Heizkostensparen in Mietshäusern oder über die Ungerechtigkeit der Heizkostenverteiler

1 Vorwort
Dieses Schriftwerk soll all denjenigen als Ratgeber dienen, denen die Heizkosten in Mietshäusern zu hoch sind.

2 Prinzipbedingte Gründe für die hohen Heizkosten
In den meisten Mietshäusern kommt zur Heizkostenabrechnung ein Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip zum Einsatz, Beispiel siehe Abbildung 1.

Abbildung 1: Heizkostenverteiler nach dem Vedunstungsprinzip, Quelle: www.ista.de

Diese Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip benötigen eine hohe Heizauslegungstemperatur. Dies bedeutet, dass sehr heißes Wasser durch die Heizungen fließt. Je heißer das Wasser, desto höher die Verluste beim Erwärmen und Verteilen in den Rohren des Hauses. Zum Mehrverbrauch durch zu hohe Vorlauftemperaturen siehe auch Abschnitt 3.1 Ungenauigkeit der Heizkostenverteilung mittels Verdunstung.

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3 Das Prinzip der Heizkostenverteilung
Hierbei geht es darum nicht den absoluten Verbrauch, sondern nur den relativen Verbrauch zu messen. An jedem Heizkörper ist ein Messgerät befestigt, das einen extrem groben Anhaltspunkt über den Verbrauch gibt. Das Messgerät hat eine Skala. Einmal jährlich wird an dieser Skala der Verbrauch abgelesen. Nachdem es unterschiedliche Heizkörpergrößen gibt, wird der Verbrauch pro Heizkörper mit einem bestimmten Faktor multipliziert. Zum Schluss wird der ganze Verbrauch pro Wohnung addiert und anschließend der Verbrauch aller Wohnungen addiert. Danach wird ausgerechnet wie groß der Anteil an diesem Gesamtverbrauch einer Wohnung ist und gemäß diesem Anteil müssen die für die Heizung angefallenen Kosten bezahlt werden. So läuft das Verfahren ungefähr, ungefähr deshalb, weil mind. 30 % der Heizkosten nach der Fläche der Wohnung abgerechnet werden müssen, wobei diese bei unterjähriger Nutzung nicht anteilig auf die Monate aufgeteilt werden, sondern mittels der Gradtagszahlentabelle (http://de.wikipedia.org/wiki/Gradtagszahlentabelle) ermittelt werden. Nachdem die Flüssigkeit je weiter unten sie im Röhrchen ist umso langsamer verdunstet, liegen weiter unten die Striche enger aneinander. Beispiel: Oben kann 1 mm Flüssigkeitsverlust einen Strich bedeuten, weiter unten erst 2, ganz unten dann 3 Striche. Günstig ist diese Heizkostenverteilung auch nicht. In meiner letzten Wohnung stellte die Firma ista fast 20 % der Heizkosten als Kosten für die Abrechnung der Heizkosten in Rechnung, daneben verlangen die auch noch Gebühren für den Kaltwasserzähler. Die Warmwasserkosten werden auch sehr dubios ermittelt. So wird pauschal 10 °C als Kaltwassertemperatur angenommen. Um einen Kubikmeter Wasser um 1 K zu erhitzen benötigt man 4187 kJ, das entspricht 1163 Wh oder 1,163 kWh. Bei der Ermittlung der Warmwasserkosten wird jedoch mit 2,5 kWh pro Kubikmeter und Kelvin gerechnet. Das entspräche einem Wirkungsgrad von 1,163 / 2,5 = 0,4652 = 46,5 %. Klar die Heizung hat keine 100 % Wirkungsgrad und auch im Speicher kühlt das Wasser etwas ab, aber 46 % Wirkungsgrad halte ich für sehr niedrig. Mit modernen Niedertemperaturkesseln ist definitiv eine wesentlich höherer Nutzungsgrad möglich. Hier http://www.ib-strunz.de/Optimierung.html wird von ca. 52 % Jahresnutzungsgrad geschrieben, obwohl kein Niedertemperaturkessel eingesetzt wird.

3.1 Ungenauigkeit der Heizkostenverteilung mittels Verdunstung
Dieses Messverfahren mittels Verdunstungsmessung ist prinzipbedingt mehr als ungenau. In den Röhrchen befindet sich eine Flüssigkeit, hier (bei ista und vielen anderen) Methylbenzoat. Diese Flüssigkeit ist gesundheitsschädlich. Dennoch hält diese Tatsache die Heizkostenverteilerhersteller nicht davon ab diese Flüssigkeit in ihren Röhrchen zu verwenden. Wenn der Heizkörper etwas stärker aufgedreht ist, braucht man nur mal seine Nase in 10 bis 20 cm Entfernung über dieses Messgerät zu halten und man nimmt einen eigenartigen Geruch wahr, welcher vom Methylbenzoat stammt. Je heißer das Messgerät, desto mehr Verbrauch zeigt es an. Dabei ist zu beachten, dass der Verbrauch mit der Temperatur überproportional ansteigt, wie Abbildung 2 zeigt.

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Abbildung 2: Anzeigeverhalten des HKV, Quelle: www.ista.de

Als erster Tipp zum Heizkostensparen kann deshalb festgehalten werden, dass man immer nur langsam anheizen soll, d. h. das Thermostat nur schwach aufdrehen, warten bis die Heizung wieder etwas kühler geworden ist und dann minimal weiterdrehen. Das ganze macht man so lange bis die gewünschte Stufe erreicht ist. Dies ist eine gewaltige Komforteinbuße, dem Schwachsinnsmessverfahren sei Dank muss man aber so verfahren, wenn man Kosten sparen möchte. Gleichzeitig lässt sich auch festhalten, dass es wesentlich sinnvoller sein kann Durchzuheizen statt die Wohnung auskühlen zu lassen, da bei Wiederanheizen das Messgerät aufgrund der sehr hohen Heizkörpertemperatur im Hinblick auf den tatsächlichen Energieverbrauch viel zu hohe Heizkosten misst. Im Hinblick auf den CO2-Ausstieg und die Energieeinsparung ist es natürlich sinnvoller die Temperatur abzusenken. Hier muss gleich mal unterschieden werden zwischen Heizkosten und Energieverbrauch. Im normalen Einfamilienhaus mit eigener Heizung gilt je höher der Energieverbrauch, desto höher die Heizkosten. Nachdem diese Heizkostenverteiler keinen Energieverbrauch, sondern lediglich eine Temperatur über die Zeit messen und dabei auch noch bei hohen Temperaturen überproportional viel anzeigen gilt bei Einsatz von Heizkostenverteilern Energieverbrauch ist ungleich Heizkosten.

