Stephan Weil

machen! Anpacken! Besser machen! - Rede auf dem außerordentlichen Parteitag der niedersächsischen SPD in Wolfsburg am 10. November 2012 – (Es gilt das gesprochene Wort.)

Anrede, ich begrüße Euch alle sehr herzlich auf unserem Parteitag hier in Wolfsburg. Es ist ein wirklich schöner Anblick, der sich von hier vorn bietet: Ein volles Haus, lauter erwartungsfrohe Gesichter, überall gute Laune. Für diese Zuversicht, für diesen Optimismus gibt es einen guten Grund: Wir alle wissen, das hier ist ein ganz besonderer Parteitag. Nach vielen Jahren ist das der letzte Parteitag als Oppositionspartei, nach 10 Jahren ist dies der erste Parteitag vor dem Regierungswechsel am 20. Januar 2013. Von diesem Parteitag wird nur eine einzige Botschaft ausgehen und die lautet: Wir sind bereit für den Politikwechsel am 20. Januar!

Dass wir so optimistisch sein können, hängt – wenn wir

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ehrlich sind – nicht allein mit der eigenen Stärke zusammen, sondern auch mit der Schwäche von Schwarz-Gelb. Jede, aber auch jede Umfrage die ich kenne, sagt eines klipp und klar: Mit schwarz-gelb sind die Niedersachsen fertig, Niedersachsen will einen Regierungswechsel. Diese Landesregierung ist müde, verbraucht, die hat keinen Plan und sie wird ihre Vergangenheit nicht los.

Wie der Geist von Hamlets Vater wabert Christian Wulff ununterbrochen durch die Reihen der niedersächsischen CDU. Immer und immer wieder wird die Landesregierung an ihre sehr lebendige Vergangenheit erinnert, an die unselige Verquickung von wirtschaftlichen Interessen und Landespolitik. Anfang des Jahres hatte uns Herr McAllister die gewissermaßen brutalst mögliche Aufklärung versprochen. Eine schallende Ohrfeige vor dem niedersächsischen Staatsgerichtshof ist daraus geworden. Nicht die Regierung Wulff, die Regierung McAllister hat die Verfassung gebrochen und die Rechte des niedersächsischen Landtages bei der Aufklärung dieser Affären verletzt. Herr McAllister hat bis heute jedes klare Wort vermissen lassen, er war zu schwach für einen glatten Schnitt. Deswegen haftet er jetzt auch für den Vertrauensverlust der niedersächsischen Landesregierung.

Und was bleibt hängen von seiner Arbeit? Gibt es ein Thema, ein Projekt, das mit ihm verbunden wird? Nein, Fehlanzeige. Es geht nicht um den Inhalt, es geht nur um die Verpackung. Nur die Fassade ist wichtig, nicht die Substanz. Es ist eben kein Zufall: Weder die peinliche Fahrt mit dem Drachenboot auf dem Zwischenahner

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Meer und der Untergang. Noch ein Sommer-Interview mit sich selbst. Noch ein Wahlkampf-Video, das Hohn und Spott erntet. Es geht immer um die Inszenierung. Mehr Schein als Sein – das und nur das ist das ungeschriebene Motto der Regierung McAllister.

„So machen wir das“ lautet der Wahlkampfslogan der niedersächsischen CDU. Das ist zwar nicht gewollt, aber es ist ehrlich. Stimmt, so machen die das:

Bei den Schulabsteigern ist Niedersachsen Spitze, bei den Krippenplätzen Absteiger. So machen die das!

Gegen alle Vernunft, gegen 2/3 der Bevölkerung paukt Schwarz-Gelb ein Betreuungsgeld durch und das mit dem Segen der niedersächsischen Landesregierung. Für die niedersächsischen Städte und Gemeinden, die um jeden Krippenplatz kämpfen, ist das ein Schlag ins Gesicht. So machen die das!

Schuldenbremse? In Niedersachsen hat die Regierung Gas gegeben. In nur 10 Jahren hat es Schwarz-Gelb geschafft, die Schulden des Landes Niedersachsen um sage und schreibe 50% zu steigern, von 40 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro. So machen die das!

Erst halten sie Sonntagsreden auf die Energiewende, dann lassen sie eiskalt Offshore-Unternehmen an der Küste pleitegehen. So machen die das!

