.

daß der Religions­ lehrer Herr Schöller. „Schau doch mal auf die Tische! Linsensuppe! Und das bei diesem gräßlichen Wetter und nach einer Mathe-Arbeit. daß das Schicksal heute noch erbarmungslos zu­ schlagen würde“. Nach und nach füllte sich der große Speisesaal des Landschulheims Bergheim.Linsen und zwei Luftpostbriefe „Ich wußte. Vielleicht gibt’s zum Nachtisch etwas Leckeres. „Warum?“ fragte Tini erstaunt. als sie den Speisesaal betraten. Mädchen und Jungen standen hinter ihren Stühlen und warteten darauf.“ Die beiden Freundinnen gingen zu ihrem Tisch der siebten Klasse hinüber. die einem das letzte Mark aus den Knochen gesogen hat — das überleb ich nicht!“ „Trag es mit Fassung. sagte Tina mit einem kellertiefen Seufzer. ein dicker freundlicher Mann mit Halb­ .

„Wir danken Dir. dunkelhaarige Claudius ein. Tini stieß Tina an und rollte die Augen gen Himmel. . Mit ihrer schönen Garderobe zu glänzen war ihr wichtiger als alles andere. warum du nicht dort geblieben ist. für Deine Gaben. laß doch die Linsensuppe wenigstens zu Kartoffelsuppe werden“. Und . betete Herr Schöller. . „Amen!“ kam der Chor der Schüler von allen Seiten. „Adelheid selbst wollte nicht mehr bleiben. Gemüse oder Salat und Kartoffeln. Es fehlte ihr dort die individuelle Note. Reis oder Nudeln. In Kreuzweißenstein mußten sie alle Schuluniformen tragen. wie gut das Essen in ihrem vorigen Internat war!“ „Da bist du ganz falsch unterrichtet“. Sie war erst seit kurzem in Berg­ heim und hatte eine Art an sich. die Du uns in Deiner Gnade bereitet hast — Amen“. Claudius hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. ertönte Adelheids Stimme. „Da bekamen wir jeden Tag Fleisch. . „Und wenn es Dir. weil sie jeden Tag bei Tisch nur davon geredet hat. der Schwarm aller Mädchen im Landschulheim. Jeden Tag wiederholten sich die gleichen Sticheleien und Streitereien um die verwöhnte Adelheid. rief Kai. ein hochaufgeschossener blonder Junge vom anderen Ende des Tisches herüber.“ „ . ins Wort. . die auch die Gutmütigsten auf die Palme treiben konnte. Herr. gefällt. das Tischgebet sprach.“ „Im Internat Schloß Kreuzweißenstein gab es nie Linsen“. fügte Tina leise hinzu. o Herr.“ Adelheid wurde rot. „Ich werde nie begreifen. warf der hübsche. die ihr gegenübersaß.glatze und wulstigen Lippen. eine Suppe vorher und immer einen tollen Nach­ tisch!“ fiel ihr Monika.“ „Das wissen wir doch alle“. „Sie wollten dort unsere liebe Adelheid nicht mehr haben. „Aber mit so kleinen Wundern gibst Du Dich ja leider nicht ab. .

“ „Der Tag fängt an.“ Ein Raunen und Flüstern entstand an dem Tisch. Alle beide. nicht wahr. an dem ihr älterer Bruder Tobbi mit Jungen und Mädchen aus seiner Klasse saß. Briefe von zu Hause! Besser gesagt — Luftpostbriefe. „Apfelstrudel! Habt ihr gesehen? Apfelstrudel mit Vanille­ soße gibt’s zum Nachtisch.durch die Luft fliegen‘.Tina stocherte mißmutig auf ihrem Teller herum. dein Bruder schickt die ganze Zeit verzweifelt Morse­ zeichen. „Was sollen wir? Einen Brief schreiben? Und ihm rüber­ werfen? Durch die Luft? Was soll das?“ „Unsinn!“ berichtigte Tini und kratzte den letzten Rest Suppe aus dem Teller. Du bist immer noch der schnellere Denker von uns beiden. sagte Tini lächelnd und tauschte blitzschnell ihren leerge­ gessenen Teller gegen Tinas vollen. und du reagierst nicht!“ rief Kai. Tobbi versuchte ihr in Zeichensprache etwas mit­ zuteilen. Adelheid? Ich werde mich an dich halten. Tina blickte auf und sah zu dem Tisch hinüber. der der Küche am nächsten stand. „He. erfreulich zu werden“. sagte Tina mit einem Seufzer der Erleichterung.“ „Das ist nicht das einzige Bewundernswerte an dir“. „Gib schon her. Denn meine Mutter ist bei Vati auf dem Schiff. Du brauchst mir deine Portion nicht abzugeben. stimmt’s?“ „Ach. und setzte sich durch die Reihen fort. Tina runzelte die Stirn. „Ich liebe Linsensuppe. Tobbi war doch heute mit dem Sortieren und Verteilen dran. ich schenk dir dafür meinen Nachtisch“. stellte Tina fest. und eure Mutter besucht euren Vater auf seiner Baustelle in Persien. „Ein Brief von den Eltern — und Apfelstrudel.“ . puhlte die Würstchenscheiben aus der bräunlich-grauen dicken Masse und schob sie sich in den Mund. „Wir haben Post. das meinte er mit . Adelheid haßt Apfelstrudel.

gegen seine türkische. das abgegessene Geschirr ab und trugen es in die Spülküche.“ „Fünf Seiten — Mutti war wirklich fleißig!“ lobte Tina. dort räumten diejenigen. „Und eine von Vati. die heute Tischdienst hatten. Tobbi betrachtete andächtig die bunten Briefmarken. die ebenfalls Briefe ihrer Eltern bekommen hatten. Alles neue — nur die eine habe ich schon mal. Um sie herum saßen und standen Schülerinnen und Schüler. Die anderen hatten sich in ihre Zimmer verzogen.“ Sie vertiefte sich andächtig in die Lektüre. Wieder ein paar Marken für meine Sammlung. Tini und Tobbi in der großen Eingangshalle auf den Treppenstufen und studierten ihre Post. „Was schreibt sie?“ „Nun warte doch mal!“ „Gib her!“ . die kann ich mit Dieter tauschen.Eine Viertelstunde später saßen Tina. „Mutti ist ein Schatz. Drüben aus dem Speisesaal drang lautes Klappern und Lachen herüber.

„Das glaube ich nie im Leben!“ unterbrach Tobbi die Schwester. die mir versprochen hatte auf Haus und Garten aufzupassen.“ Meine lieben Kinder! Es ist zehn Uhr morgens. und wenn ich aus dem Fenster schaue. mit sicherem Gespür auf Geheimnisse und Rätsel zu stoßen. ich hatte ihn zuerst. Zum Glück fand ich in allerletzter Minute Ersatz. ich sitze in Vatis Büro im Camp. mit einem gebrochenen Bein ins Krankenhaus eingeliefert. bei dem ich jetzt als Sprechstundenhilfe arbeite. sondern nur um Euch das Gefühl zu nehmen.„Nein. über mir surrt der Ventilator. Selbst Eure Fähigkeit. wenn wir bei dem Bautrupp in Persien wären! Lies weiter!“ Meine Abfahrt zu Hause war recht aufregend. Euch in Abenteuer zu verstricken. Und dann wurde auch noch unsere nette Nachbarin.“ „Dann lies halt vor!“ „Okay. um mich zu beklagen (denn ich genieße das Zusammensein mit Vati von ganzem Herzen). umgeben von Bauplänen und Notizen. würde hier keinen Ansatz­ punkt finden. sehe ich nichts als Wüste. wenn Ihr auf dieser Reise nicht dabeisein könnt. Frau Neumann. daß Ihr etwas verpaßt. wenn man nichts zu tun hat. Die Tage sind lang hier draußen. im Gegensatz zu meinem eintönigen Leben hier. keinen Urlaub geben. weil meine Vertretung krank wurde. „Wir würden garantiert ein neues Abenteuer er­ leben. . Erst wollte mir der neue Arzt. Das sage ich nicht.

„Die alten Kultur­ stätten von Persien. sobald sie Zeit hätte. Darauf freue ich mich natürlich sehr. So sehr er sich gefreut hatte.unseres und Frau Neumanns . In der letzten Woche will sich Vati ein paar Tage Zeit nehmen und mir die alten Kulturstätten Persiens zeigen. Sie war todunglücklich. dann geht es wieder heim.So mußte ich in Feldham schnell jemanden finden. zu kommen und die Mutter zu pflegen. mich im Stich lassen zu müssen. sagte Tobbi und sah mißmutig in den Regen hinaus. „Das machen wir sofort!“ sagte Tobbi. der sich um beide Häuser . das muß doch phantastisch sein! Ob sie uns etwas mitbringt? Einen altpersischen Schmuck vielleicht?“ „Sicher einen Perserteppich. von den Eltern einen Brief zu bekommen. Aber auch das ist mir schließlich gelungen. in welchem Krankenhaus sie liegt?“ „Hör doch zu!“ Sie wird jetzt schon wieder zu Hause sein bei ihrem Flocki. meine Lieben! Paßt gut auf Euch auf und seid innig gegrüßt von Eurer „Die hat’s gut!“ seufzte Tina sehnsüchtig.kümmert. Dabei hasse ich die Dinger“. „Schreibt Mutti. so . denn ihre Tochter erbot sich. Ich selbst werde noch zwei Wochen hierbleiben. Seid so lieb schreibt an Frau Neumann ein paar Zeilen und wünscht ihr gute Besserung. Nun laßt Euch von ganzem Herzen umarmen.

„Mrs. die Frau eines Kapitäns zu sein.“ „Wie sie in ihrem Reiseführer alles abgehakt hat — wie auf einer Einkaufsliste“. . daß er sich auf das nächste Wie­ dersehen freut.“ „Hört mal. die tagtäglich zur Arbeit ging. Und natürlich muß ich viel an Euch und Euer Abenteuer denken. daß es schön ist. Ich fahre jetzt mit Vati genau die Route.sehr hatte zugleich sein Fernweh neue Nahrung bekommen. Daß die Arbeit am Bau gut vorangeht und so . daß es ja sonst die Mutter war. Mutti hatte es wirklich gut — sie konnte reisen. Mutti in der Nähe zu haben und daß wir fleißig sein sollen — na so das Übliche. „Das kannst du selber lesen. während Tina und er hier im Landschulheim schmachten und pauken mußten. wie Ihr mit der verrückten Amerikanerin und ihren drei Enkelsöhnen in rasendem Tempo die ganze Insel besich­ tigt habt? „Und ob ich das weiß!“ kicherte Tina. etwas von der Welt sehen. Über seinem Ärger vergaß er völlig. . Henford mit den lila Haaren und der brillantenbesetzten Schmetterlingsbrille. „Lies weiter!“ . bestätigte Tobbi schmunzelnd. was meine Mutter schreibt!“ unterbrach Tini die Freundin. Meine liebe Tini! Manchmal ist es doch schön. während sie beide mit Tini die herrlichsten Ferienaben­ teuer erlebten. „Und was schreibt Vati?“ fragte Tobbi schließlich und schaute der Schwester über die Schulter. Ich habe immer Schwierigkeiten mit seiner Schrift. Er schreibt. Diesen Brief werde ich auf der Insel Gran Canaria zur Post bringen. Weißt Du noch. die wir damals alle gemeinsam gereist sind.

„Nur noch ein bißchen schöner . der Euch immer das Abendessen in Vatis Salon serviert hat. . . halt die Ohren steif. Schreib mir nach Lissabon. .“ Jetzt muß ich schließen und mich kostümieren. Uwe spricht oft von Euch und fragt mich. Alles Liebe.auch Deine Freunde! Es denkt sehr an Dich . „Komisch. „Geht es euch auch so?“ fragte Tobbi mit verzücktem Gesicht. Heute abend findet an Bord der 'Seeräuberball' statt.den Steward. Ihr erinnert Euch doch an Uwe .“ . Ich habe ihn auf die Sommerferien vertröstet. .Deine „Seeräuberball — davon kann man hier nicht mal träumen“.“ „Ein Gefühl wie Weihnachten“. „Ich höre lauter Glocken klingen.Lucia‘ — Sommer­ ferien — die Nordlandroute . mein kleines Mädchen. wann Ihr wieder mal eine Reise mitmachen werdet. Hier im Landschulheim hat es noch nie etwas Außergewöhn­ liches gegeben.Übrigens soll ich Euch noch von einem alten Freund grüßen. Dann soll die 'Lucia' die Nordlandroute befahren. daß Abenteuer immer nur in den Ferien passieren. Gähnend schlenderte er zum Fenster hinüber und starrte in den unaufhaltsam strö­ menden Regen hinaus. Vati läßt sehr grüßen . Tina schnurrte wie ein Kätz­ chen. Alles läuft ab wie das Räderwerk einer Uhr. „Gibt es etwas Langweiligeres als ein Internat?“ Tobbi stand auf und reckte sich. . stöhnte Tina. Wie schade. daß Ihr nicht dabeisein könnt.

Sie weiß doch. für uns wird es auch Zeit.“ „Da hast du recht. Monika konnte zwar wunderschöne Aufsätze schreiben. als hätte man sie in der Arktis auf einer Eisscholle . Monika hatte von ihrer Großmutter ein Paket mit Kuchen bekommen. „Wenn Mutti es schon schreibt — umsonst würde sie uns sicher nicht den Mund wässerig machen.“ „Glaubst du. als Belohnung für die erste Eins in Latein. ihr beiden. „Nein.“ Der verspätete Weihnachtsmann An diesem Tag kam Tina nicht mehr dazu. es könnte klappen — mit der Nordlandfahrt?“ fragte Tina sehnsüchtig. aber Latein zu lernen kam ihr unge­ fähr so vor. „Bis zu den nächsten Ferien ist es noch eine Ewigkeit. noch nie.“ „Ja. „Warst du schon mal in Norwegen?“ fragte sie Tini auf der Treppe. die doppelt so langsam schleicht wie normale Uhren“.“ „Wir müssen unbedingt sehen. in die Bibliothek zu gehen. sagte Tobbi. daß sie diesen Kuchen verdient hatte. ich mach mich an die Arbeit. wußte man. Und wenn man Monika kannte. Muß morgen in Geschichte ein Referat halten und noch eine Menge Vokabeln pauken. „Tschüs. wie enttäuscht wir dann wären.“ „Nun — dann haben wir doch jetzt wenigstens etwas. Bis später!“ Tina winkte dem Bruder nach und zog die Freundin mit sich fort. pflichtete ihm Tini bei. Wenn ich mit den Hausaufgaben fertig bin. und in Geschichte und Geographie war sie ein wandelndes Lexikon.„Ja — einer Uhr. ob in der Bibliothek Bücher über die skandinavischen Länder stehen. auf das wir uns freuen können“. gehe ich hinüber.

I

ausgesetzt mit dem Auftrag, ein Dutzend Robben zu fangen und in den Frankfurter Zoo zu transportieren. So sehr sie Vokabeln und Grammatik auch paukte, über Nacht schienen die Wörter wie in ein unergründliches Meer hinuntergetaucht zu sein — es war zum Verzweifeln. Diese Eins war nun also wirklich ein Grund zu feiern! Und weil das auch die Hausmutter eingesehen hatte und eine Kanne Kakao spendierte, wurde es ein ausgelassenes Fest. Erst am nächsten Tag in der Deutschstunde erinnerte sich Tina wieder daran, was sie vorgehabt hatte. Fräulein Bäumler, die Deutschlehrerin, hatte unvorsichtigerweise das Wort „Ferien“ fallenlassen. „In den letzten Ferien war ich in Torquay — und da habe ich gesehen, wie . . .“ Was Fräulein Bäumler in Torquay gesehen hatte, erreichte Tina nicht mehr, nur das Wort „Ferien“ fiel wie ein schwerer warmer Regentropfen in ihr Bewußtsein, und in Sekundenschnelle befand sich Tina an Bord der „Lucia“ mit Kurs auf Norwegen. Möwen kreischten um den Bug, die Bordkapelle spielte einen fröhlichen Marsch. Unwillkürlich kritzelte sie die Umrisse eines Luxusdampfers auf den Rand ihres Englischbuchs und schrieb darunter „Ahoi!“ Tini sah es und griente. Die Schulstunden schienen sich endlos hinzuziehen, auch wenn zwei Stunden Turnen in der Halle ein wenig Abwechs­ lung brachten. Tinas Gedanken waren nicht mehr bereit, von Bord der „Lucia“ zu gehen, und so endete der Vormittag denn auch mit einem deftigen Tadel wegen mehrmaliger Unauf­ merksamkeit. „Was ist los?“ erkundigte sich Tini kopfschüttelnd. „Du schaust den ganzen Vormittag in die Gegend wie eine Kuh, die zum erstenmal Straßenbahn fährt!“ „So? Wie schaut die denn?“ fragte Tina abwesend. „Ziemlich unintelligent, um es mal höflich auszudrücken.“ „Kommst du nachher mit in die Bibliothek?“

„Was soll ich da?“ „Ist denn das zu fassen? Hast du vergessen, was wir uns gestern vorgenommen haben? Die Nordlandfahrt! Bücher über Skandinavien!“ „Ach so — aber das ist doch noch gar nicht sicher“, wehrte Tini ab. „Nachher klappt es vielleicht gar nicht!“ „Na und? Dann wissen wir jedenfalls etwas mehr über die skandinavischen Länder, das kann uns auch nichts schaden.“ „Okay. Gleich nach dem Mittagessen gehen wir rauf. Du scheinst von der Aussicht auf eine neue Schiffsreise ganz süchtig geworden zu sein.“ „Süchtig ist gar kein Ausdruck“, seufzte Tina. „Am liebsten würde ich auf der Stelle davonlaufen und an Bord gehen.“ Die Bibliothek war im Dachgeschoß des großen alten Schlosses untergebracht, in dem sich jetzt das Landschulheim befand. Zwischen die schweren Eichenbalken hatte man Regale ein­ gezogen, dazwischen standen verglaste Bücherschränke, in denen die wertvolleren Werke vor Staub geschützt waren. Viele der hier vorhandenen Bücher stammten noch aus der alten Schloßbibliothek, aus einer Zeit, als Grafen und Fürsten Bergheim bewohnten. Tina und Tini hatten sich die Erlaubnis geholt, aus der Bi­ bliothek Bücher über Skandinavien zu entleihen. Die Aufgaben der Bibliothekarin hatte Frau Krull, die Sekretärin des Direk­ tors der Schule, übernommen, sie verwahrte auch den Schlüssel. „Geht nur hinauf, der Schlüssel steckt. Hier, nehmt euch die Liste mit und notiert, was ihr entnommen habt, ich trage es dann später ein.“ Frau Krull drückte ihnen ein hektographiertes Verzeichnis in die Hand, auf dem sämtliche Titel — mit Nummern versehen — aufgeführt waren. Tina und Tini bedankten sich und stiegen die Treppe zum Dachgeschoß hinauf.
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„Wie aufregend es hier oben riecht“, flüsterte Tina. „Ich komme gern hier herauf. Das schummrige Licht und der Duft von altem Holz und Leder. Man meint, jeden Augenblick müßte ein uralter Ritter um die Ecke biegen.“ „Warum nicht gleich ein Schloßgespenst?“ Tini öffnete die schwere Tür, die zu dem großen Bodenraum führte. Man mußte sich bücken, wenn man hindurchging. Ein paar ausge­ tretene Stufen wurden von einem verschnörkelten, wackligen Holzgeländer flankiert. Eine altersschwache Glühbirne ver­ breitete trübes Licht. Tina ging an den Regalen entlang und verglich die mit schwarzer Tinte auf die Buchrücken geschriebenen Zahlen mit den Nummern in ihrem Verzeichnis. „Da drüben am Fenster — das Regal muß es sein! Komm!“ „Viel ist es nicht. ,Oslo — Stockholm — Kopenhagen. Drei Städtebeschreibungen.‘ Hier — ,Eine Reise zum Nordkap‘, das könnte was sein. Und da, eine Reisebeschreibung. ,Vier Mäd­ chen trampen durch Schweden‘. ,Norwegen — Industrie und Wirtschaft‘, na, das schenke ich mir. Aber hier! Ein Fotoband! Den nehmen wir auf jeden Fall mit!“ Tini zog den Bildband heraus und ging zum Fenster. Auf dem kleinen Pult darunter lagen eine Reihe von Büchern, eines davon war aufgeschlagen. „Was ist denn das? Schau mal — ein alter Plan!“ „Würden Sie die Güte haben, das liegen zu lassen?“ kam eine schnarrende Stimme aus dem Hintergrund. Tina und Tini schraken zusammen. Ehe sie recht begriffen hatten, woher die Stimme kam, schoß hinter einem Regal ein alter Mann mit einem langen weißen Bart und buschigen weißen Augenbrauen hervor, raffte die auf dem Pult liegenden Bücher zusammen und drückte sie an sich. Dabei sah er die Mädchen ärgerlich an. Wie er da so stand, in ausgebeulten schwarzen Hosen und einem langen dunkelbraunen Kittel, die

Wie ein Weihnachtsmann. Bin Privatgelehrter“. einer von den anderen Schülern hätte sie vielleicht dort liegengelassen. nun wißt ihr’s“. „Entschuldigen Sie bitte. daß es Ihre Bücher waren. „Ich arbeite hier — wissenschaftlich. Tini faßte sich als erste. murmelte er und wich ins Dunkel zurück. wir werden Sie gewiß nicht lange stören. Ich dachte.“ „Schon gut. schnarrte der Alte. den man in der Rumpelkammer abgestellt und vergessen hatte. wir wußten ja nicht. sah der Alte aus ungepflegten weißen Haare fielen ihm bis auf den gebeugten Rücken hinunter. „Möchte möglichst wenig gestört werden!“ „Oh. Er hatte eine Stimme wie eine verrostete Kindertrompete. Herr Pro­ . den man in der Rumpelkammer vergessen hatte. glich er einem Weihnachtsmann.

. Wir haben ihm doch gar nichts getan“. macht das Stöbern gar keinen Spaß mehr. über welches Thema er Material sucht und was das für ein Plan war . ich hätte ihn gern gefragt. um die Phantasie anzuregen. Betont geräuschvoll öffnete sie sie und schloß sie hinter Tini mit einem energischen Knall. „Angst?“ „Quatsch.fessor“. als seien wir bei ihm eingebrochen. Ich habe das Gefühl. mahnte Tini. daß man endlich wieder geht. . „Soll er doch da drinnen mit seinen Büchern verrotten!“ knurrte sie.“ Tina sah sich voller Unbehagen zwischen den Regalen um. . flüsterte Tini. der Alte beobachtet uns die ganze Zeit. Da werden die Men­ schen manchmal so komisch im Kopf“. „Schließlich ist die Schulbibliothek doch für die Schüler da. Er tut. jetzt haben wir erst mal genug. was wir noch brauchen können. Komm.“ „Komm. und sind gleich wieder verschwunden. „Wir suchen nur heraus. gab Tina leise zurück. „Nun ärgere dich doch nicht.“ „Komischer Heiliger. drängte Tina. Aber wenn im Hintergrund einer darauf lauert. als sich der alte Mann hinter ein Regal ver­ krochen hatte. „Schade.“ „Wahrscheinlich lebt er immer allein. sagte Tina übertrieben höflich. „Hier habe ich noch etwas. „Segeltouren an nordischen Küsten“ war der Titel. Alte Leute sind eben manchmal ein bißchen wunderlich“. „Das ist genau das Richtige. die immer die Be­ sonnenere von beiden war. Gehen wir“. Wir können uns ja später noch einmal umsehen.“ Tina klemmte sich den Fotoband und das Buch mit der Reisebeschreibung unter den Arm und lief zur Tür. auf dem eine weiße Segeljacht mit zwei lachenden jungen Mäd­ chen darauf abgebildet war.“ Tini zog einen Band heraus. laß uns schnell weitersuchen. was wir brauchen. und dann hauen wir ab.

meinst du? Ach. „Und er wäre beinahe mit der Rute auf uns losge­ gangen. . So interessant ist das Thema doch wirklich nicht. Kommt lieber mit raus. „Ach ja. als hätten wir da oben nichts zu suchen. die trotz des aufgeweichten Bodens ein hartes Training absolvierte. Es ging mir nur gegen den Strich. Denn am kommenden Samstag sollte das große Freundschaftsspiel gegen die Hockeymannschaft des Realgymnasiums Kirchberg stattfinden. . die vom vielen Drinnenhocken lahm gewordenen Beine wieder in Bewegung zu bringen. sagte Tini lachend. der Nachforschungen über die früheren Herren von Schloß Bergheim anstellt. Irgend so ’n Privatgelehrter. Vielleicht ein armer Verwandter.“ „Jetzt hört doch schon mit dem armen. der sich in seiner glorreichen Vergangenheit sonnen möchte .“ „Wer — wie — wovon redet ihr?“ Sie waren unten in der Halle angekommen und trafen auf Tobbi.. der aus dem Gemeinschaftsraum seiner Klasse kam. darum war er so hochnäsig .“ Sie beschrieb Tobbi den eigenartigen alten Mann und ihr Erlebnis mit ihm. daß er so tat.„Ach was. daß sie’s am Samstag schaffen?“ fragte Tina . alten Kerl da oben auf. ich habe davon gehört. Ich lechze nach frischer Luft!“ stöhnte Tini. Ich hole unsere Mäntel.“ Tina rannte davon. „Glaubst du. Wenig später standen die drei Freunde am Rande des Hockeyfeldes und feuerten ihre Mannschaft an.“ „Ein verkappter Ritter von Bergheim. um die Skandinavien-Bücher in ihrem Schrankfach zu verstauen. ich ärgere mich ja gar nicht.. weil wir in sein heiliges Buch schauen wollten. es hat aufgehört zu regnen. Da hieß es. „Wir sind dem Weihnachtsmann begegnet“. und Tini ging in den Gemeinschafts­ raum ihrer Klasse hinüber. „Du hast recht.

