You are on page 1of 3

Die Energiewende in Deutschland – Trauerspiel oder Komödie?

   
Ulrich Wolff Juli 2012 Die jährliche Stromerzeugung in Deutschland variiert seit zehn Jahren geringfügig um 600 TWh1. Diese Strommenge liefern Kraftwerke mit einer durchschnittlichen Gesamtleistung von 70 GW2 in das Netz. Ein Wert der Jahreshöchstlast von etwa 77 GW, der z. B. am 16. 12. 2004 gemessen wurde, ist typisch für den maximalen Strombedarf des Landes. Mit einer Reserve von z. B. weiteren 10% für unvorhersehbare Ereignisse3 ist daher für den zuverlässigen Betrieb des Netzes eine „gesicherte“ Kraftwerksleistung von mindestens 85 GW erforderlich. Der gesicherte Strom-Mix der Vergangenheit umfasst als wesentliche Quellen Kohle, Kernkraft, Erdgas und Wasserkraft4. Einen substantiellen Gewinn an Netzstabilität und Versorgungssicherheit bewirken Errichtung und Betrieb zusätzlicher Pumpspeicher Kraftwerke5 bei Inkaufnahme eines Verlustes von jeweils 10 – 20% des gespeicherten Stroms. Dreißig solcher Werke haben gegenwärtig eine Leistung von knapp 7 GW und eine Speicherkapazität von 0,04 TWh, die durch Zubau realistisch auf etwa 0,06 TWh erhöht werden kann. Ihr Einsatz kann maximal 10% des Strombedarfes für etwa 6 Stunden ersetzen. Dieser Mix ermöglichte auch eine sehr zuverlässige preisgünstige Versorgung der Haushalte mit Strom6. Auf Preisbasis 2012 wären das etwa 12 – 13 Cent/kWh, die sich mit dem aktuellen Preis von 12 Cent/kWh in Frankreich oder sogar nur 7 Cent/kWh in Texas vergleichen. Diese Grundlage der Stromversorgung in Deutschland galt, bis Politiker des Landes vor etwa 25 – 30 Jahren damit begannen, „ den Energieversorgern das Heft aus der Hand zu nehmen“. Eine (schleichende) Energiewende7 begann unter dem Motto: Kohle muss weg! Kernenergie, nein danke! (Die Kernspaltung hat Otto Hahn zwar entdeckt, jedoch geschah das offenbar exklusiv für die Welt außerhalb Deutschlands!). Wind und Sonne tun es nachhaltig! Als vorläufiges Zwischenergebnis dieser mit Fleiß betriebenen Politik bietet ein preisgünstiger Versorger den Haushaltsstrom in 2012 für 25 Cent/kWh an. Die Erklärung liefern beispielhaft einfache Fakten: Am 23. Mai 2012 erreichen Windkraftwerke eine installierte Leistung von 29,7 GW. Sie erzeugen am 23. Juli 2012 um 0:00 Uhr eine Leistung von 1 GW, die bis 12:00 mittags auf etwa 2 GW ansteigt. 27,9 GW stehen nicht nutzbar in der Landschaft. Am 23. Mai 2012 erreicht die Photovoltaik eine installierte Leistung von 23,7 GW. Am 23. Juli 2012 um 0:00 Uhr ist ihre Leistung erwartungsgemäß gleich Null um bis 12:00 Mittags („high noon“) auf 22 GW anzusteigen. In der Nacht soll preisgünstiger Strom einspringen, zur Mittagszeit muss ein Drittel dieser „gesicherten“ Stromversorgung ungenutzt abschalten damit der Solarstrom wenigstens auch eingespeist werden kann

 

