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BHAKTA

Eine indische Odyssee von Walther Eidlitz

Herausgegeben 1951 durch die Claassen Verlag GmbH, Hamburg Die Übertragung der Verse aus der Odyssee im Kapitel „Der Schweinekoben“ stammt von Rudilf Alexander Schröder (Insel), die Übertragung der Strophe aus Atharva Veda von Paul Deussen. Das Buddha-Zitat ist der Pali-Übersetzung von Karl Seidenstücker entnommen. Die anderen Texte aud dem Sanskrit und Bengali sind von Sadananda und vom Verfasser übertragen.

„Jedes Wort ist ein Lied, jeder Schritt ist Tanz, Und die Flöte, die Freundin Krishnas, Tönt an seinem Mund, Und Zeit, die hier so schnöde und verläßt, Eilt dort nicht fort für einen Augenblick. Nur wenige Weise, die auf Erden wandeln, Kennen dies Land....“ Aus einem Hymnus Brahmas, des Weltschöpfers, an Krishna

Erster Teil

SCHRI
Massen von Eingeborenen umgaben mich in einer modernen Grossstadt mit modernen Lichtreklamen, Strassenbahnen, zweistöckigen Autobussen. Viele hunderttausende braune Menschen. Hellbraune und olivenbraune und schwarz-braune, junge und alte Männer, in weisse schleierdünne Tücher gehüllt. Fast nie sah man in den Menschenmassen ein weisses Gesicht. Die Lichtreklamen von Basaren und Kinos und Speisehäusern waren aufgeglüht. Hart stossen heutiges Amerika und uraltes Asien in dieser Stadt gegeneinander. Östlich sind die Menschen geblieben, ihre Gesichter, ihre Augen, ihre braunen H ände, auch wenn sie geschickt ihre Autos durch das Menschengewühl steuern. Sie hocken auf dem Boden der Strassen in ihren weissen Gewändern im Staub; sie kauern in allen Stellungen, oftmals so, wie der meditierende Buddha abgebildet wird. Über ihnen wehen hohe Palmen. Hinter ihnen erhebt sich ein Laden mit Hülsenfrüchten, wo staubige Füsse achtlos über Haufen von Erbsen und Reis und Mehl schreiten. Oder die niedrige Bude eines mohammedanischen Hotels, oder die Bretterbude eines Barbiers, wo sich Menschen, mitten im Strassengewühl kauernd, den Schädel rasieren lassen. Nur ein schmaler Schopf am Scheitel bleibt erhalten, das sichtbare Zeichen dafür, dass hier oberhalb des Scheitels, nach der Anschauung der Hindus sich 'die tausendblättrige Lotosblume Brahmas' befindet, durch welche die Seele des Erwachten beim Sterben den Leib verlässt. Auch auf den Stirnen tragen sie Zeichen, die Männer und noch mehr die Frauen; mit farbiger Asche sorgfältig auf die Stirnen gemalt, mitten in dieser halbamerikanischen, tosenden Stadt, Zeichen schauender geistiger Augen. Für eine Weile versank ich in dem Gewühle Asiens. Die grosse Stadt Bombay war in der indischen Nacht hinter mir geblieben. Ausgelöscht waren ihre Lichtreklamen und die elektrischen Bogenlampen und die Hupenschreie der Automassen in ihren Strassen. Nur die zitternden Wände des breiten grossen Wagenabteils waren um mich und grau die Schläfer darin in ihren Betten. Und draussen die Nacht. Nun hatte ich mein Bett 2

gemacht und lag ausgestreckt in dem dunklen, sanft rollenden Zug und lauschte und horchte. Durch alle Ritzen des Wagens drang die tropische Nacht. O, wie breitete sich das ungeheure Land, das ich nun das erste Mal durchmass. Die Nacht dehnte sich und atmete. Dann folgte ein unbarmherziger Tag. Vergebens kreisten die elektrischen Ventilatoren an der Decke des Abteils im Expresszug, dessen Dach in den Stationen mit Wasser besprengt und gegen die Aussenluft kühl gehalten wurde. Alle Läden waren heruntergelassen, dämmernd dunkel war es im Wagen, nur durch schmale Spalten drängte das weisse blendende Licht des glühenden Himmels und der nackten Erde, der endlosen verbrannten Ebene herein. Als ich mittags auf den Beton eines Bahnsteigs hinaustrat, um die wenigen Schritte zum benachbarten Speisewagen zu machen (Es gibt in Indien keine Durchgangswagen), da prallte ich zurück; ich wurde fast hingestreckt vom weissglühenden Hammer dieser masslosen Hitze. Im November hätte ich kommen sollen, wurde ich belehrt. Jetzt war Mai, der heisseste Monat des Jahres in Indien. Über Brücken, über breite Flüsse, über die Yamuna, über den Ganges fuhr der Zug. Draussen dehnte sich das ungeheure Land, die feuchtwarme tropische Nacht und dann der glühende Staubdunst des nächsten Tages. Nahe musste schon das Gebirge im Norden, Himalaja sein. Man sah ihn nicht. Man sah ihn nicht, als mich schon das Auto Schri Maharadschs durch die brennende Hitze auf einer herrlichen Strasse die Vorberge hinaufführte. Fast wurde ich schwindlig auf den zahllosen engen Kurven der Strasse, die mich aus der Ebene rasch auf mehr als zweitausend Meter Höhe hinauftrug. Grosse Affenherden hockten auf den steinernen Brüstungen der Brücken. Kühler wurde die Luft. Jetzt blickte das Wasser eines Sees jenseits eines Bergriegels durch grünes Laub. Über dem glitzernden Wasserspiegel und den ausgetrockneten Flussbetten, die im Dunst der Ebene versanken, ragten luftig die Balkone eines bunten indischen Dorfes. Die Strasse, die, von Menschen wimmelnd, durch ein Basarviertel steil emporführte, war viel zu schmal für ein Auto. Wir hatten den Wagen am Seeufer verlassen und klommen zu Fuss weiter aufwärts. Aus der Tür eines einheimischen Hotels trat ein

alter Mann mit grossen g ütigen Augen und silbergrauem Bart auf die Terrasse hinaus. Ein goldbraunes Zeichen war auf seine hochgewölbte, von Falten durchfurchte Stirne gemalt. Das war S h r i. Etwas in mir wollte mich zwingen, ehrfürchtig vor diesem alten Brahmanen niederzusinken. Ich f hlte ü seine Hand - oder war es die Kraft seines Segens auf meinem Haupt. Ein etwa vierzigjähriger Mann mit kühnem Gesicht, wie einer der morgenländischen Ritter aus der Parzivalsage, führte mich in einen Seitenraum. Es war Rana, der erste Schüler Schris. Ich wusch mir den Staub von der Reise ab. Ich wusch auch die Qual der letzten Wochen ab. Reiner und stiller kam ich zurück in Schris dämmernde Stube. Schris Nähe und Gegenwart hatten mich reiner und stiller gemacht. Schri und Rana gaben mir eine Unmenge Orangen zu essen, Früchte, die eben reif geworden waren auf diesen Berghängen. Ich ass wohl mindestens ein Dutzend Orangen auf einen Sitz. Sie erquickten mich unsäglich. Nach einer Weile sah ich, dass draussen auf der Strasse ein muskulöser, fast nackter Kuli mein ganzes Gepäck wie einen Turm auf seinen Kopf lud. Rana und ich folgten dem Kuli. Durch den Seewind, am Ufer des schönen, grünen Wassers, führte mich Rana zu einem Haus am Strand, der Pension eines Parsis, wo mir Schri ein Quartier besorgt hatte. Ich bekam dort vegetarisches Essen, aber noch auf europäische Weise zubereitet. Meine neuen Freunde beobachteten mich und warteten ab, wie ich mich verhalten würde. Denn Schri hatte mit einigen europäischen und amerikanischen Schülern nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Keiner von ihnen hatte vermocht, sich in indische Kost, in indische Lebensweise richtig hineinzufinden. Nachmittags stand plötzlich Rana vor der Tür. "Schri wartet unten", rief er. "Kommen Sie rasch." Wir wanderten zusammen das Seeufer entlang. Schri schwieg, nur manchmal h örte ich ihn vor sich hinsummen: "Hari Aum, Hari Aum". Als wir beim Tempel der Göttin Naini angelangt waren, warf sich der alte Sekretär, ungeachtet des Menschengedränges von Europäern und Indern rings um uns, vor Schri zu Boden und berührte mit seiner Stirne dessen Füsse. Rana und der Sekretär liessen uns allein. Dicht am Ufer sass ich neben Schri auf einer Steinbrüstung. Der alte Mann hatte schmale schöne Hände und Füsse. Mit seinem 3

langen silbergrauen Haar und Bart, Adlernase und mächtiger faltiger Stirn sah er wie Odin, der Ase aus der Edda, aus. Aber er lächelte sanft und heiter wie ein Kind. Ich öffnete mein ganzes Herz vor Schri. Ich erzählte ihm die Geschichte meines Lebens und meiner Arbeit, dass ich ein Dutzend Bücher geschrieben, ein paar Bäume gepflanzt, einen Sohn gezeugt, ein Haus gebaut hatte und dann fortgegangen war. All mein Hoffen und Befürchten und Sorgen, all mein Glauben und Zweifeln breitete ich vor ihm aus. Ich erzählte ihm auch von meiner Frau und dem Kind, die ich allein und in bedrängter Lage zurückgelassen hatte. Er hörte bloss zu. Nah vor uns war das Gewimmel des Höhenkurorts. Ringsum spielten indische Kindermädchen, Ayas, mit ihren Schutzbefohlenen, bleichen europäischen Kindern; es störte nicht. Einige Tage später sagte Schri zu mir: "Ich gebe Dir nun am Anfang noch nicht die h öheren YogaÜbungen. Ich will Dir jetzt nur Schanti, nur Frieden geben, göttlichen Frieden". "Ja, gibt es denn noch etwas H öheres als göttlichen Frieden?" dachte ich. Schri gab mir Frieden - für eine Zeitlang. Er gab ihn nicht nur mir, sondern auch meiner Frau, die einige tausend Meilen entfernt von mir, jenseits des Meeres, in bedrohlicher Umwelt und Zeit lebte. Er gab ihr einen neuen Namen. In Briefen, die er ihr auf meine Bitte schrieb, redete er sie nicht mit Hella an, sondern er nannte sie Schanti, Frieden. Er sprach den Wunsch aus, dass der g öttliche Frieden nicht nur sie erfüllen solle, sondern auch allen, die ihr begegneten, Kraft und Ruhe geben m öge. Wirklich haben auch mancherlei Menschen, die in Hellas Nähe kamen, in Tagen der Wirrnis, ja Todesgefahr, oftmals staunend Hellas (Schantis) immer lebendige Heiterkeit und ihr unwandelbares Vertrauen gefühlt. War es der Segen Schris, der sie behütete?

DIE VIER STUFEN DER MEDITATION
Als vor etwa hundert Jahren Europäer staunend zum erstenmal den grünglitzernden See Nainital im Himalaja erblickten, war das See-becken rings von duftendem Urwald umgeben. Der Wald war voller

mein heimliches Ziel. der nach Süden fliesst. den ich hier in Indien gefunden hatte. riet mir Schri. als sich das innere Ohr der Menschen verschloss. von 4 Sagen umhüllt. wo die Sonne eben über den Waldgebirgen unterging. See der drei Rishis. Auf sein Geheiss gruben sie eine Höhlung. vor dem ich stand. Dürstend flehten sie zu Brahma. und dann lasen wir gemeinsam einige Strophen aus der Bhagavad-gita. die die Rishis sangen. Diamant. Das Wild ist vertrieben. Norden und Osten. wie der See Nainital entstanden war. entquellen nach allen Richtungen seiner Flut. "Die Rishis sind hohe geistige Wesen. sind diese Urlehrer der Menschheit weiter empor ins Gebirge gezogen. Der ferne See Manasa-rowar in Tibet. den verborgenen und doch so offen am Tage liegenden Sinn einer Strophe erläuterte: "Das ist das grösste Einweihungsbuch der Geschichte aller Völker!" Er . der Mittel-punkt der Welt. wenn er den Sinn. Westen. "Blicke tief in den blauen Himmel hinein. Ich höre die Geschichte. Schri Maharadsch erzählte mir weiter von den Rishis und von einer Hymne an die Sonne. Smaragd. Und seine Flut speiste geheimnisvoll auch das See-becken. der letzte Rest des Paradieses auf Erden. "Ja. Der friedvolle Boden war heilig. Aber der Tempel wird von einem massigen Gebäude in einem hässlichen europäischen Stil weit überragt. viel h öher als der Mensch. Brahma h örte ihr Flehen. dem Lehrer und väterlichen Freund. Sie haben keinen irdischen K örper. In den dichten Wald von Eichen und Edelkastanien haben Menschen viele Lücken gebrochen und ihre Landhäuser hingebaut. wo in den Gewölben nackte indische Asketen und Heilige hausen. der nach Osten fliesst. Leise klangen die Glocken vom Tempel der G öttin Naini über den See. und der Gott liess in dieses tiefe Becken das lebendige Wasser aus dem fernen See Manasarowar sich ergiessen. so heisst es. So ist der See entstanden und bekam den Namen Tririshisarowar. Der alte Mann lächelte. die man mit den Augen sieht. Trinke seine Tiefe in dich. Schri sang mir den Mantra vor und liess mich versuchen. Die Hindus erzählten. Auch die Musiker in ihren roten Uniformen hatten ihre Instrumente eingepackt und waren in ihre Kasernen zurückgekehrt. f ührt silbernen Sand mit sich. stand wieder vor meinem Blick. waren die Worte der Hymne gerichtet. das ein Tonkino und eine grosse Rollschuhhalle enthält. Vier heilige Ströme. die Ufer des Sees. Schulen und Banken errichtet und einen grossen Hockeyplatz. Jeden Abend umwanderte ich mit Schri Maharadsch. dass der Biss einer Schlange an diesen Ufern niemals tödlich werden sollte. Nicht an die Sonne. die in einem Gerüst neben dem Tempel der G öttin Naini aufgehängt sind und noch oft-mals von Gläubigen in Schwingung gebracht werden. Ich habe keine Schlange am See Nainital gesehen. hoch in die Regionen des ewigen Schnees. der nach Norden fliesst. Der Strom. Die Jazzmusik der vorzüglichen Kinoapparatur übertönt die Tempel-glocken. das in dichten Rudeln zur Tränke drängte und sich durch nichts verscheuchen liess. Der alte Mann jubelte. Ich schaute nach Westen. Es war ein sogenannter Mantra an die geistige Sonne. Gold. dass er dir Kraft gibt". Sie hatten kein Wasser und litten grosse Not. War ich also bisher richtig gewandert? Die Musik des Tonkinos und der Regimentskapelle war verklungen. einfache Bungalows und die prächtigen Landsitze vieler indischer Fürsten und des englischen Gouverneurs. Auf ihrer Weltenwanderung in Menschengestalt waren drei von den sieben heiligen Rishis in dieses Gebirge gekommen. ihn nachzusingen. dem Weltschöpfer. Später. an das Geisteswesen. die zuweilen im Spiel Felsblöcke in den See schleudern.Blumen und voller Wild. aber es wird von ihnen gesagt. selbst der Schlangengott habe ein Gelübde abgelegt. dass sie nach ihrem Gefallen einen Menschenleib anlegen k önnen. Die leidenschaftlichen braunen und weissen Zuschauer hatten sich verlaufen. das sich hinter der sichtbaren Sonne verbirgt. Nur die bunten Vögel wiegen sich noch auf den Zweigen der Edelkastanien und die steilen Felswände des Südufers gehören noch den Affen. Vor tausend Jahren sollen die Rishis noch alljährlich in Menschengestalt im Wasser des Ganges gebadet haben. Das Hockeywettspiel war mit lautem Zuruf der Menschenmassen zu Ende. erzählte er mir. Dort am Ufer erhebt sich auch noch der zarte Tempel der Göttin Naini. der nach Westen fliesst." Das Wort Manasarowar-See klang über die Wasser. sie haben westliche Kaufhäuser. in den Schneegebirgen am Manasa-rowar-See. Einen breiten Reitweg haben sie am Ufer angelegt. er möge ihnen helfen." "Wo wohnen sie heute?" fragte ich. Nach Süden. "Die Rishis haben einstmals auf den Waldbergen hier gewohnt". Jeden Tag lasen wir fortan am Seeufer aus diesem Buch.

Morgendlich leer war noch die Uferstrasse und der breite Reitweg dicht am See. das zu den lebendigen Wassern drängte. der Erhalter und Schiwa. Es war 6 Uhr früh. die Lungen nicht". Ich wartete auf Rana. dem göttlichen Sonnenhelden. der die Welt durchwehte. dass er von Beruf ein hoher Polizeioffizier war. Er bevorzugte in jeder Beziehung die raschen Abkürzungswege im Leben. ein unermüdlicher Wanderer schien in mir zu sein. Mit hoher Achtung sprach Schri Maharadschs Privatsekretär von Rana. der Kommandant eines Distriktes von mehreren Millionen Menschen. Rana gehörte der Kriegerkaste an. Es gelang. der Schöpfer und Wischnu. Von einem Schiff wurde ich in ein fremdes Land geführt. Daheim in Wien war ich zuletzt tagaus. Er liebt Tiger. begann Rana zu erzählen. dass Rana aus dem edelsten Geschlechte Indiens.'" Wie ein Verkünder der geistigen Sonne stand der weiss gekleidete alte Mann vor mir. mit der er in einer wahrhaft esoterischen Gemeinschaft gelebt hatte und die gestorben war. sagte er: "Drei Wünsche habe ich in diesem Leben: mein wahres Selbst. Ich blieb stehen. dass Sie heute um 10 Uhr zur Meditation . Eine andere Gestalt. Aber nie schiesst er ein anderes Wild als dieses Raubtier. Schweigend stiegen wir dann abwärts. die Schätze. rief ich und stieg aufwärts. von ältestem Adel. der 'Sonnen-dynastie'. Bevor ich am n ächsten Morgen erwachte. Ganz zufällig erfuhr ich. Rhythmisch schlugen die Wellen des Sees Nainital an den Strand.und Niederwogen Wälder und Gebirge enthüllte. er ist ein Kschatriya. der in der Urzeit in Indien als König geherrscht hatte. Nur einige Kulis mit Lumpen um die straffen braunen Glieder und mit schweren Lasten auf Haupt und Schultern trabten vorbei. sagte er. hatte ich einen Traum. mit vielen Hunderten von Ahnen. Ich lebte nur in dem Atemstrom. Dein Weib wirst du wiederfinden." Still sassen wir nebeneinander auf der Felsenwölbung und lauschten in unsere Seelen und sahen zu. Nach einer Weile. schlug mein Begleiter vor: "Wollen wir schweigen?" "Ja. der Zerstörer. wir wollen schweigen.fuhr fort: "Der alldurchdringende Gott selbst spricht in der Bhagavad-gita zu uns. das Unvergängliche zu zerstören. P ünktlich war Rana da. von dem Brahma. "Tausend Jahre haben sie immer wieder gegen den Islam gekämpft". wie seine Ufer einstmals waren. "Wollen wir rasten?" fragte Rana. stamme." "Vergessen Sie nicht. wo manchmal die höchsten Schneekämme des Himalaja schimmerten. Und ich h örte eine Stimme: "Alles wird dir gelingen. sagte Rana." Rana kletterte voran. aber das rasche Steigen in der grossen Höhe war ich nicht mehr gewohnt. "Nein. Ich ahnte. schlug er bei diesen Wanderungen im Himalaja stets den kürzesten Weg ein. Mühelos stieg ich nun in die Höhe. "Er ist wie ein Tiger. der innerste Gott. von sich selbst und seinen beiden Jungen. so wirft die Seele abgetragene Leiber ab und zieht neue an. Als der Weg sachter ging und durch das Laub üppiger Fruchtbäume der See schon näher heraufspiegelte. Als wir den Gipfel erreicht hatten. Von Rama. den Atman zu erkennen. und den persönlichen und unpersönlichen Gott zu schauen.Gebt sie ihm. mich seinem Rat gemäss zu verhalten. Ich versuchte. tagein in Passämter und so viele andere Ämter gewandert. weiter". Niemand hat die Macht. stammt er ab. Zahllose Weise und Geisteslehrer der Vorzeit sind wohl einstmals von diesem verschneiten Gebirge herabgestiegen. "Nur die Beine werden m üde. Wir blickten nach Norden. dass ich im Himalaja war. Wir stiegen weiter. um zu schauen und zu veratmen. nochmals die richtige Frau zu finden. . voller Wild. dass ich in Indien. Meine Lungen waren wie die Segel eines Schiffes. Froh sprang ich auf. Schritt für Schritt". Krischna spricht in der Bhagavad-gita zu seinem Freunde Arjuna: 'So wie ein Mensch abgetragene Kleider abwirft und neue anzieht." Und nun fügte er lächelnd noch ein weniger erhabenes Begehren hinzu: "Ich w ünsche mir auch. Ich mühte mich. Tief unten zwischen d Waldstämmen lag der en 5 See bleigrau im Morgen. Später erzählte man mir. steil durch den dichten Wald von Eichen und Edelkastanien empor. Er erzählte mir auch von seiner Frau. Voll Glück wurde mir bewusst. Er ist ein berühmter Tigerschütze. Mein Atem war eins mit dem starken Wind. da wir wieder still nebeneinander geschritten waren. wie der Nebel aufstieg und niedersank und im Auf. wenn er einen Amtsmissbrauch oder eine Korruption entdeckt. das ich in den ersten Tagen von ihm hörte. "Shortcut" (Abkürzungsweg) war das häufigste Wort. Ohne die Antwort auf seine Frage recht abzuwarten. die Beine zu vergessen. nur äussere Aspekte sind. Der Wind wehte in die Segel und trieb das Boot vorwärts.

Da vergass man. Und ich war dann immer voll tiefster R ührung und Ehrfurcht. auf welchem Orte auf Erden man war. Nicht mehr krampfhaft. Sie blieben Fremde. um die Guten zu beschützen. der seine zehn Häupter nach allen Richtungen des Raumes ausstreckend. dass der erhabene alte Mann in tiefer Stille und gleichsam der geistigen Sonne hingegeben. um die Bösen zu vernichten. Beklommen war ich. dass meine geistigen Augen sich öffneten. Stumm deutete mir Rana an. alle Welten unterjocht hatte. ich solle mich Schri gegenüber auf den Boden setzen." So verhiess Gott in der Bhagavad-gita. Schris Schüler las aus dem Ramayana von den Taten des allmächtigen Gottes. Unbeweglich sass der alte Mann am Boden. Ich müsse langsam die vier Stufen der Meditation erlernen: erstens das Sitzen. Wie Götter erschienen diese hoch aufgerichteten. Dann trat ich barfuss in Schris Zimmer ein. lächelnden jungen Menschen über dem Gewühl der braunen Menge. als sich Schri erhob. Erwartungsvoll und ein wenig befangen im Herzen Schritt ich durch den Seewind Schris Haus zu. zweitens das Atmen. wie er es sonst immer tat. blieb ich stehen. das seine Glieder umhüllte. Sie wussten meistens nicht allzuviel von der Seele des indischen Volkes. mir nochmals Hände und Füsse zu waschen. hell vor mir sass und sich dann erhob und mir mit kühler Sandelpaste die Zeichen auf Scheitel. Ich bin dein Freund". Diese Anlagen müssten nur entwickelt werden. auch wenn sie dreissig Jahre im Lande lebten. Stirn. um die Augen nach dem grellen weissen Licht des Weges an die Dämmerung in dem Zimmer zu gewöhnen. wie es mir am bequemsten war. Wie der Kosmos selbst sass er da. Die fremden Laute einer der indoarischen Sprachen des Landes h üllten mich ein. Ich blickte Schri an. Auch Rana hatte einen hellen Umhang umgetan. Rana sass am Boden und las aus den losen Blättern eines Buches vor. Schri winkte mir nicht mit einer leisen Handbewegung freundlich zu. wie es vorgeschrieben war. Ich müsse mir eine Strohmatte aus Kuschagras und ein Rehfell besorgen. Schri tröstete mich. der als Rama zur Erde niedergestiegen war und gegen den m ächtigen D ämon Ravana kämpfte. "Immer. Ich hatte den Wunsch. Berge und Bergabstürze. werde ich in jedem Zeitalter auf Erden geboren. in dem Schri wohnte. denn ich hätte die seelischen Anlagen dazu aus früheren Erdenleben mitgebracht. Um die Festigkeit des Rechtes wiederherzustellen. Meine Glieder wurden steif und kalt und schmerzten. in den von der mittäglichen Basarstrasse die Rufe der H ändler und Kulis und der Pferdejungen heraufdrangen. in einen weissen Umhang eingehüllt. um zu helfen. Hals und Brust. sagte er. viertens das Singen. obwohl ich eben gebadet hatte. Nun sass auch er mit untergeschlagenen Beinen steil aufgerichtet und unbeweglich. f Europäer sei es ür anfangs schwer. wenn ich die Augen öffnete und sah. Dann zündete er ein Räucherstäbchen an und stellte es in einem kleinen Leuchter neben sich auf. Mit der Strohmatte aus Kuschagras und einem Rehfell und einem Tuch unterm Arm kam ich das nächste Mal zur Meditation. Ja. In der Vorhalle des Hauses. Wie der Vater der Welt sass der alte Mann vor mir. Ich tat es. das Sitzen mit untergeschlagenen Beinen war ich nicht gewöhnt. ganze Welten waren in diesem klaren Gesicht. meinte er. meine 6 eingeschlafenen Füsse zu reiben. Mehr als hundert Male bin ich seither Schri in der Meditation gegenüber gesessen. Ich blieb noch etwa eine Stunde in dem d ämmernden Raum. das mantrische Sprechen. altersgrau und doch umschwebt von einem stillen weissgoldenen Licht. setzte ich mich hin. Ehrfurchtsvoll warf er sich vor Schri nieder und berührte mit seiner Stirne Schris nackte Füsse. das ein Teil seines eigenen Wesens war. steige ich nieder und verkörpere mich. Stirn und Halsgrube machte. damit ich bequemer sitze. sagte er mir zum Abschied. drittens das Sprechen. "Sieh mir in die Augen. dass Schris Blick auf mir ruhte. Hie und da ritten auf schönen Pferden junge Engländerinnen und Engländer an mir vorbei. Ich habe noch nicht viel meditiert an dem ersten Tage. Mein Ohr sollte sich daran gewöhnen. Manchmal spähte ein neugieriges Gesicht durch die Scheiben. Ich fühlte.zu Schri Maharadsch kommen dürfen". es wurde bald unerträglich mühsam. In Ranas Zimmer rastete ich. das sie so lange beherrscht hatten. wenn ein Verfall des Rechtes und ein Übermass des Unrechts eintritt. Sehr beschämt richtete ich mich auf und begann. Manchmal . sondern mit gelösten Gliedern und so. Mächtiger als je wuchs sein gefurchtes Gesicht mit dem langen dunklen Haar und dem silbergrauen Bart aus dem weissen Linnen. Mit weissgrauer Asche aus einer Glasschale machte er sich Zeichen auf Scheitel. Ich werde es gewiss zustande bringen.

ist davon überzeugt. das bedeutet: Das Unzerstörbare. Das erklärt die Ehrfurcht vor dem Mantra und die Wichtigkeit des korrekten Aussprechens und die Gefahren beim eigennützigen Missbrauch.wenn es ihr so gefiel . Mehr Ehrfurcht hat der Hindu vor dem Wort als der Mensch im Abendland. Man musste in die Stille kommen. "wenn man nur gelegentlich und zu einer bestimmten Tagesstunde meditiert". ob er nun den Pfad der Werke oder den Pfad der Weisheit oder den Pfad der liebenden Hingabe geht. beim sogenannten Hata-Yoga. dort an der Küste des Unbekannten musste man lauschend und hingebungsvoll warten. Wenn man mit untergeschlagenen Beinen und mit vollkommen lotrechter Wirbelsäule sitzt. bis die verborgene Welt . ebenso wie alles andere Geröll. "Für die kleinste Kupfermünze rudert dich der Fährmann über den Fluss. das war nur eine Verführung. das einzige Mahl. Nicht nur das lebendige Wort des Mantra. Der wahre Mantra wird nicht gesprochen. Auch das geregelte Atmen ist eine in Indien seit 7 Jahrtausenden gepflegte und noch heute gelehrte Kunst. Doch heimlich ahnte ich. die mindestens f ünftausend Jahre alt ist." Die ersten Stufen der Meditation. der Unzerstörbare. Der indische Wahrheitssucher.kamen Menschen und gingen wieder. Akschara. jedes Wort wird im Sanskrit Akschara genannt. findet man folgende Übersetzungsversuche: wedische Hymne. ohne müde zu werden. musste man erst mühsam wegräumen. alle Unruhe. Schri schärfte mir oftmals ein: "Vierundzwanzig Stunden am Tag. Der Körper stört nicht mehr. bis ich nach vielen leidvollen Erfahrungen in Indien ahnen lernte. manches dadurch erlangen. die er damit anruft. Bekannt ist die Antwort. der ungezählte Jahre in jugendlicher Frische und Gesundheit zu leben vermag. wie viele ernsthaft behaupten. Und doch war ich wunderbar erquickt. und tiefer erhellt als vorher strahlte ringsum die irdische Welt. vermag man nach längerer Übung stundenlang bequem und entspannt zu sitzen. was man in Europa oft unter Yoga versteht. Bei dem. sich ständig hingeben.einen mit hineinnahm in ihr Leben. alle seelische Unreinheit. geheiligtes Gebet. die gefahrvoll war. die der grosse Buddha dem Yogi gab. jede Silbe. dass mich das alles nicht im geringsten störte. Ungeahnte Kräfte könnten in dir erwachen. Der Diener richtete auf einer silbernen Platte mit vielen silbernen Schalen Schris Mittagsmahl an. was man geschaut hatte. Auch ungeahnte Macht und starke Kräfte kann man so gewinnen. sagte mir mein ü Lehrer Schri einmal. und die Gottheit. sind diese Hilfsmittel allerdings zur Hauptsache geworden. Wenn ich mich nach meinen stümperhaften Versuchen zu meditieren vom Boden erhob. wie es der indische Yogi heute noch tut. "Das hat freilich wenig Sinn". das Atmen sind nur Vorbereitungen dazu. sich öffnen. son- . Auch diesen Stolz über das. Man kann. der sich brüstete. sagte Schri. Und manchmal kamen majestätische Bilder. wie an die Küste eines unbekannten Meeres." "Vergeude nicht viel Zeit f r Übungen im Hata-Yoga". dann wird auch der schweifende Geist ruhiger. weil sie einen festhielt und mit Stolz aufblähte. sieht man die Menschen in der gleichen Haltung in der Meditation sitzen. "Das hast du in einem früheren Erdenleben bereits getan. Es dauerte eine Reihe von Jahren. die mich umgab. Denn es besteht eine Wechselwirkung zwischen dem Atemstrom und dem Menschengeist. so heisst auch Gott. was die vier Stufen der Meditation bedeuten und was Meditation ist: Ein sich Abwenden von seinem egoistischen Selbst und sich Hinordnen auf die göttliche Welt. mich in der Meditation zu konzentrieren." Das Mantra-Sprechen jedoch führt ins Wesentliche hinein. das er jeden Tag zu sich nahm. Ich war erstaunt. eine Beschwörung. schlafend und wachend muss man in dieser Seelenhaltung leben. die einer Gottheit geweiht ist usw. die bloss eine Versuchung sind und dich auf deinem jetzigen Wege hindern würden. den er spricht. dass der Mantra. Schon auf den Bildwerken einer jüngst aufgedeckten Kultur im Industal. wie auch ein Bad und das Anziehen eines reinen Kleides vor der Meditation eine äussere Vorbereitung ist. Aber die indischen heiligen Schriften sagen oftmals: durch Beherrschung des Atems wird Gott nicht erreicht. der sich vorzugsweise mit dem Leib beschäftigt. vollkommen eins sind. ein Zauberspruch. Doch das alles sind nur äussere Bedeutungen. sondern überhaupt jeder Laut der Sprache. Wenn man in einem Sanskrit-Wörterbuch die Bedeutung des Wortes Mantra sucht. Immer von neuem versuchte ich. auf das wahre Selbst. Wenn der Atem ruhiger wird. Auch Atemübungen sind nur Hilfsmittel. dass er nach zwanzig Jahren harter Übung gelernt habe. die Zeile eines Gebets. von denen mir Schri am See Nainital erzählte. das Sitzen. da taten mir meist alle Glieder weh. auf dem Wasser zu wandeln: "Was ist das schon!" sagte Buddha. zum Beispiel einen kraftvollen Leib. ein Geheimnis.

Mit geöffneter Seele sucht der indische Gottgeweihte jenen g öttlichen Klang. Während wir auf die Polizei warteten. wenn ich sie später im Urtext wieder und immer wieder las. als mir Schri den neuen Namen Vamandas gab. abgeschabten ChevroletWagens. Dein Name ist fortan Vamandas. zu dem sich aller irdische Klang bloss wie ein Schatten verhält. Denn diese Geschichten leben in den Herzen der Hindus. aber ihr Grund war unergründlich. er möge ihm einen Wunsch erfüllen. Vor uns standen lange Autokolonnen in der brütenden Sonne und verstopften die Strasse. Balis Guru. wir h ätten bis zwei Uhr nachmittags zu warten. die Unterwelt und sogar das Himmelreich.dern gesungen." Die Geschichte Vamans. Zerbeultes. Ich sass neben dem Wagenlenker des riesigen. Mit Joshi. das ist die Geschichte von den 'drei gewaltigen Schritten des 'Weithin-schreitenden' und noch zahllose andere Ge-schichten von den Taten Gottes sollte ich im Verlauf der nächsten Jahre kennen lernen. Bescheiden ging der Knabe Vaman zu dem Gewaltigen und bat ihn. dass ich nicht im mindesten ungeduldig war. tiefer in den Himalaja hinein. sonnverbrannte Felder. Es war zehn Uhr morgens und es hiess. wird in den indischen heiligen Schriften 'der erste S änger' genannt. 8 VAMAN Gegen Schluss meines Aufenthaltes in Nainital. ihn warnte. Es war. Männer. Aber fast jeder erzählte sie ein wenig anders. ging ich auf und ab. Im Autobus fuhr ich von Nainital nach Almora. Immer wieder musste ich in Indien betroffen an den Anfang des Johannesevangeliums denken: "Im Anfang war das Wort. den mir Schri mitgegeben hatte. einen Mantra zur Zufriedenheit Schri's zu singen. aus dem Mantra. oft einen ganz anderen Glanz und ein anderes Leben.. Und doch gibt es auch im Westen Spuren von ähnlichem geistigen Wissen. Zwei Autobusse waren zusammengestossen und ein Chauffeur war ernstlich verwundet. Brahma. gelang es mir endlich. Vamana tat den ersten Schritt. Immer neue Wagen kamen. wurden hintergründiger und durchscheinender. die Avatare. erzählten sie mir. In Gestalt des Brahmanenknaben Vaman war Gott in der Urzeit zur Erde niedergestiegen. denen ich begegnete. Ich wunderte mich selbst. den meine Freunde mit dem Namen Krischna benannten und aus dessen Fülle die göttlichen Heilande.. sondern Vaman. und Gott war das Wort . Er rief: "Nicht mehr Walther. Wie in verschiedenen Tiefen-schichten eines unendlichen Ozeans bekam manchmal die gleiche Geschichte. Joshi war dabei gewesen. Das göttliche Wort AUM war über dem Steuerrad auf das Blech gemalt. sei die Schöpfung unseres Weltalls entsprossen. Diener des Vaman. die vielen zahllosen Windungen und Kehren der Strasse hinunter. von verschiedenen Menschen erzählt. alle Dinge sind durch dasselbige gemacht . denn ihr Grund war Gott selbst. Diener des Vaman!" "Wer ist Vaman?" fragte ich. nannten mich Schri und Rana und alle Hindus. Dem Abendland dünkt solche Kunde höchst fremd und erstaunlich. "Vaman war klein von Gestalt. vor der Abreise nach Almora. aber auch tiefer hinab zum Grund. Ein buntes Volksleben hatte sich rings entwickelt. Damals beherrschte der m ächtige Dämonenkönig Bali die drei Welten. jenen Mantra zu erlauschen und nachzusingen. Immer länger wurde die Wagenschlange nach beiden Seiten der sich windenden Strasse. als w üchsen . Vaman war einer der Avatare Gottes. Man sagt. wie er mit dreien seiner Schritte zu bedecken vermöchte. Lachend gewährte der Stolze im voraus jede Bitte. Frauen. zerrissenes Blech. sie nach oben. "Wann hat er gelebt?" "Vor vielen tausend Jahren"..". Der Knabe bat um so viel Grund. Und dieselben Geschichten wandelten sich auch weiterhin. der Schöpfer. aber er hat die 'drei Welten' erobert. Agaven. Friedvolle luftige Fahrt.. in die Welten herabstiegen. Plötzlich hielt der Autobus. einem jungen Menschen. den er sang. Vamandas. sagte Schri und sah mich freundlich an. und das Wort war bei Gott. das heisst die Erde. Schluchten. erzählte er mir die Geschichte von Vaman. Nie-mand rührte die Wagen an. die niemals lesen und schreiben gelernt hatten. Pilger aus allen Teilen Indiens lagerten auf der Strassenbrüstung und im Staub des Bodens und auf dem Berghang. Kinder. obwohl der oberste Priester der Dämonen. Schri Maharadsch erzählte mir viele dieser Geschichten und Rana erzählte und der indische Kontorist Joshi erzählte und einfache Bauern und Kulis. bis die Polizei kommen und den Tatbestand aufnehmen würde.

sank hinab in unsere Welt und wurde zum Gangesstrom. sichtbaren Welt. Der Chauffeur sprang von seinem Sitz. setzten sich auch die mächtigen Autobusse in Bewegung. o setze deinen Fuss auf mein Haupt!" Der Ahnungslose wusste noch nicht." Die Menschenmasse auf der Strasse war in wimmelnde Bewegung geraten. Dicht am Ufer unter einem hohen Felsen erhob sich die Steinhütte eines verstorbenen Mahatmas. umgeben von der heiligen Silbe AUM. Aus einer engen Waldschlucht waren wir auf freie Höhe gekommen. das nicht vom Fuss des Weithinschreitenden bedeckt wurde. Wie Donnergrollen klang die Stimme Vamans aus den Wolken: "Bali. Einer in orangenem Überwurf winkte uns zu. dass dieses Land mich mit offenen Armen aufgenommen hatte. "Ein Tropfen des Wassers. In unsäglicher Liebe wusch Bali tränenüberströmt Gottes heilige F üsse. Nun spielte wieder Wind um mein heisses Gesicht. Überall drang der wilde Regen hindurch. Schlingernd fuhr der schwere Wagen. sondern auch in der zukünftigen Welt und im Himmel kein Fleckchen Grund gab. Eiligst bemühten wir uns. knapp über den Steintrümmern des Flusses. Tropfnass sassen wir.Staunend und erschreckt sah der übermütige König und sahen alle Versammelten. Bali wurde durch die Berührung mit Gottes Fuss erlöst. sondern Gott gehörte. das Gottes Füsse berührt hatte. sie nahm auch seine Dunkelheit weg. Vaman tat den zweiten Schritt. manche halbnackt. das dir gehört. Büffel sassen an einer Flusserweiterung im Wasser. in Hainen von rot. den plötzlich grauer Nebel erfüllte. mit dem Bali die Füsse Vamans wusch. Staunend blickte ich mich um. Ich war einer von ihnen. Viele kletterten eiligst in ihre Wagen. Pilger kamen uns entgegen. gab es auf der ganzen Erde und in allen Sternenwelten. . der mich begleitete. Krischna war als l chelnder Knabe ä abge-bildet. in Wildströmen. Wir fuhren weiter nach Norden ins höhere Gebirge empor ohne auf die Polizei zu warten.Und die Berührung mit dem alles heiligenden Fuss Gottes nahm dem Dämon nicht nur seine Macht und Machtgier weg. Einer von den vielen hundert Menschen hatte den erstaunlichen Gedanken gehabt. Schlau schlüpfte ein winziges Auto hindurch und nun ging ein Schrei durch die Menge.und violettblühenden Bäumen und Silbereichen fiel das Land ab. der entsühnend Indien durchströmt. Ungeheure Wipfel mir völlig fremder Bäume wölbten sich über Strohdächer. dessen Augen zum geistigen Schauen geöffnet wurden. an der Berglehne die B öschung der Strasse ein wenig abzugraben. Kein Fleckchen Grund. dass der kleine Knabe im Schreiten wuchs. Wasser stürzte in peitschenden Strömen vom Himmel nieder. auf beiden Seiten die im Wind knatternde Schutz-leinwand herabzuholen und zu befestigen. durch Wasser und durch Wald. hat verfrüht begonnen". das nicht vom Fusse Vamans bedeckt war. sagte mein Begleiter. dass auch sein Haupt nicht sein eigen war. Es half nichts. . "Die Regenzeit hat begonnen. Zahllose ungeborene Welten waren in den Schlingen . kein Stäubchen Sand gab es in Balis unermesslichem Reich. Seit Jahrtausenden wird der frühere Dämon Bali in Indien als einer der geliebten Freunde Gottes gepriesen. Der weiche Schutt strömte herab und die Fahrbahn verbreiterte sich. flüsterten die Fahrgäste. kein Wasserrinnsal. Ich winkte zurück. Es stellte Krischna dar. Schützend drückte mein Nachbar ein Bild an sich. Reis und Weizen wuchsen in der Tiefe. wo ist ein Stückchen Grund. zusammengekauert. Es war beglückend. wurde versprüht". auf der Pilgerfahrt wie sie. "In der Regenzeit sind alle diese fast ausgetrockneten Ströme voll Wasser". der nur sehr mühsam zu steuern war. während die Blitze dicht neben uns niederfuhren und der Donner in dem Wald schmetterte. so erzählte mir der kleine Angestellte aus dem indischen Kramladen. bis in die Wolken wuchs er empor. die der Grund des Weltalls sind. von der Gangesquelle kehrten sie zurück. "Alle diese braungelben Terrassenberge werden grün. In Terrassen. "Ein Tropfen des Wassers. dass es nicht bloss in der gegenwärtigen. Der Wagen hielt mit knirschenden Bremsen einen Augenblick. Die Sonne verschwand. Und nun sah Bali. um rasch ein paar blühende Zweige eines heiligen Strauches zu pflücken. Weiter fuhren wir in dichtgedrängter Wagenkolonne. und während nun 9 Dutzende schaufelten und gruben." Kurz darauf erschütterte ein ungeheurer Donnerschlag die Luft. worauf ich meinen Fuss beim dritten Schritt setzen könnte!" Bebend stammelte Bali: "Setze.Doch Vaman setzte seinen Fuss auf Balis Haupt. über die von Bergbächen überschwemmte Strasse.

litt ich darunter und unter all den eindringlichen Geräuschen und Gerüchen. Vor etwas mehr als hundert Jahren haben die Engländer die Bergstadt erstürmt. helles Heiligtum geworden und es war auch in Almora ein unsägliches Glück. tagein ihre schmetternden Weisen spielte. die vor den Pforten des Hotels tagaus. der gerade zu Besuch war. aber zunächst in den Raum. Iss wenig am Abend. als schon ohnehin am Boden lagen. Iss täglich nur einmal Reis. dann merkte er es gewiss. die ich anfangs sehr schlecht bestand. Das Schreiben enthielt einfache. schon in diesem Jahre die weite Pilgerfahrt in das verschlossene Reich des Manasarowar-Sees und des Kailas zu unternehmen. liebevolle Weisungen für mein Leben. lagen da im Norden. die auch in dem Hotel in Almora von dem Koch Schri Maharadschs bereitet wurde. So machte ich m ühsam meine ersten Schritte in eine v öllig indische Umwelt. D ürstend trank das ausgetrocknete Land die belebende Wasserflut. brachte man dienstwillig noch mehr Teppiche. geduldig zu sein und nicht gereizt zu werden. die höchsten Schneekämme des Himalaja. Aber lange. Die auf einem schmalen Grat sich hinziehende Stadt war lange Zeit die Hauptstadt des unabhängigen Königreiches Kumaon gewesen. hohe Preise . der immer um das Hotel versammelt war. aber wenn ich einmal einen unguten Gedanken in der Seele hatte." "Lerne es. wenn er mit mir unzufrieden ist. und du wirst stark sein. In der Stadt wimmelt es von Rechtsanwälten. Und das war mehr als eine Strafe. Wenn der Himmel wolkenlos war. Denke an Kraft. Zu beiden Seiten öffnet sich ein majestätischer Rundblick in gelbgraues Terrassenland hinab und auf den Bergkreis empor. einige zu hassen. höflichmilitärischen Wunsch alle diese Brutstätten für einen Tag ins Freie. bis Rana eintraf und auf seinen leisen. Schris Schwiegersohn. Den musst du zu erreichen suchen!" Schri. Wenn ich mich als Neuling über Wanzen beschwerte. Eines Abends brachte mir der Sekretär von Schri einen Brief." "Überwinde Furcht und Nervosität. begann ich manchmal. Der wahre Kailas liegt in dir selbst. dass Schri recht hatte. Das brachte Erleichterung. Anschliessend an unsere Zimmerreihe war eine Terrasse mit herrlicher Aussicht auf die zahllosen.und Unge-ziefer. Schweigend und h öchstens leise den Kopf schüttelnd sah er mich an. denn nach dem Glauben der Inder hat sich alle Schöpfung aus dieser göttlichen Silbe entfaltet und wird von ihr getragen und wird am Weltende einst wieder in diese Silbe AUM eingehen. Jedoch der Schnee der eigentlichen Bergriesen ist bis jetzt immer noch verhüllt geblieben. abfallenden Stufen des Vorgebirges. Ich hatte eine schwere Stunde hinter mir. in seiner Gegenwart meditieren zu dürfen. Es war eine Prüfung für mich. einen solchen Brief". Er schien die landesübliche Musikkapelle 10 gar nicht zu bemerken.der Silbe AUM zu sehen. Es war mir gelungen. Nur kein Fleisch hatte ich mehr gegessen. Statt mich über den malerischen Volksauflauf zu freuen. innerlich darauf zu verzichten. Ich fragte. lange brauchte ich. zum Manasarowar-See und zum Berg Kailas zu gehen. auf dem sich die Stadt erhebt. Auch in diesem Haus behielt Schri Maharadsch zu meinem Staunen immer seinen hellen Gleichmut. dass ich körperlich der harten Wanderung noch . welcher der menschlichen Notdurft diente (Kübelsystem). Ich hatte endlich eingesehen. lachte. Sein eigenes Zimmer war nach wenigen Stunden trotz all dieser Umgebung ein ruhevolles. Aber mein eigenes Zimmer öffnete sich zwar dieser Aussicht zu. SWAMI NITYANANDA Die Stadt Almora liegt hoch auf einem schmalen Bergrücken. die das Haus Tag und Nacht erfüllten. Statt die Menschen zu lieben. in die Sonne gelegt wurden. Er sagte: "Auch mir schickt Schri immer. jenseits der Täler. in der Gott wohnt. ein einfaches und lauteres Leben zu führen. etwa: "Regle deine Mahlzeiten sorgfältig. Aufforderung zum Besuch einer Kinovorstellung oder Anpreisung des chemischen Heilmittels einer europäischen Firma." "Lerne es. Rana und ich sassen in Meditation versunken auf der Bodenmatte. denn in Nainital hatte ich auf Wunsch Schris in der Pension der Parsi noch auf europäische Weise gelebt." "Es bedeutet nicht viel. Das Hotel Almora hatte einen königlichen Namen. um die ganz andersartige. indische Kost lieben zu lernen. In der einstigen Königsburg auf einem steilen Felsen befinden sich nun die Gerichtshöfe. warum er lache. Anscheinend sah er nichts.

das er mir zeigte. wie der eines Jünglings . Auf Wunsch Nityanandas sollte ich in das Aschram. In solcher Kleidung. sonst nackt. Nachdem er Schri und Rana begrüsst hatte. die Vaischyas. hat mir auf meine Fragen das folgende darüber mitgeteilt: Schri Adi Schankaracharya. auch im Hochgebirge. ein dunkles Holzzepter in der Hand. teilte er mir mit. Um die Schultern hing ihm ein Tigerfell und ein h ölzernes Zepter trug er in der Hand. die Kschatriyas. Als Klosterburg des Nordens wurde Jyotirmath bestimmt. welcher der geistige Regent über hundert Millionen Hindus ist. dass Sie noch heuer. im Süden. noch in diesem Sommer. mit allen den Ehren. wenn Schri nicht sanften Einspruch erhoben hätte. sagte er. Das Klosterreich des indischen Nordens hatte zwei Jahrhunderte hindurch keinen Herrn. gründete vier Klosterburgen im Norden.obwohl er fünfundsechzig Jahre alt war. sei er als der Geeignete und Würdige befunden worden. "Sie werden zum Kailas kommen. sagte er zu meiner grössten Verblüffung. der Nachfolger der geistlichen Herrscher über den indischen Norden zu werden. der nun nach zweihundert Jahren als erster wieder sich als Inhaber dieses Throns betrachtete. besuchte er den englischen Vizekönig von Indien und die Minister und Maharadschahs. Beim letzten Kumbhamela-Fest in Hardwar im Himalaja.. die Regeln und Gesetze im religiösen und sozialen Leben aller Schüler durchzusetzen und dessen Genehmigung und Anerkennung erforderlich ist. um die religiöse und soziale Gerechtigkeit im Leben aller Hindus zu sichern. der die Macht erhalten hat. Er deutete an. es liegt im Himalaja. Er. der Stadt Kabul in Afghanistan und eines Teiles von Tibet rings um den Berg Kailas und den See Manasarowar. Angetan mit dem orangenen schmalen Schurz und dem Tigerfell.nicht gewachsen war und vor allem seelisch noch nicht reif dazu war. Seine Gesichtszüge waren eher die eines Russen als die einer Inders. orangefarbenen Lendenschurz. der Erneuerer des Hinduismus im Mittelalter. Er stammte aus Südindien und sprach geläufiger Englisch als Hindi. Das Oberhaupt einer jeden dieser vier Klosterburgen hat die geistige Herrschaft und Gerichtsbarkeit über den vierten Teil des riesigen indischen Reiches. graubraunes. Seine Bekleidung bestand aus einem schmalen. umarmte er mich. mit Asche bestäubtes Haar zu einem hohen Bausch am Scheitel aufgesteckt. erzählte er. "Es wird dir gut tun. im Osten und Westen von Indien. sowie der Länder 11 Kaschmir und Nepal. unter den Sadhus zu wohnen. In einem offiziellen Schriftstück. zu erklären.. in pompösen Worten angeführt: "Der grosse Heilige der Heiligen. dass ich noch im gleichen Jahr die Wanderung zu dem ManasarowarSee mit ihm antreten solle. zum Manasarowar-See und zum Kailas gelangen werden. Dieses Kloster hat eine Art kirchliche Gerichtsbarkeit über eine Reihe grosser indischer Provinzen. Ich musste erst noch viel lernen. dem wir noch am gleichen Tage einen Besuch abstatteten. Sein erstaunlich heller Körper war straff und muskulös. Ich gebe Ihnen mein Wort." Dieser Mann drängte darauf. Nityananda war einstmals . die vier wedischen Kasten zu bestrafen. Es wird deine Seele rein machen". hatte langes. das Haus der Pilger übersiedeln. "Da werde ich in einem Palankin getragen werden. der die unumschränkte Gewalt hat. Er war fast nackt. Nityananda war ein Diktator. waren die Ehren. ging und schlief er Sommer und Winter. auszulegen und die Einweihung zu vollziehen. Am liebsten h ätte er mich sofort dort behalten." In dem orangefarbenen Mantel eines Pilgrims sollte ich die Wanderung unternehmen. strengste Zeremonien und Schweigege-bote und Fackeln und viele Diener werden dann stets um mich sein. der die Aufsicht über alle Asketen hat. weil kein W ürdiger gefunden worden war. die Brahmanen. welche nun Swami Nityananda gebührten. die dem Erwählten gebühren. wie ich später h örte. der alle geistigen Bereiche beherrscht. "Denn später werde ich unzugänglich sein". mit denen er befreundet war. dass er das kürzlich erwählte geistige Oberhaupt von über hundert Millionen Hindus sei. ehe die Herrscher aller einheimischen Staaten in diesem grossen Gebiet ihre Throne besteigen dürfen. Da trat ein fremder Mann ins Zimmer. Das war Swami Nityananda Saraswati. der die Meisterschaft über alle religiösen Texte hat. das nur alle sieben Jahre stattfindet und wo mehr als eine Million Pilger beisammen waren. der ein weit fortgeschrittener und grosser Yogi ist mit der Macht. und die Schudras. um dort die sozialen und religiösen Gesetze in voller Macht zu verwalten. Sie werden mit mir gehen". und er habe den 'Thron des Nordens' bestiegen. der Präsident des indischen Komitees zur Förderung der uralten Pilgerfahrten zum Berge Kailas und zum Manasarowar-See. er hat hiermit den Thron des Nordreiches bestiegen.

sehr schmutzigen Matte auf dem Boden. Während uns wieder der feierliche Chorgesang des AUM aus der Höhe umhallte. die mit masslosen Schwierig-keiten verbundenen Pilgerfahrten zum Manasa-rowar-See und dem Berg Kailas wieder zu erneuern. aber in Wirklichkeit war er weit weg." Mit unsäglicher Macht hallten die Gottesnamen und das heilige Wort AUM über Gebirge und Täler und durch den Wald und über unsere Herzen. Es hatte zwei Fenster und eine Glastüre. des göttlichen Zerstörers. Nein. Kinder. ausgezeichnet zum Landen. Aum . als er mit Nachdruck erklärte: "Niemand darf auf dieser Pilgerfahrt sterben". Hare Krischna Hare Krischna . die Melodie des Gesanges. Ich bekam ein eigenes Zimmer. So wie ein Athlet im Abendland freudig. entwickelte Nityananda seine Pläne. Mehr als eine Stunde sangen die Männer Hymnen zum Preise Schiwas. Der Gesang.. vielgewundener Fahrweg führte steil über den Abhängen tief in den blühenden Wald hinein. Ich schauerte fast. Er werde elektrisches Licht und Sauberkeit in die tibetanischen Lamaklöster bringen. Er erwog und verwarf die Möglichkeiten eines Flugverkehrs: die tibetanische Hochebene sei wohl glatt wie ein Tisch. Aum.. gab alles auf. Am nächsten Tage brachte mich Schri selbst in das Pilgerhaus. Er erzählte uns. kraftbewusstes. fuhr ich mit Schri durch schwarze Waldnacht nochmals im Auto nach Almora zurück. Hunderte. "Wirf alle Stühle bis auf einen oder zwei hinaus!" riet mir Schri. Hare Rama Hare Rama . entsagte plötzlich der Welt. dass er in der Einsamkeit den Befehl Gottes erhalten hatte. Als mich der Lehrer verlassen hatte und die Waldwipfel um das fremde abendliche Haus rauschten.zu einer ganz anderen Laufbahn bestimmt gewesen. die Worte des Gesanges. Es ist kein pflichtgemässes Beten. Frau. Stellung. als wir die Stufen erstiegen. Als ein sehr m ächtiger Mann fand er endlich seinen Guru. Er wurde von den anderen gerüttelt und gepufft. Macht . Er werde ein halbes hundert Pilgerhäuser am Wege bauen. Von acht bis neun Uhr abends sass ich in der Reihe der Swamis auf meiner kleinen Matte aus Kuschagras auf dem Steinboden. den man zum Aschram umgestaltet hatte. so gross wie manches europäische Königreich.. TAGEBUCH AUS DEM HIMALAJA Es ist die erste Nacht in dem Aschram. Einkommen. Er war gleich in tiefe Trance versunken. Ein ganz schmaler. Das letzte Stück mussten wir auf hohen Steinstufen ersteigen. das Geheimnis.. wusste ich: Nun erst bin ich ganz allein. Beim Schein einer Kerze packte ich im Hotel meine Sachen. das ich dahinter f hlte. Es war ein grosser schöner. aber die Stürme über dem Gebirgskamm seien zu stark. Er merkte es nicht im mindesten. Nur einer mit faä natischen dunklen Augen hatte sich in die Mitte des Raumes hingepflanzt. eine Welle schlägt an. Die Swamis kauerten dichtgedrängt l ngs der Wände. Manchmal schien er mich mit verdrehten starren Augäpfeln durchdringend anzublicken. Nun bestand die Einrichtung im wesentlichen aus einem Tisch und einer grossen. freudiges. Gesicht und Hals und Arme festlich mit farbiger Asche bestrichen. dass Schri nach ein oder zwei Tagen abreisen und vielleicht erst nach Wochen wieder zurückkommen würde. Die nächste Welle. er sollte wegrücken. zogen mich mit ü unwiderstehlicher Gewalt an. Die Dämmerung brach herein. mit allen Muskeln spielend. und sangen in feierlichem freudigen Chor zu unserm Empfang: "Aum. und hinzufügte: "Ich verzichte nie. Er war ein berühmter junger Rechts-anwalt mit einem riesigen Einkommen gewesen. jauchzendes Singen. Das Licht kam von einer kleinen Petroleumlampe. der das Irdische zerstört und den Geist frei macht.. wie bisher nichts in 12 meinem Leben. dann viele Jahre lang Statthalter von drei vereinigten indischen Distrikten. Ich erfuhr. aber furchtbar verwahrloster Bungalow mit Säulenhallen auf allen Seiten." Unter grossem Aufsehen der Bevölkerung von Almora fuhr ich am Nachmittag im Auto mit meinem Guru Schri Maharadsch und Swami Nityananda zu dem Pilgerhaus. die Kraft seines wohlgebildeten K örpers .ging für viele Jahre in eine Felsenhöhle und wurde ein Asket. Ich tat es. Immer nimmt einer von ihnen in freudigem Anlauf eine neue Zeile auf.. Oben auf der Terrasse standen etwa ein Dutzend Pilger. Während wir rings um ihn und Schri auf dem Boden kauerten.

wie ein Lichtengel vor. als Schüler seines Guru. Ich zog meine Schuhe und Strümpfe aus und wusch ebenfalls meine Füsse und Hände. Leichter Regen. fast bartlosen Tamilen aus Südindien. In dem gepflasterten grossen viereckigen Becken tief zu Füssen des Tempels ist nichts als grüner Schlamm.Aber Rana meinte: "Es ist gut. Hari. alles sind nur verschiedene Aspekte des einen allmächtigen Gottes. dem Himalaja gegangen. jüngst vom Blitz zerschmetterter. deshalb ist er aus dem Süden nach dem Norden. ein Symbol der kosmischen Zeugungskraft. Als ich näher kam. Erquickt um halb sechs Uhr früh erwacht. sah ich. war es ihm peinlich. der Guru des Tamilen. mitten im Gewühl seiner Schüler und Anhänger.erprobt. Er war ursprünglich Buchhandlungsgehilfe in Madras gewesen. ist er kein wahrer Yogi." Etwas Seltsames hat mir der junge Tamile von Mahatma Gandhi erzählt. mit ihren Kupfer. wer sich den göttlichen Erlöser Rama als Herrn erwählt hat und ihn anbeten will. Gandhi hatte sein eigenes Aschram eröffnet und die Menschen kamen zu ihm. Brahma. sagte ihm einmal: "Wenn einer schon ein weit und breit berühmter Yogi ist.Er war entsetzt bei dem Gedanken. Von der Ferne sah ich dort dunkelgrau eine steile spitze Kuppel aufragen. ob er Eltern und Geschwister habe. war dieser ganz anderer Ansicht: "Töte sie". auf alles. Mit den Wanzen ist es wahrscheinlich wie im Schützengrabenkrieg. Krischna. Sie erinnern dich. Vaman. Es ist böses Leben. dessen Dach zerfällt und beugte tief. Anfangs waren es bloss scheu Gespräche mit dem schmächtigen. ob sie noch leben. mit der ich mich zudeckte. Schiwa.Rama. "Wenn du die Tiere bloss ins Freie wirfst.Als ich Schri fragte. muss vorher drei Monate oder sechs Monate Schiwa verehren. nur an einer Stelle quillt es hell und klar. er ist es durch Yoga geworden. dass es ein alter Schiwatempel ist. Nun will er zum Kailas gehen. . verkohlter Baum. Narayana. brauchen sie jauchzend die Kraft der Seele. Schwer h ängen die Wolken über den Vorbergen des Himalaja. ohne jede falsche Demut auf dem Bahnhof einen Koffer auf dem Kopf zu tragen. muss er doch jederzeit bereit 13 sein. obwohl doch die gute Quelle neben dem Aschram sprudelt. damit er sie Yoga lehre. so wie man den eigenen Körper vergessen muss. ich soll mich nicht zu nahe zur Wand legen. draussen in der Säulenhalle auf. und überzeugt. der Zerstörer. . In dem tiefen Frieden nach der Meditation sitze ich in meinem Zimmer. Doch statt der erwarteten höheren Yogaübungen liess er seine Schüler zuerst die Latrinen fegen. Freundlich rückte der eine Mann sein Kupfergefäss von dem Wasserstrahl weg. Heute gab es keine Wanzen. und die andere. in einem anderen Teil des Himalaja. jenseits der Talmulde. Sie holen Wasser aus dem alten Schiwatempel und baden dort. so erproben sie. sagte er. eine Wanze zu töten. Wischnu. Manchmal kommt mir der h ässliche. Hara. Die Fenster sind offen. . Knapp vor dem Tor erhebt sich ein ungeheurer. das heisst. wenn dich die Wanzen in der Nacht ärgern. Die Männer im orangefarbenen Umhang freuten sich und nickten mir zu. Dann wanderte ich in der hellen Morgensonne ein Stück in das Tal hinab. Jetzt weiss ich. Er ist noch jung. Der Gott des Todes und der Auferstehung. ist der Gott der Yogis. Der kleine Tamile hat mich belehrt. der mir freudig hilft und mir dient. in Ehrerbietung. . verzichten muss. Fünf Jahre hat er in Rishikesh gelebt. Denn Yoga ist Dienst! Schiwananda. Und als sie zögerten. Er schien nicht zu wissen. dann als solches Ungeziefer im n ächsten Leben wiedergeboren zu werden. erst fünfundzwanzig Jahre und vielleicht ein wenig fanatisch." . auf der ich am Boden schlief. das Haupt zum Boden. Ich blicke auf die stillen sonnigen Terrassen-abhänge des Dorfes Kalamati. Grosse steinerne Wasserbecken befinden sich in den Abhängen oberhalb und unterhalb des Tempels. Ich mache mein Bett. dunkelbraune Männer eben weiss eingeseift und wuschen sich gründlich. dass du eigentlich meditieren sollst. ich hänge die Decke. wohin sie aus dem Pilgerhaus täglich gehen. Als ich ihn fragte. die sonst in ganzen Heerzügen wanderten. machte der Mahatma es ihnen vor. Schiwa. Wenn er das nicht kann. auf die Eltern." Der junge Swami Nijabodha lebt nach diesen Lehren. damit ich mich waschen konnte. was ihn bindet. magere Mensch. Man hat mir erzählt. kommen sie wieder und quälen die anderen Swamis. Weil ein Swami auf den Heimatort.und Messinggefässen. Nur die Neulinge sind verloren. Ich ging barfüssig bis zur Schwelle des altersgrauen Tempels. der sich meiner angenommen hatte. In dem oberen Becken hatten sich zwei nackte. die in einen aufgerichteten Lingamstein ausläuft.

