Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Is la m

und

Chri sten tum

-

Verb in de nd es

und

Tr en ne ndes

Inhalt: 1. Die Heiligen Schriften 2. Gottes Schöpfung 3. Der Sündenfall 4. Wurzeln des Urchristentums und Entstehung der Kirche 4.1. Entwicklung der Trinitätslehre 5. Gottesdarstellung im Koran und in der Bibel 5.1. Gottes Barmherzigkeit in Verbindung mit Hoffnung 6. Jesus 6.1. Maria 7. Muhammad 8. Menschenbild im Islam und im Christentum 9. Der Mensch in seiner Gesellschaft 10. Die Religionen im Mittelalter 11. Religion und Wissenschaft 12. Deutschland und der Islam 13. Die Religionen heute Anhang

S. 2 S.12 S.15 S.17 S.20 S.22 S.24 S.25 S.31 S.32 S.39 S.43 S.47 S.58 S.60 S.66 S.70

Was hat mich dazu bewogen, Folgendes zu schreiben? In meinem ehemaligen Bekanntenkreis wurde abfällig über den Islam gesprochen. Als ich fragte, warum sie so reden, konnten sie anfangs keine Antwort geben, sie schämten sich auch. Dann wurde mir erklärt, dass sie ja nichts anderes in den Zeitungen und Fernsehen lasen oder hörten. Es war nur die Wiedergabe der öffentlichen Meinung. Damals wusste ich selbst zu wenig, um mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich konnte diese Situation die ganzen Jahre über nicht vergessen und nehme es jetzt zum Anlass, mich mit der religiösen Geschichte auseinander zu setzen. Ich erarbeitete diese Schrift gerade für diejenigen, die mehr über den Islam erfahren möchten wie auch für junge Muslime auf ihrem Weg in den Islam. Was vertreten beide Religionen, wie sind sie entstanden, was trennt das Christentum vom Islam, was sind ihre Gemeinsamkeiten und was kann beide Religionen 1

verbinden? Sind es wirklich zwei Religionen oder nur eine mit zwei Richtungen, genau wie ein einziger Gott und eine einzige Menschheit?

Sure 2:19: „Die Religion bei Gott ist der Islam.“ Islam bedeutet die völlige Ergebenheit zu Gott. Dadurch erringt der Mensch Friede mit seinem Schöpfer, mit seinen Mitmenschen und mit sich selbst. Islam ist das Eintreten in Gottes Frieden. Das Christentum ist auf dem Boden des Judentums entstanden. Nachdem die Anhänger des Judentums von ihrer Lehre abgewichen waren, wurde ein neuer Prophet, Jesus, von Gott an die Menschen gesandt, um sie wieder auf den rechten Weg zu führen. 1. Die Heiligen Schriften Sure 3:3-4: „ Er hat das Buch mit der Wahrheit auf dich herab gesandt als Bestätigung dessen, als vor ihm war. Und Er hat die Thora und das Evangelium herab gesandt vordem als Rechtleitung für die Menschen, und Er hat (das Buch zur) Unterscheidung herab gesandt“. Sure 4:163: „Wahrlich, Wir haben dir offenbart, wie wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Und Wir offenbarten Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen Ismails, Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomon; und Wir haben David einen Zabur (Psalmen) gegeben. 2. Petrus 1,21: „Denn niemals haben sich die Propheten selbst ausgedacht, was sie verkündigten. Immer war es der Heilige Geist, der sie beauftragte und dazu trieb, das auszusprechen, was Gott ihnen eingab.“ 5. Buch Mose 4,2: „Und ihr sollt nichts dazu tun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun, auf dass ihr bewahren möget die Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch gebiete...“ Gott kommuniziert mit dem Menschen seit seinem Dasein auf Erden bis heute. Es gibt kein religiöser Glaube, der ohne Gottes Kommunikation bestehen kann. Es sind Mitteilungen an den Menschen zu seiner Leitung und Schutz. Die Grundlagen sind die Heiligen Schriften. Juden, Christen und Muslime werden als die ‚Leute der Schrift‘ bezeichnet. Damit klingen viele Gemeinsamkeiten dieser drei Religionen an. In diesem Buch möchte ich mich mit der christlichen und islamischen Religion befassen, worauf sie sich beide beziehen, was sie trennt und besonders was sie verbindet. Muslime und Christen glauben, dass Gottes unverfälschtes Wort in seinen Büchern niedergeschrieben ist. Sie berichten von Gott und Seiner Schöpfung 2

und von der Geschichte der Menschheit. Sie unterrichten den Menschen im Glauben an Gott und bieten eine Stütze im Lebensalltag. Im Koran sowie in der Bibel offenbart sich Gott als der Alleinige, Ewigliche, Vollkommene, der Allmächtige, der Allwissende und Barmherzige. 2. Buch Mose 15,11: „Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist so dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig sei?“ Sure 2:163: „Und euer Gott ist ein Einziger Gott. Kein Gott ist da außer Ihm, dem Sich-Erbarmenden, dem Barmherzigen.“ Sure 112: “Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Sprich: „Er ist Gott, ein Einziger, Gott, der Absolute, (Ewigliche, Unabhängige, von Dem alles abhängt). Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden, und Ihm ebenbürtig ist keiner.“ Gott ist nicht geschaffen, hat keinen Anfang und kein Ende. Beide Religionen besagen, dass Gott der Schöpfer des Himmels, der Erde und alles, was dazwischen liegt ist. Er hat den Menschen, die Tierwelt und die Pflanzen geschaffen, damit der Mensch als Sein Vertreter auf Erden sich dieses zunutze machen kann. Am Ende aller Zeiten, dem Jüngsten Tag werden die Menschen vor Ihm über ihre Taten Rechenschaft ablegen müssen. Seinen Willen hat Er den Menschen durch Propheten und durch Seine Bücher verkündet. Beide Religionen achten die vorangegangenen von Gott herab gesandten Schriften und ihre Propheten. In Seinen Büchern, der Bibel und dem Koran, wurden die Gebote und Verbote festgeschrieben und nur derjenige Mensch kann Vergebung und Barmherzigkeit von Gott erlangen, der zum Wohlgefallen Gottes lebt. Beide Religionen glauben an die Auferstehung von den Toten, an das Gericht, in dem die guten und schlechten Taten des Menschen gewogen werden, an das Paradies und an die Hölle. Um welche Schriften handelt es sich? Die Bibel ist eine Sammlung von Büchern, unterteilt in die Hebräisch-Jüdische Bibel, von Christen als das Alte Testament benannt, und das Neue Testament. Die hebräische Bibel umfasst die Thora, das sind die Fünf Bücher Mose, die Geschichtsbücher wie das Buch Josua, der Richter, der Könige usw.; die Prophetenbücher und Weisheitsbücher wie z.B. die Psalmen oder Sprüche Salomos. Diese Bücher wurden zum großen Teil in hebräischer und teilweise in aramäischer Sprache aufgeschrieben. Die ältesten erhaltenen Handschriften gehen bis in das 11. Jahrhundert vor Christi zurück und sind in einem Zeitraum von ca. 1000 Jahren entstanden und zusammengestellt worden. Die Bibelübersetzung in die griechische Sprache begann im 4. oder 3. Jahrhundert vor Christi Geburt und endete ungefähr um 100 nach Christi. Der zweite Teil der Bibel ist das Neue Testament und enthält die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe und die Johannesapokalypse. Sie stammen aus den 3

ersten nachchristlichen Jahrhunderten und sind in griechischer Sprache geschrieben. Zum Vergleich: die Sprache Jesus war Aramäisch. Die ersten Schriftblätter wurden Mose durch Gott offenbart. Diese sind aber nicht komplett vorhanden und auch nicht mehr rekonstruierbar. Bis dahin wurden die Geschichten mündlich von einer Generation zur nächsten weitergegeben als eine Art volkstümliche Überlieferung, die gesungen wurde, weil es die einfachste Methode zum Auswendiglernen ist. Noch heute wird der Koran am leichtesten durch Vor-und Nachsingen auswendig gelernt. Das Alte Testament ist aus einer Vielzahl von Quellen zusammengesetzt. Dabei sind die Biografien verschiedener Propheten wie z.B. Mose, ihre Lehren und Handlungen, historische Begleitumstände und Kommentare miteinander zu einem Geschichtsbild verschmolzen wurden. Das Bild zeigt die Geschichte der Beziehungen zwischen Gott und dem israelitischen Volk und ihrem Werdegang auf. Die ersten fünf Geschichten des Alten Testaments, die Bücher von Mose - man bezeichnet sie auch mit dem griechischen Begriff „Pentateuch“ - behandeln den Zeitraum von der Erschaffung der Welt bis zum Einzug des jüdischen Volkes in Kanaan nach der Flucht aus ägyptischer Gefangenschaft, also bis zum Tode Moses. Es ist die Geschichte des jüdischen Volkes. Durch mündliches Weitergeben, menschliches Hinzufügen und Weglassen, durch Übersetzungen von einer Sprache in die andere wie auch nicht exakte Abschriften wurden die Schriften verändert und verfälscht. Sie sind deshalb nicht authentisch. In ihnen sind Gesänge, prophetische Orakel und die Zehn Gebote, die Mose von Gott erhalten hat enthalten, also Gesetzestexte, die die Grundlage einer religiösen Tradition darstellten und das damalige Leben organisierten. In den Prophetenbüchern stehen die Propheten im Mittelpunkt. Das sind besondere Menschen, die von Gott mit der Aufgabe betraut wurden, ihre Mitmenschen zum Guten hinzuführen, sie an Gott zu erinnern und vor frevelhaftem Tun zu warnen. Die Psalmen und Sprüche gehörten wahrscheinlich zum kultischen Leben. Das Alte Testament berichtet von den Propheten. Wir erfahren aus ihnen von Adam, Noah, Abraham, Moses, Hiob, David und Jonas, denen wir auch im Koran begegnen. Alle Offenbarungsschriften wurden als Gottes Rechtleitung offenbart, die durch die Gesandten unverfälscht übermittelt wurden. Adam war der erste Prophet der Menschheit seit Beginn ihres Wohnens auf der Erde. Gott versprach ihm und seiner Nachkommenschaft, also den Menschen bis heute Rechtleitung. Die Botschafter nach ihm kamen alle mit der gleichen Botschaft, wenngleich die Situation, die Gesellschaft und die speziellen Anweisungen der Propheten jeweils eine andere war. Sie waren immer auf die Rahmenbedingungen der einzelnen Gesellschaft bezogen. Neue Situationen und veränderte Umstände machten neue Offenbarungen durch neue Propheten notwendig. 4

Der zweite Teil der Bibel - das Neue Testament - befasst sich mit den Evangelien. Im Neuen Testament erzählen die Evangelisten Jahrzehnte später vom Leben Jesus Christi in griechischer Sprache, die aber wie schon geschrieben, nicht Jesus Muttersprache war. Die ersten wurden erst gegen Ende des ersten Jahrhunderts schriftlich fixiert. Die Evangelisten waren also alle keine Gefährten von Jesus und niemand kann bezeugen, ob der exakte Wortlaut von Jesus wahrheitsgemäß aufgeschrieben wurde. Es gab eine Vielzahl von Schriften, die nach dem Tode Jesus geschrieben wurden. Im 3. Jahrhundert nach Christi wurden sie nach dem 1. Konzil von Nicäa alle geächtet bis auf die vier bekannten Evangelien von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Auch wenn diese Evangelien bestimmten Namen zugeordnet wurden, so weiß man nicht, wer die die wirklichen Urheber waren. Im Gegensatz zur hebräischen Bibel, dem Alten Testament, steht hier eine reichhaltige Literatur zur Verfügung, die Einblicke in die griechische Begriffs- und Gedankenwelt der beiden Jahrhunderte nach Christi ermöglicht. Auch diese Evangelien sind nicht mehr in den Originalen erhalten geblieben. Die Evangelien und die darin enthaltenen Botschaften konnten, bevor sie kanonisiert wurden - das heißt: als echt angesehene Schriften - von den führenden Kirchenmännern verändert, den gegebenen Situationen und Interessen angepasst werden, so wie sie es gebraucht hatten. Zum Neuen Testament gehören auch die Briefe des Paulus, die als Lehrbriefe für die Gemeinden gedacht waren. Auch Paulus kannte Jesus nicht von Angesicht. Der älteste Brief Paulus an die Thessaloniker, geschrieben um das Jahr 50 gilt als das älteste schriftlich erhalten gebliebene Dokument des Christentums. Als ein gebildeter Jude und gesetzestreuer Pharisäer verfolgte Paulus zunächst mit großem Eifer die Anhänger Jesus. Doch dann hatte er auf dem Weg nach Damaskus, wo er die treuen Anhänger von Jesus gefangen nehmen wollte eine Vision, in der er ein Licht sah und die Stimme von Jesus hörte. Es ist aber eigenartig, nur er hörte eine Stimme, seine Begleiter aber nicht, er sah ein Licht, aber keine weitere Person. Und auf der Stelle und ohne nachzudenken wurde er zu einem selbst ernannten Jünger Jesus? In judenchristlichen Schriften wird Paulus mit dämonischen Mächten in Verbindung gebracht. Er schreibt selber darüber im 2. Brief an die Korinther 12,7: “ Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll...” War er krank, fantasierte er, dass er sich einbildete, ein Licht zu sehen? Die Judenchristen hielten ihn für einen Lügen-Apostel. Zu dem Begriff Judenchristen komme ich später. Paulus machte seine eigene neue Religion im Namen Christi: Abschaffung der jüdischen Relikte der Beschneidung und des Sabbats und aller Speisevorschriften. Er ebnete auch den Weg für die kirchliche Lehre der Erbsünde. Er sagte, dass der Mensch niemals Erlösung erlangen kann nur durch das Einhalten der religiösen 5

Gesetze. Deshalb hat Gott seinen Sohn als den Erlöser am Kreuz sterben lassen als Sühneopfer und Erlöser für die Menschheit. Er glaubte plötzlich, dass er ein von Gott berufener Apostel sei, der das Evangelium den Völkern nahe bringen soll. Er berichtet darüber in Gal 1,15f: „Da es aber Gott wohl gefiel, der mich von meiner Mutter Leibe an hat ausgesondert und berufen durch seine Gnade, dass er seinen Sohn offenbarte in mir, dass ich ihn durchs Evangelium verkündigen sollte unter den Heiden; alsbald fuhr ich zu und besprach mich nicht mit Fleisch und Blut, kam auch nicht gen Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog hin nach Arabien und kam wiederum nach Damaskus.“ Er bereiste vorwiegend größere Städte und gründete dort einige christliche Gemeinden, den sogenannten Heiden-Christen. Ihnen schickte er seine Lehrbriefe. Er vertrat in den Briefen seine neue Erkenntnis von Jesu Christi als Sohn Gottes. Er meinte, das von ihm verkündete Evangelium sei nicht menschlicher Art, weil es eine von Gott an ihn gerichtete Botschaft sei. Er stellte nicht Gott zum Mittelpunkt seiner Offenbarung, sondern den auferstandenen Jesus Christus als Mittler zu Gott. Er predigte nicht das Einhalten der Gebote, nicht das Befolgen der Jüdischen Thora für die Heiden-Christen, sondern einzig der Glaube an Jesus Christus öffnet die Tür zu Gott und zu seiner Liebe. Das ist auch das Hauptthema von Paulus, die Erwartung der Endzeit, in der derjenige Gläubige von Gott gerettet wird, der an das Sühneopfer und an die Auferstehung Jesus Christi glaubt. Das Neue Testament ist weniger eine Geschichtsbeschreibung, sondern beinhaltet mehr Glaubenszeugnisse, wie auch Wundergeschichten und Übersinnliches, mit denen wahrscheinlich ein heutiger Mensch wenig anfangen kann. Wer hat jemals von einem Jesus-Evangelium gehört? Alle Propheten sind mit einer Botschaft gesandt worden. Logisch wäre es, dass Jesus seine Sendung schriftlich niedergelegt hätte. Der Koran berichtet von einem Jesus-Evangelium in Sure 5:46: „Und Wir ließen ihnen Jesus, den Sohn der Maria, folgen, zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war, und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Rechtleitung und Licht war, zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war und Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.“ Bis heute ist aber nichts Authentisches von Jesus gefunden worden. Zusammengefasst: Die Bibel ist eine Sammlung von mindestens 66 Schriften, die wie schon geschrieben, im Laufe der Zeit Veränderungen unterlag. Die Ursache für viele Ungereimtheiten und Widersprüchen sind entstanden durch Überarbeitungen der einzelnen Texte, durch Übersetzungen in andere Sprachen, durch verschiedene Autoren desselben Berichtes. Die Entscheidung, welche Teile zur Bibel gehören, was verändert werden muss, wurde dem menschlichen Urteil überlassen. Im Verlauf der Jahrhunderte wurden immer wieder die Texte der Zeit zugeschnitten. Sie spiegeln das jeweilige Gottes- und Menschenbild wider. Ich werde darauf noch näher eingehen. 6

Der Koran ist das reine unverfälschte Wort Gottes. Nach dem Glauben der Muslime ist diese Schrift der Offenbarung eine Wiedergabe der im Himmel befindlichen Urschrift. Das Wort Koran bedeutet in der arabischen Sprache Rezitation, Lesung. Die grundlegende Botschaft des Korans ist dieselbe wie die grundlegenden Botschaften der vorhergegangenen Bücher. Die darin enthaltenen Anweisungen, die den Menschen Rechtleitung geben, sind universell, für die gesamte Menschheit und für alle Zeiten. Der 3. Kalif Uthman hat es in der uns heute überlieferten Schrift zusammengestellt, wie weiter unten erläutert wird. Der Koran ist direkt von Gott durch den Engel Dschibril (Gabriel) an den Propheten Muhammad im siebenten Jahrhundert, also in einer historisch greifbaren Zeit, innerhalb von zwei Jahrzehnten herab gesandt worden. Die Schrift des Korans ist authentisch und hat sich bis heute nicht verändert, die Sure 5:48 bestätigt es: „Wir haben das Buch mit der Wahrheit zu dir herab gesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm da war und darüber Gewissheit gibt…“ Die Religion, die im Koran verkündet und durch den Propheten Muhammad verbreitet wurde, ist der Islam. Es bedeutet, sich bewusst in den Willen Gottes zu ergeben, in den Frieden Gottes einzutreten. Man tritt in den Islam ein wie ein Neugeborener. Es ist, als wenn man durch ein dunkles Tor geht in helles Licht und alles, was vorher an Schlechtem war, lässt man vor dem dunklen Tor, fällt ab, als wenn man ein Kleid auszieht. Es ist ein neuer Beginn des Lebens. Zum besseren Verständnis des Korans ist die Kenntnis der vorislamischen Geschichte und Kultur wichtig. Die meisten Araber hingen noch dem Vielgötterglauben an. Väter begruben zum Beispiel ihre kleinen Töchter lebendigen Leibes, Frauen hatten wenig Rechte. Sklaven konnte man brutal misshandeln. Diese Situation machte unter anderem eine neue Offenbarung notwendig. Muhammad, der letzte Prophet Gottes, wurde dieses Mal an die gesamte Menschheit gesandt. Deshalb ist der Koran auch die letzte Schrift, die die Rede von Gott enthält. Die grundlegende Botschaft ist dieselbe geblieben wie die Botschaften der vorangegangenen Offenbarungen. Sie beinhaltet Richtlinien und Anweisungen an alle Menschen und Rechtleitung für sie. Sie verkündet die Einheit und Einzigartigkeit Gottes: „Es gibt keine Gottheit außer Gott.“ Der Koran wurde in der Sprache des Propheten Muhammad, in Arabisch nieder gesandt und auch sofort auf Gegenständen wie Pergament, Knochen, Rinde 7

aufgezeichnet und nicht mehr verändert. Die Kenntnis der Offenbarungsanlässe wie auch der historischen Begleitumstände einzelner Abschnitte ist eine wesentliche Voraussetzung für ihr Verständnis. Viele der christlichen ‚Koranexperten’ nehmen einzelne Teile der Suren und Verse aus ihrem Zusammenhang heraus und kommentieren diese, meist mit einem negativen Ergebnis, zur Irreführung der Leser. Der Koran ist die einzige Schrift, zu deren Verwahrung sich Gott selbst verpflichtet hat und er stellt fest, dass er an alle Menschen und an die Dschinn (Wesen aus Feuer, für uns unsichtbar) gesendet wurde, also nicht nur an die Araber. Er ist unnachahmlich und es gibt keine ähnliche Schrift, die sich mit ihm vergleichen und messen kann. Die Araber waren herausragend in Dichtungen, aber keiner konnte sich mit dem Koran messen. Er ist bis zum heutigen Tag im Original erhalten geblieben. In Sure 17: 90 heißt es: Wahrlich, wenn sich auch Menschen und Dschinnen zusammentäten, um einen Koran wie diesen hervorzubringen, sie brächten keinen gleichen hervor, auch wenn die einen den anderen beistünden. Außerdem wurde den Muslimen angeraten, die einzelnen Herabsendungen sogleich auswendig zu lernen als eine doppelte Methode der Aufbewahrung des Korans. Die Menschen werden im Koran aufgefordert, über die Schöpfung Gottes nachzudenken, sich dem Guten zuzuwenden, gute Taten zu verrichten und auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes zu bauen. Wichtige Hilfsmittel zum besseren Verstehen des Korans sind die Hadithliteratur, die die Aussprüche und Handlungen des Propheten Muhammad beinhaltet, die Koranwissenschaft und die Sira (die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad) und die den historischen Hintergrund der Herabsendungen der einzelnen Verse ausleuchten. Oft hört man, dass der Prophet Muhammad von der Bibel abgeschrieben hat. Sicher hat er von der christlichen Religion gehört, auf seinen Reisen als Kaufmann vor seinem Prophetentum ist er ja mit vielen Menschen zusammen gekommen. Aber studiert hat er die Bibel gewiss nicht, denn er konnte nicht lesen. Außerdem gab es zu seiner Zeit noch keine arabische Übersetzung der Bibel. Er hatte auch keinen intensiven Kontakt mit Christen. Das wäre den Bewohnern von Mekka und später Medina aufgefallen, besonders während der ersten Zeit seines Prophetentums, als die Männer, die dem Vielgötterglauben noch anhingen, ihn argwöhnisch beobachteten. Nur von Gott konnte er bestimmtes Wissen haben, was erst Anfang des 20. Jahrhunderts durch Wissenschaftler erforscht wurde. Gott erklärt zum Beispiel in Sure 16:4: Er hat den Menschen aus einem Spermatropfen geschaffen. Ich werde später über die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Aussagen aus dem Koran berichten. Noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad liegen die einzelnen Suren und Verse in der richtigen Reihenfolge in schriftlicher Form auf unterschiedlichem, losem Material fest. Nach seinem Tode wurde der Muslim Zaid vom 1. Kalif Abu Bakr beauftragt, die einzelnen Schriften zu sammeln, die später vom 2. Kalif Umar und dann von dessen Tochter Hafsa verwahrt wurden. Ebenso waren einige andere Schriften von Privatpersonen vorhanden. Der 3. Kalif Uthman ließ mit Absprache der 8

Prophetengefährten aus der Sammlung von Hafsa unter genauester Kontrolle ein Standartexemplar verfassen. Von diesem Exemplar hatte er 5 Kopien anfertigen lassen, die er dann zu den damals bedeutendsten Städten Kufa, Damaskus, Basra, Medina und Mekka gesandt hat. 2 Originalkopien davon sind in Damaskus und Taschkent erhalten geblieben. Heute noch liegt der Koran in dieser Verfassung vor, aus dem die Muslime in aller Welt rezitieren. Die Religion Gottes hat sich in ihrem Kerninhalt seit Anbeginn nie geändert, alle Gesandten haben die Menschen immer eingeladen, allein Gott anzubeten und Ihm gehorsam zu sein, zu akzeptieren, dass es ein Jenseits, das Paradies und die Hölle gibt und Gutes tun. Lediglich die äußeren Gesetze änderten sich im Laufe der Zeit, weil die Situation der Menschheit sich geändert hat. Das Alte Testament sowie der Koran enthalten Berichte über die Entstehung, Sinn und Zweck der Schöpfung. Beide betonen, dass es der Wille von Gott ist, dass die Menschen an Ihn glauben und nach Seinen Geboten und Verboten leben sollen. Die Gesandten verkündeten den Willen Gottes, der am Ende der Zeit über Strafe und Vergebung richtet. Im Alten Testament und im Koran kommt zum Ausdruck, wer Gott und wer Seine Schöpfung, der Mensch ist, welche Inhalte beide Religionen für sich in Anspruch nehmen, und daraus abgeleitet, wie der Mensch sein sollte, aber auch Gottes Verhältnis zu den Menschen in Seiner Barmherzigkeit und Größe. An vielen Stellen betont der Koran die Übereinstimmung zwischen Bibel und Koran, die Offenbarung ist ja immer dieselbe geblieben und letztendlich ist es auch nur eine auf verschiedene Art und Weise sich ausdrückende Religion. An dieser Stelle möchte ich eine Geschichte besonderer Art erzählen über den Kaiser von Äthiopien und sein erstes Kennenlernen einiger Verse des Korans: Zu ihm kam eine Gruppe Muslime, die aus Mekka geflohen waren wegen zu starker Repressalien und um bei ihm Schutz zu suchen. Es war noch in der Zeit vor der Auswanderung des Propheten Muhammad aus Mekka. Aber lassen wir Umm Salama, die spätere Frau des Propheten Muhammad erzählen: „Als wir in Abessinien ankamen, nahm uns der Negus, der abessinische Kaiser, sehr freundlich auf. Wir konnten in Sicherheit unsere Religion ausüben und Gott dienen, ohne deswegen verfolgt oder beschimpft zu werden. Als aber die Quraish, der Stamm des Propheten Muhammad in Mekka dies erfuhren, beschlossen sie, unseretwegen zwei bewährte Männer zum Negus zu schicken und ihnen Geschenke für ihn mitzugeben, und zwar von den besten Waren, die Mekka zu bieten hatte. Unter den Waren, die aus Mekka eingeführt wurden, war in Abessinien Leder am meisten geschätzt. Man brachte also für den Negus eine große Menge davon zusammen und bereitete auch Geschenke für seine Feldherren vor. Dann schickten sie Abdullah und 9