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Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip bedingen ebenfalls eine mittlere Auslegungsheizmediumtemperatur von mindestens 60 °C. Moderne Niedertemperaturkessel oder gar Brennwertkessel haben jedoch eine wesentlich geringere mittlere Heizmediumtemperatur, wodurch Energieeinsparungen von bis zu 40 % möglich sind. Bei 1000 € jährlichen Heizkosten wären das nur noch 600 € an Heizkosten, die anfielen. Hierbei darf nicht verschwiegen werden, dass größere Heizkörper benötigt werden, jedoch sind das einmalige Kosten, die sich im Laufe der Jahre sehr schnell amortisieren. Nachdem die Anschaffung der Heizkörper jedoch der Investor in das Mietshaus zahlt, die Nebenkosten jedoch der Mieter und die Investitionskosten naturgemäß niedrig sein sollen, wird beim Bau lieber eine Heizungsanlage mit höherer Vorlauftemperatur und damit kleineren und günstigeren Heizkörpern gewählt, schließlich zahlt die Nebenkosten der Mieter und nicht der Vermieter.

3.2 Heizkörper oben warm, unten kalt
Zurück zu Abbildung 2: Auf der x-Achse ist die Logarithmische Übertemperatur des Heizmediums in Kelvin angegeben. Ich versuche das etwas verständlicher zu erklären. Nehmen wir den ersten von 0 verschiedenen Eintrag, also 10 auf dieser Skala. Angenommen wir haben eine Raumtemperatur von 20 °C, dann hieße das, dass Wasser so durch den Heizkörper fließt, dass es eine logarithmische Übertemperatur von 10 °C hat. Welche Temperatur das Wasser genau hat, kann aufgrund dieser Angaben nicht gesagt werden. Die logarithmische Übertemperatur ist durch folgende Formel definiert:

T 

TV  TR T  TL ln V TR  TL

Wobei: TV = Temperatur Vorlauf TR = Temperatur Rücklauf TL = Temperatur Raumluft Jetzt nehmen wir mal 2 Beispiele, in beiden beträgt die Raumtemperatur 20 °C. Im Beispiel 1 beträgt der Vorlauf 75 °C und der Rücklauf 25 °C, das ergibt eine logarithmische Übertemperatur von ca. 20 °C. In diesem Zustand ist der Heizkörper also stark gedrosselt, sodass ausreichend Zeit ist das Wasser auf 25 °C herunter zu kühlen, bis es den Rücklauf des Heizkörpers erreicht. Im Beispiel 2 beträgt die Vorlauftemperatur 42 °C und der Rücklauf 39 °C. In diesem Beispiel hat das Thermostat weit geöffnet und viel Wasser fließt durch den Heizkörper, aber auch hier beträgt die logarithmische Übertemperatur ca. 20 °C. In beiden Fällen ist ein Thermostat vorhanden, das den Wasserdurchfluss je nach Bedarf, begrenzt. Heizkörper sind immer oben am wärmsten, selbst bei reitendem Anschluss. Beim reitenden Anschluss tritt das Wasser sowohl an der Unterseite ein als auch wieder aus. Gegenüber der Normleistung ist die Leistung des Heizkörpers hier um bis zu 8 % gemindert (Quelle Marktführer Kermi) oder sogar bis um 15 % gemindert (Quelle Handbuch der Wärmeverbrauchsmessung), im Teillastbetrieb (geringer Volumenstrom = stark gedrosseltes Ventil) noch deutlich mehr. Nachdem das Thermostat den Durchfluss stark begrenzt (außer beim Anheizen) ist das Wasser stark abgekühlt, bis es unten am Heizkörper ankommt (siehe Beispiel 1). Das kann jeder mal gerne testen, unten ist der Heizkörper deutlich kälter als oben. Nun werden diese Heizkostenverteiler aber auf 75 % der Heizkörperhöhe angebracht. Dort ist es mollig warm, während es unten kalt ist. Das Messgerät misst also extrem viel, obwohl der Heizkörper gar nicht soviel Leistung, wie in der Abbildung 2 dargestellt, abgibt. Im Beispiel 1 beträgt die Temperatur am Heizkostenverteiler vielleicht 70 °C, wodurch sich ein
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enorm hoher angezeigter Verbrauch ergibt. Abbildung 2 stellt den sog. Normzustand dar, dieser wird am ehesten im Beispiel 2 erreicht.

