DiAlog INNERES

Justizpolitik in niEDERsACHsEn
sCHnEll, EffiziEnt unD büRgERnAH

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 
 
1 Gerechter Zugang für Alle zu guter Justiz  2 Die  Justiz  in  Niedersachsen  ist  leistungsfähig  und  leistungsbereit.  Sie  hat  seit  etlichen  Jahren  ein  3 steigendes Arbeitspensum und Arbeitsverdichtungen weitgehend klaglos getragen und ertragen. Dies  4 begründet  sich  insbesondere  durch  das  Selbstverständnis  der  Justiz  als  „Dritte  Gewalt“  in  unserem  5 Staat.  Nach  zehn  Jahren  CDU/FDP‐Regierung  muss  jedoch  festgestellt  werden,  dass  es  so  nicht  6 weitergehen kann.  7 Die SPD‐Niedersachsen will diese Entwicklung nicht akzeptieren. Die rechtsprechende Gewalt ist für  8 uns unverzichtbares Element und Grundpfeiler der rechtsstaatlichen Ordnung. In der Arbeit der Justiz  9 verdichtet  sich  wie  in  keinem  anderen  Bereich  die  der  Demokratie  immanente  Anforderung  nach  10 „Gerechtigkeit“.  11 Die  Justiz  in  Niedersachsen  ist  für  uns  nicht  ein  Etatposten  von  Vielen  mit  untergeordneter  12 Bedeutung. Wir sind uns der Bedeutung der Justiz bewusst und werden durch politisches Handeln die  13 Grundlage für eine gute Qualität der Justiz sicherstellen.   14 Unser Bild der Justiz ist das Bild der „Dritten Gewalt“ im Staat, zu der alle Bürgerinnen und Bürger  15 Zugang  haben,  die  sich  offen  und  modern  zeigt  und  die  in  angemessener  Zeit  zu  fachlich  hoch  16 qualifizierten und gerechten Entscheidungen findet.  17   18 Justiz in Niedersachsen – schnell, effizient und bürgernah  19 Die  Leistungsfähigkeit  der  Justiz  zum  Wohle  der  Bürgerinnen  und  Bürger  ist  sicherzustellen.  Durch  20 den  seit  Jahren  anhaltend  hohen  Druck  auf  die  Bediensteten  steigt  jedoch  die  21 Arbeitsunzufriedenheit,  es  leidet  durch  den  anhaltenden  Zeitdruck  die  Qualität  und  damit  letztlich  22 und  entscheidend  auch  die  Gerechtigkeit.  Für  die  Bürgerinnen  und  Bürger  ist  Zeit  nicht  nur  Geld,  23 sondern Teil des ihnen verfassungsrechtlich verbürgten Justizgewährungsanspruchs. Es kommt einer  24 Kapitulation  des  Rechtsstaats  gleich,  wenn  Gerichte  nicht  mehr  in  der  Lage  sind,  binnen  25 angemessener Zeit verbindlich Recht zu sprechen.   26 Der Zugang zu niedersächsischen Gerichten erfordert das Bekenntnis zu einer Struktur in der Fläche.  27 Die  niedersächsische  Gerichtsdichte  ist  im  Bundesvergleich  erfreulich  hoch.  Die  fortschreitende  28 Spezialisierung in der Rechtsprechung, die Erfordernisse eines flexibleren Personaleinsatzes und die  29 gestiegenen  Sicherheitsanforderungen  machen  es  erforderlich,  dass  Synergieeffekte  stärker  als  30 bisher identifiziert und genutzt werden.  31 Wir wollen den Rechtsfrieden in unserer Gesellschaft wahren und vor allem sicherstellen, dass alle  32 Bürgerinnen  und  Bürger  ihre  Rechte  unabhängig  von  ihrem  Geldbeutel  durchsetzen  können.  Wir  1  

 

