich der künstlerischen Therapien“ eine „auch die Spiritualität umfassende Patientenversorgung“ aufgegriffen werden und „nicht als eine zu delegierende Aufgabe aus der Therapeuten-Patienten-Begegnung herausgelöst werden“ sollte. Studienergebnisse. sie spricht von der Folge der Dinge. Die Welt des Ästhetischen unterscheidet sich von anderen Welten . in: Peter Faltin: Bedeutung ästhetischer Zeichen. hört. 88) Musik hat es mit dem Unsagbaren. nicht aber die Musik. 84-99) Das Musikerleben hat es mit dem „Unaussprechlichen“ zu tun: „Die Grenzen der Sprache sind nicht die Grenzen der Welt. Dabei könnte auch auf die „Möglichkeiten der Krankenseelsorge und der psychologischen Beratung“ zurückgegriffen werden (226). worüber man nur dichten oder eben schweigen kann.

2001. wo „der Horizont des Erwartbaren durchbrochen wird“ und wo „sich das Gefühls. Der Aufbau von Hoffnung ist Grundvoraussetzung jeder Therapie. mich auf ihre Selbstheilungskräfte zu verlassen.) in FrohneHagemann 2001. und die Ärzte haben ihre Diagnose korrigiert.h. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. (2001): Grundlage des gemeinsamen Faktors Placebo und Erwartung. 272). 60 (übers. nach einem Prozess von etwa vier Jahren. Bilder zu gestalten und ähnlichem. auch in ihrer Fähigkeit.und Begriffsvermögen mit dem netzlosen Hier und Jetzt konfrontieren“ muss. Ich konnte ehrlich sagen. d. was man nicht sieht“ (Bibel. In der Tat habe ich in ihren musikalischen Aktionen. Hoffnung ist wie der Glaube. der zufolge Schizophrenie nicht heilbar ist. Glaube und Hoffnung waren gefragt und die Zuversicht. 1).“ Für Carolyn Kenny „Wird spirituelle Weisheit als „embodied spirituality“ erfahrbar (ebd.A. 219). Von diesem Tag an habe ich begonnen. Heute. M. sind die psychotischen Symptome verschwunden. 293). „tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. wenn man den schulmedizinisch – psychiatrischen Befund kennt und die Auffassung der psychiatrischen Fachleute. nach tieferem Wissen über sich selbst. sondern dem Leibe die Möglichkeit gibt. aus dem Hingabe und die Akzeptanz der anderen folgt und die Erfurcht vor der Heiligkeit des Lebens“ (Bonny. dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und dass die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. was bereits in seinem Leben funktioniert. die mir den Mut geben. „Für MusiktherapeutInnen bedeutet dieser Aspekt von Ästhetik. und projiziert das in die zu erwartende Zukunft (vgl. dass auch Unerwartetes geschehen kann. die Patientin sei durch das Gebet geheilt worden. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. 193-219). die mich an sie glauben lassen. dass ich gesund werde?“ Schwierig. indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt. immer wieder Ansatzpunkte gefunden.“ Sie führt uns in Situationen. Empirische Ergebnisse und praktische Folgerungen. als ich mit der Antwort zögerte. Aber würde dieses Potential ausreichen. Dortmund: verlag modernes lernen.). Sie zitiert Helen Bonny mit der Definition von Spiritualität als innere und äußere Suche nach dem Sinn des Lebens. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt. schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw. dem Trauma einen musikalischen. die hoffnungslose medizinische Prognose zu annullieren? In meinem Inneren spürte ich. The wounds that Sing.und Denkmuster zu überwinden. in der Zeit eingebetteten Ausdruck zu ermöglichen. dass die Erlebnisse intersubjektiv geteilt werden und dadurch verarbeitet werden können“ (ebd. Wiesbaden 2001) vermittelt Musik „sozusagen zwischen Himmel und Erde“. was man hofft. und ein Nichtzweifeln an dem. welcher das Leid. Ich will damit nicht behaupten. von dem es heißt er sei eine „Zuversicht auf das. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. H. dass sich ein traumatisierter Mensch nach dem ersten Schock nicht vom Fühlen abspaltet. Das war noch aus der Rolle des Musiktherapeuten gesprochen. ehrlich zu antworten. der Therapeutin Kraft. dass ich in ihrem musikalischen Spiel so viele „gesunde Anteile“ erkenne. die Angst und die Trauer so bindet. fuhr sie fort zu fragen: „glauben Sie. Musik und ästhetisches überhaupt konfrontiert uns mit „dem Gefühl für das Unbegreifliche des Seins. Einmal fragte mich eine Patientin: „Glauben Sie an mich?“ Und. Heilung bedeutet für Isabelle Frohne-Hagemann auch. 271). dass es um noch etwas anderes ging. nach Antworten über Leben und Tod. Synder et al. (Hrsg): So wirkt Psychotherapie. Sie orientiert sich an den Stärken des Patienten und an dem. et al. auf was sie sich einlassen. ihre Träume zu bearbeiten. destruktive und neurotische Handlungs. sondern willkommen geheißen“ (289 f. Heb 11. 85 . London 2000. Und wenn dies dazu beiträgt. weshalb Musiktherapeuten ihre eigene Haltung zur Entwicklung von Bewusstsein und Spiritualität reflektieren sollten. für diese Patientin zu beten.Für Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. dann soll das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen. In: Hubble.K. damit Patienten wissen.

Auch wird über die Wirksamkeit des Glaubens des Therapeuten berichtet. mit mir und mit Gott (sprich: im Gebet) möglich. findet ihren Ausdruck nicht nur in der Religion. Bedarf an Antibiotika und Todesfälle gab (Randy Byrd. 299). dass solche Dinge nicht instrumentalisiert werden können. Ihre Idee ist die Gestalt des göttlichen Namens. 201-204) stellt ebenfalls heraus. aber eben auch nicht zu leugnendes Phänomen“ (ebd. 252). in Musik und Religion gleichermaßen zu finden ist. wonach ich mich sehne. die er heilte darauf hin. signifikant weniger Komplikationen. Band 16. nicht Bedeutungen mitzuteilen“ (Theodor W. aber dass man in seinem Gegenübertragungserleben an einem bestimmten Punkt der Therapie die „Energie der Hoffnung“ benötigt.. Im Zusammenhang mit therapeutischen Prozessen stellt sich immer auch die Frage nach dem Glauben. Unvorhersehbares in der Begegnung eintreten“ (Musik in der Ausdruckstherapie..Ich weiß es im Letzten nicht. München 2001. was ich in der Realität entbehre. haben auch darin ihre Ursache. Ich könnte auf eine empirische Studie mit 191 Testpersonen und einer Kontrollgruppe mit 201 Personen aus den USA verweisen. das uns über die Grenzen unserer Befangenheit in der Welt hinausträgt“ (204). Der gesungene oder mit Instrumenten musizierte Ausdruck dessen. gibt mir bereits etwas vom Gegenstand meiner Sehnsucht. Collipp kommt ebenfalls zu positiven Ergebnissen (Medical Times. Bedürfnisse und Sehnsucht lässt mich (203) ein Stück von dem empfinden. Schr. dass es bei den Patienten.B. 48-51). Musiktherapeutische Umschau. Medical Tribune. 3 (2007). dass das „Element der Utopie. ges. S. die der Philosoph Max Horkheimer als das Wesen der Theologie beschrieben hat. könnte man sagen: Die Musik ist wie der Flügelschlag eines Engels. das dem Patienten hilft. der Arzt ohne es zu wissen ein Placebo verabreicht. Jan. dass ihm „sein Glaube“ geholfen habe. in Decker-Voigt. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. der uns berührt. 86 . Unvorhersehbares ist die wörtliche Übersetzung von Improvisation. Was sie sagt.. der wie immer auch vergebliche menschliche Versuch. Der musikalische Ausdruck meiner Wünsche. S. Wenn man ein Bild gebrauchen wollte. S. Sabine Bach hebt hervor. den Namen selbst zu nennen. „Gegenüber der meinenden Sprache ist Musik eine von ganz anderem Typus. alles nachzulesen in der Zeitschrift „esotera essenz. wenn z. Fragment über Musik und Sprache. das Element der Hoffnung. ohne die wir nicht leben können. Schulen der Musiktherapie. was die Heilung in diesem Symptombereich bewirkte. Es fassendes. In ihm liegt ihr theologischer Aspekt. Der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe 45/1994 zusammenfassend über Ergebnisse der Placebo .). wenn in der therapeutischen Beziehung Offenheit für Unvorhersehbares besteht. Vielfach wird die Wirksamkeit des Glaubens des Patienten an die Wirksamkeit eines Medikaments bestätigt. die belegt. ist als Erscheinendes bestimmt und zugleich verborgen. deren Qualität sich dadurch auszeichnet. sondern auch in der Musik . denen wir bei Therapeuten allzu oft begegnen. 1986) Eine andere Untersuchung von Platon J. Jesus wies viele der Patienten.Forschung. Zynismus und Resignation. auch wenn das Medikament objektiv nicht wirksam ist. Neues ereignen. um die therapeutische Beziehung fortsetzen zu können. Diese »Sehnsucht nach dem ganz Anderen«. dass es in künstlerischen Therapien zu echten Begegnungen im zwischenmenschlichen Bereich kommt. für die gebetet wurde. Sie ist entmythologisiertes Gebet. dass den Helfern die spirituelle Sinngebung für ihr Handeln fehlt. „dass die beteiligten Menschen unter Verzicht auf ein Machtgefälle ganz bewusst und offen für Unbestimmtes. 28. befreit von der Magie des Einwirkens. und die flüchtige Anwesenheit von etwas Größerem fühlen lässt. Adorno. Für das therapeutische Selbstverständnis scheint mir wichtig zu sein. kann sich etwas für alle Beteiligten Überraschendes. und das war für mich in diesem Falle nur auf dem Wege der seelsorgerlichen Auseinandersetzung mit der Patientin.

28. auf der spirituelle Dimensionen und Inhalte zum anderen Menschen getragen werden. "Geistige Unterstützung wie Stressabbau oder heilende Berührungen helfen den Leuten. zu einer Brücke. Sicherheit und Geborgenheit. vermuten die Forscher. dass streng wissenschaftliche Untersuchungen über den Nutzen ungewöhnlicher Behandlungen wie etwa das Beten möglich seien. Orientierung. bei denen weder das Placebo noch der echte Wirkstoff erfolgreich war. Als der Arzt von einer Pharmafirma Proben eines neuen. wussten dabei weder die Ärzte noch die Patienten. Die Wirkung von Placebos untermauert eine im Journal of Psychiatry (Nr. 2001).das behaupten zumindest amerikanische Mediziner. Gebetet haben bei den Versuchen Buddhisten. S. sondern nur Placebos geschickt. Musiktherapeutische Umschau. „Bei depressiven Patienten. Nach dem Abschluss des Versuches zeigte ein Vergleich: Die besten Heilerfolge hatten Patienten.Effekt“ (Bild der Wissenschaft 4. wie aktiven Stressabbau. Sie starben nicht so oft und litten seltener unter Herzversagen oder Herzattacken als die anderen Patienten. Die Forscher um Mitch Krucoff vom medizinischen Zentrum der Duke Universität beobachteten 150 Patienten mit akuten Herzproblemen. S. „Auf die gleiche Weise kann Musik. "heilende Berührungen" oder fürsprechende Gebete. Etliche Male wiederholt er den Wechsel vom Wirkstoff zum Placebo und zurück. dass sich Patienten sehr für diese Art der Behandlung interessieren – vor allem für den Einfluss von Spiritualität und Gebet auf die Gesundheit". dass Placebos den Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Ihre Studie lege außerdem nahe. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. 2002. In weiteren Studien wollen die Mediziner das Phänomen genauer erforschen. 2002. sich zu entspannen". vermittelt Identität. Katholiken. dessen Asthma auf erprobte Medikamente nicht anspricht. sie ist geteilte Zeit im geteilten Raum. Zu seinem Erstaunen erfährt er. Juden und Vertreter anderer Religionen.„Stewart Wolf von der Oklahoma University berichtet über einen Patienten. synchronisiert die Ausdrucksmotorik und die Emotionen. 122-129) veröffentlichte Studie der Universität von Kalifornien. Vermutlich beruhen 50 bis 75 Prozent der Wirkung von Antidepressiva auf dem Placebo . ihm helfen werde. 3 (2007). S. Diese Brückenfunktion. als Wolf das Medikament stoppt. jedesmal hilft nur das Mittel. vielversprechenden Mittels bekommt. Nunmehr sicher. und geschehe sie auch nur auf dem Wege der Medikation. ein wirksames Pharmakon für den Asthmatiker gefunden zu haben. auf der psychischen Aktivität des Patienten. Für Herzkranke zu beten hat eine nachweisbar heilende Wirkung . das bedeutet also. davon überzeugt zu sein. "Das unterstützt die Genesung." Warum die Gebete den stärksten Effekt zu haben scheinen. 159. fokussiert die gemeinsame Aufmerksamkeit. war ein bestimmtes Areal der Großhirnrinde – der präfrontale Kortex – besser durchblutet als vor der Studie. schreiben sie in der angesehenen Fachzeitschrift "American Heart Journal". probiert er es gleich bei dem Asthmatiker aus. bittet der Arzt die Herstellerfirma um Nachschub. Keine veränderte Hirnaktivität fanden die Ärzte bei Patienten. Ob für einen Patienten gebetet wurde oder nicht. sofort zurück. Die Symptome verschwinden umgehend. können sie jedoch nicht erklären. sagt Krucoff (Bild der Wissenschaft 11. für die gebetet wurde. "Wir wissen. die alle für eine Herzoperation vorgesehen waren. 33). das Unternehmen habe ihm vorher wegen fälschlich gemeldeter Bedenklichkeiten gar keine Arznei. dass gemeinsam erlebte und gespielte Musik eine Brücke zum anderen Menschen schlägt. die positiv auf die Scheinmedikamente reagierten. 201-204) hebt hervor. doch die Krankheitszeichen bleiben. Einige Patienten bekamen zusätzlich unkonventionelle Behandlungen. Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie. Sie enthält den Nachweis. das gemeinsam gesungene Lied im theologischen Sinne zur Brücke des religiösen Glaubens werden. 87 . dass die Zuwendung des Arztes. kommen aber. Er versucht es mit Placebo.

Von diesen kosmologischen Theorien abgesetzt entwickelt er eine christlich-theologische Begründung des therapeutischen Musikeinsatzes. John Diamond und andere an (vgl.“ Therapeutische Musik ziele auf die „Heilung von Schädigung aller Art.).G. die sich durch ihre Nähe zu kosmischen oder psychisch-archetypischen Strukturen als heilsam-ordnend für den Menschen erwiesen hat. Auch Peter Bubmann setzt sich mit der Frage auseinander. kosmologisch begründen: Die Musik könne die Ordnung des Kosmos und dessen Harmonie widerspiegeln. auf Stabilisierung der Identität. Die Freiheit der Totalbestimmung durch Naturgesetze findet im musikalischen Spiel. Herder) . auf eine ganzheitliche Lebensweise und auf mehr Lebensfreude“ (ebd. sondern allein geschichtliche Erfahrungswerte sowie Ergebnisse der musikwissenschaftlichen Wirkungsforschung bestimmen die Wahl der für Heilungsprozesse geeigneten Musik und Techniken. Steven Halpern.“ Bei der diakonische Musik gehe es „um den Protest gegen Ungerechtigkeit.“ In ihrem Kontext ist „Musik für und mit anderen“ . „diakonische und therapeutische Musik. Der Mensch sei „als ‚der erste Freigelassene der Schöpfung’ (J.B. Die christlich begründete Anwendung von Musik ergebe sich aus der Tatsache. Wie bereits die Vögel ein über die rein signalhafte Verständigung hinausgehendes zweckfreies Singen kennen. Peter Michael Hamel.. Die aus der Funktionalisierung unserer Welt herausgelöste freie Musik wird damit auch zum Symbol für die voraussetzungslose Annahme der Menschen durch Gott“ (ebd. auch in seiner musikalischen Tätigkeit befreit von der Knechtschaft kosmischer Gesetzmäßigkeiten. „Der Mensch ist befreit von vollständiger Instinktsteuerung und damit von vielen Zwängen der Natur. kann prinzipiell jede Art von Musik besitzen. dass der Mensch sowohl Teil der Schöpfung als auch „in die Freiheit gesetzt und mit der verantwortlichen Kultivierung des Erdkreises beauftragt“ ist. Unterdrückung.. Die Freiheit der Christen. Weder Rockmusik noch Zwölftonkompositionen sind daher prinzipiell auszuschließen“ (ebd.). archetypische) Bewusstseinsschichten (Heilender Klang II.) Wolfgang Bossinger berichtet von Transzendenzerfahrungen beim gemeinsamen Singen (Die heilende Kraft des Singens.).. 172 ff). sei allerdings „keine selbstgenügsame oder gar egoistische Freiheit. sondern sein Kontext“ (203). John Beaulieu. Dabei transzendiere sie die Möglichkeiten des rationalen Verstandes und führe in tiefere (z. dass „nahezu alle Theorien zur Verbindung von Musiktherapie und Religion den therapeutischen Wert der Musik schöpfungstheoretisch bzw. Dabei wird die transpersonale Qualität der Musiktherapie nicht mit einer spekulativen Kosmologie erfolgen begründet sondern „von dem durch das Evangelium ergriffenen geschichtlichen Menschen und damit letztlich von Jesus Christus her“ (130 f. sondern es kann jeder prinzipiell jeder Musik oder jedem Musikstil eigen sein. Dazu können sie sich durchaus solcher Musik bedienen. Norderstedt 2005.. Ingo Steinbach. Der Kirchenmusiker 1993. Marianne Kawohl. Kein kosmo-religiöser ideologischer Überbau. Heilender Klang I. Entscheidend ist nicht der einzelne Ton.diese spirituelle Dimension. 91). Der Kirchenmusiker 1993. 130). Er konstatiert. Sexismus. sie spreche die universale Schöpfungssprache und ermögliche die Erfahrung der Urtöne des Lebens. Als Christ und Christin jedoch ist sie und er gleichzeitig ‚Knecht’ Christi und damit allen und allem in Liebe und Verantwortung ‚untertan’. Klängen und Rhythmen im freien Spiel zielund zweckfrei umgehen. Christ/innen/en sind befreit zum therapeutischen Dienst am anderen Menschen. welche Musik unter welchen Bedingungen spirituelle Funktionen erfüllen kann und wie sie dabei mit heilenden Wirkungen verbunden sein kann. Zum Beispiel könnte hierbei eine 88 . Das spirituelle Potenzial ist nicht ein Privileg dieser oder jener Musik. so kann der Mensch mit Tönen. Rassismus etc. In diesem Zusammenhang führt er insbesondere Joachim-Ernst Berendt. so Bubmann weiter. in freier Improvisation wie in der Ästhetik der autonomen Kunstmusik (des l’art pour l’art) einen charakteristischen Ausdruck.

dem Geliebten . der sie erzeugt . Letztlich macht er die Unsterblichkeit des Lebens erfahrbar.dem einen SELBST. sondern Dein Wille geschehe!« geht er mit nun entwickeltem Bewusstsein wieder ein in die Einheit. das Lied von Körperlichkeit und Sinnlichkeit.“ Einschränkend betont der Autor. Die Shrutibox lenkt das Bewusstsein auf die Qualitäten der Beziehungen der Menschen untereinander und auf die transformierende Kraft seiner Beziehung zu Gott. Die Klangschale schließlich lädt den in seiner Ichheit gefestigten und in seinem Willen gestärkten Menschen dazu ein. sondern „immer nur in Verbindung mit dem Bewusstsein dessen. Es vermag alle Beeinträchtigungen aufzulösen. 184 f). alles Erreichte wieder hinzugeben.erfahrbar (und immer auch dessen Störungen). die Fülle des Nirwana. Der gleichmäßig fließende Klang des Gongs Chau Lou führt über die Schwelle von Geburt und/oder Tod in die Welt und in transzendente Bereiche. Das Herzmetrum auf der Rahmentrommel fokussiert auf die Entstehung der Ichheit in der Begegnung mit einem Du und vermag jene narzisstischen Störungen zu bereinigen. aus dem alle Form (auch der Mensch) hervorgeht und in die sich alles wieder auflöst. Das Didgeridoo. 2007. dass die Klänge keinesfalls an sich wirken. Das Monocord macht das (noch vorbewusste) Einssein mit der Schöpfung . der Welt. der Natur.also mit der Mutter. In seiner Entscheidung »nicht mein. die der Erfahrung einer bedingungslosen Liebe und eines unbedingten Selbst(wert)gefühls im Wege stehen. 286-289 führt verschiedene Musikinstrumente an. denen er „spirituelles Potential“ zuschreibt: ihr gleichmäßiges „Rauschen der Oceandrum thematisiert das Tao. dass auch diese Ebene heilig ist. die der Erkenntnis im Wege stehen. singt das Lied der Erde. den nicht manifestierten Urgrund der reinen Potentialität allen Seins. »untere Oktav« des OM. der sie rezipiert“ und der sie anbietet (288) 89 . Damit kommt er am ersehnten Ziel der inneren Heimat an . Wolfgang Strobel (Klänge als Wegbereiter zu Spirituellem Erwachen Musiktherapeutische Umschau. der Materie. und dem Entwicklungsstand und der Offenheit dessen.morphische Resonanz mit den „Gesangsfeldern aller Kulturen und Zeiten der Menschheit entstehen und ozeanische Gefühle transpersonaler Verbundenheit erlebt werden (vgl.

5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen Überblick: 1. Zum Hören von Gehörlosen und Ertaubten 4. Hören vor der Geburt 2. Erfahrungen im „Pränatalraum“ und zum „Snoozelen“ 3. Musiktherapie bei Patienten in komatösen Zuständen 90 .

h. chemische und molekular/atomare Prozesse mit Hilfe feinster Zilien in der sie umgebenden Umwelt zu registrieren und als Information aufzunehmen. dass der Embryo in dieser frühen Entwicklung bereits Reaktionen zeigt. erste Hörerfahrungen eher im Bereich um 4000 Herz anzunehmen sind.5. „sein Herz schneller schlägt. Vorgeburtliche Kommunikation . in fernöstlichen Meditationstraditionen wird die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Urerfahrung gerichtet. Über erste intrauterine Hör. jene erste spezialisierte Zelle des Embryos. Bernd Vogel im Kapitel „Pränatale Psychologie“ (S. in einem „zellulären Gedächtnis“ zu speichern und in neuronale Energie umzuwandeln. Der Dirigent „Brott berichtete.1 Hören vor der Geburt Anmerkungen zum Thema: „Ich höre . Intrauterines Hören.also bin ich“ (Berendt) . d. Dieses Urhören wird als harmonikales Ereignis angenommen. 92).“ Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Alfred A. Tomatis stellt in seinem Buch „Der Klang des Lebens. die über die Fortbewegung der Mutter erworben werden. Die Mutter informiert das Kind unbewusst mittels der Variationen ihres „Hormonspiels“ „über die reale Lage in der Welt um sie herum“. „In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. Kreativität. Augsburg 2003. Emotionen.und Kommunikationserfahrungen berichtet u. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI). dass er genau die Cellostimmen bei seinen Konzerten auswendig kannte. Engrammierung (Gedächtnis).B. mechanische. dass entgegen der bisherigen Ansicht. dass der Embryo in den ersten Tagen seines Lebens mit dem Stoffwechsel der Mutter verbunden ist und so „permanent Anteil an ihrer Gefühlswelt“ hat. Harmonikal bedeutet Schwingungen im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen. S. Harmonikal strukturiert sind aber auch die Vokale der Sprache sowie die Töne der Musik. siehe dazu auch die entsprechende Schilderung von Joachim-Ernst Berendt in „Nada Brahma. haben hohen Anteil an der Bildung des neuronalen Netzes und hinterlassen Spuren. Man hat nachgewiesen. Tonfall und emotionale Prägung im Obertonbereich der mütterlichen Stimme werden über das Knochengerüst in die Flüssigkeit des Uterus als subtile Information eingegeben. Er berichtet. während er sich sonst ganz still verhält(58). heraus.die Anfänge der seelischen Entwicklung“ (Reinbek 1987). dort sei es die Corti-Zelle. auf denen neue Erfahrungen aufgebaut werden können“ (Peter Brünger: Singen im Kindergarten. „Die Wahrnehmung der Mutterstimme in Verbindung mit rhythmischen Erfahrungen.a. zuerst würden vom Fötus die tiefen Klänge gehört. 29). Hören bedeutet insofern auch: Aufnehmen von Energie. mit Hilfe derer sich alle weiteren sensorischen und neurologischen Prozesse beim Wachstum des Embryos entfalten. 57 ff. mit deren Hilfe die Hirntätigkeit aktiviert wird. 28 . das Hören vor der Geburt. S. da die atomaren bzw. welche seine Mutter – wie er später herausfand – als Berufscellistin einstudiert 91 . Dieser Urklang wird von Tomatis als „Klang des Lebens“ bezeichnet. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. die imstande ist.36).Ausführungen über die Ursprünge des Hörens. Bewusstseinsprozesse wie Denken. Die Welt ist Klang“ (Reinbek 1983.“ (Gela Brüggebors. indem z.) seines Buches „Lebensraum: Musik“ (Stuttgart 1991). Dortmund 1992. die eine wahre Aufladung. molekularen Schwingungsprozesse harmonikale Struktur haben. Vitalität.

): Seelisches Erleben vor und während der Geburt. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ „Pulsschläge während der Schwangerschaft“ „Mutterleib musikalisches Milieu“ In der sechsten Woche sind äußeres. Wird das Tonband abgeschaltet. Janus und S. dass auf der ganzen Welt die ersten Kinderworte eine zweisilbige Rhythmik besitzen: Mama. Tempowahrnehmung scheint ein sehr früh angelegtes Vermögen und eine angeborene Musikkompetenz zu sein (BUNT. Bei einem anderen Versuch wurde 102 Säuglingen von Geburt an bis zum vierten Tag rund um die Uhr der 72/min Herzschlag vorgespielt. Ab der 24. auch Folie „Pränatale Entwicklung des Gehörs“ Mehr als 25 Millionen Mal ereignet sich während der Schwangerschaft der Pulsschlag der Mutter. sanften Bewegungen bei ruhiger Musik. beruhigen sie sich spontan. 225-240). zwischen 6. Woche nimmt das Hautsinnesorgan „als erstes Wahrnehmungssystem“.a. fetale Bewegungsabläufe und Muskeltonus steuert“ (59). Vogel a. die während der ersten fünf Monate ihrer Schwangerschaft 92 . wachen die meisten Säuglinge auf und fangen an zu weinen. in Vogel). ANDO und HATTORI (1970) stellten fest. 72/min hat auf Säuglinge beruhigende Wirkung (Die Untersuchung von Lee SALK. Läuft das Tonband wieder weiter. 51). In der zehnten Woche ist der Fetus etwa vier Zentimeter groß. s. und 8. als nur der bloße Herzschlag. dass das Gehör funktionstüchtig ist. die sie während der Schwangerschaft aufgenommen haben. 76). Haibach (Hrsg. s.O. Sein Vestibularsystem („Labyrinth“) „ist dann so weit differenziert. In der 18. 61). Ein Puls von ca. In der siebten Woche bilden sich die Synapsen. Außerdem zeigten die „Herzschlag-Kinder“ deutlich stärkere Gewichtszunahme. werden sehr ruhig. wachen auf“. linkshändige zu 78% ihre neugeborenen Kinder an die linke Brust bzw. dass die Beschallung mit dem gesamten intrauterinen Klanggeschehen stärkere beruhigende Wirkung besitzt. dass es u. Papa.).und Innenohr angelegt. Woche hat sich der Hörnerv so weit ausgebildet. in: L. Instrumentalisten beobachten größere Aktivität des Fetus während bzw. welche Informationen von Zelle zu Zelle weiterleiten (Vogel. damit sind die anatomischen Voraussetzungen für das Hören vollständig gegeben. Rechtshändige Mütter nehmen zu 83%. Reflexe. Die Reaktionen sind sehr eindeutig: die meisten Säuglinge beginnen zu schreien.a.hatte. Sänger berichten. Parncutt: Pränatale Erfahrung und die Ursprünge von Musik. in der Kontrollgruppe während 59. Feten reagieren mit scharfen. MUROOKA fand heraus. auf die linke Schulter (SALK 1973. als sie mit ihm schwanger war“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens.8 %. dass 13 % der Säuglinge von Müttern. kantigen und aufgeregten Bewegungen bei stimulierender und mit fließenden. Woche ist das Corti-Organ reaktionsfähig. 58). Dieser Rhythmus hat prägende Bedeutung. ebd. Die meisten Säuglinge schlafen ein bzw. Den Kontrollgruppen wird bei gleicher Lautstärke ein Herzschlag mit 128/min und ein Galopprhythmus vorgespielt. Kinder prägen sich Geräusche und Klänge ein. die bereits schlafen. Näheres hierzu in: R. Mittel. Norderstedt 2005.4 % der Zeit. 1960: „Einer Gruppe von Neugeborenen wird ein gleichmäßiger Herzschlag von 72/min vorgespielt. Neu-Isenburg 1997. die man darin erkennen mag. Bei diesen Kindern schien ein oder mehrere Kinder während 38. und gewöhnen sich an sie. dass Ungeborene während des Singens ruhiger sind. kurz nach dem Spielen – insbesondre während der letzten drei Schwangerschaftsmonate (BUNT 1994.

MU 1993. leise beruhigender als laute Bereits intrauterin werden akustische Zeichen mit bemerkenswerter Genauigkeit wahrgenommen. bei Fluglärm aufwachen. höher organisiertes und artikuliertes Sprachvermögen besitzen (BUNT ebd. Schon wenige Tage nach der Geburt kann der Säugling die Klangstruktur der Mutterstimme wiedererkennen. Weniger als 24 Stunden alte Babys orientieren sich bereits zur Mutterstimme hin (BUNT. die einer großen vorgeburtlichen musikalischen Stimulation ausgesetzt waren. Martin DORNES berichtet in seinem Buch „Der kompetente Säugling“ (Frankfurt am Min 1994 (41 f. 93 . ebd. zu tönen und Musik zu genießen. Sie erzeugen mehr Geschrei bei echtem Säuglingslärm als bei synthetischem. Er empfiehlt. aus einem vorgegebenen Pool von Grimmschen Märchen ein Märchen auszuwählen und es ihrem Ungeborenen im Verlauf der Schwangerschaft öfter vorzulesen. Säuglinge erkennen ihre Mutter am Geruch und bevorzugen den Geruch der Mutter. „Studien haben ergeben. Papousek: „Anfang und Bedeutung der menschlichen Musikalität“.): Hohe Töne sind beruhigender als tiefe. in der Schwangerschaft zu singen. Schon Neugeborene bemerken den Unterschied zwischen synthetisch erzeugten Geräuschen und der menschlichen Stimme. die intrauterin gehört wurde. Darüber hinaus zeigen Neugeborene schon zwei Tage nach der Geburt eine Präferenz für die Muttersprache. dass pränatal gehörte Texte wieder erkannt werden können. die ihnen von unterschiedlichen Tonbändern vorgespielt wurden.in unmittelbarer Nähe eines Flugplatzes wohnten. die erst während der letzten vier Schwangerschaftswochen in das gleiche Wohngebiet gezogen sind (Vogel ebd. Das Ergebnis verwundert eigentlich nicht: Alle Kinder auf das Märchen ein. Keller: Handbuch der Kleinkindforschung. die sie aufgrund ihrer prosodischen Struktur als solche wahrnehmen“ (Brünger a. S.). dass die intrauterinen Erfahrungen den Fötus noch vor der Geburt in die Lage versetzen. männliche und weibliche Stimmen zu unterscheiden. Während der Schwangerschaft waren die Mütter der Kinder gebeten worden. Hans Helmut Decker-Voigt fasst in seinem Buch „Mit Musik ins Leben“ (Kreuzlingen 1999) viele Erkenntnisse über das pränatale Hören zusammen.a. 1992.O.).).a. Eine auf sieben Jahre angelegte Untersuchung von Donald SCHELTER hat ergeben. Siehe dazu ebenfalls: H. auf die Entdeckung. insbesondere. und unmittelbar nach der Geburt besteht eine ausgeprägte Präferenz für die mütterliche Stimme: Eine Geschichte. während 85 % der Säuglinge von Müttern aufwachen. wenn sie mit der mütterlichen Stimme vorgetragen wird. Schuppan: Frühe Erfahrungen – frühe Prägungen. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ Durch eine geschickte Versuchsanordnung wurde Säuglingen „die Möglichkeit gegeben. dass Kinder. in: H. 90-98 dargestellt. Monika Nöcker-Ribaupierre berichtet in der Musiktherapeutischen Umschau (Heft 4. Dabei bezieht sie sich u.). Diese und weitere Untersuchungen werden bei Otto H. 53). welches ihnen schon aus der vorgeburtlichen Lebenszeit heraus bekannt war“ (Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. s. mittels Saugfrequenz an ihrem Schnuller zwischen mehreren Angeboten von Märchen zu wählen. wird einer neuen vorgezogen. Norderstedt 2005. Bern 1997. 239-248) und in ihrem Buch „Auditive Stimulation nach Frühgeburt“ (Stuttgart 1995) über die pränatale Wahrnehmung akustischer Phänomene. Sie setzt gezielt Tonbandaufnahmen mit der Mutterstimme bei Frühgeborenen ein.

eine „studierte Opernsängerin. hört der Fetus in einem wesentlich eingeschränkteren Bereich. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden. dass Feten über Knochenleitung und aus der akustischen Außenwelt unterschiedlich hören und auf akustische Signale reagieren. Kinder lernen Sprache vor allem durch Zuhören.“ entscheidend dazu dienen. wie wir mit unserer Umgebung interagieren“ (in: Haase. insbesondere auch im Bezug auf die Mutterstimme psychoanalytische Entwicklungsspuren bis in die vorgeburtliche Zeit hinein zu verfolgen erlauben.) Improvisation – Therapie – Leben. in dem Moment als sie zu singen begann. das Herz des Kindes wieder zu schlagen an und das Kind konnte bald darauf zur Welt gebracht werden“ (55). Monika 2003. Die Hebamme ermutigt die Mutter. dass die Klänge. Gerhardt. Auf einer Intensivstation für Frühgeborene müssen schädliche Wirkungen durch das akustische Milieu besonders beachtet werden (vgl. David Aldridge betont. dass zu viel Krach und laute Hintergrundgeräusche Kleinkindern das Erlernen von Sprache schwer machen (Development Psychology 41/2.O. Forschung und klinische Praxis“ (Göttingen 2003) sind Beiträge zur Entwicklung des intrauterinen und postnatalen Hörens. Sie werden durch das flüssige Medium in der Gebärmutter modifiziert. der präund postnatalen Mutter-Kind-Interaktion. Abrams.In dem von Monika Nöcker-Ribaupierre herausgegebenen Buch „Hören – Brücke ins Leben.a. MU 2005. in: M: Nöcker-Ribaupierre. Robert: Das fetale Hören: Implikationen für das Neugeborene Suzanne Maiello stellt fest. 482). der Traumatisierung durch Frühgeburt und zur musiktherapeutischen Arbeit im Kontext der Neugeborenen-Intensivmedizin enthalten. Was hört der Fetus tatsächlich? Die fetale Geräuschwelt besteht aus einer Vielzahl im Körper erzeugter Geräusche und aus Lauten. Crossen 2005. Der Überblick über Forschungen zum pränatalen Hören ergibt. sondern um einen Ausdruck dafür. Bei höherem Geräuschpegel ging das schon nicht mehr (vgl. Lärm scheint die Entwicklung des Hörvermögens bereits im Uterus zu beeinträchtigen. bemerken die Kinder nicht. Musiktherapie mit früh..und neugeborenen Kindern. 94 . 85-108). Antje (Hrsg. Dabei scheinen tiefe Signale eher das Hörvermögen zu erreichen als hohe. Ist zu viel Krach im Raum.000 Hz liegt und seine größte Empfindlichkeit im Bereich von 300-3000 Hz aufweist. dass mit ihnen geredet wird. die aus der Umgebung der Mutter stammen. Zum Thema Singen für Frühgeborenen und bei der Geburt berichtet Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 2005). aus voller Kehle zu singen. Bei zu früh geborenen Säuglingen ist diese Entwicklung unterbrochen und muss durch geeignete auditive Stimulation gefördert werden (vgl. Norderstedt 2005) die folgende Begebenheit: Bei der Geburt kommt es zu einem Herzstillstand beim Kind. Ulrike und Stolz. Während das erwachsene Hörvermögen im Bereich von 20-20. die Wahrnehmung von Rhythmen zu koordinieren. Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. Das doppelte Trauma des frühgeborenen Kindes“. dass die ausgeprägten rhythmischen und klanglichen Hörerfahrungen des Fetus. Kenneth J. Bei geringem Hintergrundgeräusch konnten 5 Monate alte Kinder noch gut ihren Namen heraushören: sie wandten den Blick Richtung Stimme. und tatsächlich fing. „Die Bedeutung pränataler auditiver Wahrnehmung und Erinnerung für die psychische Entwicklung – eine psychoanalytische Perspektive. Forscher um Rochelle Newman von der Universität von Maryland haben herausgefunden. a. 333 f).

sondern auch mit dem dadurch ausgelösten Gefühl“ verknüpft. diese unbewussten frühe Erfahrungen zu erreichen“ (149). aber sie werden – das belegt die Hirnforschung heute – in den tiefen Schichten unseres Gehirns (in den teilen des limbischen Systems. Die Chance von Psychotherapie ist es. zusätzlich zu Vibrationen über das taktile Erleben und den Auswirkungen der hormonalen Veränderungen. Das bedeutet.. Lenz und Gerald Hüther (Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. Gehörten. „dass im Laufe einer Therapie aufgrund andersartiger Erfahrungen (. motorischem und emotionalem Erleben 95 . Auf das Hören bezogen bedeutet dies: über die Stimme der Mutter vermittelt sich dem Ungeborenen (142) ihr emotionaler Zustand. ihrer Sprachmelodie.: Jahrbuch Musiktherapie. Nöcker-Ribaupierre. ihre Stimme verändert sich. Diese Stimme ist also mit sich verändernden rhythmischen Erfahrungen durch Sprache und Herzschlag verbunden. 21). Je stärker die emotionalen Zentren im limbischen System dabei miterregt werden. dass das vorgeburtliche Hören beispielsweise der Stimme der Mutter gleichzeitig über mehrere Sinne erfolgt und über diese Verschaltungsmuster als eine Gesamterfahrung im Gehirn verankert wird“ (143). dass die unser Denken.. Worte allein wirken nicht. „In der Zeit nach der Geburt werden solche Koppelungsphänomene vielfältiger und nun auch deutlicher beobachtbar. dem jeweils Geschehenen. wenn überhaupt. Musiktherapeutische Umschau 2004. In: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg. damit einhergehenden und gleichzeitig ausgelösten Körpererfahrungen: im positiven Fall mit Wiegen und Schaukeln. 137-156) führen aus: „Das ungeborene Kind ist über die physiologische Einheit mit seiner Mutter gleichzeitig mit ihrem psychischen Zustand verbunden. Sprache dient allein der verbalen Kommunikation. Klang. neue kompensatorische Netzwerke aufzubauen. Gerochenen oder Gespürten“ (144). auch Gerald Hüther: Ebenen salutogenetische Wirkungen von Musik auf das Gehirn. Sättigung und Befriedigung basaler Bedürfnisse. Frankfurt 2003) könne die Wirkung der Psychotherapie darin bestehen. sie sind auch nicht in der Lage. Nach G. „von einem psychosomatischen Gedächtnis“ zu sprechen. „Auf diese Weise werden gewissermaßen als ‚Gesamtbild’ im Gehirn in form miteinander verkoppelter neuronaler Netzwerke und synaptischer Verschaltungsmuster verankert.Monika Nöcker-Ribaupierre.) in der Amygdala ‚Ersatzschaltungen’ angelegt werden“ (439 f. vor allem der Amygdala) gespeichert und komplex verschaltet. was wir letztlich tun oder nicht tun. Leicht nachweisbar sind hierbei Koppelungen von Sprache. Durch solche Koppelungsphänomene werden die vom Kind über verschiedene Sinneseingänge gemachten Wahrnehmungen nicht nur miteinander. mit einzelnen Wörtern oder ihrem Gesang verbunden“ (143). Lenz und Hüther. Fühlen und Handeln verantwortlichen Strukturen „nur schwer und. „Einsichten verändern nichts grundlegend. dann nur über die gleichzeitige Aktivierung der emotionalen Zentren im limbischen System veränderbar“ ist (vg. Gisela M. Die vor der Geburt stattfindenden physiologischen Austauschprozesse erlauben es. Denken.). d. betonen Nöcker-Ribaupierre. All die damit einhergehenden Körpererfahrungen werden mit der von der Mutter ausgehenden Stimme. Entscheidungen darüber. Die gilt es in unserem Fall mithilfe von Musik zu erreichen.h. taktilem. Streicheln und Bewegen. treffen wir auf der Grundlage unserer unbewussten emotionalen Erfahrung. Gesang oder Musik mit bestimmten. Roth (Fühlen.“ Sie kann in ihrer komplexen Verknüpfung von Rhythmus. ihre Atmung und der Hormonspiegel im Blut. Wiesbaden. desto intensiver wird die entsprechende Verkoppelung mit den in dieser Situation besonders eindringlich wahrgenommenen Sinneseindrücken. Lenz und Hüther betonen aber. „Diese Erfahrungen sind dem Bewusstsein nicht zugänglich. Von dort steuern und beeinflussen sie (uns nicht bewusst) unser gesamtes späteres Leben. und gleichzeitig auch ihr Herzschlag. Handeln.

