Sonnabend, 17.

November 2012

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 223

B1

Wirtschaftsraum Baden-Württemberg
Die Neuerfindung der Automobilität
Baden-Württemberg hat Pionierrolle in der neuen automobilen „Gründerzeit“ – Forscherdrang bei alternativen Antriebstechniken gefragter denn je
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 „Wir feiern in die Zukunft rein“ – unter diesem Motto steht das 60. Landesjubiläum Baden-Württembergs. Grund zum Feiern gibt es: Die Bilanz im Südwesten kann sich sehen lassen. Der Trennungsstrich zwischen beiden Landesteilen ist längst zum Bindestrich geworden. Und das „Ländle“ glänzt seit Jahrzehnten als Konjunkturmotor der Republik. Diese Entwicklung ist wiederum eng mit einer schwäbisch-badischen Innovation verbunden, die mittlerweile 126 Jahre zurückliegt: der Erfindung des Automobils durch Gottlieb Daimler und Carl Benz. Und diese beiden Erfolgsgeschichten haben eine Gemeinsamkeit: Ihre besten Kapitel kommen erst noch. Angesichts ökonomischer wie ökologischer Herausforderungen mag eine solche Prognose zunächst überraschen. Wer aber genauer hinsieht, erkennt, dass die Automobilindustrie vor einer Zeitenwende steht, deren Bewältigung zu einem nachhaltigen Wachstumsprogramm werden kann – für die Branche und für BadenWürttemberg. kauft, profitiert davon auch Sindelfingen – denn hier werden sie hergestellt. Von unseren etwa 10 000 Mitarbeitern in der Forschung und Entwicklung arbeitet nur jeder etwa jeder Zehnte im Ausland, rund 90 % dieser hochqualifizierten Jobs sind im Erfinderland des Automobils 100 moderne Fahrzeuge verursachen heute im Schnitt weniger Emissionen als ein einziges Auto aus den siebziger Jahren. Wahr ist aber auch: Selbst wenn der letzte Motor optimiert, das letzte Haus gedämmt und die letzte Glühbirne abgeschafft ist, wird die Welt angesichts der global wachsenden Bevölkerung und des damit einhergehenden EnergieVon und Mobilitätsbedarfs Dieter Zetsche immer noch ein CO2-Problem haben. Das langfristige Ziel heißt deshalb: Fahren mit null CO2 – darin sind wir uns einig mit der Landesregierung. Vorsitzender des Baden-Württemberg Vorstandes der wurde im April als Daimler AG „Schaufenster der Elektromobilität“ ausgeangesiedelt. 2012 investieren wir in wählt – das verstehen wir als Anunsere hiesigen Pkw-Standorte über sporn und Verpflichtung zugleich. 2 Mrd. Euro und schaffen allein an Wir arbeiten bei Daimler intensiv daden Standorten in Stuttgart-Unter- ran, dass man den Slogan einer betürkheim und Rastatt 850 neue kannten Imagekampagne tatsächArbeitsplätze. lich umformulieren kann: „Wir können alles – auch elektrisch“. Auf dem Wachstumsmotor Innovation Gebiet muss sich Baden-Württemberg nicht verstecken: Daimler hat Auch wenn sich die Wachstums- bereits über 22 000 Lkw, Transporzentren verlagern – die Perspektiven ter und Busse mit alternativer Anfür Baden-Württemberg bleiben her- triebstechnik auf die Straße gevorragend. Ein wesentlicher Grund bracht – mehr als jeder andere Nutzhierfür ist der Pioniergeist seiner Be- fahrzeughersteller. Ähnliches gilt für wohner. Innovationskraft scheint ge- unsere Pkw: Dass der Brennstoffzelrade im Südwesten eine typische Tu- lenantrieb marktreif ist, haben wir gend zu sein. Nirgendwo sonst in 2011 gezeigt. Drei B-Klassen F-CELL Europa gibt es ein gleichwertiges sind einmal um die Welt gefahren – Netz global aufgestellter Konzerne, 30 000 Kilometer ohne Panne und innovativer Mittelständler und pra- vor allem: ohne Emissionen. Und xisnaher Forschungseinrichtungen. mit dem neuen Elektro-Smart bieten Die Rhein-Neckar-Region bildet so- wir seit September als erster Prezusagen ein deutsches Silicon Val- mium-Hersteller ein „Elektroauto ley: Keine andere deutsche Region für alle“ an. Die Fahrzeugtechnik kann Jahr für Jahr mit so vielen Pa- funktioniert tadellos – doch für den tentanmeldungen aufwarten. Und Durchbruch der Elektromobilität nicht von ungefähr sind im „Ländle“ müssen auch die Rahmenbedingunmehr Elite-Universitäten beheimatet gen stimmen. Deshalb ist auch die als in jedem anderen Bundesland. Politik gefordert: Das gilt für die ForHochschulen wie das Karlsruher In- schungsförderung ebenso wie für stitut für Technologie tun gut daran, den Aufbau von Infrastruktur und ihr Profil als „Leuchttürme“ der Mo- auch für Kaufanreize wie in Frankreich oder den USA. bilitätsforschung zu schärfen. diese Form der Konnektivität zunehmend ein Kaufargument. Mit Hilfe Cloud-basierter Dienste sind etwa Kalendereinträge, Kontakte und Musikdateien auch unterwegs immer auf dem aktuellsten Stand. Bei der Vernetzung des Automobils geht es aber um weit mehr als um „Infotainment“ – das zeigt die sogenannte Car-2-X-Kommunikation: die Vernetzung von Autos untereinander und mit der Infrastruktur. Dabei werden die Daten einzelner Fahrzeuge erfasst und die Fahrer im Gegenzug mit individuellen Informationen und Routenvorschlägen versorgt. Konnektivität ermöglicht aber nicht nur eine bessere Verkehrssteuerung, sondern sorgt auch für mehr Sicherheit auf den Straßen – so können sich Fahrzeuge etwa künftig gegenseitig vor Baustellen, Eisglätte und Staus warnen. Daimler bietet bereits eine ganze Reihe solcher Services an: Der prominenteste ist unser Carsharing-Programm Car2go, das mittlerweile gart beginnt noch in diesem Jahr der Aufbau einer der weltweit größten elektrischen Car2go-Flotten. Um Kunden den größten Mehrwert zu bieten, gilt es nun, einzelne Angebote zu vernetzen. Genau das leistet unsere Mobilitätsplattform „moovel“. Ob per Bahn, Bus, Taxi oder Mietwagen – die Smartphone-App zeigt den schnellsten Weg von A nach B. Seit Juli ist „moovel“ in Stuttgart verfügbar – und vor drei Wochen war Projektstart in Berlin. All das zeigt: Die Neuerfindung der Automobilität ist in vollem Gange. Und auch wenn sich die Automobilindustrie im nächsten Jahrzehnt stärker verändern könnte als im letzten Jahrhundert – es gibt eine Konstante: Unsere Branche bleibt der Innovationsmotor und Impulsgeber für nachhaltiges Wachstum – nicht nur, aber ganz besonders hier im Südwesten. Denn mit dem Pioniergeist, der Baden-Württembergs Erfolgsgeschichte bisher geprägt hat, werden wir auch die neue automobile Gründerzeit anführen. Und meine Prognose lautet: Es wird hier noch viele Gelegenheiten geben, „in die Zukunft reinzufeiern“!

Innovative Geschäftsmodelle
Ein dritter Trend, der an Bedeutung gewinnt, sind neue Mobilitätskonzepte. Die Bandbreite reicht von Carsharing über Vermietung und Routenplanung bis zur Vernetzung mit dem öffentlichen Nahverkehr.

„Konnektivität ermöglicht Fortschritte in verschiedenen Bereichen der Automobiltechnik – beispielsweise durch die Vernetzung von Auto und Internet. Plakativ formuliert wird das Auto ein ,Smartphone zum Reinsetzen‘.“

Nur kurzfristig volatil
Zugegeben, die Schlagzeilen zur Automobilindustrie bieten diesen Herbst ein gemischtes Bild: Auf der einen Seite ist von „Absatzrekorden“ die Rede, auf der anderen von „Produktionskürzungen“. Man fragt sich: Wie passt das zusammen? Die Antwort lautet: Beides ist richtig. Denn einerseits schrumpft der europäische Pkw-Markt seit Jahren. 2012 wird er aller Voraussicht nach auf das Niveau von 1993 zurückfallen. Andererseits ist die Automobilindus-

über 200 000 Menschen nutzen. Und auch hier hat Baden-Württemberg eine Pionierrolle: In Ulm startete 2009 unsere erstes Angebot; in Stutt-

„Wer aber genauer hinsieht, erkennt, dass die Automobilindustrie vor einer Zeitenwende steht, deren Bewältigung zu einem nachhaltigen Wachstumsprogramm werden kann – für die Branche und für Baden-Württemberg.“

Emissionsfrei mobil
Forscherdrang ist heute in Bezug auf alternative Antriebstechnologien gefragter denn je. Mehr als ein Jahrhundert lang wurden Autos in erster Linie auf der Basis fossiler Energieträger betrieben. Doch Erdöl wird knapper, seine Förderung riskanter, und seine Verbrennung trägt zum Klimawandel bei. Die Politik reagiert darauf mit immer strengeren Emissionsvorschriften, die Kunden werden umweltbewusster – und Automobile elektrischer. Das bedeutet nicht, dass Diesel- und Benzinmotoren ausgedient haben. Sie werden noch auf Jahre hinaus die wirksamste Technologie zur Senkung von CO2-Emissionen bleiben. Entsprechend arbeiten wir an hocheffizienten Verbrennungsmotoren – und das mit Erfolg:

Automobilität 2.0
Während die E-Mobilität nur allmählich Fahrt aufnimmt, vollzieht sich ein weiterer Umbruch in rasantem Tempo: die digitale Revolution. 2011 wurden weltweit fast eine halbe Milliarde Smartphones verkauft – erstmals mehr als Computer. Gleichzeitig verbringen wir immer mehr Zeit im Auto – im Schnitt fast eine Stunde am Tag. Schon das zeigt: In der Verbindung von mobilem Internet und Mobilität liegt ein immenses Potenzial. Konnektivität ermöglicht Fortschritte in verschiedenen Bereichen der Automobiltechnik – beispielsweise durch die Vernetzung von Auto und Internet. Plakativ formuliert wird das Auto ein „Smartphone zum Reinsetzen“. Vor allem für die junge Zielgruppe ist

trie weltweit betrachtet auf Wachstumskurs – und das auf lange Sicht. Bis zum Jahr 2020 wird sich der globale Automobilmarkt mehr als verdoppeln. Der weitaus größte Teil dieses Wachstums wird aus den BRICStaaten (Brasilien, Russland, Indien, China) kommen, und das nützt auch Baden-Württemberg. Wenn Daimler etwa in China mehr S-Klassen ver-

AUS DEM INHALT
Die Neuerfindung der Automobilität Von Dr. Dieter Zetsche Innovation von heute ist Beschäftigung von morgen Von Dr. Nils Schmid Bausparen ist der Motor der Energiewende in Europa Von Dr. Matthias Metz Stabile Partnerschaft auf Augenhöhe Von Karl-Manfred Lochner B1 Zukunft braucht Herkunft – 90 Jahre Südwestbank Von Dr. Wolfgang Kuhn Privatanlegerbörsen müssen innovativ bleiben Von Christoph Lammersdorf Die Lebensversicherung lebt! Von Dr. Markus Faulhaber B2 Energieversorgung von morgen jetzt finanzieren Von Christian Brand B5 B3 Die Energiewende ist machbar und auch finanzierbar Von Thomas Kusterer Europa nicht auf Kosten der Stabilen und Soliden retten Von Peter Schneider Baden-Württemberg holt auf beim Wagniskapital Von Dirk Sturz Wiege und Hochburg des Bausparens Von Bernd Hertweck B6

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Innovation von heute ist Beschäftigung von morgen
Wirtschaftliche Vernunft, soziale Sicherheit und ökologische Verantwortung miteinander verbinden – Ohne den Mittelstand funktioniert es nicht
stimmt: Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Mehr als 99 % der Unternehmen im Land zählen zum Mittelstand. Sie bieten 60 % aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, 80 % aller Ausbildungsplätze und erwirtschaften die Hälfte unseres Bruttoinlandsprodukts. Die unternehmerische Haltung der oft seit Von vielen Generationen in Nils Schmid Familienhand gehaltenen Mittelständler macht diese Firmen so besonders: Anstatt „Wir sind stolz, dass wir viele MdL, Stellvertretender Millionen Gewinn geMinisterpräsident und macht haben“ heißt es Minister für Finanzen vielmehr „Wir sind und Wirtschaft Baden- stolz, dass wir viele Württemberg neue Arbeitsplätze geschaffen haben“. Die mittelständischen UnterDübel oder Bohrmaschine, Zünd- nehmen sind also nicht nur ein Gakerze oder Zündholz – allesamt wur- rant für den Wohlstand unserer Geden sie von klugen Köpfen aus dem sellschaft, sie sorgen für BeschäftiSüdwesten entwickelt – lange bevor gung und die Ausbildung unserer man von Innovation gesprochen hat. jungen Menschen. An dem Sprichwort „Not macht erfinderisch“ muss etwas dran sein: Denn Immenser Fachkräftebedarf arm an natürlichen Rohstoffen hat sich Baden-Württemberg reich an Dazu drei Zahlen zum Vergleich: Ideen an die Spitze getüftelt. Jedes In Baden-Württemberg sind nur 3 % dritte der beim Deutschen Patent- der jungen Menschen unter 25 Jahund Markenamt angemeldeten Pa- ren arbeitslos. In Deutschland liegt tente kommt aus Baden-Württem- die Jugendarbeitslosigkeit – Stand berg – das macht uns zum patent- Juni 2012 – mit 7,9 % im europäistärksten Bundesland. schen Vergleich am niedrigsten, im EU-Durchschnitt sind 22,6 % der Jugendlichen ohne Arbeit. Echtes Qualitätsmerkmal Für die Unternehmen bedeutet Heute ist „made in Baden-Würt- dieser Bewerberüberhang allertemberg“ weltweit ein echtes Quali- dings, dass der Wettbewerb um den tätsmerkmal. Gottlieb Daimler, Ro- Fachkräftenachwuchs enger wird. bert Bosch und Carl Benz zählen zu Der Bedarf ist gerade im wirtschaftsden bekanntesten Erfindern unseres starken Baden-Württemberg imLandes. Doch es sind bei weitem mens. Nach dem Fachkräftemonitor nicht die Großen allein, die unser der Industrie- und Handelskammern Land geprägt haben. Denn wer sich (IHK) fehlen im Südwesten heute die Zahlen in Ruhe ansieht, der be- schon 190 000 beruflich Qualifigreift schnell, dass es nach wie vor zierte. Diese Zahl wird sich nach Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Innovation ist der Schlüsselbegriff für den wirtschaftlichen Erfolg Baden-Württembergs. Und er war es schon lange, bevor sich irgendjemand hätte träumen lassen, „Innovation“ jemals in den Mund zu nehmen. Denn ob Fahrrad oder Auto,
Foto: Ministerium für Finanzen und Wirtschaft BW

IHK-Angaben bis 2020 auf 320 000 erhöhen. Die Landesregierung setzt deshalb alles daran, unser Ausbildungssystem zu stärken sowie Eltern und Jugendliche über die Chancen einer betrieblichen Ausbildung zu informieren.

