Das prophetische vierte Buch ESRA

Prophetie von dem Propheten Esra des AT’s zur heutigen Endzeit

Ein Gotteswort über das vierte Buch Esra
Frage: Himmlische Weisheit! Du hast vorzeiten im alten Bunde, während der ersten göttlichen Haushaltung, und ebenso auch im Anfange dieser zweiten, die Männer Gottes unterrichtet und sie als die Freunde und Propheten in den heiligen Geheimnissen Gottes und Seines Reiches unterwiesen. Davon liefert uns zum Beispiel auch das vierte Buch Esra einen Beweis. Nun ist aber dieses Buch schon in früheren Zeiten durch Beschlüsse von Kirchenversammlungen aus dem Kanon der Heiligen Schriften verwiesen, seit der Reformation von den

Protestanten für unecht erklärt und verachtet, und in neuerer Zeit aus vielen Bibelausgaben weggelassen worden. Was haben nun wahrheitsliebende Seelen von diesem Buche zu halten? Anwort: Siehe, wenn du behaupten wolltest, der Einer, aus dem alle Zahlen hervorgehen und der allen zum Grunde liegt, sei die einzige Zahl, es gebe außer ihm gar keine anderen Zahlen, so würdest du gegen die Erkenntnis aller sachverständigen Menschen, jung und alt, reden; denn alle wissen, daß die Grundzahl EINS nicht allein bleibt, sondern bis zur Zehnzahl fortschreitet und sich bis ins Unzählbare vervielfältigen lässt. Ebenso unweise handeln aber diejenigen welche die Zahl der Schriften heiliger Offenbarungen ohne geistige Erkenntnis und Unterscheidungsgabe auf etliche Bücher beschränken und den Kanon dieser Schriften für immer abschließen wollen. Das vierte Buch Esra ist ein Buch, dessen Echtheit hinsichtlich göttlicher Eingebung nicht zu bezweifeln ist. Ein Teil desselben ist aber verloren gegangen und manche Stellen sind auch nicht richtig übersetzt worden. Die Urschrift desselben ist hebräisch; es wurde aber von gelehrten Chaldäern auch ins Chaldäische, ferner ins Arabische und später auch ins Lateinische übersetzt. In älteren Zeiten wurde es in großen Ehren gehalten. Das zweite Kapitel dieses Buches hat viel Ähnlichkeit mit den Worten des Propheten Daniel und der Offenbarung Johannes. Die Gesichte gehen auf die Bekehrung der Heiden und auf die Offenbarung des Sohnes Gottes. Wie in allen prophetischen Weissagungen kämpft in diesem Kapitel bei der Androhung der göttlichen Gerichte die Barmherzigkeit Gottes mit Seiner strengen Gerechtigkeit.

Mitunter hat dieses Buch auch viel Ähnlichkeit mit dem Buche Hiob. Nicht selten rechtet gleichsam Esra aus Liebe zu seinem Volke mit Gott und stellt sich, wie Abraham für Sodom und Gomorra und wie Moses für das Volk Israel, als ein Mittler in den Riß vor Gott. Gott, der das gute Herz und die reine Absicht Esra’s kannte, belehrt ihn durch den hohen Fürstenengel Uriel und sagt ihm zum Troste, daß Er bei allen Gerichten, der Er über das Böse ergehen lassen müsse, dennoch Seinen Samen erhalten und Früchte bringen lassen werde. Die Belehrungen, welche nach dem vierten Kapitel der Engel Uriel dem Esra durch Gleichnisse erteilt sind voller tiefer Weisheit und gehaltreichen Sinnes. Der Engel führt darin eine tiefe Sprache, die man heutigen Tages, wo die Ursprache der geistigen Weisheit verloren gegangen ist, eine mystische nennt. Esra bestätigt die Erfahrung der redlichen Gott und die Wahrheit liebenden Seelen, wie schwer es sei, die wunderbare, rätselhaft scheinende Führung Gottes uns Seine, nicht selten gegen Seine herrlichen Verheißungen streitenden Wege zu erkennen. Daher tritt dann oft der Sterbliche gegen den Unsterblichen, der Ton gegen den Töpfer, mit mancherlei Fragen auf, wie doch Dieses oder Jenes zu verstehen sei. Der Höchste lässt sich auch gegen den Staub hernieder und belehrt ihn, soviel er zu fassen vermag. Er befriedigt ihn aber in der Beantwortung seiner Fragen nie ganz, und kann es nach Seiner Weisheit auch nicht, sondern lässt ihn immer so viel Rätselhaftes übrig, daß der Staub Ursache habe, sich vor dem Töpfer zu beugen und Seine Hand auf den Mund zu legen. Im siebenten Kapitel des Buches zeigt Gott dem Esra, wie er zuvor durch die enge Pforte hindurch dringen müsse,

ehe er die göttliche Weite und das offenbarte Licht erreichen könne. In einigen Stellen des Buches, besonders Kapitel 9, 22, hat es das Ansehen, als ob Gott sich nur um einen kleinen Teil der Menschen bekümmere, den Er nach Seinem positiven Willen, nach einer unbedingten Gnadenwahl, zur Seligkeit ausersehen habe, während Er den größeren Teil der Menschheit sich selbst und dem Verderben überlasse. Diesem Gedanken widerspricht aber der Zusammenhang der ganzen Heiligen Schrift und ebenso auch der Zusammenhang dieses Buches selbst, besonders der Schluß der 59. Verses des 8. Kapitels, wo der Engel sagt: „Denn Gott hat nicht gewollt, daß ein Mensch sollte verloren gehen". Immerhin bleibt aber die so viel besprochene Gnadenwahl, zu deren Erörterung besonders der Brief Pauli an die Römer Anlaß gibt, ein Geheimnis, an welchem die menschliche Vernunft zu grübeln, zu deuten und wogegen sie zu protestieren hat, bis aller falscher Protestantismus sich als Erdenstaub niederlegt vor dem Töpfer, dem Allweisen, der nach Seine Weisheit sagen kann: Ich nehme nach meinem positiven Willen, nach meinem bestimmten Vorsatz, hier eine Scholle Erde und dort eine andere, um in diese einen solchen Geist, und in jene einen anderen, von anderer Eigenschaft zu legen. Diese habe Ich nach Meinem Vorsatze zu einem solchen Gefäße, jene aber zu einem anderen Gefäße in Meiner großen Haushaltung, zu Meiner und des Gefäßes Verherrlichung bestimmt, und diese Bestimmung kann nicht von ihm genommen werden, es beraube sich ihrer denn selbst mit Gewalt. (Apg. 1,20) Nicht aber hat Gott in Christo, wie Einige wähnen, einen Teil, oder gar einen größten Teil der Menschen zu

Gefäßen für die Hölle bestimmt, damit doch die Hölle nicht leer sei, als hätte Er gleichsam einen Akkord mit ihr gemacht, wonach Er den größten Teil der Gefäße ihr überlassen wolle, damit sie mit Ihm zufrieden sein möge; sondern Er verwirft und zerwirft die aus eigener Schuld missratenen Gefäße nur so lange, bis durch die Feuersläuterung der widerwärtige Geist aus ihnen hinaus gebannt ist und der Ton des Töpfers Willkür sich überlassen hat. In dem vierten Buch Esra begegnen wir noch einem anderen bestimmten Vorsatze Gottes, der sich auf die Offenbarung Seiner Geheimnisse bezieht. Gott befiehlt nämlich nur bedingungsweise diese Geheimnisse zu offenbaren, sie diesem oder jenem Teile der Menschen vorzulegen, dem größeren Teile aber vorzuenthalten, wie aus Kap. 14, 3-7 deutlich zu ersehen ist. Nach diesen Worten wurde Moses angewiesen, einen Teil der enthaltenen Offenbarungen dem Volke vorzulegen, einen anderen Teil aber zu verschweigen, der also wohl nur für ihn und vielleicht Aaron gegeben war. Ebenso wurde auch nach Vers 45 – 47 jenes Kapitels dem Esra selbst befohlen, einen Teil des ihm Geoffenbarten nicht zu veröffentlichen, sondern als ein Geheimnis für sich und die Weisen unter seinem Volk zu bewahren. Der Ewige behält sich also nach Seiner Weisheit vor, die tieferen Geheimnisse der ewigen, über die Anfangsgründe erhabenen Weisheiten (Hebr. 6,12) nur diejenigen wissen zu lassen, die gleich dem Esra (Kap. 14, 38 – 40) geeignet sind, den lichtfeurigen Goldtrank zu trinken und dadurch von dem Strom der reinen göttlichen Wissenschaft durchdrungen zu werden.

Bezeugte doch der Heiland selbst im Evangelium Seinen Jüngern: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu wissen; denen, die draußen sind, widerfährt es aber nur unter den Hüllen von Gleichnissen. Im Ganzen genommen steht das vierte Buch Esra mit dem Neuen Testament und der ganzen Bibel in genauer Verbindung durch den gleichen Geist der Wahrheit. Wer es fassen mag, der fasse es! Dieses Buch ist in einer Sprache geschrieben, die den an unsere gegenwärtige versinnlichte Sprache Gewöhnten Ursache gibt, mehr Rätselhaftes und Mystisches darin zu erblicken, als sich seiner Natur nach in Wirklichkeit darin vorfindet. Amen

gegeben am 2. September 1845

Die Prophetie hat uns heute nach einem Zeitraum von über 6000 Jahren eingeholt. Was schon vor fast 5000 Jahren dem Henoch und vor gut 2500 Jahren dem Esra auf lange Zeit hinaus geweissagt und dann von Ihnen niedergeschrieben wurde für alle späteren Geschlechter auf Erden, wie auch allen weiteren Propheten Gottes bis in unsere Zeit, ja bis auf den heutigen Kalendertag uns von Gott täglich gesagt wird, wird heute offenbar.... wir leben in der Endzeit, der eine Neue Zeit auf einer Neuen Erde folgt für alle jene, die Gottes Gebote nicht verworfen haben, die noch heute aus Liebe zu Gott sich Ihm und Seinem Willen unterstellt haben mitten in der sterbenden Welt. Daß Gott auch heute noch zu Menschen spricht, die Ihm allein dienen, wurde den Menschen immer wieder durch die Heiligen Schriften mitgeteilt... und Gott ist unveränderlich. Sein WORT an die Alten gilt auch heute noch uns unverändert. Weissagung, also Prophetie aus dem Geiste Gottes, hatte nie aufgehört. Hier nur einige wenige Hinweise aus der Bibel:
1Thes 5,19 Den Geist dämpfet nicht, 1Thes 5,20 die Weissagung (Prophetie) verachtet nicht; 1Thes 5,21 prüfet aber alles, und das Gute behaltet. Spr 13,13 Wer das Wort verachtet, der verderbt sich selbst; wer aber das Gebot fürchtet, dem wird's vergolten. Joh 12,48 Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter; das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage. Jer 25,30 Und du sollst alle diese Wort ihnen weissagen und sprich zu ihnen: Der HERR wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung; er wird brüllen über seine Hürden; er wird singen ein Lied

wie die Weintreter über alle Einwohner des Landes, des Hall erschallen wird bis an der Welt Ende. Jer 29,12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und zu mir beten, und ich werde auf euch hören. Jer 29,13 Und ihr werdet mich suchen und finden, denn ihr werdet nach mir fragen mit eurem ganzen Herzen; Jer 29,14 und ich werde mich von euch finden lassen, spricht Jehova. Joe 3,1 Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen; eure Ältesten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen; Joh 14,21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen. Apg 2,17 "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben; Apg 2,18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in denselben Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 1Kor 14,1 Strebet nach der Liebe! Fleißiget euch der geistlichen Gaben, am meisten aber, daß ihr weissagen möget ! Offb 10,11 Und er sprach zu mir: Du mußt abermals weissagen von Völkern und Heiden und Sprachen und vielen Königen. Offb 11,3 Und ich will meinen zwei Zeugen geben, daß sie weissagen tausendzweihundertundsechzig Tage, angetan mit Säcken.

Propheten unserer Generationen, der Letzten, waren u.a. Jakob Lorber und Bertha Dudde für den deutschsprachigen Raum. Während Jakob Lorber der größte aller Propheten war (http://j-lorber.com/deutsch/), der je einen Fuß auf diese Erde setzte, so jedenfalls belehrt uns Gott, war Bertha Dudde die Endzeit-Prophetin, durch die uns Gott einen genauen Aufschluß gibt über den Ursprung unserer Sünde, das Erlösungswerk Jesu Christi, in dem Gott Fleisch angenommen hatte und über die Reihenfolge des Endes dieser Erlösungsperiode, in der wir im Jahre 2002 leben,

was aber bei Esra schon in vielen Bildern dargestellt wurde. Der „Feind aus den Lüften", von dem fast alle Propheten aus Gott geschrieben haben, findet sich jetzt nicht nur in den Tiefen des Himmels, sondern auch in den Niederschriften von B. Dudde. (http://www.bertha-dudde.info/) Wer in Gott schon lebt, der hat keine Furcht vor dem, was kommt. Allen anderen ist der Rat mit auf den Weg zu geben, sich unter den Schutz des Höchsten zu stellen. Ingo Schneuing

Diese Texte wurden am 26. Juli 2002 von Unterlagen eingescannt und die Übertragungsfehler berichtigt von: Ingo Schneuing, Flörekeweg 9, 21339 Lüneburg, 04131 32589, ISchneuing@aol.com und http://de.groups.yahoo.com/group/dudde/ sowie http://de.groups.yahoo.com/group/j-lorber/ Ps 91,1 Wer im Schirm {Eig. im Verborgenen} des Höchsten sitzt, wird bleiben im Schatten des Allmächtigen. Ps 91,2 Ich sage von {od. zu} Jehova: Meine Zuflucht und meine Burg; mein Gott, auf ihn will ich vertrauen. {od. auf den ich vertraue} Ps 91,3 Denn er wird dich erretten von der Schlinge des Vogelstellers, von der verderblichen Pest. Ps 91,4 Mit seinen Fittichen wird er dich decken, und du wirst Zuflucht finden unter seinen Flügeln; Schild und Tartsche ist seine Wahrheit.

Ps 91,5 Du wirst dich nicht fürchten vor dem Schrecken der Nacht, vor dem Pfeile, der bei Tage fliegt, Ps 91,6 vor der Pest, die im Finstern wandelt, vor der Seuche, die am Mittag verwüstet. Ps 91,7 Tausend werden fallen an deiner Seite, und zehntausend an deiner Rechten, dich wird es nicht erreichen. Ps 91,8 Nur schauen wirst du es mit deinen Augen, und wirst sehen die Vergeltung der Gesetzlosen. Ps 91,9 Weil du Jehova, meine Zuflucht, den Höchsten, gesetzt hast {O. Denn du, Jehova, bist meine Zuflucht. Du hast den Höchsten gesetzt} zu deiner Wohnung, Ps 91,10 so wird dir kein Unglück widerfahren, und keine Plage deinem Zelte nahen; Ps 91,11 denn er wird seinen Engeln über dir befehlen, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen. Ps 91,12 Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Ps 91,13 Auf Löwen und Ottern wirst du treten, junge Löwen und Schlangen wirst du niedertreten. Ps 91,14 Weil er Wonne an mir hat, {wörtl. Weil er an mir hängt} will ich ihn erretten; ich will ihn in Sicherheit setzen, weil er meinen Namen kennt. Ps 91,15 Er wird mich anrufen, und ich werde ihm antworten, ich werde bei ihm sein in der Bedrängnis; ich werde ihn befreien und ihn verherrlichen. Ps 91,16 Ich werde ihn sättigen mit Länge des Lebens {wörtl. der Tage} und ihn schauen lassen meine Rettung. {od. mein Heil}

DAS PROPHETISCHE VIERTE BUCH ESRA
Kapitel 1 Einleitung Vers 1-3 Aufzählung der Wohltaten Gottes an Israel und Undank des Volkes Vers 4-23 Ankündigung des über Israel ergehenden Strafgerichtes und Berufung eines neuen Volkes Gottes. Vers 24--40 (Esra 7,1 ff). I. 1. Das zweite Buch des Propheten Esra, des Sohnes Serajas des Sohns Azarias, des Sohns Hilkias, des Sohns Salums, des Sohns Zadoks, des Sohns Ahitabs, 2. des Sohns Achias, des Sohns Pinehas, des Sohns Elis, des Sohns Amerias, des Sohns Asiels, des Sohns Merimoths, des Sohns Arnas, des Sohns Ozias, des Sohns Doriths, des Sohns Abisuas, des Sohns Pinehas, des Sohns Eleasars, 3. des Sohns Aarons, aus dem Stamme Levi, der im Mederland, in dem Konigreich Artaxerxes, des Königs der Perser, ein Gefangener gewesen ist. II.

4. Und das Wort des Herrn geschah an mich also: 5. "Gehe hin und verkündige Meinem Volke ihre Übeltaten, und ihren Kindern ihre Übertretungen, die sie wider Mich getan haben, daß sie es ihren Kindeskindern verkündigen. 6. Denn der Väter Sünden haben in den Kindern überhand genommen und sie haben Meiner vergessen und anderen Göttern geopfert.(Hesek. 3, 17-21.) 7. Habe Ich sie denn nicht aus Ägyptenland, dem Diensthause, geführt? Sie aber haben Mich zum Zorn gereizt und Meine Ratschläge verachtet. (2. Mose 20,2.) 8. Du aber raufe die Haare auf deinem Haupte und wirf alles Böse auf sie, darum, daß sie Meinem Gesetz nicht gehorsam gewesen, es ist ein unbändiges Volk. 9. Wie lange soll Ich Mich mit ihnen gedulden, denen Ich soviel Gutes getan habe? (Apostelgesch. 14, 17.) 10. Ich habe viele Könige um ihretwillen verderbt; Ich habe den Pharao mit seinen Knechten and alle seine Macht zertrümmert. 11. Alle Heiden habe Ich vor ihrem Angesichte ausgerottet, and Ich habe gegen Aufgang der Sonne die Völker von zwei Provinzen, von Tyrus und Sidon, zerstreut und alle ihre Feinde getötet. 12. Du aber rede zu ihnen: "Also spricht der Herr. 13. Ich habe euch durch das Meer geführt und von Anfang an gesicherte Straßen gegeben, Ich habe euch den Moses zum Anführer gegeben und den Aron zum Priester. (2. Mose 14, 15 ff.)

14. Ich habe euch in einer Wolkensäule Licht gegeben und unter euch große Wunder getan; ihr aber habt Meiner vergessen", spricht der Herr. (2. Mose 13, 21. ) 15. Dieses hat der Allmächtige Herr geredet: „Ich habe euch Wachteln zum Zeichen gegeben, und ein Lager zum Schirm; und daselbst habt ihr gemurrt. (2. Mose 15, 13.) 16. Und habet nicht in Meinem Namen über den Untergang eurer Feinde frohlockt, sondern bis auf den heutigen Tag habet ihr gemurrt. 17. Wo sind die Guttaten, die Ich euch getan habe? Da ihr in der Wüste Hunger littet, riefet ihr nicht zu Mir und spracht: 18. Was hast du uns in diese Wüste und Einode geführt, daß du uns tatest? Es wäre uns besser gewesen, wir hätten den Ägyptern gedient, als daß wir hier in dieser Einöde sterben müssen. (2. Mose 16, 3.) 19. Da habe Ich mit eurem Seufzen Mitleiden gehabt, und gab euch Manna zur Speise. Ihr habet Engelsspeise gegessen. (2.
Mose 16, 15.)

20. Habe Ich nicht den Felsen gespalten, da euch dürstete und Wasser genug herausfließen lassen? Ich habe euch vor der Hitze mit der Bäume Blätter bedeckt. (2. Mose 17, 2.) 21. Ich habe fette Ländereien unter euch verteilt. Ich habe die Cananiter, Pheresiter und Philister vor eurem Angesichte hinausgetrieben. Was sollte Ich euch noch weiteres tun?", spricht der Herr. 22. Dieses redet der allmächtige Herr: „Als ihr bei dem bitteren Wasser in der Wüste waret und Durst hattet, da ihr Meinen Namen lästertet,

23. da gab Ich euch nicht Feuer für eure Lästerung, sondern Ich warf ein Holz in das Wasser und machte den Fluß süß. III. 24 Was soll Ich dir, o Jakob, tun? Juda, du hast nicht wollen gehorsam sein. Ich will Mich zu andern Völkern wenden. Ich will denselben Meinen Namen geben, daß sie meine Satzungen halten. (Joh.1,17. Röm.9, 25, 26.) 25. Dieweil ihr Mich verlassen habet, so will Ich euch verlassen. So ihr Barmherzigkeit von Mir begehren werdet, will Ich euch nicht barmherzig sein. 26. So ihr mich anrufet, will Ich euch nicht erhören; denn ihr habet eure Hände mit Blut befleckt; eure Füße sind schnell, Mordtaten zu begehen.
Jes. 59, 7.

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27. Ihr habet nicht Mich verlassen, sondern euch selbst", spricht der Herr; 28. Dieses redet der allmächtige Herr: „Habe Ich euch nicht gebeten, wie ein Vater seine Söhne, und wie eine Mutter ihre Töchter und wie eine Amme ihre Kindlein, 29. daß ihr Mein Volk und Ich euer Gott sein möchte, ihr Meine Kinder, Ich euer Vater? 30. So habe Ich euch gesammelt, wie eine Henne ihre Jungen unter ihre Flügel. Nun aber was soll Ich euch tun? Ich will euch von meinem Angesicht verwerfen. (Matth. 23, 37.)

31. So ihr Mir opfert, so will Ich Mein Angesicht von euch wenden, denn Ich habe eure Feste, Neumonate und Beschneidung verworfen. (Jes. 1, 13.) 32. Ich habe Meine Knechte, Meine Propheten zu euch gesandt; die habet ihr genommen und getötet und ihre Leichname zerrissen; Ich will ihr Blut von euch fordern", spricht der Herr. Matth. 23,29-33. 33. Dieses redet der allmächtige Herr: „Euer Haus muß öde werden, Ich will euch hinwerfen, wie der Wind die Spreu. Matth. 23, 38. 34. Eure Söhne werden keine Kinder zeugen, denn sie haben Meine Gebote verachtet und Böses vor Mir getan. 35. Einem Volk, das kommen wird, will Ich eure Häuser geben, und die Mich nie gehört haben, werden Mir glauben; und denen Ich nie ein Zeichen gegeben habe, die werden tun, was Ich sie heiße. Röm. 10, 20. 36. Sie haben nie einen Propheten gesehen, und werden doch ihrer Sünden eingedenk sein. 37. Ich will von der Gnade des zukünftigen Volkes zeugen; Ihre Kinder werden in Freuden frohlocken; und wiewohl sie Mich mit leiblichen Augen nie gesehen, werden sie doch im Geiste glauben, was Ich gesagt habe. 38. Und nun, Mein Bruder, schaue, welche Herrlichkeit; und besehe das Volk, das von Aufgang kommt! 39. Denen will Ich zu Führern geben: Abraham, Isaak, Jakob, Hosea, Amos, Micha, Joel, Obadja, Jonas. 40. Nahum, Habakuk, Zephanja, Hagai, Samarja und Maleachi, welcher auch der Engel des Herrn genannt wird.

KAPITEL II. I. Klage über den Verfall des jüdischen Volkes, V. 1-9. II. Ermahnungen und Verheißungen, V. 10-32. I III. Esra’s Gesicht von dem triumphierenden Volke Gottes auf dem Berge Zion, V. 33-48. I. 1. Dieses redet der Herr: „Ich habe dieses Volk aus der Dienstbarkeit geführt, und habe ihnen Meine Gebote durch Meine Knechte, die Propheten, gegeben; dieselben haben sie nicht wollen hören, sondern haben Meine Ratschläge verachtet. 2. Die Mutter, die sie geboren hat, spricht zu ihnen: Gehet hin, ihr Kinder, denn ich bin eine Witwe und verlassen. 3. Ich habe euch mit Freuden erzogen; mit Leid und Trauern habe ich euch verloren.. denn ihr habet vor dem Herrn, eurem Gott gesündigt und vor Ihm Unrecht getan. 4. Was soll ich euch nun tun? Ich bin eine Witwe und eine Verlassene. Gehet hin, o, Meine Kinder, und erbittet Barmherzigkeit vor dem Herrn. 5. Ich aber rufe Dich, o Vater, zum Zeugen an über die Mutter dieser Kinder, die meinen Bund nicht gehalten haben; 6. daß du sie zu Schanden machest und ihre Mutter zum Raub, daß sie keine Nachkommen haben.

7. Ihre Namen sollen unter die Nationen gestreut werden und sie sollen gesichtet werden auf der Erde; denn sie haben meinen Eid verachtet. 8. Wehe dir, Asur, daß du die Ungerechten bei dir verbirgst! Du böses Volk, gedenke, was Ich Sodom und Gomorra getan habe, 9. deren Land in Pechschollen und Aschenhaufen liegt. Also will Ich auch allen denen tun, die Mich nicht hören", spricht der allmächtige Herr. II. 10. Also redet der Herr zu Esra: Verkündige meinem Volke: Ich will den Nationen Jerusalem geben, welches Ich Israel geben wollte. 11. Und Ich will jener Herrlichkeit zu Mir nehmen, und will ihnen ewige Hütten geben, die Ich jenen zubereitet hatte. 12. Das Holz des Lebens wird ihnen eine wohlriechende Salbe sein; sie werden weder arbeiten noch müde werden. Offenb. 22, 2. 13. Geht hin, so werdet ihr's empfangen! Betet, daß die Tage verkürzt werden. Jetzt ist euch das Reich bereitet; wachet!
Matth. 24, 22 und 42.

14. Nimm zu Zeugen Himmel und Erde; denn Ich habe das Böse abgetan und das Gute geschaffen. Denn Ich lebe, spricht der Herr. 15. Mutter, umfange deine Kinder und erziehe jene mit Freuden; mache ihre Füße fest wie eine Säule, denn Ich habe dich erwählt, spricht der Herr;

16. und Ich will die Toten aus ihren Stätten auferwecken und Ich will sie aus den Gräbern führen, denn Ich habe meinen Namen in Israel erkannt. 17. Fürchte dich nicht, du Mutter der Kinder, denn Ich habe dich erwählt, spricht der Herr. Psalm 113, 9. 18. Ich will dir zu Hilfe senden Meine Knechte Jesajas und Jeremias, nach deren Rat Ich dir 12 Bäume, beschwert mit mancherlei Früchten, geheiliget und zubereitet habe. Luk. 6, 13-16. 19. und ebenso viele Brunnen, die von Milch und Honig fließen und sieben unermeßliche Berge, auf denen Rosen und Lilien wachsen, wodurch Ich deine Kinder mit Freuden erfüllen will. Offenb. 1, 20. 20. Sprich Recht der Witwe, führe die Sache des Mündels, gib dem Armen, beschirme das Waislein, bekleide den Nackten, heile den Verwundeten und Kranken, spotte des Lahmen nicht, beschirme den Krüppel und lass den Blinden zur Anschauung meiner Klarheit kommen. 22. Bewahre den Greisen und Jüngling in deinen Mauern. 23. Wo du Tote findest, da nimm sie und übergib sie dem Grab, so will Ich dir den ersten Sitz geben in meiner Auferstehung. 24. Sei stille und ruhe, Mein Volk, denn deine Ruhe wird kommen. 25. Als gute Amme nähre deine Kinder, stärke ihre Füße. 26. Von den Knechten, die Ich dir gegeben habe, soll keiner verderben, denn Ich will sie von deiner Zahl suchen.

27. Werde nicht müde, denn so der Tag der Angst und Not kommt, werden die andern weinen und trauern, du aber wirst fröhlich und reich sein. 28. Die Nationen werden eifern, sie werden aber nichts gegen dich vermögen, spricht der Herr. 29. Meine Hände werden dich bedecken, daß Deine Kinder die Verdammnis nicht sehen werden. 30. Frohlocke, o Mutter, mit Deinen Kindern, denn ich will dich erretten, spricht der Herr. 31. Gedenk an deine schlafenden Kinder, denn Ich will sie herausführen aus den Gründen der Erde und will ihnen Barmherzigkeit beweisen, denn Ich bin barmherzig, spricht der allmächtige Herr. 32. Umfange deine Kinder, bis daß Ich komme und ihnen Barmherzigkeit beweise, denn Meine Brunnen laufen über und Meine Gnade wird nicht versiegen III. 33. Ich, Esra habe auf dem Berg Horeb einen Befehl von dem Herrn empfangen, daß ich zu Israel gehen sollte; da ich aber zu ihnen kam, ver- warfen sie mich und verachteten das Gebot des Herrn. 34. Und darum sage ich euch, ihr Nationen, die ihr es hört und versteht: Wartet auf euren Hirten, er wird euch ewige Ruhe geben, denn der ist nahe, der am Ende der Welt kommen wird. 35. Seid zubereitet zu der Belohnung des Reiches, denn ein immerwährendes Licht wird euch leuchten in alle Ewigkeit..

36. Fliehet den Gräbern dieser Welt; ergreifet die Wonne eurer Herrlichkeit. ich rufe meinen Heiland öffentlich zum Zeugen an. 37. Empfanget die anvertraute Gabe und seid fröhlich und sagt dem Dank, der euch zu dem himmlischen Reich berufen hat. 38. Stehet auf und stehet fest, sehet die Zahl der zu dem Mahle des Herrn Bezeichneten; Offenb.7, 13 usf. 39. die sich dem Schatten dieser Welt entzogen und von dem Herrn glänzende Kleider empfangen haben. 40. Zion, nimm auf deine Zahl und schließe zusammen deine weiß Gekleideten, die das Gesetz des Herrn erfüllt haben. 41. Die Zahl deiner Kinder, die du gewünscht hast, ist erfüllt: bitte die Ge- walt des Herrn, daß dein Volk, welches von Anfang berufen ist, geheiligt werde. 42. Ich, Esra, habe auf dem Berge Zion ein großes Volk gesehen, das ich nicht habe zählen können, diese alle haben den Herrn mit Lobgesängen gelobt. Offenb. 7, 9. 43. Mitten unter ihnen stand ein Jüngling von hoher Gestalt, der jene alle überragte und setzte einem jeden eine Krone auf sein Haupt, dessen verwunderte ich mich sehr. 44. Da fragte ich den Engel und sprach: Herr, wer sind diese? 45. Da sprach er: Es sind die, welche das sterbliche Kleid abgezogen und ein unsterbliches angelegt und den Namen Gottes bekannt haben. Jetzt werden sie gekrönt und empfangen Palmen.

46. Da sprach ich wiederum zum Engel: Wer ist der Jüngling, der ihnen die Krone aufgesetzt und Palmenzweige in die Hände gibt? 47. Und er antwortete und sprach: Es ist Gottes Sohn, den sie in der Welt bekannt haben! - Da fing ich an, die hoch zu loben, welche für den Namen des Herrn fest gestanden haben. 48, Da sprach der Engel zu mir: "Geh hin und verkündige meinem Volke, was für große Wunder Gottes, des Herrn du gesehen habest." KAPITEL III Das erste Gesicht Esra’s (Kap. 3, 1 - Kap; 5, 15) I. Esra’s Gebet, in dem er die Entstehung, den Fortgang und die Folgen der Sünden seines Volkes beschreibt. 1-27. II. Frage, warum die lasterhaften Heiden glücklicher seien als Israel. 28 -36. I. 1. Im dreißigsten Jahre der Zerstörung der Stadt war ich zu Babylon und lag bekümmert auf meinem Bette und mancherlei Gedanken kamen in mein Herz; Dan. 4, 2. 2. denn ich sah, wie Zion verödet war und den Überfluß derjenigen, die zu Babylon wohnten.

3. Und mein Geist war sehr bewegt, daß er anfing, Worte der Furcht zu dem Höchsten zu reden und sprach: 4. "O Herr, du Herrscher! Du hast von Anfang an geredet, Du hast die Erde gepflanzt, und das allein, und hast dem Volke Gebote gegeben; 5. und hast dem Adam einen toten Leib gegeben, der aber auch selbst ein Gebilde Deiner Hände war und hast ihm einen Geist des Lebens eingehaucht, daß er vor Dir das Leben hatte;
1. Mose 2. 7.

6. und Du hast ihn in das Paradies geführt, welches Deine Rechte gepflanzt hatte, ehe er auf Erden kam; 7. und hast ihm befohlen, Deinen Weg zu lieben, aber er übertrat den- selben und alsobald verordnetest Du ihm den Tod und auch seinen Nachkommen. Und es entstanden Geschlechter und Stämme und Völker und Verwandtschaften, deren keine Zahl ist. 8. Und ein jedes Volk wandelte nach seinem Willen, und sie taten seltsame Dinge vor Dir und verachteten Deine Anweisungen zum Leben. 9. Wiederum aber hast Du zu seiner Zeit die Sintflut herbeigeführt über die, so in der Welt wohnten und hast Sie vertilgt. 1. Mose 6, 13. 10. Und es geschah bei einem jeglichen von ihnen wie über Adam der Tod kam, so über diese die Sintflut. 11. Einen aber aus ihnen hast Du lassen überbleiben, nämlich Noah mit seinem Hause und von ihm sind alle Gerechten hergekommen.

12. Und es geschah, als die Einwohner der Erde anfingen sich zu vermehren, und ihre Kinder und Völker und Stämme viele wurden, da fingen sie auch wiederum an, Gottlosigkeiten zu üben, mehr als die Früheren. 13. Und es geschah, als sie Unrecht taten vor Dir, da erwähltest Du Dir einen Mann aus ihnen, der hieß Abraham; 1.
Mose, 12, 1 u, ff.,

14. den hast Du geliebt und ihm allein Deinen Willen angezeigt, 15. und mit ihm einen ewigen Bund gemacht und ihm zugesagt, Du wolltest seinen Samen nimmermehr verlassen. Du hast ihm den Isaak gegeben, dem Isaak aber den Jakob und Esau. 16. Und den Jakob hast Du Dir auserwählt, den Esau aber verworfen, und Jakob ward zu einem großen Volke. 17. Und da Du seine Nachkommen aus Ägypten führtest, hast Du sie an den Berg Sinai geführt. 2. Mose 19. 18. Und Du hast den Himmel geneigt und die Erde festgestellt und den Erdkreis erbeben, und die Abgründe zittern gemacht, und die Welt erschreckt. 19. Und Deine Herrlichkeit ist durch viele Pforten gegangen, des Feuers, des Erdbebens, des Sturmwindes und des Frostes, damit Du gebest dem Samen Jakobs das Gesetz und dem Geschlechte Israels fleißiges Halten desselben. 20. Und Du hast das boshafte Herz nicht von Ihnen genommen, daß Dein Gesetz in ihnen Frucht brächte;

21. denn der erste Adam hat ein boshaftes Herz getragen, er hat über- treten und ist überwunden worden, und so auch alle, die von ihm gezeugt sind. Röm. 5, 12. 22. Und es entstand eine immerwährende Schwachheit und ein Gesetz im Herzen des Volkes, in tief gewurzelter Bosheit und was gut ist, entwich, und das Böse blieb. Röm. 7,21. 23. Also sind die Zeiten verflossen und wurden die Jahre erfüllt. Da hast Du Dir einen Knecht mit Namen David auferweckt 2. Sam. 7. 24. Den hast Du geheißen, Deinem Namen eine Stadt zu bauen, daß man Dir darin Weihrauch und Opfer darbringe. 25. Und dies geschah viele Jahre lang; da sündigten die, welche die Stadt bewohnten, 26. und taten in allen Dingen, wie Adam und alle seine Nachkommen, denn auch sie selbst hatten ein boshaftes Herz. 27. Da hast Du Deine Stadt in Deiner Feinde Hände gegeben. II. 28. Tun die besseres, welche zu Babylon wohnen? Und soll deswegen Zion beherrscht werden? 29. Es geschah, da ich dahin gekommen war und gesehen hatte die Gottlosigkeiten, die man nicht zählen konnte, wie meine Seele nun schon im dreißigsten Jahr der Übertreter viele gesehen hat, da entfiel mir mein Herz, 30. denn ich habe gesehen, wie Du diese Sünder trägst und der Gottlosen Handeln schontest und Dein Volk vertilgtest, und Deine Feinde erhieltest, und kein Zeichen getan hast.

31. Ich kann nicht finden, was das für einen Ausgang nehmen soll. Tut denn Babylon besseres als Zion? 32. Oder hat ein anderes Volk Dich erkannt außer Israel? Oder welche Stämme haben Deinen Bündnissen geglaubt, so wie Jakob? 33. Und doch ist ihr Lohn nirgends vorhanden und ihre Arbeit hat keine Frucht gebracht, denn ich bin durch die Nationen hin und her gewandelt und ich sehe, daß sie reich sind, obgleich sie Deinen Geboten nicht nachleben. 34. Nun so wäge unsere Bosheiten auf einer Waage und dagegen derer, die in der Welt wohnen, so wird Dein Name nirgends gefunden als in Israel. 35. Oder wo ist ein Volk auf Erden, das nicht vor Dir gesündigt habe? Oder welches Volk hat Deine Gebote also gehalten? 36. Diese zwar wirst Du mit Namen finden, daß sie Deine Gebote gehalten haben, die andern Völker aber nicht. KAPITEL IV. I. Esra wird durch den Engel Uriel gewarnt vor dem Grübeln über die verborgenen Wege Gottes. V. 1-21. II. Die in der Welt herrschende Bosheit werde zu Seiner Zeit den verdienten Lohn finden. V. 22.-35. III. Der Erzengel Jeremiel belehrt ihn, daß die gegenwärtige Welt ihrem Untergange zueile. V.36-52.

I. 1. Da antwortete mir der Engel, der zu mir gesandt war, namens Uriel, und sprach zu mir: 2. "Dein Herz hat sich zu sehr erhoben in dieser Welt und du unterstehst dich, den Weg des Allerhöchsten zu begreifen!" 3. Da sprach ich: Ja mein Herr! Und er antwortete mir und sprach: "Ich bin zu dir gesendet, dir drei Wege anzuzeigen und drei Gleichnisse dir vor- zulegen. 4. Wenn du mir eines aus diesen ansagen wirst, so will ich dir alsdann auch den Weg zeigen, den du begehrst zu sehen, und dir berichten, woher das boshafte Herz sei". 5. Da sprach ich: „Sag an, mein Herr!" Da sprach er zu mir: „Geh hin, wäge mir das Gewicht des Feuers, oder miß das Blasen des Windes, oder rufe mir den Tag zurück der dahin ist." 6. Da antwortete ich und sprach: „Wer unter allen Geborenen vermöchte das zu tun, daß du mich darüber fragst?" 7. Da sprach er zu mir: "Hätte ich dich gefragt, wie viele Quellen sind im Herzen des Meeres, oder wie viele Kammern sind im Abgrund oder wie viele Wohnungen sind über dem Firmament oder welches sind des Paradieses Ausgänge? 8. So sprächest du vielleicht zu mir: In den Abgrund bin ich noch nie hinunter gestiegen, noch in die Unterwelt, so bin ich auch niemals in den Himmel hinaufgestiegen. 9. Nun aber habe ich dich nur über das Feuer und den Wind und den Tag gefragt, durch den du gegangen bist und von denen du nicht getrennt werden kannst und du hast mir nicht darüber antworten können."

10. Und er sprach weiter zu mir: „Du kannst, was dein ist, was mit dir aufgewachsen ist, nicht erkennen, 11. wie könnte Dein Verstand den Weg des Höchsten fassen und, nachdem die Welt schon äußerlich verdorben ist, die Verderbnis verstehen, welche vor meinem Angesicht offenbar ist?" 12. Da sprach ich zu ihm: „Es wäre besser, wir wären nicht, als daß wir noch beim Leben in Gottlosigkeiten leben und leiden und wissen nicht warum." 13. Und er antwortete und sprach zu mir: „Ich bin ausgegangen in einen Wald von Bäumen des Feldes und sie machten einen Anschlag und sprachen": 14. „Wohlan, lasset uns gehen und das Meer bekriegen, daß es von uns weiche, daß wir uns noch mehr Wälder machen." 15. Desgleichen machten auch die Fluten des Meeres selbst einen Anschlag und sprachen: "Wohlan, lasset uns hinaufsteigen und die Wälder des Feldes bekriegen, daß wir auch daselbst uns eine andere Gegend gewinnen." 16. Da wurde der Anschlag des Waldes zunichte, denn das Feuer kam und verzehrte ihn. 17. Gleicherweise auch der Anschlag der Fluten des Meeres, denn es stand fest der Sand und hielt sie zurück. 18. Wenn du nun ein Richter zwischen den zweien wärest, welchem wolltest du recht geben, oder welchen verurteilen?" 19. Da antwortete ich und sprach: „Sie haben überall eitle Anschläge gemacht, denn dem Wald ist das Erdreich gegeben und dem Meer auch sein Ort für die Wellen."