96 .zugleich als Reinszenierung frühester basaler Beziehungserfahrungen angesehen werden und mit dieser Qualität „eine Wandlung einschränkender impliziter Muster“ anregen „und sie in ihrer eingefrorenen Dynamik wieder in Schwingung“ versetzen“ (152).

S. 204 .224) und außerdem im Buch: Lebensraum: Musik. Benonzon. 74934 Reichartshausen. 1985.5. Ein Therapieansatz für schwerst und mehrfach Behinderte. Frank Rotter bezeichnet Musik als „Mutterersatz“ (Musik und Kommunikation 10. 97 . wie er sie aus seiner pränatalen Existenz kennt“ (Einführung in die Musiktherapie. Benonzon hat Kinder während des Spielen oder Malens mit Uterusgeräuschen beschallt und die therapeutische Wirkung beschrieben. Die Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung dieses Ansatzes finden wir in der Pränatalraum – Therapie von Berndt Vogel . München 1983. S. Musiktherapeutische Umschau 1987.beschrieben im Aufsatz „Der Pränatalraum. 26). ähnliche sensorische Erfahrungen wieder zu machen. „Die Musik ist wie die Erinnerung an die Mutter und ein Wiederaufnehmen der Beziehung zu ihr und zur Natur“ (25). Stuttgart 1991. 25). der ausgehend von den frühsten intrauterinen Klangerfahrungen Musik und Tanz versteht als „unbewusste Versuche des Menschen.2 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“ Zugrunde liegt die Idee des argentinischen Musiktherapeuten Rolando O. Die Anschrift von Berndt Vogel: Feldbusch 2.

. S. Musiktherapie mit Gehörlosen. Sie begründet dies folgendermaßen: "In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. Der Klangschwerpunkt der Sprache liegt allerdings nur im Bereich von etwa 80 bis 380 Hz.000 Hz menschlicher Hörbereich Klangbereich der Musik 98 . dass tiefe Töne. Der Frequenzbereich der Lautsprache beginnt erst bei der Obergrenze dieser Körperrezeption mit den Vokalen.000 Hz. Kreativität. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. von 16 bis 380 Hz ausgehend als Vibrationen von Becken an aufwärts beginnend bis in den Kopf im Körper zu spüren sind. Engrammierung (Gedächtnis). fortfallen.. 45) Gehörlose beschreiben z.600 Hz 20. „Die Muskulatur scheint sich in der Folge um die Knochen zu lockern. liegt bis zu 500 Hz.man fühlt sich "von innen her massiert“ und berichtet über eine „angenehme Wärme im Rumpfbereich“. Heidelberg 1980) Der Frequenzumfang. indem sie fortführt: „Direkt neben der Cochlea (Schnecke) sitzt der Vestibularis-Apparat. die Wirkung der großen Baßtrommeln wird als "Vibrieren der Knochen des Skeletts" beschrieben. 16 Hz 80 Hz 380 Hz Sprachklangschwerpunkt 800 Hz 1. die Vibration des Tamtams (Gongs) „als Prickeln auf und unter der Haut. Demnach ergibt sich.5. Als satter tiefer Ton wird die Baßtrommel eher im Beckenbereich gespürt. dass die Hörtests sich im allgemeinen auf die Fähigkeit beziehen. inwiefern „Gehörlose“ fähig sind. der über den Vibrationssinn aufgenommen wird.) unterstellt Apathie und Depressivität bei Gehörlosen mit zunehmender Schwerhörigkeit. Sprache zu vernehmen.B. Vitalität. der von 16 bis 20. Mit Hilfe von Hörresten können manche als gehörlos diagnostizierte Menschen beträchtliche Teile der Musik (die ja über das gesamte Hörspektrum reicht) wahrnehmen. Die Konsonanten sind in einem höheren Frequenzbereich zu finden. Die Cochlea ist nach Schätzung von Tomatis mit ca. 30 % und das Labyrinth mit ca.3 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten Auch Gela Brüggebors (Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI). liegt.mehr rechts als links. Musik zu erleben ist auch zu berücksichtigen.“ (Gerd Treschhaus." Bei Gehörlosen würde diese energetische Aufladung des Gehirns nachlassen bzw. das Gleichgewichtsorgan. 92 f. Diplomarbeit Siegen 1993) Bei der Frage. (Das gehörlose Kind. also einem relativ kleinen Ausschnitt des gesamten Hörbereichs. Emotionen. 60 % an der energetischen Hirnaufladung (= 90 % aller Prozesse) beteiligt.. Dortmund 1992. Labyrinth und Schnecke vereinen sich zu einem Nerven (vestibulo cochlearis) und bilden sozusagen eine Funktionseinheit.. d. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. Bewusstseinsprozesse wie Denken. die eine wahre Aufladung.h. Jedoch schränkt sie diese Auffassung zugleich wieder ein. (S.“ Auf die Bedeutung des Vibrationssinns bei Gehörlosen weist Antonius van Uden hin. Im Kopfbereich sind die hohen Frequenzen zu spüren.

das der Sprache mit ca. 177-197) schreibt Manuela-Carmen Prause: „Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht 99 .93) berichtet von Forschungsergebnissen. dass das Gehirn brach liegenden Bereichen neue Aufgaben zuweisen kann. als Kulturgut zu vermitteln“.V. „welche vielfältige „Möglichkeiten der Teilhabe eröffnet. Email: DLA-Fredeburg@t-online. Wickel. Trotz des Zementbodens in den Klassenräumen konnte eine Reihe von Schülern die Aufgabe erfüllen..): Musik bis ins hohe Alter.2001) veröffentlicht wurden. 110 . in: Hörgeschädigten Pädagogik Heft 2. die es auszunutzen gilt“ (440). S. Hans Hermann (Hrsg.Das Frequenzspektrum der Musik gibt Prause mit ca.11. 16-4608 Hz." (S. der auditive Kortex.de Die Musiktherapeutische Umschau (2002. 1992. Manuela-Carmen Prause (Musik und Gehörlosigkeit. Kontaktadresse: Internationale Gesellschaft für musikpädagogische Fortbildung IGMF e. Beispiele aus Tansania. 1984 der Zeitschrift Hörgeschädigtenpädagogik sehr ausführlich beschrieben. Die Hörrinde ist aber offenbar nicht von Geburt an auf diese Aufgabe beschränkt. In ihrem Aufsatz: „Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit“ (in: Tüpker. Jutta Polzius (Afrodance in der Schule. Auf ein optisches Zeichen hin beginnen die Schüler zu tanzen. Vibrationen wahrnehmen. Hirnstrommessungen zeigten. Münster 2001. 180) Jedenfalls erreicht die Musik Hörreste. Danach können Gehörlose mit jenem Teil des Gehirns. Die Wissenschaftler hatten verglichen. Johannes Hummel Weg 1 57392 Schmallenberg (Telefon-Nr. dass bei allen Personen die für Vibration zuständige Hirnregion aktiviert wurde. Rosemarie. Die Gehörlosen sollen das Fehlen der Trommelrhythmen wahrnehmen und aufhören zu tanzen. Bewegung und Visualisierung die „Musik (auch) als Wert an sich. Die Betroffenen sollten deshalb schon im Kindesalter regelmäßig diese Fähigkeiten schulen. S.116) beschreibt folgendes Beispiel aus der afrikanischen Musikpädagogik mit Gehörlosen: „Um den Vibrationssinn zu sensibilisieren. Die Verarbeitung von Vibrationen ist nicht mit dem Hören identisch. Nun dürfen sie nicht mehr zum Lehrer schauen. Deshalb können von Hörminderung betroffene Menschen über noch bestehende Hörreste von Musik eher erreicht werden als durch Sprache. raten die Forscher. Köln Rheinkassel 2001) hebt Ansätze und Möglichkeiten hervor. die an der University of Washington (Neuroscience Letters. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. 113) Die Musikpädagogik mit Gehörlosen von Claus Bang wird im Heft 2. wird folgende Übung eingesetzt: Die Schüler stehen mit dem Rücken zum trommelnden Lehrer. der eigentlich Töne verarbeitet. Dann stoppt der Lehrer seine Tätigkeit. Claus Bang kommt jährlich einmal nach Deutschland und hält Weiterbildungen in Musiktherapie und musikalische Sprachtherapie bei Hörgeschädigten und mehrfach behinderten Kindern in der Deutschen LandjugendAkademie in Fredeburg. 02974 9110). angesprochen. 28. wie zehn Gehörlose und elf hörende Testpersonen auf Vibrationen an den Händen reagierten. die vom Sprachklang nicht erfasst werden. 200-2000 Hz an (2001. Die Versuche mit Gehörlosen zeigen. jenseits der musikalischen Förderung zum Sprachtraining und Sprachentwicklung unter Ausnutzung von Vibrationssinn. Die Region ist eigentlich auf die Verarbeitung von Tönen spezialisiert. Bei den Gehörlosen wurde aber zusätzlich auch die Hörrinde. eröffnet aber Gehörlosen zusätzlichen Sinnesreize.

Metallophone. findet er hier eine autonome. wie die z. stressfreie Handlungsmöglichkeit. f) dafür zu sorgen. e) man das von anderen Gesagte wiederholt. Alt. Beratung. Zur Realisation der Musiktherapie mit Hörgeschädigten und Gehörlosen empfiehlt Prause. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. Im Gegensatz zur verbalen Situation.und Melodieinstrumente wie Sopran-. „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. h) Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens. g) auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann.darin. dass es letztlich um die Versöhnung mit sich selbst gehe (vgl. und in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Es kann „zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles“ beigetragen „und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation“ entgegengewirkt werden (ebd. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194). dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. Therapie und Selbsthilfe.B. dass nur wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen sollten. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. Bei der Improvisation können „von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte“ aufgegriffen werden. d) man ruhig und etwas langsamer als normal. dass a) möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat.und Bassxylophon. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). Stuttgart 1990).) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. des Unterscheidens. b) der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und c) nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird.). nicht zu laut spricht. ist nicht so wichtig“). Hörgeschädigte Menschen. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann“ (191). Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd.).) 100 . In Anlehnung an Fengler hebt sie hervor.

Silke Jochims hat viele Musiktherapie . Claudiusring 4i. Musiktherapie mit komatösen Patienten auf der Intensivstation. insbesondere die Gefühle Schmerz und Wut ausleben können. Silke Jochims.Patienten Musiktherapie mit komatösen Patienten Dissertation von Dagmar Gustorff (Universität Witten Herdecke). Bayreuther Straße 33 in 92224 Amberg wichtige Arbeiten auch von Silke Jochims unter anderem in der Musiktherapeutischen Umschau.“.4 Musiktherapie mit Koma . Göttingen 2000 außerdem ein Gutachten zur Wirksamkeit der Musiktherapie in der Zeitschrift „not“.V. herausgegeben vom „Schädel-Hirnpatienten in Not e. die auf eine Auswertung warten. das sie zusammen mit Hans-Joachim Hannich herausgegeben hat: Jenseits des Wortes. und Fax: 0451/6110238) Man beachte auch die Arbeiten von Dümpelmann (Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation) und Klettke-Drawert (Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma) im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT. dass mit Koma Patienten über die Musik Kommunikation hergestellt werden kann und sie die Musik nutzen können. 4/1996. um den Prozess der Trauerarbeit zu führen.5. sowie das Buch.Stunden mit Patienten im sog Wach . Die Aufnahmen belegen. 23566 Lübeck (Tel.Koma auf Video aufgenommen. 101 .

280 v. 0 v.musica humana musica instrumentalis“ ca. Körper – Seele . Plato Das harmonikale Prinzip in Wille. Natur. Neue Musik und Gruppenimprovisation als Ausgangspunkt für neue Konzepte der Musiktherapie Geschichte und gegenwärtiger Entwicklungsstand der Musiktherapie Musik wurde während aller Epochen der Menschheitsentwicklung und in allen Kulturräumen umfassend genutzt. Chr.und Tonartenlehre ca. Pythagoreer mathematische Ordnung in Kosmos. Charakter. Gegenbewegungen gegen das iatromechanische Menschenbild. 1000 v. Ausführlich dokumentiert sind der Einsatz von Musik bei den Naturvölkern und in den Hochkulturen des Altertums. Aristoteles Das Element der Katharsis ca. Chr. Heilungszeremonien bei „Naturvölkern“ Frühgeschichte Musiktherapie in der altjüdischen Tradition David und Saul. Krankheit und Not zu lindern. Boethius Mittelalter Renaissance Aufklärung Romantik 20. 102 . Körper und Seele ca. Chr. Chr. 500 n. 1500 n. Tanz und Öffentlichkeit. Es besteht eine unauflösliche Einheit von Religion. Jahrhundert „musica mundana . Krankheit als göttliche Fügung Psalmodie und Krankenheilung pneumatische und Säfte . 180 v. 300 v.und Säftelehre ca. 1650 n. Chr. 24000 v. Psychologie und Musikwissenschaft. Bei den Naturvölkern ist die Behandlung von Krankheiten an die Anwesenheit der musizierenden und tanzenden Stammesangehörigen gebunden. Moral und Gesellschaft ca. Chr. „iatromechanisches Menschenbild“. Stoiker Lehre vom Pneuma ca. 550 v. Medizin. Chr.Ganzheit statistische Empirie in Medizin. Musik. Chr. Chr.Beziehung ca. Chr. Revolution des Musikbegriffs. um zu heilen bzw. Ablösung der musikalischen Kosmologie durch Affektenlehre ca. Vitalismus.Lehre in Verbindung mit Intervall. Korpus Hippocratium Elemente.6 Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst Felsmalerei ca. zwei musiktherapeutische Modelle einer Therapeut – Patient .

dass viele Höhlenmalereien an Stellen angebracht sind.“ Solche „Periodizität ist aber genau das Element. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt. Barock.. oft noch mit zusätzlichem Gebrauch von psychotropen Substanzen in Trance oder Ekstase versetzen. bzw. bei den Chinesen. die das Sonnenjahr dauert. (2001. Sind jedoch diese Quinten rein. Pythagoras. LINKE 1977.B. 275-288) Auch in der modernen Musiktherapie wird die Frage nach den Wirkfaktoren der Musikthera103 .Die Musik besteht aus der Wiederholung von immer gleichen übereinandergeschichteten Rhythmen (patterns). Jahrtausend v. z.“ FLENDER 1993. Der Blick in die Musikgeschichte offenbart zwei unterschiedliche Ansätze bei der Verwendung von Musik im therapeutischen Kontext: Mal steht stärker die der Musik innewohnende Ordnung im Vordergrund (Musik gilt als Abbild der natürlichen Strukturen des Mikro. 12 oder 24 Grundschläge. Romantik bis Kant. durch die sich die Menschen. gibt es „die Symbiose von Musik und Zahl. erreichen wir nicht genau den Ausgangston. transzendiert wird. FLENDER sieht noch in unserem heutigen Tonsystem frappierende Verbindungen zur modernen westlichen Zeitrechnung: „Die zwölf Töne werden abgeleitet aus der Abfolge von 12 Quinten. In allen Hochkulturen. ausgehend von den alten Griechen. um auf 365 Tage zu kommen. 1000 v. .und Makrokosmos). Genau das tun wir im sogenannten temperierten Tonsystem“ (17). Platon. seit dem 5. FROHNE-HAGEMANN beschreibt die Entwicklung ästhetischer Positionen in der Geschichte. Chr. die auf den körperlich oder seelisch “in Unordnung geratenen“ also erkrankten Menschen einwirkt. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Chr. Babyloniern oder Ägyptern. Mondjahr (=Quintenzirkel) und Sonnenjahr (=Oktavzirkel) müssen aufeinander abgestimmt werden. bleibt als Differenz. Heraklit. mal wird mehr die expressive Funktion der Musik hervorgehoben. die es dem Menschen erlaubt. das bewusstseinsverändernde Wahrnehmung hervorruft. d. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. 2-12). sich von Emotionen und sprachlich nicht oder nur schwer fassbaren Erlebnisinhalten zu befreien und sie mit anderen zu teilen. „die auf kultische Tänze hindeuten“ (39). Außerdem wurden auch Tanzspuren entdeckt. 10. Die ewige Wiederkehr der Sternenkonstellation wird entdeckt“ und die Musik gilt als Wiederspiegelung der kosmischen Ordnung. das sogenannte pythagoreische Komma. kleiner als ein Halbton. Norderstedt 2005)weist darauf hin. Ebenso müssen wir jedem Monat ein paar Tage hinzufügen.B. Pythagoras war „das letzte Glied in der Kette“ von Vertretern der Einheit von Kosmologie und Musik. Aristoteles. KÜMMEL 1977. „die besondere Resonanzphänomene hervorrufen“ und „sich genau an den Stellen befinden. Berühmt und immer wieder angeführt werden die Behandlung des an einer schweren Depression erkrankten König Saul durch David im alten Israel (ca. Renaissance. SPINTGE & DROH 1992.. Eine Differenz. an denen die stärksten Resonanzphänomene auf die Singstimme auftreten. in Mittelalter. 14).) oder die von Pythagoras.. genau im Verhältnis 2/3 gestimmt. 1974.h. MÖLLER 1971. („Alle rhythmischen Figuren in der afrikanischen Musik beziehen sich auf durch 2 oder 3 teilbare Perioden von z. Plato und Aristoteles angeregten musikalischen Praktiken zur Heilung und Prävention von körperlichen und seelischen Krankheitszuständen (vgl.

so auch in Deutschland werden Musiktherapeuten im Rahmen von privatrechtlichen Vereinbarungen tätig. 9-20 Frohne-Hagemann. HE: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. SCHWABE 1969). Jahrhunderts datiert werden. In Großbritannien gibt es eine eigene gesetzlich geregelte Berufs.13). H. Freiburg 1977 Linke. 1992. wie etwa in der Anästhesie oder bei chirurgischen oder zahnmedizinischen Behandlungen. Stuttgart 1971 104 . Im angloamerikanischen Bereich beeinflusste der hohe Anteil an Veteranen des 2.): Schulen der Musiktherapie. STERN 1987).und Besoldungsstruktur für Musiktherapeuten. Südafrika. Musiktherapie ist heute fester Bestandteil des Psychotherapieangebots an vielen Allgemeinkrankenhäusern. Reinhard: Vom Dreifachen Ursprung der Musik. & Escher.: Geschichtlicher Abriss der Musiktherapie in der BRD – aus höchst persönlicher Sicht. 1944 in den USA. Sammelbänden. Wiesbaden 2001 Harrer. Werner Friedrich: Musik und Medizin. DECKER-VOIGT & ESCHER 1994. die ihre Fähigkeiten im therapeutischen Gebrauch von Musik weiterbilden wollten. Isabelle: Fenster zur Musiktherapie. L. Hrsg. In anderen Ländern. Periodika und Fachzeitschriften sowie auf regelmäßigen nationalen und internationalen Konferenzen ihren Niederschlag. Japan. Weltkriegs in den Krankenhäusern die Entwicklung der Musiktherapie nachhaltig. SPINTGE & DROH 1987.: Musiktherapie. So entstanden die ersten Schulungskurse für Musiker. 1958 in Großbritannien (vgl. als “Musik Medizin“ und nicht als Musiktherapie bezeichnet (vgl. Stuttgart 1982 Kohler. Die Qualität der musiktherapeutischen Leistungen wird durch Berufsverbände sichergestellt.pie immer wieder aufgeworfen. Der Beginn der neuzeitlichen Musiktherapie . HARRER 1982. wirkt die Musik oder wirkt die therapeutische Beziehung? Inzwischen werden Verfahren. Heute ist Musiktherapie als wissenschaftliche Disziplin an Universitäten und Hochschulen in fast allen europäischen Ländern in den USA. Gütersloh 1993. bei denen ausschließlich die Beeinflussbarkeit des Organismus’ durch Klänge genutzt wird. München 2001 Flender. Jena 1971 Kümmel. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe.und in den Achtziger Jahren in Westdeutschland. jedenfalls von gründlich ausgebildeten Musiktherapeuten durchgeführt. BUNT 1998).: Musiktherapie.: Neue Klänge in der Medizin. Musiker und Musiklehrer wurden als reguläre Teammitglieder in Krankenhäusern eingestellt. (Hrsg. Weinheim 1998 Decker-Voigt. Gleichzeitig wurde es erforderlich. gelegentlich auch von promovierten und habilitierten Medizinern oder Psychologen. Norbert: Heilung durch Musik? Wilhelmshaven 1977 ders. S. in ders. Wie in solchen frühen angloamerikanischen Projekten entwickelten auch in Deutschland Therapeuten Konzepte für solchen eher unspezifischen Einsatz der Musik (vgl. an fast allen psychiatrischen Landeskrankenhäusern.Entwicklung kann auf den Anfang des 20. in den Siebziger Jahren in Ost. Bremen 1994 ders. Israel. Theorie und Methodik.H. Australien. in: Peter Bubmann: Menschenfreundliche Musik. BUNT 1998.: Musik gegen Wahnsinn. C. J. musiktherapeutische Behandlungen indikationsspezifisch zu systematisieren und Musiker oder Mediziner für die spezielle musiktherapeutische Arbeit auszubilden. an Universitätsklinken und an den verschiedensten Fachkliniken. Musiktherapie ist von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen als förderungswürdiges Verfahren der Psychotherapie anerkannt. China und in osteuropäischen Ländern vertreten und erscheint als eine global vernetzte Wissenschaftsdisziplin. KOHLER 1971. Eine umfassende wissenschaftliche Fachdiskussion findet in vielen Monographien. Literatur zur Geschichte der Musiktherapie Bunt. Dort wird sie unter der Verantwortung habilitierter Chefärzte angewandt und evaluiert bzw. In Londoner Krankenhäusern spielten Gruppen von Sängerinnen und Instrumentalisten den Patienten beruhigende Musik vor (vgl. in Südamerika. G. Hrsg.

Hans-Jürgen: Psychotherapeutische Aspekte der Musikanschauung der Jahrtausende. Jena 1969 Schwabe.J. Rolf & Droh. R.a. & Droh. Stuttgart 1983 Spintge. in: SPINTGE.: Musiktherapie in der zahnärztlichen Praxis.): Neue Wege der Musiktherapie. Düsseldorf 1974. Christoph.a. & DROH.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. Stuttgart 1992.Möller.: Musik in der Medizin. R. Berlin 1987 Spintge. R. Hrsg.O. 2-12 Stern. Christoph: Aktive Musiktherapie für erwachsene Patienten. R. 217-222 105 . (Hg. Rolf: Musik-Medizin. in: W. a. R. Hrsg. Revers u. 51-160 Schwabe.

in denen wir musikalische Gruppenspiele mit Instrumenten oder auch mit der Stimme durchführen. mit Gesprächsphasen ab. Die auf der Klangwirkung und den Aktionen an und mit den Instrumenten beruhenden Effekte psycho-physischer Beruhigung. auf leicht spielbaren Musikinstrumenten miteinander zu musizieren. 1. je nach Wunsch der Patientinnen und Patienten auch Lieder singen und instrumental begleiten. Wirkung der Musiktherapie Je nach praktizierter Arbeitsweise treten folgende drei Wirkungsbereiche der Musiktherapie in den Vordergrund: a) vorbewusste psycho-vegetative Regulation 106 . Das führt zum Einstieg in eine weitere Musikphase. in der neue Handlungsmöglichkeiten ausprobiert werden können. Musiktherapie erreicht besonders Patienten. über die anschließend wieder gesprochen wird u.reflektiert. Aufgrund ihres nonverbalen Charakters (Improvisation und Interaktion mit Musikinstrumenten) wird sie tiefenpsychologisch genutzt. 2. Ablauf der Musiktherapie-Sitzungen In den Musiktherapie-Sitzungen wechseln Musikphasen. Was geschieht in der Musiktherapie? In der Musiktherapie leiten wir die Patientinnen und Patienten an. da klangliche Erfahrungen und Musik früheste und pränatale Erlebnisschichten ansprechen. um den Patientinnen und Patienten zu introspektiven Verstehensprozessen verhelfen. Aber auch in verhaltenstherapeutischer Hinsicht liefert sie über das gemeinsame Spiel an Musikinstrumenten wertvolle Beiträge zur Modifikation pathologischer Einstellungs. in denen wir das Erlebte beschreiben und in Beziehung setzen zu unseren sonstigen Lebenserfahrungen. die ihnen in der jeweiligen Situation gut tun und auch entsprechend auf ihnen spielen. Darüber hinaus werden in der Musiktherapie Patienten mit frühen Störungen erfolgreich behandelt. begleitet und . Sie verfolgt den bio-psycho-sozialen Ansatz einer ganzheitlichen Psychotherapie. 3. weil die Erfahrung lehrt. Bewegungsspiele oder Musik-Mal-Aktionen durchführen. Im allgemeinen spielen wir den Patientinnen und Patienten keine Musik vor.und Lebensmuster.sofern möglich.f.s.7 Musiktherapie in der Psychiatrie Aus dem Merkblatt einer psychiatrischen Klinik: Musiktherapie ergänzt und vertieft das psychotherapeutische Angebot der psychiatrischen Abteilung. dass die Patientinnen und Patienten intuitiv die Instrumente wählen. Belebung oder Abreaktion werden zugelassen. die sich sprachlich kaum oder gar nicht artikulieren können oder die nur sehr schwer und auf sprachlichem Wege gar nicht Zugang zu ihren Gefühlen bekommen.

Hemmungen und schädliche Reaktionsweisen bei der Gestaltung von sozialen Beziehungen und auch im Umgang mit sich selbst können erkannt und im musikalischen Spiel verändert werden. sie tun es auch von sich aus. können unbewusste Erlebnisinhalte ins Bewusstsein treten. indem wir weiterführende Musikaktionen (z. 4. b) 2. Grenzen. oder wir machen ein musikalisches Rollenspiel etc. bei der verbalen Aufarbeitung leiten wir die Patientinnen und Patienten dazu an. kurze Gesprächsphasen dienen als Feed-back-Möglichkeit. nur mit Klängen“). Bei erkennbarer Introspektionsfähigkeit und -bereitschaft und einer absehbaren Verweildauer von mindestens vier Wochen bieten wir für Patientinnen und Patienten in post-akut psychotischen Phasen und bei reaktiven Depressionen. mit den Musikinstrumenten und der Gruppe umgegangen sind und wie das Handeln der anderen auf sie eingewirkt hat).h. Der Einfluss auf Vitalfunktionen wie Atmung und Blutdruck bedingt verändertes Körpergefühl und Ich-Bewusstsein. Wir bearbeiten Lebensthemen. Indikationsstellung für die Musiktherapie Für Patientinnen und Patienten in chronischen oder akuten psychotischen Zuständen bieten wir eine Gruppe an. sich bewusst zu machen. Bewusstwerden pathogener Lebenserfahrungen Die Patientinnen und Patienten werden dazu angeregt. Das musiktherapeutische Behandlungsprinzip ist hier die freie musikalische Improvisation (z. die dann mit gesprächspsychotherapeutischen und mit musikalischen Mitteln bearbeitet werden.) anbieten.B. die Musikerfahrung zu beschreiben (d. Assoziationen. An den Gruppen nimmt stets eine Vertreterin/ein Vertreter des Personals in Co-TherapeutenFunktion teil. die die Informationen über den Therapieverlauf bei den Stationsbesprechungen weitergibt.Physiologische Reaktionen beim Musik-Erleben sind durch vielfältige Forschungen belegt und beschrieben. c) Bewusstwerden pathogener Verhaltensweisen Das Handeln am und mit dem Instrument. gearbeitet wird. Ängste. oder: „wir spielen Angst“. wobei soziale Kompetenzen entdeckt und auf das Leben außerhalb der Therapie angewandt werden.: „wir spielen.“ oder: „wir führen ein Gespräch ohne Worte. die musikalischen Aktionen sind vorstrukturiert (Spiele mit Instrumenten nach vorgegebenen Regeln. in denen neben psycho-vegetativer Regulation auch an pathogenen Lebenserfahrungen und Verhaltensweisen. wie uns heute zu Mute ist und versuchen dabei. was sie gespielt haben. Lieder singen und mit Instrumenten begleiten). in Beziehung zu den Mitgliedern der Gruppe und zu den Therapeutinnen und Therapeuten symbolisiert und thematisiert sinnfällig Verhaltensmuster.. Neurosen und psychosomatischen Störungen Gruppen an. in der der Wirkungsbereich der psycho-vegetativen Regulation im Vordergrund steht. über ihre musikalischen Erfahrungen zu sprechen (sofern das möglich ist) bzw. sofern sie von Patientinnen und Patienten thematisiert werden. mit unseren Klängen Kontakt zueinander herzustellen. die von den Patientinnen und Patienten genannt werden. ich spiele einmal nach dem Motto „ich lasse mich nicht mehr bevormunden“. Maximale Gruppengröße: 6 Patientinnen und Patienten. Erinnerungen etc. Diese neuen musikalischen Erfahrungen werden anschließend wieder im Gespräch aufgearbeitet werden usf. wie sie mit sich selbst. Indem sie das musikalische Geschehen beschreiben oder mit ihm verbundene Einfälle mitteilen. Psychische Erlebnisbereiche können im Spiel symbolisch und vorbewusst verarbeitet werden. die auch das sonstige Leben bestimmen.B. 107 .

Ärztliche Anordnung und Evaluation Die Musiktherapie wird nur auf Anordnung der Ärzte und Psychologen durchgeführt. Tanz Das Erleben von einfachen Folkloretänzen. Von den Ärzten und Psychologen. ob und ab wann die Musiktherapie möglich ist. b) offenes und geselliges Singen Singen aktiviert Atem. 108 . Die Musiktherapeuten sind bei den großen Übergaben zugegen. die musiktherapeutische Behandlungen zu verschreiben beabsichtigen.oder Gruppenmusiktherapie treffen.und Psychologengesprächen sollen auch die Erlebnisse aus der Musiktherapie thematisiert werden.5. Außerdem vermitteln wir an niedergelassenen Musiktherapeuten weiter. um die Möglichkeiten dieser Behandlungsform sicher einschätzen zu können. Die Musiktherapie wird in den Pflegeakten dokumentiert. Ärzte und Psychologen. Sie bestehen aus regelmäßigen offenen Gruppenangeboten in folgenden Bereichen: a) Musik und Bewegung. Der jeweils behandelnde Arzt oder Psychologe gibt ein dafür vorgesehenes Formular. von wo aus zurückgemeldet wird. in den Arzt. Ergänzende musiktherapeutische Angebote Ergänzende Angebote der Musik haben präventiven Charakter und steigern die Lebensqualität während der psychiatrischen Stationärbehandlung und sowie in der nachstationären Zeit. Entspannung und Stärkung sowie emotionale Aktivierung und positive soziale Erfahrungen unterstützen den Heilungsfortschritt und helfen.. sollten einige Sitzungen in der Musiktherapie hospitieren. die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Fortsetzung der Musiktherapie wünschen. den Rückfall in pathogene Verhaltensweisen zu vermeiden. Körperliche Lockerung. zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. können mit den Musiktherapeuten entsprechende Vereinbarungen über ambulante Einzel. Bei Demenzstörungen aktiviert das Singen bekannter Lieder Fähigkeiten des Gedächtnisses und der Sprache. auf dem er die erforderlichen diagnostischen und indikationsspezifischen Angaben einträgt und sich über mögliche Behandlungsziele äußert. Ambulante Anschlussbehandlung Patientinnen und Patienten. Es aktiviert positive Gefühle und die Bereitschaft. die von niedergelassenen Musiktherapeuten geleitet werden. an die Station. 7. um über die Therapien zu berichten und mit dem therapeutischen Team das weitere Vorgehen zu beraten. Zur Wahrnehmung der ergänzenden musiktherapeutischen Angebote wird die Teilnahme an Gruppen außerhalb der Klinik empfohlen. meditativen Tänzen und Sitztänzen vermittelt das Erlebnis von Genuss und Lebensfreude in der Gemeinschaft. 6.und Kreislauffunktionen und belebt durch die Vibration des Stimmorgans den gesamten Körper. die musiktherapeutische Behandlungen verschreiben. wird erwartet. dass sie die Patienten über die Musiktherapie informieren und sich insbesondre mit ihnen über die Behandlungsziele verständigen. mit denen die psychiatrische Abteilung des Kreiskrankenhauses zusammenarbeitet.

Gitarre Ziele Verständnis für die Erkrankung gewinnen Herausarbeiten von Vulnerabilitätsfaktoren Entschlüsselung pathologisch wirkender innerpsychischer Systeme Traum-Bearbeitung „Korrigierende Erfahrung“ Reinstallierung innerer Grenzen Entdecken von Ressourcen Kreativitätsförderung Spielfreude (Hess 2002. 25-64 Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen. Stuttgart 1975 Außerdem: die entsprechenden Kapitel in Leslie BUNT. Didgeridoo. 2002.B. Wege zum Verständnis. in Musiktherapeutische Umschau 1993. in Musiktherapeutische Umschau 1985. in: Einblicke 13. z. 80) 109 .und Fremdwahrnehmung Entwicklung von Verhaltensalternativen Förderung von Ressourcen Morgen-Musikgruppe Trommel-Gruppe Instrumentenbau Förderung von Instrumentalspiel. 126-133 Musiktherapie bei Psychosen Wolf Schmidt: Mit der Mundharmonika gegen den Wahnsinn. S.Literatur Musiktherapie bei Depression Jürgen Preckel: Das Erscheinungsbild der Depression. Wiesbaden 1999. Weinheim 1998 Peter Hess (Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. 72-86) fasst die Organisation der Musiktherapie in der Psychiatrischen Abteilung des Städtischen Allgemeinkrankenhauses in Frankenthal in folgender Tabelle zusammen: AufBehandlung von Krankheitsursatrag chen Setting Gongtherapie Tischtrommelkonferenz Behandlung von Krankheitsfolgen Musiktherapie auf der Akutstation „offene“ Musiktherapiegruppe „Freitags-„ Musiktherapiegruppe Märchen & Musiktherapiegruppe Loslösen aus der Isolation Zurückkommen in das Hier und Jetzt Schaffung einer angstfreien Begegnungsebene Aufbau basaler Beziehungsstrukturen Reflexion der Eigen. in Musik und Kommunikation 6 / 1981 Wolfgang Strobel: Musiktherapie mit schizophrenen Patienten. 177-208 und im READER MUSIKTHERAPIE. Musiktherapie.

daneben: depressive Verstimmungen Angst ist sehr häufig vorherrschendes Gefühl inadäquate Affektivität (Parathymie). seinen Namen rufen. verschroben. gespreizt. Symboldenken (Gespräche unter gesunden Angehörigen klingen nicht selten wie der zerfahrene Gedankengang eines Schizophrenen) geordnetes und zerfahrenes Denken nebeneinander Die Sprache wirkt manieriert. Störungen des Denkens und der Wahrnehmung im Vordergrund. Stiche. Trugwahrnehmungen des Geschmacks taktile Halluzinationen. die Einheit des Erlebens. z. Wesens. Ansprechen. enthemmt. Kontaminationen. Stimmen. laut. Begriffszerfall. Gedanken abreißen. deren wichtigste die Schizophrenie ist. optische Halluzinationen.a. albern. Wortneuschöpfungen Bei der Wahrnehmung erhalten Wesens. Eigenschaften der Struktur und Beschaffenheit treten in der Wahrnehmung zurück Halluzinationen akustische Halluzinationen.Beeinträchtigungs-.B. ferngesteuerte Schläge.7. Zönästhetische Halluzinationen. sexuelle Manipulationen an Genitalien etc.Störungen Depersonalisation Desintegration Akzessorische Symptome der Schizophrenie Wahnerleben (Beziehungs. zusammenhanglos. die den Pat. wie es im „normalen“ nicht möglich ist Autismus Ich .B. Trugwahrnehmungen des Gesichtssinns olfaktorische Halluzinationen. 110 . gustatorische Halluzinationen.). Begriffsverschiebung. stehen bei den psychotischen Störungen. elektrischer Strom im Körper. Eifersuchts-. seinen Namen rufen. läppisch (Hebephrenie).und Ausdruckseigenschaften ein Übergewicht gegenüber Struktur und Beschaffenheit der Gegenstände Störungen der Affektivität Verstimmungen verschiedenster Art. Handlungen kommentieren etc. ausgelassen.1 Musiktherapie bei Schizophrenie Im Gegensatz zu den neurotischen Störungen. Ambivalenz. Ansprechen. Grundsymptome der Schizophrenie Störungen des Denkens zerfahren. Stimmen. Wahrnehmung von ausströmendem Gas etc. z. Verfolgungs-. Störungen des Körperschemas akustische Halluzinationen. unvereinbare Erlebnisqualitäten stehen beziehungslos nebeneinander. Einer richtigen Wahrnehmung wird eine abnorme Bedeutung beigelegt. die Zusammengehörigkeit von Gefühl und Ausdruck ist aufgehoben. dabei karikaturhaft. die den Pat. bei denen Probleme im Bereich der Emotionalität vorrangig sind.und Ausdruckseigenschaften am wahrgenommenen Gegenstand erhalten Übergewicht.Versunkenheit und Verlust der Realitätsbeziehungen Passivität Wahnerleben Ich . Größenwahn u. die Wahnidee gehört der Vorstellungswelt des Kranken an. Stimmungslage und gegenwärtige Situation passen nicht zusammen. Handlungen kommentieren etc.