Stärke kommt aus der Fläche
Baden-Württemberg ist ein Industrieland – und zwar in seiner gesamten Fläche. Denn wirtschaftlicher Erfolg ist nicht nur eine Frage von zentraler oder dezentraler Lage, sondern hat deutlich mehr Faktoren. Hier in Baden-Württemberg mit seinen zahlreichen Weltmarktführern weiß man bestens, dass weltweit erfolgreiche Mittelständler überall zu Hause sein können. Die Region Hohenlohe, aber auch beispielsweise Landkreise wie Tuttlingen, Biberach oder Alb-Donau wären mit dem Begriff „ländlicher Raum“ nur unzureichend beschrieben, denn das sind starke wirtschaftliche Regionen mit innovativer Industrie und hochwertigen Arbeitsplätzen. Wir wollen gemeinsam mit der Wirtschaft weiter an der Verbesserung der Innovationsfähigkeit gerade in den kleinen und mittleren Unternehmen arbeiten. Dialog ist zwar kein Zauberwort, doch der Schlüssel für eine moderne Wirtschaftspolitik ist er allemal. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg auf diesem Weg fit für die Zukunft zu machen. Nicht von oben herab, sondern als starker Partner der Wirtschaft. Gemeinsam mit den Unternehmen und ihren Belegschaften, mit den Kammern, den Verbänden und den Gewerkschaften. Die Schuldenkrise führt uns schmerzhaft vor Augen, dass die Situation der öffentlichen Haushalte ein entscheidender Faktor für nachhaltigen Erfolg ist. Eine solide Haus-

haltspolitik ist deshalb die Basis, auf der unsere gesamte Politik aufbaut. Alles andere wäre angesichts des Schuldenbergs, den wir von unseren Vorgängern geerbt haben, auch geradezu unverantwortlich. Solide Finanzen sind nicht alles – doch ohne solide Finanzen ist alles nichts. Deshalb macht Baden-Württemberg nach 2011 auch 2012 keinen Euro neue Schulden. Das ist kein Selbstzweck, das ist entscheidend für unseren Wirtschaftsstandort. Denn eine nachhaltige Wirtschaftspolitik ist ohne eine nachhaltige Finanzpolitik schlichtweg nicht möglich.

Geld habe“, erkannte er, „sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.“ Sozialer Ausgleich und Innovation bedingen sich. Weil eine Gesell-

Soziale Teilhabe für alle
Und eine nachhaltige Wirtschaftspolitik bedeutet ebenso, dass sie soziale Teilhabe für alle ermöglicht. Gesellschaftliche Teilhabe wird vor allem über eine stabile Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt erreicht. Der baden-württembergische Unternehmer Robert Bosch wusste schon früh, dass Fairness eine Gewinnerstrategie ist: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel

„Nachhaltige Wirtschaftspolitik in Baden-Württemberg bewegt sich deshalb im magischen Dreieck aus wirtschaftlicher Vernunft, soliden Finanzen und sozialer Sicherheit.“
schaft nur dann ihr gesamtes Innovationspotenzial entfalten kann, wenn sie Aufstieg durch Bildung möglich macht. Diese Frage ist für unseren Standort ganz entscheidend. Nachhaltige Wirtschaftspolitik in Baden-

Württemberg bewegt sich deshalb im magischen Dreieck aus wirtschaftlicher Vernunft, soliden Finanzen und sozialer Sicherheit. Die Landesregierung will die industrielle Basis im Südwesten sichern und ordentliche Beschäftigung ermöglichen. Das kann nur darüber führen, die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft zu erhalten und auszubauen, denn Innovationen von heute ermöglichen die Beschäftigung von morgen. Ein Markenzeichen der Wirtschaftspolitik im Land sind die starken wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen sowie der Technologietransfer zwischen Forschung und Mittelstand.

Gute Ideen und harte Arbeit
Baden-Württembergs Grundprinzip ist, dass Erfolg das Ergebnis guter Ideen und harter Arbeit ist. Unser Land kann durch die Verbindung von wirtschaftlicher Vernunft, sozialer Sicherheit und ökologischer Verantwortung der Ausgangspunkt einer erneuerten sozialen und ökologischen Marktwirtschaft werden.

Bausparen ist der Motor der Energiewende in Europa
Zwei Drittel der Gelder fließen in Modernisierung, Aus- und Umbau
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Das selbst genutzte Wohneigentum genießt in Deutschland absolute Priorität als Instrument der Altersvorsorge: Wer heute für sich ein Haus baut oder eine Wohnung kauft, den interessieren nicht in erster Linie Renditen. Den Erwerbern geht es vor allem um Lebens- und Wohnqualität, um Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung für sich und ihre Familien. Sie unternehmen dazu nicht selten enorme Anstrengungen, vornehmlich durch langjähriges Vorsparen, durch Konsumverzicht während der Darlehensphase oder durch Eigenleistungen beim Bau und später beim Werterhalt der Immobilie. Wer im Alter in den eigenen vier Wänden leben kann, vermeidet Mietzahlungen und verfügt dadurch über ein höheres Einkommen nach hinten. Dem Bausparen kommt hier eine Schlüsselrolle zu: Es stellt für die meisten Erwerber die Brücke zum Wohneigentum dar. Im Laufe ihrer Geschichte haben die deutschen Bausparkassen Millionen Menschen zu den eigenen vier Wänden verholfen. Die Aufbaujahre in der Nachkriegszeit und das Wirtschaftwunder in Westdeutschland sind untrennbar verbunden mit der Verwirklichung des Traums vom Eigenheim für viele Einkommensgruppen. Ähnliche Wirkungen entfaltete das Bausparen in den östlichen Bundesländern nach 1990, als sich viele Ostdeutsche den lang gehegten Traum vom Eigenheim erfüllen konnten. zunehmend als sicherheitsorientiertes Finanzierungsmodell. Werte von Bestand, nicht mit dem Ziel der Maximierung von Gewinnen, sondern für den eigenen Bedarf. Das Wohneigentum – und daSicherer Hafen in der Krise mit die dafür eingesetzten BausparGerade im Krisenzeitalter der in- mittel – stellt Vermögen dar, das in ternationalen Finanzmärkte und der Landschaft sichtbar ist und in hoch entwickelten Finanzprodukte der Regel über die Generationen weigewinnt das Bausparen internatio- tergegeben werden kann. Der Blick zurück zeigt: Im nal mehr und mehr an Bedeutung. Es hat sich als sicherer Hafen erwie- Deutschland der Nachkriegsjahre sen, denn kein Bausparer hat welt- und in den ehemaligen Ostblockstaaweit durch die Krise auch nur einen ten, die Bausparen eingeführt haCent verloren. Es ist also kein Zufall, ben, hat das Bausparen Millionen dass das internationale Interesse am Bürgern den Weg zu den eigenen Bausparen gerade im Verlauf der Fi- vier Wänden geebnet. So hat allein Schwäbisch Hall seit der Währungsunion 1948 in Deutschland rund acht Millionen Eigenheime, Von Umbauten und ModerniMatthias Metz sierungen über ein Volumen von fast 300 Mrd. Euro mitfinanziert. Daher kommt dem Bausparen eine zentrale Rolle zur Finanzierung Vorstandsvorsitzender der Energiewende zu – nicht nur in Deutschder Bausparkasse land. Bei der BausparSchwäbisch Hall AG kasse Schwäbisch Hall fließen heute schon nanzkrise deutlich zugenommen zwei Drittel der Bauspargelder in hat. Das wachsende Interesse für das Modernisierungen, Um- und AusBausparen im In- und Ausland darf bau. Mit ihm finanzieren Hauseigenjedoch nicht nur als Reflex auf die Fi- tümer Investitionen, die die Klimananzkrise oder Ausdruck einer und Umweltbelastung nachhaltig reFlucht in die Sachwerte begriffen duzieren und ihre eigenen Energiewerden. Vielmehr spiegelt es die kosten dauerhaft senken. grundlegende Suche der Anleger nach Sicherheit und selbstbestimm„Geborene“ Energiesparer tem Handeln wider. Bausparer entlasten den Staat und die AllgemeinFast jede dieser Investitionen ist heit durch ihre Eigenverantwortung mit Energieeinsparmaßnahmen verangesichts der durch die demografi- bunden, wovon wiederum die einheischen Prozesse belasteten sozialen mische Wirtschaft profitiert – und Sicherungssysteme. Die Einstiegshür- die Umwelt. Hausbesitzer sind – unden für das Bausparen sind niedrig, abhängig von gesetzlichen Regeln das Produkt ist transparent und flexi- und Normen – quasi „geborene“ bel. Das macht es insbesondere jun- Energiesparer, denn sie haben nicht gen Sparern, Familien mit Kindern nur ein starkes Eigeninteresse, sonsowie Gering- und Normalverdie- dern besitzen im Unterschied zu Mienern leicht, über das Bausparen zum tern auch die Handlungsfreiheit, in regelmäßigen Sparen zu finden. ressourcensparende Technik zu investieren. Die Investitionen lohnen sich, und das nicht nur, weil HausbeLokale Wirtschaft stärken sitzer bereits ab dem ersten Jahr Obwohl sich das Bausparen zu ei- Energiekosten sparen und so die nem internationalen Finanzprodukt „zweite Miete“ (Heizung und Warmentwickelt hat, bleiben die Bauspar- wasser) senken. Gleichzeitig leisten kasse und das Bausparkapital in der sie einen wertvollen Beitrag für die Region verankert: Die gut 30 Mrd. Umwelt und für nachkommende GeEuro, die die deutschen Bausparkas- nerationen. Zudem erhöhen sie den sen jährlich an Guthaben, Darlehen, Wohnkomfort ihrer Immobilien und Vor- und Zwischenkrediten sowie sichern sich einen besseren Wiedersonstigen Baudarlehen auszahlen, verkaufswert. Und: Wer auf Energiemarodieren nicht auf internationa- effizienz setzt, macht sich – zuminlen Finanzmärkten. Sie kommen dest ein Stück weit – unabhängig praktisch vollständig der heimischen von der Energiepreisentwicklung. Jeder Euro, den die Staaten in Wirtschaft zugute: So profitieren Baufirmen, Handwerker, Baustoff- Europa als Anreiz für die eigenverhändler, Architekten und Inge- antwortliche Wohnvorsorge auslonieure. Bauspargeld bleibt im Land ben, mobilisiert ein Vielfaches an Eigenmitteln der Erwerber – ganz im und stärkt die lokale Wirtschaft. In besonderem Maße fördert das Sinne von Nachhaltigkeit. Die BauBausparen nachhaltiges Bauen und sparkassen mit dem Bausparen als siWohnen, da es zur Entwicklung von cherem, flexiblem FinanzierungsbauStädten und Regionen sowie zum stein stehen bereit, um gemeinsam Bau und zur Erhaltung des Gebäude- mit den Hausbesitzern die Energiebestands beiträgt. Bauherren und wende umzusetzen – in Deutschland Käufer von Wohneigentum schaffen und darüber hinaus.