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Hinter der Fassade ist nichts, rein gar nichts. Kein Programm, keine Mannschaft, kein Wille. Die amtierende Landesregierung ist reif zur Ablösung und wir sind bereit für diese Ablösung!

Anrede,

heute zeigen wir, worin die Alternative besteht.

Klar, natürlich sind uns Sozialdemokraten die Inhalte immer wichtiger als die Personen. Aber die besten Inhalte brauchen auch die besten Köpfe, um umgesetzt zu werden. Neun Frauen und Männer, genauer gesagt fünf Frauen und vier Männer sind in meinem Team. Und damit möchte ich eines unmissverständlich deutlich machen: Die SPD redet nicht nur über Gleichstellung der Geschlechter, über Frauen in Führungspositionen, die SPD handelt einfach. Das ist für uns selbstverständlich!

Niedersachsen wird nicht mehr nur einen Wirtschaftsminister haben, Niedersachsen bekommt einen Minister für Wirtschaft und Arbeit und der heißt Olaf Lies. Die Bildungspolitik verkörpern bei uns Frauen, die sich als Parlamentarierinnen einen hervorragenden Ruf erworben haben – Frauke Heiligenstadt und Gabi Andretta.

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Die Stärkung der Kommunen und der Regionen wird ein Markenzeichen meiner Regierung sein – Birgit Honé und Boris Pistorius, die Regionalministerin und der Innenminister stehen zur Person für diesen neuen Weg.

„Streichen kann jeder Esel“, hat er gesagt. Niedersachsen bekommt einen Finanzminister, der gestalten wird: Peter Jürgen Schneider. Niedersachsen kann und will nicht länger das Atomklo der Bundesrepublik Deutschland sein. Wir wollen das Energieland Nr. 1 werden – mit dem Umweltminister Detlef Tanke. Wir sind offen, wir schmoren nicht im eigenen Saft. Die Rechtspolitik in Niedersachsen bekommt ein neues, frisches Gesicht – herzlich willkommen in Niedersachsen Anke Pörksen. Und wir meinen es sehr, sehr ernst mit einer Politik für die Schwächeren, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Wer die Chefin des paritätischen Wohlfahrtsverbandes in den letzten Jahren erlebt hat, der weiß genau, aus welchem harten Holz die nächste niedersächsische Sozialministerin geschnitzt ist. Ich freue mich auf Cornelia Rundt.

Das ist unser Team, das sind unsere Frauen und Männer. Die ganz persönlich dafür stehen, dass wir nicht nur reden, sondern machen werden. Die ganz persönlich eine glaubwürdige Alternative zu einer verbrauchten, planlosen Regierungsmannschaft sind. Wir wollen ein neues Kapitel unserer Landespolitik aufschlagen. Anpacken! Besser machen! – das ist unser Slogan für den Wahlkampf und das ist unsere Aufgabe. Wir brauchen mehr als einen Regierungswechsel, wir

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brauchen einen Politikwechsel!

Anrede,

dementsprechend diskutieren wir hier heute auch nicht ein Wahlprogramm, wir beschließen über unser Regierungsprogramm. Wir sind uns unserer Verantwortung in den nächsten Jahren sehr bewusst. Wir trauen uns zu, gleichzeitig realistisch und ambitioniert unser Land fit zu machen für die Zukunft.

Dieses Regierungsprogramm hat einen roten Faden. In allen seinen Teilen nimmt es immer wieder Bezug auf die tiefen Veränderungen, die wir in den nächsten Jahren erleben werden. Es ist oft genug gesagt worden, aber es bleibt wahr: Wir werden weniger, wir werden grauer und wir werden bunter. Weite Teile unseres Landes stehen vor großen Herausforderungen und die amtierende Landesregierung hat 10 Jahre lang so gut wie nichts unternommen, um diese Herausforderungen in den Griff zu kriegen. Umso härter werden wir arbeiten müssen, damit alle Regionen unseres Landes eine gute Zukunft haben. Deswegen steht für uns Familienfreundlichkeit und Bildung ganz vorne, deswegen müssen wir massiv an der Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft arbeiten, deswegen müssen wir mit aller Kraft Kommunen und Regionen in Niedersachsen wieder stark machen. Wir beenden den Stillstand, wir werden anpacken!