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

33 werden jede Veränderung im Bereich der Kosten sehr genau daraufhin überprüfen, dass der Zugang  34 der Bürgerinnen und Bürger zur Rechtsprechung nicht verhindert wird.   35 Wir  wenden  uns  gegen  Privatisierungsbestrebungen  in  der  Justiz.  Die  Übertragung  staatlicher  36 Aufgaben  auf  Dritte  ist  der  falsche  Weg  –  er  führt  in  eine  Zwei‐Klassen‐Justiz:  Einige,  die  es  sich  37 leisten können, und andere, die es nicht können. Wir lehnen diesen Weg ab. Hinzu kommt, dass die  38 bessere Wirtschaftlichkeit im Rahmen einer Privatisierung nicht nachweisbar ist.  39 Wir wollen daher:  40 • 41 42 • 43 44 • 45 46 47 • 48 49 50 51 • 52 53   54 Arbeit in der Justiz gerecht bewerten  55 Zu einer gerechten Justiz gehört auch, die Arbeitsbelastung der in der Justiz Beschäftigten umfassend  56 zu ermitteln und das notwendige Personal hierfür zur Verfügung zu stellen. Seit einigen Jahren findet  57 die  Berechnung  der  Belastung  durch  ein  eigens  für  die  Justiz  eingesetztes  Personalbedarfssystem  58 (PEBB§Y)  statt.  Optimalerweise  muss  für  einen  Arbeitsplatz  ein  Wert  von  1,0  ermittelt  werden.  In  59 Niedersachsen  haben  wir  jedoch  seit  etlichen  Jahren  deutlich  darüber  hinausgehende  Werte  durch  60 fast alle Justizbereiche festzustellen.  61 Der  Entwicklung  des  PEBB§Y  zugrunde  liegenden  Berechnungssystems  ist  Niedersachsen  nicht  62 beigetreten.  Die  Arbeit  der  niedersächsischen  Justiz  konnte  so  nicht  in  die  Berechnungsmethoden  63 einfließen.  Die  Schwächen  der  aktuellen  PEBB§Y‐Berechnung  werden  für  Niedersachsen  64 insbesondere im mittleren Dienst deutlich. Trotz hoher Arbeitsbelastung liegen rechnerisch PEBB§Y‐ 65 Werte  von  unter  1,0  vor.  Hier  muss  nachberechnet  werden.  Hinzu  kommt  ebenfalls  besonders  im  66 mittleren Dienst ein hoher Altersdurchschnitt, auf den gesondert reagiert werden muss. 

Entscheidungen  der  Justiz  in  einem  möglichst  schnellen  Zeitraum,  der  dennoch  ausreichend  Raum für Ermittlungen und genaue Arbeit lässt.  Schadensersatzforderungen  an  das  Land  Niedersachsen  aufgrund  überlanger  Verfahren  minimieren.  Die Verankerung der  Justiz in  der Fläche sichern und gleichzeitig Synergieeffekte  nutzen. Dort,  wo  es  sich  anbietet,  sind  Zusammenlegungen  von  unterschiedlichen  Gerichten  an  einem  Standort zu Justizzentren unter einem Dach zu prüfen.  Bestrebungen zu Veränderungen bei der Prozesskostenhilfe und der Beratungshilfe, welche den  Zugang  sozial  schwächerer  Bevölkerungsschichten  zur  Justiz  verhindern,  eine  Absage  erteilen.  Der Kostendeckungsgrad der Justiz ist flächendeckend zu ermitteln und in geeigneten Bereichen  (wie z.B. Patentstreitigkeiten) zu erhöhen.  Die  aktuellen  Aufgaben  in  der  Justiz  belassen.  Aufgabenübertragungen  auf  Notare  oder  eine  Privatisierung der Gerichtsvollzieher lehnen wir ab. 

2   

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

67 In diversen Bereichen stellen wir eine notwendige Spezialisierung fest. Hierzu gehören beispielsweise  68 Verfahren  im  Bereich  des  Wirtschaftsstrafrechtes,  der  Korruptionsbekämpfung  und  der  69 Internetkriminalität.  Daher  kommt  Fortbildungen  insgesamt  ein  immer  höheres  Gewicht  zu,  sie  70 sollen daher auch zur Regel im Bereich des Richtergesetzes werden. Fortbildungsaktivitäten müssen  71 bei der Leistungsbewertung für Bewerbungen um Beförderungsstellen berücksichtigt werden. Damit  72 korrespondiert allerdings ein breites vorzuhaltendes Fortbildungsangebot.   73   74 Die R‐Besoldung für Richterinnen und Richter sowie für die Staatsanwältinnen und Staatsanwälte ist  75 ein  bewährtes  und  zu  erhaltendes  Instrument.  Wir  setzen  auf  eine  hohe  Qualität  –  auch  und  76 insbesondere für den Nachwuchs – im Staatsdienst.   77 Wir wollen daher:  78 • 79 80 • 81 82 • 83 84 85 • 86 87 88 • 89 90 91 • 92 93 94 • 95   96 Sicherheit in der Justiz  97 Die  Sicherheit  an  den  niedersächsischen  Justizstandorten  ist  uns  ein  wichtiges  Gut.  Hierfür  spielen  98 Einlasskontrollen  eine  wichtige  Rolle.  Ziel  dieser  Maßnahme  ist  es,  einerseits  Mitarbeiterinnen  und  99 Mitarbeiter  sowie  Prozessbeteiligte  und  Besucherinnen  bzw.  Besucher  so  weit  wie  möglich  vor  100 Angriffen  zu  schützen  sowie  andererseits  die  Öffentlichkeit  der  Verhandlungen  und  damit  der 

