Skript zur

Einführung in die Musiktherapie
Musikpsychologische und klinische Grundlagen des Helfens und Heilens mit Musik
Universität Siegen
Univ.-Prof. Hartmut Kapteina
Musikpädagogik Musiktherapie 57068 Siegen Hölderlinstr.3 Raum H-D 7203 Tel. 0271/740-3212 Email: kapteina@musik.uni-siegen.de

April 2009

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Inhaltsübersicht
1 2 3 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze......................................... 4 Literaturdienst ................................................................................................................................................. 6 Definition der Musiktherapie ......................................................................................................................... 8

3.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie .................................................................................... 11 3.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005............................................ 14 3.3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik........................................ 17
4 Was geschieht, wenn wir Musik hören? ........................................................................................................ 18

4.1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs....................................................................... 19 4.2 Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen ...................................................................... 21 4.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere............................................................................ 23 4.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen............... 25 4.5 Biophysik des Musikerlebens.............................................................................................. 28 4.6 Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben ............................................................ 39 4.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben ...................................................................... 46 4.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik.......................................................... 54 4.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens.................................................................... 57 4.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens.................................... 58 4.11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ .................................... 59 4.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens................................................... 63 4.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens........................................................... 67 4.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens...................................... 68 4.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens ........................................................ 75 4.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens ..................................................................... 80 4.17 Politische Aspekte des Musikerlebens...................................................................... 82 4.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik............................. 84
5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen............................................................................................................... 90

5.1 5.2 5.3 5.4
6 7

Hören vor der Geburt .......................................................................................................... 91 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“................................................................................. 97 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten .............................................................. 98 Musiktherapie mit Koma - Patienten .................................................................................. 101

Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst ............................................. 102 Musiktherapie in der Psychiatrie ................................................................................................................... 106

7.1 Musiktherapie bei Schizophrenie........................................................................................ 110 7.2 Musiktherapie bei Depression............................................................................................. 114 2

7.3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen.................................................................. 124 7.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen.................................................... 135
8 9 Musiktherapie und Sozialpädagogik.............................................................................................................. 141 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit......................................................................................... 145

9.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen ................................ 149
10 Neue Musik, Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik ................................................................ 165

10.1
11 12

Ökologie der Gruppenimprovisation ........................................................................ 174

Weitere Themen der Vorlesung...................................................................................................................... 180 Anschriften, bei denen musiktherapeutische Weiterbildung, fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist:................................................................................................................... 184

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und sonderpädagogische Aspekte besonders berücksichtigt sind. das keine andere Psychotherapie leisten kann. einem geschichtlichen Überblick. Spintge und R. Der 1998 von Werner Kraus herausgegebene Band „Die Heilkraft der Musik. Henk Smeijsters: Musiktherapie als Psychotherapie (Stuttgart 1994) stellt die verschiedenen aktuellen Richtungen der Musiktherapie dar. Ein Beitrag zur Ausbildung an der Wiener Hochschule und über außereuropäische Heilmusik beschließt den Bogen den dieses Werk umspannt. Herbert Bruhn: Musiktherapie. Weinheim 1998 bietet einen Überblick über die weltweite Musiktherapie . Schließlich ist in der Reihe der Gesamtdarstellungen zu nennen: der von Gerhard Harrer 1982 herausgegebene Sammelband „Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie“ (Stuttgart) mit einigen musikpsychologischen Beiträgen.1 Gesamtdarstellungen unterschiedlicher musiktherapeutischer Arbeitsansätze Leslie Bunt: Musiktherapie. München 2001 4 . Eine neue Gesamtdarstellung von Hans Helmut Decker-Voigt (Hrsg. Eine Einführung in die Musiktherapie“ (Beck. mit Psychotikern und Neurotikern. einem theoretischen Grundlagenbeitrag zur Methodik der Musiktherapie von Christoph Schwabe und Praxisbeiträgen aus der Psychiatrie. David Aldrige: Musiktherapie in der Medizin. München) enthält neben allgemeinen Beiträgen zum Berufsbild und zu Ausbildungsmöglichkeiten Praxisschilderungen von der Kinder. warum bei welcher Krankheit oder Störung Musiktherapie etwas leistet. Er geht von der Frage aus. Droh: Musik in der Medizin (Berlin und Heidelberg 1987) und Musik-Medizin (Stuttgart 1992) informieren über die medizinisch orientierten Ansätze der Musiktherapie. entwicklungsgestörten Kindern. wobei heil. Arbeit mit hirngeschädigten.Szene. Bern 1999 stellt „Forschungsstrategien und praktische Erfahrungen“ heraus und bearbeitet auch die ästhetischen Aspekte der Musiktherapie. Wolfgang Strobel/Gernot Huppmann: „Musiktherapie“ (Göttingen 1978) ist stark historisch orientiert und die Bücher von R. Eine Einführung in psychosoziale und medizinische Berufe. die stark an der Diagnostik orientiert ist. Stuttgart). Heilpädagogik. bei Depression und im Strafvollzug.) informiert über die Schulen der Musiktherapie. Geschichte – Theorien – Methoden. bei psychosomatischen Erkrankungen. Petzold herausgegebene Buch „Musiktherapie in der klinischen Arbeit“ (Fischer. Göttingen 2000 bietet ebenfalls einen umfassenden Überblick. Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie. Praxis und Theoriestand.bis zu geriatrischer Therapie ebenso das 1997 von Lotti Müller und Hilarion G. Göttingen 1999 hat eine Theorie und Forschungspraxis vorgelegt.

Inge Nygaard Pedersen und Lars Ole Bonde herausgegebene Lehrbuch zur Musiktherapie (A Comprehensive Guide to Music Therapy. Richtungen. Clinical Practice.de“ 5 . es enthält in alphabetischer Reihenfolge ca. Richtungen und Methoden (Göttingen 2007) gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen vor: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet).und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Anwendungsgebiete.musiktherapie. London 2002) liefert einen kompletten Überblick über Geschichte. theoretische Grundlagen. Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft informiert über Musiktherapie auf einer Internet Homepage: „www. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die OrffMusiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung.2009 erscheint die Neuauflage des „Lexikon Musiktherapie“ (Hogrefe Verlag Göttingen) erschienen. 100 Beiträge von „Abwehr“ bis „Trance“ und ist das zur Zeit aktuellste Kompendium zur Musiktherapie. Kindermusiktherapie. Der von Stiff und Tüpker herausgegebene Sammelband Kindermusiktherapie. Das von Wigram. Forschungsansätze und Ausbildungsformen der Musiktherapie in Europa. die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner). Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel). eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. Research and Training. Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert).

Musikhören. Bilderleben. Massenmedien. Musikgeschichte. Kindertherapie. Bewußtseinsstruktur. Genuß. L Lautstärke. Neurologie. Islam. Esoterik. Notation. Musikwirkung. Ekstase. Dramatherapie. Erotik. Gesprächsführung. klassische Musik. DMVO. Sonstige Interessenten können dieses Angebot gegen eine Gebühr in Höhe von 5. Free Jazz. Erziehung. Katathymes Bilderleben. Kurzzeitmusiktherapie. Kommunikation. E F G Gamelan-Musik. Körperkontakt. Krebs. Afrika. Indien. Körperbehinderung. Forschung. Bewegungserziehung. Hirnphysiologie. Freizeitpädagogik. Musikpädagogik. Immunsystem. die sich in einen speziellen Bereich der Musiktherapie intensiver einarbeiten oder darüber eine Seminar-. morphologische Musiktherapie. Behinderte Kinder. Italien. Herz. Frauen. Epilepsie. Depression. interkulturelle Arbeit. Imagination.-. Jugendliche. Märchen.und Jugendpsychiatrie. Erwachsenenbildung. Gestalttherapie. I Identifikation. Gewalt. Körpertherapie. Bei mehr als sechs Stichwörtern schicken Sie uns bitte eine Diskette. Multimorbidität. Gehemmtheit. Dokumentation musiktherapeutischer Prozesse. graphische Notation. Hypermotorik. Altorientalische Musiktherapie. Dialog. Bulimie. Hölderlinstraße 3. integrative Musiktherapie. Folteropfer. Musikwissenschaft. Anthroposophie. Krankheitsbewältigung. fernöstliche Medizin. Gesetze. Eskimo. Dialyse. Adipositas. Gitarre. 6 . forensische Psychiatrie. Mutter-Kind-Interaktion. Israel. Musikpsychologie. Behinderung. Kunsttherapie. Gesundheit. Kindergarten. Mädchenarbeit. Für sie entstehen keine Kosten. Motivation. Kontrabaß. A B C Cello. Aggression. Es enthält Bücher (Artikel aus Sammelbänden werden einzeln aufgeführt). Jugendpsychiatrie. initiatische Musiktherapie. Koma. Ausdruckstherapie. Artikel aus Fachzeitschriften und „graue Literatur”. Frühgeborene. Morphologie. Cerebralparese. Musikmalen. Gestaltung. aktive Musiktherapie. Autismus. Manipulation. Das Literaturverzeichnis umfasst mehr als 7000 Titel und wird ständig aktualisiert und erweitert. Geige. Autoaggression. Alkoholabhängige. Gruppenpädagogik. Kindermusiktherapie. Indonesien. ästhetische Erziehung. Demenz. Indianer.oder Masterarbeit verfassen möchten. Heilpädagogische Musiktherapie. Angst. Grundschule. frühe Störungen.2 Literaturdienst Die Universität Siegen hat einen speziellen Literaturdienst für Musiktherapie und Soziale Arbeit eingerichtet: Dieser Service richtet sich zum einen an Studierende der Universität Siegen und die Teilnehmer der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung. Hospiz. Geburtshilfe. Assoziation. D Dänemark. Atem. Asthma. Ethik. Flüchtlinge. M Malen. Neben den Bibliographien nach DIN-Norm umfasst die Recherche bei einem Teil der Veröffentlichungen eine Kurzzusammenfassung. Kriegstrauma. Down-Syndrom. Gruppenimprovisation. Kreativität. geistige Behinderung. Medizin. Blutdruck. multimediale Arbeit. elektronische Musik. Hören. Didgeridoo. Neuseeland. Musikästhetik. Berimbao. Eltern. Morbus Huntington. K Kalimba. Alzheimer. China. Konsum. Neid. Intensivmedizin. Blasinstrumente. Bibliographie. MusikerInnen-Krankheiten. Lehrmusiktherapie. Chaos. Nordoff-Robbins-Musiktherapie. Australien. Jugendarbeit. Brasilien. Flöte. Großbritannien. Neurose. archetypische Klänge. Ästhetik. InstrumenJ Japan. Glocken. Narzissmus. Gruppenmusiktherapie. Bratsche. Hartmut Kapteina. Monocord. Belgien. Niederlande. Borderline. Musikschule. Ehe. Musikinstrumente. Logopädie. Manie. Familientherapie. Frankreich. Instrumentenbau. Intermusiktherapie Inzest. Lese-Rechtschreibschwäche. H Hauterkrankungen. Entspannung.€ (bitte als Schein der Literaturanfrage beifügen) in Anspruch nehmen. Melodie. Mutismus. Körpererfahrung. N Nachsorge. Drogenabhängige. Anthroposophische Musiktherapie. Bewegungstherapie. Frühförderung. intermediale Arbeit. Geburtsprozess. Beziehung. Hypnose talspiel. Musikethnologie. Berufsbild des Musiktherapeuten. Gegenübertragung. Amusie. Ausbildung. Audio-Psycho-Phonologie. Geschichte der Musiktherapie. Gerontopsychiatrie. Keyboard. Karibik. Lieder. Leier. richten Sie bitte einen schriftlichen Auftrag mit der genauen Beschreibung Ihrer Suchanfrage. Hirnschädigung. Komposition. Kopfschmerzen. Anorexia nervosa. Kinder. Anthropologie der Musik. Gruppentherapie. Kuba. Dyskalkulie. Griechenland. Geburtsvorbereitung. Universität Siegen. Altenarbeit. Heilritual. Entwicklungspsychologie. Aids. Neue Musik. Klang. Einzelmusiktherapie. musikalische Früherziehung. Conga. Musikalische Gestaltung. Diagnostik. Kontakt. Anaesthesiologie. Gong. Wenn Sie unsere Dienstleistung der Literaturrecherche nutzen möchten. Hörgeschädigte. NLP. Musiksoziologie. Autogenes Training. Geriatrie. Norwegen. Diplom-. Autonomie. Klavier. Klangschalen. Evaluation. Mallet-Instrumente. Adorno. Bachelor. Drogenabhängigkeit. 57068 Siegen. unter Verwendung nachfolgender Stichworte an: Prof. Afrikanische Musik. Improvisation. Eßstörungen. feministische Therapie. Ligeti. Lernbehinderung. Multiple Sklerose. Kunst. Meditation. Heilpädagogik. Musikerleben. Jazz. Heimerziehung. Kanada. Indikation. Gestaltungstherapie. Computermusik. Linkshändigkeit. Emotionalität.

Theater. Südafrika. Psychoanalytische Musiktherapie. Psychotherapie Q Qualitätssicherung. Tomatis. Transzendenz. Schwerst-Mehrfachbehinderung. Selbstmanagement-Therapie. Psychose. Sonderpädagogik. X Xylophon. Z Zahnmedizin. Sterbende. Schweden. Spiel. Tinnitus. Sprachstörung. Supervision. Psychoanalyse. Trauer. Psychiatrie. Streichinstrumente. Posaune. sexueller Missbrauch. Volkstanz. psychische Krankheit. Obertöne. Regression. Schwangerschaftsabbruch. Vibraphon. Ocean-Drum. Psychodrama. systemische Therapie. Sozialpsychologie. Skandinavien. Schwirrholz. Schlagzeug. S T U Ungarn. Videofilme zur Musiktherapie. W Wahrnehmung.O Obdachlose. Sprachentwicklung. TZI. pränatal. Psychopathologie. Wahrnehmungsförderung. rezeptive Musiktherapie. Schlitztrommel. Prozesse. Schizophrenie. Unterhaltungsmusik. Y Yoga. Perkussionsinstrumente. R Rassel. Rockmusik. Tibet. Verhaltensauffälligkeit. Sexualität. szenisches Spiel Tamtam. Strafvollzug. Verhaltenstherapie. Zwangserkrankungen. Tanztherapie. Singen. Utopie. V Vegetativum. Schamanismus. Vorschulerziehung. 7 . Trommel. Trance. Prävention. Selbstwahrnehmung. Singeleitung. Zeit. Tod. Religion. Sucht. Sozialpsychiatrie. Schweiz. Stress. Suchtprävention. Werbung. Synthesizer. Stille. Politik. Rheuma. Pogrammusik. Säuglinge. Shruti-Box. Poesie. Theorie der Musiktherapie. Widerstand. Polen. Psychosomatik. Rhythmus. Regulative Musiktherapie. Psychologie. Stimme. Schlaganfall. Schmerz. Rehabilitation. Spielesammlung. Suchttherapie. Orff. Parkinson. Österreich. P Paartherapie. Übertragung. Philosophie. USA. Vibration. Traum. Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Trauma. Symbol. Rollenspiel Sansa. Videoarbeit. therapeutische Beziehung. Tanz. Ritual. Spiritualität. Suizid. Türkei. Sozialmusiktherapie. Rhythmik. Ostdeutschland. Psychomotorik. Schule. Sehbehinderung.

Wie in den USA so verlief die Entwicklung der Musiktherapie auch in den europäischen Ländern so. Rehabilitation. 1): Musiktherapie ist der Einsatz von Musik. nach der Musiktherapie als der gezielte Einsatz von Musik bei Behandlung.). Clinical Practice. vor allem wenn sie neben ihrem Unterhaltungswert entdeckt haben. um die geistige. 82). um Probleme in der Kommunikation zu überwinden. einer der modernen MusiktherapiePioniere als „Free Improvisation Therapy“.Vereinigung: Musiktherapie sei der gezielte Einsatz von Musik. FLESHMAN & FRYREAR 1981. Für sie ist der Komponist Strawinsky einer der bedeutendsten Komponisten des 20ten Jahrhunderts. gilt (vgl. BUNT 1998). 59) und die sich innerhalb des kreativen Verlaufs einer therapeutischen Beziehung entwickeln. die bestimmte soziale. wie Klienten die Musik benutzen. psychische und physische Gesundheit wieder herzustellen. dass zunächst die Betonung auf der Musik lag und die Rolle des Therapeuten vernachlässigt wurde. Ähnlich orientiert ist BRUSCIAS Definition der Australischen Musiktherapie .172). wie Musik zur eigenen psychischen Stabilisierung beiträgt. S. bei dem die Therapie an Kindern und Erwachsenen vollzogen wird. emotionale.Die Definition verfolgt insgesamt einen eher therapeutenzentrierten Ansatz. atonalen Klängen und asymmetrischen Rhythmen „die Tür für die Entwicklung der Freien Improvisationstherapie öffnete. der mit den überlieferten musikalischen Gesetzen der Harmonielehre. und schließlich pendelte sich das Selbstverständnis der Musiktherapie irgendwo zwischen den beiden Extremen ein (vgl. In der Musiktherapie versuchen wir. über Musik Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. Diese verschiedenen Schwerpunkte bestimmen die Diskussionen weiterhin auf nationaler und 8 . Sie hebt die Bedeutung der Psychoanalyse von Sigmund Freud für die Musiktherapie hervor. psychischen und emotionalen Störungen leiden. um therapeutische Ziele bei Kindern und Erwachsenen zu erreichen. 1975. London 2002. weil Musik die Kraft besitze. der amerikanischen Musiktherapie .4). des Kontrapunktes und der Formenlehre brach und mit der Akzeptanz von Dissonanz. Aspekte des Unbewussten zum Vorschein zu bringen. die durch Musiktherapie bewirkt werden (vgl. Jede denkbare Art von musikalischer Aktivität kann verwendet werden. Über viele Jahre galt als Standard der britischen Musiktherapie die Definition von Juliette ALVIN. Improvisation wird total frei behandelt. Wir können beobachten. Andere Definitionen heben Verhaltensänderungen hervor. sodann wurde die Musik zugunsten der therapeutischen Beziehung vernachlässigt.3 Definition der Musiktherapie Für viele Menschen ist die Verbindung zwischen “Musik“ und “Therapie“ offensichtlich. (NORDOFF & ROBBINS 1986). musikalische Vorkenntnisse und instrumentale Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt und der Therapeut gibt keine wie auch immer geartete Regeln oder musikalische Strukturen vor (vgl.Vereinigung im Vordergrund (1980. Inge NYGAARD PEDERSEN und Lars Ole BONDE (A Comprehensive Guide to Music Therapy. Auf diese Weise kommen sie in Kontakt zu ihren eigenen Ressourcen und Stärken. in der Klienten und Therapeuten ohne vorgegebene Regeln frei spielen und ihren persönlichen Charakter zum Ausdruck bringen können“ (131). Klient und Therapeut bestimmen gleichberechtigt über die musikalische Situation. Der Mensch könne sich selbst in seinen musikalischen Produkten erkennen. 1989. und Erziehung von Kindern und Erwachsenen. zu erhalten und zu verbessern. körperliche oder intellektuelle Probleme haben (vgl.130-134) beschreiben die Musiktherapie von Juliette ALVIN. die an physischen. ebd. Tony WIGRAM. Auch ALVIN betont: “Erfolg oder Versagen der Musiktherapie hängen sowohl von menschlichen wie musikalischen Faktoren der Beziehung ab” (1975. Research and Training. Therapeutische Ziele stehen auch Definition des NAMT.

50). anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen” (KASSELER KONFERENZ. “die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. In Großbritannien standen Musik und Musiker als Musiktherapeuten immer im Mittelpunkt der Überlegungen. Musiktherapie kann also als gezielter Einsatz von Klängen und Musik in einer sich entfaltenden Beziehung zwischen Klient und Therapeut definiert werden mit dem Ziel. Das musikalische Material eignet sich. soziale und emotionale Wohlergehen zu fördern (BUNT 1998.). auch KENNY 1982. der Musikwissenschaft und der Pädagogik.internationaler Ebene. wird es immer wichtiger. International bestehen unterschiedliche Ausbildungsstandards mit unterschiedlichen akademischen und berufsrechtlichen Abschlüssen. in dem sich über gemeinsame musikalische Erfahrungen eine gegenseitige Beziehung zwischen Klienten und Therapeuten bildet. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren. gemeinsame Grundlagen und international anerkannte Standards zu entwickeln. Jedenfalls aber liegt die besondere Leistung der Musiktherapeuten in der “Bereitschaft und Fähigkeit zuzuhören” (STEELE 1988. Ärzten und Pädagogen ausgeübt. KASSELER THESEN MUSIKTHERAPIE als “eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin“ gekennzeichnet. S. APMT 1990). was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird. die ermöglicht. Der brasilianische Musiktherapeut BENENZON meint. BUNT 1998.und Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. dass sich sowohl aufseiten des Klienten als auch im therapeutischen Prozess selbst Veränderungen ereignen (vgl. verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen. Insofern stellt Musiktherapie einen Kontext her. Manche Studiengänge lassen nur Musiker mit Hochschulabschluss und langjähriger Praxiserfahrung zu.und Kulturgeschichte unterschiedliche Definitionen für Musiktherapie entwickeln und die jeweiligen Besonderheiten ihres Gesundheitswesen berücksichtigen. geistige. Erlebnis-. Hinzu kommt die Fähigkeit.6). insbesondere der Medizin. Symbolisierungs.” Sie ist “Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind” und insofern “an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden” sind. etwa im Rahmen der Europäischen Union. 18). Die Vertreter der wichtigsten musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland haben 1998 in den sog. nicht aber notwendigerweise ausgebildeter Musiker sein muss (vgl. systemischen. Rezeption.1981. 1998). In anderen Ländern wird Musiktherapie von Musikpsychologen. “die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. das körperliche. die Musik wird von ihnen eher als Mittel einer anderen psychotherapeutischen Methode. An ihm können sich Wahrnehmungs-.3). musikalisch und emotional zu begleiten und differenzierte Interaktionen im klanglichen und psychischen Geschehen zu gestalten (vgl. der “den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen” ermöglicht. andere bilden Studenten direkt nach der Schule aus. der Psychologie. 17f. Dabei werden verschiedene Länder entsprechend ihrer jeweiligen Musik. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. eher als Teil eines übergeordneten Behandlungsansatzes denn als eigenständige therapeutische Intervention angesehen (vgl.” Der Begriff Musiktherapie wird verstanden als “summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen. den Gesellschaftswissenschaften. In der musiktherapeutischen Beziehung wird Musik als subjektiver Bedeutungsträger verstanden. Literatur: 9 . Mit der internationalen Ausweitung des Berufes. dass ein Musiktherapeut als solcher besonders ausgebildet sein muss.” Die verschiedenen “musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen.

K. T.: Music Therapy.E. C. Springfield. Atuscadero.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen. C. The Magic of Music Therapy.: Music Therapy Manual. 232-235 KENNY.O. London 1975 BENENZON. & ROBBINS. B. I. Research and Training.. O. Pennsylvania 1989 BUNT. Weinheim 1998 FLESHMAN. Journal of British Music Therapy. Musiktherapeutische Umschau 1998.: Schöpferische Musiktherapie.ALVIN.: The Arts in Therapy. Spring City. Illinois 1981 BRUSCIA. Jena 1969 STEELE. California 1982 NAMT (National Association of Music Therapy): Broschüre zur Berufslaufbahn 1980 NORDOFF.: The Mythic Artery. R. Clinical Practice. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. P. Stuttgart 1986 WIGRAM.: Defining Music Therapy. 2/1988 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. Chicago 1981 KASSELER KONFERENZ MUSIKTHERAPEUTISCHER VEREINIGUNGEN IN DEUTSCHLAND: Thesen zur Musiktherapie. The wounds that Sing. 246 10 . London 2002. J.L. London 2000. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe.: Musiktherapie. L. & FRYREAR.: A Comprehensive Guide to Music Therapy. SCHWABE. P. L. C. NYGAARD PEDERSEN. J.: Forward. und BONDE.

“ Daraus würde sich für die Musiktherapeuten die Aufgabe ableiten. welche in einem ständigen Energiefluss improvisierend auf innere und äußere Anforderungen des täglichen Daseins treffen. wird dieser Körper zur Reparatur gebracht. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst. „dass der Mensch gleich einem Musikstück komponiert ist. da die einzelnen Aussagen einander bedingen und ergänzen.) Improvisation – Therapie – Leben. Dieser besteht in Aussagen zu theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen der Musiktherapie. Jeder von uns hat ein kompositorisches Thema – seine Identität – und diese stellt ein Repertoire an Möglichkeiten des Seins dar. in denen ebenfalls Musik eingesetzt wird. und nach entsprechender Behandlung ist der Defekt behoben. einen schulenübergreifenden Konsens zur Musiktherapie herbeizuführen. Ist jemand krank. auch in Be1 11 .3. in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie. Wir sind in der Welt als biologische. Ausbildungsschwerpunkten. der Musikwissenschaft und der Pädagogik. Die Thesen können nur in ihrer Gesamtheit verstanden werden. Die Dynamik der fachlichen und verbandspolitischen Auseinandersetzung zur Erarbeitung der Kasseler Thesen wurde maßgeblich vorangetrieben durch die Begegnung der historisch gewachsenen ost. Antje (Hrsg. insbesondere der Medizin. Dieser Prozess markiert den Beginn einer auf Integration und Kooperation ausgerichteten Entwicklung zwischen den VertreterInnen der unterschiedlichen Musiktherapierichtungen in Deutschland.und westdeutschen Fachtraditionen. These 3 Ausgehend von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis1 ist Psychotherapie wissenschaftlich fundierte Behandlung mit psychologischen Mitteln. Mit diesem Repertoire gehen wir in die Welt und passen es immer wieder improvisierend den augenblicklichen Erfordernissen des Lebens an. Das bio-psycho-soziale Menschenbild und Krankheitsverständnis verdeutlicht David Aldridge in seinem Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. Die darin enthaltenen Festlegungen lassen Raum für die unterschiedlichen musiktherapeutischen Konzeptionen und geben gleichzeitig eine verbindliche Basis für die Qualitätssicherung.1 Kasseler Thesen zur Musiktherapie Präambel Mit den vorliegenden Thesen haben die VertreterInnen der oben genannten acht musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland den Versuch unternommen.“ Diesem „iatromechanischen Menschenbild“ setzt Aldridge entgegen. den Gesellschaftswissenschaften. indem sie „– im übertragenen und wörtlichen Sinne – dieses ‚Improvisations-’ Repertoire erweitern. Die Kasseler Thesen dienen einem gemeinsamen berufspolitischen Vorgehen zur Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die Ausübung von Musiktherapie. konzeptionellen Voraussetzungen und Anwendungsbereichen. These 1 Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin. Sie gehört zum Bereich der Medizin und hat dort eine integrative Funktion. Crossen 2005. 473-487) mit dem Vergleich zwischen einer Symphonie und einer Maschine: „Eine geläufige Metapher für Heilung in der modernen Kultur setzt den Körper mit einer Maschine gleich. der Psychologie. Ulrike und Stolz. den Patienten solche Anpassungsprozesse zu erleichtern. Musiktherapie näher zu definieren erfordert Aussagen zum zugrunde liegenden Psychotherapiebegriff und Musikbegriff. Musiktherapie bietet als kreativ gestaltendes Therapieverfahren „die Möglichkeit. These 2 Der Begriff „Musiktherapie” ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen. Gleichzeitig implizieren sie eine Abgrenzung zu anderen therapeutischen Verfahren. die in enger Wechselbeziehung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht. wenn das Leben durch einen unglücklichen Umstand erheblich gestört wird“ (474). um so auf umwälzende Veränderungen zu reagieren. psychologische und soziale Organismen. die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind. oder auch ein neues Repertoire zu entwickeln.

zeitstrukturierendes Geschehen ist sie Artikulation menschlichen Erlebens mit Ausdrucks. Zu „Artikulation”: Diese Artikulation ist nonverbal und präverbal. Als akustisches. die im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte. Das musikalische Material eignet sich. andere Zugänge sind aber ebenfalls abgedeckt. Zu „zeitstrukturierend”: Musik beinhaltet Erfahrungen von und mit Zeit. Wir können hören. sozialer – und gesellschaftlich . Symbolisierungsund Beziehungsfähigkeit des Individuums entwickeln. was zum Ausgangspunkt für weitere Bearbeitung genommen wird. den dynamischen Prozessen der Dyade. These 6 ziehung zu einer anderen Person zu hören.und Sozialwesens einzustellen vermag. Klänge und Geräusche in übergreifende rhythmische. psychischer. melodische und harmonische Strukturzusammenhänge gebracht. Zu „Schall”: Schall ist die Bezeichnung für alle hörbaren Schwingungsvorgänge und schließt die Begriffe Ton und Klang als Phänomene universaler harmonikaler Gesetzmäßigkeiten und den Begriff Geräusch mit ein. Daraus ergibt sich ein System von Methoden. Rezeption. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt. 12 . Auch das Verständnis der Musik als präsentatives Symbolsystem ist darin enthalten (Maria Becker in: Lexikon der Musiktherapie 1996. Keine psychotherapeutische Methode oder Technik folgt einem monokausalen Wirkprinzip. Produktion und Reproduktion von Musik setzen intrapsychische und interpersonelle Prozesse in Gang und haben dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Funktion. Leipzig 1978) oder ästhetische (z. Verstehen und im Handeln des Patienten. zur Ethik und zum Krankheitsverständnis beinhaltet. sofern diese vom Rezipienten als bedeutsam wahrgenommen werden. Erkennen.Psychotherapie beruht auf einem jeweils zu definierenden theoretischen Konzept. Psychotherapie begründet sich in der Konstituierung des therapeutischen Settings und ist an die Entwicklung einer therapeutischen Beziehung gebunden. An ihm können sich Wahrnehmungs-. Somit ist das Erscheinungsbild psychotherapeutischer Methoden theorie. Dieser Vorgang ist Grundlage aller künstlerischen Schaffensprozesse in der Musik. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut“ (485).kultureller Bedingungen und ist dort wirksam und bedeutsam. Mukarowský. wie semiotische (Christoph Schwabe: Methodik der Musiktherapie. mit dem sie sich auf die therapeutischen. dem Enkulturationsprozess und der aktuellen Situation stehen. rehabilitativen und präventiven Gebiete des Gesundheits. spiritueller. These 4 Musik ist vom Menschen gestalteter Schall. das methodischdidaktische Therapeutenverhalten. Lucács). Erleben.B. 1 Zu „gestaltet”: Bei der musikalischen Gestaltung werden Töne. Erlebnis-. 230).1 Sie befindet sich im dialektischen Spannungsfeld individueller – körperlicher. den Umgang mit der Gruppendynamik bzw. die Zielsetzung. das Aussagen zum Menschenbild. Musik wird zum subjektiven Bedeutungsträger über den Prozess des Wiedererkennens interiorisierter Erfahrungen. Die Wirksamkeit der Psychotherapie entfaltet sich im Wahrnehmen. These 5 In der Musiktherapie ist Musik Gegenstand und damit Bezugspunkt für Patient und Therapeut in der materialen Welt. Gestaltung schließt auch unbeabsichtigte Schallereignisse ein.und Kommunikationsfunktion. Ressourcen zu aktivieren und individuell bedeutsame Erlebniszusammenhänge zu konkretisieren.und kontextabhängig insbesondere im Bezug auf die Indikationsstellung.

B. systemischen.V. • • • These 8 Voraussetzung für die Anwendung von Musiktherapie ist eine syndromatologische und eine therapieprozessbezogene musiktherapeutische Diagnostik. (DMVO) Sektion des Berufsverbandes für Anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT) Verein zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie e. supervidierte Praktika im Berufsfeld. erziehungswissenschaftliche und andere Grundlagen Musikpraxis (therapeutisches Handeln mit musikalischen Mitteln).235 1 Der Begriff „Ansätze” beinhaltet Theoriebildung und zugehörige Handlungskonzepte.V. Daraus leiten sich Indikationsstellung und Zielformulierung ab. Jugendliche und Erwachsene. in psychotherapeutischen Spezialkliniken für Kinder. 232 . 13 . medizinische. in somatischen Fachkliniken) im rehabilitativen Bereich (z.B. (DBVMT) Berufsverband Klinischer Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e. Jugendliche und Erwachsene. in Fördereinrichtungen für psychisch.V. Theorie und Methodik musiktherapeutischer Konzepte und deren anthropologische. These 10 Die Ausbildung von MusiktherapeutInnen umfaßt: • • • • einen Schwerpunkt in musiktherapeutischer Selbsterfahrung in Bezug auf den Umgang mit Musik. Juli 1998 Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie e. Kassel. (DGMT) Deutscher Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten e.V. und Erwachsenen in allen Lebensabschnitten) und in freier Praxis. (BKM) Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung Ost e. verhaltenstherapeutischlerntheoretischen.und Gesundheitswesens durchgeführt: • im klinischen Bereich (z. den 04. Jugendlichen.B. musikwissenschaftliche.V.1 These 7 Musiktherapie wird in Institutionen des Sozial . Das Wesen der musiktherapeutischen Diagnostik liegt in der Beschreibung der musikalischen Phänomene und ihrer Verbindung zu körperlichen. in ambulanten psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen) im präventiven Bereich (z. S. in der prophylaktischen und metaphylaktischen Arbeit bei Kindern.Musiktherapeutische Methoden folgen tiefenpsychologischen. geistig und/oder körperlich behinderte Kinder. in stationären und semistationären Kliniken. These 9 In der Musiktherapie werden spezifische Dokumentationsverfahren zur Therapieevaluation und zur wissenschaftlichen Forschung verwandt. Bundesarbeitsgemeinschaft der staatlich anerkannten Musiktherapieausbildungen (AMA) Ständige Ausbildungsleiter-Konferenz privatrechtlicher musiktherapeutischer Ausbildungen (SAMT) Veröffentlicht in Musiktherapeutische Umschau 1998. der eigenen Emotionalität und interaktionellen Prozessen. seelischen und sozialen Vorgängen. anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen.

Psychologie. psychologische und soziale Lehrinhalte / Kenntnisse in Medizin. Erkennen von Möglichkeiten. Psychotherapie und sozial-rehabilitative Sachverhalte musiktherapeutische Fertigkeiten und Wissen o theoretisch. der zur Anerkennung des Berufes noch zu leisten ist. November 2004. sind den Delegierten Rückmeldungen innerhalb des nächsten Jahres willkommen! 1. Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o klinisches Training / Praktika und supervidierte praktische musiktherapeutische Arbeit ethische Prinzipien und Forschung / Weiterentwicklung der musiktherapeutischen Konzeptionen 14 . Grundlage waren die vorher formulierten Sichtweisen aller Verbände anhand von vierzehn (14) für wesentlich gehaltenen Stichpunkten.und methodische Ansätze der Musiktherapie allgemein und in verschiedenen Praxisfeldern Wissen über musiktherapeutische Interventionsmöglichkeiten eingehende Kenntnisse in der Theorie und Methodik der gelehrten musiktherapeutischen Konzeption interdisziplinäre Teamfähigkeit einschließlich Dokumentation und Repräsentation o o o Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z.3. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus AMA. Folgende inhaltliche Schwerpunkte sind verbindlich für alle Ausbildungen: musikalische Fertigkeiten und Wissen / professionelle Verfügbarkeit musikalischer Mittel in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen biologische. SAMT und den Verbänden möchten mit diesen Konsensformulierungen einen konstruktiven Beitrag in alle musiktherapeutischen Felder hinein leisten. Angesichts des Weges.B.B. Personelle Voraussetzung für die Berufsausübung Voraussetzung für die Ausübung des Berufes des Musiktherapeuten ist eine abgeschlossene Ausbildung auf der Grundlage konsensualer Standards. Die "Thesen der Kasseler Konferenz zur Musiktherapie" erwiesen sich in der Diskussion erneut als wertvolle grundlegende Verständigungsbasis. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z.2 Kasseler Thesen zum Berufsbild der Musiktherapeuten 2005 Erste Konsensbildung zum Berufsbild Eine verbandsübergreifende Arbeit der Kasseler Delegierten Wegen seiner zentralen Bedeutung widmeten 15 Verbandsdelegierte unter der Gesprächsleitung eines Moderators dem Thema "Berufsbild für Musiktherapeuten" nach längerem Vorlauf eine eintägige Diskussion am 6. Entwicklungspsychologie.

Ethik MusiktherapeutInnen sind der Einhaltung des Ethikkodexes der KK verpflichtet (worüber eine gemeinsame Ethikkommission wacht). Aufgaben In Abhängigkeit vom Handlungsauftrag wird der Ist-Zustand benannt.und Gruppentherapien statt. Vorgaben der Berufsverbände sind zu beachten. Wirtschaft). Eingangsvoraussetzungen für die Ausbildung Mindestvoraussetzung 3-jähriger Fachschulabschluss mit Berufstätigkeit / Fachhochschulreife musikalisch-musiktherapeutische Eignung o musikalische Eignung: musikalische Fähigkeiten im Sinne persönlich und freier Ausdrucksmöglichkeit mit differenzierter ausbildungsbezogener Orientierung musiktherapeutische Eignung: psychische und physische Belastbarkeit. musiktherapeutisch. Therapien finden in Einzel. Netzwerke) in Forschung. angemessene Selbstdarstellung.und Beratungswesen (z. Evaluation. 7. Lehre und klinischer und beratender Praxis und in Wechselwirkung mit äußeren Rahmenbedingungen.a. Weiterbildung ist nicht verpflichtend und liegt im Bereich der eigenen Entscheidung. rehabilitativen und präventiven Bereich tätig.B. Bildungs. Rollenflexibilität. 6. 8. 9. Ausgehend davon werden Handlungsziele und –Konzepte entwickelt.2. Fortbildung Fortbildung soll regelmäßig sowohl fachspezifisch (d. Dabei muss das Handlungskonzept reflektiert und dem Entwicklungsprozess angepasst werden. Fortbildung kann verlangt werden und ist in vielen Arbeitszusammenhängen sogar verpflichtend. und arbeiten übungszentriert/funktional. Weiterhin sind sie in Forschung. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Motivation zur Arbeit an sich selbst.und Gestaltungsfeld ermöglicht Veränderung. medizinisch. Spezifische Merkmale Musik als zentrales Wahrnehmungs-. Evtl. Umgang mit Aggressivität. Tätigkeitsfelder Musiktherapeuten sind im kurativen.) stattfinden. Fähigkeit zu Selbstreflexion. 15 . Flexibilität und Spontaneität bei eigener Kontinuität. Frustrationstoleranz. 4. Begründung: Fortbildung und Weiterbildung sind zwei grundverschiedene Sachverhalte. Erlebnis. Organisation. Auch das soziale Umfeld kann mit einbezogen werden. sozial u. Berufsentwicklung Der Beruf entwickelt sich zu Eigenständigkeit durch qualitätssichernde Maßnahmen (Dokumentation. Reifung und Wachstum. sowie Nähe-Distanz-Regulierung. Berufsfelder Musiktherapeuten arbeiten institutionell gebunden oder selbständig in den Berufsfeldern Gesundheitsund Sozialwesen. erlebniszentriert/kreativ und konfliktzentriert-aufdeckend. Empathiefähigkeit o 3. Begegnungs-.h. psychotherapeutisch. 5. künstlerisch) als auch in ergänzenden Bereichen (menschenkundlich.

und /oder klientenbezogene Supervision wahrgenommen werden.und Beratungswesen. inhaltlicher und institutioneller Fragen sowie der Reflexion der Therapeutenpersönlichkeit und seiner Handlungskompetenzen zum Zwecke der Sicherstellung einer qualifizierten musiktherapeutischen Behandlung.10. 14.und Bildungswesen um den nonverbalen und kreativtherapeutischen Ansatz bereichert. mindestens vergleichbar ist.und/oder Gruppensupervision. auch Punkt 1: Förderung persönlichen Wachstums in Form von fundierter Selbsterfahrung auf der Basis verschiedener psychotherapeutischer Konzeptionen o Vermittlung von Kenntnissen über den musiktherapeutischen Prozess durch eigenes Erleben (z. Selbsterfahrung Für den Bereich „Selbsterfahrung“ s.B. Sie dient der Reflexion konzeptioneller. wird erreicht in privatrechtlichen Ausbildungen und staatlichen Studiengängen. Menschenbild Musiktherapie versteht den Menschen in einem humanistischen Sinne als bio-psycho-soziales Wesen in einem ökologischen und gesellschaftlichen Kontext. 12. Supervision Supervision soll regelmäßig in Form von Einzel.B. 13. als Team. Vorgaben der DGSv und/oder der Berufsverbände sind zu beachten. Erkennen von Möglichkeiten. Forschung. der das bestehende Gesundheitswesen sowie das Sozial. Evtl. didaktischer.und Sozialwesen. 16 . 11.und Ausbildungssystems Der Beruf wird verstanden als eigenständiger Heilberuf.A. Standortbestimmung innerhalb des Gesundheitswesens und innerhalb des bundesweiten Berufs. der dem B. Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz Interdisziplinäre Kooperations-Kompetenz zeigt sich in der Teamfähigkeit mit kooperierenden Fachdisziplinen (Gesundheits.und EMTC-Vorgaben statt. Der Berufsabschluss. Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit). Behinderungen und Grenzen der eigenen Handlungskompetenz Umgang mit Musik in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen o o Realisation in Dyade und / oder Gruppe Die Quantifizierung findet unter Berücksichtigung der Berufsverbands. Bildungs. methodenbezogene Selbsterfahrung) persönlichkeitsbezogene Selbsterfahrung (z. Sie setzt das Erkennen der eigenen Grenzen und Respekt vor Arbeitsweisen anderer sowie Transparenz im Darstellen der eigenen Tätigkeit voraus.

3 Zur Abgrenzung zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik Björn Tischler schlägt die folgende Übersicht vor.3. um das Schnittfeld zwischen Musiktherapie und Musikpädagogik zu erfassen: 17 .

wenn wir Musik hören? Überblick 1. politische Aspekte 16.. kognitive Aspekte 15. Musikhören als Akt ästhetischer Aneignung 14. tiefenpsychologische Aspekte 12. soziale Aspekte 13. und Tieren schädliche Wirkungen beim Menschen Biophysik des Musikerlebens neurophysiologischephysiologische Vorgänge beim Musikhören Körperreaktionen emotionale Reaktionen wahrnehmungspsychologische Aspekte 10. 4. Musikwirkung bei Pflanzen .4 Was geschieht. 3. 5. 8. 6. 9. musikspezifische Zeiterfahrung 11. Zur Physiologie des Hörvorgangs 2.. 7. religiöse und spirituelle Aspekte 18 .

101). Thaut (Wie lassen sich die Wirkungen von Musik auf das Nervensystem therapeutisch nutzen? In: Ralph Spintge (Hrsg. der zufolge „das menschliche Ohr nicht nur als Empfänger sondern auch als Sender“ von Klängen fungiert. Augustin 2007. über die Stanislav Grof (Abenteuer der Selbstentdeckung. Nervensyst. dass die Vibrationen des Trommelfells auf die Gehörknöchelchen (Hammer. bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird. wobei Trommelfell und Gehörknöchelchen die Funktion eines Anpassungs. „Tief aus dem Schneckengang schallt es in Richtung Trommelfell. 49-56) hebt die die erstaunliche Reaktionsschnelligkeit der „mechanisch empfindlichen Haarzellen des auditorischen Systems“ hervor: „Sie antworten im innerhalb von Mikrosekunden. Amboß. Dabei nutzten sie das Phänomen der otoakustischen Emission (OAE).): Musik im Gesundheitswesen. Diese Auffassung scheint die Erkenntnis von Zucarelli zu stützen. 19 .1 Anmerkung zur Anatomie des Hörvorgangs Der Hörvorgang kann als vierfacher Transformationsvorgang schwingender Moleküle beschrieben werden: Akustische Vibration Außenohr Ohrmuschel Gehörgang Mechanische Vibration Mittelohr Trommelfell Ohrknöchelchen Flüssige Vibration Innenohr Cochlea Vestibulärsystem Neuronale Energie Hörnerv Gleichgewichtsnerv Zentr. Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. verstärken eintreffende Schallwellen und übertragen sie auf die inneren Haarzellen“ (Bild der Wissenschaft Heft 12.und Ausgleichssystems erhalten (Alfred Tomatis 1987. sie erzeugen selber Töne. Dieser ‚Rückschall’ erlaubt heute die präzise Messung der Hörfunktion. im Gegensatz biochemisch aktivierten Sinneskanälen z. München 1987. geht Tomatis (s. Während man generell davon ausgeht. Die Emissionen spiegeln exakt die Sinnesverarbeitung im Innenohr wider. S. Michael H.) davon aus. Diese Theorie ist neuerdings durch Forschungen an der Technischen Universität München belegt worden. wonach die Ohren von Wirbeltieren und den Menschen nicht einmal bei völliger Stille ihre Ruhe haben. 21). Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden. Steigbügel) übertragen werden und von dort über das ovale Fenster die Innenohrflüssigkeit in Schwingung versetzen. 1989. S. die das Gehör über Nervenzellen mit dem Gehirn verbinden. dass der Schall im wesentlichen über die Vibration der Schädelknochen übertragen wird. S. Funktion der äußeren Haarzellen ist: „sie erzeugen die mysteriösen Emissionen. 233 f. die in Millisekunden-Bereichen ansprechen“ (51). Bedeutung und Möglichkeiten musikmedizinscher und musiktherapeutischer Ansätze.B. dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten und dass umgekehrt im rechten deutlich Sprache stärker verstärkt werde. St. im visuellen System.u. 137).4.) berichtet. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen. Details der Untersuchung sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005.“ In der Schnecke gibt es innere und äußere Haarzellen (Corti-Zellen). die inneren machen nur ein Viertel aus „und doch sind vor allem sie es.

WEBER (2001, 422) weist darauf hin, dass Basilarmembran auf der dem ovalen Fenster zugewandten Seite schmal und unelastisch ist und im weiteren Verlauf breiter und elastischer wird. Daher müssen die Wanderwellen, die sich in der Cochlea bilden, vom Beginn der Schnecke an bis zu ihrem Ende eine bestimmte Form annehmen, die jeweils an einer Stelle eine maximale Amplitude aufweist. Dort ist die Reizung der Haarzellen am stärksten. Das Gehirn wertet diese Information aus, indem es Lautstärke, Tonhöhe und Dauer des Schallreizes rekonstruiert. Joachim Ernst Berendt schreibt dazu: „Wir haben etwa zweimal 18000 Haarzellen in unseren Innenohren. Prof. Spreng von der Universität Erlangen hat unter dem Elektronenmikroskop erkannt: Sie stehen da ausgerichtet nebeneinander in mehreren Reihen (...). Wenn eine Zelle durch den Ton angesprochen wird, richtet sie sich auf“ und leitet den Impuls an das Gehirn weiter. „Das interessante ist dies: Nicht nur die Zelle des Grundtones richtet sich auf, sondern auch die Zellen der Obertöne (...). Spreng sagt: Es sieht so aus als warteten sie schon darauf, dass auch sie angesprochen werden. Als machten sie sich bereit –in den Tausendstel Mikrosekunden, auf die es hier ankommt-, weil sie wissen: Jetzt komme ich an die Reihe. Das heißt also: Unser Ohr will harmonikal hören.“ Es sei „etwas Muskelartiges“ in den Hörzellen, und „H.P. Zenner von der Universität Tübingen und andere Forscher haben diese kleinsten Muskeln nachgewiesen. Muskeln haben mit Willen zu tun, in diesem Fall deutlich mit Willen zum Aufnehmen der Schwingungen möglichst in harmonikalen Abläufen. Es ist ein „Wille“ von immerhin fast 30000 kleinsten mikro-Muskeln im Kern unseres Hörvorgangs“ (1996, 368 f). Die neuro-physiologische Verarbeitung von Hörreizen beschreibt auch Juliane Ribke in ihrem Buch „Elementare Musikpädagogik. Persönlichkeitsbildung als musikerzieherisches Konzept“ (Regensburg 1995, S. 67-90); es würden sich im Laufe der prä- und postnatalen Kindesentwicklung eine „sensorische Urmatrix“ entwickeln, die eng mit einer psychischen verbunden ist; aus dieser neuro-physiologischen Gesamtschau entwickelt sie das Konzept einer ganzheitlichen Musikpädagogik (s.S.96). Weitere Informationen in dem Beitrag von Karl Heinz Plattig im Handbuch Musikpsychologie, herausgegeben von Herbert Bruhn u.a. (Reinbek 1993, S. 613 ff) Eine umfassende und grundlegende Einführung in die vielfältigen Aspekte des Hörens gibt das Buch: Jürgen Hellbrück: Hören. Physiologie, Psychologie und Pathologie, Göttingen 1993; interessant zu lesen und etwas populärwissenschaftlich und esoterisch geprägt ist das Buch: Joachim-Ernst Berendt: Das dritte Ohr. Vom Hören der Welt, Reinbek 1985 ders.: Das Leben – ein Klang, München 1996 Die ersten Kapitel aus dem Buch Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht“, Heidelberg 1998 beschreiben sehr detailliert den Hörprozess und vor allem auch die äußerst komplexen Steuerungsmechanismen, mit denen sich das Ohr vor Schallüberflutung schützt. Muskeln an den Gehörknöchelchen versteifen sich bei zu hoher Schallenergie und verhindern so die Überlastung des Innenohrs (S. 29 f). Diese Muskeln dämpfen auch die Wahrnehmung der eigenen Stimme (S. 34 f). Im Innenohr gewährleisten Nervenbahnen, die vom Hörzentrum zur Cochlea zurückführen, das Zustandekommen von Feedbackschleifen, durch die wir störende Geräusche beim Zuhören ausblenden können (S. 35).

20

4.2

Anmerkung zur Musikwirkung bei Pflanzen

Lore Auerbach berichtet, wie unter dem Vorspiel von Ragas (25 Minuten pro Tag) Balsampflanzen nach ca. einem halben Jahr 72% mehr Blätter entwickeln und 20% höher gewachsen waren als Kontrollpflanzen ohne Musikvorspiel. Stoffwechselprozesse der Pflanze würden unter dem Reiz von Musikklängen oder rhythmischen Erschütterungen beschleunigt und um mehr als 200% zunehmen; durch Beschallung mit Hochfrequenzwellen wird Wachstum derart beschleunigt, dass eine zweimalige Ernte möglich erscheint. (Lore Auerbach: Musik als Massendroge, intervalle, Heft 4, 1982, S. 43); sie bezieht sich dabei auf: Peter Tomkins/Christopher Bird: Das geheime Leben der Pflanzen, Berlin/ München 1973, S. 137 - 139 ff). Über die Wirkung von Musik auf Pflanzen berichtet ebenfalls Joachim-Ernst Berendt in "Nada Brahma. Die Welt ist Klang", Reinbeck 1985, auf den Seiten 102 ff. Tonius Timmermann schreibt in seinem Buch „Die Musik des Menschen. Gesundheit und Entfaltung durch eine menschennahe Kultur“ (München 1994) - übrigens auch eine gute Gesamtdarstellung der Musiktherapie -: „In die Natur noch integrierte Menschen singen für die Pflanzen, weil sie überzeugt davon sind, dass sich dieser Kontakt zum Wohle ihres Wachstums auswirkt“ (125f) und merkt dann an: „Wie die Hopi - Indianer erfolgreicher waren als staatliche Agrarspezialisten mit modernster Ausrüstung kann man nachlesen in Duerr 1983“ (Duerr, Hans-Peter: Der Wissenschaftler und das Irrationale, Band 1, Frankfurt a. M. 1983 und ders.: Traumzeit, Frankfurt a. M. 1983) Neuerdings werden eigens zur Wachstumsförderung komponierte Musiken als Patent angemeldet. Der französische Physiker Joel Sternberger hat die Vibrationen, die beim Zusammensetzen des Proteins aus einzelnen Aminosäuren entstehen, durch vielfaches Oktavieren so weit transponiert, dass sie als Musik in unseren Hörbereich gelangen.

Bei der Beschallung mit diesen Melodien von drei Minuten pro Tag sollen Tomaten zweieinhalb mal schneller wachsen und auch süßer schmecken. (Bild der Wissenschaft 8/94, S. 12)

21

1988 untersuchte der chinesische Biophysiker Z. X. Zhu die Verteilung der Intensität und Leitfähigkeit von Schallwellen auf der Oberfläche von Pflanzen, wie Wassermelonen, Bananen und Kürbissen. Dabei zeigte sich in überraschender Deutlichkeit, dass sich die akustische Energie in gleicher Weise auf dem Pflanzenkörper verteilte, wie die elektromagnetische.

(Zhang und Kapteina: Biophysik und Musiktherapie, Siegen 2002)

22

das bedeutet. 23 . dass bei Kanarienvögeln (Serinus canaria) „neben der Größe und Stärke des Männchens auch sein Gesang großen einfluss auf die Beschaffenheit des Nachwuchses“ hat. Sexual Behaviour) zwangsläufig weniger Zeit. Sobald jedoch diese Veränderung das Schwingungsverhältnis 1 zu 2 (Oktave) betrug. wenn sie sich mit einem Vogel paaren. um ihren Gesang zu verstärken. Behavioural Process 60 / 2002. S.3 Anmerkung zur Musikwirkung auf Tiere Die unterschiedlichen Formen des Sozialverhaltens bei Mäusen unter Einwirkung von klassischer Musik und Rockmusik kommentiert Klaus-Ernst Behne in seinem Aufsatz "Wirkungen von Musik" (Musik und Unterricht Heft 18. formalen Aufbau haben und musikalische Themen und Phrasen enthalten wie menschliche Kompositionen. Ihnen wurde an zehn aufeinander folgenden Tagen morgens und nachmittags jeweils 30 Minuten lang Musik aus Mozarts Krönungskonzert vorgespielt. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 4-9) wie folgt: "Bei Klassik waren die Mäuse besonders freundlich. 1993. obwohl unsere evolutionären Wege sich seit über 60 Millionen Jahren nicht kreuzten. Auch konnten sie die Zunahme von gegenseitigem Kopfnicken." (S. dass AIT (Auditory Integration Training.4. Anschließend konnten in den Gehirnen der Tiere vermehrt bzw. insbesondere beim Vogelgesang besteht eine enge Beziehung zwischen Gesang und Sexualtrieb. reagierten die Ratten nicht. 6) Spintge und Droh berichten in ihrem Buch "Musik-Medizin“. bei einem bestimmten Ton eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. 19).B. Weichen bekommen größere Eier und kräftigere Junge. Rock 'n Roll reagierten sie "ausgesprochen aggressiv" und hatten für andere Tätigkeiten (Huddling. dass "Ratten auf die Oktave eines bestimmten Tones genauso konditioniert reagierten. auch bei Küken wirksam ist:. (etwa so wie wir sagen das ist ein c und das ist ein hohes c) und reagierten Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain. Der Die Virtuosität Vogelgesang zeigt sich in hoher Variationsbreite (z. dass Musik der menschlichen Rasse vorausging. sondern eher „Latercomers“ in der Musikszene“ (Gray übersetzt von Bossinger. the neuro-affective foundations of musical appreciation. 23). die für die Steigerung der Aufmerksamkeitshaltung maßgeblich sind (vgl. berichtet über musikalische Aktivitäten bei Tieren: bei Fischen insbesondere den Buckelwalen. der komplizierter Lieder trällert“ (Bild der Wissenschaft. Wir sind also nicht die Erfinder der Musik. ein musikalisches Behandlungsprinzip für Autistische Kinder. dass Ratten gelernt hatten. 23 ff). Rimland und Edelson 1995). dass Walmusik und menschliche Musik so viel gemeinsam haben. 133-155) konnten nachweisen. erkannten die Ratten offensichtlich den Ton wieder. Die Walgesänge reichen ebenso über sieben Oktaven und basieren ähnlich auf Skalen wie die menschliche Musik. Norderstedt 2005) .). Forscher des Max Planck Instituts für Ornithologie haben herausgefunden. wenn dieser Ton in seiner Tonhöhe verändert wurde. Frösche benutzen den Resonanzraum von Baumhöhlen. Auf Rock bzw. Er zitiert die Walforscherin Patricia Grey mit den Worten: „In Anbetracht. steckten oft die Köpfe zusammen. sozial und sexuell aktiv. 5). drängt sich der Gedanke auf. 9). die ähnliche Rhythmen wie menschliche Musiker verwenden und deren Gesängen ähnliche zeitliche Ausdehnungen aufweisen. aber keineswegs im Wettstreit und auch nicht in aggressiver Absicht" (S.). vermindert Botenstoffe nachgewiesen werden. 2006. wie auf den ursprünglich konditionierten Ton" (S. Stuttgart 1992. bis zu 700 Töne pro Minute) hoher energetischer Intensität (vgl. 147 f. Gähnen und Federstreichen bei sieben Tage alten Küken nach Musikbeschallung beobachten (146 f. 9.

Gesang hat die Funktion von „Sozialem Kitt“. 24 . was insbesondere bei Affenpopulationen beobachtet wurde ((28).

4. Bezüglich der Hörschäden. Das entspricht einer Schädigung. Tiefe Frequenzen verändern den Schwingungszustand des Körpers. Ein 4-stündiges Popkonzert etwa entspricht in seiner Belastung für das Ohr einer ganzen Woche Arbeit am Preßlufthammer (Sozialmagazin Heft 5. S. Stuttgart 1993.39 ausführlich hingewiesen.. die durch das Hören lauter Musik verursacht werden. Das Oberlandesgericht Koblenz gab einer 13-jährigen Besucherin Recht. der hat Anspruch auf Schmerzensgeld. S. dass rund 100 von 4000 Jugendliche einen durchschnittlichen Innenohr-Verlust von etwa 30 Dezibel aufweisen.Schäden behandelt haben. wie sie bei Industriearbeitern mit einer Dauerbelastung von 90 Dezibel und 40 Stundenwoche nach 10 Arbeitsjahren festgestellt wurde. Dieser Reflex wird eine hundertstel Sekunde nach Auftreten des Impulses ausgelöst. Dazu wird erläutert. beidseitiges Ohrenrauschen und Schwindelanfälle. weisen Einstellungsuntersuchungen von Berufsanfängern in Nordrhein-Westfalen nach. dass belgische Lungenspezialisten vier Patienten mit Pneumothorax . der vierte hatte eine extrem laute Stereoanlage in seinem Auto installiert. Ebenfalls aus dem Magazin „Bild der Wissenschaft“ (4/2005) stammt die Information. dass „’hochenergetische Niedrigfrequenzen’1 – also lautes Bassgedröhne – auch die feinen Bläschen in der Lunge zum Platzen bringen kann. 29 f). Im einzelnen heißt es: „Wem nach einem Konzert noch Wochen später die Ohren dröhnen. Zwar verfügt das menschliche Gehör über äußerst komplexe Steuerungsmechanismen. mit denen es sich vor Schallüberflutung schützt (Robert Jourdain: „Das wohltemperierte Gehirn. Die Richter verurteilten den Veranstalter zu 9000. um bis zu zwei Drittel. Muskeln an den Gehörknöchelchen ziehen sich „bei gefährlich lautem Schall reflexartig zusammen und vermindern damit die Schwingungsenergie . Auf die Gefahren des süchtigen Musikverhaltens haben wir in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“. Gesundheitsmagazin 1/96." (in: Musik und Unterricht Heft 18/1993) in der Fachliteratur berichtete pathogene Wirkungen von Musik zusammen.-. die stationär behandelt werden mussten. musikalische Halluzinationen und durch Musik ausgelöste Herzanfälle. es handelt sich dabei um musikogene Epilepsie. die nach einem Konzert der Boy-Group NSYNC unter Hörschwierigkeiten litt. 6-9). Drei hatten vorher ein Rockkonzert besucht. Wie Musik im Kopf entsteht“. Deswegen nutzt er wenig bei plötzlich auftretenden Geräuschen wie Schüssen. 1989. S.. 1 25 . S. S. Heidelberg 1998. Der Ohrenarzt attestierte ihr eine Innenohrschädigung. sieht man im Düsseldorfer Arbeitsministerium als Schadensquelle das Freizeitverhalten der Jugendlichen.. dazu im Kapitel körperliche Reaktionen beim Musikhören. insbesondere das Hören lauter Musik.4 Anmerkungen zum Thema: Schädliche Wirkungen von Musik beim Menschen Stefan Evers trägt in seinem Aufsatz "Wenn Musik krank macht. Sie können auch therapeutisch genutzt werden. Außerdem erschöpfen sich die Muskeln. da Besucher eines Rockkonzertes davon ausgehen dürften.. er kann aber unter Umständen erst nach einer halben Sekunde seine volle Wirkung entfalten. dass ihnen selbst in Lautsprechernähe keine gesundheitlichen Schäden drohen (AZ 5 U 1324/00)“. Das Mädchen hatte sich nahe bei den Lautsprecherboxen aufgehalten. Da angeborene oder krankheitsbedingte Ursachen ausgeschlossen werden konnten. 10 f.. wenn das Ohr ständigem Lärm ausgesetzt wird. 32 . als Musik Streß und Hörschäden bewirken kann sowie als süchtiges Verhalten schädlich sein kann.DM Schmerzensgeld. 32) erfüllt der Lärm bei Rockveranstaltungen den Tatbestand der Körperverletzung. Zu ergänzen wären diese Hinweise insofern.“ Einer Notiz in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ zufolge (3/2002.

Schuld sind die rhythmisch wechselnden Luftdruckwerte.4. Siegen). hier aus sozialpädagogischer Sicht anzusetzen habe ich im Aufsatz „Musik im Jugendhaus .de/material/forum/3. wie sie auch unter 100 Dezibel einen optimalen Sound erreichen können (MU 2006.: (2003). Sie werden über die gesundheitlichen Folgen lauter Musik informiert. Hamburg 1993 Elmar Nordmann und Thorsten Heimann: Rockmusik und Jugend. Spatscheck u. 103). wenn sie in hoher Lautstärke gehört wird. (Hg): Praxishandbuch Rockmusik in der Jugendarbeit. 219 f) nennt folgend Initiativen. die zu rauschartigen Zuständen führen kann. Handbuch Musik und Sozialpädagogik. um junge Menschen besser gegen Hörschäden zu schützen. Eva Frank-Bleckwedel (Musikhören. außerdem werden ihnen technische Finessen gezeigt.musiktherapie-sasp.das Beispiel der pädagogisch initiierten Diskothek“ in: Klaus Finkel (Hrsg. Im Rahmen einer bundesweiten Kooperation zwischen den Gesundheitsbehörden der Länder. Opladen 1998 Karl Heinz Dentler: Party time.musiktherapie-sasp.3. Berlin 1995 Wolfgang Hering u. Siegen). besonders. Neuere Literatur zum Thema Musik und Sozialpädagogik mit Jugendlichen: Hans Peter Jantzer und Wolfgang Krieger: Rockmusik in der sozialpädagogischen Gruppenarbeit. Münster. www. Frankfurt am Main 1997 Dieter Baake (Hrsg.pdf Das EARACTION Projekt an der FH München unter der Leitung von Bernhard Kurz tritt der Gefahr von Hörschädigung entgegen.a. www. Markus Nachtigall. und: im Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ befindet sich ab S.). 123-145 beschrieben. 89). In Extremfällen kann das zu einem Pneumothorax führen: die Atemluft entweicht in den Brustraum. Robert Lehenherr. Rockmusik-Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit.) Handbuch Jugend und Musik. Wilfried Grüßinger: „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren. Opladen 2002 Ders. Allein in 2005 werden dadurch in Europa etwa 106 Milliarden Euro Kosten entstehen: www. heben in ihrem Buch „Happy Nation?!? Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren (Frankfurt am Main 1997) lediglich die aktivierende Wirkung von sehr lauter und rhythmischer Musik hervor.: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. dem Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe sowie der Techniker Krankenkasse können in Bayern Discjockeys einen Führerschein machen.1. unter anderem werden dort neuere Ansätze des sozialpädagogischen. Münster. präventiv auf das Hörverhalten junger Menschen einzuwirken: 26 .earaction. Jedenfalls stelle „jugendzentrierte Populärmusik. Rockmusikpraxis und Lebensbewältigung. sozialtherapeutischen und musiktherapeutischen Arbeitens mit Rockmusik beschrieben. Regensburg 1979.de (MU 2005. www.de/material/forum/3. 253 ein Kapitel über suchtpräventive Musikpädagogik.pdf Burkhard Hill: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. Hörschäden sind die Berufskrankheit Nummer 1. Opladen 1993 Elmar Nordmann: Musik in der Arbeit mit Jugendlichen. die sich besonders darum bemühen. Möglichkeiten. Jeder vierte Jugendliche ist von Schwerhörigkeit bedroht. und der betroffenen Lungenflügel kollabiert wie ein undichter Fußball (33). Weinheim und München. 2004. in: Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel (Hrsg) Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.de/material/forum/3.pdf Ders.musiktherapiesasp. S. Hamburg 1994 Christian Spatscheck. ein sehr mächtiges Stimulationsmedium“ dar (159).a.

Kampagne des Berufsverbands der HNO-Ärzte: “Take care of your ears“, www.fgh-gutes-hoeren.de/web/fgh_content/de/takecareofyourears.htm Wanderausstellung des Gesundheitsamts des Rhein-Neckar Kreises ;na HÖR mal“ Fortbildungsprojekt der Universität München: „Ganz Ohr Sein“. http://www.ganzohrsein.de/ Hessischer Rundfunk: Produktionen wie „ear-sinn“. http://www.br-online.de/br-intern/thema/earsinn/ Netzwerk Zuhören e.V. http://www.hr-online.de/website/extern/zuhoeren/ „Menschen, vor deren Schlafzimmer ein mittlerer Schallpegel von 55 Dezibel herrscht (etwa Zimmerlautstärke des Fernsehers), sind doppelt so oft wegen hohen Blutdrucks in Behandlung, wie Mitbürger, bei denen die Lärmbelästigung unter 50 Dezibel liegt (etwa Brummen des Kühlschranks)“ (Bild der Wissenschaft 7/2003, 50). Das ist das Ergebnis einer Studie des Robert Koch Instituts mit über 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (s. auch: Musiktherapeutische Umschau 3002, 191) „...das Risiko, an einem durch Lärm verursachten Herzinfarkt zu sterben, ist höher als die Gefahr, die von krebserzeugenden Autoabgasen ausgeht“ (Sonntag, Jan Peter: Akustische Lebensräume in Hörweite der Musiktherapie. Über das Sonambiente stationärer Betreuung von Menschen mit Demenz, MU 2005, 264). R.M. Schafer (Soundscape und akustische Ökologie. In: Akademie der Künste Hrsg.: Klangkunst, Katalog des Festivals Sonambiente. München 1996, 209-212) berichtet: „In China glaubte man an die magische Kraft der Klänge, und so gab es sehr früh ein gut durchdachtes System, das den Zustand der Musik mit dem des Universums gleichsetzte. Kaiser Wuudih (141-87 v. Chr.) gründete das „Amt für Musik“, dem die Beaufsichtigung sowohl der Riten als auch der musikalischen Unterhaltung oblag. Da eine wesentliche Aufgabe dieses Amtes in der Überwachung der musikalischen Stimmung aller Klänge bestand, gehörte es zum Kaiserlichen „Amt für Gewichte und Maße“ ... In einem Lieg etwa sollte mit jedem aufsteigenden Intervall ein absteigendes Intervall gleicher Größe einer „friedlichen und freudigen Tonfolge korrespondieren, um eine geregelte Regierung sicherzustellen“ (209 zit. bei Sonntag s.o.). Sonntag kennzeichnet die klangökologische Misere unserer Lebenswelt folgendermaßen: „Aufgrund einer zunehmend lauten, gleich klingenden Umwelt und dem daraus folgenden Mangel an „Hörenswürdigkeiten“ (Schafer) hat der Mensch allmählich das Ohr aus dem alltäglichen Wahrnehmungszusammenhang ausgekoppelt (267). Einem Bericht der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ (3/2006, 10) zufolge, überschreitet der Geräuschpegel mit etwa 60 Dezibel (laut geführtes Gespräch) deutlich die von der WHO empfohlene Höchstgrenze von 30 bis 35 Dezibel (lautes Flüstern): „Türen knallen, Schuhe quietschen auf den Kunststoffbelägen der Stationsflure, Telefone klingeln und moderne medizinische Geräte piepen und Surren. Da dies oft im Frequenzbereich der menschlichen Stimme geschieht, ist das Krankenhauspersonal gezwungen, lauter zu sprechen. Stefan Willich, ein Sozialmediziner an der Berliner Charité, befürchtet, „dass sich der hohe Geräuschpegel auf die Konzentration der Ärzte bei Operationen auswirken und auch die Gesundung der Patienten verzögern könnte.“

27

4.5

Biophysik des Musikerlebens

Indem die Musiker auf ihren Instrumenten spielen, bringen sie die Moleküle der sie und die Hörer umgebenden Luft in eine ganz bestimmte Ordnung, die wir als „Musik“ bezeichnen. Beim Hören wandeln wir die Vibrationen der Luft um; zuerst in mechanische Bewegungen des Mittelohrapparates, sodann in die auf- und ab brandenden Wellen der Innenohr - Flüssigkeit und schließlich zu neuronalen Energieflüssen im zentralen Nervensystem. Am Ende steht dann die Wahrnehmung: „Ich höre Musik“. Die Auffassung von Musik als geordnetem System, das die in Unordnung geratene, sprich die erkrankte Seele oder den Körper des Menschen wieder herstellt, wieder „in Ordnung“ bringt, geht u.a. auf die Forschungen des griechischen Philosophen Pythagoras zurück. Er fand in den Tonsystemen seiner Zeit den Aufbau des damals bekannten Planetensystems wieder. Diese als „harmonikal“ bezeichneten Abb. Strukturen sind durch das mathematische Verhältnis kleiner ganzer Zahlen bestimmt. Die Frequenzen (Obertöne), die den einzelnen Ton bilden, sind nach diesem Prinzip angeordnet. Und unser Gehör, ob musikalisch gebildet oder nicht, erkennt spontan, ob in dem gehörten Ton diese Ordnung gestört ist oder nicht. Im ersten Fall registriert es eine Trübung, Rauschen oder Unreinheit. Die auf diesen Erkenntnissen beruhende Ansicht, Musik sei ein Abbild der kosmischen Ordnung, wurde weitgehend als esoterisch abgetan. Sie hielt dem modernen Wissen über die planetarischen Gegebenheiten und das Weltall insgesamt nicht Stand. Jedoch Vertreter der Teilchenphysik haben harmonikale Verhältnisse im Mikrokosmos der Atome aufgezeigt, so dass Musikhören durchaus wieder als Vorgang mikrostruktureller Ordnung und Umordnung aufgefasst werden kann. Daraus resultiert die Idee, die umfangreichen Forschungen über die physische, psychosomatische und psychische Wirkung der Musik auf den Menschen in Beziehung zur Biophysik lebender Systeme zu bringen. Dabei konnten wir zeigen, dass sich die Charakteristik der Energieverteilung im elektromagnetischen Feld des menschlichen Körpers im Sinne der durch die Musik gegebenen Verhältnisse ändert. Lebende Systeme und Musik sind dissipativ strukturiert. Das heißt, sie verlaufen im Prinzip wie ein Wasserfall oder eine Quelle. Die dissipative Struktur kann nur bestehen, so lange die Wasserzufuhr von oben anhält. Mit anderen Worten: der Wasserfall verströmt - „dissipiert“ständig Energie. Auch die Flamme einer Kerze hat eine dissipative Struktur, die nur bei ständig andauernder Energiezufuhr besteht und ständig Energie verströmt. Demgegenüber sind statische Strukturen Merkmal ganz gewöhnlicher Dinge, wie etwa ein Gebäude, ein Berg, auch ein Auto, ein Zug oder eine Rakete. Auch sie können in schneller Bewegung sein und Energie verbrauchen. Jedoch im Gegensatz zu dissipativen Strukturen können sie Ruhezustände einnehmen, die sie nicht in ihrem Fortbestand gefährden. Man kann das Auto in eine abgeschlossen Garage stellen, ohne dass es dadurch seine Existenz verlöre. Solche Isolierung wirkt sich auf alle dissipativen Strukturen katastrophal aus: der Wasserfall etwa würde augenblicklich verschwinden, wenn er von seinem Fluss getrennt würde. Dissipative Strukturen sind also „vital“, während die statischen Strukturen „tot“ sind. 28

Dissipative Strukturen finden sich nicht nur im molekularen, zellulären und organischen Bereich des lebenden Organismus sondern auch in den psychischen und sozialen Wechselwirkungen seines Umfeldes. Sie machen auch das Wesen musikalischen Spiels, insbesondere der musikalischen Improvisation aus, welches Drewer als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung bezeichnet, die besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz, Harmonie und Disharmonie“ u.s.f. zum Ausdruck kommt (2000, 83). Ein Sonderfall im Bereich der dissipativen Strukturen sind stehende Wellen. Die nebenstehende Abb. 2 zeigt, wie der zwischen zwei Polen gespannte Faden durch einen Motor in Schwingung gebracht wird. Je nach Energiezufuhr bilden sich einfachste stehende Wellen, welche die Länge des Fadens im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen (1:2:3) einteilen. Das ist das Prinzip, nach dem alle Saiteninstrumente funktionieren. Beim Musizieren wird die Länge der Saite durch die Finger des Musikers gesteuert (Abb. 3) Der Musiker bewegt ständig seine Finger, um besondere stehende Wellen in verschiedenen festgelegten Frequenzen in bestimmter Zeit aufzubauen und so die gewünschte Musik hervorzubringen. Jede der abgegriffenen Saitenlängen bringt neben der Grundfrequenz f1 die Frequenzen des Obertonspektrums f2-n hervor. Bei den verschiedenen Instrumenten treten Abb. unterschiedliche Kombinationen und Stärken dieser Obertöne auf, was wir als „Timbre“ oder „Klangfarbe“ wahrnehmen und woran wir den Klang einer Violine von dem einer Gitarre unterscheiden können. Abb. Bei Blasinstrumenten bilden sich die stehenden Wellen durch die vom Bläser mit seinem Atemstrom erzeugte Energie, welche auf die im Resonanzhohlraum des Instruments 29

Abb.