3.3 Wärmeleistung des Heizkörpers abhängig von der Raumtemperatur
Weiterhin gilt, dass je größer der Temperaturunterschied zwischen dem Heizkörper und der Luft im Raum ist, desto mehr Energie gibt der Heizkörper ab. Nehmen wir an Herr A hat bei offenem Fenster die Heizung voll aufgedreht, hier saugt sie die Luft mit einer Temperatur mit 0 °C an. Herr B ist gerade heimgekommen, ihn friert es, deswegen dreht er die Heizung voll auf. Bei Herrn B saugt die Heizung die Luft mit 20 °C an. Der Heizkostenverteiler bei Herrn A misst nun denselben Verbrauch wie der bei Herrn B, obwohl die Heizung bei Herrn A wesentlich mehr Energie abgibt. Streng genommen misst der Heizkostenverteiler von Herrn A sogar etwas weniger, da aufgrund der kalten Luft das Messgerät bei der gleichen Wassertemperatur nicht soweit aufgeheizt wird. Obwohl Herr A einen wesentlich höheren Energieverbrauch hat, zahlt er weniger als Herr B. Eine starke Ungerechtigkeit aufgrund eines grottigen Messverfahrens. Natürlich darf man nicht verschweigen, dass bei Herrn B das Thermostat irgendwann die Heizung reduziert und damit bei Herrn B dann weniger gemessen wird, als bei Herrn A, sodass sich Heizen mit geöffnetem Fenster in keinem Fall lohnt. Dennoch sollte diese Ungerechtigkeit nicht unerwähnt bleiben.

3.4 Der Heizkörper-Exponent
Jeder Heizkörper hat einen sog. Heizkörper-Exponenten. Dieser wird benötigt um die Wärmeleistung zu berechnen, wenn der Heizkörper außerhalb seiner Norm-Spezifikation betrieben wird. Dies passiert ständig, da eine moderne Heizung ihre Vorlauftemperatur je nach Außentemperatur anpasst. Haben nun verschiedene Wohnungen verschiedene Heizkörper, haben diese auch einen anderen Heizkörperexponenten. Konkret bedeutet das, dass nicht alle Heizkörper bei geringerer Vorlauftemperatur anteilig weniger Energie abgeben, sondern der eine z.B. um 10 %, der andere aber um 20 % (natürlich auch umgekehrt bei einer höheren Vorlauftemperatur). Mit Heizkostenverteilern nach dem Verdunstungsprinzip bleibt der Heizkörper-Exponent vollkommen unberücksichtigt. Bei elektronischen Heizkostenverteilern wäre eine Berücksichtigung des Heizköperexponenten möglich, allerdings habe ich hierzu kein Gerät gefunden, das diesen tatsächlich berücksichtigt.

3.5 Hohe Kosten dank Kaltverdunstung
Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip haben eine weitere gravierende Schwachstelle, diese nennt sich die Kaltverdunstung. Obwohl der Heizkörper aus ist, verdunstet Messflüssigkeit und damit werden Heizkosten gemessen. Hier möchte ich ein Zitat aus dem Satirehörspiel „Stenkelfeld – Die Heizungsableser kommen“ anführen. Moderator: „Nun gibt es ja immer wieder Kritik am Messverfahren. Es geht ja prinzipiell um die Verdunstung der Flüssigkeit in den Messampullen.“ Heizungsableser vom Granata-Wärmedienst: „Ja nix. Ein klares Messverfahren, je heißer, desto mehr verdunstet. Nehmen sie mal so einen Jahrhundertsommer, der zieht was weg.“ Genau hier liegt das Problem. Jemand mit einer Südwohnung, womöglich auch noch im Dachgeschoss, hat wesentlich höhere Temperaturen im Sommer in der Wohnung als jemand mit einer Nordwohnung. Nachdem das Messgerät heißer ist, zeigt es in dieser Wohnung nun auch mehr an. Jetzt mag der ein oder andere anführen, dass bei demjenigen mit der Südwohnung ja auch öfters die Sonne hereinscheint und er somit weniger heizen muss. Wer das anführt soll mal die Sonnenstunden vergleichen. Im Sommer scheint die Sonne wesentlich häufiger als im Winter. Zusätzlich steht im Winter die Sonne wesentlich tiefer. Es kann gut sein, dass einer im Sommer viel
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Sonne in die Wohnung bekommt, im Winter jedoch fast gar keine, da sich das Fenster nun im Schatten eines anderen Gebäudes oder Gewächses befindet. Und gerade derjenige mit der Dachwohnung muss mehr heizen, weil übers Dach einfach mehr Wärme entweicht als bei einer Wohnung, die sich zwischen 2 (geheizten) Stockwerken befindet. Zwar sind die Heizkostenverteiler etwas über die Nullmarkierung gefüllt, an der Ungerechtigkeit zwischen Nord- und Südwohnung ändert sich dadurch jedoch gar nichts. Ganz im Gegenteil die Überfüllung macht auch noch Probleme bei der Zwischenablese (=notwendig wenn man nicht Ablesetag ein- oder auszieht, also in 99,9 % der Fällen), sodass diese nicht zu jedem Zeitpunkt durchgeführt werden kann. Kommt eine Zwischenablese nicht in Betracht, wird der Verbrauch nach Gradtagszahl-Tabelle aufgeteilt, was natürlich sehr ungerecht ist, da man durch das eigene Heizen die Heizkosten des Vormieters damit erhöht. Bei weiterem Interesse an diesem Thema empfehle ich mit einer Suchmaschine sich weiteres Infomaterial zu beschaffen. Bei elektronischen Heizkostenverteilern ist eine Zwischenablese problemlos möglich. An der Gradtagszahlentabelle kommt man jedoch bei Mietwechseln nicht vorbei, da diese für den verbrauchsunabhängigen Teil nach Wohnfläche herangezogen wird. Für weitere Informationen empfehle ich http://www.dinglerhv.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/Nutzerwechsel_und_Zwischenablesungen.pdf zu lesen.