Bedarf weltweit gewachsen
Das Bedürfnis nach Wohneigentum ist aber nicht ausschließlich ein deutsches Anliegen. In der Europäischen Union gibt es mittlerweile rund 40 Millionen Bausparer. Sie leben nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Rumänien. Schwäbisch Hall ist in allen Ländern mit Beteiligungsgesellschaften präsent, in sechs davon als Marktführer. In Österreich und Tschechien ist der Anteil der Bausparer deutlich höher als in Deutschland: Während in der Moldaurepublik mehr als jeder zweite Bürger einen Bausparvertrag besitzt, ist es im Mutterland des Bausparens jeder dritte. Auch über die Grenzen Europas hinaus ist der deutsche Exportschlager angekommen: In zwei wirtschaftsstarken Provinzen in China gibt es Bausparen nach deutschem Vorbild. Weltweit wird jeder vierte Bausparvertrag von Schwäbisch Hall oder von einer ihrer Beteiligungen betreut. Auch andere Regierungen haben die Vorteile des Bausparens entdeckt. So führt die Bausparkasse Schwäbisch Hall Gespräche über die Einführung des Bausparens in Chile, Vietnam und den Niederlanden. In Russland wurden Gespräche über ein Gesetzesvorhaben wieder aufgenommen. Die Finanzmärkte respektieren das Bausparen

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Stabile Partnerschaft auf Augenhöhe
Finanzbranche muss sich an der Qualität der Antworten messen lassen – Vom Erfolgsmodell Mittelstand profitieren
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Noch nie hat der baden-württembergische Mittelstand ein so rasantes Auf und Ab der wirtschaftlichen Entwicklung erlebt wie in den vergangenen Jahren. In diesen volatilen Zeiten brauchen die Unternehmen Banken, auf die sie sich verlassen können und die sie als strategische Partner auf Augenhöhe begleiten. sich die Wachstumsdynamik ab. Zwar haben diese Trends der badenwürttembergischen Wirtschaft bisher erstaunlich wenig anhaben können. tät, stark optimiertes Working Capital und eine bei weitem solidere Finanzierungsstabilität als etwa bei der Konjunktureintrübung 2008. Neben der Konjunktur bereiten die Konsequenzen der zunehmenden Regulierung vielen Firmeninhabern Sorgen. Denn wegen Basel III müssen die Banken ihre Kreditrisiken mit deutlich mehr Eigenkapital unterlegen. Gleichzeitig ist ihre Möglichkeit für bestimmte Geschäfte eingeschränkt. Für die Unternehmen wird es deshalb immer wichtiger, Ratingtransparenz und langfristige Finanzierungssicherheit herzustellen. nanzhäuser als stabiler Partner des Mittelstands etablieren, die bereit sind, von ihren Kunden zu lernen und sie auf Augenhöhe bei ihren Finanzierungsvorhaben langfristig engagiert zu begleiten. Darüber hinaus müssen sie in der Lage sein, aus der wachsenden Pagenau kennt: Was sind die Stärken, was die Schwächen der Firma? Orientiert sich die Finanzierung daran, wie das Unternehmen seinen Einkauf, seine Produktion und seinen Vertrieb organisiert? Wie verändern sich die Kennzahlen des Unternehmens, wenn an bestimmten Stellschrauben gedreht wird? Wie sieht es eigentlich mit der Nachfolge aus? Und welche Von Interessen aus dem GeKarl-Manfred Lochner sellschafterkreis gilt es zu berücksichtigen? An der Qualität ihrer AntMitglied des Vorstands worten auf solche Frader Landesbank Baden- gen müssen sich Banken künftig messen lassen. Württemberg (LBBW) Die klassischen Hausund der Badenbanken haben bei solWürttembergischen chen komplexen TheBank (BW-Bank) men einen entscheidenden Vorteil: Sie kennen lette von Finanzierungsinstrumen- ihre Kunden – oft seit Jahrzehnten. ten den individuell richtigen Mix für Die persönlichen Beziehungen sind ihre Kunden zusammenzustellen. gewachsen und belastbar, was sich Zum klassischen Kredit und dem in einer offenen und vertrauensvollängst etablierten Leasing sind in der len Kommunikation niederschlägt. jüngeren Vergangenheit zusätzliche Mit der Hausbank können UnternehLösungen wie das Factoring bzw. mer ihre Bilanzstruktur und ihr FiForderungsverbriefung gekommen. nanzierungskonzept auf einer ganz Auch der direkte Zugang zum Kapi- anderen Basis diskutieren, als wenn talmarkt per Schuldscheindarlehen sich am Verhandlungstisch Fremde oder Anleihe ist inzwischen für grö- gegenübersitzen. Kurz gesagt: Die ßere Mittelständler eine gangbare Al- gemeinsame Erfahrung von Bankern und Unternehmern ist ein wertvolles ternative. Asset – für beide Seiten. Last but not least brauchen die exGanzheitlich beraten portstarken Unternehmen in BadenMehr Möglichkeiten führen aber Württemberg Partner, die sie auch nicht automatisch zu besseren Ergeb- im Ausland unterstützen können. nissen – im Sinne einer „Corporate- Denn internationale Aktivitäten Finance-Lösung“ muss das Gesamt- sind gerade für viele hoch spezialipaket zum Kunden passen. Voraus- sierte Anbieter etwa im Maschinensetzung dafür ist ein ganzheitlicher bau oder der Automotive-Branche Beratungsansatz. Die direkten An- häufig kein Kann, sondern ein Muss, sprechpartner der Banken für Fir- um im globalisierten Wettbewerb bemen müssen sich zum „Financial Ad- stehen zu können. Die Anforderunvisor“ qualifizieren, der das Unter- gen von Mittelständlern im internanehmen, seine Geschäftsstrategie tionalen Geschäft sind vielfältig und und seine Finanzierungsbedürfnisse reichen von Export- und Absatzfinanzierungen über Zahlungsverkehrslösungen bis zu Fremdwährungskrediten. Die typisch badenwürttembergischen „Nischen-Weltmarktführer“ benötigen darüber hinaus häufig einen „Türöffner“ für den Markteintritt. Hier sind Banken gefragt, die international vor Ort tätig sind und ihren Kunden mit Marktinformationen, Kontakten oder sogar bei der Eröffnung eines Büros helfen können, wie es etwa die German Centres tun. Eine derart umfassende Begleitung des Mittelstands stellt die Banken vor große Herausforderungen, bedeutet aber auch eine große Chance. Denn im Wettbewerb um die Kunden werden nur solche Institute bestehen, die das Mittelstandskundengeschäft ernst nehmen und

Beachtliche Flexibilität
Insbesondere der Mittelstand, der im Südwesten mehr als 50 % des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, hat sich als Stabilitätsanker erwie-

Stark exportabhängig
Die Unternehmenslandschaft in Baden-Württemberg ist von dynamischen Branchen wie Maschinenbau, Automobilhersteller und -zulieferer sowie Elektrotechnik geprägt. Diese Branchenstruktur ist die große Stärke des Landes, birgt aber auch ein Risiko: Weil fast die Hälfte der Güterproduktion ins Ausland verkauft wird, ist die Wirtschaft in hohem Maße vom Export abhängig. Es ist deshalb kein Wunder, dass die baden-württembergischen Unternehmen die Entwicklungen der weltweiten Konjunktur mit großer Achtsamkeit verfolgen. Die Eurozone kämpft mit der Staatsschuldenproblematik, die USA stehen vor großen Herausforderungen („fiscal cliff“, Strukturveränderungen), und selbst in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) schwächt

„In diesen volatilen Zeiten brauchen die Unternehmen Banken, auf die sie sich verlassen können und die sie als strategische Partner auf Augenhöhe begleiten.“
sen. Aber wegen der unsicheren Auftragslage und der Zukunftsaussichten fahren viele Firmen gerade ihre Produktion herunter und versuchen, mit den bestehenden Kapazitäten auszukommen. Dabei zeigen die Unternehmen eine beachtliche Flexibili-

Mehr als nur Kreditgeber
In dieser Situation brauchen die Unternehmen Banken, die mehr können, als ihnen einen Kredit zu verkaufen. Sie brauchen Banken, die etwas von der Industrie des Unternehmens verstehen, seine strategische Planung kennen und die Geschäftszahlen richtig zu interpretieren wissen. Nur auf dieser Basis lässt sich gemeinsam ein passendes und langfristiges Finanzierungskonzept entwickeln, das auch bei Konjunkturschwankungen sicher trägt und steigenden Anforderungen an die Bonität genügt. Aus diesem Grunde werden sich auf Dauer auch solche Fi-

„Die gemeinsame Erfahrung von Bankern und Unternehmern ist ein wertvolles Asset – für beide Seiten.“
nicht die Mühe scheuen, jahre- und sogar jahrzehntelang in stabile Kundenbeziehungen zu investieren. Wie die Krise gezeigt hat, lohnt sich diese Investition für die Banken: Das Mittelstandskundengeschäft bringt zwar keine Traumrenditen, hat sich aber als solide Ertragssäule bewährt. Das liegt daran, dass den meisten Mittelständlern eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung wichtiger ist als kurzfristig hohe Renditen. Mit dieser Maxime bildet der Mittelstand das stabile Rückgrat unserer Wirtschaft. Wir alle, auch die Finanzindustrie, profitieren am Ende von diesem Erfolgsmodell.

Zukunft braucht Herkunft – 90 Jahre Südwestbank
Mit vorausschauender Geschäftspolitik sicher durch schwere Zeiten
über kurz oder lang wieder in den Besitz ihrer Mittel.“ Größten Wert legte die Bank auf eigene Liquidität sowie die stetige Sicherstellung der Kredite und beteiligte sich nicht an gewagten Börsenspekulationen. Sie habe nie „eine stürmische Entwicklung erkämpfen“ wollen, dennoch könne man „die Position der Bank als einwandfrei gesichert ansehen“. Solides Wirtschaften hatte Vorrang vor kurzfristiger Profitmaximierung. Damit bewältigte das Institut die BanVon kenkrise bemerkensWolfgang Kuhn wert gut: Während 1931 viele Menschen in Panik ihre Konten räumten, veränderten sich die Kundeneinlagen bei der Württembergischen Landwirtschaftsbank Sprecher des kaum. 1933 betonte der Vorstandes der Aufsichtsrat, dass die Südwestbank AG Bank durch die vorsichtige Geschäftsführung und regionale Nähe haben sich in „eine gesunde Entwicklung genomden vergangenen 90 Jahren als Er- men hat und in der Lage ist, der folgsfaktoren erwiesen und machen Landwirtschaft eine gute Stütze zu auch in der digitalisierten und globa- sein“. Im Dritten Reich kam es auch bei lisierten Welt eine Regionalbank notder Württembergischen Landwirtwendig. schaftsbank zu personellen Umbesetzungen. Nach 1945 wurden die Harte Gründerjahre NSDAP-Mitglieder wieder aus den Für die Gründung einer Bank mag Gremien entfernt. Den Vorsitz des es günstigere Zeitpunkte gegeben ha- Aufsichtsrats übernahm Eugen Grimben als den 26. Oktober 1922. minger, ein Mitglied der WiderDeutschland war nach dem Ersten standsbewegung Weiße Rose. In den Weltkrieg hoch verschuldet. Das Nachkriegs- und WiederaufbaujahLand litt unter einer grassierenden ren entwickelte sich die Bank vom Inflation: Hatte die Mark schon Spezialinstitut für landwirtschaftli1918 mehr als die Hälfte ihres Werts che Kredite zur regionalen Geschäftsverloren, war sie im Oktober 1922 bank. Ab 1964 hieß das Institut Südnur noch ein Tausendstel wert. Den- westbank, ab 1970 Südwestbank Aknoch nahm die Württembergische tiengesellschaft. Landwirtschaftsbank, die heutige Südwestbank, ihre GeschäftstätigWandel zur Privatbank keit auf. Sie offerierte Bankgeschäfte zur Förderung des Mittelstandes, 2004 erwarben private Investoren der Landwirtschaft und der ländli- das damals genossenschaftliche Instichen Genossenschaften. tut: die Santo Vermögensverwal1923 kollabierte die Wirtschaft tung der Hexal-Gründer Thomas durch die Hyperinflation. Der Kurs und Andreas Strüngmann. Im Jahr für 1 Dollar lag bei 4,2 Bill. Mark, darauf folgte der Wechsel in den prider Goldpreis kletterte auf 86,81 vaten Bankenverband. Heute gehört Bill. Mark pro Feinunze. Die Arbeits- die Südwestbank mit einer Bilanzlosigkeit stieg, die Reallöhne bra- summe von rund 5 Mrd. Euro zu den chen ein. Gleichwohl eröffnete die größten konzernunabhängigen PriWürttembergische Landwirtschafts- vatbanken in Deutschland und ist bank ihre erste Geschäftsstelle nahe mit über 600 Mitarbeitern an 26 dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Standorten in Baden-Württemberg kurz darauf weitere Filialen in Würt- präsent. temberg. Die Südwestbank ist mittelstänDie schwierigen Jahre meisterte disch geprägt – nicht nur durch die sie durch eine vorausschauende Ge- Institutsgröße, sondern auch in ihschäftspolitik, wie ein Aufsichtsrats- rem Werteverständnis: Eine geprotokoll aus dem Jahr 1924 zeigt: sunde, organische Entwicklung hat „Es zählen verschiedene Industriefir- Vorrang vor Wachstum um jeden men zur Kundschaft, welche im letz- Preis. Stabile Eigentumsverhältnisse ten Jahre der Bank große Gewinne – 94,14 % der Anteile hält die Santo gebracht haben und die man heute Vermögensverwaltung GmbH – ernun nicht einfach auf sich selbst an- lauben eine auf Langfristigkeit ausgegewiesen lassen kann. Diese Firmen richtete Unternehmensführung. Der und auch sonstige Kunden kommen Kontakt zu den Kapitalgebern ist Börsen-Zeitung, 17.11.2012 „Banking is necessary, banks are not“, so Bill Gates. In der Tat steht die Branche vor erheblichen Umwälzungen. Hier lohnt ein Blick zurück – etwa in das Jahr 1922, in dem die Südwestbank gegründet wurde. Heute ist sie eine der größten unabhängigen Privatbanken Deutschlands. Solides Wirtschaften statt kurzfristiger Gewinnmaximierung eng, seit Mitte 2010 leitet einer der Eigentümer den Aufsichtsrat. Hohe Boni oder überzogene Renditeerwartungen sind der Bank fremd. Im Zuge der aufsichtsrechtlichen Erfordernisse dienen Gewinne überwiegend dazu, das Eigenkapital zu stärken. Die Unabhängigkeit von übergeordneten Konzern- oder Verbundinteressen lässt die nötige Freiheit bei der Auswahl der Produkte oder Kooperationspartner. Aus engem persönlichem Kontakt sind tragfähige Kundenbeziehungen gewachsen, oft über Generationen hinweg. Voraussetzung ist ein wacher Blick für die sich wandelnden Bedürfnisse der Kunden. Den Mittelstand versorgt die Bank nicht nur mit offenen Linien – 500 Mill. Euro Mitte 2012 –, sondern ermöglicht über ihre Partner Leasing, Factoring, Fördermittelberatung oder Beschaffungsoptimierung. Um große Privatvermögen individuell betreuen zu können, hat sie 2009 das Geschäftsfeld Private Banking etabliert. Die Beratungsqualität lässt die Bank regelmäßig von unabhängigen Instanzen überprüfen – im Ergebnis zeigen sich beste Resultate. Dass sich das re-

„Solides Wirtschaften statt kurzfristiger Gewinnmaximierung und regionale Nähe haben sich in den vergangenen 90 Jahren als Erfolgsfaktoren erwiesen und machen auch in der digitalisierten und globalisierten Welt eine Regionalbank notwendig.“
gionale und kundennahe Geschäftsmodell auch in stürmischen Zeiten bewährt, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre: 2011 erzielte die Bank das bislang beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte.