Dabei entstehen komplizierte periodische oder auch aperiodische Kurven. Die arithmetische Darstellung lautet 1 + 1 = 0. Wenn zwei Wellen mit gleicher Wellenlänge in gleicher Phase denselben Platz einnehmen(Abb. denn die Wellenberge der einen treffen genau auf die Wellentäler der anderen Welle. Gewissermaßen ist es so. Ein weiteres extrem ungewöhnliches Beispiel in der Welt der Wellen ist die Überlagerung zweier Wellen Abb. Vielleicht so. In der Sprache der Mathematik haben die beiden Wellen einen Phasenunterschied von genau 1π (180°). Abb. Es ist nicht schwierig. sondern auch bei mehreren Wellen möglich. 6). ganz anders als das gewohnte 1 + 1 = 2 in der Welt der Teilchen. 30 . 5). Sie bilden eine „konstruktive Interferenz“. Sie können sich „überlagern“. Grundsätzlich gibt es dabei die Möglichkeit. und sie werden e i n Fleisch sein“ (Genesis 2. Abb. war bereits bei den musikalischen Obertönen die Rede. sich die Addition beim Vorgang der Überlagerung vorzustellen und zu verstehen. die zusammen auf einem Sofa sitzen. Physikalisch ausgedrückt: sie bilden eine „Interferenz“. dass zwei Wellen denselben Platz einnehmen können. dass die Arithmetik in der Welt der Wellen 1 + 1 = 1 lautet. obgleich es ein wenig befremdend ist. zu einer einzigen Person von doppelter Größe verschmelzen.. so dass sie sich gegenseitig auslöschen. entsteht als Folge der Überlagerung eine neue Welle mit größerer Amplitude als Summe der beiden Ausgangswellen. als ob zwei Personen. Abb. Natürlich ist die Überlagerung von Wellen ist nicht auf zwei Wellen beschränkt. In diesem Fall ist die Folge der Überlagerung eine neue Welle mit Nullamplitude.befindliche Luft einwirkt. In der Realität liegen die meisten Überlagerungen und Interferenzen irgendwo zwischen diesen beiden Extremfällen. Von dem Phänomen. mit gegensätzlichen Phasen (vgl. wie die Bibel die Vereinigung von Mann mit seinem Weib beschreibt: „. 25). 4 zeigt. dass sie sich zu einer neuen Welle addieren oder einander auslöschen und ganz und gar in nichts auflösen können. wie die die jeweilige Länge des Rohres die Grundfrequenz der darin befindlichen stehenden Welle bestimmt..

wie bei Überlagerung vieler sinusförmiger Wellen eine komplizierte neue Kurve entsteht. Das ändert aber nichts daran. flüssigen und gasförmigen Bestandteile des Körpers. Es handelt sich hierbei um die graphische Darstellung des Tones einer Klarinette. Muskeln. so verbinden sich viele verschiedene Töne der Klarinette zur Melodie und viele Melodien und Töne einer Vielzahl von anderen Instrumenten zu einer Sinfonie. nämlich den Ton der Klarinette. Außerdem gibt es innere Organe. werden Organe identifiziert. Atome. welches sich aus der Viel31 Abb. Diese Sichtweise entspricht der traditionellen naturwissenschaftlichen Auffassung von Materie als statischer Struktur. die durch die Komposition bestimmt ist. Das heißt. so dass schließlich der ganze Körper vorhanden ist. umgekehrt eine komplizierte Welle als Überlagerung mehrerer einfacher Wellen dargestellt werden kann. 7 zeigt. also die Energiequellen akustische Schwingungen erzeugen.Abb. welches von den Erkenntnissen der modernen Physik über die Elementarteilchen längst überholt ist. Die heterogene Verteilung akustischer Energie im Konzertsaal ist eine unsichtbare dissipative Struktur. die sich in äußerst vielschichtiger Komplexität zur charakteristischen unsichtbaren und unhörbaren dissipativen Struktur eines elektromagnetischen Feldes verbinden. aus denen sich Zellen und Organe zusammenfügen. Wir sind gewohnt. also auch im menschlichen Körper: Eine nahezu unendliche Vielzahl von Oszillatoren erzeugt Schwingungsmuster. oder Substanzen oder Enzyme oder Gene u. die Störung eines lebenden Systems zu verstehen.s. diese wiederum bilden die festen. Gleiches geschieht in jedem lebenden System. Sinnesorgane etc. Danach ist Materie ebenfalls dissipativ und nicht statisch strukturiert. insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung von Krankheitserregern und der Chirurgie. welches wir als den „Zustand des Systems“ wahrnehmen. Ähnliche Kurven entstehen. man zerlegt das System in seine kleinsten Teile. als vermeintlich kleinste Bausteine der Materie bilden die elementarsten und energiereichsten dissipativen Strukturmuster. bzw. Bei jedem einzelnen Ton wird Energie in komplexe akustische Schwingungsmuster umgesetzt. um es zu verstehen. das Ganze als Addition von materiellen Einzelteilen zu verstehen: der Körper besteht aus Gliedmaßen. Um die Funktion. bzw. diese aus Knochen. die kombinieren sich in molekularen Gruppen zu übergeordneten Strukturen. Diese Herangehensweise hat beträchtliche Erfolge auf dem Gebiet der Medizin hervorgebracht. dass sie auf einem Materieverständnis beruht. Die daraus resultierende Ausfassung vom lebenden System als einem elektromagnetischen Feld. Sehnen etc. wenn man die Energieverteilung innerhalb des Körpers misst und graphisch darstellt. So wie sich bei einem Klarinettenton eine Vielzahl von einzelnen sich überlagernden Frequenzen eine schwingende Einheit bilden. Dem gemäß ist die übliche Herangehensweise an den lebenden Organismus die des Sezierens. Die Energie wird im Konzertsaal auf diejenige charakteristische Weise verteilt.f. Isolierens und des Katalogisierens. die für diese Störung verantwortlich sind. wie die Musiker spielen. Sie ist so lange vorhanden. .

wie man gemeinsam spielt. Demzufolge kann ein komplexes System mit allen seinen Untersystemen sich in drei verschiedenen Zuständen befinden: Der erste Zustand kann mit einer Gruppe Kinder im Kindergarten ohne Aufsichtsperson verglichen werden. Das wäre lediglich ein ausgezeichneter Frequenzgenerator. Die Ehrengarde befindet sich daher im „Zustand höchster Ordnung“ (Kristallzustand). dass Kohärenz schlicht Harmonie ist. Auf die Musik übertragen wäre bei der höchsten Ordnung nur eine akustische Frequenz vorhanden. Das Bild des Balletts ist dynamisch. die nicht sezierend sondern als ganzheitlich kommunikativ interagierend bestimmt ist. haben sich holistische mathematische Prozeduren als hilfreich erwiesen. wie zum Beispiel bei Homöopathie oder Akupunktur. In einem solchen „Zustand perfekter Ordnung“ haben einhundert Soldaten nur einen Grad der Freiheit. Um die sich so vielfältig und vielschichtig beeinflussenden Interferenzmuster im lebenden System zu verstehen. Wäre die Kombination der Frequenzen in einem Musikstück so perfekt chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. um zu wissen. ein Geräusch. Das wäre aber keine harmonische Musik. Den dritten Zustand verkörpern die Tänzer in einem Ballett (Abb. Unsere bisherigen Ausführungen machen ihr Funktionieren zwar plausibel. die im Verlauf der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts im Bereich der Chaosforschung entwickelt wurden. so muss das Verhältnis zwischen den verschiedenen Tönen und zwischen den einzelnen Frequenzen kohärent sein. und wir können sehen. Soll Musik „harmonisch“ klingen. das weiterer Konkretisierung bedarf. sie bewegen sich aber noch auf einem theoretischen Niveau. sie gleichen einander genau und sind wie eine Person. Den zweiten Zustand verkörpern Soldaten einer Ehrengarde. Diese Soldaten befinden sich in perfekter Ordnung. 32 . die als besonders relevant für die Charakteristik des Interferenzmusters bekannt sind. in dem alle hörbaren Frequenzen ähnlich laut hörbar vertreten sind. noch in so perfekter Ordnung wie die Soldaten in der Ehrengarde. obwohl das Zustandekommen ihrer Wirksamkeit bisher nur unzureichend verstanden wird. im Idealfall „weißes Rauschen“. Harmonie gibt es also weder in der perfekten Ordnung. vergleichbar mit den Soldaten in der Ehrengarde. 8). hat eine andere Herangehensweise zur Folge. Die Kinder sind zu klein. der Schwingungszustand des Organismus beeinflusst. Bei der Akupunktur wird durch mechanische oder auch elektrische Manipulation an bestimmten Stellen des Körpers. Wissenschaftler sprechen von einem „Kohärenzzustand“. so entstünde Abb. Das Bild ist dynamisch und harmonisch zugleich. die durch die in Heilsubstanzen enthaltenen Informationen beeinflusst werden. Die Tänzer sind weder so chaotisch wie die Kinder im Kindergarten. Im ersten Fall werden Schwingungsmuster als Informationsträger verstanden.zahl unterschiedlichster Schwingungsmuster zusammensetzt. In einem solchen chaotischen Zustand haben einhundert Kinder einhundert Grade der Freiheit. wie das Verhältnis zwischen den Tänzern in einem Ballett. Daher herrscht im Kindergarten ein fast perfekt „chaotischer Zustand“. Diese Behandlungstechniken haben sich über Jahrhunderte bewährt und werden auch in der westlichen Medizin zunehmend anerkannt. noch im Chaos. nämlich zur selben Zeit alle dasselbe zu machen.

229.205..703....401...... was das Wesen des Tanzes ausmacht.375 verschiedene Kombinationen einnehmen können oder 126.. sodann wie Tänzer 1 und 2 ihren gemeinsamen Freiraum gestalten (=1).. Kristall und Harmonie gefunden. lange bevor die Wissenschaft sich mit der Harmonie befasst hat.228.. 10 nochmals anhand von drei Tänzern graphisch verdeutlicht werden: Abb. würde mathematisch folgendermaßen darzustellen sein: Bei zwei Tänzern: 1 + 1 = 3 = 2² .Chaos.228. Da wir es in der Musik ebenso wie im lebenden System vorwiegend mit kohärenten Zuständen zu tun haben.1 Bei drei Tänzern: 1 + 1 + 1 = 7 = 2³ .... wenn sie sich in perfekter Harmonie befinden...401...703. Abb.. 11) entspricht der sog...750..1 Bei sechs Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 127 = 26 ....Mathematisch formuliert bedeutet der chaotische Zustand: 1 + 1 = 2..... Interessanterweise haben die Mathematiker früherer Generationen wichtige Methoden zur Beschreibung der drei markanten Zustände .375 Das bedeutet..205...750..205... Ihr liegt die Hypothese zu Grunde.750. Dieses „Wunder der Harmonie“ soll mit Abb........ dass die Messwerte durch unendlich viele voneinander unabhängige Faktoren beeinflusst werden.....375 Grade der Freiheit haben... dass die 100 Tänzer 126. Das.. + 1 + 1 = ? | | 100 2100 -1 = 126........ der die einzelnen Personen miteinander verbindet..... Auf Abb.600.229. der Kristallzustand: 1 + 1 = 1 und der Kohärenzzustand: 1 + 1 = 3.....600.229.228.. Der höchst mögliche Kohärenzgrad für drei Tänzer kann folglich mit „3+1+1+1+1=7“ dargestellt werden.703... Gauß-Verteilung. wollen wir die entsprechende Arithmetik Abb.1 Und bei einhundert Tänzern: 1 + 1 + 1 + . ebenso wie Tänzer 2 und 3 dies tun (=1) sowie Tänzer 1 und 3 (=1) und schließlich wie alle drei gemeinsam zusammenwirken (=1)....1 Bei fünf Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 + 1 = 63 = 25 .600... noch ein wenig weiter entwickeln..1 Bei vier Tänzern: 1 + 1 + 1 + 1 = 15 = 24 .. Die Zahl der möglichen Kombinationen bei drei Tänzern ergibt sich aus der Art wie jeder einzelne Tänzer seinen Freiraum gestaltet (=3).... 33 .. 9 befindet sich eine Gruppe von Tänzern.. Der Chaos Zustand (Abb. interagierenden oder sonst wie miteinander in Beziehung stehenden Systeme übertragen werden. Diese Berechnungsmethode kann nun auf alle kooperierenden.401........

Die Logarithmische NormalVerteilung wurde zunächst kaum beachtet. dass die Messwerte vieler physiologischer Systeme nicht in die Gauß-Verteilung. also grundsätzlich immer auftritt (Abb. dass dies auf ein lebendes System nicht zutreffen kann. Im Vergleich zur symmetrischen GaußVerteilung ist der Gipfel ausgeprägt und nach links verschoben. in das wir den Zustand eines Patienten einordnen können. 14). von Messwerten ist jedoch die Logarithmische Normalverteilung (Abb. Sachs 1969 herausfand. 13): Abb. 121) passen. die Abb. dass eine Gruppe von beispielsweise einhundert Messwerten. Demgegenüber wird der Kristallzustand auch als Delta-Verteilung beizeichnet und als Kurve mit einem einzigen Messwert dargestellt. Praktisch gilt.Die Gauß-Verteilung geht also von einem Zustand aus. perfekt in die Gauß-Verteilung (Abb. Die Koordinaten weisen in der Horizontalen die an Elektroden gemessenen Stromflüsse aus und in der Vertikalen die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens. Es ist klar. als Koordinatensystem. denn sie bezieht sich auf lebende Systeme und auf das Konzept der Harmonie. 1 34 . wie wir ihn mit den Kindern ohne Aufsichtsperson beschrieben haben. Wir benötigen aber eine solche Verteilung zur Berechnung. Die Darstellungen auf dieser Seite setzen das zuvor beschriebene mathematische Prinzip zur Feststellung des Kohärenzgrades um. Erst als der deutsche Mathematiker L. Sie entspricht einer asymmetrischen Kurve. Die wichtigste Wahrscheinlichkeitsverteilung Abb. aus einem ideal chaotischen System mit unendlich vielen Elementen stammt. der mit höchster Wahrscheinlichkeit.

dass die Beziehung der Elemente dieses Systems 1 + 1 = 3 ist. Singen (Chanten von Vokalen. Rezeption von monochromen Klängen (Monochord). Gauß-Verteilung (Chaos-Zustand) schwarz und Logarithmische Normalverteilung (harmonischer Kohärenzzustand) grün dargestellt. Fast alle bisherigen Ergebnisse zeigen mehr oder weniger deutliche Verschiebungen der Daten in Richtung Logarithmischer Normalverteilung (wie in Abb. Abb. Damit können Schönheit und Harmonie in der Musik. das sich aus unendlich vielen Elementen zusammen setzt. Die blauen Balken geben die gemessenen Werte an. 15 und 16 dargestellt. die alle die Fähigkeit haben. verändern. Weitere Messreihen wurden nach dem Vorher – Nachher . Klangmassage mit Klangschalen. 1994 hat Chang Lin Zhang den mathematischen Beweis geführt. praktischen Messungen und quantitativen Berechnungen beschrieben werden. In verschiedenen Messreihen haben wir untersucht. unabhängig zu bleiben und doch alle Möglichkeiten zur Kooperation mit den anderen Elementen besitzen. wurde sie vermehrt herangezogen. Die musikalische Erfahrung bestand in der aktiven Teilnahme an einer Folkloretanz Gruppe (vgl. 16 den Zustand nach der Erfahrung. 15 Abb. dass die Logarithmische Normalverteilung einem System entspricht. Bei gegenläufigen Ergebnissen machten Interviews mit den betroffenen Personen individuelle. zeigt das. Die Software analysiert die Ergebnisse nach den zuvor geschilderten mathematischen Prinzipien. Das Messgerät bringt einen elektrischen Strom in den Körper ein und misst an 128 Elektroden Frequenz und Stärke des austretenden Stroms. biogra35 . Obertongesang). Wenn also die Messwerte aus einem System in die Logarithmische Normalverteilung passen. bildet des Zustand der Versuchsperson vor der musikalischen Erfahrungen ab. Auf den Abb. 15 und 16 sind Delta-Verteilung (Kristallzustand) rot. wie musikalische Situationen den Körperzustand Abb.Prinzip mit Teilnehmern durchgeführt. die ein schönes Ballett beschreibt. Am ausgeprägtesten sind die Veränderungen beim Tanzen und Obertonsingen. sondern auch von Wissenschaftlern mit streng mathematischen Formeln. in einem Ballett und in Lebewesen nicht mehr nur von romantischen Poeten mit Worten. Kapteina 2000 und 2004). Improvisation mit Trommelrhythmen in der Gruppe.sondern in die Logarithmische Normalverteilung passen. um den Zustand von lebenden Systemen darzustellen. die unterschiedliche musikalische Erfahrungen machten: Rezeption von Musikaufnahmen. Das ist die ungewöhnliche Arithmetik. Abb.

das sie aus ihrer Kindheit kannten. fünf Minuten. Er erinnerte sie an das Geräusch von herannahenden Bombern. wird die folgende Verteilung der Stromflüsse gemessen: 36 . Hier sehen wir das Messergebnis vor dem Hören von Klängen des 26-saitigen Monocords: Dieser Verteilung entspricht die Verteilung der Frequenzen eines geräuschhaften Klanges: Nach ca. Beim anschließenden Interview gaben beide an.phisch bedingte Bewertungen der musikalischen Situation deutlich. Generell müssen die biophysikalisch gewonnenen Daten durch Interviews mit dem psychosozialen Kontext der untersuchten Personen in Beziehung gebracht werden. so dass in Zukunft auch offline und prozessbegleitend gemessen werden kann. So waren zum Beispiel die Daten von zwei Personen bei insgesamt 20 nach dem Anhören des Monochords auf einer Klangliege überdeutlich in Richtung Gauß-Verteilung gewandert. den Klang des Monochords als bedrohlich erlebt zu haben. in denen die Versuchsperson den Klängen zuhört. Zur Zeit wird die Hardware des Messinstruments neu gestaltet.

schematisch dargestellt für den Ton „a“ 660 Hz 880 Hz 1100 Hz 1320 Hz 1540 Hz Frequenz 37 . etwa nach Meditationsübungen. dass die Anordnung der Stromflüsse nach der Log-normal Verteilung große Ähnlichkeit mit der Anordnung der Frequenzen des reinen Tones aufweist.Aus anderen Untersuchungen ist bekannt. Die Abbildung des Frequenzspektrums etwa eines Altsaxophon Tones macht das deutlich: 220 Hz Lautstärke 440 Hz Das Prinzip der harmonikalen Anordnung von Frequenzen. dass das erste Messergebnis bei Stresszuständen auftritt. Wirklich überraschend war für die Biophysiker. das zweite bei entspannter Aktivität.

Bettina. die unsymmetrischer Anordnung auf die Raumgrenzen treffen. C. Theo.Die Idee. (2007): Der unsichtbare Regenbogen und die unhörbare Musik. L. Hangzhou. welche der Biophysik des Hörens zugrunde liegt. Beim Musikhören gilt dieses Prinzip sowohl in akustischer Hinsicht (die schwingende Luft im Raum) als auch in körperlicher Hinsicht (schwingende Moleküle in den einzelnen Organen). die sich zu vielschichtig kombinierten Wellen verbinden. (2001): Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems. Hangzhou University Press. 131-145 Zhang. Klug. (2002): Invisible Rainbow and Inaudible Music: The Dissipative Structure of Electromagnetic Field in Living Systems Zhang. Ingeborg Hrsg. Der Energieverlust bei solchen stehenden Wellen ist wesentlich geringer als bei Wellen. Weinheim. L. In: Schwabe. Wickel. wie die musikalischen Klänge die Schwingungsverhältnisse in den Zellen und Organen des Körpers verändern. (2002): Skin Resistance vs. C. C. Hartmut. ( in English ) Zhang. 15-25 Zhang. Frontier Perspectives 11 (2).) (1996) : Current Development of Biophysics. In: Wolfgang Bossinger und Raimund Eckle (Hrsg. basiert auf der Vorstellung. 415-426 Kapteina. Der Hintergrund der ältesten Heilverfahren und das jüngste Kapitel der modernen Biologie. Folkloretänze in Therapie und Prävention. Literatur: Drewer. Die oben dargestellten Stromflussmessungen geben darüber Auskunft. Die dissipative Struktur des elektromagnetischen Feldes in Lebewesen. Martin (2000): Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. Body Conductivity (On the Background of Electromagnetic Measurement on Skin). MISAHA Newsletter #32-35. Changlin Zhang Forschungen über Biophysik und Musiktherapie. Hans-Dieter (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. München 38 . dass alle Materie aus vibrierenden Teilchen besteht. Die nebenstehende Abbildung zeigt diesen Schwingungszustand. L. Die Wellen können nach stehendem Prinzip angeordnet sein. L. Hartmut (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". 394-414 Kapteina.): Schwingung und Gesundheit. Münster Kapteina. C. In: Hartogh. Schreiber. Traumzeit Verlag 2008. et al (Hrsg. 18-21 Zhang.): Ressourcenorientierte Musiktherapie. C. Hartmut. welche Schwingungsform im Organismus überwiegt und sie zeigen gleichzeitig. Stein. Hans Hermann (Hrsg): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Christoph. Crossen. wie das in der Musik der Fall ist. bei dem die einzelnen Frequenzen in symmetrischer Anordnung von den Begrenzungen des Raumes reflektiert werden. L.

4.6

Neurophysiologische Prozesse beim Musikerleben

Den aktuellen Stand der Forschungen fasst Stefan Koelsch in einem Artikel der Musiktherapeutischen Umschau (2005, 365-381) wie folgt zusammen: Bei der Wahrnehmung von Musik laufen komplexe Handlungsfunktionen ab: 1. akustische Analyse 2. auditorisches Gedächtnis 3. auditorische Gestaltbildung sowie Verarbeitung musikalischer Syntax und Semantik;außerdem: 4. Effekte auf Emotionen 5. das vegetative Nervensystem 6. das Hormon- und das Immunsystem und schließlich kann 7. Aktivierung (prä-)motorischer Handlungspräsentationen (vgl. 365). Spintge und Droh weisen in ihrem Buch: Musik - Medizin, Stuttgart 1992, darauf hin, dass zentrale Musikverarbeitungsprozesse in beiden Hirnhemisphären ablaufen. „Linkshemisphärische Leistungen sind dabei vor allem die Verarbeitung von Lautstärke, Klangfarbe, musikalischen Intervallen, Akkorden, Tondauer, Tonhöhe, Takt, Rhythmus. Rechtshemisphärische Leistungen sind insbesondere die Wahrnehmung von Tempoänderungen und der Ausdrucksmodalität von Tonhöhen“ (S. 17, ebenfalls s. S. 243 ff und Christoph Fassbender in Handbuch Musikpsychologie, hrsg. v. Bruhn u.a. 1993 S. 622 ff.). Geschlecht, Händigkeit, Spielen eines Instruments haben entscheidenden Einfluß auf die Lokalisation der Hirnaktivität beim Musikerleben. Helmuth Petsche hat nachgewiesen, dass beim Musikhören Frauen ihre linke und rechte Hirnhälfte wesentlich intensiver verschalten als Männer (Bild der Wissenschaft, Heft 12/1989, S. 17; auch 5/1996, S.46 ff: Bei Frauen arbeiten während des Redens beide Gehirnhälften, Männergehirne steuern das Sprechen nur im linken Hinterkopf; ebd. 10/2002, S. 72: beim Zuhören von vorgelesenen Geschichten arbeitet bei Männern „nur das Areal zur Sprachverarbeitung im linken Schläfenlappen. Bei weiblichen Testpersonen arbeiteten zusätzlich die Bereiche der rechten Hemisphäre, die für nichtsprachliche Höreindrücke zuständig sind, etwa für Musikverarbeitung und damit verbundene Vorstellungen). Auch interkulturelle Unterschiede spielen eine Rolle: "So findet die musikalische Verarbeitung westlicher Musik bei Japanern bevorzugt in der rechten Hirnhemisphäre statt, wohingegen japanische Musik bevorzugt linkshemisphärisch verarbeitet wird. Bei westlichen Probanden ist die Lateralität genau umgekehrt." Die Ursache dafür wird vor allem in der "durch Vokale geprägten japanischen Sprache" gesehen. (Spintge/Droh, S. 18) Helga de la Motte-Haber fasst im Handbuch der Musikpsychologie (Laaber 1985, S. 21 - 23) den Stand der Forschung so zusammen, dass für das Musikhören „beide Verarbeitungsmodalitäten der Hemisphären von Bedeutung sein“ können. „Denn deren grundsätzlich verschiedene Arbeitsweisen - rechts findet eine mehr holistisch-ganzheitliche Gestalterfassung und links ein mehr analytisch-begriffliches Denken in der Reihenfolge statt ist in vollem Umfang zumindest für das Verständnis jener Musik nötig, deren syntaktische Bedeutung den analytisch zergliedernden Verstand voraussetzt“ (S. 23).

39

Ein Musikstück aktiviert das Gehirn bei jedem Hören anders, fanden ameri• Intelligenz • Intuition kanische Wissenschaft• Rationalität • Gefühl ler. Ihre Beobachtung sei • Yang (männlich) • Yin (weiblich) gleichzeitig der erste • Bewusste Vorgänge • Unbewusste Vorgänge • Intellektuelle Einsicht • Emotionale Verarbeitung handfeste Beweis für die • Analytisches Denken • Ganzheitliche Betrachtung schon lange gehegte • Abstrakte Begabung • Künstlerisch, kreativ Vermutung, dass das Ge• Zeit • Raum hirn auch gleiche Infor• Aktivität • Passivität • Digital • Analog mationen auf eine dyna• Analyse von Worten • Sprach- u. Sinnerkennung mische Weise immer • Sprache • Musik wieder neu verarbeitet, • Zeitliche Abläufe • Zeitlosigkeit schreiben sie im Magazin "Science" (Bd. 298, S. Quelle: http://www.medicrossover.de/abhoer.htm 2167). Die Forscher vom Dartmouth-Zentrum für kognitive Hirnforschung haben verschiedenen Testpersonen ein kompliziertes Musikstück vorgespielt, das innerhalb von acht Minuten alle Tonarten der westlichen Musik durchläuft. Gleichzeitig beobachteten sie die Aktivität im Gehirn der Probanden mit einem bildgebenden Verfahren. Die musikgeübten Versuchspersonen sollten während der Sitzungen eine bestimmte Melodie und einen Instrumentenwechsel aus dem Stück heraushören. Zur Überraschung der Forscher aktivierte das gleiche Musikstück bei den Testpersonen bei jedem Hören andere Areale im Gehirn. Mit Hilfe statistischer Methoden konnten die Wissenschaftler dennoch ein Zentrum im Gehirn ausfindig machen, das sich offenbar mit der Analyse von Musik beschäftigt. Während Melodien zunächst in Hirnregionen hinter den Schläfen verarbeitet werden, befindet sich das höhere Analysezentrum direkt hinter der Stirn, im so genannten rostromedialen Stirnhirn. Dieses Zentrum ist Wissenschaftlern schon länger bekannt als eine Region, in der das Gehirn emotional bewegende Eindrücke mit vernünftigen Erwägungen in Einklang bringt. Warum ausgerechnet diese Region auch Musik analysiert, konnten die Forscher jedoch nicht klären (Bild der Wissenschaft 12, 2002).
Linke Gehirnhälfte Yang (männliches Prinzip) Rechte Gehirnhälfte Yin (weibliches Prinzip)

Bei der genauen Untersuchung von 3000 Säuglingen während sechs Jahren haben Forscherinnen der University of California in Los Angeles und der University of Arizona herausgefunden, dass im linken Ohr Musik stärker verstärkt wird als im rechten. In rechten werde deutlich Sprache stärker verstärkt. Die asymmetrische Verarbeitung von Geräuschen, Sprache und Musik im Gehirn habe daher bereits im Ohr seinen Ursprung. Details der Untersuchung, die unter Verwendung der otoakustischen Emission (OAE) durchgeführt wurden, bei der das im Ohr vorverarbeitete akustische Material teilweise ins Außenohr wieder abgestrahlt wird, sind im Wissenschaftsmagazin Science vom September 2004 veröffentlicht (MU 2005, 101). Klaus-Ernst Behne u.a. kamen in ihrer Untersuchung „EEG-Korrelate des Musikerlebens“ in: Musikpsychologie, Heft 4, 1987, S. 49-63 und Heft 5, 1988, S. 95-105, zu dem Ergebnis, dass bestimmte Musik, nach Tempo, Dynamik und Stil ausgewählt, nicht zu systematischen Veränderungen in den EEG-Befunden führt. Dieses insgesamt negative Ergebnis erklären die Autoren dahingehend, „dass sich Unterschiede zwischen den Musikstücken nicht im oberen, kortikalen Bereich auswirken, sondern in tieferen Schichten, in denen verschiedene Aktivierungssysteme vermutet werden“ (S. 105). Mit diesen tieferen Schichten sind die Funktionen der Formatio retikularis bzw. das Limbische System im Zwischenhirn gemeint, über die Sinnes40

wahrnehmungen zuerst und vor allem emotionale, vegetative, d.h. körperliche Reaktionen auslösen.
Ablauf der neuronalen Prozesse im Gehirn während des Musikhörens (Aus bild der Wissenschaft 7/2003)

Boris Luban-Plozza weist in diesem Zusammenhang auf die Funktion des linksseitigen Ammonshorn1 hin, einer Schaltstelle für Gedächtnis und Gefühl. Es sei das „Tor zum Gedächtnisspeicher“, und beim Hören der Konsonanzen und Dissonanzen der Musik träten „verborgene, verschüttete und gefühlsbetonte Inhalte aus dem Unbewussten hervor. („Das Dritte Ohr - Musik und innere Harmonie“, Zeitschr. Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 3/1990, S. 119-124)
Neurophysiologische Prozesse bei Musikhören

Musikhören; Reizung der Sinnesorgane

linke Hemisphäre
operiert linear, sukzessiv, schrittweise nacheinander, wie die Sprache, bei der wir Gleichzeitiges in ein Nacheinander auflösen

rechte Hemisphäre
leistet das prompte gleichzeitige Integrieren vieler Informationen, beherbergt Fähigkeiten, wie Kreativität und Intuition und ist für das Hören von Musik, auch für das Nicht - Hören von Klängen verantwortlich

Ammonshorn
Langzeit Gedächtnis

Formatio retikularis

Limbisches System
Prüft, ob die Wahrnehmung eine Chance oder eine Gefahr beinhaltet; setzt musikalische Informationen in Emotionen um, löst vegetative Reaktionen aus

Vegetativum
Herz- Atem-, Darm- Blasen-, Haut- und andere Reaktionen
(vgl. auch Elisabeth Haselauer: Berieselungsmusik. Droge und Terror, Wien 1986, S. 29 ff)

Diese spezielle Verarbeitung von Hörreizen hat sicherlich ihren Grund in der Funktion des Gehörs als „Frühwarnsystem“. „Die Schnellverbindung zwischen Wahrnehmen und Handeln
Cornu Ammonis, ein wulstartiger Gehirnabschnitt am Boden des Seitenventrikels, der wichtige Rindengebiete des Riechhirns enthält, Brockhaus 1966
1

41

.. ‚rationale’ Elemente enthält – ein auf Musik und Bewegung bezogener neurophysiologischer Beleg für Piagets These von der ‚sensumotorischen Intelligenz’“ (233). dass im Innenohr „in derselben Flüssigkeit: der Körper-.. Amrhein stellt den neurophysiologischen Ablauf der Musikverarbeitung bei gleichzeitiger Akzentuierung der sensumotorischen Verarbeitung folgendermaßen dar: „Was wir hören. 1996. bei Bewegung und Spiel (.und Gefühlseindrücken ‚aufgeladen’. die ‚Musiksensomotorik’. während „bei praktischer musikalischer Tätigkeit. 232) und zu Zentren der visuellen Wahrnehmung hergestellt. als erst einmal abzuwarten. Maas (Hrsg. „D. ob das Gehörte von Interesse ist.-D. 74). Franz Amrhein (Musik und Bewegung. In der Rinde selbst trifft der Höreindruck auf drei benachbarte Areale: die sensorischen und motorischen Rindenfelder sowie das Hörzentrum (233).als auch akustische Informationen aufnimmt. es werden Verbindungen zum vegetativen System (. 21) Augsburg: Wissmer. Musikverarbeitung in der Darstellung kortikaler Aktivierungspotentiale. das Informationen von außen aufnimmt.existiert wahrscheinlich aus guten Gründen der Anpassung’ argumentiert Bargh.) vom 8. sondern auch ein mit diesem verbundenes propriozeptives. das Zentrum des Bewusstseins. das über den inneren Zustand informiert“ (232). im Innenohr sitzt nicht nur ein extrozeptives Organ. der sowohl Bewegungs. dass „bei einer mehrtheoretisch-analytischen Beschäftigung mit Musik“ die linke Seite aktiver ist als die rechte. „dass musikalische Bewegung. Bewegungs.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.und Gleichgewichtssinn (das vestibuläre System) und der Gehörsinn (das cochleare System)“ verbunden sind. Das. Über die Aktivierung der beiden Hemisphären haben Altenmüller und Gruhn (Das Bild der Musik im Kopf. .) nicht nur die rechte Seite aktiv“ ist. dem Nervus vestibulocochlearis.. erreicht die Botschaft aus dem Ohr erst. nachdem sie die für Bewegungsempfindung und Gefühle zuständigen Zentren durchlaufen hat. G... Theo und Wickel. in: Hartogh. Es ist besser vor einem Hasen Reißaus zu nehmen. Gembris. Bd. wird (. Hermann (Hrsg. sondern auch die linke deutlich beeinflusst. 231-244) weist darauf hin. Eine wichtige Station ist das Kleinhirn. Amrhein sieht darin das „neuronale Korrelat“ für die Tatsache gegeben. Die Großhirnrinde. Kraemer. Weinheim 2004.): Physiologische und neurophysiologische Aspekte musikalischen Wahrnehmens.. Gehirnnerv. Das Stammhirn. Im Mittelhirn (vor allem im Limbischen System. schützt vor Reizüberflutung und entscheidet. In: H. zunächst in tiefere Regionen zur weiteren Verarbeitung transportiert. Verarbeitens und Verhaltens (Forum Musikpädagogik.h. ob sich ein Bär heranpirscht“ (Bild der Wissenschaft 11/2001. das Zentrum für Bewegungsempfindung und –Koordination. Thalamus und Hypothalamus) erfolgt die gefühlshafte Wertung. 11-40) bei musikalisch tätigen Kindern und Jugendlichen herausgefunden. auch strukturierende. was wir letztlich hören.. R. der zusammen mit Gollwitzer 1990 den Forschungspreis der Max-Plank-Gesellschaft erhielt. das „Wachzentrum“. ist bereits mit Bewegungs. 42 . wenn es im Gebüsch raschelt.

Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. Eine ähnlich direkte Verbindung zu den vegetativen Zentren besteht auch zwischen bestimmten Nervenzellen in der Haut. Musik und Gehörlosigkeit. während negativ bewertete Musik „mit stärkerer Aktivierung der rechten Stirnhirn. Besonders intensive Reaktionen wurden z.a. und die Anzahl von Mundgeräuschen. „Es kam zu einer Aktivierung des endogenen limbischen Selbstbelohnungssystems im Bereich der tief gelegenen Hirnregionen der Mandelkerne. die die Vokale u. Hirnnerv) zum Gehirn geleitet. o.“ Sie konnte Streicheln mit einem weichen Pinsel spüren und fand es angenehm. das bei Einnahme starker Rauschdrogen wie Heroin und Kokain entspricht“ (16). Klavierkonzert (d-moll) oder Barbers Adagio für Streicher hervorgerufen. diejenigen Frequenzen. der auf Grund einer Krankheit die wichtigsten Tastnerven in der Haut fehlten. dass bei Jugendlichen von diesen als schön empfundene Musik stärker die linke Hirnhälfte aktiviert wird. die nicht der Willkür unterliegen. „Sie sind verantwortlich für Streicheleinheiten an das Gehirn. die wir beim Sprechen ausstoßen. Köln-Rheinkassel 2001. Jahrhundert. Manuela Carmen. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets.) Menschenfreundliche Musik.): Die Macht der Töne. Neuropsychologica 40 (13) 2002. Eckart Altenmüller u. Forscher vom Sahlgranska-Krankenhaus in Göteborg um Hakan Olausson hatten eine Patientin untersucht.B. in einer Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten herauszufiltern. ferner zu motorischen Bahnen. in Großhirn zu leiten und dort zu decodieren. Reinhard Flender (Vom Dreifachen Ursprung der Musik. Proc Nat Acad Sci USA 98 (20)(2201).“ wohingegen „sich das menschliche Gehör in eine ganz andere Richtung“ weiterentwickelte. die wir Konsonanzen nennen. ultrahohe Frequenzen wesentlich besser als der Mensch). von Rachmaninoffs 2. in: Tillmann Bendikowski u.und Selbstbelohnungssystems tief im Inneren des Gehirns“ belegen. des Mittelhirns. Es spezialisierte „sich darauf. Dieses Aktivierungsmuster entspricht exakt demjenigen. S. 2242-56). dass sich bei Tieren die Funktion des Gehörs „als Gefahrenindikator noch weiter perfektioniert hat (Hunde. 58 f). Kurz. 13-22) erwähnen neuere Untersuchungen mithilfe von bildgebenden Verfahren zeigten. Erste Umschaltungen erfolgen im Hirnstamm. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20.und Schläfenregion“ einhergeht (vgl. hier finden auch die Verknüpfungen mit der Hörbahn der anderen Seite statt.B. Plath formuliert: „Die im Rezeptor des Innenohrs durch Schallschwingungen ausgelösten Nervenpotentiale werden über den Hörnerv (Nervus statoacusticus.a. Des weiteren zitieren sie Anna Blood und Robert Zatorre (Intensely pleasurable response to music correlate with activity in brain regions implicated in reward and emotion. in: Peter Bubmann (Hrsg. Sprache zu verarbeiten“ (10). Katzen. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie. Nachtvögel hören z. Bei gleichzeitigem Scannen des Gehirns wurde deutlich. Auch das Richtungshören und das Erkennen von Signalen in Störgeräuschen werden als perzeptive Prozesse im Hirnstamm und dem ihm nachgeschalteten Mittelhirn geleistet“ (zit. Münster 2003.: Hits to the left. i ergeben. Band 5. 1181-23. Allerdings war das System der C-Fasern noch intakt. e. flops to the right: different emotions during listening to music are reflected in cortical lateralization patterns. das sind nämlich die Potenzen von 28 – 212 Herz. 2001) mit bildgebenden Untersuchungen. die „eine starke Beteiligung des limbischen Emotions. die Signale nur sehr langsam transportieren. das menschliche Ohr hat sich in Jahrtausenden physiologisch dazu entwickelt. „dass beim Streicheln vor allem diejeni- 43 . Gütersloh 1993. VIII. PRAUSE. (Hrsg. der inneren Anteile der Schläfenlappen und der unteren Stirnregion. 9-20) führt aus. a. n. Im Hirnstamm bestehen Verbindungen zu den vegetativen Zentren.

Stuttgart 2002 44 . Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens.C. Insofern würde durch die Musik „gewissermaßen der natürliche Takt des Gehirns aufgegriffen und stabilisiert“ (Bild der Wissenschaft 8. weil an den Versuchen nur wenige Frauen teilnahmen. insbesondere auch die motorischen Zentren bei musizierenden Männern vergrößern sich sogar manche Hirnteile. reagierten auf die Zärtlichkeiten nicht“ (Bild der Wissenschaft 10/2002. 811. Christo Pantev vom Institut für experimentelle Audiologie an der Universität Münster hat mit einem Magneto-Encephalographen nachgewiesen. Bei anschließenden Computeranalysen zeigte sich. 392. Hören. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren haben Forscher des Gesellschaft für Neurologische Wissenschaften nachgewiesen. Weitere Literatur: Manfred Spitzer: Musik im Kopf. 64). (für Musikerinnen können keine gesicherten Aussagen gemacht werden. S.und abschwillt und zudem Melodielinien häufig wiederholt werden. Washington D. dass Musik verschiedene Seiten des Gehirns aktiviert. Musiker werden mit dieser Eigenart nicht geboren.) Der Chicagoer Neurologe John Hughes hat „bei Epilepsie-Patienten festgestellt. Musizieren.gen Hirnareale aktiv sind.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl. Das Gehirn passt sich durch die jahrelange Musikpraxis an. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. 6678. Dieser Tatbestand kann für die Wiederherstellung von beschädigten Gehirnfunktionen genutzt werden (nature Bd. 2003. sondern tatsächlich auch die Zahl der Anfälle senkte. das Kleinhirn von Musikern ist im Durchschnitt 5% größer als das von Nichtmusikern. Nr. S. 11). die Emotionen auslösen. „dass eine Sonate für zwei Klaviere von Mozart nicht alleine die im EEG gemessene Hirnstromaktivität normalisieren konnte – selbst bei Patienten im Koma -. Leah Ariniello. aus dieser Tatsache erscheint Musizieren als geeignetes Mittel zur Therapie neurologischer Schäden. Genau diese Regelmäßigkeiten aber – die sich in geringerem Maß beispielsweise auch in der Musik Haydns und Bachs fanden – gingen parallel mit manchen im Gehirn selbst auftretenden rhythmischen Aktivitätsschwankungen“. Society for Neuroscience. Musiktherapeutische Umschau 1999. 100 f). Norderstedt 2005. Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. Hirnareale. die Tastreize verarbeiten. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr langsamen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). dass ausgebildete Musiker aufgrund ihres hervorragenden Gehörs mehr Nervenzellen für die Verarbeitung von Tönen der Tonleiter mobilisieren als andere Menschen. 41) Das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato. dass in der Mozartschen Musik die Lautstärke offenbar in besonders regelmäßigen Perioden an.

Wiesbaden: Reichert. Stefan Koelsch: Ein kognitives Modell der Musikrezeption.de „Das Gehirn giert nach Musik. Heidelberg 1998 und: Robert J. Die Wirkungen des Singens auf das das Gehirn: neuronale Harmonisierung und Synchronisation. In: Hrsg. Melodie und Rhythmus sind Schlüssel zur Sprache. Zatrone und Isabelle Peretz (Hrsg.): The biological foundations of music.cns. Hüther. 2004 der Musiktherapeutischen Umschau ist der Beziehung zwischen Musiktherapie und den Neurowissenschaften gewidmet.hmt-hannover.. 137-156) Im Internet: www. 133-171 45 . New York (Academy of Science) 2000 Das Themenheft 1. Gisela M. Aktivierung emotionaler Netzwerke und Neubahnung. Lenz.de www. Behavioural Process 60 / 2002. the neuroaffective foundations of musical appreciation. Gerald (2006): Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. Monika. beschreibt Wolfgang Bossinger in seinem Buch über die „Heilende Kraft des Singens“. Musiktherapeutische Umschau 2005. 2003. Heilmittel nach Schlaganfall“ ist Titelthema des Zeitschrift Bild der Wissenschaft 8. dort sind weitere Quellen angegeben. 365-381 Jaak Panksepp und Günther Bernatzky: Emotional sounds and the brain. Norderstedt 2005.: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland): Jahrbuch Musiktherapie.mpg. 133-155 Nöcker-Ribaupierre.immm.Robert Jourdain: Das Wohltemperierte Klavier. Wie Musik im Kopf entsteht. S.

das Lösen von Rechenaufgaben z. wird die folgende Fallgeschichte der ParkinsonPatientin Alice H. Heute dagegen helfe die Direktverbindung im Gehirn Patienten beim Erlernen von Bewegungen. Hautwiderstand. (Vgl. Bachs Musik steigert Muskelpotentiale sowohl im Beinals auch im Stirnbereich. meint der gebürtige Hamburger.und Huntingtonkranke in seinem Zentrum das Gehen mit Musik.: Neue Entwicklungen der neurologischen Musiktherapie und ihre Bedeutung für Alterspatienten. und zwar auch dann. 42) „Das Team um Thaut vom Zentrum für biomedizinische Musikforschung untersucht seit Jahren die Wirkung von Musik auf das Gehirn. die eigene Gestimmtheit. obwohl sie die Taktänderung bewusst gar nicht wahrgenommen hatten. In Bild der Wissenschaft 8. die Bewegungen steuern.: Thaut. Hormonhaushalt. Dabei hilft Musik nicht nur beim Erlernen von rhythmischen Bewegungen wie Gehen. Habe ein Zweig geknackt oder das Laub geraschelt. Kürzlich konnte das Team zusammen mit Volker Hömberg von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf zeigen. S. individueller Geschmack. nicht nur die rhythmischen. dass der Mechanismus dem Gehirn hilft.“ Körperreaktionen beim Musikhören sind: Pulsbeschleunigung.H. „wenn die Aufmerksamkeit der Versuchsperson abgelenkt ist.“ Rhythmische Musik lässt Muskelpotentiale im Bein ansteigen. „Einstellung zur Musik. weitergegeben: 46 .B. Änderte sich dabei der Rhythmus leicht. 2003. Musik und Gesundheit. Was Tänzer schon immer wussten. Sensibilität. so dass sie das dargebotene Musikstück nicht einmal bewusst wahrnimmt.“ (s. dazu: Rüdiger Liedtke. Atmung. konnten sie ohne lange zu zögern wegrennen. sagt Thaut. Mitbestimmend für die Körperreaktionen sind. Veränderung von Blutdruck. 2002. 17-18). Die Forscher ließen Freiwillige zum Takt eines Metronoms mit einem Finger klopfen. München 1985. Das sei für unsere Vorfahren überlebenswichtig gewesen. aktiviert Muskelpotentiale im Stirnbereich. Die Vertreibung der Stille. unsere Bewegungen an Geschehnisse in der Umwelt anzupassen. M. Offenbar unterstütze Musik alle Aspekte einer Bewegung. 3. 36 ff. musikalische Vorbildung. passten die Probanden die Bewegungen ihrer Finger sofort an. Stoffwechsel und Verdauung. So konnten Schlaganfallpatienten nach einer Musiktherapie zielgerichteter nach einem Gegenstand greifen als zuvor. Neben Schlaganfall-Patienten üben auch Parkinson. Dabei entdeckten sie eine direkte und nach Thaut „erstaunlich schnelle" Verbindung zwischen den Hörzentren im Gehirn und den Bereichen. sagt Thaut.7 Körperliche Reaktionen beim Musikerleben Musik bringt das Vegetativum zum Mitschwingen. Thaut vermutet. konnte Thaut in Experimenten nachweisen: Rhythmen dringen direkt und ohne Umweg über das Bewusstsein in die Glieder. dass Musik auch willensgesteuerte Armbewegungen verbessern kann.4.

Das bestätigen Forscher vom Memorial SloanKettering Cancer Center in New York. Reilly (Über den Einsatz von Musik gegen Operationsstress bei Alters-Patienten. dass durch Musikhören in Verbindung mit katathymem Bilderleben. (Anne Müller: Aktive Musiktherapie: Stimmungen. einer Situation“ (16). Sowohl psychologische Tests als auch Messungen der biologischen Parameter. und wenn die Ampel auf Grün sprang. die on mit unklaren Befürchtungen unvereinbar Maureen P. dass rhythmische Reize nicht nur die Hörrinde stimulieren. 1994). und springt die Ampel auf Grün. Daraus folgt. Therapieerleben und immunologisch relevante Speichelparameter. dass schmerzleitende und akustische Nervenbahnen im Körper dicht beieinander liegen. Singen.) konnte die positive Beeinflussung des vegetativen Nervensystems und des Stress. musste sie wie angewurzelt auf der Schwelle verharren. überquert sie mit sicherem Schritt die Straße. „werden ihre Bewegungen fließend und frei. der das Konzert der Neuronen koordiniert“ (41).„Immer wieder hatten die Krankheitsattacken sie überfallen. Akustische Reize sind daher in der Lage. die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu hemmen. Ihr Gesicht zuckte dann.und Schmerzempfindens bei Katarakt-Augen-Operationen in Lokalanästhesie durch Musik nachweisen. als gehorchten sie dem Willen nicht mehr. Wenn Alice eine Zimmertüre öffnen wollte. Musik und Gesundheit 4/2002 15 f. Bei einer Gruppe von 32 Patienten im Lebensalter über 65 Jahren wurde vor und während der Operation vom Patienten selbst gewählt Musik per Kopfhörer angeboten. Frankfurt a. schienen sie zu Eis zu erstarren. Der schmerzlindernde Effekt von Musik beruht darauf. Die Forschungen von Michael Thaut und seinem Team zeigen. ihr Körper wackelte und zitterte. sowie emotional-positives Erleben tionsstress bei Alters-Patienten. ergaben. die bekanntermaßen bei der Koordination motorischer Abläufe im Spiel sind. „sondern auch eine Vielzahl sogenannter senso-motorischer Rindenareale. „Wenn die zeitlich hochkomplexen motorischen Abläufe im Gehirn nicht mehr ausreichend abgestimmt würden. ebenso wie das Kleinhirn – ein ganzes Netz von Nervenzentren also. Reaktionen führte. Untersuchungen der Zusammensetzung des Speichels haben ergeben. M. und kaum dass sie ihre Glieder bewegen wollte. dass sich mit rhythmischen Reizen motorische Prozesse im Gehirn von außen steuern lassen. könnte rhythmische Musik die Funktion eines Zeitgebers übernehmen – und gewissermaßen den Takt geben. Musik und Gesundheit 4/2002. besonders aber durch Improvisation auf Instrumenten in Musiktherapie-Sitzungen das Immunsystem deutlich gestärkt wird.und Schmerz.“ Wenn sie den aufsetzt. dass die Musikanwendung vor und während des nicht ganz angenehmen Eingriffes in 4 Wirk-Ebenen der Musik: Lokalanästhesie zu einer signifikanten Senkung der Stress. REILLY: Über den Einsatz von Musik gegen Operasind. Selbst die Aktivität von motorischen Nervenzellen im Rückenmark scheint durch akustische Reize beeinflusst zu werden. klebten ihre Füße am Boden.“ „Die Verbindungen zwischen Musik und Motorik funktionieren teilweise sogar unterhalb der Bewusstseinsschwelle“ (38). Musizieren und bewusstes Zuhören ermöglichen Schmerz-Patienten zu entspannen. nachzudenken und neuen Mut zu schöpfen. 47 . Doch nun trägt Alice bei all ihrem Tun einen Walkman.“ Die Autorin betont in positive Imagination und diesem Zusammenhang vier wichtige Gedankenklarheit. Musik gibt ihr die Gewalt über ihren Körper zurück. Blutdruck. sowie „tiefe Körperentspannung. positive emotional-positives Erleben einer SituatiImagination und Gedankenklarheit. die mit unklaren BeWirkebenen der Musik: fürchtungen unvereinbar sind.tiefe Körperentspannung. Offenbar fließen akustische Informationen direkt in das motorische System ein. Herzfrequenz. wie Blutspiegel des Stresshormons Cortisol. Maureen P.

der Blutdruck kann bis zu 240 Millimeter/Quecksilbersäule steigen.Ouvertüre Nr. wenn die Band Musik spielte. Michael Schreiber: Körperreaktion: Sympathische parasympathische Musik . 46). S. während des Dirigierens der Leonoren . löst Tiefenentspannung bei gleichzeitiger geistiger Leistungssteigerung aus. dass sie ihn besonders emotional berührten (Liedtke 1985. 3 bei Stellen. Oktober/ Verdauungsmobilität fällt steigt November 1988. dramatisch lyrisch (Vgl. Droge und Terror. Da beispielweise Trauer und Angst die Schmerzintensität steigern. Bei diesen Körperreaktionen sind Emotionalität und Körper nicht voneinander zu trennen. Karajan z. Ein weiterer schmerzlindernder Aspekt liegt darin. bedeutet das wieder ein Stück Selbstbestimmung. dass Patienten beim Musizieren negative Gefühle ausleben können. dass immer. durch leichtes Schwitzen. das langsam wieder zur Norm Dur Moll zurückgeführt werden dissonant konsonant muss. das geschieht durch das musikalische Antistresshormon Eigenschaften: (ACTH).Trostspenderin Tonuslage: Tonuslage: oder Nervensäge. Wenn das nicht polyphon homophon geschieht.. von denen er selbst meinte. die stärker waren als bei höchst riskanten Flugmanövern. S. der sich im berühmten „kalten Schauer“. die Behandlung aktiv mitzugestalten. Aufstellen der Haare und ähnlichen zeigt.Die Musiktherapie bietet darüber hinaus dem Patienten durch eigenes Musizieren die Möglichkeit. bei der Veränderung des Hautwiderstandes etwa. feuchte Handflächen. MediBlutdruck steigt fällt zin und elektronische Atmung steigt fällt Musik aus der Sicht eines Herzfrequenz steigt fällt Hautwiderstand steigt fällt Münchner Arztes. wobei die Messung der Gehirnwellen ein ähnliches Bild zeigten wie bei meditierenden Personen“ (trophotrope Wirkung) (Vgl. Ein Beispiel für ergotrope Musikwirkung gibt Klaus-Ernst Behne in seinem Artikel: Wirkungen von Musik (Musik und Unterricht. 44) innere Sekretion (Drüsen) gehemmt angeregt Stefan Evers gibt eine Muskelspannung steigt fällt Zusammenfassung aller weit Pupillen eng nachgewiesenen Körperreaktionen beim Musikhören in seinem Aufsatz „Was geschieht bei Musikhören im 48 . „Der Herzschlag verlangsamte sich um durchschnittlich 5 Schläge pro Min. Zur ergotropen und trophotropen Wirkung von Musik: Nach einer bulgarischen Untersuchung wirkt klassische Musik mit dem Grundschlag 60 pro Min. die Radfahrer schneller fuhren. Neue periphere Durchblutung fällt steigt Musikzeitung. deren Leben häufig nur noch vom Schmerz bestimmt wird. beruhigend auf Körperrhythmen. Wien 1986). handelt es sich zugleich immer auch um Indikatoren für emotionale Einflüsse durch Musik. die Beschleunigung steigerte sich bis zu 14%. Berieselungsmusik. der Blutdruck sank. schafft eine Verarbeitung dieser Gefühle Erleichterung und verringert dadurch das Leiden (aus: „Hören heute“. Heft 18/1993. 304).B. während er normalerweise bei 120 liegt. sind Kreislaufstaccato legato großer Ambitus kleiner Ambitus und Herzüberbelastung akzentuierter Rhythmus melodischer Rhythmus die Folge. Elisabeth Haselauer. 7): in einer Untersuchung aus dem Jahre 1911 wurde bei einem 6-Tage-Rennen festgestellt. zeigte vegetative Körperreaktionen. S. Beim Hören von sehr lauter Musik entstehen Stressphänomene. Musiktherapeutische Umschau 2002. Für Menschen.

die Verdauungstätigkeit und Drüsensekretion abnehmen und sich die Pupillen weiten. „die Fähigkeit des Herzens. Es gilt kein mechanistisches Verständnis. die zeitlichen Abstände der Herzschläge kontinuierlich zu verändern. So kommt etwa Cheryl Dileo Maranto in einer Untersuchung über rezeptive Musiktherapie zum Ergebnis. Norderstedt 2005) in entspannender. die periphere Durchblutung. bei der Blutdruck.16-18): Körperliche Reaktionen sind stark von der individuellen Disposition des Menschen abhängig. dass neben den Eigenschaften und Elementen der Musik auch der Vertrautheitsgrad. wichtig zur Vermeidung von Schlafstörungen) und des Dehydroepiandrosteron aus der Nebenniere. Singen stärkt das Immunsystem (vgl. Heal and T. geringerer Atem. in : ders.de ). außerdem unter www. S.und Verdauungstätigkeit und Verengung der Pupillen einher geht. sie können allerdings nicht verallgemeinert werden.. Bossinger zeigt auf. ein optimal harmonisches Frequenzspektrum im EKG (ebd. akzentuiertem Rhythmus und dramatischem Charakter ruft eine „sympathische Tonuslage“ hervor.und Herzschlagfrequenz.de/pages/presto0505. 94.“ zu stabilisieren vermag (ebd. Norderstedt 2005. 157).hmt-hannover.) Music Therapy in Health and Education. 29-43) konnte bei Versuchspersonen.a. Die Wirkungen der Musik auf das Herz bestehen nach Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Wigram (Hrsg.: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. 120 ff) und fördert die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen und insbesondere des Hormons Melatonin aus der Zirbeldrüse (u. die miteinander Dialoge improvisieren hoch signifikante Übereinstimmungen zwischen der Herzfrequenz der beiden Musiker und dem Rhythmus der von ihnen gestalteten Musik feststellen. dass beim Singen verbesserte „Herzkohärenz“ auftritt. dass zwischen dem Rhythmus regelmäßiger Klicks und Pulsfrequenz ein von ihm als „Magneteffekt“ bezeichneter Anpassungsprozess entsteht.immm. die Sexualität. Blutdruck und Herzfrequenz senkender Wirkungen. s. Bei der Gestaltung rezeptiver Musikbehandlungen müssen diese Faktoren neben der Beschaffenheit der gewählten Musik berücksichtigt werden (Applications of music in medicine. dessen Mangel bei vielen schweren Erkrankungen festgestellt wird (vgl. kleinem Tonumfang. hierzu auch: Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens.herzharmonie. mit Dissonanzen und Staccato-Klängen. Louis 1993. http://www.. mit großem Tonumfang. 128 ff). den Darm. in: M. Die körperlichen Reaktionen auf Musik stellen sich allerdings nicht automatisch ein. Bei eigenen Patienten konnte er nachweisen. dass Singen die Herzratenvariabilität.und Herzschlagfrequenz sowie Muskelspannung steigen.pdf Gerhard Harrer (Das Musikerlebnis im Griff des naturwissenschaftlichen Experiments. 3-54) konnte nachweisen. Vgl. Des weiteren wirkt des Singen positiv auf den Magen. dass es darüber hinaus noch mit mehr Sauerstoff versorgt wird (vgl. beim Gesang kommt noch hinzu. 49 . Atem. Hrsg. während homophone. . bei der das Herz sich regenerieren kann. löst Angst und Schmerz. Lutz Neugebauer (Musik als Dialog – eine Untersuchung zu physiologischen Veränderungen während der Musiktherapie. konsonante Musik in Moll mit legato geführter Melodiebildung. 107-120 ausführlich dargestellt. der musikalische Geschmack sowie biographische Erfahrungen und Assoziationen für die Wirkung von Musik verantwortlich sind. die mit fallendem Blutdruck und Hautwiderstand. Stuttgart 1992. melodischem Rhythmus und lyrischem Charakter eine „parasympathische Tonuslage“ hervorruft. Dennoch kann folgendes grobe Reaktionsschema festgestellt werden: Polyphone Musik in Dur. St.menschlichen Körper? Zur Physiologie des Musikerlebens“ (Musik und Unterricht 7/1991. MU 1998. angeregter Drüsen.). 105). abfallendem Muskeltonus. indem die Muskulatur entspannt wird.

Musik und Gehörlosigkeit. Karl Adamek: Singen als Lebenshilfe. 68).pdf Singen führt zur Verbesserung des Atemvolumens. Münster 1997). d. mit 40-50 Hz in Knien. In: Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie.norwegischen Untersuchungen. Aufgrund dieser Beobachtungen kann davon ausgegangen werden. Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern (Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. mit 50-60 Hz im Bereich des Brustkorbs und mit 60-75 Hz in Kopf und Nacken gespürt werden. Mthp. Band 5. Besserung bei Rheumatismus und verlängerte Schlafdauer herbeiführt. Berufsstress und bei Neurosen eintreten. Auch die Obertöne der verschiedenen Vokale bringen Zentren im Körper zum Schwingen: Das I schwingt im Kopfbereich Das E im HalsDas A im BrustDas O im Bauch. in Knöcheln und Waden. dass der ganze Körper als vibratorsicher Rezeptor dient. Schmerzlinderung. Köln-Rheinkassel 2001. S.Unabhängig von diesen Faktoren lösen tiefe Frequenzen vibratorische Tonempfindungen im Körper aus. dass Hilfe u. die krampflösende Effekte. bei spastischen Reaktionen. d. Aus diesen Erkenntnissen wurde eine "Vibrations-Akustik-Therapie" (VAT) entwickelt. Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. Tony Wigram berichtet in seinem Aufsatz "Die Wirkung von tiefen Tönen und Musik auf den Muskeltonus und die Blutzirkulation" (Zeitschr. PRAUSE. S. VAN UHDEN weist darauf hin.und Das U im Gesäßbereich Inge Kritzer: Atem und Stimme. Fallbeispiele belegen. Siegen). Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle (Kölner Studien zur Musik in Erziehung und Therapie.musiktherapie-sasp. Töne zwischen 80 und 130 Hz in der Brust. dass Niederfrequenzklänge mit 30-40 Hz. 50 . die ergaben.15.a. 3-12) von britisch . KölnRheinkassel 2001. Dabei werden Töne zwischen 40 und 80 Hz im Bauch. Steigerung der Gedächtnisleistung und des psycho-physischen Gesamtzustandes (Hans Sittner: Musikerziehung zwischen Theorie und Therapie. 68). www. Östrr. Berufsverb. dass durch Musik und einzelne Klänge der Schwingungszustand des Körpers sowohl auf der Haut als im Körper verändert wird. n. Band 5. 179. Töne zwischen 130 und 250 Hz im oberen Brustbereich und Töne zwischen 250 und 500 Hz in der Kehle empfunden (zit. Manuela Carmen. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets.de/material/forum/2. Klänge versetzen den Körper in Schwingung. Wien 1974. 2/91. Schenkeln und Unterleib.

kann singend länger ausgehalten werden als nicht singend“ (185). steigert die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus’. das beim Singen entstehende „natürliche Vibrato. 34) sollte zuerst die Aufgabe singend und nach der Pause nicht singend erledigen. 95). ebd. S. ebenfalls in zwei Abschnitten mit einer halben Stunde Pause dazwischen. Alter 16 bis 64. Münster 1996. Die Aufgabe bestand für alle darin. die einen ersten Testdurchlauf ohne Singen und einen zweiten nach einer halben Stunde Pause singend absolvieren sollte. Adamek untersuchte drei verschiedene Gruppen: die erste Gruppe bestand aus 51 Personen (30 Frauen. 25 Frauen. fördert damit die Entgiftung. Norderstedt 2005) beschreibt ausführlich die Wirkung des Singens auf die Atemtätigkeit: 1. eine Kontrollgruppe (52 Personen. 97 f). eine Energie generierende und eine Energie transformierende Funktion zu. S.o. das Atemvolumen wird vergrößert 8. - Die erste Gruppe konnte ihre Leistungen allein durch Singen um 132 % steigern. insbesondere auch das Rosenkranz – Beten aktivieren Selbstheilungskräfte und befreien von Stress und Verspannungen (vgl. „Eine körperliche Belastung. Erstere betrifft das Abreagieren von Spannungen. 35).: Vokalspirale). 180 ff) wies in einer empirischen Untersuchung nach. 6. zweites die Mobilisierung von Körperkräften und drittes die Umwandlung von psychischen Spannungen in Kräfte des Wachstums und der Genesung im musiktherapeutischen Prozess. 21 Männer) im Alter von 16 bis 60 Jahren (Durchschn. welches mit einer Frequenz von 4 – 7 Schwingungen pro Minute schwingt“ erzeugt vermehrtes Auftreten von sehr lang51 . 6) wird eine amerikanische Untersuchung zitiert. trainiert die Atemmuskulatur und Lungengewebe. Durchschn. 5. Singen von Mantren. die nicht singende Gruppe lediglich um 73%. Adamek spricht dem Singen eine Energie kanalisierende. 2.Im „Readers Digest (Sept 1987. die zweite Gruppe (48 Personen. Karl Adamek (Singen als Lebenshilfe. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Rezitieren und Beten. der zufolge Opernsänger ein größeres Lungenvolumen und eine effektivere Herzfunktion und eine deutlich höhere Lebenserwartung besitzen. es verlängert den Prozess des Ausatmens. 29 Frauen und 23 Männer im Alter von 16 bis 59. 3. 4. Norderstedt 2005. die gleichzeitiges Singen nicht ausschließt. 37) bewältigten die Aufgabe ohne Singen. 7. löst muskuläre Verkrampfungen und Verspannungen. sie bildet „eine ‚Hotline’ zum vegetativen Nervensystem. die beim Singen gesteigerte Zwerchfellaktivität stimuliert alle Organfunktionen in der Bauchregion. dass „durch Singen temporär die physische Leistungsfähigkeit erhöht“ wird. Durchschn. an waagerecht seitlich ausgestreckten Armen Gewichte von 500 Gramm so lange wie möglich zu halten. Die besonders intensiv belebende und/oder entspannende Wirkung des Singens entsteht aufgrund der direkten Verbindung zwischen „Kehlkopfmuskulatur und dem parasympathischen Vagusnerv“. Entschlackung und Entsäuerung des Körpers. die zweite Gruppe erreichte bei ihrem zweiten Durchlauf ohne Singen lediglich nur 56% ihrer zuvor singend erbrachten Leistung. die Vokaltöne fördern die Durchblutung in verschiedenen Körperregionen (s. 23 Männer. Weiterhin beeinflussen die beim Singen beteiligten Vorgänge wie Atmung und Muskeltonus direkt vegetative Prozesse im Gehirn“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens.

100 f). Durch die Atemintensivierung und verstärkte Zwerchfellaktivität wird eine Stimulation sämtlicher Organfunktionen in der Bauchregion angeregt und die Verdauung reguliert. Cramer 1998. Hierdurch wird ein Resonanzeffekt mit endogenen Rhythmen des Blutdrucks und des Herzschlages ausgelöst. Bossinger 2007. Rittner. Singen stimuliert die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin (es lässt Menschen friedfertiger. der diese Zusammenhänge an der University of California erforschte. Singen weckt physische Kraftreserven (vgl. 201). 5. der durch Rückkoppelungseffekte harmonische. sind gesünder und leben länger als der Durchschnitt der Bevölkerung (L. Singen stärkt das Immunsystem. Beck. die schmerzstillend und stimmungsaufhellend wirken). regenerierende Pulsationen herbeiführt (Herzkohärenz) (vgl. welche die Kommunikation mit der rechten Gehirnhälfte verbessern und so die Lern. Bossinger 2007. Singen kann überschüssige Magensäure reduzieren und die Durchblutung der Magenschleimhaut verbessern (vgl.samen Gehirnwellen (4 – 8 Hertz). die viel und lustvoll singen. 132)“. Opernsänger) und Menschen.und Erinnerungsfähigkeit sowie assoziatives und kreatives Denken erhöhen (vgl.): - - - - - - - - - „Singen intensiviert die Körperinnenwahrnehmung »durch die Vibrationen in den Hohlräumen des Skeletts und durch die Schwingungen der Körperflüssigkeiten« (Cramer 1998. 5. umso stärker ist die heilende Wirkung« (in: Bossinger 2007. vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein). S. Hervorhebungen H. S.201).130f). Aktive Sänger (z. Singen steigert die Endorphinproduktion (Endorphine sind körpereigene Opiate. S.O. Er entdeckte auch Zusammenhänge zur inneren Beteiligung der Sänger: »Je leidenschaftlicher und hingebungsvoller die innere emotionale Beteiligung beim Singen. Bygren et al in: Bossinger 2007. Sabine hat in ihrem Aufsatz „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (MU 2008. Singen stimuliert das Knochensystem und unterstützt die Beweglichkeit der Gelenke (vgl. Früher halfen dazu die Arbeitslieder. 52 . fand bei Chorsängern eine Steigerung der Immunglobulins A auf bis zu 240% des Ausgangswertes. Speziell das wiederholte Rezitieren von tradierten Lautformeln. Die Resonanzen von Vokalen (und auch von Strömungskonsonanten wie »sss« oder »mmm«) lösen Durchblutungsverbesserungen in ganz bestimmten Körperregionen aus.K. Adamek 1999).) Singen verbessert die Herzratenvariabilität (ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Herzens).B.157f). (Hier ist allerdings auch an aggressionssteigernde Kampflieder zu denken.148f). S. 201-220) die Ergebnisse von Forschungen über die Wirksamkeit des Singens in der folgenden Liste zusammengestellt (215 f. gesungenen Gebeten oder einigen spezifischen Mantras kann die Atmung auf 6 Schwingungen pro Minute einschwingen.

Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. Wir sind Leib.Die enge Verbindung zwischen Musik und unbewussten psycho-physischen Vorgängen nutzen Werbestrategen in großem Stil. die Körperrhythmen auf ihre doppelte Frequenz zu treiben. der wir sind. Umgekehrt lässt ein hektischer Mensch im Auto. Östrr. 11). die über vier Monate das Didgeridoo spielten. das geeignet ist. Und genau diese Muskeln werden durch die spezielle Atemtechnik beim Spielen des Didgeridoos stark beansprucht und intensiv trainiert“ („Bild der Wissenschaft“. 3/2006. träumerischen Situationen wählen die Leute auch entsprechende ruhige. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft verstärkt zu Flaschen aus Deutschland“ (72). Es besteht also eine Tendenz. das ohnehin schon vibriert. 53 . die die oberen Atemwege offen halten. Mthp. der im „Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen“ mitschwingt (266 f). durch den Psychologen der Universität Leicester nachweisen. waren danach „tagsüber deutlich wacher und schliefen nachts besser. Barbara Haselauer schreibt in ihrem Aufsatz „Leise rieselt der Beat“ (Zeitschr.grundsätzlich und daher auch vermittels Musik. schwächer ausgebildet. 21-27): „Wir beobachten.3/88. dass Menschen ihre gerade statthabende Befindlichkeit durch Musikwahl noch verstärken. In Bild der Wissenschaft 11/2001 wird von einem Versuch berichtet . Wiesbaden 2001) hebt die enge Verbindung des Musikerlebens mit der Leiblichkeit hervor. Lebenslagen zu perpetuieren . Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische Akkordeon-Weisen erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer wein als deutscher verkauft. statt sie herabzusetzen. (nicht. In ruhigen. wie wir beim Einkaufen unbewussten Abläufen zum Opfer fallen. Berufsverb. d. Teilnehmer an der Studie. aus dem Autoradio Musik in einem Tempo dröhnen. „Der ganze Leib“.“ Brändi erklärt sich den Effekt folgendermaßen: „Bei krankhaften Schnarchern sind die Muskeln. weichen. Schweizer Forscher um Milo Puhan von der Universität Zürich und Otto Brändi von der Züricher Höhenklinik Wald weisen in einer Studie nach. den wir haben) sei „als totales Sinnesorgan“ bei der Wahrnehmung aktiv. „dass das Spielen des australischen Didgeridoo krankhaftes Schnarchen mildern kann. d. weiche Musik.

wenn sie von einem guten Freund bzw.) Diese Beziehungen zwischen emotionalem Erleben und Musikwahl korrespondieren mit Gesetzmäßigkeiten bei musikalischen Tagträumereien (Melodien.“ Impulse des nervus acusticus beeinflussen direkt die im Limbischen System "lokalisierten emotional aktivierenden Strukturen. beispielsweise beruhigende Musik in Zuständen des Ärgers (überwiegend ältere Personen) Bei Trauer und Melancholie wählen 50% der Befragten nach dem Kompensationsprinzip lieber fröhliche. Musik und Medien. Zu ersterem neigen eher die Mädchen. Ein Vergleich zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. um sie zu kompensieren. zu dem Ergebnis dass uns Menschen in bestimmten Stimmungslagen „unbeabsichtigt“ und scheinbar ohne ersichtlichen Grund Melodien . Frauen sind bei dieser Gruppe stärker vertreten Ältere Personen greifen bei Melancholie und Trauer eher zu fröhlicher Musik Jugendliche hören dann vorzugsweise traurige Musik. dass Kinder in einer solchen Situation entweder Musik einsetzen. einige. Freude. oder um in ihre Rachegefühle auszuleben.a. wie Heavy Metal. Heft 18/1993. um die Trauer zu intensivieren.“ Sie sollten angeben. die Trauerarbeit zu intensivieren und somit zu verkürzen.) zu folgenden Ergebnissen: Ein Drittel der Befragten geben an. 164 ff. Stuttgart 1992) weisen darauf hin.): Jugend. 271 ff. darunter sind keine Jugendlichen Jugendliche benutzen bei Wut und Ärger primär aggressive Musik. Musikalische Fähigkeiten scheinen bei diesen emotional motivierten Musikpräferenzen kaum eine Rolle zu spielen (Musiktherapeutische Umschau 2002.sogenannte „neurophysiologische patterns. Weinheim und München. schlechtes Gewissen etc. 22) . Jung 1907 hinwies). auf deren tiefenpsychologische Bedeutung übrigens bereits C. R. welche Art von Musik sie wählen würden.4. Schramm und P. Vorderer (Musikpräferenzen im Alltag. um sich mit ihr zu trösten. Wut. Wut oder Ärger (auch bei monotoner Hausarbeit) wird kontrastierende Musik nach dem Kompensationsprinzip gewählt.Schaltkreise angelegt sind. Musik und Unterricht. u. Neid. Das Ergebnis zeigt.einfallen. während die andere Hälfte traurige Musik hört. bei Wut und Ärger keine Musik hören zu wollen. in welchem Ausmaß Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren „über Strategien verfügen. Eifersucht. 4 . aktivierende Musik. Trauer. (Hrsg." (S. Musik kompensatorisch. Ruhe und Gelassenheit wird stimmungskongruente Musik gewählt („IsoPrinzip“) Bei Trauer. durch die von allen Menschen "anscheinend gleich" verschiedene Emotionen wie Angst. etwa zur Bewältigung unangenehmer Stimmungen und Gefühle einzusetzen. Liebe.8 Anmerkungen zur emotionalen Wirkung von Musik Spintge und Droh (Musik-Medizin. Melancholie. dass die Musik ihnen helfe.9) ist der Frage nachgegangen. dass insbesondere im Limbischen System lokalisierbare Neuronen . Ein Drittel dieser Personen gibt an. G.in 80 % der Fälle Melodien mit Text . S. einer guten Freundin enttäuscht worden seien und nun stinksauer seien. in Vorb. Aufgrund von Leitfadeninterviews mit 21 Personen und einer repräsentativen teilstandardisierten Telefonbefragung von 150 Personen kommen H. Jedoch produzieren wir diese Melodien nicht immer richtig in Tempo und Tonlage son54 . um sich abzureagieren Bei Freude. Herma Petri-Wolde kommt in ihrer Dissertation „Wesen und Erscheinungsformen musikalischer Tagträumereien“ aus dem Jahre1958. in: Müller. zu letzterem eher die Knaben. 20) Klaus-Ernst Behne (Wirkungen von Musik. erlebt werden (S. die einem im Alltagsleben unvermittelt und unwillkürlich in den sinn kommen.

B. die von ihnen als traurig oder fröhlich eingeschätzt wurde. Musikpädagogische Forschung 1982. Dabei zeigte sich unter anderen. insbesondere auch diejenigen mit psychischer Behinderung Darstellungen von Gefühle besser erkennen können als Erwachsene (Darstellung und Erkennen des emotionalen Ausdrucks in musikalischen Improvisationen bei Kindern und Erwachsenen. die kathartisch entlasten. führt Klaus Ernst Behne auf das Phänomen der Geste zurück. S. dass die Melodieproduktionen stets einen positiven Effekt auf die Stimmungslage haben. Trauer und Freude ausdrücken und als Zuhörer erkennen können. die in den Bewegungen der Klänge wiedererkannt werden. die die Studierenden selbst zu den Sitzungen mitbrachten (hauptsächlich populäre amerikanische Titel der frühen 1990er Jahre. Freude.a. oder es fallen ihnen beschwingte Melodien ein. dass Berufsmusiker Kompositionen so interpretieren können. bestimmten Gefühlen entsprechen bestimmte Körpergesten. dass Kinder. Freude. Piesbergen und Tunner (Musikalisch . Ärger und Angst angeben. 133-155) berichten von einer Untersuchung der Stimmungsveränderung bei 16 Studenten im Alter von 19 bis 23 durch Musik. Eine ähnliche Untersuchung führten Cordelia Volland und Gabriele Hofmann mit Erwachsenen sowie Kindern mit und ohne psychischer Behinderung anhand der Gefühle Freude. Dabei würden den Personen. in Behne u. wobei es zur Stimmungsaufhellung komme. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden. 125-145). Musiktherapeutische Umschau 2003. S. Im Verlauf der folgenden 20 Minuten. zu hoch oder zu tief. Ärger und Angst waren nach dem Anhören der Musik deut55 . entweder traurige Melodien einfallen. Ärger und Feierlichkeit weitgehend identifizieren können. 1998. bei positiver Ausgangsstimmung bewirke die Melodieproduktion gleichbleibende oder gesteigerte positive Stimmung. die ihnen in den Sinn kamen und während derer sie nach jeweils zehn Minuten erneut ihre Stimmungslage angaben. Mergl. Trauer. Jahrbuch der Musikpsychologie 13. wenn sie traurig sind. Als musikalischer Stimulus diente die zufällige Auswahl aus Titeln. Solche psychodynamische Selbststeuerungsmechanismen können musiktherapeutisch genutzt werden. also „stimmungsaffin“ produzieren. Hrsg. dass der Gesang überhaupt zustande kommt. mittels Musik Gefühle zu kommunizieren zu können. 205-214) Das allgemein menschliche Vermögen. Behavioural Process 60 / 2002. bei negativer Stimmung Aufhellung. dass Zuhörer die jeweils auszudrückenden Gefühle wie z. wenn Liedauswahl sowie Tempo und Lage von den Patienten selbst bestimmt werden.dern. Trauer und Wut durch. dass auch musikalische Laien in spontanen Improvisationen auf Xylophonen die Grundgefühle Wut. z. zu schnell oder zu langsam. the neuro-affective foundations of musical appreciation. Anhand von Handzeichnungen zu bestimmten Gefühlen konnte Behne diesen Zusammenhang auch kulturübergreifend nachweisen (Musik . die sie aber zu tief und/oder zu langsam.Kommunikation oder Geste?. wobei der Therapeut nur insoweit behutsam begleitend mitwirkt. 69-81) konnten in einer Studie mit 20 Gymnasialschülern im Alter von 17 bis 20 Jahren sowie mit 74 Studierenden und Bediensteten einer Behörde nachweisen. während derer die Versuchspersonen Sachen aufschreiben konnten. Handbewegungen. Jaak Panksepp und Günther Bernatzky (Emotional sounds and the brain. Wie zu erwarten hellten sich verstärkten sich die Gefühle von Freude und Trauer nach dem zehnminütigen Anhören der jeweiligen Musik signifikant. B.improvisatorischer Ausdruck und Erkennen von Gefühlsqualitäten. Im weiteren Verlauf würden sie das Tempo beschleunigen und die Tonlage anheben. Petri-Wolde hat bei ihren Versuchspersonen herausgefunden. An vier Messzeitpunkten der insgesamt vierzigminütigen Musik-Sitzungen sollten die Versuchspersonen auf einem siebenstufigen Selbsteinschätzungsbogen ihre jeweiligen Gefühlslage in Bezug auf Trauer. pendelten sich die Gefühle wieder im Bereich der Ausgangslage ein. je nach Gestimmtheit.

die Beeinflussung interpersoneller Beziehungen im Sinne von Nähe und Distanz (Ist Musik die Sprache der Gefühle? Musik. 113-119). in denen durch Singen kritische Lebenssituationen bewältigt wurden L Summe der Intensität und Häufigkeit aller vergangenen und aktuellen positiven Erlebnisse mit dem eigenen Singen in der persönlichen Lerngeschichte. Harm Willms führte Befragungen bei psychiatrischen Patienten durch. Neugier. die während der symbiotischen Entwicklungsphase. durch Intonisation (Singen) erreichbaren Bewältigungspotentials“ macht das Zusammenspiel der dabei wirksamen Faktoren deutlich: (Singen als Lebenshilfe. Bei diesen Gefühlen handelt es sich um diejenigen. Trauer und Wut. ob und in welchem Maße der Mensch diese Möglichkeit der emotionalen Regulation nutzen kann: Die„Formel des individuellen. Verachtung. Trauer. die über B und K hinausgehen S Trauma Traumatische Verletzungen in Bezug auf das Singen in der persönlichen Lebensgeschichte zweite Klammer: Elemente der Aktualgenese H aktuelle physiologische Hörfähigkeit W aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Wahrnehmung Ref aktueller Grad der erlernten Ausschöpfung der Fähigkeit zur Reflexion Bef aktuelle physische und psychische Befindlichkeit 56 . Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse aber eine sehr signifikante Beschränkung des Gefühlsausdrucks durch Musik auf die Gefühle von Freude. Dabei spielt es keine Rolle. Töne und Tonfolgen frei hörbar oder auch im Stillen vor sich hinsingt. blieben aber unter dem Ausgangniveau (vgl. Mitleid. bis 26. erscheinen und in dieser Zeit bestimmend sind.lich reduziert. Allerdings hängt es sehr von den musikalischen Vorerfahrungen ab. Angst. Lebenswoche der Entwicklung des Menschen. Münster 1996) GL + B + K + L Bi = ( 1 + S Trauma ) X (H + W + Ref + Bef) Bi Bewältigungspotential erste Klammer: Elemente der Ontogenese GL Die Erfahrung der Gestaltungsmöglichkeit durch Lautgebärden im Säuglingsalter B Intensität und Häufigkeit des frühkindlichen Singens mit der Mutter oder einer anderen Bezugsperson K Intensität und Häufigkeit von vergangenen und aktuellen Erlebnissen in der persönlichen Lerngeschichte. also in der 4. Wut. d.h. In einem geringen Maße gab es auch einen musikalischen Bezug zu Angst und Überraschung. Karl Adamek bezeichnet in diesem Zusammenhang Singen als die Möglichkeit zur Bewältigung von emotionalen Spannungen und schwierigen Lebenssituationen und Lebenslagen. stiegen anschließend wieder an. ob der betreffende Mensch Lieder singt oder nur „intonisiert“. Es ergaben sich keinerlei Unterschiede zwischen dem Ausdruck von Gefühlen in der Improvisationsgruppe und den Gefühlen. 144-146). Ekel.B. Überraschung. Tanz und Kunst-Therapie 2004. Auf diesem Hintergrund erklärt er beispielhaft soziopsychologische Phänomene wie z. Schuldgefühle und Scham musikalisch ausgedrückt werden können. in welchem Umfang Gefühle wie Freude. die beim Hören von Musik empfunden wurden.

vor allem die Schüler. London 2000. Springfield 1993) spielte Hörproben aus Europa und Asien verschiedenen Gruppen von kaukasischen Testpersonen vor: Studenten. Warum auch immer: Schüler sind deutlich weniger bereit. War die Musik unvertraut. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. in asiatischer Musik einen Stimmungsausdruck wahrzunehmen als Erwachsene (vgl. Viele Teilnehmer. erkannten in unvertrauter Musik keine Ausdrucksqualität und hielten sie für dumm und bedeutungslos.9 Kulturspezifische Aspekte des Musikerlebens Ruth Bright (Cultural aspects of Music Therapy. Sie kam zu folgenden Ergebnissen: Vertraute Musikstücke wurden von den Testpersonen ähnlich wie von den Komponisten beabsichtigt aufgefasst. 57 . Arbeitern und alten Menschen. In einem Fall hielten die meisten Hörer eine Musik für traurig. The Wounds that Sing.4. die in ihrem Herkunftsland als fröhlich gilt. wurde sie weniger differenziert beurteilt als vertraute Musik. 226).

d. Wie Musik unser unbewusstes Handeln beeinflusst. Wahrnehmen als Betrachter = analogisch. Wittgenstein zitiert in seinem Aufsatz „Kunst . 2. Sie alle sagen dem Empfangenden etwas. Es gehe nicht nur um die Art des Musikerlebens. . das der musikalischen Erfahrung und „ihrer Art und Weise der Wahrnehmung zugrunde liegende Selbstkonzept“ also den „Erlebenden selbst. „Der Mensch hört nicht etwas. 72). Das Ohr nimmt eine kreative Rolle „als ein Informationen suchendes Wesen“ ein.10 Wahrnehmungspsychologische Aspekte des Musikerlebens Paul Hindemith weist auf die besondere Beschaffenheit des Ohres hin: „Das Auge und das Tastgefühl können Größenverhältnisse und Mengen nur aufgrund der Erinnerung und des Vergleichens mit anderen Größen annähernd genau abschätzen. dass das Phänomen des Hörens letztlich ein Geheimnis bleibt (so wie das Leben)“.. sondern immer auch gleichzeitig um die Lebensmethode und das Selbstkonzept.73) O." Kunst sei von ihrem Ursprung her wesenhaft dialogisch: "alle Musik ruft einem Ohr. Mthp. der mir etwas sagt.“ ( Paul Hindemith: Unterweisung im Tonsatz. was eben nur in dieser Sprache sagbar ist. Heft 49/1989.Therapie und Kunst – Therapeuten“ (Zeitschr. Berendt: Das dritte Ohr.): Musikalische Erfahrung. 1/89. Das Ohr hingegen erweist sich als das einzige Sinnesorgan. Mainz 1940. Auch das Gefühl für die zeitliche Ausdehnung erlaubt uns nur Urteile von ungefährer Treffsicherheit. Abmessungen und Proportionen mit unfehlbarer Zuverlässigkeit zu erkennen und zu beurteilen. 3. wie wir sie wahrnehmen. Berufsverb. schöpferischen Vorgang weist Werner Pütz in seinem Aufsatz „Auf der Suche nach der verlorenen Ganzheit“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. das nicht das eigene des Bildners ist. An den anderen Tagen beschallten sie den Laden mit bayerischer Blasmusik – schon griff die Kundschaft zu Flaschen aus Deutschland“ (Bild der Wissenschaft 11/2001. Essen 1992. S." (S. mit "schwebender Aufmerksamkeit" (Freud) Wahrnehmen als "Innewerden" = dialogisch. 20-25) hin. sondern ein wahrgenommenes Geheimnis.4. „aus der Fülle der uns umgebenden Geräusche und Klänge wählt unser Ohr“ aus.E.. Östrr. 12) 58 . 10-14) Martin Buber.. Eine kognitionspsychologische Beschreibung des Hörvorgangs verdeckt eher. 66-82) diesen Gedanken weiter: Musik sei. Jörg Harries führt in seinem Aufsatz „Musikerleben als Herausforderung“ (in: Hermann J. S.“(72. Hören als „höchst aktive und individuelle Tätigkeit“ ist „von Anfang an bereits als interpretierender Akt zu verstehen“. "wenn mir ein Mensch begegnet. was er hört als ein Zusammenspiel in ihm liegender Fähigkeiten mit einem äußeren akustischen Angebot“. Kaiser (Hrsg. konnten Psychologen der Universität Leicester zeigen: Sie „ließen in einem Supermarkt jeden zweiten Tag französische AkkordeonKlänge erklingen – prompt wurde dreimal mehr französischer Wein als deutscher verkauft. alle Bildnerei gilt einem Auge. unsere Erfindung und für diese Wahrnehmung seien wir selbst verantwortlich. der 3 Arten der Wahrnehmung kennzeichnet: Wahrnehmen als Beobachter = katalogisch 1.. S. das nicht das eigene des Musikers. Reinbek 1985 Auf das Hören als kreativen.nicht ein Gefühl. d. das die Fähigkeit besitzt.G. das von außen auf ihn eindringt. 40) Zu diesem Phänomen siehe auch das Kapitel „Das Ohr rechnet“ in: J. „Alle Antworten auf die Frage ‘was ist Hören?’ müssen unvollständig bleiben und führen immer zu neuen Fragen. sondern er schafft aktiv und individuell das.

deren Inhalt die Zeit ist.. sie löst sich auf in der Zeit (Musikpädagogik in der Sozialen Arbeit. geradezu als eines ihrer Grundmerkmale angesehen werden können. also wiedervereinen. 157-166) die Zeiterfahrung in der Musik auf musiktherapeutische Problemstellungen angewandt. So gibt es immer gegenläufiges. Münster 2000) hat Musik mit „ökologischer Zirkularität“ zu tun. weil „Prozesse der Durchdringung von Gegensätzen . immer beides: die Zeit aufhalten und das Verrinnen der Zeit. Musik ist geordnete Zeit. kommt einer Kunst. eine ganz besondere Bedeutung zu. die vom Kurzzeitgedächtnis noch als psychologische Gegenwart erlebt wird. & Goldberg.. In: Ethnology and Sociobiology 15... 482) bezugnehmend auf: Gerstner. L. die gemeinsame Einteilung von Zeit zu akzeptieren. also bereits Verklungenes.K. Musiktherapie. Münster 1998. eine musikalische Gestaltung bleibt damit streng genommen einmalig und unwiederholbar. in der Evolution. So geht es auch in der Musik um beides. 1994: Evidence of a time constant associated with movement patterns in six mammalian species. „Das Leben bedeutet auf den Tod zuzugehen also sterben. Die Frage nach der zeitlichen Seinsweise der Musik lässt sich nicht trennen von der Frage nach der Seinsweise des Menschen.ein musikalischer Prozess ist eine Art Zeitreise.“ Für Wickel erschließt sich Musik „als Zeitkunst“ und als „gestaltete Zeit“ in ihrer „Ganzheit. S. S. ein Ziel zu avisieren. Antje (Hrsg.. etwa drei Sekunden beträgt (vgl. des Lebens und des Todes ein Hauptmerkmal der menschlichen Existenz ist. die Phasen der Beschleunigung und Beruhigung..11 Anmerkungen zum Thema „Musikerleben als Zeiterleben“ „Musikzeit ist eine intensiv erlebte Zeit“. H. Crossen 2005... modellhaft dafür 59 . Und gemeinsam musizieren (oder Musik hören. David Aldridge: „Leben als Jazz“ (in: Haase. um es sodann auf dem effizientesten Weg schnell zu erreichen. des technischen Zeitalters. die ihr eigenes Tempo. im Ästhetischen ist häufig der Umweg die in Wahrheit kürzeste Verbindung. Gegenwart und Zukunft. Heft 14. Anfang und Ende hat.): Musikwissenschaft als Kulturwissenschaft. also strukturieren. Das Schema der Gravitation. und verschmelzen. die gleiche Identität anzunehmen“ (Willms s. also gerade Ertönendes und noch zu Erwartendes. In der Therapie versucht man heute zumeist. das Eintauchen in die gleiche Zeit. „Ein einmal erklungener Ton verschwindet unwiederbringlich im Medium Luft. aber bereits innerlich Vorgehörtes zusammensetzt. 161). S. . die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit. Wenn man bedenkt. indem Vergangenes. 1992. an der gemeinsamen Zeit teilzunehmen.) bedeutet. bedeutet Vereinigung und nähert sich dem Zustand vor dem Bewusstsein von Zeit. 4-11) an diese Kennzeichnung der Musikerfahrung als Zeiterfahrung den Hinweis auf die enge Beziehung zwischen Musik und den elementaren Grunderfahrungen des Lebens an: „Da der spezifische Umgang mit der Zeit . dass die Zeitdauer. immer Spannung. Gegenwärtigen. Im Leben.“ (Verschmelzung/Auflösung) Nach Martin Drewer (Gestalt.4. „dass sie in das Zeitgefühl und in das Zeitbewusstsein des Menschen eingreift und es durchgreifend modelliert. Ästhetik. 141). G..“ Reinhard Schneider knüpft in seinem Aufsatz „Musikzeit“ (Musik und Unterricht.u. 181-205).. Ulrike und Stolz. Regensburg 1991. Harm Willms hat in seiner Arbeit „Umgang mit der Zeit und musikalisches Verhalten bei Zwangsneurotiker“ (in: Klaus-Ernst Behne (Hg. die Messung und Planung von Zeit. „in gleicher Zeit etwas zu erleben. Um trennen. die Wirksamkeit von Musik besteht darin. Eine eigene Zeiteinteilung zu haben sei Ausdruck des autonomen Selbst (Individuation).die Unterscheidung von Vergangenheit.) Improvisation – Therapie – Leben.

Weder die biologische und die menschliche Evolution noch die Sozialgeschichte scheint dergestalt verlaufen zu sein. Lautstärke 1 60 . Antje (Hrsg. ist dadurch knapp geworden. übereinstimmen. sondern wie schnell. „Beim Zuhören bewegen wir uns synchron zu der Artikulationsstruktur des Sprechenden. einstimmen.unser Verkehrswesen: Die schnellste Verbindung zwischen Hamburg und Berlin sind eine gerade Autobahn. Puls. Was sagt uns der Mythos? Schon am Beginn der Genesis schied Gott Tag und Nacht. Harmonie. Rhythmus. 2003. Melodie (als Abfolge verschiedener Tonhöhen) und Harmonie (als gleichzeitiges Erklingen verschiedener Tonhöhen) stellen Quantensprünge des Rhythmus dar. Umwege verstärken die Spannung und erzeugen so erst die Sehnsucht nach ihrer Entladung.“ Musikalische Parameter: die Eigenschaftsmerkmale der Musik Klangfarbe. auch ein Elektron schwingt im Takt. die Wiederkehr. haltlose Chaos? Oder ist Rhythmus ganz einfach ein biologischer oder überhaupt stofflicher Grundfaktor? Auch eine Zelle hat ja ihren Lebensrhythmus. ein Flugzeug oder die Hochgeschwindigkeitstrasse. 54) Alle Musikalischen Parameter1 Klangfarbe. Tag und Nacht. Ulrike und Stolz. Entscheidend ist aber nicht mehr wie wir irgendwohin gelangen. Bei Luis Zett heißt es: „Was gibt uns der Rhythmus? Ist es das Gefühl des Versichert seins – versichert gegen die dumpfe Angst. Vom Standpunkt eines konservativen Unternehmers wäre das pure Verschwendung“ (108 f).Ton. das sich „isomorph“ zum Lebensprozess verhält Aufsatz „Leben als Jazz“ (in: Haase. Planetenphasen etc Mikrorhythmen in der Materie MUSIK Makrorhythmen in der Materie David Aldridge hebt hervor. dass sich Musik besonders hinsichtlich ihrer rhythmischen Qualität „als wirkungsvolles und dabei subtiles Kommunikationsmittel“ darstellt. Ms. Tonhöhe. denn es ist jedes Mal ein anderer Tag und eine andere Nacht. so reichte eine einfache Landstraße. Zeiteinteilung. wir könnten aus der Welt herausfallen. Auflösungen verzögert und verschoben. Hätte der Weg noch Erlebniswert.) Improvisation – Therapie – Leben. und Rhythmus selbst ist strukturierte Zeit. Jahreszeiten. Entwicklungsphasen. (stimmen. etc Kosmische Rhythmen. aus der Ordnung von Raum und Zeit ins konturlose. auch in der Musik bestimmt nicht der Wunsch. das Gleiche. zu einer schnellen Lösung zu gelangen. installierte den Wechsel. Verläufe werden gedehnt. heute nicht mehr zirkulär begriffen. 473-487).Atome Moleküle Ober. unv. Elemen. Zeit.Rhythtarteiltöne höhe mus chen Klangfarbe Form Lebensrhythmen Atem. Melodie. Crossen 2005. das niemals gleich ist.

Singenden bzw. erhält man eine Zeitstruktur. Das wir besonders bei der Arbeit mit Menschen im Koma deutlich. Zudem sollten Kliniker unabhängig davon. Demzufolge kann man annehmen. Sie bieten den Ausgangspunkt für die Musik des Therapeuten. „in dem sich Menschen als gegenwärtig erleben und ihre Bewegungen dadurch koordinieren.“ dienen entscheidend „zur Konditionierung der Wahrnehmung von Rhythmen.) musikalischer Natur.. „Eine kreativ gestaltende Musiktherapie bietet die Möglichkeit.. dann wird vielleicht beim musikalischen Improvisieren auf akustischem Weg Kreativität vermittelt. mit der eine Person diese Anforderungen bewältigt.) ein wirksames Mittel darstellt. bei dem die Person in ihren Möglichkeiten eingeschränkt ist. damit sie nicht von sich selbst oder von anderen Personen entfremdet werden. Spielenden ein“ (478). Auf diesem Wege könnten die Künste wie auch die Wissenschaft die medizinische Praxis bereichern“ (485).. Ihr Schlüssel ist die Periodizität der Vitalrhythmen Puls und Atmung.„Jeder synchronisiert die Rhythmen erst für sich. Dennoch sind Verstehensprozesse Möglich.) Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. den musikalischen Komponenten der Kommunikation Beachtung zu schenken. dann geht der Zuhörer auf die rhythmische Struktur des Sprechenden. So kommt es zu gemeinsamen Bewegungsmustern die nicht nur eine gemeinsame Hirnaktivität darstellen sondern gleichzeitig „eine Interaktion zwischen Person und ihrer Umgebung. um Kommunikation im Sinne einer personellen und interpersonellen Integration zu fördern. um innere Bedürfnisse und äußere Anforderungen zu bewältigen. welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden.h.“ Diese Erfahrungen von Periodizität bilden sind die Grundlagen jeglicher Art von Kommunikation.“ Maschinengeräusche können einen solchen Kontext nicht herstellen. Wir können hören. der dynamisch und von musikalischer Struktur ist. die zu verbaler Kommunikation nicht fähig sind. Durch die Musiktherapie erhalten die beteiligten Personen außerdem die Möglichkeit. auf dynamische Weise das Individuum als ganzheitliches Selbst.“ Beim „Zusammenbruch der Synchronisation des Verhaltens tritt das Pathologische hervor“ (484). Es könnten alternative. Physiologische. kreative Dialoge innerhalb der einzelnen Person gefördert werden. Menschliche Aktivitäten sind grundlegend als Hierarchie rhythmischer Anpassungsprozesse organisiert. aus welchem Fachbereich sie kommen. psychologische und soziale Aktivitäten finden in einem zeitlichen Kontext statt. indem er oder sie eine Beziehung in der Zeit aufbaut. Die Klänge. und zwar innerhalb des Individuums als Selbstsynchronisation und in Beziehungen als interaktionale Synchronisation. ihr Selbst im Sein.“ (.. im wahrsten Sinne des Wortes. Darüber hinaus sind alle „grundlegenden Elemente menschlicher Kommunikation (. dazu angeregt werden. die einen solchen Kontext bietet“ (482). Wenn das überleben des Menschen bestimmt wird von dem Repertoire an flexiblen Reaktionen. wie wir mit unserer Umgebung interagieren. 61 ... Vielleicht kann man Krankheit als einen Zustand beschreiben. wie die Person in ihrem Dasein zutage tritt. sondern um einen Ausdruck dafür. dass eine Therapie mit improvisierter Musik (. auch in Beziehung zu einer anderen Person zu hören. sich konkret in der Zeit zu erfahren. Indem man mit dem Patienten singt oder musiziert. sie hören. Durch die Förderung der Entwicklung von kreativen Reaktionsformen ließen sich dann die Möglichkeiten für eine Genesung schaffen“ (485). kreativ zu improvisieren (d. neue Lösungen für ein Problem zu entwickeln) oder nur ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsformen besteht.

In ihrem Aufsatz über „die Zerdehnung des seelischen Augenblicks und den zerdehnten Musik-Augenblick am Beispiel psychosomatischer Patienten“ (in: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg. Dadurch hat der Patient die Möglichkeit während der Improvisation sowohl die problematischen Formenbildungen als auch Lösungschancen (. was die Autorin an der „Analyse des Melodischen“ veranschaulicht: Im Moment hört man immer nur einen Ton. wodurch ihm „eine andere Sichtweise auf seine Probleme und sein Leiden“ eröffnet werden kann (106). Jahrbuch Musiktherapie. .Die Patienten können. Diesen Augenblick müsse man „zerdehnen“. Wiesbaden 2006. der im musikalischen Augenblick geschieht. so dass mit dem veränderten Zeitempfinden auch veränderte Bewusstseinszustände möglich sind. in dem er nur seine Probleme wahrnimmt“ (105).) gleichzeitig in der Gegenwart wahrzunehmen. 101-117) kennzeichnet Shushanik Sukiasyan das seelische Befinden des Patienten als „eingeengten Zustand. wird es möglich.. „dass die in dieser Lebensmethode kristallisierten Stockungen und Probleme einen breiteren Ausdruck bekommen. die ganze Melodie als Gegenwart zu empfinden. Auf diese Weise kann sich die subjektiv erlebte Gegenwart des Musikerlebenden weit in Vergangenheit und Zukunft hinausdehnen. Die Musik kann in diesem Zusammenhang als Zerdehnung des Augenblicks verstanden werden. deren sinnvolle Eingliederung in die sich vollendende Gesamtgestalt der Hörer erwartet. Gleichzeitig bringt die musikalische Improvisation „das Typische der Lebensmethode“ hervor und ermöglicht durch den Prozess der Zerdehnung. „in der musikalischen Improvisation der Musiktherapie eine unmittelbare Möglichkeit der Zerdehnung des seelischen Augenblicks erleben“ (111). Indem man ihn aber mit den jeweils folgenden in einen sinnvollen Zusammenhang bringt. 62 . so folgert Shushanik Sukiasyan. Das lässt sich auch auf die Erfahrung des formalen Geschehens übertragen: Formteile oder Motive werden wiedererkannt und fügen sich im Erleben des Hörers zu übergeordneten Strukturen zusammen. zu benennen und sich damit auseinander zu setzen“ (112)..

dass das Kind an der sprachlichen Verständigung teilhaben kann. prägt. Er macht die Erfahrung. bei taktilen Reizen ist es ihm nach wenigen Tagen bereits möglich. gehorchen und Hörigkeit. 25 ff. S. S. Östrr. S. Berufsverb. Harm Willms weist auf die Besonderheit hin. S. (S. die schreckhaft auf Geräusche reagieren. De Mendelssohn hat beobachtet. Stuttgart 1975. nimmt der Klagegesang „den erlebten Schmerz auf und bindet ihn ein in die im Gesang körperlich nah vergegenwärtigte Erfahrung des Geordneten. 32) Er weist auch auf die zwiespältige Erfahrung beim kindlichen Spracherwerb hin.4.) Umgekehrt schreit der Säugling bei Erfahrungen von Unlust und lernt bald. sich zu entziehen. in der der Säugling Geräusche im Gegensatz zu anderen Reizen erlebt: „Bei optischen Reizen kann er die Augen schließen. dass auditive Patienten (insbesondere Frauen). Leipzig 1935. Dem Geräusch gegenüber besteht jedoch eine gewisse Wehrlosigkeit. verändert und mit diesem akustischen Eingriff in die ihn umgebenden Klangwelt seine Lebensumstände verändert (die Mutter kommt herbei und wendet sich ihm zu). 21. indem sie ihn einzuordnen versucht in einem größeren Sinnzusammenhang.12 Tiefenpsychologische Aspekte des Musikerlebens Viele Autoren verbinden frühste Klang. die angenehmer sind: die beruhigende Stimme und das Singen der Mutter. Hände.. So kommt es zu einer frühen Verbindung zwischen dieser präverbalen akustischen Erfahrung. 63 . Stuttgart 1982. gleichfalls hohe Sensitivität für autoritäres Vatergehabe zeigten.. Etwas später macht der Säugling auch noch andere akustische Erfahrungen. und einer als bedrohlich erlebten Außenwelt.“ (Frieder Harz: Musik. Das Wiedererkennen bedeutet außerdem ein Lusterlebnis da es möglicherweise entstandene Angst wegen des Nichtvorhandenseins der Mutter wieder löst. gleichzeitig enthalte sie aber auch den Schmerz darüber. dass er mit Hilfe seiner eigenen klanglichen Äußerung die bedrohliche klangliche Außenwelt beeinflußt. in: IMAGO. Guten und Sinnhaften. denn all jene Sinnesorgane sind Organe der Kritik und des Skeptizismus. die ihn füttert und trocken legt usw. dass der Schmerz die „ursprüngliche Quelle der Musik“ sei (Dezsö Mosonyi. mit Befriedigung verbunden. Das Kind erkennt die Stimme der Mutter wieder und wirkt durch die konstante Zuwendung beruhigt.“ (Felix de Mendelssohn: Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. dann hätte er keine Religion. die als Ausgeliefertsein oder ausgesetzt Sein erlebt werden muss.wir denken auch an gehorsam. d. Und Luther sagte: In der Kirche Gottes wird nichts verlangt außer hören .“ (Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen.und Musikerlebnisse des Menschen mit der Erfahrung von Angst und ihrer Bewältigung. Insofern kann man auch sagen. dass sein Schreien die Mutter herbeiruft. 20-40). dem Geräusch.“ Feuerbach schrieb 1851: „Das Ohr ist das Organ der Angst.. beruft sich auf sie und hält an ihr fest. 207). So z. Zeitschr. auf der einen Seite sei die Erfahrung.B. S. dass die ursprüngliche Übereinstimmung mit der Mutter im frühkindlichen Zustand der Symbiose vor und jenseits aller sprachlichen Verständigungsbemühungen verloren gegangen ist. d. Die irrationalen Grundlagen der Musik. vor den Stimmen der magisch-allmächtigen Eltern. Mthp.hätte der Mensch nur Augen. 3/1989. Geschmacksund Geruchssinn. Kind und Glaube. Sowohl Luther wie Beethoven litten an quälendem Ohrensausen. 73) Für Sigmund Freud ging es bei der „Verbindung der Hörsphäre mit der Angst“ um die Angst „vor dem Über-Ich. denn im Schmerz werde die Musik als wirksame Kraft erlebt.

Erfahrungen intensivieren und vertiefen und psychische Abwehrmechanismen durchbrechen. als wäre es außerhalb des Hörers.. 31) Nach Stanislav Grof (Das Abenteuer der Selbstendeckung. Freiburg 1982) sind musikalische Erfahrungen „mit Erlebnissen oder Erinnerungen aus meist sehr frühen Stadien der individuellen Entwicklung“ verknüpft. München 1987) kann das Musikerleben alte Emotionen mobilisieren. Jung: „Das eröffnet eine ganz neue Forschungsrichtung. Klausmeier (1984) hat die Prozesse des Musikerlebens mit den neun Gesetzen. Insofern hat die Musik „für jeden einzelnen. bei der Projektion legen wir etwas in die Musik herein. Wenn man dem energetischen Modell Freuds folgend beim seelischen Geschehen zwischen Primärprozessen (Prozessen des Unbewussten) und Sekundärprozessen (bewusste Prozesse) ausgeht. dass Musik von jetzt an ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Analyse sein müßte. symbolhafter Form. sich musikalisch auszudrücken. 224) Friedrich Klausmeier (Die Lust. in denen Musik als Trauminhalt auftaucht (vgl. Beide psychischen Aktivitäten.G. als wären sie seine eigenen seelischen Bewegungen. sondern lässt die besondere Bedeutung der Musikerfahrung für tiefenpsychologische Prozesse aufscheinen. (im Dienste des Ich) auf der sich innerpsychisches Geschehen Phantasietätigkeit und Tagabbildet) träumerei. Reinbek 1978) nennt als psychische Aktivitäten. Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. ohne das Tor des Verstandes passieren zu müssen. auf der sich psychisches Geschehen abbildet.lässt mich fühlen. Die Erfahrung. bei der der Hörer auf Projektion frühere Erlebnisweisen und (Wir „legen etwas in die Musik hinein“. die Musik wird zu einer Projektionsfläche. zu dem wir in unserer analytischen Arbeit mit Patienten nur selten gelangen. Dann träumen die Versuchspersonen von ihr als solcher. 64 . die beim Musikhören wirksam werden: die Projektion und die Identifikation. von der ich mir nie hätte träumen lassen. die Freud für Identifikation (wir erleben die musikalischen Prozesse.. 231) (wir gehen auf frühere Überhaupt kann Musikhören mit der Phantasietätigkeit. Die Musik wird also ohne die sonst übliche Übersetzung in die Traumsprache direkt in den Trauminhalt übernommen. Gerhard Hrsg. was Sie mir heute gezeigt haben. bei der Identifikation erlebt der Hörer sich. eine ganz individuelle Bedeutung. die Musik wird zur Projektionsfläche. belegt nicht nur die zuvor ausgeführten neurophysiologischen Vorgänge. sozusagen direkten Eingang in die für die Steuerung der Emotionen und vegetativen Vorgänge verantwortlichen Hirnstrukturen findet“ (32). (S. bzw. Regression Gefühlszustände zurückgeht. die Projektion und die Identifikation vollziehen sich im Zustand der Regression im Dienste des Ich.in verschlüsselter.“ (S. er erlebt musikalische Prozesse. als wären sie unsere eigenen seelischen Bewegungen) Erlebnisweisen und Gefühlszustände zurück.“ (S. der sie hört oder ausübt. Traumtätigkeit verglichen Tagträumerei) werden. Das.Boris Luban-Plozza bringt in seinem Buch „Musik und Psyche“. Sie gelangt zu tiefem archetypischem Material. 154) Nach Claudia Schumann (Musiktherapie und Psychoanalyse. dass Musik „einzigartig mit der psychischen Energie“ korrespondiert. Stuttgart 1992). (S. Teile von sich in der Musik wieder. Harrer. „nicht aber –wie man annehmen würde. dass gerade die zum Teil aus primitiven Kulturkreisen stammende Musik. Das legen auch Untersuchungen von Träumen nahe. Basel 1988 folgendes Zitat von C. stellt man fest.

gung. Die neun Gesetze im einzelnen können folgendermaßen auch im musikalischen Geschehen wiedererkannt werden: 1. insbesondere in der Melodie Melodiebildung.) Handbuch Jugend und Musik. 8. verschiedener Klänge. recht gehandelt zu haben“ (Heinz Kohut: Introspektion. als es eine Freude spendende Form des (Verstand.243). S. die mit aus (Ausagieren motorischer Impulsivität). 7.den seelischen Primärprozess festgestellt hat. Friedrich Klausmeier. 9. Zunächst verläuft die primärseelische Logik wie „alle Musik in der Zeit als Energiestrom ab und korrespondiert damit einzigartig mit der psychischen Energie“ (123). Sexualität in Beziehung steht (Es-Funktion). und geordnet wahrzunehmen).Funktion insofern. 115-129). Es kann mehreres gleichzeitig geschehen. 2. Der psychische Primärprozess und die musikalische Interpretation.Funktion psychischen Funktionen Es. 218 . in Beziehung zum Ich steht das Musikerleben Ich . In Teilen zeigt sich das Prinzip das Ganzen (Verdichtung) (vgl. ergibt sich nur aus dem Zusammenhang.Funktion Unterwerfung unter eine Reihe ästhetischer Regeln (Moral) drückt sich in der (Harmonielehre) oder auch in kreativem Umgang Harmonie mit ihnen (Rebellion). Musik wird als „Ersatzbefriedigung der Triebe in der Phantasie“ bezeichnet. 1977. Ob etwas positiv oder negativ gemeint ist. wodurch der Musiker ein aus (im „richtigen“ Zusammenklang Gefühl von Befriedigung und Sicherheit erhält. Es gibt keinen Ausdruck von Abwesenheit und Negation 5. Rhythmus insbesondere in der Rhythmuserfahrung. 4. wobei der Musiker oder Produzent seine Triebproblematik in musikalische Symbole verschlüsselt und sich dadurch von seinem Es-Über-Ich-Konflikt befreit. In: Dieter Baake (Hrsg. Sie existiert nur in der Gegenwart. selbst durch die Fähigkeit. selbst Klänge hervorzubringen Klänge hervorzubringen und sie geordnet wahrzunehmen). Es gibt keine Konditionalia oder einschränkende Negationen 6. Rainer Dollase (Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. verglichen und dabei viele Übereinstimmungen entdeckt. Der Zuhörer wiederum entschlüsselt diese musikalischen Symbole und erlebt dabei eine ähnliche Ersatzbefriedigung wie der Musiker (347 f). Gießen 2002) in der Zeit von 1910 bis 1950 auf die sexuelle Triebdynamik. nach den Regeln der „das verwandt ist mit der moralischen Befriediästhetischen Konvention oder dem bewußten Verstoß gegen diese). Sexualität) drückt sich im verbunden. Wille) drückt sich in der Beherrschens beinhaltet. indem Musik sinnliche Lust verschafft. von 1950 bis 1975 auf die Bewältigungsmechanismen 65 . Musiktherapeutische Umschau 1984. Musik ist (im Gegensatz zur Sprache) präsentative Symbolik. 3. die Beziehung zur Über-Ich-Funktion vollzieht sich in der Über . Arbeiten über psychoanalytisches Verständnis von Musik beziehen sich nach Bernd Oberhoff (Psychoanalyse und Musik. Nach Heinz Kohut ist das Musikerleben mit den ES . Ich und Über-Ich (Vitalität. (Überwindung von Geräuschangst aus (die Freude spendende Fähigkeit. Gegenstände können stellvertretend füreinander stehen. Frankfurt/M. Empathie und Psychoanalyse.Ich . Eine Bestandsaufnahme. Ich und Über-Ich. Opladen 1998) erläutert die Entstehung von Musikpräferenzen als Ergebnis tiefenpsychologischer Prozesse im Spannungsfeld zwischen Es. Gegensätze können friedlich nebeneinander stehen.

Das Übergangobjekt hat Anfang und Ende. 66 . erlaubt der Patientin ein Regredieren auf eine frühkindliche Ebene.des Ichs und in der Zeit danach auf die präverbalen Prozesse der Mutter-Kind-Beziehung (vgl. 403). Ludger Kowal-Summek. Bei Objektbesetzungen dürfen seitens der Patientin andere die Musik und das Instrument verwenden und verändern. 39-49) auf die Bedeutung und musiktherapeutische Relevanz von Objektbeziehungen hin. die von der Therapeutin respektiert und geschützt wird. Musiktherapeutische Umschau 2003. Diese Sphäre. Die Objektbesetzung ist dynamisch und kann innerhalb des Therapieprozesses ‚kommen und gehen’“ (49). Das Übergangsobjekt darf seitens der Patientin im musiktherapeutischen Geschehen von der Therapeutin und den Gruppenteilnehmern meist nicht verwendet (gespielt) werden. Edith weist in ihrem Aufsatz „Zum Umgang mit den Begriffen Übergangsobjekte und Objektbesetzungen in der Musiktherapie“ (Musiktherapeutische Umschau. Die Objektbeziehung muss nicht an Regression gebunden sein und kann sämtliche Entwicklungsstufen mit ihren jeweiligen Objektbeziehungen repräsentieren. Das an Regression gebundene Übergangsobjekt tritt nur in solchen Zuständen in Erscheinung. Es verliert im Laufe des Therapieprozesses an Bedeutung. Wiesmüller. 2005. ob es sich bei Musik und beim Instrument um ein Übergangsobjekt oder um ‚bloße’ Objektbesetzung handelt: Das Übergangsobjekt ist durch den intermediären Raum gekennzeichnet. Anhand von Übergangsobjekten und Objektbesetzungen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet und anhand von Therapiebeispielen beschrieben: „Im musiktherapeutischen Prozess sollte die Therapeutin wissen.

wird negativ bewertet. die in erfreulichen Situationen gehört wurde. Musik. 349 67 .4. wird positiv bewertet Beim operanten Konditionieren wirkt die Anerkennung von Gleichaltrigen für den Kauf einer bestimmten Platte oder den Besuch eines „richtigen“ Konzerts als Verstärkung Rainer Dollase: Musikpräferenzen und Musikgeschmack Jugendlicher. die in unerfreulichen Situationen gehört wurde. Opladen 1998. In: Dieter Baake (Hrsg.13 Lerntheoretische Aspekte des Musikerlebens Beim klassischen Konditionieren Musik.) Handbuch Jugend und Musik.

201-204) beschreibt die besondere Verbundenheit. die ich mit anderen verbringe. die miteinander Musik erleben. von Lebzeit. des Auf-sich-aufmerksam-machenKönnens und des angenommen Werdens sind soziale und zugleich akustische Erfahrungen.4. was uns im Alltag voneinander trennt. und 38) Musikalisches Geschehen ist immer auch ein soziales Ereignis." verbindet uns auf dieser ursprünglichen Ebene des Gleichklangs und Gleichschwingens mit der Mutter. Später tritt die Sprache in die Sozial. dass schon der Embryo "spezifische Reaktionen auf akustische Reize" zeigt. dass es vor allem auch das Medium Schall ist. dass "die Hörzellen schon auf Reizenergien. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie." reagieren.passiven wie aktiven Kommunikationserfahrungen ermöglicht. d. aber auch im Musikhören erleben wir die Abwesenheit von Missverständnissen. "erlebt im rhythmischen Wiegen des Ganges." Deshalb erfordert musikalisches Erleben immer wieder die sprachliche Vergewisserung. "als Gefühlsausdruck von gelebter Zeit. Berufsverb. die die Herausbildung eines sozialen Selbstverständnisses entscheidend prägen.und Kommunikationserfahrung hinein.nicht neutral verhält.kommunikativ verhält . Von der Musik der Psychoanalyse zur Psychoanalyse der Musik. die bei Menschen entsteht. d.und Gesellungsformen. der in Musikerfahrung symbolisch für kurze Zeit gekittet zu werden scheint. Heft 1/1978. Östrr.Heilen. 3 (2007). S." so kann zusammengefasst werden. Die Musik als vor.Helfen . 4) Jene sozialen Urerfahrungen des ausgesetzt Seins. sich also "gegenüber dem. Im gemeinsamen Singen oder Musizieren. aufgehoben. indem sie jedoch verklingt. 27 f. andererseits verliert das Kind seine Ganzheit. Musiktherapeutische Umschau. Musikerleben ist auch immer mit sozialen Gesellungsformen verknüpft. Räume zu überschreiten und die Ohren und den Körper von anderen Menschen als Vibration zu erreichen. "kann sie uns Trauer und Schmerz nicht ersparen. in: Musik und Bildung. (Felix de Mendelssohn. Sprache wirkt wie ein "zweischneidiges Schwert . sie wirkt wie ein Riß zwischen Mutter und Kind. indem es spürt. Der musikalische Raum wird in der Musik zum gemeinsamen Raum.14 Anmerkungen zur sozialen Dimension des Musikerlebens Wenn man bedenkt. wenn man berücksichtigt. Trauer und Schmerz die uns nicht sprachlos machen dürfen. Mthp. in: Zeitschr. Jede Musik hat ihre speziellen Versammlungs." und dass "das entscheidende pränatale Erlebnis Mutter ein akustisch . was die Mutter hört oder spricht .und wohl intensivsten . Wir formieren uns zu einer hörenden Gemeinschaft oder einem singenden Chor. dass "die Reaktionsstärke des menschlichen Organismus auf akustische Reize erheblich größer als die auf optische und taktile Berührungsreize" ist. die rund 10 Millionen mal kleiner sind als die beim Berühren.kurz. sei es gewollt oder ungewollt. Das hängt schon damit zusammen. 28.rhythmisches" ist. wie sie sich akustisch . wenn auch nur für kurze Zeit. die 68 . Zur anthropologischen Begründung und Ausrichtung eines ausgewogenen Musikunterrichts für alle Stufen der allgemeinbildenden Schule. ist geteilte Zeit. dass seine vorsprachlichen Erfahrungen nicht durchgängig in Sprache übersetzbar sind. gekittet.einerseits werden durch das Verhandeln von Bedeutungen zwischen Eltern und Kind die Gefühle von Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit bereichert. im rhythmischen Auf und Ab der geräuschvollen Atmung und im rhythmischen Schlag des Herzens." In der Musikerfahrung ist dieser „Riß in unserem Dasein“. 3/1989. folgendermaßen: „Die musikalische Zeit. Bilden . dass Klänge in der Lage sind.und außersprachliches Geschehen. (Hermann Rauhe. oder einem spielenden Orchester oder einer Improvisationsrunde. welches dem Individuum jene ersten . S. Für die Dauer dieser geteilten Zeit ist das.

den wir auf andere Weise vielleicht nicht erreichen könnten. das eine Verbindung zu anderen schafft. Sie lenkt die Kognitionen und kanalisiert die Gedanken in die gleiche Richtung. Auf diese Weise vermittelt Musik uns Sicherheit. den Grad des Vertrauens zu ihrem Nachbarn in einem Fragebogen angeben und danach in dem berühmten Gefangenendilemma-Spiel demonstrieren. Die Musik. die wir teilen. Klaus-Ernst Behne berichtet über eine israelische Studie. Kipper: The influence of group singing on trust and cooperation. warum Musik in der Therapie ein einzigartiges. in einer dritten Situation wurde Musik vom Band gehört (Musik/Passivität) und in der letzten Gruppe wurde gemeinsam ein Film betrachtet (nicht Musik/Passivität). So hat Musik auch friedensstiftendes Element. bei manchen Krankheitsbildern sogar das letzte und einzige Kommunikationsmittel sein kann. Die Ausdrucksmotorik derer. wird synchronisiert. und zwar gerade dann. die sich vorher noch nicht kannten. Die Musik erzeugt Gefühle und Emotionen. zu wieviel Kooperation sie bereit wären. die singen oder musizieren oder auch nur Musik hören. Die gemeinsam erlebte oder musizierte Musik wird so zur Brücke zum anderen Menschen. der zufolge Versuchspersonen "eine Stunde lang in sehr verschiedene Situationen gebracht wurden: einmal wurde gemeinsam gesungen (Musik/Aktivität). Of music therapy 3/88. Das gemeinsame Singen ist auch Ausdruck gemeinsamer Identität und Orientierung. Anshel & D. Journ. führt zu einer Synchronisierung mit anderen Menschen. können wir nicht einander Feind sein. wenn alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation nicht mehr funktionieren. Das emotionale Erleben fokussiert sich auf den gleichen Gegenstand. die wir hören oder die wir selbst erzeugen.uns voneinander trennen und das Miteinander im Alltag oft erschweren. dieselben Inhalte und Themen. Sie bewirkt eine gemeinsame Fokussierung der Aufmerksamkeit. ein andermal wurden gemeinsam Gedichte rezitiert (nicht Musik/Aktivität). (A.A. 145-155 Soziale Wirkungen des Musikerlebens „Vertrauen“ „Kooperation“ Film Betrachten Gedicht Rezitieren Musik Hören Singen 69 . Nach diesen unterschiedlichen Erfahrungen sollten die Teilnehmer. wir erleben Geborgenheit in der Musik. Und als Mitfühlende sind wir einander nahe. Wenn wir uns aber nahe sind. Das ist auch der Grund.

„wir schwingen uns also auf ‚gleiche Wellenlänge’ ein. von denen der gesamte Organismus betroffen ist. gegründet1996 in Montreal. 359-368) beschreibt unwillkürliche wechselseitige neuromuskuläre Übertragungsvorgänge zwischen Gesprächspartnern. Rittner. manisch-depressiven und schizophrenen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen waren. die wenig Hoffnung hatten. 216). dass ein musikalischer Kontext (Singen oder Hören) uns dazu veranlaßt. jemals ein produktives und erfülltes Leben zu führen“ (74). Decker-Voigt et al Göttingen 1996) S. das „Menschen friedfertiger. Die Idee hierzu bekam der junge Mann und spätere Chorleiter. Außerdem verbinde Singen in Gemeinschaft die Menschen untereinander und wirke „krankmachender Vereinsamung entgegen“ (ebd. Er erhoffte sich ähnliche Auswirkungen auf die Wohnsitzlosen. die konsistent mit Symptomen von depressiven. mehr Vertrauen zu einem Nachbarn zu haben als in einer nicht musikalischen Situation.“ Später heißt es in der wissenschaftlichen Begleitstudie zu dem Projekt: „Viele der wohnsitzlosen Chorsänger litten an emotionalen Problemen. tendieren sowohl unsere physiologischen Zustände durch wechselseitige ‚organismische Resonanz’1. Heft 18/1993. diskfunktionalen Beziehungen und unglücklichen Lebensumständen. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens.). „dass Singen in Chören und Gruppen Gefühle der Verbundenheit und Gemeinschaft stärken kann und sogar teilweise therapeutische Effekte hat“ (65). Insgesamt ergaben sich für die beiden Aspekte beim Singen in der Gruppe die höchsten Werte (Klaus-Ernst Behne. der als Helfer in einer Suppenküche für Wohnungslose mitarbeitete. dass Singen die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin stimuliert. Einige von ihnen hatten viele Jahre auf der Straße gelebt. Kanada. dass bei erfolgreich miteinander kommunizierenden Menschen die Frequenzspektren ihrer Stimmen einander annähern. sich zu synchronisieren“ (34). Außerdem kommt es zur Synchronisierung „von gemeinsamen Atemmustern über synchronisierte Herzfrequenzen und Blutdruckschwankungen bis zur Synchronisation und Harmonisierung neuronaler Netzwerke in unseren Gehirnen. 1 70 . dass „Vertrauen“ und „Kooperationsbereitschaft“ die relevanten Aspekte in dieser Studie waren. dass sie sich jeweils in einer von vier unterschiedlichen Situationen kennengelernt hatten. und ihnen war auch nicht bewusst. Bossinger berichtet über einige Studien. Norderstedt 2005) weist darauf hin. 29. in: Musik und Unterricht. einige zeigten Verhaltensweisen. Sabine berichtet. 7 f. Wirkungen von Musik. vertrauensvoller und liebevoller bezogen sein“ lässt“ (in: „Der Wirkfaktor Stimme in der Psychotherapie / in der Musiktherapie (2008. Sobald wir kommunizieren und ganz besonders beim gemeinsamen Singen. Er „ging ursprünglich zurück auf die Initiative eines jungen Mannes. Diese Männer waren soziale Außenseiter. als er sich an seine eigene Zeit im Chor erinnerte – an seine damaligen Gefühle der Freude und Zufriedenheit. Die Interview der Teilnehmer des Chores ergab: Sabine Rittner (im Lexikon Musiktherapie (Hrsg.“ Deshalb kann geschlossen werden. Besonders eindrucksvoll der Bericht über den Chor der Wohnsitzlosen („Homeless-Choir“). 215). S. weil der Nervus Vagus und über ihn das gesamte vegetative Nervensystem mit der Kehlkopfmuskulatur verbunden ist. In der Säuglingsforschung spricht man von hochwirksamen „Bindungs-Duetten“ zwischen Müttern und Kindern. „dass Gesang ein ideales Mittel zur Schaffung sozialer Verbundenheit darstellt und er kann sogar eine Resonanz auf der Ebene biologischer Körperrhythmen bewirken“ (35). 35 f). die belegen. dass hingegen Aktivität (Singen oder Rezitation) die Bereitschaft zur Kooperation erhöht. die auch im Tierreich beobachtet werden können (ebd. MU. Alkoholismus und/oder Drogenabhängigkeit. als auch unsere Frequenzspektren dazu.Den Versuchspersonen war nicht bewusst. Die Ergebnisse zeigen ganz eindeutig.

welche erforderlich ist. Die Konzentration. die Synchronizität der marschierenden Mitkämpfer unterstreicht möglicherweise beim Individuum den Eindruck des einheitlichen Handelns und stärkt so das Gefühl der Geborgenheit in der Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel. Schreien etc.a. die aus Schulklassen mit Musikgruppen (Chor oder Orchestergruppen) sozialer eingestellt sind als Kinder ohne solche besondere Förderung (Musiktherapeutische Umschau 1999. Der Chor bietet den Chormitgliedern eine familiäre Atmosphäre. Kopiez / G. fungiert als ein Stimulus für geistige Beschäftigung. Brink: Fußballfangesänge. Michael Grossbach und Eckart Altenmüller (Musik und Emotion – zu Wirkung und Wirkort von Musik. „Auf diese Weise wird eine anstrengende. Jahrhundert. aktive Teilnahme am Gruppensingen verringert depressive Stimmungen und fördert emotionale und körperliche Gesundheit. um der Repertoire zu erlernen und auszuführen. Mainz 2000. Münster 2003. Letzteres spielt wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle bei den Stadiongesängen von Fußballfans. dass Menschen die miteinander musizieren. Jahrhundert hinein. Bei politischen Liedern kann zunächst eine Meinungsbeeinflussung vermutet werden. 71 . Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen. 13-22) erinnern daran. die gerade in Kriegszeiten die Loyalität gegenüber den Herrschenden sowie die Opferbereitschaft erhöhen sollen. dass sich die genetische Verankerung der Fähigkeit. keine Zeit zum Nachdenken hat. in welchem die Kluft überbrückt werden kann. Einen noch stärker manipulativen Charakter haben Nationalhymnen. des Straßenbaus. häufig monotone und manchmal sogar gefährliche Tätigkeit erleichtert durch emotionale Aufhellung und verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl. dass Kinder. wie auch ein Milieu zu schaffen. und „erhöhte Bereitschaft zum gemeinsamen Singen (Grunzen. „ein starkes Gefühl der zumindest vorübergehenden Verbundenheit“ empfinden. welches wiederum das Erreichen von Gruppenzielen ermöglicht und 4. R. die allerdings je nach aktueller Spielsituation zwischen Unterstützung des Vereins. (Hrsg. der im Wald von der Dunkelheit überrascht wurde-. emotional ausgeglichenere Gedankenprozesse zu etablieren“ (75). „das oft als auf einer anderen Ebene lokalisiert oder intensiver wahrgenommen wird als alltägliche Interaktionen mit Mitmenschen. Die Wechselwirkung zwischen dem Chor und dem Publikum scheint den Chorsängern sowohl ein Gefühl von persönlicher Bestätigung zu geben. Würzburg 1998). in: Tillmann Bendikowski u. Während dieser Zeiten ist die Aufmerksamkeit abgelenkt von störenden internalen Gedankenreflektionen und kann helfen. wer singt. Beschimpfungen der gegnerischen Mannschaft und Spielkommentierungen wechseln (vgl. sowohl bei der Zivilbevölkerung als auch bei der kämpfenden Truppe“ (17). war Ziel der ‚chain-gang’-songs der Gefangenen in nordamerikanischen Gefängnissen bis weit ins 20.) bei den Frühmenschenvorteilhaft auf die Überlebenskraft und kulturelle Entwicklung der Frühmenschen ausgewirkt hat. Musik als Mittel politischer Identitätsbildung im 20. wie z. die sie von den normalöen Netzwerken getrennt hat. also keine Angst davor bekommen kann.1. Eine Fanomenologie.): Die Macht der Töne. Die Autoren vermuten auch. 3.B. also Schaffung einer Stimmungskongruenz einander persönlich häufig unbekannter politisch Ähnlichdenkender. Die Studie selbst hat den Titel: Musikerziehung und ihre Wirkung. dass. in der sie ein angemessenes interpersonelles Verhalten entwickeln können. 2. S. was ihm möglicherweise im Feld erwartet – ein ähnliches Phänomen wie bei dem pfeifenden einsamen Spaziergänger. Hans Günther Bastian weist in einer 1999 veröffentlichten Studie nach. 64 f). Die Synchronisierung der gemeinsamen Arbeit. Die Wirkung beispielsweise von Marschliedern wird dem Umstand zugeschrieben. Letzteres führt wiederum zu einer Selbstbelohnung“ (18).

(Hrsg. die Situation im Elternhaus etc. Heiner u. die nicht nur ausschließlich etwas mit Musik zu tun haben. Transfereffekte zwischen Musik und sozialem Verhalten sind nicht leicht sicher nachzuweisen. Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“.Eine ähnliche Langzeitstudie ist in der Schweiz durchgeführt worden und unter dem Titel Patry. 1993. Jean-Luc u. wie etwa die Einstellung und das Verhalten der Lehrer. Freiburg/CH.a. Augsburg 2001.) Macht Musik wirklich klüger? Musikalisches Lernen und Transfereffekte. (Hrsg): Musik mach Schule.a. An ihrem Zustandekommen sind immer viele Faktoren beteiligt. Beide Studien werden ausführlich diskutiert in dem Sammelband Gembris. 72 .

und Evaluationsinstrument für jede Musiktherapie: Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Kindes: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Ich ohne mich Ich bemerke etwas Ich verwende Personen oder Instrumente für meine Bedürfnisse Ich höre mich und bemerke. Folie: Beziehungsqualität in der Musiktherapie Einschätzung der Beziehungsqualität aus Sicht des Therapeuten: Modus 0 Modus 1 Modus 2 Modus 3 Modus 4 Modus 5 Modus 6 Du bemerkst mich und meine Angebote nicht. Sehens. Lautlallens. Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Hans-Helmut Decker-Voigt (Schulen der Musiktherapie. Stern hat Karin Schumacher in ihrer Arbeit mit autistischen Kindern 6 Modi der Beziehung beschrieben. warum Musik als nonverbales Medium auf besondere Weise heilsam wirken kann: „Die Erfahrungsstufen des Säuglings in der Entwicklung vom auftauchenden Selbst zum verbalen Selbst und synchron im Bereich seiner Bezogenheit zur Mutter und anderen Bezugspersonen. Frankfurt am Main 1999. Un73 . Singens. über weitestgehend mediale Ebenen des Fühlens. dass ich der Urheber des Spiels bin Ich höre mich und will wissen.In seiner frühen Entwicklung stellt der Mensch unterschiedliche Beziehungsqualitäten im Kontakt mit sich selbst. mit deren Hilfe sie die Entwicklung des behandelten Kindes und den Fortgang der Musiktherapie einschätzt (Musiktherapie und Säuglingsforschung. Bewegens. Wir erfreuen uns am gemeinsamen Spiel. Du verwendest mich wie einen Gegenstand und die Instrumente als wären sie ein Teil deiner selbst.. dass du bemerkst. elementar-musikalischen Bereich (. dass du der Urheber des Spiels bist. Du hörst dir zu.. 249 f). In Anlehnung an Daniel N. Hörens. Du bemerkst etwas. und ich achte darauf. bedeuten das Erlernen von Kompetenzen und Ausprägen erster Potentiale im auditiven.). Ich verfolge mit großer Aufmerksamkeit dein Spiel und zeige die meine Anteilnahme. den ihn umgebenden Dingen und mit seinen Bezugspersonen her. ob der Andere mein Spiel wahrnimmt Ich höre dich und mich Kontaktlosigkeit Kontakt-Reaktion Funktionalsensorischer Kontakt Kontakt zu sich Kontakt zum Anderen Beziehung zum Anderen Begegnung Ich höre uns und freue mich über das gemeinsame Spiel s. München 2001) sieht in diesen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen Begründungen dafür. die wir bereits mit in diese Welt aus der des Uterus bringen. aktiv wie rezeptiv. Ich spiele mit dir und du mit mir. Musiktherapeuten verwenden diese Modi auch als Diagnose. wir spielen zusammen.

74 .. sofern dieser anwesend ist.K. werde zu zwei „Personen“: Körper-Ich und musikalischer Symbolausdruck. (Funktion der Auseinandersetzung) Durch die Erforschung der äußeren Natur der Gegenstände erfahren Menschen ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen (301). 2. und diese Disposition ist Basis für sämtliche verbalen und nonverbalen Kompetenzen des gesamten Lebens. (Funktion der Einhüllung) Beispiel: Lallmonologe des Säuglings.) 3.. Indem ich auf meinem Instrument spiele. 1984. Musik dient der Abkapselung von der Umwelt. Musik dient der Auseinandersetzung mit der äußeren Natur. Musik dient der Verdoppelung des eigenen Selbst. In: Musiktherapeutische Umschau.).. Auf symbolischer Ebene findet Berührung statt (.sere lebenslange Dialogfähigkeit mit uns selbst und anderen haben wir im Uterus und in früher Kindheit im prä. verschaffe ich mir ein Gegenüber.. lassen sich nach Wolfgang Mahns (Das Musikkonzept in der Musiktherapie. bis es uns verlässt“ (31) (Hervorhebung H.und elementar musikalischen Ein. (Funktion der Selbstverdoppelung). (Kontaktfunktion) Im Singen oder Spielen eines Tons berühre ich einen anderen Menschen. der – sich selbst einhüllend – sich in den Schlaf singt. 295-305) vier übergeordnete Funktionen für Musik benennen: 1. (. Musik dient der symbolischen Berührung mit den anderen Menschen.) 4. In Interaktionszusammenhängen betrachtet.und Ausdruck disponiert.

der zu Folge Kunst „nach dem direkten unmittelbaren Gefühlsausdruck das ursprünglichste Ausdrucksmittel des Menschen ist. Sie betreffen nicht nur die Kunst. gleichzeitig liegt hier die eigentliche Begründung der Musiktherapie. In archaischen Kulturen sei der 2künstlerische Ausdruck nicht von dem direkten Gefühlsausdruck abgespalten (Sabine Bach.f. was ist hässlich?) gilt sie als eine der drei Fundamentaldisziplinen der Philosophie. Damit ist die Brücke geschlagen von der Kunst zum Leben. Berlin 1974. was ist falsch?) und Ethik (Morallehre. das meint die Vorstellung davon. erlaubt Kunst. Das gesamte Leben vollzieht sich in solchen Bewegungen. Münster 2000. Auch Paolo Knill. das ist auch die je spezielle Art. was besonders in den musikalischen „Polaritäten von Konsonanz und Dissonanz. 83 f. Gestalt.4. Drewer charakterisiert das Ästhetische auch als „Suchbewegung“ zwischen Chaos und Ordnung. zum Ausdruck kommt.15 Anmerkungen zur Ästhetik des Musikerlebens Alexander Gottlieb Baumgarten (1717-1762) gilt als Begründer der deutschen wissenschaftlichen Ästhetik. In diesen Symbolen kommen auch Utopien zum Ausdruck. was ihn emotional in seinem Sein bewegt. Münster 2000. was ist böse?) als Lehre von der sinnlichen Erkenntnis (was ist schön. so vermag er seine „immateriellen Emotionen und Phantasien“ in Symbolen zu kodifizieren (Martin Drewer. 294). Musik in der Ausdruckstherapie. Ästhetik definiert Moissej Kagan „als die Wissenschaft von der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit durch den Menschen.. kleidet etc. Ist dieser Ausdruck gestört. was ist gut. Musiktherapie. Neben Logik (Erkenntnislehre. so wie er sich sozial entwickeln kann. Das sind nicht nur Bilder.“ (Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. Die Phänomene des Ästhetischen hingegen sind wie denken und wollen als Empfindung von schönem und hässlichem im gesamten Leben des Menschen gegenwärtig. um dem. dass sich durch die musikalische Erfahrung. um seiner Selbst und der Welterfahrung äußere Gestalt zu geben und es in dieser Veräußerung mitteilbar zu machen“. 13) Ästhetische Aneignung ist gebunden an die Voraussetzung eines sinnli75 . Harmonie und Disharmonie“ u. Es gehört zur Grundausstattung der Gattung Mensch. 80 ff).). S. die der Patient in der Musiktherapie macht. der Begründer der Ausdruckstherapie vertritt eine „nicht-restriktive Kunstauffassung“. Die ästhetische Auseinandersetzung ermöglicht erst die Vorstellung des Transfers zwischen Musikerfahrung und Alltagsleben. so wie er denken und erkennen. „wie wir Musik wahrnehmen und einordnen. das Ästhetische transzendiert die bloße Zweckdienlichkeit. Ästhetik. Im Laufe der Geschichte wurde Ästhetik zur „Lehre vom Schönen“ verkürzt und lediglich auf die Bewertung künstlerischer Produkte bezogen. was ist Wahrheit? Was ist richtig. München 2001. Musikstücke etc. Und die Art. (Alltagsästhetik). etwas in seinem Leben verändert. zur Welt“ (Gestalt – Ästhetik – Musiktherapie. der Notwendigkeit von Ausdruck und dem Bedürfnis nach Mitteilung eine Weg zu bahnen. 295). in: Hans Helmut Decker-Voigt: Schulen der Musiktherapie. wie der Mensch sich wohnlich einrichtet.s.“ Insofern seien Kunst und Heilkunst öriginär miteinander verknüpft und sei „künstlerischer Ausdruck nicht nur Medium. zum Anderen. Während Wissenschaft die Gesetze sowie die Ordnungen dieser Welt entwerfe und Philosophie sinnstiftende Zusammenhänge herstelle. sagt etwas aus über das Verhältnis einer Person zu sich selbst. „Der ursprüngliche Gefühlsausdruck ermöglicht dem Menschen eine gesunde regulierende und sinnstiftende Kommunikation mit sich und der Welt. ob als schön oder hässlich. bringe der Mensch in der Kunst „seine kreative Wahrnehmung der Dinge und seiner selbst“ zum Ausdruck. es ist „integraler Bestandteil“ der Entwicklung der Menschheit wie des einzelnen Menschen. „Das Ästhetische stellt einen festen Bestandteil des gesamten Lebens dar“. sondern Methode zugleich“ (ebd.

