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Juli 2012

Kommentar von Rainer Heinrich, Vertrauensperson des Volksbegehrens und stellvertretendem Sprecher des Berliner Wassertischs zum Beschluss des OVG Münster v. 6. Juli 2012 (AZ 16 E 1096/11)
Es handelt sich hierbei nicht nur um eine Entscheidung zur gerichtlichen Zuständigkeitsfrage, wie es in der PM der BWB steht. Vielmehr geht es um die Richtigstellung, dass es sich in Berlin um ganz „normale“ private Preise handelt. Es sei der Kartellsenat des OLG Düsseldorf zuständig. Hier stützt allerdings die jüngste Rechtsprechung des BGH das Wasserpreisvergleichsverfahren von vergleichbaren relevanten Märkten (Fall Wetzlar), so dass mit einer Zurückweisung der Beschwerde der BWB zu rechnen ist. In der Urteilsbegründung verweist das Gericht auf die Argumentation des Beschwerdeführers, dass es sich bei den Berliner Wasserbetrieben um eine unabhängige weisungsfreie Landesorganisation handele. Damit stützen die Anwälte der BWB selbst unsere Position, dass die demokratische Legitimation ihrer Handlungen nicht gewährleistet ist (vgl. S. 6 oben in der Urteilsbegründung). Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster bedeutet eine herbe Niederlage für die Berliner Wasserbetriebe. Die Stellungnahme der BWB, dass in Münster nur geklärt wurde, ob das Verwaltungsgericht für die Beurteilung der Berliner Wasserpreise zuständig ist, ist im Prinzip richtig. Sie unterschlägt aber, dass die BWB nur nach Münster gegangen sind, um einem Prozess vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf auszuweichen, bei dem nachgeprüft werden soll, ob die Höhe der Preissenkungsverfügung des Bundeskartellamts berechtigt ist. Faktisch bedeutet das Urteil, dass das Bundeskartellamt auch in der Sache Recht behalten wird. Die Wasserpreis-Vergleichsmethode der Kartellämter ist schon von dem Bundesgerichtshof höchstrichterlich bestätigt worden. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass die Preissenkungsverfügung noch gekippt wird. Für die Verkaufsabsichten von Veolia und RWE wird es jetzt sehr eng. Ohne die missbräuchlich überhöhten Wasserpreise werden – vorausgesetzt das Missbrauchsverfahren fällt nicht unter die Gewinngarantie (§ 23.7) des Konsortialvertrages – die Erträge des Unternehmens sinken. Vor dem Hintergrund, dass der Unternehmenswert nach einem Ertragswertverfahren berechnet wird, bedeutet dies, dass die Unternehmensanteile der privaten Wasserkonzerne nun erheblich weniger Wert sein werden, als die rund 1,25 Mrd. €, die zur Zeit im Raum stehen. Sollte Nussbaum dennoch an dieser Verkaufsoption festhalten, handelt er erneut gegen die Interessen der Berliner Bürger. Abgesehen von den Auswirkungen auf den Rückkauf der BWB, ist das Urteil aber auch für die vom Berliner Wassertisch angestrebten Rekommunalisierung durch Rückabwicklung von Belang. Aus der Urteilsbegründung der Richter geht hervor, dass die BWB selbst unterstellen, dass sie weisungsfrei – d. h. ohne „Störungen“ durch das demokratische Letztentscheidungsrecht der Senatsbehörden – arbeiten. Die Verletzung des Demokratiegebots durch die Teilprivatisierung der BWB ist ausführlich in Heft 1 der „Schriften zur Rekommunalisierung“ des Berliner Wassertischs dargestellt.

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