Über die „Bedingungen. Mundt. Gongs.und Abschiedsritualen umrahmt. The wounds that Sing. wenn man spirituelle transpersonale Dimensionen der Psychose mit ein bezieht. geborgenheitsvermittelnden Atmosphäre. 72-86) „Entgegen den alten Dogmen der Psychiatrie. die in der Improvisation mitgeteilt werden können. besonders. Wenig Instrumente. Monocord. London 1993.Katatone Symptome psychomotorische Phänomene der Schizophrenie Stupor. Klangschalen. meist pentatonisch und dienen vor allem dazu. n. 222). Echophänomene Quelle: Schulte. die belegen. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Die alte Psychiatrie hielt eine Heilung. Tölle 71985. 13. Bei längerer Therapiedauer können auch freie Improvisationen hilfreich sein. dass hilfreiche Therapieschritte gerade in akuten Phasen mit Musik gemacht werden. ohne sprachliche Äußerung wichtig: Patienten haben auch in dieser Verfassung ein völlig waches Bewusstsein und können später ihre Erlebnisse genau schildern Katatonismen. können Klänge helfen. Vielfach wird bei akuten Zuständen von Musiktherapie abgeraten. Hanne Mette Kortegaard: Music Therapy in Psychodynamic Treatment of Schizophrenia. Peter Hess arbeitet als Oberarzt und Musiktherapeut an der Psychiatrischen Abteilung eines Städtischen Allgemeinkrankenhauses (Frankenthal) mit rezeptiven und aktiven Methoden unter Verwendung von archaischen Klängen von Trommeln. Didgeridoo. Berimbao und anderen. dass die Psychose von Erfahrenen einfühlbar und unter Einbeziehung aller Bewusstseinsschichten auch voll erklärbar ist. die es noch zu entdecken gilt. Ist weitgehend reglos Mutismus. Selbstverständlich sind psychodynamische und familientherapeutische Therapiemethoden unverzichtbar“ (79). Auch die musikalischen Erfahrungen sollten überschaubar und vertraut sein. wie Neuroleptika und Elektrokrampftherapie zu beeinflussen sei. seien es Gefühle der Übertragung. Pat. außer mit biologischen Methoden. Es gibt aber Erfahrungen. Wir dagegen sind der Auffassung. in Faust 1995. in Heal and Mead (eds) Music Therapie in Health and Education. Einfache Improvisationsspiele oder auch Lieder und Tänze finden Verwendung. dass die Psychose uneinfühlbar sei und unverständlich und nach eigenen Gesetzen ablaufe. für nicht möglich und aufdeckende Therapie und Entspannungsverfahren seien besonders bei Psychosen contraindiziert. relativ reizarmer therapeutischer Rahmen hergestellt werden. In der Therapie wird der musikalische Ausdruck zur Symbolisierung bedrängender Gefühle. Leerlaufstereotypien und Dyskinesien. die nur durch drastische Mittel. weiche Behandlungsmethoden erfolgreich sind. Gerade wenn Patienten sprachlich nicht erreichbar sind. Während des Akutstadiums der Psychose wird „großer Wert gelegt auf die Schaffung einer schützenden. London 2000. nämlich. gehen wir davon aus. geeignete Symbole für Emotionen zu finden. 96 f Hinweise zur Musiktherapie: Schizophrenie kann man verstehen als die Unfähigkeit. dass eine kausale Therapie und echte Heilung möglich ist. unter denen eine solche intensive Therapie mit schwer gestörten Patienten überhaupt möglich ist“ schreibt er: (Einblicke. 61 zit. wieder auf die Erde zurückzu111 . 2002. ihre Gefühle auszuagieren und sich in einer basal stimulierenden Atmosphäre zu entängstigen. Die Instrumente sind gut aufeinander abgestimmt. Die Sitzungen werden von wiederkehrenden Eingangs. der Gegenübertragung oder neu geschaffene Symbole der therapeutischen Beziehung (vgl. Bei schizophrenen Patienten sollte zuerst einmal ein sicherer.

Aufbau der Gongtherapie (Ritual mit Life-Musik) nach Hess (2002. wenn akustisch gespeicherte Traumata vorliegen“ (83). Didgeridoo und Oceandrum Gong Stille Rücknahme der Trance Koto oder Flöte und Tabla unterstützt von der Shrutibox Aktive Gruppenimprovisation Spontanes Maler und/oder Gedicht Verbale Integration mittels Kreisritual mit zweimaliger Runde Schriftliche Integration mittels Eigenprotokoll 1-2 Tage nach der Sitzung Thomas Wosch (in: Hans-Helmut Decker-Voigt (Hrsg): Schulen der Musiktherapie. Im Remissionsstadium der Psychose geht es dann mehr um die Entdeckung und Ausbau kreativer Fähigkeiten mit gemeinsamen Musizieren mit leicht spielbaren Instrumenten. 72-86) Einzelheiten zur Organisation der Musiktherapie bei Hess s. wie allgemein beschrieben. 78): Einstimmen der Instrumente und der Teilnehmer Verbale Trance-Induktion mittels geführter Meditation Klangtrance Monocord Monocord und Obertongesang Tanpura und Gesang (Wiegenliedähnlich) Tanpura und Tabla Tanpura. Dieser Ansatz geht auf antipsychiatrische Reformbewegungen der sechziger Jahre zurück und basiert auf der Erkenntnis. Es geht aber auch um Eröffnung neuer Handlungsspielräume in der freien Gruppenimprovisation. dass bei „Menschen mit akuten schizophrenen Störungen eine intensive Überlagerung der Gefühlslandschaft mit dem Affekt Angst“ gegeben ist (195). 2002. Indikationen und Kontraindikationen ergeben sich „weniger aus dem Krankheitsbild an sich. in: Einblicke 13. um so mehr Chaos kann in den Gruppen dann wieder zugelassen werden. 183-207) beschreibt musiktherapeutische Einzelmusiktherapie mit schizophrenen Patienten in der Akutpsychiatrie auf Grundlage von „verstehender Psychiatrie“. München 2001. unter Kapitel 7. Als weiteres Argument gegen die Auffassung des Primats einer Denkstörung bei Schizophrenen führt Thomas Wosch Ergebnisse von Untersuchungen mit dem Integrierten Psychologischen Therapieprogramm (ITP) an. bei dem der angenommene kognitive Symptomkomplex (Denkstörungen) mit kognitiver Therapie durch Training von semantischen Bezügen und Re112 . dass „die schizophrene Störung nicht primär als Denkstörung“ zu verstehen ist. sondern eher an der individuellen Bereitschaft. Außerdem geht es dann in der Gongtherapie auch um einen kausalen Behandlungsansatz“ (81). dass die Affektlabilität Folge einer Grundstörung im Bereich der Kognition sei. Mit Hilfe von EEG-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden.“ „Eine besondere Behandlungschance ergibt sich immer dann. Je gesünder der Patient wird. (Peter Hess: Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. sondern vor allem als affektive Störung.kommen und Wege aus der Isolation zu eröffnen.“ Die beschriebene Auflösung des Denkens und der Sprache sei eine Folge der Affektstörung und nicht umgekehrt. „wie sie als Phänomen im ICD 10 und DSM IV als ein notwendiger Faktor beschrieben wird. sich auf körperorientierte Therapie einzulassen. Die Skalen sind dann nicht mehr begrenzt.

sich aber im Bereich der sozialen Wahrnehmung und Problemlösung keinerlei Veränderungen zeigten.: Soteria im Gespräch. a. L. denn es seien „starke emotionale Blockaden im späteren Verlauf des Erlernens sozialer Fertigkeiten zu beobachten“ gewesen (196)..) kamen auf diesem Wege „zu der Annahme. dass zu Beginn der Therapie ‚an eine stärkere Beachtung psychophysiologischer und emotionaler Prozesse’“ zu denken ist. L. In diesen Fällen erwies es sich auch als sinnvoll.. und Burti. E. Hansen.a. Ciompi. Psychiatrie in der Gemeinde. Aus alledem folgert Wosch die Indikation einer musiktherapeutischen Einzelmusiktherapie für Patienten in akuten schizophrenen Zuständen. deren Wirksamkeit er an Hand von zwei stilisierten Fallbeispielen nachweist (198-204).aktionsfähigkeit beeinflusst werden sollte. „die pharmakologische Behandlung nur gering zu halten und der Klientin eine Möglichkeit des Ausagierens und Verstehens ihres Zustandes zu geben“ (201). Die positiven Erfahrungen im Bereich der Soteria Projekte in Amerika (Mosher. Das Setting ist: zweimal wöchentlich jeweils eine Zeitstunde in der verlässlichen Dyade mit Methoden der musikalischen Improvisation auf Instrumenten und anderen vom Patienten angeregten musikalischen Aktivitäten. Hier „wird dem gestörten überdimensionalen Affekt Angst mit den Mitteln zwischenmenschlicher Beziehungen und einer Wohngemeinschaft begegnet.R. 113 . Bonn 1992) und Schweiz (Aebi. L.O. Zu dem besonderen Milieu gehört für die verstärkt akuten Erscheinungen von Schizophrenie ebenfalls das ‚weiche Zimmer’ mit der 1:1-Begleitung rund um die Uhr“ (196). H. Dabei zeigte sich. Die beiden Autoren (Roder und Brenner. dass die Patienten zwar neue Denkmuster lernen konnten. Bonn 1994) erhalten durch diese Untersuchungen zusätzliche Begründung und Bestätigung.

2 Musiktherapie bei Depression 114 .7.

durch Analogien. Göttingen 1999 Versteht man „abnorme Trauer“ als Ausgangspunkt depressiver Erkrankungen. durch Analogien. als sie „durch Äußerung der nach innengekehrten Aggressionen einen Trauerprozess in Bewegung“ bringen. Rhythmen und Tempi bewusst und abwechslungsreich zu gestalten.B. die in der Behandlung einzelner musikalischer Parameter durch die Patienten erkennbar werden. zu wählen und Initiative zu ergreifen. Die oben dargestellte Symptomübersicht verdeutlicht. 148). und eigenständig zwischen musikalischer Verschmelzung und Übereinstimmung (Symbiose) sowie Abgrenzung und Kontrast (Individuation) entwickelt (vgl. ebenso der „Ersatz von disfunktionellen Kognitionen durch funktionelle Kognitionen“ (kognitive Therapie). dass es bei der Therapie darum gehen muss. weil musikalische Erleben einerseits eng mit primärpsychischen Prozessen. extrem empfindlich sein für Dynamik (sich abwenden von Klavier. Die depressiven Symptome zeigen sich im musikalischen Verhalten der Patienten 1. kognitive und verhaltenstherapeutische Zugänge nicht voneinander trennen. insbesondere von gegen sich selbst gerichteten Aggressionen. mit Emotionen und präverbalen Erfahrungsinhalten verbunden ist und andererseits interaktive Handlung und symbolischer Ausdruck von sozialen Beziehungsmustern ist. sowie neue Erfahrungen im Bereich der sozialen Beziehungen zu finden. musikalische Symbiose“ (149). „die in der Musiktherapie noch nicht spezifisch musikalisch sind“.: leise klingende Instrumente auswählen (Xylophon). monotones und nicht rhythmisches Spiel. nicht auswählen können oder keine Initiative ergreifen 2. Das beinhaltet die Auseinandersetzung mit biographischen Situationen. In der Therapie haben sich emotionale Äußerung. in einem langsamen Tempo spielen. „z. Die nachfolgende Fallgeschichte verdeutlicht einen solchen Therapieprozess: 115 . Melodien zu entdecken und zu gestalten. wie sich im Verlauf der Therapie die Bereitschaft. bewährt. einen Zugang zu abgespaltenen und nicht mehr zugänglichen Emotionen zu öffnen.B. Die bei Depressiven zu beobachtenden „disfunktionellen Kognitionen beeinflussen Emotionen“ und „negative Ereignisse“ werden „dem eigenen Unvermögen“ zugeschrieben. haben sich „die Psychoanalyse und Interpersönliche Therapie (Klerman)“ insofern bewährt.zum Thema Depression“ aus Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie. Schlagzeug). Bei der Musiktherapie lassen sich tiefenpsychologische. Sie leiden unter einem „Defizit an Verstärkung“. Theoretisch wäre zu erwägen. in denen Verlusterfahrung nicht ausreichend betrauert wurde. z. Lautstärke zuzulassen. die Verhinderung von Hilflosigkeit und die Vermehrung von angenehmen Aktivitäten (Verhaltenstherapie) (147). innerhalb eines begrenzten melodischen Umfanges spielen. in denen die natürlichen Gefühle nicht ausgelebt wurden und in denen persönliche Kränkungen nicht wahrgenommen und verarbeitet wurden.

sie befinde sich „in einem Loch. was er ihnen angetan habe. Frau W. kommt nicht zur Musiktherapie. sie sei „ganz unten“. Eine Mitpatientin (Frau W. macht ihm Vorwürfe und läuft dann wieder fort. an der sie nicht teilgenommen habe. wie ein vierjähriges Kind das machen würde. jede solle sich ein bis zwei Instrumente wählen. wie das geht. was sie in den Händen spürt. 96): Frau N. wir stellen die musikalisch dar. das verzweifelt ist.) Frau W. (Am Ende der Sitzung fällt ihr ein. in einer Musiktherapiegruppe zu behandeln. wobei sie mich zu äußerst leisem Spiel zwingt. sie solle sich vorstellen. ich frage: „wer klagt da?“. Wir spielen die Wiese. Am Ende der Sitzung sprechen wir über Ursachen der Depression. sie so einfach im Stich zu lassen. sich nicht so gehen lassen u. Sitzung (26. keinen Weg sieht. äußert aber auch Schuldgefühle. ich halte ihr die Handtrommel hin und bitte sie. was sie sieht. dass dieses Bild über ihrem Kinderbettchen hing. ___________________________________________________________________________ 4. die Beziehung zu ihrem Ehemann. Im Verlauf der Arbeit thematisiert Frau N.11. wird während des Erzählens unruhig. mir weist sie die Rolle des Ehemannes zu. Ich bitte sie. Frau N.. und ich frage sie. Wir spielen dann alle gemeinsam mit ihr „Lebensfreude“. die ihr zuwinkt und sie zu sich ruft. sie solle sich zusammenreißen.11. am Rand des Abgrundes steht ein kleines Mädchen. was sie auch tut. die aus zwei Planken besteht.11. Frau W. und Frau W.67): Ich bitte die drei Patientinnen. Die anderen spielen die Wiese. Dabei wird viel gelacht. sie hätte am liebsten das Instrument (Glockenspiel und Flöte) in die Ecke geworfen. der Tod hinter ihr her.“ Sie spielt. unerledigte Trauerarbeit. nimmt sich eine Handtrommel. sagt. das seien „klagende Hilferufe“. jetzt trete sie allmählich zurück. im Kreis herum läuft und weint. ich beschreibe ihr Spiel. über die Beerdigung. Sie hat die Augen geschlossen.63): Es sind sechs Patientinnen gekommen. wie sie den Kontakt bestimmt und dass ihr Mann dabei durchaus nicht immer in der stärkeren Position ist. 81): In dieser Sitzung ist das Thema die Familien der Patientinnen. auf der Conga weiterzutrommeln. sie sagt dem Tod und dem Vater: „Ich will leben. es sei ihr Vater. ___________________________________________________________________________ 1. sie sagt ihm.Fallbeispiel Frau N.12. Sitzung (12. die sie verspotten. bis sie wieder vor dem Abgrund steht.s. zu leben. ein kleines Mädchen auf einer Wiese. Sitzung (3.B. sie stehe wieder am Abgrund. z. vorne leise und sanft spielen und von hinten einen Schubs geben. Danach sagt sie. dass sie beim Klang der großen Klangschale und den Glockeninstrumenten Angstgefühle und eine „Friedhofsstimmung“ erlebt hat sowie starke Unruhe. Dort entschließt sie sich. den Weg zurück. schließlich sinkt sie an der Conga zusammen und kauert am Boden. die an einen Abgrund stößt. bis das Trommelfell reißt. jetzt drehe sie sich um und laufe über die Wiese einen Weg entlang. mit den Fingern auf sie zeigen und ihr sagen. wie es ihnen geht. will auf der Mundharmonika Lebensfreude spielen aber sie wisse nicht. erleichtert. den sie mit Hilfe einer schmalen Brücke. es gehe ihr schlecht./S. Frau N. kurze Tonfolgen auf dem Glockenspiel mit Filzschlegel. das sie irgendwo einmal gesehen habe. erkennt. sie wirft plötzlich das Glockenspiel auf den Boden. Beim anschl. Jetzt komme sie an einen Bach. Am Ende schlägt sie deutlich und für alle vernehmlich gegen das hintere Ende des Instruments. auch einmal so aus sich herauszukommen. was sie jetzt tun wolle. dort stehe eine Gestalt. zusammen mit Frau S. auf die sie mit den Fäusten einschlägt. ledig. und ebenso Frau S. es kommt daraufhin zu drei wilden Aggressionsausbrüchen auf der Trommel. Diagnose „Depression“ (endogen?) Alter: 62 Jahre. überquere. Anschließend ist Frau W. um sie nicht zu übertönen. um darauf zu spielen. Sie setzt sich auf einen Stuhl. Wir beschließen nach dieser Sitzung. die ich auf der Handtrommel musikalisch darstellen soll. darauf zu spielen. Sie sehe ihre Mutter und Schwester vor sich.. Frau N. dabei ist sie sehr aufgeregt und presst ihre Fäuste in den Nacken. berichtet von einem Bild. Frau N. ___________________________________________________________________________ 2. sie wisse aber nicht mehr wo. ich gebe ihr die Hilfe. sie spielt mit leisen Schlägen und sanftem Reiben. der Ehemann ist Stahlarbeiter. Sie geht nicht zu ihm.“ Sie erzählte dann noch über die näheren Umstände des Suizids ihres Vaters./S. das Mädchen.) berichtet. wie sie sich fühlt. dass sie sich so habe gehen lassen. und hinter ihm ihr Schutzengel. Mitte 30. sie wählt für ihre Rolle die Klanghölzer. wobei es ihr allerdings zunehmend schwerer fällt zu stehen. verheiratet. es zeige eine abschüssige Wiese. Ich stelle die Instrumente vor und lasse sie von Patientin zu Patientin weitergeben und ausprobieren. Daraufhin sagen Frau N. ___________________________________________________________________________ 3. Sitzung (19./S. die einzelnen Rollen werden mit Musikinstrumenten dargestellt. Anschließend sprechen wir darüber. ___________________________________________________________________________ 116 . eine Tochter. den Impuls verspürte „Raus! Nichts wie weg hier!“./ S.f. sie sehe jetzt auch Blumen und Schmetterlinge.. Ich frage. Sie sehe ein Haus. sie wünschten sich. Austausch sagt Frau W. Der habe sich vor sieben Monaten das Leben genommen.

zunächst äußert sie Wut auf eine Mitpatientin. wenn sie sich mit ihren Angehörigen auseinandersetzt. er liebt mich wohl doch. zugleich empfindet sie Schuldgefühle und macht sich Vorwürfe wegen ihres Wunsches nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung. Frau N. ihrem Ehemann in diesen Prozess mit einzubeziehen und zu lernen.kalte Wut . sie berichtet dann. die sich nach diesem Erleben aber auflöst. andererseits aber ist er eifersüchtig. die andere./S. dass die ihr immer dazwischen kommen. dreckig.127): 117 . Sitzung (21. Sitzung 28. vielleicht aber nicht konsequent genug. begleitet den ganzen Prozess und erkennt die Parallelen zu ihrem eigenen Leben.“ Die Problematik besteht darin. gegenüber den Mitpatienten). 116): Frau N. der sie mit einem Riemen verprügelte. spielt die Traurigkeit mit Klanghölzern.12. Sitzung (9. der sie sich gern überlässt./S. in dem sie sich ganz wohl fühlt. die eigentlich so schön hell sein könnte. der rechts unten leicht durchbrochen ist. sich ihrer geschämt oder sie moralisch abgewertet („schmutzig. der aber schwarz eingerahmt ist („da bekomme ich immer eins auf den Hut“). wobei Frau N. 1. Andererseits ist diese Abgrenzung notwendig gewesen. spürt einen spitzen./S. Im Akzeptieren dieser Seite empfindet sie zugleich die Wut gegen ihren Mann. von dem sie sich vernachlässigt fühlt. dass es ihr zu Hause wesentlich besser gegangen sei. bisher habe sie diese nur abgewehrt bzw. ist erleichtert und Gesicht und Schultern entkrampfen sich. er liebt mich nicht. nagendes Geräusch auf der Handtrommel.. sie habe an scheinbar kleinen Dingen (Adventskranz. die anderen in der Gruppe. zugleich ihr aber in Form von Selbstbefriedigung oder Nachgiebigkeit dem Schwager gegenüber Raum gegeben. Wir betrachten die Beziehung Wut . In diesem Zusammenhang berichtet sie über ihre Kindheit und ihren jähzornigen und frommen Vater. h. dass sie ihren Mann sehr liebt. spürt sie die Verlassenheitsangst und. etc.12. die Herzschmerzen (ein rotes Herz)../S. indem sie sehr lange das monotone. führt sie aus. Frau N.12. Wut empfindet gegen die Männer. ich antworte ebenfalls mit Rasseln. kommt sehr bald zum Thema. an dessen Ende sich eine Schnalle mit der Aufschrift befand: „Gott mit uns. mit den Fingernägeln macht sie ein kratzendes. solange zu spielen bis sie den Wunsch spürt. sie wirft ihn symbolisch hinter sich. Plätzchen. Bei Unterstützung mit der Stimme kommt der Kloß heraus.12. die Aufgabe.“ Diese alte Angst ist jetzt noch spürbar. d. dann kommt die Wut gegen ihren Schwager zum Ausbruch.B. 122): Frau N.Entladung nach innen oder außen. Wut zu zeigen wo sie entsteht in den einzelnen Situationen (z. sie könne „zum Triebtäter werden“. Zum Abschluss spricht sie ihre Angst an. sich anschließend nicht erleichtert fühlt. der sie nun auch ihrer Berechtigung zuspricht.sie hat deswegen Schuldgefühle. beschreibt die Beziehung zu ihrem Ehemann.. insbesondere dass sie seit 2 Jahren nicht mehr bei (und mit) ihm schläft („wegen Alkohol“.sie hat ihn irgendwann einmal vor die Alternative gestellt: „entweder die Kneipe oder ich“) . es entsteht „eine richtige Melodie“ (Frau N. etwas zu verändern. Sitzung (16. schwarzen Kloß mit vielen Zacken im Magen. Frau W. Ein farbenfroher Kreis von vielen Gefühlen. ___________________________________________________________________________ 6.).12. 124): Frau N. als Ausdruck für die „Sehnsucht nach einem natürlichen Leben“. sie spürt Angst („das dicke Ende kommt nach“). die Herzschlagkurve mit unterschiedlichen Phasen. Wir spielen dann „Streit“. eine Art „klagender Kreislauf“ . Sie bringt im Gespräch den Kloß mit den permanenten „Sticheleien und Verletzungen durch den Ehemann“ in Beziehung. von denen sie sich schlecht behandelt fühlt.“). Musikmalen (18. Es kommt zu einem Dialog zwischen 2 Seiten in ihr: Die eine die sich abgrenzt. wir. Die Notwendigkeit. ___________________________________________________________________________ 8. anhaltend klagende Spiel fortsetzt. dass die verhüllte Wut auch die Liebe verhüllt. Ein Baum und eine grüne (Hoffnung) und eine dunkle (traurige) Blume. malt zur Musik von Jade Warrior mit Wachsmalstiften eine Bildergeschichte. als sie die ausagiert (in Form eines tätlichen Angriffs gegen mich). stimmen in diesen Rhythmus ein (Tabla. ein „Schwänzchen von den Gefühlen“ ragt aus dem schwarzen Kasten.vor und zurück.Hass . Schellenring. ___________________________________________________________________________ 7. zum Kaffeetrinken fahren) Freude gehabt.5. Über diese Thematik kommt sie an die Wut gegen ihren Ehemann. 103): Frau W. Xylophon)./S. heraus. betont ihre Schwierigkeiten Konflikte konsequent auszutragen. keine Symptome seien aufgetreten. das dann ganz allmählich in einen anapästischen Rhythmus einmündet. die sich nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung sehnt. dieses Gefühl drückt sie mit Rasseln aus. „mein Mann würde mich auf der Stelle verlassen wenn ich ihm offen meine Wut zeigen würde. vor und zurück. .

ob sie sie auch als schwaches Gegenüber mögen würde. _________________________________________________________________________________________ 10. „ob man das hier dürfe. wiederum hat Frau N. Es gelingt ihr auch. was sie brauchen.12. ihr Mann habe sie wohl noch nie schwach gesehen. und Frau W. ihrem Mann nicht ihre schwache Seite zumutet. dass sie sich ausgesprochen schwach und elend fühle. Sie weint. aufgeregt hat und die sie unter keinen Umständen mehr hatte hören wollen („hör auf damit. sie malt sich alles mögliche aus.“ Außerdem. Sie spricht die Angst aus. Frau W. Zusammenfassend gesehen war es ein nachträgliches Erledigen der Weisung vom letzten Mal (wahrzunehmen wie es dem anderen geht und was er wohl auch tatsächlich braucht). wo sie sich noch unfähig fühlt. der allen Halt gibt. was sie sieht. Frau W. sie komme ihr ganz fremd vor. die sie bei der schwachen Frau N. wenn sie es will. sie solle weiter vorangehen und nicht zurück oder seitwärts ausweichen. als Co-Therapeutin. sie zuerst anschauen. Frau N. beide Patientinnen wählen Rasseln als „ihr“ Instrument. Frau N.Frau N. Blickkontakt zu haben. sagt sie könne nicht „schreien. verletzt habe) und von Verwirrung und innerer Leere („ich spüre nichts in mir“).) sei die stärkere. anschließend fühlt sie sich „um 6 Zentner erleichtert“. die Beobachtung gemacht habe. sie selbst habe sich zuerst von Frau N’s Tönen (langsames Drehen der Rassel) bedrängt gefühlt. dass sie bereits nun schon entlassen werden soll. da wo das Bild der starken Frau N. nun kann die Beziehung in der alten Weise nicht mehr fortbestehen. Frau W. äußert Angst. 28. so dass Frau W. dass sie sich nicht zu schämen braucht.das ist als wenn ständig jemand um mich herumschleicht!“). sie (Frau N. nur handeln tut sie nicht und die zuständige Ärztin fragen. Ich frage. als ich sie darauf hinweise./S. hat sie nicht den Mut. beschreibt ein „Feuer“ in sich. spricht von Schuldgefühlen (weil sie Frau N. was sie mit der Angst machen wolle? Sie versucht sie zu verharmlosen. sei der ruhende Pol. dass Frau W. das ist als ob jemand um mich herum schleicht und was von mir will!“. beim abschließenden musikalischen Gespräch spielt Frau W. sie solle sich entscheiden was sie nun anschauen wolle. wir spielen dieses Märchen mit den Instrumenten.. Frau N.1. dass sie sich ihrer Familie gegenüber schuldig fühle. das Abladen (des schweren Korbes) sei Stück für Stück in der Musiktherapie geschehen. die ja (als Co-Therapeutin) neben ihr sitzt (!). weil sie nun schon solange weg sei etc. sagt sie. Damit hat Sie Frau N’s Frage. bereits musikalisch beantwortet. Nun habe sie hier ihre schwache Seite gezeigt und fühle uns gegenüber Scham. die Kränkung zurückzumelden darüber. sie müsse die Starke sein. schließlich fasst sie allen Mut zusammen und fragt. Nun spüre sie ihre eigene Schwachheit. Dann spürt sie ihre Schuldgefühle und schaut nach innen. sich besser durchsetzen könne etc. schließlich „aufgibt“ („hör auf damit . dass sie wohl auch daran gedacht habe aber nicht wisse.1. wenn sie wirklich ihr Schwachsein zur Kenntnis nähme. im Spiel findet eine Auseinandersetzung statt. kurzzeitig heftig spielt. kann diese Fremdbeobachtung nicht annehmen und teilt mit. aber dreht das Instrument beständig. ob sie zu ihr kommen solle. Frau N. 147): Frau N. dass sie es darf. das sollen. Es muss etwas neues gefunden werden. sehe und was sie machen wolle. dann fragen. nehmen an der Sitzung teil. dass sie sie anschaut und sich klarmacht. Das aber kann sie nicht. wenn sie wütend ist. dann will sie sie trösten. Angstgefühle (auf der Brust) spüre. so meine Anweisung.“ ___________________________________________________________________________ 118 . Ich frage ob sie sie denn verstehen wolle und wie sie das bewerkstelligen wolle.): Holzrassel leise umdrehen. zu fragen. sie in den nächsten Tagen üben: Einander Schwachheit zuzugestehen und sich zu sagen. wenn sie schwach sind. Frau N. Sie habe Mühe mit einem schwachen Gegenüber umzugehen.) leise. Solange Frau N. am dicken Ende müsse sie doch immer wieder alles ausbügeln. Im weiteren Verlauf erzähle ich das Märchen von der Frau mit dem schweren Korb. nicht mehr verstehen. sagt. außerdem eine Schülerin und Frau Dr. Sie könne Frau N. die laute (aus Plastik). soweit kommt sie. frage ich ob sie mal Zeit für mich hätte“). in Wahrheit sei sie schwach und sehr traurig (weint). dass Frau W. Sie holt sich Feedback von jedem aus der Gruppe. Sitzung (6. gesagt. meint. Frau W. was kann ich von dem Wunsch erfüllen?) und Rückmeldung geben und es dann tun. als klar ist . (was wünschst du dir von mir?) und zu entscheiden (was will ich. Sitzung (13. wird er auf seine schwache Seite festgelegt. dass dies nur so scheine. in deren Verlauf Frau W. wenn ich sie mal zufällig treffe. Ich richte die Frage an Frau N. auch nie so schwach gesehen. sie habe bei Frau N. dieselbe Musik. Frau N. wir üben detailliert wahrzunehmen (ist traurig). Frau N. als tatsächlich der Fall sei. zu fragen („vielleicht später. sie nicht mehr mögen würde. oder ihre Schuldgefühle. sie weint. sie wegzuerklären./S. Ich rege an. sie berichtet. (sie sagt sie sei sehr müde) die hölzerne (leisen). zu Hause könne sie sich (insbesondere vor ihrem Mann) nie schwach zeigen. war. etwas anderes in ihr sehen will. Frau W. was sie an Frau W. 133): Frau W. dass sie stärker und sicherer geworden sei. sie solle langsam Schritt für Schritt auf sie zugehen. ist zuversichtlich und teilt mit. es sei alles in ihr verwirrt (früher hat Frau W. „ausdauernd“ (Frau W. was ich aber verhindere.) ___________________________________________________________________________ 9. und dann erst auf sie zugehen. das ihr sagt. kann dieser nicht auf eigenen Füßen stehen. ist es nun leer. K. sie benennt ihre Schwierigkeit.

1. die Schale steht zwischen ihnen. nachdem sie die Traurigkeit zulassen könne./S. Ich gebe ihr zum Schluss der Sitzung die Mundharmonika mit. damit sie für sich selbst üben kann. die er ihr nicht zu geben gelernt habe. dass er. zum Thema Freude. es sei ihre gemeinsame Aufgabe. Ich empfehle ihnen zum Abschluss. das wäre so als wenn sie die Schale allein auf dem Schoß hätte. malt zur Musik von „Rondo Veneziano“ ein „Meer von Traurigkeit“ mit einem einsamen schwarzen Raben und einer kleine roten Sonne (Fingerfarbe). Musikmalen (22. 175): Es ist die letzte Musiktherapiesitzung vor der Entlassung aus der Klinik. mit Aggressionen umzugehen. Sitzung (21.1./S. mit der Therapeutin ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen und eine psychotherapeutische Weiterbehandlung anzustreben./S. was sie sich von ihm wünsche. doch ihr Mann nehme sie ihr immer wieder weg. Musikmalen (15. die Schale beiseite zu schaffen. die Erfahrung. 164): Auf Wunsch der Patientin eine Einzelsitzung.aber (im Bild) die Klangschale ist beiden im Weg. später kommt ihr Mann in der Sitzung dazu und setzt sich ihr gegenüber. sei das Gefühl bzw. ein Kanu. keinen Berg (!). sie sei dazu noch nicht weit genug. Ich lade sie ein. In der jetzigen Therapiephase sei es wichtig./S. Sitzung (20. dass sie wohl gerne mit ihm schlafen wolle. obwohl sie einen habe malen wollen.. was sie mitnimmt und was sie hier lässt. _________________________________________________ 13. 154): Frau N. spielt danach das Lied „An der Saale hellem Strande“. sondern legt sie neben sich. Sie sitzen nebeneinander auf der Couch und haben die Mundharmonika zwischen sich liegen. Satz der 6. sie wünsche sich vielmehr Zärtlichkeit. Vorschlag meinerseits: zu sagen. Er hat zwei Wünsche zu seinem Geburtstag: eine Mundharmonika und mit ihr zu schlafen (nach 2 Jahren).1. sie würde seine Unsauberkeit (lange Fingernägel und zotige Witze) ekeln. sie solle sich zusammenreißen etc. die das verhindert hätten. diese (als Klangschale symbolisiert) enthält: Angst (Trommel). Bei der Darstellung des Gefühls Wut sind alle hinterher sehr erheitert. mit dieser Aufgabe lassen wir sie eine Weile allein im Raum und warten. ich frage Frau N. 119 . die Schale steht zwischen ihnen wenn er etwa zu ihr sagt. wenn sie Angst hat. Damit endet die Therapie. Traurigkeit (Melodie „Die alte Kapelle“ auf der Mundharmonika. den Berg und die Felsen zu malen. malt (mit Fingerfarben) zum 2. Kummer (Plastikrassel). sich damit auseinander zu setzen. ___________________________________________________________________________ 12. Was sie mitnimmt. _________________________________________________ 11. dann hätte sie aber nicht mit dem Boot bei den Steinen ans Ufer gehen und der Gefahr ausweichen können. Ich sage. sie wünscht sich von ihm. 168): Frau N.1. Wir spielen alle Gefühle des Zauberspruchs. Sitzung (27. bis sie uns wieder herein holt. aufgrund technischer Unzulänglichkeiten (?!) sei es ihr nicht gelungen. die entlassen wird. uns wieder in den Raum: Sie hätten den Weg zueinander freigemacht. nahe bei ihr ist . eine Wiese.2. Thema Abschiednehmen.1. Frau N. Sinfonie von Beethoven einen Wildwasserfluss. 159): Heute nehmen wir Abschied von Frau W. Das Bild zeigt deutlich Möglichkeiten. ___________________________________________________________________________ 3. danach holt Frau N.. Verzweiflung (Holzrassel)./S. um selbst zu spielen. sie übe das Spiel auf der Mundharmonika.. auch die Aggressionen anzunehmen. Letztere legt sie nicht in die Klangschale (Klangschale gleich Krankheit). Verständnis und Geduld von uns bekommen zu haben außerdem: ihre Krankheit. aber dazu ihre Bedingungen und Wünsche formulieren solle.

9. 5. Sehnsucht nach Liebe Angst Ereignisse im Bereich der Emotionalität „ich möchte aus mir herauskommen können“ Lebensfreude als Ziel klagendes Mädchen am Abgrund Ereignisse im Bereich der Beziehungen Musikinstrument Mundharmonika Kontakt zum Ehemann: „zurückziehen und einen kleinen Schubs von hinten“ Klanghölzer Ehebeziehung: Alkohol. Musik. wie der therapeutische Prozess zwischen Themen aus dem Bereich der Emotionalität und des Beziehungsgeschehens hin. Boot. 8.und herpendelt. MusikMalen 12.Herzschmerzen. Unterschiedliche Instrumente dienen hierbei als emotionale Katalysatoren. Angst vor Entlassung 2. Wiese. kein Berg gemeinsame Sitzung mit dem Ehemann Klanghölzer Schwäche zeigen. Bedürfnisse äußern. aus klagendem Kreislauf wird eine richtige Melodie 7.: 1. Abgrenzung gegen Mitpatientinnen Mut gegenüber der Ärztin Rassel Rassel Mundharmonika Trommel Ekel gegenüber Ehemann. 2. 3. kein Sex. Hoffnung. Neue Zugänge zur Emotionalität ermöglichen Veränderungen auf dem Gebiet der Beziehungsgestaltung.Die nachfolgende Übersicht zeigt. Traurigkeit. 3. Musik. Lied mit der Mundharmonika Wut spielen erheitert 11. Wildwasserfuß. Erlebnisse mit dem prügelnden Vater Trommel 1. Malen froher Kreis von Gefühlen in schwarzem Kasten.„Ein Meer von Traurigkeit“ Malen 10. Sitzung Nr. 4. „ich kann nicht wütend sein“. mit „Schwänzchen“ 6. erotische Wünsche (Integration von emotionaler und sozialer Thematik) Alle Instrumente in der Klangschale 120 .

