Mikrotrends

52 spannende Indikatoren
für die Marktentwicklungen von morgen
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Impressum
Herausgeber
Zukunftsinstitut GmbH
Robert-Koch-Straße 116 E
65779 Kelkheim
Telefon +49 6174 96 13-0, Fax: -20
offce@zukunftsinstitut.de
Chefredaktion
Thomas Huber
Autoren
Cornelia Kelber, Anja Kirig, Patrick Mijnals, Christian Rauch,
Adeline Seidel, Janine Seitz
Redaktionelle Mitarbeit
Hanna-Lena Ruß
Korrektorat
Franz Mayer
Grafk-Design
Christoph Almasy

ISBN 978-3-938284-67-4
© Zukunftsinstitut GmbH, Juli 2012
Alle Rechte vorbehalten.
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Inhalt
Inhalt
LifestyLe 8
einLeitung 4
Marketing 22
#01: Living Maps
#02: Comic-Konjunktur
#03: Union-Jack-Manie
#04: PIY – Print-it-Yourself
#05: Demokratisierung des Designs
#06: Schwarm-Spionage
#07: Märchenmarketing
#08: Autoliebesgeständnisse
#09: Containerisierung
#10: Urban Hacking
#11: Crowdfunding
#12: Prediction Markets
#13: Cycle-Chic
#14: Aufbruch ins Algen-Zeitalter
#15: Archaischer Modernismus
Märkte 56
konsuM 82
food 42
#16: Urban Outdoor Dining
#17: Tsunami-Pâtissiers
#18: Teilzeit-Vegetarier
#19: Community Eating
#20: Immediate Food
#21: Millennial Dining
#22: Symbiose-Business
#23: Special-Interest-Cluster
#24: Smartphone-Filmer
#25: Special Social Media
#26: Zufallsmanagement
#27: SAAP
#28: Faire Technologie
#29: Social Metering
#30: Soziale Mobilität
#31: Aus DIY wird DIT: Do It Together
#32: Urban Waters
#33: Energy Harvesting
#34: Zensation
#35: Blog-up-Stores
#36: Recommerce
#37: Curated Shopping
#38: ROBOPOS
#39: Kollaborativer Konsum
branchen 126
photocredits 127
newwork 96
geseLLschaft 108
#40: Job-Jackpotting
#41: Crowd-Working
#42: Postmail
#43: Management by Besinnung
#44: Lunch-Intermezzi
#45: Local Adhocracy
#46: Social Radio
#47: Hacking-Kultur
#48: SoLoMo – Social-Local-Mobile
#49: Smart Teaching
#50: I-Bot
#51: Soziale Reprivatisierung
#52: Urbane Landwirtschaften
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Zukunftsinstitut :: Mikrotrends
Liebe Leserinnen und Leser,
wir alle erleben sie – die Momente, in denen
uns schlagartig eine neue Erkenntnis
bewusst wird. Ein Zusammenhang, den wir
vorher nicht gesehen haben, obwohl er uns
vielleicht schon lange direkt vor Augen stand.
Wir sehen einen Kirschbaum und erkennen,
dass Verschwendung manchmal besser ist
als Sparsamkeit, denn dem Kirschbaum geht
es nicht um wohldosierte Verwendung von
Blüten, sondern um Weiterverbreitung der
eigenen Gattung. Diesen Moment erleben
wir besonders häufg im Zusammenhang
mit Phänomenen, die in einer Situation
spezifscher akzentuiert vor uns treten als
zu anderen Zeiten: Mit einem Mal nehmen
wir Dinge als zusammengehörig wahr, die als
einzelne Ereignisse oder Tatsachen oft schon
durch viele andere Informationen in uns
angelegt sind. Die aber einen erhellenden Mo-
ment der zusammenfassenden Erkenntnis
gebraucht haben, um uns bewusst zu werden.
In diesem Moment erkennen wir oft das, was
wir als Mikrotrend bezeichnen.