"ist alle Sprache und sind alle Weden geboren. In einer der Hallen sehe ich eine Matte. "Aus dem Wort AUM". Die Weden sind wie die Blätter eines Baumes. so heisst es. und dass es mir leicht fällt. Auch nachts kommen sie an. Nun hat die Regenzeit wirklich begonnen. wie es eigentlich Vorschrift für den Sannyasi ist. meine ist deutsch. Der schmächtige Swami Nijabodha und ich 14 bilden ein seltsames Gespann. bemoosten Steinpyramide des Daches steht auf einer balkonartigen Konsole ein ähnliches Dämonentier. Freilich. kein Fleisch zu essen. da verbringen einzelne Menschen die Nacht. Sie haben sich in Gruppen geteilt. die er bei mir entdeckt hat. Dann ereifern sie sich über Speisegesetze. in Tälerfalten mit vielen Ziegenpfaden. eine halbe Stunde später. pochen. Ich sitze auf dem Rasen zwischen Kuhfladen wie auf einer Alpenweide. Bald sind es hundert. Den Vormittag über soll ich kein Wort sprechen. Gemüse und indisches Blätterbrot um elf Uhr vormittags. nicht trinke. 'AUM' grüssen mich freundlich die Mahatmas. Sie bedecken jeden Fleck Bodens in dem Aschram. manchmal erbitterte Gespräche hallen hie und da bis tief in die Nacht in meinen Schlafraum hinein. den ich anfangs gar nicht sah. wie das Land in Grasabhängen abfällt.Eine starke Kraft liegt in dem wahren innerlichen Schweigen. einige tragen bloss das orangene Gewand eines Sadhu. dass ich jedesmal glaube. Ein kleiner Napf Gemüse und Brot um zehn Uhr nachts. Schweigen der Seele. sehe ich. soll ich es den Swamis schriftlich mitteilen. herrscht friedevollste Stille.) Beim Schein einer grellen Petromax-Laterne sitzen die Pilger in einer langen Reihe im Freien auf dem Boden zwischen den in der Nacht betäubend duftenden Blüten und warten auf das Essen. um Sadhus zu sein. dass das Komitee vollkommen für den Aufenthalt und die Ausrüstung und alle Kosten der weiten Pilgerfahrt sorgen wird. es habe in das Gebäude des Aschram eingeschlagen. die er eben gelernt hat. die Kastenunterschiede v öllig zu vergessen. Täglich rücken neue Pilger ein. (In den meisten indischen Aschrams gibt es aber nur eine Mahlzeit jeden Tag. Auf dem Markt und in dem Basar hat er ein wenig hindostanisch aufgeschnappt und nun versucht er. In der Tiefe eine Waldwelt. der seine Wurzel im Himmel hat und nach unten wächst". unterhalten wir uns nachmittags auf langen Waldspaziergängen. Nicht allen ist es gelungen. wenn er mit einem Metallbecher dunklen Tees in mein Zimmer kommt und mich aufweckt. alle mit dem Lingamstein gekrönt. Nijabodha ist voll Staunen. kommt dann triumphierend mit neuen Regeln. Kleine viereckige Hütten rings verstreut. die das Pilgerhaus erfüllen. dass sie wie Feuer brennt. und studiert sie nun des Nachts. nicht nur des Mundes. . Zerbröckelte Hallen sind an der Stirnseite des Teiches. die Kost im Aschram ist karg und so scharf gewürzt. Auch Nijabodha kann stundenlang darüber reden. Zu ebener Erde und im Dachgeschoss wird nun der Gottesdienst abgehalten. Wie ein Lauffeuer hat sich die Kunde in ganz Indien verbreitet. das mir Schri vor seiner Abreise gegeben hat. 'AUM' ruft mir frühmorgens der magere junge Tamile zum Gruss zu. Nun.Dort steht ein Mann im Feuchten und schöpft aus einer Schale. In englischer Sprache. Und viele andere hausen noch in verschiedenen Gebäuden der Stadt. Ein grosses Glück ist das Schweigegebot. Ein geschwungener breiter Weg. Ein in Stein gehauenes Dämonentier verharrt betend auf den Steinplatten vor dem Tempel zwischen grasenden Pferden und Kühen. der Regen hat längst aufgehört und der Boden hat durstig alle Wassermassen aufgesogen. die zum Bad im Tempelwasser gehen und mir begegnen. Von oben und von der Seite hallen abends die gleichen Hymnen an Schiwa zu mir . Seine Mutter-sprache ist tamilisch. Lange. Leidenschaftlich hat er sich auf eine Hindostani-Grammatik gestürzt. Dunkelgraue Wolkengebirge liegen über den Gebirgen im Westen. zu einer weiten Schale gewölbt. Wenn ich den Kopf wende. die wir beide halbwegs beherrschen. Auch oben auf der abgeschrägten. Einlass fordernd. Donnerschläge und Himmelsfeuer. Auch er winkt mir. Manche sind wahre Heilige. zieht hoch über Schluchten von dem Tempel zu dem Pilgerhaus empor. dass ich nicht rauche. Rings um den Tempel dehnen sich ernst und grossartig die düster grünen Abhänge des Gebirges. Menschen aus allen Teilen des riesigen Landes Indien und aus allen Kasten und Ständen sind hier zusammengekommen. an die Glastüre des Aschram. Sie haben alle ihre Vergangenheit und allen ihren Besitz weggeworfen. Wenn ich irgend etwas brauche. mir in freudigem Diensteifer seine eigenen geringen Sprachkennt-nisse beizubringen. mich niederzusetzen.

ihm dieses Haus für Lebzeiten zur Verfügung zu stellen. "Es darf an Ausrüstungsmaterial nicht mangeln. dass ich mich dafür interessierte. zu kurieren. das Schri Anandakutir nennt. wie nach einer siegreichen Schlacht. Draussen strömt ununterbrochen der Regen herab. Sogar die Dysenterie ist geschwunden. für die Reparatur. durch immer ärmlichere Gassen. damit ich Unerfahrener in der Stadt nicht betrogen würde. der alle Verantwortung auf sich genommen hat. Mit Mühe hielt ich ihn davon ab. weil er fühlte. Aber meine beiden Behüter wendeten dem Geldgierigen verächtlich den Rücken und zogen mich unter vielem Reden mit sich. Das erstemal in seinem fünfundsechzigjährigen Leben hat ihn ein Fieber überfallen. um bei reichen Kaufleuten Geld zu sammeln. Als er sah. dass sich in alten Zeiten die Wahrheitssucher eine Schärfe in die Augen tropften. Wann kommt Schri? Schri ist wieder da. Auch meine Augen ü brennen und tränen. blicke ich in sein Gesicht. Wenn ich die Augen aufschlage. Der kleine Tamile versucht. eine manchmal lärmende Familie. Noch immer ist es nicht entschieden. das sind 15 zehn Pfennige. zurückgekommen. als erwartet wurden. Jede Petromaxlampe. nach Delhi und Karachi gefahren. Irgendeine scharfe Säure muss hineingekommen sein. f Pfennige. Er war früher Maschineningenieur und hat lange in Europa gelebt. Die Pilgerstrecke ist hin und zurück etwa tausend Kilometer lang und f ührt über sechstausend Meter hohe Pässe. als er beabsichtigte. ob sie auch unter Schmerzen ihre Gelassenheit und ihren inneren Frieden bewahren konnten. Als meine Sandalen ein Loch bekamen. aber den ganzen Tag bin ich unter der Obhut Schris in dem kleinen weissen Haus im Wald. zogen wir zu dritt zwischen den blühenden Büschen der Hänge zu der Pilgerherberge im Walde zurück. die zum Manasarowar und zum Berg Kailas wollen. Ein anderer Schuster verlangte einen Anna. Einer von ihnen. Drei Tage war ich fast blind. Das Wasser von Almora ist berüchtigt schlecht. dass er in seiner Jugend tausende von Dieselmotoren in Stockholm gebaut hatte." Wir bilden eine grosse Familie in dem Pilgerhaus. Freudig. Er erzählte mir. Unverrichteter Dinge und sorgenvoll und krank ist der Swami zurückgekommen. ist mit seinem Tigerfell auf den Schultern. Der geräumige Dachboden des Bungalows. ob wir schon heuer die Wanderung über die hohen Pässe zum Manasarowar-See und zum Berg Kailas in Tibet antreten. oder ob wir diesmal nur eine kleinere . Auch ünf das war zu teuer. um zu erproben. mit grösster Hingabe f ihn bereitet wird. Ausrüstungsgegenstände sortiert.herein. die freilich oft zerklüftet ist. Einer der vielen Flickschuster im Freien besserte schliesslich den Schaden. ein Kommentar zur Bhagavad-gita von Schankaracharya. Wir wanderten strassauf und -ab. weil viel mehr Pilger gekommen sind. Sein einziger Besitz ist nun ein Buch. begleiteten er und der junge Tamile mich schützend nach Almora. die er mit sich f hrt. Swami Nityananda. Schri erzählte mir. mich mit einer Medizin. Ein Brahmane in Almora hatte plötzlich den Einfall bekommen. habe Dysenterie bekommen. Der Preis schien ihnen viel zu teuer. Hütte der Seligkeit. Heute ist's ein wenig besser. Die Nächte verbringe ich zwar noch weiter in der überfüllten Pilgerherberge. ist schon voll von Pilgern. die von Govinda Singh. hat mich unter seinen besonderen Schutz genommen. sachgemäss für einen halben Anna aus. wollte er es mir sofort schenken. Ein Riesenwerk ist zu verrichten. Meine Begleiter waren tief befriedigt. den man auf einer Leiter erreicht. "Ich verzichte nie". sagte er abermals. Die nächste Bahn-station ist von Almora hundertzwanzig Kilometer entfernt. Das Geld ist anscheinend knapp geworden. Eine Strasse gibt es nicht. Am nächsten Tag will er ungeachtet seines Zustandes nach Bombay reisen. ein kraftvoller alter Mann mit weissem Stoppelbart. Aber auch Indien spürt die Wirtschaftskrise. ür Die tägliche Meditation verrichte ich wieder in Schris Meditationszimmer in seiner Gegenwart. während ich barfuss daneben sass. Fast die ganze Nacht werden in der Halle vor meinen Fenstern Kisten gepackt. die zarte. jeder Sack Reis muss auf dem Nacken eines Mannes geschleppt werden. Ich bin krank. tut mir gut. Die Mahlzeiten nehme ich bei Schri ein. dass ich ihn benötigte. Meine Augen sind geheilt. zwei Tage und zwei Nächte fahren. Niemand darf auf dieser Pilgerfahrt sterben. Der Schuster dort forderte bloss zwei Annas. Kulis kauern wartend auf dem Boden. Er ist einige Tage früher. da täglich neue Wanderer ankommen und sich einquartieren. Wir müssen zusammenrücken. seinem Diener. leichte Kost. um Geld für die Pilgerfahrten zu beschaffen.

jenseits der vergletscherten ungeheuren Kämme des Himalaja. von einer Mauer umgeben. über steilen. weit an allen vier Seiten vorspringend. Und am Ufer. Von allen Seiten. Der Aufbruch war von grosser Feierlichkeit. wie eine junge Schöne. anderen Aspekten Gottes geweiht. durch Moos. wanden sich wie dicke weissgraue Schlangen. das heisst: 'Schiwa. Zwei grosse Tempel Schiwas und zahllose kleine Tempel. Die Menschen vor den H äusern standen still und falteten die Hände zum Gruss. Der Lebensbaum. wo zahllose klare Bäche den Himmel spiegeln. Singend und die Blumen hochhaltend 16 gingen wir über die Steinplatten des Basars von Almora. Ein oder zwei Dutzend unscheinbarer Holzhäuser. Himmelswasser. mit ihm zu leben. die Schiwa um seinen Hals geschlungen trägt. Zwei oder drei Männer hatten leuchtend weisse Spitzbärte. In Viererreihen marschierten wir. von Leben strotzende. Wir sangen. das hell von allen Seiten zusammenströmt. Wir sangen. wo ich zu schlafen pflegte. Da klopfte Schri Maharadsch laut an die Türe des Meditationszimmers: "Wir gehen!" Ich schrak auf und zog mir eiligst die Schuhe an. Einer war negerhaft dunkel. heisst Jageshwar. Wir marschierten und sangen. Ein weitberühmter Wallfahrtsort. ist von hier ausgegangen. gab den Text und die Melodie an. Der Ort. Herr der Welt. in Stromschnellen und Wasserfällen. Das Wasser. Sie f hrt ü durch eine vielgefaltete Waldwelt. PILGERFAHRT IM HIMALAJA Nach der Morgenmeditation schrieb ich Tagebuch. vom Alter nachgedunkelt. später mit ihm nach Nasik in sein Haus zu kommen und dort als sein Schüler. der in der Säulenhalle vor meinem Zimmer schläft und jeden Morgen umständlich. Wir gingen zu dem Pilgerhaus. liegt der Tempelhof. Ernst lag die ausgebreitete Landschaft zu unseren Füssen.Erkundungsfahrt unternehmen werden. schrägen Türmen. seine Gesichtsbemalung vorzunehmen pflegt. Jeder von uns hatte gelbe Blumen in der Hand. war Montag. dessen gebogene Stirnfalten über der Nase wie eine Lotosblume aussahen. da wo das klare Wasser strömt. Wasser des Lebens. Bald links. 'dem . Der grosse Kailas liegt weiter im Norden. der mich besonders betreute und heute morgen gerührt an seine Brust gedrückt hatte. der von weit her zu dem festlichen Aufbruch gekommen war. Zwei gestickte Decken wurden für Schri in einen Armstuhl gebreitet. wirkt gar nicht mehr irdisch. aus Felsen und von riesigen Bäumen stürzt weisses Wasser herab. wir Schritten zu dritt voran. Auf Wunsch Schris liessen wir die grosse Pilgerschar vorausziehen und bilden bloss eine kleine Gruppe. wunderbar liebevoll geschnitztes Holz. Die Wanderung ist bezaubernd. fast ein Knabe. dem Zerstörer. bald rechts sank der Blick hinab in das beiderseits der Stadt in Terrassen abfallende Land. neben diesem Schri Maharadsch und ich. Immer neue Gesichter von Sadhus sah ich. in Tibet. Die Namen Gottes. zu dem heiligen Berg. als sein Sohn. mit L äden gesäumte Strasse auf dem Grat des Berges. Aufseher der K üche. sondern Schiwa. der Schiwas irdische Wohnung ist. eine Holzwelt. Schiwas Tag. aber ich habe keinen einzigen Kramladen dort gesehen. Schri hat mich aufgefordert. ringsum. Sie öffneten sich vor mir. Heute. Der dicke.' Es ist einer der heiligsten Orte in Indien. das blühende Sonnenrad und ähnliche Symbole rahmen rot und blau. Ihre frischgemalten Stirnzeichen hatten heute Leben wie nie zuvor. dass die Strasse hallte. Wir sangen nach. gutmütige Swami mit der hohen eingestaubten Haartolle über dem Scheitel. die wir sangen. Fremdartige schöne leuchtende Blumen blühen sanft im Moos. Auch ich sass diesmal auf einem Stuhl mitten unter den Sadhus. Sie sind nicht Schiwa. des Symbols der kosmischen Zeugungskraft. wohlgepflegte Sannyasi. wo sich das schmale Tal zur Lichtwiese erweitert. Der Kult des Linga. Hinter diesem kauerte ein ganz junger. gleichsam mit allen ihren Schicksalen aus früheren Leben beladen. Königlich wirkte der alte. alle Fenster und T üren der Hütten ein. ja auf Erden. Die Stätte heisst auch 'der kleine Kailas'. waren wie ein wogendes Meer. Die Tage verbrachte ich jetzt immer mit Schri. Lange Nebelstreifen. viele Meilen weite. da die ersten auszogen zum Kailas. die auf dem Boden kauerten. Der Maharadscha. die endlose. Schiwa geweiht. und konnte sie ungestört betrachten. Einer der Pilger hatte sich den ganzen oberen Teil des Gesichtes mit weisser Erde eingeschmiert. Die Schiwatempel haben Holzdächer auf Balustraden.

Nun liegt die ungeheure Kette des Himalaja offen da. Rama. Auf und ab geht der Weg. Auf Tempelmauern. Schiwa und Rama und dessen Diener Hanuman sind die Herren dieses Gebirges und dieser Wälder. noch höher als die Wolkengebirge. Hanuman halte die Dämonen ab. Derzeit ist die Stube voll Menschen. der ihnen am liebsten ist: Rama. Da er aber die Pflanze dort nicht sogleich fand. endlos durch ein tropisches. unendliche Waldberge ringsum. Schri soll entscheiden.aber heilig. Breit wölben sich seine tierischen Backenknochen vor. Nicht mit irdischer Kraft hat Hanuman das Untier besiegt. die ihm einen Gerichtsfall vortragen. Man geht aus dem winzigen Dorf den brausenden Fluss aufwärts. und aus den strömenden Wassern neigt sich Gott einem zu! Ich sitze auf dem Lehmboden einer grossen Stube unter dem altersbraunen niedrigen Dachgebälk in einem Nebengebäude des Schiwatempels. wie auf Bildern und Statuen in christlichen Ländern der Erzengel Michael über dem stürzenden Drachen steht. Ramas Bruder Lakshman war im Kampfe verwundet worden.Besieger des Todes' geweiht. In seinem Herzen trägt Hanuman leuchtend den Namen Rama eingeritzt. Bananen. und ihm gegenüber am Boden kauern die Männer aus uralten Brahmanengeschlechtern. des Zerstörers. Schiwas Gefolge und eisgekantet in der Sonne gleissend. Es heisst in den Sagen. Dort trägt Hanuman einen Berg in seiner Hand. Die letzten Nächte haben wir in staatlichen Forsthäusern verbracht. Büffelkühe. Hanuman flog im Nu von der Südspitze Indiens zum Himalaja. Ein grelles Petromaxlicht ist an einem Dachbalken aufgehängt. Da beauftragte Rama seinen treuen Diener Hanuman. roten. das bedeutet 'König der Schlangen'. Dreizack: der Berg Trisul. hinter drei Waldketten. Es ist eine Pilgerherberge. mit grossen. Mit dem Kopf stösst man an das niedrige Gebälk an. Ich stand vor einem Bildwerk.. während das Brausen der abendlichen Wasser in die Stube dringt. wenn man unachtsam ist. etwa 8000 Meter hoch. Mühsamste Wanderung. Er meinte. In der Mitte eine Eispyramide. Hanuman steht ganz ruhevoll. Schiwas M ägde. Es gibt etwa eine Million D örfer in Indien. in das Dorf einzudringen. Ziegen. Berg neben Berg: Schiwas Weib. in der wir hausen. auf Baumstämme. Wir wollen zwei Tage hier oben bleiben auf dem Schlangenberg. der den Fuss auf ein zerschmettertes Untier setzt. tiefes Tal. zu dem Forsthaus 'Berinag'. 17 . Noch viele Male in die Täler hinab und die Kämme hinauf. Nun sind wir zu dem bisher höchsten Punkt gelangt. Unterwegs sah ich unter einem ungeheuren Baum ein anderes Hanumansteinbild. dieser Gottesname gebe ihm alle seine Kraft. riss er kurzerhand ein ganzes Gebirge mit allen seinen Wäldern und Bäumen und Kräutern aus und brachte es im Fluge zu Rama. Eben sind Männer zu Schri gekommen. Zedern und rotblühende. auf Felswände haben die Einsiedler. Aus der Falltüre im Fussboden tauchen immer mehr Männer auf. Mitten im Menschengewühl und Singen der Pilger. genau so. langen SadhuGewand schritt ich neben Schri durch die Höfe und kühlen feuchten Vorhallen und empfing Blüten vor jeder Pforte. Was begibt sich in Europa? Ist Krieg? Nach einem heissen Bad und einem erquickenden Essen bin ich wunderbar erfrischt. Agaven. Eine Wanderung. tief in Meditation versunken. In meinem orangefarbenen. Schri sitzt auf einer gestickten Seidenmatte wie auf einem Thron.. mir unbekannte Bäume. die Nanda Devi. aus dem Himalaja eine bestimmte Pflanze zu holen. vor einer roten Steinstatue Hanumans. Manche auch wollen von Krankheiten geheilt werden. sitze ich mit untergeschlagenen Beinen völlig ungestört und schreibe. ihre Schatten fallen auf mich. die gekommen sind. Rama . die gewünschte Heilpflanze werde schon mit dabei sein. des Affenkönigs. Dann in der Mittagsglut steil aufwärts. am nächsten und scheinbar am höchsten. vom Dichter Eichendorff geschildert . wie von dem Märchenmaler Schwind. Rundum Nussbäume. dem Maharadsch ihre Verehrung zu bezeugen und um eifrigst mit ihm über religiöse Dinge zu sprechen. Vor der Mehrzahl dieser Dörfer befindet sich ein kleiner Hanumantempel. diese unfassbar übertürmend. Wir wandern und reiten friedvoll in Regen und Sonne durch den endlosen Wald. Es geht mir unendlich gut. heisses. indischen Buchstaben jenen Namen Gottes geschrieben. Und doch ist dieser Dachboden ein geheiligter Raum. Das Volk glaubt. die in den Felsenhöhlen hausen. die Hand hat er auf seine hohe Stirn gelegt. ragt Schiwas. Dann haben wir nur drei Tagesmärsche bis Askot vor uns. wie immer grellrot gefärbt.

die jenseits des glitzernden Kalistromes scheinbar dicht unter mir lagen. lachende Landschaft. sagte Schri abermals. zum irdischen Kailas zu gehen. dann in tropische. Den wahren Berg Kailas. Zwei Tage waren wir in Askot. lebt nun wie eine Gutsherrschaft oder wie eine Grossbauernfamilie inmitten des Dorfes Askot. Es war eine wunderbare. ein Urteil über ihn abzugeben. von denen die Sohlen wehmütig herabhingen. Und es bedarf der göttlichen Gnade. Alle Brücken waren fortgeschwemmt worden. brachte schlechte Nachrichten. Er. Er berichtete. Die Kaufleute. wie aus dem AUM herausflutend. Auch sie sind aus der Sonnendynastie.Als ich durch den Wald. um sie zu erkennen. Denn die EwigBeigesellten Gottes verhüllen sich gerne. Nun verstand ich Schri besser. Seltsam freudig war diese Rückwanderung nach Almora. bis es an der Zeit ist. hörte ich feierliche Weda-Hymnen: von Schuljungen zu Ehren Schris gesungen. zerfällt in Staub. Noch einen Blick warf ich auf den vielgewundenen. Das Gestein des Himalaja erinnert mich an das Gestein des Grand Caùon in Nordamerika. denn für diese Würde besässe er gar nicht die erforderlichen Kenntnisse in Sanskrit. legten ihre Mitglieder den Namen Dewa ab. hatten unsägliche Leiden ausstehen müssen. niemand werde auf dieser Pilgerfahrt sterben. Die fürstliche Familie. geschrieben. hatte sich getäuscht. Auch noch weitere betrübliche Mitteilungen erhielt Schri. Beide Tage war auch der jüngere Bruder des Radscha bei uns im Bungalow. von Sonne überschütteten Kalistrom. Regenschirme. nicht weiter nach Norden wandern zu dürfen. hatte sich und die anderen betrogen. der schmale Weg vielfach verschüttet oder in die Tiefe gerissen. In Askot. Schwer ist es für den Neuling in Indien. Immer näher schien mir der heilige Berg Schiwas zu kommen. Wenn man es in die Hand nimmt. mit einem solchen Stein einen Nagel in meine Schuhe einzuschlagen. k önnen ihr Geschlecht einige tausend Jahre zurückverfolgen. beherrscht hatten. Ich hatte mich manchmal gewundert. dass man ihn nie rechtmässig zu einem der Nachfolger Schankaracharyas gewählt hätte. Die Scharen von Pilgern. wie den meisten europäischen oder amerikanischen Expeditionen. Schiwa wird dich rufen". deren Vorfahren das grosse Königreich Kumaon. sich nicht täuschen zu 18 lassen und in der Menge der Asketen. unter Führung ihres Lehrers. den muss man zu erreichen suchen!" so ähnlich hatte mir Schri schon in den ersten Tagen unseres Beisammenseins in den Instruktionen. Sehnsüchtig schaute ich von der Höhe von Askot auf die unberührten grünen Wälder. Uralte Musik. Als die Engländer im Jahre 1815 die frühere Hauptstadt Almora einnahmen und die fürstliche Familie sich nach Askot zurückzog. Es war unmöglich. dann lief ich den anderen voraus. Nach langem Schweigen entschloss sich Schri umzukehren. auf den wir hinabblickten. . denn im Gefolge Schris wäre mir Tibet. die Wiesen und wolkenverhangenen Gebirge des unabhängigen Landes Nepal hinab. in den Wald hinein. pfadlos und allein. nicht verschlossen gewesen. Wieder viele Male die Berge empor. Sie strengten Prozesse gegen ihn an. Bis vor 100 Jahren führte jeder aus der Königsfamilie den Beinamen Dewa (Gott). gäbe es einen Schuster! Der Radscha von Askot. Gummimäntel und Nahrungsmittel dem Komitee für die Pilgerfahrten geliefert hatten. dass der gütige alte Mann oft seltsam zurückhaltend und abweisend gegen Nityananda gewesen war. die andere belügen oder sich selbst. das letzte Stück zum Bungalow Berinag auf dem Schlangenberge hinaufstieg. erschrickt man. der uns in dem Rasthaus besuchte. von Sikkim bis Kabul. Es gingen Gerüchte.Mir steht es nicht zu. Es zerbröckelt. vielgewundene Kalifluss. dass dieser Mann ein Hochstapler w äre. Mehrere hatten den Tod gefunden. das verbotene Land. der feierlich erklärt hatte. dass der friedliche. Die grossen Prophezeiungen Nityanandas hatten sich nicht bewahrheitet. die er mir gab. Es lag ja eine Einladung des Vizekönigs von Westtibet für Schri vor. Die Regen waren heftiger gewesen als jemals. hatten keine Bezahlung erhalten und machten Nityananda verantwortlich. dass fünfundzwanzig Pferde seit Wochen an der Grenze für ihn und sein Gefolge bereit standen. der in der eigenen Seele liegt. die anfänglich so bereitwillig Petroleumlampen. sagte man mir. auch wenn ich ihm nun den Rücken . Sehr schmerzlich war es für mich. sie trugen eine selbstverfertigte Gandhifahne. einen wahren Gottgeweihten zu erkennen. sich in seinem Oberlauf wild empört hatte. "Es bedeutet nicht allzuviel. Viele Menschen behaupteten plötzlich. "Warte. Es war ein Knabenbund. die uns vorausgezogen waren. heisse Täler hinab und wieder die jähen Abhänge auf steilen Pfaden emporklimmend.

Sein Eishaupt. Hütte der Seligkeit. nach Nasik. Aber heimlich war ich indessen voll Scham. die Strümpfe und Schuhe aus und streckte die Beine in das milchblau schimmernde Wasser. Wir wollen zusammen in der Bhagavad-gita lesen. die Krischna selbst. Und mir unbekannte Blumenbäume blühen wie Arm-leuchter mit weissen Flammen. gepflasterten Strassen. Sandbänke und grüner Buschwald und Tempel an den Ufern. ich träumte von ihm in vielen Nächten. Wir wollen diesen Tag feiern. Es begann in dem Rasthaus Tal (Tal heisst auf Hindi Tiefe. Nur noch grüner ist das Terrassenland geworden. aber klar. wo die Schmalspurbahn in den Himalaja anfängt. die in den Yamunastrom hinunterführten. da Krischna auf der Erde erschienen ist. 'das Kronjuwel der Unterscheidungskraft' von Schankaracharya. Ungeheure vierrädrige Büffelkarren. der einstmals ein blühender Urwald war. In Muttra. Gestern sind wir endgültig von Almora abgereist. die Schankaracharya zu Grundpfeilern seiner Weltanschauung gemacht hatte: 'aham brahmasmi' ich bin das Brahman. pulsend und blaurot. Das Buch war leider in Almora zurückgeblieben. während ich einsam auf dem Heimweg abermals einige Falten des Himalaja überquerte. Kühe. fuhren wir auch nach Brindaban. vermessenen Wort verschwanden zeitweise Berg und Wald und Fluss und sogar die Schneehänge des Gebirges. Über sehr viele breite Ströme sind wir gefahren. wenn ich auf. ANANDAPITH . Die Flüsse sind angeschwollen. Grund). in einem Koffer hatte liegen lassen. weil die Bhagavad-gita die Worte enthielt. Vamandas. Nächstes Jahr wollen wir in der kühlen Zeit einige Monate hier verbringen. als ob ich nie weggewesen wäre. Diesmal sass ich mit Schri nur eine Weile im Schatten auf den Stufen. dem niedrigsten Punkte der ganzen Wanderung. Ich durchwanderte weiter sein Gefilde. Wild-farbiges asiatisches Gedränge in den engen.und abwärts schritt und lief. wo die Menschen bei Kerzenlicht oder Öllampen sassen und laut Hymnen an die G ötter sangen. Hoch steht das Getreide. wo Krischna unter den Hirten seine freudige Jugend verlebte.SITZ DER SELIGKEIT An meinem Geburtstag bin ich wieder nach Almora zurückgekehrt und mir ist zumut. Er meinte ernst: "Gewiss wird es ihn heilen". Ich sehnte mich nicht nach irgendeiner bestimmten Strophe. heissen Buschwald. Freudig w ächst der Tag der Meditation entgegen. gemächlich am Boden liegend. Auf der weiteren Wanderung." So kam es. Hände und die übermüdeten Füsse von . genannt Anandakutir. mit eigenem Mund einst zu seinem Schüler Arjuna gesprochen hatte. meditierte ich unausgesetzt über eines der Worte aus den Upani-schaden.kehrte. Ich fuhr mit Schri in die Stadt. das strömend vorbeizog. dass dieser mir in Mund und Nase drang. ich hatte die Gita nicht mitgenommen. Aber die Schneeberge des Himalaja leuchteten in die Schlucht hinein. tief in einer brausenden Waldschlucht. nach dem ganzen Buch. Es war wohltuend. nein. "Welches Buch hast du mit?" "Nur Vivekachudamani. der alten Stadt Mathura. in welcher der Tradition zufolge vor 5000 Jahren Krischna geboren wurde. Eine meiner Zehen war nach der langen Himalajawanderung heiss und geschwollen. Es war am frühen Morgen. Ich sagte zu Schri: "Vielleicht wird das Wasser des Yamuna meinen Fuss heilen". Ich zog. dass ich an einem Geburtstage Gottes auf Erden am Grunde der tiefen Schlucht dieses grossartige. dachte ich freudig: "Auch das ist sein! 19 Krischnas Staub wirbeln sie auf". Schri sagte: "Heute ist der Gedenktag jenes Tages. die ich in dem kleinen weissen Hause unweit von Almora. aber im Kerne atheistische Werk von Schankaracharya las. Als ich nach Almora zurückgekehrt war und die kastenlosen Strassenfeger mit ihren Reisig-besen den scharfen weissen Staub zu hohen Wolken aufwirbelten. hast du die Gita mitgenommen?" Nein. von Lepra zerfressene Arme gierig in unser Auto hereinstreckend. Durch einen kümmerlichen. Hinter dem mächtigen. Händler. gab mir Schri seine Unterweisung. An uralten Häusern vorbei. In jedem Rasthause. Gesicht. die ich nicht im Gedächtnis hatte bewahren können. wie er. wo wir auf dem Heimmarsch übernachteten. wahrscheinlich mit Eiter gefüllt. seine goldenen Abhänge waren in meiner Seele. die Gott. Bettler. Ich sehnte mich nach dem Bande der Bhagavad-gita. mussten wir für einige Stunden die Fahrt unterbrechen.

das erstemal an den jungen Sträuchern hier im Garten von Schri. doch sie verderben leider beim Versenden. weil man sagt. Eine kleine Elfenbeinstatue Dattatreyas führte Schri in einem blauen Samtgehäuse auf allen seinen Wanderungen mit sich. meinte Schri. In jedem Rasthaus stellte er die Statue auf. Da-neben befindet sich sein grosses Meditations-zimmer. das richtende Rad und das Herrscherzepter des Welterhalters. dass er die gesamte Kraft der indischen Trinität. der Avatare. Sitz der Seligkeit. den Dreizack und den Wasserkrug des Weltzerstörers. um Kupfergeld für die zahllosen Bettler zu bekommen. Wenn ich in die Stadt gehe.dem weichen lauen Wasser überströmt zu fühlen. da er das Wanderleben eines Einsiedlers geführt hatte. sehe ich stets. ist von dem jungen Bildhauer noch nicht vollendet worden. In seinen sechs Händen trägt er die tönende Muschel und den Lotos des Weltschöpfers. weit offen. viele Dutzende von Spielarten. als wir in Nasik ankamen. soll ich meine eigene Meditation verrichten. aber hier im Hause und auf dem Grundstück trage ich wieder den Dhoti. Nachts steht die Tür. "Er ist mein Guru. 20 Auch Dattatreya ist einer der Erlöser. schöpfte mit hohlen Händen das helle Wasser und liess es langsam in die Flut verrinnen. Die Süsse und das Aroma des ganzen Weltalls scheint darin enthalten zu sein. in sich vereinigte. Der Rohbau ist schon fertig. Blumen und Blumenketten von einer der Frauen. ihm nah. Auf seinen Wink warf ich die Blumen opfernd in den Fluss.die einer sind. in immer erneuter Rührung. aber ihn nicht störend. welche mein Schlaf-zimmer mit Schris Schlafzimmer verbindet. bei denen er manchmal zu Gast war während der Zeit. Das marmorne Bild des dreihäuptigen Dattatreya. Er sang mir Lieder zu Ehren Dattatreyas vor. die auf der Strasse hockten. ein weisses hauchdünnes Gewebe statt der Hosen. Das Haus Schris f ührt den Namen Anandapith. Ein riesiges Zimmer dient als sein Empfangsraum. die manchmal durch die Jahr-tausende gehen. einst zum Heil der Welt aus seiner eigenen Fülle zur Erde entsandt hat. die je auf der Pilgerfahrt nach Nasik kamen. trage ich europäische Kleider. während einer der Uferpriester ein Gebet dazu sprach. Ich fand. die Früchte . gekauft. Ich ging mit Schri durch die Mangohaine eines seiner Freunde. Blüten wurden zu ihren Füssen gestreut. In dem Empfangszimmer bei geöffneter Tür. Gottesbilder und Bilder von Mensch-heitsführern. Wie Hände mit grünen Fingern spreizen sie sich. Vorher hatte Schri. Augenblicklich lässt er einen Tempel f Dattatreya ür bauen. Nasik ist ein grosser Wallfahrtsort der Inder. Schri ist ein freudiger Bauherr. über dessen Pforte das Wort AUM leuchtet. sagte er. Wischnus und Schiwas. die Gott. Nachmittags rief mich Schri zu einer Wanderung auf seinem Grund. Es gleicht dem Herrenhaus auf einem Gutshof. Fische kamen zutraulich auf uns zugeschwommen. Brahmas. An langen grünen dünnen Stengeln hängen die Früchte zu Hunderten aus den Kronen der alten riesigen Bäume herab. Als ich näher hinblickte. Ich tauchte den Finger in die Farbe und machte einer der Schildkröten das rote Zeichen auf die Stirne. Manchmal streben sie wie viele Kerzen an einem Kronleuchter aufwärts. Tiefgründige Symbolik verbirgt sich hinter diesen sogenannten 'Waffen' der drei Götter . Häupter und Hälse ziemlich grosser Schildkröten waren. sah ich. es ist in der Hitze unendlich angenehm. Dann malte der Priester Schri und mir das heilige Zeichen Krischnas auf die Stirn. Auf einem Tigerfell liegen das weisse Tuch und die Polster seines Sitzes. Nun werden langsam die Bananen reif. mit Blumen geschmückt. "Wie Papageien". für die gequälte Welt meditiert. Wenn ich um drei oder um halb vier Uhr früh erwache. dass das. das darin stehen soll. mein geistiger Lehrer". Dann stellte der Priester eine Muschel mit roter Farbe (mit der man das Zeichen auf die Stirne malt) neben mich auf die nasse Steinstufe. als er auf Erden die Menschen Weisheit und Gelassenheit lehrte. hängen an allen W änden. Am n ächsten Tage. was ich für Fische gehalten hatte. Er tat dies viele Jahre lang. Goldgelb oder lila oder purpurrot. die Luft weht hindurch. Mit drei Häuptern und sechs Armen wird Dattatreya abgebildet. Wie eine weisse Blume leuchtet die Kuppel. wie der alte Mann im blauen Sternen-licht aufrecht in seinem Bette sitzt und meditiert. werden die Stammbäume hier niedergelegt. war mein Fuss vollkommen geheilt. Leer ist noch die Halle des neuen Tempels. Die herrlichsten Früchte aber sind die Mangos. Von allen Menschen aus den alten edlen Geschlechtern Indiens. dem Glauben der Hindu zufolge.

Dieser fragte: "Welcher Brahma?" Der Pförtner kam zurück und wiederholte die Frage: "Krischna will wissen. der ihm Ehren bezeigte und ihn nach dem Grund seines Besuches befragte. Höret deshalb von jenem Bruchteil seiner Göttlichkeit. Mein Blick fiel auf ein Bild an der Wand. wie sie sich in der Majestät des Weltalls offenbart. Der Pförtner brachte die Meldung zu Krischna. Damals. Dazwischen unvorstellbar armselige Lehmhütten. Auge. . Schri klatschte in die H ände. GOTTES MAJESTÄT Schris Meditationskammer in Nasik war gleichsam wie mit blendendem Gold ausgeschlagen von der in Jahren der geistigen Versenkung angesammelten Kraft. was soll ich tun?" fragte ich Schri einmal. In diesem Raum und in dem grossen luftigen Arbeitszimmer daneben erzählte mir mein Lehrer viele wunderbare Geschichten. Ganz Bengalen widerhallt noch immer von den Liedern zu seiner Ehre". war der Gast gegangen. deine Aufgabe ist jetzt nicht nach aussen zu hören. Die erste der folgenden Legenden stammt von Krischna-Chaitanya selber. nach Dvaraka. tiefen Schacht empor. berichtete er. "der vor einigen hundert Jahren zur Zeit der Entdeckung Amerikas in Bengalen lebte und den viele als den wiedergekehrten Krischna verehren. der dieses Gleichnis h auf das verborgene. und auch Schri hatte seine Meditation beendet. mit rostigen Blechabfällen gedeckt. Ohr. 'Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis'. führte er den Schöpfer des Himmels und der Erde hinein. hohen Kronen gepflanzt. Brahma warf sich anbetend zu Krischnas Füssen nieder. . Schri hatte einen Blumenkranz um die Brust. die unser Weltall durchwirkt. Das half. Die Ernte ist im April. Auch das Amt eines Brahma. Eines Tages kam Brahma. das geistige Licht zu sehen. das ich bisher nicht beachtet hatte.Als ich aufstand.hängen an den d ünnen Stengeln wie die goldenen und silbernen Nüsse an einem Weihnachtsbaum. Krischna und Brahma Chaitanya erzählte einmal seinen Jüngern: Die vielfältige Göttlichkeit Krischnas in seinem eigenen Reich ist über aller Ausdrucksmöglichkeit. Statt der Pfähle sind schlanke B äume mit schmalen. von Wasser triefend. nach aussen zu sehen. ich sollte die Meditation beginnen. Blumen in der Hand. Hie und da sieht man ein Weizenfeld. ahnte ich noch nicht. es ist der vierhäuptige Brahma". Ein Büffelgespann zieht den biblischen Ledersack. sondern die innere Musik zu hören". Anscheinend schildert sie bloss in mächtigen Bildern voll tropisch blühender Phantasie die g öttliche Majestät. ein bald leiseres und bald lauteres Gespräch wurde geführt. dass Krischna-Chaitanya die 21 kommenden schweren Jahre meines Aufenthaltes in Indien erleuchten und allmählich der Mittelpunkt meines ganzen Lebens werden würde. Schri freute sich über meine Frage. Zwischen den Mangopflanzungen breiten sich Weingärten. Nachdem der Pförtner Krischnas Erlaubnis eingeholt hatte. Ein golden strahlender junger Mensch am Ufer eines Stromes mit erhobenen Armen war darauf dargestellt. "Das ist Krischna-Chaitanya". Ich setzte mich zur Meditation hin und streifte den Gedanken ab: Warum ruft er mich jetzt? Warum will er. das ört. die Herrschaft eines Weltschöpfers über ein Weltall. Auch unser Weltall ist vergänglich. Damit rief er mich und heischte stumm von mir. wenn sie Billionen Jahre währt Stillschweigend wird der innere Blick des Schülers. Man geht unter den Ranken wie durch Laubengänge. Die Trauben von Nasik sind berühmt. das 'nicht von dieser Welt' ist. Ohr. einen Schöpfbrunnen. unvergängliche Reich hingewiesen. manche sechshundert Jahre alt. als ich zum erstenmal den Namen des verborgenen Avatars des finsteren Zeitalters h örte. das Reich. aus dem runden. mich in der Meditation stören. Eine Autofahrt auf der Landstrasse Agra-Bombay: eine endlose Allee uralter indischer Feigenbäume. der Schöpfer der Welt. welcher Brahma du bist". ist nach indischer Anschauung vergänglich. Schri antwortete: "Sag ihnen sanft: Auge. um Krischna zu sehen. dass ich in Gegenwart eines anderen meditiere? "Wenn die Sinne. Die innere Anstrengung war nun eine Hilfe beim Konzentrieren. sondern nach innen zu sehen. Ein Gast sass in seinem Zimmer. Selbst dann noch. Ungeduldig und verblüfft antwortete der Weltschöpfer: "Geh und sage ihm. deine Aufgabe ist jetzt nicht. Doch sie ist nur ein Gleichnis.

vor dem sie sich als gering und entbehrlich erkannten. erdnähere Gründe.Brahma antwortete: "Ich werde dir das später berichten. Sie ist fast ein kosmischer Sketsch. das Weltall zu schaffen?" In diesem Augenblick kam Wischnu. Schiwas und Indras und sie kehrten heim. ein Zerstörer. heraus. heraus. Bei diesem Anblick verlor der vierhäuptige Brahma fast die Besinnung. Millionen mal Millionen Meilen im Umfang. O.Wischnu . Und Brahma und Wischnu und Schiwa kehrten zu ihrem Werke zurück. der Erhalter. äre wenn ich aufhören würde. Indras erschienen mit Millionen Augen. wie ein Hase. der von ihren gesenkten Kronen berührt wurde. der Maya. solche mit hundert.. Der vierhäuptige Brahma unseres Weltalls warf sich zu Krischnas Füssen nieder und sagte: "An diesem Tage ist mir wieder bewusst geworden. Jäh verschwand der Wagen. und deren Brahmas haben Häupter in solcher Anzahl. kam ein Schiwa. unser unendliches Glück. Und wenn ein Ei niederfiel und die Schale zerbrach. kam aus dem Unbekannten ein Wagen hergerollt. Wer will das Mass 22 meiner verborgenen Göttlichkeit erahnen?" Brahma . gross ist deine Barmherzigkeit uns gegenüber. wie w es. Krischna antwortete: "Dieses Weltall. solche mit zwanzig. Befiehl uns und wir werden dich auf unseren Häuptern tragen. Der Wagen neigte sich und die Eier fielen heraus. als du fragtest: 'Welcher Brahma?'".es war bloss ein Samen dieses Gedankens: "Wie w es. hunderttausend Millionen. Zuerst aber erkläre mir. sich vor ihm niederbeugend. Und immer neue Eier entfielen dem Wagen. Da erschraken die Götter und falteten die Hände und warfen sich vor dem Allerhöchsten nieder. es war. kam ein Brahma. der von einer Herde von Elefanten umringt wird. führt die Geschichte des 'göttlichen Rishis' Narada.solche mit zehn H äuptern. die diesen Grössen angemessen sind . Krischna und Narada Noch tiefer in die Flut der grossen T äuschung. Und wo ein weiteres Ei niederfiel. äre wenn ich aufhören würde. kam ein Wischnu. die Last der Sünden zerstört. obwohl viele Hunderte Millionen Meilen im Umfang. ist sehr klein. Nun verabschiedete Krischna die Brahmas. was ich doch schon einstmals in meinem Geiste gewusst hatte". mit tausend. Seid ihr zufrieden? Habt ihr irgend etwas von den Dämonen zu fürchten?" Sie antworteten: "Dank deiner Gnade sind wir siegreich überall. ein Schöpfer. es war über aller Macht. Schiwas kamen mit Millionen und aber Millionen Armen. Schiwa hatte einst den gar nicht zu Ende gediehenen Gedanken . Selbst meine der Welt zugekehrte Göttlichkeit ist unermesslich. Daher hast du nur vier Häupter. selbst einer Milliarde Häuptern. Andere Weltenräume messen tausend Millionen. ein Erhalter. wenn ich aufhören würde. als ob all die Kronen Preislieder über seinen Thronsitz sängen. Mit gefalteten Händen preisen die Brahmas. zu zerstören?" Kaum war dieser Gedanke in ihm aufgetaucht.." Krischna antwortete: "Ich hatte Sehnsucht. welche die Erde in den Abgrund niederzog".Schiwa Als ob Schri mein erschrecktes Herz aus der aufgerissenen Unendlichkeit Gottes heimführen wollte in wärmere. einer Million. kam Brahma. indem du auf der Erde erschienst. begann zu tönen. umringt von den Kronen der Brahmas. du hast uns gerufen und uns als deine Diener angenommen. Schiwas und anderen Gottheiten Krischna: "Herr. Sein Thron. Zuletzt hast du. der zu den vertrauten Freunden . der aber freilich vom Pulsschlag des Verborgenen durchzittert ist. dass du uns deine Füsse sehen liessest. herbei und sagte: "Du. Staunend sahen die G ötter. aus dem einen Ei. Krischna begann zu l cheln und versank in Meditation und ä augenblicklich kamen unzählbare Scharen von Brahmas herbei . das Weltall zu tragen?" "Ich werde aufhören zu schaffen!" "Ich werde aufhören zu zerstören!" "Ich werde aufhören zu tragen!" So riefen die Götter und tanzten und klatschten in die Hände. Während sie sich so gebärdeten. ihre Häupter zu zählen. Und wo ein anderes Ei niederfiel. der Schöpfer. So trage ich die Reiche aller Weltenräume. euch zu sehen. und sagte zu ihnen: "Was meint ihr. Alle diese Brahmas warfen sich vor dem Throne Krischnas nieder. was meintest du. dass dieser Wagen mit nichts als mit Eiern gefüllt war. wie wäre es. und so rief ich euch alle zusammen. erzählte er mir eine andere Geschichte.

das Dach des Hauses würde gesprengt werden: "Rama. ich entsann mich der Runen und deren Weisheit. iss mit mir!" Freudig dankte Narada: "Ja.. seinen Leib. Denn Narada durchwandert immerdar die drei Welten. und als er in die Wellen eintauchte. Gesellschaftsdramen. die vor vollbesetzten Häusern in Indien zuweilen Jahre hindurch gespielt werden. brachen plötzlich Türen in germanische Vorzeit auf. einander 23 jagend.Er stieg in ünf die Flut. die fünf Minuten sind vergangen.. alt. nur ja richtig gesehen habe. Wir waren alle im Banne des Spieles. der Europäer. In f Minuten komme ich"." Man darf sich die indischen religiösen Filme nicht kitschig oder süsslich vorstellen. Einige Monate war ich weit weg. wo seinerzeit der beste Film des Jahres ausgewählt werden sollte. die ringsum die Strassen s äumen. Die Kinder schrien und begehrten dies und das. ganz fremde Männer. Einmal suchte der weise Narada Krischna auf. . dass er ja Narada. Sie sind für westlichen Geschmack vielleicht allzulang und zerdehnt. Gangster-. fühlte er staunend. Du bist unsere Mutter. Doch auch diese Täuschung. desto mehr vergass er es. Froh nickte ich: Ja. saftigen Volksleben. Rama. der lange Zeit in zahllosen Tonkinos des weiten Landes gespielt worden ist. Der du die Last dieses Weltalls trägst. so hörte ich. meine Arme und Hände.. Rama . Nun sassen sie Zuschauer wieder still und lauschten. Jene Filme. Bei einem Wettbewerb in Venedig.Krischnas gehört. sind Geschichten von der Macht und Liebe des allwaltenden Gottes. dass man glaubte. Ihre Schönheit schwand. fielen jauchzend ein und sangen: "Rama. Die stärksten Filmerfolge in Indien sind erstaunlicherweise nicht. der Weise. Manchmal liefen Ratten. Noch war ihm Erinnerung geblieben. aber dann strebten in mir wieder Osten und Westen mächtig zusammen. Selbst der hohe Rishi Narada aber ist. die Maya. Ich . die damals verliehen wurden. Vor uns auf der Filmleinwand taumelte der wunderbar befreite Seher aus seinem dunklen Kerker auf die lichtüberflutete Strasse hinaus.. Ich war wohl der einzige Weisse in der Zuschauermenge. leise flüsternd zu Gott betete: "Du bist unser Vater. der zaubergewaltigen Täuschung unterworfen. der die Gefallenen aufhebt und läutert. wie er zu einem jungen Weibe wurde. Sie schrie zu Gott. ich will nur rasch ein Bad in dem Flusse nehmen. versunken im Orient. Er war Naradi.und Kriminalfilme. und einzelne Szenen sind oft ein grosses Kunstwerk. doch sie sind voll Spass und voll von derbem. der grosse Weise. Sie lebte mit ihm. und den Krischna anspricht: "Du bist mein Auge". hilf uns die kleine Last unseres Lebens zu tragen. wenn es Gott so gefällt. war Narada untergetaucht. ich hatte verstanden. hat einer dieser religiösen indischen Filme die beiden höchsten Auszeichnungen erhalten. welches einer riesigen Scheune glich. Atemlos fragten sie mich." Mit voller Kraft ihrer Stimme sangen sie den m ächtigen Mantra von dem göttlichen Heiland Rama. Die Menschenmassen. Du bist die Quelle unserer Kraft. der immer neue Heilande und Boten zur Erde herabsendet. wie im Westen. Sie ist sogar zu einem grossen Film verarbeitet worden. !" Aber nicht bloss das Volk auf der flimmernden Leinwand sang. der so viel Schweres geduldig erlitten hatte. Ein junger Mann ging am Ufer. deren Herr Krischna ist. ist Gottes. Dieser stand vor seinem Palast und lud ihn ein: "Das Mahl ist gleich fertig. Du bist unser geliebter Freund. das junge Weib. Abenteurer. Diese Geschichte ist besonders volkstümlich und wird von den Menschen sehr geliebt. Verwundert betastete er sein langes Haar. Ein entzückter Aufschrei durchscholl das Haus. Im gleichen Augenblick war sie wieder Narada. ob ich. sondern auch fast alle Zuschauer im Kino waren begeistert aufgesprungen und sangen so laut. Sie fasste ihn bei der Hand. Mühseligkeiten des Lebens hüllten sie ein. Rama . In die Wasser der Weltenmaya. wie Gott eben eingegriffen hat. Keiner achtete darauf. Der Herr stand am Tore seines Palastes und rief: "Narada. Einmal sass ich mitten unterm Volk auf den rohen Bretterbänken des billigsten Platzes eines überfüllten Tonkinos in Nasik. das Mahl ist bereit". Aber je mehr ihn das Wasser benetzte. Krank wurde sie. als der Held. seine Brüste. die der Befreiung aus der Wandelwelt würdig sind. Und als ich jeden Abend mit Schri in dem Bhagavata-Purana las. Zahllose Kinder gebar sie. dicht an unseren Füssen vorbei. um nach Wesen auszuspähen. Er führte sie in sein Haus. war. Er breitete die Arme aus und sang jubelnd den Gottesnamen "Rama". In ihrer Erregung umklammerten meine Sitznachbarn links und rechts. nur ja richtig verstanden habe.