Amr, die beiden ausgewählten Männer, damit nach Abessinien und wiesen sie an, zuerst den Feldherren und erst dann dem Negus selbst die Geschenke zu überreichen und diesen dann zu bitten, ihnen die Auswanderer auszuliefern, ohne zuvor selbst mit ihnen gesprochen zu haben. Die beiden brachen auf und gelangten zum Negus, unter dessen Schutz wir lebten. Sie brachten zuerst den Feldherren ihre Geschenke und sagten zu jedem von ihnen: ,In das Land eures Herrschers sind einige törichte Leute von uns geflohen, die die Religion ihres Volkes verlassen, aber auch nicht eure Religion angenommen haben. Sie haben eine neue Religion erfunden, die wir genauso wenig kennen wie ihr. Die Führer unseres Volkes haben uns deshalb zu eurem Herrscher geschickt, damit er sie zu uns zurückschickt. Wenn wir nun mit dem Herrscher darüber sprechen, dann gebt ihm den Rat, sie an uns auszuliefern, ohne zuvor selbst mit ihnen zu sprechen, denn wir kennen ihre Schandtaten am besten.‘ Das versprachen ihnen die Feldherren. Danach brachten die beiden auch dem Negus ihre Geschenke, und dieser nahm sie an. Sie brachten vor ihm dieselben Anschuldigungen gegen die Auswanderer vor wie vor den Feldherren, die dem Negus rieten, die Bitte der Mekkaner zu erfüllen. Aber da wurde der Negus zornig und rief: ,Nein, bei Gott, ich werde sie den beiden nicht ausliefern. Niemanden, der in meinem Land Schutz sucht und mich anderen vorzieht, werde ich preisgeben, ohne ihn vorzuladen und darüber zu befragen, was die beiden von ihnen behaupten. Wenn es dann so ist, wie sie sagen, dann werde ich sie ihnen ausliefern und zu ihrem Volk zurückschicken. Wenn es aber nicht so ist, dann werde ich sie vor den beiden schützen und ihnen meine Gastfreundschaft gewähren, solange sie mich darum bitten.‘ Darauf schickte er einen Boten zu den Prophetengefährten, um sie zu sich zu holen. Als dieser zu ihnen kam, versammelten sie sich und überlegten gemeinsam, was sie dem Negus sagen sollten, wenn sie bei ihm waren. ,Was immer auch geschieht,‘ so sagten sie schließlich, ,wir werden ihm sagen, was wir wissen und was uns unser Prophet befohlen hat.‘ Der Negus hatte aber auch seine Bischöfe holen lassen, die nun um ihn herum ihre heiligen Schriften aufschlugen. Als die Muslime angekommen waren, fragte sie der Negus: ,Was ist das für eine Religion, um derentwillen ihr euer Volk verlassen habt, ohne dass ihr dafür meine oder eine andere bekannte Religion angenommen habt?‘ Darauf antwortete Ja'far bin Abi Talib, der Vetter des Propheten: ,Majestät, wir waren ein unwissendes Volk. Wir dienten den Götzen, aßen unreines Fleisch, begingen Unzucht, verletzten die Verwandtschaftsbande, missachteten das Gastrecht, und die Mächtigen von uns beuteten die Schwachen aus. So lebten wir also, bis Gott unter uns einen Propheten erweckte, dessen Abstammung, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Anstand wir kennen. Er forderte uns auf, Gottes Einheit zu bekennen und Ihm allein zu dienen und die Steine und Götzen aufzugeben, denen wir und unsere Vorfahren gedient hatten. Er forderte uns auf, immer die Wahrheit zu sprechen, unsere Versprechen zu halten, die Verwandtschaftsbande zu achten, den Gast zu schützen und Verbrechen und Blutvergießen zu meiden. Er verbot uns, Unzucht zu begehen, den Waisen ihr Eigentum zu nehmen und anständige Frauen zu verleumden. Er gebot uns, Gott allein 10

zu dienen und Ihm nichts zur Seite zu setzen, zu beten, Spenden zu geben und zu fasten. Und wir haben ihm geglaubt, sind seiner Offenbarung gefolgt, haben Gott allein gedient, ohne Ihm etwas beizugesellen, haben gemieden, was er für verboten erklärte, und getan, was er uns erlaubte. Da fiel unser Volk über uns her, quälte uns und versuchte, uns von unserem Glauben abzubringen, damit wir den Gottesdienst aufgeben, zum Götzendienst zurückkehren und wieder wie früher Böses für erlaubt halten sollten. Als sie dann Gewalt gegen uns anwendeten, uns unterdrückten und einschränkten und daran hinderten, unsere Religion auszuüben, wanderten wir in dein Land aus und wollten lieber bei dir als bei irgend jemand anderem bleiben. Wir schätzen deine Gastfreundschaft und deinen Schutz und hoffen, dass uns bei dir kein Unrecht geschieht.‘ ,Hast du etwas von der Offenbarung bei dir, die euer Prophet euch gebracht hat?‘ fragte darauf der Negus. ,Ja,‘ antwortete Ja'far. ,Dann lies es mir vor,‘ forderte ihn der Negus auf. Da trug ihm Ja'far einen Abschnitt aus der Sure Maryam (16:21) vor, und der Negus weinte, bis ihm der Bart nass wurde. (Und erwähne im Buch Maria. Als sie sich von ihrer Familie nach einem östlichen Ort zurückzog und von ihr abschirmte, da sandten Wir Unseren Engel Gabriel zu ihr, und er erschien in der Gestalt eines vollkommenen Menschen; und sie sagte: „Ich nehme meine Zuflucht vor dir beim Allerbarmer, lass ab von mir, wenn du Gottesfurcht hast.“ Er sprach: „Ich bin der Bote deines Herrn. Er hat mich zu dir geschickt, auf dass ich dir einen reinen Sohn beschere.“ Sie sagte: „Wie soll mir ein Sohn geschenkt werden, wo mich doch kein Mann je berührt hat und ich auch keine Hure bin?“ Er sprach: „So ist es; dein Herr aber spricht: ,Es ist mir ein leichtes, und Wir machen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu Unserer Barmherzigkeit, und dies ist eine beschlossene Sache.“) Auch seine Bischöfe weinten, so dass Tränen auf ihre heiligen Schriften fielen. Dann wandte sich der Negus an die beiden Gesandten der Mekkaner und sagte zu ihnen: ,Diese Offenbarung und die Offenbarung Jesu kommen aus derselben Quelle. Geht weg! Bei Gott, ich werde sie euch nicht ausliefern und sie nicht hintergehen!‘ Als die beiden den Negus verlassen hatten, sagte Amr zu Abdullah: ,Morgen werde ich ihm etwas erzählen, womit ich sie von Grund auf vernichte.‘ Abdullah, der gottesfürchtigere der beiden, wandte ein: ,Tu es nicht! Auch wenn sie etwas gegen uns getan haben, so bleiben sie doch unsere Stammesbrüder.‘ Amr aber bestand darauf und sagte: ,Ich werde ihm mitteilen, dass sie behaupten, Jesus, der Sohn der Maria, sei nur ein Mensch.‘ Und so ging Amr am nächsten Morgen zum Negus und sagte: ,Majestät, jene Leute behaupten von Jesus Ungeheuerliches. Lass sie doch holen und frage sie einmal danach.‘ Der Negus kam seiner Aufforderung nach. So etwas war uns noch nie geschehen. Die Auswanderer versammelten sich wiederum und berieten, was sie über Jesus antworten sollten, wenn sie danach gefragt wurden. Dann beschlossen sie: ,Mag kommen, was will, wir sagen das, was Gott uns mitgeteilt und unserem Propheten offenbart hat.‘ 11

Als sie also beim Negus angekommen waren und er sie nach ihrer Ansicht über Jesus fragte, antwortete ihm Ja'far: ,Wir sagen von ihm, was unser Prophet uns mitgeteilt hat, nämlich dass er ein Diener Gottes, Sein Gesandter, Sein Geist und Sein Wort ist, das Er der Jungfrau Maria beschert hat.‘ Da hob der Negus einen Stock vom Boden auf und sagte: ,Wahrhaftig, Jesus ist nicht um die Länge dieses Stockes mehr als das, was du gesagt hast.‘ Ein Raunen ging durch die Menge der versammelten Würdenträger. Aber der Negus fuhr fort: ,Und wenn ihr auch raunt.‘ Und zu den Muslimen sagte er: ,Geht. Ihr seid in meinem Land sicher. Wer euch beschimpft, der wird bestraft. Nicht einmal für einen Berg Gold würde ich einem von euch unrecht tun. Gebt den beiden Männern ihre Geschenke zurück. Ich brauche sie nicht. Gott hat keine Bestechung angenommen, als Er mir meine Herrschaft gab; warum sollte ich nun gegen Ihn Bestechung annehmen? Er hat damals nicht den Leuten gegen mich beigestanden; warum sollte ich ihnen jetzt gegen Ihn beistehen?‘ Da verließen die beiden den Negus, beschämt und mit den mitgebrachten Geschenken. Wir aber blieben dort in seinem Schutz.“1 2. Gottes Schöpfung Wenn man in die Schöpfung wie die Himmelskörper oder die Natur schaut und sieht, wie alles harmonisch seinen Lauf nimmt, und alles seine bestimmte Aufgabe hat, so kann man nur auf die Existenz eines allwissenden und allmächtigen Schöpfers schließen, Der alle diese harmonisch verlaufenden Dinge erschaffen hat und sie ihre Aufgabe tun lässt. Man schließt also von der Auswirkung, das heißt vom ausgeglichenen Ablauf in der Natur, auf die Ursache, die Existenz eines Einzigen Allwissenden Gottes. Und so müsste jedem Menschen auch klar sein, dass nicht diese Dinge, die jeweils eine bestimmte, beschränkte Aufgabe haben, anzubeten sind, sondern Derjenige, der sie lenkt.
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Die Bibel wie auch der Koran erzählen von der Schöpfung durch Gott in sieben Tagen. Aber da beginnt schon die Unterscheidung. Im Koran folgt die Einteilung der einzelnen Schöpfungen ohne genaue Einteilung, aber in logischer Reihenfolge. In der Bibel stehen die Tage fest, aber es gibt keine logische Reihenfolge der einzelnen Schöpfungen. Hier einiges aus dem Schöpfungsbericht der Bibel. 1.Buch Mose, Vers 1-4: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Da sprach Gott: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Und Gott sah, dass Licht gut war. Da trennte Gott Licht von Finsternis, Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber Nacht. Es ward Abend und es ward Morgen: ein Tag.

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2 Islamische Geschichte Islamischer Informationsdienst e.V. Samir Mourad S.111

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Aber wie kann schon Licht sein, denn das Licht der Sterne war noch nicht geschaffen, das Firmament wird erst am vierten Tag erwähnt, um Tag und Nacht zu scheiden. Denn im Vers 14 heißt es: Dann sprach Gott:“ Es sollen Leuchten werden am Gewölbe des Himmels, um zu scheiden zwischen dem Tag und der Nacht...“ Genau so ist es unsinnig die Schaffung von Pflanzen und ihrer Fortpflanzung am dritten Tag, bevor die Sonne am vierten Tag geschaffen wird. Der Schöpfungsbericht klingt darum fast wie ein Fantasieprodukt, er ist wahrscheinlich durch die vielen Überlieferungen entstellt worden. Die hebräische Schöpfung der Welt legt diese in das 37. Jahrhundert vor Christus fest und so müsste man das Auftreten von Adam ebenfalls vor höchstens rund 40 Jahrhunderten festlegen. Aber wir wissen heute, dass der erste Mensch schon Jahrtausende früher da war. Im Koran gibt es keine Mitteilung über die Schöpfung, die die einzelnen Tage oder Zeitabschnitte nacheinander aufzählt. Es steht nicht da, was am ersten Tag erschaffen wurde, was am zweiten Tag. Aber es gibt viele Stellen, die die Ereignisse in logischer Reihenfolge präzisieren. In Sure 7:54 steht: Seht, euer Herr ist Gott, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, (und) Sich alsdann (Seinem) Reich hoheitsvoll zuwandte: Er lässt die Nacht den Tag verhüllen, der ihr eilends folgt. Und (Er erschuf) die Sonne und den Mond und die Sterne, Seinem Befehl dienstbar... ...Oder Sure 79:27-33: Seid ihr (die Menschen) denn schwerer zu erschaffen oder der Himmel, den Er gebaut hat? Er hat seine Höhe gehoben und ihn dann vollkommen gemacht. Und Er machte seine Nacht finster und ließ sein Tageslicht hervorgehen. Und Er breitete hernach die Erde aus. Aus ihr brachte Er ihr Wasser und ihr Weideland hervor Und Er festigte die Berge; (dies alles) als eine Versorgung für euch und euer Vieh. Es wird zuerst hier der Himmel genannt, also das Universum, dann die Sterne und mit ihr das Licht der Sonne, Entstehung der Erde und alles, was darauf ist alles in logischer Reihenfolge. Seine Schöpfung hat kein Ende, wenn Er will, kann Er alles vernichten und Neues schaffen, die Sure 36:82 bestätigt es: Wenn Er ein Ding will, lautet Sein Befehl nur „Sei!“ – und es wird. Beim Lesen der Bibel kann ich nicht sagen, dass irgend eine Mitteilung wissenschaftlich belegbar wäre, aber an vielen Stellen im Koran: Sure 21:30: Haben denn diejenigen, die ungläubig sind, nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde eine Einheit waren, die Wir dann zerteilten? Und Wir machten aus dem Wasseralles Lebendige. Sure 41:11-12: Dann wandte Er sich zum Himmel, welcher noch Nebel war, und sprach zu ihm und zur Erde: „Kommt ihr beide, willig oder unwillig.“ Sie sprachen: „Wir kommen freiwillig.“ So vollendete Er sie als sieben Himmel in zwei Tagen, und jedem Himmel wies Er seine Aufgaben zu. Und Wir schmückten den untersten Himmel mit 13

Leuchten, (welche auch) zum Schutz (dienen). Das ist die Schöpfung des Erhabenen, des Allwissenden. Der Koran gibt Mitteilung, wie Gott den Menschen entstehen lässt, sogar heute wissenschaftlich untermauert: Sure 23:12-14: „Und Wir haben fürwahr den Menschen in seinem Ursprung aus den Bestandteilen des Lehms erschaffen, dann setzten Wir ihn als Samentropfen an eine geschützte Stätte, dann erschufen Wir aus dem Samentropfen ein Anhängsel (wörtlich: etwas, das sich festhält; eine Beschreibung, die sehr gut auf die sich einnistende Eizelle passt) und erschufen aus dem Anhängsel ein kleines Gebilde, und hernach formten Wir in dem kleinen Gebilde Knochen und bekleideten die Knochen mit Fleisch. Dann ließen Wir daraus ein anderes Geschöpf entstehen. Gepriesen sei Gott, Der Vortreffliche Schöpfer!“ Ich komme später noch auf diese Verse und ihre wissenschaftliche Untermauerung zu sprechen. Der Koran, Sure 37:102 -113 berichtet über die Geschichte des Opfers Abrahams: „Als er alt genug war, um mit ihm zu arbeiten, sagte er: O mein Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich opfere; was meinst du dazu? Er sprach. O mein Vater, tu, wie dir befohlen wird, du sollst mich, so Gott will, unter den Geduldigen finden. Als sie sich beide gefügt hatten und er ihn mit der Stirn auf die Erde legte, riefen Wir ihm zu: „O Abraham, du hast den Traum bereits erfüllt“- So belohnen Wir die, die Gutes tun. Wahrlich, das ist offenkundig eine schwere Prüfung. Und Wir lösten ihn durch ein großes Schlachttier aus. Und Wir bewahrten seinen Namen unter den künftigen Geschlechtern. Friede sei auf Abraham! Und Wir gaben ihm die frohe Botschaft von Isaak, einem Propheten, der zu den Rechtschaffenen. Gehörte. Und Wir segneten ihn und Isaak. Und unter ihren Nachkommen sind 8manche). Die Gutes tun, und 8andere), die offenkundig gegen sich selbst freveln. Die Bibel dagegen erzählt nur von der Opferung Isaaks. Wie dem aus sei, Abraham hatte zwei Söhne, Ismael, der erstgeborene Sohn und Isaak, sein zweiter Sohn. Alle nach ihm kommenden Propheten entstammen seinen beiden Söhnen. Ismael ist der Stammvater der Araber, denn er ließ sich im Tal von Mekka nieder, der letzte Prophet Mohammad entstammt dieser Richtung und die Propheten des Hauses Israel sind die Nachkommen Isaaks, zu der auch Jesus gehört. 3. Der Sündenfall In beiden Religionen gibt es die Berichte über den Sündenfall und über den Auszug aus dem Paradies, aber mit unterschiedlichem Ausgang. Ich möchte das 1. Buch Mose 3,1-24 zitieren: Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur 14

Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen - , verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens. Der Mensch vermag nun das Böse vom Guten zu unterscheiden, gute Taten von schlechten Taten. Es besagt aber auch, dass für die Christen bis zum Ende aller Tage die Menschen für diese Übertretung bestraft werden, später wird es zur Last der 15

Erbsünde. Am meisten hat die Frau darunter zu leiden, ihr wird die Hauptschuld angelastet, sie ist rechtlos. Und der einfache Mann wird ständig von der Kanzel daran erinnert, dass er von Gott verdammt wurde, sich auf seinem Acker zu plagen, dass er doch hinnehmen solle seine Armut und gleichzeitig demütig und dankbar seinem Herrn, Gott und die ihn auf Erden vertreten, sein muss. Auch im Koran steht, dass Adam und Eva aus dem Paradies gewiesen wurden, aber ihnen wurde zuvor vergeben. Satan ließ sie beide straucheln, beide haben gleichermaßen Schuld. Nach dem Koran ist Adams und Evas Sünde kein Fehltritt, kein Bruch mit Gott und nicht so schwerwiegend, wie es in der Bibel heißt. In der Sure 2:36/37 heißt es: Doch Satan ließ sie dort straucheln und brachte sie aus dem Zustand heraus, in dem sie waren. Da sprachen Wir: „Geht (vom Paradies) hinunter! Der eine von euch sei des anderen Feind. Und ihr sollt auf der Erde Wohnstätten und Versorgung auf beschränkte Dauer haben“. Gott verzeiht beiden und versorgt sie sogar mit allem, was sie benötigen zum Leben. Er hatte im Koran den Menschen vor Satan gewarnt: " Sure20: 117: Sodann sprachen Wir: „O Adam, dieser ist dir und deiner Frau ein Feind; (achtet drauf,) dass er euch beide nicht aus dem Garten vertreibt, sonst würdest du unglücklich sein“. Adam und Eva werden zwar aus dem Paradies vertrieben, aber Gott verzeiht ihnen mit den Worten: Sure 2: 38: Und wenn dann zu euch Meine Rechtleitung kommt, brauchen diejenigen, die Meiner Rechtleitung folgen, weder Angst zu haben, noch werden sie traurig sein. Im Islam gibt es keinen Sündenfall und keine „Erbsünde“ wie im Christentum. Der Mensch ist stets in der Lage, sich zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden. Er kann gute Werke tun und durch das Einhalten der Gebote Gottes Gunst erhoffen. Wenn er jedoch gegen seine Gebote verstößt und sündigt, schadet er Gott damit nicht. Er sündigt in erster Linie gegen sich selbst: Sure7: 23: Unser Herr, wir haben uns selbst Unrecht getan. Im Islam ist Gott allwissend. Er wusste also schon vorher, wie Adam und Eva sich im Paradies verhalten werden. Und Er plante auch schon vorher, als Er Adam erschaffen hatte, dass dieser Sein Stellvertreter auf Erden werden würde. Warum sollte Er sie dann bei ihrem Auszug aus dem Paradies bestrafen? Gott hat uns doch so geschaffen, unvollkommen, mit Fehlern behaftet, damit wir Ihn immer wieder um Vergebung bitten können. Gott brauchte nicht, wie in der Bibel beschrieben, Adam zu fragen, ob er von den verbotenen Früchten gegessen hatte. Wusste der Gott der Bibel das nicht? Bezichtigt sie hier indirekt Gott, dass Er nicht allwissend sei? 4. Die Wurzeln des Urchristentums und Entstehung der Kirche 16

Christentum und Kirche ist nicht eins. Die Kirche ist nur eine kommerzielle Institution; ein leeres Haus wäre sie ohne die christliche Religion. Sie hat sich nur des Christentums nach und nach bemächtigt und daraus das Gebilde gebaut, wie sie es brauchte. Die Kirche ist wie eine Hülle, die ihren Inhalt umgekrempelt und teilweise mit ganz anderem Inhalt gefüllt hat. Das Wort Kirche ist sozusagen gleichgesetzt, verschmolzen mit dem Wort Christentum Wenn man Christentum heute sagt, meint man die Kirche. Das eigentliche Urchristentum ist das ursprüngliche Christliche des Jesus, das heißt das, was er gelehrt hat ohne späteres Hinzufügen oder Verfälschen. Aber welchen Maßstab kann man anlegen, um zu wissen, was das Christliche des Jesus war, denn selbst die Berichte der Evangelisten sind heute ja auch verfälscht. Gehen wir zurück auf die Schriften der vorangegangenen Propheten, auf das, was sie den Menschen gebracht hatten, denn auch wenn sie sich mit der Zeit verändert haben, so ist doch der Kern der Aussagen der früheren Propheten geblieben. Jesus bezog sich in seinen Reden auf die Lehren dieser Propheten und erneuerte sie. Er erklärte den Menschen, dass in jedem von ihnen der Geist Gottes ist, da sie ja von Adam abstammen und er durch den Atem von Gott sein Leben erhielt. Sie brauchen keine Helfer oder eine äußere Ordnung, um Gott nahe zu sein. Sie brauchen nur auf ihre innere Ordnung zu hören und sie zu befolgen, nämlich die Gebote, die Moses von Gott erhielt und die immer weiter von Prophet zu Prophet getragen wurden. Das, was Jesus verkündete, war eigentlich nur eine Vertiefung und Auslegung der Thora. Er wollte gewiss nicht eine neue Religion, sondern eine Erneuerung der erstarrten mosaischen Gesetze. Er war der Meinung, der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat, oder nicht das ist unrein, was in den Menschen hineingeht, sondern aus ihm herauskommt wie zum Beispiel schlechtes Reden über andere, aber nicht das Essen. In seinen Predigten sagte er: „Alles, was ihr euch wünscht, das wünscht zuerst eurem Bruder“. Sagt das nicht auch die islamische Religion? Was wäre passiert, wenn die Kirche nicht diese schöne Urreligion für sich vereinnahmt hätte? Das Urchristentum war eine innere Religion. Die äußere Religion, die Religion der Kirche hat Dogmen, Kulte und ist zu einer kommerziellen Institution geworden, die predigt, dass der Mensch, der nicht kirchengemäß handelt, auf ewig verdammt ist. In der Religion Christi gibt es keine ewige Verdammnis. Sie zeigt den Menschen, dass es möglich ist, sich selbst zu erkennen, seine Fehler zu bereuen, bei Gott um Vergebung zu bitten und auch selbst zu vergeben. Seine Predigten sind eine konkrete Lebensanweisung nach den Gesetzen Gottes im Alltag. Die Grundlage des Urchristentum sind die 10 Gebote, die Moses von Gott erhalten hatte. Viele frühere und spätere Gelehrte meinen, dass der Inhalt der im Alten Testament der Bibel angeführten „Zehn Gebote” durch folgende Koranverse belegt wird:3 Sure 6:151-153: „Sprich: ‚Kommt her, ich will verlesen, was euer Herr euch verboten hat: Ihr 3 Islamische Geschichte . Deutscher Informationsdienst über den Islam e.V. Samir Mourad. S.228 17

sollt Ihm nichts zur Seite stellen und den Eltern Güte erweisen; und ihr sollt eure Kinder nicht aus Armut töten, Wir sorgen ja für euch und für sie. Ihr sollt euch nicht den Schändlichkeiten nähern, seien sie offenkundig oder verborgen; und ihr sollt niemanden töten, dessen Leben Allah unverletzlich gemacht hat, außer wenn dies gemäß dem Recht geschieht. Das ist es, was Er euch geboten hat, auf dass ihr es begreifen möget. Und kommt dem Besitz der Waise nicht nahe, es sei denn zu ihrem Besten, bis sie ihre Volljährigkeit erreicht hat. Und gebt volles Maß und Gewicht in Billigkeit. Wir fordern von keiner Seele etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermag. Und wenn ihr eine Aussage macht, so übt Gerechtigkeit, auch wenn es einen nahen Verwandten (betrifft); und haltet den Bund Allahs ein.’ Das ist es, was Er euch gebietet, auf dass ihr ermahnt sein möget. Und dies ist mein gerader Weg. So folgt ihm; und folgt nicht den (verschiedenen) Wegen, damit sie euch nicht weitab von Seinem Weg führen. Das ist es, was Er euch gebietet, auf dass ihr gottesfürchtig sein möget.” In Jerusalem bildeten sich nach dem Tod Jesus kleine Gemeinden um Petrus und Jakobus. Sie fühlten sich aber noch als ein besonderer Teil des Judentums, als Judenchristen, dem Judentum verpflichtet. Sie hofften auf eine Rückkehr Jesus, mit ihm das Reich Gottes auf Erden und mit ihm auch das Jüngste Gericht. Jesus hatte ja selbst dieses Reich angekündigt, noch zu Lebzeiten einiger Gläubiger würde es kommen. In Markus 9,1: Und er sagte zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige unter euch, die hier stehen, die den Tod nicht kosten werden, bis sie das Gottesreich kommen sehen in Kraft.“ In ihren Gemeinden gab es keine Priester oder gar Bischöfe, jeder arbeitete nach seinen Möglichkeiten, alle waren gleichgestellt, ob Mann oder Frau. Wie schon beschrieben, sind besonders durch Paulus unter den „Heiden“ viele neue christliche Gemeinden entstanden. Die erste Gemeinde, die auch Nichtjuden aufnahm, war Antiochia, von dort aus um das Jahr 40 tauchte auch die Bezeichnung „Christen“ auf. Im ersten bis Mitte des zweiten Jahrhunderts tobte zwischen dem Judeo-Christentum und dem paulinischen Christentum ein Kampf, bis ins Jahr 70 stellt das JudeoChristentum die Mehrheit der Kirche. Erst mit dem jüdischen Krieg und dem Fall Jerusalems im Jahr 70 kehrte sich die Lage um. Kardinal Danielou erklärt. „Nachdem die Juden im Imperium diskreditiert waren, neigten die Christen dazu, sich mit ihnen nicht mehr zu solidarisieren. Den paulinischen Christen verhilft dies zum Durchbruch: Paulus erringt einen nachträglichen Sieg; das Christentum trennt sich endgültig vom Judentum.“ 4 Es kamen immer mehr Menschen in die neun Gemeinden, die vorher Aberglauben und anderen Kulten anhingen. Sie brachten ihre alten Vorstellungen mit, vieles davon floss in den neuen Glauben mit ein. Die Vorsteher der Gemeinden, die Verwalter der
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Maurice Bucaille. Bibel, Koran und Wissenschaft. Bavaria Verlag, 1994, S.65

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Kassen erhielten immer mehr Macht und Einfluss. Sie begannen die Lehre zu verändern, indem sie Jesus mit Gott gleichstellten, eine Hierarchie entwickelten. Die Juden erwarteten ihren Messias immer als einen Mensch, der die Wahrheit von Gott übermittelt und ihre Propheten waren nur Menschen. Der Prophet Jesus war für seine Anhänger auch nur ein Mensch, erst Paulus und seine Gemeinden machten aus Jesus einen Gott. Man muss bedenken, die ersten Christen wurden so bedrängt durch die römische Besatzung, dass die Lehre nur im Geheimen weitergegeben und nur im Verborgenen praktiziert werden konnte. Es gab im Wesentlichen keine Gelehrten, die die Dinge erklärten. Dadurch konnte es möglich werden, dass sich solche Irrlehren wie z.B. dass Jesus Gottes Sohn ist, leicht unter den Christen ausbreiteten. Durch die Verbreitung der Lehre von Paulus wurde das Bild Jesus entstellt. Es entstand später daraus die Lehre von der Dreifaltigkeit, propagiert durch eine neue Kirche mit neuen Ritualen. Im 4. Jahrhundert wurde die Kirche zur Staatsreligion, die danach strebte, auch die weltliche Macht auszuüben. Trotzdem gab es immer wieder urchristlich geprägte Strömungen, eine der wichtigsten davon war die der Arianer. Die beiden frühchristlichen Theologen Origenes (184-254) und Arius (ca. 260-336), die beide aus Alexandria stammten und dort wegen ihren Ansichten vertrieben wurden, kämpften gegen die Athanasius-Lehre an, die auf Paulus beruht, dass Gott und Christus in ihrem Wesen der Einfachheit halber gleichgesetzt wurden, weil man auch leichter von den Sünden erlöst werden konnte. Für Origenus war Jesus der erstgeborene Sohn Gottes, jedoch nicht Gott selbst, der nicht gezeugt und ohne Ursprung ist. Origenes Lehre war die Wiederverkörperung des Menschen, das heißt, alle Seelen werden zu Gott zurückkehren. Er vertrat die Ansicht, dass es keine Verdammnis gibt, dass man sich durch Befolgen der Gebote Gottes reinigen kann, um Gottes Ebenbild zu werden. Arius übernahm die Lehre von Origenus. Es kam zum theologischen Streit mit dem paulinischen Athanasius. Die Kirche sah durch diese Streitigkeiten um Arius ihre „Einheit“ gefährdet. Die arianische Lehre wurde schließlich 325 auf dem Konzil von Nicäa auf Geheiß Kaiser Konstantins verurteilt bis auf 2-3 Gegenstimmen, aber Jahrhunderte lang tobte noch der theologische Streit weiter. Auf dem Konzil wurde das Bekenntnis verfasst, dass der Sohn Gottes „empfangen, aber nicht erschaffen“ worden sei, doch von gleicher Substanz wie der Vater ist. Aber einige Jahre später wurde Arius durch den nächsten Kaiser Konstantin II. und durch den Patriarch von Konstantinopel unterstützt, so dass der Arianismus wieder Aufschwung bekam und um 359 wurde seine Lehre die offizielle Glaubenslehre des Römischen Reiches für einige Zeit. Aber auf der Synode von Konstantinopel im Jahre 381 wurde dann die Lehre von der Wesensgleichheit von Gottvater, Gottessohn und Heiliger Geist und damit das Dogma von der Dreieinigkeit (Trinität) zur verbindlichen Kirchenlehre. Darüber spreche ich noch detaillierter.

