Interview mit Herrn Majid Mohammadi über die Sektenpraktiken der iranischen Volksmojahedin (MEK/PMOI/MKO) im Übergangslager

Camp Liberty

12.11.2012 nejatngo.org - Übersetzung von AAWA Association e.V.

Link zum Artikel: http://www.nejatngo.org/en/post.aspx?id=4900

Das Büro der Nejat Society in Mazandaran führte ein Interview mit Herrn Majid Mohammadi, einem ehemaligen Mitglied der Mojahedin-e Khalq Organisation. Herr Mohammadi floh im Mai 2012 aus Camp Liberty, einem Übergangslager (Temporary Transit Location - TTL) im Irak. Nejat Society: Herr Mohammadi, was dachten Sie und ihre Kollegen über Camp Liberty, bevor Sie dorthin umzogen? Majid Mohammadi: Wie Sie wissen war Camp Ashraf ein isolierter, nur der MEK zugänglicher Ort, an dem die Mitglieder rund um die Uhr kontrolliert wurden. Als die Idee des Umzuges nach Camp Liberty aufkam, dachte die Mehrheit der Leute, dass sie endlich an einen anderen Ort kommen, der nicht so abgeschirmt und kontrolliert ist und dass sie mit der Außenwelt in Kontakt kommen würden. In unseren privaten Unterhaltungen sagten wir immer, dass wir letztendlich einen Weg finden würden, den Irak zu verlasen. Einige der Mitglieder, die nicht in den Iran zurückkehren wollten, waren glücklich, weil sie dachten, dass Liberty ihnen die Möglichkeit geben würde, ins Ausland zu gelangen. Aber wir wussten nicht, dass die Rajavis vorhatten in Liberty ein neues Ashraf zu errichten. - Was meinen Sie mit “ein neues Ashraf errichten” Ich meine damit, dass die Kontrolle durch die Organisation und die von den Rajavis antrainierten Sektenpraktiken in Camp Liberty noch schlimmer waren, als die in Camp Ashraf. Die MEK-Führer wussten, dass Liberty nicht wie Ashraf ist. Es ist kein isoliertes und geschlossenes Areal, dass keinen Kontakt zur Außenwelt hat, weswegen sie die Kontrolle durch die Organisation in Liberty erhöhten, um Ausstiege zu vermeiden und den möglichen Zerfall des Kultes zu verhindern.

Seit unserer Ankunft in Camp Liberty wurden von einem der kriminellen Komandeure der MEK namens Abbas Davari, der bereits früher dorthin geschickt wurde, Sitzungen für die Mitglieder abgehalten. Er sagte: „Der Unterschied zwischen Liberty und Ashraf ist, dass das alte Lager komplett unter unserer Kontrolle war. Keiner konnte sich in die Angelegenheiten der Organisation einmischen. Hier in Liberty sind wir von der Außenwelt und den irakischen Soldaten abhängig. Wir sollten hart daran arbeiten, dieses Lager zu behalten und es in ein ein neues Ashraf zu verwandeln.“ Um diejenigen, die realisiert hatten, was es bedeutet, Ashraf zu „verlieren“, zu festigen, sagte er: „Es ist richtig, dass Liberty ein Übergangslager ist, aber ihr sollt wissen, dass Ashraf wiedergeboren wird. Wir werden den Irak niemals verlassen.“ In Camp Liberty konnten sie den Tagesablauf der Mitglieder nicht mit Arbeit ausfüllen, also erhöhten sie die Zahl der Sitzzungen zur Bewusstseinskontrolle. Wir mussten über 12 Stunden am Tag an verschiedenen Manipulationssitzungen teilnehmen. - Herr Mohammadi, Sie sprechen von ausgefüllten Tagesabläufen in Liberty. Was war ihre tägliche Routine? Vom frühen Morgen an (ab der Gebetsstunde) bis in die späte Nacht, waren wir für Arbeiten eingeteilt. Die Führer der Organisation ließen uns sinnlose Arbeiten verrichten. Zum Beispiel mussten wir unter dem Vorwand Wege und Strassen zu bauen, den Sand im Camp umher transportieren. Unsere tägliche Routine war es, den Sand zu den Stellen, die uns die Kommandeure sagten, zu bringen, aber weil der Raum begrenzt war, suchten sie nach Fehlern, wenn die Arbeit erledigt war. Sie sagten: „Dein weiblicher Vorgesetzter ist mit deiner Arbeit unzufrieden“ oder „Du hättest dich genau an den Plan halten müssen“ etc. Dann mussten die Mitglieder den Sand wieder an einen anderen Ort bringen, bis die Arbeitszeit vorbei war. Im Bezug auf die Sitzungen sprach ich von 12 Stunden am Tag. Unser Tagesablauf war zu frühstücken, dann Sandtragen bis 10.30 Uhr. Dann gab es eine kleine Pause und Sitzungen bis zum Mittag. Nach dem Essen gingen die Sitzungen weiter bis Sonnenuntergang, dann wieder eine kurze Pause zum Tee trinken. Danach konnten wir etwas Sport machen, obwohl es keine Möglichkeiten gab, irgendwelche Sportarten zu machen. Nach dem Abendessen gab es wieder Sitzungen bis Mitternacht. - Wie lange waren Sie in Liberty? Wie waren die Bedingungen und die Unterbringung dort? Liberty war ein matschiges Gebiet in der Nähe des Flughafens. Es war auch bekannt als Saddam Husseins Jagdrevier. Nach der amerikanischen Invasion wurde das Land von den US-Truppen trocken gelegt und mit Sand bedeckt, um dort eine Basis zu errichten. In Anbetracht der Ausweisung der MEK aus dem Irak, wurde das Camp der Organisation als Übergangslager zur Verfügung gestellt, gemäß der Vereinbarung zwischen den Vertretern der UN und der irakischen Regierung. Ein Teil des Areals, etwa 500 m2, umringt von irakischen Einheiten, wurde ausgewiesen, um dort die MEK-Mitglieder unter zu bringen. Die irakische Polizei hat sechs Stationen innerhalb der Basis. Das Lager besteht aus 7 Bereichen, von denen jeder in vier Blocks eingeteilt ist. Die Flüchtlinge leben in