„Schließlich ist es nicht so wichtig — ich betreibe diese Studien mehr oder weniger zu meinem Privatvergnügen. berichtete Tobbi. kurzen Stößen. daß er kein Mädchen ist. Tini und Tobbi . „Wie eine Ziege“. Uli! Einen Schlag hat der Junge — enorm!“ lobte Tobbi. Der könnte auf dreißig Meter einer Fliege das rechte Auge ausschießen. nur unter den Zuschauern zu sein. Als sie ins Haus zurückkamen. was Sie suchten.“ „Nun ja — ich werde sehen“. wenn die dort auf dem Feld auch aus­ sahen. „Schade. sie kommen!“ Der Direktor stieg — den gebrechlichen alten Mann vor­ sorglich am Arm führend — die Treppe hinunter. schnarrte die Stimme des alten Gelehrten. du Flasche. „Jeder Schuß ein Treffer. renn doch!“ schrie sie im gleichen Atemzug. flüsterte Tina und stieß Tobbi an. „Der Schularzt meint. hörten sie die Stimme des Direktors auf der Treppe. sagte Tini aner­ kennend. „Tja. als hätten sie ein Moorbad genommen.“ „Nächste Woche darf ich auch wieder trainieren“. haben sie dort ein umfassendes Archiv über die Geschichte der berühmten Familien in dieser Gegend. mein lieber Professor. „Guten Tag. hätte ich schon diesen Samstag mitgespielt.ihren Bruder. den könnten wir in unserer Mannschaft gut gebrauchen. Kai. Er ist schnell wie eine Rakete“. es tut mir leid.“ Er lachte in meckernden. Vielleicht haben Sie anders­ wo mehr Glück? Haben Sie sich schon mal in der Stadtbiblio­ thek von Kirchberg umgesehen? Wie ich hörte. „Los. wenn es nach mir gegangen wäre.“ „Was du für Ideen hast! Aber der kleine Pit hat sich wirklich gemausert. daß Sie nicht gefunden haben.“ Tobbi fiel es offensichtlich schwer. Herr Direktor!“ sagten Tina. „Bravo. Achtung. dann wäre das Knie wieder ganz in Ordnung. Ich spüre die Verletzung überhaupt nicht mehr. „Das ist er.

Professor. „Mein lieber Professor Unglaub. wir müssen uns an die Aufgaben machen.“ „Aber selbstverständlich! Sagen Sie Ihrem Neffen. was?“ „Wie ich schon sagte — der Weihnachtsmann auf Urlaub“. mein Lieber. Sie können mich jederzeit anrufen.“ Der Professor hüstelte und räusperte sich. und nochmals von Herzen Dank für Ihre Liebenswürdigkeit!“ „Auf Wiedersehen. Unsinn“. Soll ich Sie nicht doch lieber mit meinem Wagen — der Weg ins Dorf ist ziemlich weit. „Das ist vielleicht ’ne Knalltype. Und die frische Luft wird mir guttun.wie aus einem Munde. Direktor Möller ging in sein Büro hinüber. von der ich vorhin sprach — da wäre ich Ihnen wirklich sehr ver­ bunden . „Bewegung hält mich jung.“ „Ähem — äh. ja. Ich bitte Sie. . wegen dieser Sache da. will ich das gern tun. wenn ich Ihnen weiterhin behilflich sein kann.. Tini und Tobbi standen regungslos im Hintergrund und taten. „Komm. ich habe Ihre Zeit schon über Gebühr beansprucht. Tina kicherte. sonst werden wir nicht fertig.“ Tina. er könne mich jederzeit anrufen. Die beiden Männer schüttelten sich die Hand. Der Direktor nickte ihnen flüchtig zu und wandte sich dann wieder an seinen Besucher. lieber Freund. und der Professor verließ das Haus. die am Schwarzen Brett aushingen. dann auf Wiedersehen. .“ „Zu gütig. „Unsinn. . wehrte Professor Unglaub ab.“ Direktor Möller sah den schwer auf seinen Stock gestützten Alten zweifelnd an und öffnete ihm die Tür. meinte Tini achselzuckend. als seien sie tief ins Studium der Trainingspläne ver­ sunken.“ . Wir werden dann ein Gespräch ver­ einbaren. Allerdings. „Nun. bei Ihren Pflichten! Sie haben doch genug andere Probleme.

wer soll das sein?“ „Der Weihnachtsmann.„O ja. Tina. als sie ihr erwar­ tungsvolles Gesicht sahen. die am Tisch über ihren englischen Aufsatz gebeugt gesessen hatte. Und zwar dringend“. ich auch. Geriet einer seiner Schützlinge beim Abfragen der unregelmäßigen Verben ins Stottern. Tina und Tini mußten lachen. meinte Tina spöttisch. schau mal her —schnell!“ „Was denn?“ „Erkennst du den. „Daß er läuft. das möchte ich auch wissen. als stieße er die richtige Antwort in . sprang auf und kam ans Fenster. der da läuft?“ „Nein. ihr beiden. sah sie in der Ferne jemanden auf dem Weg zum Dorf laufen. „Ja. Vorhin konnte er nämlich nur an einem Krückstock gehen.“ „Und was soll an dem so Besonderes sein?“ fragte Monika enttäuscht. du glaubst noch an den Weihnachtsmann“.“ Als Tini ein paar Minuten später oben in ihrem Zimmer ans Fenster trat. sagte Tobbi er­ schrocken und sah auf die Uhr.“ Tina sah Tini mit gerun­ zelter Stirn an. dann bewegten sich Herrn Hechts Lippen stumm auf und nieder. der dahinten läuft. von wem redet ihr denn?“ „Von dem Mann. „Du. „Bis dann. „Na.“ Im Landschulheim gibt’s Neuigkeiten Der Englischlehrer hieß Hecht und sah auch so aus. „Sag bloß.“ „Der Weihnachtsmann?“ Monika.

Bezwingen. „Ja. Es soll etwas bekanntgegeben werden.. Herr Hecht“. der sich durch den Tür­ spalt schob. Noch eine Viertelstunde! Da wurde an die Tür geklopft. brabbelte der Junge und sah sich neugierig in der Klasse um.unsichtbaren Spruchblasen aus dem Mund.“ „Bist du ganz sicher? Manchmal vergißt man was.“ „Richtig. „Ich bin enttäuscht. „Ja.“ „Gut. Tina unter­ drückte ein Gähnen und verfolgte den taumelnden Flug einer zu früh geborenen Fliege. das Partizip Perfekt von „seek“ daraus abzulesen. . nach dem Essen versammeln sich sämtliche Klassen in der Aula. damit man es bis in die letzte Ecke hören konnte. „Setz dich! Tina?“ „Seek — sought — sought. sagte Herr Hecht schließlich. „Wir haben doch nichts ausgefressen ?“ „Nicht daß ich wüßte . „’tschuldigen Sie die Störung“. Tini sah verstohlen auf ihre Uhr. Um vierzehn Uhr in der Aula!“ posaunte er. bitte?“ Herr Hecht schaute über seine randlose Brille hinweg auf den pummeligen Jungen. Adelheid schaute verzweifelt auf Herrn Hechts Lippengymnastik und versuchte vergeblich. „Ja — was ist denn? Was willst du?“ fragte Herr Hecht un­ geduldig. „Was mag das sein?“ flüsterte Tina. Ich bin zutiefst enttäuscht“. „Ich soll sagen — ich soll vom Herrn Direktor sagen. überwältigen — Claudius?“ „Overcome — overcame — overcome.“ Herr Hecht wandte sich wieder der Tafel zu.“ . kam die Antwort aus allen Ecken. „Habt ihr es alle verstanden?“ Herr Hecht blickte in die Runde.

„Unsinn. „Damit wir noch mehr schuften müssen? Das könnte dir so passen!“ . war es eine andere Klasse. „Der Unterricht ist noch nicht beendet!“ Wie um ihn Lügen zu strafen. „Da mach dir bloß keine Hoffnungen. Wenn. sagte Tini grinsend. Wahrscheinlich hat einer der Eltern. dann werden wir alle nach Hause geschickt!“ flüsterte Kai von hinten. schrillte die Glocke. „Was meinst du. Herr Hecht hatte Mühe. im Speisesaal von Tobbi Näheres zu erfahren. vielleicht bekommen wir hohen Besuch? Den Schulrat oder einen Minister — oder wir kriegen einen ganz berühmten Schüler. sich soweit Gehör zu verschaffen. den du dann anhimmeln kannst. Alle übrigen diskutierten wild durcheinander. „Ein neuer Lehrer soll vorgestellt werden“. rieten ein paar Jungen aus seiner Klasse. ein Denkmal gestiftet — oder irgend so was Blödes“.“ „Vielleicht ist die Schule pleite. aber auch er hatte keine Ahnung.“ „Ruhe!“ brüllte Herr Hecht. was es mit dieser außerordentlichen Ver­ sammlung wohl auf sich hätte. In so einem Fall wirst du sofort auf die nächste Penne verfrachtet“. Monika wandte sich zu Tina um. rief ein Mädchen dazwischen. daß wenigstens die in den ersten Reihen verstanden. was? Einen jungen Pop­ musiker. sagte eine andere.„Ganz sicher. „Dann schon lieber einen Wanderpokal — der jedes Jahr von der erfolgreichsten Klasse gewonnen werden kann“. einen Prinzen oder einen Kinderstar oder so!“ „Das wär so dein Wunschtraum. was es für den nächsten Tag als Hausaufgabe gab. der früher selbst in Bergheim war. worum es ging. Ferien außer der Reihe gibt es nicht. Tina und Tini hofften.

„ich habe euch heute hier zusammengerufen. Und Salat.. Was mich betrifft — ich hab jetzt Hunger. irgendwer müsse etwas ausgefressen haben. Essen gehörte im Internat nun einmal zu den wichtigsten Ereignissen.“ Einige Lehrer applaudierten. waren die Stuhlreihen bis auf den letzten Platz besetzt. begann er. . und in Erwartung eines gewaltigen Donnerwetters herrschte angst­ volle Stille. „Oder endlich ein Schwimmbad!“ seufzte Tini. meinte Tini kopfschüttelnd. Ich bin schon öfter von Eltern und Kollegen gefragt worden. warum legen sie nicht lieber einen zweiten Tennisplatz an!“ zischte Kai. die wir über einen so herrlichen Park verfügen. nicht einen Schulgarten anlegen . „Meine lieben jungen Freunde“. Als Direktor Möller das Podium betrat. um euch mit einer Neuerung im Unterrichtsangebot unserer Schule bekannt zu machen. . warum wir. in dem dann in mehreren Gruppen die Gärtnerei erlernt werden kann. „In einer Stunde werden wir es wissen. daß wir einen aus­ gezeichneten Fachmann an unsere Schule verpflichten konnten. Herr Direktor Möller schaute über die Köpfe hinweg und räusperte sich. „Nun hat ein glücklicher Zufall gefügt. und die Schüler ließen sich zu höflichem Beifall herab. Die Aula befand sich im früheren Ballsaal des Schlosses.“ Das lenkte auch die erhitztesten Gemüter für eine Weile ab. Schul­ garten! Ausgerechnet! Die Gesichter wurden lang und länger. „Zum Teufel. Er wird diesem Mangel abhelfen und uns einen Schulgarten an­ legen. Habt ihr schon gesehen? Gulasch gibt’s heute — mit Nudeln.“ Ein verhaltenes Stöhnen ging durch die Reihen.„Wozu die Aufregung“. Allgemein hatte sich die Meinung verbreitet.

„Och — ich mag Gartenarbeit gern“. flüsterte Ursel. fuhr Herr Direktor Möller fort. endlich haben wir einen Fachmann. „Ich weiß gar nicht. Und sie hatte recht. dann würde ich jetzt eine Baufirma mit den schwe­ reren Erdarbeiten betrauen. Hätten wir mehr Geld zur Ver­ fügung. „bringt die Anlage eines solchen Gartens zunächst einmal eine Menge Kosten und Arbeit mit sich. was ihr dagegen habt. das dicke Ende kommt bestimmt noch“. der Herr Direktor setzte ein kumpelhaft-forsches Lächeln auf und sah „Meine lieben jungen Freunde. „Natürlich“. " . raunte ihr Tina ins Ohr. . .“ „Dann warte nur ab. der uns einen Schulgarten anlegt. Aber schließlich“.

Er wird östlich vom Schloß hinter dem alten Pulverturm entstehen. Vielleicht ist er ganz nett. — Und nun möchte ich euch Herrn Kastl vorstellen. Ich hätte zwar lieber einen anderen Platz dafür vorgesehen. „Er muß sich scheußlich fühlen in dieser Horde. denen es eine Ehre und ein Vergnügen sein wird. meinte Tini. „Armer Kerl“. „Wir .“ „Meine Schwester hat eine blühende Phantasie“.“ „Oh. unserem Gärtnerei-Spezialisten. „Das macht nur die Glatze“. diese Arbeiten zu übernehmen. sagte Tobbi entschuldigend zu seinen Klassenkameraden. „Jetzt möchtet ihr sicher noch etwas über die Lage des Schul­ gartens wissen. Und die schmalen Lippen — mich erinnert er an Frankenstein. meinte Tina ungerührt. „Schau dir doch mal seine Pranken an. daß dies der geeignetste Platz ist.“ In der ersten Reihe erhob sich ein unscheinbarer Mann mit einer spiegelblanken Glatze und ging leicht gebeugt zum Podium hinauf. zurückgezogene Leben. tuschelte Tobbi in Tinas Rücken. überzeugen lassen. Herr Direktor.den Schülern beschwörend in die Augen. „habe ich ja eine ganze Reihe ausgezeichneter Sportsleute hier unter euch. flüsterte Tina. Übrigens werden wir auch ein kleines Treibhaus bekommen. mußte mich aber von Herrn Kastl. Gärtner lieben doch mehr das beschauliche. „Um eines möchte ich euch alle zum Schluß noch bitten“. als ob er nicht auch mit einer Horde Halbwüchsiger fertig werden könnte“. er sieht nicht aus. sagte Herr Direktor Möller mit erhobener Stimme.“ Es klang nicht sehr begeistert. Habe ich nicht recht?“ „Klar. „Er sieht aus wie ein Totenschädel“. „Man soll nie vor­ schnell urteilen.“ Herr Kastl machte eine ungeschickte Verbeugung in Rich­ tung der Schüler und wurde mit freundlichem Applaus be­ grüßt.

Ich möchte euch bitten. daß er mal eine schöne eigene Gärtnerei besessen hat und damit pleite gegangen ist“.“ „Unsinn. „Ein Anschlag am Schwarzen Brett hätte es doch auch getan!“ „Was es wohl mit seinem schweren Schicksal auf sich hat?“ fragte Monika. Ich danke euch. Aber er hat gereicht. der das Gespräch mitgehört hatte.“ „Die ganze Klasse roch wie ein Obstladen im August“. „Ich glaube eher. „Und Herr Direktor Möller betätigt sich als so eine Art Bewährungshelfer. „Was ist — kommt ihr Mädchen mit raus? Ich muß jetzt zum Training. weil Beate und Hanni den Tafelschwamm mit Himbeersirup getränkt haben — und das gleich morgens in der ersten Stunde. Sein Gesicht drückte ehrliche Trauer aus. sondern auch eine neue Heimat findet. meinte Tobbi. was.“ „Und deshalb hat er uns alle in die Aula marschieren lassen?“ maulte Claudius. Vielleicht hat er bei einem Autounfall seine Frau verloren und aus Kummer darüber alles verlassen“. „Das würde ich zu gern wissen!“ „Vielleicht war er im Gefängnis“. wo die Hollbeck sowieso noch ungenießbar ist. die sich bereits eine herzzerreißende Geschichte zu­ rechtgelegt hatte. daß Herr Kastl bei uns nicht nur eine neue Aufgabe.wollen Herrn Kastl bei uns aufnehmen wie einen Freund.“ „Ich glaube. unterbrach Tina die Freundin kichernd. „Beruhige dich — das meiste davon haben sie getrunken. es war nur noch ein Rest in der Flasche. sagte der dicke Rudi. wir machen uns erst mal an die Arbeit. Tina? Die Hollbeck hat uns noch einen Extra-Hausaufsatz aufgebrummt. Er hat Schweres durchgemacht und viel verloren. sagte ein Mädchen kichernd. „Und Fräulein Holl­ . mitzuhelfen.“ „Schade um den schönen Himbeersirup“. widersprach Monika.

“ „Auweia. man kann schon sagen ein Palast. Tina saß mit gezücktem Füllfederhalter und einem Blatt Papier vor ihr und wartete.beck machte ein Gesicht. Na denn. „Bis später. Strafe muß sein“. daß er zur Mitarbeit herangezogen werden würde. die sich sofort hineinvertiefte.und West­ europa. sagte Tobbi grinsend. Dort das Kastell — und dies hier war das Wohnhaus des Feldherrn. „Was ist? Träumst du.“ „Na und?“ „Einen ganz ähnlichen Plan habe ich kürzlich gesehen — aber wo? Es fällt mir einfach nicht ein. Römische Siedlungen in Mittel. laß uns anfangen.“ „Was für ’n Thema isses denn?“ erkundigte sich Rudi. „Machen wir Teamwork? Ein gemeinsamer Entwurf und zwei Fassungen“.“ „Hoffentlich über unseren Aufsatz. Komm. Lange Zeit blieb es still.“ „Na. „Ich denke nach. als hätte sie in ein Wespennest gefaßt. dann schreibt mal schön. Tina und Tini mußten lachen. „Geschichte. viel Spaß!“ Rudi verdrückte sich. ich möchte .“ „Ist doch jetzt egal. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend sprangen sie die Treppe hinauf und liefen auf ihr Zimmer.“ „Nein? Worüber dann?“ „Siehst du diesen Plan hier? Der Plan einer römischen Sied­ lung. „Gib mal das Buch her!“ Tina kramte das Geschichtsbuch aus ihrer Tasche und legte es aufgeschlagen vor Tini hin. als bestünde Gefahr. oder denkst du nach?“ fragte Tina schließlich ungeduldig. so großartig war es angelegt. schlug Tini vor.“ „Nein.

nicht den ganzen Nachmittag hier drinhocken!“ „Na schön, fang an.“ Tini begann, Tina den Entwurf des Aufsatzes zu diktieren. Später würden sie jeden Satz einmal so und einmal anders for­ muliert abschreiben. „Professor Unglaub!“ schrie Tini plötzlich auf. „Du lieber Himmel, mußt du mich so erschrecken? Was ist mit dem Professor?“ „Bei ihm habe ich den Plan gesehen. In dem aufgeschlagenen Buch oben in der Bibliothek. Das er dann so schnell zuschlug und an sich raffte!“ „Den Plan einer römischen Siedlung? Da irrst du dich be­ stimmt. Professor Unglaub erforscht die Geschichte der Grafen von Bergheim. Und Schloß Bergheim wurde erst im Mittel­ alter erbaut, das weiß doch jeder von uns. Nun komm, laß uns weitermachen“, quängelte Tina. „Wir müssen doch auch noch Mathe und Englisch machen. Außerdem ist es ganz Wurscht, für was sich der Professor nun interessiert, ob es römische Kastelle oder die Geschichte alter Adelsfamilien sind.“ „Da hast du recht“, gab Tini seufzend zu. Aber der un­ freundliche Professor hörte nicht auf, in ihrem Kopf herum­ zuspuken.

So eine Gemeinheit
„Kommt ihr heute nachmittag mit ins Kino?“ rief Tobbi den beiden Mädchen entgegen. „Es gibt einen tollen Abenteuer­ film.“ „Klar, wir haben uns schon die Erlaubnis bei der Hausmutter geholt“, sagte Tina strahlend. „Und hinterher gehen wir ein Eis essen, einverstanden?“

„Laßt uns nur pünktlich losgehen, damit wir noch Karten bekommen. Ich glaube, das ganze Internat trifft sich heute im Kino“, mahnte Tini. „Kein Problem. Dann holen wir eben erst die Karten und essen vor Beginn der Vorstellung noch ein Eis“, schlug Tobbi vor. „Das machen wir. Gleich nach dem Essen gehen wir los, okay?“ Im Speisesaal herrschte übermütige Stimmung. Es war Sams­ tag, ein freier Nachmittag lag vor ihnen, die Sonne schien — da konnte einem nicht mal das Mittagessen die gute Laune ver­ derben, selbst wenn es etwas gab, das die meisten nicht mochten: Hefeklöße mit Backobst-Kompott und vorher einen Eintopf. Aber mit der Aussicht auf einen großen Eisbecher oder ein Stück Torte ließ sich alles ertragen. Tini aß die Suppe mit dem, was sie ihren „Seemannsappetit“ nannte. Es gab wenig, was sie nicht mochte. Tina trug ihr Schicksal mit Humor, sie machte sich nicht viel aus Eintopf­ gerichten. „Was ist denn mit Detlev und Christian los?“ flüsterte Tina. „Was soll mit ihnen los sein?“ Monika und Claudius drehten sich um und sahen zum Nachbartisch hinüber, wo sich Christian und Detlev gegen­ übersaßen. „Sie kichern die ganze Zeit schon wie zwei sechsjährige Mädchen.“ „Sie müssen irgendwas angestellt haben“, zischte Ruth, „ich habe sie vorhin mit puterroten Köpfen aus dem Speisesaal kommen sehen.“ Detlev und Christian versuchten verzweifelt, ernst zu bleiben. Aber jedesmal, wenn sich ihre Blicke trafen, prustete der eine oder der andere los. Der Tischdienst räumte die Suppenteller ab, und die

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Schüsseln mit den dampfenden Hefeklößen wurden aus der Küche gebracht. Dann wurden die auf einem Seitentisch bereitstehenden Kompottschüsseln auf die Tische verteilt. Als erste nahmen sich die Lehrer — an jedem Tisch saß einer, der die Oberaufsicht hatte —, dann gingen die Schüsseln reihum. An Tinas und Tinis Tisch residierte Frau Hollbeck. Und sie war es auch, die zuerst zum Löffel griff und das Kompott pro­ bierte. Im gleichen Augenblick erstarrte sie, sie schluckte und hustete, ihre Augen schienen aus den Höhlen zu treten und die Hände tasteten nach der Serviette. Frau Hollbeck preßte die Serviette mit beiden Händen vor den Mund, als müsse sie eine Explosion verhindern, sie röchelte und schluckte, dann lief ihr Gesicht rot an. „Wer war das?!“ brüllte sie in den Saal. Aber ihr Schrei ging in einem allgemeinen Hustkonzert unter, Ausrufe des Ekels, Röcheln und Spucken erfüllten den Raum. Detlev und Christian waren nun nicht mehr rot, sondern sehr blaß, so hatten sie sich die Wirkung ihres Streichs wohl doch nicht vorgestellt. Tina probierte vorsichtig das Kompott.