An  dem  Ziel  festhalten,  dass  wir  einen  Wert  von  PEBB§Y  1,0  flächendeckend  in  der  niedersächsischen Justiz erreichen.   Eine  Teilnahme  Niedersachsens  an  der  Nacherhebung  im  Jahr  2014  zur  Überprüfung  der  ermittelten PEBB§Y–Werte sicherstellen.  Im Verbund mit anderen Bundesländern ein System der Dynamisierung der PEBB§Y–Berechnung  entwickeln,  damit  neue  technische  Entwicklungen  und  die  Zuweisung  neuer  Aufgaben  Berücksichtigung finden können.  Die  hohe  und  gute  Qualität  der  Justiz  sichern  und  hierfür  Nachwuchswerbeprogramme  entwickeln. Die Juristenausbildung gehört auf den Prüfstand. Elemente, die für Praxiserfahrung  sorgen, sind zu stärken.  Die  Einrichtung  einer  niedersächsischen  Justizakademie  prüfen,  damit  der  bisherige  Flickenteppich für Fortbildungen zusammengeführt werden kann und aufeinander abgestimmte  Fortbildungsmodule entwickelt werden.  Eine  Überprüfung  des  Richtergesetzes  mit  dem  Ziel  der  Stärkung  der  Richterräte  und  der  Mitbestimmung.  In  diesem  Zusammenhang  muss  auch  die  Frage  geklärt  werden,  ob  eine  stärkere richterliche Selbstverwaltung in Niedersachsen möglich ist.  Die R‐Besoldungsstruktur bundesweit einheitlich gestalten. 

3   

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

101 Rechtsprechung  zu  gewährleisten.  Auch  hier  gilt,  dass  wir  private  Sicherheitsunternehmen  in  den  102 Gerichten ablehnen.   103 Neben  der  Sicherheit  an  den  Gerichten  ist  der  barrierefreie  Zugang  ebenso  flächendeckend  zu  104 gewährleisten.  105 Wir wollen daher:  106 • 107 108 109 • 110 111   112 Moderner Justizvollzug für Niedersachsen  113 Unser oberstes Ziel ist die Verhinderung von Kriminalität durch Prävention aus einem Guss mit allen  114 Beteiligten. Der Ruf nach schärferen Strafen verhindert Kriminalität nicht nachhaltig.  115 Wir wollen aber auch einen Justizvollzug, der auf Behandlung und Resozialisierung setzt, denn jeder  116 Inhaftierte  und  jede  Inhaftierte  soll  grundsätzlich  irgendwann  wieder  einmal  in  Freiheit  leben.  117 Während der Inhaftierung muss es allerdings sichere Strukturen zum Schutz der Bevölkerung geben.  118 Insgesamt erreichen wir jedoch nur mit einem intensiven Resozialisierungsansatz die größtmögliche  119 Sicherheit  für  die  Bevölkerung.  Dafür  benötigen  wir  ein  modernes  Niedersächsisches  120 Justizvollzugsgesetz.  Wir  schätzen  bei  dieser  Arbeit  die  Unterstützung  durch  die  ehrenamtlichen  121 Anstaltsbeiräte.  122 Niedersachsen  muss  sich  mit  der  Gestaltung  der  Sicherungsverwahrung  auseinandersetzen.  Die  123 Bedingungen der Sicherungsverwahrung haben sich deutlich und entsprechend den Forderungen des  124 Bundesverfassungsgerichtes  von  denen  des  Strafvollzuges  abzuheben  und  sollen  sich  soweit  wie  125 möglich an die Lebensverhältnisse außerhalb des Vollzuges annähern.   126 Die  SPD‐Niedersachsen  lehnt  den  Betrieb  von  Justizvollzugsanstalten  in  öffentlich‐privater  127 Partnerschaft ab. Der Justizvollzug ist eine hoheitliche Aufgabe und gehört in staatliche Hände. Durch  128 die  Beschlüsse  der  CDU/FDP‐Regierung  zur  JVA  Bremervörde  sehen  wir  uns  mit  einer  langfristigen  129 vertraglichen  Bindung  (10  Jahre)  bezüglich  des  Betriebes  konfrontiert.  Der  Vertrag  ist  intensiv  auf  130 Ausstiegsmöglichkeiten  hin  zu  prüfen.  Wenn  es  kein  finanziell  zumutbares  Ausstiegsszenario  gibt,  131 werden  wir  sehr  genau  darauf  achten,  dass  sich  die  JVA  Bremervörde  in  das  Vollzugsgefüge  in  132 Niedersachsen einfügt.  133 Mit  dem  Neubau  der  Anstalten  in  Oldenburg,  Sehnde  und  Rosdorf  sind  ca.  1.100  Haftplätze  neu  134 geschaffen.  Die  entsprechenden  Beschlüsse  wurden  noch  durch  die  letzte  SPD‐Landesregierung  135 getroffen. Jedoch bleibt seit ca. 10 Jahren die Sanierung der älteren Anstalten weitestgehend auf der  4   