Wohncontainern. Jeder Container wird von 7 Personen bewohnt. Es ist erwähnenswert, dass nach dem Abkommen, das von dem UNHCR-Beauftragten ausgehandelt worden war, jeder Container nur für zwei Personen gedacht war, aber die MEK-Führer brachten sieben Personen in jedem Container unter, damit sich keine Gespräche im Privaten entwickeln können und um die Mitglieder besser kontrollieren zu können. Die anderen Container werden für Manipulationssitzungen, wie die über „laufende Operationen“ oder „wöchentliche Säuberungen“ verwendet und natürlich für die Kommandanten. Aufgrund des zwischen der irakischen Regierung und der UN unterzeichneten Abkommens, sollte jeder Container mit einem Fernseher, Klimaanlage und Telefon ausgestattet sein, aber die MEK-Führer entfernten alle Telefone und die TV-Antennen. Uns war nur erlaubt, den MEK-Kanal in den Speisesälen zu bestimmten Zeiten zu sehen. Um uns noch mehr Druck und Beschränkungen aufzuerlegen, erlaubten sie uns nicht, die Einrichtungen zu benutzen, die von den amerikanische Truppen zurückgelassen wurden. Zum Beispiel war es verboten, die Turnhalle zu benutzen, die voll ausgestattet war. Ihre Begründung dafür war: „Wenn wir die Turnhalle öffnen, möchten die Mitglieder ihre Körper trainieren und das nährt die Sehnsucht nach einer Frau nund einem normalen Leben. Deswegen ist das Verbot die Fitnessgeräte zu benutzen eine Art opportunistischer Akt.“ Die MEK-Führer ließen uns noch nicht einmal die Übungsmatten der US-Soldaten benutzen. „Sie haben den Geruch des Lebens, sie sollten sie nicht benutzen“, sagten sie. - Hat das Bewusstseinskontrollsystem genau so funktioniert, wie in Ashraf? Ja, genau so. Der Transfer vom Mitgliedern von Ashraf zum neuen Ort, der „ Temporary

Transit Location“ (TTL) genannt wird, hat den Horizont der Leute geöffnet. Die MEK-Führer müssen ihre Kontrolle über die Mitglieder erhöhen, damit sie die Sektenartigen Strukturen und Beziehungen aufrecht erhalten können. Sie rufen alle Mitglieder zusammen und halten lange Sitzungen ab. Sie fürchten ernsthaft, dass die Mitglieder sich miteinander unterhalten. Um sie davon abzuhalten, mit ihren Kameraden zu kommunizieren, haben sie die 500 qm große Fläche mit Sandsäcken in kleinere Einheiten aufgeteilt. Die 7-Personen-Container sind in zwei Einheiten aufgeteilt, die jeweils von einem hochrangigen Führungsmitglied beaufsichtigt werden, um die 24 Stunden Kontrolle über die Mitglieder zu erhöhen. Die Lagerführung hat auch große Angst vor Ansammlungen von mehreren Mitgliedern an einem Ort. Die Mitglieder dürfen sich deshalb nur in den Speisesälen gemeinsam zur selben Zeit aufhalten. Jede Einheit muss unter der Überwachung ihrer Kommandanten, der ihnen auch sagt, wo sie sitzen dürfen und wann sie den Speisesaal wieder verlassen dürfen, spezielle Abläufe befolgen. Andererseits behaupten sie, dass an dem der Druck, der in Liberty aufgebaut wird, der Krieg, den wir gegen den Iran führen, schuld ist. Sie sagen: „Wir sind im Kampf.“ Sie versuchen die Mitglieder so zu manipulieren, dass diese nichts anderes mehr glauben können und dadurch auch andere Entscheidungen treffen. - Was denken die MEK-Führer darüber, den Irak zu verlassen? Im großen und Ganzen haben sie weder in Ashraf, noch in Liberty angedeutet, dass sie wirklich den Irak verlassen wollen. Im klaren Gegensatz dazu haben sie ihren Führungsmitgliedern gesagt, dass sie TTL in ein neues Ashraf umwandeln werden und behauptet, dass der Arabische Frühling auch im Irak die Wende bringen werde und sich dadurch die Situation für die Organisation zum Guten wenden werde. Für die niedrigeren Mitglieder hatten sie aber andere Argumente.