3.6 Elektronische Heizkostenverteiler
Ich möchte hier einen kleinen Ausblick auf die elektronischen Heizkostenverteiler werfen. Mit diesen ist der Betrieb einer Niedertemperaturheizung möglich. Aber auch diese haben einige Probleme. Es gibt Ein- und Zweifühlersysteme. Bei den Einfühlersystemen befindet sich ein Thermometer nur an der Heizung, bei den Zweifühlersystemen auch noch im Raum selbst. Durch den weiteren Fühler im Raum, soll die Ungerechtigkeit wie in Punkt 3.3 Wärmeleistung des Heizkörpers abhängig von der Raumtemperatur beschrieben, verhindert werden. Allerdings ist dieser 2. Fühler soweit meine Recherchen ergeben haben, am Heizkostenverteiler selbst mit untergebracht. Bei Einfühlersystemen wird bei Ista eine konstante Raumtemperatur von 20 °C angenommen. Laut ista sind deren elektronische Heizkostenverteiler so programmiert, dass sie in den Sommermonaten erst ab 30°C bis 40 °C zu messen beginnen. In Dachgeschosswohnungen kann das erreicht werden, alle anderen sind relativ sicher, sofern keine Sonne auf den Heizkostenverteiler scheint. Laut meinen Quellen schreibt die EN 834 vor, dass Einfühlergeräte erst ab mindestens 28 °C Heizkörpertemperatur zählen dürfen, 2 Fühlergeräte dürfen erst ab einem Temperaturunterschied von 5 K zählen, aus Gründen der Manipulationssicherheit muss jedoch ab 30 °C Heizkörpertemperatur immer gezählt werden (dies scheint nur für 2-Fühler Geräte zu gelten). Elektronische Heizkostenverteiler mit einem Fühler benötigen immer noch eine mittlere Heizauslegungstemperatur von mindestens 55 °C, sodass hier ebenfalls wertvolle Energie verschwendet wird. Wer auf die Idee kommt den Raumluftsensor beim 2-Fühler-Gerät zu erhitzen, damit das Gerät von einem geringeren Temperaturunterschied ausgeht, hat schlechte Karten, da es ab 25 °C am Raumluftfühler von einer konstanten Raumtemperatur von 20 °C ausgeht. Außerdem scheint dieses Ereignis, welches das Gerät als „Manipulationsversuch“ wertet mit Datum und Uhrzeit protokolliert zu werden. Wenn Gegenstände vor dem Heizkörper, wie beispielsweise ein Schreibtisch, stehen, heizt sich das Gerät auch schnell über 25 °C auf und es wird wieder wie bei 20 °C Raumtemperatur gezählt. Es scheint auch noch Dreifühler Messgeräte zu geben, die Vorlauf-, Rücklauf und die Raumtemperatur erfassen. Hierbei gilt je niedriger die Rücklauftemperatur, desto geringer die Anzeige. Die Rücklauftemperatur verringert sich, wenn die Wärmeabgabe des Heizkörpers verbessert wird, siehe ab Abschnitt 5. Technisch wäre es sehr leicht möglich das Gerät nur dann zählen zu lassen, wenn der Heizkörper auch wirklich in Betrieb ist. Gehen wir mal von diesem Fall aus. Das Problem wie in Punkt 3.2 Heizkörper oben warm, unten kalt existiert damit weiterhin und dadurch wird weiterhin ungerecht gemessen.
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3.7 Gegenstände vor oder auf der Heizung verursachen hohe Heizkosten
Wie im Punkt 3.3 gezeigt wurde, ist die Wärmeleistung eines Heizkörpers von der Raumtemperatur abhängig. Versperren nun Gegenstände den Heizkörper wie Stühle, Sofas, Tische oder ähnliches, gibt der Heizkörper wesentlich weniger Energie an die Raumluft ab. Dadurch ist er auch noch heißer und der Heizkostenverteiler (sowohl der verdunstungsbasierte, als auch der elektronische) misst einen sehr hohen Energieverbrauch. Gleiches gilt für Gegenstände auf der Heizung. Wer Handtücher, Mützen, Schuhe usw. auf der Heizung trocknet, hat sehr hohe Heizkosten, obwohl der Heizkörper tatsächlich wesentlich weniger Energie abgibt. Schlussfolgerung ist, dass man in einer Mietswohnung mit Heizkostenverteilern die Heizkörper überhaupt nicht wirklich nutzen kann, da ein Trocknen von Gegenständen auf der Heizung empfindlich hohe Kosten verursacht.

4 Gerechte Messverfahren
Es soll hier nicht so aussehen als gäbe es keine gerechten Messverfahren, klar gibt es diese und ista bietet sie auch an. Das gerechte Messverfahren basiert auf dem Durchflussprinzip. Zwischen Vor- und Rücklauf einer Wohnung befindet sich ein Durchflusszähler und ein Thermometer. Aus der Differenz zwischen Vor- und Rücklauftemperatur und der durchgeflossenen Wassermenge ist es möglich genau zu bestimmen wie viel Energie durchgeflossen ist. Auch sind Gegenstände vor oder auf der Heizung kein Problem, da dadurch die Rücklauftemperatur einfach nur höher ist und somit das Messgerät eine geringere Wärmemenge registriert. Leider misst das Gerät „sensonic II“ von ista die Temperatur nur alle 30 Sekunden. Für eine genauere und gerechtere Erfassung wäre ein Intervall von einer Sekunde wünschenswert.

4.1 Ungenauigkeit der Heizkostenverteiler
Abbildung 3 stammt aus der 3. Auflage aus dem „Handbuch der Wärmeverbrauchsmessung“ von Franz Adunka, S. „12-28“. Bei diesem Fall wurde ein Haus, zur Ermittlung der Genauigkeit von Heizkostenverteilern sowohl mit Wärmezählern als auch mit Heizkostenverteilern ausgestattet. Das Ergebnis sieht man in der Grafik. Wie man erkennen kann, sind sowohl die elektronischen Heizkostenverteiler, als auch die Heizkostenverteiler auf Verdunstungsbasis sehr ungenau. Besonders auffällig ist bei Wohnung Nr. 15. Hier zeigt der Heizkostenverteiler auf Verdunstungsbasis einen Mehrbrauch von ca. 150 % an, d.h. dieser Haushalt müsste 50 % mehr zahlen, als er eigentlich verbraucht hat. Bei Einsatz eines elektronischen Heizkostenverteilers in dieser Wohnung zeigt sich ein Minderbrauch von ca. 50 %. Das heißt diese Wohnung zahlt nur die Hälfte von dem, was sie zahlen müsste. Das trifft dann die anderen Mieter, die dadurch zu viel zahlen. Gleichzeitig ist das ein sehr schönes Beispiel, dass sehr deutlich zeigt, wie ungenau die Heizkostenverteiler sind und dass die Anzeige je nach Technik (Verdunstungsprinzip oder Digital) extrem variieren kann. Ein Messverfahren sieht anders aus. Hier handelt es sich vielmehr um ein „Schätzeisen“.