Ein  umfassendes  neues Sicherheitskonzept in Absprache mit allen Betroffenen entwickeln, das  einerseits  den  Sicherheitsbedürfnissen  Rechnung  trägt,  andererseits  aber  auch  unseren  Vorstellungen von offenen Gerichten.  Den  Justizwachtmeisterdienst  attraktiv  gestalten  und  ihn  vermehrt  öffnen  für  Frauen  und  Menschen mit Migrationshintergrund. 

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

136 Strecke.  Wichtige  substanzerhaltende  Maßnahmen  werden  nicht  durchgeführt,  sodass  eine  Zwei‐ 137 Klassen‐Gesellschaft  im  Justizvollzug  droht.  Diese  Entwicklung  ist  weder  den  Inhaftierten  noch  den  138 Bediensteten zuzumuten.  139 Die Sozialtherapie im Justizvollzug ist das wesentliche Element bei der Behandlung von Straftätern.  140 Die  angebotenen  Plätze  im  Vollzug  sind  derzeit  stark  ausgelastet.  Es  bedarf  daher  einer  intensiven  141 Überprüfung, wie eine ausreichende Anzahl an Plätzen flächendeckend angeboten werden kann. Da  142 die  Anzahl  der  psychisch  Kranken  und  der  Drogenabhängigen  in  den  vergangenen  Jahren  im  143 Strafvollzug  stetig  angestiegen  ist,  muss  mit  einem  stimmigen  medizinischen  und  psychologischen  144 Konzept geantwortet werden.  145 Auch im Jugendvollzug ist eine Entwicklung der Zunahme von psychischen Störungen zu beobachten.  146 Viele  Inhaftierte  sind  suchtabhängig,  emotional  instabil,  weisen  Persönlichkeitsstörungen  oder  147 psychiatrische  Krankheitsbilder  auf,  die  in  engem,  oftmals  ursächlichen  Zusammenhang  mit  ihren  148 Straftaten stehen. Wir werden daher alle Anstrengungen unternehmen, um diesen jungen Menschen  149 die  erforderliche  Therapie,  eine  Neuorientierung  außerhalb  von  Subkulturen,  soziales  Lernen  in  150 Gemeinschaft, eine berufliche Qualifizierung und letztlich ein straffreies, selbstbestimmtes Leben zu  151 ermöglichen.  Wir  sind  davon  überzeugt,  dass  diese  Investition  ein  lohnender  Beitrag  für  unsere  152 gesamtgesellschaftliche Entwicklung ist.  153 Auch  bundesrechtliche  Veränderungen  wirken  auf  den  Justizvollzug  ein.  Der  geplante  154 Warnschussarrest  wird  von  uns  als  reiner  Aktionismus  abgelehnt.  Ambulante  Maßnahmen  sind  155 weitaus  besser  dazu  geeignet,  Rückfälle  zu  vermeiden.  Den  Einsatz  der  elektronischen  Fußfessel  156 werden wir genau dahingehend evaluieren, ob er tatsächlich zur Rückfallvermeidung beigetragen hat  157 und 

ob 

die 

Persönlichkeitsrechte 

der 

Überwachten 

gewahrt 

wurden. 