Mikrotrends sind längst fester Bestandteil
der Trendforschung. Sie lassen sich relativ
leicht über die phänomenologische Ebene
ermitteln. In vielen Fällen arbeiten Recher-
cheteams weltweit an der Erfassung solcher
Trends, die kontinuierlich gesammelt werden,
um sie, wie in unserem Fall, in Clustern
zusammenzufassen und vorzustellen. Mik-
rotrends sind im Gegensatz zu den großen
Trendbewegungen einfach zu dokumen-
tieren und zu beschreiben. Zumeist gibt es
Beispiele, an denen sie konkret veranschau-
licht werden können: Produkte, Services,
Angebote, neue technische Lösungen oder
junge Be wegungen. Sie sind in der Regel
nicht besonders komplex und decken eine
breite Spanne an Bereichen ab. Mikrotrends
können in allen gesellschaftlichen Umfeldern
stattfnden, egal ob Wirtschaft, öfentliche
Hand, Politik oder auf der Ebene der Verbrau-
cher und Bürger. Manche beschreiben einen
gestalterischen oder stilistischen Wandel,
andere eine Veränderung im Verhalten der
Wähler oder Leser, wieder andere beziehen
sich auf Produktgattungen, die sich weiter-
entwickeln. Aus dieser phänomenologischen
Begründung wird auch klar, dass es eher um
die Beschreibung einer Gegenwart und ihrer
Zukunftspotenziale geht als um die Prognose
langer Zeiträume.
Mikrotrends sind schnell. Sie sind meistens
nicht, oder noch nicht, Teil einer großen und
umfangreichen Theorie, zielen daher auch
weniger auf eine langfristige Strategie-Ebene,
sondern eher auf sofortige Inspiration – für
neue Produkte, sich öfnende Marktchancen
oder beginnende Veränderungen, auf die man
sich vorbereiten sollte. Aus diesem Grund
bietet es sich an, eine Sammlung solcher Mik-
rotrends zusammenzustellen. Lassen Sie sich
ruhig ein wenig treiben und folgen Sie beim
Lesen Ihrer Intuition: In dieser Studie wollen
wir Ihnen 52 Mikrotrends vorstellen. Stof für
Mikrotrends
Ein fernes Leuchten am Himmel
5
Einleitung
ein Jahr voller Veränderungen. Denn auch
Mikrotrends zielen auf die Veränderung des
Status Quo, ausgehend vom Gefühl eines
Mangels oder einer unvollkommenen Situa-
tion – wie die länger laufenden Trends auch.
Mikrotrends sind aber eher wie Schnellboote
der Trendforschung, oft mit Halbwertszeiten,
die von einigen Monaten bis zu einigen
Jahren reichen.
Aus dem bisher Gesagten ist aber nicht zu
folgern, dass Mikrotrends keine nachhaltige
Wirkung auf Systeme haben können. Für Kol-
legen wie den Amerikaner Mark J. Penn, der
2007 ein Buch zu Mikrotrends veröfentlichte,
sind sie „Die kleinen Kräfte hinter den großen
Veränderungen von morgen“. Sie sind Signale,
die weiteren Veränderungsbedarf in einer
Gruppe oder Gesellschaft anzeigen, somit
oft auch als Teile eines größeren, stabileren
Trends gesehen werden können, und sei es
nur als eine Gegenbewegung in Form einer
Rekursion auf den großen Mainstream.