20: Und er antwortete und sprach zu mir: „Du hast recht geurteilt, warum richtest du dieses Urteil nicht auf dich selbst? 21. Denn gleicher weise, wie das Erdreich den Wald und das Meer auf seine Gewässer angewiesen ist, also können auch die, so auf Erden wohnen, nichts verstehen als das auf Erden ist, und die, so über dem Himmel wohnen, allein was über der Höhe der Himmel ist." II. 22. Da antwortete ich und sprach: „Ich bitte dich, Herr, daß mir der Sinn gegeben werde, zu verstehen; 23. Denn ich habe nicht über deine hohen Dinge fragen wollen, sondern über die, die uns täglich begegnen. Warum ist Israel zur Schmach hingegeben den Nationen? Und das Volk, das du geliebt hast, ist hingegeben gottlosen Stämmen und das Gesetz unserer Väter ist dem Untergange preisgegeben, und die geschriebenen Verordnungen sind nirgends mehr vorhanden. 24. Und wir mußten umherwandern in der Welt, wie die Heuschrecken und unser Leben ist Furcht und Schrecken und wir sind nicht einmal würdig, Barmherzigkeit zu erlangen? 25. Was will er aber meinem Namen tun, der über uns angerufen worden ist? Von diesen Dingen habe ich gefragt." 26. Da antwortete er mir und sprach: „Je mehr du ergründen willst, desto mehr wirst du dich verwundern, denn mit großer Eile eilt die Welt dahin. 27. Und er vermag es nicht zu ertragen, was in künftigen Zeiten den Ge- rechten verheißen ist, weil diese Welt voll ist von Ungerechtigkeiten und Schwachheiten.

28. Ich aber will dir das, davon du mich gefragt hast, erklären: Das Böse ist gesät, aber seine Zerstörung ist noch nicht vorhanden. 29. Wenn nun das Böse, das gesät ist, nicht umgekehrt wird und der Ort, wo das Böse gesät ist, nicht weichet, so wird der Ort nicht kommen, wo das Gute gesät ist. 30. Denn das Samenkorn des Bösen ist von Anfang an in das Herz Adams gesät worden und wie viel Gottlosigkeit ist daraus entsprossen bis auf jetzt, und es entsproßt noch, bis man damit in die Tenne kommt. 31. Nun ermiß du bei dir selbst, wie viel Frucht der Gottlosigkeit aus dem Samenkorn des Bösen hervor gesproßt ist. 32. Wenn nun die Ähren, deren unzählige sind, abgeschnitten sein werden, wie eine große Tenne wird es füllen?" 33. Da antwortete ich und sprach: „Wie soll das und wann wird das sein? Warum sind unsere Jahre so wenig und dieselben so böse?" 34. Und er antwortete und sprach zu mir: „Eile nicht, dich über den Höchsten zu erheben, denn dein Eilen, über ihn zu sein, ist vergeblich, denn du erhebst dich gar zu sehr. 1. Mose 47,9. 35. Haben nicht die Seelen der Gerechten auch in ihren Kammern von diesen Dingen gefragt, sprechend: Wie lange soll ich also hoffen? Wann kommt die Frucht der Tenne unserer Belohnung?" Off. 6,9. III.

36. Darauf antwortete ihm der Erzengel Jeremiel und sprach: „Alsdann, wann die Zahl der Samen in euch erfüllt sein wird, denn in der Waage hat er die Welt gewogen, 37. und nach dem Maße der Zeiten gemessen und nach der Zahl der Zeiten gezählt, und Er hat nichts bewegt noch erweckt, bis daß dasselbe Maß erfüllet ist." 38. Da antwortete ich und sprach: „O Herr, du Herrscher! Aber auch wir alle sind voll Gottlosigkeit. 39. Es möchte vielleicht die Tenne der Gerechten um unsertwillen nicht erfüllt werden, um der Sünden willen derjenigen, die auf Erden wohnen." 40. Da antwortete er und sprach: „Geh zu einem schwangeren Weibe und frage sie, ob, wenn sie ihre neun Monate erfüllt hat, ihr Mutterleib die Geburt noch bei sich selbst zurückbehalten könne?" 41. Da sprach ich: „Er kann es nicht, o Herr." Da sprach er zu mir: „In der Unterwelt sind die Kammern der Seelen dem Mutterleibe gleich. 42. Denn wie jene, die da gebiert, eilt, der Not der Geburt zu entfliehen, so eilt auch diese, das wieder zu geben, was ihr anvertraut ist. 43. Von Anfang an wird dir das gezeigt, was du zu sehen begehrst." 44. Da antwortete ich und sprach: „Habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, und ist es möglich und ich bin dessen würdig, 45. so zeige mir, ob noch mehr kommen werde, als vergangen ist, oder ob mehr vergangen sei, als zukünftig ist.

46. Was vergangen ist, weiß ich, was aber noch kommen wird, das weiß ich nicht." 47. Da sprach er zu mir: „Steh auf die rechte Seite, so will ich dir die Auslegung des Gleichnisses zeigen." 48. Da stand ich und sah, und siehe, ein brennender Ofen fuhr vor mir vorüber und es geschah, da die Flamme vorüberfuhr, sah ich, und siehe, es blieb Raum übrig. 49. Darnach fuhr eine Wolke vor mir vorüber voll Wassers, und sie sandte aus einen starken Regen mit Gewalt; und da der gewaltige Regen vorüber gegangen war, blieben darin Tropfen übrig. 50. Da sprach er zu mir: „Denke dir: Gleichwie der Regen mehr ist als der Tropfen, und des Feuers mehr als des Raumes, also ist auch das Maß weit größer, denn das vergangen ist, aber Tropfen und Raum sind übrig geblieben." 51. Und ich betete und sprach: „Meinest du, daß ich bis auf jene Tage lebe, oder was wird in jenen Tagen sein?" 52. Da antwortete er mir und sprach: „Von den Zeichen, wovon du mich fragst, kann ich zum Teil reden, von deinem Leben dir zu sagen bin ich nicht gesandt, ich weiß es auch nicht." KAPITEL V. I. Esra erhält Aufschluß über die Zeichen der letzten Zeit. Vers 1-15. II. Das zweite Gesicht Esras (Kap. 5, 16 - Kap. 6, 34) Esra’s Klage wegen der Verwerfung Israels V. 16-30. III. Der Engel belehrt ihn über die Unergründlichkeit der

Wege Gottes. V. 31-36. I. 1. „Von den Zeichen aber merke dies: Siehe, es werden Tage kommen, da die ergriffen werden, so auf Erden wohnen in großem Reichtum, und der Weg der Wahrheit wird verborgen sein und das Land wird unfruchtbar sein an Glauben. 2. Die Ungerechtigkeit aber wird überhand nehmen, mehr als du jetzt siehst und von alters her gehört hast. Matth. 24, 12. 3. Und das Land, das du jetzt siehst regieren, wird zertreten sein und man wird es verödet sehen. 4. Wenn dir aber der Höchste das Leben fristen wird, so wirst du nach der sechsten Posaune sehen, daß plötzlich die Sonne bei Nacht leuchten wird, und der Mond dreimal am Tage.
Offenb. 8, 6.

5. Von dem Holz wird Blut triefen und der Stein wird seine Stimme geben und die Völker werden bewegt werden. Matth. 24,
7.

6. Und einer wird regieren, von dem es die, so auf Erden wohnen, nicht erwarten, und die Vögel werden die Wanderung antreten. Matth. 24,30. 7. Und das sodomitische Meer wird seine Fische auswerfen und wird zu Nacht ein Getöse geben, das viele nicht kannten; alle aber werden das Getöse hören. 8. Und ein Chaos wird entstehen an vielen Orten und Feuer häufig herab- geworfen werden und die Tiere des Feldes werden hinwegziehen, und Weiber, die ihre Krankheit haben, werden sonderbare Lebewesen gebären.

9. Und in den süßen Wassern werden salzige Ströme gefunden werden; ein Freund wird wider den andern streiten, und der Verstand wird sich verbergen und die Einsicht in ihr Gemach eingeschlossen bleiben. 10. Und sie werden von vielen gesucht und nicht gefunden werden; alsdann wird Ungerechtigkeit und Unenthaltsamkeit überhand nehmen. 11. Ein Land wird das andere fragen und sprechen: Ist etwa die Gerechtigkeit, welche das Recht tut, durch dich hindurchgezogen? Und es wird das verneinen. 12. Zu der Zeit werden die Menschen viel hoffen, aber nichts erlangen; sie werden arbeiten, aber ihre Wege werden keinen Fortgang haben. Luk. 21, 26. 13. Diese Zeichen dir zu sagen ist mir zugelassen und so du weiter bitten und wie jetzt weinen und sieben Tage lang fasten wirst, so wirst du noch größeres hören." 14. Da bin ich erwacht und ein Zittern ging durch meinen ganzen Leib und meine Seele ängstete sich, daß sie matt ward.
Dan. 7, 28.

15. Da hielt mich der Engel, der mit mir zu reden gekommen war, und stärkte mich und stellte mich wieder auf meine Füße.

II.

16. Und es geschah in der zweiten Nacht, daß Selathiel, der Fürst des Volkes, zu mir kam und zu mir sprach: Wo bist du gewesen, warum ist Deine Miene so traurig? 17. Weißt du nicht, daß dir Israel im Lande seiner Gefangenschaft anvertraut ist? 18. So stehe nun auf und iß Brot und verlaß uns nicht wie ein Hirte seine Herde bösen Wölfen überläßt." 19. Da sprach ich zu ihm: „Geh von mir und nahe dich nicht zu mir." Und er gehorchte mir, wie ich gesagt hatte, und wich von mir. 20. Da fastete ich sieben Tage lang, heulte und weinte, wie mir der Engel Uriel befohlen hatte. 21. Und es geschah nach sieben Tagen, daß ich wiederum in tiefsinnige Gedanken fiel und sehr bekümmert ward. Dan. 10, 2. 22. Da empfing mein Gemüt wiederum den Geist des Verstandes und ich fing wieder an, mit dem Allerhöchsten zu reden und sprach: 23. „O Herr, Du Herrscher, Du hast aus allen Wäldern der Erde und aus allen ihren Bäumen einen einzigen Weingarten auserlesen. Jes. 5. 1. 24. Und aus allen Ländern des Erdkreises hast Du auserwählt ein einziges Ackerland und aus allen Blumen des Erdkreises hast Du Dir eine einzige Lilie auserwählt. Hohe Lied 2, 1. 25. Aus allen Tiefen des Meeres hast Du Dir einen einzigen Bach gefüllt; aus allen erbauten Städten hast Du Dir selbst Zion geheiligt.

26. Aus allen erschaffenen Vögeln hast Du Dir eine einzige Taube ernannt, und aus allem Vieh, das Du gestaltest, hast Du Dir ein einziges Lamm ausersehen. 27. Und aus allen vielfältigen Völkern hast Du Dir ein einziges Volk erworben und hast ein von allen gelobtes Gesetz diesem Volke gegeben, zu dem Du eine Lust gehabt hast. 28. Und nun, o Herr, warum hast Du das Einzige vielen überliefert? Und Du hast über die einzige Wurzel andere gesetzt und die Einzigen unter viele zerstreut. 29. Und es haben dasselbe zertreten, welche Deinen Verheißungen wider- strebt und Deinen Bündnissen nicht geglaubt haben. 30. Und wenn Du denn wirklich Dein Volk haßtest, so sollte es durch Deine eigenen Hände gezüchtigt werden." III. 31. Und es geschah, als ich diese Rede vollendet hatte, wurde der Engel, der in der vorigen Nacht zu mir gekommen war, wiederum zu mir gesandt. 32. Und er sprach zu mir: „Höre mir zu, so will ich dich unterrichten und achte auf mich, so will ich weiter mit dir reden." 33. Da sprach ich: „Sag an mein Herr!" Da sprach er zu mir: „Du bist in deinem Geiste viel zu weit gegangen für Israel. Hast du denn das Volk lieber als Den, so es gemacht hat?" Kap.
4. 2.

34. Da sprach ich zu ihm: „Nein, Herr, aber ich habe im Schmerz geredet. Meine Nieren drängen mich alle Stunden,

daß ich gerne den Weg des Allerhöchsten erfahren und einen Teil seines Gerichtes ergründen möchte." 35. Er sprach zu mir: „Das kannst du nicht." „Warum, Herr? Wozu bin ich geboren? Warum wurde mir denn meiner Mutter Leib nicht zum Grabe? So hätte ich doch das Elend Jakobs und die Erschöpfung des Volkes Israel nicht gesehen." 36. Er sprach zu mir: „Zähle Mir die Dinge, die noch nicht gekommen sind, sammle Mir wieder die Tropfen, die zerstreut worden sind, mache Mir die dürren Blumen wieder grün; 37. öffne Mir die verschlossenen Gemächer und bringe Mir die Winde her- vor, die darinnen eingeschossen sind, zeige Mir das Bild der Stimme, alsdann will Ich dir zeigen die Mühsal, die du zu sehen begehrst." 38. Ich sprach: „O Herr, du Herrscher, wer kann das wissen als allein Der, welcher nicht bei den Menschen Wohnung hat? 39. Ich aber bin unweise, wie werde ich über solche Dinge reden können, wovon Du mich gefragt hast?" 40. Da sprach Er zu mir: „Wie du von diesen genannten Dingen keines tun kannst, also kannst du auch ein Urteil nicht herausfinden, noch die Liebe, die Ich am Ende dem Volke Israel verheißen habe." 41. Da sprach ich: „Aber siehe Herr, Du bist nahe denen, die am Ende sind und was werden die tun, die vor mir gewesen sind, oder wir, oder die, die nach uns sein werden?" 42. Da sprach Er zu mir: „Ich will Mein Urteil einem Kranz vergleichen. So wie die letzten Dinge nicht zu spät erscheinen, so kommen die früheren nicht zu schnell."

43. Und ich antwortete und sprach: „Konntest Du nicht die, so gewesen sind und die, so jetzt sind, und die so kommen werden, auf einmal erschaffen, daß Du Dein Urteil desto schneller erzeigtest?" 44. Da antwortete Er mir und sprach: „Das Geschöpf kann den Schöpfer nicht übereilen, die Welt kann auch nicht auf einmal die tragen, welche in ihr sollen geschaffen werden." 45. Da sprach ich: „Wie Du Deinem Knecht gesagt hast, daß Du die Ge- schöpfe auf einmal lebendig gemacht habest, die von Dir geschaffen worden und die Schöpfung es ertrug, also wird sie auch jetzt auf einmal die Gegenwärtigen ertragen können." 46. Er sprach zu mir: „Frage den Mutterleib des Weibes und sage ihm, so du gebierst, warum tust du das eins nach dem andern? Bitte ihn denn, daß er zehn Kinder auf einmal gebäre." 47 Ich sprach, er wird es durchaus nicht können, sondern eins nach dem andern. 48. Da sprach Er zu mir: „Also habe Ich auch den Mutterleib der Erde gegeben denen, die auf ihr gesät sind, nach dem Lauf der Zeit. 49. Denn gleich wie ein Kind nicht kann gebären, wie die Alten gebären, also habe Ich die Welt, die von Mir geschaffen ist, geordnet." 50. Da fragte ich und sprach: „Da Du mir nun einen Weg gegeben hast, so will ich vor Dir reden: Ist unsere Mutter, von der Du Mir gesagt hast, noch jung? Schon naht sie ja dem Alter."

51. Und Er antwortete und sprach zu mir: „Frage die, so gebiert, so wird sie dir es sagen. 52. Denn du wirst zu ihr sagen: Warum sind die, die du jetzt geboren hast, denen nicht gleich, die vor dir gewesen sind, sondern sind kleiner von Gestalt? 53. So wird sie auch selber zu dir sagen: Anders sind die, so in der starken Jugend geboren sind, und anders die, so in der Zeit des Alters bei schwach werdendem Mutterleib geboren werden. 54. So betrachte nun auch du, daß ihr kleiner seid von Gestalt als die, welche vor euch gewesen sind, 55. und die, welche nach euch kommen, kleiner als ihr, als Geschöpfe, die jetzt anfangen, alt zu werden, und die Stärke der Jugend verloren haben." 56. Da sprach ich: „Herr, habe ich Gnade gefunden vor Deinen Augen, so bitte ich Dich, zeige Deinem Knecht, durch wen Du Deine Schöpfung heimsuchst. Kapitel VI Wie Gott alle Dinge geschaffen hat, so werden sie auch durch ihn allein ihrem Ende zugeführt: 1-10. II. Der Engel verkündet dem Esra noch weitere Zeichen des Endes der Welt. 11-34. Das dritte Gesicht Esras. Kap. 6, 35 - Kap.9, 25

III. Esra fragt mit Hinweisung auf die sieben Schöpfungstage, warum Gott, da er dort um seines Volkes Willen die Welt geschaffen, es den Nationen preisgegeben. 35.-59. I. 1. Und Er sagte zu mir: „Am Anfang des Erdkreises, ehe die Ausgänge der Welt bestanden, und ehe die zusammenstoßenden Winde wehten, 2. und ehe der Hall des Donners ertönte, und ehe der Glanz der Blitze leuchtete, ehe die Fundamente des Paradieses gelegt wurden 3. ehe die zierlichen Blumen gesehen wurden, ehe die bewegten Kräfte be- festigt waren, ehe die unzähligen Scharen der Engel gesammelt waren, 4. ehe die Höhen die Luft emporhoben, und ehe die Maße des Himmels -gewölbes genannt wurden, ehe Zion gebaut war, 5. und ehe die gegenwärtigen Jahre erforscht waren, und ehe die Gedanken derer, die jetzt sündigen, sich (von Gott) entfremdeten, und ehe die versiegelt waren, die den Schatz des Glaubens gesammelt haben; Offenb. 7, 4. 6. da habe Ich die Schöpfung ausgedacht und sie ist gemacht worden durch Mich allein und nicht durch einen andern; sie wird auch durch Mich und keinen andern geendet." 7. Da antwortete ich und sprach: „Welches wird die Scheidung der Zeiten sein? Oder wann wird das Ende des Vorigen oder Anfang des Nachfolgenden sein?"

8. Da sprach er zu mir: „Von Abraham bis auf Isaak, da Jakob und Esau von ihm gezeugt wurden, hielt Jakobs Hand von Anfang an die Ferse des Esau. 1. Mose 25, 26. 9. Denn das Ende dieser Welt ist Esau und der Anfang der nachfolgenden ist Jakob. (Überwinder) 10. Nur eine Handbreit ist zwischen der Ferse und der Hand. Anderes er- forsche nicht, Esra." II. 11. Da antwortete ich und sprach: „O Herr, Du Herrscher, habe ich Gnade vor Deinen Augen gefunden, 12. so bitte ich Dich, zeige Deinem Knecht an das Ende Deiner Zeichen, deren Du mir die vorige Nacht einen Teil gezeigt hast." 13. Er antwortete und sprach zu mir: „Steh auf Deine Füße und höre eine Stimme vom lautesten Ton! 14. Es wird sein gleich einer Bewegung, aber der Ort, da du stehst, wird doch nicht bewegt werden. 15. Darum, wenn sie redet, sollst du nicht erschrecken, denn vom Ende redet das Wort und das Fundament der Erde läßt sich vernehmen; 16. denn die Erde über diese Dinge zittert und erbebt, denn sie weiß, daß deren Grenze verändert werden muß." 17. Und es geschah, da ich es gehört hatte, da stand ich auf meinen Füßen und hörte, und der Ton derselben war wie der Ton vieler Wasser,

18. und sie sprach: „Siehe es kommen Tage, und es wird geschehen, daß Ich werde anfangen herzuzunahen, um die Einwohner der Erde heimzusuchen. Offenb. 1, 15. 19. Und daß ich anfangen werde, Rechenschaft zu fordern von denen, welche durch ihre Ungerechtigkeit Schaden getan haben. Matth.. 12,36. 20. Und wenn die Erniedrigung Zion’s wird erfüllt sein, und wann die Welt, welche anfangen wird zu vergehen, wird versiegelt werden, so werde ich diese Zeichen tun: Die Bücher werden aufgetan werden vor dem Angesichte des Firmaments, und alle werden es sehen zumal.
Dan. 7, 10. Offenb. 20, 12.

21. Und jährige Kinder werden mit ihren Stimmen reden und schwangere Weiber werden unzeitige Kinder gebären, von drei oder vier Monaten und sie werden leben und aufkommen. 22. Besäte Orte werden plötzlich als unbesät, und volle Kammern werden plötzlich leer erfunden werden 23. und die Posaune wird hell ertönen; und alle, die sie hören, werden plötzlich erschrecken. 1. Tess.4. 16-17. 24. Zu derselbigen Zeit werden Freunde einander bekriegen wie die Feinde, und das Erdreich wird mit ihnen erschrecken. Die Brunnadern werden stille stehen und drei Stunden lang nicht laufen. 25. Welcher aber aus alle dem übrig bleibt, was ihr doch vorher gesagt, der wird errettet werden; Mein Heil und das Ende eurer Welt sehen.

26. Und die Menschen, die aufgenommen sind, werden es sehen, die der Tod von ihrer Geburt her nicht ereilt hat, und der Einwohner Herz wird verändert und zu einem andern Sinn belehrt werden, 27. denn das Böse wird ausgetilgt und der Betrug ausgelöscht werden. 28. Es wird aber der Glaube schauen und das Verderben besiegt und die Wahrheit kund werden, die so viele Tage lang ohne Frucht gewesen ist." 29. Und es begab sich, als Er mit mir redete, da blickte ich allmählich hin auf Den, vor Dem im stand. 30. Da sprach er also zu mir: „Ich bin gekommen, dir die Zeit der künftigen Nacht zu zeigen. 31. Wenn du nun wiederum gebetet und gefastet haben wirst sieben Tage lang, so werde ich dir wieder größeres als dieses sagen, an dem Tage, da ich es werde gehört haben. 32. Denn deine Stimme ist von dem Allerhöchsten gehört worden, denn der Mächtige hat gesehen deinen richtigen Wandel und wahrgenommen die Keuschheit, die du von deiner Jugend an bewiesen hast. 33. Darum hat er mich gesendet, dir dieses alles zu zeigen und dir zu sagen: sei getrost und fürchte dich nicht! 34. Und eile nicht wie in den vorhergehenden Zeiten, Eitles zu gedenken, damit du nicht enteilest den letzten Zeiten. 35. Und es geschah nach diesem, daß ich wiederum weinte, und gleicher- weise fastete sieben Tage lang, damit ich die drei Wochen, die mir zugesagt waren, erfüllte.

36. Und es geschah in der achten Nacht, daß mein Herz in mir wieder bekümmert wurde, und ich anfing wieder vor dem Höchsten zu reden, 37. denn mein Geist war ganz entzündet und meine Seele ganz beängstigt, und ich sprach: 38. „O Herr, du hast im Anfang der Schöpfung geredet, und hast am ersten Tage gesprochen: Es werde Himmel und Erde! Und Dein Werk ist ein vollkommenes Werk gewesen. 39. Und damals war der Geist und die Finsternis und das Stillschweigen noch ringsherum und der Ton der Stimme eines Menschen war noch nicht da von Dir. 40. Da hast Du gesprochen, daß von Deinen Schätzen ein leuchtendes Licht hervorgehen solle, wodurch Dein Werk sichtbar würde. 41. Am zweiten Tage hast Du geschaffen den Geist des Firmamentes und ihm geboten, daß er zwischen den Wassern teile und einen Unterschied mache, daß ein Teil nach oben zurückweiche, der andere hier unten verbleibe. 42. Am dritten Tage hast Du geboten, daß die Wasser sich sammeln über den siebenten Teil der Erde; sechs Teile hast Du getrocknet und erhalten, daß daraus käme, was vor Dir dienen soll, gesät von Gott und angebaut. 43. Sobald Dein Wort ausging, war das Werk alsbald geschehen. 44. Denn mit einem Male gingen hervor Früchte, an Menge unermeßlich und Wohlschmeckendes von mancherlei Art, und Blumen von unwandelbarer Farbe und durchdringender Wohlgerüche, und dies geschah am dritten Tage.

45. Am vierten Tage aber hast Du geboten, daß entstehe der Sonne Glanz, des Mondes Licht und die Ordnung der Sterne. 46. Und Du hast ihnen geboten, daß sie dem Menschen, der künftig sollte geschaffen werden, dienten. 47. Am fünften Tage hast Du zum siebenten Teil, da die Wasser versammelt worden, gesagt, sie sollten mancherlei Tiere, Vögel und Fische hervorbringen, und es geschah also. 48. Und das stumme seelenlose Wasser brachte auf den Befehl Gottes Tiere hervor, damit die Völker daraus Deine Wunderwerke preisen sollten. 49. Da hast Du zwei lebendige Wesen erhalten; das eine hast Du Behemoth und das andere Leviathan genannt. Hiob 40, 10 u. 20
Ps. 74, 14.

50. Und du hast je eins von dem andern abgesondert, denn der siebente Teil, nämlich, da das Wasser versammelt war, mochte sie nicht beide fassen. 51. Dem Behemoth hast Du einen Teil gegeben, der am dritten Tag trocken geworden war, daß er in demselben wohnen solle, daselbst sind viele Berge. 52. Dem Leviathan hast Du den siebenten, feuchten Teil gegeben, und hast ihn erhalten, daß er verschlinge, welche Du willst und wann Du es willst. 53. Am sechsten Tage hast Du dem Erdreich geboten, daß es vor Dir das Vieh und die wilden Tiere und alles Kriechende schaffen sollte. 54. Und nach diesem, Adam, den Du zum Herrn über alle Deine Geschöpfe gesetzt hast, und von ihm kommen wir alle, auch Dein Volk, das Du Dir erwählt hast.

55. Dieses alles nun habe ich darum vor Dir gesagt, o Herr, weil Du die Welt um unsertwillen geschaffen hast. 56. Von den andern Völkern aber, die auch von Adam herkommen, hast Du gesagt, sie seien nicht, sondern sie seien gleich dem Speichel und ihre Menge hast Du gleich gemacht den Tropfen am Eimer. Jes. 40, 15 u. 17. 57. Und nun, o Herr, siehe, diese Völker, die für nichts geachtet sind, haben angefangen, uns zu beherrschen und zu verschlingen. 58. Wir aber, Dein Volk, das Du Deinen Erstgeborenen, den Eingeborenen genannt hast, und das, worüber du eiferst, wir sind in ihre Hände gegeben. 59. Ist nun die Welt um unsertwillen erschaffen, warum besitzen wir denn nicht das Erbe mit der Welt? Wie lange soll doch dies währen?" KAPITEL VII. I. Esra wird von dem Engel belehrt, daß es durch die Enge in die Tiefe gehe. 1-16. II. Gott, als der höchste Richter wird mit vollkommener Gerechtigkeit richten: 17-25. III. Er wird sich einst offenbaren in seinem Sohne Jesus Christus: 26-35 VI. Esra’s Frage betreffend der Fürbitte wird dahin beantwortet, daß dieselbe geschehen solle in der gegenwärtigen Welt, aber

nicht am Ende der Welt.: 36-45. V. Esra’s Klage über die traurigen Folgen der Sünde Adams und Antwort des Engels: 46-61. VI. Esra beruft sich auf die Barmherzigkeit Gottes: 62 – 70 I. 1. Und es geschah, als ich diese Worte zu reden vollendet hatte wurde der Engel zu mir gesandt, der auch in den ersten Nächten bei mir war. 2. Der sprach zu mir: „Esra, steh auf und höre die Reden, die ich dir zu sagen dir gekommen bin" 3. Ich sprach: „Rede mein Gott!" Da sprach er zu mir: „Das Meer ist an einem weiten Ort gesetzt, daß es tief und unermesslich wäre. 4. Es ist aber sein Eingang an einem engen Ort gesetzt, daß den Flüssen ähnlich wäre. 5. Denn wer wollte in das Meer gehen und es sehen und beherrschen? wenn er nicht durch das Enge ginge, wie möchte er in die Weite kommen? 6. Noch ein anderes: Es ist eine Stadt gebaut und auf ein weites Feld gesetzt, und sie ist aller Güter voll. 7. Aber der Eingang dazu ist eng und steil, als wäre ein Feuer zur Rechten, zur Linken aber ein tiefes Wasser. 8. Es ist aber ein einziger Fußpfad zwischen ihnen gesetzt, nämlich zwischen dem Feuer und dem Wasser, so daß der Fußpfad einzig nur eines Menschen Fußtapfen faßt.

9. Wenn nun diese Stadt einem zum Erben gegeben wird und der ist niemals durch diesen gefährlichen Weg gegangen, wie wird er sein Erbe einnehmen?" 10. Und ich sprach: „Es ist also, Herr." Da sprach er: „ Also ist auch der Teil Israels. 11. Denn um Ihretwillen habe Ich die Welt erschaffen, und da Adam Meine Satzungen übertreten hat, ward ihm dasjenige zuerkannt, was geschehen ist. 12. Da sind die Eingänge dieser Welt enge geworden, voll Schmerzen und Mühsal. Sie sind wenig und böse und voll Gefahren und auf viel Mühsal beruhend. 13. Denn der größeren Welt Eingänge sind weit und sicher und bringen Frucht der Unsterblichkeit. 14. Wenn nun die Hineingehenden, welche leben, nicht durch diese Enge und Eitle hineingegangen waren, so werden sie nicht erlangen können, was aufbehalten ist. 15. Warum bekümmerst du dich denn, da du ein unsterblicher Mensch bist? Und warum wirst du bewegt, da du dort sterblich bist? 16. Warum hast du nicht das Zukünftige, sondern das Gegenwärtige in Dein Herz genommen?" II. 17. Da antwortete ich und sprach: „O Herr, Du Herrscher, siehe Du hast in Deinem Gesetze verordnet, daß die Gerechten diese Dinge erben, die Ungerechten aber verderben sollten.

18. Die Gerechten aber sollen die Enge ertragen, indem sie auf die Weite hoffen, denn die, welche gottlos gelebt und die Angst nicht erduldet haben, werden die Weite nicht sehen." 19. Da sprach er zu mir: „Es ist kein Richter über Gott, und kein Verständiger über dem Höchsten, 20. denn in diesem Leben verderben viele, weil man das Gesetz Gottes, das vorgelegt ist, verachtet. 21. Denn Gott hat denen, die in diese Welt kommen sollen, ernstlich geboten, wann sie gekommen sind, was sie tun sollten, damit sie leben möchten und was sie halten sollten, damit sie nicht gestraft würden. 22. Diese aber ließen sich nicht überzeugen und widersprachen Ihm und hingen eitlen Gedanken nach, 23. und haben sich Übertretungen und Sünden vorgenommen, und von dem Höchsten gesagt, Er sei nicht und haben Seine Wege nicht erkannt. 24. Sein Gesetz haben sie verachtet und Seine Verheißungen verleugnet und keinen Glauben gehabt an Seine Satzungen, und Seine Werke nicht vollbracht. 25. Darum, o Esra, den Leeren das Leere und den Vollkommenen die Fülle! Matth. 13, 12. III. 26. Siehe, es wird die Zeit kommen, und es wird geschehen, wann die Zeichen kommen werden, die Ich dir vorhergesagt habe, so wird die Braut erscheinen und offenbar werden, die jetzt in der Erde verborgen liegt, col. 3, 4. Offenb.21,2.

27. und ein jeder, der von den vorhergesagten Übeln erlöset ist, wird Meine Wunder sehen. 28. Denn Mein Sohn Jesus wird geoffenbart werden mit denen, die bei ihm sind und werden erfreut werden, die da übrig gelassen sind, vierhundertneunzig Jahre lang (Israel).
Dan. 9, 24-27.

29. Zwar wird Mein Sohn Christus sterben und alle Menschen die das Leben haben. 30. Und die Welt wird in das alte Stillschweigen verwandelt werden sieben Tage lang (siebzigste Jahrwoche Daniels, 7 Jahre Dan. 9), so wie bei den früheren Gerichten, also daß niemand überbleiben wird. 31. Und es wird geschehen nach sieben Tagen, daß die Welt auferwecket werden wird, die noch nicht wachet, und das Verdorbene wird sterben. 32. Und die Erde wird die wiedergeben, so in ihr geschlafen haben, und der Staub die, so in der Stille wohnen; und die Gemächer werden die Seelen, die ihnen anvertraut sind, wieder geben. 33. Und der A1lerhöchste wird auf dem Richterstuhl geoffenbart werden, und das Elend wird vergehen, und die Langmut wird aufhören. 34. Das Gericht wird allein übrig bleiben, die Wahrheit wird bestehen, und der Glaube wird zum Schauen gekommen sein, 35. und das Werk wird nachfolgen, und der Lohn wird gezeigt werden; die Gerechtigkeit wird erwachen, und die Ungerechtigkeit nicht mehr herrschen." Offenb. 14, 13. IV.

36. Da sprach ich: „Zuerst hat Abraham für die Sodomiter gebetet, und Moses für die Väter, die in der Wüste gesündigt hatten, 1. Mose 18, 23 ff., 4. Mose 14, 13 u. ff. 37. und sein Nachfolger (Josua) für Israel in den Zeiten Achans, Josua 7, 7 u. ff. 38. Und Samuel und David für die Zerknirschten, und Salomo für die, 80 zur Weihe des Heiligtums kamen; 1. Sam. 7, 9. 2. Sam. 24,
17. 1. Kön. 8; 22 u. ff.

39. und Elias für die, so den Regen empfingen und für die Toten, daß er wiederum lebendig würde, 1. König 17. 40. und Ezechias (Hiskia) für das Volk zu den Zeiten Sanheribs, und also viele andere, die für viele gebetet haben. 2.
Kön. 19, 15 ff.

41. Wenn nun also vorhin, als das Verderben überhand genommen hatte und die Ungerechtigkeit gemehrt worden war, die Gerechten für die Gottlosen gebetet haben, warum soll das nicht auch jetzt sein?" 42. Er antwortete mir und sprach: „Eure jetzige Welt ist noch nicht das Ende, es bleibt noch viel Herrlichkeit in ihr. Darum haben sie für die Schwachen gebetet. 43. Denn der Tag des Gerichts wird das Ende der Zeiten sein, und der Anfang der Zeit der zukünftigen Unsterblichkeit, in der Verderbnis vorüber ist. 44. Aufgehoben ist dann die Unmäßigkeit, abgetan ist der Unglaube, aber die Gerechtigkeit gewachsen, die Wahrheit aufgegangen. 45. Alsdann kann niemand den seelig machen, der verloren ist, oder dem unsterbliches Leben verheißen ist."

V. 46. Da antwortete ich und sprach: „Dies ist meine erste und letzte Rede, daß es besser gewesen wäre, dem Adam das Erdreich nicht zu geben, oder, da es ihm gegeben war, zu verhüten, daß er nicht sündigte. 47. Denn was nützt es dem Menschen hier in der Zeit in Traurigkeit zu leben, und erst nach dem Tode auf Bestrafung zu warten? 48. O Adam, was hast du getan? Denn weil du gesündigt hast, bist nicht allein du, sondern wir all, so von dir gekommen, gefallen. 49. Denn was nutzet es uns, daß uns ein unsterbliches Leben verheißen ist, wenn wir sterbliche Werke vollbringen? 50. Und obgleich uns eine ewige Hoffnung vorhergesagt ist, so sind wir doch sehr böse und eitel geworden. 51. Und obgleich uns Wohnungen der Gesundheit und Sicherheit aufbehalten sind, so haben wir doch böse gehandelt. 52. Und obgleich die Herrlichkeit des Höchsten aufbehalten ist, die zu beschirmen, welche vorsichtig gewandelt haben, so sind wir doch auf den schlechtesten Wegen gewandelt. 53. Und obgleich das Paradies gezeigt wird, dessen Frucht unverderblich bleibt, in welcher Sicherheit und Heilung ist, so gehen wir doch nicht hinein. 54. Denn wir haben an unziemlichen Orten gewandelt. 55. und obgleich die Angesichter derjenigen, die Enthaltsamkeit geübt haben, heller als die Sterne leuchten

werden, so sind doch unsere Angesichter schwärzer als die Finsternis. 56. Denn wir haben im Leben, da wir Ungerechtigkeiten übten, nicht daran gedacht, daß wir nach dem Gerichtsurteil zu leiden anfangen werden." 57. Da antwortete Er mir und sprach: „Das ist die Weise des Streits, den der Mensch, der auf Erden geboren ist, streiten wird, 58. daß, wenn er überwunden wird, er das leidet, so du gesagt hast, wenn er aber überwindet, so empfängt er das, so Ich sage. 59. Denn das ist das Leben, davon Moses zum Volke gesagt hat, da er noch lebte, und sprach: Erwähle dir das Leben, auf daß du leben mögest: 5. Mose 30, 15-19 60. Sie glaubten ihm aber nicht, und nach ihm auch den Propheten nicht, ja auch Mir nicht, der Ich mit ihnen geredet habe, 61. denn es wäre keine Traurigkeit zu ihrem Verderben, wie Freude über die kommen wird, welche sich des Heils berichten lassen." Vl. 62. Da antwortete ich und sprach: „Ich weiß Herr, daß der Allerhöchste barmherzig genannt wird darin, daß Er sich derer erbarmt, die noch nicht in der Welt angekommen sind, 63. und daß Er sich derer erbarmt, die in Seinem Gesetz wandeln,

64. und daß Er langmütig ist, indem Er Langmut übt an denen, die gesündigt haben, weil sie Sein Werk sind, 65. und daß Er freigebig ist, weil Er schenken will nach eines jeden Bedarf, 66. und daß Er viel Barmherzigkeit hat, denn Er mehret Seine Barmherzigkeit gegen die, die gegenwärtig sind, und gegen die, die früher gewesen sind, und gegen die, die kommen werden. 67. Denn so Er Seine Barmherzigkeit nicht vermehrte, so würde die Welt nicht lebendig bleiben mit denen, die das Erbe in ihr erhielten. 68. Und Er gibt, denn wenn Er nicht nach Seiner Güte gebe, so, daß die, so übel getan haben, erleichtert würden, so möchte der zehntausendste Teil der Menschen wegen ihrer Ungerechtigkeiten nicht lebendig bleiben. 69. Und wenn Er als Richter denen nicht vergeben würde, die durch Sein Wort geheiligt sind, und die Menge des Haders austilgte, so würden vielleicht in der unzähligen Menge nur sehr wenige übrig bleiben. KAPITEL VIII I. Der Engel belehrte Esra über den Unterschied der gegenwärtigen von der zukünftigen Welt, worauf Esra fragte, warum doch Gott sein eigenes Geschöpf verderbe? 1-18 II. Esra’s Gebet für sein Volk 19-44. . III. Der Engel antwortet, den Gerechten werde das Paradies aufgetan,

wenn aber viele verloren gehen, so sei das ihre eigene Schuld: 45-62. I. 1. Und er antwortete und sprach zu mir: „Der Allerhöchste hat diese Welt um Vieler, die zukünftige aber um Weniger willen gemacht. 2. Ich will dir aber ein Gleichnis sagen, Esra: Gleichwie, wenn du die Erde frägst, und sie dir sagt, daß sie viel mehr Erde gäbe, aus der man Gefäße macht und nur wenig Staub, worinnen Gold ist, also ist es beschaffen mit dieser Welt. 3. Es sind zwar viele erschaffen, aber wenig werden seelig werden"Matth. 20, 16. 4. Da antwortete ich und sprach: „So verschlinge nun, du Seele, den Ver- stand, und verzehre, was weise ist." Ps. 107, 27. 5. Er aber sprach: „Du bist hergekommen, zu hören, und willst weissagen. Es ist dir kein Raum gegeben, als nur zu leben. 6. „O Herr, wenn du Deinen Knecht nicht zulässest, das wir vor Dir beten, und gibst unserem Herzen nicht Samen, noch Pflege unserem Verstand, daß Frucht daraus komme, woher sollte irgend ein Verdorbener leben können, der die Stelle eines Begnadigten einnimmt? 7. Denn Du bist der Alleinige, und wir alle sind ein Gebilde Deiner Hände, wie Du geredet hast. 1. Mose 1, 25. 8. Denn gleichwie jetzt der Leib in dem Mutterleibe gebildet ist, und Du Glieder gibst, so wird Dein Geschöpf in Feuer und Wasser erhalten und der erhaltene Mutterleib gibt von Zeit zu Zeit wieder, was in ihm gewachsen ist.