Zusätzliche 

158 Anwendungsbereiche der Fußfessel bedürfen einer genauen und kritischen Überprüfung.  159 Wir wollen daher:  160 • 161 • 162 • 163 • 164 • 165 166 • 167 168 • 169 170

Haftvermeidungsprojekte wie „Schwitzen statt Sitzen“ unterstützen.  Ein eigenständiges Gesetz für den Jugendvollzug schaffen.  Die selbstständigen „Sondervollzüge“ Jugend‐, Jungtäter‐ und Frauenvollzug erhalten.   Ein Jugendarrestvollzugsgesetz entwickeln und verabschieden.  Ein  modernes  Niedersächsisches  Gesetz  über  den  Vollzug  der  Sicherungsverwahrung,  bei  dem  therapeutische Ansätze den Schwerpunkt bilden.   Die  Abläufe  in  der  JVA  Bremervörde  genau  evaluieren  und  auf  die  Wirtschaftlichkeit  hin  untersuchen. Ein schnellstmöglicher Ausstieg aus dem teilprivatisierten Betrieb ist unser Ziel.  Eine  landesweite  Überprüfung  der  Baukörper  sowie  eine  Klassifizierung  der  Anstalten  nach  Wirtschaftlichkeits‐  und  Nachhaltigkeitsgesichtspunkten  vornehmen.  Unser  Ziel  ist  ein  Erhaltungsmanagement für die Justizvollzugsanstalten.  
5   

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

171 • 172 173 174 175 • 176 177 178  

Plätze  in  der  Sozialtherapie  möglichst  flächendeckend  anbieten.  Die  drogentherapeutische  Behandlung  soll  durch  eine  bessere  Zusammenarbeit  mit  externen  Trägern  und  qualifiziertem  Fachpersonal intensiviert werden. Für den Justizvollzug ist ein Psychiatriekonzept zu entwickeln.  Wir setzen uns für die Schaffung eines Berufsbildes für Gefängnismedizin ein.  Eine  Überprüfung,  wie  weit  das  pädagogische  Konzept  der  Jugendhaftanstalt  Hameln  vor  dem  Hintergrund des geforderten Umbaus der Wohngruppen und das für eine intensivere Betreuung  erforderliche Personal, insbesondere Sozialpädagogen und Erzieher, angepasst werden müsste. 

179 Ambulanter Justizsozialdienst (AJSD)  180 Der  Ambulante  Justizsozialdienst  (AJSD)  ist  beim  OLG  Oldenburg  angesiedelt  und  nimmt  wichtige  181 Funktionen für die Kriminalprävention, die Haftvermeidung und die Resozialisierung der Inhaftierten  182 wahr. Er begleitet die Inhaftierten auf ihrem Weg in die Freiheit und bereitet sie bestmöglich auf ein  183 Leben  nach  dem  Gefängnis  und  ohne  weitere  Straftaten  vor.  Wir  wissen,  dass  dies  für  die  184 Verhinderung von Rückfällen insbesondere während der ersten sechs Monate extrem wichtig ist. Es  185 darf gerade in dieser sensiblen Phase des Überganges zu keinerlei Verlust an Informationen kommen.  186 Für  ein  effizientes  Übergangsmanagement  benötigen  wir  daher  ein  einheitliches  Steuerungssystem  187 von Vollzug und AJSD.   188 Dem  Übergangsmanagement  kommt  die  zentrale  Rolle  bei  der  Verhinderung  von  Rückfällen  der  189 Inhaftierten zu.   190 Wir wollen daher:  191 • 192 • 193 194 • 195   196 Mediation stärken  197 Die  Mediation  ist  ein  Erfolg  sozialdemokratischer  Justizpolitik.  Nicht  jede  zivilrechtliche  198 Auseinandersetzung  muss  streitig  vor  Gericht  entschieden  werden.  Die  Vermittlung  zwischen  den  199 Streitparteien  im  außergerichtlichen  Bereich  wie  auch  die  gerichtsinterne  Mediation  sind  weiter  zu  200 stärken.  Auch  im  Bereich  von  schwierigen  kommunalen  Planungen  kann  eine  frühzeitige  201 außergerichtliche – etwa anwaltliche – Mediation zielführend und befriedend sein. Gleichwohl muss  202 aber auch sichergestellt sein, dass jeder Bürger und jede Bürgerin sich eine Mediation leisten kann.   203 Wir wollen daher:  204 • 205

Den Ambulanten Justizsozialdienst als eigene Einheit dem Justizministerium unterstellen.  Eine gemeinsame Strategie von Justizsozialdienst und Bewährungshilfe entwickeln, freie Träger  sind in diese Strategie mit einzubeziehen.  Eine Überprüfung, inwieweit die Präsenz des AJSD in der Fläche verstärkt werden kann. 