Das Fundament für das neue Treibhaus muß ausgehoben werden. und beim Anblick seines Gesichtsausdrucks rutschte nicht nur den beiden Missetätern das Herz bis in die Kniekehlen. Detlev in Tinas und Tinis. Aber daß sie wochenlang geächtet werden würden. Herr Direktor. Herr Direktor. Es war klar. „Tobbi Greiling! Hast du etwas zu sagen?“ „Nein. die Empö­ rung verebbte. „Das tote Meer ist gar nichts dagegen!“ Das Husten und Räuspern legte sich allmählich. ließ sich überleben. Aber da stand Direktor Möller auf. die sie von den Kameraden beziehen würden. das Unheil abzuwenden. Der Nachmittag auf der Baustelle würde vorübergehen. Christian ging in Tobbis Klasse.“ Tobbi suchte fieberhaft nach einer Möglichkeit. jede Dreckarbeit für die Mitschüler übernehmen .. . Alles übrige überlasse ich euch. „Gut“. „Die Klassen. werden heute statt eines freien Nach­ mittags Gartendienst machen.„Sie müssen pfundweise Salz hineingeschüttet haben!“ sagte Tini. davonzukommen? „Feigling!“ zischte Tobbi. Detlevs und Christians Gesichtsfarbe näherte sich dem satten Grün eines Waldmeisterpuddings. „Welche Klasse ist für diese ungeheuerliche Tat verantwort­ lich?“ fragte Herr Direktor Möller schneidend. was jetzt kommen würde. zu denen die Übeltäter gehören.“ „Kennst du den Übeltäter?“ „Ich weiß nicht genau. Das war schlimm. jeden Botendienst. Herr Direktor .“ „Ist er aus deiner Klasse?“ „Nicht nur. sagte Direktor Möller knapp. Hofften sie noch.“ Herr Direktor Möller verließ den Speisesaal. Die beiden Missetäter sahen sich an und wurden unter den bohrenden Blicken der Mitschüler immer kleiner. Auch die Tracht Prügel. Denn Detlev und Christian waren Brüder.

bis sein Treibhaus errichtet ist“.mußten. „Und das mit fast leerem Magen“. wie er sie am schlimmsten treffen konnte. . „Ich glaube. „Packen wir’s an — um so eher sind wir fertig. der war mal Sklavenwärter auf einer Galeere“. sagte Monika zu Tini. daß das Tempo nicht nachließ. als wollte er ihn durch seinen Blick explodieren lassen. Herr Direktor Möller wußte. „Er muß völlig besessen von seiner Gärtnerei sein. Wären sie doch bloß schnell aufgesprungen und hätten sich gestellt! „Mist!“ knurrte Tina wütend. das von Herrn Kastl abgesteckte Rechteck auszuheben. das war schlimm. Schaufeln und Hacken daran.“ „Warum muß das Fundament für das Gewächshaus eigent­ lich so tief werden — es wird doch nicht unterkellert?“ fragte Gerhard. flüsterte Ursel. Trübsal blasen hilft nun auch nichts mehr. stöhnte der dicke Rudi. und Claudius starrte auf seinen Teller. „Na kommt. um in die Gemeinschaft wieder aufgenommen zu werden. Der Tischdienst räumte die Teller mit dem verdorbenen Essen ab und trug sie in die Küche. „Er tut so. Herr Kastl lief wie ein Wachhund um eine Schafherde ständig im Kreis um sie herum und paßte auf. Wenigstens regnet es nicht“. der Klassensprecher in Tobbis Klasse war.“ Eine halbe Stunde später waren sechsunddreißig Jungen und Mädchen auf dem Feld hinter dem alten Pulverturm ver­ sammelt und gingen mit Spaten. „Und ich hatte mich so auf den Nachmittag gefreut! Diese Idioten — mußten sie sich aus­ gerechnet einen Samstag für ihren blöden Streich aussuchen!“ Moni und Adelheid waren den Tränen nahe. als hätten wir ihm das Salz ins Essen getan!“ „Was für einen gierigen Ausdruck er hat — als könne er es gar nicht mehr abwarten. meinte Tini seufzend.

verteidigte sich Detlev. fing sich dann aber. knurrte Herr Kastl.„Davon verstehst du nichts. Das ist doch nicht zu fassen: Erst treibt er uns wie ein Wilder an. „Und ich wünsche es nicht. „Weißt du. Ich trage hier die Verantwortung. nicht wahr?“ Herr Kastl sah sich herausfordernd um. den Schulgarten zu pflegen und zu überwachen. wir sollen nicht so drauflosschlagen. so wild daraufloszuschlagen?“ rief Herr Kastl entsetzt. Scham und Verzweiflung so beflügelt worden. von Herrn Kastl unterrichtet zu werden. „Ein zauberhafter Mensch“. gab er widerwillig Auskunft.“ Christian und Detlev — sie arbeiteten Schulter an Schulter — waren von Wut. setzte er schnell hinzu. . Als könnten wir ihm was kaputtmachen. Du könntest deine Mitschüler gefährden“. halt! Bist du verrückt. damit die Lehrkräfte ihn für den BiologieUnterricht zur Verfügung haben. Schau ihn dir doch an. „Aber vielleicht bekommt er nur die Aufgabe. daß er aus der Klapsmühle entlassen wurde. sagte Tina Tini ins Ohr. Ich lege keinen großen Wert darauf. wie Detlev mit der Spitz­ hacke in den Boden schlug.“ „Trotzdem. „Dem Boden ist das doch egal. dummer Bengel“. „Mit dem werden wir noch viel Freude haben. wie er uns beobachtet. daß sie in ihrer Arbeit den anderen weit voraus waren. „Sein hartes Schicksal bestand wohl darin. Fast anderthalb Meter waren sie schon in die Tiefe vorgedrungen. Hoffentlich wird die Gärtnerei nicht zum Pflichtfach erklärt. „Wieso? Um so schneller geht’s vorwärts“.“ „Ein Pädagoge scheint unser Herr Kastl wirklich nicht zu sein“. „Halt. dann brüllt er wieder. was ich glaube?“ raunte Tobbi seiner Schwester zu.“ „Du da! Hast du keine Ohren?“ kreischte Herr Kastl gerade.“ „Hoffen wir’s. „Es ist wegen der Heizung“. als er sah. pflichtete Tini der Freundin bei.

dann hörten sie eben jetzt auf. Macht. „Das werde ich dem Direktor melden! Wenn ich sage.“ Je mehr Herr Kastl zeterte. er solle nicht so drauflosdreschen? Ihr verderbt alles. so geht das nicht!“ bellte Herr Kastl schließ­ lich.„Hast du nicht gehört. „Ich glaube allmählich wirklich. Die Mädchen folgten dem Beispiel der Jungen. „Auch noch frech werden. „Vielleicht sollten wir nicht mit Spaten. Aber wenn er unbedingt wollte — bitte sehr. um ihren Unmut abzureagieren. sondern lieber mit silbernen Löffeln arbeiten?“ fragte Claudius grinsend. Was hatte der Gärtner bloß? Daß sie ein wenig kräftig drauflosgehackt und ge­ schaufelt hatten. konnte ihm doch eigentlich egal sein. Ihnen sollte es nur recht sein. „Nein! Nein. Einer nach dem anderen nahm sein Werkzeug unter den Arm und trollte sich davon. „Dieser Herr Kastl beginnt. dann habt ihr euch danach zu richten. Herr Kastl schnappte nach Luft.“ „Ja. wie?“ schnaufte er. bei dem ist eine Schraube locker. Um so schneller wurde das Funda­ ment für das neue Gewächshaus ausgehoben. ich werde allmählich auch neugierig auf sein Geheim­ . sauber sollt ihr arbeiten!“ „Der spinnt doch!“ knurrte Rudi. „Ihr seid entlassen! Ich kann eure Hilfe nicht brauchen. Schließlich standen nur noch Tina. Gleichmäßig. „Ich muß rausbekommen. daß ihr wegkommt!“ Verblüfft sahen sich die Jungen an. ich verlange saubere Arbeit. sagte Tini. Tini und Monika in der frisch ausgehobenen Grube. desto wilder arbeiteten die Jungen drauflos. Wir spielen hier nicht im Sandkasten!“ „Das haben wir schon gemerkt“. stöhnte Tina leise. was mit ihm los ist. wie ich deinem Kameraden gesagt habe. mich zu interessieren“.

„Ich möchte so gern wissen. sagte Tini nach einer Weile laut. Herr Kastl?“ „Was — wie bitte?“ Herr Kastl schien mit seinen Gedanken weit weg zu sein. Ihnen zu helfen. von allem etwas. er lachte meckernd auf. Empfindliche Pflanzen. nicht wahr.“ „Ist gut. und wir werden auch sicher alles so machen. Ich möchte Herrn Kastls Ver­ trauen gewinnen. beruhigte er sich wieder. richtet euch genau nach der Höhe auf dieser Seite! Ich trage in der Mitte noch etwas ab.nis“. flüsterte Tina. schnarrte er.“ Herr Kastl sah Tini mißtrauisch an. „Wenn Sie uns sagen. „Ich hab schon Blasen an den Händen. „Ja also — wenn ihr wollt. bestätigte Tina. „Vielleicht leidet er unter einer Zwangs­ vorstellung?“ „Komm!“ Tini ging zu Herrn Kastl hinüber. das ist ja klar. weißt du.“ „Ich freue mich auf die Gartenarbeit“. „Es macht uns Spaß. wie Sie es haben möchten. „Was für Pflanzen werden Sie im Treibhaus ziehen. würden wir gern noch ein wenig Weiterarbeiten. Herr Kastl“. was wir tun sollen. sagte Tini liebens­ würdig. welche Pflanzen Sie im Treib­ haus ziehen werden? Nur Blumen? Oder auch Gemüse? Kräuter?“ „Nun ja. Aber Vorsicht. der mit einem Zollstock die Umrisse des Fundaments nachzumessen begann. ich — eh — also. Aber da er nichts Hinterhältiges in ihren Gesichtern lesen konnte. „Da hast du uns was Schönes eingebrockt“. Dann wanderte sein Blick zu Tina hinüber.“ „Gleich haben wir’s geschafft.“ Tina und Tini machten sich wieder an die Arbeit. dort drüben müssen wir noch ein wenig tiefer gehen. „in das Gewächshaus kommen ganz empfindliche . „Na schön“..

Ich habe es mir nur immer gewünscht. die bei ihrem Wachstum nicht gestört werden dürfen. weil wir so oft ver­ reisen.Pflanzen. „Verstehst du etwas von Gartenarbeit?“ fragte Herr Kastl schnell.“.“ „Draußen werden wir dann die ordinären Pflanzen setzen“. „Verstehst du auch nichts von Gartenarbeit?“ „Kaum. . wissen Sie. entschuldigte sich Tina. „Leider nein — ich habe keine Ahnung. Mein Vater arbeitet im Ausland.“ „Soso — deine Mutter“. spann Herr Kastl weiter. . ich glaube. hauchte Tini und warf Herrn Kastl durch ihre blitzenden Brillengläser einen schmachtend-bewundernden Blick zu.“ „Interessant. „Da könntest du recht haben. flüsterte Tina. .“ „Nun — der Wunsch soll dir erfüllt werden. er reist ständig herum. „Nur in den Ferien.“ „Oder er hat wirklich ’ne kleine Meise. Rosen und Narzissen. Tini zuckte irritiert zusammen.“ Wieder stieß Herr Kastl ein meckerndes Lachen aus. „Ich bin ja auch so selten zu Hause“. .. „Und du?“ fragte Herr Kastl Tina. Wasserpflanzen. aber um den kümmert sich meine Mutter. Obgleich wir zu Hause einen großen Garten haben. Zwiebeln und Petersilie. und auch dann selten. . als hätte ihn dieser Gedanke erschreckt. der will uns verschaukeln“. Orchideen. Sträucher und Obstbäume .“ „Du. Pflanzen. . die viel Ruhe und Schutz brauchen! Sumpf­ pflanzen.“ „Auch das ist möglich. „Salat und Tomaten. sagte Herr Kastl und sah nachdenk­ lich durch Tina hindurch.“ „Macht er Ausgrabungen? Ist er Archäologe?“ fragte Herr Kastl. Azaleen .

sehr interessant“. „Silberpapier. . sagte Herr Kastl uninteressiert. ist es gut so?“ Herr Kastl kam näher und warf einen prüfenden Blick auf die Arbeit der beiden Mädchen. alles werfen sie einfach so weg und verschmutzen die Umwelt. der sieht gar nicht nach einem Gärtner aus“. Er hat doch ’ne kleine Meise. Gräß­ lich. sagte der Blick. Er baut Straßen und Brücken. Wahrscheinlich von einem Kaugummi. „Wir sind fertig. gestand Tina ihrer Freundin „O nein. „Dürfen wir jetzt gehen?“ fragte Tini höflich. er ist Ingenieur. Er bückte sich blitzschnell und hob etwas vom Boden auf. Tini richtete sich auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn.“ Tina und Tini schauten sich an.„Ich finde. Plötzlich wurde sein Blick starr. Hinter der hohlen Hand versteckt betrachtete er es und warf es dann achtlos wieder fort. Herr Kastl — schauen Sie.“ „Ach so.

Tini und Tobbi das nächste Mal zum Pulverturm hinübergingen. „Nein. Aber wenn er kein Gärtner ist —was ist er dann?“ Eine bedeutungsvolle Entdeckung Als Tina. „Einfache Holzplanken.“ „Ich weiß schon. die laufen oben an der Decke entlang.“ „Vielleicht liegen die Rohre unter der Erde?“ fragte Tini.„Jaja. war das Gewächshaus bereits errichtet. Ich meine . geht nur. daß er wieder aufgeschüttet hat. ein modernes kleines Glashaus aus Fertigteilen mit einem extra Anbau. saubere Arbeit. das Fundament müsse wegen der Hei­ zung so tief ausgehoben werden? Die Heizung ist doch gar nicht unter der Erde. Gute Arbeit das. . was ich finde?“ meinte Tina nachdenklich.“ Tina und Tini verabschiedeten sich und gingen zum Haus hinüber.“ „Laß mal sehen. Und ich bin ganz deiner Ansicht. sie steht hier im Anbau. wie sieht denn der Fußboden aus?“ Tina reckte sich und schaute Tobbi über die Schulter. wie der merkwürdige Herr Kastl einen Plan aus der Tasche zog und sich eifrig Notizen machte. „Er sieht überhaupt nicht wie ein Gärtner aus.“ „Weil er keinen Strohhut trägt und keine grüne Schürze um hat?“ „Unsinn. „Weißt du. was du meinst.“ „Glaubst du. Als sie sich noch einmal umschauten. sahen sie. . Tobbi spähte neugierig durch die Scheiben. der einen Arbeitsraum für den Gärtner enthielt und in dem sich auch die Ölheizung befand. Vielen Dank für eure Hilfe. „Hat er nicht gesagt. was wir mit so .

um jeder Unmutsäußerung des schrulligen Gärtners zuvorzu­ kommen. Herr Kastl wartete. . und schloß sie hinter sich wieder zu.“ Herr Kastl machte keine Anstalten. in denen sich ein zartes Grün zeigte. Muß ja erst mal alles angelegt sein.viel Mühe ausgegraben haben ?“ „Vielleicht hat er irgendein Isoliermaterial drin. sagte Tina schnell und setzte ihr liebenswürdigstes Lächeln auf. Tobbi hatte es aus den Augenwinkeln genau beobachtet. da kommt er“. So eine Horde Kinder — die würden doch nur alles kaputtmachen. „Pst. „Guten Tag. Außerdem müssen das da oben ja nicht alle Rohre sein — vielleicht sind auch unter der Erde Leitungen verlegt“. bis sie weit genug entfernt waren. „Wann werden wir den ersten Unterricht hier drinnen haben?“ fragte Tini. daß er vor ihnen sicher war. daß wir uns einmal das neue Gewächshaus angesehen haben. rief Tina schon von weitem. meinte Tobbi. zischte Tini. also verabschiedeten sich die drei und bummelten davon.“ „Na klar“. „Was er dort wohl gepflanzt hat?“ Tini betrachtete neugierig die aufgestellten Kästen. Sie haben nichts dagegen. Herr Kastl“. „Noch ist es ja auch viel zu kalt. das Gewächshaus auf­ zuschließen und sie hineinzubitten. und in der einen Ecke waren leere Blumentöpfe und alle möglichen ladenneuen Geräte gestapelt. Gegen die Kälte. Ballen Torfmull und Gartenerde standen herum. „Da drinnen? Überhaupt nicht. betrat das Gewächshaus. dann öffnete er die Tür. Der Unterricht wird da draußen an den Freibeeten stattfinden. Und das dauert noch. „Ich hoffe. Schön ist es geworden!“ Herr Kastl betrachtete die drei mit zusammengekniffenen Lippen.

Tina und Tini hatten Tischdienst und waren gerade dabei.“ „Der Chef muß ja wohl seine Gründe haben. als Herr Hecht zu dem Turn. ich will mir kein vorschnelles Urteil erlauben. trat. bestätigte Herr Schumann. Aber es bleibt mir trotzdem unbegreiflich. daß der Chef sich und uns einen großen Gefallen getan hat. „Ich verstehe zwar nichts davon — aber was ich bisher von seiner Arbeit gesehen habe. sollten sie am nächsten Tag erfahren. Jede Gesellschaft ist ihm lästig. „Merkwürdiger Typ. Also.“ „Da könnten Sie recht haben“. wenn Sie mich fragen: Der Mann hat keine Ahnung von Gärtnerei.und Physiklehrer. die Bestecke einzusortieren. „Aber viel­ leicht hat er es noch gar nicht mitgekriegt. Hoffentlich merkten die beiden Lehrer ihre Anwesenheit nicht vorzeitig! . Man hat das Gefühl. Wissen Sie etwas Näheres darüber?“ Tina trat Tini aufgeregt auf den Fuß. meinte Tini. der am Fenster stand und in den Park hinunterschaute. sagte Tobbi. Herrn Schumann. Tina und Tini schauten sich an. finden Sie nicht?“ sagte Herr Hecht. die sich über den selt­ samen Neuling im Landschulheim Bergheim Gedanken machten. „Das kann ich mir kaum vorstellen“. er möchte um jeden Preis allein sein. Vielleicht würde das alles erklären“.“ „Und eines dürfen wir nicht vergessen: Direktor Möller weiß etwas über Herrn Kastl.„Komischer Kauz. Da konnte doch nur von Herrn Kastl die Rede sein! „Ich glaube nicht. als er den Mann engagierte. na ja. was wir nicht wissen.“ Daß sie nicht die einzigen waren. daß Herr Kastl als Lehrer — na sagen wir: ziemlich unmöglich ist. „Was natürlich nichts daran ändert.“ „Ob Herr Direktor Möller sehr glücklich über seinen neuen Gärtner ist?“ fragte Tina kopfschüttelnd.

und er wurde gefeuert. Aber ob er es schafft? Weiß man denn. als bei einer Wanderung mit seinen Schülern einer der Jungen tödlich verunglückte. Aber die Eltern verklagten ihn. Er hat Möller diese Laus in den Pelz gesetzt. so angestrengt horchte sie auf das. unser Chef ist nicht der Mann. Er fühlte sich nicht mehr fähig. daß der Mann ein wenig schrullig wirkt. dann ist es verständlich. Aber er soll alle möglichen Zeugnisse angebracht haben. . Ganz unbekannter Ort. hat Möller die ganze tragische Begebenheit erzählt und ihn um Hilfe gebeten.“ „Und warum?“ „Es war wohl das Schicksal des Mannes. weiter zu unterrichten.„Nun ja . selbst wenn er eine Stelle gefunden hätte. Angeblich konnte er nichts dafür. Professor Unglaub. das unserem lieben Direktor so zu Herzen ging. was Herr Schumann sagte. die seine Schüler nicht unbedingt teilen“. ihr müßten Eselsohren wachsen. der in einem solchen Fall bürokratisch vorgeht.“ „Nun.“ „Eine Ansicht. Es handelt sich bei unserem merkwürdigen Freund da unten um einen ehemaligen Kol­ legen — so hat Professor Unglaub jedenfalls dem Direktor erzählt. Man wird ihm helfen müssen. Nun. . er ist fast zu gutmütig. der uns kürzlich besuchte. „Sie erinnern sich vielleicht an diesen Gelehrten. als er leise weitersprach. Tina glaubte. sich in den nor­ malen Schulbetrieb wieder hineinzufinden. wo er früher unterrichtet hat?“ „Ziemlich weit weg von hier. der ein Onkel unseres Herrn Kastl ist. Herr Schumann öffnete das Fenster und atmete tief durch. um in der Bibliothek nach Unterlagen über die Grafenfamilie zu forschen. Tina und Tini hielten den Atem an. Der Mann bekam einen Nervenzusammen­ bruch und verbrachte viele Monate in einer Nervenklinik. Er verlor seine Stellung. im Gegenteil. der Leichtsinn des Jungen soll schuld gewesen sein.

Sein Wunsch. du bist einem Wunschtraum erlegen.“ „Du meinst.“ „Welchem Wunschtraum?“ fuhr Tini hoch. „Dem heißen Wunsch nach einem handfesten Abenteuer. „Tobbi wird staunen“. „Jetzt wissen wir mit einem Schlag alles. was sie wissen wollten.“ . Und trotzdem . wenn die beiden Lehrer nicht doch noch merkten. Sein Mißtrauen. . Tina machte Tini ein Zeichen. Nein. immer schneller zu arbeiten? Wie ein Sklaven­ treiber. seine Unfreund­ lichkeit — vielleicht haben ihm die Eltern des verunglückten Jungen damals so böse mitgespielt. gebeugten Mann wurde plötzlich ein ganz harter. den Speisesaal zu verlassen. daß er im Kopf nicht ganz richtig ist. als sie im Treppenhaus waren. Es war besser.“ „Was trotzdem? Du siehst so nachdenklich aus. „Ich glaube.“ „Es paßt alles zusammen: unser Gefühl. brutaler Kerl. Weißt du noch. als wenn auf einmal sein wahrer Charakter zum Vorschein käme. Sie hatten alles gehört. Trotzdem ist da etwas an ihm.meinte Herr Hecht lachend. . Das merkwürdige Verhalten unseres Herrn Kastl. meinte Tina. Ich werde das Gefühl nicht los. auch wenn es nicht absichtlich geschehen war. Aus dem niedergeschlagenen. daß er uns nur etwas vorspielt. was mir nicht zu stimmen scheint. wie er uns neulich ange­ trieben hat. allein und ungestört zu sein. was wir her­ ausbekommen wollten. „Weißt du was“.“ „Ja. daß das alles reine Erfindung ist? Sein ganzes trauriges Schicksal?“ Tini zuckte unschlüssig mit den Achseln. daß er jetzt keine Schüler mehr sehen mag oder sich womöglich an ihnen zu rächen versucht. Es war. sagte Tina lachend. daß sie ihr Gespräch belauscht hatten. nein — für mich scheint jetzt alles ganz logisch.

daß ich recht habe?“ fragte Tini lauernd. mit Frau Krull zu sprechen. wo es sich zugetragen hat. Frau Krull gehörte zu den Leuten. die Klassensprecherin. wie Gerüchte entstehen! Es handelte sich nur um einen Jungen. wagte sie sich an das Thema heran. ihr diese Arbeit zu überlassen. von seiner Schuhgröße angefangen über seinen letzten Schnupfen bis hin zu dem Buch. Wir müssen nur herausfinden. daß er früher Lehrer war und seinen Beruf aufgeben mußte. Wir müssen ein bißchen bluffen. Tini überredete Ursel. erkundigte sich nach ihrer Migräne. daß die ganze Geschichte von Herrn Direktor Möller streng geheimgehalten wird. nach ihren Urlaubs­ plänen und nach dem Befinden ihres Sohnes. „Frau Krull“. und der ist beim Schwimmen ertrunken — in Stolzenbüll. Tini plauderte mit ihr über dies und das. „Wie willst du das anstellen?“ „Wenn das mit dem Unglücksfall des Jungen stimmt. Tini senkte ihre Stimme. . die jederzeit zu einem Schwätzchen bereit sind. weil bei einer Bergwanderung mehrere seiner Schüler unter einer Lawine begraben wurden?“ „Welch ein Unsinn! Da kannst du mal wieder sehen.„Und was kriege ich. er wird dir Herrn Kastls Personalakte zur Einsicht geben?“ „Natürlich nicht.“ Noch am gleichen Tag ergab sich eine Gelegenheit. alles erfahren hatte.“ „Aber du weißt doch. „darf ich Sie mal was fragen? In unserer Klasse wird soviel geredet — über den Gärtner. wenn ich dir beweise. Frau Krull freute sich. Für den Deutschunterricht sollte eine Kurzgeschichte vervielfältigt werden. das ihr so am Herzen lag. Als Tini. einmal wieder von ihrem Sohn reden zu dürfen. dann muß es doch in den Zeitungen gestanden haben. Aber vielleicht können wir von Frau Krull etwas erfahren. Herrn Kastl. und war kaum zu bremsen. der in der Groß­ stadt studierte. das Fotokopiergerät stand im Büro bei Frau Krull. das er gerade las. Stimmt es. ohne Mühe. Glaubst du.

vierzig Exemplare. murmelte Frau Krull.“ Tausend Dank! hätte Tini beinahe gesagt. „Armer Herr Kastl. sagte Tini und zog das letzte Blatt aus dem Kopiergerät. Das hat alle neugierig gemacht“. aber er hat sich die Sache so zu Herzen genommen. dabei kenne ich mich dort oben recht gut aus.“ „Es ist mir unbegreiflich. sagte sie statt dessen mit betrübtem Gesicht. daß es in Stolzenbüll eine Zeitung gab.“ „Ich auch nicht. Sie habe die Absicht.“ „Natürlich nicht. meinte Frau Krull. Und Herr Kastl war Lehrer dort?“ „Ja. Im „Stolzenbüller Stadtanzeiger“ schien es ziemlich ruhig zuzugehen. wie überhaupt so etwas durchsickern konnte“. „So. daß . es ist unglaublich. Sie konnte das Wort gerade noch zurückhalten. weil Herr Direktor Möller in seiner Ansprache etwas von dem schweren Schicksal Herrn Kastls erwähnte. er hätte lieber den Mund halten sollen“. in dem sie den Chef­ redakteur bat. „Es sollte doch streng geheim bleiben!“ „Vielleicht. ich bin fertig. wie schnell häßliche Gerüchte entstehen“.“ „Ja. und Tini verabschiedete sich. „Sie haben recht. das dürfte reichen. Noch am gleichen Tag erfuhren sie durch die Auskunft. den „Stolzenbüller Stadt­ anzeiger“. einen warnenden Artikel in der Schülerzeitung zu schreiben und hätte durch Zufall von dem tragischen Tod des Schülers aus Herrn Kastls Klasse gehört. Herr Kastl war völlig un­ schuldig an dem Unfall. ihr bei der Suche nach Material über Schüler­ unfälle bei Klassenausflügen zu helfen. jedenfalls kam die Antwort schon nach wenigen Tagen: . „Stolzenbüll? Den Namen habe ich noch nie gehört. Aber man kann nicht alle Ortsnamen im Kopf haben.einem kleinen Ort an der Nordsee. Tini setzte einen Brief auf. an der Hauptschule. .