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Abbildung 3: Messgenauigkeit von Heizkostenverteilern

5 Tipps und Tricks zum effektiven Heizkostensparen
Vorherige Abschnitte waren hauptsächlich theoretischer Natur und sollten die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten der Heizkostenverteiler aufzeigen. Nun geht es ans Eingemachte und es wird aufgezeigt wie man Heizkosten spart. Insgesamt kann hiermit ein höherer Energieverbrauch verbunden sein, da die Heizkosten aber aufgeteilt werden und nicht jeder diese Tipps beherzigt, ist eine individuelle Einsparung möglich.

5.1 Gegenstände vom Heizkörper fernhalten
Wie bereits beschrieben wurde messen die Messgeräte lediglich die Heizkörpertemperatur. Es ist deswegen sehr wichtig einen deutlichen Abstand von Gegenständen aller Art vor und vor allem über dem Heizkörper zu haben. Ich empfehle mindestens 50 cm Abstand, besser 1 Meter. Auch seitlich neben der Heizung sollten mindestens 20 bis 30 cm eingehalten werden.

5.2 Heizkörper regelmäßig reinigen
Je mehr Staub im Heizkörper ist, desto schlechter kann die Luft zirkulieren und damit wird der Heizkörper zum einen heißer und zum anderen gibt er weniger Energie ab. Das Messgerät zählt also einen deutlich höheren Verbrauch, obwohl die Energieabgabe sogar geringer ist. Es gibt spezielle Bürsten um den Heizkörper zu reinigen.

5.3 Langsam anheizen
Wie in Punkt 3.1 Ungenauigkeit der Heizkostenverteilung mittels Verdunstung bereits geschrieben verdunstet überproportional viel Flüssigkeit, wenn der Heizkörper sehr heiß ist. Möchte man es also wärmer haben, gilt die Temperatur nur langsam zu erhöhen. Dies geschieht so, dass man das Thermostat erst nur sehr schwach aufdreht, wartet bis der Heizkörper wieder kälter geworden ist und dann das Thermostat ein kleines Stück weiter dreht. Dies ist, wie bereits geschrieben, eine
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gewaltige Komforteinbuße, muss jedoch hingenommen werden, wenn man Heizkosten sparen möchte. Wirklich Energie wird durch diese Vorgehensweise nicht gespart, lediglich Heizkosten.

5.4 Heizkörper aufdrehen, wenn der Ableser kommt
Bei Heizkostenverteilern nach dem Verdunstungsprinzip empfiehlt es sich den Heizkörper aufzudrehen, wenn der Ableser kommt. Die Messflüssigkeit dehnt sich durch die Wärme nämlich aus und zeigt dann einen um bis zu 3 Striche höheren Stand an. Je mehr Flüssigkeit noch im Messröhrchen ist, desto mehr steigt sie. Allerdings ist es auch so, dass weiter unten der Abstand zwischen 2 Verbrauchseinheiten geringer ist, sodass es sich immer lohnt aufzudrehen, sodass die Heizkörper heiß sind, wenn der Ableser da ist. Es empfiehlt sich früh genug aufzudrehen, da es einige Minuten dauert bis auch die Messflüssigkeit heiß ist und sich somit ausdehnt.

5.5 Keine Isoliermaßnahmen hinter dem Heizkörper
Im Handel werden Platten angeboten, die hinter den Heizkörper geklebt werden und so den Wärmeverlust über die Außenwand reduzieren sollen. Energieeinsparung wird durch diese Platten definitiv erreicht, aber bei Heizkostenverteilern gilt ja Energieverbrauch ist ungleich den Heizkosten. Bei Heizkostenverteilern erhöhen sich trotz Energieeinsparung bei Einsatz solcher Platten die Heizkosten. Ein Heizkörper gibt einen Teil seiner Wärme auch über Strahlung ab. Solche Isolierplatten reflektieren die Strahlung zurück an den Heizkörper, sodass dieser nun wesentlich weniger Energie abgibt und sogar etwas heißer ist, also ohne die Platten. Dadurch zeigt das Messgerät nun einen viel höheren Verbrauch an. Bei Fehlen solcher Isolierplatten erwärmt sich zwar die Wand hinter der Heizung, aber gibt dadurch auch Energie an die Luft ab.

5.6 Sparen im Sommer
Auch wenn man im Sommer nicht heizt, muss man hier ans Sparen denken, da, wie bereits geschrieben die Kaltverdunstung Flüssigkeit aus den Messröhren entweichen lässt. Im Sommer gilt es daher so oft wie möglich in der Nacht zu lüften um die Temperatur in der Wohnung und damit die am Heizkostenverteiler gering zu halten. Auch muss man darauf achten, dass keinesfalls Sonne auf das Röhrchen fällt, dies gilt auch im Winter. Im Sommer kann es hilfreich sein das Röhrchen mit einem nassen kalten Lappen zu umwickeln. Durch die Verdunstungskälte ist das Röhrchen um ein paar Grad kühler. Dies darf auf gar keinen Fall geschehen, wenn man heizt, denn dann staut sich durch den Lappen nur die Wärme und das Messgerät zeigt einen deutlich höheren Verbrauch an.