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Der Gote Wulfilas übersetzte um das Jahr 350 die griechische Bibel ins Gotische. Und mit den Goten übernahmen die meisten Germanenstämme, wie die Vandalen, Sueben, Thüringer, Alemannen, Bajuwaren, die Langobarden das origenisch geprägte christliche Glaubensverständnis des Wulfilas. Es gab bei ihnen keinen Papst, die Priester arbeiteten in einem Beruf und sie konnten auch heiraten. Es gab keine Beichte, keine Taufe, kein rituelles Abendmahl, sondern ein Brudermahl nach urchristlichem Brauch. Sie übten Toleranz mit Andersdenkenden. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts beherrschten die arianisierten Germanen große Teile von Europa, vor allem durch eine geschickte Heiratspolitik des Ostgotenherrschers Theoderich (471526). Das Zentrum des arianischen Christentums war Würzburg. Ende des 5. Jahrhunderts, im Jahr 495, trat der fränkische König Chlodwig als erster Germane zum katholischen Glauben über. Im 6. Jahrhundert zerschlug der byzantinische Kaiser Justinian das nordafrikanische Reich der Vandalen, kurz darauf besiegte er die Ostgoten in Italien und nach und nach wurden die anderen germanischen Stämme unterworfen. Die arianisch-origenische „Ketzerei“ war damit ausgelöscht, aber dennoch wurde sie zum Nährboden für die bogumilische und katharische Bewegungen, die später durch die katholische Kirche blutig endeten. 4.1. Trinitätslehre der Christen Fest steht: es gibt keine in den Schriften offenbarte Wahrheit über eine Dreieinigkeit. Nirgends ist diese Lehre in der Bibel enthalten, aber trotzdem ist sie zum Grundpfeiler der christlichen Lehre geworden. Heute wird darüber argumentiert, dass die Trinitätslehre in den frühen Jahrhunderten n.Chr. aus der Notwendigkeit erstand, Irrlehren bzgl. der Person Jesu Christi zu begegnen und diese zu korrigieren. Wie schon festgestellt, brachten bis in das 3. Jahrhundert die neuen Christen ihre alten religiösen Gedanken in die gerade gebildeten Gemeinden mit ein. Es entwickelten sich aus einer Mixtur aus heidnischen, philosophischen und christlichen Gedanken die unterschiedlichsten Ideen und Lehren über Gott und Jesus. Sie waren nicht mehr konform mit den Schriften der Bibel, entfernten sich immer mehr von ihr. Zu Beginn der 4. Jahrhunderts hatten sich zwei Strömungen entwickelt, die beide die offenbarte Wahrheit der Schriften nicht mehr exakt enthielten. Ihre Vertreter waren die oben genannten Arius und Athansius. Sie stritten darüber, wer Jesus war und wie Gott die Menschen durch Seinen Sohn erlösen kann. Beide gingen davon aus, dass die Person Jesus Christus einzigartig ist, weil nur ein Mensch ohne Sünde als Sündopfer in Frage kommt. Jesus ist durch seine Geburt nicht mit der Erbsünde belastet. Sie gehen beide davon aus, dass Jesus der Sohn des Gottes ist. Athansius lehrte, dass Gott „Fleisch“ geworden ist in der Person Jesus. Kein Wort deutet in der Bibel darauf hin. Es wird in der Bibel berichtet von der Empfängnis Maria und von der Geburt Jesus und Gott als „physischen Vater“. Dadurch ist Jesus mit einer Vollkommenheit ausgestattet als das beste Sündopfer. 20

Jesus wurde durch die Lehre von Athansius zu der 2. Person eines „dreieinigen Gottes“. In den Diskussionen des Konzils von Nicäa 324 wurde schließlich durch Einfluss und letztlich durch Machtbefugnis des Kaisers Konstantin diese Lehre zum Grundpfeiler des christlichen Glaubens - weit gefehlt von den Grundsätzen der aller bis dahin gesandten religiösen Schriften! Der Kaiser hatte kein sonderliches theologisches oder religiös orientiertes Interesse an diese Diskussionen. Er selbst war kein Christ, aber er brauchte eine einzige „einigende Religion“, um sein Reich zu befrieden. Durch diesen Beschluss konnten alle anderen religiösen Strömungen zerschlagen werden, auch wenn sie blutig verfolgt werden mussten. Das Glaubensbekenntnis von Nicäa war die „Gleichheit“ Gott und Jesus. Der Beschluss des Konzils von Chalcedon 451 formulierte die vollständige „Trinitäslehre“ endgültig. Die Lehre hatte nun nichts mehr mit den von Gott gesandten Schriften gemein, sondern beruhte nur auf der Macht eines kaiserlichen Beschlusses. Damit hatte die Kirche ihre Grundlagen, die Bibel und den darin aufgezeigten Glauben und Weg für ein gottgefälliges Leben verlassen. Eigentlich ist nur durch eine kaiserliche Anordnung der Weg des Christentums festgelegt worden. Im März 1274 gelang es dem römischen Papst Gregor X in Lyon - nach der Trennung der Kirche im 5.Jahrhundert in eine West- und Ostkirche - die Einheit beider Kirchen wieder herzustellen und die griechisch-orthodoxe Kirche auf Rom einzuschwören. Von nun an galt für alle Christen im alten Europa die Lehre vom Fegefeuer, den 7 Sakramenten, sowie die Lehre vom Heiligen Geist, der vom Gott-Vater und vom GottSohn ausgeht. Zusammenfassung der Dreieinigkeitslehre: Die Bibel besagt, dass der Mensch seit dem Sündenfall böse ist, er kann aber selber nichts tun, um vor Gott seine Schuld wieder gut zu machen. Gottes Gerechtigkeit ist unwandelbar, aus dem Grund muss er den sündigen Menschen bestrafen. Die Christen glauben an den dreiteiligen Gott: Gottvater hat seinen Sohn Jesus, mit dem er identisch ist, aus dem Grund zu den Menschen geschickt, um sie von der Sünde zu erlösen, weil das die Menschen nicht aus eigener Kraft vermögen. Es geschah durch die „Unbefleckte Empfängnis“ Marias durch den ‘Heiligen Geist’ als den dritten Teil Gottes. Das Sterben Jesus am Kreuz als Sündopfer, diese Erlösung und der Glaube der Menschen daran, ist die Voraussetzung für eine Vergebung und ein späteres ewiges Leben im Himmel. Nur der, der sich auf Jesus Tod als Lösegeld zur Vergebung der Sünden beruft, dem gibt Gott Vergebung und die Gewissheit des

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ewigen Lebens. Für alle diejenigen, die nicht an den Sühnetod von Jesus glauben, gibt es keine Vergebung und kein ewiges Leben, für sie steht die Hölle parat. 5. Gottesdarstellung im Koran und in der Bibel Alle Propheten der Geschichte hatten immer wieder dieselbe Botschaft von dem Einen Schöpfergott und dem drohenden Gericht verkündet. Gott fordert von allen Christen und Muslimen Menschen die Ihm gebührende Anbetung. Der Gott offenbart sich für die Christen wie auch den Muslimen als der ewige, einzige, unerschaffene, allmächtige, allwissende, barmherzige Gott. Er manifestiert das Leben, die Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte wie auch als Richter zum Ende der Welt. Im Koran offenbart sich Gott Selbst in bester Weise, das Er durch Dschibril (Gabriel) dem Propheten Muhammad gesandt hat. Im Koran 59:22-24: steht darüber: Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt; Er kennt das Verborgene und das Offenbarte; Er ist der Erbarmer, der Barmherzige. Er ist Gott, außer dem es keinen Gottheit gibt, der König, der Heilige, der Friede, der Gewährer der Sicherheit, der Überwacher, der Allmächtige, der Zurechtrückende, der Majestätische. Gepriesen ist Gott und erhaben über alles, was sie Ihm beigesellen, Er ist Gott, der planende, der durchführende Schöpfer der Gestalter... Hier spricht Gott über sich als der Urheber der Schöpfung in einer besonderen Formgebung, mit einem bestimmten Sinn und Ziel, und als Gestalter bringt Er die Vervollkommnung der Schöpfung zum Ausdruck. Und so besagt auch die Sure 112: Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Sprich: „Er ist Gott, ein Einziger, Gott, der Absolute, (Ewigliche, Unabhängige, von Dem alles abhängt). Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden, und Ihm ebenbürtig ist keiner“. Eigentlich steht schon in diesen kleinen Versen alles, was Gott über sich sagt. Diese Sure beinhaltet grundlegende Glaubenssätze des Islam und weist jegliches Leugnen der Einheit und Unvergleichlichkeit Gottes zurück. In der Sure 21:22 steht: Gäbe es in (Himmel und Erde) Götter außer Gott, dann wären wahrlich beide dem Unheil verfallen. Gepriesen sei denn Gott, der Herr des Thrones, Hoch Erhaben über das, was sie beschreiben. Gäbe es mehrere Gottheiten, dann müsste jede ihre eigenen Gesetze haben mit ihren speziellen Willenskundgebungen und Äußerungen. Man wüsste nicht, nach welchem Gesetz man sich zu richten hat, es wäre ein heilloses Durcheinander, ein Chaos. Die Planeten würden sich nicht mehr auf ihren Bahnen bewegen, weil sie hin und her gerissen werden, die Erde würde nicht das sein, was sie heute ist, wir Menschen würden dann gar nicht existieren. Aber das von dem Einen Gott gezeugte Universum beruht auf eine absolute Ordnung, alles geschieht dort, wie und wo es sein müsste. In der Sure 7:156 sagt Gott: „Ich treffe mit meiner Strafe, wen ich will; doch Meine Barmherzigkeit umfasst alle Dinge...“. Im Islam hat Gott 99 Namen, die Seine Attribute 22

(Eigenschaften) aufzeigen: der Beschützer, der Barmherzige, der Gerechte. Er ist der Frieden, der Verzeihende, der Versorger, der Großzügige, der Gütige, der die Reue annehmende, der Absolute Richter usw. … Er ist auch der Allwissende Gott, es gibt nichts, was Er nicht kennt oder weiß, selbst das Fallen eines Blattes geschieht mit Seinem Wissen. Gott bleibt im Verborgenen, auch wenn Er uns näher ist als unsere Schlagader. Gott ist für uns nicht sichtbar, der Prophet Muhammad sagt dazu: „Sein Schleier ist das Licht - wenn Er ihn heben würde, würde das Licht Seines Angesichts alles von Seinen Geschöpfen verbrennen, wohin Sein Blick reicht." Er bedeutet die Absolute Allmacht, auch hinsichtlich in Seiner Entscheidung beim Letzten Gericht über die Taten des Menschen. Gottes Güte richtet sich auf die Menschen, die Ihn lieben, an Ihn glauben und das Rechte tun. In der Bibel offenbart Gott sich selbst, wird Mensch und Bruder des Menschen: Hebr. 2,11: Es stammen ja der Heiligende und die zu Heiligenden alle von einem. Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen… Er ist ebenso der Richter: Matthäus 12,36: Ich sage euch aber: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, haben sie Rechenschaft zu geben am Tag des Gerichtes. Gott erweist den Menschen nicht nur Liebe oder Erbarmen, sondern er ist selbst „Liebe“: 1. Joh. 4,8: Wer nicht liebhat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Auch für die Muslime ist Gott der Liebende, wie die Sure 3, Vers 31 aussagt: Sprich: „Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir. Lieben wird euch Gott und euch eure Sünden vergeben; denn Gott ist Allvergebend und Barmherzig“. Gott ist die Gerechtigkeit. In 15. Mose 32,4 steht: Er ist ein Fels. Seine Werke sind unsträflich; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm; gerecht und fromm ist er. Gott als der Vergebende: Matthäus 6,12 ..und vergib uns unsere Schuld… Gott ist ewig, allwissend, vollkommen, aber er ist auch für die Christen die Wahrheit, das Leben, das Licht, Attribute, wie Gott sie auch in dem Koran für sich benennt. 5.1. Gottes Barmherzigkeit in Verbindung mit Hoffnung Wie schon geschrieben: in der Sure 7:156 sagt Gott:“ ... Ich treffe mit meiner Strafe, wen ich will; doch Meine Barmherzigkeit umfasst alle Dinge...“. Gott verlangt von Sich selber barmherzig zu sein. Es ein Schwur, Barmherzigkeit mit allen Dingen, auch mit dem Menschen, zu üben. Der Koran-Kommentator Yusuf Ali sagt, dass Gottes Barmherzigkeit in allen Dingen und für alle Dinge ist. Die gesamte Natur, geschaffen durch Gott, verfolgt eine gemeinsame Zielsetzung zum Wohl all seiner Geschöpfe. Unsere Fähigkeiten und Verständnismöglichkeiten sind alles Beispiele für Seine Gnade und Barmherzigkeit, Seine Barmherzigkeit ist allumfassend und überall anwesend, während Seine Gerechtigkeit und Strafe denen vorbehalten ist, die gegen Seinen Plan handeln. 23

In vielen Stellen des Korans sagt uns Gott, dass Er barmherzig mit den Gläubigen ist. So beginnt auch jede Sure „Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen“, nur nicht bei Sure 9. Zur Barmherzigkeit Gottes gehört, dass Er uns verzeiht, beschützt, geduldig und gütig ist. In Seiner Barmherzigkeit hilft Er uns, versorgt uns und leitet uns, aber Er prüft uns auch. Es kommt nur auf uns an, ob wir auch von Ihm beschützt, geleitet, versorgt werden wollen, ob wir uns nach Seinen Gesetzen richten wollen und Ihm auch letztlich danken. In guten Zeiten vergisst man schnell, wem man das alles zu verdanken hat. Man sagt auch nicht „danke“. Wenn es einem aber dann schlecht ergeht, zum Beispiel keine Arbeit findet oder krank ist, dann erinnert man sich an Gott mit der Hoffnung auf Seine Vergebung. Die Muslime wissen nichts über ihr Schicksal, aber sie hoffen auf Gutes, auf das Paradies. Wenn sie Schlechtes getan haben, ist die Hoffnung auf Vergebung. Bei Krankheiten hoffen wir auf Gottes Hilfe zur Gesundung. Und auch wenn wir wissen, dass die Medikamente, der Arzt uns hilft, so ist doch alles von Gott gekommen, von Ihm so gewollt. Islam heißt, sein Leben nach Gottes Geboten und Verboten zu richten, so zu leben, als wenn Gott dich sieht, auch wenn du selber Ihn nicht siehst. Dabei ist immer die Hoffnung, dass die Waagschale beim Jüngsten Gericht für den Gläubigen spricht. Und letztendlich zählen alle guten Taten nicht, außer dass Gott mit uns barmherzig ist, aber die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit zählt. Gott sagte den Menschen durch seinen Gesandten Muhammad: „O Mensch, wenn auch deine Missetaten bis zu den Wolken des Himmels reichten, und du Mich um Vergebung bittest, so vergebe ich dir.“ Das ist ein Hadith Kudsi, das heißt, eine Anweisung direkt von Gott kommend an Muhammad, die aber nicht Teil der koranischen Offenbarung ist; aufgeschrieben vom Hadithgelehrten Thirmisi. Es wird berichtet, dass der Prophet Muhammad gesagt hatte: “O Junge, ich bringe dir einige Worte bei: Bewahre Allah, dann bewahrt Er dich, bewahre Allah, dann findest du Ihn bei dir. Lerne Allah in leichten Zeiten kennen, dann kennt Er dich in schweren Zeiten. Und wenn du um etwas bitten willst, dann bitte Allah. Und wenn du bei jemandem Zuflucht suchen willst, dann suche Zuflucht bei Allah...” Aber nicht nur Gott ist barmherzig, auch wir Menschen sollten miteinander barmherzig umgehen. In einem Hadith - das sind Aufzeichnungen über die Taten und Aussprüche des Propheten, seine Anweisungen, seine praktische Haltung bei der Anwendung bestimmter Richtlinien - steht, was der Prophet Muhammad einmal gesagt hat: „Ihr werdet das Paradies nicht betreten, bevor ihr nicht barmherzig handelt.“ Seine Anhänger sagten: „Wir sind doch alle barmherzig.“ Er sagte: „Es ist nicht (nur) die Barmherzigkeit unter Euresgleichen, sondern die

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Barmherzigkeit gegenüber allen Barmherzigkeit gegenüber allen.“ 6. Jesus

(Menschen);

er

wiederholte:

die

Im Koran wird vom Prophet Jesus als „das Wort Gottes“ und als „der Messias“ berichtet. Aber gerade in der Beziehung zu Jesus gibt es die größten Unterschiede in beiden Religionen. Kolosser 1,15-18: Er ist das Bild Gottes, Erstgeborener aller Schöpfung; er ist der Anfang der Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen, was im Himmel ist und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, ob Throne oder Herrschaften, oder Mächte und Gewalten, alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen, er ist vor allem, und alles hat durch ihn Bestand. Er ist das Haupt des Leibes der Kirche. Er ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe. Die Lehre von der Menschwerdung und der Göttlichkeit Jesu Christi ist das Wichtigste der christlichen Botschaft, ihr Herzstück.5 Der Name „Christus“ bedeutet bei den Christen „der mit dem Heiligen Geist Gesalbte“. Am Ende der Tage wird der Gesalbte wiederkehren, um die Lebenden und Toten zu richten. Wer war Jesus? Das Neue Testament beschreibt Jesus als eine menschliche wie auch eine göttliche Person. 1.Thimotheus 2,5: Denn nur einen Gott gibt es und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Christus Jesus, der sich selbst hingab als Lösepreis für alle, das Zeugnis zur rechten Zeit. Hier kommt ganz klar zum Ausdruck, dass Jesus nur ein Mensch war, ein menschlicher Mittler zwischen Gott und dem Menschen. Selbst in den Evangelien betreffs Jesus gibt es aber beträchtliche Unterschiede. Die Matthäus-und Lukas-Evangelien berichten, dass Jesus ohne leiblichen Vater geboren wurde, beide geben für ihn einen väterlichen Stammbaum aus und behaupten, Josef wäre sein Vater, aber beide Stammbäume stimmen nicht überein. Bei Matthäus stammt Josef von Salomo, Davids Sohn ab und die Genealogie geht auf Abraham zurück und bei Lukas heißt der Vater Eli und stammt von Nathan, einem anderen Sohn Davids ab und die Genealogie geht sogar zurück bis auf Adam. Beide hatten unterschiedliche Motive: im Matthäus-Evangelium sollte nachgewiesen werden, dass Jesus der von den Juden so heiß erwartete davidische Messias sei und im Lukas- Evangelium ging es um den Beweis, dass Jesus der Erlöser für alle Völker der Erde ist, darum wird die Genealogie bis auf Adam, dem Urvater aller Menschen zurückgeführt. Auch die Geschichte über die Geburt Jesus findet sich nur in beiden Evangelien wieder, jeweils in einer anderen 5
Robinson. John A.T. Gott ist anders S.78 Chr. Kaiser Verlag München ,1963

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Version. Nach dem Matthäus-Evangelium wurde Jesus während der Herrschaft Herodes geboren, der ihn sogleich verfolgen ließ, aber Herodes starb bereits im Jahre 4 vor Christi Geburt. Im Lukas-Evangelium ziehen Maria und Josef von Galiläa nach Bethlehem wegen einer Zählung, wo auch Jesus geboren wurde. Aber die Zählung fand erwiesenermaßen im Jahre 6 nach Christi Geburt in Judäa und Samaria statt, nicht aber in Galiläa, wo damals Josef gelebt hatte.
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Auch sehr unterschiedlich werden die Wunder von Jesus bewertet wie auch der eigentliche Sendeauftrag. Nach dem Johannes-Evangelium kam Jesus in die Welt mit dem Auftrag zu richten. Joh. 9,39: Und Jesus sprach. „Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden.“ Aber an einer anderen Stelle steht auch: Joh. 12,47: „Wenn einer meine Worte hört und nicht bewahrt, den richte ich nicht, denn ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern die Welt zu retten.“ Hier wird Jesus nicht zum Richter, sondern zum Retter des Menschen. Im Matthäus-Evangelium 9,6 steht einmal: „Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmachten hat, auf Erde die Sünden zu vergeben.“ Also liegt es an ihm zu vergeben, aber im Kap. 23, 34 steht wiederum: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Wer vergibt denn nun? John Wren-Lewis beschreibt die religiösen Vorstellungen einfacher Menschen: Jesus in Wirklichkeit der Allmächtige Gott- wandelte auf Erden, in einem Menschen verkleidet. Jesus war nicht Mensch, gezeugt und geboren, sondern er war Gott, der aussah wie ein Mensch, redete wie ein Mensch und fühlte wie ein Mensch, aber darunter war er Gott. Jesus war in Wirklichkeit keiner von ihnen, sondern durch das Wunder der Jungfrauengeburt wollte Gott als Jesus in diese Welt hineingeboren werden, als ob er einer von ihnen wäre.7 In der späteren Praxis und Lehre herrscht die übernatürliche Auffassung vor, die aber nicht von den Evangelien abstammte. Man meint, dass Jesus wirklicher Gott war und deshalb sind die Begriffe "Gott" und Jesus" austauschbar. Das ist doch nicht biblisch! Kein Wort davon steht im Alten Testament. Das Neue Testament besagt, dass Jesus das Wort Gottes war, dass Gott in Jesus war und dass er der Sohn Gottes ist. Aber das bedeutet nicht, dass Jesus Gott war. Im Johannes-Evangelium steht über Jesus in griechischer Sprache: „kai theos en ho logo". Luthers Übersetzung der Bibel besagt darüber: „Und Gott war das Wort". Das klingt, als ob „Jesus" und „Gott" identische und austauschbare Wörter seien. Aber

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N. A. Salamah: Das Paulinische Christentum, S.125
Gott ist anders, S. 72,73

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wenn das so übersetzt wurde, dann müsste das Wort „Gott" im Griechischen mit einem Artikel versehen sein, es müsste heißen: „ho theos“ und nicht nur „theos.“ 8 Im Matthäus-Evangelium 19,19 sagt Jesus. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Auch Muhammad predigte seinen Mitstreitern stets, den Nachbarn zu ehren, egal zu welcher Profession er gehöre. Zwei Propheten - das gleiche Bemühen um den Menschen, geleitet von Gott! Johannes beschrieb das Folgende: Als aber bereits die Mitte des Festes gekommen war, ging Jesus in den Tempel hinauf und lehrte. Die Juden nun verwunderten sich und sagten: „Wieso kennt dieser die Schriften, da er doch ein Ungelehrter ist?“ Da antwortete ihnen Jesus und sprach: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat; wenn jemand seinen Willen tun will, wird er erkennen, ob die Lehre aus Gott ist, oder ob ich von mir aus rede. Wer von sich aus redet, sucht seine eigne Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm.“ Mit diesen Worten wird ersichtlich, dass Jesus den Juden von seiner Sendung als Prophet erzählt hatte. Aber sie glaubten ihm nicht, wie die Geschichte es zeigt. Sie glaubten nicht an seine Prophetenschaft, vielleicht weil er keiner von ihnen, den Gelehrten war, weil er gegen ihren Kult Stellung bezog und sie an ihre Frevel erinnerte? Die Geschichten aller Propheten bis Jesus gleichen sich, man will nicht wahrhaben und von seinen Irrtümern und Schlechtigkeiten nicht abrücken. Sie wurden verhöhnt, verfolgt, getötet. Auch den Propheten Muhammad wollte man töten, aber mit Hilfe Gottes konnte sich seine Sendung, der Islam, entfalten und seine Widersacher hinwegfegen. In seinen Predigten sagte Jesus Grundsätze, die auch im Koran Grundsätze sind und auch Grundsätze aller vorherigen Propheten waren, er sagte zum Beispiel:. “Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.” Das bedeutet: hänge dein Herz nicht zu sehr an das Diesseits, sondern strebe mit dem, was du im Diesseits bewirkst, dem Jenseits zu. Richte dein Herz Gott zu, nicht dem irdischen Geld, Gut oder Macht als Vergöttlichung. Gott hat uns die Erde gegeben, um auf ihr für eine gewisse Zeit darauf zu leben und das Leben darauf auch zu genießen. Aber Gott sagt uns immer wieder, dass das Jenseits besser ist als das Diesseits. Sehen wir unsere Zeit auf der Erde als eine Etappe zu unserem ewigen Leben.