8 Kernkraftwerke, die an 7500 Stunden des Jahres Strom für etwa 4 Cent/kWh ins Netz gespeist hatten wurden ganz abgeschaltet. Durch Wind und Sonne „erzeugbarer“ Strom wird vom privaten Verbraucher auch dann bezahlt, wenn eine Einspeisung technisch nicht möglich ist; der tatsächlich gelieferte Strom ist teuer und erhöht die Preise der Beiträge der Kraftwerke, deren Strom verdrängt wird. Windkraft und Photovoltaik haben trotz einer installierten Leistung von 60 GW bisher nicht ein einziges Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk ersetzen können. Stattdessen hat die Abschaltung von 8 Kernkraftwerken die Versorgungssicherheit insbesondere im Winter wesentlich verringert. Die Fortsetzung der Installation von Windkraft und Photovoltaik und ihre Ausbauziele erinnern unübersehbar an das „Rathaus ohne Fenster in Schilda“. Dazu folgend einige leicht prüfbare und nachvollziehbare Fakten: Wenn Wasserkraft, Biomasse, Hausmüll und sonstige alternative Quellen jährlich bei einer installierten Leistung von etwa 15 GW insgesamt 100 TWh „gesicherten“ Strom beitragen können, müssen Sonne und Wind je 250 TWh, insgesamt etwa 500 TWh liefern. Windkraft erreicht (abhängend von den Windverhältnissen) an Land eine zeitliche Verfügbarkeit8 von 15 bis 22%, „off shore“ soll der Beitrag auf 30% bis 45 % ansteigen. Um 250 TWh zuverlässig zu erzeugen, sind daher an Land Windkraftwerke mit einer Nennleistung von 190 GW, auf See 85 GW erforderlich, bei hälftiger Aufteilung insgesamt also etwa 135 GW. Photovoltaik erreicht in Deutschland eine zeitliche jährliche Verfügbarkeit von 8 bis 12%. Um z. B. bei 10% ebenfalls 250 TWh pro Jahr zu erzeugen, muss daher mindestens eine Nennleistung von 285 GW installiert werden. Das Leistungsangebot dieses Strom-Mix variiert dann zwischen etwa 15 GW (nachts bei Windstille) und etwa 420 GW (mittags bei klarem Himmel und optimalem Wind). Eine Erhöhung der Kapazität der Stromnetze9 zur Aufnahme von 420 GW statt 85 GW wäre zwar erforderlich, könnte das Versorgungsproblem jedoch leider nicht lösen, da der maximale Strombedarf in Deutschland 80 GW nicht übersteigt. Der unverzichtbare Netzausbau müsste daher ergänzt werden um Stromspeicher. Den geringsten zusätzlichen wirtschaftlichen Schaden verursachen Pumpspeicher Kraftwerke mit einer dann erforderlichen Nennleistung von mindestens 350 GW. Das ist mehr als das 40 Fache der existierenden Werke. Diese Werke müssen den überschüssigen Strom in sonnen- und windreichen Perioden sammeln und in schwachen Phasen abgeben. Wenn z. B. Im Winter bei andauernder Flaute und bedecktem Himmel etwa 80 % des durchschnittlichen Strombedarfes für nur 14 Tage lieferbar sein sollen, müsste die   2 

 

Speicherkapazität mindestens 20 TWh betragen. Das ist das 500 Fache der in Deutschland existierenden 30 Pumpspeicherkraftwerke. Ein Schelm, der die Energiewende für „Science fiction“ hält!                                                         
1  1 TWh = 1 Milliarde Kilowattstunden (kWh).  2  1 GW = 1 Million Kilowatt (kW).  3  Die jeweilige Entscheidung zur Festlegung der technischen Anforderungen an die 

Reserve und ihre Leistungsgröße muss sich auf eine Bewertung der Risiken stützen.  4 Die Aufteilung des Strom­Mix im  Jahr 1990: Kohle 56%, Kernenergie 33%, Erdgas 5%,  Wasserkraft 3% und Sonstige (u. a. Erdöl) 3%.   5  Pumpspeicher Kraftwerke verfügen über Wasserbecken in unterschiedlicher Höhe.  Getrieben durch ablaufendes Wasser erzeugen Generatoren Strom. Als Motor verwendet   wird mit Strom aus dem Netz Wasser aus dem Unterbecken ins Oberbecken gepumpt.    6 Im Jahr 1990 lag der Preis für Haushaltsstrom (Tarifkunden) bei 12 Cent/kWh, fiel bis  zum Jahr 2000 auf 11 Cent/kWh, um danach stetig auf gegenwärtig 25 Cent/kWh  anzusteigen. Das Ende ist offen.      7 Die Modernisierung von Kohlekraftwerken stagniert, das modernste Kraftwerk in Datteln  wartet auf den Betrieb. Die Forschung zur Kernenergie wurde eingestellt. Die auch global  erfolgreiche deutsche  Lieferindustrie für Kerntechnik wurde liquidiert, 8 Kernkraftwerke  wurden bereits abgeschaltet und die Wartung der noch (zeitlich befristet) verbliebenen  besorgt inzwischen eine französische Firma. Planlos und maßlos wird seither auf Kosten  der Stromverbraucher in Windkraft und Photovoltaik investiert.  8 Die Angabe der mittleren zeitlichen Verfügbarkeit eines Kraftwerkes pro Jahr in  Prozent  der Nennleistung kennzeichnet den Anteil der Nennleistung, also die gesamte Strommenge,  die  in den 8760 Stunden eines Jahres erzeugt werden kann.  9 Stromnetze werden so dimensioniert, dass der vom Verbraucher abgerufene Strom  jederzeit ohne lokale Überlastung (als Folge einer unzulässigen Abweichung von Spannung  und/oder Frequenz) von einer Vielzahl von Erzeugern zu einer Vielzahl von Nutzern  durchgeleitet werden kann.