Offener Brief an die Dozierenden an der Universität Leipzig

Sehr geehrte Professor*innen, sehr geehrte Mitarbeiter*innen,

3. November 2011

angesichts der bevorstehenden Kürzungen an der Universität Leipzig durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) sehen wir uns gezwungen, alle Betroffenen zum Handeln aufzurufen. Erste Auswirkungen zeigten sich bereits am Anfang des Sommers, als das Rektorat im Zuge des Kürzungsprozesses ein Moratorium über drei Berufungsverfahren am Institut für Politikwissenschaft verhängte, wodurch die Existenz eines wichtigen Eckpfeilers der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie in Frage gestellt wurde. Die darauf folgenden Studierendenproteste weiteten sich schon bald über den Fachbereich hinaus aus. Denn: Von den bevorstehenden Kürzungen von insgesamt 72 Stellen allein an der Universität Leipzig bis zum Jahr 2015 sind potentiell alle Studierenden und Mitarbeiter*innen betroffen. Der Status der Volluniversität ist durch die mögliche Streichung gesamter Teilbereiche massiv gefährdet. Aus diesem Grund fordern wir alle Hochschulmitglieder dazu auf, ihr Bewusstsein stärker auf die bevorstehenden Kürzungen zu lenken und deshalb an der Demonstration gegen die Bildungskürzungen in Sachsen am 14.11.2011 um 13 Uhr auf dem Augustusplatz teilzunehmen. Wir bitten Sie, uns zu unterstützen: - Ermöglichen Sie den Student*innen die Teilnahme an der Demonstration, indem Sie an diesem Tag keine prüfungsrelevanten Themen behandeln! - Nehmen Sie mit uns gemeinsam an der Demonstration teil, um die Einigkeit aller Mitgliedergruppen und der Universität als Ganzes zu signalisieren! - Außerdem ist es notwendig, dass Sie die Student*innen Ihrer Veranstaltungen darauf hinweisen, wie wichtig es ist, sich aktiv gegen die geplanten Kürzungen zur Wehr zu setzen! Wir fordern von der Landesregierung: 1) Rücknahme aller geplanten Stellenstreichungen an den sächsischen Hochschulen sowie der Kürzungen an den Studentenwerken

2) Durchfinanzierung aller sächsischen Hochschulen sowie der Studentenwerke, um die Qualität der Lehre und Forschung auf ein zufriedenstellendes Niveau zu bringen. Das bedeutet: a) Schaffung flächendeckender Betreuungsverhältnisse von maximal 50 Studierenden pro Professor*in durch Aufstockung der Stellen und Besetzung der leerstehenden Professuren. b) Mittelfristige Anhebung der Ausgaben pro Student*in auf 8000 Euro pro Semester und der Mittel für Bildung auf 10% des Bruttoinlandsprodukts. c) Einheitliche Qualitätsstandards an den sächsischen Hochschulen und die finanziellen Mittel zur individuellen Umsetzung dieser. d) Keine Kompensation der öffentlichen Finanzierung von Lehre und Forschung durch Drittmittel und jegliche Form von Studiengebühren. e) Komplette Weiterreichung aller Hochschulpaktmittel und Ausreichung des Landesanteils zur Finanzierung der genannten Forderungen. Wir müssen uns als Mitglieder und Angehörige der Universität Leipzig unserer Qualitäten bewusst sein und dürfen deren Verlust durch die geplanten Kürzungen nicht in Kauf nehmen!

Mit freundlichen Grüßen, Bündnis Durchfinanzierung

Julia Böhm Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Bündnis Durchfinanzierung Seminargebäude Universitätsstraße 1 04109 Leipzig Tel.: 0341/97 37 858 Fax.: 0341/97 37 859 www.stura.uni-leipzig.de/demo

Von: emsel[at]rz.uni-leipzig.de Datum: 3. November 2011 09:02:30 MEZ An: Julia Boehm <buendnisdurchfinanzierung[at]stura.uni-leipzig.de> Kopie: dozentinnenverteiler@stura.uni-leipzig.de

Betreff: Re: Offener Brief an die Dozierenden an der Universität Leipzig
Sehr geehrte Frau Boehm, das Engagement der Studierenden findet meine Unterstützung, geht aber an der Realität vorbei. Sie wenden sich an alle Dozierenden, beschränken Ihre Forderung aber auf die Professuren. Haben Sie sich mal an Ihrer Einrichtung umgesehen, wie die Lehr- und Betreuungsaufgaben verteilt sind? Die Hauptlast im „Streichkonzert“ fällt auf die Schultern des Akademischen Mittelbaus in Form von Teilzeitstellen, bundesweit höchster Lehrbelastung bei LfbA und zunehmend befristeten Arbeitsverhältnissen, kurz - hochgradig prekären Arbeitsbedingungen, bei denen der kontinuierlich Verlust von Wissen, Erfahrung und damit Ausbildungsqualität in Kauf genommen wird. Diese Beschäftigtenkategorie wird in der aktuellen Hochschulentwicklungsplanung gar nicht mehr berücksichtigt, sondern zur blanken Verfügungsmasse. Das Moratorium bei der Besetzung von Professuren hat sicher auch gravierende Auswirkungen, ist aber in dem Zusammenhang eher ein temporäres Symptom. Diese Zusammenhänge bitte ich bei der Adressierung ihrer Aufrufe und den damit Verbundenen Zielstellungen/ Forderungskatalog zu berücksichtigen. Ich verweise in dem Zusammenhang auf die an der UL geplante Veranstaltung am 23. November 2011.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Martina Emsel Vorstandsmitglied Akademischer Mittelbau Sachsen (LAMS)

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