Im Überblick kann man also folgende Krite-
rien für Mikrotrends festhalten:
» Kurzfristigkeit in der Entstehung, be-
grenzte Laufzeit
» oft ausgelöst durch Ideen oder Umset-
zungen einzelner Unternehmer oder
Denker
» konkret festmachbar an Beispielen der
Gegenwart
» mit großem Potenzial für weitere
Entwicklung
Wir haben uns entschieden, Ihnen eine neue
Aufage unserer Mikrotrendstudie von 2010
anzubieten, da zwei Jahre eine Zeitspanne
sind, in der sich auf dieser Ebene vieles
neu entwickelt, selbst wenn in den großen
Strömungen, den Megatrends, gleichbleibend
dieselben Kräfte am Werk sind. Mit den
Mikrotrends 2013 halten Sie eine Sampler-
Studie in der Hand. Unser Ziel ist darin,
Ihnen Inspirationen zu liefern, was morgen
auf ihr Business zukommen kann, wo sich
neue Marktchancen auftun und mit welchen
Themen Sie sich auseinandersetzen sollten.
Wenn es uns gelingt, die eine oder andere
schlagartige Erkenntnis zu erzeugen, dann
haben wir unser Ziel erreicht.
In diesem Sinne hofen wir auf anregende
Lektüre und wünschen viel Vergnügen beim
Blättern und beim Lesen. Übrigens: Wir
haben unser Angebot auf noch mehr Nutz-
barkeit hin untersucht und es in der Folge in
klare Kategorien unterteilt, die Ihnen in Zu-
kunft die Einordnung unserer Studien nach
den Anwendungszielen erleichtern sollen.
Diese wollen wir Ihnen auf der nächsten
Seite im Überblick kurz vorstellen.
harrygatterer
Geschäftsführer
thomashuber
Chefredakteur
6
Zukunftsinstitut :: Mikrotrends
Megatrend-Studien
In der Megatrendstudie un-
tersucht das Zukunftsinstitut
jeweils einen der aktuell elf
Megatrends, mit denen wir
arbeiten, auf seine Entwicklung und Auswir-
kungen auf die Gesellschaft. Megatrends sind
dabei als die ganz großen Veränderungsbe-
wegungen unserer Welt zu begreifen, und die
Studie setzt diese in das große Gesamtbild
der Entwicklung der Welt, beispielsweise die
Urbanisierung.
Megatrends sind
» ubiquitär: Sie durchdringen alle Bereiche
unserer Gesellschaften
» global: Sie sind auf der gesamten Welt
nachweisbar aktiv
» resilient, das bedeutet, sie laufen auch bei
starken Gegenbewegungen weiter
» langlaufend: Wir sprechen von Laufzeiten,
die bis zu einer Generation und mehr
beinhalten
In unseren Megatrendstudien erfassen wir
den gegenwärtigen Stand eines Megatrends
anhand umfangreichen Zahlen- und Daten-
materials weltweit, spiegeln den aktuellen
Diskurs von Wissenschaft, Politik, Medien
und Gesellschaft. Wir untersuchen die
Auswirkungen der Veränderungen in den
einzelnen Bereichen, die besonders von
dem jeweiligen Megatrend betrofen sind,
also Marktsegmente, Wirtschaftssysteme,
politische und gesellschaftliche Gruppen.
Eine umfassende Infografk-Strecke bietet
eine Vielzahl von Übersichten und Verbildli-
chungen von komplex miteinander interagie-
renden Teilstrukturen des Megatrends. Die
Auswirkungen des Megatrends auf einzelne
Nischen und Marktsegmente zeigt eine Reihe
von Close-ups mit vielen realen Beispielen,
wie sich die jeweiligen Untertrends in Ge-
schäftsideen oder Entwicklungen am Markt
zeigen. Die Megatrendstudien verwenden
einen dezidiert strategischen Ansatz zum
Verständnis von Trendbewegungen, die
ganze Regionen, Wirtschaftsbereiche oder
Gesellschaftsformen verändern.