10. Denn Du hast geboten, aus den Gliedern selbst, das ist den Brüsten, darzureichen Milch für die Frucht der Menschen, auf daß, was gebildet ist, genährt werde bis auf seine Zeit, und nachher lenkest Du sie nach deinem Erbarmen. 11. Du hast sie ernährt nach Deiner Gerechtigkeit und sie unterrichtet in Deinem Gesetz und sie gezüchtigt nach Deinem Verstande, 12. und sie müssen sterben als Dein Geschöpf, und Du wirst sie lebendig machen als Dein Werk. 13. Wenn Du also das, was durch so viele Mühsale gebildet ist, verderben kannst, so ist auch leicht, durch Deinen Befehl zu verordnen, daß auch das, was geworden ist, erhalten werde. 14. Und jetzt, o Herr, will ich reden von allen Menschen, die Du besser kennst, und von Deinem Volke, um dessen willen ich traurig bin, 15. und von deinem Erbe, um dessen willen ich trauere, und von Israel, weswegen ich betrübt bin, und von Jakob, um dessen willen ich Schmerz empfinde. 16. Darum will ich anfangen, vor Dir zu beten für mich und für sie, denn ich sehe unseren Fall, die wir auf Erden wohnen. 17. Und ich habe gehört von der Schnelligkeit des Richters, der kommen wird. 18. Darum höre meine Stimme und verstehe meine Rede, so will ich vor dir reden!" II.

19. Dieses ist der Anfang der Worte Esra’s, ehe er entzückt war. Ich sprach: „O Herr, der Du die Ewigkeit bewohnst, Dessen Augen erhoben sind in die Höhe und in den Himmel, 20. Dessen Thron über allen Preis erhaben, und Dessen Herrlichkeit unbegreiflich ist, vor dem die Heerscharen der Engel mit Ehrfurcht stehen, deren Wandel sich in Wind und Feuer bewegt. Ps. 104. 21. Dessen Wort wahrhaftig ist, und Dessen Aussprüche dauernd sind, Dessen Befehl stark, Dessen Ordnung erschrecklich ist, Ps. 33, 4. 22. Dessen Blick die Tiefen trocknet, Dessen Zorn die Berge schwinden machet, und Dessen Wahrheit Zeugnis ablegt. 23. Höre Deines Knechtes Gebet, und fasse die Bitte Deines Geschöpfes zu Ohren. 24. So lange ich lebe, werde ich reden und so lange ich Vernunft habe. werde ich antworten. 25. Siehe nicht an Deines Volkes Sünden, sondern die, so Dir in Wahrheit dienen. 26. Achte nicht auf das gottlose Vornehmen der Nationen, sondern auf die, die Deine Zeugnisse mit Schmerzen bewahrt haben. 27. Gedenke nicht an die, so fälschlich vor Deinen Augen gewandelt, sondern sei eingedenk derer, welche aus deinem Willen Gottesfurcht gelernt haben. 28. Du wolltest nicht die beachten, so viehische Sitten gehabt, sondern ansehen die, so Dein Gesetz klar gelebt haben.

29. Zürne nicht über die, welche für schlimmer gehalten worden sind als wilde Tiere, sondern liebe die, so allezeit auf Deine Gerechtigkeit und Herrlichkeit vertrauen. 30. Denn wir und unsre Väter leiden an solchen Krankheiten. Du aber wirst um unser, der Sünder willen, barmherzig genannt. 31. So Du begehrst, Dich unser zu erbarmen, so wirst Du barmherzig genannt, obgleich wir keine Werke der Gerechtigkeit haben, Gal. 2, 16. 32. denn die Gerechten, denen viele Werke aufbehalten sind, werden aus ihren eigenen Werken Lohn empfangen. 33. Was ist denn der Mensch, daß Du über ihn zürnest? Oder was ist das vergängliche Geschlecht, daß Du so strenge gegen dasselbe bist? . 34. Es ist in Wahrheit niemand unter denen, die geboren sind, der nicht gottlos gehandelt, und von den Bekennern, der nicht gefehlt hat. 35. Deine Gerechtigkeit und Deine Güte, o Herr, wird darin verkündigt, daß Du barmherzig bist gegen die, die an guten Werken nicht reich sind."
Röm. 3,25.

36. Da antwortete er mir und sprach: „Etliche Dinge hast du recht geredet und nach deiner Rede wird es ergehen. 37. Denn Ich werde in Wahrheit nicht gedenken an das Werk derer, welche gesündigt haben vor dem Tod, vor dem Gericht und vor dem Verderben, sondern Ich werde Mich über die Werke der Gerechten freuen.

38. Ich werde auch der Pilgrimschaft, der Rettung und dessen gedenken, daß sie Lohn empfangen. 39. Wie ich nun geredet habe, also ist es. 40. Wie der Ackermann auf seinem Acker viel Samen sät und Pflanzen in Mengen pflanzet, gleichwohl nicht alles, was gesät worden, zu seiner Zeit erhalten wird, noch auch alles, was gepflanzt ist, Wurzel faßt, also ist es auch mit denen, so in der Welt gesät sind; auch dieselben werden nicht alle erhalten." 41. Da antwortete ich und sprach: „Habe ich Gnade gefunden, so vergönne mir zu reden. 42. Gleich wie der Samen des Ackermanns, wenn er nicht aufwächst, oder nicht Deinen Regen zu seiner Zeit erhält, oder wenn er durch Übermaß des Regens verdirbt, untergeht; 43. auf ähnliche Weise verhält es sich auch mit dem Menschen, der durch Deine Hände gebildet, und ein Bildnis genannt ist, weil Du ihm ähnlich bist, um dessen willen Du alle Dinge gebildet und den Du dem Samen des Ackermanns ähnlich gemacht hast. 1. Mose 1,27. 44. Erzürne Dich nicht über uns, sondern schone Deines Volkes, und erbarme Dich über Dein Erbteil. Du aber erbarme Dich Deines Geschöpfes." III. 45. Da antwortete Er und sprach zu mir: „Das Gegenwärtige ist für die Gegenwärtigen und das Zukünftige ist für die Zukünftigen,

46, denn es mangelt dir noch viel daran, daß du Meine Geschöpfe mehr lieben solltest, als Ich; Ich bin aber oft zu dir genaht, jedoch niemals zu den Ungerechten. 47. Aber auch darin bist du vor dem Höchsten wunderbar, 48. daß du dich gedemütigt hast, wie es dir wohl geziemt, und hast dir nicht herausgenommen, daß du unter den Gerechten besonders solltest gerühmt werden. 49. Darum wird denen viel Elend und Unglück begegnen, die zu den letzten Zeiten in der Welt wohnen, denn sie haben in großer Hoffart gewandelt, 50. Du aber sei verständig für dich selbst, und suche die Herrlichkeit für die, so deinesgleichen sind. 51. Denn euch ist das Paradies aufgetan, der Baum des Lebens gepflanzt, die zukünftige Zeit zubereitet, Überfluß bereitet, die Stadt erbaut, die Ruhe bewährt, die Güte und Weisheit vollkommen gemacht. Offenb. 22, 2. 52. Die Wurzel des Bösen ist vor euch versiegelt; die Schwachheit und der Wurm ist vor euch verborgen, und zur Grube fleucht das Verderben in Vergessenheit. Mark. 9, 44, 53. Die Schmerzen sind vergangen, und es wird am Ende der Schatz der Unsterblichkeit gezeigt. Offenb. 21, 4. 54. Darum frage nicht weiter über die Menge derer, die verloren gehen. Luk.13,23u.24. . 55. denn da sie Freiheit empfingen, haben sie den Höchsten verachtet, sein Gesetz verschmähet und seine Wege verlassen. 56. Dazu haben sie auch seine Gerechten zertreten,

57 und in ihren Herzen gesprochen, es sei kein Gott, da sie doch wußten, daß sie sterben müßten. Ps, 14, 1. 58. Denn wie euer das, was vorher gesagt worden ist, wartet, also ist ihnen Durst und Pein zubereitet, denn Er hat nicht gewollt, daß ein Mensch verloren gehe. 2. Petri 3, 9. 59. Sondern sie selbst, die erschaffen sind, haben ihres Schöpfers Namen befleckt, und sind gegen Den undankbar geworden, Der ihnen das Leben bereitet hat. 60. Drum nahet jetzt Mein Gericht heran. 61. Dieses habe ich nicht allen Menschen, sondern allein dir und den Wenigen, die dir ähnlich sind, geoffenbart." 62. Da antwortete ich und sprach: „Siehe, Herr, jetzt hast Du mir die Menge der Zeichen gezeigt, die Du zur letzten Zeit zu wirken anfangen wirst, aber in welcher Zeit hast Du mir nicht gezeigt." KAPITEL IX I. Weitere Belehrung des Engels an Esra über das am Ende eintretende göttliche Gericht. 1-13. . II. Wenn auch die Menge zu Grunde geht, so werden doch die Auserwählten gerettet. 14-25. Das vierte Gesicht Esra’s. (Kapitel 9,26-10,69) III. nach einem Gebet Esra’s erscheint ihm ein trauerndes Weib. 26-41. I.

1. Da antwortete er und sprach: „Ermesse fleißig die Zeit in ihr selbst, und wenn du sehen wirst, daß ein Teil der Zeichen, von denen ich dir zuvor gesagt habe, geschehen ist, 2. dann wirst du merken, daß die Zeit vorhanden, in welcher der Allerhöchste anfangen wird, die Welt, die von ihm erschaffen ist, heimzusuchen. 3. Und wenn man in der Welt Erdbeben und Empörung der Völker sehen wird, Matth. 24, 7. 4. alsdann wirst du verstehen, daß der Allerhöchste von diesen Dingen geredet hat von den Tagen an, die vor dir gewesen sind von Anfang an. 5. Denn so wie alles, was in der Welt erschaffen ist, einen Anfang hat, und gleicher weise auch ein Ende, und das Ende offenbar ist, 6. also haben auch die Zeiten des Höchsten offenbare Anfänge in Wundern und Kräften, und ihr Ende in Taten und Zeichen. 7. Und es wird geschehen, ein jeder, der gerettet wird, und der durch seine Werke entrinnen mag, und in dem Glauben, in dem er geglaubt hat; 8. der wird übrig gelassen werden aus den vorher genannten Gefahren, und wird Mein Heil sehen in Meinem Lande und in Meinen Grenzen, denn Ich habe Mich von der Welt geheiligt. 9. Und dann werden jammern, die jetzt Meine Wege mißbraucht haben und in Qualen liegen werden die, welche sie verworfen und verachtet haben. 10. Dann die, so im Leben Guttaten empfangen, und Mich nicht erkannt haben,

11. und die so gegen Mein Gesetz einen Widerwillen gehabt, da sie noch die Freiheit hatten, und die, so noch Zeit hatten zur Buße, solches aber nicht erkannt, sondern verachteten, 12. die müssen es nach dem Tod im Gericht erkennen. Hebr. 9,27. 13. Und darum sei du nicht weiter neugierig, wie die Gottlosen gepeinigt werden, sondern forsche, wie die Gerechten seelig werden, und wie die Welt sei, und um welcher willen die Welt sei und wann sie sei." II. 14. Und ich antwortete und sprach: „Ich habe zuvor geredet und rede jetzt und werde hernach reden, 15. Denn derjenigen sind mehr die verdammt, als derer die seelig werden, wie der Fluß mehr als der Tropfen." 16. Und Er antwortete und sprach: 17. „Wie das Feld ist, also ist auch der Same; wie die Blumen sind, also sind auch die Farben, wie der Werkmeister ist, also ist auch das Werk; und wie der Ackermann ist, also ist auch der Ackerbau, denn es war die Zeit der Welt. 18. Und da Ich denen die Orte zubereitete, die jetzt sind, ehe die Welt war, in denen sie wohnen sollten, da widersprach Mir niemand. 19. Denn damals lebte ein jeder nach dem Willen des Schöpfers, aber jetzt in dieser bereiteten Welt bei der unaufhörlichen Ernte und dem unergründlichen Gesetz sind ihre Sitten verderbt. 20. und Ich habe die Welt betrachtet, und siehe es war Gefahr um der Gedanken willen, die darinnen aufgekommen sind.

21. Und Ich habe es gesehen, und ihrer sehr geschont, und habe Mir eine Beere von der Traube behalten, und eine Pflanzung von vielen Stämmen. Jes. 65, 8-9. 22. So möge nun verderben die Menge, die umsonst geboren ist, aber meine Weinbeere und meine Pflanzung werden erhalten, denn Ich habe sie mit großer Arbeit zubereitet. 23. Du aber, so du noch andere sieben Tag verziehest, so sollst du doch in denselben nicht fasten, 24. sondern gehe auf ein Blumenfeld, da kein Haus gebaut ist, und iß allein von den Blumen des Feldes, versuche kein Fleisch, trink keinen Wein, sondern iß allein Blumen. 25. Bitte den Allerhöchsten ohne Unterlaß, so will ich kommen und mit dir reden." III. 26. Da ging ich hin, und kam auf das Feld, das Ardath heißt, wie er mir befohlen, und saß in den Blumen, und aß von den Kräutern des Feldes, und diese Speise diente mir zur Sättigung. 27. Und es geschah nach sieben Tagen, daß ich auf dem Grase lag, und mein Herz ward wiederum unruhig wie zuvor, 28. Und mein Mund ward aufgetan, und ich fing an, vor dem Allerhöchsten zu reden und sprach: 29. „O Herr, Du hast Dich uns geoffenbart, unsern Vätern in der Wüste, welche nicht betreten wird und unfruchtbar ist, als sie aus Ägypten zogen, und hast gesprochen: 30. Du, Israel, höre Mich, und Du Same Jakobs, merke auf Meine Reden: 31. Denn siehe, Ich säe mein Gesetz in euch,

und es wird in euch Frucht bringen, und ihr werdet dadurch herrlich werden in Ewigkeit. 32. Denn unsere Väter, die das Gesetz empfingen, haben es nicht gehalten, und haben Deine Satzungen nicht bewahrt, und es ist die Frucht des Gesetzes nicht erschienen, denn sie vermochte es nicht, weil sie Dein war, 33. Denn die es empfangen hatten, die verdarben, da sie das, so in sie gesät war, nicht hielten. 34. Und siehe, es pflegt zu geschehen, wenn das Erdreich den Samen empfangen hat, oder das Meer ein Schiff, oder ein Geschirr Speise oder Trank, wenn dasjenige zerstört worden ist, in welchem gesät, oder in welches gelegt worden ist, daß zugleich auch das, was gesät oder hineingelegt worden ist, oder was empfangen worden ist, zerstört wird und das Empfangene hinfort nicht bei uns bleibt. Uns aber ist nicht also geschehen. 35. Wir zwar, die das Gesetz empfangen haben, sind um unserer Sünden willen zu Grunde gegangen, wie auch unser Herz, welches dasselbe aufgenommen hat. 36. Denn das Gesetz ist nicht zu Grunde gegangen, sondern es ist in seiner Kraft verblieben." 37. Und da ich solches in meinem Herzen redete, da sah ich umher mit meinen Augen, und erblickte auf der rechten Seite ein Weib, und siehe, sie trauerte und weinte mit lauter Stimme, und war sehr bekümmert in ihrem Gemüte; ihre Kleider waren zerrissen, und auf ihrem Haupte hatte sie Asche. 38. Da ließ ich meine Gedanken, von denen ich ergriffen war fahren, und kehrte mich zu ihr und sprach zu ihr:

39. „Warum weinest du, und warum bist du traurig in deinem Herzen?" Da sprach sie zu mir: 40. „Laß mich, mein Herr, daß ich über mich weine und fortfahre in meinem Schmerz, denn ich bin sehr bekümmerten Gemütes, und ich bin sehr gedemütigt." 41. Ich sprach zu ihr: „Was fehlt dir? Sage es mir doch." Und sie sprach zu mir: 42. „Ich, deine Magd, bin unfruchtbar gewesen und habe dreißig Jahre lang einen Mann gehabt und nie geboren. 43. Und ich flehte alle Stunden und alle Tage diese dreißig Jahre lang zu dem Allerhöchsten, Nacht und Tag. 44. Und es geschah nach dreißig Jahren, daß Gott mich, deine Magd, er- hörte, und er hat meine Niedrigkeit angesehen, und auf meine Trübsal geachtet, und hat mir einen Sohn gegeben; darüber habe ich große Freude empfunden, und auch mein Mann und alle meine Mitbürger, und wir ver- ehrten hoch den starken Gott. 45. Meinen Sohn habe ich mit saurer Arbeit erzogen. 46. Und es geschah, da er erwachsen war, und die Zeit gekommen war, daß er ein Weib nehmen sollte, habe ich ein Hochzeitsmahl zugerichtet. KAPITEL X I. Fortsetzung des Gesichtes von dem trauernden Weibe. Esra sucht sie zu trösten. 1-17. II. Auf wiederholte Zurede Esra’s hin erblickt er auf

einmal statt des Weibes eine herrliche neugebaute Stadt. 1827. III. Der Engel Uriel erklärt ihm, daß dieses Weib die Stadt Zion sei, welche wieder soll erbaut werden. 28-60. I. 1. Und es geschah, da mein Sohn in seine Brautkammer hineingegangen war, daß er niederfiel und starb. 2. Da kehrten wir alle die Lichter um, und alle meine Mitbürger standen auf, mich zu trösten; da ruhte ich bis auf den andern Tag, bis zur Nacht. 3. Und da sie nun alle aufhörten, mich zu trösten, damit ich Ruhe hätte, bin ich des Nachts aufgestanden und geflohen, und hierher in dieses Feld gekommen, wie du siehst, 4. und ich habe mir vorgenommen, nicht mehr in die Stadt zurückzukehren, sondern hier zu bleiben, und weder zu essen noch zu trinken, sondern ohne Unterlaß zu trauern und zu fasten, bis daß ich sterbe." 5. Da ließ ich meine vorigen Gedanken fahren, und antwortete ihr im Zorn und sprach: 6. „Du törichtes Weib vor allen Weibern, siehst du nicht unsere Trauer, und was uns begegnet? 7. Daß Zion, unsre Mutter, in tiefster Traurigkeit sich betrübt, und in Erniedrigung gefallen ist und gar sehr klagt? 8. und nun da wir alle klagen und traurig sind, klagst du um einen einzigen Sohn?

9. Frage die Erde, so wird sie dir es sagen, denn diese ist es welche trauern muß über den Fall so vieler, die aus ihr entsprießen. 10. Denn aus ihr selbst sind von Anfang alle Menschen geboren, und andere werden kommen, und siehe, sie wandeln beinahe alle ins Verderben, und ihrer viele werden ausgerottet werden. 11. Und wer soll denn mehr trauern, die, so eine große Menge verloren hat, oder du, die du um einen Einzigen willen Schmerz empfindest? 12. Wolltest du aber zu mir sprechen: Mein Trauern ist nicht gleich dem Trauern der Erde, denn ich habe die Frucht meines Leibes verloren, die ich mit Kummer geboren, und mit Schmerzen zur Welt gebracht habe; 13. die Erde aber nach der Weise der Erde, und die gegenwärtige Menge ist auf ihr dahin gegangen, wie es sich zuträgt, so sage ich dir: 14. So wie du mit Schmerzen geboren hast, also gibt auch die Erde ihre Frucht, dem Menschen von Anfang dem, der sie gemacht hat. 15. Darum behalte deinen Schmerz bei dir selbst, und trage getrost die Unfälle, die dich betroffen haben. 16. Denn so du die Absicht Gottes für gerecht hältst, und seinen Ratschluß in der Zeit annimmst, so wirst du deswegen gelobt werden. 17. So gehe nun in die Stadt hinein zu deinem Mann." II.