Ästhetische Theorie. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. Ausgewogene. Stimmige. weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. die durch die vorfindliche Gegenwart ausgelöst werden“ (ebd. Wünschen. 287). Der Ästhetik Adornos folgend. Wiesbaden 2001. Sie plädiert deshalb für eine „Ästhetik vom Leibe aus“ (289). Adorno. Reflexionen. Aristoteles. bzw. dass die Patienten beim Spielen und Experimentieren mit Klängen ihre Wirklichkeit ästhetisch hervorbringen. Damit ist nicht nur ein in Kauf nehmen missklingender oder chaotischer Musik gemeint. W. Ängsten. Subjekt und Mitwelt“. (S. Ihr ästhetisches Handeln sei „Erzeugung. die Leiblichkeit als zentrale Instanz für künstlerische Verstehensprozesse anerkennt. „das weh tut.s.w. die Organ-Logik bei Drewer). weil das alles ebenso zur Ästhetik gehört wie das Schöne. dann soll 76 . der Therapeutin Kraft. Als „ästhetische Konstruktion“ seien sie „eine ständige Suchbewegung und Auseinandersetzung mit Erfahrungen. Frankfurt am Main 1973.): Fenster zur Musiktherapie. Vor dem Hintergrund der ursprünglichen Bedeutung von aisthesis. Erkenntnis und Gestaltung von Wirklichkeit“ und habe „existentielle Bedeutung“. Auch Drewer bemüht sich um eine solche ästhetische Begründung der Musiktherapie und warnt vor einer bloßen Orientierung an den etablierten Therapierichtungen (Psychoanalyse. Ich habe diese Dinge in unserem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranke“ unter dem Kapitel „Musiktherapie als besondere Form der ästhetischen Aneignung“ (S. „dass musikalisch-improvisatorische Prozesse primär der (Organ-)Logik folgen“ und dass Erkenntnis nicht nur im Organischen wurzelt. des Haderns und Trotzens. sondern bereits dort stattfindet (z. als der Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung seien die metaphysischen Richtungen eigentlich als „anästhetisch“ zu betrachten. zit. weil Sinnlichkeit Teil der Physis ist. mit Möglichkeiten.chen Kontaktes. Platon. noch nicht Gedachtes. Vorstellungen. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt wird. des zeitweiligen Steckenbleibens und Resignierens. Hässlichen. Barock. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. Leichte und Erleuchtete. Individuen. mehr noch. Und wenn dies dazu beiträgt. Gestalt oder Verhaltenstherapie). So kann Neues. Impulsen. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt. weil sie nicht zweckgebunden sind und deshalb Zugänge zu Möglichkeiten eröffnen. die auf dissipativen Strukturen im molekularen. Erkenntnis. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. 2001. als im Artifiziellen zu transzendieren erscheint. ausgehend von den alten Griechen. Das Ästhetische ist für ihn ein „auf allen körperlichen und geistigen Ebenen vermittelter Austausch von Systemen. 259-294) hält die Untersuchung der von vielen Theoretikern vernachlässigten ästhetische Dimension der Musiktherapie für hilfreich bei der Entwicklung einer musiktherapeutischen Metatheorie. Verqueren. die das Hässliche umschließt. 45 . als Engrammierung in den Zellen) (96 f). Heraklit. auch tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. Erfreuliche. an Geistestätigkeit und an „Uneigennützigkeit“. Heilung bedeutet unter ästhetischen Gesichtspunkten nun. zellulären und organischem Bereich basiert.) Für den psychotherapeutischen Prozess sind ästhetische Erfahrungen deshalb so bedeutsam. der ganze Leib totales Sinnesorgan ist (vgl. in Mittelalter. Pythagoras. Renaissance. noch nicht Erkanntes entstehen und erfahren werden. 289) sei „auch in der Musiktherapie die Kakophonie legitimiert. Romantik bis Kant. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. n. schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw. Darstellung. u. Auch Isabelle Frohne-Hagemann (in: Decker-Voigt (Hrsg. Frohne-Hagemann.B. 105 ff. „die dem zielgerichteten Verhalten aufgrund dessen Einengung verschlossen sind“ (Drewer 91). Isabelle Frohne-Hagemann betont.52) im einzelnen erläutert. 53.. sondern die Wertschätzung des Mühsamen. So betont er .

B.. bilden die Wirklichkeit als Ganzes ab . welches „von den Bedingungen. sondern es entwickelt sich erst in der Beziehung zum Subjekt“ (ebd.: sie enthalten die Wirklichkeit als Ganzes nach der subjektiven Sichtweise des einzelnen vereinheitlicht . . Grundlage der Ästhetischen Situation ist die „Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt“.. und erst dann nach Bedeutungen fragen und Bedeutungen finden.h.h. die verdeutlichen. ästhetische Zeichen sind z.h. die Fähigkeit des Menschen.das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. 287). Einfällen. wie jedes Musikstück sind auch die Improvisationen der Patienten „ein komplexes Symbol“. Musikstücke: ästhetische Zeichen .. sowohl im Blick auf die Musik als auch im Blick auf den Körper. unter denen wir es betrachten. 264). Gedanken. Emotionen.. dass man „sowohl von der gegenstandsnahen Wahrnehmung als auch von der leiblichen Empfindung und Resonanz auf die ästhetischen Phänomene ausgeht. des Denkens.. d. aber sie „bedeutet“ zunächst einmal nichts. die von unseren „eigenen ästhetischen und therapietheoretischen Vorannahmen“ bestimmt ist (ebd. zielen auf eine vereinheitlichende Verhaltensweise d. Musik und Sprache. (auch Vorurteilen). als die Fähigkeit. Musik ist zwar auch „sinnvolle Struktur. dass die Bedeutung musikalischer Gestalten sich auf völlig anderem Wege ereignet als die von Sprache (Bedeutung ästhetischer Zeichen.: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein . erlebt wird 77 . 291). des Körpers. Atmosphären. Diese Auffassungen basieren auf semiotischen Analysen zu Musik und Sprache von Peter Faltin. dh. die Wirklichkeit ästhetisch zu erleben. sondern willkommen geheißen“ sein(289 f.: zuerst wahrnehmen. Wahrnehmungen beschreiben. das heißt. denn „das ästhetisch Empfundene haftet den Gegenständen nämlich nicht an. Wie jedes Kunstwerk.. der Situation und den ablaufenden Konsensprozessen in sie hinein. Deshalb müssen die Improvisationen der Musiktherapie hermeneutisch interpretiert werden. „ästhetische Zeichen“ herzubringen und zu rezipieren. Bedeutungen legen wir in Abhängigkeit von unserem Vorwissen..). Gruppenprozessen. bevor in einem elevatorischen Vorgang von dieser aisthesis zur ästhetischen Sinngebung fortgeschritten wird“ (ebd.h.). Aachen 1985). abhängt. nach dem Bild der Einheit des Subjekts unifiziert d..“ Jede Wahrnehmung sei bereits eine Interpretation... d. was er selbst in das Werk hineingelegt hat (Frohne-Hagemann 2001. in denen eine bestimmte Art.: sie provozieren Bewegungen der Sinne. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. Der tschechische Philosoph Jan Mukarovský kennzeichnet die ästhetische Aneignung. und jeder hört nur dann und nur das aus der Improvisation heraus“. Daraus resultiert die besondere Qualität der therapeutischen Beziehung in der Musiktherapie. 290 f.

betont in einem Interview mit Eckhard Weymann und Martin Deuter die Notwendigkeit einer ökologischen Ästhetik . und "noch nicht bewältigtem Material" andererseits. Jan: Kapitel aus der Ästhetik...“ (Die musikalische Form als Prozess. das Normalleben möglichst ereignisarm.. Vergleich und Auswahl vollzieht sich auch beim Komponisten während der schöpferischen Arbeit.) Eine Musik zu verstehen bedeutet für Assafjew: „Die Zweckdienlichkeit der Vorwärtsbewegung des gehörmäßig wahrgenommenen Klangflusses erfassen und sich darüber klar zu sein. so dass durch die Musik. irrational erscheinenden Einfällen. warum sich die Bewegung.. „wenn wir uns dafür öffnen und leiblich mitschwingen“ (Frohne-Hagemann 2001.." (S.und Wiedergabegeräte“ betrieben. Musik ist eigentlich das mächtigste Mittel zur Erzeugung von Atmosphären . . sondern aus ‚Kraftfeldern’. vergleichen die Menschen instinktiv die Momente der vorbeifließenden Musik miteinander und prägen sich im Gedächtnis ähnliche und häufig wiederkehrende Klangkomplexe ein.. hierzu auch John Diamond: Lebensenergie in der Musik. sondern sie wird in unseren Ohren Musik durch ein sinnenhaftes Wahrnehmen und Empfinden von Tonverhältnissen und Tonbewegungen... Die Industrie hat ungefähr seit den 1950er Jahren eine „Eskalation der Speicher. seit eh und je befestigten Klangverbindungen einerseits. das musikalische Werk.“ Um ein musikalisches Werk zu verstehen.Mukarovský. Georg Böhme.Erleben (das Anhören einer Musik) als Prozess der Umwandlung von Energie: „Wenn ein Komponist bei seinem Schaffen eine Arbeit durchführt und dabei ein Teil seiner Lebensenergie aufwendet. dass in Ungewohntem Beziehungen zu bekannten Klangelementen erkannt werden..) „Musik klingt nicht als Summe einzelner hörbarer Töne. Zwischenräumen. Aus dem Grundbedürfnis nach Musik ist heutzutage „ein Kompensationsbedürfnis geworden. S. also zwischen einerseits völlig rational begründeten Klangverbindungen und andererseits einstweilen unerklärbar. zu einer Form der Umwandlung der Energie des Komponisten. Musik besteht nicht aus Tönen.. weil ja die technische Zivilisation im Grunde darauf abzielt. unsere ganzen Bewegungs. Trägheit oder Aktivität im kompositorischen Schaffen hängt mit ab von einer solchen Wahl zwischen den passiv im Gedächtnis gespeicherten.“ Es geschieht eine Reihe von Energie . bald ausdehnend. 34 f. Atmosphären sollten auch klanglich und damit in zeitlicher Dimension begriffen werden und nicht immer nur räumlich (letzteres sein geradezu eine Berufskrankheit der Architekten). und das drängt die Atmosphären immer in den Hintergrund . eine „Theorie des Empfindens“ . Beim Hören jedes neuen Musikwerkes vergleichen die Menschen die unbekannten Klangkomplexe mit den bekannten und treffen eine Auswahl. bald konstatierend... Beziehungen. atmosphärische Erfahrung sei zugleich eine Erfahrung der eigenen leiblichen Anwesenheit . hören wir Beziehungsgefüge und dieses er-fahren wir mit dem Leib als totalem Sinnesorgan. . „angefangen von ihrem ersten Keimen in der Vorstellungskraft des Komponisten unter dem Einfluss seiner Umwelt bis hin zur ihrer Rezeption durch den aufmerksamen Hörer.“ Das geht nur. fortsetzt. Alle Menschen müssen sich ja sehr funktional und cool verhalten. Ein ähnlicher Prozess des Anklammerns an gewohnte Klangverbindungen oder deren Zurückweisung.Unwandlungen. Allmählich fixieren sich diese Klangkomplexe im Bewusstsein und werden zu leicht erkennbaren.. 57 f. wobei sie besonders ungewohnte Verbindungen ablehnen..und Kommunikationsformen sind technikvermittelt. das heißt auch affektiv neutral zu machen.. Wiederholtes Hören führt jedoch allmählich dazu.. dann wird die konkrete Form dieser Arbeit. Wenn wir Musik ästhetisch hören. Zürich 1981. .. Frankfurt am Main 1971 Boris Assafjew beschreibt das Musik . Berlin 1976. . aber auch 78 ... 267)... bekannten und angenehmen gebildet. s.

London 2000. sowohl der Geräte als auch der Musik. Musiktherapeutische Umschau 2005 307-313 MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT. die Möglichkeit. gegenwärtig zu sein (Die Musik modifiziert mein Gefühl. Die Industrie entwickelt hier die Steigerungsmöglichkeiten über die Geräte und auch über die musikalischen Moden. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. den Menschen die Erfahrung zu vermitteln. 246 79 .die Fernsehindustrie eine Kompensationsleistung erbracht wird: es wird ein harmloser Bereich des Auslebens von Gefühlen bereit gestellt. so ähnlich wie das Atmen. die sich ständig erneuern müssen. Es wird von der Kulturindustrie ein systematischen Veralten geplant.“ So müsse „das Bewusstsein vom Lebensvollzug wieder gewonnen werden“ und „die Musik hätte. im Raum zu sein. The wounds that Sing.

a.und Lesevermögen von sprach. 396. einen deutlichen Entwicklungsvorsprung in nichtmusikalischen Bereichen haben. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen“. 4-22). 128. Musiktherapeutische Umschau 1999. dass musikalisch praktizierende Menschen im allgemeinen höhere Intelligenz aufweisen als andere. Psychologen der Universität Hongkong fanden heraus. Dennoch verbesserten sich ihre Leistungen in diesen Fächern (Ernst Weber. die alle zum Ergebnis kommen. Die komplette Studie trägt den Titel: „Musikerziehung und ihre Wirkung. 28) Helmut Moog weist in einer Untersuchung "Transfereffekte des Musizierens auf sprachliche Leistung" (in Kemmelmeyer / Probst: Quellentexte zur pädagogischen Musiktherapie.T. Sie ist erschienen unter dem Titel Patry. bei dem die Musiker einen Vorteil hatten. 307-320) nach. Überhaupt ist fraglich. 64) In einem Schulversuch von 1972 bis 1979 in der Schweiz erhielten die Schüler 5 Stunden Musik. 1986) kommt zu demselben Ergebnis. S. kommt zu ähnlichen Ergebnissen. 1987. Regensburg 1981. Amerikanische Studien. Eine Dissertation an der Universität Washington (D. Die Studie zeigte auch. 1993. Freiburg/CH. als Kinder in Klassen ohne Musikgruppen.28) referieren Arnold Feil und Marianne Hassler die Ergebnisse vieler Untersuchungen. (Hrsg): Musik macht Schule. S. 80 . S. 23/1983. S. kann in einer Schülerlaufbahn in der Zeit vor der Pubertät schon einiges geschehen sein. Bastian: Beeinflusst intensive Musikerziehung die Entwicklung von Kindern? Zwischenbilanzen einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen. f. S.. 33-36.“ (S. die zu großen Teilen auch aus sozialen Brennpunkten kamen (Musiktherapeutische Umschau 1999. vor allem das räumliche Vorstellungsvermögen steigerten („Mozart Effekt“). „dass Jungen und Mädchen mit musikalischer Begabung. Eine Studie zu diesem Thema von Hans-Günther Bastian zeigt. Ihre eigene Untersuchung in Tübingen mit 60 Jungen und Mädchen ergibt. die in der Schweiz durchgeführt wurde. Lu. wonach regelmäßiges Anhören von Mozart Musik Intelligenzleistungen. 64 f. Mainz 2000. dass Kinder in Klassen mit regelmäßigem Musikunterricht zwei Stunden pro Woche und zusätzlicher Musikpraxis im Chor oder Musikgruppen verbunden mit Instrumentalunterricht in allen übrigen Schulfächern deutlich bessere Lernfortschritte machen. die überwiegend musikalisch ausübend sind. S.und lernbehinderten Kindern sehr deutlich verbessert werden konnte. Musikforum 86/1997. Musikpäd.4. Bericht an den Schweizer Nationalfonds über den Schulversuch „ Bessere Bildung durch mehr Musik“. verglichen mit ihren Freunden.. dass frühzeitiger Musikunterricht die sprachlichen Fähigkeiten eines Menschen dauerhaft verbessere (Nature Bd.. Jean-Luc u. insbesondere gab es in diesen Klassen weniger Außenseiter.16 Kognitive Aspekte des Musikerlebens In ihrem Aufsatz „Musikalität und Leistungen in nichtmusikalischen Bereichen“ (Zeitschrift für Musikpädagogik. inwieweit solche „Transferleistungen“ überhaupt einzig auf die Musikerfahrung zurückzuführen sind und wie lange sie Bestand haben. dass durch regelmäßiges tägliches Singen das Sprach. Intelligenter durch Musik? Zeitschr. Heft 40. An diesem Versuch nahmen 2400 Schüler aus Berliner Stadtteilen teil. dass Kinder mit mehr Musikerfahrungen in besseres Sozialverhalten zeigten.und Gesangsunterricht wöchentlich und dafür je eine Stunde weniger Unterricht in den sprachlichen Hauptfächern Deutsch und Französisch sowie Mathematik.wieder einholen. Und obwohl die Nichtmusiker nach Eintritt der Pubertät dank eines großen Entwicklungsschubes die Musiker . werden von Sozialwissenschaftlern bisher noch mit Skepsis betrachtet.zumindest teilweise . S. Eine Langzeitstudie. 22 .die musikalisch nicht ausübend sind.

a. wenn man das von Luc Ciompi beschriebene Phänomen der fraktalen Affektlogik zu Grunde legt (vgl. die den Hörern von der Sprache her vertraut sind (ebd. Welter-Enderlin und B. 411). 33).und den entsprechenden Denk. Die emotionalen Grundlagen des Denkens: Entwurf einer fraktalen Affektlogik. Göttingen 1997 Neuerdings stellt man enge klangliche Beziehungen zwischen Sprachklang und Musik fest. Gewaltprävention und Intelligenzförderung bei Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Bern 2001.Kommunikation und Psychotherapie aus der sicht der fraktalen Affektlogik. als wir gemeinhin für wahr halten“. hierzu auch die zusammenfassende Darstellung über die Musikpädagogische Forschung zur Steigerung sozialer Kompetenz. (Hrsg. Sexualität.s. „In praktisch allen menschlichen Sprachen werden bestimmte Tonhöhen lauter gesprochen als andere“. und diese hervorgehobenen Frequenzen bilden genau die chromatische Tonleiter.). weil sie physikalisch den Mustern der Schallenergie ähnlich sind. Interview mit Luc Ciompi in: ringgespräch über gruppenimprovisation LXIX. 81 . 409 f. findet!“ Das Phänomen aus Sicht der Affektlogik. s.“ Sie „koppeln sich erlebnis. Kommunikation. denn es handelt sich bei Affekten „um bestimmte biologisch sinnvolle Energieverteilungen sowohl im Körper wie in der Psyche und im Gehirn. Dem zufolge wirken Fühlen und Denken zirkulär zusammen: „Einerseits lösen bestimmte Erlebnisse. Sie „sind evolutionär gekoppelt mit wichtigen Verhaltensweisen wie Flucht. S.und situationsabhängig mit bestimmten Wahrnehmungs. Nahrungssuche u. die in ähnlichen Situationen immer wieder aktiviert werden“ („Wer nicht sucht. Wahrnehmungen oder Gedanken bestimmte Gefühle aus. Die hohe affektive Qualität des Musikerlebens erscheint in diesem Zusammenhang als „Energielieferant“ für kognitive Entwicklung. Norderstedt 2005.49-68) sowie Luc Ciompi: Die emotionalen Grundlagen des Denkens.): Gefühle und Systeme. welche die Grundlage fast aller Formen von Musik darstellt (Musiktherapeutische Umschau 2003. Andererseits erscheinen manche Tonfolgen „dem Menschen harmonischer als andere. 59 . Hildenbrand (Hrsg.und Verhaltensweisen.63). Geselligkeit. Göttingen 1997 und: Die affektiven Grundlagen des Denkens . in: R. 2003.w. zur Affektlogik im einzelnen das Kapitel „Das Schizophrenieverständnis der Affektlogik und seine therapeutischen Implikationen“ (in: Luc Ciompi u.S. und andererseits beeinflussen diese Gefühle dann ihrerseits das Denken und Wahrnehmen in einem viel höheren Ausmaß. So bilden sich funktionell integrierte ’Fühl – Denk Verhaltensprogramme’. Naheliegend erscheint der positive Einfluss des Musikerlebens auf die kognitive und soziale Entwicklung besonders. Heidelberg 1998).): Wie wirkt Soteria. Kampf.

So unterstützt Musik zunächst auf indirekte Weise die Bemühungen um eine menschenfreundlichere Gesellschaft“ (ebd.) eher Wunschtraum denn Wirklichkeit (Peter Bubmann. denn chaotische Systeme tendieren dazu. Gütersloh 1993. Ästhetische Theorie. Politisches kann also in Musik einmal insofern enthalten sein. neue. als diese bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse transzendiert. „das weh tut. ‚kippt’ das System um.letzteres ist „Neue Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände überwindet). abgeschafft werden und ein utopischer (noch nicht realisierter) gesellschaftlicher Zustand dargestellt wird. allerdings garantiert es „noch keine politische Mündigkeit.und trostloser als sie es ist.. Hrsg. ermöglicht eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung“. das alles ist ein Abbild eines gesellschaftlichen Zustandes. bei einem sich herausschälenden Konsens. die ein System bestürmen. ästhetisch anspruchsvolle und fortgeschrittene Kunstmusik transportiere automatisch positive politische Grundwerte (. 50).. solange sie nicht über eine bestimmte Grenze hinausgehen. 379). das aber kreativ ist. Für Adorno gehört auch zur Ästhetik das Hässliche. politisches Ethos und ästhetische Kunst zehren von der kommunikativ begriffenen Freiheit der Handelnden und Hörenden. Frankfurt/M.17 Politische Aspekte des Musikerlebens „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. ohne selbst diese Hoffnungen einlösen zu können“ (ebd. wie sie für die Improvisation in der Musik typisch sind. dieses eher befestigen und kräftigen. die Art und Weise. 55).“ „Ohne diesen sozialisierenden Beitrag der Musik zur Gesellschaft jedoch wäre die Welt sicher fried. in Sitzungen. Auch in der Gesellschaft (zum Beispiel bei der Bildung von Lichterketten. weil es die Unwahrheit der Gesellschaft ans Licht bringt“ (Th. Dissipative Strukturen sind allgegenwärtig. Es entsteht Chaos. miteinander umgehen. Nun können diese Beziehungen hierarchisch. könnte durchaus ein paar Generationen von Musikwissenschaftlern in Atem halten.: Menschenfreundliche Musik. Adorno. München 1996) in den von Ilya Prigogine beschriebenen dissipativen Strukturen und Prozessen der Selbstorganisation. Musik kann spielerisch Erfahrungen der Freiheit und Gemeinschaft für die Dauer des Erklingens stimulieren. Sie tun das in – dies wurde ein Schlüsselwort – ‚Selbstorganisation’. nach dem Muster von Herrschaft organisiert sein oder demokratisch bzw. Ersteres ist „Alte Musik“ (die bestehende gesellschaftliche Zustände lediglich abbildet) . Tönend bewegte Freiheit. 54). anarchistisch. was der Musikwissenschaft bisher am Herzen lag“ (371 f). „Beide. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird.und Kommunikationsprozessen zum Hoffnungszeichen des politischen Ethos. Allerdings ist „die Vorstellung. 82 . Ästhetische Theorie. Selbstorganisation ist auch hier ein sehr viel stärker herausforderndes Konzept als alles. Turbulenzen. Einen historischen und politischen Kontext zwischen Musik und Politik sieht Joachim Ernst Berendt (Das Leben – ein Klang. Dieses letztere zu untersuchen. „Das spielerische Musizieren fördert die Konzentration und die Geduld. Nicht nur in der Physik und Chemie. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind. Das heißt. Fluktuationen.) Und natürlich in der Musik. bei einem sich auflösenden Verkehrschaos. wie die Musizierenden sich zueinander verhalten. noch ‚höhere’ Ordnungen und Strukturen aus sich heraus neu zu erschaffen. Adorno. Versammlungen etc. Theodor W. Sie wird in solchen musikalischen Freiheits. 35-57. 1979. Überschreiten sie diese Grenze. Frankfurt am Main 1973. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. Es gibt kein Formales ohne inhaltliche Implikate und diese reichen bis zur Politik“ (Vgl. W.4. in ders. als bestehende gesellschaftliche Verhältnisse sich in ihr abbilden oder insofern. S. dass Störungen. „Er hat gezeigt.

Denn nur eine Gesellschaft.53).“ 83 . Produktion. Man muss vorsichtig sein mit ‚rein’ klinischen Diagnosen. Investition und Wachstumsrate als Triebfeder der Volkswirtschaft sehen. doch muss diese immer vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen. 1995) Gerade „die immateriellen Werte“ prägen „die Mentalität eines Volkes“. die bislang nur eine Nebenrolle spielten. als entscheidender Katalysator des Fortschritts“ hervorzuheben.“ „Der Tanz kann in der Gesellschaft etwas bewegen. Die großen Theorien sind überholt. wird ihre Schwierigkeiten meistern. sozialen und politischen Geschehnisse gesehen werden.“ Stattdessen sind „kulturelle Werte. dass wir über den Tanz nachdenken. denen zufolge „Faktoren wie Rohstoff. sondern die Bedingungen für bestimmte gesellschaftlich determinierte Lebenswirklichkeiten aufzuspüren. Eine musiktherapeutische Improvisation kann zwar das Weben und Walten einer sich im Individuum manifestierenden Störung sozialer und gesellschaftlicher Genese hinweisen. „Der schöpferische Akt ist für die Emanzipation des Einzelnen bekanntlich von entscheidender Bedeutung. Musiktherapie befasst sich ja mit dem Unerhörten und Ungehörten auch nicht nur im Seelenleben. „nicht nur die Erscheinungen und Hintergründe. Die Improvisation ‚bedeutet’ in ihrer ästhetischen Gestaltung also nur etwas vor diesem Hintergrund“ (Frohne-Hagemann. selbstbewussten Menschen zusammensetzt. Deshalb ist es auch Aufgabe der Musiktherapie. 2000. sondern auch im gesellschaftlichen Kontext. die sich aus freien. 290). bedeutet ja. 65 f) „Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes hängt nicht allein von Geld und Arbeit ab“. Zum Verhältnis von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung eines Volkes und seiner Tanzkultur: (Interview mit dem Choreograf und Theoretiker Alphonse Tiérou von Jasmina Sopova in: UNESCO-Kurier 7/8. Kapital.“ Allein bereits „die Tatsache. die das Individuum stigmatisieren. (vgl. Arbeit. Fenster zur Musiktherapie. Alain Peyrefitte: La Société de confiance. Wiesbaden 2001. dass wir uns selbst zu akzeptieren beginnen.

Musiktherapeutische Umschau. da wir am Ursprung des 'Denn' sind. an die Grenze des Lebens zu treten und wieder zurück zu kommen. es gibt nichts 'Genaueres' als das „ästhetische Zeichen“ selbst. Musik belebt wie Sauerstoff. 28. was wir tun. Wittgenstein. „dass es auch jenseits der beschreibenden Sprache eine Welt gibt. Außerdem: Aussagen des Gefallens oder Mißfallens.eben dadurch. dazu auch: Hartmut Handt: Vorspiel der Ewigkeit. 84 . Musik und Sprache. Operationalisierung. es besteht nur eine Möglichkeit: haltmachen und hinnehmen." Wenn überhaupt: man beschreibt den tönenden Prozess.“ (L. Stuttgart 1986. und gerade wegen dieser transzendierenden Natur der Musik können wichtige Heilungsprozesse in der Musiktherapie überhaupt stattfinden und finden überhaupt statt“ (294). 149 ff. 28. 217-230) fordern. was man nicht beschreiben kann.“ Man kann ein Musikstück mit den Mitteln der Sprache nicht durchdringen. Sie ist der Bogen. 84-99) Das Musikerleben hat es mit dem „Unaussprechlichen“ zu tun: „Die Grenzen der Sprache sind nicht die Grenzen der Welt. Musiktherapie bei Sterbenden. weinen oder stöhnen. Die Verwechslung von Emotionen mit Spiritualität kann zur Entwicklung von Abhängigkeiten führen (298 f).: Menschenfreundliche Musik. um es genauer zu fassen. fühlt oder riecht. der sich von der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft spannt. dass es hier nicht nur das gibt. sie spricht von der Folge der Dinge. Denn im Bereich des Ästhetischen gibt es kein 'Weil' oder 'Denn'. Musiktherapie ist für ihn einer „ökologischen Sichtweise“ verpflichtet. (s. Die Welt des Ästhetischen unterscheidet sich von anderen Welten . 88) Musik hat es mit dem Unsagbaren. Er sieht auch die Gefahr. nicht aber die Musik. in: Peter Faltin: Bedeutung ästhetischer Zeichen. einen Moment der Veränderung und Transzendenz. unbedingt schweigen muss. 3 (2007). dass trotz der immer noch sehr schwierigen Kommunikation zwischen Therapeuten und Patienten über Spiritualität“ insbesondere „im Bereich der künstlerischen Therapien“ eine „auch die Spiritualität umfassende Patientenversorgung“ aufgegriffen werden und „nicht als eine zu delegierende Aufgabe aus der Therapeuten-Patienten-Begegnung herausgelöst werden“ sollte.“ (Susan Munro. Musik und Transzendenz. einen Übergang zu erleben. können weder richtig noch unrichtig sein. geht über Worte hinaus.18 Anmerkungen zum religiösen/spirituellen Charakter von Musik „Musik gestattet es uns.etwa von der Verstandeswelt . dass „menschliche Wesen und menschliche Natur als etwas Heiliges zu sehen“ sind (295). das man sieht. Aachen 1985. könnte man es. S. Studienergebnisse.) David Aldridge (Über den Sinn hinaus . und dass man nicht über alles. hört. worüber man streng logisch sprechen kann. deshalb plädiert er dafür.eine transzendentale Sichtweise von Musik in der Therapie. Musiktherapeutische Umschau. Das Musikerleben konfrontiert uns unausweichlich mit der Tatsache.4. zu der Auffassung zurückzukehren. deren Teil die ästhetische Welt ist. S. worüber man nur dichten oder eben schweigen kann. Dabei könnte auch auf die „Möglichkeiten der Krankenseelsorge und der psychologischen Beratung“ zurückgegriffen werden (226). Thomas Ostermann. wäre Musik damit überflüssig. Durch Musik herbeigeführte Ausnahmezustände sind zunächst nur psychologischer Natur. dass hier kein Erklären möglich ist. dem Unsichtbaren und Vergänglichen zu tun. 3 (2007). Die spirituelle Qualität ist damit nicht unbedingt gegeben. 293-301) zitiert Lucanne Magill: „So viel von dem. in: Peter Bubmann. sondern auch das. Arndt Büssing (Spiritualität und Gesundheit: Konzepte. Gütersloh 1993. Hrsg. emotionale Erfahrungen mit religiösen zu verwechseln. S.

schmerzvoll und unerträglich und verlangt vom Therapeuten bzw.und Denkmuster zu überwinden. Der Aufbau von Hoffnung ist Grundvoraussetzung jeder Therapie. d.) in FrohneHagemann 2001. Glaube und Hoffnung waren gefragt und die Zuversicht. immer wieder Ansatzpunkte gefunden. destruktive und neurotische Handlungs. fuhr sie fort zu fragen: „glauben Sie.Für Isabelle Frohne-Hagemann (Fenster zur Musiktherapie. für diese Patientin zu beten. dass auch Unerwartetes geschehen kann. Synder et al. auf was sie sich einlassen. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen.A. was bereits in seinem Leben funktioniert. dass das sich öffnende Bewusstsein für die tieferen und höheren Dimensionen unseres Seins auch die Dimension der Spiritualität einbezieht. die Angst und die Trauer so bindet. 219).und Begriffsvermögen mit dem netzlosen Hier und Jetzt konfrontieren“ muss. sondern dem Leibe die Möglichkeit gibt. indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt. In der Tat habe ich in ihren musikalischen Aktionen. Heb 11. als ich mit der Antwort zögerte. Musik und ästhetisches überhaupt konfrontiert uns mit „dem Gefühl für das Unbegreifliche des Seins. ihre Träume zu bearbeiten. nach einem Prozess von etwa vier Jahren. The wounds that Sing. Empirische Ergebnisse und praktische Folgerungen. ehrlich zu antworten. dass die Erlebnisse intersubjektiv geteilt werden und dadurch verarbeitet werden können“ (ebd. weshalb Musiktherapeuten ihre eigene Haltung zur Entwicklung von Bewusstsein und Spiritualität reflektieren sollten. der Therapeutin Kraft. dass sich ein traumatisierter Mensch nach dem ersten Schock nicht vom Fühlen abspaltet. Das war noch aus der Rolle des Musiktherapeuten gesprochen. „tief in die Abgründe hineinzuschauen und sie nicht zu verdrängen. damit Patienten wissen. Einmal fragte mich eine Patientin: „Glauben Sie an mich?“ Und. dass ich gesund werde?“ Schwierig. (2001): Grundlage des gemeinsamen Faktors Placebo und Erwartung. 2001. dass es um noch etwas anderes ging. und projiziert das in die zu erwartende Zukunft (vgl. Wiesbaden 2001) vermittelt Musik „sozusagen zwischen Himmel und Erde“. Hoffnung ist wie der Glaube. Und wenn dies dazu beiträgt. Heute. die hoffnungslose medizinische Prognose zu annullieren? In meinem Inneren spürte ich. in der Zeit eingebetteten Ausdruck zu ermöglichen. die mir den Mut geben. Von diesem Tag an habe ich begonnen. H.K. In: Hubble. 85 .“ Für Carolyn Kenny „Wird spirituelle Weisheit als „embodied spirituality“ erfahrbar (ebd. 1). 293). nach Antworten über Leben und Tod. und ein Nichtzweifeln an dem. Sie zitiert Helen Bonny mit der Definition von Spiritualität als innere und äußere Suche nach dem Sinn des Lebens. dass ich in ihrem musikalischen Spiel so viele „gesunde Anteile“ erkenne. Sie orientiert sich an den Stärken des Patienten und an dem. 60 (übers. dem Trauma einen musikalischen. 272). wenn man den schulmedizinisch – psychiatrischen Befund kennt und die Auffassung der psychiatrischen Fachleute. „Für MusiktherapeutInnen bedeutet dieser Aspekt von Ästhetik. mich auf ihre Selbstheilungskräfte zu verlassen. der zufolge Schizophrenie nicht heilbar ist. von dem es heißt er sei eine „Zuversicht auf das. welcher das Leid. 193-219). wo „der Horizont des Erwartbaren durchbrochen wird“ und wo „sich das Gefühls. nach tieferem Wissen über sich selbst. (Hrsg): So wirkt Psychotherapie. sondern willkommen geheißen“ (289 f. dann soll das Irdische und Sinnliche nicht ausgeklammert werden. auch in ihrer Fähigkeit. Das ist für den/die Klienten/in oft schambesetzt.). Ich will damit nicht behaupten. Heilung bedeutet für Isabelle Frohne-Hagemann auch. was man hofft. 271). aus dem Hingabe und die Akzeptanz der anderen folgt und die Erfurcht vor der Heiligkeit des Lebens“ (Bonny. und die Ärzte haben ihre Diagnose korrigiert.h. die mich an sie glauben lassen. sondern sie zuzulassen und auszudrücken. Ich konnte ehrlich sagen. was man nicht sieht“ (Bibel.“ Sie führt uns in Situationen. dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und dass die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. Bilder zu gestalten und ähnlichem. Zuversicht und Liebe bei der Begleitung. sind die psychotischen Symptome verschwunden. et al. Dortmund: verlag modernes lernen. die Patientin sei durch das Gebet geheilt worden. Aber würde dieses Potential ausreichen. M. London 2000.

sondern auch in der Musik . in Musik und Religion gleichermaßen zu finden ist. Für das therapeutische Selbstverständnis scheint mir wichtig zu sein. Jesus wies viele der Patienten. Sabine Bach hebt hervor. Schr. Bedarf an Antibiotika und Todesfälle gab (Randy Byrd. Unvorhersehbares ist die wörtliche Übersetzung von Improvisation. das dem Patienten hilft. 86 . findet ihren Ausdruck nicht nur in der Religion. Auch wird über die Wirksamkeit des Glaubens des Therapeuten berichtet. wenn z.B. Diese »Sehnsucht nach dem ganz Anderen«. 252). dass es bei den Patienten. Bedürfnisse und Sehnsucht lässt mich (203) ein Stück von dem empfinden. der Arzt ohne es zu wissen ein Placebo verabreicht. den Namen selbst zu nennen. mit mir und mit Gott (sprich: im Gebet) möglich. Adorno. alles nachzulesen in der Zeitschrift „esotera essenz. denen wir bei Therapeuten allzu oft begegnen. In ihm liegt ihr theologischer Aspekt.. befreit von der Magie des Einwirkens. Fragment über Musik und Sprache. Vielfach wird die Wirksamkeit des Glaubens des Patienten an die Wirksamkeit eines Medikaments bestätigt. Sie ist entmythologisiertes Gebet. aber eben auch nicht zu leugnendes Phänomen“ (ebd. ohne die wir nicht leben können. Neues ereignen. Wenn man ein Bild gebrauchen wollte. ist als Erscheinendes bestimmt und zugleich verborgen. Unvorhersehbares in der Begegnung eintreten“ (Musik in der Ausdruckstherapie. Medical Tribune. das uns über die Grenzen unserer Befangenheit in der Welt hinausträgt“ (204). 3 (2007).. dass den Helfern die spirituelle Sinngebung für ihr Handeln fehlt. könnte man sagen: Die Musik ist wie der Flügelschlag eines Engels. Im Zusammenhang mit therapeutischen Prozessen stellt sich immer auch die Frage nach dem Glauben. die er heilte darauf hin. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. S.. auch wenn das Medikament objektiv nicht wirksam ist. der wie immer auch vergebliche menschliche Versuch. 299). die belegt. „Gegenüber der meinenden Sprache ist Musik eine von ganz anderem Typus. 48-51). wonach ich mich sehne. Der musikalische Ausdruck meiner Wünsche. 28.Ich weiß es im Letzten nicht. haben auch darin ihre Ursache.). für die gebetet wurde. was die Heilung in diesem Symptombereich bewirkte. und das war für mich in diesem Falle nur auf dem Wege der seelsorgerlichen Auseinandersetzung mit der Patientin. Musiktherapeutische Umschau. dass ihm „sein Glaube“ geholfen habe. 1986) Eine andere Untersuchung von Platon J. Zynismus und Resignation. in Decker-Voigt. Jan. und die flüchtige Anwesenheit von etwas Größerem fühlen lässt. ges. Der gesungene oder mit Instrumenten musizierte Ausdruck dessen. Der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe 45/1994 zusammenfassend über Ergebnisse der Placebo . der uns berührt. Ihre Idee ist die Gestalt des göttlichen Namens. die der Philosoph Max Horkheimer als das Wesen der Theologie beschrieben hat. kann sich etwas für alle Beteiligten Überraschendes. Schulen der Musiktherapie. signifikant weniger Komplikationen. aber dass man in seinem Gegenübertragungserleben an einem bestimmten Punkt der Therapie die „Energie der Hoffnung“ benötigt. S. das Element der Hoffnung. S. dass es in künstlerischen Therapien zu echten Begegnungen im zwischenmenschlichen Bereich kommt.Forschung. gibt mir bereits etwas vom Gegenstand meiner Sehnsucht. Es fassendes. Band 16. München 2001. wenn in der therapeutischen Beziehung Offenheit für Unvorhersehbares besteht. Collipp kommt ebenfalls zu positiven Ergebnissen (Medical Times. nicht Bedeutungen mitzuteilen“ (Theodor W. dass das „Element der Utopie. was ich in der Realität entbehre. 201-204) stellt ebenfalls heraus. deren Qualität sich dadurch auszeichnet. Was sie sagt. Ich könnte auf eine empirische Studie mit 191 Testpersonen und einer Kontrollgruppe mit 201 Personen aus den USA verweisen. um die therapeutische Beziehung fortsetzen zu können. dass solche Dinge nicht instrumentalisiert werden können. „dass die beteiligten Menschen unter Verzicht auf ein Machtgefälle ganz bewusst und offen für Unbestimmtes.

"Das unterstützt die Genesung. kommen aber. davon überzeugt zu sein. Katholiken. Die Wirkung von Placebos untermauert eine im Journal of Psychiatry (Nr. die positiv auf die Scheinmedikamente reagierten." Warum die Gebete den stärksten Effekt zu haben scheinen. Sicherheit und Geborgenheit. als Wolf das Medikament stoppt. sofort zurück. probiert er es gleich bei dem Asthmatiker aus.Effekt“ (Bild der Wissenschaft 4.das behaupten zumindest amerikanische Mediziner. Orientierung. Etliche Male wiederholt er den Wechsel vom Wirkstoff zum Placebo und zurück. synchronisiert die Ausdrucksmotorik und die Emotionen. Diese Brückenfunktion. Vermutlich beruhen 50 bis 75 Prozent der Wirkung von Antidepressiva auf dem Placebo . sondern nur Placebos geschickt. die alle für eine Herzoperation vorgesehen waren. 3 (2007). Als der Arzt von einer Pharmafirma Proben eines neuen. Einige Patienten bekamen zusätzlich unkonventionelle Behandlungen. auf der psychischen Aktivität des Patienten. Gebetet haben bei den Versuchen Buddhisten. Heiner Gembris („Wie der Flügelschlag eines Engels“ -Anmerkungen aus der Musikpsychologie. 2002. "Geistige Unterstützung wie Stressabbau oder heilende Berührungen helfen den Leuten. das Unternehmen habe ihm vorher wegen fälschlich gemeldeter Bedenklichkeiten gar keine Arznei. S. vermuten die Forscher. ein wirksames Pharmakon für den Asthmatiker gefunden zu haben. "heilende Berührungen" oder fürsprechende Gebete. dass sich Patienten sehr für diese Art der Behandlung interessieren – vor allem für den Einfluss von Spiritualität und Gebet auf die Gesundheit". sie ist geteilte Zeit im geteilten Raum. S. und geschehe sie auch nur auf dem Wege der Medikation. war ein bestimmtes Areal der Großhirnrinde – der präfrontale Kortex – besser durchblutet als vor der Studie. sich zu entspannen". ihm helfen werde. das bedeutet also. für die gebetet wurde. Für Herzkranke zu beten hat eine nachweisbar heilende Wirkung . Nunmehr sicher. doch die Krankheitszeichen bleiben. Sie enthält den Nachweis. Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie. In weiteren Studien wollen die Mediziner das Phänomen genauer erforschen. dass die Zuwendung des Arztes. fokussiert die gemeinsame Aufmerksamkeit. 28. wie aktiven Stressabbau. zu einer Brücke. Die Forscher um Mitch Krucoff vom medizinischen Zentrum der Duke Universität beobachteten 150 Patienten mit akuten Herzproblemen. Er versucht es mit Placebo. Juden und Vertreter anderer Religionen. Die Symptome verschwinden umgehend. 2002. 201-204) hebt hervor. bei denen weder das Placebo noch der echte Wirkstoff erfolgreich war. Musiktherapeutische Umschau. 2001). Keine veränderte Hirnaktivität fanden die Ärzte bei Patienten. 159. „Bei depressiven Patienten. S. Zu seinem Erstaunen erfährt er. dessen Asthma auf erprobte Medikamente nicht anspricht. „Auf die gleiche Weise kann Musik. das gemeinsam gesungene Lied im theologischen Sinne zur Brücke des religiösen Glaubens werden. schreiben sie in der angesehenen Fachzeitschrift "American Heart Journal". bittet der Arzt die Herstellerfirma um Nachschub. dass Placebos den Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. vielversprechenden Mittels bekommt. dass gemeinsam erlebte und gespielte Musik eine Brücke zum anderen Menschen schlägt. Ob für einen Patienten gebetet wurde oder nicht. können sie jedoch nicht erklären. 87 . auf der spirituelle Dimensionen und Inhalte zum anderen Menschen getragen werden. jedesmal hilft nur das Mittel. Nach dem Abschluss des Versuches zeigte ein Vergleich: Die besten Heilerfolge hatten Patienten. sagt Krucoff (Bild der Wissenschaft 11. 122-129) veröffentlichte Studie der Universität von Kalifornien. dass streng wissenschaftliche Untersuchungen über den Nutzen ungewöhnlicher Behandlungen wie etwa das Beten möglich seien. Sie starben nicht so oft und litten seltener unter Herzversagen oder Herzattacken als die anderen Patienten. vermittelt Identität.„Stewart Wolf von der Oklahoma University berichtet über einen Patienten. Ihre Studie lege außerdem nahe. wussten dabei weder die Ärzte noch die Patienten. "Wir wissen. 33).

sondern es kann jeder prinzipiell jeder Musik oder jedem Musikstil eigen sein. Heilender Klang I.B. Sexismus. Klängen und Rhythmen im freien Spiel zielund zweckfrei umgehen. Dazu können sie sich durchaus solcher Musik bedienen.. Die christlich begründete Anwendung von Musik ergebe sich aus der Tatsache. Entscheidend ist nicht der einzelne Ton.G. 130). Weder Rockmusik noch Zwölftonkompositionen sind daher prinzipiell auszuschließen“ (ebd. archetypische) Bewusstseinsschichten (Heilender Klang II. 91). 172 ff). dass „nahezu alle Theorien zur Verbindung von Musiktherapie und Religion den therapeutischen Wert der Musik schöpfungstheoretisch bzw. „Der Mensch ist befreit von vollständiger Instinktsteuerung und damit von vielen Zwängen der Natur. Von diesen kosmologischen Theorien abgesetzt entwickelt er eine christlich-theologische Begründung des therapeutischen Musikeinsatzes.). in freier Improvisation wie in der Ästhetik der autonomen Kunstmusik (des l’art pour l’art) einen charakteristischen Ausdruck.. sondern sein Kontext“ (203). Der Kirchenmusiker 1993. Das spirituelle Potenzial ist nicht ein Privileg dieser oder jener Musik. Auch Peter Bubmann setzt sich mit der Frage auseinander. Die Freiheit der Totalbestimmung durch Naturgesetze findet im musikalischen Spiel. sie spreche die universale Schöpfungssprache und ermögliche die Erfahrung der Urtöne des Lebens. sondern allein geschichtliche Erfahrungswerte sowie Ergebnisse der musikwissenschaftlichen Wirkungsforschung bestimmen die Wahl der für Heilungsprozesse geeigneten Musik und Techniken. so Bubmann weiter. Dabei transzendiere sie die Möglichkeiten des rationalen Verstandes und führe in tiefere (z.). Er konstatiert. auch in seiner musikalischen Tätigkeit befreit von der Knechtschaft kosmischer Gesetzmäßigkeiten.. Peter Michael Hamel. kann prinzipiell jede Art von Musik besitzen. Dabei wird die transpersonale Qualität der Musiktherapie nicht mit einer spekulativen Kosmologie erfolgen begründet sondern „von dem durch das Evangelium ergriffenen geschichtlichen Menschen und damit letztlich von Jesus Christus her“ (130 f. „diakonische und therapeutische Musik.diese spirituelle Dimension. so kann der Mensch mit Tönen. Die aus der Funktionalisierung unserer Welt herausgelöste freie Musik wird damit auch zum Symbol für die voraussetzungslose Annahme der Menschen durch Gott“ (ebd. Steven Halpern. In diesem Zusammenhang führt er insbesondere Joachim-Ernst Berendt.“ Bei der diakonische Musik gehe es „um den Protest gegen Ungerechtigkeit. Ingo Steinbach. Unterdrückung.) Wolfgang Bossinger berichtet von Transzendenzerfahrungen beim gemeinsamen Singen (Die heilende Kraft des Singens. Der Kirchenmusiker 1993. Rassismus etc. kosmologisch begründen: Die Musik könne die Ordnung des Kosmos und dessen Harmonie widerspiegeln. dass der Mensch sowohl Teil der Schöpfung als auch „in die Freiheit gesetzt und mit der verantwortlichen Kultivierung des Erdkreises beauftragt“ ist. John Beaulieu. sei allerdings „keine selbstgenügsame oder gar egoistische Freiheit. Wie bereits die Vögel ein über die rein signalhafte Verständigung hinausgehendes zweckfreies Singen kennen. auf eine ganzheitliche Lebensweise und auf mehr Lebensfreude“ (ebd. die sich durch ihre Nähe zu kosmischen oder psychisch-archetypischen Strukturen als heilsam-ordnend für den Menschen erwiesen hat. Herder) .). Kein kosmo-religiöser ideologischer Überbau. Die Freiheit der Christen. John Diamond und andere an (vgl. Der Mensch sei „als ‚der erste Freigelassene der Schöpfung’ (J. Marianne Kawohl.“ In ihrem Kontext ist „Musik für und mit anderen“ . auf Stabilisierung der Identität. Zum Beispiel könnte hierbei eine 88 .“ Therapeutische Musik ziele auf die „Heilung von Schädigung aller Art. welche Musik unter welchen Bedingungen spirituelle Funktionen erfüllen kann und wie sie dabei mit heilenden Wirkungen verbunden sein kann. Christ/innen/en sind befreit zum therapeutischen Dienst am anderen Menschen.. Als Christ und Christin jedoch ist sie und er gleichzeitig ‚Knecht’ Christi und damit allen und allem in Liebe und Verantwortung ‚untertan’. Norderstedt 2005.

Das Monocord macht das (noch vorbewusste) Einssein mit der Schöpfung . Die Klangschale schließlich lädt den in seiner Ichheit gefestigten und in seinem Willen gestärkten Menschen dazu ein. singt das Lied der Erde. Das Didgeridoo. der Natur.morphische Resonanz mit den „Gesangsfeldern aller Kulturen und Zeiten der Menschheit entstehen und ozeanische Gefühle transpersonaler Verbundenheit erlebt werden (vgl. die der Erkenntnis im Wege stehen. alles Erreichte wieder hinzugeben. Das Herzmetrum auf der Rahmentrommel fokussiert auf die Entstehung der Ichheit in der Begegnung mit einem Du und vermag jene narzisstischen Störungen zu bereinigen. den nicht manifestierten Urgrund der reinen Potentialität allen Seins.also mit der Mutter. Letztlich macht er die Unsterblichkeit des Lebens erfahrbar. sondern Dein Wille geschehe!« geht er mit nun entwickeltem Bewusstsein wieder ein in die Einheit. und dem Entwicklungsstand und der Offenheit dessen. aus dem alle Form (auch der Mensch) hervorgeht und in die sich alles wieder auflöst. dass auch diese Ebene heilig ist. dem Geliebten . Wolfgang Strobel (Klänge als Wegbereiter zu Spirituellem Erwachen Musiktherapeutische Umschau. die Fülle des Nirwana. Der gleichmäßig fließende Klang des Gongs Chau Lou führt über die Schwelle von Geburt und/oder Tod in die Welt und in transzendente Bereiche. die der Erfahrung einer bedingungslosen Liebe und eines unbedingten Selbst(wert)gefühls im Wege stehen. 2007.dem einen SELBST.erfahrbar (und immer auch dessen Störungen). In seiner Entscheidung »nicht mein. Die Shrutibox lenkt das Bewusstsein auf die Qualitäten der Beziehungen der Menschen untereinander und auf die transformierende Kraft seiner Beziehung zu Gott. sondern „immer nur in Verbindung mit dem Bewusstsein dessen. 184 f). der sie erzeugt . der Welt. Es vermag alle Beeinträchtigungen aufzulösen. der Materie. denen er „spirituelles Potential“ zuschreibt: ihr gleichmäßiges „Rauschen der Oceandrum thematisiert das Tao. 286-289 führt verschiedene Musikinstrumente an. Damit kommt er am ersehnten Ziel der inneren Heimat an . »untere Oktav« des OM. dass die Klänge keinesfalls an sich wirken.“ Einschränkend betont der Autor. der sie rezipiert“ und der sie anbietet (288) 89 . das Lied von Körperlichkeit und Sinnlichkeit.

Hören vor der Geburt 2. Zum Hören von Gehörlosen und Ertaubten 4. Musiktherapie bei Patienten in komatösen Zuständen 90 .5 Hörerfahrungen in Grenzbereichen Überblick: 1. Erfahrungen im „Pränatalraum“ und zum „Snoozelen“ 3.

1 Hören vor der Geburt Anmerkungen zum Thema: „Ich höre . die eine wahre Aufladung. Dieses Urhören wird als harmonikales Ereignis angenommen. Dortmund 1992. da die atomaren bzw. dort sei es die Corti-Zelle. chemische und molekular/atomare Prozesse mit Hilfe feinster Zilien in der sie umgebenden Umwelt zu registrieren und als Information aufzunehmen. Kreativität. dass entgegen der bisherigen Ansicht. Tonfall und emotionale Prägung im Obertonbereich der mütterlichen Stimme werden über das Knochengerüst in die Flüssigkeit des Uterus als subtile Information eingegeben. dass er genau die Cellostimmen bei seinen Konzerten auswendig kannte. indem z. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. zuerst würden vom Fötus die tiefen Klänge gehört.a. Harmonikal bedeutet Schwingungen im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen. in einem „zellulären Gedächtnis“ zu speichern und in neuronale Energie umzuwandeln.h. Über erste intrauterine Hör. Bernd Vogel im Kapitel „Pränatale Psychologie“ (S.die Anfänge der seelischen Entwicklung“ (Reinbek 1987). 29). Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI). „Die Wahrnehmung der Mutterstimme in Verbindung mit rhythmischen Erfahrungen. Vorgeburtliche Kommunikation . Dieser Urklang wird von Tomatis als „Klang des Lebens“ bezeichnet. Die Welt ist Klang“ (Reinbek 1983. dass der Embryo in den ersten Tagen seines Lebens mit dem Stoffwechsel der Mutter verbunden ist und so „permanent Anteil an ihrer Gefühlswelt“ hat. das Hören vor der Geburt. 28 . Der Dirigent „Brott berichtete. jene erste spezialisierte Zelle des Embryos. mit Hilfe derer sich alle weiteren sensorischen und neurologischen Prozesse beim Wachstum des Embryos entfalten.und Kommunikationserfahrungen berichtet u. Hören bedeutet insofern auch: Aufnehmen von Energie. welche seine Mutter – wie er später herausfand – als Berufscellistin einstudiert 91 . d. Augsburg 2003. Vitalität. molekularen Schwingungsprozesse harmonikale Struktur haben. Harmonikal strukturiert sind aber auch die Vokale der Sprache sowie die Töne der Musik. Intrauterines Hören. 57 ff. „In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. S. dass der Embryo in dieser frühen Entwicklung bereits Reaktionen zeigt.Ausführungen über die Ursprünge des Hörens. Emotionen. mechanische.“ (Gela Brüggebors. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. S.B. „sein Herz schneller schlägt. die über die Fortbewegung der Mutter erworben werden. während er sich sonst ganz still verhält(58). Tomatis stellt in seinem Buch „Der Klang des Lebens. Die Mutter informiert das Kind unbewusst mittels der Variationen ihres „Hormonspiels“ „über die reale Lage in der Welt um sie herum“. haben hohen Anteil an der Bildung des neuronalen Netzes und hinterlassen Spuren. siehe dazu auch die entsprechende Schilderung von Joachim-Ernst Berendt in „Nada Brahma. Engrammierung (Gedächtnis). Er berichtet. in fernöstlichen Meditationstraditionen wird die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Urerfahrung gerichtet.“ Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Alfred A. die imstande ist. auf denen neue Erfahrungen aufgebaut werden können“ (Peter Brünger: Singen im Kindergarten. heraus. erste Hörerfahrungen eher im Bereich um 4000 Herz anzunehmen sind. mit deren Hilfe die Hirntätigkeit aktiviert wird. Man hat nachgewiesen.also bin ich“ (Berendt) .) seines Buches „Lebensraum: Musik“ (Stuttgart 1991). Bewusstseinsprozesse wie Denken.5.36). 92).

Neu-Isenburg 1997. als sie mit ihm schwanger war“ (Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens. auch Folie „Pränatale Entwicklung des Gehörs“ Mehr als 25 Millionen Mal ereignet sich während der Schwangerschaft der Pulsschlag der Mutter. 76). wachen die meisten Säuglinge auf und fangen an zu weinen. Norderstedt 2005. dass das Gehör funktionstüchtig ist. Näheres hierzu in: R. Bei diesen Kindern schien ein oder mehrere Kinder während 38. Papa. damit sind die anatomischen Voraussetzungen für das Hören vollständig gegeben. Kinder prägen sich Geräusche und Klänge ein. linkshändige zu 78% ihre neugeborenen Kinder an die linke Brust bzw. s. die sie während der Schwangerschaft aufgenommen haben. 58). dass auf der ganzen Welt die ersten Kinderworte eine zweisilbige Rhythmik besitzen: Mama. 225-240). sanften Bewegungen bei ruhiger Musik.und Innenohr angelegt. in: L. Reflexe. Sänger berichten. Sein Vestibularsystem („Labyrinth“) „ist dann so weit differenziert. dass die Beschallung mit dem gesamten intrauterinen Klanggeschehen stärkere beruhigende Wirkung besitzt. s.4 % der Zeit. Tempowahrnehmung scheint ein sehr früh angelegtes Vermögen und eine angeborene Musikkompetenz zu sein (BUNT. In der zehnten Woche ist der Fetus etwa vier Zentimeter groß. Feten reagieren mit scharfen.hatte. und gewöhnen sich an sie. Die meisten Säuglinge schlafen ein bzw. Wird das Tonband abgeschaltet. Läuft das Tonband wieder weiter. MUROOKA fand heraus. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ „Pulsschläge während der Schwangerschaft“ „Mutterleib musikalisches Milieu“ In der sechsten Woche sind äußeres. Vogel a. wachen auf“. fetale Bewegungsabläufe und Muskeltonus steuert“ (59). kurz nach dem Spielen – insbesondre während der letzten drei Schwangerschaftsmonate (BUNT 1994. Bei einem anderen Versuch wurde 102 Säuglingen von Geburt an bis zum vierten Tag rund um die Uhr der 72/min Herzschlag vorgespielt.): Seelisches Erleben vor und während der Geburt. und 8. dass Ungeborene während des Singens ruhiger sind. kantigen und aufgeregten Bewegungen bei stimulierender und mit fließenden. die während der ersten fünf Monate ihrer Schwangerschaft 92 . Ab der 24. Woche nimmt das Hautsinnesorgan „als erstes Wahrnehmungssystem“. Dieser Rhythmus hat prägende Bedeutung. Ein Puls von ca. die bereits schlafen.8 %. in Vogel). Haibach (Hrsg. In der 18. Parncutt: Pränatale Erfahrung und die Ursprünge von Musik. 1960: „Einer Gruppe von Neugeborenen wird ein gleichmäßiger Herzschlag von 72/min vorgespielt. die man darin erkennen mag.O. Außerdem zeigten die „Herzschlag-Kinder“ deutlich stärkere Gewichtszunahme. 51).a. Rechtshändige Mütter nehmen zu 83%. zwischen 6. als nur der bloße Herzschlag. auf die linke Schulter (SALK 1973. 72/min hat auf Säuglinge beruhigende Wirkung (Die Untersuchung von Lee SALK. Den Kontrollgruppen wird bei gleicher Lautstärke ein Herzschlag mit 128/min und ein Galopprhythmus vorgespielt. dass 13 % der Säuglinge von Müttern. ANDO und HATTORI (1970) stellten fest. beruhigen sie sich spontan.a. werden sehr ruhig. Mittel. welche Informationen von Zelle zu Zelle weiterleiten (Vogel. ebd. Instrumentalisten beobachten größere Aktivität des Fetus während bzw. in der Kontrollgruppe während 59. Woche hat sich der Hörnerv so weit ausgebildet. Janus und S.). In der siebten Woche bilden sich die Synapsen. Woche ist das Corti-Organ reaktionsfähig. dass es u. Die Reaktionen sind sehr eindeutig: die meisten Säuglinge beginnen zu schreien. 61).

1992. Schon Neugeborene bemerken den Unterschied zwischen synthetisch erzeugten Geräuschen und der menschlichen Stimme. Eine auf sieben Jahre angelegte Untersuchung von Donald SCHELTER hat ergeben. Säuglinge erkennen ihre Mutter am Geruch und bevorzugen den Geruch der Mutter. während 85 % der Säuglinge von Müttern aufwachen. Während der Schwangerschaft waren die Mütter der Kinder gebeten worden. dass die intrauterinen Erfahrungen den Fötus noch vor der Geburt in die Lage versetzen. 93 . „Studien haben ergeben. Martin DORNES berichtet in seinem Buch „Der kompetente Säugling“ (Frankfurt am Min 1994 (41 f. wird einer neuen vorgezogen. Schuppan: Frühe Erfahrungen – frühe Prägungen. Keller: Handbuch der Kleinkindforschung. ebd.a. Schon wenige Tage nach der Geburt kann der Säugling die Klangstruktur der Mutterstimme wiedererkennen. Norderstedt 2005. die sie aufgrund ihrer prosodischen Struktur als solche wahrnehmen“ (Brünger a.). dass Kinder. wenn sie mit der mütterlichen Stimme vorgetragen wird. welches ihnen schon aus der vorgeburtlichen Lebenszeit heraus bekannt war“ (Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens.O. in der Schwangerschaft zu singen. Papousek: „Anfang und Bedeutung der menschlichen Musikalität“. Sie erzeugen mehr Geschrei bei echtem Säuglingslärm als bei synthetischem. auf die Entdeckung. männliche und weibliche Stimmen zu unterscheiden.). Bern 1997. 90-98 dargestellt. Weniger als 24 Stunden alte Babys orientieren sich bereits zur Mutterstimme hin (BUNT. die einer großen vorgeburtlichen musikalischen Stimulation ausgesetzt waren.a. Siehe dazu ebenfalls: H. Das Ergebnis verwundert eigentlich nicht: Alle Kinder auf das Märchen ein. Dabei bezieht sie sich u. MU 1993. Darüber hinaus zeigen Neugeborene schon zwei Tage nach der Geburt eine Präferenz für die Muttersprache. 239-248) und in ihrem Buch „Auditive Stimulation nach Frühgeburt“ (Stuttgart 1995) über die pränatale Wahrnehmung akustischer Phänomene. die ihnen von unterschiedlichen Tonbändern vorgespielt wurden. höher organisiertes und artikuliertes Sprachvermögen besitzen (BUNT ebd. s. bei Fluglärm aufwachen. auch Folie „Das Klangspektrum der Mutterstimme“ Durch eine geschickte Versuchsanordnung wurde Säuglingen „die Möglichkeit gegeben. Diese und weitere Untersuchungen werden bei Otto H. die erst während der letzten vier Schwangerschaftswochen in das gleiche Wohngebiet gezogen sind (Vogel ebd. mittels Saugfrequenz an ihrem Schnuller zwischen mehreren Angeboten von Märchen zu wählen. Er empfiehlt. Monika Nöcker-Ribaupierre berichtet in der Musiktherapeutischen Umschau (Heft 4. zu tönen und Musik zu genießen.). dass pränatal gehörte Texte wieder erkannt werden können. aus einem vorgegebenen Pool von Grimmschen Märchen ein Märchen auszuwählen und es ihrem Ungeborenen im Verlauf der Schwangerschaft öfter vorzulesen.): Hohe Töne sind beruhigender als tiefe. die intrauterin gehört wurde. in: H.in unmittelbarer Nähe eines Flugplatzes wohnten. insbesondere. Hans Helmut Decker-Voigt fasst in seinem Buch „Mit Musik ins Leben“ (Kreuzlingen 1999) viele Erkenntnisse über das pränatale Hören zusammen. Sie setzt gezielt Tonbandaufnahmen mit der Mutterstimme bei Frühgeborenen ein. und unmittelbar nach der Geburt besteht eine ausgeprägte Präferenz für die mütterliche Stimme: Eine Geschichte. S. 53).). leise beruhigender als laute Bereits intrauterin werden akustische Zeichen mit bemerkenswerter Genauigkeit wahrgenommen.

. in dem Moment als sie zu singen begann.) Improvisation – Therapie – Leben. dass mit ihnen geredet wird. bemerken die Kinder nicht. Robert: Das fetale Hören: Implikationen für das Neugeborene Suzanne Maiello stellt fest. Dabei handelt es sich nicht nur um „eine strukturelle Eigenschaft des Gehirns. Kinder lernen Sprache vor allem durch Zuhören. dass Feten über Knochenleitung und aus der akustischen Außenwelt unterschiedlich hören und auf akustische Signale reagieren. Musiktherapie mit früh. Was hört der Fetus tatsächlich? Die fetale Geräuschwelt besteht aus einer Vielzahl im Körper erzeugter Geräusche und aus Lauten. 2005). David Aldridge betont. das Herz des Kindes wieder zu schlagen an und das Kind konnte bald darauf zur Welt gebracht werden“ (55). welche während der pränatalen Entwicklung „durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Schritte vermittelt werden. die aus der Umgebung der Mutter stammen. Zum Thema Singen für Frühgeborenen und bei der Geburt berichtet Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. Norderstedt 2005) die folgende Begebenheit: Bei der Geburt kommt es zu einem Herzstillstand beim Kind. Monika 2003. 94 .O. Ulrike und Stolz. der präund postnatalen Mutter-Kind-Interaktion. insbesondere auch im Bezug auf die Mutterstimme psychoanalytische Entwicklungsspuren bis in die vorgeburtliche Zeit hinein zu verfolgen erlauben.“ entscheidend dazu dienen. Antje (Hrsg. Bei geringem Hintergrundgeräusch konnten 5 Monate alte Kinder noch gut ihren Namen heraushören: sie wandten den Blick Richtung Stimme. Während das erwachsene Hörvermögen im Bereich von 20-20. dass zu viel Krach und laute Hintergrundgeräusche Kleinkindern das Erlernen von Sprache schwer machen (Development Psychology 41/2. 85-108). dass die Klänge. Ist zu viel Krach im Raum.In dem von Monika Nöcker-Ribaupierre herausgegebenen Buch „Hören – Brücke ins Leben. Bei höherem Geräuschpegel ging das schon nicht mehr (vgl.000 Hz liegt und seine größte Empfindlichkeit im Bereich von 300-3000 Hz aufweist. a. MU 2005. hört der Fetus in einem wesentlich eingeschränkteren Bereich. dass die ausgeprägten rhythmischen und klanglichen Hörerfahrungen des Fetus. Das doppelte Trauma des frühgeborenen Kindes“. Der Überblick über Forschungen zum pränatalen Hören ergibt. eine „studierte Opernsängerin. Crossen 2005. Dabei scheinen tiefe Signale eher das Hörvermögen zu erreichen als hohe.a. aus voller Kehle zu singen. Forschung und klinische Praxis“ (Göttingen 2003) sind Beiträge zur Entwicklung des intrauterinen und postnatalen Hörens. Forscher um Rochelle Newman von der Universität von Maryland haben herausgefunden. die Wahrnehmung von Rhythmen zu koordinieren. wie wir mit unserer Umgebung interagieren“ (in: Haase. sondern um einen Ausdruck dafür. Lärm scheint die Entwicklung des Hörvermögens bereits im Uterus zu beeinträchtigen. Abrams. Gerhardt. 333 f). Sie werden durch das flüssige Medium in der Gebärmutter modifiziert. Bei zu früh geborenen Säuglingen ist diese Entwicklung unterbrochen und muss durch geeignete auditive Stimulation gefördert werden (vgl. Kenneth J. und tatsächlich fing. Die Hebamme ermutigt die Mutter. 482).und neugeborenen Kindern. Auf einer Intensivstation für Frühgeborene müssen schädliche Wirkungen durch das akustische Milieu besonders beachtet werden (vgl. in: M: Nöcker-Ribaupierre. der Traumatisierung durch Frühgeburt und zur musiktherapeutischen Arbeit im Kontext der Neugeborenen-Intensivmedizin enthalten. „Die Bedeutung pränataler auditiver Wahrnehmung und Erinnerung für die psychische Entwicklung – eine psychoanalytische Perspektive.