Branche muss sich anpassen
Nicht nur die zunehmende Regulierung und konjunkturelle Unsicherheiten, sondern auch demografische und gesellschaftliche Phänomene werden die Branche verändern. Die Überalterung der Gesellschaft gewinnt spürbar an Dynamik: 2030 ist voraussichtlich jeder Dritte über 65, die deutsche Bevölkerung um 6 % geschrumpft. Daher werden mehr Altersvorsorge- als klassische BankproFortsetzung Seite B 4

B 4 Börsen-Zeitung Nr. 223

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Sonnabend, 17. November 2012

Privatanlegerbörsen müssen innovativ bleiben
Schnelle und flexible Orderausführung garantieren – Unabhängige Handelsüberwachungsstelle sorgt für Transparenz
hoch: Zuletzt haben unter anderem der Hemden- und Blusenhersteller Eterna und der Elektronik-OnlineShop getgoods.de Telecom ihre Anleihen platziert. Aktuell sind 23 Unternehmensanleihen mit einem Gesamtvolumen von über 1,5 Mrd. Euro in Bondm gelistet. Damit ist die Börse Stuttgart Marktführer im Primärmarkt – sowohl nach der Anzahl der Emissionen als auch Von Christoph Lammersdorf nach dem geplanten Emissionsvolumen. Das Segment steht vor allem Unternehmen aus dem industriellen und industrienahen Mittelstand offen. Sie müsVorsitzender der sen sich dazu verpflichGeschäftsführung ten, ein über die üblider Boerse Stuttgart chen Regelungen des Holding GmbH Freiverkehrs hinausgehendes Maß an fortlauschließt, wird von der Konkurrenz fender Transparenz und Publizität eingeholt. „Innovativ bleiben“ muss gegenüber Investoren einzuhalten. deshalb das Motto für die Börse Neben dem Wertpapierprospekt, eiStuttgart lauten. Denn nur durch nem testierten Jahresabschluss, vielfältige Innovationen sind wir als Halbjahresberichten und dem FiPrivatanlegerbörse gut für die Zu- nanzkalender werden auch QuasiAd-hoc-Meldungen veröffentlicht. kunft aufgestellt. Auf der Homepage der Börse Stuttgart kann zusätzlich eine RisikoeinVorreiter mit Bondm schätzung durch ein UnternehmensBeispiel Mittelstandsanleihen: Im rating sowie ein jährliches FolgeraMai 2010 gründete die Börse Stutt- ting eingesehen werden. Die Börse Stuttgart hat den Bedarf gart das Handelssegment Bondm und war damit Vorreiter einer Idee, für ein solches Segment frühzeitig erdie inzwischen vielfach aufgegriffen kannt und zwei kapitalmarktrelewurde. Die Emission von Anleihen vante Gruppen zusammengeführt: in Bondm bietet mittelständischen mittelständische Firmen, die einen Unternehmen eine alternative Finan- nennenswerten Kapitalbedarf hazierungsmöglichkeit neben klassi- ben, und erfahrene Anleger, die ihr schen Bankkrediten und der ver- Geld in Unternehmensanleihen ingleichsweise teuren Aufnahme von vestieren wollen. Dies hat dazu geEigenkapital. Die Nachfrage ist führt, dass das Segment schnell AnerBörsen-Zeitung, 17.11.2012 Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Das gilt auch für Börsenplätze, an denen innerhalb von Sekundenbruchteilen Millionensummen gehandelt werden. Wer sich als internationaler Marktplatz den ständig verändernden Bedingungen verkennung und Beachtung bei Investoren und Marktbeobachtern gefunden hat. Neben der Platzierung spielt jedoch auch der Handel mit den Anleihen eine zentrale Rolle – schließlich wollen Anleger die Anleihen nicht nur zeichnen, sondern ebenso jederzeit kaufen und verkaufen können. Mit einem Marktanteil von über 70 % im Sekundärmarkt ist Bondm der liquideste Handelsplatz für Mittelstandsanleihen in Deutschland. Dies ist nicht zuletzt auch ein Beleg für die hohe Handelsqualität an unserem Handelsplatz. grund des Anstiegs computergenerierter Orders. Die Anforderungen an die Verarbeitung von Quote-Updates werden damit weiter wachsen. Als führender Handelsplatz für verbriefte Derivate trägt die Börse Stuttgart dieser Entwicklung Rechnung, ein leistungsstarkes IT-System garantiert bestmögliche Handelsqualität. Das Zusammenspiel von menschlicher Expertise und maschineller Rechenpower ist auch ein Grund dafür, dass aus dem Euwax-Segment der Börse Stuttgart nach seinem Start 1999 Europas größte Handelsplattform für derivative Wertpapiere geworden ist. Im vergangenen Jahr wurden im Segment Anlagezertifikate und Hebelprodukte mit einem Handelsvolumen von 56,8 Mrd. Euro gehandelt. Für größtmögliche Transparenz beim Handel sorgt dabei die Handelsüberwachungsstelle, kurz HüSt, die als unabhängiges Börsenorgan die Marktaufsicht am Börsenplatz übernimmt. Der Anlegerschutz wird an der Börse Stuttgart großgeschrieben. Es gibt klare Handelsregeln für jedes Segment – und mit der HüSt eine unabhängige Instanz, die über die Einhaltung dieser Regeln wacht. 2013 ein noch größeres Zeitfenster für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Dann endet der Handel erst um 22 Uhr statt wie bisher um 20 Uhr. Die Regelung gilt für sämtliche Aktien und Genussscheine sowie ETF und ETC. Der Handelsstart erfolgt nach wie vor morgens um 8 Uhr. Bereits im November 2011 hatte die Börse Stuttgart die Handelszeiten ausgebaut. Privatanlegern wird so die Möglichkeit gegeben, noch schneller auf internationale Marktgeschehnisse reagieren können. So müssen sie auch früh morgens und spät abends nicht auf einen öffentlich-rechtlich überwachten Börsenhandel verzichten. gart und kann wie andere Wertpapiere über die depotführende Bank börsentäglich ge- und verkauft werden. Die Euwax AG sorgt als Liquiditätsspender für enge An- und Verkaufspreise und eine schnelle Orderausführung. Der Preis von Euwax Gold orientiert sich am Preis eines Goldbarrens und damit am Weltmarktpreis für Gold – unter Berücksichtigung der aktuellen Wechselkurse. Der Preis wird börsentäglich fortlaufend in Euro berechnet und stets aktuell auf unserer Internetseite veröffentlicht. Mit Euwax Gold hat die Börse Stuttgart ein unkompliziertes, sicheres und kostengünstiges Wertpapier für Privatanleger entwickelt. Es richtet sich vor allem an Anleger, die Positionen in Gold als langfristiges Investment sehen und mit dem Gedanken spielen, sich das Edelmetall auch ausliefern zu lassen. Bei der Konzeption des Produkts haben wir auch die Erfahrungen genutzt, die wir mit den Bedürfnissen privater Anleger über lange Zeit sammeln konnten. Bei Euwax Gold tritt die Börse Stuttgart über eine Tochtergesellschaft erstmals als Emittentin eines Wertpapiers auf. Darin sehen wir eine sinnvolle Ergänzung unseres Angebots als Privatanlegerbörse. Auch bei unserem goldbesicherten Finanzprodukt profitieren Anleger von den Stärken unseres Börsenplatzes: Innovationskraft, Transparenz und reibungsloser Handel.

Hohe Handelsqualität
Diese wird auch in allen anderen Handelssegmenten großgeschrieben – Anleger können in Stuttgart alle Arten von Anleihen sowie verbriefte Derivate, Aktien, Fonds, Exchange Traded Products und Genussscheine effizient und kostengünstig handeln. Grundlage ist ein hybrides Marktmodell, das Handelsexperten in den elektronischen Handel einbindet. Mit diesem System gewährleistet die Börse eine schnelle und äußerst flexible Orderausführung. So konnte die Börse Stuttgart auch in schwierigen Marktphasen, wie wir sie zuletzt des Öfteren gesehen haben, ihr Versprechen gegenüber privaten Anlegern halten, eine schnelle und zuverlässige Ausführung der Orders zum besten verfügbaren Preis sicherzustellen. Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft, etwa weil der Handel mit verbrieften Derivaten noch weiter an Tempo gewinnen wird. Schließlich werden die Märkte für die zugrunde liegenden Basiswerte immer schneller, nicht zuletzt auf-

Einstieg in den Goldhandel
Und noch eine Neuerung verdeutlicht die Innovationskraft des Marktplatzes: Ab sofort können private Anleger in Stuttgart das Wertpapier Euwax Gold handeln. Der von der Börse Stuttgart emittierte Exchange Traded Commodity (ETC) verbrieft einen Lieferanspruch auf das Edelmetall, ist zu 100 % durch Goldbarren gedeckt und notiert in Euro pro Gramm. Das Besondere dabei: Anleger können sich ihr Gold ab 100 Gramm – anders als bei anderen Anbietern – innerhalb Deutschlands kostenlos ausliefern lassen. Auch für die Verwahrung oder das Management fallen keine Gebühren an. Euwax Gold notiert an der Börse Stutt-

Handelszeit erneut erweitert
Die Dienstleistungen der Börse Stuttgart sind konsequent auf Privatanleger ausgerichtet. Beispiele sind die kostenlose Kundenhotline, Realtime-Kurse auf der Homepage oder die intelligenten Ordertypen. Um auf die Bedürfnisse der Anleger noch besser einzugehen, erweitert die Börse Stuttgart auch ihre Handelszeiten. Anleger haben ab März

Zukunft braucht Herkunft
Fortsetzung von Seite B 3 dukte nachgefragt werden. Der Bedarf an Kapitalanlagen wird zu-, die Kreditnachfrage eher abnehmen. Dem müssen Banken ihre Leistungen anpassen. Erfolg wird nur haben, wer den persönlichen Kontakt pflegt und bedarfsgerecht berät, statt Produkte verkauft. Entsprechend qualifiziert die Südwestbank ihr Personal und gestaltet auch die Filialen altersgerecht. Die Branche erlebt einen rasanten technischen Wandel: vom Sparbuch über das Online-Banking bis hin zur Smartphone-App. Im Netz lassen sich Standard-Angebote der Banken leicht vergleichen, was die Wechselbereitschaft erhöht. Auch wenn viele Transaktionen online oder über das Smartphone geschehen, ersetzt die „Bank in der Tasche“ nicht die persönliche Beratung. Nach der Recherche im Netz erfolgt jeder zweite Abschluss noch immer in der Filiale. Die Südwestbank verfolgt daher eine Multikanalstrategie, die neben der Beratung in der Filiale Onlineund Telefonbanking, SmartphoneTechnologie sowie verschiedene Selbstbedienungsgeräte umfasst. Durch die sozialen Netzwerke steigen die Ansprüche an die Kommunikation und Transparenz. Facebook oder Twitter werden das Bankgeschäft verändern: weniger als Vertriebskanal denn als von den Kunden betriebene Plattform zum Dialog und zur Bewertung der Bank. logischen Belangen zu vereinbaren. Die Südwestbank leistet dazu einen Beitrag: nicht nur durch ihr Engagement für die Region, sondern auch durch ihr Kerngeschäft. So betreut sie Stiftungen, die ihrerseits soziale Projekte fördern. Als ehemalige Landwirtschaftsbank verfügt sie über langjährige Expertise in der Finanzierung erneuerbarer Energien.

„In einer Bankenwelt, in der die Kunden im Internet zwischen zahllosen Anbietern mit vergleichbaren Produkten wählen können, werden sich nur Institute mit einem klaren Profil behaupten können.“
10 % der Biogasanlagen im Land wurden von ihr finanziert. Inzwischen berät sie auch bei der Finanzierung von Windrädern. Ähnlich wie in den zwanziger Jahren muss die Finanzbranche mit einer hohen Verunsicherung der Menschen umgehen. Bestand hat hier nur, wer über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt und sich als Partner seiner Kunden bewährt. In einer Bankenwelt, in der die Kunden im Internet zwischen zahllosen Anbietern mit vergleichbaren Produkten wählen können, werden sich nur Institute mit einem klaren Profil behaupten können. Zukunft braucht Herkunft, heißt es bei Odo Marquard. Bei der Südwestbank ist das seit 90 Jahren Programm.

Zurück zur Nachhaltigkeit
Auch die Geschäftsmodelle der Institute müssen neuen Anforderungen genügen. Nach den jüngsten Krisen ist die Rückkehr zu einem 300 Jahre alten Wert gefragt: Nachhaltigkeit. Wirtschaftliche Erfordernisse sind mit gesellschaftlichen und öko-

Der erste Standort der Südwestbank in der ehemaligen Alleenstraße, Stuttgart. Bild: Stadtarchiv Stuttgart