Weich wie ein Federpolster lag er auf allen Wegen. Er meinte. Der Postmeister war auf den ersten Blick hin so betroffen vom Aussehen Schris. Die Strassen waren von feinstem Staub dicht bedeckt. Süssigkeiten. und so war er jetzt auch zu dem Geburtstagsfest seines Gurus gekommen. Frieden! . ob er zu ihm kommen dürfe. 'Valuspa. Inmitten des leergeräumten grossen Speisesaals im Erdgeschoss waren vier Bananen-stauden im Viereck aufgebaut: Sinnbild der Weltschöpfung. Wir. Einer der vielen Diener Ranas hatte bloss das Amt zu versehen. Sie haben den Segen Schris und sind immer mit ihm beisammen. Gegen Abend war dann noch eine Art Gottesdienst vor vielen Gästen. vor allem den R ömer. Elias. Früchte. ein Postmeister aus einem kleinen indischen Dorf im Süden.. Schanti. Wenn der Postmeister einmal ein paar Tage Urlaub bekam. leise Zärtlichkeitsform.übersetzte für Schri aus dem Stegreif aus der Edda. Auch einige indische Fürsten aus der Umgebung waren gekommen. Schanti . Seit dieser Begegnung lebte in ihm eine demütige. legte er seine Arme liebreich um mich. Als ich mich zu Schris Füssen niederbeugte. Denn alles Land war gelb ausgedörrt. In zwei Jahren wollte er in Pension gehen und hoffte.Mit Blumen wurde Schri überschüttet. Salomon. um die allzu frechen zu verscheuchen. die er selten anwendete. Bettlern und Asketen. "Schanti. l ge in dem ä Wort: "Aus Staub bist du geworden und zu Staub sollst du wieder werden". "Nein". die Affen ein wenig in Schach zu halten. von der glühenden Sonne vergilbt. Er wohnte in einem herrlichen hellen Herrenhaus.!" Frieden. dessen Dach auf weissen Säulen ruhte. zwei Tigerfelle hingen ausgespannt in der Halle. von dessen sichtbarer Heiligkeit. Die Decken waren weiss und braun getäfelt. legte seine Hände auf meine Wangen und sagte erfreut: "Das ist gut. Vor dem Hause dehnte sich ein grüner Wiesenplan. deren nackte Füsse durch diesen Staub schritten. Josef. der Pfeil hatte eine Gummikugel als Spitze.. die Wände waren hellgrün getüncht. 24 mit erhobenen Händen dargereicht. verehrungsvolle Liebe zu Schri. die vor ihm gebrannt hatten. mit schimmernden. aufgewühlt von den wandernden Viehherden. dass du hier bist. es kostete einem Dutzend indischer Diener viele Mühe. "aus Licht ist der Mensch geworden.". rief Schri. Einer der Gäste war ein älterer Mann. Davor wieder zahllose Blumen. Rana war wie ein Bruder zu mir. Kamele und Büffelherden wanderten über die weite Steppe. Geburtstag.und den Korintherbrief des Paulus. Die Abschnitte über Abraham. am Schluss dann unter die Menschen verteilt. Wir streckten die Hände über Reihen von Kerzenflammen. aus dem Buche Jesaias. dann ganz bei Schri zu leben. dass sie auch uns anhauchten. Mit Pfeil und Bogen. um sie mit meiner Stirn zu berühren. und zu Licht soll er wieder werden!" FESTTAGE MIT SCHRI Am Märzvollmond war Schris 59. Die Silbe ji (dschi) ist eine Freundlichkeitsform. Schris Schüler. die über das Alte Testament gefallen sind. Ich verstand bloss einige der Sanskritworte aus den uralten Wedahymnen . voll tiefer Liebe und Dankbarkeit.. einer der dunkelsten Schatten. Rana und ein mir fremder Brahmane vollzogen vor uns eine lange kultische Zeremonie. der Seherin Gesicht . fragte er stets vorher bei diesem an. Frieden. Die .' Ich las ihm auch eine Zeitlang täglich aus der Bibel vor. hochstengligen farbigen Blumen. die von ihm geschossen worden waren. Vor vielen Jahren kam Schri auf einer seiner Wanderungen in dieses Postamt. Sie bedeutet eigentlich das uralte Wort 'arya' (Edler). Dazwischen spazierten Scharen riesenhafter wilder Pfauen und schrien. Vamanji". Reihen brennender Kerzen und glühender Räucherstäbchen. um eine Auskunft zu erbitten. Fruchtbäumchen voller Früchte und alten knorrigen Laubbäumen. um ihm zu dienen. hohe B äume gaben Schatten. Zedekia. schoss er zuweilen nach ihnen. Die Laubkronen der Bäume waren voll von weissen Eichhörnchen und Herden silbergrauer. Wir waren alle eingeladen. dass er ihn am gleichen Tage aufsuchte. und fachten diese an. Riesige. und seine erwachsenen Söhne und Töchter nahmen daran teil. grosser Affen. Er sprach mich an: "Wie glücklich Sie sind.die zu Schris Füssen im Wechselgesang von den Kauernden gesungen wurden. Im Dank für die Schöpfung wurde alles nun der Gottheit geopfert. Milch und Wasser wurde zuletzt über ihn gegossen. Riesige Staubwolken lagerten auf den Strassen. die Felle eines Tigers und einer Tigerin. mit Wasserkübeln den Rasenfleck frisch und grün zu erhalten.. den Festtag in Ranas Heim in Sadra zu feiern.

meistens sehr arme Leute m ühelos zustande brachten. Indessen begannen Helfer aus Bananenblättern geflochtene grosse Schüsseln vor jeden Geladenen auf die Erde hinzustellen. beschützt dich". betastet zärtlich die Wunde. Ein Zelt stand in einem anderen Zelt. dass die Affen nachts auf dem Dache meines Zeltes ihr Spiele trieben. es soll eine überaus gesunde Nahrung sein. solange das Haus voller G äste war. aus Zucker. vier solche Zucker-kugeln. der Affenkönig. so haben sie meistens Wunden oder Kratzer. wie es Vorschrift ist und wie es diese Gäste. Es ist eine hohe Kunst. Grosse braune Kugeln. macht sie dadurch immer grösser. Wenn man tote Affen findet. neue Zuckerkugeln. infiziert sie und das Tier geht ein. in dem ich schlief. Vom Gürtel abwärts waren sie in farbenprächtige blaue oder rote oder grüne oder violette Gewänder gehüllt. Es ist nicht einmal leicht. Innen lag ein Teppich. welche die Reihen entlangschritten. Viele ganz alte Männer. eine halbe Stunde. Sie sagen. standen Bett. denn Rana hatte gleichzeitig noch etwa zwanzig oder dreissig andere Gäste. Der schimmernde Mond beherrscht das Jahr. Mehl und zerlassener Butter bereitet. aus Giesskannen viele Stunden lang mit Wasser begossen. er ist am Vollmond oder Neumond eines Monats geboren. In anderen langen Reihen 25 sassen die Frauen. Gierig äugten die Affen. wehrte schweigend mit einer Handbewegung ab. den Affen zuzusehen. wer genug hatte. neues Fladenbrot. Dann griffen die aufwartenden Diener. Verschiedenartiges Blätterbrot wurde verteilt. alle hatten den braunen Oberkörper entblösst. auf dem Boden. Am zweiten Tage des Festes wurden von Rana zu Ehren Schris etwa zweihundert Brahmanen gespeist. Noch immer warteten die Gäste still und würdevoll.Affen sprangen auf das Dach des Autos. Schon seit einigen Tagen hatten Männer den Platz im Hofe. Hier sassen nun wartend die Brahmanen mit untergeschlagenen Beinen in zwei langen Reihen einander gegenüber. Schris Geburtstag war an einem Vollmondtag im März. grünen Blättern. In Häufchen wurden viele verschieden-artige Gemüse rings um den Reis gesetzt. als Rana uns abholte. zum Krieg zogen in früherer Zeit die indischen Heere an diesem glückbringenden Tage aus. Hat nämlich ein Affe eine Verletzung. reinlich und anmutig wie dieses Volk säuberlich mit der rechten Hand zu essen. Man sagte mir. Denn die Bereitung des Mahles für die Vielen erforderte Zeit. Es war eine Freude. um gegen die Sonne zu schützen. Hanuman. neuen Reis. feste Fläche herzustellen. Armsessel. In Europa wäre bei ähnlicher Gelegenheit gewiss allmählich ein grosser Lärm entstanden. Die Affen leben von den hellen. dann aus gleichen Blättern geflochtene Schalen für die kraftvolle Brühe aus Dal. wurden vor jeden Sitzenden hingelegt. Schreibtisch und anschliessend barg es noch eine Art Veranda und einen Baderaum. 'Divali' ist Winterbeginn und Beginn eines neuen Jahres. Liegestuhl. im Liegestuhl zu liegen und in das aufsprossende junge Laub zu schauen. Alle Schulen beginnen deshalb in Indien mit diesem Fest ihren Unterricht. drei. mit der rechten Hand allein ohne Hilfe der Linken das Brot zu brechen. Sie tanzten nachts auf dem Zelt. mit der rechten Hand allein den Reis zu kneten und mit Gemüsesaft zu durchfeuchten und zum Munde zu führen. Es war ein behagliches indisches Offizierszelt mit doppeltem Segeltuch. Die Inder zählen ihre Gedenktage nicht nach den Monatstagen. Dann sangen sie alle im Chor eine Hymne an Schiwa und dann erst griffen sie zu mit der rechten Hand und begannen heiter zu schmausen. manche auch in kleinen Sondergruppen. ganz in edle Seide gekleidet. nach Unterkasten eingeteilt. fast eine Stunde lang. auch kleine Jungen waren darunter. 'Divali' ist auch Erntedankfest. Wer wollte. dann kommt die ganze Familie von weither zusammen. bekam zwei. . Unab-lässig trugen die Diener indessen neue Gerichte herein. mit den Händen tief in die Metallkessel und häuften Reis auf die Bananen-blätterschüsseln und träufelten dann heisse Butter darauf. Geduldig und friedvoll schweigend warteten sie. Schri war zufrieden. der ab vier Uhr nachmittags im Schatten lag. Sie assen im Hof. die in der Halle im Erdgeschoss assen. Oder am so oder sovielten Tage des aufsteigenden oder schwindenden Mondes. die ich trotz mancherlei Bemühungen noch lange nicht beherrsche. Der Oktoberneumond bringt das allermeiste Glück im Jahr. "Sie beschützen dich. bis der Gastgeber ein Zeichen gab. um den Staub zu binden und eine glatte. Einige Köche waren für diesen Tag angeworben worden. nur die Brahmanenschnur um den Nacken geschlungen. sagte er scherzend. An diesem Tag hat Rama den Dämon Ravana mit den zehn H äuptern erschlagen.

gingen aus und ein. die gelbe Zitronencreme und ein Bohnengemüse und Buttermilch und Joghurt und die vielen Brote: Chapati. auch manche Mohammedaner in Indien sah ich froh das Lampenfest feiern. um Besuche zu machen. all die süssen und sauren Gerichte oft unbekannten Namens gereiht. am frühen Morgen. das Dinnerjacket und die weissen Schuhe. über mein noch immer nicht ganz indisches Benehmen beim Mahl. auch vor H ütten. vor Sonnenaufgang. mit Kokosnussmus gefüllt. Alle Taschen hatte ich mit Süssigkeiten angefüllt. In viele Geschäfte der Stadt gingen wir. ein riesiges grünes Bananenblatt auf dem Steinfussboden. Und zwischen den Mahlzeiten gibt es Backwerk und Aschantinüsse und Fladen. "Die Ernte war gut". Kränze wurden uns um den Hals geschlungen. Es waren diesmal keine Käufer. wenn man über die Strasse geht. dass ich mich von Herzen mitfreute. aber Kuhhirten. Auch vor den ärmsten Hütten brannten an diesem Abend die Lampen.Wie die Woge solcher Feste einen ergreift! In der Dämmerung. die ich noch nie trug. der mich fragte. wir alle sassen auf ganz niedrigen Schemeln mit untergeschlagenen Beinen. Schwiegersöhne. Fortwährend wurden die Silberschalen und Näpfe auf den 'Tischchen' mit neuen Gemüsen angefüllt. Wir sassen in genau abgestufter Rang-ordnung. T öchter. wurden uns duftende Essenzen auf den Rücken der rechten Hand gestrichen. Mühsam humpelte ich am Ende der Mahlzeit hinaus. Nirgends gab es Bier. und man komponierte und mischte nun zusammen nach Herzenslust. Und vier Tage lang. unten. andere um den Kopf gestäubt. Doch hatte er ein Chevrolet-Auto und einen Premierminister 'Divan' genannt. wo die Bewohner so bitter arm waren. Schri und seine ganze Familie. dem Herrscher des Staates Vasana.und f ünfjährigen. badet man schon und f ängt an zu essen. wird in dem ganzen Land geschmaust. S öhne. es schmeckte herrlich! Der Fürstenpalast glich wohl dem Königssitz des Odysseus auf Ithaka. Ich hatte einen Schemel mit einer Lehne. an allen Ecken knallt es. Morgens. Auf der grossen ovalen Metallplatte vor mir waren um das Mittelstück. Um jeden 'Tisch' war mit purpurner Kreide ein freudiger Zierat auf die Steinplatten des Bodens gemalt. Oben. den Reis. Er hatte einen entzückenden kleinen Jungen. berichtete der Geschäftsinhaber mit Befriedigung. Mit einer duftenden Last von Blumen und Backwerk fuhren wir heim. auch wenn man über mich lachte. Dann kamen die süssen Speisen. einer der kleinen F ürsten in Indien und kein reicher Mann. Eine Schüssel mit vielen Gewürzen wurde uns allen gereicht. Oder die Speisen wurden auch oftmals in kleinen gesonderten Häufchen auf das Bananenblatt gelegt. andere Gäste und deren Diener. die keine Lehne hatten. Der Hausherr hatte einen Schemel mit einer Lehne und einem ganz niedrigen Tischchen. Die Hirten. um fünf Uhr. Das Hinablangen war mühsam. Enkel. sich gegenseitig Glück zu wünschen. Schwiegertöchter. Und mittags safrangelben süssen Reis und viele mir bis dahin unbekannte Gerichte. weil ich indische Tracht trug. die vier. beim Fest 'Divali'. zum grossen Vergnügen und unter freundschaftlichem Ge-lächter der andern. reiches. Nicht nur die Hindus. . Alle L äden waren strahlend 26 erleuchtet. Mit Reis und 'Dal' und verschiedenartigsten Gemüsen und Salaten und verschiedenen Butterarten begann das Mahl. zum Mittagessen eingeladen waren. ununterbrochen. Am Abend des glückbringenden Tages fuhren wir aus. dreistöckig. dass sie bloss einmal im Jahre ein Licht anzünden können. beginnt das Feuerwerk in der freudigerregten Stadt. mit steilen Holztreppen und Balkendecken. ob ich ein Heiliger werden wolle. Eine unbeschreibliche Heiterkeit lag über allen diesen Mahlzeiten. Der Takore Sahib war ein junger Witwer. Die Füsse waren mir eingeschlafen und kalt nach dem langen Kauern mit untergeschlagenen Beinen. Überall wurden wir und die anderen G äste freudig empfangen. Ausnahmsweise habe ich mich europäisch angezogen. Das Schloss. war eigentlich ein altes. Die kleinen Buben. Aber ich teilte damals die Festfreude der andern so sehr. von frohen Menschen erfüllt. Die Menschen waren gekommen. Betelblätter und Blumensträusse empfingen wir. Es sah aus wie ein Lotos. Es knallt unter den Füssen und rechts und links sprühen Funken. nirgends Wein oder sonst etwas Berauschendes. da wir von Takore Sahib. doch mein Tisch war wie bei allen anderen. Puri und wie sie alle heissen. besorgen dies voll Eifer. Ich habe damals keinen einzigen Betrunkenen gesehen. nicht Schweinehirten. Und mit Reis und Gemüsen und Joghurtmilch hörte das Essen auf. Der 'Tisch' war niedriger als der Sitz.

Vor neun Jahren war er Schri auf dessen Vortragsreise in Amerika begegnet. ohne sie zu verletzen. Die Sonne empfand man hier nicht mehr wie ein feindliches Gestirn. Dort gehören Sie hin. Sanskrit zu lernen. alles aus Holz. Alles gehörte dem Maharadscha von Kolhapur. DIE TROMMEL SCHIWAS Die indische Ebene brannte schon in heisser Glut. Er hatte dann in einer Munitionsfabrik und in ähnlichen Betrieben gearbeitet. die immer höher wuchsen. Im kühlen Wind wehten die zahllosen Palmenwipfel auf dem Rücken und Flanken des Berges. abzuhalten. Dies ist um so notwendiger. das Antlitz Yamas. In den Zimmern hingen an schweren Messingketten Schaukelstühle oder grosse. wurde das verdorrte Gras rings um die Stadt Kolhapur aufgetürmt. des Todesgottes. war eine dringende Aufforderung. die sie f ührten. Auch des Nachts und in der ersten Frühdämmerung. O. Aber der erste Brief. und hatte angefangen zu sparen. wo ich zu Gast war. mühsam gegen die Depression und Arbeitslosigkeit in Amerika ankämpfend. Immer wieder war Alan nach einigen Monaten Beschäftigung hinausgeworfen worden. zu gehen. Wenn eine Stockung eintrat. Staub. von den plumpen Rädern aufgewirbelt. "Nach Indien. Er war der Angestellte eines Agenten gewesen. Kalter Nachtwind rüttelte an den Fenstern. die über die Dächer leise eindringen wollen. die hilft. Und daraufhin hatte Alan begonnen. breite Schaukelbetten von den Deckenbalken herab. h örte ich die anfeuernden Schreie und den endlosen Gesang der Wagentreiber. das ist gut.und Nachtschichten voll Fuselgeruch. herrlich geschnitztes graues Holz. "Ja. zugesehen. der nur dazu bestimmt ist. er w ähre ohnehin im Begriffe. rasch aus Nasik einige warme Teppiche zu schicken. Später in einer WhiskyBrennerei. um einmal nach Indien zu Schri reisen zu können und wahrhaft dessen Schüler zu werden. abends auf den kalten Steinfliesen des Bungalows. 31 Jahre alt. "In Schiwas. Die mannigfaltigsten Berufe hatte der junge Mensch zu diesem Zwecke ergriffen. ist geschnitzt. war die Antwort. viele schwere Tag. Durch furchtbare Hohlwege voll tiefer Wagenspuren und Staubmassen fuhren wir in Schleifen von dem hochgelegenen Fürstensitz in die Ebene hinab. meinte Schri." Darauf hatte ihm sein Chef kräftig die Hände geschüttelt. als er während seiner Arbeitszeit in den hochgelegenen leeren Räumen zu viel in die Luft schaute oder in seine Sanskrit-Grammatik vertieft war. irgendein Ritter mit Schild und Schwert und Flügelhelm. Und darf ich fragen. erfüllte die Luft und drang in den Schlund. jede Strebe. Fröstelnd sassen Schri und ich und Alan. den Vorrat f eine ür kommende Hungersnot. nach Indien. der die Welt versengte. Holz. Die Frucht war geschnitten. zurecht. gelb und verbrannt starrten die Stoppelfelder. Die Fracht. ein junger Amerikaner. Die einzelnen Kettenglieder stellten G öttergestalten dar. Rings um die Bauernburg klebte ein elendes Dorf aus zerborstenen Lehmhütten. es war eine Wonne. Hier sank fröhlich das goldene Licht herab in erquickende Luft. einen Balken oder ein Dach zu tragen. stand die endlose Reihe hochbeladener Wagen bis zu den fernen Hügelwellen am Horizont. riss die T üren des Hauses auf. oft von Fabelvögeln auf beiden Seiten umgeben. Singend stampften halbnackte Männer die gelben Grasmauern.und war entlassen worden. der Häuser zu vermieten hatte . ein wenig zu frieren. wie in vielen anderen indischen Staaten streng verboten ist. wüstengleich. Trotz der heissen Mittagsstunde wehte kühle Luft erfrischend durch die Räume. Kein Platz war in den Scheunen mehr. gehörte nicht ihnen. "Wohin zu gehen?" hatte ihn der Mann in der Schnapsfabrik voll Staunen gefragt. Ermattet nach langer Krankheit hatte ich Tag für Tag von dem Haus bei Kolhapur.verwittertes Bauernhaus. weil er dabei getroffen wurde. die tausende von Ladungen vergilbten Heu's. Auch hier waltete ein eigener Diener. gleich hohen Ringmauern. lang vor Sonnenaufgang. was Sie in Indien machen werden?" "Yoga studieren". die Affenherden. wie sich die von Büffeln gezogenen zweirädrigen Erntewagen über die Strasse wälzten. Mit seinen wenigen hundert Dollar hatte Alan . als Schlachten der Kühe und Einfuhr von Fleisch in 27 diesem. Alan war Chemiker. den mir Schri diktierte. überall Holz. des Zerstörers Werk-statt". Zuletzt aber hatte er die Kündigung erfreut zur Kenntnis genommen und seinem Vorgesetzten mitgeteilt. Fenster und Türen standen weit offen. Gleich Burgen. Und nun war ich plötzlich der glühenden Ebene entronnen und lebte auf der Hochfläche des Berges Abu.

Höhle um Höhle muss man durchwandern. Er hatte das langsamste. Alans täglicher tiefer Schmerz war. Ihr Antlitz war schwarz! . da wir auf Mount Abu 28 unsere ersten Entdeckungsmärsche machten. auf indische Weise mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden sitzen konnte. zu beiden Seiten des Dreizacks Sonne und Mond. vor Sonnenaufgang aufzustehen. Er war von einer schonungslosen Aufrichtigkeit. das der g öttliche Königssohn Rama empfindet. Wenn er die Brille abnahm. die Erdenherrin und dienende Magd Gottes. reines schüchternes Jungengesicht. ihre Klausen. mit nackten Füssen vor ihrem Standbild. und die Biegefähigkeit seiner Knie war dadurch nicht besser geworden. das Vasistha zugeschrieben wird. Ich sang: "Nimm ihn fort. lasen wir ein Werk. dem auch mein Freund Rana entstammte. Da empfängt er die Belehrung des Weisen über den ewigen Grund der Welt. wie ich. und dann trat ich auf die steinerne Terrasse hinaus und blickte nach Osten über die Palmenwipfel. Es waren wunderbare Morgenstunden. dass er nicht. Dort im Dunkel thront die Herrin der vergänglichen Welt. Er konnte wüten. den goldenen Diskus. In den ersten Tagen liefen wir gewöhnlich noch erst heim. Er flieht die jungen. mitten in üppiger Bergwildnis. es ist einer der vielen Namen der Maya. Nun hockte er vergrämt auf den Steinfliesen und m ühte sich heroisch. Nah einem der Gipfel des vielgestaltigen Berges sind die unterirdischen Felsenhöhlen zu einem uralten Tempel ausgehauen. dass ich Deine wahre Gestalt schauen kann. Zu Seiten des Felsentores ist mit roter Farbe ihr Zeichen. da hatten einmal zwei grosse Rishis. und nun sassen wir nebeneinander vor Schri auf dem kalten Steinfussboden des Bungalows 'Schanti Nivas' (Wohnung des Friedens) in der Höhenstation Mount Abu und froren gemeinsam. Marseille endlich Indien zu erreichen. das ein Lehrbuch f ür viele Geschlechter in Indien war. Die alten Sagen erzählen. dem Geschlecht. Das berühmte Werk. den Atman. gemalt. Auch der ganze Berg hiess ursprünglich Arbuda. Ehrfüchtig stand ich. der Dreizack. um auf grossen Umwegen von New York über Schottland. der zu Besuch gekommen war. Urlehrer der Menschheit. jeden Tag in fortgesetzten Übungen doch noch einmal die Steifheit seiner Knochen Millimeter um Millimeter zu bezwingen. dass Vasistha durch tausende von Jahren der Guru aller Könige aus der sogenannten Sonnendynastie war. Es heisst 'Yoga Vasistha' oder 'Grosses Ramayana'. wie alle andern. Ihr Name ist Arbuda. neben mir auf dem langen grauen Bahnsteig der grossen indischen Tuchmacherstadt Ahmedabad auf und ab geschritten. Sechs Wochen hatte er gebraucht." Nun tauchte ein wenig übernächtigt Alan auf und wir wanderten über den Berg. wo heute noch Tiger und Panther sich bergen und schweifend die Affenscharen auf den Bäumen erschrecken. denn ein rauher Morgenwind blies. Bei seinen Biegeversuchen im erbitterten Ankämpfen gegen die Steifheit seiner Gelenke hatte er sich in Amerika einmal beide Gelenke gebrochen. vor allem gegen sich selbst. Mein kleines Zimmer hatte ein Fenster nach Osten. kündet die gestaltlose unendliche Gottheit und leugnet im letzten den persönlichen Gott. Gibraltar. In den waldbedeckten Flanken des Berges. Mit Rana. In Mount Abu gelang es mir an den meisten Tagen. Der Berg Abu ist von Klüften und Grotten durchhöhlt. Das Werk beginnt mit dem tiefen Leid über die Vergänglichkeit alles Irdischen. um in ihr Heiligtum zu gelangen. Zwischen den gefiederten Wipfeln funkelte der erste kristallene Sonnenblitz auf. wenn ich im Sprechen Vergleiche gebrauchte.sehr haushalten müssen. Aus den Himmelssphären ist die grosse Maya. hoch über einem Abgrund. um einen warmen Mantel zu holen. schönen Tänzerinnen. billigste Frachtschiff gewählt. Seine Knie waren zu steif dazu. wo durch endlose Zeiten Yogis und Asketen gewohnt und Tag und Nacht meditiert hatten. Einen Tag verbrachten wir in der Einsiedelei des Rishi Vasistha. das vertraute er mir viel später an. In mancher alten Göttersage wird der Berg Abu geradezu als ein Sohn des Himalajagebirges bezeichnet. Und dann war er ein wenig betäubt und verwirrt von der langen Seereise und dem ersten Zusammenprall mit dem tropischen Erdteil. der einst infolge eines grossen Kummers alles Poetische im Leben aufgegeben und sich verhärtet hatte. Aber heimlich war er selbst. ein Dichter. Er verschmäht die Freuden des Palastes und des blühenden Gartens. wo die Sonne aufgehen würde. Und der Berg ist von Sagen umsponnen. bis in die Finsternis der Erde hinabgestiegen. die er übertrieben oder als zu poetisch empfand. hatte er ein gutes.

"Wenn ein Atman erwacht". als Siddharta ein vollkommen Erwachter geworden war. die blitzschnell vorglitten. Sinnend blickte Schri zu den Mücken und den leuchtenden Vogel-scharen empor. ohne Liebe und mit ungeläuterten Begierden. gegen Abend zu. wanderten wir nun mit Schri zu dem grossen Schiwatempel. aber zur Zeit hauste bloss ein einziger Gast in dem weitläufigen Rajputanahotel. Auch dieser Tempel war in einen Felsen-schlund gehauen. als wir dem See zuschritten. dann vernimmt der Yogi in seinem eigenen Herzen einen dem irdischen Ohr nicht vernehmbaren. Einmal kam ich in einen ihrer Tempel. zwerghaft klein anzusehen. Denn riesenhaft und bren-nend rot ragte über mir die Gestalt der Ge-waltigen. mit seinen Höfen und Pilgerherbergen über dem Ufer eines Bergsees erhob und wo allabendlich die eherne Trommel dröhnte. Wenn der Strom der Maya durch den Lotoskelch des inneren Herzens emporrauscht. der. 29 Jubelnd steigt die befreite Macht aus der Tiefe des Menschenleibes durch Herz und Haupt zum tausendblättrigen Lotos Brahmas und zu Gott empor. das heisst unter dem Baume der Erleuchtung. hat dieses innere Erlebnis wohl gekannt. bald smaragdgrün. "Lauter Seelen". Büffel äugten uns an. in das Reich der Wahrheit. wenn alle Farben leuchtender wurden. betäubend duftender. Süden. wie erstarrt innehielten. voll alter. "Lauter Atmas. gelbschimmernde Wüste. die nicht nur im Kosmos. hoch oben im d üsteren Felsenhintergrund des Standbildes stand und über den wie im Fieber glühenden Leib der Göttin kühlende Flüssigkeit aus Krügen ausgoss. Selten trafen wir Menschen. Ich erschrak. mit den Palästen vieler indischer Fürsten. in das Reich Gottes eindringen wollen. als ich das Bild-werk dort erblickte. schwirrenden Ton. nach Benares." Auch Buddha. In die Speere der Maya stürzen jene Wahrheitssucher zurück. von Hitze glühend. Am Ende seiner Meditation unter dem Bodhibaum. Affen sprangen von Baumkrone zu Baumkrone. mitten in einem anderen wilden Gebirge. da brach er auf zur Stadt Schiwas. Zuweilen schwiegen wir und blickten auf die Tiere. die einen tiefen Ton von sich gab. in Indien verehrt. In ihren blutroten Händen hielt sie zehn Speere. das noch heute von Raubtieren durchschweift wird. Jeden Morgen und Abend dröhnte vom grossen Schiwatempel der schwirrende Ton einer ehernen Trommel herüber. An diesen Ton soll das tägliche Dröhnen der Trommel Schiwas den noch nicht erwachten Menschen erinnern. tauchte zuweilen im Westen oder Süden oder Osten unvermutet die Ebene in der Tiefe auf. die grosse. oftmals ihr Farbe wechselnd. die selbstsüchtig. den die Hindus zu den grossen Avataren Gottes z ählen. unter mancherlei Namen wird die Maya. Wenn wir so wanderten. In vielerlei Gestalt. die ungestört ringsum ihr Spiel trieben. Mücken-schwärme schwangen sich im Tanz über dem See. Zehn Arme streckte die Furchtbare aus. Beklommen blickte ich zu dem Priester auf. Osten. Käfer und Ameisen im Gras und blinkend huschende Eidechsen und Chamäleons. als ob er die Zornige besänftigen wollte. wieder vorglitten.In vielen Tempel der Maya bin ich seither eingetreten. "Was bedeutet dieses Trommeln?" fragten wir. und sang: "Der Wahrheit Reich erricht' ich nun Und wandre zur Benaresstadt. Westen und die vier Zwischen-weltrichtungen und Zenith und Nadir. Erdröhnen soll in finsterer Welt Die Trommel der Unsterblichkeit!" Fast jeden Nachmittag. bald purpurrot. Jeden Morgen wanderten Alan und ich über den Berg. Über den Mückenschwärmen zogen fremdartige farbige Vögel ihre Bahnen. Dann setzten wir uns am Hang einer der Ufervorsprünge hin und Schri gab uns seine Unterweisung. von Palmwipfel zu Palmwipfel. zinnenbewehrt. Wir lasen: "Die Deutschen mar- . sondern auch in der tiefsten Grotte des Menschenleibes in dunkler Nacht erstarrt ist. "dann erwacht auch die Maya. Jeden Nachmittag und Abend aber wanderten wir zu dritt mit Schri zwischen den rötlichen Felskuppen. Denn Mount Abu ist wohl ein bekannter Höhenluftkurort in Indien." Eines Tages. also den irdischen Raum. sagte er in kind-lichem Staunen. blühender Mangobäume. mit eingetrockneten Flussbetten. die Magd Gottes. waren am Tor des Rajputanahotels fettgedruckte Zettel angeschlagen. in verschiedenen Farben habe ich ihr Standbild gesehen. erklärte Schri. Einmal klopfte Alan mit dem Finger scheu auf die Trommel. der sich. Die zehn Speere bedeuteten die indischen Weltgegenden: Norden.

"Wir müssen die Dämonen bekämpfen. Aus dem Schatten der Baumgruppe traten wir drei. "Er ist gekommen! Zahllose Male haben die heiligen Schriften seine Herabkunft vorverkündet. dem Kaliyuga". dass ein neuer Krieg möglich ist. im finsteren Zeitalter. zu seinen Seiten Alan und ich.. Während wir auf dem Felsvorsprung über dem glitzernden Wasser sassen. "Kaliyuga! Ich hasse diese Schlagworte". Er erzählte von Müttern. Aber als er dann wirklich unter uns gewandelt ist. weil sie fürchteten. sind Zwerge gegen die mächtigen Asuras. der viel Opfer gebracht hatte. Alan sah zu Boden. Bald im Schein des aufgehenden Mondes und bald im Schatten dunkler Bäume 30 gingen wir unserem Hause zu. die darüber klagten. dazwischen das unvorstellbar süsse Fluten des Duftes in vollster Blüte prangender Mangohaine. zur Zeit der Depression in dem überreichen Land eine Menge von Menschen gegeben hatte. Weinerlich wie ein schläfriger Knabe sagte er: "Ich mag nicht im Kaliyuga. Er ist bloss durchs Land gezogen und hat getanzt und hat gesungen. ich sehe keinen Unterschied. DER SCHALTMONAT . über die staubblonden Haare streichend. oder dass sie Krebs bekommen. Prag besetzt". "Krischna-Chaitanya". ist nach Christus kein Heiland. Es tat ihm leid. Warum kann nicht immer goldenes Zeitalter sein?" "Immer ist in der erwachten Seele das goldene Zeitalter". von Palmenwipfeln umweht. der ihn erblickt hat. der die ganze Welt in einen Trümmerhaufen verwandelt?" "Alles ist m öglich in unserem finsteren Zeitalter. auch die Weltgeschichte dröhnte zu uns herüber. Und die Diktatoren. um gleichzeitig mit dem wiederkehrenden Krischna auf Erden zu leben. in der Mitte Schri. "Schri. die in der Vorzeit die Erde beherrscht haben. kein weiterer Avatar Gottes mehr auf die dunkle Erde gekommen?" "Das war eine gute Frage". Das war der verborgene Avatar des Kaliyuga. An diesem Abend war Alan sehr niedergeschlagen. "So viele haben heute Furcht. Schri. leben. Aber in jedem. Grosse Weise des goldenen Zeitalters haben zu Gott um die Gnade gefleht." Mürrisch starrte der junge Amerikaner zu Boden. dass es während seiner Jugend. sich unter dem Sternenhimmel unser weisses Haus 'Schanti Nivas' erhob. auf den mondbeschienen Wiesenplan hinaus. als ob er ihn segnete. sagte Schri erfreut. "Ist es nicht wirklich eine Wohnung des Friedens?" fragte Schri fröhlich. Ein duftender scharfer Wind von unbekannten Blüten wehte auf uns nieder.schieren in die Tschechoslowakei ein. wenn man unentrinnbar einem Hitler oder dem Kaliyuga ausgeliefert ist? Wollen Sie vielleicht behaupten. glauben Sie. ist eine unfassbare Liebe zu Gott aufgeströmt. "ob sie nun von Rishis oder von Göbbels erfunden worden sind. und das ist kaum mehr als vierhundert Jahre her. Fahl waren die Wasser und fahl der Himmel geworden. hinter welchem. Alles Schlagworte. das geliebte Land bald wieder verlassen sollte und nach Amerika zurückkehren musste. Wo bleibt die Willensfreiheit? Wo bleibt der Atman. Aber wenn Krischna seinen Fuss auf ihr Haupt gesetzt hat oder sie erschlagen hat. keine Toten auferweckt oder Dämonen erschlagen. erwiderte Schri todesernst." "Auch die Dämonen sind Atmas". um nach Indien zu reisen.. Das tausendjährige Dritte Reich und der unabwendbare göttliche Weltenplan. dass sie am n ächsten Tage entlassen würden und verhungern m üssten. berichtete er von Amerika. Alan sprang auf und stampfte mit dem Fusse auf die Erde. vor denen du dich fürchtest. vor dem Aussetzen der Konjunktur. sagte Schri. dass auch die Diktatoren von heute Atmas sind? Das sind bloss Dämonen. so wie Christus vorverkündet worden ist. dass der junge Schüler.. oder dass ein neuer grosser Krieg ausbricht. damals als Krischna kam. dass sie Kinder in die Welt gesetzt hatten. die ständig am Rande des Selbstmordes lebten. begann er nach einer Weile. Alan leicht. sagte Schri mit Nachdruck. Wir sassen noch eine Weile zusammen im Mondlicht auf dem Wiesengras. ich meine. "Schri". in unserem finsteren Zeitalter der Zwietracht wiedergeboren zu werden. rief er erbittert. noch immer mit kummervoller Stimme. der goldene Avatar. lautete Schris trostvolle Antwort. Nicht nur die Trommel aus dem Schiwatempel." "Wie ist sein Name?" fragte Alan sehr leise. da hat er keine Wunder getan. dann sind sie in sein g öttliches Licht eingegangen. Gott erlöst sie. ist im Kaliyuga .

Das Werk besteht aus einer Folge zahlloser Geschichten von den Taten Gottes. der zum Heile der Welt die vielen Avatare herabsendet. in Stein und Ton gebildet. Das indische Jahr ist ein Mondenjahr. das vom Ruhme Gottes erzählt. ein Yogi mit langem schwarzen Bart und langem Haar. die aufeinander schlugen. Dieser Monat ist in ganz besonderer Weise Gott geweiht. der Sohn der Maya. der in Elefantengestalt. und zumeist sehr einfach. Deshalb nennt man diesen Teil des Jahres 'die vier heiligen Monate'. und ich sassen auf dem Teppich vor ihm und sangen Lieder. sind den grossen Avataren Gottes geweiht und jeder Monat gilt als von der Kraft eines dieser Avatare durchglänzt. darinnen täglich gelesen wird. Schri sass auf seinem Kissen auf dem Tigerfell. erhoben wir uns alle und sangen wieder im Chor und klatschten in die Hände und liessen Lichter über dem blumenüberschütteten Tische kreisen. in langer Wiederholung. am Beginn der grossen Regen innezuhalten in ihrer m ühseligen Wanderung und während der vier Monate der Regenzeit unter einem schützenden Dach zu wohnen und sich ganz dem Studium und der Versenkung in die heiligen Schriften zu widmen. in seinem Denken. Zwölf Teile hat es mit zusammen achtzehntausend Strophen. an den Pforten und in den Nischen zahlloser indischer Häuser zu sehen ist. W ährenddessen sprach er den Mantra an die sieben heiligen Ströme Indiens.PURUSCHOTTAMA Als die ersten Regengüsse niederpeitschten. In Schaltjahren aber gibt es noch einen dreizehnten Monat. kehrten wir von dem von Nebel und Nässe umwobenen Berggipfel der G öttin Arbuda unter das schützende Dach von Schris festem Haus in Nasik zurück. die Diener und Dienerinnen Krischnas sind. bis schliesslich auch er selbst in seiner ganzen g öttlichen Fülle als Avatar Krischna herabsteigt. Die Lieder waren in Marathisprache. in keinem Tempel und in keinem noch so gastlichen Haus zu verweilen. Als er die Abschnitte dieses Tages zu Ende gelesen hatte. Zu ihren Regeln gehört aber auch. weil er immerdar in unsäglicher Liebe die Füsse Krischnas umfängt. rief er Sarasvati. Da begann der Mann mit dem schwarzen Bart feierlich in singendem Tonfall aus dem Buche vorzulesen. Zu den Gepflogenheiten der wandernden Asketen in Indien gehörte es. als sogenannter Avatarin. Niemand hatte mich aufgefordert. In zahllosen indischen Häusern findet man dieses Buch. Dann rief er Ganesh an. In vielen H äusern ist das Bhagavata das einzige Buch. das heisst höchste Person oder höchste Urgestalt. ohne Pause. die Göttin der Sprache und der Weisheit an. Denn Ganesh. Es heisst 'Bhagavata'. dass alle diese hohen Mächte. So ähnlich steigt gleichsam im Laufe eines Schaltjahres der Monat Puruschottama herab. den Offenbarungen Gottes auf Erden. Es ist ein Lebensbuch. oder 31 Holzplättchen mit Metall. Der Yogi mit dem dunklen Bart flehte. ist eines der mächtigsten Bücher der Menschheit. Krischna wird als Puruschottama gepriesen. Es war wie das Wogen eines Ozeans. Dieser gilt als von noch tieferem Glanze durchleuchtet. acht Monate im Jahr unterwegs zu sein. Die Zwölf Monate. Das Buch. In dieser festlichen Zeit wird deshalb in vielen Brahmanenhäusern von Anfang bis zum Ende ein grosses Werk in zwölf Teilen vorgelesen und vorgesungen. Immer wieder beugte sich der Vorleser nieder und berührte ehrfürchtig mit der Stirne das Buch. Aber alle seine Macht erhält er. . Wir Männer hatten ganz einfache Musikinstrumente in der Hand. In einem Winkel kauerten ein paar Frauen und sangen. aus dem nun jeden Abend vorgelesen wurde. Der Schaltmonat führt die gleiche Bezeichnung wie Gott selbst: Puruschottama. Ich setzte mich von selbst dazu und Schri freute sich darüber. die jeweils mit dem Vollmond beginnen. Wasser goss er aus einer Bronzeschale im Kreise auf den Boden aus und träufelte einige Tropfen in seine hohle rechte Hand und liess sie dann andächtig auf seinen Scheitel und in seinen Mund rinnen. Und wir schlugen laut im Takt und sangen Lied um Lied. auf dem in der Reihe göttlicher Heilandsgestalten auf Erden auch ein Bild von Jesus Christus stand. gilt als der Herr des Glücks und des Erfolgs. des Weltschöpfers. Bevor er richtig zu lesen begann. Auch äusserlich ist es gewaltig. Sein ständiger Sekretär. der grossen Devi. in seinem Sprechen leben möchten. der Sprache des Volkes in dieser indischen Landschaft um Nasik. dann noch ein Schwager Schris. nämlich von Gott in seiner ganzen Fülle. an dem Singen teilzunehmen. im Himmel und in der Welt der Dämonen und in der Totenwelt und in seinem eigenen Reich. eins mit ihm. runde Metallplättchen. Sie ist die Himmelsmacht Brahmas.

um ihr Kind zu stillen. Dem grossen indischen Weisen Vyasa wird das grosse Bhagavata zugeschrieben. "Die Erde will empfangen".und für manche auch heute noch ist. Etwa dreitausend Jahre vor Christi Geburt ereignete sich dies alles. werden wieder und wieder der Menschheit geschenkt. Dschai. waren die Treppen hinaufgestürmt und nun waren sie alle im grossen Saal des Hauses versammelt. gleich Herodes. Einige hatten ihre kleinen Kinder auf dem Arm. hörte ich Schri in die Hände klatschen. so wie es einstmals die Bibel in den beginnenden evangelischen Zeiten nach der Reformation für einen grossen Teil der Menschen im Abendlande war . um das Gotteskind. alte und junge. Wir eilten alle ans Fenster. Schri sass still mit hellem friedvollen Gesicht mitten unter ihnen und lauschte den Liedern zu Gottes Ehre und zu seiner Ehre. Sieg!" Viele Frauen aus Nasik hatten sich unter einer Anführerin zusammengetan. auf dem Boden sitzend. sich auftürmte. In Vyasas Werk rollen die Gestalten wie in unermesslichem Strome dahin. Als die Frauenschar uns verlassen hatte und ich schon wieder in meinem Zimmer war. Eine begann und die anderen fielen triumphierend ein. Wir stiegen aus und schritten von der Strasse fort über einen breiten Acker. wie er kam als Fisch. mehrere Stunden lang. Dschai. Nach einer Weile wies er abermals auf den ernsten Himmel und murmelte: "Krischna. König der Erde sein wird. dann. . Sieg. die indischen heiligen Schriften. wie Gott immer wieder zur Erde niederstieg in verschiedener Gestalt. Lichter brannten davor. mit frischen Blumen wurde das Buch stets bedeckt. Erzählungen von der Zukunft der Welt. dessen Erde in Schollen frisch aufgebrochen war. das seine Herrschaft bedroht. so weit der Blick reichte. das in raschem Zug tief dunkelblau vom Horizont aufstieg und.Schri Maharadsch. um diesen Schudrakönig zu besiegen. Gleich einem Kinde schlug auch er im Takt die Hände zusammen wie die andern: selber einer aus der endlosen Reihe der Boten und Verkünder Gottes. Eine Schar von Frauen pilgerte in langem Zug durch die Gärten. ehrfürchtig aus einer Hülle genommen. Die Stadt Nasik vibrierte in diesem Monat von Musik. Ununterbrochen badeten Volksscharen in dem hochgeschwollenen schäumenden Wasser des 32 Flusses Godavari. als Eber. rings um Schri geschart. Aus Leibeskräften sangen sie jauchzend: "Schri Maharadsch. Der Himmel war von ungeheurem Gewölk erfüllt. Alle vorher geborenen Geschwister Krischnas sind von Kamsa getötet worden. von der Weltvernichtung verschlungen. sorgsam in rote Seide eingehüllt. Die Tempel standen mitten im Wasser. Schri sass bereits im Auto und ich setzte mich neben ihn. dass die Wände bebten. Es ist eine Sammlung von Erzählungen. Lied um Lied. Sie sangen schallend. Sieg. hatten sie das Haus umkreist.. Gesang und Marsch erfüllte laut die Luft. Ich eilte die Holztreppe hinunter. Krischna. Ein hoher Stoss loser Blätter. einer aus dem Schlamme der Menschheit. Ein grausamer König namens Kamsa beherrschte damals die Lande. Die ganze Stadt Nasik war voll von Überschwang. In der gleichen Richtung wie die Sonne wandelnd. Die Weden.. Manchmal verliess eine für kurze Zeit den Raum. wie Gott dann kommen wird. als Mann mit einer Axt. Sie tanzten festlich und sangen in den Strassen und Häusern von den Taten Gottes bis tief in die Nacht. Dschai. wie Gott in fernster Zukunft nochmals niedersteigen wird." . Schweigend fuhren wir aus der Stadt hinaus. als Rama. Weltennacht folgt darin auf Weltentag. Die Arme des Flusses stauten sich von jubelnden Menschen.Lebensbrot. sagte Schri leise. im Chor. wie er dann kam als Schildkröte. Alle Neugeborenen will er erwürgen. wenn ein dunkler Mensch. ehrfürchtig nach dem Lesen wieder hineingeknöpft. als Mann mit einem Löwenhaupt. so laut. Weit draussen im freien Land liess er den Wagen halten. unermüdlich. Immer näher kam es. Auch an jedem Vormittag dieses festlichen Monats Puruschottama wurde in Schris Meditationsraum in seinem Haus in Nasik ein langes Stück des Werkes Bhagavata von einem seiner Schüler laut vorgelesen. da er als Krischna in einem dunklen Kerker auf Erden geboren wurde. als Krischna . der die Erde hinübertrug durch die Nacht der grossen Flut in ein neues Sein. um Schri ganz unangesagt ein religiöses Singfest zu bereiten. Jauchzend schlugen sie alle den Takt mit kleinen Metallzimbeln und sangen. zu vernichten. werden von den Dämonen geraubt. Wir lasen die Geschichte jener Offenbarung Gottes. als Knabe Vaman. wachsen darin aus dem Ur-baume der Gottheit heraus.

sondern es ist auch die Bezeichnung für die leuchtende dunkelblaue oder tiefviolette.Ich wusste. was Schri meinte. fast schwarze Farbe einer regenschweren Gewitterwolke. 33 . Das Wort Krischna bedeutet im Sanskrit seltsamerweise nicht nur Krischna. den Gott.

denn er sah. Einen Farbendruck dieses Bildes hatte ich einmal im Basar in Nasik aufgestöbert und an die Wand meines friedlichen Zimmers im Hause Anandapith aufgehängt. Aufrecht. gefolgt von einer Reihe indischer Soldaten. In den Träumen mancher Nacht glaubte ich wieder auf den rauhen Brettern einer der ärmlichen Pilgerherbergen zu liegen. nicht gestört zu werden. Er und ich machten bereits Pläne. kochten da unten wohl ihr kärgliches Mahl. sitzt er in tiefster Versenkung. stampften die h ölzerne Treppe empor. Mich dünkte. der grosse Gott. Aber noch ein anderes Bild Schiwas hing zuweilen an den Wänden der Pilgerherbergen im Himalaja. Manchmal fragte ich meinen Guru: "Schri.ZWEITER TEIL DAS LAGER IN INDIEN SCHIWA TANZT Friedevoll lebte ich im Hause meines Lehrers in Nasik. Die Einreisebewilligung f Frau ür und Kind zu erhalten . in welche indische Schule der Knabe später gehen solle. die ihn umzüngeln. Und kommen Sie mit uns. Schwere Schritte. die unter seinen Tanzschritten zerbirst und in Schutt und Asche sinkt. war dargestellt. wie er meditiert. Schri hatte mehrere Male nachdrücklich den Wunsch geäussert. Fern war Europa. An der weissgekalkten rauhen Wand der Waldhütte hing Schiwas Bild. schreckte ich aus dem Schlaf auf. tanzt. es donnerte. Es sind die schlangengleichen Begierden der Sinneswelt. nach Indien zu kommen und gleich mir in seinem geräumigen Haus Anandapith in Nasik zu leben. es war ganz früh und draussen war es noch dunkel.für Schanti und Gunananda. dass ich durch die weltgeschichtlichen Ereignisse allzusehr in Unruhe versetzt wurde. wann werden wir die abgebrochene Pilgerfahrt zum Hause Schiwas wieder antreten?" Der alte Mann l chelte seltsam: ä "Warte. Schiwa wird dich rufen". trat in mein Zimmer. Natürlich gehorchte ich meinem Guru. genannt wird. mit untergeschlagenen Beinen. versicherte er mir ernst. der Himalaja. sagte der . Wenn ich manchmal doch die Sorge um meine Frau und mein Kind in Österreich nicht unterdrücken konnte. wo ich mit Schri wohnte. dass diese behütet seien. lud er überdies die Meinen liebevoll ein. der Indien im Norden abschliesst und von dem ich bloss einige Bodenfalten mit Schri durchwandert hatte. von denen ich jeden Morgen ein Bronzebecken voll Rosen pflückte und diese in Schris Meditationsraum ausbreitete.hatte beträchtliche Mühe gekostet. Schiwa. Ein indischer Polizeiinspektor in Uniform. auf denen die Toten verbrannt wurden. Die braunen Kulis. er war auf einige Tage verreist. Mit Fäusten. Aber das amtliche Papier mit der Genehmigung der indischen Regierung war schliesslich doch eingetroffen. den menschenleeren Berghängen. Um mich zufriedenzustellen. der Zerstörer. Seine Arme sind von wild z üngelnden Schlangen umringelt. den er mich führte. Aber Schri war nicht da. Machen Sie sich rasch fertig. Hier war Schiwa als Weltzerstörer abgebildet: Trunken tanzt er in Gestalt eines Jünglings im leeren Raum über einer düsterglühenden Welt. Unter dem Bild stand zu lesen: "Schiwa meditiert über Krischna". fern war auch das ungeheure Gebirge. wo durch die Fugen zwischen den Planken aus dem unteren Raum der beizende Qualm eines Feuers empordrang. die Schris Sänfte dem Manasarowarsee entgegentrugen. Schiwa. dass ich keine Zeitungen lesen solle. Eines Morgens. den einsamen Seen. war zu seinem Schüler Rana gefahren. Ich sehnte mich nach den Hochwäldern. wurde unten ungeduldig an die Türe des freundlichen Bungalows in der Stadt Nasik gepocht. um Raum f r neue Schöpfung zu ü bereiten. um auf dem geistigen Weg. Nehmen Sie Ihre notwendigsten Sachen mit. Sein nackter Leib ist beschmiert mit der weissen Asche von Scheiterhaufen. Er blickt in ein Reich. wie von eisenbeschlagenen Schuhen. der auch Mahadeva. "Sie sind verhaftet. Nun wurde das Tor des Hauses geöffnet. Wir haben Krieg". in dessen Garten fast das ganze Jahr die vielen Rosenbüsche blühten. bis es an der Zeit ist. 34 wo Schiwa in der Ödnis thront. oder waren es Gewehrkolben. wie Schri die beiden nannte . Schiwa achtet ihrer nicht. das nicht von dieser Welt ist.

mit Ziegeln oder mit Stroh oder mit Wellblech gedeckt. Dazu gehörte auch. in glühender Sonne und bei Scheinwerferlicht. in Amerika und in Australien und in Europa. In manchen Teilen Indiens herrschte Hungersnot. der nicht eines Tages von Verzweiflung überwältigt wurde und nahe dem Selbstmord war. Es gab keine Gaskammern dort. bloss um genug Raum für Gefangenenlager zu haben. Mit ungeheuren Kosten wurden in 35 jedem Land zahllose hässliche Baracken aufgestellt. wurden der Schrank und meine Koffer durchwühlt und untersucht. Diesmal allerdings blieb ich nicht ausserhalb des Stacheldrahtes stehen. Im Laufe des Tages wurden es viele Hunderte. Dass vielen Internierten infolge der einseitigen Ernährung aus Vitaminmangel im Lager alle Zähne ausfielen. waren zumeist gute Lager. ja vielleicht Millionen von Menschen in der weiten Welt geschah in diesen Tagen das gleiche wie mir. Riesige Wälder wurden abgeholzt. wo schon einige übernächtigte Menschen warteten. Man schob mich in ein wartendes Auto. die mit Wagen und Eisenbahnzügen in dem Gefangenenlager anlangten. der sein geladenes Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett fest umklammerte. auch hinter Stacheldraht die streng vegetarische Lebensweise beizubehalten. Die derbe Kost war im allgemeinen gut und aus-reichend. Durch die Tore der äusseren und der inneren Umzäunung wurde ich in das Lager hineingeführt und wurde in eine Baracke gewiesen. keine Sorge. natürlich fast ausschliesslich Fleisch-nahrung. denn ich mühte mich eigensinnig. war meine eigene Schuld. bemühten sich die Menschen überall auf Erden. Tag und Nacht wurde im Akkord gearbeitet. in denen ich etwa sechs Lebensjahre verbrachte. Da ich mit einem österreichischen Pass nach Indien gekommen war. Dass ich persönlich Entbehrungen litt und zeitweilig hungerte. sie wurden in Lagern hinter Stacheldraht eingesperrt. Stacheldraht. Geviert an Geviert erstreckten sie sich. die mit . mit Massen von Beton und Eisen Schutzwälle f r ihre ü jeweiligen Ordnungen und Gesetze zu errichten. Während Schiwa. das in den engen. Wenn man mit der Eisenbahn fuhr. wie die Hürden der Schlachthäuser in Chikago. das Gesetz der Vergeltung und Wiedervergeltung. die ich im Hause meines Guru lieben gelernt hatte und die f ür jeden Yogapfad eine grosse Hilfe bedeutet. kein Problem einer gemarterten Welt. Und da schon vor Ausbruch des Krieges die Gefängnisse nicht ausreichten. wurden nun in allen Weltteilen. Der Wagen hielt vor einem Tor in einer hohen Stacheldrahtwand. dass ich vor mehr als zwei Jahrzehnten als junger Soldat im ersten Weltkrieg mit geladenem Gewehr und aufgepflanztem Bajonett vor dem ganz ähnlichen Stacheldrahttor eines Gefangenenlagers für russische Kriegsgefangene in Österreich Wache gestanden hatte. tanzte. um genug Grund für Gefangenenlager zu haben. denen nur eines gemeinsam war. Getreide-felder planierte man mit schweren Strassenwalzen. Diese Lager waren in keiner Weise mit Konzentrationslagern in Deutschland und dessen Nachbarländern zu vergleichen. endlos. Die indischen Lager. Die Fahrt ging durch wohlbekannte Landschaft. in den späteren Jahren hauptsächlich Konserven. dass sich die Gefangenenlager füllten.und Folterkammern oder Verbrennungs-öfen für Menschen. Wie Gott wollten die Machthaber aller Länder damals überallhin schauen und dazu gehörte.Inspektor. zackigem Eisendorngeflecht verknäuelt. und die Erde unter seinem Tanze zitterte und schwankte und die für Jahrtausende gegründeten Reiche und Ordnungen einstürzten wie Maulwurfsbauten. nur um genug Holz f r ü die notwendigen Gefangenenbaracken zu erhalten. Voll Verwunderung entsann ich mich. der Zerstörer. wurde von grossen Trommeln abgerollt und hastig aufgespannt und aufgepflockt und zu unentwirrbarem. und ich machte keine Ausnahme dabei. Hunderttausenden. Denn es gab kein Leid. von Stacheldraht umgebenen Gevierten des Lagers nicht beklemmend anwesend war. Aber trotz der guten Behandlung gab es niemanden im Lager. der Tausende von Lastwagen und Hunderte von Schiffsladungen füllte. in Afrika und Asien. Der zweite Krieg war eben ausgebrochen. war ich über Nacht ein sogenannter 'feindlicher Ausländer' geworden. sah man manchmal lange Zeit links und rechts vom Zug nichts als Baracken. Links und rechts von mir und vorn neben dem Wagenlenker sass diesmal je ein indischer Soldat. Während ich mich eilig anzog. war gewiss nicht Schuld der Behörden. dass sie kunstvolle Systeme geheimer Staatspolizei ausbildeten. obwohl die Welt hungerte. eine neben der anderen. und natürlich auch in Indien überall eiligst neue Lager errichtet. Fruchtbäume schlug man nieder. keine Prügel. durch die ich viele Male an der Seite Schris in dessen Wagen gefahren war.