Handeln. aber sie werden – das belegt die Hirnforschung heute – in den tiefen Schichten unseres Gehirns (in den teilen des limbischen Systems. Streicheln und Bewegen. Durch solche Koppelungsphänomene werden die vom Kind über verschiedene Sinneseingänge gemachten Wahrnehmungen nicht nur miteinander. dann nur über die gleichzeitige Aktivierung der emotionalen Zentren im limbischen System veränderbar“ ist (vg. vor allem der Amygdala) gespeichert und komplex verschaltet. treffen wir auf der Grundlage unserer unbewussten emotionalen Erfahrung. Wiesbaden. und gleichzeitig auch ihr Herzschlag. Nach G. „Diese Erfahrungen sind dem Bewusstsein nicht zugänglich. „In der Zeit nach der Geburt werden solche Koppelungsphänomene vielfältiger und nun auch deutlicher beobachtbar. zusätzlich zu Vibrationen über das taktile Erleben und den Auswirkungen der hormonalen Veränderungen. Musiktherapeutische Umschau 2004. „Auf diese Weise werden gewissermaßen als ‚Gesamtbild’ im Gehirn in form miteinander verkoppelter neuronaler Netzwerke und synaptischer Verschaltungsmuster verankert. Sättigung und Befriedigung basaler Bedürfnisse. Gisela M. damit einhergehenden und gleichzeitig ausgelösten Körpererfahrungen: im positiven Fall mit Wiegen und Schaukeln. Das bedeutet. Klang. All die damit einhergehenden Körpererfahrungen werden mit der von der Mutter ausgehenden Stimme. dass die unser Denken.Monika Nöcker-Ribaupierre. Gerochenen oder Gespürten“ (144). desto intensiver wird die entsprechende Verkoppelung mit den in dieser Situation besonders eindringlich wahrgenommenen Sinneseindrücken. ihre Stimme verändert sich. Gehörten. „dass im Laufe einer Therapie aufgrund andersartiger Erfahrungen (. Die vor der Geburt stattfindenden physiologischen Austauschprozesse erlauben es. Fühlen und Handeln verantwortlichen Strukturen „nur schwer und. Lenz und Gerald Hüther (Die Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen aus entwicklungspsychologischer Sicht. sondern auch mit dem dadurch ausgelösten Gefühl“ verknüpft. taktilem. Gesang oder Musik mit bestimmten. Leicht nachweisbar sind hierbei Koppelungen von Sprache. „von einem psychosomatischen Gedächtnis“ zu sprechen. Von dort steuern und beeinflussen sie (uns nicht bewusst) unser gesamtes späteres Leben. Frankfurt 2003) könne die Wirkung der Psychotherapie darin bestehen. dass das vorgeburtliche Hören beispielsweise der Stimme der Mutter gleichzeitig über mehrere Sinne erfolgt und über diese Verschaltungsmuster als eine Gesamterfahrung im Gehirn verankert wird“ (143). „Einsichten verändern nichts grundlegend. Lenz und Hüther betonen aber. neue kompensatorische Netzwerke aufzubauen. mit einzelnen Wörtern oder ihrem Gesang verbunden“ (143). motorischem und emotionalem Erleben 95 . Je stärker die emotionalen Zentren im limbischen System dabei miterregt werden. was wir letztlich tun oder nicht tun. Auf das Hören bezogen bedeutet dies: über die Stimme der Mutter vermittelt sich dem Ungeborenen (142) ihr emotionaler Zustand.. In: BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland) Hrsg.) in der Amygdala ‚Ersatzschaltungen’ angelegt werden“ (439 f. Denken. dem jeweils Geschehenen. 21). Sprache dient allein der verbalen Kommunikation. ihrer Sprachmelodie. 137-156) führen aus: „Das ungeborene Kind ist über die physiologische Einheit mit seiner Mutter gleichzeitig mit ihrem psychischen Zustand verbunden. Diese Stimme ist also mit sich verändernden rhythmischen Erfahrungen durch Sprache und Herzschlag verbunden.“ Sie kann in ihrer komplexen Verknüpfung von Rhythmus. diese unbewussten frühe Erfahrungen zu erreichen“ (149). Nöcker-Ribaupierre.. Worte allein wirken nicht.: Jahrbuch Musiktherapie. Die Chance von Psychotherapie ist es. betonen Nöcker-Ribaupierre.). auch Gerald Hüther: Ebenen salutogenetische Wirkungen von Musik auf das Gehirn. Entscheidungen darüber. d. Lenz und Hüther. sie sind auch nicht in der Lage. wenn überhaupt. Die gilt es in unserem Fall mithilfe von Musik zu erreichen.h. Roth (Fühlen. ihre Atmung und der Hormonspiegel im Blut.

96 .zugleich als Reinszenierung frühester basaler Beziehungserfahrungen angesehen werden und mit dieser Qualität „eine Wandlung einschränkender impliziter Muster“ anregen „und sie in ihrer eingefrorenen Dynamik wieder in Schwingung“ versetzen“ (152).

München 1983. der ausgehend von den frühsten intrauterinen Klangerfahrungen Musik und Tanz versteht als „unbewusste Versuche des Menschen. S. 1985.224) und außerdem im Buch: Lebensraum: Musik. 26). Benonzon. Die Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung dieses Ansatzes finden wir in der Pränatalraum – Therapie von Berndt Vogel .beschrieben im Aufsatz „Der Pränatalraum. S. wie er sie aus seiner pränatalen Existenz kennt“ (Einführung in die Musiktherapie.5. 25). „Die Musik ist wie die Erinnerung an die Mutter und ein Wiederaufnehmen der Beziehung zu ihr und zur Natur“ (25).2 Erfahrungen mit dem „Pränatalraum“ Zugrunde liegt die Idee des argentinischen Musiktherapeuten Rolando O. Ein Therapieansatz für schwerst und mehrfach Behinderte. 74934 Reichartshausen. Frank Rotter bezeichnet Musik als „Mutterersatz“ (Musik und Kommunikation 10. 204 . Stuttgart 1991. Die Anschrift von Berndt Vogel: Feldbusch 2. ähnliche sensorische Erfahrungen wieder zu machen. Musiktherapeutische Umschau 1987. Benonzon hat Kinder während des Spielen oder Malens mit Uterusgeräuschen beschallt und die therapeutische Wirkung beschrieben. 97 .

60 % an der energetischen Hirnaufladung (= 90 % aller Prozesse) beteiligt. S. Die Konsonanten sind in einem höheren Frequenzbereich zu finden.000 Hz. der über den Vibrationssinn aufgenommen wird. Emotionen.mehr rechts als links." Bei Gehörlosen würde diese energetische Aufladung des Gehirns nachlassen bzw. der von 16 bis 20. Sprache zu vernehmen.. fortfallen. die Vibration des Tamtams (Gongs) „als Prickeln auf und unter der Haut.600 Hz 20. 16 Hz 80 Hz 380 Hz Sprachklangschwerpunkt 800 Hz 1.“ (Gerd Treschhaus. die Wirkung der großen Baßtrommeln wird als "Vibrieren der Knochen des Skeletts" beschrieben. Jedoch schränkt sie diese Auffassung zugleich wieder ein. Der Frequenzbereich der Lautsprache beginnt erst bei der Obergrenze dieser Körperrezeption mit den Vokalen. Labyrinth und Schnecke vereinen sich zu einem Nerven (vestibulo cochlearis) und bilden sozusagen eine Funktionseinheit. 45) Gehörlose beschreiben z. Kreativität. Diplomarbeit Siegen 1993) Bei der Frage. dass tiefe Töne.“ Auf die Bedeutung des Vibrationssinns bei Gehörlosen weist Antonius van Uden hin.) unterstellt Apathie und Depressivität bei Gehörlosen mit zunehmender Schwerhörigkeit.h. Mit Hilfe von Hörresten können manche als gehörlos diagnostizierte Menschen beträchtliche Teile der Musik (die ja über das gesamte Hörspektrum reicht) wahrnehmen.. Der Klangschwerpunkt der Sprache liegt allerdings nur im Bereich von etwa 80 bis 380 Hz. Bewusstseinsprozesse wie Denken.. Sie begründet dies folgendermaßen: "In der Schnecke befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen vielmehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. (S. Heidelberg 1980) Der Frequenzumfang.5. liegt bis zu 500 Hz. d. Musik zu erleben ist auch zu berücksichtigen. Engrammierung (Gedächtnis). liegt. dass die Hörtests sich im allgemeinen auf die Fähigkeit beziehen. indem sie fortführt: „Direkt neben der Cochlea (Schnecke) sitzt der Vestibularis-Apparat. Im Kopfbereich sind die hohen Frequenzen zu spüren.000 Hz menschlicher Hörbereich Klangbereich der Musik 98 . Demnach ergibt sich. Dortmund 1992. 30 % und das Labyrinth mit ca. die eine wahre Aufladung. also einem relativ kleinen Ausschnitt des gesamten Hörbereichs. (Das gehörlose Kind. Vitalität. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um. Musiktherapie mit Gehörlosen.. 92 f.3 Die Hörerfahrung von Gehörlosen und Ertaubten Auch Gela Brüggebors (Einführung in die Holistische Sensorische Integration (HSI). „Die Muskulatur scheint sich in der Folge um die Knochen zu lockern. das Gleichgewichtsorgan. von 16 bis 380 Hz ausgehend als Vibrationen von Becken an aufwärts beginnend bis in den Kopf im Körper zu spüren sind. Die Cochlea ist nach Schätzung von Tomatis mit ca.man fühlt sich "von innen her massiert“ und berichtet über eine „angenehme Wärme im Rumpfbereich“. inwiefern „Gehörlose“ fähig sind.B. eine Belebung der kortikalen Tätigkeit bewirken. Als satter tiefer Ton wird die Baßtrommel eher im Beckenbereich gespürt.

Kontaktadresse: Internationale Gesellschaft für musikpädagogische Fortbildung IGMF e. 177-197) schreibt Manuela-Carmen Prause: „Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht 99 . der eigentlich Töne verarbeitet. Hans Hermann (Hrsg.93) berichtet von Forschungsergebnissen.116) beschreibt folgendes Beispiel aus der afrikanischen Musikpädagogik mit Gehörlosen: „Um den Vibrationssinn zu sensibilisieren. Trotz des Zementbodens in den Klassenräumen konnte eine Reihe von Schülern die Aufgabe erfüllen. Email: DLA-Fredeburg@t-online. S. Die Betroffenen sollten deshalb schon im Kindesalter regelmäßig diese Fähigkeiten schulen. eröffnet aber Gehörlosen zusätzlichen Sinnesreize. der auditive Kortex. 113) Die Musikpädagogik mit Gehörlosen von Claus Bang wird im Heft 2. In ihrem Aufsatz: „Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit“ (in: Tüpker. wie zehn Gehörlose und elf hörende Testpersonen auf Vibrationen an den Händen reagierten. Hirnstrommessungen zeigten. Die Gehörlosen sollen das Fehlen der Trommelrhythmen wahrnehmen und aufhören zu tanzen. Bei den Gehörlosen wurde aber zusätzlich auch die Hörrinde. 180) Jedenfalls erreicht die Musik Hörreste. 200-2000 Hz an (2001. in: Hörgeschädigten Pädagogik Heft 2. Die Verarbeitung von Vibrationen ist nicht mit dem Hören identisch. 16-4608 Hz. dass das Gehirn brach liegenden Bereichen neue Aufgaben zuweisen kann. dass bei allen Personen die für Vibration zuständige Hirnregion aktiviert wurde. Die Wissenschaftler hatten verglichen. die an der University of Washington (Neuroscience Letters. angesprochen. Wickel. 1984 der Zeitschrift Hörgeschädigtenpädagogik sehr ausführlich beschrieben.V. raten die Forscher.2001) veröffentlicht wurden. Danach können Gehörlose mit jenem Teil des Gehirns. Jutta Polzius (Afrodance in der Schule. Bewegung und Visualisierung die „Musik (auch) als Wert an sich. Vibrationen wahrnehmen. als Kulturgut zu vermitteln“. 1992. Beispiele aus Tansania.11. Dann stoppt der Lehrer seine Tätigkeit. 28. Auf ein optisches Zeichen hin beginnen die Schüler zu tanzen. Köln Rheinkassel 2001) hebt Ansätze und Möglichkeiten hervor. Die Versuche mit Gehörlosen zeigen.de Die Musiktherapeutische Umschau (2002. jenseits der musikalischen Förderung zum Sprachtraining und Sprachentwicklung unter Ausnutzung von Vibrationssinn. wird folgende Übung eingesetzt: Die Schüler stehen mit dem Rücken zum trommelnden Lehrer. Manuela-Carmen Prause (Musik und Gehörlosigkeit. Die Hörrinde ist aber offenbar nicht von Geburt an auf diese Aufgabe beschränkt. „welche vielfältige „Möglichkeiten der Teilhabe eröffnet.): Musik bis ins hohe Alter. Nun dürfen sie nicht mehr zum Lehrer schauen. die es auszunutzen gilt“ (440).Das Frequenzspektrum der Musik gibt Prause mit ca. das der Sprache mit ca. S. Die Region ist eigentlich auf die Verarbeitung von Tönen spezialisiert. 110 . die vom Sprachklang nicht erfasst werden. Münster 2001." (S. Claus Bang kommt jährlich einmal nach Deutschland und hält Weiterbildungen in Musiktherapie und musikalische Sprachtherapie bei Hörgeschädigten und mehrfach behinderten Kindern in der Deutschen LandjugendAkademie in Fredeburg. Deshalb können von Hörminderung betroffene Menschen über noch bestehende Hörreste von Musik eher erreicht werden als durch Sprache. Therapeutische und pädagogische Aspekte der Verwendung von Musik bei gehörlosen Menschen unter Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsgebiets. Johannes Hummel Weg 1 57392 Schmallenberg (Telefon-Nr. 02974 9110).. Rosemarie.

ist nicht so wichtig“).) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt.). b) der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und c) nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. dass es letztlich um die Versöhnung mit sich selbst gehe (vgl. h) Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd. und in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln.und Melodieinstrumente wie Sopran-. Es kann „zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles“ beigetragen „und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation“ entgegengewirkt werden (ebd. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). Metallophone.und Bassxylophon. Stuttgart 1990). „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. Beratung. bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. d) man ruhig und etwas langsamer als normal.). dass a) möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat. Hörgeschädigte Menschen. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194). des Unterscheidens.darin. findet er hier eine autonome. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. stressfreie Handlungsmöglichkeit. Zur Realisation der Musiktherapie mit Hörgeschädigten und Gehörlosen empfiehlt Prause.B. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens. wie die z.) 100 . e) man das von anderen Gesagte wiederholt. Bei der Improvisation können „von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte“ aufgegriffen werden. In Anlehnung an Fengler hebt sie hervor. Alt. Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd. nicht zu laut spricht. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann“ (191). f) dafür zu sorgen. dass nur wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen sollten. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. Therapie und Selbsthilfe. Im Gegensatz zur verbalen Situation. g) auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann.

Stunden mit Patienten im sog Wach . das sie zusammen mit Hans-Joachim Hannich herausgegeben hat: Jenseits des Wortes. insbesondere die Gefühle Schmerz und Wut ausleben können. Göttingen 2000 außerdem ein Gutachten zur Wirksamkeit der Musiktherapie in der Zeitschrift „not“.Patienten Musiktherapie mit komatösen Patienten Dissertation von Dagmar Gustorff (Universität Witten Herdecke). Silke Jochims hat viele Musiktherapie . und Fax: 0451/6110238) Man beachte auch die Arbeiten von Dümpelmann (Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation) und Klettke-Drawert (Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma) im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT.“. 4/1996.Koma auf Video aufgenommen. dass mit Koma Patienten über die Musik Kommunikation hergestellt werden kann und sie die Musik nutzen können. die auf eine Auswertung warten. um den Prozess der Trauerarbeit zu führen.5. 23566 Lübeck (Tel. Musiktherapie mit komatösen Patienten auf der Intensivstation. Die Aufnahmen belegen. 101 . Bayreuther Straße 33 in 92224 Amberg wichtige Arbeiten auch von Silke Jochims unter anderem in der Musiktherapeutischen Umschau. Claudiusring 4i. Silke Jochims. sowie das Buch. herausgegeben vom „Schädel-Hirnpatienten in Not e.4 Musiktherapie mit Koma .V.

und Tonartenlehre ca. 180 v. Körper und Seele ca. „iatromechanisches Menschenbild“. 102 . Ablösung der musikalischen Kosmologie durch Affektenlehre ca. Heilungszeremonien bei „Naturvölkern“ Frühgeschichte Musiktherapie in der altjüdischen Tradition David und Saul. Jahrhundert „musica mundana . um zu heilen bzw. Chr. Moral und Gesellschaft ca. Pythagoreer mathematische Ordnung in Kosmos. Psychologie und Musikwissenschaft. Korpus Hippocratium Elemente. Chr. 500 n. 1500 n. 1650 n. 550 v. Neue Musik und Gruppenimprovisation als Ausgangspunkt für neue Konzepte der Musiktherapie Geschichte und gegenwärtiger Entwicklungsstand der Musiktherapie Musik wurde während aller Epochen der Menschheitsentwicklung und in allen Kulturräumen umfassend genutzt. Medizin. Musik. Chr. zwei musiktherapeutische Modelle einer Therapeut – Patient . Chr. Revolution des Musikbegriffs. Chr.Beziehung ca. Natur. Ausführlich dokumentiert sind der Einsatz von Musik bei den Naturvölkern und in den Hochkulturen des Altertums. Chr. 280 v.6 Schlaglichter auf die historische Entwicklung der musikalischen Heilkunst Felsmalerei ca. Chr. Körper – Seele . Krankheit als göttliche Fügung Psalmodie und Krankenheilung pneumatische und Säfte . 1000 v. Stoiker Lehre vom Pneuma ca. Chr. Chr.und Säftelehre ca. 0 v.musica humana musica instrumentalis“ ca.Lehre in Verbindung mit Intervall. Vitalismus.Ganzheit statistische Empirie in Medizin. Charakter. Gegenbewegungen gegen das iatromechanische Menschenbild. Krankheit und Not zu lindern. 24000 v. Bei den Naturvölkern ist die Behandlung von Krankheiten an die Anwesenheit der musizierenden und tanzenden Stammesangehörigen gebunden. Chr. Tanz und Öffentlichkeit. 300 v. Boethius Mittelalter Renaissance Aufklärung Romantik 20. Plato Das harmonikale Prinzip in Wille. Aristoteles Das Element der Katharsis ca. Es besteht eine unauflösliche Einheit von Religion.

B.B. Mondjahr (=Quintenzirkel) und Sonnenjahr (=Oktavzirkel) müssen aufeinander abgestimmt werden. („Alle rhythmischen Figuren in der afrikanischen Musik beziehen sich auf durch 2 oder 3 teilbare Perioden von z. durch die sich die Menschen. kleiner als ein Halbton. 1000 v. Chr. 10. gibt es „die Symbiose von Musik und Zahl. Platon. Chr. LINKE 1977. 1974. um auf 365 Tage zu kommen. Norderstedt 2005)weist darauf hin.. Aristoteles.“ FLENDER 1993. das bewusstseinsverändernde Wahrnehmung hervorruft. genau im Verhältnis 2/3 gestimmt. die es dem Menschen erlaubt.) oder die von Pythagoras. seit dem 5. mal wird mehr die expressive Funktion der Musik hervorgehoben. erreichen wir nicht genau den Ausgangston. Ebenso müssen wir jedem Monat ein paar Tage hinzufügen. an denen die stärksten Resonanzphänomene auf die Singstimme auftreten. In allen Hochkulturen. in Mittelalter. Renaissance. Babyloniern oder Ägyptern. Wolfgang Bossinger (Die heilende Kraft des Singens. 2-12). Berühmt und immer wieder angeführt werden die Behandlung des an einer schweren Depression erkrankten König Saul durch David im alten Israel (ca. dass viele Höhlenmalereien an Stellen angebracht sind. KÜMMEL 1977. (2001. ausgehend von den alten Griechen. Pythagoras war „das letzte Glied in der Kette“ von Vertretern der Einheit von Kosmologie und Musik. Sind jedoch diese Quinten rein. z. Plato und Aristoteles angeregten musikalischen Praktiken zur Heilung und Prävention von körperlichen und seelischen Krankheitszuständen (vgl. bei dem Leiblichkeit zugunsten von Bewusstseinsleistungen vernachlässigt.“ Solche „Periodizität ist aber genau das Element. MÖLLER 1971. Außerdem wurden auch Tanzspuren entdeckt. FROHNE-HAGEMANN beschreibt die Entwicklung ästhetischer Positionen in der Geschichte. Die ewige Wiederkehr der Sternenkonstellation wird entdeckt“ und die Musik gilt als Wiederspiegelung der kosmischen Ordnung. „die auf kultische Tänze hindeuten“ (39). Romantik bis Kant. die auf den körperlich oder seelisch “in Unordnung geratenen“ also erkrankten Menschen einwirkt. die das Sonnenjahr dauert.Die Musik besteht aus der Wiederholung von immer gleichen übereinandergeschichteten Rhythmen (patterns). sich von Emotionen und sprachlich nicht oder nur schwer fassbaren Erlebnisinhalten zu befreien und sie mit anderen zu teilen. 14).. 275-288) Auch in der modernen Musiktherapie wird die Frage nach den Wirkfaktoren der Musikthera103 . 12 oder 24 Grundschläge. Der Blick in die Musikgeschichte offenbart zwei unterschiedliche Ansätze bei der Verwendung von Musik im therapeutischen Kontext: Mal steht stärker die der Musik innewohnende Ordnung im Vordergrund (Musik gilt als Abbild der natürlichen Strukturen des Mikro. Jahrtausend v. d. Nietzsche und Adorno und hebt dabei den metaphysischen Charakter der verschiedenen Auffassungen hervor. .und Makrokosmos). Pythagoras.h. „die besondere Resonanzphänomene hervorrufen“ und „sich genau an den Stellen befinden. bleibt als Differenz. FLENDER sieht noch in unserem heutigen Tonsystem frappierende Verbindungen zur modernen westlichen Zeitrechnung: „Die zwölf Töne werden abgeleitet aus der Abfolge von 12 Quinten. Eine Differenz. Barock. das sogenannte pythagoreische Komma. Heraklit. transzendiert wird. bei den Chinesen. Genau das tun wir im sogenannten temperierten Tonsystem“ (17). bzw.. oft noch mit zusätzlichem Gebrauch von psychotropen Substanzen in Trance oder Ekstase versetzen. SPINTGE & DROH 1992.

Australien. KOHLER 1971. Gleichzeitig wurde es erforderlich. BUNT 1998). Theorie und Methodik. Sammelbänden. Periodika und Fachzeitschriften sowie auf regelmäßigen nationalen und internationalen Konferenzen ihren Niederschlag. Heute ist Musiktherapie als wissenschaftliche Disziplin an Universitäten und Hochschulen in fast allen europäischen Ländern in den USA. Reinhard: Vom Dreifachen Ursprung der Musik. In anderen Ländern.13). Isabelle: Fenster zur Musiktherapie. in ders. (Hrsg. China und in osteuropäischen Ländern vertreten und erscheint als eine global vernetzte Wissenschaftsdisziplin. HARRER 1982.: Musiktherapie. als “Musik Medizin“ und nicht als Musiktherapie bezeichnet (vgl. 1992. Werner Friedrich: Musik und Medizin. München 2001 Flender.pie immer wieder aufgeworfen. Dort wird sie unter der Verantwortung habilitierter Chefärzte angewandt und evaluiert bzw.: Musiktherapie. L. Musiker und Musiklehrer wurden als reguläre Teammitglieder in Krankenhäusern eingestellt. 1958 in Großbritannien (vgl.und in den Achtziger Jahren in Westdeutschland. Jahrhunderts datiert werden. Japan. Musiktherapie ist heute fester Bestandteil des Psychotherapieangebots an vielen Allgemeinkrankenhäusern. Eine umfassende wissenschaftliche Fachdiskussion findet in vielen Monographien.: Neue Klänge in der Medizin. Gütersloh 1993.): Schulen der Musiktherapie. S. SCHWABE 1969). HE: Grundlagen der Musiktherapie und Musikpsychologie. Weltkriegs in den Krankenhäusern die Entwicklung der Musiktherapie nachhaltig. an fast allen psychiatrischen Landeskrankenhäusern. 1944 in den USA.H. in Südamerika. In Großbritannien gibt es eine eigene gesetzlich geregelte Berufs. Eine Einführung für psychosoziale und medizinische Berufe. C. STERN 1987). Weinheim 1998 Decker-Voigt. H. Stuttgart 1971 104 . In Londoner Krankenhäusern spielten Gruppen von Sängerinnen und Instrumentalisten den Patienten beruhigende Musik vor (vgl. Südafrika. Bremen 1994 ders. gelegentlich auch von promovierten und habilitierten Medizinern oder Psychologen. SPINTGE & DROH 1987. bei denen ausschließlich die Beeinflussbarkeit des Organismus’ durch Klänge genutzt wird. Wiesbaden 2001 Harrer. jedenfalls von gründlich ausgebildeten Musiktherapeuten durchgeführt. an Universitätsklinken und an den verschiedensten Fachkliniken. Norbert: Heilung durch Musik? Wilhelmshaven 1977 ders. wirkt die Musik oder wirkt die therapeutische Beziehung? Inzwischen werden Verfahren. in den Siebziger Jahren in Ost. Im angloamerikanischen Bereich beeinflusste der hohe Anteil an Veteranen des 2. & Escher. so auch in Deutschland werden Musiktherapeuten im Rahmen von privatrechtlichen Vereinbarungen tätig. Literatur zur Geschichte der Musiktherapie Bunt. Hrsg. wie etwa in der Anästhesie oder bei chirurgischen oder zahnmedizinischen Behandlungen.und Besoldungsstruktur für Musiktherapeuten. J. 9-20 Frohne-Hagemann. musiktherapeutische Behandlungen indikationsspezifisch zu systematisieren und Musiker oder Mediziner für die spezielle musiktherapeutische Arbeit auszubilden. So entstanden die ersten Schulungskurse für Musiker. Israel.: Geschichtlicher Abriss der Musiktherapie in der BRD – aus höchst persönlicher Sicht. die ihre Fähigkeiten im therapeutischen Gebrauch von Musik weiterbilden wollten. BUNT 1998.: Musik gegen Wahnsinn. DECKER-VOIGT & ESCHER 1994. Die Qualität der musiktherapeutischen Leistungen wird durch Berufsverbände sichergestellt. Der Beginn der neuzeitlichen Musiktherapie . Hrsg. Freiburg 1977 Linke. Stuttgart 1982 Kohler. Jena 1971 Kümmel.Entwicklung kann auf den Anfang des 20. in: Peter Bubmann: Menschenfreundliche Musik. Wie in solchen frühen angloamerikanischen Projekten entwickelten auch in Deutschland Therapeuten Konzepte für solchen eher unspezifischen Einsatz der Musik (vgl. Musiktherapie ist von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen als förderungswürdiges Verfahren der Psychotherapie anerkannt. G.

Christoph. & Droh.: Musik in der Medizin. Hrsg.: Musiktherapie in der zahnärztlichen Praxis.a. Berlin 1987 Spintge.O. R. 51-160 Schwabe. Christoph: Aktive Musiktherapie für erwachsene Patienten. Stuttgart 1992. Revers u. R. 217-222 105 . a. & DROH. (Hg.): Neue Wege der Musiktherapie. in: W. R. Rolf: Musik-Medizin. Hans-Jürgen: Psychotherapeutische Aspekte der Musikanschauung der Jahrtausende.a. in: SPINTGE. Stuttgart 1983 Spintge. Jena 1969 Schwabe. Hrsg. Düsseldorf 1974.Möller. Rolf & Droh. R.J. R. 2-12 Stern.: Musiktherapie bei Neurosen und funktionellen Störungen.

Belebung oder Abreaktion werden zugelassen. Ablauf der Musiktherapie-Sitzungen In den Musiktherapie-Sitzungen wechseln Musikphasen. über die anschließend wieder gesprochen wird u.f. 3. begleitet und . Darüber hinaus werden in der Musiktherapie Patienten mit frühen Störungen erfolgreich behandelt. je nach Wunsch der Patientinnen und Patienten auch Lieder singen und instrumental begleiten. Im allgemeinen spielen wir den Patientinnen und Patienten keine Musik vor. Die auf der Klangwirkung und den Aktionen an und mit den Instrumenten beruhenden Effekte psycho-physischer Beruhigung. Wirkung der Musiktherapie Je nach praktizierter Arbeitsweise treten folgende drei Wirkungsbereiche der Musiktherapie in den Vordergrund: a) vorbewusste psycho-vegetative Regulation 106 . in der neue Handlungsmöglichkeiten ausprobiert werden können. mit Gesprächsphasen ab. um den Patientinnen und Patienten zu introspektiven Verstehensprozessen verhelfen. 2. Sie verfolgt den bio-psycho-sozialen Ansatz einer ganzheitlichen Psychotherapie.s. Bewegungsspiele oder Musik-Mal-Aktionen durchführen. Aufgrund ihres nonverbalen Charakters (Improvisation und Interaktion mit Musikinstrumenten) wird sie tiefenpsychologisch genutzt. da klangliche Erfahrungen und Musik früheste und pränatale Erlebnisschichten ansprechen. Aber auch in verhaltenstherapeutischer Hinsicht liefert sie über das gemeinsame Spiel an Musikinstrumenten wertvolle Beiträge zur Modifikation pathologischer Einstellungs. in denen wir musikalische Gruppenspiele mit Instrumenten oder auch mit der Stimme durchführen. weil die Erfahrung lehrt.7 Musiktherapie in der Psychiatrie Aus dem Merkblatt einer psychiatrischen Klinik: Musiktherapie ergänzt und vertieft das psychotherapeutische Angebot der psychiatrischen Abteilung.sofern möglich. Musiktherapie erreicht besonders Patienten.und Lebensmuster.reflektiert. dass die Patientinnen und Patienten intuitiv die Instrumente wählen. die sich sprachlich kaum oder gar nicht artikulieren können oder die nur sehr schwer und auf sprachlichem Wege gar nicht Zugang zu ihren Gefühlen bekommen. Was geschieht in der Musiktherapie? In der Musiktherapie leiten wir die Patientinnen und Patienten an. in denen wir das Erlebte beschreiben und in Beziehung setzen zu unseren sonstigen Lebenserfahrungen. auf leicht spielbaren Musikinstrumenten miteinander zu musizieren. 1. Das führt zum Einstieg in eine weitere Musikphase. die ihnen in der jeweiligen Situation gut tun und auch entsprechend auf ihnen spielen.

die dann mit gesprächspsychotherapeutischen und mit musikalischen Mitteln bearbeitet werden. Ängste.. in Beziehung zu den Mitgliedern der Gruppe und zu den Therapeutinnen und Therapeuten symbolisiert und thematisiert sinnfällig Verhaltensmuster. Diese neuen musikalischen Erfahrungen werden anschließend wieder im Gespräch aufgearbeitet werden usf. wie uns heute zu Mute ist und versuchen dabei. Maximale Gruppengröße: 6 Patientinnen und Patienten. Psychische Erlebnisbereiche können im Spiel symbolisch und vorbewusst verarbeitet werden. Lieder singen und mit Instrumenten begleiten). in der der Wirkungsbereich der psycho-vegetativen Regulation im Vordergrund steht. b) 2. Neurosen und psychosomatischen Störungen Gruppen an. Grenzen. Erinnerungen etc. die Musikerfahrung zu beschreiben (d. oder: „wir spielen Angst“. 4. gearbeitet wird. was sie gespielt haben.B. kurze Gesprächsphasen dienen als Feed-back-Möglichkeit. die die Informationen über den Therapieverlauf bei den Stationsbesprechungen weitergibt. Indikationsstellung für die Musiktherapie Für Patientinnen und Patienten in chronischen oder akuten psychotischen Zuständen bieten wir eine Gruppe an. sich bewusst zu machen. Der Einfluss auf Vitalfunktionen wie Atmung und Blutdruck bedingt verändertes Körpergefühl und Ich-Bewusstsein. die auch das sonstige Leben bestimmen.: „wir spielen. können unbewusste Erlebnisinhalte ins Bewusstsein treten. 107 . indem wir weiterführende Musikaktionen (z. die musikalischen Aktionen sind vorstrukturiert (Spiele mit Instrumenten nach vorgegebenen Regeln. Das musiktherapeutische Behandlungsprinzip ist hier die freie musikalische Improvisation (z. oder wir machen ein musikalisches Rollenspiel etc. sofern sie von Patientinnen und Patienten thematisiert werden. ich spiele einmal nach dem Motto „ich lasse mich nicht mehr bevormunden“.h. c) Bewusstwerden pathogener Verhaltensweisen Das Handeln am und mit dem Instrument. Wir bearbeiten Lebensthemen. Hemmungen und schädliche Reaktionsweisen bei der Gestaltung von sozialen Beziehungen und auch im Umgang mit sich selbst können erkannt und im musikalischen Spiel verändert werden.Physiologische Reaktionen beim Musik-Erleben sind durch vielfältige Forschungen belegt und beschrieben. An den Gruppen nimmt stets eine Vertreterin/ein Vertreter des Personals in Co-TherapeutenFunktion teil. sie tun es auch von sich aus. Indem sie das musikalische Geschehen beschreiben oder mit ihm verbundene Einfälle mitteilen. mit den Musikinstrumenten und der Gruppe umgegangen sind und wie das Handeln der anderen auf sie eingewirkt hat). wobei soziale Kompetenzen entdeckt und auf das Leben außerhalb der Therapie angewandt werden.) anbieten. über ihre musikalischen Erfahrungen zu sprechen (sofern das möglich ist) bzw. mit unseren Klängen Kontakt zueinander herzustellen.“ oder: „wir führen ein Gespräch ohne Worte. Bewusstwerden pathogener Lebenserfahrungen Die Patientinnen und Patienten werden dazu angeregt. Bei erkennbarer Introspektionsfähigkeit und -bereitschaft und einer absehbaren Verweildauer von mindestens vier Wochen bieten wir für Patientinnen und Patienten in post-akut psychotischen Phasen und bei reaktiven Depressionen.B. nur mit Klängen“). die von den Patientinnen und Patienten genannt werden. bei der verbalen Aufarbeitung leiten wir die Patientinnen und Patienten dazu an. Assoziationen. wie sie mit sich selbst. in denen neben psycho-vegetativer Regulation auch an pathogenen Lebenserfahrungen und Verhaltensweisen.

Außerdem vermitteln wir an niedergelassenen Musiktherapeuten weiter. von wo aus zurückgemeldet wird. in den Arzt.. mit denen die psychiatrische Abteilung des Kreiskrankenhauses zusammenarbeitet. an die Station. dass sie die Patienten über die Musiktherapie informieren und sich insbesondre mit ihnen über die Behandlungsziele verständigen. 108 . Die Musiktherapie wird in den Pflegeakten dokumentiert.und Psychologengesprächen sollen auch die Erlebnisse aus der Musiktherapie thematisiert werden.5. Ärzte und Psychologen.oder Gruppenmusiktherapie treffen. Ergänzende musiktherapeutische Angebote Ergänzende Angebote der Musik haben präventiven Charakter und steigern die Lebensqualität während der psychiatrischen Stationärbehandlung und sowie in der nachstationären Zeit. Sie bestehen aus regelmäßigen offenen Gruppenangeboten in folgenden Bereichen: a) Musik und Bewegung. ob und ab wann die Musiktherapie möglich ist. sollten einige Sitzungen in der Musiktherapie hospitieren.und Kreislauffunktionen und belebt durch die Vibration des Stimmorgans den gesamten Körper. Ärztliche Anordnung und Evaluation Die Musiktherapie wird nur auf Anordnung der Ärzte und Psychologen durchgeführt. Bei Demenzstörungen aktiviert das Singen bekannter Lieder Fähigkeiten des Gedächtnisses und der Sprache. Ambulante Anschlussbehandlung Patientinnen und Patienten. um die Möglichkeiten dieser Behandlungsform sicher einschätzen zu können. Es aktiviert positive Gefühle und die Bereitschaft. die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Fortsetzung der Musiktherapie wünschen. meditativen Tänzen und Sitztänzen vermittelt das Erlebnis von Genuss und Lebensfreude in der Gemeinschaft. die musiktherapeutische Behandlungen zu verschreiben beabsichtigen. die musiktherapeutische Behandlungen verschreiben. wird erwartet. 7. können mit den Musiktherapeuten entsprechende Vereinbarungen über ambulante Einzel. Tanz Das Erleben von einfachen Folkloretänzen. Entspannung und Stärkung sowie emotionale Aktivierung und positive soziale Erfahrungen unterstützen den Heilungsfortschritt und helfen. Die Musiktherapeuten sind bei den großen Übergaben zugegen. Zur Wahrnehmung der ergänzenden musiktherapeutischen Angebote wird die Teilnahme an Gruppen außerhalb der Klinik empfohlen. Körperliche Lockerung. Von den Ärzten und Psychologen. den Rückfall in pathogene Verhaltensweisen zu vermeiden. zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. die von niedergelassenen Musiktherapeuten geleitet werden. Der jeweils behandelnde Arzt oder Psychologe gibt ein dafür vorgesehenes Formular. auf dem er die erforderlichen diagnostischen und indikationsspezifischen Angaben einträgt und sich über mögliche Behandlungsziele äußert. 6. b) offenes und geselliges Singen Singen aktiviert Atem. um über die Therapien zu berichten und mit dem therapeutischen Team das weitere Vorgehen zu beraten.

S. 177-208 und im READER MUSIKTHERAPIE.B.und Fremdwahrnehmung Entwicklung von Verhaltensalternativen Förderung von Ressourcen Morgen-Musikgruppe Trommel-Gruppe Instrumentenbau Förderung von Instrumentalspiel. 80) 109 . Wiesbaden 1999. in: Einblicke 13. in Musiktherapeutische Umschau 1985.Literatur Musiktherapie bei Depression Jürgen Preckel: Das Erscheinungsbild der Depression. 2002. Didgeridoo. Stuttgart 1975 Außerdem: die entsprechenden Kapitel in Leslie BUNT. in Musiktherapeutische Umschau 1993. 126-133 Musiktherapie bei Psychosen Wolf Schmidt: Mit der Mundharmonika gegen den Wahnsinn. Musiktherapie. 25-64 Harm Willms: Musiktherapie bei psychotischen Erkrankungen. in Musik und Kommunikation 6 / 1981 Wolfgang Strobel: Musiktherapie mit schizophrenen Patienten. Wege zum Verständnis. z. Weinheim 1998 Peter Hess (Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. 72-86) fasst die Organisation der Musiktherapie in der Psychiatrischen Abteilung des Städtischen Allgemeinkrankenhauses in Frankenthal in folgender Tabelle zusammen: AufBehandlung von Krankheitsursatrag chen Setting Gongtherapie Tischtrommelkonferenz Behandlung von Krankheitsfolgen Musiktherapie auf der Akutstation „offene“ Musiktherapiegruppe „Freitags-„ Musiktherapiegruppe Märchen & Musiktherapiegruppe Loslösen aus der Isolation Zurückkommen in das Hier und Jetzt Schaffung einer angstfreien Begegnungsebene Aufbau basaler Beziehungsstrukturen Reflexion der Eigen. Gitarre Ziele Verständnis für die Erkrankung gewinnen Herausarbeiten von Vulnerabilitätsfaktoren Entschlüsselung pathologisch wirkender innerpsychischer Systeme Traum-Bearbeitung „Korrigierende Erfahrung“ Reinstallierung innerer Grenzen Entdecken von Ressourcen Kreativitätsförderung Spielfreude (Hess 2002.

Grundsymptome der Schizophrenie Störungen des Denkens zerfahren. Ansprechen. Verfolgungs-. deren wichtigste die Schizophrenie ist. stehen bei den psychotischen Störungen. seinen Namen rufen. Wahrnehmung von ausströmendem Gas etc. Eigenschaften der Struktur und Beschaffenheit treten in der Wahrnehmung zurück Halluzinationen akustische Halluzinationen. elektrischer Strom im Körper. bei denen Probleme im Bereich der Emotionalität vorrangig sind. die Einheit des Erlebens. Kontaminationen. z. Störungen des Körperschemas akustische Halluzinationen. Begriffsverschiebung. die Wahnidee gehört der Vorstellungswelt des Kranken an. Einer richtigen Wahrnehmung wird eine abnorme Bedeutung beigelegt. sexuelle Manipulationen an Genitalien etc. optische Halluzinationen.Störungen Depersonalisation Desintegration Akzessorische Symptome der Schizophrenie Wahnerleben (Beziehungs. albern. Handlungen kommentieren etc.und Ausdruckseigenschaften ein Übergewicht gegenüber Struktur und Beschaffenheit der Gegenstände Störungen der Affektivität Verstimmungen verschiedenster Art. läppisch (Hebephrenie).1 Musiktherapie bei Schizophrenie Im Gegensatz zu den neurotischen Störungen. Stiche. gustatorische Halluzinationen. verschroben. die den Pat. ferngesteuerte Schläge.Beeinträchtigungs-. Trugwahrnehmungen des Geschmacks taktile Halluzinationen.und Ausdruckseigenschaften am wahrgenommenen Gegenstand erhalten Übergewicht. zusammenhanglos. Stimmen. Begriffszerfall. 110 . wie es im „normalen“ nicht möglich ist Autismus Ich .B. z.a. Störungen des Denkens und der Wahrnehmung im Vordergrund. Handlungen kommentieren etc. Wortneuschöpfungen Bei der Wahrnehmung erhalten Wesens. Zönästhetische Halluzinationen. Stimmungslage und gegenwärtige Situation passen nicht zusammen. die Zusammengehörigkeit von Gefühl und Ausdruck ist aufgehoben.B. dabei karikaturhaft. ausgelassen.Versunkenheit und Verlust der Realitätsbeziehungen Passivität Wahnerleben Ich . gespreizt. Ansprechen. seinen Namen rufen. laut. Trugwahrnehmungen des Gesichtssinns olfaktorische Halluzinationen. Größenwahn u. Ambivalenz. Stimmen. Symboldenken (Gespräche unter gesunden Angehörigen klingen nicht selten wie der zerfahrene Gedankengang eines Schizophrenen) geordnetes und zerfahrenes Denken nebeneinander Die Sprache wirkt manieriert.7. daneben: depressive Verstimmungen Angst ist sehr häufig vorherrschendes Gefühl inadäquate Affektivität (Parathymie).). enthemmt. Wesens. Eifersuchts-. Gedanken abreißen. die den Pat. unvereinbare Erlebnisqualitäten stehen beziehungslos nebeneinander.

Während des Akutstadiums der Psychose wird „großer Wert gelegt auf die Schaffung einer schützenden. Über die „Bedingungen. ohne sprachliche Äußerung wichtig: Patienten haben auch in dieser Verfassung ein völlig waches Bewusstsein und können später ihre Erlebnisse genau schildern Katatonismen. Die Sitzungen werden von wiederkehrenden Eingangs. Wir dagegen sind der Auffassung. The wounds that Sing. Die alte Psychiatrie hielt eine Heilung. die in der Improvisation mitgeteilt werden können. London 1993. 2002. Ist weitgehend reglos Mutismus. die es noch zu entdecken gilt. Es gibt aber Erfahrungen. für nicht möglich und aufdeckende Therapie und Entspannungsverfahren seien besonders bei Psychosen contraindiziert. Bei längerer Therapiedauer können auch freie Improvisationen hilfreich sein. weiche Behandlungsmethoden erfolgreich sind. London 2000. Wenig Instrumente. Pat. 96 f Hinweise zur Musiktherapie: Schizophrenie kann man verstehen als die Unfähigkeit. Echophänomene Quelle: Schulte. Peter Hess arbeitet als Oberarzt und Musiktherapeut an der Psychiatrischen Abteilung eines Städtischen Allgemeinkrankenhauses (Frankenthal) mit rezeptiven und aktiven Methoden unter Verwendung von archaischen Klängen von Trommeln. relativ reizarmer therapeutischer Rahmen hergestellt werden. In der Therapie wird der musikalische Ausdruck zur Symbolisierung bedrängender Gefühle. können Klänge helfen. Gerade wenn Patienten sprachlich nicht erreichbar sind. 61 zit. nämlich. Einfache Improvisationsspiele oder auch Lieder und Tänze finden Verwendung. Gongs. in Faust 1995. dass hilfreiche Therapieschritte gerade in akuten Phasen mit Musik gemacht werden. Didgeridoo. wenn man spirituelle transpersonale Dimensionen der Psychose mit ein bezieht. besonders. dass die Psychose von Erfahrenen einfühlbar und unter Einbeziehung aller Bewusstseinsschichten auch voll erklärbar ist. Auch die musikalischen Erfahrungen sollten überschaubar und vertraut sein. Hanne Mette Kortegaard: Music Therapy in Psychodynamic Treatment of Schizophrenia. wieder auf die Erde zurückzu111 . Die Instrumente sind gut aufeinander abgestimmt. 72-86) „Entgegen den alten Dogmen der Psychiatrie.Katatone Symptome psychomotorische Phänomene der Schizophrenie Stupor. Vielfach wird bei akuten Zuständen von Musiktherapie abgeraten. ihre Gefühle auszuagieren und sich in einer basal stimulierenden Atmosphäre zu entängstigen. Leerlaufstereotypien und Dyskinesien. in Heal and Mead (eds) Music Therapie in Health and Education. der Gegenübertragung oder neu geschaffene Symbole der therapeutischen Beziehung (vgl. die nur durch drastische Mittel. seien es Gefühle der Übertragung. Berimbao und anderen. geborgenheitsvermittelnden Atmosphäre. dass die Psychose uneinfühlbar sei und unverständlich und nach eigenen Gesetzen ablaufe. gehen wir davon aus.und Abschiedsritualen umrahmt. June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. außer mit biologischen Methoden. Klangschalen. wie Neuroleptika und Elektrokrampftherapie zu beeinflussen sei. geeignete Symbole für Emotionen zu finden. meist pentatonisch und dienen vor allem dazu. n. Monocord. die belegen. Mundt. Selbstverständlich sind psychodynamische und familientherapeutische Therapiemethoden unverzichtbar“ (79). 13. 222). Bei schizophrenen Patienten sollte zuerst einmal ein sicherer. dass eine kausale Therapie und echte Heilung möglich ist. Tölle 71985. unter denen eine solche intensive Therapie mit schwer gestörten Patienten überhaupt möglich ist“ schreibt er: (Einblicke.

72-86) Einzelheiten zur Organisation der Musiktherapie bei Hess s. 183-207) beschreibt musiktherapeutische Einzelmusiktherapie mit schizophrenen Patienten in der Akutpsychiatrie auf Grundlage von „verstehender Psychiatrie“. Es geht aber auch um Eröffnung neuer Handlungsspielräume in der freien Gruppenimprovisation. München 2001. wenn akustisch gespeicherte Traumata vorliegen“ (83). Außerdem geht es dann in der Gongtherapie auch um einen kausalen Behandlungsansatz“ (81). sich auf körperorientierte Therapie einzulassen. dass bei „Menschen mit akuten schizophrenen Störungen eine intensive Überlagerung der Gefühlslandschaft mit dem Affekt Angst“ gegeben ist (195). wie allgemein beschrieben. Dieser Ansatz geht auf antipsychiatrische Reformbewegungen der sechziger Jahre zurück und basiert auf der Erkenntnis. sondern vor allem als affektive Störung. Didgeridoo und Oceandrum Gong Stille Rücknahme der Trance Koto oder Flöte und Tabla unterstützt von der Shrutibox Aktive Gruppenimprovisation Spontanes Maler und/oder Gedicht Verbale Integration mittels Kreisritual mit zweimaliger Runde Schriftliche Integration mittels Eigenprotokoll 1-2 Tage nach der Sitzung Thomas Wosch (in: Hans-Helmut Decker-Voigt (Hrsg): Schulen der Musiktherapie. Als weiteres Argument gegen die Auffassung des Primats einer Denkstörung bei Schizophrenen führt Thomas Wosch Ergebnisse von Untersuchungen mit dem Integrierten Psychologischen Therapieprogramm (ITP) an. sondern eher an der individuellen Bereitschaft. 2002.“ Die beschriebene Auflösung des Denkens und der Sprache sei eine Folge der Affektstörung und nicht umgekehrt. Die Skalen sind dann nicht mehr begrenzt. Indikationen und Kontraindikationen ergeben sich „weniger aus dem Krankheitsbild an sich. Mit Hilfe von EEG-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden. bei dem der angenommene kognitive Symptomkomplex (Denkstörungen) mit kognitiver Therapie durch Training von semantischen Bezügen und Re112 . 78): Einstimmen der Instrumente und der Teilnehmer Verbale Trance-Induktion mittels geführter Meditation Klangtrance Monocord Monocord und Obertongesang Tanpura und Gesang (Wiegenliedähnlich) Tanpura und Tabla Tanpura. unter Kapitel 7. dass „die schizophrene Störung nicht primär als Denkstörung“ zu verstehen ist.kommen und Wege aus der Isolation zu eröffnen. um so mehr Chaos kann in den Gruppen dann wieder zugelassen werden. dass die Affektlabilität Folge einer Grundstörung im Bereich der Kognition sei. (Peter Hess: Die Rolle archaischer Musik in der Musiktherapie. Je gesünder der Patient wird.“ „Eine besondere Behandlungschance ergibt sich immer dann. in: Einblicke 13. „wie sie als Phänomen im ICD 10 und DSM IV als ein notwendiger Faktor beschrieben wird. Aufbau der Gongtherapie (Ritual mit Life-Musik) nach Hess (2002. Im Remissionsstadium der Psychose geht es dann mehr um die Entdeckung und Ausbau kreativer Fähigkeiten mit gemeinsamen Musizieren mit leicht spielbaren Instrumenten.

Aus alledem folgert Wosch die Indikation einer musiktherapeutischen Einzelmusiktherapie für Patienten in akuten schizophrenen Zuständen.R. 113 . L. L.O.. Hier „wird dem gestörten überdimensionalen Affekt Angst mit den Mitteln zwischenmenschlicher Beziehungen und einer Wohngemeinschaft begegnet. E.aktionsfähigkeit beeinflusst werden sollte.a. Bonn 1994) erhalten durch diese Untersuchungen zusätzliche Begründung und Bestätigung.. dass die Patienten zwar neue Denkmuster lernen konnten. Psychiatrie in der Gemeinde. „die pharmakologische Behandlung nur gering zu halten und der Klientin eine Möglichkeit des Ausagierens und Verstehens ihres Zustandes zu geben“ (201). denn es seien „starke emotionale Blockaden im späteren Verlauf des Erlernens sozialer Fertigkeiten zu beobachten“ gewesen (196). Die positiven Erfahrungen im Bereich der Soteria Projekte in Amerika (Mosher. Dabei zeigte sich. Zu dem besonderen Milieu gehört für die verstärkt akuten Erscheinungen von Schizophrenie ebenfalls das ‚weiche Zimmer’ mit der 1:1-Begleitung rund um die Uhr“ (196). H. Ciompi. L. Das Setting ist: zweimal wöchentlich jeweils eine Zeitstunde in der verlässlichen Dyade mit Methoden der musikalischen Improvisation auf Instrumenten und anderen vom Patienten angeregten musikalischen Aktivitäten. und Burti. deren Wirksamkeit er an Hand von zwei stilisierten Fallbeispielen nachweist (198-204). In diesen Fällen erwies es sich auch als sinnvoll.) kamen auf diesem Wege „zu der Annahme.: Soteria im Gespräch. a. Bonn 1992) und Schweiz (Aebi. Die beiden Autoren (Roder und Brenner. dass zu Beginn der Therapie ‚an eine stärkere Beachtung psychophysiologischer und emotionaler Prozesse’“ zu denken ist. sich aber im Bereich der sozialen Wahrnehmung und Problemlösung keinerlei Veränderungen zeigten. Hansen.

7.2 Musiktherapie bei Depression 114 .

innerhalb eines begrenzten melodischen Umfanges spielen. weil musikalische Erleben einerseits eng mit primärpsychischen Prozessen.: leise klingende Instrumente auswählen (Xylophon). Melodien zu entdecken und zu gestalten. nicht auswählen können oder keine Initiative ergreifen 2. z. als sie „durch Äußerung der nach innengekehrten Aggressionen einen Trauerprozess in Bewegung“ bringen. Sie leiden unter einem „Defizit an Verstärkung“. insbesondere von gegen sich selbst gerichteten Aggressionen. sowie neue Erfahrungen im Bereich der sozialen Beziehungen zu finden. haben sich „die Psychoanalyse und Interpersönliche Therapie (Klerman)“ insofern bewährt. in einem langsamen Tempo spielen. ebenso der „Ersatz von disfunktionellen Kognitionen durch funktionelle Kognitionen“ (kognitive Therapie). musikalische Symbiose“ (149). 148). kognitive und verhaltenstherapeutische Zugänge nicht voneinander trennen. In der Therapie haben sich emotionale Äußerung. und eigenständig zwischen musikalischer Verschmelzung und Übereinstimmung (Symbiose) sowie Abgrenzung und Kontrast (Individuation) entwickelt (vgl. durch Analogien. die in der Behandlung einzelner musikalischer Parameter durch die Patienten erkennbar werden.B. bewährt.zum Thema Depression“ aus Henk Smeijsters: Grundlagen der Musiktherapie. Die nachfolgende Fallgeschichte verdeutlicht einen solchen Therapieprozess: 115 . Göttingen 1999 Versteht man „abnorme Trauer“ als Ausgangspunkt depressiver Erkrankungen. in denen Verlusterfahrung nicht ausreichend betrauert wurde. extrem empfindlich sein für Dynamik (sich abwenden von Klavier. Die depressiven Symptome zeigen sich im musikalischen Verhalten der Patienten 1. die Verhinderung von Hilflosigkeit und die Vermehrung von angenehmen Aktivitäten (Verhaltenstherapie) (147). Rhythmen und Tempi bewusst und abwechslungsreich zu gestalten. mit Emotionen und präverbalen Erfahrungsinhalten verbunden ist und andererseits interaktive Handlung und symbolischer Ausdruck von sozialen Beziehungsmustern ist. in denen die natürlichen Gefühle nicht ausgelebt wurden und in denen persönliche Kränkungen nicht wahrgenommen und verarbeitet wurden. einen Zugang zu abgespaltenen und nicht mehr zugänglichen Emotionen zu öffnen. Lautstärke zuzulassen. Die oben dargestellte Symptomübersicht verdeutlicht. Bei der Musiktherapie lassen sich tiefenpsychologische. Theoretisch wäre zu erwägen. monotones und nicht rhythmisches Spiel. wie sich im Verlauf der Therapie die Bereitschaft. „die in der Musiktherapie noch nicht spezifisch musikalisch sind“.B. Schlagzeug). Die bei Depressiven zu beobachtenden „disfunktionellen Kognitionen beeinflussen Emotionen“ und „negative Ereignisse“ werden „dem eigenen Unvermögen“ zugeschrieben. zu wählen und Initiative zu ergreifen. Das beinhaltet die Auseinandersetzung mit biographischen Situationen. dass es bei der Therapie darum gehen muss. „z. durch Analogien.

sie wirft plötzlich das Glockenspiel auf den Boden. Daraufhin sagen Frau N. unerledigte Trauerarbeit.. wie sie sich fühlt. dass sie beim Klang der großen Klangschale und den Glockeninstrumenten Angstgefühle und eine „Friedhofsstimmung“ erlebt hat sowie starke Unruhe. Austausch sagt Frau W. die aus zwei Planken besteht. an der sie nicht teilgenommen habe. sie sagt dem Tod und dem Vater: „Ich will leben. Sitzung (26. nimmt sich eine Handtrommel. ich gebe ihr die Hilfe. Frau W. wie das geht. was sie auch tut. ___________________________________________________________________________ 116 . wird während des Erzählens unruhig. den sie mit Hilfe einer schmalen Brücke. ___________________________________________________________________________ 3. kurze Tonfolgen auf dem Glockenspiel mit Filzschlegel. Sitzung (19. darauf zu spielen. das verzweifelt ist. jede solle sich ein bis zwei Instrumente wählen. über die Beerdigung.) Frau W. im Kreis herum läuft und weint. sie wählt für ihre Rolle die Klanghölzer.“ Sie erzählte dann noch über die näheren Umstände des Suizids ihres Vaters.11. wobei es ihr allerdings zunehmend schwerer fällt zu stehen.f. Diagnose „Depression“ (endogen?) Alter: 62 Jahre. ich frage: „wer klagt da?“. mir weist sie die Rolle des Ehemannes zu. es kommt daraufhin zu drei wilden Aggressionsausbrüchen auf der Trommel. sie sei „ganz unten“. dass dieses Bild über ihrem Kinderbettchen hing. auf die sie mit den Fäusten einschlägt. ich halte ihr die Handtrommel hin und bitte sie. wir stellen die musikalisch dar. Eine Mitpatientin (Frau W. verheiratet. keinen Weg sieht.63): Es sind sechs Patientinnen gekommen. eine Tochter. die einzelnen Rollen werden mit Musikinstrumenten dargestellt. Wir spielen die Wiese. und hinter ihm ihr Schutzengel. das seien „klagende Hilferufe“. sie wünschten sich. was sie in den Händen spürt. sie wisse aber nicht mehr wo. Sie setzt sich auf einen Stuhl.11. vorne leise und sanft spielen und von hinten einen Schubs geben. will auf der Mundharmonika Lebensfreude spielen aber sie wisse nicht. sie sehe jetzt auch Blumen und Schmetterlinge. sie solle sich zusammenreißen. und Frau W.Fallbeispiel Frau N. 81): In dieser Sitzung ist das Thema die Familien der Patientinnen. mit den Fingern auf sie zeigen und ihr sagen.s. den Impuls verspürte „Raus! Nichts wie weg hier!“. sie befinde sich „in einem Loch./S. macht ihm Vorwürfe und läuft dann wieder fort. Am Ende der Sitzung sprechen wir über Ursachen der Depression. die an einen Abgrund stößt. und ich frage sie. Sitzung (12. den Weg zurück. das Mädchen. Jetzt komme sie an einen Bach. um sie nicht zu übertönen. ___________________________________________________________________________ 2.. Beim anschl. äußert aber auch Schuldgefühle. schließlich sinkt sie an der Conga zusammen und kauert am Boden. ein kleines Mädchen auf einer Wiese. Die anderen spielen die Wiese. Der habe sich vor sieben Monaten das Leben genommen. berichtet von einem Bild. z. was sie jetzt tun wolle. erkennt. Mitte 30. Ich stelle die Instrumente vor und lasse sie von Patientin zu Patientin weitergeben und ausprobieren. was er ihnen angetan habe. ledig. sagt. Im Verlauf der Arbeit thematisiert Frau N. Frau N. jetzt drehe sie sich um und laufe über die Wiese einen Weg entlang. wie sie den Kontakt bestimmt und dass ihr Mann dabei durchaus nicht immer in der stärkeren Position ist. (Am Ende der Sitzung fällt ihr ein. Frau N./S. bis das Trommelfell reißt. sie stehe wieder am Abgrund. die sie verspotten. Sitzung (3. Wir spielen dann alle gemeinsam mit ihr „Lebensfreude“. der Ehemann ist Stahlarbeiter. Anschließend ist Frau W. wie es ihnen geht. Sie geht nicht zu ihm. die Beziehung zu ihrem Ehemann. es gehe ihr schlecht. es zeige eine abschüssige Wiese. sie sagt ihm. sie hätte am liebsten das Instrument (Glockenspiel und Flöte) in die Ecke geworfen. sie so einfach im Stich zu lassen. Frau N.“ Sie spielt.12. und ebenso Frau S./ S. die ich auf der Handtrommel musikalisch darstellen soll. sie spielt mit leisen Schlägen und sanftem Reiben.B. Anschließend sprechen wir darüber. Ich bitte sie. am Rand des Abgrundes steht ein kleines Mädchen. die ihr zuwinkt und sie zu sich ruft. Ich frage. dabei ist sie sehr aufgeregt und presst ihre Fäuste in den Nacken. auf der Conga weiterzutrommeln. jetzt trete sie allmählich zurück. Danach sagt sie.11. Dabei wird viel gelacht. was sie sieht. das sie irgendwo einmal gesehen habe. es sei ihr Vater. Sie hat die Augen geschlossen. sich nicht so gehen lassen u. sie solle sich vorstellen. auch einmal so aus sich herauszukommen. bis sie wieder vor dem Abgrund steht.. wie ein vierjähriges Kind das machen würde. Dort entschließt sie sich. ___________________________________________________________________________ 4.67): Ich bitte die drei Patientinnen. erleichtert. ich beschreibe ihr Spiel. überquere. wobei sie mich zu äußerst leisem Spiel zwingt. Wir beschließen nach dieser Sitzung. Frau W. ___________________________________________________________________________ 1. dass sie sich so habe gehen lassen. 96): Frau N. Frau N. Sie sehe ein Haus. zu leben. in einer Musiktherapiegruppe zu behandeln.) berichtet. zusammen mit Frau S. Am Ende schlägt sie deutlich und für alle vernehmlich gegen das hintere Ende des Instruments./S. dort stehe eine Gestalt. der Tod hinter ihr her. Sie sehe ihre Mutter und Schwester vor sich. um darauf zu spielen. kommt nicht zur Musiktherapie.

das dann ganz allmählich in einen anapästischen Rhythmus einmündet. betont ihre Schwierigkeiten Konflikte konsequent auszutragen. die eigentlich so schön hell sein könnte. Im Akzeptieren dieser Seite empfindet sie zugleich die Wut gegen ihren Mann. insbesondere dass sie seit 2 Jahren nicht mehr bei (und mit) ihm schläft („wegen Alkohol“. sie wirft ihn symbolisch hinter sich. sie habe an scheinbar kleinen Dingen (Adventskranz.127): 117 . der sie sich gern überlässt. Schellenring. die Herzschmerzen (ein rotes Herz)./S. die sich nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung sehnt. dass sie ihren Mann sehr liebt.“). es entsteht „eine richtige Melodie“ (Frau N. an dessen Ende sich eine Schnalle mit der Aufschrift befand: „Gott mit uns.sie hat deswegen Schuldgefühle. der aber schwarz eingerahmt ist („da bekomme ich immer eins auf den Hut“). die andere. Ein farbenfroher Kreis von vielen Gefühlen. zunächst äußert sie Wut auf eine Mitpatientin. schwarzen Kloß mit vielen Zacken im Magen. sie könne „zum Triebtäter werden“. von denen sie sich schlecht behandelt fühlt. wir. sie berichtet dann. ich antworte ebenfalls mit Rasseln.vor und zurück. d. mit den Fingernägeln macht sie ein kratzendes.“ Diese alte Angst ist jetzt noch spürbar. vielleicht aber nicht konsequent genug. indem sie sehr lange das monotone. bisher habe sie diese nur abgewehrt bzw. die Aufgabe. Frau W. der sie mit einem Riemen verprügelte.kalte Wut . zugleich empfindet sie Schuldgefühle und macht sich Vorwürfe wegen ihres Wunsches nach Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung.12. dass es ihr zu Hause wesentlich besser gegangen sei. 122): Frau N. die Herzschlagkurve mit unterschiedlichen Phasen. er liebt mich wohl doch. Sitzung (16. 1. Bei Unterstützung mit der Stimme kommt der Kloß heraus.12. führt sie aus. Sitzung (9. Frau N. . wobei Frau N. Wut zu zeigen wo sie entsteht in den einzelnen Situationen (z. begleitet den ganzen Prozess und erkennt die Parallelen zu ihrem eigenen Leben. etwas zu verändern.“ Die Problematik besteht darin. zum Kaffeetrinken fahren) Freude gehabt. dann kommt die Wut gegen ihren Schwager zum Ausbruch. Wir betrachten die Beziehung Wut . Wir spielen dann „Streit“. dass die ihr immer dazwischen kommen.. der rechts unten leicht durchbrochen ist. beschreibt die Beziehung zu ihrem Ehemann. die anderen in der Gruppe.sie hat ihn irgendwann einmal vor die Alternative gestellt: „entweder die Kneipe oder ich“) . Andererseits ist diese Abgrenzung notwendig gewesen. Sitzung 28. heraus.. ein „Schwänzchen von den Gefühlen“ ragt aus dem schwarzen Kasten. In diesem Zusammenhang berichtet sie über ihre Kindheit und ihren jähzornigen und frommen Vater. ist erleichtert und Gesicht und Schultern entkrampfen sich. Zum Abschluss spricht sie ihre Angst an.).Hass ./S. malt zur Musik von Jade Warrior mit Wachsmalstiften eine Bildergeschichte. 124): Frau N. ___________________________________________________________________________ 7. als Ausdruck für die „Sehnsucht nach einem natürlichen Leben“. sich anschließend nicht erleichtert fühlt. dieses Gefühl drückt sie mit Rasseln aus. etc. 103): Frau W. zugleich ihr aber in Form von Selbstbefriedigung oder Nachgiebigkeit dem Schwager gegenüber Raum gegeben. der sie nun auch ihrer Berechtigung zuspricht. Plätzchen. kommt sehr bald zum Thema. vor und zurück. in dem sie sich ganz wohl fühlt. Über diese Thematik kommt sie an die Wut gegen ihren Ehemann. nagendes Geräusch auf der Handtrommel.12. dass die verhüllte Wut auch die Liebe verhüllt.12. wenn sie sich mit ihren Angehörigen auseinandersetzt. dreckig. Ein Baum und eine grüne (Hoffnung) und eine dunkle (traurige) Blume. gegenüber den Mitpatienten). ___________________________________________________________________________ 6. von dem sie sich vernachlässigt fühlt./S.. sich ihrer geschämt oder sie moralisch abgewertet („schmutzig. er liebt mich nicht. die sich nach diesem Erleben aber auflöst. Frau N./S. Die Notwendigkeit.B./S. spürt sie die Verlassenheitsangst und. Sitzung (21. Xylophon).5. als sie die ausagiert (in Form eines tätlichen Angriffs gegen mich). anhaltend klagende Spiel fortsetzt. Wut empfindet gegen die Männer. spürt einen spitzen. h. spielt die Traurigkeit mit Klanghölzern. solange zu spielen bis sie den Wunsch spürt. andererseits aber ist er eifersüchtig. Sie bringt im Gespräch den Kloß mit den permanenten „Sticheleien und Verletzungen durch den Ehemann“ in Beziehung. ___________________________________________________________________________ 8. 116): Frau N. ihrem Ehemann in diesen Prozess mit einzubeziehen und zu lernen. Es kommt zu einem Dialog zwischen 2 Seiten in ihr: Die eine die sich abgrenzt. Musikmalen (18. keine Symptome seien aufgetreten.Entladung nach innen oder außen. eine Art „klagender Kreislauf“ . „mein Mann würde mich auf der Stelle verlassen wenn ich ihm offen meine Wut zeigen würde. stimmen in diesen Rhythmus ein (Tabla.12. sie spürt Angst („das dicke Ende kommt nach“).

Frau N. Frau N. Im weiteren Verlauf erzähle ich das Märchen von der Frau mit dem schweren Korb. Frau N. verletzt habe) und von Verwirrung und innerer Leere („ich spüre nichts in mir“). Nun habe sie hier ihre schwache Seite gezeigt und fühle uns gegenüber Scham. „ob man das hier dürfe. ihrem Mann nicht ihre schwache Seite zumutet. das ist als ob jemand um mich herum schleicht und was von mir will!“. Frau N. dann fragen. am dicken Ende müsse sie doch immer wieder alles ausbügeln. Dann spürt sie ihre Schuldgefühle und schaut nach innen. es sei alles in ihr verwirrt (früher hat Frau W. ihr Mann habe sie wohl noch nie schwach gesehen. gesagt. nicht mehr verstehen. Das aber kann sie nicht. sehe und was sie machen wolle. ist zuversichtlich und teilt mit. die laute (aus Plastik). wenn sie wirklich ihr Schwachsein zur Kenntnis nähme. die ja (als Co-Therapeutin) neben ihr sitzt (!). sie müsse die Starke sein. zu Hause könne sie sich (insbesondere vor ihrem Mann) nie schwach zeigen. frage ich ob sie mal Zeit für mich hätte“). Damit hat Sie Frau N’s Frage. sie komme ihr ganz fremd vor. wiederum hat Frau N. Ich richte die Frage an Frau N. außerdem eine Schülerin und Frau Dr. dass sie stärker und sicherer geworden sei. nehmen an der Sitzung teil. weil sie nun schon solange weg sei etc. ist es nun leer. Ich rege an./S. was kann ich von dem Wunsch erfüllen?) und Rückmeldung geben und es dann tun. was sie an Frau W. Frau N. (was wünschst du dir von mir?) und zu entscheiden (was will ich. sie zuerst anschauen. Frau W. Frau N. anschließend fühlt sie sich „um 6 Zentner erleichtert“. was ich aber verhindere. Frau W. und dann erst auf sie zugehen. Blickkontakt zu haben. Sie spricht die Angst aus. auch nie so schwach gesehen. sie habe bei Frau N. sie malt sich alles mögliche aus. da wo das Bild der starken Frau N. als klar ist . dass sie sich ihrer Familie gegenüber schuldig fühle.) sei die stärkere. der allen Halt gibt. 28. sie solle langsam Schritt für Schritt auf sie zugehen. _________________________________________________________________________________________ 10. dass Frau W. sie benennt ihre Schwierigkeit../S. war. wird er auf seine schwache Seite festgelegt. als tatsächlich der Fall sei. so dass Frau W. im Spiel findet eine Auseinandersetzung statt. „ausdauernd“ (Frau W. zu fragen („vielleicht später. wo sie sich noch unfähig fühlt. sagt sie könne nicht „schreien. Sitzung (6.12. meint. sei der ruhende Pol.): Holzrassel leise umdrehen. beide Patientinnen wählen Rasseln als „ihr“ Instrument. Frau N. Sie weint. beschreibt ein „Feuer“ in sich. Sie könne Frau N. wenn sie wütend ist. K.1. dass sie wohl auch daran gedacht habe aber nicht wisse. Zusammenfassend gesehen war es ein nachträgliches Erledigen der Weisung vom letzten Mal (wahrzunehmen wie es dem anderen geht und was er wohl auch tatsächlich braucht). nur handeln tut sie nicht und die zuständige Ärztin fragen.“ ___________________________________________________________________________ 118 . dass Frau W. was sie mit der Angst machen wolle? Sie versucht sie zu verharmlosen. sich besser durchsetzen könne etc. wenn sie schwach sind. dass sie es darf. kann diese Fremdbeobachtung nicht annehmen und teilt mit. Frau W. 147): Frau N. dass sie sich nicht zu schämen braucht. in Wahrheit sei sie schwach und sehr traurig (weint). Frau W. schließlich fasst sie allen Mut zusammen und fragt. Solange Frau N. Es muss etwas neues gefunden werden. Ich frage ob sie sie denn verstehen wolle und wie sie das bewerkstelligen wolle. sie solle weiter vorangehen und nicht zurück oder seitwärts ausweichen. 133): Frau W. sie weint. Es gelingt ihr auch. kann dieser nicht auf eigenen Füßen stehen. aufgeregt hat und die sie unter keinen Umständen mehr hatte hören wollen („hör auf damit. wir spielen dieses Märchen mit den Instrumenten. aber dreht das Instrument beständig.1. kurzzeitig heftig spielt. ob sie zu ihr kommen solle. das Abladen (des schweren Korbes) sei Stück für Stück in der Musiktherapie geschehen. dann will sie sie trösten. so meine Anweisung. ob sie sie auch als schwaches Gegenüber mögen würde. Angstgefühle (auf der Brust) spüre. in deren Verlauf Frau W. das sollen.) ___________________________________________________________________________ 9. sie selbst habe sich zuerst von Frau N’s Tönen (langsames Drehen der Rassel) bedrängt gefühlt. (sie sagt sie sei sehr müde) die hölzerne (leisen). schließlich „aufgibt“ („hör auf damit . sie solle sich entscheiden was sie nun anschauen wolle. dass sie bereits nun schon entlassen werden soll. sie (Frau N. die Beobachtung gemacht habe. Ich frage. wenn sie es will. äußert Angst. etwas anderes in ihr sehen will. sie wegzuerklären. was sie brauchen. dass dies nur so scheine. bereits musikalisch beantwortet. nun kann die Beziehung in der alten Weise nicht mehr fortbestehen. sagt. zu fragen. sie berichtet. hat sie nicht den Mut. die sie bei der schwachen Frau N.“ Außerdem. und Frau W. Nun spüre sie ihre eigene Schwachheit. sie in den nächsten Tagen üben: Einander Schwachheit zuzugestehen und sich zu sagen. wir üben detailliert wahrzunehmen (ist traurig). dieselbe Musik. sie nicht mehr mögen würde. sagt sie. die Kränkung zurückzumelden darüber. was sie sieht. spricht von Schuldgefühlen (weil sie Frau N. Frau N. als Co-Therapeutin. dass sie sie anschaut und sich klarmacht. dass sie sich ausgesprochen schwach und elend fühle. beim abschließenden musikalischen Gespräch spielt Frau W. soweit kommt sie. Sitzung (13.das ist als wenn ständig jemand um mich herumschleicht!“). oder ihre Schuldgefühle. das ihr sagt. Sie holt sich Feedback von jedem aus der Gruppe. als ich sie darauf hinweise. Frau W. wenn ich sie mal zufällig treffe. Sie habe Mühe mit einem schwachen Gegenüber umzugehen.) leise.