Soziotrend-Studien
In dieser Studienform richten
wir den Fokus auf gesell-
schaftliche Veränderungen in
einzelnen Schichten, Gruppen
oder Milieus. Ein Beispiel wäre die Entwick-
lung der Familienmodelle der Zukunft. Der
Blickwinkel ist hierbei primär der aus der
Sicht der betrofenen oder agierenden Indi-
viduen. Die Studie beschreibt die sichtbaren
Veränderungen und die Auswirkungen auf
das Weltbild der Menschen, ihre Einstel-
lungen und gibt Prognosen zur weiteren
Verhaltensentwicklung. Soziostudien
dienen dem Verständnis von realen Verän-
derungsbewegungen in einzelnen Bereichen
der Gesellschaft, indem sie die Auslöser,
Treiber und Motivationen identifzieren und
beschreiben.
Soziostudien charakterisieren somit:
» Verhaltensveränderungen als Reaktion
auf Mangelwahrnehmungen
» vom Einzelnen ausgehende gesellschaft-
liche Vernetzungsphänomene
» kürzer laufende Trends, die Teile der
Gesellschaft verändern
» Lifestyle-getriebene Entwicklungen
In unseren Soziostudien arbeiten wir
empirisch gestützt über die Beschreibung
von Lebensstilveränderungen, die dem Leser
eine Vorstellung davon geben, wie sich Pro-
zesse und Märkte in den kommenden Jahren
verändern werden. Dieser Studientyp richtet
sich vor allem an die Innovatoren in den
jeweiligen Segmenten: Produktentwickler,
Innovationsabteilungen, Prozessgestalter.
dievierstudientypendes
Zukunftsinstituts
Mega
trend
sozio
trend
7
Einleitung
How-To-Studien
Mit dieser Studienform über-
schreitet das Zukunftsinstitut
die Grenze des rein passiven
Leseverhaltens. Ziel ist hierbei,
die konkreten Auswirkungen zu verdeut-
lichen, die ein spezifscher Trend für die
Betrofenen haben wird, und den Leser noch
in der Studie selbst dazu zu motivieren,
anhand von Modellen, eigenen Beschrei-
bungen oder Skizzen die reale Wirkung des
Trends auf seine persönliche Lebens- und
Berufswelt zu verstehen. Ganz physisch er-
muntern wir den Leser, den Stift in die Hand
zu nehmen, und – etwa zum Thema Verän-
derung der Arbeitswelt – durch Ausfüllen
oder Bearbeiten vorgegebener Übungen
die direkten Auswirkungen in der Studie zu
Papier zu bringen. Modellbildung ist hierbei
eines der wichtigsten neuen Elemente, die
aus der herkömmlichen Studie, gemäß der
Philosophie der Zukunftsinstituts-Methode
„futureworks“, ein interaktives Workbook
machen.
How-To-Studien sind:
» extrem anwendungsorientiert
» stark in der Modellbildung
» plastisch in der Beschreibung, emotional
und anregend im Design
» nah an den Themen der Leser und ihrer
Berufswelt
Mit der How-To-Studie richten wir uns an
Umsetzer und Macher in den Unternehmen,
die konkrete Projektaufgaben zu erfüllen
haben und Handreichungen suchen, wie
sich Trendthemen in Projektfelder über-
setzen lassen. Das Themenspektrum geht
quer durch alle Branchen und beschreibt
die Veränderungen und Trends von der
Funktionsebene der Abteilungen in den
Unternehmen aus.
Samplerstudien
Mit der Samplerstudie
wird das Thema Trends am
stärksten phänomenologisch
aufgegrifen. Inspiration und
das Anregen neuer Ideen steht hier im
Vordergrund. Eine umfangreiche Theorie-
einbettung entfällt zugunsten einer bunten
Mischung von Themen und Trends, die
gerade durch ihre Unterschiedlichkeit dazu
ermuntern sollen, über die bestehenden
oder gefühlten Grenzen hinweg zu denken.
Der Charakter einer Sammlung macht diese
Studienform zu einem Instrument, in dem
der Leser immer wieder blättern kann und
wo er durch die Kombination von Themen
einen Cross-Innovation-Efekt innerhalb
eines Printprodukts erhält.