hat er selbst einmal erwähnt. Dann erinnerten wir uns. sehr herrischen Diktator. wie er einmal am frühen Morgen einen Bericht dem Sergeanten zugesteckt hat. dass die Menschen innerhalb des Stacheldrahtes in dem übervölkerten Lager immerzu wimmelten wie die Ameisen. Manchmal lachten wir: "Uns geht's ja gut.Dieser da? Gott behüte. Glauben Sie. . Sie feierten hinter Stacheldraht das grosse Siegesfest des Kriegsendes und warteten voll Gram und Verbitterung noch lange weiter. die ihre Brust umklammerten. dass er Berichte schreibt. konnte sich fortbilden. als bei den Antinazis. sie stritten. Als er ein wenig betrunken war. sie legten Rohre. Daneben in dem Lagerflügel der Antinationalsozialisten und Antifaschisten herrschte eine streng demokratische Regierungsform mit regelmässigen Wahlen und siedendheisser Wahlagitation. Da gab es Führer. 'bis das Gesuch erledigt ist'. die gesondert eingehegt waren. die nach ihrer Gefangennahme in Drahtpferchen weiterlebten. die von einem gewaltigen alten Affenmännchen. sie nieteten. unter dessen Schritten die Feuer-flammen des Unterganges brausten. Was sahen die Affen. was alles passiert. zuweilen Prügelstrafe. Alle warteten auf ihre baldige Entlassung. Die acht Gehege des grossen indischen Interniertenlagers genossen Selbstverwaltung hinter Stacheldraht. Einen Zoologischen Garten haben wir auch". um Sie auszuholen. welche stets ihre kleinen Kinder mit sich trugen. Die Affen draussen waren in Freiheit und schauten neugierig durch das Gitter zu uns. nur noch einige Tage. Oft stand eine ganze Affenschar dicht vor dem äusseren Stacheldrahtgitter des Lagers und alle die bejahrten und jungen. auch in die Gefangenenlager hinein. Sie gruben in der Erde. Man fand da eine Organisation für 'Kraft durch Freude'. einem wahren Tyrannen. Ansätze zur Briefzensur und Gestapo. Hier wurde öffentlich in vielen Sprachen für den Sieg der Alliierten und den Niederbruch der gehassten Gegner gebetet. das ist ein Kommunist. der wieder in drei Zonen geteilt war. Ein anderes Drahtgehege. Sie zimmerten. wurde ich alsbald flüsternd unterrichtet: "Nehmen Sie sich in acht. nur noch einige Wochen. für Sport und Sportwettkämpfe. Boykott unlieb-samer Elemente. Der ist bloss so freundlich zu Ihnen. die Russen haben nicht ihre Vertrauensleute und Zellen hier im Lager.hunderttausend spähenden Augen schauten. Er gehört zur GPU. sie pflanzten Bananen und andere Fruchtsträucher und Bäume. Viele warteten mehr als sieben Jahre. Die Sinne und Gliedmassen dieser gespenstischen Ungeheuer. einem allgemein anerkannten. Unterführer und einen inneren Kreis. sie prügelten sich.". Sie führten einen nicht endenden Kampf gegen das Ungeziefer in ihren Betten und gegen die L öcher in ihren Socken und Hemden. ohne dass sie etwas ahnten von Schiwas Tanz. Ich habe mit eigenen Augen gesehen. erstreckten sich über die ganze Erde. Nun. DAS LAGER IN INDIEN Ausserhalb des Lagers lebten die grossen Herden grauer und brauner Affen. Sie schwätzten. die Männchen und die Weibchen. bloss für . Es gab aber auch schwarze Listen. Als ich in dem indischen Lager anlangte. . Gleichschaltung widerstrebender Gruppen. sie schmiedeten und schweissten. Wissen sie denn nicht. die mit hunderttausend listigen Ohren lauschten. Sie spielten Karten und liessen viele Stunden lang die ausgeleierten Grammophone laufen. die man Geheimdienste nannte. Er ist ein Spion. Seien Sie vorsichtig. Sie säten Blumen und Gemüse. herein. 36 Die Affen sahen. sie bauten mit Ziegeln und Steinen. Wer darnach strebte. geleitet wurden. sie setzten Salat. geheime Akten. Zerrissenheit und Furcht zuckte und bebte in dem Knäuel von einigen tausend Menschen. Sie legten kleine Gärten vor ihren Baracken an. Sie werden schon sehen. In diesem Flügel lebten die Bewohner stets wie in der Stimmung eines Bahnhofswartesaales.Jener? Der schreibt Rapporte für die Engländer. und träumten ihren schweren Traum. wenn der Krieg einmal zu Ende ist. den in Käfigen eingesperrten Menschen. Sie begossen ihre Beete. Es gab da hinter sorgsam bewachten Gittern einen regelrechten national-sozialistischen Staat. von den Anfangsgründen der Rechtschreibung bis zur Werkmeisterschule und dem Abiturientenexamen. wie die Sache in Wirklichkeit beschaffen war. für Musik und Theateraufführungen und für Erziehung. Manche lagen tagelang stumpf auf ihren verwanzten Gurtbetten in den Baracken. Sie mischten Beton. starrten mit traurigen ernsten Tieraugen in die vergitterte seltsame Welt der Menschen hinein. sowohl bei den Nazis. ein Agent der Nazis.

welches das Kino umgab. Die Habselig-keiten wurden an der frischen Luft aufgestapelt. umwölkt vom scharfen Rauch billiger indischer Zigaretten auf den Bänken und sahen die abgespielten amerikanischen Sensationsfilme an uns vorbeiziehen. In dem einen Lagerflügel standen eines Nachts Scharen von Internierten dicht am Stacheldraht und sangen. wurde zur gleichen Zeit in Vorahnung kommender Ereignisse ein Holzstoss angezündet und bei der flackernden Beleuchtung unter lautem Johlen eine lebensgrosse Strohpuppe. Griechen. Dänen. gelegentlich auch die Stadt. Mussolini darstellend. In Dreierreihen geordnet. zu den Männern aus etwa zwanzig europäischen Nationen. Als die Kinobaracke abbrannte.. zu Deutschen.und Nachtarbeit in wenigen Wochen neu aufgestellt. kam der englische Sergeant-Major mit einigen wachthabenden Soldaten hereinmarschiert. Sie redeten sich wie bisher an: Herr Direktor oder Herr Studienrat. Es gab auch einen Lagerflügel f etwa ür hundert italienische Generäle. Norwegern. zu Estländern. zu Tschechen. Sie alle waren Menschen. Hit-ler! Hitler! Hit-ler!" Im Nachbarkäfig. Dann sassen wir. Bulgaren und Rumänen. wo die Antifaschisten hausten.Aus dröhnenden Bombengeschwadern sanken riesige Bomben herab. Ungaren. obwohl sie alliierten Nationen angehörten. Wir sahen im Kino. denn der indische P ächter wollte seinen Verdienst nicht einbüssen. marschierten wir unter Bewachung durch die doppelten Stacheldrahttore unseres Lagerflügels in das Drahtgehege. damit sie nicht verdürben. zweihundertfünfzig Meter breit und dreihundert Meter lang. zu Gläubigen und Ungläubigen. Alles war bei uns wie in der Welt draussen. Entrüstet 37 über die Störung sprangen die Affen von der Strasse in das Laubgeäst der Bäume empor und fletschten die Zähne. wurde sie in Tag. um ins Feuer geworfen zu werden es war lange nach Mitternacht -. weil sie die Nachtruhe gestört hatten. wie eine lächelnde junge Königin Blumen und Süssigkeiten an verwundete junge Krieger verteilte. Sie alle versuchten weiterzuleben wie bisher. die Antinazis aus Protest ohne Gleichschritt. eng gedrängt. Polen. Mit seinem dräuenden künstlichen Gebiss klappernd. Österreichern und Italienern. an einem Galgen aufgehängt. die Abendanzüge in die Sonne gehängt. Das Kino war auch für die europäischen Wachmannschaften und Offiziere bestimmt. Holländern und Russen . von einem japanischen Unterseeboot versenkt.. aber auch zu solchen. Als der baumelnde Diktator eben vom Galgen abgenommen werden sollte. Es gab unter ihnen unwahrscheinlich viele Direktoren und Manager riesiger Plantagen mit einstigen phantastisch hohen Einkommen und angeblich bedeutungsvollsten Wirkungskreisen. aber mit surrenden elektrischen Fächern wegen der Hitze. in der wir selbst geboren waren. die sich beide leidenschaftlich befehdeten. fragte er freundlich und wohlwollend: "Wer ist der Künstler? Wer hat das so schön arrangiert?" Die Hauptartisten meldeten sich geschmeichelt und wurden unter dem grossen Empörungs-geschrei und dröhnendem Beifall der Anders-gesinnten von jenseits des Stacheldrahtes unter Bewachung in Lagergefängnis abgeführt. hinter Stacheldraht natürlich. Litauern und Letten.. feindselig der Nachbarabteilung des Lagers zugewendet. war ein richtiger Kirchenstaat. Die Nazis marschierten stramm im Gleichschritt. Die Schar dieser hohen Militärpersonen war unter sich gespalten in eine faschistische und eine antifaschistische Gruppe. zu Katholiken und Protestanten und Angehörigen aller anderen denkbaren christlichen Konfessionen.italienische katholische Missionare einschliesslich zweier Bischöfe. Da . Sogar eine grosse Kinobaracke wurde für die Internierten errichtet. Finnen.. taktmässig und abgehackt im Sprechchor: "Du-ce! Du-ce! Du-ce! . Die Koffer wurden regelmässig ausgepackt. Alle Probleme und alle Qual und Zerrissenheit und aller Hass der Welt drang durch die zweifachen Stacheldrahtwände ungehindert zu uns in das streng abgesperrte Lager hinein. Er war kurz und stramm und wurde Nussknacker genannt. Jugoslawen. gruben himmelhoch aufqualmend gigantische Krater in den Boden und vernichteten vor unseren Augen in wenigen Minuten unbekannte grosse Städte in allen Weltteilen. zu den Juden und vereinzelten Mohammedanern und Buddhisten. Wir sahen auch die Wochenschau. soweit sie nicht auf der Fahrt von einem holländischen Gefangenenlager auf der Insel Sumatra nach Indien versunken waren. die in unserem indischen Lager eingesperrt waren. In jeder Weise wurde für uns gesorgt. die man in Ostafrika gefangen hatte. . die der Krieg irgendwo in den weiten tropischen Ländern und Inseln zwischen Neuguinea und Irak und zwischen Hongkong und Äthiopien überrascht hatte.

Aber der aufgepeitschte politische Hass und die gegenseitige Abscheu unter den Gefangenen machte nicht einmal vor dem Tode halt. Und in ebensolcher Weise erzählten sie von ihren Abenteuern mit Frauen und von den guten Geschäften. bevor er die Kleider wieder einmottete und seine kurzen Khakihosen anzog. mit genauesten Einzelheiten der Speisefolge und der dazu sorgfältig abgestimmten Weine und nachgeniessender Ausmalung der Geschmacksempfind-ungen. der sich voller böser Absichten in ihr eigenes Land eingeschlichen hatte. von dem aus man den Gebirgskamm am besten sah. wurde aufgesucht und umworben. wo schon eine Mausfamilie hauste. Viele der Internierten hielten sich Tiere. züchtete Mäuse. oder wenn sie auf den herannahenden Tod warteten. die sie damals gehabt hatten. dass die Toten der gegnerischen Menschengruppe ihre eigenen Toten durch Nachbarschaft in der . Von scharfen Zähnen war sie totgebissen worden. pflegte zärtlich seine gefangenen Papageien. die sie gemacht hatten. um ihm zu erzählen. dann vergassen sie. Der weitaus beste Platz in dem Lager war das ebenfalls mit Stacheldraht eingehegte Spital. hatten innerhalb ihres Käfigs kleine Käfige mit Tieren aufgestellt und schenkten diesen all ihre Liebe. in Deutschland eine Anzahl Synagogen anzuzünden. Da waren sie dankbar für den kleinsten Liebesdienst. er war nicht von Stacheldraht umgeben. sorgfältig gepflegt und mit Blumen geschmückt. Sie. in einer Blutlache. Wahrscheinlich hatten die Mäuse geglaubt. oder sobald für einen langsam und qualvoll Sterbenden nur ein Strahl falscher Hoffnung aufleuchtete. was sie einst in diesem oder jenem Restaurant gegessen hatten. Meisen. wenn mir alte und junge Männer. die möglicherweise einer anderen Mausrasse angehört hatte. die selber hinter Drahtgittern sassen. Einmal setzte er eine fremde Feldmaus. Die mächtigste Partei im Lager empörte sich dagegen. die ihre Geschichten und Witze noch nicht kannten. jemanden übers Ohr zu hauen. Viele Menschen mieden einander angeekelt. die sie gemacht hatten. Wenn die Kranken arge Schmerzen litten. wurden oftmals die fanatischen Gesichter wieder zart und menschlich. in dem Lagerspital in Indien ihre Lebensgeschichte erzählten. Nachtigallen und andere Vögel. und wie es ihnen gelungen war. Die Koffer wurden ausgepackt und wieder zugesperrt. Scheu und angstvoll schmiegte sich die 38 schmächtige fremde Maus. in dem Bett neben ihnen lag. die unter Bewachung hingeführt wurden. wurden ihre Gesichter wieder hart und höhnisch und abweisend. Aber sobald sie sich wieder erholten. und von den schlechten Geschäften. ein überzeugter Antifaschist. Sie suchte sich so unbemerkbar wie möglich zu machen. Gierig suchten sie neue Gefährten. in einen Winkel des Käfigs. Ein herzensguter deutscher Musiker in meiner Baracke. dass er eifrig mitgeholfen habe. an Geheimberichten und Boykottmassnahmen gegen ihre Leidensgenossen zu denken. die sich verlaufen hatte. Jeder. in einen Käfig. Sie wühlten in ihren Erinnerungen. Der Lagerfriedhof. Sie f ühlten sich gereizt. befand sich am Westrand des Gefangenenlagers. Da die Gegenwart mit den Jahren immer schaler wurde und die Phrasengebäude zusammensanken. die Jahrzehnte in den Tropen verbracht hatten. weil sie nach jahrelangem Zusammenwohnen im gleichen Barackenteil den Nachbarn und die Art seines Lachens und seine Geschichten nicht mehr ertragen konnten. ein Weibchen. Und doch fand man zuweilen in einer der Baracken dieses Spitals wahren Frieden. Stundenlang und tagelang wandelten sie längs des Stacheldrahtes auf und ab und erzählten einander. dass ein Mensch. der sich rühmte. bedroht. Ein Mann. Die Erinnerungen wurden ausgepackt und nie zugesperrt.hingen nun die Frackanzüge und Smokings wichtigtuerisch an Wäscheleinen und wehten im Wind. der aus einem anderen Lager neu ankam. Manchmal ging auch der eine oder andere Internierte am Sonntagnach-mittag in einem Smoking und steifem Hemd zwischen Baracke und Latrine spazieren. O. der nicht ihrer Partei zugehörte und der gar einer anderen Rasse entstammte als sie. um f ein paar Stunden wieder ür ein eleganter Herr zu sein. wie viele seltsame Schicksale haben sich vor mir geöffnet. lebten viele Tausende von diesen gefangenen Menschen immer leidenschaftlicher in ihren Erinnerungen. Sie fühlten sich gestört von ihr. dass der vor Furcht zitternde fremde Gast ein heimtückischer Eindringling war. und sie begannen wieder. wie Gesichter von Kindern. Die Gräber wurden von Internierten. Es war gemeinsam für alle Parteien in dem Lager. Nach einer halben Stunde lag die fremde Maus. in den schlaflosen Nächten vor oder nach einer schweren Operation. Aber der Mausvater und die Mausmutter und die Mauskinder rochen sie.

wie kann man in einer solchen Lage. Oder ich hatte in einem Winkel des Lagers. wie will er Frieden erlangen?" Ich m ühte mich.und sehr oft das Wasser in den Brausen gerade dann aussetzte. aufsteigen möge: "Die ewige. vor ew'ger Zeit geborne. . Denn das bedeutete. dessen vielverschlungene staubige Strassen auch hier wie überall. Oben auf den Dächern der Küchenbaracken aller acht Lagerflügel sassen immerzu in dichtgedrängten Reihen die hässlichen.Friedhofserde beflecken könnten. nur auf der einen Seite einen Bettnachbarn zu haben und auf der anderen Seite die Geborgenheit einer schützenden Wand. mit untergeschlagenen Beinen.sang ich manchmal leise. wenn wir ganz eingeseift dastanden . Um immer erneute Unruhe im Lager zu vermeiden. des Zerstörers. Ringsum aber dehnte sich unermesslich das indische Land. Eine solche Kammer zu bekommen. als wartete ein Rudel hungriger Raubtiere auf die Fütterung. In dem halboffenen Waschraum. allen sichtbar.. Wild stürzten sie sich in Schwärmen nieder und rissen die Fleischstücke an sich. sah sich der Lagerkommandant genötigt. die Matte aus Kushagras. und der abgesonderte reine Raum und die Einsamkeit nur 39 GEFANGEN . noch ein wenig von Glück und Licht erfüllt. dass es endlich wieder Tag würde und über der nachtumhüllten Erde die geistige Sonne. wo oft ein Lärm herrschte. in der wir uns befinden. vom Himalaja bis zum Kap Komorin. um dort ungestört arbeiten und meditieren zu können. hinter einem der kleinen Ställe für Kaninchen oder Hühner oder Enten. selbstvergessen. die mit ihren gefüllten Blechtellern aus der Küchenbaracke heraustraten. dass die äusseren Behelfe der Meditation. auf mein Bett und wurde nur ein Zielpunkt für Gelächter. denn die gierigen Raubvögel frassen auch Aas. oder wenigstens einen Eckplatz in einer Baracke. als ob die ganze Erde sehnsüchtig flehte. Kein Stacheldraht hinderte sie. da fuhr mich einer böse an: "Warum lächeln Sie immer wie die Mona Lisa? Ich verstehe nicht." GEFANGEN Auch ich versuchte in den Baracken des Interniertenlagers weiter zu leben und zu meditieren wie bisher im Hause meines Gurus und zog mich selbstsüchtig auf mich selbst zurück. wo wir in Nischen manchmal zwanzig Mann nackt nebeneinander standen und uns abduschten. die heilige Silbe AUM vor mich hin. ob es Antifaschisten oder Faschisten oder Patres waren. auch in dem L ärm und Getümmel zu meditieren. die mir ohnehin schon am Tage meiner Einlieferung ins Lager gestohlen wurde. allumfassend. Meine Kameraden fühlten sich durch mich gereizt. Was sahen die Raubvögel? Sie sahen Frass. Das war nicht ganz ungefährlich wegen des Leichengiftes. die verstorbenen Antinazis und Antifaschisten auf einem weitentfernten Friedhof in der nächsten Stadt begraben zu lassen. Eintönig schwoll der Gesang der Bauern auf und ab. doch einen halbwegs verborgenen Fleck entdeckt und dort in der Meditation Ruhe gefunden. Sie kümmerten sich nicht darum. Es war wie der Gesang Indiens. dessen drei Laute Weltschöpfung. Es gab einige Einzelkammern in dem Lager. wenn sie über dem Stacheldraht schwebten und in die verschiedenen Hürden der Menschen hinabspähten. die den Teller hielt. mit meinem Blechteller in dem langen Zug der auf die Essenausgabe Wartenden einordnete. Weltzerstörung bedeuten und auch die drei Zeiten Vergangenheit. Die grosse Gottheit uralt.FREI - . kein Wachtposten schoss nach ihnen.. geierartigen Raubvögel. junge Atman. aus. blutig. wo das Gras überall sonst von vielen Füssen niedergetreten war. welche emsige Kleintierzüchter gebaut hatten. Wenn ich mich nachher. Gegenwart und Zukunft und das Verborgene. setzte mich aufrecht. so als ob das ganze Land. war f r einige Zeit das Ziel ü meines Strebens. das Urwort. auch noch lächeln!" Ich hatte noch nicht die Erfahrung gemacht. Der weise alterslose. So bereitete sich das Gefangenenlager mit einigen tausend Europäern wie ein armes Stückchen zuckenden Lebens zu den Füssen Schiwas. was da blickt mit Augen . Sie waren die eigentlichen Herren des Lagers. In der Bhagavad-gita hatte ich mit Schri gelesen: "Ohne Meditation. der Paramatman. in den grauen Morgenstunden des Tages von den endlosen Reihen der langsam rollenden Ochsenkarren der indischen Bauern bedeckt waren. Sie strahlt herab aus jeder Morgenröte Und schaut aus allem. In ihrer Gier hieben sie auch manchmal daneben und rissen die Menschenhand. das über den Zeiten ist. Welterhaltung.

das viele Monate lang tief im Schnee lag. Uns wurde befohlen. Auf den Wiesen unter den Bäumen wandelten europäische Frauen auf und ab. Die Komissionen amtierten und prüften jeden einzelnen Fall in unserem grossen Lager und in einem kleinen Lager bei Darjeeling. Schrilles Pfeifen weckte mich morgens auf. welche Internierten entlassen werden durften und welche f die Dauer des Krieges eingesperrt ür bleiben sollten. mit Blumen geschmückten Tischen gespeist wurde. Karottenschälen usw. von einer Stacheldrahthürde in eine andere Hürde. sei ruhevoll. zum Fensterputzen. Die Baracken standen zwischen alten Baumgruppen auf schönem Rasen. zum Barackenaufwaschen . In vier Winkeln des gemeinsamen Gesellschaftsraumes sassen die . als es endlich von den Behörden erlaubt worden war. von einem Zelt in eine andere Baracke. stürzten bald wieder ein. Mitten auf einer öden Steppe hielten plötzlich alle Wagen an. Aber es kam vor. wieder zu übersiedeln. gewährte ja eine gewisse Abgeschiedenheit. aber sie sprachen nicht miteinander. Mehrmals übersiedelte sogar das ganze Lager. Sobald ich in einem Winkel bei meinen Kameraden halbwegs heimisch geworden war. in hellen Sommerkleidern oder in langen Hosen oder in sehr kurzen Hosen. "Sei gelassen. Die Schutzwände. Schrilles Pfeifen rief zum Aufstellen in Reih und Glied auf dem Sportplatz zum täglichen Namensaufruf. die ich in dem Lager um mich zu bauen versuchte. wie einer. Manche lagen hingestreckt in Liegestühlen und winkten mir mit farbigen Sonnenschirmen zu. war von unsichtbaren Stacheldrahtwänden in enge Käfige abgeteilt. mit den jüdischen Frauen und den an Juden verheirateten arischen Frauen zusammen zu essen. auch sie boykottierten sich. deren Gewehre schussbereit auf uns gerichtet waren. auszusteigen. mein Netz niederriss und wild schimpfend eine Prügelei mit mir begann. Wo aber war indessen ich selbst? Wenn ich mir die erste Zeit in der Gefangenschaft vorzustellen versuche. den ich unwissentlich erzürnt hatte. dem durch eine Einspritzung ein Teil seines Wesens gelähmt worden war. wie ich innerhalb des Stacheldrahtes immer wieder übersiedle von einer Baracke in ein Zelt. Pfeifen rief zum Gemeinschaftsdienst. das jeder von uns zur Abwehr der Malariamücken nachts über seinem Bette aufspannte. die entscheiden sollten. Die italienischen und die deutschen Frauen speisten zwar zur selben Zeit. wurden wir zu den Autobussen zurückgeschickt und fuhren weiter in das nächste Lager. als ich im Autobus unter Bewachung von drei Soldaten dem Lager zufuhr. als ich Schris Schreiben las. Ich erschrak. Die deutschen Frauen weigerten sich. hoch im Himalaja. deiner Kraft!" So hatte mir Schri ins Lager geschrieben. Das weisse Moskitonetz. um auch dort nicht zur Ruhe zu kommen. wo es in der Kantine Lippenstifte und andere kosmetische Artikel zu kaufen gab und wo an weiss gedeckten. Wir wurden in ein weites Viereck hineingetrieben. Aber auch dieses Lager. Nachdem der Befehl vollzogen war. Zahllose Male sind meine Gefährten und ich auf höheren Befehl mit Sack und Pack von einem Teil in einen anderen Teil des Lagers umgezogen. Ich wurde zu irgendeiner Arbeit befohlen. Ein schöner Fluss blinkte in der Nähe. dass ein Betrunkener. Uns wurde befohlen.. Es sah aus wie die 'Heiterbucht' aus Strindbergs 'Traumspiel'. unsere Notdurft zu verrichten. Oder war es irgendein Scherz gewesen? Dort gab es keinen Stacheldraht.Gebote für Anfänger sind. Die feindlichen Gruppen speisten zu verschiedenen Stunden und boykottierten sich gegenseitig.. dessen Belegschaft fast nur aus Frauen bestand und wohin ich für einige Wochen irrtümlich geschickt worden war. 40 dessen Seiten aus langen Reihen brauner Soldaten bestanden. viele von ihnen jung und hübsch. so sehe ich vor allem vor mir. nach Mitternacht in die Baracke hereinkam. O wie sehr hatte ich versagt! Ich hatte dahingelebt wie ein Kokainisierter. deinem Frieden. Pfeifen von der Küche her rief zum Aufstellen für die Essenausgabe. sie amtierten in Lagern in den Nilgiribergen im Süden und auch in einem Lager im Dekhan. Ich wurde angebrüllt und schrie auch manchmal andere an. wie wir einmal in langen Autobuskolonnen durch das indische Land den unbekannten Baracken zufuhren. Indessen amtierten in allen Lagern die Untersuchungskommissionen. Ich erinnere mich noch. Die sogenannten 'anständigen' Italienerinnen und die kleine Gruppe der italienischen Huren aus Bombay mieden sich mit gegenseitiger Verachtung. kam gewiss der Befehl. ich war geschoben worden und hatte mich schieben lassen wie auf einem rollenden Band. gib den Menschen rings um dich von deiner Ruhe. Briefe zu schreiben und zu empfangen.

Liebenswerte. über jeden einzelnen wurde Gericht gehalten. stand ein Kreis von Frauen aus den verschiedensten Gruppen dicht gedrängt um den Wagen herum und alle jene. Am nächsten Morgen war ich bei Schri. die freigelassenen feindlichen Ausländer wieder zu . Das grosse Lager.internierten Frauen in geschlossenen Gruppen und wechselten böse Blicke. Die Donner der ersten Gewitter rollten. wohin es mir behagte. die in verschiedenen Stacheldrahthürden des grossen Männerlagers eingesperrt waren. ihre Männer sollten nichts unversucht lassen. Freilich. Zeugen wurden vernommen. Einige wurden wahnsinnig an diesem Ort . Eines Tages wurde ich unvermutet entlassen. um unter Bewachung in das frühere Lager zurückbefördert zu werden. jüdische Männer. so dass raumloses und zeitloses ewiges Sein aufklaffte. Der alte Mann war fröhlich und unbekümmert. Rana kam zu Besuch. den wunderbaren Wald zu verlassen.und Sommerhimmel über mir. die mir schön getan hatten. die über sie geflüstert wurden. und das Firmament brannte gleichsam im Feuer über uns. wenn er allwöchentlich aus dem stundenweit entfernten Dorfbasar zurückkehrte. Sie beschworen mich. wo Orchideen auf den moosigen Zweigen der Bäume wuchsen. Die ersten Regengüsse stürzten nieder. Viele Monate lang amtierten die Kommissionen. In der kühlen Tempelhalle sass ich oft zu Füssen eines Standbildes Krischnas. Dort lebten wir in einem kleinen Häuschen in der Einsamkeit. Manche Frauen weinten heimlich die Nächte hindurch wegen der Bosheiten. riefen sie mir noch flehend nach. war bald wie ein Traum hinter mir versunken. Dann kam allmählich eine neue Regenzeit über die Waldhänge heran. junge Geschöpfe verschwendeten ihre ganze Kraft. das ihn als den göttlichen Knaben darstellte. teilweise in Hürden. ich möge ihre Männer grüssen. Die giftigen Schlangen begannen schon. dass man anfing. die mir ganz unzugänglich waren. und jene. deutsche Männer. kam alsbald eine neue. die den Steilhang herabstürzte und dann in der Ebene zu dem breiten Fluss wurde. der bei den Hirten von Brindaban aufwuchs und Flöte blasend den Wald durchzog. dass ich gehen konnte.. italienische Männer. Aber wenn er die Geheimlehre der Upanischaden erklärte. hinter dessen doppelten Eisengittern noch viele hunderte meiner Gefährten hausten. wenn ich während der Meditation die Augen öffnete und staunend schaute. der irgendwo im Dunste der Ferne an dem Frauenlager vorüberzog. Unweit unserer Hütte über einem Abgrund erhob sich ein uralter Krischnatempel. Der alte Mann schloss mich in seine Arme. Verwundert schritt ich durch das Stacheldrahttor ins Freie hinaus. Auch ein amtlicher Brief kam: Die bereits bewilligte erneute Einreiseerlaubnis für meine Frau und mein Kind war plötzlich wieder zurückgezogen worden.. jede internierte Frau hatte Formulare auszufüllen und wurde wiederholt vorgerufen und einzeln verhört. Als ich nach kurzem Aufenthalt wieder im Autobus sass. Das war nicht die 'Heiterbucht'. und dass der Weg nirgends durch Stacheldraht gehemmt wurde. die Akten des Geheimdienstes über jeden Internierten wurden sorgsam durchforscht. wie es auf den ersten Augenschein aussah. Regenschwere Wolken hüllten die Erde ein. wenn ich in den ersten Monaten in der Meditation für einen Augenblick die Augen aufschlug. um zu ihnen zurückzukehren. die mich verachtet hatten. Aus der heissen Ebene fuhr ich bald mit Schri ins frische 41 Waldgebirge nach Mahabaleshvar hinauf. um Intrigen zu spinnen. So wie einstmals sassen wir zu Füssen Schris und wir lasen wieder gemeinsam die Upanischaden. zitternden Lippen zu mir empor. aus ihren überschwemmten Erdlöchern herauszukriechen. noch oft staunte ich. Jeder internierte Mann. Flackernde Gerüchte über die Auswirkungen der deutschen Offensive in Norwegen und im Westen brachte der Diener Schris in unser stilles kleines Haus mit. um dort zu meditieren. Ein Gast aus der Stadt berichtete. Nun war bald Zeit. sprachen mit gutgeschminkten. da waren seine Worte wie Blitze. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang g ich nach ing raschem Bad auf einen Hügel. Wolkenlos war der Frühlings. Und wenn eine Kommission abgereist war. er l chelte meist heiter wie ein ä Kind. Zu Füssen Krischnas entsprang auch eine klare Quelle. Ungeheure Wolkenzüge und Nebeltreiben wälzten sich aus den Schluchten empor und über mich hin. einander zu hassen und beim Kommandanten und bei der Untersuchungskommission anzuschwärzen. Auch als die Räder des abgeschabten schweren Wagens schon über den Sand knirschten. das war vielmehr 'Schmachsund' aus dem gleichen Drama Strindbergs. Denunziationen wurden geschrieben.

als er uns empfing. Geraume Zeit wurde ohne Ergebnis verhandelt. in den engen Reihen der Schläfer. Ich war heimlich voller Stolz. dass mein geistiger Schulungsweg bei einem geliebten Lehrer zum zweitenmal scheinbar sinnlos abgebrochen worden war. Kurz vor dem Abschied aus dem Wald luden die Brahmanen des Tempeldorfes Alt-Mahabaleshvar Schri zu einem feierlichen Gastmahl. mich nicht als Barbaren hatte behandeln lassen. ich sei sein Schüler. von neuem festgenommen und abermals hinter Stacheldraht geschafft. Am nächsten Tag verliessen wir das Bergdorf. dem Europäer. mich auszuschliessen. Es stellte sich heraus. Wohl stellte sich der Lehrer schützend vor seinen Schüler. Nun war ein Rudel von ihnen ins Lager eingebrochen. Sie hatten Frankreich überschwemmt. ich möge nicht in den Reihen der Gäste. Dann fuhren wir hungrig zu unserem kleinen Haus zurück. zusammen zu essen. du musst deine innere Ruhe bewahren". Der alte Priester. dass ich mit Freuden draussen auf der Veranda essen wolle. durch unsere Unwissenheit. wie ich es bei Schri gelernt hatte. nein. Ich konnte eine quälende Vorstellung nicht auslöschen: dass alle Menschen. dass die Bettgestelle krachten. Es gelang. der vor Jahren eine der Töchter Schris in diesem Gebirgsdorf getraut hatte. als ob ein Alp auf den Schläfern läge. Er betonte. Ich konnte die Sorge um die Meinen. mit mir. Aber wenn ich mich zuletzt müde wieder hinstreckte. er habe mich anerkannt. dass der Guru. Auch ich war voller Unruhe wie die andern. durch unseren Mangel an Demut. er als mein Guru habe mir die Brahmanenschnur verliehen. . Ich fand keinen Schlaf. fuhren wir den kurzen Weg zu dem festlich geschmückten Haus. Man wünschte. und ich mit ihnen. ich hatte die Gabe der Demut noch nicht empfangen. den ihm einer seiner indischen Schüler geschenkt hatte. Ich ahnte damals nicht. dass einige der sehr orthodoxen Brahmanen des Tempeldorfes Bedenken hatten. Ich versuchte es. Röchelnd wälzten sich meine Nachbarn unruhig hin und her. dass das Blech rasselte. Ich lag in der dumpfen Baracke unter dem Vorhange des weissen Moskitonetzes. Meine vermeintliche Fahrt in die Freiheit war nur ein kurzer Urlaub aus der Gefangenschaft gewesen. Der Andrang von Bildern unter den geschlossenen Lidern liess sich nicht auslöschen. es sei kein Grund vorhanden. Je tiefer wir aus dem Gebirge herabkamen und uns der Ebene näherten. gewiss ohne ein Wort darüber zu verlieren. Rings um die Lager heulten die Schakale. entschieden zu erklären. Gierig wühlten sie in den Abfallkübeln. sondern auf der Veranda des Hauses mein Mahl einnehmen. schwirrten von neuem quälende Bilder rastlos vor meinen Augen und die Gedanken rollten zwangsläufig ab. Aber der unmittelbare Trieb meines Herzens hätte sein müssen. wo das Mahl zu Ehren meines Gurus stattfinden sollte. alle Menschen auf der ganzen Erde gebunden am Boden einer dämmernden Höhle lägen. den Gram. in dieser grossen Baracke. Schri war abweisend. Ich konnte die Trauer um mein eigenes Schicksal nicht niederringen. Ich setzte mich im Bett auf und versuchte zu meditieren. mich nicht verleugnet hatte. Manchmal erfüllte ein Stöhnen die Baracke. weder Schri noch ich hatten an dem feierlichen Mahle teilgenommen. die unter den Scherbenbergen ihrer zusammengebrochenen Vergangenheit stöhnten. Bald nach unserer Ankunft in Nasik erschien der mir bereits bekannte Polizeiinspektor mit seinen Begleitern und wies einen 42 neuerlichen Verhaftungsbefehl vor. In Schris schönem Achtzylinder-Fordwagen.verhaften. Es war wie in einer Gespensterwelt. die ausnahmslos geglaubt wurden: "Was auch geschieht. die in Österreich nun in täglich sich steigernder Gefahr waren. aber es gelang mir nur mangelhaft. dass Schri für mich eingestanden war. um Mutter. schien verlegen zu sein. Unter starker Bewachung wurde ich. meine Haltung scharf tadeln musste. und die voller Furcht vor der Zukunft waren. Die allgemeine Erregung durchloderte auch mich. War es nicht in einem Werk von Plato gewesen? Ich konnte mich nur unvollkommen erinnern. Ich musste von einer solchen Höhle einmal irgendwo gelesen haben. desto aufgeregter waren die Menschen. alle Menschen in den acht Pferchen dieses Barackenlagers. Wir waren gebunden durch die Fesseln unserer eigenen Begierden und durch unsere Vorurteile. ermahnte mich Schri. Frau und Kind nicht unterdrücken. sowie Hunderte von anderen Freigelassenen. Alle Basare schwirrten von den abenteuerlichsten Gerüchten. Die Deutschen waren in Paris eingezogen. vielleicht bereits in einem viel schlimmeren Lager als ich selbst. Ich hatte in der Gefangenschaft nichts gelernt.

das ist in Indien manchem Latrinenfeger in Lumpen nicht fremd. die in ihrer Heimat wegen ihrer Rasse verfolgt wurden. liessen sie an ihnen aus. Selbst diejenigen. ihre Geisteslehrer. in der wir Menschen leben. der das Lager umgab. der Kurtisanen usw. dass in ihm eine ewige Seele durch die Zeit wandert. DAS FEST DER UNBERÜHRBAREN Ich sass mit gekreuzten Beinen auf dem leeren Fussballplatz am Rande der schwarz aufragenden nächtlichen Baracken. konnten wir nicht wahrnehmen. Von einem 43 hohen Mast vor ihren Baracken wehte. um die Schläfer nicht zu wecken. dass der Valmiki-Guru zu ihnen gekommen war. und wenn er auch im peitschenden Regenguss des Monsuns seine mageren nackten Schultern höchstens mit einem löcherigen alten Sack bedecken kann. Man beschimpfte sie. die Kastenlosen tanzten und sangen. deren Hauptunterhaltung im Lager jahraus und jahrein diese Wettspiele waren. . scholl leise Gesang herüber. Und es wird auch in Zukunft keine Zeit geben. Von draussen. dass sie in Wahrheit Hunderttausende und Millionen Jahre alt sind. Was im Abendland nur einigen der tiefsten Mystiker bekannt war." Aber selbst diese Verachteten hatten ihre Gurus. noch diese Könige. von dem bloss einzelne wirre Schatten in die Höhle hineinfielen. Ich sehnte mich nach einem Tropfen Wasser und stand auf. und dass sie schon am Beginn der Schöpfung mit dabei waren. wurden von den Gefangenen hinter Stacheldraht sehr verachtet. Deshalb feierten sie ihr Fest. von den langgestreckten hässlichen Kasernen der Latrinenfeger. auf ein flackerndes Schattenspiel auf einer Wand im Hintergrund der Höhle. da ich nicht lebte. Man nannte sie im Lager kaum jemals anders als die Schwarzen. als ob es irrsinnig lachte über die seltsame Schattenwelt. Das war das Zeichen. Manchmal verstummte der Chor und nur ein einziges Tier schüttete sich gleichsam aus in immer wilderem. noch du. So wie Krischna es in der Bhagavad-gita ausspricht: "Es gab keine Zeit. die ihnen halfen. dass er sein hartes Schicksal in diesem Leben durch seine eigenen Taten in früheren Leben selbst herbeigeführt hat und dass er durch sein Verhalten in diesem Leben sein Schicksal in kommenden Erdenleben vorbereitet. Leise. In Chören schrien sie stundenlang in dem finsteren Wald. das war uns unzugänglich. welche Dienste f sie taür ten. so hat er doch oftmals eine grobe. um zu dem Brunnen zu gehen und dort zu trinken. verachteten diese Inder. die Nigger. Es war die einzige Sache. ihr Leben ihrem jeweiligen Stand und Charakter entsprechend sinnvoll zu gestalten und ihnen geistige Unterweisung zu geben. "Sehr richtig. Sogar die Kasten der Diebe. in der jüdische Intellektuelle und deutsche Monteure im Lager zuweilen einig waren. schütternd von den trappenden Füssen der beiden Mannschaften und den Zurufen der Zuschauermenge. schritt ich im Dunkeln zwischen den Bettreihen zum Tor der langgestreckten Baracke. Ein hohes Feuer brannte dort. Das Spiel der wahren lebenden Gestalten im Reiche der Urbilder. da wir aufhören werden. oftmals nur eine leise Schattierung dunkler Gefärbten. Noch schriller hörte man nun draussen das Heulen der Horden von Schakalen rings um das Lager. hatten in Indien Jahrtausende hindurch ihre eigenen Gurus. um die Bilder zu verscheuchen. grellerem Gelächter. die mit ihren kurzen Reisigbesen und auch mit Zuhilfenahme ihrer braunen Hände die Kübel in den vielen Latrinen des grossen Lagers vom Kote säuberten. welche die niedrigen Reinigungsdienste im Lager taten. Nun war es still. Die Inder. Wenn ein Latrinenfeger auch oftmals zu arm ist. eine rote Fahne im Wind. Allen Rassenhochmut des weissen Mannes gegen den dunkler Gefärbten. von den Flammen angestrahlt. Wir sahen nur den Tanz der verzerrten Schatten und konnten den Sinn dieser Bewegungen nicht deuten. Herr Kollege. Der Pfad zum höchsten Ziel ist niemandem versperrt in Indien. Tagsüber war dieser Platz voller Lärm. aber klare Vorstellung davon.Wir Gefangenen in der nächtlichen Höhle starrten mit angstvollen Augen alle in eine Richtung. Die Gefangenen schliefen ihren schweren Schlaf. um sich jemals richtig satt essen zu können oder sich gar ein Stück Seife zu kaufen. Freudiges Gewimmel bewegte sich um das Feuer. Wie oft h örte ich Gespräche: "Diesen verdammten Sweeper muss man einmal mit einem Kasten auf die Hirnschale schlagen". Mit der Hand strich ich über meine Augen.

wo er einstmals dem Räuber die Initiation gegeben hatte. Rama". sich niemals wieder erheben zu können. Aus dem Dickicht sprang der R äuber. Einmal wanderte ein Weiser durch den Wald. mein Sohn. Aber natürlich war niemand mehr da. Mit fast lautloser Stimme sang er: "Rama." "Ja. bloss ein Ameisenhügel erhob sich auf Seiten des Pfades. Der Mann. Als seine Keule schon über dem Haupte des Greises schwebte. Er war in tiefer Entrückung. mit meinem besudelten Mund den Namen Gottes zu wiederholen!" Der Rishi l chelte: "Mein Kind. mara. Wie darf ich es wagen..'" Der Räuber schrie auf vor Entsetzen: "Nicht dieses Wort! Nicht dieses Wort! O mein Vater. Singe: 'Mara. Diesen Atman brennt das Feuer nicht. Mir fiel die Geschichte Valmikis ein. der ihn hatte ermorden wollen und dem er nun die Initiation. Und er sang: "Mara. warum willst du eine solche grosse Sünde begehen?" fragte sanft und furchtlos der Bedrohte. galt im alten Indien niedriger als der niedrigste Kastenlose. die Geschichte Valmikis ist ein grosser Trost für jeden.. wiederhole die ä beiden geheiligten Silben des Gottesnamens in umgekehrter Reihenfolge. Im hellen Schein des Feuers sassen sie nun alle im Kreis um den ValmikiGuru und lauschten seinen Worten. so wirft die Seele die zerschlissenen Leiber ab und tritt in einen neuen Körper ein... Der gefallene Brahmane und verabscheute R äuber wird seit Tausenden von Jahren als Valmiki gepriesen. liebende Hingabe an Gott. der vor ihm am Boden lag.. denn er glaubte. Tod . So still war er.. Dann hob er sein verwildertes Antlitz. Er blickte sich rings um. Die Keule entfiel der Hand des Grausamen." Viele Jahre später Schritt der gleiche Rishi. Der Weise blickte n äher hin und nahm zu seiner Überraschung wahr. Bewegungslos sass dort der Mann in Meditationshaltung.. mara. flüsterte er." Die Hand des Gottgeweihten lag segnend auf dem zerwühlten Haar des Niedergebeugten. die Augen halb geschlossen und auf seine Nasenspitze blickend. wo er in einer finsteren Erdhöhle hauste. gib mir einen heiligen Mantra. dann ziemt's dir nicht. Diesen Atman schneiden die Schwerter nicht.. setzte sich mit gekreuzten Beinen hin auf das Moos. Ich sehe die ungeheure 44 Finsternis meines Lebens. Ja. Ein Brahmane. Er wurde der heilige Seher und Dichter . O gib. mit aufrechtem Nacken und Haupt. wie ich selber bin. Dann wanderte er davon.. Rama. Er kniete nieder und beugte sich liebevoll über den Mann. der die Wanderer erschlug und ausraubte. dass der furchtbare Schmutz meiner Sünden weggewaschen werden möge. die Einweihung. wie es für die Meditation ratsam ist. Der Wind trocknet ihn nicht aus .. das will ich tun". erstaunte ihn das lichte L ächeln und die kindliche Unschuld in dessen Gesicht. bis sein Mund dicht an dessen Ohre lag. nun sehe ich. dieser trage einen irdischen Schatz mit sich. den grössten Schatz zu empfangen: Bhakti. Das Sanskritwort für Ameisenhaufen ist Valmiki. Tod. das von Tränen nass war." Durch den Stacheldraht blickte ich zu den Baracken der Kulis hinüber. Rama. dass Augen und Haar eines Mannes durch die Oberfläche des Ameisenhaufen schimmerten. zu trauern. "Wiederhole diesen überaus heiligen Mantra". "Singe die zwei Silben des Namens Gottes. war ein gefallener Brahmane. von dem die geistigen Lehrer der indischen Kastenlosen ihren Namen empfangen haben und der selbst einmal ein von allen Verachteter war. In grenzenlosem Mitleid mit der Menschheit schweifte er umher.. Er hatte auf Erden nichts für sich zu gewinnen oder zu verlieren. Diesen Atman netzt das Wasser nicht. und sagte aufseufzend: "O grosser Weiser. um den Wanderer zu töten und zu berauben. um vielleicht doch irgendwo eine Seele zu finden.. Einen Augenblick hielt er inne. singe: 'Rama.zu sein . die den dichten Wald durchzogen. mara . sagte der Weise. ich weiss. Wenn du das weisst. "Mein Sohn. der später Valmiki genannt wurde. der durch die Welt wanderte. Rama . was das Wort mara bedeutet: Tod. dass das Ameisenvolk ungestört seinen Bau rings um ihn aufgetürmt hatte. So wie ein Mensch zerschlissene Kleider abwirft und andere neue Kleider dafür anzieht. gegeben hatte. die würdig wäre.' Du weisst. Der Ausgestossene war in seinem Trotz zu einem Wegelagerer und Räuber geworden. Er warf sich vor dem Wanderer nieder und berührte dessen nackte Füsse mit seiner Stirne. der gestürzt ist und voll Scham ganz tief am Boden liegt und glaubt. mara . was das bedeutet?" Der Räuber ächzte: "Ja. der seine Kaste verloren hatte. das ist das rechte Wort für mich. Tod. nur seine Lippen bewegten sich. abermals durch denselben Wald und gelangte an jene Stelle. Der Mann wischte seine Augen.

Valmiki.. so gehen von dem Urfeuer. in dem die Feste der Hindus verzeichnet sind. Auch sie tanzten jauchzend um das Feuer und sangen: "Krischna! Krischna! Krischna!. sich erhob und zu singen begann. Und die unermessliche Kraft des Gottesnamens hatte. als ob sich Nebel auf mein Herz gesenkt hätte. unablässig wiederholt hatte. Hell sprühten die Funken von dem Feuer aus. wie Gott niederstieg zur Erde in Menschengestalt als Rama. erhob sich ihr Chorgesang. von den Taten Gottes. geworden.. Es war mir. mit mir in das Lager genommen. h örten die indischen Soldaten auf. den Gopis. Rama. Ich dachte an meine alte Mutter. werdet ihr sofort euer dreckiges Maul halten!" Zur Bekräftigung des fortgesetzten Fluchens einiger Internierten. von den ewigen. vom Gift der Sinnenwelt gebrannt. die jetzt eben in der Baracke gebrüllt hatten. wie Gott schon früher in anderer Gestalt als Vaman zur Erde niedergestiegen war und später als Krischna kam.. Das grosse Feuer inmitten des Kreises der Kastenlosen. In unermesslichem Jubel sangen sie: "Krischna! Krischna! Krischna! Krischna! Krischna! Krischna! Krischna!" Sie schlugen die Trommel Schiwas und sangen den Namen des verborgenen Gottes. als ob sich ein dunkler Strom Jauche in die Nacht ergösse. zur Erinnerung an den Tag. Der Kastenlose und Gott werden beide 'Der Unberührbare' genannt. Während das Gewimmel ihrer beleuchteten Gestalten. der in Brindaban bei den Hirten aufwuchs. Ich sah ihr .. niemals endenden Liebestaten Gottes in allen Welten und für alle Wesen. Wie von einem grossen Feuer zahllose Funken aussprühen nach allen Richtungen. ma-ra. auch sie marschierten in dieser Nacht fast wie im Tanzschritt und sie sangen: "Krischna! Krischna! Krischna!" "Schluss mit dem Gewinsel!" Aus der dunklen Türöffnung einer der Lagerbaracken brach unflätiges Geschrei heraus. die mit kurzen Khakihosen und Khakigamaschen in dem von grellem elektrischen Licht überschwemmten Stacheldrahtgang unermüdlich auf und ab Schritten. von seinen Gespielen. mit der Asche der Toten beschmiert. Aber unter dem Nebel schwangen noch immer leise die innere Freude und das innere Vertrauen und liess sich nicht ganz unterdrücken. seine Unterweisung von der Liebe Gottes. freudig auf und ab wogte. Erschreckt und eine Beschwerde der Sahibs befürchtend. in alle Ewigkeit die g öttlichen Erlöser. um die Last der Erde hinwegzunehmen. die Avatare. von Schlangen umwunden. und immer wieder und immer wieder erlösend kommen will. den Gopas. 45 immerdar beseligt l chelnd meditiert. flammte in der Nacht. Gott. "Ihr Schweine! Ihr verdammten Nigger. sie nehmen die B ürde der Welten hinweg und kehren dann wieder zu ihrem Ursprung zurück.. die denen glichen. deren Gewehrlauf und aufgepflanztes Bajonett kalt im weissen Lichte blinkte. Sie steigen heilend auf die Erde und in andere Welten nieder. Einen Gottesnamen sangen sie. als ihr Guru. So.. und den Hirtinnen. hohe und niedrige. sondern ihn auch fähig gemacht. der Männer und Frauen. Auch sie schlugen die Trommel Schiwas. der grosse Gott der Welt. Es war. der Schöpfer des Epos Ramayana. so wird berichtet. den Gottesnamen zu singen und Schritten wieder stumm zwischen den beiden Stacheldrahtwänden auf und ab. Jauchzend tanzten die Kulis um ihren Lehrer und um das Feuer. Ich hatte keinen Kalender. Ist heute nicht das Schwingefest Krischnas. Mit beklommenem Herzen sass ich auf der von vielen Füssen kahl getretenen Erde des Sportfeldes im Lager. von dem Feuer bestrahlt. die zwei Silben ma-ra. nicht nur allen Schmutz von Valmikis Seele abgewaschen. ma-ra . die sich in ihrem schweren Schlaf gestört fühlten." 'Ist heute ein grosses Fest Krischnas?' sann ich. für Menschen und Tiere und Dämonen. eingeschüchtert und gedemütigt von Menschen. Während Valmiki. in Krischnas ä inneres Reich hineinlauschend. der Krischnaknabe. waren sie von selbst zur Wortreihe Rama. die getreten wurde von den Füssen der Millionenheere der Dämonen. So heisst es in den indischen heiligen Schriften. da dieser als Rama auf Erden wandelte. aus. klirrte eine zu Boden geworfene leere Konservenbüchse zornig auf dem Beton der Baracke. Rama . Gott. Auch in dem Hindudorf dicht am S üdrand des Lagers hatten die Bauern ein Feuer entzündet. die in dem Judenviertel in Wien lebte. ein unerschöpflicher Ozean von Schilderungen aus dem Leben Gottes. über den Schiwa. da das göttliche Kind. der Unberührbaren. in Gottes lichtes Reich hineinzublicken und zu schauen. von Gott... Jubelnd sprangen die Reihen der Latrinenfeger auf. jubelnd in der Schaukel geschwungen wurde? Sogar die indischen Wachtposten. Gott .

dessen Herz sich wirklich sehnte." "O du verborgener Gott. Die Feuer flammten. Sende mir einen Helfer. Er durfte es nicht. mich im Lager zu besuchen." Die Bauern vor ihrem Dorf am Südrand des Lagers schlugen die Trommel und tanzten um ihr Feuer und jauchzten: "Krischna!. Lass mich die Probe bestehen. Damit ich lernen kann. weite Reise zu machen. so flehte mein Herz in der Nacht. um mich f ür wenige Minuten im Beisein eines Offiziers zu sehen. Lass mich nochmals von neuem beginnen. Sie riefen: "Krischna! Krischna!. Ich hörte wieder ihre tapferen letzten Worte: "Wir zwei bleiben ja doch beisammen.Gesicht vor mir. als ich zum Bahnhof gefahren war. Ich nicht. um nach Indien zu reisen." Ich dachte an mein Weib und mein Kind. auch wenn wir äusserlich getrennt sind. auch die Verachteten. von dem ich nichts weiss... Lass mich nicht versinken.. was ich bisher im Leben versäumt habe zu lernen: Liebe. gesiebt durch die doppelten Filter der Zensur. dem man die Erlaubnis verweigert hatte. War es ihnen m öglich gewesen zu entfliehen? Oder waren sie in ein Judenlager in Polen verschickt worden? Lebten sie noch? Nachrichten kamen sehr selten. Ich dachte an meinen Guru Schri Maharadsch. brausenden Schein. Er war bereit gewesen.. "O du unbekannter Gott. weil bloss in sehr seltenen Ausnahmefällen h öchstens ein kurzer Besuch eines allernächsten Verwandten gestattet wurde. durfte in der Nähe seines Gurus sein." 46 . und sie brauchten viele Monate. Und Schri war mir doch n äher als mein Vater! Jeder. das zarte Altfrauengesicht mit dem schneeweissen Haar und den blauen Vergissmeinnichtaugen. das mir nachgeblickt hatte aus dem offenen Fenster des Hauses am Donaukanal. den alle rufen".. einen Guru." Auch die schreitenden Wachtposten hatten wieder zu singen begonnen: "Krischna!. Die Scharen der Kulis sangen und tanzten um das Feuer und um ihren Guru im hellen.. eine beschwerliche. die Männer in Lumpen da draussen.

Eines Tages war er als Neuankömmling still vor der Speisesaalbaracke gestanden. sondern unsere eigene Welt als den erbarmungswürdigen Ort ansahen. Gott liebt". die das Rad der Wandelwelt endlos vorwärts treibt. dessen mit fahlem Moos bedeckte Speichen sich sinnlos drehten. sagte Sadananda. Rings um das Rad sah man Darstellungen aus den alten griechischen Mysterien und eine Inschrift: "Vom Rad des Ixion bin ich herabgesprungen". so gibt die Seele Zeugnis von der Gottheit ab dadurch. an das Rad der wiederholten Erdenleben." "Ist nicht die Wahrheit zu wissen das höchste Ziel? So hat es mich mein Guru gelehrt. dass er brennt. das grosse Liebesfeuer. Freiheit. sich von diesem Rad des Ixion zu befreien. sagte mein Begleiter. Ewigkeit." "Was ist der Weg? Was ist das Ziel?" fragte ich erwartungsvoll. von dem er ausgeht. "Die Befreiung vom Rad des brennenden Leids der Wandelwelt ist nicht das höchste Ziel". Auf dem nächtlichen Fussballplatz hatten wir unser erstes wirkliches Gespräch. Ich sprach ihn an. vor der sich bereits hungrig die Internierten sammelten und über der schon in aufgeregten Schwärmen die grossen Raubvögel kreisten. Da erzählte er mir von einer antiken griechischen Vase. Ein Rad mit sechzehn Speichen war auf der Vase abgebildet. Welken. Aber seine unendliche Winzigkeit bezieht sich nur auf seine Gestalt. dass es brennt. "Das ist nur der erste Schritt auf dem nicht endenden Pfad in die vergessene Welt Gottes. wie es die Natur des Feuers ist. Die Seele ist verhüllt und weiss nichts von ihrer wahren Natur. Dann kann sie in liebendem Dienen teilnehmen an dem göttlichen Innen-leben. dass manche griechische Mysterien nicht die Unterwelt der Toten. das ist die einzelne Seele. immer grössere." "Ist Schanti. Es kam mir wie eine Untreue gegen meinen Guru Schri Maharadsch vor. Aber wenn die Seele zu sich selbst erwacht und Gott liebt und sich unsäglich nach Gott zurücksehnt. auf das ich in meiner Kindheit oft viele Stunden erschreckt hinabgeblickt hatte. Der Funken ist winzig gegen das Feuer. so ist es die Natur der Menschenseele. Er trug das Gewand eines indischen Mönches. er gab einsilbige. obwohl er ein Europäer war. während es in dem dunklen Schlund des geschwärzten Mauerwerks das Wasser eines stürzenden Baches emporschaufelte und zerstäuben 47 liess und wieder emporschaufelte: Gewinn und Verlust." "Weisheit erlangt man nicht durch Wissenwollen. sachliche Antworten.DRITTER TEIL SADANANDA DER FREUND SADANANDA "So. an dessen Fülle. daran erinnerte ich mich. Er war hochgewachsen. Ixion war jener schuldvolle Verstorbene. dass sie liebt. das Ziel ist Liebe. Auch Schri nannte solche Befreiung das höchste Ziel. den der Guru der Gottesliebe seinen Schüler führt. wo jedes Lebewesen. dass ich die Frage stellte. Gesundheit und Krankheit. dann hat auch sie teil an dem Ewigen. Alle indische Weisheit suchte nach einem Weg. das ist Gott. Dann ist sie jedes Eigennutzes entkleidet. ohne dass es davon weiss. denken Sie an den unglaublichen Frieden im leise ächelnden Antlitz des l meditierenden Buddha. Ehre und Schande. an ein unerbittlich sich drehendes Rad gespannt ist. Ich musste an das Rad in einer stillgelegten Waldmühle denken. aus dem Herzen überströmende Gottesliebe. Glück und Leid. ist göttlicher Frieden nicht das Höchste?" fragte ich. sondern nur durch liebendes Dienen. sein Kopf kahl rasiert. Vereinigung und Trennung. Blosses Wissenwollen ist noch Selbstsucht und Befriedigung des Egoismus. erstrebt nichts mehr als Gott zu erfreuen. Sterben und neue Geburt. schlank. die er einstmals gesehen hatte. Die Kraft des eigenen Begehrens wurde zur Kraft. Sieg und Niederlage. "Denken Sie an manche buddhistischen Bildwerke. Der Funken. Lauterkeit. Sind sich nicht alle Religionen auf der Erde einig in ihrer Bitte um den Segen des Friedens? 'Der Herr segne dich und . der nach der Vorstellung der alten Griechen in der Unterwelt der Toten für ewige Zeit an ein sich drehendes Rad geflochten ist. dass sie liebt. "Der Weg ist Liebe. Aber ich hatte nicht gewusst. So wie der Funken Zeugnis von dem Feuer abgibt dadurch.