Ich bin der Meinung, wenn Jesus von sich aus spricht als den Sohn Gottes, sollte man das nicht so wortwörtlich nehmen. Denn schon in früheren Schriften werden die Propheten als Gott oder Gottessohn angeredet. Oder wenn Jesus Gott mit Vater

8 Gott ist anders

J. A. T. Robinson S.77

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anspricht, ist es nicht Tradition, jeden Priester mit Vater anzureden? Selbst Jesus spricht zu seinen Jüngern und Brüdern über Gott als ihren Vater. Im 2.Buch Mose 4,16 sagt Gott zu Mose über Aaron: „Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein und du sollst für ihn Gott sein.“ Mit Sicherheit wird Gott sich keinen Partner suchen. Es ist nur eine Formulierung, die nicht wörtlich genommen werden kann. Im Psalm 89, 27-28 heißt es über David: „Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir hilft. Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den Königen auf Erden.“ Noch ein Beweis, dass man im allgemeinen Gebrauch Gott als Vater anspricht: Jesaja 64,7: „Aber nun Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.“ Also ist es unsinnig, Jesus als den leiblichen Sohn Gottes anzusehen, sogar die Evangelisten bezeichnen ihn öfter als „des Menschen Sohn“. Selbst Matthäus 6,24 mahnt: „Niemand kann zwei Herren dienen.“ Jesus hat stets sein Menschsein und sein Prophetentum gelehrt, nicht aber seine Göttlichkeit: In Johannes 5,30 sagt er: „Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Kritische Forscher der Bibel stellen immer wieder fest, dass Jesus in seinen Predigten nicht die Dreieinigkeit gefordert hat, und es gibt keine Spur, dass im Namen der Dreieinigkeit irgendetwas legitimiert werden kann. Ganz deutlich steht im Galaterbrief 1,9, wie man darauf zu reagieren hat: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium predigt als das, welches ihr empfangen habt, so sei er verflucht. Das ist ganz hart ausgedrückt. Viele Kirchenmänner sind heute der Ansicht, dass der Glaube, Jesus sei am Kreuz gestorben und Gott habe Seinen „Sohn“ zum Heil der sündigen Menschen geopfert, infrage gestellt werden muss. Der Kreuzestod ist eine schmachvolle Sterbensart. In Mose 21,22-23 steht die Anweisung: „Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird getötet und man hängt ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn am selben Tage begraben, denn ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott…! Gott wird doch nicht seine Propheten aussuchen, die eines Tages von ihm verflucht werden! Also kann die Sache mit der Kreuzigung von Jesus nicht stimmen. Und wenn sogar einige Kirchenmänner den Kreuzestod infrage stellen, so ist das ein großer und schwerer Schlag gegen die Grundpfeiler der Kirche, gegen ihr Herzstück. Im Koran, Sure 5 ab 116 heißt es: Es fragt Gott den Jesus, Sohn der Maria: "Hast du zu den Menschen gesagt: ‚ Nehmt mich und meine Mutter als zwei Götter neben Gott?" 28

Das heißt, hier wird gefragt, ob Jesus sich und seine Mutter auf gleicher Stufe mit seinem Gott stellen möchte. Jesus antwortete: „Gepriesen seist Du. Nie könnte ich das sagen, wozu ich kein Recht hatte. Hätte ich es gesagt, würdest du es sicherlich wissen. Du weißt, was in meiner Seele ist, ich aber weiß nicht, was Du in Dir hegst. Du allein bist der Wisser des Verborgenen. Nichts anderes sprach ich zu ihnen als das, was Du mich geheißen hast: ‚Betet Gott an, meinen Herrn und euren Herrn." Hier steht klipp und klar: niemals hat sich Jesus auf die gleiche Stufe gestellt mit seinem Gott, er sieht sich nur als einen Menschen, der seinen Gott als seinen Herrn anbetet, so wie er die anderen Menschen darin auffordert, es ihm gleich zu tun. Jesus sieht sich nicht als einen Gott neben Gott. Der Koran bestätigt die Besonderheiten Jesus, seine hervorragende Stellung. Die Sure 5: 46 sagt über ihn: "Und Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, folgen; zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Rechtleitung und Licht war, zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen." Die Sure 10:94 spricht Muhammad an: „Und falls du im Zweifel über das bist, was Wir zu dir niedersandten, so frage nur diejenigen, die vor dir die Schrift gelesen haben." Gemeint sind hier die Christen und Juden mit ihrer Bibel, die der Prophet Muhammad zu befragen hat. Gemeinsamkeiten über Jesus in der Bibel und Koran Muslime und Christen glauben, dass Jesus von Gott gesandt wurde zum Volke der Israeliten. Sie glauben, dass er das Evangelium erhalten und verkündet hat. Er hatte keinen irdischen Vater und war frei von Sünden. Jesus vollbrachte mit Hilfe Gottes Wunder. Er ist in den Himmel gestiegen und wird zum Ende der Welt wieder erscheinen. Unterschiede Jesus ist nach dem Koran nicht der Sohn Gottes und es gibt keine Dreieinige Gottheit. Für die Christen ist Jesus am Kreuz gestorben für die Sünden der Menschen. Der Koran besagt, dass er in den Himmel gehoben, nicht gekreuzigt wurde.: Sure 4:156-158: ... und wegen ihrer Behauptung, die sie gegen Maria mit einer enormen Lüge vorbrachten und wegen ihrer Rede: „Wir haben den Messias, Jesus, den Sohn Maria, den Gesandten Gotts, getötet“, während sie ihn doch weder erschlagen noch gekreuzigt hatten, besonders dies wurde ihnen nur vorgetäuscht. Jesus ist deshalb

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nicht für die Sünden der Menschen gestorben, wie die Bibel es verlautet und ist nicht auferstanden. Im Koran wird verdeutlicht, dass er zum Ende der Zeit vom Himmel herabsteigen wird, um gegen den falschen Gott gemeinsam mit den Muslimen zu kämpfen, um ihn zu töten. Auch für die Christen wird Jesus am Ende aller Zeit wieder zurückkehren. Aber für sie steht die Kernaussage: Jesus starb für ihre Sünden. 1. Kor 15,3: denn ich übergab euch vor allem, was ich auch empfangen habe; Christus starb für unsere Sünden, den Schriften gemäß. Alles andere ordnet sich dem unter. 1.Joh. 2,22 f.: Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht, wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. Und da es ohne die Hilfe von Jesus keine Erlösung gibt, gibt es für alle Nichtchristen keine Erlösung. In der Bibel steht, dass der Mensch von Grund auf böse ist. Nur wenn er Jesus Erlösung annimmt, kann er sich von der Schuld befreien und Vergebung erlangen. So steht es in Joh. 1,12: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben. Vergleich: Was sagt der Koran und die Bibel über Jesus Abstammung Die 3.und 19. Sure erzählen über die Familie von Jesu, von der Geburt seiner Mutter Maria, deren Jugend und der Verkündung ihrer wunderbaren Mutterschaft. Jesus wird immer mit „Sohn der Maria“ angesprochen, seine Vorfahren werden über die mütterliche Linie geführt über Abraham bis Noah, da Jesus eigentlich keinen natürlichen Vater hatte. Im Matthäus-und Lukas-Evangelium geht es über die männliche Linie bis zur Abstammung Abrahams bzw. bis zu Adam. Hatte er doch einen biologischen Vater mit dem Namen Joseph oder ist er Gottes Sohn nach den Evangelien?9 6.1. Maria, Mutter des Jesus Es mag verwundern, dass außer den Berichten von der wunderbaren Geburt Jesus im Neuen Testament Maria kaum erwähnt wird, in den Briefen wird sie gar nicht und in der Apostelgeschichte nur sehr wenig genannt. Nur in den ersten Kapiteln der Matthäusund Lukas-Evangelien wird über sie erzählt, aber eher in der Absicht der Verkündung Jesus Christi. In dem Evangelium von Johannes wird sie Zeuge der Kreuzigung Jesus. Die wenigen Worte, die beide tauschen, zeugen von einer distanzierten Haltung Jesus ihr 9 N. A. Salmah. Das Paulinische Christentum. S.125 30

gegenüber. „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?“ Selbst am Kreuz spricht er sie nicht als Mutter an, sondern „Weib“. Im Koran gibt es 28 Stellen, in denen Jesus genannt wird, davon geben 17 Auskunft über seine Mutter während in der Bibel Maria nur einmal als seine Mutter genannt wird. Für die Bibel gilt Jesus nur als den Sohn Gottes, als Teil der Dreifaltigkeit, da ist wohl eine leibliche menschliche Mutter völlig unwichtig. Maria wuchs im Tempel von Jerusalem auf. Sie wird dort von einem Engel besucht, der ihr ankündigt, ohne ihren Verlobten beizuwohnen, den von den Juden als den erwarteten Messias zu gebären. Selbst selig zu sein, ließ Jesus für seine Mutter nicht gelten. In Lukas11,27/28 steht zu lesen: Und während er dies redete, geschah es, da erhob eine Frau aus dem Volk ihre Stimme und sagte zu ihm: „Selig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die dich genährt haben.“ Er aber sprach: „Ja doch selig, die das Wort Gottes hören und es bewahren.“ Aber gerade sie war dafür das beste Beispiel. Maria war für die Evangelisten nur ein Mensch, an der Dreifaltigkeit hatte sie keinen Anteil. Im Mittelalter bis heute wird sie aber als Gottesmutter angebetet, steht im Rang einer Göttin. Wird ihre Gottesdemut, mit der sie sich in Gottes Plan fügt und ihr Glaube später zum Grundmotiv für ihre Verehrung als Gottesmutter? Maria als Göttin!? Im Koran finden wir ihren Namen als den einzigen einer Frau. Sie wird von allen Muslimen hoch geachtet und geehrt. Ihr Sohn wird mit ihren Namen geführt: Jesus, der Sohn Marias. Unter den islamischen Gelehrten herrscht Übereinstimmung darüber, dass Imran, der Vater von Maria (a.s.), ein Nachfahre von David war. Sure 3:42: Und damals sprachen die Engel: „O Maria, siehe, Gott hat dich auserwählt und gereinigt und erwählt vor den Frauen der Welt.“ Sie ist die würdigste Frau aller Frauen. Jesus, ihr noch ungeborener Sohn wird als das Wort Gottes verkündet. Sure 3:45-46: „O Maria, siehe, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm, sein Name ist der Messias, Jesus, der Sohn Maria, angesehen im Diesseits und im Jenseits, und einer von denen, die Gott nahestehen. 7. Muhammad Im 5.Buch Mose 18,18-19 wird ein Prophet angekündigt: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde. Doch wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen redet, von dem will ich es fordern.“ Was bedeutet das: aus ihren Brüdern! Das kann nicht aus dem Hause Israels sein, sondern die Brüder der Israeliten, die Nachkommenschaft von Ismael, denn sie sind Brüder. Abraham hatte zwei Söhne, der Erstgeborene Ismael und dann Isaak. Von Isaak stammen alle Propheten nach ihm bis zu Jesus ab, der Prophet Muhammad geht 31

auf Ismail ab, der sich im Tal von Mekka niederließ und dort gemeinsam mit seinem Vater Abraham (Ibrahim) das Heiligtum, die Kaaba erbaute. Beide Brüder sind die Stammväter beider Religionen. Also sind die Abkömmlinge von Ismail die Brüder der Israeliten, der Abkömmlinge von Isaak. Und schon Mose sagt das Kommen des Propheten Muhammad voraus. Er soll reden, was ihm von Gott befohlen wird mit Worten, die er im Namen Gottes spricht: Die ersten Worte, die Muhammad übermittelt wurden durch den Engel Gabriel waren: „Lies, lies im Namen deines Herrn! Es soll ein Prophet sein wie Mose selber einer war. Jesus und die Propheten vor ihm folgten den Gesetzen von Mose, doch sagte er selber in Matthäus 5,17 …“Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Jesus hatte mit seiner Sendung alle vorhergehenden nur bestätigt. Also muss damit Mohammad gemeint sein, denn er brachte ein endgültiges, auf die vorherigen aufbauendes Gesetz wie Mose zuvor. Aber auch Jesus sagte den Propheten Muhammad voraus, in Johannes 15,26-27 steht: „Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. Und auch ihr werdet meine Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.“ So wie viele Christen ihren Jesus lieben, so liebt eigentlich jeder Muslim seinen Muhammad, aber es ist eine ganz andere Liebe. Für uns ist er der beste Freund, Kamerad, Führer aus dem Dunklen ins Helle. Er ist uns wie ein Vater, dem man sich anvertrauen kann, der uns liebt und er ist Gottes Liebling. Er sagte: „Wer mich liebt, der liebt Gott“. Wir lieben und ehren ihn, aber wir beten ihn nicht an. Muhammad ist der letzte in der langen Reihe der Propheten Gottes, begonnen mit Adam und beendet mit Muhammad. Er wurde von Jesus angekündigt. Auch die Juden erwarteten einen neuen Propheten und waren sehr enttäuscht, als der neue Prophet nicht zu ihnen mit einer neuen Botschaft kam, nicht ihren Reihen entstammte. Darum stritten sie ab, dass er ein Prophet Gottes war und bekämpften ihn. Die jüdischen Propheten predigten Auge um Auge, Zahn um Zahn, wenn zum Beispiel jemand ermordet wurde. Jesus predigte: wenn jemand dich auf die eine Backe schlägt, dann halte die andere hin: er predigte die Liebe untereinander. Muhammad sagte, gleiches gegen gleichem, aber wenn du ein guter Muslim bist, dann sei barmherzig und verzeihe! Er wurde zur Barmherzigkeit für uns alle, für die ganze Menschheit gesandt. Die Lebensgeschichte Muhammads ist sehr bekannt, einmal aus den Hadithen, das sind seine von seinen Freunden und Zeitgenossen gesammelten und später aufgeschriebenen Aussprüche und Handlungen. Auch wurde jede seiner Bewegung, alles was er tat mit dem Blickwinkel anderer weiter gegeben. Ebenso sagt der Koran über ihn aus. Bald nach seinem Tode begann man seine Biografie, man sagt dazu auch „Sira“ zu schreiben. 32

Hier ganz kurz einige Daten: Muhammad wurde im Jahre 569 in Mekka geboren, seine Vorfahren gehörten zum herrschenden Stamm der Quraish. Er war schon als Kleinkind Vollwaise, wuchs bei seinem Großvater und später bei seinem Onkel Abu Talib auf. Er hütete die Schafe und zog später mit Handelskarawanen durch das Land. Mit 25 Jahren heiratete er die ältere Kaufmannsfrau Chadidscha. Sie gebar ihm vier Töchter und zwei Jungen, die Jungen starben aber schon im Kindesalter. Die Ehe war sehr glücklich. Noch vor seinem vierzigsten Lebensjahr zog sich Muhammad immer öfter zu Meditationen in die Höhle Hira, die sich in der Nähe von Mekka befindet zurück. Dort erhielt er im Monat Ramadan seine erste Offenbarung, übermittelt durch Dschibril, die ihn sehr erschütterten. Lies! war das erste Wort. Die folgenden Worte riefen ihn auf, die Menschen zu einem reinen Glauben wachzurütteln. Sure 96:1-5: „Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er erschuf den Menschen aus einem Anhängsel. Lies; denn Dein Herr ist Allgütig. Der mit dem Stift lehrt, lehrt den Menschen, was er nicht wusste.“ Die Mekkaner wie auch die meisten anderen Araber verehrten noch eine Vielzahl von Gottheiten, deren Bilder und Statuen sich teilweise auch in der Kaaba, dem Heiligtum vieler Araber befanden. Durch Wallfahrten zur Kaaba und zu Märkten kamen viele Araber nach Mekka, die Stadt wurde reich durch die vielen Pilger und Kaufleute. Anfangs, nur für eine kleine Schar von Anhängern, predigte Muhammad von dem Einen Gott als Schöpfer und Richter, vom Jüngsten Tag, von der Auferstehung. Die Mekkaner waren diesseits orientiert, glaubten nicht an ein Jenseits, an die Auferstehung, auch wenn sie in der Natur ihre immerwährende Erneuerung sahen. Mit der Zeit wuchsen die Spannungen zwischen den Muslimen und den an die Vielgötterei glaubenden Mekkanern immer stärker, bis eine kleine Gruppe von Anhängern Muhammads nach Äthiopien auswanderte. Schließlich wurden die Quälereien für die Muslime so stark, dass die meisten von ihnen nach Yathrib, das spätere Medina gingen. Auch Muhammad, der mit dem Tode bedroht war, wanderte heimlich dorthin, die Medinenser hatten ihm Schutz geschworen. Der Zeitpunkt dieser Auswanderung (622), auch Hidschra genannt, wurde zum Beginn der islamischen Zeitrechnung. In Medina wurde die erste Charta, eine Verfassung mit allen Bewohnern, ob es Muslime, Polytheisten oder Juden waren beschlossen. Darin war verankert: gegenseitige Hilfe und Beistand bei Auseinandersetzungen, Recht und Ordnung für alle Einwohner Medinas, auch stammesübergreifend, Recht auf Sozialhilfe, guter Umgang miteinander. Das heißt: es entstand die erste einheitliche islamische Gemeinde (Ummah genannt), der erste islamische Staat. Aufgrund dieser Verfassung konnten die Juden später bekämpft werden, weil sie diese gebrochen, nicht eingehalten hatten und nicht weil sie Juden waren. Dieser erste islamische Staat, dessen Gesellschaftsordnung auf den von Gott festgesetzten Regeln und Gesetzen im Koran und den Aussagen des Propheten Muhammad beruhte, war einzigartig in der Geschichte, da er auf zwei Prinzipien beruhte, die man sonst nur in nichtreligiösen Staaten findet: 1. Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz 33

2. Gewährung von Religionsfreiheit und freier Religionsausübung. Dies wurde durch Gewährung von Rechtsautonomie für Andersgläubige im religiösen Bereich erreicht. Damit war ein Grundprinzip dieses Staates, welches auch in vorbildlicher Weise umgesetzt wurde, die Unantastbarkeit der menschlichen Würde und Meinungsfreiheit.
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Es gab einige Schlachten mit den Mekkanern, der erste siegreiche Kampf bei Badr im Jahr 624 war von entscheidender Bedeutung, denn nur wenige Muslime hatten gegen eine große Armee gewonnen. Gott sagte durch eine herab gesandte Offenbarung über den Sieg in Sure 8: 17. „Nicht ihr habt sie erschlagen, sondern Gott erschlug sie. Und nicht du hast geschossen, sondern Gott gab den Schuss ab; und prüfen wollte Er die Gläubigen mit einer schönen Prüfung von Ihm. Wahrlich, Gott ist Allhörend, Allwissend.“ Geprüft hat Gott den neuen Staat mit anderen Schlachten, die nicht so gut ausgingen. Aber immer mehr Araber stießen zu Muhammad und nahmen den Islam an. Der Grabenkrieg brachte die Wende. 10000 Kämpfer aus Mekka und einigen Beduinenstämmen zogen gegen Medina, Drahtzieher waren die Juden des aus Medina vertriebenen Stammes Banu Nadir. Heimlich forderten sie den Anführer des jüdischen Stammes Banu Quraza von Medina auf, mit ihnen gegen die Muslime zu kämpfen, den Vertrag mit ihnen zu brechen. Angeregt durch den Perser Salman gruben die Muslime einen Graben um die Stadt und durch geschicktes Täuschen wurden die Juden des Banu Quraiza verunsichert und griffen nicht in die Kampfhandlungen ein. 30 Tage dauerte der Kampf, auch gab es keine einheitliche Führung. Schließlich zogen die Angreifer fluchtartig ab, als ein großer Sturm sie überraschte und durcheinander wirbelte. Im Jahre 8 nach der Auswanderung Muhammads wurde ein Vertrag mit Mekka beschlossen, der aber bald darauf durch kleine Scharmützel vonseiten Mekkas gebrochen wurde. Mit 10000 Kämpfern stand dann das muslimische Heer vor Mekka, kampflos zogen sie in die Stadt ein. Muhammad hatte die Order an die Mekkaner gegeben: wer nicht kämpft und zu Hause bleibt, ist sicher. Es war ein Sieg ohne Bedingungen. Nach 21 Jahren der Unterdrückung des Islam in Mekka verzeiht Muhammad allen, die ihn vorher bekämpft hatten, gibt ihnen die Freiheit. Die Reaktion dieser Barmherzigkeit war, dass immer mehr Mekkaner und Mitglieder anderer Stämme freiwillig in den Islam eintraten und das Glaubensbekenntnis vor Muhammad ablegten: „Ich bezeuge, dass kein Gottheit da ist außer Gott und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist“. Man kann Muhammad nicht mit Jesus vergleichen. Muhammad hatte nie von sich behauptet, über irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten zu verfügen oder Wunder zu vollbringen. Gott hat ihn immer wieder daran erinnert, dass er nur ein Mensch ist, von Gott als Sein Botschafter zu allen Menschen gesandt. Sure 41:6 sagt darüber: „
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Islamische Geshichte – eine analytische Einführung. Samir Mourad. S.408

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Sprich. Ich bin nur ein Mensch wie ihr; geoffenbart ward mir, dass euer Gott ein einziger Gott ist.“ Er betonte immer wieder, nur ein Warner für die Menschen zu sein, auch er wüsste nicht den Zeitpunkt der Stunde des Gerichts. Er forderte die Menschen immer von Neuem auf, im Einklang mit Gott zu leben, weder zu sehr an die diesseitige Welt zu denken, noch sich zu sehr mit dem Jenseits zu beschäftigen. Die Wichtigkeit irdischen Handelns kommt in seinen Worten zum Ausdruck: „Diese Welt ist das Saatfeld für das Jenseits. Jede Handlung, ob gut oder schlecht, wird in der nächsten Welt ihre Früchte tragen.“ Dennoch nimmt er eine besondere Rolle ein, die Sure 21:107 weist ihn als die „Barmherzigkeit für die Welten“ aus. „Und wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten“. Der Koran nennt Muhammad „das schöne Beispiel“. Als einmal seine Frau Aischa nach seinem Charakter gefragt wurde, sagte sie: „Sein Charakter war der Koran – ihm gefiel, was dem Koran gefiel, und er zürnte, wo der Koran zürnte“. Sein Leben war beispielhaft, was der Koran auch ausdrückte. Der Koran und die Sunna – das ist die vorbildliche Lebensweise des Propheten Muhammad, sie wird als Hadith überliefert - bilden zusammen die Richtschnur und Quellen der islamischen Glaubenslehre. Alles, was der Prophet getan oder gesagt hatte, wurde überliefert von seinen Gefährten als Hadithe- arabisch Bericht - von einer Generation zur nächsten weiter gegeben. Jede dieser Überlieferungen besteht aus zwei Teilen: die lange Überliefererkette der Übermittler, mit Hilfe derer sie auf einen Zeugen des Propheten zurückgeführt wird und als zweites der eigentliche Wortlaut, der unverändert und verlässlich weitergegeben wurde. Die Kette dient als Stütze für die Authentizität einer Aussage des Propheten Muhammad, sie muss vollständig und ohne Unterbrechung sein, die Übermittlerer selbst müssen einen untadeligen Charakter und ein gutes Erinnerungsvermögen haben, aufgrund dessen die Hadithe fehlerfrei wieder – und weitergegeben werden können und sie müssen einen direkten Kontakt zu ihren Lehrern und Schülern gehabt haben, um den genauen Wortlaut zu lernen und weiter zu übermitteln. Viele Hadithe wurden gesammelt, mit Kommentaren über die Überlieferer versehen und als Bücher herausgegeben. Noch heute kennen viele Muslime neben dem Koran auch die berühmtesten Hadithe auswendig. Es entwickelte sich daraus die Wissenschaft vom Hadith. Und so wissen wir, wie der Prophet gelebt hat, was er den Gefährten geraten hat, wie er gelitten hat, selbst wie er ausgesehen hat und mit seinen Frauen Umgang pflegte. Den Überlieferungen zufolge war Muhammad sehr gütig zu jedem Mensch, auch wenn er ein Nichtmuslim war und auch mild zum Tier. Seine Familie war sehr arm, obwohl er doch mit Reichtum überschüttet werden könnte. Die Mekkaner hatten ihm in den ersten Jahren seiner Prophetenschaft Reichtum und Ehre angeboten, wenn er von seinem Glauben abschwöre. Oftmals litt sein Familie Hunger. Er besaß von allen 35

Kleidungsstücken jeweils nur eins, bekam er etwas geschenkt, so schenkte er es bald an Bedürftigere weiter. Schon seit seiner Jugend ist er unter den Mekkanern als Al-Amin bekannt, der Treue, der Zuverlässige. Man konnte ihm wertvolle Sachen anvertrauen, ohne jemals Befürchtungen zu haben, diese nicht wieder zu bekommen. Selbst als er heimlich Mekka verlassen musste, beauftragte er seinen Vetter Ali, die bei ihm aufbewahrten Dinge den Besitzern zurückzugeben. Wie steht es mit Wundern durch Muhammad? Die Bibel steckt voller Berichte über zahlreiche Wunder. Doch der Koran selbst berichtet von keinem einzigen Wunder. Auch Muhammad konnte keine Wunder vollbringen, alles ist nur durch Gott geschehen. Der Koran verdeutlicht selber, dass Muhammad nicht imstande war, Wunder zu bewirken und auch Muhammad sagte stets: „Ich bin nur ein deutlicher Warner.“ Allah macht die Wunder, die die Gesandtschaft eines Propheten bestätigen, immer so, dass sie klar für das jeweilige Volk erkennbar sind. Bei Moses kannten sich die Zauberer gut mit Zauberei aus und konnten erkennen, dass die Schlange von Moses keine Zauberei war. Die Leute zu der Zeit von Jesus kannten sich gut mit Medizin aus und konnten so erkennen, dass es unmöglich für einen Menschen ist, Tote wieder zum Leben zu erwecken. Die Araber zur Zeit von Muhammad kannten sich gut in der arabischen Sprache und Rhetorik aus und konnten erkennen, dass der Koran keine Dichtkunst sein kann und nicht von einem Menschen stammen kann – und heutzutage, wo die Menschen recht weit sind in punkto Naturwissenschaften, können sie auch erkennen, dass das sogenannte wissenschaftliche Wunder des Korans klar aufzeigt, dass der Koran nicht von einem Menschen stammen kann.11 Der Prophet Muhammad sagte: „Jeder Prophet hat ein Wunder bekommen, welches die Menschen dazu veranlasste, zu glauben. Das, was ich bekommen habe, war eine Offenbarung, die Gott mir geoffenbart hat. Ich hoffe, dass ich derjenige unter ihnen bin, der am meisten Gefolgschaft am Tag der Auferstehung hat". Regelmäßig in der Zeit des Ramadan kam Dschibril und verglich Muhammads Rezitationen des Korans mit dem, was er ihm bis dahin überbracht hatte. So konnte Muhammad gewiss sein über die Richtigkeit des Wortlautes des Korans. Im letzten Jahr vor Muhammads Tod wurde die ganze Schrift sogar zweimal verglichen, er starb im Jahr 632 in Medina. Noch zu seinen Lebzeiten war die Offenbarung in Schriftform auf verschiedensten Materialien wie Knochen, Pergament, Häute und alles, was man zum Schreiben benutzen konnte schon vorhanden. Stets hatte er in seiner Umgebung einige Schreiber, denen er die gerade herab gesandten Verse niederschreiben ließ. Auch sorgte er für ihre richtige Anordnung. 11 Islamische Geschichte S.203