Verständnis und Geduld von uns bekommen zu haben außerdem: ihre Krankheit.aber (im Bild) die Klangschale ist beiden im Weg. sie übe das Spiel auf der Mundharmonika. Ich empfehle ihnen zum Abschluss. die entlassen wird. ich frage Frau N. Bei der Darstellung des Gefühls Wut sind alle hinterher sehr erheitert. Musikmalen (22. dass sie wohl gerne mit ihm schlafen wolle. uns wieder in den Raum: Sie hätten den Weg zueinander freigemacht. Er hat zwei Wünsche zu seinem Geburtstag: eine Mundharmonika und mit ihr zu schlafen (nach 2 Jahren). malt zur Musik von „Rondo Veneziano“ ein „Meer von Traurigkeit“ mit einem einsamen schwarzen Raben und einer kleine roten Sonne (Fingerfarbe). es sei ihre gemeinsame Aufgabe. diese (als Klangschale symbolisiert) enthält: Angst (Trommel).1. 119 . spielt danach das Lied „An der Saale hellem Strande“./S. nahe bei ihr ist . _________________________________________________ 11. 159): Heute nehmen wir Abschied von Frau W. sie wünscht sich von ihm. Sitzung (20. Verzweiflung (Holzrassel). Sinfonie von Beethoven einen Wildwasserfluss. sie wünsche sich vielmehr Zärtlichkeit. aufgrund technischer Unzulänglichkeiten (?!) sei es ihr nicht gelungen. 154): Frau N. das wäre so als wenn sie die Schale allein auf dem Schoß hätte. den Berg und die Felsen zu malen. Sitzung (27.. wenn sie Angst hat.. mit Aggressionen umzugehen. damit sie für sich selbst üben kann. sich damit auseinander zu setzen. um selbst zu spielen. die Schale steht zwischen ihnen wenn er etwa zu ihr sagt. sie würde seine Unsauberkeit (lange Fingernägel und zotige Witze) ekeln. sie sei dazu noch nicht weit genug. Das Bild zeigt deutlich Möglichkeiten. eine Wiese.1. Sie sitzen nebeneinander auf der Couch und haben die Mundharmonika zwischen sich liegen. mit dieser Aufgabe lassen wir sie eine Weile allein im Raum und warten.1. Sitzung (21. Traurigkeit (Melodie „Die alte Kapelle“ auf der Mundharmonika. sie solle sich zusammenreißen etc. _________________________________________________ 13./S. Damit endet die Therapie. sei das Gefühl bzw. obwohl sie einen habe malen wollen. nachdem sie die Traurigkeit zulassen könne.2. doch ihr Mann nehme sie ihr immer wieder weg. 168): Frau N. 175): Es ist die letzte Musiktherapiesitzung vor der Entlassung aus der Klinik. was sie mitnimmt und was sie hier lässt. die Schale steht zwischen ihnen./S. danach holt Frau N. malt (mit Fingerfarben) zum 2. auch die Aggressionen anzunehmen. dass er. die das verhindert hätten. ___________________________________________________________________________ 12. dann hätte sie aber nicht mit dem Boot bei den Steinen ans Ufer gehen und der Gefahr ausweichen können. aber dazu ihre Bedingungen und Wünsche formulieren solle. die Erfahrung. In der jetzigen Therapiephase sei es wichtig. Thema Abschiednehmen.1. sondern legt sie neben sich. 164): Auf Wunsch der Patientin eine Einzelsitzung. keinen Berg (!). Wir spielen alle Gefühle des Zauberspruchs. was sie sich von ihm wünsche. ___________________________________________________________________________ 3. Was sie mitnimmt. Letztere legt sie nicht in die Klangschale (Klangschale gleich Krankheit). mit der Therapeutin ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen und eine psychotherapeutische Weiterbehandlung anzustreben. die er ihr nicht zu geben gelernt habe. später kommt ihr Mann in der Sitzung dazu und setzt sich ihr gegenüber. ein Kanu. Musikmalen (15.1./S./S. Frau N. Kummer (Plastikrassel). Ich lade sie ein. Ich gebe ihr zum Schluss der Sitzung die Mundharmonika mit. Satz der 6. Ich sage.. die Schale beiseite zu schaffen. bis sie uns wieder herein holt. zum Thema Freude. Vorschlag meinerseits: zu sagen.

3. wie der therapeutische Prozess zwischen Themen aus dem Bereich der Emotionalität und des Beziehungsgeschehens hin. aus klagendem Kreislauf wird eine richtige Melodie 7. Malen froher Kreis von Gefühlen in schwarzem Kasten. Wildwasserfuß. Musik. MusikMalen 12. Boot. Abgrenzung gegen Mitpatientinnen Mut gegenüber der Ärztin Rassel Rassel Mundharmonika Trommel Ekel gegenüber Ehemann. Hoffnung. 9. Angst vor Entlassung 2.und herpendelt. 3. kein Berg gemeinsame Sitzung mit dem Ehemann Klanghölzer Schwäche zeigen.: 1. Traurigkeit. erotische Wünsche (Integration von emotionaler und sozialer Thematik) Alle Instrumente in der Klangschale 120 .Herzschmerzen. Unterschiedliche Instrumente dienen hierbei als emotionale Katalysatoren. 4. kein Sex. Sitzung Nr. „ich kann nicht wütend sein“. 2. Lied mit der Mundharmonika Wut spielen erheitert 11. Neue Zugänge zur Emotionalität ermöglichen Veränderungen auf dem Gebiet der Beziehungsgestaltung. Bedürfnisse äußern. Erlebnisse mit dem prügelnden Vater Trommel 1. Musik.Die nachfolgende Übersicht zeigt. Sehnsucht nach Liebe Angst Ereignisse im Bereich der Emotionalität „ich möchte aus mir herauskommen können“ Lebensfreude als Ziel klagendes Mädchen am Abgrund Ereignisse im Bereich der Beziehungen Musikinstrument Mundharmonika Kontakt zum Ehemann: „zurückziehen und einen kleinen Schubs von hinten“ Klanghölzer Ehebeziehung: Alkohol. Wiese.„Ein Meer von Traurigkeit“ Malen 10. mit „Schwänzchen“ 6. 5. 8.

Hans Hermann Wickel (Hrsg. die über einen Zeitraum von 2 Monaten einzel. Zum Behandlungsprinzip des Autors gehört. „gemeinsam einen Behandlungsauftrag schon im ersten Vorgespräch miteinander zu entwickeln“ .“ In ihrer langjährigen Praxis an der psychosomatischen Klinik in Bad Saulgau hat sie festgestellt.und gruppentherapeutisch behandelt wurde. Die musiktherapeutische Behandlung bezieht sich dabei auf eine 62-jährige Patientin. „dass eine Depression für sich alleine nicht behandelbar sei.und Beziehungsschwierigkeiten“ bei depressiven Patienten hält auch Cornelia Tonn (Musiktherapeutische Umschau 2003. die häufig mit der Unfähigkeit einhergeht. Isolierung. In Anlehnung an Yalom folgt sie der These. Neid und Schuldgefühle Realitätsflucht Rücksichtnahme und unterdrückte Selbstbehauptung Kontaktvermeidung Markus Münsterteicher: Musiktherapie mit einer depressiven Patientin. insbesondere der freien Improvisation.„Aufgrund der oft massiven Kontakt. Unterwürfigkeit. 168-176 Es geht dem Autor darum. die das Risiko des Scheiterns und der Enttäuschung in sich birgt. in dem sie ihre psychosozialen Prozesse autonom gestalten können. „schmerzliche Situationen hilflos zu ertragen und eine aktive Bewältigung ihrer Situation. Abhängigkeit. von vornherein eher zu vermeiden“ (126). Nun sollen sie einen Raum erleben. 121 . dass sich in den musiktherapeutischen Gruppen mit Frauen „depressionsspezifische Themen“ zeigen die besonders sinnvoll mit musiktherapeutischen Mitteln. Er sieht darin „den Vorteil. 120-133) Gruppenmusiktherapie für „in der Regel indiziert“ (122). Sie war zu dieser Zeit Patientin der gerontopsychiatrischen Abteilung einer psychiatrischen Landesklinik und bereits das dritte Mal wegen einer depressiven Erkrankung in Behandlung (168). 2001. sich abzugrenzen und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen“ (125). bearbeitet werden können: - - - - Leistungsorientierung Aggression und Aggressionshemmung Außenorientierung „Die Fähigkeit zu verschmelzender Einfühlung in die tatsächlichen oder vermeintlichen Ansprüche und Gefühle des Anderen. Harmoniestreben Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein „Depressive haben gelernt. Yalom übersetzt den Begriff ‚Depression’ in ihre interpersonalen Elemente: Passivität. Verlässlichkeit und Überprüfbarkeit der Patientin gegenüber zu gewährleisten (169) Außerdem würden die Patienten in der Klinik nur allzu oft erfahren. Überempfindlichkeit gegenüber Trennung und Unfähigkeit. „dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird“ (170). Münster: Lit. Bedürftigkeit „Hinter dem scheinbaren Altruismus depressiver Patienten stehen unbewusste überhöhte Erwartungen an die Umwelt gegenüber“ (127). in: Rosemarie Tüpker. Wut auszudrücken.): Musik bis ins hohe Alter. musiktherapeutische Prozesse und Behandlungsmethoden vorzustellen und an einer konkreten Behandlungssituation beispielhaft zu verdeutlichen und zu erklären.

das Ausblenden von eigenen Erfolgen oder Fortschritten (Leistungen. die aber ihre starre Eingebundenheit zu Gunsten flexibler gehandhabter Rhythmik verändert.und Volksliedern. Verändertes Zeiterleben: dass die Musiktherapiesitzung so schnell um sei (174) auch Spaß taucht auf (175) Lebensthemen: Zu Anfang gilt ihre Sorge „fast ausschließlich der Sorge um ihren Ehemann. Variationen und größere Melodiebögen enthält.. weil man ihre depressive Stimmungslage nicht sieht. Sie wählte die Harfe. akkordisch und ruhig“ das Spiel der Patientin untermalt. . bei der Abschiedsimprovisation am Xylophon gleichbleibende Struktur. das Spiel der Patientin kommt ihm wie ein „Festhalten an einer Idee“ vor. für die es aber keine physische Erklärung gibt. neue musikalische Ideen: z.(176) Emotionen: Über sich selbst sagt sie: „Ich muss immer weinen und weiß nicht warum .Musikalisches Verhalten Die erste Improvisation über spielt sie auf dem Xylophon durchgängig denselben Rhythmus: (170) Therapeut spielt dazu auf dem Klavier stützend und „Halt gebend“. stattdessen thematisiert sie somatische Beschwerden: Schmerz im linken Arm. der zu respektieren ist (172). fällt ihr schwer. Kindheitserinnerungen Szenen aus Kindheit und Jugend werden zur Musik assoziiert. als er sie durch größere Melodiebögen und vielseitigere Motive zu musikalischer Weiterentwicklung animieren wollte. was aber bei der Patientin nicht verfing (171). Indem sie sich für die Harfe entschied. ohne dass von Schmerzen im linken Arm die Rede ist.. der „ohne sie zu Hause zurecht käme“ (169). der die eigentlichen Probleme „nur sehr oberflächlich berührt“. 173).B.“ (169). Harfe mit Schlägeln spielen anderen Instrumente Das starre Motiv wird flexibler ausgeführt. wohingegen die Schmerzen im Arm ihr Ausdruck verleihen. 122 . die ganze Improvisation über an einer Idee festzuhalten zeigt sie auch in der zweiten Sitzung. Mit der Harfe in der zweiten Improvisation findet sie eine Möglichkeit.. dennoch aber für die Patientin wichtig ist. Der Autor versteht die als „Nebenschauplatz“. über Gefühle und inneres Erleben zu sprechen. Die Abschlussimprovisation findet wieder am Xylophon statt. dass der Therapeut Mühe hatte. Während der weiteren Sitzungen: Das musikalische Prinzip. indem er „langsam.. es erklingen Melodiefragmente aus Kinder. „ihre körperlichen Schmerzen nicht zum Handicap werden zu lassen. entschied sie sich für den Umgang mit ihrem Leiden. sie nicht zu übertönen (vgl. die sie beim Ausrichten des Geburtstags ihres Ehemannes vollbracht hat (174). von dem sie sich auch nicht abbringen lässt. und spielte sie so leise. Beim Spielen waren die Schmerzen nun kein Thema mehr“ (173). „unvollständig verarbeitete Tod der Mutter und häusliche Konflikte“ (174).

123 . die an depressionsähnlichen Symptomen litten. dass Stress einen Mechanismus auslösen kann. Umgekehrt stellten die Wissenschaftler fest. „Der Zustand von Mäusen. Daraus schließen sie. 14).“ wobei es allerdings „auch auf weitere Faktoren“ ankommt. wenn man ihnen Substanzen verabreichte. die die Aktivität des Gens erhöhten.Ein Forscherteam am Centre Hospitalier Université Laval in Quebec hat ein Gen („P2RX7“) identifiziert. dass Stresshormone die aktivität von P2RX7 reduzieren. dessen Inaktivität sie für die Auslösung schwerer Depressionen verantwortlich machen. der Depressionen zur Folge hat. „wie etwa Umwelteinflüsse oder die Lebensumstände“ (Bild der Wissenschaft 11 / 2006. verbesserten sich erheblich.

231 ff). 222 ff. Bei musikogener Regression fühlt man sich verstanden und aufgehoben vor und jenseits des sprachlichen Begriffs. 25). 247). den eigenen psychischen und physischen Zusammenbruch. 1985. Die Psychodynamik der Sucht ist zwanghafte Regression mit der Folge der Auflösung der Ich-Funktionen. 85. Stoffwechsel. hinwegtäuschen. Kompensation struktu124 . indem er den Glückszustand gelungener Symbiose im erneuten Rausch erlebt. indem sie am Ende die Rauschwirkung entzieht und den Süchtigen sich selbst überlässt. Verdauung. erzählt Märchen und Phantasiegeschichten (etwa Haschisch oder LSD).und Atemfrequenz. wie sich der Säugling einer guten Mutter. bis sein Denken und Handeln schließlich nur noch um die Droge kreist.3 Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen Eine Abhängigkeitserkrankung liegt vor. galvanischer Hautwiderstand. 2000. 45. Einschränkung der Ich-Funktion. sie ermuntert.) fixiert. & Bernatzki. 1994. Blutdruck. Hormonhaushalt. 1978. Heroin) oder sie wiegt in Träumen. Scheytt. Auerbach. Auch die Droge kann die frühe Mutterbeziehung symbolisieren: Sie bietet Trost. „die die Voraussetzung zur Suchtentwicklung darstellen. verlangt der Regredierende von der Droge wie von der Musik. 1994. sondern auch bei Klassikfans: Die Rauschfunktionen von Wagner-Opern werde in den „sich immer wieder erhebenden Entrüstungsstürmen bei zeitgemäßen Neugestaltungen“ deutlich. wenn die Person sich zwanghaft auf die unablässige Einnahme eines Stoffes oder die Wiederholung bestimmter Handlungen (spielen. Ewers. Liedtke. So wird kurzzeitig im Rauscherlebnis der existentielle Mangel aufgehoben „die Sehnsucht nach Verschmelzung der Gegensätze und der Gegenüber“ gestillt. Jourdain. Der Abhängige sucht diesen Ort frühen seelischen Geschehens immer wieder auf. 162) gesehen. 1975. B. Auch das Musikerleben ist mit Regression verbunden und basiert auf Projektion und Identifikation (Klausmeier. Unterdessen verarmt sein Wirklichkeitsbezug immer mehr. die Wünsche werden erfüllt. was sich in psychophysischer Resonanz bemerkbar macht (vgl. das „Absolute“ verwirklicht „ohne Weg dorthin" (Dörner. 2002. Die Krankheitsursache wird in „frühen Störungen der mitmenschlichen Kommunikation“ (Tölle.und postnatale Mutter-Kind-Symbiose re-inszeniert. 25). unter denen sich „Urvertrauen in diese Welt“ nicht entwickeln konnte (Jores. Auch in anderer Weise ist die Droge „Mutterersatz“: Sie re-inszeniert traumatische Verletzungen. sucht das Verlassenheitstrauma zu überwinden. Alkohol). die das Zusammenleben mit anderen Menschen bringt. 1981. um letztendlich doch wiederum dem Trauma ausgesetzt zu sein und so fort. der Abhängigkeit von Musik nicht nur bei Hörern von populärer Musik. Müller. so kann sich der Konsument der Droge überlassen: Ihre Wirkung tritt zuverlässig ein. die Protestierenden fühlten sich „des Wiedererkennungswertes. ohne damit aufhören zu können. Spitzer. da sie eine Art von Gefühlsersatz zu bieten vermag. indem man sich in eine musikalische Welt illusionären Verständnisses flüchtet“ (ebd. ohne sich dem entziehen zu können. Klang. dass sich im nichtsprachlichen Melodie-. Die Wirksamkeit der Musiktherapie bei Suchtkranken resultiert aus der Tatsache. beraubt“ (1982. 32 ff. So könne man sich etwa „über Probleme.7. 1998.30). essen. 86). Haselauer. sie erlebt dabei den Verlust sozialer Bindungen. Panksepp. „Musik ist Mutterersatz“ (Rotter. Koelsch 2005). Status des Immunsystems und anderes verändern sich (vgl. Musik erfüllt die Kriterien.und Rhythmusereignis der Musik die frühe prä. 1984. Wie die intrauterine Flüssigkeit oder die zärtlichen Berührungen der Mutterhände umgibt und stimuliert Klang als vibrierende Luft die Haut und dringt wie nahrhafte Muttermilch ins Innere des Menschen. 32). 1994. dem sie ihr erhebendes Gefühl verdanken. wie sie eine gute Mutter bietet. 1985. Muskelpotentiale. 1998. Pulsschlag. Claudia Schumann sieht die Gefahr der Sucht. 1984. 1982. Bolin. Verlässlichkeit. 219ff. 1983. sie gibt das Gefühl von Wärme und Geborgenheit (z. Neugebauer. Aber auch bei der Musikausübung kann es zu suchtähnlichem Verhalten kommen. befreit von Angst (z. 1986. Willms. die Sehnsucht gestillt. spornt an und bestätigt (Kokain und Ecstasy). B. nämlich: Regression in den primären Zustand. arbeiten etc.

Willms. Die dabei erlebten Gefühle von Schmerz. den Gefühls. 1975. Musiktherapie wird in diesem Kontext relativ selten praktiziert. Angst und Wut. In Anlehnung an Kayser wird ein „Akkordbad“ empfohlen. Adressaten dieses Behandlungsangebotes können auch Angehörige von Suchtkranken sein. (vgl. Verhaltenstherapie und systemische Therapie (Fuchtmann 1994. um dann auf Grundlage eines Behandlungsvertrages. Haselauer. 149). sich zur Entgiftung entschließt. die sonst mit Hilfe der Droge umgangen wurden. psychedelischer Musikbegleitung vor. um mit anderen Rockmusik zu machen.T. ein Instrument zu erlernen. durch die der Patient in Kontakt zu frühen Traumata kommt. 26) wehrt der Säugling in seinem Schreien ab und verändert damit die ihn umgebende und beunruhigende Umwelt. während welcher der Klient Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnimmt. Dabei wird gezielt die regressionsfördernde Qualität des Musikerlebens eingesetzt. „Gute Prognosen“ sprechen Schmidtbauer/vom Scheidt „Konsumenten von Cannabis und anderen auch stärkeren Halluzinogenen (LSD.reller Mängel durch narzisstische Ersatzbefriedigung“ (Frohne. Aus dieser wesensmäßigen Spezifik des Musikerlebens wurden musiktherapeutische Vorgehensweisen abgeleitet. 197 ff. Dabei werde Musikmachen als Möglichkeit entdeckt. „den Kick“ zu 125 . Meskalin)“ bei ambulanter Therapie zu. durch Musik unterstützte Meditation lasse sich „verhältnismäßig rasch ein Ausgleich für den Verzicht auf die Räusche schaffen“ (1981. die i. später auch elektronische Musik oder Aufnahmen mit Naturgeräuschen eingespielt. 539). Dennoch ist sie in ihrer psychotropen Wirksamkeit der Droge nicht vergleichbar. 75 ff). obwohl die in der Literatur berichteten Praxisbeispiele positive Wirkungen aufzeigen.und Meditationsübungen werden leise Zen-Meditationsmusik. mit denen er sich gestärkt und motiviert der ihn umgebenden Wirklichkeit zuwendet (vgl.und Gruppenarbeit.und Triebbereich direkt ansprechenden Methoden“. wie z. sondern ebenfalls auf frühen Trennungserfahrungen: Geräuschangst gegenüber der akustischen Umgebung (vgl.B. Zur Anwendung kommen psychoanalytische Therapie. sie ermöglicht Regression im „Sinne vorübergehender Rekreation“. Während Entspannungs. 89). 1978. deren unterschwellige Wirkung den Vorgang der Entspannung und Versenkung verstärken sollen. „wenn die Persönlichkeit noch nicht zu sehr verändert ist. Der entscheidende Unterschied liegt in dem ihr innewohnenden Appell an die Ich-Funktionen.169 und 179) und Hartgenbusch (1993).“ Durch die „Arbeit mit Träumen und anderen. Edda Klessmann schlägt als Therapiemöglichkeit bei jüngeren Drogenabhängigen in Erziehungs. Ideen oder Visionen erhält. jedoch in anderer Art als die Droge. in denen „Tiefenentspannung durch Musikhören" praktiziert wird. Das zunächst lockere Spiel lasse bei immer mehr Leuten den Wunsch entstehen. wie die Droge. die zunehmend in der Arbeit mit Suchtkranken angewandt werden. Neben solchen rezeptiven Arbeitsweisen finden wir Hinweise auf aktive Musiktherapie bei Marx (1985. 1986. gestaltet. sondern auch den in die Progression. Musiktherapie in der ambulanten Suchtkrankenberatung und –behandlung Ambulante Behandlung Suchtkranker setzt nach einer intensiven Beratungsarbeit ein (Motivationsphase).401). stationär erfolgt. bei der der Mensch neue Kräfte sammelt. Hamel 1976. zu lernen. Auch das Musikerleben reinszeniert frühe Traumata. bearbeitet und integriert werden. 1985. Peter Michael Hamel berichtet von Gruppen des Würzburger Klarinettisten und Psychotherapeuten Ernst Flackus. a. Akustische Erfahrung basiert nämlich nicht nur auf frühen Verschmelzungszuständen mit der Mutter. sie öffnet nicht nur den Weg in die Regression. Smeijsters 1994. suchtmittelfrei zu leben.und Beratungsstellen katathymes Bilderleben mit z. 29. 246). können jetzt in gemeinsamer Improvisation und verbaler Reflexion erlebt. Es besteht aus Einzel. dessen regelmäßiger Genuss tief angelegte libidonöse Mangelerfahrungen auszugleichen vermöge (vgl.

2001.finden ohne Droge. der „Gruppe mit ihren speziellen Gruppenstrukturen. ästhetisches und konsumtives Verhalten kann sich neu organisieren (1985. Neben solchen sozialpädagogisch orientierten Ansätzen. meist depressive Persönlichkeitsanteile abzuwehren. Auch Haardt und Klemm (1982) arbeiten in ihrer ambulanten Therapie mit Suchtkranken auf der Grundlage musikalischer Improvisation. um eigene. Dentler 1993. sowie dem Thema. 4) und die Bereitschaft.oder Einzelsetting als integrierter Bestandteil der Gesprächstherapie. Musiktherapie geschieht je nach Therapieverlauf im Gruppen. Dabei werden durch Schreien Gefühle aktiviert und frühe traumatische Lebenssituationen aktualisiert. wird zunächst musikalisch und als symbolhaftes Handeln für Änderungen im Alltag gelernt. Bei vielen sei diese Erfahrung „so sensationell. Bedürfnissen und Schwierigkeiten“. sich mit der eigenen Sozialisation auseinander zu setzen und das Alltagsleben bedürfnisgerecht zu gestalten. 159 f). die durch sie aktualisierten Konflikte und Lebensprozesse beinhaltet. auch Barthel & Fierlings 1985. eine stationäre Entwöhnungsbehandlung aufzunehmen. Durch gemeinsames Musizieren können die Kinder neue soziale Erfahrungen machen. 132f. Die regredierende Person wird von der Gruppe musikalisch begleitet. Die Arbeit wendet sich gleichermaßen an Suchtkranke wie an deren Angehörige und Familien. stehen tiefenpsychologisch orientierte Arbeiten. Hartgenbusch 1993.bzw. ihren Gruppenprozessen“. wobei die Aufmerksamkeit aller Beteiligten in der Balance zwischen „der Einzelperson mit ihren Gedanken. vgl. bei denen die Betroffenen quasi „einen gesunden Ersatz für die Drogen" und zugleich ein „Lernfeld für das Leben ohne Drogen“ (Butzko 1979. 2006a und b. Sie verbinden bei ihrer Arbeitsweise Improvisation mit Gruppenkompositionen (Haardt & Klemm 1982. entsprechende Fallbeispiele bei Kapteina & Hörtreiter 1993. emotionaltherapeutisch orientierten Prozessen nach Cassriel (1975). dass sie ihre Drogenproblematik u. Der Ausstieg aus der Sucht bei einem Familienmitglied hat eine Umstrukturierung des gesamten Familiensystems zur Konsequenz. wird mit 50% angegeben (Merkt 1986. mit Instrumenten oder der Stimme. gestalttherapeutischen Übungen und primär. dem Wir.und Behandlungsstelle. Die Musiktherapie ist eingebunden in den Gesamtplan der Beratungsstelle. Häufig wird aktiver Musikpraxis suchtpräventive Bedeutung zugesprochen. die ihnen sinnvoll erscheint: Das Vermögen. 148) kennen lernen. akzeptable Lösungen in konfliktbesetzten Sozialbeziehungen zu finden. 29). 85. und auch wieder aus dem erreichten Ausnahmezustand herausgeführt (vgl. wächst bei dieser Arbeit nachweislich (Butzko 1979. RockmusikPraxis wirke auf gefährdete Jugendliche „stabilisierend und befriedigend". die Abstand von der Drogenszene nehmen und den Entschluss fassen. 21 ff). die den Suchtkranken brauchen. die von ambulanten Hilfsangeboten naturgemäß besser begleitet werden kann als von stationären. 139f und 141 t) Bei diesem Konzept werden die Möglichkeiten des Musikmalens besonders genutzt. Gefühlen.158. 126 . Kapteina & Hörtreiter dokumentieren in ihrem Buch „Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken“ langjährige musiktherapeutische Erfahrungen in einer Suchtkranken Beratungs. dabei gelten die Partnerinnen von Suchtkranken als gleichermaßen schwer belastete Personen. poststationäre sowie präventive Behandlungsphasen umfasst. den die Gruppenmitglieder aufgrund ihrer gemeinsamen psychosozialen Erfahrungen in einer Weise eingrenzen. Der Anteil derer. nach dem Prinzip der Themenzentrierten Interaktion (Cohn 1975). insbesondere beim Malen nach Musik können sie belastende Erfahrungen in ihren Bilddarstellungen verarbeiten. dem Ich. Harald Butzko folgt in seiner Behandlung dem Prinzip der freien Gruppenimprovisation als eines regulationsfreien Erfahrungsraumes.) oder Isabelle Frohne & Maria-Magdalena Maack (1976). fördere „Beständigkeit und Initiative" und trage zur Entwicklung sozialer Kompetenz bei (Fey 1993. gestalttherapeutisch inspirierte Therapie mit Suchtkranken bei Fritz Hegi (1986. geregelt kriegen" (161).U. das hier die Musik bzw. Kapteina und Kröger (2004) beschreiben eine musiktherapeutische Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien.

Der Süchtige kann nicht genießen. als nur der Musik zuzuhören und zu genießen und dabei das internalisierte Verbot des genussvollen Müßiggangs bewusst für sich aufheben. 49). dass im Unterricht Musik praktiziert wird. außerschulischen Lernsituationen entwickelt wurde. in der sich die Person als Ganzes erlebt (vgl. für sich selbst herausfinden. Küntzel-Hansen (1993). ästhetische und emotionale Bedürfnisse autonom zu befriedigen. Friedemann (1971. 1987. die erfahrene Wertschätzung und Anerkennung in der Gruppe und von Seiten des Publikums und die Genugtuung darüber. in der Lebensfreude. die in der Lage ist. beim Kapitel Musiktherapie bei Abhängigkeitserkrankungen) Musiktherapie in der Stationären Behandlung von Suchtkranken 127 . hebt hervor. Dentler. bei dem eine übergreifende musikpädagogische Konzeption für alle denkbaren schulischen. 2006 a und b). Anselm Ernst fordert. Fähigkeit zur sozialen Kommunikation. der mit delinquenten und gewaltbereiten Jugendlichen gearbeitet hat. Von 1983 bis 1989 führte Christoph Schwabe an der Hochschule für Musik „Karl Maria von Weber“ in Dresden ein Forschungsprojekt durch. Genuss zu lernen ist folglich auch Gegenstand der Suchtprävention. bei der rezeptive Verfahren mit Bewegungsimprovisationen verbunden werden (2003). 1973. bei der alle Beteiligten von Musik als einem Ereignis sprechen. sich ihr uneingeschränkt zuwenden. 1989). Fähigkeit zum differenzierten Umgang mit Emotionalität und Fähigkeit zur spontanen und ausdauernden Handlungsfähigkeit“ (Schwabe & Rudloff 1997. welche Musik einem gut tut. ob mit jugendlichen Aussiedlern. die über den musikpädagogischen Prozess gefördert werden sollen. Die vier „psychischen Eigenschaften“.Arnold beschreibt eine ambulante Musik. Wahl 1987. Genuss und Ekstase ohne Drogen möglich sind (Kapteina 1994). Auch der Musikunterricht in der Schule kann sich die „Erweiterung und Vertiefung des Erlebens und Wahrnehmens“ sowie „der ästhetischen Genussfähigkeit“ zum Ziel setzen. nicht „nebenbei" hören. aber auch von Schädigungen und frühem Verschleiß stellen zu können“. Meyer-Denkmann (1970. Schwabe (1992). ohne auf den allgemeinen Musikgeschmack zu achten. ob in der Justiz-Vollzugsanstalt. sind „Fähigkeit zum differenzierten Wahrnehmen.1983). dass die Rolle des Pädagogen und Therapeuten darin bestehen. 32.Merkt 1984. entfalten offensichtlich die Perspektive. Holthaus (1993). einmal nichts weiter zu tun. Man solle sich der Erfahrung des Klanggeschehens überlassen. wenn sie auf ihn zukommen. Als Alternative zum Konsum gilt neben der Eigenaktivität die aktive Aneignung genießenden Hörens. In diesem Zusammenhang kann auch das Entspannungstraining nach Christoph Schwabe Anwendung finden (1987). Peter. suchtmittelfrei oder zumindest von Suchtmitteln unabhängig zu leben. Man solle sich „Zeit schaffen und Zeit lassen“ zum Hören. Als Zielbestimmung dieser„musikalischen Elementarerziehung" wird die „stabile und ‚reiche’ Persönlichkeit angegeben. (Literatur: Mthp. Rieger 1992. dass es lohnend erscheint.27). ohne auf die Konsumartikel der Musikindustrie angewiesen zu sein. sich Anforderungen und Belastungen ohne Gefahr von Behinderungen. 1982. 29. Seidel (1976). Pleiner & Müller 1997. ob in Kinderheimen oder Jugendhäusern: Das kathartische Ausagieren intensiver aggressiver und lebensbejahender Gefühle in Lautstärke und Rhythmus. das sie persönlich angeht. Lutz (1987) schlägt eine „Kleine Schule des Genießens“ für das Musikhören vor. Geplantes pädagogisches Vorgehen lässt den Prozess von Vornherein scheitern (2001. sich die Erlaubnis geben. ebenfalls Pütz 1987.und Tanztherapie. dass die Lehrenden eine Unterrichtsatmosphäre schaffen. Anregungen und Materialien für solch ganzheitlichen Musikunterricht sind bei Auerbach (1971). Des weiteren solle man sich bewusst Ruhephasen im Alltag schaffen für diesen Musikgenuss und unter der Masse der Genussmöglichkeiten einiges wenige aussuchen. 21. Suchtprävention bedeutet hierbei. Tischler (1990) und anderen zu finden. 1972). den Jugendlichen den Zugang zu Instrumenten und Probenraum zu ermöglichen und sie zu beraten.

154f). Die Skepsis. Es orientiert sich an der bewussten Einbindung musikalischer Erfahrungen in das therapeutische Milieu der Suchtstation mit dem Ziel ästhetischen Genuss anstelle von süchtigem Konsum zu stellen. je länger sie aktiv musizieren.und Auffassungsvermögens. wobei die Musikerfahrung „Ersatzbefriedigung gegenüber der Droge" vermitteln solle (92. Bei diesem aktiven Musizieren sei die emotionale Beteiligung sehr groß. 201 ff). sieht Munderloh durch seine therapeutischen Erfahrungen nicht bestätigt. zumal bestimmte Musikarten mit Orten und Situationen assoziiert werden können. Erweiterung des Interessenhorizontes. Aggression oder Trauer" aufbrechen. auch Formann-Radl & Kryspin-Exner. wie Depression oder Angst mitbehandelt. Schulz. Förderung der Fähigkeit zur Teilnahme an einem echten Leistungswettbewerb. desto eher beginnen.und kulturpädagogische Zielstellungen im Vordergrund. wobei die Mitarbeiter zuweilen auch die Musikauswahl vornehmen (vgl. Wolfgang Munderloh berichtet über die Wirksamkeit von Rockmusik-Praxis in der Therapie mit Drogenabhängigen. die das Angebot der Qualifizierten Entgiftung hilfreich begleiten. der als Gegenentwurf zur Praxis des Drogenkonsums zu sehen“ sei. Die Anwendung rezeptiver Musiktherapie-Verfahren ist umstritten. Bullinger & Will. Aufbau mitmenschlicher Kontakte. 1971.und Verantwortungsbewusstseins. ein Instrument zu spielen und sich musikalisch auszudrücken aufgegriffen. In den psychiatrischen Klinken kommt es in Abeilungen für stationäre Entgiftung i. Der unkontrollierte individuelle Konsum von Musik über private Abspielgeräte wird untersagt. 1981. so dass psychotherapeutisch ausgerichtete Maßnahmen selten angezeigt sind. Ein Konzept für den Einsatz von musikalischen Erfahrungsmöglichkeiten. Blueskadenzen und Rockriffs ermöglichen schon bei relativ geringem Instrumentalkönnen Erfolge im Zusammenspiel. Musikmalen. Rollenspiel und Musiktheater. 58. Anregung zur Mit.B. dass in 41% der stationären Einrichtungen Musiktherapie vertreten ist (Mehlmann 2000). Das Handlungsrepertoire besteht aus „Musik hören. 88 f). 1982. Steigerung der Lern.Eine nicht repräsentative Untersuchung aus dem Jahre 2000 bei 25 Fachkliniken und Suchtabteilungen in Landeskliniken ergab. 101. 5). 141 f. Vielmehr würden die Jugendlichen. bei Doris Sondermann beschrieben (2003. Singen und Tanzen in therapeutischen Gruppen zur Anwendung. Damit werde der Wunsch vieler Jugendlicher. vgl. Auch in anderen Kliniken darf Musik nur im Aufenthaltsraum gehört werden. auch Breitenfeld. Deshalb muss die 128 . Rothenbacher & Truöl.und Selbstgestaltung sowie Förderung der Wissensbildung“ bei Formann-Radl & Kryspin-Exner (1976. zu sehr kurzen Therapieaufenthalten. langfristige Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln (vgl. die unmittelbar mit der Suchterfahrung zusammenhängen. Verbesserung des Konzentrations. wodurch Rückfallängste und -phantasien ausgelöst werden können. Mobilisierung des Pflicht. 101). wird bei Kapteina (2004.“ Große Lautstärke und Rhythmus erzeugen eine Art „High-Zustand. Längere musiktherapeutische Behandlungen in psychiatrischen Kliniken sind möglich. Statt dessen kommen Musikzeiten für die gesamte Station und Hörübungen. 1977.“ Es soll das Gemeinschaftserlebnis fördern und zum Gespräch über persönliche Probleme anregen (v. Roth. Ärger.und Merkfähigkeit. Improvisation. 1993. wenn Doppeldiagnosen vorliegen. so dass „Gefühle wie Wut. auch Lecourt 1979. durch Rockmusik-Praxis werde die Rückfallgefahr erhöht. wie etwa „Erziehung zur Selbstdisziplin. 1981. gemeinsamem Singen und Musizieren. Vermittlung von Gemeinschaftserlebnissen. die bis dahin oft mühsam mit den Rauschmitteln unterdrückt oder reguliert wurden. Hinsichtlich der therapeutischen Ausrichtung stehen bis etwa Mitte der 1980er Jahre eher freizeit. 91).“ Das aktive Musikzieren biete besondere Möglichkeiten. Hinführung zu kultureller Tätigkeit. „Spannungen zu entladen und den Stimmungen Ausdruck zu verleihen. Dann werden Abhängigkeitsstörungen im Zusammenhang mit anderen Diagnosen. Stattdessen werden die Patienten zur aktiven Teilnahme an der Musikkultur und zu eigenem musikalischen Ausdruck ermutigt. 255 ff) beschrieben.a. kann sich doch im Hörerlebnis süchtiges Konsumverhalten wiederholen. 1976. wie z.

Arnold 2003). etc sowie Instrumentenwahl und die Gestaltung von Anfang und Ende der Improvisation. Malaktionen. In der Musiktherapie stehen die Entwicklung von Phantasie und Aktivität. B. auf Nachspielen z. 175 f). Bei Schwabe wird zusätzlich zur instrumentalen Improvisation in der Gruppe jeweils einmal pro Woche Bewegungsimprovisation nach „klassischer" Musik als musiktherapeutische Intensivtherapie sowie einmal pro Woche Gruppensingtherapie als Training geselligen Miteinanders ohne Droge empfohlen (vgl. Sie ist eingebunden in ein psychotherapeutisches Konzept. Ursula Jetter (1986. Fritz Hegi hebt für seine Musiktherapie in einer Drogenklinik hervor. Bei Klaus Finkel wird die Verbindung von Musikimprovisation und Psychodrama dargestellt (1979. 1981). sich ohne Drogen auf Gefühle und Beziehungen einlassen zu müssen. oder bei der Kombination mit instrumentaler (vgl.. wie etwa bei Purdon & Hutschenreuter (1983). Ihre Hauptmethode ist die musikalische Improvisation. das sich ausschließlich auf nonverbale Methoden stützt: Autogenes Training. a. das neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und sozialem Kontext enthält (vgl. Pausen. 211 ff. die das suchtspezifische Verhalten bestätigt und den Musiktherapeuten zum „Dealer“ macht (vgl. 193). 1991) verknüpft sie mit musikalischem und szenischem Rollenspiel. die Bullinger & Will dokumentieren noch eher als freizeitpädagogische Animation akzentuiert ist . 1986. Konzentrations. Kontaktspielen. Kapteina & Hörtreiter. Stimmungen und Atmosphären. Durch diese vielfältigen Handlungsanreize sollen die Risikobereitschaft gefördert . bei dem Puppen-. 1983. von kleinen Beat-Stücken. dass die Patienten in die angstbesetzte Situation geführt werden. a. 1986. Lautstärke.und Minderwertigkeitsgefühle sowie Zukunftsprojektionen und Verhaltensmodelle im Vordergrund. 228 f. die vom Therapeuten vorgegeben werden. Bewegungsimprovisationen u.und Entspannungsübungen mit Musik. Während die Musiktherapie. mit dynamischen Elementen. Timmermann u. die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten und -bedürfnisse der Patienten berücksichtigt werden und das Prinzip der Improvisation als auf andere Erlebnisbereiche übertragbar und schließlich als Lebensprinzip erfahren werden. anderseits könne sie aber auch zur „Ersatzdroge“ werden. Purdon & Hutschenreuter. Elemente des Psychodramas und verschiedene kunsttherapeutische Verfahren (1985.m. 194 und 199). die musikalischen Beziehung der PatientInnen untereinander sowie auffallende Mi129 . Intensität.Hörerfahrung in ein psychotherapeutisches Setting integriert sein. Struktur und Dynamik.werden.sie basiert auf gemeinsamem Gesang. Beziehungsstörungen. 53 ff u. an Gegensatzpaaren orientiert. 237f. Masken. Zentrale Behandlungsmethode ist die Improvisation nach Spielregeln. Die improvisierte Musik als Drogensubstitut ermögliche einerseits als Verhaltensspiegel neue Orientierung.). 247). tritt mit stärkerer psychotherapeutischer Betonung bei den neueren Therapiekonzepten die freie Improvisation in den Vordergrund.und Affektabfuhr ohne Suchtmittel erlebt" werden (252). die sie situationsgemäß themenorientiert. 1983) oder mit tänzerischer Improvisation (Arnold 2003). das die Patienten zu aktiver Hörhaltung führt. Annette Golomski (2007) beschreibt eine Musiktherapie auf der Akutstation für Suchtpatienten an einem Psychiatrischen Krankenhaus. Außerdem soll „durch musikalische Betätigung aus dem Stegreif Spannungs. Bilderleben. nach vorgegebenen Klangbildern oder Gefühlszuständen oder auch frei gestaltet und im therapeutischen Gruppengespräch reflektiert. emotionale Erlebnisse. nach Spielregeln. Volkstänzen und Improvisation in Verbindung mit bekannten Instrumentalstücken oder über Dreiklängen (vgl. Schuld. Kapteina & Hörtreiter 1993. wie etwa beim Musikmalen (vgl.und Schattenspiel hinzutreten. 1993. Holger Ehrhardt beschreibt die Musiktherapie innerhalb eines Modellversuches an der Abteilung für Abhängigkeitskranke der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin. Prozessuale Diagnostik und Evaluation geschieht über differenzierte Dokumentation „der musikalischen Parameter Tempi. Pfeiffer.

356 und 2005. in sicherem Rahmen „neue Erfahrungen auf sich wirken zu lassen und daran wachsen zu können“ (23). Die Untersuchung einzelner Therapieausschnitte erfolgt „im Stile morphologischer Beschreibungen“ nach dem Anhören von Tonaufzeichnungen anhand von Assoziationen. L. 353). 360 f und Flögel 2005. Begründung. Erstellung und Umsetzung eines wissenschaftlichen Konzepts am Beispiel einer ambulanten Suchtberatungsstelle in Baden Württemberg. Timmermann. 343).und Tanztherapie in der ambulanten Rehabilitation Drogenabhängiger. In dieser soziotherapeutisch ausgerichteten Gruppenarbeit werden die Methoden „Lieder singen. Entspannungsübungen und Instrumentenbau“ angewandt (14). Langenberg.mik und Körperhaltungen.und Kommunikationsregeln“. Zeitschrift für Musik-. wenn sie insbesondere nicht akzeptierte Gefühle zulassen können. Rückfall. Intervalle 4. indem der gesprächstherapeutische Prozess durch musikalische Spiele oder thematisch orientierte Improvisationen zu gerade aktuellen Themen wie z. (1982): Musik als Massendroge unserer Zeit. Kapteina & Hörtreiter beschreiben. Wolfenbüttel: Möseler Auerbach.und Einzeltherapie auf Grundlage der morphologischen Psychologie bei chronisch alkoholkranken Männern mit Korsakow Syndrom. Musikspiele.Musik erleben.und Kunsttherapie. Literatur Arnold. Trotz massiver Gedächtnisstörungen. L. Überhaupt wäre die Ansiedlung der Musiktherapie im stationären Setting zu problematisieren. (1971): Hören lernen .“ Außerdem werden die Themen erfasst. Zum Nachweis solcher Therapieerfolge hat er ein verlaufsdiagnostisches Messinstrument entwickelt. wenn Patienten ihr musikalisches Handlungsspektrum erweitern und differenzieren. 1983) und scheinen in der stationären Suchttherapie entsprechend wenig durchgeführt zu werden. Malen mit Musik. Gedanken.“ die von einer Studentengruppe zusammengetragen werden (121). autonome und sichere Beziehungen aufnehmen und gestalten können (2000. eindeutige. Abschied oder körperlichen Empfindungen etc. rascher Ermüdbarkeit oder „’tröpfelnder’ Motivation“ können eigene Töne der Patienten „als ihr ureigenes“ und „unverwechselbar erlebbare Klangaussage“ erfahren werden und als „Ausgangspunkt für neue seelische Beweglichkeit“ gelten (147). O. dass Musiktherapie auch bei diesem Klientel die Möglichkeit bietet. wenn die Patienten flexible. „Bildern. dass bei auf Instrumenten gemeinsam improvisierter Musik „durch die symbolische Gestaltung musikalischen Materials und musikalisch-improvisatorisches Probehandeln“ „pathologische Affektivität und Beziehungsgestaltung sowohl vermittelt zugänglich als auch vermittelt wandelbar“ werden. auf der „Ebene der Emotionen“. (2003): Musik. Deshalb trage „Instrumentalimprovisation mit dazu bei. Veränderungen während der stationären Therapie in der Klinik für Suchtkranke wie in der forensischen Therapie Abhängigkeitskranker konstatiert er auf der „Symbolebene“. und auf der „Ebene der Beziehungsgestaltung“. Musiktherapie in einem „Wohnheim für chronisch mehrfachbelastete alkoholabhängige Menschen“ beschreibt Anna Maria Unz (2007). 41-48 130 . Leideckers Studie „Klänge der Betäubung“ (2002) dokumentiert musiktherapeutische Gruppen. 357 f. wie Musiktherapie in die psychotherapeutische Gesprächsgruppe integriert werden kann. Mund hebt hervor. B. Bewegung. 232ff). Erinnerungen. das aus einem Patienten-Fragebogen und einem Beurteilungsbogen besteht (2000. „brüchiger Bindung an Spiel. 347 f). Wegen ihrer hohen Effizienz und Wirkungsdynamik sollte sie nicht als Begleittherapie durchgeführt werden. Tanz. vertieft und intensiviert werden kann (1993. 19-31 und 100-117 Auerbach. instrumentale und vokale Improvisation. 1983. Einzeltherapien werden selten beschrieben (vgl. dass der Suchtkranke pathologische Objektbeziehungen zugunsten größerer Autonomie korrigieren kann und die Fähigkeit zur Sublimation“ erwirbt (2000. Tanz. die während der Reflexion aufkommen (9). Nach langer Behandlungszeit wird erkennbar.

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verordnet. Personal) ZWEITE STUFE: “GENUSSTHERAPIE” (ärztl. 30 min.Genießen Lernen . 8. und die dritte Stufe können Patienten nutzen. offene Therapiegruppe. Musik Erleben .und Cotherapeut) “MUSIK UND BEWEGUNG” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Tanzgruppe mit Musik. 5. musikalische Kommunikation in der Gruppe mit Musik. 214) Grundsätze für den genußvollen Umgang mit Musik: 1. 6. 2 x wöchentlich an den neun Kriterien für das genussvolle Musik Erleben orientiert. die aus besonderen Gründen (z. 9. wegen einer Doppeldiagnose) längere Verweildauern haben. als nur der Musik zuhören Das Verbot des genußvollen Müßiggangs aufheben Nicht nebenbei hören Der Wahrnehmung gestatten. was nicht?) Bewußt Ruhephasen für den Genuß von Musik im Alltag schaffen Einiges Wenige aus dem Angebot musikalischer Genussmöglichkeiten auswählen 134 .Runden. mit Musik. 3. 2. sich der Musik uneingeschränkt zuzuwenden Die Eigenschaften der Musik beschreiben Eigene Bewertungskriterien herausfinden (was tut mir gut.40 min. mit thp. 4. die in einen psychotherapeutischen Behandlungsprozess eintreten wollen. die bei einer Verweildauer von maximal 18 Tagen die Entgiftung in einer Suchtstation mit dem Einstieg in eine psychotherapeutische EntwöhnungsBehandlung verbinden wollen. Die Erste Stufe gilt für alle Patienten der Entgiftungsstation und bestimmt das therapeutische Klima der Einrichtung.und Cotherapeut) “SINGTHERAPIE” (1 x wöchentlich verpflichtende Teilnahme an der offenen Singgruppe mit Musik. Lutz 1987. 415) Voraussetzung für musikalischen Genuss ist das Zulassen von Stille (Liedtke 1985.. offene Hörstunden.B. Für diese Form der Entgiftung habe ich im Team der psychiatrischen Abteilung eines Allgemeinkrankenhauses das nebenstehende Konzept einer begleitenden Musiktherapie entwickelt.Suchtverhalten Abbauen Der Unterschied zwischen Sucht und genießendem Verhalten liegt im Wechsel von Askese und Befriedigung (R.Musiktherapie als Element der Qualifizierten Entgiftungstherapie ERSTE STUFE: MILIEUTHERAPIE (Keine Abspielgeräte auf den Zimmern. offene Hörprogramme für die ganze Station 30 . Die zweite Stufe gilt für Patienten. 7. 2-3 x tägl. Zeit Schaffen und Zeit Lassen Nichts anderes tun.und Cotherapeut) Das Angebot der Qualifizierten Entgiftung richtet sich an suchtkranke Patienten.und Cotherapeut) DRITTE STUFE: MUSIKTHERAPIE (Sensibilisierung für Klang und Körpererfahrung. 2-3 x wöchentlich mit einführenden Erläuterungen und kurzen Feedback .

135 f). Das resultiert daraus. wie ältere Menschen im Konzertsaal ein anderes (möglicherweise älteres) Hörgerät verwenden oder den Apparat sogar vollständig ausschalten“ (Herbert Bruhn: Musikalische Entwicklung im Alter.7. Es gibt keine signifikanten Korrelationen zwischen den Ergebnissen von Begabungstests und dem Alter. noch in hohem Alter mit dem Musizieren zu beginnen. dass berichtet wird. Auch die Lernfähigkeit scheint mit dem Alter nicht nachzulassen. „Das Hören von Evergreens aus der Jugendzeit aktiviert signifikant wirksam die Erinnerung an frühere Lebensereignisse“. „In Institutionen für ältere Menschen wie Pflegeheimen und Tagesstätten lässt sich Musik nicht einfach verordnen. 142). Vor Hintergrundmusik ist im Allgemeinen abzuraten“ (ebd. dass die für das Langzeitgedächtnis zuständigen Speicherareale mit den Sinnesorganen verbunden sind.“ Trotz der Möglichkeiten. 143). „Auch der emotionale Gehalt von Musik wird in dieser Gehirneinheit verarbeitet (ebd.). 139). Bei den über 50-Jährigen kann man feststellen. Rhythmus scheint als „motorische Repräsentation“ in einer Art Körper-Gedächtnis unabhängig von gestörten kognitiven Fähigkeiten lange funktionstüchtig zu bleiben (ebd. „ergeben sich Probleme für das Musikhören. obwohl sie bedauerten. „Bei Demenz bleiben die rhythmischen Fähigkeiten bei Musik am längsten erhalten“. 143 f. Der Lernfortschritt übertraf die Erwartungen der Teilnehmer oft.4 Musiktherapie mit alten und demenzkranken Menschen Zum Hören bei älteren Menschen: Mit zunehmendem Alter nimmt die Lautstärkewahrnehmung ab. die als unangenehm empfunden werden“ (ebd. „sondern führt im Gegenteil zu Verzerrungen. „Grundsätzlich spricht nichts dagegen. wenn sie auf den individuellen Musikgeschmack eingehen kann.“ Das hat mit den Hörgewohnheiten zu tun. 134-149. wenn die Teilnehmer daran interessiert sind. Hördefizite mit Hörgeräten auszugleichen. 135 . erst Verstärkeranlagen der letzten zwanzig Jahre geben Musik laut und unverzerrt wieder. Klavierunterricht mit Erwachsenen zwischen 60 und 84 Jahren erwies sich als erfolgreich. obwohl sie schlechter hören. Ein alternder Mensch hat trotz des Nachlassens seines Gehörs eine Präferenz für ein Klangspektrum von Musik. „dass Männer schlechter hören als Frauen. So ist es nicht verwunderlich. „Ältere Menschen hören Musik lieber leiser als jüngere. Musiktherapeutische Umschau 2003. Außerdem gibt es auch physiologische Gründe: höhere Lautstärke verbessert nicht den Höreindruck bei Schwerhörigen.). zu wenig Zeit zum Üben einsetzen zu können“ (ebd. Effekte hat Musik nur. Die Korrektur der Hördefizite mit einem Hörgerät verändert den subjektiven Höreindruck gravierend.

dass durch Musik in der Pflege von an Demenz erkranken alten Menschen Verbesserungen in folgenden Bereichen herbeigeführt werden können: der Beteiligung an musikalischen Aktivitäten überhaupt. 116). Musikhören vermindert das unvermittelte Schreien von dementen Klienten Tägliches Musikhören hat positiven Einfluss auf die Länge und Ruhe des Nachtschlafs zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) Ziele musiktherapeutischen Handelns mit alten Menschen: Emotionale Aktivierung Erinnerungsaktivierung Förderung sozialer Verhaltensweisen und Kommunikation Freude Gedächtnistraining / Realitätsorientierung Musikalische Kreativität / Ausdrucksfähigkeit / Fantasie Steigerung des Selbstwertgefühls Trauerarbeit nach Grümme (1997) zusammengestellt von Herbert Bruhn 2000 (121) 136 . Susanne Landsiedel-Anders: Ein Triptychon: Fallstudie eines schwer dementen Altenheimbewohners. London and Philadelphia 2000. die soziale Kommunikation und das Schlafverhalten Musikhören und aktive Musiktherapie reduzieren zielloses Herumirren und agitiertes Verhalten Das Anhören von ruhiger Musik wirkt beruhigend. den sozial-emotionalen Fähigkeiten. (vgl. Ängstlichkeit und Depression Musiktherapie in Verbindung mit Verhaltenstherapie verbessert die Orientierung.): Music therapy in dementia Care. Brotons: An overview of the Music Therapy Literature Relating to Elderly People. mehr zu sich zu nehmen Musikhören beim Waschen und Baden verzögert den Ausbruch aggressiver Abwehr. 33-62) belegt. agitiertes Reden beim Essen Musikhören beim Essen veranlasst alte Menschen.Eine Besprechung von 38 klinisch empirischen Studien im Zeitraum von 1986-1998 aus dem angloamerikanischen Raum (M. so dass die Dementen kooperativer erscheinen. schnelle Musik ist eher ohne Effekt Musikhören reduziert unruhiges Verhalten bzw. in: David Aldrige (Hrsg. Nachgewiesene Effekte aktiven Musizierens und Musikhörens auf das Verhalten von Demenzkranken: Musikhören verringert Verwirrtheit. Einblick 14. 2003. der physische Begleitsymptomatik sowie bei den kognitiven Fähigkeiten.

sie hat keine besonderen Bedürfnisse nach Komfort. bevorzugte Sendungen. ohne Wünsche zu äußern. beginnt ihre linke Hand.“ Er schildert exemplarisch den Fall von Dorothy. bevorzugte Hörzeiten berücksichtigen musikalische Aktivitäten Singen Biographie des Singens erstellen Liedpräferenzen ermitteln Gesangssituationen ermitteln Singen in Sondersituationen (Singstunde) Alltägliches Singen Musizieren Mit Alltagsgeräuschen Tätigkeiten begleiten Mit Perkussionsinstrumenten Lieder begleiten Fantasieren am Klavier An musikalischen Kompetenzen anknüpfen Bruce Barber (Musik im Alter. ohne Erwartungen auszudrücken. Musik und Gesundheit 4/2002. ½ Stunde) den Tagesablauf strukturieren gemeinsames Musikhören in regelmäßig gestalteten Musikstunden (Höratmosphäre schaffen. Versuche sprachlicher Kommunikation scheitern an entweder fehlenden Antworten oder an Antworten ohne jeden erfassbaren Sinn. bei denen „hirnelektrophysiologische Untersuchungen (EEG) über musikinduzierte funktionale Veränderungen in verschiedenen Strukturen und Regionen des Neokortex“ bei Alzheimer-Patienten durchgeführt werden. wie sie früher mit ihren drei Freundinnen samstags zum Tanzen ging. „Für die folgenden 5 Minuten sprach Dorothy im Wechselgespräch 137 . Nach dem Anhören eines Stückes von Edward Elgar äußert sie sich mit einem einzigen Wort: „Liebe“ und lächelt. sie lächelt und der Ausdruck der Gleichgültigkeit schwindet aus ihrem Gesicht. fremde Geräusche meiden Biographie der musikalischen Präferenzen (wann und in welchen Zusammenhängen wurde welche Musik gehört) ein Musikprogramm herstellen (zusammen mit Bewohnern und Angehörigen) mit kurzen Musikzeiten (max. den Beat der Musik zu klopfen. einer Alzheimer-Patientin: „üblicherweise sitzt sie in ihrem Krankenzimmer mit dem Blick ins Leere gerichtet.“ Im Labor verhält sie sich völlig passiv. Kommentare. 12-14) berichtet von Forschungen aus dem nationalen Alterns-Forschungsinstitut in Melbourne. wobei aus früheren Lebensabschnitten bekannte Musik die größten Reaktionen hervorruft. den Jahresablauf markieren im häuslichen Umfeld: welcher Sender. Gedichte etc. Choreinladungen etc. Als ihr aber eine Aufnahme von Art Tatum „Gone with the wind“ aus dem Jahre 1938 vorgespielt wird.Konsequenzen für die Pflege ein passendes musikalisch – klangliches Milieu herstellen Stille Phasen herstellen Naturklänge ermöglichen Vertraute Geräusche zulassen. Trotz der im Labor gegebenen beeinträchtigenden Rahmenbedingungen (Messinstrumente.) mit Konzerten. Skalp-Elektroden. Druckmesskammer am Arm) zeigen die Untersuchungen. menschlicher Begleitung oder intellektueller Ansprache. duldet aber das Anlegen der Untersuchungsinstrumente. Soziale Kontakte finden nicht statt. Auf Anfrage schildert Dorothy. dass die „Patienten sehr stark auf die eingesetzten musikalischen Stimuli reagieren.

Danach fiel sie in ihren alten Zustand zurück“ (13). oder gibt es spezifische musikalische Strukturen. Möglicherweise kann Musik so intensiv als Stimulus einwirken. subkortikale und kortikale Strukturen des Gehirnes auf ein quasi normales Aktivitätsniveau vorübergehend angehoben werden können. zu Verhaltensabweichungen. will man dem Menschen als Ganzem gerecht werden“(14). dass bei der zunehmenden Pharmakologisierung der Demenz-Behandlung auch Raum sein muss für nicht-pharmakologische Interventionen. 138 . ein wichtiges Musikwirkung auf andere Personen überZiel für zukünftige Forschung. dass limbische. „In Dorothys Fall hat die Musik eindeutig ihren Bewusstseinszustand auf ein höheres Niveau anheben können.maßgeblich für die Verbesserung der Wirtherapeutische Methodik Demenz-Patienten kung? auch längerfristig auf einer höheren neurofunktionalen Leistungsebene halten? Kann nur autobiographisch bedeutsame Musik wirken.ohne erkennbare Beeinträchtigungen über Erinnerungen aus ihrem Leben. Dennoch scheint es bei der Musikwirkung zu zeitlich begrenzten. Anschließend führt Barber aus. die ihrerseits zuvor beeinträchtigte Funktionen des ZNV wieder möglich machen. in dem neue Pfade geöffnet werden. Fragen der Forschung: In jedem Fall sind derartige Veränderungen Auch anhaltende Veränderungen durch des Bewusstseinszustandes. wie wir sie bei Musikwirkung? Dorothy beobachten konnten. aber nachweisbaren Überbrückungen der gestörten Verbindungen zwischen Primärbewusstsein (Formatio Reticularis und Limbischem System) und den Funktionen des Neokortex zu kommen. emotionalen Störungen und sozialer Isolation führen. Sind spezifische musikalische Strukturen Kann eine noch zu entwickelnde musik. ob derartige Ist nur autobiographisch bedeutsame Musik Veränderungen auch anhaltend sein können wirksam? und auf andere Personen übertragbar sind. Zum Beispiel tragbar? ist die Frage zu klären. dass die fortschreitenden und irreversiblen pathologischen Veränderungen der Alzheimer Demenz zu Störungen des Gedächtnisses. mit denen man die Wirksamkeit verbessern kann? Sicher ist.

Im Gegensatz zur verbalen Situation. Münster: Lit. Beratung.„Was das Musikerleben von Altersschwerhörigen betrifft. Rosemarie. 177-197 Prause. 16-4608 Hz.und Melodieinstrumente wie Sopran-. stressfreie Handlungsmöglichkeit. den Mitspielern) agieren und kommunizieren kann" (191). 200-2000 (180) Therapeutische Aspekte: . Verlierens und Wiederfindens’ sind“ (Fengler ebd. von manchen Personen mit Tinnitus berichtet wird’“ (Fengler ebd.) und man sich nicht als „Opfer der Hörschädigung betrachtet“ sondern sich ihr gegenüber stellt. dass Musik für sie besser zugänglich ist als Sprache: Aufgrund des erheblich größeren Umfangs des Frequenzspektrums von Musik(ca.. Metallophone. findet er hier eine autonome.und Bassxylophon. Es sollten wenige und ausgewählte Instrumente zum Einsatz kommen. wie die z.letztlich geht es um die Versöhnung mit sich selbst (vgl.). . Alt.): Musik bis ins hohe Alter. besonders geeignet sind „einfache Rhythmus. Münster 2001. so kann grundsätzlich gesagt werden. 177-197 "Der besondere Vorteil der Musiktherapie in der Arbeit mit altersschwerhörigen Menschen besteht darin.B. Bei der Improvisation können "von der Hörminderung verursachte psychosoziale Konflikte" aufgegriffen werden. „Frauenstimmen werden von Altersschwerhörigen häufig als ‚schrill’ empfunden (194). in der Musiktherapie „ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Gitarren und mittelgroße Trommeln“. der Sprache: ca. 139 . „’sie als Begleiter zu betrachten und mit ihr ins Gespräch zu kommen. in: Tüpker.): Musik bis ins hohe Alter. des Unterscheidens. Es kann "zum Entstehen eines Gemeinschaftsgefühles" beigetragen "und damit einem weiteren Rückzug Altersschwerhöriger in die Isolation" entgegengewirkt werden (ebd.. Manuela-Carmen Prause: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. auch ist bei der Instrumentenauswahl an die „vibratorische Ergänzungsinformation“ zu denken (193). 16 bis 4608 Hertz) verglichen mit Sprache 250 bis2000 Hertz) ist ein Zugang über das Ohr selbst dann noch möglich. Hörgeschädigte Menschen. Manuela-Carmen: Hörschädigungen im Alter und ihre Konsequenzen für das Musikerleben und die musiktherapeutische Arbeit. Hans Hermann Wickel (Hrsg. Stuttgart 1990). bei der der altersschwerhörige Mensch stets unterlegen ist. Hans Hermann (Hrsg. Frequenzspektrum der Musik: ca. Therapie und Selbsthilfe. 2001. Wickel.). wenn Sprache nicht mehr auditiv wahrgenommen werden kann“ (180).. bei der er gleichwertig mit seinem Gegenüber (bzw. Fengler. in: Rosemarie Tüpker. dass zum einen die nach der Hörminderung dringend erforderliche psychologische Betreuung erfolgen kann und zum anderen die sich in der rein verbalen Therapie ergebenden Kommunikationsprobleme aufgrund der im Vergleich zur Sprache besseren Zugänglichkeit von Musik ausgeschaltet werden können. dass das Hören und die Hörschädigung ‚Prozesse der Aneignung und des Verlernens.

im klingenden Miteinander zu experimentieren (272 f): Anbindung an vertraute Klänge Verwendung von geräuschdämpfenden Stoffen Anpassung an veränderte Hörfähigkeit Berücksichtigung des Bedürfnisses nach Sicherheit und Geborgenheit . „Anregungen.Bei der Musiktherapie mit altersschwerhörigen Menschen in Gruppen ist darauf zu achten. um die verursachenden (Schall-) Quellen auszumachen. dass manch aggressives Verhalten oder auch Zustände von Apathie der Pflegeempfangenden besser verstanden werden können.. auch wenn wir „Stille in die Klanglandschaft hinein“ komponieren (271). Es sei „leicht vorstellbar. 4. ist nicht so wichtig“). Einhüllung von Klängen“ Verwendung klanglicher Stimuli Klangquellen. die zu Begegnung und Interaktionen einladen Unterstützung zeitlicher und räumlicher Orientierung 140 . 2. man ruhig und etwas langsamer als normal.“ Die Entwicklung der Wahrnehmungskompetenzen derer. dafür zu sorgen. während der gemeinsamen Mahlzeiten. 7. auf das Pfeifen von Hörgeräten einfühlsam hingewiesen wird damit die Einstellung korrigiert werden kann. nicht zu laut spricht. ob sie ihren Bedürfnissen entspricht.. möglichst nur eine Person spricht und zu allen Blickkontakt hat.“ .) Jan-Peter Sonntag (MU 2005. für die wir sensibel werden müssen. „Wir sind aktiv an der Gestaltung der Soundscapes beteiligt. Störgeräusche und Lärm weitestgehend ausgeschaltet wird (194 f.. Hierbei müssen wir uns auf unsere Beobachtungsgabe und intaktes Einfühlungsvermögen verlassen können. 8. „Nähern wir uns dem Lebensraum Pflegestation aus musiktherapeutischer Perspektive. nicht von hinten und von der Seite angesprochen wird. die mit der Betreuung dementiell Erkrankter tätig sind. 6. dass der Betroffene alles Gesagte versteht (keine Zensur im Sinne von „egal. so wrid sich an dem Wohlbefinden der dort lebenden und arbeitenden Menschen einschätzen lassen müssen. dass 1. „dass Klänge eine Beziehung zwischen uns und unserer Umwelt herstellen“. der altersscherhörige Mensch beim Sprechen angeschaut wird und 3.B. wenn die Betreuenden ihre eigenen Sinne einsetzen. 5.“ Man kann mit „Musikeinspielungen als Klangkulisse“ experimentieren. Bei seinen Vorschlägen für die Entwicklung einer „ambientalen Perspektive“ am Beispiel des Altenpflegeheims betont Sonntag.. ist dafür erforderlich (267). z. das auf demente Bewohner von Pflegeheimen einwirkt. man das von anderen Gesagte wiederholt. 261-274) weist auf die Bedeutung der Hörwelt (das Sonambiente) hin.

pdf) im Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit folgende musiktherapeutischen Ansätze: Medizinischer Ansatz Hierbei geht es insbesondere um die Beeinflussung von Krankheitssymptomen wie Schmerzen oder Schädigungen. (Monika NöckerRibaupierre).a. um unangemessenes Verhalten zu verringern bzw. Zwischen dem musikalischen Dialog und dem Dialog zwischen Mutter und Säugling werden Analogien gesehen. Es biete einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet). ggf. Musiktherapie für Kinder.): Kindermusiktherapie. P. L. Diese Beziehung bietet den Rahmen für Kommunikationserfahrungen. die das positive oder negative Erleben von Musik und der sich daraus ergebenden Situation nutzen. Robbins 1986. Kindermusiktherapie. Sie geht davon aus. auch Grenzerfahrungen. Bunt 1993. den kindlichen Wachstumsprozess fördern.musiktherapie. der von der Beziehung zwischen Therapeut/in und Kind lebt. weshalb im musikalischen Dialog zwischen Kind und Therapeut/in frühe Erfahrungen.a.und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. 154). Alvin 1988). Humanistischer Ansatz Musiktherapie wird als ein kreativer Prozess beschrieben. Kathrin Grewe-Heitfeld beschreibt in ihrem Beitrag „Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung“ (http://www. erwünschtes Verhalten zu verstärken. Wolfgang Mahns in: Musiktherapeutische Umschau 1998. Stuttgart 1997 Stiff und Tüpker (Hrsg.8 Musiktherapie mit Kindern Standardwerke sind: Jutta Brückner u. Arbeitsfelder sind beispielsweise die Schmerztherapie und die Arbeit mit Frühgeborenen. Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner). welche die Persönlichkeitsentwicklung bzw. Der Focus liegt somit mehr auf der Entfaltung der individuellen Möglichkeiten als auf der Behandlung der Symptome (Vertreter sind u.de/forum/kinder/vortraege/219_grewe_heitfeld. „Musik sollte so beschaffen bzw. Zugrunde liegt die Annahme einer psychophysischen Wirkung von Musik auf den Menschen. Nordoff / C. J. Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern. Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung. Richtungen und Methoden. eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations. Göttingen 2007. Vertreter dieser Arbeitsweise sind eher in den USA als im deutschsprachigen Raum zu finden (vgl. dass in unserer Art des Musikmachens unsere verborgenen Seiten und damit verbunden unsere frühesten Erfahrungen zum Klingen kommen. Traumatisierungen und Konflikte des Kindes bear141 . dass sie die Vorgänge hinter den Symptomen oder die Symptome selbst beeinflussen kann“. Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel). Psychoanalytischer Ansatz Analytische Arbeit ist biographisch orientiert. Verhaltenstherapeutischer Ansatz Hierbei handelt es sich um therapeutische Verfahren. arrangiert sein.uni-siegen. Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert).

nur den Hörsinn anzusprechen. Paderborn 1990. Die musikalische Entwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Dieses Wissen ermöglicht es. Ingrid Mederacke und Christel Ulbrich. Berlin 1991). und so die Möglichkeit bieten. Eigenarten. Da das Hörorgan früh entwickelt ist. Zwischen Hören und Bewegen. Praxisberichte. d. Bestandsaufnahme und Versuch einer Neuorientierung. Schumacher.) Erziehen und Heilen durch Musik. Kunst Therapie Kreativität. Göttingen. Julius Knierim. Spielarten. an den altersspezifischen Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes anzusetzen.): Musik und Gestalt. Musiktherapie und nondirektive Spieltherapie Häufig werden Verfahren angewandt. andererseits – und dies ist entscheidender – ist das Spiel die dem Kind eigentlich entsprechende Ausdrucksform. Musiktherapie bei verhaltensauffälligen Kindern. Vertreter sind z. Während der Behandlung tritt je nach ärztlicher Diagnose (besonders in Medizin und Heilpädagogik zu finden) entweder Melodie. erlebt und weiter entwickelt werden kann (vgl. Isabelle (Hrsg. dass Defizite in einem Sinnesbereich durch Förderung anderer Sinne kompensiert werden (s. Evaluation musiktherapeutischer Behandlung. Musiktherapie und Entwicklung von Gestaltbewußtsein beim Kind. Bewegungs. Musik als erlebte Menschenkunde. Die Therapie soll ganzheitlichere Erfahrungen ermöglichen. Häufig ist die Kombination von nicht direktvier Spieltherapie. 249 f). Rhythmus oder Harmonie in den Vordergrund vgl. Stuttgart 1989. Ein Buch für Psychologen und Eltern. Heiner Ruland. dass Musik und Klänge bereits früh auf das Kind einwirken. die jeweils vorhandene Fähigkeit des Kindes. 37-48 und Christine Plahl: Entwicklung fördern durch Musik.beitet werden können (vgl. Verschiedene Forschungsarbeiten lassen sich dahingehend zusammenfassen. Wuppertal 1988. die mit allen Sinnen erlebt werden. Barbara Irle und Irene Müller (Raum zum Spielen – Raum zum Verstehen.h. Gerhard Beilharz (Hrsg. dass es insbesondere für behinderte Kinder nicht ausreichend ist. psychoanalytischem Denkhintergrund und musikalischer Improvisation (vgl. Niedecken. Anthroposophischer Ansatz Kennzeichen des anthroposophischen Denkmodells ist die Arbeit mit den „musikalischen Urelementen“ (dies sind Einzeltöne. Als kombiniertes Verfahren gilt auch die Musiktherapie von Karin Schumacher. Münster 1996). Tonarten. Musiktherapie für Kinder. Streichpsalter). mit der Bezugsperson in Beziehung zu sein. Dietmut. Stuttgart 1990). Frankfurt am Main 1999. Geistig Behinderte verstehen. Musiktherapie mit Kindern impliziert das Wissen um die Entwicklungspsychologie des Kindes allgemein und um die musikalische Entwicklung im Besonderen. Beate Mahns. Deshalb ist das Spiel mit verschienenen Materialien und mit allen Sinnen gleichbedeutend wie das mit Klängen und Musikinstrumenten. Einerseits mögen Kinder nicht immer Musik machen. (vgl. dass jedes Kind hat ein individuelles Entwicklungstempo hat. Musiktherapie mit Kindern. über welche die „Beziehungsqualität“.B. bei denen der Wichtigkeit des kindlichen Spiels Rechnung getragen wird. Münster 2000). Sie arbeitet vor allem mit autistischen Kindern und verbindet dabei Musik-. Musikalische Prozesse werden als seelische Prozesse verstanden. München 1989. Sie verbindet analytische Musiktherapie mit der Morphologischen Psychologie Salbers. die davon ausgeht.B. Ein weiteres kombiniertes Verfahren stellt die morphologische Musiktherapie dar. Intervalle und Rhythmen) und die Auswahl bestimmter Instrumente( z. in: Frohne-Hagemann. hierzu: Gertrud Orff. wobei zu berücksichtigen ist. Namenlos. Musiktherapie und Säuglingsforschung. 2001 sowie auch: Jutta Brückner.: Dietrich Petersen und Eckhard Thiel. dass die 142 . Kombinierte Verfahren Hier wäre die Orff Musiktherapie als eine multisensorische Therapie zu nennen. kann man davon ausgehen. 1997). Stuttgart. Klinische Musiktherapie als integrative Psychotherapie.und Sprachspiele. Leier.