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Die Lebensversicherung lebt!
Aktuelles Kapitalmarktumfeld sorgt für zahlreiche Herausforderungen für die Altersvorsorge – Sicherheit und Erfolg stehen außer Frage
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Rund ein Viertel aller finanziellen Leistungen für das Alter, für Hinterbliebene sowie bei Invalidität oder Berufsunfähigkeit wird in Deutschland durch die Lebensversicherer erbracht – mit steigender Tendenz. Über die Notwendigkeit privater Vorsorge, insbesondere der Altersvorsorge, herrscht ein breiter gesellschaftlicher wie politischer Konsens. Gleichwohl ist die Lebensversicherung, das nach wie vor beliebteste Vorsorgeprodukt, zuletzt heftig in die Schlagzeilen geraten. Die Finanzkrise und die in ihrer Folge anhaltend niedrigen Kapitalmarktzinsen haben Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells der Lebensversicherer laut werden lassen. rungen verbunden. Dazu gehört insbesondere die Maxime der Anbieter, eine attraktive Rendite bei gleichzeitig hoher Sicherheit zu erzielen. Die von der Europäischen Zentralbank verfolgte Niedrigzinspolitik erschwert die Neuanlage in festverzinsliche Papiere massiv, die aufgrund ihdem unabhängigen Map-report lag 2011 die Rendite zwölfjähriger Lebensversicherungsverträge im Branchenschnitt bei 3,7 % und bei zwanzigjährigen Verträgen bei 4,9 %. Zu vergessen scheinen die Kritiker, dass jeder Lebensversicherungskunde trotz Finanzmarktkrise alle vertraglich zugesagten Leistungen erhalten hat. Man kann es durchaus als Kunststück bezeichVon nen: Nur LebensversiMarkus Faulhaber cherungen können eine über Jahrzehnte garantierte Mindestverzinsung unabhängig von der Kapitalmarktentwicklung bieten. Das Vorsitzender des macht die AltersvorVorstands der Allianz sorge krisenfest, sicher Lebensversicherungsund berechenbar. AG Diese Garantien – die durchschnittliche garanres Sicherheitscharakters zu den tierte Verzinsung der bestehenden Hauptanlageklassen der Lebensversi- Verträge liegt bei 3,2 % – zu erfüllen cherer gehören. Die aktuelle Politik ist die Kernkompetenz der Lebensdes billigen Geldes geht ganz eindeu- versicherer, die sie seit Jahrzehnten tig zulasten der Lebensversiche- erfolgreich unter Beweis stellen. Gerungskunden, die sich in den letzten rade in einem schwierigen KapitalJahren mit rückläufigen Verzinsun- marktumfeld zeigen sich die Vorteile gen ihrer Sparbeiträge abfinden derjenigen Anbieter, die über ein gumussten. Wenn die Attraktivität der tes Risikomanagement, eine profesLebensversicherung nicht Schaden sionelle Kapitalanlagepolitik und nehmen soll, muss die Niedrigzinspo- eine hohe Ertragskraft verfügen. Allilitik bald ein Ende haben. anz Leben zum Beispiel mischt und streut ihre Kapitalanlagen breit in Verzinsung ist noch attraktiv bis zu 50 unterschiedliche Anlageformen. Durch weltweites Know-how Noch ist die Verzinsung – gerade und einen weit vorausschauenden auch im Vergleich mit anderen Anla- Anlagemix können auch in Niedriggeformen – überaus attraktiv: Laut zinsphasen nicht nur Risiken minimiert, sondern auch auskömmliche Renditen erzielt werden. So wird beispielsweise in Anleihen von Schwellenländern wie Mexiko und Brasilien investiert, deren aktuelle Verzinsung über denen festverzinslicher Wertpapiere und Pfandbriefe im Euroraum liegt. Immobilien und Baufinanzierungen gehören seit Jahrzehnten zu den attraktiven und gleichzeitig sicheren Assets. Verstärkt in den Fokus gerückt sind jetzt Investitionen in erneuerbare Energien. Die Barrendite ist dort stabil und korreliert nicht mit den Kapitalmärkten. Aber auch Infrastrukturprojekte werden interessanter, zumal hier – bei überschaubarem Risiko – Renditen von 6 bis 8 % möglich sind. tienindex oder einer sicheren Verzinsung lassen. In den nächsten Jahren wird in puncto „neue Garantien“ sicherlich noch mehr Bewegung in den Markt kommen. Dann werden Vorsorgekonzepte vorliegen, die ihre Garantieversprechen in verschiedene Zeiträume zerlegen und beispielsweise ein Garantieniveau während der Ansparphase und ein neues zu Beginn der Auszahlung der Rente bieten. Derartige Angebote erfordern freilich vom Kunden etwas mehr Risikobereitschaft und sprechen die Erwartung an, dass in 20 oder 30 Jahren die Zinsen und damit die Garantien höher sind als heute. Der Wunsch nach Sicherheit ist jedoch ein besonderes Merkmal des deutschen Vorsorgemarktes. Viele Kunden haben das Bedürfnis zu wissen, mit wie viel Rente sie mit 65 oder 67 Jahren rechnen können. Es ist deshalb nicht vorstellbar, dass Produkte, die mit dauerhaften Garantien ausgestattet sind, vom Markt verschwinden werden. Kapital- und leistungsstarke Anbieter werden weiterhin Lebens- und Rentenversicherungsprodukte mit Garantien anbieten. tige Herausforderung. Je niedriger die Überschüsse aus dem Zinsertrag ausfallen, desto bedeutsamer werden andere Quellen wie Risikoüberschüsse und Kostenüberschüsse, an denen die Kunden zu einem Gutteil beteiligt werden. Die Fachhochschule Ludwigshafen hat jüngst den Anlageerfolg, die Sparsamkeit und die Beteiligung der Kunden am Rohüberschuss bei den größten Lebensversicherern untersucht und verglichen. Das Ranking zeigt, dass die führenden Lebensversicherer in der Krise hervorragend im Sinne ihrer Kunden wirtschaften.

Laufzeit ist eine Stärke
Die Stärke der Lebensversicherer sind auch die langen Laufzeiten, die sie bei der Anlage bevorzugen, um höhere Zinsen zu erzielen, insbesondere bei Staatsanleihen. Durch diese Ausrichtung auf langfristig stetige Erträge wirken sich „Zinstäler“, auch wenn sie einige Jahre bestehen, weniger drastisch aus. Die Stetigkeit der Erträge wird durch Reserven bei den Kapitalanlagen und durch Rückstellungen, die in der Vergangenheit gebildet wurden, erzielt. Zum Nutzen der Kunden: Allianz Leben zum Beispiel konnte 2011 eine Nettoverzinsung ihrer Kapitalanlagen von 4,6 % erreichen, selbst bei Neuanlagen waren noch durchschnittlich 4 % möglich. Angesichts stetig gefallener Zinsen wird intensiv diskutiert, ob das klassische Garantiezinsmodell noch Zukunft hat. Alternativen sind schon seit längerer Zeit auf dem Markt. Führende Unternehmen bieten Produktkonzepte an, die beispielsweise dem Kunden jährlich die Wahl zwischen der Beteiligung an einem Ak-

Umdenken ist nötig
Um die Sicherheit und den Erfolg der Lebensversicherung muss sich niemand Sorgen machen. Gleichwohl sollten aber die in der Vergangenheit erzielten Renditen nicht länger als Maßstab für künftige Zinserträge gelten. Laut einer Allianz-Studie vom Oktober 2011 sind die Erwartungen der Deutschen, was die Zinsen für langfristige Anlagen angeht, nach wie vor sehr hoch. Für eine Anlage über einen Zeitraum von zehn Jahren geht ein Viertel der Deutschen von einer Rendite von 5 % aus, ein Fünftel gar von 7 % oder mehr. Wir müssen akzeptieren, dass solche Renditen der Vergangenheit angehören. Zur neuen Normalität nach der Finanzkrise gehört: Wenn die Zinsen im Vergleich zu früheren Jahren sinken, muss mehr gespart oder damit deutlich früher angefangen werden, um am Ende dieselbe Leistung zu erzielen. Die Menschen in Deutschland sollten sich dieser Realität stellen.

Unbeeindruckte Nachfrage
Die Frage, ob die Lebensversicherung weiterhin eine attraktive und sichere Altersvorsorge bietet, scheint dabei vor allem Medien und notorische Kritiker des Produkts zu beschäftigen. Die Betroffenen selbst, Millionen Lebensversicherungskunden, haben sich von der Diskussion bislang wenig beeinflussen lassen. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Lebensversicherungsprodukten ist anhaltend hoch. Auch die Zahl der Vertragskündigungen liefert keine Anhaltspunkte dafür, dass das Vertrauen in die Lebensversicherung schwindet. Richtig ist: Das derzeitige Kapitalmarktumfeld ist für die Lebensversicherer mit vielfältigen Herausforde-

Krise bislang gut gemeistert
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Juli auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt. Selbst wenn sich die Wirtschaft im Euroraum 2013 langsam erholen und die Schuldenkrise durch die eingeleiteten Maßnahmen allmählich abebben sollte, werden am Kapitalmarkt die Zinsen für sichere Anlagen nicht in den Himmel wachsen. Eine ertragreiche Neuanlage bleibt damit für die Lebensversicherer eine gewal-

Energieversorgung von morgen jetzt finanzieren
Vielfalt der Möglichkeiten nutzen
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 In ihrem „Energiepaket 2011“ hat es die Bundesregierung auf den Punkt gebracht: Deutschland könne „als erste große Industrienation die Wende zu einem hocheffizienten erneuerbaren Energiesystem schaffen“. Damit ist nicht nur der Umbau

sich in ganz unterschiedlichen Größenordnungen gewinnen. Die Energiewende kann aber nur gelingen, wenn diese Vielfalt an Möglichkeiten genutzt wird. Was beim Stichwort Finanzierung bedeutet: Das Angebot der Förderbanken geht auf dieses breite Spektrum an Vorhaben und möglichen Investoren ein. Inzwischen finanzieren wir Biogasanlagen, BiomasseheizVon kraftwerke, WasserkraftChristian Brand anlagen und anderes mehr. Unsere Wirtschaftsförderung setzt auf kleine und mittlere Unternehmen, die in „Green Energy“ investieren wollen. Wir unterstützen den BürgerwindVorsitzender des park ebenso wie landVorstands der L-Bank oder forstwirtschaftliche Betriebe oder Wohder Energieversorgung angespro- nungsbaugesellschaften und Eigenchen. Im Hintergrund stehen auch heimbesitzer, die auf erneuerbare ambitionierte Klimaschutzziele: Die Energieträger setzen. Treibhausgasemissionen sollen bis 2020 um 40 % reduziert werden. BaNeue Technologien gefragt den-Württembergs Anspruch ist nicht geringer, unser Land will die Doch neben dem Ausbau regeneraführende Energie- und Klimaschutz- tiver Energien bleibt die effiziente region werden. Bis 2020 soll der An- Energienutzung ein Muss. Wir brauteil erneuerbarer Energien an der chen neue Technologien, durch die Wärmeversorgung im Land auf 16 % Produktivität mit geringem Energieverdoppelt werden. verbrauch verbunden wird. Das Dieser engagiert angestrebte Wan- heißt, wir brauchen einerseits Unterdel zu einem nachhaltigen System er- nehmen, die diese Technologien entfordert, dass wir einerseits die erneu- wickeln. Wir brauchen andererseits erbaren Energien ausbauen, anderer- Unternehmen, die bereit sind, diese seits Einsparpotenziale nutzen und technologischen Innovationen in bedie Energieeffizienz steigern. Um stehende Prozesse einzuführen: Bediese Ziele zu verwirklichen, sind be- triebe, die weder den Aufwand noch trächtliche Investitionen erforder- die Risiken und Kosten scheuen, die lich. Daher spielen für die Unterneh- mit einer solchen Umstellung der men, die Kommunen und auch für Produktion verbunden sind. Hier die Privatleute bei der Finanzierung können wir nicht ausschließlich auf entsprechender Vorhaben die För- unternehmerischen Idealismus setderangebote auf Bundes- und Lan- zen. All diese Innovationen benötidesebene eine entscheidende Rolle. gen eine kraftvolle AnschubfinanzieIn Baden-Württemberg hat die rung. Denn auch Energie- und ResL-Bank schon Ende der neunziger sourceneffizienz muss sich für die Jahre erste Solar- und Windkraftpro- Unternehmen rechnen. Genau desjekte gefördert – wie den „Grünen halb sind an dieser Stelle die FörderHeiner“ am Dreieck Leonberg, das institute gefragt. Durch ihre finanerste Windrad Deutschlands. Im zielle Unterstützung werden diese InApril haben wir eine neue Palette vestitionen nicht erst auf längere von Energieeffizienz-Programmen Sicht wirtschaftlich und sind daeingeführt und damit das bestehen- durch leichter zu verwirklichen. de Angebot weiter ausgebaut. Dass Wenn sich die Unternehmen dann Interesse und Bedarf an dieser Förde- mit Hilfe der Förderung technologirung besteht, dokumentiert die hohe sche Vorsprünge erarbeiten, profitieNachfrage, die unmittelbar einsetz- ren die Betriebe und mit ihnen der te: In nur sechs Monaten haben wir Standort durch langfristige Wettbein diesen neuen Programmen schon werbsvorteile. mehr als 8 000 Kredite vergeben. Bei der Verbesserung der EnergieVon der Solarthermie für das Ein- effizienz stellen Gebäude mit 40 % familienhaus bis zu Projekten wie des Verbrauchs an Primärenergie Desertec: Regenerative Energie lässt Fortsetzung Seite B 6

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Die Energiewende ist machbar und auch finanzierbar
Als partnerschaftliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen – Wettbewerbsfähige Industrie braucht leistungsfähige Stromversorgung
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Selten ist engagierter über die Energiewende diskutiert worden wie heute. Und bei aller zum Teil erkennbaren Gegensätzlichkeit – eine solche Diskussion ist wichtig, um den gesellschaftlichen Konsens zum Umstieg auf erneuerbare Energien zu erhalten. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass Deutschland den nachhaltigen Umbau des Energiesystems schafft, sondern es muss auch der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Deutschland ein Industrieland und eine exportorientierte Volkswirtschaft ist. Ein Großteil unseres Wohlstandes hängt von der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der hierzulande produzierten Waren und Dienstleistungen ab. Und eine leistungsfähige Stromversorgung ist für diese Wettbewerbsfähigkeit unverändert wesentlich. Um die Leistungsfähigkeit der Stromversorgung erhalten zu können, sind allein in den nächsten Jahren Milliardeninvestitionen in die Energiewende notwendig. Investitionen, die die Energiewirtschaft, die Wirtschaft insgesamt und die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Eine wesentliche Frage ist dabei, wie die Energiewende finanziert werden kann. Für den Umbau des deutschen Energiesystems gilt es, ausreichend Kapital zu aktivieren, doch viele potenzielle Investoren fragen sich, ob sich Investitionen in Erzeugungsanlagen und in die Netzinfrastruktur rechnen und ob sich mit Investitionen überhaupt adäquate Renditen erzielen lassen? Anders formuliert: Ist das spezifische RenditeRisiko-Profil attraktiv genug, Mittel in die deutsche Energiewende und nicht irgendwo anders hinzulenken? ran, dass beide Märkte nicht isoliert und unabhängig voneinander betrachtet werden können, sondern erhebliche Rückwirkungen aufeinander haben. So ist der regulierte Markt durch den Ausbau der staatlich geförderten erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren so gewachsen, dass er einen erheblichen Einfluss auf die FunktionsVon weise des Energy-onlyThomas Kusterer Marktes hat. Durch die Energiewende ist die Nachfragefunktion des Strombedarfs bisher relativ konstant, während sich die Angebotsfunktion durch die FörCFO der EnBW derung erneuerbarer Energie BadenEnergien deutlich verWürttemberg ändert hat. Diese Ausweitung des Angebots weisen aber auch eine Gemeinsam- geht mit einem Absinken des Gleichkeit auf. Der wettbewerbliche gewichtspreises im WettbewerbsMarkt, der Energy-only-Markt, folgt markt einher. grundsätzlich dem marktwirtschaftlichen Ordnungsprinzip von Angebot Planungssicherheit herstellen und Nachfrage. Der regulierte Markt ist – aufgrund natürlicher MonopolsiWir reden heute nicht mehr nur tuationen wie im deutschen Netzbe- über Erzeugungskapazitäten, die im reich oder politisch gewollter Sub- Rahmen der Angebotsallokation ventionen wie im Bereich der erneu- marktwirtschaftlich optimal eingeerbaren Energien – durch starre Re- setzt werden. Wir reden über wittegulierung entweder der Angebots- rungsbedingte Unplanbarkeit der eroder der Nachfrageseite oder von neuerbaren Energien bei gesetzlich beidem geprägt. garantiertem Vorrang im ProduktiBetrachtet man beide Märkte, onsfall. Dies führt zu einer Verschiestellt man fest, dass die derzeitigen bung der Angebotskurve und zu eiRahmenbedingungen bereits zu Allo- nem erkennbaren Nachfrageausfall kations- und damit Investitionsent- für die wettbewerblich organisierte scheidungen geführt haben, die so- konventionelle Erzeugung. Konvenwohl gesellschaftspolitisch – aber tionelle Kraftwerke kommen daauch ökonomisch – durchaus kri- durch im Energy-only-Markt auf imtisch diskutiert werden. Dies liegt da- mer geringere Einsatzzeiten. Um Für die Attraktivität des RenditeRisiko-Profils ist es erst einmal wichtig zu differenzieren, welcher Markt betrachten wird: der sogenannte „Energy-only-Markt“, das heißt der Großhandelsmarkt, oder der regulierte Markt. Beide Märkte unterscheiden sich aus Investorensicht,
Foto: EnBW