Mancher schon hat versucht. wenn ihn der brausende Wille Gottes ergreift. Die Gelassenheit des indischen Yogi. "Swamiji". das Nirwana. sich wirklich Gott auszuliefern. Geborgenheit. . . so war's nicht gemeint. Freilich. für alles. in immer grösserer Sehnsucht. . Schweigend schritten wir längs des Stacheldrahtes auf und ab. Aber wenn's dann ernst wird. was er tut. dass Sie alles 48 verloren haben. dann flüstert er heimlich: Nein. Sie haben diesen Satz aus der Upanischad übrigens gründlich missverstanden. Vamandas." Wieder schritten wir lange schweigend. Wahrer Frieden ist nicht blosses Freisein von Spannungen. Der Hindu will frei werden von dem brennenden Rad des Samsara. Er bedeutet: Ich bin in meiner innersten Seele von der Natur des Brahman. ist nur ein Tor. Der eine bittet um Macht. das die Gestalt Gottes verhüllt.. nach dem sich so viele sehnen. Aber niemand wagt es ja. Rings um das Lager heulten die Scharen der Schakale und verzogen sich wieder tiefer in den Wald. auf s e i n e Bedingungen. Wenn es aber einer vermag. der verliert den Frieden nicht. auch all Ihr Gelingen und Misslingen. dass Sie glauben. ob er im Abgrund der Wandelwelt oder in Gottes Reich ist. Krischna freut sich mehr über einen. Auch Sie. Der vierte bittet um einen Sohn. die nichts mehr haben als ihre Armut und ihre Sehnsucht nach ihm. als über einen. Oder sie wollen sogar werden wie Gott selbst. Glauben Sie mir. in Gestalt eines vollkommenen Zusammenbruchs zu ihm kommen kann. ihn zu lieben und ihm zu dienen.Wahrer Frieden ist. fuhr Sadananda kummervoll fort. Ich bin das Brahman'. So ist es auch bei den Anhängern Schankaracharyas. von dem die Welt nichts weiss.Sie sind Krischnas Eigentum. "Und sogar Frieden zu erlangen habe ich nicht vermocht. denn dann i s t er in Gottes Reich der Liebe und wird hineingenommen in das grosse Drama Gottes und seiner Ewig-Beigesellten. der trotz tausend Hindernissen im Getümmel und der Unreinheit dieser Baracken hinter Stacheldraht sich sehnt. Der andere bittet heimlich um Reichtum. 'Frieden ist das Höchste'. "Alle wollen sie etwas von Gott. soweit sie noch Vorbereitungskurse. Walther Eidlitz. bat ich dann: "Was hat Ihr Guru gesagt. Der sechste bittet. sich v öllig Gott auszuliefern. noch weiter zu dringen. Der Buddhist will ins Nirwana eingehen. dann braucht er nicht mehr zu sorgen.Glauben Sie mir. so wie der Funken von der Natur des Feuers ist. Wer aber wagt. Der Christ will in den Himmel kommen und dort die ewige Seligkeit geniessen. Der Frieden. dass Sie abgestürzt sind. Alle wollen gleichsam eine Versicherungspolice für Frieden. versinken in dem gestaltlosen göttlichen Licht. in jeder Lage und in jedem Leid die Gewissheit zu haben. Gott immer mehr und mehr zu lieben. die Religionen sind sich einig in ihrer Bitte um Frieden. manche bleiben für immer in diesem wundersamen Vorhof stehen. Dann übernimmt Gott alle Verantwortung für ihn.behüte dich. der Herr der Herrenlosen. der Wandelwelt. nur eine Durchgangsstufe in Gottes eigentliches Reich. Als ob Gott ein Entgegennehmer und Ausführer von Auf-trägen und Bestellungen w äre.. dann bekommt er Angst. der über allem steht. Nein. dass man im tiefsten Grund doch immerdar mit Gott untrennbar vereinigt ist. dass seine Partei siege und der Gegner elend zugrunde gehe. und dann sicher in der Wonne leben in alle Ewigkeit. Der fünfte bittet um Gesundheit und ein langes Leben. nicht auf unsere Bedingungen hin. Diese wollen eingehen in das Brahman. auch Ihre Krankheiten gehören ihm. dass Gott auch in Gestalt einer Katastrophe. Er hat bloss gesagt: 'Ich will dir vorläufig bloss Frieden geben'". gehören dazu. nur bis hierher und nicht weiter! Keiner will's für wahr halten." "Ja. begann ich nach einer Weile. Auch Ihre Meditation. Der dritte bittet um ein schönes junges Weib. Leidfreiheit in alle Ewigkeit. soweit sie noch Schulklassen f r störrische kleine Kinder ü sind. der gesichert und geborgen im stillen reinen Wald oder in einem Zimmer hinter Polstertüren meditiert. Dann ist es gleich. wird masslos überschätzt. "Schri hat mir nicht gesagt. da wo jeder Zwiespalt und jede Zweiheit schwindet. es wende der Herr dir sein Antlitz zu und gebe dir Frieden'." Lind legte Sadananda seine Hand auf meine Schulter: "Seien Sie nicht traurig. einem göttlichen Heiland zu folgen und wie dieser zu sagen: Dein Wille und nicht mein Wille geschehe. Schauen Sie sich die verschiedenen Religionen an". in dem Licht. der Herr derer. Auch Sie haben im Himalaja gesungen: 'Aham Brahmasmi ." Sadananda war verstummt. Da erscheint ihnen das blosse Abwaschen des Erdenschmutzes und aller Not des irdischen Kampfes als das wichtigste. . Anathabandhu wird Krischna auch genannt.

"Es kommt nicht darauf an. empfing mich an der Türe ein widerlicher L ärm. hat Ihnen Schri von KrischnaChaitanya erzählt". "Es kommt vielmehr darauf an. Vamandas. "Auch diese Frage war noch aus Egoismus geboren. So oft ich damals zu ihm kam. Er verwies auf die Geschichten von der Maria Magdalena und dem Schächer zur Rechten Christi. Sie wissen ja noch nicht. Heiter und freudig begrüsste er mich: "Das ist schön. der verborgene Avatar des finsteren Zeitalters. an dem einzigen Tisch in der Baracke sassen auch noch die Kartenspieler und hieben ihre schmutzigen Karten mit der Faust auf den Tisch. Oder wenn er mich hie und da in meiner Baracke besuchte. .. setzen Sie sich zu mir aufs Bett. oder wenn ich einmal eine Stunde bei ihm auf dem Bett in seiner Baracke sass. am Bett des Nachbarn wurde gefeilscht. dachte ich." Ein L ächeln blühte auf in Sadanandas strengem Gesicht. wer Gott. Gute Nacht. es war ein Buch über KrischnaChaitanya. den sein Lehrer. ihm wahrhaft dienen zu d ürfen und ihn lieben zu lernen. Wenn ein Mensch Gott schauen will. Sadananda schien nicht im geringsten deswegen bekümmert zu sein. Vamandasji. so stammt dieser Wunsch noch immer letzten Endes aus einem Ausbeutungstrieb. er möge Ihnen die Kraft geben. Er machte keinen Unterschied zwischen Menschen mit bürgerlichen Tugenden und sogenannten asozialen Elementen. wenn wir vor der Küchenbaracke mitten in einem Haufen schwatzender Mitinternierter sassen und Kartof-feln schälten und er manchmal einen kurzen Satz hinwarf. Gott und wahre Religion. das Gram-mophon kreischte. dass Sie mich besuchen. sogar tags. "Das innere Sehnen meines Herzens. dass Gott Sie ansieht. das ich in der Berliner Universitätsbibliothek gefunden hatte." "Oh.. einem Inder. Sein Nachbar war ein in den Tropen verkommener Musiker. Sadananda war recht wohlwollend zu diesem Nachbarn eingestellt. indem sie diese auf sich beziehen und geniessen wollen. "So. Er war der Ansicht. wenn wir längs des Stacheldrahtes auf und abwanderten. Wenn er mir erzählte." "Wie kann ich frei werden von diesem Egoismus?" fragte ich. dass Sie ihn in Zukunft einmal aufrichtig zu bitten vermögen. nachts.' Doch das verstehen Sie noch nicht. "Was hat Sie nach Indien geführt?" fragte ich eines Nachts. antwortete Sadananda hart. so wollen einige Gott geniessen. "Auch so darf man nicht fragen". Und die Begegnung mit Swami Bon. gerieten sich auch ziemlich oft in die Haare. dessen Bedeutung die anderen nicht verstanden. den Verborgenen. Unerwartet nahm das Gespräch zuweilen eine derartige Wendung. sagte ich. Wir müssen schlafen gehen. wer Krischna ist. dass er angezogen wird von der Schönheit und Reinheit Ihrer Sehnsucht nach liebender Hingabe. Er meinte sogar. an 49 seinem Bett vielfachen Handel trieb und zu dieser Zeit ständig ein altes misstönendes Grammophon. Das wissen Sie wohl." Eine helle Kuppel kraftvollen Friedens schien unsichtbar über diesem ärmlichen Gurtbett zu schweben." "O. sagte er erfreut. Und vor allem ein indisches Buch. verwies mich mein Begleiter streng. abschnurren liess. um dessen . ich möchte Gott schauen". "Nach allem. dass wir ihn verbrennen in jedem Atemzug in unserer Liebe zu Gott. ein Verbrecher und eine Hure hätten grössere Aussicht zu einer plötzlichen völligen Umkehr als der gesetzestreue Bürger. Er hauste erbärmlich.Es ist spät geworden. . was Sie mir berichtet haben." LEHRER UND SCHÜLER Die Unterredung auf dem finsteren Fussball-platz öffnete die T in viele hintergründige Gespräche üre mit Sadananda. Gottesliebe. den Unbekannten. so wie die Menschen aus ihrer Selbstsucht heraus alle Dinge um sich auf der Erde zum Objekt erniedrigen. dass Sie Gott schauen". Vamandas. Kommen Sie. war alles Getöse ringsum vergessen und versunken.weshalb leben wir nach seiner Meinung? Weshalb haben wir diesen Leib bekommen?" Sadananda flammte auf: "Mein Guru hat gesagt: 'Wir haben diesen trägen Leib erhalten. der goldene Avatar! Schri hat mir von Krischna-Chaitanya erzählt. sei über allen ethischen Qualitäten. der meist einen durchdringenden Schnapsgeruch ausströmte. das er gerade eingetauscht hatte. dass Chaitanya in einen Orden Schankaracharyas hineingegangen ist. Ihr Lehrer gehört der Schule Schankaracharyas an.Bitten Sie Krischna. nach Europa entsandt hatte. Dafür gäbe es viele Beispiele in den indischen heiligen Schriften und auch in den Evangelien. mein eigener späterer Guru.

Er aber warf alles hin." Mit unsäglicher Zartheit begann Sadananda von seinem Guru zu erzählen. 50 Sanskrit. was uns als Welt erscheint. Eines Tages ging der junge Gelehrte zu einem Einsiedler im Wald und bat ihn um die Initiation. Chinesisch. der Sadananda genannt wurde. wehrte er ab in ehrlicher Bescheidenheit. Sadananda und ich. Japanisch gelernt. Tibetanisch. der am Ganges in Indien seine Heimat hatte und das Leben seines europäischen Schülers. Das einzige deutsche Buch." "Das musste so sein". Vamandas. und ging nach Indien. bis der Alte bezwungen von seiner Ausdauer und liebenden Hingabe. damit ich erprobte. war eine Dünndruckausgabe der Werke Hölderlins. Dieser war in seiner Jugend ein in wissenschaftlichen Kreisen wohlbekannter Professor für höhere Mathematik und Astronomie an einer Hochschule in Bengalen gewesen. derselbe Gesichtsausdruck. Doch der Mathematikprofessor liess nicht ab zu bitten. da er wusste. in Wahrheit das unpersönliche göttliche Brahman?" "Das eigenschaftslose unpersönliche Brahman ist nur der Lichtglanz um die Gestalt des persönlichen Gottes. . da habe ich mir immer gewünscht. ich möchte einmal ein philosophisches System kennenlernen. er hiess Gaura Kishora. merkte ich.Lehre von innen zu überwinden. Als ich Sadananda auf diese Ähnlichkeit aufmerksam machte. als er Europa verliess. Als Sadananda einmal seine Verschlossenheit durchbrach. nur mit einem Lendenschurze bekleidet. in der Philosophie Krischna-Chaitanyas und seiner Schüler. so einfach. "die halbe Erde war zwischen Ihnen und dem Guru. Von dem Bild blickte ich auf meinen Freund und wieder auf das Bild. An der Universität Leipzig hatte er vergleichende Religionswissenschaften studiert. als ob eine ungewöhnlich zukunftsvolle Dozentenlaufbahn sich vor Sada-nanda öffnete. Eine Originalhandzeichnung von Adalbert Stifter befand sich in dem leichten Gepäck. Er schenkte mir dieses Buch. Wie leicht h ätten Sie Ihren Guru verfehlen können. was ich suchte. zu sitzen. Dieselbe Gebärde. sondern der gleiche Mensch in früheren Jahren und in späteren Jahren. das er mitnahm. hatte dort Pali. ihn zuletzt doch als Schüler annahm. Bhakti-Siddhanta Sarasvatis. blosse Täuschung? Ist nicht das. welche die weisende Handbewegung formte. die Krischna-Chaitanya gebracht hat. ohne jemals an ein Ende zu kommen. Einmal zeigte mir Sadananda einige Bilder seines Lehrers. Ich erschrak fast. von deren Köstlichkeiten die Welt keine Ahnung hat. ja zum zum Schrecken der Versamm-lung. "Das musste so sein. ob der innere Auftrieb meines Herzens die Kraft haben . wo man in alle Ewigkeit schreiten kann. . als ich meinen Freund näher kennenlernte. dass er in der Trennung von seinem Lehrer vor Leid fast verging. plötzlich laut zu ihm gesagt hatte: "Du. dass ich als junger Mensch ein Hölderlindrama geschrieben hatte. sagte er barsch. dieselbe innere Kraft. was er besass. Nicht bloss wie zwei Brüder schienen die beiden zu sein. dass sein Guru BhaktiSiddhanta Sarasvati eines Abends vor einem grossen Auditorium zum Staunen. Die Lehre. ist es nicht. wir waren seit Ewigkeit immer beisammen. um dort an den Quellen selber zu trinken und zu den Füssen eines Guru. ist unerschöpflich. erzählte er mir. versetzte Sadananda leise." "Hat denn Schankaracharya nicht recht? Ist die Welt nicht vergänglich und wie ein Traumbild." "O wie schwer hat es Ihnen das Schicksal gemacht".Nach Er-langung des Doktorats und Neuherausgabe eines grundlegenden Werkes der Religionswissenschaft hatte es so ausgesehen.Als ich in meiner Studienzeit an der Universität die verschiedenen Systeme der abendländischen und auch der morgenländischen Philosophie durchforschte. wie Sie es sich vorstellen. In Gott sind die unfassbarsten Gegensätze harmonisch vereinigt. so ähnlich war eines dieser Bilder Sadananda selbst. Ich habe alles gefunden. Im Verlauf der Zeit." "Und Ihr eigener Guru?" "Mein Guru Bhakti-Siddhanta Sarasvati hat in der Nachfolge Krischna-Chaitanyas die Gottesliebe gelebt und verkündet. denn dieser hatte bereits am ersten Januar 1937 die Erde verlassen. Eine tief verborgene Beziehung schien zwischen diesem Guru der Gottesliebe und seinem europäischen Schüler gewaltet zu haben. verschenkte. den er aufsuchte. rief ich aus. fast nackt. Auch Sadananda hatte in seiner Jugend die Luft strenger Wissenschaft geatmet. war ein wandernder Asket. Hart wies der Alte den Bittenden ab: "Gelehrsamkeit und Ansehen in der Welt bedeuten nichts vor Krischna". wies seltsame Ähnlichkeiten auf. Der Geisteslehrer. Der Lebenslauf Bhakti-Siddhanta Sarasvatis.

wie ein Wunder will es mir heute erscheinen. Fluchend machten sich die Kartenspieler daran. Aber es war gar nicht 51 so leicht. musste man hüben und drüben die Gesetze der feindlichen Parteien im Lager verletzen. die gerade über die Freilassung beriet. Auf der Veranda links und rechts von unserer Kammer kauerten den ganzen Tag in dichten Reihen die Zuschauer der Spiele. Ach. die um diese Nachtstunde l ngs ä des Stacheldrahtes rings um das indische Lager die Runde machten. gegenseitige Boykottmassnahmen übertreten.'" "Licht aus! Licht aus!" schrien zornig die europäischen Soldaten. Der Raum. sagte Sadananda. war die ehemalige Spülküche einer Unteroffiziersmesse. tief niedergebeugt. zogen Sadananda und ich in die gleiche Baracke. Wir wohnten gemeinsam in einer kleinen Kammer. fanden ihre Antwort. alle Hindernisse zu überwinden und sich gegen den abtreibenden Strom zu behaupten. Die Tropensonne glühte auf das niedrige schräge Dach und auf die dünnen Ziegelmauern. Andauernd wurde man bespitzelt und beobachtet. "Sie fragen mich ja auch nur aus Sensationslust aus. in zwei Parteien geteilt. Und andere Fragen. "Ich will Ihnen auf Sanskrit eine Strophe aus dem Schrimad-Bhagavatam diktieren. Aber Sadananda schätzte es. Denn anfangs gehörten er und ich verschiedenen Gruppen innerhalb des Stacheldrahtes an. eindringlich darauf aufmerksam gemacht hat: 'Im gleichen Mass. als er merkte. Zwischen unseren Betten war noch ein wenig freier Raum. als er uns in seiner letzten Ansprache. Der Verschlag war nachträglich auf der Veranda hinzugebaut worden. die ihnen vielleicht helfen wird: "Es wird zerschnitten der Knoten des Herzens. Und selbst seine Karmas. Unwiderstehlich zog es mich zum Platze Sadanandas hin. bevor er uns verliess. Es werden zerrissen alle Zweifel. Das nächste Mal muss es länger sein. wo Sadananda und ich für eine kleine Weile hausten. ein berühmter Preisringer und Inhaber einer Gymnastikschule in Südindien. den er auf seine Knie gelegt hatte. . niemals als Wohnraum gedacht. Mein Gefährte sass indessen mit gekreuzten Beinen auf seinem Bett.Aber viel zu kurze Zeit habe ich ihm diesmal dienen dürfen. höhnte Sadananda traurig. entzückt oder empört auf. "Nehmen Sie ein Papier und einen Bleistift". Ich werde dich schinden. Und überdies grenzte der Sportplatz des Lagers an die Kammer. Es war darinnen heiss wie in einem Backofen. Und doch. der aussah wie ein riesenhafter Säugling mit strotzenden Armmuskeln und tückischen Augen. Immer wieder musste man Furchtanwandlungen überwinden. spitzen Sie nur die Ohren. Bei jedem besonders gelungenen oder missglückten Ballstoss schrie diese Menge. die mit Kalk verschmierten winzigen Fensterluken zu öffnen. die mich mein ganzes Leben lang bedrängt hatten. man h ätte gerade noch ein drittes Bett dort aufstellen können. "Ja. dass es mir gelungen ist. dass ich unwillkürlich zu dem Streit der Kartenspieler hinüberlauschte.würde. weil die abirrenden Bälle der Wettspieler sonst sogleich die hochgeklappten Fenster zertrümmert hätten. als Tisch und schrieb eifrig. Sie schwinden dahin Wenn er seinen Atman geschaut hat und Gott. an seiner . wenn man Mut aufbrachte. wie recht hat doch mein Guru gehabt. Dann setzten sie ihr Spiel fort. Ich zieh dir die Haut ab bei lebendigem Leib". wobei alles um und umgeschichtet wurde. musste immer von neuem Mut aufbringen. als ich durch die Finsternis von Sadanandas Baracke zu meiner Baracke hinüberschritt. Er war Deutscher. KRAUSHAAR Nach einer Übersiedlung des ganzen Lagers. "Ich habe doch Treff-As gesagt. Seine Taten und unentrinnbaren Tatenfolgen. im gleichen Mass werdet ihr von den anziehenden und abstossenden Kräften dieser Welt ergriffen. wie ihr euch von den Lotosfüssen Krischnas entfernt. ich war jüdischer Herkunft." Viele Fragen stiegen in mir auf. die Fenster der Baracke innen dicht mit Decken zu verhüllen. wurde gefragt: "Wo waren Sie? Wo haben Sie sich die letzten Stunden aufgehalten? Mit wem haben Sie gesprochen?" Und dann wurden Berichte an die Kommission abgeschickt. zu ihm hinzudringen. benutzte einen kleinen Blechkoffer. brüllte einer der Kartenspieler. Es war nicht m öglich. um einander zu treffen. In höchster Erregung pfiffen manche schrill zwischen ihren in den Mund gesteckten Fingern. wie alle anderen. ihn zu besuchen. dass Ihnen nur ja nichts von diesen interessanten Dingen entgeht".

nur von gelber und nicht von orangener Farbe. ist wie eine der Blüten an einem blühenden Baum. Sie müssen versuchen. Er stammte aus Ostpreussen und trug ähnliche Mönchskleider wie Sadananda. Innen eingefügt in den Deckel des aufgeklappten Koffers befand sich ein Bild von Sadanandas Guru. Zuweilen fand er den einen oder anderen Jünger." "Können Sie es?" "Ich bemühe mich. Liebe zu Gott erlernen zu wollen?" fragte ich. wissenschaftlichen Arbeit. nicht Kommunist. auch wenn er es vergessen hat. der zeitweilig eine dieser seltsamen Hüllen trägt. was schwarze Magie ist. wie die anderen. Beim morgendlichen und abendlichen Namensaufruf stand er weit abseits von den geordneten Reihen der Mitgefangenen. der mit seinem Apparat hin. auch nicht Mann oder Frau. die sich in wirren Trümmern in seinem Kopfe aufgespeichert hatte und sein streitsüchtiges Gemüt war der harten. seine Ordensregel verbiete ihm. nicht Jude. so. Er setzte seinen Standpunkt durch. Äusserlich hielt er die Ordensregeln überaus streng ein. Aber die Halbbildung. Glas klirrte splitternd nieder. am Strande ostpreussischer Seebäder die mehr oder weniger bekleideten männlichen und weiblichen Badegäste abknipste. nicht Brahmane. Er war fett und hatte einen von Natur aus vollkommen kahlen. spiegelnden Schädel und führte dazu unglücklicherweise den Namen Kraushaar. an den Diensten für die Lagergemeinschaft teilzunehmen. jedes Wesen in der Welt. In Kraushaars Schädel sah es ein wenig wunderlich aus. "Es ist doch ein Unrecht. welche die Lehre des Buddha erfordert. dem Atman. Schriften. Aber Sie dürfen nicht die Kleider. ich meine die Leiber und die Geilheit und die Begierden der Menschen mit dem wahren Menschen. seinen Verkündigungen lauschte und ihn nachher im Stiche liess und verhöhnte. Wieder prallte der Fussball an unsere Luke. Vergebens suchte ich meinen Ärger. Wollen wir Kraushaar einladen. Er behauptete. nicht Engländer. "Der Mensch. Er weigerte sich. Mit würdevollen langsamen Schritten. Während der Ausübung dieses Berufs hatte ihn eine Sehnsucht nach Seelenfrieden und Weisheit überkommen und er war dort ein buddhistischer Mönch geworden. Holz zu sägen oder andere Handreichungen zu tun. sagte ich bedenklich. ein ewiger Diener Krischnas zu sein. Trotzig stellte er sein Bettgestell im Freien auf. sagte Sadananda. am Rand des Fussballplatzes." Ein Internierter in dem neuen Lager war damals obdachlos. ohne Gottesliebe". er hat hartnäckig überall ausgesprengt. bevor man wagt. von denen einzelne hervorragende Gelehrte waren und einen ganz ausgezeichneten Charakter besassen. dass man sein Mönchsgewand . "Er ist ein alter Mann". tiefen Gedankenarbeit. dass ich schwarze Magie betreibe." "Ach. Und noch weniger diejenigen. "Sie können gar nicht wahre Liebe zu Menschen haben.. Ich weiss.umfassenden. Im Finstern konnte der Freund jedes Blatt Papier sofort finden. verwechseln. Die Liebe strömt über. Das ewige Wesensgesetz jedes Atman ist es. auf diesen Atman zu sehen. Heulen und Pfeifen stieg von neuem draussen auf. Nach dem Umzug des ganzen Lagers an einen neuen Ort weigerten sich alle Baracken. in unserem Winkel wäre gerade noch Platz. war die rasche Antwort. lachte Sada-nanda. wo seine aufgespannten gelben T ücher vielen zum Ärgernis wurden. Die Wurzel des Baumes ist Gott. die ihm zuhören". Doch hatte ich das Unglück. Dann war er ein wandernder Photograph geworden. f Laien eine Arbeit zu ür verrichten. wandelte seine in gelbes Tuch gehüllte. Dicht neben ihm stand ein anderer grösserer Blechkoffer.und herziehend. in musterhafter Ordnung aneinandergereiht. niederzudrängen. "Es wird Verdruss geben.. ja fast Menschenhass. dass man Liebe zu den Menschen lernt. an einen Einzelgänger zu geraten. der einige Tage neben ihm wandelte. nicht Preisringer . Kraushaar bei sich aufzunehmen. "Der Winter ist rauh hier. Der Atman ist nicht Nazi. Heften. an bestimmten Tagen Kartoffeln zu schälen. nur unzureichend gewachsen. Er war einer der wenigen europäischen Buddhisten in dem Lager. bei uns zu wohnen?" "Er ist zänkisch". Kraushaar hat doch keine blasse Ahnung. dann werden auch alle Blätter und Blüten des Baumes erfrischt. Wenn Sie die Wurzel bewässern. angefüllt mit Büchern. Er galt als unverträglich und als Verbreiter verhetzender Gerüchte. stets vorschriftsmässig zu Boden blickend. feiste Gestalt längs des Stacheldrahtes gemessen auf und ab. In seiner Jugend hatte er als Lehrling in einem Laden in einer kleinen Stadt in Ostpreussen 52 gearbeitet und dort Heringe und Käse verkauft. "Ist es nicht wichtiger.

"Ich sehe. nachts im Schlafe oftmals durchdringend zu wimmern und zu heulen 'Huhuhu. Sie entehren das ehrwürdige Mönchsgewand des Buddha. was rings um ihn geschah. als es einmal zu arg wurde und drehte das Licht an.. das Sie tragen . 'Er schmähte mich. "Sie schreien nicht. allezeit bitterstes Unrecht zu leiden. dass andere Sie bedrohen." Ich weiss nicht. Deshalb werden Sie von Angstträumen geplagt. Denn Feindschaft kommt durch Feindschaft auf Erden nie zur Ruhe. Aber trotz seines tiefen Versunkenseins in die Kontemplation wusste er merkwürdigerweise doch immer ganz genau. "Schreien Sie nicht so". "Ich strahle Mitleid und Liebe zu allen Wesen aus". der so verkrampft in seinem Egoismus ist wie sie. weil ihm seine Religion verbiete. wie er es in seiner Achtung vor dessen Kleid sonst immer tat. damit unser Stubengenosse nicht in seinem Schlafe gestört würde. ob etwas Sie stören könnte." Hinter seinem aufgespannten Moskitonetz und darübergelegten gelben Tüchern verborgen. ein . aufzuwecken. Er brauchte eine Weile. Überall verbreitete er. wies er ihn zurecht. dass er ausgezogen sei. In seiner Ansprache nannte er seinen Bettnachbarn nicht mehr 'Ehrwürdiger' und mit seinem buddhistischen Mönchsnamen.Sie alter Heuchler!" Mit verkniffenem feistem Gesicht. damit Sie sich nachher darüber beschweren können. wie man's machen soll und wie man's nicht machen soll. sondern weil Sie selber voller finsterer heimtückischer Gedanken sind.'. der wird von Feindschaft niemals frei. denn mit seiner Bemerkung meinte er mich. sagte er mir wiederholt. und die dunklen Künste. vor der vorgeschriebenen Zeit das Licht in unserem Winkel auszulöschen. sass Kraushaar jeden Tag viele Stunden mit gekreuzten Beinen auf seinem Bett zwischen Sadananda und mir und meditierte. der gewöhnt ist. er überwand mich mit Gewalt'. wie einer. Sie strahlen Mitleid und Liebe aus und statt dessen brüten Sie Hass. war höchst achtsam auf seine Besitzrechte. hörte sich Kraushaar diese Rede an. um ihn nicht zu stören. Er. Wer dem Gedanken nicht Raum gibt. der wird gewiss von Feindschaft frei. weil das seine Ordensregel verbot. Sie sagen." Er warf mir einen scharfen Blick zu. er schlug auf mich. um sich zurechtzufinden. ob er mir vielleicht einen Spiegel vorhalten wollte. Er f ührte einen Totenschädel immer und überall mit sich und meditierte vor diesem Totenschädel über die Vergänglichkeit alles Irdischen. Wer solcherlei Gedanken hegt. Durch Nichtfeindschaft kommt sie zur Ruhe. Sie üben Versenkung und statt dessen sitzen Sie wie eine Spinne in Ihrem Netz und lauern ununterbrochen darauf. "Es sind eben zwei Ohren zu viel in diesem Raum. auf seinen Anteil am Boden der Baracke usw. Nur am Ausfegen dieses Bodens wollte er sich nicht gerne beteiligen. er schlug auf mich. Nun verlor Sadananda all seine H öflichkeit und wurde ausfällig. Kraushaar hatte die Eigenschaft. machen Sie sich nichts vor". der glaubt. "Kraushaar. "Um seinen Atman. mit einem Juden unter dem gleichen Dache zu wohnen. Auch wenn er jetzt gekränkt davonläuft. erklärte er mir. die ich seiner Meinung nach trieb. Er lieh mir zu meiner Belehrung ein Buch. Wir beide gingen auf den Zehen. aus welchem ich mir einen Spruch des Buddha fürs Leben merken will: "'Er schmähte mich. Auf jeden Fall zog der neue Hausgenosse feierlich bei uns ein und schlug zwischen unseren Betten sein Lager auf. seine Seele. dass ich im Schlafe schreie". dass er der Mittelpunkt der Welt ist und dass sich alles nur um ihn dreht. Das ist ein ewiges Gesetz. er überwand mich mit Gewalt'. "Warum waren Sie so hart zu Kraushaar?" fragte ich. Wir pflegten. weil etwas Böses und Finsteres ausserhalb von Ihnen ist. als ob er ständig von schrecklichen furchterregenden Träumen bedrängt würde. sagte Sadananda 53 barsch. Sie behaupten. sagte er dann gemessen. Er nannte ihn mit seinem alten Namen aus dem Käseladen. "Es ist kein Wunder. Deshalb leben Sie in andauernder Furcht und glauben.verhöhnt. nachdem uns unser Gefährte verlassen hatte. Mit verkniffenem Gesicht zog er am nächsten Tag mit seinem Totenschädel und seinen Schriften der Barmherzigkeit und Liebe in eine andere Behausung hinüber. der doch allem Besitz entsagt hatte. Ich habe noch nie im Leben einen Menschen gesehen.. welche Nebenabsichten mein Freund noch verfolgte. um ihn zu ängstigen. Sie wollen sich an mir reiben". Blinzelnd richtete sich Kraushaar auf.

" Die Botschaft des Heiligen Geistes durch die Welt zu tragen. und dass alles." Im Lager schmähten sie über Sadananda: "Das ist ein Renegat. die vergängliche Wandelwelt behaglich zu machen. dann ward der Verwunschene zu seiner wahren Gestalt erlöst. Und ihn selbst. in der Gottesliebe. den Heiligen Geist zu erkennen. dann blieb der Bittende verwunschen. Der Betroffene glaubte oft. arme Menschen mit menschlichen Schwächen waren. Schlag mir den übergestülpten Tierkopf ab. dann kamen dem Betroffenen manchmal die Tränen. denn er war ihnen an Schlag-fertigkeit weit überlegen. Wie staunte ich.Sie wissen. lässt er untergehen." Und sie schrieben gehässige Berichte und Verleumdungen und schickten sie an eine Untersuchungskommission. Ich freute mich. der sich verniggert hat.und er konnte entsetzlich hart und schneidend sein . dass in die Speisesaalbaracke. den wahren Menschen. jeden Sonntag ein Altar hineingestellt und Gottesdienst gehalten wurde. der Schwachen." Wenn der andere zauderte. der innerste Grund seines Wesens werde entwurzelt.dessen Kleider. KIRCHE HINTER STACHELDRAHT In dem indischen Lager hausten scharenweise die eingesperrten christlichen Missionare. der Kranken. das soll sein. der so schmerzte. dass jedes Wort. kam nicht von dem ungeduldigen Schwert eines Machthabers. sondern das war wie ein reinigender Blitz. denen Christus einst gesagt hatte: "Nehmet hin den Heiligen Geist!" . dass manche der christlichen . das Sadananda sprach. trotz seiner den Spott herausfordernden Mönchstracht. Aber. Doch nur in den M ärchen wagen die in Tiere 54 oder Unholde verzauberten Prinzen voll Mut selber zu bitten: "Entzaubere mich zu meiner wahren Gestalt der Liebe. Wenn Sadananda einem weh tat. Die Internierten achteten ihn. seine Eitelkeit gefüttert hätte. Krankenfürsorge. In fast allen Lagerflügeln hausten sie. das ist gut. die sich bestrebten. die Atmas der Menschen ringsum aufzuwecken. zu ertrinken. Aber er erschreckte sie und sie mieden ihn."Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. die Sadananda verkündete. . der sein Europäertum verraten hat. den Atman. kämpferische Gnade. schlag zu. die ja grossenteils aus Indien stammen. dass es in dem von Streit und Hass erfüllten Lager Menschengruppen gab. aus seinem Atman kam. wenn ich mir diese vielfältigen Bemühungen anschaue. ihren Blick aufs Ewige zu lenken. Sie f ürchteten ihn. als wenn ich seinen Egoismus. was den Menschen noch vom Tier unterscheidet. Das ist ja schliesslich heutzutage beinahe das einzige. Aber das Abendland verwechselt so leicht die Kleider und die wahre Gestalt. dass auch Männer. Recht auf Erziehung für jeden. f hlte ü ich eine Offenbarung. Schutz der Verfolgten. dass ich die sozialen Bestrebungen der westlichen Hemisphäre sehr hoch schätze.Eindruck bleibt fürs nächste Leben. Nun. in den Pfarrern der verschiedenen christlichen Bekenntnisse die Nachfahren jener Glaubensboten zu sehen. Das ist eine viel grössere Hilfe. dass dieser Raum am Ostersonntag schütterte vom Auferstehungsjubel und dass in dem Kirchenchor Katholiken und Protestanten ihre Stimme einten. Ja. Aber während der sechs Jahre meiner Internierung in Indien war es mir manchmal ein grosser Trost. wo der Verzauberte oft selber bittet: "Schlage mir den Kopf ab. bedeutet doch auch. die ein priesterliches Kleid trugen. Schutz der Kinder. Alles Leben und auch alle Not der Kirche spielte sich hinter Stacheldraht ab. Aber dieser Schwerthieb. Und ein anderer springt ihn nach und rettet sorgfältig . Gnade im Angriff. als sei ein Mensch ins Wasser gefallen und in grösster Gefahr." Allmählich erkannte ich. Erlösendes Schwert. die loderte von Heiligem Geist. Doch wenn der Retter zuschlug. wo sich sonst nur hungrig und gierig die Gefangenen zum Essen versammelten. Bei dem engen Zusammenleben in den Baracken trat es unvermeidlich zutage. Es war wie der Schwerthieb am Schlusse vieler unserer M ärchen. dass zum Beispiel jeder katholische Priester im Lager allmorgendlich seine stille Messe hielt. Er nannte es 'aggressive grace'. Recht auf Arbeit für jeden.immer dem Bestreben entsprang. so tief war seine Eitelkeit verwundet. Mein Guru war ein Meister in solchem Verhalten. da kommt es mir doch manchmal so vor. was Sadananda tat. wo immer er auch waltet. Altersfürsorge. das muss sein. Ich mühte mich ehrlich. Schweigend litt Sadananda unter seiner Einsamkeit. ob er nun freundlich war oder höhnte .

der alte Pater Lader. wohlgebügelte Anzüge." Neben Pastor Fuchs sass ein Laie. Er liebte auch die Upanischaden. dass die meisten keine Ahnung davon hatten. die harten Arbeiterhände im Schoss gefaltet. Der alte Lader war jener einzige von den vielen christlichen Missionaren. Als alle die getrennten Gatten und Gattinnen nach mehrjährigem Bitten und Harren endlich in einem neu errichteten Familienlager hinter Stacheldraht vereinigt wurden. die ich im Lager kennenlernte. und Dr. Dort hatte ihn der erste grosse Krieg überrascht und er war sechs Jahre hinter Stacheldraht in einem indischen Barackenlager gewesen. An einige der Teilnehmer an Sadanandas Kursen erinnere ich mich deutlich. einer wahreren Welt. Es ist. Da sass auf einem Hocker. Schultheiss uns verliess. sich mühsam durch ein Seminar hindurchgearbeitet und die Priesterweihe empfangen. Die Welt. ist ja gar nicht die ganze Welt. Sadananda war hart zu ihm. faltiges Gesicht war von einem ungepflegten. der gute Pater Lader!". weht einen an. zu denen sie auch Sadananda zählten. Ernst sagte er mir nach einer der Vortragsstunden Sadanandas: "Dass es so etwas gibt. der schon vor seiner Internierung Sanskrit studiert hatte. jemanden zu bekehren. den er sich mitgebracht hatte. während seines langen Wirkens recht selten gelungen war. Herablassend sprachen die Priester und geistlichen Brüder von den 'armen Heiden'. das hätte ich früher nicht für möglich gehalten. Er brauchte einen ganz harten Schicksalsschlag. Seine geistlichen Amtsgenossen belächelten und verspöttelten ihn ein wenig: "Nun ja. Gleich nach meiner Verhaftung war er zu mir gekommen. obwohl es ihm. Aber eine Reihe von ihnen suchte das Versäumte im Lager nachzuholen. Dann könnte seine Seele wirklich erwachen. "Sie kennen das indische Dorf nicht". wenn Ihr Freund von Krischna spricht. die sich einige Male in der Woche lange Zeit hindurch regelmässig in unserer 'Spülküche' einfand. Er trug gutgeschnittene. fahlen Bart umgeben. während unmittelbar daneben die Zuschauer der Wettspiele lärmten und die grossen Lederbälle dumpf auf die Wand unserer Kammer trommelten. Aber er war sehr begabt und sehnsüchtig in seiner Seele. seine weisse Kutte war zuweilen befleckt und unrichtig zugeknöpft. Sein grobgeschnittenes. Und dann hatte er viele entbehrungsreiche Jahre in der Einsamkeit und Armut und den Anfechtungen eines indischen Dorfes 55 mitten im Dschungel gehaust. die ich in den Internierungslagern in Indien kennenlernte. vor seiner Internierung hatte er in Bergwerken von Südamerika und in Indien gearbeitet und sich bisher nur mit exakter Naturwissenschaft beschäftigt und hatte wohl geglaubt. die er schätzte und von denen er etwas erwartete. Fuchs. "Haben wir die wahre Welt ganz vergessen?" Seine Frau sass tausend Meilen entfernt in dem Frauenlager in Südindien. im zweiten grossen Krieg sass Lader wieder sechs Jahre in einem indischen Interniertenlager hinter Stacheldraht. kam er zu uns in die 'Spülküche'. dass er ein Atheist sei. Nun. schrieb er mehrmals an Sadananda. um sich einige Sanskrittexte auszuleihen. In seiner Jugend war er ein Schmiedegeselle in Württemberg gewesen. Ich verwunderte mich. l chelte meist verbindlich und hatte eine ä leichte Neigung zu Intrigen. wie er gestand. wohin ich auch einmal versetzt worden war. Oft. Neben Lader sass der evangelische Pastor Dr. sandte ihm auch zu Weihnachten einen mit Liebe aus . Nur ein einziger von den vielen christlichen Missionaren. sagte er mir. denn er achtete nicht allzuviel auf seine Kleidung. Sie kennen nur die indische Hochkultur und die Upanischaden". hatte sich vor seiner Verhaftung ernstlich mit der uralten Kultur. wie wenn ein Vorhang weggezogen würde. ein stiller weisshaariger Geologe. auch ausserhalb der Kurse. das zu bekehren sie als Heidenmissionare ausgezogen waren. Dann war er ein dienender Bruder in einem geistlichen Orden geworden und aus Sehnsucht nach Indien in dieses Land gefahren. "Er hat zu viele äussere Erfolge. "Er hat viele Möglichkeiten". wie zu allen Menschen. Religion und hohen Weisheit des Volkes beschäftigt.Glaubensboten im Lager herabsetzende und verächtliche Worte über Sadananda aussprachen." Er sah mich erschreckt an. sagte Sadananda über ihn. Ein Wind aus einer anderen. in der ich bisher gelebt habe. dass es in der Mannigfaltigkeit indischen religiösen Lebens seit undenklicher Zeit auch einen starken Strom von reinem Theismus gibt. "Sie kennen den Aberglauben und den Fanatismus des Dorfes nicht. Es war eine seltsame kleine Versammlung. In der Zeitspanne zwischen den beiden Kriegen hatte er Latein gelernt. Und doch liebte er dieses indische Dorf. der ihn vollkommen niederwirft.

als wir an dem Brunnen nebeneinander unsere Blechteller reinspülten. Aber die Menschen wissen nicht. eiliges Sprechen eilte oftmals seinem Denken beträchtlich voraus. als Sadananda in seinem Kurs Geheimnisse des g öttlichen Innenlebens andeutete. die nackten Füsse in den landesüblichen indischen Sandalen. zu Gott. schweigend bei der Gemeinschaftsarbeit neben ihm zu sitzen. Ihre Novizen verloren im Lager keine Zeit. Dr. war damals noch Novize. Wenn er sprach. und Gott. stammte aus einem bayrischen Dorf. in welcher die Welt gründet. Erst später empfing er im Lager die Priesterweihe." "Mir ging es anfangs genau so". Seine Betonung verriet es. "Das haben wir auch". "Ich will Ihnen eine mittelalterliche Hymne an Krischna diktieren. Man nennt ihn manchmal die geistige Sonne aller Bewusstseins-welt.Holz geschnitzten Teller als Zeichen seiner Dankbarkeit. So wie die physische Sonne die Erde und die Planeten anzieht und um sich kreisen lässt. erklärte er. Die Menschenseele verhält sich zu ihm. sondern auch ein ausgezeichneter Turner und Dauerläufer. Der wahre Krischna ist ein tiefes Mysterium. Sie waren gewöhnt.Und diese ganz neuen. Einer der internierten italienischen Bischöfe durfte aus diesem Anlass für ein paar Stunden aus seinem Drahtgehege in unser Stacheldrahtgehege herüberkommen. Er war sichtlich voll Scham über seine eigenen Worte. tröstete ich ihn. so zieht Krischna mit seiner Liebeskraft und unbeschreiblichen Schönheit die Seelen. Es schien zuweilen. Sie stammt von Jagadananda. Niemand m äkelte über ihn im Lager. Schmal stand Sadananda in seinem von ihm selbst gefärbten orangenen Tuch. Sprechmann war vielseitig und sehr ehrgeizig. zarten Gedanken-gänge. Zehner meinte die Liebe. erläuterte er. diese Beweglichkeit des Denkens. als wollte er die göttlichen Geheimnisse wie mit einer Brechstange angehen. von dem Sie wissen. "O wie leicht ist Latein dagegen. Wie ein umgestürzter Baumstamm lag der lange blonde Bursche während des Weihekultes hingestreckt vor dem Altar in der Speisesaalbaracke. Es gibt nicht nur eine physische. Der Herzensneigung nach war er eigentlich Bildhauer und Musiker. 56 Auch Pater Sprechmann. Der noch junge Pater Zehner fiel nicht auf. Er war nicht nur Theologe. die Atmas aller Wesen an. sie hörten ihre Vorlesungen wie bisher. Sein gejagtes. der sein faltiges braunes Gesicht mit den grossen Augen umgab. Sonnenbichler. das sind nur die äusseren Aspekte von ihm. Unaufgefordert packte er fest zu. dass sie immerdar von Krischna angezogen werden. der aussah wie ein b ärenstarker holzgeschnitzter Erzengel Michael. Eines seiner Ziele war. Eine ganze theologische Fakultät hatten die Jesuiten mit in das Gefangenenlager genommen. die zwischen den göttlichen Personen der Dreieinigkeit webt. stöhnte er einmal aufrichtig. Krischna ist ganz und gar Bewusstseinsfülle. es gibt auch eine geistige Gravitation. der an Sadanandas Kurs teilnahm." Sadananda blätterte in seinen Papieren. Erst mit f ünfundvierzig Jahren wurden sie vollgültige Ordensmitglieder. wenn ein schwerer Trog Kartoffeln zu schleppen war oder Freiwillige für eine beschwerliche Arbeit gesucht wurden. im Lager das sogenannte 'Goldene Sportabzeichen' zu gewinnen. "Und auch die Gottheit. "Das heisst anziehen. murmelte er verstehend. Die drei von ihnen. der Krischna als göttlicher Held und Lehrer in dem Epos Mahabharata und in der Bhagavad-gita ist noch nicht der volle Krischna". "Der Krischna. der die Welt schafft und trägt und behütet und zu dem die Welt am Ende wieder zurückkehrt. es bockt wie ein störrisches Ross. Es war angenehm. sich auf Prüfungen vorzubereiten. wenn sich auch auf der theologischen Fakultät an der Universität zu Freiburg ein Netz von Scholastik über seine l ndliche Derbheit ä gelegt hatte. das Hirn will nicht. sie waren das wissenschaftliche Arbeiten gewöhnt. Unermüdlich schrieben die drei Jesuiten in den Heften auf ihren Knien den Vortrag Sadanandas mit. waren einander so ungleich wie möglich. trotz seiner weissen Kutte und des Priesterbartes. in die man sich erst hineinleben muss. von dem Sie in B üchern lesen können. vor der ausgeborgten Schultafel. einem . . setzte er behutsam Wort an Wort. die sich in dem RadhaKrischna-Kulte abspiegeln. so wie Sonnenbichler. der dritte Jesuit. so wie der Sonnenstrahl zur Sonne. "Das Wort Krischna kommt von der Sanskritwurzel 'Krish'". Einige Tage ging er wie verklärt einher. und er übte täglich am Barren und am Reck. die an Sadanandas Kurs teilnahmen." Mit seiner zarten und geisterfüllten Schrift schrieb Sadananda auf die Tafel in Devanagari-Zeichen die Silbe 'Krish'. "O wie sakrisch schwer ist dieses verflixte Sanskrit".

"Ich werde Ihnen die Erklärung nach der Anschauung der Bhaktas in der Nachfolge Krischna-Chaitanyas geben: Die unendliche Macht Gottes tritt in zwei Aspekten auf. Fuchs mit nun volltönender Stimme fort." "Aber was ist die Maya?" fragte Sprechmann wissbegierig." "Ich verstehe nicht: 'Die nach Gottes Willen von ihm fortstossende und verhüllende Kraft. Denken Sie an Zentripetal. eine Stätte haben. was die Maya ist?" "Gern". "Das Wort Maya kommt von der Sanskritwurzel 'ma'". ist nicht jeder Wassertropfen ein Zeugnis für die Majestät Gottes!" fuhr Dr. Hat er das erfahren. die nicht dienen und lieben. und wenn wir uns Gott wieder zuwenden. Wie der Geist verstört ist.. damit auch jene Seelen. Maya. eine Erziehungsanstalt". Ein Lohnsklave der Maya wird er und irrt endlos einher. versetzte der Freund ruhig. manchmal Herr. die Millionen und Billionen Lichtjahre von uns entfernt sind. sagte Sadananda. ist nach Gottes Ratschluss die Herrin des messbaren Weltalls.. erklärte er gelassen. Solange wir die Dinge in der Welt zum Objekt unseres Genusses erniedrigen. ergreift und umarmt ihn. Die von Ewigkeit her Krischna schauen. unserer Logik ist das eigentliche Dasein Gottes völlig unzugänglich. "'ma' heisst messen. wenn der Mensch in den Krallen der Maya ist. "Ist nicht unser Weltall mit seinen zahllosen Milchstrassen. sind wir der Kraft der Maya unterworfen. und zieht uns wieder zu sich. Aber mit unseren Sinnen und unserem messenden Verstand k önnen wir solches Geschehen nicht begreifen. anziehend und abstossend.und 57 Zentrifugalkraft. "Das Weltall der Maya ist ein Gnadenakt Gottes. Wollen Sie uns nicht erklären.'". gleichsam zu Gottes Füssen hintragend und von Gottes Füssen forttreibend.. In Gemeinschaft mit Gottgeweihten erfährt er die Wahrheit über sein eigenes Wesen. doch ein mir wohlbekanntes heimliches Feuer sprach aus ihm. manchmal Knecht . Sprechmann. die lieben und ehren ihn. je mehr wir mit den Errungenschaften unserer modernen Naturwissenschaften in diese Geheimnisse des Alls eindringen. Solange wir die Dinge rings um uns eigensüchtig messen und bewerten. Die Maya lässt er hinter sich und begehrt nach dem Dienste Krischnas Und liebend. können wir weder die Welt noch Gott begreifen." "Der Mutterkirche". liebend erlangt er Krischnas Lotosfüsse . wenn der Dämon Besitz ergreift. jetzt wieder. "Mein Standpunkt ist." "Also das Weltall ein Konzentrationslager Gottes?" warf der Theologe bestürzt ein. die in der Nähe ist. Das interessiert mich besonders. Die nach Gottes Willen von ihm fortstossende und ihn verhüllende Kraft ist die Maya. da wird Gott angerührt in seinem Herzen.. Sadananda schrieb auf die Tafel die Silbe 'ma'. manchmal Dämon. ich bin doch Dein Diener. Herr Doktor. Als ich Deine Füsse liess. "Man hört so oft das Wort Maya. sondern die selbstsüchtig geniessen und abmessen wollen. Unserem Hirn.' Wenn er auch nur einmal flehentlich ruft: 'Krischna!' Dann schenkt Krischna ihm Gnade und löst ihn los von der Wandelwelt. Wo von Krischna abgewandt das Gesicht." Sprechmann hob den Zeigefinger: "Leugnen Sie etwa einen logischen Gottesbeweis? Da m üsste ich Einspruch erheben. sagte Pater Lader. so mag er die Wandelwelt nicht mehr. dass am Grund jedes eigensüchtigen Genusses Leid und Bitterkeit liegt. desto näher . das hat er vergessen. Manchmal Halbgott. 'Ich bin ein Diener Krischnas'. Weinend ruft er: 'O Krischna.. dort entsteht Wille zur Lust.. "Wenn wir merken. murmelte Dr. Krischna ist die Sonne aller geistigen Bewusstseinswelt. da erntete ich Vernichtung von allem. Die Maya." Pastor Fuchs räusperte sich: "Ausnahmsweise bin ich diesmal im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche. Ein solches Fühlen entsteht. die uns Gott verhüllt. "Nein." "Ist das Weltall nicht Gottes?" fragte ich. schmachten nach uneigennütziger Hingabe.vertrauten Freund und Schüler Chaitanyas: "Ein Stäubchen geistigen Bewusstseins ist der Mensch.

die Melodie war mir bekannt. als das ganze Lager wieder einmal übersiedelte. Wir waren bereits mehrere Tage und Nächte gefahren und sollten noch lange reisen. "Ich glaube. Niemand kann zu Gott gelangen. Massen von Internierten mit Sack und Pack. in langen Eisenbahn-zügen." Eilig glitten die Füllfedern der Jesuiten über das Papier. sondern auch von einer zu Gottes Füssen hintragenden Kraft?" sagte Pater Zehner leise. Der Klang. Und ich bin überzeugt. von Baracken hinter Stacheldraht in Südindien zu neuerrichteten Baracken hinter Stacheldraht in Nordindien am Fusse des Himalaja. ohne Radhas gnädigen Blick. sagte Sadananda. "Nannten Sie diese Kraft nicht früher einmal Radha?" Das blasse Gesicht Sadanandas erhellte sich." "Aber Gott lebt nicht nur in seinem majestätischen Aspekt"." Sadananda schrieb auf die Tafel die Silbe 'radh'. Das haben auch einige europäische Mystiker gewusst. Und doch ist sie eins mit ihm. der mir bereits einmal entgegengetönt hatte. sagte er. Radha trägt die Seele zu Gottes Füssen hin. Liebendes Verehren ist nicht messbar. die geladenen Gewehre zwischen . nun den Namen Krischna auszusprechen. der g öttliche Name Krischna hat eine solche Kraft. Es wurde stille in der Kammer. "Das Wort Radha kommt von 'radh'". Sadananda beugte sich über den geöffneten Bücherkoffer und legte sorgfältig die benützten Papiere hinein. sagte er dann z ögernd. als ich bald nach meiner Ankunft in Indien eines Abends neben Schri die zerbröckelten Stufen durch den blühenden Wald im Himalaja emporgeschritten war und auf der Terrasse des Pilgerhauses die Mönche gesungen hatten. Denn Radha ist die Urgestalt aller Gottesliebe. sagte Sadananda und klappte sein Heft zu. "Gott ist nicht nur um der Welt willen da. Woher kannte ich sie nur? Wie eine Stimmgabel. so wie das Licht des Feuers mit dem Feuer eins ist." "Sie sprachen vorhin nicht nur von einer von Gottes Füssen wegtreibenden Kraft.. Die Nacht war hereingebrochen. Still blickte er auf das Bild seines Guru. Sadananda lehnte sich zum offenen Fenster hinaus und. Es geschah damals. damit er später einmal Gegenschriften. ich hatte ihn überall vergebens gesucht und nun in einem durch Indien rollenden Gefangenenzug hatte ich ihn gefunden. Bücher gegen den indischen Theismus verfassen kann. für heute haben Sie reichlich genug". Man nennt es in der christlichen Theologie den heiligen Geist. Aber ein Aspekt in ihr ist gnadenvoll der Welt zugekehrt." DER NAME GOTTES Von den Lippen Sadanandas ist mir eines Tages unversehens der Mantra des Namens Gottes entgegengeklungen. ohne dass sie die liebende Seele trägt. Gott hat auch sein Eigenleben. "Ja. "Wahrscheinlich gebe ich jetzt nur dem einen oder anderen meiner Zuhörer 58 das Material in die Hand. scheinbar unser in dem alten Wagen dritter Klasse 'Für indische Soldaten' nicht achtend. die berührt und zum Ton erweckt wird durch einen verwandten Klang. 'liebend verehren'. Sadananda sprach weiter: "Im verborgenen Reiche Gottes dient Radha immerdar Krischna in unsäglicher liebender Hingabe. Es war der gleiche wundersame Klang. schwang mein Herz sehnsüchtig mit. Die gutmütigen indischen Soldaten. lehnten müde vornüber.dringen wir zu Gott. Ich war diesem Klange nachgewandert. den Namen Krischna zu hören. so wie der Duft der Rose mit der Rose eins ist. Und das unermessliche Reich Gottes ist aus Liebe gewoben. dass er ihnen im nächsten Erdenleben helfen wird. hat sie kein Ende und keinen Grund.. Sie ist ja die Freudenkraft Gottes selbst. sang er einen Mantra in den Wind. " Pater Zehner nickte freudig. sorgfältig bewacht. das ich hinter dem Klange ahnte. die uns bewachten. Im Verhältnis zum Reiche Gottes ist das Weltall unserer Zeit und unseres Raums nur wie das Brackwasser am Rande des Meeres im Verhältnis zum unendlichen Meere selbst. Die Teilnehmer des Kurses verliessen uns. Nie verlässt Radha Gottes innerstes Reich. mehr als tausend englische Meilen weit. "Ich weiss natürlich. dass es diesmal vergebens ist". Die Worte waren mir bekannt. "Aber ich nötige sie doch. als die Sonne eben hinter der wie Gold glänzenden indischen Ebene unterging. dem inneren Reiche Gottes näher zu kommen. Denn auch wenn sich Liebe in alle Ewigkeit steigert." Seine Stimme wurde lebhafter. hatten mich unwiderstehlich angezogen wie bisher nichts in meinem Leben. "Die Sanskritwurzel 'radh' heisst. das Geheimnis.