Umgekehrt reagiert ein Baby in der Regel beruhigt auf Wiegenlieder und interessiert auf Klangquellen allgemein. Music. K. bevorzugen aber auch gerne eine dissonante Begleitung. Bereits in den ersten Monaten können Babys Melodien auseinanderhalten. Erstes Singen Während das erste Lebensjahr musikalisch gesehen durch die Aufmerksamkeit auf Klänge geprägt ist. sondern alles was klingt.oder Unwohlsein drückt es klanglich aus. Die musikalische Entwicklungsspirale nach Keith Swanwick und June Tillman (The Sequence of Musical Development. Klangbezogene Aufmerksamkeit In der frühen Kindheit stehen die geäußerten Klänge eines Babys in Zusammenhang mit seinem seelischen Befinden. mit 5 Jahren halten sie ungefähr ein Tempo ein. Heiner Gembris. zunächst im Tonumfang der Quart und Quint. Rhythmische Fähigkeiten entwickeln sich vor metrischen. Mind and Education. 1988) 1. vol. Erst mit 5einhalb bis 6 Jahren beginnt eine stetig ansteigende Bevorzugung einer harmonischen Begleitung.h. Das Kind möchte die Natur des Klanges. herrscht im zweiten Lebensjahr die motorische Aktivität als Antwort auf Musik vor. Das Musikerleben des vorschulpflichtigen Kindes.o. Sein Wohl. Augsburg 1998. später in der Oktav. Weinheim 1993. 143 . Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. Bausteine für Musikerziehung und Musikpflege. sechsmonatige Kinder halten inne. Ab dem 2. Sensorische Entwicklungsstufe 0-3 Jahre Das Kind befasst sich mit Klangeindrücken. Sie entwickeln Lieder. Bevorzugen von dissonanter Begleitung Kinder im Vorschulalter empfinden Harmonien offensichtlich anders als Erwachsene.B. d. Es erforscht nicht nur Musikinstrumente im engeren Sinn. als anregend und positiv eingeschätzt werden (Helmut Moog. London: Routledge. was man z. Mit 4 Jahren singen Kinder mehr oder weniger genau. daran erkennt. 1986. Leslie Bunt. ist besonders fasziniert von Klangformen und dynamischen Abstufungen. British Journal of Music Education. die Mischungen aus Bekanntem und Eigenem enthalten. wenn in eine Melodie ein unpassender Ton eingeflochten wird. außerdem: Swanwick. Geburtstag beginnen Kinder zu singen. 86-144). 3.). sein Entstehen untersuchen.Auswirkungen des Hörens allgemein und insbesondere des Hörens von Musik in größerem Ausmaß. harmonische Veränderungen wahrzunehmen (s. Mainz 1968. Einführung in die Musiktherapie. No. 3. Kinder sind zwar in der Lage.

dass Fell und Holz einer Trommel bespielt werden oder verschiedene Teile der Hände genutzt werden oder verschiedene Instrumente gegeneinander geschlagen werden. werden harmonisch weiterentwickelt und gestaltet. 144 . hat Spaß am Verändern musikalischer Formen. Personal gerichteter Ausdruck 4 – 9 Jahre Individuelle Ausdrucksfähigkeiten werden zuerst im Lied deutlich. 4. Das Interesse an Klangfarben und -effekten verändert sich in Richtung Interesse an besonderen Spielweisen. Der individuelle Wert von Musik einschließlich dessen Reflektion ist somit für diesen Abschnitt bestimmend. Höhepunkte werden durch Schneller. Es existiert wachsendes Bewusstsein für die emotionale Kraft der Musik und damit einhergehend wachsende Fähigkeit entsprechende Erfahrungen musikalisch ausdrücken zu können. 6. 5. das Kind intendiert damit noch keine Aussage. Tonleitern oder Trillern. nicht reflektierten Gefühlserlebnis des Kindes bestimmt. aber noch nicht ganz umgesetzt werden können. bzw. die im vorigen Muster sozial wichtig erschienen. der man sich zugehörig fühlt. auch das gemeinsame Spiel zu bestimmen. dass musikalische Formen im Kopf des Kindes zwar vorhanden sind. in Instrumentalstücken besonders durch Tempoveränderungen und Dynamik.und Lauterwerden gestaltet. Musikalische Stilmittel. Improvisationen sind häufig lang und „wirr“ und eher durch die Gegebenheiten der Instrumente als durch Absichten des Kindes geprägt. nur auf der Seite der Therapeuten. Oft scheint es aber auch noch so zu sein. Die zuvor entwickelte Fähigkeit zu phantasievollen Musikformen wird nun weniger genutzt. Dieser Umgang mit Musik wird in der Musiktherapie mit Kindern nicht anzutreffen sein bzw. weil der inzwischen der Jugendliche in erkennbare musikalische Gemeinschaften eintreten will. Mit der Entwicklung von übergeordnetem systematischem Verständnis ist die musikalische Reife voll ausgebildet. Meta-Kognition symbolischer Bedeutung Ab 15 Jahre Hier ist die Identifikation mit einzelnen Musikstücken wichtig. Phantastisch imaginatives Spiel ca 10 – 13 Jahre Das Kind ist experimentierfreudig. Einfache musikalische Phrasen sind zu erkennen und die Tendenz zu beginnender Strukturierung. Manipulative Entwicklungsstufe 4-5 Jahre Das Kind hat mehr Kontrolle in der Handhabung der Instrumente erworben. Die zunehmenden Fähigkeiten des Kindes werden deutlich und damit einher geht das Bedürfnis. Dieser ist meist von Popmusik beeinflusst. Insgesamt ist das. Materialien zu beherrschen und ggf. wie Glissandos. Variationen in der Musik entstehen eher zufällig. auch ist die Tendenz zu regelmäßigerem Metrum zu erkennen. 3. die sich nicht in den übrigen Stil einfügen. Es testet Möglichkeiten des musikalischen Spiels aus Es gibt musikalische „Überraschungen“. 2. Die improvisierte Musik wirkt spontan und unkoordiniert. dem Stil der sozialen Gruppe. Mit Bedeutungen besetztes imaginatives Spiel 13 – 14 Jahre Allmählich werden kompositorische Einfälle stärker in einen bestimmten Stil integriert. Sie ist vom unmittelbaren.

Neben Vorlesungen und Seminaren mit theoretischen Einführungen reicht das Spektrum von allgemeinen historischen. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Hörspiel. sondern jede subjektive Lösung wird gewürdigt. ebd. Festund Feiergestaltung. Sprache. Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. ästhetische Erfahrungen anzuregen. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Assoziationen. Er ist in der Lage.9 Musik und Musiktherapie in der Sozialen Arbeit Die Durchsicht von Vorlesungsverzeichnissen der Studiengänge für Sozialpädagogik und Sozialarbeit an Hochschulen in Deutschland ergibt ein vielfältiges Professionalisierungsangebot auf dem Gebiet musikalischer Kompetenzen. Rockmusikpraxis. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. Erfahrungs.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. als Gruppe. Erinnerungen. Kinderkunstwerkstatt. die Universalität ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten. Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . als Partner. Darüber hinaus erhalten Studierende in Methodenseminaren und Übungen das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. Radiosendungen. als Einzelner. auch Musik mit digitalen Medien. Tanz. Sie ist „Beziehungsarbeit“ und dementsprechend „geprägt von situativer Offenheit.). Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. 805). einen Rahmen. soziales.und Videopraxis. Musikalisches. der es möglich macht. „de145 . emotionales. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird.und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten. Gehörbildung. Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. Kindermusical. wie Bewegung. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. Identifikationen. 28). Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte. Rhythmusarbeit. Gitarre. ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). szenischem Spiel. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind auf soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. Mann et al 1995). Musik oder Folkloretanz mit Senioren. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. kommunikativer Flexibilität und inhaltlicher Ungewissheit“ (Rauschenbach 2005. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen. wie Rockmusik mit Jugendlichen. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. wie Musiktheorie. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden (vgl. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden.. Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet.. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. Für soziale Arbeit gilt wie für soziale Berufe generell der Grundsatz der Personenbezogenheit.

Auch in der Ehe. Frühförderstellen und im Rahmen schulbegleitenden Sozialen Arbeit praktiziert. 10). wie Musikfreizeiten. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer dann zum Tragen. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. Hill. Entsprechende Zusatzund Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. 146 . 21 ff) sind dabei implizit. Zeuch beschreibt und evaluiert rezeptive Musikanwendungen im Strafvollzug (2001 und 2004). Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. 222 f). wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. Klug und Schreiber 2004. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren.ren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. und Tanznachmittage.“ auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. „Mobile Musikschulen“ stellen lebensweltbezogene Projekte der Gemeinwesenarbeit dar (vgl. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit. auch Tüpker. die soziale Brennpunkte. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie familienorientierte Angebote. Seidel 1992. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden. „Musiktherapeutische Momente“ (Leidecker 2004. 2006. 2004a und b. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993). in Kapteina 2006). oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung des akustischen und musikalischen Milieus in den Einrichtungen. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. Kapteina. Kapteina 2006). Keyboard-. 1996. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und -pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte. Dentler 2001). Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. Komponieren und Improvisieren von Musik ist. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. Bass. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse.und Familienberatung können Rollenkonflikte. Auch in der Jugendarbeit haben sich kommunalorientierte mobile Projekte bewährt. Rieger 2006)) oder Prävention. Neben den bereits erwähnten bei Mann et al. Soziale Berufskarrieren verlaufen nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in das professionelle Beziehungsgeschehen mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und -management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. Familienwochenenden etc. 2000.

: (2001): Partytime. Zugleich ist es Anlaufstelle für ehemalige Patienten der örtlichen Psychiatrie. Für Almut Seidel begegnen sich Sozialpädagogik und Musiktherapie in ihrer Alltagsorientierung. bei denen sich der Fokus von individuellen Veränderungen hin zum aktiven Interesse an gesellschaftlicher Veränderung und der Beziehung zwischen Individuum und sozialem Umfeld verlagert. Ein Vorbild bietet auch das Konzept „MUSICSPACE“ von Leslie Bunt (1998). das auf kommunaler Ebene für „Menschen jeden Alters Einzel. Schließlich ist es auch ein Beitrag zur kommunalen Kulturarbeit (Kapteina 2000). 128. Konzeptionell sind solche Projekte an der „Musikalischen Elementarerziehung“ (Schwabe & Rudloff 1997. den Patienten in der Musiktherapie erleben. therapeutische Beziehung sowie räumlich und zeitlich angepasstes Setting. Indikationsstellung. dass Musik und Soziale Arbeit bei gefährdeten Personen wirksam wird. K. H. Hier setzen gemeindeorientierte Konzepte an. Jahrhundert“ (Wendt 2005. die Soziale Arbeit mit Musik und Musiktherapie verbinden. Die Abgrenzung zwischen Musik und Sozialer Arbeit und Musiktherapie verläuft über Diagnostik.). und schließlich sollen die Handlungen und ihre schöpferischen Ergebnisse mit breiterer Bedeutung belegt werden: von der Funktion der Musik als Bedeutungsträger und Medium zum Verständnis der Musik als sozialökologische Veranstaltung (2005.eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. orientiert sein müssen: Erweiterte Programme. oder dass sie nach musiktherapeutischen oder psychiatrischen Behandlungen zur psychosozialen Stabilisierung beitragen.In der ambulanten Pflege und Betreuung alter Menschen gewinnen mobile MusiktherapieAngebote zunehmend Bedeutung (vgl. Muthesius 2005. Schnittmengen liegen in präventiven und rehabilitativen Funktionen. So richtet sich zum Beispiel das Projekt „Folkloretanz für Jung und Alt“. H. B. Damit stehen Konzepte. impliziert neue musikalische und psychosoziale Sensibilisierung im Alltag. G. ein seit vielen Jahren bestehendes offenes sozialräumlich orientiertes Gemeinschaftsprogramm von Universität und Kirchengemeinde an Menschen. bei der Funktionen und Verantwortlichkeit der handelnden Personen flexibel ausgehandelt werden. Es kann sein. Musikmachen und Lebensbewältigung. Stige formuliert die Prinzipien. bevor Probleme eskalieren. die von Vereinsamung und Verelendung bedroht sind. Opladen 147 . 348). Johannes Pluto1997. die Musiktherapie und Soziale Arbeit miteinander in Beziehung bringen. Opladen Hill. (2006): Community Music Therapy – Ein neuer alter Gedanke. in denen sich Musiktherapie und Sozialpädagogik begegnen. Literatur: Ansdell. 2006). die beteiligten Akteure orientieren sich neu: an die Stelle der Expertenzentrierung tritt Teilhabe. Übertragung ins deutsche. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Öffnung der Handlungsräume vom diskreten klinischen Setting hin zum öffentlichen oder semi-öffentlichen Angebot. bei der Ausbildung von Musiktherapiestudenten mitwirkt. In: Musiktherapeutische Umschau 227-238 Dentler. Die Mitarbeiter sind sozialpädagogisch und musiktherapeutisch qualifiziert. dem „Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung hin zu einer gesunden Umwelt.und Gruppenmusiktherapie anbietet. einer effizienten Wirtschaft und einer solidarischen Gesellschaft im 21. (1996): „Rockmobil“ . Leidecker 2002) sowie der „Sozialmusiktherapie“ (Schwabe & Haase 1998) orientiert. Der schöpferische und improvisierende Umgang mit Musik. Tagesfortbildungen und Workshops über den Einsatz von Musik im Gesundheitsdienst für Kinder und Erwachsene sowie Forschung über die Wirkungen und Prozesse der Musiktherapie koordiniert und Proben und Aufführungen eines möglichst breiten Spektrums unterschiedlicher Musikarten fördert“ (189). beide wollen einen Beitrag zur Lösung von Problemen leisten. 852). Seit 2000 werden gemeinwesenorientierte Projekte der Musiktherapie als „Community Music Therapy“ beschrieben und diskutiert (Ansdell 2006). die im Alltag auftauchen (1996. Mager 2006.K. auf der Linie der Agenda 21.

Anmerkungen zu einem Praxis. H.Hill. (1992): Sozialpädagogische Musiktherapie. In: Schwabe. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. B. H. I. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Seidel. 851-852 Wickel. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit.musiktherapie.: (2002): Musik als Begegnung. Hasselberg. (2001): Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. al (2005): Balsam für die Seele: Hausmusik. Pfaff. 16-23 148 . Burkhard. H. Musiktherapie zuhause. B.musiktherapie. D. Klug. Folkloretänze in Therapie und Prävention. In: Musiktherapeutische Umschau. In Hartogh. (1997): Die Musikalische Elementarerziehung. (2004b): Bandworkshop.. H.und Ausbildungskonzept. (2005): Sozialökologie. 216-226) Wendt. al. Tanz und Kunst-Therapie.) Wörterbuch Soziale Arbeit. In: Kreft. Chr. K. Weinheim Muthesius.de Kapteina. K. et. (2004): Das Leben klingen lassen. Siegen: Universität. In Hartogh. Crossen: Akademie für angewandte Musiktherapie Schwabe. (1995): Selbsterfahrung durch Kunst. H. B. H. T. 801-806 Rieger. T. Weinheim: Juventa.. T. D. Essen: Die Blaue Eule Leidecker. (2004): Ergebnisse musiktherapeutischer Entspannung im sozialtherapeutischen Strafvollzug. Weinheim: Juventa 415-426 Leidecker. H. H. Weinheim: Juventa. Crossen. H. B. (2005): Soziale Berufe. und Wickel. Chr. Eine Einführung.. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. Weinheim: Juventa. Kassel: Bosse Kapteina. und Mielenz. In: Musiktherapeutische Umschau.) Wörterbuch Soziale Arbeit. Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. & Rudloff. B. 107-134 Tüpker. (2004): Musik in der stadtteilorientierten Sozialen Kulturarbeit. D. G. st. A.-D. 175-181 Johannes-Pluto. & Hörtreiter. und Wickel. 298-306 Stige. Ressourcenorientierte Musiktherapie. http://www. H. A. I. von Grüner. Crossener Schriften zur Musiktherapie. H. 13-20 Zeuch. http://www. Chr. In Hartogh. 35-44 Kapteina. H. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII. und Mielenz. In: Musiktherapeutische Umschau 239-248 Schwabe. und Stein. (2005): Toward an Notion of Community Music Therapy. 394-414 Kapteina. Tanz und KunstTherapie. F. Schreiber. In: Musiktherapeutische Umschau 261-264 Mann. Wiesbaden Mager.. (2000): "Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen". (2006): Neue Wege der Musiktherapie. 5. 83-100 Hill.de Hill. (Hrsg. A. Wiesbaden: Reichert.uni-siegen. W. 5. Stuttgart Kapteina. & Haase. (2006): Musiktherapie und Gemeinwesenarbeit. H. H. (2001): Rezeptive Musiktherapie im sozialtherapeutischen Strafvollzug. B. (2004a): Soziale Kulturarbeit mit Musik. In BVM (Berufsverband der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in Deutschland (Hrsg. (1998): Die Sozialmusiktherapie. (2000): “Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot. I. W. Weinheim: Juventa. und Wickel. Köln: Kuratorium Deutsche Altenhilfe Rauschenbach. (1997): Musik praktisch erfahren. Verbesserung der häuslichen Pflegesituation gerontopsychiatrischer Patienten unter Einsatz von Musiktherapie. H.unisiegen. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage. Musikinterventionen in der Sozialpädagogik. U. R. (1998): Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. Münster Zeuch. R. (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. Musik. In: Kreft. A. I. C. H. Ein Elementarkurs für Erwachsene. (2007): Musiktherapeutische Zusatzausbildung für Helfende Berufe. Musik. T. (Hrsg.) Jahrbuch Musiktherapie.

1 149 . 47) an und entwickelt Konzepte. das zur Einsicht in gesellschaftliche Widersprüche führt.und Jugendmusikschulen. Spiel.9. b. Seidel 1976. Musikpädagogik wurde „neben ihrer erzieherischen und therapeutischen Funktion auch als politisches Handlungskonzept begriffen. Kernstück der Musikpädagogik im Sozialwesen an der Universität Siegen1 war (bei einem Gesamtstudium im Fach Ästhetik und Kommunikation von 18 Semesterwochenstunden) von Anfang an ein dreisemestriger Kurs über musikalische Gruppenimprovisation im Umfang von jeweils vier Semesterwochenstunden. später wurde die Bezeichnung Universität-Gesamthochschule eingeführt. 1973) stand damals bereits ein Konzept ästhetischer Erziehung zur Verfügung. Leidecker 2002). Seit 2002 ist die Siegener Hochschule Universität. 1976 in die neu gegründete Gesamthochschule Siegen integriert. das die Teilgebiete: Kunstpädagogik. Musik im Ausbildungsfach „Ästhetik und Kommunikation“ Wie für jedes der Teilgebiete wurden dem entsprechend auch für die Musikpädagogik erziehungswissenschaftliche. in dem die musikpraktischen Erfahrungen als Ausgangs.und Kommunikationskompetenz auf wissenschaftlicher Grundlage reflektieren und weiterentwickeln sowie ästhetische Erfahrungsmöglichkeiten in der sozialpädagogischen Praxis nutzen können (Ministerium für Wissenschaft und Forschung 1976. Kapteina 1977. die gesamte Person sich einbringen kann und die im musikalischen Handeln zum Ausdruck kommenden psychosozialen Inhalte bearbeitet werden (vgl. Mit der Musikalischen Gruppenimprovisation (Friedemann 1969a. 1971. musikalische integrative Förderprojekte mit Der Studiengang Sozialwesen (Sozialpädagogik und Sozialarbeit) wurde 1971 an der damaligen Fachhochschule Siegen-Gummersbach eingerichtet. Musikpädagogik. das im tertiären Bildungsbereich sonst nur dann offen steht.und Gesamthochschulen in den 1970er Jahren wurden die künstlerischen Ausbildungsinhalte im Zuge einer damals äußerst intensiv geführten hochschuldidaktischen Diskussion in dem neuen Fach „Ästhetik und Kommunikation“ zusammengefasst (vgl.und Theaterpädagogik. Sprach. Wrisch 1978). Kapteina 1977). 20% des Lehrangebots im Studiengang Sozialpädagogik und 10% im Studiengang Sozialarbeit sollten durch das Fach Ä&K abgedeckt werden. bei denen alles was klingt als Musik akzeptiert wird. Demgegenüber setzt die Musikpädagogik im Sozialwesen bei der „Aktivierung originärer Musikfähigkeit“ (Ernst 1982. Bewegungspädagogik und Pädagogik der Massenkommunikation enthält.und Literaturpädagogik. 301). das weiterentwickelt werden konnte und mit dem die didaktische Herausforderung bewältigt werden konnte. -psychologische und –soziologische Theoriebildung dienten und gleichzeitig exemplarisch als Modelle für die Anwendung in der sozialpädagogischen Praxis gelten konnten. Der durch diesen Studienbereich ausgelöste Professionalisierungsschub im Bereich der Sozialen Arbeit schlug sich in vielen soziokulturellen Initiativen nieder. musiksoziologische sowie handlungsorientierte Studieninhalte definiert.und Bezugspunkt für die musikpädagogische. zur Entwicklung von Interessenbewusstsein leitet und in befreienden Aktionen mündet“ (Kapteina 1977. Studierenden auf dem Gebiet Musik einen Professionalisierungsprozess zu eröffnen. Die Studierenden sollen in diesem neuen Studienfach ihre ästhetische Wahrnehmungs. für jedes Teilgebiet wurden zwei Professorenstellen eingerichtet. wie zum Beispiel Mobile und stationäre Kinder. musikpsychologische.1 Zwanzig Jahre Musiktherapie Ausbildung an der Universität Siegen Hochschuldidaktischer Kontext Bei der Einführung der Studiengänge Sozialarbeit und Sozialpädagogik („Sozialwesen“) an den Fach. wenn Studierende sich zuvor spezielle Musikkenntnisse und Fähigkeiten angeeignet haben.

werden psychotherapeutische Methoden schon länger angewandt (Lutz von Werder 1977). nicht nur Bereiche der politischen und persönlichen Bildung sondern auch solche der künstlerischen Psychotherapien erreichen. durch die sicher gestellt werden kann. Eine Pilotstudie. wie die musikalische Improvisation als eine Musikpädagogik im Sinne der „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ (Friedemann 1973. dass gerade bei der Arbeit mit Menschen aus der gesellschaftlichen Unterschicht nonverbale und handlungsorientierte Verfahren von großer Wichtigkeit sind. dass der wissenschaftliche Nachwuchs sich auch aus den Reihen der Sozialpädagogischen Profession rekrutieren kann. Nach einer dreijährigen Erprobungsphase wurde die Musiktherapeutische Zusatzausbildung im Februar 1989 vom damaligen Senat der Universität Gesamthochschule Siegen eingeführt. dass der Sozialarbeiter psychotherapeutische Angebote kennen muss. eine seit langem überfällige Maßnahme. die wir von 1985 bis 1987 durchführten. wie der Drogenberatung. Mit der stärkeren „Verwissenschaftlichung“ ging allerdings auch die Vernachlässigung handlungsbezogener Professionalisierungsanteile einher. Immerhin wurde die Soziale Arbeit an der Universität Siegen in einen wissenschaftlichen Studiengang integriert. Ansonsten ist Psychotherapie in der Sozialen Arbeit insofern wichtig. Sie trägt neben der geschilderten hochschulpolitischen Entwicklung auch der inhaltlichen Tatsache Rechnung. Diese zusätzlichen Studienleistungen können seit Mitte der der 1990er Jahre auf eine kulturpädagogische Zusatzausbildung angerechnet werden.V. Im neuen Bachelor Studiengang „Bildung und Soziale Arbeit“ an der Universität Siegen umfasst er 4%. Das dritte Gebiet. Ende der 1970er Jahre gründeten Absolventen ihren eigenen Trägerverein für Fortbildungen1.2 Didaktisches Profil der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung Im Verlauf der 1980er Jahre führten einige „Studienreformen“. Sie führt Projekte auf dem Gebiet der ästhetischen Bildung für Kinder und Jugendliche durch sowie Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter.Kindern.V. so dass er seine Klienten entsprechend informieren und beraten kann. Andererseits fallen der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund wachsender sozialer Verelendung und gesundheitspolitischer Engpässe neue. dass ästhetische Aneignungsprozesse. die musiktherapeutische Arbeitsweisen beherrschen (Kapteina 1989). Heute werden originär sozialpädagogische Praxisfelder. schulbegleitende Förderung.und Jugendhilfe. (BAG) ist anerkannter Träger der Freien Kinder. An dieser Stelle greifen die Möglichkeiten der Musiktherapie (1977). die weniger an hochschuldidaktischen als an fiskalischen Zielen orientiert waren. Anfang der 1990er Jahre ein eigenes musiktherapeutisches Fortbildungsinstitut. usw. ist die Supervision. (MIK) veranstaltet auf Grundlage eines Kooperationsvertrags mit der Universität Siegen die Seminare und Übungen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für die postgraduierten Teilnehmer. auch psychotherapeutische Funktionen zu. ermittelte den Bedarf an Sozialpädagogen.und anderen psychischen Erkrankungen. 2 Das Musiktherapeutische Institut für Kreative Kommunikation e. Der Studienanteil des Faches Ästhetik und Kommunikation wurde sukzessive von ursprünglich achtzehn Semesterwochenstunden auf zwölf und schließlich auf sechs verringert. Im entsprechenden Master Studiengang ist es gar nicht vertreten. auf dem in der Sozialarbeit psychotherapeutische Methoden Anwendung finden. Lehrveranstaltungen im Fach Ästhetik und Kommunikation wurden weit über den durch die Studienordnung vorgegebenen Rahmen nachgefragt. Lutz von Werder weist darauf hin. wie Prävention. die grundsätzlich allen Studierenden der Universität Siegen zugänglich ist. zur sukzessiven Verringerung der Anteile des Studienfachs Ästhetik und Kommunikation. der Familienberatung. Altenarbeit. In der sozialpädagogischen Beratungstätigkeit. wenn er selbst dergleichen nicht anbietet. Davon unberührt blieb allerdings das Verhalten der Studierenden. FrühDie Bezirksarbeitsgemeinschaft für Freizeitkulturelle Jugendarbeit e. 1 150 . 4). Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung oder Sucht.

der besonders dann gelingt. konzipierten wir eine Zusatzausbildung nach dem Baukastenprinzip für Studierende und praktizierende Angehörige von Helfenden Berufen.h. wobei zwischen den einzelnen Stufen beliebig lange Pausen eingelegt werden. dass und in welcher Weise der Absolvent die erworbenen Kompetenzen in einem Feld des Sozial. sondern wir begleiten die individuelle Entwicklung und Reifung von „Musiktherapeutischen“ Persönlichkeiten. die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. psychosoziale Beratung und Supervision neu als Tätigkeitsbereiche für Musiktherapeuten entdeckt (Tüpker 2006). 100 Stunden Einzel-Lehrmusiktherapie sowie musiktherapeutische Berufspraxis nach der Erwerb des Hochschulzertifikats zur Aufnahme in den Berufsverband BVM. heute spricht man von „Modulen“. Bei dieser Vorgehensweise erübrigt sich die übliche Kontrolle durch Prüfungen. 15). d. Die einzelnen „Bausteine“. Praxiserfahrung mit Klienten und medizinisch-therapeutischem Wissen stehen muss (Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen in Deutschland. Elf Begleitseminare. Sechs Zusatzseminare. wir bilden nicht nur in einem therapeutischen Verfahren aus. Therapeuten. Dieser Richtlinie folgt die Ausbildung an der Universität Siegen mit dem Angebot der im folgenden genauer dargestellten drei „Module“: Sechs Hauptstufen.förderung. wie Lehrern. An ihre Stelle treten intensive Beratungen während der gesamten Studienzeit. die jeweils auf ein halbes Jahr terminiert sind und nacheinander studiert werden müssen.1 Nach dem Studium der Module 1 und 2 kann das Zertifikat der Universität verliehen werden. wie sie dessen Grundlage mit Klienten mindestens ein Jahr lang erfolgreich gearbeitet haben. Vor dem Hintergrund. Die Absolvierung der gesamten Ausbildung wäre frühestens in dreieinhalb Jahren möglich. musiktherapeutisch im Rahmen seines Berufes zu arbeiten. Jugendarbeit. wenn er dem Entwicklungsprozess“ des einzelnen „und der Gruppe entspricht und aus ihm heraus entstehen darf“ (Frohne-Hagemann und Petzold 2006. Die Siegener Ausbildung ist wachstumsorientiert. individuelles Konzept vor und schildern. dass die Kompetenz von Musiktherapeuten auf den vier Säulen Musikpraxis. der zu Folge Lernen „ein ganzheitlicher Prozess ist.Juni 2002 von der Mitgliederversammlung des DBVMT beschlossene Anerkennungsvereinbarung zwischen Berufsverband und Universität Siegen.oder Gesundheitswesens zur Geltung bringen kann. welches bestätigt. Die methodische Gestaltung der Ausbildungselemente folgt den Erkenntnissen der aus neurowissenschaftlicher Sicht elaborierten Lerntheorie. musiktherapeutische Selbsterfahrung. Statt dessen stellen unsere Absolventinnen im Rahmen einer öffentlichen Fachtagung ihr jeweils eigenes. können die Teilnehmer ihrer jeweiligen beruflichen Situation oder auch ihrer persönlichen Entwicklung gemäß in weitgehend beliebiger zeitlicher Abfolge studieren. Es besteht ein Konsens unter allen Ausbildungsstätten an Hochschulen in Deutschland. dass Sozialpädagogen mit musiktherapeutischen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt gute Arbeitsmöglichkeiten haben und auch bei anderen Berufsgruppen. Am Ende des Studienganges steht demnach keine ritualisierte Prüfung. Gemäß einer am 8. 1 151 . Aufwand und Umfang dieses Vortrages entsprechen den Abschlussarbeiten anderer Ausbildungen. Psychologen und Ärzten musiktherapeutischer Fortbildungsbedarf besteht. Er dokumentiert darüber hinaus aber auch. dass der Inhaber berechtigt und befähigt ist. 1998 und 2006). in welcher Fachwissen und Kenntnisse abgefragt würden. Qualität. Ausbildungsstufen I.

Metall-. Im permanenten Wechsel zwischen musikalischer und Selbsterfahrung und methodischer Reflexion werden die für wichtigsten Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit mit Musik erfasst. diese Themen weiter zu bearbeiten. sich von den Klängen faszinieren zu lassen. weiterentwickeln. deren Erfahrungsraum durch Spielregeln auf elementare Klang. die die differenzierte Beschreibung musikalischer Erfahrung ermöglichen.m. Spiele von Lilli Friedmann (1973) oder Fritz Hegi (1997) erweisen sich als besonders geeignet. Dabei werden dann mehr oder weniger zwangsläufig die Lebensthemen aktualisiert. treten in der zweiten Stufe „freie“ Improvisationen in den Vordergrund. Abstinenzverhalten u. die sie der Gruppe vorschlagen.und Kommunikationserfahrungen eingegrenzt ist. wenn sie durch das Spiel und in der anschließenden Reflexion zur Sprache kommen. bei der ästhetische Ereignisse als nicht sprachliche Bedeutungsträger erfasst werden. Damit werden Begriffe zur Verfügung gestellt.und Gegenübertragungsprozessen. die Instrumente sicher zu handhaben und sich musikalisch auszudrücken. der Stimme oder von schallfähigen Materialien im Raum. entdecken wir in der ersten Ausbildungsstufe der Musiktherapie Ausbildung unser „music child“ (Nordoff und Robbins 1986). Die Teilnehmer übernehmen zeitweise die Leitung der Gruppe. die der betreffenden Person helfen. bieten wir geeignete musikalische Spiele an. Lehrmusiktherapie). Kapteina 2007). ist neben den allgemeinen psychotherapeutischen Kriterien in der Musiktherapie der 152 . oder „was uns gerade einfällt“ oder „wonach es uns gerade ist“ und versuchen. In Phasen der Meta-Kommunikation erhalten sie Feedback von der Gruppe. horchen und lauschen zu können. das heißt die Fähigkeit. II In einer zweiten Ausbildungsstufe steht die Bearbeitung der durch die musikalischen Erfahrungen aktualisierten Lebensthemen und biographischen Materialien im Vordergrund (Musiktherapeutische Selbsterfahrung. bei denen wir „spielen. wie sie sich in der Leiterrolle erlebt haben und bekommen Feedback vom Dozenten. Rassel-. teilen selbst mit. Blas. genau zu hören. miteinander musikalisch in Kontakt zu kommen. die bio-psycho-sozialen Dimensionen musikalischer Ausdrucksphänomene zu erfassen (vgl. wie wir uns im Moment fühlen“. indem die Teilnehmer ihre Fähigkeit. Musikalische Lerneffekte ereignen sich dabei als beiläufige Zugabe. Rollenklarheit. staunend und versunken hören. Stille und Klang als unerschöpfliche Erfahrungsräume erleben zu können. Seele und Gruppengeschehen erforscht. Zusammenklang und Klangfarbe.a. am Körper usw.und Saiteninstrumenten. Das können Episoden aus der Kindheit sein oder aktuelle Konflikte. wie Therapievereinbarungen. der die Ausbildungsstufe leitet. und ihre Wirkung auf Körper.So wie die Sozialpädagogische Musikpädagogik am „musikalischen Nullpunkt“ beginnt (Ernst 1982). Während in der ersten Stufe vorrangig Improvisationsspiele angeboten werden. Der Lernprozess orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen der Gruppenmitglieder. Melodie. die Entwicklung von Introspektionsfähigkeit und Sensibilität in der Gruppe sowie Konfliktfähigkeit steht im Vordergrund. die sie anleiten und mitspielend und beobachtend begleiten. Die Bandbreite geht von musikalischen Rollenspielen über die musikalische Reinszenierung einer bestimmten Familienszene bis hin zur musikalischen Darstellung eines Gefühlszustands oder eines Körpersymptoms u. sie führen die reflektierenden Gruppengespräche und machen weiterführende Vorschläge. im Wald. III In der dritten Ausbildungsstufe soll das Leiterverhalten gelernt werden. überlegen sich geeignete Spielangebote.a. Übertragungs. Der zweite Schwerpunkt in dieser Ausbildungsstufe ist die Erfahrung und Beschreibung von musikalischer Kommunikation. Jenseits von musikkulturellen Bewertungen werden die Klänge von Fell-. Da Musik direkt auf die subkortikalen Funktionen des limbischen und vegetativen Systems wirkt. Damit einher geht die intensive Auseinandersetzung mit den musikalischen Parametern Rhythmus.

erörtert.Umgang mit Emotionen und Affekten besonders zu beachten (vgl. Anhand von Tonband. konfrontativ. festgestellte Krankheiten oder Störungen sind die Faktoren. 40). Die erarbeiteten Therapieverfahren werden auch unter Gesichtspunkten der Risikoplanung bei z. akuten psychotischen und anderen Ausnahmezuständen usw.oder Videoaufzeichnungen werden Praxissituationen analysiert. epileptischen Anfällen. Dieses musikästhetische Prinzip der generellen Akzeptanz impliziert. die es ihnen ermöglicht. Er stellt ein seinem therapeutischen Verständnis entsprechendes Untersuchungsdesign her. Anhand von musiktherapeutischen Improvisationsübungen werden unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen. dass jeder Klang und jedes musikalische Ereignis gleich wichtig ist (vgl. IV Bei einer Zusatzausbildung für Helfende Berufe (Sozialpädagogen. an denen die Evaluation die Bewertung des therapeutischen Prozess ausrichtet. stabilisierend. sind auch die der Musik zu Grunde liegenden Emotionen wert zu schätzen. Therapeuten. dass Beschreiben und Verstehen den verbalen Diskurs bestimmen und nicht Interpretationen. Vereinbarte Therapieziele. um sich Feedback über ihr Leiterverhalten zu holen. Der Therapeut geht nicht direktiv vor. Charles 1984. das Konzept und die Arbeitsweise des jeweiligen Therapeuten abgestimmt sein. Autoaggression. bemüht und interessiert. Sie ist freundlich. verständnisvoll. Die therapeutische Haltung ist partnerschaftlich. Pädagogen. Dabei werden sie durch intensive Ausbildungssupervision begleitet. akzeptierend. 132-168). ob und inwiefern sie geplante Vorhaben modifizieren sollten. Während der vierten Ausbildungsstufe sollen sie bei der musiktherapeutischen Profilbildung unterstützt werden. Sie bilden gleichzeitig den Bezugs. verändert es nach Maßgabe der prozessualen Diagnostik und passt es neuen Erkenntnisse an. Fachliche Defizite werden aufgearbeitet. Zielentwicklung. Ärzte und Psychologen) wird vorausgesetzt. integrierend. hierzu Kapteina und Hörtreiter 1993. zeigt Gefühle. Informationen und Hinweise bestimmen den Dialog zwischen Therapeut und Klient. Persönliche Themen. soweit das nicht störend für den Prozess oder die Beziehung ist. wie z. hier können sie zusammen mit ihren Kollegen Interventionen. Ein geeignetes Evaluationsverfahren muss eng auf das Selbstverständnis. aggressivem Verhalten. die sie mit ihren Klienten durchgeführt haben. offen. die sie mit ihren Klienten durchführen wollen. Inhalte sind Indikationsstellung und Therapieplanung. Die Supervision bedeutet 153 . probeweise durchspielen. sie in ihre bereits vorhandene professionelle Identität zu integrieren. Hilfreiche Fragen. anerkennend. Bewertungen und Beurteilungen. Kontraktvereinbarung. und Gegenübertragungsgefühle werden mit der Methode der musikalischen Improvisation bearbeitet. sagt was er denkt und fühlt. um einfühlendes Verstehen bemüht. Er macht Vorschläge. ermutigend. Er stellt die erforderlichen Methoden und Materialien bereit. Des weiteren werden während der vierten Ausbildungsstufe geeignete Methoden der Erfolgskontrolle und Qualitätssicherung vermittelt. Er ist (selektiv) echt. lässt dem Gegenüber aber die Entscheidungsfreiheit. die durch die Arbeit mit den Klienten aktualisiert werden. Suizidgefährdung. Feedback. Sie können nachträglich Interventionen. V und VI In der vierten und fünften Ausbildungsstufe wenden die Lernenden mindestens ein Jahr lang ihre Fähigkeiten in der selbständigen Arbeit mit Klientengruppen an.B. Er ist engagiert. mit der Supervisionsgruppe nachspielen. aufdeckend. erlebnisorientiert. sich beraten lassen. Problemanalyse. etc. übungszentriert. dass die Teilnehmer bereits therapeutische Vorkenntnisse und Erfahrungen mitbringen und die spezifisch musiktherapeutischen Inhalte auf eine Weise vermittelt bekommen. B. So wie in der freien musikalischen Improvisation gilt. Folglich sind Therapiekontrakt und die Anamnese nicht nur die Grundlage der jeweiligen Therapie. nährend.und Orientierungsrahmen für deren Evaluation. Spiele und musiktherapeutische Inszenierungen. erarbeitet.

Krankenschwestern u. Gerontotherapeut. wodurch der Erfolg der Zusatzausbildung evaluiert wurde1. Dabei soll auch gelernt werden. sind mit 10% vertreten. etc. dass Dipl. Unter der Position „Sonstige“ (10%) sind die übrigen Berufsgruppen zusammengefasst. Musik. wie Honorartätigkeit in einer Einrichtung. Pädagogen sind mit 49% die weitaus größte Berufsgruppe ist. Tanzen in der sozialen Gruppenarbeit. dass viele Teilnehmer die Absolvierung der einzelnen Ausbildungsteile zum Teil über mehr als zehn Jahre verteilen. Personen aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich wie Ärzte. musiktherapeutische Kompetenzen wirksam auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren. präventive Methoden mit einzubinden in Form von Begleitseminaren zu Themen wie Rock. Logopäde. Sozialarbeiter. Singen u. weitere therapeutische Qualifikationen.außerdem die Verankerung von musiktherapeutischen Konzepten und Evaluationsverfahren in das eigene berufliche Konzept. Diese Dokumentation wird als öffentlicher Fachvortrag vor einem Fachpublikum gehalten. Instrumentenbau und akustische Klangerkundung. auf den die Zusatzausbildung aufbaut. Außerdem muss sich jeder Teilnehmer eine Methode der Gesprächsführung angeeignet haben. Verknüpfung musiktherapeutischer Kompetenzen mit einem sprachlich orientierten psychotherapeutischen Auswertungs.a. Seelsorger.). Im Jahre 2006/07 fand eine Absolventenbefragung mittels Fragebogen statt. das Arrangement von Rock.a. Dipl. Basiswissen wird in Seminaren zur Sozialmedizin.v. Sozialpädagogen und Dipl. Umfang und Bedingungen musiktherapeutischen Wirkens im Rahmen eines Arbeitsplatzes (im Grundberuf) und zusätzlich oder ausschließlich in einem anderen Kontext. Hebamme. Tanz. 200 Teilnehmer pro Jahr betreut. Lehrer.und Popmusik. die derzeitige berufliche Beschäftigung. die diagnostische Angaben zum Klientel. Gestalt. Liedersingen und arrangieren sowie Musik. Das Baukastenprinzip impliziert. Am Ende der sechsten Ausbildungsstufe wird eine Praxisdokumentation erstellt. zur Musikpsychologie und die theoretischen Grundlagen der Musiktherapie vermittelt. Des weiteren werden Informationen erhoben über die musiktherapeutischen Schwerpunkte der Absolventen. Eine weitere stark vertretene Gruppe sind Erzieherinnen (12%). Weitere Ausbildungselemente In den 11 Begleitseminaren des zweiten Moduls wird die musiktherapeutische Basiskompetenz durch zusätzliche musikpraktische Erfahrungen ergänzt: Elementare Musiklehre. Psychoanalyse. Selbstständiger Arbeit in eigener Praxis. wie z. Ziele der musiktherapeutischen Intervention.B. die ihre Qualifikation durch die Musiktherapeutische Zusatzausbildung erweitert hat. Erziehungswissenschaft. Ergebnisse der musiktherapeutischen Praxis darstellt. je nach Grundberuf und vorherigen Ausbildungen (TZI.und Instrumentalpädagogen stellen mit 16% die zweitgrößte Gruppe dar. Umgang mit Atem und Stimme. Verlaufsanalysen. Gesprächsführung. 154 . freier Mitarbeit in einer Praxis. Altenpfleger. Evaluation Die Universität hat in im Rahmen der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung ca. Die Datenerhebung ergab. Heilpädagoge. 1 2 von 176 versandten Fragebögen kamen bis Juni 2006 139 zurück Eine Besonderheit der Siegener Ausbildung ist es.und Integrationsverfahren. Gemeindepädagoge. die Entwicklung der therapeutischen Rolle in der Auseinandersetzung mit der bisherigen beruflichen Tätigkeit. Bewegung. Psychologen.und Popmusikstücken. sowie nach Präventionsarbeit2 in pädagogischen und sozialtherapeutischen Feldern. Ergotherapeut. Neben Informationen über den Grundberuf. und die der Zusatzausbildung beigemessene Bedeutung wurde nach Möglichkeiten.

Dies ist noch bei 8 weiteren Personen der Fall. Musiktherapie dort jedoch nicht integrieren können und deshalb zusätzlich eine Honorartätigkeit in geringem Umfang (1-3 Stunden/Woche ) in einer anderen Einrichtung ausüben. 3 auf der Suche nach einer Honorarstelle. Pädagogen Lehrer Musik. Auch die Gründe für den Nicht-Einsatz wurden erfragt. Arb. Päd. als Honorarkraft 49 Pers. bei einer Person steht die Dissertation über Musiktherapeutische Arbeit im Vordergrund. Dipl. In 13 der 23 Fälle lässt sich Musiktherapie nicht in den derzeitigen Aufgabenbereich integrieren. Soz. in eigener Praxis 33 Pers. 33 sind in eigener Praxis tätig. die in ihrem Beruf tätig sind. in einem Fall ohne Angabe. davon: 78 integriert am Arbeitsplatz bei Beschäftigung im Grundberuf. 10 in Kombination Honorarstelle und freiberufliche Tätigkeit in einer Praxis und 17 kombinieren Beschäftigung im Grundberuf und zusätzlich Honorartätigkeit Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Einsatzorte von Musiktherapie 1 teilweise Überlappungen 155 . Psychologen Sonstige Eingesetzt wird Musiktherapie von 78 Personen in ihrem Grundberuf. 22 als Honorarkraft. teilweise gibt es Kombinationen. 105 Absolventen erbringen institutionell eingebettete Angebote1.und Instrumentalpäd. Musiker Kirchenmusiker Erzieherinnen Krankenschwester/-Pfleger Ärzte 12% 3% 6% 10% 6% Dipl. integriert im Grundberuf 78 Personen zur Zeit nicht 23 Pers. Einsatzorte 36 Personen setzen Musiktherapie freiberuflich ein.Grundberuf 10% 2% 2% 6% 43% Dipl. 49 Absolventen haben eine Honorarstelle. Soz. 5 Personen waren zum Zeitpunkt der Erhebung in Familienpause.

in eigener Praxis als freier Mitarbeiter in einer Praxis Div. Sozialarbeiter und Lehrer bzw.) Schulen/ Sonderschulen Tageskliniken/-stätten Musikschulen Kindergarten/Kitas Beratungsstellen Förder. andere 43 Die Frage nach dem präventiven Einsatz musiktherapeutischer Methoden ergab. dass 93 von 139 Absolventen zum Zeitpunkt der Befragung Präventionsarbeit leisteten. Arbeitsschwerpunkte Die Angaben wurden durch Multiple-Choice-Auswahl ermittelt Verhaltensauffälligkeiten 61 Ängste / Angststörungen 60 Depression 54 Aggression 53 Musiktherapie bei Trauer 38 ADHS 37 Demenz 24 Schmerz 21 in offener Form erfragte sonstige Behandlungs. 62 schwerpunktmäßig mit Kindern. schwerpunktmäßig mit Erwachsenen. Dipl. 12 davon ausschließlich.Selbstständig/Freiberufl.und Therapieeinrichtungen Hospize Fortbildungsinstitute Ambulante Pflege Kichengemeinde Werkstätten Familienhilfe 33 3 23 22 16 10 8 7 6 5 2 2 1 1 1 1 Bezüglich des Klientels geben von 116 musiktherapeutisch tätigen Absolventen 68 an. 7 speziell mit Frauen und 10 mit Familien zu arbeiten.bzw. Bei diesen handelt es sich zu ungefähr gleichen Teilen um Dipl.und Arbeitsschwerpunkte1 Geistige Behinderung 12 Entwicklungsverzögerungen 5 Behinderungen allgemein 9 Sprachstörungen 4 Autismus 9 Down Syndrom 4 Psychische Erkrankungen 8 Rettsyndrom 3 Psychosomatische Störungen 6 Mutismus 3 Persönlichkeitsstörungen 4 Traumata 5 Trennung und Scheidung 4 Wachkoma 3 div. Diplompädagogen. 40 mit Jugendlichen und 27 mit Senioren. die Präventionsarbeit in Form von 1 Mehrfachnennungen möglich 156 . Heime Kliniken (stat. Sozialpädagogen. Die Behandlungs.

und anderer pädagogischer Basisqualifikationen sowie Selbsterfahrung. 123 gaben an. Literatur: Charles. 100-118. Hilarion (2006): Lehrtherapie in der Ausbildung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten – personale. den Rahmen musiktherapeutischer Arbeit durch klare Abgrenzung zu anderen Aufgaben der Institution sicher zu stellen. Fazit Unabhängig von der derzeitigen Arbeitsmarktsituation. bis die Voraussetzungen für die berufspolitische Anerkennung der Musiktherapie gegeben sind. Ein weiterer Gewinn des Siegener Modells ist der Nutzen der Musiktherapeutischen Ausbildung als Erweiterung und Bereicherung des Sozialpädagogikstudiums oder Lehramtsstudiums hinsichtlich Wahrnehmungs. 157 . Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. Musiktherapeutische Umschau 517 Hegi.und Kommunikations. Isabelle und Petzold. Zeitschrift für Musikpädagogik 18: 44-49 Friedemann.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Lilli (1969a): Musikalische Bewusstseinsbildung ohne Noten. die dazu führt dazu. Lilli (1971): Kinder spielen mit Klängen und Tönen. dass ihre berufliche Perspektive durch diese Zusatzausbildung erweitert wurde. Die musiktherapeutische Spezialisierung in einem anerkannten Grundberuf ermöglicht den Zuwachs an Methoden und Handlungsrepertoire und damit einen besseren Zugang zum Klientel. Musiktherapeuti1 auch Absolventen. Paderborn Hesse. Peter (Hrsg. Hartmut (1977) Anmerkungen zum derzeitigen Stand der Musikpädagogik im Sozialwesen. denn sie dienen mir auch heute noch zur Psychohygiene“. pflegenden oder anderen helfenden Beruf so lange dem Gesundheitsund Sozialwesen als Ressource zur Verfügung zu stehen. Persönlichkeitsentwicklung und Erweiterung des methodischen Handlungsrepertoires. Singen. Archiv für angewandte Sozialpädagogik 289-302 Kapteina. Wolfenbüttel Friedemann. Wien Friedemann. Siegen: Universität Kapteina. Trommeln. die Zusatzausbildung als persönliche Bereicherung zu erleben. Bandarbeit. kann sie als Binnenqualifikation in einem pädagogischen. Befragt danach gaben 1341 Personen an. Musikmalen. Musik und Bildung. „Die Erfahrungen in der Ausbildung sind eine Bereicherung für das gesamte Leben. Anselm (1982): Musik und Sozialpädagogik – Zur Neuorientierung der Schulmusik. machten diese Angabe. Improvisation. so ein Absolvent in einem Interview über die Bedeutung der Zusatzausbildung (Hesse 2005). Wien Frohne Hagemann. dass immer weniger Institutionen sich einen hauptberuflichen Musiktherapeuten leisten können oder wollen. Tanzen. Daniel (1984): Musik und Vergessen. soziale und professionelle Aspekte. Fritz (1997): Improvisation und Musiktherapie. 39 Personen haben sich auf Grund der Zusatzausbildung beruflich umorientiert. 500-502 Friedemann. SIEGEN:SOZIAL 68-70 Kapteina. Lilli (1969b): Kollektivimprovisation als Studium und Gestaltung neuer Musik. Allerdings ist es oft schwierig. Berlin Ernst. Der Ausbildung beigemessene Bedeutung Der signifikante Einsatz von Musiktherapie (116 von 139 Absolventen) lässt bereits vermuten.Musizieren. Möglichkeiten und Wirkungen von freier Musik. Klangmassage anbieten. Lilli (1973): Einstiege in neue Klangbereiche durch Gruppenimprovisation. und damit Angehörige anerkannter Professionen mit musiktherapeutischer Zusatzausbildung hervorragende Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen. Hartmut (2007): Zur Ästhetik der musikalischen Improvisation in der Musiktherapie. dass der Zusatzausbildung eine erheblich Bedeutung seitens der Absolventen beigemessen wird. Siegen. die Musiktherapie derzeit nicht ausüben.und Weiterbildung In: Marchal. Ramona (2005) Die Bedeutung der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung für Studium und Praxis. Hartmut (1989): Musiktherapie in der Sozialarbeit.

Rosemarie (2006): Neue Wege der Musiktherapie. Almut (1976): Musik in der Sozialpädagogik. Nr. Lehrbeauftragter und Lehrmusiktherapeut der Universität Siegen. Musiktherapeut mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG). Dipl. Wiesbaden Ministerium für Wissenschaft und Forschung. NW (1976): Erlass von September 1976. Paul und Robbins. Tanz an der Universität Siegen Hartmut Kapteina. Materialien zur Didaktik und Methodik des Musikunterrichts. Musiktherapeutische Praxis an einer akutpsychiatrischen Klinik. *1951. Sozialarbeiterin. Ausbildungsleiterin der Musiktherapeutischen Zusatzausbildung der Universität Siegen Karl Heinz Wortmann. Betr. Wiesbaden Tüpker. Musiktherapeutische Umschau 77-79 Leidecker. Musiktherapeutische Umschau 216-226 von Werder. Supervisor DGSv. Hörtreiter. Hartmut. Musiktherapeutische Umschau 232 – 235 Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (2005): Erste Konsensbildung zum Berufsbild. Dipl. Gestaltberater. Hans (1993): Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. *1946. Supervisorin DGSv. Musiktherapeutin (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis und an der Musikschule der Stadt Siegen. *1944. Klaus (2002): Musik als Begegnung. Leitender Dozent in der musiktherapeutischen Zusatzausbildung an der Universität Siegen Ramona Hesse. Lehrbeauftragte für Msuik und Bewegung. Wolf (1978) Der Lernbereich Ästhetik und Kommunikation. 26-37 Wrisch. Sozialpädagogin mit Musiktherapeutischer Zusatzausbildung und Zusatzstudium Kulturpädagogik. IV A 2 6406. Ästhetik und Kommunikation. Individuelle Behandlung für das behinderte Kind.sche Umschau 5-16 Kapteina. Düsseldorf Nordoff. Stuttgart Seidel. Seevetal Die Autoren des vorstehenden Textes sind: Inge Kritzer. Sozialmagazin 5. Dipl. *1957. Musiktherapeut (BVM) mit Heilerlaubnis der Psychotherapie (HPG) in eigener Praxis mit erwachsenen Patienten. Musikschullehrer. Sozialpädagoge. Schöpferisches Handeln zwischen Pädagogik und Therapie. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. Lehrbeauftragte und Lehrmusiktherapeutin der Universität Siegen. Lutz (1997): Psychotherapeutische Sozialarbeit am Ende des Sozialstaats. Stuttgart Kasseler Konferenz der Musiktherapeutischen Vereinigungen (1998): Thesen zur Musiktherapie. Professor für Musikpädagogik und Musiktherapie an der Universität Siegen 158 .

Beziehung zwischen ästhetischer Erfahrung und Alltagsleben herstellen 5. Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anerkennen: Sachaussagen. Methoden der Gesprächsführung beherrschen und anwenden clientzentrierte Gesprächsführung (Rogers) themenzentrierte Interaktion (Cohn) 159 . Assoziationen. jede subjektive Lösung würdigen 3. Erinnerungen. Musik und allen anderen Fächern“ versehen sein könnte: Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik 1. verfügen 6. über großes Repertoire an Möglichkeiten. ausgewogenes Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion anregen 4. ausreichend Raum und Zeit geben zur sinnlichen Erfahrung 2.: „Selbsterfahrung durch Kunst“ (Weinheim 1995) gebe ich nachfolgend unter dem Stichwort „Methodik ästhetischer Aneignung in der Sozialpädagogik“ eine kleine Zusammenfassung. die auch mit der Überschrift „ganzheitlicher Unterricht in Kunst. direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer annehmen 7.a. Identifikationen.Aus dem Titel: Christine Mann u. es gibt kein richtig und falsch. Projektionen. ästhetische Erfahrungen anzuregen.

. 1 Zur Frage der „Neuheit“ im Bereich der Rock. In: Helmut Rösing und Thomas Phleps (Hrsg. Keyboard. Gegenwärtiger Stand und Konsequenzen für die Aus. höchstens in Abhängigkeit von Schlagfolge bzw.. Besetzung“. In der Jugendarbeit: Sich musikalisch ausdrücken können. 201-206) 160 . C. Supervision .In den Jahren 1987 und 1988 haben wir im Kreis Siegen Wittgenstein eine Befragung bei allen Trägern sozialer Arbeit über den Bedarf an musikbezogenen Kompetenzen bei Sozialpädagogen und Sozialarbeitern durchgeführt (vgl. 100-118). „Tempo und Lautstärke variieren fast nie. Tanzen. B. Peter (Hg): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Musikpsychologie .) Je nach Klientel werden verschiedene Kompetenzen zusätzlich genannt. wissen. Instrumentenbau. Jugendsoziologie Bei der Arbeit mit Behinderten: Selbst eine enge persönliche Beziehung zur Musik haben B. psychologisches und medizinisches Wissen (psychosoziale Konfliktfelder. Einfühlungsvermögen.und Popmusik ist Vokalmusik mit lyrischer Grundhaltung (Ausdruck eines fühlenden Subjekts). Rock. Refrain) Rhythmisch dominiert der 4/4 Takt. A. Keyboard1).) Selbsterfahrung (sich selbst kennen. Singen. musikalische Hörstunden veranstalten können. Improvisation nach Regeln B. Liederrepertoire beherrschen. Versuch einer musikhistorischen und musiktheoretischen Aufarbeitung.B. improvisieren können .) Praxiserfahrung (musiktherapeutische Settings kennen. konsequentes Verhalten C. E-Bass. Krankheitsbilder. Beiträge zur Popularmusikforschung 25/26. Tanz und Bewegung Reflexion der eigenen Jugendphase Sensibilität für die Geschichte und die besondere Entwicklungssituation der Jugendlichen Entwicklungspsychologie des Kinder. Begeistern können A. Musiktherapie in der Sozialarbeit. Gesang und ggf. einer oder mehreren Gitarren.und Popmusik belegt Wolfgang Jaedke eine ganze Reihe musikalischer Konstanten. Kreuzrhythmen etc. Formales Kompositionsprinzip ist die Liedform (Strophen. D. sich selbst annehmen und einbringen können . ein Soloinstrument diese „spezifische Klangfarbe“ wird durch hinzukommende elektronisch erzeugte Klangeffekte modifiziert. C. D. die Ergebnisse zeigten Kompetenzbedarf auf den vier „Säulen der Musiktherapeutischen Ausbildung“ (Kasseler Konferenz): A. Frustrationstoleranz. Kreativität. wie Musik auf einen selbst wirkt.): Populäre Musik im kulturwissenschaftlichen Diskurs. Interaktionen gestalten können. bestimmte Instrumente mit geringem Schwierigkeitsgrad spielen können (Gitarre.. außerdem wird verlangt: Singen. Karben: CODA Musikservice + Verlag... Musikpraxis (Instrumente spielen können.) Soziologisches. (Wolfgang Jaedke: Popmusik als Epochenstil. die Rhythmische Gestaltung ist den bekannten afroamerikanischen Merkmalen verpflichtet: Offbeat. in: Marchal.. Varianten sind bei der Behandlung gesellschaftlicher Themen gegeben. Praxis reflektieren können. Schwerpunkt-Antizipationen. Schlagzeug.und Weiterbildung. singen können. die für die Szene seit den 50er mit geringfügigen Abweichungen unverändert gültig sind: das Schlagzeug grundiert ein Stück von Beginn bis zum Ende das Instrumentarium besteht aus Schlagzeug.. Synkopen. z. Realitätssinn.. damit man den Jugendlichen eigene Rockmusik – Praxis ermöglichen kann. 2000. Siegen 1989.und Jugendalters. Gruppen leiten können. für die Arbeit mit Heimkindern: A.

B. D. Geduld Alterseinschränkungen und -krankheiten kennen A.B. bearbeitet haben Liebe. D. in denen man mit Musik besser weiter kommt als mit Gespräch In der Altenarbeit Musik flexibel einsetzen können (im Krankenzimmer. in der Gruppe. die Mut macht zu musizieren Sensibel sein für Situationen. A. Tod. Eine positive Einstellung zu Behinderungen haben Abgestimmte Einstiegesmöglichkeiten kennen und anwenden können. B. 161 . C. C. Verständnis für alte Menschen. begleiten und auswerten können Persönliche Ausstrahlung. auf die Geschichte und die behinderungsbedingten Besonderheiten eingehen können Krankheiten und Behinderungsarten kennen In der Beratungsarbeit: Offene musikalische Spielsituationen personenbezogen gestalten.B. C. bei offenen Veranstaltungen) Existenzfragen. z. Glaube.

und Entwicklungschancen wahrzunehmen“ (Leidecker 2002.Text zum Stichwort MUSIK aus dem Wörterbuch „Soziale Arbeit“. welches in der Sozialen Arbeit als verbindlich anzusehen ist. Obwohl der damals festgelegte Umfang des Lehrangebots nie erreicht wurde. wie Bewegung. Dabei können Spielregeln oder freie situations. Musik oder Folkloretanz mit Senioren. ausreichend Raum und Zeit zur sinnlichen Erfahrung gegeben werden. ästhetische Gegenstände differenziert wahrzunehmen und in den kommunikativen Prozessen des beruflichen Handelns schöpferisch zu nutzen. Gitarre. Dabei werden implizit die lebensweltlichen Beziehungen des Menschen und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert. Sie ist nicht nur eine bewährte musikalische Methode in der Sozialpädagogik. sie repräsentiert vielmehr ein ganzheitliches ästhetisch-didaktisches Prinzip im Umgang mit Musik. Die Ergebnisse werden grundsätzlich nicht nach den Kategorien richtig oder falsch bewertet. szenischem Spiel. Mehrfach begegnet uns in den Vorlesungsverzeichnissen die musikalische Gruppenimprovisation. einen Rahmen. Singen und Instrumentalspiel mit Blockflöte.. musikalische Spielgruppen und Konzerte mit Kindern. Die Gruppenimprovisation bietet als „elementare Musik . Musik reflektiert und methodisch anzuwenden. Hörspiel. Die Merkmale der Gruppenimprovisation sind generell auf kreative soziale Gruppenarbeit übertragbar: es muss. bis hin zu musikalischen Selbsterfahrungsgruppen und Einführung in die Orff-Musiktherapie. Weinheim 2003: Mit einem Erlass zum Studienfach „Ästhetik und Kommunikation“ legte 1976 das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein Westfalen fest. Kindermusical. Es reicht von speziellen musikalisch handwerklichen Angeboten. Radiosendungen.und Feiergestaltung. wie Rockmusik mit Jugendlichen. „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Vorgehen.oder personenorientierte Ideen zu Grunde gelegt werden. Rhythmusarbeit. Bestandteil des sozialpädagogischen Qualifikationsprofils. als Einzelner. als Gruppe. Kinderkunstwerkstatt. Rockmusikpraxis. Fest. 28). In 52 Methodenseminaren und Übungen erhalten die Studierenden das methodische Rüstzeug für die musikpädagogische Arbeit mit den verschiedenen Klientengruppen. ästhetisches und politisches Lernen bilden dabei im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit (Kapteina 2001). Musikalisches. wie Musiktheorie. In 14 Veranstaltungen werden Praxisprojekte begleitet. Tanz. Das Spektrum der Themen reicht von allgemeinen historischen.und Videopraxis über Verbindungen mit anderen Ausdrucksformen.. Seminare und Übungen gehören. gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen bis hin zu adressatenspezifischen Reflektionen über „Jugend und Musik“. als Partner. ist noch heute die Fähigkeit. der es möglich macht. 162 . Das belegt ein Blick in die aktuellen Vorlesungsverzeichnisse: Von 22 Hochschulen mit sozialpädagogischen Studiengängen in Deutschland erbringen lediglich zwei kein musikpädagogisches Angebot. soziales. Instrumentenbau oder Malen nach Musik. Im Wintersemester 2002/2003 werden von den untersuchten Hochschulen 17 Vorlesungen und Seminare mit theoretischen Einführungen angeboten. „Geschlechterrollen in musikalischen Jugendkulturen“ und allgemeine didaktische Grundlagen der Musikpädagogik oder der Musiktherapie in Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie für einzelne Praxisprojekte. emotionales. dass zur sozialpädagogischen Ausbildung zwingend auch Vorlesungen. Sprache. Erfahrungs. auch Musik am Computer und digitale Medien. Gehörbildung. bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert wird. welche die Studierenden befähigen. ausgehend von den vorhandenen ästhetischen Fähigkeiten der Adressaten.

und Weiterbildungsangebote sind auf dem Markt (vgl. Entsprechende Zusatz. Mann et. Auch bei der Jugendarbeit haben sich mobile Projekte bewährt. die Vielschichtigkeit (Universalität) ästhetischer Erfahrung anzuerkennen und Sachaussagen. 163 . die soziale Brennpunkte. Identifikationen. die sich explizit an Kinder aus benachteiligten Familien richten (vgl.und Rockmusik eine zentrale Bedeutung. Tageseinrichtungen und Schule eingeführt. 1995) Die Kompetenz des Sozialpädagogen besteht darin. wie Musikfreizeiten. zum Beispiel ausrangierte Linienbusse. Assoziationen. „Mobile Musikschulen“ stellen Projekte der Gemeinwesenarbeit dar. Entwicklungsbedingt spielen in der Jugendarbeit musikpädagogische Maßnahmen auf dem Gebiet der Pop. Musikpädagogisch qualifizierte Sozialpädagogen führen in Stadtteilen oder in abgelegenen ländlichen Gebieten Musikkurse durch. Familienwochenenden etc. Sie werden meist in übergeordnete sozialpädagogische Zielstellungen eingebunden. Sie bestimmen auch in stationären Jugendhäusern unter kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft die musikalische Praxis. Er ist in der Lage. Komponieren und Improvisieren von Musik ist“. dass er über ein großes Repertoire an Möglichkeiten verfügt. 10). ästhetische Erfahrungen anzuregen. um die Entwicklung ästhetischer sowie sozialer Kompetenz zu fördern und um bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten vorbeugend oder korrigierend einzugreifen. Musik in der Sozialen Arbeit befindet sich somit im Schnittfeld zwischen Musikpädagogik. dem Verstehen von Musik und der Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Interpretieren. Schulen oder abgelegene ländliche Ortschaften anfahren und dort Musikworkshops für Jugendliche und Unterricht im Gitarren-. unterstützen die familiäre Sozialisation (vgl. Rockmobile sind fahrende Musikstudios. Kapteina 2003) Musik und Soziale Arbeit mit Kindern wird von Sozialpädagogen in Vorschuleinrichtungen. in Kapteina 2003). auf der einen Seite und Musiktherapie als Psychotherapie auf der anderen Seite (Wickel 1998. (vgl. Schlagzeugspiel und Gesang durchführen (vgl. Projektionen sowie direkte Gefühlsäußerungen der Teilnehmer anzunehmen und für die Entwicklung der Einzelnen und der Gruppe zu nutzen (vgl. Der Prozess wird in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen sinnlichem Erleben und Reflexion gestaltet.- Jede subjektive Lösung wird gewürdigt. Frühförderstellen und im Rahmen von Schulsozialarbeit praktiziert. Hill. Forum Musiktherapie und Soziale Arbeit. al. Erinnerungen. wobei die ästhetischen Erfahrungen zum Alltagsleben in Beziehung gebracht werden. rehabilitativen oder präventiven Maßnahmen des Gesundheitswesens zum Tragen. wie Gewaltprävention und Entwicklung von sozialer Kompetenz und Basisqualifikationen (Dentler 2001) oder Prävention. Schreiber 2003). die Konzepte für die musikalische Breitenbildung aus der Nachkriegszeit für die Jugendmusikschule aktualisieren. Soziale Berufskarrieren verlaufen dementsprechend nach drei unterschiedlichen Orientierungen: Entweder werden die in der Ausbildung erhaltenen Kompetenzen in die Sozialpädagogik mit einem bestimmten Klientel integriert oder es werden künstlerische und musikpädagogische Fähigkeiten im Rahmen von gemeinwesenorientierter Kulturarbeit und –Management umgesetzt oder sie kommen in therapeutischen. „deren Ziel die Befähigung zum bewussten Umgang mit Musik. Bass. Mann 1995). 1992. 1996. Spielgruppen für Kinder und ihre Eltern sowie Familienorientierte Angebote. Spezielle Angebote für gefährdete Kinder werden als begleitende Fördermaßnahmen in Kindergarten und Kinderhort. Dentler 2001). Keyboard-. Seidel.

et.eine ethnographische Studie aus der Jugendarbeit. Stuttgart 1993 Kapteina. Im Rahmen des Gruppen übergreifenden Dienstes organisieren Sozialpädagogen Singrunden und Tanznachmittage.Neben den bereits erwähnten bei Mann et. Helfen. al.: Partytime.: Musik als Begegnung. A. 298-306 Wickel.und Familienberatung können Rollenkonflikte. http://www. Opladen 2001 Hill. H. Musikmachen und Lebensbewältigung. Auch in der Ehe.de 2003 Seidel. die Mobile Musikschule. al.: Sozialpädagogische Musiktherapie. Eine lebensgeschichtlich orientierte Fallstudie der Jugendarbeit. Hartmut: Gruppenimprovisation als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. Anmerkungen zu einem Praxis. C. Weinheim 2004 164 . Eine Einführung. B. beschriebenen musikalischen Angeboten in der Erwachsenenbildung kommt Musik im Bereich der Sozialen Arbeit bei der Beratung von Erwachsenen immer denn zum Tragen.: MOMU. B. Das wurde für die ambulante Beratung und Behandlung von Suchtkranken und ihren Angehörigen von Kapteina und Hörtreiter exemplarisch dargestellt (1993).): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Des weiteren leistet Musik bei der Altenhilfe in Heimen und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur psychophysischen Gesundheit.: Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. Sie organisieren Kulturprogramme oder entwickeln zusammen mit Bewohnern Konzepte für die Gestaltung akustischen und des musikalischen Milieus in den Einrichtungen. K. H. Schreiber@momu.und Ausbildungskonzept. (Hrsg. Heilen. problematische Konstellationen im musikalischen Rollenspiel deutlich erkennbar und Lösungen erarbeitet werden. 35-44 Kapteina. Münster 1998 Wickel. Dabei kommt vor allem dem gemeinsamen Singen herausragende Bedeutung zu. Weinheim 1995 Schreiber. : „Rockmobil“ .: Musik zum Erleben. H. In: Ringgespräch über Gruppenimprovisation LXVII 2001.uni-siegen. K.: Selbsterfahrung durch Kunst. Opladen 1996 Kapteina.de/musiktherapie/ Leidecker. H. H. Literatur: Dentler. / Hörtreiter. In stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe bietet Musiktherapie in den Händen von Sozialarbeitern und –Pädagogen mit entsprechender Zusatzausbildung wichtige Beiträge zur wirksamen Bearbeitung vermiedener Emotionen und verdrängter Erlebnisinhalte.musiktherapie.: Musik und Malen in der therapeutischen Arbeit mit Suchtkranken. H. Wiesbaden 2002 Mann. in: Musiktherapeutische Umschau 1992. wenn der verbale Diskurs die eigentlichen psychosozialen Problemstellungen nicht hinreichend erreicht. H. H.

wo die Avantgarde der damaligen Zeit zu Hause war: Bernd Alois Zimmermann. werde ich am Ende meines Beitrags berichten. dass es doch möglich sein müsste. Kagel. Wie ich darauf eingegangen bin. Sie äußert Klärungsbedarf einerseits.): Improvisation – Therapie – Leben. anderseits aber auch eine deutliche Abwertung des musikalischen Handelns – sowohl des der Patientin selbst als auch des ihrer Mitpatienten. Sie entwarfen Modelle Erschienen in: Haase. Vor allem aber hörte ich eine ästhetische Anfrage: Was machen wir hier eigentlich? Musiktherapie oder Krachtherapie? Die ästhetische Anfrage berührt die theoretischen und ethischen Rahmenbedingungen der Therapie. Zuvor möchte ich nach einer historischen und zum Teil auch biographischen Einleitung eine ästhetische Theorie der musikalischen Improvisation darlegen und anhand einer kurzen Szene aus der Behandlung der zitierten Patientin aufzeigen. denen sie zum Teil exzessiv in der Musiktherapie Ausdruck verlieh. etwas von der schöpferischen Begeisterung. im Verlauf ihrer Depressionsbehandlung Kontakt zu ihren wilden. 2 1 165 .10 Neue Musik. Hier entstand bei mir die Idee. in denen wir zusammen mit unseren Lehrern lernten. wie es damals hieß. Ich habe die musikalische Gruppenimprovisation2 in den Sechziger Jahren während meines Schulmusik. bei denen ich die Freiräume jenseits von Metrik und Tonalität genoss. elektronischen und aleatorischen Kompositionsexperimenten im Aufbruchklima der Sechziger Jahre und an einer Musikhochschule. eigene Ordnungsprinzipien zu entwerfen und musikalische Zusammenhänge zu stiften. deren Kinder außer Rand und Band geraten sind. das erste Studio für elektronische Musik am WDR und später auch an der Hochschule. lauten und aggressiven Anteilen zu bekommen. Crossen 2005: Akademie für angewandte Musiktherapie. Das war wie ein musikdidaktischer Quantensprung. Improvisation und ganzheitliche Musikpädagogik Improvisation als ästhetische und gesellschaftliche Zumutung in der Musiktherapie1 Am Beginn einer Musiktherapie Sitzung sprach eine Patientin Sitzung zu mir: „Wie kann man diesen Krach den ganzen Tag aushalten!“ Ich deutete ihn als Impuls auf mehreren Ebenen: Ich sah etwas wie Stolz in ihren Augen. welche Bedeutung dem ästhetischen Zugang in der musiktherapeutischen Praxis und Theoriebildung zukommt. die man beim Komponieren erlebt. Ich fühlte mich bedauert. Die Geburt der Gruppenimprovisation aus der Neuen Musik Mein Studium finanzierte ich mit Musikunterricht an einer Fachschule für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. 64-75 Ich verwende in diesem Beitrag die Begriffe Improvisation und Gruppenimprovisation synonym. Ein spannendes Abenteuer mit seriellen.und anderen Kompositionstechniken. Cage. Ulrike. in den Musikunterricht einzubringen. Stockhausen. wie man es bei gestressten Eltern oder Lehrern tut. Antje (Hrsg. mit Schülern in einen schöpferischen und sinnvollen Prozess des Musik Lernens zu kommen. Ligeti. weil der musiktherapeutische Kontext die therapeutische Beziehung von mindestens zwei Personen voraussetzt. Die Schülerinnen kamen in Kontakt zu ihren schöpferischen Fähigkeiten. nämlich von Patient und Therapeut.und Kompositionsstudiums an der Musikhochschule in Köln für mich selbst als Möglichkeit entwickelt. Stolz. Musikalische Freiheit jenseits von Metrik und Tonalität Der Weg dahin verlief über kompositorische Erfahrungen mit der Zwölfton. Immerhin war es ihr gelungen.