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21 Jahre sind seit der ersten Offenbarung vergangen, als er zum letzten Mal während seiner einzigen Hadsch am Berg Arafat, ungefähr 25 km von Mekka entfernt, eine Predigt hielt. Später wurde sie „die Abschiedspredigt“ genannt. In seiner Predigt warnte er nochmals sehr ausdrücklich die Menschen vor dem Verlassen Gottes Weges und gab ihnen Richtlinien für ihr Leben im Islam. Er sagte: „Bedenkt, eines Tages werdet ihr vor Gott erscheinen und nach euren Taten befragt werden. Also hütet euch, verlasst den Weg der Rechtschaffenheit nicht, wenn ich von euch gegangen bin. O ihr Menschen, nach mir wird kein Prophet oder Gesandter mehr kommen, und es wird kein neuer Glaube mehr geboren werden. Überlegt daher vernünftig, o ihr Menschen, und versteht die Worte richtig, die ich euch mitteile. Ich werde nach mir zwei Dinge hinterlassen: den Koran und mein Beispiel, die Sunna, und wenn ihr diesen folgt, dann werdet ihr nie irregehen …“ Nachdem der Prophet seine Predigt in der Nähe des Gipfels von Arafat beendet hatte, kam die letzte Offenbarung, die letzten Worte Gottes: “…Heute habe ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt...” (Sure 5:3) Noch heute wird die Abschiedspredigt des Propheten Muhammad jedem Muslim in jedem Winkel der Welt mit allen möglichen Mitteln der Verständigung ans Herz gelegt. Muslime werden darüber in Vorträgen in Moscheen und in Schriften aufgeklärt. Die Ermahnungen dieser Predigt berühren die wichtigsten Rechte und Pflichten, die Gott der Menschheit auferlegt hat und die Menschheit miteinander verbindet. Obgleich die Seele des Propheten diese Welt verlassen hat, leben seine Worte noch immer in unseren Herzen weiter. Der ganze Wortlaut dieser Predigt ist im Anhang zu lesen. Hier möchte ich eine Geschichte einfügen, in der Abu Sufyan, der einst einer der größten Feinde des Propheten in Mekka war berichtete: „Ich befand mich auf einer Reise zu jener Zeit, als es zwischen mir und dem Propheten eine gewisse Spannung gab. Während ich mich im Gebiet Syrien aufhielt, kam ein Bote mit einem Schreiben vom Propheten, das an den römischen Kaiser Heraklios gerichtet war. Als das Schreiben des Gesandten Gotts beim Kaiser Heraklios antraf, fragte der Kaiser Heraklios nachdem er das Schreiben las: ,Gibt es in dieser Gegend jemanden, der zu den Leuten dieses Mannes (Muhammad) gehört, der ein Prophet zu sein behauptet?‘ Die Leute sagten: ,Ja!‘ Daraufhin wurde ich mit einigen Leuten aus dem Stamm Quraish gerufen; anschließend traten wir beim Kaiser Heraklios ein. Er ließ uns vor sich sitzen und sagte zu uns: ,Wer von euch steht in der verwandtschaftlichen Linie 37

diesem Mann, der von sich behauptet, ein Prophet zu sein, am nächsten?‘ Ich sagte: ,Ich!‘ Da ließen sie mich vor ihm sitzen und meine Begleiter hinter mir. Er ließ seinen Dolmetscher zu sich kommen und sagte zu ihm: ,Sage ihnen, dass ich ihm Fragen über diesen Mann stellen will, der von sich behauptet, ein Prophet zu sein! Wenn er mir die Wahrheit nicht sagt, so handelt es sich um eine Lüge!‘ Ich schwöre bei Gott, würden die Menschen, (die die Ehrlichkeit Muhammads kennen,) mich der Lüge nicht bezichtigen, so hätte ich bestimmt gelogen. Der Kaiser Heraklios sagte zu seinem Dolmetscher: ,Frage ihn: Wie ist seine Abstammung unter euch?‘ Ich antwortete: ,Er (Muhammad) ist unter uns von edler Abstammung‘. Der Kaiser Heraklios fragte: ,War einer seiner Vorväter ein König?‘ Ich sagte: ,Nein!‘ Der Kaiser Heraklios fragte weiter: ,Habt ihr ihn der Lüge bezichtigt, bevor er das sagte, was er verkündet hat?‘ Ich sagte: ,Nein!‘ Der Kaiser Heraklios fragte: ,Folgt ihm die Elite der Menschen oder folgen ihm die Schwachen?‘ Ich sagte: ,Ihm folgen doch die Schwachen!‘ Der Kaiser Heraklios fragte: ,Nimmt deren Zahl zu oder ab?‘ Ich sagte: ,Nein! Sie nimmt doch ständig zu.‘ Der Kaiser Heraklios fragte: ,Trat einer von ihnen von seinem Glauben zurück, nachdem er diesen angenommen hatte, auf Grund der Unzufriedenheit mit ihm?‘ Ich sagte: ,Nein!‘ Der Kaiser Heraklios fragte: ,Habt ihr ihn bekämpft oder hat er euch bekämpft?‘ Ich sagte: ‘Ja’ (beides). Der Kaiser Heraklios fragte: ,Wie war sein Kampf gegen euch und euer Kampf gegen ihn?‘ Ich sagte: ,Der Kampferfolg war wechselhaft: wir gewannen eine Runde, und die andere gewann er.‘ Der Kaiser Heraklios fragte: ,Bricht er seine Abmachung mit euch?‘ Ich sagte: ,Nein! Wir wissen aber nicht, was er zurzeit macht.‘ Ich schwöre bei Gott, dass ich kein Wort mehr hinzufügen konnte als dieses. Der Kaiser Heraklios fragte: ,Hat jemand vor ihm eine solche Behauptung gemacht?‘ Ich sagte: ,Nein!‘ Der Kaiser Heraklios fragte: ,Was befiehlt er euch?‘ Ich sagte zu ihm: ,Er ruft uns dazu auf, nur dem Einzigen Gott zu dienen und Ihm nichts bei zugesellen, und verbietet uns das anzubeten, was unsere Vorfahren angebetet haben; er befiehlt uns das Gebet zu verrichten, Zakah zu entrichten, die Keuschheit (Enthaltsamkeit), das Pflegen der Verwandtschaftsbande, das Erfüllen von gegebenen Versprechungen und das Aushändigen des Treuhandguts.‘ Nachdem ich dies gesagt hatte, wandte sich der Kaiser Heraklios seinem Dolmetscher zu und sagte: ,Sage ihm: Ich habe dich über seine Abstammung unter euch gefragt und du gabst an, dass er unter euch von edler Abstammung ist. Genauso sind die Gesandten: Diese werden gewöhnlich aus den edlen Völkern auserwählt. Ich fragte dich auch, ob es unter einen der Vorväter einen König gab, und du hast dies verneint. Wäre unter seinen Vorvätern ein König gewesen, so würde ich annehmen, dass er ein Mann wäre, der für die Rückgewinnung des Königreiches seiner Vorväter kämpfen wolle. Ich fragte dich nach seinen Anhängern, ob sie die Elite oder die Schwachen sind, und du sagtest, dass ihm die Schwachen folgen. Diese sind doch stets die Anhänger der Gesandten. Ich fragte dich, ob ihr ihn der Lüge bezichtigt habt, bevor er sagte, was er behauptete, und du hast dies verneint. Ich hielt es nicht für möglich, dass er die Lüge vor den Menschen unterlässt, um eine Lüge gegen Gott zu erdichten. Ich fragte dich, ob jemand von seinen Anhängern aus seinem Glauben zurücktrat, nachdem er diesen angenommen 38

hatte, weil er mit ihm nicht zufrieden war, und du hast dies auch verneint. Dies ist doch üblich für den Glauben, wenn er sich mit der Herzensfreude eines Menschen einnistet. Ich fragte dich, ob die Zahl seiner Anhänger zunimmt oder abnimmt, und du gabst an, dass diese zunimmt. Dies ist auch der Fall mit dem Glauben; denn dieser nimmt ständig zu, bis er sein Ziel erreicht. Ich fragte dich ferner, ob ihr ihn bekämpft habt, und du gabst an, dass der Kampf zwischen euch wechselhaft war, und dass ihr eine Runde gewonnen habt und die andere er gewann. Dies ist genau der Fall mit den Gesandten: Sie werden zunächst geprüft; das Endziel aber ist auf ihrer Seite. Ich fragte dich, ob er seine Abmachung mit euch bricht und du gabst an, dass er dies nicht tue. Es ist genauso mit den Gesandten: Sie brechen ihre Abmachung nicht. Ich fragte dich, ob jemand vor ihm eine solche Behauptung machte, und du hast dies verneint. Ich sagte zu mir: Hätte es vor ihm einen gegeben, der so etwas behauptet hätte, so hätte ich angenommen, dass er es ihm nachmacht!‘ Der Kaiser Heraklios sagte: ,Wenn das, was du über ihn sagtest die Wahrheit ist, so ist er ein Prophet. Ich wusste schon zuvor, dass noch ein Prophet kommt, nahm aber nicht an, dass er von eurer Seite hervorgeht. Wenn ich wüsste, dass ich ihm Folge leisten könnte, so hätte ich mich gern auf den langen Weg zu ihm gemacht. Wenn ich mich bei ihm befände, so würde ich seine Füße waschen. Wahrlich, sein Machtbereich wird den Boden erreichen, den ich hier unter meinen Füssen habe.‘ Danach ließ er das Schreiben des Gesandten Gotts vorbringen und verlesen. Da stand folgendes: “Im Namen Gotts, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Dieses Schreiben ist von Muhammad, dem Gesandten Gotts, an Heraklios, Herrscher des (Ost )römischen Imperiums! Der Friede sei auf demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Sodann: Ich rufe dich auf, den Weg des Islam zu befolgen. Werde Muslim, so rettest du dich, und wenn du Muslim geworden bist, so wird Gott deinen Lohn verdoppeln. Wendest du dich aber davon ab, so trägst du die Sünde doppelt. Sowohl wegen deiner Führerschaft, als auch wegen deiner Untergebenen.” 8. Menschenbild im Islam und im Christentum Der Mensch steht im Koran wie auch in der Bibel immer in Beziehung zu seinem Gott. Er ist ein Geschöpf Gottes und Ihm letztlich verantwortlich. Aber die Kernaussagen beider Religionen sind grundverschieden. Es geht hier um den Menschen in seiner Beziehung zu Gott, um sein Glauben an Gott und Leitung durch Gott. Gott hat den ersten Menschen aus geformter Tonmasse geschaffen und hauchte ihm dann Seinen Atem ein. Sure 15: 28-29 „Ich bin im Begriff, den Menschen aus Lehm, aus geformter Tonmasse, zu erschaffen. Wenn ich ihn nun vollkommen geformt und ihm Meinen Geist eingehaucht habe, dann werft euch vor ihm nieder“. Vom Propheten Muhammad ist überliefert, dass er sagte: “Allah erschuf Adam von einer Handvoll Erde, die aus den Bestandteilen der gesamten Erde bestand. Und so entstanden die Kinder Adams, d.h. die Menschen, entsprechend der 39

verschiedenen Bestandteile der Erde. So gibt es unter den Menschen rote und weiße und schwarze und welche, deren Hautfarbe dazwischen liegt. Und so gibt es sehr einfach umgängliche und raue Menschen und welche, deren Charakter dazwischen liegt. Und so gibt es gute und schlechte Menschen und welche, die dazwischen liegen.” Alle Menschen auf der Erde stammen von einem Paar ab und sind deshalb alle gleich vor Gott, haben den gleichen Anspruch und auch die gleiche Verantwortlichkeit. Sure 4,1: „O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch erschaffen hat aus einem einzigen Wesen, und aus ihm erschuf Er seine Gattin, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen...“ In der Bibel steht im 1.Buch Mose 1,27: Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Das bedeutet aber nicht, dass nun der Mensch „nach dem Bilde Gottes“ geschaffen wurde, wie die Bibel es meint. Hat jemand irgendwann einmal Gott ins Antlitz gesehen, weiß man, wie er aussieht? Kann man sich ihn überhaupt vorstellen? Ich glaube nicht, denn er ist außerhalb unserer Zeit und Ort. Alles, was man sich vorstellt, ist irrelevant. Aber die Menschen in ihrer Entwicklung waren schon immer für das Bildliche, sie brauchten einfach eine Vorstellung, ein Bild, dem Menschen ähnlich. Gottesebenbildlichkeit ist ein zentraler Aspekt in der jüdisch/christlichen Lehre vom Menschen. Das eben genannte 1.Buch Mose 1,27 sagt aus, dass die ganze Menschheit nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde und das Neue Testament fährt fort: Jakobus 3,9: Durch sie loben wir Gott, den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, die nach dem „Bilde Gottes“ gemacht sind. Für die Christen ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, wer ihn sieht, der sieht den Vater. Aber das 1.Buch Mose 1,27 sagt nicht aus, dass der Mensch in irgendeiner Weise Gott ähnlich oder gleich sei. Das hebräische Wort tsèlèm, welches für gewöhnlich mit „Bild“ oder „Ebenbild“ übersetzt wird, bedeutet viel eher „Kultbild“. Und das sind Personen, die eine Gottheit repräsentieren. Es könnte bedeuten, dass der Mensch das Kultbild von Gott ist, um Gott auf Erden zu repräsentieren.12 Im 3.Buch Mose 25,1 steht: „Ihr sollt euch keinen Götzen machen noch Bild und sollt euch keine Säule aufrichten…, dass ihr davor anbetet; denn ich bin Euer Herr, euer Gott.“ Das bedeutet, es besteht eigentlich in der jüdisch/christlichen Religion ein Verbot, sich ein Bild von Gott zu machen und es vielleicht sogar anzubeten. Aber andererseits wird der Mensch, von Gott geschaffen, als Abbild Gottes gesehen, also Ihm ähnlich. Im Christentum wird heute Jesus als das Ebenbild Gottes angesehen als ein Gottesbild der Barmherzigkeit, der bedingungslosen Liebe und der Vergebungsbereitschaft. Jesus ist die Brücke zwischen Gott und Mensch: Joh. 14,6: Jesus spricht zu ihm:“Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand 12
de.wikipedia.org/wiki/Gottesebenbildlichkeit

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kommt zum Vater denn durch mich“. Ansonsten ist der Mensch durch die Erbsünde getrennt von Gott. Versöhnung mit Gott ist nur durch Jesus Erlösungstod möglich: 2. Kor 5,18: Das alles aber ist aus Gott, der uns mit sich durch Christus versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung übertragen hat. Die Gottesvorstellungen in der Bibel zeigen sogar Gott in der Gestalt des Menschen, wie das 2.Buch Samuel 22:9 verdeutlicht: Aus seiner Nase quoll Rauch, verzehrendesFeuer aus seinem Mund, Kohlenglut flammte vor ihm her. Gott, wie ihn sich die Christen vorstellen, ist sogar der Ruhe bedürftig, wie zum Beispiel der 7. Tag der Schöpfung ein Ruhetag für Gott ist. Braucht er wirklich Ruhe, muss er sich ausruhen von seiner Schöpfung? Ist das ein Bild eines Gottes? Lenkt Gott nicht unermüdlich unser Geschick? Was wäre, wenn mal an einem Tag nichts passieren würde oder ein großes Chaos entstehen würde, weil er sich ausruhen muss? Sollte man sich eher vorstellen, dass der Mensch die guten Eigenschaften von Gott übernehmen soll, seine Liebe, sein Verzeihen, seine Barmherzigkeit? Sollte der Mensch nicht Vollkommenheit anzustreben, Freundlichkeit zu seinen Nachbarn, Friede mit allen? Das wäre für mich nach dem Bilde Gottes zu streben! Im Koran finden wir nirgends eine Aussage, der Mensch sei geschaffen „nach dem Bild Gottes". Es gibt keinen Vers, in dem zum Ausdruck kommt, dass der Schöpfer durch dieses Anhauchen mit Seinem Geist dem Menschen eine besondere Nähe zu Ihm selber geschaffen hat oder dass es eine besondere persönliche Beziehung zwischen Gott und Mensch gibt. Sein Wissen ist um uns, nichts entgeht Ihm. Und wenn Er sagt im Koran, Er habe den Stein bei der Schlacht von Uhud geworfen, dann hat es ein Engel mit Seinem Befehl getan. Gott setzt den Mensch als Seinen Stellvertreter (Khalifa) auf Erden ein, der über die Schöpfung an Stelle von Gott selber herrscht und sie pflegt, obwohl die Engel Ihn fragten: Sure 2:30 : „Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?" Dann befahl sogar Gott den Engeln, sich vor Adam niederzuwerfen, wie die Sure 2:34 beschreibt. Das ist etwas Ungeheuerliches, Großartiges: die Engel verbeugten sich, außer dem Dschinn Iblis, vor Adam, vor dem Menschen. Das zeugt von der hohen Stellung des Menschen in Gottes Schöpfung. Iblis warf sich deswegen nicht vor Adam hin, weil er in seinem Hochmut meinte: Ich bin besser als er, du hast mich aus Feuer erschaffen und ihn aus Lehm." wie in Sure 7:12 steht. In der Bibel, im 1.Buch Mose 3,22 heißt es: „Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.“ Bedeutet das, dass sich jetzt der Mensch Adam neben Gott stellt, herrscht er wie Gott? Ist er nicht bloß ein Vertreter Gottes auf Erden? Und dennoch ist er für die Christen erniedrigt, verdammt durch die Erbsünde. 41

Im Buch „Christliche Religion - Das Fischerlexikon“ steht folgende Definition: Bereits Augustinius von Hippo (354-430) hatte eine wörtliche Auslegung des Schöpfungsberichtes abgelehnt und die Schöpfung als stufenweise Entfaltung des einmal Geschaffenen gedeutet. In jedem Fall wird der Mensch erst wirklich zum Menschen durch die Geistseele, die unmittelbar von Gott herkommt. Die christliche Lehre vom Menschen geht davon aus, dass das Wesen des Menschen an sich nicht erkennbar ist, weil es nicht eigenständig existiert. Indem das Wesen des Menschen durch Gottes Verhalten zu ihm und sein Verhalten zu Gott bestimmt wird, ist er als Geschöpf und als Sünder zu sehen und anzusprechen. Gottes Freiheit für ihn macht ihn frei für Gott. Die Freiheit für Gott hat aber der Mensch im Sündenfall verspielt. Er kündigt damit den Gehorsam an Gott auf, um zu sein wie Gott. Und damit hat sich der Mensch getrennt von Gott.13 Gott im Islam hat dem Menschen sein Selbstbewusstsein gegeben, seine freie Entscheidung. Er kann bestimmen, wohin ihn sein Ziel bringen soll und wie er es erreichen kann. Er bestimmt über richtig und gut und falsch und schlecht. Der Mensch im Islam kann also sich stets zwischen dem Guten und dem Bösen entscheiden. Er kann Gutes tun, besonders in den zwischenmenschlichen Beziehungen - selbst ein Lächeln ist etwas Gutes und wird von Gott als Sadaqa (freiwilliges Almosen geben) angenommen - und durch das Respektieren der Gebote Gottes Wohlwollen erhoffen. Er ist aber stets für sein Verhalten verantwortlich. Und nur er wird sich für seine Taten, ob eben gut oder böse, vor Gottes Gericht am Jüngsten Tag zu verantworten haben. Niemand kann ihm seine Bürde abnehmen. An vielen Stellen im Koran wird klar gestellt, dass der Mensch nur nach seinem eigenen Verdienst oder Vergehen beurteilt wird. In Sure 10:41 heißt es darum: „Und wenn sie dich der Lüge bezichtigen, so sprich: ,Für mich ist mein Werk und für euch ist eurer Werk. Ihr seid nicht verantwortlich für das, was ich tue und ich bin nicht verantwortlich für das, was ihr tut.“ Amir Zaidan schrieb in seiner Broschüre „Gottesbild und Menschenbild“: Der Mensch ist nach dem Islam das ehrwürdigste Geschöpf Gottes. Er erschuf ihn in bester Form, hat ihm Vernunft verliehen und stattete ihn aus mit Fähigkeiten, um die Erde zu bevölkern und das Universum zu entdecken. Gott hat ihm eine Seele verliehen, die Er auch mit Seinem Namen verbindet, um ihre Stellung zu betonen und Er hat selbst den Engeln befohlen das Niederwerfen gegenüber ihr (der Seele) zu praktizieren. 14 In Sure 17:70 heißt es: „Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben“. Er hat den Menschen zum Herrn auf der Erde gemacht und für ihn alles Notwendige für seinen Unterhalt geschaffen. Gott hat ihn mit einem wundervollen Körper ausgestattet, 13 14
Buch :Christliche Religion- Das Fischerlexikon Amir Zaidan: Gottesbild und Menschenbild, S.29

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mit einer empfindsamen Seele; und das Besondere, der Mensch kann selbständig denken, hat einen freien Willen. Er kann seine Geschicke selbst lenken, auch wenn Gott als Allwissender schon vorher weiß, was der Mensch gerade denkt. Sollen wir da nicht dankbar sein? Im Koran 32: 7-9 steht: Der alles gut gemacht hat, was Er erschuf. Und Er begann die Schöpfung des Menschen aus Ton. Hierauf machte Er seine Nachkommenschaft aus einer unbedeutend erscheinenden Flüssigkeit. Dann formte Er ihn und hauchte ihm von Seinem Geist ein. Und Er hat euch Gehör und Augenlicht und Herzen gegeben. Doch euer Dank ist recht gering. 9. Der Mensch in seiner Gesellschaft „Wenn ihr Gutes tut, tut ihr Gutes für euch selbst; und wenn ihr Böses tut, ist es auch für euch selbst." Sure: 17:7. Der Mensch wird am Tag der Auferstehung für seine Taten zur Rechenschaft gezogen. Und um im islamischen Sinne richtig zu handeln, ist Wissen über das richtige Verhalten wichtig. Es begann sofort nach der Etablierung des Islam ein Streben nach Wissen. Das erste Wort, was Gott Muhammad offenbarte, war: "Lies!" Der Prophet sagte zu den Menschen: „Sucht Wissen von der Wiege bis zum Grabe, wer nach Wissen strebt, betet Gott an.“ ”Wer einen Weg beschreitet, um auf ihm Wissen zu erlangen, dem macht Gott den Weg zum Paradies leicht. Und die Engel legen ihre Flügel nieder aus Zufriedenheit über einen Studenten. Und für den Studenten bitten die um Verzeihung, die im Himmel sind und die, die auf der Erde sind, sogar die Fische im Wasser. Der Vorzug eines Gelehrten vor einem, der viel Gottesdienst wie Beten, Koran lesen, usw. verrichtet, ist wie der Vorzug des Mondes in einer Vollmondnachtgegen über allen anderen Planeten. Und die Gelehrten sind die Erben der Propheten. Und die Propheten haben kein Geld als Erbgut hinterlassen, sondern sie haben das Wissen hinterlassen...” Gott schätzt die Wissenden sehr hoch ein. Schon zur Zeit des Propheten Muhammad begann man mit der Errichtung von Schulen. Das islamische Bildungssystem erreichte einen hohen Standard, dem das Abendland im Mittelalter tatsächlich um Jahrhunderte hinterherhinkte. Bereits im 9. Jahrhundert blühten islamische Universitäten im ganzen Einzugsgebiet des Islam und besonders die Universitäten in Spanien waren auch Anziehungspunkt für die wenigen Europäer, die überhaupt des Lesens und Schreibens kundig waren. Große Büchereien entstanden. Fast alle Grundlagen der heutigen Wissensgebiete wie Mathematik, Chemie, Astronomie, Mechanik, Medizin sind im arabischen Mittelalter begründet bzw. weiter entwickelt worden. Und das eigentlich dank der arabischen Sprache, die überall im Orient bis hin nach Andalusien in Spanien verstanden und geschrieben wurde, auch von Nichtmuslimen. Der Koran ist in der Sprache des Propheten Muhammad herab gesandt worden. Er repräsentiert die Art der arabischen Sprache des Stammes der Quraish, wie sie in Mekka gesprochen wurde. Jeder Muslim versuchte einen Teil des Korans auswendig zu lernen, wenn nicht gar 43

den ganzen Wortlaut. So wurde die Sprache des Korans zur verbindenden Sprache. Bis heute ist diese Sprache lebendig geblieben. In den Schulen wird heute das Arabische der Quraish gelehrt, nur untereinander unterhalten sich die einfachen Massen der einzelnen arabischen Länder in einem landesspeziellen Dialekt. Ali, der vierte Kalif, soll gesagt haben: „Das Wissen ist besser als das Geld. Das Wissen bewacht dich, wohingegen du das Geld bewachst.“ Wissen bedeutet auch zu glauben, und glauben bedeutet im Islam die vorbehaltlose Annahme der Anweisungen und der Rechtleitung Gottes. Das Ziel eines Muslims ist so zu handeln, dass Gott zufrieden mit ihm ist. Er befolgt die fünf Eckfeiler des Islam: das Bekennen zu Gott, das fünfmalige tägliche Gebet, das Fasten im Monat Ramadan, das Almosengeben und wenn es möglich ist die Pilgerfahrt nach Mekka. Glauben heißt auch der Glaube an Gott, an die Engel, die geoffenbarten Bücher (damit ist auch die unverfälschte Bibel gemeint, wie Gott sie den Propheten gegeben hat ), an die Propheten, an die Vorherbestimmung, an das Gericht zum Jüngsten Tag und das Leben nach dem Tod. Sure 2:177 : ..Frömmigkeit ist vielmehr, dass man an Gott glaubt, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch, und die Propheten und vom Besitz -obwohl man ihn liebt - den Verwandten gibt, den Waisen , den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und (für den Freikauf ) von Sklaven, dass man das Gebet verrichtet und die Zakah (sogenannte Armensteuer) entrichtet. Die Stellung der Frau im Islam gegenüber der vorislamischen Zeit wurde hervorgehoben, betont und erhöht. Der Islam regelt die Beziehungen von Mann und Frau durch ausgewogene Zuordnung bestimmter Verantwortungsund Aufgabenbereiche, durch Benennung ihrer Rechte und Pflichten mit Betonung ihrer Gleichwertigkeit. Im Koran werden die Männer und die Frauen angesprochen. Die Frau hat im Islam die gleichen Rechte und auch Verantwortung in der Gesellschaft wie der Mann, aber geschlechterbezogen. Erst in der späteren Zeit wurde sie immer mehr entmündigt. Heute gelingt es der Frau aber mehr und mehr, ihre Rechte einzufordern und durchzusetzen. Das Christentum war der Frau stets feindlich gesonnen, angefangen vom Auszug aus dem Paradies. Sie galt als Ursprung des Bösen, von Natur aus bösartig. Man diskutierte sogar darüber, ob sie eine Seele besitzen würde. Sie litt unter der Inquisition, der Hexenverfolgung. Bei einer Heirat ging ihr ganzes Vermögen auf den Mann über, sie hatte keinerlei Rechte. Es war eine kollektive Entmündigung und Entrechtung der Frau mit religiös verbrämten Argumenten. 15 Es ist auch schön zu lesen, was im Matthäus-Evangelium 6,2-4 Jesus zu den Leuten sagt : „Wenn du nun Almosen gibst, so posaune nicht vor dir her, wie die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen, damit sie gepriesen werden von den Menschen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn empfangen. Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, damit dein Almosen im 15
AmirZaidan: Gottesbild und Menschenbild, S.38

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Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“Ein wunderbarer Vergleich des Almosengebens mit dem Islam! Auch für die Muslime gilt das freiwillige Geben, am besten im Verborgenen, ohne Erkennung von Namen, als eine sehr hoch von Gott angesehene Tat. Ferner schrieb Paulus den Römern: Röm. 12, 1: Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist. Weiter in 12,21: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Was mich an den Islam angezogen hatte, bevor ich Muslima wurde, sind die hohen Moralwerte im Islam. Das Streben nach diesen hohen Moralwerten ist eine ganz menschliche Eigenschaft und müsste zur Persönlichkeit eines jeden Menschen gehören. Sie hängen von der Gesellschaft ab, zu der der jeweilige Mensch gehört und seiner Stellung darin. Sie unterliegen den Beziehungen der Menschen untereinander, ihrer Pflege, der Erziehung in ihrer Gesellschaft. Werte wie Gastfreundlichkeit, Verlässlichkeit, Ehre und Würde erfahren gerade im Islam einen sehr hohen Stellenwert. Jeder sollte eine ausgewogene Lebensweise finden, die Ideale zum Ziel hat, aber nicht lebens - und realitätsfremd ist. Kein Mensch kann außerhalb einer Gesellschaft stehen, er muss ständig mit ihr kommunizieren, mit den Menschen in Verbindung treten, es ist nur die Frage nach dem „wie“. Der Islam räumt der Erziehung der Einzelperson einen hohen Rang ein, eine Erziehung, die alle Seiten des Lebens einschließt, das heißt: den Körper des Menschen, seine Seele, seinen Verstand und seine Gefühle berücksichtigt. Jeder Mensch ist gleich vor Gott und Gleichheit und Gerechtigkeit sind auch die Maßstäbe der Gesellschaft, so wie jeder Einzelne der Gemeinschaft dem anderen gegenüber verpflichtet ist, und die Gemeinschaft dem einzelnen gegenüber. Leider gibt es im Islam, wie sicher auch in allen anderen Religionen Menschen, die Gott vergessen haben, die nur um ihr irdisches Wohl bedacht sind, während es andere gibt, die in ihrer Gedankenwelt nicht auf der Erde leben und dabei vergessen, warum sie Gott zum Leben erweckt hat. Gott sagt dazu in Sure 28:77 : „Sondern suche in dem, was Gott dir gegeben hat, die Wohnstatt des Jenseits; und vergiss deinen Teil am Diesseits nicht; und tue Gutes, wie Gott dir Gutes getan hat; und begehre kein Unheil auf Erden, denn Gott liebt die Unheilstifter nicht“. Es ist Gottes Aufforderung an jeden Menschen in der Gesellschaft und es ist in ganz knapper Form dargestellt, wie der Mensch zu leben hat. Finde ich das auch ähnlich in der Bibel? Was sagt die Bibel zum Verhalten des Menschen, zu seiner Stellung in der Gemeinschaft? Für das Christentum ist der Mensch bestimmt, das Ebenbild Gottes und sein Stellvertreter auf Erden zu sein. Er wird dadurch mit einer besonderen Stellung zu Gott und der Welt ausgezeichnet. Der Mensch erhält das Sein durch die Welt und die Welt erhält ihren Sinn und Zweck durch den Menschen. So steht der Mensch zwischen Gott 45

und der Welt. Gott macht den Menschen verantwortlich für die Geschicke auf der Erde, für die Tier-und Pflanzenwelt. Er bleibt dadurch aber abhängig von Gott. 1. Kor 3, 2123: Frei in der Welt verantwortlich vor Gott zu sein - das ist die Anweisung zum Leben. Nur die sich wandelnde Kirche sah das anders: frei sein, nur Verantwortung vor Gott, Selbstbestimmung, das ist gefährlich für die Obrigkeit, der einfache Bürger kann ja nachdenken und das muss verboten sein. Sigrid Hunke schreibt in ihrem Buch „Gottes Sonne über dem Abendland“: „Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt für Torheit erklärt?“ fragte Apostel Paulus. „Es stehet geschrieben: ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.“ Einziger Quell göttlicher Wahrheit war für den Christen die Offenbarung. Die Schöpfungsgeschichte gab alle notwendige Auskunft über den Himmel, die Erde und das Menschengeschlecht. Antipoden (den gegengesetzten Standpunkt vertretenden Mensch), so entschied Augustinius, konnten darum gar nicht existieren, „weil die Heilige Schrift unter Adams Nachkommen ein Geschlecht dieser Art nicht erwähnt hat.“16 Nach Wissen zu streben wird eine Sünde, der Mensch muss hinnehmen, was Gott bestimmt hat für ihn. So kann die Kirche über den Menschen bestimmen. Gott ist nun weit weg, man kann ihn nur über die Priester erreichen. Das Volk versinkt in Unwissenheit. Es versteht nicht einmal, was auf der Kanzel geredet wird, sie kennen ja nicht die lateinische Sprache. Krankheiten und andere Übel werden auf andere Menschen abgewälzt, da sie j nicht die Ursache kennen. Und Sünden kann man sogar jetzt schon im Diesseits tilgen lassen, indem man sich Ablässe kauft. Der Handel mit der Sündentilgerei blüht. So ist es möglich, sich immer wieder neue Schuld aufzuladen; ein bisschen Geld und schon ist man wieder sauber, es wird ja mit dem Ablass garantiert, dass die Sünde zum Jüngsten Tag getilgt ist. Kann ein Mensch überhaupt Sünden vergeben wie auch in der Beichte, außer Gott? Nur der eigentlich Betroffene kann vergeben, verzeihen. Aber Schuld gegenüber Gott kann nur Gott allein verzeihen. Die Kirche sagt: Nur wer Jesus Erlösung annimmt, kann sich von der Schuld befreien und Vergebung erlangen. Zwei Auffassungen und zwei unterschiedliche Welten! Sie bestimmten zur gleichen Epoche, dem Mittelalter, die gegensätzlichen geistigen Wege des Morgen- und Abendlandes. Auf der einen Seite entsteht eine Hochkultur, getragen von dem Glauben an den Einen Gott, auf der anderen Seite: das geistige Erkennen der Wahrheit ist das Erkennen Gottes, mehr braucht es nicht. Wissen, um das Leben zu erkennen, dafür ist kein Verlangen notwendig.