Kennzeichnend für Samplerstudien ist:
» ihr cross-thematischer Ansatz
» Inspiration als Grundmoment und
schnelle Lesbarkeit
» ihr Cofeetable- und Anthologie-Charakter
» hohe Beispielhaftigkeit über viele Best
Practices
Samplerstudien verlangen kein lineares
Leseverhalten. Sie eignen sich als Ideen-
fundgrube, in die man immer mal wieder
hineinschaut. Die beschriebenen Trends
sind meistens Teil eines größeren Ganzen,
müssen aber nicht. Die Studie eignet sich
besonders für Mitarbeiter aus Marketing,
Markterschließung und Beratung. Und
für Menschen, die gerne den Überblick
bewahren.
How to saMpler
50
Zukunftsinstitut :: Mikrotrend #19
Best Practices
—Den Secret Supper Clubs geht es wie allen
Untergrundbewegungen: Sie erreichen ir-
gendwann den Mainstream. Was letztes Jahr
noch – auch wegen der steuerrechtlichen
Grauzone – als anarchistische Foodie-Punk-
Bewegung zelebriert werden konnte, ist in
England inzwischen weitgehend etabliert.
So spendet der Parkholme-Supper Club,
ganz seriöse Charity, seine Einnahmen an
„Ärzte ohne Grenzen“. (www.parkholmesup-
perclub.co.uk)
—Auch das Pop-Up-Restaurant „Eat“ setzt
sich öfentlichkeitswirksam für Gemüse-
gärten in Schulhöfen armer Länder und
hungrige Hunde im Tierheim ein (www.
eatrestaurantblog.com). Die kalifornische
Restaurant-Edelmarke schickt ihren
Starkoch Tommy Halvorson jeden Monat an
einen anderen Ort – allerdings in etablierte
Lokale, nicht in Privatwohnungen. US-ame-
rikanische Edelrestaurants setzen also auf
den Community-Eating-Trend, indem sie die
spontane Organisation über Social Media als
unverbindliches Testgelände für ihre Köche
nutzen. Auch Starköchin Stephanie Izard
aus Chicago hat mit „The Wandering Goat“
ihr eigenes Pop-Up-Restaurant gegründet,
um neue Menü-Kompositionen auszupro-
bieren und Publicity zu erzeugen. (www.
stephanieizard.com)
—Die Web-Plattform grubwithus (www.
grubwith.us) hat die Nische verlassen und
sich über ganz Nordamerika ausgebreitet.
Auch hier trift man sich nicht zuhause,
sondern in Restaurants, was das ökonomi-
sche Potenzial im Vergleich zum ursprüng-
lichen Guerilla-Dining-Trend vervielfacht.
Grubwithus richtet sich an junge Leute, die
neu in eine Stadt gezogen sind und sich mit
Gleichgesinnten im wirklichen Leben trefen
wollen. Auf Grubwithus lassen sich gemein-
same Mahlzeiten organisieren, chatten und
Gruppen gründen, die „Young Professionals
NYC“ oder „Veggie Grubbers“ heißen. Milli-
onen US-Dollar wurden 2011 in das Start-
up investiert, das in den USA schon eine
nationale Größe ist. Fragt sich nur, wann das
Unternehmen auch deutschen Restaurants
„Qualitätsgäste“ statt Groupon-Sparfüchsen
bescheren wird.
„Guerilla Dining“, „Pop-Up-Dining“ oder
„Secret Supper Clubs“ nennt sich ein Gast-
ronomieformat, das erst durch das Internet
möglich wurde: Über das Weblog des Club-
Betreibers melden sich die User zu einem
gemeinsamen Abendessen im privaten
Esszimmer des Gastgebers an. Abends trift
man sich mit völlig Unbekannten zu fünft,
zu zehnt oder zu zwanzigst zum gemein-
samen Essen, lernt sich kennen und bezahlt
mit einer Spende zum Selbstkostenpreis.
coMMunityeating
Wie sich das Restaurant als privates Abendessen neu erfndet, dabei
Social-Media-Prinzipien in die Ofine-Welt zurückträgt und reihenweise
Investoren auf den Plan ruft.