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Nicht ohne Grund habe ich Familienfreundlichkeit und Bildung als erstes genannt. Was kann man über die Familienpolitik einer Landesregierung schlimmeres sagen, als dass in fünf Jahren in keinem anderen Bundesland die Geburtenquote so stark zurückgegangen ist wie in Niedersachsen? Kinder aus Arbeiterfamilien, aus Zuwandererfamilien haben sechsmal niedrigere Chancen, in Niedersachsen Abitur zu machen als Kinder aus Akademikerhaushalten. Das wollen wir nicht länger hinnehmen!

Wo wir auch hinschauen, im Bereich der Bildung türmen sich die Probleme. Für ein Land, das künftig noch mehr als bislang darauf angewiesen sein wird, dass alle jungen Menschen alle ihre Talente entfalten können, ist das ein Riesenproblem. Das gilt für die Schulpolitik, das gilt für die Hochschulpolitik. Wenn das Alleinstellungsmerkmal in der niedersächsischen Hochschulpolitik – neben Bayern – ausgerechnet die Studiengebühren sind, ist das ein Armutszeugnis. Wir wollen junge Menschen motivieren, in Niedersachsen zu studieren, und deswegen werden wir die Studiengebühren abschaffen!

Wir werden die Diskriminierung von Gesamtschulen beenden, und zwar ganz schnell! Dann wird der Streit um Schulstrukturen Schnee von gestern sein. Heute brauchen wir vor allem bessere Bedingungen für die Schüler und die Lehrer. Wir wollen Chancengleichheit! Wir brauchen mehr frühkindliche Förderung, kein Kind darf länger schon bei der Einschulungsfeier Sprachprobleme haben. Wir wollen, dass nach und nach alle Grundschulen Ganztagsschulen werden. Und wir werden Alternativen zum Abi nach acht Jahren anbieten

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für diejenigen Schüler, die einfach länger Zeit brauchen. Das ist sozialdemokratische Bildungspolitik!

Für mich ist das ein wichtiger Punkt. Immer mehr Kinder stehen unter Stress, immer mehr Familien stehen unter Stress. In der Grundschule haben viele Eltern Angst, eine ungünstige Empfehlung könnte die Zukunft ihrer Kinder blockieren. Ab der zweiten, ab der dritten Klasse befinden sich die Kinder in vielen Fällen gewissermaßen in einem Wettrennen. Das Abi nach acht Jahren gehört dazu. Aus vielen Familien höre ich von Stress pur bei den Hausaufgaben, vor den Klausuren und das jahrelang. Sportvereine erzählen mir, dass Kinder abgemeldet werden, weil die Schule nun einmal Vorrang hat. Mich wundert es nicht, dass im letzten Jahr die Durchfallquote beim Abi um 50% gestiegen ist. Natürlich ist das die unmittelbare Folge von G8. So wird Kindern und Jugendlichen die Freude am Lernen doch systematisch ausgetrieben!

Und wer diesen Stresstest bestanden hat, für den geht es gleich weiter. Bologna heißt für viele Studierende, dass sie sich im Dauerprüfungsmodus befinden, aus dem Studium wird ständiges Pauken für die nächste Klausur.

Um nicht darum herumzureden: Ich finde diese Entwicklung ganz und gar falsch. Ich möchte nicht kleinere oder größere Lernmaschinen haben, die am Ende vor allem eines wissen – wie man durch die nächste Prüfung unfallfrei durchkommt. Ich möchte, dass sich unsere Kinder entfalten können, dass sie Zeit zum Spielen und zum Sport haben. Ich möchte, dass Lernen
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für die jungen Leute in Niedersachsen keine Drohung, sondern eine Einladung ist. Ich möchte, dass sich Kinder und Heranwachsende in Niedersachsen entwickeln können. Das ist das Ziel unserer Bildungspolitik.

Deswegen kämpfen wir für frühkindliche Förderung. Deswegen wollen wir integrative Schulsysteme ausbauen, deswegen werden wir die Stofffülle in der Schule und im Studium kritisch hinterfragen. Mehr Qualität für die Bildung – dafür steht die niedersächsische SPD! Anrede,

die Zeiten sind lange vorbei, wo Familien und Bildung ein Nischenthema gewesen sind. Heute handelt es sich um Schlüsselthemen für unsere Zukunft. Dass junge Frauen nach der Geburt schnell an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können, wenn sie es wollen, ist doch mehr als ihr persönliches Anliegen. Es ist ein elementares Bedürfnis von immer mehr niedersächsischen Unternehmen. Wirtschaftsförderung heute ist viel mehr als der Bau von Straßen oder die Bewilligung von Subventionen. Bildungspolitik ist Wirtschaftsförderung pur! Unsere Unternehmen brauchen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten qualifizierten Nachwuchs, das ist Aufgabe der Politik, das ist unsere Aufgabe. Da liegt vieles im Argen, weiß Gott. Jeder fünfte junge Mann, jede fünfte junge Frau geht nach der Schule eben nicht in eine weitere Ausbildung. Über 35.000 junge Leute befinden sich in Warteschleifen und spüren Tag für Tag: Uns braucht keiner, wir sind in der Sackgasse. Das

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können wir nicht länger hinnehmen, das wollen wir nicht länger ertragen!