10. Die Religionen im Mittelalter 16

Sigrid Hunke : Allahs Sonne über dem Abendland, S. 203

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Unterschiedliche Gründe gab es für die Ausbreitung beider Religionen. Das christliche Rom, anfangs nur ein unter mehreren Bischofssitzen, später als der Sitz des christlichen Stellvertreters Gottes auf Erden, wollte nicht nur die religiöse Macht, sondern strebte auch nach der weltlichen Macht während vieler Jahrhunderte, eigentlich durch das ganze Mittelalter hindurch. Der Islam breitete sich wegen seiner Einfachheit im Glauben aus. Er ruft zum Glauben an den Einen Gott, zum Frieden und für ein menschenwürdiges Dasein auf. Es gibt keinen Unterschied zwischen der Religion und dem täglichen Leben. Die Religion ist Teil des Lebens. Der Islam ist eigentlich keine neue Religion, denn er vertritt die gleiche Wahrheit, die schon alle anderen Propheten von Gott überbracht hatten. Christentum Anfang des 4. Jahrhunderts wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin zu einer geduldeten, nicht mehr verfolgten Religion, um das Jahr 325 zur staatlich geförderten Religion. 380 wurde sie unter Kaiser Theodosius zur alleinigen Staatsreligion im Römischen Reich. Die meisten Riten und Lehren hatten sich schon ausgebildet. Es spalteten sich aber einige Gruppen aufgrund von Lehrstreitigkeiten ab, unter anderem die Koptische Kirche in Ägypten, die Armenische Kirche, die Nestorianer. Anfang des 4. Jahrhunderts wurde eine hierarchische Einteilung mit klaren Unterstellungsverhältnissen der Kirche notwendig. Es gab fünf Patriarchate, in Rom, Alexandria, Jerusalem, Byzanz und Antiochien. Schon sehr zeitig streckte Rom die Hand zur alleinigen Macht aus, Bischof der Bischöfe zu sein. Leo I. (440-461) ernannte sich zum 1. Papst. Es entstand der Kirchenstaat um Rom. Aber erst unter Papst Leon IX. (1049-1054) wurde das Kardinalskollegium ausgebaut. Seine Reformanhänger sollten den "Primatus Dei", den Anspruch des römischen Bischofs als Oberhaupt der gesamten Kirche zur Geltung bringen. Ziel aller Päpste in Rom war die Erlangung der geistigen und besonders der weltlichen Macht, um die ganze Welt politisch zu kontrollieren. Aber bisher war immer noch der römische Bischofsstuhl wie schon gesagt nur einer von fünf Hochthronen.1054 kam es zum Bruch mit der Ostkirche. Kirche und Staat, Religion und Politik waren eng miteinander verwoben, es gab ständig Machtkämpfe zwischen der weltlichen und kirchlichen Herrschaft. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Investiturstreit zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. und endete mit dem Aussprechen des Bannes über den König. Es ging um die Laieninvestitur von Bischöfen und Äbten, das heißt die Art und Weise der Amtseinsetzung von ihnen und um das Eigenkirchenrecht. Bis dahin hatte der König das Recht, die Bischöfe einzusetzen, da sie dann politisch von ihm abhängig waren, während der päpstliche Einfluss sich hauptsächlich um geistliche Fragen beschränkte. Auf diese Art und Weise wurden geistliche und weltliche Herrschaft unter königlicher Führung eng miteinander verbunden. Der König erreichte durch seinen Bußgang nach Canossa 1077 die Aufhebung des Bannes. Das Wormser Konkordat 1122 beendete später den Streit durch einen Kompromiss. 47

Um die griechische Kirche in ihre Machtbefugnis zu bringen, reifte in Rom der Gedanke zum heiligen Krieg Richtung kaiserliches Byzanz, gleichzeitig wollte man damit auch ein Ventil zur Beendigung von Fehden unter den Christen selbst schaffen. Auf dem Konzil von Clermont im Jahr 1095 wurde zum Heiligen Krieg aufgerufen. Die christlichen Brüder im Osten hatten angeblich um Hilfe gebeten um die Befreiung von Jerusalem von den muslimischen Besatzern. Allen, die sich „der Last des Pilgerzuges unterziehen“, verspricht Papst Urban II. die Vergebung der Sünden und das ewige Leben. Im Folgenden sind Ausschnitte aus der Rede von Martin von Pairis, eines Abtes des Zisterzinserklosters Pairis in den Vogesen, wiedergegeben, die er vor Klerus und Volk in der vielbesuchten Kirche der heiligen Jungfrau Maria hielt, wo eine große Menge beiderlei Standes zusammengekommen war. In dieser Rede rief er im Auftrag von Papst Innozenz III. zum 4. Kreuzzug auf: „Deshalb, ihr starken Krieger, kommt jetzt Christus zu Hilfe, gebt eure Namen zur christlichen Heerfahrt, last euch freudig in ein glückhaftes Lager einreihen! Euch vertraue ich heute Christi Sache an, ihn selber gebe ich euch sozusagen in die Hand, damit ihr euch müht, ihn in sein Erbe wieder einzusetzen, aus dem er grausam vertrieben ist.“ Nun folgte ein „Befreiungskrieg“ nach dem anderen mit unterschiedlichem Erfolg. Sieben Kriege unter dem Kreuz gab es insgesamt im Mittelalter. Der Name Kreuzzug wurde erst Jahrhunderte später eingeführt. Im 1. Kreuzzug 1096-1099 wurde Jerusalem erobert. Die Kreuzritter waren eine Woche lang nur mit Töten der jüdischen und muslimischen Bevölkerung beschäftigt und machten auch nicht Halt vor Christen, die in der Stadt wohnten. Allein in der Al-Aqsa Moschee töteten sie 70 000 Menschen, unter denen sich viele Gelehrte und Pilger befanden. Nachdem für eine Zeit die Muslime die Stadt wieder besetzen konnten, gelang es den christlichen Heeren, Jerusalem wieder zurück zu erobern. Die größte Schmach des Papsttums war, als Kaiser Friedrich II. im 5. Kreuzzug gänzlich ohne Blutvergießen mit nur 500 Rittern Jerusalem besetzen konnte aufgrund eines Abkommens mit dem damaligen Kalifen Al-Kamil. Auf Kaiser Friedrich II. werde ich noch später zu sprechen kommen. Das Ergebnis der Kreuzzüge war: In Syrien und Palästina hatten sie nur einige imposante Burgen hinterlassen, aber Hunderttausende Muslime, Juden und Christen haben ihr Leben verloren. Die West- und Ostkirche blieben weiterhin getrennt. Das einzige Gute war, dass der Westen einen großen kulturellen Aufschwung in Kunst, Handel und Wissenschaft erfuhr. Eine zweite Expansionsbewegung war die Reconquista in Spanien. Fast ganz Spanien stand rund 800 Jahre unter arabisch-muslimischer Herrschaft. Begünstigt durch den einsetzenden Zerfall des andalusischen Kalifats wurden ab dem 12. Jahrhundert immer neue Ländereien von den katholischen Königen erobert. Das muslimische Königreich Granada konnte sich noch bis 1492 halten. Mit der Eroberung von Spanien durch
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christliche Könige wurde eine hohe Zivilisation zerstört, die Muslime und Juden wurden gezwungen, entweder das Land zu verlassen oder sich zwangstaufen zu lassen. Alles Islamische wurde verboten und die hohe Kultur verkam wie auch eine hoch entwickelte Landwirtschaft. Ebenso wütete die Soldateska neben den Mönchen in den neu entdeckten Ländern Amerikas unter der einheimischen Bevölkerung. Sie wurden zwangsbekehrt im Namen eines Gottes, den sie nicht verstehen konnten. Anfangs machte das neu entdeckte Land die Kleriker unsicher. Es gab dort Pflanzen und Tiere, die nicht in der Bibel beschrieben wurden. Man erklärte sich dann das so: Gott hat die alte Welt geschaffen und später eine neue Welt, damit die Christen sie verwalten können. Deshalb müssen die Menschen darin im Namen Gottes bekehrt werden. Um 1400 gab es zeitweise zwei Päpste. Erst nach zwei Konzilen konnten die Weichen für eine einheitliche Kirche gestellt werden, ab Mitte des 15. Jahrhunderts war der Papst in Rom Alleinherrscher. Unterdessen verfielen die kirchlichen Sitten immer mehr, wurden Gelder verschwendet zum Nutzen der kirchlichen Vertreter Die Priester lebten oft im Konkubinat, in der Zimmerischen Chronik wird das Kloster Oberdorf als des „Adels Hurenhaus“ genannt. Es gab immer neue Versuche, gegen diese Sittenwidrigkeit anzukämpfen. In England verlangte John Wiclif eine Kirche der Armut. Jan Hus wurde als Ketzer auf dem Konzil in Konstanz 1415 verbrannt, in seinen Predigten prangerte er die Ablasspraktiken, das Loskaufen von Sünden für das Seelenheil an und dass alle Menschen gleich seien. Mitte des 14. Jh. veröffentlichte Marsilius von Padua vom Hofe Ludwigs des Bayern aus sein Werk „ defensor pacis“ (Anwalt des Friedens). Darin sagte er, die Aufgabe der Priester sei Unterweisung und Seelsorge. Er bestritt ihnen das Recht, Glaubenszwang auszuüben und lehnte den Bann ab. Er forderte die Unterordnung der Kirche unter den Staat. Das Primat des Papstes lehnte er ab. In Martin Luther gipfelte das Aufbegehren. Luthers theologisches Interesse galt besonders der Frage nach Gottes Gerechtigkeit und der Rechtleitung des Menschen vor Gott, eines gnädigen und barmherzigen Gott, der mit den Menschen wegen seines Glaubens an ihm gnädig ist. Sein Konflikt mit dem Ablassprediger Tetzel, der im Auftrag des Erzbischofs von Mainz 1517 durch ostdeutsche Länder zog und Ablässe gegen Geld verkaufte, gab den Anlass für seine 95 Thesen, die er an die Schlosskirche in Wittenberg anschlug. Er forderte zu einer akademischen Disputation. Luther ging es darin vor allem darum, dass das Wort Gottes, wie es in der Bibel bezeugt ist, allein Richtschnur aller kirchlichen Verkündigung und Bräuche sein soll; kirchliche Traditionen dürften dagegen nicht verbindlich sein. Luthers Thesen verbreiteten sich im ganzen Deutschen Reich rasch, nicht zuletzt Dank der Erfindung des Buchdruckes. 1519 verfasste Luther ein grundlegendes Reformprogramm für die Kirche: Reform des Papsttums und des kirchlichen Lebens insgesamt, wie das Klosterleben, das Zölibat, die Messe, die Reform der Sakramente mit Beschränkung auf Taufe und 49

Abendmahl, besondere Betonung der Freiheit eines Christenmenschen gegen alle Autoritäten. Die Wirkung seiner Gedanken hält indes bis heute an. Die Thesen sind nichts anderes als die Formulierung einer Kritik an den damals herrschenden Zuständen auf der Grundlage der Bibel. Darin gründet sich ihre Wirkung. Es kam zur Anklage gegen Luther. Er lehnte einen Widerruf ab, wurde mit dem Bann belegt, versteckte sich auf der Wartburg, wo er 1522 das Neue Testament in die deutsche Sprache übersetzte, das Alte Testament folgte 1534. Seine Schriften wurden besonders von den Bauern und niederem Volk angenommen. Ein anfänglich friedlicher Protest der Bauern 1525 wurde zunehmend gewalttätig, weitete sich zum Bauernaufstand aus, so dass sich Luther von ihnen distanzierte. Aber dennoch führten die Fürsten von Preußen, Kursachsen, Hessen und weitere kleine Fürsten in Nord-und Mitteldeutschland sowie einige Reichsstädte 1525 offiziell die lutherische Reformation ein. Auf dem Reichstag von Augsburg 1530 wurde das von Philipp Melanchthon, einem Schüler Luthers, verfasste und von Luther anerkannte „Confessio Augustana“, das Augsburger Bekenntnis vorgetragen. Aber erst der 1555 geschlossene Augsburger Religionsfriede sicherte den Anhängern der Confessio Augustana - und nur diesen Religionsfreiheit zu. Es hieß: wer das Land regiert, bestimmt, welche Religion dort praktiziert wird. Diese Regelung endete aber in eine Gegenreformation und die politischen Folgen schließlich in den Dreißigjährigen Krieg 1618-1683. Vor Beginn der Reformation legte die Kirche fest, was Wahrheit war und was nicht. Da die Kirche diese Autorität auf Gott stützte, wurde neben der Bibel die Überlieferungen der Kirche Grundlage des Glaubens. Durch die Reformation gab es diese Obrigkeit nicht mehr, die unstrittige Fragen entscheiden konnte. Eine Bereicherung hat dieses der reformatorischen und der katholischen Christenheit sicher gebracht, verhinderte aber auch ein Zusammenarbeiten beider Strömungen. So gilt es heute immer noch, die positiven Möglichkeiten des Reformation anzunehmen, zu nutzen, mit Schwierigkeiten umgehen zu lernen mit dem Ziel, einen Konsens für alle Christen zu finden. Aber auch das muss gesagt werden, wenn man über Martin Luther spricht: In der Zeitschrift „Der Morgenstern“ steht ein kurzer Artikel über ihn. Darin wird aus Luthers Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ aus dem Jahr 1543 zitiert: „Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schulen anstecke. Zum anderen, dass man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Zum dritten, dass man ihnen die Betbücher nehme. Zum vierten, dass man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren.“18 18
Referat Protestantismus von Wolfgang Hutter, März 1987

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Soviel er dem Christentum gegeben hat, er war damit auch Wegbereiter für den christlichen Antisemitismus. An einer anderen Stelle verunglimpft er den Propheten Muhammad.19 Islam Schon bald nach der Verkündigung der neuen Religion durch den Propheten Muhammad entstand ein islamisches Reich, dessen rasche Expansion erstaunlich war. Kennzeichen dieses Staatswesens war nicht nur der Islam als Religion, sondern auch die Übernahme der Kultur der unterworfenen Gebiete. Muhammad einigte die zerstrittenen Stämme von Yathrib, wohin er mit seinen Muslimen aus Mekka geflohen war und stellte die Stammesloyalität unter dem göttlichen Gesetz. Die koranischen Offenbarungen wurden zur Richtschnur und zur Grundlage der Rechtsordnung. Es entstand der erste islamische Staat, nachdem später nach verschiedenen Kampfhandlungen 630 Mekka kampflos eingenommen wurde. Beim Tod Muhammads 632 stand fast die gesamte arabische Halbinsel unter islamischer Führung. Die nachfolgenden Kalifen führten die Expansionspolitik fort. Schon 642 besetzten sie Ägypten, Irak und Syrien, und 647 gelangten sie bis nach Tripolis. Die arabischen Heere stießen ins Hochland von Iran vor, wo sie das sassanidische Heer 641 bei Nihavand schlugen, erreichten bis 653 den Kaukasus im Norden und kamen bis ins heutige Turkmenistan im Osten. Das byzantinische Reich stand nun zur Hälfte unter muslimischer Herrschaft, das Perserreich der Sassaniden war vollkommen zerstört. Die alte Zentralverwaltung hatte sich durch die harte Besteuerung unbeliebt gemacht und die Bevölkerung sah in den Eroberern keine völlig Fremden und nahmen schnell die neuen Herren an. Ein christlicher Chronist beschrieb die frühen Muslime folgendermaßen: „Die frühen mohammedanischen Missionare waren eine standhafte Menge. Sie kamen ohne Schiffe, ohne Armeen und ohne eine Regierung, die ihnen den Rücken stützte. Man muss sie zu jenen aufrichtigsten Religionsanhängern zählen, die je eine religiöse Überzeugung hervorgebracht hat. Sie strebten nach nichts anderem, als die Ungläubigen zu ihrer Religion zu bekehren. Sie wollten kein Gold. Ebenso war nicht das Erschließen von Handelsrouten ihr Ziel. Die Priester Muhammads gehörten zu den freundlichsten und friedvollsten Verbreitern von Zivilisationen, die die Menschheitsgeschichte je gekannt hat. Ihre Religion riss nicht nieder und zerstörte, wie es die Religion der frühen Christen tat. Die Priester von Muhammad brachten Kultur, Schrift und Wissenschaften und fügten sie zu der Kultur hinzu, die sie in ihren neuen Ländern vorfanden. Siewaren keine Zerstörer, sondern zufrieden damit, die alte Kultur zu verbessern." Die bestehenden Strukturen in der Zivil- und Finanzverwaltung des ehemaligen Perserreiches und Byzanz wurden übernommen samt Personal. Auf den 2. Kalifen Omar ist zurückzuführen die Aufgliederung Syriens in Militärbezirke, befestigte
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19 Ingo Nietsche. Zeitschrift Der Morgenstern 2/1996, S.21
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Heerlager, die Einrichtung eines Registers der Kämpfer zur Besoldung, die Ernennung von Richtern und Einführung des islamischen Kalenders. Die Länder wurden von Gouverneuren vertreten, die eingezogenen Steuern unterhielten das Heer. Die Kämpfer erhielten einen Anteil der Beute. Die ersten Machtkämpfe und Rivalitäten unter dem 4.Kalifen Ali spalteten die Ummah (islamische Gemeinschaft). Es ging um die Frage des Kalifats und Rechtleitung. Es war der erste Kampf Muslim gegen Muslim, eine Heimsuchung ersten Grades (arabisch fitna). Die Anhänger Alis, die „Schi'at 'Ali", die Schiiten, trennten sich von der großen Gruppe, Ali wurde ermordet und Muawiya setzte sich als Kalif durch. Damit begann die Ummayaden-Herrschaft, die nicht mehr als „rechtgeleitet“ galt, das heißt gewählt. Später wurden die Ummayaden von der Abbasiten-Herrschaft abgelöst. Es bildeten sich allmählich Grundstrukturen islamischer Herrschaft, der Kultur und Gesellschaft heraus. Die Provinzen wahrten weitgehend ihren Charakter. Christen entrichteten eine geringe Kopfsteuer und erhielten dafür Schutz. Es wurden also die Einheimischen nicht gezwungen, den Islam anzunehmen, sie konnten nach wie vor ihre Religion unbeschadet ausüben. Ein Araber zu sein war nicht zwingend identisch mit Muslim zu sein. Es gab bald eine Untermischung zwischen Alteingesessenen und zugezogenen arabischen Stammesfamilien. Die Landung einer berberisch-arabischen Einheit unter Tariq ibn Ziyad in Spanien 711 hatte große Auswirkungen auf die Geschichte Spaniens und der von Europa. Im Osten erreichte der Feldherr Muhammad ibn al-Qasim das Industal. 712 überquerte der Gouverneur von Khurasan den Oxus und legte mit seinen Eroberungen in Zentralasien den Grund für die spätere Blüte der islamischen Kulturzentren Samarkand und Buchara. Es entstand ein riesiges Reich, größer noch als das untergegangene Römische Reich. Die Eroberungen und Konsolidierung der neuen Herrschaft bewirkten große und weitreichende Veränderungen im Handel und Landwirtschaft. Der Islam tolerierte die anderen Glaubensrichtungen, Juden und Christen waren gleichermaßen in die Gesellschaft einbezogen und leisteten einen großen Beitrag in Kultur, Wissenschaft und in allen anderen Bereichen. Es hieß ja unmissverständlich im Koran: kein Zwang in der Religion. Das ist noch nie da gewesen: die Christen konnten in ihren Gotteshäusern weiterhin ihre Religion ausüben, keiner mischte sich in ihre Angelegenheiten, die Klöster blieben bestehen, kein Bischof wurde weggejagt. Das ist vonseiten der christlichen Kirche unverständlich, - keine wie in christlichen Ländern praktizierende Judenverfolgung, keine Grausamkeiten! - Der Patriarch von Jerusalem schrieb im 9. Jahrhundert an den Patriarchen von Konstantinopel: „Sie sind gerecht und tun uns kein Unrecht oder irgendwelche Gewalttaten.“ Es waren nicht die brutalen Eroberungen und Unterdrückungen der Christen, dass der Islam so schnell Fuß fasste, sondern es wurden nur die Herrschaften bekämpft, nicht die Bevölkerung. Für sie änderte sich eigentlich wenig, sie konnten ihre Lebensweisen weiter ausüben. In Spanien begrüßten sogar die Einwohner die neue Macht, 52

insbesondere die Juden. Das marode gewordene christliche Gotenreich wurde zur Belastung der Bevölkerung. Es wurde sehr schnell zerschlagen. Der von den Arabern getragene Islam und die vorher bestehenden Traditionen beeinflussten sich gegenseitig. Die Religion fasste überall schnell Fuß, wurde als Lebensweise gelebt und geformt. In Spanien setzte sich sehr schnell die arabische Sprache durch, Arabisch wurde zur Umgangssprache. Dort konnten sich junge Christen bald besser in Arabisch unterhalten als in Latein oder in der alten Landessprache. Im ganzen Einzugsgebiet der muslimischen Herrscher ist Arabisch die Sprache der Verwaltung, des Handels, der Gesellschaft. Koptisch wird kaum noch gesprochen, das Aramäisch, die Sprache Jesus, verschwindet ganz. Aus der Stammessprache Muhammads, dem Quraish, ist eine Weltsprache geworden. Latein wird in Andalusien kaum noch verstanden und nach der christlichen Rückeroberung muss sogar die Bibel ins Arabische übersetzt werden, da sie sonst kaum einer lesen konnte. Es gab aber nicht nur die Einflussnahme des Islams durch militärische Besetzungen, sonders auch der friedliche Handel machte andere Länder mit dem Islam bekannt. In den Ortschaften der Handelsrouten Richtung Osten ließen sich arabische Händler nieder, gründeten Handelsniederlassungen, übten auch dort ihre Religion aus und machten die einheimische Bevölkerung mit ihr bekannt, bauten Moscheen und allmählich nahm ein immer größer werdender Kulturraum diese Religion an. So drang der Islam unter dem Schutz des Handels bis nach Indonesien. Sogar in China gibt es heute noch eine muslimische Minderheit. Indonesien hat heute die größte muslimische Population. Fazit: Da, wo das Christentum herrschte, regierten sie durch Machtbezeugungen, sie lagen ständig mit der weltlichen Macht in Konflikt um die politische Herrschaft. Das Volk wurde in Unwissenheit gehalten, religiöse Strömungen wurden verfolgt bzw. gänzlich ausgelöscht. Sie veränderten die religiösen Praktiken, wie sie es brauchten, immer der Situation zugeschnitten. Ihre Eroberungen waren gekennzeichnet durch Gewalt und durch Aufzwingen ihrer Religion. Es gab keine Tolerierung anderer Religionen und Strömungen. Der Islam bezog die Bevölkerung der eroberten Länder in ihr geistiges, wirtschaftliches und kulturelles Leben mit ein. Es gab keinen Zwang, die islamische Religion anzunehmen, andere Religionen wurden geduldet. Gegenseitige Beeinflussung der Kulturen befruchtete die Herausbildung einer großen islamischen Zivilisation auf einem hohen wissenschaftlichen und geistigen Niveau. Der Islam ist eine offene Gesellschaft Machen wir ein Exkurs in die Kultur der christlichen und muslimischen Länder, sehen wir uns ihr Bildungsstand an. Im 9.-13. Jahrhundert konnten im christlichen Europa nur 3% bis höchstens 5% der Menschen lesen und schreiben, es war der Geistlichkeit vorbehalten. So konnte es 53

auch passieren, dass im ganzen Kapitel des Klosters St. Gallen um das Jahr 1291 kein einziger Mönch des Schreibens kundig war. Selbst die Herrscher beherrschten es nur sehr selten. Mit dem Rechnen war es auch nicht weit her, mit den römischen Ziffern zu umständlich. Erst später, Anfang des 13. Jahrhunderts, macht das Abendland die Bekanntschaft mit den arabischen Ziffern und mit der Null: „Denn dieses Teufelszeichen, die 0 war ein weiteres Hemmnis für das Verständnis der Ziffernschrift. Musste diese ,Zyffer, die ,nichts‘ bedeutete und doch die Macht besaß, Einfaches zu verzehnfachen, verhundertfachen, vertausendfachen, nicht etwas Unheimliches, zumindest Unbegreifliches sein?“21 Schon einige Jahrhunderte früher schrieb der christliche Schriftsteller Tertullian, gestorben um das Jahr 230, ein Gegner von Origenes: „Es ist nach Jesus Christus nicht unsere Aufgabe neugierig zu sein, noch zu forschen, nachdem das Evangelium verkündet ward.“22 Neben dem alleinselig machenden Weg der Seele zu Gott war es ein lästerlicher Irrweg, Wahrheit zu suchen, über irdische Dinge nachzudenken. Im 6. Jahrhundert verschwinden die hellenistischen Schulen, um 600 wird die große Palatinische Bibliothek in Rom verbrannt, die Lektüre der Klassiker und der Mathematik verboten. Fazit: Bildung ist im christlichen mittelalterlichen Europa nicht erwünscht.23 Die Bibliothek der Pariser Sorbonne (gegründet 1268) hatte einen Gesamtbestand von 6 Büchern, ihre medizinische Fakultät gerade mal 1 Buch, das von dem muslimischen Gelehrten Abu Bakr Muhammad ben Sakeria, genannt ar-Rasi, stammte. Diese Bibliothek war die kleinste der Welt seinerzeit. Das Buch war so kostbar, dass König Ludwig XI. zwölf Mark in Silber und hundert Taler in Gold hinterlegen musste, damals eine ungeheuere Summe, damit für seine Leibärzte eine Kopie davon als Nachschalgewerk angefertigt werden konnte. Es umfasste das gesamte Wissen seit den frühesten Griechen bis zum Jahr 925 n. Chr.24 In Deutschand wurde die erste Universität erst 1386 in Heidelberg gegründet. Fast nur in den Klöstern wurden Werke griechischer Denker und Naturwissenschaftler gelesen und auch teilweise ins Lateinische übersetzt. Auch versuchten die Mönche in den Klöstern neben heilkundigen Frauen, die sich in einfacher medizinischer Versorgung auskannten, mit Kräutern Krankheiten zu heilen. Ansonsten wurde die Medizin durch Quacksalbereien und Besprechungen vertreten. Man glaubte immer noch wie die alten Griechen daran, dass der menschliche Körper durch die 4 Säfte, die gelbe und schwarze Galle, Blut und Schleim, im Gleichgewicht gehalten werden muss. Wenn der Mensch krank ist, so besteht kein Gleichgewicht der Säfte, meist wird dann ein Aderlass durchgeführt. Man hatte ja noch keine Kenntnis von der menschlichen Anatomie, kannte nicht die Ursachen von Krankheiten, noch gab es einen Ansatz von 21 Sigrid Hunke. Allahs Sonne über dem Abendland. Fischer Taschenbuch-Verlag, 2002. S. 219 22 Sigrid Hunke: Allahs Sonne über dem Abendland S.65 23 Ebenda S.197 24 Ebenda S.127