18. Da sprach sie zu mir: „Das tue ich nicht, ich gehe nicht in die Stadt hinein, sondern ich will hier sterben." 19. Da redete ich weiter zu ihr und sprach: 20. „Tue nicht, wie du sagst, sondern folge meinem Zureden, denn wieviel Unglück hat nicht Zion? Laß’ dich doch trösten um des Trauerns Jerusalems willen. 21. Denn du siehst, daß unser Heiligtum ganz öde geworden ist, unser Altar zerbrochen und unser Tempel zerstört ist. 22. Unser Saitenspiel liegt danieder, der Lobgesang schweigt, unsere Freude ist vorüber, das Licht unseres Leuchters ist erloschen, die Lade unseres Bundes ist uns genommen, unsere Heiligtümer sind befleckt, und der Name, der über uns angerufen ist, ist beinahe entweiht, unsere Kinder haben Schmach gelitten, unsere Priester sind verbannt, unsere Leviten in die Gefangenschaft weggeführt, unsere Jungfrauen sind geschwächt und unsere Leiber haben Gewalt gelitten, unsere Gerechten sind geraubt und unsere Kinder verdarbt, unsere junge Mannschaft ist dienstbar, und unsere starken Helden sind schwach geworden. 23. Das Größte von allem ist, das Siegel Zion’s ist abgerissen von ihrer Herrlichkeit, denn sie ist in derer Hände gegeben, die uns hassen. 24. Du nun wirf Deine große Traurigkeit von dir, und lege ab von dir die Menge deiner Schmerzen, damit dir der Starke wieder gnädig sei, und der Allerhöchste dir Ruhe gebe, Erquickung von Deinen Mühsalen." 25. Und es geschah, da ich also mit ihr redete, leuchtete plötzlich ihr Angesicht und ihre Gestalt und glänzend wurde

ihr Angesicht, daß ich mich sehr vor ihr fürchtete, und dachte, was das wäre. 26. Und siehe, plötzlich gab sie einen lauten Ton der Stimme von sich, so furchtbar, daß die Erde von des Weibes Stimme erbebte. 27. Und schaute, und siehe, das Weib erschien mir nicht mehr, sondern eine Stadt war erbaut, und ein Ort von großen Fundamenten ward mir gezeigt. Da erschrak ich und schrie mit lauter Stimme, und sprach: 28. „Wo ist der Engel Uriel, der anfänglich zu mir gekommen ist? Denn er hat mich in so große Verzückung des Geistes hineingebracht, und mein Ende ist mir zum Verderben geworden, und mein Gebet zur Schmach." III. 29. Und als ich solches redete, siehe, da kam er zu mir, und sah mich. 30. Und sieh, ich lag da wie ein Toter, und war von Sinnen, und er ergriff mich bei der rechten Hand, und stärkte mich, stellte mich auf meine Füße, und sprach zu mir: Dan. 10, 9-10. 31. „Was ist dir? Warum ist Dein Verstand und der Sinn deines Herzens verwirrt? Und warum bist du so erschrocken?" Ich sprach: 32. „Darum, daß du mich verlassen hast und ich habe doch nach deinen Worten getan, bin auf das Feld hinaus gegangen, und siehe, ich habe gesehen und sehe, was ich nicht erzählen kann." 33. Er sprach zu mir: „Stehe fest als ein Mann, und ich will dich unterrichten." Da sprach ich:

34. „Rede, mein Herr, du mit mir, verlaß mich nicht, daß ich nicht ohne Ursache sterbe, 35. denn ich habe gesehen, was ich nicht wußte und gehört, was ich nicht verstehe. 36. Oder täuscht mich mein Sinn, oder träume ich? 37. Nun aber bitte ich dich, daß du deinem Knechte über diese Entzückung Bescheid gebest." Da antwortete er mir und sprach: 38. „Höre mich, so will ich dich belehren und dir sagen, wovor du dich fürchtest, denn der Allerhöchste wird dir viele Geheimnisse offenbaren. 39. Er hat gesehen, daß dein Weg recht ist, indem du ohne Unterlaß für Dein Volk traurig warst, und sehr bekümmert warest über Zion. 40. Das also ist die Bedeutung des Gesichtes, welches du gesehen hast: 41. Das Weib, das du trauern gesehen hast, hast du angefangen zu trösten 42. Jetzt aber siehst du die Gestalt des Weibes nicht mehr, sondern es ist dir erschienen eine Stadt, im Bau begriffen. 43. Und wie sie dir von dem Unfall ihres Sohnes gesagt hat, so ist nun dieses die Auflösung: 44. Das Weib, so du gesehen hast, ist Zion, die du nun auch erblickt hast als eine gebaute Stadt. 45. Daß sie dir aber gesagt hat, sie sei dreißig Jahre unfruchtbar gewesen, das ist deswegen, weil es dreißig Jahre waren, daß in ihr nicht geopfert worden ist. Kapitel 9, 42.

46. Und es geschah nach dreißig Jahren, daß Salomo die Stadt erbaut und Opfer dargebracht hat, da hat die Unfruchtbare einen Sohn geboren. 47. Wenn sie dir dann gesagt hat, sie habe ihn mit Mühe erzogen, das war das Wohnen in Jerusalem. 48. Und daß sie dir gesagt hat, wie ihr Sohn, als er in sein Brautgemach kam, gestorben sei, und wie ihn dieses Unglück betroffen, das war der Sturz Jerusalems, welcher geschehen ist. 49. Und siehe, du hast das Gleichnis davon gesehen, und da sie ihren Sohn betrauerte, hast du angefangen sie zu trösten; und was ihr begegnet ist, das mußte dir geoffenbart werden. 50. Und da nun der Höchste sieht, daß du von Herzen traurig bist, und von ganzem Herzen für sie leidest, so hat er dir auch die Herrlichkeit ihres Ruhmes und die Schönheit ihrer Zierde gezeigt. Offenb. 21,2. 51. Und darum habe ich dir befohlen, auf dem Felde zu bleiben, wo kein Haus gebaut ist. 52. Denn ich wußte, daß der Allerhöchste dir dieses zu zeigen anfing. 53. Darum hieß ich dich auf das Feld gehen, da kein Fundament eines Gebäudes ist, 54. denn an dem Orte, da die Stadt des Allerhöchsten erscheinen sollte, da konnte keines Menschen Gebäude sein. 55. Darum fürchte dich nicht, und Dein Herz erschrecke nicht, sondern gehe hinein, und besiehe den Glanz und die Größe des Gebäudes, soviel der Blick deiner Augen zu erschauen fähig ist.

56. Und dann wirst du hören, soviel Deine Ohren fassen mögen. 57. Denn du bist vor vielen andern glücklich, und bei dem Allerhöchsten berufen, wie wenige. 58. Aber in der Nacht, welche auf den morgenden Tag kommen wird, wirst du hier bleiben. 59. Und der Allerhöchste wird dich schauen lassen die Gesichte von den höchsten Dingen, welche der Allerhöchste denen tun wird, die in den letzten Zeiten auf Erden wohnen". 60. Da habe ich dieselbe Nacht geschlafen und noch eine andere, wie er mir befohlen hatte. KAPITEL XI Das fünfte Gesicht Esra’s (Kap. 11, 1 - Kap. 12, 39) Gesicht von dem Adler und seinen 12 Flügeln und Federn und 3 Häuptern. 1-35. II. Gesicht von dem Löwen, der dem Adler den Untergang verkündet 36-46. I. 1. Und ich sah einen Traum, und siehe, ein Adler stieg aus dem Meere auf, der hatte 12 Flügel mit Federn und drei Häupter. 2. Und ich sah, und siehe, er breitete seine Flügel aus über die ganze Erde, und alle Winde des Himmels bliesen zusammen in sie hinein.

3. Und ich sah, aus seinen Federn wuchsen hervor Gegenfedern, und diese wurden zu kurzen geringen Federlein, 4. Denn seine Häupter waren ruhig; das Mittelhaupt aber war größer als die andern Häupter; doch ruhte es auch mit den andern. 5. Weiter sah ich, und siehe, der Adler flog mit seinen Flügeln und herrschte auf Erden, und über die, welche auf Erden wohnen. 6. Und ich sah, daß ihm alles unter dem Himmel unterworfen war, und niemand widersprach ihm, auch nicht eine Kreatur auf dem Erdboden. 7. Und ich sah, und siehe, der Adler richtete sich auf seine Klauen auf, und redete seine Federn an und sprach: 8. Ihr sollt nicht alle zugleich wachen, schlafe eine jede an ihrem Ort, und wache eine jede zu ihrer Zeit. 9. Die Häupter aber sollen bis zuletzt behalten werden. 10. Und ich sah, und siehe, die Stimme ging nicht von seinen Häuptern aus, sondern von der Mitte seines Leibes. 11. Und ich zählte seine Gegenfedern, und siehe, es waren ihrer acht. 12. Und ich sah, und siehe, von der rechten Seite stand eine Feder auf und herrschte über die ganze Erde. 13. Und es geschah, als sie geherrscht hatte, kam ihr Ende, und ihre Stätte ward nicht mehr gesehen. Da stand die folgende auf und herrschte. Dieselbe hielt sich eine lange Zeit.

14. Und es geschah, als sie geherrscht hatte, kam auch ihr Ende, daß sie nicht mehr gesehen wurde, so wie die vorige Feder. 15. Und siehe, eine Stimme ward ausgesendet zu ihr und sprach: 16. Höre du, die du so lange Zeit die Erde besessen hast, dieses verkündige ich dir, bevor du anfängst zu verschwinden: 17. Niemand wird nach dir deine Zeit erreichen, ja nicht die halbe Zeit. 18. Da erhob sich die dritte, und herrschte wie die vorigen, und auch sie verschwand. 19. Also ging es auch mit den Übrigen, einer nach der andern, daß sie die Herrschaft führten, und darauf nirgends mehr gesehen wurden. 20. Und da sah ich, und siehe, mit der Zeit richteten sich die folgenden Federn auf der rechten Seite, daß auch sie die Herrschaft behaupteten, und einige von ihnen hatten die Herrschaft inne, aber dennoch verschwanden sie sogleich wieder. 21. Denn einige von ihnen richteten sich auf, aber sie behaupteten ihre Herrschaft nicht. 22. Nachdem sah ich, und siehe, da waren die zwölf Federn und die zwei Federlein nicht mehr zu sehen; 23. und es blieb nichts mehr übrig an dem Leib des Adlers als zweierlei, die ruhenden Häupter und sechs Federlein.

24. Und ich sah, und siehe, von den sechs Federlein trennten sich zwei und blieben unter dem Haupte, das zur rechten Seite war, denn vier waren an ihrem Orte verblieben. 25. Und ich sah, und siehe, die Unterflügel gedachten, sich aufzurichten und die Herrschaft zu behaupten. 26. Da sah ich, und siehe, einer ward aufgerichtet, aber sogleich verschwand er. 27. Und die zweiten verschwanden schneller als die Früheren. 28. Da sah ich, und siehe, die zwei, welche übrig geblieben waren, gedachten bei sich selbst, zu herrschen. 29. Und da sie das dachten, siehe, da erwachte das eine der ruhenden Häupter, das in der Mitte war, das war nämlich größer als die zwei andern Häupter. 30. Und ich sah, daß die zwei andern Häupter mit ihm verbunden waren; 31. und siehe, das Haupt wandte sich mit denen, die mit ihm waren, um und fraß die beiden Unterflügel, welche zu herrschen gedachten. 32. Dieses Haupt aber erschreckte die ganze Erde und herrschte auf ihr über die, so auf Erden wohnten, mit großer Plage, und hatte Gewalt über den Erdkreis, mehr als die Flügel, die da gewesen. 33. Und ich sah nach diesem, und siehe, das Mittlere Haupt verschwand plötzlich, so wie auch die Flügel. 34. Es blieben aber übrig zwei Häupter, die herrschten gleicher weise auf Erden, und über die, so auf Erden wohnen.

35. Und ich sah, und siehe, das Haupt auf der rechten Seite fraß das auf der linken Seite II. 36. Und ich hörte eine Stimme, die sprach zu mir:" Siehe vor dich hin und betrachte, was du siehst." 37. Und ich sah, und siehe, es war wie ein Löwe, der von dem Walde her aufsprang und brüllte. Und ich sah, daß er mit menschlicher Stimme den Adler anredete und sprach: 38. „Höre du, ich will zu dir reden und der Allerhöchste sagt es dir, 39. Bist du es nicht, der übrig geblieben ist von den vier Tieren, welche ich gemacht hatte, in meiner Welt zu herrschen, damit durch sie käme das Ende der Zeiten? Dan. 7,717.

40. und das vierte ist gekommen, und hat alle Tiere überwunden, die vorübergegangen sind, und es beherrschte die Welt mit großem Schrecken und den ganzen Erdkreis mit der schlimmsten Plage, und hat den Erdkreis so lange mit Betrug bewohnt. Dan. 7, 7-12. 41. Und du hast die Erde gerichtet nicht mit Wahrheit. 42. Denn du hast die Sanftmütigen gequält und die Ruhigen verletzt. Du hast die Lügner geliebt und die Wohnungen derer zerbrochen, die Frucht brachten, und die Mauern derer niedergeworfen, die dir keinen Schaden getan. 43. Und Deine Schmach ist vor den Allerhöchsten gekommen und Dein Hochmut vor den starken Gott.

44. Und der Allerhöchste hat auf die Zeiten des Übermuts geschaut, und siehe, die sind zu Ende, und daß Maß ihrer Verbrechen ist voll geworden. 45. Darum sollst du verschwinden, o Adler, mit Deinen schrecklichen Flügeln und Deinen schlimmsten Federlein und Deinen boshaften Häuptern und Deinen schlimmsten Klauen und deinem ganzen eitlen Leibe, 46. damit die ganze Erde wiederum erquickt werde, und wieder befreit werde von deiner Gewalt und hoffe auf das Urteil und die Barmherzigkeit Dessen, der sie gemacht hat.
Apostelg. 3, 19-21.

KAPITEL XII. Auf Esra’s Bitte wird ihm das Gesicht von dem Adler erklärt. 1-30 Erklärung von dem Gesicht des Löwen 31-39. Esra beruhigt das Volk. 40-51. I. 1. Und es geschah, während der Löwe diese Worte zu dem Adler redete, da sah ich, 2. und siehe, das Haupt, das übrig geblieben war, und jene vier Flügel, die zu ihm übergegangen waren und sich aufgerichtet hatten, um zu herrschen verschwanden und es war ihre Herrschaft gering und voll Aufruhr.

3. und ich sah und siehe, sie erschienen nirgends mehr und des Adlers ganzer Leib verbrannte, und die Erde erschrak sehr. Da erwachte ich von dem Aufruhr und der Entzündung meines Geistes und von großer Furcht und sprach zu meinem Geiste: 4. „Siehe, dieses hast du mir angerichtet, indem du die Wege des Aller- höchsten ergründen willst. 5. Siehe, noch bin ich ermattet, in meinem Gemüt und in meinem Geist sehr schwach, und es ist in mir nicht die geringste Kraft von der großen Furcht, womit ich in dieser Nacht verzagt war. 6. So will ich nun den Allerhöchsten bitten, daß er mich bis an das Ende stärke." 7. Und ich sprach: „O Herr, du Herrscher, habe ich vor Deinen Augen Gnade gefunden, und bin ich bei Dir vor vielen andern gerechtfertigt, und ist mein Gebet gewiß vor Dein Angesicht gekommen, 8. so stärke mich und zeige mir, Deinem Knechte, die Auslegung und den wahren Sinn des schrecklichen Gesichtes, daß Du meine Seele vollkommen tröstest. 9. denn du hast mich würdig geachtet, mir die letzten Zeiten zu zeigen. Und er sprach zu mir: 10." Das ist die Auslegung des Gesichtes. 11. Der Adler, den du gesehen hast vom Meere aufsteigen, ist das Reich, das im Gesichte von deinem Bruder Daniel gesehen worden ist. Dan. 7, 23. 12. ihm aber ist ausgelegt worden, darum lege Ich es dir jetzt auch aus.

13. Siehe, es kommen Tage, da auf Erden ein Reich entstehen wird; und es wird viel schrecklicher sein als alle Reiche, die vor ihm gewesen sind. 14. In demselben Reich werden zwölf Könige herrschen, einer nach dem andern; 15. denn der zweite wird anfangen zu herrschen und er wird längere Zeit bleiben als die Zwölf. Kap. 11, 13. 16. Das ist die Auslegung der Zwölf Flügel, die du gesehen hast. Kap. 11,1. 17. Die Stimme aber, die geredet hat, und die du gehört hast, nicht von seinen Häuptern, sondern von der Mitte des Leibes ausgehen, bedeutet, Kap. 11, 12. 18. daß nach der Zeit jenes Reiches große Kämpfe entstehen werden, und es wird in Gefahr stehen, zu fallen; es wird aber noch nicht fallen, sondern wiederum in seinen ersten Stand gebracht werden. 19. Und daß du gesehen hast acht Unterflügel, die mit seinen Flügeln zusammenhingen, Kap. 11, 11. 20. das bedeutet, daß in ihm acht Könige auferstehen werden, deren Zeit kurz und deren Jahre schnell sein werden und zwei aus ihnen werden umkommen. 21. Wenn aber die mittlere Zeit herannaht, werden vier erhalten werden auf die Zeit, wann seine Zeit anfangen wird heranzunahen, daß es zu Ende gehe; zwei aber werden bis an das Ende behalten werden. Kap. 11, 28. 22. Und daß du gesehen hast drei ruhende Häupter, Kap. 11, 4.

23. das bedeutet, daß in der letzten Zeit desselben der Allerhöchste drei Reiche erwecken und viele in sie zurückbringen wird. 24. Und sie werden die Erde beherrschen, und die darauf wohnen, mit großer Plage, als alle, die vor diesen gewesen sind. Kap. 11, 29. 25. Darum werden diese die Häupter des Adlers genannt, denn sie werden es sein, welche seine Gottlosigkeiten wiederholen und sein letztes vollbringen werden. 26. Und daß du das größere Haupt nicht ferner erscheinen gesehen hast, bedeutet, daß einer aus ihnen auf seinem Bette und doch in großen Kümmernissen sterben wird. Kap. 11, 33. 27. Denn die zwei, die übrig geblieben sind, wird das Schwert verzehren. 28. Denn des einen Schwert wird das Andere fressen doch wird zuletzt auch jener durch das Schwert fallen.
Kap. 11, 35.

29. Und daß du gesehen hast zwei Unterflügel, die sich erheben über das Haupt, das auf der rechten Seite war, Kap.
11,25.

30. das bedeutet, daß es diejenigen sind, die der Höchste bis an sein Ende behalten hat; das ist ein elendes Reich und voll Verwirrung. II. 31. Der Löwe, den du gesehen hast vom Walde aufsteigen und brüllen und zum Adler reden, und ihn und seine Ungerechtigkeiten durch alle seine Reden strafen, wie du gehört hast; Kap. 11,37. 32. das ist der Gesalbte, den der Allerhöchste auf das Ende wider sie und ihre Gottlosigkeiten aufbewahrt hat; Der wird

sie strafen und ihr verkehrtes Treiben vor sie hinwerfen. Offenb.
6, 14-17.