6 Sehr effiziente Möglichkeiten zum Heizkostensparen
6.1 Erhöhen der Heizkörperleistung
Wird die Wärmeleistung des Heizkörpers erhöht, so gibt dieser in kürzerer Zeit eine größere Wärmemenge ab. Der Heizkörpertemperatur ist also im Durchschnitt geringer und dementsprechend verdunstet weniger Messflüssigkeit. Jeder kennt das, wer an einem windigen Tag im Freien ist, muss sich bei gleicher Außentemperatur wärmer anziehen als an einem windstillen Tag. Der Körper erwärmt die Luft in seiner

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unmittelbareren Nähe, durch den Wind wird diese fortgetragen, sodass der Körper mehr Wärme nachliefern muss, in der Folge friert man leichter. Wind ist also die Lösung für den Heizkörper. Am effektivsten ist es einen Ventilator direkt unter den Heizkörper zu stellen, sodass die Luft direkt durch den Heizkörper geblasen wird. Ein Ventilator ist aber oft zu groß, sodass hier andere Lösungen gefunden werden müssen. Zu einem sehr günstigen Preis-/Leistungsverhältnis sind Lüfter aus der Computertechnik mit einer Rahmenbreite von 12 oder 14 cm erhältlich. Hierbei gilt, je höher der Luftdurchsatz des gewünschten Lüfters, desto größer die Einsparung bei den Heizkosten, da gilt je mehr Luft durch den Heizkörper fließt, desto mehr größer ist die Wärmeabgabe des Heizkörpers. In der Regel gilt auch, je größer der Luftdurchsatz, desto höher auch die Lautstärke des Lüfters. Hier muss jeder für sich selbst einen Kompromiss finden. Solche Lüfter verbrauchen natürlich auch Strom. Dieser Verbrauch ist mit ca. 1-2 Watt pro Lüfter (je nach eingesetztem Lüfter) jedoch vernachlässigbar gering. Zur Stromversorgung sollte ein effizientes 12 Volt Schaltnetzteil eingesetzt werden. Diese sind sehr klein und auch preisgünstig erhältlich. Beim Elektronikversender Pollin z.B. gibt es das Gerät KSAFF1200200W1EU mit einer Stromstärke von 2 Ampere für 5 €. Des Weiteren benötigt man natürlich Verbindungsdrähte. Ein kleiner Querschnitt (< 0,5 mm²) ist völlig ausreichend. Je nach Anschlussart sind Lüsterklemmen sinnvoll. Die saubere Variante ist die mit Lüsterklemmen. Die am Lüfter vorhandenen Anschlussstecker (sofern man sich kein passendes Gegenstück hat oder sich bauen möchte), kann man abzwicken und dann in eine Lüsterklemme mit einer Zuleitung klemmen. Auch den Stecker am Netzteil kann man abzwicken und das Kabel sauber mit einer Lüsterklemme verdrahten. Möchte man das Netzteil intakt lassen, kann man auch einen Draht in den Rundstecker stecken und den zweiten Draht außen mit einer Wäscheklammer am Rundstecker befestigen. In der Regel liegt der Pluspol innen und der Minuspol außen. Auf eine korrekte Polarität beim Anschluss der Lüfter ist zu achten. Ein Multimeter (bereits ein billiges ab 5 €) ist zur Polaritätsbestimmung ausreichend. Die Lüfter sollen direkt unten am Heizkörper anliegen. Nachdem sie über 4 Befestigungslöcher an jeder Ecke verfügen, kann man hier einfach eine Schnur (oder ein elastisches Gummiband) durchziehen und dieses nach oben über den Heizkörper spannen. Die Lüfter selbst kann man sehr einfach zu einer Reihe zusammen bekommen, indem man sie nebeneinander legt und sie über diese Befestigungslöcher mit einem Draht verbindet, solche kleinen Drahtstücke, wie sie Gefrierbeuteln beiliegen, eignen sich ideal. Stehen die Lüfter vorne und hinten deutlich über (sind sie also für den eingesetzten Heizkörper zu breit), spannt man ein elastisches Gummiband um die ganze Lüfterreihe und noch eines um den Heizkörper. Zwischen diesen beiden Gummibändern kann man nun ein mehrere DIN-A4 Blätter im Querformat spannen, sodass die Luft optimal durch den Heizkörper geleitet wird. Dann brauchen die Lüfter jedoch einige cm Abstand zum Heizkörper. Ein kleiner Überstand kann auch nicht schaden, da dann an der Front- und Rückplatte mehr Wärme abgegeben wird. Sehr wichtig ist es jedoch dann dafür zu sorgen, dass bei einem Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip der Luftzug nicht die Verdunstungsrate steigert, siehe 6.3 Verhinderung der Verdunstung. Wie oben schon geschrieben wurde, trägt der Wind die Wärme vom Körper weg. Man darf sich also nicht wundern, wenn es scheint als käme nur lauwarme Luft aus dem Heizkörper. Durch den wesentlich größeren Luftdurchfluss, ist die abgegebene Wärmemenge viel höher. Je mehr Luftdurchsatz der eingesetzte Lüfter erzeugt, desto kälter erscheint die Luft, aber desto größer die Leistungssteigerung des Heizkörpers. Auch sinkt die Rücklauftemperatur. Die logarithmische Übertemperatur (siehe Abschnitt 3.2) fällt beim vollaufgedrehtem Thermostat gegenüber dem Betrieb ohne Lüftung. Dennoch ist die Leistungsabgabe entsprechend höher. Durch den Lüfter wird insgesamt mehr Energie verbraucht, zum einen der Strom (fällt kaum ins Gewicht) und zum anderen wird durch die erhöhte Luftbewegung im Raum dessen Wärmeabgabe nach außen über die Wände erhöht. Insgesamt zeigt das Messgerät jedoch durch diese Maßnahmen weniger Verbrauch an. Ein grottiges Messverfahren eben. Tipp: Durch die erhöhte Wärmeabgabe ist der Heizkörper in der Lage den Raum auch wärmer zu heizen. Das kann auch für diejenigen interessant sein, die gar keine Heizkostenverteiler haben, aber
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einen Raum, der nicht richtig warm wird. Solange der Heizkörper selbst warm wird, kann mit Hilfe der Lüfter dessen Wärmeabgabe gesteigert werden und damit wird es im Raum wärmer. Sehr interessant ist dieses Verfahren auch um einen Raum schneller anzuheizen, da es durch die Lüfter viel kürzer dauert, bis der Raum nach einer Abkühlphase seine Wohlfühltemperatur erreicht hat.