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Hygiene. Von ärztlichen Versorgungsstellen oder Hospitälern war das christliche europäische Mittelalter noch weit entfernt. Im Koran und in der Sunna wurden die Muslime aufgefordert, nach Wissen zu suchen. Sie wurden angeregt, ihre Umwelt zu beobachten und zu studieren, um die eindeutigen Zeichen der Schöpfung darin zu erkennen. Viele Verse aus dem Koran beschreiben Vorgänge aus der Natur, die von der Schöpfung des Universums bis hin zur Befruchtung der Eizelle durch das Spermium reichen. Mit der Expansion nach Irak, Syrien, Ägypten waren dem arabischen Bereich große geistige Zentren zugefallen, etwas später kamen die griechischen und indischen Zentren hinzu. Dort sammelten sich Jahrtausende alte Erfahrungen alter Zivilisationen, die jetzt durch Araber einen neuen Ausdruck erfuhren. Es begann eine regelrechte Erstürmung der Bücher, die man dort fand, die auch sogleich übersetzt wurden. Es entstanden überall riesige Büchereien. Sie nehmen das Wissen der alten Griechen, der Perser, der Ägypter, der Inder und bauen darauf auf, erweitern es und erfinden Neues. Um die religiösen Pflichten richtig durchführen zu können, werden die Muslime gezwungen, sich wissenschaftlich zu rüsten: die Bewegungen der Sterne müssen berechnet werden, um sich auf der Reise zu orientieren. Es ist wichtig zu wissen, in welche Richtung der Muslim sich zum Gebet zu verbeugen hat, die Zeit und der Ort müssen genau bestimmt werden. In dem Buch: „Im Glanze Allahs” von Eberhard Serauky wird über den Bau von Wasseruhren geschrieben. In gewisser Weise sind das Wunderwerke der Technik, die technischen Erfindungen befinden sich auf einer beachtlichen technologischen Entwicklungsstufe. Sie kennen den Bajonettverschluss, die Pneumatik und Hydraulik, verwenden Korrosionsschutz. Sie bauen Bewässerungsanlagen zur besseren Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten, Krankenhäuser, um Säuchen zu verhindern, neue und bessere Heilmittel werden ausprobiert. Die Krankenhäuser waren so gut mit Medizin und Pflegepersonal ausgestattet, dass sie sogar den Vergleich mit heutigen Krankenhäusern nicht zu scheuen brauchten. In den großen Städten des islamischen Reiches entstehen Universitäten, so auch im spanischen Andalusien die Städte Cordoba, Sevilla, Granada, Valencia und Toledo. Besonders diese wurden von vielen christlichen Gelehrten besucht. Große christliche Denker diese Zeit wie Albertus Magnus, der Mönch Gerhard von Cremosa, Thomas von Aquin, Gerbert von Aurillac, der spätere Papst Silvester II., um nur einige zu nennen, sammelten hier ihr Wissen, entwickelten ihre intellektuellen Fertigkeiten und ihre Argumentationskunst. Das christliche Europa vertrat noch das geozentrische Weltbild, welches die Ede als Weltmittelpunkt darstellt. Sie hielten daran fest, dass die Erde eine Scheibe war, obwohl schon die alten Griechen die Lehre von der Erde als eine Kugel vertraten. Der Kirchenvater Lactantius fragte: „Ist es möglich, dass Menschen so sinnlos sein können zu glauben, dass Saaten und Bäume auf der anderen Seite der Erde herabhängen und dass Menschen ihre Füße höher haben als den Kopf?“ 55

Sure 6:96/97: Er ist es, Der die Morgendämmerung aufbrechen lässt, und Er macht die Nacht zum Ausruhen und die Sonne und den Mond zur Berechnung (der Zeit). Dies alles ist die Planung des Allmächtigen, Allwissenden. Und Er ist es, Der die Sterne für euch gemacht hat, damit ihr den Weg in der Finsternis zu Lande und auf dem Meer findet. So legen Wir die Zeichen dar für ein Volk, das zu erkennen vermag.“ Die Muslime wussten aufgrund der Aussage im Koran, dass jeder Planet seine Laufbahn hat. Durch Beobachtung und exakte Forschung wurde die islamische Himmelskunde für Jahrhunderte zur führenden Astronomie der Welt. Die Muslime entwickelten die verschiedensten und zudem genauesten Beobachtungs- und Messgeräte und Sternenkarten. Zu den berühmtesten Astronomen seiner Zeit gehörte Muhammad Ibn Jabir Al-Battani, genannt Albatenius, (877-918). Er widerlegte das ptolemäische Dogma des Heliozentrismus, lange vor Kopernikus. Er berechnete die Planetenbahnen sehr genau. Sein größter Verdienst ist sein Werk über die sphärische Trigonometrie, in der er als erster den Sinus gebrauchte.25 Auf dem Werk von Al-Hasan Ibn al-Haitam (965-1040) das „Opticea thesaurus“ gründet alle Optik. Er experimentierte mit einer Art Lochkamera, dem Urmodell der Fotografie. Fälschlicherweise gilt Leonardo da Vinci als Erfinder der Lochkamera, der Pumpe, der ersten Flugmaschine und der Drehbank. Seine Konstruktionen sind jedoch nachweislich vom Werk al-Hassans abhängig, der etwa fünf Jahrhunderte vor Leonardo da Vinci gelebt hat. Und es gab viele Wissensgebiete, in denen geforscht und erfunden wurde, ob das in der Mathematik, Chemie oder Medizin ist. Dabei waren Wissenschaftler unterschiedlicher Religionen und ethnischer Zugehörigkeit beteiligt, Christen, Juden und Muslime. Auch in der Kunst kam von islamischen Ländern Neues nach Europa. Mit der Rückkehr der Kreuzritter aus dem Orient entsteht ein neues Zeitalter: das Hochmittelalter mit ihrem Minnesang, den Troubadouren, der Ritterlichkeit, der Frauenverehrung in Lied und Lyrik. Durch fahrende Sänger aus Andalusien wird im 11. Jahrhundert das Abendland mit der arabischen Musik bekannt, eine sich über rhythmische Einheiten zum Takt hin entwickelnde Musik und sie übernehmen die arabeskenhafte Verzierungen der Melodie, die die Troubadoure ihren Frauen auf den neuen Instrumenten aus Arabien, der Laute und Gitarre vorspielen und singen. Selbst die Tonsilben, die Notenlinien und die Reimform haben ihren Ursprung in der arabischen Musik. In Italien findet sich die arabische Liedform in geistlichen Liedern wieder, wie z.B. in den Liedern des Franz von Assisi, dem Begründer des Franziskaner-Ordens. Die Kreuzfahrer bringen auch für ihre Burgen wehrtechnische Errungenschaften der Araber, z. B. der Wehrerker mit. Das Mauerwerk und seine Konstruktionen werden in der neuen Kirchenbauweise durch kunstvoll durchbrochene Gipsbehänge und Stalaktiten verkleidet, die Wandfläche durch Blendarkaden aufgelöst, der Spitzbogen an Fenster und Tür wird nach persischem Muster gestaltet. Das Minarett wird Vorbild für den christlichen Glockenturm. 25 Sigrid Hunke
S. 203

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Wer weiß von der heutigen Gesellschaft wirklich, was das christliche Abendland dem Orient und der ganzen islamischen Zivilisation schuldet! Der Islam hat das christliche Europa verändert, ob man es leugnet oder nicht. Und noch heute nehmen hervorragende Wissenschaftler den islamischen Glauben an durch ihre eigenen Beweisführungen bei der Untersuchung von Versen aus dem Koran. Kommen wir damit zum nächsten Kapitel. 11. Religion und Wissenschaft Vieles steht im Koran, was sich die früheren Muslime nicht erklären konnten. Erst heute ist durch die Wissenschaft Unerklärliches aus dem Koran erklärbar geworden. Wer kannte schon früher genau, wie ein neuer Mensch entsteht? Es gibt eine große Reihe von Versen darüber. An einer vorhergehenden Stelle hatte ich die Verse der Sure 23:12-14 schon einmal erwähnt und es gibt viele ähnliche Verse, aber sie sind für die Entstehungsgeschichte des Menschen sehr wichtig, so dass ich über diese Verse noch einige Worte darüber schreiben möchte: „Und Wir haben fürwahr den Menschen in seinem Ursprung aus besonderen Bestandteilen des Lehms erschaffen, dann setzten Wir ihn als Samentropfen an eine geschützte Stätte, dann erschufen Wir aus dem Samentropfen ein Anhängsel und erschufen aus dem Anhängsel ein kleines Gebilde, und hernach formten Wir in dem kleinen Gebilde Knochen und bekleideten die Knochen mit Fleisch. Dann ließen Wir daraus ein anderes Geschöpf entstehen. Gepriesen sei Gott, Der Vortreffliche Schöpfer!“ Was hier als Anhängsel beschrieben wird, bedeutet wörtlich: sich festhalten, anheften, etwas, das sich festhält, was das Einnisten der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut sehr gut beschreiben würde. Der ägyptische Korankommentator Sayyid Qutb, gestorben1965, schreibt in „Die Bedeutung des Korans“ Band 3: „Das menschliche Geschlecht wurde ursprünglich aus Erde erschaffen. Doch seine weitere Erschaffung und Fortpflanzung geschieht gemäß den von Gott gegebenen Gesetzmäßigkeiten aus einer einzigen Keimzelle, die sich im Mutterleib einnistet und darin heranreift, (an einem befestigten, geschützten Ort). Der koranische Ausdruck macht den Samen zu einer Phase des menschlichen Werdens. Diese Wahrheit soll jedem zu denken geben, denn dieser Mensch wird mit all seinen Bestandteilen und all seinen Eigenschaften in solch kleinem Samentropfen zusammengefasst.“ Ein weiterer Vers aus der Sure 22:5: „Oh ihr Menschen, wenn ihr im Zweifel seid über die Wiederauferstehung, so haben Wir euch wahrlich aus Staub erschaffen, dann aus einem Samentropfen, dann aus dem Embryo, dann aus einem Fötus, teils geformt und teils ungeformt, um euch unsere Allmacht zu zeigen. Und Wir lassen in den Mutterschößen ruhen, was Wir wollen, auf eine festgesetzte Frist. Dann bringen Wir euch als Kindchen hervor. Dann lassen Wir euch eure volle Reife erreichen…“
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26 Die Bedeutung des Korans“ Band 3,

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Schon vor rund tausendvierhundert Jahren wurde die Entstehung eines neuen, kleinen Menschenkindes im Koran genau beschrieben, jeder konnte es lesen, auch wenn er es noch nicht so richtig verstanden hatte, weil erst heute vor einigen Jahrzehnten dieser Werdegang wissenschaftlich entdeckt und beschrieben wurde! Findet man so etwas Ähnliches in der Bibel? Wer sagt da, dass der Koran eine Abschrift ist von der Bibel? Wo stehen diese wissenschaftlichen Belege in der Bibel? Der Islam fordert den Menschen dazu auf, seine Umwelt zu beobachten und zu studieren, um die eindeutigen Zeichen der Schöpfung darin zu erkennen. Viele Verse aus dem Koran beschreiben Vorgänge aus der Natur, die von der Schöpfung des Universums bis hin zur Befruchtung der Eizelle durch das Spermium reichen, wie eben beschrieben. Was sagt uns der Koran über die Schöpfung? Ich zitiere aus dem Buch: „Bibel, Koran und Wissenschaft“: 1. Existenz von sechs Perioden für die Schöpfung im Allgemeinen, 2. Verknüpfung der Schöpfungsphasen der Himmel und der Erde, 3. Schöpfung des Universums aus einer einzigen Urmasse oder Urnebel, die einen Block bilden, der sich später spaltete, 4. Vielzahl von Himmeln und Vielzahl von Erden, 5. Existenz einer Zwischenschöpfung, zwischen Himmel und Erde. Jeder kennt die Erkenntnisse der Wissenschaft über den Urnebel, der Kondensation und Kontraktion einer rotierenden Gasmasse, der Aufteilung in Fragmente, dadurch Entstehung der Sonne und Planeten, darunter die Erde mit ihrer Atmosphäre und zwischen allem interstellarer Staub und Gas.27 Sind das nicht Zeichen für Gott? Niemals wurde von der Bibel abgeschrieben, weil nichts davon darin steht. Sure 79:32: „...und gab den Bergen festen Stand.“ Aus dem Phänomen der Gebirgsfaltung ergibt sich die Stabilität der Erdrinde. Sure 13:2: „Gott ist es, Der die Himmel, die ihr sehen könnt, ohne Stützfeiler emporgehoben hat....und Er machte die Sonne und den Mond dienstbar, jedes Gestirn läuft seine Bahn in einer vorgezeichneten Frist...“ Das ist wohl deutlich genug. Jeder Mensch heute weiß von den Planetenbahnen und ihrer Umlaufzeit. So sagt Gott im Koran Sure 21:30: „Sehen denn diejenigen, die ungläubig sind nicht, dass die Himmel und die Erde eine zusammenhängende Masse waren, die Wir dann teilten und dass Wir alles Lebendige aus Wasser gemacht haben? Wollen sie also nicht glauben?“ In der gleichen Sure geht es weiter im Vers 33: „Und Er ist es, Der die Nacht und den Tag erschaffen hat und die Sonne und den Mond. Jedes schwimmt in seiner Umlaufbahn dahin.“ In diesen beiden Versen wird Bezug genommen auf die Entstehung des Universums und dass in seiner Entwicklung alles aus einem einzigen Element, dem Wasserstoff, entstanden ist, das durch die Schwerkraft 27
Maurice Bucaille : Bibel, Koran und Wissenschaft, S.150

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zusammengepresst und dann in einzelne Nebel zerteilt wurde, aus denen dann die Sterne und Planeten entstanden sind, die alle auf ihren eigenen Umlaufbahnen dahintreiben oder schwimmen. Alle Sterne und Planeten haben ihre eigene unumstößliche Umlaufbahn und -zeit. Es ist kein Zufall, dass alles seinen Sinn und Ordnung hat, wie ein präzises Uhrwerk abläuft. Es ist Gottes Wille, ein stetes Werden und Vergehen Seiner Schöpfung, ob es die Sterne oder der Mensch ist. Alles hat seine Zeit, nur Gott ist Unendlich. Der Koran enthält keine einzige Stelle, die nicht den Erkenntnissen unserer heutigen Zeit widerspricht. In ihm stehen viele Fakten, die erst heute erklärbar geworden sind. Nur Gott kann diese Fakten gekannt haben und nur Er konnte sie den Menschen durch den Koran übermitteln. Es gab kein Wissenschaftler vor tausendvierhundert Jahren, der dem Propheten Muhammad dieses Wissen ins Ohr geflüstert haben könnte, noch weniger war Muhammad selbst in der Lage, es zu wissen und im Koran niederzuschreiben. Nur Gott kann sich so exakt ausdrücken, der Koran selbst ist der Beweis, dass er das Wort Gottes ist. O. Lorentz schreibt 1972 in „Was ist die Wahrheit der Bibel“: „Das Zweite Vatikanische Konzil“ (1962-65) hat es vermieden, Regeln für die Unterscheidung von Irrtum und Richtigkeit in der Bibel aufzustellen. Grundsätzliche Überlegungen zeigen, dass dies unmöglich ist, da die Kirche nicht über Richtigkeit und Unrichtigkeit wissenschaftlicher Methoden dahingehend befinden kann, dass sie damit grundsätzlich und allgemein die Frage nach der Wahrheit der Schrift lösen könnte.“ Es geht aber hier nicht um irgendwelche Theorien, sondern um feststehende Fakten. Jeder Mensch weiß heute, dass die Erde und der Mensch nicht erst vor 38 Jahrhunderten entstanden sind, wie die Bibel es meint. Ist das so schwer einzugestehen, dass es ein offensichtlicher Irrtum ist, warum geht man so wie die Katze um den heißen Brei? Muss man da besondere Regeln aufstellen, um Irrtum und Richtigkeit in der Bibel zu erkennen? Im Konzildokument Nr.4, S. 53 wird von der Unvollkommenheit und Hinfälligkeit gewisser Texte geschrieben: „In Anbetracht der Situation der Menschheit, bevor Christus das Heil brachte, lassen die Bücher des Alten Testaments jeden erkennen, wer Gott ist und wer der Mensch ist, aber auch wie Gott in seiner Gerechtigkeit und seiner Barmherzigkeit mit den Menschen handelt. Wenngleich diese Bücher Unvollkommenes und Hinfälliges enthalten, sind sie doch Zeugnis einer wahrhaft göttlichen Erziehungslehre.“ Schon lange davor stellte der Heilige Augustinius (354430) fest, dass es undenkbar ist, dass Gott den Menschen etwas lehre, was der Realität widerspricht, das Prinzip der Unmöglichkeit des göttlichen Ursprungs einer Aussage, die der Wahrheit entgegengesetzt ist.

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12. Deutschland und der Islam - Persönlichkeiten und ihre Stellungen zu den Religionen Die Geschichte der deutsch-islamischen Bewegung reicht zurück auf das Jahr 777, als Karl der Große auf dem Reichstag zu Paderborn den vom Emir von Cordoba vertriebenen Statthalter von Saragossa, Sulaiman al-Arabi, empfängt und mit ihm einen Beistandspakt abschließt. Vierzehn Jahre später kommt es dann zu ersten intensiven Beziehungen zwischen dem Frankenkaiser und dem Abbasidenkalifen Harun al-Rashid zu Bagdad, dem „Herrscher aus Tausend und eine Nacht“. Von da an brachten arabische Händler ihre Waren sogar über Deutsche Länder bis nach Schweden, belegt durch Münzen. Ich zitiere aus dem Artikel: „West-Östliche Begegnungen“ der Islamischen Zeitung: „Im Süden Europas, dem staufisch-normannischen Sizilien, fand eine erstaunliche Symbiose zwischen den normannischen Herrschern und den ansässigen Muslimen statt, deren Krönung die Zeit Friedrichs des Zweiten von Hohenstaufen darstellte. Dieser staufisch-normannische Fürst, Erbe des deutschen Reiches und Süditaliens, verstand es, die Fesseln seiner christlichen Umgebung abzulegen und vorurteilslos mit den Muslimen zu leben (seine Leibwache bestand aus in Sizilien lebenden Muslimen, die er mit ihren Familien ins süditalienische Amalfi übersiedeln ließ), und er vertraute in Fragen der Herrschaft seinen muslimischen Beratern. Seiner Freundschaft mit dem Sultan Al-Kamil und seiner Diplomatie ist es zu verdanken, dass unnötiges Blutvergießen in seinem Kreuzzug zur Erringung Jerusalems vorgebeugt werden konnte. Das und die Querele mit dem Papst waren Ursache genug, um ihn als Schänder der christlichen Religion, als Antichrist zu verdammen. Seine Persönlichkeit und seine Politik erklären die Feindschaft der Kurie und ihren damaligen Verbündeten, den Franzosen, die nach dem Tode Friedrichs seine Familie und die staufische Herrschaft im Reich und in Sizilien auslöschten.“ Friedrich II. hat Zeit seines Lebens sich für die islamische Toleranz und für ihre Wissenschaft begeistert, er diskutierte mit islamischen Wissenschaftlern, seine Ratgeber waren Muslime und er führte eine Hofhaltung nach arabischem Muster. Sein Leben und die Art, wie er bestattet wurde, zeugen davon, dass er insgeheim ein Muslim war. Nie hätte er sich der Welt als Muslim offenbaren können. Wer weiß eigentlich, dass das alten Preußen ein Erbe des Stauffenkaisers und seinen Ideen ist? Friedrich II. ermächtigte seinen Freund, den 4. Hochmeister des Deutschen Ordens Sankt Marien zu Jerusalem, Hermann von Salza, über das pruzzische Territorium für alle Zeiten zu herrschen (Goldbulle von Rimini- März 1226). Der Papst bestätigte später in der Preußenbulle die Belehnung von erobertem Gebiet an den Deutschen Orden. Von Salza kannte von Palästina her die Toleranz und Friedfertigkeit der Muslime und so strahlte anfangs auf den Deutschen Orden in Preußen eine islamfreundliche und ritterliche Tendenz aus. Ein Zitat aus einem Artikel über die „Grundlage und Entwicklung des Preußischen Staatswesens“ dazu ist sehr interessant: Friedrichs Gegengabe an den Islam bestand in der Entsendung des 60

Deutschritterordens, dieses zum Islam geneigten Ordens hinaus aus dem päpstlichen Reichs-Gebiet, zuerst nach Siebenbürgen, dann nach Preußen. Preußen wurde also zunächst als Ordensstaat gegründet infolge einer strategischen Absprache des insgeheim muslimischen Hohenstaufen-Kaisers Friedrich II. mit dem Sultan von Kairo. Preußen war somit seinem Wesen nach ein Außenfort des islam im Norden und sollte zur Vormacht des deutschen Protestes gegen das imperiale Machtatreben des Römischen Kirchenchristentums werden. Das Zusammenwirken dieser beiden Staatsmänner stellt sozusagen die geistige Wiege des Ordensstaates dar, aus dem das spätere preußische Königreich hervorging. Während der Kreuzzüge lernten die deutschen Ritter die muslimische Ritterlichkeit kennen und waren sehr beeindruckt davon. Wolfgang von Eschenbach hat mit der Gestalt des „edlen Heiden“ Feirefix der muslimischen Ritterlichkeit ein Denkmal gesetzt, der „Heide“ lehrt den Helden Parzival die letzte Stufe wahren Rittertums erklimmen. Als das Osmanische Reich die süddeutschen Länder angriffen und 1529 vor Wien standen, im Jahr 1548 Österreich einen auf 7 Jahre begrenzten Friedensvertrag mit dem Kalifen Sulaiman II. unterschrieb und die südöstlichen europäischen Länder vom Osmanischen Reich verwaltet wurden, bestand die dringende Notwendigkeit, sich offiziell mit dem Islam zu beschäftigen. In Frankfurt siedelte sich die erste ständige osmanische Vertretung an, Reiseberichte über den Orient waren interessant geworden wie auch die Modewelt, zu Gesellschaften bekleidete man sich orientalisch. Der Handel Ost-West blühte. Ganze muslimische Truppenteile, Geschenke osmanischer Herrscher, standen im Dienst deutscher Könige. Für sie baute der König von Preußen, Friedrich der Große sogar eine Moschee, die erste auf deutschem Boden. Schon seit den Kreuzzügen gab es einzelne europäische Übersetzungen des Korans durch Vertreter der Kirche, aber mehr mit dem Hintergedanken, den Islam damit zu diffamieren. Im Jahr 1647 wurde die erste einigermaßen neutrale Koran-Übersetzung von André du Ruyer gedruckt, die auch Goethe für seine Studien nutzte und seinem West-OstDivan zugute kam. Aber erst die Koranübersetzung von George Sale 1734 in die englische Sprache, die auch bald in Deutsch erschien, setzte neue Maßstäbe durch ihre enge Anbindung an das Original. Sie blieb lange für Europa eine der Hauptquellen für die Kenntnis aller mit dem Koran zusammenhängenden Fragen. Es entstand in Europa ein Klima, die Zeit der Aufklärung, in der man sich die Aufgabe gemacht hatte, den Wert außerchristlicher Religionen zu untersuchen und erkennbar zu machen. Und es war naheliegend, sich mit dem Islam zu beschäftigen und auseinander zu setzen. Besonders hervorgetan hat sich darin Goethe. Kaum ein Deutscher kennt heute sein Interesse für den Islam, seine Bewunderung für den Propheten Muhammad.
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28 Der Morgenstern 2/1996, Artikel: Von Friedrich zu Friedrich oder islamisches Preußen(tum). Abdul Malik Konz

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Aber wie ist es zu seiner außerordentlich positiven Einstellung gekommen, seiner inneren Anteilnahme für die Religion, für die Muslime und besonders für den Propheten Muhammad? Hier halte ich mich an das hervorragende Buch „Goethe und die arabische Welt“ von Katharina Mommsen. Goethe hatte ein tiefes persönliches Verhältnis zum Islam, darum gehen seine Aussagen über diese Religion in ihrer provokatorischen Gewagtheit weit über alles bisher in Deutschland Dagewesene hinaus. Seine innere Beziehung kam dadurch zustande, weil ihm die Hauptlehren des Islam mit seinen eigenen Ideen und Glauben übereinstimmend erschienen. Seine „Dichtung und Wahrheit“ gibt Bericht, dass Goethe schon von Kindheit an nach einer ihm zusagenden Religion gesucht hatte, die er im Islam fand. Diese Hauptlehren waren: die Lehre von der Einheit Gottes, die Überzeugung, dass Gott sich in der Natur offenbare und dass Er durch verschiedene Abgesandte spricht, das Abweisen von „Wundern“ und die Auffassung, dass Religiosität sich in wohltätigem Wirken erweisen müsse. All diese innerlichen Übereinstimmungen schufen ein Verwandtschaftsgefühl besonderer Art, zu der er sich hingezogen fühlte. Ich zitiere hier aus dem oben genannten Buch: „Besonders aufschlussreich für Goethes religiöse Haltung absoluter Ergebenheit in den Willen Gottes ist der autobiografische Aufsatz „Sankt Rochus-Fest zu Bingen“, der einen Bericht von der Rheinreise 1814 enthält. Hier legt Goethe in allem, was er zum Lob des christlichen Heiligen sagt, eigene religiöse Überzeugungen nieder, und diese eigene Religiosität wiederum hat erstaunliche Ähnlichkeit mit islamischer Frömmigkeit. Er bringt das Lob des heiligen Rochus in Verbindung mit einem Gedanken, der eine seiner Hauptmaximen geworden ist. Es ist der islamische Gedanke von der unbedingten Ergebenheit in den Willen Gottes, der auch Goethes Denken und Handeln bestimmte.“ Schon der junge Goethe brachte seine Bewunderung für den Propheten Muhammad in den erhaltenen Fragmenten des „Mahomed“ zum Ausdruck. Er lehnt sich in seinen Werken sogar an einzelne Suren des Korans an, zum Beispiel diente die 6.Sure als Vorlage in der Anfangs-Hymne der Fragmente der „Mahomed- Tragödie“. In dem Preislied „Mahomeds Gesang“ wird sein Wirken als eine geniale religiöse Persönlichkeit dargestellt durch die Metapher des Stroms. Das Gleichnis dient zur Schilderung der von kleinsten Anfängen ausgehenden, dann ins Riesenhafte wachsenden geistigen Macht, ihrer Ausweitung und Entfaltung, mit dem glorreichen Abschluss der Einmündung in den Ozean, der hier zum Symbol des Gottes wird. Muhammad reißt seine „Bruderquellen“ mit sich fort und befruchtet somit Länder und Städte. Nach Goethes Vorstellung ist dieser befruchtende Fluss als ein Symbol für das Leben und Wirken des Propheten Muhammed zu sehen. Im Anhang ist dieses Preislied zu lesen. In seinem „Ost-West-Diwan“ ehrte er die muslimischen Dichter, stellte sie in Augenhöhe mit den europäischen Dichtern. Dort kommt auch in einem Gedicht zum Ausdruck, dass er das übliche Christusbild und das Symbol des Kreuzes ablehnte. 62