Sozusagen nach Maß für Herrn Direktor Möller. Wir bedauern. es hat sich nur in einem anderen Ort abge­ spielt?“ „Ich glaube etwas ganz anderes: Unser lieber Herr Kastl hatte Gelegenheit. daß Sie die Absicht haben. „Nicht zu fassen! Die ganze Geschichte ist also erfunden. In den letzten zwanzig Jahren ist in Stolzenbüll kein Schüler irgendeiner Schule bei einem Ausflug oder bei anderen Gelegenheiten ums Leben gekommen. Und die traurige Ge­ schichte hat er als kleine Beilage dazu erfunden. liebe Tini. „Na. ist hier völlig unbekannt. in Ihrer Schulzeitung über ein so wichtiges Thema zu schreiben. daß man Sie falsch informiert hat und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit. Auch der Name des Lehrers. ich halte viel von deiner Kombinationsgabe. aber gehst du da nicht ein bißchen zu weit? Das sind doch alles reine Vermutungen!“ 4 7806-8 . „Du weißt. ein paar Briefbögen mit dem Briefkopf der Stolzenbüller Schule an sich zu bringen — samt Stempel — und hat sich seine guten Zeugnisse selber geschrieben. was sagst du jetzt?“ fragte Tini und hielt Tina trium­ phierend den Brief unter die Nase. Oder glaubst du. Leider können wir Ihnen mit dem gewünschten Material nicht dienen.Sehr geehrtes Fräulein Paulsen! Es freut uns sehr zu hören. den Sie anführen.“ Tobbi legte den Kopf schief und sah Tini zweifelnd an.

sagte sie leise. einzusammeln und aufzu­ schichten. die Notenblätter. daß der Gärtner sich hier eingeschlichen hat und etwas im Schilde führt!“ „Die wir durch Beweise erhärten müssen. weil er irgend etwas im Schilde führt. . gewiß!“ „Darf ich mal ganz dumm fragen?“ Tina stützte das Kinn auf beide Fäuste und sah die Freundin von unten herauf an. Ich weiß nur noch nicht. was.„Ich will beweisen. die noch auf den Pulten lagen.“ „Und was macht dich so sicher?“ bohrte Tobbi weiter.“ „Sondern?“ „Sondern jemand. „Was willst du eigentlich beweisen?“ Sie waren allein im Musikzimmer. Tini begann schweigend. Schließlich drehte sie sich um. „Ich will beweisen“. der sich hier eingeschlichen hat. wo eben eine Chorprobe stattgefunden hatte. „daß Herr Kastl nicht Herr Kastl heißt und weder Gärtner noch Lehrer ist.

immer noch nicht überzeugt. . es ist mehr so ein Gefühl. es ist.“ „Hm. Das heißt. daß . als ob ich in einem dunklen Zimmer stehe. Tina stand entschlossen auf. die mich stutzig machen. So viele Kleinigkeiten. Und wie willst du es sehen?“ Tini grinste verschmitzt.“ „Also gut“. sein — sein Benehmen — ach.“ „Und wo wollt ihr eure Beweise suchen?“ fragte Tobbi. und die anderen sehen sich in seiner Klause um. „Wißt ihr. . daß Herr Kastl ein armer.Tini legte den Stapel Notenblätter klatschend auf den Klavierdeckel.“ Tini lächelte die beiden Freunde unsicher an. als wir das Erdreich für das Fundament aushoben. Seine Versuche. aber ich kann es nicht sehen. Der merk­ würdige Professor. „Vielleicht könnten wir in der Nähe vorbeirennen. ob sie etwas Verdächtiges finden. das hört sich ja direkt spannend an. Wir müssen einen Augenblick abpassen. in dem Herr Kastl anderweitig beschäftigt ist. “ Tina legte den Zeigefinger an die Nasenspitze und dachte nach. uns von dem Gewächshaus fernzuhalten. „Ich ahne schon.“ Tobbi grinste bis über beide Ohren. „verschaffen wir uns Beweise. „Indem ich es beleuchte. Genau gesagt: indem ich mir die Beweise verschaffe. ich fühle es. Ich ahne. „Da gibt es nur einen Platz. Einer von uns muß Herrn Kastl weglocken. ich würde zu Boden stürzen und schreien. ich kann es auch nicht sagen. unschuldiger Irrer ist. was alles darin ist. sein Heiligtum abzuschließen?“ „Hm . in dem ich nie vorher war. und sei es nur der Beweis. „Ich weiß nicht — eine ganze Reihe von Dingen. . was das heißt. Das neue Treibhaus. Herrn Kastls Verhalten neulich. daß er vergißt. Aber wie locken wir ihn so schnell weg. .

den er ständig mit sich herumschleppt. .“ Tini holte ihren Fotoapparat. ob er dir einen seiner Azaleen­ töpfe verkauft.“ „Das wäre schon mehr als ein glücklicher Zufall. Da ich wenig Zeit haben werde. und in der Zeit muß Tini sich ins Treibhaus schleichen und sich umsehen. um diese Zeit brüten alle über ihren Hausaufgaben. Dann . kann ich ihn vielleicht fotografieren. hört sich glaubwürdig an. Du müßtest Herrn Kastl zu Hilfe holen. leicht zu be­ dienende Kamera.“ „Dem Bauplan der Gartenanlage?“ „Ja. die er neuerdings dort stehen hat. um ihn etwas Dringendes zu fragen.“ „Was zum Beispiel?“ „Nun.“ „Das ist ziemlich gewagt“. „Es ist nur so eine Vermutung — aber ich glaube.“ „Wozu denn das?“ fragte Tina erstaunt. .“ „Okay.“ „Wartet! Ich hole schnell noch meinen Fotoapparat her­ unter. du hättest ihn gesucht. hat nicht jemand in den nächsten Tagen Geburtstag? Du könntest ihn fragen wollen.“ „Das könnte funktionieren. Aber ver­ suchen können wir’s ja.“ Tini seufzte einmal tief auf. Falls er ihn nicht bei sich h a t . daß du es hörst. daß Herrn Kastls Geheimnis etwas mit dem Plan zu tun hat. „Versuchen wir’s gleich jetzt? Es wird kaum jemand draußen sein. „was ist. dann reckte sie sich und schaute die anderen beiden an. statt ihn zu studieren.ich nicht mehr auftreten kann. Du mußt eben sagen. wenn er dich ins Gewächshaus bringt und findet mich dort vor?“ „Ich werde so laut heulen. die in ihrer Jackentasche Platz fand. eine winzige. Tini spürte ein leises Flattern in der Magengrube.

ich sehe seinen Kopf über dem Arbeitstisch. „Meine Schwester! Schnell! Es ist etwas Furchtbares passiert. Schleich dich bis in die Nähe der Tür. Tina schrie laut auf. Drückt mir die Daumen. wie sie sich hinter der Tanne postierte und den Eingang beobachtete. nahm einen Anlauf und ließ sich aus dem Sprung fallen. Jetzt war Tina auf der anderen Seite des Treibhauses ange­ langt. Tini. toi. Tini hörte die Freundin heftig schluchzen. „Alle Achtung!“ flüsterte Tini angesichts solcher Opfer­ bereitschaft. Dort hinter der Tanne ist ein guter Platz. Und kneif deine Schwester tüchtig. Die hatte vielleicht eine schauspielerische Begabung! Jetzt kam Tobbi um die Ecke und stürzte in Herrn Kastls Arbeitsraum. „Er ist drinnen. machte einen weiten Bogen um das Gewächshaus und kam von der anderen Seite wieder näher heran. „Du bist gemein!“ jammerte sie atemlos. und Tobbi beugte sich zu ihr hinunter. Tobbi schob sich an dem brüchigen Gemäuer entlang bis zur Ecke vor und sah zum Treibhaus hinüber. Er scheint irgendwas zu schreiben. . „Hör auf. als verfolge er sie. damit ihr das Schreien und Heulen leichter fällt. Toi. von dort aus kannst du uns ein Zeichen geben. helfen Sie mir!“ hörte Tini ihn stammeln. „Jetzt! Sie winkt uns zu!“ Tina rannte in großen Sprüngen vor Tobbi her und tat. Tina und Tobbi beobachteten.starteten sie ihren Erkundungsgang. wann wir los­ rennen sollen.“ Tini lief im Schutze der Bäume davon. laß mich in Ruhe!“ Tini konnte sehen. toi!“ „Ich kann’s brauchen. Bitte. Bis zum Pulverturm gingen sie gemeinsam. wie Herr Kastl von seiner Arbeit aufsah und ärgerlich den Kopf schüttelte.

Tobbi mußte eine ganze Weile auf Herrn Kastl einreden. um Himmels willen. Dort. Besser. das Treibhaus abzuschließen! Nein. ehe der sich entschloß. wie Tina sich verzweifelt Herrn Kastl an den Hals hängte. wenn er Tini im Treibhaus vorfand. Herrn Kastls Schrank und das Schubfach im Tisch zu untersuchen. Kaum waren sie um die Ecke gebogen. ohne sich die Zeit zu nehmen.Tini ballte unwillkürlich die Fäuste und nahm die Haltung eines Hundertmeterläufers beim Start an. Der Plan auf dem Tisch! Tini riß die Kamera aus der Tasche und fotografierte. in dem Herr Kastl seinen Arbeitstisch hatte. sich aus Tinas Umklammerung zu befreien. an der Wand hing ein zweiter Plan. Draußen hörte sie Tina jammern. war Tini an der Tür und betrat vorsichtig den Raum. Dann sah sie sich um. Durch den Spalt eines geöffneten kleinen Kippfensters konnte sie erkennen. Nein. als hätte deren Gejammer sie angelockt. schlich sich davon und lief im Bogen zum Ort des Geschehens zurück. zur Sicherheit fotografierte sie auch diesen. daß Herr Kastl sofort Verdacht schöpfen würde. Herr Kastl und dicht hinter ihm Tobbi. die Zeich­ nung vorher zu betrachten. War es der gleiche? Na egal. Wie eine Katze glitt Tini durch die Tür. Jetzt nur schnell! Tini sah sich um wie ein Jagdhund. der die Fährte eines Hasen wittert. Schon von weitem rief sie nach der Freundin. da kamen sie. durch die milchigen Scheiben des Glashauses sah Tini undeutlich die drei Gestalten am Boden. Tina spielte ihre Rolle so übertrieben. was ist passiert?“ . „Tina. Hoffentlich nahm er sich nicht erst die Zeit. Tini ließ den Fotoapparat in der Tasche ver­ schwinden und lief ins Glashaus hinüber. mitzukommen. sie brachte sich gleich in Sicherheit. der zum Treibhaus zurückwollte und vergebens versuchte. Draußen wurde Tinas Heulen kläglicher. es hatte keinen Sinn.

„Gott sei Dank!“ flüsterte sie. den er vor sich auf dem Tisch hatte. Sie ist gestürzt und kann nicht mehr auftreten. Die Zeit war einfach zu kurz. wir machen aus unseren Händen einen Sitz für dich. aber noch einen Blick in den Schrank und die Schubfächer zu werfen. statt auf die Vorwürfe ihres Bruders einzugehen. als hätte deine Freundin sich verletzt. „Jetzt hör auf. „Ich sagte doch schon — in den paar Minuten war das unmög­ lich! Nachdem Tina sich so auffallend benahm. Am Ende kannst du wirklich nicht mehr laufen. dich in deine Rolle so hineinzusteigern. „Ich fürchte. und wir müssen dich die nächsten Wochen ständig tragen!“ knurrte Tobbi. da wird man sich um sie kümmern. „Scheint.“ Herr Kastl beeilte sich. Jetzt müßt ihr mich wegtragen!“ Sie kicherte leise. Ich habe zwar den Bauplan des Gartens fotografiert.Tini nahm die schluchzende Tina in die Arme. „Mir brummt schon der Schädel von deinem Geschrei!“ „Nun erzähl doch mal! Hattest du Erfolg?“ sagte Tina. Aber nur bis zum Pulver­ turm. Tina schniefte noch einmal heftig hinter ihm her und stöhnte abgrundtief. keinen Schritt weiter!“ Tobbi und Tini nahmen Tina in die Mitte und hoben sie hoch. wollte ich mich . Tini schüttelte mißmutig den Kopf.“ „Hast du wenigstens den Fußboden untersucht? Ob er unten hohl ist oder ob ein Versteck unter den Brettern sein könnte?“ fragte Tobbi drängend. nein. Bringt sie zum Schloß rüber. Stolpernd schleppten sie sie fort. und Herr Kastl schüttelte sich erleichtert. und Tina jammerte bei jedem Stoß heftig auf. „Leg deine Arme um unsere Schultern. davonzukommen. dazu bin ich gar nicht gekommen. „Viel länger hätte ich nicht mehr durchgehalten.

was aus der armen Verletzten geworden ist“. was sie mit diesem Unter­ nehmen bezweckte. Wir treffen uns später drüben im Schloß. Tini und Tobbi hatten gerade noch Zeit. ihr Versagen von vorhin wiedergutzumachen.“ Tini hätte nicht sagen können. Jetzt kam er den Weg zum Pulverturm herauf. Wir sind so schlau wie vorher. Mit angehaltenem Atem drückten sie sich so flach wie möglich hinter die schützende Mauer und verfolgten. „Der? Dem ist das doch völlig Wurscht!“ zischte Tini. Sie hatte nur den heißen Wunsch. das sein Geheimnis lüften half.“ „Auffallend! Wo ich mir die Seele aus dem Leib gespielt habe! Ich habe ja fast schon selbst an meinen Unfall geglaubt!“ „Also nichts. Was versprichst du dir davon? Du hättest lieber gleich den Fußboden untersuchen sollen — oder einen Blick in den Schrank werfen! Mist! Die ganze Mühe umsonst!“ „Pst! Versteckt euch! Da kommt er!“ zischte Tina den anderen zu. „Wahrscheinlich will er zum Schloß hinüber und sehen. sich hinter einem Steinhaufen zu verbergen.ich schleiche ihm nach. flüsterte Tina kichernd. Wartet . Sie waren so vertieft gewesen. „Da! Er geht zum alten Speicher hinüber. daß sie gar nicht bemerkt hatten. Tina. Er hätte sofort Verdacht geschöpft. und sie ertappte Herrn Kastl bei irgend etwas. als sie auf­ sprang und davonging.nicht von ihm da drin überraschen lassen. wie Herr Kastl sein Gewächshaus verlassen und die Tür sorgfältig abgeschlossen hatte. Vielleicht war ihr das Glück hold. Was nützen uns schon ein paar Aufnahmen von dem Bauplan der Gartenanlage. . wie Herr Kastl am Pulverturm vorbei­ ging. „Laß mich das doch machen!“ rief Tobbi ihr nach.

hob eine alte Kuhkette und ein paar verrostete Metallteile hoch. und ließ blitzschnell etwas aus seiner Tasche in den Kasten gleiten. Tini wich zur Seite und spähte durch die Zweige der Tanne. sah sich noch einmal um und ging in die andere Richtung davon. als wolle sie zum alten Pferdestall hinüber. wenn Herr Kastl einmal stehenblieb und zurückschaute. daß Tini sich da bloß was einredet. die Tini nicht erkennen konnte. daß du nicht bei deiner schwer verletzten Schwester geblieben bist. Am Geräteschuppen hielt Herr Kastl an und sah sich um. hinter Büschen versteckt.“ „Sie hat recht. Ein paar unbrauchbar ge­ wordene Landmaschinen standen noch dort. Herrn Kastl zu folgen. Dann packte er alles wieder so h i n . Der Gärtner ging am Speicher vorbei. Es würde ihm komisch vorkommen. Tobbi. die Pflüge und Eggen gelagert. kein Mensch küm­ merte sich darum. außerhalb der Wirtschaftsgebäude lag. dann komm. Tini hatte es nicht schwer. das ihr jederzeit Schutz bot. Hier wurden in früheren Zeiten. in den Geräteschuppen zu . wie es vorher gelegen hatte. der etwas abseits. Er würde sich wundern. jedenfalls trat er ent­ schlossen auf eine der alten Maschinen zu. Dabei ließ sie Herrn Kastl nicht aus den Augen. Herr Kastl schien schon öfter im Geräteschuppen gewesen zu sein. hinter der sie sich versteckt hielt. als Schloß Bergheim noch Gutshof war.„Dich hat er gerade unten gesehen. entfernte ein paar alte Säcke.“ „Na. ehe sie wagte. Der Weg verlief in Schlangenlinien und war von dichtem Buschwerk umgeben. wenn du ihm jetzt schon wieder über den Weg läufst. in dem sich jetzt die Turnhalle des Landschulheims befand. Wenn ich ehrlich sein soll: Ich glaube immer noch. sah sich lauernd um und schlug dann den Weg zum Geräteschuppen ein.“ Tini tat. Tini wartete lange. öffnete einen darunter befindlichen Kasten.

Ja. daß niemand sie beob­ achtete. da waren die alten Säcke und darunter der Werkzeugkasten. in die Nähe der alten Maschinen zu gehen oder etwa daran herumzuspielen — was viele der Jungen gern getan hätten. . Tini öffnete ihn mit vor Aufregung zitternden Fingern.Was mochte Herr Kastl hier versteckt haben? schleichen. zerknitterte Plastiktüte mit Putzlappen. Es war den Schülern des Landschulheims bei strengen Strafen verboten. Als Tini sicher war. Sie schob die verrostete Kette und das alte Werkzeug beiseite. da stutzte sie. Was mochte Herr Kastl hier versteckt haben? Sie konnte nichts Ungewöhnliches entdecken. wie man sie zum Reinigen von öligen Maschinenteilen benutzte. Tini wollte sie schon beiseite werfen. Zwischen dem Werkzeug lag eine leicht angeschmutzte. lief sie zu der Stelle. an der eben noch Herr Kastl gestanden hatte.

„Meine Lieben — das erfordert eine eingehende Beratung“. „Er war in einer Kiste versteckt und mausetot. sagte Tobbi. „Na? Irgendwelche neuen Erkenntnisse?“ In Tobbis Stimme klang leiser Spott mit. Tina und Tobbi hörten atemlos zu. . aber es hätte Herrn Kastl gewiß mißtrauisch gemacht.Wieso war dieses wollige Zeug so sauber? In all diesem Schmutz hätte es doch ölig und verschmiert sein müssen! Vor­ sichtig zog sie an den weißen Fäden und hielt plötzlich ein feines Netz in der Hand. von dem bedauernswerten Professor Unglaub war nicht mehr sehr viel übrig — er hatte sich bereits in Luft aufgelöst.“ Tini erzählte ihr Erlebnis in allen Einzelheiten. antwortete Tini schmun­ zelnd. „Ich habe den armen alten Professor gefunden“. mach’s nicht so spannend“. ich muß mich dringend an meine Hausar­ beiten machen — und ihr vermutlich auch. wenn er Perücke und Bart nicht in ihrem Versteck fand. was ich gefunden habe.“ „Bist du verrückt?“ „Du hast was? Willst du uns verschaukeln?“ Tina und Tobbi schrien zu gleicher Zeit los. „Nun. „Leider haben wir jetzt keine Zeit dazu. als Tini geendet hatte. genau gesagt. drängte Tina. „Wenn ihr hört. Ein Netz mit langen weißen Haaren! Eine Perücke! Und da war noch etwas — ein falscher Bart. Nur den Bart und die — Perücke hatte er zurückgelassen. als er Tini begrüßte. falls er danach suchte. kriegt ihr den Mund nicht mehr zu vor Staunen!“ „Nun red schon. was sie da eben entdeckt hatte. sagte Tini geheimnisvoll. sagte Tina entsetzt. „Ich kann mich nicht beklagen“. Sie hätte ihren Fund gern Tina und Tobbi gezeigt. Hastig versteckte Tini. Und beides kam Tini bekannt vor.“ „Du sagst es! In einer dreiviertel Stunde läutet es zum Abendessen“.

zu welchen Schlüssen uns diese Entdeckung führt — und was wir weiter unternehmen wollen. Was ist in der Kapelle los? „Wo ist Tini?“ „Sie ist schnell ins Dorf gelaufen. fühlte man sich wie in einem Taubennest. Eine zweite. Leider war die Klappe mit einem dicken Vorhängeschloß ver­ . wir gehen nach oben!“ „Sollen wir wirklich?“ „Klar. Durch die schmalen Öffnungen in der dicken Mauer drang schwaches Licht und erhellte den runden kleinen Raum gerade so weit.“ „Komm. daß man erkennen konnte. durch die man zur obersten Plattform gelangen konnte. Da sind wir ungestört. Wenn man einmal oben war. Und oben sind wir ungestört. Sie wird gleich hier sein.“ „Und können vielleicht ein paar neue Beobachtungen machen“. Die aus rohen Fichtenstämmen grob zusammengehauene Leiter schien endlos lang zu sein. kürzere Leiter führte zu einer Klappe. Die Leiter ist fest. „Nun komm schon! Keine Angst!“ Tina sah zu Tobbi hinauf und kletterte ihm nach. Dann werden wir darüber sprechen. ob man sich in frischen Taubendreck setzte oder nur in den zentimeterdicken Staub auf den ausgetretenen Dielen.„Also schlage ich vor: Denkpause bis morgen mittag nach dem Essen. Einverstanden?“ „Okay — morgen mittag auf dem alten Pulverturm.“ Tobbi kletterte Tina voraus. um den Film zum Ent­ wickeln zu bringen. Tina betrachtete sie mißtrauisch. Von dort aus hatte man einen herrlichen Rundblick. fügte Tini hinzu.

Tini war in wenigen Sätzen oben. Im Klettern war sie den anderen immer noch weit voraus. daß man sich dort niedersetzen konnte. maulte Tina. „Stell dich an die Öffnung und paß auf. Tini trat zu einem der Sehschlitze und sah hinaus. den er mit heraufgebracht hatte. „Bloß ein bißchen kühl.“ . „Also dann. „Wir haben unsere neue Behausung für deinen Empfang ge­ putzt.riegelt. Komm rauf!“ rief Tina der Freundin entgegen. und begann. vornehm“.“ Tobbi fegte Staub und Taubendreck auf die Öffnung zu und ließ alles neben der Leiter nach unten fallen. dem von der Putzarbeit heiß geworden war. unsere Sitzung hier oben abzuhalten“. warum so selten einer der Schüler hier heraufkam. aber sie hatten stets sehr bald vor der Kälte. „Eine tolle Idee. eröffnen wir die Sitzung. Das war auch der Grund. „Vornehm. lobte Tini Tobbis Arbeit. Ich will ihr nicht gerade den ganzen Dreck auf den Kopf rieseln lassen. den Schmutz zu­ sammenzukehren. findet ihr nicht?“ „Überhaupt nicht!“ sagte Tobbi entrüstet. der Dunkelheit und dem Schmutz hier oben kapituliert.“ „He! Ihr da oben! Habt ihr euch eingenebelt. Hin und wieder hatten sich Geheim­ klubs gebildet und den Pulverturm zum Ort ihrer Zusammen­ künfte erkoren. Außer einem Stück Himmel und ein paar Baumkronen war nichts zu erkennen. wenn Tini kommt. „Das nächste Mal bringen wir uns ein paar Kissen mit. Tini wandte sich enttäuscht ab. „Nun warte doch ab!“ Tobbi zog einen Handfeger aus einem Plastikbeutel. Dann zog er einen feuchten Lappen aus dem Plastikbeutel und reinigte eine Ecke des Raumes so weit. oder was soll das?“ kam Tinis Stimme von unten.

Tobbi lehnte sich zurück und starrte zur Decke. „Denkt doch mal an die Ähnlichkeit der Stimme! Der Professor sprach nur ein wenig heiserer und gequetschter. Tobbi?“ „Worauf willst du hinaus? Ich weiß es nicht. nein — allein daran hätten wir ihn eigentlich schon erkennen müssen. beantwortete Tina Tinis Frage. sagte Tini. Ich habe keine Ahnung.den er selbst spielt . . begann Tina. da der Professor Herrn Kastl als seinen Neffen eingeführt hat. „Ja.Professor‘ Kastl auffiel?“ „Daß er so schrecklich unfreundlich war“. „daß der schrullige Professor und unser lieber Herr Kastl eine Person sind .“ „Und du. „Und warum war er so unfreundlich?“ „Woher soll ich das wissen?“ „Na denk mal nach — vielleicht kommst du drauf!“ drängte Tini. laßt uns methodisch vorgehen. stoßweise Lachen! Nein. . Herr Kastl schleicht sich also auf Grund der Emp­ fehlung des Professors .“ . „Es scheint also sicher zu sein“.und mit vermut­ lich gefälschten Papieren und einer herzzerreißenden Geschichte hier ein. was uns an . warf Tobbi ein.“ „Kinder.Tobbi breitete ritterlich seine Jacke auf dem Boden aus und ließ die Mädchen rechts und links von sich darauf Platz nehmen. warum? Das ist die Frage. „Keine Ahnung.“ „Oder daß der Professor ein verkleideter Kumpel unseres ver­ rückten Gärtners ist“.“ „Schön. Aber ich habe das einfach für Familienähnlichkeiten gehalten. „Das glaube ich nicht“. Und dann das meckernde. Was war das erste. Warum?“ Tina schaute fragend von einem zum anderen.

daß da ein Zusammenhang besteht?“ „Bin ich gar nicht. Erst als ich gestern die Perücke fand. wie wir dem Professor zum erstenmal begegnet sind. Wir kommen in die Bibliothek hinauf und suchen aus einem Regal Bücher heraus. Hast du denn damals in der Bibliothek erkennen können. Es war nur . eine alte Karte! — oder so ähnlich. sollten wir um keinen Preis sehen. Ein aufgeschlagenes Buch. „Na?“ „Weil auf dem Pult etwas lag.„Ruf dir doch einmal ins Gedächtnis. „Deine Genialität er­ reicht einen neuen Höhepunkt. Weiß der Teufel warum“. daß es klatschte und über ihnen ein paar Tauben erschrocken hoch­ flatterten. daß Herr Kastl sich auf Schritt und Tritt mit seinem Plan be­ schäftigt. Ich weiß nämlich warum. sagte Tina.“ Tina schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn.“ Tini schaute die Freunde erwartungsvoll an. um was für einen Plan es sich handelte?“ „Eben nicht. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher.“ „Da schießt plötzlich wie der Geist aus der Flasche der alte Weihnachtsmann auf uns zu und meckert uns an. ehrlich gesagt. um es mir anzusehen. Und da . Deshalb wolltest du den Bauplan des Gartens unbedingt fotografieren! Aber wie bist du darauf gekommen. Daraufhin stürzte unser Weihnachtsmann aus seinem Versteck. kam mir die Idee. „Dann heiße ich ab heute Teufel. Und was dort aufgeschlagen war. Tini!“ lobte Tobbi. daß da ein Zusammenhang bestehen könnte. Du sagtest laut: Schau mal her.“ „Alle Achtung. uns so schnell wie möglich loszuwerden. . Deshalb riß Professor Weihnachtsmann die Bücher an sich und versuchte. Mir war bloß aufgefallen.. Ich nehme eines der Bücher mit zu dem Pult am Fenster. „Ich Trottel! Natürlich! Der Plan.

das er für teures Geld an Museen weiterverkaufen kann.“ „Hm. das Gewächshaus unbedingt an dieser Stelle errichten zu lassen. Ich erinnere mich an das Wort . wie hastig er sich neulich nach einem Stück Kaugummipapier gebückt hat — und es dann ärgerlich wieder fortwarf?“ „Ja.“ „Was um Himmels willen kann eine römische Siedlung mit unserem Schulgarten zu tun haben?“ fragte Tina. ein paar Vasen oder Geschirr und Trinkgefäße zu finden oder auch Waffen — irgendwas. weil er dort etwas sucht.ein flüchtiger Eindruck. meinte Tina. daß Herr Direktor Möller bei seiner Ansprache in der Aula sagte. Aber es schien sich um eine römische Siedlung zu handeln. „Überleg doch mal: Warum mußten wir das Fundament für das neue Gewächshaus so tief ausheben? Und warum wurde Herr Kastl so wütend. „Du meinst. „Erinnert ihr euch.“ .“ „Eine römische Siedlung?“ „Ja. Außerdem war von einem Tempel die Rede.Kastell‘. hätte sich aber den Argumenten des Fachmanns beugen müssen?“ „Stimmt! Herr Kastl hat ihn also überredet. es liegt etwas unter dem Gewächshaus in der Erde? Alte Mauerreste oder so?“ „Da fällt mir etwas ein!“ rief Tobbi aus. und dabei so großartig von Umweltverschmutzung redete! Und ob mir das aufgefallen ist!“ sagte Tini lachend. er glaubte. eine Münze gefunden zu haben? Schon möglich. „Aber vielleicht Münzen? Ist euch nicht aufgefallen. er hätte den Schulgarten lieber an einer anderen Stelle gehabt. Vielleicht hofft er aber auch einfach. Aber was? Alte Mauerreste?“ „Wohl kaum“. als ein paar der Jungen wild drauflos­ hackten?“ „Du meinst.

