Heinz-Christian Strache und sein Lieblingsbuch

Bei den Recherchen zum ORF-Sommergespräch 2005 stieß ich auf der Homepage von Heinz-Christian Strache auf eine kleine Besprechung seines angeblichen Lieblingsbuches: „Der Waldgang“ von Ernst Jünger, ein schwülstiges, eher schwer zu lesendes Büchlein über „den Anarchen“. Da die Rezension ungewöhnlich geschrieben war, googelte ich ein paar Formulierungen – und fand sie tatsächlich wieder. Auf einer rechtsradikalen „Heimatseite“ aus dem Jahr 1998, (mit)geschrieben von einem ehemaligen bekennenden Neonazi (und Paintball-Kameraden Straches). Ich hielt das dem FPÖ-Chef damals im Interview vor, die Szene hat auf YouTube mittlerweile einige hunderttausend Views:

http://www.youtube.com/watch?v=t5O3nwg9gXk

Sieben Jahre später, im August 2012, kurz vor unserem neuen ORF-Sommergespräch, veröffentlicht Strache nun plötzlich auf seiner Facebook-Seite mit knapp 120.000 Fans folgendes Posting:

http://www.facebook.com/HCStrache/posts/485948891416439?comment_id=99444583&offset=0&total_comments=33

Und das ist nun ein bisschen keck. Straches „Waldgang“-Rezension wurde auf seiner Homepage längst gelöscht, aber sie lässt sich nach wie vor finden:

http://web.archive.org/web/20040611081039/http://www.hcstrache.at/hcprivatframe.htm

Die angeblich „zweiseitige“ Zusammenfassung besteht aus genau diesen paar Zeilen – es sind der Titel und gezählte neun Sätze. Und es ist nicht „ein Satz fast wortident“ zu seiner Vorlage, sondern es sind sechs der neun Sätze, also zwei Drittel des gesamten Textes (unten gelb markiert).

Und der „mir vorgelegte Artikel“ (Strache), von dem das abgeschrieben wurde? Er steht auf einer „Heimatseite“, die „das letzte Mal am Laugtag, dem 25. Ernting im Jahre 4162 aktualisiert“ wurde (was immer das bedeuten mag). Auch diese Seite ist nur mehr mit etwas Mühe online wiederzufinden, aber nach wie vor da. Die kopierten Passagen sind gelb hervorgehoben. (Das sieht hier durch die Formatierung der Seite auf den ersten Blick weniger aus. Aber bei vergrößerter Ansicht kann man nachlesen, dass es sich um die gleichen sechs Sätze handelt. Vier Wörter wurden verändert.)

http://web.archive.org/web/20050916223642/http://esclarmonde.ionichost.com/konservative_revolution/juenger/raver.html

Und schließlich noch ein schneller Blick auf die „Originalbucheinleitung“, von der Herr Strache auf Facebook schreibt:

„Der Waldgang“ hat 34 kurze Kapitel, beginnt mit Kapitel Nummer 1 und nirgendwo in den insgesamt 96 Seiten findet sich so etwas wie eine „Einleitung“. Und weder in Kapitel 1 noch sonst wo auf den ersten Seiten steht einer der abgeschriebenen Sätze. So what? Stimmt. Das wäre das alles nicht weiter wichtig und der Anlass ist ewig her. Deshalb ist mir auch unklar, warum Herr Strache nach sieben Jahren nochmal davon anfängt. Aber wenn er es schon tut, dann lässt sich aus diesem – an sich belanglosen – Thema vielleicht auch was lernen: „Spannend, wie manche mit der Wahrheit umgehen“, würde es Strache formulieren. Es ist der einzige Satz in seinem Facebook-Posting, der stimmt.

Wien, August 2012 Armin Wolf