Als die Engländerin Kerstin Rodgers
um die Jahrtausendwende nach Kuba
reiste, wurde sie in einen „Paladar“ ein-
geladen – ein geheimes, semi-privates
Restaurant, mit dem sich viele Fami-
lien auf Kuba etwas dazuverdienen.
Was wäre, überlegte sich Kerstin
Rodgers, wenn man in ihrer Heimat
Großbritannien einen solchen Paladar
eröfnen würde?
Zuhause in England legte Kerstin
Rodgers ein Weblog an, nannte sich
„MsMarmite“, lud die Leser ihres Web-
logs zu sich nach Hause ein – und das
englische „Underground Restaurant“
war geboren (http://marmitelover.
blogspot.de). So jedenfalls lautet einer
der Gründungsmythen des „Commu-
nity Eating“. Eines Trends, der beson-
ders die „Foodies“ im angelsächsischen
Sprachraum erfasst hat.
Trendprognose
Im angelsächsischen Raum wird der
Community-Eating-Trend gerade erwach-
sen. Spontan über Social Media organi-
sierte Mahlzeiten werden zum Marketing-
Tool für Restaurants und Starköche, und
entsprechende Plattformen im Internet
mausern sich zu Cash-Cows millionen-
schwerer Investoren. Smarte Geschäfts-
modelle proftieren von der Sehnsucht
nach Ofine-Gemeinschaftserfahrungen,
die die Facebook-Generation erfasst hat.
In Deutschland kommt dieser Trend ge-
rade erst an und wartet noch darauf, sein
volles Potenzial für Gastronomen und
Social-Media-Unternehmen zu entfalten.

BrancHenrelevanz
Gastronomie, Hotellerie & Tourismus, Internet &
IT, Marketing, Medien
F
o
o
D
Freundschaft geht durch den Magen: Die Macher von „grubwithus“ machen es
leicht, sich in einer neuen Stadt wohlzufühlen.
„Guerilla Gardening“ trifft auf „Guerilla Dining“ – beim gemeinsamen Essen werden Fremde zu Freunden.
58
Zukunftsinstitut :: Mikrotrend #22
Best Practices
—Die Online-Plattform Coupfip zieht
Nutzen aus der Tatsache, dass zwischen 20
und 40 Prozent der Groupon-Gutscheine
nicht eingelöst werden. Geld zurück gibt
es bei Groupon nicht. Anstatt nun auf
uneingelösten Gutscheinen sitzen zu
bleiben, können die Kunden auf Coupfip
die Online-Rabattmarken an Schnäppchen-
jäger weiterverkaufen, die wiederum ein
Angebotsfenster verpasst haben und sich
auf diesem Weg doch noch die ersehnten
Prozente holen können. Ohne Groupon
gäbe es sicher kein Coupfip – von dieser
Geschäftsidee proftieren aber beide. (www.
coupfip.com)
—Fast eine Milliarde Dollar war Mark Zucker-
berg der mobile Fotosharing-Dienst Instagram
(www.instagr.am) wert, als Facebook das erst
zwei Jahre alte Unternehmen im April 2012
kaufte. Über Instagram können Fotos auf-
genommen, direkt bearbeitet und Freunden
gezeigt werden. Einer von Instagrams Symbi-
onten ist Hashpix, ein Online-Kunsthändler
für Instagram-Bilder. Die Plattform existiert
erst seit Anfang März und verkauft Kunst-
drucke, zunächst nur von Bildern der zwölf
beliebtesten Instagram-Fotografen. Doch in
Zukunft möchte Hashpix nicht nur ausge-
wählte, sondern alle Fotokünstler vermarkten
und plant einen Download- und Geschenke-
service. (hashpix.com)
—Zahlreich sind die GPS-Navigations-
dienste, die Fußgängern und Autofahrern via
Smartphone den Weg weisen. Problematisch
wird es allerdings, wenn die Nutzer solcher
Dienste Gebäude (z.B. eine unübersichtliche
Shopping-Mall) betreten: In geschlossenen
Räumen ist das Satellitensystem blind und
schaft damit die Nische für den Parasiten.