wirtschaftlich arbeiten zu können, sollten zum Beispiel Kohlekraftwerke auf jährliche Einsatzzeiten von mindestens 3 000 bis 5 000 Stunden kommen, tatsächlich erreichen sie derzeit aber häufig noch nicht einmal 3 000 Volllaststunden. Da eine leistungsfähige Stromversorgung aber witterungsunabhängige, gesicherte Leistung erfordert, bleiben moderne Kraftwerke und entsprechende Speichertechnologien für längere Zeit noch notwendig. Investitionen – auch in notwendige Gaskraftwerke – werden in der Regel jedoch nur getätigt, wenn Planungssicherheit gegeben ist. Darüber hinaus müssen sie eine RenditeRisiko-Struktur aufweisen, die für Investoren auch im internationalen Vergleich attraktiv genug ist, um die Investitionsmittel in die Energiewende in Deutschland zu lenken. Investitionsprojekte stehen im Wettbewerb zueinander. Geld ist fungibel, und Kapitalgeber sind weltweit orientiert. Die Rentabilität eines energiewirtschaftlichen Investitionsprojektes ist immer relativ zu anderen Investitionen, zu anderen Branchen, zu anderen Regionen und Ländern und damit auch zu anderen regulatorischen Systemen zu werten. So gesehen erscheinen Investitionen in den Energy-only-Markt, in wettbewerblich organisierte Erzeugungsanlagen derzeit wenig attraktiv. Nun könnte man argumentieren, dass ein staatlich induziertes Förderprogramm für den Neubau von Kraftwerken hier Abhilfe schaffen könnte. Dies ist zwar vordergründig richtig, allerdings zu kurz gedacht. Durch einen Investitionszuschuss für Neuanlagen im Sinne eines Kapazitätsmarktes würden bestehende und

hocheffiziente Kraftwerke deutlich in ihrer Wirtschaftlichkeit beeinträchtigt. Dies gilt sowohl für „junge“ Anlagen, die gerade erst an den Markt gegangen sind, wie auch für Neuanlagen, die noch vor Inkrafttreten eines möglichen Förderprogramms in den Markt eintreten würden. Im Ergebnis würden moderne nicht subventionierte Anlagen durch subventionierte aus dem Markt verdrängt werden, die im schlimmsten Fall als „Stranded Investments“ abgeschrieben werden müssten. Damit wären wir keinen Schritt weiter. Vielmehr sollten regulatorische Eingriffe zur Sicherung einer strategischen Reserve und damit zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit auch in Engpasssituationen so gering wie möglich gehalten werden. Diese geringfügigen Eingriffe in den Markt sind nur dann möglich, wenn bereits existierende Kraftwerke im Markt bleiben und nicht durch Subventionen für Neuanlagen aus dem Markt gedrängt werden. Ein derartiges Fördersystem wäre kostengünstiger und würde das Vertrauen in Investitionen in langfristige Vermögenswerte stützen.

Immenser Kapitalbedarf
Verlassen wir nun den Energyonly-Markt und betrachten den regulierten Markt. Hier verschiebt sich die Perspektive etwas, wenngleich auch hier eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals auf Dauer möglich sein muss. Das Rendite-Risiko-Profil ist jedoch ein anderes, da man im regulierten Markt im Fall von erneuerbaren Energien entweder mit gesetzlich festgelegten EEG-Sätzen oder im Netzbereich mit behördlich festgelegten Erlösobergrenzen rechnen und entsprechend ein anderes Marktrisiko zugrunde legen kann. Die Herausforderungen bestehen hier jedoch darin, das für den gewünschten Ausbau der erneuerbaren Energien, Speicher und Netze etc. nötige immense Kapital aufzubringen. Wenn wir die Energiewende in Deutschland zum Erfolg führen wollen, und das wollen wir, dann müssen wir im Wettbewerb um na-

tionale und internationale Kapitalgeber bestehen. Dieser Aspekt ist deshalb wichtig, weil Kapital nicht nur gerade noch akzeptable, sondern vielmehr die spezifisch besten Renditen sucht. Die Frage ist also: Wie sieht eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals in diesem Marktsegment aus, und welche Investorengruppen können das hierfür benötigte Kapital bereitstellen? In Bezug auf die Angemessenheit der Verzinsung hilft das aktuell niedrige Zinsumfeld, denn dadurch sind die Marktopportunitäten für anderweitige risikoarme Investitionsmöglichkeiten gering und stützen im Sinne einer komparativen Renditeerwartung Investitionen in den regulierten Markt. Die Kernfrage ist hier, ob Investitionen in die regulierten Märkte ausreichend vor Inflationsgefahren geschützt sind? Ist dies der Fall, bieten Investitionen in regulierte Märkte ein aus Investorensicht gutes Rendite-Risiko-Profil. Bleibt die zweite Frage, wer könnte als Investor auftreten? Angesichts des immensen Investitionsbedarfs und erheblicher Ergebnisbelastungen der Energieversorger vermag die Energiewirtschaft allein diese Investitionen kaum zu stemmen. Investitionen müssen daher auf mehrere Schultern, d. h. auf mehrere Investoren, verteilt werden und verlangen nach Partnerschaftsfähigkeit von Investitionsvorhaben. Ob dies im Rahmen von klassischen Beteiligungsmodellen oder strukturierten Projektfinanzierungen erfolgt, ist letztendlich zweitrangig und abhängig von den Nebenbedingungen des jeweiligen Initiators bzw. Investors. Die EnBW setzt auf solche partnerschaftlichen Modelle. Der erste kommerzielle Offshore-Windpark in Deutschland, EnBW Baltic 1 in der Ostsee, wurde von der EnBW zunächst über Fremdkapital finanziert. Nach erfolgreicher Fertigstellung haben wir dann 49 % der Anteile am gesamten Windpark an 19 Stadtwerke veräußert und sie damit beteiligt. Ein Beispiel, das zeigt: Die Energiewende ist finanzierbar, wenn sie als partnerschaftliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird.

Energieversorgung von . . .
Fortsetzung von Seite B 5 ein hohes Einsparpotenzial dar. Fast ein Drittel der Treibhausemissionen entstehen beim Heizen oder bei der Warmwasserbereitung. Genau an diesen Punkten setzt daher auch die Förderung des Wohnungsbaus an: Sie erleichtert Privatleuten und Wohnungsbaugesellschaften mit zinsverbilligten Krediten die erforderlichen Investitionen. In Baden-Württemberg legen die Landesprogramme bei der Förderung von Neubauten zusätzlich hohe energetische Mindeststandards an. Weiterer Schwerpunkt ist die Finanzierung der Sanierung und Modernisierung von Altbauten. Schließlich beabsichtigt die Landesregierung, die jährliche Sanierungsquote für den Gebäudebestand zu verdoppeln. Die L-Bank hat für das laufende Jahr geplant, die Sanierung von rund 15 000 Wohneinheiten zu finanzieren. Der Bedarf ist auf lange Sicht groß, denn in Baden-Württemberg wurden die meisten Wohngebäude vor 1978 gebaut. Sie allein verursachen 90 % der CO2-Emissionen im Wohnungsbestand. Gerade im privaten Bereich werden die entsprechenden Finanzierungen stark nachgefragt. Für Wohnungsbaugesellschaften bleibt die Entscheidung, in energetische Umbaumaßnahmen zu investieren, häufig eine Gratwanderung zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen. Aber auch für sie kann bei einer Bausubstanz aus den siebziger Jahren eine Sanierung erfolgversprechend sein, wie ein von uns gefördertes Projekt in Freiburg zeigt. Hier entstand das erste energetisch sanierte Passivhochhaus der Welt; ein Modellprojekt, das international in Fachkreisen Aufmerksamkeit erfährt. Energieeffiziente Gebäudesanierungen stehen aber auch für öffentliche Gebäude wie Kindergärten, Schulen oder Krankenhäuser an. Für die Kommunen besteht hier ein großes Energiesparpotenzial. Um Energie effizient einzusetzen, verfolgen die Gemeinden und Städte aber auch zahlreiche weitere Ansätze, wie etwa die Umstellung der konventionellen Straßenbeleuchtung auf LED, die den jährlichen Energiebedarf auf fast ein Fünftel des bisherigen Verbrauchs senken kann. Für alle diese kommunalen Investitionen gilt: Mit dem Angebot zinsverbilligter Finanzierungen erleichtern wir die Verwirklichung dieser Projekte – und reduzieren den Energieverbrauch langfristig.

Nicht nur der Umwelt zuliebe
Die Energiewende wird es nicht zum Nulltarif geben. Genau hier sehen die Bundes- und Landesförderinstitute auch ihren Auftrag – nämlich darin, die notwendigen Investitionen zu erleichtern: Sie bieten deshalb für alle möglichen Akteure – ob Privatmann, Kommune oder Unternehmen – und für (fast) jedes Vorhaben zinsgünstige Finanzierungen an. Die L-Bank arbeitet in BadenWürttemberg bei einer Vielzahl von Programmen mit den beiden Bundesinstituten zusammen. Wobei wir in diesen Programme jeweils zusätzlich eigene Mittel einsetzen, die für unsere Kreditnehmer in Baden-Württemberg die Zinsbelastung weiter verringern. Denn die Projekte, die wir jetzt finanzieren, sichern die Energieversorgung von morgen. Das Ergebnis wird sein: Mehr regenerative Energie wird gewonnen. Die vorhandene Energie wird besser genutzt und wird damit mehr bewirken. Weniger Energie wird verbraucht. Mit dem verringerten Einsatz von zunehmend teureren fossilen Brennstoffen steigt unsere Unabhängigkeit von Energieimporten. Umwelt und Klima werden weniger belastet. Die Impulse für die Gebäudesanierung und den Wohnungsbau wirken sich positiv auf die Auftragslage in Handwerk und Bauwirtschaft aus. Die neuen Technologien leisten einen entscheidenden Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und zur Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts. Als Banker würde ich sagen: Das liest sich wie ein attraktiver Businessplan.

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Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 223