Wir wollen Ausbildung für alle. Deswegen werden wir die frühkindliche Förderung stark machen, deswegen brauchen wir Ganztagsschulen, deswegen werden wir überall ab der achten Klasse die berufliche Orientierung ganz nach vorne stellen. Und deswegen werden wir für alle, die sich vergeblich um eine betriebliche Ausbildung bemüht haben, ein Ausbildungsangebot schaffen, das sie sehr schnell in die Betriebe bringt. Wir wollen und wir können uns keine verlorene Generation mehr leisten, wir werden alle mitnehmen! Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, die von heute und die von morgen. In der Windenergiebranche sind es heute 60.000 Jobs in Niedersachsen und viele von ihnen stehen auf der Kippe. Mit einer Mischung aus Kälte und Unvermögen schaut die Landesregierung zu, wie die Offshore-Industrie in die Krise treibt. Eine Mischung von Kälte und Unvermögen, das erinnert uns an die Schlecker-Frauen, die von der Regierung McAllister ihrem Schicksal überlassen wurden. Das darf sich in der Offshore-Industrie nicht wiederholen! Es hat in Niedersachsen eine gute Tradition gegeben. Unsere Ministerpräsidenten haben um jeden Job gekämpft, allen voran Gerhard Schröder. Die Salzgitter AG gäbe es ohne dich gar nicht mehr! Und auch ein Christian Wulff hat sich um Karmann in Osnabrück verdient gemacht. Herr McAllister macht da eine Ausnahme. Ich habe in den letzten Tagen oft gedacht: was hätte Gerd Schröder wohl im Fall der Nordseewerke gemacht? Himmel und Hölle hätte er in Bewegung versetzt, um die Offshore-Industrie
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zu retten! Und ich will, ich werde an diese Tradition anknüpfen!

Niedersachsen hat das Zeug dazu, Energieland Nr. 1 in Deutschland zu werden. Wir müssen diese Chance nutzen. Niedersachsen muss mit aller Macht darauf drängen, dass schwarz-gelbe Energiechaos zu beenden. Wer die Energiewende in diesen Händen lässt, vergibt eine Riesenchance für die Niedersachsen!