6.2 Direkte Kühlung des Messgeräts

Abbildung 4: Einsparungsmöglichkeiten, Quelle: www.minol.de

Wie Abbildung 4 zeigt, können Heizkosten durch Anblasen des Heizkostenverteilers mit einem Ventilator eingespart werden. In dem Beispiel wird mit 0,6 Kubikmeter pro Sekunde angeblasen. Das stellt einen beträchtlichen Luftstrom dar, der tatsächlich beträchtliche Stromkosten verursacht. Auch wenn in dem Beispiel Kosten gespart wurden, rate ich dennoch vom direkten Anblasen ab. Jeder kennt das, Wäsche trocknet im Wind auch schneller. Genauso befürchte ich hier, dass durch den zusätzlichen Wind die Flüssigkeit etwas schneller verdunstet, gleichzeitig wird das Messgerät gekühlt, sodass der insgesamte Verdunstungsverlust zwar geringer ist, aber der eingesetzte Strom nur sehr unwirtschaftlich verwendet wird. Teilweise werden nur halbe Heizkörper eingesetzt (in Fachkreisen als Typ 11 bekannt), das heißt nach hinten hin hat man direkten Kontakt zu den Kühlrippen hat.

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Bei einem solchen Heizkörper können 2 weitere Lüfter direkt hinter dem Messgerät angebracht werden, wie in Abbildung 5 gezeigt. Der erste Lüfter ist, wie zu sehen ist einfach mittels Draht an der Heizkörperabdeckung befestigt. Der 2. Lüfter ist am ersten Lüfter mittels Draht befestigt. Es ist sehr wichtig hier unbedingt auch Lüfter unter dem Heizkörper zu haben, die kühlere Luft zu dem oben angebrachten Lüfter befördern, da dieser sonst nur angestaute heiße Luft umwälzt und somit kaum Einsparpotential vorhanden ist. Allgemein lässt sich festhalten, dass die Temperaturverringerung am Messgerät durch die Lüfter direkt dahinter sehr gering ausfällt und diese besser unter der Heizung aufgehoben sind. Messungen mit einem Infrarotthermometer haben eine um maximal 2 °C niedrigere Temperatur an der Vorderseite des Heizkörpers gezeigt, wo die Lüfter hinter dem Heizkörper waren. Bei einem elektronischen Heizkostenverteiler mit nur einem Fühler ist es sinnvoll diesen direkt anzublasen. Dadurch wird dieser direkt gekühlt, eine Mehranzeige ist ausgeschlossen, da keine Flüssigkeit existiert, von der mehr verdunsten könnte. Bei einem elektronischen Heizkostenverteiler nach dem 2 Fühlerprinzip könnte es sein, dass sich der 2. Fühler ohne Luftstrom mehr aufheizt und so das Messgerät von einer höheren Raumtemperatur ausgeht und sich dadurch gegenüber dem direkten Anblasen des Messgeräts ein Wenigerverbrauch ergibt. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass es selbst bei einem 2 Fühlermessgerät vorteilhaft ist, diesen direkt anzublasen. Der elektronische Heizkostenverteiler sollte am besten von beiden Seiten angeblasen werden. Dort nämlich steht ein Stück Metallfläche nach vorne, sodass die Luft Wärme vom Heizkostenverteiler wegtransportieren kann. Das ist sehr effektiv, da die Kopplung, sofern die Fronplatte nicht plan ist, sondern kleine Rippen hat, zwischen Heizkörper und Heizkostenverteiler relativ schlecht ist. Die meisten Heizkörper haben eine geriffelte Oberfläche.

Abbildung 5: Lüfter bei halben Heizkörper

In Abbildung 4 wird deutlich der erhöhte Verbrauch bei Umwickelung des Messgeräts mit verschiedenen Materialen gezeigt. Dieser erhöhte Verbrauch gilt nur bei heizendem Heizkörper. Im

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Sommer kann die Umwickelung mit einem nassen Tuch eine Einsparung bringen, wie in Abschnitt 5.6 Sparen im Sommer gezeigt wurde.

6.3 Verhinderung der Verdunstung
Jeder kennt das, wenn die Luftfeuchtigkeit an einem schwülen Tag höher ist, trocknet die Wäsche viel schlechter als an einem trockenen, normalen Tag. Ähnlich verhält es sich mit der Messflüssigkeit im Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip. Je mehr davon in der Luft ist, desto weniger verdunstet, deswegen ist die Skala weiter unten auch dichter, also der Abstand zwischen 2 Strichen geringer. Minol spricht hier von Skalenstauchung, siehe Abbildung 6.