Wifarer heißt die Smartphone-App, die statt
GPS das WLAN-Netz nutzt, um den User
zu orten, und sich so auf die Navigation in
geschlossenen Räumen spezialisiert hat.
Andere Navigationsdienste proftieren
höchstens indirekt von Wifarer, indem es
die allgemeine Abhängigkeit der Menschen
von mobilen Navigationsdiensten steigert, so
dass sie vielleicht bald schon gar nicht mehr
in der Lage sein werden, sich ohne Smart-
phone zu orientieren. (www.wifarer.com)
Immer mehr Unternehmen leben im
Business-Ökosystem erfolgreicher Vorreiter,
indem sie bestimmte Sekundärfunktionen
anbieten. Ihre Geschäftsmodelle sind dabei
so vom Geschäftsmodell der „Primär-
Unternehmen“ abhängig, wie bestimmte
Tier- und Pfanzenarten in der Biologie als
Symbionten oder Parasiten von ihrem „Wirt“.
Das Wort „Symbiose“ kommt aus dem Grie-
chischen und bedeutet „Zusammenleben“.
In der Biologie bezeichnet es den Zusam-
menschluss von Individuen verschiedener
Arten, der für beide von Vorteil ist (z.B.
Anemonenfsche, die in eigentlich giftigen
Seeanemonen leben: Fisch und Anemone
schützen sich gegenseitig vor Fressfeinden).
Denn: Symbiosen kommen nicht nur in der
Biologie, sondern auch im Wirtschaftsleben
vor.
syMbiose-business
Sehr erfolgreiche neue Geschäftsmodelle erzeugen Marktlücken für
„parasitäre“ Unternehmen, die neu entstandene Kundenbedürfnisse nutzen.
Dieser Mechanismus in der Business-Welt funktioniert genauso wie eine
biologische Symbiose.
Dass ein Start-up auch zu schnell
wachsen kann, zeigt das Beispiel
Groupon: Der Online-Rabatthändler
wurde 2010 zum ersten Mal in einer
Veröfentlichung des Zukunftsinstituts
erwähnt. Im darauf folgenden Jahr
hatte das Unternehmen seine Um-
satzzahlen mehr als verfünfacht und
ging im November 2011 an die Börse.
Laut einem Bericht des Manager-
Magazins musste Groupon nach dem
Börsengang seine Zahlen korrigieren
und hat im Mai 2012 zwei Bilanzex-
perten eingestellt, die Ordnung in das
Chaos bringen sollen. Es scheint, als
sei der Rabatthändler vom eigenen
Erfolg überrannt worden – ein Erfolg,
der mit Coupfip auch gleich einen
Symbionten auf den Plan gerufen hat.
Trendprognose
Auch das beste Geschäftsmodell erzeugt
Marktlücken unbefriedigter Kundenbe-
dürfnisse. Je größer das Geschäft wird,
desto größer werden auch diese Lücken
– und das macht sie interessant für neue
Geschäftsmodelle anderer Unternehmen.
Wie in einem Ökosystem verschiedene
Arten ihre Schwächen gegenseitig aus-
gleichen können, können auch in der
Wirtschaft verschiedene Geschäftsmo-
delle symbiotisch ineinandergreifen. In
den letzten Jahren haben groß gewordene
Web 2.0-Start-ups Nischen geschafen, die
es zuvor gar nicht gab. Clevere Sekundär-
Businesses fangen jetzt an, diese Nischen
zu besetzen.