33. denn Er wird sie lebendig vors Gericht stellen, und wenn Er sie über- wiesen hat, wird Er sie vernichten. 34. Denn Er wird die Übriggebliebenen meines Volkes aus Barmherzigkeit befreien, sie, die in meinen Grenzen gerettet sind und wird sie fröhlich machen, bis das Ende kommen wird, der Tag des Gerichtes, von dem ich dir anfänglich gesagt habe. Kap. 6, 25. 35. Das ist der Traum, den du gesehen hast, und das ist die Auslegung. 36. Du bist also allein würdig gewesen, dieses Geheimnis des Allerhöchsten zu wissen; 37. und darum schreibe dieses alles, was du gesehen hast, in ein Buch und lege es an einen verborgenen Ort, 38. und lehre es die Weisen aus deinem Volk, von deren Herz du weißt, daß sie es begreifen, und daß sie diese Geheimnisse bewahren können. 39. Du aber halte hier noch aus andere sieben Tage, daß dir gezeigt werde, was dir der Allerhöchste zu zeigen beschlossen hat." Und er ging von mir hinweg. III. 40. Und es geschah, als alles Volk gehört hatte, daß die sieben Tage vergangen waren, und ich nicht wieder in die Stadt gekommen war, da versammelten sich alle, vom Kleinsten bis zum Größten, und sie kamen zu mir und sprachen:

41. Was haben wir an dir gesündigt, oder was haben wir wider dich Unrechtes getan, daß du uns verlässest und hier an diesem Orte sitzest? 42. Denn du bist uns allein übrig aus allem Volke, gleich als eine Traube aus dem Weinberg und als eine Leuchte an einem finstern Ort und ein Schiff, das vom Sturm gerettet ist. 43. Haben wir nicht sonst Unglück genug, das uns widerfährt. 44. Wenn du uns verlässest, wieviel besser wäre es uns gewesen, wenn auch wir im Brande Zion’s mitverbrannt wären! 45. Wir sind ja nicht besser als die, so daselbst umgekommen sind. Da sie also bitterlich weinten, antwortete ich ihnen und sprach: 46. Israel, sei getrost, und du, Haus Jakob, überlaß dich nicht der Trauer! 47. Denn der Allerhöchste hat euer gedacht, und der Starke hat euer in der Anfechtung nicht vergessen. 48. Denn ich habe euch nicht verlassen und bin von euch nicht gewichen, sondern ich bin an diesen Ort gekommen, daß ich für das verwüstete Zion bete, daß ich für euer erniedrigtes Heiligtum Barmherzigkeit suche. 49. Darum gehe ein jeder von euch hin in sein Haus, und nach denselben Tagen will ich wieder zu euch kommen. 50. Da ging das Volk in die Stadt, wie ich zu ihm gesagt hatte. 51. Ich aber saß auf dem Felde sieben Tage lang, wie mir der Engel be- fohlen hatte, und aß allein von den Blumen des Feldes und meine Speise bestand aus Kräutern in jenen Tagen.

KAPITEL XIII Das sechste Gesicht Esra’s über die 10 Stämme Israels I. Gesicht von dem mächtigen Retter, der aus dem Meere aufsteigt. 1-20 II. Auslegung des Gesichtes, der Sohn Gottes werde kommen zum Gerichte über die Nationen. 21-38. III. Er werde die zehn Stämme wieder aus der Gefangenschaft zurückführen und sein Volk beschirmen. 33-58. I. 1. Und es geschah nach den sieben Tagen, daß ich einen Traum hatte des Nachts. 2. Und siehe, es erhob sich ein Wind vom Meere, daß er alle seine Wogen bewegte. Dan. 7, 13. 3. Und ich schaute, und siehe, ein Mann stärkte sich mit den Tausenden des Himmels, und wo er seinen Blick hinwandte zu schauen, da zitterte alles, darauf er nieder sah. 4. Und wo immer eine Stimme aus seinem Munde ging, da wurde es heiß allen denen, die seine Stimme hörten, wie das Wachs zerfließt, wenn es das Feuer spürt. 5. Danach sah ich, und siehe, es versammelte sich eine Menge von Menschen, daß sie niemand zählen konnte von den vier Winden des Himmels, daß sie den Mann, der aus dem Meere aufgestiegen war, bekriegten. 6. Und ich schaute, und siehe, er hatte sich einen hohen Berg aufgeworfen und flog auf denselben. Dan. 2, 35.

7. Ich wollte aber den Ort und die Gegend besehen, von wo der Berg auf- geworfen war, und konnte es nicht. 8. Und danach sah ich, und siehe, alle, welche zu ihm zusammen gekommen waren, daß sie ihn bestritten, waren sehr erschrocken; dennoch wagten sie es, zu streiten. Offenb. 17, 14. 9. Und siehe, als er den Andrang der kommenden Menge sah, hob er seine Hand nicht auf, noch hielt er ein Schwert oder irgend eine Kriegswaffe, 10. sondern ich sah nur, daß er aussandte aus seinem Munde, wie einen feurigen Rauch, und von seinen Lippen einen flammenden Odem, und von seiner Zunge entsandte er Funken und Ungewitter. Jes. 11,4. 11. Und es war alles untereinander gemengt, dieser feurige Rauch und der flammende Odem und das große Ungewitter, und fiel mit Ungestüm über die Menge, welche sich gerüstet hatte zu streiten, und verbrannte sie alle, daß von der unzählbaren Menge alsbald nichts mehr gesehen war, als Staub und Geruch des Rauches. Da ich das sah, erschrak ich.
Joel 4,9-17.

12. Danach sah ich denselben Mann vom Berge herabgehen, und eine andere friedliche Menge zu sich berufen. 13. Und es nahten sich ihm viele Menschen, die einen froh, die andern traurig aussehend; etliche unter ihnen waren gebunden, etliche führten die, welche herbeigebracht wurden, hinzu. 14. Da ward ich vor großem Schrecken krank, und erwachte und sprach: „Du hast Deinem Knechte von Anfang diese Wunder gezeigt, und hast mich würdig geachtet, daß Du mein Gebet annahmest;

15. So zeige mir nun noch die Auslegung dieses Traumes. 16. Denn also gedenke ich in meinem Sinn: Wehe denen, die in jenen Tagen übrig geblieben sind! 17. Denn die, welche nicht übrig geblieben sind, werden traurig sein. 18. Ich verstehe jetzt die Dinge, die auf die letzten Tage aufgespart sind und ihnen begegnen werden, aber auch denen, die übrig geblieben sind. 19. Denn deswegen sind sie in große Gefahr und viele Not gekommen, wie denn diese Träume solches anzeigen. 20. Doch ist es leichter in diese Gefahr zu kommen, als zu verschwinden, wie eine Wolke von der Welt, und jetzt zu sehen, was in der letzten Zeit geschehen wird." II. 21. Da antwortete Er mir und sprach: „Ich will dir die Auslegung dieses Gesichtes anzeigen, und dir das eröffnen, darum du mich gefragt hast. 22. Was du von denen gesagt hast, die übrig geblieben sind, davon ist dies die Auslegung. 23. Die zu jener Zeit Gefahren auf sich nehmen, die werden bewährt sein, und die in der Gefahr bewährt sind, sind die, welche Werke haben im Glauben an den Allmächtigen. Luk 9,
24.

24. So wisse nun, daß die glücklicher sind, die übrig geblieben sind, als die gestorben sind." Luk. 9, 24. 25. Dieses ist die Auslegung des Gesichtes:

26. „Daß du gesehen hast einen Mann aus der Tiefe des Meeres herauf- steigen, das ist der, welchen der (Allmächtige) Allerhöchste viele Zeiten hindurch erhält, der durch sich selbst seine Geschöpfe befreien wird und er selbst wird die leiten, die übrig geblieben sind. Vers 2 u. 3. 27. Daß du aber gesehen hast von seinem Munde, gleich wie einen Odem, Feuer und Ungewitter ausgehen, 28. und daß er kein Schwert noch sonst eine Kriegswaffe hielt, sondern sein Anlauf die Menge, die ihn bestreiten wollte, umgebracht hat, bedeutet: 29. Siehe, es kommen Tage, an denen der Höchste anfangen wird, die zu befreien, die auf Erden sind, 30. und er wird mit Entsetzen über die kommen, so auf Erden wohnen. 31: Und jeder wird darauf denken, den andern zu bestreiten, eine Stadt die andere, ein Ort den andern, ein Volk das andere und ein Königreich das andere. Matth.24, 17. 32. Und es wird geschehen, wenn das geschieht, und die Zeichen eintreffen, die ich dir vorher gezeigt habe, alsdann wird mein Sohn geoffenbart werden, welchen du gesehen hast als einen Mann aufsteigen. Matth. 24, 17. 33. Und es wird Geschehen, wenn alle Völker seine Stimme hören werden, so wird ein jeder in seinem Lande den Krieg verlassen, welchen er wider den andern hatte; 34. und es wird sich versammeln eine unzählbare Menge zuhauf, als wollten sie kommen und ihn überwinden. 35. er aber wird auf der Spitze des Berges Zion stehen.

36. Zion aber wird kommen und wird allen als zubereitet sich zeigen und als gebaut, wie du gesehen hast den Berg ohne Hände ausgehauen. Vers 7. Offenb. 21, 2. 37. Er selbst aber, mein Sohn, wird strafen ihre Gottlosigkeiten die dem Ungewitter gleich kommen, um ihrer bösen Gedanken willen. 38. Und ihre Qualen, womit sie angefangen gequält zu werden, werden der Flamme gleichen; er wird sie ohne Mühe verderben durch das Gesetz, welches dem Feuer ähnlich ist. III. 39. Daß du aber gesehen hast, wie er eine andere friedliche Menge um sich gesammelt hat; Vers 12. 40. das sind die zehn Stämme, welche aus ihrem Lande gefangen hinweg geführt waren, zu den Zeiten des Königs Hosea, den Salmanasar, der König von Assyrien, gefangen geführt hat, und er führte sie über den Strom (Euphrat), und sie kamen in ein anderes Land. 2. König 17,6. 41. Sie wurden aber tätig, daß sie die Menge der Nationen verlassen und in ein noch entfernteres Land ziehen wollten, da niemals Leute gewohnt hatten. 42. Daselbst wollten sie ihre Gebräuche halten, die sie in ihrem Lande nie gehalten hatten. 43. Sie zogen aber hinein durch enge Furten des Stromes Euphrat. 44. Denn der Höchste tat ihnen damals Zeichen, und hemmte die Adern des Stromes, bis daß sie hinüber gekommen waren.

45. Denn durch dasselbe Land war ein langer Weg, anderthalb Jahre lang, welche Gegend Arzaret heißt. 46. Da wohnten sie daselbst bis auf die letzte Zeit. 47. Und wenn sie jetzt wiederum anfangen werden zu kommen; wird der Höchste des Stromes Adern wieder hemmen, daß sie hindurchziehen können. Darum hast du die Menge in Frieden gesehen. Jes. 11, 15-16. Offenb. 16, 12. 48. Dazu auch die, welche von deinem Volk übrig geblieben sind, das sind die, welche innerhalb meiner Grenzen gefunden werden. 49. Es wird also geschehen, wann Er anfangen wird, die Menge der Völker, welche sich versammelt haben, zu verderben, wird Er sein Volk, das übrig geblieben ist, beschirmen. 50. Und dann wird Er ihnen viele, sehr viele Zeichen geben."
Offenb. 11.

51. Da sprach ich: „O, Herr, du Herrscher, zeige mir warum ich gesehen habe einen Mann aus der Tiefe des Meers heraufsteigen." 52. Da sprach Er zu mir: „So wenig du wissen oder ergründen magst, was in der Tiefe des Meeres ist, so wenig mag jemand auf Erden Meinen Sohn sehen können, außer denen, so bei ihm sind, bis auf die Zeit desselben Tages. 53. Das ist die Auslegung des Traumes, den du gesehen hast, und um dessen willen du hier allein erleuchtet bist. 54. Du hast deinen Weg verlassen, und dich um Mein Gesetz bekümmert und hast es gesucht.

55. Denn du hast dein Leben mit Weisheit geordnet, und deinen Sinn hast du Mutter geheißen. 56. Und darum habe ich dir den Lohn beim Höchsten gezeigt. Nach drei anderen Tagen will ich dir mehr zeigen, und weiter mit dir reden, und dir wichtige und wunderbare Dinge offenbaren." 57. Da machte ich mich auf und ging auf das Feld, und lobte den Höchsten sehr und pries ihn um der Wunder willen, die er zu seiner Zeit tut; 58. und daß er die Zeiten, und was darin geschieht, so weislich regiert. Und ich saß daselbst drei Tage lang. KAPITEL XIV. Das siebente Gesicht Esra’s. I. Dem Esra wird aufgetragen, was er dem Volke offenbaren soll. 1-17 II. Die Gesichte für die Zukunft sollen durch fünf Männer in vierzig Tagen aufgeschrieben werden. 18-26. III. Esra’s Ermahnungsrede an das Volk. 27-36. IV. Vollziehung des Befehls wegen des Aufschreibens der Gesichte. 37-47. I. 1. Und es geschah am dritten Tage, daß ich unter einer Eiche saß.

2. Und siehe, eine Stimme kam zu mir aus dem Busch und sprach: „Esra, Esra!" Da sprach ich: „Hier bin ich Herr!" Und stand auf meinen Füßen. Da sprach Er zu mir: 3. „Ich habe Mich geoffenbart bei dem Busch und mit Moses geredet, als Mein Volk in Ägypten diente. 2. Mose 3, 2. 4. Und Ich habe ihn gesandt und Mein Volk aus Ägypten hinweg und auf den Berg Sinai geführt, da habe Ich ihn viele Tage lang bei mir behalten. 2. Mose 4, 18. 5. Und Ich habe ihm viele Wunder erzählt, und ihm die Geheimnisse der Zeiten und das Ende gezeigt, und habe ihm also befohlen: 6. „Diese Worte sollst du offenbaren und diese verbergen." 7. So sage Ich nun auch dir: 8. „Die Zeichen, welche ich dir gezeigt habe, und die Träume, welche du gesehen hast, und die Auslegungen, welche du gesehen hast bewahre in deinem Herzen. 9. Denn du wirst in die oberen Örter aufgenommen werden, und sollst fortan umgehen mit meinem Rate, und mit Deinesgleichen, bis daß die Zeiten zu Ende gehen. Matth. 27, 5253. Dan. 4, 14. Offb. 5, 8-10.

10. Denn die Welt hat ihre Jugend verloren, und die Zeiten nahen ihrem Alter. 11. Denn der Weltlauf ist in zwölf Teile geteilt, und zehn Teile und ein halber sind schon vergangen. 12. Es bleibt aber noch übrig, was nach den zehn und dem halben Teil folgt.

13. So bestelle nun Dein Haus und strafe Dein Volk, tröste ihre Bekümmerten, und entsage nun dem Verderben. 14. Laß die sterblichen Gedanken fahren, wirf die menschliche Bürde von dir, ziehe die schwache Natur aus, lege die für dich beschwerlichsten Gedanken beiseite und eile aus diesen Zeiten auszuwandern, 15. denn die Übel, welche du jetzt gesehen hast sich zutragen, werden noch schlimmere als dies hervorbringen. 16. Denn so viel die Welt vor Alter schwach wird, so viel werden die Übel vermehrt über die, welche darinnen wohnen. 17. Denn die Wahrheit ist weiter hinweg gewichen, und die Lüge ist nahe gekommen, welches du gesehen hast." II. 18. Da antwortete ich und sprach: „Herr! Ich stehe bei dir! 19. Denn siehe, ich will hingehen, wie du mir befohlen hast, und das Volk, so gegenwärtig ist, bestrafen, die aber nachher erst geboren werden, wer wird dieselben ermahnen? 20. So liegt nun die Welt in der Finsternis, und die darinnen wohnen, sind ohne Licht, 21. denn Dein Gesetz kennt man nicht mehr. Darum weiß niemand, was von Dir geschehen ist, noch was für Werke angefangen werden. 22. Habe ich denn Gnade vor Dir gefunden, so sende den Heiligen Geist in mich, so will ich alles schreiben, was in der Welt geschehen ist, von Anfang an, was in Deinem Gesetze geschrieben war, damit die Menschen den rechten

Weg finden mögen, und die, welche zu leben begehren, in der letzten Zeit leben mögen." 23. Da antwortete Er mir und sprach: „Gehe hin, sammle das Volk und sprich zu ihnen, daß sie dich vierzig Tage lang nicht suchen sollen. 2. Mose 24, 18. 24. Du aber rüste dir viele Schreibtafeln von Buchsbaum, und nimm mit dir Serea, Dabria, Selemza, Echan, und Asiel, diese fünf, welche fertig sind, geschwind zu schreiben. 25. Und komm hierher, so will ich in deinem Herzen eine Leuchte des Verstandes anzünden, die nimmermehr erlöschen soll, bis daß solches vollendet sein wird, was du zu schreiben anfängst. 26. Und wenn du alles geendet hast, sollst du etliche Dinge offenbaren, etliche aber den Weisen heimlich sagen. Morgen auf diese Stunde sollst du anfangen zu schreiben." III. 27. Da ging ich hin, wie er mir befohlen hat, und versammelte das ganze Volk und sprach: 28. „O Israel! Höre diese Worte! 29. Unsere Väter waren von Anfang Fremdlinge in Ägypten, und wurden daraus befreit. 30. Und sie empfingen das Gesetz des Lebens, das sie nicht gehalten haben, das auch ihr nach ihnen übertreten habt. 31. Und es ist euch ein Land durch das Los zugeteilt worden, das Land Zion; aber eure Väter und ihr habet Unrecht getan, und die Wege, die euch der Höchste geboten hat, nicht gehalten.

32. Da Er nun ein gerechter Richter ist, hat Er euch zu Seiner Zeit entzogen, was Er geschenkt hatte. 33. Und nun seid ihr hier, und eure Brüder sind unter euch, 34. Wenn ihr nun eurem Sinne gebietet, und euer Herz unterweisen lasset, so werdet ihr lebendig behalten werden, und Barmherzigkeit erlangen. 35. Denn das Gericht wird kommen, nach dem Tode, wann wir wiederum lebendig werden; alsdann werden der Gerechten Namen an den Tag kommen, und der Gottlosen Taten offenbar werden. 36. So komme nun niemand zu mir, und suche mich niemand, bis nach vierzig Tagen. IV. 37. Da nahm ich die fünf Männer, wie mir befohlen war, mit mir, und wir gingen auf das Feld und blieben daselbst. 38. Und es geschah am folgenden Tage, siehe, da rief mir eine Stimme und sprach: „Esra! Tue deinen Mund auf und trink, was Ich dir zu trinken gebe." 39. Und ich tat meinen Mund auf, und siehe, ein voller Becher wurde mir dargereicht. Dieser war voll wie von Wasser, dessen Farbe aber war wie Feuer. 40. Und ich nahm und trank es. Und da ich es getrunken hatte, ward mein Herz von Verstand geängstigt, und die Weisheit wuchs in mir, denn mein Geist wurde im Gedächtnis gestärkt. 41. Und mein Mund ward aufgetan und nicht weiter verschlossen.

42. Der Höchste gab den fünf Männern Verstand, daß sie schrieben, was in den Verzückungen der Nacht geredet ward, und die sie nicht wußten. 43. In der Nacht aber aßen sie Brot, ich aber redete am Tag, und in der Nacht schwieg ich auch nicht. 44. Es wurden aber in den vierzig Tagen geschrieben zweihundertvier Bücher. 45. Und es geschah, da die vierzig Tage vollendet waren, redete der Höchste also: „Das erste, was du zuvor geschrieben hast, mache öffentlich bekannt und Würdige und Unwürdige mögen es lesen. 46. Die letzten siebzig Bücher aber behalte, und übergib sie den Weisen deines Volkes. 47. Denn in ihnen ist der Born der Einsicht und die Quelle der Weisheit und der Fluß der Wissenschaft." Und ich tat also. KAPITEL XV I. Weissagung von den über die Welt ergehenden Gerichten. 1-19. II. Gerechte Vergeltung trifft sie wegen ihrer Gewalttaten wider das Volk Gottes. 20-27. III. Der Assyrer Land soll verwüstet werden. 28-42. IV. Auch über Babel kommt das göttliche Gericht. 43-63. I.

1. „Siehe, rede in die Ohren meines Volkes die Worte Meiner Weissagung, die Ich in deinen Mund geben werde," spricht der Herr, 2. „und schaffe, daß sie auf ein Blatt geschrieben werden, denn sie sind treu und wahr. Offenb. 22, 6. 3. Entsetze dich nicht über die Gedanken derer, welche wider dich sind, laß dich derer Unglauben, so wider dich reden, nicht kümmern. 4. Denn alle Ungläubigen werden in ihrem Unglauben sterben." 5. „Siehe," spricht der Herr, „Ich führe über den Erdkreis Unglücke herbei, Schwert, Hunger, Tod und Verderben. 6. Denn die Bosheit hat auf der ganzen Erde überhand genommen, und das Maß der schädlichen Werke ist voll geworden." 7. Deswegen spricht der Herr: 8. „Nun will Ich nicht mehr schweigen zu ihren Gottlosigkeiten, die sie ungescheut treiben; Ich will auch nicht länger dulden, was sie unbillig üben. Siehe, das unschuldige und gerechte Blut schreit zu Mir, und die Seelen der Gerechten schreien ohne Unterlaß. Offenb. 6, 10. 9. Gewiß will Ich sie rächen," spricht der Herr „und will alles unschuldige Blut von ihren Händen fordern. 10. Nehmet wahr, Mein Volk wird wie eine Herde Schafe zur Schlachtung geführt; Ich will nicht ferner leiden, daß es in Ägyptenland wohne. Röm. 8, 36.