Wut auszudrücken. bearbeitet werden können: - - - - Leistungsorientierung Aggression und Aggressionshemmung Außenorientierung „Die Fähigkeit zu verschmelzender Einfühlung in die tatsächlichen oder vermeintlichen Ansprüche und Gefühle des Anderen. Bedürftigkeit „Hinter dem scheinbaren Altruismus depressiver Patienten stehen unbewusste überhöhte Erwartungen an die Umwelt gegenüber“ (127). Harmoniestreben Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein „Depressive haben gelernt. 121 . von vornherein eher zu vermeiden“ (126). dass sich in den musiktherapeutischen Gruppen mit Frauen „depressionsspezifische Themen“ zeigen die besonders sinnvoll mit musiktherapeutischen Mitteln. die über einen Zeitraum von 2 Monaten einzel. Nun sollen sie einen Raum erleben. Hans Hermann Wickel (Hrsg. die das Risiko des Scheiterns und der Enttäuschung in sich birgt. Die musiktherapeutische Behandlung bezieht sich dabei auf eine 62-jährige Patientin. sich abzugrenzen und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen“ (125).“ In ihrer langjährigen Praxis an der psychosomatischen Klinik in Bad Saulgau hat sie festgestellt. Zum Behandlungsprinzip des Autors gehört. Verlässlichkeit und Überprüfbarkeit der Patientin gegenüber zu gewährleisten (169) Außerdem würden die Patienten in der Klinik nur allzu oft erfahren. Sie war zu dieser Zeit Patientin der gerontopsychiatrischen Abteilung einer psychiatrischen Landesklinik und bereits das dritte Mal wegen einer depressiven Erkrankung in Behandlung (168). in dem sie ihre psychosozialen Prozesse autonom gestalten können. Überempfindlichkeit gegenüber Trennung und Unfähigkeit. Er sieht darin „den Vorteil.und gruppentherapeutisch behandelt wurde.„Aufgrund der oft massiven Kontakt. „dass eine Depression für sich alleine nicht behandelbar sei. die häufig mit der Unfähigkeit einhergeht.und Beziehungsschwierigkeiten“ bei depressiven Patienten hält auch Cornelia Tonn (Musiktherapeutische Umschau 2003.): Musik bis ins hohe Alter. 168-176 Es geht dem Autor darum. Neid und Schuldgefühle Realitätsflucht Rücksichtnahme und unterdrückte Selbstbehauptung Kontaktvermeidung Markus Münsterteicher: Musiktherapie mit einer depressiven Patientin. 120-133) Gruppenmusiktherapie für „in der Regel indiziert“ (122). Abhängigkeit. musiktherapeutische Prozesse und Behandlungsmethoden vorzustellen und an einer konkreten Behandlungssituation beispielhaft zu verdeutlichen und zu erklären. Isolierung. Münster: Lit. „gemeinsam einen Behandlungsauftrag schon im ersten Vorgespräch miteinander zu entwickeln“ . insbesondere der freien Improvisation. 2001. „dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird“ (170). in: Rosemarie Tüpker. Yalom übersetzt den Begriff ‚Depression’ in ihre interpersonalen Elemente: Passivität. Unterwürfigkeit. In Anlehnung an Yalom folgt sie der These. „schmerzliche Situationen hilflos zu ertragen und eine aktive Bewältigung ihrer Situation.

von dem sie sich auch nicht abbringen lässt. der „ohne sie zu Hause zurecht käme“ (169).. Variationen und größere Melodiebögen enthält. bei der Abschiedsimprovisation am Xylophon gleichbleibende Struktur. akkordisch und ruhig“ das Spiel der Patientin untermalt. Während der weiteren Sitzungen: Das musikalische Prinzip. indem er „langsam. was aber bei der Patientin nicht verfing (171). Harfe mit Schlägeln spielen anderen Instrumente Das starre Motiv wird flexibler ausgeführt..B. „unvollständig verarbeitete Tod der Mutter und häusliche Konflikte“ (174). Beim Spielen waren die Schmerzen nun kein Thema mehr“ (173). fällt ihr schwer.. Kindheitserinnerungen Szenen aus Kindheit und Jugend werden zur Musik assoziiert. der zu respektieren ist (172). Mit der Harfe in der zweiten Improvisation findet sie eine Möglichkeit.(176) Emotionen: Über sich selbst sagt sie: „Ich muss immer weinen und weiß nicht warum . ohne dass von Schmerzen im linken Arm die Rede ist. stattdessen thematisiert sie somatische Beschwerden: Schmerz im linken Arm. für die es aber keine physische Erklärung gibt. sie nicht zu übertönen (vgl. als er sie durch größere Melodiebögen und vielseitigere Motive zu musikalischer Weiterentwicklung animieren wollte. die sie beim Ausrichten des Geburtstags ihres Ehemannes vollbracht hat (174). der die eigentlichen Probleme „nur sehr oberflächlich berührt“. wohingegen die Schmerzen im Arm ihr Ausdruck verleihen. weil man ihre depressive Stimmungslage nicht sieht. Indem sie sich für die Harfe entschied. 173). dass der Therapeut Mühe hatte.Musikalisches Verhalten Die erste Improvisation über spielt sie auf dem Xylophon durchgängig denselben Rhythmus: (170) Therapeut spielt dazu auf dem Klavier stützend und „Halt gebend“. 122 . die ganze Improvisation über an einer Idee festzuhalten zeigt sie auch in der zweiten Sitzung. Die Abschlussimprovisation findet wieder am Xylophon statt. über Gefühle und inneres Erleben zu sprechen.und Volksliedern. und spielte sie so leise. dennoch aber für die Patientin wichtig ist.. Der Autor versteht die als „Nebenschauplatz“. es erklingen Melodiefragmente aus Kinder. Sie wählte die Harfe. neue musikalische Ideen: z. das Spiel der Patientin kommt ihm wie ein „Festhalten an einer Idee“ vor. . „ihre körperlichen Schmerzen nicht zum Handicap werden zu lassen. die aber ihre starre Eingebundenheit zu Gunsten flexibler gehandhabter Rhythmik verändert. entschied sie sich für den Umgang mit ihrem Leiden. das Ausblenden von eigenen Erfolgen oder Fortschritten (Leistungen.“ (169). Verändertes Zeiterleben: dass die Musiktherapiesitzung so schnell um sei (174) auch Spaß taucht auf (175) Lebensthemen: Zu Anfang gilt ihre Sorge „fast ausschließlich der Sorge um ihren Ehemann.

wenn man ihnen Substanzen verabreichte. die an depressionsähnlichen Symptomen litten. Daraus schließen sie.“ wobei es allerdings „auch auf weitere Faktoren“ ankommt. der Depressionen zur Folge hat. verbesserten sich erheblich. dessen Inaktivität sie für die Auslösung schwerer Depressionen verantwortlich machen. die die Aktivität des Gens erhöhten.Ein Forscherteam am Centre Hospitalier Université Laval in Quebec hat ein Gen („P2RX7“) identifiziert. dass Stress einen Mechanismus auslösen kann. „wie etwa Umwelteinflüsse oder die Lebensumstände“ (Bild der Wissenschaft 11 / 2006. 123 . Umgekehrt stellten die Wissenschaftler fest. 14). dass Stresshormone die aktivität von P2RX7 reduzieren. „Der Zustand von Mäusen.

um letztendlich doch wiederum dem Trauma ausgesetzt zu sein und so fort. verlangt der Regredierende von der Droge wie von der Musik. 219ff. 1986. so kann sich der Konsument der Droge überlassen: Ihre Wirkung tritt zuverlässig ein. 1984. 85. bis sein Denken und Handeln schließlich nur noch um die Droge kreist. 25). Haselauer. den eigenen psychischen und physischen Zusammenbruch. spornt an und bestätigt (Kokain und Ecstasy). was sich in psychophysischer Resonanz bemerkbar macht (vgl. essen. Einschränkung der Ich-Funktion. Koelsch 2005). 1984. dass sich im nichtsprachlichen Melodie-. So könne man sich etwa „über Probleme.und Atemfrequenz. sondern auch bei Klassikfans: Die Rauschfunktionen von Wagner-Opern werde in den „sich immer wieder erhebenden Entrüstungsstürmen bei zeitgemäßen Neugestaltungen“ deutlich. indem man sich in eine musikalische Welt illusionären Verständnisses flüchtet“ (ebd. 1994. der Abhängigkeit von Musik nicht nur bei Hörern von populärer Musik. beraubt“ (1982. unter denen sich „Urvertrauen in diese Welt“ nicht entwickeln konnte (Jores. Scheytt. sie erlebt dabei den Verlust sozialer Bindungen. So wird kurzzeitig im Rauscherlebnis der existentielle Mangel aufgehoben „die Sehnsucht nach Verschmelzung der Gegensätze und der Gegenüber“ gestillt. & Bernatzki. Unterdessen verarmt sein Wirklichkeitsbezug immer mehr. sucht das Verlassenheitstrauma zu überwinden. 25). ohne damit aufhören zu können.30). 1994. 1998.7. 2002. Liedtke. da sie eine Art von Gefühlsersatz zu bieten vermag. Verlässlichkeit. 231 ff). „die die Voraussetzung zur Suchtentwicklung darstellen. wie sie eine gute Mutter bietet. Die Psychodynamik der Sucht ist zwanghafte Regression mit der Folge der Auflösung der Ich-Funktionen. die das Zusammenleben mit anderen Menschen bringt. 1998. 247). B. 1994. Jourdain. 1978. Kompensation struktu124 . befreit von Angst (z. Auch die Droge kann die frühe Mutterbeziehung symbolisieren: Sie bietet Trost. Willms. nämlich: Regression in den primären Zustand. Klang. wenn die Person sich zwanghaft auf die unablässige Einnahme eines Stoffes oder die Wiederholung bestimmter Handlungen (spielen. Stoffwechsel. die Sehnsucht gestillt. Auch in anderer Weise ist die Droge „Mutterersatz“: Sie re-inszeniert traumatische Verletzungen. „Musik ist Mutterersatz“ (Rotter. 1983.) fixiert. Bolin. sie gibt das Gefühl von Wärme und Geborgenheit (z. Musik erfüllt die Kriterien. arbeiten etc. 1985. Auerbach. Bei musikogener Regression fühlt man sich verstanden und aufgehoben vor und jenseits des sprachlichen Begriffs. Heroin) oder sie wiegt in Träumen. 1975.3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen Eine Abhängigkeitserkrankung liegt vor. Die Wirksamkeit der Musiktherapie bei Suchtkranken resultiert aus der Tatsache. die Wünsche werden erfüllt. 1981. 86). 45. 2000. Muskelpotentiale. Alkohol). indem er den Glückszustand gelungener Symbiose im erneuten Rausch erlebt. B. ohne sich dem entziehen zu können. das „Absolute“ verwirklicht „ohne Weg dorthin" (Dörner. Hormonhaushalt. sie ermuntert. Wie die intrauterine Flüssigkeit oder die zärtlichen Berührungen der Mutterhände umgibt und stimuliert Klang als vibrierende Luft die Haut und dringt wie nahrhafte Muttermilch ins Innere des Menschen. 1985. 162) gesehen.und Rhythmusereignis der Musik die frühe prä. 32). Verdauung. Blutdruck. dem sie ihr erhebendes Gefühl verdanken. erzählt Märchen und Phantasiegeschichten (etwa Haschisch oder LSD). Die Krankheitsursache wird in „frühen Störungen der mitmenschlichen Kommunikation“ (Tölle. wie sich der Säugling einer guten Mutter. die Protestierenden fühlten sich „des Wiedererkennungswertes. 32 ff. Auch das Musikerleben ist mit Regression verbunden und basiert auf Projektion und Identifikation (Klausmeier. Spitzer. Status des Immunsystems und anderes verändern sich (vgl. Pulsschlag.und postnatale Mutter-Kind-Symbiose re-inszeniert. Claudia Schumann sieht die Gefahr der Sucht. 222 ff. Der Abhängige sucht diesen Ort frühen seelischen Geschehens immer wieder auf. Neugebauer. Müller. indem sie am Ende die Rauschwirkung entzieht und den Süchtigen sich selbst überlässt. Ewers. Panksepp. hinwegtäuschen. galvanischer Hautwiderstand. 1982. Aber auch bei der Musikausübung kann es zu suchtähnlichem Verhalten kommen.

um dann auf Grundlage eines Behandlungsvertrages. psychedelischer Musikbegleitung vor. 149).und Beratungsstellen katathymes Bilderleben mit z. Peter Michael Hamel berichtet von Gruppen des Würzburger Klarinettisten und Psychotherapeuten Ernst Flackus. Aus dieser wesensmäßigen Spezifik des Musikerlebens wurden musiktherapeutische Vorgehensweisen abgeleitet. während welcher der Klient Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnimmt. Musiktherapie in der ambulanten Suchtkrankenberatung und –behandlung Ambulante Behandlung Suchtkranker setzt nach einer intensiven Beratungsarbeit ein (Motivationsphase).und Gruppenarbeit. Meskalin)“ bei ambulanter Therapie zu. Zur Anwendung kommen psychoanalytische Therapie. „wenn die Persönlichkeit noch nicht zu sehr verändert ist. sie öffnet nicht nur den Weg in die Regression. wie z. den Gefühls.“ Durch die „Arbeit mit Träumen und anderen. die sonst mit Hilfe der Droge umgangen wurden. durch die der Patient in Kontakt zu frühen Traumata kommt. 75 ff).T. jedoch in anderer Art als die Droge. 1985. durch Musik unterstützte Meditation lasse sich „verhältnismäßig rasch ein Ausgleich für den Verzicht auf die Räusche schaffen“ (1981.reller Mängel durch narzisstische Ersatzbefriedigung“ (Frohne. sich zur Entgiftung entschließt. Es besteht aus Einzel. In Anlehnung an Kayser wird ein „Akkordbad“ empfohlen. „den Kick“ zu 125 . Dabei werde Musikmachen als Möglichkeit entdeckt. 246). sondern ebenfalls auf frühen Trennungserfahrungen: Geräuschangst gegenüber der akustischen Umgebung (vgl.169 und 179) und Hartgenbusch (1993). suchtmittelfrei zu leben. 29. bei der der Mensch neue Kräfte sammelt. obwohl die in der Literatur berichteten Praxisbeispiele positive Wirkungen aufzeigen. Ideen oder Visionen erhält.und Triebbereich direkt ansprechenden Methoden“. können jetzt in gemeinsamer Improvisation und verbaler Reflexion erlebt. 1986. Angst und Wut. (vgl. Adressaten dieses Behandlungsangebotes können auch Angehörige von Suchtkranken sein. Während Entspannungs. 1975. Smeijsters 1994. stationär erfolgt.B. Haselauer. um mit anderen Rockmusik zu machen. 26) wehrt der Säugling in seinem Schreien ab und verändert damit die ihn umgebende und beunruhigende Umwelt. mit denen er sich gestärkt und motiviert der ihn umgebenden Wirklichkeit zuwendet (vgl. Dennoch ist sie in ihrer psychotropen Wirksamkeit der Droge nicht vergleichbar. Akustische Erfahrung basiert nämlich nicht nur auf frühen Verschmelzungszuständen mit der Mutter. Das zunächst lockere Spiel lasse bei immer mehr Leuten den Wunsch entstehen. später auch elektronische Musik oder Aufnahmen mit Naturgeräuschen eingespielt. Edda Klessmann schlägt als Therapiemöglichkeit bei jüngeren Drogenabhängigen in Erziehungs. die zunehmend in der Arbeit mit Suchtkranken angewandt werden. Die dabei erlebten Gefühle von Schmerz. 1978. Der entscheidende Unterschied liegt in dem ihr innewohnenden Appell an die Ich-Funktionen. 197 ff. „Gute Prognosen“ sprechen Schmidtbauer/vom Scheidt „Konsumenten von Cannabis und anderen auch stärkeren Halluzinogenen (LSD. bearbeitet und integriert werden.401). deren unterschwellige Wirkung den Vorgang der Entspannung und Versenkung verstärken sollen. Willms.und Meditationsübungen werden leise Zen-Meditationsmusik. 89). Dabei wird gezielt die regressionsfördernde Qualität des Musikerlebens eingesetzt. sondern auch den in die Progression. die i. ein Instrument zu erlernen. Neben solchen rezeptiven Arbeitsweisen finden wir Hinweise auf aktive Musiktherapie bei Marx (1985. Verhaltenstherapie und systemische Therapie (Fuchtmann 1994. Hamel 1976. Auch das Musikerleben reinszeniert frühe Traumata. Musiktherapie wird in diesem Kontext relativ selten praktiziert. dessen regelmäßiger Genuss tief angelegte libidonöse Mangelerfahrungen auszugleichen vermöge (vgl. zu lernen. 539). gestaltet. sie ermöglicht Regression im „Sinne vorübergehender Rekreation“. wie die Droge. a. in denen „Tiefenentspannung durch Musikhören" praktiziert wird.

mit Instrumenten oder der Stimme. stehen tiefenpsychologisch orientierte Arbeiten. Sie verbinden bei ihrer Arbeitsweise Improvisation mit Gruppenkompositionen (Haardt & Klemm 1982. 85. Kapteina und Kröger (2004) beschreiben eine musiktherapeutische Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien. das hier die Musik bzw.finden ohne Droge. Bedürfnissen und Schwierigkeiten“. Hartgenbusch 1993.und Behandlungsstelle. fördere „Beständigkeit und Initiative" und trage zur Entwicklung sozialer Kompetenz bei (Fey 1993. 139f und 141 t) Bei diesem Konzept werden die Möglichkeiten des Musikmalens besonders genutzt. nach dem Prinzip der Themenzentrierten Interaktion (Cohn 1975). insbesondere beim Malen nach Musik können sie belastende Erfahrungen in ihren Bilddarstellungen verarbeiten. 148) kennen lernen. 2006a und b. Dabei werden durch Schreien Gefühle aktiviert und frühe traumatische Lebenssituationen aktualisiert. den die Gruppenmitglieder aufgrund ihrer gemeinsamen psychosozialen Erfahrungen in einer Weise eingrenzen. 29). Harald Butzko folgt in seiner Behandlung dem Prinzip der freien Gruppenimprovisation als eines regulationsfreien Erfahrungsraumes. eine stationäre Entwöhnungsbehandlung aufzunehmen. gestalttherapeutischen Übungen und primär. auch Barthel & Fierlings 1985.U. ihren Gruppenprozessen“. Häufig wird aktiver Musikpraxis suchtpräventive Bedeutung zugesprochen. dem Wir. poststationäre sowie präventive Behandlungsphasen umfasst. die Abstand von der Drogenszene nehmen und den Entschluss fassen. Dentler 1993. dem Ich. entsprechende Fallbeispiele bei Kapteina & Hörtreiter 1993. Gefühlen. 4) und die Bereitschaft. Der Anteil derer. die durch sie aktualisierten Konflikte und Lebensprozesse beinhaltet. Die Musiktherapie ist eingebunden in den Gesamtplan der Beratungsstelle.) oder Isabelle Frohne & Maria-Magdalena Maack (1976). meist depressive Persönlichkeitsanteile abzuwehren. 21 ff). Der Ausstieg aus der Sucht bei einem Familienmitglied hat eine Umstrukturierung des gesamten Familiensystems zur Konsequenz. die von ambulanten Hilfsangeboten naturgemäß besser begleitet werden kann als von stationären.oder Einzelsetting als integrierter Bestandteil der Gesprächstherapie. Neben solchen sozialpädagogisch orientierten Ansätzen. gestalttherapeutisch inspirierte Therapie mit Suchtkranken bei Fritz Hegi (1986. Die regredierende Person wird von der Gruppe musikalisch begleitet.158. vgl. der „Gruppe mit ihren speziellen Gruppenstrukturen. wird mit 50% angegeben (Merkt 1986. wächst bei dieser Arbeit nachweislich (Butzko 1979. Durch gemeinsames Musizieren können die Kinder neue soziale Erfahrungen machen. die den Suchtkranken brauchen. sich mit der eigenen Sozialisation auseinander zu setzen und das Alltagsleben bedürfnisgerecht zu gestalten. Bei vielen sei diese Erfahrung „so sensationell. 126 . Auch Haardt und Klemm (1982) arbeiten in ihrer ambulanten Therapie mit Suchtkranken auf der Grundlage musikalischer Improvisation. wobei die Aufmerksamkeit aller Beteiligten in der Balance zwischen „der Einzelperson mit ihren Gedanken. geregelt kriegen" (161). Musiktherapie geschieht je nach Therapieverlauf im Gruppen. die ihnen sinnvoll erscheint: Das Vermögen. ästhetisches und konsumtives Verhalten kann sich neu organisieren (1985. 159 f).bzw. und auch wieder aus dem erreichten Ausnahmezustand herausgeführt (vgl. um eigene. 2001. sowie dem Thema. dabei gelten die Partnerinnen von Suchtkranken als gleichermaßen schwer belastete Personen. RockmusikPraxis wirke auf gefährdete Jugendliche „stabilisierend und befriedigend". dass sie ihre Drogenproblematik u. Kapteina & Hörtreiter dokumentieren in ihrem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ langjährige musiktherapeutische Erfahrungen in einer Suchtkranken Beratungs. Die Arbeit wendet sich gleichermaßen an Suchtkranke wie an deren Angehörige und Familien. emotionaltherapeutisch orientierten Prozessen nach Cassriel (1975). akzeptable Lösungen in konfliktbesetzten Sozialbeziehungen zu finden. wird zunächst musikalisch und als symbolhaftes Handeln für Änderungen im Alltag gelernt. 132f. bei denen die Betroffenen quasi „einen gesunden Ersatz für die Drogen" und zugleich ein „Lernfeld für das Leben ohne Drogen“ (Butzko 1979.

Dentler. 1987. die in der Lage ist. 29. Meyer-Denkmann (1970. Anselm Ernst fordert. aber auch von Schädigungen und frühem Verschleiß stellen zu können“. Wahl 1987. ob mit jugendlichen Aussiedlern. 1972). Als Zielbestimmung dieser„musikalischen Elementarerziehung" wird die „stabile und ‚reiche’ Persönlichkeit angegeben. Rieger 1992. Lutz (1987) schlägt eine „Kleine Schule des Genießens“ für das Musikhören vor. hebt hervor. Genuss und Ekstase ohne Drogen möglich sind (Kapteina 1994). Suchtprävention bedeutet hierbei. ohne auf die Konsumartikel der Musikindustrie angewiesen zu sein. nicht „nebenbei" hören. In diesem Zusammenhang kann auch das Entspannungstraining nach Christoph Schwabe Anwendung finden (1987). Seidel (1976). als nur der Musik zuzuhören und zu genießen und dabei das internalisierte Verbot des genussvollen Müßiggangs bewusst für sich aufheben. welche Musik einem gut tut. Des weiteren solle man sich bewusst Ruhephasen im Alltag schaffen für diesen Musikgenuss und unter der Masse der Genussmöglichkeiten einiges wenige aussuchen. ob in der Justiz-Vollzugsanstalt. sich die Erlaubnis geben. 21. dass die Lehrenden eine Unterrichtsatmosphäre schaffen. ohne auf den allgemeinen Musikgeschmack zu achten.Arnold beschreibt eine ambulante Musik. Küntzel-Hansen (1993).27). sich ihr uneingeschränkt zuwenden. Der Süchtige kann nicht genießen. Fähigkeit zum differenzierten Umgang mit Emotionalität und Fähigkeit zur spontanen und ausdauernden Handlungsfähigkeit“ (Schwabe & Rudloff 1997.1983). ebenfalls Pütz 1987. den Jugendlichen den Zugang zu Instrumenten und Probenraum zu ermöglichen und sie zu beraten. 1982. beim Kapitel Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen) Musiktherapie in der Stationären Behandlung von Suchtkranken 127 . suchtmittelfrei oder zumindest von Suchtmitteln unabhängig zu leben. für sich selbst herausfinden. Friedemann (1971. der mit delinquenten und gewaltbereiten Jugendlichen gearbeitet hat. dass im Unterricht Musik praktiziert wird. sind „Fähigkeit zum differenzierten Wahrnehmen. bei der rezeptive Verfahren mit Bewegungsimprovisationen verbunden werden (2003). in der sich die Person als Ganzes erlebt (vgl. (Literatur: Mthp. Schwabe (1992). einmal nichts weiter zu tun. die über den musikpädagogischen Prozess gefördert werden sollen. entfalten offensichtlich die Perspektive. Auch der Musikunterricht in der Schule kann sich die „Erweiterung und Vertiefung des Erlebens und Wahrnehmens“ sowie „der ästhetischen Genussfähigkeit“ zum Ziel setzen. außerschulischen Lernsituationen entwickelt wurde. Tischler (1990) und anderen zu finden. 49). das sie persönlich angeht. Anregungen und Materialien für solch ganzheitlichen Musikunterricht sind bei Auerbach (1971). bei der alle Beteiligten von Musik als einem Ereignis sprechen. ästhetische und emotionale Bedürfnisse autonom zu befriedigen. ob in Kinderheimen oder Jugendhäusern: Das kathartische Ausagieren intensiver aggressiver und lebensbejahender Gefühle in Lautstärke und Rhythmus.und Tanztherapie. die erfahrene Wertschätzung und Anerkennung in der Gruppe und von Seiten des Publikums und die Genugtuung darüber. Holthaus (1993).Merkt 1984. 2006 a und b). Von 1983 bis 1989 führte Christoph Schwabe an der Hochschule für Musik „Karl Maria von Weber“ in Dresden ein Forschungsprojekt durch. Man solle sich „Zeit schaffen und Zeit lassen“ zum Hören. wenn sie auf ihn zukommen. in der Lebensfreude. dass die Rolle des Pädagogen und Therapeuten darin bestehen. Genuss zu lernen ist folglich auch Gegenstand der Suchtprävention. Als Alternative zum Konsum gilt neben der Eigenaktivität die aktive Aneignung genießenden Hörens. Geplantes pädagogisches Vorgehen lässt den Prozess von Vornherein scheitern (2001. Fähigkeit zur sozialen Kommunikation. Pleiner & Müller 1997. Peter. 1973. 1989). dass es lohnend erscheint. Man solle sich der Erfahrung des Klanggeschehens überlassen. Die vier „psychischen Eigenschaften“. 32. sich Anforderungen und Belastungen ohne Gefahr von Behinderungen. bei dem eine übergreifende musikpädagogische Konzeption für alle denkbaren schulischen.

Blueskadenzen und Rockriffs ermöglichen schon bei relativ geringem Instrumentalkönnen Erfolge im Zusammenspiel. Steigerung der Lern. so dass „Gefühle wie Wut. 88 f). dass in 41% der stationären Einrichtungen Musiktherapie vertreten ist (Mehlmann 2000).“ Das aktive Musikzieren biete besondere Möglichkeiten. 1981. wie z. Längere musiktherapeutische Behandlungen in psychiatrischen Kliniken sind möglich. bei Doris Sondermann beschrieben (2003. Ärger. 1993. so dass psychotherapeutisch ausgerichtete Maßnahmen selten angezeigt sind. Vielmehr würden die Jugendlichen. Aufbau mitmenschlicher Kontakte. Deshalb muss die 128 .B. Vermittlung von Gemeinschaftserlebnissen. Die Skepsis. Ein Konzept für den Einsatz von musikalischen Erfahrungsmöglichkeiten.und Merkfähigkeit. Mobilisierung des Pflicht.und Verantwortungsbewusstseins. wie etwa „Erziehung zur Selbstdisziplin. Damit werde der Wunsch vieler Jugendlicher. langfristige Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln (vgl. Anregung zur Mit. Improvisation. Der unkontrollierte individuelle Konsum von Musik über private Abspielgeräte wird untersagt. Verbesserung des Konzentrations. gemeinsamem Singen und Musizieren. 58.“ Große Lautstärke und Rhythmus erzeugen eine Art „High-Zustand. wie Depression oder Angst mitbehandelt. Hinsichtlich der therapeutischen Ausrichtung stehen bis etwa Mitte der 1980er Jahre eher freizeit. die unmittelbar mit der Suchterfahrung zusammenhängen. Aggression oder Trauer" aufbrechen. sieht Munderloh durch seine therapeutischen Erfahrungen nicht bestätigt. 201 ff). Hinführung zu kultureller Tätigkeit. Rollenspiel und Musiktheater. durch Rockmusik-Praxis werde die Rückfallgefahr erhöht. 1976. Es orientiert sich an der bewussten Einbindung musikalischer Erfahrungen in das therapeutische Milieu der Suchtstation mit dem Ziel ästhetischen Genuss anstelle von süchtigem Konsum zu stellen. 91). Stattdessen werden die Patienten zur aktiven Teilnahme an der Musikkultur und zu eigenem musikalischen Ausdruck ermutigt. der als Gegenentwurf zur Praxis des Drogenkonsums zu sehen“ sei.und kulturpädagogische Zielstellungen im Vordergrund. auch Lecourt 1979. Auch in anderen Kliniken darf Musik nur im Aufenthaltsraum gehört werden. 1971. Wolfgang Munderloh berichtet über die Wirksamkeit von Rockmusik-Praxis in der Therapie mit Drogenabhängigen. auch Formann-Radl & Kryspin-Exner. „Spannungen zu entladen und den Stimmungen Ausdruck zu verleihen.“ Es soll das Gemeinschaftserlebnis fördern und zum Gespräch über persönliche Probleme anregen (v. vgl. Erweiterung des Interessenhorizontes. zu sehr kurzen Therapieaufenthalten. Das Handlungsrepertoire besteht aus „Musik hören. 101. 101). Roth. ein Instrument zu spielen und sich musikalisch auszudrücken aufgegriffen. 255 ff) beschrieben. wobei die Mitarbeiter zuweilen auch die Musikauswahl vornehmen (vgl. Die Anwendung rezeptiver Musiktherapie-Verfahren ist umstritten. wird bei Kapteina (2004. Dann werden Abhängigkeitsstörungen im Zusammenhang mit anderen Diagnosen. desto eher beginnen. 141 f. wobei die Musikerfahrung „Ersatzbefriedigung gegenüber der Droge" vermitteln solle (92. In den psychiatrischen Klinken kommt es in Abeilungen für stationäre Entgiftung i. zumal bestimmte Musikarten mit Orten und Situationen assoziiert werden können. 154f).und Auffassungsvermögens.und Selbstgestaltung sowie Förderung der Wissensbildung“ bei Formann-Radl & Kryspin-Exner (1976. Statt dessen kommen Musikzeiten für die gesamte Station und Hörübungen. 1981. wodurch Rückfallängste und -phantasien ausgelöst werden können. Rothenbacher & Truöl. je länger sie aktiv musizieren. Musikmalen.a. Singen und Tanzen in therapeutischen Gruppen zur Anwendung. 1977. 5). 1982.Eine nicht repräsentative Untersuchung aus dem Jahre 2000 bei 25 Fachkliniken und Suchtabteilungen in Landeskliniken ergab. wenn Doppeldiagnosen vorliegen. die bis dahin oft mühsam mit den Rauschmitteln unterdrückt oder reguliert wurden. kann sich doch im Hörerlebnis süchtiges Konsumverhalten wiederholen. Bei diesem aktiven Musizieren sei die emotionale Beteiligung sehr groß. auch Breitenfeld. die das Angebot der Qualifizierten Entgiftung hilfreich begleiten. Schulz. Bullinger & Will. Förderung der Fähigkeit zur Teilnahme an einem echten Leistungswettbewerb.

Hörerfahrung in ein psychotherapeutisches Setting integriert sein. mit dynamischen Elementen. Bei Klaus Finkel wird die Verbindung von Musikimprovisation und Psychodrama dargestellt (1979. 237f. auf Nachspielen z. Malaktionen. Außerdem soll „durch musikalische Betätigung aus dem Stegreif Spannungs. Ursula Jetter (1986. die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten und -bedürfnisse der Patienten berücksichtigt werden und das Prinzip der Improvisation als auf andere Erlebnisbereiche übertragbar und schließlich als Lebensprinzip erfahren werden. Pfeiffer. 1993. die musikalischen Beziehung der PatientInnen untereinander sowie auffallende Mi129 .und Affektabfuhr ohne Suchtmittel erlebt" werden (252). bei dem Puppen-. Intensität. In der Musiktherapie stehen die Entwicklung von Phantasie und Aktivität. Kapteina & Hörtreiter.). Fritz Hegi hebt für seine Musiktherapie in einer Drogenklinik hervor. 193). Zentrale Behandlungsmethode ist die Improvisation nach Spielregeln. die vom Therapeuten vorgegeben werden. Annette Golomski (2007) beschreibt eine Musiktherapie auf der Akutstation für Suchtpatienten an einem Psychiatrischen Krankenhaus. oder bei der Kombination mit instrumentaler (vgl. 1983) oder mit tänzerischer Improvisation (Arnold 2003). 211 ff. 1983. emotionale Erlebnisse. anderseits könne sie aber auch zur „Ersatzdroge“ werden.. sich ohne Drogen auf Gefühle und Beziehungen einlassen zu müssen. 194 und 199). Kontaktspielen. a. die das suchtspezifische Verhalten bestätigt und den Musiktherapeuten zum „Dealer“ macht (vgl. das die Patienten zu aktiver Hörhaltung führt. tritt mit stärkerer psychotherapeutischer Betonung bei den neueren Therapiekonzepten die freie Improvisation in den Vordergrund. Während die Musiktherapie. Kapteina & Hörtreiter 1993. Sie ist eingebunden in ein psychotherapeutisches Konzept. Holger Ehrhardt beschreibt die Musiktherapie innerhalb eines Modellversuches an der Abteilung für Abhängigkeitskranke der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin. 247). 1991) verknüpft sie mit musikalischem und szenischem Rollenspiel.und Schattenspiel hinzutreten. Masken.werden. Bei Schwabe wird zusätzlich zur instrumentalen Improvisation in der Gruppe jeweils einmal pro Woche Bewegungsimprovisation nach „klassischer" Musik als musiktherapeutische Intensivtherapie sowie einmal pro Woche Gruppensingtherapie als Training geselligen Miteinanders ohne Droge empfohlen (vgl. Lautstärke. Bilderleben. Stimmungen und Atmosphären. Struktur und Dynamik. B. 1986. die Bullinger & Will dokumentieren noch eher als freizeitpädagogische Animation akzentuiert ist .sie basiert auf gemeinsamem Gesang. Pausen. Timmermann u.und Minderwertigkeitsgefühle sowie Zukunftsprojektionen und Verhaltensmodelle im Vordergrund. Prozessuale Diagnostik und Evaluation geschieht über differenzierte Dokumentation „der musikalischen Parameter Tempi. von kleinen Beat-Stücken. dass die Patienten in die angstbesetzte Situation geführt werden. nach vorgegebenen Klangbildern oder Gefühlszuständen oder auch frei gestaltet und im therapeutischen Gruppengespräch reflektiert. Arnold 2003). das sich ausschließlich auf nonverbale Methoden stützt: Autogenes Training. etc sowie Instrumentenwahl und die Gestaltung von Anfang und Ende der Improvisation. 175 f). a. Ihre Hauptmethode ist die musikalische Improvisation. Die improvisierte Musik als Drogensubstitut ermögliche einerseits als Verhaltensspiegel neue Orientierung.m. 228 f. die sie situationsgemäß themenorientiert. Durch diese vielfältigen Handlungsanreize sollen die Risikobereitschaft gefördert . Konzentrations.und Entspannungsübungen mit Musik. Bewegungsimprovisationen u. Elemente des Psychodramas und verschiedene kunsttherapeutische Verfahren (1985. das neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und sozialem Kontext enthält (vgl. Beziehungsstörungen. wie etwa beim Musikmalen (vgl. 53 ff u. 1986. an Gegensatzpaaren orientiert. nach Spielregeln. Volkstänzen und Improvisation in Verbindung mit bekannten Instrumentalstücken oder über Dreiklängen (vgl. Purdon & Hutschenreuter. 1981). Schuld. wie etwa bei Purdon & Hutschenreuter (1983).

Wegen ihrer hohen Effizienz und Wirkungsdynamik sollte sie nicht als Begleittherapie durchgeführt werden. die während der Reflexion aufkommen (9).und Tanztherapie in der ambulanten Rehabilitation Drogenabhängiger. Mund hebt hervor. dass bei auf Instrumenten gemeinsam improvisierter Musik „durch die symbolische Gestaltung musikalischen Materials und musikalisch-improvisatorisches Probehandeln“ „pathologische Affektivität und Beziehungsgestaltung sowohl vermittelt zugänglich als auch vermittelt wandelbar“ werden. 347 f). Bewegung.Musik erleben. B. (1971): Hören lernen . eindeutige. „brüchiger Bindung an Spiel. Zum Nachweis solcher Therapieerfolge hat er ein verlaufsdiagnostisches Messinstrument entwickelt. Rückfall. in sicherem Rahmen „neue Erfahrungen auf sich wirken zu lassen und daran wachsen zu können“ (23). wenn Patienten ihr musikalisches Handlungsspektrum erweitern und differenzieren. L. Zeitschrift für Musik-. Deshalb trage „Instrumentalimprovisation mit dazu bei. dass Musiktherapie auch bei diesem Klientel die Möglichkeit bietet. 1983) und scheinen in der stationären Suchttherapie entsprechend wenig durchgeführt zu werden.“ die von einer Studentengruppe zusammengetragen werden (121). dass der Suchtkranke pathologische Objektbeziehungen zugunsten größerer Autonomie korrigieren kann und die Fähigkeit zur Sublimation“ erwirbt (2000.mik und Körperhaltungen. Langenberg. wie Musiktherapie in die psychotherapeutische Gesprächsgruppe integriert werden kann. Malen mit Musik. rascher Ermüdbarkeit oder „’tröpfelnder’ Motivation“ können eigene Töne der Patienten „als ihr ureigenes“ und „unverwechselbar erlebbare Klangaussage“ erfahren werden und als „Ausgangspunkt für neue seelische Beweglichkeit“ gelten (147). (1982): Musik als Massendroge unserer Zeit. Veränderungen während der stationären Therapie in der Klinik für Suchtkranke wie in der forensischen Therapie Abhängigkeitskranker konstatiert er auf der „Symbolebene“. 353). vertieft und intensiviert werden kann (1993. wenn sie insbesondere nicht akzeptierte Gefühle zulassen können. Gedanken.und Kunsttherapie. 343). L. Erstellung und Umsetzung eines wissenschaftlichen Konzepts am Beispiel einer ambulanten Suchtberatungsstelle in Baden Württemberg. indem der gesprächstherapeutische Prozess durch musikalische Spiele oder thematisch orientierte Improvisationen zu gerade aktuellen Themen wie z. Tanz. Musiktherapie in einem „Wohnheim für chronisch mehrfachbelastete alkoholabhängige Menschen“ beschreibt Anna Maria Unz (2007). 356 und 2005. Überhaupt wäre die Ansiedlung der Musiktherapie im stationären Setting zu problematisieren.“ Außerdem werden die Themen erfasst. Leideckers Studie „Klänge der Betäubung“ (2002) dokumentiert musiktherapeutische Gruppen. (2003): Musik. wenn die Patienten flexible. 360 f und Flögel 2005. Nach langer Behandlungszeit wird erkennbar. Intervalle 4. 41-48 130 . Timmermann. Tanz. 232ff). Die Untersuchung einzelner Therapieausschnitte erfolgt „im Stile morphologischer Beschreibungen“ nach dem Anhören von Tonaufzeichnungen anhand von Assoziationen. 19-31 und 100-117 Auerbach. Wolfenbüttel: Möseler Auerbach. „Bildern. Abschied oder körperlichen Empfindungen etc. O. Entspannungsübungen und Instrumentenbau“ angewandt (14). Erinnerungen. Kapteina & Hörtreiter beschreiben. das aus einem Patienten-Fragebogen und einem Beurteilungsbogen besteht (2000. 1983. Musikspiele. Begründung. In dieser soziotherapeutisch ausgerichteten Gruppenarbeit werden die Methoden „Lieder singen. 357 f.und Kommunikationsregeln“. Einzeltherapien werden selten beschrieben (vgl. autonome und sichere Beziehungen aufnehmen und gestalten können (2000.und Einzeltherapie auf Grundlage der morphologischen Psychologie bei chronisch alkoholkranken Männern mit Korsakow Syndrom. Literatur Arnold. Trotz massiver Gedächtnisstörungen. und auf der „Ebene der Beziehungsgestaltung“. instrumentale und vokale Improvisation. auf der „Ebene der Emotionen“.