Wir wissen genau, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für die Arbeitsplätze in Niedersachsen sind. Wir brauchen dafür die Infrastruktur auf dem Wasser, auf der Schiene und auf der Straße. Und wir wollen nicht länger hinnehmen, dass der Bund seine Milliarden in den Süden schiebt und der Norden in die Röhre schaut. Auf vordringliche Projekte bei Bundesfernstraßen entfallen pro Kopf in Niedersachsen rund 270 Euro, aber etwas über 300 Euro in Bayern. Gemeindestraßen werden vom Bund pro Kopf in Niedersachsen mit 1,7 Euro gefördert, aber in Bayern mit 10,1 Euro. Und so weiter, und so weiter. Ab dem 20. Januar wird Niedersachsen seine Interessen in Berlin wieder mit Nachdruck vertreten, dann ist Schluss mit dem schwarz-gelben-Kuschelkurs. Wir haben ein Recht darauf, dass der Norden ganz genau so gefördert wird wie der Süden. Jetzt ist der Norden dran! Und ich füge hinzu: Strukturschwäche ist keine Frage der Himmelsrichtung. Bei allem Respekt vor unseren östlichen Nachbarn – dass im Ostharz viel bessere Förderbedingungen herrschen als im Westharz, ist nicht länger hinzunehmen. Ich bin für einen Solidarpakt, aber der muss allen gebeutelten Regionen zugute kommen!
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Anrede, und ebenso wie es kein großer Sprung ist von einer aktiven Bildungspolitik zu einer aktiven Wirtschaftspolitik verhält es sich mit unserem dritten Schwerpunkt. Es ist nämlich auch ein enger Zusammenhang zwischen unserem Kampf für gute Arbeit überall in Niedersachsen und einer aktiven Regionalpolitik. Um es ganz deutlich zu sagen: Ich will keine ZweiklassenGesellschaft in Niedersachsen akzeptieren, wo die einen gesund wachsen und die anderen hoffnungslos abgeschlagen sind. Ich will mit aller Macht festhalten daran, dass es in Niedersachsen überall gleichwertige Lebensbedingungen gibt – nicht gleiche, aber gleichwertige. Ich will mich mit aller Macht dafür einsetzen, dass alle niedersächsischen Regionen eine Perspektive haben, im Westen genauso wie im Süden und im Osten – in den Städten genauso wie im ländlichen Raum. Das ist unsere zentrale Aufgabe für die Landesentwicklung in den nächsten 10 Jahren! Deswegen meine ich es bitter ernst mit der Regionalisierung der Landespolitik, die ich angekündigt habe. 10 Jahre lang hat diese Landesregierung nichts, aber auch gar nichts getan, um dem ländlichen Raum in Niedersachsen wieder eine Perspektive zu geben. 10 Jahre, in denen sich die Bedingungen und die Aussichten für viele Regionen nach und nach verschlechtert haben. Der demografische Wandel ist nicht vom Himmel gefallen, die Landesregierung weiß seit langem, was los ist. Sich jetzt auch noch als Schutzpatron der Fläche zu präsentieren, ist zynisch. Noch einmal 10 Jahre schwarzgelb und in vielen Regionen gehen die Lichter aus!
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Die Stärkung der Regionen und der Kommunen wird in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt unserer Politik sein. Wir werden eine neue Querschnittsaufgabe innerhalb der Landesregierung mit diesem Ziel etablieren. Wir werden unter der Koordination des neuen Ministeriums für Europa, regionale Entwicklung und Landwirtschaft dafür sorgen, dass alle Möglichkeiten des Landes gebündelt werden, um die Regionen voranzubringen. Und vielleicht zeigt ein Beispiel ganz gut, wie ich mir das vorstelle: Heute strotzt das Emsland vor Kraft, aber das war nicht immer so. Das Emsland war einmal das Armenhaus in Niedersachsen, bis zum Emsland-Plan. Mit vielen Anstrengungen - auch des Landes – ist es gelungen, aus der Schwäche Stärke zu machen. Jetzt brauchen andere Regionen genau diese Unterstützung. Wir werden sie geben, so gut wir nur irgend können. Wir geben keine Region in Niedersachsen auf, wir wollen Perspektiven für alle Teile unseres Landes!

Starke Regionen sind ohne starke Kommunen nicht denkbar. An dieser Stelle muss mich niemand überzeugen, ganz im Gegenteil. Ich habe mich entschlossen aus dem hannoverschen Rathaus herauszugehen und um den Einzug in die niedersächsische Staatskanzlei zu kämpfen, weil ich die niedersächsischen Kommunen wieder handlungsfähig machen will. Handlungsfähigkeit – die fehlt immer mehr Städten, Gemeinden und Kreisen. Die fühlen sich umzingelt von Problemen, von der Finanznot über brüchige soziale Netze bis zum Bevölkerungsrückgang. Handlungsfähigkeit, das ist gleichzeitig die unabdingbare Voraussetzung dafür, diese
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Herausforderungen zu meistern.