Eine  regelmäßige  Evaluierung  der  Mediation,  um  Verbesserungsmöglichkeiten  frühzeitig  zu  erkennen und umzusetzen. 
6   

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

206 • 207  

Uns auf Bundesebene für die Einführung einer Mediationskostenhilfe einsetzen. 

208 Betreuung in Niedersachsen  209 In  den  vergangenen  Jahren  sind  die  Kosten  für  Betreuungen  stark  angestiegen.  Gleichwohl  werden  210 wir  die  Thematik  Betreuung  nicht  unter  reinen  Kostengesichtspunkten  diskutieren.  Wir  stehen  für  211 eine  qualitativ  hochwertige  Betreuung  und  die  Achtung  der  Menschenwürde  der  Betreuten.  212 Einfachere  Betreuungen  können  von  Ehrenamtlichen  übernommen  werden.  Mittelschwere  und  213 arbeitsintensive  Betreuungen  –  vor  allem  in  der  Anfangszeit  –  müssen  von  hauptamtlichen  Kräften  214 professionell wahrgenommen werden. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen sind zu schaffen.  215 Wir wollen daher:  216 • 217 218 219 • 220 221 • 222   223 Informationsfreiheitsgesetz  224 Zu einem gerechten Zugang zur Justiz gehören Partizipation  und Bürgernähe. Mit einem modernen  225 Informationsfreiheitsgesetz  gewähren  wir  den  Bürgerinnen  und  Bürgern  endlich  Einsicht  in  ihre  226 Akten. Transparente Verfahren sollen die Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg zur Lösungsfindung  227 mitnehmen.  228 Wir  wollen  daher  ein  modernes  Informationsfreiheitsgesetz  für  Niedersachsen  entwickeln  und  229 beschließen.  230   231 Strafrecht modern ausgestalten  232 Obwohl  das  Strafrecht  Bundesrecht  ist,  beeinflusst  es  gleichwohl  die  Arbeit  der  niedersächsischen  233 Justiz  in  starken  Maß.  Niedersachsen  muss  sich  daher  über  den  Bundesrat  Gehör  verschaffen  und  234 sich auf diesem Weg in die Weiterentwicklung des Strafrechts einbringen.  235 Der  Täter‐Opfer‐Ausgleich  kann  in  vielen  schwierigen  Fällen  einer  Straftat  zu  einer  Befriedung  und  236 Wiedergutmachung  zwischen  Täter  und  Opfer  führen.  Nicht  selten  führt  ein  erfolgreicher  Täter‐ 237 Opfer‐Ausgleich  dazu,  dass  das  Opfer  dadurch  den  Strafprozess  insgesamt  als  gerecht  bewertet.  238 Insgesamt bedarf auch der Opferschutz einer regelmäßigen Überprüfung auf Verbesserungen für die  239 Opfer  von  Straftaten.  Der  Strafprozess  darf  nicht  dazu  führen,  dass  Opfer  erneut  eine  starke 

Die  eingeführten  Behördenbetreuer  wieder  auf  den  Prüfstand  stellen.  Im  Rahmen  einer  Evaluierung  der  Arbeit  der  Behördenbetreuer  muss  sich  zeigen,  ob  diese  in  das  System  der  ehrenamtlichen und hauptamtlichen Betreuer passen.  Die  Gewinnung  von  Ehrenamtlichen  zur  Übernahme  einer  Betreuung  über  den  familiären  Bereich hinaus intensivieren.  Eine Überprüfung, ob die Vergütung der Berufsbetreuer noch angemessen ausgestaltet ist. 

7   

Dialogpapier: „Justiz in Niedersachsen“ 

240 psychische Belastung aushalten müssen. Unter Wahrung der Grundsätze für den Strafprozess bedarf  241 es Erleichterungen für die Opfer.  242   243 Wir wollen daher:  244 • 245 • 246 247   248 Hannover, 04.06.2012 

Eine Ausweitung des Täter‐Opfer‐Ausgleichs auf weitere geeignete Delikte anstreben.  Den  Opferschutz  dahingehend  stärken,  dass  der  Zeugenschutz  verbessert  und  die  Aufklärung  über finanzielle und soziale Hilfsmöglichkeiten intensiviert wird. 

8