„Wie geht es nun weiter?“ fragte Tina. was wir vermuten. Also scheint man doch nichts davon zu 5 7806-8 . daß wir die ganze Bibliothek nach dem Buch durchsuchen. „Ein geheizter Tagungsort wäre mir lieber.“ „Gute Idee. „Du willst wirklich. Allenfalls noch in der Familiengeschichte der Grafen von Bergheim. sagte Tobbi. sagte Tobbi. „Man hat uns doch immer erzählt. Irgendeiner stöbert einen immer auf. „Wir brauchen Beweise. Aber drüben im Schloß hat man ja doch nirgends Ruhe. für das.„Warum klapperst du dabei so mit den Zähnen?“ „Ich friere“. Und die lieben Mitschüler sind so schrecklich neugierig. als sie an der Kastanie angelangt waren und Atem schöpften. „Laß uns rüber zur alten Kapelle laufen.“ „Wie wär’s mit einem Spaziergang? Wir laufen uns tüchtig warm“. aus dem der Plan stammt? Da brauchen wir ja Monate!“ sagte Tina entsetzt. Kein Wort von einer früheren Anlage. schlug Tina vor.“ „Eines verstehe ich nicht“. schlug Tini vor. „O nein!“ Tina und Tini riefen es zugleich aus. „Dabei können wir uns weiter unter­ halten. „Wer zuerst an der Kastanie ist!“ Tobbi rannte los. Schloß Bergheim wäre erst im vierzehnten Jahrhundert erbaut worden. Ich war so lange nicht dort“. als sie heil unten angekommen waren. Das Versteck hier oben ist doch nur was für Außentemperaturen von dreißig Grad im Schatten.“ „Welchen Weg wollen wir nehmen?“ fragte Tina. meinte Tini nachdenklich. die sich mit römischer Geschichte befassen. Die beiden Mädchen setzten in großen Sprüngen hinter ihm her. „Unsinn — wir brauchen ja nur in den Büchern zu suchen. Und einen dieser Beweise finden wir vermutlich in der Bibliothek“. als hätte jemand hinter ihm einen Knallfrosch losgelassen.

seht euch das an! Ich glaube. wahr­ scheinlich der Angestellten oder entfernter Familienange­ höriger. Aber wieso weiß dann Herr Kastl etwas darüber und sucht in unserer Bibliothek danach?“ „Nun — vielleicht hat er nur nach einem fehlenden Teilstück gesucht? Einem Hinweis über die genaue Lage? Vielleicht hat er sich sein Wissen aus mehreren Quellen zusammengetra­ gen?“ „Dann können wir lange vergeblich in der Bibliothek nach einem Hinweis suchen. die auf einer kleinen Anhöhe zwischen hohen Buchen lag und seit Jahren nicht mehr benutzt wurde. „Wie ist das möglich? Die Tür ist doch verriegelt?“ sagte Tina verblüfft. „He. Hinter der zerfallenen Kirchhofs­ mauer gab es einen kleinen Friedhof mit der Familiengruft der Grafen von Bergheim und einer Reihe anderer Gräber. „Auch verschlossen! Das gibt’s doch gar nicht!“ sagte Tobbi kopfschüttelnd.wissen. Sehen wir doch mal nach!“ schlug Tini vor. Um so erstaunter waren Tina. als sie von drinnen Klopfgeräusche vernahmen. Die Kapelle war normalerweise verschlossen.“ Sie waren an der alten Kapelle angekommen. Tini und Tobbi. die zur Sakristei führte. kratzenden Geräusch gewichen. „Vielleicht läßt man die alte Kapelle renovieren ?“ Sie gingen um die Kirche herum bis zu der windschiefen kleinen Tür. die von der ruhmreichen Geschichte der Grafen­ familie berichteten. „Vielleicht ist jemand durch die Sakristei hineingekommen. „Pssst! Hört doch mal!“ Das Klopfen war einem scharfen. Auch die Kapelle selbst war rundum mit Grabplatten versehen. da will jemand nicht .

ob es stimmt.gestört werden. . „Kirchendiebe! Sicher wollen sie die Altarbilder klauen! Oder die Madonna — sie muß wahnsinnig kostbar sein!“ flüsterte Tina. ich klettere aufs Dach der Sakristei und Woher kamen die Klopfgeräusche? Die alte Kapelle war doch verschlossen. „Wartet hier. Das wäre eine schöne Blamage für uns“. Tina. und ein Windzug hatte den Spalt vergrößert. Es war angelehnt gewesen. sagte Tobbi. die da drinnen herumjagen. Tini und Tobbi sahen sich an. Am Ende sind es bloß ein paar liebestolle Katzen.“ Tina wies auf ein halb offenstehendes Fenster neben der Tür zur Sakristei. „Wir müssen die Polizei verständigen!“ „Erst müssen wir uns mal vergewissern.

daß ich gerade in dem Augenblick hineinschaute. Tobbi starrte wie gebannt in den Innenraum der Kapelle. „Was siehst du?“ zischte Tina. Von drinnen hörte man deutlich Klopfgeräusche. pfeife ich. „Es war unser Freund“. aber Tobbi winkte nur ab und beobachtete mit einem Ausdruck höchster Spannung. als es ihm gelang. ich paß schon auf. was ich da eben gesehen habe!“ sagte er. Und nun stellt euch vor. und in seiner Stimme schwang unverhohlener Triumph. Versteckt euch in der Nähe.“ Tobbi kletterte mit Hilfe der Mädchen aufs Dach der Sakri­ stei. was da drinnen in der Kirche vor sich ging. erzählte er. was passiert ist: Er ist auf einer Leiter in die Tiefe gestiegen . muß eine gewaltige An­ strengung gewesen sein. dann zogen sich Tina und Tini hinter die Mauer zurück und beobachteten Tobbi. „Wenn es wirklich Diebe sind. die aus der Richtung des Altars zu kommen schienen. dann sind sie vielleicht zu allem fähig!“ „Keine Sorge. hielt Tobbi an. die Platte zur Seite zu schieben. Wenn ich eure Hilfe brauche. Er hat eine der Grab­ platten hinter dem Altar angehoben. okay?“ „Bitte sei vorsichtig!“ jammerte Tina. „Das glaubt ihr nicht. Ein glücklicher Zufall hat es gewollt. „Der liebe Herr Kastl — mit Spitzhacke und Spaten bewaffnet.schaue durch eines der oberen Fenster. Endlich richtete er sich auf und sprang von seinem Beob­ achtungsposten herunter. „Was denn?“ „Nun sag schon!“ „Kommt erst weg von hier!“ Sie rannten ein Stück weit den Weg zurück. wie er sich langsam an das Fenster heranschob. Als sie außer Sicht waren. vorsichtig mit dem Finger den Schmutz von der Scheibe wischte und — die Hände an die Schläfen gelegt — ins Innere der Kirche schaute.

bis wir schwarz werden. sagte Tobbi. maulte Tina. meinte Tini. um niemanden mißtrauisch zu machen. auf jeden Fall besitzt er Pläne.. und wir können hier suchen. Und diesen Vorsprung will er ausnützen und alles an sich bringen.und verschwunden! Ich habe noch eine Weile gewartet.“ „Das glaube ich nicht“. und schon ist er uns entkommen! Ich will dir sagen.“ „Und wenn er die Seite herausgerissen hat?“ fragte Tini. in die Tiefe zu kommen“. daß wir wissen. was sich zu Geld machen läßt“. . „Wozu brauchen wir den Plan überhaupt“. „Bestimmt hat er den Plan nur kopiert und das Buch ins Regal zurückgestellt. . sagte Tobbi in belehrendem . warum wir den Plan brauchen“.“ „Sagenhaft!“ Tina glühte vor Eifer und Begeisterung. Wir brauchen uns nur an seine Fersen zu heften und . stöhnte Tina und stellte einen Band über Cäsars Siege ins Regal zurück. Bis wir das Buch gefunden haben. aber er blieb unten. „Und was heißt das?“ „Wir müssen schneller sein!“ Eifrige Leseratten „Hast du was?“ „Nichts. „Nun. daß das ganze Gebiet unter uns mit Gängen und unterirdischen Gebäuden durchzogen ist. sagte Tobbi. ist Herr Kastl mit seinen römischen Schätzen über alle Berge“.“ „. „Es genügt doch völlig. „Sicher hat er das Buch geklaut. . Eine unentdeckte Stadt!“ „Ob das wirklich so ist? Vielleicht versucht er nur an ver­ schiedenen Stellen. „Stellt euch vor. was er vorhat. die vor ihm noch nie­ mand zu Gesicht bekommen hat.

Also machen wir jetzt Pause und reden erst mal mit den anderen. „Ich möchte Sie ja . meinte Tobbi.“ Tobbi schloß die Tür zur Bibliothek ab und brachte den Schlüssel zu Frau Krull. ich weiß“. mit sämtlichem Zubehör!“ „Igitt. „Sie können ganz nach Ihrem Belieben schalten und walten. „Hast du nicht gefunden. bevor Herr Kastl auch nur eine Münze geklaut hat. was du suchtest?“ fragte Frau Krull und sah auf seine leeren Hände.“ Tina rümpfte die Nase. was ich denke?“ sagte Tini und legte seufzend einen weiteren Band römischer Geschichte zur Seite. um selber an einer Stelle zu bud­ deln. wenn wir bald mit dem Unterricht beginnen könnten — wenigstens an den Freibeeten.“ Gerade als Tobbi gehen wollte. wenn es soweit ist. „Ich würde mich nur freuen. kam Herr Kastl aus dem Zimmer des Direktors. Monika zum Beispiel und Kai. „Tini hat recht“.“ „Wißt ihr. noch nicht ganz das Richtige. „Wir brauchen ihn. sagte Herr Kastl unterwürfig. „Wir sollten uns Helfer engagieren. „Nein. „Wir werden ohnehin Hilfe brauchen. Allein schaffen wir das nie! Wir sitzen hier oben und lesen und lesen. an der wir auf Reste der römischen Siedlung treffen — wenn es überhaupt eine gibt und Herr Kastl sich das nicht nur einbildet. sagte Herr Direktor Möller gerade. Und noch jemanden aus deiner Klasse. ich werde es morgen noch mal versuchen.“ „Ich werde tun.“ „Ich weiß. Dann können wir mit unserer Entdeckung zum Direktor gehen und die Geschichte öffentlich bekanntmachen. und inzwischen gräbt Herr Kastl eine ganze römische Armee aus.Tonfall. Tobbi. lieber Herr Kastl“. sagte der Direktor. was ich kann“. Muß mir ein paar Sachen aus verschie­ denen Büchern herausschreiben. „Es dauert eben alles seine Zeit.

der schnell und gewandt war wie ein Wiesel und für einen Detektiv auch sonst ein paar hervorragende Eigenschaften mitbrachte. Tina und Tini hatten inzwischen mit Kai und Moni gesprochen und auf deren Vorschlag auch Ursel eingeweiht.“ . der dicke Rudi und der kleine Pit. mit der der ver­ kleidete Herr Kastl es an sich riß. „Hast du die Tür von innen verschlossen. Sicher ist sicher. sagte Tini und rückte ihre Brille zurecht. fortan bewegte sie sich in Gedanken nur noch in römischen Tempeln oder Amphitheatern. als sich alle am nächsten Tag in der Bibliothek versammelt hatten.“ „Nun ja. nach dem er seine Aus­ grabungen macht. hier in der Bibliothek das Buch zu finden. Tina?“ „Klar. begann Tobbi. Wir brauchen nämlich auch noch Zeit. Und die Hast. Tobbi zog noch drei Jungen aus seiner Klasse hinzu. Die drei waren Feuer und Flamme bei dem Gedanken. Tini — du als Chefdenker hast das Wort.“ Nein. bloß nicht! dachte Tobbi.auch nicht drängen. Herrn Kastl zuvorzukommen und die Reste der römischen Siedlung selbst auszugraben. umgeben von einer Schar schöner Sklavinnen. ihr Schalen mit Obst und Kuchen reichten und Geschenke ihrer Verehrer über­ brachten. läßt darauf schließen. Monis Begeisterung für Latein stieg sprunghaft wie das Fieber einer Grippekranken. ihr wißt ja alle. „Ich eröffne unsere erste Sitzung und begrüße die neuen Mitglieder unserer Mannschaft“. das ich damals auf dem Pult gesehen habe — es war der Plan einer römischen Siedlung abgebildet. daß es sich wirklich um den Plan handelt. worum es geht“. die Harfe spielend um sie herumwallten. es waren Uli. „Zunächst mal wollen wir ver­ suchen.“ „Gut.

„Vier von euch gehen auf die Suche — und zwar systematisch. In einer Stunde lösen wir euch ab — wenn ihr bis dahin noch nichts gefunden habt. Er muß hinter dem Regal dort gestanden haben — und dahin ist er nachher auch wieder gegangen. Ja.“ „Und das Format? Normal? Groß?“ fragte Uli. „Leider nein — ich bilde mir ein. es muß in der Mitte des Buches gewesen sein — wenn ich es mir so überlege . es war grün — dunkelgrün. Freunde. .“ „Fällt dir sonst noch irgendwas ein?“ „Nein. ermun­ terte Tobbi seine Mannschaft.“ „Auf welcher Seite befand sich der Plan denn? Rechts oder links?“ „Er ging über beide Seiten. die Größe eines Albums. Kai und Rudi. Die anderen machen sich an die Hausaufgaben.“ „Also los. „Größer als normal — so ungefähr.“ „Wo ungefähr war es aufgeschlagen? In der Mitte? Hinten? Vorne? Konntest du das sehen?“ erkundigte sich Moni. Tina und Tini zeigten den beiden anderen.“ Zur ersten Schicht gehörten Tina und Tini. „Wir sollten auch bedenken. Buch für Buch. das weiß ich sicher.„Wie sah das Buch von außen aus? Kannst du dich an die Farbe des Einbandes erinnern?“ fragte Ursel. . . meldete sich Tina zu Wort. Sie hatten gelost. um niemanden zu benachteiligen. „Nein. . Und ich glaube. Und nicht sehr dick. Es ging alles so schnell. aus welcher Richtung Herr Kastl kam.“ „Aber mir“.“ „Was für Buchstaben? Alte Typen — oder modernere? Weißt du das noch?“ „Alte — auf jeden Fall! Das Buch schien mir ziemlich vergilbt zu sein. Nämlich hier von links. machen wir uns an die Arbeit“. Aber sicher weiß ich es nicht. wo sie am Vor­ .

„Habt ihr schon was gefunden?“ fragte Tina nach einer Weile.“ Kai begann sich für das Thema zu begeistern. Tini und Kai quälten sich durch die römische Geschichte nach Christi Geburt und studierten eifrig die Angaben über römische Siedlungen diesseits der Alpen. Und die Thermen hier. „Mittelalter. „Wir haben uns zuerst mal an die Abteilung gehalten. die Herrschaften. „Ich muß immer aufpassen.“ Eine ganze Weile arbeiteten sie schweigend und verbissen. . meinte Tini. daß sie sich so viele Bücher angeschafft haben“.und Zuklappen dicker Wälzer war zu hören. „Mann. ein paar von den Dingern mal zu verheizen!“ „Was steht eigentlich da drüben in den Regalen?“ rief Tini zu Tina hinüber.“ „Haben ja ein feudales Leben geführt. werde ich heute gebildet“. Ich muß es erst mal sichten. die Bücher über die Römer enthält. das Auf. „Daß sie nie auf die Idee gekommen sind. „Ich nicht. stellte Rudi seufzend fest. wir machen hier weiter“. warum ich hier bin.“ „Dann würde ich vorschlagen. Tina und Rudi gehen nach links hinüber und nehmen sich die Regale vor. neben denen Herr Kastl gestanden hat. seufzte Kai. nur das Umschlagen von Blättern. deshalb hat es uns ziemlich viel Zeit gekostet. .“ „Hm — aber ist doch auch ganz interessant“. sagte Kai. daß ich mich nicht festlese und vergesse.“ . Schau dir das an: ein Legatenpalast. „Die Grafen von Bergheim müssen ziemlich wissensdurstige Leute gewesen sein. und wir sind noch längst nicht damit durch. Noch ’n paar handgeschriebene Schinken und haufenweise religiöses Zeug.tag schon gesucht hatten. Leider sind es ziemlich viele und voll mit Skizzen und Plänen. „Das reicht ja für die nächsten fünf Jahre.

meinte Kai schließlich. dann hätte Frau Krull es sehen müssen — oder Direktor Möller.“ „Na schön. aus­ gebuddelt zu werden. deiner Meinung nach?“ „Keine Ahnung. nur um sich nicht den Vorwurf machen zu lassen. also muß es auch zu finden sein!“ „Wenn er’s nicht geklaut hat. deutet doch darauf hin.“ „So — und wo sollen wir suchen. schließlich war das Buch ja hier. fand aber auch dort keinen brauchbaren Hinweis.„Nein. daß in normalen Geschichtsbüchern nirgends etwas darüber steht. daß hier in Bergheim ein paar Römer darauf warten. „Die Bäumler wird staunen!“ . Tina war bei der wechselvollen Geschichte der Grafen von Bergheim gelandet. Solche Siedlungen gibt es zu Dutzenden — aber immer sind es bekannte Namen. auf diesem Pult habe ich es vor meiner Nase liegen sehen. Also brauchen wir auch gar nicht danach zu suchen. Suchen wir zur Abwechslung mal nach allen Büchern mit dunkelgrünem Einband und übernormaler Größe. hole ich mir hier ein bißchen Anregung!“ kicherte Tina. Ein so großes Buch kann man nicht im Ärmel veschwinden lassen. „Die Tatsache. die noch auf ihre Ausgrabung wartet.“ „Nun. Und schließlich kehrten Tini und Kai zu den Regalen der Römer zurück. „Bevor ich den nächsten Aufsatz schreibe. Keine Rede von einer unbekannten Siedlung. Dafür eine Menge blutrünstiger oder herzzerrei­ ßender Geschichten über Racheakte. daß noch niemand davon gehört hat. sie seien nicht systematisch vorgegangen.“ „Wenn er’s geklaut hat. wir machen es ganz falsch“.“ „Ich glaube. verschmähte Liebe oder vor Kummer und Trennungsschmerz gestorbene Gräfinnen.“ Aber auch das brachte keinen Erfolg.

da sollte ein sagenhafter Schatz .“ „Okay. Äpfel und Schokolade auf das Pult vorm Fenster. sondern zum Suchen — was zum Teufel hast du denn da?“ „’tschuldige. Und du. stöhnte Tini. Mir schwirrt schon der Kopf“. Wenn es ihm doch gar nicht gelungen ist. „Und du. die Nase tief in ein handgeschriebenes Journal gesteckt. Und jetzt bin ich hier. Mit dieser Seite sind wir jetzt fast fertig. „He. Rudi?“ Rudi saß mit gekreuzten Beinen auf der Erde. „Habt ihr was gefunden?“ „Keine Spur. Nur die Bücher dort unten müßt ihr noch durchsehen“. „Halbzeit!“ verkündete Tobbi. Tini lief hin und öffnete. sage ich euch! Da haben sie doch tatsächlich einem Mann wegen versuchter Grabschändung zur Strafe die Hände abgehackt!“ „Nur wegen versuchter Grabschändung? Das ist hart.“ „Was ist das?“ fragte Moni. erklärte Kai. „Prima — das können wir brauchen. „Gerichtsakten — uralt. Wir haben euch auch was mitgebracht — aus den geheimen Vorräten.“ Moni legte Kekse. Tina?“ „Ich habe mir das Regal vorgenommen. immer von links nach rechts. „Du bist nicht zum Lesen hier. Dreimal kurz — dreimal lang. Dort oben ange­ fangen. „Weil das Gerücht umging. „Eure Ablösung ist da.An der Tür ertönte das verabredete Zeichen. Aber die Dinger sind unheimlich spannend. Rudi!“ „Hä?“ „Ich hab dich was gefragt!“ sagte Tobbi ärgerlich. Warum wollte er denn das Grab schänden?“ fragte Tina und biß in einen Apfel.

„na. das ist doch in uralten Zeiten passiert. daß sie unschuldig war. daß er sich selbst auch abmurkste. murmelte Uli. sagte Tini. der. Und der wollte den Schatz selber haben. . „War das auch ein Graf Berg­ heim?“ „Quatsch.“ „So wie wir“. ist die zweite Frage.drinliegen. daß noch mal jemand ver­ sucht.“ „Ein feiner Mann“. Nur ganz wenige wußten davon — und keiner was Genaues. die sich die Leute weitererzählten. Es war mehr so eine Sage. Kann man ja verstehen“. ließ er alle Urkunden und Pläne darüber vernichten. „Eben nicht! Der war furchtbar fromm und hatte sich von der Welt abgewandt und wollte ein Heiliger werden — und alle anderen sollten so werden wie er!“ „Und wer keine Lust dazu hatte.“ „Was das wohl für ein Grab gewesen ist“. mit ins Grab geben sollten. was sie so an Kostbarkeiten besaßen. daß man ihm und seiner Freundin allen Schmuck und alles. ganz aus Gold und mit Edelsteinen besetzt. sagte Rudi eifrig. Nur der Graf. „Daß da so viele Kost­ barkeiten drinliegen?“ „Das steht auch hier“. das waren vielleicht feine Sitten. „Es war das Grab einer Frau — die Geliebte von irgend jemandem. sagte Moni und brach sich ein Stück Schokolade ab. seufzte Kai. Als er dann merkte. in das Grab einzusteigen. aber vorher hat er bestimmt. dem wurde irgendwas abge­ hackt“. Der hat’s auch gewußt. der ihn dann verurteilt hat — er war zugleich der Richter. Kein Mensch wußte. wo das Grab war — aber er hat es irgendwie rausgekriegt.“ „Und weil der Graf nicht wollte. Ob sie das dann auch gemacht haben. Gold und Juwelen — und ein Helm. sagte Ursel. Jedenfalls hat er’s befohlen.“ „Aha. Der war aber furchtbar eifersüchtig und hat sie vor Eifersucht schließlich umgebracht. tat es ihm so leid.

als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank!“ „Du hattest dich gerade geärgert. um die Ausbeute zu begutachten. nun laß mal sehen. jedenfalls blieb es unauffindbar. . die wie eine Bomben­ explosion auf die Anwesenden wirkte. „Ein Wildschwein in der Suhle?“ „Das ist Tobbi bei seinem Sturz auf dem Hockeyfeld — als es so stark geregnet hatte. bedankte sich noch einmal und verließ. Gleich nach dem Mittagessen liefen die beiden Mädchen ins Dorf. „So. Sehen aus wie eine Mannschaft aus Schwarzafrika. vielleicht auch nur die Seiten herausgerissen. Noch im Laden öffneten sie den Umschlag. um die Fotos abzuholen. gefolgt von Tina. „Was ist denn das?“ fragte Tina. Da — Moni am Fenster unseres Zimmers. irgend so ’n römischer Feldherr.„Das muß eine Liebe gewesen sein!“ meinte Moni. Da! Da sind sie . bis sie draußen waren. Sie bezahlte. Sicher hatte Herr Kastl das Buch verschwinden lassen. . Vielleicht hatte er es versteckt. „Zeig her!“ Tini machte Tina ein Zeichen zu warten.“ Herrn Kastls seltsame Pilzzucht Auch die weitere Suche in der Bibliothek nach dem Plan war vergeblich. der hier gelebt hat. Er sagte nichts weiter als: „Nee. Inzwischen war Tinis Film entwickelt worden. „Vielleicht waren es Tristan und Isolde oder so. Und das bist du!“ „Entsetzlich! Zerreiß es sofort! Ich mache ein Gesicht.“ Und jetzt sagte Rudi ein paar Worte. den Laden. sie streckt mir die Zunge heraus. die nützen uns herzlich wenig. Na. Und das da — die unglücklichen Sieger.

der was davon versteht und den Mund halten kann. warte mal.„ Entsetzlich. Natürlich — Claudius! Der hat doch schon die tollsten Experimente gemacht.“ „Willst du es gleich bestellen?“ „Hast du eine Ahnung! Das wäre doch viel zu auffällig. aber was drauf ist. wer alles in der Fotogruppe ist? Die lernen doch auch Entwickeln und Vergrößern. Wir brauchten das Foto in mindestens zehn­ facher Vergrößerung. Weißt du. wir müssen jemanden in der Schule finden. schlug Tina vor. kann man nicht erkennen. Nein. Wir werden ihn eben auch noch in unsere Mannschaft aufnehmen“. als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank!“ Scharf scheinen sie zu sein. . nein.“ „Ja. ich mache ein Gesicht.

was wir nicht kennen. „Ruhe!“ brüllte Tobbi. kaum sichtbaren Linien und Buchstaben. „Schaut mal genau hin!“ „Was meinst du?“ fragte Tina. „Die Mühe war umsonst“. dies hier ist der Bebauungsplan des Gartens — da ist das Gewächshaus und dort die Freibeete — die Tannen — hier drüben der Pulverturm . Wir machen euch höchstens nervös. da sieht man den unteren deutlich. ob was dahintersteckt. laßt uns systematisch Vor­ gehen. „Es ist völlig klar.“ „Du irrst dich“.“ „He! Das sind zwei Pläne!“ rief Uli plötzlich aus.. dann lassen wir euch jetzt allein. „Diese dünnen.Tobbi bekam den Auftrag. „Kommt. da hatte die Detektiv-Mann­ schaft eine Vergrößerung des Fotos im Umfang einer mittleren Wanderkarte. ihr seid die besten Zeichner. Erst dann können wir beurteilen. „es ist nicht nur ein Plan des Gartens. Tini sparte nicht mit Lob.“ .“ „Tatsächlich! Die dünnen Linien sind das. was vom unteren Plan durchscheint! Unser Plan! Der. sondern auch der Gesamtplan von Schloß und Nebengebäuden bis hin zur alten Kapelle!“ „Na und? Es ist nichts drauf.“ „Gut. den wir oben in der Bibliothek vergeblich gesucht haben!“ Plötzlich redeten alle durcheinander. Eifrig beugten sie sich über die zahlreichen Linien und Punkte. Ursel und Kai. seufzte Tobbi. . berichtigte ihn Kai. Wir müssen die Linien exakt übertragen und uns eine Kopie des Plans anfertigen.“ „Wirklich nicht?“ fragte Tini lauernd. daß ihr das schafft?“ „Klar doch. wenn wir alle drumrumstehen. „Seht ihr die Reißzwecken an den Ecken? Und hier ist der obere ein wenig eingerissen. und es vergingen keine zwei Stunden. Glaubt ihr. mit Claudius zu sprechen.

tröstete Tina. nahm mehr Zeit in Anspruch. Die Außenmauern des Tempels liefen an der einen Seite mitten durch den Pulverturm und stießen an der anderen Seite fast an die Linie. Dann müßten sie das Schloß ab­ reißen und alle Nebengebäude dazu“. Speichern und Waffenkammern und zwei kleinen Tempeln. sagte Kai grinsend. die des oberen blau. die das Gewächshaus markierte.“ „Wir liefern euch dafür nachher die Lösungen der Mathe­ aufgaben“.“ „Dafür mache ich dir gern noch einen zweiten Plan“. „und die Übersetzung in Latein.„Du sagst es. wenn er einen so tollen Plan der Anlage hätte“. „Das ist ja phantastisch!“ „Herr Kastl wäre froh. Palast des Feld­ herrn. „Schaut euch das an!“ Tini zeigte auf den zweiten Tempel. Die Linien des unteren Planes hatten sie rot gezeichnet.“ Den Plan Punkt für Punkt zu übertragen. „Sooft wir in Latein was aufhaben. „An die Arbeit. Erst am nächsten Abend waren sie damit fertig. „Donnerwetter!“ sagte Tina. kicherte Moni. Und neben dem größeren Tempel die Grabstätte des Feldherrn und seiner Geliebten. daß man sie besichtigen kann. „Können sie ja gar nicht. Und plötzlich lag sie klar vor ihnen: die römische Siedlung mit Kastell. wie einen riesigen Keller!“ „Mensch. als sie geglaubt hatten. „Ich meine doch unterirdisch — einfach so freilegen. wo heute die alte Kapelle steht!“ „Ob sie eines Tages die ganze Siedlung ausgraben?“ fragte Pit. wo Herr Kastl seinen Arbeitstisch aufgestellt hatte. Die Grabstätte lag dort. „Der Jupitertempel liegt genau dort. Kinder! Wir müssen zu einem Entschluß . das wäre eine Sensation! Und zum Geschichts­ unterricht steigt man einfach zwei Stockwerke tiefer!“ schwärmte Moni. belehrte ihn Uli.