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30 min. 2-3 x tägl. Die Erste Stufe gilt für alle Patienten der Entgiftungsstation und bestimmt das therapeutische Klima der Einrichtung. 5. und die dritte Stufe können Patienten nutzen.und Cotherapeut) “SINGTHERAPIE” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Singgruppe mit Musik. 2 x wöchentlich an den neun Kriterien für das genussvolle Musik Erleben orientiert. die aus besonderen Gründen (z.Genießen Lernen . Lutz 1987. Die zweite Stufe gilt für Patienten..40 min. Musik Erleben .Musiktherapie als Element der Qualifizierten Entgiftungstherapie ERSTE STUFE: MILIEUTHERAPIE (Keine Abspielgeräte auf den Zimmern. musikalische Kommunikation in der Gruppe mit Musik. 7. 3. sich der Musik uneingeschränkt zuzuwenden Die Eigenschaften der Musik beschreiben Eigene Bewertungskriterien herausfinden (was tut mir gut. Für diese Form der Entgiftung habe ich im Team der psychiatrischen Abteilung eines Allgemeinkrankenhauses das nebenstehende Konzept einer begleitenden Musiktherapie entwickelt.und Cotherapeut) Das Angebot der Qualifizierten Entgiftung richtet sich an suchtkranke Patienten. mit thp. was nicht?) Bewußt Ruhephasen für den Genuß von Musik im Alltag schaffen Einiges Wenige aus dem Angebot musikalischer Genussmöglichkeiten auswählen 134 . 214) Grundsätze für den genußvollen Umgang mit Musik: 1. als nur der Musik zuhören Das Verbot des genußvollen Müßiggangs aufheben Nicht nebenbei hören Der Wahrnehmung gestatten. 2. 8. verordnet. 4. Personal) ZWEITE STUFE: “GENUSSTHERAPIE” (ärztl. die bei einer Verweildauer von maximal 18 Tagen die Entgiftung in einer Suchtstation mit dem Einstieg in eine psychotherapeutische EntwöhnungsBehandlung verbinden wollen.und Cotherapeut) “MUSIK UND BEWEGUNG” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Tanzgruppe mit Musik. offene Hörstunden. 415) Voraussetzung für musikalischen Genuss ist das Zulassen von Stille (Liedtke 1985. 9.Runden. offene Hörprogramme für die ganze Station 30 . die in einen psychotherapeutischen Behandlungsprozess eintreten wollen.B. 6.und Cotherapeut) DRITTE STUFE: MUSIKTHERAPIE (Sensibilisierung für Klang und Körpererfahrung. 2-3 x wöchentlich mit einführenden Erläuterungen und kurzen Feedback . mit Musik. Zeit Schaffen und Zeit Lassen Nichts anderes tun.Suchtverhalten Abbauen Der Unterschied zwischen Sucht und genießendem Verhalten liegt im Wechsel von Askese und Befriedigung (R. wegen einer Doppeldiagnose) längere Verweildauern haben. offene Therapiegruppe.

wie ältere Menschen im Konzertsaal ein anderes (möglicherweise älteres) Hörgerät verwenden oder den Apparat sogar vollständig ausschalten“ (Herbert Bruhn: Musikalische Entwicklung im Alter. Musiktherapeutische Umschau 2003. So ist es nicht verwunderlich. 134-149. 135 f). obwohl sie schlechter hören.“ Trotz der Möglichkeiten. „Das Hören von Evergreens aus der Jugendzeit aktiviert signifikant wirksam die Erinnerung an frühere Lebensereignisse“. zu wenig Zeit zum Üben einsetzen zu können“ (ebd. die als unangenehm empfunden werden“ (ebd.). dass berichtet wird.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen Zum Hören bei älteren Menschen: Mit zunehmendem Alter nimmt die Lautstärkewahrnehmung ab. „In Institutionen für ältere Menschen wie Pflegeheimen und Tagesstätten lässt sich Musik nicht einfach verordnen. 142). „sondern führt im Gegenteil zu Verzerrungen. 143 f. „Ältere Menschen hören Musik lieber leiser als jüngere. wenn sie auf den individuellen Musikgeschmack eingehen kann. „dass Männer schlechter hören als Frauen. dass die für das Langzeitgedächtnis zuständigen Speicherareale mit den Sinnesorganen verbunden sind. 135 . Bei den über 50-Jährigen kann man feststellen. obwohl sie bedauerten. „Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Effekte hat Musik nur. 139). noch in hohem Alter mit dem Musizieren zu beginnen.). „Auch der emotionale Gehalt von Musik wird in dieser Gehirneinheit verarbeitet (ebd. Rhythmus scheint als „motorische Repräsentation“ in einer Art Körper-Gedächtnis unabhängig von gestörten kognitiven Fähigkeiten lange funktionstüchtig zu bleiben (ebd. Auch die Lernfähigkeit scheint mit dem Alter nicht nachzulassen. Das resultiert daraus. wenn die Teilnehmer daran interessiert sind. Hördefizite mit Hörgeräten auszugleichen. Die Korrektur der Hördefizite mit einem Hörgerät verändert den subjektiven Höreindruck gravierend. Klavierunterricht mit Erwachsenen zwischen 60 und 84 Jahren erwies sich als erfolgreich. Der Lernfortschritt übertraf die Erwartungen der Teilnehmer oft. 143). „Bei Demenz bleiben die rhythmischen Fähigkeiten bei Musik am längsten erhalten“. erst Verstärkeranlagen der letzten zwanzig Jahre geben Musik laut und unverzerrt wieder. Ein alternder Mensch hat trotz des Nachlassens seines Gehörs eine Präferenz für ein Klangspektrum von Musik. „ergeben sich Probleme für das Musikhören.“ Das hat mit den Hörgewohnheiten zu tun.7. Außerdem gibt es auch physiologische Gründe: höhere Lautstärke verbessert nicht den Höreindruck bei Schwerhörigen. Vor Hintergrundmusik ist im Allgemeinen abzuraten“ (ebd. Es gibt keine signifikanten Korrelationen zwischen den Ergebnissen von Begabungstests und dem Alter.

dass durch Musik in der Pflege von an Demenz erkranken alten Menschen Verbesserungen in folgenden Bereichen herbeigeführt werden können: der Beteiligung an musikalischen Aktivitäten überhaupt. 33-62) belegt. Musikhören vermindert das unvermittelte Schreien von dementen Klienten Tägliches Musikhören hat positiven Einfluss auf die Länge und Ruhe des Nachtschlafs zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) Ziele musiktherapeutischen Handelns mit alten Menschen: Emotionale Aktivierung Erinnerungsaktivierung Förderung sozialer Verhaltensweisen und Kommunikation Freude Gedächtnistraining / Realitätsorientierung Musikalische Kreativität / Ausdrucksfähigkeit / Fantasie Steigerung des Selbstwertgefühls Trauerarbeit nach Grümme (1997) zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) 136 . Brotons: An overview of the Music Therapy Literature Relating to Elderly People. (vgl. 116). London and Philadelphia 2000. 2003. agitiertes Reden beim Essen Musikhören beim Essen veranlasst alte Menschen. Susanne Landsiedel-Anders: Ein Triptychon: Fallstudie eines schwer dementen Altenheimbewohners. so dass die Dementen kooperativer erscheinen. Einblick 14.Eine Besprechung von 38 klinisch empirischen Studien im Zeitraum von 1986-1998 aus dem angloamerikanischen Raum (M.): Music therapy in dementia Care. Ängstlichkeit und Depression Musiktherapie in Verbindung mit Verhaltenstherapie verbessert die Orientierung. mehr zu sich zu nehmen Musikhören beim Waschen und Baden verzögert den Ausbruch aggressiver Abwehr. Nachgewiesene Effekte aktiven Musizierens und Musikhörens auf das Verhalten von Demenzkranken: Musikhören verringert Verwirrtheit. die soziale Kommunikation und das Schlafverhalten Musikhören und aktive Musiktherapie reduzieren zielloses Herumirren und agitiertes Verhalten Das Anhören von ruhiger Musik wirkt beruhigend. der physische Begleitsymptomatik sowie bei den kognitiven Fähigkeiten. in: David Aldrige (Hrsg. schnelle Musik ist eher ohne Effekt Musikhören reduziert unruhiges Verhalten bzw. den sozial-emotionalen Fähigkeiten.

wie sie früher mit ihren drei Freundinnen samstags zum Tanzen ging. Druckmesskammer am Arm) zeigen die Untersuchungen. ohne Wünsche zu äußern. sie lächelt und der Ausdruck der Gleichgültigkeit schwindet aus ihrem Gesicht. fremde Geräusche meiden Biographie der musikalischen Präferenzen (wann und in welchen Zusammenhängen wurde welche Musik gehört) ein Musikprogramm herstellen (zusammen mit Bewohnern und Angehörigen) mit kurzen Musikzeiten (max. einer Alzheimer-Patientin: „üblicherweise sitzt sie in ihrem Krankenzimmer mit dem Blick ins Leere gerichtet. sie hat keine besonderen Bedürfnisse nach Komfort. „Für die folgenden 5 Minuten sprach Dorothy im Wechselgespräch 137 . 12-14) berichtet von Forschungen aus dem nationalen Alterns-Forschungsinstitut in Melbourne. den Beat der Musik zu klopfen.Konsequenzen für die Pflege ein passendes musikalisch – klangliches Milieu herstellen Stille Phasen herstellen Naturklänge ermöglichen Vertraute Geräusche zulassen. duldet aber das Anlegen der Untersuchungsinstrumente.“ Im Labor verhält sie sich völlig passiv. den Jahresablauf markieren im häuslichen Umfeld: welcher Sender. Nach dem Anhören eines Stückes von Edward Elgar äußert sie sich mit einem einzigen Wort: „Liebe“ und lächelt. dass die „Patienten sehr stark auf die eingesetzten musikalischen Stimuli reagieren. ½ Stunde) den Tagesablauf strukturieren gemeinsames Musikhören in regelmäßig gestalteten Musikstunden (Höratmosphäre schaffen. bevorzugte Hörzeiten berücksichtigen musikalische Aktivitäten Singen Biographie des Singens erstellen Liedpräferenzen ermitteln Gesangssituationen ermitteln Singen in Sondersituationen (Singstunde) Alltägliches Singen Musizieren Mit Alltagsgeräuschen Tätigkeiten begleiten Mit Perkussionsinstrumenten Lieder begleiten Fantasieren am Klavier An musikalischen Kompetenzen anknüpfen Bruce Barber (Musik im Alter. beginnt ihre linke Hand. Kommentare. Trotz der im Labor gegebenen beeinträchtigenden Rahmenbedingungen (Messinstrumente. wobei aus früheren Lebensabschnitten bekannte Musik die größten Reaktionen hervorruft. Soziale Kontakte finden nicht statt. Musik und Gesundheit 4/2002. Als ihr aber eine Aufnahme von Art Tatum „Gone with the wind“ aus dem Jahre 1938 vorgespielt wird. Gedichte etc. Versuche sprachlicher Kommunikation scheitern an entweder fehlenden Antworten oder an Antworten ohne jeden erfassbaren Sinn. bei denen „hirnelektrophysiologische Untersuchungen (EEG) über musikinduzierte funktionale Veränderungen in verschiedenen Strukturen und Regionen des Neokortex“ bei Alzheimer-Patienten durchgeführt werden. menschlicher Begleitung oder intellektueller Ansprache.“ Er schildert exemplarisch den Fall von Dorothy. bevorzugte Sendungen. Choreinladungen etc.) mit Konzerten. ohne Erwartungen auszudrücken. Auf Anfrage schildert Dorothy. Skalp-Elektroden.

ohne erkennbare Beeinträchtigungen über Erinnerungen aus ihrem Leben. mit denen man die Wirksamkeit verbessern kann? Sicher ist. in dem neue Pfade geöffnet werden. die ihrerseits zuvor beeinträchtigte Funktionen des ZNV wieder möglich machen. 138 . Dennoch scheint es bei der Musikwirkung zu zeitlich begrenzten. Fragen der Forschung: In jedem Fall sind derartige Veränderungen Auch anhaltende Veränderungen durch des Bewusstseinszustandes. oder gibt es spezifische musikalische Strukturen. emotionalen Störungen und sozialer Isolation führen. Sind spezifische musikalische Strukturen Kann eine noch zu entwickelnde musik. ob derartige Ist nur autobiographisch bedeutsame Musik Veränderungen auch anhaltend sein können wirksam? und auf andere Personen übertragbar sind. zu Verhaltensabweichungen. dass bei der zunehmenden Pharmakologisierung der Demenz-Behandlung auch Raum sein muss für nicht-pharmakologische Interventionen. „In Dorothys Fall hat die Musik eindeutig ihren Bewusstseinszustand auf ein höheres Niveau anheben können. subkortikale und kortikale Strukturen des Gehirnes auf ein quasi normales Aktivitätsniveau vorübergehend angehoben werden können. wie wir sie bei Musikwirkung? Dorothy beobachten konnten. dass limbische. will man dem Menschen als Ganzem gerecht werden“(14). aber nachweisbaren Überbrückungen der gestörten Verbindungen zwischen Primärbewusstsein (Formatio Reticularis und Limbischem System) und den Funktionen des Neokortex zu kommen.maßgeblich für die Verbesserung der Wirtherapeutische Methodik Demenz-Patienten kung? auch längerfristig auf einer höheren neurofunktionalen Leistungsebene halten? Kann nur autobiographisch bedeutsame Musik wirken. dass die fortschreitenden und irreversiblen pathologischen Veränderungen der Alzheimer Demenz zu Störungen des Gedächtnisses. ein wichtiges Musikwirkung auf andere Personen überZiel für zukünftige Forschung. Möglicherweise kann Musik so intensiv als Stimulus einwirken. Danach fiel sie in ihren alten Zustand zurück“ (13). Anschließend führt Barber aus. Zum Beispiel tragbar? ist die Frage zu klären.

). Es kann "zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles" beigetragen "und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation" entgegengewirkt werden (ebd. Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. Hörgeschädigte Menschen. Bei der Improvisation können "von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte" aufgegriffen werden. Frequenzspektrum der Musik: ca. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193).): Musik bis ins hohe Alter. Wickel. Manuela-Carmen Prause: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann" (191). Münster: Lit. Im Gegensatz zur verbalen Situation.): Musik bis ins hohe Alter. in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. 177-197 Prause. Fengler.. des Unterscheidens. Metallophone. stressfreie Handlungsmöglichkeit. wenn Sprache nicht mehr auditiv wahrgenommen werden kann“ (180).und Bassxylophon. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. wie die z.und Melodieinstrumente wie Sopran-. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. Manuela-Carmen: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Rosemarie. 139 . „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194). Hans Hermann Wickel (Hrsg. dass Musik für sie besser zugänglich ist als Sprache: Aufgrund des erheblich größeren Umfangs des Frequenzspektrums von Musik(ca.„Was das Musikerleben von Altersschwerhörigen betrifft. . Hans Hermann (Hrsg. 177-197 "Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht darin. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens. 200-2000 (180) Therapeutische Aspekte: . 16-4608 Hz.).) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. findet er hier eine autonome. in: Rosemarie Tüpker. Stuttgart 1990). Alt. Münster 2001. Es sollten wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen.B. 2001. Beratung.letztlich geht es um die Versöhnung mit sich selbst (vgl.. Therapie und Selbsthilfe.. so kann grundsätzlich gesagt werden. in: Tüpker. der Sprache: ca. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. 16 bis 4608 Hertz) verglichen mit Sprache 250 bis2000 Hertz) ist ein Zugang über das Ohr selbst dann noch möglich.

Einhüllung von Klängen“ Verwendung klanglicher Stimuli Klangquellen. im klingenden Miteinander zu experimentieren (272 f): Anbindung an vertraute Klänge Verwendung von geräuschdämpfenden Stoffen Anpassung an veränderte Hörfähigkeit Berücksichtigung des Bedürfnisses nach Sicherheit und Geborgenheit . für die wir sensibel werden müssen. man das von anderen Gesagte wiederholt. 2. „dass Klänge eine Beziehung zwischen uns und unserer Umwelt herstellen“. ist dafür erforderlich (267).. nicht zu laut spricht. dass 1. wenn die Betreuenden ihre eigenen Sinne einsetzen. möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat. „Nähern wir uns dem Lebensraum Pflegestation aus musiktherapeutischer Perspektive... dafür zu sorgen.Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten.B. man ruhig und etwas langsamer als normal. ob sie ihren Bedürfnissen entspricht. 261-274) weist auf die Bedeutung der Hörwelt (das Sonambiente) hin. nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. das auf demente Bewohner von Pflegeheimen einwirkt. auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann.. um die verursachenden (Schall-) Quellen auszumachen. während der gemeinsamen Mahlzeiten. „Wir sind aktiv an der Gestaltung der Soundscapes beteiligt. die mit der Betreuung dementiell Erkrankter tätig sind. Es sei „leicht vorstellbar. 5. 7.) Jan-Peter Sonntag (MU 2005. z. Bei seinen Vorschlägen für die Entwicklung einer „ambientalen Perspektive“ am Beispiel des Altenpflegeheims betont Sonntag. 6. „Anregungen. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. ist nicht so wichtig“). der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und 3.“ Man kann mit „Musikeinspielungen als Klangkulisse“ experimentieren. 8. Hierbei müssen wir uns auf unsere Beobachtungsgabe und intaktes Einfühlungsvermögen verlassen können. dass manch aggressives Verhalten oder auch Zustände von Apathie der Pflegeempfangenden besser verstanden werden können. Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f. die zu Begegnung und Interaktionen einladen Unterstützung zeitlicher und räumlicher Orientierung 140 .“ Die Entwicklung der Wahrnehmungskompetenzen derer.“ . so wrid sich an dem Wohlbefinden der dort lebenden und arbeitenden Menschen einschätzen lassen müssen. 4. auch wenn wir „Stille in die Klanglandschaft hinein“ komponieren (271).

erwünschtes Verhalten zu verstärken.de/forum/kinder/vortraege/219_grewe_heitfeld. Sie geht davon aus. Zwischen dem musikalischen Dialog und dem Dialog zwischen Mutter und Säugling werden Analogien gesehen. Psychoanalytischer Ansatz Analytische Arbeit ist biographisch orientiert. L. Kindermusiktherapie. Kathrin Grewe-Heitfeld beschreibt in ihrem Beitrag „Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung“ (http://www.pdf) im Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit folgende musiktherapeutischen Ansätze: Medizinischer Ansatz Hierbei geht es insbesondere um die Beeinflussung von Krankheitssymptomen wie Schmerzen oder Schädigungen. (Monika NöckerRibaupierre). Bunt 1993. Alvin 1988). weshalb im musikalischen Dialog zwischen Kind und Therapeut/in frühe Erfahrungen.a. Arbeitsfelder sind beispielsweise die Schmerztherapie und die Arbeit mit Frühgeborenen. J. Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner).und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Robbins 1986. Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. arrangiert sein.musiktherapie. Göttingen 2007. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. Richtungen und Methoden. Traumatisierungen und Konflikte des Kindes bear141 . Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel). welche die Persönlichkeitsentwicklung bzw. Wolfgang Mahns in: Musiktherapeutische Umschau 1998. die das positive oder negative Erleben von Musik und der sich daraus ergebenden Situation nutzen. der von der Beziehung zwischen Therapeut/in und Kind lebt. P. um unangemessenes Verhalten zu verringern bzw. Humanistischer Ansatz Musiktherapie wird als ein kreativer Prozess beschrieben. Vertreter dieser Arbeitsweise sind eher in den USA als im deutschsprachigen Raum zu finden (vgl. Der Focus liegt somit mehr auf der Entfaltung der individuellen Möglichkeiten als auf der Behandlung der Symptome (Vertreter sind u. auch Grenzerfahrungen. 154). dass in unserer Art des Musikmachens unsere verborgenen Seiten und damit verbunden unsere frühesten Erfahrungen zum Klingen kommen.): Kindermusiktherapie. „Musik sollte so beschaffen bzw.a. Es biete einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet). Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert). dass sie die Vorgänge hinter den Symptomen oder die Symptome selbst beeinflussen kann“. Nordoff / C. Musiktherapie für Kinder. Diese Beziehung bietet den Rahmen für Kommunikationserfahrungen.uni-siegen. Zugrunde liegt die Annahme einer psychophysischen Wirkung von Musik auf den Menschen. Stuttgart 1997 Stiff und Tüpker (Hrsg. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). den kindlichen Wachstumsprozess fördern. ggf. Verhaltenstherapeutischer Ansatz Hierbei handelt es sich um therapeutische Verfahren.8 Musiktherapie mit Kindern Standardwerke sind: Jutta Brückner u.

Anthroposophischer Ansatz Kennzeichen des anthroposophischen Denkmodells ist die Arbeit mit den „musikalischen Urelementen“ (dies sind Einzeltöne. 249 f). Barbara Irle und Irene Müller (Raum zum Spielen – Raum zum Verstehen. München 1989. an den altersspezifischen Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes anzusetzen. psychoanalytischem Denkhintergrund und musikalischer Improvisation (vgl. Paderborn 1990. Bestandsaufnahme und Versuch einer Neuorientierung. Tonarten. kann man davon ausgehen. Dietmut. Musikalische Prozesse werden als seelische Prozesse verstanden. 1997). Sie verbindet analytische Musiktherapie mit der Morphologischen Psychologie Salbers. Wuppertal 1988. nur den Hörsinn anzusprechen.und Sprachspiele. Berlin 1991). Heiner Ruland. Die Therapie soll ganzheitlichere Erfahrungen ermöglichen. Geistig Behinderte verstehen. Einerseits mögen Kinder nicht immer Musik machen. Ein Buch für Psychologen und Eltern. Rhythmus oder Harmonie in den Vordergrund vgl. Kombinierte Verfahren Hier wäre die Orff Musiktherapie als eine multisensorische Therapie zu nennen. Beate Mahns. Intervalle und Rhythmen) und die Auswahl bestimmter Instrumente( z. Als kombiniertes Verfahren gilt auch die Musiktherapie von Karin Schumacher. Spielarten. Isabelle (Hrsg.B. Leier. Musiktherapie für Kinder. Evaluation musiktherapeutischer Behandlung. dass Musik und Klänge bereits früh auf das Kind einwirken. Während der Behandlung tritt je nach ärztlicher Diagnose (besonders in Medizin und Heilpädagogik zu finden) entweder Melodie. Klinische Musiktherapie als integrative Psychotherapie.) Erziehen und Heilen durch Musik. Kunst Therapie Kreativität. in: Frohne-Hagemann. dass die 142 .): Musik und Gestalt.: Dietrich Petersen und Eckhard Thiel. Stuttgart 1990). hierzu: Gertrud Orff. Julius Knierim. Musiktherapie und Entwicklung von Gestaltbewußtsein beim Kind. die davon ausgeht. Verschiedene Forschungsarbeiten lassen sich dahingehend zusammenfassen. Die musikalische Entwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Häufig ist die Kombination von nicht direktvier Spieltherapie. dass es insbesondere für behinderte Kinder nicht ausreichend ist. Vertreter sind z. Dieses Wissen ermöglicht es. dass jedes Kind hat ein individuelles Entwicklungstempo hat. Musiktherapie mit Kindern impliziert das Wissen um die Entwicklungspsychologie des Kindes allgemein und um die musikalische Entwicklung im Besonderen. Münster 2000). d. Streichpsalter). andererseits – und dies ist entscheidender – ist das Spiel die dem Kind eigentlich entsprechende Ausdrucksform. 2001 sowie auch: Jutta Brückner.beitet werden können (vgl. dass Defizite in einem Sinnesbereich durch Förderung anderer Sinne kompensiert werden (s. Deshalb ist das Spiel mit verschienenen Materialien und mit allen Sinnen gleichbedeutend wie das mit Klängen und Musikinstrumenten. Musiktherapie und Säuglingsforschung. wobei zu berücksichtigen ist. Gerhard Beilharz (Hrsg. Musiktherapie und nondirektive Spieltherapie Häufig werden Verfahren angewandt. Frankfurt am Main 1999. Musiktherapie mit Kindern. Stuttgart 1989. die jeweils vorhandene Fähigkeit des Kindes. Namenlos. 37-48 und Christine Plahl: Entwicklung fördern durch Musik. und so die Möglichkeit bieten. Ein weiteres kombiniertes Verfahren stellt die morphologische Musiktherapie dar. Eigenarten. Da das Hörorgan früh entwickelt ist.B. bei denen der Wichtigkeit des kindlichen Spiels Rechnung getragen wird. erlebt und weiter entwickelt werden kann (vgl. Musik als erlebte Menschenkunde. Bewegungs. mit der Bezugsperson in Beziehung zu sein. Zwischen Hören und Bewegen. (vgl. die mit allen Sinnen erlebt werden.h. über welche die „Beziehungsqualität“. Musiktherapie bei verhaltensauffälligen Kindern. Sie arbeitet vor allem mit autistischen Kindern und verbindet dabei Musik-. Ingrid Mederacke und Christel Ulbrich. Stuttgart. Schumacher. Praxisberichte. Niedecken. Göttingen. Münster 1996).

daran erkennt. Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung.o. Umgekehrt reagiert ein Baby in der Regel beruhigt auf Wiegenlieder und interessiert auf Klangquellen allgemein. wenn in eine Melodie ein unpassender Ton eingeflochten wird. die Mischungen aus Bekanntem und Eigenem enthalten. Einführung in die Musiktherapie. Bausteine für Musikerziehung und Musikpflege. vol. Music. 143 . Mit 4 Jahren singen Kinder mehr oder weniger genau. Mind and Education. sondern alles was klingt. mit 5 Jahren halten sie ungefähr ein Tempo ein. 1986. Sensorische Entwicklungsstufe 0-3 Jahre Das Kind befasst sich mit Klangeindrücken. London: Routledge. 86-144). harmonische Veränderungen wahrzunehmen (s.B. was man z. Mainz 1968. Ab dem 2. Das Musikerleben des vorschulpflichtigen Kindes. Erstes Singen Während das erste Lebensjahr musikalisch gesehen durch die Aufmerksamkeit auf Klänge geprägt ist. Sie entwickeln Lieder. K. sechsmonatige Kinder halten inne. Bereits in den ersten Monaten können Babys Melodien auseinanderhalten. sein Entstehen untersuchen. bevorzugen aber auch gerne eine dissonante Begleitung. d.h.oder Unwohlsein drückt es klanglich aus. Kinder sind zwar in der Lage. Bevorzugen von dissonanter Begleitung Kinder im Vorschulalter empfinden Harmonien offensichtlich anders als Erwachsene. Geburtstag beginnen Kinder zu singen. außerdem: Swanwick. später in der Oktav. Klangbezogene Aufmerksamkeit In der frühen Kindheit stehen die geäußerten Klänge eines Babys in Zusammenhang mit seinem seelischen Befinden. 1988) 1. herrscht im zweiten Lebensjahr die motorische Aktivität als Antwort auf Musik vor.Auswirkungen des Hörens allgemein und insbesondere des Hörens von Musik in größerem Ausmaß. 3. Heiner Gembris. 3. Das Kind möchte die Natur des Klanges.). Sein Wohl. No. Weinheim 1993. Die musikalische Entwicklungsspirale nach Keith Swanwick und June Tillman (The Sequence of Musical Development. Leslie Bunt. als anregend und positiv eingeschätzt werden (Helmut Moog. Es erforscht nicht nur Musikinstrumente im engeren Sinn. Augsburg 1998. Erst mit 5einhalb bis 6 Jahren beginnt eine stetig ansteigende Bevorzugung einer harmonischen Begleitung. zunächst im Tonumfang der Quart und Quint. ist besonders fasziniert von Klangformen und dynamischen Abstufungen. Rhythmische Fähigkeiten entwickeln sich vor metrischen. British Journal of Music Education.

Höhepunkte werden durch Schneller. das Kind intendiert damit noch keine Aussage. weil der inzwischen der Jugendliche in erkennbare musikalische Gemeinschaften eintreten will. 144 . aber noch nicht ganz umgesetzt werden können. Das Interesse an Klangfarben und -effekten verändert sich in Richtung Interesse an besonderen Spielweisen.und Lauterwerden gestaltet. Es testet Möglichkeiten des musikalischen Spiels aus Es gibt musikalische „Überraschungen“. in Instrumentalstücken besonders durch Tempoveränderungen und Dynamik. Manipulative Entwicklungsstufe 4-5 Jahre Das Kind hat mehr Kontrolle in der Handhabung der Instrumente erworben. nur auf der Seite der Therapeuten. 3. Dieser ist meist von Popmusik beeinflusst. Musikalische Stilmittel. Dieser Umgang mit Musik wird in der Musiktherapie mit Kindern nicht anzutreffen sein bzw. Improvisationen sind häufig lang und „wirr“ und eher durch die Gegebenheiten der Instrumente als durch Absichten des Kindes geprägt. Mit der Entwicklung von übergeordnetem systematischem Verständnis ist die musikalische Reife voll ausgebildet. 5. Mit Bedeutungen besetztes imaginatives Spiel 13 – 14 Jahre Allmählich werden kompositorische Einfälle stärker in einen bestimmten Stil integriert. die im vorigen Muster sozial wichtig erschienen. 4. wie Glissandos. Die zuvor entwickelte Fähigkeit zu phantasievollen Musikformen wird nun weniger genutzt. dass musikalische Formen im Kopf des Kindes zwar vorhanden sind. Materialien zu beherrschen und ggf. nicht reflektierten Gefühlserlebnis des Kindes bestimmt. Phantastisch imaginatives Spiel ca 10 – 13 Jahre Das Kind ist experimentierfreudig. dem Stil der sozialen Gruppe. 2. der man sich zugehörig fühlt. Variationen in der Musik entstehen eher zufällig.dass Fell und Holz einer Trommel bespielt werden oder verschiedene Teile der Hände genutzt werden oder verschiedene Instrumente gegeneinander geschlagen werden. auch das gemeinsame Spiel zu bestimmen. auch ist die Tendenz zu regelmäßigerem Metrum zu erkennen. Meta-Kognition symbolischer Bedeutung Ab 15 Jahre Hier ist die Identifikation mit einzelnen Musikstücken wichtig. Der individuelle Wert von Musik einschließlich dessen Reflektion ist somit für diesen Abschnitt bestimmend. Tonleitern oder Trillern. Einfache musikalische Phrasen sind zu erkennen und die Tendenz zu beginnender Strukturierung. Es existiert wachsendes Bewusstsein für die emotionale Kraft der Musik und damit einhergehend wachsende Fähigkeit entsprechende Erfahrungen musikalisch ausdrücken zu können. Die improvisierte Musik wirkt spontan und unkoordiniert. Oft scheint es aber auch noch so zu sein. hat Spaß am Verändern musikalischer Formen. Sie ist vom unmittelbaren. Die zunehmenden Fähigkeiten des Kindes werden deutlich und damit einher geht das Bedürfnis. bzw. werden harmonisch weiterentwickelt und gestaltet. Personal gerichteter Ausdruck 4 – 9 Jahre Individuelle Ausdrucksfähigkeiten werden zuerst im Lied deutlich. die sich nicht in den übrigen Stil einfügen. Insgesamt ist das. 6.

Neben Vorlesungen und Seminaren mit theoretischen Einführungen reicht das Spektrum von allgemeinen historischen. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten. szenischem Spiel. einen Rahmen. Kinderkunstwerkstatt. 805). Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. kommunikativer Flexibilität und inhaltlicher Ungewissheit“ (Rauschenbach 2005. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten.. Erinnerungen. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt.. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden (vgl. Hörspiel. Gehörbildung. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden. Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. Rockmusikpraxis. auch Musik mit digitalen Medien. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. die Universalität ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. „de145 . wie Rockmusik mit Jugendlichen. Radiosendungen. Musik oder Folkloretanz mit Senioren.). Sie ist „Beziehungsarbeit“ und dementsprechend „geprägt von situativer Offenheit. Mann et al 1995).9 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit Die Durchsicht von Vorlesungsverzeichnissen der Studiengänge für Sozialpädagogik und Sozialarbeit an Hochschulen in Deutschland ergibt ein vielfältiges Professionalisierungsangebot auf dem Gebiet musikalischer Kompetenzen. sondern jede subjektive Lösung wird gewürdigt. Kindermusical. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. Gitarre. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind auf soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. Tanz. der es möglich macht. Dabei können Spielregeln oder freie situations. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen. Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet.und Videopraxis.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. ästhetische Erfahrungen anzuregen. Rhythmusarbeit. Assoziationen. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird. Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. Für soziale Arbeit gilt wie für soziale Berufe generell der Grundsatz der Personenbezogenheit. als Partner. wie Musiktheorie. emotionales. Musikalisches. Erfahrungs. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. Identifikationen. als Gruppe. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. wie Bewegung. Darüber hinaus erhalten Studierende in Methodenseminaren und Übungen das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. Er ist in der Lage. ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). ebd. Festund Feiergestaltung. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. Sprache. soziales. als Einzelner. 28).