Bei der Arbeit mit ihnen entdeckte ich die Gruppenimprovisation. die bei Schulfeiern zur Aufführung kamen. Hier genau ist die Gruppenimprovisation entstanden. entstehen viele Varianten. dass ich nicht allein auf diese Idee gekommen war. Das äußerste Stadium dieser Entwicklung ist erreicht. Sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft geläufigen Konsumgewohnheiten. Lilli Friedemann. Jahrhundert. ähnliche Entwicklungen vollzogen. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien (ein führender Musikwissenschaftler bezeichnete Anfang der Siebziger Jahre bei den Darmstädter Tagen für Neue Musik Gruppenimprovisation als „musikalischen Dreck“). innerhalb derer die Eigeninitiative der Ausführenden das klangliche Ergebnis bestimmt. Ich kennzeichnete sie als vorläufigen Endpunkt der Entwicklung von Kompositionstechniken im 20. Zum Einsatz kommen Alltagsgegenstände. In diesem Zusammenhang fungiert die Gruppe als Minigesellschaft. Mit der Zeit merkte ich. diskutierten die Ergebnisse. Wolfgang Longardt. Sie entwickelten große Musikaktionen. „Krach“. Die Komposition enthält mehr oder weniger umfangreiche Spielräume. eben auch den sog. Ich behauptete. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969). Den Interpreten und auch dem zuhörenden Publikum wird immer mehr Verantwortung für die Realisation des Werkes zugewiesen. verglichen sie mit Werken neuer Musik. Frank Grootaers. Herkömmliche Instrumente werden unüblich bedient mit der menschlichen Stimme werden die unüblichsten Artikulationen hervorgebracht. Allerdings zeigte sich bald. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. 160). 1972 stellte ich die Gruppenimprovisation in meiner Probevorlesung an der damaligen Fachhochschule Siegen . dass das musikalische Verhalten in der Gruppenimprovisationen auch von den individuellen Lebenserfahrungen jedes einzelnen bestimmt ist. wenn die Rollen von Komponist. Gerd Lisken. Helmut Schaarschmidt. Interpret und Hörer in ein und derselben Person vereinigt sind. Damit einher geht eine neue Rollenflexibilität der am musikalischen Prozess beteiligten Personen. Wenn dabei Traumata und ungelöste Lebenskonflikten zum Ausdruck kommen. So entstehe „ein Zusammenspiel. Jeder ist „in jeder Sekunde zur Entscheidung.Gummersbach (heute Universität Siegen) im Fachbereich Sozialwesen als Methode politischer Bildung in der Sozialen Arbeit vor und erhielt den Ruf auf die Professur im Fach Musikpädagogik. Das liegt inzwischen nicht nur jenseits von Metrik und Tonalität sondern umfasst Alltagsgeräusche. Peter Ausländer. aus Fabrikhallen etc. den Kompositionsprozess neu zu definieren. dass die Beteiligten in der Gruppenimprovisation Verhaltensmuster bei sich selbst und bei den anderen erkennen können. die sie mit graphischen Zeichen darstellten und gemeinsam umsetzten. Diese Entwicklung von der avantgardistischen Komposition zur Gruppenimprovisation war von intensiven gesellschaftspolitischen Reflexionen begleitet. sind sie von der radikalen Erweiterung des musikalischen Materials bestimmt. zur Mitbestimmung. schallfähige Materialen aus dem Wald.für Kompositionen. Das musikalische Verhalten der Mitglieder bildet bestehende gesellschaftliche Verhältnisse ab und offenbart deren Veränderbarkeit. zur Wahl“ gefordert (Loos 1986. Gruppenimprovisation als gesellschaftlicher Gegenentwurf Insofern gilt die Gruppenimprovisation als musikalische Subkultur und Entwurf einer Gesellschaft. Eine erste ästhetische Beschreibung der Gruppenimprovisation unternahm ich 1974 in der Zeitschrift „Archiv für Angewandte Sozialpädagogik“. gleichzeitig hatten Kolleginnen wie Gertrud Meyer-Denkmann. um nur einige zu nennen. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. müssen sie mit psychothe166 . Lore Auerbach.

Verhaltenstherapie. was ist 167 . was ist böse?) und die Ästhetik (was ist schön. als in ihr ein formaler Zusammenhang zwischen einzelnen Teilen hergestellt wird. Intensitätsverhältnisse (Dynamik) u. Das bedeutet also. Den zweiten Weg markierte zum Beispiel Paolo Knill mit seiner Forderung. wie Psychoanalyse. morphologische. Sozialtherapie u. dass es in Zukunft zu einer stärkeren Orientierung an den ästhetischen Grundlagen kommt. hört. Zeitstruktur (Rhythmus und Form).“ (1979.w. dass „die Grenzen der Sprache nicht die Grenzen der Welt sind. Zur ästhetischen Theorie von Jan Mukarovský Adornos „Zusammenhang alles Einzelnen“ wird über die eingehende musikalischen Analyse der Improvisationen erfasst: Instrumentenwahl. 11 f) ist Musik keine Sprache. integrative. oder andersherum formuliert: Die Musiktherapien erscheinen jeweils als musikalische Spielart einer mehr oder weniger etablierten Psychotherapie. Die meisten stellten die Gruppenimprovisation in den Rahmen unterschiedlicher psychologischer und psychotherapeutischer Theorien und Verfahren. als das ‚ästhetische Zeichen’ selbst. auch. fühlt oder riecht“ (1985. Handhabung. die klassische Philosophie umfasst drei Disziplinen: die Logik oder Erkenntnistheorie (was ist richtig. eine ästhetische Angelegenheit ist. als Disziplin mit verschiedenen Varianten: psychoanalytische. (vgl. Damit haben wir die Matrix erfasst. 379). sozialtherapeutische. verhaltenstherapeutische. So präsentiert sich die Musiktherapie in Deutschland. ist ein Abbild des gesellschaftlichen Zustandes. dass die Improvisation etwas wie ein Symbol. dem das Werk entstammt. die Adorno zufolge soziale Verhältnisse „vertritt“. und es nichts ‚Genaueres’ gibt. Das heißt. welche Inhalte transportiert sie? Nach Adorno. die Ethik oder die Moraltheorie (was ist gut. was ist falsch?). ein Zeichen für etwas ist. altorientalische Musiktherapie und viele andere mehr. leibtherapeutische. und Peter Faltin führte weiter aus. und das auch mit ihren gesellschaftspolitischen Implikationen. Das ändert aber nichts daran. 57). Mukarovský diskutiert zunächst den Standort der Ästhetik. wie im musikalischen Kunstwerk die Töne zueinander gefügt sind. eine Metapher. anthroposophische. Was „meint“ Musik. die etwas meint. was „bedeutet“ die Improvisation. wenn sie im klinischen Rahmen stattfindet. Im Gegensatz zum öffentlich anerkannten „Kunstwerk“ haben diese musikalischen Zusammenhänge unmittelbar mit den musikalisch handelnden Personen zu tun.rapeutischen Mitteln aufgearbeitet werden. Form als Zusammenhang alles Einzelnen vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis. Den Begriff des ästhetischen Zeichens hat Mukarovský eingeführt. Spielweise. 1963. wenn auch seit 1998 unter der Klammer einer einheitlichen Definition ihres Begriffs (Kasseler Konferenz). Gruppenimprovisationen stiften in ihrer jeweiligen formalen Gestalt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den musikalischen Einzelaktionen und stellen auf diese Weise soziale Verhältnisse dar. was außerhalb ihrer selbst liegt.s.f. Zwei Wege von der Gruppenimprovisation zur Musiktherapie: Improvisation als musiktherapeutische Spielart einer etablierten Psychotherapie oder Improvisation als Musiktherapie Für viele Vertreter der Gruppenimprovisation begann an dieser Stelle ihre Entwicklung zum Musiktherapeuten. Form und soziales Verhältnis Adorno formulierte in seiner „Ästhetischen Theorie“: „Politisches impliziert Kunst jedenfalls insofern. Das Verständnis der Improvisation solle sich „direkt aus der Bedeutung der Musik in der therapeutischen Begegnung und nicht aus der Umdeutung in die psychologisch-reduktive Sprache psychotherapeutischer Modelle“ ergeben (1990. Schallverläufe. dessen ästhetische Theorie (1971) ich hier kurz skizzieren möchte. die Art und Weise. dass musiktherapeutische Theoriebildung grundsätzlich musikimmanent zu betreiben sei. 149). Die eingehenden Diskussionen in der Kasseler Konferenz zu diesem Thema sowie jüngste Publikationen von Martin Drewer (2000) und Isabelle Frohne-Hagemann (2001) lassen hoffen. Das geschah auf.s. das man sieht. dass die Gruppenimprovisation.

D. verheiratet. Bei dem Besuch einer Freundin erfährt sie nebenbei. wo sie in meine Musiktherapie Gruppe kommt. Nun zur Szene: 1 Der Name ist geändert 168 . hat zwei Kinder im Alter von fünfzehn und siebzehn Jahren.).) mit dem Ziel verwendet. Ebenfalls zu den unmittelbaren Funktionen gehört die theoretische. dass sie immer große Unruhe überfiel. Im Nachhinein sagt sie. an deren Analysen er seine Ästhetische Theorie entwickelte. Freundeskreis. ist integriert in Nachbarschaft. Hinweisschilder etc. die sich ästhetischer Zeichen bedient. Zum Ersten: „Ästhetische Zeichen spiegeln in sich die Wirklichkeit als Ganzes“ Fallbeispiel: Frau Berger mit Flexaton Frau Berger ist Mitte vierzig. Mit der „Vereinheitlichung der Wirklichkeit“ erinnere „die ästhetische Funktion an die theoretische. dass ihr Mann bereits seit vielen Jahren eine Geliebte hat. die Wirklichkeit in das Bewusstsein des Subjekts zu projizieren (vgl. Verdeutlichung anhand eines Fallbeispiels Anhand einer kleinen Szene aus der Therapie mit Marion Berger1.: Die Vielfalt der Elemente. in denen eine bestimmte Art. D. möchte ich verdeutlichen. wird nach der Art und Weise in einen Zusammenhang gebracht.. des Körpers. Der Hausarzt weist sie in die akutpsychiatrische Klinik ein. ebd.). bei der der Mensch semantische Zeichen (Sprache. umsorgt als umsichtige Hausfrau und Mutter Ehemann. wenn ihr Mann und die Kinder außer Haus waren.hässlich?).) Zu den zeichenhaften Funktionen zählt Mukarovský neben der symbolischen die ästhetische. nach dem Bild des Subjekts unifiziert) und dynamisch (. d. erlebt wird. Der Mensch verfügt nach Mukarovský über unmittelbare und zeichenhafte Funktionen.. obwohl es zwischen den Eheleuten nur wenig Austausch gab. erzeugt eine Verhaltensweise) charakterisieren. Theater. Zu den unmittelbaren gehört die praktische Funktion wenn er mit Körperkraft oder Werkzeugen die Wirklichkeit zu seinem Vorteil umgestaltet (vgl. Die Tatsache. dass Menschen etwas als schön oder hässlich bewerten können. Sohn und Tochter. der zu Beginn zitierten Patientin. dass die theoretische Funktion sich um ein zusammenfassendes Bild von der Wirklichkeit bemüht. von der sie sich aber darin unterscheidet. „dass sie auf keine singuläre Wirklichkeit“ verweisen. Musik. sich der Wirklichkeit gegenüber zu verhalten. D. Eigentlich hätte sie keine Unzufriedenheit empfunden. In einer solchen Situation fällt sie „wie aus heiterem Himmel“ in eine schwere Depression.: das ästhetische Zeichen provoziert Bewegungen der Sinne..h.h.) gegenüber erzeugt“ (ebd. Zusammenfassend können wir den Inhalt des ästhetischen Zeichens als global (spiegelt die Wirklichkeit als Ganzes). Zahlen.. Sie lebt in einer typischen kleinbürgerlichen Familie. Tanz. aus denen sich bei der Improvisation oder einer anderen Musik zu einem ästhetischen Zeichen zusammenfügen. was die drei Eigenschaften von ästhetischen Zeichen in der musiktherapeutischen Praxis bedeuten. des Denkens.Vf. subjektiv (. sondern sie spiegeln „in sich die Wirklichkeit als Ganzes wider“ (129). die dem beteiligten Subjekt eigentümlich ist. bezeichnet Mukarovský als „Funktion“ und definiert: „Funktion ist die Art und Weise des Sichgeltend-Machens des Subjekts gegenüber der Außenwelt“ (125). Ästhetische Zeichen Ästhetische Zeichen unterscheiden sich von symbolischen dadurch. dass sie „nach außen“ eine glückliche Kleinfamilie darstellten. 127). Allerdings: die durch das ästhetische Zeichen „als Ganzes widergespiegelte Wirklichkeit ist im ästhetischen Zeichen nach dem Bild des Subjekts unifiziert“ (ebd. Bildende Kunst oder Filme von Charley Chaplin.: in ihnen können prinzipiell alle Aspekte der Wirklichkeit enthalten sein.h. während die ästhetische eine vereinheitlichende Verhaltensweise ihr (der Wirklichkeit. Auffällig war lediglich.

sie solle sich nicht so anstellen. Andere Hörer mögen andere Inhalte empfunden haben. Ich bitte sie. sie habe das immer noch mal wiederholen müssen. wie sie ihn zur Rede stellen will und er abblockt mit der Bemerkung. Dann erzählt sie. ob sie ihre Musik vollständig beschrieben habe. um immer wieder aufs Neue dasselbe Muster zu wiederholen. Die vereinheitlichende Verhaltensweise. was sie während der Musik erlebt hat. Ihr fällt dazu nichts mehr ein. Der Therapeut erlebt es mit in seiner Resonanz. Ich komme nochmals auf ihr Spiel zu sprechen und frage. wird im Klangerleben unmittelbar erfahrbar. wenn ein Mann eine Geliebte hätte. . das ihre Wirklichkeitsbeziehung prägt. Gegenübertragung oder welchen psychologischen Begriff er auch immer verwendet. zu beschreiben. öffnet das ästhetische Zeichen den Mitteilungsraum zur „Wirklichkeit als Ganzes“ hin. und ich frage. fast nicht hörbare hell klingende Glissando am Ende zwischen den Klangaktionen. und potentiell wäre tatsächlich alles nur denkbare in diese Klangaktion projizierbar. Er ist jedenfalls mit hineingenommen in die vereinheitlichende Verhaltensweise. mit Bauchschmerzen und Durchfall zu tun. „dieses Anklammern“. wo die besagten Klänge entstehen. Es würde sich innerlich alles zusammenkrampfen. Empathie. Die Patientin nimmt ihn als schneidendes Gefühl an ihrem Daumen wahr. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Eifersucht mit Flexaton Frau Berger schaut auf das Instrument herab und wiegt es hin und her. Wir spüren die nerverzerreißende Anspannung und die unbefriedigende Entladung ins Leere hinein.. aber ihr fällt nichts weiter auf. ob sie vielleicht noch einmal hinhören wolle. wobei die beiden Schlägel schnell aufeinanderfolgende. In dieser Situation hätte sie ihm „ein Messer in den Bauch rammen können. Dann kommt sie auf das Thema „Eifersucht“ zu sprechen. die sich ins Leere entlud. das sei doch nichts ungewöhnliches. das ihr Bild von der Wirklichkeit bestimmt. sie wiederholt die Aktion mehrere Male. Jedenfalls ist die Wahrnehmungsgrenze zu respektieren. die sie in solchen Stresssituationen bekommt. ob sie zu dem Satz „ich möchte ihm ein Messer in den Bauch rammen“ eine Musik machen könne. die das ästhetische Zeichen erzeugt. Die währenddessen entstehenden Klänge nimmt sie nicht wahr. „Abwehr“ oder „Widerstand“ sind die psychologischen Begriffe. dass sie seit eh und je diese Eifersucht hat. den sie noch nicht thematisiert hat: jenes leise. Allerdings. Das zeigen die Äußerungen der Patientin. Dann kommt sie auf Bauchschmerzen und Durchfall zu sprechen. während des erneuten Dehnens hört man leise ein helles Glissando. Eifersucht zu spielen.“ Ich frage. Ich bitte sie. Sie erinnert das kalte. Dort. Freundschaften seien daran zerbrochen. Die dritte Bestimmung. und nun kommt die zweite Bestimmung: die Wirklichkeit als Ganzes ist in dem ästhetischen Zeichen widergespiegelt nach dem Bild des Subjekts unifiziert. Das wäre eigentlich ein typisches Eifersuchtsinstrument. enthält in unserem Beispiel die Auseinandersetzung mit Schmerz. Sie wiederholt einige Mal die Klangaktionen von zuvor. dann lässt die das Instrument auf den Schoß sinken und atmet tief durch. und ihren Mann habe das sicher auch genervt. oder in Mukarowskýs Terminologie ausgedrückt. Während die semantische Kommunikation über die Szene mit ihrem Mann und ihre Mordphantasie eindeutige Inhalte transportierte. Sie lässt kurz ihren Blick über die Instrumente schweifen.Frau Berger schildert die Begegnung mit ihrem Ehemann. ihr ureigenstes Bild. und im übrigen sei die Beziehung auch gar nichts ernstes . hatte sie von einem „schneidenden Gefühl an der Daumenkuppe“ gesprochen. Ich selber spürte eine fast quälende Anspannung. für sie hat die Musik mit Stress. wenn sie das Blech wieder anspannt. ergreift das Flexaton.. Fortsetzung Fallbeispiel Frau Berger: Zorn und Verlassenheitsangst mit Flexaton In der therapeutischen Szene mit Frau Berger ist meine Aufmerksamkeit von Beginn an auf einen Teil des Klanggebildes gerichtet. Sie spielt nochmals. dann das „schnackelnde Geräusch“. In diesem Schritt der Therapie erforscht die Patientin ein Motiv. die das ästhetische Zeichen erzeugt. ich höre eine wimmernde helle Stimme und denke ein jam169 . schneidende Gefühl an der Daumenkuppe beim Anspannen der Blechplatte. Sie dehnt die Blechplatte bis zum äußersten Punkt und lässt sie dann los. der zufolge das ästhetische Zeichen eine vereinheitlichende Verhaltensweise der Wirklichkeit gegenüber erzeugt. nach dem sie die Wirklichkeit unifiziert. Decrescendo-Klänge erzeugen.

In der Musik dagegen können sich Emotionen „ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben“ (ebd. nicht nur in dieser sondern auch in den folgenden Sitzungen wiederholt: Irgendwann habe sie begonnen. Der Vater war der einzige. 1. wiederholte es mehrmals und begann heftig zu weinen. Insofern muss Gruppenimprovisation heute ebenso wie zur Zeit ihrer Entstehung als subkulturelle Mu170 . nahm auch noch ein letztes Mal das Flexaton zur Hand und sagte: „Das hört sich wie ein jammerndes Kind an“. 2. die für uns Musiktherapeuten von besonderem Interesse sein dürften. Sie erzählte. Von Natur aus würden Emotionen grundsätzlich Gegenstände der Wirklichkeit widerspiegeln. in der Musik können sich Gefühle ohne Gegenstandsgebundenheit ausleben Georg Lukács hat in seiner Ästhetik das einzigartige Verhältnis zwischen Musik und Emotionen hervorgehoben (vgl. Das ästhetische Zeichen der Patientin und ihre Verhaltensweise weist in Erlebnisräume hinein. Gruppenimprovisation liegt extrem außerhalb des geläufigen Musikgeschmacks Gruppenimprovisation als Ergebnis der avantgardistischen Entwicklungen der Neuen Musik liegt extrem außerhalb des Mainstreams des gegenwärtigen Musikgeschmacks. dass die Patienten Anspruch auf Musiktherapeuten haben. Spintge und Droh 1992. Zum anderen macht die Betonung des sinnlichen Kontakts die Berücksichtigung des Körpererlebens und neurophysiologischer Zusammenhänge beim Erleben von Musik zwingend erforderlich. dass sie jetzt nicht alleingelassen ist.s. das sie lange Zeit. Von den drei Frauen fühlte sie sich ständig schikaniert. . u. Sie als „Krach“ (oder Geklimper oder Katzenmusik u. 1972. Unter Tränen holt sie sich das Glockenspiel. Ich meine. wie sie mit Mutter und zwei Tanten zusammen aufwuchs. So weit sie zurückdenken kann. das Hin und Her zwischen ästhetischer und semantischer Ebene.) zu bezeichnen. Er war aber meistens weg. Sie bricht plötzlich ihre Erzählung ab. Die Produkte der Gruppenimprovisation liegen nicht nur jenseits herkömmlicher musikästhetischer Kategorien. Kagan 1974. Hier beende ich das Fallbeispiel und auch meinen Beitrag mit einigen Bruchstücken aus der ästhetischen Theorie. sie waren kalt und nur darauf bedacht. für die sie (noch) keine Sprache hat. sie liegen auch abseits der musikalischen Vermarktungswege und außerhalb der in der Gesellschaft vorhandenen musikalischen Kommunikationsräume. Daraus resultiert zum einen der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie.). die die ästhetischen Implikationen ihres Handwerks verstehen. ist für sie naheliegend. weil er es in diesem Frauenhaus nicht aushielt. die die unmittelbare Verbindung des Hörsinns mit den für das emotionale Erleben zuständigen neuronalen Mustern des Limbischen Systems beschreibt (vgl. dass er nicht zurückkommen würde und sie völlig den strengen und lieblosen Frauen ausgeliefert wäre. und wieder entsteht ein ästhetisches Zeichen. geliebt zu sein. 4). In einer späteren Sitzungen kam sie auf das Thema Eifersucht zu sprechen. Ingarden 1969. Ich begleite sie an Xylophon und Metallophon mit Terzparallelen und verändere ihr Bild von der Wirklichkeit in dem Sinne.. alles im Haus sauber und steril zu halten.a. Ästhetisches Erleben ist an sinnlichen Kontakt und geistiges Erleben gebunden Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben sind die Voraussetzungen für ästhetisches Erleben (vgl.. der sie mal in den Arm oder auf den Schoß nahm. hatte sie Angst. Diese Ansicht findet sich in der neurophysiologischen Forschung bestätigt. damit man sie nicht hörte . sich mit einem solchen Singsang in den Schlaf zu singen und das schlimme Verlassenheitsgefühl zu bewältigen. 105 f.w. 110). 3. Zu Grunde liegt ein völlig anderer Begriff von Musik als der bei den Patienten gebräuchliche.merndes Kleinkind. 20 ff).. zärtlich zu ihr war und ihr das Gefühl gab. Abend für Abend habe sie in ihr Kissen hinein geweint.

wenn sie nicht den allgegenwärtigen Verlockungen und Verführungen erliegen wollten. Anderseits fragt die ästhetische Wissenschaft nach den Bedeutungen der Kunst. bei dem keiner den anderen überflügelt“ (1969).und Konsumwelt Not. ästhetische Theoriebildung. 1790) täte den Menschen der totalen Waren. die ja allenthalben mit ästhetischen Inszenierungen einhergehen. 1 171 . So entstehe „ein Zusammenspiel. Franco Evangelisti formulierte „kritische Einstellung und Bescheidenheit aller Mitglieder“ als maßgebliche Kriterien für den gemeinsamen Schaffensprozess in der Gruppenimprovisation. welches ihn zur Fortsetzung und Steigerung des Konsums antreibt. dass ich auf die ästhetisch gemeinte Frage von Frau Marion Berger. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit des Menschen und enden nicht an den Grenzen der etablierten Psychotherapien. diese kaum beachtete Wissenschaft von der sinnlichen Wahrnehmung und der „Urteilskraft“ (Immanuel Kant. Ingarden 1969. Hinsichtlich des sinnlichen Kontakts liegt in der Musiktherapie zusätzlich ein besonderer Fokus auf Körperreaktionen und neurophysiologischen Wirkungen der Musik. Nachzutragen wäre noch. Der Musikmarkt bestimmt das musikalische Bewusstsein der Menschen und nicht ihre schöpferischen Potentiale. dann wären es für mich die Improvisationen. z. dass ästhetische Kategorien sehr wohl in der Lage sind. Mit diesem gesellschaftlichen Kontext befinden wir uns bereits auf dem Gebiet der allgemeinen Ästhetik (griechisch: aisthesis). 4. erfordert von einer Therapie. die in diesem Musiktherapieraum entsteht und die ich keineswegs für Krach halte. Werbebotschaften und –Kampagnen etc.B. zur Wahl“ gefordert (Loos 1968. Henk Smeijsters (1999) und andere belegen. Die ästhetischen Kategorien bewahren die Ganzheit Musik als Verwirklichung des menschlichen Vermögens. die sich ihrer bedient. Widerspiegelung oder Abbildung von Wirklichkeit. Paul Nordoff und Clive Robbins (vgl.sik gelten. Von Beginn wurde Gruppenimprovisation als Entwurf einer Gesellschaft verstanden. Gleichwohl sind die verschiedenen psychotherapeutischen Theoreme hilfreich. mit der folgenden ästhetischen Stellungnahme antwortete: „Wenn es auf der Welt Musik gäbe. Zur theoretischen Fundierung der Musiktherapie reichen sie nicht hin. die von gleichberechtigter Teilhabe aller ihrer Mitglieder bestimmt ist. 1986). 4). Markenzeichen. Leslie Bunt (1998). zur Mitbestimmung. entsteht beim Konsumenten nach jedem Warengebrauch ein unbefriedigtes Restbedürfnis (Warenhunger). ästhetische Zeichen hervorzubringen und zu erleben.) Da Gebrauchswertversprechen und Ge-brauchswert mehr oder weniger eklatant divergieren. Daraus resultiert der Wechsel zwischen Spiel und reflektierendem Gespräch in der Musiktherapie und in der pädagogischen oder künstlerischen Gruppenarbeit. der Indikation und der Evaluation zu erfassen. Ansprüchen und Zumutungen der Gesellschaft gescheitert sind und deshalb nach den Standards der allgemein anerkannten Kultur als behandlungsbedürftig definiert werden. 160). wie ich denn diesen Krach den ganzen Tag über aushalte. 105 f. die diese Bezeichnung im vollen Sinne ihrer Bedeutung verdient. für Medienkonsum eher atypisch. Jenes Hin und Her zwischen sinnlicher und semantischer Ebene ist für Gruppenimprovisation typisch.. die ich mit den Patienten täglich erleben kann. Als subkulturelle Kunst aber hat sie in der Musiktherapie große Bedeutung erlangt. uns. die an den Normen. um Einzelheiten des musiktherapeutischen Prozesses zu überprüfen und zusätzlich zu verstehen. Probleme der Diagnose. Denn im Gegensatz zu allen Musiken um uns herum hat die Musik. Kagan 1974. ihrer Qualität als Mimesis. Was wundert’s: ist doch die Musiktherapie selbst Teil der Subkultur von Menschen.1 Die ästhetische Wissenschaft erfasst einerseits die Charakteristika der ästhetischen Situation: Sinnlicher Kontakt und geistiges Erleben (vgl. welches mit ästhetischen Mitteln dem Warenkörper hinzugefügt wird (Verpackung. Bei der Gruppenimprovisation ist jeder „in jeder Sekunde zur Entscheidung. die heute mehr denn je aktuelle „Kritik der Warenästhetik“ von Wolfgang Fritz Haug (1971): Um das Interesse der Gewinnmaximierung zu gewährleisten. versehen Warenproduzenten ihre Produkte mit einem „Gebrauchswertversprechen“.

Ideologien und ökonomische Interessen zu erkennen (die Kritische Funktion). Musiktherapeutische Umschau. Musiktherapie.bedingt und aktuell mit nichts anderem als mit uns selbst zu tun und mit unserer Art in der Welt zu sein. 172 . in dies. Martin (2000): Gestalt. 5. Leslie(1998): Musiktherapie. 245). so Stefanie Marr „erschließen sich Menschen Lebenswirklichkeit“. Isabelle (2001): Ästhetik und Leiblichkeit. und Gruppenimprovisation hat dort ihren Ort.): Fenster zur Musiktherapie. Wien: Universal Friedemann. Braunschweig 1975. Günter (Hrsg. Ziel ist die Entwicklung von „Gestaltungskompetenz. 6-10 Bunt. Wolfgang Fritz: Kritik der Warenästhetik. Frankfurt/M: Suhrkamp. also auch die alltäglichen Gegenstände. Frankfurt am Main 1971 Ingarden. Peter: Vokalimprovisation. Begleittext zur Schallplatte DGG 643541 Faltin.): Texte zur ästhetischen Erziehung. was uns dort begegnet. Aachen Friedemann. Gegenstand ästhetischer Erziehung ist nicht nur Kunst sondern der gesamte lebensweltliche Kontext. ringgespräch über gruppenimprovisation März 1998. Franco (1969): Improvisationen der Gruppe Nuova Consonanca. ist neben seinen praktischen Verwendungszwecken immer auch als ästhetisches Zeichen zu verstehen und als solches wirksam. Münster: LIT Evangelisiti.Tanzen – Tönen.“ die gelingt. Musik und Sprache. 12-24 Knill. Kunstwerk und Wert. Lilli (1973): einstiege in neue klangbereiche durch gruppenimprovisation. (Hrsg. Archiv für Angewandte Sozialpädagogik. Frankfurt am Main: Suhrkamp Auerbach. Wolfenbüttel: Möseler Ausländer. 37-67 Haug. Erkenntnisse in konkrete ästhetische Handlungen umzusetzen (die Pragmatische Funktion) und die Sinne zu befreien und vom Konsumieren zum Genießen zu kommen (die Hedonistische Funktion). Hartmut (1974): Gruppenimprovisation – eine musikpädagogische Methode. Moissej (1974): Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik. Musiktherapeutische Umschau. Rolf-Dieter: Kleine Ethik der Improvisation. Weinheim: Beltz Drewer. Wien: Universal Frohne-Hagemann. Literatur Adorno. Berlin Kapteina. 232 – 235 Kerbs. Tagungsberichte. Theo und Weyer. Essen 1991 Kagan. Theodor W. Alles. wenn sie „selbstbestimmt an Bedürfnissen und Interessen orientiert verwirklicht wird“ (2004. Soziales und Gesellschaftliches umfasst. Lilli Friedemann hat das an den Begriffen: „Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit“ und „Wachstum nach allen Seiten hin“ festgemacht. in: Otto. Frank (1985): Gruppenmusiktherapie aus ganzheitlicher Sicht.: Quasi una fantasia. die zu eigener Lebensführung befähigt. nämlich: gesellschaftlich vermittelte Manipulation zu durchschauen. Band 1. Hans Helmut (Hrsg. Lilienthal: Eres. Peter(1985): Bedeutung ästhetischer Zeichen. (1979): Ästhetische Theorie. Lore (1972): Hören lernen – Musik erleben. 247-268 Kasseler Konferenz (1998): Kasseler Thesen zur Musiktherapie. Gruppenimprovisation erfüllt die Kriterien der Ästhetischen Erziehung Gruppenimprovisation erfüllt auf idealtypische Weise die vier Funktionen welche Diethard Kerbs der Ästhetischen Erziehung zugesprochen hat (vgl. 1975. Paolo (1990): Wissenschaftliche Betrachtungen zur Musiktherapie unter ethischen Gesichtspunkten. 259-294 Grootaers. Theodor W. Diethard: Zum Begriff der ästhetischen Erziehung. der über das Musikalische hinaus Seelisches. (1963): Fragment über Musik und Sprache in ders. in: Decker-Voigt. Gelingendes Leben als Ziel ästhetischer Bildung kann gleichermaßen für Therapie und ganzheitlich orientierte Pädagogik gelten. Roman: Erlebnis. Wiesbaden. Lilli (1983): Trommeln . 17 ff). 9-16 Adorno. Ästhetik.): Musik und Kommunikation. In ästhetischen Bildungsprozessen. Tübingen 1969 Jörgensmann. ästhetische und soziale Phantasie zu entwickeln und schöpferisch verändernd zu leben (die Utopische Funktion).

Helmut: Gruppenimprovisation. Jan: Kapitel aus der Ästhetik. in: Hopf. ringgespräch über gruppenimprovisation. Peter (Hrsg. Experiment und Methode. März 1998. Frankfurt am Main 1971 Nordoff. Essen Loos. Wien: Universal Mukarovský. Helmut (Hrsg. Darmstadt 1972 Marr. Ästhetik heute. Gerd: Einige neue Überlegungen zur vokalen Gruppenimprovisation. Gertrud (1970): Klangexperimente und Gestaltungsversuche im Kindesalter. Stefanie: Lernziel Lebenskunst. Clive (1986): Schöpferische Musiktherapie. 232-248 Meyer-Denkmann. Fischer Schaarschmidt. Regensburg 1994. Gertrud (1986): Spiel-Räume.39-58 Lisken. Georg: Ästhetik III. Siegen: Universität. 10-11 Longardt. Wien: Universal Meyer-Denkmann. in: Marchal. Paul und Robbins. Henk: Grundlagen der Musiktherapie. Rolf und Droh. Rolf (1992): Musik-Medizin. Stuttgart: Fischer Lukács. Stuttgart: Fischer 173 . Göttingen 1999 Spintge. 2004. Gertrud (1972): Struktur und Praxis neuer Musik im Unterricht.): Einführung in das Fach Ästhetik und Kommunikation. Neue Wege einer musikalischen Grundausbildung. 102 ff Smeijsters. Wolfgang (1968): Musikerziehung braucht Phantasie. Stuttgart.): Lexikon der Musikpädagogik. Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen.

bei dem musikalisches Handeln und Lernen mit seelischem und sozialem Erleben unauflösbar verknüpft entwickelt und reflektiert sowie die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft. zu beschreiben und zu benennen. können mit den Begriffen Musikalische Sensibilität Musikalische Phantasie und Kreativität Musikalisches Differenzierungsvermögen Musikalische Kritikfähigkeit zusammengefasst werden. in der er lebt. Das besondere am musikalischen Lernprozess bei der Gruppenimprovisation kommt jedoch in der besonderen Charakteristik der Baum – Metapher zum Ausdruck. soziales. er lernt Klänge differenziert wahrzunehmen. ästhetisches. Sein Ast. entsprechend der aktuellen Situation der beteiligten Personen im Sinne bedürfnisund situationsorientierter Pädagogik.10. politisches Lernen bilden im Einklang mit psychischer Entwicklung und spiritueller Orientierung eine sozialökologische Einheit. und die grundlegenden Bedingungen seiner Existenz thematisiert werden. „Ökologie“ bedeutet in diesem Zusammenhang die ausgewogene und gleichrangige Berücksichtigung aller Aspekte menschlichen Erlebens.1 Ökologie der Gruppenimprovisation Hartmut Kapteina „Gruppenimprovisation“ ist ein schöpferisches musikalisches Arbeitsprinzip. musikalische Formbildungen zu erfassen und die Musik der Gruppe zu analysieren. mit seinen musikalischen Beiträgen auf den musikalischen Gestaltungsprozess der Gruppe einzuwirken. die sich die Spieler bei der Gruppenimprovisation aneignen. Das Bild des Baumes veranschaulicht den musikalischen Lernprozess.und Blattwerk dem Licht entgegen. auf ihnen die Klänge und die musikalischen Verläufe zu realisieren. Der Baum entfaltet sich mit seinem Ast. er lernt die verschiedenen Instrumente kennen und entwickelt die Fähigkeit. Musikalisches. Lernen erfolgt nicht nach einem vorgegebenen Lehrplan sondern orientiert sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der betroffenen Personen sowie ihrer Lebenslage. Er lernt. So entfaltet der improvisierende Mensch seine musikalischen Fähigkeiten.und Blattwerk 174 . die seinen Vorstellungen entsprechen. Die musikalischen Kompetenzen.

ja. Vielen sen mit sich selbst und anderen. dass jeder Spieler selbst entscheiden muss. so verhalte ich mich. Schüler sollten Musik als Bereicherung ihrer Persönlichkeit erleben. der biographischen Verarbeitung und des emotionalen Ausdrucks. dass Spieler mit frühen traumatischen Erlebnissen in Kontakt kommen. mit diesem oder jenem zu beginnen oder aufzuhören u. dieses oder jenes Instrument zu wählen. kennen und nutzen lernen. Klänge rufen. tenzen der Selbsterkenntnis und des UmZumindest für die Schulmusik ist diese Einstellung ungangs mit sich selbst. Die Analyse der eigenen musikalischen Beiträge und der Musik der Gruppe wird so zum Prozess der Introspektion: So bin ich. Bei der Gruppenimprovisation ist nicht vorgegeben. also neue gik: Verhaltensweisen auszuprobieren. Woher aber nimmt er die Kriterien für diese Entscheidungen? Nun. Und die kommen einzig aus seiner persönlichen Disposition.w. diese oder jene Klänge seiner Mitspieler zu übergehen oder wahrzunehmen und sein Spiel an diesem oder jenen Klängen zu orientieren. Nun haben es aber musikalische Ereignisse an sich. wie unterschiedlich die Intentionen der einzelnen Mitspieler während der verschiedenen Situationen des Spielverlaufs waren. es Kritische Anmerkung zur herkömmlichen Musikpädagoeinmal ganz anders zu machen. Es werden aber auch Grenzen der Wahrnehmung und des Verhaltens deutlich. sich hier oder dort anzuschließen. wann er was wie spielt. wer wann was wie zu spielen hat. diese oder jene Klänge zu bevorzugen oder zu vermeiden. parallel zur musikalischen Kompeledigung der technischen Funktionen des Musizierens tenz entwickeln sich psychische Kompeempfunden. ernsthaft mit ihnen über die bei der Musik erlebten Gefühle zu sprechen. wie sich Unterschiede in Charakter und Temperament im Spiel dargestellt haben. Gleichzeitig können solche Prozesse der Selbsterkenntnis Neugier und Lust wecken. In gleicher Weise „wurzeln“ bei der Gruppenimprovisation die musikalischen Kompetenzen in seelischen Entwicklungen der Introspektion. Die präventive Beangemessen. so kann es immer wieder bei der Gruppenimprovisation vorkommen. Das gemeinsame Gespräch über die Improvisationen offenbart. so reagiere ich auf andere.s.vermag sich nur insoweit zu entfalten. Es ist zum Beipenimprovisation also immer zugleich spiel nicht möglich. es gibt schlechterdings keine Instanz für sein musikalisches Verhalten in der Gruppe als nur seine ureigensten Intentionen. deutung der Gruppenimprovisation ist damit unterstrichen. Die veranlasst ihn. die Beachtung Auseinandersetzung mit der eigenen Perder emotionalen Beteiligung wird als störend bei der Erson. Das hat zur Folge. als ihnen das lieb ist. diesem oder jenem mit einem Kontrast zu begegnen. bevor sie von den Instanzen des Bewusstseins verarbeitet werden. Dann erhält die Gruppenimprovisation tiefen175 . dass bei der Verkann es zur Erweiterung es Verhaltensrenachlässigung der psychosozialen Implikationen des Musikerlebens die musikalischen Kompetenzen sich nur pertoires kommen und zur Entwicklung unzureichend entwickeln können. wie sich gleichzeitig sein Wurzelwerk unter der Erde entwickelt. Dann Die Metaphorik des Baumes legt nahe. in den Steuerungszentren des Limbischen Systems in vegetative und emotionale Reaktionen hervor und verknüpfen sich mit Inhalten des Langzeitgedächtnisses. Musikern dienen die Musikalischen AusdrucksmöglichDie musikalische Arbeit ist in der Grupkeiten zu Verdrängung und Eskapismus. Dabei wird implizit deutlich. dass sie die Menschen oft tiefer und nachhaltiger berühren. Sie sind nicht organeuer Einstellungen zu und Umgangsweinisch im Inventar der Persönlichkeit implantiert. so werde ich von anderen wahrgenommen.

Das Spiel der Gruppenimprovisation wird zum gesellschaftspolitischen Planspiel. Es muss Raum. ein Gespür für unhaltbare politische Zustände entwickeln und den Mut. sich Geltung und Aufmerksamkeit verschafft. Die Spieler erkennen. Prozesse der Übertragung und Gegenübertragung werden wirksam. In der Horizontalen ist der Baum mit seinem ökologischen Umfeld verbunden. wie erfolgreich ihre Versuche verlaufen. die mit ihrem Mineralienreichtum das Wachstum des Baumes zusätzlich zu fördern vermag.psychologische Qualität. zeigte. die Klänge. das ganze zu verändern. damit die betreffende Person die durch die Klänge aktivierten Erinnerungen mitteilen und die mit ihnen verbundenen Gefühle ausdrücken kann. dass die Prozesse der Gruppen Improvisation immer auch Prozesse der Auseinandersetzung mit anderen. Im Bild ist dieser Bereich als unterirdischer Vulkan dargestellt. Die Instrumente. Andere Pflanzen stehen mit ihm in Konkurrenz oder Kooperation. seine Interessen geltend macht und realisiert. Eine Untersuchung bei ca. wie sie sich im Spiel an den allgemeinen Trend anpassen. wählerisch und genussfähig werden. dass diese Personen kritischer beim Umgang mit den Gegenständen des täglichen Lebens werden. Das Spiel der Klänge wird zur Stimmabgabe. wie sich der einzelne Spieler im sozialen Kontext verhält. An dieser Stelle wird die Gruppenimprovisation zur Musiktherapie. Die Wahl des jeweiligen Instruments. Zeit und Zuwendung gegeben sein. die jeweilige Art es zu spielen sind zugleich Darstellungen der jeweiligen Eigenarten. ihre Unzufriedenheit in Protest oder Resignation ummünzen. Damit soll angedeutet werden. die längere Zeit die musikalische Gruppenimprovisation praktizierten. Die Gruppe als „Mini – Gesellschaft“ ist nicht nur Ort des sozialen sondern auch des politischen Lernens. insbesondere bei ihrem musikalischen und sonstigen Konsumverhalten die Strategien der Werbung und der Massenmanipulation durchschauen. unzufrieden werden. Bei einer guten Kanalisation der darin gebundenen Energie kann er zu einer warmen Quelle werden. Ästhetische und insbesondere die musikalischen Erfahrungen der Gruppen 176 . dagegen vorzugehen (Kapteina 1976). 80 Personen. sich einzurichten oder die eigenen Interessen zu vertreten. Regression auf frühere Phasen der Entwicklung. die Musik und die gesamte Gruppensituation erhalten symbolische Bedeutung. Dieselbe Untersuchung ergab. dass sie sich häufig in Parteien und Verbänden engagieren. Die differenzierte Wahrnehmung auf dem Gebiet der Musik übertragen sie als allgemeine ästhetische Kompetenz auf alle Bereiche der sinnlichen Erfahrung. mit der eigenen Rolle und dem sozialen Verhalten sind.

Vortrag über Musiktherapie zwischen Improvisation und Ritualen Mai 1999 Fritz Hegi: Improvisation und Ritual.): Musik und Kommunikation. 133-137 Gesundheit / Leben Ausgeglichenheit RITUAL Regelmäßigkeit Ordnung Gewöhnung Abhängigkeit Zwang Erstarrung Krankheit / Tod Vitalität IMPROVISATION offenes Spiel Chaos Entgrenzung Zerfall Verwahrlosung Zerstörung Fritz Hegi. in Decker-Voigt (Hg). nach der Flüchtigkeit des Lebens und der Beziehungen und danach. Siegen 1999 s. Seevetal 1988. in: Peter Marchal (Hrsg. Die Musik hat es mit dem Unaussprechlichen zu tun. in: Hans Helmut Decker Voigt (Hrsg. außerdem Literatur im Lexikon Musiktherapie. Literatur: Hartmut Kapteina: Musikpädagogik und Alltagsleben.): Ästhetik und Kommunikation heute. S. Göttingen 1996 (Hrsg. Menschen erleben bei der musikalischen Improvisation Momente. in denen sie zeit. 141-143 Eckhard Weymann: Improvisation. Schaubild aus „Komplex Welt der Sinne“.Improvisation aktualisieren immer auch transzendente Themen der Spiritualität. ebd. ebd. Wilhelmsdorf 2000 177 . Beiträge zu einem Studienfach und seinen Teilbereichen. 137-139 Tilmann Weber: Improvisationsgestalt. in: Archiv für Angewandte Sozialpädagogik 1976 Hartmut Kapteina: Dimensionen der Gruppenimprovisation. mit Erfahrungsräumen vor und jenseits der Begrifflichkeit. Decker-Voigt): Hartmut Kapteina: Improvisationsbewegung. 73-94 Hartmut Kapteina: Heilendes und Heilsamens Musikerleben. Musik als gestaltete und vergehende Zeit wirft implizit die Fragen nach der Vergänglichkeit der Lebenszeit. Musiktherapie als Fachgebiet der „Ästhetik und Kommunikation“ und als Element des Qualifikationsprofils helfender Berufe. was jenseits dieser Grenzen liegt.und raumvergessen den Ursprung ihrer Existenz erahnen und erspüren.

Einiges zur Improvisation in der Musiktherapie MUSIC THERAPY IS POSSIBLE THE ONLY IMPROVISATORY TRADITION IN THE WORLD THAT ENCOURAGES TOTAL MUSICAL FREEDOM AND HAS NO UNDERLYING MUSICAL STRUCTURES TO UNDERPIN IT.
June Boyce Tilman: Constructing Musical Healing. The wounds that Sing, London 2000, 246

Auszüge aus Tilmann 2000 in der Übersetzung von H. Kapteina: Die Verantwortung des Therapeuten besteht darin, musikalische Strukturen zu finden, in denen die Ideen des Patienten aufgehoben sind (Tilman 2000, 217). Der Fähigkeit des Klienten, sich frei auszudrücken, mitzuteilen und zu entfalten, entspricht die Fähigkeit des Therapeuten, auf diese Freiheit mit den passenden stilistischen Mitteln einzugehen (216). Irving Yalom, dem Vater der Gruppenanalyse, folgend ist die Grundvoraussetzung jeder Therapie der Aufbau von Hoffnung. In der Musiktherapie kann Hoffnung entstehen, indem konsequent und verlässlich die Auffassung gilt und erlebt wird, dass es keine richtigen und falschen Antworten auf musikalisches Geschehen gibt und die Improvisation als ein Spiel in sicherem und geschütztem Rahmen erlebt wird (219). Zur Musiktherapeutischen Arbeit mit Gefühlen Smeijsters und van den Hurk (in: M. Heal and T. Wigram (eds): Music Therapy in Health and Education, London 1993) haben Vorschläge für die Behandlung von Gefühlen in der Musiktherapie vorgelegt. 1. Bei Aggressionen: Ermutige zum Ausdruck der Wut, bis sie „verraucht“ ist, das heißt, bis die Vehemenz nachlässt –hörbar in Lautstärke, Rhythmus und Tempo. Nach nicht allzu langer Zeit soll ein Ausgleich zwischen musikalischer Entspannung und Erleichterung entstehen. Ein solcher Vorgang nur einmal pro Sitzung.
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Wenn die Vehemenz des musikalischen Ausdruck nicht nachlässt und zu erwarten ist, dass der Gefühlsausdruck eskaliert und in unkontrolliertes regressives Verhalten abgleitet, soll der Prozess gestoppt werden, indem man das musikalische Spiel in eine andere Richtung lenkt. Wenn das nicht gelingt, muss der Klient bei seinem Spiel auf dem gewählten Instrument gestoppt werden und ihm ein anderes angeboten werden. Nach dem Prozess des Zulassens rege den Klienten an, „eine Linie zu ziehen“, das heißt zu erkennen, wie weit man den Affektausdruck zulassen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren. Hierbei ist es hilfreich, den Wechsel von musikalischer Spannung und Lösung im Zusammenhang mit emotionaler Entwicklung zu üben. Das Zulassen von Aggressionen sollte man unterlassen, wenn kein Verständnis entsteht zwischen dem Gefühl und der Lebenserfahrung und wenn der Gefühlsausdruck kein neues Material hervorbringt (255). 178

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2. Bei Trauer Rege den Patienten an, symbolisch Abschied zu nehmen und zu geben, musikalisch in der Musiktherapie und nicht musikalisch außerhalb der Musiktherapie, z.B. mit einem geeigneten Ritual. Schätze den emotionalen Ausdruck vor dem Hintergrund ein, welche Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks der Patient in der Vergangenheit hatte (255). 3. Bei Gefühlen der Nutz- und Wertlosigkeit ist die Haltung des „musikalischen Nährens und Pflegens“ erforderlich. Drücke die Gefühle musikalisch aus. Wenn der Therapeut das mit dem Patienten und für ihn tut, soll er empathischen Techniken und seiner Gegenübertragung folgen. Wenn erforderlich, mache dem Klienten ein musikalisches Geschenk, das Eigenschaften besitzt, die ihn emotional berühren. Nimm symbolisch die Rolle der frühsten Pflegeperson des Patienten ein. Versuche die Gefühle des Patienten zu kompensieren, indem du die Improvisation so gestaltest, dass der Patient wahrnimmt, wie notwendig sein eigener musikalischer Beitrag ist (256). 4. Für den Aufbau von Selbstvertrauen Unterstütze den Patienten in einer weise, dass er sein eigens Spiel als einen wichtigen Beitrag für das Zustandekommen der Musik erlebt. Räume dem Patienten zur rechten Zeit die Rolle ein, selbst initiativ zu werden und den musikalischen Prozess zu bestimmen. Konfrontiere den Patienten mit abweichendem Material, wenn er sich wiederholt und auf ein und dieselbe Ausdrucksweise festgelegt hat (257). 5. Zur Beeinflussung von Verhaltensweisen Verbreitet ist die Auffassung, dass Verhaltensmuster mit musikalischen Mitteln beeinflusst werden können. Mit anderen Worten: Wenn sich musikalische Verhaltensmuster verändern, ändern sich die entsprechenden allgemeinen Verhaltensmuster. Hierbei ist das Konzept der „Integration“ zu Grunde gelegt: Nicht gelebte Möglichkeiten des Verhaltens werden erkannt, musikalischerlebt und auf generelles (Alltags-)verhalten übertragen. Dieser Vorgang kann durch folgendes therapeutisches Vorgehen gefördert werden: Rege den Patienten in der Improvisation zu Formen an, die verschiedene Elemente enthalten. Ermutige den Patienten, Motive zu variieren. Beziehe Ausdrucksweisen in das Spiel ein, die der Patient vermeidet. Lade den Patienten ein, andere Personen musikalisch darzustellen, auf die er Teile von sich projiziert hat. Ermutige den Patienten, über unbekannte und unverständliche Anteile von sich selbst zu improvisieren. Finde Instrumente, die entgegengesetzte Verhaltensmuster und Gefühlsäußerungen zum Ausdruck bringen (257 f).

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11 Weitere Themen der Vorlesung
Rezeptive Musiktherapieverfahren Christoph Schwabe (Hg): Regulative Musiktherapie, Jena 1996 ders.: Entspannungstraining mit Musik, Leipzig 1987 Hermann Rauhe: Musik hilft heilen, München 1993 Musiktherapie bei Autismus Juliette Alvin: Musik und Musiktherapie für behinderte und autistische Kinder, Stuttgart 1988 Paul Nordoff, Clive Robbins: Musik als Therapie für behinderte Kinder, Stuttgart 1975 dies.: Schöpferische Musiktherapie, Stuttgart 1986 Karin Schumacher: Musiktherapie mit autistischen Kindern, Stuttgart 1994 dies.: Musiktherapie und Säuglingsforschung, Frankfurt am Main 2000 Musiktherapie mit Kindern Jutta Brückner u.a. Musiktherapie für Kinder, Berlin 1991 Beate Mahns: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern, Stuttgart 1997 Das Buch „Kindermusiktherapie. Richtungen und Methoden“ (herausgegeben von Stiff und Tüpker (2007) Göttingen 2007 gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die in Deutschland vertretenen bedeutenden kindermusiktherapeutischen Schulen: Entwicklungspsychologisch orientierte Kindermusiktherapie (Karin Schumacher und Claudine Calvet), Kindermusiktherapie, die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und heute noch maßgebliche Bedeutung besitzt (Jutta Brückner), Analytische Musiktherapie (Wolfgang Mahns und Natalie Hippel), Morphologische Kindermusiktherapie (Rosemarie Tüpker und Bernd Reichert), Musiktherapie nach Paul Nordoff und Clive Robbins (Lutz Neugebauer) und die Orff-Musiktherapie (Melanie Voigt und Christine Plahl). Jeder Beitrag liefert eine theoretische Grundlegung, eine Darstellung des jeweiligen methodischen Behandlungsprinzips (anhand von Fallbeispielen) und eine Erörterung der jeweils angewandten Evaluations- und Forschungsmethoden zur Feststellung der Wirksamkeit. Im FORUM MUSIKTHERAPIE UND SOZIALE ARBEIT (www.musiktherapie.unisiegen.de) finden sich praxisnahe Beiträge zu:

MUSIKTHERAPIE MIT KINDERN
Armbrust, Wolfgang: „Zeige mir was du brauchst“ - Musiktherapie mit verhaltens-auffälligen, behinderten und schwerst- mehrfach behinderten Kindern Brockhaus-Albrecht, Katja: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Kindern in der Sozialpädagogik Drews, Ingrid: Der Klang der Sinne. Integration der Musiktherapie in das Konzept eines Kindergartens. Fraaß, Katja: Musiktherapie bei Kindern mit ADS Frings, Anke: „Begegnung durch Musik“ - Entwicklungsförderung durch Musiktherapie für Kinder im Vorschulalter Garthe, Susanne: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen und traumatisierten Kindern in einem Montessori – Kinderhaus 180

Doris: Musiktherapie bei sexuellem Missbrauch Mayerle-Jarmer. Karl. Ursula: Musikalisch-therapeutische Maßnahmen im Förderunterricht der Grundschule Vetter.und Einzelarbeit in einem Kindergarten Mayerle-Jarmer. Beate: „Ich schenke Dir einen Klang“. dass du nicht auf einen Vulkan stößt!“ Musiktherapie mit Vorschulkindern dokumentiert anhand des Beispiels eines emotional verhaltensauffälligen Kindes in einem Kindergarten Kowald..Grewe-Heitfeld. Angela: Kann ich dir begegnen? Musiktherapie mit ungewöhnlichen Kindern an einem Sonderpädagogischen Zentrum in Österreich Münch. Kathrin: Musiktherapie mit Kindern und präventive Methoden der Musiktherapie in Musikschule und Frühförderung Hennen. Helmut: Grenzerfahrungen. Mareile: Musiktherapie mit Kindern eines Schulkindergartens in einem sozialen Brennpunkt Ufer.. Musiktherapie mit 3 Jungen mit dem „Hyperkinetischen Syndrom“ Kritzer. Beate: Musikalisch-therapeutische Gruppen.Heinz: Rockmusik . Susanne: Musiktherapie mit systemischen Therapieansätzen als Arbeitsweise in einer Erziehungsberatungsstelle Knickel. Hartmut: Musik in der Therapie und Prävention bei Suchterkrankung und –Gefährdung am Beispiel von Kindern suchtkranker Eltern Marnach. Dorothea: Zum Einsatz von Musik während der Dialyse von Kindern und Jugendlichen Tietke-Martel. Die heilende Kraft der Obertöne in der Musiktherapie mit schwer behinderten Kindern Kröger. Renate: Möglichkeiten und Grenzen musikalisch-therapeutischer Arbeit mit „verhaltensauffälligen Kindern Kranz. Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Grundschulkindern Schönich.Machen mit straffällig gewordenen Jugendlichen zur Förderung sozialer Kompetenzen 181 . Christiane: Musiktherapeutische Arbeit mit Kindern an einer Grundschule Kolb. Inge: Atem und Stimme. Ursula: Musiktherapeutische Begleitung von Kindern innerhalb der Familienberatung Schicha.. Marietheres: Musiktherapeutische Prozesse in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern Schreiber. Ursula: Musik mit Kindern nach Trennung und Scheidung. Musiktherapeutische Einzelförderung in einem Kindergarten Medek. Julia: Musiktherapeutische Einzelarbeit mit verhaltensauffälligen Kindern in einer Kindertagesstätte Heymann-Röder. Elisabeth: Musiktherapie mit Kindern an einer Schule für Sprachbehinderte Hövelmann. Bettina: Musiktherapie mit krebskranken Kindern Strietzel. . Saskia: Ein Ton allein. Daniela: Musiktherapie mit verhaltensauffälligen Kindern Reukauf. Margrit und Kapteina. Ingrid: „Pass auf. Ein präventives Gruppenangebot Rogmann. (macht noch lange nicht Musik) . Annja: Musiktherapie mit Flüchtlingskindern AUS DER ARBEIT MIT JUGENDLICHEN Dentler. Susanne: Beziehung – Klang – Resonanz. Aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen Schmidt-Poschinski..

Momente der Freude und des Glücks. Ramona: Wohin die Reise geht. Elisabeth: Musikalisch-therapeutische Arbeit mit lernbehinderten Jugendlichen Regenbrecht. Musiktherapie in der Palliativmedizin Behr. Katharina: „Zwei Seelen wohnen ..Selbsterfahrungsgruppe für eine Frau mit depressivem Syndrom Döhler.“ Musiktherapeutische Arbeit mit einer bulimischen Jugendlichen in der Kinder. Angelika: Musikalisch-therapeutische Selbsterfahrung in einem Müttergenesungsheim Hoffmann. Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung Liolios. Hartmut: Liedersingen mit Psychose-Patienten Meier. Validierende Musiktherapie mit dementen Menschen 182 . Vassilios und Kapteina.und drogenabhängigen Erwachsenen in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heinzen. Beate Erinnerung durch vertraute Klänge Kapteina.und Jugendpsychiatrie Wolf. Maria: Musiktherapie im Behandlungskontext einer psychosomatischen Klinik Bartlau. Bettina: Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung Fliegner. Simone: Musiktherapie mit Menschen mit Behinderung und mit Menschen mit Autismus MUSIKTHERAPIE MIT ERWACHSENEN Alm. Burkhard: „Musik-Machen” in Gleichaltrigengruppen als sozialpädagogisches Angebot Hürkamp.ach . Ingrid: Die Relevanz einer musikalisch-therapeutischen Frauen . Michael: Musiktherapie mit Patienten auf der Intensivstation Fleischer. Hartmut: „Im Tanz das Leben spielerisch gelingen lassen.“ Folkloretänze in Therapie und Prävention Kletke-Drawert. Martina: Kontakt – Begegnung – Beziehung.Heinz: Punkmusik als Musik sozialpädagogischer Arbeit Hill. Ulrike: Musiktherapie mit chronisch kranken Menschen im Ambulanten Hospiz und in der Onkologie eines Akutkrankenhauses Hesse. Astrid: Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma Lingenfelder. Katrin: Musiktherapie bei Menschen mit geistiger Behinderung und Autismus Golomski. Karl. Monika: Musiktherapie mit alten Menschen im klinischen Bereich Brucherseifer.. Andrea: Wirkungschancen von musiktherapeutischen Prozessen für Menschen mit Behinderungen am Beispiel eines Mannes mit Autismusdiagnose Derks. Nicole: Begegnungen für den Augenblick . Anita: Die Integration musiktherapeutischer Interventionen in gemeindepsychiatrische Angebote der Gelben Villa Cremer. Petra: Möglichkeiten und Grenzen der musikalischen Gruppenimprovisation mit psychose-erkrankten Erwachsenen in einem sozial-psychiatrischen Zentrum Dümpelmann.. Ulrike: Musiktherapie als integraler Bestandteil in der tagesklinischen Betreuung psychisch Kranker Biewald. Sabine: Aus den Quellen der Erinnerung die Gegenwart speisen.Dentler. Musiktherapie mit Patienten einer Akutpsychiatrischen Station Hillingshäuser. Annette: Musiktherapie mit alkohol.in meinem Leib.

Gerd: Erfahrungen mit einer neuen Form von Tiefenentspannung und der rezeptiven Musiktherapie mit onkologischen Patienten einer stationären Rehaklinik Vanegas. Manuel: Männer unterwegs. Barbara: Musik und Bewegung mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Ziebarth. Kristin: Beziehung gestalten und sinnhaftes Leben erfahren – musiktherapeutische Anregungen zur Erhöhung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter Soost. Musiktherapie in der Rehabilitation psychisch kranker Menschen Treschhaus. Rigulf: Musiktherapie mit PatientInnen in der Akut-Psychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Hildesheim Nolte.Musiktherapie in einer Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen 183 . was ich nicht sagen kann. Bärbel: KON-TAKTE.Beziehung . Musikalisch-therapeutische Arbeit mit Patienten der gynäkologischen Rehabilitation Sandte. die unter chronischen Schmerzen leiden Spörer. Gabriele: Fermate. Die Bedeutung der musikalischen Improvisation in einer Selbsterfahrungsgruppe mit Männern in der Suchtprävention Weber. Heike: Einige grundlegende Gedanken über die Stimme in der Psychotherapie und dem Schnittfeld von Musiktherapie und Musikpädagogik aus der Sicht des Gestaltansatzes. Uta: Musiktherapie mit einer depressiven Klientin im Mutter-KindKurheim „Emmi Welter“ Werbick. Eva-Maria: Gruppenmusiktherapie mit chronisch. Wolfgang: Musiktherapie bei Depression Soost.und schwerkranken psychiatrischen Patienten Partner. Wolfgang: Arbeit mit Erwachsenen. Musiktherapeutische Einzelarbeit bei Menschen mit mehrfacher Behinderung Schrade.Bewegung. Musiktherapie: Ein neuer Weg? Schwarz. Beispiele aus der musikalisch-therapeutischen Arbeit mit Erwachsenen Schneider. Oliver: Musiktherapie bei geistig behinderten Menschen mit psychischer Störung Schubarth. Friedhelm: Einzelmusiktherapie mit dementen alten Menschen im Spannungsfeld zwischen Gedächtnistraining und Psychotherapie Schmidt-Rath. Andreas: “Ich komme meiner Seele nahe” . Barbara: Musiktherapie mit Patientinnen einer Abteilung für Akutpsychiatrie Werbick. Eta: Ich spiele. Elisabeth: Kirchenmusik im Spannungsfeld zwischen Seelsorge und Psychotherapie. Peter: „Schläft ein Lied in allen Dingen …“ Biografieorientierte Musiktherapie mit BewohnerInnen einer Gerontopsychiatrie Scheu. Erfahrungen mit Musiktherapie in einer psychiatrischen Tagesklinik Reitz. Cornelia: Berührung . Werner: Musiktherapie mit alten verwirrten Menschen Rau-Krüger.Nemitz.

der sich langfristig im Bereich der Musiktherapie engagieren und weiterentwickeln will. Über die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie erhält man aktuelle Informationen über den gesamten Musiktherapiemarkt.de http://www. ungefähr entsprechend den Bundesländern. außerdem zweimal im Jahr den „Info-Dienst“ mit aktuellen Insider-Informationen. den Titel Musiktherapeut/Musiktherapeutin zu führen und selbständig als Musiktherapeutin zu arbeiten. Gestalttherapie und Kreativitätsförderung Wefelsen 5 in 42499 Hückeswagen und Internationale Gesellschaft für Musikpädagogische Fortbildung e.im Jahr (Studierende unserer Ausbildung bekommen Ermäßigung) erhält man das meiner Meinung nach wichtigste musiktherapeutische Fachorgan in deutscher Sprache. Diplom-Musiktherapeut / Diplom-Musiktherapeutin“ der Bundesanstalt für Arbeit.V. Für jeden. Projektwochen etc. 184 .. 370 Seiten. 29 in 81675 München 80 Fritz Perls Institut für Integrative Therapie. zu beziehen über die Arbeitsämter. fachlicher Austausch und Interessenvertretung möglich ist: Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft (DMTG e. zuständig.V. Die Landesarbeitsgemeinschaften für Musiktherapie und die Sektionen veranstalten Weiterbildungsveranstaltungen. freie Stellen für Musiktherapeuten.) Libauer Straße 17 10245 Berlin Telefon 030/29 49 2493 Fax 030/29 49 2493 Email: DGMT. Aus. Die DGMT gliedert sich in Regionalverbände. Ismaninger Str.musiktherapie.12 Anschriften.V. 56 14136 Berlin 37 Hier erhält man auch die sehr lesenswerte Fachzeitschrift „ringgespräch über Gruppenimprovisation“. bei denen musiktherapeutische Weiterbildung. 4 Hefte pro Jahr im Gesamtumfang von ca. die musiktherapeutische Fortbildungen durchführen sind: Freies Musikzentrum e. und schließlich: über den aktuellen Berufs-. sogenannten Landesarbeitsgemeinschaften.Berlin@t-online.und Weiterbildungsmarkt informiert die Broschüre 2-II-A 3 „Blätter zur Berufskunde. die Musiktherapeutische Umschau. (IGMF) Postfach 14 43 in 57319 Bad Berleburg Informationen über Gruppenimprovisation erhält man als Mitglied im Ring für Gruppenimprovisation Matthias Schwabe Wilskistr. In der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie gibt es eine Sektion Studenten. Ebenfalls ist die DMTG für Fragen der berufsrechtlichen Anerkennung. Literatur.de Für einen Mitgliederbeitrag von DM 200. Berechtigung. ist eine Mitgliedschaft in der DMGT sehr zu empfehlen. Ressourcen und vieles andere mehr. Weitere Institutionen. Praktikumplätze.