„Das laß nur unsere Sorge sein. Tobbi warf noch einmal einen prüfenden Blick auf den Plan. „Nicht so tief. bei einer Grabung etwas zu finden. „Kurz vorm Zubettgehen schleichen wir uns raus und erledigen das.“ „Besorgt auch ein paar Bretter. „Wir werden dicht an der rechten Mauer graben. sagte Kai und schaute Claudius an. aber auf jeden Fall sicherer.“ „Fragt sich nur. dorthin ver­ frachten. wie tief wir graben müssen“. „Und es hat den Vorteil. wo wir was finden“. schlug Tini vor. Es genügt. bietet meiner Ansicht nach der Pulverturm. Sonst würde sich Herr Kastl kaum die Mühe machen“. Ich weiß schon.“ „Und wo bekommen wir die Geräte her?“ fragte Ursel. mahnte Tobbi. ob Herr Kastl nicht hin und wieder einen Blick in den Pulverturm wirft. „Das ist zwar ein biß­ chen mühsam. wir schleppen die Geräte die Leiter hoch und verstecken sie oben“. sagte Rudi wenig begeistert. müßten wir im Inneren des Tempels landen. Und morgen nachmittag können wir mit der Arbeit beginnen. daß wir in Deckung sind. Wer weiß. was wir an Werkzeug auftreiben können. Wenn der Plan stimmt. Seid ihr einver­ standen. wie wir weiter vorgehen wollen“. Tagsüber würde es zu sehr auffallen. . . meinte Tini. Es ist die günstigste Stelle“. wenn einer an der Tür Wache hält. daß es nicht zu schaffen wäre.kommen. daß wir es hier versuchen?“ Tobbi schaute jeden einzeln an. Hier müßte man auf Reste des Tempels stoßen. entschied Uli für die übrigen. „Gleich heute nacht werden wir schaufeln und alles. mit denen wir unsere Bau­ stelle abdecken können — Steine zum Beschweren liegen ja im Turm genug herum“. „Die besten Aussichten.“ „Darf ich euch mal was fragen?“ Moni hatte schon eine ganze 6 7806-i . „Tobbi hat recht.“ „Am besten.

an der ein Schild mit der Aufschrift „Zutritt verboten!“ prangte. Was willst du ihm erzählen. Und wir hoffen.Weile nachdenklich auf die roten und grünen Linien gestarrt. wenn er plötzlich durch die Gruft zu dir runtersteigt und dich da mit einer Schaufel in der Hand vorfindet?“ „Na schön. „Nanu? Was ist denn hier los?“ „Das darf doch nicht wahr sein!“ „Wenn das ein Witz sein soll. Kai hatte am Abend vorher ausreichend Schaufeln und Hacken organisiert und im oberen Raum versteckt. es kann ein Reinfall sein. Trotzdem — auch in einem Tempel kann es Schätze geben — und wenn es nur ein kostbares Gefäß ist. Nämlich unter der alten Kapelle?“ „Weil das Grab mit den Schätzen auf dieser Seite ist. „Kannst du nicht lesen. wo Herr Kastl in die Tiefe gestiegen ist. verdammter Bengel? Was hast du da zu suchen?“ Wie aus dem Nichts tauchte neben ihnen Herr Kastl auf und trat wütend auf Tobbi zu. „Warum versuchen wir’s nicht da. sagte Tobbi empört und versuchte das Gitter zur Seite zu schieben. legen wir also unsere eigene Baustelle an. daß es vom Tempel her einen Verbindungsgang gibt“.“ Am nächsten Nachmittag in der Freistunde bummelten sie lässig zum Pulverturm hinüber. kitzel mich mal einer. damit ich lachen kann!“ „Das gibt’s doch gar nicht!“ Im Kreis standen sie um die mit einem Gitter und Draht notdürftig verschlossene Türöffnung herum. „Ich gebe zu. . Vielleicht ist alles total verschüttet. Außerdem bleibt uns gar nichts anderes übrig — wir können nicht unter der Nase von Herrn Kastl danach suchen. „Wer hat sich denn das ausgedacht“. was wir als Beweis mit heraufbringen können. irgendwas. meinte Tobbi unsicher.

„So? Noch nie? Dann gibt’s das eben seit heute. sagten Sie? Interessant!“ meinte Tini lächelnd und sah die anderen an. bis wir die ersten Champignons aus eigener Zucht zu essen bekommen?“ „Wie lange? Nun. ja — also. „Wie lange dauert es denn. Habe alles mit dem Direktor besprochen. Der Turm bleibt für euch in Zukunft gesperrt! Verstanden?“ „Champignonzucht. verstanden?“ . daß ihr wegkommt. Ich habe hier meine Champignonzucht angelegt.„Entschuldigen Sie. ich habe zu arbeiten!“ „Der Turm bleibt in Zukunft für euch gesperrt. Und nun macht. aber seit wann ist denn hier für uns gesperrt? Das gab’s doch noch nie!“ wehrte sich Tobbi. das werdet ihr schon früh genug erleben.

Tini und Tobbi gaben ihrer Mannschaft das Zeichen zum Rückzug und schlenderten davon. gab Tina zu bedenken. „Die Sache fängt an. so schlimm ist das gar nicht.“ „Möglich. Champignonbeete ganz gewiß nicht zertrampeln. „Hast du Töne!“ flüsterte Tina. Herr Kastl. während er an einem der drei Plätze arbeitet.“ Sie waren am Sportplatz angekommen und ließen sich nebeneinander auf die Zuschauerbänke fallen. „Mauern.“ „Da kommt eigentlich nur die alte Kapelle in Frage“.“ „Unsinn. kein Grund zur Aufregung. „Und die anderen von uns?“ „Graben an einer der zwei anderen Stellen. Herrn Kastl aufzu­ halten“. . seufzte Kai. . „Der ist uns doch tatsächlich zuvorge­ kommen!“ „Ich begreife nur eines nicht“. Er ist an den anderen beiden Stellen noch nicht fündig geworden. oder so. Schließlich sind wir zu mehreren und Herr Kastl kann nicht an allen drei Orten zu­ gleich sein. Tini schob sich dicht an die beiden heran. ist doch klar.“ Tina.Herr Kastl stellte sich drohend vor den Eingang. Und wenn er sich dort wegrührt. als sie ein paar Schritte gegangen waren. als müsse er befürchten. „warum gräbt er an drei Stellen zugleich?“ „Dafür gibt es eigentlich nur eine Erklärung. die Schüler würden den Pulverturm im Sturm nehmen. Tobbi mußte lachen. Wir werden Ihnen Ihre. Zwei von uns müssen ihn jetzt unauffällig be­ wachen. kompliziert zu werden. Schließlich ist er allein. und der andere muß versuchen. sagte Tini. „Ja — was machen wir nun“. muß der eine losrennen und uns warnen.“ „Oder er ist auf unüberwindliche Schwierigkeiten gestoßen“. die er ohne Sprengung nicht beseitigen kann. meinte . „Schon gut.

„Können wir denn heute gar nichts tun?“ „Doch“. was los ist. bis auf Pit — und . Taschenlampen und ausreichend Batterien in der Kapelle verstecken. . sagte Tobbi. „wer von uns soll mit Wache stehen bei Herrn Kastl?“ . „Das nicht gerade. Außerdem wird er sich jetzt hauptsächlich im Pulverturm aufhalten“. „Ja. Hoffentlich gräbt unser fleißiger Maulwurf nicht die ganze Nacht durch!“ Kai sah verschmitzt zu den Mädchen hinüber. Und prüfen.Uli. dann müßt ihr in Aktion treten. schlug Ursel vor.“ „Also noch eine Nacht abwarten“. und ein paar kräftige Seile dazu. „Arbeitskleidung. wie bekommen wir unsere Schaufeln und Hacken oben aus dem Pulverturm heraus? Kann einer von euch fliegen?“ „Wir müssen es heute nacht versuchen. . sich zu verstecken. Das weitere überlaßt nur uns. Dann wird er sicher rauskommen und nachsehen wollen. Denn das werden wir alles brauchen. wenn ihr um den Turm herumschleicht und kichert und ein bißchen gruselig flüstert.“ „Das kann man wohl sagen!“ Claudius grinste.“ „Soll ich schon wieder die Schwerverletzte spielen?“ fragte Tina. wie wir sie am leichtesten zur Seite schieben können. „Und wenn.“ Tina schaute in die Runde. . „Das Gewächshaus ist zu gefährlich.“ „Kluges Mädchen!“ lobte Tobbi. Ihr Jungen geht zur Kapelle. weil es Herrn Kastls Hauptquartier ist. Aber wie wär’s mit einem Gespenst? Es würde genügen. und im Pulverturm gibt’s nicht so viele Möglichkeiten.“ „Richtig. unter der sich der Eingang befindet. stöhnte Rudi.“ „Vielleicht sollten wir nicht alle zusammen hineingehen. Außerdem können wir uns die Grabplatte schon mal näher ansehen. „Jetzt haben wir nur noch ein Problem . „Nämlich. .

Tina und Kai wollten sich die Haare schneiden lassen und Ursel ein Geburtstagspäckchen an ihre Mutter aufgeben. Endziel eines solchen Dorfganges war stets die kleine Konditorei am Marktplatz. so hatten sie sich getäuscht. ins Dorf gehen zu dürfen. um ein paar Besorgungen zu machen. Zwei hätten bei Herrn Kastl Wache halten müssen — so wären nur noch drei übriggeblieben. Claudius fiel ohnehin aus. Leute. aber auch heiße Würstchen oder . Und ohne die anderen wollten Tina. da man hier von den Lehrern ungesehen schlemmen konnte: Eisbecher. „Also an die Ar­ beit. So holten sie sich von der Hausmutter die Erlaubnis.Moni hob die Hand. Es handelte sich um einen etwas düsteren. Wir übrigen kümmern uns um die Sachen und schaffen sie später in die Kapelle. er mußte heute zum Klavierunterricht in die Stadt. Torten. Moni. Tobbis Klasse bekam Ausgehverbot. Tini. Pit und Moni bewachen den Maulwurf im Turm. eng mit Tischen und Stühlen vollgestellten Raum. Kai und Ursel das Unter­ nehmen nicht starten. am nächsten Tag mit ihren eigenen Ausgrabungen beginnen zu können. der durch ein großes Küchenbüfett in zwei Teile getrennt wurde. okay?“ „Prima!“ Tobbi stand auf und reckte sich. Kuchen und Milkshakes. Parole Maulwurf!“ Ein geheimnisvolles Telefongespräch Wenn sie gehofft hatten. „Gut. Und das waren für ein solches Unternehmen zuwenig. Der hintere Teil des Raumes war bei den Schülern des Landschulheims Bergheim besonders beliebt. weil einige der Jungen unerlaubt in die Stadt gefahren waren.

Und ein großes Stück Erdbeersahnetorte!“ „Ich Apfelkuchen!“ rief Moni dazwischen. und so waren sie froh.“ Kai schaute von einer zur anderen mit einem Blick. „Ich nehme lieber einen heißen Kakao. . „Hm — ein Stück Streuselkuchen und eine Cola. “ Tini stieg mit den Mänteln die Treppe hinunter. murmelte Kai. Tina warf einen Blick in ihr Portemonnaie. in der Konditorei zu sein. Toiletten und das Telefon befanden. sie mußte vorsichtig nach den Stufen tasten.“ „Muß mal mein Geld zählen“. Wieviel Stücke Käsekuchen dürfen es sein?“ Kai packte Tini seinen nassen Mantel über den Arm. welche Gedanken ihn bewegten. den hintersten Tisch frei zu finden und sich bei Torte und Kakao von den Strapazen erholen zu können. jammerte Ursel. weil der Stoffberg in ihren Armen ihr die Sicht nahm. . . bei jedem der Mädchen ein Stück zum Probieren zu bekommen. ich bringe sie runter in die Garde­ robe“. „Aber ich werde es in wohlwollende Erwägung ziehen. Eine winzige Wendeltreppe führte ins Kellerge­ schoß hinunter. Mylady. du lädst mich zu einem weiteren ein . „Was nimmst du. daß er — als Hahn im Korbe — darauf zählte.“ „Eisschokolade? Ich bin selbst ein Eisklumpen“. Tina? Vielleicht bringt mich das zu einem Entschluß“. Auf ihrem Weg ins Dorf hatte es heftig zu regnen be­ gonnen. aus dem unschwer zu lesen war. „Gebt mir die Mäntel. „Ihr dürft mir dafür ein Stück Käsekuchen und eine Eisschokolade bestellen.“ „Wird gemacht. „Und einen Zitronenmilkshake. „Ich sagte es schon: eins. sagte Tini. wo sich Garderobe. Oben studierte Kai sorgfältig die Karte. Nämlich.Spiegeleier. fragte er und zog nachdenklich die Stirn kraus. Es sei denn.

der zum Landschulheim Bergheim gehörte. die sich hier zum Kaffeekränzchen trafen. Nun konnte man annehmen. ihre Nasen berührten fast die Tischplatte. Streuselkuchen und Erdbeer­ sahne — gut. schauten sich die Mädchen in dem kleinen Raum um. bist du blöd! Und wenn er sich mit einem Vertrauten trifft? Einem Helfer?“ „Wenn die uns entdecken. „Unser Zusammentreffen hier ist doch völlig harmlos!“ „Mann. — Bedienung!“ Während die Kellnerin die Bestellung aufnahm.„Käsekuchen. Apfelkuchen. Tina schielte an Ursel vorbei. Zum Glück war. wie sie schnell feststellten. „Was macht er?“ „Er ist nach unten gegangen. Vorsicht! Nicht umgucken! Er geht zur Theke. . Ver­ dammt! Sicher läuft Tini ihm genau in die Arme . gehen sie sofort wieder raus. ist doch klar!“ sagte Ursel. „Warum hast du mich so getreten?“ „Entschuldige — aber der Maulwurf ist eben reingekommen. oder Mütter mit ihren Kindern. „Er redet mit dem Mädchen an der Theke — sie zeigt nach unten — jetzt dreht er sich um und geht zur Treppe. „Dreht euch nicht um! Zieht die Köpfe ein!“ zischte sie. ein Stück Schokoladensahnetorte und einen Pfefferminzmilkshake.“ „Na. . kein Lehrer anwesend — und auch sonst niemand. Plötzlich trat Tina Moni heftig auf den Fuß.“ Kai legte die Speisekarte in ihre Mitte. wenn schon!“ brummte Kai. Sicher will er seinen Mantel . dann nehme ich zwei Paar heiße Würstchen. Die anderen gingen sofort auf Tauchstation. „Was ist los?“ wisperte Moni. daß sie alle zugleich eifrig in der Karte lasen. nur ihre Rücken waren zu sehen. Die meisten Besucher waren ältere Damen.

Die Besenkammer! Da würde sie um diese Zeit keiner ent­ decken. „Bist du’s. Tinas Hoffnung trog nicht — allerdings war Tini gerade im Begriff. So. Scharfer Salmiak­ geruch aus einem feuchten Lappen kitzelte sie in der Nase. als sie in den dunklen Raum hineinsah. Können wir reden? Bist du allein?“ Tini drückte ihr Ohr dicht an die Wand. nein. Wenn er nun einen Mitverschworenen anrief? Wenn er Einzelheiten seines Planes preisgab? Gleich neben der Telefonkabine befand sich eine zweite Tür. Herr Kastl drehte ihr den Rücken zu und wählte. stöhnte Tina. „Es gibt Schwierigkeiten. viel schlimmer: Die Messungen stimmen . Mit spitzen Fingern hob sie ihn vom Haken und ließ ihn auf den Boden fallen. nicht mit dem Direktor. Zum Glück sah er Tini nicht — aber Tini entdeckte ihn sofort und zog die Tür bis auf einen schmalen Spalt wieder zu. keinen der Besen oder an Haken hängenden Schaufeln und Bürsten her­ unterzureißen. hörte sie Herrn Kastl nebenan in der Zelle sagen. „Nicht gut“. Tini glitt hinein. Scharfer Geruch nach Putzmitteln schlug ihr entgegen. die Tür der Damentoilette zu öffnen.abgeben. „Otto. Willi?“ hörte sie durch die Wand klar und deut­ lich. Hoffentlich ist Tini auf dem Klo — und bleibt da noch eine Weile“. Wohin mochte die führen? Zu einem Hinterausgang? Zu den Kellerräumen? Tini machte sich so schmal wie es ging und drückte sich an der Wand entlang bis nah an die Telefon­ kabine. der ahnt von nichts. als Herr Kastl die Treppe herunterkam. ---Nein. jetzt war es erträglicher. dann verschwand er in der Telefonkabine. Mit einem Satz war Tini an der Tür zu dem Nebenraum und drückte die Klinke herunter. Herr Kastl schaute sich flüchtig um. angestrengt bemüht. ohne es zu merken — nein. ebnet mir alle Wege. Tini überlegte blitzschnell.

Der zweite Tempel liegt genau unter der alten Kapelle. Jetzt habe ich unterm Pulverturm angefangen. Und von dem Grab keine Spur. -----------. der Kram kann nicht tiefer als drei bis vier Meter liegen an der Stelle .Es stimmt aber nicht. der Plan muß einen Fehler haben! ------------. Da sollte aber gar keine sein. da bin ich dran.! Na immerhin sind die Papiere auch schon über fünf­ hundert Jahre alt!“ Tini fühlte. Aber da ist nichts. -------Drei bis vier Meter. . was heißt hier.Vielleicht die Entfernungen? -------Es muß stimmen.nicht!---------Wenn ich es dir doch sage: Unter dem Gewächshaus bin ich auf ein Stück Mauer gestoßen. es muß stimmen! Wie tief soll ich denn noch gehen? Du hast mir doch gesagt. Tempelmauer wahr­ scheinlich. wie sich vor Aufregung auf ihrer Nase kleine .-------Klar gehe ich noch tiefer. .

und Tini machte sich so dünn.Ist gut. meinte Kai bissig.---------. In Ordnung.“ Tini zog ein gelangweiltes Gesicht. Eine Weile wartete sie noch. sagte Moni aufgeregt. „Du ahnst ja gar nicht. Ob Herr Kastl wohl noch oben im Café war? Na egal. du wärest ge­ storben!“ empfing Tina sie. Wiedersehen. noch zwei Meter tiefer. wie er die Treppen hinaufstieg. ewig konnte sie nicht hier unten warten. Willi.Ich tu. den unterirdischen Gang habe ich auch nicht gefunden!-----------------. was ich kann. Sie wagte kaum zu atmen. „Du lieber Himmel. Zwei Wochen ungefähr. man muß sich nicht alle Tage in einer Besen­ kammer verstecken. du würdest auf der Treppe mit ihm zusammenstoßen“. ich ruf dich wieder an. Wir werden das Zeug schon finden. Tini atmete tief durch.---------.-----------Mach ich. Jetzt hörte sie. „Wir konnten natürlich nicht wissen. „Jetzt brauche ich erst mal eine Stärkung. um ein Telefongespräch zu belauschen“. „Nun ja.“ „Außerdem hast du was Hochinteressantes verpaßt“. „Deine Eisschokolade ist inzwi­ schen lauwarmer Kakao geworden. redete Tina auf sie ein. „Was soll ich denn nun machen?------------. sagte Tini gleichmütig.“ Herr Kastl hängte den Hörer an die Gabel.Also gut. als könne er durch die Wände sehen und sie auf ihrem Horchposten entdecken. wir dachten schon. „So? Kann ich mir gar nicht vorstellen. Willi. Willi. dann trat sie leise aus ihrem Versteck. daß du eine halbe Stunde mit deiner Schönheitspflege beschäf­ tigt sein würdest.“ „Dafür sieht sie eigentlich ganz schön zerrupft aus“. wer hier war! Wir hatten schon Angst.Noch was.“ .Schweißtropfen bildeten.

was wir jetzt zu tun brauchen. Auch die anderen machten nicht besonders intelligente Ge­ sichter. „Langsam. langsam.“ „Ich werd verrückt! Das ist ja einfach traumhaft schön! Er hat dir den ganzen Plan sozusagen zum Mitschreiben diktiert?“ fragte Kai. ganz so war es nicht. „Er hat wirklich gesagt. . seine Fortschritte in der Arbeit unauffällig zu kontrollieren. Und wenn er auf das Grab stößt. nun laß mich erst mal meinen Kuchen aufessen! Ich denke. er wird noch tiefer graben“.“ „Wir müssen sofort ins Schloß zurück und eine Sitzung ab­ halten. laß dich nicht hetzen“. Aber ich habe doch eine Menge Neues erfahren. „Na. „Und wir werden ihn graben lassen. offensichtlich hat er aber nicht die Absicht aufzu­ geben. . . fiel Tobbi Kai ins Wort. „Da scheint uns ein gütiges Schicksal vor viel unnötiger Arbeit zu bewahren.“ „Nun.„Du hast was?“ Tina klappte der Unterkiefer herunter. ist.“ „Nein. In aller Ruhe nahm sie ein paar Bissen von ihrem Käsekuchen. Alles. dann ließ sie sich herab.“ „. dann stehen wir mit ausgebreiteten Armen oben und . was sie in ihrem Versteck gehört hatte. Und ich habe dabei eine Menge Interessantes erfahren. Aber ihrem Gesicht war anzusehen. nähere Erklärungen zu geben. ich habe ihn verdient. „Ich habe unseren lieben Herrn Maulwurf bei einem Ge­ spräch mit seinem Mitverschworenen belauscht. Tini ließ sich Zeit. und Tini berichtete den Freunden. drängte Kai. . der Plan wäre falsch?“ fragte Uli. daß sie den Aufbruch genauso herbei­ sehnte wie die anderen. sagte Tina. Hier können wir ja nicht reden“. Eine Stunde später hockten sie im Musikzimmer.“ „Das hast du.