2004a und b. oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung des akustischen und musikalischen Milieus in den Einrichtungen.und Familienberatung können Rollenkonflikte. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. Seidel 1992. die soziale Brennpunkte. Auch in der Jugendarbeit haben sich kommunalorientierte mobile Projekte bewährt. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. 2000. Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. Kapteina 2006). wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001. Soziale Berufskarrieren verlaufen nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in das professionelle Beziehungsgeschehen mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und -management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. Kapteina. „Musiktherapeutische Momente“ (Leidecker 2004. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. Entsprechende Zusatzund Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. Neben den bereits erwähnten bei Mann et al. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden. Bass. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. wie Musikfreizeiten. Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und -pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. Klug und Schreiber 2004. 222 f).ren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. Zeuch beschreibt und evaluiert rezeptive Musikanwendungen im Strafvollzug (2001 und 2004). wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. Auch in der Ehe. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. Familienwochenenden etc. „Mobile Musikschulen“ stellen lebensweltbezogene Projekte der Gemeinwesenarbeit dar (vgl.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. Dentler 2001). Komponieren und Improvisieren von Musik ist. in Kapteina 2006). Rieger 2006)) oder Prävention. 10). 2006. 21 ff) sind dabei implizit. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit. 1996. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie familienorientierte Angebote. und Tanznachmittage. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer dann zum Tragen. Keyboard-. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. Frühförderstellen und im Rahmen schulbegleitenden Sozialen Arbeit praktiziert. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. 146 . auch Tüpker. Hill. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop.“ auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998.

die beteiligten Akteure orientieren sich neu: an die Stelle der Expertenzentrierung tritt Teilhabe. bei der Funktionen und Verantwortlichkeit der handelnden Personen flexibel ausgehandelt werden. So richtet sich zum Beispiel das Projekt „Folkloretanz für Jung und Alt“. K. H. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Die Abgrenzung zwischen Musik und Sozialer Arbeit und Musiktherapie verläuft über Diagnostik. Musikmachen und Lebensbewältigung. In: Musiktherapeutische Umschau 227-238 Dentler. 852). G. 348). bei denen sich der Fokus von individuellen Veränderungen hin zum aktiven Interesse an gesellschaftlicher Veränderung und der Beziehung zwischen Individuum und sozialem Umfeld verlagert. Hier setzen gemeindeorientierte Konzepte an. Öffnung der Handlungsräume vom diskreten klinischen Setting hin zum öffentlichen oder semi-öffentlichen Angebot. (1996): „Rockmobil“ . die Soziale Arbeit mit Musik und Musiktherapie verbinden.). die im Alltag auftauchen (1996. orientiert sein müssen: Erweiterte Programme. Zugleich ist es Anlaufstelle für ehemalige Patienten der örtlichen Psychiatrie.und Gruppenmusiktherapie anbietet. Literatur: Ansdell. 128. H. Für Almut Seidel begegnen sich Sozialpädagogik und Musiktherapie in ihrer Alltagsorientierung. Konzeptionell sind solche Projekte an der „Musikalischen Elementarerziehung“ (Schwabe & Rudloff 1997. Stige formuliert die Prinzipien. bei der Ausbildung von Musiktherapiestudenten mitwirkt. Leidecker 2002) sowie der „Sozialmusiktherapie“ (Schwabe & Haase 1998) orientiert. B. therapeutische Beziehung sowie räumlich und zeitlich angepasstes Setting. impliziert neue musikalische und psychosoziale Sensibilisierung im Alltag. dem „Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung hin zu einer gesunden Umwelt. Der schöpferische und improvisierende Umgang mit Musik. Übertragung ins deutsche. Schnittmengen liegen in präventiven und rehabilitativen Funktionen. bevor Probleme eskalieren. Johannes Pluto1997. in denen sich Musiktherapie und Sozialpädagogik begegnen. Jahrhundert“ (Wendt 2005. Mager 2006. Die Mitarbeiter sind sozialpädagogisch und musiktherapeutisch qualifiziert. einer effizienten Wirtschaft und einer solidarischen Gesellschaft im 21. das auf kommunaler Ebene für „Menschen jeden Alters Einzel. Indikationsstellung. Opladen Hill. Schließlich ist es auch ein Beitrag zur kommunalen Kulturarbeit (Kapteina 2000).In der ambulanten Pflege und Betreuung alter Menschen gewinnen mobile MusiktherapieAngebote zunehmend Bedeutung (vgl. Seit 2000 werden gemeinwesenorientierte Projekte der Musiktherapie als „Community Music Therapy“ beschrieben und diskutiert (Ansdell 2006). auf der Linie der Agenda 21. den Patienten in der Musiktherapie erleben. oder dass sie nach musiktherapeutischen oder psychiatrischen Behandlungen zur psychosozialen Stabilisierung beitragen.: (2001): Partytime. dass Musik und Soziale Arbeit bei gefährdeten Personen wirksam wird. Tagesfortbildungen und Workshops über den Einsatz von Musik im Gesundheitsdienst für Kinder und Erwachsene sowie Forschung über die Wirkungen und Prozesse der Musiktherapie koordiniert und Proben und Aufführungen eines möglichst breiten Spektrums unterschiedlicher Musikarten fördert“ (189). Opladen 147 . Muthesius 2005. beide wollen einen Beitrag zur Lösung von Problemen leisten. Damit stehen Konzepte. (2006): Community Music Therapy – Ein neuer alter Gedanke. und schließlich sollen die Handlungen und ihre schöpferischen Ergebnisse mit breiterer Bedeutung belegt werden: von der Funktion der Musik als Bedeutungsträger und Medium zum Verständnis der Musik als sozialökologische Veranstaltung (2005. Ein Vorbild bietet auch das Konzept „MUSICSPACE“ von Leslie Bunt (1998).eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. die Musiktherapie und Soziale Arbeit miteinander in Beziehung bringen.K. ein seit vielen Jahren bestehendes offenes sozialräumlich orientiertes Gemeinschaftsprogramm von Universität und Kirchengemeinde an Menschen. die von Vereinsamung und Verelendung bedroht sind. Es kann sein. 2006).

und Mielenz.musiktherapie. Tanz und Kunst-Therapie. Schreiber. D. 216-226) Wendt. Hasselberg. (Hrsg. Crossener Schriften zur Musiktherapie. Münster Zeuch.Hill. In Hartogh. Kassel: Bosse Kapteina. 801-806 Rieger.. I. H. Chr.und Ausbildungskonzept. Ein Elementarkurs für Erwachsene. Musikinterventionen in der Sozialpädagogik. (2004a): Soziale Kulturarbeit mit Musik. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. H. 35-44 Kapteina. al.) Wörterbuch Soziale Arbeit. I. (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. et. I. H. & Haase.. In: Musiktherapeutische Umschau 261-264 Mann. http://www. Weinheim: Juventa. T. (2000): “Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. In: Schwabe. Musik. B. (2001): Rezeptive Musiktherapie im sozialtherapeutischen Strafvollzug. I. H. Folkloretänze in Therapie und Prävention. A. W. In: Musiktherapeutische Umschau. Crossen. In: Musiktherapeutische Umschau.de Hill. (2005): Soziale Berufe.-D. In: Kreft. (2004): Das Leben klingen lassen. In Hartogh. (2004b): Bandworkshop. (1995): Selbsterfahrung durch Kunst. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Schwabe. (1997): Die Musikalische Elementarerziehung. und Mielenz. K. Weinheim: Juventa 415-426 Leidecker. Weinheim: Juventa. H. und Wickel. Pfaff. (Hrsg. (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit.musiktherapie. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. In Hartogh. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. H. Verbesserung der häuslichen Pflegesituation gerontopsychiatrischer Patienten unter Einsatz von Musiktherapie.) Wörterbuch Soziale Arbeit. Tanz und KunstTherapie. T. 107-134 Tüpker. 298-306 Stige.) Jahrbuch Musiktherapie. (2005): Sozialökologie. B. und Stein.. Burkhard. Weinheim: Juventa. B. D. Chr. Siegen: Universität. (2007): Musiktherapeutische Zusatzausbildung für Helfende Berufe. Weinheim Muthesius. Weinheim: Juventa. R. Anmerkungen zu einem Praxis.uni-siegen. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. (2004): Ergebnisse musiktherapeutischer Entspannung im sozialtherapeutischen Strafvollzug.. 13-20 Zeuch. Eine Einführung. Köln: Kuratorium Deutsche Altenhilfe Rauschenbach. W. H. & Hörtreiter. 5. H. A. In BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland (Hrsg. B. (2006): Neue Wege der Musiktherapie.unisiegen. K. D. 175-181 Johannes-Pluto. B. H. H. (2006): Musiktherapie und Gemeinwesenarbeit. A. (2001): Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. T. H. (1998): Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. al (2005): Balsam für die Seele: Hausmusik. st. U. H. http://www. 16-23 148 . F. (1997): Musik praktisch erfahren. 394-414 Kapteina. T. A. G. Ressourcenorientierte Musiktherapie. (2005): Toward an Notion of Community Music Therapy. Musik. C. Essen: Die Blaue Eule Leidecker. H. In: Musiktherapeutische Umschau 239-248 Schwabe. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII. & Rudloff. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Seidel. In: Kreft. (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". Musiktherapie zuhause.: (2002): Musik als Begegnung. von Grüner. Wiesbaden Mager.de Kapteina. B. (1992): Sozialpädagogische Musiktherapie. 83-100 Hill. H. Chr. Stuttgart Kapteina. Wiesbaden: Reichert. H. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. und Wickel. und Wickel. 5. (1998): Die Sozialmusiktherapie. Klug. R. H. 851-852 Wickel.

das die Teilgebiete: Kunstpädagogik. Seidel 1976. das zur Einsicht in gesellschaftliche Widersprüche führt. 1973) stand damals bereits ein Konzept ästhetischer Erziehung zur Verfügung. das im tertiären Bildungsbereich sonst nur dann offen steht. Spiel.und Literaturpädagogik. 1976 in die neu gegründete Gesamthochschule Siegen integriert. Seit 2002 ist die Siegener Hochschule Universität. musikalische integrative Förderprojekte mit Der Studiengang Sozialwesen (Sozialpädagogik und Sozialarbeit) wurde 1971 an der damaligen Fachhochschule Siegen-Gummersbach eingerichtet.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen Hochschuldidaktischer Kontext Bei der Einführung der Studiengänge Sozialarbeit und Sozialpädagogik („Sozialwesen“) an den Fach. Wrisch 1978). 20% des Lehrangebots im Studiengang Sozialpädagogik und 10% im Studiengang Sozialarbeit sollten durch das Fach Ä&K abgedeckt werden. das weiterentwickelt werden konnte und mit dem die didaktische Herausforderung bewältigt werden konnte. musiksoziologische sowie handlungsorientierte Studieninhalte definiert. 47) an und entwickelt Konzepte. Studierenden auf dem Gebiet Musik einen Professionalisierungsprozess zu eröffnen. zur Entwicklung von Interessenbewusstsein leitet und in befreienden Aktionen mündet“ (Kapteina 1977. wie zum Beispiel Mobile und stationäre Kinder. 301). Kapteina 1977. Die Studierenden sollen in diesem neuen Studienfach ihre ästhetische Wahrnehmungs. 1 149 . Demgegenüber setzt die Musikpädagogik im Sozialwesen bei der „Aktivierung originärer Musikfähigkeit“ (Ernst 1982. Musik im Ausbildungsfach „Ästhetik und Kommunikation“ Wie für jedes der Teilgebiete wurden dem entsprechend auch für die Musikpädagogik erziehungswissenschaftliche. Musikpädagogik wurde „neben ihrer erzieherischen und therapeutischen Funktion auch als politisches Handlungskonzept begriffen. Mit der Musikalischen Gruppenimprovisation (Friedemann 1969a. Leidecker 2002). später wurde die Bezeichnung Universität-Gesamthochschule eingeführt. Musikpädagogik. b.und Theaterpädagogik. 1971. wenn Studierende sich zuvor spezielle Musikkenntnisse und Fähigkeiten angeeignet haben. in dem die musikpraktischen Erfahrungen als Ausgangs. musikpsychologische. -psychologische und –soziologische Theoriebildung dienten und gleichzeitig exemplarisch als Modelle für die Anwendung in der sozialpädagogischen Praxis gelten konnten.und Bezugspunkt für die musikpädagogische.und Jugendmusikschulen. Bewegungspädagogik und Pädagogik der Massenkommunikation enthält. Der durch diesen Studienbereich ausgelöste Professionalisierungsschub im Bereich der Sozialen Arbeit schlug sich in vielen soziokulturellen Initiativen nieder.und Kommunikationskompetenz auf wissenschaftlicher Grundlage reflektieren und weiterentwickeln sowie ästhetische Erfahrungsmöglichkeiten in der sozialpädagogischen Praxis nutzen können (Ministerium für Wissenschaft und Forschung 1976.9.und Gesamthochschulen in den 1970er Jahren wurden die künstlerischen Ausbildungsinhalte im Zuge einer damals äußerst intensiv geführten hochschuldidaktischen Diskussion in dem neuen Fach „Ästhetik und Kommunikation“ zusammengefasst (vgl. Sprach. für jedes Teilgebiet wurden zwei Professorenstellen eingerichtet. bei denen alles was klingt als Musik akzeptiert wird. Kapteina 1977). die gesamte Person sich einbringen kann und die im musikalischen Handeln zum Ausdruck kommenden psychosozialen Inhalte bearbeitet werden (vgl. Kernstück der Musikpädagogik im Sozialwesen an der Universität Siegen1 war (bei einem Gesamtstudium im Fach Ästhetik und Kommunikation von 18 Semesterwochenstunden) von Anfang an ein dreisemestriger Kurs über musikalische Gruppenimprovisation im Umfang von jeweils vier Semesterwochenstunden.

Lutz von Werder weist darauf hin. Ansonsten ist Psychotherapie in der Sozialen Arbeit insofern wichtig. die grundsätzlich allen Studierenden der Universität Siegen zugänglich ist. Eine Pilotstudie. dass gerade bei der Arbeit mit Menschen aus der gesellschaftlichen Unterschicht nonverbale und handlungsorientierte Verfahren von großer Wichtigkeit sind. Diese zusätzlichen Studienleistungen können seit Mitte der der 1990er Jahre auf eine kulturpädagogische Zusatzausbildung angerechnet werden. Altenarbeit. Immerhin wurde die Soziale Arbeit an der Universität Siegen in einen wissenschaftlichen Studiengang integriert.und anderen psychischen Erkrankungen. wie Prävention. die wir von 1985 bis 1987 durchführten. auf dem in der Sozialarbeit psychotherapeutische Methoden Anwendung finden. Der Studienanteil des Faches Ästhetik und Kommunikation wurde sukzessive von ursprünglich achtzehn Semesterwochenstunden auf zwölf und schließlich auf sechs verringert. Lehrveranstaltungen im Fach Ästhetik und Kommunikation wurden weit über den durch die Studienordnung vorgegebenen Rahmen nachgefragt. 1 150 .V. 4). Ende der 1970er Jahre gründeten Absolventen ihren eigenen Trägerverein für Fortbildungen1. wenn er selbst dergleichen nicht anbietet. zur sukzessiven Verringerung der Anteile des Studienfachs Ästhetik und Kommunikation. (MIK) veranstaltet auf Grundlage eines Kooperationsvertrags mit der Universität Siegen die Seminare und Übungen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für die postgraduierten Teilnehmer. Nach einer dreijährigen Erprobungsphase wurde die Musiktherapeutische Zusatzausbildung im Februar 1989 vom damaligen Senat der Universität Gesamthochschule Siegen eingeführt. werden psychotherapeutische Methoden schon länger angewandt (Lutz von Werder 1977). In der sozialpädagogischen Beratungstätigkeit. FrühDie Bezirksarbeitsgemeinschaft für Freizeitkulturelle Jugendarbeit e. auch psychotherapeutische Funktionen zu. nicht nur Bereiche der politischen und persönlichen Bildung sondern auch solche der künstlerischen Psychotherapien erreichen. Im entsprechenden Master Studiengang ist es gar nicht vertreten.V. Im neuen Bachelor Studiengang „Bildung und Soziale Arbeit“ an der Universität Siegen umfasst er 4%. 2 Das Musiktherapeutische Institut für Kreative Kommunikation e. (BAG) ist anerkannter Träger der Freien Kinder. Sie trägt neben der geschilderten hochschulpolitischen Entwicklung auch der inhaltlichen Tatsache Rechnung. wie der Drogenberatung.und Jugendhilfe. eine seit langem überfällige Maßnahme. ist die Supervision. wie die musikalische Improvisation als eine Musikpädagogik im Sinne der „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ (Friedemann 1973. ermittelte den Bedarf an Sozialpädagogen. dass der wissenschaftliche Nachwuchs sich auch aus den Reihen der Sozialpädagogischen Profession rekrutieren kann.Kindern. durch die sicher gestellt werden kann. Davon unberührt blieb allerdings das Verhalten der Studierenden. die musiktherapeutische Arbeitsweisen beherrschen (Kapteina 1989). dass der Sozialarbeiter psychotherapeutische Angebote kennen muss. der Familienberatung. die weniger an hochschuldidaktischen als an fiskalischen Zielen orientiert waren. dass ästhetische Aneignungsprozesse. Heute werden originär sozialpädagogische Praxisfelder. Das dritte Gebiet. schulbegleitende Förderung. Mit der stärkeren „Verwissenschaftlichung“ ging allerdings auch die Vernachlässigung handlungsbezogener Professionalisierungsanteile einher. usw. so dass er seine Klienten entsprechend informieren und beraten kann. An dieser Stelle greifen die Möglichkeiten der Musiktherapie (1977). Andererseits fallen der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund wachsender sozialer Verelendung und gesundheitspolitischer Engpässe neue.2 Didaktisches Profil der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung Im Verlauf der 1980er Jahre führten einige „Studienreformen“. Sie führt Projekte auf dem Gebiet der ästhetischen Bildung für Kinder und Jugendliche durch sowie Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter. Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung oder Sucht. Anfang der 1990er Jahre ein eigenes musiktherapeutisches Fortbildungsinstitut.

heute spricht man von „Modulen“. Am Ende des Studienganges steht demnach keine ritualisierte Prüfung. Psychologen und Ärzten musiktherapeutischer Fortbildungsbedarf besteht. individuelles Konzept vor und schildern. dass der Inhaber berechtigt und befähigt ist. Es besteht ein Konsens unter allen Ausbildungsstätten an Hochschulen in Deutschland. 1 151 . wobei zwischen den einzelnen Stufen beliebig lange Pausen eingelegt werden. musiktherapeutisch im Rahmen seines Berufes zu arbeiten. d. Jugendarbeit. Die Siegener Ausbildung ist wachstumsorientiert. Therapeuten. dass die Kompetenz von Musiktherapeuten auf den vier Säulen Musikpraxis. dass und in welcher Weise der Absolvent die erworbenen Kompetenzen in einem Feld des Sozial. der zu Folge Lernen „ein ganzheitlicher Prozess ist.1 Nach dem Studium der Module 1 und 2 kann das Zertifikat der Universität verliehen werden. wie Lehrern.Juni 2002 von der Mitgliederversammlung des DBVMT beschlossene Anerkennungsvereinbarung zwischen Berufsverband und Universität Siegen. Dieser Richtlinie folgt die Ausbildung an der Universität Siegen mit dem Angebot der im folgenden genauer dargestellten drei „Module“: Sechs Hauptstufen.oder Gesundheitswesens zur Geltung bringen kann. wenn er dem Entwicklungsprozess“ des einzelnen „und der Gruppe entspricht und aus ihm heraus entstehen darf“ (Frohne-Hagemann und Petzold 2006. Praxiserfahrung mit Klienten und medizinisch-therapeutischem Wissen stehen muss (Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland. sondern wir begleiten die individuelle Entwicklung und Reifung von „Musiktherapeutischen“ Persönlichkeiten. Statt dessen stellen unsere Absolventinnen im Rahmen einer öffentlichen Fachtagung ihr jeweils eigenes. Die methodische Gestaltung der Ausbildungselemente folgt den Erkenntnissen der aus neurowissenschaftlicher Sicht elaborierten Lerntheorie.h. Die Absolvierung der gesamten Ausbildung wäre frühestens in dreieinhalb Jahren möglich. 100 Stunden Einzel-Lehrmusiktherapie sowie musiktherapeutische Berufspraxis nach der Erwerb des Hochschulzertifikats zur Aufnahme in den Berufsverband BVM. dass Sozialpädagogen mit musiktherapeutischen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt gute Arbeitsmöglichkeiten haben und auch bei anderen Berufsgruppen. in welcher Fachwissen und Kenntnisse abgefragt würden. wir bilden nicht nur in einem therapeutischen Verfahren aus. Elf Begleitseminare. die jeweils auf ein halbes Jahr terminiert sind und nacheinander studiert werden müssen. können die Teilnehmer ihrer jeweiligen beruflichen Situation oder auch ihrer persönlichen Entwicklung gemäß in weitgehend beliebiger zeitlicher Abfolge studieren. die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. Sechs Zusatzseminare. Ausbildungsstufen I. musiktherapeutische Selbsterfahrung. Gemäß einer am 8. 15). Er dokumentiert darüber hinaus aber auch. Vor dem Hintergrund. psychosoziale Beratung und Supervision neu als Tätigkeitsbereiche für Musiktherapeuten entdeckt (Tüpker 2006). Aufwand und Umfang dieses Vortrages entsprechen den Abschlussarbeiten anderer Ausbildungen. 1998 und 2006).förderung. welches bestätigt. An ihre Stelle treten intensive Beratungen während der gesamten Studienzeit. Qualität. wie sie dessen Grundlage mit Klienten mindestens ein Jahr lang erfolgreich gearbeitet haben. der besonders dann gelingt. Bei dieser Vorgehensweise erübrigt sich die übliche Kontrolle durch Prüfungen. Die einzelnen „Bausteine“. konzipierten wir eine Zusatzausbildung nach dem Baukastenprinzip für Studierende und praktizierende Angehörige von Helfenden Berufen.

Der Lernprozess orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen der Gruppenmitglieder. Stille und Klang als unerschöpfliche Erfahrungsräume erleben zu können. Die Teilnehmer übernehmen zeitweise die Leitung der Gruppe.m. die sie der Gruppe vorschlagen. teilen selbst mit. sie führen die reflektierenden Gruppengespräche und machen weiterführende Vorschläge. bieten wir geeignete musikalische Spiele an. Die Bandbreite geht von musikalischen Rollenspielen über die musikalische Reinszenierung einer bestimmten Familienszene bis hin zur musikalischen Darstellung eines Gefühlszustands oder eines Körpersymptoms u.und Kommunikationserfahrungen eingegrenzt ist. Seele und Gruppengeschehen erforscht. ist neben den allgemeinen psychotherapeutischen Kriterien in der Musiktherapie der 152 . oder „was uns gerade einfällt“ oder „wonach es uns gerade ist“ und versuchen. wie Therapievereinbarungen. der die Ausbildungsstufe leitet. Im permanenten Wechsel zwischen musikalischer und Selbsterfahrung und methodischer Reflexion werden die für wichtigsten Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit mit Musik erfasst. Zusammenklang und Klangfarbe.So wie die Sozialpädagogische Musikpädagogik am „musikalischen Nullpunkt“ beginnt (Ernst 1982). miteinander musikalisch in Kontakt zu kommen. deren Erfahrungsraum durch Spielregeln auf elementare Klang. Dabei werden dann mehr oder weniger zwangsläufig die Lebensthemen aktualisiert. Übertragungs. die der betreffenden Person helfen. staunend und versunken hören. Rassel-. weiterentwickeln. die bio-psycho-sozialen Dimensionen musikalischer Ausdrucksphänomene zu erfassen (vgl. Metall-. Damit werden Begriffe zur Verfügung gestellt. Da Musik direkt auf die subkortikalen Funktionen des limbischen und vegetativen Systems wirkt. und ihre Wirkung auf Körper.a.a. die sie anleiten und mitspielend und beobachtend begleiten. Spiele von Lilli Friedmann (1973) oder Fritz Hegi (1997) erweisen sich als besonders geeignet. das heißt die Fähigkeit. bei der ästhetische Ereignisse als nicht sprachliche Bedeutungsträger erfasst werden. die Instrumente sicher zu handhaben und sich musikalisch auszudrücken. Das können Episoden aus der Kindheit sein oder aktuelle Konflikte. diese Themen weiter zu bearbeiten. Der zweite Schwerpunkt in dieser Ausbildungsstufe ist die Erfahrung und Beschreibung von musikalischer Kommunikation. Während in der ersten Stufe vorrangig Improvisationsspiele angeboten werden. Blas. wie wir uns im Moment fühlen“. am Körper usw. wie sie sich in der Leiterrolle erlebt haben und bekommen Feedback vom Dozenten. indem die Teilnehmer ihre Fähigkeit. bei denen wir „spielen. im Wald. Damit einher geht die intensive Auseinandersetzung mit den musikalischen Parametern Rhythmus. der Stimme oder von schallfähigen Materialien im Raum. II In einer zweiten Ausbildungsstufe steht die Bearbeitung der durch die musikalischen Erfahrungen aktualisierten Lebensthemen und biographischen Materialien im Vordergrund (Musiktherapeutische Selbsterfahrung. Melodie. Jenseits von musikkulturellen Bewertungen werden die Klänge von Fell-. Rollenklarheit. horchen und lauschen zu können.und Saiteninstrumenten. die die differenzierte Beschreibung musikalischer Erfahrung ermöglichen. Abstinenzverhalten u. die Entwicklung von Introspektionsfähigkeit und Sensibilität in der Gruppe sowie Konfliktfähigkeit steht im Vordergrund. treten in der zweiten Stufe „freie“ Improvisationen in den Vordergrund. Musikalische Lerneffekte ereignen sich dabei als beiläufige Zugabe. III In der dritten Ausbildungsstufe soll das Leiterverhalten gelernt werden. In Phasen der Meta-Kommunikation erhalten sie Feedback von der Gruppe. Lehrmusiktherapie). sich von den Klängen faszinieren zu lassen.und Gegenübertragungsprozessen. überlegen sich geeignete Spielangebote. entdecken wir in der ersten Ausbildungsstufe der Musiktherapie Ausbildung unser „music child“ (Nordoff und Robbins 1986). wenn sie durch das Spiel und in der anschließenden Reflexion zur Sprache kommen. Kapteina 2007). genau zu hören.

Der Therapeut geht nicht direktiv vor. Er ist engagiert. Ein geeignetes Evaluationsverfahren muss eng auf das Selbstverständnis. anerkennend. mit der Supervisionsgruppe nachspielen.oder Videoaufzeichnungen werden Praxissituationen analysiert. das Konzept und die Arbeitsweise des jeweiligen Therapeuten abgestimmt sein. Therapeuten. Er stellt die erforderlichen Methoden und Materialien bereit. Ärzte und Psychologen) wird vorausgesetzt. Pädagogen.Umgang mit Emotionen und Affekten besonders zu beachten (vgl. etc. Des weiteren werden während der vierten Ausbildungsstufe geeignete Methoden der Erfolgskontrolle und Qualitätssicherung vermittelt. dass die Teilnehmer bereits therapeutische Vorkenntnisse und Erfahrungen mitbringen und die spezifisch musiktherapeutischen Inhalte auf eine Weise vermittelt bekommen. stabilisierend. sie in ihre bereits vorhandene professionelle Identität zu integrieren. hier können sie zusammen mit ihren Kollegen Interventionen. die es ihnen ermöglicht. konfrontativ. zeigt Gefühle. Feedback. Kontraktvereinbarung. Die therapeutische Haltung ist partnerschaftlich. sich beraten lassen. Sie können nachträglich Interventionen. soweit das nicht störend für den Prozess oder die Beziehung ist. Hilfreiche Fragen. aggressivem Verhalten. Suizidgefährdung. V und VI In der vierten und fünften Ausbildungsstufe wenden die Lernenden mindestens ein Jahr lang ihre Fähigkeiten in der selbständigen Arbeit mit Klientengruppen an. Dieses musikästhetische Prinzip der generellen Akzeptanz impliziert. IV Bei einer Zusatzausbildung für Helfende Berufe (Sozialpädagogen. nährend. an denen die Evaluation die Bewertung des therapeutischen Prozess ausrichtet. wie z. ermutigend. verständnisvoll. erörtert. um sich Feedback über ihr Leiterverhalten zu holen. Anhand von musiktherapeutischen Improvisationsübungen werden unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen. Fachliche Defizite werden aufgearbeitet. erlebnisorientiert. integrierend. festgestellte Krankheiten oder Störungen sind die Faktoren. Sie ist freundlich. Er stellt ein seinem therapeutischen Verständnis entsprechendes Untersuchungsdesign her. Autoaggression. akzeptierend. sind auch die der Musik zu Grunde liegenden Emotionen wert zu schätzen. Problemanalyse. Spiele und musiktherapeutische Inszenierungen. verändert es nach Maßgabe der prozessualen Diagnostik und passt es neuen Erkenntnisse an. offen. So wie in der freien musikalischen Improvisation gilt. 40). 132-168). übungszentriert. die durch die Arbeit mit den Klienten aktualisiert werden. hierzu Kapteina und Hörtreiter 1993. erarbeitet. dass Beschreiben und Verstehen den verbalen Diskurs bestimmen und nicht Interpretationen. Anhand von Tonband. Die Supervision bedeutet 153 . die sie mit ihren Klienten durchgeführt haben. Folglich sind Therapiekontrakt und die Anamnese nicht nur die Grundlage der jeweiligen Therapie. Er ist (selektiv) echt. um einfühlendes Verstehen bemüht. Inhalte sind Indikationsstellung und Therapieplanung. Persönliche Themen. Die erarbeiteten Therapieverfahren werden auch unter Gesichtspunkten der Risikoplanung bei z.und Orientierungsrahmen für deren Evaluation.B. B. und Gegenübertragungsgefühle werden mit der Methode der musikalischen Improvisation bearbeitet. Er macht Vorschläge. Vereinbarte Therapieziele. aufdeckend. bemüht und interessiert. Dabei werden sie durch intensive Ausbildungssupervision begleitet. lässt dem Gegenüber aber die Entscheidungsfreiheit. ob und inwiefern sie geplante Vorhaben modifizieren sollten. Bewertungen und Beurteilungen. probeweise durchspielen. Zielentwicklung. dass jeder Klang und jedes musikalische Ereignis gleich wichtig ist (vgl. die sie mit ihren Klienten durchführen wollen. Informationen und Hinweise bestimmen den Dialog zwischen Therapeut und Klient. akuten psychotischen und anderen Ausnahmezuständen usw. sagt was er denkt und fühlt. epileptischen Anfällen. Während der vierten Ausbildungsstufe sollen sie bei der musiktherapeutischen Profilbildung unterstützt werden. Charles 1984. Sie bilden gleichzeitig den Bezugs.

Des weiteren werden Informationen erhoben über die musiktherapeutischen Schwerpunkte der Absolventen. Ergebnisse der musiktherapeutischen Praxis darstellt. zur Musikpsychologie und die theoretischen Grundlagen der Musiktherapie vermittelt. Logopäde. Dipl. Instrumentenbau und akustische Klangerkundung.). die Entwicklung der therapeutischen Rolle in der Auseinandersetzung mit der bisherigen beruflichen Tätigkeit. Die Datenerhebung ergab. Selbstständiger Arbeit in eigener Praxis.B.und Instrumentalpädagogen stellen mit 16% die zweitgrößte Gruppe dar. Sozialpädagogen und Dipl. Das Baukastenprinzip impliziert. Liedersingen und arrangieren sowie Musik. Tanz. Weitere Ausbildungselemente In den 11 Begleitseminaren des zweiten Moduls wird die musiktherapeutische Basiskompetenz durch zusätzliche musikpraktische Erfahrungen ergänzt: Elementare Musiklehre. präventive Methoden mit einzubinden in Form von Begleitseminaren zu Themen wie Rock. 200 Teilnehmer pro Jahr betreut. wie Honorartätigkeit in einer Einrichtung. dass Dipl.und Popmusikstücken. sind mit 10% vertreten.a. Musik. Ergotherapeut. Pädagogen sind mit 49% die weitaus größte Berufsgruppe ist. Verknüpfung musiktherapeutischer Kompetenzen mit einem sprachlich orientierten psychotherapeutischen Auswertungs. wie z.und Integrationsverfahren.a. Tanzen in der sozialen Gruppenarbeit.und Popmusik. etc. freier Mitarbeit in einer Praxis. und die der Zusatzausbildung beigemessene Bedeutung wurde nach Möglichkeiten. auf den die Zusatzausbildung aufbaut. Evaluation Die Universität hat in im Rahmen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung ca. das Arrangement von Rock. Verlaufsanalysen.außerdem die Verankerung von musiktherapeutischen Konzepten und Evaluationsverfahren in das eigene berufliche Konzept. Seelsorger. Umfang und Bedingungen musiktherapeutischen Wirkens im Rahmen eines Arbeitsplatzes (im Grundberuf) und zusätzlich oder ausschließlich in einem anderen Kontext. Psychologen. Unter der Position „Sonstige“ (10%) sind die übrigen Berufsgruppen zusammengefasst. die diagnostische Angaben zum Klientel. Psychoanalyse. die derzeitige berufliche Beschäftigung. Hebamme. Ziele der musiktherapeutischen Intervention. Gestalt. Im Jahre 2006/07 fand eine Absolventenbefragung mittels Fragebogen statt. Erziehungswissenschaft. weitere therapeutische Qualifikationen. Basiswissen wird in Seminaren zur Sozialmedizin. Heilpädagoge. Gerontotherapeut. Sozialarbeiter. Krankenschwestern u. musiktherapeutische Kompetenzen wirksam auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren. dass viele Teilnehmer die Absolvierung der einzelnen Ausbildungsteile zum Teil über mehr als zehn Jahre verteilen. Gemeindepädagoge. sowie nach Präventionsarbeit2 in pädagogischen und sozialtherapeutischen Feldern. Neben Informationen über den Grundberuf. wodurch der Erfolg der Zusatzausbildung evaluiert wurde1. die ihre Qualifikation durch die Musiktherapeutische Zusatzausbildung erweitert hat. Singen u. Umgang mit Atem und Stimme. Außerdem muss sich jeder Teilnehmer eine Methode der Gesprächsführung angeeignet haben. Am Ende der sechsten Ausbildungsstufe wird eine Praxisdokumentation erstellt. Bewegung. Gesprächsführung. 1 2 von 176 versandten Fragebögen kamen bis Juni 2006 139 zurück Eine Besonderheit der Siegener Ausbildung ist es. Eine weitere stark vertretene Gruppe sind Erzieherinnen (12%). 154 . Altenpfleger. Personen aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich wie Ärzte. Dabei soll auch gelernt werden.v. je nach Grundberuf und vorherigen Ausbildungen (TZI. Lehrer. Diese Dokumentation wird als öffentlicher Fachvortrag vor einem Fachpublikum gehalten.

Musiktherapie dort jedoch nicht integrieren können und deshalb zusätzlich eine Honorartätigkeit in geringem Umfang (1-3 Stunden/Woche ) in einer anderen Einrichtung ausüben. Einsatzorte 36 Personen setzen Musiktherapie freiberuflich ein. integriert im Grundberuf 78 Personen zur Zeit nicht 23 Pers. Dies ist noch bei 8 weiteren Personen der Fall. als Honorarkraft 49 Pers. Arb. 3 auf der Suche nach einer Honorarstelle. davon: 78 integriert am Arbeitsplatz bei Beschäftigung im Grundberuf. 49 Absolventen haben eine Honorarstelle. Pädagogen Lehrer Musik. Auch die Gründe für den Nicht-Einsatz wurden erfragt. In 13 der 23 Fälle lässt sich Musiktherapie nicht in den derzeitigen Aufgabenbereich integrieren. 105 Absolventen erbringen institutionell eingebettete Angebote1. in einem Fall ohne Angabe. die in ihrem Beruf tätig sind. Soz. 5 Personen waren zum Zeitpunkt der Erhebung in Familienpause.Grundberuf 10% 2% 2% 6% 43% Dipl. teilweise gibt es Kombinationen.und Instrumentalpäd. Musiker Kirchenmusiker Erzieherinnen Krankenschwester/-Pfleger Ärzte 12% 3% 6% 10% 6% Dipl. 10 in Kombination Honorarstelle und freiberufliche Tätigkeit in einer Praxis und 17 kombinieren Beschäftigung im Grundberuf und zusätzlich Honorartätigkeit Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Einsatzorte von Musiktherapie 1 teilweise Überlappungen 155 . Soz. Dipl. bei einer Person steht die Dissertation über Musiktherapeutische Arbeit im Vordergrund. Psychologen Sonstige Eingesetzt wird Musiktherapie von 78 Personen in ihrem Grundberuf. 22 als Honorarkraft. 33 sind in eigener Praxis tätig. in eigener Praxis 33 Pers. Päd.

und Therapieeinrichtungen Hospize Fortbildungsinstitute Ambulante Pflege Kichengemeinde Werkstätten Familienhilfe 33 3 23 22 16 10 8 7 6 5 2 2 1 1 1 1 Bezüglich des Klientels geben von 116 musiktherapeutisch tätigen Absolventen 68 an. andere 43 Die Frage nach dem präventiven Einsatz musiktherapeutischer Methoden ergab. 12 davon ausschließlich.) Schulen/ Sonderschulen Tageskliniken/-stätten Musikschulen Kindergarten/Kitas Beratungsstellen Förder. 62 schwerpunktmäßig mit Kindern. Die Behandlungs. Dipl.bzw. Sozialpädagogen. dass 93 von 139 Absolventen zum Zeitpunkt der Befragung Präventionsarbeit leisteten.und Arbeitsschwerpunkte1 Geistige Behinderung 12 Entwicklungsverzögerungen 5 Behinderungen allgemein 9 Sprachstörungen 4 Autismus 9 Down Syndrom 4 Psychische Erkrankungen 8 Rettsyndrom 3 Psychosomatische Störungen 6 Mutismus 3 Persönlichkeitsstörungen 4 Traumata 5 Trennung und Scheidung 4 Wachkoma 3 div. 40 mit Jugendlichen und 27 mit Senioren. 7 speziell mit Frauen und 10 mit Familien zu arbeiten. Arbeitsschwerpunkte Die Angaben wurden durch Multiple-Choice-Auswahl ermittelt Verhaltensauffälligkeiten 61 Ängste / Angststörungen 60 Depression 54 Aggression 53 Musiktherapie bei Trauer 38 ADHS 37 Demenz 24 Schmerz 21 in offener Form erfragte sonstige Behandlungs. Diplompädagogen. Sozialarbeiter und Lehrer bzw. Heime Kliniken (stat. in eigener Praxis als freier Mitarbeiter in einer Praxis Div. schwerpunktmäßig mit Erwachsenen. Bei diesen handelt es sich zu ungefähr gleichen Teilen um Dipl. die Präventionsarbeit in Form von 1 Mehrfachnennungen möglich 156 .Selbstständig/Freiberufl.

Der Ausbildung beigemessene Bedeutung Der signifikante Einsatz von Musiktherapie (116 von 139 Absolventen) lässt bereits vermuten.Musizieren. Persönlichkeitsentwicklung und Erweiterung des methodischen Handlungsrepertoires. Ramona (2005) Die Bedeutung der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für Studium und Praxis. Musiktherapeutische Umschau 517 Hegi. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. die dazu führt dazu. machten diese Angabe.und Kommunikations. „Die Erfahrungen in der Ausbildung sind eine Bereicherung für das gesamte Leben. Möglichkeiten und Wirkungen von freier Musik. 500-502 Friedemann. und damit Angehörige anerkannter Professionen mit musiktherapeutischer Zusatzausbildung hervorragende Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen. Siegen. 123 gaben an. pflegenden oder anderen helfenden Beruf so lange dem Gesundheitsund Sozialwesen als Ressource zur Verfügung zu stehen. dass ihre berufliche Perspektive durch diese Zusatzausbildung erweitert wurde. Lilli (1971): Kinder spielen mit Klängen und Tönen. Archiv für angewandte Sozialpädagogik 289-302 Kapteina. Musikmalen. Hartmut (1977) Anmerkungen zum derzeitigen Stand der Musikpädagogik im Sozialwesen. Zeitschrift für Musikpädagogik 18: 44-49 Friedemann. kann sie als Binnenqualifikation in einem pädagogischen. den Rahmen musiktherapeutischer Arbeit durch klare Abgrenzung zu anderen Aufgaben der Institution sicher zu stellen. bis die Voraussetzungen für die berufspolitische Anerkennung der Musiktherapie gegeben sind.und anderer pädagogischer Basisqualifikationen sowie Selbsterfahrung. denn sie dienen mir auch heute noch zur Psychohygiene“.und Weiterbildung In: Marchal. Wolfenbüttel Friedemann. Lilli (1973): Einstiege in neue Klangbereiche durch Gruppenimprovisation. Musiktherapeuti1 auch Absolventen. dass der Zusatzausbildung eine erheblich Bedeutung seitens der Absolventen beigemessen wird. Hartmut (1989): Musiktherapie in der Sozialarbeit. Daniel (1984): Musik und Vergessen. Fritz (1997): Improvisation und Musiktherapie. Bandarbeit. Hartmut (2007): Zur Ästhetik der musikalischen Improvisation in der Musiktherapie. 39 Personen haben sich auf Grund der Zusatzausbildung beruflich umorientiert. Paderborn Hesse. Befragt danach gaben 1341 Personen an. Wien Frohne Hagemann. soziale und professionelle Aspekte. Ein weiterer Gewinn des Siegener Modells ist der Nutzen der Musiktherapeutischen Ausbildung als Erweiterung und Bereicherung des Sozialpädagogikstudiums oder Lehramtsstudiums hinsichtlich Wahrnehmungs. Literatur: Charles. Fazit Unabhängig von der derzeitigen Arbeitsmarktsituation. 157 . Musik und Bildung. Isabelle und Petzold. so ein Absolvent in einem Interview über die Bedeutung der Zusatzausbildung (Hesse 2005). Die musiktherapeutische Spezialisierung in einem anerkannten Grundberuf ermöglicht den Zuwachs an Methoden und Handlungsrepertoire und damit einen besseren Zugang zum Klientel. Berlin Ernst. Improvisation. SIEGEN:SOZIAL 68-70 Kapteina. Singen. Peter (Hrsg. Klangmassage anbieten. Tanzen. Lilli (1969a): Musikalische Bewusstseinsbildung ohne Noten. Lilli (1969b): Kollektivimprovisation als Studium und Gestaltung neuer Musik. Trommeln. Anselm (1982): Musik und Sozialpädagogik – Zur Neuorientierung der Schulmusik.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. die Musiktherapie derzeit nicht ausüben. 100-118. Allerdings ist es oft schwierig. die Zusatzausbildung als persönliche Bereicherung zu erleben. Wien Friedemann. dass immer weniger Institutionen sich einen hauptberuflichen Musiktherapeuten leisten können oder wollen. Hilarion (2006): Lehrtherapie in der Ausbildung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten – personale. Siegen: Universität Kapteina.