Von Handlungsfähigkeit der Kommunen sind wir weit, weit entfernt. Die Wirtschaft brummt, die Steuermilliarden mögen sprudeln, in vielen Rathäusern und Kreishäusern sieht man trotzdem kein Licht am Ende des Tunnels. Während Bundesregierung und Landesregierung über einen schuldenfreien Haushalt schwadronieren, sind die niedersächsischen Kommunen mit über 5 Milliarden Euro in der Kreide für Kassenkredite. 5 Milliarden Euro, die es von Rechts wegen gar nicht geben dürfte, 5 Milliarden Euro mit denen laufende Ausgaben finanziert werden. Was soll dann nur geschehen, wenn sich die wirtschaftliche Lage wieder etwas eintrübt? Alleine bei dem Gedanken wird vielen Ratsleuten und Bürgermeistern angst und bange. Seit Schwarz-Gelb in Niedersachsen regiert, sind die kommunalen Schulden explodiert. Das ist doch nicht vom Himmel gefallen! Bei jeder Steuersenkung hat diese Landesregierung mit glänzenden Augen mitgemacht, ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Rücksicht auf Verluste in der eigenen Landeskasse, ohne Rücksicht auf Verluste in den kommunalen Kassen. Und begriffen haben sie es immer noch nicht. Was nutzt denn eine Entschuldung von Kommunen, wenn sich sonst nichts ändert? Was sollen denn diese Zukunftsverträge, die auch noch die letzte freiwillige Aktivität der Kommunen zusammenstreichen, wenn damit keine Perspektive verbunden ist? Lasst es mich einmal an einem einzigen Beispiel deutlich machen: Was fällt euch zu Bad Gandersheim ein? Die Heilige Roswitha selbstverständlich, so wie ich euch kenne. Und dann ganz gewiss die Domfestspiele, die weit über die Grenzen dieser Stadt hinaus bekannt sind.
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Wenn es nach dem Innenministerium gegangen wäre, wenn nicht der Landkreis Northeim doch noch in letzter Minute eine Lösung gefunden hätte, dann gäbe es dieses Juwel gar nicht mehr. Dann wären die Domfestspiele den Sparauflagen der Kommunalaufsicht zum Opfer gefallen. Frei nach dem Motto „wir müssen sparen, koste es was es wolle“.

Ich will gerne eine Entschuldung unserer Städte, Gemeinden und Kreise vorantreiben, aber vor allem auch massiv Druck dafür machen, dass in Berlin wieder an die Kommunen gedacht wird. Dass die Einnahmekraft verbessert wird, dass soziale Lasten künftig vom Bund getragen werden.

Kommunale Selbstverwaltung, aktive Kommunen sind unverzichtbar.Ich habe jetzt 25 Jahre lang intensiv in der Kommune gearbeitet, und ich habe mir fest vorgenommen, mich auch nach einer Wahl als Ministerpräsident nicht selbst zu dementieren: An Kommunalfreundlichkeit möchte ich mich von niemandem übertreffen lassen. Anrede, Es gibt wirklich viel, sehr viel zu tun in der niedersächsischen Landespolitik nach 10 Jahren SchwarzGelb. Da hat sich viel Nachholbedarf aufgetürmt und wir haben leider auch nicht viel Zeit, wenn wir die Weichen richtig stellen wollen. Wie schnell wir vorankommen, wie weit wir vorankommen, wird nicht von uns alleine abhängen. Das wissen wir alle, dass über unsere Spielräume in der niedersächsischen Landespolitik am Ende vor allem auch
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in Berlin entschieden wird. In fast allen Bereichen gilt das: Ob wir die Chancen des Nordens bei der Energiewende nutzen, ob wir die Bildung vorantreiben, ob wir die Handlungsfähigkeit der Kommunen sicherstellen können – das alles entscheiden Bundesgesetze. Recht und Ordnung auf dem Arbeitsmarkt wieder herzustellen, einen gesetzlich geregelten Mindestlohn durchzusetzen – das müssen wir im Bund schaffen! Ob alte Menschen in Würde leben können, ob sie eine gute Pflege genießen können – das entscheidet sich auf der Bundesebene.

Im Landtagswahlkampf wird sich die Berliner Prominenz aus allen Parteien bei uns die Klinke in die Hand geben. Bei den niedersächsischen Landtagswahlen geht es um viel, bei uns entscheidet sich, wie die Parteien in den Bundestagswahlkampf ziehen werden. Um des Landes willen bin ich hoch motiviert, diese Landtagswahlen zu gewinnen. Aber ich gebe auch zu: Ich werde zugleich auch mit allem, was ich drauf habe, dafür kämpfen, dass die schlechteste Bundesregierung abgelöst wird, die dieses Land jemals hatte. Mit Schwarz-Gelb sind die Bürgerinnen und Bürger schon lange durch. Jetzt kommt es darauf an, sie für eine rot-grüne Bundesregierung zu gewinnen. Lasst euch nicht hinter die Fichte führen – das ist sehr gut möglich, in Berlin genauso wie in Hannover! Und ich freue mich darauf, dass wir mit Peer Steinbrück in diese Auseinandersetzung ziehen. Ich habe nicht vergessen, dass er es gewesen ist, der 2006 die Gewerbesteuer vor der CDU gerettet hat. Ich habe nicht vergessen, dass er unser Land durch die Finanzkrise geführt hat. Und ich kenne keinen, der daraus konsequenter seine Lehren gezogen hat, als Peer Steinbrück. Aus diesem Holz sind Bundeskanzler geschnitzt, die niedersächsische SPD steht hinter Peer
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Steinbrück!