„Warum soll er nicht falsch sein? Vielleicht hat er ihn einfach falsch abgezeichnet — oder der Maßstab stimmt nicht? Warum soll er nicht einen Fehler gemacht haben?“ meinte Ursel achselzuckend. „Hast du eigentlich nur dieses eine Foto gemacht?“ fragte Moni. „Ich werde es ver­ suchen. wenn man sich seiner Sache absolut sicher ist — und nicht. wenn wir die anderen auch ver­ größern würden?“ „Was soll das ändern? Es ist doch immer das gleiche Motiv. es waren drei oder vier — aber wir haben nur dieses vergrößert.“ . weil man eine vage Hoffnung hat. „Mit Direktor Möller an der Seite und ein paar kräftigen Polizisten dazu. mischte sich Claudius ein.empfangen ihn“. und die ganze Mannschaft starrte darauf. Nein. einer Anstellung als Gärtner. vollendete Rudi den Satz. also müssen die Unterlagen absolut stich­ haltig sein!“ „Sind sie aber nicht — wie wir heute gehört haben“. „Das scheint mir unwahrscheinlich. die Sache ist doch sehr gründlich vorbereitet worden. sagte Claudius nachdenklich. sagte Tobbi gleichmütig. an der Stelle einen Schatz auszugraben. all dem Aufwand — so was tut man doch nur. „Irgend etwas muß Herr Kastl übersehen haben — oder auch mißverstanden.“ „Trotzdem“. als müßte er ihnen die ent­ scheidende Erleuchtung bringen.“ „Wieso ist der Plan falsch? Das möchte ich wissen“. Vielleicht ist auf einem der anderen Fotos irgendeine Kleinigkeit besser zu erkennen. was weiß ich! Gebt doch den Plan mal her!“ Rudi und Pit breiteten den Plan auf dem Tisch aus. „Nein.“ „Vielleicht wäre es nützlich. Überleg doch mal — um eine solche Aktion zu starten — mit falschen Papieren.

meinte Kai. können gut zeichnen und mit dem Denken klappt es meistens auch recht zufriedenstellend. Also? Intelligenzler vor!“ „Ursel und Tini würde ich vorschlagen“. Können wir dir nicht dabei helfen? Das Retuschieren ist doch eine Sau­ arbeit!“ „Das könnt ihr — schon um zu kontrollieren. . mein Lieber. Ich will versuchen. laß mich mal nachdenken. daß ich nicht etwas Falsches wegretuschiere. „Das bringt uns bestimmt weiter. „Aber der Versuch lohnt sich. „Sie haben Augen wie die Luchse. Also —auf ins Fotolabor!“ Tinas Super-Einfall Am nächsten Tag beschlossen sie.“ „Herzlichen Dank. Ich könnte auf einem Abzug den oberen Plan weg­ retuschieren und das retuschierte Bild noch einmal fotogra­ fieren und dann vergrößern . daß Herr Kastl wenigstens einer ersten Gruppe Gärtnerei-Unterricht gab.“ „Du meinst. sagte Tobbi. Die Gelegenheit war günstig.„Gut. Stellt euch vor.“ „Schade. bis an die Grenze der Unschärfe heranzugehen — so groß wie irgend möglich. Wie lange wirst du dazu brauchen?“ „Morgen bekommt ihr die neuen Abzüge. Herr Direktor Möller hatte durchgesetzt. das würde gehen? Das wäre ja phantastisch!“ rief Moni aus. Vielleicht fällt mir dazu etwas ein. wir hätten den Römer-Plan ohne den Gartenplan darüber“. „Hm. meinte Tina. als es Herrn Kastl gebracht hat? Das bezweifle ich“. daß man nicht die beiden Pläne wieder trennen kann. Sie arbeiteten im Freigelände und lernten. einen Lokaltermin abzu­ halten. wie man ein Beet zur Pflanzung vorbereitet.“ „Weiter. Der . .

faßt mal mit an! Schiebt mit den Schaufeln nach!“ Langsam bewegte sich die schwere Platte zur Seite.“ Uli ergriff die schwere Eisenstange. meinte Tobbi. Einer nach dem anderen folgte ihm.“ „Ich sag’s ja — man muß nur die Leute für sich arbeiten lassen. und schob sie durch die Öffnung unter die Platte.Unterricht sollte zwei Stunden dauern — Zeit genug für die Detektiv-Mannschaft. „Hoffent­ lich haben sie hier nicht ein paar tiefgefrorene Römer einge­ lagert. ist das hier kalt!“ Moni schauderte. „Das ist die sogenannte Grabeskälte“. Tina reichte ihm eine Taschenlampe. Pit blieb als Wache draußen zurück. „Puh. die wir jetzt vorzeitig auftauen. die Herr Kastl schlauerweise gleich hinter dem Altar hatte liegenlassen. die Rudi aus seiner Campingausrüstung beigesteuert hatte. um sie leichter von der Stelle bewegen zu können. „Lampen her!“ kommandierte Tobbi. „Seht ihr — hier an der Seite der Grab­ platte hat der Maulwurf ein Loch eingeschlagen. zogen die übrigen wie eine Gruppe harmloser Spaziergänger den Weg zur Kapelle hinauf. und Tobbi stieg als erster hinunter. was das Klopfen neulich zu bedeuten hatte“.“ . Sprossen einer Leiter waren zu erkennen. unergründlich scheinendes Loch hinunterführten. die in ein tiefes. Kai und Pit hatten das Arbeitsmaterial bereits unter den Bänken versteckt und die große Haupttür von innen geöffnet. „Jetzt weiß ich auch. Ihr braucht nur die Eisen­ stange hier anzusetzen und die Platte läßt sich ohne allzugroße Mühe hochstemmen und zur Seite schieben. „Los. Tina — als letzte — brachte die Petroleumlampe mit hinunter. Während Claudius und seine beiden Helferinnen im Foto­ labor über der Fertigstellung des neuen Plans schwitzten. sagte Rudi. die anderen machten sich in aller Eile an die Arbeit. der alten Kapelle einen Besuch abzu­ statten.

„Wißt ihr. lieber Herr Kastl. dann untersuchte er den Fußboden.“ Tobbi leuchtete die Wände sorgfältig ab. Von Zeit zu Zeit blieb er stehen und beleuchtete seine Umgebung. Er ist rundum gemauert!“ . Seht ihr? Rundum Steinsärge mit lateinischen In­ schriften. Und jetzt gebt die Leiter her!“ Tobbi ergriff seine Taschenlampe und stieg vorsichtig den engen Schacht hinunter.„Unsinn — dies hier ist eine Familiengruft der Grafen Berg­ heim. Das nenne ich saubere Handarbeit“. „Hier geht’s in die zweite Parketage. Bei genauem Hin­ sehen entpuppte sich das Holz als nagelneu. daß sie den Raum und den Einstieg nach unten beleuchten.“ Er kratzte mit dem Fuß ein wenig Erde zur Seite und legte den Ring einer weiteren Bodenklappe frei. „Legt zwei der Lampen so hin. „Gut gearbeitet. „Ein alter Brunnenschacht! Oder der Einstieg zu einem Flucht­ tunnel. lobte Kai. was das ist?“ rief er zu den anderen hinauf.

„Da gehe ich nicht runter — nie im Leben! Lauter Skelette!“ „Da werden sie ihre Verbrecher runtergeschmissen haben“. „Ei.“ „Ich. „Säulen! Richtige Tempelsäulen. hier gibt’s was zu sehen!“ Tobbi beleuchtete die Sprossen der Leiter. schau mal!“ Moni streckte neugierig den Kopf vor und sah hinunter. Dann nahm er Tina die Petroleumlampe aus der Hand und hängte sie so hoch an die Leiter. „Laß uns doch mal vergleichen. wenn du nasse Füße kriegst!“ rief Rudi in den Schacht hinunter und beleuchtete mit seiner Taschenlampe den Boden unterhalb der Leiter. meinte Uli. „Nach dem Plan müßten wir uns hier im Innenraum 7 7806-8 . „Es war das Gefängnis. bemerkte Kai ungerührt. Das war die Stelle. Denn freigelegt hat sie erst unser lieber Herr Kastl. innerhalb des Tempels. der Boden ist glitschig! Donnerwetter“.“ „Wer von euch hat den Plan?“ fragte Tobbi. „Ganz klar. wie es nach dem Plan sein müßte. Und dahinter — wieder eine Mauer . daß sie den ganzen Raum erhellte.“ „Tatsächlich“. „er muß ein mindestens meterdickes Mauerstück abgetragen haben. „Vorsichtig. „Igitt!“ quiekte sie los.“ Rudi zog den Plan aus der Brusttasche seines Anoraks und entfaltete ihn. „Als ihm klar wurde. bis alle unten waren.„Sag uns Bescheid. Ob der Anblick die ver­ durstenden Gefangenen wohl getröstet hat?“ „Sie werden nichts davon gewußt haben. daß er hier an der Außenmauer eines Tempels gelandet war — und nicht. seht ihr?“ Uli fuhr mit dem Finger die Linien entlang.. stellte Tina fest.“ „Ja. . rief er überrascht aus. an der Herr Kastl erst mal aufgegeben hat“. was haben wir denn da! Moni. „beeilt euch. bis er an diese Säulenstücke stieß.“ „Ihr könnt kommen!“ sagte Tobbi.

„Macht eure Schuhe sauber!“ mahnte Tina. „Mann. Tobbi verwischte die Fußspuren so gut es ging und verließ die Gruft als letzter. er müsse nur ein paar Meter in die Tiefe gehen . Aber ich glaube es nicht.des Tempels befinden. kletterten sie die Leiter wieder hinauf. ob sie irgendwelche Spuren hinterlassen hatten. „Wir gehen erst mal wieder rauf. müssen wir durch die Mauer durch. „Was machen wir denn nun?“ fragte Moni kläglich. „Wenn es so wäre. hier sinnlos draufloszubuddeln. „Sonst ist die ganze Kirche voller Fußspuren!“ Sorgfältig verstauten sie Geräte und Lampen und sahen sich noch einmal um. hätten wir’s leicht. Um in den Innenraum des Tempels zu kommen. und wenn wir etwas finden wollen. überlegte Tobbi. Er hat sicher gedacht. Denn was wir hier vor uns haben. der ungemütlichen Umgebung zu entkommen. kalten Gruft zunehmend unheim­ licher zumute. Ihr wurde es in dieser feuchten. Tun wir aber nicht. dann werden wir bis auf den Fußboden des Tempels hinunter müssen“. das ist ja direkt spannend“. Und wahrscheinlich nicht nur das. ist das obere Drittel der Säulen. Wir müssen auch noch etliche Meter in die Tiefe. .“ „Hm — und was weiter?“ „Tja — das ist jetzt die Frage. „Wenn es doch bloß nicht mit so einer Masse Arbeit verbunden wäre. daß hinter der Mauer ein Hohlraum ist?“ fragte Tina. denn der Säulen­ umgang ist außen. Das muß alles noch einmal gründ­ lich durchdacht werden. Sonst hätte Herr Kastl hier auch nicht aufgegeben. . Es hat keinen Zweck.“ „Glaubst du. Der ehemalige Tempelraum wird bis unters Dach mit Schutt und Erde angefüllt sein. flüsterte Rudi. Innen gab es keine Säulen mehr.“ Erleichtert.

Ist die Luft rein. daß Herr Kastl recht hat. „Das nächste Mal halte ich Wache. „laß mal sehen. Die Gebäude müssen anders liegen. „Und — hattet ihr Erfolg?“ „Nun ja — wie man’s nimmt“.“ . als sie dort eingezeichnet sind. Pit?“ rief Tobbi mit gedämpfter Stimme durch die Tür. „Es ist unheimlich gemütlich da unten. kommt raus!“ Einer nach dem anderen verließ die Kapelle und reckte sich in der warmen Frühlingssonne. Den Schlüssel zur Haupttür verstecken wir draußen über dem Fenster. „Ihr ahnt nicht. der Plan stimmt nicht! Wenn Herr Kastl unter dem Gewächshaus auch nur auf eine Tempelmauer gestoßen ist — statt auf die Grabstätte —. meinte Tobbi.“ In der Bibliothek trafen sie sich mit Tini. „Kluges Mädchen. Ursel und Claudius. dann müssen wir das nächste Mal nicht durch die Sakristei einsteigen. damit du ihn darüberlegen kannst“. Schweigend studierte er die verschie­ denen Markierungen. stöhnte Tina. „Wir haben festgestellt. war das ein Eiskeller! Mir klappern noch die Zähne“. auf der nun nur noch die Umrisse und Beschriftungen der römischen Siedlung zu sehen waren. sagte Uli. „Mann. dann muß der Maßstab verkehrt sein. keine Katze zu sehen. sagte Moni zu Pit.“ „Das kann man doch ausrechnen“. Tja — es bleibt dabei. wie wir für euch gefroren haben. und du gehst mit runter“. gab Tina zur Antwort. „Hier habe ich den Plan der Gesamtanlage von Schloß Berg­ heim noch einmal auf durchsichtiges Papier gezeichnet. Der Plan stimmt nicht. „Alles klar. Ich hätte gern mit dir getauscht“. sagte Tini. Zeig mal her!“ Tobbi nahm Claudius die Fotografie aus der Hand.„Okay. gehen wir.

was Tina da eben gesagt hatte. ich habe es auf dem anderen Plan gelesen. Erst richtig herum — dann stellte sie ihn auf den Kopf.Während Uli eifrig Zahlen auf ein Papier kritzelte und komplizierte Berechnungen anstellte. „Ich hab’s doch selbst gesehen. ich weiß schon. Uli und Kai rissen die Köpfe hoch. Tina nahm den auf dünnes Pergament gezeichneten Plan der Anlage von Schloß Bergheim und legte ihn über den Plan der römischen Siedlung. Die anderen folgten gebannt jeder ihrer Bewe­ gungen. sie hatten gar nicht zugehört. Tina!“ Tini starrte die Freundin an. „Tatsächlich.“ „Dann zeig’s mir!“ Tini schaute auf den Plan und runzelte die Stirn. woher weiß Herr Kastl dann. Die anderen schauten sie verständnislos an. Tina schob den Plan hin und her. „Mensch. „Wieso — das muß doch draufstehen“. das ist die Lösung! Der Plan war seitenverkehrt abgezogen! Schaut euch das an — jetzt liegt der größere Tempel unter dem Gewächshaus und reicht bis an den Pulverturm heran — und der kleinere unterhalb der alten . brummte Tobbi. Schließlich war sie mit ihrem Werk zufrieden und schaute Tini und Tobbi herausfordernd an.“ „Klar steht es drauf. vertiefte Tina sich in den Plan.“ „Meinst du? Aber wenn auf dem Plan der römischen Siedlung nun keinerlei Angaben über die Himmelsrichtungen sind. „Wo ist hier eigentlich Osten?“ fragte sie. du hast bloß keine Augen im Kopf“. drehte und wendete ihn. „Steht aber nicht. Ist ja auch egal. Dem Plan von Schloß Bergheim. spottete Tini. wie die Lage der Gebäude ist?“ Tobbi. Aber wieso — ach. der Uli über die Schulter sah. „Seitenverkehrt! Menschenskind. Tobbi riß die Augen auf vor Staunen.

„Kinder — jetzt gibt es kein Zurück mehr! Der römische Feldherr muß sich uns ergeben!“ In der alten Kapelle spukt es Drei Abende lang hatte nun schon eine kleine Schar ver­ mummter Gestalten den Weg aus dem Schlaftrakt über den Küchenvorbau in den Park zur alten Kapelle eingeschlagen. Und hier —direkt anschließend die Grabstätte. So bekamen sie die Aufgabe. un­ gesehen aus dem Haus zu kommen. er bleibt erst mal im Pulverturm — oder in seinem Gewächshaus. Die Mädchen waren nicht mit von der Partie. Ich hoffe. Jetzt will ich’s wissen. Sobald wir festgestellt haben. aber die Jungen hatten gemeint. „Richtig. wenn der Maulwurf endlich in seinem Zimmer verschwunden und zu . genau gegenüberliegen. daß du recht hast.Kapelle. die wir entdeckt haben. an welcher Baustelle unser Maulwurf gerade arbeitet. Tina und Tini hatten sich zwar erboten. Hoffentlich gelingt es uns. bei den Ausgrabungen zu helfen.“ Tobbi nahm die Pose eines Schlachtensiegers an. wenn sich rausstellt. war dort schweigend im Innern des Kirchleins verschwunden und erst nach Stunden wieder aufgetaucht. „Tina. „Heute nacht. stimmt’s?“ fragte Rudi. fangen wir an. bist du wirklich ein Genie!“ „Wann beginnen wir mit dem Graben?“ fragte Uli. Wenn wir hier auf der anderen Seite graben. Herrn Kastl zu bewachen und den Jungen ein Zeichen zu geben. sie könnten an anderer Stelle wirk­ samere Dienste tun.“ „Wir müssen also von dort aus schräg nach unten gehen!“ Kai war ganz rot vor Aufregung.“ „Die müßte dann den Säulen. müßten wir draufstoßen.

„Letzte Nacht sind wir an einen Stein­ block gestoßen. daß ich noch eine Spitzhacke organisieren kann — und vielleicht einen schweren Vorschlaghammer. Rudi und Pit gemeinsam in einem Viererzimmer wohnten. war es nicht schwer. ihn bis zum Bahnhof mitzunehmen“. „Na. noch einige Meter tiefer nach der Grabstätte zu suchen. das einen Teil der Schüler ergriffen hatte. „Heute abend könnt ihr mitkommen. und die Mitschüler sich kräftig über die Kameraden lustig machten.Bett gegangen war. um wahr zu sein“. wenn ihr wollt“. „Ob er die ganze Nacht wegbleibt? Das wäre fast zu schön.“ Es waren nur wenige Minuten vergangen. Wahrscheinlich hatte er beschlossen. Aber der Maulwurf ist weggefahren. daß er Herrn Schöller gebeten hat. Gemerkt hatte bisher niemand etwas. Herr Kastls bevorzugte Ausgrabungsstelle schien zur Zeit das Gewächshaus zu sein. sie spät abends oder manchmal erst nachts herauszutrommeln.“ „Wer bewacht heute den Maulwurf?“ „Moni ist dran. daß Tina recht gehabt hat. Da Tobbi.“ Es klang ganz feierlich. sagte Tobbi zu den Mädchen.“ Kai war mit drei Sätzen an der Tür. Uli. meinte Claudius. die kommende Nacht wird uns den Beweis liefern. „Außerdem werden wir alle zur Verfügung stehenden Kräfte brauchen können“. erzählte Ursel. Wenn sich die Lehrer auch über das ungewohnt große Maß an Frühjahrsmüdigkeit wunderten. die nach dem Mittagessen statt auf den Sportplatz zu gehen oder draußen herumzutoben sich auf ihre Betten legten und wie die Siebenschläfer schnarchten. . sagte Uli. „Wartet hier auf mich. das wird sich doch feststellen lassen. Ich glaube. ich bin gleich wieder da. Ich habe gehört. „Ich werde sehen. als er wieder ins Zimmer trat.

beruhigte Pit sie. sonst können wir nicht hören. „Wie unheimlich die Stille ist“. Kein Laut.“ Unten in der Gruft prasselten die Schläge gegen die bröck­ lige Steinplatte. kein Hammerschlag drang nach draußen. Tini und ihre Freunde tief unten in der Gefangenengruft an die Arbeit machten. flüsterte Moni. schleichen wir uns auf dem gewohnten Weg nach draußen. die anderen legten rechts und links von . „Sonst noch was?“ „Ja. wenn jemand kommt. „Warum hört man nichts von unten?“ „Es ist so tief unter der Erde. wenn ich bitten darf! Daß mir keiner das Unter­ nehmen in letzter Minute gefährdet!“ „Aye. „Wir graben sie aus.“ Die Kirche lag so still. Ein paar Dosen Limo oder Cola wären auch nicht schlecht. „Alles klar? Sowie Ruhe im Haus ist. Draußen auf der Friedhofsmauer saßen dicht nebeneinander Pit und Moni wie zwei riesige schwarze Vögel. als hätte seit Jahrhunderten kein Mensch den Fuß über ihre Schwelle gesetzt. man verdurstet bei der Arbeit da unten. Und jetzt halt den Mund. aye. Sie hielten Wache und starrten angestrengt den Weg hinauf. Herr Kastl hat sich bis morgen abend Urlaub genommen — er mußte wegen dringender Geschäfte in die Stadt und will über Nacht wegbleiben!“ Tobbi rieb sich zufrieden die Hände. was sonst. als sich Tobbi. da kann man gar nichts hören“. den man mehr ahnte als sehen konnte. Immer zwei der Jungen schlugen mit Spitz­ hacken auf sie ein. Sir!“ Tini salutierte.„Freunde — unsere kühnsten Hoffnungen erfüllen sich: Ich war eben bei Frau Krull. nehmt noch ein paar Ersatzbatterien für die Lampen mit und eine kleine Flasche Petroleum. „Und wenn die Grube nun einstürzt und sie alle unter sich begräbt? Was machen wir dann?“ fragte Moni ängstlich. Äußerste Vorsicht beim Hinausgehen. Tina.

die leise zu zittern schien. Mit dem Stein sackte ein ganzes Stück des Bodens weg. schnell!“ Tobbi tastete sich vorsichtig bis an den Rand der Öffnung. Räuspern und Husten. Aber da war es schon zu spät. dann machen wir Pause“.ihnen weitere Teile des Gebäudes frei. Es sah aus. „Was ist?“ „Hört doch mal genau hin!“ Uli schlug langsam. wo ich bin!“ „Ist doch klar“. „Kinder. Tina schrie auf. Oberhalb der Platte entstand ein zentimeter­ breiter Spalt. „auf kürzestem Wege zu . Es prasselte und polterte. „Es knirscht!“ Tini sah wie gebannt auf die Platte. „Juhu — gleich haben wir’s geschafft!“ Rudi ergriff übermütig eine Axt und drosch mit aller Kraft auf den Stein los. ermun­ terte Tobbi die Freunde. Dann folgte ein Schwall von Flüchen. „He. seid mal ganz ruhig!“ Uli stand in gebückter Haltung und lauschte. langsam senkte sie sich in die Tiefe und gab den Blick auf ein riesiges schwarzes Loch frei. als ließ eine unsichtbare Hand die Platte in der Versenkung verschwinden. . mit schweren Schlägen. Staubwolken quollen aus der Tiefe — dann war alles still. und mit ihm Rudi. kam es nach einer ganzen Weile von unten herauf. „Nein — ich glaube nicht.“. flüsterte Tina aufgeregt. „Es klingt hohl“. gegen die Platte. . murmelte Kai. „Rudi! Rudi — ist dir was passiert? Antworte doch! Bist du tot? Rudi!?“ Atemlos horchten sie in die Stille. der darauf gestanden hatte. „Eine Viertelstunde noch. „Alle Lampen her. was ist los? Will mir nicht mal einer ’ne Lampe runter­ werfen? Ich möchte gern feststellen.

“ „Daran habe ich keinen Augenblick gezweifelt“. daß er einen Augenblick nicht wußte. du kriegst einen Orden“. Tobbi war so verblüfft. auf dem er stand. wenn man zuviel ißt. und wagte sich dann an den äußersten Rand der Öffnung.Grabe gefahren! Das kommt davon. stammelte er schließlich. sagte Tina geziert. „Tina. „Mein sechster Sinn. was er sagen sollte.“ Tobbi prüfte sorgfältig den Boden. Drei Meter unter ihm saß Rudi auf einem Schutthaufen — und neben ihm schimmerte in zartem Weiß der Deckel eines reich verzierten Sarkophags aus Marmor. verstehst du?“ „Menschenskind. willst du mich hier verschmachten lassen? Mit dem Stein sackte der Boden weg und mit ihm plumpste Rudi in die Tiefe . „Du hast recht gehabt.

Gebt mir die Leiter runter — oder wenigstens ’ne Taschen­ lampe!“ schimpfte Rudi. „Idiot“. uns die Leiter runterzugeben“. sagte Tini.“ „Wieso. wie Rudi seine Umgebung ableuchtete. .“ „Vielleicht macht das auch die Luft da unten“. Tina hüpfte wie ein Eich­ hörnchen die Sprossen hoch und rannte zur ersten Kirchen­ . wir müssen ihm helfen!“ „Klettert nach oben und holt die Seile!“ befahl Tobbi. sagte Ursel ängstlich. Aber ich glaube eher. Tobbi. Rudi?“ rief Tini hinunter. „Dann geht schon mal hoch. Ursel. . „Kannst du die Inschrift auf dem Sarkophag lesen. „Wir werden ihn hochziehen müssen. „Wahrscheinlich hat er eine Gehirn­ erschütterung von dem Sturz. es ist der Sauerstoff­ mangel“. He! Er kippt um — schnell. Tobbi warf ihm seine Lampe hinunter und beobachtete. . Tini und Uli kletterten hinter Tina her und zogen die Leiter nach oben. Ursel. wenn er ohnmächtig ist. Du auch. Dann faßte er sich an den Kopf. schlug Uli vor. eine richtige Schmuckkassette! Und Waffen. Rudi richtete den Strahl seiner Taschenlampe auf den Sar­ kophag. ich glaube mir wird schlecht. „Mir ist auch schon ganz komisch. wo sich inzwischen in der Öffnung die Köpfe der Freunde heranschoben. Kai und ich schaffen das allein. sagte Claudius. um sie an den Ausstieg aus der Bergheimschen Familiengruft zu stellen. daß sich da giftige Gase gebildet haben?“ „Keine Ahnung.“ Rudi schaute nach oben. . zischte Tina. „Entschuldigt. Und vergeßt nicht. was steht denn drauf?“ fragte Uli. Wir sollten alle an die frische Luft gehen“. „Ist es möglich. „So vornehm möchte ich auch mal wohnen — Mann.