Musikschullehrer. Lehrbeauftragte und Lehrmusiktherapeutin der Universität Siegen. Klaus (2002): Musik als Begegnung. Seevetal Die Autoren des vorstehenden Textes sind: Inge Kritzer. Musiktherapeutin (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis und an der Musikschule der Stadt Siegen. Wolf (1978) Der Lernbereich Ästhetik und Kommunikation. Musiktherapeut (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis mit erwachsenen Patienten. Musiktherapeutische Umschau 216-226 von Werder. Wiesbaden Tüpker. Ausbildungsleiterin der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung der Universität Siegen Karl Heinz Wortmann. Dipl. Nr. Musiktherapeutische Umschau 232 – 235 Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (2005): Erste Konsensbildung zum Berufsbild. Professor für Musikpädagogik und Musiktherapie an der Universität Siegen 158 . Individuelle Behandlung für das behinderte Kind. Supervisor DGSv. Lutz (1997): Psychotherapeutische Sozialarbeit am Ende des Sozialstaats. Supervisorin DGSv. Dipl. *1951. 26-37 Wrisch. Düsseldorf Nordoff. *1946. Sozialpädagoge. Musiktherapeutische Umschau 77-79 Leidecker. Wiesbaden Ministerium für Wissenschaft und Forschung. *1944. Schöpferisches Handeln zwischen Pädagogik und Therapie. IV A 2 6406. NW (1976): Erlass von September 1976. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Musiktherapeut mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG). Hörtreiter. Sozialpädagogin mit Musiktherapeutischer Zusatzausbildung und Zusatzstudium Kulturpädagogik. Materialien zur Didaktik und Methodik des Musikunterrichts.sche Umschau 5-16 Kapteina. Tanz an der Universität Siegen Hartmut Kapteina. Almut (1976): Musik in der Sozialpädagogik. Lehrbeauftragter und Lehrmusiktherapeut der Universität Siegen. Gestaltberater. Hans (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. Leitender Dozent in der musiktherapeutischen Zusatzausbildung an der Universität Siegen Ramona Hesse. Musiktherapeutische Praxis an einer akutpsychiatrischen Klinik. Ästhetik und Kommunikation. Dipl. Stuttgart Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (1998): Thesen zur Musiktherapie. Stuttgart Seidel. Rosemarie (2006): Neue Wege der Musiktherapie. Paul und Robbins. *1957. Sozialarbeiterin. Sozialmagazin 5. Betr. Lehrbeauftragte für Msuik und Bewegung. Hartmut.

Methoden der Gesprächsführung beherrschen und anwenden clientzentrierte Gesprächsführung (Rogers) themenzentrierte Interaktion (Cohn) 159 . über großes Repertoire an Möglichkeiten. ausgewogenes Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion anregen 4.: „Selbsterfahrung durch Kunst“ (Weinheim 1995) gebe ich nachfolgend unter dem Stichwort „Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik“ eine kleine Zusammenfassung. Projektionen. Identifikationen. Assoziationen. Musik und allen anderen Fächern“ versehen sein könnte: Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik 1.a. direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer annehmen 7. verfügen 6.Aus dem Titel: Christine Mann u. es gibt kein richtig und falsch. Erinnerungen. die auch mit der Überschrift „ganzheitlicher Unterricht in Kunst. jede subjektive Lösung würdigen 3. Beziehung zwischen ästhetischer Erfahrung und Alltagsleben herstellen 5. ästhetische Erfahrungen anzuregen. ausreichend Raum und Zeit geben zur sinnlichen Erfahrung 2. Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anerkennen: Sachaussagen.

für die Arbeit mit Heimkindern: A. (Wolfgang Jaedke: Popmusik als Epochenstil. Refrain) Rhythmisch dominiert der 4/4 Takt. ein Soloinstrument diese „spezifische Klangfarbe“ wird durch hinzukommende elektronisch erzeugte Klangeffekte modifiziert. Kreativität. die Ergebnisse zeigten Kompetenzbedarf auf den vier „Säulen der Musiktherapeutischen Ausbildung“ (Kasseler Konferenz): A... Varianten sind bei der Behandlung gesellschaftlicher Themen gegeben. Krankheitsbilder. höchstens in Abhängigkeit von Schlagfolge bzw.In den Jahren 1987 und 1988 haben wir im Kreis Siegen Wittgenstein eine Befragung bei allen Trägern sozialer Arbeit über den Bedarf an musikbezogenen Kompetenzen bei Sozialpädagogen und Sozialarbeitern durchgeführt (vgl. musikalische Hörstunden veranstalten können. Formales Kompositionsprinzip ist die Liedform (Strophen. Beiträge zur Popularmusikforschung 25/26. Frustrationstoleranz. C. Einfühlungsvermögen. sich selbst annehmen und einbringen können .) Praxiserfahrung (musiktherapeutische Settings kennen..und Jugendalters. 100-118). E-Bass.. Realitätssinn. Jugendsoziologie Bei der Arbeit mit Behinderten: Selbst eine enge persönliche Beziehung zur Musik haben B.und Weiterbildung. Praxis reflektieren können. Singen. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. Instrumentenbau. D.) Selbsterfahrung (sich selbst kennen. in: Marchal. „Tempo und Lautstärke variieren fast nie. Musiktherapie in der Sozialarbeit.) Soziologisches. Liederrepertoire beherrschen.. Siegen 1989... Musikpraxis (Instrumente spielen können. Improvisation nach Regeln B. Tanzen. konsequentes Verhalten C. 2000.und Popmusik belegt Wolfgang Jaedke eine ganze Reihe musikalischer Konstanten. psychologisches und medizinisches Wissen (psychosoziale Konfliktfelder. In: Helmut Rösing und Thomas Phleps (Hrsg. Gruppen leiten können.B. z.) Je nach Klientel werden verschiedene Kompetenzen zusätzlich genannt. A. Peter (Hg): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Interaktionen gestalten können. die Rhythmische Gestaltung ist den bekannten afroamerikanischen Merkmalen verpflichtet: Offbeat. einer oder mehreren Gitarren. Schwerpunkt-Antizipationen. Schlagzeug. Gesang und ggf.. Kreuzrhythmen etc. In der Jugendarbeit: Sich musikalisch ausdrücken können. Tanz und Bewegung Reflexion der eigenen Jugendphase Sensibilität für die Geschichte und die besondere Entwicklungssituation der Jugendlichen Entwicklungspsychologie des Kinder. die für die Szene seit den 50er mit geringfügigen Abweichungen unverändert gültig sind: das Schlagzeug grundiert ein Stück von Beginn bis zum Ende das Instrumentarium besteht aus Schlagzeug. bestimmte Instrumente mit geringem Schwierigkeitsgrad spielen können (Gitarre. 1 Zur Frage der „Neuheit“ im Bereich der Rock. Begeistern können A. außerdem wird verlangt: Singen. Rock. Synkopen. Versuch einer musikhistorischen und musiktheoretischen Aufarbeitung. Keyboard1). improvisieren können . B. Karben: CODA Musikservice + Verlag. Supervision . Musikpsychologie . 201-206) 160 . wie Musik auf einen selbst wirkt. D.): Populäre Musik im kulturwissenschaftlichen Diskurs. Besetzung“. C.und Popmusik ist Vokalmusik mit lyrischer Grundhaltung (Ausdruck eines fühlenden Subjekts). Keyboard. singen können. wissen. damit man den Jugendlichen eigene Rockmusik – Praxis ermöglichen kann.

D. die Mut macht zu musizieren Sensibel sein für Situationen. bearbeitet haben Liebe. C. 161 . Geduld Alterseinschränkungen und -krankheiten kennen A. bei offenen Veranstaltungen) Existenzfragen. D.B. Glaube. C. z. B. Tod. C. Eine positive Einstellung zu Behinderungen haben Abgestimmte Einstiegesmöglichkeiten kennen und anwenden können. in denen man mit Musik besser weiter kommt als mit Gespräch In der Altenarbeit Musik flexibel einsetzen können (im Krankenzimmer. Verständnis für alte Menschen.B. auf die Geschichte und die behinderungsbedingten Besonderheiten eingehen können Krankheiten und Behinderungsarten kennen In der Beratungsarbeit: Offene musikalische Spielsituationen personenbezogen gestalten. B. in der Gruppe. A. begleiten und auswerten können Persönliche Ausstrahlung.

welche die Studierenden befähigen. als Gruppe. 162 . Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . ist noch heute die Fähigkeit. wie Musiktheorie. einen Rahmen. Gehörbildung. ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten.. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. Bestandteil des sozialpädagogischen Qualifikationsprofils. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. auch Musik am Computer und digitale Medien. ästhetische Gegenstände differenziert wahrzunehmen und in den kommunikativen Prozessen des beruflichen Handelns schöpferisch zu nutzen. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen. wie Bewegung. Musik oder Folkloretanz mit Senioren. als Partner. wie Rockmusik mit Jugendlichen. Im Wintersemester 2002/2003 werden von den untersuchten Hochschulen 17 Vorlesungen und Seminare mit theoretischen Einführungen angeboten. Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. Tanz. Erfahrungs. Fest.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. Musik reflektiert und methodisch anzuwenden. Gitarre. Sprache. Hörspiel. soziales. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind generell auf kreative soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. Seminare und Übungen gehören.und Feiergestaltung. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. szenischem Spiel. Kinderkunstwerkstatt. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden.Text zum Stichwort MUSIK aus dem Wörterbuch „Soziale Arbeit“. Rockmusikpraxis. als Einzelner.und Videopraxis über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. Rhythmusarbeit. dass zur sozialpädagogischen Ausbildung zwingend auch Vorlesungen. Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird. der es möglich macht. Das belegt ein Blick in die aktuellen Vorlesungsverzeichnisse: Von 22 Hochschulen mit sozialpädagogischen Studiengängen in Deutschland erbringen lediglich zwei kein musikpädagogisches Angebot. Musikalisches. Das Spektrum der Themen reicht von allgemeinen historischen. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. Radiosendungen.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten. Weinheim 2003: Mit einem Erlass zum Studienfach „Ästhetik und Kommunikation“ legte 1976 das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein Westfalen fest.. In 14 Veranstaltungen werden Praxisprojekte begleitet. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. In 52 Methodenseminaren und Übungen erhalten die Studierenden das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. emotionales. Kindermusical. Obwohl der damals festgelegte Umfang des Lehrangebots nie erreicht wurde. 28).

in Kapteina 2003). Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. ästhetische Erfahrungen anzuregen. Schreiber 2003). die soziale Brennpunkte. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit.- Jede subjektive Lösung wird gewürdigt. Mann 1995). rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. Erinnerungen. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. al. Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. 10). Seidel. auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. 163 . Dentler 2001). Identifikationen. Kapteina 2003) Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. 1995) Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. 1996. wie Musikfreizeiten.und Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. Soziale Berufskarrieren verlaufen dementsprechend nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in die Sozialpädagogik mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und –Management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. Keyboard-. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. „Mobile Musikschulen“ stellen Projekte der Gemeinwesenarbeit dar. die Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001) oder Prävention. Bass. Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie Familienorientierte Angebote. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. Er ist in der Lage. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. 1992. Assoziationen. Hill. Mann et. Komponieren und Improvisieren von Musik ist“. Auch bei der Jugendarbeit haben sich mobile Projekte bewährt. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. (vgl. „deren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. Frühförderstellen und im Rahmen von Schulsozialarbeit praktiziert. Entsprechende Zusatz. Familienwochenenden etc. die sich explizit an Kinder aus benachteiligten Familien richten (vgl. Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. die Konzepte für die musikalische Breitenbildung aus der Nachkriegszeit für die Jugendmusikschule aktualisieren. Musikpädagogisch qualifizierte Sozialpädagogen führen in Stadtteilen oder in abgelegenen ländlichen Gebieten Musikkurse durch. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop.

B. Sie organisieren Kulturprogramme oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung akustischen und des musikalischen Milieus in den Einrichtungen. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. http://www. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und –Pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. : „Rockmobil“ .eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. Anmerkungen zu einem Praxis. H.: Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. Münster 1998 Wickel.: Selbsterfahrung durch Kunst. Musikmachen und Lebensbewältigung.und Familienberatung können Rollenkonflikte. (Hrsg. H.: Partytime. H. C. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer denn zum Tragen. Auch in der Ehe. Weinheim 2004 164 . Helfen.: MOMU. / Hörtreiter. Literatur: Dentler.Neben den bereits erwähnten bei Mann et. A. die Mobile Musikschule. al. Opladen 1996 Kapteina.de/musiktherapie/ Leidecker.uni-siegen.de 2003 Seidel. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit.: Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. H. Heilen. K.musiktherapie.: Musik als Begegnung. 298-306 Wickel.: Musik zum Erleben. H. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. K. Wiesbaden 2002 Mann. H. 35-44 Kapteina. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht.: Sozialpädagogische Musiktherapie. Schreiber@momu. Hartmut: Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. et. Opladen 2001 Hill. Eine Einführung.und Ausbildungskonzept. H. Stuttgart 1993 Kapteina. in: Musiktherapeutische Umschau 1992. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden und Tanznachmittage. H. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII 2001. B.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. al. Weinheim 1995 Schreiber. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden.

und anderen Kompositionstechniken. Wie ich darauf eingegangen bin. in denen wir zusammen mit unseren Lehrern lernten.und Kompositionsstudiums an der Musikhochschule in Köln für mich selbst als Möglichkeit entwickelt. Vor allem aber hörte ich eine ästhetische Anfrage: Was machen wir hier eigentlich? Musiktherapie oder Krachtherapie? Die ästhetische Anfrage berührt die theoretischen und ethischen Rahmenbedingungen der Therapie. die man beim Komponieren erlebt. Ligeti. elektronischen und aleatorischen Kompositionsexperimenten im Aufbruchklima der Sechziger Jahre und an einer Musikhochschule. etwas von der schöpferischen Begeisterung. Immerhin war es ihr gelungen. Stolz. werde ich am Ende meines Beitrags berichten. nämlich von Patient und Therapeut. dass es doch möglich sein müsste. Die Schülerinnen kamen in Kontakt zu ihren schöpferischen Fähigkeiten. deren Kinder außer Rand und Band geraten sind. wie es damals hieß. Die Geburt der Gruppenimprovisation aus der Neuen Musik Mein Studium finanzierte ich mit Musikunterricht an einer Fachschule für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. 64-75 Ich verwende in diesem Beitrag die Begriffe Improvisation und Gruppenimprovisation synonym. lauten und aggressiven Anteilen zu bekommen. Ulrike. denen sie zum Teil exzessiv in der Musiktherapie Ausdruck verlieh. Ein spannendes Abenteuer mit seriellen. Musikalische Freiheit jenseits von Metrik und Tonalität Der Weg dahin verlief über kompositorische Erfahrungen mit der Zwölfton. Cage. wie man es bei gestressten Eltern oder Lehrern tut. Sie äußert Klärungsbedarf einerseits. weil der musiktherapeutische Kontext die therapeutische Beziehung von mindestens zwei Personen voraussetzt. anderseits aber auch eine deutliche Abwertung des musikalischen Handelns – sowohl des der Patientin selbst als auch des ihrer Mitpatienten. in den Musikunterricht einzubringen. eigene Ordnungsprinzipien zu entwerfen und musikalische Zusammenhänge zu stiften. bei denen ich die Freiräume jenseits von Metrik und Tonalität genoss. Antje (Hrsg. das erste Studio für elektronische Musik am WDR und später auch an der Hochschule. im Verlauf ihrer Depressionsbehandlung Kontakt zu ihren wilden. mit Schülern in einen schöpferischen und sinnvollen Prozess des Musik Lernens zu kommen. Kagel. Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik Improvisation als ästhetische und gesellschaftliche Zumutung in der Musiktherapie1 Am Beginn einer Musiktherapie Sitzung sprach eine Patientin Sitzung zu mir: „Wie kann man diesen Krach den ganzen Tag aushalten!“ Ich deutete ihn als Impuls auf mehreren Ebenen: Ich sah etwas wie Stolz in ihren Augen. Ich fühlte mich bedauert. Crossen 2005: Akademie für angewandte Musiktherapie.): Improvisation – Therapie – Leben. 2 1 165 . welche Bedeutung dem ästhetischen Zugang in der musiktherapeutischen Praxis und Theoriebildung zukommt. Stockhausen. Sie entwarfen Modelle Erschienen in: Haase. Zuvor möchte ich nach einer historischen und zum Teil auch biographischen Einleitung eine ästhetische Theorie der musikalischen Improvisation darlegen und anhand einer kurzen Szene aus der Behandlung der zitierten Patientin aufzeigen.10 Neue Musik. Das war wie ein musikdidaktischer Quantensprung. Hier entstand bei mir die Idee. Ich habe die musikalische Gruppenimprovisation2 in den Sechziger Jahren während meines Schulmusik. wo die Avantgarde der damaligen Zeit zu Hause war: Bernd Alois Zimmermann.

innerhalb derer die Eigeninitiative der Ausführenden das klangliche Ergebnis bestimmt. Jeder ist „in jeder Sekunde zur Entscheidung. Frank Grootaers. ähnliche Entwicklungen vollzogen. Hier genau ist die Gruppenimprovisation entstanden. Herkömmliche Instrumente werden unüblich bedient mit der menschlichen Stimme werden die unüblichsten Artikulationen hervorgebracht. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien (ein führender Musikwissenschaftler bezeichnete Anfang der Siebziger Jahre bei den Darmstädter Tagen für Neue Musik Gruppenimprovisation als „musikalischen Dreck“). 1972 stellte ich die Gruppenimprovisation in meiner Probevorlesung an der damaligen Fachhochschule Siegen . die sie mit graphischen Zeichen darstellten und gemeinsam umsetzten. Ich behauptete. den Kompositionsprozess neu zu definieren. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. wenn die Rollen von Komponist. Sie entwickelten große Musikaktionen. 160). verglichen sie mit Werken neuer Musik. Jahrhundert.Gummersbach (heute Universität Siegen) im Fachbereich Sozialwesen als Methode politischer Bildung in der Sozialen Arbeit vor und erhielt den Ruf auf die Professur im Fach Musikpädagogik. Die Komposition enthält mehr oder weniger umfangreiche Spielräume. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. Lore Auerbach. entstehen viele Varianten. dass ich nicht allein auf diese Idee gekommen war. dass das musikalische Verhalten in der Gruppenimprovisationen auch von den individuellen Lebenserfahrungen jedes einzelnen bestimmt ist. zur Wahl“ gefordert (Loos 1986. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969). In diesem Zusammenhang fungiert die Gruppe als Minigesellschaft. Sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft geläufigen Konsumgewohnheiten. um nur einige zu nennen. So entstehe „ein Zusammenspiel. Das äußerste Stadium dieser Entwicklung ist erreicht. aus Fabrikhallen etc. dass die Beteiligten in der Gruppenimprovisation Verhaltensmuster bei sich selbst und bei den anderen erkennen können. Ich kennzeichnete sie als vorläufigen Endpunkt der Entwicklung von Kompositionstechniken im 20. Allerdings zeigte sich bald. Bei der Arbeit mit ihnen entdeckte ich die Gruppenimprovisation. müssen sie mit psychothe166 . gleichzeitig hatten Kolleginnen wie Gertrud Meyer-Denkmann. die bei Schulfeiern zur Aufführung kamen. Gerd Lisken. eben auch den sog. Lilli Friedemann. Das musikalische Verhalten der Mitglieder bildet bestehende gesellschaftliche Verhältnisse ab und offenbart deren Veränderbarkeit. Mit der Zeit merkte ich. Das liegt inzwischen nicht nur jenseits von Metrik und Tonalität sondern umfasst Alltagsgeräusche.für Kompositionen. Interpret und Hörer in ein und derselben Person vereinigt sind. Helmut Schaarschmidt. Peter Ausländer. Damit einher geht eine neue Rollenflexibilität der am musikalischen Prozess beteiligten Personen. Gruppenimprovisation als gesellschaftlicher Gegenentwurf Insofern gilt die Gruppenimprovisation als musikalische Subkultur und Entwurf einer Gesellschaft. Wolfgang Longardt. schallfähige Materialen aus dem Wald. Zum Einsatz kommen Alltagsgegenstände. zur Mitbestimmung. Eine erste ästhetische Beschreibung der Gruppenimprovisation unternahm ich 1974 in der Zeitschrift „Archiv für Angewandte Sozialpädagogik“. „Krach“. diskutierten die Ergebnisse. Diese Entwicklung von der avantgardistischen Komposition zur Gruppenimprovisation war von intensiven gesellschaftspolitischen Reflexionen begleitet. sind sie von der radikalen Erweiterung des musikalischen Materials bestimmt. Den Interpreten und auch dem zuhörenden Publikum wird immer mehr Verantwortung für die Realisation des Werkes zugewiesen. Wenn dabei Traumata und ungelöste Lebenskonflikten zum Ausdruck kommen.

oder andersherum formuliert: Die Musiktherapien erscheinen jeweils als musikalische Spielart einer mehr oder weniger etablierten Psychotherapie. Im Gegensatz zum öffentlich anerkannten „Kunstwerk“ haben diese musikalischen Zusammenhänge unmittelbar mit den musikalisch handelnden Personen zu tun. integrative. altorientalische Musiktherapie und viele andere mehr. die etwas meint.rapeutischen Mitteln aufgearbeitet werden. die Art und Weise.s. dessen ästhetische Theorie (1971) ich hier kurz skizzieren möchte. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. Das bedeutet also. 379). Sozialtherapie u. Was „meint“ Musik. dass die Improvisation etwas wie ein Symbol. Intensitätsverhältnisse (Dynamik) u.s. Handhabung. 11 f) ist Musik keine Sprache. die Ethik oder die Moraltheorie (was ist gut. und Peter Faltin führte weiter aus. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind. was außerhalb ihrer selbst liegt. auch. Das ändert aber nichts daran. anthroposophische. als das ‚ästhetische Zeichen’ selbst. Zwei Wege von der Gruppenimprovisation zur Musiktherapie: Improvisation als musiktherapeutische Spielart einer etablierten Psychotherapie oder Improvisation als Musiktherapie Für viele Vertreter der Gruppenimprovisation begann an dieser Stelle ihre Entwicklung zum Musiktherapeuten. (vgl. So präsentiert sich die Musiktherapie in Deutschland. Damit haben wir die Matrix erfasst. welche Inhalte transportiert sie? Nach Adorno. fühlt oder riecht“ (1985. wenn auch seit 1998 unter der Klammer einer einheitlichen Definition ihres Begriffs (Kasseler Konferenz). hört.f. ein Zeichen für etwas ist. Den zweiten Weg markierte zum Beispiel Paolo Knill mit seiner Forderung. die klassische Philosophie umfasst drei Disziplinen: die Logik oder Erkenntnistheorie (was ist richtig. 149). und es nichts ‚Genaueres’ gibt. Den Begriff des ästhetischen Zeichens hat Mukarovský eingeführt. was ist 167 . das man sieht. sozialtherapeutische. die Adorno zufolge soziale Verhältnisse „vertritt“. verhaltenstherapeutische.“ (1979. Mukarovský diskutiert zunächst den Standort der Ästhetik. Form und soziales Verhältnis Adorno formulierte in seiner „Ästhetischen Theorie“: „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. dass die Gruppenimprovisation. was ist falsch?). dem das Werk entstammt. eine Metapher. Die eingehenden Diskussionen in der Kasseler Konferenz zu diesem Thema sowie jüngste Publikationen von Martin Drewer (2000) und Isabelle Frohne-Hagemann (2001) lassen hoffen. was ist böse?) und die Ästhetik (was ist schön. als Disziplin mit verschiedenen Varianten: psychoanalytische. Das heißt. dass musiktherapeutische Theoriebildung grundsätzlich musikimmanent zu betreiben sei. dass es in Zukunft zu einer stärkeren Orientierung an den ästhetischen Grundlagen kommt. was „bedeutet“ die Improvisation. ist ein Abbild des gesellschaftlichen Zustandes.w. Spielweise. Verhaltenstherapie. Das Verständnis der Improvisation solle sich „direkt aus der Bedeutung der Musik in der therapeutischen Begegnung und nicht aus der Umdeutung in die psychologisch-reduktive Sprache psychotherapeutischer Modelle“ ergeben (1990. und das auch mit ihren gesellschaftspolitischen Implikationen. leibtherapeutische. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. Zeitstruktur (Rhythmus und Form). eine ästhetische Angelegenheit ist. morphologische. 57). dass „die Grenzen der Sprache nicht die Grenzen der Welt sind. Zur ästhetischen Theorie von Jan Mukarovský Adornos „Zusammenhang alles Einzelnen“ wird über die eingehende musikalischen Analyse der Improvisationen erfasst: Instrumentenwahl. 1963. Gruppenimprovisationen stiften in ihrer jeweiligen formalen Gestalt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den musikalischen Einzelaktionen und stellen auf diese Weise soziale Verhältnisse dar. Schallverläufe. wie Psychoanalyse. Das geschah auf. wenn sie im klinischen Rahmen stattfindet. Die meisten stellten die Gruppenimprovisation in den Rahmen unterschiedlicher psychologischer und psychotherapeutischer Theorien und Verfahren.

. Nun zur Szene: 1 Der Name ist geändert 168 . des Körpers. was die drei Eigenschaften von ästhetischen Zeichen in der musiktherapeutischen Praxis bedeuten.h. des Denkens. in denen eine bestimmte Art. Zusammenfassend können wir den Inhalt des ästhetischen Zeichens als global (spiegelt die Wirklichkeit als Ganzes). d. Bildende Kunst oder Filme von Charley Chaplin.: das ästhetische Zeichen provoziert Bewegungen der Sinne. obwohl es zwischen den Eheleuten nur wenig Austausch gab. Ebenfalls zu den unmittelbaren Funktionen gehört die theoretische. 127). Bei dem Besuch einer Freundin erfährt sie nebenbei. an deren Analysen er seine Ästhetische Theorie entwickelte. Zum Ersten: „Ästhetische Zeichen spiegeln in sich die Wirklichkeit als Ganzes“ Fallbeispiel: Frau Berger mit Flexaton Frau Berger ist Mitte vierzig. Der Hausarzt weist sie in die akutpsychiatrische Klinik ein.h. verheiratet. Theater. umsorgt als umsichtige Hausfrau und Mutter Ehemann.. Zahlen. wenn ihr Mann und die Kinder außer Haus waren.h. Die Tatsache. wird nach der Art und Weise in einen Zusammenhang gebracht.).) Zu den zeichenhaften Funktionen zählt Mukarovský neben der symbolischen die ästhetische. Tanz. ebd.). Im Nachhinein sagt sie. dass die theoretische Funktion sich um ein zusammenfassendes Bild von der Wirklichkeit bemüht. bei der der Mensch semantische Zeichen (Sprache. möchte ich verdeutlichen. sondern sie spiegeln „in sich die Wirklichkeit als Ganzes wider“ (129). subjektiv (. D.. Hinweisschilder etc. während die ästhetische eine vereinheitlichende Verhaltensweise ihr (der Wirklichkeit. wo sie in meine Musiktherapie Gruppe kommt. die sich ästhetischer Zeichen bedient. Musik. von der sie sich aber darin unterscheidet.: Die Vielfalt der Elemente. die Wirklichkeit in das Bewusstsein des Subjekts zu projizieren (vgl. erzeugt eine Verhaltensweise) charakterisieren. Mit der „Vereinheitlichung der Wirklichkeit“ erinnere „die ästhetische Funktion an die theoretische. „dass sie auf keine singuläre Wirklichkeit“ verweisen. erlebt wird. Allerdings: die durch das ästhetische Zeichen „als Ganzes widergespiegelte Wirklichkeit ist im ästhetischen Zeichen nach dem Bild des Subjekts unifiziert“ (ebd.hässlich?). ist integriert in Nachbarschaft. Auffällig war lediglich. Eigentlich hätte sie keine Unzufriedenheit empfunden. der zu Beginn zitierten Patientin.) mit dem Ziel verwendet. bezeichnet Mukarovský als „Funktion“ und definiert: „Funktion ist die Art und Weise des Sichgeltend-Machens des Subjekts gegenüber der Außenwelt“ (125). dass ihr Mann bereits seit vielen Jahren eine Geliebte hat. Ästhetische Zeichen Ästhetische Zeichen unterscheiden sich von symbolischen dadurch.. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. Zu den unmittelbaren gehört die praktische Funktion wenn er mit Körperkraft oder Werkzeugen die Wirklichkeit zu seinem Vorteil umgestaltet (vgl.Vf. dass Menschen etwas als schön oder hässlich bewerten können. Sohn und Tochter. Verdeutlichung anhand eines Fallbeispiels Anhand einer kleinen Szene aus der Therapie mit Marion Berger1. hat zwei Kinder im Alter von fünfzehn und siebzehn Jahren. dass sie „nach außen“ eine glückliche Kleinfamilie darstellten. Freundeskreis.: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein. Der Mensch verfügt nach Mukarovský über unmittelbare und zeichenhafte Funktionen. Sie lebt in einer typischen kleinbürgerlichen Familie.) gegenüber erzeugt“ (ebd. nach dem Bild des Subjekts unifiziert) und dynamisch (. D. die dem beteiligten Subjekt eigentümlich ist. aus denen sich bei der Improvisation oder einer anderen Musik zu einem ästhetischen Zeichen zusammenfügen. dass sie immer große Unruhe überfiel. In einer solchen Situation fällt sie „wie aus heiterem Himmel“ in eine schwere Depression. D.

ob sie vielleicht noch einmal hinhören wolle. oder in Mukarowskýs Terminologie ausgedrückt. dann das „schnackelnde Geräusch“. Sie wiederholt einige Mal die Klangaktionen von zuvor. zu beschreiben. Gegenübertragung oder welchen psychologischen Begriff er auch immer verwendet. nach dem sie die Wirklichkeit unifiziert. wie sie ihn zur Rede stellen will und er abblockt mit der Bemerkung. Es würde sich innerlich alles zusammenkrampfen. Andere Hörer mögen andere Inhalte empfunden haben.. den sie noch nicht thematisiert hat: jenes leise. ihr ureigenstes Bild. hatte sie von einem „schneidenden Gefühl an der Daumenkuppe“ gesprochen. Der Therapeut erlebt es mit in seiner Resonanz. wenn sie das Blech wieder anspannt. Ihr fällt dazu nichts mehr ein. „dieses Anklammern“. Empathie. während des erneuten Dehnens hört man leise ein helles Glissando. Sie spielt nochmals. ich höre eine wimmernde helle Stimme und denke ein jam169 . mit Bauchschmerzen und Durchfall zu tun. Die währenddessen entstehenden Klänge nimmt sie nicht wahr. und potentiell wäre tatsächlich alles nur denkbare in diese Klangaktion projizierbar. Sie erinnert das kalte.. Dann erzählt sie.“ Ich frage. Eifersucht zu spielen. In diesem Schritt der Therapie erforscht die Patientin ein Motiv. Jedenfalls ist die Wahrnehmungsgrenze zu respektieren. Dann kommt sie auf das Thema „Eifersucht“ zu sprechen. Dort. für sie hat die Musik mit Stress. wenn ein Mann eine Geliebte hätte. dass sie seit eh und je diese Eifersucht hat. . Sie dehnt die Blechplatte bis zum äußersten Punkt und lässt sie dann los. Ich bitte sie. wo die besagten Klänge entstehen. Wir spüren die nerverzerreißende Anspannung und die unbefriedigende Entladung ins Leere hinein. Ich selber spürte eine fast quälende Anspannung. fast nicht hörbare hell klingende Glissando am Ende zwischen den Klangaktionen. Die vereinheitlichende Verhaltensweise. ergreift das Flexaton. Allerdings. aber ihr fällt nichts weiter auf. Er ist jedenfalls mit hineingenommen in die vereinheitlichende Verhaltensweise. um immer wieder aufs Neue dasselbe Muster zu wiederholen. die sie in solchen Stresssituationen bekommt. Ich komme nochmals auf ihr Spiel zu sprechen und frage. was sie während der Musik erlebt hat. das ihr Bild von der Wirklichkeit bestimmt. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Decrescendo-Klänge erzeugen. Während die semantische Kommunikation über die Szene mit ihrem Mann und ihre Mordphantasie eindeutige Inhalte transportierte. Das zeigen die Äußerungen der Patientin. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Freundschaften seien daran zerbrochen. Dann kommt sie auf Bauchschmerzen und Durchfall zu sprechen. In dieser Situation hätte sie ihm „ein Messer in den Bauch rammen können. und ich frage. Das wäre eigentlich ein typisches Eifersuchtsinstrument. der zufolge das ästhetische Zeichen eine vereinheitlichende Verhaltensweise der Wirklichkeit gegenüber erzeugt. Die Patientin nimmt ihn als schneidendes Gefühl an ihrem Daumen wahr. Sie lässt kurz ihren Blick über die Instrumente schweifen. schneidende Gefühl an der Daumenkuppe beim Anspannen der Blechplatte. ob sie ihre Musik vollständig beschrieben habe. wobei die beiden Schlägel schnell aufeinanderfolgende. enthält in unserem Beispiel die Auseinandersetzung mit Schmerz. sie habe das immer noch mal wiederholen müssen. sie wiederholt die Aktion mehrere Male. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Zorn und Verlassenheitsangst mit Flexaton In der therapeutischen Szene mit Frau Berger ist meine Aufmerksamkeit von Beginn an auf einen Teil des Klanggebildes gerichtet. und im übrigen sei die Beziehung auch gar nichts ernstes . Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Eifersucht mit Flexaton Frau Berger schaut auf das Instrument herab und wiegt es hin und her. ob sie zu dem Satz „ich möchte ihm ein Messer in den Bauch rammen“ eine Musik machen könne. öffnet das ästhetische Zeichen den Mitteilungsraum zur „Wirklichkeit als Ganzes“ hin. Ich bitte sie. dann lässt die das Instrument auf den Schoß sinken und atmet tief durch. und nun kommt die zweite Bestimmung: die Wirklichkeit als Ganzes ist in dem ästhetischen Zeichen widergespiegelt nach dem Bild des Subjekts unifiziert. die sich ins Leere entlud.Frau Berger schildert die Begegnung mit ihrem Ehemann. „Abwehr“ oder „Widerstand“ sind die psychologischen Begriffe. das ihre Wirklichkeitsbeziehung prägt. sie solle sich nicht so anstellen. das sei doch nichts ungewöhnliches. wird im Klangerleben unmittelbar erfahrbar. Die dritte Bestimmung. und ihren Mann habe das sicher auch genervt.

Diese Ansicht findet sich in der neurophysiologischen Forschung bestätigt. 1972. Sie bricht plötzlich ihre Erzählung ab. Der Vater war der einzige.w.. nahm auch noch ein letztes Mal das Flexaton zur Hand und sagte: „Das hört sich wie ein jammerndes Kind an“. 2. Sie als „Krach“ (oder Geklimper oder Katzenmusik u. und wieder entsteht ein ästhetisches Zeichen. das Hin und Her zwischen ästhetischer und semantischer Ebene.. 20 ff). Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien. Unter Tränen holt sie sich das Glockenspiel. in der Musik können sich Gefühle ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben Georg Lukács hat in seiner Ästhetik das einzigartige Verhältnis zwischen Musik und Emotionen hervorgehoben (vgl. Abend für Abend habe sie in ihr Kissen hinein geweint. dass die Patienten Anspruch auf Musiktherapeuten haben. weil er es in diesem Frauenhaus nicht aushielt. 105 f.a. dass sie jetzt nicht alleingelassen ist. Sie erzählte. Daraus resultiert zum einen der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie. die für uns Musiktherapeuten von besonderem Interesse sein dürften.merndes Kleinkind. zärtlich zu ihr war und ihr das Gefühl gab. sie waren kalt und nur darauf bedacht. damit man sie nicht hörte . In einer späteren Sitzungen kam sie auf das Thema Eifersucht zu sprechen. die die ästhetischen Implikationen ihres Handwerks verstehen. ist für sie naheliegend. Zum anderen macht die Betonung des sinnlichen Kontakts die Berücksichtigung des Körpererlebens und neurophysiologischer Zusammenhänge beim Erleben von Musik zwingend erforderlich. der sie mal in den Arm oder auf den Schoß nahm.. hatte sie Angst. sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft vorhandenen musikalischen Kommunikationsräume. Gruppenimprovisation liegt extrem außerhalb des geläufigen Musikgeschmacks Gruppenimprovisation als Ergebnis der avantgardistischen Entwicklungen der Neuen Musik liegt extrem außerhalb des Mainstreams des gegenwärtigen Musikgeschmacks. wie sie mit Mutter und zwei Tanten zusammen aufwuchs.) zu bezeichnen. Das ästhetische Zeichen der Patientin und ihre Verhaltensweise weist in Erlebnisräume hinein. dass er nicht zurückkommen würde und sie völlig den strengen und lieblosen Frauen ausgeliefert wäre.). 110). Von den drei Frauen fühlte sie sich ständig schikaniert. für die sie (noch) keine Sprache hat. die die unmittelbare Verbindung des Hörsinns mit den für das emotionale Erleben zuständigen neuronalen Mustern des Limbischen Systems beschreibt (vgl. Ich meine. sich mit einem solchen Singsang in den Schlaf zu singen und das schlimme Verlassenheitsgefühl zu bewältigen. Hier beende ich das Fallbeispiel und auch meinen Beitrag mit einigen Bruchstücken aus der ästhetischen Theorie. 4). u. Ingarden 1969. geliebt zu sein. In der Musik dagegen können sich Emotionen „ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben“ (ebd. das sie lange Zeit. Von Natur aus würden Emotionen grundsätzlich Gegenstände der Wirklichkeit widerspiegeln. Ich begleite sie an Xylophon und Metallophon mit Terzparallelen und verändere ihr Bild von der Wirklichkeit in dem Sinne. 3. nicht nur in dieser sondern auch in den folgenden Sitzungen wiederholt: Irgendwann habe sie begonnen.s. Insofern muss Gruppenimprovisation heute ebenso wie zur Zeit ihrer Entstehung als subkulturelle Mu170 . Kagan 1974. Zu Grunde liegt ein völlig anderer Begriff von Musik als der bei den Patienten gebräuchliche. wiederholte es mehrmals und begann heftig zu weinen. So weit sie zurückdenken kann. Er war aber meistens weg. alles im Haus sauber und steril zu halten. 1. Spintge und Droh 1992. . Ästhetisches Erleben ist an sinnlichen Kontakt und geistiges Erleben gebunden Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben sind die Voraussetzungen für ästhetisches Erleben (vgl.