Sie sagten ihnen, dass sie noch geduldig sein müssen, bis das Problem, den Irak verlassen zu können, gelöst ist. „Wenn ihr nicht bei uns bleiben wollt, dann seid unsere Gäste, bis eine Lösung für euer Problem gefunden wurde. Aber gebt nicht auf und geht auf keinen Fall in den Iran zurück“,
forderten sie uns auf. Eine andere Sache, die ich im Zusammenhang mit dem Druck in Liberty erwähnen sollte, ist die Tatsache, dass die ständigen schriftlichen und Audio-Nachrichten von Rajavi das eigentliche Problem der Mitglieder sind. Er will seine Truppen überzeugen, nicht aufzugeben und dort zu bleiben. Dadurch können die Kommandanten die Mitglieder einfacher unter Kontrolle halten. In seiner letzten Nachricht, hat er seinen Anhängern vier Optionen in Aussicht getstellt: Erstens: Wenn du deinen Austritt ankündigst, liefern wir dich den Irakern aus und die werden dich umgehend dem Iran aushändigen, wo du vor Gericht gestellt und hingerichtet wirst. (Es ist erwähnenswert, dass wir, bevor wir diese Optionen angeboten bekamen, unzählige Sitzungen hatten, in denen wir davon überzeugt wurden, dass wir im Iran gefoltert und hingerichtet werden, weswegen jeder Angst davor hat, in den Iran zurückzukehren. Diese Option wurde vorgeschlagen, nachdem unsere Gedanken manipuliert waren.) Zweitens: Wenn du eine gute Familie in Europa hast, dann können die dafür sorgen, dich zu ihnen zu bringen. (Praktischerweise war diese Option keine Möglichkeit für die Meisten der Mitglieder, da sie niemanden in Europa haben.) Drittens: Bleib bei den Mojahedin und überlasse dein Schicksal der Organisation. Und nach einiger Zeit bot er uns die vierte Option: „Bleib bei den Mojahedin als Gast.“ Das Resultat all dieser Optionen war, das man auf jeden Fall in der Organisation blieb und sich ihren schmutzigen Praktiken unterwerfen musste. In all seinen Nachrichten hat Rajavi eine Rückkehr in den Iran als Hochverrat angesehen. Er machte ein Tabu aus dieser Option. - Herr Mohammadi, wie denken Sie über das Schicksal der Menschen, die momentan in Liberty gefangen gehalten werden? Meiner Meinung nach ist die Situation der MEK in Liberty genau die selbe, wie in Ashraf. Die Mitglieder sollen so lange wie möglich in Unsicherheit gelassen werden. Obwohl sie siet drei Jahren nicht mehr auf der Terrorliste der Europäischen Union stehen, konnte nicht ein einziges Mitglied den Irak verlassen. Darüber hinaus möchte die MEK-Führung auch nicht, dass ihre Mitglieder den Einflussbereich der Organisation und den Irak verlassen. Tatsächlich sind die Rajavis die Hindernisse der Aussiedlung aus dem Irak. Ich glaube, dass Rajavi nicht zögern würde, tausende Menschen sterben zu lassen, um sicher zu stellen, dass er im Irak bleiben kann. - Was ist Ihr Vorschlag, wie man ihnen helfen kann, damit sie den Irak so bald wie möglich verlassen können?

Genau so, wie die Präsenz von Familienangehörigen vor Camp Ashraf einige Mitglieder aufgeweckt und dazu gebracht, zu entkommen, wird auch die Präsenz von Familienangehörigen vor Camp Liberty hilfreich sein, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass Liberty von der Größe her viel kleiner ist, als Ashraf und dass der Druck dort viel größer ist. Die Familien können eine Schlüsselrolle bei der Befreiung ihrer Angehörigen spielen. Die Familien können ihre Kinder davon überzeugen, dass sie in der Löage sind, die richtige Entscheidung zu treffen, indem sie die Vertreter der UN auffordern, ihre Angehörigen zu treffen. - Vielen Dank für die Zeit, die Sie der Nejat Society gegeben haben. Eine letzte Frage noch, was werden Sie jetzt machen? Ich bin ein Bauarbeiter und werde, beeindruckt von Maryam Rajavis ideologischer Revolution, bald heiraten!