Wir haben das Grab gefunden — aber Rudi ist abgestürzt und liegt ohn­ mächtig unten. „Der Maulwurf kommt mit noch einem Mann!“ zischte Pit. wurde die Tür aufgerissen. Aber Moni muß Hilfe holen. wir wollten ihn gerade raufholen . . Gerade als Tina mit dem Bündel Seile die Leiter besteigen wollte. wahrscheinlich paßte der Große. wo bereits Tini und Ursel saßen. daß nicht mal Uli sein Weg­ gehen bemerkte. „Moni hat sich draußen versteckt“.bank vor. Dicke nicht durch die Öffnung. kapiert? Wer weiß. . Nein. Die Männer unterhielten sich leise miteinander. „Volle Deckung!“ Tina gab den Schreckensruf nach unten weiter.“ „Ihr habt den Schatz tatsächlich gefunden?“ „Pst — darüber können wir später reden. wenn sie ihn da unten finden. dann rannte sie zum Altar und versteckte sich unter den weit überhän­ genden Tüchern. unter der die Seile lagen. klar? Wir werden vielleicht deine Hilfe brauchen. Und du kommst sofort zurück. raunte er. man hörte ihn leise fluchen. „Sie soll losrennen und Direktor Möller Bescheid sagen. Pit kroch in seine Richtung und legte sich dicht neben ihn. Tini. durch das Fenster der Sakristei zu klettern. Uli hatte sich unter einer Kirchenbank versteckt. An der Tür blieb er einen Augenblick stehen.“ Pit verdrückte sich so lautlos. „Kannst du dich zu Moni schleichen?“ flüsterte Uli. rennt sie los und holt Hilfe —pssst!“ Das Fenster in der Sakristei quietschte in den Angeln. die Männer waren immer noch dabei. Ursel und Uli folgten ihr nach oben und ließen sich aufatmend auf die Altarstufen fallen. „Wenn die beiden Kerle tatsächlich reinkommen und nach unten steigen. was die Männer mit dem Jungen machen. .

hä? Und du warst dir deiner Sache so sicher!“ „Vielleicht können wir ihn überrumpeln — los. hörte Tina den Dicken sagen. „Pst — laß mich mal hören. „Mist. komm!“ Die beiden Männer stiegen die Leiter hinunter. was machen wir nur?“ „Komm. was sie sagen!“ In der Gruft klangen die Stimmen dumpf und überlaut. vielleicht können wir ihnen die Leiter wegziehen. Herr Kastl und sein Freund Willi hatten inzwischen die Kapelle betreten. „Hier geht’s lang“.“ „Und die Jungen auch!“ flüsterte Tini. „Immerhin sind sie in der Überzahl.Blitzschnell schob sich Pit nach draußen und rannte zu Monis Versteck. „Sie müssen sich versteckt haben“. hörte Tina Herrn Kastl sagen. sie haben die Leiter schon unten!“ „Was tun sie?“ Tini schob sich an Tina heran. „Pssst!“ „Menschenskind. flüsterte Ursel dicht an ihrem Ohr. wir schleichen ihnen nach. „Das gibt’s doch nicht! Da ist jemand drin!“ „Ist uns jemand zuvorgekommen. Otto! Da hat dir einer die ganze Arbeit . „Sie haben die Seile gefunden“. wisperte Ursel erschreckt. „Niemand da“. dann sitzen sie in der Falle. „Du lieber Himmel. das Echo hallte von allen Wänden zurück.“ Tina schlich bis zum Rand des Einstiegs. der schmale Lichtstrahl einer Taschenlampe fiel vor ihnen auf den Boden und setzte sich Richtung Altar in Bewegung. Sie flüsterten miteinander. „Hinter dem Altar ist der Einstieg und da drüben — verdammt!“ unter­ brach er sich. „Was ist los?“ fragte der andere heiser.

und die Beute ist ver­ schwunden“. „Wir müssen sie das Zeug finden und wegschleppen lassen“. sie hätten uns erwischt und wären nur deshalb hier herunter gekommen. Und die Seile lagen unten. „Sonst leugnen sie alles und behaupten. wie sie am klügsten vorgehen sollten. beschloß. Wenn die beiden nun nach unten steigen und Rudi dort finden!“ Beide überlegten fieberhaft. flüsterte Claudius zurück. „Gib die Leiter her. Als die Männer den Einstieg zur Grabkammer entdeckt hatten. Rudi. sagte Herr Kastl kichernd. wo Pit und Uli sind. sich so zu verstecken.abgenommen! Sieh dir das an — und jetzt ist er wahrscheinlich weggerannt. Vielleicht können die uns helfen!“ Ebenso fieberhaft. vergaßen sie vor Entzücken völlig. „Ich geb’s an Kai weiter. „Schau doch mal.“ „Klare Sache“. überlegte unten Tobbi. und Herr Kastl fiel mit ein. Das Licht der Taschen­ lampe. sich einfach weiter ohnmächtig zu stellen. wenn er zurückkommt. flüsterte Tobbi. die Rudi aus den Händen gefallen und den Schuttberg hinuntergerollt war und nun die Grabkammer magisch . „Das Gesicht. daß die Männer sie nicht sofort entdecken konnten. wir müssen uns beeilen!“ Tina flüsterte ihrer Freundin ins Ohr: „Hoffentlich machen die Jungen keinen Fehler. den Raum näher zu beleuchten. um sich einen Sack zu holen — für die Beute!“ Er lachte hämisch. wie sie helfen könnten. war das Glück der Jungen. Sein meckerndes Gelächter hallte schauerlich in der dunklen Gruft. Tini und Ursel nach einer Lösung suchten. der Dussel.“ Daß die beiden Männer nur eine Taschenlampe bei sich hatten. In aller Eile war es ihnen gelungen. der aus seiner kurzen Ohnmacht erwacht war und gerade noch den Schreckensschrei von Tina gehört hatte. wie Tina. Aber dazu hätten sie eine zweite Leiter gebraucht — oder wenigstens Seile.

was wir Vorhaben. Während sie die um den Sarkophag aufgebauten Scha­ tullen leerten. Und mach. wann der Kerl zurückkommt. wer weiß. daß ich erst niesen muß. er war zwischen dem Haufen aus Erde und Steinen kaum zu er­ kennen. „Kommt nicht in Frage!“ knurrte Herr Kastl. „Damit du mit dem Zeug abhaust und mich hier unten krepieren läßt. denn die haben ja wir hier. und beide Männer begannen. Lieber Gott. Zum Glück sahen es die Männer nicht. zog die beiden Diebe an wie der Honig die Bienen. es könne noch jemand anwesend sein. Sie dachten gar nicht an die Möglichkeit.“ „Beeil dich. wenn sie wieder oben sind! Herr Kastl hatte seine Jacke ausgezogen.“ . „Wir brauchen Verbindung zu Tina und Tini“. Rudi hatte sich ins Dunkle rollen lassen. Und dann — zack!“ Rudi zuckte zusammen.“ „Also gut.beleuchtete. berieten sich oben flüsternd die drei Jungen. Möglicherweise holt er sich Hilfe . flüsterte Tobbi. ich bring das Zeug nach oben und komme mit einem Sack zurück“.“ „Schiß. der hier so freundliche Vorarbeit geleistet hat.“ „Dann muß er sich erst ’ne neue Leiter organisieren. „Mehr geht nicht rein. Sobald wir was hören. was?“ „Blödsinn. machen wir das Licht aus und lassen sie kommen. Warte. sagte der Dicke. daß die Gier sie blind macht! dachte er. Und die Seile dazu. Wo sind die Seile? Damit können wir das Zeug zusammenbinden. die Beute daraufzuhäufen.“ „Quatsch. . gib. nehmen wir meine Jacke noch dazu. Seine Kleider und sein Gesicht hatten die graue Farbe des Gerölls angenommen. . „Damit sie wissen. was redest du denn da!“ „Ich bleibe nicht allein hier unten.

Die Arme begannen ihm lahm zu werden. Hat sich versteckt. Mörtel und Stein­ brocken lösten sich und prasselten nach unten. „Pst!“ machte Herr Kastl. Claudius fühlte den Rand der Öffnung unter seinen Fingern.“ Kai schob sich so leise es ging auf Tobbis Rücken. Halt dich an der Mauer fest. als er sich Zentimeter für Zentimeter hochzog. „He! Ihr da oben! Hört ihr mich?“ „Nicht so laut. Dann kroch er zum Ausstieg aus der Gruft und richtete sich auf. Ritzen und Vorsprüngen notdürftig Halt finden. einen Augenblick fürchtete er. sind sie doch sofort gewarnt“. Geschafft! Erschöpft ließ er sich einen Augenblick flach auf den Boden fallen. Es war nur der Schock und die urigewohnte Umgebung. glaube ich. er würde abstürzen — aber er mußte es einfach schaffen! Sein Gesicht verzerrte sich vor Anstrengung. der ein gewandter Turner war. Was gibt’s? Wie geht’s Rudi?“ „Er ist wieder okay. kletterte an den beiden hoch wie an einem Baumstamm. „Und wenn wir einen Turm bauen? Du kletterst auf meine Schultern und Claudius auf deine?“ „Das könnte gehen. genau wie wir. dann setzte er die Füße auf seine Schultern und Tobbi richtete sich auf. damit du ruhig stehst.„Aber wie? Wenn wir denen da unten die Leiter wegziehen. „Hat sich sicher nur ein Steinbrocken gelöst. Alles ruhig“. raunte Kai. Jetzt steckte er in dem gemauerten Schacht und konnte an den Unebenheiten. Versuchen wir’s. „War da nicht was?“ Die Jungen erstarrten und wagten nicht mehr zu atmen. Claudius schaute nach oben und legte die Hände an den Mund. knurrte der Dicke. Da müßt ihr ihnen den Weg abschneiden und . wir sind da. Hört zu — wir wollen die Kerle mit der Beute nach oben kommen lassen. Claudius.

. „Achtung!“ flüsterte Tobbi Kai ins Ohr. ziehen wir ihnen die Leiter weg. . Genau in dem Augenblick. um die Leiter hochzuziehen. zogen Tobbi und Kai sie nach unten weg. abzuhauen — so lange.“ Tobbi und Kai drückten sich hinter die Säulen ins Dunkle. „Die Leiter ist runtergerutscht!“ „Blödsinn. das gibt’s doch gar nicht!“ „Wenn ich es doch sage! Vielleicht hat der Boden nach­ gegeben . auf dem wir hochsteigen können. Verflucht. bis Herr Direktor Möller mit der Polizei kommt. Dann ließ er den Dicken nach oben steigen und folgte ihm so dicht.“ . daß er fast mit der Nase die Stiefel des anderen berührte. der hinauf zur Familien­ gruft führte. Ich muß mich verstecken. Klar?“ „Wie sollen wir das machen?“ „Laßt euch was einfallen — pst. „Was ist los?“ fragte der Dicke. Dann sitzen sie in der Falle.“ „Laß mal sehen — tatsächlich. er könnte doch noch unten zurückgelassen werden. Wahrscheinlich hatte er Angst. während Herr Kastl ächzend die Leiter aus der Grabkammer hochzog und in den Schacht schob. Herr Kastl stieß einen Fluch aus. .“ „Armer Claudius. leise. „Wenn sie oben in der Familiengruft sind.“ „Er wird sich schon verstecken. wie kommen wir jetzt da hoch?“ „Wir müssen irgendwas finden. . in dem Herr Kastl .“ Herr Kastl und der Dicke hatten ihre Beute zusammenge­ rafft und stiegen die Leiter herauf.sie daran hindern. sie kommen. „Achtung — jetzt!“ kommandierte Tobbi.oben ange­ kommen — sich umwandte.

. schnell! Hoffentlich kommt Direktor Möller bald . am Ende fällt es dem Herzchen noch ein zu schreien!“ „Armer Claudius“. Willi — wir müssen ihn knebeln und fesseln. „Wie können wir ihm bloß helfen?“ „Wir müssen sie ablenken — los! Wir werden ein bißchen Gespensterzauber machen.Herr Kastl leuchtete mit der Taschenlampe in jeden Winkel der Gruft. fing das Lasso auf und hielt es fest. „He!“ schrie er plötzlich auf. so daß der Dieb glaubte. . und der Mann stürzte fluchend zu Boden. Eine weiße Gestalt. von unirdisch grünlich-gelbem Licht umgeben. Schnell. das wird sie abhalten. wo er die Ecke der Deckelplatte vermutete. dorthin. Tini sah es. Nehmt die Altartücher und die Taschenlampen. Claudius etwas anzutun. Halt gefunden zu haben. Aus dem zweiten Seil hatte der dicke Willi inzwischen eine Art Lasso geknüpft. „Hab ich dich! Da hat sich der Halunke versteckt! Na warte — du wirst uns die Tour nicht vermasseln. ließ Tini los. Wie ein verschnürtes Paket lag der Junge am Boden und mußte sich gefallen lassen.“ Herr Kastl hatte Claudius mit sicherem Griff gefesselt und ihm einen Knebel in den Mund gesteckt. nun sei es genug. flüsterte Tini. bis Tini fand. das er durch die Öffnung nach oben warf. daß der Dieb ihn trat und schubste. „Sie haben Claudius gefangen.“ Tina rannte zu Pit und Uli hinüber. schwebte mit leisen Heultönen heran und bewegte sich flatternd um die Öffnung. 8 7806-8 . Sagt Uli und Pit Bescheid — wir müssen uns auf den ganzen Raum verteilen — sie müssen glauben. Aber sobald er sich hochziehen wollte. Das wiederholte sich ein paarmal. Wir müssen sie ein bißchen nervös machen. sie wären umstellt von Geistern.

Hab sie ans andere Ende des Seils geknüpft. während Tini hinter den Altar zurückwich. „Nichts wie weg hier!“ knurrte der dicke Willi und riß einen der Beutel an sich. Die Lampe ließ er für einen Augenblick neben sich am Boden stehen.“ „Hihihihi. grunzte der Dicke und warf das Lasso noch einmal hoch. „Dann zieh doch. flüsterte das Gespenst im Zurückweichen. daß wir mit dem Zeug wegkommen“. . Erst ich. „Kannst du nicht ordentlich leuchten. Ächzend und stöhnend zog sich der Dicke nach oben. jammerte der dicke Willi. „Los. Klirr! bekam sie einen Stoß. . dann die Beute!“ „Wie kann man nur so mißtrauisch sein unter Freunden!“ jaulte ein hohes Gespensterstimmchen. „Bist du völlig übergeschnappt?“ brüllte Herr Kastl und rappelte sich hoch. „Nun komm schon.„Wir haben alle Ausgänge verbarrikadiert“. „Gib mir die Lampe!“ Herr Kastl stellte sich auf die Füße und griff nach dem zweiten Beutel. du Trottel!“ Endlich hockte Herr Kastl auf dem Rand der Öffnung und zerrte schnaufend das Seil mit den beiden zu Beuteln geschnürten Jacken hoch.“ „Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu — laß uns bloß machen. „Na. „Hä?“ machte der dicke Willi erschreckt und ließ das Seil los. an dem sich Herr Kastl gerade in die Höhe hangelte. kippte um und kullerte auf die .“. du Trottel“. ich will hier raus“. rief er Herrn Kastl zu. „Laß sie nur kommen. nun wirf mir schon die Sachen rauf!“ „Kommt nicht in Frage. kicherte das Gespenst in unirdisch hohen Tönen. los! Hilf mir rauf!“ „Und die Beute?“ „Bringe ich mit. Tini fing es auf und legte es um die Ecke der Deckelplatte.

Öffnung zu.. . Herr Kastl wollte noch danach greifen. „Kchichichichichichichi. „Hihihihi. euch werde ich schon vertreiben!“ brüllte Herr Kastl und suchte nach der Eisenstange.“. „Otto? Wo bist du?“ keuchte der dicke Willi. machte das Gespenst und flatterte vor dem Altar hin und her.. . machte ein zweites Gespenst. „Na warte.“. . das über den Kirchenbänken erschien. aber da stürzte sie schon in die Gruft und zerschellte.

. „Hast du die Eisenstange?“ hechelte der dicke Willi.“ „Ich weiß was“. „Die Fenster sind zu hoch!“ schrie Herr Kastl. „Licht!“ brüllte der dicke Willi. lachte das Gespenst von der Empore. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen.“. „Verdammt. aber niemand war da. machte die Orgel. Die Scherben fielen klirrend in die dunkle Kirche. . „Raus hier!“ keuchte Herr Kastl und rannte zur Sakristeitür. „Düdelüdelüd . „Wir müssen ihn ablenken. Herr Direktor Möller verzeiht mir!“ Sie schob die Eisenstange über das Geländer der Empore an eines der hochgelegenen Fenster heran und stieß zu. . sie ist weg — spurlos verschwunden!“ Voller Panik warf sich Herr Kastl gegen die Sakristeitür.“ Während Pit davonschlich. der Tasten oder Pedale drückte. wisperte sie ihren beiden Gespenstern zu. sie zu halten“. „Helft mir. „Gleich könnt ihr was erleben. wisperte Pit und verließ sein Versteck hinter der Orgel.“.„Tüdelüdüd . „Abgeschlossen! Wieso ist sie abgeschlossen?“ Der dicke Willi war zur Haupttür gelaufen. flüsterte Tini. . b e g a n n die Orgel zu klimpern. Die beiden Männer sahen sich erstaunt an. wo ist denn hier der Lichtschalter?“ Wie von Geisterhand flammte das Licht auf. „Jetzt wird’s brenzlig. „Die Geister der Toten!“ In diesem Augenblick begann die Glocke zu läuten. . schlag ein Fenster ein!“ Klick! erlosch das Licht wieder. „Nein. Laut . „Hihihihi. „Gott steh mir bei!“ ächzte der dicke Willi. die hält nicht viel aus“. „Los. „Ich hoffe. knurrte er. nahm Tini die Eisenstange. „Natürlich auch zu“.

und dröhnend schallte sie durch die Nacht. „Bravo, Pit!“ flüsterte Tini. „Liiiiiicht!“ brüllte Herr Kastl völlig außer sich. Sein Wunsch wurde erfüllt, allerdings anders, als er es sich vorgestellt hatte. Denn um die Kirche herum flammten Scheinwerfer auf. „Kastl! Kommen Sie raus! Die Kirche ist umstellt, Sie haben keine Chance zu entkommen!“ bellte eine scharfe Stimme. „Polizei! Kommen Sie raus, oder wir schlagen die Tür ein!“ „Moment, ich schließe auf!“ rief Tini, und Uli drehte das Licht an. Tina und Ursel entledigten sich der weißen Altartücher, die ihnen als Gespenstergewand gedient hatten, und Pit ließ das Glockenseil los. Fassungslos starrte Herr Kastl auf die Kinder. „Herr Kommissar“, kreischte er, „Sie sind im Irrtum! Wir haben diese Kinder belauscht, wie sie eine Grabstätte plündern wollten! Wir haben sie auf frischer Tat ertappt!“ „Herr Kommissar“, Tini trat auf den Kriminalbeamten zu, „ich bin froh, daß Sie so schnell gekommen sind. Lange hätten wir nicht mehr durchgehalten. Die Jungen sind unten in der Gruft — Claudius haben sie gefesselt — und Rudi. ..“ In diesem Augenblick steckte eine verstaubte Gestalt den Kopf aus der Öffnung zur Gruft. „Alles klar!“ sagte Tobbi, und seine Zähne blitzten weiß in dem dreckverschmierten Gesicht. „Da sind wir schon.“ „Und das ist vermutlich die Beute?“ Ein Polizist beugte sich zu den Jackenbündeln hinunter und öffnete sie. „Nicht schwer festzustellen, wem diese Jacken gehören . . .“ „Abführen!“ befahl der Polizeikommissar. „Das gleiche gilt für euch, meine Lieben“, sagte Direktor Möller. „Raus mit euch, macht, daß ihr unter die Dusche und ins Bett kommt! Wir sprechen morgen über alles. Rudi

kommt auf die Krankenstation, wollen erst mal feststellen, ob ihm auch wirklich nichts fehlt. Wer Hunger oder Durst hat die Hausmutter weiß Bescheid, sie wird euch etwas geben.“ „Und ob!“ seufzte Rudi auf.

Das Landschulheim wird berühmt
„Was is ’n da los?“ fragte Adelheid, die neben Rudi am Geländer zur Auffahrt lehnte, und zupfte die Rüschen an ihrer Bluse zurecht. „Das weißt du nicht? Eine Expertenkommission. Haben unsere Ausgrabungen begutachtet. Lauter wichtige Leute, der Bürgermeister, Archäologen, Professoren — und jemand von der Regierung“, sagte Rudi herablassend. „Sogar in den Zeitungen haben sie über uns geschrieben. Hast du’s nicht gelesen?“ „Püh!“ machte Adelheid. „Ihr bildet euch wohl ’ne Menge auf eure Heldentat ein, wie?“ „Na, immerhin wird uns zu Ehren sogar ein Fest gegeben.“ „Ein Empfang“, mischte sich Kai ins Gespräch. „Von mir aus.“ Adelheid schritt hüftschwenkend davon. „Blöde Ziege!“ murmelte Rudi. „Laß sie, die ist ja bloß neidisch“, besänftigte Kai ihn. „Die wär doch selig, wenn man mal um sie solch einen Wirbel machte!“ Tina, Tini und Tobbi kamen aus dem Haus und wollten zum Sportplatz hinüberlaufen. „Hallo, ihr drei — kommt doch mal hierher!“ rief Direktor Möller ihnen zu. „Meine Herren“, sagte er zu seinen Beglei­ tern, als Tina, Tini und Tobbi vor ihm standen, „hier kann ich Ihnen die Hauptakteure vorstellen. Tina und Tobbi Greiling und Tini Paulsen —seit Jahren schon unzertrennliche Freunde.“

„Ja, und offenbar nicht zum erstenmal die siegreichen Helden bei einer Verbrecherjagd“, sagte der Bürgermeister. „Wie ich höre, seid ihr bereits auf dem Weg, Meisterdetektive zu werden.“ „Na, so wild ist es nicht“, platzte Tobbi heraus. „Wir hauen auch manchmal ganz schön daneben.“ Die Herren brachen in schallendes Gelächter aus. „Das ist ein Satz, den jeder einigermaßen selbstkritische Polizeibeamte auch von sich sagen kann“, sagte einer der Herren schmunzelnd. „Ich schließe mich da nicht aus.“ „Herr Kommissar!“ Tina trat auf den freundlichen Hünen zu. „Ich würde gern etwas fragen.“ „Ja, bitte?“ „Wie ist Herr Kastl eigentlich auf die Idee gekommen, aus­ gerechnet hier in Bergheim nach dem römischen Kastell zu suchen?“ „Nun, die Frage kann ich dir leicht beantworten. Unser guter Kastl — eigentlich heißt er Krausebier —, ein gescheiterter Wissenschaftler, hat sich jahrelang als Sekretär, Hauslehrer und Bibliothekar durchgeschlagen. Bei seinem letzten Arbeitgeber, einem alten Grafen, der ihn beauftragte, seinen Nachlaß zu ordnen, stieß er auf Dokumente, die über das verschüttete Kastell und die darin verborgenen Schätze berichteten. Von nun an war unser Freund Krausebier besessen von dem Ge­ danken, mit Hilfe des Römerschatzes reich und berühmt zu werden — so besessen, daß er sich sogar den Namen Kastl — Kastell — zulegte. Nicht besonders originell, muß ich sagen.“ „Nun, den Ruhm hat er ja nun“, sagte der Bürgermeister lachend. „Allerdings anders, als er sich das vorgestellt hat.“ „Und was spielte der dicke Willi dabei für eine Rolle?“ fragte Tini. „Oh, Willi ist im Gegensatz zu Otto Krausebier alias Kastl ein echter Profi auf dem Gebiet des Einbruchs und der

“ „Ja. am Ziel zu sein. Im großen Speisesaal war ein kaltes Büfett aufgebaut. heute“. Rudi zum Beispiel hätte statt dessen liebend gern Schokolade bekommen. es wurden Reden gehalten. Wir sehen uns ja heute abend.“ Am Abend strahlte Schloß Bergheim in ungewohnt festlichem Glanz. „Alle Leute reden von uns. wenn man ihn gefragt hätte. Und unser Ruhm nützt uns nicht die .Hehlerei. die kein Mensch lösen kann. immer wieder flammten um Tina. Tini und ihre Freunde Blitzlichter auf. und die Begeisterung darüber war unterschiedlich. Die beiden haben sich durch Zufall in einer Kneipe kennengelernt. Aber nun entschuldigt mich bitte. „Na. „Aber morgen sitzen wir wieder auf der Schulbank und brüten über Matheaufgaben. was sagst du nun?“ sagte Tini und zeigte ihre Zähne. sagte Tina. Willi war die treibende Kraft bei dem Unternehmen — nachdem er einmal von dem Schatz erfahren hatte. daß man demnächst mit den Ausgrabungen der römischen Sied­ lung beginnen würde und das Landschulheim Bergheim bald Ziel zahlreicher Touristen sein würde. und die jungen Helden wurden mit ehrenden Urkunden und Geschenken bedacht. stellten Fragen und fotografierten. Allerdings blieb er in sicherer Ent­ fernung — bis es soweit war und die beiden glaubten. Wir werden berühmt. als ein Reporter seine Kamera auf sie richtete. ich habe noch zu tun. wenn die Ausgrabungs­ arbeiten abgeschlossen wären und man die unterirdischen Bauten dem Publikum zugänglich gemacht hätte. Aber Schokolade paßte wohl nicht zu so einer feierlichen Angelegenheit. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Bücher über Archäologie. und der Museumsdirektor verkündete. Zeitungsleute huschten zwischen den Tischen herum. Der Direktor übergab die aufgefundenen Schätze feierlich einem Museum. und ich nehme an.

„Und eine Ehrenurkunde! Ich habe sie schon gesehen“. „Man sagt. wenigstens eins!“ Tini legte den Arm um die Schulter der Freundin. wenn wir einen glatten Fünfer geschrieben haben!“ „Im Gegenteil“. mischte sich Tobbi ein. das man in den letzten fünfzig Jahren entdeckt hat“. . . ich solle nur tüchtig essen. erzählte Claudius.“ „Warte ab. „aber was nützt uns das letzten Endes?“ „Nun. . sagte Tina. „Und sogar einen Feldherrn!“ „Trotzdem“.Bohne. „Das Leben im Landschulheim Bergheim wird nie wieder langweilig sein!“ . es sei das interessanteste Beispiel römischer Lebensart. fiel ihr Kai ins Wort. wie er morgen ist!“ sagte Tina. „Man wird ständig von uns erwarten. „Die Schule bekommt eine Masse Geld für die ausgegrabenen Schätze!“ berichtete Kai. „Die Wissenschaftler erhoffen sich eine Menge neuer Erkenntnisse von den Ausgrabungen.“ „. daß wir Experten in den Fragen römischer Geschichte sind! Wo wir doch nun eigenhändig .“ „In den nächsten Tagen soll sogar ein Fernsehteam kommen und das Grabgewölbe aufnehmen — und die Reste der Tempel­ mauer“. der an den Tisch gekommen war. . seht ihr? Wie er mit der Frau des Museumsdirektors herumalbert! Sogar Herr Hecht ist ganz aufgekratzt. meinte Tini.“ „Mag ja sein“. mischte sich Ursel ins Gespräch. um mich für neue Taten zu stärken. Herr Direktor Möller ist noch nie so lustig gewesen wie heute. einen eingemachten Römer ausgegraben haben“. „Fehlt nur noch der goldene Lorbeerkranz. „mir macht der Rummel Spaß. erzählte Ursel. Mir hat er vorhin am Büfett den Vortritt gelassen und gemeint.