Vamandas? Unser Sprache ist sehr tiefsinnig in diesem Wort. beleibt. Bevor man das Reich Gottes schaut. was in diesem Namen wohnt. Deshalb hat der Name Gottes leicht die Kraft. Die Kameraden spielten Karten. Oder eigentlich müsste man sagen: Die Namen Gottes. sann ich. stark geschminkt. wird nicht aufgefasst durch irdische Sinne. was der Freund mir vorhin anvertraut hatte. ja wahnwitzig dünkte mich alles zu sein. hat hunderte Male vor seinen Schülern einen alten Vers aus dem Naradiya-Purana wiederholt: 'Ausser dem Namen Gottes. kaum eine Armlänge entfernt. so sei das schon der Name Gottes. steil aufgerichtet. Durch das hingebungsvolle Lauschen. Schöpfbrunnen. "Was haben sie vorhin gesungen?" fragte ich. dessen Atman vollkommen erwacht ist. Abgesondertsein von Gott ist die einzige Sünde. dessen verblühte Gattin im Abendkleid. ist nur gleichsam das Gefäss f den geistigen Klang oder der Schatten ür des geistigen Klanges. auf schwankende Palmwipfel. Denn Gott in seiner Barmherzigkeit hat uns viele seiner Namen offenbart. die der Seele zuteil wird. mehr äussere und mehr innere. was Sünde ist. Was da vor sich geht. Das Wort Sünde kommt von sondern. die Gewehre zwischen den Knien. der auf einem Nachbargeleis langsam der grossen Stadt zufuhr. die es gibt. Draussen vor den Fenstern des Zuges wurde es immer dunkler. Und in dem Fauteuil ihm gegenüber.. ein hoher englischer Beamter im Frack. die Wohnstätten von Schreibern. die grosse Stadt war schon wieder fern. Aber wir Bhaktas sind überzeugt. dann beginnt der Name sich von selbst auf seiner Zunge zu offenbaren. verlebt und doch kraftvoll aussehend wie ein altrömischer Prokurator. ausser dem Namen Gottes. voll Sehnsucht zu dienen. Störche. Denken Sie an den Logos.den Knien. So absonderlich und fremd. sondern sogar die Knoten des Herzens zu lösen und Gottesliebe im Herzen zu erwecken. und durch das Selbersingen wird das Herz wieder zu seiner wahren Natur. wohl der Gouverneur einer Provinz. weil der Name Gottes von Gott nicht verschieden ist'. Kraniche.. das alles genügt nicht. wahrlich ausser dem Namen Gottes gibt es nirgendwo. gibt es wahrlich nirgendwo eine 59 Zuflucht in unserer finsteren Zeit!'" "Sie dürfen natürlich nicht glauben". und schlief ruhig. den Namen Gottes singt.?" "Es gibt viele Wege. sein Antlitz Krischna zuwendet. alle die anderen Wege zu Gott. endlose kasernenartige H äuserreihen." Eintönig rollten die Räder auf den Schienen. von denen Schri sprach und die Bhagavadgita spricht und die Evangelien . "wenn irgendein Mensch sagt: 'Krischna'. das Wort Gottes. Nur die Wachen sassen aufrecht.. h man es mit dem inneren ört Ohr. Krischna-Chaitanya. Auf den mehrfach übereinandergeschichteten Holzpritschen über uns schliefen die Kameraden. nicht nur alle Sünden abzuwaschen. in denen alle seine göttliche Macht mitenthalten ist. Ich sah in das unbekannte Land hinaus. In einem hellerleuchteten Salonwagen. das Herz wieder auf Gott hinzulenken.." Die Lichter von Delhi näherten sich. v öllig frei von Materie.. "Die erste Offenbarung der g öttlichen Welt. aus welchem alles geworden ist. ewig. lauter. Wissen Sie. Grosse wilde Pfauen tanzten im Mondlicht. von Kulis.' Doch sogar der Schatten des Gottesnamens vermag schon viel. Und doch schien die monderleuchtete indische Nacht nur . Wenn ein Mensch. zurückgeführt. Auch die Worte der Sanskritsprache sind irdischer Natur. fuhr Sadananda fort. so hat das die Kraft. ist Klang. eine schlafende Seele aufzuwecken. wenn ein anderer den Namen singt. sagte er. Er hilft. als ob er meine Seele forschend betrachtete. die Liebe ist. sassen bloss zwei Personen. Das Fenster war geöffnet. der verborgene goldene Avatar des Kaliyugas.. Yoga . Aber die Worte aller Sprachen auf der Erde sind irdischer Natur. Eine helle Mondnacht. Das Padmapurana sagt: 'Der Name Gottes ist rein geistige Substanz. Sadananda lag auf der Bank neben mir. das Kaliyuga. nennt man Initiation. Der Erwecker der Seele ist der Guru. es war. Aber wenn jemand. den Sie mit dem körperlichen Ohr auffassen. gibt es nirgendwo. Die beiden in ihrer beklemmenden Einsamkeit waren anscheinend die einzigen Menschen in dem prunkvollen Wagen. Der Freund gab mir seine Unterweisung. Ein prüfender Blick Sadanandas glitt über mich. Es heisst: 'der Name Krischnas und alles. Der Name Gottes . Das wäscht die Sünden ab. Mit einer einzigen Ausnahme: Der Name Gottes ist nicht von dieser Welt. "Das war der Mantra des Namens Gottes". Der irdische Klang des Namens. Unser Zug fuhr weiter. ist zu verworren und zu finster. "Und Meditation. von Fegern der vielen Ämter und Kanzleien der indischen Hauptstadt. unser eigenes Zeitalter des Kampfes aller gegen alle.

Hatte das Urchristentum noch eine Ahnung von der Majestät der Gottesnamen besessen? Hatten seither die Priester. und ich hörte seine Rede: "Vater unser. was ihnen in die Hände kam. der Liebe erweckt . Zuletzt wurde mein ganzes Wesen durchströmt von der uralten Taufformel: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Mit silberner Schrift war sie auf Purpur-pergament geschrieben. in ihnen sei und ich in ihnen'. als sie Jesus in ihrer Mitte fragten: "Wie sollen wir beten?". von Engeln nach Indien getragen worden war. damit die Liebe. bis die Schar der . Ich berührte ihn mit der Hand." Der Zug fuhr dröhnend über eine eiserne Brücke. "Der Ganges". bei Rishikesh. das weiss ich. Die Verkündigung aus dem Abendland gesellte sich zum nicht endenden jubelnden Chor der indischen heiligen Schriften. Der Logos. Sie werden den Guru finden und er wird Sie annehmen. aber die Namen Gottes und Christi überleuchteten alle andere Schrift in spiegelndem Gold. t nte durch die ö indische Nacht. als ob er prüfend meine Seele betrachtete.ein ganz d ünner wehender Schleier zu sein. die heiligsten Worte Christi im Kreis seiner Jünger kamen mir entgegen aus der blauschimmernden indischen Nacht. Die Nacht blühte und duftete. "Eine der uralten sieben heiligen Städte Indiens". die J ünger auf dem Berge. sagte Sadananda. bricht er durch das Gebirge des Himalaja hindurch". 'Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn ferner offenbaren. Hari-dvara. der ein Gottgeweihter war. bat ich. "Nicht weit von hier. Was heisst Hardwar?" "O ja. leere Zigarrenkistchen und blecherne Zigarettenschachteln und ausgekratzte Konservenbüchsen an die Köpfe. da ein griechischorthodoxer Pope in der Bücherei des Bergklosters von Patmos vor meiner Frau und mir die steifen riesigen Blätter einer Evangelien-handschrift aus frühchristlicher Zeit ausgebreitet hatte. Tor Haris. Diese Christusworte an Gott. das bedeutet. Die Scharen der Affen hatten sich wie auf einen Befehl von den Kuppeln und Dächern und Brüstungen herabgeschwungen und liefen neben dem langen Zug.. S wehte der üss 60 Duft der vollaufgeblühten Mangobäume herein zu den Schläfern in den nordwärts rollenden Zug. da bin ich mitten unter ihnen. jeder Erdenhorizont hinter den Wogen versank. Auf den Dächern spielten friedlich Rudel von Affen. In der Tiefe glänzte das Wasser eines Flusses grausilbern im ersten Morgenlicht. Erfreut über die unerwartete Unterhaltung lehnten sich die Internierten in allen Waggons aus den Fenstern hinaus. den innersten Gehalt dieser Worte vergessen? Musste man erst nach Indien gehen. "Meine Aufgabe ist diesmal nur." Ich sah sie vor mir stehen. schrien Spottworte zu den Affen hinab und warfen diesen alles." Dicht unter dem Bahndamm lagen die Kuppeln und weissen flachen Dächer von Tempeln und Lehrhäusern. sagte er dann... Unser Zug fuhr in eine Station ein und hielt. als ob ich hinausgetragen würde wie in einem Boot auf ein unübersehbares Meer der göttlichen Liebe. die letzten. um das Geheimnis wiederzufinden? So wie auch der heilige Gral. "Ich bin kein Guru". Wieder glitt der Blick des Freundes über mich. Der Morgen graute. "Nun. Der Name Gottes. wo bald jede Küste." Ich gedachte eines längst vergangenen Tages auf einer Insel im Ägäischen Meer. der wieder zu fahren begann und langsam die steile Spur durch den Wald emporkeuchte. der Sage zufolge. Niemand tat ihnen etwas zu leide. Mir war es. Sie haben ja Sanskrit gelernt. erläuterte der Freund. Aber ich hoffe. durch den das Geheimnis an mein Herz heranwogte. Wieder war ich vor dem Haus Schiwas angelangt. Es war kein Widerspruch zwischen der göttlichen Offenbarung des Ostens und des Westens. Menschen zu den Füssen meines Guru zu führen. welche die Verkündigung von der Liebesmacht des Gottesnamens an den Altären sprachen." Immer mehr Christusworte berührten mich in dieser Nacht. das Wort Gottes. geheiliget werde dein Name . mit der du mich geliebt hast. Sie galten ja als die Helfer und Gefolgsleute des Affenkönigs Hanuman. Erschütternd wie noch nie trafen mich weitere Worte des göttlichen Heilands: "Wenn zwei oder mehr beisammen sind in meinem Namen. Die Wogen der göttlichen Liebe hoben sich immer höher auf. der du bist im Himmel.. Tor Gottes. der ich doch gar nicht besonders bibelkundig bin. "Geben Sie mir die Initiation in den Gottesnamen". 'Hardwar' las ich. Sadananda sass halb aufgerichtet auf seiner Bank und spähte durchs offene Fenster.

"dass die kommende universale Kirche im Singen des Namens Gottes ihr Leben haben wird. das ich schon im Hause Schris kennengelernt hatte. seine unausschöpfbare Unterweisung. sagte der Freund lebhaft. und dass es in Zukunft kein einziges Dorf auf der Erde geben wird. ein einziges Buch mitnehmen zu dürfen. Es war eine Freundlichkeit des Lagerkommandanten. Und dann sassen wir sehr zufrieden an dem Arbeitstisch inmitten des kahlen Raums einander gegenüber. die er von seinem Guru empfangen hatte.Auf der Höhenlage. f eine kurze Zeit allein in ür einem Werkzeugschuppen im Norden. "Ich habe die ganze Nacht über den Namen Gottes nachgedacht". dann würde ich von allen Büchern in der Welt gewiss das Bhagavata wählen". Ich hielt das schwankende Gerüst. Ich aber hatte das Glück. "Wenn man mich auf einer wüsten Insel aussetzen und man mir erlauben würde. Wollen . den Sie zu wandern beginnen. die neue Bude einzurichten. Wie eine auf beiden Seiten angezündete Fackel verbrannte er sich in seiner Arbeit und um mir ein wenig von den Schätzen der göttlichen Liebe zu schenken. aber aller Glanz der indischen Landschaft schien wieder erloschen zu sein. eine Schlafdecke. wen einmal die Anziehungskraft Gottes ergriffen hat. Ich habe es begonnen. der auf unseren Tisch gestellt worden war. nahe dem Stacheldraht hausen zu dürfen. waren die gleichen geblieben. Wie oft hat mein Guru darüber geklagt. Aber meine Kraft reicht nicht aus. sagte ich. damit der Wind vom Gebirge im Winter nicht völlig freien Zutritt habe. und er nagelte alte Bettücher. die sich innerhalb des Stacheldrahtes zusammendrängten. dass es nicht zusammenbräche. In dem neuen Lager verloren Sadananda und ich unsere Plätze nebeneinander. Aber das innere Licht. den lässt sie nicht mehr los. über die breiten Öffnungen in der Nordmauer. um die ich viel beneidet wurde. Gleich neben dem Schuppen befand sich die Kantine des Lagerflügels. fängt das Bhagavata an. Ich konnte arbeiten. Zwar hatten die grossen Fensteröffnungen dicht unter dem Dach kein Glas. Aber es war doch 61 eine beseligende Zeit. wobei es nicht ohne Lärm abging. die ich gefaltet und zusammengenäht hatte. Sadananda nickte fröhlich: "Ich weiss. dass er keinen Menschen auf der Erde gefunden hat. Zwischen Dach und Mauer flogen die Vögel ungehindert aus und ein. Für uns waren sie noch brauchbar. Seit Jahren arbeite ich daran.Affen den Wettlauf mit den Menschen aufgab und wieder umkehrte. . Nun sah der Schreibtisch ganz stattlich aus." DIE MENSCHENZIELE Grün und regenfeucht ragten Berge hinter den Palisaden auf. Mit grossem Eifer half mir der Freund. Sadananda gab mir. obwohl er schon damals ständig von schweren Körperschmerzen gequält wurde. Gemeinsam mit Sadananda begann ich in dem Schuppen nochmals die zwölf Teile des grossen Werks Bhagavata zu lesen. wo die Unterweisung der Gita aufhört. Vamandas. die zu wackelig waren. Von den vielen Füssen niedergetreten war bald der Grasboden in dem engen Geviert. der bereit war. "Nicht die Bhagavad-gita?" "Die Bhagavad-gita ist bei all ihrer Herrlichkeit doch nur ein Kurs für Anfänger. . dass ich diese abgesonderte Schlafstelle bekam. seine ganze Kraft und Hingabe der Erforschung und Übersetzung und Erklärung des Bhagavata zu widmen. das war nicht erloschen. unser Gepäck schleppend. Irgendwo auf einem Unrathaufen fanden wir eine be-schädigte Tischplatte und anderswo zwei eiserne Tischständer.Es ist ein weiter Weg. niemals ermüdend. das aus dem Gottesnamen kam. wo man nicht als Kult den Namen Gottes singen wird. wie sie die indischen Wachtposten verwendeten. "Es gibt eine alte Prophezeiung". Die Menschen. glanzlos die Erde. Aber lassen Sie es sich nicht verdriessen. Sadananda." Der Zug keuchte durch den einsamen Wald empor. stand oben auf einem hohen Schemel. wo bis tief in die Nacht selbst-gebrautes Bier und selbstgebrannte Schnäpse ausgeschenkt wurden. Sie hatten alle ihre Begierden und ihre Trauer und all ihr Schicksal mit sich genommen. als wir. durch die doppelten Stacheldrahttore des neuen Lagers geschritten waren. der sehr geschickte Hände hatte. Die Türe war zerbrochen. um in der Speisesaalbaracke noch verwendet zu werden. Sadananda war ein Platz in einer Baracke im Süden bei den buddhistischen Mönchen angewiesen worden. Wir breiteten ein blaues Leinentuch darüber. sagte der Freund. den Sadananda auf der Fahrt gesungen hatte.

eine Freistätte. Freude und Lust. die unserer eigenen Welt beklemmend benachbart ist und ihren grossen Schatten über unsere Erde wirft. des dunklen Zeitalters der Zwietracht. der das lebende Recht überall auf Erden wiederherstellen wollte. der mit Fusstritten die Erde peinigte und das Recht verstümmelte. um dem finsteren Zeitalter zum Trotz nochmals auf Erden das gebeugte Recht wiederherzustellen. mit den Schlägen seines eisernen Zepters drei Füsse des Stieres zu lähmen. Denn das Ringen dieses Königs um Recht und Gerechtigkeit steht dem Verständnis des Abendlandes am nächsten. das auch in den modernen indischen Sprachen. Auch diese Füsse des Rechts waren von Kali schon gelähmt worden. den Dunklen. Parikshit nahm Kali.Sie mir helfen? Versuchen Sie zum Anfang wenigstens die Rahmengeschichte vom König Parikshit aus dem Buche Bhagavata herauszulösen. was da erzählt wurde. Pariksha bedeutet eine Prüfung. häufig vorkommt. Denn das. kam an das Ufer eines Stroms. konnte man ja nicht mit sinnlichen Augen sehen. wie jedem anderen Wesen auf Erden. den der finstere Gewaltherrscher mit seinem eisernen Stabe w ütend schlug. artha." Während mein Tisch mit Sanskritwörter-büchern und anderen Hilfswerken bedeckt war. Er begegnete einem Wesen. Lust allen Menschen auf der Erde zugänglich machen will. werde ich deinen Bogen furchtbar über mir blitzen sehen". Kali warf die angemasste Herrschertracht ab. stöhnte er. er war ein Niedriggesinnter. denen auch heute noch alle die vielen hundert Millionen Menschen in der ganzen Welt keuchend nachjagen. während er sich auf dem Boden wälzte und die Füsse Parikshits umklammerte: "Wohin immer ich flüchte. "O gewähre mir. Seltsame Dinge wurden da berichtet. aber in einer Welt. Und wohin war die Menschheit bei diesem Streben gekommen? . dem sein Wagen-lenker Krischna die göttliche Unterweisung gibt. die wir kennen. Der K önig.Symbol des Rechtes . Es wird erzählt. Weisheitsstrom. in dem wir alle heute leben. mit dem Fusse der Wahrheit. Kali bedeutet. Ein schmerzliches Ringen um Wahrheit ist auch unserem finsteren Zeitalter noch verblieben. Der zweite und dritte Fuss des Stiers. Sie wissen doch. "In . Er aber spannte seinen ganzen mächtigen Willen an. weiterging. Es wird berichtet. ein Examen. begann die Geschichte von König Parikshit vor mir aufzublühen und das ganze Gefangenenlager zu umranken. Er schrie um Gnade. Als König Parikshit aufwuchs. wie die Geschichte vom König Parikshit.Ich schauderte. der die drei Menschenziele dharma. Sie sah aus wie eine Kuh.das war die Kraft des Richters. Und hier musste der Herrscher wohl in meditative Schauung versunken sein. Diesen Fuss hatte der Dunkle schon gelähmt. wahr im Bilde eines düsteren Mannes in Herrschertracht. Mit einem einzigen Fuss versuchte der Stier sich mühsam aufrecht zu erhalten. einer. Das Abiturientenexamen zum Beispiel wird Pariksha genannt. der 62 hiess Sarasvati. um den Menschen dazu zu verhelfen. ein Schudra. Dem Bösen war es bereits gelungen. Wohlstand. O das war eine höchst zeitgemässe Geschichte. die der Weda als die drei Ziele des Erdenlebens hinstellt: Recht für jeden. das den Namen Kali führt. Das begab sich wohl in einer anderen Welt. antwortete der König. Er war ja gar kein wirklicher König. die drei Ziele zu erreichen. das waren die Herzensreinheit und die Barmherzigkeit des Richters. Dieser war der Machthaber des Kaliyuga. der seine Reife-prüfung bestanden hat. war die Finsternis des Kaliyuga bereits über die Welt hereingebrochen. dass Parikshit seinen Bogen spannte und auf den Grausamen eindrang. . diese Erzählung vom König Parikshit. kama. Wieder zog ich das Buch Bhagavata zu mir und begann von neuem zu lesen und zu übersetzen." "Sogar du sollst nicht vergebens um Schutz zu mir gefleht haben". deren Augen tränenüberströmt waren und die zu Parikshit um Hilfe flehte. In seinem goldenen Streitwagen fuhr er unermüdlich durch die Lande. dem Geprüften. Der erste Fuss des weissen Stieres .Das sind ja noch immer die Ziele. in der Meditation klar zu schauen. Ich legte das Buch beiseite. dass Parikshit am Ufer des Stroms einer geheimnisvollen Gestalt begegnete. Ich musste doch sehen. Pariksha ist ein Wort. so dachte ich. Und das Recht erschien in Gestalt eines weissen Stiers. und ich langsam und mühsam arbeitete. Parikshit heisst 'Der Geprüfte'. Recht. den Tochtersprachen des Sanskrit. er war feig und ängstlich. der Dunkle. Die Erde glich in dieser Schauung gar nicht der Erde. Parikshit ist der Enkel des Helden Arjuna aus der Bhagavad-gita. Wohlstand für jeden und für jeden auch Erfüllung seiner Wünsche.

Spielhäusern, in Hurenhäusern, in Schlacht-häusern, in Branntweinschenken und in den Höhlen aller gierigen Herzen, die verknotet sind in der Gier nach Gold, magst du sicher wohnen. Das sollen deine fünf Freistätten sein." Parikshit war überzeugt, nun habe er den Dunklen in Abgründe verbannt, aus denen sich dieser nicht hervorwagen w ürde. Aber er täuschte sich. Kali warf seinen Schatten nicht nur über die ganze Erde, sondern auch in des Königs eigenes Herz. Bald nach der vermeintlichen Überwindung des finsteren Zeitalters jagte König Parikshit einmal in einem Wald. Tiere zu hetzen und zu jagen, wäre ein schweres Vergehen f einen Brahmanen gewesen; ür nach dem Recht der Kriegerkaste ist es ein erlaubtes ritterliches Spiel. Von der langen Verfolgung des Wildes war der K önig müde und durstig geworden. Vergebens suchte er eine Quelle in dem ausgedorrten heissen Dickicht. Er fand keinen Tropfen Wasser. Von Durst gequält, kam er zur Laubhütte eines Einsiedlers und trat ein, auf einen Trunk hoffend. Drinnen im Dämmern der Hütte sass ein alter Mann mit gekreuzten Beinen, aufrecht, die Augen halb geschlossen, in tiefster Entrückung, kaum atmend. Parikshit, dessen Zunge vom Durst rissig und ausgetrocknet war, bat: "Gib mir zu trinken." Der Alte antwortete nicht. Er bot dem König nicht eine Gastmatte und nicht einmal einen Platz auf dem Erdboden zum Sitzen an. Er bot ihm kein Wasser an, um seine bestaubten m üden Füsse zu waschen. Er bot ihm nicht zu trinken an. Er verletzte jede Pflicht des von K önig Parikshit auf der Erde wiederhergestellten Gebotes der Gastfreundschaft. Ein finsterer Gedanke durchhuschte wie eine Schlange des Königs Geist. Vielleicht täuscht dieser Alte bloss vor, in Meditation versunken zu sein, weil ich ihm l stig bin, weil er sich h ä öher dünkt als ich und er, der Brahmane, mir, dem Krieger, nicht aufwarten will. Ein ihm bisher nie bekannt gewesener wilder Zorn stieg in ihm auf. Als er sich mit hartem Schritt umwandte, um zu gehen, sah er eine tote Schlange am Boden liegen. Mit der Spitze seines Bogens warf er den Leichnam der Schlange verächtlich dem alten Mann um den Hals. Der Greis rührte sich nicht. Mit schweren Schritten verliess Parikshit die Hütte. 63

Als der junge Sohn des Brahmanen, ein schöner stolzer Knabe, von der Entehrung seines Vaters vernahm, war der Junge empört über die Verletzung des Gebotes der Ehrfurcht vor dem Brahmanen durch den Mann aus der Kriegerkaste. Wild rief er seinen Genossen zu: "O was für ein Unrecht herrscht in diesem finsteren Zeitalter bei den Gebietern der Erde. Wie Krähen sind sie fett geworden. Da der allmächtige Krischna nicht hier ist, um den Gesetzesverletzer zu züchtigen, werde ich ihn strafen. Sehet meine Macht!" In heissem Zürnen sang der Knabe eine Beschwörung und sprach einen Fluch über König Parikshit aus: "Am siebenten Tage von heute an soll der Schlangenfürst auf mein Geheiss jenen töten, der das Gesetz gebrochen und meinen Vater besudelt hat." Dann lief er heim in die Hütte und als er seinen Vater sah, dem noch die tote Schlange um die Brust hing, weinte er laut vor Verzweiflung. Der Weise hörte das Weinen seines Sohnes und sah die tote Schlange, die über seine Schulter hing. Er streifte sanft die Schlange ab und fragte: "Warum weinst du?" Der Knabe erzählte. "Mein Kind, mein Kind, was hast du getan!", klagte der Vater. "Ach, mein Kind, eine grosse S ünde hast du ahnungslos begangen. Eine schwere Strafe hast du wegen eines geringen Fehlers verhängt. Dieser edle K önig war sicherlich von Hunger, Durst, Erschöpfung gequält. Und du hast gewagt, den Herrscher zu richten, der nach Gottes Willen der Hüter der Gerechtigkeit auf Erden ist. O möge der allmächtige und allgegenwärtige Gott dir die Sünde vergeben, die du in deiner Unwissenheit an einem Gottgeweihten begangen hast." Parikshit wanderte unterdessen seinem Königsschlosse zu und bereute bitterlich. "Ach wie unfassbar niedrig habe ich mich diesem Heiligen gegenüber benommen. Furchtbares Übel wird mich deshalb gewiss überfallen. O möge es bald kommen und mit voller Kraft, dass meine Sünde getilgt werde, und dass ich so etwas nicht wieder tue." Während er derart sann, vernahm er von dem Todesfluch, den der Sohn des Brahmanen über ihn ausgesprochen hatte. Ohne einen Augenblick zu zögern, übergab König Parikshit die Herrschaft seinem Sohne. Er entsagte seinen Schätzen und seinem blühenden und geordneten Reich, das von keinem Feind bedroht war. Er verliess seine junge, schöne Frau. Er entsagte dieser Welt und tat ein Gelübde, die letzten sieben Tage seines Lebens zu

fasten. Wie einen Haufen Asche empfand er alles, was ihm bisher so wichtig gewesen war. Jeden Gedanken an Gesetz streifte er ab. Er dachte nur an jenen, der hoch über Gesetz und Nichtgesetz ist, an den göttlichen Grund der Welt. Parikshit setzte sich mit gekreuzten Beinen am Ufer des Gangesstroms hin und begann zu meditieren. Da kam eine grosse Schar, heilige Weise mit ihren Schülern, zum Strome. Die Weisen pflegen Pilgerfahrten nach den geweihten Badeplätzen zu machen, aber in Wahrheit sind sie es, in denen Gott wohnt, welche die Wasser von neuem heiligen. Tief beugte Parikshit sein Haupt vor den Rishis. Jeden von ihnen ehrte er gebührend. Und als sie alle ihre Sitze eingenommen hatten, stand er mit gefalteten Händen vor ihnen und sagte: "Ihr Weisen und du Gangesstrom, ihr alle sollt wissen, dass ich zu Gott meine Zuflucht nahm, dass mein Herz nur mehr Gott gehört. Möge mich doch die täuschende Schlange getrost beissen. - Ihr aber singet die Lieder des alldurchdringenden Gottes!" "Wir wollen bei diesem Gottgeweihten verweilen", sagten die Weisen, "bis er seinen Leib abwirft und jene Welt erlangt, wo es keine Täuschung mehr gibt." "Helft mir, die letzen Tage meines Lebens sinnvoll zu verbringen", bat Parikshit. "Belehrt mich, was soll ein Sterbender tun, einer, der unmittelbar vor seinem Tode steht?" In diesem Augenblicke kam der junge Schuka, der Sohn des grossen Vyasa, l chelnd des Wegs. ä Wunschlos wanderte er über die Erde. Keine Zeichen einer Kaste waren an ihm zu sehen, auch kein Mönchs- oder Büssergewand hatte er an. Nackt war er. Die Himmelswölbung war sein einziges Kleid. Von einem Schwarm von Kindern war er umgeben. Er glich einem J üngling von sechzehn Jahren und einem Menschen, den die Welt verworfen hatte, aber die Weisen erkannten wohl seinen Glanz und erhoben sich ehrfürchtig von ihren Sitzen. Parikshit beugte tief sein Haupt vor dem Gast, der als letzter kam und wies ihm einen erhabenen Sitz an. Dann warf sich der König vor Schuka nieder, der mitten unter den Weisen wie der Mond unter den Sternen strahlte, und er stellte flehend auch ihm die Frage: "Was soll ein Mensch tun, der unmittelbar vor dem Tode steht? Was soll er hören? Wessen soll er gedenken? Wen soll er verehren? Worüber soll er meditieren?" 64

"Die wesentlichste aller Fragen hast du gestellt", sagte Schuka. "Der ganzen Welt zum Heil wird deine Frage werden. Tausenderlei Fragen stellt der Mensch, tausenderlei Wissen strebt der Mensch an, der nichts vom Atman weiss. Und dazwischen schwindet sein Leben dahin, nachts im Schlaf und in vergänglichen Freuden, tags in Mühen um Vergängliches. Du aber hast eine Frage gestellt, die von den Kennern des Atman geliebt wird. Sie handelt von dem letzten Ziel." Nun erzählte Schuka dem König vom unvergänglichen innersten Wesen des Menschen, Atman. Und er erzählte ihm vom Atman aller Atmas, von Gott. Er führte den Lauschenden zu immer h öheren Aspekten Gottes, bis zu Maha-Wischnu, von dem Sadananda sagte, dass er jener ist, den die Christen in schauernder Ehrfurcht den Vater-Gott nennen. Von Maha-Wischnu heisst es in den indischen heiligen Schriften, dass er einst durch seinen blossen Blick die erste Schöpfung der Welt erregte. Aus der Kraft seines Blickes, den er herabsandte, wurden die Seelen, die Atmas aller Wesen. Von ihm, von Maha-Wischnu sagt man: So wie durch offene Fenster sonnenbeleuchtete Staubströme fluten, so fluten durch die Poren Maha-Wischnus die zahllosen Weltsysteme aus und ein. Wenn Maha-Wischnu ausatmet, entstehen die Welten, wenn er einatmet, vergehen die Welten. Aber nie ist ein Ende des Weltvergehens und Weltentstehens - denn nie h ört Maha-Wischnu auf zu atmen. Aber auch Maha-Wischnu ist noch nicht der letzte göttliche Grund. Schuka führte seinen Schüler Parikshit noch weiter, durch den Ozean aller Ursachen, da wo jeder Erdenstaub und alles Schicksal abgewaschen wird und durch den Ozean des unendlichen Bewusstseinslichts, das man Brahman nennt, und durch alle Reiche der göttlichen Majestät bis in Gottes innerstes Reich der Lieblichkeit, da wo Krischna ewig mit den Seinen weilt. Kein Schatten von Raum und Zeit und Gesetzesverkettung dringt dorthin in das innerste Reich, das ganz aus Liebe gewoben ist, wo Krischna mit den Seinen weilt. Selbst die Kleider und der Schmuck der Liebenden und des einen Geliebten sind verschiedene Phasen von Gottesliebe. Man sagt: So wie ein Hirtenknabe einen tauigen Kranz frischer Waldblumen in seinem Haar trägt, so trägt dort Krischna alle die Welten in seinem Haar.

Sieben Tage erzählte Schuka dem Manne, der den Tod erwartete, von Krischna, von dessen Innenleben in dem verborgenen Reiche der Liebe; und von seinem Herabsteigen: von den Heilanden und Erlösern und g öttlichen Boten, die Krischna in alle Sphären des Seins herabsendet. "Der grimmige Hunger quält mich nicht mehr, obwohl ich schon l ngst aufgehört habe, Speise zu ä mir zu nehmen", sagte Parikshit. "Ich f hle keinen ü Durst mehr, obgleich ich sogar dem Genuss des Wassers entsagt habe. Ich sehne mich nach nichts, als immer mehr von Krischna zu h ören. Ich trinke den Nektar der Geschichten von Gott, der von deinem Munde tropft." Nach sieben Tagen zog Schuka weiter. Nackt schritt er dahin, tanzte er dahin und sang Gottes Preis. Kinder liefen mit ihm. Die Strom-jungfrauen, die im Wasser spielten, scheuten sich nicht vor dem Mann, obwohl er nackt war, nur von der Himmelswölbung umkleidet. Schuka in seiner heiligen Unschuld achtete ja nicht darauf, was Mann und was Weib war. Er sah nur die ewigen Seelen, die Atmas in allen Wesen, er sah nur die liebende Verzückung der Atmas zu Gott hin, in allen Wesen, in blühenden Bäumen, in Sträuchern, in Menschen, in Tieren, in Strömen und Stromjungfrauen, in lichten Devas und in Dämonen, alle diese Atmas offenkundig zu Gott hinjauchzend oder noch tief verhüllt. Schuka sang. Parikshit aber sass indessen ächelnd und laul schend am Gangesufer. Und als die giftige Schlange dann wirklich kam und ihn biss, so dass sein Leib abfiel und in einem Augenblick zu Asche verbrannte, da merkte Parikshit es gar nicht, denn er selbst war ja längst eins geworden mit dem Brahman. Er hatte nicht um L ösung von dem Todesfluche gebeten, er hatte nicht gebeten, leben zu dürfen, obwohl es Schuka ein leichtes gewesen wäre, ihn von dem Fluche zu befreien. Er bat nur unersättlich, immer mehr von Gott hören zu dürfen. Und so kam Krischna zu ihm in Gestalt des Fluches des Brahmanen und gab ihm Gottesliebe, das kostbarste Kleinod, das es gibt. Am nächsten Tag kam Sadananda wieder zu mir. Ganz unvermutet war er plötzlich da. Er liebte es nicht, Verabredungen zu treffen. Auch in den Konzentrationslager war er innerlich frei wie ein Vogel. "Nun, Vamandas", rief er, "mir scheint gar, Sie haben gearbeitet. Haben Sie über die 65

Menschenziele nachgedacht?" "O ja, das habe ich. Nicht dharma, artha, kama, nicht Recht, Wohlstand und Lust sind die wahren Menschenziele, sondern Befreiung vom ewigen Kreislauf der Geburten und Tode, Mukti ist das Menschenziel. - Durch seine Liebe zu Krischna erlangte König Parikshit Befreiung und ging in das göttliche Sein ein." Traurig sah mich Sadananda an. "Haben Sie es noch immer nicht verstanden, sind Sie noch immer in dem System von Schankaracharya gefangen, das Ihnen Schri beigebracht hat? Spüren Sie denn nicht, wie erschreckend es einem Bhakta erscheint, dass jemand angehalten wird, Gott zu lieben, so wie es Schankaracharya rät, als ein Mittel zum Zweck, um Befreiung zu erlangen? Und dann, wenn er das Wissen erlangt hat, wenn er aus eigener Erkenntnis weiss, dass er eins ist mit dem Brahman, dann soll er seine Liebe zu Gott auskühlen lassen, und stille werden. Dann kann er das Bild des persönlichen Gottes, das er nun nicht mehr benötigt, in den Fluss werfen, als eine letzte Illusion. Er ist ja das grosse Brahman selber." "Aber von Parikshit heisst es doch, dass er zum unendlichen Brahman wird. Ist das Werden zum Brahman nicht doch das Höchste?" "Nein", sagte Sadananda ohne Umschweife. "Sie kennen doch die Gita-Strophe aus dem letzten Gesang: 'brahmabhutah prasannatma...' Wer zum Brahman geworden ist und dessen Atman still geworden ist, und nicht mehr trauert und nicht mehr begehrt ... nun, lesen Sie selbst weiter." Ich las: "... der erlangt h öchste Liebe, höchste Bhakti zu mir." "Das heisst", erläuterte der Freund, "Wer zum Brahman geworden ist und dessen Atman still geworden ist und der nicht mehr trauert und nicht mehr begehrt, aber selbst hier nicht stehenbleibt, sondern weiterdringt in seiner Sehnsucht, immer mehr zu lieben und immer mehr zu dienen, der erlangt höchste Bhakti zu Gott. So spricht Krischna. Nicht Mukti oder Befreiung ist das letzte Ziel. Der wahre Bhakta, wie Parikshit einer ist, lacht darüber. Hier im Buche Bhagavata wird gesagt: 'Leicht gibt Gott Mukti, aber sehr selten gibt er Bhakti.' Spontane, motivlose Liebe zu ihm, Gottesliebe um der Liebe willen, das ist das höchste Menschenziel." Dicht trat Sadananda an mich heran und sah mich mit blitzenden Augen an. Er packte mich bei beiden Schultern und rüttelte mich und rief mir einige Worte

" Brahma. in Konzentrationslager hinab. Aber noch immer durchfuhr mich der schmetternde Blitz der Liebe: als schälte er für einen Augenblick meine innerste Wesensgestalt von allen irdischen H üllen frei. Das Rauschen eines nahen Bergstroms. Auf seiner Wanderung kam Narada einstmals . Und die Flöte. er fand kein Ende. Niemand. Finsternis breitete sich rings um ihn aus. tausende Jahre. aus dessen innerstem Reich. der mit Papieren bedeckt war. der das Gebirge des Himalaja durchbricht. keine Dirne. Und Zeit.aus den Upanischaden zu. so berichten die Bhaktas. Und immerdar lauschend und 66 immerdar in Gottes Reich hineinspähend und nach ihm sich sehnend. Ich dachte an den Strom der Gottesliebe. Als Brahma nach der langen Nacht. nach irdischen Begriffen einem Himmel oder einer Hölle gleicht. Er gab die Initiation dem Weltschöpfer Brahma. Derart wurde Brahma von Gott selbst initiiert und wurde so der erste aller wahren Brahmanen. bis das Ziel erreicht ist. um vielleicht doch irgendwo Seelen zu finden. wo er sich befand. Die Freundin Krischnas. Eilt dort nicht fort für einen Augenblick. der unerschöpflich aus Gottes Reich quillt und. er fand keinen Grund. kein Mörder. die auf Erden wandeln. aus dem sie stammen. die fähig sind. wo die Zeit nicht wie bei uns in jedem Augenblick schmerzlich in Vergangenheit und Zukunft zersplittert. jeder Schritt ist Tanz. den sie betreten. Gottesliebe von ihnen zu empfangen und mit hineingenommen zu werden in den Kreis der Ewig-Beigesellten Gottes. scholl durch die Nacht. aus dem Schlafe zu neuem Leben erwachte . dessen Stengel aus dem Nabel des Alldurchdringenden wuchs. das Selbst ist. STROM DER GOTTESLIEBE Ich sass in meinem Schuppen vor dem Tisch. tausend Jahre. unsere Schattenwelt durchströmt. ob ein Ort. der Atman ist. erinnerte sich Brahma. wer er selber war. in sein Herz zu lauschen. sondern wo ewige Gegenwart west und wo alles aus Liebe gewoben ist. Sorgenvoll erhob sich Brahma und wanderte aufwärts in dem Lotoskelch. "Svasti! . Was kümmert es sie. Svasti!" Schon war er entschwunden. gab die Initiation in die Gottesliebe und die vier Urstrophen des Bhagavata seinem Schüler und geistigen Sohne Narada.lange bevor unsere Welt gebildet war . Er rief: "Steh auf! Wach auf! und lass nicht ab. Während er. mit sich. sein hartes Werk im Bereich der irdischen Zeit tat. Es war der Klang von Krischnas Flöte. Der erste Guru der Gottesliebe. Wie die Sonne ihren Himmelsbogen beschreibt über Gerechten und Ungerechten. Als sein Herz ganz still geworden war. von den meisten unbemerkt. Er wusste nicht.da war es dunkel um ihn. Mein erster Lehrer Schri und auch Sadananda hatten mir oft von Narada erzählt. und vermochte nun nach Gottes Willen das Weltall zu bilden. tönt an seinem Mund. die aus Barmherzigkeit zu den von Gott abgefallenen unglücklichen Wesen immerdar. Wissen von diesem Land. überströmende Liebe in ihm erweckte. den Glanz des Reiches Gottes. kein Wahnsinniger. der die Welt gestaltete nach Gottes Plan. Aus dem Mantra der Gottesliebe quollen die vier Urstrophen der späteren achtzehntausend Strophen des Werkes Schrimad Bhagavata. Ermattet und kummervoll setzte sich Brahma hin mit gekreuzten Beinen in Meditationshaltung und versuchte. der Baumeister unseres Weltenraumes. der unbeschreibliche. Brahma sang von Krischnas Reich der schenkenden Liebe. Und der liebeerweckende Klang war ein Mantra. der Schöpfer. zu aller Zeit die Wandelwelt durchschweifen. Sorgend kehrte er um und wanderte abwärts in dem Stengel des Lotos. Sie steigen in Gefängnisse. und wozu er berufen war. sang er einen sehnsüchtigen Hymnus von der schicksalslosen. kein Kind im Mutterleib ist davon ausgeschlossen. war Gott selbst. Er wusste nicht. wohin sie auch kommen. liebenden Hingabe an Krischna zu empfangen. der Atman voller Kraft und Liebe ist.das war der uralte indische Gruss und der bedeutete: sva-asti. wo nicht am Grunde jeder Lust Leid liegt. so wandeln die Boten Gottes in Reinheit dahin und tragen. Nur wenige Weise. dass diese mich wie ein Blitz durchfuhren. die verborgen ist hinter dem 'Ozean aller Ursachen und dem Ozean des unendlichen Lichts': "Jedes Wort ist ein Lied. göttlichen Welt. die hier so schnöde uns verlässt. in Irrenhäuser. vernahm er den Klang einer Flöte. dass er im Kelche eines Lotos war. Dieser ist ja einer jener Bhaktas. die Kraft zur dienenden. die Weltvernichtung heisst.

Als ich verzweifelt in dem von L ärm und Streit erfüllten Internierungslager in Indien sass. Es ist mir gelungen. der aus Europa stammte und den er Sadananda nannte. So floss in Indien der Strom der Gottesliebe wie Wasser des Lebens. der seit seiner Kindheit im Reiche Gottes lebte.so wird das Werk genannt. aus denen das grosse Werk Bhagavata aufgeblüht ist. "Warum bist du so traurig?" fragte Narada. der ehrwürdigen Tradition folgend. Dort nahe den Gangesquellen sass der weise Vyasa und blickte schwermütig in die tosenden Wellen. die zur Zeit der grossen Flut verloren waren. kaum des Schreibens und Lesens kundig. Während Vyasas Herz immerdar auf Krischna blickte. dem gerechten König. Voll Barmherzigkeit sang Narada den Mantra. Der Jüngling. verborgen und doch nicht verborgen. in ununterbrochener Folge durch die Jahrtausende. bis zu dem Einsiedler Gaura Kishora. Vyasa. die heiligen Weden. "Du müsstest noch ein Werk schreiben. der früher Professor für Astronomie und höhere Mathematik an einer Hochschule in Bengalen gewesen war. Als in den Jahren der Entdeckung Amerikas und des voll hereinbrechenden Materialismus Krischna ein zweites Mal . Ich habe Macht über Yoga erlangt. zog er dann weiter. Narada gab Vyasa die Initiation in die Gottesliebe und schenkte ihm die vier Urstrophen. da suchte auch dieser. Vyasa aber setzte sich hin am Ufer des jungen Ganges und meditierte über Krischna. Und in seiner Barmherzigkeit gab er einen Tropfen der Gottesliebe sogar mir. der Dichter und Seher. der ungelehrt war.so glauben die Bhaktas . 67 Und so gab er auch Parikshit. Da schaute er Krischna in seinem innersten Reich und wie alle Wandelwelt der Maya in Krischna gründet. Derart wurde in Indien die Einweihung in die Gottesliebe weitergegeben von Lehrer zu Schüler und deren Schülern. ja. gab nach langem Sichbittenlassen die Initiation dem Bhakti-Siddhanta Sarasvati. behielt Vyasas Visionen in seinem Geist. Singend und seine Laute spielend. das nur die Liebestaten Gottes preist und den Menschen Liebe schenkt"." "Du hast in deinen herrlichen Werken zu viel von Gottes Gesetz und Logik und Weisheit und zu wenig von Gottes Liebe erzählt". was er schaute. eine Frucht ohne Schale und Kerne" . der ihm demütig nahte und gab dem herabgestiegenen Avatar vol Jubel die erbetene Einweihung. "Ich verstehe es nicht". "Ich habe das Gesetz gehalten und Askese geübt.auch zu einer Einsiedelei hoch im Himalaja am Ufer eines Bergstromes. Er gab die Einweihung seinen Schülern und seine Schüler gaben die Einweihung ihren Schülern. als Verfluchter den Tod erwartend. bis in unsere Tage. Dieser gab die Einweihung weiter an einen Schüler. "Die reifste Frucht. ich bin eins geworden mit ihm. antwortete Vyasa bekümmert. ich habe sogar das Mahabharata und die Gita endlich fertiggestellt. wie wohl wenige. Ehrfürchtig begrüsste Vyasa den Boten Gottes." Chaitanya brachte einen ganz neuen Mantrastrom und eine ganz neue Gottesoffenbarung auf die Erde herab. Der Guru erkannte sofort das hohe Wesen des wie Gold strahlenden Jünglings. belehrte ihn Narada. die überströmten vom Ruhme und der Liebe Gottes. wieder zu sammeln. Und Chaitanya nahm ehrfürchtig Abschied und lief durch das Land und sang drei Tage lang freudetrunken eine Strophe aus dem Bhagavata: "Auch ich. den Brahma von Krischna empfangen hatte und er selbst von Brahma. die am Baume der Weden wuchs. DER SCHWEINEKOBEN ODYSSEUS BEI KIRKE . einen Guru auf. Nektar der Unsterblichkeit und Süsse. sang seinem Sohne Schuka die zahlreichen Geschichten des Bhagavata vor. kam Sadananda. Ich habe mein Leben lang über das g öttliche Licht. Die Essenz höchster Weisheit habe ich in den Brahmasutras zusammengefasst. wohin er auch immer ging.auf die Erde kam in Gestalt Krischna-Chaitanyas. am Ufer des Ganges sass. das nur von Gott handelt. Schuka konnte nicht anders. brach er in Gesang aus über das. So wandelte die Offenbarung Gottes inmitten der Finsternis immerdar lebend durch die Zeit. Der nackte. er sang die Strophen. der. über das gestaltlose Brahman gesonnen. und jubelnd begann er die achtzehntausend Strophen des Werkes zu singen.meine Seele hat keinen Frieden erlangt. auch ich werde den furchtbaren Ozean der Wandelwelt durchschreiten und an das andere Ufer gelangen. bloss mit dem Schamtuch bekleidete Asket. das Geschenk der Gottesliebe. Und doch .

" Odyssee VI. der mir in meiner Knaben-zeit so nah gewesen war. abermals aufblühte. Dicht neben mir stöhnten die Schlafenden. bis in die Totenwelt hinab . war nicht jede Seele auf Erden . die mir mein Freund einmal diktiert hatte. Odysseus. dessen Leib aufblühte. Wenn er seine ewige Seele geschaut hat. diesen Atman brennt das Feuer nicht. Über die Schultern gab sie zunächst ein neues Gewand ihm.". Athena. in der Reihe der Schläfer in der Gefangenenbaracke. Kleider eines Königs. jung wurde." Röchelnd wälzten sich meine Nachbarn im Schlaf hin und her. vom Zauberstab der Göttin berührt. Staunend. als ob er mir zum ersten Mal vorläge. "So wie ein Mensch zerschlissene Kleider ablegt und andere neue Kleider dafür anzieht.. wieder jung. Athene. der Wind trocknet ihn nicht aus .. XVI. Ich lief durch Nacht. wieder eines Königs . ". der kahlköpfig und dann wieder mit Locken bedeckt war. ". der mich viel beschäftigte. Unter mir waren ungeheure glasklare Wellen. Mühsam suchte ich mich der trostvollen Worte aus der Sanskrithymne zu erinnern. derenthalben man ihn einen Lügner schalt. dass die verwanzten Holzpritschen 68 krachten. Ich sann: Waren die vielen Geschichten. wie die Bhagavad-gita es ausspricht: "So wie ein Mensch zerschlissene Kleider ablegt und andere neue Kleider dafür anzieht. Odysseus!" Vom Nachklang des Wortes Odysseus erwachte ich. diesen Atman netzt das Wasser nicht." Odyssee. Ich lag im Dunkel. eines Bettlers. im Lager ein abgegriffenes Exemplar einer Übersetzung von Homers Odyssee ausfindig zu machen. las ich den wohlbekannten Text. dass ich damals geglaubt hatte. der steil hinaufführte zwischen Abgrund und Felswand. wie schon so viele Male vorher. unausdenkbar . ich sei im Griechenlager vor Troja und im Zelt des Odysseus mit dabei gewesen. und schuf ihn strack und gewaltig. der von Schiffbruch zu Schiffbruch getrieben wurde. Und überm Kinn der Bart ward voll und dunkel zu schauen. Seine Taten und unentrinnbaren Tatenfolgen. Seine Worte tönten in mir nach: "Es wird zerschnitten der Knoten des Herzens.den immer wieder andere Leiber umhüllten. Bräunlich wurde die Haut und rund die glänzende Wange.. XIII.. Im Traum wanderte ich durch weite Länder und spähte neugierig in Höhlen der Erde hinein. Es fiel ihm in Ringeln Dunkel vom Haupte das Haar. 229 ff. dessen Haar blond und dann wieder hyazinthendunkel war. Aus grosser Tiefe und Ferne hörte ich die Stimme meiner Frau: "Das tust du ja alles nur mutwillig." War nicht ich. Liess ihm verdorren das blühende Fleisch der gelenkigen Glieder Und vertilgte vom Haupt sein blondes Gelock und zog ihm Rings über sämtliche Glieder die runzlichte Haut eines Alten.und Gott." So sang die Bhagavad-gita. Den Rest der Nacht lag ich wach und grübelte: Odysseus? Ich muss mehr über Odysseus wissen! Am n ächsten Tag gelang es mir. wieder alt. Manchmal erfüllte ein lautes Stöhnen den Raum der finsteren Baracke. die vielen Lebensläufe. Sie schwinden dahin.und wieder empor ins Licht.. 172 ff. Meeresflut hob sich unter mir. Mit klopfendem Herzen las ich vom Gestaltenwandel des Odysseus. in denen wilde Tiere mich anfielen.Schuf ihn die Göttin Athene. Seinen Atman .Sprachs und berührte den Herrn mit dem goldenen Stab." Was ist der Atman? sann ich wieder. der alt war. hyazinthenen Blüten vergleichbar. Es werden zerrissen alle Zweifel Und selbst seine Karmas.. die Tochter des himmlischen Vaters. ewig. die Odysseus unermüdlich aus seiner Vergangenheit berichtete.. so wirft die Seele die zerschlissenen Leiber ab und tritt in einen neuen Körper ein. Ich stürzte und schrie im Sturz." Odyssee. Immer schmäler wurde der Pfad. Saubergewaschen und schön. unzerstörbar ist er... Ich schritt durch Luft.Sprachs und rührte ihn an mit dem Zauberstabe. so wirft die Seele die zerschlissenen Leiber ab und tritt in einen neuen Körper ein.. als ob ein Alp auf den Schläfern läge. Dann musste ich doch wohl eingeschlafen sein. der immer wieder andere Kleider trug. 427 ff. vielleicht alle wahr? War er nicht nur in Ithaka geboren? War er auch in Kreta geboren und an vielen anderen Orten? Gleichermassen. Noch vor der Übersiedlung hatte ich einen Traum. "Diesen Atman schneiden die Schwerter nicht. schrumpfte. Noch weit grösser und voller zu schaun.