Abbildung 6: Skalenstauchung, Quelle: Minol - Handbuch der Wärmekostenabrechung S. 96

Heizkostenverteiler haben auf der Rückseite Löcher, damit die verdunstete Flüssigkeit an den Raum abgegeben werden kann. Bei Rippenheizkörpern (z.B. sog. DIN-Radiatoren oder Röhrenheizkörper) kommt man ganz leicht hinten ran und kann die Löcher mit einem Tesafilm großteils abkleben. Nachdem nun die der Dampf der Flüssigkeit nun das Gerät schlechter verlassen kann, sollte auch ein höherer Diffusionswiderstand wirken, sodass weniger Flüssigkeit verdunstet. Hier zeigt sich gleich die nächste Ungerechtigkeit. Ich empfehle die Löcher nicht ganz abzukleben, da es dann passieren kann, dass die Messflüssigkeit dann im Messgerät kondensiert und das fällt dem Heizungsableser natürlich auf. Hier sollte aber jeder selbst eigene Erfahrungen sammeln. Selbst bei Heizkörpern mit planen Frontplatten werden die Verdunstungsheizkostenverteiler eingesetzt, was für ein komplettes Abkleben spricht. Auch hier ergibt sich zwangsläufig ein höherer Diffusionswiderstand. Ich konnte nirgends herausfinden wie bzw. ob der Diffusionswiderstand durch die Montage am Heizkörper überhaupt berücksichtigt wird. Sollte er nicht berücksichtigt werden, was gut möglich ist, ergibt sich eine weitere starke Ungerechtigkeit, wenn in derselben Liegenschaft nun auch andere als plane Heizkörper verwendet werden. Dann nämlich zahlen alle zu viel, die keine planen Heizkörper haben, da bei den planen Heizkörpern viel weniger Flüssigkeit verdunstet. Als Klebeband sollte ein möglichst dünnes verwendet werden, damit über die Platte noch viel Wärme an die Raumluft abgegeben werden kann. Auch sollte das Klebeband von hoher Temperaturbeständigkeit sein, da hier unter Umständen (je nach Heizungsauslegungstemperatur) durchaus 60 bis 100 °C erreicht werden können. Selbstverständlich sind diese Löcherabklebungen wieder zu entfernen, wenn der Ableser kommt. Auch wenn er nicht hinter den Heizkörper sieht, so fällt eine Verklebung sofort auf, wenn er die Ampullen tauscht. Zum Abkleben kann man auch den klebenden Streifen von Post-Its verwenden. Diese kleben gut, lassen sich aber genauso problemlos entfernen.
Version 1.0 Stand 30.12.2011

Bei Plattenheizkörpern kommt man nicht von hinten an das Messgerät. Hier empfiehlt es sich oben und unten Papier zwischen Heizkostenverteiler und Heizkörper zu stecken, sodass auch hier weniger verdunstete Flüssigkeit an die Raumluft abgegeben werden kann. Den positiven Effekt auf die Wenigerverdunstung kann man sehr leicht mit der Nase feststellen. Einfach den Heizkörper voll aufdrehen, dann mal ca. 10 cm über das Messgerät mit der Nase gehen und riechen. Man riecht (bei entsprechend heißen Heizkörper) deutlich die Messflüssigkeit. Nun steckt man Papier zwischen Heizkostenverteiler und Heizkörper und riecht nochmals. Jetzt ist viel weniger zu riechen. Für einen aussagekräftigen Vergleich, sollte man ein paar Minuten warten um die Nase wieder richtig empfindlich für diesen Geruch zu machen, da die Nase einen Geruch umso schwächer wahrnimmt, je länger dieser wahrgenommen wird.

7 Schlusswort
Durch einfachste Maßnahmen wie Heizkörper sauber halten und Gegenstände vor und auf dem Heizkörper vermeiden, lässt sich einiges an Heizkosten sparen. Das größte Sparpotential liegt jedoch bei der Verwendung von Ventilatoren/Lüftern. Ziel dieser Broschüre ist es, dass möglichst viele diese Sparmöglichkeit mittels Lüfter nutzen in der Hoffnung, dass dieses ungerechte Messverfahren endgültig verboten wird und die Messung nur noch mittels Durchflussmesser erlaubt sein wird.

8 Sonstiges
Eventuell folgt eine weitere Veröffentlichung mit der sich der Einspareffekt je nach Stärke des Lüfters berechnen lässt. Hier bin ich noch dabei herauszufinden, ob sich dieser Effekt wirklich so einfach berechnen lässt. Die Berechnung wie sehr die eingesetzten Lüfter die Heizleistung steigern, ist bereits jetzt möglich, wenn man die Temperatur am Vor- und Rücklauf misst und nun mittels der logarithmischen Übertemperatur und den technischen Daten des Heizkörpers die Wärmeleistung berechnet. Aufgrund dieser Heizleistung berechnet man nun wieviel Liter Wasser pro Stunde durch den Heizkörper fließen müssen, damit diese Leistung beim gemessenen Temperaturunterschied transportiert werden kann. Nun schaltet man die Lüfter hinzu und misst die Rücklauftemperatur erneut. Die Wassermenge die durchfließt, sollte nun dieselbe sein. Aufgrund der zusätzlichen Abkühlung kann man nun die Heizleistung berechnen. Wenn der Heizkörper etwas verbaut ist und damit eine andere Wärmeleistung als vom Hersteller angegeben hat, stimmt die Berechnung nicht mehr ganz. Allerdings sollte beider Steigerung der Heizleistung in Prozent der richtige Wert herauskommen. Diese Berechnung habe ich in ein Excel Dokument eingegeben. Es dürfen nur an den weißen Feldern die Werte geändert werden. Bei den grau hinterlegten Feldern erfolgt die Ermittlung automatisch. Die Eingabe der Höhe und Länge des Heizkörpers ist nur für die Berechnung des Wärmeübergangskoeffizienten α interessant. α bezieht sich auf die Stirnfläche des Heizkörpers (=Größe der Frontplatte). Für diese Messung muss das Heizkörperthermostat auf maximaler Stufe (Meistens Stufe 5) stehen, da sonst eine Drosselung erfolgt und die Messung verfälscht wird.

Die Weiterverteilung ist ausdrücklich erwünscht. Gebt allen Bekannten eine Kopie, damit diese Heizkosten sparen und die Ungerechtigkeit bald nicht mehr existiert, wenn dieses grottige Messverfahren verboten wurde.
Version 1.0 Stand 30.12.2011

Autor: Der Heizkostenverteiler-Hasser, Dezember 2011 Versionsgeschichte: Datum/ Version 30.12.2011 1.0 Änderungen Initiale Version

Version 1.0

Stand 30.12.2011

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