11. sondern Ich will es mit gewaltiger Hand und aufgehobenem Arm ausführen, und will dasselbe ganze Land mit Streichen schlagen wie zuvor, und es verderben. 12. Ägypten wird trauern, und seine Fundamente werden geschlagen mit der Strafe der Züchtigung, welche Gott über sie bringen wird. 13. Die Ackerleute, die das Feld bauen, werden trauern, denn ihr Same wird vom Brand und Hagel und von schrecklichem Ungewitter verderbt werden. 14. Wehe der Welt und die in ihr wohnen! 15. Denn es ist herangenaht das Schwert und ihre Zerstörung und ein Volk wird wider das andere sich erheben zum Streite, und Schwerter sind in ihren Händen. 16. Denn die Menschen werden untereinander unbeständig sein, und einer wird den andern überwältigen, und sie werden ihren König nicht achten, und die Fürsten werden in allen ihren Samen mit Gewalt handeln. 17. Denn ein Mensch wird begehren in eine Stadt zu gehen, und wird es nicht können. 18. Denn die Städte werden um ihres Stolzes willen in Verwirrung gebracht werden, die Häuser werden vertilgt werden, und die Menschen werden sich fürchten. 19. Keiner wird mit dem andern Mitleid haben, daß er nicht in ihre Häuser einbrechen sollte mit dem Schwert und ihr Gut rauben aus Hunger nach Brot und aus großer Trübsal. II.

20. Siehe, Ich rufe zusammen," spricht Gott," alle Könige der Erde, daß sie Mich fürchten sollen vom Aufgang, vom Mittag, vom Morgen und vom Libanon, um ihnen zu vergelten und zu bezahlen, was sie an jenen verübt haben. 21. So wie sie bis heute meinen Auserwählten tun, also will ich auch ihnen tun und in ihren Schoß vergelten". 22. Also redet der Herr, Gott: „Meine rechte Hand wird die Sünder nicht verschonen, und Mein Schwert wird nicht ablassen von denen, welche auf Erden unschuldiges Blut vergießen. 23. Von seinem Zorn ist Feuer ausgegangen, und hat die Fundamente der Welt verzehrt, und die Sünder wie angezündetes Stroh. 2-4. Wehe denen, die da sündigen, und Meine Gebote nicht halten!"spricht der Herr. 25. „Ich will sie nicht verschonen. Weichet, ihr Kinder von der Gewalt, befleckt mein Heiligtum nicht. 2. Kor. 6, 17. 26. Denn der Herr kennt alle die, so wider ihn sündigen, und darum hat er sie in den Tod und zur Schlachtung hingegeben. 27. Denn jetzt sind die Übel über den Erdkreis gekommen, und ihr werdet darinnen verbleiben, denn der Gott wird euch nicht befreien, darum, daß ihr wider ihn gesündigt habet! III. 28. Siehe, ein schreckliches Gesicht kommt vom Anfang der Sonne.

29. Es werden ausziehen die Völker der Drachen, Araber mit vielen Wagen, und ihre Menge wird über die Erde fahren wie ein Sturmwind, also daß schon alle die erschrecken und sich fürchten werden, welche sie hören werden. 30. Die Karmanier werden voll Wut hervorbrechen, wie Eber aus dem Walde, und sie werden mit großer Tapferkeit kommen und zum Streit mit ihnen aufstehen, und einen Teil des Landes der Assyrer verwüsten. 31. und dann werden die Drachen ihrer Natur eingedenk, die Oberhand gewinnen und sich zusammen verschwören, sie mit großer Kraft zu verfolgen. 32. Diese aber werden verwirrt werden, und stille sein bei der Kraft jener, und ihre Füße zur Flucht wenden; 33. Und aus dem Lande der Assyrer wird ein Auflaurer sie belagern und einen aus ihnen vernichten, und Furcht und Schrecken wird in ihrem Heer, und Streit wider ihre eigenen Könige sein. 34. Siehe, es kommen Wolken von Aufgang und von Mitternacht bis zum Mittag, und ihre Erscheinung ist sehr schrecklich, voll Zorn und Ungewitter. 35. Und sie werden zusammenstoßen und reichlich Unstern über die Erde bringen und Unsterne über jene; und das vom Schwert vergossene Blut wird bis an den Bauch gehen, Offenb. 14,2.

36. und des Menschen Mist bis an den Gurt der Kamele spritzen; 37. und viel Furcht und Zittern wird auf Erden sein, und die jenen Zorn sehen, werden erschrecken; ein Zittern wird über sie fallen;

38. Und dann werden große Regengüsse von Mittag kommen, und von Mitternacht und ein Teil vom Niedergang der Sonne. 39. Und die Winde von Anfang werden die Oberhand gewinnen, und die Wolke vertreiben, welche Ich habe im Zorn aufsteigen lassen; und das Gestirn, das gegen Aufgang und Niedergang Schrecken verbreitete, wird verletzt werden. 40. Und große und starke Wolken voll Zorn werden sich auftürmen und ein Gestirn, daß sie die ganze Erde erschrecken und die auf ihr wohnen und auf alle hohen und hervorragenden Örter ein schreckliches Gestirn ausgießen; 41. nämlich Feuer, Hagel, fliegende Schwerter und viel Wasser, daß alle Felder voll werden und alle Bäche von der Fülle vieler Wasser. 42. Und sie werden Städte und Mauern verderben, Berge und Hügel, das Holz der Wälder und das Gras der Auen und ihre Früchte. IV. 43. Und sie werden ununterbrochen bis Babylon gehen und sie erschrecken; 44. sie werden zu ihr kommen und sie umlagern, sie werden das Gestirn und allen Zorn über sie gießen. Alsdann wird Staub und Raum bis an den Himmel aufsteigen, und alle die, so um sie her sind, werden sie beklagen. 45. und die bei ihr geblieben sind, werden denen dienen, die sich erschreckt haben.

46. Und du Asien, die du dich auch auf die Hoffnung Babylons vertröstest und ihr Ruhm bist, 47. Wehe dir, du Elende, daß du dich ihr gleich gemacht hast, und deine Töchter zur Hurerei erzogen hast, zu gefallen und mit deinen Buhlern zu prahlen, die jederzeit gesucht haben, Hurerei mit dir zu treiben. 48. Du hast die Verhaßte nachgeahmt in allen ihren Werken und Erfindungen. 49. Darum spricht Gott: Ich will Unglück über dich bringen, Witwenschaft, Armut, Hunger, Schwert und Pest, daß ich Deine Häuser verwüste durch Gewalt und Tod. 50. Der Ruhm deiner Tapferkeit wird verwelken wie die Blume, wenn die Hitze sich erhebt, die über dich gesandt ist. 51. Du wirst schwach werden, wie eine arme von Weibern Geschlagene und Gezüchtigte, daß dich die Gewaltigen und Liebhaber nicht mehr annehmen mögen. 52. Würde ich also wider dich eifern, spricht der Herr, 53. wenn du nicht meine Auserwählten allezeit getötet, die Hände zum Schlagen aufgehoben und über ihren Tod, da du trunken warst, gesprochen hättest. 54. Ziere die Gestalt deines Angesichts. 55. Der Lohn deiner Hurerei ist in deinem Schoß, darum sollst du Vergeltung empfangen. 56. Wie du meinen Auserwählten tust, spricht der Herr, also wird Gott dir tun und dich ins Unglück stoßen. 57. Deine Kinder werden Hungers sterben, du wirst durch das Schwert fallen, deine Städte werden geschleift werden, und

alle die deinigen werden auf dem Felde durchs Schwert umkommen, 58. die auf den Bergen sind, werden Hungers sterben, und werden ihr eigenes Fleisch essen und ihr Blut trinken, aus Hunger nach Brot und aus Durst nach Wasser. 59. Du Unglückliche wirst übers Meer kommen; und dann wirst du von neuem Unglück haben. 60. Im Durchzug werden sie die geschlagene Stadt niederreißen, und wer- den einen Teil deines Landes verheeren, und einen Teil deines Ruhmes zunichte machen, wiederkehrend zu dem zerstörten Babylon. 61. Und du wirst von ihnen niedergerissen werden wie ein Halm, und sie selbst werden dein Feuer sein. 62. Sie werden dich verzehren, sie werden deine Städte, dein Land und deine Berge, alle deine Wälder und deine fruchtbaren Bäume mit Feuer verbrennen. 63. Sie werden deine Kinder gefangen hinwegführen; und die Schönheit deines Angesichts verwüsten." KAPITEL XVI Fortsetzung dieser Gerichtsdrohung, das göttliche Gericht ist unabwendbar. 1-16. Weil die Menschen nicht achten auf die Züchtigungen des Herrn, darum kommt gänzliches Verderben über sie. 17-35. Ermahnung an das Volk Gottes, sich von der

sündigen Welt loszureißen und Buße zu tun. 36-54. Der Allmächtige Gott wird die sündige Welt bestrafen seine Auserwählten aber retten. 55-78. I. 1. Wehe dir Babylon. Wehe dir Asien. Wehe dir Ägypten. Wehe Dir Syrien. 2. Gürtet euch mit Säcken und härenen Kleidern, beweint eure Kinder, seid traurig, denn eure Trübsal ist genaht. 3. Ein Schwert ist über euch gesandt, wer will es abwenden? 4. Ein Feuer ist über euch gesandt, wer will es löschen? 5. Unglück ist über euch gesandt, wer will es vertreiben? 6. Mag einer einen hungrigen Löwen im Walde vertreiben? Oder mag einer das Feuer in den Stoppeln auslöschen, sobald es angefangen zu brennen? 7. Mag einer den Pfeil, der von einem starken Schützen geschossen ist, wieder zurücktreiben? 8. Der starke Herr sendet das Unglück, wer will es abwenden? 9. Feuer ist ausgegangen von Seinem Zorn, und wer ist es, der es lösche? 10. Er wird blitzen, wer wird nicht erschrecken; Er wird donnern, wer wird sich nicht fürchten? 11. Der Herr wird drohen, und wer sollte nicht gänzlich vernichtet werden vor Seinem Angesichte?

12. Die Erde zittert und ihre Fundamente, das Meer wallt aus der Tiefe; seine Wellen werden aufgewühlt, und seine Fische erzittern vor dem Angesichte des Herrn und vor Seiner herrlichen Kraft. 13. Denn Seine rechte Hand, die den Bogen spannet, ist stark; Seine Pfeile, die Er schießt, sind scharf und fehlen nicht, wenn sie anfangen werden an den Enden der Erde entsandt zu werden. 14. Siehe, Unglück wird ausgesendet, und es soll nicht zurückkehren, bis es über die Erde kommt. 15. Feuer wird angezündet, und wird nicht gelöscht werden, bis es die Fundamente der Erde verzehrt. 16. Gleich wie ein Pfeil, so von einem starken Schützen geschossen ist, nicht zurückkehrt, also wird das Unglück, so auf die Erde geschickt ist, nicht zurückkommen. II. 17. Wehe mir, wehe mir, wer wird mich befreien in jenen Tagen? 18. Der Anfang der Schmerzen ist vorhanden und viele Seufzer, der An- fang der Kriege; und es werden die Mächtigen sich fürchten, der Anfang des Unglücks, und alle werden erzittern. Matth. 24, 8. 19. Was soll ich dann tun, wenn das Unglück kommen wird? 20. Siehe, Hunger und Plage und Trübsal und Angst sind als Geiseln zur Besserung gesendet;

21. aber bei alledem werden sie sich von ihrer Bosheit nicht bekehren, und der Geiseln nicht allezeit eingedenk sein. 22. Siehe, das Korn wird so wohl fein sein auf Erden, daß sie meinen wer- den, es stehe wohl. Gerade dann werden Übel sprossen auf der Erde, Schwert, Hunger und große Verwirrung. 23. Denn gar viele, die auf Erden wohnen, werden Hungers sterben; die andern, so dem Hunger entronnen, wird das Schwert töten. 24. Und die Toten werden hingeworfen werden, wie der Mist, und es wird niemand sein, der sie tröste; denn die Erde wird öde gelassen werden, und ihre Städte werden niedergeworfen werden. 25. Niemand wird übrig sein, der die Erde bebaue, und der sie besät. 26. Die Bäume werden Frucht geben, aber wer wird sie sammeln? 27. Die Traube wird reif werden, aber wer wird sie keltern? Die Orte werden sehr verlassen sein. 28. denn es wird kein Mensch begehren einen Menschen zu sehen, oder seine Stimme zu hören. 29. Es werden aus einer Stadt zehn übrigbleiben, und zwei vom Felde, die sich ich dichten Wald und in den Klüften der Felsen verborgen haben. Matth. 24, 40-41. 30. Wie in einem Olivengarten und an einzelnen Bäumen drei oder vier Oliven übrig bleiben,

31. oder wie in einem abgelesenen Weinberg etliche Trauben übrig gelassen werden von denen, welche fleißig den Weinberg durchsuchten; 32. also werden in jenen Tagen drei oder vier übrig gelassen werden von denen, die ihre Häuser mit dem Schwerte durchsuchen. 33. Und es wird die Erde öde gelassen werden, und ihre Äcker werden veralten, und ihre Wege und alle ihre Pfade werden sprossen von Dornen, weil niemand darauf wandelt. 34. Die Jungfrauen werden trauern, daß sie keine Bräutigame finden; die Weiber werden Leid tragen, daß sie keine Männer haben; ihre Töchter werden betrübt sein, weil sie keine Hilfe haben, 35. denn ihre Bräutigame werden im Krieg umkommen und Männer Hungers sterben. III. 36. O, Ihr Knechte des Herrn! Höret dieses und erkennet es! 37. Siehe, es ist das Wort des Herrn, das nehmet an; auf daß ihr nicht glaubet den Göttern, von denen der Herr spricht! 38. Siehe, es nahet das Unglück und säumet nicht. 39. Gleich wie, wenn ein schwangeres Weib im neunten Mond ihren Sohn gebiert, wenn die Stunde ihrer Geburt herannaht, zwei oder drei Stunden vorher die Schmerzen ihren Leib überfallen, und wenn das Kind an die Geburt kommt, sie nicht einen Augenblick säumt,

40. also werden auch die Übel nicht verziehen, über die Erde zu kommen, die Welt wird seufzen und Schmerzen werden sie rings umgeben. 41. Höret des Herrn Wort, mein Volk, rüstet euch zum Streit, und haltet euch im Unglück als Fremdlinge auf Erden. 42. Der, so verkauft, sei, als wenn er es verlieren werde; 1. Kor.
7, 29.

43. Der Gewerbe treibt, als der keinen Nutzen davon haben werde; wer baut, als der nicht darinnen wohnen werde; 44. Der säet, als der, der nicht ernten werde; so auch, der einen Weinberg beschneidet, als der ihn nicht ablesen werde. 45. Die da freien, sollen sein, als ob sie keine Söhne erzeugen werden, und die nicht freien, als ob sie Witwer seien. 46. Deswegen arbeiten sie, so da arbeiten, vergeblich, 47. denn Fremde werden ihre Früchte einsammeln und ihr Gut rauben, ihre Häuser zerstören und ihre Kinder gefangen nehmen, denn zu Gefangenschaft und Hunger, werden sie ihre Kinder erzeugen. 48. Und die ihr Gewerbe mit Raub treiben, wie sehr sie auch lange schmückten ihre Städte, Häuser, Güter und Personen, 49. desto mehr werde Ich wider sie eifern um ihrer Sünden willen, spricht der Herr. 50. Gleich wie ein wackeres und sehr gutes Weib wider eine Hure eifert; 51. also wird auch die Gerechtigkeit wider die Bosheit eifern, wenn sie sich schmückt, und wird sie ins Angesicht anklagen,

wenn Der kommen wird, welcher denjenigen schützt, dem alle Sünden vergeben sind auf Erden. 52. Darum stellt euch ihr nicht gleich noch ihren Werken, 53. denn es ist noch um eine kleine Zeit zu tun, so wird die Bosheit von der Erde genommen, und die Gerechtigkeit wird dann unter euch herrschen. 54. Der Sünder soll nicht sprechen, er habe nicht gesündigt, denn der wird glühende Kohlen auf seinem Haupte anzünden, welcher sagt: ich habe vor Gott, dem Herrn, und vor seiner Herrlichkeit nicht gesündigt. 1. Joh; 1, 8. IV. 55. Siehe, der Herr kennt alle Werke der Menschen, ihre Anschläge und Gedanken, auch ihre Herzen. 56. Denn Er hat gesprochen: Es werde die Erde! Und sie ist geworden. Es werde der Himmel! Und er ist geworden. 57. Durch sein Wort sind die Sterne geschaffen, und Er kennt die Zahl der Sterne. 58. Er durchforscht den Abgrund, und seine Schätze. Er hat das Meer und was darinnen ist, gemessen. 59. Er hat das Meer in der Mitte der Wasser zusammengeschlossen, und durch sein Wort hat Er die Erde über den Wassern gestaltet. . 60. Den Himmel hat Er wie ein Gewölbe ausgespannt, Er hat ihn über den Wassern gegründet.

61. Er hat in die Wüste Wasserquellen gesetzt, und auf dem Gipfel der Berge, Seen, um Ströme vom hohen Fels herabzugießen, die die Erde tränken. 62. Er hat den Menschen gebildet, und sein Herz mitten in seinen Leib gesetzt, auch ihm Atem, Leben und Verstand gegeben; 63. und den Odem des Allmächtigen Gottes, Der alle Dinge gemacht hat und Der alles Verborgene in den verborgenen Tiefen der Erde ergründet. 64. Er weiß eure Anschläge, und was ihr in eurem Herzen gedenkt, so ihr sündigt und eure Sünden verbergen wollet. 65. Deswegen hat der Herr alle eure Werke genau erforschet, und wird euch alle offenbar machen. 66. Und ihr werdet zu Schanden, wenn eure Sünden vor den Menschen offenbar werden; Und es werden eure Ungerechtigkeiten als eure Ankläger dastehen an jenem Tage. 67. Was wollet ihr dann tun? Oder wie wollet ihr eure Sünden vor Gott und seinen Engeln verbergen? . 68. Siehe, Gott ist Richter! Fürchtet Ihn! Lasset ab von euren Sünden und vergesset eure Ungerechtigkeiten, daß ihr sie nicht mehr treibet, so wird euch Gott herausführen und von aller Trübsal befreien. 69. Denn siehe, der Grimm einer zahlreichen Menge wird über euch ent- zündet, und sie werden einige von euch berauben und töten.

70. Und die ihnen zugestimmt haben, werden zum Gespött, und von ihnen geschmäht und zertreten werden. 71. Denn es wird an vielen Orten Kampf sein und ein großer Auflauf in den benachbarten Städten wider die, welche den Herrn fürchten. 72. Sie werden sein wie unsinnig und niemand verschonen; sie werden wollen alle die berauben und vertilgen, so noch den Herrn fürchten. 73. Denn sie werden verwüsten und rauben ihre Güter, und sie aus ihren Häusern stoßen. 74. Alsdann wird sich offenbaren die Bewährung meiner Auserwählten wie Gold, das im Feuer bewährt wird. 75. Höret, meine Geliebten, so spricht der Herr: Siehe, die Tage der Trübsal sind vorhanden, aber ich will euch aus ihnen erretten. 76. Erschrecket nicht, zweifelt nicht, denn Gott ist euer Führer. 77. Und wer von euch meine Verordnungen und Vorschriften hält, spricht der Herr, Gott, dem sollen seine Sünden nicht zugerechnet, noch seiner Ungerechtigkeiten gedacht werden.
Off. 20, 14-15.

78. Wehe denen, welche in ihren Sünden verstrickt, und von ihren Ungerechtigkeiten bedeckt werden, gleichwie ein Acker vom Wald überwuchert, und seine Saat von Dornen bedeckt wird, also daß kein Mensch darauf wandelt! Er wird ausgetilgt und zum Fraß hingeworfen dem Feuer. Ende der Textvorlage

Hinweis: Nur in wenigen ganz alten Bibeln ist dieses Buch noch enthalten, so auch in sehr alten Ausgaben der Züricher Bibel. Ferner findet man eine weitere und daher etwas in Buchstaben abweichende Übersetzung in „Altjüdischem Schrifttum außerhalb der Bibel". ISBN 3-600-30046-6
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