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Europa nicht auf Kosten der Stabilen und Soliden retten
Sparkassen verfügen über solide Eigenkapitalausstattung und stabile Refinanzierungsbasis – Brüsseler Pläne gefährden Geschäftsmodell
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Baden-Württemberg gehört zu den wirtschaftsstärksten und wettbewerbsfähigsten Regionen in Europa. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt im Krisenjahr 2009 in Baden-Württemberg um 9,5 % abstürzte, konnte dieser Einbruch in den beiden folgenden Jahren rasch ausgeglichen werden. So wuchs die Wirtschaftsleistung in den Jahren 2010 und 2011 real um 6,3 bzw. 4,3 % – das bundesweit höchste Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig näherte sich der Arbeitsmarkt in weiten Teilen des Landes der Vollbeschäftigung. Die europäische Schuldenkrise und die rückläufige weltwirtschaftliche Dynamik ließen im Verlauf dieses Jahres die Konjunktur Baden-Württembergs zwar merklich abkühlen. Für 2012 geht man hinsichtlich des Wirtschaftswachstums aber immer noch von 1,5 bis 2 % aus. Das Geheimnis des baden-württembergischen Erfolgs ist die einzigartige Wirtschaftsstruktur des Bunkleine und mittlere Unternehmen zwei Drittel aller Arbeitsplätze. 80 % aller Lehrlinge werden von ihnen ausgebildet und sie sind für 80 % des gewerblichen Steueraufkommens verantwortlich. Aber gerade kleine und mittlere Unternehmen sind, um erfolgreich im Wettbewerb bestehen zu können, auf verlässliche Finanzpartner angewiesen, die ihre Kreditversorgung sicherstellen und auf sie zugeschnittene Finanzdienstleistungen vor Ort anbieten. So benötigen beispielsweise Existenzgründer und kleinere Unternehmen entsprechend kleinere Finanzierungsvolumina, die der Kapitalmarkt nicht zur Verfügung stellt und an deren Ausreichung Großbanken wenig interessiert sind. Die in ihrer Region verwurzelten baden-württembergischen Sparkassen garantieren mit ihrem streng realwirtschaftlich und regional ausgerichteten Geschäftsmodell und 2 500 Geschäftsstellen eine flächendeckende Kreditfinanzierung des Mittelstands sowie ein umfassendes Finanzdienstleistungsangebot von Corporate-Finance-Produkten über den Zahlungsverkehr bis hin zum Auslandsgeschäft. der jeweiligen Sparkasse und den ansässigen Unternehmen vor Ort eine langfristige, oft generationenübergreifende, vertrauensvolle Geschäftsbeziehung. Das Engagement der Sparkassen für die mittelständische Wirtschaft hat sich seit Ausbruch der Finanzbleibt die kontinuierliche Eigenkapitaldotierung für die Sparkassen eine der entscheidenden Herausforderungen. Nicht nur weil die Sparkassen aufgrund ihrer öffentlich-rechtlichen Rechtsform ihr Eigenkapital nur über selbst erwirtschaftete Gewinne stärken können, sondern weil auch die Regulierungsflut infolge der Krise, etwa mit Basel III, die Anforderungen in dieVon sem Bereich immer weiPeter Schneider ter nach oben schraubt. Und dies, obwohl sich gerade das Mittelstandsgeschäft als stabilisierend erwiesen hat. Deshalb setzen sich die Sparkassen bei Basel III Präsident des vehement für eine mitSparkassenverbands telstandsgerechte AusgeBaden-Württemberg staltung ein. Das wird von der Politik in krise als besonders wirksam gegen Deutschland mitgetragen und untereine Kreditklemme erwiesen. Wäh- stützt. Dadurch konnten in den letzrend sich Groß- und Auslandsban- ten Monaten Fortschritte bei der geken aus der Finanzierung des Mittel- planten Umsetzung von Basel III in standes zurückzogen, bauten die ba- europäisches Recht erzielt werden. Eine regulatorische Strangulieden-württembergischen Sparkassen ihr Kreditengagement für den Mittel- rung des im Vergleich zum Kapitalstand gerade in der Krise weiter aus, marktgeschäft relativ risikoarmen zwischen 2009 und 2011 um mehr Mittelstandsgeschäfts der Sparkasals 7 % auf über 47 Mrd. Euro. Hinge- sen wäre fatal für die vielen kleinen gen reduzierten nach den Zahlen und mittleren Unternehmen und dader Bundesbank die Großbanken ihr mit für Wachstum und Stabilität unEngagement in diesem Bereich um serer mittelständisch geprägten Wirtrund 2 % und die Auslandsbanken so- schaft. Aus diesem Grund halten die Sparkassen auch eine zentrale eurogar um 22 %. päische Bankenaufsicht nur für die größten systemrelevanten europäiRegulierungsflut belastet schen Banken für sinnvoll, eine EinBetriebswirtschaftliche Grundlage beziehung von rund 6 000 rein natiofür das hohe Engagement der Spar- nal und regional agierenden Kreditkassen in der Kreditfinanzierung der instituten wie den Sparkassen dageWirtschaft sind zwei Dinge: erstens gen für falsch, weil einer europäieine solide Eigenkapitalausstattung schen Aufsicht hier die notwendige und zweitens eine gesicherte Refi- Marktnähe fehlt. Neben einer soliden Eigenkapitalnanzierungsbasis. Mit einer Kernkapitalquote von derzeit 11,5 % liegen ausstattung benötigen die Sparkasdie baden-württembergischen Spar- sen eine ebenso stabile Refinanziekassen deutlich über den aufsichts- rungsbasis. Unsere Sparkassen refirechtlichen Eigenkapitalanforderungen. Dank der guten Ertragsentwicklung in den Krisenjahren konnten sie ihr Eigenkapital auch in der jüngsten Vergangenheit stärken. Dennoch nanzieren sich in bewährter und sicherer Weise über die umfangreichen Einlagen ihrer Kunden. Sie verfügen derzeit über Kundeneinlagen in Höhe von rund 115 Mrd. Euro bei einem Kreditvolumen von insgesamt 102 Mrd. Euro. Seit Beginn der Finanzkrise im September 2008 konnten die Sparkassen ein Plus von 15 Mrd. Euro bei den Einlagen verzeichnen. Das anhaltend hohe Einlagenwachstum zeigt, dass das Sicherheitsbedürfnis der Kunden stark gewachsen ist. Es bestätigt aber auch das große Vertrauen, das die Menschen den Sparkassen entgegenbringen. rausstellen. Die Nähe der Sparkassen zu ihren Kunden und ihre regionale Verwurzelung kann schließlich keine andere Institutsgruppe kopieren. Darüber hinaus bieten die Sparkassen ihren Kunden über ihre Institutssicherung einen optimalen Schutz der Kundengelder. Die von Brüssel im Rahmen der Bankenunion geplante einheitliche Einlagensicherung mit einem Schutzniveau von 100 000 Euro würde Letzteren jedoch nicht nur aufweichen. Sie würde die Haftungsmasse der

Preisaggressive Konkurrenz
Allerdings sehen sich die Sparkassen in letzter Zeit einer zunehmend preisaggressiven Konkurrenz im Einlagengeschäft gegenüber. Infolge der Schuldenkrise und der Verwerfungen an den Märkten haben sich erhebliche Zinsdivergenzen zwischen den Ländern herausgebildet. Aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus in Deutschland sind daher die Kundengelder im deutschen Markt sehr attraktiv, gerade für Banken aus dem Ausland. Denn das Zinsniveau im Einlagengeschäft in Deutschland erlaubt ihnen eine Refinanzierung mit Kundengeldern zu günstigen Konditionen, die weder an den Kapitalmärkten noch in vielen anderen Ländern realisierbar sind. Für unsere Sparkassen ist das eine große Herausforderung. Denn erstens ist das Kreditgeschäft der Sparkassen ebenfalls bestimmt durch das niedrige Zinsniveau hierzulande. Und zweitens sind Sparkassen keine gesichtslosen Direktbanken, sondern flächendeckend vor Ort präsent. Unsere Sparkassen müssen deshalb ihr Profil als Qualitätsanbieter mit erstklassigem Service und kompetenter Beratung zu fairen Preisen noch stärker bei unseren Kunden he-

„Das anhaltend hohe Einlagenwachstum zeigt, dass das Sicherheitsbedürfnis der Kunden stark gewachsen ist.“
Sparkassen den „Wackelkandidaten“ der europäischen Finanzindustrie ausliefern. Die Sparkassen wären damit ihres Geschäftsmodells, basierend auf Sicherheit und Solidität, beraubt. Die Pläne zur Bankenunion sind dabei nichts anderes als das Äquivalent zur Transferunion bzw. die Vergemeinschaftung von Schulden und Risiken auf Bankenebene. Es ist aber ein Fehler zu glauben, man könne Europa, sei es nun auf Ebene der Staaten oder der Banken, auf Kosten der Stabilen und Soliden retten. Wer Wachstum und Stabilität in Europa fördern will, darf die Soliden nicht schädigen, sondern sollte sich an ihnen orientieren. Zumal die Entwicklung von BadenWürttemberg eindrucksvoll zeigt: Ein wettbewerbsfähiger Mittelstand und stabile Sparkassen als verlässliche Kreditgeber sind die beste Versicherung gegen Krisen.

„Das Engagement der Sparkassen für die mittelständische Wirtschaft hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise als besonders wirksam gegen eine Kreditklemme erwiesen.“
deslandes: Das „Ländle“ ist eine Hochburg des Mittelstands. Innovationsfreudige, anpassungsfähige und weltweit erfolgreiche kleine und mittlere Unternehmen machen Baden-Württemberg zu einem äußerst dynamischen Wirtschaftsraum. Der baden-württembergische Mittelstand erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts und jeden zweiten Euro im Auslandsgeschäft. Dabei stellen

Experten in der Nähe
Die besondere Nähe zum Kunden macht die Sparkassen zu Experten, was die Bedürfnisse und Besonderheiten der Unternehmen angeht. Über 70 % aller Mittelständler haben eine Geschäftsverbindung zu einem Institut der Sparkassen-Finanzgruppe, für mehr als vier von zehn Unternehmen ist die Sparkasse Hausbank. Die Sparkassen begleiten zudem jeden zweiten Existenzgründer, die für sie nicht nur Frischzellenkur für die Volkswirtschaft sind, sondern selbstverständlich auch potenzielle Kunden. Das langfristige Wohlergehen ihrer Kunden und der ganzen Region, in der sie wirtschaften, liegt den Sparkassen am Herzen. Denn wenn es der Wirtschaft vor Ort gut geht, profitiert auch die Sparkasse. Deshalb besteht in der Regel zwischen

Baden-Württemberg holt auf beim Wagniskapital
VC-Fonds verbessern Startchancen für Jungunternehmer
Dies spiegelt sich auch in den Mittelzuflüssen aus dem High-TechGründerfonds wider, den das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die KfW-Bankengruppe sowie 14 Industriekonzerne als Public-Private-Partnership im Jahr 2005 ins Leben gerufen haben. Mit dem Fondsvolumen von aktuell rund 560 Millionen Euro hat der Fonds bisher 350 jungen Technologieunternehmen unVon ter die Arme gegriffen. Dirk Sturz Davon kommen gerade einmal 31 oder 8,6 % aus dem deutschen Südwesten. Damit steht Baden-Württemberg unter den Bundesländern zwar nicht auf dem letzten Platz, schneidet Leiter von aber auch hier unterproStuttgart Financial portional ab. Diese Analyse zeigt, tentanmeldungen mit einem Anteil dass der Südwesten sein Potenzial von 31,0 % im bundesweiten Ver- von möglichen Unternehmensneugleich an der Spitze – übrigens vor gründungen bei weitem nicht ausBayern mit 28,8 %, wie das Patent- schöpft. Vielmehr gibt es einen geund Markenamt für das Jahr 2011 wissen Nachholbedarf in Sachen vorrechnet. Kein Zweifel, Baden- Wagniskapital. Junge, innovative Württemberg ist eine der innovati- Technologieunternehmen können ihonsstärksten Regionen in Europa, ren Kapitalbedarf in der Frühphase wo man nicht nur pfiffige Ideen ent- in den wenigsten Fällen aus eigenen wickelt, sondern wo auch das techni- Mitteln bestreiten. Sowohl Fremdkasche Know-how für deren Umset- pital über Banken wie auch Eigenkapital von Venture Capital oder Wagzung vorhanden ist. niskapital-Gesellschaften sind oft schwer aufzutreiben. Rückstand bei Gründungen Um nun die Startbedingungen für Umso mehr mag es verwundern, Jungunternehmen zu verbessern dass das Land bei der Existenzgrün- und den erwähnten High-Tech Gründerquote unter den Flächenländern derfonds des Bundes zu flankieren, im Bund die rote Laterne hält. Mit ei- sind seitens des baden-württemberner Quote von 15 Betriebsgründun- gischen Ministeriums für Finanzen gen je 10 000 Einwohner liegt Ba- und Wirtschaft, von Förderinstituden-Württemberg im Jahr 2011 hier ten, Banken und in den Einrichtunauf dem letzten Platz der Rangliste. gen vor Ort zahlreiche UnterstütDie höchsten Betriebsgründungsquo- zungsangebote für Start-ups entwiten mit 21 pro 10 000 Einwohner er- ckelt worden. Hierzu zählen neben geben sich für die Bundesländer Bay- den Beratungs- und Informationsanern und Sachsen. Der Wert für geboten besonders der im Jahr 2009 Deutschland insgesamt liegt bei 18 gestartete „Seedfonds BW“. Der Seedfonds BW will gemeinsam mit Gründungen je 10 000 Einwohner. Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Baden-Württemberg gilt als das Kernland der Tüftler und Erfinder – und das mit Recht. So kommen auf 100 000 Einwohner im Ländle 133 Patentanmeldungen. Und auch im bundesweiten Vergleich liegt BadenWürttemberg vorn: Der deutsche Südwesten liegt bei der Zahl der Padem High-Tech Gründerfonds mehr chancenreiche Unternehmen in Baden-Württemberg identifizieren und diesen Innovationsträgern eine Startfinanzierung ermöglichen. Die Investoren des „Seedfonds BW“ sind neben der LBBW Venture Capital GmbH das Land Baden-Württemberg (Ministerium für Finanzen und Wirtschaft), die L-Bank und die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH. Der Seedfonds kann etwa beim Bau von Prototypen wertvolle Unterstützung leisten.