Anrede, sicher, das nächste Jahr ist das Jahr der Landtagswahlen, die von großer, großer Bedeutung für Niedersachsen sind. Sicher, das nächste Jahr ist das Jahr der Bundestagswahlen und dort wird über die Zukunft unseres Landes entschieden. Aber 2013 hat noch einen weiteren Höhepunkt, der für mich und für viele von uns keine geringere Bedeutung hat. Im Mai wird die SPD 150 Jahre alt. 150 Jahre, das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. 150 Jahre, in denen Millionen von Menschen für Demokratie und Frieden, für Freiheit und soziale Gerechtigkeit gekämpft haben. Anderthalb Jahrhunderte, oft unter schwierigen Bedingungen, unter großen Opfern, aber auch mit Triumphen und vielen kleinen Erfolgen. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich fühle mich als Teil einer Kette. Diese Kette hat vor 150 Jahren begonnen und sie wird hoffentlich noch lange, lange weiterreichen. Diese Kette hat einen roten Faden, es gibt eine gemeinsame Einstellung, eine gemeinsame Haltung. Mir ist das vor rund 20 Jahren klar geworden, damals war ich sehr jung SPD-Vorsitzender in Hannover. Wenn ich damals bei Jubilarfeiern Genossinnen und Genossen für 60 oder 65 Jahre der Mitgliedschaft geehrt habe, hat mich das immer wieder tief beeindruckt. Ich kann mich gut an einen alten Genossen erinnern, der hat 1933 seine Lehrstelle verloren, weil er bei den Falken war. Sein Vater war im KZ und er sechs Jahre im Krieg. Und dennoch war er einer der Ersten, die die SPD wieder gegründet haben. Er hat nie eine dolle Karriere gemacht, nicht in der Partei
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und nicht in der Gewerkschaft. Aber er war mit sich ganz und gar im Reinen, dass er sein Leben lang den Idealen seiner Jugend treu geblieben ist. Das konnte man spüren und das hat mich bewegt.

Unsere Biographie lässt sich damit nicht messen, ehrlich gesagt bin ich auch dankbar dafür. Aber der Kern ist uns geblieben. Dass wir nicht nur für die eigenen Interessen kämpfen, sondern für das Gemeinwohl. Dass wir nicht das Recht des Ellenbogens oder der Geburt akzeptieren, sondern nur das des demokratischen Staates. Und dass ein solcher Staat aktiv sein muss, für die Schwächeren und für die Zukunft. Das ist der Kern der deutschen Sozialdemokratie, damals und heute. Und ich bin stolz, zu einer solchen Gemeinschaft dazu zu gehören. Wir haben ein großes Privileg als niedersächsische SPD. Wir können unserer Partei ein Jubiläumsgeschenk machen, über das sie sich wahrscheinlich am allermeisten freuen wird. Nämlich den Nachweis zu führen, dass die SPD nicht nur eine stolze Geschichte hat, sondern genau die richtigen Antworten auf die Herausforderungen von heute und von morgen. Dass wir den Nachweis führen können: Eine solche Partei findet Zustimmung und Vertrauen, heute genauso wie früher. Ein solches Geschenk, möchte ich, möchten wir alle, im nächsten Jahr der SPD präsentieren – unseren Sieg bei den niedersächsischen Landtagswahlen am 20. Januar 2013. Damit wir dann wieder mit Stolz und Selbstbewusstsein, aber unserer Verantwortung bewußt sagen können: Hier regiert die SPD! Dafür lasst uns kämpfen! Für ein Niedersachsen, in dem alle Kinder die gleichen
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Chancen haben, ganz egal, aus welchem Elternhaus sie kommen! Für ein Niedersachsen, in dem sich harte Arbeit lohnt! Für ein Niedersachsen, das in all seinen Teilen und für alle seine Menschen eine gute Zukunft hat! Dafür werde ich kämpfen, dafür wird unser Team kämpfen! Dafür brauche ich euch alle, jede und jeden von euch ganz persönlich. Dafür werden wir kämpfen – gemeinsam. Und dann werden wir gewinnen – gemeinsam. Dann wird es in Niedersachsen wieder heißen: Hier regiert die SPD! Herzlichen Dank!

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