BrancHenrelevanz
Internet & IT, Management, Marketing, Medien
M
ä
R
K
T
E
Bei Hashpix werden die Onlinekunstwerke real: Hier kann man die beliebtesten Bilder bei Instagram für die eigenen vier
Wände kaufen.
Wer sich nie getraut hat eine Künstlerkarriere einzuschlagen,
kann nun einen risikofreien Versuch mit Hashpix wagen.
Firma Abteilung
Vorname Name
Straße PLZ / Ort
Telefon Fax
E-Mail USt.-ID bei EU-Lieferung
Ort, Datum Unterschrift
:zukunIts|institut 6mbh | lnlcrnalícnaìc 6cscììschafl fur Zukunfls- und Trcndbcralung | kcbcrl-Kcch-Slraßc 116 L | 0-65779 Kcìkhcím | Tcìcfcn: +µq(0ì 617/ 9613·0 | Fax: +/9(0ì 617/ 9613·20
:zukunIts|institut
::: Fax +49 (0) 6174 9613·20 cdcr Unìínc unlcr www.zukunflsínslílul.dc]míkrclrcndszo1¸
die Studie „MIKROTRENDS“ zum Preis von 125,- Euro zzgl. 7% MwSt.,
127 Seiten, ISBN:
|a, ich besteIIe
Mikrotrends sind die kleinen Veränderungen hinter
den großen Trendbwegungen. Sie sind schnell, meist
noch nicht Teil einer großen Theorie und dienen
perfekt als sofortige Inspiration. In dieser Studie ha-
ben die Autoren eine Sammlung von 52 Mikrotrends
für Sie zusammengestellt. Ziel ist, Ihnen Inspiration
zu liefern, was morgen auf Ihr Business zukommen
kann, wo sich neue Marktchancen auftun und mit
welchen Themen Sie sich auseinandersetzen sollten.
Mikrotrends sind ein fester Bestandteil der Trend-
forschung. Mit ihnen lassen sich Gegenwartsphäno-
mene und ihre Zukunftspotenziale optimal beschrei-
ben. Mikrotrends lassen sich meist an Beispielen
konkret veranschaulichen: Produkte, technische Lö-
sungen, Services, Angebote oder junge Bewegungen.
Das Team des Zukunftsinstituts erfasst kontinu-
ierlich neue Mikrotrends, die geclustert und auf
ihr langfristiges Potenzial abgeklopft werden. Die
Studie Mikrotrends bietet eine Sammlung dieser
Trends für die nächsten Monate und Jahre. Neben
der Themenclusterung in Lifestyle, Marketing, Food,
Märkte, Konsum, New Work und Gesellschaft, wird
auch die Branchenrelevanz geprüft.
6eschöjtsbeJingungen: Versandkostenanteil Inland 3,- Euro, Ausland 5,- Euro. Sie haben ein Rückgaberecht von zwei Wochen nach Erhalt der Ware laut BGB §312.
Bei umfangreicheren Bestellungen räumen wir Ihnen gerne Rabatt ein. Kentokt: 4nno Kunz, o.kunzQzukunjtsinstitut.Je, Tel.: +49 {0l6174 9613·22
MIKROTRENDS
Janine Seitz,
Adeline Seidel,
Christian Rauch,
Patrick Mijnals,
Anja Kirig,
Cornelia Kelber
Juli 2012, 127 Seiten
MIKROTRENDS
52 spannende Indikatoren für die
Marktentwicklungen von morgen
Marketing hew Werk
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Feed
LiIestyIe
Mikrotrends sind:
>> kurzfristig in der Entstehung, begrenzt in der
>> Laufzeit
>> oft ausgelöst durch Ideen oder Umsetzungen
>> einzelner Unternehmer oder Denker
>> konkret festmachbar an Beispielen
>> der Gegenwart
>> mit großem Potenzial für weitere Entwicklungen
„Mikrotrends sind die kleinen Kräfte hinter
den großen Veränderungen von morgen.“
Mark J. Penn