. erfordert von einer Therapie. zur Wahl“ gefordert (Loos 1968. ihrer Qualität als Mimesis. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit Musik als Verwirklichung des menschlichen Vermögens. ästhetische Zeichen hervorzubringen und zu erleben. dass ich auf die ästhetisch gemeinte Frage von Frau Marion Berger. die diese Bezeichnung im vollen Sinne ihrer Bedeutung verdient. Anderseits fragt die ästhetische Wissenschaft nach den Bedeutungen der Kunst. Jenes Hin und Her zwischen sinnlicher und semantischer Ebene ist für Gruppenimprovisation typisch. die ja allenthalben mit ästhetischen Inszenierungen einhergehen. Daraus resultiert der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie und in der pädagogischen oder künstlerischen Gruppenarbeit. Ingarden 1969. Probleme der Diagnose. die an den Normen. für Medienkonsum eher atypisch. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit des Menschen und enden nicht an den Grenzen der etablierten Psychotherapien. die sich ihrer bedient. Mit diesem gesellschaftlichen Kontext befinden wir uns bereits auf dem Gebiet der allgemeinen Ästhetik (griechisch: aisthesis). die in diesem Musiktherapieraum entsteht und die ich keineswegs für Krach halte. der Indikation und der Evaluation zu erfassen. mit der folgenden ästhetischen Stellungnahme antwortete: „Wenn es auf der Welt Musik gäbe. die heute mehr denn je aktuelle „Kritik der Warenästhetik“ von Wolfgang Fritz Haug (1971): Um das Interesse der Gewinnmaximierung zu gewährleisten.und Konsumwelt Not. welches mit ästhetischen Mitteln dem Warenkörper hinzugefügt wird (Verpackung. Der Musikmarkt bestimmt das musikalische Bewusstsein der Menschen und nicht ihre schöpferischen Potentiale. diese kaum beachtete Wissenschaft von der sinnlichen Wahrnehmung und der „Urteilskraft“ (Immanuel Kant. Nachzutragen wäre noch. Ansprüchen und Zumutungen der Gesellschaft gescheitert sind und deshalb nach den Standards der allgemein anerkannten Kultur als behandlungsbedürftig definiert werden. So entstehe „ein Zusammenspiel. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. Gleichwohl sind die verschiedenen psychotherapeutischen Theoreme hilfreich. Denn im Gegensatz zu allen Musiken um uns herum hat die Musik. 1986). wie ich denn diesen Krach den ganzen Tag über aushalte. zur Mitbestimmung. uns. Zur theoretischen Fundierung der Musiktherapie reichen sie nicht hin. ästhetische Theoriebildung. welches ihn zur Fortsetzung und Steigerung des Konsums antreibt. die ich mit den Patienten täglich erleben kann. wenn sie nicht den allgegenwärtigen Verlockungen und Verführungen erliegen wollten.B. Henk Smeijsters (1999) und andere belegen. entsteht beim Konsumenten nach jedem Warengebrauch ein unbefriedigtes Restbedürfnis (Warenhunger). Kagan 1974. Widerspiegelung oder Abbildung von Wirklichkeit. Werbebotschaften und –Kampagnen etc. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. z. 160). Paul Nordoff und Clive Robbins (vgl. um Einzelheiten des musiktherapeutischen Prozesses zu überprüfen und zusätzlich zu verstehen. dass ästhetische Kategorien sehr wohl in der Lage sind. versehen Warenproduzenten ihre Produkte mit einem „Gebrauchswertversprechen“. Leslie Bunt (1998). 1790) täte den Menschen der totalen Waren. Bei der Gruppenimprovisation ist jeder „in jeder Sekunde zur Entscheidung. Als subkulturelle Kunst aber hat sie in der Musiktherapie große Bedeutung erlangt. Markenzeichen. 105 f. Was wundert’s: ist doch die Musiktherapie selbst Teil der Subkultur von Menschen. 1 171 . dann wären es für mich die Improvisationen. 4. Hinsichtlich des sinnlichen Kontakts liegt in der Musiktherapie zusätzlich ein besonderer Fokus auf Körperreaktionen und neurophysiologischen Wirkungen der Musik. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969).1 Die ästhetische Wissenschaft erfasst einerseits die Charakteristika der ästhetischen Situation: Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben (vgl.sik gelten.) Da Gebrauchswertversprechen und Ge-brauchswert mehr oder weniger eklatant divergieren. 4). Von Beginn wurde Gruppenimprovisation als Entwurf einer Gesellschaft verstanden.

Tagungsberichte. 37-67 Haug. Isabelle (2001): Ästhetik und Leiblichkeit. und Gruppenimprovisation hat dort ihren Ort. Musiktherapie. Erkenntnisse in konkrete ästhetische Handlungen umzusetzen (die Pragmatische Funktion) und die Sinne zu befreien und vom Konsumieren zum Genießen zu kommen (die Hedonistische Funktion). Kunstwerk und Wert. 12-24 Knill. ästhetische und soziale Phantasie zu entwickeln und schöpferisch verändernd zu leben (die Utopische Funktion). Lilli (1983): Trommeln . In ästhetischen Bildungsprozessen. Martin (2000): Gestalt. Rolf-Dieter: Kleine Ethik der Improvisation. die zu eigener Lebensführung befähigt. der über das Musikalische hinaus Seelisches. Wien: Universal Frohne-Hagemann.: Quasi una fantasia. 247-268 Kasseler Konferenz (1998): Kasseler Thesen zur Musiktherapie. 9-16 Adorno. Musik und Sprache. Lilli Friedemann hat das an den Begriffen: „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ und „Wachstum nach allen Seiten hin“ festgemacht. Weinheim: Beltz Drewer. Theodor W. Essen 1991 Kagan. Begleittext zur Schallplatte DGG 643541 Faltin. Gelingendes Leben als Ziel ästhetischer Bildung kann gleichermaßen für Therapie und ganzheitlich orientierte Pädagogik gelten. in: Otto. 172 . Hartmut (1974): Gruppenimprovisation – eine musikpädagogische Methode. Diethard: Zum Begriff der ästhetischen Erziehung.): Texte zur ästhetischen Erziehung. Moissej (1974): Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. ringgespräch über gruppenimprovisation März 1998. Alles. Braunschweig 1975. nämlich: gesellschaftlich vermittelte Manipulation zu durchschauen. Wien: Universal Friedemann. Günter (Hrsg. Lilienthal: Eres. 245). Gruppenimprovisation erfüllt die Kriterien der Ästhetischen Erziehung Gruppenimprovisation erfüllt auf idealtypische Weise die vier Funktionen welche Diethard Kerbs der Ästhetischen Erziehung zugesprochen hat (vgl. Soziales und Gesellschaftliches umfasst. Hans Helmut (Hrsg. 259-294 Grootaers. Ideologien und ökonomische Interessen zu erkennen (die Kritische Funktion). Roman: Erlebnis. Franco (1969): Improvisationen der Gruppe Nuova Consonanca. Tübingen 1969 Jörgensmann. Frankfurt am Main: Suhrkamp Auerbach. Archiv für Angewandte Sozialpädagogik. Berlin Kapteina. Band 1. Ästhetik. Peter: Vokalimprovisation. Frankfurt am Main 1971 Ingarden. in: Decker-Voigt. 6-10 Bunt.): Fenster zur Musiktherapie. Frank (1985): Gruppenmusiktherapie aus ganzheitlicher Sicht.): Musik und Kommunikation. (1979): Ästhetische Theorie. Frankfurt/M: Suhrkamp. Peter(1985): Bedeutung ästhetischer Zeichen. 1975. Paolo (1990): Wissenschaftliche Betrachtungen zur Musiktherapie unter ethischen Gesichtspunkten. Lore (1972): Hören lernen – Musik erleben. Literatur Adorno. so Stefanie Marr „erschließen sich Menschen Lebenswirklichkeit“. ist neben seinen praktischen Verwendungszwecken immer auch als ästhetisches Zeichen zu verstehen und als solches wirksam. Wolfenbüttel: Möseler Ausländer. Theo und Weyer. was uns dort begegnet. Musiktherapeutische Umschau. Lilli (1973): einstiege in neue klangbereiche durch gruppenimprovisation.Tanzen – Tönen. Gegenstand ästhetischer Erziehung ist nicht nur Kunst sondern der gesamte lebensweltliche Kontext. Wolfgang Fritz: Kritik der Warenästhetik. wenn sie „selbstbestimmt an Bedürfnissen und Interessen orientiert verwirklicht wird“ (2004. also auch die alltäglichen Gegenstände. Ziel ist die Entwicklung von „Gestaltungskompetenz. Leslie(1998): Musiktherapie.bedingt und aktuell mit nichts anderem als mit uns selbst zu tun und mit unserer Art in der Welt zu sein. Wiesbaden. Musiktherapeutische Umschau. (Hrsg. 232 – 235 Kerbs. Aachen Friedemann. (1963): Fragment über Musik und Sprache in ders. 17 ff). Münster: LIT Evangelisiti. in dies. Theodor W. 5.“ die gelingt.

Regensburg 1994. Stuttgart. Paul und Robbins. Göttingen 1999 Spintge. 2004. Gertrud (1970): Klangexperimente und Gestaltungsversuche im Kindesalter. in: Marchal. Frankfurt am Main 1971 Nordoff. Gertrud (1972): Struktur und Praxis neuer Musik im Unterricht.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Neue Wege einer musikalischen Grundausbildung. ringgespräch über gruppenimprovisation. Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Essen Loos. Helmut (Hrsg. Georg: Ästhetik III. Peter (Hrsg. Darmstadt 1972 Marr. Experiment und Methode. Fischer Schaarschmidt. 102 ff Smeijsters. März 1998. Stuttgart: Fischer Lukács. Wien: Universal Mukarovský. Gerd: Einige neue Überlegungen zur vokalen Gruppenimprovisation. Stuttgart: Fischer 173 . in: Hopf. 232-248 Meyer-Denkmann. Stefanie: Lernziel Lebenskunst. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Wien: Universal Meyer-Denkmann. Rolf und Droh. Gertrud (1986): Spiel-Räume.39-58 Lisken. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. Wolfgang (1968): Musikerziehung braucht Phantasie. Henk: Grundlagen der Musiktherapie. Ästhetik heute. Rolf (1992): Musik-Medizin. Siegen: Universität. Helmut: Gruppenimprovisation.): Lexikon der Musikpädagogik. 10-11 Longardt.

und Blattwerk 174 . So entfaltet der improvisierende Mensch seine musikalischen Fähigkeiten. Das Bild des Baumes veranschaulicht den musikalischen Lernprozess. er lernt die verschiedenen Instrumente kennen und entwickelt die Fähigkeit. Er lernt. ästhetisches. Musikalisches. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert sowie die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft. in der er lebt.und Blattwerk dem Licht entgegen. Lernen erfolgt nicht nach einem vorgegebenen Lehrplan sondern orientiert sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der betroffenen Personen sowie ihrer Lebenslage.10. politisches Lernen bilden im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit. soziales. Sein Ast. Der Baum entfaltet sich mit seinem Ast. er lernt Klänge differenziert wahrzunehmen. musikalische Formbildungen zu erfassen und die Musik der Gruppe zu analysieren. die seinen Vorstellungen entsprechen. Das besondere am musikalischen Lernprozess bei der Gruppenimprovisation kommt jedoch in der besonderen Charakteristik der Baum – Metapher zum Ausdruck. mit seinen musikalischen Beiträgen auf den musikalischen Gestaltungsprozess der Gruppe einzuwirken. auf ihnen die Klänge und die musikalischen Verläufe zu realisieren. Die musikalischen Kompetenzen. zu beschreiben und zu benennen. und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert werden. die sich die Spieler bei der Gruppenimprovisation aneignen. entsprechend der aktuellen Situation der beteiligten Personen im Sinne bedürfnisund situationsorientierter Pädagogik.1 Ökologie der Gruppenimprovisation Hartmut Kapteina „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Arbeitsprinzip. „Ökologie“ bedeutet in diesem Zusammenhang die ausgewogene und gleichrangige Berücksichtigung aller Aspekte menschlichen Erlebens. können mit den Begriffen Musikalische Sensibilität Musikalische Phantasie und Kreativität Musikalisches Differenzierungsvermögen Musikalische Kritikfähigkeit zusammengefasst werden.

tenzen der Selbsterkenntnis und des UmZumindest für die Schulmusik ist diese Einstellung ungangs mit sich selbst. Das gemeinsame Gespräch über die Improvisationen offenbart. parallel zur musikalischen Kompeledigung der technischen Funktionen des Musizierens tenz entwickeln sich psychische Kompeempfunden. Es werden aber auch Grenzen der Wahrnehmung und des Verhaltens deutlich. dieses oder jenes Instrument zu wählen. Die präventive Beangemessen. Sie sind nicht organeuer Einstellungen zu und Umgangsweinisch im Inventar der Persönlichkeit implantiert. es gibt schlechterdings keine Instanz für sein musikalisches Verhalten in der Gruppe als nur seine ureigensten Intentionen. wie unterschiedlich die Intentionen der einzelnen Mitspieler während der verschiedenen Situationen des Spielverlaufs waren. Das hat zur Folge. wer wann was wie zu spielen hat. Bei der Gruppenimprovisation ist nicht vorgegeben. Vielen sen mit sich selbst und anderen. ja. die Beachtung Auseinandersetzung mit der eigenen Perder emotionalen Beteiligung wird als störend bei der Erson. Dann Die Metaphorik des Baumes legt nahe. so reagiere ich auf andere. Woher aber nimmt er die Kriterien für diese Entscheidungen? Nun. mit diesem oder jenem zu beginnen oder aufzuhören u. Die veranlasst ihn.w. Nun haben es aber musikalische Ereignisse an sich. ernsthaft mit ihnen über die bei der Musik erlebten Gefühle zu sprechen. dass bei der Verkann es zur Erweiterung es Verhaltensrenachlässigung der psychosozialen Implikationen des Musikerlebens die musikalischen Kompetenzen sich nur pertoires kommen und zur Entwicklung unzureichend entwickeln können. In gleicher Weise „wurzeln“ bei der Gruppenimprovisation die musikalischen Kompetenzen in seelischen Entwicklungen der Introspektion. diese oder jene Klänge seiner Mitspieler zu übergehen oder wahrzunehmen und sein Spiel an diesem oder jenen Klängen zu orientieren. so kann es immer wieder bei der Gruppenimprovisation vorkommen. Gleichzeitig können solche Prozesse der Selbsterkenntnis Neugier und Lust wecken.vermag sich nur insoweit zu entfalten. dass sie die Menschen oft tiefer und nachhaltiger berühren. wie sich Unterschiede in Charakter und Temperament im Spiel dargestellt haben. Klänge rufen. bevor sie von den Instanzen des Bewusstseins verarbeitet werden. wann er was wie spielt. der biographischen Verarbeitung und des emotionalen Ausdrucks. deutung der Gruppenimprovisation ist damit unterstrichen. dass jeder Spieler selbst entscheiden muss. wie sich gleichzeitig sein Wurzelwerk unter der Erde entwickelt. Es ist zum Beipenimprovisation also immer zugleich spiel nicht möglich.s. als ihnen das lieb ist. es Kritische Anmerkung zur herkömmlichen Musikpädagoeinmal ganz anders zu machen. in den Steuerungszentren des Limbischen Systems in vegetative und emotionale Reaktionen hervor und verknüpfen sich mit Inhalten des Langzeitgedächtnisses. also neue gik: Verhaltensweisen auszuprobieren. kennen und nutzen lernen. so werde ich von anderen wahrgenommen. Dabei wird implizit deutlich. sich hier oder dort anzuschließen. so verhalte ich mich. diese oder jene Klänge zu bevorzugen oder zu vermeiden. Musikern dienen die Musikalischen AusdrucksmöglichDie musikalische Arbeit ist in der Grupkeiten zu Verdrängung und Eskapismus. Die Analyse der eigenen musikalischen Beiträge und der Musik der Gruppe wird so zum Prozess der Introspektion: So bin ich. dass Spieler mit frühen traumatischen Erlebnissen in Kontakt kommen. Und die kommen einzig aus seiner persönlichen Disposition. Dann erhält die Gruppenimprovisation tiefen175 . diesem oder jenem mit einem Kontrast zu begegnen. Schüler sollten Musik als Bereicherung ihrer Persönlichkeit erleben.

Die Instrumente.psychologische Qualität. Bei einer guten Kanalisation der darin gebundenen Energie kann er zu einer warmen Quelle werden. Die Wahl des jeweiligen Instruments. zeigte. Ästhetische und insbesondere die musikalischen Erfahrungen der Gruppen 176 . die längere Zeit die musikalische Gruppenimprovisation praktizierten. Eine Untersuchung bei ca. die Klänge. wie erfolgreich ihre Versuche verlaufen. Zeit und Zuwendung gegeben sein. Das Spiel der Gruppenimprovisation wird zum gesellschaftspolitischen Planspiel. Die differenzierte Wahrnehmung auf dem Gebiet der Musik übertragen sie als allgemeine ästhetische Kompetenz auf alle Bereiche der sinnlichen Erfahrung. 80 Personen. damit die betreffende Person die durch die Klänge aktivierten Erinnerungen mitteilen und die mit ihnen verbundenen Gefühle ausdrücken kann. wählerisch und genussfähig werden. Andere Pflanzen stehen mit ihm in Konkurrenz oder Kooperation. sich Geltung und Aufmerksamkeit verschafft. An dieser Stelle wird die Gruppenimprovisation zur Musiktherapie. wie sie sich im Spiel an den allgemeinen Trend anpassen. ihre Unzufriedenheit in Protest oder Resignation ummünzen. dass die Prozesse der Gruppen Improvisation immer auch Prozesse der Auseinandersetzung mit anderen. dass diese Personen kritischer beim Umgang mit den Gegenständen des täglichen Lebens werden. die Musik und die gesamte Gruppensituation erhalten symbolische Bedeutung. Die Gruppe als „Mini – Gesellschaft“ ist nicht nur Ort des sozialen sondern auch des politischen Lernens. sich einzurichten oder die eigenen Interessen zu vertreten. mit der eigenen Rolle und dem sozialen Verhalten sind. Die Spieler erkennen. Im Bild ist dieser Bereich als unterirdischer Vulkan dargestellt. Damit soll angedeutet werden. Es muss Raum. dass sie sich häufig in Parteien und Verbänden engagieren. Prozesse der Übertragung und Gegenübertragung werden wirksam. ein Gespür für unhaltbare politische Zustände entwickeln und den Mut. Regression auf frühere Phasen der Entwicklung. seine Interessen geltend macht und realisiert. die mit ihrem Mineralienreichtum das Wachstum des Baumes zusätzlich zu fördern vermag. dagegen vorzugehen (Kapteina 1976). In der Horizontalen ist der Baum mit seinem ökologischen Umfeld verbunden. die jeweilige Art es zu spielen sind zugleich Darstellungen der jeweiligen Eigenarten. unzufrieden werden. Das Spiel der Klänge wird zur Stimmabgabe. insbesondere bei ihrem musikalischen und sonstigen Konsumverhalten die Strategien der Werbung und der Massenmanipulation durchschauen. das ganze zu verändern. Dieselbe Untersuchung ergab. wie sich der einzelne Spieler im sozialen Kontext verhält.

Menschen erleben bei der musikalischen Improvisation Momente. Wilhelmsdorf 2000 177 . in denen sie zeit. 137-139 Tilmann Weber: Improvisationsgestalt. Die Musik hat es mit dem Unaussprechlichen zu tun. in Decker-Voigt (Hg).): Ästhetik und Kommunikation heute. außerdem Literatur im Lexikon Musiktherapie. 141-143 Eckhard Weymann: Improvisation. in: Hans Helmut Decker Voigt (Hrsg.): Musik und Kommunikation. S. Musiktherapie als Fachgebiet der „Ästhetik und Kommunikation“ und als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. Decker-Voigt): Hartmut Kapteina: Improvisationsbewegung.und raumvergessen den Ursprung ihrer Existenz erahnen und erspüren. in: Peter Marchal (Hrsg. mit Erfahrungsräumen vor und jenseits der Begrifflichkeit. Schaubild aus „Komplex Welt der Sinne“. Siegen 1999 s. Literatur: Hartmut Kapteina: Musikpädagogik und Alltagsleben. ebd. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. 73-94 Hartmut Kapteina: Heilendes und Heilsamens Musikerleben. Musik als gestaltete und vergehende Zeit wirft implizit die Fragen nach der Vergänglichkeit der Lebenszeit. Vortrag über Musiktherapie zwischen Improvisation und Ritualen Mai 1999 Fritz Hegi: Improvisation und Ritual. ebd.Improvisation aktualisieren immer auch transzendente Themen der Spiritualität. nach der Flüchtigkeit des Lebens und der Beziehungen und danach. in: Archiv für Angewandte Sozialpädagogik 1976 Hartmut Kapteina: Dimensionen der Gruppenimprovisation. Göttingen 1996 (Hrsg. 133-137 Gesundheit / Leben Ausgeglichenheit RITUAL Regelmäßigkeit Ordnung Gewöhnung Abhängigkeit Zwang Erstarrung Krankheit / Tod Vitalität IMPROVISATION offenes Spiel Chaos Entgrenzung Zerfall Verwahrlosung Zerstörung Fritz Hegi. Seevetal 1988. was jenseits dieser Grenzen liegt.

Einiges zur Improvisation in der Musiktherapie MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT.
June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. The wounds that Sing, London 2000, 246

Auszüge aus Tilmann 2000 in der Übersetzung von H. Kapteina: Die Verantwortung des Therapeuten besteht darin, musikalische Strukturen zu finden, in denen die Ideen des Patienten aufgehoben sind (Tilman 2000, 217). Der Fähigkeit des Klienten, sich frei auszudrücken, mitzuteilen und zu entfalten, entspricht die Fähigkeit des Therapeuten, auf diese Freiheit mit den passenden stilistischen Mitteln einzugehen (216). Irving Yalom, dem Vater der Gruppenanalyse, folgend ist die Grundvoraussetzung jeder Therapie der Aufbau von Hoffnung. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen, indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt und erlebt wird, dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (219). Zur Musiktherapeutischen Arbeit mit Gefühlen Smeijsters und van den Hurk (in: M. Heal and T. Wigram (eds): Music Therapy in Health and Education, London 1993) haben Vorschläge für die Behandlung von Gefühlen in der Musiktherapie vorgelegt. 1. Bei Aggressionen: Ermutige zum Ausdruck der Wut, bis sie „verraucht“ ist, das heißt, bis die Vehemenz nachlässt –hörbar in Lautstärke, Rhythmus und Tempo. Nach nicht allzu langer Zeit soll ein Ausgleich zwischen musikalischer Entspannung und Erleichterung entstehen. Ein solcher Vorgang nur einmal pro Sitzung.
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Wenn die Vehemenz des musikalischen Ausdruck nicht nachlässt und zu erwarten ist, dass der Gefühlsausdruck eskaliert und in unkontrolliertes regressives Verhalten abgleitet, soll der Prozess gestoppt werden, indem man das musikalische Spiel in eine andere Richtung lenkt. Wenn das nicht gelingt, muss der Klient bei seinem Spiel auf dem gewählten Instrument gestoppt werden und ihm ein anderes angeboten werden. Nach dem Prozess des Zulassens rege den Klienten an, „eine Linie zu ziehen“, das heißt zu erkennen, wie weit man den Affektausdruck zulassen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren. Hierbei ist es hilfreich, den Wechsel von musikalischer Spannung und Lösung im Zusammenhang mit emotionaler Entwicklung zu üben. Das Zulassen von Aggressionen sollte man unterlassen, wenn kein Verständnis entsteht zwischen dem Gefühl und der Lebenserfahrung und wenn der Gefühlsausdruck kein neues Material hervorbringt (255). 178

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2. Bei Trauer Rege den Patienten an, symbolisch Abschied zu nehmen und zu geben, musikalisch in der Musiktherapie und nicht musikalisch außerhalb der Musiktherapie, z.B. mit einem geeigneten Ritual. Schätze den emotionalen Ausdruck vor dem Hintergrund ein, welche Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks der Patient in der Vergangenheit hatte (255). 3. Bei Gefühlen der Nutz- und Wertlosigkeit ist die Haltung des „musikalischen Nährens und Pflegens“ erforderlich. Drücke die Gefühle musikalisch aus. Wenn der Therapeut das mit dem Patienten und für ihn tut, soll er empathischen Techniken und seiner Gegenübertragung folgen. Wenn erforderlich, mache dem Klienten ein musikalisches Geschenk, das Eigenschaften besitzt, die ihn emotional berühren. Nimm symbolisch die Rolle der frühsten Pflegeperson des Patienten ein. Versuche die Gefühle des Patienten zu kompensieren, indem du die Improvisation so gestaltest, dass der Patient wahrnimmt, wie notwendig sein eigener musikalischer Beitrag ist (256). 4. Für den Aufbau von Selbstvertrauen Unterstütze den Patienten in einer weise, dass er sein eigens Spiel als einen wichtigen Beitrag für das Zustandekommen der Musik erlebt. Räume dem Patienten zur rechten Zeit die Rolle ein, selbst initiativ zu werden und den musikalischen Prozess zu bestimmen. Konfrontiere den Patienten mit abweichendem Material, wenn er sich wiederholt und auf ein und dieselbe Ausdrucksweise festgelegt hat (257). 5. Zur Beeinflussung von Verhaltensweisen Verbreitet ist die Auffassung, dass Verhaltensmuster mit musikalischen Mitteln beeinflusst werden können. Mit anderen Worten: Wenn sich musikalische Verhaltensmuster verändern, ändern sich die entsprechenden allgemeinen Verhaltensmuster. Hierbei ist das Konzept der „Integration“ zu Grunde gelegt: Nicht gelebte Möglichkeiten des Verhaltens werden erkannt, musikalischerlebt und auf generelles (Alltags-)verhalten übertragen. Dieser Vorgang kann durch folgendes therapeutisches Vorgehen gefördert werden: Rege den Patienten in der Improvisation zu Formen an, die verschiedene Elemente enthalten. Ermutige den Patienten, Motive zu variieren. Beziehe Ausdrucksweisen in das Spiel ein, die der Patient vermeidet. Lade den Patienten ein, andere Personen musikalisch darzustellen, auf die er Teile von sich projiziert hat. Ermutige den Patienten, über unbekannte und unverständliche Anteile von sich selbst zu improvisieren. Finde Instrumente, die entgegengesetzte Verhaltensmuster und Gefühlsäußerungen zum Ausdruck bringen (257 f).

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11 Weitere Themen der Vorlesung
Rezeptive Musiktherapieverfahren Christoph Schwabe (Hg): Regulative Musiktherapie, Jena 1996 ders.: Entspannungstraining mit Musik, Leipzig 1987 Hermann Rauhe: Musik hilft heilen, München 1993 Musiktherapie bei Autismus Juliette Alvin: Musik und Musiktherapie für behinderte und autistische Kinder, Stuttgart 1988 Paul Nordoff, Clive Robbins: Musik als Therapie für behinderte Kinder, Stuttgart 1975 dies.: Schöpferische Musiktherapie, Stuttgart 1986 Karin Schumacher: Musiktherapie mit autistischen Kindern, Stuttgart 1994 dies.: Musiktherapie und Säuglingsforschung, Frankfurt am Main 2000 Musiktherapie mit Kindern Jutta Brückner u.a. Musiktherapie für Kinder, Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern, Stuttgart 1997 Das Buch „Kindermusiktherapie. Richtungen und Methoden“ (herausgegeben von Stiff und Tüpker (2007) Göttingen 2007 gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet), Kindermusiktherapie, die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner), Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel), Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert), Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung, eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations- und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT (www.musiktherapie.unisiegen.de) finden sich praxisnahe Beiträge zu:

MUSIKTHERAPIE MIT KINDERN
Armbrust, Wolfgang: „Zeige mir was du brauchst“ - Musiktherapie mit verhaltens-auffälligen, behinderten und schwerst- mehrfach behinderten Kindern Brockhaus-Albrecht, Katja: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Kindern in der Sozialpädagogik Drews, Ingrid: Der Klang der Sinne. Integration der Musiktherapie in das Konzept eines Kindergartens. Fraaß, Katja: Musiktherapie bei Kindern mit ADS Frings, Anke: „Begegnung durch Musik“ - Entwicklungsförderung durch Musiktherapie für Kinder im Vorschulalter Garthe, Susanne: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen und traumatisierten Kindern in einem Montessori – Kinderhaus 180

Margrit und Kapteina. Karl. Inge: Atem und Stimme. Mareile: Musiktherapie mit Kindern eines Schulkindergartens in einem sozialen Brennpunkt Ufer. Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Grundschulkindern Schönich.. Daniela: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern Reukauf. Saskia: Ein Ton allein. Dorothea: Zum Einsatz von Musik während der Dialyse von Kindern und Jugendlichen Tietke-Martel. Kathrin: Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung Hennen.Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen 181 .. dass du nicht auf einen Vulkan stößt!“ Musiktherapie mit Vorschulkindern dokumentiert anhand des Beispiels eines emotional verhaltensauffälligen Kindes in einem Kindergarten Kowald. Hartmut: Musik in der Therapie und Prävention bei Suchterkrankung und –Gefährdung am Beispiel von Kindern suchtkranker Eltern Marnach. Marietheres: Musiktherapeutische Prozesse in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern Schreiber. Julia: Musiktherapeutische Einzelarbeit mit verhaltensauffälligen Kindern in einer Kindertagesstätte Heymann-Röder. Annja: Musiktherapie mit Flüchtlingskindern AUS DER ARBEIT MIT JUGENDLICHEN Dentler. Ingrid: „Pass auf. Musiktherapeutische Einzelförderung in einem Kindergarten Medek. Doris: Musiktherapie bei sexuellem Missbrauch Mayerle-Jarmer.. Susanne: Beziehung – Klang – Resonanz. Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern Kröger. Aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen Schmidt-Poschinski. Ursula: Musikalisch-therapeutische Maßnahmen im Förderunterricht der Grundschule Vetter. Renate: Möglichkeiten und Grenzen musikalisch-therapeutischer Arbeit mit „verhaltensauffälligen Kindern Kranz. Susanne: Musiktherapie mit systemischen Therapieansätzen als Arbeitsweise in einer Erziehungsberatungsstelle Knickel.Heinz: Rockmusik . (macht noch lange nicht Musik) .Grewe-Heitfeld. Musiktherapie mit 3 Jungen mit dem „Hyperkinetischen Syndrom“ Kritzer. Ursula: Musiktherapeutische Begleitung von Kindern innerhalb der Familienberatung Schicha. Bettina: Musiktherapie mit krebskranken Kindern Strietzel. Angela: Kann ich dir begegnen? Musiktherapie mit ungewöhnlichen Kindern an einem Sonderpädagogischen Zentrum in Österreich Münch.und Einzelarbeit in einem Kindergarten Mayerle-Jarmer. Beate: „Ich schenke Dir einen Klang“. Christiane: Musiktherapeutische Arbeit mit Kindern an einer Grundschule Kolb. Beate: Musikalisch-therapeutische Gruppen.. Helmut: Grenzerfahrungen. . Elisabeth: Musiktherapie mit Kindern an einer Schule für Sprachbehinderte Hövelmann. Ursula: Musik mit Kindern nach Trennung und Scheidung. Ein präventives Gruppenangebot Rogmann.

ach .Selbsterfahrungsgruppe für eine Frau mit depressivem Syndrom Döhler.“ Musiktherapeutische Arbeit mit einer bulimischen Jugendlichen in der Kinder.in meinem Leib. Andrea: Wirkungschancen von musiktherapeutischen Prozessen für Menschen mit Behinderungen am Beispiel eines Mannes mit Autismusdiagnose Derks. Hartmut: Liedersingen mit Psychose-Patienten Meier. Validierende Musiktherapie mit dementen Menschen 182 . Sabine: Aus den Quellen der Erinnerung die Gegenwart speisen.Dentler.Heinz: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit Hill. Vassilios und Kapteina... Ulrike: Musiktherapie als integraler Bestandteil in der tagesklinischen Betreuung psychisch Kranker Biewald. Katrin: Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung und Autismus Golomski.“ Folkloretänze in Therapie und Prävention Kletke-Drawert. Angelika: Musikalisch-therapeutische Selbsterfahrung in einem Müttergenesungsheim Hoffmann. Ingrid: Die Relevanz einer musikalisch-therapeutischen Frauen .und drogenabhängigen Erwachsenen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heinzen. Michael: Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation Fleischer. Maria: Musiktherapie im Behandlungskontext einer psychosomatischen Klinik Bartlau. Musiktherapie in der Palliativmedizin Behr. Karl. Ulrike: Musiktherapie mit chronisch kranken Menschen im Ambulanten Hospiz und in der Onkologie eines Akutkrankenhauses Hesse. Musiktherapie mit Patienten einer Akutpsychiatrischen Station Hillingshäuser. Ramona: Wohin die Reise geht..und Jugendpsychiatrie Wolf.Momente der Freude und des Glücks. Elisabeth: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit lernbehinderten Jugendlichen Regenbrecht. Petra: Möglichkeiten und Grenzen der musikalischen Gruppenimprovisation mit psychose-erkrankten Erwachsenen in einem sozial-psychiatrischen Zentrum Dümpelmann. Simone: Musiktherapie mit Menschen mit Behinderung und mit Menschen mit Autismus MUSIKTHERAPIE MIT ERWACHSENEN Alm. Beate Erinnerung durch vertraute Klänge Kapteina. Bettina: Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung Fliegner. Burkhard: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot Hürkamp. Astrid: Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma Lingenfelder. Anita: Die Integration musiktherapeutischer Interventionen in gemeindepsychiatrische Angebote der Gelben Villa Cremer. Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung Liolios. Nicole: Begegnungen für den Augenblick . Monika: Musiktherapie mit alten Menschen im klinischen Bereich Brucherseifer. Martina: Kontakt – Begegnung – Beziehung. Annette: Musiktherapie mit alkohol. Katharina: „Zwei Seelen wohnen . Hartmut: „Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen.

Gabriele: Fermate. Bärbel: KON-TAKTE. Beispiele aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit Erwachsenen Schneider. Manuel: Männer unterwegs. Oliver: Musiktherapie bei geistig behinderten Menschen mit psychischer Störung Schubarth. Wolfgang: Arbeit mit Erwachsenen. Gerd: Erfahrungen mit einer neuen Form von Tiefenentspannung und der rezeptiven Musiktherapie mit onkologischen Patienten einer stationären Rehaklinik Vanegas.Musiktherapie in einer Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen 183 . Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Menschen mit mehrfacher Behinderung Schrade. Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Patienten der gynäkologischen Rehabilitation Sandte. Musiktherapie: Ein neuer Weg? Schwarz. Peter: „Schläft ein Lied in allen Dingen …“ Biografieorientierte Musiktherapie mit BewohnerInnen einer Gerontopsychiatrie Scheu. Elisabeth: Kirchenmusik im Spannungsfeld zwischen Seelsorge und Psychotherapie. Eta: Ich spiele. Eva-Maria: Gruppenmusiktherapie mit chronisch. Kristin: Beziehung gestalten und sinnhaftes Leben erfahren – musiktherapeutische Anregungen zur Erhöhung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter Soost. Barbara: Musik und Bewegung mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Ziebarth. Musiktherapie in der Rehabilitation psychisch kranker Menschen Treschhaus. Die Bedeutung der musikalischen Improvisation in einer Selbsterfahrungsgruppe mit Männern in der Suchtprävention Weber.Bewegung. Friedhelm: Einzelmusiktherapie mit dementen alten Menschen im Spannungsfeld zwischen Gedächtnistraining und Psychotherapie Schmidt-Rath.und schwerkranken psychiatrischen Patienten Partner. Erfahrungen mit Musiktherapie in einer psychiatrischen Tagesklinik Reitz. Cornelia: Berührung . Werner: Musiktherapie mit alten verwirrten Menschen Rau-Krüger.Beziehung . Barbara: Musiktherapie mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Werbick. Uta: Musiktherapie mit einer depressiven Klientin im Mutter-KindKurheim „Emmi Welter“ Werbick. die unter chronischen Schmerzen leiden Spörer. Andreas: “Ich komme meiner Seele nahe” . Heike: Einige grundlegende Gedanken über die Stimme in der Psychotherapie und dem Schnittfeld von Musiktherapie und Musikpädagogik aus der Sicht des Gestaltansatzes. was ich nicht sagen kann. Rigulf: Musiktherapie mit PatientInnen in der Akut-Psychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Hildesheim Nolte.Nemitz. Wolfgang: Musiktherapie bei Depression Soost.

29 in 81675 München 80 Fritz Perls Institut für Integrative Therapie.Berlin@t-online. Diplom-Musiktherapeut / Diplom-Musiktherapeutin“ der Bundesanstalt für Arbeit. In der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie gibt es eine Sektion Studenten. zuständig. ist eine Mitgliedschaft in der DMGT sehr zu empfehlen.V. Ebenfalls ist die DMTG für Fragen der berufsrechtlichen Anerkennung. außerdem zweimal im Jahr den „Info-Dienst“ mit aktuellen Insider-Informationen. (IGMF) Postfach 14 43 in 57319 Bad Berleburg Informationen über Gruppenimprovisation erhält man als Mitglied im Ring für Gruppenimprovisation Matthias Schwabe Wilskistr.de Für einen Mitgliederbeitrag von DM 200. der sich langfristig im Bereich der Musiktherapie engagieren und weiterentwickeln will.V. 370 Seiten. Literatur.12 Anschriften. Ismaninger Str. Praktikumplätze. Gestalttherapie und Kreativitätsförderung Wefelsen 5 in 42499 Hückeswagen und Internationale Gesellschaft für Musikpädagogische Fortbildung e. Über die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie erhält man aktuelle Informationen über den gesamten Musiktherapiemarkt. fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist: Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft (DMTG e. Weitere Institutionen.) Libauer Straße 17 10245 Berlin Telefon 030/29 49 2493 Fax 030/29 49 2493 Email: DGMT. ungefähr entsprechend den Bundesländern. die Musiktherapeutische Umschau. und schließlich: über den aktuellen Berufs-. freie Stellen für Musiktherapeuten. 56 14136 Berlin 37 Hier erhält man auch die sehr lesenswerte Fachzeitschrift „ringgespräch über Gruppenimprovisation“. 4 Hefte pro Jahr im Gesamtumfang von ca.und Weiterbildungsmarkt informiert die Broschüre 2-II-A 3 „Blätter zur Berufskunde. Für jeden. Die DGMT gliedert sich in Regionalverbände. Die Landesarbeitsgemeinschaften für Musiktherapie und die Sektionen veranstalten Weiterbildungsveranstaltungen.de http://www. Berechtigung. Ressourcen und vieles andere mehr. zu beziehen über die Arbeitsämter. den Titel Musiktherapeut/Musiktherapeutin zu führen und selbständig als Musiktherapeutin zu arbeiten. sogenannten Landesarbeitsgemeinschaften. die musiktherapeutische Fortbildungen durchführen sind: Freies Musikzentrum e. Projektwochen etc. Aus. 184 .im Jahr (Studierende unserer Ausbildung bekommen Ermäßigung) erhält man das meiner Meinung nach wichtigste musiktherapeutische Fachorgan in deutscher Sprache.musiktherapie. bei denen musiktherapeutische Weiterbildung..V.

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