. Ihre Seele. Wir schlossen uns den vielen Kameraden an. überaus melodischen Bengalisprache gedichtet und einfach wie ein Volkslied... am Rand des Lagersportplatzes. Wenn er seine ewige Seele geschaut hat. Hinter mir war Lärm und Geschrei. die unser Lager bewachten mit aufgepflanztem Bajonett unablässig auf und ab. den verborgenen Gott.. O nein. Siegen m öge Krischna.. Ihm war bestimmt. Nur der Rhythmus muss noch besser werden. wo die Sturmesmacht des wilden Meers der Leidenschaften nicht mehr hindrang. Wir wollen noch ein wenig spazierengehen. die 69 ich Ihnen diktiert habe?" Nachdenklich wiederholte ich auf Sanskrit: "Es wird zerschnitten der Knoten des Herzens. rief mich der Freund lächelnd bei meinem indischen Namen. Einmal feierten Sadananda und ich in dem Schuppen ein Fest. Diese Hymne prangt nicht im goldgerüsteten Sanskrit. Heiter kam Sadananda am Rand des Fussballfeldes daher. aber selbst auf den letzten Seiten des Buches war die Wanderung des Odysseus noch immer nicht zu Ende." Zustimmend nickte mein Begleiter und blickte mich an. Vamandas". fast im Tanzschritt. der in der Urzeit Fischgestalt annahm und die heiligen Schriften der Offenbarung heil durch die Wasser der Weltauflösung trug. "Wie kann man einem solchen Spiel nur den Rücken zukehren! Mensch." Schreitend." Langsam schritten wir beide zu Seiten der Stacheldrahtwand. sing den Namen Gottes. Nun hatte sich die rauchschwarze Brille wie mit Feuchtigkeit von innen gänzlich beschlagen. In dem Gang zwischen den Eisendornen-wänden schritten die Posten.Haben Sie sich die Strophe aus dem Bhagavat-Purana gemerkt. . "Dieses Spiel ist bald zu Ende.. in ein sagenhaftes fernes Land. o mein Bruder! . der auch in Zukunft Gestalt annehmen wird. Da ich im Freien las. auch in Zukunft wieder weiterzuwandern. zur Erde hinabsendet und auf mannigfaltige Art die Seele erweckt: "Siegen möge Krischna. die Avatare. man muss vollkommen in seiner wahren Gestalt gegründet sein. Wir klatschten mit den Händen den Takt und sangen: "Sing den Namen Gottes.gleich Odysseus. der als Geistlöwe Narasinha Gestalt annahm. man muss wach darin leben. die hastig mit ihren Blechtellern zur Küche eilten. dahinter eine zweite hohe Stacheldraht-wand.. bedenken Sie! Ostbaracken gegen Westbaracken! Semifinale!" Kopfschüt-telnd.und Gott. davon berichtete Homer nichts. sang Sadananda nochmals die Sanskritstrophe.. Siegen möge Krischna. der als König Rama Gestalt annahm. ein Wanderer von Leben zu Leben? Ich las bis zum Schluss. warum sitzen Sie so unbeteiligt da!" rief entrüstet ein Kamerad. Schrilles Pfeifen rief zur abendlichen Essensausgabe. Vor mir erhob sich eine hohe Wand aus verknäueltem Stachel-draht. Einen Augenblick lang nahm mich Sadananda bei der Hand: "Ich sehe. Ich nahm die Brille ab. Die Buchstaben des letzten Kapitels der Odyssee verschwammen vor meinen Augen. . hatte ich eine dunkle Sonnenbrille anlegen m üssen. der als Knabe Vaman Gestalt annahm. Seinen Atman . Und es ist noch nicht viel damit getan. das die Hindus Schanti nennen. "Sie werden es schon schaffen. in das Reich des göttlichen Friedens gelangt. "Kommen Sie." Wir sangen auch eine Hymne an den verborgenen Avatar unseres eigenen finsteren Zeitalters Krischna-Chaitanya. Mit untergeschlagenen Beinen sassen wir nebeneinander auf dem reingefegten Boden und sangen die fast tausend Jahre alten Sanskritstrophen an Krischna. der in jedem Weltalter die grossen Heilande. Jemand schlug mir mit der Faust zwischen die Schultern: "Mensch. Ein Fussballwettspiel der Gefangenen war eben im Gang. Ihr Atman. sing den Namen Gottes. der als Buddha Gestalt annahm. wandte er sich ab. um in dem blendenden indischen Lichte lesen zu k önnen.. sondern sie ist in der lebenden. als ob er an meinem Verstande zweifelte. rüttelt in Ihnen.Aber ob er auch hingelangt war in das Land des unendlichen göttlichen Friedens. Odysseus war noch nicht in das Land Schanti. Hell leuchtete sein von ihm selbst gefärbtes orangenes Mönchsgewand und sein schmales elfenbeinfarbenes Gesicht und sein kahlrasierter Schädel. Siegen möge Krischna. dass man vom Atman bloss träumt..

gesungen und mir seine Unterweisung gegeben hatte. zu Dir!" Eine fette Stimme. den wir uns mit so viel Mühe verschafft hatten. Er soll sich doch im Lagerspital den Polypen aus seinem Rüssel herausschneiden lassen! In rauhen Stössen fuhr Tümpelbaums Atem wie Sturm übers Meer. Ich lag zwischen Traum und Wachen und war nicht mehr in Indien..." "Das ist kein Mensch". wo mein Freund früher meditiert. wird Tümpelbaum wahrscheinlich Ihren Koffer durchsuchen. der Raum ist erfüllt von den Bildern seiner unreinen Sexualvorstellungen. Gurgelnd vor Zorn setzte er sich hin. Doch von Geburt zu Geburt gib das eine mir." Als ich meinem neuen Hausgenossen das erstemal nicht in allem nachgab." "Tümpelbaum ist kein Hund.. unbekümmert. "Sperren Sie alle Ihre Sachen 70 ab". Sie. Voll Wut kam die Stimme näher. die sein Leib von sich gibt." "Ich weiss nicht. Ein schwerer Leib stiess zornig an die Tür unseres Schuppens an und jemand brüllte: "Diese Scheisskerle! Diese verdammten Nigger mit ihrer Schweinereligion! Man soll sie prügeln und prügeln bis sie krepieren!" Schimpfend und fluchend zog er weiter und erfüllte das Lager mit seinem Geschrei. "Wenn Sie nicht zu Hause sind. dieser Nigger wird meine Wohnung nicht mehr betreten! Sie werden bald wahrnehmen. Chaitanya. stellte er sich breitbeinig dicht vor mich hin. sondern T ümpelbaum sass mir an diesem Tisch gegenüber. "Er ist wie ein überall schnüffelnder Hund. Nicht mehr Sadananda... wer Sie sind. bemerkte Sadananda trocken und sachlich. der durch eine Lähmung schräg gestellt immer wie zu einem höhnischen Grinsen verzerrt schien. was Religion. was Christentum ist. Sie sind ein Heide! Ich aber . O Herr der Welt. Der ganze Raum ist nicht nur erfüllt von den Ausdünstungen und Geräuschen. dass ich jede Einzelheit in seinem fleischigen rohen Gesichte deutlich sehen konnte. der gute Beziehungen zu einigen Unteroffizieren der Wachtmannschaft besass. in denen dieser Mann ständig lebt. wer in diesem Raum der Herr ist. "Sie m üssen es schaffen. sang diesmal laut jubelnd. war nun hauptsächlich T ümpelbaums Tisch.. Es muss Ihnen gelingen. weil er meinem Freund das Haus verbieten wollte. Am n ächsten Tag hatte dieser Mann. "Merken Sie sich". was Christentum ist?" T ümpelbaum jappte nach Luft. was sein Herz bewegte. dass seine Ausstrahlung Sie nicht so unmittelbar trifft. Seine alten Hosen hingen nun an den Wänden. vor der Menge zu verbergen. begehre ich. T ümpelbaum lag auf dem Rücken und schlief mit offenem Mund. Sie. Unser gemeinsamer Arbeitstisch. Sein Gurtbett und darunter seine verstaubten genagelten Stiefel standen in dem Winkel. . Er und ich waren uneins geworden. auch in Gegenwart dieses Menschen ungestört zu arbeiten. mahnte Sadananda. er ist ein Schwein".H ängen Sie eine Decke vor Ihr Bett. was Religion. die von Krischna-Chaitanya selbst herrührt.ich bin ein Christ!" "Sie wissen ja gar nicht. schrie er. den wulstigen Mund mit der hängenden Unterlippe. Ausser dem Namen Gottes gibt es keinen Reichtum irgendwo. Er muss einen Polypen in seiner fleischigen Nase haben. Nicht schöne Frau und nicht Dichterkraft. Wissen Sie. es durchgesetzt. ermutigte mich Sadananda. " Zuletzt sangen wir auch eine Strophe. Grundlos aus dem Herzen überströmende Liebe. als Partner in meinen Schuppen einzuziehen. machte sich von der nahen Lagerschenke her gröhlend bemerkbar. Sie haben niemals eine Nacht neben ihm zugebracht. Mein Freund. Mich umgab wieder die winddurchwehte . blickte ich in seine spähenden entzündeten Augen.Den Namen Gottes hat er zu uns herabgebracht. dass ihm von der Lagerbehörde der Auftrag erteilt wurde. der sonst so sorgsam darauf bedacht war. überlegte ich. schwer röchelnd. Unser Leid hat er gesehen. "Aber Sie müssen es schaffen. rief ich verzweifelt. "Sie dürfen sich nicht unterkriegen lassen". O mein Gott. dass man draussen jeden Ton vernehmen konnte: "Nicht Reichtum und nicht edlen Stand. Sie. das. "merken Sie sich ein für allemal. und ich spürte seinen warmen nach Alkohol duftenden Atem. voller Dünkel und Überheblichkeit." In dem Schuppen war es dunkel. Wenn ich von der Arbeit aufsah. Mit seinen Kisten und Bündeln rückte er schnaufend an. der Goldene.

in die Tiefen des verwesenden Laubs. als Kirke mir holdselig die schimmernde T öffnete und mich zum Mahle ür einlud und verstohlen das Gift 'Sinnenwelt' in den Wein mischte... Ursprung. vergiss es keinen Augenblick. Ich erkannte sie und sie erkannte mich. weil darin die Zauberin den m ächtigen Webstuhl trat und die lichten Hüllen der Welt webte. Hochgewachsen und schlank. Lachend schlug mich die schöne Verführerin mit dem Stecken und befahl höhnisch: "Auf. der zu mir sprach. die Wurzel von allem in der Welt ist.. der Ursprung. der verborgene Gott. dass Krischna. Kirke schrie entsetzt: "Staunen erfasst mich. Ich lag in ihrem herrlichen Bett. den vermag das Gift 'Sinnenwelt' nicht zu verblenden. "Und wer ist die Wurzel." Sadananda nickte zustimmend." "Vergiss das nie. dem Hause tief im Walde zu. Er trug ein orangenes. "Vamandas". Moly." Ich jubelte: "Freilich ist mein Herz unzerstörbar. An verzauberten Tieren vorbei. als Schweine? Denkst du vielleicht. fast im Tanzschritt. Es war mein Freund Sadananda. Mitleidig nahm er mich bei der Hand: "Gehst du Unseliger wieder allein durch Schluchten und Berge. ohne zu zögern. Ich wusste. so will ich dich retten und will dich lösen vom Übel. ging ich im Halbtraum durch den modrigen Wald von Homers Zauberinsel Aiaie." Tief blickte ich in die Augen der schönen Zauberin Maya und sie entschleierte sich vor mir. Wenn er sie trank und es trat ihm ein weniges hinter die Lippen. Ein sterblicher Mann wird's schwerlich Je ergraben und finden.Meereswelt der Odyssee. milchweiss die Blume zu schauen. wanderte ich den verlorenen Gefährten nach.. "weisst du. die mich kummervoll anblickten. und das bedeutet Wurzel.. die fast so alt ist. Ich gedachte der Wurzel 'Göttlicher Weltengrund' und trank getrost. wie die indischen Weden. und lieg bei deinen Gesellen. Nimm dies Kraut und wandre getrost zum Hause der Kirke. nie hat einer dergleichen Gifte bestanden. Verwesendes Laub bedeckte in dicken Schichten den verborgenen Grund. "Und die lichte Blume?" "Das ist natürlich die Weltenblume. das war der Wald. welche die Zauberin Kirke in grunzende Schweine verwandelt hatte.. und drinnen im Hause der Kirke Liegen dir deine Gesellen versperrt im Koben. Der du den Pfad nicht weisst. kam mir der Götterbote Hermes entgegen. du kämst und könntest sie lösen?. indisches Mönchsgewand. wie das Kraut 71 Moly auf Sanskrit heisst?" "Moly." Jetzt erst erkannte ich den G ötterboten. das lieblich tönte von Gesang und schütterte. das den Boden überhäufte: "Komm. auf leichten Sohlen. . den die Inder Samsara oder die Wandelwelt nennen.. Während Tümpelbaums Schnarchen wie das Grunzen eines Schweines klang. der uralten Dichtung des griechischen Sehers." Aber wer die Wurzel Moly besitzt. Wacker ist's und wehrt dir vom Haupt den Tag des Verderbens. Ein ewiger Atman ist ja mein innerstes Herz. Schwarz ist die Wurzel des Krauts. so nennen's die Götter. dann kann dir die Zauberin Maya nichts anhaben. Grund. fragte er. wie ich heimlich lachte. den Atman.. Mich umfing ein Wald des immerwährenden Grünens und wieder Welkens. die aus dem verborgenen göttlichen Grund wächst. doch sie vermochte mir nichts anzuhaben. Dir aber wohnt in der Brust ein unzerstörbares Herze. der Grund von allem?" "Gott" antwortete ich. weil du trankst und stundest dem Zauber. zum Koben auch du." Hermes deutete auf die Erde." Auf leichten Sohlen war er entschwunden und ich wanderte weiter. O. So verging die Nacht. das ist gewiss dasselbe wie das Sanskritwort mula.. Niemals.

rief er heiter. An einem Festtag legte er mir zu meinem Staunen einige Rasierklingen auf den Tisch und bat mich. die jetzt bei den Japanern gefangen war. "Mein Kind. Er goss seinen Hohn aus über die christlichen Priester. das kleine Geschenk anzunehmen. die Antinazis. "Sie haben Besuch versäumt. als Lehrer an einer chinesischen Schule. um ein Sanskritwerk zu holen. der Herr Doktor war hier". dass ich entzaubert war? Staken wir noch immer in dem Schweinekoben? Mussten Tümpelbaum und ich und alle meine Gefährten erst in wahre Menschen verwandelt werden? Durch das offene Fenster drang das Pfeifen der übernächtigten Soldaten. Er spöttelte über die Juden und die wenigen deutschen und italienischen Buddhisten im Lager. An diesem Tage brach in einem benachbarten Lagerflügel. die anderen Verzauberten. Mit gedunsenem Gesicht und schräg aufgerissenem Mund schnarchte Tümpelbaum im Morgenlicht. . werden h ängen!" prophezeite er mir befriedigt. teilte er mir einmal mit. Sie Lump. Hingerissen von dem Anblick. was er von der Welt hielte und wie er reinen Tisch machen würde. Die Klingen waren eine Kostbarkeit im Lager.Er wusste nichts von ihr.. Leicht und lieblich zu schaun. Auch Sadananda gegenüber befleissigte er sich fortab einer grossen H öflichkeit. Das Feuer schien Tümpelbaums Selbstbewusstsein sehr gestärkt zu haben. geriet ihm in die Hand.Strophen aus der Odyssee umgaukelten mich: "Aber die Göttin bekleidete sich mit lichten Gewändern. als Techniker. Aufgeräumt begann er mir in unserem Schuppen zu erklären. aus unseren verschiedenen Koben nicht entwichen. Nur er selbst blieb übrig in einsamer Glorie. Sie war eine amerikanische Krankenschwester auf den Philippinen. . Er erzählte von der Frau. sagte Tümpelbaum.Auch er hatte ein Kind gehabt. die internierten Missionare. stand Tümpelbaum dicht am Stacheldraht und blickte in das Feuer hinein und in das Getümmel der Gefangenen. die in dem Stacheldrahtgang ununterbrochen das Lager umschritten und die sorgsam darüber wachen mussten. bei den Alliierten. Nichts als Korruption g äbe es. Von dieser Stunde an war das Benehmen meines Stubengenossen zu mir verändert." Die irdischen Farben glänzten auf. welche die Mutter des verstorbenen Jungen war. "Ich darf es nur nicht wieder vergessen. bei den italienischen Faschisten. die ihre k ärglichen Habseligkeiten retten wollten. armer Kerl. dachte ich. "Glühendes Blei in den Mund giessen! Schinden bei lebendigem Leib! Hängen!. begrüsste er mich wohlwollend lärmend. dass wir. "dann brennt hoffentlich das ganze Lager nieder. ebenso wie bei den Achsenmächten. "Nur ein netter frischer Ostwind ist noch nötig". Er wütete gegen die Nazis und gegen die Faschisten. sich die dicken Lippen leckend. von den vielen Berufen. Prächtigen Gurt um die Hüften und hüllte das Haupt mit dem Schleier. als Polizist. Aber Tümpelbaum war befangen in Anwesenheit des indischen Mönches. ein verzauberter Atman". Er suchte polternd nach einem Werkzeug.. auch er hatte eine Frau geliebt. alles!" Er breitete die Arme aus. Eine eingerahmte Photographie. als ob er den Brand einer ganzen Welt umarmen wollte. Auch Sie. Sadananda war in meiner Abwesenheit gekommen. "Ach du. kramte Tümpelbaum in einer seiner Kisten. die in der gleichen Stacheldrahthürde wie er selbst hausten und die gar keine richtigen Antinazis wären. Seine betonte Höflichkeit stammte wohl auch nicht ganz aus seinem Herzen. wie nach beendetem siegreichem Krieg seine Gegner ihre Strafe finden würden. in deren Lagerflügel es eben gebrannt hatte. bist eine verzauberte Seele. Lange betrachtete er das Bild und befestigte es dann sorgfältig mit einem Nagel an der Wand neben seinem Bett. Ich muss den Atman in dir sehen. Dann malte er voll 72 Genuss aus. alles. von den zusammengebrochenen Hoffnungen seiner Jugend in Norddeutschland. Hatte ich bloss geträumt. er ist mit drei Jahren gestorben". das Bild eines kleinen Jungen. Unvermittelt begann er aus seinem Leben zu erzählen. Das Strohdach einer grossen Baracke brannte mit hoher Flamme nieder. ein Brand aus. Er wütete auch gegen die Kameraden. er fand es nicht. "Guten Morgen". als er meinen teilnehmenden Blick merkte. jedesmal wenn er aufwachte. mein kleiner Sohn. und legte den güldnen. das er mir geborgt hatte und . wenn der Freund nun wieder zu mir kam und mir in gedämpftem Ton seine Unterweisung gab." Verärgert über mein Schweigen. meistens verliess er rasch den Schuppen und liess uns allein. die er in Siam und China und anderen L ändern des Ostens ausgeübt hatte.

Nur einmal in aller Zeit ist ein solcher Erlöser. den die Macht Gottes erfüllte. Triumphierend verfolgte T ümpelbaum wie ich unter den Schriften auf meinem Teil des Tisches danach suchte. vom Fusse abgestreift und wieder angezogen. Blumen. "Gehen Sie hinaus in den Wald und singen Sie den Namen Gottes". . Schweigend schritten wir dahin. Singen Sie: Krischna! Krischna! Krischna! . Und nun begann er. Sie wissen so viele Namen Gottes vom Lesen des Bhagavata und anderer Schriften. Für Verletzung des Gelöbnisses waren langjährige schwere Kerkerstrafen angedroht. des grossen göttlichen Erlösers zu singen. ür dass es ihre wahre Natur ist. Zigaretten!" Sie wussten. Das ist Erlösung der Erde. Vor jedem Ausflug kaufte er in der Kantine Zuckerwerk für die Kinder. auch ins Abendland gekommen. in die Hände zu klatschen und die Namen Ramas. erklärte Sadananda. Mit einem leichten Ruck waren unsere indischen Sandalen. wen ich meine?" Ich nickte: "Christus". "Die Grösse Indiens liegt darin. Sie m üssen Ihren Freunden besser auf die Finger schauen. dass wir Internierten kein Bargeld besassen. Zuweilen schimmerte im Norden hinter den Halmen. an der Seite ü Sadanandas solche Ausflüge zu machen. dass die göttlichen Heilande. Ich lernte. Singen Sie diese Namen mit all Ihrer Sehnsucht. Die lanzenbewehrten Halme eines reifenden Weizenfeldes. können Sie singen. durch die morgendliche Au längs eines Flusses. Ich dachte der nackten heiligen Füsse. schlugen hoch über unseren Köpfen zusammen. an bestimmten Tagen sogenannte Parolenausflüge zu machen. nur mit einer Schlinge um die grosse Zehe befestigt. denn er war schon krank. Gott in seinem eigenen Reich in vertraulicher liebender Hingabe zu dienen.Der Name Gottes birgt das ganze Reich Gottes in sich. "Aha. strömende. Geheiligt war das Wasser der Flüsse. dessen Geröllbett nun wieder Wasser f ührte in der Regenzeit. Sie wissen. immer von neuem dieses Land als ihre Stätte erwählt haben. Ich dachte der Füsse Christi. Hintereinander Schritten wir den schmalen Pfad zwischen den an uns anstreifenden nassen blühenden Büschen durch das hohe tauige Gras stromaufwärts. Sadananda lachte fröhlich und schenkte ihnen Süssigkeiten statt der Zigaretten. Mit nackten F üssen wateten wir durch 73 das kristallklare. weil die Füsse göttlicher Erlöser immer wieder durch ihre Flut gewatet waren. die von Gott ausgingen und wieder zu Gott zurückkehren. die durch das Schilf des Jordanstromes zur Taufe geschritten waren. Zigaretten! Sahib. den Weg nach Golgatha. hinter der Laubkrone eines ungeheuren Baums der Kamm des Gebirges auf. durch das der enge Pfad führte." DIE MILCHWEISSE GÖTTIN Die Lagerbehörde hatte uns in späteren Jahren erlaubt. nur einige wenige Male.für ein paar Stunden selber benötigte. Nach dem Namensaufruf auf dem Sportfeld und erneutem Namensaufruf der an der Pforte wartenden Internierten Schritten wir beide durch das zweifache hohe Stacheldrahttor auf die freie Strasse hinaus. einstmals wirklich fähig zu werden." O was f r eine Wonne war es. der die Gefallenen aufhob und rettete und läuterte: . sie versperrten unseren Weg und bettelten: "Sahib. kalte Wasser. die indische Erde und die indischen Ströme immer mehr zu lieben. Tiere auf Ihrem Weg und deren Seelen werden aufwachen f einen Augenblick und sich erinnern. Geheiligt war diese Erde. "Auch wenn Sie bisher noch nicht die Initiation in den Gottesnamen empfangen haben. Durch viele B äche wateten wir. Ich lernte von ihm. mit den Augen des Freundes die Welt zu sehen. weil die nackten Füsse herabgestiegener göttlicher Erlöser seit undenklicher Zeit immer wieder über diese Erde geschritten waren. der Herr Doktor hat etwas mitgehen lassen. Gott in alle Ewigkeit zu lieben und ihm zu dienen. Vögel. sagte Sadananda. fehlt Ihnen etwas? Vielleicht ein Buch?" kicherte er. zur festgesetzten Stunde pünktlich ins Lager zurückzukehren und keine Verbindung mit Indern zu suchen. "Haha. wie sie über die Berge von Galiläa schritten und über die grossen Quaderplatten des Tempelplatzes und über das harte bucklige Pflaster der schmalen Gassen von Jerusalem. Vom nächsten Dorf her lief ein Schwarm zerlumpter Inder jubelnd auf uns zu.Die Vibrationen Ihres Singens werden anrühren an die schlafbefangenen Atmas der Steine. "Die wahre Grösse Indiens besteht nicht in seinen Naturschätzen oder seiner grossen Volkszahl oder seiner Kunst oder seiner Geschichte". Wir hatten vorher ein schriftliches Gelöbnis zu leisten.

Doch überall waren es nur Bilder der gleichen. shivo ham ich bin Schiwa. die milchweisse Göttin.. Alte Sagen berichten. Sie gelten in ihrer wahren Gestalt als Dienerinnen Gottes im Reiche der Urbilder. Die m ächtige Herrin des Weltalls f hrt an diesem ü Ort einen Namen. als Sadananda schon längst schwer krank im Lagerspital lag und ich allein wanderte. Und ich gedachte ihrer in Gestalt der riesenhaften blutroten Kali tief im düsteren Felsengeklüft. 74 Nahe einer Gruppe von altersgrauen Lingamsteinen zu Ehren Schiwas stand ein verwittertes Rasthaus f Pilger und ein Tempel der Devi. rannten die Kinder noch immer von ferne auf mich zu. Unter mancherlei Namen wird sie auf Erden angebetet und gepriesen. Sie heisst hier Dudhya Devi. In einer Schlucht badete er im Felsentobel unter einem Wasserfall. ich bin gleich Schiwa. den ich sonst nirgends in Indien fand. sondern als einen vorbildlichen Bhakta. Jahre später. auf dem steilabfallenden Pfad zum Tor des Stacheldrahtlagers. in der Richtung des Sonnenlaufs die Steinbrüstung der Devi. wusch sich vom Kopf bis zu den Füssen. der von der Stadt Hardwar zur Quelle des Stromes Jamuna hoch im ewigen Schnee f ührt. Vom Gebirge her ritt ein Brahmane auf seinem Esel den Waldsteig herunter.. dass ein Bhakta . spülte den Mund. Nun stand ich wieder vor ihr. Er sass mit gekreuzten Beinen vor dem mit einem Tuch verhüllten Bildwerk der mächtigen Herrin unseres Weltalls. der das Wasser dieser Quelle in die Flut der sieben heiligen Ströme Indiens wandeln sollte: "O Ganga. "Wie kommt es. Der von riesigen Mangobäumen umgebene Tempel liegt an dem alten Pilgerpfad. Einen ihrer Aspekte hat wohl G öthe im Abendland erschaut. wo ist der Swami?" Und sie sangen: "Raghupati Raghava Raja Ram. vor der ich in der dunklen Felsengrotte im Innern des Berges Abu mit Schri gestanden hatte. Kaveri. ich bin Schiwa. der ür Göttin." Der Gesang der Kinder verhallte schon. um Befreiung von Krankheit. die um irdische Gaben bitten. Wir beide rasteten an einer Quelle. in das wir zur festgesetzten Stunde zurückkehren mussten. Das innere Wesen der ganzen Natur ist liebend Gott zugewendet. o du Yamuna. Bei der Quelle stieg er von seinem Reittier ab. bevor er trank und den Wasserstrahl der Quelle in seinen Mund rinnen liess. ich bin gleich Schiwa ein Diener Krischnas!" Viele Bhaktas in Indien ehren Schiwa nicht als den Weltzerstörer und nicht als den Herrn der Yogis. Auf. Die Heiligtümer Schiwas und der Maya sind meistens Nachbarn." Die ganze Horde marschierte nun mit uns. Szenen aus Krischnas Erdenwandel im Hirtenland. Wir wussten. sang zusammen mit uns. dass alle Wände in Schiwas ungeheurem Palast Kailas mit strahlenden Fresken ausgekleidet sind. immerzu dabei seine Mantren murmelnd. geheimnisvollen Maya. der immerdar in liebender Hingabe über Krischna meditiert. Hier war sie ans Tageslicht getreten. Sie blicken zu Schiwa als dem grossen Gottgeweihten auf. Auch Sadananda murmelte den Spruch an die sieben Ströme. wir sind von Dir umgeben und umschlungen. In diesem Wasser Wohnung nehmt!" Weibliche Namen haben alle Ströme in Indien." Lange sass Sadananda im Innern des kühlen Tempels. Godavari.und untertauchend."Raghupati Raghava Raja Ram Patita Pavana Sita Ram. um Söhne. Ich gedachte ihrer in Gestalt der G öttin Arbuda mit dem schwarzen Antlitz. der umglänzt ist von der Herrlichkeit der steilen Waldhänge und wasserdurchrauschten Schluchten des Himalaja. und ich mit ihm. Es war. Sarasvati. trank. er sang den uralten Spruch. Sindhu. als ob er sich mit ihr unterredete. als er die Worte niederschrieb: "Natur. Er sang vor der grossen Maya. von allen denen. dem indischen Brauch folgend mit nackten Füssen. um Reichtum. Narbada. wie man die grosse Maya in Indien oft kurzerhand nennt. im Rhythmus mit den Händen klatschend. Dreimal umwandelte Sadananda. "Was haben Sie vor der Maya gesungen?" fragte ich auf dem Heimmarsch durch Wiesen und Wald und über Geröllhänge hinab. Nur mit einem einzigen dünnen Schleiertuch war sie verhüllt und ihre Farbe war diesmal milchweiss. jauchzte er spritzend und prustend: "Schivo ham. ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf. fragten: "Wo ist der Swami.

Er legte mir die Gemeinsamkeiten und auch die Unterschiede in der Gottesverehrung des Christentums und bei den indischen Bhaktas dar. welche die täuschenden. Ich h üllte ihn in einige Decken. Sadananda sprach weiter: "Ich habe der Durga von Radha erzählt. an dem schwankenden Tisch gegenüber. In der Baracke gab es einen Kamin und man hatte ein festliches Feuer darin angezündet. die uns bewachen sollten. Aber Sadananda kam doch zu mir in meinen kalten Schuppen. um das Fest in einem behaglicheren Raum im Kreise gleichgesinnter Genossen mit Alkohol zu feiern. wie so oft vorher. und dann sassen wir uns wieder.. wenn dieser sich vorbehaltlos zu Gott bekennt. die strenge Züchtigerin unserer Welt. Australien und Neuseeland. Ruhevoll blieb Sadananda an dem Tisch sitzen. Tümpelbaum und ich froren manchmal erbärmlich in unserem zugigen Schuppen. ja vielleicht eines wissenschaftlichen Lebenswerkes. Sadananda konnte mich daher ungestört besuchen. Ich habe der Durga. wo in den drei langgestreckten Fenstern sich noch immer keine Glasscheiben befanden. zitterte er vor Kälte.Krischnas die Herrin preist. sagte der Freund mitleidig. als auch in Indien. Er sprach von der Gefahr. und wir sprachen von dem göttlichen 75 Heiland. Von einer Baracke scholl ein Glöckchen herüber. waren zum grossen Teil betrunken. sowohl im Abendland. von der Heiligung des ganzen Lebens. das er mir in dieser Nacht in Schlagworten diktierte. . und dann warf er sich vollständig angezogen mit den Stiefeln auf sein Bett und begann zu schnarchen.. Einige Stunden später klangen von einer anderen Baracke Glockentöne her. die Achtung der Welt zu verlieren. Zuerst sprach er von dem Wagnis des Glaubens. Auch im Winter trug er bloss das orangene Baumwolltuch. damit ich in der heiligen Nacht nicht einsam sein sollte. Sadananda liebte Christus und ich liebte Christus. Die Steine bröckelten unter meinen Füssen. tut ihr Amt als eine Magd Krischnas. Das war der protestantische Abendgottes-dienst. Es wurde die Essenz eines ganzen Buches. die in Krischnas innerem Reich ihm in unsäglicher Liebe dient. erbrach sich T ümpelbaum mehrere Male. Aber die Glocken-klänge und dazwischen die Stille der Nacht wurden immer wieder übergröhlt durch rauhes Lärmen. . Auch in seiner Baracke war es bedeutend w ärmer als in meiner windigen Behausung. Er sprach von der Bedeutung einer geistigen Gemeinschaft. aber er kannte ihn besser als ich. Mein fleischiger Nachbar torkelte in den Schuppen. der gestaltgewordenen Freudenkraft Gottes. von jenem verborgenen Reich Krischnas erzählt. Die Türe wurde aufgerissen. nehmen Sie ein Heft und einen Bleistift und schreiben Sie". Und nun erfüllte er mir eine Bitte. Unsere Namen wurden aufgerufen und notiert. sagte der Freund. Die europäischen Soldaten aus England sowohl. ebenso in der Bhakti wie im Christentum. Auch die Internierten. weil er keinen Überrock besass. denn er war dem immerdar lebenden Christus begegnet. Denn sie selbst ist eine treue Magd. der Kerkermeisterin. Wir waren wieder von den Stacheldrahtwänden umschlossen. Das war die katholische Mitternachtsmesse. waren betrunken. Durga bedeutet Gefängnis. Ärgerlich war Tümpelbaum am Weihnachtsabend frühzeitig weggegangen. von den Baracken und von den Schenken in den verschiedenen Drahtgehegen und auch aus der dunklen Landschaft ausserhalb des Stacheldrahtes brach das wilde Gröhlen betrunkener Männer zu uns herein. Ein heftiger Windstoss fuhr zu uns herein. Er sprach von der Einfalt der kindlichen Hingabe. "Vamandas. Einer ihrer vielen Namen lautet Durga. die ich früher einmal gestellt hatte." Vor dem Schilderhaus am Eingang des Lagers sammelten sich bereits die bestaubten Scharen der Internierten. dem sie sich selber nicht zu nahen wagt. "Die armen Kerle können mit ihren vielen Sorgen nicht fertig werden!". sowohl Nazis wie auch Antinazis. Ohne einen Blick auf uns zu werfen. weltlichen Gaben verleiht?" Sadananda lächelte: "Die Zauberin Maya. Einer der Wachposten sperrte die zweifachen Gittertore vor uns auf. Von allen Seiten. die Krischna in der Verbannung dient." Ich blieb staunend stehen. ein Schatten von Radha. dessen segensvolle Geburt in dieser kalten Nacht auf der ganzen Erde gefeiert wurde. Als der Freund anlangte.In solcher Weise darf ein Bhakta Krischnas die grosse Maya ehren und sie erfreuen. als diejenigen aus Kanada. HEILIGE NACHT Winternächte am Fusse des Himalaja sind kalt und stürmisch. aber auch von der Verwandlung des ganzen Menschen.

der Vater Krischnas. Wir schwiegen und es war ein frohes festliches Schweigen. was sinnen Sie. Vamandas?" fragte der Freund herzlich nach einer Weile. Die Gottesmutter bewegte in ihrem Herzen. Demütig und sorgend beugten sich Joseph und Maria über den Neugeborenen. Vamandas. Kamsa mit Namen. der dem düsteren König der Juden. Die Ketten fielen von ihm ab. ein Kind für sich. In einem Kerker kam das Krischnakind zur Welt. dass zuerst Vasudeva.Gesegnete Weihnacht. die der Bewusstlose in seinem Rausche von sich gab. "Nun muss ich gehen. Einen Augenblick lang legte er seine beiden Hände auf meine Schultern." Er stand auf und sah mich mit glänzenden Augen an. von himmlischen Stimmen geführt. von einem Sohn dieses Elternpaars werde er einmal entthront und ums Leben gebracht werden. weil alle Häuser und Herbergen der kleinen Stadt Bethlehem von lärmenden Gästen überfüllt waren. Das Bhagavata erzählt. Während diese das Gefäss Gottes war. der in einer ähnlichen wirren Nacht zur dunklen Erde herabgestiegen ist. dass das lange ersehnte Gotteskind endlich zur Erde 76 herabgekommen war. Die eiserne Pforte des Kerkers sprang auf. die der Seher Novalis diesen Strophen vorausgehen lässt?" Froh setzte ich fort: "Geuss Vater ihn gewaltig aus. Auch dieses Kind kam in tiefer Nacht und offenbarte sich in einem noch viel beklemmenderen Gelass. Sein Vater und seine Mutter waren mit schweren eisernen Ketten an die Kerkermauer geschmiedet." "Ja. wohl wusste. Alle vorgeborenen Geschwister Krischnas hatte er erwürgen lassen. Gib ihn aus Deinem Arm heraus. dass der ewige allmächtige Gott sich in ihrem Sohn offenbarte." Krischna. Jahrtausende früher. Leise begann ich Strophen von Novalis zu sprechen. strahlte sie so sehr. nahm der Vater auf Krischnas Geheiss den kleinen Knaben auf seine Arme. das in Indien geboren worden war. der jede liebende Bitte derer. in die dunkle Nacht hinaus. was ihr der Engel gesagt hatte. Aber obschon Devaki. die ich seit meiner Jugend sehr geliebt hatte: "Ein Gott für uns. Zwischen den Reihen der in Schlaf gesunkenen Wächter vor dem Tor schritt Vasudeva. lag ich wach auf meinem harten Bett und war voll Glück. Aus Kraut und Stein. . Ich gedachte aber auch eines anderen heiligen Kindes. gehorchte der sich ängstigenden Mutter und verbarg seine göttliche Majestät und sah nun aus wie ein hilfloses irdisches Kind. das göttliche Kind in seinem Geist empfing und hegte und dass er dann dessen göttliches Wesen in den Geist seiner jungen Frau Devaki übertrug. Und drei Weise aus dem Morgenlande brachten Geschenke dar. Denken Sie an ihn."Nun. . denn ihm war prophezeit worden. beherrschte damals die Lande. und Meer und Licht Schimmert sein kindlich Angesicht. trafen ein und beteten an. nickte Sadananda. die junge Mutter. Liebt er uns all herzinniglich. die sich ihm weihen. so sei es". als es der Stall von Bethlehem war. Ruhevoll atmeten die Tiere im Stall zu Seiten der ärmlichen Wiege. dass der schreckliche König Dich nicht erkenne. Herodes. Vamandas. dass Sie gerade diese Strophen aus Europa nach Indien herübergetragen haben. erkannten beide Eltern erschauernd dessen göttliche Majestät und fielen vor ihm nieder und priesen ihn mit Hymnen. Ich gedachte liebend der heiligen Kindheitsgeschichte aus den Evangelien. Ich gedachte des Heilandskindes. "Erinnern Sie sich aber auch der Verse. Nur einige arme Hirten. Denn ein b öser König. war ihr Mutterherz doch voll Furcht." Mit leichten anmutigen Schritten ging er zur T hinaus und verschwand in ür der Finsternis des Lagers. Vor ihm . Während mein Gefährte Tümpelbaum dicht neben mir röchelnd und gurgelnd seinen Rausch ausschlief. glich. Niemand in der weiten Welt ahnte. die wir alle kennen. Als der Knabe geboren wurde. "Das ist schön. erhört. Während ein tiefer Schlaf über die erschöpfte Frau fiel. Zagend flehte sie den Neugeborenen an: "O verhülle Deine göttliche Majestät." Ein erfreutes Lächeln umspielte Sadanandas Gesicht. das vor fast zweitausend Jahren im Stroh der Krippe eines Stalles geboren worden war. dass das ganze Haus von diesem Licht erleuchtet war und der dämonische König in tiefsten Schrecken geriet.Wir kümmerten uns nicht um den Lärm draussen und auch nicht um die Geräusche. das Kind in seinen Armen.

war zu kurz. Die Tore des Kerkers schlossen sich wieder hinter ihm. Einmal wollte Yashoda Krischna die Hände binden. der Ewige. die sie holte. Die Wasser des Stromes teilen sich vor ihm. König Kamsa. Zitternd vor dem Zorn des Königs Herodes. Jesus war in Sicherheit. der scheinbar trotzig weinend in einem Winkel stand. ergriff das Neugeborene bei den Füssen und schleuderte es. Und aus dem Lachen erscholl eine Stimme: "Du Tropf! Du glaubtest. Die schlaftrunkenen Wächter schreckten auf und brachten die Botschaft eilend dem König. der Strick war zu kurz. Aber die Furchtbaren wurden zugleich erlöst durch die Berührung von Krischnas Hand oder Krischnas zartem Fuss oder seines kindlichen Mundes. flohen Maria und Josef mit dem Kind nach Ägypten. welche das Land umhüllte. fielen mir ein: Einmal sass der kleine Knabe auf dem Schosse Yashodas. in dem Butter aufbewahrt wurde. Bald standen lachend alle Nachbarinnen um sie herum und sahen fröhlich zu. wer bist Du?" fragte sie schauernd. Wieder wurde die T des Schuppens aufgeüre rissen. um Krischna zu binden. dessen Unendlichkeit die grössten Yogis und Weisen in tiefster Gottschauung nicht ermessen können.." In Sicherheit wuchs Krischna im Hirtenland auf. wenn sie Krischna sah. dass er trockenen Fusses zwischen den brausenden Wasserwänden hindurchschritt. Die Hirtenkönigin Yashoda schlief. Vor aller Augen gingen sie in sein göttliches Licht ein. Alles sah sie in dem unendlichen Gott. Du wirst Deinem Verderben nicht entgehen. da sie ihn doch behüten musste vor den immerdar drohenden Gefahren. und sie sah Sonne und Mond und den Sternenhimmel. und auch sich selbst. Aber der Strick. Er wanderte den gleichen Weg zurück und legte das kleine M ädchen an die Brust seiner noch immer schlafenden Frau. Und überwältigt von ihrer Mutterliebe vergass Yashoda im Nu. von allen Seiten der zauberischen Nacht. Ungefährdet erreichte er das andere Ufer und wanderte mit dem Knaben in das Hirtenreich Vraja hinein.. wie sie das ganze Haus nach Schnüren durchsuchte und Schnur an Schnur knüpfte. fielen ihre grauenhaften Leiber tot hin. Sein Herz wusste den Weg. Und er. mit dem Yashoda Krischna binden wollte. Drei Betrunkene streckten spähend ihre Köpfe herein: "Tümpelbaum! Tümpelbaum! . In Sicherheit wurde das Kind im Tempel Gott dargebracht und der alte Simeon erkannte in dem Knaben den verheissenen Messias und nahm ihn auf seine Arme und rief froh: "Herr. Da schloss das kleine Kind wieder den Mund und lächelte sie an. Sie hatte eben einer Tochter das Leben geschenkt. Da sah der Knabe. dass der Mutter vor vergeblicher Anstrengung der Schweiss herabrann. Wehe Dir. die Menschen schliefen. ob sie einen Knaben oder ein Mädchen geboren hatte. Krischna ist in Sicherheit. Aber immer blieb der Strick um eine Handbreit zu kurz. mit dem Kopf voran. um ihn zu strafen. der die Neugeborenen von Bethlehem morden liess. Das Kind begann zu schreien. was sie gesehen hatte. Der Hirtenkönig Nanda schlief in seinem Haus. um ihn zu vernichten. mich töten zu können! Ich bin doch die Maya. Eine Wäscheleine. Denn meine Augen haben Deinen Heiland geschaut. denn der kleine Knabe war auf einen Schemel gekrochen und hatte einen Topf zerbrochen. Immer neue Geschichten. Sanft legte Vasudeva das Krischnakind an ihre Brust und nahm die Tochter des Hirtenpaares auf seine Arme. Und von allen Seiten der Welt. Müde und satt vom Trinken der Muttermilch gähnte das kleine Kind. Da sah die Mutter voller Staunen im geöffneten Mund des Kindes die ganze Erde. Auch hier schliefen alle. an die Quaderwand. Aber wie in Rauch löste sich das Kind auf. doch war sie von einer süssen Schwäche umhüllt und wusste noch nicht. deren Brüste überflossen vor Liebe. die grosse Zaubermacht Gottes. war zu kurz. in dem sie wohnte. und auf der Erde sah sie ihr eigenes Hirtenland und ihr Haus. der das ganze Weltall in sich birgt. der viele Jahre lang auf diesen Augenblick bang gewartet hatte. hatte Mitleid mit der Mutter und liess sich gehorsam von ihr binden. wenn auch Kamsa seine m ächtigen D ämonen über den Strom hinübersandte. Von 77 Krischna berührt. Durch Gottes Willen ist dies alles geschehen. "Krischna. Er hatte Butter genascht und auch der Katze und den Affen zum Fressen gegeben. Die Kühe schliefen. die das Bhagavata von der Kindheit Krischnas erzählt. die ihn lieben. Sie knüpfte einen anderen Strick daran. um es zu zerschmettern. In grimmiger Entschlossenheit stürzte König Kamsa in den Kerker hinunter. und sie herzte und k üsste Krischna und sorgte sich um ihn. Er lässt sich von jenen binden.rauschte der Fluss Yamuna. nun l ssest ä Du Deinen Diener in Frieden fahren." Die Geschichten verflochten sich. scholl ein Lachen auf König Kamsa zu.

Aber eine Mondfinsternis zog heran. dass Chaitanya einst wiederkehren werde. Es ist nur Liebe. Und leuchtet wie geschmolzenes Gold. Als das Kind geboren war.Leise murmelte ich den Mantra vor mich hin. Und alle Menschen. Krischna-Chaitanya. umarmte es und drückte es jauchzend an sein Herz. Unwillig grunzte der im Schlaf Gestörte und wälzte sich auf die andere Seite. der verheissene Heiland. Dieses Begebnis wird noch heute in vielen Liedern besungen. noch immer darauf. Tanz gewordene göttliche Liebe. Einst wollten ihn zwei berüchtigte Raufbolde erschlagen. auf den . wo er schritt. von dem das Abendland noch kaum etwas weiss. torkelnd weiter. Krischna-Chaitanya hat zahllose Menschen von dem furchtbarsten Siechtum. das voll Andacht in den Ganges gestiegen war. Auch das Volk sang. den g öttlichen Namen zu singen. Minister und Prinzen und der König eines mächtigen Reichs. weil sie wild vor Wut darüber waren. Alles Volk in den Strassen sang. Kastenlose und Brahmanen. wie er ihnen versprochen hat. vor ihn hin. Ohne zu zaudern. Und dann ist er entschwunden und wieder eingegangen in Krischna. Dieses Leben ist nicht irdisch. Auch er. da wurden auch sie jäh von überquellender Liebe erfüllt und auch sie begannen. Es sind sogar noch Bruchstücke der Tagebücher seiner vertrauten Freunde überliefert. das die Liebestaten Gottes preist. dass er und eine ganze Stadt mit ihm den Namen Gottes sang. vom Ganges bis zum Kap Komorin im Süden. Das Volk will wissen. welche die Lieder von ihm singen. das es gibt. der verborgene goldene Avatar des finsteren Zeitalters m öge endlich aus dem Reiche Gottes zur Erde herabsteigen. Ein alter Mann hatte viele Jahre sehnsüchtig zu Gott gefleht. Und andere warten auf den Retter. Die schimmernde Scheibe am Nachthimmel verdunkelte sich. diese Fremden seien Brahma der Schöpfer und Schiwa der Auflöser der Welt und andere hohe Himmelswesen in Verhüllung gewesen. Seit vierhundert Jahren warten sie auf ihn und singen am Abend und spähen aus nach ihm. . da strömten unabsehbare Scharen unbekannter Menschen jubelnd zu dem Hause des staunenden Vaters und beugten sich vor dem Kind und brachten ihm reiche Geschenke dar. der die Liebe zu Krischna verleiht.Tümpelbaum! Komm.und ihn in ihren Strophen als Fülle der Gottheit ansprachen. wie das Kommen Christi. war um Mitternacht geboren worden. Hier haben wir das Erdenleben eines g öttlichen Heilands. um zu baden und dort. Und doch warten die Bauern manchen Dorfes in Bengalen. legen sie Schmuck und Gold und Silbermünzen und Seide und einen Brocken Erde und auch ein Buch. Die Tiere des Waldes erkannten ihn und folgten ihm nach. einander stützend. das im vollen Lichte der Geschichte liegt. Wort gewordene Liebe. Tanzend und singend hat er Indien durchzogen. Die Geschichten vom immer erneuten Niedersteigen Gottes auf die Erde sprossten weiter und durchrankten sich. Die dürren Bäume blühten auf. griff der kleine Knabe nach dem Buch. noch einen Schnaps trinken!" Schrien sie. die viele Jahre 78 in der gleichen Hütte mit ihm gewohnt haben .. Als ihre m örderischen H ände den Leib Chaitanyas berührten.. geheilt. sie sind alle bei seinem Anblick von überströmender Liebe ergriffen worden. von der Krankheit der Lieblosigkeit. Auch sein einstiges Kommen war. Dir. buddhistische und mohammedanische Bettler." Achtundvierzig Jahre ist Chaitanya auf Erden gewandelt. Eine Vollmondnacht im Vorfrühling umglänzte hell die Erde. um ihn einzuholen. wie die Bhaktas sagen: Umhüllt von der leuchtenden Schönheit und der Gottesliebe Radhas und hat sich unsäglich nach Krischna gesehnt. während der Mondfinsternis Gott anzurufen. der eins ist mit Krischna. den mir Sadananda gegeben hatte: "Verehrung dem höchst Freigebigen. Mit unreinen schallenden Stimmen sangen die drei im Chor einen Gassenhauer. Um-hüllt von dem himmelerschütternden Schall des Gottesnamens kam der verborgene Heiland der Liebe zur Welt. Es gibt in Bengalen etwa zwanzigtausend Lieder zu Ehren Krischna-Chaitanyas. Um die Gesinnung des Neugeborenen zu erproben. einfältige Bauern und hochgelehrte Philosophen der Schankaracharyaschule. um vor der nächsten Baracke ihr Spiel von neuem zu beginnen. Dann hieben sie die Tür zu und zogen. die ihm begegneten. dem uralten Brauch folgend. Auch die Nachbarinnen und Freundinnen der Mutter kamen mit Geschenken. In diesem Augen-blick wurde KrischnaChaitanya geboren. Gesang gewordene Liebe. schon viele Jahrhunderte vorher von Heiligen und Propheten verkündet worden. Da kam er. das Bhagavata. so erzählt man. der Verborgene.

Sie leuchteten in verschiedenem Glanz und in verschiedener Kraft.. heilige Nacht . blass wie ein Toter in der Kammer. Umständlich 79 . Der erste Weltkrieg hatte ihn an der Heimkehr gehindert. bei dem unendlichen Licht. demselben Urlicht. "Mein Name ist 'Ich komme'". wollen Sie mich nicht einmal hier im Spital besuchen?" Im Spital Krankenbesuche zu machen. lang und bewegungslos ausgestreckt. Er war auf der reichen Insel Java geblieben. das heisst 'Immer Seligkeit'. das weiss ich nicht mehr. den ihm sein Guru gegeben hatte. Manche von ihnen verhüllten sich mehr und manche weniger. bei dem gestaltlosen Brahman. wo ich ein kleines Stückchen des Himmels sah und einen geliebten Stern. Der alte Augenarzt war ein Gefangener wie wir. er konnte gelesen werden: Sada-ananda. die er in ein seidenes Tuch gehüllt aufbewahrte. da lag er schon sehr krank im Lagerspital. die einer nach dem anderen zur Erde herabstiegen. Hörte ich nicht Gesang? Weihnachtslieder? "Stille Nacht. Immer näher. "Wie ist Deine Name?" fragte ich den Avatar." Die Unterschrift lautete: "Stets in dem Dienste des Einen . Sie stammten alle aus dem gleichen Licht. Als Lieblingsschüler eines weltberühmten Professors an einer deutschen Augenklinik war er auf eine wissenschaftliche Studienreise nach HolländischIndien geschickt worden. auch als der Krieg zu Ende war. Geuss. als hätte ich mein Leben lang unten am Grund eines tiefen gemauerten Brunnens gestanden und hätte sehnsüchtig hinaufgeblickt. halten Sie sich nicht in den Vorhallen Gottes auf. Der indische Name des Freundes.Eine Nachschrift war noch angeführt: "Vamandasji." Sada.. Und doch waren sie untereinander auch wieder nicht verschieden. die aus einer Wurzel stammen. antwortete er. dass er sterben werde. die man im Spital Sterbezimmer nannte. Ich täuschte eine heftige Augenkrankheit vor und so durfte ich unter Bewachung in das Spital zur ambulanten Behandlung hinübergehen. zu mir ins Lager herübergekommen. Dann war eines Tages zu meiner freudigen Überraschung ein gefalteter Zettel. Die Heilande Gottes. Ob ich nachher schlief oder wach war. aus derselben göttlichen Urgestalt. Die ganze Erde wartet ja heimlich auf ihn. ein ganzer Sternenhimmel der unergründlichen Liebe Gottes. bedeutet: Immer.. "Ein Gott für uns. Einige Male hatte ich nur von fern durchs Fenster einen Blick auf ihn werfen dürfen. Aus Kraut und Stein und Meer und Licht Schimmert sein kindlich Angesicht. untrennbar. war uns Internierten streng verboten. der kommen soll auf den Wolken des Himmels. Gib ihn aus deinem Arm heraus. war mehrdeutig. die auf mich zuströmte. Ich las die wenigen Zeilen des kranken Freundes: "Mein lieber Vamandasji. Vater. immer liebender leuchtete der geliebte Heiland.. andere brüderliche Heilande." Mir schien in dieser Nacht. waren unausdenkbar verschieden voneinander. verzweigten sich um mich. Da lag er. dorthin. Denn der wahre Krischna betritt diese Stätten nie. aus dem Brunnen heraufzusteigen. Liebt er uns all herzinniglich. während welcher und nach welcher die ihn behandelnden Ärzte davon überzeugt waren. Mich dünkte. wie er sich oft nannte. DAS TOR ÖFFNET SICH Als mir Sadananda eine Reihe der schmalen losen Blätter des Padmapuranas übergab. . Es war nach seiner ersten Unterleibsoperation. Er konnte auch gelesen werden: Sadananda." Wie zwei blühende Rosenbüsche. das war Christus. Gegen Morgen wurden die heiseren Aufschreie der Betrunkenen allmählich leiser. Aber mit einiger Mühe machte ich es doch m öglich und sogar schon am nächsten Tag. die Heilandsgeschichten des Ostens und Westens. Sie waren alle Offenbarungen des Einen.Sada. von Sadanandas Hand geschrieben. Aber er war nicht allein. und dies bedeutet 'Seligkeit im göttlichen Grund allen Seins'.verheissenen Avatar der Zukunft. Aber nun hatte ich begonnen. dass ich vor dem lichten liebenden Leben des für die Zukunft verheissenen Avatars Gottes stünde. Rings um ihn leuchteten andere wundersame Sterne. ein Kind für sich. ihn gewaltig aus. Als Sanatoriumsbesitzer im Wohlleben der Tropen hatte er die wissenschaftlichen Träume seiner Dozentenzeit langsam vergessen.

um zu mir zu kommen. Und dort. "Wie sehen Sie denn aus. Ich schrieb ja. Vamandas?" lachte Sadananda. der verborgene Gott. Dicht an meinem Hinterkopf sauste die Fliegenklappe viele hunderte Male zornig nieder. die dort leben. Aber es enthält teilweise viel ältere mündliche Tradition. hat nicht stets Leid als seinen unteren Grund." Aber man kommt nicht hin. die er Monate vorher auf unserer Wanderung ins Gebirge der milchweissen Göttin in deren Tempel vorgesungen hatte. so sorgfältig ich's vermochte. bestrich den Lidrand mit einem Silberpräparat und anderen Drogen und bestellte mich auf meine Bitte f einen ür der nächsten Tage zur weiteren Behandlung. sie wurden von seinem schweissbedeckten roten Gesicht angezogen. das tun Sie. sprach. wo er sich unbeobachtet fühlte. Das Padmapurana stammt aus dem neunten Jahrhundert. das war seine 80 Lieblingsbeschäftigung. ist also den Handschriften nach bloss tausend Jahre alt. wobei sich sein Gesicht schmerzlich verzerrte.. Das Glück. muss man Gebirge von Nacht durchqueren. daran durfte ich mich in Indien wieder erinnern: an das Land ohne Schuld und ohne Schicksal." "Das kommt von der ambulanten Behandlung meiner Augen mit Höllenstein. wenn man selbstsüchtig eine solche Stätte betreten und geniessen will. es ist keine Dichtung. "Jedes Wort ist ein Lied. dem Bhakta Schiwa. die Temperatur war gewiss weit über vierzig Grad Celsius im Schatten und die Fliegen quälten ihn. Die Zeit dort ist nicht irdische Zeit. Als ich den Einstieg in jenes offenkundige und . Es war sehr heiss.. die ungezählte Ge-schlechter hindurch nur im Geheimen vom Guru dem Schüler überliefert worden war. es ist wesenhafte Wirklichkeit. "Was hat man den mit Ihren Augen gemacht? Sie weinen ja und sind ganz verschmiert. doch für den Blick des Näherkommenden entfaltet sich die Landschaft zu Bergen und Tälern. die ich nun an dem Bett Sadanandas sass. das ist aber nett von Ihnen. Mir war zumute wie auf einer Wanderung in unbekanntes Land. Es gibt keinen Tod dort. jeder Schritt ist Tanz. Der Text war in altertümlicher Art gedruckt. Es ist kein Traum. waren die Laute verändert und ineinandergeschmolzen. Wie oft bin ich seit meiner Knabenzeit nach einer endlosen langen Wanderung entsetzt aus dem Schlaf emporgeschreckt: Ich habe etwas vergessen.verzeichnete der weiss-haarige Mann auf einem Blatt seiner Kartothek alle meine Daten. Mit einer Fliegenklappe schlug Tümpelbaum andauernd klatschend nach den Störenfrieden. Mein Mitbewohner T ümpelbaum sass indessen hinter mir in dem Schuppen. ganz schwarz im Gesicht. den schweren Kopf in die breiten Arme gestützt und brütete über mathematischen Problemen und Geometrieaufgaben. sie zerbricht nicht in jedem Augenblick schmerzlich in Vergangenheit und Zukunft." "Fehlt Ihnen denn etwas an den Augen?" "Aber keine Spur. in seinem eigenen Reich sanft lächelnd zu seinem Vertrauten. die Krischna. Derart entschleiert sich der hingebungsvollen Seele allmählich das verborgene Reich der göttlichen Liebe. Er gab mir am Schluss die Strophen von Krischnas innerem Reich aus dem Padmapurana zum Übersetzen mit. das man dort erlebt. Beim ersten Anblick scheint es dem Wanderer eine einheitliche blauschimmernde Wolkenwand zu sein. klappte dann geübt meine Augenlider auf. sass er nun. Wäldern und Seen und er begegnet den Wesen. einem fernen Gebirge zu. sondern jede Verszeile war wie zu einem riesigen Wortquader zusammengeschmiedet." In der kurzen halben Stunde." "Ach so. Bevor der erste Morgenschein des verborgenen Landes aufdämmert. was geschehen ist. Aber ich achtete nicht darauf. wo die einzelnen Worte aneinanderstiessen. Ich habe etwas unendlich Wichtiges vergessen! Was ich und wir alle vergessen und verloren haben. Der Boden dort ist nicht irdische Erde. die Worte waren nicht voneinander getrennt. und streckte mir freundlich seinen abgemagerten Arm entgegen. für Sadananda in ein Heft die Offenbarungsworte nieder. dort wo ungeschehen gemacht wird. Es bedurfte oft eines langen sachten Lauschens auf den Rhythmus der Verse und auf den inneren Sinn. bis sie sich entschleierten. berichtete mir der Freund manches Verborgene. Ich hatte grosse Mühe mit der Übersetzung. sondern nur durch ein Übermass von schenkender Liebe. Er hatte stillschweigend seine Besitzrechte auf unseren gemeinsamen Tisch aufgegeben und sich statt dessen aus alten Kistenbrettern einen eigenen Tisch zusammengezimmert. Ein Schein des ewigen Reiches der Urbilder hat ja seit meiner Kindheit immer wieder in mein Leben geleuchtet. Im Hintergrund.

Mein Guru hat diese Ordnung. wenn man noch weiterdringen wollte. sang er einmal stundenlang: "Krischna! Krischna! Krischna!. "Sich innerlich niederwerfen vor jeder Verszeile. und er mir auf kleinen Zetteln seine Bemerkungen und Antworten niederschrieb.. wie einstmals in der Baracke. da überprüfte er die Übersetzung der Texte. Ihr Rückgrat war ja gebrochen. Fünfmal wurde Sadananda während seiner Gefangenschaft in dem indischen Lager auf den Operationstisch gelegt. über meine mangelnde Sorgfalt. das Haupt unter den weissen Laken verborgen. "Niemand verlangt von Ihnen. H ich einen ätte Stein nehmen sollen und die Katze erschlagen sollen. die ich in der Zwischenzeit fertiggestellt hatte. Krischna' gerufen?" Sadananda war tief beschämt. vor jedem Wort. dass ich ihn schlafend fand. "Auf totem Kies und auf Aschenbahnen mag man rasen. Wenn ich kam. nicht gesammelt. Freilich kam es auch vor. Krischna. da lag er lang ausgestreckt. Wenn wir beisammen waren. in welcher Seelenhaltung ich übersetzen solle. um ihr entsetzliches Leiden zu enden? Ich habe es nicht getan. Diese innere Ordnung zieht Krischnas Gnade an. die das ganze Leben durchdringt.. Aber nur seine Fingerspitzen berührten die Speisen. ein Nurmi sein". Der Operations-pfleger. Wie hätte ich mich verhalten sollen?" . Etwa zwei Jahre lang lag der Freund mit kurzen Unterbrechungen im Lagerspital.doch dicht verhüllte Reich suchte . was ich mir jemals im Leben an geistigem Gut erarbeitet hatte und wo jeder Weg nach einigen Schritten in einem wilden Stacheldrahtgestrüpp abbrach und wo scharf geschossen wurde. sind manche seiner Worte noch erhalten und sehen mich in ernster Liebe an. da ich mir jede Stunde des Beisammenseins mit ihm auf mannigfaltige Weise erkämpfen musste.Jede Feder. Auch im Spital arbeitete er fast ununterbrochen. dass er wieder aufwachen 81 würde. wo alles verloren schien. Sie versuchte aufzuspringen. jedes Stückchen Papier kann zum Werkzeug werden. wo es keine Schuld und kein Schicksal gibt. Aber die geistigen Auen des Bhagavata. Oft tadelte er mich. aber immer wieder sank sie wimmernd zurück. als ob es die letzte Offenbarung enthielte . "Ein Heft mit Übersetzungen aus dem Bhagavata muss ein Vorbild der Reinheit und Ordnung sein. sass er zumeist. ohne jemals an ein Ende zu kommen. Doch in einer Barackenwelt. Rings um ihn war der Lärm und Betrieb des Krankensaals.und dann lauschend warten. kam nachher zu ihm. den kleinen Blechkoffer als Tisch auf seinen Knien. als ob er gar nicht gegessen." Da Sadananda einmal lange Zeit ein vollkommenes Schweigegebot hielt. einer unserer Kameraden. wo Gott und seine Beigesellten ihre ewigen Spiele treiben. ich bin weggegangen. um Krischna zu dienen und ihn zu erfreuen. sondern gebetet hätte. Um Vraja zu finden. Während die Betäubungs-mittel nach der Narkose noch wirkten. fragte ihn erstaunt: "Warum haben Sie denn immer 'Krischna. f ührte ich ja ein Leben tiefster Verzweiflung. wollen in andächtiger Liebe durchwandert werden. Die Katze war noch nicht ganz tot." Einmal mahnte er mich traurig. wo man in alle Ewigkeit schreiten kann. Und so sind die langen schweren Jahre hinter Stacheldraht für mich die wunderbarste Zeit meines Lebens geworden. Doch ich musste erst in ein Gefangenenlager hineingehen. um in irgendeinen dunklen Winkel zu entfliehen. und schrieb eifrig. nach einer peinigenden schlaf-losen Nacht." Da erzählte ich ihm. wäre ich gern um die ganze Erde gewandert. . Sie sollen ein Schnelläufer.und abglitt und wieder zu klimmen begann. um einem Sadananda zu begegnen. "Im Kreis sind die Männer und ich unter ihnen um das verendete Tier herumgestanden. Jedesmal gab er sich völlig in die Hände Gottes. Eines Tages fragte er mich: "Warum sind Sie heute unruhig. Gelassen wartete ich. Mein eigentlicher Unterricht begann erst dort. Es war. Um Vraja zu finden. mit gekreuzten Beinen auf seinem Bett. So wie Tiere es oft vor dem Sterben tun. dass er sein Herz nicht hatte besser behüten können. hatte ich ja die Reise nach Indien angetreten." bis er erwachte. habe ich in meiner Verzweiflung den Weg ins Unbetretene gesucht. Ich wusste nicht. sagte er mir einmal. in das Land. geliebt und selber geübt. Sadananda kam und half mir zum offenen Tor des Reiches Vraja zu finden. auch noch mehrmals in dem Einzelzimmer f r Sterbende. was ich tun sollte. klagte über meine Hast." Er gab mir Rat. dass kurz vor dem Abmarsch der Krankengruppe ins Spital eine Katze im Lager erschlagen worden war. wollte sie sich verkriechen. bis der Urtext selbst die Initiative ergreift und in Ihnen zu sprechen beginnt. Er ass zum Beispiel wie die anderen Hindus mit der Hand. Vamandas? Das bekümmert mich. Wie ü oft habe ich in einem der Krankensäle neben seinem Bett gesessen.