1831 schrieb Goethe an Carl Friedrich Zelter: „... das leidige Marterholz, das Widerwärtigste unter der Sonne, sollte kein vernünftiger Mensch auszugraben und aufzupflanzen bemüht sein. Das war ein Geschäft für eine bigotte Kaiserin Mutter, wir sollten uns schämen, ihre Schleppe zu tragen. Verzeih! aber wenn du gegenwärtig wärst, müsstest du noch mehr erdulden. Mit 82 Jahren nimmt man es wirklich ernster in sich und für sich selbst, indem man die liebe leidige Welt in ihrem vieltausendjährigen Narrenleben in Gottesnamen fortwandeln lässt. Es ist schrecklich, wie sich das einüber das andere Mal wieder in seinen Irrtümern brüstet.“ Im West-Östlichen Diwan ist das Gedicht zu finden: Jesus fühlte rein und dachte Nur den Einen Gott im Stillen; Wer ihn selbst zum Gotte machte Kränkte seinen heiligen Willen. Und so muss das Rechte scheinen Was auch Mahomed gelungen; Nur durch den Begriff des Einen Hat er alle Welt bezwungen. Goethe sagte zum Ende seines Lebens: „Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche.“ (Eckermann, 11.3.1832) Goethe hat viel Aufklärungsarbeit in seinen Gesellschaften getan. Aus Handschriften im Weimarer Archiv kann man lesen, dass er sich ab 1771/72 intensiv mit KoranStudien beschäftigt hatte. Er las sogar der Herzogfamilie wie auch anderen Gesellschaften aus dem Koran vor. Schiller berichtete darüber später. Er studierte arabische Handbücher, Grammatiken, lernte sogar Arabisch schreiben, las Bücher über die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad. Unter Anderem besuchte er ein Freitagsgebet von Muslimen der russischen Armee des Zaren Alexander, was im Protestantischen Gymnasium in Weimar 1814 durchgeführt wurde. In einem Brief an seine Sohn fügte er hinzu: „Mehrere unserer religiösen Damen haben sich die Übersetzung des Korans von der Bibliothek erbeten.“ Am bekanntesten ist sicherlich Goethes „Ost-West-Divan“, der eine tiefe Einsicht in Gott und Seinen Propheten Muhammad aufweist. Er war fasziniert von der Sprache des Korans, bekannte sich mit seiner Überzeugung in seinen Gedichten, dass Gott sich in der Natur, in Seiner Schöpfung offenbare und bestätigte in seinen Gedichten im „Ost-West-Diwan.“ die Einheit Gotts. Damit geht Goethes positive Einstellung weit über alles Bisherige in Deutschland hinaus. Er schreibt 1816 über sich: „Der Dichter (Goethe selbst) lehnt den Verdacht nicht ab, dass er selbst ein Muselmann sei.“ An vielen Stellen in seinem Ost-West-Diwan macht er keinen Hehl daraus, dass er sich als Muslim sieht. In zwei Gedichten des Diwans schreibt er: Närrisch, dass jeder in seinem Falle 63

Seine besondere Meinung preist! Wenn Islam Gott ergeben heißt, In Islam leben und sterben wir alle. Ob der Koran von Ewigkeit sei? Darnach frag´ ich nicht! Dass er das Buch der Bücher sei Glaub ich aus Mosleminen-Pflicht. Es gab auch andere Dichter, die den Islam lobten, wie zum Beispiel Johann Gottfried Herder, der Goethe erst eigentlich auf den Koran aufmerksam gemacht hatte. K. Mommsen schreibt in ihrem Buch: „In seinen ‚Ideen zur Philosophie einer Geschichte der Menschheit‘ (1791) würdigt er Muhammads ‚hohe Begeisterung für die Lehre vom Einen Gott‘ und ‚die Weise, ihm durch Reinigkeit, Andacht und Guttätigkeit zu dienen‘. Er rühmt den hohen Grad der Kultur, den die Muslime erreicht hätten, und der sie den Pöbel der Christen in seinen groben Ausschweifungen und verwilderten Sitten tief verachten lasse.“ Weiter bekundet Herder in seinen „Ideen“: „Wenn die germanischen Überwinder Europas ein klassisches Buch ihrer Sprache, wie die Araber ihren Koran, gehabt hätten; nie wäre die lateinische eine Oberherrin ihrer Sprache geworden, auch hätten sich viele ihrer Stämme nicht so ganz in der Irre verloren“. Gotthold Ephraim Lessing erstrebte mit den Mitteln der Dichtkunst die Läuterung der christlichen Glaubenswelt und eine sittliche humane Erziehung der Menschen, er profilierte sich mit seinem „Nathan der Weise“ zu einem Hauptvertreter der religiösen Toleranz. In der Züricher Zeitung vom 10.11.2001 war der Artikel „Vernunft als innigste Ergebenheit in Gott“ von Friedrich Niewöhner zu lesen: „Besonders ausführlich beschäftigt sich Lessing mit der Tatsache, dass der Islam keine Wunder zu seiner Rechtfertigung braucht. Muhammad hatte es nicht nötig, durch übernatürliche Wunder die Menschen von der Gültigkeit seiner Lehre zu überzeugen, diese stimme nämlich mit der „allerstrengsten Vernunft“ überein. Das heißt: Jeder Mensch als ein Vernunftwesen kann nicht anders als den Islam als vernünftige Religion mit seiner Vernunft anzuerkennen. Der Islam enthalte nämlich nur Lehren, „deren Probierstein ein jeder bei sich führet“ – die Vernunft. Der Islam braucht zu seiner Rechtfertigung keine übernatürlichen Wunder, weil er eine natürliche Religion ist, genauer: die einzige natürliche, der Vernunft angemessene Religion. Er zitiert später: „Ich getraue mir, (. . .) das Vornehmste der natürlichen Religion aus dem Alkoran gar deutlich und zum Teile gar schön ausgedruckt darzutun, und glaube, dass ich bei Verständigen leicht darin Beifall finden werde, dass fast alles Wesentliche in Mahomets Lehre auf natürliche Religion hinauslaufe.“

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Die Geschichte des Islam in Deutschland beginnt nicht erst im 20. Jahrhundert, sondern schon im 18. Jahrhundert, als der König von Preußen Friedrich Wilhelm I. in Potsdam einen Saal am Langen Stall als Moschee für seine „Langen Kerls“ herrichten ließ. Er legte großen Wert darauf, dass seine „Mohammedaner“ ihren religiösen Pflichten nachgehen konnten, denn dann können sie auch ihren Soldatenpflichten gut nachkommen. Unter Friedrich dem Großen kam es zur Aufstellung geschlossener muslimischer Truppenteile in der preußischen Armee, die auch später in militärischen Handlungen für Deutschland kämpften. Am 7. und 8. Februar 1807 erlitt Napoleons Armee bei Preußisch-Eylau die einzige Niederlage im preußisch-französischen Krieg durch diese muslimischen Einheiten. Die Tapferkeit der Truppe war nach den vorliegenden Berichten aus jener Zeit schon aus dem Grund motiviert, weil die muslimischen Soldaten „ihrem König für die Sicherung ihrer angestammten Lebensformen und die ihnen gewährte Religions- und Glaubensfreiheit danken wollten“. Im Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland steht zu lesen: „Im Jahre 1760 trat ein für die Geschichte des Islam in Deutschland folgenreiches Ereignis ein. In der zaristischen Armee verbreitete sich das Gerücht, der Sultankalif plane aus Freundschaft zu Preußen den „Heiligen Krieg“ gegen Russland auszurufen. Dieses Gerücht hatte unter anderem zur Folge, dass zahlreiche in der russischen Armee dienende muslimische Soldaten zu den Preußen überliefen. Auf Kabinettsorder vom 20. Januar 1762 wurde aus den Überläufern ein selbständiges ,Bosniakenkorps‘ (9. Husarenregiment ,Bosniaken‘) zu 10 Eskadronen (1.000 Mann) errichtet. In den Matrikeln dieser Truppe taucht zum ersten Mal der Name eines preußischen Heereslmam auf. Es handelt sich um einen Leutnant Osman, Prediger der ,preußischen Mohammedaner‘.“ Weiter heißt es: „ Kaiser Wilhelm II. hatte am 8. November 1898 am Grabe Saladin des Großen in Damaskus gegenüber dem Sultankalifen erklärt: ,Möge seine Majestät der Sultan und die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde verstreut leben und in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der Deutsche Kaiser ihr Freund sein wird‘. Als dann im Jahre 19I4 in Wünsdorf bei Zossen, nahe Berlin, ein „Mohammedanisches Gefangenenlager“ angelegt wurde, löste der Kaiser sein Versprechen ein. Im Winter 1914 ließ er eine Moschee für die Gefangenen bauen, die mit einem 23 Meter hohen Minarett versehen war. Für die in der Gefangenschaft verstorbenen Muslime wurde eine Wegstunde von Zossen entfernt, in Zehrendorf, ein Soldatenfriedhof angelegt, auf dem sich das einzige Muhammaddenkmal der Welt befand.“ Ab dem 19. Jahrhundert kamen viele türkische Studenten nach Deutschland, während deutsche Militärberater die Armeen des Sultans modernisierten. Deutsche Ingenieure bauten die Baghdad-Bahn, die die Türkei mit Irak verbinden sollte. Auch in den zwei Weltkriegen standen beide Länder auf einer Seite. Viele muslimische Kämpfer starben für Deutschland. 65

13. Die Religionen heute „O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr euch untereinander kennt. Der Edelste von euch ist vor Allah derjenige, der am gottesfürchtigsten ist.“ Sure 49, Vers 13. Einander erkennen - nicht einander verachten, aufeinander zugehen - nicht dem anderen den Rücken zudrehen, miteinander im Friedlichen streiten – nicht gegeneinander kämpfen! Alle drei Religionen, wenn wir die jüdische dazu nehmen, kommen von dem Einen Gott. Und darum sollten alle Menschen, die eine dieser Religionen anhängen, versuchen einander wieder näher zu kommen. Im Jahr 1963 erschien in der englischen Zeitung „The Observer“ mit großen Lettern die Überschrift „Unsere Vorstellungen von Gott müssen weg!“. Damit wurde auf ein Buch „Honest to God“ hingewiesen. Das Büchlein begeisterte und entsetzte zugleich die Kirchenleute. Der englische Bischof Robinson fragt nach: „ wie denn nun ,Verkündigung, öffentliches Gebet, Liturgie, Kultus, und dann privates Gebet, persönliche Andachtsübungen, Frömmigkeit und das geistige Leben‘ zur Geltung kommen.“ Robinsons Verdienst ist es, dass er die Debatte um das neue Wort und die neue Gestalt der Kirche und ihrer Botschaft in den Vordergrund gerückt hat. Er sagt: „Wenn ich hin und wieder im Radio oder Fernsehen eine Diskussion zwischen einem Christen und einem Humanisten verfolge, dann entdecke ich häufig, dass meine Sympathien dem Humanisten gelten. Der Grund dafür liegt bestimmt nicht darin, dass mein Glaube ins Wanken geraten wäre, sondern ich sehe mich genau so wenig in der Lage wie der Humanist, die Denkschemata und religiösen Begriffe zu akzeptieren, in denen der christliche Glaube angeboten wird. Ich habe das Gefühl, dass er im Recht ist, wenn er gegen sie rebelliert, und mir wird in zunehmendem Maße unwohl bei dem Gedanken, dass derjenige ,rechtgläubig‘ sein soll, der sie anerkennt.“ Dietrich Bonhoeffer schrieb schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts: „Gott fordert von uns gerade in diesem Jahrhundert, dass wir eine Form des christlichen Glaubens finden, die die Religion nicht zur Voraussetzung hat,“ als er darüber nachdachte, dass jeder Mensch tief in seiner Seele an etwas außerhalb seines Seins glaubt, einen Gott, dem er sich hingeben kann und durch den er die Welt um sich begreifen kann. Er fragte sich: „Aber braucht der Mensch dazu eine Religion?“ Dieses Denken bedeutet ein Bruch mit den traditionellen christlichen Denkweisen. Mit dem Fall des Ostblockes glaubten die Amerikaner, der Gedanke einer homogenen Welt unter ihrer Führung (sprich Herrschaft) könnte Wirklichkeit werden. Die Globalisierung würde Realität werden und das amerikanische Vorbild würde in allen Bereichen des Lebens nachgeahmt werden, ebenso die Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, ja sogar die Regierungsform der Amerikaner, da ja, wie die meisten Amerikaner glauben, sie den besten Standard und den am weitesten fortgeschrittenen Stand in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte haben. 66

Aber dieser Traum war schnell ausgeträumt, spätestens nach dem Golfkrieg im Jahr 1991, als sich die islamische Welt zu Wort meldete. Und von da an überschütteten immer neue Horrorvisionen über islamischen Terror die Menschen und machte ihnen Angst vor dem Islam. In Bildern im Fernsehen, in öffentlichen Debatten überwiegt bis heute der Eindruck, der Islam sei aggressiv und alle Muslime würden eine Gefahr für den europäischen Rechtsstaat sein, was meist zu Reaktionen gegen den Islam führt. Das zeigt sich besonders in den Diskussionen über den Neubau einer Moschee, über die Einrichtung von islamischem Religionsunterricht an den Schulen oder gar der Anerkennung des Islam als Körperschaft des öffentlichen Rechts im Sinne einer Gleichstellung des Islam mit den christlichen Kirchen. Wie wäre der Gedanke von einer vertraglichen Vereinbarung des Staates mit den Muslimen? Vielen Menschen in Deutschland wie auch im übrigen Europa erscheint der Islam fremd. Sie hatten entweder noch keine Gelegenheiten, ihn kennen zu lernen oder sich mit ihm zu beschäftigen. Sie sehen höchstens die äußeren Erscheinungsformen wie zum Beispiel eine verschleierte Frau auf der Straße oder Moscheen von außen. Andererseits werden sie von den Medien nicht gerade aufgefordert, den Islam kennenzulernen, sie lesen fast nur Negatives wie Bombenanschläge (und vergessen dabei, dass es auch selbst im eigenen Land Terrorgruppen gab, die nicht islamisch geprägt waren), hören von Beschneidungen der Frau, aber wissen nicht, dass der Islam solche Praktiken ablehnt, dass sie in einigen Ländern traditionsgebunden sind. Sie nehmen eine instinktiv abwehrende Haltung ein, wenn sie einer islamisch gekleideten Frau oder Mann begegnen und viele wollen auch gar nicht mit Muslimen in Berührung kommen. Sie haben Angst, dass eines Tages der Islam hier vorherrschend sein wird. Eine Begebenheit ist dafür typisch: Auf einer Reise in ein arabisches Land schimpfte während eines Essens ein Mann, dass immer mehr arabische Ausländer Deutschland bevölkern (aber er reist in ein arabisches Land). Er meinte, dass er sich schon als ein Schuhputzer neben dem Dom in Köln sitzen und die Schuhe der Araber putzen sehe. Wie viel Hass klang in seiner Stimme! Findet er es für richtig, dass Araber seine Schuhe am Dom putzen müssen? Andererseits grenzen sich viele Muslime selbst aus, sei es durch Sprachschwierigkeiten oder aus persönlichen Hemmschwellen durch ständiges Anpöpeln bei Frauen oder bedingt durch Arbeitslosigkeit bei den Männern. Sie fühlen sich nur wohl in ihren Gemeinschaften, in denen sie ihre Sitten und Gebräuche pflegen können. Aber sie leben nun mal hier, oft schon in der 2. oder 3. Generation, sie können sich nicht immer in ihre Welt flüchten. Sie müssen lernen, auf andere Menschen zuzugehen, selbstbewusster zu werden, einfach daran denken, dass es Menschen gibt, die neugierig sind, neugierig auf andere Sitten, Länder. Sie müssen sich als einen Teil dieses Landes betrachten, mit den gleichen Rechten, aber auch gleichen Pflichten wie andere Deutsche. 67

Für die Behörden wird ein Muslim in eine Art Schubkasten gesteckt: ist er ein Problem oder eine Bereicherung? Positive Bestrebungen gibt es schon, kleinen Kindern die Kitas zu öffnen, damit sie für die Schule gewappnet sind mit der deutschen Sprache, aber schafft man damit auch Arbeitsplätze für die Mutter mit ihrem Kopftuch? Anfangs schrieb ich von einigen Bekannten, die eigentlich nichts vom Islam wussten, nur das nachplapperten, was sie durch Radio oder Fernsehen hörten. Und das war nicht immer Gutes, mehr Schlechtes. Ich kenne es aber auch anders: Als ich Muslima wurde, erklärte ich diesen Schritt auch meinen Arbeitskolleginnen. Es gab unterschiedliche Reaktionen, eine meinte, das werde ich wohl nicht lange bleiben, andere waren interessiert über meinen Übertritt. Sie waren aber alle sehr neugierig, stellten über die ganzen Jahre immer neue Fragen. Ich lud sie an islamischen Feiertagen zum arabischen Essen ein, brachte öfter Leckereien mit. Sie nahmen mich so, wie ich war, kein hässliches Wort ist jemals gefallen. Im Gegenteil, mein Direktor fragte sogar nach islamischer Literatur. Ich bin in der Hoffnung, dass sie gelernt haben, mit einer ihnen fremden Religion besser umzugehen, und dass der Islam mit den Menschen darin ihnen nicht mehr so fremd ist. Es liegt also viel an der Aufklärung jedes einzelnen Mitglieds unserer Gesellschaft an das aufeinander Zugehen. Es ist die Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben, ein „Dialog der Kulturen“. So ist auch Folgendes einzuordnen: 1970 erschien die 3. Auflage einer Dokumentation „Richtlinien für einen Dialog zwischen Christen und Muslimen“, welches das vatikanische Sekretariat im Zusammenhang mit dem zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) herausgegeben hat. Es wird darin ein tiefer Wandel der offiziellen Einstellung bestätigt. Das Dokument regt an, das „überkommene, aus der Vergangenheit ererbte oder durch Vorurteil und Verleumdung entstellte Bild“, was die Christen vom Islam hatten, abzulegen, deren sich der christlich erzogene Westen gegenüber den Muslimen schuldig gemacht hat. Kritisiert werden die falschen christlichen Vorstellungen von der „Gesetzesreligion“ Islam. Das vatikanische Dokument betont die Einheitlichkeit des Glaubens an Gott. Damit war der Grundstein gelegt für eine Annäherung zwischen der Römischen Kurie und dem Islam. Aber kaum jemand erfuhr davon, da die Presse wenig Raum diesem Ereignis widmete. Ebenso wurde der Besuch des Kardinals Pighedoli, Präsident des vatikanischen Sekretariats für Nichtchristen, beim saudi-arabischen König Faisal 1974, der dem König eine Botschaft von Papst Paul VI. überbrachte, in der „getragen vom tiefen Glauben an die Vereinigung der islamischen und christlichen Welt, die beide den einzigen Gott anbeten, Seine Heiligkeit Ihre Wertschätzung für Seine Majestät Faisal als die oberste Autorität der islamischen Welt, zum Ausdruck bringt.“ Und heute, ist da nicht eine Kehrtwendung des neuen Papstes in seinem Verhältnis zum Islam zu erkennen, der in einer Rede den Propheten Muhammad und den Islam diffamiert? Gerade heute wirken sich die Ereignisse terroristischer Anschläge in den USA 2001 und in vielen anderen Ländern auch unmittelbar auf unser Land aus. 68

Es ergeben sich neue Fragen, die in ihrer Schärfe vorher unvorhersehbar waren, die aber ein verantwortliches Handeln fordern. Es gibt wohl kaum Menschen, die sich darüber keine Gedanken und Sorgen machen. Gerade jetzt sind fundierte Sachinformationen beider Religionen und Orientierungen für ein gutes Zusammenleben wichtig. Beiträge zu öffentlichen Diskussionen, zu denen alle aufgerufen werden sollten, können helfen, Hindernisse und Barrieren im Denken abzubauen. Dazu ist es aber notwendig, dass aussagekräftige, mit einem tiefen Wissen ausgestattete Personen aller Bekenntnisse miteinander im Guten streiten. Und das Wichtigste ist an solchen Streitgesprächen, dass es ein tragbares Ergebnis für alle Beteiligten gibt. Bedenken wir: Gott sagt in der Sure 5, Vers 49 sinngemäß: Für jeden von uns hat Er Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt und hätte Er es gewollt, so hätte Er uns zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Aber Er wollte uns prüfen, damit wir um die guten Dinge wetteifern. Ähnlich meint Gott in der Sure 21:92-93: „Wahrlich, diese eure Gemeinschaft ist eine einzige Gemeinschaft, und Ich bin euer Herr, darum dient nur mir. Doch sie spalteten sich untereinander auf in ihrer Angelegenheit. Sie alle aber werden einst zu Uns zurückkehren.“ Eine einzige Gemeinde - die Menschheit - und ein einziger Gott! Wir alle sind sozusagen eine Familie, die in ihrem eigenen Interesse ihre Konflikte und Streitereien miteinander auf vernünftiger Basis klären muss. Wir alle sind aufgefordert, uns untereinander auf friedlicher Weise zu verständigen, uns gegenseitig tolerieren, miteinander sprechen und nicht gegenseitig bekämpfen. Wetteifern wir in den beiden Religionen also um gute Beziehungen, um Verständnis, Toleranz und um gegenseitigem Respekt miteinander. Aber Respekt ist nur dort möglich, wo man sich wirklich kennenlernt, von der Kultur des Nachbarn erfährt, wo es keine Vorurteile gibt und wo der Respekt vor der Menschwürde nicht auf der Strecke bleibt. Im kleinen Maßstab ist schon eine Annäherung zu erkennen, wenn ich daran denke, wie viele Nichtmuslime am Tag der offenen Moschee die islamischen Einrichtungen besuchen. Überall kommen die Menschen unterschiedlicher Konfessionen ins Gespräch, ein Anfang ist getan.

Anhang Die Abschiedspredigt des Propheten Mohammads: 69

“O ihr Menschen, leiht mir ein aufmerksames Ohr, denn ich weiß nicht, ob ich nach diesem Jahr wieder unter euch sein werde. Deshalb hört dem, was ich euch sagen werde, bedachtsam zu und berichtet diese Worte jenen, die heute nicht hier anwesend sind. O ihr Menschen, genau wie ihr diesen Monat, diesen Tag, diese Stadt als heilig betrachtet, so betrachtet auch das Leben und den Besitz eines jeden Muslim als ein heiliges, anvertrautes Gut. Gebt die Güter, die euch anvertraut wurden, ihren rechtmäßigen Eigentümern zurück. Schadet niemandem, damit euch niemand Schaden zufügen möge. Haltet euch stets vor Augen, dass ihr eurem Herrn begegnen werdet und dass Er gewiss eure Taten berechnen wird. Gott hat euch verboten, dass ihr Zinsen nehmt, daher sollen jegliche Verpflichtungen aus Zinsgeschäften nunmehr erlassen werden. Euer Kapital steht euch allerdings zu. Ihr sollt weder Ungerechtigkeit zufügen noch erleiden. Gott hat entschieden, dass es keine Wuchergeschäfte geben soll und somit sollen alle Zinsen die Abbas ibn Abd´al Muttalib zustehen, erlassen sein... Nehmt euch vor dem Satan in acht – für die Sicherheit eurer Religion. Er hat alle Hoffnung aufgegeben, dass er jemals in der Lage sein wird, euch in großen Dingen irrezuführen, also hütet euch davor, ihn in Kleinigkeiten zu folgen. O ihr Menschen, es ist wahr, dass ihr bestimmte Rechte in bezug auf eure Frauen besitzt, aber sie besitzen auch Rechte an euch. Bedenkt doch, dass ihr sie von Gott als Anvertrautes und mit Seiner Erlaubnis genommen habt. Wenn sie bei euch bleiben und euch euer Recht gewähren, dann ist es ihr Recht, dass ihr sie in Güte versorgt und bekleidet. Behandelt eure Frauen gut und seid liebenswürdig zu ihnen, denn sie sind eure Partner und an euch gebunden. Und es steht euch zu, dass sie sich mit niemandem befreunden, den ihr nicht billigt und dass sie sich nicht unzüchtig verhalten. O ihr Menschen, hört mir ernsthaft zu, betet Gott an, verrichtet eure fünf täglichen Gebete, fastet im Monat Ramadan und spendet Zakat aus eurem Vermögen. Verrichtet Hadsch, wenn ihr dazu die Mittel besitzt. Die gesamte Menschheit stammt von Adam und Eva. Ein Araber hat weder einen Vorrang vor einem Nicht-Araber, noch hat ein Nicht-Araber einen Vorrang vor einem Araber; Weiß hat keinen Vorrang vor Schwarz, noch hat Schwarz irgendeinen Vorrang vor Weiß; [niemand ist einem anderen überlegen] außer in der Gottesfurcht und in guter Tat. Lernt, dass jeder Muslim der Bruder eines jeden Muslim ist und dass die Muslime eine Bruderschaft darstellen. Nichts soll einem Muslim erlaubt sein, das einem muslimischen Bruder gehört, es sei denn, er gibt es ihm aus freiem Willen. Deshalb tut euch selbst kein Unrecht an. Bedenkt, eines Tages werdet ihr vor Gott erscheinen und nach euren Taten befragt werden. Also hütet euch, verlasst den Weg der Rechtschaffenheit nicht, wenn ich von euch gegangen bin. O ihr Menschen, nach mir wird kein Prophet oder Gesandter mehr kommen, und es wird kein neuer Glaube mehr geboren werden. Überlegt daher vernünftig, o ihr 70

Menschen, und versteht die Worte richtig, die ich euch mitteile. Ich werde nach mir zwei Dinge hinterlassen: den Koran und mein Beispiel, die Sunna, und wenn ihr diesen folgt, dann werdet ihr nie irregehen. All jene, die mir zuhören, sollen diese Worte den anderen mitteilen und jene sollen sie wiederum anderen mitteilen, und es mag sein, dass die Letzten die Worte besser verstehen, als jene, die mir zuerst zugehört haben. Sei mein Zeuge, o Gott, dass ich Deinen Menschen Deine Botschaft überbracht habe.” So beendete der geliebte Prophet seine letzte Predigt und daraufhin, in der Nähe des Gipfels von Arafat, kam die Offenbarung: “…Heute habe ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt...” (Quran 5:3) Noch heute wird die Abschiedspredigt des Propheten Muhammad jedem Muslim in jedem Winkel der Welt mit allen möglichen Mitteln der Verständigung mitgeteilt. Muslime werden darüber in den Moscheen und in Schriften aufgeklärt. Tatsächlich erstaunen die Ermahnungen dieser Predigt, berühren sie doch die wichtigsten Rechte, die Gott über die Menschheit und die Menschheit gegenüber einander besitzt. Obgleich die Seele des Propheten diese Welt verlassen hat, leben seine Worte noch immer in unseren Herzen weiter. Mahomets Gesang Seht den Felsenquell Freudehell Wie ein Sternenblick! Über Wolken Nährten seine Jugend Gute Geister Zwischen Klippen im Gebüsch. Jünglingfrisch Tanzt er aus der Wolke Auf die Marmorfelsen nieder Jauchzet wieder Nach dem Himmel Durch die Gipfelgänge Jagt er bunten Kieseln nach, Und mit frühem Führertritt Reißt er seine Bruderquellen Mit sich fort. Drunten werden in dem Tal 71

Unter seinem Fußtritt Blumen Und die Wiese Lebt von seinem Hauch. Doch ihn hält kein Schattental Keine Blumen Die ihm seine Knie umschlingen Ihm mit Liebesaugen schmeicheln Nach der Ebne dringt sein Lauf Schlangewandelnd. Bäche schmiegen Sich gesellig an Nun tritt er In die Ebne silberprangend Und die Ebne prangt mit ihm Und die Flüsse von der Ebne Und die Bäche von Gebürgen Jauchzen ihm und rufen: Bruder! Bruder nimm die Brüder mit! Mit zu deinem Alten Vater Zu dem ewgen Ozean Der mit weitverbreiteten Armen Unsrer wartet Die sich ach vergebens öffnen Seine Sehnenden zu fassen Denn uns frißt in öder Wüste Gier´ger Sand Die Sonne droben Saugt an unserm Blut Ein Hügel Hemmet uns zum Teiche! Bruder! Nimm die Brüder von der Ebne Nimm die Brüder von Gebirgen Mit zu deinem Vater mit. Kommt ihr alle! – Und nun schwillt er herrlicher, Ein ganz Geschlechte 72

Trägt den Fürsten hoch empor Triumphiert durch Königreiche; Gibt Provinzen seinen Namen, Städte werden unter seinem Fuß. Doch ihn halten keine Städte, Nicht der Türme Flammengipfel, MarmorhäuserMonumente Seiner Güte, seiner Macht. Zedernhäuser trägt der Atlas Auf den Riesenschultern, sausend Wehen über seinem Haupte Tausend Segel auf zum Himmel Seine Macht und Herrlichkeit. Und so trägt er seine Brüder Seine Schätze, seine Kinder Dem erwartenden Erzeuger Freudebrausend an das Herz.

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