Getrübte Stimmung
Die Notwendigkeit für derartige Hilfestellungen ist auch vor dem Hintergrund der schlechten Stimmungslage am deutschen Beteiligungsmarkt zu sehen. So hat das German

„Kein Zweifel, BadenWürttemberg ist eine der innovationsstärksten Regionen in Europa, wo man nicht nur pfiffige Ideen entwickelt, sondern wo auch das technische Know-how für deren Umsetzung vorhanden ist.“
Private Equity Barometer, eine Art Messlatte für den Beteiligungsmarkt, im zweiten Quartal 2012 kräftig nachgeben. Der von KfW und dem Bundesverband deutscher Kapitalgesellschaften quartalsweise erhobene Geschäftsklimaindex liegt nun bei 23,4 Punkten und damit deutlich unter seinem historischen MittelFortsetzung Seite B 8

B 8 Börsen-Zeitung Nr. 223

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Sonnabend, 17. November 2012

Wiege und Hochburg des Bausparens
Baden-Württemberg zählt zu den umsatz- und leistungsstärksten Finanzplätzen Deutschlands – Bausparkassen sind ihrem Geschäftszweck treu geblieben
Börsen-Zeitung, 17.11.2012 Wer sich näher mit Baden-Württemberg befasst, kommt um das Bausparen nicht herum. Denn hier stand die Wiege dieses Spar- und Darlehensprodukts. Hier haben namhafte Unternehmen der Branche ihren Sitz. Hier gibt es das einzige Bausparmuseum. Die Bausparkassen machen Baden-Württemberg zu dem Bausparland Deutschlands und bilden einen wichtigen Pfeiler des Finanzplatzes mit seinen über 300 Kreditinstituten, die hier der Deutschen Bundesbank zufolge ihren Sitz haben. Auf vielen Gebieten genießt Baden-Württemberg in Deutschland einen hervorragenden Ruf. Es gilt als Land der Dichter und Denker, als von Wolkenkratzern und Investment Banking, sondern eher durch eine ausgewogene, gesunde Mischung überwiegend mittelständischer Finanzdienstleister geprägt ist – und nicht zu vergessen auch von der Börse Stuttgart. Der Kreis der in Baden-Württemberg beheimateten oder vertretenen Firmen umfasst über 300 Finanzinstitute aller Größenklassen, womit die Nachfrage von Unternehmen und Institutionen nach Finanzdienstleistungen voll abgedeckt werden kann. Der Finanzsektor in BadenWürttemberg zeichnet sich insgesamt durch eine kleinteiligere, diversifizierte Struktur aus und zieht daraus zugleich eine wesentliche Stärke. Dennoch gibt es auch hier in Gestalt der baden-württembergischen Bausparkassen bundesdeutsche Marktführer. 1921 in der schwäbischen 500-Seelen-Gemeinde Wüstenrot die Gemeinschaft der Freunde ins Leben, den Vorläufer der heutigen Wüstenrot Bausparkasse. In seinem damaligen Wohnhaus, dessen Wohnstube als erstes provisorisches Büro diente, befindet sich heute das erste Namentlich Wüstenrot hat sich in den vergangenen Jahren aufgemacht, aktiv zur Konsolidierung in der Bausparbranche beizutragen. Durch die Übernahme der Vereinsbank Victoria Bauspar AG 2009 und der Allianz Dresdner Bauspar AG 2010 hat sich Wüstenrot im Markt als Kooperationsbausparkasse etabliert und zahlreiche VertriebsVon partnerschaften mit beBernd Hertweck deutenden Partnern geschlossen. Damit erweiterte sich der Kreis und die Zahl der potenziell direkt erreichbaren Kunden um ein Mehrfaches. Im Verein mit Mitglied des Vorstands solidem, organischem der Wüstenrot Wachstum der eigenen Bausparkasse Ausschließlichkeitsorganisation konnte Wüstenrot mittels dieser Geund einzige Bausparmuseum. schäftsstrategie ihren Marktanteil Kropps Idee der Hilfe zur Selbsthilfe innerhalb der letzten Jahre fast verfand schon bald in der regionalen doppeln und ist nun, gemessen am Nachbarschaft erste Nachfolger. So- Neugeschäft, die Nummer 2 am mit wurde der Keim der heutigen Do- Markt. minanz baden-württembergischer Bausparkassen bereits vor vielen Um den Wohnraum bemüht Jahrzehnten gelegt. Zumal die Institute stets ihrem ursprünglichen GeDie Position Baden-Württembergs schäftszweck treu geblieben sind als Bausparland Nummer 1 bezieht und die Immobilienfinanzierung – sich jedoch nicht allein auf die Angeob über klassisches Bausparen oder bots-, sondern auch auf die Nachfraaußerkollektive Immobilienkredite geseite. Unter den Bundesbürgern – immer als Kerngeschäft gepflegt sind Schwaben und Badener mit Abhaben. Ganz im Gegensatz zu ande- stand die fleißigsten Bausparer. Mit ren Finanzdienstleistern, deren Ei- deutlich mehr als 400 Bausparverträgentümer das Bausparen eher als gen je 1 000 Einwohner und der Möglichkeit betrachtet haben, ihre höchsten abgeschlossenen Bausparsonstige Geschäftstätigkeit abzu- summe liegen die Baden-Württemrunden. berger eindeutig an der Spitze aller Bundesländer. Entgegen dem verbreiteten Klischee vom Bausparen Die fleißigsten Bausparer als einer angeblich urschwäbischen Hierin ist auch ein wesentlicher Leidenschaft bestehen hier zwischen Grund dafür zu sehen, dass die Badenern und Württembergern Marktposition der baden-württem- kaum Unterschiede. Beide „Stämbergischen Bausparkassen in den me“ liegen bei der Ausstattung mit letzten Jahren noch gewachsen ist. Bausparverträgen nahe beieinander und deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Hierin spiegelt sich nicht nur der tiefverwurzelte, offenbar stärker als in anderen Regionen ausgeprägte Wunsch nach den eigenen vier Wänden wider, sondern auch die ausgeprägte Bereitschaft, Bestehendes zu erhalten und zu modernisieren. Zusätzlich zu der Tatsache, dass die eigentumsbasierte Wohnraumversorgung im bundesdeutschen Vergleich schon mit zu den Besten zählt, sind die BadenWürttemberger auch eifrig bemüht, ihren Wohnraum zu pflegen, zu renovieren und zu modernisieren. sondern erweist sich als nahezu unverzichtbar für den Bereich Modernisierung/Renovierung. Ausgehend von strengeren gesetzlichen Vorschriften und zusätzlich getrieben von steigenden Energiepreisen, erlebt die Modernisierungsfinanzierung derzeit einen regelrechten Boom. Ohne Bausparverträge, die sich mit einem durchschnittlichen Finanzierungsvolumen von rund 30 000 Euro meist im Rahmen der durchschnittlichen Kosten einer Renovierungsmaßnahme bewegen, werden diese Investitionen nicht bewältigt werden können.

Stabiler Anker in der Krise
Das deutsche System der Wohnungsbaufinanzierung inklusive des Vorsparsystems Bausparen ist im internationalen Vergleich durch sein Ziel der Risikominimierung gut aufgestellt, wie sich gerade in der Finanzkrise gezeigt hat. An die Käufer von Wohnimmobilien werden in Deutschland traditionell hohe Anforderungen hinsichtlich ihrer Eigenkapitalausstattung gestellt. Erstrangig besicherte Darlehen decken hierzulande nur etwas mehr als die Hälfte der gesamten Anschaffungskosten ab. Die Restsumme muss über Eigenkapital und nachrangig besichertes Fremdkapital finanziert werden. Bausparverträge erfüllen vor diesem Hintergrund eine doppelte Finanzierungsfunktion, indem Bausparer Eigenkapital bilden und zugleich einen Anspruch auf ein Bauspardarlehen mit einem im Voraus festgelegten Zinssatz erwerben, der bis zum Schluss unveränderlich ist. Diese konservative Konstruktion ist außerordentlich solide, wie das Platzen der Immobilienblasen in den USA und einigen europäischen Ländern eindrucksvoll bestätigt hat. Bausparen erfüllt aber nicht nur eine wichtige Funktion als Eigenkapitalergänzung im Neubau,

Starker Wirtschaftsfaktor
Nicht zuletzt sind die baden-württembergischen Bausparkassen auch gesamtwirtschaftlich und strukturpolitisch ein relevanter Faktor: Mehr als 14 000 Arbeitsplätze werden durch die Bausparkassen in BadenWürttemberg gesichert. Die gesamte jährliche Wertschöpfung dieses Sektors bewegt sich zudem im zehnstelligen Bereich – angefangen bei den Zahlungen an die Mitarbeiter in Form von Lohn- und Gehalts- sowie Provisionszahlungen von insgesamt über 1,2 Mrd. Euro inklusive darauf entfallender Sozialabgaben über die Leistungen an die Eigentümer in Form von Dividenden oder nicht ausgeschütteten Gewinnen in Höhe von 175 Mill. Euro bis hin zu den Steuerzahlungen in Höhe von rund 165 Mill. Euro. Schon nach diesen wenigen kurz dargestellten Fakten wird deutlich, dass Baden-Württemberg – neben vielem anderen – sicherlich das Bausparland Deutschlands schlechthin ist. Damit dürfen sich die hiesigen Bausparkassen in die Reihe der Finanzdienstleister einreihen, die charakteristisch und unverzichtbar für den Finanzplatz Baden-Württemberg sind und seinen besonderen Charakter ausmachen.

„Bausparen erfüllt aber nicht nur eine wichtige Funktion als Eigenkapitalergänzung im Neubau, sondern zeigt sich als nahezu unverzichtbar für den Bereich Modernisierung/ Renovierung.“
Heimat der Tüftler und Erfinder und ist Sitz von zahlreichen großen und kleinen Weltmarktführern im Automobil- oder Maschinenbau. Doch die Region zwischen Konstanz und Mannheim hat noch weit mehr zu bieten als Spätzle, Sportwagen und Systeme: zum Beispiel einen Finanzplatz, der mit über 150 000 Beschäftigten zu den leistungs- und umsatzstärksten in Deutschland zählt und dessen Charakter weniger

Marktanteil bei 50 Prozent
Gemessen an wesentlichen Kenngrößen wie Neugeschäft, Vertragsbestand und Zahl der Kunden liegen die Bausparkassen im Ländle als Gruppe bei den Marktanteilen bundesweit im Bereich von jeweils rund 50 % und spielen somit beinahe in einer eigenen Liga. Anders formuliert: Die vier in der Arbeitsgemeinschaft der Baden-Württembergischen Bausparkassen organisierten Institute Deutsche Bausparkasse Badenia, Landesbausparkasse Baden-Württemberg, Bausparkasse Schwäbisch Hall und Wüstenrot Bausparkasse bringen damit ebenso viel Neugeschäft und Kundenbestand auf die Waage wie die anderen neun privaten und neun öffentlich-rechtlichen Bausparkassen insgesamt in Deutschland. Die hervorragende Position der baden-württembergischen Bausparkassen kommt nicht von ungefähr und ist untrennbar mit dem Namen Georg Kropp verbunden. Er rief

Baden-Württemberg holt auf . . .
Fortsetzung von Seite B 7 wert von 35,9 Punkten. Insbesondere die Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird von den befragten Private-Equity-Gesellschaften als so gra-vierend eingeschätzt, dass eine negative Stimmung auf dem deutschen Beteiligungsmarkt dominiert. Zwar beurteilen die Marktteilnehwerk für Beteiligungskapital“, ins Leben gerufen. Die beiden wichtigsten Ziele von VC-BW sind, die Gründerszene in Baden-Württemberg für Investoren auch jenseits der Landesgrenze sichtbarer zu machen und die Transparenz der Angebote für kapitalsuchende Start-ups zu erhöhen. Denn VC-BW soll dazu beitragen, die Finanzierungslücke von Unternehmen in der Gründungsphase zu schließen und den Zugang zu Beteiligungskapital zu erleichtern. Im Vordergrund steht hier der Austausch von Wissen und Informationen zwischen den Akteuren. Hierbei stimmen sich das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft und Stuttgart Financial eng mit den Initiatoren aus der Gründerszene ab. Damit wird eine Plattform geschaffen, die die Suche nach einem passenden Unternehmen beziehungsweise nach einem passenden Investor helfen kann. zahlreichen Informationen zu den bereits existierenden Netzwerken und deren Aktivitäten eine aggregierte Darstellung der Gründer- und VC-Szene in Baden-Württemberg bieten. Außerdem veranstaltet VCBW gemeinsam mit den baden-württembergischen Investoren und Netzwerken sowie der L-Bank jährlich einen VC-Pitch. Hier stellen sich von den Netzwerken empfohlene Unternehmen mit einem Kapitalbedarf ab 500 000 Euro vor, sozusagen ein „Best of Baden-Württemberg“. Die Gründer können im Rahmen des Pitches direkt mit den Investoren in den Dialog treten und Feedback zu ihrem Geschäftsmodell sowie der Präsentation erhalten. Und im Idealfall gelingt durch den Pitch die Finanzierung. Hilfreich war bei der Gestaltung von VC-BW der Blick über die Grenze in die Schweiz. Die Aktivitäten der Schweizer Vereinigung CTI Invest standen für das VC-BW Netzwerk Pate. Mit VC-BW wird das gemeinsame Ziel verfolgt, die bereits bestehenden Aktivitäten in BadenWürttemberg zu bündeln und branchenübergreifend darzustellen. Im innovationsstarken BadenWürttemberg steckt viel Dynamik. Auch die VC-Landschaft ist im Aufbruch. Jeder potenzielle Investor von Wagniskapital sollte daher vor einer Anlage-Entscheidung auf jeden Fall einen Blick in die Region wagen. Die Plattform www.vc-bw.de kann dabei helfen.

„Die beiden wichtigsten Ziele von VC-BW sind, die Gründerszene in BadenWürttemberg für Investoren auch jenseits der Landesgrenze sichtbarer zu machen und die Transparenz der Angebote für kapitalsuchende Startups zu erhöhen.“
mer die Nachfrage nach Beteiligungskapital und die Qualität der bei ihnen eingegangenen Anfragen als sehr gut. Außerdem ist es vor diesem Hintergrund als Erfolg zu verbuchen, dass die Bundesratsinitiative zur Einführung der Steuerpflicht für Streubesitzbeteiligungen vorerst nicht weiterverfolgt wird. Diese hätte zur Folge gehabt, dass Business Angels durch die Besteuerung ihrer Beteiligung weniger Mittel für die Start-ups zur Verfügung gehabt hätten. Diese Faktoren reichen offenbar momentan jedoch nicht aus, um den negativen Einfluss des wirtschaftlichen Umfeldes auf das Geschäftsklima zu kompensieren.

Ergänzendes Schaufenster
Natürlich leisten die bestehenden Netzwerke mit zahlreichen Aktivitäten bereits einen wichtigen Beitrag. Allerdings sind diese Netzwerke in Baden-Württemberg meist branchenspezifisch oder regional organisiert, was einen allgemeinen Überblick erschwert. Daraus entstand der Gedanke, ergänzend ein landesweites und branchenübergreifendes Schaufenster zu schaffen. Das Portal www.vc-bw.de soll daher mit seinen

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Wirtschaftsraum Baden-Württemberg
Am 17. November 2012 Redaktion: Alexandra Baude Anzeigen: Dr. Jens Zinke (verantwortlich) Technik: Tom Maier Typografische Umsetzung: Daniela Störkel

Orientierung und Austausch
Damit den Investoren und Startups neben der Unterstützung durch die initiierten Fonds auch eine Orientierungshilfe geboten werden kann, haben das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft in Baden-Württemberg und Stuttgart Financial die Plattform für Finanzthemen in Baden-Württemberg, im Rahmen der Gründungsoffensive „VC-BW – Netz-

Verlag der Börsen-Zeitung in der Herausgebergemeinschaft WERTPAPIERMITTEILUNGEN Keppler, Lehmann GmbH & Co. KG, Düsseldorfer Straße 16, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069/2732-0, (Anzeigen) Tel.: 069/2732-115, Fax: 069/233702, (Vertrieb) 069/234173. Geschäftsführer: Ernst Padberg Druck: Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH; Kurhessenstraße 4–6, 64546 Mörfelden-Walldorf