Vamandas.und in das Ohr der Katze hätten Sie den Mantra von Narasinha singen m üssen. diese Jungen gegen ihn aufzuhetzen. er verhängte schwere Geldstrafen über die armen Jungen. üde Obwohl er noch überaus schwach war von dem tiefgehenden chirurgischen Eingriff.ganz ungeachtet des Kreises der gaffenden Gesichter rings um Sie . das meine Stimme spricht. Mit jedem Wort. Sie aber kamen doch immer wieder zu Sadananda. Plötzlich begann er mit erstaunlich klarer. was ich bin und was mein ist. war ich überzeugt. seine eigenen Kameraden. Jede Arbeit unterbrach er ihretwegen.Sadanandas Augen blitzten mich an. ebenfalls als Patient in das Spital aufgenommen zu werden. sogar bei ihren geduldigen Versuchen. die ich so oft von ihm vernommen hatte: "Vamandas. dann wäre das Geschöpf. als er in der Gefangenschaft immer wieder vor die Wahl gestellt wurde. Ich will Ihnen ein Sanskritgebet aus dem Padmapurana an das göttliche Paar RadhaKrischna diktieren. Ausgestreckten sass. Krischna! Dein bin ich. der Tagesbefehl war ausgegeben worden." Als Sadananda innehielt. Wenn Sie es nicht versäumt hätten. zu verhungern oder Nahrung zu geniessen. die ihm sein Kult verbot. den ich Ihnen gegeben habe. denen jeder Schulbesuch versagt gewesen war. Er. nun sehe ich den Freund zum letztenmal. bis zur Auftischung des nächsten Gerichts. 82 als es hiess. Mit meinem Geist. Fleisch zu essen. Er war m geworden. . die auf Tod und Leben gingen. Ein Raunen ging durch das Spital und das ganze Lager und durch alle Basare der umliegenden Orte. Ich hatte die jahrelange Qual miterlebt. der Narasinha. verstand ihre Sprache. so hinfällig war er. da habe ich mich entschlossen. hatten ihn die europäischen Ärzte. Das alles sei zu euren Füssen Als Opfer heute dargebracht. Mit jedem Kummer kamen sie zu ihm. als ich Sie heute an meinem Fenster vorbeigehen sah. wahrscheinlich in bester Absicht. Bloss mit den Augen konnte er sich mit mir verständigen. liebten Sadananda unsäglich. Er gab ihnen regelmässig seine Unterweisung. Nach einer der Operationen. es noch für eine Zeitlang auf der Erde zu versuchen . Radha! Mit meinem Leib und allen meinen Taten." Die indischen Jungen. der einzig Krischna gehört und dass es seine innere Bestimmung ist. Fleischsuppe zu sich zu nehmen. im Sterben erinnert worden. alle Mahlzeiten ihm p ünktlich aufzutischen und die Gerichte neben seinem Bett stehen zu lassen. die beiden. und auf ihren Knien ein Stück Papier und eine Hindi-Fibel und die schweren Buchstabenzusammensetzungen der Hindi-schrift nachmalend. die Geschichten von den grossen Avataren Gottes. wenn er ihnen die Geschichten vom Niedersteigen Krischnas auf die Erde erzählte.damit der Unterricht nicht aufhört. Im Kreis kauerten sie auf dem Boden vor ihm und lauschten und sahen zu ihm auf. Aber die liessen sich nicht irre machen. nehmen Sie ein Papier und einen Bleistift und schreiben sie. der Geistlöwe. Krischna in alle Ewigkeit zu lieben und ihm zu dienen. Erst am Abend des sechsten Tages seines Hungerstreiks gelang es mir. und richtete eine Aufforderung an mich. genannt wird. Sein ganzes Wesen war wie ein weisser Feuerschein. hatte er zu fasten begonnen. Der aufgeklärte indische Spitalkommandant verbot es. Er fastete weiter. auf den barschen Anruf der kranken Sahibs wartend. Immer hatte er Zeit für sie. Als ich schweigend neben dem Bewegungslosen. Sie wissen. Er wolle lieber sterben als sich weiter zwingen lassen. wollen Sie nicht doch noch eine Weile leben?" Er lächelte und scherzte: "Ja. als ich in das Zimmer trat. als einmal einer der Krankenpfleger es durch Verleumdungen hartnäckig versuchte. In dieser Welt und im künftigen Sein. "Ganz falsch haben Sie sich verhalten. doch noch Lesen und Schreiben zu lernen. die eins sind: "Das. fragte ich ihn: "Swamiji. So oft ich ins Spital ging. welche im Spital die Nachtgeschirre der gefangenen europäischen Kranken ausleerten und andere niedere Dienste f ür sie taten. dazu nötigen wollen. der mit seinen diamantenen Klauen den Vorhang der Maya von dem Atman wegreisst und ihn erweckt. die Strophe von jenem grossen Avatar Krischnas. dass es seinem wahren Wesen nach ein Atman ist. Sie hätten niederknien müssen vor dem sterbenden Tier . sah ich einige dieser Jungen im schmalen Schatten der Latrine kauern. ja kraftvoller Stimme zu sprechen. Es war ein bitterer Schmerz für ihn. Dein bin ich. das durch den irdischen Tod ging. der europäische Mahatma. Er half ihnen. Swami Sadananda habe zu hungern begonnen.

das Rauschen der Wildströme in den Schluchten und vor allem die seltsamen Gedanken." Der Freund brach sein Fasten. Die Internierten tranken. Meine Frau schrieb: "Wir müssen Gott danken. dass manche Dörfer unweit des Manasarowar-Sees völlig ausgestorben waren. der am längsten ausgehalten hatte. Eine neue Stufe der Gemeinsamkeit begann an diesem Abend. hörte ich einen jungen deutschen Seemann bitter höhnen." Ich beugte meinen Kopf. was Selbstsucht ist. Sadananda hielt die ganze . Aber auch der Erfüllung ihres einzigen. dass wir die Seuche zu ihnen verschleppen könnten. "Man muss die Festungen feiern. die von der Steinigung herrührte. Unsere Haare wurden grau. dass auf seiner klaren Flut der Atman. um den Jammer nach schweren Niederlagen zu betäuben. Jahr um Jahr verging. Ach es war so. Er hatte in den Jahren im Lager alles. er liegt in einem ganz anderen Reich. die ihm nachts immer gekommen waren. in einer Umgebung. flammenden Wunsches hatte sie nun entsagen müssen. unsere Zähne fielen aus. wo man ihn. Ich sass am Bett meines Freundes im Spital. weil die Pocken dort gewütet hatten. Es gelang ihnen eine wohlvorbereitete Flucht. Der wahre Geistessee ist auf der Erde nicht zu finden. sanken unter in der Menge und verkamen und verwahrlosten. Dieser starke Wille hatte sie Jahre hindurch am Leben erhalten. während mir der Mann solches erzählte. Meine Mutter war eine feurige stolze Seele gewesen. das Brausen der Stürme. eine Zuflucht gefunden hatte. dass sie mit unserem Kind in diesem gastlichen Land. Sie waren eingefangen worden. um über den Himalaja zum heiligen Manasarowar-See vorzudringen. wie Schri mir gesagt hatte. die von einem teuren englischen Schneider verfertigt waren. Die anderen sahen wir später im Lager wieder. die während ihrer Himalajaexpetition überrascht worden waren vom Kriegsausbruch. wie sie fallen". Er berichtete von einem gespenstischen. ihrer Gier nach Silbermünzen. ging die Weltgeschichte ihren Lauf. Und vormals angesehene Leute. Ich war ja nach Indien gekommen. Nun spazierte eine Wanze vom Kragen seines zerrissenen Khakihemdes seinen R ücken hinab. Er erzählte auch von der Habsucht der Bewohner des verbotenen Landes. wahrlich im letzten Augenblick. dass mir die Tränen die Wangen hinabliefen." Ich erschrak. Einer der abgehärteten kühnen Männer ging an Entbehrungen zu Grunde. sie tranken. mit einem Hagel von Steinwürfen heulend weggetrieben hatte. Sie wusste nicht. was er besass. Ich wusste schon seit längerer Zeit.bevor Sie sich allein weiter helfen können. Beim Schlangestehen vor der Lagerkantine stand ich einmal hinter einem Mann. mich nochmals zu sehen. nachdem sie ihre Strafe im Lagergefängnis abgesessen hatten. Die Fronten auf den Kriegsschauplätzen in vier Weltteilen wurden vorgeschoben und rollten wieder zurück. Ich konnte nicht hindern. Früher missachtete oder unbekannte Männer wurden plötzlich einflussreiche Persönlichkeiten in den Baracken. Während ich. "Erst später haben wir erfahren. als er sich ausgehungert n äherte. oder hatten sich fiebernd über das Gebirge zurückgeschleppt und freiwillig bei der Polizei gestellt. Manche von ihnen kamen bis tief nach Tibet hinüber. konnten das Eingesperrtsein hinter Stacheldraht nicht mehr ertragen. Einige sahen interessiert auf mich hin. kaum bemerkt von den Kameraden. als ich eine Postkarte meiner Frau aus Schweden erhielt. ein weltberühmter Ringkämpfer. dass sie nicht länger in dem Judenlager leiden muss. Eine Reihe von Bergsteigern. In dem anderen Dorf waren die Bewohner voll Furcht. denen viele liebedienerisch geschmeichelt hatten. Aber selbst in diesen Gefilden hassten also die Menschen einander und wurden von Furcht und Gier und Krankheit verheert. vollkommen menschenleeren Dorf und von einem Nachbardorf. Einer von ihnen. einschliesslich seiner schönen Anzüge. der früher stets grossen Wert auf ein gepflegtes Aussehen gelegt hatte. dass Deine geliebte Mutter tot ist. wie ein Schwan sich wiegt. wo die meisten untergegangen sind. Er wies mir eine tiefe Narbe in der Stirn. als die grosse deutsche Armee in Stalingrad gefangen wurde. die unbefleckte Menschenseele. die ständige Unterweisung Sadanandas erhielt. Die Kranken in den anderen Betten waren aufmerksam geworden. Die Veränderungen warfen tiefe Schatten in das schwanke Gefüge des Lagers. erzählte mir später von seinem Leben in Tibet. nach und nach vertrunken. von dem die Sagen berichten. Nur ein einziger Wunsch war ihr verblieben. Er habe zuletzt die Einsamkeit auf der windüberfegten öden 83 Hochebene von Tibet nicht mehr ertragen können. um die jeweiligen Siege zu feiern.

Ich war gewiss." Wir lachten beide. dass auch höchste Weisheit. antwortete: "Nein. Es waren meine eigenen geistigen Augen und Ohren. das mehrjährige völlige Schweigen Schris. seine fröhliche Jugend verbracht hat. Er sagte mir: 'Ja. Nur eines quälte mich sehr. mit dem heiteren hellen L ächeln eines unschuldigen Kindes. Auch Rana war bei ihm. wissen Sie vielleicht. wer dieses bekleckerte Kind ist?" O. der urwüchsige fette Damenfriseur aus Wien. obwohl doch noch alle Betten. Er hielt noch sein jahrelanges Schweigegelübde. Er ging nach Brindaban. dass ich entlassen wurde. aber im übrigen war es ganz wohl und munter. er durchbrach sein Gelübde. was Du getan hast. Leer erschien der Krankensaal nach Sadanandas Weggehen. . die man vergeblich auf der Tenne drischt. Aber als ich durch das Tor des Lagers trat. Der mir das Auge geöffnet. denn es war schon über acht Jahre her. Ich segne Dich f r das. wo auf den bemoosten Zweigen der Bäume wundersame Orchideen wachsen und wo man unvermutet in tiefe Täler und Schluchten. der mich begleitete. nicht las. meines ersten Guru. nicht sprach. erzählte er mir einen Traum: "Ich träumte. Er fehlt uns allen. ich wusste es. Ich segne Dich. weil dort am Strome Yamuna. sagte er. Als ich durch die beiden vergitterten Tore schritt. "So weit sind wir noch lange nicht". bis auf das seine. Sie k önnen gehen. Aber das kleine Kind müssen Sie mit sich nehmen. ein Schein von Krischnas innerem Reich hineinglänzt. die Wahrheit zu wissen. fragte der Wachtposten wie gewöhnlich: "Ins Spital?" Der englische Unteroffizier. Abermals wanderte ich mit Rana durch die W älder. in Krischnas Reich". wie trockene Spreu ist. den er mich gelehrt hatte: "Gepriesen sei der Guru.Zeit meine Hand. der Hirtenknabe. aber jeden Tag. Ich selbst war das Kind. sass ich zu den Füssen des gütigen alten Mannes. ja bis zum Meer hinabblickt. antwortete ich mit einem Mantra. ich würde den Freund wiedersehen. beugte ich mich vor ihm nieder und er berührte mit seiner schmalen Hand segnend mein Haar und sah fröhlich zu mir herab. hielt mich der Posten an." Wenige Tage nach Empfang dieses Schreibens wurde auch ich ganz unerwarteterweise aus der Internierung entlassen. Als ich das nächste Mal zu Sadananda kam. die mit Erde verschmiert waren. Und er. Schri schrieb: "Mein lieber Vamandasji! Gut hast Du Deine Zeit in Indien angewendet. Er wohnte wieder oben im Waldgebirge von Mahabaleshvar. Ich schrieb einen Brief an Schri Maharadsch und mühte mich. und meine tapfere Frau hatte die ganze Zeit die B ürde . seit der Hindufritze weg ist. aber innerlich voll Beschämung und Glück. wie einstmals. Im selben scherzenden Ton wie der Freund. ihm ausführlich meine ganze innere Entwicklung zu schildern." Ich aber war fröhlich und zuversichtlich. Schwieg er. sagte mit einem wegwerfenden Blick auf die in der Krankenbaracke verbliebenen Kameraden: "Es ist nix mehr los. der bei den chinesischen jungen Frauen auf der Insel Java mit grossem Erfolg die Dauerwellen eingeführt hatte. Aber im Zusammensein mit Sadananda hatte ich erkannt. sagte er. Ich empfing im Lager einen Brief von seiner eigenen Hand. wo ich schon einmal einen Sommer mit ihm verbracht hatte. ohne aus dem Herzen überströmende Liebe zu Gott. um mir dort einen Schiffsplatz nach Schweden zu sichern. in jene Landschaft auf Erden. er ist frei!" Einige Tausend Männer blieben noch in dem Lager hinter Stacheldraht zurück. was Du in Zukunft tun wirst. belegt waren. f die ür gequälte Welt meditierte. nicht schrieb.' Sadananda lächelte: "Die Augen und Ohren des Kindes waren mit Erde verschmiert.Vamandas. führte mein erster Weg zu Schri. ABSCHIED VON INDIEN Als ich frei war. nach der Überzeugung vieler Bhaktas. Der die finstere Blindheit wegnahm mit dem Salbenstäbchen der Weisheit. Von Mahabaleshvar fuhr ich nach Bombay. Kahosta. dass ich ihm innerlich in vielem untreu geworden war? Er hatte mich zu dem hohen Ziel 84 leiten wollen. "Vamandasji. um zu einem Schüler meines Guru nach Brindaban zu reisen. bloss meditierte. in welche. Einige Zeit darauf wurde Sadananda plötzlich entlassen. der seit mehreren Jahren ein strenges Schweigegelübde hielt. morgens und abends. wie ein Haufen leerer Hülsen. dass ich die Meinen nicht mehr gesehen hatte. Wieder. weil er ahnte. Ihre Mutter ist bei Krischna. Krischna. Und ich segne ü Dich für das.

Und der geduldige Erzieher seines Volkes. seine H ände waren im Schoss gefaltet. weil sie einen Heiligen in ihm spürten. die Lohnerhöhung forderten. Mahatma Gandhi sass dem Volk in einem Lehnstuhl auf einer Plattform gegenüber. dass jedes Wort aufspringt wie ein reifer Granatapfel in der Überfülle seiner Bedeutung. . die in Asien gekämpft hatten. damit diese doch einmal in ihrem Leben den Mahatma. Aber als der Lautsprecher zu tönen begann. Er sah sehr müde aus. Bombay hatte sich beträchtlich verändert in der Reihe von Jahren. Auch ein Streik aller Eisenbahnen wurde für die nächsten Tage angedroht. die er mir gegeben hatte. Das lag am anderen Ende von Indien. während ich von Amt zu Amt lief und überall eine Menge von langen Formularen und Fragebogen ausfüllen musste. mit welcher seit Jahrtausenden das Studium der Upanischaden begonnen wird. sah nicht nur den Staub und die Leidenschaften in den Gesichtern der Menschenmasse.." Aber die uralte Sanskritsprache ist so knapp und vieldeutig. statt an ihren Schaltern zu sitzen. Nun war sie am Ende ihrer Kraft und hatte geschrieben: "Komm. dass Gandhi zu wichtigen politischen Verhandlungen nach Bombay gekommen war. Nun schollen über der Menge der Unberührbaren die Worte der Geheimlehre des Weda. sie liebten ihn. es möge von ihm durchduftet werden. Bloss der schrille Schrei der erregten Volksmenge vor der Goldbörse wogte unverändert auf und ab. Vasyam heisst nicht nur: es m umöge hüllt werden.. Ein allgemeiner Post. die Atmas. die grosse Seele. da er regelmässig ein Schweigegelübde beobachtete. als ob er meditierte. ist jene Upanischad. denen versagt gewesen war. den Seinen die harte bittere Wahrheit zu sagen. Eines Tages las ich in der Zeitung. der alle seine Kraft aus Fasten und Gebet und Zwiesprache mit Gott empfing und der sich aus Liebe zu ihnen in den Lärm und Streit der Politik geworfen hatte. Zu meinem Staunen scholl die erste Strophe der Isha-Upanischad mächtig über den von Fabriken eingerahmten weiten Platz. Ich stand eingekeilt zwischen vierzigtausend oder fünfzigtausend dieser Menschen. es möge von ihm bewohnt sein. Nicht nur ich wartete. denen zu lauschen bis vor kurzem jedem Kastenlosen aufs strengste verboten gewesen war: "Isha Vasyam idam sarvam yat kinca jagatyam jagat. als Zeichen der Brüderlichkeit mit den Armen in einem der Elendsviertel mitten unter den indischen Fabrikarbeitern und Kastenlosen zu wohnen. dem göttlichen Weltenherrscher möge dieses ganze All umhüllt werden. sondern auch die grossen Armeen. Auch Schri war in der Unterweisung. Lesen und Schreiben zu lernen und denen bis vor kurzer Zeit nur das Verrichten der niedrigsten Arbeiten erlaubt gewesen war. erblicken sollten." Das heisst: Von Isha. Die Bankbeamten. deren eingeborene Seelenkraft er erwecken wollte. in allen Wesen. er sah hinter den H üllen die ewigen Seelen. Es war gerade jener Tag in der Woche. ich möchte ihn gerne noch sehen. warteten auf die Heimkehr. Aber was half es. Die Isha-Upanischad. noch viel älter als die Bhagavadgita. um die Dringlichkeit meiner Reise zu bezeugen. er aber zog es damals vor. Deshalb las ein anderer seine kurze Ansprache. Nimm Dich des Kindes an". wo der Mahatma wohnte und sein tägliches öffentliches Abendgebet abhielt..und Telegraphenstreik hielt seit Wochen ganz Indien fiebernd in seinem Bann. der es so oft gewagt hatte. die Augen geschlossen. Ich war sehr einsam in Bombay. Zuweilen zogen lange Aufzüge mit flatternden roten Hammerund Sichelfahnen durch die Stadt. Am gleichen Abend fuhr ich in einem überfüllten Autobus in das ferne Fabrikviertel.. verteilten Flugzettel in den Strassen. Wohl hatte ich ihm geschrieben. dieser Tradition gefolgt und wir hatten mit der IshaUpanischad angefangen. nicht als den Sozialreformer und Verteidiger ihrer Rechte. wenn er in die grossen Städte kam. Die 85 Millionen armer Hindus liebten Gandhi nicht als den erfolgreichen Politiker. es bedeutet auch: das Weltall und all unser Tun soll ständig von Gott umkleidet sein. Sadananda war fern.allein tragen m üssen. von denen manche sich vielleicht noch niemals richtig satt gegessen hatten. In jedem Palaste Indiens hätte man den Greis gewiss gerne als geehrten Gast aufgenommen. er war mit seinem Freund Swami Bon nach Assam gereist. Auf dem Boden der leeren Postämter lagen die unbestellten Briefe und Depeschen zu Bergen gehäuft. Viele hielten ihre kleinen Kinder hoch empor. Briefe zu schreiben oder Telegramme abzuschicken. waren es noch nicht die Worte Gandhis. fast an der Chinesischen Grenze. seit ich dort gelandet war.

Während ich mitten unter der Menschenmenge stand, welche unter der Macht der donnernden Worte schauerte, dachte ich: Diese Strophe der Upanischad ist wie eine Wasserscheide, wie eine Schwelle. Wenn man den Sinn dieser Strophe inne hat, vermag man mitten im Lärm und Streit der vergänglichen Welt zu leben und wird doch nicht von ihr verschlungen. Dann ist man gegründet in Gott. Dann erst kann man den weiteren unendlichen Weg antreten, der hier beginnt - in das Reich der göttlichen Liebe. Die Stimme der Upanischad war verstummt; die Menge verblieb still. Nun begann ein Sohn Gandhis oben auf der Estrade zu singen. Auch diesen Vers kannte ich. Er war einer der Gottes-namen, der im Herzen Liebe erweckt, der Name des göttlichen Königs Rama; der Vers, den Sada-nanda und ich viele Male mit der Schar der jauchzenden Kinder in den Vorbergen des Himalaja gesungen hatten. Zehnmal, zwanzigmal sang Gandhis Sohn den Namen Ramas. Dann sprach er die Volksmenge an: "Ihr, singet auch!" Und zuerst schüchtern und dann lauter und freudevoller sangen sie alle, die Latrinenfeger und Kulis und Strassenkehrer und die Arbeiter aus den Baumwollspinnereien und die Weiber, deren Beruf es ist, dreiviertel nackt in der farbigen Brühe der Färbereien zu stehen und das endlose Band der nassen Tücher auszuwinden; vierzig- oder f nfzigtausend Menschen sangen und ü ich sang mit ihnen. Und Gandhis Sohn zeigte uns mit erhobenen Armen, wie man den Rhythmus halten solle und wie man im Takt mit den Händen klatschen solle. Und wir alle klatschten in die Hände und sangen mit voller Kraft unserer Stimmen: "Raghupati Raghava Raja Ram Patita Pavana Sita Ram." Es schien, als ob die Menge niemals aufhören wollte, jubelnd und begeistert den Namen Ramas zu singen, des göttlichen Heilands, der auf die Erde niedergestiegen war und die Gefallenen aufhob und läuterte. Manche, die da sangen, wendeten wohl zum erstenmal in ihrem Leben das verschüchterte Antlitz ihrer Seele Gott zu. Mahatma Gandhi war in seiner Hütte verschwunden. Keiner von uns, der diese Stunde miterleben durfte, hatte wohl ahnen können, dass nicht allzulange darauf, am Beginn eines solchen öffentlichen Abendgebets, ein Fanatiker diesen von 86

göttlichem Frieden erfüllten alten Mann mit einigen Schüssen niederfällen würde, um seinen Liebe zu den Feinden heischenden Mund zum Verstummen zu bringen. Vergrämt und ermattet lag ich in der Mittagshitze auf meinem Bett in dem Zimmer, das ich mit vier alten Männern teilte, da dünkte mich, ich hörte Sadanandas Stimme. "Stehen Sie auf, Vamandas", sagte der Freund, der hochgewachsen, schlank in seinem lichten indischen Mönchsgewand erstaunlicherweise durch die Türe eingetreten war und mit raschen Schritten auf mich zukam. Misstrauisch und besorgt betrachtete mein Bettnachbar, ein langbärtiger Jude, den Eindringling in indischer Tracht. "Rasch! Es ist schade um jeden Augenblick", mahnte mein Freund. "Ziehen Sie sich Ihren besten Anzug an. Unten im Wagen wartet Swami Bon." "Wir können nur zwei Tage, höchstens drei Tage bleiben", erklärte mir Sadananda, während wir eilig die Holztreppen des hohen Hauses hinunterliefen. "Wir beide sind bloss gekommen, um Sie zu treffen, bevor Sie nach Europa reisen - und weil Swami Bon Ihnen den indischen Rosenkranz aus Tulasiperlen mit den heiligen Namen Gottes geben will." In dem landesüblichen zweirädrigen Wagen vor dem Tor sass Swami Bon, Sadanandas Freund, den sein Guru Bhakti-Siddhanta Sarasvati einst vor vielen Jahren nach Europa entsandt hatte, der erste Bhakta, dem Sadananda begegnet war. Swami Bon, dessen edles Gesicht mit den stillen Augen ich von Bildern kannte, sah älter aus, als ich gedacht hatte. Mit der Stirn berührte ich seine F üsse zum Gruss und stieg in den Wagen und wir fuhren davon. Wir kümmerten uns nicht um die beiden Männer in indischer Tracht, die vor dem Tore des Hospizes standen und uns forschend nachblickten und wahrscheinlich Geheim-polizisten waren. Nur drei Tage waren wir beisammen. Tiefgründiger wurde die Stadt Bombay in diesen drei Tagen. Zusammen schritten wir barfuss durch das Volksgewimmel der Höfe des grossen Narayanatempels, der ein Sitz der indischen Orthodoxie ist und in dessen Hallen der Pandit inmitten eines Kreises kauernder Zuhörer nach uraltem Brauch singend die Schrift erklärt. Wir gingen weiter. - Zusammen sassen wir drei am Meer, sassen im Kino vor einem Krischnafilm, wir assen gemeinsam und mühten uns, wie es den

Bhaktas geboten ist, die Speise als eine Gabe unserer Liebe, zuerst Gott darzubieten und als g öttliche Gnade von ihm zurückzuempfangen und dann teilzunehmen an einer Kommunion mit Gott, an einem gemeinsamen Liebesmahl. Als wir am Bahnhof in Bombay Abschied nahmen, sagte mir Sadananda: "Tragen Sie den Schatz, den Sie empfangen haben, ins Abendland hinüber."

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ANHANG
Erklärung einiger Sanskritworte,
vorzugsweise nach der Anschauung der indischen Bhaktas in der Nachfolge von Krischna-Chaitanya.

AKSHARA 1. ein Buchstabe des Alphabets, eine Silbe, ein Wort. 2. der Unzerstörbare, Gott. ASURAS die Dämonen; sie gelten, ebenso wie die Devas, als Kinder des Rishi Kashyapa. ATMAN die Seele, das Selbst, die ewige unzerstörbare innere Gestalt jedes Wesens. 'Jenes Licht, welches jenseits der Himmel dort leuchtet in den allerhöchsten Welten - das ist gewisslich dieses Licht, welches inwendig hier im Menschen ist': Chandogya Upanischad III, 13,7. 'Aus Einsicht ist der Atman gebildet, Geist ist sein Stoff, Leben sein Leib, Licht seine Gestalt': Chandogya Upanischad VIII, 14,2. Atman wird häufig als "Seele" übersetzt. Die westliche, von der Psychologie beeinflusste Denkweise, meint mit dem Begriff "Seele" die feinstoffliche oder die psychische Struktur des Lebewesens. Atman bezieht sich jedoch einzig auf die ewige und unveränderliche innerste Identität. Es ist dieses innerste unzerstörbare ICH, das von den feinstofflichen Hüllen (Mana: Denken, Fühlen, Wollen; Buddhi: Intelligenz; Ahankara: Falsches Ego) und dem grobstofflichen Körper eingekleidet und bedingt wird. AUM oder OM die Ursilbe. Die einzelnen drei Laute A und U und M werden in Beziehung gebracht zu Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft. Zu Weltentstehen, Welterhalten und Weltvergehen; zu Brahma dem Schöpfer, und Wischnu dem Erhalter, und Schiwa dem Zerstörer; auch zum Wachzustand und Traumzustand und Schlafzustand. Die ganze Silbe bedeutet den vierten Zustand, den sogen. Turya-Zustand, das ist ein Zustand der Vollwachheit, welcher Wachen und Träumen und Schlafen durchdringt, zu dem sich unser Wachen bloss wie ein Traum verhält. Die Laute A und U verschmelzen sehr oft zu dem Laut O. Gesungen klingt die Silbe stets AUM. 'Das Wort

(das Ziel, der letzte Schritt, der h öchste Zustand), den alle Weden verkünden ... das ist OM': Katha Upanischad. 'Die Silbe OM ist das "grosse Wort", der Ursprung der Weden, von der Natur Gottes, aller Welten Heim': Krischna-Chaitanya im Chaitanya-Charitamrita. - Die Silbe OM wird von Chaitanya-Bhaktas auch der Same des Namens Krischna genannt. Der Name selbst wird mit dem vollerblühten Baume verglichen. AVATAR wörtlich: Der Herab-steigende, eine in die Welt herabgestiegene Gestalt Gottes, ein göttlicher Erlöser, eine Person aus reinem göttlichen Geist. (Chit). Sie erscheint wie ein Mensch mit einer Hülle aus Fleisch und Blut durch das Wirken von Gottes Macht Maya, die das Auge des Schauenden verhüllt. Die zehn grossen Avatare Krischnas: In der Dichtung 'Gita Govinda' von Jayadeva (12. Jahrhundert nach Christus) wird Krischna als Avatarin gepriesen, als derjenige, von dem die zehn grossen Avatare ausgehen. Diese sind: 1. Fisch (Mina oder Matsya), 2. Schildkröte (Kacchapa oder Kurma), 3. Eber (Sukara oder Varaha), 4. Löwenmensch oder Geistlöwe (Narasingha oder Nrisingha), 5. Vaman, der Zwerg, 6. Rama mit der Axt, 7. König Rama, 8. Krischna Selbst und Balarama (der ältere Bruder Krischnas), 9. Buddha und 10. Kalki, der Avatar, der in Zukunft kommen wird. - Es gibt aber viel mehr Avatare mannigfaltigster Art, es kommt z.B. vor, dass ein Mensch gleichsam zum Gefäss wird, das die göttliche Macht zeitweise erfüllt. Die indische Avatarlehre ist eine sehr ausgebildete Wissenschaft. - Auch Christus wird von manchen Hindus als ein Avatar Gottes angesehen. BHAGAVADGITA wörtlich: Gesang des Erhabenen, Gesang Gottes. Episode aus dem Epos Mahabharata in achtzehn Gesängen, dem Vyasa zugeschrieben; Unterweisung des Helden Arjuna durch seinen Freund und Wagenlenker Krischna auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra. BHAGAVAN der Erhabene, der Besitzer aller Füllen: 1. Der persönliche Gott in seiner Fülle; Krischna wird in der Bhagavad-gita ständig Bhagavan genannt, 2. Ehrentitel höchster Weiser und Gottgeweihter. BHAGAVATA 88

welches die irdische Welt darstellt. DUDHYA DEVI die milchweisse Göttin. Er gilt als ein Tropfen aus dem 'Ozean aller Ursachen' (karanasamudra) oder als ein versprühter Tropfen des Waschwassers. von brih. Kaste usw. Ein alter Bengali-spruch lautet: 'Das ewige Wesensgesetz jedes Lebewesens ist. die Herrin über das Gefängnis. durch den das Weltall gehalten wird. (neutr. das für jeden Atman gilt. Man sagt. . wusch. strahlen. von durga. Ein anderer Name für Deva ist Sura. dem als Knabe die Brahmanenschnur und der Mantra Gayatri verliehen wurde. Die Lebensgeschichten der grossen indischen Heiligen seit der ältesten Zeit sind voll von Berichten über die Durchbrechung erstarrter Kastengesetze. er durchflutet dann entsühnend die Erdenwelt. der Dharma. den Dharma des Pfades der Werke und den Dharma des Pfades des Yoga und den Dharma des Pfades der Weisheit und den Dharma des Pfades der gesetzhaften liebenden Hingabe. gesetzhaft geregelte Religion. d. Die Brahmanen sind dem Mythus nach aus dem Haupte des Weltschöpfers Brahma entsprossen. Wahrhafte Brahmanen werden in der Schrift die 'Erdengötter' genannt.Dem Bhakta gilt es als Entartung. DHARMA von dhri. 'des Weithin-schreitenden'. also Wesen ohne Leuchten. das die Taten Gottes preist. Auch der Kastenlose und der Nichthindu kann nach Auffassung der Bhaktas ein Paramartha-Brahmane werden. wird der sog. wachsen. die Maya gemeint. ein Name der Maya. die aber den Leidenschaften und dem Kreislauf der Geburten unterworfen sind. Tag. sinkt noch tiefer herab und erquickt auch die unteren Welten.) ein Mantra aus dem RigWeda. Paramartha-Brahmane gegenübergestellt. DURGA Name der Maya. das ist jener Gottgeweihte. von dem Nitya Dharma. Ethik. Nachdem Krischna dem Arjuna in der Bhagavad-gita lange den Dharma erklärt hat. auch Himmel. Durch die Initiation mit dem Gayatri Mantra empfängt ein Knabe brahmanischer Abkunft die Brahmanenwürde. das heisst auch Sonne.) der Weltschöpfer. Kaste in irgend einem Erdenleben entspricht. Die Bhaktas sagen: der himmlische Ganges entspringt den Füssen Krischnas. ich werde dich von allen Sünden befreien. gestaltlose Gottheit aus Bewusstsein bestehend. Wenn man in Indien von der Devi ohne weiteren Namen spricht. ohne Sonne. DEVI die weibliche Form von Deva. mit dem der D ämon Bali die Füsse Gottes. Die D ämonen heissen 89 Asuras. dem Brahmanen durch Geburt.) ein Gottgeweihter. der sich restlos dem höchsten Ziel (parama-artha) hingegeben hat. Strophe: 'Gib alle Dharmas auf und nimm einzig und allein bei mir (bei Gott) Zuflucht. Gefängnis. BRAHMA (masc. Die Devas. BRAHMANE ein Angehöriger der h öchsten der vier wedischen Kasten. sich ausdehnen. 'Jedes Kind wird als Schudra geboren'. als Herrin des Weltenlebens.) der Name des dem Vyasa zugeschriebenen grossen Bhagavat puranas. BHAKTI dienende liebende Hingabe. BRAHMAN (neutr. BHAKTA ein Gottgeweihter.1. ein Geistesmensch. Dem Bhagavatpurana zufolge sind sie die Kinder des Rishi Kashyapa. ist stets die grosse Göttin. dem ewigen Wesensgesetz. . sagt er ihm im letzten Gesang. das einer Person von bestimmtem Charakter. dass sich diese Paramartha-Brahmanen im Bereich der Welt den jeweils geltenden sozialen Gesetzen (über Ehe. ein Geistträger.) zumeist aus Demut fügten.) die eigenschaftslose. GAYATRI (fem. 'Der erste Sänger und Dichter' (adikavi) ein äusserer Aspekt Gottes. dass man durch blosse Geburt in einer Brahmanenfamilie zum Brahmanen werden kann.Die Chaitanya-Bhaktas unterscheiden den sogenannten Naimittika Dharma. er oder ein Knabe aus den beiden anderen h öheren Kasten wird dadurch . das zeitweilige Gesetz. unter Führung des Himmelsherrschers Indra. der von dem persönlichen Gotte ausgeht und dessen wundersame Gestalt vor den Suchern mit noch nicht völlig geläuterter Hingabe verhüllt ist.h. Licht. von div. in der 66. Nach der Anschauung der Bhaktas in der Nachfolge Krischna-Chaitanyas bloss der unendliche Lichtglanz. der Herr des Gesetzes. (die aus der Verletzung von gesetzhaft geregelter Religion entstehen)'. Das höchste Ziel der Upanischaden. DASA Diener DEVAS die Leuchtenden. halten. Gräme dich nicht. Der Todesgott Yama heisst in Indien auch König Dharma. gelten als hohe Wesen. Recht. Krischnas ewiger Diener zu sein'. der aus dem Atman quellenden spontanen Liebe. Gesetz. Beruf. scheinen. sinkt herab auf das Haupt des in Meditation versunkenen Schiwa und gibt diesem seine Kraft. GANGA der heilige Strom Ganges. Wesensgesetz. leuchten. Doch ist daraus auch zu ersehen. (masc. Stand. 2. Es ist ein Dharma.

die Zeit. Kraftgebend f hrt er den Schüler ü immer tiefer in die von ihm vergessene Welt Gottes hinein und lässt ihn an dem verborgenen Drama Gottes teilnehmen und hilft ihm. die Kerkermeisterin. GOPIS die Hirtinnen in Brindaban. verschwinden. aufgebend Name und Gestalt. offenbart. KAILAS Berg in Tibet. die dieser dem aufrichtigen Gottsucher zuteil werden lässt. In Indien deutet man das Wort Gayatri als gaya-tri. GODAVARI einer der sieben heiligen Ströme Indiens. Zwietracht. Liebe und Lust haben vollkommen verschiedene Eigenschaften. dass sich immer neue ungeahnte Tiefen seines eigenen atmischen Wesens offenbaren und er zu immer tieferem Dienen und Lieben fähig wird. Das Kaliyuga hat nach indischer Zeitrechnung etwa . Der wahre Guru. Die Bhaktas kennen verschiedene Arten der Gayatri. KALI (fem. bis zum eigenen Erfahren dessen. so viel auch ihre Sippe sie deshalb bedrohen und schmähen mag. geben auf. regieren. der mehr der Hauspriester einer bestimmten Familie ist. Alles haben sie aufgegeben und dienen liebend Krischna. KALIYUGA das eiserne Zeitalter. der Eigengestalt nach. Krieg. auf welchem der Guru den Schüler geleitet. von guru. Hirten und die Gopis werden von den Chaitanya-Bhaktas als die ewigen Gefährten Krischnas angesehen. der sehr schwer zu finden ist. die Maya. während es das Motiv des m ächtigen Prema (der Gottesliebe) ist. niemand.Von dieser Art des Guru ist der sogenannte Familienguru zu unterscheiden. eine der Gestalten.) die Göttin Durga. JIVA der verkörperte At-man. des Winters. Gefährtinnen und Geliebte. der Gott des Todes. So wie sie. Sie geben auf Scham und heldenmütige Ausdauer und körperliche Freuden und Selbstwohl. Sie umhegen mich wie Gurus. der höchste Weise ein zum höchsten Geiste." Wenn dieses hohe Ziel erreicht ist. um dir die Wahrheit zu sagen: Die Gopis sind mein Ein und Alles. Der Guru nach der Anschauung der ChaitanyaBhaktas: Er f hrt den Schüler vom Leid der Ichü Bezogenheit zur Seligkeit der Krischna-Bezogenheit. sie sind Gegenstand meines Genusses. kennt mein Wesen. ausgezeichnet. . die ewigen Gefährtinnen Krischnas. erscheint Krischna in der furchtbaren Gestalt der allwaltenden und alles verschlingenden Zeit. der sie singt'. schwer. Die Gopas. Denen. Freunde sind sie und Frauen. gilt den Bhaktas als erste 90 Offenbarung Gottes. HIMALAJA wörtlich Haus der Kälte. das finstere Zeitalter der Zwietracht. was in der Welt als Ethik gilt. bedeutend. 'sie rettet den. und ihre religiös sozialen Pflichten und die Pflichten. Kamagayatri usw. die ihn nicht lieben. Brahmagayatri. die vom Weda geboten sind und die physischen Notwendigkeiten und Pflichten. befreit von Namen und Gestalt. ISHA Herrscher. Die ihm gehören. und was sind sie nicht noch! Sie kennen das Fühlen meines Herzens. von ish.) der Herr des finsteren Zeitalters. in der wir leben. KALA die schwarze Farbe. o Arjuna. KALI (masc. die ihn ewig lieben. die im Ozean. verlässt der Guru der Schankaraschule den Schüler. Die Quelle der Godavari ist im Gebirge nahe von Nasik. GURU der geistige Lehrer. dass man nur in der Nachfolge der Gopis zur vertraulichen spontanen Gottesliebe gelangen kann. des Frostes.' Die Chaitanya-Bhaktas sind davon überzeugt. in welchen sich Gottes Macht. der Fluss ergiesst sich in den Meerbusen von Bengalen. Auch das ganze Himalaja-gebirge wird manchmal als Kailas bezeichnet. Doch ist das nur der erste Schritt auf dem unendlichen Weg.zu einem zum zweitenmal Geborenen (dvija) gemacht. herrschen. die Pflichten gegen ihre eigene Familie.Worte Krischnas zu Arjuna aus dem Adipurana: 'Arjuna. die mit ihm aus seinem inneren Reich zur Erde herabgestiegen sind und zur Zeit Chaitanyas nochmals mit ihm hinabstiegen. .' Über die Liebe der Gopis (aus dem ChaitanyaCharitamrita): 'Die Liebe der Gopis ist lautere fleckenlose Gottesliebe. Das Ziel von Lust ist lediglich selbstische Einung mit dem Gegenstand der Liebe. die Zeit. Dieser würdige Schüler wird Fuss des Guru genannt. Gott. Schiwa wird der Herr des Kailas genannt. allein Krischna (Gott) zu beglücken. ebenso wie Eisen und Gold ihrem Wesen nach verschieden sind. niemals Lust. Und die schwer aufzugebenden Pflichten der Edlen (den Pfad der Arier). Der Guru nach der Auffassung Schankaracharyas (Advaitalehre): der Guru f hrt den Schüler bis zur ü Einswerdung mit dem Brahman. so geht. wörtlich Streit. was die Upanischadenstrophe besingt: "Wie grosse Ströme. sie dienen mir wie Schüler.

NARADA genannt der g öttliche Rishi. 'Chaitanya-Charitamrita'. und ist ein Gottgeweihter. also. Das Hauptquellenwerk für das Leben Chaitanyas ist das grosse Werk. Ohne weitere Namensbeifügung bedeutet es in unserer Zeit zumeist Mahatma Gandhi. das durch die unentrinnbaren Folgen der Taten in früheren Leben herbeigeführt wird. Der Mantra gilt als eins mit jenem Aspekt der Gottheit. KARMA 1. Schiwa geweiht. Nach der Auffassung der Bhaktas: Befreiung von den Mängeln. Schicksal.den Früchten der früheren Taten entsprechend. in der Eigengestalt gegründet stehen. die Gott verhüllende Kraft. 'Abgeworfen habend die scheinbare Gestalt. wird . die dem Mythus nach aus den Armen des Weltschöpfers Brahma entsprossen ist. MUKTA der Befreite. wie man sagt. die Herrscherin über die Welt des Messbaren. der. mulasthanam. Jahrhundert niedergeschrieben von Krischnadasa. der wiedergekehrte Krischna. aber auch in Gestalt des Avatars Krischna zur Erde herabstieg. Das Wort Maya wird von den Bhaktas abgeleitet von ma. Er gilt als Sohn Brahmas. der durch den Mantra angerufen wird. 91 LINGA Symbol der kosmischen Zeugungskraft. MAYA die Macht Gottes. dass er mit seinen diamantenen Klauen den Schleier der Maya hinwegreisst. Das dem Namen Krischna verwandte Wort Akarshana shakti bedeutet die Anziehungskraft Gottes. wenn er nicht in rechtmässiger Initiation vom Guru empfangen wird. genannt. der Atman . von Gott. grosser See im Himalaja auf tibetanischem Gebiet. wörtlich 'der Nektar des Lebens Chaitanyas'. d. Geburtsort Krischnas. Das Wort Krischna wird von den Bhaktas von kris abgeleitet. der ihn denkt'. MAHATMA grosser Atman. messen. Gott. Es ist in gereimten Bengalistrophen und in Sanskritstrophen abgefasst und wurde im 16. 2. Akarshana bedeutet auch Magnet. dem 'Besieger des Todes'. gilt vielen Hindus als ein g öttlicher Heiland der Liebe. seinem Ziele zuführt. KRISCHNA nach der Anschauung vieler Bhaktas die göttliche Urgestalt. der Mukti erlangt hat. anziehen.'Ich verehre die Urgestalt. Man zählt etwas 20'000 Volkslieder zu seinen Ehren. genannt Kaviraja (König der Dichter) auf Grund der Tagebücher und eingehenden Berichte der vertrautesten Schüler Chaitanyas. immerdar mit seiner Laute (der vina) die Welten durchwandert. uralte Stadt am Strome Yamuna. Der Mantra gilt als kraftlos. Grund. der aber das Karma jener verbrennt. die ihm in Liebe hingegeben sind': Brahma samhita. Er wird auch Gaura oder Gauranga. MUKTI Befreiung von Weltenfesseln und Weltenleid. das ist Mukti': Bhagavata. die sich dem Erwachen der spontanen Gottesliebe entgegenstellen. MANTRA lebendiges Wort. MANASAROWAR Geistessee. Die Originalhand-schrift ist noch erhalten und wird in einem Tempel in Brindaban aufbewahrt. die Seele erweckendes Wort. Krischna-Chaitanya bedeutet wörtlich: Der das Bewusstsein von Krischna. Ehrentitel von Weisen und Gottgeweihten.vom Himmelsherrscher Indra bis zur Ameise . Tat. Die sehr melodische Bengali-sprache ist gleichsam in den Fussspuren Krischna-Chaitanyas aufgeblüht. des Schöpfers.sowohl von Hindus wie von Buddhisten (also von 600 bis 700 Millionen Menschen) als heilig erachtet. der höchste Geist. . MATHURA die Honigstadt. der sogenannte verborgene Avatar des Kaliyugas. Oftmals wird der Mantra streng geheim gehalten. der Schatten Radhas. um den Wesen Gottesliebe zu schenken. Die Essenz des Mantra ist meistens ein Name Gottes. der das Schicksal eines jeden Wesens . Es heisst. PARAMATMAN der höchste Atman. den Govinda (Krischna). das heisst. Eine ausführliche Monographie des Verfassers über Krischna-Chaitanya ist in Vorbereitung. Ursprung. der Goldstrahlende. Avatar Gottes.1534. der persönliche Gott in seiner Fülle. welche die Lehrer dieses Autors waren. MULA Wurzel. Seine Verehrung ist sehr alt. dass Krischna ewig in seinem eigenen Reiche weilt. grosse Seele. 'er rettet jenen.ebenso wie der Berg Kailas . abgebildet mit Menschenleib und Löwenhaupt. Er wird dafür gepriesen. KSCHATRIYA Angehöriger der Kriegerkaste.3'000 Jahre vor Christus mit dem Weggehen Krischnas von der Erde begonnen und dauert noch 427'000 Jahre. NARASINHA Löwenmensch oder Geistlöwe. derjenige. die Magd Radhas. Das Wort mantra wird von den Bhaktas hergeleitet von man (denken) und tra (der Retter). KRISCHNA-CHAITANYA 1486 .h. in den Herzen erweckt.

Sarasvati heisst auch Sprache. eine Frucht oder auch nur ein wenig Wasser darbietet. Heiligkeit. die von vielen Mohammedanern in Indien gesprochen wird. (1874-1937). Gott. göttliche Gnade. Der indische Kulturkreis erstreckte sich einst weit über die Länder Hinterindiens und die Inselwelt von Indonesien. RISHIS die Urlehrer der Menschheit. Wort. sie gelten vielen Bhaktas als Dienerinnen Krischnas. liebend verehren) auf Erden offenbart als eine der Gopis. Das Brahman und das innere Selbst (Atman) jedes Wesens sind eins. dass sich dieser unsichtbare Strom bei der alten heiligen Stadt Prayag oder Trivedi (heute Allahabad) mit den beiden anderen heiligen Strömen Indiens Ganga (Ganges) und Yamuna (Yumna) vereinigt. Die tamilischen Sprachen im Süden Indiens sind nicht Tochtersprachen des Sanskrit. SCHRI 1. 4. Auch Pali. sitzen. die vergängliche Welt des immer erneuten Geborenwerdens und Sterbens. Die wörtliche Übersetzung des Wortes Prasada ist Gnade.Die Chaitanya-Bhaktas sehen in KrischnaChaitanya eine geheimnisvolle Vereinigung des Wesens von Radha und Krischna. Und auch die alten historischen und kultischen Schriften in Burma. Urdu bedeutet eigentlich Sprache der Basare und des Marktes. SARASVATI einer der sieben heiligen Ströme Indiens. wie sich der Sonnenstrahl zur Sonne verhält. das den Namen verehrungswürdiger Personen. das alles tue in Hingabe an mich . PRALAYA Weltauflösung PRASADA die sakramentale Opferspeise. es ist der Name der Göttin Weisheit. 3. Beiname Radhas. oder Maha-deva d. das heisst jedes Mahl der Bhaktas. Sadanandas Guru. von siva. Stimme. Schriften und . RAMA Avatar Gottes. die heilige Sprache des südlichen Buddhismus ist eine Tochtersprache des Sanskrit. Reichtum an Liebe. (von radh. Marathi. Manche nennen seine Lehre 'Buddhismus in Verhüllung'. der Ursprung der Avatare.Bewusstsein . Von Sanskrit und Prakrit stammen Hindi. was du übst in Askese und Meditation. Beiname Lakshmis. Die Namen der indischen Ströme sind weiblich. sie wird von rechts nach links geschrieben wie das 92 Hebräische und nicht von links nach rechts wie die indogermanischen Sprachen. Nach der Anschauung der Chaitanya-Bhaktas verhält sich die einzelne Seele zu Gott so. eine Blume.. ist Hindi mit Beimengungen von persischen und arabischen Worten. was du opferst. der Göttin des Reichtums. der grosse Gott genannt. die Weltseele. RADHA die Freude Gottes als Gestalt in Gottes innerem Reich. . Die Sprache Urdu. von sad. PREMA selbstlose spontane Gottesliebe. Die Sarasvati ist ein mit den irdischen Augen nicht sichtbarer Strom. Gott in seinem äusseren Aspekt als Weltzerstörer. was du hinschenkst. Er überwand die Kirchenspaltung. Man sagt. der Strom der Weisheit. dass in der Speise. SCHIWA auch Rudra. die sie vor dem Mahl liebend Gott darbieten. wörtlich: Immer Seligkeit (ananda) oder auch: Seligkeit im göttlichen Grund allen Seins. SAMSARA die Wandelwelt. SANSKRIT die Kult. Gott selbst sich ihnen liebend schenkt. Reichtum. Bengali. können. PURUSCHOTTAMA wörtlich: Höchste Person. wörtlich der Freudegeber. um erfüllt von der Sehnsucht und Liebe Radhas. dass Krischna nochmals zur Erde herabstieg. nahe bei Gott sitzen.und Kunstsprache des alten Indien. Es heisst. .Die Chaitanya-Bhaktas sind überzeugt. Siam usw. .. selig. Gujarati und andere heute in Indien gesprochene Tochtersprachen des Sanskrit ab.Seligkeit) ist real. aber stark mit Sanskrit durchsetzt. Die Essenz seiner Lehre: Das Brahman (absolutes Sein . sind in Sanskrit verfasst. SHANKARACHARYA philosophischer Genius. der Herr der Yogis. alles was du issest. Das Weltall ist nicht real. etwa 800 nach Christus in S üdindien geboren.aller Atmas. 2.h. Gott in seinem der Welt zugekehrten Aspekt. SADANANDA Schüler Bhakti-Siddhanta Sarasvatis. . BHAKTISIDDHANTA SARASVATI grosser Guru in der Nachfolge KrischnaChaitanyas. wer mir mit Liebe ein Blatt. nur die Schrift ist verschieden.'Der heilige Gott sprach: Alles was du tust. dessen liebende Gabe nehme ich an': Bhagavad-gita. Ein solcher Bhakta wird niemals sagen: 'Ich esse'. er gilt den Chaitanya-Bhaktas als Bhakta Krischnas. die Indien zerriss und f hrte die indischen Buddhisten wieder in die ü Gemeinschaft der den Weda anerkennenden Hindus zurück. die unfassbare Tiefe ihrer Gottes-liebe (Prema) zu kosten. der den Schleier der Welt hinwegnimmt. SHAKTI die Macht (Energie) Gottes. von shak. namens Radha. sondern 'ich nehme den Prasada'.

einer. Von ihm wurde es seinem Sohne Manu überliefert und von diesem den anderen grossen Rishis': Bhagavata. ist die Stimme. erregt durch die Kraft seines Blicks. mit unzähligen Atmas befruchtet werden. Kochkunst und die 'übrigen vierundsechzig Künste' usw. Dazu gehören nach Madhusudana Sarasvatis (1100 nach Chr. ein jiva. die dem Mythus nach aus den Füssen des Weltschöpfers Brahma entsprossen ist. welche in knappster Fassung die Essenz der Upanischaden enthalten. Pferdebehandlung. RigWeda.) Schriften über 93 Lautlehre. . Sie wurde zuerst von mir dem Brahma. der ewigen Seelen. es zu besitzen. Padmapurana. von sad. gehen all die Universen in unmanifestierter Form wieder in seinen Körper ein. umfasst die Gesamtheit der von den Indern f übermenschlich ür und inspiriert gehaltenen Schriften und gliedert sich in vier Abteilungen. Kriegswissen-schaft. wörtlich Papagei. das heisst der grosse Wischnu. einem mythischen Priester der Vorzeit. Vor allem gehören noch dazu die den Weda erklärenden achtzehn Puranas (Das Wort Purana heisst alt. Tanz. WISCHNU der die Welt erhaltende und tragende und beschirmende Aspekt Gottes. Aus seinem Nabel wächst. selbst wieder von Krischna ausgeht: 1. der Puranas einschliesslich des Bhagavatpurana oder Bhagavatas und der Brahmasutras. dem Mythus zufolge. 2. die Flöte) die als Weda bekannt ist. zu dem die Bhagavad-gita gehört. Opfer. h. Lebensklugheit. 4. VYASA ein grosser Rishi. bis die Zeit zur nächsten Schöpfung naht. Die Aussendung der Kraft seines Blickes bedeutet das Aussenden der Atmas. wissen. UPANISCHAD Geheimlehre. der. das Wort. der auch als Avatar (sakti-avesa-avatara. der Weda der Gesänge. Sie sind 1. der mit der Kraft Gottes erfüllt ist) angesehen wird. Die Upanischaden oder Wedanta (Ende des Weda) sind ein Teil des Weda. Von den Puranas stehen den Bhaktas das Bhagavat-purana. die Kaste der Händler. dem Schöpfer gelehrt. Zeremoniell. Zur Zeit der Schöpfung entströmen seinem Körper Myriaden von Universen. Er weilt im 'Ozean aller Ursachen'. Gesang. Dramatik. einer. der Dichter des Epos Ramayana. sitzen. Ausser den genannten Schriften des Weda im engeren Sinn oder Schruti (Offenbarung durch den göttlichen Klang). in das Reich der Maya hinab. Auch die Bhagavad-gita oder Gita-upanischad wird Wort Gottes (Schri-mukha-vakya) genannt. zur Zeit der Weltauflösung. besonders nah. in jedes einzelne von zahllosen Universen. Yoga. Man unterscheidet drei Aspekte Wischnus. verlorengegangen. SHUKA der Sohn Vyasas. nahe dem Guru sitzen. Shuka sang nach. der Sänger des Bhagavata. Ein vollständiger Teil (Erweiterung) von MahaWischnu steigt. ohne dass seine Fülle gemindert wird. das die Taten des Avatars Rama preist. der die geheime Weisheit dem auserwählten Schüler ins Ohr flüstert. des Epos Mahabharata. in welchem . Das ist das Anheben der Schöpfung. Liebesleben. ein Wörterbuch über die Synonyme. Ackerbauer. der Weda der Opfersprüche. Maha-Wischnu. Recht und Sitte. die bis zu diesem Zeitpunkt noch immer in der Welt der Maya verstrickt sind. der das Selbst besitzt oder darnach strebt. VALMIKI wörtlich Ameisen-haufen. Wischnupurana. ein Mönch. Medizin. die als Essenz des Weda gilt. Der Weda ist 'das heilige Wissen'. in das Reich der Maya. Geschichte. nach Atharvan. AtharvaWeda. Hausleben. Initiation. die sie Smriti (Erinnerung) nennen. nach Anschauung der Weden. so benannt (Nach Deussen). von den Chaitanya-Bhaktas wird es mit purna Fülle in Zusammenhang gebracht). 3. Wenn die Schöpfung wieder aufgelöst wird. die. SWAMI Meister oder Herrscher (seiner Sinne). SHUDRA Angehöriger der niedrigsten der vier wedischen Kasten. SamaWeda. Vyasa gilt als Verfasser oder Ordner der Weden. VAISHYA die dritte der vier wedischen Kasten. Gottes-verehrung. Schriften über Metrik. nahebei sitzen. Musik. All die Atmas. der Weda der Verse. Logik.Die Gurus der Kastenlosen heissen Valmiki-Gurus. Astronomie.Institutionen vorangesetzt wird. dem Mythus nach aus den Lenden des Weltschöpfers Brahma entsprossen. Gott sprach: 'Im Laufe der Zeit. Handwerk. Uddhavagita. Viehzüchter. Naradiya-purana. YajurWeda. Erklärung der Mantrabegriffe. um dort in einem tiefschlafähnlichem Zustand zu ruhen. 2. (die Sprache. der Lotos hervor. d. der Diener-kaste. WEDISCHES SCHRIFTTUM von vid. zählen die Inder zum Weda noch eine grössere Anzahl weiterer Schriften. der sein ewiges Selbst (sva) kennt. gehen ebenfalls in seinen Körper ein. was ihm der Vater vorgesungen hatte.

entspringt im Himalaja und vereinigt sich bei Prayag (Allahabad) mit der Ganga (Ganges). der in jedem Universum weilt. zum Leben erwacht. Wer diese drei kennt.Brahma. "Wischnu hat drei Formen. Maha-Wischnu." Satvata Tantra YAMUNA (heute Yumna) heiliger Strom. wird aus den Klauen Mayas befreit. Der Strom Yamuna spielt eine grosse Rolle in der Jugendgeschichte Krischnas. und der dritte ist Kschirodakashayi-Wischnu. der Bildner und Ordner aller Planeten und Wesen im Universum. die man Puruschas nennt. der im Herzen eines jeden Lebewesens weilt. ist der Schöpfer der gesamten materiellen Energie (mahat). 94 . der zweite ist Garbhodakashayi-Wischnu. Dieser Wischnu stützt und trägt unser Weltall und wohnt in jedem Herzen als der Zeuge des leisesten Gedankens. Ein weiterer vollständiger Teil Maha-Wischnus wird als der im 'Milchmeer' weilende Wischnu bezeichnet. Der erste. 3.