Montag, 12.

November 2012

Themen des Tages

Weiden NT - Neuer Tag

Enoch zu Guttenberg, Dirigent und Umweltschützer, kämpft gegen die Windkraft-„Monster“
Von Albert Franz
Erbendorf. Wenn es die „Wutbürger“ überhaupt gibt, dann ist Enoch zu Guttenberg einer von ihnen. So richtig wütend kann er werden, wenn es um die Landschaftszerstörung durch Windkraftanlagen geht.
Am Freitagabend ließ der 65-Jährige seiner Wut bei der Bürgerinitiative „Unser Hessenreuther Wald“ freien Lauf. Die Stadt Erbendorf hat beschlossen, ein Vorranggebiet für bis zu zwölf Windräder auszuweisen. Ob die Oberpfalz oder Franken – der Dirigent und Vater von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nutzt seine Popularität und kämpft gegen die „Zockermentalität“, mit der das Land verschandelt werde. Für Guttenberg geht es darum, „dem Zeitgeist zu widerstehen, die Zähne zu zeigen“. Er will nicht tatenlos zusehen, „wie blind wieder Rattenfängern und dem Geld gefolgt wird“. Und für ihn ist es keine Frage, „ob das schnelle Geld, und sei es noch so viel, das wert ist“. giewende auch um wirtschaftliche Interessen, um einen florierenden Milliardenmarkt gehe. „Goldgräberstimmung“ gebe es auch in der Oberpfalz, mit Renditeversprechen von bis zu acht Prozent. Warum der Starnberger See oder der Chiemsee verschont bleibt, wundert ihn nicht.

Der Baron als „Wutbürger“

Im Kampf gegen „200 Meter hohe Monster, die jedes Menschenmaß durchbrechen“: Der Dirigent und Umweltschützer Enoch zu Guttenberg bei seinem Vortrag in Erbendorf. Bild: Wellenhöfer

Naturschützer eingeknickt
Als seinen persönlich größten Schmerz bezeichnet es Guttenberg, dass der Bund Naturschutz widerstandslos vor der Windkraft-Lobby eingeknickt sei. Deshalb hat er im Frühjahr nach 37 Jahren seinen Austritt aus dem Bund für Umwelt und Naturschutz erklärt, den er 1975 mit Umweltschützern wie Bernhard Grzimek, Horst Stern und Hubert Weinzierl gegründet hat. Die Begeisterung des Bund für die Windkraft geht ihm gegen den Strich. Noch schlimmer: Guttenberg glaubt, dass sich der Bund hat kaufen lassen. Guttenberg will nicht zurück zur Atomkraft. Er sieht noch viel Potenzial beim Energiesparen, fordert ein Verbot von Stand-by-Geräten. Und die Flachdächer in den Industrie- und Gewerbegebieten schreien aus seiner Sicht nach Solaranlagen, ebenso die Autobahnränder. Guttenberg erntet an diesem Abend bei den rund 150 Zuhörern viel Beifall. Dafür zieht sich Tobias Reiß, der CSU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Energiekommission des Landtags, den ganzen Unmut des Publikums zu. Reiß meint, ohne Veränderung der Landschaft gebe es keine Energiewende. Es sei eine Illusion, den Ausbau der Windkraftnutzung verhindern zu können. „Wir müssen der Realität ins Auge schauen“, erklärt Reiß. Aber er hat nach diesem Abend wieder einige „Wutbürger“ mehr gegen sich.

„Propeller-Ästhetik“
Für Guttenberg geht es um die Substanz. „Es geht um den Charakter Bayerns und unserer Heimat.“ „Die 200 Meter hohen Monster durchbrechen jedes Menschenmaß.“ In Niedersachsen, wo schon über 5000 Windkraftanlagen stünden, „haben die Riesen schon jeden Horizont gekapert“. „Das ist Hohn“, sagt Guttenberg über die offizielle Version, wonach nur zwei Prozent der Fläche Bayerns nötig wären, um die Energieversorgung zu sichern. „Hier werden Horizonte zerstört und verbraucht.“ Im Augenblick werde gera-

de die Fränkische Schweiz „pervertiert“ – und das, obwohl das AusbauSoll längst überschritten sei. Die Optik, die „Propeller-Ästhetik“, ist das eine, der Artenschutz das andere. In

E

s geht um die Substanz. Es geht um den Charakter Bayerns und unserer Heimat.
Enoch zu Guttenberg

Baron „hocheffiziente Geräte zur Vernichtung von Vögeln und Fledermäusen“. 100 000 Vögel und 200 000 Fledermäuse kämen durch sie jährlich um. „Dieser Strom wird dann liebevoll Ökostrom genannt.“ Guttenberg muss an sich halten. Wenn er die Welt nicht mehr versteht, zitiert er gern das Bibelwort „... denn sie wissen nicht, was sie tun“. Aus Guttenbergs Sicht ist die ungezügelte Nutzung der Windkraft eine Fehlentwicklungen wie die Flurbereinigung der Wirtschaftswunderjahre, der Einstieg in die Kernenergie oder der „Wirtschaftswahn“ der 90er Jahre. „Wir sind dabei, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Wir sind auf dem besten Weg, unsere eigene Identität zu sprengen.“ Er hat keine Zweifel, dass es bei der Ener-

der Oberpfalz gebe es noch fünf Brutpaare des Fischadlers, der gefährdet sei wie der sibirische Tiger. Sie müssten geschützt werden vor diesen „monströsen Vogelmordmaschinen“. Die Windräder nennt der

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful