Beitrag zur Risikobeurteilung

von alten Brücken unter Schiffsanprall



Von der Fakultät Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden
zur Erlangung der Würde eines Doktor – Ingenieurs (Dr.-Ing.)
genehmigte

Dissertation

vorgelegt von
Dipl.-Ing. Dirk Proske





Gutachter:
Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach
Prof. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Graße
Prof. Dr.-Ing. Balthasar Novák

Tag der Verteidigung: 26. Juni 2003

Danksagung

Die hiermit vorliegende Dissertation entstand während meiner sechsjährigen Tätigkeit als
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Tragwerke und Baustoffe an der Technischen
Universität Dresden. Obwohl diese Dissertation, wie jede andere auch, als eine eigenständige
wissenschaftliche Arbeit betrachtet wird, ist sie nichts anderes als die Summe der Reflektion
von Dingen, an denen ich während dieser Zeit teilgenommen habe, von denen ich gehört, ge-
lesen, oder etwas gesehen habe, gewürzt mit einigen Gedanken, die in der einen oder anderen
ruhigen Minute das Licht der Welt erblickt haben. Es ist nun die undankbare Aufgabe der
Gutachter, diese Gedankensplitter in den nicht gerade sparsam folgenden Seiten zu destillie-
ren.

Doch bevor ich mich für diese Mühsal bedanken möchte, will ich am Anfang meine Freude
darüber zum Ausdruck bringen, Herrn OBR Nitzsche vor ca. sechs Jahren kennengelernt zu
haben. Bereits vor über einem Jahrzehnt hat Herr Nitzsche den Bedarf für die im Rahmen
dieser Dissertation behandelte Untersuchung alter Brücken mit geradezu visionärer Weitsicht
vorhergesehen. Ohne die zeitliche, finanzielle und moralische Unterstützung durch Herrn
Nitzsche wäre diese Arbeit undenkbar gewesen. Dafür gilt Herrn Nitzsche mein Dank.

Herr Prof. Dr. Curbach war es, der erkannte, daß mit den Hilfsmitteln der Wahrscheinlich-
keitsrechnung, denen bereits im Diplom mein Interesse galt, vielleicht eine Lösung für die
von Herrn Nitzsche benannten Probleme bestand. Doch nicht nur dafür danke ich Herrn
Curbach, sondern vor allem auch für die Ermutigung zur Präsentation und Diskussion der hier
angewandten Verfahren und Ergebnisse in der Öffentlichkeit.

Herrn Prof. Dr. Novák danke ich wie Herrn Prof. Dr. Graße für die Mühe, sich mit der Arbeit
zu befassen und für die Übernahme des Korreferates. Ich hoffe zutiefst, es Ihnen nicht zu
schwer gemacht zu haben.

Die zeitlich umfangreichste, häufigste, offenste und problemnaheste Unterstützung erhielt ich
aber von meinen Kollegen. Ich möchte auf Grund der Vielfalt und der Anzahl der Hilfestel-
lungen, die ich erfahren habe, meinen Kollegen (in alphabetischer Reihenfolge) Regine
Beyer, Petra Drache, Cornelia Dehne, Frau Reis, Silke Scheerer, Kerstin Speck, Anett Wag-
ner, Lars Baumann, Lars Eckfeldt, Torsten Hampel, Frank Jesse, Harald Michler, Sebastian
Ortlepp, Jens Tusche, Silvio Weiland und Herrn Wiese an dieser Stelle meinen tiefsten Dank
zum Ausdruck bringen und verbinde diesen Dank mit dem Wunsch, daß jedem der noch nicht
promovierten wissenschaftlichen Mitarbeiter der erfolgreiche Abschluß einer Dissertation
vergönnt sei. Auch meinem zweiten Chef, Herrn Prof. Dr. Stritzke, gebührt Dank für die
Möglichkeit der Präsentation von Arbeitsergebnissen während des Brückenbausymposiums.

Den Kollegen des Lehrstuhls für Stahlbau danke ich für das bereitwillig zur Verfügung ge-
stellte Wissen und die fruchtbaren Diskussionen: Holger Flederer ganz speziell für die ge-
meinsame Bearbeitung der Problematik Quasi-Zufallszahlen, Steffen Leihkauf, Peter Lieber-
wirth und Jochen Rodemann insbesondere für das Excel-Makro.

Ich danke weiterhin Herrn Dr. Neumann von der mathematischen Fakultät, Herrn Rainer
Hempel als Leiter und allen Mitarbeitern des Baustofflabors Semperstraße, Herrn Dr. Schie-
kel für die Durchführung der mikroskopischen Untersuchungen, Herrn Prof. Dr. Weiß vom
Forschungszentrum Rossendorf e.V., Herrn Prof. Joachim Lege von der juristischen Fakultät,
Herrn Matthias Schulz und Herrn Frank Schulz von der Fakultät Maschinenbau für die bereit-
gestellte Software, Herrn Dr. Heiner Siedel von Institut für Geotechnik, Fam. Röttinger in
Lohr und dem Lohrer Heimatverein und Studenten, die mich unterstützt haben, insbesondere
Falk Schaudienst und Günther Grunert.

Im Kapitel Akzeptables Risiko wird die Zahl für das Verhältnis von Arbeitszeit zu Lebenszeit
angeführt. Auch wenn ich diese Zahl für den Beruf des Bauingenieurs als mutwillige Irrefüh-
rung halte: sie liegt in Deutschland etwa zwischen 12,5 und 15 %. Diese Zahl läßt vermuten,
daß es noch etwas anderes außer der Erstellung einer Dissertation oder der Arbeit gibt: das
Privatleben. Arbeits- und Privatleben sind aber keine voneinander entkoppelten Dinge, son-
dern stehen in immerwährender Wechselwirkung und bedingen einander, so wie ein gutes
Training immer auch eine Erholungsphase bedingt. Wenn diese Aussage stimmt, dann habe
ich die größte Unterstützungen durch Menschen erhalten, die primär mit dieser Arbeit nichts
zu tun haben: meine Eltern, meine Freunde und Verwandten.

Manch Tropfen aus einer Suppe meiner Eltern (wie Jack London in Martin Eden schreibt) und
manche Ermunterung wird sich in einer Seite widerspiegeln. Ich danke deshalb aus tiefstem
Herzen meinen Eltern und Geschwistern, ich danke Antje Schote, Frau Höppler, Ulrike Köh-
ler und Dirk Kranig.

Letztendlich ist es ein hoffnungsloses Unterfangen, allen per Namen zu danken, deren Unter-
stützung ich im Laufe der Jahre erfahren habe. Zum Abschluß danke ich deshalb noch all den
unbekannten Unterstützern, diejenigen, die ich nicht bewußt wahrgenommen oder hier ver-
gessen habe. Ich hoffe, Sie verzeihen mir meine Unterlassung, den Dank nicht mit dem Na-
men auf Papier gebannt zu haben! Aber vielleicht ist die Danksagung für eine Hilfe nur der
kleinste Teil der Rendite ...



Dresden, Sommer 2002 Dirk Proske





für Willi

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Zielstellung .............................................................................................. 17
2 Einwirkung Schiffsanprall................................................................................................ 25
2.1 Allgemeines zur Einwirkung Schiffsanprall ............................................................ 25
2.2 Anprallhäufigkeit als Zeitabhängigkeit der Anprallkraft ......................................... 29
2.2.1 Einleitung ......................................................................................................... 29
2.2.2 Anprallhäufigkeiten gegen Brücken weltweit.................................................. 31
2.2.3 Häufigkeit von Binnenschiffahrtsunfällen in Deutschland .............................. 32
2.2.4 Häufigkeit von Schiffsanprallen in Deutschland ............................................. 35
2.2.5 Zusammenfassung der Anprallhäufigkeit ........................................................ 38
2.3 Herleitung der Stoßkraftfunktion ............................................................................. 39
2.3.1 Mechanische Grundlagen der Stoßkraft ........................................................... 39
2.3.2 Ansätze zur Modellierung der Stoßkraft .......................................................... 42
2.3.3 Abschätzung der Verteilungsfunktion der Stoßkraft........................................ 45
2.4 Bemessungsstoßkräfte im Vorschriftenwerk ........................................................... 46
2.4.1 Bestehende deutsche Vorschriften ................................................................... 46
2.4.2 Einige Bemerkungen zur E DIN 1055-9.......................................................... 49
2.4.3 Internationale Vorschriften .............................................................................. 54
2.4.4 Bemessungsstoßkräfte für andere Verkehrsträger............................................ 56
2.4.5 Zusammenfassung der Schiffsstoßkraft ........................................................... 60
2.5 Abschätzung der Verteilungsfunktion der Anprallhöhe........................................... 61
3 Widerstandsseite Brücke.................................................................................................. 63
3.1 Allgemeines.............................................................................................................. 63
3.2 Vorstellung der Bauwerke........................................................................................ 63
3.2.1 Sandsteinbogenbrücke – Alte Mainbrücke Lohr.............................................. 63
3.2.2 Stahlfachwerkbrücke mit Natursteinpfeilern – Mainbrücke Segnitz ............... 65
3.3 Bauwerkserkundung der Mainbrücke Lohr.............................................................. 69
3.3.1 Ortsbegehung ................................................................................................... 69
3.3.2 Bohruntersuchung ............................................................................................ 69
3.3.3 Sichtung der Bohrkerne.................................................................................... 71
3.3.4 Chemische, spektrographische und mikroskopische Untersuchung ................ 76
3.3.5 Materialtechnische Untersuchung der Bohrkerne............................................ 77
3.4 Bauwerkserkundung der Mainbrücke Segnitz ......................................................... 80
3.4.1 Bohr- und materialtechnische Untersuchungen ............................................... 80
3.4.2 Visuelle Sichtung der Bohrkerne ..................................................................... 81
3.5 Statistische Eigenschaften der Baustoffe ................................................................. 81
3.5.1 Vorüberlegungen zur Wahl der Verteilungsfunktionen................................... 81
3.5.2 Statistische Widerstands- und Einwirkungsgrößen.......................................... 85
4 Berechnungsverfahren...................................................................................................... 87
4.1 Strukturmechanische Modellierung ......................................................................... 87
4.1.1 Allgemeines zu FEM-Verfahren ...................................................................... 87
4.1.2 Dynamische Berechnungen.............................................................................. 88
4.1.3 Das deterministische FE-Modell der Alten Mainbrücke Lohr......................... 90
4.1.4 Das deterministische FE-Modell der Mainbrücke Segnitz .............................. 96
4.1.5 Abschätzung der Eigenfrequenz der Brücke.................................................... 99
4.2 Mauerwerk ............................................................................................................. 100
4.2.1 Modelle für zentrische Mauerwerksdruckfestigkeit....................................... 101
4.2.2 Modelle für Schubtragfähigkeit des Mauerwerks .......................................... 105
4.3 Probabilistische Berechnungsverfahren ................................................................. 109
4.3.1 Einführung...................................................................................................... 109
4.3.2 FORM............................................................................................................. 111
4.3.3 SORM-Verfahren........................................................................................... 119
4.3.4 Monte-Carlo-Simulation ................................................................................ 125
4.3.5 Verknüpfung von Einzelsicherheitsindizes.................................................... 130
4.4 Verbindung von Strukturmechanik und Probabilistik............................................ 134
4.4.1 Das Antwort-Flächen-Verfahren mit quadratischem Ansatz......................... 134
4.4.2 Erstellung der Antwort-Flächen mit genetischem Algorithmus .................... 136
4.4.3 Weitere Antwort-Flächen-Verfahren ............................................................. 138
4.4.4 Programmtechnische Umsetzung................................................................... 139
5 Berechnungsergebnisse .................................................................................................. 141
5.1 Vorhandene operative Versagenswahrscheinlichkeit............................................. 141
5.2 Risikopotential bei Versagen infolge Schiffsanprall.............................................. 145
6 Akzeptables Risiko......................................................................................................... 149
6.1 Rechtliche Grundlagen und Judikatur .................................................................... 149
6.2 Alltägliches Risiko ................................................................................................. 151
6.3 Naturkatastrophen .................................................................................................. 158
6.4 Technische Risiken ................................................................................................ 160
6.5 Gesundheitliche Risiken......................................................................................... 163
6.6 Soziale Risiken....................................................................................................... 166
6.7 Subjektive Wertung von Risiken............................................................................ 167
6.8 Risikonachweis....................................................................................................... 169
6.8.1 Operative Versagenswahrscheinlichkeit ........................................................ 169
6.8.2 Sterbehäufigkeiten.......................................................................................... 172
6.8.3 F-N-Diagramme ............................................................................................. 174
6.8.4 Lebensqualitätsindex...................................................................................... 175
6.9 Kritik an statistisch basierten Risikonachweisen ................................................... 184
7 Zusammenfassung und Ausblick ................................................................................... 187
8 Literatur.......................................................................................................................... 189
9 Anhang A: Problematik.................................................................................................. 205
10 Anhang B: Schiefer Schiffsanprall............................................................................. 209
11 Anhang C: Beschreibung von Unsicherheit in Form von Zufallsgrößen................... 213
11.1 Einleitung ............................................................................................................... 213
11.2 Parameter zur Beschreibung der Verteilung von Daten......................................... 214
11.3 Graphische Darstellungsformen............................................................................. 218
11.4 Ausreißer ................................................................................................................ 219
11.5 Zensierte Daten ...................................................................................................... 221
11.6 Prüfung der Verteilungsfunktion (Goodness of Fit Test)....................................... 222
11.7 Verteilungstypen .................................................................................................... 228
11.8 Bemerkungen zum Korrelationskoeffizient von Stichproben................................ 231
11.9 Lineare Regression................................................................................................. 233
11.10 Nichtlineare Regression ..................................................................................... 235
11.11 Vergleich von erforderlichen Stichproben ......................................................... 237
11.12 Statistische Tests ................................................................................................ 237
11.13 Stochastische Felder........................................................................................... 240
11.14 Bootstrap Methode ............................................................................................. 241
11.15 Quasi Zufallszahlen............................................................................................ 242
12 Anhang D: Prüfung der Verfahren............................................................................. 247
13 Anhang E: Beispiele der Berechnung der Brücken.....................................................253
14 Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen..................291
Abkürzungen

AFV Antwort-Flächen-Verfahren
DLF Dynamischer Lastfaktor
DWT Dead Weight Tonnage
EPA Environmental Protection Agency
FDA Federal Drug Administration
FF Frontalanprallkraft
FL Flankenanprallkraft
F-N Frequency-Numbers-Diagramme (Häufigkeits-Anzahl-Diagramme)
FORM First Order Reliability Method
HSW Höchster Schiffbarer Wasserstand
MW Mauerwerk
o. V. Operative Versagenswahrscheinlichkeit
SORM Second Order Reliability Method
tkm Tonnenkilometer
USNRC US Nuklear Regulatory Commission
FEM Finite Elemente Methode
FE Finite Elemente

Bezeichnungen

Einwirkungsseite – Griechische Buchstaben

λ Mittlere Ankunftsrate
χ
Mittlere Rate des Verlassens des Weges pro Zeiteinheit
Φ Standardnormalverteilung - Wahrscheinlichkeitsfunktion
λ
0
(x) Unfallrate je Zeiteinheit
σ
u
Hilfswert für die Log-Normalverteilung (Standardabweichung)
σ
Fu
Hilfswert für die Log-Normalverteilung der Schiffsanprallkraft

Einwirkungsseite – Lateinische Buchstaben

a
Beschleunigung
B
Breite des Schiffes
c Faktor für die hydraulische Masse eines Schiffes. Wenn ein Schiff schnell abgebremst wird, muß neben der
Masse des Schiffes auch eine bestimmte Wassermenge in der Umgebung des Schiffes abgebremst werden.
C beschreibt diese Menge in Bezug auf die Schiffsmasse.
DWT
Dead Weight Tonnage von Schiffen
E
def

Deformationsenergie – entspricht der kinetischen Energie des Schiffes
E
kin

Kinetische Energie
f ( m
1
,v
1
,t ) Funktion der Schiffsanprallkraft abhängig von der Masse des Schiffes, der Geschwindigkeit des Schiffes
und der Zeit
f(y)
Bedingte Wahrscheinlichkeit des Kollisionskurses
F
||

Frontalanprallbemessungskraft in europäischen Vorschriften
F


Flankenanprallbemessungskraft in europäischen Vorschriften
F
2

Schiffsanprallkraft
F
2
(t)
Anprallkraftfunktion
F
A

Anprallkraft allgemein
F
d

Dynamische Anprallkraft nach ENV 1991-2-7
F
dyn
Dynamische Bemessungsanprallkraft nach DIN 1055-9
FF
dyn

Dynamische Frontalanprallkraft nach DIN 1055-9
FL
dyn

Dynamische Flankenanprallkraft nach DIN 1055-9
f
M
( x )
Wahrscheinlichkeitsdichteverteilungsfunktion der Masse von Schiffen
F
mu

Mittelwert der Verteilung der Schiffsanprallkraft
G
Gesamtmasse der passierten Schiffe
H
Wahrscheinlichkeit für einen Schiffsanprall pro Schiffspassage bzw. pro Schiffsbetriebsstunde
k
Äquivalente Schiffsmasse
K
1

Steifigkeit des Schiffes
K
2

Steifigkeit der Brücke
L
Länge eines Schiffes
l
d

Länge der plastischen Verformungen an einem Schiff bei einem Schiffsanprall
m
Schiffsmasse
M
Masse eines Schiffes
M
1

Masse von Körper 1 / hydraulisch aktive Masse des Schiffes
M
2

Masse von Körper 2 / Masse der Brücke
m
A

Mittlere Wiederkehrperiode eines Anpralls gegen eine Brücke
Meff
effektive Masse des Schiffes beim Anprall, berücksichtigt auch eine bestimmte Wassermenge
m
F

Mittlere Wiederkehrperiode der Bemessungskraft
m
F|A

Mittlere Wiederkehrperiode einer Anprallkraft bei dem Ereignis Anprall
m
t

Mittlere Wiederkehrperiode eines Ereignisses
n
Anzahl der betrachteten Schiffe je Zeiteinheit
N
Anzahl der Schiffspassagen pro Jahr
N
i

Anzahl der Schiffspassagen der Schiffsklasse i pro Jahr
n
Schiffe

Anzahl der passierenden Schiffe
n
Unfälle

Anzahl der Unfälle
P(V ∩ A) Operative Versagenswahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit eines Anpralls
(zeitabhängig)
P(A)
Anprallwahrscheinlichkeit, Anprallhäufigkeit, Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A
P(B|A)
Wahrscheinlichkeit des Ereignisses B, wenn das Ereignis A stattfindet
P(F ∩ A) Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Anprallkraft F
P(F|A)
Wahrscheinlichkeit, daß, wenn ein Anprall eintritt, die Anprallkraft F erreicht wird.
P(F>F
sd
)
Wahrscheinlichkeit, daß die Anprallkraft größer als die Bemessungsanprallkraft ist
P(V|A)
Operative Versagenswahrscheinlichkeit während eines Anpralls (nicht zeitabhängig)
P
A
Wahrscheinlichkeit, daß ein Schiff vom Kurs abkommt, einschließlich der Möglichkeit, einen Anprall zu
vermeiden
P
A,i
Wahrscheinlichkeit, daß ein Schiff der Schiffsklasse i vom Kurs abkommt, einschließlich der Möglichkeit,
einen Anprall zu vermeiden
P
AB

Wahrscheinlichkeit, daß ein Schiff unter optimalen äußeren Bedingungen vom Kurs abkommt
P
A-norec

Wahrscheinlichkeit, daß ein Schiff vom Kurs abkommt ohne die Möglichkeit, einen Anprall zu vermeiden
P
c

Wahrscheinlichkeit eines Brückenversagens infolge Schiffsanprall
P
c
(x,y)
Bedingte Wahrscheinlichkeit einer Kollision
P
ci,k

Wahrscheinlichkeit eines Brückenversagens infolge Schiffsanprall einer Schiffsklasse i
P
E
Wahrscheinlichkeit, keine Maßnahmen zur Vermeidung eines Anpralls nach Abkommen vom Kurs zu
unternehmen
P
f

Operative Versagenswahrscheinlichkeit
P
G

Wahrscheinlichkeit, daß ein vom Kurs abgekommenes Schiff eine Brücke rammt
P
Gesamt

Gesamtversagenswahrscheinlichkeit einer Brücke
P
Gi,k

Wahrscheinlichkeit, daß ein vom Kurs abgekommenes Schiff der Schiffsklasse i eine Brücke rammt
P
Pfeiler

Versagenswahrscheinlichkeit eines Pfeilers einer Brücke
r
Weglänge vom gewollten Kurs zum rechnerischen Anprallpunkt
s
Länge des passierten Weges
t
Betrachtete Zeiteinheit (1 Jahr)
T
Höhe eines Schiffes
u
1

Verformungen des Schiffes während des Anpralls
u
2

Verformungen der Brücke während des Anpralls
v
Geschwindigkeit des Schiffes
v/N
Wahrscheinlichkeit für einen Schiffsanprall pro Schiffspassage
v
0

Geschwindigkeit bei Verlassen des Kurses
x
mu

Hilfswert für die Log-Normalverteilung (Mittelwert)

Widerstandsseite – Lateinische Buchstaben

d Durchmesser des Zylinders
f
cyl1/2
Zylinderdruckfestigkeit eines Sandstein/Betonprobekörpers mit dem Verhältnis 1:2
f
cylh/d
Zylinderdruckfestigkeit eines Sandstein/Betonprobekörpers mit dem Verhältnis h:d
f
WN200
Würfeldruckfestigkeit eines Würfels mit der Kantenlänge 200 mm
h Höhe des Zylinders
s Empirische Standardabweichung
x
m
Empirischer Mittelwert

Berechnungsverfahren Deterministische Modelle – Lateinische Buchstaben

A Querschnittsfläche des gesamten Mauerwerks
A
A
Querschnittsfläche der Mauerwerk-Außenschale
A
A1
Querschnittsfläche der ersten Mauerwerk-Außenschale
A
A2
Querschnittsfläche der zweiten Mauerwerk-Außenschale
A
I
Querschnittsfläche der inneren Mauerwerksschale
A
MW
Gesamte Wandfläche des Mauerwerks
b Steinbreite
d Wanddicke
d’ Ausbruchtiefe des Mörtels (wenn nicht vor Ort ermittelt, dann gilt näherungsweise ≈ 1,7·t
m
für MG I und
≈ 1,58·t
m
für MG II in Abhängigkeit der mittleren Fugendicke)
E
i
Elastizitätsmodul der Innenschale
E
Mörtel
Elastizitätsmodul des Mörtels
E
Stein
Elastizitätsmodul des Steines
h Höhe
I Flächenträgheitsmoment des ungerissenen Querschnitts des MW
k Wert für Vollfugigkeit, ≈ 0,3 bei Vollfugigkeit und ≈ 0,4-0,5 bei ausgezwickeltem Mauerwerk
N
cr
Zulässige Normalkraft des Mauerwerks bei zweischaligem MW
N
W,0
Normalkraft auf die Außenschale des Mauerwerks
s
k
Knicklänge
t Fugenhöhe (Dicke der Lagerfuge bzw. der überwiegenden Fugendicke zwischen Stein und Zwickelstein bei
ausgezwickeltem Mauerwerk)
u Ungleichförmigkeitsfaktor
v
R
Querdehnzahl des Mörtels (ermittelt bei mehrachsigen Spannungsverhältnissen, ≈ 0,5 für MG I und ≈ 0,4 für
MG II)
v
Mörtel
Volumenanteil Mörtel im Mauerwerk
v
Stein
Volumenanteil Stein im Mauerwerk
v
Hohlraum
Volumenanteil der Hohlräume im Mauerwerk
F Kraft
K Steifigkeit
M Masse
C Dämpfung


Griechische Variablen

α
ϕ
Einflußparameter der Spannrichtung des Mauerwerks bei Vorspannung
α
Winkel
β
D,M,i
Druckfestigkeit der Mauerwerks-Innenschale
β
D,Mö,m
Mittlere Druckfestigkeit des Mörtels
β
D,MW
Senkrechte Druckfestigkeit des Mauerwerks
β
D,MW,5%
5 % Fraktil der senkrechten Druckfestigkeit des Mauerwerks
β
D,MW,m
Mittlere senkrechte Druckfestigkeit des Mauerwerks
β
D,St,M
Mittlere Druckfestigkeit des Mauerwerksteins
β
DM
Senkrechte Druckfestigkeit des Mauerwerks
β
DS
Steindruckfestigkeit (Prüfkörperschlankheit ≥ 1, d ≥ 5 cm)
β
HS
Haftscherfestigkeit
β
Mörtel
Druckfestigkeit des Mörtels
β
ZS
Steinspaltzugfestigkeit (geprüft an Bohrkernen, nach DIN 1048, Teil 5, d ≥ 5 cm)
u
R
Reibungsbeiwert
σ
D,MW
Mauerwerksdruckfestigkeit der äußeren Schale (einschalig berechnet)
σ
DA
Mauerwerksdruckfestigkeit der äußeren Schale
σ
DA1
Mauerwerksdruckfestigkeit der ersten äußeren Schale
σ
DA2
Mauerwerksdruckfestigkeit der zweiten äußeren Schale
σ
DI
Mauerwerksdruckfestigkeit der inneren Schale
σ
MW
Mauerwerksdruckfestigkeit
σ
x
Spannung in x-Richtung des Mauerwerks
σ
xb
Spannung des Steines in x-Richtung
σ
xm
Spannung des Mörtels in x-Richtung
σ
y
Spannung in y-Richtung des Mauerwerks
σ
zb
Spannung des Steines in z-Richtung
σ
zm
Spannung des Mörtels in z-Richtung
ρ Reibungswinkel von Mörtel, nach BERNDT ≈20° für MG I ≈30° für MG II
τ
0
Grundwert der Schubspannung
τ
Bruch
Grenzwert der Schubbeanspruchung
τ
1

2

3
Grenzen der Schubspannung

Berechnungsverfahren – Probabilistische Modelle

f
xi
(x
i
*
)
Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion der Zufallsvariablen x
i

F
xi
(x
i
*
)
Wahrscheinlichkeitsfunktion der Zufallsvariablen x
i

x
i
*

Vorläufiger Bemessungspunkt der Zufallsvariablen x
i

m
xi
*

Mittelwert der genäherten Normalverteilung
σ
xi
*
Standardabweichung der genäherten Normalverteilung
Φ Standardnormalwahrscheinlichkeitsverteilung, Standardgaußwahrscheinlichkeitsverteilung
Φ
−1
Inverse Standardnormalverteilung
φ Standardnormalwahrscheinlichkeitsdichteverteilung, Standardgaußwahrscheinlichkeitsdichtevertei-
lung
φ
−1
Inverse Standardnormalwahrscheinlichkeitsdichteverteilung, Standardgaußwahrscheinlichkeitsdichte-
verteilung
V(f)
HARDY-KRAUSE-Variation
λ LEBESGUE Maß
A (E ;n )
Anzahl der Punkte x
j
, die in der Untergruppe E liegen
D
n
(d)

Diskrepanz von Punkten
n
Stichprobenumfang
P
f

Operative Versagenswahrscheinlichkeit
P
s

Operative Überlebenswahrscheinlichkeit
F

(

P
f
)
Fehlerterm
β Sicherheitsindex, allgemein
β(V) Sicherheitsindex für das Versagen der Brücke
β(V∩A) Sicherheitsindex für das Versagen der Brücke und der Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit eines
Anpralls
β
n
; β
i
; β
j
; β
k
; β
l
Sicherheitsindizes
β
erf
Erforderlicher Sicherheitsindex
β
sys
; β
t,s
Systemsicherheitsindex
β
t,i
Sicherheitsindex der einzelnen Grenzzustände
n
Anzahl der Elemente
x
i
(k)
Vorläufiger Bemessungspunkt im Originalraum
y
i
(k)
Vorläufiger Bemessungspunkt im Gaußnormalraum
α
i
(k)
Koeffizient an der Tangentialhyperebene
ρ Korrelationskoeffizient zwischen den einzelnen Grenzzustandsgleichungen
A Koeffizient für die quadratische Antwortfläche
B Koeffizientenvektor für die quadratische Antwortfläche
C Koeffizientenmatrix für die quadratische Antwortfläche
X Vektor der Zufallsvariablen
h
Faktor für den Abstand der Randpunkte vom Zentrumspunkt im Punktraster für die Erstellung der
Antwortfläche
x
m

Neuer Zentralpunkt im Punktraster für die Erstellung der Antwortfläche
u Mittelwert der Basisvariablen
x
D

Letzter errechneter Zentralpunkt im Punktraster für die Erstellung der Antwortfläche
x
m1,
x
m2
Zentralpunkt im Punktraster für die Erstellung der Antwortfläche im ersten und zweiten Iterations-
schritt
g(X)
Grenzzustandsgleichung
z
m

Meßpunkt

Berechnungsergebnisse und Akzeptables Risiko

β( V | A ) Sicherheitsindex während eines Anpralls (nicht zeitabhängig)
β(V ∩ A) Sicherheitsindex unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit eines Anpralls (zeitabhängig)
B Erwarteter Nutzen der Konstruktion
C Erwartete Konstruktionskosten
D Kosten im Falle eines Versagens
e Mittlere Lebenserwartung
F Häufigkeit (Frequency)
g Pro-Kopf-Einkommen (mittlerer Beitrag am Bruttosozialprodukt)
K Konsequenz des Eintritts eines Ereignisses
L Lebensqualitätsindex
N Anzahl von Bauwerken, bei denen die Sicherungsmaßnahme durchgeführt wurde
N Anzahl der Todesopfer bei Eintritt einer Katastrophe (eines Ereignisses)
N
F
Anzahl der durch eine Sicherungsmaßnahme verhinderten Todesopfer
P Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Ereignisses
P( V | A ) Operative Versagenswahrscheinlichkeit während eines Anpralls (nicht zeitabhängig)
P(V ∩ A) Operative Versagenswahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit eines
Anpralls (zeitabhängig)
P
f1
Operative Versagenswahrscheinlichkeit im Originalzustand der Brücke
P
f2
Operative Versagenswahrscheinlichkeit nach Verstärkung der Brücke
t bzw. t
NW
Lebenszeit ohne Arbeitszeit
t
W
Gesamtlebensarbeitszeit
w Verhältnis Lebensarbeitszeit zur mittleren Lebenserwartung

Verwendete Software

ANSYS 5.1, 5.2 und 5.5 ANSYS, Inc. Dynamisches FE-Modell Mainbrücken Lohr und Segnitz
USER01.FOR EP, ANSYS, Inc. Antwort-Flächen-Verfahren (AFV)
ATENA Cervenca Consulting Statisches FE-Modell Mainbrücke Segnitz
FORTRAN 77 WATCOM Interpreter FORM/SORM/Importance Sampling/AFV
FORTRAN Compiler IBM unter AIX FORM/SORM/Importance Sampling/AFV
EXCELMAKRO Rodemann, J. (TU Dresden) Wahrscheinlichkeitsplots
APPROX Schulz, F. (TU Dresden) Genetischer Approximationsalgorithmus
VISTA 5.10 Statistische Auswertung Versuche/Anprallkräfte
SIMSTAT Statistische Auswertung Versuche/Anprallkräfte
ENVEMA 4.10 Hartmann, L. (TU Dresden) Mischverteilungen entmischen
SIMAN IV Microlab Statistische Auswertung Versuche/Anprallkräfte
RACKV16.FOR EP FORM/SORM/Importance Sampling/AFV
STOSS.FOR EP i.Z. mit Nitzsche, W.M. Verteilung der Anprallkräfte nach Einbau einer Schutzeinrichtung
STOME5.for EP i.Z. mit Nitzsche, W.M Anprallkräfte nach Einbau einer Schutzeinrichtung

EP: Eigenprogrammierung, die Algorithmen finden sich in dieser Arbeit
Prolog

„Was er sah, war sinnverwirrend. In einer krausen, kindlich dick aufgetragenen Schrift be-
deckte ein phantastischer Hokuspokus, ein Hexensabbat verschränkter Runen die Seiten.
Griechische Schriftzeichen waren mit lateinischen und mit Ziffern in verschiedener Höhe ver-
koppelt, mit Kreuzen und Strichen durchsetzt, ober- und unterhalb waagerechter Linien
bruchartig aufgereiht, durch andere Linien zeltartig überdacht, durch Doppelstrichelchen
gleichgewertet, durch runde Klammern zu großen Formelmassen vereinigt. Einzelne Buch-
staben, wie Schildwachen vorgeschoben, waren rechts oberhalb der umklammerten Gruppen
ausgesetzt. Kabbalistische Male, vollständig unverständlich dem Laiensinn, umfaßten mit
ihren Armen Buchstaben und Zahlen, während Zahlenbrüche ihnen voranstanden und Zahlen
und Buchstaben ihnen zu Häuptern und Füßen schwebten. Sonderbare Silben, Abkürzungen
geheimnisvoller Worte, waren überall eingestreut, und zwischen den neckromantischen
Kolonnen standen geschriebene Sätze und Bemerkungen in täglicher Sprache, deren Sinn
gleichwohl so hoch über allen menschlichen Dingen war, daß man sie lesen konnte, ohne
mehr davon zu verstehen als von einem Zaubergemurmel.“

THOMAS MANN: „Königliche Hoheit“ 1909

Der Autor hat sich diese Kritik zu Herzen genommen.

Kapitel 1: Einleitung und Zielstellung
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1 Einleitung und Zielstellung

Bauwerke sind die einzigen technischen Erzeugnisse, deren Nutzungsdauer die Lebensdauer
eines Menschen in der Regel übersteigt. Diese Aussage gilt auch für Brücken. Auf Grund der
außerordentlich hohen Lebensdauer besteht die Möglichkeit, daß sich die Rahmenbedingun-
gen während dieser Zeit ändern. So können ehemals unbedeutende Einwirkungen durch die
Weiterentwicklung in anderen technischen Bereichen zu maßgebenden Einwirkungen werden,
die beim Entwurf gar nicht berücksichtigt werden konnten.

Der auf Grund wirtschaftlicher Zwänge vorhandene Anstieg des Transportgewichtes und der
Geschwindigkeit von Binnenschiffen in Verbindung mit dem Ausbau des Wasserstraßen-
netzes in Deutschland kann dazu führen, daß die Einwirkung Schiffsanprall zu einer Gefähr-
dung der Standsicherheit alter Brücken mit Natursteinpfeilern wird. Binnenschiffe erreichen
heute eine Länge von knapp 200 m, eine Breite von bis zu 12 m und ein Gewicht von mehre-
ren tausend Tonnen. Abb. 1-1 zeigt ein Schubschiff bei der Fahrt durch die Alte Mainbrücke
Lohr und erlaubt dem Betrachter anhand des Größenvergleiches eine subjektive Beurteilung
der Sicherheit der Brücke bei einem Anprallereignis. Neue Brücken werden entweder gegen
diese Einwirkung bemessen oder die Schiffahrtsrinne wird beim Neubau pfeilerfrei gestaltet.
Bei alten Brücken bestehen diese Möglichkeiten nicht.


Abb. 1-1: Schubschiff fährt durch die Alte Mainbrücke Lohr.

Jahr Streckenlänge der Eisenbahn in „Deutschland“ in km
1840 549
1850 6044
1870 19575
1910 61148

Tab. 1-1: Entwicklung der Streckenlänge der Eisenbahn in „Deutschland“ nach MANN [177]

Als alte Brücken sollen im folgenden Brücken bezeichnet werden, die zeitlich etwa zwischen
der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und dem Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet
wurden. Deutschland erlebte etwa ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts den im Vergleich
zu anderen europäischen Nationen verspäteten Übergang in das Industriezeitalter [177]. Die-
ser zeichnete sich u.a. durch einen wachsenden Bedarf für den Menschen- und Gütertransport
aus, der zu steigenden Investitionen in der Infrastruktur (Tab. 1-1) und auch zu einer Vielzahl
neuer Brücken führte.

Die in der damaligen Zeit häufig errichteten Steinbogenbrücken und Stahlfachwerkbrücken
erfüllen in vielen Fällen bis heute ihren Dienst. Gerade die Natursteinbogenbrücken sind durch
ihr einfaches, aber wirksames statisches System des Bogens und der teilweise sehr hochwerti-
Kapitel 1: Einleitung und Zielstellung
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gen Natursteine in der Lage, die zunehmenden vertikalen Verkehrslasten aufzunehmen. Auf
Grund des hohen Gewichtes durch die meist massiv hinterfüllten Bögen zeigen diese Brücken
auch einen sehr hohen Widerstand gegen horizontale Lasten, wie z.B. Eislasten. Die Pfeiler
der erwähnten alten Brücken liegen i.a. in ihren Abmessungen etwa bei 3-6 m Breite und 8-
14 m Länge. Eine Berücksichtigung der heute möglichen Schiffsanprallkräfte zum Zeitpunkt
des Entwurfes der Brücken erfolgte aus verständlichen Gründen nicht.

Ob ein Schiffsanprall in unserer Zeit eine reale Gefährdung der Standsicherheit darstellt, soll
in der vorliegenden Arbeit beispielhaft an zwei Brücken untersucht werden. Die Darstellung
der Gefährdung erfolgt in Form von Versagenswahrscheinlichkeiten und Risiken. Diese Form
erscheint hierbei als guter Ansatzpunkt, da neben der Unsicherheit bei der mechanischen Be-
schreibung der alten Brücken auch die Wahrscheinlichkeit eines Schiffsanpralls explizit mit
berücksichtigt werden kann. Die Quantifizierung der Gefahr eines Versagens infolge Schiffsan-
prall durch Ermittlung von Versagenswahrscheinlichkeiten und Risiken an zwei alten Brücken
ist Inhalt dieser Arbeit. Eine vergleichbare Untersuchung ist dem Verfasser nicht bekannt.

Genaue Angaben über die Anzahl aller schiffsanprallgefährdeten Brücken in Deutschland lie-
gen dem Verfasser nicht vor. Deutschland verfügt über ein Binnenwasserstraßennetz mit einer
Länge zwischen rund 6500 km [261] und 7350 km [232]. Die Gesamtanzahl der Brücken über
schiffbare Gewässer in Deutschland beträgt nach eigenen Zählungen 1490, wobei sich dieser
Wert aus 1310 Straßenbrücken und 180 Eisenbahnbrücken zusammensetzt. Detaillierte Anga-
ben zu dieser Zählung finden sich im Anhang A.

Nach [235] gibt es auf dem Main 70 und auf der Mosel 35 anprallgefährdete Brücken. Mit der
Anzahl der Brücken von 111 auf dem Main und 48 auf der Mosel und der Anzahl der anprall-
gefährdeten Brücken auf diesen beiden Flüssen kann man den Prozentsatz der gefährdeten
Brücken mit 70 / 111 × 100 = 63 % auf dem Main und mit 35 / 48 × 100 = 73 % auf der Mo-
sel angeben. Wendet man den hier errechneten geringeren Prozentsatz auf die ermittelte Ge-
samtanzahl der Brücken von 1490 an, so erhält man für Deutschland ca. 950 anprallgefährdete
Brücken. Allerdings dürfte fraglich sein, ob eine solche Extrapolation ausreichend genau ist.
Sie wird aber auf Grund des Mangels anderweitiger Daten hier verwendet.

Über die Altersstruktur dieser ca. 950 Brücken liegen dem Verfasser ebenfalls keine genauen
Angaben vor. Die in Abb. 1-2 angegebene Altersstruktur von Brücken in Bundeshand bezogen
auf die Brückenfläche (35.000 Fernstraßenbrücken) dürfte kaum für die Altersstruktur der Ge-
samtanzahl der Brücken über schiffbare Flüsse maßgebend sein. Der überwiegende Anteil der
alten Brücken ist nach Meinung des Verfassers in der Hand der Länder und der Kommunen,
da über diese Brücken entweder kleinere Staatsstraßen führen oder sich die Brücken in Städ-
ten befinden. Insofern ist vermutlich der Anteil der alten Brücken am Gesamtbrückenbestand
größer als in Abb. 1-2 dargestellt (dort unter einem Prozent der Brückenfläche). Eine grobe
Schätzung von 5-10 % der ca. 950 als schiffsanprallgefährdet eingestuften Brücken würde ca.
50 bis 100 alte schiffsanprallgefährdete Brücken ergeben.

Als Beispiele für alte anprallgefährdete Sandsteinbogenbrücken über schiffbare Flüsse seien
die Alte Mainbrücke Lohr (1875), die Mainbrücke Marktheidenfeldt (ca. 1846 nach [260]), in
Dresden die Albertbrücke (1875), die Marienbrücke (1846) (Altersangabe nach KOETTNITZ &
SCHWENKE [151]), die Augustusbrücke (1910) und die Alte Bogenbrücke Pirna (1875) genannt.

Für die Festlegung der Gefährdung ist jedoch nicht nur die Brücke selbst maßgebend, sondern
auch die zulässige Tonnage der Schiffe. Diese richtet sich nach der Wasserstraßenklasse ent-
sprechend des am 24. März 1993 durch das BMV eingeführten neuen, europakonformen
Klassifizierungssystems. Im Rahmen von Flußausbauten wird dieses System allerdings
ständig aktualisiert. In Abb. 9-1 und Abb. 9-2 im Anhang A ist die Einstufung und Organisa-
tion des Wasserstraßennetzes in Deutschland dargestellt.

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Abb. 1-2: Altersstruktur von Brücken im Bundesfernstraßennetz in Flächenangaben
nach STANDFUß [276]
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Änderung der
Methodik zur
Erfassung des
Straßengüter-
fernverkehrs
1990/1991
Binnenschiffverkehr
Eisenbahnverkehr
LKW-Fernverkehr
Rohrfernleitungen
Abb. 1-3: Entwicklung des Binnengüterfernverkehrs aller Verkehrsträger in Deutschland
seit 1960

Kapitel 1: Einleitung und Zielstellung
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Um eine Prognose über das zukünftige Verkehrsaufkommen auf den deutschen Binnenstraßen
geben zu können, soll kurz ein Vergleich der Entwicklung aller Verkehrsträger in Deutsch-
land erfolgen. Prinzipiell kann man feststellen, daß der Gütertransport auf dem Straßenweg
die größten Wachstumsraten im Wettbewerb der Verkehrsträger erreicht (siehe Abb. 1-3). Die
Wachstumsraten der Binnenschiffahrt sind vergleichsweise bescheiden (Abb. 1-4).

In den letzten Jahren fand in der deutschen Binnenschiffahrtsflotte sogar ein Abbau an Trans-
portkapazität, wie in Abb. 1-5 erkennbar, statt. Der Beschluß für den Abbau erfolgte bereits
1989. Zehn Jahre später galt der Umbau als abgeschlossen. Es erfolgte ein Abbau von ca.
15 % Flottenkapazität mit dem Ziel der Beendigung der Wirtschaftskrise im Binnenschiff-
fahrtsverkehr. Dieser Abbau erfolgte allerdings nicht gleichmäßig über die Flotte. So ver-
ringerte sich am Rhein 1997 die Binnenflotte nur um ca. 7 %. Im einzelnen erfolgte ein Ab-
bau um 7,5 % in der Trockenladungsflotte, aber nur 4 % in der Tankflotte. Die Schubleichter-
flotte verringerte sich sogar nur um 3 %.

Das Wachstum des Verkehrsaufkommens kann nur durch größere Schiffe, eine höhere Ausla-
stung der Schiffe und einer Erhöhung der Kilometerleistung der Schiffe zustande gekommen
sein. Abb. 1-5 veranschaulicht diesen Sachverhalt. Dort ist deutlich der stärkere Abbau der An-
zahl der Schiffe im Vergleich zur Tonnage erkennbar, was nichts anderes als eine Verschie-
bung der Flottenstruktur hin zu schwereren Schiffen darstellt.

Für die nahe Zukunft geht man davon aus, daß sich das beförderte Containervolumen im Ver-
gleich zum Jahre 1997 bis 2010 verdoppeln wird (WÜNSCHT [330]). Für den Rhein wie auch
für andere Flüsse wird von einer jährlichen Zuwachsrate von 6,7 % für den Containerverkehr
auf Binnenschiffen ausgegangen. Ähnliche Zahlen nennt auch MÜNTEFERING [201]. Das
Wachstum wird sich jedoch hauptsächlich auf den Rhein und das Seehafenhinterland in Bre-
merhaven und Hamburg beziehen. Möglichkeiten für ein kräftiges Wachstum des Container-
transportes auf bayerischen Binnenwasserstraßen sehen auch GÜNTHNER & SEGERER [113].
Für den Rhein umfaßt der Containerverkehr derzeit allerdings nur 5 % des Binnenschiffahrts-
volumens [337]. Das bedeutet, daß das kräftige Wachstum des Containerverkehrs nur geringe
Auswirkungen auf die Entwicklung des Transportvolumens der Binnenschiffe zeigen wird.
Beim Transport von KFZ und LKW auf Binnenschiffen wird nur von einem schwachen
Wachstum ausgegangen.

Auf Grund des bisherigen Verkehrsaufkommens und der prognostizierten Entwicklung kann
man davon ausgehen, daß keine signifikanten Änderungen des Verkehrsaufkommens auf Bin-
nenschiffahrtsstraßen zu erwarten sind. Auf den Effekt der Eröffnung des Rhein-Main-
Donau-Kanals wird in Kapitel 2 noch eingegangen.

Der Anteil ausländischer Schiffe bei der Bewältigung des Güterverkehrs auf deutschen Wasser-
straßen wurde bisher nicht behandelt. Abb. 1-6 stellt die zeitliche Entwicklung des Beitrags
ausländischer Schiffe am Gesamtverkehrsaufkommen dar. 1999 lag dieser bei etwa 60 %. Der
hohe Anteil ausländischer Schiffe auf deutschen Schiffahrtsstraßen spiegelt sich auch in der
Unfallstatistik (Abb. 1-7) wider und erreicht ähnliche Größenordnung wie der Anteil am
Verkehrsaufkommen.

Mit den bisher genannten Fakten ergibt sich folgendes Bild für das Binnenschiffahrtswesen in
Deutschland und für die gefährdeten Brücken: In den nächsten Jahren wird voraussichtlich
keine wesentliche Erhöhung des Verkehrsaufkommens auf den deutschen Binnenschiffahrt-
straßen zu erwarten sein. In der Flottenstruktur ist ein Trend zu höheren Transportmassen der
Schiffe erkennbar, eine klare Aussage ist aber auf Grund des großen Anteiles ausländischer
Schiffe auf dem deutschen Binnenschiffahrtsnetz nicht möglich.

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Anzahl der Frachtschiffe >20 Tonnen
Tragfähigkeit
Stand 31.12.1999
Trendlinie Tragfähigkeit der Schiffe
Trendlinie der Anzahl der Schiffe
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Gesamtverkehr in Deutschland
Verkehr mit Schiffen aus Deutschland
Abb. 1-6: Entwicklung des Binnenschiffgüterverkehrs in den 90er Jahren in Deutschland (nach
ELWIS -Elektronisches Wasserstraßeninformationssystem im Internet)

Deutschland
Niederlande
Slowak. Rep.
Schweiz
Portugal
Ungarn
Luxemburg
Bulgarien
Jugoslawien
Frankreich
Belgien
Ohne Angaben
Tsch. Republik
GUS-Staaten
Norwegen
Österreich
Polen
Rumänien
Ukraine
Spanien

Abb. 1-7: Verhältnis der Anzahl der Schiffe nach Flaggen bei Verkehrsunfällen in Deutschland
1998 (Gesamtanzahl der Verkehrsunfälle 1321) nach STEDE [282]

Kapitel 1: Einleitung und Zielstellung
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Für die Einwirkung Schiffsanprall ergeben sich damit zwei Vermutungen: Die Anzahl der
Schiffanpralle müßte mit zunehmendem Verkehr ebenso steigen wie die Kraft der Schiffsan-
pralle mit zunehmender Tonnage der Binnenschiffe. Diese beiden Vermutungen werden im
folgenden Kapitel „Einwirkung Schiffsanprall“ untersucht.

Im Anschluß daran werden die beiden Brücken im Kapitel „Widerstandsseite“ vorgestellt, für
die eine ausführliche Berechnung mit dem Ziel der Ermittlung der Versagenswahrscheinlich-
keit bzw. von Risiken bei Schiffsanprall erfolgen soll. Um die Grenzen der hier vorgestellten
Berechnung zu verdeutlichen, werden die verwendeten „Berechnungsverfahren“ im gleich-
namigen Kapitel nach der Vorstellung von Einwirkung und Widerstandsseite behandelt.

Dem ausschließlich an dem Ergebnis interessierten Leser sei empfohlen, ohne Umwege das
Kapitel 5 „Berechnungsergebnisse“ aufzuschlagen. Dort werden die im Rahmen dieser Arbeit
ermittelten Ergebnisse vorgestellt und kommentiert. Die eigentlichen Nachweise mit dem
Vergleich zulässiger Werte finden sich im Kapitel 6 „Akzeptables Risiko“. Eine umfangreiche
Diskussion dieser Werte und die Ausdehnung des Gefährdungsbegriffes von der im Bau-
wesen üblichen operativen Versagenswahrscheinlichkeit auf Darstellung von Risiken erschien
dem Verfasser notwendig, da die Verwendung der Versagenswahrscheinlichkeit mit einigen
Unzulänglichkeiten behaftet ist.


Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
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Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
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2 Einwirkung Schiffsanprall
2.1 Allgemeines zur Einwirkung Schiffsanprall

Bauwerke unterliegen im Laufe ihrer Existenz verschiedenen Einwirkungen. Diese Einwir-
kungen kann man in Abhängigkeit vom Charakter ihres Zusammenwirkens mit dem Bauwerk
bzw. dem Baustoff einordnen. Eine mögliche Einordnung der Einwirkungen auf Stahlbeton-
konstruktionen gibt die folgende Tabelle wieder.

Chemische Einwirkung Korrosion des Bewehrungsstahls im Beton Karbonatisierung
Chloridangriff
Zerstörung der Betonmatrix Säureangriff
Sulfatangriff
Alkalireaktion
Physikalische Einwirkung Frost- und Frost-Tausalz-Angriff
Abrieb
Lasten (z.B. Eigen- u. Verkehrslast)
Anprall
Tab. 2-1: Einwirkungen

Nach ZILCH & ROGGE [339] folgt die E-DIN 1045-1 (12.98) dieser Einteilung. Ähnliche Zu-
ordnungen von Einwirkungen lassen sich auch für andere Baustoffe, wie z.B. Naturstein-
mauerwerk erstellen. Damit ist der rechnerische Nachweis der Tragfähigkeit ein Sonderfall
des Nachweises einer physikalischen Einwirkung, die unterschiedliche Ursachen besitzen
kann, wie z.B. Wind, Schnee, Eigen-, Verkehrslast und Vorspannung. Wichtig für den Inge-
nieur bei der Klassifizierung der Einwirkungen ist die Art der Nachweiserbringung der Si-
cherheit des Bauwerkes. Während der Nachweis einiger Einwirkungen rechnerisch erfolgt,
werden andere Nachweise nur durch pauschale Regelungen, im Stahlbetonbau z.B. durch
konstruktive Regelungen, abgedeckt. Der Schiffsanprall zählt zu den Einwirkungen, die rech-
nerisch nachgewiesen werden müssen.

Die rechnerischen Nachweise der Sicherheit erfolgen üblicherweise mit nur einem charakteri-
stischen Wert einer zeitlich veränderlichen Einwirkung. Die Diskussion eines derartigen
Wertes unter Berücksichtigung der statistischen Eigenschaften der Einwirkung Schiffsanprall
ist ein wesentlicher Inhalt dieses Kapitels. Auf die Beschreibung der Sicherheit mittels wahr-
scheinlichkeitstheoretischer Grundlagen wird in Abschnitt 4.3 eingegangen. Es sei an dieser
Stelle nur erwähnt, daß dieses Modell der Beschreibung, auf welches in den folgenden Kapiteln
zurückgegriffen wird, Eingang in das vorhandene moderne Vorschriftenwerk gefunden hat.

Physikalische Einwirkungen auf die Tragfähigkeit von Bauwerken können über die Zeit ein
kontinuierliches, differenzierbares Verhalten zeigen oder zu diskreten Zeitpunkten eine plötz-
liche Zustandsänderung (Puls) aufweisen (Abb. 2-1). Anpralle gehören als Pulsprozeß zur
zweiten Gruppe der stochastischen Prozesse der physikalischen Einwirkungen. Die Dauer der
Einwirkung ist im Vergleich zur Lebensdauer des Bauwerkes vernachlässigbar gering. Da
Anpralle ein sehr seltenes Ereignis sind, werden diese Prozesse als POISSON-Prozesse abgebil-
det. Die Überführung der Binomialverteilung in eine POISSON-Verteilung bzw. einen -prozeß
zur Beschreibung seltener Ereignisse wird an dieser Stelle nicht behandelt.

Kontinuierliche zeitliche Prozesse, wie z.B. Wind, lassen sich als Zufallsvariablen darstellen,
denen über die Wahrscheinlichkeitsverteilungsfunktion eine Wiederkehrperiode zugeordnet
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 26
werden kann. Dazu wird meistens aus dem kontinuierlichen Verlauf eines Jahres ein Extrem-
wert ermittelt und aus diesen Extremwerten eine Wahrscheinlichkeitsverteilungsfunktion
entwickelt, beim Wind z.B. häufig die Gumbelverteilung [273]. Mittels dieser Verteilung ist
es dann möglich, Bemessungswerte und charakteristische Werte für Nachweise der Tragfä-
higkeit in Abhängigkeit von ihrer Wiederkehrperiode pro Jahr bereitzustellen.

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Zeitachse
Abb. 2-1: Beispiele für zeitabhängige Einwirkungen (Oben: Verkehrslasten in Hochbauten;
Mitte: Impulslasten, wie z.B. ein Anprall; Unten: Windlast)

Bei Stoßprozessen ist der Bezug auf ein Jahr im Sinne einer Extremwertverteilung nicht mög-
lich, da das Ereignis viel zu selten eintritt. Vielmehr stellt man eine Verteilung für den Betrag
der Einwirkung, im vorliegendem Fall also für die Anprallkraft, auf, wenn das Ereignis An-
prall stattfindet. Fraktilwerte dieser Verteilung können bereits als Beträge mit einer zugehöri-
gen Wiederkehrperiode dargestellt werden. Da aber nicht jedes Jahr ein Anprall stattfindet,
wird noch ein zweiter Term notwendig: dieser Term ist die Anprallwahrscheinlichkeit P(A).

Daß der Anprall von Schiffen gegen Brücken kein Ereignis ist, welches erst in den letzten
Jahren oder Jahrzehnten zu einer realen Bedrohung für Brückenbauwerke geworden ist, ver-
mitteln die folgenden Darstellungen eindrucksvoll. Neben den Bildern, die Anpralle aus dem
19. Jahrhundert und vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen, befinden sich in der Zusam-
menstellung auch Beispiele über Anpralle aus den letzten Jahren.

Unfallhergänge im Einzelnen sollen an dieser Stelle nicht weiter untersucht werden. Detail-
lierte Beschreibungen von Unfällen findet man z. B. in folgenden Quellen: Der Unfall an der
Alten Mainbrücke Lohr 1999 wurde ausführlich in der Mainpost vom 12.5.1999 beschrieben.
Ein neuerer Zwischenfall auf der Mosel wird in [249] dargestellt. Eine Beschreibung von
Schiffahrtsunfällen in Basel findet sich bei GROB & HAJDIN [107], für den deutschen Raum
schildert KUNZ [160] einige Unfälle. Eine Zusammenfassung von Unfällen weltweit findet
sich in FRANDSEN [91]. Die Beschreibung des Unfalles der CSX/Amtrak Railroad Bridge
kann PHILLIPS [229] entnommen werden. Erwähnt sei an dieser Stelle noch der Anprall der
Seestern im August 2000 gegen die Bahnhofsbrücke in Warnemünde. Dabei wurde der Über-
bau der Brücke um einen halben Meter verschoben (Ostseezeitung vom 10.8.2000). Die letz-
ten dem Verfasser bekannten Unfälle mit Todesopfern ereigneten sich im September 2001 in
Texas und im Mai 2002 in Oklahoma. Am Rande erwähnt sei noch ein Schiffsanprall der be-
sonderen Art: 1988 stieß ein deutsches U-Boot mit der Oseberg B Erdölplattform in der Nord-
see zusammen (AMDAHL & EBERG [5]).

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 27

a) Donaustaufbrücke bei Regensburg, 1837 b) Baugerüst der Hammer Eisenbahnbrücke
am Rhein, 1869
c) Elbebrücke Dresden, 1906 d) Maraçaibo Brücke, Venezuela, 1964

e) Hopewell Bridge, Virginia, USA, 1977 f) Sunshine Skyway Bridge, Florida, USA,
1980
g) Tjörn Brücke, Schweden, 1980 h) Tjörn Brücke, Schweden, 1980
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 28
i) Strängnäs Brücke, Schweden, 1990 j) Carnafuli Brücke, Burma, 1991
k) Kattwyk-Hubbrücke, Hamburg, 1991 l) CSX/Amtrak Railway Bridge, Mobile, USA,
1992
m) Schiff nach Anprall, Mainbrücke Volkach,
1992
o) Schiff nach Anprall (Beispiel)
p) Mainbrücke Lohr, Pfeiler II, 1999 q) Mainbrücke Lohr, Pfeiler II, 1999
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 29

r) Mainbrücke Lohr, Pfeiler II, 1999 s) Mainbrücke Lohr, Pfeiler II, 1999
t) Mainbrücke Segnitz, 2000 u) Port Isabel, USA, 2001 (8 Tote)

v) Webber-Falls, USA, 2002 (12 Tote)
Abb. 2-2: Beispiele von Schiffsanprallen gegen Brücken

Bei der Zusammenfassung einzelner Schiffsanpralle stellt sich automatisch die Frage, wie
häufig derartige Ereignisse eigentlich auftreten.

2.2 Anprallhäufigkeit als Zeitabhängigkeit der Anprallkraft
2.2.1 Einleitung

Die Häufigkeit des Ereignisses Schiffsanprall gegen Brücken bzw. die daraus abgeschätzte
Wahrscheinlichkeit ist eine wichtige Größe bei der Bestimmung einer Bemessungsanprall-
kraft. Die Bemessungsanprallkraft soll basierend auf wahrscheinlichkeitstheoretischen Grund-
lagen gemäß Normenwerk eine mittlere Wiederkehrperiode von 10.000 Jahren (Tab. 2-2) be-
sitzen. Die mittlere Wiederkehrperiode m
t
ist mit der Wahrscheinlichkeit eines Anpralls mit
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 30
einer bestimmten Kraft F über
1
1 ( )
t
m
P F A
=
− ∩
bzw.
1
( ) 1
t
P F A
m
∩ = − verknüpft. Die Ein-
trittswahrscheinlichkeit eines Anpralls mit einer bestimmten Anprallkraft wird aus
( ) ( ) ( | ) P F A P A P F A ∩ = ⋅ ermittelt. Die Anprallwahrscheinlichkeit geht in diese Berech-
nung direkt ein. Bei einer später noch genauer behandelten probabilistischen Berechnung wird
der direkte Einfluß der Anprallwahrscheinlichkeit noch deutlicher. Ermittelt man die Ver-
sagenswahrscheinlichkeit einer Brücke unter Schiffsanprall, so ergibt sich die Gesamtver-
sagenswahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines An-
pralls zu: ( ) ( ) ( | ) P V A P A P V A ∩ = ⋅ . Im Wert ) | ( A V P stecken alle weiteren Wahrschein-
lichkeiten, z.B. für Festigkeiten oder die Anprallhöhe. Damit ergibt sich:
|
1
10.000 Jahre.
1 ( ) ( | )
t F A F A
m m m m
P A P F A
= = = ⋅ =
− ⋅

Keine andere Größe hat einen so direkten Einfluß auf das Endergebnis wie die Anprallwahr-
scheinlichkeit. Die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Wahrscheinlichkeiten sind noch
einmal in Abb. 2-3 symbolisch dargestellt. Hierbei wird insbesondere die Entkopplung der
Versagenswahrscheinlichkeit der Brücke bei Schiffsanprall gemäß E DIN 1055-9 klar er-
kennbar (unterer Teil des Bildes).

P(A)
P(V|A)
P(V|A)-P(F|A)

P(A)
GruSiBau
DIN 1055-9
P(H|A)
P(f |A)
P(A) P(A)
P(F|A)
P(F|A)
P(F|A)
P(V|A)-P(F|A)=const.=10
-2
Zielwert für Bemessungskraft: const.=10 P(V|A) P(F|A)= ∩
-4
Zielwert für Bemessung: =10 P(V|A)∩
-6
P(A)
P(...|A)

P(A):

P(V | A):
P(F | A):
P(H | A):
P(f | A):
P(...|A):
Wahrscheinlichkeit, daß ein
Schiffsanprall gegen eine Brücke
stattfindet
Wahrscheinlichkeit eines
Brückenversagens bei einem
Schiffsanprall
Wahrscheinlichkeit der
Schiffsanprallkraft bei einem Anprall
Wahrscheinlichkeit der Anprallhöhe bei
einem Anprall
Wahrscheinlichkeit der Baustofffestigkeit
bei einem Anprall
Wahrscheinlichkeit einer weiteren beliebigen
Bauwerkszufallsgröße

Abb. 2-3: Symbolische Darstellung der verschiedenen Wahrscheinlichkeiten nach GruSiBau
[211] und E DIN 1055-9 (3/2000) [72]

Leider ist die wahre Anprallwahrscheinlichkeit unbekannt. Man kann aber anhand der erfaß-
ten Anprallhäufigkeiten der letzten Jahre eine Schätzung der Anprallwahrscheinlichkeit abge-
ben. Anhand verschiedener gesichteter Quellen sollen darum Anprallhäufigkeiten zusammen-
gefaßt werden.

Name der Einwirkung (E.) Norm Überschritten
Außergewöhnliche E.
Charakteristische E. (Verkehr)
Charakteristische E.
Seltene E.
Nicht-häufige E.
Häufige E.
Häufige E.
Quasi-ständige E.
DIN 1055-9
DIN FB 101
DIN 1055-100
DIN 1055-100
DIN 1055-100
DIN 1055-100
DIN FB 101
DIN 1055-100
1 × in 10.000 Jahren
1 × in 1.000 Jahren
1 × in 50 Jahren
1 × in 10 Jahren
1 × in 1 Jahr
300 × in 1 Jahr
50 × in 1 Jahr
50% der Zeit
Tab. 2-2: Wiederkehrperiode verschiedener Bemessungseinwirkungen
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 31
2.2.2 Anprallhäufigkeiten gegen Brücken weltweit

LARSEN [163] gibt eine Statistik der Anzahl schwerer Unfälle zwischen Brücken und Schiffen
für den Zeitraum 1960-1991 weltweit an (Abb. 2-4). Die Unfälle beziehen sich sowohl auf den
Binnen- als auch auf den maritimen Bereich.

0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
1
9
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0
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t
Abb. 2-4: Anzahl schwerer* Unfälle weltweit zwischen 1960 und 1991 nach LARSEN [163]
* Das Wort schwer ist in diesem Zusammenhang nicht definiert

Eine Zusammenstellung schwerer Unfälle findet sich auch in MASTAGLIO [180]. Dieser Quelle
ist die folgende Liste (Tab. 2-3) der Schiffsanpralle an Brücken mit Todesfolge zum über-
wiegenden Anteil entnommen. Neuere Anpralle wurden vom Verfasser hinzugefügt.

Name der Brücke Jahr Anzahl Todesopfer Summe pro Jahrzehnt Quelle
Severn River Railway Bridge, U.K 1960 5 [180]
Lake Ponchartain, USA 1964 6 11 [180]
Sidney Lanier Bridge, USA 1972 10 [180]
Lake Ponchartain Bridge, USA 1974 3 [180]
Tasman Bridge, Australien 1975 15 [180]
Pass Manchac Bridge, USA 1976 1 29 [180]
Tjorn Bridge, Schweden 1980 8 [180]
Sunshine Skyway Bridge, USA 1980 35 [180]
Lorraine Pipeline Bridge, Frankreich 1982 7 [180]
Sentosa Aerial Tramway, China 1983 7 [180]
Volga River Railroad Bridge, Sowjetunion 1983 176 233 [180]
Claiborn Avenue (Judge Seeber) Bridge, USA 1993 1 [180]
CSX/Amtrak Railroad Bridge, USA 1993 47 48 [180]
Port Isabel, USA 2001 8 Tagespresse
Webber-Falls, USA 2002 12 bisher 20 Tagespresse
Tab. 2-3: Schiffahrtsunfälle mit Todesopfern überwiegend nach MASTAGLIO [180]
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 32
In SCHEER [257] findet sich eine Zusammenstellung für Schiffsanpralle (Abb. 2-5). Diese Zu-
sammenstellung unterscheidet allerdings ebenso wie alle bisher genannten und vorgestellten
Zusammenfassungen nicht zwischen Binnen- und Hochseeschiffahrt.

0
1
2
3
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Jahr
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l
l
Abb. 2-5: Brückenversagen infolge Schiffanprall nach SCHEER [257]

Alle drei Zusammenfassungen zeigen eine Häufung von Anprallen Ende der 70er und Anfang
der 80er Jahre. Insbesondere die letzten beiden Unfälle in den USA 2001 und 2002 zeigen
aber, daß die Gefahr eines solchen Ereignisses mit Todesfolge weiterhin existiert.
2.2.3 Häufigkeit von Binnenschiffahrtsunfällen in Deutschland

Bevor auf den Sonderfall eines Binnenschiffahrtsunfalls, den Schiffsanprall gegen Flußbrük-
ken, eingegangen wird, sollen zuerst ein paar allgemeine Zahlen über die Unfallentwicklung
auf den Binnenschiffahrtsstraßen in Deutschland genannt werden. Unter einem Binnenschif-
fahrtsunfall werden neben einem Brückenanprall z.B. auch Zusammenstöße zwischen Schif-
fen, Uferanfahrten oder Anfahrten gegen Schleusen, verstanden. Abb. 2-6 gibt die Entwick-
lung der Anzahl der Unfälle auf deutschen Binnenschiffahrtsstraßen wieder. Deutlich erkenn-
bar ist der fallende Trend der absoluten Unfallzahlen seit den 60er Jahren. Insbesondere die
70er Jahre zeigen einen starken Rückgang. In den 90er Jahren bildete sich ein Plateau.

Für den Main (KUNZ [158]) und die Donau (KUNZ [159]) liegen detaillierte Angaben sowohl
zu den längenbezogenen Unfallzahlen als auch zum Verkehrsaufkommen vor. Die Werte für
den Main finden sich in Tab. 2-4. Mit den Zahlen für die Staustufe Rothenfels liegen sogar
Werte nur für einen einzelnen Abschnitt am Main vor (KUNZ [158]).

Wie bereits in Abb. 2-6 erkennbar, ist auch in Tab. 2-4 eine Abnahme der Unfälle in den 70er
und 80er Jahren zu beobachten, die allerdings in den 90er Jahren nicht mehr fortgesetzt wer-
den konnte. Sowohl die Zahlen für den Main (Tab. 2-4) gesamt als auch für die Staustufe Ro-
thenfels (Tab. 2-5) speziell zeigen eine Zunahme der Unfallzahlen, insbesondere seit 1993.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 33
Dieser Effekt kann auf die Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals am 25.9.1992 zurückge-
führt werden. Damit wurde eine 3500 km lange Schiffahrtsstraße zwischen Nordsee und
Schwarzem Meer eröffnet. Dadurch ist auch die Zunahme des Verkehrsaufkommens ab 1993 in
Tab. 2-4 zu erklären.

Die Verteilung der Unfälle auf die Wasserstraßen in Deutschland ist in Abb. 2-7 dargestellt.
Die Binnenschiffahrtsunfälle sind ungleichmäßig auf das Wasserstraßennetz in Deutschland
verteilt.

Jahr Anzahl der
Fahrzeuge
n
Schiffe

Anzahl der
Unfälle
gesamt
Anzahl der Unfälle
auf der Fahrstrecke
n
Unfälle

Unfälle zu
Fahrzeuge
Mittlere Fahr-
strecke
s [km]

Unfälle
Schiffe
n
n s

1969 17691 206 178 0,0101 208,5585 0,0000482
1970 17144 227 191 0,0111 213,4579 0,0000522
1971 20638 249 202 0,0098 218,4724 0,0000448
1972 21453 242 190 0,0089 223,6047 0,0000396
1973 19020 249 200 0,0105 228,8576 0,0000459
1974 16422 183 137 0,0083 234,2338 0,0000356
1975 14613 143 102 0,0070 239,7363 0,0000291
1976 16195 174 127 0,0078 245,3682 0,0000320
1977 14037 150 109 0,0078 251,1323 0,0000309
1978 14463 133 89 0,0062 257,0318 0,0000239
1979 14090 133 96 0,0068 263,0699 0,0000259
1980 12977 109 85 0,0066 269,2498 0,0000243
1981 12039 130 106 0,0088 275,5750 0,0000320
1982 11907 135 110 0,0092 282,0487 0,0000328
1983 11359 98 76 0,0067 288,6745 0,0000232
1984 10427 114 96 0,0092 295,4560 0,0000312
1985 9607 98 78 0,0081 302,3967 0,0000268
1986 9424 101 87 0,0092 309,5005 0,0000298
1987 8555 109 94 0,0110 316,7712 0,0000347
1988 9487 100 85 0,0090 324,2127 0,0000276
1989 9511 96 79 0,0083 331,8290 0,0000250
1990 9854 115 106 0,0108 339,6242 0,0000317
1991 8428 102 78 0,0093 347,6026 0,0000266
1992 8961 103 79 0,0088 355,7683 0,0000248
1993 10730 125 101 0,0094 364,1259 0,0000259
1994 11162 137 99 0,0089 372,6799 0,0000238
1995 11423 139 110 0,0096 381,4347 0,0000252
1996 11089 128 89 0,0080 390,3953 0,0000206
Tab. 2-4: Unfallzahlen auf dem Main von 1969-1996 nach KUNZ [158]

Jahr Anzahl der Unfälle
1983 7
1984 5
1985 3
1986 2
1987 3
1990 3
1991 2
1992 1
1993 7
1994 6
1995 4
Tab. 2-5: Binnenschiffahrtsunfälle auf dem Main, Staustufe Rothenfels, nach KUNZ [158]

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 34
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
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Abb. 2-6: Entwicklung der Unfallzahlen in Deutschland nach STEDE [282]
0
20
40
60
80
100
120
140
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A
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Unfalldichte
Unfallrate

Abb. 2-7: Unfallrate und Unfalldichte nach STEDE [282] in Anzahl pro 1 Mrd. tkm Güterbe-
förderung
*Die Spalte Berlin umfaßt zusätzlich Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
** Mittellandkanal
*** Westdeutsches Kanalgebiet.


Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 35
2.2.4 Häufigkeit von Schiffsanprallen in Deutschland

Bisher wurde von längenbezogenen Unfallzahlen ausgegangen bzw. wurden Gesamtunfall-
zahlen angegeben. Ob Unfallzahlen repräsentativ sind für die Untergruppe der Schiffsanpralle,
muß der direkte Blick auf die Anprallzahlen zeigen.

In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der Binnenschiffahrtsunfälle mit Brücken, Kais und
Schiffahrtszeichen und die Anzahl der Unfälle mit Schäden an Brücken für die 90er Jahre
zusammengestellt (Zahlen von 1991 bis 1996 nach STEDE [282], 1997 & 1998 [283]).

Jahr Unfälle mit Brücken, Kais,
Schiffahrtszeichen
Unfälle mit Schäden
an Brücken
1991 112 12
1992 175 32
1993 191 31
1994 198 15
1995 201 11
1996 190 12
1997 176 kein Wert bekannt
1998 199 20
Mittelwert 180,2 19
Tab. 2-6: Unfälle mit Schäden an Brücken

Nach Auskunft von HORN [125] sind die extrem hohen Unfallraten im Berliner Raum (Abb.
2-7) zu Beginn der 90er Jahre auf die wirtschaftliche Umstrukturierung der neuen Bundeslän-
der zurückzuführen. Laut HORN [125] hat sich durch die Währungsunion eine drastische
Veränderung der Flottenstruktur ergeben. Zusätzlich fand eine Vielzahl von Baumaßnahmen
in Berlin statt. Diese Baumaßnahmen sollen längerfristig zu einer Verringerung der Anprall-
zahlen führen. Extreme Beispiele für Anprallbrücken im Berliner Raum sind die Meckernsee-
brücke (3 Anpralle in einer Woche) und die Sandkrugbrücke ([125]).

Nach LOHRBERG & KEITEL [169] galt für den Zeitraum vor 1990:
9 Unfälle/Jahr mit Brückenpfeilern bei 17,9 Millionen Brückenpassagen pro Jahr
Für das gesamte Binnenschiffahrtsnetz gilt
1 Unfall pro 2.000.000 Brückenpassagen bzw. H = 0,5·10
-6
/pro Passage
1 Unfall pro 850.000 Betriebsstunden bzw. H = 1,18·10
-6
/pro Betriebsstunde


Mit den in Kapitel 1 geschätzten 950 anprallgefährdeten Brücken in Deutschland ergibt sich
entweder mit dem in Tab. 2-6 angegebenen mittleren Wert von 19 Anprallen mit Schäden an
Brücken pro Jahr 20 / 950 = 0,021 und mit den Werten nach LOHRBERG 9 / 950 = 0,0095 als
jährliche Anprallhäufigkeit bzw. Anprallrate.

Unter Zugrundelegung der Angaben des Straßenbauamtes Würzburg können Anprallwerte
zumindest für den Verantwortungsbereich des Straßenbauamtes zwischen Schiffen und Brük-
ken für den Zeitraum 1997-2001 Bauwerken zugeordnet werden (NITZSCHE [208], [209] (Tab.
2-7).

Auf dem Main befinden sich ca. 70 anprallgefährdete Brücken [235]. Damit ergibt sich mit
den vorliegenden Daten im Straßenbauamt Würzburg eine jährliche Anprallhäufigkeit pro
Brücke zu (8+14)/(20 Jahre × 70 Brücken) = 0,016 (der Wert 8 ist [235] entnommen) anhand
der letzten 20 Jahre. Im Bereich des Straßenbauamtes Würzburg gibt es 10 anprallgefährdete
Brücken. Damit ergibt sich für die Kollisionsrate 14/(20 Jahre × 10 Brücken) = 0,07. Um
eine Verfälschung durch Unfallschwerpunkte zu vermeiden, wurde im weiteren mit 0,016 pro
Jahr pro Brücke gerechnet. Dieser Wert liegt deutlich über dem in [235] angegebenen Wert
von 0,008 für den Main.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 36
Lfd. Nr. Bauwerk Straße Datum Schiffstyp
1 Mainbrücke Wertheim St 2440 14.3.1997 Kein Schubverband
2 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 1.11.1997 Schubverband
3 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 22.12.1998 Schubverband
4 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 21.3.1999 Schubverband
5 Alte Mainbrücke Lohr St 2437 10.5.1999 Schubverband
6 Mainbrücke Karlstadt St 2435 12.2.2000 Schubverband
7 Mainbrücke Segnitz St 2273 24.4.2000 Schubverband
8 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 10.9.2000 Schubverband
9 Mainbrücke Volkach St 2260 30.11.2000 Schubverband
10 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 5.12.2000 Einzelschiff
11 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 30.1.2001 Schubverband
12 Mainbrücke Segnitz St 2273 29.3.2001 Einzelschiff
13 Mainbrücke Segnitz St 2273 30.7.2001 Schubverband
14 Mainbrücke Marktheidenfeld B 8 28.3.2002 Einzelschiff
Tab. 2-7: Anpralle an Brücken im Bereich des Straßenbauamtes Würzburg 1997-2002

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S
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Abb. 2-8: Anzahl der Schiffsanpralle an Brücken im Bereich des Straßenbauamtes Würzburg pro
Jahr

Datum Brücke
26.3.1906 Marienbrücke – Dresden
1928 Marienbrücke – Dresden
26.7.1978 Marienbrücke – Dresden
24.2.1981 Marienbrücke – Dresden
17.4.1984 Alte Brücke – Torgau
13.9.1986 Augustusbrücke – Dresden
18.12.1986 Augustusbrücke – Dresden
20.2.1987 Marienbrücke – Dresden
28.12.1987 Augustusbrücke – Dresden
Anfang 2002 Augustusbrücke – Dresden
16.4.2002 Augustusbrücke – Dresden
21.9.2002 Augustusbrücke – Dresden
10.4.2003 Augustusbrücke – Dresden
Tab. 2-8: Anpralle gegen Brücken im Bereich des Wasserstraßenamtes Dresden
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 37
Auch für den Bereich des Wasserstraßenamtes Dresden liegen einige Angaben zu Schiffsan-
prallen vor, die in der Tab. 2-8 zusammengefaßt sind.

Auf Grund mündlicher Aussagen des Dresdener Wasserstraßenamtes muß man aber davon
ausgehen, daß diese Tabelle nicht alle aufgetretenen Unfälle beinhaltet. Die Mehrzahl der Un-
fälle erfolgte nach gleichem Muster: bei hohem Wasserstand (Herbst & Frühjahr) und eventu-
ell noch Wind fuhren Schleppkähne durch die Brücke und anschließend stellten sich die
Schiffe auf Grund von Motor- bzw. Navigationsproblemen quer und wurden gegen die Brük-
ke geschoben. In den 80er Jahren zeigten die Unfallzahlen einen Höhepunkt. Der Rückgang
der Unfälle seit Beginn der 90er Jahre basiert wahrscheinlich auf einer Verringerung des Ver-
kehrsaufkommens auf der Elbe Höhe Dresden von 4 Millionen Tonnen im Jahre 1990 auf ca.
1,5 Millionen Tonnen im Jahre 2000. Berücksichtigt man die letzten 20 Jahre, so ergibt sich
für Dresden mit 9 Brücken (2 Eisenbahnbrücken und 7 Straßenbrücken) eine Anprallhäu-
figkeit bzw. Anprallrate von 7/(20 Jahre × 9 Brücken) = 0,038 Anpralle pro Brücke pro Jahr.

Fluß Anpralle pro
Jahr pro Brücke
Anpralle pro Brücke
pro Schiffpassage
Quelle
Themse (U.K) 0,2300 10,7·10
-6
[235]
Seine (F) 0,0313 [235]
Seine (F) 0,0556 15,7·10
-6
[235]
Drogden Channel (DK/S) 1,7561 59,0·10
-6
[235]
Main (D) 0,0088 0,7·10
-6
[235]
Main (D) 0,0160 61,0·10
-6
Eigene Werte
Lohr (Main) (D) 0,0351 21,0·10
-6
KUNZ

[158]
Mosel (D) 0,0370 0,7·10
-6
[235]
Donau (Vilshofen) (D) 0,1580 KUNZ

[159]
Deutschland 0,0210 STEDE [282] & STEDE [283]
Deutschland 0,0095 0,5·10
-6
LOHRBERG & KEITEL [169]
Dresden 0,0380 Eigene Werte
Tab. 2-9: Anprallhäufigkeiten auf verschiedenen deutschen Flüssen. Zum Vergleich sind ei-
nige europäische Flüsse und Kanäle mit angegeben.

Neben der Kollisionsrate bzw. Anprallhäufigkeit kann man auch die Häufigkeit eines An-
pralls pro Schiffspassage angeben. STEDE [282] gibt Unfallraten basierend auf den Angaben
des Statistischen Bundesamtes an. Damit ist eine Ermittlung dieses Wertes möglich. Ein di-
rekter Vergleich der Zahlen von KUNZ [158] und STEDE [282] setzt allerdings die Kenntnis
der Flottenstruktur voraus, da gilt:
s G
n
x f
s n
n
Unfälle
M
Schiffe
Unfälle

⋅ =

) ( .
Ermittelt man anhand der Flottenstruktur für den Main einen gewichteten Mittelwert für die
Schiffsmasse, erhält man 1525 t. Damit gilt:
5
10 1 , 6
tkm 000 . 000 . 000 . 1
t 1525 40
) (

⋅ =

=


s G
n
x f
Unfälle
M
. Dieser Wert ist mehr als doppelt so hoch wie
der Wert, der von KUNZ [158] angegeben wird (2,1·10
-5

Anpralle pro Brücke pro Schiffspassage).

In Tab. 2-9 sind alle bisher genannten innerdeutschen Anprallraten zusammengefaßt und wer-
den mit anderen europäischen Schiffahrtsstraßen verglichen. Sowohl der Dogden Channel als
auch die Themse sollen hierbei aber nicht als Maßstab dienen, da sie Hafenhinterland sind
und teilweise seefähige Schiffe diese Wasserstraßen befahren. Für die Donau muß erwähnt
werden, daß die Unfallraten auf längenbezogenen Werten basieren. Längenbezogene Unfall-
zahlen können aber nach Meinung des Verfassers nicht ohne weiteres in objektbezogene An-
prallraten umgewandelt werden.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 38
So liegt die Anprallhäufigkeit beim Main bei 0,016 pro Jahr pro Brücke und bei der Mosel bei
0,037, aber die gemessene mittlere Unfallrate pro 100 km pro Jahr liegt beim Main bei 33 und
bei der Mosel bei 24 (siehe Abb. 2-7). Die Anprallhäufigkeit gegen Brücken ist auf der Mosel
3,4 mal so groß wie auf dem Main, aber die Unfallrate pro Jahr pro 100 km beträgt auf der
Mosel nur ungefähr 2/3 der des Mains. Damit ergibt sich ein Unterschied um den Faktor 3,5.

Die sich in Deutschland ereignenden ca. 200 Anpralle pro Jahr gemäß STEDE [282] gegen
Kais, Wasserschiffahrtszeichen und Brücken ergeben bei einer Binnenstraßenschiffahrtslänge
von 7350 km [232] eine Kollisionsrate von 0,0272 pro km pro Jahr (2,7 Unfälle pro 100 km
pro Jahr.

2.2.5 Zusammenfassung der Anprallhäufigkeit
0
50
100
150
200
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Unfälle auf dem Main
nach Kunz (l.A.)
Anpralle gegen Brücken in
Deutschland nach Stede (r.A.)
Unfälle mit Brücken,
Kais, Schiffahrtszeichen
in Deutschland nach
Stede (l.A.)
Anpralle gegen Brücken im Bereich des SBA Würzburg (r.A.)
Eröffnung Rhein-Main-Donau-Kanal 25.9.1992
l.A. - linke Achse
r.A. - rechte Achse

Abb. 2-9: Zusammenfassung aller vorliegenden Unfall- und Anprallzahlen in Deutschland

Praktisch alle dem Verfasser vorliegenden Daten zeigen eine Zunahme der Unfälle zu Beginn
der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland. Der Beginn der Steigerung war etwa
1992, der Maximalwert lag zwischen 1993 und 1995 und danach erfolgte ein Abfall.

Seit 1995-97 ist jedoch wieder ein Anstieg erkennbar. Im einzigen Fall, in dem für den Zeit-
raum nach 1998 aktuelle Unfallzahlen vorliegen (Straßenbauamt Würzburg), setzte sich dieser
Trend fort. Da die Entwicklung der Anpralle im Bereich des Straßenbauamtes Würzburg i.a.
in Übereinstimmung mit dem gesamtdeutschen Trend der Anpralle gegen Brücken lag
(STEDE), müßte man davon ausgehen, daß in Gesamtdeutschland eine Zunahme an Unfällen
zu verzeichnen ist. Im Jahre 1992 stellte der eine Unfall im Bereich des SBA Würzburg ein
dreißigstel der in Deutschland verzeichneten Anpralle dar. 1998 ereignete sich im Bereich des
SBA Würzburg ein Unfall von 20 in Gesamtdeutschland. Rechnet man mit diesem Faktor die
Anpralle der Jahre 2000 und 2001 hoch, so ergibt sich für Gesamtdeutschland ein Wert von
ca. 60 Anprallen pro Jahr. Entweder hat die Häufigkeit von Schiffsanprallen seit 1997 in
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 39
Deutschland dramatisch zugenommen, oder das Unfallverhalten im Bereich des Straßenbau-
amtes Würzburg hat sich vom Unfallverhalten in Deutschland entkoppelt.

Zwei abschließende Bemerkungen zur Anzahl und den Konsequenzen von Schiffsanprallen.
Der P&I-Club [220] gibt an, daß Kollisionsschäden mit 8 % der Schäden im Binnen-
schiffahrtsverkehr in Deutschland insgesamt über dem Weltdurchschnitt liegen. Im Rahmen
von Bestandsversicherungen wird Brücken über schiffbaren Gewässern ein hohes Gefahren-
potential infolge Schiffanprall zugeschrieben. Die Münchner Rück AG als weltweit größter
Rückversicherer bewertet das Risiko pauschal wie folgt [199]: „Wenn Brücken schiffbare
Gewässer überqueren, ist die Gefahr eines Schiffsanpralls sehr groß.“

2.3 Herleitung der Stoßkraftfunktion
2.3.1 Mechanische Grundlagen der Stoßkraft

Neben der Häufigkeit eines Anpralls stellt die Stoßkraft die entscheidende Größe für die
Gefährdung der Brücke durch ein solches Ereignis dar. Grundlagen für die Bereitstellung ei-
nes Formelapparates zur Berechnung der Anprallkraft werden im folgenden gegeben.

Beim Anprall eines Schiffes gegen eine Brücke handelt es sich um einen Stoßvorgang. Es
wird davon ausgegangen, daß zwei Körper mit gegebener Relativgeschwindigkeit aufein-
andertreffen. Im vorliegenden Fall hat nur das Schiff eine Geschwindigkeit, die Brücke kann
im üblichen Sinne als stehend angesehen werden. Beide Körper zeigen in Abhängigkeit von
ihren Festigkeitseigenschaften bei einem Anprall eine Verformung. Es gelten die beiden
Gleichgewichtsbedingungen:

1 1 1 1 2
2 2 2 2 1 1 2
( ) 0
( ) ( ) 0
M u K u u
M u K u R u u
+ − =
+ − − =
&&
&&

(2-1)

unter Verwendung der bekannten Anfangs- und Randbedingungen. M
2
sei die Masse der
Brücke, M
1
die Masse des Schiffes, K
2
die Steifigkeit der Brücke, K
1
die Steifigkeit des Schif-
fes und u
2
und u
1
die Verformungen der Brücke und des Schiffes.

Bei einem Schiffsanprall sei jedoch vereinfachend angenommen, daß das Verformungsverhal-
ten der Brücke im Vergleich zum Schiff vernachlässigbar sei (
1 2
u u ). Damit können die
Gleichungen entkoppelt werden zu

1 1 1 1
2 1 1
2 2 2 2 2
( ) 0
( ) [( ( ))]
( ) ( )
M u K u
F t K u t
M u K u F t
+ =
=
+ =
&&
&&
.
(2-2)

Einen derartigen Stoß bezeichnet man als weichen Stoß. Die Strukturveränderung und Schä-
digung bei einem stoßenden Fahrzeug, welches in der Tat relativ weich ist im Vergleich zur
Baukonstruktion, wird viel eher einsetzen und viel dramatischer sein, vorausgesetzt das Bau-
werk selbst bleibt funktionstüchtig. Abb. 2-10 belegt das unterschiedliche Verformungs-
verhalten des Schiffes und des Bauwerkes. Deutlich erkennbar sind im linken Bild die großen
plastischen Verformungen des Schiffskörpers. Das Verhalten des stoßenden Körpers ist damit
i.a. unabhängig von der Reaktion des gestoßenen Körpers. Damit ist es möglich, die Steifig-
keit des anprallenden Fahrzeuges und die Anprallfunktion im Versuch zu bestimmen und auf
andere gestoßene Körper, wie Bauwerke, zu übertragen.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 40

Abb. 2-10: Schäden an der Brücke Volkach und am stoßenden Schiff nach einem erfolgten
Schiffsanprall 1992.

Die Beschreibung der Stoßcharakteristik des stoßenden Körpers, also des Schiffes, in Form
von Kraft-Zeit-Funktionen erfolgte durch verschiedene Verfasser. Bevor auf die Unterschiede
eingegangen wird, werden die mechanischen Gemeinsamkeiten behandelt.

Die Kraft-Zeit-Funktion lautet allgemein:

2 1 1
( , , ) F f M v t = (2-3)

und kann in ein FE-Modell gemäß

2 2 2 2
F M x D x K x = ⋅ + ⋅ + ⋅ && & (2-4)

eingebaut werden.

Die physikalischen Größen wie Geschwindigkeit und Massen sind jedoch nur ein Teil der
Größen, die für die Ermittlung der beobachteten Anprallkräfte notwendig sind. Für die Ab-
schätzung der anprallenden Masse ist zu beachten, daß es sich bei der anprallenden Masse
nicht nur um die reine Masse des Schiffes, sondern auch um eine sogenannte hydraulisch ak-
tive Masse handelt. Die Obergrenze der Masse der Schiffe wird durch die Befahrbarkeit der
Flüsse begrenzt. Kritisch dafür ist die Größe der Schleusen. Die Masse der Schiffe ist aller-
dings eine veränderliche Größe. Sie hängt vom Zustand der Beladung und von der Tragfähig-
keit des Schiffes ab.

2.3.1.1 Masseverteilung – Flottenstruktur

Für die Masseverteilung der Schiffe bzw. die Flottenstruktur auf verschiedenen Flüssen in
Deutschland liegen dem Verfasser verschiedene Angaben vor, die ausgewertet in den Bildern
Abb. 2-11, Abb. 2-12 und Abb. 2-13 dargestellt sind. Um die Angaben Dritter zu prüfen, wur-
den durch das Straßenbauamt Würzburg eigene Zählungen durchgeführt. Die Auswertung
durch den Autor findet sich in Abb. 2-14.

Die unterschiedlichen Masseverteilungen ergeben sich aus unterschiedlichen Ausbau der Was-
serstraßen und damit einhergehenden Wasserstraßenklassen (Rhein VIb und VIc, Donau: VIb;
Main Vb) und aus örtlichen und zeitlichen Besonderheiten des Verkehrsaufkommens.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
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250 400 650 1000 1500 2000 2500 3000 mehr
Tonnage
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t

Abb. 2-11: Massenverteilung der Flotte auf dem Rhein nach [337]
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200 600 1000 1400 1800 2200 2600 3000 3400 3800 4200 4600
Tonnage
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Abb. 2-12: Massenverteilung der Flotte bei Lohr auf dem Main nach KUNZ [158]
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800 1200 1600 2000 2400 2800 3200 3600 4000 4400 4800 5200
Tonnage
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Abb. 2-13: Massenverteilung der Flotte bei Vilshofen auf der Donau nach KUNZ [159]

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
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Tonnage
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Abb. 2-14: Massenverteilung an der Mainbrücke Segnitz nach Zählungen des Straßenbauam-
tes Würzburg und eigener Auswertung

2.3.1.2 Geschwindigkeitsverteilung

Zur Geschwindigkeit auf den Binnenschiffahrtsstraßen ist anzumerken, daß diese in den letz-
ten Jahren zugenommen hat, d.h. die Schiffe fahren im Durchschnitt schneller. Genaue Anga-
ben über Geschwindigkeitsprofile lagen dem Autor aber nicht vor und hängen z.B. auch von
den örtlichen nautischen Gegebenheiten ab.

2.3.2 Ansätze zur Modellierung der Stoßkraft

Die ersten Ansätze für die Abschätzung der Anprallkräfte von Schiffen stammen von
MINORSKY [256] und wurden in den 50er Jahren entwickelt. In Deutschland wurden Ende der
70er und Anfang der 80er Jahre Versuche von WOISIN [328] durchgeführt. Für Schubver-
bände wurden in den 80er Jahren Versuche von MEIER-DÖRNBERG [185] durchgeführt. Auf
dieser Arbeit beruhen die E DIN 1055-9 [72] und auch die US-Regelung [51].

Im Konzept von MEIER-DÖRNBERG werden zwei Regelungen unterschieden [185]:
• Die Anprallkraft ist so groß, daß plastische Verformungen im Schiffskörper auftreten
• Die Anprallkraft reicht nicht aus, um plastische Verformungen im Schiffsköper zu
verursachen.

Das Unterscheidungskriterium zwischen diesen beiden Fällen stellt die Verformung des
Schiffskörpers l
d
um ca. 0,1 m dar. Die Anprallkraft wird gemäß MEIER-DÖRNBERG (KUNZ
[158]) in Abhängigkeit davon ermittelt:

mit
( )
3,1 1 0,13 1
d Def
l E = ⋅ + ⋅ −
(2-5)
0,1 m
d
l < (2-6)
( ) 2
186 1 0,13 1
Def
F E = ⋅ + ⋅ − bzw.
2
10, 95
Def
F E = ⋅
(2-7)

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 43
Hierbei handelt es sich um elastische Verformungen. Diese Formel findet sich nicht in der
E DIN 1055-9, aber im US-Guide.

Im folgenden Fall wird die plastische Verformung berechnet. Diese Formeln finden sich in der
E DIN 1055-9 (3/2000) [72] und im US-Guide [51]:

0,1 m
d
l ≥ (2-8)
2
5 1 0,13
Def
F E = ⋅ + ⋅
(2-9)

Die erforderliche Energie ergibt sich in beiden Fällen zu:

2 2
2 2
eff
Def
M
c M
E v v

= = ⋅ .
(2-10)

Der Faktor C ist ein Wert für die hydromechanische Masse. Dieser Wert kann i.a. nur grob
geschätzt werden.

Das Modell von WOISIN errechnet die Anprallkraft gemäß (WOISIN [328], LARSEN [163],
SAUL & SVENSSON [256], [51]):
2
2
0,88 DWT
3 27
v
F = ⋅ ⋅ ⋅
(2-11)

Schiffsanprallkraft nach MEIER-DÖRNBERG Schiffsanprallkraft nach WOISIN

Abb. 2-15: Maximale dynamische Anprallkräfte in Abhängigkeit von der aktiven Masse und
der Geschwindigkeit des Schiffes nach MEIER-DÖRNBERG und WOISIN

2.3.2.1 Verlauf der Kraft-Zeit-Funktion

Auch in der Kraft-Zeit-Funktion spiegelt sich der Übergang vom elastischen in den plasti-
schen Bereich wieder. Ab einer bestimmten Anprallkraft ist das Schiff selbst nicht mehr in der
Lage, die Anprallkraft zu steigern, da plastische Vorgänge im Schiff auftreten, die Anprall-
energie umwandeln und damit der weiteren Erhöhung der Anprallkraft eine Ende setzen. Die-
ser Vorgang ist in der Kraft-Zeit-Funktion des Anpralls als Plateau sichtbar, wenn die An-
prallkraft groß genug ist, in diesen Bereich vorzudringen. Abb. 2-16 zeigt eine derartige
Kraft-Zeit-Kurve. Bei Anprallen im elastischen Bereich folgt die Kraft-Zeit-Funktion einer
Sinusfunktion.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 44
Zeit in Sekunden
K
r
a
f
t

i
n

M
N
0,0 0,4 0,8 1,2
2,0
4,0
6,0
8,0
0,2 0,6

Abb. 2-16: Qualitativer Verlauf der Kraft-Zeit-Funktion eines Frontalanpralls eines Binnen-
schiffes, sinngemäß entnommen CURBACH [43]

2.3.2.2 Schwerefunktion

Nun zeigt aber die Erfahrung, daß ein Unterschied zwischen den genannten theoretischen An-
prallkräften, die allein aus der Bemessungsgeschwindigkeit und der Bemessungsmasse der
Schiffe ermittelt werden, und den beobachteten Konsequenzen von Unfällen, die bedeutend
geringere Anprallkräfte vermuten lassen, existiert. So gibt SCHRÖDER [261] einen relativen
Vergleich der Unfallfolgekosten zwischen Binnenschiffahrt, Eisenbahn und Straßengüterver-
kehr an:

Binnenschiffahrt Eisenbahn Straßengüterverkehr
1: 12: 178
Tab. 2-10: Unfallfolgekosten in Abhängigkeit der Verkehrsträger nach SCHRÖDER [261]

Zu einem ähnlichen, allerdings nur pauschalen Ergebnis über die Schwere von Binnenschiff-
fahrtsunfällen kommt STEDE [282]:

„Im Zeitraum von 1991 bis 1996 war im Jahresdurchschnitt nahezu jeder zweite (Binnen-
schiffs- d.V.) Verkehrsunfall ein Unfall, bei dem zum Zeitpunkt der Unfallaufnahme keine
nennenswerten Schäden oder sonstige Unfallfolgen festgestellt wurden.“

Auch das Statistische Bundesamt [283] in Wiesbaden gibt eine verbale Beschreibung der
Schäden an den Schiffen wie folgt an:

Schäden an Fahrzeugen 1998
bei Zusammenstoß mit Brücken, Kais,
Schleusen und anderen Bauwerken
Anzahl
Gesunken 1
Schwimm- oder Fahrfähigkeit beeinträchtigt 53
Leichte Schäden 63
Keine beobachtbaren Schäden 99
Tab. 2-11: Schäden an Binnenschiffen nach Anprallen [283]

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 45
Alle drei Quellen zeigen, daß die Schwere der Unfälle bei Binnenschiffahrtsunfällen i.a. und
bei Schiffsanprallen im speziellen relativ gering ist.

Die Abweichung der Anprallkräfte zwischen Theorie und Praxis kann durch die Vielzahl
weiterer mitwirkender Parameter erklärt werden. So werden die Schiffsführer in den meisten
Fällen vor dem Anprall versuchen, das Fahrzeug zu bremsen oder abzulenken. Im Gegensatz
zu Straßenfahrzeugen ist dieser Sachverhalt auf Grund der großen Masse aber schwieriger zu
realisieren. Als Vorteil kann die geringe Geschwindigkeit der Schiffe angesehen werden. Ob
sich ein Unfall ereignet, hängt nach LARSEN [163] und ENEVODSEN et al. [79] von:

• Windverhältnissen
• Wellen und Strömungsverhältnissen im Fluß und an der Brücke
• Sichtverhältnissen
• Schiffstyp
• Geometrie des Flusses
• Geometrie der Brücke
• Lage und Art von Navigationshilfen
• Ausbildung, Erfahrung und Zustand des Schiffsführers
• Funktionstüchtigkeit des Schiffes

ab. Die Berücksichtigung der Eingangsgrößen im Einzelnen ist hier nicht möglich. Es ist je-
doch nicht unüblich, anstelle der Berücksichtigung der einzelnen Parameter eine Unfallschwe-
refunktion einzuführen, die pauschal alle o.g. Parameter berücksichtigt. Leider ist die Ermitt-
lung dieser Schwerefunktion mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. In [51] werden ver-
schiedene Klassen von Schwerefunktionen angegeben. Eine willkürliche Festlegung der
Schwerefunktion ist jedoch abzulehnen, da die Schwerefunktion erheblichen Einfluß auf die
rechnerischen Anprallkräfte hat. Aus Sicht des Verfassers sollte die Schwerefunktion immer
auf der sicheren Seite liegend gewählt werden, also die Verschiebung der Anprallkraft von
der theoretischen zur bemessenden relativ gering sein.

2.3.3 Abschätzung der Verteilungsfunktion der Stoßkraft

Auf Grund der Unsicherheit bei der Aussage über eine Anprallkraft soll diese durch eine stati-
stische Wahrscheinlichkeitsfunktion beschrieben werden. Es wird an dieser Stelle nicht weiter
auf die Herleitung und die statistischen Grundlagen dafür eingegangen. Es wird auf den An-
hang C verwiesen.

Um einen Fraktilwert als charakteristischen Wert der Anprallkraft angeben zu können, ist es
notwendig, den Typ und die Parameter einer Wahrscheinlichkeitsfunktion der Anprallkraft zu
wählen. Bei der Untersuchung (Goodness of Fit Test – siehe Anhang C) der von KUNZ ([161],
[158], [159] bereitgestellten Daten zeigte sich ein gute Beschreibung der Daten durch eine
Log-Normalverteilung und eine Gumbelverteilung. Bei kleinen Variationskoeffizienten unter-
schieden sich die Werte der beiden Funktionen nur geringfügig (RACKWITZ [238]).

Der zentrale Grenzwertsatz der Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt aus, daß unter bestimmten
Bedingungen jede Summe unabhängiger Zufallsgrößen asymptotisch normalverteilt ist. Das
heißt, wenn genügend viele, zufällig verteilte Einzelgrößen auftreten, wird die Summe dieser
Größen asymptotisch normalverteilt sein. Bestimmte Bedingungen bedeutet z.B., daß eine
Größe keinen zu großen Einzelbeitrag zum Gesamtwert leisten darf. Logarithmiert man einen
Produktansatz, so erhält man einen Summenansatz. Damit gilt der zentrale Grenzwertsatz
auch bei Produkten und führt zu einer Log-Normalverteilung.
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 46

Wenn man die Entstehungsgeschichte eines Schiffsanpralls untersucht, stößt man auf eine
Vielzahl bereits genannter zufälliger Prozesse, die Einfluß auf die Stoßkraft haben. Es er-
scheint darum möglich, bei der Stoßkraft eine normalverteilte (Summenansatz) bzw. log-nor-
malverteilte (Produktansatz) Zufallsgröße zu unterstellen. Eine Log-Normalverteilung wird
auch dann zwingend, wenn ein geringer Erwartungswert und eine hohe Standardabweichung
vorhanden sind, zugleich aber praktisch keine negativen Werte auftreten dürfen. Bei den
Anprallkräften liegt diese Bedingung anscheinend vor. Außerdem ist im Vergleich zu anderen
theoretischen Verteilungen die Log-Normalverteilung recht einfach zu handhaben.

Zusätzlich scheint die Wahl einer Extremwertverteilung, wie der Gumbelverteilung, auf
Grund des geringen Datenumfanges zweifelhaft. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden,
daß die Anprallkraft einer anderen eindimensionalen Verteilungsfunktion folgt.

Für die alte Mainbrücke Lohr wurde auf Grund der vorliegenden Daten eine Log-Normalver-
teilung mit einem Mittelwert von 2,04 MN und einer Standardabweichung von 1,5 MN ange-
setzt. Diese Werte wurden auch für die Mainbrücke Segnitz verwendet.

Mittels der bisher abgeschätzten Anprallrate bzw. Anprallwahrscheinlichkeit und der nun ge-
wählten Wahrscheinlichkeitsverteilungsfunktion der Anprallkraft sollte es möglich sein, die in
den Vorschriften vorgeschlagenen Bemessungswerte für Schiffsanprall nachzuvollziehen. Dazu
werden im folgenden Abschnitt verschiedene Vorschriften für Schiffsanprall vorgestellt.

2.4 Bemessungsstoßkräfte im Vorschriftenwerk
2.4.1 Bestehende deutsche Vorschriften

In der Weiterentwicklung des Vorschriftenwerks spiegelt sich die verbesserte qualitative Be-
schreibung des Schiffsanpralls wieder. Ältere Vorschriften haben deshalb meist deutlich hö-
here Bemessungsanprallkräfte als moderne Vorschriften, um trotz der ungenauen Modelle auf
der sicheren Seite zu liegen.

Die Deutsche Vorschrift für den Rhein [27] gab für Flußpfeiler eine statische Ersatzlast in
Fahrtrichtung von 30 MN und für Vorlandpfeiler von 6 MN an. Diese Werte werden durch
GROB & HAJDIN [107] stark kritisiert, da sie ein elastisches Verhalten des Schiffes beim An-
prall voraussetzen. Die Deutsche Vorschrift für die Saar, entnommen [107], gibt zwischen 7
und 15 MN an.

Auf Grund der damaligen hohen rechnerischen Anprallasten wurden in den 80er Jahren im
Auftrag des Bundesamtes für Wasserbau in Karlsruhe Versuche und theoretische Ansätze von
MEIER-DÖRNBERG [185] entwickelt, um realistischere Angaben für Binnenschiffe zu erhalten.
Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden bereits vorgestellt. Das Formelwerk für schiefen
Anprall ist in Anhang B beigefügt.

Bei der Methode von MEIER-DÖRNBERG wurde die bei den bisherigen Modellen übliche An-
nahme des reinen elastischen Verhaltens des Schiffes während des Stoßes verlassen und teil-
weise ein plastisches Verhalten angenommen. Die Reaktion des Bauwerkes wurde auch wei-
terhin vernachlässigt. Das Verfahren von MEIER-DÖRNBERG hat sich dahingehend bewährt,
daß sich in Deutschland keine Brückeneinstürze in Verbindung mit Schiffsanprall ereigneten.
Beispielhaft seien hier einige Kräfte für in den letzten Jahren untersuchte Brücken angegeben.

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 47

0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Anprallkraft in MN
R
e
l
a
t
i
v
e

H
ä
u
f
i
g
k
e
i
t
Abb. 2-17: Rechnerische Häufigkeit der Anprallkraft unter Berücksichtigung eines Schwerefak-
tors bei Lohr am Main nach Daten aus KUNZ [158]
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Anprallkraft in MN
R
e
l
a
t
i
v
e

H
ä
u
f
i
g
k
e
i
t
Abb. 2-18: Rechnerische Häufigkeit der Anprallkraft unter Berücksichtigung eines Schwerefak-
tors auf der Donau (Vilshofen) nach Daten aus KUNZ [159]

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 48
Für die Autobahnbrücke Dresden, A4, Elbe-km 63,105 [316] wurden folgende Werte für ei-
nen Frontalstoß basierend auf einem Bemessungsschiff Schubverband 185 m × 11,45 m (Schiff-
fahrtsstraßenklasse Vb) verwendet:

Richtung v
max
über
Grund
[km/h]
Beladung Tiefgang

[m]
Masse

[t]
Stoßhöhe
über HSW
[m]
Stoßlast
FF starr
[MN]
DLF
geschätzt
Stoßlast
FF dynamisch
[MN]
Zu Tal 14 Leer 0,60 1100 4,40 7,10 1,3 9,2
14 Voll 2,80 5000 2,20 12,07 1,2 14,5
Zu Berg 9 Leer 0,60 1100 4,40 5,89 1,3 7,7
9 Voll 2,80 5000 2,20 8,60 1,2 10,3
HSW=NN+105,82 m
Tab. 2-12: Bemessungsanprallkräfte für Frontalstoß an der Elbebrücke Dresden
Für den Flankenstoß wurde eine maßgebenden Schiffes von 110 m × 11,45 m (Va) angesetzt:

Richtung v
max
über
Grund
[km/h]
Beladung Tiefgang

[m]
Masse

[t]
Stoßhöhe
über HSW
[m]
Rechnerischer
Anfahrwinkel
[°]
Stoßlast
FF starr
[MN]
DLF
geschätzt
Stoßlast
FF dynamisch
[MN]
Zu Tal 14 Leer 0,60 700 4,40 10 2,49 1,7 4,2
14 Voll 2,80 3000 2,20 10 5,03 1,5 7,6
HSW=NN+105,82 m
Tab. 2-13: Bemessungsanprallkräfte für Flankenstoß an der Elbebrücke Dresden
Für die Alte Mainbrücke Lohr, Main-km 198,2, wurde für die statischen und dynamischen
Berechnungen folgendes Schiff angesetzt: L = 185 m, B = 11,4 m T = 2,7 m, M = 4450 t (et-
was weniger als Schiffahrtsstraße Vb) [24]. Damit ergeben sich:

Statisch Anprallkraft in [MN] Dynamisch Anprallkraft in [MN]
Obere Werte Frontalstoß 18 Voll Frontalstoß 13,0
Obere Werte Flankenstoß 8 Voll Flankenstoß 5,0 (+Reibung)
Untere Werte Frontalstoß 12 Leer Frontalstoß 8,0
Untere Werte Flankenstoß 3 Leer Flankenstoß 2,3 (+Reibung)
Tab. 2-14: Bemessungsanprallkräfte für die Mainbrücke Lohr

Bei der Alten Mainbrücke Marktheidenfeld [260] wurden die gleichen Anprallasten verwen-
det. Die Marienbrücke in Dresden wurde noch 1993 mit 30 MN Frontalanprall und 15 MN
Seitanprall statisch gerechnet [234]. Für Berlin werden durch METZING [188] Anprallasten
von 250 kN für die Rahmenstiele der Sandkrugbrücke genannt (Wasserstraßenklasse IV
Schiffstyp „Leichter Europa I“ bzw. Schubverband 80 × 9,5 m). Zusätzlich wurde noch ein
Leitwerk ausgeführt, daß für ein 1750 t Schiff mit einer Geschwindigkeit von 7 km/h und
einem Anfahrwinkel von 10° bemessen wurde.

Auf Grund der guten Erfahrungen, die mit dem Verfahren von MEIER-DÖRNBERG gesammelt
worden sind, entstanden in den letzten Jahren Bestrebungen, die Normwerke für Schiffsan-
prall zu aktualisieren und das Verfahren von MEIER-DÖRNBERG in die Normen zu integrieren.
Basierend auf ENV 1991-2-7 vom August 1998 [83] erschien im Juli 2000 in Deutschland die
DIN V ENV 1991-2-7 [65]. Dort wird zwischen Inland-Schiffahrtsstraßen und Seeverkehr
unterschieden. Die entsprechenden Kräfte finden sich in den Tab. 2-15 und Tab. 2-16 und
zeigen bereits eine gute Übereinstimmung mit in den Tab. 2-12, Tab. 2-13 und Tab. 2-14 ge-
nannten Bemessungsanprallkräften:
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 49

CEMT class* Length L
[m]
Mass m
[ton]
Force F
d

[kN]
ENV 1991-2-7 (1.1996)
Force F
d

[kN]
DIN V ENV-1991-2-7
I 30-50 200-400 6000 4000
II 50-60 400-650 8000 5000
III 60-80 650-1000 10000 6000
IV 80-90 1000-1500 12000 7000
Va 90-110 1500-3000 17000 11000
Vb 110-180 3000-6000 24000 15000
VIa 24000 11000
VIb 110-190 6000-12000 35000 15000
Vic 190-280 10000-18000 40000 22000
VII 300 14000-27000 50000 22000
*Durch einen Erlaß des BMV vom 24. März 1993 wurde diese Klassifizierung eingeführt.
Tab. 2-15: Bemessungsanprallkräfte Inlandverkehr

Class of ship Length L
[m]
Mass m
[ton]
Force F
d

[kN]
ENV 1991-2-7 (1.1996)
Force F
d

[kN]
DIN V ENV-1991-2-7
Small 50 3000 25000 15000
Medium 100 10000 40000 25000
Large 200 40000 80000 40000
Very large 300 100000 120000 80000
Tab. 2-16: Bemessungsanprallkräfte Seeverkehr

Die Regelwerte für dynamische Stoßlasten F
dyn
nach Entwurf DIN 1055 Teil 9 (Tabelle 5) [72]
sehen wie folgt aus:

Klassifizierung von Wasserstrassen
Wasserstraßenklasse Bemessungsschiff Tonnage
[t]
Frontalstosslast
FF
dyn

[MN]
Seitananprall
FL
dyn

[MN]
III Gustav König 650-1000 4,0 2,0
IV Europaschiff 1000-1500 5,0 2,5
Va Großes Rheinschiff 1500-3000 8,0 3,5
Vb/VIa Schubverband (2-gliedrig, 1-spurig) 3200-6000 9,5 4,0
VIb Schubverband (2-gliedrig, 2-spurig) 6400-12000 14,0 5,0
VIc Schubverband (3-gliedrig, 2-spurig)
(2-gliedrig, 3-spurig)
9600-18000 17,0 8,0
VII Schubverband (3-gliedrig, 3-spurig) 14500-27000 20,0 10,0
Tab. 2-17: Bemessungsanprallkräfte Binnenschiffsverkehr Entwurf DIN 1055 Teil 9 [72]

2.4.2 Einige Bemerkungen zur E DIN 1055-9

Um dem bemessenden Ingenieur eine normative Grundlage für die Beanspruchung Anprall-
kraft durch Binnenschiffe zur Verfügung zu stellen, wurde in der E DIN 1055-9 ein Abschnitt
„6.5 Anprall von Schiffen“ eingeführt. Dieser Abschnitt wird sich auch in der abschließenden
Fassung der DIN 1055-9 wiederfinden.

Im Abb. 2-20 ist der schematische Ablauf der Ermittlung einer Bemessungsanprallkraft durch
Schiffsanprall dargestellt. Prinzipiell werden zwei verschiedene Verfahren bereitgestellt. Be-
vor jedoch das Verfahren ausgewählt werden kann, müssen die Randbedingungen für den
Einsatz der Norm geprüft werden. Insbesondere die Prüfung der statistischen mittleren Unfall-
rate dürfte sich dabei als Problem herauskristallisieren. Für die hier vorliegende Arbeit wur-
den entweder Unfallzahlen des Straßenbauamtes Würzburg, des Statistischen Bundesamtes
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 50
Wiesbaden oder Gutachten der Bundesanstalt für Wasserbau verwendet. Nach mündlichen
Aussagen des Statistischen Bundesamtes wurde die Auswertung der Binnenschiffahrtsunfälle
ab dem Jahr 2000 durch das Bundesamt eingestellt. Der Autor hat darum probeweise sämtli-
che Wasserschiffahrtsdirektionen in Deutschland angeschrieben, um derartige Unfallraten zu
erhalten. Dabei konnten nur in einem Fall Zahlen angegeben werden. Auch die Bundesanstalt
für Wasserbau in Karlsruhe als Entwickler dieses Normenabschnittes veröffentlichte Unfall-
zahlen bisher nur in Gutachten. Der Autor schlägt deshalb das folgende vereinfachte Verfah-
ren zur Ermittlung der Bemessungsanprallkraft unter Berücksichtigung der Flottenstruktur
und der Anprallrate vor. Es gelten folgende Annahmen:

• Anpralle können als POISSON-Prozeß beschrieben werden.
• Die Anprallkraft folgt einer Log-Normalverteilung.
• Die bisher ermittelten Anprallhäufigkeiten (Anprallraten) sind repräsentativ.

Dann ergibt sich:

• POISSON-Prozeß mit
exponentialverteilten
Zeiten zwischen den
Ereignissen:
( ) exp[ ( ) (1 ( | )] P F P A t P F A = − ⋅ ⋅ −
(2-12)
• Log-Normalverteilung
der Anprallkraft:
ln
( | )
mu
Fu
F F
P F A
| | −
= Φ
|
\ .
σ

• bei einen Pfeiler:
ln
( ) exp ( ) 1
mu
Fu
F F
P F P A t

| |
| | −
= − ⋅ ⋅ − Φ
|
|
\ .
\ .
σ

(2-13)
• zwei Pfeiler bei Serien-
system:
2
( )
Gesamt Pfeiler
P P F =
(2-14)
• Gesamteintrittswahr-
scheinlichkeit:
2
ln
1 1 exp ( ) 1
mu
Gesamt
Fu
F F
P P A t
| |
| |
| | −
= − − − ⋅ ⋅ − Φ |
|
|
|
\ .
\ .
\ .
σ

(2-15)
• invertiert ergibt sich für
die Bemessungskraft:
1 1/ 2
exp( (( ( ) ln((0, 9999) )) / ( )))
sd mu Fu
F F P A P A σ

= + ⋅ Φ +
(2-16)

Damit kann man die erforderliche Bemessungsanprallkraft in Abhängigkeit von der Flotten-
struktur direkt berechnen. Es ergibt sich folgende Rechnung:

Klasse VI b Klasse V b Klasse V b Klasse V b
Mittlere Anprallkraft 2,8 2,04 2,04 2,04
Standardabweichung der Anprallkraft 1,85 1,5 1,5 1,5
Rechenwert für Log-Normalverteilung 0,848 0,497 0,497 0,497
Rechenwert für Log-Normalverteilung 0,602 0,657 0,657 0,657
Rechenwert für Log-Normalverteilung 0,661 0,735 0,735 0,735
Anprallrate 0,07 0,025 0,016 0,07
Anzahl der Pfeiler 2 2 2 2
Rechenanprallrate 0,035 0,013 0,008 0,035
erf. Wahrscheinlichkeit der Anprallkraft 0,99857 0,99600 0,99375 0,99857
erf. Wahrscheinlichkeit des zeitlichen Abstandes 0,99995 0,99995 0,99995 0,99995
Verknüpfung der Wahrscheinlichkeit bei Seriensystemen 0,99990 0,99990 0,99990 0,99990
Bemessungswert 14,1 9,4 3,7 11,7
Vorschlag lt. E DIN 1055-9, Tabelle 5 14,0 9,5 9,5 9,5
Tab. 2-18: Bemessungsanprallkräfte gemäß des vorgestellten Verfahrens

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 51
Zuerst wurde mit den bekannten statistischen Parametern (Mittelwert 2,8 MN und Standard-
abweichung 1,85 MN) der Klasse VI b der Brücke Vilshofen der Bemessungswert der An-
prallkraft ermittelt. Setzt man anschließend die dabei ermittelte Anprallrate von 0,07 auf die
nächste Wasserstraßenklasse an, ermittelt man eine Bemessungsanprallkraft von ca. 11,7 MN
anstelle der in der Norm vorgeschlagenen 9,5 MN. Der Verfasser ist sich selbstverständlich
darüber bewußt, daß eine einfache Übernahme der Anprallrate in eine andere Wasserstraßen-
klasse nicht möglich ist. Dennoch paßt der Wert von 11,7 MN sehr gut zu den in der DIN V
ENV 1991-2-7 genannten 15 MN, den bei der Mainbrücke Lohr verwendeten 13,0 MN und
den bei der Autobahnbrücke Dresden verwendeten 14,5 MN.

Als konkretes Beispiel für die Unterschiede soll die Anprallkraft für die Berechnung der
neuen BAB 4 Brücke in Dresden dienen. Als maßgebendes Schiff diente ein Schubverband
SV 185 m × 11,45 m und einer Masse von 5000 t. Die Bemessungsgeschwindigkeit der Elbe
beträgt v = 14 km/h = 3,89 m/s. Die Eingangsgrößen sind [316] entnommen. Damit ergeben
sich:
MNm 8 , 37 89 , 3
2
5000000
2
= =
def
E und MN 08 , 12 8 , 37 128 , 0 1 0 , 5 = ⋅ + ⋅ =
dyn
F .

Das Berechnungsergebnis nach dem ersten Teilschritt des Verfahrens I der E DIN 1055-9 fällt
bereits geringer aus als der ursprüngliche Wert von 14,5 MN ([316]). Dieser Wert darf in Ab-
hängigkeit des Flottenstruktur und der Kollisionswahrscheinlichkeiten weiter abgemindert
werden. Auch laut Tabelle 5 E DIN 1055-9 ergibt sich ein geringerer Wert von 9, 5 MN.
Tab
F =
Dieser Wert darf infolge des Abstandes der Pfeiler vom Fahrrinnenrand zusätzlich abgemin-
dert werden. Die Elbebrücke besitzt in der Hauptöffnung eine Spannweite von 126 m. Geht
man von einer Fahrrinnenbreite von 2 × 25 m aus, wird der Bemessungswert der Anprallkraft zu
MN 6,65 0,7 MN 5 , 9 = ⋅ =
dyn
F .

Zur Abminderung der Anprallkraft in Abhängigkeit von der Entfernung des gestoßenen Pfei-
lers zum Fahrrinnenrand schreibt FJELD [89]:

„Different criteria will often be implemented for the navigation span as compared to the
sidespans. However, this practice might be questioned inasmuch as severe collisions have
occurred a long way from the navigation span. Saul und Svensson ([256] d.V.) have
recorded 18 major collision disasters, 13 of which concerned the sidespans and only 5 the
main span.”

Hierbei handelt es sich allerdings um Unfälle auf Seestraßen. Im Binnenbereich findet auf
Grund der Ufernähe eine Begrenzung des Fahrweges statt. Ein Beispiel für ein Schiffahrtspro-
fil und die Fahrrinnenbreite ist der Neubau der Moselbrücke Mehring mit 2 × 30 m Fahrrinne
und ca. 20 m Entfernung Fahrrinne zum Pfeiler [162]. Gesetzliche Grundlagen für die Gestal-
tung von Fahrrinnen finden sind in [315].

Selbst ohne die Berücksichtigung des Abstandes Fahrrinne zu Pfeiler ergibt sich eine Verrin-
gerung der Bemessungsanprallkraft von 14,5 MN ([316]) auf 12,08 MN und abschließend auf
9,5 MN ohne eine Änderung des mechanischen Modells, da in allen drei Fällen der Formel-
apparat von MEIER-DÖRNBERG verwendet wurde.

Dieser Unterschied rührt vermutlich aus der unterschiedlichen Berücksichtigung der Ein-
trittswahrscheinlichkeiten eines Anpralls. Im Verfahren I der E DIN 1055-9 geht man von
folgendem wahrscheinlichkeitstheoretischem Ansatz für die Anprallkraft aus:

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 52
4
0
( ) ( ) ( , ) ( ) d d 10 /
sd c dyn
P F F n t f y P x y P F F x y a

> = ⋅ ⋅ λ ⋅ ⋅ ⋅ > =
∫∫

(2-17)

und benötigt die Parameter Anzahl der Schiffe pro Zeiteinheit n, eine Fehlerrate λ (längenbezo-
gen), eine bedingte Wahrscheinlichkeit eines Kollisionskurses f(y), eine bedingte Wahrschein-
lichkeit des Kollisionseintrittes P
c
(x,y) und die Wahrscheinlichkeit der dynamischen Anprall-
kraft P(F>F
dyn
). Die Kollisionswahrscheinlichkeit wird über den streuenden Stopweg, den
streuenden Kurswinkel, den Abstand der Pfeiler, die Bereichsgrenze (Trefferwahrscheinlich-
keit) und die Fehlerrate erfaßt, die wiederum mittels Anzahl der passierenden Schiffe und über
die Unfallstatistik ermittelt wird. Diese Vorgehensweise ist nicht unüblich und findet sich z. B.
in anderer Schreibweise in RACKWITZ [236] oder im Eurocode für Kraftfahrzeuganprall:

2
0
( ) [ 2 ] ( , ) ( , )
2 2
b b
P A P v a r x y x y
r r
¦ ¹

= > ⋅ ⋅ ∩ φ − ≤ α ≤ φ −
´ `

⋅ ⋅
¹ )

(2-18)
0
-
( ) ( | , ) ( )
s s y
P t t P A x y f y dy dx

∞ −∞
= ⋅ λ⋅ χ ⋅
∫ ∫

(2-19)

mit λ als mittlere Ankunftsrate, χ als mittlere Rate des Verlassens des Weges pro Zeiteinheit
und a ist die Beschleunigung (Bremsen), v
0
ist die Geschwindigkeit bei Verlassen des Weges.


Abb. 2-19: Graphische Darstellung der Variablen

Der Nachteil in diesem Verfahren liegt in der Vielzahl der notwendigen statistischen Daten.
Woher erhält man eine statistisch abgesicherte Fehlerrate über das Verlassen des Weges? Es ist
kaum anzunehmen, daß Schiffsführer das Abkommen vom Kurs melden, wenn kein Schaden
eingetreten ist. Dieses theoretische Problem als auch die genannten empirischen Unterschiede
zwischen den berechneten Anprallhäufigkeiten, die bereits am Beispiel Main und Mosel
erläutert wurden, zeigen, daß die Verwendung von längenbezogenen Fehlerraten, wie sie im
DIN Entwurf vorgeschlagen werden, mindestens ebenso mit Problemen behaftet ist, wie die
objektbezogenen Fehlerraten.

Die vom Verfasser vorgestellte Berechnung, basierend auf objektbezogenen Fehlerraten, geht
von einem Produktansatz aus Anprallwahrscheinlichkeit und Wahrscheinlichkeit der Anprall-
kraft aus, um die Problematik der längenbezogenen Unfallrate zu umgehen. Die hier vorge-
stellte Methode ist nicht in der Lage, Sondereinflüsse aus den beobachteten Anprallhäufig-
keiten herauszurechnen. So führten die Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals und Pro-
bleme mit dem Ausbildungsstand von Schiffahrtsführern auf dem Main in jüngster Vergan-
genheit zu einer deutlichen Zunahme der Unfälle. Die Bundesanstalt für Wasserbau filtert
deshalb die längenbezogenen Schiffahrtsunfälle, um daraus neue Anprallraten zu ermitteln.
Die Art und Weise der Filterung ist, soweit dem Autor bekannt, nicht veröffentlicht. Die Er-
mittlung der Bemessungsanprallkraft nach der neuen DIN 1055-9 ist dem Verfasser deshalb
nicht gelungen.

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 53

Prüfe, ob temporäres Bauwerk
Nein
Prüfe, ob denkmalgeschütztes Bauwerk
Nein
Prüfe, ob „sehr große“ Brücke
Nein
Prüfe, ob nur Binnengüterschiffe
Ja
Prüfe, ob Daten vorhanden sind zu:
• Wahrscheinlichkeit des Anpralls (Unfallgeschehen, Fahrlinie, Geometrie der Brücke)
• Flotten- und Verkehrsstruktur (Schiffsgrößen, hydrodynamische Zusatzmasse, Kraft-Verfor-
mungsverhalten der Schiffe, Verkehrsrichtungen, Geschwindigkeiten, Belastungszustände, Stoß-
höhen)
• Winkel des Anpralls
• Wasserspiegellagen
• Dynamische Steifigkeit des gestoßenen Bauwerkes/-teiles

Ja Nein

Verfahren I


2
2
v
m
E
def
=


def dyn
E F ⋅ + ⋅ = 128 , 0 1 0 , 5


4
0
( ) ( ) ( , ) ( ) d d 10 /
sd c dyn
P F F n t f y P x y P F F x y a

> = ⋅ ⋅ λ ⋅ ⋅ ⋅ > =
∫∫


Prüfe, ob maximal 2 Pfeiler der Brücke im Fahrwasser
Ja
Prüfe, ob die Pfeiler ganzjährig erreichbar sind
Ja
Prüfe, ob geradliniger Wasserstraßenabschnitt
Ja
Prüfe, ob statistisch mittlere Unfallrate
Ja

Verfahren II (Tabelle 5)

Klassifizierung von Wasserstraßen
Wasserstraßenklasse Bemessungsschiff Tonnage
[t]
Frontalstoßlast
FF
dyn

[MN]
Flankenanprall
FL
dyn

[MN]
III Gustav König 650-1000 4,0 2,0
IV Europaschiff 1000-1500 5,0 2,5
Va Großes Rheinschiff 1500-3000 8,0 3,5
Vb/VIa Schubverband (2gliedrig, 1spurig) 3200-6000 9,5 4,0
VIb Schubverband (2gliedrig, 2spurig) 6400-12000 14,0 5,0
VIc Schubverband (3gliedrig, 2spurig)
(2gliedrig, 3spurig)
9600-18000 17,0 8,0
VII Schubverband (3gliedrig, 3spurig) 14500-27000 20,0 10,0

Abminderung der Anprallkräfte nach
2
(1, 0 0, 0015 0, 00017 )
sd Tab
F d d F = − ⋅ − ⋅ ⋅ und
Tab sd
F F ⋅ ≥ 4 , 0

Abb. 2-20: Rechenablauf in der E DIN 1055-9
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 54
2.4.3 Internationale Vorschriften

Die Schweizer Vorschrift für den Rhein wird durch GROB & HAJDIN [107] vorgestellt. Dieser
Quelle ist auch das Diagramm in Abb. 2-21 entnommen.


























Mit
Bauwerksklasse I: Hohes Schadensrisiko
Bauwerksklasse II: Bedeutendes Schadensrisiko
Bauwerksklasse III: Beschränktes Schadensrisiko
Unterhalb Mittlere Brücke:
Unterhalb der Mittleren Brücke in Basel im Rhein
Oberhalb Mittlere Brücke:
Oberhalb der Mittleren Brücke in Basel im Rhein
Abb. 2-21: Anprallkräfte für frontalen Schiffsanprall im Fluß- und Uferbereich nach [107]
In Schweden wird das Modell von WOISIN verwendet [235]. Norwegen empfiehlt prinzipiell
eine umfangreiche Untersuchung, auch eine Risikountersuchung ist möglich. Die minimale
Bemessungskraft wird in der folgenden Tabelle wiedergegeben [235]:

Brückenbauteil F

[MN] F
||
[MN]
Pfeiler 1,0 0,5
Überbau 0,1

Ansonsten wird die Anprallkraft gemäß WOISIN ermittelt [235]:
0, 9
8
v
F DWT

= ⋅ ⋅ bzw.
||
0, 5 F F

= ⋅ .

Die Geschwindigkeit wird mit mindestens 4 m/s angesetzt. Für die Größe des Entwurfsschif-
fes wird angenommen, daß nicht mehr als 50 größere Schiffe pro Jahr die Brücke passieren.
Ist die lichte Weite zwischen den zwei Pfeilern der Brücke bzw. Brückenwiderlagern kleiner
als die Länge L des größten Schiffes, so werden die ermittelten Kräfte mit dem Faktor 2 ver-
größert. Zwischen einer lichten Weite von L bis 2·L darf der Erhöhungsfaktor linear interpo-
liert werden [235].

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 55
In Frankreich wird die außergewöhnliche Last infolge Anprall recht einfach festgelegt. Die
folgende Tabelle gibt die statischen Ersatzlasten an [235]:

Schiffahrtsklasse F

[MN] F
||
[MN]
Klasse I bis III 1,2 0,24
Klasse V 10 2,0

Die Tabelle gilt für Binnenschiffe. Im Fall von seetüchtigen Schiffen, wie bei der Normandie
Brücke, werden umfangreiche Studien durchgeführt [235].

Für die Berücksichtigung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schiffsanpralls gibt es inter-
national verschiedene Empfehlungen, die [235] entnommen wurden.

Land Formelapparat
USA (AASHTO)
A A G c
F N P P P = ⋅ ⋅ ⋅
IABSE
, , i i k i k
A i A G C
i k
F N P P P = ⋅ ⋅ ⋅
∑ ∑

Eurocode 4
( ) (1 ) ( ) [ ( , ) ] ( ) 10
d A d S
P F F N p x P v x y k m F f y dx dy

> = − λ ⋅ ⋅ > ⋅ =
∫ ∫

Großbritannien
A A Norec Z G E C
F N P P P P P

= ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ ⋅
( )
A Norec
P x dx

= λ

, 1
E
P = , exp( (1 / )
E c rec
P z t t = ⋅ −
Deutschland
1 2
( ) ( ) ( ) v N x W x W x dx = ⋅ λ ⋅ ⋅


Theorie (1 )
A Norec A G
v N P p P

= ⋅ ⋅ − ⋅
( , , , , , , , , ,...)
A Norec AB Waway Ship Traf Curr Vis Time Ice Naids
P f P P P P P P P P P

=
Tab. 2-19: Wahrscheinlichkeiten eines Schiffsanpralls pro Schiffspassage v und Wahrschein-
lichkeit der Schiffsanprallkraft gemäß verschiedener Vorschriften [235]

Die bisher ermittelten mittleren relativen Anprallhäufigkeiten auf verschiedenen europäischen
Flüssen [235] ergeben sich zu:

v/N = H
A Norec
P


AB
P
Main 0,7·10
-6
2,4·10
-6
1,1·10
-6

Mosel 3,1·10
-6
10,6·10
-6
9,7·10
-6

Nieuwe Waterweg 6,4·10
-6
28·10
-6
-
Thames 10,7·10
-6
40·10
-6
-
Seine (Paris) 15,7·10
-6
- -
Drogden Channel 59·10
-6
- -
Tab. 2-20: Häufigkeiten eines Schiffsanpralls pro Schiffspassage v und Häufigkeit
AB
P für das
Verlassen des Kurses gemäß verschiedener Vorschriften [235]

In [235] wird aber darauf hingewiesen, daß auf Grund mangelnder Daten der Wert für
AB
P zur
Zeit noch nicht abgesichert bestimmt werden kann. Damit wird die Vermutung bestätigt, daß
die Ermittlung genauer Daten für das Normenformat zur Bestimmung der Bemessungsan-
prallkraft noch nicht abgeschlossen ist.

Nach der Diskussion der verschiedenen Vorschläge zur Ermittlung der Bemessungsanprall-
kräfte für Schiffsanprall bietet es sich an, auch andere Bemessungsanprallkräfte zu hinterfra-
gen und damit zu vergleichen. Darum wird im folgenden auf Regeln für Kraftfahrzeuganpralle
gegen Bauwerke und Schienenfahrzeuganpralle gegen Bauwerke kurz eingegangen.

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 56
2.4.4 Bemessungsstoßkräfte für andere Verkehrsträger
2.4.4.1 Bemessungsstoßkräfte für Straßenfahrzeuge

Abb. 2-22: Dortmund, Brücke über die A 2,
1979 (SCHEER [257])
Abb. 2-23: München, mittlerer Ring, 1981
(SCHEER [257])

Nach RACKWITZ [236] liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Anprall pro Bauwerk und Jahr
unter 10
-7
. Eine Absolutzahl der Anpralle pro Jahr läßt sich aus der Unfallstatistik ermitteln.
Die Anzahl der Unfälle in Verbindung mit Anprallen gibt die folgende Tabelle an [280]:

Unfälle mit Personenschaden
Anprall auf Hindernis
neben der Fahrbahn
insgesamt mit Getöteten mit Schwerverletzten mit Leichtverletzten
Baum 21.556 1.593 9.194 10.769
Mast 4.593 118 1.443 6.497
Widerlager 379 19 149 211
Unfälle insgesamt 395.689 7.091 91.748 296.850
Tab. 2-21: Anpralle von Kraftfahrzeugen gegen Hindernisse mit Personenschaden [280]

Wieviel Prozent der 379 Anpralle gegen Widerlager von PKW bzw. LKW waren, ist leider
unbekannt. Nimmt man die bayerischen Zulassungswerte repräsentativ für Deutschland, so
sind 14 % aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge LKW, Busse bzw. Zugmaschinen.
Das Verhältnis von LKW/PKW für den ausländischen Verkehr beträgt in Bayern 1:1 [213].
Daß heißt, der Anteil an LKW Verkehr dürfte in Deutschland über 15 % liegen, auf Autobah-
nen wurden bereits Werte von nahe 50 % gemessen. Auf Grundlage dieser Schätzung wird die
Anzahl der Anpralle von LKW gegen Widerlager mindestens 60 pro Jahr betragen.

Die z. Z. gültige Regelung für den Anprall von Straßenfahrzeugen gegen Brückenbauwerke ist
die DIN 1072 [59]. Dort heißt es in Absatz 5.3 „Ersatzlasten für den Anprall von Straßenfahr-
zeugen“ :

„(1) Tragende Stützen, Rahmenstiele, Endstäbe von Fachwerkträgern oder dergleichen
sind in der Regel für Fahrzeuganprall zu bemessen und durch besondere Maßnahmen zu
sichern.“
„(2) ...waagerechte Ersatzlasten ± 1.000 kN in Fahrtrichtung in 1,2 m Höhe über Fahr-
bahnoberfläche anzusetzen“

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 57
Auch die neue Norm E DIN 1055-9 [72] folgt diesem Ansatz (Tab. 2-22):

1 Kategorie Fahrzeugart Ersatzlasten [MN]
in Fahrtrichtung rechtwinklig zur
Fahrtrichtung
2 Straßen außerorts LKW 1,0 0,5
3 Straßen innerorts bei v ≤ 50 km/h
1)
LKW 1,0 0,5
4 Straßen innerorts bei v > 50 km/h
1)3)

5 - an ausspringenden Gebäudeecken LKW 0,5 0,5
6 - in allen anderen Fällen LKW 0,25 0,25
7 Hofräume LKW 0,1 0,075
8 PKW 0,05 0,025
9 Trankstellenüberdachungen
2)3)
LKW 0,1 0,1
10 Parkgaragen für PKW
3)4)
PKW 0,04 0,025
11 Gebäude mit Räumen, in denen LKW ver-
kehren können bzw. mehrgeschossige Ge-
bäude mit PKW-Verkehr
LKW 0,1 0,1
1)
Nur anzusetzen, wenn stützende Bauteile der unmittelbaren Gefahr des Anpralls von Straßenfahrzeugen ausgesetzt sind,
d. h. im allgemeinen im Abstand von weniger als 1 m von der Bordschwelle.
2)
Nur anzusetzen, wenn die stützenden Bauteile nicht am fließenden Verkehr liegen, sonst wie Zeile 2 bis 6
3)
Nur anzusetzen, wenn nicht nachgewiesen werden kann, daß bei Ausfall der stützenden Bauteile die Standsicherheit von
Gebäuden/Überdachung/Decke nicht gefährdet ist.
4)
Auch anzusetzen für Anprall an Brüstungen von Rampen, Parkpaletten, etc.
Tab. 2-22: Bemessungsanprallkräfte für PKW/LKW gemäß E DIN1055-9 [72]

Im Gegensatz dazu stellt RACKWITZ hierzu in [236] fest: „Die in DIN 1072 empfohlenen Stoß-
kräfte erscheinen im Lichte der Nachrechungen ... so klein, daß sie ihren Sinn verfehlen.“ und
schlägt die Werte in Tab. 2-23 vor. Ähnliche maximale Werte finden sich auch in der europäi-
schen Normung (Tab. 2-24).

Art des Verkehrswegs Fahrzeugtyp Maximalkraft F [MN] Bremsweg r
br
[m]
Fernverkehr LKW (90 km/h, 38 t)
LKW (90 km/h, 18 t)
2,5
1,75
100
100
Stadtverkehr LKW (50 km/h, 38 t)
LKW (50 km/h, 18 t)
1,3
0,9
45
45
Parkflächen LKW (10-15 km/h)
PKW (15 km/h)
0,4
0,1-0,15
5
5
Diese Werte gelten für Hindernisse, die näher als 4,5 m bei Fernstraßen und 1,5 m bei Stadtstraßen von der Mittellinie der
rechten Fahrbahn entfernt sind.
Tab. 2-23: Bemessungsanprallkräfte für PKW/LKW gemäß RACKWITZ [236]

Straßenklasse Masse
m
[kg]
Geschwindigkeit
v
[km/h]
Bremsen
a
[m/s
2
]
Anprallkraft
F
0

[kN]
Bremsweg
s
br
[m]
Fernstraßen 30.000 90 3 2.400 90
Ortstraßen 30.000 50 3 1.300 40
Straßen in Wohngebieten
- nur PKW
- PKW und LKW

1.500
30.000

20
15

3
3

120
400

5
5
Parkflächen
- nur PKW

1.5000

10

3

90

4
Tab. 2-24: Bemessungsanprallkräfte für PKW/LKW gemäß ENV 1991–2–7 Eurocode 1 [82]

Größere Werte als die normativ festgelegten sind insofern vorstellbar, da z.B. Mercedes-Benz
Deutschland bei Anprallversuchen von LKW gegen feste Barrieren bei einer Geschwindigkeit
von 35 km/h und 10 t Eigengewicht Anprallkräfte von bis zu 12 MN ermittelt hat. Die Last
wirkte allerdings nur über einen Zeitraum von 20 msek. Insgesamt treten die Anprallkräfte
von Kraftfahrzeugen im Vergleich zu Schiffsanprallen sehr kurz auf. Während die Anprall-
zeiten bei Schiffen zwei bis drei Sekunden erreichen können, zeigt Abb. 2-24 typische Kraft-
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 58
Zeit-Verläufe von Kraftfahrzeuganprallen im Bereich von 50 bis 150 msek. EIBL &
FEYERABEND [73] haben sich mit den Auswirkungen von kurzen Stößen auf Stützen befaßt.

Höhere Geschwindigkeiten (> 35 km/h) werden bei LKWs nicht getestet. Nach Aussagen von
Mercedes Benz macht es keinen Sinn, Anprallversuche mit höheren Geschwindigkeiten
durchzuführen, da bei höheren Geschwindigkeiten kein Schutz mehr für Insassen realisierbar
ist. Der Insassenschutz war bisher das eigentliche Ziel derartiger LKW-Anprallversuche.


Abb. 2-24: Typische Stoßkraft-Zeit-Verläufe nach RACKWITZ [236]
2.4.4.2 Bemessungsstoßkräfte für Schienenfahrzeuge

Zugunfälle wurden auf Grund der Schwere in letzter Zeit wesentlich stärker von der Öffent-
lichkeit wahrgenommen als PKW oder Schiffsanpralle gegen Brückenbauwerke. Hierbei sei
insbesondere der Unfall in Eschede im Jahre 1998 erwähnt. Trotzdem muß man auch hier
feststellen, daß die Bemessungsanprallkräfte relativ klein erscheinen. Der größte Wert, der
sich in der neuen E DIN 1055-9 finden läßt, nennt 10 MN Anprallkraft (Tab. 2-25). Auf der
anderen Seite gilt für den Zuganprall üblicherweise, daß nicht die relativ steife Lok bzw. der
Triebwagen gegen ein Hindernis stößt, sondern die weichen Waggons (Abb. 2-27) und daß
dadurch, ähnlich wie beim Schiffsanprall, eine Obergrenze der dynamischen Kraft beobacht-
bar ist. Der Unfall in Brühl im Jahre 2000 zeigte, daß die Regel des Nichtentgleisens der Lok
auch nicht mit 100 protzentiger Sicherheit vorausgesetzt werden kann.

Abb. 2-25: Eschede, Deutschland, 1998 Abb. 2-26: Brühl, Deutschland, Februar 2000

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 59

Sicherheitsanforderung
Übliche Erhöhte
Ersatzlast in MN
Abstand a der
Stützkonstruktion
von der Gleisachse
Art der Stützkonstruktion
F
x
F
y
F
x
F
y

Wandscheibenenden, wenn kein Anprallblock vorhanden 4,0 2,0 10,0 4,0
Wandscheibenenden oder Stützen hinter Anprallblock 2,0 1,0 4,0 2,0
a ≤ 3,0 m (3,2 m)
1)

Mittenbereich von Wandscheiben (Abstand > 2 m vom Wandende) 1,0 - 2,0
Wandscheibenenden, wenn kein Anprallblock vorhanden 2,0 1,0 4,0 2,0
Wandscheibenenden oder Stützen hinter Anprallblock
Zwischenstützen von Stützenreihen mit lichtem Abstand ≤ 8 m
Auf Bahnsteigen oder auf Fundamenten mit Höhen ≥ 0,38 m bzw.
≥ 0,55 m:
-Wandscheibenenden
-Stützen
1,0 0,5 2,0 1,0
3,0
(3,2 m)
1)
< a ≤ 5,0 m
(6,0 m)
2)

Mittenbereich von Wandscheiben (Abstand >2 m vom
Wandende)
0,5 - 1,0
5,0
(6,0 m)
2)
< a ≤ 7,0 m
Wandenden, Stützen Kein Anprall 2,0 1,0
a > 7,0 m Alle Arten Kein Anprall
1)
Die Abstandsgrenze a = 3,0 m gilt für Gleisradien R ≥ 10 000 m. Bei R < 1000 m ist die Abstandsgrenze auf a = 3,2 m zu
vergrößern
2)
Die Abstandsgrenze a = 5,0 m gilt für Gleise ohne Weichen und in Weichenbereichen mit gesicherten Weichenstraßen. Für
ungesicherte Weichenstraßen, z. B. in Bahnhofsbereichen, ist die Abstandsgrenze auf a = 6,0 m zu vergrößern.

Art und Lage der Überbauung Übliche Sicherheitsanforderungen Erhöhte Sicherheitsanforderungen
Überbauungen mit Aufbauten
Alle Arten unabhängig von der Lage v ≤ 120 km/h
2)

Überbauungen ohne Aufbauten
Über Bahnsteigen v ≤ 120 km/h v > 120 km/h
Über Bahnhofsbereichen
1)
außerhalb von Bahn-
steigen
v ≤ 160 km/h v > 160 km/h
Außerhalb von Bahnhofsbereichen v ≤ 300 km/h

1)
Bahnhofsbereiche sind die Bereiche zwischen den Ein- und Ausfahrten.
2)
Bei v>120 km/h ist ein Sicherheitskonzept aufzustellen.
Tab. 2-25: Bemessungsanprallkräfte nach DIN 1055-9 [72]

Triebwagen
Harte Elemente
Mittelharte Elemente
Weiche Elemente
Typische Form der Entgleisung von Zügen Steifigkeit der Schnellzuglokomotive
der SBB Re 6/6 mit 120 Tonnen und
11 000 PS
Abb. 2-27: Typische Entgleisungsform von Zügen und Steifigkeitsverteilung in einer Zugma-
schine nach GROB [106]

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 60
2.4.5 Zusammenfassung der Schiffsstoßkraft

Es kann auf der einen Seite festgestellt werden, daß in den letzten Jahren die normativen Be-
messungsanprallkräfte für den Binnenschiffsanprall gesunken sind, obwohl das Gewicht der
Binnenschiffe zugenommen hat. Die gleiche Tendenz mit der Zunahme des Gewichtes ist auch
bei den Transportmitteln Bahn und Straßenverkehr erkennbar, und auch dort hat zumindest
keine Zunahme der Bemessungswerte in Deutschland eingesetzt. Auf der anderen Seite sind
aber im Bereich des Straßenbauamtes Würzburg signifikante Zunahmen der Anprallhäufigkeit
von Schiffen gegen Brücken beobachtet worden. Diese Zunahme von Anprallhäufigkeiten
wurde, soweit dem Verfasser bekannt, bei den anderen Verkehrsträgern nicht beobachtet. In-
wieweit wirklichkeitsnähere Beschreibungen des Schiffsanpralls unter Berücksichtigung des
Überganges vom elastischen zum plastischen Stoß innerhalb des Schiffes diese Zunahme kom-
pensieren können, ist bisher wissenschaftlich nicht untersucht worden. Eine Aussage, ob die
Bemessungsanprallkräfte auf der sicheren Seite liegen, kann pauschal nicht gemacht werden. Es
erscheint deshalb günstiger, eine explizite Berücksichtigung der Anprallhäufigkeiten und der
statistischen Eigenschaften der Schiffsanprallkraft in einer genauen Berechnung der zu untersu-
chenden Brücken mit einfließen zu lassen.

0
10
20
30
40
50
60
70
I II III IV Va Vb VIa VIb VIc VII
CEMT-KLasse
S
t
a
t
i
s
c
h
e
A
n
p
r
a
l
l
k
r
a
f
t
i
n
f
o
l
g
e
S
c
h
i
f
f
s
a
n
p
r
a
l
l
(
B
i
n
n
e
n
s
c
h
i
f
f
)
ENV 1991-2-7 März 1996
Richtlinie für Schiffsstoß September 1996
E DIN 1055-9 März 2000
DIN V ENV 1991-2-7 Juli 2000
DLF=1,3 (DIN 1055-9, ENV Juli 2000), DLF=1,5 (Richtlinie), DLF=1,2 (ENV März 1996)
VIb Elbe, Donau, Rhein, Nord-Ostsee-Kanal; VI c Rhein (deutsch-niederländische Grenze)
Trendlinie


Abb. 2-28: Entwicklung der Bemessungsanprallkräfte

Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 61
2.5 Abschätzung der Verteilungsfunktion der Anprallhöhe

Da die Anprallkräfte auf Anprallversuchen von Schiffen gegen feste Widerstände basieren,
muß für den Kraftfluß innerhalb der Brücke auch die Anprallhöhe berücksichtigt werden. Die
Anprallhöhe für den einzelnen Schiffsanprall ist unbekannt. Deshalb soll auch hier wieder
eine statistische Beschreibung dieser Größe erfolgen.

Die Wahrscheinlichkeitsverteilungsfunktion der Anprallhöhe hängt von verschiedenen Fakto-
ren ab: vom Aufbau des Pfeilers und hierbei insbesondere von der Erreichbarkeit des Anprall-
punktes durch das Schiff (z. B. Behinderung durch eine Betonmanschette), von dem Bugauf-
bau und dem Beladungszustand des Schiffes und letztendlich vom Wasserstand.

Angaben über den Flottenaufbau und damit über die Bugformen liegen dem Verfasser nicht vor.
Insbesondere auch unter der Problematik des im Kapitel 1 genannten großen Beitrages der
Binnenschiffahrtstransporte durch ausländische Schiffe dürfte eine statistische Erfassung der
Bugformen mit hohem Aufwand verbunden sein. Auch über den Beladungszustand kann keine
Aussage getroffen werden. Als letzter Punkt bleibt die Wasserstandshöhe.

Die Wahl des Wahrscheinlichkeitstyps der Wasserstandshöhe erfordert i. d.R. einen umfang-
reichen Datenbestand, der durch Pegelmessungen bereitgestellt wird. Häufig erfolgt schon die
Pegelmessung für die Datenerfassung nicht an der zu untersuchenden Stelle. Man kann die
Datenauswertung von Pegelmessungen an anderen Flußabschnitten verwenden, wenn sich der
Flußquerschnitt nur geringfügig ändert, wie es häufig bei ausgebauten Flüssen anzutreffen ist
und wenn keine oder nur kleine Zuflüsse zwischen Meßpunkt und zu untersuchendem Punkt
zu finden sind. Für die Wahl von Extremwertverteilungen für Hoch- bzw. Niedrigwasser exi-
stieren häufig Angaben, die aber im vorliegenden Fall nicht verwendet werden können, da
normalerweise bei extremen Wasserständen die Schiffahrt nur eingeschränkt möglich ist bzw.
ganz im davon betroffenen Flußabschnitt eingestellt wird. Insbesondere bei Hochwasser
besteht aber dann auch wieder eine erhöhte Gefahr an Kollisionen durch losgerissene Schiffe.
Neben diesen regionalen Effekten gibt es auch noch lokale Effekte des Wasserstandes, wie
z.B. ein Strömungsprofil um die Brücke, welches aus Sicht des Verfassers aber vernachlässigt
werden kann.

Sehr gern wird auch der innerjährliche Durchfluß angegeben. Dieser hängt vom Klima und
dem Infiltrations- und Rückhaltevermögen des Einzugsgebietes ab. Durch die Prüfung der
Eingangsparameter mittels statistischer Untersuchung der Regenmenge ist eine Plausibilitäts-
kontrolle möglich. Die Streuungen für den mittleren Jahresdurchfluß basieren nach DYCK et
al. [70] auf folgenden Grundlagen:

• Unabhängigkeit der aufeinanderfolgenden Jahresdurchflüsse (reiner Zufallsprozeß)
• kurzfristige nichtzyklische Persistenz
• langfristige Persistenz
• zyklisches Verhalten.

Die mittleren Jahresdurchflüsse aufeinanderfolgender Jahre werden unabhängig sein, wenn
die Jahresniederschlagsmenge unabhängig ist (DYCK et al. [70]). Die Jahresdurchflußrate
kann man anhand der Regenmenge des Einzugsgebietes kontrollieren. Unter Persistenz ver-
steht man das Beharrungsvermögen des Wetters. Es drückt die Tendenz zur Gruppenbildung
von Naß- und Trockenjahren aus. Das übliche Maß für diese Erscheinung ist der Autokorre-
lationskoeffizient. Man unterscheidet langfristige und kurzfristige Persistenz. Die kurzfristige
Kapitel 2: Einwirkung Schiffsanprall
Seite 62
Persistenz wird hervorgerufen durch Übertragungen aus dem Vorjahr, Verdunstung der Ein-
zugsfläche, inkonsistentes und inhomogenes Beobachtungsmaterial (DYCK et al. [70]). Bei ho-
her Rückhaltekapazität der beobachteten Region ist sie bedeutend größer als bei geringer
Rückhaltekapazität. Die langfristige Persistenz (DYCK et al. [70]) beruht auf der Behauptung,
daß die mittleren Jahresdurchflüsse Zyklen von 2-3, 5-7 und 11-12 Jahren zeigen. Als Ur-
sachen dafür werden genannt:

• außer dem zufälligen Einfluß gibt es noch einen unbekannten regelmäßigen Einfluß
• es gibt keine derartigen Zyklen, die Zyklenbildung ist eine natürliche Eigenschaft statio-
närer stochastischer Prozesse.

Nach bisherigen Untersuchungen scheinen beide Begründungen kaum gültig zu sein (DYCK et
al. [70]).

Die hier nur angerissene Problematik der Festlegung einer Momentanverteilung für die Was-
serstandshöhe zeigt die Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Wahrscheinlichkeitsfunktion
für die Anprallhöhe. Da die Schiffahrt nur ab einer bestimmten bzw. bis zu einer bestimmten
Wasserhöhe überhaupt praktisch durchgeführt werden kann und die Bughöhen nur zwischen
Null und wenigen Metern variieren können, zeigt die Wahrscheinlichkeitsverteilungsfunktion
zusätzlich eine Stutzung am oberen und unteren Schwanz. Auch die Schleusen am Main füh-
ren zu einer spürbaren Begrenzung der Streuung des Wasserstände. Zumindest die untere Be-
schränkung wäre durch die Wahl einer Log-Normalverteilung erfüllt.

Ohne auf diese ausführlichen Überlegungen zur statistischen Verteilung der Jahresdurchflüsse
einzugehen, wurde mit den von der Bundesanstalt für Wasserbau vorgelegten Daten der Was-
serstandshöhe gearbeitet (KUNZ [158]). Diese Daten wurde durch eine Log-Normalverteilung
bei statischen Verteilungstests (Goodness of Fit – siehe Anhang C) für die Wasserstandshöhe
im Bereich der Mainbrücke Lohr am besten beschrieben.

Auf Grund der vielen Einflußfaktoren für die Anprallhöhe hat sich der Verfasser aber für eine
Normalverteilung entschieden. Es ist anzunehmen, daß der Bemessungspunkt eher bei einem
hohen Anprallpunkt erreicht wird, da, wie bei den statischen Berechnungen der Mainbrücke
Lohr noch zu sehen ist, ca. 80 – 90 % der Anprallkraft über das Pfeilerfundament abgetragen
werden. Insofern liegt diese Wahl auf der sicheren Seite. Aussagen über die statistischen Ei-
genschaften der Bughöhen über Wasser für die Schiffe lagen dem Verfasser nicht vor, so daß
eine deterministische Annahme getroffen werden mußte (KUNZ [158]).




Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 63
3 Widerstandsseite Brücke
3.1 Allgemeines

Eine Aussage über das Verhalten von Brücken unter Anprall erfordert neben der ausführli-
chen Diskussion der Einwirkungsseite auch eine gleichwertige Betrachtung der Widerstands-
seite. Eine Generalisierung der Widerstandsseite vergleichbar mit der erfolgreichen Abstrak-
tion der Einwirkung unter Berücksichtigung der Flottenstruktur ist durch die Vielfalt von
Brücken bisher nicht gelungen. Eine Beschränkung der Menge aller Brücken erfolgte bereits
in Kapitel 1 durch das Untersuchungsziel „alte Brücken“. Doch auch aus dieser Untermenge
können nicht alle Brücken im Detail betrachtet werden, wie anhand der Beschreibung zweier
Bauwerke noch zu sehen sein wird. Darum hat sich der Verfasser als Kompromiß zwischen
Verallgemeinerung und Berücksichtigung objektbezogener Besonderheiten dafür entschieden,
zwei Referenzbrücken als typische Vertreter jeweils einer Brückenklasse ausführlich zu un-
tersuchen. Diese beiden Brücken werden im folgenden vorgestellt.
3.2 Vorstellung der Bauwerke
3.2.1 Sandsteinbogenbrücke – Alte Mainbrücke Lohr

Als Vertreter der Sandsteinbogenbrücken wurde die alte Mainbrücke Lohr gewählt. Die Brük-
ke befindet sich ca. 30 km nordwestlich von Würzburg in der Stadt Lohr an der B 26. Im Rah-
men des Mainausbaus und der damit geplanten Erhöhung der zulässigen Schiffsgröße auf dem
Main stellte sich beim wasser- und schiffahrtsrechtlichen Planfeststellungsverfahren die Frage
der Standsicherheit der Brücke bei einem Anprall. Diese Frage konnte nicht abschließend im
Sinne der üblichen Normen beantwortet werden.

Bei der Brücke handelt es sich um eine Sechsfeld-Steinbogenbrücke mit Flutöffnungen, die in
den Jahren 1872-1875 errichtet wurde. Die ursprüngliche Konstruktion wurde überwiegend in
qualitativ hochwertigem Quadermauerwerk aus rotem Mainsandstein erstellt. Eine Ansicht
und Draufsicht des Bauwerks zeigt Abb. 3-1, aus der auch die Abmessungen entnommen
werden können. Abb. 3-2 a zeigt die Brücke aus unterstromiger Richtung, wie sie sich dem
Betrachter bei Hochwasser darbietet.

Das Fundament wurde bei Erbauung der Brücke flach auf Mainkies gegründet (Abb. 3-2 b).
Nach Angaben der Lohrer Zeitung [170] wurden bereits in den Jahren 1939-40 die ursprüngli-
chen Holzspundwände der Flußpfeiler im Rahmen der Mainkanalisation und der damit ver-
bundenen Absenkung der Flußsohle durch doppelte Stahlspundwände ersetzt und die Pfeiler-
füße mit einer Betonmanschette versehen.

Im Jahre 1945 wurde der Pfeiler III zusammen mit den benachbarten Bögen 3 und 4 ge-
sprengt. Bereits im gleichen Jahr begann der Wiederaufbau, nachdem eine Behelfsbrücke er-
richtet worden war (Abb. 3-2 c). Der Wiederaufbau des Pfeilers erfolgte nach Beräumung
etwa ab Oberkante Betonmanschette (Abb. 3-3). Diese Vermutung wurde 1985 durch eine
Bestandsaufnahme bestätigt, bei der Taucher von zahlreichen Rissen in der Betonmanschette
dieses Pfeiler berichten [274]. Diese Risse sind vermutlich im wesentlichen auf die Sprengung
zurückzuführen.

Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 64
Die 1945-46 wiedererrichteten Bögen 3 und 4 wurden laut Planung aus einem B 15 mit vor-
gemauerten Stirnbögen und aufgesetztem Spargewölbe erstellt. Die Abb. 3-2 d und e zeigen
den Wiederaufbau, wobei Abb. 3-2 e die Errichtung der Spargewölbe dokumentiert.

Eine weitere Baumaßnahme erfolgte 1968 zur Verbreiterung der Fahrbahn. Dazu wurde eine
ca. 30 cm dicke neue Fahrbahnplatte aufgebracht. Die jüngste Baumaßnahme aus dem Jahre
1994 beinhaltete die Sicherung des Pfeilers IV am Lohrer Ufer durch eine Stahlbetonman-
schette bis Oberkante Gelände.

Abb. 3-1: Ansicht und Draufsicht auf die Alte Mainbrücke Lohr

a) Ansicht der Brücke 1996/97 bei Hoch-
wasser
b) Pfeiler II der Brücke in den 30er Jahren

c) Behelfsbrücke d) Einfahren der Bogenrüstung
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 65

e) Wiederaufbau des Bogens f) Wiedereröffnung am 25.5.1946
Abb. 3-2: Aufnahmen aus der Geschichte der Mainbrücke Lohr


Abb. 3-3: Schematischer Aufbau der Brücke (ohne Hinterfüllung im Sandsteinbogen): Links
oben sind die drei Flußfelder der Brücke mit und links unten ohne Vormauerung dargestellt.
Rechts sind die einzelnen Elemente der Brücke aufgeführt (Explosionsdarstellung).

Die historisch gewachsenen baulichen Besonderheiten und die damit verbundenen Unregel-
mäßigkeiten werden noch einmal sehr schön in der Explosionsdarstellung in Abb. 3-3 deut-
lich.

3.2.2 Stahlfachwerkbrücke mit Natursteinpfeilern – Mainbrücke Segnitz
Bei der Mainbrücke Segnitz handelt es sich um eine Stahlfachwerkbrücke mit Betonfahrbahn
und, wie bei Lohr, um Pfeiler aus Naturstein-Quadermauerwerk. Die Brücke ist als Vierfeld-
durchlaufträger ausgebildet und überquert den Main zwischen Segnitz und Marktbreit. Die
Ortschaft Segnitz liegt in der Nähe von Würzburg. Über die Brücke führt die Staatsstraße
2273. Die Brücke Segnitz stammt aus dem Jahre 1893, wurde allerdings ebenso wie Lohr am
Ende des 2. Weltkrieges teilweise zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1947, ein Umbau
1974/75.
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 66
Abb. 3-4 gibt eine graphische Ansicht der Brücke wieder. Abb. 3-5 zeigt die Brücke vom Se-
gnitzer Ufer aus. Da die Pfeiler wesentlicher Inhalt der vorliegenden Arbeit sind, findet sich
in Abb. 3-6 eine Skizze eines Flußpfeilers und eines Widerlagers.

Abb. 3-4: Ansicht und Draufsicht der Brücke

Abb. 3-5: Ansicht der Mainbrücke Segnitz von der Segnitzer Seite aus

Abb. 3-6: Querschnitt der Pfeiler
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 67
Auf Grund des unterschiedlichen Aufbaus der beiden Brücken werden die Vorbehalte einer
Verallgemeinerung des Verhaltens aller Brücken bzw. aller „alten Brücken“ unter Schiffsan-
prall verständlich.

Neben der rechnerischen Untersuchung der vorgefundenen Brücken unter Schiffsanprall bie-
tet es sich aus Vergleichsgründen auch an, konstruktive Verstärkungsmaßnahmen der jeweili-
gen Brücke mit zu untersuchen. Verstärkungsmaßnahmen können zwingend werden, wenn
Brücken nicht die erforderliche Sicherheit erbringen, aber weitergenutzt werden sollen.

Auf der Widerstandsseite erscheint eine Erhöhung der Schubtragfähigkeit z.B. durch Erhö-
hung der aktivierbaren Schubfläche und das Einbringen eines Materiales, welches Zugkräfte
aufnehmen kann, sinnvoll. Die Bemessung des konstruktiven Elementes zur Zugkraftauf-
nahme bei einem Anprall zeigt Abb. 3-7 mit einem einfachen Stabwerkmodell. Als konstruk-
tive Lösung bietet sich das Einbringen einer schlaffen Bewehrung oder das Aufbringen einer
Vorspannung an. Beides erscheint für die vorgefundenen Materialen Mauerwerk und Beton
möglich. Über die Vorspannung von Mauerwerk bzw. Natursteinmauerwerk gibt es vielfältige
Literatur, siehe z.B. GANZ [99], HALLER [115], ULLRICH [295], STIESCH [287] und NIETZ-
HOLD [207].

D
9 m
F
4

m
1
Z

Abb. 3-7: Einbau eines Zugkraftelementes Z, F sei die Anprallkraft

Vorspannung kann aufgebracht werden, wenn eine Reserve zwischen der maximal vorhande-
nen und der maximal zulässigen Normalspannung in den Mauerwerks- bzw. Betonpfeilern
nutzbar ist. Diese Vorspannung erhöht die Tragfähigkeit gegenüber horizontalen Lasten.

Es ist jedoch zu beachten, daß die maximalen zulässigen Normalspannungen über den Pfei-
lerquerschnitt oft nicht konstant sind, da die Pfeiler alter Brücken mit Verfüllungen errichtet
wurden. Die Verfüllungen im Pfeilerinneren bestehen aus qualitativ geringerwertigem Bau-
material und erlauben deshalb nur geringe zulässige Spannungen. Weiterhin können relativ
große Vorspannkräfte erforderlich werden. Diese großen Vorspannkräfte können zu Veranke-
rungsproblemen sowohl im Fundament als auch an der Oberseite des Pfeilers führen. Außer-
dem sind bei dem weichen Material Mauerwerk hohe Spannkraftverluste zu erwarten. Eine
Spannkraftüberwachung und eine Nachspannmöglichkeit sind dann unvermeidlich.

Diese Probleme vermeidet man durch eine konstruktive Verstärkung mit Stahlbetonbauteilen.
Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Bauvolumen können zwei konstruktive
Lösungen vorgeschlagen werden: Das Einbringen von Großbohrpfählen in der Alten Main-
brücke Lohr als Maximalvariante mit erheblichem Aufwand und großer Bauwerksstörung und
die Verwendung von GEWI-Stäben in der Mainbrücke Segnitz als Minimalvariante mit mög-
lichst geringem Aufwand und geringer Bauwerksstörung. Selbstverständlich ist auch der Ein-
satz von GEWI-Stäben bei der Mainbrücke Lohr möglich. In Abb. 3-8 werden die beiden ge-
nannten möglichen Verstärkungsmaßnahmen dargestellt.

Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 68
Sollten die beschriebenen Verstärkungsmöglichkeiten auf Grund ungenügender Bauwerksab-
messungen oder der vorgefundenen Baumaterialien nicht möglich sein, z.B. durch zuwenig
Fläche für den Einbau von GEWI-Stäben oder Spanngliedern, können auch die Abmessungen
der Pfeiler im unteren Bereich vergrößert werden (Abb. 3-8). Diese Idee eines Mantels um
den Pfeiler führt zwangsläufig zum nächsten Verstärkungskonzept, bei dem man den Kontakt
zwischen diesem Verstärkungsmantel und dem Pfeiler aufgibt: der passiven Schutzeinrich-
tung, die um einen Pfeiler herum geführt wird.

Vor-
mauerung
Spannglieder

Vor-
mauerung
schlaffe Anker (z.B. GEWI-Stäbe)

Beton-
verkleidung
des Pfeilers
8,1 m 0,7 m
9,5 m
Hinterfüllung
Vor-
mauerung
1 m


Abb. 3-8: Mögliche Verstärkungsmaßnahmen

Eine derartige Konstruktion führt zu einer Erhöhung der Sicherheit der Brücke durch die Be-
einflussung der Einwirkungsseite. Zum einen wird die Häufigkeit der Anpralle gegen den
geschützten Brückenpfeiler abnehmen, da die Schutzeinrichtung teilweise den Anprall allein
auffängt und zum zweiten wird die Anprallkraft des Schiffes gegen den Pfeiler auf Grund der
zur Überwindung der Barriere erforderlichen Energie verringert, wenn die Schutzeinrichtung
nicht in der Lage ist, den Anprall komplett aufzufangen. Für die verschiedenen Varianten der-
artiger Konstruktionen gibt es umfangreiche Literatur, beispielhaft sei nur [51] genannt.

Für die Mainbrücke Segnitz wurde eine Schutzeinrichtung aus Stahldolben um die Pfeiler
herum mit einem maximalen Kraftabtrag von 4,2 MN Frontalstoß und 0,486 MN Querstoß
entworfen [317]. Beim Frontalstoß kann maximal eine Energie von 9,5 MNm und beim Quer-
stoß von 0,251 MNm umgewandelt werden. Auf Grund der beiden o. g. Effekte wurde eine
neue Verteilungsfunktion für den Frontalstoß mit einem Mittelwert von 0,0465 MN und einer
Standardabweichung von 0,837 MN berechnet. Die mechanischen Grundlagen dafür finden
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 69
sich teilweise im Anhang B. Die Ermittlung der statistischen Parameter erfolgte sinngemäß
nach KUNZ [158].

Eine Prüfung der Lagesicherheit des Überbaus während des Anpralls erfolgte im Rahmen
dieser Arbeit nicht. Insbesondere auf Grund der Erfahrung an der Mainbrücke Retzbach-Zel-
lingen (siehe CURBACH [43]) könnte eine derartige Untersuchung an der Mainbrücke Segnitz
angebracht sein. Auch Grundbruchnachweise zur Prüfung der Standsicherheit der Pfeiler bei
Schiffsanprall erfolgten nicht im Rahmen dieser Arbeit. Die komplette Untersuchung kon-
zentriert sich auf das Schubtragverhalten der Brückenpfeiler. Dadurch wird eine optimale
Vergleichbarkeit der Berechnungsergebnisse der beiden Brücken gewährleistet.

3.3 Bauwerkserkundung der Mainbrücke Lohr

Unter Bauwerkserkundung werden im folgenden alle Untersuchungen verstanden, die direkt
am Bauwerk bzw. mit aus dem Bauwerk entnommenen Material erfolgten. Sie gliedert sich in
verschiedene Abschnitte. Diese werden in den folgenden Unterkapiteln behandelt. Ziel der
Erkundung ist die Bereitstellung detaillierter Angaben über die Geometrie, den Aufbau und die
verwendeten Materialien für die sich anschließende, rechnerische Untersuchung der Brücken.
3.3.1 Ortsbegehung

Auf Grund der vorab teilweise bekannten wechselhaften Geschichte und der unvollständigen
Unterlagen war eine Sichtung der Brücken unumgänglich. Die frühzeitige Erkennung von
Differenzen zwischen den Bestandsunterlagen und dem realen Bauwerk ist notwendig, um
Fehler bei der Modellierung der Brücke zu vermeiden.

Bei Begehungen der Mainbrücke Lohr wurden sowohl die Spargewölbe als auch die Spreng-
kammern in den Flußpfeilern besichtigt und teilweise vermessen (Abb. 3-9). Die Sprengkam-
mern waren vermutlich bei der Errichtung der Brücke nach dem Deutsch-Französischen Krieg
1871 und nach dem II. Weltkrieg eingebaut worden. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen,
daß die Sprengkammern nicht dokumentiert waren. Erst auf konkrete Anfrage bei der Bun-
deswehr war eine Handskizze der Sprengkammern erhältlich. Zu diesem Zeitpunkt waren die
Sprengkammern aber bereits durch die Bohrungen aufgefunden worden.

3.3.2 Bohruntersuchung

Für die rechnerische Untersuchung werden neben der Geometrie auch Materialkenngrößen
benötigt. Die Materialkenngrößen wurden durch materialtechnische Versuche ermittelt. Um
die dafür notwendigen Probekörper zu beschaffen, gibt es vielfältige Möglichkeiten.

Für Mauerwerk findet sich in der Literatur der Vorschlag der Entnahme von nicht benötigten
Steinen aus einem Bauwerk (STIGLAT [288]). Auf Grund der Größe der Natursteine in der alten
Mainbrücke Lohr, der mit der Entnahme einhergehenden Beschränkung der Funktionalität der
Brücke und der z. Z. vorhandenen guten Funktionalität der Brücke wurde diese Lösung als nicht
praktikabel eingeschätzt. Auch sollte aus denkmalschützerischen Gründen die visuelle Ver-
änderung des Bauwerkes durch Baumaßnahmen so gering wie möglich sein (BUDELMANN [23],
WENZEL [322]).


Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 70
Spargewölbe
Sprengkammer

Mauer-
werk
Spreng-
kammer
0
,
5
m
1,8 m 0,6 m
0
,
6

m
4

m
1,8 m
2
,
1
5

m
Beton
8 m 2 m 2 m

Vertikalschnitt durch den Pfeiler III in Höhe
der Sprengkammern und der Spargewölbe
Horizontalschnitt durch den Pfeiler III in Höhe
der Sprengkammern
Abb. 3-9: Darstellung der Sprengkammer im Vertikal- und im Querschnitt und Aufnahmen
der Sprengkammer. Links oben sind die Spargewölbe im Betonbogen dargestellt.

Auch die Möglichkeit der nachträglichen Herstellung von neu gewonnenen Steinen aus ver-
gleichbarem Naturstein und wenn möglich sogar aus den gleichen Steinbrüchen und adäqua-
tem Mörtel erscheint unpraktikabel. Zwar konnte mit Unterstützung des örtlichen Geschichts-
vereines in Lohr eine Zuordnung zu alten Steinbrüchen erfolgen. So kamen die Steine für den
Bau der Mainbrücke wahrscheinlich aus dem Neuendorfer Steinbruch der Gebr. Schönmann
und aus dem Steinbruch von Karl Dietrich. Weitere Steine kamen aus verschiedenen Wald-
abteilungen, in denen Findlinge gesucht und behauen wurden. Dazu wurde eine eigene Wald-
schmiede errichtet. Außerdem sollen Steine aus Neustadt, Wombach, Neuendorf, Nantenbach
und Waldzell verwendet worden sein. Beim Wiederaufbau 1946 wurden die vorhandenen
Steine geklopft und wieder eingebaut. Zusätzliche Steine kamen aus Reistenhausen und Bet-
tingen. Die ermittelten Steinbrüche sind jedoch seit vielen Jahren geschlossen. Eine Wieder-
eröffnung dürfte mit hohem Aufwand verbunden und teuer sein. Auch die Herstellung des
alten Mörtels dürfte Schwierigkeiten bereiten, so daß insgesamt von diesem Vorschlag Ab-
stand genommen wurde.

Auch wenn die Materialentnahme durch Bohrungen lt. STIGLAT [288] und BERNDT [16] für
die Abschätzung von Mauerwerksfestigkeiten Unsicherheiten in sich birgt, überwiegt der
Vorteil der einfachen technologischen Gewinnung diesen Nachteil. Die Bohrungen dienen ne-
ben der Materialbeschaffung auch zur Prüfung des Aufbaus der Brücke und der Fundamente.
Die visuelle Störung des Bauwerkes ist im Verhältnis zur Menge an gewonnenem Material
außerordentlich gering. Mit den zahlreichen Bohrkernen ist eine statistische Auswertung der
Materialgrößen möglich, die die Unsicherheit bei der Beschreibung der Materialgrößen be-
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 71
rücksichtigt, die wiederum später die Grundlage für die probabilistische Berechnung ist. Inso-
fern ist zumindest teilweise damit der o.g. Kritik Genüge getan.

Neben den Materialproben und dem möglichen Blick in das Bauwerk erlaubt der Bohrvor-
gang selbst Rückschlüsse auf Mauerwerkseigenschaften. Ein wichtiger Indikator für den vor
dem Bohrvorgang vorhandenen Porenraum im Mauerwerk stellt der Verlust an Kühlwasser
dar. Ebenso können die Bohrprotokolle mit den an den Bohrkernen gesichteten Materialien
verglichen werden.

STIGLAT [288] empfiehlt, Bohrkerne nicht kleiner 200 mm für die Ermittlung der Belastbar-
keit von Natursteinmauerwerkswänden zu verwenden. Dieser Empfehlung konnte auf Grund
technologischer Rahmenbedingungen nur teilweise gefolgt werden. Die Horizontalbohrungen
erfolgten mit einem Durchmesser von 200 mm und die Vertikalbohrungen mit einem Durch-
messer von ca. 130 mm.

Der Bohrplan für die alte Mainbrücke Lohr ist in Abb. 3-10 dargestellt. Die Wahl der Bohrun-
gen basiert im wesentlichen auf einer umfangreichen rechnerischen Voruntersuchung.



Abb. 3-10: Bohrplan für die alte Mainbrücke Lohr
3.3.3 Sichtung der Bohrkerne

Nach der Gewinnung der Bohrkerne wurden diese gesichtet. In den beiden Bildern Abb. 3-11
und Abb. 3-12 sind die Bohrkerne der vertikalen Bohrungen durch jeweils einen Mauerwerks-
und einen Betonpfeiler dargestellt.

In Abb. 3-11 befindet sich auf der linken Seite Material, welches in der Nähe der Fahrbahn-
platte, also sehr weit oben im Pfeiler entnommen wurde. Auf der rechten Seite des Bildes sind
Bohrkerne aus dem Bereich des Fundamentes sichtbar. In Abb. 3-12 befindet sich die Ober-
seite des Pfeilers unten im Bild. Die Betonabschnitte sind Hinterfüllungen der Bögen. Oben
im Bild sind wieder Bohrkerne aus dem Bereich des Fundamentes erkennbar. Die Zahlen auf
den Bohrkernen geben die Tiefe der Bohrkernentnahme von OK Fahrbahn an. Es ist erkenn-
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 72
bar, daß besonders im Bereich des Bogenansatzes sehr gutes Steinmaterial verwendet wurde
(Abb. 3-12: 7-9 m Tiefe). Gemäß Definition DIN 4022 [61] sind die gewonnenen Bohrkerne
überwiegend großstückig, im Gegensatz dazu im Bereich des Fundamentes stückig bis klein-
stückig.


Abb. 3-11: Vertikalbohrung durch den Betonpfeiler (Pfeiler III)

Abb. 3-12: Vertikalbohrung durch den Mauerwerkspfeiler (Pfeiler II). Die Zahlen stellen die
Lage des Bohrkernes von der OK Fahrbahn auf der Brücke in Meter dar.

Anhand aller Bohrkerne erfolgte eine subjektive Einstufung des verwendeten Natursteins und
des Betonmaterials. Bei dem Naturstein handelt es sich um roten Mainsandstein (Buntsand-
stein). Dieser Quarzsandstein zeigt i.a. ein feinkörniges, äußerst dichtes Gefüge, eine hohe
Dauerhaftigkeit und hohe Festigkeitseigenschaften (bis zu 140 MN/m
2
Druckfestigkeit). Zahl-
reiche Bauwerke im In- und Ausland wurden aus diesem Material errichtet. Der vorgefundene
Mainsandstein wurde in drei Varietäten unterteilt:
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 73

1. roter Mainsandstein (Abb. 3-13 a), regelmäßige Struktur, keine oder kaum farbliche
Störungen, die teilweise nach der Trocknung sichtbaren weißen Bereiche sind im Ver-
hältnis zur Varietät 2 kleiner und seltener (Abb. 3-13 b), eine Schichtung ist nicht oder
nur durch kleine Farbänderungen abschätzbar, sehr kratzfest, ohne Risse, die sichtbare
Porengröße liegt unter 0,25 mm (vermutlich Dietenhain-Rot Mainsandstein)
2. roter Mainsandstein, Grundfarbe heller oder dunkler als 1, gelegentlich fast ziegelrot,
regelmäßige Struktur mit weißen Streifen und dunklen Einschlüssen (Abb. 3-13 c), beim
Kratzen weicher als Varietät 1, Poren sind nicht erkennbar (vermutlich Dorfprozeltener
Mainsandstein)
3. roter Mainsandstein, Grundfarbe wie 2, keine oder kaum farbliche Störungen, aber grö-
ßere Höhlräume im Stein bis 0,5 cm in unregelmäßigen Abständen mit einer schwarz-
braunen Oberfläche in den Störungen (Abb. 3-13 d), eine Schichtung ist nicht erkennbar,
die Porengröße in der Struktur liegt zwischen ¼ und ½ mm, nach der Trocknung regel-
mäßige weiche Bereiche (vermutlich Ebenheider Mainsandstein)



a) Typisches Beispiel der Schnittfläche ei-
nes Probekörpers aus den Bohrkernen der
Varietät 1 a im trockenen Zustand
b) Typisches Beispiel der Schnittfläche ei-
nes Probekörpers aus den Bohrkernen der
Varietät 1 b im trockenen Zustand


c) Typisches Beispiel der Schnittfläche ei-
nes Probekörpers aus den Bohrkernen der
Varietät 2 im trockenen Zustand
d) Typisches Beispiel der Schnittfläche ei-
nes Probekörpers aus den Bohrkernen der
Varietät 3 im trockenen Zustand
Abb. 3-13: Beispiele der Varietäten des Sandsteines
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 74
Der Beton wurde visuell anhand der Haufwerksporigkeit in drei verschiedene Klassen einge-
teilt. Als Größtkorn wurden ca. 10 cm geschätzt. Zuschlagstoff war überwiegend Sandstein,
der aus den Resten des gesprengten Pfeilers gewonnen worden war.

1. Bei der Klasse 1 handelt es sich um dichten Beton ohne Fehlstellen (Abb. 3-14 a). Das
Bindemittel hat die übliche graue Farbe. Der Bruch bei den zentrischen Zugfestigkeits-
versuchen geht durch den Zuschlagsstoff aus Mainsandstein, teilweise auch durch andere
vorhandene Zuschlagstoffe.
2. Beim Beton der Klasse 2 sind Fehlstellen von 1-2 cm Durchmesser (Abb. 3-14 b) erkenn-
bar. Der Bruch bei Zugfestigkeitsversuchen geht teilweise durch die Zuschläge aus Sand-
stein. Die Farbe des Bindemittels ist etwas heller als bei Klasse 1.
3. Beton der Klasse 3 ist extrem porös (Abb. 3-14 c). Das Material ist sehr schlecht verdich-
tet. Das Korngerüst ist räumlich erkennbar. Das Bindemittel ist teilweise sandfarben.



a) Typisches Beispiel der Schnittfläche ei-
nes Probekörpers aus den Bohrkernen des
Betons der Klasse 1 im trockenen Zustand
b) Typisches Beispiel der Schnittfläche ei-
nes Probekörpers aus den Bohrkernen des
Betons der Klasse 2 im trockenen Zustand


c) Typisches Beispiel eines Bereiches aus
den Bohrkernen des Betons der Klasse 3 im
trockenen Zustand

Abb. 3-14: Beispiele der Betonklassen
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 75
Die Schichtung der Sandsteine hat ebenso wie der Wassergehalt oder die Porösität der Steine
Einfluß auf die Steinfestigkeit. Auf Grund der visuell schwer feststellbaren Schichtung kön-
nen aber kaum Angaben dazu gemacht werden. Es wird angenommen, daß bei der Errichtung
der Brücke eine einheitliche Schichtung beibehalten wurde.

Die Bohrkerne zeigen, daß zwischen innerem und äußerem Mauerwerk in den Mauerwerks-
pfeilern der Mainbrücke Lohr unterschieden werden muß. Die Erfassung der jeweiligen Vo-
lumenanteile in den Bohrkernen ergab im äußeren Bereich der Pfeiler hochwertige großstük-
kige Sandsteinkerne mit geringem Mörtelvolumen und geringem Hohlraumanteil. Im Gegen-
satz dazu zeichneten sich die Bohrkerne aus dem Inneren der Pfeiler durch viele kleine Stein-
stücke, viel Mörtel und große Hohlräume aus. Diese Tatsache gilt für das Pfeilerinnere mit
Ausnahme der Kämpferbereiche (Abb. 3-12).

Sicherlich wurde schon bei der Errichtung aus Kostengründen nur eine Verfüllung der Mau-
erwerkspfeiler geplant und ausgeführt. Diese Tatsache erfordert im weiteren eine Abgrenzung
der rechnerischen Mauerwerksfestigkeiten zwischen dem Äußeren und dem Inneren des Mau-
erwerkspfeilers.

Basierend auf den Bohrkernen und der subjektiven Einteilung in Varietäten bzw. Klassen er-
folgte die Entwicklung eines Höhenmodells der vermutlichen Verteilung der Festigkeiten des
Sandsteines und des Betons in den untersuchten Pfeilern der Mainbrücke Lohr. Das Modell
für den untersuchten Mauerwerkspfeiler stellen die vier Säulen in Abb. 3-15 dar. Im Gegen-
satz dazu sind auf der rechten Seite die später bei den Versuchen ermittelten Sandsteindruck-
festigkeiten in den Quadraten dargestellt. Eine grobe Übereinstimmung kann durchaus bestä-
tigt werden, aber im Detail finden sich zahlreiche Unterschiede.


Abb. 3-15: Subjektive Einteilung der Bohrkerne. Maßstab kennzeichnet die Lage der Probekör-
per in den Pfeilern in Abhängigkeit von der Tiefe ab OK Fahrbahn in Meter. Die links neben dem
Maßstab angegebenen Quadrate geben meßtechnisch ermittelte Festigkeiten an. Links daneben
ist die subjektive Beurteilung der Bohrkerne über die Höhe darstellt.
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 76
3.3.4 Chemische, spektrographische und mikroskopische Untersuchung

Überwiegend zeigten die Bohrkerne einen homogenen Aufbau, der eine nahezu zweifelsfreie
Zuordnung zu den Bauteilen erlaubt, wie z.B. Fundamentbereich, innerer und äußerer Mau-
erwerksbereich oder Hinterfüllung. Auch die verwendeten Materialen wie roter Mainsand-
stein und Mörtel oder Beton mit ähnlicher Farbzusammensetzung finden sich immer wieder.

An drei Stellen tauchten jedoch in den Bohrkernen in einem geringen Umfang Materialien
auf, die sich sowohl in der Struktur als auch in der Farbe von dem ansonsten aufgefundenen
Sandstein und Mörtel unterschieden. Das Material war kratzbar und deutlich heller, fast gelb.
Es besteht die Möglichkeit, daß es sich dabei um anderen Mörtel handelt, der zu einem späte-
ren Zeitpunkt, z.B. durch Verpressen, eingebracht wurde. Interessant war insbesondere eine
Probe, in der verschiedene Schichtungen des unbekannten Materials mit einer Dicke von je-
weils ca. 1 cm an einer Stelle übereinander auftreten.

Die einzelnen Schichten wurden einer chemischen Prüfung mit Salzsäure ausgesetzt. Bei allen
Schichten wurde ein Aufschäumen beobachtet, was die Vermutung nahelegt, daß ein kalkhal-
tiges Material vorliegt. Kalkstein findet sich normalerweise nicht in Sandsteinvorkommen, da es
sich bei Kalkstein um ein Flachmeersediment und bei Sandstein um ein Tiefmeersediment han-
delt. Es liegt somit die Schlußfolgerung nahe, daß es sich bei allen chemisch geprüften Schichten
um Mörtel und nicht um Kalkstein handelt.

Um weitere Nachforschungen zu ermöglichen, wurden sowohl röntgenmikroskopische Auf-
nahmen (Abb. 3-16) als auch massenspektographische Untersuchungen dieses Materials durch-
geführt. Zum Vergleich der massenspektographischen Diagramme wurde Cottaer Sandstein
getestet. Die Untersuchung bestätigte, daß es sich nicht um Sandstein handelt, konnte in letzter
Konsequenz aber auch keinen Ursprung des Materials angeben.


Abb. 3-16: Röntgenmikroskopische Untersuchung des Materials

Natürlich besteht die Möglichkeit, daß durch Auswaschungen kalkhaltige Stoffe eingetragen
wurden. Die ansonsten in den Bohrkernen der Mauerwerkspfeiler beobachteten Auswaschun-
gen zeigen jedoch von der Farbe her ein völlig anders gestaltetes Aussehen.

Die Bohrungen, bei denen die hier beschriebenen Materialien festgestellt wurden, waren verti-
kale Bohrungen im Bereich der äußeren Mauerwerksschale zweier alter Sandsteinpfeiler. Das
Material befand sich immer in Höhe der Oberseite des Anschlusses Bogen - Pfeiler im Kämp-
ferbereich. Dieser Fundort kann während der Erbauung ein Platz gewesen sein, an dem Mörtel
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 77
gemischt wurde. Ähnliche Funde hat man z.B. auch an der Marienbrücke Dresden gemacht
(GRUNERT, GRUNERT & GRIEGER [110]).

Obwohl die Frage nach den Materialien nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich-
keit beantwortet werden kann, wurde im folgenden davon ausgegangen, daß
a) kein Verpressen dieser Mauerwerkpfeiler stattgefunden hat und
b) es nur eine Grundgesamtheit des Mörtels gibt.

Auch die anderen Materialien wurden im folgenden als eine Grundgesamtheit angesehen.
Weitere Ausführungen zur Problematik der Grundgesamtheit finden sich in den Vorüberle-
gungen zur statistischen Auswertung (3.5.1).
3.3.5 Materialtechnische Untersuchung der Bohrkerne

Aus den Bohrkernen wurden nach Sichtung und Bewertung, soweit möglich, Probekörper für
Materialversuche gewonnen. Tab. 3-1 gibt die Materialparameter und die Anzahl der Versu-
che zur Ermittlung der statistischen Eigenschaften an.

Eingangsgröße Anzahl der Versuche
Druckfestigkeit Beton 115
Druckfestigkeit Sandstein 60
Betonzugfestigkeit 115
Steinspaltzugfestigkeit 60
E–Modul Beton 115
E–Modul Sandstein 60
Mörteldruckfestigkeit 10
Wichte (alle Versuchskörper) 535
Haftscher- bzw. Schubfestigkeit 10
Stein- und Fugenhöhe 60 lfd. m Bohrkern
Tab. 3-1: Anzahl der Materialprüfversuche mittels Probekörpern aus den Bohrkernen
Die Anzahl der Versuche richtete sich nach der Menge der aus den Bohrkernen herstellbaren
Versuchskörper. Gleichzeitig sollte für eine statistische Auswertung der Materialparameter
eine ausreichende Anzahl geprüft werden. So gibt Tab. 3-2 eine Wertung der Anzahl von sta-
tistischen Versuchen an. Bis auf die Haftscherfestigkeit und die Mörteldruckfestigkeit konnte
der Mindestwert von 30 Stichproben eingehalten werden. Bei der Diskussion der Modelle zur
Beschreibung der Mauerwerksfestigkeit wird sich zeigen, daß die Mörteldruckfestigkeit eine
untergeordnete Bedeutung besitzt. Insofern ist dieser geringe Wert akzeptabel.

Stichprobenumfang n Statistische Aussage
<10 Unbrauchbar
10-20 Abschätzend
20-30 Brauchbar
>30 Geeignet
Tab. 3-2: Wertung von statistischen Untersuchungen basierend auf dem Stichprobenumfang
nach [279]

Die Anzahl der Materialparameter der Widerstandsseite kann auch entsprechend der noch
unbekannten Auswirkungen dieser streuenden Größen auf das Endergebnis festgelegt werden.
Hierbei wurde stellvertretend auf bereits existierende dynamische Untersuchungen von
GROßMANN & JULI [108] zurückgegriffen. Die Ergebnisse dieser Studie über die Einflüsse
streuender Größen bei Stoßprozessen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Streuung der
sich im Laufe des Stoßprozesses ergebenden Verformungen wird bei kurzen Stößen durch die
Streuung der Masse, bei zunehmender Stoßzeit durch die Streuung der Steifigkeit dominiert.
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 78
Diese Aussage entspricht auch den Erkenntnissen der deterministischen Dynamik, denn bei
langen Stößen verliert sich der Einfluß der Massenträgheitseffekte. Bei einer Stoßzeit, die die
Hälfte der ersten Eigenschwingzeit beträgt, sind die Unsicherheiten aus der Masse praktisch ver-
nachlässigbar. Die Bemessungsstoßzeiten für die Anprallkräfte an der Alten Mainbrücke Lohr
liegen zwischen 0,16 und 2,7 Sekunden. Basierend auf diesen Überlegungen und den noch zu
behandelnden Eigenfrequenzen werden sowohl die Unsicherheiten aus Masse als auch aus
Steifigkeiten einen nicht zu vernachlässigbaren Einfluß haben. Masseermittlung (Dichte) und
Steifigkeitsermittlung (E-Modul und Geometrie) erfolgten deshalb mit einer entsprechenden
großen Probekörperanzahl.

Die Auswahl der Materialparameter ist abhängig von der Art und Weise der rechnerischen Mo-
dellierung der Brücke. Darauf wird im Kapitel 4: „Berechnungsverfahren“ ausführlich einge-
gangen.

Die versuchstechnische Ermittlung des E-Moduls für Beton und Natursteine erfolgte gemäß
DIN 1048 [57]. Die Abschätzung der a-priori Bruchlast bei Naturstein und Beton erfolgte
durch die Zuordnung zu den Varietäten des Standsteines bzw. den Klassen des Betons und
durch räumliche Zuordnungen in der Brücke, wie z.B. ein Druckfestigkeitsversuch und ein E-
Modulversuch an einem Stein. Wie sich bei den Versuchen zeigte, ist die ehemalige räumli-
che Nähe von Probekörpern innerhalb der Brücke allein kein ausreichendes Prognosehilfs-
mittel für die Bruchlast.

Die versuchstechnische Ermittlung der Rohdichte von Beton erfolgte gemäß DIN 1048 [57]
und für den Naturstein in Anlehnung an DIN 52 102 [62]. Die versuchstechnische Ermittlung
der Druckfestigkeit des Betons erfolgte ebenfalls gemäß DIN 1048 [57] und die versuchs-
technische Ermittlung der Druckfestigkeit von Naturstein in Anlehnung an DIN 52 105. Für
den Naturstein ist von Bedeutung, daß die Druckfestigkeitsversuche nach Herstellung eines
ausgleichsfeuchten Zustandes durchgeführt wurden, da die Druckfestigkeit von Natursteins
nicht unbeträchtlich von dessen Wassergehalt abhängt (WINKLER [327]). Die Ermittlung der
Spaltzugfestigkeit von Naturstein erfolgte in Anlehnung an die DIN 1048 [57].

Die versuchstechnische Ermittlung der zentrischen Zugfestigkeit von Beton ist eine Sonder-
prüfung [29]. Die Untersuchung des Betons mittels zentrischer Zugfestigkeit zeigt normaler-
weise recht hohe Streuungen und erfordert einen hohen versuchstechnischen Aufwand, den
man üblicherweise vermeidet. Da in der folgenden Untersuchung aber gerade Wert auf die
Berücksichtigung der Streuung gelegt wird, hat sich der Verfasser für die Durchführung die-
ser Versuche entschlossen.

Die Erfassung der geometrischen Größen des Natursteinmauerwerkes, wie Steinhöhe, Fugen-
höhe, Hohlräume erfolgte durch Anzeichnen von vier Mantellinien am Bohrkern, Ausmessen
der Anteile, Erfassung in Listen und statistische Auswertung.

Die Ermittlung der Haftscher- bzw. Schubfestigkeit des Mauerwerkes erfolgte in Anlehnung
an die DIN EN 1052-3 [64] (Abb. 3-17). Es handelte sich um eine Sonderprüfung. Es gelang,
sieben, teilweise unvollständige und mit Beton erweiterte Probekörper aus den Bohrkernen
herzustellen. In DIALER [55] befindet sich eine Zusammenstellung aller bekannter Versuchs-
aufbauten für Schubversuche. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Kleinkörper-
versuche höhere Schubfestigkeiten erbringen. Im vorliegenden Fall schließt sich noch das
Problem der schwierigen Gewinnung und Herstellung der Versuchskörper an. Der Autor ist
sich dessen bewußt, daß es sich nur um einen Anhaltspunkt für die Abschätzung der Schub-
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 79
festigkeit des vorliegenden Mauerwerks handeln kann. Er erlaubt aber spätere Vergleichs-
rechnungen.

F F
F
N
Q
N
s
Sandstein
Fuge

Abb. 3-17: Versuchsaufbau mit zwei Fugen

Bei der Prüfung von Mörtel muß man prinzipiell zwischen Proben aus bestehendem Mauer-
werk und Proben für neues Mauerwerk, die in einer speziellen Schalung erstellt wurden (nach
DIN 18 555 [60]), unterscheiden. Die Eigenschaften eines Mörtels, der in einer Stahlschalung
erhärtet, sind anders als die Eigenschaften eines Mörtels, der im Mauerwerk erhärtet. Bei-
spielhaft genannt sei nur der Feuchtetransport zwischen Mörtel und umgebendem Material, der
erhebliche Unterschiede bei den beiden genannten Fällen aufweist.

Bei der Herstellung von Mörtelproben aus bestehendem Mauerwerk entsteht das Problem der
zerstörungsfreien, besser zerstörungsarmen Gewinnung der Mörtelproben. Bei regelmäßigem
Mauerwerk können Mörtelproben nur aus Fugen gewonnen werden. Fugen sind in der Regel
flach. Diese Eigenschaft führt zu besonderen Probeformen bei Mörtelprüfkörpern. Beispiel-
haft genannt seien: 80 mm × 80 mm × 12 mm [53], 50 mm × 50 mm × 12 mm SCHUBERT &
SCHMIDT [264] und 20 mm × 20 mm × 12 mm [53].

Für die Mörteldruckversuche wurden 21 Bereiche in den Bohrkernen ausgesucht. Leider
konnten nur zehn Probekörper erfolgreich aus den Kernen gewonnen werden. Es wurde im
Gegensatz zu den o.g. Prüfkörperformen Würfel mit einer Kantenlänge zwischen 30 mm und
50 mm gewählt, da diese im Vergleich zu den flachen Probekörpern bei der Herstellung
beständiger sind. Die Ermittlung der Druckfestigkeit von Mörtel erfolgte in Anlehnung an
DIN 1048 [57].

Die Materialversuche mit Ausnahme der Mörteldruckfestigkeit erfolgten entweder an Zylin-
dern mit einem Durchmesser von 110 mm oder 50 mm und einem Durchmesser-Höhen-Ver-
hältnis von 1:1 oder 1:2, wobei die kleinen Zylinder aus großen Zylindern herausgebohrt
wurden. 50 mm entsprechen den Mindestanforderungen in SCHUBERT [262].Ein einheitliches
Durchmesser-Höhen-Verhältnis der Zylinder war leider auf Grund der vorgefundenen Bohr-
kerne nicht realisierbar.

Die Umrechnung der unterschiedlichen Zylinder erfolgte gemäß WESCHE [324]:

1

2
2, 5
2
h
cyl
d
cyl
f
f
d
h
= ⋅
| |
+
|
\ .
und bei Bedarf in Würfel mit
1

2
200
85
1,18
87, 5
cyl
WN
f
f

= ⋅ , mit h als Höhe
des Zylinders und d als Durchmesser des Zylinders.

Mit den bei den Versuchen ermittelten Materialparametern ist es möglich, im Gegensatz zu
den bisher nur subjektiv gewonnenen Einschätzungen vergleichbare objektive Aussagen zu er-
halten.

Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 80
3.4 Bauwerkserkundung der Mainbrücke Segnitz
3.4.1 Bohr- und materialtechnische Untersuchungen

Die Bohruntersuchung an der Mainbrücke Segnitz erreichte im Vergleich zur Mainbrücke
Lohr einen weitaus geringeren Umfang. Es erfolgten nur drei horizontale Bohrungen. Die
Lage zweier Bohrungen ist in Abb. 3-18 dargestellt. Diese Bohrungen erfaßten direkt eine
Fuge. In Abb. 3-19 sind in der Fuge aufgeklappte Bohrkerne dargestellt.


Abb. 3-18: Lage der Bohrkerne am Pfeiler 2 der Mainbrücke Segnitz

Abb. 3-19: Aufgeklappte Bohrkerne aus dem Pfeiler 2 der Mainbrücke Segnitz


Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 81
Soweit mit den gewonnenen Bohrkernen möglich, wurden Materialuntersuchungen durchge-
führt. Die Untersuchungen erfolgten analog zu den Materialuntersuchungen an der Mainbrük-
ke Lohr.
3.4.2 Visuelle Sichtung der Bohrkerne

Auf Grund der visuellen Sichtung der Bohrkerne konnte die Natursteinart eingestuft werden.
Bei dem aus der Mainbrücke Segnitz gewonnenen Naturstein handelt es sich wahrscheinlich
um Trigonoduskalk, eine Sonderform des Muschelkalkes, der in der Nähe von Würzburg zu
finden ist. Das Material zeigt einen lückig-porösen, feinkörnigen, kristallinen Aufbau mit Mu-
schelfragmenten (Lumachellen). In der Literatur wird dieser Kalkstein als außerordentlich
wetterfest ausgewiesen. Neben den o.g. Begriffen wird gelegentlich auch die Bezeichnung
Quaderkalk verwendet (DIENEMANN & BURRE [56], GÄBERT, STEUER & WEISS [98]). Für das
dichte Material (ohne große Hohlräume) werden in der Literatur Druckfestigkeiten zwischen
20 und 90 MN/m
2
angegeben (SCHUBERT [263]).

3.5 Statistische Eigenschaften der Baustoffe
3.5.1 Vorüberlegungen zur Wahl der Verteilungsfunktionen

Alle materialtechnischen Untersuchungen zeigen Streuungen der bei den Versuchen ermittel-
ten Eigenschaften. Diese Streuungen sind sowohl bei dem natürlichen Werkstoff Naturstein
als auch für die künstlichen Werkstoffe mit natürlichen Zusätzen Beton und Mörtel immer
vorhanden und werden gelegentlich als baustoffinhärente Unsicherheiten bezeichnet. Diese
Unsicherheit soll Bestandteil der vorzunehmenden Untersuchungen der Brücken sein.

Es wird im folgenden vorausgesetzt, daß die materialinhärente Unsicherheit statistisch be-
schrieben werden kann. Damit findet das gleiche Werkzeug wie bei der Beschreibung der
Einwirkungsseite Verwendung. Dort waren mittels beobachteter Häufigkeiten Wahrschein-
lichkeiten abgeschätzt worden. Basierend auf der Annahme der statistischen Beschreibung
werden einige Festigkeits-, Steifigkeits- und Massewerte als Zufallszahlen modelliert. Räum-
liche Effekte im Sinne von stochastischen Feldern werden vernachlässigt. Die durchgeführten
Materialuntersuchungen stellen die Basis für die Abschätzung des Typs der Wahrscheinlich-
keitsverteilungsfunktion (im folgenden nur noch Verteilungsfunktion) und die Ermittlung der
notwendigen statistischen Parameter dar. Im Anhang C finden sich die verwendeten Formeln
und Vorgehensweisen. Bevor auf die einzelnen Materialparameter eingegangen wird, werden
einige allgemeine theoretische Ansätze erwähnt und Beispiele aus der Literatur mit den je-
weils darin verwendeten Wahrscheinlichkeitsfunktionen für verschiedene Materialkenngrößen
genannt. Die Wahl der Wahrscheinlichkeitsfunktion hat direkte Auswirkungen auf die Ergeb-
nisse der probabilistischen Rechnung (DITLEVSEN [66], MÖLLER et al. [192]).

I. Der zentrale Grenzwertsatz sagt aus, daß unter bestimmten Bedingungen jede Summe
unabhängiger Zufallsgrößen asymptotisch normalverteilt ist. Das heißt, wenn genügend
viele, zufällig verteilte Einzelgrößen auftreten, wird die Summe dieser Größen normal-
verteilt sein (VAN DER WAERDEN [303]). Bestimmte Bedingung bedeutet z.B., daß eine
Größe nicht einen zu großen Beitrag zum Gesamtwert leisten darf. Auf alle Bedingungen
sei an dieser Stelle nicht eingegangen, sie können der Literatur z.B. [303] entnommen
werden. Wenn man die Herstellung des Betons betrachtet, stößt man auf eine Vielzahl zu-
fälliger Prozesse, die Einfluß auf die Eigenschaften des Materiales haben. Es erscheint
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 82
darum logisch, bei vielen technisch–physikalischen Eigenschaften dieses Materials, wie
die Druck- und Zugfestigkeit, normalverteilte oder log–normalverteilte Zufallsgrößen zu
unterstellen. Die Log-Normalverteilung kann ebenfalls auf den zentralen Grenzwertes in
Produktform (Logarithmieren der einzelnen Zufallsgrößen) zurückgeführt werden. Eine
Log–Normalverteilung wird bei solchen Eigenschaften zwingend, die einen geringen Er-
wartungswert und eine hohe Standardabweichung besitzen, zugleich aber praktisch keine
negativen Werte annehmen können. Ein Beispiel dafür ist die Zugfestigkeit von Beton.

Beim Sandstein wurde z.B. festgestellt, daß die Steine aus verschiedenen Steinbrüchen
und aus Findlingen gewonnen wurden. Auch wenn die Steinbrüche Teil nur einer geolo-
gischen Schichtung sind, wird es eine Vielzahl von Einflüssen geben, wie unterschiedli-
che lokale Eigenschaften der Steine, unterschiedliche Gewinnung, Einflüsse des Trans-
portes und der Behauung der Steine etc., die Auswirkungen auf die Eigenschaften des
Steins haben. Die Vielzahl der streuenden Einflüsse könnte gemäß obiger Überlegung
auch in diesem Fall die Wahl einer Normalverteilung bzw. Log-Normalverteilung für die
Unsicherheit verschiedener Eigenschaften unterstützen.

II. In Tab. 3-3 werden zahlreiche Beispiele von Verteilungsfunktionen für verschiedene
Materialgrößen genannt. Es handelt sich hierbei natürlich nur um einen Überblick, aber
die Dominanz der Normal- bzw. Log-Normalverteilung ist offensichtlich.

Materialeigenschaft Wahrscheinlichkeitsfunktion Quelle
Betondruckfestigkeit Normalverteilung ONKEN & ROSTASY [215],
NOAKOWSKI [210],
STEWART [286],
BARLETT & MACGREGOR , [10]
ALEXANDER & MILNE [3],
SPAETHE [273],
PLATE [231],
RÜSCH, SELL & RACKWITZ [250]
LU, LUO & CONTE [171]
Betondruckfestigkeit Log-Normalverteilung FISCHER [87], [88],
RACKWITZ [238],
CRESPO-MINGUILLON & CASAS [42]
KANDARPA, KIRKNER & SPENCER [140]
BERGMEISTER [14],
ÖSTLUND [216],
VIESMANN & ZILCH [306]
PILISZEK [230]
Betondruckfestigkeit Normalverteilung und Log-Normalver-
teilung
EIBL & SCHMIDT-HURTIENNE [74],
KÖNIG et al. [152],
SOUKHOV & JUNGWIRTH [272],
MÖLLER et al. [192]
Betondruckfestigkeit Kombination aus Lognormalverteilung
und Polynomansatz
JAEGER [133]
Betondruckfestigkeit Normalverteilung, Lognormalverteilung,
Arcussinusverteilung
WESCHE [324]
Betonzugfestigkeit Normalverteilung ONKEN & ROSTASY [215],
NOAKOWSKI [210],
CHUN [146]
Betonzugfestigkeit Log-Normalverteilung KIEFER [147]
RÜSCH, SELL & RACKWITZ [250]
Zentrische Betonzugfestig-
keit
Weibullverteilung MAI [176]
BAZANT & XI [12]
Mauerwerksfestigkeit allge-
mein
Normalverteilung KIRTSCHIG [149]
FRANKE & GOREZKY [93]
Mauerwerksfestigkeit allge-
mein
Log-Normalverteilung TSCHÖTSCHEL [293]
FRANKE, DECKELMANN & GOREZKY [92]
Beton-E-Modul Normalverteilung ÖSTLUND [216]
MERZENICH [186]
MERZENICH & SEDLACEK [187]
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 83
GUAN & MELCHERS[112]
Beton-E-Modul Log-Normalverteilung KANDARPA, KIRKNER, SPENCER [140]
KIEFER [147]
Steindruckfestigkeit Normalverteilung GRUNERT [111]
Steindruckfestigkeit Normalverteilung und Log-Normalver-
teilung
MÖLLER et al. [192]
Eigengewicht Normalverteilung VIESMANN & ZILCH [306]
BERGMEISTER [14],
SCHNEIDER [259]
Eigengewicht Log-Normalverteilung PHAM [228]
Maßabweichungen Normalverteilung VIESMANN & ZILCH [306]
BERGMEISTER [14],
MAAß & RACKWITZ [173]

Tab. 3-3: Verschiedene Vorschläge für Wahrscheinlichkeitsfunktionen für Materialkenn-
werte in der Literatur

III. Zwischen der Verteilungsfunktion der statistischen Unsicherheit und der Art und Weise,
wie das Versagen eines Materiales, hierbei insbesondere das Zugversagen, stattfindet, be-
steht vermutlich ein Zusammenhang. Unter Art und Weise wird an dieser Stelle duktiles
oder sprödes Versagen des Materiales verstanden. Zur Beschreibung der Eigenschaft
Sprödheit finden sich in der Literatur, z.B. in GETTU, PRAT & KAZEMI [102], verschie-
dene Modelle, z. B. HILLERBORG’S charakteristische Länge, CARPINTERI’S Sprödheits-
zahl, das JENQ-SHAH Modell oder BAZANT’S Prozeßzonengröße. Zur Einordnung der
Sprödheit des Betons im Vergleich zu anderen Materialien ist in Tab. 3-4 HILLERBORG’S
charakteristische Länge angegeben.

Material von bis
Glas 0,000001
Silikazement 0,001
Zement 0,05 0,15
Mörtel 0,1 0,2
Hochleistungsbeton 0,15 0,3
Normalbeton 0,2 0,5
Massenbeton max. Zuschlagsstoff 19 mm 0,6
Massenbeton max. Zuschlagsstoff 38 mm 0,7
Massenbeton max. Zuschlagsstoff 76 mm 0,9
Beton mit Glasfasern 0,5 3
Beton mit Stahlfasern 2 20
Tab. 3-4: HILLERBORGS charakteristische Länge in Meter
Glas zeigt im Vergleich zu Beton eine deutlich größere Sprödheit. Diese Tatsache wird
damit begründet, daß lokale Vorschäden (GRIFFITH FLAWS) zum globalen Versagen füh-
ren. Häufig wird für die Beschreibung von Glas ein sogenanntes klassisches Kettenmodell
verwendet. Die Festigkeit einer solchen Kette mit normalverteilten Festigkeiten der Ket-
tenglieder folgt einer Weibullverteilung. Bei Glas wird sowohl allgemein als auch ganz
speziell die Biegezugfestigkeit mit einer Weibullverteilung (BUTTON ET AL. [32], GÜS-
GEN, SEDLACEK & BLANK [114]) beschrieben. Es handelt sich um ein klassisches Serien-
system. In der Realität treten aber häufig Mischsysteme auf. RACKWITZ & HOHEN-
BICHLER [239] haben auf theoretischem Wege versucht, Verteilungen für derartige Sy-
steme anzugeben. Dabei mußte zwischen großen und kleinen Systemen unterschieden
werden. Dieser Effekt ist auch bei Glas beobachtbar: Die Wahrscheinlichkeit des Ver-
sagens steigt mit der Größe der belasteten Fläche, da auch die Wahrscheinlichkeit größer
wird, Vorschäden mit zu erfassen. Bei großen Systemen mit elastisch-sprödem
Materialverhalten wurde eine Normalverteilung ermittelt. Bei kleinen Systemen konnte
kein abschließendes Ergebnis nachgewiesen werden. KANDARPA, KIRKNER & SPENCER
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 84
[140] haben versucht, für weggesteuert geprüfte spröde Materialien auf theoretischem
Wege eine Verteilung zu entwickeln. Sie schlagen eine Log-Normalverteilung der Bruch-
dehnung von Normalbeton vor. Zwar finden sich in Tab. 3-3 zwei Beispiele für die
Verwendung einer Weibullverteilung zur Beschreibung der statistischen Unsicherheit der
Betonzugfestigkeit, aber sowohl theoretische Untersuchungen als auch die Unterschiede
in der Sprödheit zwischen Glas und Beton lassen vermuten, daß für die Betonzugfestig-
keit keine Weibullverteilung gewählt werden sollte.


Abb. 3-20: klassisches Modell eines Parallelen Reihensystems oben und eines Reihensy-
stems mit Ausgleich zwischen den Reihen unten

In Abhängigkeit von der Art des Versagens zeigt Mauerwerk unterschiedlich sprödes
Verhalten. Betrachtet man nur das Versagen unter Schub, welches für den Anprall wahr-
scheinlich maßgebend wird, so zeigt das Versagen in den Fugen (COULOMB’sche Rei-
bung) ein wesentlich duktileres Verhalten als das Zerreißen der Steine im sogenannten
Schubbereich II [310]. Diese Überlegung erschwert erheblich die Wahl einer Verteilungs-
funktion der Schubfestigkeit von Mauerwerk. Wenn also, wie behauptet, die Sprödheit
ein Indiz für die Art der Verteilungsfunktion einer Materialfestigkeit ist, dann läßt sich
die Verteilungsfunktion von Mauerwerk auf Schub nur noch im Rahmen der Schubberei-
che festlegen. Sie müßte also, bei sprödem Versagen der Steine auf Schub eher Richtung
Weibullverteilung tendieren, bei Fugenversagen wahrscheinlich eher eine Normalvertei-
lung oder Log-Normalverteilung. Da aber Mauerwerk unter Schub immer eine deutlich
weniger sprödes Verhalten als Glas zeigt, wird letztendlich eine Normal- bzw. Log-Nor-
malverteilung eine ausreichend genaue Beschreibung liefern.

IV. Es muß erwähnt werden, daß nur Verteilungsfunktionen ausgewählt werden können, die
bekannt sind. Dabei ist keinesfalls klar, ob es sich im jeweils vorliegenden Fall überhaupt
um eine theoretisch bekannte Verteilungsfunktion handelt. Daneben kann es auch vor-
kommen, daß mehrere verschiedene Verteilungsfunktionen eine gleichwertige Beschrei-
bung der Versuchsdaten erlauben. Das ist insbesondere bei mehrparametrigen Vertei-
lungsfunktionen der Fall, die durch eine günstige Wahl der Parameter eine sehr gute An-
passung erlauben. So sind bei kleinen Variationskoeffizienten die Unterschiede zwischen
Log-Normalverteilung und Gumbelverteilung sehr klein (RACKWITZ [238]). Weiterhin
muß man davon ausgehen, daß die gewonnenen Daten durch Gewinnungsverluste zensiert
sind. Die genannten Probleme zeigen, daß mathematische Werkzeuge allein nicht ausrei-
chen, sondern ingenieurwissenschaftliche Vorüberlegungen zwingend notwendig sind.

Es stellt sich zusätzlich die Frage, ob in den ermittelten Verteilungen für die verschiede-
nen Materialparameter weitere Grundgesamtheiten vorliegen. Zum Beispiel ist die Ver-
teilungsfunktion von Straßenverkehrslasten eine Mischverteilung aus PKW- und LKW-
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 85
Verkehr (SPAETHE [273]). Im vorliegenden Fall besteht die Möglichkeit, daß Sandsteine
unterschiedlicher Art verwendet wurden. Um diese Möglichkeit zu prüfen, wurde neben
einem mathematischen Verfahren zur Aufspaltung von Wahrscheinlichkeitsverteilungs-
funktionen (HARTMANN [118]) auch auf die visuelle Prüfung der Natursteine zurückge-
griffen. Dazu wurde, wie bereits erwähnt, eine subjektive Klassifizierung auf Grund von
Struktur, Farbe, Oberflächenbeschaffenheit etc. vorgenommen. Die gleiche Vorgehens-
weise wurde beim Beton genutzt. Wie Abb. 3-15 verdeutlicht, ist jedoch keine absolute
Übereinstimmung zwischen den subjektiven Werten und den Meßwerten vorhanden, so
daß eine subjektive Trennung in unterschiedliche Grundgesamtheiten nicht erfolgte. Auch
statistische Tests zur Prüfung auf verschiedene Grundgesamtheiten legten eine Trennung
in mehrere Grundgesamtheiten nicht nahe. Es wurde deshalb mit einer Grundgesamtheit
für den Naturstein und einer Grundgesamtheit für den konstruktiven Beton gearbeitet.

3.5.2 Statistische Widerstands- und Einwirkungsgrößen

Die statistische Auswertung der durchgeführten materialtechnischen Versuche gemäß Anhang C
unter Berücksichtigung der Zensierung und von Ausreißern in Verbindung mit den Vorüber-
legungen und Prüfungen zur Wahl einer Verteilungsfunktion (Anhang F) erlaubt die Bereitstel-
lung von Eingangsgrößen der Widerstandsseite für die probabilistische Berechnung. Damit er-
geben sich konkret die in Tab. 3-5 zusammengefaßten statistischen Beschreibungen der Ein-
gangsgrößen der Einwirkungs- und Widerstandsseite. Die Angabe von deterministischen
Größen wie Geometrie, Bodensteifigkeiten etc. erfolgt an dieser Stelle ebenso wenig wie die
Angabe einzelner Ergebnisse der materialtechnischen Untersuchungen. Siehe dazu CURBACH &
PROSKE [45], [46], [47], [48]. Der Vollständigkeit halber wurden in Tab. 3-5 auch die statisti-
schen Eigenschaften der Einwirkungsgröße dargestellt.

Materialparameter Verteilungstyp x
m
Einheit s Einheit
Mainbrücke Sandsteindruckfestigkeit Normal 21,2 MPa 2,4 MPa
Segnitz Sandsteinspaltzugfestigkeit Normal + Lognormal 0,38 MPa 0,094 MPa
Mörteldruckfestigkeit Normal 15,5 MPa 3,58 MPa
Schiffsanprallkraft (Frontal) Lognormal 2,04 MN 1,5 MN
Schiffsanprallkraft (Anprallschutz) Lognormal 0,046 MN 0,8368 MN
Schiffsanprallkraft (Seite) Lognormal 0,61 MN 0,385 MN
Anprallhöhe Normal 3 m 0,5 m
Pfeilerauflast Normal 0,242 MPa 0,0242 MPa
Alte Sandsteindruckfestigkeit Lognormal. 75,40 MPa 21,30 MPa
Mainbrücke Betondruckfestigkeit Lognormal 47,90 MPa 22,28 MPa
Lohr Sandsteinspaltzugfestigkeit Lognormal 4,72 MPa 1,30 MPa
Betonzugfestigkeit (einaxial.) Lognormal 1,15 MPa 0,69 MPa
Sandstein E-Modul Lognormal 28534,60 MPa 7079,60 MPa
Beton E-Modul Lognormal 22552,60 MPa 8682,10 MPa
Dichte Sandstein Normal. 2,27 kg/dm
3
0,15 kg/dm
3

Dichte Beton Normal 2,26 kg/dm
3
0,10 kg/dm
3

Mörteldruckfestigkeit Lognormal 11,00 MPa 7,25 MPa
Steinhöhe (Außenschale Pfeiler) Normal 0,7 m 0,13 m
Steinbreite (Außenschale Pfeiler) Lognormal 0,8 m 0,08 m
Fugenhöhe (Außenschale Pfeiler) Lognormal 0,037 m 0,048 m
Schiffsanprallkraft (Frontal) Lognormal 2,04 MN 1,5 MN
Schiffsanprallkraft (Seite) Lognormal 0,61 MN 0,385 MN
Anprallhöhe Normal 3 m 0,5 m
Tab. 3-5: Zusammenfassung der statistischen Eigenschaften der verwendeten Zufallsgrößen,
x
m
ist der empirische Mittelwert und s die empirische Standardabweichung, x
0
= 0 bei Log-
Normalverteilung
Statistische Angaben zu den Parametern empirischer Mittelwert und empirische Standard-
abweichung wurden durch Bootstrapping (siehe auch Anhang C) geprüft (Ergebnisse Anhang
F). Damit ist es möglich, eine Aussage über die Fehler bei der Abschätzung dieser Parameter
Kapitel 3: Widerstandsseite Brücke
Seite 86
zu treffen. Eine Berücksichtigung der Unsicherheit der statistischen Parameter wie z.B. durch
PENDOLA, HORNET, LEMAIRE & MOHAMED [226] erfolgte an dieser Stelle nicht.

Zur Frage der Korrelationen zwischen den einzelnen Zufallsgrößen sei auf Abb. 11-4 und
Abb. 11-5 im Anhang C verwiesen. Die relativ große Unsicherheit beim Rückschluß vom
empirischen auf den existierenden Korrelationswert bei den „geringen“ Stichprobenumfängen
würde normalerweise eine Parameteruntersuchung erfordern. Um den Umfang der Rechnung
zu begrenzen, fanden Korrelationskoeffizienten keinen Eingang in die Rechnung.

Mit Abschluß dieses Kapitels sind die für eine rechnerische Untersuchung der Brücken notwen-
dige Eingangsgrößen sowohl auf der Einwirkungs-, als auch auf der Widerstandsseite aufgear-
beitet. Es schließt sich die Frage an, wie man die aufgestellten Eingangsgrößen verarbeitet, um
zu dem im Kapitel 1 genannten Ziel zu gelangen.


Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 87
4 Berechnungsverfahren




Nach der Diskussion der Einwirkungs- und Widerstandsseite sollen geeignete mathematische
Berechnungsverfahren ausgewählt werden, um das Zusammenwirken beider Seiten realitäts-
nah numerisch beschreiben zu können. Auf Grund der Größe der Brücken ist eine versuchs-
technische Untersuchung von Schiffsanprallen gegen Brücken aus Sicht des Verfassers kein
gangbarer Weg. Auch der Weg der Modellversuche an verkleinerten Systemen erscheint auf
Grund der erforderlichen maßstabsgerechten Berücksichtigung von Steifigkeit und Masse der
Brücken als sehr schwierig. Es wird deshalb versucht, einen Anprall gegen die Brücken über
ein mathematisches Modell numerisch zu beschreiben. Für diese Beschreibung stehen ver-
schiedene Berechungs- und Modellierungsverfahren bereit, die in diesem Kapitel erläutert und
zusammengefaßt werden. Die Beschreibung der Berechnungsverfahren gliedert sich in zwei
Bereiche. Zuerst wird ein geeignetes Verfahren zur Beschreibung des strukturmechanischen
Verhaltens von Brücken unter Schiffsanprall und zur Modellierung von Mauerwerk kurz vor-
gestellt. Im Anschluß daran werden geeignete wahrscheinlichkeitstheoretische Verfahren zur
Berücksichtigung der streuenden Eingangsgrößen diskutiert.

4.1 Strukturmechanische Modellierung
4.1.1 Allgemeines zu FEM-Verfahren

Zur mathematischen Modellierung der Strukturantwort der Brücken unter Anprall wurde das
Verfahren der Finiten Elemente gewählt. Durch die von ARGYRIS & CLOUGH initiierte Ent-
wicklung dieses Verfahren wurde bis heute ein beeindruckender Fortschritt bei der mathema-
tischen Beschreibung des strukturmechanischen Verhaltens von Bauwerken erreicht. Diese
Entwicklung in Verbindung mit dem gemäß MOORES beobachteten exponentiellen Wachstum
der Rechnerkapazität (STILLER [289]), sprich der möglichen numerischen Umsetzung des
Finiten-Elemente-Verfahrens, hat dazu geführt, daß dieses Verfahren heute praktisch zum
Alltag des Bauingenieurs gehört.

Das Verfahren der Finiten Elemente ist eine Strategie zur näherungsweisen Lösung partieller
Differentialgleichungen. Kontinuierliche Probleme werden dabei in endlich-dimensionale
Ersatzprobleme umgewandelt. Dieser sogenannte Diskretisierungsprozeß findet sich in Ver-
fahren wie den FEM, Differenzen-Methode und der Randelementemethode.

Es wurde überwiegend das Programmpaket ANSYS verwendet. Das Programm hatte nach
Angaben des Vertreibers CADFEM in Deutschland 1998 einen Marktanteil von 20 % und
wurde ca. 16.000mal weltweit installiert. In Deutschland wurde das Programm ca. 5.000mal
installiert (CADFEM [35]). Für die Diskretisierung und die Auswertung der Rechnungen sind
Pre- und Postprozessoren in das Programm integriert.

Bei den verwendeten Elementen zur Beschreibung der Brücke fanden Verschiebungsansätze
Verwendung. Die Spannungen werden aus den Ableitungen des Verschiebungsansatzes er-
mittelt. Andere Ansätze, wie z.B. hybride Finite Schnittkraftelemente arbeiten mit Schnitt-
kraftansätzen im Elementinneren und Verschiebungsansätzen längs der Elementränder bzw.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 88
Elementrandflächen. Derartige Finite Elemente lagen dem Verfasser in dem verwendeten
FEM-Programm ANSYS aber nicht vor.

Bei der Berechung des strukturmechanischen Verhaltens wurden teilweise auch Nichtlineari-
täten des Materials bzw. der Struktur mit berücksichtigt. Die Beschreibung basierte zum einen
auf dem Stoffgesetz von WILLAM-WARNKE (Betonverhalten) [325] und zum zweiten auf dem
Einbau von Fugen beim Mauerwerksblockmodell nach JAGFELD [134]. Probleme bei der
nichtlinearen Modellierung von Mauerwerk mit dem Programm ANSYS sind dem Verfasser
bekannt (CHIOSTRINI, FORABOSCHI & SORACE [38]). Bei nichtlinearen Berechnungen muß
man auf ein iteratives Berechnungsschema zurückgreifen. Im Rahmen dieser Berechnung
wurde das NEWTON-RAPHSON Verfahren verwendet.

4.1.2 Dynamische Berechnungen

Ein Anprall kann prinzipiell unter Verwendung eines dynamischen Lasterhöhungsfaktors
auch statisch untersucht werden. Dabei werden aber gewissen Vorkenntnisse über das dyna-
mische Verhalten des Bauwerkes eingefordert, um den Lasterhöhungsfaktor geeignet zu
wählen. Eine dynamische Berechnung eines Anpralls verzichtet auf diese Vorkenntnisse und
verspricht durch die Berechnung im Zeitbereich und die explizite Berücksichtigung der Mas-
senträgheit eine höhere Genauigkeit. Es erfolgt deshalb im vorliegenden Fall eine dynamische
Beschreibung des Verhaltens der Brücke beim Anprall. Die Differentialgleichung zur Be-
schreibung des dynamischen Verhaltens von Bauwerken lautet:
( ) ( ) ( ) ( ) M x t C x t K x t F t ⋅ + ⋅ + ⋅ = && & , (4-1)
wobei M die Masse des Bauwerkes, C die Dämpfung und K die Steifigkeit des Bauwerkes dar-
stellen. F ist die aufgebrachte Anprallkraft und x ist die Verschiebung, x& die Geschwindigkeit
und x && die Beschleunigung von Raumkoordinaten. Die kontinuierlichen Koordinaten x werden
nur in diskreten Knoten des FE-Modells ermittelt. Es erfolgt eine Lösung im Raumbereich.

Die Berechnung über den Zeitbereich erfolgte mittels des NEWMARK-Verfahrens, da dieses
Verfahren in ANSYS integriert ist [34]. Das NEWMARK-Verfahren umfaßt die Näherung eines
Verschiebungs- und eines Geschwindigkeitsvektors, um die Differentialgleichung zum Zeit-
punkt t+∆t lösen zu können (BARAKAT [9]):
t t t t t t t t
M x C x K x F
+∆ +∆ +∆ +∆
⋅ + ⋅ + ⋅ = && &
,
(4-2)
Die Näherungen haben die Form:
] ) 2 / 1 [(
2 t t t t t t t
x x t x t x x
∆ + ∆ +
⋅ + ⋅ − ∆ + ⋅ ∆ + = & & & & & β β
,
(4-3)
t x x x x
t t t t t t
∆ ⋅ ⋅ + ⋅ − + =
∆ + ∆ +
] ) 1 [( & & & & & & γ γ ,
(4-4)
∆t ist die Differenz zwischen t
t+1
und t
t
(zwischen den Zeitschritten). Zum Zeitpunkt t
t
müßten
der Verschiebungs-, der Geschwindigkeits- und der Beschleunigungsvektor bekannt sein. Un-
bekannt sind diese drei Vektoren für den Zeitpunkt t
t+1
. Das Verfahren hängt von den Para-
metern β und γ ab. Je nach Wahl dieser Parameter gilt (BARAKAT [9]):

• Bei β = 1/6 und γ = ½ wird das Verfahren zur linearen Beschleunigungsmethode (bedingt
stabil)
• Bei β = ¼ und γ = ½ wird das Verfahren zur konstanten Beschleunigungsmethode bzw.
zur Trapezregel. Dieses Verfahren ist unbedingt stabil bei linearen Untersuchungen.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 89
• Bei β =1/12 und γ = ½ wird das Verfahren zum FOX-GOODWIN-Verfahren.

Ein Zeitintegrationsverfahren ist unbedingt stabil, wenn jeder beliebige Zeitschritt genutzt
werden kann. Ein bedingt stabiles Zeitschrittverfahren erfordert die Abschätzung eines kleine-
ren Zeitschrittes als ein sogenannter kritischer Zeitschritt (BARAKAT [9]). Der kritische Zeit-
schritt hängt von den NEWMARK-Parametern und der Eigenfrequenz ab. Die Eigenfrequenz
der beiden Brücken wird noch behandelt. Eine Dämpfung kann hinzugefügt werden, wenn
γ > ½ gewählt wird.

Das NEWMARK-Verfahren ist ein implizites Verfahren. Implizite Verfahren lösen die Bewe-
gungsgleichung zum Zeitpunkt t+∆t
t t t t t t t t
M x C x K x F
+∆ +∆ +∆ +∆
⋅ + ⋅ + ⋅ = && &
.
(4-5)
Im Gegensatz dazu lösen explizite Verfahren die Gleichung zum bekannten Zeitpunkt t
t t t t
M x C x K x F ⋅ + ⋅ + ⋅ = && & .
(4-6)

Nach Meinung des Autors werden in Zukunft explizite Verfahren zunehmend an Bedeutung
gewinnen, und zwar nicht nur für dynamische Berechnungen, da sie eine hohe Akzeptanz
gegenüber Nichtlinearitäten besitzen. Nichtlinearitäten sind für die realitätsnahe Beschreibung
der Tragfähigkeit der Baustoffe Natursteinmauerwerk und Stahlbeton unabdingbar und wer-
den in zunehmendem Maße eingesetzt. Implizite Verfahren verbrauchen bei hochgradig
nichtlinearem Materialverhalten, was bei beiden Baustoffen vorkommen kann, den sonst vor-
handenen zeitlichen Vorteil. Schon heute wird bei Anprallberechnungen im Kraftfahrzeugbe-
reich fast ausschließlich mit expliziten Verfahren gearbeitet. Auch bei Schiffsanprallunter-
suchungen sind dem Verfasser Beispielberechnungen mit expliziten Verfahren bekannt.

Lösung von nichtlinearen Differentialgleichungen
inkrementelle Lösungsverfahren


explizit implizit
Zeitdiskretisierung



Lösung von im Zeitschritt unab-
hängigen Differentialgleichungen
mit der zentralen Differenzen-
methode

Lösung von gekoppelten Diffe-
rentialgleichungssystemen
inkrementell iterativ

Ortsdiskretisierung

Explizite
FDM
Explizite
FEM
Explizite
BEM
Implizite FEM

Tab. 4-1: Einordnung expliziter und impliziter Verfahren

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 90
4.1.3 Das deterministische FE-Modell der Alten Mainbrücke Lohr

Nach der groben Darstellung der numerischen Beschreibung der strukturmechanischen Zu-
sammenhänge bietet es sich an, einen Blick auf das konkrete verwendete FE-Modell zu wer-
fen.


Abb. 4-1: FE-Modell ohne die Darstellung von Massenelementen und Stirnvormauerung

Abb. 4-2: Maßangaben für das FE-Modell

Prinzipiell wäre es wünschenswert, Symmetrien in den Bauwerken zu nutzen und nur mit
einem halben Modell zu arbeiten, daß heißt, einen halben getroffenen Pfeiler, einen an diesen
Pfeiler angeschlossenen Bogen und einen Nachbarpfeiler zu modellieren. Dadurch würde in
spürbarem Umfang Rechenzeit gespart werden. Auf Grund der beschriebenen Geschichte der
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 91
Brücke und des damit einhergehenden inhomogenen Aufbaus und der unterschiedlichen Ma-
terialen sind die gewünschten Symmetrien jedoch nicht nutzbar (Betonbogen – Mauerwerks-
bogen, Betonpfeiler – Mauerwerkspfeiler und Sprengkammern in den Pfeilern), auch wenn
Abb. 4-1 den Eindruck erweckt. Die teilweise verwendeten Faltwerksmodelle für die
Stirnvormauerung und die Spargewölbe und Massenelemente sind in Abb. 4-1 nicht darge-
stellt. Das abgebildete Modell wurde sowohl für den Frontal- als auch den Seitanprall sowohl
für Pfeiler II als auch für Pfeiler III verwendet. Auf Grund des parametrischen Aufbaus der
Eingabedateien wurden im wesentlichen nur noch Materialkennwerte variiert. Der Boden
wurde sehr voluminös modelliert, um Störungen der dynamischen Rechnung durch Reflektio-
nen am Rand des Modells gering zu halten. Die Sprengkammer wurde mittels Elementen mit
sehr kleinem E-Modul abgebildet.

Es wurde überwiegend eine Elementkantenlänge von ca. 0,5 m verwendet. Die Elementgröße
und Netzfeinheit im verwendeten Modell stellt nach Meinung des Autors einen guten Kom-
promiß zwischen problem- und belastungsabhängiger optimierter Modellierung (notwendige
Genauigkeit) und dem in Kauf genommenen Aufwand dar. Im Rahmen der Weiterentwick-
lung der Rechentechnik in den letzten Jahren wird man heute sicherlich teilweise eine ge-
nauere Modellierung wählen können. Die Anfänge der Modellierung der Mainbrücke Lohr
liegen im Jahre 1997. Die Berechnungen der Mainbrücke Lohr erfolgten an einer Workstation
IBM RS 6000/2 mit 256 MB RAM Arbeitsspeicher (1997-1999). Eine dynamische Rechnung
dauerte an dieser Workstation bis zu 50 Minuten.

Bei einem FE-Modell erfolgt immer eine Idealisierung eines realen Objektes im Hinblick auf
bestimmte interessante Bereiche. Im vorliegenden Fall wurde angenommen, daß das Versagen
der Brücke im Pfeiler stattfindet. Deshalb wurde besonderes Augenmerk auf die Modellierung
des Pfeilers gerichtet. Da davon auszugehen ist, daß ein Großteil der Anprallkräfte an einem
Pfeiler über das Fundament des Pfeilers abgetragen wird, mußte dieses gerade durch seine
Vielzahl von verschiedenen Elementen (innere und äußere Spundwand, Betonmanschette,
Fels) relativ aufwendig modelliert werden. Die deterministischen Rechnungen bestätigten
diese Annahme. Ca. 80-90 % der Frontalanprallkraft wurden über das Pfeilerfundament und
ca. 10-20 % der Frontalanprallkraft über die beiden Bögen abgetragen.

Für das FE-Modell der Alten Mainbrücke Lohr wurden Volumen-, Faltwerks- und Massenele-
mente verwendet. Das Element SHELL63, ein vierknotiges Faltwerkselement mit sechs Frei-
heitsgraden pro Knoten wurde für die Abbildung der Bögen und der Stahlspundwände ver-
wendet. Für den Pfeiler wurde das achtknotige Volumenelement SOLID65 gewählt, welches
den Einbau des Betonstoffgesetzes nach WILLAM/WARNKE [34] erlaubt. Jeder Knoten hat drei
Verschiebungsfreiheitsgrade. Für die geometrisch recht komplexe Betonmanschette am Pfei-
ler wurde das vierknotige Volumenelement SOLID72 verwendet. Das Fundament (Kies) und
der anstehende Boden wurden mit dem achtknotigen Volumenelement SOLID45 mit drei
Verschiebungsfreiheitsgraden pro Knoten modelliert. Außerdem wurde für den Überbau noch
das Element MASS21 mit sechs Freiheitsgraden verwendet. In einigen Lastfällen wurden
Fugen im Mauerwerkspfeiler bei der Mainbrücke Lohr modelliert. Hierbei wurde das zwei-
knotige Element CONTAC52 für Kontaktflächen zwischen Flächen mit jeweils drei Ver-
schiebungsfreiheitsgraden eingesetzt. Im Bereich des Fundamentes (Betonmanschette) traten
Vernetzungsprobleme auf (unsymmetrisch, ungünstige Elementgrößen und Winkel), die
allerdings vom Autor als vernachlässigbar angesehen wurden.

Es wurden sowohl statische als auch dynamische Berechnungen durchgeführt. Die 40 unter-
suchten deterministische Lastfälle mit variierten FE-Modellen der Alten Mainbrücke sind in
Tab. 4-2 aufgelistet. Auf eine Diskussion der einzelnen Berechnungen wird im Rahmen dieser
Arbeit verzichtet.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 92
LF-Nr. Ersatzlast Schiff Richtung Pfeiler Bogen Stirnvormauerung Materialverhalten Fuge
Steifemodul
Fels MN/m
2

1 Eigenlast II - linear elastisch - 200
2 statisch Voll Frontal II keine linear elastisch - 200
3 statisch Voll Seite II 3 keine linear elastisch - 200
4 statisch Leer Frontal II keine linear elastisch - 200
5 statisch Leer Seite II 3 keine linear elastisch - 200
6 statisch Voll Seite II 2 keine linear elastisch - 200
7 statisch Leer Seite II 2 keine linear elastisch - 200
8 Eigenlast III linear elastisch - 200
9 statisch Voll Frontal III keine linear elastisch - 200
10 statisch Voll Seite III 3 keine linear elastisch - 200
11 statisch Leer Frontal III keine linear elastisch - 200
12 statisch Leer Seite III 3 keine linear elastisch - 200
13 statisch Voll Frontal II Alter Bogen linear elastisch - 200
14 statisch Voll Seite II 3 Alter Bogen linear elastisch - 200
15 statisch Leer Frontal II Alter Bogen linear elastisch - 200
16 statisch Leer Seite II 3 Alter Bogen linear elastisch - 200
17 statisch Voll Frontal II keine JAGFELD ja 200
18 statisch Voll Seite II 3 keine JAGFELD ja 200
19 statisch Leer Frontal II keine JAGFELD ja 200
20 statisch Leer Seite II 3 keine JAGFELD ja 200
21 statisch Voll Frontal III keine JAGFELD ja 200
22 statisch Voll Seite III 3 keine JAGFELD ja 200
23 statisch Leer Frontal III keine JAGFELD ja 200
24 statisch Leer Seite III 3 keine JAGFELD ja 200
25 statisch Voll Frontal II keine WILLAM-WARNKE - 200
26 statisch Voll Seite II 3 keine WILLAM-WARNKE - 200
27 statisch Leer Frontal II keine WILLAM-WARNKE - 200
28 statisch Leer Seite II 3 keine WILLAM-WARNKE - 200
29 statisch Voll Frontal III keine WILLAM-WARNKE - 200
30 statisch Voll Seite III 3 keine WILLAM-WARNKE - 200
31 statisch Leer Frontal III keine WILLAM-WARNKE - 200
32 statisch Leer Seite III 3 keine WILLAM-WARNKE - 200
33 dynamisch Voll Frontal II keine linear elastisch - 10 × 200
34 dynamisch Voll Seite II 3 keine linear elastisch - 10 × 200
35 dynamisch Leer Frontal II keine linear elastisch - 10 × 200
36 dynamisch Leer Seite II 3 keine linear elastisch - 10 × 200
37 dynamisch Voll Frontal III keine linear elastisch - 10 × 200
38 dynamisch Voll Seite III 3 keine linear elastisch - 10 × 200
39 dynamisch Leer Frontal III keine linear elastisch - 10 × 200
40 dynamisch Leer Seite III 3 keine linear elastisch - 10 × 200

Tab. 4-2: Deterministische Lastfälle der Mainbrücke Lohr

Auf Grund der komplexen geometrischen Struktur und der zahlreichen unterschiedlichen
Materialien wurde eine einfache Kontrolle der FEM-Rechenergebnisse anhand des vorgestell-
ten Modells unmöglich, aber gleichzeitig auch außerordentlich notwendig. Es war deshalb
erforderlich, mit verschiedenen Modellen zu arbeiten und eine Modellentwicklung vom einfa-
chen zum komplexen Anprallmodell vorzunehmen. Nähere Angaben zu anderen Modellen
finden sich bei der Diskussion des FE-Modells der Mainbrücke Segnitz.

Die Prüfung des FE-Modells erfolgte über die Prüfung der Normalkräfte am Kämpferbereich,
am Fuß des Pfeilers und über die Stützkräfte des gesamten FE-Modells. Zusätzlich wurden
die Verschiebungen des Bogens unter Eigenlast geprüft.

Günstig sind im Rahmen der Kontrolle von Modellen immer Nachrechnungen von vorhande-
nen Schäden an den Bauobjekten. Beim Lastfall Eigengewicht konnte ein vertikaler Riß im
Betonpfeiler infolge ungleichmäßiger Belastung durch die beiden nebeneinanderliegenden
Bögen nachgewiesen werden.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 93

Bei den nichtlinearen Lastfällen wurde in Abhängigkeit von der Modellierung der Nichtlinea-
rität eine maximal mögliche Schiffsfrontalanprallkraft zwischen 9 und 13 MN errechnet. Bei
Verwendung des Stoffgesetzes von WILLAM-WARNKE [325] wurde eine geringere Frontal-
anprallkraft ermittelt als bei der Anwendung des Verfahren von JAGFELD [134], bei dem Fugen
eingebaut wurden. JAGFELD beschreibt Mauerwerksverhalten, in dem Blöcke abgebildet
werden. Blöcke sind Volumenelemente, die durch Fugen (CONTAC52-Element) begrenzt
werden. Ein Block ist jedoch immer größer als ein Stein. Bei der Mainbrücke Lohr wurden
zwei bis drei Blöcke am gestoßenen Pfeiler gebildet.

Die deterministische Rechnung zeigt, daß bei den zu erwartenden Anprallhöhen und –kräften
der überwiegende Anteil der Horizontalkraft über den Pfeiler abgetragen wird. Die Ausbil-
dung der Hauptdruckspannungen im Pfeiler bei maximalem Anprall ist in Abb. 4-3 darge-
stellt. Deutlich erkennbar ist die Druckstrebe durch den Pfeiler. Im Bereich der Spundwand
treten auf Grund der hohen lokalen Steifigkeiten der Spundwand Störungen (sehr große
Druckkräfte) auf. Diese wurden vom Verfasser vernachlässigt.

Lokal zerstörter Bereich
Hohe Druckspannungen in
der Betonmanschette infolge
Rotation des Pfeilers
Hohe Druckspannungen in den
Kämpferbereichen der Bögen
Bereich mit Zug-
spannungen
unterhalb des
Anprallpunktes
Anprallrichtung
Hohe Druckspannungen
in der Spundwand
Beachte: Zu grobe
Modellierung
Ausbildung einer Druckstrebe
im Boden
Bereich mit geringen
Zugspannungen im Boden
Ausbildung einer
Druckstrebe im
Pfeiler

Abb. 4-3: Hauptspannungsbild durch den geschnittenen Pfeiler

Verwendet man die im FE-Modell über die Zeit ermittelten Hauptdruckspannungen zur Ent-
wicklung eines Stabwerkmodells, so läßt sich der Stoßablauf gemäß Abb. 4-4 erklären. Als
Beispiel für das Anheben des Pfeilers sind in Abb. 4-5 die vertikalen Verschiebungen der
Knoten am Kämpfer auf der Anprallseite des Pfeilers über die Zeit dargestellt. Die Verschie-
bung allein infolge Eigengewicht dürfte etwa bei 0,002 m gelegen haben (Stauchung). Eine
umfangreiche Angabe von Spannungen im Pfeiler ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.

Basierend auf dem linearelastischen Spannungsbild in Abb. 4-6 ist die Entwicklung eines
Stabwerkmodells auch für den Seitenstoß möglich.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 94
K
K
Fundament
Pfeiler
F
Anprall
Bogen K K
M
M
1:

Zu Beginn des Anpralls bildet sich aus der hori-
zontalen Anprallkraft und den Masseträgheitsef-
fekten des Pfeilers und der Bögen eine schräg nach
unten verlaufende Druckstrebe aus. Die Resultie-
rende geht noch durch den Kernbereich.

M
M
K K
K
K
Fundament
Pfeiler
Bogen
F
Anprall
2:
φ
B
e
s
c
h
l
e
u
n
i
g
u
n
g

Die Anprallkraft erzeugt ein Moment, welches der
Eigenlast des Bogens und des Pfeilers entgegen-
wirkt. Es kommt zu einem Anheben der vorderen
Pfeilerkante. Eine Bewehrung könnte jetzt die nicht
mehr von der Masse gelieferte Vertikalkraft über-
nehmen.
M
M
K K
K
K
Fundament
Pfeiler
Bogen
F
Anprall
3:
φ
B
e
s
c
h
l
e
u
n
i
g
u
n
g

Der Winkel der Druckstrebe in das Fundament wird
flacher. Die Resultierende vom Pfeiler in das Fun-
dament wandert nach rechts - die Brücke versagt.
Abb. 4-4: Stabwerksmodell für den Anprall im Pfeiler
0,000
0,001
0,002
0,003
0,004
0,005
0,006
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0
Zeit in [sek]
V
e
r
s
c
h
i
e
b
u
n
g
i
n
[
m
]
Knoten 13394
Knoten 4414
Knoten 13922
Knoten 4436

Abb. 4-5: Vertikale Verschiebungen von Knoten im Kämpferbereich des Pfeilers/Bogens

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 95

Stabwerkmodell für einen Seitenstoß im hin-
teren Bereich des Pfeilers. Bei linear-elasti-
scher Berechnung bilden sich eine starke Zug-
strebe (siehe rechtes Bild) in Längsrichtung
des Pfeilers und eine schiefe Druckstrebe
längs und quer zum Pfeiler aus.
Dargestellt sind die Normalspannungen in
Längsrichtung des Pfeilers im hinteren, gesto-
ßenen Teil des Pfeilers. Erkennbar ist eine
Zugstrebe (links oben) mit einer Zugspannung
von 4 N/mm
2
und eine Druckstrebe nach
rechts unten.
Abb. 4-6: Hauptspannungsbild durch den geschnittenen Pfeiler

Da das Versagen der Brücke unter Anprall ein Schubversagen ist und das FE-Modell bisher
nur zur Nachrechnung eines Risses unter Eigenlast geprüft wurde, wäre es wünschenswert,
auch die Schubtragfähigkeit an einem realen Fall zu prüfen. Auf Grund der Sprengung des
Pfeilers III im Jahre 1945 war eine Überprüfung der Rechenannahmen beim Nachweis der
Schubspannungen im Pfeiler II möglich. Damals war ein einseitiger Horizontalschub von über
12 MN durch den Mauerwerkspfeiler aufgenommen worden, der nur noch von einer Seite
eine Bogenhorizontalkraft erhielt. Die mittlere Schubspannung betrug ca. 0,3 MN/m
2
. Im
Kämpferbereich und vermutlich auch an der Einspannung des Pfeilers in der Betonmanschette
traten Rotationen ein. Die Tragfähigkeit des Pfeilers unter dieser Last konnte nachgerechnet
werden.

Auch der Schiffsanprall im Mai 1999 scheint das FE-Modell zu bestätigen (Abb. 2-2). Nach
Angaben der örtlichen Zeitung war zwar eine Schädigung der Betonmanschette, nicht aber
eine Beschädigung des Pfeilers selbst erkennbar (Abb. 4-7). Sollte diese Aussage stimmen, so
werden die FEM–Ergebnisse bestätigt, daß die Spundwand in Verbindung mit der Betonman-
schette eine sehr steife Konstruktion darstellt. Die steife Konstruktion ist einer der wesentli-
chen Gründe, warum nur ein geringer Teil der Last über die Bögen abgetragen wird.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 96


Abb. 4-7: Pfeiler II der Mainbrücke Lohr, 1999, nach Anprall

4.1.4 Das deterministische FE-Modell der Mainbrücke Segnitz

Auch die numerische Modellierung der Mainbrücke Segnitz erfolgte überwiegend mittels des
Programms ANSYS. Dabei wurden, soweit erforderlich, die gleichen Elemente eingesetzt.
Zusätzlich wurde bei der Mainbrücke Segnitz für den Überbau ein räumlicher Biegebalken
mit sechs Freiheitsgraden verwendet (BEAM4).

Für die Ermittlung der Torsionssteifigkeit des Fachwerküberbaues für den Ersatzstab im FE-
Modell wurde die Umrechnung in eine Vollwandscheibe der Dicke t
i
durchgeführt (PETERSEN
[227]). Als Ergebnis dieser Rechnung zeichnete sich aber ab, daß die Torsionssteifigkeit für
die FE-Modellierung vernachlässigt werden kann.

Das Pfeilermodell ist in Abb. 4-8 dargestellt. Das Modell konnte wegen mangelnder Daten-
angaben über die Hinterfüllung und wegen einfacherem Aufbau des Fundaments im Vergleich
zur Alten Mainbrücke Lohr erheblich vereinfacht werden. In Verbindung mit neuerer Re-
chentechnik (Rechnungen erfolgten im Jahre 2001) und dem einfacheren Modell konnten
selbst nichtlineare dynamische Berechnungen in wenigen Minuten an einem PC durchgeführt
werden.

Bei den Erläuterungen zum Modell der Alten Mainbrücke Lohr wurde bereits auf die Not-
wendigkeit von Kontrollen der FEM-Rechnungen eingegangen und auf die Nachrechnung
von beobachteten Schäden zur Prüfung eines Modells. Im Fall der Mainbrücke Segnitz bot
sich nun insbesondere die Möglichkeit an, einen bekannten Schiffsanprall nachzurechnen. Bei
Tauchuntersuchungen war ein horizontaler Riß an einem Pfeiler entdeckt worden, der von
einer Stirnseite des Pfeilers auf beiden Längsseiten ca. 3 m in Richtung der anderen Stirnseite
reicht (siehe Abb. 4-9). Der Riß ist ebenfalls in Abb. 3-18 dargestellt.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 97
X
Y
Z
M
M
Balkenelement
K

Abb. 4-8: FE-Modell eines Pfeilers der Mainbrücke Segnitz

8
9,6

Abb. 4-9: Horizontaler Riß in der Lagerfuge im Mauerwerk (Unterwasser) und Einordnung
der Lage des Risses zum Anprall des Schubverbandes Talion/SL Bavaria im Jahre 2000

Zuerst erfolgte mit einfachen Modellen eine Abschätzung der erforderlichen Horizontalkraft,
um diesen Riß zu erzeugen. Abb. 4-10 zeigt das verwendete Modell nach [1], Abb. 4-11 zeigt
die Spannungen über den Pfeilerquerschnitt basierend auf einer linearelastischen Berechnung
unter Berücksichtigung der Normalkräfte und Horizontalkräfte aus verschiedenen Lastfällen.
Im Anschluß daran fanden statische nichtlineare Berechnungen des Pfeilers mit dem Pro-
gramm ATENA und dynamische nichtlineare Berechnungen mit dem Programm ANSYS statt
(Abb. 4-13). Im letzten Schritt wurde die mögliche Anprallkraft mit am Schiffskörper beo-
bachteten plastischen Verformungen geprüft.


Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 98
d c
l
F
h
y
y
R


P
h F l
d
⋅ ⋅


=
3
2
3

F
l P
y


=
6

y h y
R
− =
c – Breite des gerissenen Bereiches

Abb. 4-10: Einfaches Kippmodell zur Bestimmung der Horizontalkraft [1]

Vereinfachter Quer-
schnitt des Pfeilers 2 in
Höhe der Rißfuge
Spannungen im Quer-
schnitt unter Eigenlast
Spannungen im Quer-
schnitt unter Eigen-
und Verkehrslast
Spannungen im Quer-
schnitt unter Eigen-,
Verkehrs-, Wind-,
Bremslast und Rück-
stellkräften
Spannungen im Quer-
schnitt unter Eigenge-
wicht und maximalem
Schiffsanprall
Abb. 4-11: Spannungsbilder am Querschnitt des Pfeilers 2 in Höhe OK Fundament

b
e
o
b
a
c
h
t
e
t
e
r

B
e
r
e
i
c
h
B
r
e
m
s
e
n

u
n
d

W
i
n
d
m
a
x
i
m
a
l
e
r

S
c
h
i
f
f
s
a
n
p
r
a
l
l

Abb. 4-12: Vergleich von möglichen Rißflä-
chen und beobachteter Rißfläche im Pfeiler
basierend auf den linearelastischen Berech-
nungen

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 99

X
Y
Z
Anprall-
kraft
Risse
Risse

X
Y
Z
~ 3 m
~ 6,5 m

Abb. 4-13: Bild des Pfeilers während des Anpralls, im rechten Bild ist die Zunahme der Riß-
länge am Fußpunkt des Pfeilers bis auf 3 m erkennbar

Die in Tab. 4-3 zusammengefaßten Rechnungen zeigen nach Meinung des Verfassers eine
gute Übereinstimmung bei der Berechnung der erforderlichen Anprallkraft.

Anprallkraft
Verfahren Statisch in MN Dynamisch in MN
Einfaches Modell (ABRAMS & XU [1]) 4,5 3,5
Statisch nichtlineare Berechnung (FEM-ATENA) 4,0-5,0 3,07-3,85
Dynamisch nichtlineare Berechnung (FEM-ANSYS) 3,25
Abgeschätzte Anprallkraft mittels Schiffsangaben (2 km/h) 3,1-4,3 2,38-3,3
MEIER-DÖRNBERG (0,1 m plastische Verformung – am Schiff gemessen) 3,4
Als dynamischer Lastfaktor wurde in den statischen Berechungen 1,3 nach E DIN 1055-9 verwendet.
Tab. 4-3: Anprallkraft zur Erzeugung des beobachteten Horizontalrisses im Pfeiler 2 der
Mainbrücke Segnitz und Ermittlung der Anprallkraft aus den Schiffsverformungen

Basierend auf dem hierbei verwendeten dynamischen ANSYS FE-Modell wurden alle fol-
genden Berechnungen der Mainbrücke Segnitz durchgeführt.

4.1.5 Abschätzung der Eigenfrequenz der Brücke

Die rechnerisch ermittelten Eigenfrequenzen stellen ebenfalls ein geeignetes Mittel dar, um
die Modelle auf ihre dynamischen Eigenschaften zu prüfen. Daneben hängt die Schrittweite
des NEWMARK-Algorithmus von der höchsten an der Systemantwort mitwirkenden Eigenfre-
quenz ab. Die Zeitintervall sollte 1/20·f dieser Eigenfrequenz [34] nicht überschreiten.

Als Vergleichswert wurde die Eigenfrequenz zuerst an einer Betonwand ermittelt. Diese
besaß ähnliche Abmessungen wie die Pfeiler der Alten Mainbrücke Lohr, wurde jedoch nicht
von Bögen gehalten. Zum Vergleich mit der alte Mainbrücke Lohr wurden ferner ein Wert der
Mainbrücke Marktheidenfeld und für die Mainbrücke Segnitz ein Wert der Brücke Retzbach-
Zellingen in Tab. 4-4 angegeben.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 100

Brückentyp Eigenschwingzeit in Sekunden Frequenzen in Hz
Oben Freie Betonwand 1,38 0,72
Alte Mainbrücke Lohr Bogenbrücke 28 m 0,25 4,00
Marktheidenfeld (schömig plan) Bogenbrücke 28 m 0,43 2,32
Mainbrücke Segnitz Stahlfachwerkbrücke 1,1 0,91
Retzbach-Zellingen Spannbetonbrücke 1,4 0,71

Tab. 4-4: Ermittelte und bekannte erste Eigenfrequenzen und Eigenschwingzeiten

Prinzipiell muß festgestellt werden, daß die ermittelte Eigenschwingzeit für die Mainbrücke
Lohr als sehr gering erscheint. Das kann seine Ursache in dem sehr steifen Unterbau der Brücke
haben. Auch die ermittelte erste Eigenschwingzeit der Mainbrücke Segnitz liegt mit 1,1 Sekun-
den etwas unter den Erwartungen. Bei vergleichbaren Eisenbahnbrücken wurden Eigen-
schwingzeit von ca. zwei Sekunden gemessen [103]. Da diese Brücken meistens etwas steifer
auf Grund der höheren Verformungsanforderungen, aber auch üblicherweise schwerer sind,
sollte die Eigenschwingzeit für die Mainbrücke Segnitz etwa im Bereich um 1,5 Sekunden
liegen. Die Mainbrücke Retzbach-Zellingen liegt etwa bei 1,4 Sekunden [44].

Nach Meinung des Verfassers können die ermittelten Eigenfrequenzen nur als grobe Nähe-
rungswerte angesehen werden, da die Eigenfrequenz von Mauerwerksscheiben erhebliche
Abhängigkeiten von dem vorhandenen Rißbild aufweist (BUTTMANN [31]). So dürfte die
Inhomogenität im Bereich der Hinterfüllungen sowohl in den Pfeilern als auch in den Bögen
eine nicht unbedeutende Rolle bei der Entwicklung der Eigenfrequenzen spielen. Im FE-
Modell wurden diese Bereiche als homogen, allerdings als weichere Bereiche angesehen
(Hälfte des E-Moduls des Schalenmauerwerks).

4.2 Mauerwerk

Die bisherigen Erläuterungen behandelten die linear-elastische und nichtlineare FE-Model-
lierung. Gerade die linear-elastische Berechnung bietet auf Grund der Kontrolle und der
schnellen Rechenzeit Vorteile, auf die im Rahmen dieser Arbeit zurückgegriffen wurde. Ein
Großteil der im Kapitel 5 behandelten Rechenergebnisse wurde basierend auf linear-elasti-
schen FEM-Berechnungen ermittelt. Die im Rahmen derartiger Berechnungen ermittelten
Spannungen müssen mit zulässigen Spannungen verglichen werden, um ein Kriterium für das
Versagen eines Bauteils der Brücke zu besitzen. Da das Augenmerk bei der Untersuchung der
Brücke auf Mauerwerkskomponenten ruht, wird in diesem Abschnitt ausführlich auf die ver-
schiedenen Mauerwerksmodelle eingegangen.

Mauerwerk ist ein Mehrkomponentenbaustoff. Auf Grund der enormen Vielfalt der physika-
lischen und geometrischen Eigenschaften der Komponenten wurden zahlreiche rechnerische
Modelle, die für spezielle Situationen ausgelegt waren, entwickelt. So findet sich in KRÄMER
[154] eine Sammlung von 18 verschiedenen Formeln zur Bestimmung der zentrischen Druck-
festigkeit von Mauerwerk. Ein Teil dieser Formeln ist allerdings auch der Historie der Mo-
delle zuzuordnen. Im folgenden Kapitel sollen nur einige wenige moderne Verfahren zur
Beurteilung der Mauerwerksdruckfestigkeit von Natursteinmauerwerk genannt werden.

Prinzipiell ist das Tragverhalten von Natursteinmauerwerk noch nicht ausreichend erforscht.
Diese Aussage spiegelt sich auch im Aufbau der DIN 1053 [58] wieder. Die Vielfalt der
Materialeigenschaften und der Geometrieverhältnisse von historischem Mauerwerk wird in
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 101
den Vorschriften nur unzureichend berücksichtigt. Wirtschaftliche Berechnungen von histori-
schem Mauerwerk sind nach DIN 1053 kaum möglich.

Im Rahmen des SFB 315 wurden für Natursteinmauerwerk verschiedene neue Modelle ent-
wickelt (WENZEL [321]). Gleichzeitig hat der aufstrebende Denkmalschutz und die Wieder-
errichtung von Natursteinbauwerken wie der Frauenkirche in Dresden zu einer Intensivierung
der Forschung in diesem Bereich geführt. Im folgenden werden Formeln für die Beschreibung
der zentrischen Mauerwerksdruckfestigkeit und der Schubfestigkeit behandelt.

4.2.1 Modelle für zentrische Mauerwerksdruckfestigkeit
4.2.1.1 Einschaliges Natursteinmauerwerk

Empirische Ansätze (SCHUBERT [262], KRÄMER [154])

Empirische Ansätze zur Beschreibung der Druckfestigkeit von einschaligem Mauerwerk be-
sitzen auf Grund der einfachen Modellbildung (Regression) eine weite Verbreitung. Ein übli-
cher Ansatz ist

c
Mö D
b
St D MW D
a
, , ,
β β β ⋅ ⋅ =
(4-7)

Diese Gleichung findet sich z.B. im Eurocode 6. Dort wird das 5 %-Fraktil der Mauerwerks-
druckfestigkeit mit folgender Formel über die mittleren Druckfestigkeiten von Stein und
Mörtel ermittelt.

0,75 0,25
, ,5% , , , ,
0, 40
D MW D St M D Mö M
β β β = ⋅ ⋅ (4-8)

MANN gibt für diesen Ansatz folgende Parameter:

0,66 0,18
, , , , , ,
0,83
D MW m D St M D Mö M
β β β = ⋅ ⋅ (4-9)

Diese Ansätze liefern für Natursteinmauerwerk meistens unbefriedigende Ergebnisse.

Modell nach HILSDORF (nach WEIGERT [319], WEDLER [318],)

HILSDORF entwickelte ein Modell, das auf einem mehraxialen Spannungszustand in Stein und
Mörtel basiert. Dieser mehraxiale Spannungszustand entsteht aus dem geringen E-Modul des
Mörtels, der jedoch in seiner Verformung durch den Stein behindert wird. Dadurch entstehen
Querdruckspannungen im Mörtel und Querzugspannungen im Stein. Ursprünglich nahm
HILSDORF an, daß ein unverschieblicher Verbund zwischen Mörtel und Stein besteht. Diese
Aussage revidierte er 1969. Das Berechnungsverfahren wurde für künstliche Steine entwik-
kelt. Trotzdem kann das Verfahren auch für Natursteinmauerwerk verwendet werden. Als
nachteilig ist der sogenannte Ungleichförmigkeitsfaktor anzusehen, da die Angaben über die
Wahl dieses Faktors nur teilweise nachvollziehbar sind (WEIGERT [319]).
,
( )

DS
ZS DM
D MW
ZS DS
a
u
a
β
β β
β
β β
⋅ + ⋅
=
+ ⋅

(4-10)
mit u als Ungleichförmigkeitsfaktor im Bruchzustand und
1 , 4
h
t
a =
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 102

Abb. 4-14: Spannungszustand im Mauerwerk unter Normallast nach HILSDORF

Modell nach MANN (nach WARNECKE, ROSTASY & BUDELMANN [314])

MANN stellte fest, daß das Verhalten von Mauerwerk aus künstlichen Steinen und Natur-
steinmauerwerk nicht vergleichbar ist. Die Ungleichförmigkeit der Steine und Fugen führt zu
einem qualitativ anderen Verhalten des Mauerwerkes. Ursache dafür ist eine im Vergleich zu
künstlichen Steinen höhere Zugfestigkeit der Natursteine und eine geringere Mörtelfestigkeit
des alten Mauerwerks im Vergleich zu modernem Mauerwerk. Darum wird das Versagen des
Mörtels für das Versagen des Mauerwerks maßgebend. Allerdings widersprechen die Ergeb-
nisse von Versuchen an Mauerwerk mit Sandfugen (also Druckfestigkeit des Mörtels = 0) den
Aussagen von MANN, da die Mauerwerksdruckfestigkeit nach MANN Null wäre, das Versagen
jedoch infolge Zerreißen des Steines auftrat.

ü f
DM WM D
⋅ ⋅ = β β
,
(4-11)
mit
α
4
2
cos
3
2
1 1
1
9
8

⋅ − −
⋅ =
b
t
f
MW
S
A
A
ü =

DIN 1053(11/1996) [58]

Die DIN 1053 ist für die Berechnung von Mauerwerkskonstruktionen vorgesehen. Im Kapitel
12 wird Natursteinmauerwerk behandelt, wobei die Ermittlung der Mauerwerksdruckfestig-
keit auf MANN zurückzugehen scheint, da die Steindruckfestigkeit nur geringen Einfluß auf
die Mauerwerksdruckfestigkeit lt. DIN 1053, Abschnitt 12, Tabelle 13 hat und die Steinzugfe-
stigkeit nicht angesetzt wird.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 103
Modell nach BERNDT (BERNDT [15], BERNDT & SCHÖNE [16], WENZEL [321])

BERNDT geht von einem Spaltzugversagen der Steine aus: Er addiert die Spaltzugkräfte in-
folge Ausbreitung der Druckkraft im Stein von der Fugenbreite auf die volle Breite des Stei-
nes und die Spaltzugkraft infolge Dehnungsbehinderung des Mörtels im Stein.
,

'
0, 7
1
DS
D WM
DS
ZS
t v b d
k
h v h b
β
β
β
β
=

⋅ + ⋅ ⋅ ⋅ +




(4-12)
mit 0, 3...0, 5 k = , '
tan 45
2
t
d t
ρ
≈ +
| |
+
|
\ .
und ' min
10 cm
h
h
¦ ¹
=
´ `
¹ )
.

Modell nach SABHA (SABHA & SCHÖNE [252], SABHA & WEIGERT [253], WENZEL [321])

SABHA geht vom gleichen Ansatzpunkt wie BERNDT aus: Dem Vorhandensein zweier Mecha-
nismen zur Erzeugung von Spaltzugkräften im Stein. Allerdings berücksichtigt er die Lage
der Maxima der Spaltzugkräfte, die nicht identisch ist. Während die maximale Spaltzugkraft
infolge Kraftausbreitung in halber Höhe des Steins liegt, befindet sich das Maximum der
Spaltzugkraft infolge Verformungsbehinderung des Mörtels in der Nähe der Fuge im Stein.
SABHA addiert darum die beiden Spaltzugkräfte nicht (WENZEL [321]) und erhält deshalb
höhere zulässige Festigkeiten als BERNDT.
,
2

DM ZS
D MW
ZS
DS
k
k
β β
β
β
β
⋅ ⋅ +
=
+

(4-13)
mit
1, 6 1, 45 1
ZS
DS
t
k
b
β
β
| |
= +
|
\ .


BOYE [20] stellte eine Erweiterung des Verfahrens von SABHA vor.

Wertung der Modelle (nach WARNECKE, ROSTASY & BUDELMANN [314])

In Tab. 4-5 sind Versuchs- und Rechenergebnisse zur Ermittlung der zentrischen Druckfestig-
keit von Natursteinmauerwerk zusammengestellt (WARNECKE, ROSTASY & BUDELMANN
[314]). Die vorgestellten rechnerischen Modelle der Normalkrafttragfähigkeit von Naturstein-
mauerwerk zeigen große Unterschiede in den Ergebnissen.

Regelmäßiger Schichtenverband behauener
Velpker Sandstein
Regelloser Verband
bruchrauher Elmkalkstein
Mörtel M I
β
D,Mö
=7,5 N/mm
2

Mörtel M III
β
D,Mö
=29,0 N/mm
2

Mörtel M I
β
D,Mö
=7,5 N/mm
2


h/d=5 h/d=10 h/d=5 h/d=10 h/d=5 h/d=10
exp β
D,MW
10 13,1 25,2 21,2 5,1 4,5
cal β
D,MW
HILSDORF

45 67,5 12,5
cal β
D,MW
BERNDT

20,3 20,3 5,1
cal β
D,MW
SABHA

22 40 12,5
cal β
D,MW
SABHA mit ü

18,7 34 7,5
cal β
D,MW
MANN

60,8 226,5 16,5
cal β
D,MW
MANN m. DIN Mörtel

6 93,9 1,6
Tab. 4-5: Vergleich von Berechnungs- und Versuchsergebnissen der zentrischen Mauerwerks-
druckfestigkeit nach [314]
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 104
Zuerst einmal stechen die großen Abweichungen des MANN’schen Modells ins Auge. Auch
das Modell von HILSDORF überschätzt die Festigkeiten im Vergleich zum Versuch deutlich.
Die besten Ergebnisse werden mit den neueren Modellen nach BERNDT und SABHA ermittelt.
Das zweite Modell von SABHA verwendet einen Korrekturfaktor ü zur Berücksichtigung der
Steingröße. Insgesamt schneidet nach Meinung des Verfassers das BERNDT’sche Modell am
besten ab.

Es zeigt sich aber auch, daß einfache Modelle, wie in der Vergangenheit häufig verwendet,
durchaus ihre Berechtigung haben. Eine grobe Abschätzung der Tragfähigkeit von Ziegel-
mauerwerk besagt, daß die Mauerwerksdruckfestigkeit mindestens
1
/
10
der Steindruckfestig-
keit ist.

4.2.1.2 Zweischaliges Mauerwerk

Da die Brückenpfeiler über die Breite nicht komplett gemauert sind, sondern anhand der Boh-
rungen nachgewiesen wurde, daß die Pfeiler hinterfüllt sind, handelt es sich bei den vorlie-
genden Pfeilern nicht um einschaliges, sondern um zweischaliges Mauerwerk. Die Grundla-
gen des Tragverhaltens zweischaligen Mauerwerks werden z. B. in (WARNECKE, ROSTASY &
BUDELMANN [314]) erläutert. An dieser Stelle seien nur die Modelle von WARNECKE und
EGGERMANN erwähnt.

Modell nach WARNECKE (WARNECKE [313])

WARNECKE verwendet ein Interaktionsdiagramm für die Bestimmung der zulässigen Schnitt-
kräfte. Dabei geht er von der Annahme aus, daß eine korrekte Wiedergabe der Festigkeiten
allein aus Bohrungen nicht möglich ist. Für eine kohäsive Innenschale werden folgende For-
meln verwendet:

1 = + +
Hohlraum Stein Mörtel
v v v (4-14)
Stein
Stein
Mörtel Mörtel
Stein
i
E
v
v E
v
E
+


=
2
) 1 ( 1

(4-15)
Stein
Mörtel
Mörtel i M D
v
v

⋅ =
1
, ,
β β
(4-16)

Die Druckfestigkeit der Außenschale darf nach den bisher genannten Verfahren für einschali-
ges Mauerwerk ermittelt werden [318].

Modell nach EGERMANN (WENZEL [321])

Folgende Annahmen werden in diesem Verfahren getroffen:
• Außenschalen in Ziegelmauerwerk und Läuferverband, Schlankheiten kleiner 13,3
• Kohäsive Innenschalen
• Glatte Grenzfläche zwischen Innen- und Außenschale
• Ebener Verschiebungszustand
• Symmetrische Lagerungsbedingungen (Volleinspannung an Mauerkrone und Fuß)
• Starre Bettung des gesamten Querschnitts
Der Grundwert der zulässigen Druckspannung der Außenschalen darf wieder wie für einscha-
liges Mauerwerk bestimmt werden, allerdings gilt:
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 105
MW D DA ,
σ α α σ
ϕ λ
⋅ ⋅ = (4-17)

σ
DA
Mauerwerkdruckfestigkeit der äußeren Schale
σ
D,MW
Mauerwerkdruckfestigkeit der äußeren Schale (einschalig berechnet)
α
ϕ
Einfluß der Spannrichtung bei Vorspannung
α
ϕ
= 1 Spannrichtung || zur Lastrichtung
α
ϕ
= 2 Spannrichtung ⊥ zur Lastrichtung
α
λ
= 1
für
0 ,
2
1
W cr
N N ≥
0 ,
2
W
cr
N
N
⋅ =
λ
α
für
0 ,
2
1
W cr
N N <
MW D A W
A N
, 0 ,
σ ⋅ =
A
A
Querschnittsfläche der Außenschale
2
2
0, 7
cr
k
E I
N
s
π

= ⋅ ⋅
Knicklast
MW D
E
,
1000 σ ⋅ ≈ Steifigkeit
I Flächenträgheitsmoment des ungerissenen Querschnittes
0,7 Abminderung für gerissenen Querschnitt
s
k
Knicklänge

A
A
A
A
A
A
I
DI
A
DA
A
DA MW
σ σ σ σ ⋅ + ⋅ + ⋅ = 3 , 1 75 , 0 75 , 0
2
2
1
1

(4-18)

Es erfolgt eine Abminderung der zulässigen Mauerwerkdruckfestigkeit der äußeren Schalen
und eine Erhöhung der zulässigen Mauerwerkdruckfestigkeit der inneren Schale, da sich ein
räumlicher Spannungszustand ausbildet. Sowohl bei der Alten Mainbrücke Lohr als auch bei
der Mainbrücke Segnitz wurden vergleichbare Werte für die einschaligen und zweischaligen
zentrischen Mauerwerksfestigkeiten ermittelt. Damit bietet sich die Verwendung einschaliger
Modelle an, um Rechenvereinfachungen zu nutzen.

Die Modelle für die Tragfähigkeit des Mauerwerks unter Normalkräften ist nur für die Ein-
wirkungskombination Eigenlast und Verkehr maßgebend. Die Anprallkraft stellt aber eine Ho-
rizontalkraft dar, die Schub im Pfeiler und im Bogen verursacht. Deshalb schließt sich die
Behandlung von Mauerwerksschubmodellen an.
4.2.2 Modelle für Schubtragfähigkeit des Mauerwerks

Theoretische Arbeiten zu Festkörpern mit Schubrissen sind u. a. in VAIRIS [301] und LAWN &
MARSHALL [165] zu finden. Da Mauerwerksbauwerke schon seit langem für Schubbelastun-
gen ausgelegt werden, bestehen für Mauerwerk zahlreiche Lösungen zur Beschreibung des
Schubtragverhaltens (BERNDT [15], SEIM [266], SEIM & SCHWEIZERHOF [267], DIALER [55],
LAURENÇO [164].


Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 106

σ
x

σ
y

σ
x
σ
y


Versagenskriterien für Mauerwerk nach GANZ (links) und DHANASEKAR (rechts) nach [266]


Versagenskriterium nach LAURENÇO [164]


σ
x
σ
y

Versagenskriterium nach SEIM [266]

Abb. 4-15: Versagenskriterium (Hüllkurven) für die Schubfestigkeit von Mauerwerk nach
verschiedenen Autoren

Neben diesen für FEM-Programme bereitgestellten komplizierten Verfahren gibt es auch ver-
einfachte Vorgehensweisen. So stellen die Versuche von MANN/MÜLLER (BAIER [7]) erste
Anhaltspunkte für den Schubspannungsnachweis dar. BERNDT [15] hat für den Schubnach-
weis von Naturmauerwerk, insbesondere Elbsandstein, das folgende Verfahren entwickelt.
Demnach werden für Sandsteinmauerwerk unter Schubbeanspruchung drei Versagensarten
unterschieden:


Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 107
I. Versagen der Lagerfugen infolge Reibung
Bruch HS R x
τ β u σ = + ⋅ (4-19)

II. Versagen des Steinmaterials durch Überschreitung der Steinzugfestigkeit
1
2
max
1, 4
0, 7 0, 7
DS
DS DS
ZS ZS
k
k k
σ
σ σ
β
τ
β β
β β
+
= ⋅
| | | |
+ ⋅ ⋅ ⋅ +
| |
\ . \ .

(4-20)


III. Versagen des Steinmaterials durch Überschreitung der Steindruckfestigkeit
2 2 2
2
, 2
1 1 1, 4
0, 7 0, 7 1 0, 7
2 2
DS DS DS
ZS ZS DS ZS
D MW DS
Bruch
k k
A A A
σ σ
τ
β β τ β
β β β β
β β
¦ ¹
| | | | | | | | − − ⋅
| | | |
¦ ¦
⋅ − ⋅ − − ⋅ +
| | | | | |
¦ ¦
\ . \ .
\ . \ . \ . \ .
= + +
´ `
¦ ¦
¦ ¦
¹ )

(4-21)
2 2
2 2
1 1
0, 7 0, 7
2 2
DS DS
ZS ZS
k k
A
σ σ
β β
β β
| | | | + −
| | | |
= ⋅ + − ⋅ −
| | | |
\ . \ .
\ . \ .
oder näherungsweise
2
, 2
0, 7
1 1, 4
2
1
0, 7
2
DS
DS
ZS DS
D MW
Bruch
DS
DS
ZS
k
k
k
σ
τ
σ
σ
β
β
β β τ
β
β
β
β
| |
+ ⋅ ⋅
|
| | ⋅
\ .
≈ − ⋅ ⋅
|
+
| | \ .
⋅ +
|
\ .

(4-22)

Die Darstellung der einzelnen Versagensarten im kartesischen Koordinatensystem ergibt
nachstehend abgebildeten Hüllkurvenzug, wobei für alle Wertepaare σ
x
- τ innerhalb der Hüll-
kurve die Schubtragfähigkeit gewährleistet ist.

τ
σ
x β
DMW
Schubbereich
I II III
COULOMB'-
sche Reibung
Schiefe Haupt-
zugkräfte
Schiefe
Haupt-
druckkräfte
β
HS

Abb. 4-16: Hüllkurvenzug für schubbeanspruchtes Sandsteinmauerwerk

In der DIN 1053-1 [58] wird eine maximale Schubspannung von 0,3 MN/m
2
für Naturstein-
mauerwerk zugelassen. Eigene numerische Simulationen zeigen mögliche mittlere Mauer-
werkschubfestigkeiten größer 3 MN/m
2
und 5 % Fraktilwerte zwischen 2 und 3 MN/m
2
[7].

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 108
Die bisher diskutierten Modelle sind alle für statische Versuche entwickelt worden. Materialge-
setze für das dynamische Schubverhalten von Natursteinmauerwerk sind dem Verfasser nicht
bekannt. Auf Grund dieses Mangels wird im folgenden auf die statischen Materialgesetze auch
für die dynamischen Berechnungen zurückgegriffen. Dafür wird das Modell nach BERNDT ver-
wendet, weil es zum einen im Vergleich zu Versuchen sehr gute Ergebnisse erbrachte, weil es
relativ einfach zu handhaben ist (Schubnachweise) und weil es eine durchgehende Nachweis-
struktur für Normalspannungen und Schubspannungen bietet. Mit diesem Verfahren werden
zulässige Spannungen ausgerechnet, die mit den bei linearelastischen FEM-Rechnungen ermit-
telten Spannungen verglichen werden.

Alle bisher vorgestellten Berechnungsverfahren und Modelle basieren auf diskreten Zahlen-
werten für Einwirkungs- und Widerstandsseite. Im Gegensatz dazu werden aber nun gerade bei
diesen Brücken viele Materialeigenschaften innerhalb eines größeren Bereiches nicht konstant
und homogen sein oder sie sind einfach nicht ausreichend bekannt. Die materialtechnischen
Untersuchungen bestätigen diese Behauptung (Kapitel 3). Die Lösungen der nichtlinearen FEM-
Rechungen bzw. die linear-elastischen FEM-Rechnungen in Verbindung mit den Mauerwerks-
formeln können eine Genauigkeit vortäuschen, die die Genauigkeit der Eingangsgrößen über-
steigt. Diese Tatsache erfordert eine Variation des Berechnungsverfahrens, die zur Ermittlung
der operativen Versagenswahrscheinlichkeit führt und im folgenden Kapitel behandelt wird. Sie
ist die logische Fortsetzung der Berücksichtigung der Anprallhäufigkeit bzw. Anprallwahr-
scheinlichkeit aus Kapitel 2 bei der Beschreibung der Einwirkungsseite und ist außerdem im
Sinne bereits vorhandener Normen.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 109
4.3 Probabilistische Berechnungsverfahren


„Das Gehirn ist ein probabilistisches System, auch unseres. Man hat mich gelehrt, an alle
Dinge probabilistisch heranzugehen. Ich rechne mir die Chancen aus...“
STANISLAW LEM, Die Jagd: Die Verhandlung, 1972


4.3.1 Einführung

Bauwerke müssen sicher sein (Landesbauordnung, Verfassung, deliktrechtliche Produkthaf-
tung § 823 Abs. 1, BGB; § 1 Abs. 1 des PHG). Im Bauwesen ist Sicherheit die qualitative
Fähigkeit eines Tragwerkes, Einwirkungen zu widerstehen (DIN 1055-100). Die Entschei-
dungsgrundlage über das Vorhandensein dieser Fähigkeit erfordert ein quantitatives Maß. Die
Zuverlässigkeit eines Tragwerkes ist ein quantitatives Maß für die Fähigkeit eines Tragwer-
kes, Einwirkungen zu widerstehen. Die Zuverlässigkeit wird in den gegenwärtig vorliegenden
Bauvorschriften als Wahrscheinlichkeit interpretiert (DIN ISO 8930, 1.1 & 1.2). Zusätzlich
wird bei außergewöhnlichen Einwirkungen gestattet, ein Restrisiko zu akzeptieren (Eurocode
1, DIN 1055-9). Damit wird neben der Wahrscheinlichkeit des Versagens auch die Konse-
quenz des Tragwerkversagens berücksichtigt. Dieses Maß erlaubt zusätzlich die Einordnung
der Gefährdung durch Bauwerke im Vergleich zu anderen natürlichen und technischen
Risiken (DIN 1055-9) und wird ausführlich in Kapitel 6: Akzeptables Risiko behandelt.

Bereits bei der Bestimmung der Anprallkraft im Kapitel 2: Einwirkungsseite und im Kapi-
tel 3: Widerstandsseite wurde auf das Maß der Wahrscheinlichkeit im Sinne von Verteilungs-
funktionen für Eingangsgrößen zurückgegriffen. Bei der vorliegenden Aufgabenstellung bie-
tet es sich also an, die Wahrscheinlichkeit des Versagens der Brücken unter Schiffsanprall als
Zuverlässigkeitsmaß zu ermitteln und darauf aufbauend das Risiko abzuschätzen, welches
sich für die Gesellschaft bei der heutigen und zukünftigen Nutzung ergibt. Diese Vorgehens-
weise ist eine Verallgemeinerung der in den Normen bereitgestellten Berechnungsverfahren
(DIN 1055-100 [71], DIN 1055-9 [71], [72], Eurocode 0 bzw. 1 [81], [83], [84]). Damit ist die
vorliegende Arbeit auch nicht als Arbeit zur Entwicklung von Verfahren zu verstehen, son-
dern eine Arbeit zur Anwendung bereits bekannter Verfahren.

Die ersten Vorschläge zur Verwendung von Wahrscheinlichkeiten im Bauwesen gehen auf
eine Arbeit in Deutschland von MAYER (1926) [182] und in der Sowjetunion von CHOCIALOV
(1929) zurück. In den 30er Jahren befaßten sich bereits, unabhängig voneinander, STRELECKIJ
(1935) in der Sowjetunion, W. WIERZBICKI (1936) in Polen und PROT (1936) in Frankreich
mit der Beschreibung der Sicherheit von Bauwerken als Zufallserscheinungen (MURZEWSKI
[202]). Bereits im Jahre 1944 wurde in der Sowjetunion ein Dekret durch die Volkskommis-
sare zum Beginn der Arbeiten für die Einführung der wahrscheinlichkeitstheoretischen Me-
thode der Grenzzustände herausgegeben (TICHÝ [292]). 1947 veröffentlichte FREUDENTHAL
seinen bekannten Aufsatz über die Sicherheit von Bauwerken [95]. In den 50er Jahren flossen
die ersten Erkenntnisse in Bauvorschriften ein (MURZEWSKI [202]). In Deutschland erlebte
die Forschung zu diesem Thema in den 70er Jahren eine Blüte durch die Einrichtung des
Sonderforschungsbereich 96 ,,Zuverlässigkeitstheorie der Bauwerke“ in München. Zur Zeit
wird durch das Joint Committee on Structural Safety der IABSE, CIB, RILEM, fib and ECCS
bereits an einem ersten vollprobabilistischen Modelcode gearbeitet [137].

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 110
Wahrscheinlichkeitstheoretische Grundlagen sind heute fester Bestandsteil moderner Vor-
schriften im Bauwesen (GruSiBau [211], E DIN 1055-100, DIN 18 800, Eurocode 0 bis 8).

Ziel der Durchführung derartiger Berechnungen ist, wie bereits o.g., die Ermittlung der Wahr-
scheinlichkeit bzw. eines äquivalenten Ersatzmaßes des Strukturverhaltens. Dies geschieht
durch sogenannte wahrscheinlichkeitstheoretische bzw. probabilistische Berechnungen.

Eingangsgrößen derartiger Berechnungen sind keine deterministischen, eindeutig zuordenba-
ren Zahlen, sondern Zufallsvariablen, die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen gehorchen.
Die Zufallsvariablen für die Berechnung der beiden Brücken wurden bereits in Tab. 3-5
zusammengestellt. Die einzelnen Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen kann man multiplika-
tiv verknüpfen und erhält daraus eine Verbundwahrscheinlichkeitsdichte. Die Verbundwahr-
scheinlichkeitsdichte bildet in Abhängigkeit von der Anzahl der streuenden Größen und der
Art und Weise der einzelnen Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen ein mehrdimensionales
Volumen. Das Volumen selbst bzw. das Integral hat über alle Zufallsvariablen von minus
unendlich bis plus unendlich immer den Wert 1. Durch beliebige funktionale Zusammen-
hänge der Zufallsvariablen, im vorliegenden Fall die Tragfähigkeit des Pfeilers unter einer
Schiffsanprallkraft, wird das Volumen in zwei Teile geschnitten. Der eine Teil des Volumens
ist die Überlebenswahrscheinlichkeit und der andere die Versagenswahrscheinlichkeit. Im
Bauwesen ist es auf Grund der o.g. gesetzlichen Forderungen üblich, daß die Versagenswahr-
scheinlichkeit sehr geringe Werte annimmt.

Den funktionalen Zusammenhang bezeichnet man üblicherweise als Grenzzustand bzw.
Grenzzustandsgleichung g( ) X ≤ 0. Im Falle der Untersuchung der Alten Mainbrücke Lohr
und der Mainbrücke Segnitz ist die Grenzzustandsgleichung nicht mehr analytisch geschlos-
sen darstellbar, sondern sie beinhaltet Ergebnisse der dynamischen Finite-Elemente-Berech-
nungen.


Abb. 4-17: Darstellung der Zuverlässigkeit als Wahrscheinlichkeit der Überschreitung eines
Grenzzustandes, der eine Funktion der Einwirkung S und des Widerstandes R eines Tragwer-
kes ist. Die Unsicherheiten der beiden Größen folgen statistischen Verteilungsfunktionen.

In Abb. 4-17 wird die erläuterte Problemstellung für eine zweidimensionale Aufgabe verdeut-
licht. Ein Maß für die Wahrscheinlichkeit des Versagens ist genau derjenige Teil des Volu-
mens f r f s dr ds
R S
( ) ( )
∫ ∫
, welcher durch g R S ( , ) ≤ 0 abgetrennt wird. Die Aufgabe der pro-
babilistischen Verfahren besteht nun darin, das Integral der Wahrscheinlichkeitsdichtefunk-
tionen zu ermitteln:
P f x dx
f x
=
∫ ∫
... ( )
(4-23)
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 111
Grundlage für die Wahl der Wahrscheinlichkeit als Zuverlässigkeitsmaß ist eine statistische
Beschreibung der Eingangsgrößen der Nachweise. Dieser Hintergrund spiegelt sich in den
existierenden Bauvorschriften allein durch die Tatsache wieder, daß die charakteristischen
Werte von Eingangsgrößen überwiegend als Fraktilwerte von Widerstands- oder Einwir-
kungsgrößen definiert sind.

Mit der statistischen Beschreibung der Eingangsgrößen wird natürlich implizit vorausgesetzt,
daß genügend Informationen über die Zufallsgröße vorhanden sind und daß in der Tat die
veränderlichen Einwirkungen und Eigenschaften von Materialien zufälligen Schwankungen
unterliegen. Systematische Fehler können also durch diesen Ansatz nicht berücksichtigt
werden. Um solche Fehler auszuschließen, werden grundlegende Forderungen erhoben, die
sich sowohl auf die Bauplanung als auch auf die Ausführung beziehen (DIN 1055-100 [71]).

Die Zielwerte der Versagenswahrscheinlichkeit und das akzeptable Risiko werden in Kapitel
6 behandelt. Im Vergleich zu anderen technischen Bereichen sind die Zielwerte der Ver-
sagenswahrscheinlichkeit im Bauwesen sehr klein.

4.3.2 FORM

Diese geringen Versagenswahrscheinlichkeiten erlauben es, bestimmte Vereinfachungen bei
der Ermittlung des mehrdimensionalen Integrales einzuführen. Die Vereinfachungen haben zu
einer drastischen Verringerung der bis dahin erforderlichen Rechenzeit und auf Grund des
einfachen Algorithmus zu einer weiten Verbreitung dieser Verfahren geführt. Die Grundidee
besteht darin, die mehrdimensionale Integration näherungsweise in eine Extremwertaufgabe
zu überführen.

Ziel der Rechnung ist dann nicht mehr die Versagenswahrscheinlichkeit bzw. das Volumen
selbst, sondern der Sicherheitsindex β, ein für das Volumen repräsentatives Längenmaß. Der
Sicherheitsindex ist der geringste Abstand zwischen Grenzzustandsgleichung und Koordina-
tenursprung im Gaußnormalraum. In diesem Raum ist der Sicherheitsindex ein Maß für das
durch die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen und die Grenzzustandsgleichungen gebildete
Volumen gemäß ( )
f
P β = Φ − . Im Gaußnormalraum folgt jede Zufallsvariable einer standardi-
sierten Gaußnormalverteilungsdichtefunktion. Eine standardisierte Dichtefunktion hat den
Mittelwert Null und die Standardabweichung Eins.

Die grundlegende Annahme für dieses Verfahren ergibt sich aus der erforderlichen Bedingung
der Transformierbarkeit jeder beliebigen Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion in eine Gaußnor-
malverteilungsdichtefunktion. Zusätzlich wird angenommen, daß die Grenzzustandsgleichung
näherungsweise liniearisiert werden kann. Aus dieser Linearisierung rührt auch der Name
dieses Verfahrens: First Order Reliability Method (FORM).

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 112
0
S
i
c
h
e
r
e
r

B
e
r
e
i
c
h
β
U
n
s
i
c
h
e
r
e
r

B
e
r
e
i
c
h
y
2
h
y
y
y
(
)

=

-


-



=

0
β

α
α
1
2
1

2
y
*
1
= α
1
β
y
*
2

=



α
2
β
u
1
arccos α
1
arccos α
2
y
1

Abb. 4-18: Darstellung des Sicherheitsindex, y steht für die transformierten und normierten
Zufallsgrößen und h ist die Grenzzustandsgleichung im Normalraum

Das Ergebnis dieser Rechnung ist aber nicht nur der kürzeste Abstand zwischen Koordinaten-
ursprung und Grenzzustandsgleichung, sondern zusätzlich der Wert jeder Zufallsvariablen,
unter der der geringste Abstand erreicht wird. In Abb. 4-18 werden diese Werte
*
1
y und
*
2
y
genannt. Transformiert man diese Werte wieder in die Originaldichtefunktion, entsprechen sie
denjenigen Werten der Zufallsgrößen, bei denen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit das Ver-
sagen eintritt. Diese Werte werden als Bemessungswerte bezeichnet. Diesen Begriff findet
man auch in den Vorschriften. Interessant ist in einer vollprobabilistischen Rechnung aber,
daß die Bemessungswerte von den statistischen Eigenschaften der anderen Zufallsgrößen
abhängen. Diese Tatsache wiederum spiegelt sich nicht in den Vorschriften wieder und zeigt
die in den Normen vorgenommenen Vereinfachungen.

4.3.2.1 Verfahren von RACKWITZ-FIEßLER

Im folgenden wird das Verfahren von RACKWITZ-FIEßLER (entnommen SPAETHE [273]), wel-
ches auch als Normal-Tail-Approximation bezeichnet wird, kurz beschrieben. Das Konzept
dieses Verfahren läßt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Transformation aller normal-
verteilten und nichtnormalverteilten Zufallsvariablen in normierte normalverteilte Zufallsva-
riablen, Transformation der Grenzzustandsgleichung und Extremwertsuche des kürzesten
Abstandes zwischen dem Koordinatenursprung und der Grenzzustandsgleichung.

Die Transformation in den standardisierten Raum von nichtnormalverteilten Zufallsvariablen
erfolgt gemäß:

|
|
.
|

\
| −
=
*
* *
*
*
1
) (
i
i
i
i
x
x i
x
i x
m x
x f
σ
ϕ
σ
,
(4-24)
|
|
.
|

\
| −
=
*
* *
*
) (
i
i
i
x
x i
i x
m x
x F
σ
Φ
(4-25)

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 113
mit
*
i
x als Bemessungspunkt,
*
i
x
m und
*
i
x
σ als Mittelwert bzw. Standardabweichung der
Normalverteilung, die als Näherung der Originalverteilung gewählt wurde. Eine Umformung
nach diesen Größen ergibt:
))) ( ( (
) (
1
* 1
*
*
i x
i x
x
x F
x f
i
i
i

= Φ ϕ σ
(4-26)
)) ( (
* 1 * * *
i x x i x
x F x m
i i i

− = Φ σ .
(4-27)

Anschließend erfolgt die Iteration nach dem Verfahren von RACKWITZ-FIEßLER:

1. Setze den Iterationszähler auf k = 0 und wähle einen vorläufigen Bemessungspunkt
) (k
i
x
2. Rechne alle nicht normalverteilten Zufallsgrößen näherungsweise in normalverteilte Zu-
fallsgrößen nach den folgenden Formeln für Mittelwert und Standardabweichung um:
*( ) 1 ( )
( )
1
( ( ( )))
( )
i i
i
k k
x x i k
x i
F x
f x

σ = ϕ Φ
(4-28)
*( ) ( ) ( ) 1 ( )
( ( ))
i i i
k k k k
x i x x i
m x F x

= − σ Φ
(4-29)

mit i = 1, 2, ..., m und m als Anzahl der Zufallsgrößen.
3. Berechne den zugehörigen Wert von
) (k
i
x im standardisierten Raum
) (k
i
y
( ) *( )
( )
*( )
i
i
k k
i x k
i k
x
x m
y

=
σ
.
(4-30)
4. Berechne die Grenzzustandsgleichung und die Ableitungen der Grenzzustandsgleichung im
Punkt
) (k
i
y .
) x ( ) y (
) ( ) ( k k
g h =
(4-31)
( ) ( ) ( )
*( )
k k k
k i
i
i i i i
x h g g
y x y x
= = =
∂ ∂ ∂ ∂
= ⋅ = ⋅ σ
∂ ∂ ∂ ∂
y y x x x x

(4-32)
5. Berechne die Koeffizienten der Tangentialhyperebene an 0 ) y ( = h im Punkt
( ) k
y .
( )
( )
( )
1/ 2
2
1
k
k
i
k
i
m
j j
h
y
h
y
=
=
=


α =
| |
| |

|
|
|
| ∂
|
\ .
\ .

y y
y y

(4-33)
( )
( )
( ) ( )
1
( )
1/ 2
2
1
( )
k
k
m
k k
j
j j
k
m
j j
h
h y y
y
h
y
=
=
=
=



δ =
| |
| |

|
|
|
| ∂
|
\ .
\ .


y y
y y

(4-34)

6. Ein neuer Näherungswert für den Bemessungspunkt im Orginalraum kann wie folgt ge-
schätzt werden:
( 1) *( ) *( ) *( ) ( )
i i
k k k k k
i x i x
x m α σ δ
+
= − ⋅ ⋅ (4-35)
mit i =1,2,...,m
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 114
7. Prüfe, ob
) ( ) 1 ( k
i
k
i
x x ≈
+
, wenn erfüllt, dann ist der Bemessungspunkt gefunden und für den
Sicherheitsindex gilt δ β = bei h(0) > 0. Ist die Bedingung nicht erfüllt, führe die Iteration
mit Schritt 2 fort.

Das vorgeschlagene Verfahren ist äußerst praktisch und ergibt recht genaue und schnelle Lö-
sungen bei Verteilungen, die nicht allzu stark von der Normalverteilung abweichen und bei
nicht zu stark gekrümmten Grenzzustandsgleichungen mit möglichst nur einem Bemessungs-
punkt. Die große Verbreitung wahrscheinlichkeitstheoretischer Ansätze basiert zu einem nicht
unbeträchtlichen Teil auf der theoretischen Arbeit zur FORM von HASOFER & LIND [119] und
der hier vorgestellten algorithmischen Umsetzung von RACKWITZ und FIEßLER [86].

4.3.2.2 Andere Transformationen

Daß eine Transformation von nicht normalverteilen Zufallsvariablen oder Variablen mit un-
bekanntem Verteilungstyp auch anders erfolgen kann, soll im folgenden gezeigt werden.

Zwischen zwei Verteilungsfunktionen, deren erste vier Momente identisch sind, herrscht in
der Regel eine große Übereinstimmung (PENDOLA, HORNET, LEMAIRE & MOHAMED [226],
TUNG [294]). Die ersten vier Momente werden im Anhang C vorgestellt. Eine Möglichkeit,
die Informationen aus den ersten vier Momenten einer Grundgesamtheit für weitere Rechnun-
gen zu erhalten, ist die sogenannte Normaltransformation der ursprünglichen Zufallsvariablen.
Es gibt Normaltransformationen verschiedener Ordnung. Eine Normaltransformation dritter
Ordnung kann wie folgt beschrieben werden:

3
3
2
2 1 0
Z a Z a Z a a X + + + =
(4-36)
mit X als ursprüngliche Zufallsvariable, Z als standardnormalverteilte Variable und a
0
bis a
3

als Koeffizienten des Polynoms dritter Ordnung. Es ist natürlich wünschenswert, die Koeffi-
zienten so zu wählen, daß sie eine optimale Anpassung der standardnormalverteilten Zufalls-
variable an die ursprüngliche Zufallsvariable erlauben. Zur Wahl der Koeffizienten sind ver-
schiedene Verfahren entwickelt wurden, die kurz vorgestellt werden sollen.

Produkt–Momenten–Methode (PM) nach TUNG [294]

Die vier Koeffizienten können ermittelt werden, indem die ersten vier Momente der ur-
sprünglichen Zufallsvariable mit den ersten vier Momenten der transformierten Größe in Be-
ziehung gesetzt werden. Nach mehreren Umformungen ergibt sich das folgende nichtlineare
Gleichungssystem:
0 2 x
a a u = + (4-37)
2 2 2
1 1 3 2 3
6 2 15
x
a a a a a σ = + ⋅ ⋅ + ⋅ + ⋅
(4-38)
2 2
2 1 1 3 2
2 ( 24 105 2)
x
a a a a a γ = ⋅ ⋅ + ⋅ ⋅ + ⋅ +
(4-39)
2 2 2 2 2
1 3 2 1 1 3 3 1 3 2 3
3 24 ( [1 28 ] [12 48 141 225 ])
x
k a a a a a a a a a a a = + ⋅ ⋅ + ⋅ + + ⋅ ⋅ + ⋅ + ⋅ + ⋅ + ⋅
(4-40)
wobei u
x
dem Mittelwert, σ
x
der Standardabweichung, γ
x
der Schiefe und k
x
der Kurtosis der
Zufallsvariablen X entspricht. Das Gleichungssystem hat eine Lösung, wenn gilt:
2
1, 58837 1,8683
x x
k > ⋅ γ +
(4-41)

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 115
Methode des Minimum der Summe der Fehlerquadrate (LS) nach TUNG [294]

Man kann Gleichung (4–36) für den Fall von Einzelfraktilwerten umschreiben:
3
3
2
2 1 0 p p p p
z a z a z a a x + + + =
(4-42)
wobei x
p
und z
p
die p–ten Fraktilwerte der Zufallsgrößen sind. Sind mehr als 4 Fraktilwerte
der ursprünglichen Zufallsvariable bekannt und werden die zugehörigen Fraktilwerte der
standardnormalverteilten Zufallsvariable berechnet, kann man die Koeffizienten a
0
bis a
3
so
wählen, daß die Summe der Fehlerquadrate der Differenzen der p–ten Fraktilwerte der ur-
sprünglichen Zufallsgröße und der Transformation minimal wird. Das Hauptproblem hierbei
liegt in der Frage, wieviel p–te Fraktilwerte ausreichend sind, um eine gute Annäherung für
den gesamten Definitionsbereich von X zu erreichen. In [294] wird darauf hingewiesen, daß
bei einer Anzahl von 9 Fraktilwerten und 19 Fraktilwerten praktisch keine Unterschiede mehr
bei der Ermittlung der Wahrscheinlichkeiten auftritt. Deshalb wird 9 als Mindestwert der
Fraktilwerte (= Stützstellen) angenommen.

FISHER–CORNISH (FC) Asymptotic Expension Methode nach TUNG [294]

Wiederum basierend auf den ersten vier Momenten wird folgende Transformationsgleichung
angegeben.
3
4
2
3 4 3
) 3 1 ( '
p p p p
z h z h z h h x + + − + − =
(4-43)
mit
x
x p
p
x
x
σ
u −
= '
6
3
x
h
γ
=
24
3
4

=
x
k
h
(4-44)

Außerdem gibt es eine verbesserte Version für dieses Verfahren
2 3
3 4 3 4
' (1 3 )
p p p p
x kh k h z kh z kh z = + − + +
% % % % % % % %

(4-45)
mit
3
4 2 1 1, 5( 3)
x
x
h
k
γ
=
+ + −
%

4
1 1, 5( 3) 1
18
x
k
h
+ − −
=
%

2
4
2
3
~
6
~
2 1
1 ~
h h
k
+ +
=
(4-46)

Für die verbesserte Variante wird 3 / 7 >
x
k gefordert. Alle drei genannten Transformations-
verfahren wurden in dem Programm Excel programmtechnisch umgesetzt.

Vergleich der Verfahren

TUNG [294] hat die hier genannten Verfahren in einer Parameterstudie mit log-normal-, gum-
bel- und weibullverteilten Zufallsgrößen verglichen. Die Ergebnisse der Untersuchung lassen
sich wie folgt zusammenfassen. Ist die Verteilung der ursprünglichen Zufallsgröße unbekannt,
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 116
zeigt die FC-Methode bei kleinen Stichprobenanzahlen die besten Ergebnisse. Mit steigender
Stichprobenanzahl zeigt die LS-Methode die beste Qualität. Ist die Verteilung bekannt, zeigt
die LS-Methode die besten Ergebnisse und die FC-Methode die schlechtesten. Die PM-Me-
thode liegt immer in der Mitte. Die Anfälligkeit der LS Methode bei kleinen Stichprobenan-
zahlen wurde z. B. auch schon von KASPERSKI & HOLMES [142] festgestellt.

Die Transformation kann auch angewendet werden, um Aussagen über die Schwänze einer
statistischen Größe anhand der vorhanden Stichproben zu schätzen. Auf Grund der Dominanz
der Normal- und Log-Normalverteilungen bei den streuenden Größen bestand im nachhinein
kein Bedarf für den Einsatz der hier vorgestellten Transformationen.

4.3.2.3 Hypersphere Division Method

Einen Sonderfall der Extremwertsuche stellt die Hypersphere Division Method dar. Hierbei ver-
sucht man nicht, durch eine analytische Extremwertsuche eine Lösung zu finden, sondern
probiert systematisch den gesamten Lösungsbereich durch. Im Gegensatz zu einem Gitter
bieten die Kugelkoordinaten aber den Einbau von a-priori Informationen in den Radius mit
an. Deshalb werden bei dem Verfahren zuerst alle Zufallsgrößen in Kugelkoordinaten trans-
formiert:



=
=
1
1
1
cos
k
j
j
r x θ
(4-47)
1
1
cos sin = 2, 3, ..., -1; 3
k i
i j k i
j
x r i k k

+ −
=

= θ θ ≥




(4-48)
1
sinθ r x
k
= (4-49)
= 1, 2, ..., -2
2 2
j
j k
π π
− ≤ θ ≤

π θ 2 0
1
≤ ≤
− k

∞ ≤ ≤ r 0

und man erhält die Wahrscheinlichkeitsfunktion und die –dichtefunktion in Kugelkoordinaten
|
.
|

\
|
− =
2
2 /
2
1
exp
) 2 (
1
) ( r r f
k R
π

(4-50)
r r I r r f P
k k k
k k
D
k
R f
f
d d d ... d d cos ... cos cos ) , ( ... ) (
2 /
2 /
2
0
1 2 2 1 2
1
2
3
1
2 1
0 )
`
¹
¹
´
¦
⋅ ⋅ ⋅ =
∫ ∫ ∫

− − −
− − −
∞ π
π
π
θ θ θ θ θ θ θ θ

(4-51)

wobei gilt:
¹
´
¦


=
f
f
D
D
D
X I
f
X wenn 0
X wenn 1
) (
(4-52)
{ }
1
( ( ) 0)
m
f l
l
D g X
=
= ≤ X
U

(4-53)
∫ ∫
= =
f
f
D alle
D f
f I f P
X
X d ) X ( ) X ( X d ) X (
(4-54)

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 117
Die Oberfläche der Grenzzustandsfunktion als Funktion von r wird berechnet nach
/ 2 2 1 / 2
1 2 3 1
1 2 2 1 2 2 1
/ 2 0
2
( ) ... cos cos ... cos d d ...d d
( / 2)
k k
k k k
k k k
r
S r r
k
π π −
− − −
− − −
−π
⋅ ⋅ π
= θ ⋅ θ ⋅ ⋅ θ θ θ θ θ =
Γ
∫ ∫
.
(4-55)

Die Differenz der Versagenswahrscheinlichkeit bei einer Variation des Radius wird wie folgt
ermittelt:
/ 2 2
1 2 3 1
1 2 2 1 2 2 1
/ 2 0
( ) ( ) ... ( , ) cos cos ... cos d d ...d d
f
k k k
f R D k k k
P r f r r I r
π π
− − −
− − −
−π
∆ = ⋅ θ ⋅ θ θ θ θ θ θ θ
∫ ∫

(4-56)

An dieser Stelle wird eine Unterteilung der Winkel mit konstanter Schrittweite α
j
mit
1, 2, ..., 1 j k = − für alle Zufallsvariablen eingeführt. Damit setzt sich die Oberfläche der
Grenzzustandsgleichung aus Teilflächen zusammen (Abb. 4-19):
2 2 1 1 1 1 2 2
1 1 2 2 2 2 1 1
( 1) ( 1) ( 1) ( 1)
2 3 1 1
1 1 2 2 2 2 1
cos d cos d ... cos d (cos ) d
k k k k
k k k k
j j j j
k k
i k k k
j j j j
s
− − − −
− − − −
+ ⋅α + ⋅α + ⋅α + ⋅α
− −
− − −
α α α α
= θ θ θ θ θ θ θ θ
∫ ∫ ∫ ∫

(4-57)

α
2

2
j
2
α
2
j
2+1
α
2
j
1+1
α
1
j
1
α
1
α
1

1
Einheits-Hypersphere
- /2 π
π/2
- /2 /2 π ≤ Θ ≤ π
l
≤ Θ ≤ 2π
2
{(j +1) ,j }
2 2 2 2
α α
{(j +1) ,(j +1) }
1 1 2 2
α α
{j ,(j +1) }
1 2 2 2
α α
{j ,j }
2 2 2 2
α α
S
i
Θ Θ Θ =( , )
1 2
0

Abb. 4-19: Darstellung der Teilflächen

Summiert man diese Teilstücke, erhält man die Fläche der Grenzzustandsgleichung für den
Wert r mit

=
=
c
N
i
i
s S
1
) 1 ( .
(4-58)

Die Anzahl der Unterteilungen m
j
von 1, 2, ..., 1 j k = − , die Schrittweite der Winkel der
jeweiligen Zufallsvariablen α
j
mit 1, 2, ..., 1 j k = − und die Anzahl der Teilflächen N
c
sind
wie folgt verknüpft
.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 118
=1,2,..., -2
j
j
j k
m
π
α =
(4-59)
1
1
2
k
k
m


⋅ π
α =
(4-60)
1
1
k
c j
j
N m

=
=

.
(4-61)

Die jeweilige Versagenswahrscheinlichkeit, die zu einem solchen Flächenelement bei kon-
stantem Radius gehört, ist
1
( , ) ( ) ( , )
f
k
f i R D i i
P r f r r I r s

∆ Θ = ⋅ Θ ⋅
(4-62)
mit Θ
i
die jeweiligen Koordinaten des i-ten Elementes und 1, 2, ...,
c
i N = .
Es gilt damit näherungsweise:
/ 2 2
1 2 3 1
1 2 2 1 2 2 1
/ 2 0
1
1
( ) ( ) ... ( , ) cos cos ... cos d d ...d d
( ) ( , ) .
f
c
f
k k k
f R D k k k
N
k
R D i i
i
P r f r r I r
f r r I r s
π π
− − −
− − −
−π

=
∆ = ⋅ θ ⋅ θ θ θ θ θ θ θ
≈ ⋅ ⋅ Θ ⋅
∫ ∫


(4-63)

Anschließend muß nur noch über den Radius integriert werden, um die Gesamtversagens-
wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Es erscheint jedoch sinnvoll, diese Integration nur über einen
bestimmten Bereich durchzuführen, denn obwohl der Radius von 0 bis ∞ definiert ist, wird
nur ein begrenzter Bereich für baupraktische Belange von Bedeutung sein und muß untersucht
werden. Im standardisierten Raum würde eine Integration im Bereich r < β keinen Beitrag zur
Versagenswahrscheinlichkeit leisten. Die Möglichkeit der geschickten Wahl der Grenzen von
r und die Tatsache, daß mehrere Grenzzustandsgleichungen gleichzeitig berücksichtigt wer-
den können, bilden die Vorteile dieses Verfahrens (Abb. 4-20). Durch eine Einführung sinn-
voller Grenzen R
L
und R
U
für den Radius erhält man:
0
( )d ( )d
U
L
R
f f f
R
P P r r P r r

= ∆ ≈ ∆
∫ ∫
,
(4-64)

und um eine Integration zu vermeiden, wird anstelle des Integrales wieder eine Summe einge-
führt
{ }
1
1
1 1 1
( )d ( ) ( , )
w w c
f
N N N
k
f f R l l D l i i
l l i
P P r r f r r I r s w
η
η
+

= = =
≈ ∆ ≈ ⋅ ⋅ Θ ⋅ ⋅
∑ ∑ ∑


(4-65)

mit w als konstante Schrittweite des Radius r bei der Summation.

Diese Ausführungen wurden überwiegend YONEZAWA, PARK, & OKUDA [336] entnommen.
Das Verfahren wurde nicht für die Untersuchung der Brücken verwendet, da der Aufwand der
Abtastung der Grenzzustandsgleichung in Verbindung mit den FEM-Rechung zu groß wird.
Eine Abtastung der Antwort-Fläche mit diesem Verfahren ist möglich, aber bei der verwen-
deten quadratischen Antwort-Fläche erscheinen insbesondere die im folgenden zu behandeln-
den SORM-Algorithmen ausreichend genau.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 119
r
l
Versagens-
bereich: P
f
Hypersphere mit Radius r
l
s
i
Einheits-Hypersphere
Sicherer Bereich
f (r )r s
R l l i
k-1
[r , ]
l i
Θ
r
l
0 R
Wahrscheinlichkeits-
dichtefunktion
f
R
(r)
f
R l
(r )


Abb. 4-20: Systematische Darstellung der Absuche im Kugelraum

4.3.3 SORM-Verfahren
4.3.3.1 Verfahren von BREITUNG

Bei den FORM-Algorithmen wurde davon ausgegangen, daß die Krümmung der Grenzzu-
standsgleichung vernachlässigbar gering ist. Man kann aber versuchen, die Krümmung der
Grenzzustandsgleichung in die Ermittlung des Sicherheitsindex mit einfließen zu lassen. Da-
durch erzielt man u.U. eine höhere Genauigkeit des Sicherheitsindex im Vergleich zur
FORM-Rechnung. Das Verfahren von BREITUNG zur Berücksichtigung der Krümmung der
Grenzzustandsgleichung wird in diesem Abschnitt vorgestellt.

Die Näherung der Grenzzustandsgleichung wird dann wie folgt beschrieben:
0 ) y y ( B ) y y (
2
1
) y ( ) y y ( ) y ( ) y (
* * * * *
= − ⋅ ⋅ − + ∇ ⋅ − + =
y
T T
h h h
(4-66)

B
y
ist die Matrix der zweiten und gemischten Ableitungen von h(y) im standardisierten Raum
am Bemessungspunkt. BREITUNG nähert die Versagenswahrscheinlichkeit mit folgender For-
mel:
1
1/ 2
1
( ) (1 )
m
f i
i
P a


=
= Φ −β −β⋅


(4-67)
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 120

mit a
i
und i = 1, 2, ..., m - 1 als Hauptkrümmungen von h im Bemessungspunkt im standardi-
sierten Raum. Die Ermittlung der Hauptkrümmungen ist das eigentliche Problem dieses Ver-
fahrens und gestaltet sich wie folgt.

Um die Hauptkrümmungen zu ermitteln, wird eine Drehung des Koordinatensystems notwen-
dig. Zur Durchführung dieser Drehung benötigt man eine Matrix, die mittels des
SCHMIDT’schen Orthogonalisierungsverfahrens bestimmt werden kann.

Es gelte
u D y ⋅ =
(4-68)
bzw. für die neuen Koordinaten im gedrehten System
y D u ⋅ =
T
.
(4-69)
Für die Matrix gelte:
T
m
) d ,..., d , d ( D
2 1
=
(4-70)
mit α =
1
d und
k
k
k
f
f
= d , wobei


=
− =
1
1
d ) d e ( e
k
l
l l
T
k k k
f 2, 3, ..., k m = und e
k
= k-ter
Einheitsvektor.

Im neuen System gilt dann
* *
( , 0, 0,..., 0)
T T
= = β u D y
(4-71)
und
1
, 0, 0,..., 0
T
u
u
g
g h
u
| | ∂
∇ = ⋅ ∇ =
|

\ .
D
(4-72)
0 ) u (
*
=
u
g , D B D B
y
T
u
=
(4-73)
und damit wird der Tayloransatz zu
* * *
1 1
1
1
( ) ( ) ( ) 0
2
T u
u
g
u u
u

− ⋅ + − ⋅ ⋅ − =

u u B u u .
(4-74)
Die Hauptkrümmungen sind die Wurzeln der Gleichung
1
ˆ
det 0
/
u
u
a
g u
| |
− ⋅ =
|
∂ ∂
\ .
B
I .
(4-75)
u
B
ˆ
ist die Matrix der zweiten und gemischten Ableitungen und wird aus
u
B durch Streichen
der ersten Zeile und ersten Spalte erstellt. I ist die Einheitsmatrix.

Die Näherung von BREITUNG gibt gute Ergebnisse, wenn die Krümmungen klein und der Si-
cherheitsindex groß ist. Das Verfahren wurde SPAETHE [273] entnommen.

4.3.3.2 TVEDT’S Korrektur für BREITUNG (aus KÖYLÜOGLU & NIELSEN [153])

Die Näherung der Versagenswahrscheinlichkeit erfolgt durch drei Terme (4-77). Zwei Terme
können als Korrektur für das Verfahren von BREITUNG interpretiert werden. Damit ist das
Verfahren von TVEDT eine Erweitung des Verfahrens von Breitung. Dieses Verfahren wurde
nur probeweise in die Berechnungen integriert und ist nicht Bestandteil der beispielhaft im
Anhang dargestellten Berechnungsergebnisse. Der Rechenablauf gliedert sich wie folgt, wo-
bei die Hauptkrümmungen a
i
wieder bereitgestellt werden müssen:

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 121
f
P − =1 γ (4-76)
) ( 1
3 2 1
A A A + + − = γ mit (4-77)
1
1/ 2
1
1
( ) (1 )
n
j
j
A a


=
= Φ −β +β


(4-78)
1 1
1/ 2 1/ 2
2
1 1
[ ( ) ( )] (1 ) (1 ( 1) )
n n
j j
j j
A a a
− −
− −
= =
¦ ¹
= βΦ −β − ϕ β ⋅ +β − + β +
´ `
¹ )
∏ ∏

(4-79)
1 1
1/ 2 1/ 2
3
1 1
( 1)[ ( ) ( )] (1 ) Re (1 ( i) )
n n
j j
j j
A a a
− −
− −
= =
¦ ¹

¦ ¦
= β + βΦ −β − ϕ β ⋅ +β − + β +
´ `
¦ ¦ ¹ )
∏ ∏

(4-80)

Das Verfahren von TVEDT liefert im Gegensatz zum Verfahren von BREITUNG nicht nur gute
Ergebnisse bei großen, sondern bereits bei mittelgroßen Sicherheitsindizes. Bei kleinen Si-
cherheitsindizes reichen die beiden Korrekturterme nicht aus, eine ausreichend hohe Genau-
igkeit des Sicherheitsindex zu gewährleisten [153]. Das gleiche gilt für negative Krümmun-
gen. Aus diesem Grund hat TVEDT das Verfahren weiterentwickelt.

4.3.3.3 Exaktes Verfahren nach TVEDT (aus KÖYLÜOGLU & NIELSEN [153])

Für paraboloide Grenzzustandsgleichungen ergibt die folgende Formel exakte Ergebnisse. Die
Krümmung darf positiv oder negativ sein, auch der Sicherheitsindex darf beliebige Werte
annehmen:

f
P − =1 γ (4-81)
2 1
1
2 2 1/ 4
1
0
1
1 1 exp( 1/ 2 )
0, 5 sin arctan( ) d
2
(1 )
n
j n
j
j
j
a
a



=
=

− θ
γ = + βθ + θ θ

π

θ + θ




(4-82)

Der Nachteil dieses Verfahrens ist die erforderliche numerische Lösung des Integrales. Des-
halb wurden weitere SORM Verfahren entwickelt.
4.3.3.4 Verfahren von KÖYLÜOGLU & NIELSEN [153]

KÖYLÜOGLU & NIELSEN [153] stellten das folgende Verfahren vor. Ausgangspunkt für ihre
Überlegungen war die Tatsache, daß die meisten SORM Verfahren bei einem kleinen Sicher-
heitsindex nicht funktionieren, z. B. BREITUNG oder TVEDT’S Korrektur für BREITUNG.
Gemäß der üblichen Formel für SORM-Integrale

f
P − =1 γ (4-83)

und unter der Annahme, daß alle Krümmungen a
i
positiv sind, geben KÖYLÜOGLU & NIELSEN
folgende Formel an:
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 122
1
1
0,1
2 2
1 1 1
1,1 2,1
1 1 1 0,1 0,1 0,1
3
1 1
3,1
1 1 0,1 0,1
1
1 ( )
1 /
1 1
1 2
2 1 / 4 1 / 1 /
1
2
8 1 / 1 /
n
j
j
n n n
k k k
k k k k k k
n n
k k
k k k k
a c
a a a
c c
a c a c a c
a a
c
a c a c

=
− − −
= = =
− −
= =
γ = − Φ −β
+
¦

| | | |
¦
⋅ + + +
| | ´
+ + +

\ . \ . ¦
¹

| | | |
+ +
| |
+ +
\ . \ .


∑ ∑ ∑
∑ ∑
2
1
1 0,1
3
1
1 0,1
1 /
+12 +
1 /
n
k
k k
n
k
k k
a
a c
a
a c

=

=
| |
| |
|
|
| +

\ .
\ .
¹

| |
¦

| `
+

\ . ¦
)


K

(4-84)
Für ausschließlich negative Krümmungen a
i
ergibt sich:
1
1
0,2
2 2
1 1 1
1,2 2,2
1 1 1 0,2 0,2 0,2
3
1 1
3,2
1 1 0,2 0,2
1
1 ( )
1 /
1 1
1 2
2 1 / 4 1 / 1 /
1
2
8 1 / 1 /
n
j
j
n n n
k k k
k k k k k k
n n
k k
k k k k
a c
a a a
c c
a c a c a c
a a
c
a c a c

=
− − −
= = =
− −
= =
γ = − Φ +β

¦

| | | |
¦
⋅ + + +
| | ´
− − +

\ . \ . ¦
¹

| | | |
+ +
| |
+ +
\ . \ .


∑ ∑ ∑
∑ ∑
2
1
1 0,2
3
1
1 0,2
1 /
+12 +
1 /
n
k
k k
n
k
k k
a
a c
a
a c

=

=
| |
| |
|
|
| +

\ .
\ .
¹

| |
¦

| `
+

\ . ¦
)


K

(4-85)
Die generalisierte Form für positive und negative Krümmungen a
i
der Grenzzustandsgleichung
lautet gemäß KÖYLÜOGLU & NIELSEN wie folgt:
1 1
1,2
0,2 0,2
1 1
1,1
1 0,1 0,1
1
1,1
1 0,1 0,1
1 1
( ) ( ) 1
2 1 / 1 /
1 1
1 1
2 1 / 1 /
1 1
( ) 1
2 1 / 1 /
n n
k
j m k m k j
m m
k
j k m k j
m
k
k k j
a
d
a c a d
a
c
a c a c
a
d
a c a d
− −
= =
− −
= =

=

¦ ¹
¦ ¦
γ = Φ β + Φ −β + +
´ `
− −
¦ ¦
¹ )

¦ ¹
¦ ¹
¦ ¦ ¦¦
⋅ − + +
´ ´ ``
+ +
¦ ¦
¹ ) ¦ ¦
¹ )

¦
¦
− Φ β + +
´
+ +
¹
∏ ∑
∏ ∑

K
K
K
1
1
1 1
1,2
1 0,2 0,2
1 1
1 1
2 1 / 1 /
m
j
n n
k
j m k k j
a
c
a c a c

=
− −
= =

¹
¦

`
¦ ¦
)

¦ ¹
¦ ¹
¦ ¦ ¦¦
⋅ − + +
´ ´ ``
− −
¦ ¦
¹ ) ¦ ¦
¹ )


∏ ∑
K

(4-86)

In Abhängigkeit davon, wann die Terme abgebrochen werden, ergeben sich verschiedene Nä-
herungsansätze. Bei einer Ein-Term-Näherung für positive Krümmungen wird der Koeffizient
zu
0,1
( )
( )
c
Φ −β
=
ϕ β
,
(4-87)
und 0
1 , 2 1 , 1
= = = K c c
und bei einer Zwei-Term-Näherung zu
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 123
0,1
( ) 1
( ) 1 1 ( ) / ( )
c
| |
Φ −β
=
|
ϕ β + −βΦ −β ϕ β
\ .
,
(4-88)
1,1
( ) ( )
1
( ) ( )
c
ϕ β βΦ −β
= −
Φ −β ϕ β

(4-89)
und 0
1 , 3 1 , 2
= = = K c c .
Bei drei Termen ergeben sich die Koeffizienten zu:
1,1
0,1
1 ( )
( )
c
c
ϕ β
− =
Φ −β
,
(4-90)
1,1
2,1 2
0,1 0,1
1 ( )
2 2
( )
c
c
c c
βϕ β
− + =
Φ −β
,
(4-91)
2
1,1 2,1
3 2
0,1 0,1 0,1
1 ( 1) ( )
3 6
( )
c c
c c c
β − ϕ β
− + =
Φ −β

(4-92)
und 0
1 , 4 1 , 3
= = = K c c .
Diese drei Gleichungen können zu einer kubischen Gleichung mit mindestens einer positiven
reellen Lösung umgeformt werden. Diejenige Lösung für c
0,1
, die kleiner als
0,1
( ) 1
( ) 1 1 ( ) / ( )
c
| |
Φ −β
=
|
ϕ β + −βΦ −β ϕ β
\ .

(4-93)
ist, sollte verwendet werden.

Für die andere Krümmung ergeben sich bei einer Ein-Term-Näherung die Koeffizienten zu:
0,2
( )
( )
c
Φ β
=
ϕ β

(4-94)
und 0
2 , 2 2 , 1
= = = K c c ,
bei einer Zwei-Term-Näherung zu
0,2
( ) 1
( ) 1 1 ( ) / ( )
c
| |
Φ β
=
|
ϕ β + +βΦ β ϕ β
\ .

(4-95)
1,2
( ) ( )
1
( ) ( )
c
−ϕ β βΦ β
= +
Φ β ϕ β
,
(4-96)
und 0
2 , 3 2 , 2
= = = K c c , und
bei einer Drei-Term-Näherung zu
1,2
0,2
1 ( )
( )
c
c
ϕ β
+ =
Φ β
,
(4-97)
1,2
2,2 2
0,2 0,2
1 ( )
2 2
( )
c
c
c c
βϕ β
+ + = −
Φ β
,
(4-98)
2
1,2 2,2
3 2
0,2 0,2 0,2
1 ( 1) ( )
3 6
( )
c c
c c c
β − ϕ β
+ + =
Φ −β

(4-99)
und 0
2 , 4 2 , 3
= = = K c c .

Diese drei Gleichungen können zu einer kubischen Gleichung mit mindestens einer positiven
reellen Lösung umgeformt werden. Diejenige Lösung für c
0,2
, die kleiner als
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 124
0,2
( ) 1
( ) 1 1 ( ) / ( )
c
| |
Φ β
=
|
ϕ β + −βΦ β ϕ β
\ .
,
(4-100)
ist, sollte verwendet werden.

Bei einer Näherung der d-Terme durch eine Ein-Term Formulierung erhält man:
1 , 0 1 , 0
2c d = ,
2 , 0 2 , 0
2c d = und 0
1 , 2 1 , 1
= = = K d d und 0
2 , 2 2 , 1
= = = K d d .

In der Berechnung der Brücken wurde diese Näherung des d-Terms und eine Ein-Term bzw.
eine Drei-Term-Formulierung für die c-Faktoren gewählt und umgesetzt.
4.3.3.5 Verfahren von CAI & ELISHAKOFF [37]

CAI & ELISHAKOFF [37] nennen die gleiche Kritik wie KÖYLÜOGLU & NIELSEN [153] an
BREITUNGS Verfahren. Sie teilen das ursprüngliche SORM-Integral in zwei Teile und nähern
die Funktion dann durch eine TAYLOR-Reihe an. Das Verfahren von CAI & ELISHAKOFF [37]
ist relativ einfach zu handhaben:
2
1 2 3
1
( ) exp ( )
2 2
f
P D D D
| | β
= Φ β + − + + +
|
π
\ .
K .
(4-101)
Die einzelnen Glieder der TAYLOR-Reihe werden wie folgt ermittelt:
1 j
j
D = λ


(4-102)
2
2
1
3
2
j j k
j j k
D

| |
= − β ⋅ λ + λ λ
|
\ .
∑ ∑

(4-103)
2 3 2
3
1
( 1) 15 9
6
j j k j k l
j j k j k l
D
≠ ≠ ≠
| |
= β − ⋅ λ + ⋅ λ λ + λ λ λ
|
\ .
∑ ∑ ∑
.
(4-104)
Basis für die Berechnung sind wiederrum die Hauptkrümmungen, die allerdings schon bei der
SORM-Berechnung mittels BREITUNGS Verfahren bereitgestellt worden waren:
2
j j
a = − λ . (4-105)

4.3.3.6 Wertung der SORM-Verfahren

Nach ZHAO & ONO [338] kann man die Aussagen zur Genauigkeit der SORM-Verfahren zu-
sammenfassen:

• Alle SORM-Verfahren zeigen eine Abhängigkeit der Lösung von der Anzahl der Variablen
und dem durch FORM ermittelten und bereitgestellten Sicherheitsindex.
• Alle SORM-Verfahren bringen hinreichende Näherungen bei großen Radien (kleine Krüm-
mungen) und einer kleinen Anzahl von Variablen.
• Für Grenzzustandsgleichungen mit Krümmungen, die unterschiedliche Vorzeichen besit-
zen, zeigen alle Verfahren beachtliche Fehler.

Für positive Krümmungen und wenige Variablen erbringen BREITUNG’s Formel und TVEDT’s
Formel gute Ergebnisse. CAI & ELISHAKOFF’s Ansatz erbringt bei positiven Krümmungen nur
gute Ergebnisse, wenn der Sicherheitsindex der mit FORM ermittelt wurde, nicht zu groß ist.
CAI & ELISHAKOFF’s Vorschlag erbringt immer gute Ergebnisse bei negativen Krümmungen.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 125
4.3.4 Monte-Carlo-Simulation

Die Monte-Carlo-Simulation ist im Gegensatz zu den bisher behandelten Extremwertverfah-
ren ein Integrationsverfahren. Der Name dieses Verfahrens unterstellt eine gewisse Universa-
lität und legt nahe, daß auch eine Anwendung in anderen Bereichen des Lebens als nur Bau-
wesen möglich ist. Das Prinzip dieses Verfahrens folgt dem Motto des wahllosen Probierens.
Die einzige Bedingung besteht in der Qualitätsanforderung an die Realisierung von wahllos.
Dazu verwendet man Zufallszahlengeneratoren, die sogenannte Pseudo-Zufallszahlen erstel-
len. Solche Generatoren sind bereits in viele Programme integriert und in umfangreichem
Maße in der Literatur dokumentiert [212]. Der große Vorteil dieses Verfahrens ist in der
unkomplizierten Anwendung zu sehen. Mathematisch wird das Verfahren wie folgt beschrie-
ben:
N
f f
V f V dV f
2
2


± ≈

.
(4-106)
V entspricht dem Volumen. Die eckigen Klammern entsprechen dem arithmetischen Mittel-
wert der Funktion über die Anzahl N der Stichproben:
∑ ∑
= =
≡ ≡
N
i
i
N
i
i
x f
N
f x f
N
f
1
2 2
1
) (
1
) (
1
.
(4-107)

Der “plus-minus”-Term stellt hierbei den Ein-Standardabweichungs-Fehlerschätzer unter An-
nahme eines normalverteilten Fehlers des Integrals dar [212]. Ein großer Vorteil der Monte-
Carlo-Simulation wird hier bereits deutlich. Der Fehler ist unabhängig von der Anzahl der
Dimensionen, also der Anzahl der veränderlichen Eingangsgrößen (der Zufallsvariablen).

Der Ablauf gestaltet sich wie folgt: Prüfe unter zufälliger Variation der Eingangsgrößen, ob
die Grenzzustandsgleichung eingehalten ist, erfasse die Anzahl der Fälle, in denen die Struk-
tur versagt und setze sie ins Verhältnis zur Gesamtanzahl der Rechnungen. Das Ergebnis ist
die Versagenswahrscheinlichkeit der Struktur. Solche Rechnungen lassen sich relativ einfach
in viele FEM-Programme einbinden, die eine eigene Programmiersprache beinhalten, wie
z.B. Sofistik, DIE oder ANSYS.

Die erforderliche Stichprobenanzahl für eine ausreichende Genauigkeit der Monte-Carlo-Si-
mulation kann nach verschiedenen Verfahren abgeschätzt werden. Im folgenden seien zwei
Beispiele nach FLEDERER [90] genannt:
2
(1 )
1
1
f f
erf
P P
n
P
ε

= ⋅
− ε
bzw.
2
(1 )
f f
erf
P P
n k
ε

= ⋅
ε

(4-108)

mit P
ε
als Signifikanzniveau, ε als Konfidenz (statistischer Fehler) und k
ε
als ein Faktor.

Gerade bei den im Bauwesen üblichen geringen Versagenswahrscheinlichkeiten werden da-
durch erhebliche Stichprobenumfänge notwendig. Als Beispiel (nach MACKE [174]) soll eine
Versagenswahrscheinlichkeit von 10
-6
mit einem statistischen Fehler von ε ≤ 50% errechnet
werden. Der erforderliche Stichprobenumfang beträgt 4 × 10
6
. Wenn ein statistischer Fehler
von ε ≤ 10% gefordert wird, so muß die Stichprobenanzahl bereits 10
8
betragen.

Die hohen erforderlichen Stichprobenanzahlen führen insbesondere bei komplexen mechani-
schen Modellen wie sie die strukturmechanische Beschreibung der beiden Brücken bei einem
Anprall darstellt, zu einer Rechenzeit, die den praktischen Einsatz des Verfahrens fraglich
erscheinen läßt. Um diesen Nachteil zumindest teilweise auszuschalten, sind verschiedene
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 126
Verfahren entwickelt worden, die zusätzliche a-priori-Informationen in die Berechnung ein-
fließen lassen. Eine Möglichkeit stellt die Varianzreduktion der Lösung durch eine Transfor-
mation der Verteilungen in den Bereich des erwarteten Versagens dar. Damit wird klar, daß
für diese Lösung eine grobe Schätzung des Lösungsbereiches bekannt sein muß. Die Trans-
formation wird im folgenden erläutert.

4.3.4.1 Stichprobenreduzierte Monte-Carlo-Simulation

Das ursprüngliche mehrdimensionale Integral zur Bestimmung der Versagenswahrscheinlich-
keit, welches
∫ ∫
<
=
0
x d ) x ( ...
g
x f
f P
(4-109)

lautete, wird durch die Einführung einer Indikator- oder Wichtungsfunktion auf den gesamten
Definitionsbereich erweitert, also
∫ ∫
=
x alle
x d ) x ( ) ( ...
x f
f x I P , wobei für I(x) gelten soll:
¹
´
¦

<
=
0 ) x ( 0
0 ) x ( 1
) x (
g
g
I .
(4-110)

Erweitert man das neue Integral um eine passende Verteilungsdichte h
v
(v) zu
alle x
( )
... ( ) ( )d
( )
x
f v
v
f
P I h
h
=
∫ ∫
v
v v v
v
,
(4-111)
kann man eine erwartungstreue Schätzung für die Versagenswahrscheinlichkeit mit folgender
Formel ermitteln
1
1 ( )
ˆ
( )
( )
c
m
x n
f n
n c v n
f
P I
m h
=
=

v
v
v
.
(4-112)

Auch die Varianz der Schätzung kann angeben werden:
2
2
1
1 1 ( )
ˆ ˆ
Var[ ] ( )
1 ( )
c
m
x n
f n f
n
c c v n
f
P I P
m m h =

| |
= −
|

\ .


v
v
v
.
(4-113)

Das Problem bei diesem Verfahren liegt in der Wahl der passenden Verteilungsdichtefunktion
h
v
(v). Hat man eine ungefähre Vorstellung über die mögliche Lage der Bemessungspunkte,
kann man damit h
v
(v) wählen. Dann erhält man bei der Rechnung einfach mehr erfolgreiche
Stichproben und kann damit die erforderliche Anzahl der Stichproben teilweise drastisch
verringern. Dieses Verfahren wird als Importance Sampling (SPAETHE [273], SONG [271],
MAES, BREITUNG & DUPUIS [175], IBRAHIM [129]) bezeichnet. Man kann sich auch vorstel-
len, die Dichte h
v
(v) dynamisch nach jeder Stichprobe neu anzupassen und von den bisher
ermittelten Ergebnissen abhängig zu gestalten. Dieses Verfahren wird als Adaptive Sampling
bezeichnet (BUCHER [22], MORI & ELLINGWOOD [195]). Weitere Verfahren zur Verringerung
des Rechenaufwandes bei der Monte-Carlo-Simulation seien nur am Rande erwähnt, wie z. B.
Stratified Sampling, Recursive Stratified Sampling, Antithetic Variances oder das Latin
Hypercube Verfahren.

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 127
4.3.4.2 Quasi-Zufallszahlen

Dieser Abschnitt widmet sich einem weiteren Ansatz: Für die Monte-Carlo-Simulation werden
i.d.R. Pseudo-Zufallszahlen verwendet. Ziel bei der Berechnung derartiger Zahlen ist ein
möglichst hohes Maß an Zufälligkeit, um die Bedingung des wahllosen Probierens zu erfül-
len. Diese Forderung führt aber auch dazu, daß diese Zahlen zufällig verdichtete Gruppierun-
gen bilden können (siehe z. B. Abb. 4-21). Geschickter wäre es, die Zahlen so gleichverteilt
wie möglich zu erzeugen. Ein regelmäßiges Gitter erfüllt diesen Anspruch ideal, aber der
Aufwand wächst exponentiell mit der Anzahl der Dimensionen, weshalb die numerische Inte-
gration mehrdimensionaler Integrale, z.B. mittels SIMPSON- oder Trapezregel praktisch nicht
mehr durchführbar ist. Dies ist auch einer der Gründe, warum die in den vorangegangenen
Abschnitten behandelten FORM- und SORM-Verfahren entwickelt wurden. Außerdem müßte
im voraus die Genauigkeit des notwendigen Gitters bekannt sein.

Optimal wäre ein Verfahren, welches nicht den exponential wachsenden Aufwand eines Git-
ters besitzt, aber die Gruppenbildung üblicher Pseudo-Zufallzahlen vermeidet und eine suk-
zessive gleichmäßige Füllung des Raumes erlaubt. Eine Lösung dieses Problems gelingt mit
sogenannten Quasi-Zufallszahlen. Der Begriff Quasi-Zufallszahlen ist irreführend, denn es
handelt sich um einen klar definierten Mechanismus zur Erstellung der Zahlen. Das Kriterium
beim Erzeugen der Zahlen ist das maximale Ausweichen der zugehörigen Punkte im d-dimen-
sionalen Raum voreinander. Die Zahlen sind bei gleicher Anzahl der Dimensionen entspre-
chend dem angewandten Verfahren bei jeder Realisierung identisch. Um das zu verdeutlichen,
sind im Anhang C Quasi-Zufallszahlen nach dem Verfahren von FAURE für drei Dimensionen
in Tab. 11-4 aufgelistet. Die Zahlen wurden mit dem in [4] vorgestellten Programm errechnet.

Abb. 4-21 erlaubt den Vergleich der Füllung einer quadratischen Fläche mit Pseudo- und
Quasi-Zufallspunkten. Deutlich erkennbar ist die wesentlich homogenere Füllung in den lin-
ken Bildern durch die Quasi-Zufallspunkte.

Es existieren verschiedene Verfahren, die natürlich zu unterschiedlichen Lösungen führen.
Einige Verfahren zum Erzeugen von Quasi-Zufallszahlen seien kurz nach ihren Entwicklern
genannt: HAMMERSLEY, HALTON, VAN DER CORPUT, SOBOL, FAURE, NIEDERREITER, WEYL.

Fehlerbeurteilung

Um den Vorteil bei der Verwendung von Quasi-Zufallszahlen abzuschätzen, wird im folgen-
den auf die Fehlerbeurteilung der Monte-Carlo-Simulation mit Quasi-Zufallszahlen eingegan-
gen. Der Fehler bei der Integration hängt von zwei Eigenschaften ab:
• der Punkteverteilung der Stichproben
• dem Änderungsverhalten der Funktion.
Für das Änderungsverhalten von Funktionen wurde die Variation der Funktion eingeführt. Es
gibt z.B. die sogenannte VITALI-Variation oder die HARDY-KRAUSE-Variation V( f ). Die
Verteilung der Punkte kann durch den Begriff der Diskrepanz beschrieben werden. Die Dis-
krepanz ist ein Maß für die Abweichung einer Folge von Zahlen von der Gleichmäßigkeit.
Mathematisch wird die Diskrepanz von n Punkten x
1
, ..., x
n
∈ [0,1)
d
, d ≥ 1 wie folgt beschrie-
ben:

( )
( ; )
sup ( ) = − λ
d
n
E
A E n
D E
n
,
(4-114)

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 128
wobei das Maximum über alle Untergruppen von [0,1)
d
der Form E = [0,t
1
] ×···× [0,t
d
],
0 ≤ t
j
≤ 1, 1 ≤ j ≤ d bestimmt wird. λ ist das LEBESGUE Maß, A (E ;n ) ist die Anzahl der
Punkte x
j
, die in der Untergruppe E liegen (PAPAGEORGIOU & TRAUB [221] & [222], PASKOV
[224], SLOAN & WOŹNIAKOWSKI [268]). Das bedeutet nichts anderes, als daß Teilvolumen
ausgezählt werden und die Anzahl der Punkte im Verhältnis zum Teilvolumen ermittelt wird.
Liegt dieser Wert nahe am Verhältnis aller Punkte zum Gesamtvolumen, weisen die Punkte
eine niedrige Diskrepanz auf, weshalb die Quasi-Zufallszahlen auch als Low Discrepancy
Numbers bezeichnet werden.


Verteilung v. 100 Quasi-Zufallszahlen in [0; 1)
2
Verteilung v. 100 Pseudo-Zufallszahlen in [0; 1)
2


Verteilung v. 1000 Quasi-Zufallszahlen in [0; 1)
2
Verteilung v. 1000 Pseudo-Zufallszahlen in [0; 1)
2
Abb. 4-21: Darstellung zweidimensionaler Quasi- und Pseudo-Zufallszahlen

Mit dem Maß der Variation der Funktion und der Diskrepanz kann eine obere Schranke für
den Fehler bei der Verwendung von Quasi-Zufallszahlen bei der mehrdimensionalen Integra-
tion angegeben werden. Diese Schranke ist als KOKSMA-HLAWKA-Ungleichung (PAPAGEOR-
GIOU & TRAUB [221] & [222], PAKOV [224], SLOAN & WOŹNIAKOWSKI [268]) bekannt:

( )
1
1
( ) ( ) ( )
=
− ≤ ⋅


n
d
i n
i
f x dx f x V f D
n
.
(4-115)

Dieser theoretische Hintergrund erlaubt die Abschätzung des Fehlerterms für Quasi-Zufalls-
zahlen mit (log n)
d
/n. In der Tab. 4-6 ist die Abnahme des Fehlerterms anhand verschiedener
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 129
Verfahren und basierend auf empirischen Beispielen aus der Literatur in Abhängigkeit von
den Dimensionen zusammengefaßt. Dabei ist n der Stichprobenumfang. Je größer der Betrag
des Exponenten, um so effektiver ist das Verfahren.

Fehlerterm
Pseudo-Zufallszahlen theoretisch n
-0,5

Quasi-Zufallszahlen theoretisch (log n)
d
/n
Quasi-Zufallszahlen nach HAMMERSLEY theoretisch (log n)
d-1
/n
Gitter theoretisch n
-1/d

Quasi mit 15 Dimensionen (Beispiel) theoretisch (log n)
15
/n
Gitter mit 15 Dimensionen (Beispiel) theoretisch
n
-1/15 = -0,067

Quasi-Zufallszahlen nach [222] empirisch n
-0,82

Quasi-Zufallszahlen nach [212] empirisch n
-0,67

Quasi-Zufallszahlen nach [90] empirisch n
-0,80

Quasi-Zufallszahlen nach [221] empirisch n
-1,00


Tab. 4-6: Zusammenfassung von theoretischen und empirischen Fehlertermen

Der theoretische Fehlerterm der Quasi-Zufallszahlen verspricht nur in geringen Dimensions-
zahlen einen Vorteil. Bei hohen Dimensionen tritt der gleiche Effekt wie bei einem Gitter auf,
das heißt der Vorteil geht verloren. Das ist nicht verwunderlich, da Quasi-Zufallszahlen nichts
anderes als ein optimales Gitter für eine allmähliche Füllung des Raumes darstellen. Der
theoretische Grenzwert für die Dimensionen basierend auf der KOKSMA-HLAWKA-Un-
gleichung liegt etwa bei 12-15 (siehe Tab. 4-7). Tatsächlich erreichten verschiedene Autoren
aber empirische Fehlerterme um die Ordnung n
-0,80
bei Dimensionen bis 30, teilweise sogar
bis 100. Das entspricht auf der sicheren Seite liegend einer Einsparung von 80 % (4/5) der
erforderlichen Rechenzeit (FLEDERER [90]). Diese guten Konvergenzwerte bei hohen Dimen-
sionen waren nicht mehr durch die klassische Theorie zu beschreiben. 1997 gelang SLOAN
und WOZNIAKOWSKI [268] der theoretische Beweis, daß für verschiedene Klassen von (Grenz-
zustands-)Funktionen in der Tat nur eine schwache Abhängigkeit des Monte-Carlo-Integrati-
onsfehlers von der Dimension existiert. Die Größenordnung des Fehlers liegt im Bereich C·n
-2

… C·n
-1
. Der Beweis, daß die Lösungen, die von FEM-Berechnungen gebildet werden, zu
diesen Klassen von Funktionen gehören, wurde bisher nicht erbracht. Empirisch gewinnt man
jedoch den Eindruck, daß FEM-Berechnungen zu den genannten Klassen gehören.

Empfehlung der maximalen Dimension Quelle
d

<

12 (Zusammengefaßte Quellen durch ... [221]
d



15 (Zusammengefaßte Quellen durch ... [255]
d



30 [224]
d



30 [90]
d



30 [268]
d

<

100 [246]
d

<

100 (Untersuchungen durch ... [221]
d



360 (Untersuchungen durch ... [224]

Tab. 4-7: Empfehlung für die Dimensionsanzahl, bis zu welcher Quasi-Zufallszahlen vorteil-
haft sind

Damit ergibt sich ein Anwendungsgebiet im Bereich mittelgroßer Dimensionen, ca. 10-30,
und relativ großer Versagenswahrscheinlichkeiten. Diese hohen Werte erreicht man z. B. bei
den Nachweisen im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit oder bei Anprallereignissen. Bei
den genannten Dimensionszahlen zeigt das noch zu behandelnde Antwort-Flächen-Verfahren
Konvergenzprobleme und bei zu kleinen Versagenswahrscheinlichkeiten wird der rechneri-
sche Aufwand für Monte-Carlo-Simulationen in Verbindung mit komplexen Grenzzuständen
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 130
zu groß. Die Anzahl der streuenden Größen liegt selbst bei komplexen FE-Modellen meistens
unter 20, im vorliegenden Fall der Brücken bei nicht mehr als zehn. Insofern wäre das Verfah-
ren für die Untersuchung der beiden Brücken geeignet gewesen. Der Verfasser ist jedoch erst
nach bzw. bei der Durchführung der Berechnungen auf dieses Verfahren aufmerksam gewor-
den, so daß es nur noch teilweise in die Berechnungen Eingang fand.

In Erweiterung der hier vorgestellten Lösung gelten für Quasi-Zufallszahlen die gleichen
Möglichkeiten der Durchführung von Stichprobenreduktionen, wie für Pseudo-Zufallszahlen.
Damit kann man z.B. das Importance Sampling oder Adaptives Sampling und Quasi-Zufalls-
zahlen verbinden. Relativ neu ist die Verwendung von Quasi-Zufallszahlen mit dem Latin-
Hypercube-Verfahren, da dort die Anzahl der Stichproben im voraus festgelegt werden muß
(ROBINSON [246], [247]).

4.3.5 Verknüpfung von Einzelsicherheitsindizes

Die Hypersphere Division Methode und die Monte-Carlo-Simulation sind in der Lage, meh-
rere Grenzzustandsgleichungen bei einer Berechnung zu berücksichtigen. Bei den FORM-
und SORM-Algorithmen wird aber immer nur eine Grenzzustandsgleichung untersucht. Bei
dem Schiffsanprall gegen den Pfeiler gibt es unterschiedliche Nachweisgleichungen und da-
mit unterschiedliche Grenzzustandsgleichungen. Die Unterschiede betreffen i.w. die Lage des
Nachweisbereiches in den FE-Modellen. Die einzelnen Grenzzustandsgleichungen müssen
miteinander verknüpft werden, um einen Gesamtwert für die Brücken angeben zu können.
Hierbei müssen Annahmen über die Korrelation zwischen den einzelnen Grenzzustandsglei-
chungen getroffen werden.

Zuerst sei angenommen, daß die Sicherheitsabstände für die Grenzzustandsgleichungen sto-
chastisch unabhängig sind. Dann ist die Systemsversagenswahrscheinlichkeit

=
− − =
n
j
fj f
P P
1
) 1 ( 1 .
(4-116)

Sind die einzelnen Versagenswahrscheinlichkeiten recht klein, kann man anstelle des Pro-
duktes mit einer Summe arbeiten:

=

n
j
fj f
P P
1
.
(4-117)
Der Fehlerterm für die Summe ist nicht größer als
2
1
2
1
) (
|
|
.
|

\
|


=
n
j
fj f
P P F .
Wählt man anstelle der Versagenswahrscheinlichkeit den Sicherheitsindex, kann man einen
Systemsicherheitsindex nach folgender Formel angeben:
1 1
1 1
1 ( ) ( )
n n
sys j j
j j
− −
= =
| | | |
= −Φ − Φ ≈ −Φ Φ −
| |
\ . \ .
∏ ∑
β β β .
(4-118)

Gibt es eine Korrelation zwischen den einzelnen Grenzzuständen, kann man eine mehrdimen-
sionale Normalverteilung aufstellen. Dabei gilt für die Korrelation
1 1 2 2
...
T
jk j k j k j k jm km
= = + + + ρ α α α α α α α α ,
(4-119)
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 131
wobei ) ... (
2 1 jm j j
T
j
α α α α + + + = die Wichtungsfaktoren der m Zufallsvariablen der j-ten
Grenzzustandsgleichung und
j
β der zugehörige Sicherheitsindex ist. Die Korrelationsmatrix
für die Grenzzustände wird zu
12 1
21
1 2
1
1
1
n
n n
R
| |
|
|
=
|
|
\ .
L
M
M O M
L
ρ ρ
ρ
ρ ρ

(4-120)
und der Vektor der Sicherheitsindizes zu
1
2
n
| |
|
|
=
|
|
\ .
M
β
β
β
β
.
Die Gesamtwahrscheinlichkeit für das Seriensystem erhält man durch folgende Umformung
s f
P P − =1
1
1 ( ( ) 0)
n
j
j
P g X
=
| |
= − ≥
|
\ .
I

(4-121)

1
1 ( ( ) 0)
n
j
j
P h Y
=
| |
= − ≥
|
\ .
I

Transformation in den Stan-
dardnormalraum

1
1 ( ( ) 0)
n
j
j
P l Y
=
| |
≈ − ≥
|
\ .
I

Linearisierung der Grenzzu-
standsgleichung

*
1
1 ( )
n
j j
j
P Z
=
| |
= − − ≤ β
|
\ .
I

(4-122)
1 ( , )
n
= − Φ R β (4-123)
wobei ( , )
n
Φ β R die n-dimensionale standardisierte Normalverteilung ist
1
1
1 2 1/ 2
/ 2
1 1
( , ) exp d , d , d
2
(2 )
n
T
n n
n
y y y
R

−∞ −∞
| |
Φ = −
|
\ .
∫ ∫
R R y L L
β β
β ψ
π
.
(4-124)

Für die Ermittlung dieser Funktion gibt es verschiedene Computerprogramme (SCHERVISH
[258], GENZ [100], LOHR [168], DREZNER [68]).

Für den Sonderfall gleicher Korrelation zwischen den einzelnen Grenzzuständen ergibt sich:
1
1
1
R
| |
|
|
=
|
|
\ .
L
M
M O M
L
ρ ρ
ρ
ρ ρ

(4-125)
zu
1
( , ) ( ) d
1
n
i
n
i
x
x x
+∞
=
−∞
| |
+ ⋅
Φ = Φ
|

\ .


R
β ρ
β ϕ
ρ
.
(4-126)

Eine Möglichkeit bei verschiedenen Korrelationskoeffizienten ist die Berechnung und Ver-
wendung eines mittleren Korrelationskoeffizienten. Diese Näherung liegt in den meisten
Fällen auf der sicheren Seite. Man kann die einzelnen Werte der Korrelationsmatrix auch als
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 132
Produkte auffassen, die man in die einzelnen Faktoren zerlegen kann. Die Matrix kann dann
wie folgt geschrieben werden:
1 2 1
2 1
i i
1 2
1
1
, 1, 1, , = 1, 2, ...,
1
n
n n
R i j n
⋅ ⋅
| |
|

|
= < <
|
|
⋅ ⋅
\ .
L
M
M O M
L
λ λ λ λ
λ λ
λ λ
λ λ λ λ

(4-127)

und für die Normalverteilung gilt
x
x
x
n
i
i
i i
n
d
1
) ( ) R , (
1
2


∞ +
∞ −
=
|
|
.
|

\
|

⋅ +
=
λ
λ β
Φ ϕ β Φ .
(4-128)

RACKWITZ (entnommen SPAETHE [273]) hat auf Grundlage dieser Modifikation der Korrelati-
onsmatrix der einzelnen Grenzzustände ein Verfahren zur Abschätzung von oberen und
unteren Schranken entwickelt.
k j
jk k j
≠ ≤ ⋅ ρ λ λ für eine obere Schranke der Versagenswahrscheinlichkeit (4-129)
k j
jk k j
≠ ≥ ⋅ ρ λ λ für eine untere Schranke der Versagenswahrscheinlichkeit (4-130)

Es gilt wieder 1 , 1 ≤ ≤ −
k j
λ λ . Eine optimale Anpassung erreicht man, wenn
jk k j
ρ λ λ = ⋅ , das
wird aber nur in den seltensten Fällen möglich sein. Haben die verschiedenen
jk
ρ ungefähr
die gleiche Größenordnung, kann man folgende Wahl für die Faktoren treffen
k j
jk
j
j
≠ = } { max ρ λ für die untere Schranke und
(4-131)
k j
jk
j
j
≠ = } { min ρ λ für die obere Schranke.
(4-132)

Dafür muß natürlich gelten, daß der kleinste Wert
jk
ρ positiv ist.

Eine bessere Schätzung kann man durch eine Wertung der Bedeutung einzelner Grenzzu-
stände erreichen. Wählt man nämlich die drei Grenzzustände mit der größten Versagenswahr-
scheinlichkeit bzw. dem kleinsten Sicherheitsindex, so kann man die Faktoren besser anpas-
sen als durch die alleinige Wahl des Größt- bzw. Kleinstwertes.

Diese Grenzzustände erhalten die Nummern 1, 2, 3 und die Faktoren werden nach folgender
Regel ermittelt:
1 2 12 2 3 23 1 3 13
, , ⋅ = ⋅ = ⋅ = λ λ ρ λ λ ρ λ λ ρ (4-133)
12 13 21 23 31 32
1 2 3
23 13 12
, ,
⋅ ⋅ ⋅
= = =
ρ ρ ρ ρ ρ ρ
λ λ λ
ρ ρ ρ

(4-134)
und für die verbleibenden Werte gelte
1
min 4, 5...
jk
j
k j
k
j
≤ +
¦ ¹
= =
´ `
¹ )
ρ
λ
λ
für obere Schranken
(4-135)
1
max 4, 5...
jk
j
k j
k
j
≤ +
¦ ¹
= =
´ `
¹ )
ρ
λ
λ
für untere Schranken.
(4-136)

Die Bedingung 1 , 1 ≤ ≤ −
k j
λ λ kann jedoch bei diesem Verfahren Probleme hervorrufen.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 133

Bei Seriensystemen steigt die Versagenswahrscheinlichkeit, wenn die Korrelation zwischen
den Grenzzustandsgleichungen abnimmt. Man kann die genannten Gleichungen für die
Versagenswahrscheinlichkeit als Schranken für die Systemwerte verwenden. Die Schranken
lauten dann wie folgt:

∑ ∏
= =
< − − ≤ ≤
n
j
fj
n
j
fj f fj
j
P P P P
1 1
) 1 ( 1 max
(4-137)

bzw. für den Sicherheitsindex
1 1
1 1
min 1 ( ) ( )
n n
j sys j j
j
j j
β β β β
− −
= =
| | | |
≥ ≥ −Φ − Φ > −Φ Φ −
| |
\ . \ .
∏ ∑
.
(4-138)

Auf der Basis des allgemeinen Additionssatzes von Wahrscheinlichkeiten kann man genauere
Schranken angeben. DITLEVSEN (entnommen SPAETHE [273]) schlägt dazu folgende Formel
vor:
1 2
1
min
( ) max ( )
n n
f
j j k
k j
j j
P
P F P F F
<
= =
¦
¦

´
− ∩
¦
¹
∑ ∑

(4-139)
1
1
2
1
0
( ) max
( ) ( )
n
j
f
j j j k
k
P P F
P F P F F

=
=
¦
¦
≥ +
´
− ∩
¦
¹



(4-140)

Der Term des Durchschnittes der beiden Versagenswahrscheinlichkeiten kann wie folgt genä-
hert werden

) ; , ( ) (
2 jk k j k j
F F P ρ β β Φ − − ≈ ∩ . (4-141)

Setzt man diese Näherung in die Schranken von DITLEVSEN ein, verschwinden die Wahr-
scheinlichkeiten und die Gleichungen werden zu:

2
1 2
1
min
( ) max ( , ; )
n n
f
j j k jk
k j
j j
P
β β β ρ
<
= =
¦
¦

´
Φ − − Φ − −
¦
¹
∑ ∑

(4-142)
1
1
2 2
1
0
( ) max
( ) ( , ; )
n
j
f
j j j k jk
k
P β
β β β ρ

=
=
¦
¦
≥ Φ − +
´
Φ − − Φ − −
¦
¹


.
(4-143)

Die zweidimensionale Normalverteilung kann approximiert werden gemäß
1 1 1 1
2 2 2
2 2
1 1
( ; ; ) ( )
1 1
x w x w
x x w dw
λ λ
ρ ϕ
λ λ
+∞
−∞
| | | |
+ ⋅ + ⋅
Φ = Φ | ⋅ Φ | ⋅
| |
− −
\ . \ .


mit
1
λ ρ = ,
2
λ ρ = für 0 ρ >

1
λ ρ = − ,
2
λ ρ = − − für 0 ρ < .

Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 134

Die hier vorgestellten Verfahren wurden programmtechnisch umgesetzt. Es wurde dabei da-
von ausgegangen, daß es sich bei den Brücken um Seriensysteme handelt, d.h. wenn auch nur
ein Element versagt, versagt die ganze Brücke. Als eigene stochastische Elemente wurden bei
Lohr sowohl Bogen und Pfeiler, als auch ggf. verschiedene Schichten innerhalb des Pfeilers
betrachtet, in denen die Grenzzustandsgleichung aufgestellt wurde. Im Anhang E findet sich
ein Beispiel einer Verschmelzung dreier Grenzzustandsgleichungen.

Der Vollständigkeit halber sei für ein paralleles System noch die Ermittlung des Systemindex
wie folgt angeben :

, ,
1 ( 1)
t i t s
n
n
ρ
β β
+ ⋅ −
= ⋅
(4-144)

mit β
t,s
= Systemindex, β
t,i
= Sicherheitsindex der einzelnen Grenzzustände, n = Anzahl aller
Elemente, ρ = Korrelationskoeffizient mit ρ = 0, wenn der Ausfall eines Elementes keinen
Einfluß auf andere Elemente hat, und ρ = 1, wenn alle Elemente gleichzeitig versagen.

4.4 Verbindung von Strukturmechanik und Probabilistik

Die bisher vorgestellten Verfahren mit Ausnahme der Monte-Carlo-Simulation und der Hy-
pershpere Division Methode basieren auf einer analytisch geschlossen bekannten Grenzzu-
standsgleichung, die differenzierbar sein muß. Wenn aber in der Grenzzustandsgleichung z.B.
Terme aus einer FEM-Rechnung enthalten sind, so gilt diese Grundlage nicht mehr. Durch die
Beschreibung des Anprallverhaltens der Brücke mittels dynamischer FEM-Berechnungen tritt
dieser Fall ein.

Es ist darum notwendig, für die FORM/SORM-Algorithmen ein Verfahren zu verwenden,
welches aus den einzelnen Lösungen der FE-Modelle eine differenzierbare Fläche entwickelt,
das aber, im Gegensatz zur Monte-Carlo-Simulation oder der Hypershpere Division Methode,
die Anzahl der Aufrufe der FEM-Rechungen so gering wie möglich hält, um eine einiger-
maßen akzeptable Rechenzeit zu erhalten. Ein derartiges Verfahren ist das Antwort-Flächen-
Verfahren. Dieses Verfahren kommt ursprünglich aus der chemischen Versuchsplanung.
Auch dort versuchte man, durch eine optimale Strategie eine funktionale Abhängigkeit zwi-
schen Eingangswerten und einem Versuchsergebnis zu beschreiben. Im Bereich der Ermitt-
lung der Versagenswahrscheinlichkeit stehen noch weitere Verfahren bereit (GRUNDMANN &
HARTMANN [109]), die aber nicht Inhalt der vorliegenden Arbeit sind.

Zwar gibt es verschiedene FEM-Programme, wie z. B. PERMAS, SLANG, NESSUS oder
ANSYS 6.1, die bereits dieses Verfahren bzw. andere probabilistische Berechnungsverfahren
integriert haben, aber diese Programme waren entweder zu Beginn der Untersuchung noch
nicht auf dem Markt oder standen dem Autor nicht zur Verfügung.

4.4.1 Das Antwort-Flächen-Verfahren mit quadratischem Ansatz

Die Idee des Antwort-Flächen-Verfahrens wurde bereits in zahlreichen Veröffentlichungen
entweder allgemein (BOX & DRAPER [19], REINHART [243]) oder auch mit spezieller Ausrich-
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 135
tung auf das Bauwesen (BUCHER & BOURGUND [21], RAJASHEKHAR & ELLINGWOOD [240]
beschrieben.

Das Ziel der Untersuchung besteht darin, einen funktionalen Zusammenhang zwischen ver-
schiedenen Eingangsgrößen und einer nur punktweise ermittelbaren Ausgabegröße aufzustel-
len. Die Funktion f (X, K), wobei X der Vektor der Eingangsgrößen und K der Vektor ver-
schiedener Konstanten in der Funktion ist, mit dem Ergebnis g = f (X, K) sei analytisch ge-
schlossen unbekannt. Gleichwohl existiere ein Verfahren, entweder versuchstechnisch oder
mathematisch, um einzelne Funktionswerte zu ermitteln. Da die Funktion selbst nicht bekannt
ist, wird eine Näherungsfunktion ( ) g X % eingeführt, um f(X, K) lokal approximieren zu kön-
nen. Die Form der Näherungsfunktion kann frei gewählt werden.

In Abhängigkeit von der Anzahl der einzelnen ermittelten Funktionswerte und der gewählten
Funktion sind die Koeffizienten der Antwort-Fläche entweder unterbestimmt, bestimmt oder
überbestimmt. Wenn mehr Funktionswerte vorhanden sind als für die Berechnung der Koef-
fizienten der Antwort-Fläche notwendig, sind die Koeffizienten überbestimmt. In diesem Fall
sollte ein Kriterium mit einer Minimierung des Fehlers verwendet werden. Insbesondere im
Anhang C sind verschiedene Verfahren zur Erstellung von Funktionen aus einzelnen Funktions-
werten mittels linearer oder nichtlinearer Regression dargestellt.

Auf Grund der einfachen Handhabung, der Möglichkeit der Beschreibung von Krümmungen
und der geringen Anzahl der Funktionsaufrufe wird sehr häufig der quadratische Ansatz für
die Antwort-Fläche gewählt. Entweder gelte ohne gemischte Glieder

~
( ) g X a b x c x
i i
i
n
i i
i
n
= + ⋅ + ⋅
= =
∑ ∑
1
2
1

(4-145)

oder unter Berücksichtigung der gemischten Glieder

~
( ) g X A
T T
= + ⋅ + ⋅ ⋅ X B X C X,
(4-146)
wobei A, B und C Konstanten sind.

B =
|
\

|
.
|
|
|
|
B
B
B
n
1
2
M
; C =

C C C
C
C C
n
n nn
11 12 1
21
1
L
M

(4-147)

Die Koeffizienten A, B und C können, wenn sie nicht überbestimmt sind, durch die Lösung eines
linearen Gleichungssystems ermittelt werden. Dies wäre z. B. bei einem quadratischen Ansatz
für zwei Variablen in Abb. 4-22 der Fall. Verallgemeinert man diesen Fall auf n-Variablen ohne
Berücksichtigung gemischter Glieder, benötigt man 2 × n + 1 Funktionsaufrufe. Bei ausreichen-
der Anzahl der Lösungen von f kann man dann schreiben:

( ) ( , ) g f = X X K % . (4-148)

Auf Grund der lokalen Approximation und der Minimierung der Anzahl der Funktionsaufrufe
sollten die Eingangsgrößen zur Ermittlung der Funktionswerte mit Bedacht gewählt werden.
Es gibt hierfür verschiedene Modelle, auf die im einzelnen in dieser Arbeit nicht eingegangen
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 136
werden soll. Eine Verschmelzung des FORM-Algorithmus mit der Erstellung der Antwortflä-
che geschieht wie folgt:

( )
( )
( ( ) ( ))
m D
D
g
x x
g g x
u
u u
u
= + −

,
(4-149)

mit x
m
als neuem Zentralpunkt im Punktraster wie in Abb. 4-22 dargestellt, u ist der Mittel-
wert der Basisvariablen, x
D
ist der Bemessungspunkt berechnet durch FORM unter Verwen-
dung der quadratischen Antwort-Fläche [21]. Der Startpunkt des Punkterasters war in [21] der
Mittelwert der einzelnen Zufallsvariablen. Wenn man den Mittelwert der Basisvariablen u
durch x
m1
, und x
m
durch x
m2
ersetzt, kann man eine Iteration durchführen. Dieses Iterations-
schema ist vom Verfasser verwendet worden. Das verwendete Punkteraster ist [240] entnom-
men.

Ein entscheidender Vorteil des Antwort-Flächen-Verfahrens
ist die einfache Anwendung. Die Integration in bereits beste-
hende Programme ist oft möglich. Die Rechnung ist leicht
verständlich und nachvollziehbar und die Anzahl der Rech-
nungen ist i.d.R. relativ gering, gleichwohl Ausnahmen,
insbesondere bei einer großen Anzahl von Eingangsgrößen
und komplexen Grenzzustandsgleichungen, auftreten.

Dieser Nachteil führt dazu, daß ggf. nur grobe Lösungen
möglich sind [240]. Diese Aussage stimmt auch mit den
Erfahrungen des Autors überein. Als Beispiel sei die Ant-
wort-Fläche der FE-Rechnung der Schubdübel in MICHLER
[190] genannt, siehe dazu auch Anhang C. Gleichwohl in
RAJASHEKHAR & ELLINGWOOD [240] auch weitere Vorschlä-
ge für die Lösung des Problems angeboten werden, wurde
hier ein anderer Weg beschritten.

Das hier vorgestellte Antwort-Flächen-Verfahren ermittelt die Koeffizienten nur anhand der
letzten Rechnungen. Überzählige Lösungen werden in dem Antwort-Flächen-Verfahren nicht
berücksichtigt. Im Rahmen einer derartigen Iterationsrechnung kann man aber alle Ergebnisse
speichern und später darauf zurückgreifen. Der im folgenden vorgeschlagene Algorithmus
erlaubt die Verwendung aller Berechnungsergebnisse.
4.4.2 Erstellung der Antwort-Flächen mit genetischem Algorithmus

Das Verfahren, mit dem der o.g. Gedankengang beschritten werden soll, erfordert eine regres-
sive Bestimmung der Koeffizienten der Antwort-Fläche, da diese überbestimmt sind. Für die
mehrdimensionale Regression, die damit erforderlich wird, wurde das Approximationspro-
gramm APPROX [179] von MARQUARDT & SCHULZE verwendet. Nähere Angaben zur linea-
ren und nichtlinearen Regression finden sich im Anhang C.

Es wird eine Näherungsgleichung g(X) in der Form
~
( ) g c x x
n
i
i
n
j
n n
X = ⋅ ⋅
=
∑ 1
1
2
,
(4-150)
angenommen.


2
x
1
D1
x
D2
g( )=0 X
g( )=0 X
~
x
h σ

x


Abb. 4-22: Punktraster für die
Antwort-Fläche mit zwei Va-
riablen
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 137
Auch hierbei handelt es sich wieder um ein Polynom wie bereits bei dem behandelten qua-
dratischen Antwort-Flächen-Verfahren. Allerdings sind die Anzahl n der Terme und die Ex-
ponenten i und j nicht mehr vordefiniert, sondern können in Grenzen dem jeweiligen Problem
automatisch angepaßt werden. Obwohl das Programm Polynome bis zur 10ten Potenz erlaubt,
sollte man derartig hohe Exponenten mit Vorsicht wählen, da diese Funktionen in Randberei-
chen schnell große Abweichungen von den Versuchwerten erreichen. Da die Bemessungs-
werte normalerweise im Randbereich liegen, besteht diese Gefahr.

Als Kriterium zur Anpassung der Antwort-Fläche an die Funktionswerte wird das bekannte
Kriterium des Minimums der Summe der Fehlerquadrate gewählt:

S c c c S c z g
N m
m
M
( , , , ) ( ) (
~
( ))
1 2
1
2
K = = −
=

X
(4-151)
0
1 2 1 2
= = −
∑ ∑ ∑
+ +




S c
c
c x x z x x
ij
i j
i j
m
i i
m
j j
m
m m
i
m
j
m
( )
,
,
.
(4-152)

Ggf. versprechen Polynome höherer Ordnung eine bessere Beschreibung der unbekannten
Funktion als z. B. die bisher verwendeten quadratischen Ansätze. Wenn allerdings alle mögli-
chen Polynome bis 10ten Grades auf ihre Eignung geprüft würden, stiege der Rechenaufwand
enorm. Eine geschickte Strategie bei der Auswahl der notwendigen Polynomterme erscheint
darum sinnvoll. Ziel ist dabei, diejenigen Polynomterme herauszufiltern, die nur einen gerin-
gen Beitrag zur Lösung beitragen. Die Entscheidung, welche Terme einen wichtigen Beitrag
leisten, erfordert normalerweise eine Kombination aller möglichen Terme. Diese kombinato-
rische Vorgehensweise ist auf Grund des dafür erforderlichen Rechenbedarfes nicht praktika-
bel.

Um diesen Rechenaufwand zu verringern, verwenden MARQUARDT & SCHULZE [179] einen
genetischen Algorithmus zur Wahl der Polynomterme. Ziel des Algorithmus ist das Trennen
wichtiger Terme von unwichtigen Termen. Dafür wird zuerst eine gewisse Anzahl von Zufalls-
vektoren mit einer gleichen Anzahl von Zahlen erzeugt. Diese Vektoren werden als Generation 0
bezeichnet. Aus ihnen werden verschiedene Polynomgleichungen zur Beschreibung der Ant-
wort-Fläche gebildet. Die Qualität der Anpassung unter Verwendung dieser Vektoren kann über
das bereits erwähnte Fehlersummenquadrat geprüft und verglichen werden. Anschließend wird
überwiegend, aber nicht ausschließlich, aus dem besten Vektor eine Nachfolgegeneration er-
stellt. Es stehen drei verschiedene Möglichkeiten dafür bereit:

• Eine Zahl wird ohne Änderung übernommen.
• Eine Zahl wird zufällig geändert.
• Eine Zahl wird mit einer aus einem anderen Vektor ausgetauscht.

Abb. 4-23 gibt einen vereinfachten Überblick über diese Prozedur. Es konnte nachgewiesen
werden, daß eine kontinuierliche Erzeugung neuer Vektoren zu einer Verbesserung der Ap-
proximationsgleichung führt, sowohl was die einzelnen Terme als auch die Gesamtgleichung
g
~
(X) betrifft [179].

Das Verfahren wurde teilweise bei den Berechnungen der Mainbrücke Lohr verwendet. Es
zeigten sich jedoch zwei Nachteile: Durch den genetischen Algorithmus waren die Ansatz-
funktionen bei einem neuen Durchlauf nicht kontrollierbar und die Qualität der Antwort-Flä-
che blieb teilweise gravierend hinter den Erwartungen zurück. Die Anwendung dieses Verfah-
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 138
rens zur Berücksichtigung aller Funktionswerte hat sich im Rahmen dieser Berechnung nicht
bewährt.

Generation 0

Mutation Rekombination

02 02 30
13 13 21
23 23 ⇔ 12
10 ⇔ 31 10 ⇔ 00

Generation 1

02 02 30
13 13 21
23 12 23
10 00 10

Abb. 4-23: Prinzipieller Ablauf

4.4.3 Weitere Antwort-Flächen-Verfahren
4.4.3.1 Polyhedrale Antwort–Fläche nach ROSS, BUCHER & BAYER [248]

Das übliche Antwort–Flächen–Verfahren benötigt in Abhängigkeit von der Wahl des Punkte-
rasters eine bestimmte Anzahl von Lösungen der Grenzzustandsgleichung. Diese Festlegung
führt zu zwei Nachteilen: Zum einen ist die Mindest- bzw. Maximalanzahl der Lösungen fest-
gelegt und zum Zweiten werden immer einige Lösungen in uninteressanten Bereichen benö-
tigt. Neuere Verfahren versuchen, diese Probleme zu umgehen.

Ein Beispiel dafür ist die sogenannte polyhedrale Näherung der Antwort-Fläche. Die Realisie-
rungen der Grenzzustandsgleichung werden P
i
(x) genannt. Diese werden eindeutig durch ei-
nen Vektor p
i
von einem beliebigen Punkt M, normalerweise dem Mittelpunkt beschrieben,
der wiederum vom Koordinatenursprung durch den Vektor m im Raum der Eingangsgrößen
beschrieben wird. Der Punkt M sollte im sicheren Bereich der Grenzzustandsgleichung liegen
und durch die Mittelwerte der Basisvariablen beschrieben werden. Der direkte Vektor vom
Koordinatenursprung zu den Punkten P
i
(x) wird l
i
genannt.

Der Winkel zwischen einem neuen Punkt P
j
und den Realisierungen der Grenzzustandsglei-
chung P
i
(x) ergibt sich dann zu:
cos

T
i j
ij
i j
φ

=

p r
p r

(4-153)

Die Hyperfläche jeder Realisierung der Grenzzustandsgleichung soll in der HESSE’schen Nor-
malform vorliegen:

T
pi ij j i
f = e r p
(4-154)
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 139

Dann kann mit Hilfe der Faktoren
max cos : →
=
ij
i
j
T
pi
i
j
r e
p
f
φ

(4-155)

die Näherung der Grenzzustandsgleichung geschrieben werden:
) ( ) ( ) (
~
x r x m x g
j j
f + = . (4-156)

Diese Näherung der Grenzzustandsgleichung wird normalerweise strahlenförmig in Bezug zu
dem Punkt M ermittelt. Sie ist senkrecht zu den Strahlen aus einzelnen Ebenen zusammenge-
setzt. Ein ähnlicher Ansatz findet sich auch bei GUAN & MELCHERS [112].

Den Aufbau und die Zusammenführung der Ebenen kann man z. B. durch sogenannte Sekan-
ten-Hyperflächen verfeinern. Diese neueren Ansätze fanden in der Rechnung keine Berück-
sichtigung. Sie seien jedoch der Vollständigkeit halber erwähnt.

Insgesamt ist die Problematik der Antwort-Flächen-Verfahren Gegenstand großen wissen-
schaftlichen und praktischen Interesses. So werden in zunehmenden Maße in zahlreichen In-
dustriebereichen, wie z.B. in der Automobilbranche, robuste Antwort-Flächen-Verfahren in
Verbindung mit leistungsfähigen Extremwertsuchalgorithmen zur Optimierung verwendet.

4.4.4 Programmtechnische Umsetzung

Die Realisierung des quadratischen Antwort-Flächen-Verfahrens als Verbindung der struk-
turmechanischen Berechnung mit der wahrscheinlichkeitstheoretischen Berechnung erfolgte
als Modul für das FEM Programm ANSYS [49]. Das Programm ANSYS bietet die Möglich-
keit, eigene Berechnungsroutinen in das Programm zu integrieren. Diese Fähigkeit wird in-
nerhalb des Programms ANSYS als UPF (User Programmable Features) bezeichnet und be-
dient sich des sogenannten ANSCUSTOM Utility [254]. Dazu muß die zu integrierende
Berechnungsroutine in der Programmiersprache FORTRAN77 als SUBROUTINE bereitge-
stellt werden. Es wurden das beschriebene FORM-, drei SORM-Verfahren und die Impor-
tance Sampling Monte Carlo Simulation in FORTRAN77 umgesetzt. Die Auswahl der über-
gebenen Variablen vom Hauptprogramm zur SUBROUTINE erfolgt durch die Auswahl einer
entsprechenden SUBROUTINE, die vom Programm ANSYS angeboten wird (z. B. USERCR
für ein eigenes Kriechgesetz eines Materials, USERSW für ein eigenes Schwindgesetz eines
Materials). Die vorgestellten wahrscheinlichkeitstheoretischen Berechnungsverfahren wurden
in die SUBROUTINE USER01 eingebaut.

Da, zumindest soweit dem Verfasser bekannt, keine SUBROUTINE in ANSYS mit freier
Wahl der Rückgabe der Variablen von der SUBROUTINE an das Hauptprogramm ANSYS
existiert, mußte ein Umweg über Dateien erfolgen. D.h. die vom Antwort-Flächen-Verfahren
im selbstgeschriebenen ANSYS-Modul ermittelten neuen Ausgangswerte für die nächste
strukturmechanische Berechnung der Brücken, wie z.B. Betondruckfestigkeit, Betonzugfe-
stigkeit, Sandsteindruckfestigkeit u.s. w., wurden in Dateien geschrieben, die wiederum vom
Hauptprogramm von ANSYS während jeder neuen Iterationen eingelesen wurden. Es sei an
dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ANSYS während einer gesamten wahr-
scheinlichkeitstheoretischen Berechnung mit mehreren Iteration unter Verwendung des Ant-
wort-Flächen-Verfahrens ein und dieselbe Datei mehrmals neu geschrieben und gelesen hat.
Kapitel 4: Berechnungsverfahren
Seite 140
Auf Grund dieser Tatsache mußten die Rechnungen in einer UNIX-Umgebung stattfinden.
Dort war es nur notwendig, daß diese Datei vor dem Starten von ANSYS bereits existierte.
Die Implikation der wahrscheinlichkeitstheoretischen Verfahren und des Antwort-Flächen-
Moduls erfolgten deshalb in die ANSYS Version 5.1 und 5.2. auf einer IBM Workstation un-
ter dem Betriebssystem IBM AIX 4.1 bis 4.3.1-4.3.3.

Durch die Datenfülle war es nicht möglich, alle Zwischenergebnisse der Iteration der Ermitt-
lung des Sicherheitsindexes bzw. der operativen Versagenswahrscheinlichkeit abzuspeichern.


Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
Seite 141
5 Berechnungsergebnisse




Nach der Herleitung der Einwirkungsgrößen, der Widerstandsgrößen und der Erläuterung der
verwendeten strukturmechanischen und probabilistischen Rechenverfahren erfolgt in diesem
Kapitel die Auswertung der rechnerischen Untersuchungen.

5.1 Vorhandene operative Versagenswahrscheinlichkeit

Die Ergebnisse der durchgeführten probabilistischen Berechungen der beiden Mainbrücken
sind in Tab. 5-1 zusammengestellt. In der Tabelle befinden sich die ermittelten operativen
Versagenswahrscheinlichkeiten und umgerechneten Sicherheitsindizes für das Ereignis Ver-
sagen, wenn ein Anprall gegen die Brücke P( V| A) & β ( V| A) stattfindet und unter Berücksich-
tigung einer Anprallwahrscheinlichkeit P(V∩A) & β(V∩A). Diese Werte wurden für die bei-
den Brücken im Originalzustand und unter verschiedenen Verstärkungsmöglichkeiten ermit-
telt.

Es handelt sich hierbei um eine Auswahl aller vom Autor durchgeführten Berechnungen. Im
Laufe der rechnerischen Untersuchung ergaben sich auch unterschiedliche Ergebnisse in Ab-
hängigkeit von der Anzahl und Auswahl der Zufallsvariablen und der verwendeten Berech-
nungsverfahren.

I II III IV V VI VII VIII IX X XI
# Brücke Last Bauteil Version P(V|A)·10
-6
β(V|A) P(V∩A)·10
-6
β(V∩A) P(V∩A)·10
-6
β(V∩A)
o.V. p. Anprall o.V. p. Jahr o.V. p. Jahr
1 Segnitz Pfeiler 2 Schädigung 313667,7 0,4854 5018,7 2,5745
2 Pfeiler 2 Keine Schädigung 154256,0 1,0183 2468,1 2,8111
3 Pfeiler 2 Schutzeinrichtung 1540,5 2,9595 24,6 4,0605
4 Pfeiler 2 Pfeilervergrößg. ×2,3 11843,4 2,2621 189,5 3,5541
5
Frontal-
stoß
Pfeiler 2 Ideelle Zugfsgkt. × 2 43179,2 1,7149 690,9 3,1985
6 Eigenl. & Verkehr Normalspannung 240,0 3,4919 4,8 4,4259
7 Quer- Pfeiler 2 Keine Schädigung 328986,4 0,4427 5263,8 2,5580
8 stoß Pfeiler 2 Schutzeinrichtung 84539,3 1,3751 1352,6 2,9994
9 Lohr Pfeiler II Mit Sprengkammer 80760,0 1,4002 1292,2 3,0132 596,0 3,2410
10 Pfeiler II Ohne Sprengkammer 23300,0 1,9904 372,8 3,3722 172,0 3,5799
11 Pfeiler II Vorspannung 340,0 3,3977 5,4 4,3958 2,5 4,5639
12
Frontal-
stoß
Pfeiler II Stahlbeton 32,0 3,9976 0,5 5,0370 0,2 5,0370
13 Eigenl. & Verkehr Normalspannung 203,0 3,5363 4,1 4,4619 4,1 4,4619
14 Frontal- Pfeiler III Mit Sprengkammer 35930,0 1,8004 578,8 3,2511 265,2 3,4651
15 stoß Pfeiler III Ohne Sprengkammer 28720,0 1,9004 459,5 3,3143 212,0 3,5249
16 Pfeiler III Vorspannung 30,0 4,0128 0,5 5,0493 0,2 5,0493
17 Bogen 1500,0 2,9681 24,0 4,0652 11,1 4,2421
18 Quer- Pfeiler II Ohne Sprengkammer 25670,0 1,9491 410,7 3,3454 54,9 3,8678
19 stoß Pfeiler III Ohne Sprengkammer 10720,0 2,3006 171,5 3,5809 36,1 3,9688

Tab. 5-1: Operative Versagenswahrscheinlichkeiten (o. V.) als Vielfache von 10
-6
für die Main-
brücken Lohr und Segnitz pro Anprall und pro Jahr unter Berücksichtigung der Anprallhäufig-
keit von 0,016 pro Jahr pro Brücke für Segnitz (Spalte VIII & IX) und der jeweiligen für Lohr aus
[158] (Spalte X & XI). Zeilen 6 und 13 beziehen sich nicht auf einen Anprall!
Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
Seite 142
Zuerst soll überprüft werden, wie sich die Mainbrücken Segnitz und Lohr unter Eigen- und
Verkehrslast verhalten. Die operative Versagenswahrscheinlichkeit erreicht bei beiden Brük-
ken etwa den Wert von 200 × 10
-6
unter maximaler Verkehrsbelastung. Zum Vergleich mit
anderen Brücken sind in Tab. 5-2 Ergebnisse aus der Literatur angegeben. Die Ergebnisse für
die Brücken zeigen deutliche Unterschiede. Diese liegen aber in der Größenordnung der
Unterschiede der Ergebnisse einer Brücke bei verschiedenen Modellen.

Eine normengerechte Bemessung der Brücken unter Eigen- und Verkehrslast sollte in beiden
Fällen zur gleichen Sicherheit führen und damit als quantitativer Ausdruck der Sicherheit zur
gleichen Versagenswahrscheinlichkeit bei vergleichbaren Rechenmodellen führen. Diese
Bedingung scheint mit Werten von 203 × 10
-6
und 240 × 10
-6
bei der Verwendung des
BERNDT’sche Normalkraftmodells für die jeweiligen Pfeiler der beiden Mainbrücken erfüllt
zu sein. Wie in Abb. 5-1 erkennbar, zeigt das MANN’sche Normalkraftmodell für den Pfei-
ler II der Lohrer Brücke nicht nachvollziehbare grobe Änderungen der Versagenswahrschein-
lichkeit in Abhängigkeit von der Verkehrslast. Das Verfahren von BERNDT reagiert auf unter-
schiedliche Beschreibungen der Verkehrslast ermutigend unsensibel. Auf Grund der geringen
Variationen der Rechenergebnisse der Versagenswahrscheinlichkeit der Alten Mainbrücke
Lohr unter Eigen- und Verkehrslast wählt der Autor dieses BERNDT’sche Modell. Im Kapitel
Mauerwerk wurde bereits auf die Unzulänglichkeiten des MANN’schen Modells eingegangen.

Nachweise unter Eigen- und Verkehrslast Durchschnitt Maximalwert Minimalwert
Muldenbrücke Podelwitz (GZG*) [192] 591,50·10
-6
1183,0·10
-6
0,21·10
-6
pro Jahr
Flöhabrücke Olbernhau (GZT) [193] 0,04·10
-6
pro Jahr
Syraltalbrücke Plauen (GZT) (Variante II) [193] 730,90·10
-6
pro Jahr
Mainbrücke Lohr (Mauerwerksmodell n. Berndt) 4,10·10
-6
pro Jahr
Mainbrücke Segnitz 4,80·10
-6
pro Jahr
Marienbrücke Dresden (GZT) [30] 1279,00·10
-6
2555,0·10
-6
2,11·10
-6
bei Belastung
Lohr (Mauerwerksmodell n. Mann) 33430,00·10
-6
66810,0·10
-6
48,12·10
-6
bei Belastung
Lohr (Mauerwerksmodell n. Berndt) 248,00·10
-6
337,0·10
-6
159,20·10
-6
bei Belastung
Segnitz 203,00·10
-6
bei Belastung
*GZG-Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit, GZT-Grenzzustand der Tragfähigkeit

Tab. 5-2: Operative Versagenswahrscheinlichkeiten für verschiedene alte Brücken unter Ei-
gen- und Verkehrslast
0
,
0
1
,
0
2
,
0
3
,
0
4
,
0
S
i
c
h
e
r
h
e
i
t
s
i
n
d
e
x
nach MANN
nach
MANN
mit Stau
nach BERNDT nach BERNDT
mit 0,3 MPa
nach BERNDT
mit Eigengewicht
nach
BERNDT
mit Stau

Abb. 5-1: Zusammenfassung der Rechenergebnisse unter Eigengewicht und Verkehr nach den
Verfahren von MANN und BERNDT
Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
Seite 143
Nach dem Vergleich der operativen Versagenswahrscheinlichkeiten der Brücken unter Eigen-
und Verkehrslast ist es möglich, auch die anderen ermittelten Werte untereinander in Relation
zu setzen. Die operativen Versagenswahrscheinlichkeiten pro Anprallereignis für die unbe-
schädigte Mainbrücke Segnitz mit 0,154 und für die Alte Mainbrücke Lohr ohne Spreng-
kammer mit 0,0233 für Frontalstoß unterscheiden sich um den Faktor 6,5. Die unbeschädigte
Version der Mainbrücke Segnitz und die Mainbrücke Lohr ohne Sprengkammer wurden ge-
wählt, um Besonderheiten der Brücken, wie sie z.B. die Sprengkammer bei Lohr darstellt,
soweit wie möglich zu vernachlässigen und damit die Plausibilität der Rechnungen einfacher
prüfen zu können. Anhand deterministischer Größen wie der Eigenlast der Brücken und der
jeweiligen Mauerwerkseigenschaften soll der Faktor des Unterschiedes von 6,5 geprüft
werden.

Die Eigenlast, die zumindest im Bereich der COULOMB’schen Reibung beim Schub-
spannungsnachweis, welcher für das Anprallereignis maßgebend wird, linear eingeht, unter-
scheidet sich zwischen diesen beiden Brücken um den Faktor 7,4 (siehe Tab. 5-3). Die maxi-
male zulässige Schubspannung zwischen den beiden Brücken unterscheidet sich dagegen um
den Faktor 2,7. Vereinfachend kann festgestellt werden: Auf Grund des höheren Eigenge-
wichtes bei der Mainbrücke Lohr kann dort auch eine höhere Schubspannung abgetragen wer-
den. Die erhöhte Eigenlast drückt sich aber auch in der vorhandenen Normalspannung aus.
Dieser Wert unterscheidet sich zwischen den beiden Brücken um den Faktor 3,2. Da aber die
Eigenlast selbst auch wieder eine Belastung für den Pfeiler darstellt, muß auch die ausnutz-
bare Normalspannung berücksichtigt werden. Dieser Wert liegt bei Lohr etwa um den Faktor
2,5 höher. Letztendlich kann man die maximale dynamische Anprallkraft einer nichtlinearen
Berechnung vergleichen. Auch hier besteht eine Unterschied zwischen Lohr und Segnitz um
den Faktor 3.

Der Unterschied zwischen den operativen Versagenswahrscheinlichkeiten von 6,5 läßt sich
problemlos mit dem Unterschied der Eigenlasten von 7,4 erklären. Ein ähnlicher Faktor findet
sich aber nicht bei den anderen erwähnten Parametern. An dieser Stelle muß auf zwei Probleme
der Plausibilitätsmodelle hingewiesen werden: Zum einen ist das dynamische Verhalten nicht
nur von der Masse, sondern auch von der Steifigkeit, die in diesem Faktor nicht berücksichtigt
wird, abhängig und zum zweiten ist die Schubfestigkeit von Mauerwerk nur im ersten Bereich
linear von der Auflast abhängig und steigt nach Erreichen eines Maximalwertes nicht mehr.
Dann bringt eine weitere Zunahme der Auflast keinen Vorteil mehr für den Schubspannungs-
nachweis und kann sogar wieder zu einer Verringerung der maximalen Schubtragfähigkeit
führen. Basierend auf diesen Überlegungen erscheinen aus Sicht des Verfassers die errechneten
Werte glaubhaft.

Alte Mainbrücke Lohr Mainbrücke Segnitz
Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall 0,023 (1,0) 0,15 (6,5)
Versagenswahrscheinlichkeit unter Eigen- & Verkehrslast 2,030·10
-4
(1,0) 2,400·10
-4
(1,2)
Fläche m
2
48 (1,9) 25 (1,0)
Eigenlast in MN 37 (7,4) 5 (1,0)
Vorhandene Normalspannung in MPa 0,84 (3,2) 0,26 (1,0)
Zulässige Normalspannung MPa ca. 25 (2,5) ca. 10 (1,0)
Maximale statische Schubspannung MPa 0,8 (2,7) 0,3 (1,0)
Maximale dynamische Anprallkraft in MN 13,0 (2,9) 4,5 (1,0)
Fraktilwert der Anprallkraft in % 99,99 97,00
(X) Werte in Klammern sind die Faktoren zwischen den beiden Vergleichswerten

Tab. 5-3: Vergleich einiger Parameter der Mainbrücken Lohr und Segnitz

Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
Seite 144
Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse der Rechnungen mit konstruktiven Verstärkungs-
möglichkeiten gewertet werden. Prinzipiell kann festgestellt werden, daß sowohl die operative
Versagenswahrscheinlichkeit mit als auch ohne Rißschaden an der Mainbrücke Segnitz zu
sehr hohen Werten führt bzw. die Brücke eine sehr geringe Sicherheit unter dieser Einwir-
kungskombination zeigt. Interpretiert man die Werte von 0,1542 bzw. 0,313 als Wieder-
kehrperioden eines Anpralls, muß man feststellen, daß jeder siebte bzw. jeder dritte Anprall
rechnerisch zum Einsturz der Brücke führt. Deutlich bessere Werte werden bei der Main-
brücke Lohr erzielt. Die Werte von 0,0807 für den Mauerwerkspfeiler mit Sprengkammer,
0,0234 für den Mauerwerkspfeiler ohne Sprengkammer und 0,0359 bzw. 0,0287 für den Be-
tonpfeiler mit und ohne Sprengkammer liegen ca. eine Zehnerpotenz unter den Werten der
Mainbrücke Segnitz. Damit führt im Mittel jeder zwölfte (0,0807) Anpralls bzw. jeder 43ste
(0,0234) Anprall zum Einsturz der Alten Mainbrücke Lohr.

Durch den Einbau einer passiven Schutzeinrichtung an der Mainbrücke Segnitz erreicht man
eine Verringerung der operativen Versagenswahrscheinlichkeit auf 1/100 des Wertes der un-
beschädigten Brücke (0,00154). Würde man den Pfeiler um den Faktor 2,3 verbreitern und
damit das Eigengewicht und die Fläche erhöhen, erhält man etwa 1/10 des vorhandenen
Wertes der unbeschädigten Brücke (0,0118). Dieser Wert ist auf Grund der Geometrieverhält-
nisse des Pfeilers vergleichbar mit der Alten Mainbrücke Lohr. Der Pfeiler in Lohr hat ca. die
1,92-fachen Abmessungen des Segnitzer Pfeilers. Bei einer Vergrößerung des Originalpfeilers
von Segnitz um den Faktor 2,3 ergibt sich ein Flächenunterschied von 0,8 (1,92 zu 2,3) und
ein Breitenunterschied von 0,6 (4 m zu 2,3 × 2,6 m = 5,98 m). Wenn also der Segnitzer Pfei-
ler ca. die doppelte Breite des Lohrer Pfeilers hat, erhält man ca. die halbe operative
Versagenswahrscheinlichkeit der Lohrer Brücke. Dieser Quotient erscheint nicht unplausibel.

Die Einführung einer ideellen Zugfestigkeit für das Mauerwerk an der Mainbrücke Segnitz
zur Darstellung eines Effekts aus Vorspannen, Schlaffstahlbewehren oder Verpressen des
Pfeilers verringert den bisher vorhandenen Wert der operativen Versagenswahrscheinlichkeit
der unbeschädigten Brücke auf ein Viertel des ursprünglichen Wertes (0,0432). Obwohl der
Lastfall Vorspannung auch bei der Mainbrücke Lohr berechnet wurde, ist der direkte Ver-
gleich hier unangebracht, da die Vorspannung in der Berechnung der Mainbrücke Lohr durch
Vorspannkräfte bzw. Umlenkkräfte weitaus realitätsnaher modelliert wurde. Auch die bei der
Mainbrücke Lohr beobachtete Veränderung der Versagenswahrscheinlichkeit der Brücke
ohne Sprengkammer zur vorgespannten Brücke erscheint glaubwürdiger. Die Vorspannung
des Mauerwerkspfeilers führt zu einer Abminderung der Versagenswahrscheinlichkeit der
Brücke Lohr auf 1/70 im Vergleich zur Brücke ohne Sprengkammer. Das Aufbringen von
Vorspannung auf die Pfeiler stellt ein effektives Mittel zur Erhöhung der Sicherheit dar.

Die Verfüllung der Sprengkammern bringt beim Mauerwerkspfeiler der Mainbrücke Lohr eine
geringe Verbesserung der Zuverlässigkeit mit sich (auf ca. ein ¼). Die untersuchte
Stahlbetonlösung sah den Einsatz von jeweils drei Großbohrpfählen mit einem Durchmesser
von einem Meter an jeder Pfeilerstirnseite vor. Diese konstruktive Lösung stellt quasi einen
Neubau des Pfeilers dar. Damit ist die deutlichste Verringerung der operativen Versagenswahr-
scheinlichkeit und damit einhergehend die drastischste Erhöhung der Sicherheit erreichbar. Es
handelt sich allerdings auch um die aufwendigste Lösung. Ob eine derartige Lösung überhaupt
realisierbar ist, darf bezweifelt werden. Deutlich eleganter erscheint hier der Einbau von Gewi-
Stählen. Diese haben den Vorteil, mit leichtem Bohrgerät (Durchmesser der erforderlichen
Bohrung ca. 10 bis 15 cm) und ohne große Störung der vorhandenen Bausubstanz einsetzbar zu
sein. Eine rechnerische Untersuchung der Versagenswahrscheinlichkeit dieser Lösung erfolgte
im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht.

Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
Seite 145
Die operative Versagenswahrscheinlichkeit unter Querstoß zeigt bei beiden Brücken ver-
gleichbare Verhältnisse zu den Werten für Frontalstoß. Während bei Lohr für die Version
ohne Sprengkammer praktisch der gleiche Wert für Frontal- und Querstoß ermittelt wurde
(0,0233 bzw. 0,0256), unterscheiden sich die beiden Werte bei der Mainbrücke Segnitz um
den Faktor 2. Allerdings ist auch dieser Unterschied nicht unglaubwürdig und ist vermutlich
auf die außerordentlich schmale Ausbildung des Pfeilers an der Mainbrücke Segnitz zurück-
zuführen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die rechnerischen Ergebnisse der probabili-
stischen Untersuchung der Mainbrücke Segnitz und der Alten Mainbrücke Lohr ohne Berück-
sichtigung der Anprallwahrscheinlichkeit aus Sicht des Verfassers im Vergleich der kon-
struktiven Lösungen und im Vergleich der Brücken untereinander plausibel erscheinen. Es
kann deshalb der nächste Schritt von der ereignisorientierten operativen Versagenswahr-
scheinlichkeit zur zeitbezogenen Versagenswahrscheinlichkeit durch die Einbeziehung der
Anprallwahrscheinlichkeit gegangen werden (Tab. 5-1, Spalten IX bis XI).

Es wurde wiederholt vom Verfasser darauf hingewiesen, daß der dafür notwendige Wert der
Anprallwahrscheinlichkeit bzw. -häufigkeit Inhalt weiterführender Diskussion ist. Für die
Mainbrücke Lohr wurden Werte durch die Bundesanstalt für Wasserbau bereitgestellt. Die
verwendeten Zahlen für die Mainbrücke Segnitz wurden im Kapitel 2 ausführlich diskutiert,
können aber nur ein Ansatz sein, da lokale Besonderheiten an der Brücke nicht mit berück-
sichtigt wurden. Mittels der Anprallwahrscheinlichkeiten kann eine operative Versagenswahr-
scheinlichkeit pro Zeiteinheit, in diesem Fall pro Jahr, angegeben werden. Damit ist der di-
rekte Vergleich mit zulässigen Werten in den Vorschriften möglich.

5.2 Risikopotential bei Versagen infolge Schiffsanprall

Die operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Zeiteinheit nennt zwar eine Konsequenz beim
Eintritt des Ereignisses Schiffsanprall, nämlich das Versagen des Bauwerkes, erlaubt damit
aber keinen direkten Vergleich mit anderen Risiken. Deshalb soll im folgenden der Begriff
der operativen Versagenswahrscheinlichkeit zum allgemeinen Risiko erweitert werden, wel-
ches üblicherweise als Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit P eines Ereignisses und einer
allgemeiner gefaßten Konsequenz K des Eintretens dieses Ereignisses verstanden wird. Damit
ist es möglich, in die bisher genannte Konsequenz Verlust eines Bauwerkes auch andere Kon-
sequenzen, insbesondere die möglicher Todesopfer, mit einzubeziehen und das Risiko zu
schreiben:

K P R ⋅ = . (5-1)

Es wird also im folgenden neben der bereits zeitabhängigen operativen Versagenswahr-
scheinlichkeit unter Schiffsanprall auch der zu erwartende Schaden beim Versagen der
Brücke abzuschätzen sein.

Dieser Schaden setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Zuerst ist der materielle und
ideelle Wert der Brücke zu beklagen. Der materielle Wert umfaßt neben dem Bauwerk auch
sekundäre zusätzliche Aufwendungen wie z.B. Umleitungsverkehr, wenn die Brücke nicht
mehr verfügbar ist. Unter ideellen Werten sei der Verlust der Brücke als Kulturgut zu verste-
hen.

Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
Seite 146
Daneben müssen auch gesundheitliche Schäden für die Nutzer der Brücke während des
Versagens, vermutlich sogar Todesopfer erwartet werden. Die Anzahl der Todesopfer erlaubt
den Vergleich mit anderen vorhandenen Risiken. Deshalb wird der finanzielle und ideelle
Wert der Brücke im folgenden nicht weiter betrachtet, wohl aber eine Schätzung für die zu
erwartenden Todesopfer aufgestellt. Dazu muß das Nutzungsprofil, im Fall der Mainbrücke
Lohr das Straßenverkehrsaufkommen, abgeschätzt werden.

Über die alte Mainbrücke Lohr führt die Staatstraße 2437. Das durchschnittliche Ver-
kehrsaufkommen pro Tag beträgt nach Angaben des Straßenbauamtes Würzburg ca. 6600
Fahrzeuge. Ein hohes Verkehrsaufkommen von 660 Fahrzeugen pro Stunde ist im wesentli-
chen nur am Morgen und am späten Nachmittag zu verzeichnen. Teilweise soll sich in diesen
Stunden kurzzeitig Stau auf der Brücke entwickeln.

Die eigentliche Flottenstruktur der Kraftfahrzeuge auf der Brücke ist dem Verfasser nicht
bekannt. Es kann aber vermutet werden, daß die Flottenstruktur zu erheblichen Anteilen aus
PKW’s besteht. In der Stadt Lohr gibt es eine Maschinenbaufirma, so daß gelegentlich auch
Sattelschlepper die Brücke queren werden. Allein aus der Anzahl der Fahrzeuge pro Tag und
der mittleren Überquerungsdauer von 20 bis 30 Sekunden ergibt sich eine Nutzungsdichte von
keinem, einem oder zwei Fahrzeugen zusammen auf der Brücke mit wahrscheinlich nicht
mehr als fünf Personen gleichzeitig auf der Brücke. Letztendlich kann aber ein Bus auf der
Brücke oder ein Anprall während der Zeit des hohen Verkehrsaufkommens nicht ausgeschlos-
sen werden. Darum soll auf die Vergleichswerte bei Brückenversagen infolge Schiffsanprall
zurückgegriffen werden.

Glücklicherweise sind, soweit bekannt, in den letzten Jahrzehnten in Deutschland infolge
Schiffsanprall keine Brückenversagen mit Todesopfern zu beklagen gewesen. Die bisher inter-
national bei Brückenversagen infolge Schiffsanprall bekannten Todeszahlen wurden in Tab.
2-3 genannt, sind in Abb. 5-2 aber noch einmal in graphischer Form zusammengefaßt. Es
zeigt sich, daß überwiegend Unfälle mit kleinen Opferanzahlen auftraten. Von den fünfzehn
erfaßten Unfällen waren bei zwölf Unfällen maximal 20 Opfer zu beklagen. Die großen
Opferzahlen (47 und 176) traten bei Eisenbahnbrücken auf. Es darf vermutet werden, daß bei
Eisenbahnbrücken prinzipiell größere Opferzahlen auf Grund der größeren Anzahl von Men-
schen pro Fahrzeug (Zug zu PKW, Bus oder LKW) zu erwarten sind.

Der Mittelwert der Todesopfer bei Brückenversagen infolge Schiffsanprall lag nach eigenen
Rechnungen in den letzten Jahrzehnten bei ca. 22. Dieser hohe Wert berücksichtigt aber nicht
die genannten Unterschiede zwischen Straßen- und Eisenbahnbrücken. Rechnet man deshalb
nur mit beobachteten Werten von Straßenbrücken, soweit eine Trennung bekannt ist, erhält
man einen Mittelwert von ca. neun Todesopfern pro Brückeneinsturz infolge Schiffsanprall.
Die beiden Unfälle in den letzten Jahren (2001 & 2002) in den USA bestätigen einen Wert um
zehn.

Basierend auf diesen Überlegungen werden für die Risikoanalyse der Mainbrücke Lohr Op-
ferzahlen von 10 und 22 verwendet. Da für die Mainbrücke Segnitz keine Angaben zum Ver-
kehrsaufkommen vorliegen, werden diese Zahlen auch für die Mainbrücke Segnitz verwendet.

Bevor der Nachweis für die operative Versagenswahrscheinlichkeit und das Risiko geführt
werden, erfolgt im nächsten Kapitel die verschiedenen Formen zur Darstellung von Risiken.
Diese Diskussion der numerischen Risikodarstellung ist notwendig, da die Vorschriften, die
eine Risikoanalyse zulassen, weder Aussagen zur Art der Darstellung des Risikos noch eine
quantitative Angabe zu einem akzeptablen Risiko geben.
Kapitel 5: Berechnungsergebnisse
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0
1
2
3
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 40 80 160 360
Anzahl der Opfer bei Brückenversagen infolge Schiffsanprall
H
ä
u
f
i
g
k
e
i
t

Abb. 5-2: Häufigkeit der Anzahl von Todesopfern bei einem Brückenversagen infolge Schiffs-
anprall in verschiedenen Klassen



Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 148
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 149
6 Akzeptables Risiko


„Aber in der Geschichte wie im menschlichen Leben bringt Bedauern einen verlorenen Au-
genblick nicht wieder, und tausend Jahre kaufen nicht zurück, was eine einzige Stunde ver-
säumt.“
STEFAN ZWEIG: Sternstunden der Menschheit, Die Eroberung von Byzanz, 1927



Soziale, gesundheitliche, natürliche und technische Risiken beeinflussen unser Leben, ohne
daß wir, zumindest bei vielen dieser Risiken, eine freie Eintscheidung über die Akzeptanz be-
sitzen. Es ist in Deutschland nicht üblich, daß vor einer Brücke ein Schild mit der Angabe
einer operativen Versagenswahrscheinlichkeit angebracht ist, um dem Nutzer die Entschei-
dung freizustellen, ob ihm die Sicherheit als ausreichend erscheint, und er dieses Bauwerk
nutzen möchte. Der Nutzer geht stillschweigend davon aus, daß der Staat gemäß seiner
Schutzpflicht die Festlegung und Einhaltung eines akzeptablen Risikos prüft.

Es sei bis auf weiteres ferner angenommen, daß der Staat versucht, ein homogenes Niveau der
Sicherheit über alle Bereiche des Lebens in einer Gesellschaft zu verwirklichen. Die speziel-
len Risiken in allen nur denkbaren Bereichen des täglichen Lebens sollten eine ähnliche Grö-
ßenordnung besitzen. In anderen Worten, ein Mitglied der unbeteiligten Öffentlichkeit sollte
nicht ohne Warnung einem signifikant höheren Risiko ausgesetzt werden, als es dies sonst ist.
Die Definition der Sicherheit in Form eines akzeptablen Risikos wird damit zur fundamenta-
len Grundlage für das Zusammenleben der Bewohner in Deutschland. Die von allen Bewoh-
nern anerkannte Grundlage ist die Verfassung. Es wäre deshalb vernünftig, bei der Suche
nach einem übergeordneten akzeptablen Risiko bei der Verfassung und anschließend bei ihren
Verfeinerungen, den Gesetzen zu beginnen.

6.1 Rechtliche Grundlagen und Judikatur

In der Tat ist die Frage der allgemeinen Sicherheit im Grundgesetz, Artikel 2, Absatz 2 mit
dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit verankert. Ähnliche Abschnitte finden
sich in den Verfassungen nahezu aller entwickelter Staaten und in der 1948 von der UNO-
Vollversammlung angenommenen Menschenrechtserklärung.

In der Rechtsprechung wird weiterhin im Sinne von Sicherheitsanforderungen der Begriff der
Gefahrenabwehr verwendet. Bezüge zur Gefahrenabwehr finden sich im Zivilrecht (Scha-
densersatz § 823 Abs. 1 BGB), im Produkthaftungsgesetz § 1, Abs. 1 oder in der Verwal-
tungsordnung § 123, 80 Abs. 5.

Ganz speziell im Bauwesen wird die Sicherheit z. B. unter § 3 Allgemeine Anforderungen in
der SächsBO (Sächsische Bauordnung) gefordert [17]:

„(1) Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne von § 1 Abs. 1
Satz 2 sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern, instandzusetzen und instandzuhalten,
daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben oder Gesundheit oder
die natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden. ...“
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 150

In der Rechtsprechung wird ein akzeptables Risiko als „de minimis“ Risiko bezeichnet. Der
Ausdruck „de minimis“ stammt aus dem lateinischen Satz: „De minimis non curat lex“, der
soviel bedeutet wie: „Das Gesetz befaßt sich nicht mit Kleinigkeiten“. Diese Gefahren sind
nicht Thema für die Öffentlichkeit und sind vernachlässigbar. Das heißt aber nicht, daß solche
Unfälle nicht eintreten können.

Was aber nun die Unbedenklichkeit einer Gefahr bzw. ein „de minimis“ Risiko in Zahlen dar-
stellt, darüber hält sich der Gesetzgeber bedeckt. Gelegentlich werden unklare Gesetze durch
Gerichtsurteile für die Allgemeinheit verständlicher, darum soll noch ein Blick auf verschie-
dene Gerichtsverfahren geworfen werden.

In der Tat gibt es in diesem Zusammenhang in Deutschland einige Gerichtsurteile. 1975 ent-
schied das OVG Münster, daß die Eintrittswahrscheinlichkeit eines atomaren Störfalls von 10
-7

pro Jahr als akzeptables Restrisiko betrachtet werden darf [218]. Zu dem gleichen Ergebnis
kam das VG Freiburg 1977 [304]. In dem gleichen Jahr befaßte sich auch das VG Würzburg
mit dieser Thematik [305]. Allerdings wurde 1997 durch das Hessische VGH die gerichtliche
Entscheidung über einen akzeptablen Wahrscheinlichkeitswert zurückgewiesen [122]. In Be-
zug auf Schiffsanprall gegen Brücken gab es im Jahre 2000 durch das OVG Rheinland-Pfalz
eine Entscheidung betreffs der Frage, ob durch eine Fahrrinnenvertiefung eine Erhöhung des
Risikos eintreten würde. Diese Frage wurde durch das OVG Rheinland-Pfalz verneint [219].

Das Bundesverfassungsgericht hat sich in der Kalkar-Entscheidung ansatzweise mit der Fest-
legung von akzeptablen Risiken befaßt. Es finden sich dort allerdings nur Begriffe wie „prak-
tisch unvorstellbar und ausgeschlossen“ oder „unerheblich“, ohne daß eine Festlegung eines
Wertes erfolgt (MRASEK-ROBOR [197]).

In der amerikanischen Rechtssprechung findet sich zumindest in einem Fall ein Hinweis auf
ein akzeptables Risiko [299], auch wenn ein erheblicher grauer Bereich bleibt. Zitat:

„If, for example, the odds are one in a billion that a person will die from cancer by taking
a drink of chlorinated water, the risk clearly could not be considered significant (10
-9
).
On the other hand, if the odds are one in a thousand (10
-3
) that regular inhalation of
gasoline vapors that are 2 % benzene will be fatal a reasonable person might well con-
sider the risk significant and take the appropriate steps to decrease or eliminate it.”

In England befaßten sich bereits 1949 Juristen mit der Problematik des Vergleiches von Risi-
ken, wie folgendes Zitat beweißt:

“„Reasonably practicable“ is narrower term than „physically possible“ and seems to me
to imply that a computation must be made by the owner in which the quantum of risk is
placed on one scale and the sacrifice involved in the measures necessary for averting the
risk (whether in money, time or trouble) is placed in the other, and that, if it be shown
that there is a gross disproportion between them – the risk being insignificant in relation
to the sacrificed – the defendants discharge the onus on them.” (Richter Asquith, Ed-
wards v. National Coal Board, All England Law Reports, Vol. 1, p. 747 (1949))

Basierend auf diesem Entscheid wurde das sogenannte ALARP-Prinzip (As low as reasonable
practicable) entwickelt, welches im englischsprachigen Raum weit verbreitet ist.


Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 151
Im folgenden seien noch zwei Fälle genannt, bei denen die Gerichte nicht der Meinung waren,
daß die vom Hersteller als akzeptable Risiken festgelegten Werte den Anforderungen an ein
„de minimis“ Risiko erfüllten. Patricia Anderson klagte Mitte der 90er Jahre gegen General
Motors, weil bei ihrem Auto nach einem Auffahrunfall der Tank explodierte. Dem Auto-
hersteller war der Konstruktionsmangel bekannt. Es wurde mit 500 Schwerverletzten bzw.
Toten pro Jahr bei 41 Millionen Fahrzeugen der Firma General Motors gerechnet. Der Kon-
zern berücksichtigte rechnerisch die auf geltender Rechtslage basierenden Schadensersatzfor-
derungen in Höhe von 100 Millionen Dollar pro Todesfall pro Jahr. Tatsache ist aber, daß das
Gericht auf Grundlage des Wissens um den Mangel General Motors mit einer Schadenser-
satzsumme von 4,9 Milliarden Dollar belegte [285].

Als zweites Beispiel sei eine Klage gegen Ford Ende der 70er Jahren genannt, weil der Tank
des Ford Pinto explosionsgefährdet war. Ford ging damals von 200.000 US$ für ein Men-
schenleben und 67.000 US$ für eine schwere Verletzung aus. Es wurden ca. 11 Millionen
Fahrzeuge verkauft. Pro Jahr wurde mit 2.100 verbrannten Fahrzeugen gerechnet. 1978 wurde
Ford von einem Gericht in Kalifornien zu 128 Millionen Dollar Schadensersatz für einen
verletzten Fahrer verurteilt (FORD vs. Weinberger, Romeo).

Zusammenfassend kann man feststellen, daß Gesetze einen Zahlenbetrag zur Definition eines
akzeptablen Risikos schuldig bleiben. Bei den Gerichtsurteilen gibt es sowohl Zahlenwerte,
die akzeptiert wurden als auch unakzeptable Werte. Dazwischen muß das akzeptable Risiko
liegen.

Einen weiteren Ansatzpunkt für die Suche nach einem akzeptablen Risiko findet man in einer
der üblichen Beschreibungen für eine nichtakzeptable Gefährdung in LÜBBE-WOLFF [172] mit:
„gewisse erhebliche, das allgemeine Lebensrisiko signifikant erhöhende Größe der Gefahr“.

Diesem Ansatz der pauschalen Festlegung des akzeptablen Risikos über das allgemeine Le-
bensrisiko folgen auch die Bauvorschriften. Ein Schiffsanprall zählt zu den außergewöhnli-
chen Einwirkungen (DIN 1055-9). Sowohl der Eurocode als auch die DIN 1055-9 lassen für
außergewöhnliche Einwirkungen eine Risikoanalyse zu. Dazu heißt es z. B. im Eurocode 1,
Abschnitt 3.2, Bemessung für außergewöhnliche Situationen [84] (oder in der DIN 1055-9 5.1
(2) sinngemäß):

„Der Ausschluß eines Risikos kann in den meisten Fällen nicht erreicht werden, somit ist
es erforderlich, ein gewisses Risiko zu akzeptieren. ... Bei Festlegung der Risikostufe
sollte auch ein Vergleich mit Risiken, die bei vergleichbaren Bemessungssituationen von
der Gesellschaft akzeptiert werden, durchgeführt werden.“

Es gilt also, das von der Gesellschaft akzeptierte Risiko festzustellen.

6.2 Alltägliches Risiko

Dazu müssen Risiken aus allen Bereichen des Lebens erfaßt und zusammengestellt werden.
Die erste hier behandelte Darstellung von Risiken sei die reine Nennung der Sterbehäufigkeit
bzw. Sterbewahrscheinlichkeit pro Jahr pro Person bzw. das Sterberisiko pro Jahr pro Person
für eine Gruppe von Menschen. Darunter soll ein Ereignis mit einer bestimmten Wahrschein-
lichkeit und dem Tod eines Menschen als Konsequenz verstanden werden. Damit beschreiben
die Begriffe Sterbehäufigkeit und Sterberisiko den gleichen Sachverhalt.

Tab. 6-1 ist eine umfangreiche Zusammenstellung zahlreicher in verschiedenen Quellen ge-
nannter Sterbehäufigkeiten in den verschiedensten Ländern. Einen Überblick über den Bereich
der Sterbehäufigkeiten bzw. Wahrscheinlichkeiten gibt Abb. 6-1. Die höchsten Werte ohne be-
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 152
wußte Wahl eines Risikos scheinen in entwickelten Industrieländern in Friedenszeiten etwa bei
1,0·10
-4
zu liegen. Für die geringsten Werte kann man nur grobe Schätzungen anstellen, derar-
tige Werte sind einfach zu selten.

Todesursache/Sachverhalt Relative Sterbehäufigkeit/Jahr Quelle
Dschungelkinder in den ersten zwei Lebensjahren in Irian Jaya 2,5·10
-1

Säuglingssterblichkeit in Mali 1,2·10
-1
[340]
Deutscher Soldat im II. Weltkrieg 7,0·10
-2
[217]
Säuglingssterblichkeit (Entwicklungsländer) 6,4·10
-2
[340]
Storebælt Link Brücke (<19 Todesopfer) rechnerisch 2,0·10
-2
[67]
Allg. für Männer zwischen 54 und 55 Jahren in der DDR 1988 1,0·10
-2
[273]
Allg. für Frauen zwischen 60 und 61 Jahren in der DDR 1988 1,0·10
-2
[273]
Verlust einer Raumfähre pro Mission (NASA 1989) 1,0·10
-2
[203]
Allgemeine Sterbehäufigkeit in den USA 9,0·10
-3
[223]
Allgemeine Sterbewahrscheinlichkeit (USA – 1999) 8,6 10
-3
[77]
Säuglingssterblichkeit (Industrieländer) 8,0·10
-3
[340]
Krebs (USA – 1999) 5,7 10
-3
[77]
Herzkrankheit (USA – 1999) 5,7 10
-3
[77]
Muttersterblichkeit bei Geburt (Entwicklungsländer) 5,0·10
-3
[340]
Akzeptables Risiko in der britischen Schwerindustrie (alter W.) 4,0·10
-3
[225]
Rauchen (USA – 1999) 3,6 10
-3
[77]
Herzkrankheit in den USA (1975-1995) 2,9·10
-3
[223]
Krebs (jedes Alter, U.K.) 2,8·10
-3
[139]
Bergsteigen (international) 2,7·10
-3
[238]
Raumfahrer (ESA CRV) 2,0·10
-3
[139]
Akzeptables Risiko in der britischen Schwerindustrie (neuer W.) 2,0·10
-3
[225]
Canvey Island (England) 2,0·10
-3
[225]
Hochseefischerei 1,7·10
-3
[238]
Gewaltverbrechen (Johannesburg 1993) 1,5·10
-3
[244]
Untertagebau (D 1950) 1,3·10
-3
[120]
Fliegen (Crew) 1,2·10
-3
[238]
Allg. Männer zwischen 17 und 18 Jahren in der DDR 1988 1,0·10
-3
[273]
Allg. Frauen zwischen 35 und 36 Jahren in der DDR 1988 1,0·10
-3
[273]
Bergsteigen (USA – 1999) 1,0 10
-3
[77]
Akzeptables Risiko bei medizinischen Operationen 1,0·10
-3

Akzeptables Risiko auf britischen Erdölplattformen 1,0·10
-3
[225]
Akzeptables Risiko auf norwegischen Erdölplattformen 1,0·10
-3
[225]
Untertagebau (USA 1970) 8,4·10
-4
[120]
Untertagebau (U.K. 1950) 7,4·10
-4
[120]
Untertagebau (Kanada 1970) 6,2·10
-4
[120]
Untertagebau (D 1980) 5,9·10
-4
[120]
Versagen von Dämmen 5,0·10
-4
[77]
Unerwarteter Tod (USA) 3,7·10
-4
[307]
Kohlebergbau 3,3·10
-4
[238]
Lungenkrebs in Deutschland 3,2·10
-4
[6]
Untertagebau (U.K. 1970) 3,0·10
-4
[120]
Verkehrsunfälle mit Motorfahrzeugen (USA – 1967) 2,7·10
-4
[273]
Unerwarteter Tod (Australien) 2,5·10
-4
[307]
Autofahren 2,2·10
-4
[238]
Autounfall (USA – 1999) 2,0 10
-4
[77]
AIDS (USA 1995) 2,0·10
-4
[223]
Bauarbeit 1,7·10
-4
[238]
Ford wählte als akzeptables Risiko (70er Jahre) 1,6·10
-4

AIDS (USA 1996) 1,5·10
-4
[223]
Bergbau 1,4·10
-4
[139]
Fliegen (Passagier) 1,2·10
-4
[238]
Verkehrsunfälle mit Motorfahrzeugen (D 1988) 1,2·10
-4
[273]
AIDS weltweit 1,2·10
-4
[25]
Versagen von Brücken 1,1·10
-4
[77]
Hausarbeit 1,1·10
-4
[238]
Zulässiges Risiko für alte Bauwerke 1,0·10
-4
[225]
Unfall zu Hause (USA – 1999) 1,0 10
-4
[77]
Stürze (USA – 1967) 1,0·10
-4
[273]
Haushalt 1,0·10
-4
[139]
Gewaltverbrechen (USA 1981) 1,0·10
-4
[312]
Allgemein 14 jährige Mädchen in den Niederlanden 1,0·10
-4
[225]
Krebsauftrittswahrscheinlichkeit mit Handlungsbedarf 1,0·10
-4
[308]
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 153
Muttersterblichkeit bei Geburt (Industrieländer) 1,0·10
-4
[340]
Gewaltverbrechen (USA 1981) 9,8·10
-5
[312]
Straßenverkehr (U.K.) 9,1·10
-5
[139]
Todesopfer bei Polizeiaktionen in den USA 8,6·10
-5
[223]
Stürze (D 1988) 8,1·10
-5
[273]
Schiffsverkehr (Linienfahrten) 8,0·10
-5
[139]
Flugverkehr (Linienflüge) 10.000 Meilen pro Jahr 6,7·10
-5
[139]
Gewaltverbrechen (USA 1998) 6,3·10
-5
[312]
Kernkraftwerksversagen in D (Früh- und Spätfolgen) 5,8·10
-5
[120]
Fabrikarbeit 4,0·10
-5
[238]
Feuer und Explosionen (USA – 1967) 3,7·10
-5
[273]
Storebælt Link (20-200 Todesopfer) rechnerisch 3,0·10
-5
[67]
Ertrinken (USA – 1967) 2,9·10
-5
[273]
Gewaltverbrechen (London 1993) 2,5·10
-5
[244]
Dammversagen mit Todesfolge in den USA 2,5·10
-5
[167]
Drogenkonsum (D 1999) 2,2·10
-5
[26]
Flugzeugunfall (USA – 1999) 2,0 10
-5
[77]
Arbeitsunfälle (U.K.) 1,4·10
-5
[139]
General Motors wählte als akzeptables Risiko (90er Jahre) 1,2·10
-5
[285]
Akzeptables Risiko 1,1·10
-5
[40]
Feuer (USA – 1999) 1,0 10
-5
[77]
Versagen von Hochbauten 1,0·10
-5
[77]
FDA zulässige Krebswahrscheinlichkeit einer Substanz 1,0·10
-5
[225]
Zulässiges Risiko für neue Bauwerke (Niederlande) 1,0·10
-5
[225]
Akzeptables Risiko (Niederlande) 1,0·10
-5
-1,0·10
-6
[259]
Flugverkehr (USA – 1967) 9,0·10
-6
[273]
Straßenverkehr (10.000 Meilen pro Jahr, vorsichtiger Fahrer) 8,0·10
-6
[139]
Gebäudebrände 8,0·10
-6
[238]
Gasvergiftungen (USA – 1967) 7,9·10
-6
[273]
Eisenbahnverkehr (USA – 1967) 5,0·10
-6
[273]
Eisenbahnverkehr (D 1988) 4,4·10
-6
[273]
Storebælt Link (>200 Todesopfer) rechnerisch 3,0·10
-6
[67]
Erfrierung (USA – 1967) 1,6·10
-6
[273]
Naturkatastrophen in den USA 1,4·10
-6
[223]
Flugverkehr (D 1988) 1,2·10
-6
[273]
Maximale zulässige Sterbewahrscheinlichkeit 1,0·10
-6
[225]
De minimis Risk 1,0·10
-6
[184]
De minimis Risk 1,0·10
-6
[143]
Dürre USA (1980-2000) 1,0·10
-6
[223]
EPA zulässige Krebswahrscheinlichkeit einer Substanz 1,0·10
-6
[225]
Gefährdung von Individuen durch Kernkraftwerke USNRC 1,0·10
-6
[225]
Akzeptables Risiko 1,0·10
-6
[85]
Hunger, Durst, Erschöpfung (USA – 1967) 9,7·10
-7
[273]
Naturkatastrophen (Erdbeben, Hochwasser u.ä.) (USA – 1967) 8,2·10
-7
[273]
Tod durch Überflutung in den USA (1967-1996) 5,4·10
-7
[223]
Blitzschlag (USA – 1967) 4,4·10
-7
[273]
Wirbelstürme USA (1967-1996) 3,7·10
-7
[223]
Blitzschlag USA (1967-1996) 3,2·10
-7
[223]
Bisse und Stiche von Tieren (USA – 1967) 2,2·10
-7
[273]
Bauwerksversagen 1,0·10
-7
[238]
De minimis Risk für Arbeiter 1,0·10
-7
[225]
Tod eines Menschen auf dem Arbeitsweg mit ÖPNV/Bahn 1,0·10
-7
[50]
De minimis Risk 1,0·10
-7
[77]
Blitzschlag (U.K.) 1,0·10
-7
[139]
Hoher und tiefer Luftdruck (USA – 1967) 6,5·10
-8
[273]
Erdbeben (1990-2000) 5,1·10
-8
[223]
Hagelstürme USA (1990-2000) 3,1·10
-8
[223]
Vulkanausbruch USA (1990-2000) 2,2·10
-8
[223]
Massensterben in der Erdgeschichte 1,1·10
-8
[194]
De minimis Risk für die Öffentlichkeit 1,0·10
-8
[225]
Akzeptables Risiko für Krebs Ende der 50er (erste Zahlen) 1,0·10
-8
[144]
Tab. 6-1: Sterbehäufigkeiten nach verschiedenen Quellen. Gleiche Aktivitäten können auf
Grund unterschiedlicher Regionen und unterschiedlicher Bezugszeiten unterschiedliche Ster-
behäufigkeiten besitzen.
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 154
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Abb. 6-1: Einige rechnerische Sterbewahrscheinlichkeiten und empirische Sterbehäufigkeiten
basierend auf verschiedenen Tätigkeiten und Umständen aus Tab. 6-1

Handlung Todesursache
1,4 Zigaretten rauchen Krebs, Herzinfarkt
½ Liter Wein trinken Zirrhose der Leber
1 Stunde in einem Kohlebergwerk verbringen Schwarze Lunge
3 Stunden in einem Kohlebergwerk verbringen Unfall
2 Tage in New York oder Boston leben Luftverschmutzung
6 min mit einem Kanu fahren Unfall
10 km mit einem Fahrrad fahren Unfall
250 km mit dem Auto fahren Unfall
1600 km mit dem Flugzeug fliegen Unfall
10 000 km mit dem Flugzeug (Jet) fliegen Krebs durch kosmische Strahlung
2 Monate in einem üblichen Mauerwerkshaus Krebs durch natürliche Radioaktivität
Eine Röntgenuntersuchung in einem guten Krankenhaus Krebs durch Röntgenstrahlung
2 Monate mit einem Raucher zusammenleben Krebs, Herzinfarkt
40 Eßlöffel Erdnußbutter essen Krebs durch Aflatoxin B
1 Jahr das Trinkwasser von Miami trinken Krebs durch Chloroform
30 12-oz Dosen eines Diät Soft Drinks trinken Krebs durch Saccharin
1000 24-oz Soft Drinks aus Plastflaschen Krebs durch Acrylonitrile Monomere
100 gegrillte Steaks essen Krebs durch Benzopyrene
150 Jahre im 20 km-Radius eines Kernkraftwerkes leben Krebs durch Strahlung
Tab. 6-2: Handlungen, die die Sterbewahrscheinlichkeit um 1:10
6
erhöhen

Todesrisiko/Unfallrisiko Quelle
Eisenbahn (Japan) 1,3·10
-12
Passagierkilometer [139]
Eisenbahn (Gütertransport Deutschland) 2,0·10
-6
Güterkilometer [139]
Eisenbahn (allgemein) 4,7·10
-4
Zugkilometer [139]
Straßenverkehr (Japan) 1,5·10
-10
Passagierkilometer [139]
Straßenverkehr (allgemein) 2,1·10
-5
Fahrzeugkilometer [139]
Flugverkehr (Linienflüge) 1,1·10
-10
Flugkilometer [139]
Straßenverkehr (Europa) 1,0·10
-8
Passagierkilometer [157]
Straßenverkehr (Europa-Autobahnen) 3,0·10
-9
Passagierkilometer [157]
Speziell für den Flugverkehr gibt es Kritik an der Kalibrierung des Risikos anhand der geflogenen Kilometer, da Flugzeuge
für das Zurücklegen großer Entfernungen gedacht sind. Es wurde bereits vorgeschlagen, das Risiko pro Start/Landung an-
zugeben. Dann wird ein teilweise 100fach höheres Risiko für den Flugverkehr ermittelt.
Tab. 6-3: Fahrlängenbezogene Risiken verschiedener Verkehrsträger

Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 155
Man kann Tab. 6-1 auch invertieren, einen Zielwert festlegen und entsprechende Handlungen
wählen. In VISCUSI [307] und MCBEAN & ROVERS [184] wird die Erhöhung der Sterbewahr-
scheinlichkeit um 1,0·10
-6

bei der Durchführung nachfolgend genannten Tätigkeiten aufgelistet
(Tab. 6-2). KAFKA [139] und KRÖGER & HØJ [157] geben für verschiedene Transportmittel
fahrlängenbezogene Risiken an (Tab. 6-3).

In Tab. 6-1 findet man für das de minimis risk mehrmals den Wert 10
-6
. Dieser Wert findet
sich als Zielversagenswahrscheinlichkeit auch in den noch zu behandelnden Baunormen. Die
Herkunft dieses Wertes bleibt umstritten. Häufig wird hierbei auf Arbeiten von Mantel und
Bryan verwiesen. Diese gaben jedoch 1961 noch 10
-8
als akzeptable Sterbewahrscheinlichkeit
an. Zwischen an 1973 und 1977 verringerte die U.S Food and Drug Administration (FDA)
diesen Zielwert auf 10
-6
(KELLY [143]).

Die Darstellung von Katastrophen mit der reinen Sterbewahrscheinlichkeit erlaubt es nicht, die
Schwere einer einzelnen Katastrophen zu erfassen. Die Aussagekraft der Sterbewahrscheinlich-
keit als Parameter für Risiken ist darum begrenzt. So, wie beim Pressen eines Apfels durch ein
Sieb der Geschmack des Apfels zwar erhalten bleibt, die innere Struktur aber verloren geht, so
kann die Zahl der Sterbewahrscheinlichkeit relativ wenig über dem Umfang einzelner Katastro-
phen aussagen. Will man also, bildlich gesprochen, die Struktur des Apfels erhalten, muß man
andere Darstellungen wählen.

Häufig verwendet man deshalb sogenannte F-N-Diagramme (Frequency-Numbers Diagrams).
In diesen Diagrammen werden die Konsequenzen eines Versagens bzw. eines Unfalles der Häu-
figkeit gegenüber gestellt. Die Konsequenzen werden überwiegend in der Anzahl von Todesop-
fern, gelegentlich in monetären Einheiten angegeben. Es besteht dann aber die Frage der Über-
führung von dem Einen in das Andere. Auf diese Problematik wird später noch eingegangen.
Auf Grund der Berücksichtigung der Anzahl der Todesopfer spricht man auch von kollektiven
Risiken. Die Darstellung im F-N-Diagramm erfolgt doppeltlogarithmisch. Derartige Dia-
gramme sind genau wie die Sterbehäufigkeiten immer nur für bestimmte Regionen und be-
stimmte Zeitrahmen gültig. Als Zeiteinheit für die Häufigkeit der Ereignisse werden üblicher-
weise Jahre verwendet. Es ist verständlicher von einer Häufigkeit von einmal in Hundert Jahren
zu sprechen als von 1,1·10
-8
pro Stunde, wie es z. B. bei Flugzeugen üblich ist.

Die Risiken innerhalb eines solchen Diagramms werden allgemein in vier Gruppen unterteilt.
Risiken der Kategorie 1 sind statistisch gut abgesichert. Kleinere Unfälle treten relativ häufig
auf. Schwere Unglücke sind sehr selten. Diese Risiken besitzen im F-N-Diagramm eine fallende
Gerade. In die Kategorie 2 gehören Risiken, bei denen die Schwere des Unglückes nicht von der
Häufigkeit abhängt oder mit der Häufigkeit zunimmt. Diese Risiken zeigen eine flach fallende,
waagerechte oder sogar ansteigende Kurve. Risiken der Kategorie 3 sind nur theoretisch be-
kannt. Sie liegen hinter dem Ereignishorizont, und es gibt keine statistischen Daten darüber.
Kategorie 4 sind Ereignisse, die als Schaden die Menge der Erdbevölkerung übersteigen. Unab-
hängig von der statistischen Häufigkeit sind auch diese Ereignisse nicht bekannt [302].

Ein konstantes Risiko müßte in diesem Diagramm eine fallende Linie mit einem 45° Winkel
besitzen und läßt sich theoretisch begründen (ELMS [78]). Risiken der Kategorie 1 folgen dieser
Annahme sehr gut. Risiken infolge Naturkatastrophen verlaufen allerdings etwas flacher und
zeigen Charakteristika der Risiken vom Typ 2. Auf Grund des Anwachsens der Weltbevölke-
rung zeigen die Kurven in den letzten Jahren außerdem eine Verschiebung nach rechts. Weitere
Ausführungen über die Anstieg der Risikokurven findet sich in BALL & FLOYD [8].

F-N-Kurven finden sich in zahlreichen Veröffentlichungen (LARSEN [163], US-Guide [51],
RACKWITZ [238], HANSEN [117]), teils allgemein, teils auf bestimmte Probleme bezogen. Sie
sind hervorragend für Vergleiche verschiedener technischer Lösungen geeignet. So werden in
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 156
der Schweiz F-N-Diagramme für die Entscheidungsfindung von unterschiedlichen Straßenfüh-
rungen (eine Lösung mit Tunnel, eine ohne Tunnel) verwendet.

Bei der bisherigen Betrachtung des Sterberisikos bzw. der Sterbewahrscheinlichkeit wurde
keine Unterteilung nach Ursachen vorgenommen. Gerade unter dem Gesichtspunkt des Ver-
hältnisses der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Gefährdung und der mittleren Lebenszeit eines
Menschen lassen sich die Naturkatastrophen aus der Menge aller Gefährdungen herauslösen.
Während die Gefährdung durch Kraftfahrzeuge erst seit 100 Jahre besteht, kann man z. B. für
Anatolien die Gefährdung durch Erdbeben schon sehr lange zurückverfolgen, allerdings mit
einer weitaus geringeren Häufigkeit als Autounfälle.
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 157

Autoverkehr
Insgesamt
Flugzeugabsturz
(insges.)
Feuer
Explosionen
Dammbruch
Chlorfreisetzung
Flugzeugabsturz
(Personen am Boden)
Kernkraftwerke
Kernkraftwerke
Todesfälle Todesfälle
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10
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10
-7
Tornados
Erdbeben
Hurricans
Meteore
Naturereignisse insges.


Autoverkehr
Todesfälle
H
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1
50 Billiarden US-$ 5 Millionen
10 Milliarden
10
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K 4
K 3
K 1
K 2
Erfahrungshorizont
K
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Abb. 6-2: HANSEN gibt die oberen Bilder für Naturkatastrophen und technische Risiken an [117],
im unteren Bild erfolgt die Klassifizierung der Risiken nach VAN BREUGEL [302]

Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 158
6.3 Naturkatastrophen

Natürliche Risiken beziehen sich auf den Eintritt von Naturkatastrophen durch Schneestürme,
Hagel, Dürre, Überschwemmungen, Wirbelstürme, Vulkanausbrüche, Erdbeben und Meteori-
ten.

Letztere sind ein Risiko, das durchaus der Kategorie 3 oder 4 zugeordnet werden kann. Ob-
wohl die Erde pro Jahr ca. 20.000 Meteoren mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10.000
km/h ausgesetzt ist (Abb. 6-3), sind die Erfahrungen mit Einschlägen von Meteoriten auf der
Erde sehr gering. Es handelt sich hierbei um eine Ereignis mit einer außergewöhnlich gerin-
gen Wahrscheinlichkeit, im Falle eines Eintrittes aber mit hohen möglichen Konsequenzen.

So wird vermutet, daß das sogenannte K/T Boundary Extinction Event auf den Einschlag ei-
nes Meteoriten im Bereich des heutigen Mexiko zurückzuführen ist. In der Konsequenz dieses
Ereignisses starben 17 % aller biologischen Familien (u.a. die Saurier) innerhalb kürzester
Zeit aus. Das größte Ereignis dieser Art von Massensterben war die Permian Katastrophe.
Innerhalb von 100.000 Jahren starben auf der Erde zwischen 50 % und 90 % aller biologi-
schen Arten aus. Tab. 6-4 listet die nachgewiesenen Ereignisse von Massensterben in der
Erdgeschichte auf. Meteoriteneinschläge haben vermutlich einen nicht unbedeutenden Beitrag
dazu geleistet. Tab. 6-5 nennt einige Beispiele von Meteoriteneinschlägen.

Als weiteres Beispiel für Risiken mit einem hohen Schadenspotential seien Erdbeben genannt.
Die Häufigkeit von Erdbeben ist im Vergleich zu Meteoreinschlägen bedeutend größer. Das
ermöglicht aber auch eine bessere statistische Aufbereitung.

Als Beispiel für das Risiko in einem Erdbebengebiet sei Anatolien genannt. GORE [104] gibt
basierend auf geologischen Untersuchungen an, daß sich in den letzten 4.000 Jahren in Ana-
tolien ca. 60 Erdbeben mit einer Magnitude größer 7,5 ereignet haben müssen. Teilweise las-
sen sind auf Grundlage alter Schriftstücke sogar die Jahreszahlen ermitteln. Die Stadt Antioch
wurde 115, 526, 588 und 1872 von schweren Erdbeben betroffen.

Was die Schwere der Naturkatastrophen angeht, so führen Erdbeben die Liste der zivilen Ka-
tastrophen mit den größten Verlusten an. Tab. 6-6 listet die schwersten erfaßten Erdbeben in
der Geschichte der Menschheit auf.

Zeitalter Vor Prozent der biologischen Familien, die aussterben
Ordovician 440 Millionen Jahre 25 %
Devonian 370 Millionen Jahre 19 %
Permium 250 Millionen Jahre 54 % *
Triassic 210 Millionen Jahre 23 %
Cretaceous 65 Millionen Jahre 17 % (K/T Boundary Extinction Event)
Mittelwert des zeitlichen Abstandes 88 Millionen Jahre entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1,14·10
-8
pro Jahr
Tabelle nach MORELL [194], * Nach HOFFMANN [123] starben im Permium 90 % aller Meereslebewesen auf der Erde aus.
Tab. 6-4: Massensterben von Tierarten in der Erdgeschichte

Name Zeitpunkt Besonderheiten
Nördlinger Rieskrater 15 Millionen Jahren
Alter Barringer Krater vor 50.000 Jahren 170 m tief
Ensisheim 1492
Allende Meteorit 8. Februar 1969 4 Tonnen Bruchstücke
Sikhote-Alin-Meteorit 12. Februar 1947 200 Krater, größter 27 m Durchmesser
Tunguska Meteorit,
Mittelsibirien
30. Juni 1908 1000 km weit zu hören, 7 Millionen Tonnen schwer, 1.600 km
2
Wald
zerstört
Tab. 6-5: Beispiele von Meteoriteneinschlägen [200]
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 159

Abb. 6-3: Am 31. Juli 2001 von Paul Brown in Rochester, New York, 18:18 Ortszeit aufge-
nommener Meteor (Pennsylvania Bolide). Der Meteor konnte von Kanada bis Virgina gese-
hen werden. Die Explosion erschütterte Häuser.

Datum Land/Ort Todesopfer Magnitude
23. Januar 1556 China, Shansi 830.000
27. Juli 1976 China, Tangshan 255.000* 8.0
9. August 1138 Syrien, Aleppo 230.000
22. Mai 1927 China, Xining 200.000 8.3
22. Dezember 856+ Iran, Damghan 200.000
16. Dezember 1920 China, Gansu 200.000 8.6
23. März 893+ Iran, Ardabil 150.000
1. September 1923 Japan, Kwanto 143.000 8.3
5. Oktober 1948 UdSSR, Turkmenistan, Ashgabat 110.000 7.3
September 1290 China, Chihli 100.000
28. Dezember 1908 Italien, Messina 70.000-100.000 7.5
November 1667 Kaukasus, Shemakha 80.000
18. November 1727 Iran, Tabriz 77.000
1. November 1755 Portugal, Lisabon 70.000
25. Dezember 1932 China, Gansu 70.000 7.6
31. Mai 1970 Peru 66.000 7.8
1268 Italien, Asia Minor, Sizilien 60.000
11. Januar 1693 Italien, Sizilien 60.000
30. Mai 1935 Pakistan, Quetta 30.000-60.000 7.5
4. Februar 1783 Italien, Calabria 50.000
20. Juni 1990 Iran 50.000 7.0
*nach offiziellen Angaben. Andere Schätzungen gehen von bis 655.000 Todesopfern aus.
Tab. 6-6: Liste der schwersten erfaßten Erdbeben [300]
Aber nicht alle Erdbeben erreichen diese furchtbaren Dimensionen. In den USA kosteten auch
schwere Erdbeben in den letzten 10 Jahren nur 130 Menschenleben, allerdings aber auch 25
Milliarden Dollar (PARFIT [223]). Hier zeigen die umfangreichen Vorsorgemaßnahmen Wir-
kung.

Die überwiegenden Arten von Naturkastrophen zeigen aber Eigenschaften der Klasse 2 von
Risiken. Das gilt für allem für die am häufigsten auftretenden Naturkatastrophen, die Wetter-
unbilden (Stürme, Blitze, Fluten etc.).

So sterben im Mittel in den USA pro Jahr weniger als 350 Menschen durch Fluten, Blitze,
Wirbelstürme, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Hagel (PARFIT [223]). Der amerikanische
Wetterdienst gibt an, daß in den USA im Zeitraum von 1967 bis 1996 pro Jahr durchschnitt-
lich 138 Menschen durch Fluten, 83 Menschen durch Blitze, 94 Menschen durch Wirbel-
stürme (Tornados und Hurrikans) starben. Hagelstürme töteten in den 90ern in den USA 8
Menschen. Die Dürre und Hitzeperiode im Jahre 1988 in den USA verursachte zwischen
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 160
5.000 und 10.000 Todesopfer und kostete ca. 40 Milliarden Dollar (PARFIT [223]). Der Vulkan-
ausbruch des Mount St. Helens tötete 57 Menschen.

Aber wie bei den Erdbeben muß man für die Einordnung der Naturkatastrophen klar die geo-
graphische Lage beachten, in denen Naturkatastrophen eintreten. In anderen Erdregionen
erreichen Überschwemmungen verheerende Auswirkungen. So starben im Oktober/November
1998 in Mittelamerika 2.000 Menschen bei den Überschwemmungen (WILLIAMS [326]).
1997/1998 starben weltweit schätzungsweise 2.100 Menschen bei einem El Niño. Die Kosten
wurden auf 33 Milliarden US$ geschätzt. In Peru allein wurden ca. 300 Brücken zerstört
(WILLIAMS [326])

Ob die Anzahl der Naturkatastrophen in den letzten Jahren zugenommen hat, ist z.Z. noch
Gegenstand reger wissenschaftlicher Diskussionen. Z.B. weiß man beim El Niño, daß die vier
stärksten El Niño’s des letzten Jahrhunderts in den letzten 20 Jahren auftraten. Dazu in [75]:

„…the bottom line is the past 20 years are different from the previous 30.“

Es gibt aber auch schriftliche Zeugnisse über El Niño’s in Peru seit mindestens 1525. Wissen-
schaftler vermuten, daß es seit mindestens 13.000 Jahren El Niño’s in Peru gibt [75]. In In-
dien soll 1789-1793 eine Dürre infolge eines El Niño ca. 600.000 Menschenleben gekostet
haben [75].

Auf andere natürliche Risiken sei an dieser Stelle nicht weiter eingegangen. Es sei aber er-
wähnt, daß natürliche Risiken und technische Risiken immer mehr verschmelzen.

6.4 Technische Risiken

Am 7. August 1975 versagte nach mehr als 26 Stunden sintflutartigen Regens der Banqiao
Damm in Zentral China in der Provinz Henan inklusive weiterer Dämme, wie z.B. dem Shi-
mantan Damm. Dabei wurden 600 Millionen m
3
Wasser freigegeben, die sich mit einer Ge-
schwindigkeit von ca. 50 km/h über die dahinter befindlichen Täler und Ebenen bewegten.
Nach chinesischen Angaben starben innerhalb der nächsten 24 Stunden ca. 85.000 Menschen.
Infolge des Hungers und der Ausbreitung von Krankheiten als Folge der Überschwemmung
starben noch einmal 145.000 Menschen. Sollten die Angaben korrekt sein, ist die Henan-Ka-
tastrophe hinter dem Tangshan-Erdbeben von 1976 die zweitgrößte registrierte zivile Kata-
strophe überhaupt. Sie gilt als die größte erfaßte technische Katastrophe aller Zeiten (LIND &
HARTFORD [167]).

Deutlich erkennbar ist in diesem Beispiel die Verbindung von natürlichen und technischen
Risiken. Außerdem werden die sekundären bzw. indirekten Auswirkungen einer Katastrophe
sichtbar. Derartige Auswirkungen werden auch als Folgekatastrophen bezeichnet.

Eine sekundäre Auswirkung von Zerstörungen ist z.B. die beschränkte Erreichbarkeit der
Regionen nach Naturkatastrophen. So gibt es in Japan Untersuchungen über die Auswirkung
des Einsturzes von Brücken auf die Erreichbarkeit von durch Erdbeben zerstörten Regionen
(KIMORA & AOYAMA [148]).

Die Auswirkungen des Versagens von Dämmen wie beim o.g. Beispiel lassen sich aber nicht
verallgemeinern. Üblicherweise hat das Versagen von Dämmen keine so gewaltigen Aus-
maße: Von 1960 bis 1996 versagten von ca. 23.700 Dämmen in den USA 23 Dämme (LIND &
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 161
HARTFORD [167]). Dabei waren 318 Todesopfer zu beklagen. Basierend auf dieser Daten-
grundlage kann man die Sterbewahrscheinlichkeit in den USA pro Jahr mit 1:40.000 angeben.
Damit handelt es sich weder um ein sehr häufiges noch um ein sehr seltenes Ereignis.

Ein Beispiel für ein technisches Risiko mit einer großen Sterbehäufigkeit ist der Individual-
verkehr. Seit 1960 sind in Europa 5 Millionen Menschen durch Verkehrsunfälle tödlich ver-
unglückt. Allein 1997 starben 120.000 Menschen in Europa. In Deutschland starben in den
letzten Jahren ca. 7.000-8.000 Menschen pro Jahr, und es wurden ca. 500.000 Verletzte gezählt.
Trotz dieser Zahlen kann man die Entwicklung der Sicherheit in PKW’s als Erfolg ansehen. Die
Anzahl der Todesopfer pro Jahr ist auf dem Stand von vor 40 Jahren, und das, obwohl sich das
Verkehrsaufkommen dramatisch erhöht hat. Auf eine Milliarde gefahrener Kilometer kommen
heute zehn Todesopfer. Vermutlich war Autofahren niemals sicherer als heute (KRÖGER & HØJ
[157]).

Auf der anderen Seite gibt es technische Risiken mit einer außergewöhnlich geringen Ein-
trittswahrscheinlichkeit. Als Beispiel sei hier der Tod durch Flugzeugabsturz auf der Erdober-
fläche genannt. Tab. 6-7 nennt einige Vorkommnisse dieser Art.

Im Zeitraum von 1954 bis 1983 stürzten etwa 5000 Flugzeuge ab, wobei diese Zahlen nicht
die Abstürze in der Sowjetunion und China berücksichtigen. Pro Jahr ergeben sich damit 166
Abstürze. Unter der Annahme, daß ca. 1 % der Fläche eines Landes bebaut ist, ergibt sich
eine Trefferwahrscheinlichkeit für ein Gebäude durch ein abstürzenden Flugzeug in einer
Größenordnung von 10
-8
pro Jahr (VAN BREUGEL [302]).

Jahr Land/Beschreibung Opfer
1987 Deutschland, Privatflugzeug stürzt in Restaurant nahe München 6 Tote
1987 USA, A-7 Corsair stürzt auf Hotel in Indianapolis 14 Tote
1987 Deutschland, Harrier Jump-Jet stürzt auf Farm nahe Detmold 1 Toter
1988 Deutschland, A-10 Thunderbolt II stürzt ab und trifft 12 Häuser nahe Remscheid,
sechs Wohnblöcke fangen Feuer,
6 Tote, 40 Verletzte
1988 Schottland, Boeing 747 explodiert über Lockerbie, Teile treffen Tankstelle und
drei Häuser
280 Tote
1989 Brasilien, Boeing 707 stürzt auf Slum nahe Sao Paulo 17 Tote, 200 Verletze
1990 Italien, Militärflugzeug fliegt in Schule 12 Tote
1992 USA, Hercules Transporter stürzt in Restaurant/Motel in Evanswille 16 Tote
1992 Niederlande, Boeing 747 fliegt in ein zehnstöckiges Gebäude 43 Tote
1992 USA, C 130 fliegt in ein Haus in West Virginia 6 Tote
1996 Brasilien, Fokker-100 stürzt in Sao Paulo ab, zahlreiche Häuser brennen 98 Tote
2000 Griechenland, Militärflugzeug fliegt in Haus 4 Tote
2000 Indien, Boeing 737-200 stürzt nahe Patna ab, zahlreiche Häuser brennen 57 Tote
2000 Frankreich, Concorde stürzt in Motel nahe Paris 113 Tote
Tab. 6-7: Unfälle mit Flugzeugabstürzen auf Bauwerke [302]

Ein technisches Risiko mit einem möglichen hohen Schadenspotential ist der Einsatz von
Kernkraftwerken. In HAUPTMANNS, WERNER & HERTTRICH [120] wird eine Studie zu den
Unfallfolgen an 19 Kernkraftwerkstandorten in Deutschland vorgestellt. Dabei wurde für die
Folgen von Unfällen ein Durchmesser von 2.500 km und eine betroffene Bevölkerung von
670 Millionen Menschen zugrundegelegt. Frühschäden entstehen in einem Umkreis von
20 km. Diese Untersuchung ermittelt maximal 16.600 Tode durch Frühschäden und 100.000
Spättode mit einer Wahrscheinlichkeit von 5·10
-10
pro Jahr (5,8·10
-5
pro Jahr für die deutsche
Bevölkerung).

Auf Grund der absoluten großen Opferzahlen sind bei Kernkraftwerken frühzeitig Risikostu-
dien durchgeführt worden. In Tab. 6-8 sind einige ermittelte Werte angeben. Zum Vergleich
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 162
sind die Zielversagenswahrscheinlichkeiten von Flugzeugen und die Wahrscheinlichkeit von
Bränden in üblichen Bauwerken mit angegeben.

Staatliche Organi-
sation
Quelle Sachverhalt, Ereignis Ziel pro Jahr (pro
Reaktor)
DoE (USA) [298] keine Sicherheitsanforderungen -
DoE (USA) [298] Sicherheit des Benutzers 1,0 10
-3

DoE (USA) [298] Sicherheit des Benutzers, weitere Nutzung 5,0 10
-4

DoE (USA) [298] Sicherheit des Benutzers, weitere Nutzung, kein Austritt von Materialien 1,0 10
-4

DoE (USA) [298] Sicherheit des Benutzers, weitere Nutzung, kein Austritt von Materialien
mit erhöhten Anforderungen
1,0 10
-5

U.S. NRC [184] Beschädigung des Containments eines Atomkraftwerkes (Core Damage
Frequency - CDF)
10
-4

U.S. NRC [184] frühzeitiger Austritt von radioaktivem Material (Large Early Release Fre-
quency - LERF)
10
-5

U.S. NRC [225] Reaktorkernbeschädigung 10
-3
bis 10
-4

U.S. NRC [132] Kernschmelzhäufigkeit 10
-5

GRS „Precursor“ [101] Ausfall eines Frischdampf-Abblase-Regelventils 2,1·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Störungen an Armaturen in Treibwasserschleife 3,3·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Transiente beim Anfahren nach längerem Stillstand 4,7·10
-5

GRS „Precursor“ [101] Leck in Kühlwasserleitung eines Notstromdiesels 3,0·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Unvollständiges Öffnen eines Druckbegrenzungsventils 1,9·10
-5

GRS „Precursor“ [101] Schäden an Abgasleitungen von Notstromdieseln 4,7·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Fehlauslösung von Reaktorschutzsignalen 1,4·10
-5

GRS „Precursor“ [101] Reaktorschnellabschaltung infolge einer Dampferzeugerniveauabsenkung 3,4·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Verdrahtungsfehler an Zeitstufen für Notstromdieselgeneratorschalter 5,4·10
-5

GRS „Precursor“ [101] Reaktorschnellabschaltung nach Lastabwurf 2,4·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Brand in Leittechnikschränken 1,0·10
-3

GRS „Precursor“ [101] Brand in Kabelverbindungen 1,0·10
-4

GRS „Precursor“ [101] Brand mit Ausfall aller Sicherheitsfunktionen 1,0·10
-7

GRS „Precursor“ [101] Systemschadenszustand pro Jahr pro Kraftwerk 3,8·10
-6

GRS „Precursor“ [101] Kernschadenszustand pro Jahr pro Kraftwerk 3,8·10
-7

NPP Rußland [251] Schwerer Unfall in Kernkraftwerk 1,0·10
-5

NPP Rußland [251] Bruch des Reaktordruckbehälters 1,0·10
-7

NPP Rußland [251] Strahlung, die die Evakuierung der umliegenden Bevölkerung erfordert 1,0·10
-7

Australien [52] Versicherung bei Einsatz einer Rakete durch eine Firma gegen Schäden
mit einer Wahrscheinlichkeit von
1,0·10
-7

USA [105] Versagenswahrscheinlichkeit eines Militärflugzeuges 1,0·10
-6
/h
USA [139] Versagenswahrscheinlichkeit eines Zivilflugzeuges 1,0·10
-9
/h
Deutschland [50] Zerstörung eines Gebäudes durch Brand 2·10
-4

DoE Department of Energy, U.S. NRC U.S. Nuklear Regulatory Commission, GRS Gesellschaft für Anlagen- und Reaktor-
sicherheit „Precursor“ Analysen, Weitere Zahlen vorhandener Versagenswahrscheinlichkeiten finden sich auch in MICHAELIS
& SALANDER [189].
Tab. 6-8: Zielwerte und rechnerische Werte von Auftritts- und Versagenswahrscheinlichkei-
ten technischer Störungen in Kernkraftwerken. Zum Vergleich sind Zielwerte von Flugzeugen
und Bränden in Gebäuden in Deutschland angegeben.

Der in Abb. 6-4 für 1996 angegebene Wert von 0,17 tödlichen Unfällen pro 100.000 Flug-
stunden kann in eine mittlere Wiederkehrperiode eines tödlichen Unfalles alle 588.000 Flug-
stunden umgerechnet werden. Dieser Zeitraum entspricht etwa 67 Jahren Flugzeit für eine
Person [28].
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
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Jahr
mit Todesopfer
ohne Todesopfer
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Abb. 6-4: Unfälle in Deutschland zugelassener Flugzeuge über 5,7 t pro tausend Flugstunden [28]

Für Industrieunfälle im allgemeinen gibt es gut abgesicherte Überschlagsformeln. Ein be-
kanntes Verhältnis für die Häufigkeit ist 1:29:300 für schwere Unfälle, leichte Unfälle und
Unfälle ohne Verletzungen basierend auf 5.000 Unfällen). Ähnliche Werte von 1:30:60:600
für Unfälle mit Todesfolge oder schwerer Verletzung, Unfälle mit leichten Verletzungen,
Unfälle mit Beschädigung von Sachgut und Unfälle ohne Verletzungen und ohne Beschädi-
gungen (basierend auf 1.753.489 Unfällen gibt HANAYASU & TANG [116] an. Auf Grund die-
ser Untersuchungen kann man für verschiedene Arten von Unfällen F-N-Kurven für unter-
schiedliche Industriezweige angeben. Eine weiterführende Diskussion zu Industrieunfällen
findet sich in KAFKA [139].
6.5 Gesundheitliche Risiken

Die bisherigen Erläuterungen von Risiken gingen davon aus, daß alle Risiken außerhalb des
Menschen entstehen. Es ist aber bekannt, daß wir uns selbst während unserer gesamten Le-
benszeit mit gesundheitlichen Risiken auseinandersetzen müssen. Gesundheitliche Probleme
sind die größte Gefährdung für Menschen.

Herzkrankheiten kosteten von 1975 bis 1995 im Durchschnitt pro Jahr 743.000 US-Amerika-
nern das Leben (PARFIT [223]) und sind damit Todesursache Nummer 1. Auch für Deutsch-
land erhält man vergleichbare Zahlen (siehe Abb. 6-5). Auch die Gefahr, Krebs zu bekom-
men, ist eine reale Bedrohung. Die Risiken dafür während eines gesamten Lebens sind in Tab.
6-9 nach [297] zusammengestellt.

Daß nicht nur Krankheiten, sondern auch notwendige biologische Vorgänge mit einem er-
höhten Risiko verbunden sind, zeigen die folgenden Angaben der Säuglingssterblichkeit und
Müttersterblichkeit in Tab. 6-10 nach ZWINGLE [340].


Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 164
Atmungssystem 5,8 %
Sonstige 2 %
Todschlag &
Selbstmord
1,4 %
ungewollte Unfälle 2,7 %
Myokardinfarkt 10 %
Krebs 25 %
Erkrankungen
des Herzkreislauf-
systems 48 %
Verdauungssystem 4,8 %


Abb. 6-5: Todesursachen in Deutschland 1999 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes
Wiesbaden

Krebsverursachende Situation oder Stoff Krebsrisiko w. der Lebenszeit
1. Sonnenbaden (Hautkrebs) 3,3·10
-1

2. Zigaretten rauchen (mindestens eine Packung pro Tag) 8,0·10
-2

3. Natürlicher Radongehalt innerhalb eines Hauses 1,0·10
-2

4. Natürliche Strahlung außerhalb von Gebäuden 1,0·10
-3

5. Passiver Raucher 7,0·10
-4

6. Künstliche Chemikalien innerhalb von Gebäuden 2,0·10
-4

7. Luftverschmutzung in Industriegebieten 1,0·10
-4

8. Chemikalien im Trinkwasser 1,0·10
-5

9. Chemikalien im Essen allgemein 1,0·10
-5

(a) 2 oz. Erdnußbutter pro Woche (natürliches Aflatoxin) 8,0·10
-5

(b) einmal im Jahr Forelle aus dem Lake Michigan essen 1,0·10
-5

10. Ausgetretene Chemikalien aus Mülldeponien 1,0·10
-4
-1,0·10
-6

Tab. 6-9: Krebsrisiko in der Lebenszeit nach [297]

Land Säuglingssterblichkeit mittlere Säuglingssterblichkeit
Kolumbien 28/1000 Industrieländer 8/1000
Brasilien 43/1000 Entwicklungsländer 64/1000
Nikaragua 46/1000 mittlere Muttersterblichkeit bei der Geburt
Mexiko 28/1000 Industrieländer 0,1/1000
USA 7/1000 Entwicklungsländer 50,0/1000
Rußland 17/1000
Großbritannien 6/1000
Italien 6/1000
Türkei 42/1000
Deutschland 5/1000
Mali 123/1000
Ägypten 63/1000
Nigeria 63/1000
Botswana 60/1000
Iran 35/1000
Saudi-Arabien 29/1000
Indien 72/1000
China 31/1000
Japan 4/1000
Bangladesh 82/1000
Papua Neu-Guinea 77/1000
Australien 5/1000
Tab. 6-10: Säuglings- und Müttersterblichkeit in verschiedenen Ländern nach [340]
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 165
Diese Zahlen belegen eine drastische Verringerung des Sterberisikos durch die Verbesserung
der Lebensbedingungen. Bereits bei der Nennung der Opfer durch Flutkatastrophen deuteten
sich Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern an. Nimmt man an, daß die
mittlere Lebenserwartung ein Maß für das allgemeine Sterberisiko ist, dann ist die Summe
aller Risiken in den entwickelten Länder um ein Vielfaches geringer als in Entwicklungslän-
dern. Das verdeutlichen auch die folgenden Diagramme (Abb. 6-6):

0
10
20
30
40
50
60
70
80
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100
1500 1600 1700 1800 1900 2000 2100
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COHEN
NCHS

100
1000
10000
100000
20 40 60 80 100
Lebenserwartung
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Bangladesch
Luxembourg
Japan
Nigeria
Indien
China
National
Geographic
Statistics
Finland
Entwicklung der mittleren Lebenserwartung in
Europa seit 1500 nach COHEN [39] & in den
USA seit 1900 nach [205]
Mittlere Lebenserwartung in verschiedenen
Ländern in Abhängigkeit vom Pro-Kopf-Ein
kommen [206] und Statistics Finland [277]
Abb. 6-6: Entwicklung der Lebenserwartung in der Geschichte und abhängig vom Brutto-
sozialprodukt
Lebenserwartung Einkommen pro Einwohner in US$
Sierra Leone 34
Nigeria 50 1211
Sambia 37
Australien 78 21382
Indien 59 1628
Saudi-Arabien 70 10283
Frankreich 78 23357
Rußland 67 4582
China 71 3686
Japan 80 24938
Brasilien 67 6007
Argentinien 72 9861
USA 76 30462
Mexiko 72 7499
Kanada 78 23296

Abb. 6-7: Mittlere Lebenserwartung und Pro-Kopf-Einkommen [206] in verschiedenen Län-
dern

Die bisher genannten Zahlen über Opfer lassen den Eindruck entstehen, daß Technik nur Ri-
siken schafft. Diese Aussage ist falsch. Der Einsatz von Technik verringert in der überwie-
genden Anzahl der Fälle andere Risiken erheblich. Eindrucksvoller Beleg dafür ist die Zu-
nahme der mittleren Lebenserwartung seit Beginn der industriellen Revolution (Abb. 6-6).
Die menschliche Geschichte belegt bisher die Aussage, daß Technik und wirtschaftlicher Er-
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 166
folg in Friedenszeiten nicht nur ein angenehmeres Leben, sondern auch eine längeres Leben
ermöglichen.

Diesen Erfolgen hat sich erst in den letzten Jahrzehnten ein sich entwickelndes gesellschaftli-
chen Bewußtsein für technische Risiken entgegengestellt, welches in der Vergangenheit zu
politischen Reaktionen (z.B. Ausstieg aus der Kernenergieerzeugung in Deutschland) in Form
zahlreicher Gesetze führte und dies auch in Zukunft vermehrt tun wird. In Verbindung mit
einer kritischen Betrachtung von Risiken bleibt aber bisher die Tatsache bestehen, daß die
Opferzahlen aus technischen oder natürlichen Risiken (ungewollte Unfälle) bei weitem nicht
die Größenordnungen von Todesfällen infolge gesundheitlicher Probleme erreichen.

Zwingend bei der Angabe von Todesopfern infolge Krankheiten ist aber die Berücksichtigung
der starken Verschiebung der Auftrittshäufigkeit im Alter. Es ist also ein Modellfehler, die
Sterbewahrscheinlichkeit infolge koronarer Herzkrankheit mit der Sterbewahrscheinlichkeit
infolge Brückenversagens zu vergleichen. Dazu muß auf ein weiteres Vergleichskriterium von
Risiken ausgewichen werden, das solche Unterschiede berücksichtigen kann. Beim Konzept
der verlorenen Lebensjahre wird einem Todesereignis infolge Krankheit in einem Alter, wel-
ches der mittleren Lebenserwartung entspricht, kein zusätzliches Risiko mehr eingeräumt,
sondern es wird als natürliches Ereignis betrachtet (COHEN [39]).

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v
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2 000
3 000
4 000
5 000
6 000
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*
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100
150
200
250
300
1
2
3
4
5
6
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U
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S
.

R
e
g
i
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u
n
g
)
* auf den Durchschnitt der U.S. Bevölkerung gerechnet


Abb. 6-8: Verlorene Lebenstage in Abhängigkeit von verschiedenen Lebensbedingungen nach
COHEN [39] im Vergleich zur mittleren Lebenserwartung. Man beachte die unterschiedlichen
y-Achsen

6.6 Soziale Risiken

In Abb. 6-8 ist ein Teil der bereits als Sterbehäufigkeit (Tab. 6-1) und als F-N-Kurven (Abb. 6-2)
dargestellten Risiken in verlorenen Lebensjahren angegeben. Auch hier findet sich die bereits
genannte Rangfolge wieder: gesundheitliche Risiken vor technischen und natürlichen. Aber ein
neues Risiko tritt deutlich hervor, welches bereits bei der mittleren Lebenserwartung in Ab-
hängigkeit vom Pro-Kopf-Einkommen erkennbar war: soziale Risiken. Es gibt kein größeres
Risiko in Friedenszeiten für einen Menschen auf der Erde, als in einem armen Land oder in einer
armen Familie geboren zu werden. Armut und Einsamkeit sind die Todesursachen Nummer
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 167
eins. Ein alleinstehender Mann stirbt in entwickelten Industrieländern im Durchschnitt sieben
Jahre vor seiner mittleren Lebenserwartung [39].

Noch größere Risiken ergeben sich natürlich durch Kriege. Kriege führen zu einer so drasti-
schen Anhebung des Sterberisikos, daß sie in einem Kapitel zur Behandlung eines zulässigen
Sicherheitsniveaus sicherlich nicht relevant sind. Um aber einen Vergleich zu ermöglichen,
seien hier einige wenige Werte genannt. In Deutschland starb während des zweiten Welt-
krieges rund jeder 8 männliche Bewohner. Das waren im Zeitraum von 1939-1945 5,3 Millio-
nen Männer. Von den 42 Millionen jeglichen Alters in Deutschland lebenden Männern waren
18,2 Millionen im Krieg. Mehr als jeder vierte Soldat ist gestorben. Allein im Januar 1945
verstarb eine halbe Million (OVERMANS [217]).

Mit über 50 Millionen Todesopfern stellt der II. Weltkrieg eine in der Geschichte der Menschheit
beispiellose Katastrophe dar. Die einzige natürliche Katastrophe ähnlichen Ausmaßes war die
Pestwelle in den Jahren 1347-1352. In diesen Jahren starben vermutlich 25 Millionen Menschen
in Europa, ca. ¼ der gesamten Bevölkerung. Diese Katastrophe wäre aber heutzutage mittels
technischer Hilfsmittel vermeidbar.

Wenn Technik, wie in diesem Fall, eine solche Katastrophe verhindern kann, was führt dann
dazu, daß Menschen technischen Risiken kritischer gegenüberstehen als gesundheitlichen
Risiken?

6.7 Subjektive Wertung von Risiken

Menschen erkennen und unterscheiden sehr bewußt, ob sie einem Risiko hilflos ausgesetzt
sind oder eine aktive Rolle spielen. Sie nehmen gewöhnlich ein um bis zu drei Zehnerpoten-
zen höheres individuelles Risiko auf sich, wenn sie selbst darüber entscheiden können, als sie
ein bedingungsloses kollektives Risiko von der Gesellschaft akzeptieren würden. Bergsteigen
ist ein Beispiel für ein bewußt eingegangenes individuelles Risiko.

-1
0
1
2
17-19 20-24 25-29 30-39 40-49 50-59 60-69
Altersklassen in Jahren
O
p
t
i
m
i
s
m
B
i
a
s
Männer Frauen Durchschnittsfahrer

(3- Bin der Meinung, daß ich sehr viel besser als der durchschnittliche Autofahrer fahren kann, 0 Besitze Fähig-
keiten des durchschnittlichen Autofahrers, -3 Fahre sehr viel schlechter als der durchschnittliche Autofahrer)

Abb. 6-9: Mittlerer „Optimism Bias“ von Autofahrern über ihre Fähigkeiten beim Autofahren
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 168

Eine Ursache für diesen Effekt ist der sogenannte „Optimism Bias“. Er beschreibt den syste-
matischen kognitiven Fehler bei der Einschätzung von Risiken, auf die der Mensch selbst
Einfluß ausüben kann. Ein typisches Beispiel dafür ist der Autofahrer (Abb. 6-9). Der durch-
schnittliche Autofahrer behauptet von sich, daß er besser als der durchschnittliche Autofahrer
fährt! Ironischerweise zeigen nach der Untersuchung in JOB [136] nur depressive Menschen
eine realistische Einschätzung von Risiken. Neben dem Effekt des „Optimism Bias“ gibt es
noch die sogenannte „Homeostatis“. Darunter versteht man die Konstanz des Risikos, die
Menschen unabhängig von den technischen Hilfsmitteln auf sich nehmen. So führen z.B.
sicherere Straßen oder sicherere Autos nicht zwangsläufig zu weniger Unfällen, vielmehr
nutzen die Autofahrer die neuen technischen Hilfsmittel, um risikoreicher zu fahren, und hal-
ten damit das Gesamtrisiko konstant.

Die falsche Einschätzung von Risiken, insbesondere auch bei Krankheiten, wird noch einmal
sehr schön in Abb. 6-10 sichtbar. Herzkrankheiten werden dort subjektiv im Vergleich zu den
erfaßten Häufigkeiten um eine Zehnerpotenz unterschätzt.

Ein weiterer Beleg für die subjektive Wertung von Risiken ist die Migration von Menschen in
den USA. Sowohl die Küstenregionen Floridas als auch Kaliforniens weisen erhebliche Risi-
ken durch Naturkatastrophen auf. Diese, der Bevölkerung sehr wohl bewußte Tatsache, zeigt
jedoch keinerlei Einfluß auf das Zuwanderungsverhalten in diesen Regionen (PARFIT [223]
Abb. 6-11 und Abb. 6-12). Soziale Risiken und Lebensqualität sind neben gesundheitlichen
Risiken die offenbarsten Risiken und treten mit der kürzesten Wiederkehrperiode auf. Armut
und Arbeitslosigkeit spürt man jeden Tag, einen Hurrikan vielleicht einmal in 50 Jahren.
Menschen versuchen soziale Risiken zu vermeiden, in solchen Fällen sind natürliche und
technische Risiken zweitrangig.

Alle Krankheiten
mittlere Anzahl Todesopfer pro Jahr
S
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b
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1
10
100
1.000
10.000
100.000

Abb. 6-10: Subjektive zu erfaßten Todeshäufigkeiten pro Jahr VISCUSI [307]
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 169

Abb. 6-11: Risikoverteilung in den USA (PARFIT [223])


Abb. 6-12: Bevölkerungsdichte in den USA (PARFIT [223])

6.8 Risikonachweis
6.8.1 Operative Versagenswahrscheinlichkeit

Nach einer Übersicht über reale Risiken sollen in diesem Kapitel normative Grundlagen und
Empfehlungen für erforderliche Risiken im Hinblick auf das Bauwesen zusammengefaßt
werden. Dabei wird in den meisten Fällen eine Zielversagenswahrscheinlichkeit für das Bau-
werk, ggf. unter Berücksichtigung der möglichen Opferzahl, angegeben.

1974 wurde ein maximaler Wert der Versagenswahrscheinlichkeit von 10
-5
pro Jahr (MATHIEU
& SAILLARD [181]) genannt. Bereits 1976 erfolgte eine Verfeinerung durch die Angabe von
Zielversagenswahrscheinlichkeiten für Stahlbetonbalken (Tab. 6-11) in [138]. Das Comité Euro
International du Beton [41] veröffentlichte 1976 ebenfalls Zielwerte (Tab. 6-12) von Versagens-
wahrscheinlichkeiten in Abhängigkeit von der Anzahl der gefährdeten Personen.

Spannweite eines Biegebalken in [m]
Nutzungsart 6 8 10 12 14
Büro 3,7·10
-6
2,1·10
-6
1,3·10
-6
9,3·10
-7
6,8·10
-7

Verkaufsraum 1,4·10
-6
7,9·10
-7
5,1·10
-7
3,5·10
-7
3,6·10
-7

Lagerraum 1,2·10
-5
6,7·10
-6
4,3·10
-6
3,0·10
-6
2,2·10
-6

Tab. 6-11: Zielversagenswahrscheinlichkeiten pro Jahr gemäß [138]
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 170

Durchschnittliche Anzahl der ge-
fährdeten Personen
Wirtschaftliche Folgen
gering mittel groß
Gering ( < 0,1) 10
-3
10
-4
10
-5

Mittel 10
-4
10
-5
10
-6

Groß ( > 10) 10
-5
10
-6
10
-7

Jedoch soll gelten:
5
10 Nutzungsdauer
zul
Anzahl der gefährdeten Personen
f
P


< .
Tab. 6-12: Zielversagenswahrscheinlichkeiten pro Jahr nach Comité Euro-International du
Beton [41]



Nach MÜLLER [198] gibt es aus dem Jahre 1977 folgende Annahme unter Berücksichtigung
der möglichen Anzahl der Todesopfer:
4 4 1
6
10 10 5 10 1
5 10
10
f
T
P
L
− − −

⋅ ξ⋅ ⋅ ⋅ ⋅
= = = ⋅ bzw.
4 1
6
10 5 10 1
2, 3 10
22
f
P
− −

⋅ ⋅ ⋅
= = ⋅ mit T als Nut-
zungszeitraum in Jahren und L als die Anzahl der Menschen im Gefährdungsbereich.

Gefahrenpotential ξ
Bauwerke mit öffentlichen Menschenansammlungen, Staudämme 5·10
-3

Wohnhäuser, Verwaltungs-, Handels- und Industriegebäude 5·10
-2

Brücken 5·10
-1

Türme, Masten, Erdölplattformen 5
Tab. 6-13: Gefahrenpotential

Die Zielwerte für die untersuchten Brücken ergeben sich danach zu 5,0·10
-6
bzw. 2,3·10
-6
.



HENKE [121] gibt 1979 Zielversagenswahrscheinlichkeiten für Stahlbetonstützen bei Brand-
fall unter Berücksichtigung der Art des Gebäudes, der Art und Bedeutung des Traggliedes,
der Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins von Löschmitteln und der Wahrscheinlichkeit der
Verfügbarkeit einer Feuerwehr an.

Die vorgeschlagenen operativen Versagenswahrscheinlichkeiten lauten:
p
f1
= 10
-6
Sicherheitsklasse 3 für Teile des Haupttragwerkes
p
f2
= 10
-5
Sicherheitsklasse 2 für sonstige wichtige Bauteile
p
f3
= 10
-4
Sicherheitsklasse 1 für untergeordnete Bauteile.
Diese Werte dürfen zusätzlich noch durch die vorhandene Brandabschnittsfläche gewichtet
werden:
fi
zul
fi
p
A
A
p ⋅ =
'
mit A
zul
=2.500 m
2
.

Erste normative Regelungen über Zielversagenswahrscheinlichkeiten aus den 80er Jahren
finden sich in den Tabellen Tab. 6-14, Tab. 6-15, Tab. 6-16 und Tab. 6-17, die SPAETHE [273]
entnommenen sind. Aktuelle Regelungen in Deutschland für erforderliche Sicherheitsindizes
bzw. Zielversagenswahrscheinlichkeiten finden sich z.Z. in der GruSiBau [211] (Tab. 6-18),
dem Eurocode 1 und der DIN 1055-100 (Tab. 6-19).

Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 171

Versagens Art des Bruches
-folgen zäh Spröde
nicht schwer 6,2·10
-3
-1,3·10
-3
1,3·10
-3
-2,3·10
-4

schwer 1,3·10
-3
-2,3·10
-4
1,3·10
-5
und weniger
Tab. 6-14: Zielversagenswahrscheinlichkeiten pro Jahr nach ELLINGWOOD, 1982, Grenzzu-
stand der Tragfähigkeit (GZT) (SPAETHE [273])
Sicherheitsklasse Folgen im Versagensfall Versagenswahrscheinlichkeit im GZT pro Jahr
Niedrige Sicherheitsklasse Leichte Personenschäden
Unwesentliche wirtschaftliche Verluste
1,0·10
-4

Normale Sicherheitsklasse Einige Personenschäden
Wesentliche wirtschaftliche Verluste
1,0·10
-5

Hohe Sicherheitsklasse Erhebliche Personenschäden
Sehr hohe wirtschaftliche Verluste
1,0·10
-6

Tab. 6-15: Richtlinie der Last- und Sicherheitsvorschriften für den bautechnischen Entwurf
der skandinavischen Länder , 1987, Werte pro Jahr, GZT, (SPAETHE [273])
Sicherheitsklasse ökonomische
Verluste
Wahrscheinlichkeit des Verlu-
stes von Menschenleben
Sicherheitsindex

Windlast dominiert Andere Lasten dominieren
1 Klein Vernachlässigbar 1,0·10
-2
6,9·10
-4

2 Mittel Klein 1,0·10
-2
3,4·10
-4

3 Groß Groß 4,7·10
-3
1,6·10
-4

Tab. 6-16: Niederländischen Norm NEN 6700, 1989, GZT, Werte für die Nutzungsdauer, die
Umrechnung von Werten in Nutzungsdauer und Jahr erfolgt nach ( ) 1 (1 (1))
n
f f
P n P ≤ − −
Zuverlässigkeitsklassen Folgen Sicherheitsindex
I Sehr große Gefahren für die Bevölkerung
Sehr große wirtschaftliche Folgen
Katastrophenartige Zustände
1,0·10
-7

II Große Gefahren für die Bevölkerung
Große wirtschaftliche Folgen
Große kulturelle Verluste
1,0·10
-6

III Gefahren für Personengruppen
Wesentliche wirtschaftliche Folgen
1,0·10
-5

IV Geringe Personengefährdung
Geringe wirtschaftliche Folgen
1,0·10
-4

V Sehr geringe Personengefährdung
Sehr geringe wirtschaftliche Folgen
7,0·10
-4

Tab. 6-17: Entwurf der DDR [94] für die Zielversagenswahrscheinlichkeit pro Jahr, GZT
Mögliche Folgen von Gefährdungen, die Art des Grenzzustandes Sicherheits-
klasse vorwiegend die Tragfähigkeit
betreffen
vorwiegend die Gebrauchsfähig-
keit betreffen
Tragfähigkeit Gebrauchstauglichkeit
1 Keine Gefahr für Menschenle-
ben und geringe wirtschaftliche
Folgen
Geringe wirtschaftliche Folgen,
geringe Beeinträchtigung der
Nutzung
4,2 bzw.
1,34·10
-5

2,5
6,21·10
-3

2 Gefahr für Menschenleben
und/ oder beachtliche wirt-
schaftliche Folgen
Beachtliche wirtschaftliche Fol-
gen, beachtliche Beeinträchti-
gung der Nutzung
4,7
1,30·10
-6

3,0
1,35·10
-3

3 Große Bedeutung der bauli-
chen Anlage für die Öffent-
lichkeit
Große wirtschaftliche Folgen,
große Beeinträchtigung der Nut-
zung
5,2
1,00·10
-7

3,5
2,33·10
-4

Tab. 6-18: Zielwerte für operative Versagenswahrscheinlichkeiten pro Jahr in der GruSiBau
Grenzzustand Lebensdauer Jahreswert
Sicherheitsindex Versagenswahrscheinlichkeit Sicherheitsindex Versagenswahrscheinlichkeit
Tragfähigkeit 3,8 7,24·10
-5
4,7 1,30·10
-6

Ermüdung 1,5...3,8 -
Gebrauchstauglichkeit 1,5 6,68·10
-2
3,0 1,35·10
-5

Tab. 6-19: Zielwerte für operativen Versagenswahrscheinlichkeiten pro Jahr in der DIN 1055-
100 [71] Anhang A oder im Eurocode 1 [81].

Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 172
Alle hier angeführten Daten scheinen eine Zielversagenswahrscheinlichkeit im Bereich von
10
-6
pro Jahr zu bestätigen.

Ob die erforderlichen Sicherheitsindizes in den verschiedenen Vorschriften für einzelne
Grenzzustände oder für Systemwerte gelten, ist nicht eindeutig festgelegt. Da aber in den mei-
sten Fällen eine starke Korrelation zwischen den einzelnen Grenzzuständen herrscht, ist es
möglich, die erforderlichen Sicherheitswerte für den jeweiligen Grenzzustand zu verwenden
(RACKWITZ [238]). Die durchgeführten Berechnungen bestätigten diese Annahme

Damit wird die Nachweisgleichung
vorh zul
f f
P P ≤
für die Mainbrücke Segnitz unter Frontalstoß mit passiver Schutzeinrichtung zu
vorh P
f
= 24,6 ·10
-6
> zul P
f
= 1,3 ·10
-6
(Verhältnis 20:1)
und für Querstoß mit passiver Schutzeinrichtung zu
vorh P
f
= 1352,6 ·10
-6
> zul P
f
= 1,3 ·10
-6
(Verhältnis 1000:1).

In beiden Nachweisen sind die errechneten vorhandenen operativen Versagenswahrschein-
lichkeiten größer als die zulässigen Werte. Damit sind die Nachweise nicht erfüllt. Alle weite-
ren Nachweise sind bereits in Tab. 5-1 dargestellt, da dort die Angabe der errechneten operati-
ven Versagenswahrscheinlichkeit pro Jahr auf 10
-6
bezogen ist. Wie sich zeigt, erreicht nur die
Stahlbetonlösung (Bohrpfähle) des Mauerwerkspfeilers und die Vorspannung des Betonpfei-
lers der Alten Mainbrücke Lohr die Zielversagenswahrscheinlichkeit. Selbst die Nachweise
unter Eigen- und Verkehrslast erreichen nicht die geforderten Zielwerte. Die Überschreitung
um den Faktor vier dürfte allerdings akzeptabel sein und liegt im Rahmen der Rechenunge-
nauigkeiten.

Für die Mainbrücke Segnitz und teilweise für die Alte Mainbrücke Lohr konnte mit der ope-
rativen Versagenswahrscheinlichkeit kein erfolgreicher Sicherheitsnachweis erbracht werden.
Es wird deshalb ein anderer Parameter zur Abschätzung der Sicherheit gesucht. Dazu wurde
vorab eine Vielzahl verschiedener Risikodarstellungen diskutiert. Im folgenden wird die Ster-
behäufigkeit als Risikoindikator verwendet.

6.8.2 Sterbehäufigkeiten

Zuerst einmal kann man die absoluten Sterbehäufigkeiten des Brückenversagens infolge
Schiffsanprall mit anderen technischen Risiken vergleichen. Diese Werte sind in Tab. 6-20
dargestellt und lassen den Schluß zu, daß das Versagen von Brücken infolge Schiffsanprall
i.a. in Deutschland oder den USA als außerordentlich gering eingestuft werden kann. Man
darf jedoch diese Aussage nicht für die beiden konkret behandelten Brücken heranziehen.
Hierzu ist vielmehr die Berücksichtigung der in Kapitel 5 diskutierten möglichen Anzahl von
Todesopfern und die tatsächlich errechnete operative Versagenswahrscheinlichkeit der Brük-
ken notwendig.

Tödlich Verunglückte pro Jahr
Kraftfahrzeug Weltweit ~1 Million
Europa ~120.000
USA ~40.000
Deutschland ~7.000-8.000
Fliegen USA ~800
Brückenversagen infolge Schiffsanprall Weltweit ~8 (330 seit 1960)
USA 8 (2001)
Tab. 6-20: Anzahl der tödlich Verunglückten pro Jahr für KFZ, Flugzeug und Schiffsanprall
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 173
Zur Berücksichtigung der bereits erwähnten subjektiven Risikoakzeptanz wird die in den Nie-
derlanden verwendete Gleichung zur Berechnung des akzeptablen Risikos basierend auf Ster-
behäufigkeiten verwendet (VRIJLING et al. [311]):

( ) ( ) 100
i i i
E N k N σ β + ⋅ ≤ ⋅ (6-1)
mit
E ( N
i
) Erwartungswert der Anzahl von Todesopfern bei einer Tätigkeit pro Jahr
σ ( N
i
) Standardabweichung der Anzahl von Todesopfern bei einer Tätigkeit pro Jahr
β Politik-Faktor (liegt zwischen 0,01 für unfreiwillige Gefährdungen ohne
direkten Nutzen und 100 für absolut freiwillige Maßnahmen mit direktem
Nutzen bzw. Erfolg für den Ausführenden)
k Vertrauensbereich k = 3

Mit den geschätzten mittleren Opferzahlen 10 bzw. 22, einer Standardabweichung der Opfer-
zahlen von 8 und 23 und einem Politik-Faktor von 0,01 (Gefährdung erfolgt absolut unfrei-
willig), wird die Nachweisgleichung für die Mainbrücke Segnitz unter Frontalstoß mit passiver
Schutzeinrichtung zu:
Bei 22 Todesopfern:
6 6
22 24, 6 10 3 24, 6 10 23 0, 343 0, 01 100 1
− −
⋅ ⋅ + ⋅ ⋅ ⋅ = < ⋅ =
Bei 10 Todesopfern:
6 6
10 24, 6 10 3 24, 6 10 8 0,119 0, 01 100 1
− −
⋅ ⋅ + ⋅ ⋅ ⋅ = < ⋅ =

Beide Nachweise sind jetzt eingehalten. Weitere einfachere Nachweisgleichungen, die i.a. die
Form
k
P A N

< ⋅ haben, ergeben (Zusammenstellung der Formeln nach [235]):

5
10
i
P


Formel CEB-FIB Model-Code
6 4 5
22 24, 6 10 5, 41 10 10
− − −
⋅ ⋅ = ⋅ >
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
6 4 5
10 24, 6 10 2, 46 10 10
− − −
⋅ ⋅ = ⋅ >
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
5
10
S
P
N


Formel CEB-FIB Model-Code
5
4 6
10
2, 46 10 1 10
10

− −
⋅ > = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
5
4 7
10
5, 41 10 4, 5 10
22

− −
⋅ > = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
4 6
10 10
i
P
− −
≤ ≤
Formel Dutch Ministry of Housing
4 4 4
5, 41 10 2, 46 10 10
− − −
⋅ > ⋅ >
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
3
2
10
S
P
N

≤ für 10 N ≥
Formel Dutch Ministry of Housing
(VROM-Regel)
3
4 6
2
10
5, 41 10 2 10
22

− −
⋅ > = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
3
4 5
2
10
2, 46 10 1 10
10

− −
⋅ > = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
Passagiere:
4 6
10 10
i
P
− −
≥ ≥
Formel British Rail
Passagiere:
4 4 4 6
5, 41 10 2, 46 10 10 10
− − − −
⋅ > ⋅ > >
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
Angestellte:
3 6
10 10
i
P
− −
≥ ≥
Formel British Rail
Angestellte:
3 4 4 6
10 5, 41 10 2, 46 10 10
− − − −
> ⋅ > ⋅ >
eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
4
0,5 10
S
P
N



Formel CIRIA
4
4 6
0,5 10
5, 41 10 2, 3 10
22
S
P

− −

= ⋅ > = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
4
4 6
0,5 10
2, 46 10 5 10
10
S
P

− −

= ⋅ > = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 174
2 4
2 2
10 10
S
P
N N
− −
≤ ≤
Formel Statoil’s Corporate
2 4
4 5 7
2 2
10 10
5, 41 10 2 10 2 10
22 22
− −
− − −
⋅ < = ⋅ < = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz
2 4
4 4 6
2 2
10 10
2, 46 10 1 10 1 10
10 10
− −
− − −
⋅ < = ⋅ < = ⋅
nicht eingehalten Nachweis Mainbrücke Segnitz

Auch wenn sich bei diesen Nachweisen kein einheitliches Bild bietet, so ist die überwiegende
Anzahl der Regelungen der Nachweise weder bei 10 noch bei 22 Opfern eingehalten. Auch
die Einordnung der rechnerischen Sterbewahrscheinlichkeit an der Mainbrücke Segnitz nach
Einbau der passiven Schutzeinrichtung in die Liste der gesammelten Sterbehäufigkeiten in
Tab. 6-1 legt die Vermutung nahe, daß das Risiko des Brückenversagen infolge Schiffsan-
pralls zu hoch ist. Es wäre in diesem Zusammenhang interessant, nicht nur die absoluten Zah-
len zu vergleichen, sondern auch die Form der F-N-Kurve.

6.8.3 F-N-Diagramme

In Abb. 6-13 wird der Versuch unternommen, das Brückenversagen in die Kurvenschar ande-
rer Risiken mit zu integrieren. Der Vergleich der erwähnten natürlichen und technischen
Risiken mit dem Risiko des Versagens der beiden Brücken infolge Schiffsanprall in Form
eines F-N-Diagramms leidet an den unterschiedlichen Bezugsgrößen. So kann man die Kurve
der Kraftfahrzeugunfälle auf eine Stadt, einen Kreis oder ein Land beziehen. Bei den beiden
Brücken ist das nicht möglich. Deshalb ist Abb. 6-13 nur als relativer Bezug zu verstehen.

Autoverkehr
Insgesamt
Flugzeugabsturz (insgesamt)
Feuer
Explosionen
Dammbruch
Chlorfreisetzung
Flugzeugabsturz
(Personen am Boden)
Kernkraftwerke
Todesfälle bzw. €
H
ä
u
f
i
g
k
e
i
t
(
E
r
e
i
g
n
i
s
s
e
/
J
a
h
r
)
Meteore
Alte Mainbrücke Lohr
Mainbrücke Segnitz
(passive Schutzeinrichtung)
Brücken
allgemein


Abb. 6-13: Relative Risiken durch Schiffsanprall der beiden Brücken

Die Kurven für die beiden Brücken wurden kalibriert, indem die Sterbehäufigkeiten im Stra-
ßenverkehr und die operativen Versagenswahrscheinlichkeiten der beiden Brücken herange-
zogen wurden. Die Alte Mainbrücke Lohr zeigt ein um ca. eine Zehnerpotenz geringeres Ri-
siko als die Mainbrücke Segnitz. Das Unfallbild bei einem Brückenversagen dürfte unter Be-
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 175
rücksichtigung des Verkehrsaufkommens an der Alten Mainbrücke Lohr im wesentlichen
dem eines Verkehrsunfalls gleichen. Vermutlich sind aber Unfälle mit größeren Opferzahlen
um die 22 häufiger als vergleichbare Straßenverkehrsunfälle, so daß die Kurven bei beiden
Brücken etwas länger flach verlaufen als die Kurve infolge Autoverkehr. Zwischen 30 bis 50
möglichen Opfern beginnen die Kurven der beiden Brücken stärker zu fallen. Der zweite
Knick in den Kurven korrespondiert mit den großen Todesopferzahlen bei Eisenbahnbrücken.
Eliminiert man diese Zahlen aus den Kurven, so verschwinden der zweite und dritte Knick in
den F-N-Kurven der beiden Brücken und die Kurve fällt steil nach unten.

An der x-Achse der F-N-Diagramme findet man häufig auch die Angabe monetärer Einheiten.
Grundlage für diese Angabe ist sowohl eine Umrechnung in einen statistischen Wert eines
Menschen als auch die Berücksichtigung der Kosten des Versagens der Struktur. Die
Problematik der Darstellung von Risiken durch monetären Werte, insbesondere auch der Wert
eines statistischen Menschenlebens wird im Folgenden behandelt.

Risiken, welche nur unter Verwendung von monetären Werten bei der Konsequenz des Ein-
trittes eines ungewollten Ereignisses dargestellt werden, entsprechen nicht den individuell und
gesellschaftlich empfundenen Risiken. Bekanntlich wird menschliches Handeln häufig, aber
nicht ausschließlich, durch monetäre Werte stimuliert. Zahlreiche menschliche Bestrebungen
stehen sogar im Gegensatz zu monetären Werten. Die individuellen Wertesysteme von Men-
schen sind in vielen Bereichen ähnlich, in anderen Bereichen auf Grund der Einzigartigkeit
jedes einzelnen Menschen und seiner Lebensumstände unterschiedlich. So zeigen moralische
Werte, die KANT
1
zu den zwei größten Wundern unserer Welt zählte, in großen Bereichen bei
fast allen Menschen Übereinstimmung. Sie unterscheiden sich aber nicht unwesentlich in
vielen Details, wie wir jeden Tag erleben können.

Die bisher durchgeführten Risikostudien sind deshalb nur als ein Modell zur Beschreibung
der Unsicherheit von Brücken unter Schiffsanprall anzusehen. Andere Modelle sind möglich
und gleichberechtigt. So wie Physiker das Phänomen Licht durch zwei sich einander wider-
sprechende Modelle beschreiben: das Wellenmodell, also ein über den Raum gleichverteiltes
Medium, und das Quantenmodell, ein über den Raum diskret verteiltes Medium, so kann eine
Risikostudie unter Verwendung monetärer Einheiten nur eine Seite eines Risikos beschreiben.
Die zusätzliche Berücksichtigung weiterer Faktoren wie z. B. des Verlustes von Kulturgütern,
das Aussterben von Tieren oder Pflanzen, die Veränderung von Lebensumständen nach dem
Eintritt einer Katastrophe für Einzelne und die Gesellschaft oder die, teilweise drastischen,
Wertschwankungen monetärer Einheiten erscheint erforderlich.

Eine geschicktere Möglichkeit der Berücksichtigung von monetären Einheiten stellt die An-
gabe des Risikos in Form des sogenannten Lebensqualitätsindex dar.

6.8.4 Lebensqualitätsindex

Der Begriff Lebensqualität wird häufig in Verbindung mit sozialem Wohlstand einzelner Be-
völkerungsschichten gebracht. In den letzten Jahren hat dieser Begriff aber in immer stärke-
rem Maße Einzug in der Medizin gehalten, hierbei insbesondere im Bereich der Krebsbe-
handlung. Bei einer absehbaren Begrenzung der Lebensdauer infolge einer Krankheit spielt
die Bewertung der noch zur Verfügung stehenden Lebenszeit auch im Sinne der Auswirkun-
gen einer lebensverlängernden aber lebensfähigkeitseinschränkenden Behandlung eine immer
größere Rolle. Die Lebensfähigkeit wird in diesem Fall durch den Begriff der gesundheitsbe-

1
I. Kant: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und
anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir“.
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 176
zogenen Lebensqualität beschrieben, die ein Maß für die dem Individuum gegebenen körper-
lichen, geistigen und sozialen Möglichkeiten bzw. Einschränkungen ist.

Der Begriff der Lebensqualität selbst beschreibt eine Vielzahl von Umständen. Nicht nur ob-
jektive Indikatoren sind für das Wohlbefinden eines Menschen verantwortlich, sondern auch
auf den jeweiligen Erfahrungen und der Individualität des Menschen basierende Wahrneh-
mungen und soziale Beziehungen fließen in die Bewertung der Lebensumstände mit ein. Die
wohl umfassendste Beschreibung für Lebensqualität findet sich im HDR [296] von 1990: Le-
bensqualität als Summe der Möglichkeiten, die sich einem Individuum in einer Gesellschaft
eröffnen.

Die Problematik der Einführung eines objektiven Indikators für die Lebensqualität besteht in
der konsequenten Reduktion dieser Vielzahl von Einflüssen und in der Einführung von ad-
äquaten Referenzwerten. NATHWANI, LIND & PANDEY [204] stellten 1997 einen Parameter
vor, der in der Lage zu sein scheint, Lebensqualität objektiv zu beschreiben und damit ein
Werkzeug bereitzustellen, welches objektiv Schutzmaßnahmen zur Vermeidung oder Verrin-
gerung von Risiken bewerten kann. Dieser sogenannte Life Quality Index L erfreut sich seit
einigen Jahren zunehmenden wissenschaftlichen Interesses. Die Anwendung reicht vom
Bauwesen über die Sicherheit bei Seeverkehr bis zum Umweltschutz.

Die im folgenden dargestellte Vorgehensweise wurde teilweise VOORTMANN [309], VRIJLING
at al. [311], KRISTIANSEN & SOMA [156], FRIIS-HANSEN & DITLEVSEN [96] und RACKWITZ
[237] entnommen.

NATHWANI, LIND & PANTEY [204] schlagen einen Produktansatz aus der Funktion der Freizeit
(Lebenszeit h(t), die nicht für die Arbeit verwendet wird) und aus dem Pro-Kopf-Einkommen
f(g) vor:
( ) ( ) L f g h t = ⋅ (6-2)
Die Lebensarbeitszeit wird über einen Faktor aus der mittleren Lebenserwartung berechnet:
W
t w e = ⋅ , (6-3)
und die Nicht-Arbeitszeit ergibt sich dann zu
(1 )
NW
t t w e = = − ⋅ . (6-4)

Die Lebensarbeitszeit w wird mittels der Lebenserwartung e berechnet. Grundlage für die Ab-
schätzung der Lebenserwartung sind sogenannte Sterbetafeln. Sterbetafeln wurden bereits im
18. Jhd. in Australien und 1837 in England und Wales eingeführt. Einige Zahlen für die Zu-
sammenstellung in Tab. 6-1 wurden Sterbetafeln entnommen.

Für die Lebenserwartung e gilt
max
0
( )
a
e f a da =

.
(6-5)

Allerdings treten im Laufe jedes Lebens Phasen auf, die eine Beeinträchtigung des Wohl-
befindens darstellen. Die WHO definiert Gesundheit als einen Zustand umfassenden physi-
schen, geistigen & sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Abwesenheit von Krankheit oder
Behinderung. Es gibt bereits Parameter, die eine Umrechnung von Krankheitszeiten auf die
mittlere Lebenserwartung erlauben (HOFSTETTER & HAMMITT [124]):
• QALY’s (Quality Adjusted Life Years)
• DALY’s (Disability Adjusted Life Years)
• HYE (Health Years Equivalent)
Die Parameter werden in Abb. 6-14 beispielhaft am Gesundheitsprofil eines Menschen erläutert.
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 177
G
e
s
u
n
d
h
e
i
t
s
z
u
s
t
a
n
d
Lebenszeit in Jahre
QALY's
DALY's
A
b
i
l
i
t
y
0,0 1,0
0,0 1,0
Perfekt
Tod
mittlere
Lebenserwartung
10 20 30 50 40 70 60
YLL bzw. LLE

Abb. 6-14: Graphische Darstellung des Gesundheitsprofils eines Menschein

Die Krankheitsgeschichte dieses Menschen besteht aus Gelbfieber kurz nach der Geburt. In
den nächsten Jahren treten diverse Kinderkrankheiten auf. Im Alter von 16 Jahren erleidet die
Person einen Skiunfall und im Alter von 24 Jahren einen schweren Motorradunfall. Mit 40
gibt es ein Burn-Out-Syndrom und mit 49 einen Herzinfarkt mit nahezu vollständiger Gene-
sung. Mit 57 wird Hautkrebs entdeckt, der vorübergehend geheilt wird, sich dann aber doch
über die Jahre verschlimmert. Mit 70 wird Lungenkrebs entdeckt, der mit 71 zum Tode führt.
In dem Diagramm sind die dunkelgrauen Flächen die Quality Adjusted Life Years (QALY’s)
und die hellgrauen Flächen die Disablity Adjusted Life Years (DALY’s). Die Fläche zwi-
schen dem Zeitpunkt des Todes und der mittleren Lebenserwartung sind die bereits behan-
delten Years of Lost Life (YLL) oder Days of Lost Life Expactancy (LLE) (Verlorene Le-
benstage oder Lebensjahre). Die sogenannten HYE Health Years Equivalent sind eine Zu-
sammenfassung der Quality and Disability Adjusted Life Years. Damit ist es möglich, Krank-
heitsverläufe explizit in der mittleren Lebenserwartung mit zu berücksichtigen

Die zweite Variable im vorgestellten Produktansatz für den Lebensqualitätsindex ist das
mittlere Pro-Kopf-Einkommen g als personengebundener Beitrag zum Bruttosozialprodukt.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß es einen Zusammenhang zwischen Risiken und Ein-
kommen gibt (mittlere Lebenserwartung in verschiedenen Ländern). Das Bruttosozialprodukt
beschreibt die gesamte wirtschaftliche Leistung einer Nation innerhalb einer bestimmten Be-
richtsperiode, ausgedrückt in monetären Einheiten. Vereinfacht drückt das Bruttosozialprodukt
aus, was in einem Staat von allen erwerbstätigen Bürgern innerhalb eines Jahres geschaffen
wurde. Das Bruttosozialprodukt wurde in diesem Fall als Abgrenzungskriterium für ein be-
stimmtes Gebiet vorgeschlagen, in dem üblicherweise die Grundregeln für eine Gesellschaft
relativ konstant sind. Diese Abgrenzung kann insbesondere bei grenzüberschreitenden Inve-
stitionen zu Auslegungsproblemen führen.

So befindet sich rein territorial innerhalb des Staates Südafrika das Land Lesotho. Lesotho
wurde vor wenigen Jahren von der UNO als eines der zehn ärmsten Länder mit einem ent-
sprechenden Bruttosozialprodukt eingestuft (540 US$ pro Jahr pro Einwohner). Im Gegensatz
dazu wird Südafrika als eines der reichsten Länder Afrikas eingestuft (2670 US$ pro Jahr pro
Einwohner). Während des Highlands-Water-Projektes investierten Südafrika und die Euro-
päische Union in großem Maße in Baumaßnahmen in Lesotho. Wenn der Lebensqualitätsin-
dex, wie später noch gezeigt wird, als Optimierungsmittel für Investitionen in notwendige
Sicherheit verwandt wird, stellt sich die Frage, welches Bruttosozialprodukt wendet man dann
an, das von Südafrika oder das von Lesotho? Solche Beispiele lassen sich auch in Europa fin-
den. So halten die Proteste in Deutschland und Österreich gegen das Kernkraftwerk Temelin
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 178
auf Grund unterschiedlicher Sicherheitsanforderungen an. Der Lebensqualitätsindex würde in
der Tat unterschiedliche Investitionssummen basierend auf den unterschiedlichen Bruttosozi-
alprodukt und damit dem Pro-Kopf-Einkommen bestätigen.

Nach dem Einbau des Pro-Kopf-Einkommens und der Lebensarbeitszeit in den Produktansatz,
einigen Vereinfachungen und dem Einbau von Randbedingungen, wie z.B. der Tatsache, daß
Menschen üblicherweise Arbeitszeit und Nichtarbeitszeit für eine maximale Lebensqualität
optimieren (dL/dw = 0), ergibt sich folgende Formel für den Lebensqualitätsindex (genauere
Ausführungen dazu finden sich z.B. in RACKWITZ [237]):

) 1 ( w w
e g L

⋅ = .
(6-6)

Die Optimierung der Lebensqualität unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden
Finanzmittel und der erzielten Veränderung der Lebenszeit ergibt eine Differentialgleichung:
0
1
dL de w dg
L e w g
= + ⋅ ≥

.
(6-7)

Eine sinnvolle Investition in die Sicherheit und damit einhergehende Abnahme der finanziel-
len Mittel (dg < 0) sollte zu einer Verbesserung der Lebenserwartung (de > 0) führen.

Das Differential der Veränderung des Pro-Kopf-Einkommens auf Grund einer Investition in
die Sicherheit kann auch als Differenz genähert werden:
1
1
1 1
w
e
g g
e


| |

−∆ = ⋅ − +
|

\ .

.
(6-8)

Wählt man dann als Differenz der Lebensdauer die mittlere Lebenserwartung und bezieht das
Einkommen auf das Lebenseinkommen ergibt sich nach RACKWITZ [237] (ICAF-implied cost
of averting a fatality):
1
1
1 1
w
e
ICAF g e
e

| |

= ⋅ − + ⋅
|

\ .


(6-9)

Mittels dieses Parameters kann man den statistischen Wert eines Menschenlebens ermitteln.
Es geht hierbei nicht um den finanziellen Wert eines realexistierenden Menschen, sondern um
eine Hilfsgröße, die die finanzielle Bereitschaft der menschlichen Gesellschaft zum Schutz
von Menschen vor möglichen Gefahren beschreibt. Im folgenden ist der Wert für Deutschland
nach dem Ansatz von KRISTIANSEN & SOMA [156] ausgerechnet:
1 23742 77, 5 1 0,125
3.220.000
4 4 0,125
g e w
ICAF
w
⋅ − ⋅ −
= ⋅ = ⋅ = $ bzw. €

VISCUSI [307], [308] führte bereits vor vielen Jahren in der Bevölkerung Befragungen durch, um
einen Anhaltspunkt für Lebensrettungskosten zu erhalten. Diese Werte sind ebenso wie die nach
o. g. Berechnungsverfahren in Tab. 6-21 dargestellt. Es zeigt sich, daß beide Wege, die subjektive
Schätzung der Bevölkerung und das mathematische Hilfsmittel L zu ähnlichen Werten führen.
Die Tabelle erlaubt zusätzlich den Vergleich der Zahlen von 1850 und ca. 2000 und den Ver-
gleich von staatlichen Regelungen und Privatfirmen. Die Regelungen staatlicher Behörden und
von Konzernen zeigen relativ große Unterschiede (Zeilen 33-50). Hier ist zu bedenken, daß
staatliche Behörden Sicherheit als vordringliche Aufgabe ansehen und sich weniger unter
ökonomischen Zwängen befinden als am freien Markt operierende Firmen, denen allerdings
Schadensersatzforderungen drohen können. Gleichzeitig operieren Firmen nicht im rechtsfreien
Raum und haben sich den gesellschaftlichen Sicherheitsanforderungen unterzuordnen.
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 179

Zeile Land Jahr g
3)
M e w ICAF
4)
C
F

Nr. Pro-Kopf-
Einkommen
Sterberate Mittlere
Lebens-
erwartung
Lebenszeit für
ökonomische
Aktivitäten
in US-$
1999
Form
der
Sterbe-
rate
1 Großbritannien 1850 3109 0,01
1)
39,5 0,15
1)
1,74·10
5

2 USA 1850 1886 0,01
1)
29,5 0,15
1)
7,88·10
4

3 Finnland 1850 1840 0,01
1)
40 0,15
1)
1,04·10
5

4 Niederlande 1850 2482 0,01
1)
37,3 0,15
1)
1,31·10
5

5 Schweden 1850 1394 0,01
1)
43,9 0,15
1)
8,67·10
4

6 Deutschland 1850 1400 0,01
1)
37,1 0,15
1)
7,36·10
4

7 Australien 1850 4027 0,01
1)
46 0,15
1)
2,62·10
5

8 Japan 1850 969 0,01
1)
38 0,15
1)
5,22·10
4

9 Sierra Leone 2000 510 0,01
1)
34 0,15
1)
2,46·10
4

10 Nigeria 1998 1211 0,01
1)
50 0,15
1)
8,58·10
4

11 Sambia 2000 880 0,01
1)
37 0,15
1)
4,61·10
4

12 Australien 1998 21382 0,01
1)
78 0,15
1)
2,36·10
6

13 Indien 1998 1628 0,01
1)
59 0,15
1)
1,36·10
5

14 Saudi-Arabien 1998 10283 0,01
1)
70 0,15
1)
1,02·10
6

15 Frankreich 1998 23357 0,01
1)
78 0,15
1)
2,58·10
6

16 Rußland 1998 4582 0,01
1)
67 0,15
1)
4,35·10
5

17 China 1998 3686 0,01
1)
71 0,15
1)
3,71·10
5

18 Japan 1998 24938 0,01
1)
80 0,15
1)
2,83·10
6

19 Brasilien 1998 6007 0,01
1)
67 0,15
1)
5,70·10
5

20 Argentinien 1998 9861 0,01
1)
72 0,15
1)
1,01·10
6

21 USA 1998 30462 0,01
1)
76 0,15
1)
3,28·10
6

22 Mexiko 1998 7499 0,01
1)
72 0,15
1)
7,65·10
5

23 Kanada 1998 23296 0,01
1)
78 0,15
1)
2,57·10
6

24 Kongo/Zaire 2000 345 0,01
1)
49,4 0,125 2,98·10
4

25 Luxemburg 2000 30352 0,01
1)
77,6 0,125 4,12·10
6

26 Kanada 1999 19170 0,0073 76,4 0,125 2,56·10
6
0,14
27 USA 1999 31872 0,0087 77,1 0,125 4,30·10
6
0,16
28 Deutschland 1999 23742 0,01042 77,5 0,125 3,22·10
6
0,13
29 Schweden 1999 25580 0,01061 79,1 0,125 3,54·10
6
0,14
30 Japan 1999 24898 0,00834 80,1 0,15 2,83·10
6
0,13
31 Frankreich 1999 24900 0,00909 77,6 0,125 3,38·10
6
0,15
32 Kolumbien 1999 5500 0,00523 69,3 0,15 5,40·10
5
0,20
33 Neuseeland Highway Safety 0,30·10
6

34 Neuseeland Highway Safety 0,80·10
6

35 USA Federal Drug Administration (FDA) 5,00·10
6

36 USA FDA – Raucher 2,50·10
6

37 USA EPA 6,00·10
6

38 USA Highway Safety 6,00·10
6

39 USA 1990 British Petrol 1,00·10
6

40 USA Risikobezahlung (Jobs) 5,00·10
6

41 USA FAA (Flugwesen) 3,00·10
6

42 USA VISCUSI [307]
5)
5,00·10
6

43 USA ACKERMANN & HEINZLERING [2]
5)
6,10·10
6

44 Schweiz Tunnelbau 13,50·10
6

45 Großbritannien British Rail 4,00·10
6

46 Großbritannien Department of Transport 1,50·10
6

47 Großbritannien Offshore – Plattformen 3,00·10
6

48 Großbritannien Offshore – Plattformen 15,00·10
6

49 Deutschland
2)
Befragung von Kollegen 2,90·10
6

50 USA PATÉ-CORNELL [225] 2,00·10
6

51 USA US Nuklear Regulatory Commission (USNRC) [225] 5,0-10·10
6


1)
Eigene Annahme
2)
Eigene Befragung unter Kollegen, wobei nur sieben Kollegen bereit waren, diese Frage zu beantworten. Den Kollegen
waren vorher keine Zahlen bekannt.
3)
Brutto-Sozialprodukt: CIA WorldFactBook, teilweise RACKWITZ [237],
4)
ICAF von Firmen und öffentlichen Organisationen teilweise unveröffentlichte Angaben, privater e-mail-Verkehr mit
Mitarbeitern der Firmen und öffentlichen Organisationen, Berechnung nach Gleichung (6-9)
5)
Gleiche Beträge mit unterschiedlichem Zeitbezug des Dollarwertes (1990 und ca. 2000)

Tab. 6-21: Lebensrettungskosten und Parameter für den Lebensqualitätsindex
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 180
Das übliche Arbeitsmittel der Politik zur Durchsetzung von Sicherheitsanforderungen sind
Gesetze und Verordnungen. Man kann die Homogenität verschiedener Verordnungen im Hin-
blick auf die verwendeten finanziellen Mittel vergleichen (Tab. 6-22). Die dabei aufgedeckten
Unterschiede sind dramatisch: Während bei der Einführung des Sicherheitsgurtes im Auto ein
Wert von ca. 0,3 Millionen US $ pro Menschenleben investiert wurde, basieren die gesetzlichen
Regelungen zum Schutz vor Asbest auf einem dreihundertfachen Wert (89-104 Millionen US$
pro Menschenleben). Man hätte also vermutlich mit diesen Geldern in anderen gesellschaftli-
chen Bereichen mehr Menschenleben retten können.

Die Ergebnisse werden in einer zweiten Studie von VISCUSI & HAMILTON [308] bestätigt. In
dieser Studie werden die rechnerischen Kosten, um einen Krebsfall durch kontaminierte Mülla-
ger zu vermeiden (Cost per Cancer avoided), verglichen. Es werden Summen zwischen 20.000
$ und 961 Milliarden US $ pro vermiedenem Krebs mit einem Median von 418 Millionen US $
genannt. In 36 von 130 untersuchten verseuchten Flächen lagen die Kosten unter 100 Million
US $ pro vermiedenem Krebsfall. Die Unterschiede dieser Werte zu optimalen ICAF-Zielwer-
ten zeigen die Inhomogenität bei gesetzlichen Sicherheitsanforderungen. Diese großen Unter-
schiede werden auch durch die Studie von TENGS et al. [291] bestätigt, in der mehr als fünfhun-
dert Regelungen untersucht wurden. Eine Studie mit Zahlen in Schweden wurde von JOAKIM,
RAMSBERG & SJÖBERG [135] vorgelegt.

Risiken and Kosteneffizienz in verschiedenen US-Reglungen
Vorschriften
Jahr und
Status (b)
Organisation Risiko (a)
Jährlich Men-
schen gerettet
Kosten pro gerettetem Leben
in Millionen US-$ 1984
Raumheizgeräte 1980 F CPSC 2,7·10
-5
63 0,1
Öl- und Gas-Bohrungen 1983 P OSHA-S 1,1·10
-3
50 0,1
Flugkabinen Brandsicherung 1985 F FAA 6,5·10
-8
15 0,2
Passive Gurte (KFZ) 1984 F NHTSA 9,1·10
-5
1850 0,3
Tiefbaukonstruktionen 1989 F OSHA-S 1,6·10
-3
8,1 0,3
Alkohol und Drogenkontrollen 1985 F FRA 1,8·10
-6
4,2 0,5
Service von Fahrzeugfelgen 1984 F OSHA-S 1,4·10
-5
2,3 0,5
Unbrennbare Sitzpolster i. Flugz. 1984 F FAA 1,6·10
-7
37 0,6
Notbeleuchtung in Fluren 1984 F FAA 2,2·10
-8
5 0,7
Arbeitsplattformen kranabgehängt 1988 F OSHA-S 1,8 10
-3
5 1,2
Beton- und Mauerwerkskonstruktionen 1988 F OSHA-S 1,4·10
-5
6,5 1,4
Gefahrenkommunikation 1983 F OSHA-S 4,0·10
-5
200 1,8
Emission von flüchtigem Benzol 1984 F EPA 2,1·10
-5
0,31 2,8
Holzstaub 1987 F OSHA-S 2,1·10
-4
4 5,3
Uranminen 1984 F EPA 1,4·10
-4
1,1 6,9
Benzol 1987 F OSHA-H 8,8·10
-4
3,8 17,1
Arsen- u. Glas Fabriken 1986 F EPA 8,0·10
-4
0,11 19,2
Ethylenoxid 1984 F OSHA-H 4,4·10
-5
2,8 25,6
Arsen-Kupfer-Schmelze 1986 F EPA 9,0·10
-4
0,06 26,5
Uranmühle, passiv 1983 F EPA 4,3·10
-4
2,1 27,6
Uranmühle, aktiv 1983 F EPA 4,3·10
-4
2,1 53
Asbest 1986 F OSHA-H 6,7·10
-5
74,7 89,3
Asbest 1989 F EPA 2,9·10
-5
10 104,2
Arsen u. Glas Bearbeitung 1986 R EPA 3,8·10
-5
0,25 142
Benzol Lagerung 1984 R EPA 6,0·10
-7
0,043 202
Radionuclid/DOE Einrichtungen 1984 R EPA 4,3·10
-6
0,001 210
Radionuclid/elem. Phosphor 1984 R EPA 1,4·10
-5
0,046 270
Benzol/Ethylbenzol/Styrol 1984 R EPA 2,0·10
-6
0,006 483
Arsen/Niedrig-Arsen/Kupfer 1986 R EPA 2,6·10
-4
0,09 764
Benzol/Maleinsäureanhydrid 1984 R EPA 1,1·10
-6
0,029 820
Bodenentsorgung 1988 F EPA 2,3·10
-8
2,52 3500
EDB 1989 R OSHA-H 2,5·10
-4
0,002 15600
Formaldehyd 1987 F OSHA-H 6,8·10
-7
0,01 72000
Notes:
(a) Anzahl der Todesopfer pro Jahr.
(b) F, P, R = gültige Vorschrift, Entwurf, abgelehnte Vorschrift

Tab. 6-22: Finanzieller Aufwand in verschiedenen Vorschriften, um statistisch ein Menschen-
leben zu sichern [307]
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 181
Nach der Beschreibung der Differenz des Pro-Kopf-Einkommens infolge der getätigten Inve-
stition und einem kurzen Ausflug zum statistischen Wert eines Lebens soll nun die Verände-
rung der Lebensdauer näherungsweise unter Berücksichtigung der lebensjahreabhängigen
Sterberate angegeben werden:
F
de dM
C
e M
≈ − ⋅
(6-10)

dM/M Änderung der Sterberate
-C
F
Parameter zur Beschreibung der Form der Sterbekurve über das Lebensalter, nach
RACKWITZ [237] liegt dieser Wert in hochentwickelten Ländern zwischen 0,1 und
0,2, in Schwellenländern zwischen 0,2 und 0,3 und in Entwicklungsländern bei 0,5.

Ein Optimum des Lebensqualitätsindex erhält man dann (RACKWITZ [237]), wenn gilt:
1
1
1 1 0
1
w
F
dL dM w e
C
L M w e


| |

= − ⋅ + ⋅ − + ≥
|

\ .

.
(6-11)

Ersetzt man
F
N
dM
N
= ,
(6-12)
ergibt sich
1 2
1
( )
F F
f f
w C N
C N g P P
w M N

= ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ − .
(6-13)

Der Nettogewinn einer Konstruktion muß aber auch die Kosten im Falle eines Versagens mit
berücksichtigen. Der finanzielle Erfolg Z einer Baumaßnahme ergibt sich dann aus dem
Bruttogewinn B, den Baukosten C und den Versagens- bzw. Rückbaukosten D zu:
D C B Z − − =

(6-14)
Bei der folgenden Untersuchung werden in finanzieller Hinsicht nur die Konstruktionskosten
ohne Verzinsung berücksichtigt.

Zuerst soll beispielhaft eine hypothetische Maßnahme behandelt werden, die mit 100 % Wahr-
scheinlichkeit den Eintritt eines Schadens ausschließt. Für die Mainbrücke Lohr und Segnitz sei
angenommen, daß einmal im Jahr ein Brückeneinsturz mit zehn Todesopfern zu beklagen ist.
Eine Sanierung bzw. ein Neubau, der das Versagen der Brücke unter Schiffsanprall ausschließt,
dürfte dann gesellschaftskonforme Kosten gemäß folgender Formel erzeugen:

1
F F
w C N
C
w M g

= ⋅ ⋅ und es ergibt sich
1 0,125 0,13
10 23742 20.734.376
0,125 0, 01042
C

= ⋅ ⋅ ⋅ = $ bzw. €

Mit den im Rahmen dieser Arbeit ermittelten vorliegenden Versagenswahrscheinlichkeiten
der beiden Brücken unter Schiffsanprall sowohl im Originalzustand als auch nach Verstär-
kungsmaßnahmen kann nun eine realistischere Kostenermittlung durchgeführt werden. Damit
ist es möglich, die Effektivität der jeweiligen Baumaßnahme objektiv zu bewerten. Es wird
die folgende Gleichung verwendet:

1 2
1
( )
F
F f f
w C
C N g P P
w M

= ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ − .
(6-15)

Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 182
Bleibt man bei einer Opferzahl von zehn, so kann man z. B. für die Mainbrücke Lohr unter
Berücksichtigung der operativen Versagenswahrscheinlichkeit der Brücke und der Anprall-
wahrscheinlichkeit die zulässigen Kosten für die Verstärkungsmaßnahme Vorspannung des
Mauerwerkspfeilers II:
1 0,125 0,13
10 23742 (0, 00129216 0, 00000544) 26.679
0,125 0, 01042
C

= ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ − = $ bzw. €
und für die Verstärkungsmaßnahme Stahlbeton des Mauerwerkspfeilers II:
1 0,125 0,13
50 23742 (0, 00129216 0, 00000051) 26.781
0,125 0, 01042
C

= ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ − = $ bzw. €.
berechnen. Basierend auf den beiden geschätzten Opferzahlen (10 & 22) wurde die folgende
Tabelle erstellt.

I II III IV V VI VII VI II IX
lfd. # N
F
Originalzustand + zugehöriges P
f1
Verstärkungsmaßnahme+ zugehöriges P
f2
C
limit

1 10 Segnitz Pfeiler 2 mit Rißschaden 0,00501868 ohne Rißschaden 0,00246809 52.885 €
2 10 Frontalanprall mit Rißschaden 0,00501868 passive Schutzeinrichtung 0,00002464 103.548 €
3 10 mit Rißschaden 0,00501868 Pfeilervergrößerung. × 2,3 0,00018949 100.130 €
4 10 mit Rißschaden 0,00501868 Ideelle Zugfestigkeit. × 2 0,00069086 89.735 €
5 10 Seitanprall kein Rißschaden 0,00526378 passive Schutzeinrichtung 0,00135262 81.095 €
6 10 Lohr Pfeiler II mit Sprengkammer 0,00129216 Sprengkammer füllen 0,00037280 19.062 €
7 10 Frontalanprall mit Sprengkammer 0,00129216 Vorspannung 0,00000544 26.679 €
8 10 mit Sprengkammer 0,00129216 Stahlbeton 0,00000051 26.782 €
9 10 Pfeiler III mit Sprengkammer 0,00057488 Sprengkammer füllen 0,00045952 2.392 €
10 10 mit Sprengkammer 0,00057488 Vorspannung 0,00000048 11.910 €
11 22 Segnitz Pfeiler 2 mit Rißschaden 0,00501868 ohne Rißschaden 0,00246809 116.347 €
12 22 Frontalanprall mit Rißschaden 0,00501868 passive Schutzeinrichtung 0,00002464 227.806 €
13 22 mit Rißschaden 0,00501868 Pfeilervergrößerung. × 2,3 0,00018949 220.287 €
14 22 mit Rißschaden 0,00501868 Ideelle Zugfestigkeit. × 2 0,00069086 197.416 €
15 22 Seitanprall kein Rißschaden 0,00526378 passive Schutzeinrichtung 0,00135262 178.410 €
16 22 Lohr Pfeiler II mit Sprengkammer 0,00129216 Sprengkammer füllen 0,00037280 41.937 €
17 22 Frontalanprall mit Sprengkammer 0,00129216 Vorspannung 0,00000544 58.695 €
18 22 mit Sprengkammer 0,00129216 Stahlbeton 0,00000051 58.919 €
19 22 Pfeiler III mit Sprengkammer 0,00057488 Sprengkammer füllen 0,00045952 5.262 €
20 22 mit Sprengkammer 0,00057488 Vorspannung 0,00000048 26.202 €
Tab. 6-23: Optimale Baukosten für die erzielte Absenkung der Versagenswahrscheinlichkeit

In Tab. 6-23 sind in Spalte IX die akzeptablen Kosten C
limit
für die Ausführung verschiedener
Verstärkungsmaßnahmen der Brücken unter Berücksichtigung der Differenz der operativen
Versagenswahrscheinlichkeiten von Originalzustand zu Verstärkungszustand basierend auf
dem Lebensqualitätsindex zusammengefaßt.

In der Zeile 1 der Tab. 6-23 werden der Sanierung des Pfeilers 2 vom Zustand mit Horizontal-
riß in den Zustand ohne Horizontalriß basierend auf der Änderung der operativen Versagens-
wahrscheinlichkeit unter Anprall und mit Berücksichtigung der Anprallwahrscheinlichkeit
maximale Kosten von 52.885 € zugebilligt. Bei größeren Kosten für die Sanierungsmaßnahme
ist die erreichte neue operative Versagenswahrscheinlichkeit bzw. der Verstärkungseffekt im
Vergleich zu den Kosten uneffektiv. In anderen Worten: Die Baumaßnahme kostest viel und
bringt wenig Nutzen.

Bei der Mainbrücke Segnitz zeigen mit Ausnahme der reinen Rißsanierung alle Verstär-
kungsmöglichkeiten ein ähnliches Kostenniveau. Bei einer geschätzten Opferzahl von zehn
Menschenleben liegen die Kosten überwiegend zwischen 80.000 und 100.000 € und bei 22
Menschenleben liegen die Kosten zwischen 180.000 und 230.000 € pro Verstärkungsmaß-
nahme. Diese Werte erscheinen durchaus realistisch. Da der technologische Aufwand für die
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 183
passive Schutzeinrichtung vermutlich am geringsten ist, sollte diese konstruktive Lösung be-
vorzugt werden. In der Tat wurde an der Mainbrücke diese Verstärkungsmaßnahme gewählt.


Abb. 6-15: Errichtung der passiven Schutzeinrichtung am Pfeiler 2 der Mainbrücke Segnitz

Für die Wiederherstellung der Brücke Segnitz in den Zustand vor dem Schiffsanprall im Jahre
2000 durch Verschließen des vorhandenen Risses wird nur die Hälfte der finanziellen Mittel
wie für die anderen Verstärkungsmaßnahmen bereitgestellt. Dieser geringe Betrag im Ver-
gleich zu den anderen Verstärkungsmaßnahmen rührt daher, daß die Verstärkungsmaßnahme
unzureichend ist. Die Mainbrücke Segnitz war also bereits ohne Rißschaden akut anprallge-
fährdet gewesen. Eine Wiederherstellung des unbeschädigten Zustandes erbringt nur eine un-
zureichende Sicherheit.

Die Kosten für Verstärkungsmaßnahmen an der Alten Mainbrücke Lohr sind im Vergleich zu
den Werten der Mainbrücke Segnitz auffällig gering und inhomogen (zwischen reichlich
2.000 und knapp 30.000 € unter der Annahme, daß zehn Menschen verunglücken, und reich-
lich 5.000 bis 60.000 € unter der Annahme, daß 22 Menschen bei einem Brückeneinsturz in-
folge Schiffsanprall verunglücken). Die geringen zulässigen Kosten machen deutlich, daß die
Alte Mainbrücke Lohr bereits jetzt ein nahezu akzeptables Risiko erreicht. Man erkennt au-
ßerdem, daß ab einem bestimmten Wert der neuen Versagenswahrscheinlichkeit nach einer
Sanierung eine weitere Verbesserung wirtschaftlich nicht mehr belohnt wird. Beredtes Bei-
spiel dafür ist die Sanierung des Mauerwerkspfeiler mittels Vorspannung und Stahlbetonlö-
sung. Die operativen Versagenswahrscheinlichkeiten unterscheiden sich um den Faktor zehn,
aber die zulässigen Kosten dieser beiden konstruktiven Verstärkungsmöglichkeiten sind na-
hezu identisch (bei konstruktiven Lösungen ca. 27.000 € bei 10 Opfern bzw. ca. 59.000 € bei
22 Opfern). Ein derartig geringes Risiko, wie es an der Mainbrücke Lohr nach der Sanierung
mittels Stahlbetonbohrpfählen existieren würde, ist nicht im Interesse der Öffentlichkeit und
wird daher auch nicht durch die Bereitstellung zusätzlicher ökonomischer Mittel belohnt.

Verwendet man die hier vorgestellten Rechenergebnisse zur Beurteilung alter Brücken über
schiffbare Flüsse, so muß man feststellen, daß derartige Bauwerke durchaus einer Gefährdung
unterliegen. Für Brücken mit einem vergleichbaren Aufbau, wie z.B. die Brücke Markthei-
denfeld, die nahezu identisch zur Alten Mainbrücke Lohr mit Ausnahme der Fundamentaus-
bildung ist, lassen sich relativ einfach grobe Angaben zur Sicherheit machen. Etwas schwieri-
ger sieht es aus, wenn man einen Konsens für die Grundgesamtheit sucht. Unter der An-
nahme, daß die Anprallwahrscheinlichkeiten auf dem gesamten Binnenschiffahrtsnetz iden-
tisch sind (was nicht der Fall ist) und der Annahme, daß ca. 50-100 alte Brücken anprallge-
fährdet sind, dürfte sich ein Investitionsvolumen von ca. (100.000 € Brücken wie Segnitz +
30.000 € Brücken wie Lohr) 130.000 € · 25 = 3.250.000 € bzw. 130.000 € · 50 = 6.500.000 €
ergeben. Die Frage der Anzahl der alten schiffsanprallgefährdeten Brücken bedarf aber bei
Festlegung eines genaueren Investitionsplanes umfangreicherer Recherchen.
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 184

6.9 Kritik an statistisch basierten Risikonachweisen

Das Risiko aus dem Versagen von Bauwerken ist integriert in eine das Leben jedes Einzelnen
und die ganze Gesellschaft umfassende Summe von Gefahren (Abb. 6-16). Die Verteilung der
vorhandenen begrenzten Mittel auf alle wirtschaftlichen Bereiche zur Herstellung eines ho-
mogenen Sicherheitsniveaus ist das Ziel aller Risikountersuchungen.

Sicherheitsbedürfnis
Auto
Bahn
Flugzeug
Lebens-
mittel
Handy
Verbrechen
Medikamente
Bau-
werk
Kampfhunde

Abb. 6-16: Sicherheitsbedürfnis über alle Einflüsse des Lebens
In letzter Konsequenz besitzt aber jeder Mensch das Recht auf eine eigene subjektive Wer-
tung von Risiken, die die Festlegung eines homogenen Sicherheitsniveaus erschweren. Die
Gesellschaft kann nur versuchen, einen Grundkonsens zu etablieren. Dieser Grundkonsens
sollte mit den Mitteln der Demokratie gefunden werden.

Während in den letzten Jahren in allen Bereichen der Gesellschaft die Fragen, wann mensch-
liches Leben beginnt (embryonale Stammzellen) und wann und wie es endet (Sterbehilfe,
Gehirntod), zu erbitterten und notwendigen öffentlichen Diskussionen geführt haben, muß
sich, wenn Risikoanalysen von der Öffentlichkeit akzeptiert werden sollen, diese auch der
Diskussion in der Öffentlichkeit stellen. Die Annahme eines akzeptablen Risikos nach einer
Diskussion bedarf einer politischen Entscheidung. Das Arbeitsmittel der Politik sind Gesetze.
Die Frage des akzeptablen Risikos von Bauwerken ist nicht von gesetzlicher Seite geklärt und
damit nicht juristisch abgesichert. Die übliche Kategorisierung von Fehlern in Verbindung mit
Unglücken, wie „höhere Gewalt“, „unbeabsichtigt“, „fahrlässig“, „grob fahrlässig“ und „vor-
sätzlich“ (BUXMANN [33]), ist bei einer Risikountersuchung aber nicht mehr gültig, denn der
Verlust von Leben wird rechnerisch berücksichtigt.

Der Tod ist das Ende eines Lebens. Die Möglichkeit der schöpferischen Teilnahme an der Ge-
staltung der Welt ist dem verstorbenen Wesen unwiderruflich verschlossen. Der Tod ist der
Verlust des größten uns bekannten Wertes, für den Betroffen, aber auch für die Menschen, die
den Verstorbenen auf seinem Lebensweg begleitet haben. Der Verfasser ist sich der Tragik der
hier behandelter Thematik trotz der zahlreichen Verwendung von Todesopferzahlen in den
Risikountersuchungen bewußt, gibt aber auch zu bedenken, daß die vorliegende Arbeit eine
Katastrophenvorsorge darstellt und den Leser gegenüber der hier behandelten möglichen Ka-
tastrophen sensibilisiert. Die Anwendung von Todesopferzahlen in Risikoberechnungen für
technische Erzeugnisse bleibt aber moralisch umstritten.

Doch nicht nur die Risikoanalyse mit der Annahme von Todesopfern selbst, auch die dafür
notwendige probabilistische Berechnung der operativen Versagenswahrscheinlichkeit muß
sich einer Kritik unterziehen, die in den nächsten Absätzen dargestellt wird. Weitere Ausfüh-
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 185
rungen dazu finden sich z. B. in MÖLLER et al. [192] und ELISHKAKOFF [76]. Insbesondere
MÖLLER arbeitet deshalb an einer Verallgemeinerung des Sicherheitsbegriffes.

In einem Sachstandsbericht [214] für probabilistische Untersuchungen für Kernkraftwerke
wurden bei Benchmark-Tests Unterschiede bei der Ermittlung der Versagenswahrscheinlich-
keit durch verschiedene Experten um den Faktor 1,5 ermittelt. Die Ursachen dafür liegen in An-
nahmen über unterschiedliche Modelle, unterschiedliche Berechnungsverfahren und unbe-
kannte Parameter. Es zeigt sich, daß derartige Rechnungen zahlreiche Eingangsparameter be-
nötigen und durchaus sensibel auf kleine Veränderungen der Parameter reagieren können. Um
die daraus resultierenden Probleme zu verringern, wird, wie bereits erwähnt, durch das Joint
Committee of Structural Safety ein Model Code für probabilistische Berechnungen im Bauwe-
sen entwickelt [137].

Oft müssen statistische Angaben über Eingangsgrößen geschätzt werden. Gerade auf Grund
der umfangreichen Kritik an den Verfahren der Induktiven Statistik wurde im Rahmen dieser
Arbeit ein hoher Aufwand zur Ermittlung der statistischen Parameter betrieben. Nimmt man
an, daß die ermittelten statistischen Parameter selbst nur wieder streuende Größen sind, so
wird die ermittelte operative Versagenswahrscheinlichkeit auch eine Zufallsgröße sein. Dieses
Verfahren ist bekannt (PENDOLA, HORNET, LEMAIRE, & MOHAMED [226]), wurde auf Grund
der Problematik der Festlegung einer akzeptablen Versagenswahrscheinlichkeit und der hohen
Versuchsanzahlen aber hier nicht verwendet.

Der letzte Punkt bei der Kritik der operativen Versagenswahrscheinlichkeit wiegt sicherlich
am schwersten: Ist die Annahme zufälliger Änderungen der Material- und Widerstandsseiten
berechtigt. So entsteht doch die überwiegende Anzahl von Bauschäden nicht durch die Wahl
eines akzeptierten Risikos oder durch statistische Unsicherheiten, sondern durch menschliches
Fehlverhalten. Deutlich wurde dies in den letzten zwei Jahren am Main, als auf Grund von
wirtschaftlichen Zwängen die Qualität der Ausbildung der Schiffsführer drastisch abnahm.
Die Folge davon war eine so drastische Zunahme von Schiffahrtsunfällen, daß die Öffentlich-
keit auf dieses Problem aufmerksam wurde und die dafür zuständigen staatlichen Stellen in
für Behörden ungewohnt schneller und unkomplizierter Weise reagierten.

Menschliche Fehler sind in Berechnungen nur schwer abbildbar, weshalb z. B. die DIN 1055-
100 ausdrücklich darauf hinweist, daß derartige Fehler bei Baumaßnamen ausgeschlossen
werden müssen. RACKWITZ [238] zeigt in einer Zusammenstellung von 800 Bauschäden, daß
dieser Fehler in der Realität die überwiegende Ursache für Schäden darstellt (Tab. 6-24).

Ursachen der Bauschäden Anteil an den gesamten Fehlern
Ignoranz, Sorglosigkeit, Fahrlässigkeit 37 %
Mangelhafte Kenntnisse 27 %
Unterschätzen von Einflüssen 14 %
Vergeßlichkeit und Irrtümer 10 %
Ungerechtfertigtes Verlassen auf andere 6 %
Objektiv unbekannte Situation und Einflüsse 6 %
Tab. 6-24: Ursache von Fehlern bei der Planung und Ausführung von Bauwerken [238]

MÜLLER [198] gibt in Tab. 6-25 Zahlen für Irrtumswahrscheinlichkeiten an.

Ereignis P
Irrtum des Architekten P(A) 0,1
Irrtum des Entwurfsingenieurs P(E) 0,4
Irrtum bei der Ausführung P(C) 0,5
Irrtum der Überwachung P(I) 0,1
Tab. 6-25: Wahrscheinlichkeit von Fehlern bei der Planung und Ausführung von Bauwerken
Kapitel 6: Akzeptables Risiko
Seite 186

Diese auf den ersten Blick sehr hohen Irrtumswahrscheinlichkeiten werden jedoch durch die
Einführung von Prüfungen, also einer Überwachung, erheblich verbessert. So gilt:
01 , 0 1 , 0 1 , 0 ) ( ) ( ) | ( = ⋅ = ⋅ = A P I P A I P
04 , 0 4 , 0 1 , 0 ) ( ) ( ) | ( = ⋅ = ⋅ = E P I P E I P
05 , 0 5 , 0 1 , 0 ) ( ) ( ) | ( = ⋅ = ⋅ = C P I P C I P
An der überwiegenden Anzahl aller Versagensfälle ist menschliches Fehlverhalten beteiligt.
Meistens gibt es mehrere Ursachen für ein Versagen. Diese Tatsache gilt auch für andere Un-
glücke. Menschliches Fehlverhalten ist eine latente Erscheinung und führt nicht zwangsläufig
zu Unglücken oder Schäden. Gerade weil man weiß, daß menschliches Fehlverhalten auftritt,
entwickelte man in nahezu allen technischen Bereichen Kontrollmechanismen. Die berech-
nete operative Versagenswahrscheinlichkeit ohne Berücksichtigung von menschlichen Feh-
lern sollte kleiner als die tatsächliche Versagenswahrscheinlichkeit sein.

Bei ca. 35.000 Straßenbrücken auf dem Bundesfernstraßennetz der Bundesrepublik Deutsch-
land [276] müßte bei einer jährlichen Versagenswahrscheinlichkeit von 10
-5
alle drei Jahre
eine Brücke einstürzen. Das ist wohl kaum der Fall! Entscheidende Punkte für die hohe Si-
cherheit von Bauwerken sind das Versagen mit Vorankündigung und die regelmäßige Durch-
führung von Kontrollen und Sanierungsmaßnahmen.

Ein Beispiel für einen systematischen Fehler war das Versagen einer ganzen Gruppe von
Konstruktionen Ende der 60er Jahre in Thüringen und Bayern. Infolge des seltenen Zusam-
mentreffens von Schneelast und Regen stürzte in den genannten Gebieten eine Vielzahl von
Leichtmetalldächern zusammen. Neben der Entwicklung von Typenprojekten, die den spezi-
ellen Schneeverhältnissen des Standortes nicht mehr angepaßt wurden, spielte auch der Weg-
fall der Vorankündigung des Versagens eine Rolle. Bei den traditionell verwendeten Holzdä-
chern traten im Vorfeld des Versagens Geräusche auf, die meistens zu einer Beräumung des
Daches führten und damit den Einsturz verhinderten. Dieser Schadensfall belegt die These,
daß Unfälle meistens auf das Aufeinandertreffen mehrer Umstände zurückzuführen sind und
i.d.R. menschliche Fehler ein Teil davon sind (DRIGERT & WIESE [69]).



Kapitel 7: Zusammenfassung und Ausblick
Seite 187
7 Zusammenfassung und Ausblick




In der vorliegenden Untersuchung wurde versucht, mittels wahrscheinlichkeitstheoretischer
Grundlagen und unter Berücksichtigung der Besonderheiten von realen Objekten eine Aus-
sage über das Gefährdungspotential eines Schiffsanpralls gegen alte Brücken zu geben. Dazu
wurden zwei Bauwerke ausgewählt, die repräsentativ für zwei Typen von alten Brücken ste-
hen sollen. Als numerischer Parameter für die Gefährdung wurde primär die operative
Versagenswahrscheinlichkeit verwendet, später andere Risikodarstellungen.

Im Fall der Mainbrücke Segnitz steht auf Grund der hohen operativen Versagenswahrschein-
lichkeit sowohl ohne Berücksichtigung als auch mit Berücksichtigung der Entwicklungen der
Anprallhäufigkeit in den letzten Jahren ein Handlungsbedarf in Form von Sicherungsmaßnah-
men außer Frage. Im Falle der Alten Mainbrücke Lohr lassen die ermittelten Werte nicht ohne
weiteres eine endgültige Aussage zu. Auf Grund der Probleme bei der Wertung der ermittelten
operativen Versagenswahrscheinlichkeit wurde diese in ein Risiko gemäß den normativ bereit-
gestellten Möglichkeiten überführt. Auch damit kann letztendlich keine eindeutige Aussage
über die Akzeptanz der Sicherheit bzw. der Gefährdung für die Öffentlichkeit erbracht werden.
Abschließend wurden für die Gesellschaft akzeptable Kosten zur Ertüchtigung der Brücken
berechnet.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß alte Stahlfachwerkbrücken mit Naturstein-
pfeilern in schiffbaren Gewässern in Deutschland in Abhängigkeit von den jeweiligen bauli-
chen Besonderheiten einer Gefährdung durch Schiffsanprall unterliegen, die zumindest, so-
weit noch nicht erfolgt, rechnerisch untersucht werden sollte. Es erfolgte eine quantitative An-
gabe dieser Gefährdung für ein derartiges Bauwerk ebenso wie die Angabe der erforderlichen
finanziellen Ausgaben zur Ertüchtigung des Bauwerkes.

Mauerwerksbogenbrücken dürften i.a. durch ihr hohes Gewicht kaum oder nur in geringem
Maße einer Einsturzgefährdung durch Schiffsanprall ausgesetzt sein. Bei der Alten Main-
brücke Lohr zeichnet sich eine Gefährdung ab, die an der Grenze akzeptabler Werte liegt
bzw. diese leicht übersteigt.

Die Frage eines akzeptablen Risikos erfordert nicht nur weitere wissenschaftliche Untersu-
chungen, sondern auch die Integration der Bevölkerung in diese Diskussion. Die Sicherstel-
lung eines gewählten Wertes für technische Güter obliegt dem Repräsentanten der Bevölke-
rung: dem Gesetzgeber. Beides ist bisher nicht erfolgt. Aus dieser Sicht heraus sind die Mög-
lichkeiten von Risikountersuchungen im neuen Vorschriftenwerk als unpraktikabel einzustu-
fen.

Traditionell sind die Anforderungen der Bevölkerung an die Sicherheit von Bauwerken sehr
hoch. Das ist auch verständlich, denn Menschen verbringen einen Großteil ihrer Lebenszeit
innerhalb von oder mit Bauwerken. Bauwerke im allgemeinen und Brückenbauwerke im
besonderen zeigen im Vergleich zu allen anderen technischen und natürlichen Risiken ein aus-
gesprochen geringes Gefahrenpotential und eine hohe Sicherheit unter ständigen Lasten und
Verkehrslasten. Stark vereinfacht kann man sagen, daß die Wahrscheinlichkeit, beim Überque-
ren einer Brücke durch Brückenversagen umzukommen, mindestens zwei Zehnerpotenzen
kleiner ist als die Wahrscheinlichkeit, durch einen Verkehrsunfall auf der Brücke tödlich zu
Kapitel 7: Zusammenfassung und Ausblick
Seite 188
verunglücken. Brückeneinsturze während der Nutzungsdauer, wie der Einsturz der Hintze-
Ribeiro-Brücke über den Douro im Frühjahr 2001 in Portugal mit über 50 Todesopfern, stellen
sehr seltene Ereignisse dar und sind in den meisten Fällen auf unzureichende Kontrolle bzw.
unzureichende Wartung der Bauwerke zurückzuführen.

Die rechnerische Modellierung eines Schiffsanpralls gegen ein Bauwerk kann bereits mit den
heute vorliegenden technischen Mitteln deutlich schärfer erfolgen als in der vorliegenden Ar-
beit. Die Entwicklung der Rechentechnik wird auch in Zukunft weitere Verfeinerungen von
Stoßprozessen und dem nichtlinearen Verhalten der Baustoffe erlauben. So erfolgte parallel zu
dieser Arbeit im Rahmen eines DFG Forschungsthemas in Weimar die Integration von Mauer-
werksstoffgesetzen in das FEM-Programm ANSYS. Auch sind heute standardmäßig die Monte-
Carlo-Simulation und das Antwort-Flächen-Verfahren in ANSYS bereits integriert. Somit lie-
gen bereits heute, zum Ende dieser Arbeit, bessere numerische Werkzeuge vor.



Kapitel 8: Quellen
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Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundeswasserstraßengesetzes vom 6. Juli 1998 –
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Anhang A: Problematik
Seite 205
9 Anhang A: Problematik


Schiffahrtsstraße Strecke Anzahl der Brücken
Flüsse von bis insgesamt davon
Eisenbahn
im Bau
in Planung
Grundlagen der Zäh-
lung und Quellen
Donau Kelheim dt.-öst. Grenze 46 8 [334]
Elbe (mit Hamburg -
Norder- und Südelbe)
dt.-tschech.
Grenze
Nordsee 42+15
(HH)
= 57
15+5
(HH)
=20
3 [54], [332]
Ems Lingen Papenburg Meppen Nordsee 11 2 [54], [332]
Lahn Wetzlar Rhein 54 12 1 [54], [332]
Main Hallstadt Rhein 111 19 [334]
Mosel dt.-frz. Grenze Rhein 48 6 2 [54], [332]
Neckar Plochingen Rhein 91 7 [54], [332]
Oder dt.-poln. Grenze dt.-poln. Grenze 8 2 [54], [332]
Peene Malchin Ostsee 12 3 1 [54], [332]
Rhein dt.-schweiz.
Grenze
dt.-niederl.
Grenze
66 16 2 [331], [54], [332]
Ruhr Mühlheim Rhein 16 6 [54], [332]
Saale Bad Dürrenberg Elbe 27 5 2 [54], [332]
Saar dt.-frz. Grenze Mosel 22 3 [54], [332]
Weser (in Bremen ohne
kleine Weser)
Fulda & Werra Nordsee 57 11 1 [54], [332]
Kanäle/Wasserstraßen
Dortmund-Ems-Kanal 185 [126]
Main-Donau-Kanal 114 8 [335]
Mittellandkanal (einschl.Stich- und Verbindungskanäle) 385 [333]
HH-Hamburg allein

Tab. 9-1: Anzahl der Brücken über Flüsse in Deutschland



Anhang A: Problematik
Seite 206

Abb. 9-1: Lage der Binnenschiffahrts- und Seewasserstraßen in der Bundesrepublik Deutsch-
land
Anhang A: Problematik
Seite 207


Abb. 9-2: Organisation der Bundeswasserstraßen in Deutschland (Wassser- und Schiffahrtsdi-
rektionen)
Anhang B: Schiefer Schiffsanprall
Seite 208
Anhang B: Schiefer Schiffsanprall
Seite 209
10 Anhang B: Schiefer Schiffsanprall

Für einen Schiffsanprall gegen ein starres Hindernis unter einem beliebigen Winkel wurde der
von MEIER-DÖRNBERG [185] vorgeschlagene Formelapparat in Verbindung mit dem Straßen-
bauamt Würzburg programmtechnisch umgesetzt.

Folgende Bezeichnungen werden verwendet:





2 /
hydr
m m h b = ⋅ ⋅ (10-1)
w
β = α− α (10-2)
w
sin( )
sin
a r w
v v v
α− α
= + ⋅
α

(10-3)
x x
m m = ρ ⋅ (10-4)
y y
m m = ρ ⋅ (10-5)
²
s y
i m θ = ρ ⋅ ⋅ (10-6)
y hydr
m m m = + (10-7)
0
sin
n a
v v = ⋅ α (10-8)
0
cos
t a
v v = ⋅ α (10-9)
0
ˆ
( )
x x x x x
m v v F F dt − = =


(10-10)
Anhang B: Schiefer Schiffsanprall
Seite 210
0
ˆ
( )
y y y y y
m v v F F dt − = =


(10-11)
ˆ ˆ
s y s x s
F x F y ′ θ ϕ = ⋅ − ⋅
(10-12)
ˆ ˆ ˆ
sin cos
n x y
F F F = ⋅ α+ ⋅ α
(10-13)
ˆ ˆ ˆ
cos sin
t x y
F F F = ⋅ α− ⋅ α
(10-14)
bx x s
v v y ′ = + ⋅ ϕ (10-15)
by y s
v v x = + ⋅ ϕ& (10-16)
sin cos
n bx by
v v v = ⋅ α− ⋅ α (10-17)
cos sin
t bx by
v v v = ⋅ α− ⋅ α (10-18)
0
n
v = (10-19)
tan
by bx
v v = ⋅ α (10-20)
sin
by
t
v
v =
α

(10-21)
tan (1 tan ) 0
s
x y s
s
y
v v x
x
⋅ α− − ⋅ ϕ⋅ − ⋅ α = &
(10-22)
0
t
v = (10-23)
x s
v y ′ = − ⋅ ϕ (10-24)
y s
v x ′ = − ⋅ ϕ (10-25)
0 0
( ) ( )
s y s y y x s x x
m x v v m y v v ′ θ ϕ = ⋅ − − ⋅ − (10-26)
tan (1 tan ) 0
s
x y s
s
y
v v x
x
′ ⋅ α− − ⋅ ϕ ⋅ − ⋅ α =
(10-27)
0 0
( ² ²) ²
x s x y s y
y s x s
y v x v
i x y
ρ +ρ
′ ϕ = −
ρ + +ρ

(10-28)
0
0 0
y
x y a
x s
x
v v v
y
ρ
+ ⋅ =
ρ

(10-29)
( ² ²) ²
x s
n
y s x s
y
k
i x y
ρ
=
ρ + +ρ

(10-30)
n a
k v ′ ϕ = − ⋅ (10-31)
x s n a
v y k v = ⋅ ⋅ (10-32)
y s n a
v x k v = ⋅ ⋅ (10-33)
0
ˆ
(1 ) sin cos
n a x s n y n
F m v y k x k = ⋅ ρ − ⋅ α+ρ ⋅ α


(10-34)
ˆ
(1 ) cos sin
t a x s n y s n
F m v y k x k = ⋅ ρ − ⋅ α−ρ ⋅ α


(10-35)
t n
F F < u⋅ (10-36)
0
1 1
ˆ ˆ
cos
2 2
reib t t t a
E F v F v = ⋅ = ⋅ ⋅ α
(10-37)
0
1 1
ˆ ˆ
sin
2 2
def n n n a
E F v F v = ⋅ = ⋅ ⋅ α
(10-38)
2 2 2 2 2
1 1 1 1
2 2 2 2
kin s x x y y a x s n
E m v m v m v y k ′ = θ ⋅ ϕ + ⋅ + ⋅ = ⋅ ⋅ ρ ⋅ ⋅
(10-39)

Anhang B: Schiefer Schiffsanprall
Seite 211
2
1
2
a a x reib def kin
E m v E E E = ⋅ ⋅ ρ = + +
(10-40)
ˆ ˆ
t n
F F = u⋅
(10-41)
ˆ ˆ
(cos sin ) (sin cos )
x y
F F α−u⋅ α = α+u⋅ α
(10-42)
ˆ ˆ
(sin cos )
x n
F F = α+u⋅ α
(10-43)
ˆ ˆ
(cos sin )
y n
F F = α−u⋅ α
(10-44)
1
(sin cos )
x
x
k = ⋅ α+u⋅ α
ρ

(10-45)
1
(cos sin )
y
y
k = ⋅ α−u⋅ α
ρ

(10-46)
2
2
s s x
z y x
s y
x y
k k k
i x
| |
ρ
= − ⋅
|
|
ρ
\ .

(10-47)
0
ctg ctg
s
x y z
s
y
k k k k
x
| |
= + ⋅ α+ α−
|
\ .

(10-48)
0 0
0
1
ˆ
( ctg )
n x y
F m v v
k

= − ⋅ α



(10-49)
0 0
ctg
x y a
v v v − ⋅ α = (10-50)
0
ˆ
a
n
v
F m
k
= ⋅
(10-51)
0
1
x
x a
k
v v
k
| |
= −
|
\ .

(10-52)
0
y
y a
k
v v
k
=
(10-53)
0
z
s a
k
x v
k
′ ϕ =
(10-54)
0
sin
y z
t a
k k
v v
k
+
=
α

(10-55)
1
ˆ
µ ( )
2
reib n to t
E F v v = −
(10-56)
1
ˆ
2
def n no
E F v =
(10-57)
2 2 2 2
1 1 1 1
2 2 2 2
kin s x x x x y y
E m v m v m v ′ = θ ⋅ ϕ + ⋅ + ⋅ + ⋅
(10-58)
2
2 2 2 2
0 2 2
0
1 1
( )
2
kin a y z x x y y
s
i
E m v k k k k
k x

= ⋅ ⋅ ρ +ρ − +ρ



(10-59)
2
1
2
a x a x reib def kin
E m v E E E = ⋅ ⋅ ρ = + +
(10-60)
m n
N F = (10-61)

Anhang B: Schiefer Schiffsanprall
Seite 212

Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 213
11 Anhang C: Beschreibung von Unsicherheit in
Form von Zufallsgrößen

11.1 Einleitung

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung zufälliger Ereignisse und die induktive Statistik zur Be-
schreibung zufälliger Änderungen spielen in vielen Wissenschaftsbereichen eine große Rolle.
So gibt in der Physik die sogenannte SCHRÖDINGER Gleichung die Wahrscheinlichkeitsdichte
des Aufenthaltsortes des Elektrons im Atom an (WEIßMANTEL et al. [320]).

In der Biologie basiert die ursprünglich von DARWIN aufgestellte Theorie über die Evolution
der Tierwelt auf zufälligen Änderungen der Gene (GAARDNER [97]). In der Medizin und Psy-
chologie gibt man die Erfolgsquote von Medikamenten und Therapien in Wahrscheinlich-
keiten an (z.B. Sterberate für Herzinfarkt). Im Umweltschutz benötigt man die Statistik zur
Entdeckung von Veränderungen von Umweltbedingungen (MCBEAN & ROVERS [184]).
Selbst in den Rechtswissenschaften spricht man von Wahrscheinlichkeiten z.B. bei „mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ oder bei den gesetzlichen Grundlagen für die Si-
cherheit von Betonfußboden an Tankstellen (PROSKE [233], WÖRNER [329]). Auch in der
Wirtschaft sind Wahrscheinlichkeiten und die stochastische Beschreibung von Vorgängen ein
wichtiges Hilfsmittel. So verfolgt man in der sogenannten Konjunkturtheorie neben anderen
Theorien auch stochastische Ansätze. SLUTZKY [269] erkannte bereits 1937 die Übereinstim-
mung zwischen Konjunkturschwankungen und stochastischen Zeitreihen. KRELLE [155]
beschreibt 1959 die Entstehung, Frequenz und Amplitude von Konjunkturschwankungen rein
stochastisch. Auch in der Versicherungswirtschaft wird das Versicherungsrisiko auf Grund-
lage von Wahrscheinlichkeiten ermittelt. Als weitere Anwendung der Wahrscheinlichkeits-
rechnung sei die Spieltheorie genannt, eine der Auslöser für die Entwicklung der Wahr-
scheinlichkeitsrechnung.

Die Auflistung der folgenden historischen Schriftwerke wurde dem Statistik Skript der Fach-
hochschule Gelsenkirchen [278] entnommen. Schon im 16. Jahrhundert erschienen Bücher
über die Wahrscheinlichkeitsrechnung:

• GEROLAMO CARDANO (1526): „Liber de ludo aleae“
• GALILEO GALILEI (1564-1642): „Sopra le scorpeste dei Dadi“ (ein Buch über die Wahr-
scheinlichkeiten beim Spiel mit drei Würfeln).

Berühmt wurden die Anfragen des Spielers ANTOINE CHEVALIER DE MÉRÉ (1610-1684) bei
dem französischen Mathematiker (und Philosophen) BLAISE PASCAL (1623-1662) zu ver-
schiedenen Zufallsspielen. Daraufhin kam es zu einem Briefwechsel zwischen PASCAL und
dem Mathematiker PIERRE DE FERMAT (1602-1665) in den Jahren 1651-1655, der als Beginn
der modernen Wahrscheinlichkeitsrechnung angesehen wird.

Weitere historische Bücher Bücher sind:
• JAKOB BERNOULLI (1654-1705): „Ars Conjectandi“ (Kunst des Vermutens).
• PIERRE SIMON DE LAPLACE (1812): „Théorie analytique des probabilités“
• THOMAS BAYES (1702-1761): „An essay towards solving a problem in the doctrine of
chances“.
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 214

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung sei an dieser Stelle aber nicht weiter das Thema, vielmehr
wird auf die induktive Statistik eingegangen, die für die Ermittlung der statistischen Material-
parameter herangezogen wurde. In der induktiven Statistik versucht man gemäß dem Motto
“Die Vergangenheit ist ein großes Warnsystem” aus vorhandenen Stichproben die für eine
unbekannte Grundgesamtheit stehen, Informationen zu extrapolieren. Dazu verwendet man
die sogenannte schließende oder induktive Statistik. Die Ursachen für eine Begrenzung der
Anzahl der Stichproben sind vielfältig:
• Kostengründe,
• Zeitgründe,
• Datenqualitätsgründe oder einfach
• Technische Machbarkeit.
Im folgenden werden einige Parameter und Verfahren vorgestellt, die bei der Extrapolation
helfen können.

11.2 Parameter zur Beschreibung der Verteilung von Daten

Der arithmetische Mittelwert ist das erste Moment der Daten um den Ursprung und wird auch
als Schwerpunkt der Daten bezeichnet. Der Mittelwert ist der am häufigsten verwendete Wert
zur Beschreibung der mittleren Tendenz von Daten.

n
x
x
n
i
i ∑
=
=
1
und
N
x
N
i
i ∑
=
=
1
u
(11-1)

Der Median ist der mittlere Wert aller vorhandenen Daten, d.h. die Hälfte aller Daten ist ge-
ringer und die Hälfte aller Daten ist größer als der Median. Bei einer Dichtefunktion ist die
Fläche links vom Median gleich der Fläche rechts vom Median. Der Median ist identisch mit
dem 50 %-Fraktil. Der Modalwert ist der am häufigsten auftretende Wert. Bei einer Dichte-
funktion ist der Punkt mit der Ableitung Null der Modalwert. Bei einer Wahrscheinlichkeits-
funktion ist der Punkt der Wendetangente der Modalwert. Bei Stichproben ist es möglich, daß
kein Modalwert existiert, daß mehrere Werte mit der gleichen Anzahl auftreten.

Der Harmonische Mittelwert wird wie folgt berechnet:
∑ ∑
= =
= =
n
i i
n
i i
x
n
x n
H
1 1
1 1 1
1
.
(11-2)
Der Geometrische Mittelwert wird wie folgt ermittelt
n
n
i
i
x G

=
=
1
.
(11-3)

Er ist bei schiefen Daten ein besserer Wert zur Beschreibung der mittleren Tendenz der Daten
als der arithmetische Mittelwert. Zusätzlich gibt es noch einen generalisierten Mittelwert, der
alle anderen Mittelwerte als Spezialfälle oder als Grenzwerte beinhaltet. Ebenso wie auf den
sogenannten quadratischen Mittelwert soll jedoch hier nicht weiter darauf eingegangen wer-
den.

Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 215
Neben den genannten Parametern zur Beschreibung der mittleren Tendenz der Daten gibt es
noch weitere Parameter. Im folgenden werden die Parameter zur Beschreibung der Streuung
der Daten aufgezählt. Die Varianz ist das zweite Moment der Daten um den Mittelwert und
wird theoretisch wie folgt ermittelt
N
x
V
N
i
i ∑
=

= =
1
2
2
) ( u
σ
und für Stichproben
1
) (
1
2
2


=

=
n
x x
S
n
i
i
.
(11-4)

Der Unterschied zwischen den Formeln zur Ermittlung der Varianz basierend auf der Popula-
tion und den Stichproben begründet sich durch die Tatsache, daß bei der Varianz für die
Stichprobe der Mittelwert in der Formel nicht bekannt ist, sondern nur geschätzt werden kann.
Darum wird ein sogenannter Biaskorrekturfaktor eingeführt, der auf der BESSEL’schen Fehler-
funktion basiert und die Unsicherheit des Mittelwertes widerspiegeln soll. Anstelle von N
wird n-1 verwendet und die Varianz erhöht. Bereits ab einer Stichprobengröße von 15 sind die
Unterschiede allerdings vernachlässigbar gering (MCBEAN & ROVERS [184]).
Die Standardabweichung ist die Wurzel der Varianz, also

N
x
N
i
i ∑
=

=
1
2
) ( u
σ (Population) und
1
) (
1
2


=

=
n
x x
S
n
i
i
(Stichprobe).
(11-5)

Das Programm Excel 95 bietet beide Formeln an: Stabwn (Population) und Stabw (Stich-
probe). Die Standardabweichung ist das am häufigsten verwendete Maß zur Beschreibung der
Streuung der Daten, wahrscheinlich, weil die Standardabweichung die gleiche Einheit wie der
Mittelwert besitzt. Die Spannweite (Range) der Daten ist entweder der Abstand zwischen Ma-
ximal- und Minimalwert oder zwischen 90 % und 10 %-Fraktilwert. Die Modifizierte Inter-
quartil Spannweite (MIQR) entspricht dem Abstand zwischen dem 75 % und 25 %-Fraktil-
wert geteilt durch 1,34. Bei einer Normalverteilung sind MIQR und Standardabweichung
gleich, bei schiefen Daten sind beide unterschiedlich. Die MIQR wird im Gegensatz zur Stan-
dardabweichung nur wenig von Ausreißern beeinflußt. Die Mittlere Abweichung der Daten
wird nach folgender Formel berechnet:

n
x x
Abweichung Mittlere
n
i
i ∑
=

=
1
.
(11-6)

Die Schiefe von Daten kann wie folgt berechnet werden:
für die Population
N
x x
N
i
i ∑
=

=
1
3
) (
α und für Stichproben
) 2 )( 1 (
) (
1
3
− −

=

=
n n
x x n
a
n
i
i
.
(11-7)

Die Schiefe ist das dritte Moment der Daten um den Mittelwert. Ebenso wie bei der Varianz
gibt es einen Biaskorrekturfaktor, der beim Vergleich der Formel zur Bestimmung der Schiefe
für die Population und die Stichproben deutlich wird. Neben dem Moment gibt es noch einen
bezogenen Wert für die Stichproben, die normierte Schiefe
3
1
3
) 2 )( 1 (
) (
S n n
x x n
C
n
i
i
s
− −

=

=
.
(11-8)
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 216

Auf Grund der dritten Potenz der Abweichungen vom Mittelwert zeigt die Schiefe ein sehr
empfindliches Verhalten gegenüber den einzelnen Stichprobenwerten. Eine robuste Schätzung
der Schiefe erfordert mindestens 50 Stichproben (MCBEAN & ROVERS [184]).

Bei unimodalen Verteilungen (Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen mit einem Gipfel) ist die
Schiefe ein sehr guter Anhaltspunkt zur Unterscheidung. Einer bezogenen Schiefe zwischen 0
und 0,5 kann eine symmetrische Verteilung zugeordnet werden, Werte zwischen 0,5 und 1
zeigen eine mäßige Schiefe. Eine positive Schiefe entsteht, wenn der „Berg“ der Verteilung
nach links verschoben ist und eine negative Schiefe nennt man eine Verschiebung des „Bergs“
nach rechts.

Neben der Schiefe, die auf den Momenten beruht, gibt es noch den PEARSON‘schen Koeffi-
zient der Schiefe:
Erster PEARSON‘scher Koeffizient der Schiefe
S
Mode x
C
s
) ( 3 −
= .
(11-9)
Zweiter PEARSON‘scher Koeffizient der Schiefe
S
Median x
C
s
) ( 3 −
= .
(11-10)

und den Fraktilkoeffizient der Schiefe (Perzentilkoeffizient der Schiefe)
10 90
10 50 90
'
2
P P
P P P
C
s

+ −
= .
(11-11)

Stimmen Mittelwert und Mode bzw. Mittelwert und Median überein, werden die PEAR-
SON’schen Koeffizienten Null.

Die Kurtosis ist das vierte Moment der Daten um den Mittelwert. Die Kurtosis ist ein Maß für
die Wölbung der Daten bzw. der Verteilung und ermittelt sich:
bei Population zu
N
x x
k
N
i
i ∑
=

=
1
4
) (
und für Stichproben zu
) 3 )( 2 )( 1 (
) (
1
4 2
− − −

=

=
n n n
x x n
K
n
i
i
.
(11-12)
Der bezogene Wert für die Stichproben ist
4
1
4 2
) 3 )( 2 )( 1 (
) (
S n n n
x x n
C
n
i
i
k
− − −

=

=
.
(11-13)

Weil der bezogene Wert für die Normalverteilung 3 ist, wird noch ein weiterer Wert einge-
führt
3
) 3 )( 2 )( 1 (
) (
4
1
4 2

− − −

=

=

S n n n
x x n
C
n
i
i
k
.
(11-14)

Dieser sogenannte Koeffizient der Kurtosis für die Normalverteilung ist Null. Programme wie
Excel 97, SPSS 9.0, ESBStats V1.1, Vista 5.1 berechnen den Koeffizient der Kurtosis wie
folgt:

Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 217
) 3 )( 2 (
) 1 ( 3
) 3 )( 2 )( 1 (
) ( ) 1 (
2
4
1
4
− −


− − −
− −
=

=

n n
n
S n n n
x x n n
C
n
i
i
k

(11-15)
der gemäß FISCHER [88] eine gute Schätzung abgibt.

Das Programm Statistica 5.1 berechnet den Koeffizient wie folgt:
4
2
1
2
1
4
) 3 )( 2 )( 1 (
) 1 ( ) ( 3 ) ( ) 1 (
S n n n
n x x x x n n
C
n
i
i
n
i
i
k
− − −
− |
.
|

\
|
− − − +
=
∑ ∑
= =

.
(11-16)

Man erhält aber damit die gleichen Ergebnisse wie oben. Das Programm WinStat verwendet
allerdings eine andere Formel, die auch zu anderen Ergebnissen führt. Ist C
k’
positiv, spricht
man von einer leptokurtischen Verteilung, ist der Wert negativ, spricht man von einer platy-
kurtischen Verteilung und eine Normalverteilung ist mesokurtisch. Eine platykurtische Ver-
teilung ähnelt mehr einer Gleichverteilung, während eine leptokurtische Verteilung mehr ei-
nem Einzelwert gleicht. Die Empfindlichkeit der Kurtosis gegenüber einzelnen Ausreißern ist
noch größer als die der Schiefe, da die Werte mit der 4ten Potenz eingehen.

Höhere Momente sind möglich, werden in der Praxis aber kaum angewendet, da mit steigen-
der Potenz der Einfluß einzelner Stichproben immer größer wird.

Außerdem gibt es noch einen sogenannten Fraktilkoeffizient der Kurtosis (Perzentilkoeffizient
der Kurtosis), der nach folgender Formel ermittelt wird:
10 90
25 75
) ( 5 , 0
P P
P P
C
k


=

.
(11-17)

Der Variationskoeffizient (C.o.V.) beschreibt die relative Streuung der Daten zum Mittelwert
x
S
V = bzw.
x
S
V
100
= in %.
(11-18)

Der C.o.V. ist einheitenfrei. Ein großer Variationskoeffizient (>1) kann auf eine vorhandene
Schiefe der Daten bzw. Verteilung hinweisen.

Der Standardfehler des Mittelwertes
n
S
x
= σ
(11-19)
ist ab einer Stichprobengröße n > 30 normalverteilt, selbst wenn die Zufallsvariable nicht nor-
malverteilt ist. Da der Mittelwert ausgehend von einzelnen Stichproben ermittelt wird, ist er
selbst eine Zufallsgröße. Der Standardfehler beschreibt im Gegensatz zur Standardabwei-
chung die Unsicherheit bei der Ermittlung des Mittelwertes, während die Standardabweichung
die Unsicherheit (Varianz) bei der Ermittlung der Daten beschreibt. Mit Hilfe des Standard-
fehlers des Mittelwertes kann man einen Vertrauensbereich für den Mittelwert angeben, der
üblicherweise ermittelt wird:
n
S
t x bereich Vertrauens ± =
(11-20)

mit t als Wert der Student-t-Verteilung. Die t-Werte sind in vielen Büchern zu finden, z. B. in
MCBEAN & ROVERS [184].
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 218
Der Standardfehler der Standardabweichung für eine Stichprobengröße > 100 ist
n
S
S
2
= σ .
(11-21)

Diese Formel gilt allerdings nur, wenn die Zufallsvariable normalverteilt oder annähernd
normalverteilt ist. Der Standardfehler des Median ist
n
S
med
2
1
= σ .
(11-22)
und der Standardfehler des C.o.V. für eine Stichprobenanzahl > 100 und eine normalverteilte
Zufallsvariable ist
n
V V
V
2
) ( 2 1
2
+
= σ .
(11-23)
Programme wie SPSS 9.0 oder Statistica 5.1 berechnen ebenfalls den Standardfehler der
Schiefe und Kurtosis.

11.3 Graphische Darstellungsformen

Bei der Erstellung eines Histogramms werden die Daten in Klassen unterteilt und ihre abso-
lute oder relative Häufigkeit dargestellt. Ein Histogramm erlaubt eine sehr gute optische Be-
schreibung der Daten. Die Auswirkung der Wahl der Breite der Klassen ist zu beachten. Wer-
den die Klassen zu klein gewählt, so zeigt das Histogramm ein sehr unregelmäßiges Verhal-
ten, werden die Klassen zu groß gewählt, so kann die Form der Daten verfälscht werden. Mit
anderen Worten, die Form eines Histogramms unterliegt einer subjektiven Einschätzung. Für
die Wahl der Breite der Klassen gibt es verschieden Empfehlungen, STORM [290] empfiehlt:
1
5 log
(1 3, 32 log )
k n
k n
d R n

≤ ⋅

= ⋅ + ⋅

(11-24)
mit k = Klassenanzahl, n = Anzahl der Stichproben, d = Klassenbreite, R = Spannweite. Dabei
soll die Anzahl der Klassen zwischen 6 und 20 liegen.

PLATE [231] schlägt folgende Formel vor:
∆x
s
n
x

⋅ 3 49
3
,
~

mit x ∆ = Klassenbreite,
x
s% = Standardabweichung und n = Anzahl der Stichproben
Bei Wermuth [323] findet man:
5 = k 25 ≤ n
n k ≈
100 25 ≤ < n
n k ln 5 , 4 1+ = 100 > n
MCBEAN & ROVERS [184] schlagen vor, die Klassenbreite zwischen ¼ und ½ der Standard-
abweichung zu wählen.

Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 219
Bei einer großen Anzahl von Stichproben sollte man sich gemäß DIN 53 804 [63] an folgende
Regel halten:

Anzahl n der Stichproben Anzahl der Klassen
100 ≤ n 10 ≥ k
1000 100 ≤ ≤ n 13 ≥ k
10000 1000 ≤ ≤ n 16 ≥ k
100000 10000 ≤ ≤ n 20 ≥ k

Um den Unterschied zwischen den Häufigkeiten und den Wahrscheinlichkeitsverteilungen
aufzeigen zu können, werden sogenannte Hängende Histogramme verwendet, die in den je-
weiligen Klassen die Differenz (Residuals) zwischen Verteilung und Stichproben zeigen.

Speziell für die Prüfung der Daten auf Normalverteilung verwendet man sogenannte Roto-
gramme. Dabei wird die Wurzel der relativen Häufigkeiten anstelle der Häufigkeiten darge-
stellt. Sind die Daten normalverteilt, so müssen Histogramm und Rotogramm von der Form
her das glockenförmige Bild der Normalverteilung zeigen, da die Wurzel von einer normal-
verteilten Größe wieder normalverteilt ist.

Bei der Verwendung von Wahrscheinlichkeitspapier wird die Wahrscheinlichkeit der Stich-
proben in Diagramme eingetragen, die entsprechend der jeweiligen gewählten Verteilungs-
funktion transformierte Achsen besitzen. Infolge der Transformation der x-Achse erscheint
die jeweilige Verteilung als gerade Linie und man kann überprüfen, inwieweit die Daten die-
ser Linie folgen. Der Vorteil bei der Verwendung von Wahrscheinlichkeitspapier ist der Ver-
zicht auf Klassen. Eine zweite Möglichkeit neben dem genannten Wahrscheinlichkeitspapier
(Probability–Probability–Plots) sind sogenannte Quantil–Quantil–Plots (bzw. Fraktil–Frakil–
Plots). Man muß allerdings darauf hinweisen, daß es verschiedene Formeln zur Bestimmung
der Frakilwerte gibt (MCBEAN & ROVERS [184]). Dies gilt umsomehr für Fraktilwerte im
Bereich der Schwänze, wie z.B. der 5 %-Fraktilwert der Betondruckfestigkeit (HUNT &
BRYANT [127], JAEGER & BAKHT [133]).

Der Box & Whisker Plot gibt einen guten Überblick über die Streuung der Daten. Ausreißer
und Extremwerte werden recht deutlich sichtbar. Für die zentrale Tendenz der Daten wird
entweder der Mittelwert oder der Median verwendet (meistens der Median), der als Strich
oder kleines Rechteck abgebildet wird. Die Streuung der Daten wird oft durch die Standard-
abweichung, aber auch die 25 % und 75 % Fraktilwerte (Interquartil Range), in Form einer Box
dargestellt. Die Whisker (engl. Barthaar) umfassen einen Bereich vom Median (oder Mittel-
wert) bis 1,5mal die Standardabweichung nach beiden Seiten. Von diesem Bereich bis zu
einer Entfernung von 3mal die Standardabweichung werden Werte als Ausreißer eingestuft.
Werte, die weiter als 3mal die Standardabweichung vom Wert der zentralen Tendenz weg
liegen, werden als Extremwerte bezeichnet. Es muß darauf hingewiesen werden, daß es sich
auch hierbei um Ausreißer handeln kann.

11.4 Ausreißer

Ausreißer sind Werte, die untypisch für eine Grundgesamtheit sind. Ein einzelner Ausreißer
kann einen großen Einfluß auf die statistischen Parameter haben und zu einer erheblichen
Verschiebung dieser Größen führen. Trotzdem besteht natürlich auch die Möglichkeit, daß der
atypische Wert sehr wohl reale Daten repräsentiert. Tests für Ausreißer prüfen, ob es einen
statistisch signifikanten Anhaltspunkt dafür gibt, daß der Ausreißer nicht zur Grundgesamtheit
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 220
gehört. Neben dem statistischen Test sollten auch andere Untersuchungen durchgeführt wer-
den, ob z.B. eine andere Maschine für die Messung der Zufallsgrößen verwendet wurde, ein
neuer Mitarbeiter die Messung durchführte oder ein anderer Anhaltspunkt für den atypischen
Wert gefunden werden kann.

Die hier vorgestellten Verfahren verlangen in den meisten Fällen normalverteilte Daten. Zu-
sätzlich ist zu beachten, daß zensierte Daten ein erheblichen Einfluß auf die Verteilungstyp-
Tests (Goodness of Fit) haben können. Folgende Verfahren zur Ermittlung von Ausreißern
sind dem Verfasser bekannt:

1. Eintragen der Stichproben in Wahrscheinlichkeitspapier bzw. in x-y-Diagramme
Auf die Verwendung von Wahrscheinlichkeitspapier wurde bereits eingegangen. Ebenso
können Ausreißer sehr gut in x–y Diagrammen festgestellt werden. So kann z. B. der Kor-
relationskoeffizient zwischen zwei Zufallsvariablen einmal mit und einmal ohne den po-
tentiellen Ausreißer errechnet werden. Sollte sich der Korrelationskoeffizient dabei er-
heblich ändern, ist Vorsicht geboten.
2. Prüfen des Einflusses eines Einzelwertes auf die Standardabweichung. Dazu wird zuerst
ein Ranking der Stichproben erstellt und anschließend werden Standardabweichungen mit
und ohne Extremwerte ermittelt.
3. Beim Standard-Normal-Test für Ausreißer werden zuerst Mittelwert und Standardabwei-
chung der Stichproben ermittelt. Ermittle anschließend für zwei Werte:
S
x x
t

=
max
bzw.
S
x x
t

=
min
und prüfe, ob dieser Wert mehr als 3mal die Standardab-
weichung vom Mittelwert entfernt liegt (MCBEAN & ROVERS [184]).
4. DIXON’s Test für Ausreißer erfordert zuerst ein Ranking der Daten. Anschließend wird,
entsprechend einer Formel, die abhängig von der Anzahl der Stichproben sind, DIXON’s
Statistik ermittelt. (MCBEAN & ROVERS [184], DIN 53 804-1 [63])
5. BARNETT & LEWIS Test (Maximum Normal Residual und Extreme Student Abweichung
für Ausreißer) prüft ebenfalls
S
x x
t

=
max *
bzw.
S
x x
t

=
min *
gegen eine Statistik (McBean & Rovers [184]).
6. CHAUVENET’s Kriterium, daß bei normalverteilten Zufallsvariablen angewendet werden,
lautet: Ist die Wahrscheinlichkeit der Abweichung vom Mittelwert größer als 0,5·n, so
sollte dieser Wert abgelehnt werden (MCBEAN & ROVERS [184]).
7. GRUPPS Test nach FISCHER [88] oder DIN 53 804-1 [63]
8. DAVID-HARTLEY-PEARSON-Test nach FISCHER [88]
9. Wölbungstext bei Normalverteilung nach FISCHER [88]
10. Residuenanalyse nach FISCHER [88]
11. Nach [11] ist bei n + 1 Meßpunkten x
n+1
ein Ausreißer in einer normalverteilten Grundge-
samtheit, wenn gilt:
s k x x
n
⋅ + >
+1

mit
x als Mittelwert ohne den Wert x
n+1

s als Standardabweichung ohne den Wert x
n+1

k Koeffizient gemäß Abb. 11-1
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 221

Abb. 11-1: Faktor k in Abhängigkeit der Anzahl der Sticnproben
11.5 Zensierte Daten

Eine Zensierung von Daten erfolgt, wenn ein bestimmter Bereich des Definitionsbereiches der
Zufallsvariable nicht erfaßt werden kann. Zum Beispiel können sehr kleine oder sehr große
Werte nicht gemessen werden. So kann man z. B. bei Dauerhaftigkeitsversuchen von Beton
nicht warten, bis alle Prüfkörper funktionsuntüchtig geworden sind, sondern wird bei einer
bestimmten Anzahl an ausgefallenen Prüfkörpern den Versuch abbrechen. Oder infolge sehr
geringer Festigkeit können Festigkeitsversuche gar nicht erst durchgeführt werden, weil der
Probekörper bereits vorher schadhaft geworden ist. Es sollen kurz drei Verfahren zur Be-
handlung von zensierten Daten vorgestellt werden.

1. Bei der einfachen Substitution der Größen, über die nur bekannt ist, daß der wirkliche
Wert kleiner als die Meßgrenze ist, werden diese Werte z.B. bei kleinen Werten zu Null,
zur halben Differenz zwischen Null und der Meßgrenze oder zur Meßgrenze gesetzt.
Meßgrenze soll der Wert sein, bis zu dem gemessen werden konnte, z.B. konnte eine
Festigkeit kleiner 1 N/mm
2
, die nicht mehr erfaßt werden kann. Mit diesen substituierten
Werten erhält man Grenzen der statistischen Parameter.
2. COHEN’s Test ist ein anderes Verfahren, daß angewendet werden kann, wenn bis zu 90 %
der vorhandenen Daten zensiert sind. Der Test wird wie folgt durchgeführt: Zuerst wer-
den Mittelwert und Standardabweichung aller Stichproben errechnet, die über der Meß-
grenze liegen:

=
=
m
i
i d
x
m
x
1
1
und
) 1 (
) (
1
2


=

=
m
x x
S
m
i
i
d
.
Anschließend ermittelt man die beiden Parameter gemäß
n
m n
h

=
und
) (
2
DL x
S
d

= γ
.
DL ist die Meßgrenze. Mit Hilfe dieser Werte kann man einen Rechenwert λ aus den ent-
sprechenden Tafeln entnehmen (MCBEAN & ROVERS [184]). Damit wird ein korrigierter
Mittelwert und eine korrigierte Standardabweichung geschätzt:
) ( DL x x x
d d
− − = λ
und
2 2
) ( DL x S S
d d
− + = λ
.
COHEN’s Verfahren ergibt Maximum Likelihood Schätzungen für den Mittelwert und die
Standardabweichung einer zensierten Normalverteilung. Obwohl das Verfahren für bis zu
90 % zensierter Daten zugelassen ist, sollte es bei mehr als 50 % zensierter Daten nicht
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 222
mehr verwendet werden (MCBEAN & ROVERS [184]), da die Fehlerrate bei Überschreiten
dieses Wertes erheblich anwächst.
3. AITCHISON’S Methode basiert ebenfalls auf der Annahme einer Normalverteilung der
Stichproben, allerdings wird unterstellt, daß die zensierten Daten Null sind. Die mit der
Methode von COHEN bereits ermittelten Mittelwerte und Standardabweichungen für die
Meßwerte, die über der Meßgrenze liegen, können wie folgt weiter verwendet werden.
Der korrigierte Mittelwert und die korrigierter Standardabweichung sind gemäß
AITCHISON:
d
x
n
d
x |
.
|

\
|
− = 1
und
) 1 (
) (
1
) 1 (
2
2


+

+ −
=
n n
x d n d
S
n
d n
S
d
d
.

Grundlagen für die Ermittlung statistischer Parameter oder von Ausreißern oder Zensierungen
von Daten war häufig die Annahme einer normalverteilten Grundgesamtheit. Diese Annahme
war bisher nicht geprüft worden. Die folgenden Tests beschreiben die Prüfung der Verteilung
der Stichproben, welche hierbei durch eine theoretische Wahrscheinlichkeitsverteilungs-
funktion beschrieben werden sollen.

11.6 Prüfung der Verteilungsfunktion (Goodness of Fit Test)

Für eine Vielzahl weiterer Berechnungen ist die Kenntnis des Verteilungstyps der
Zufallsvariablen nützlich. So wird für die Erstellung von Toleranzgrenzen, z. B. für die
Betonfestigkeit, der Verteilungstyp der Zufallsvariablen benötigt. Folgende Verfahren zur
Prüfung auf Verteilungstyp werden häufig verwendet.

1. Der Variationskoeffizient kann als Parameter für die Verteilung dienen. FISCHER [87]
schlägt für Materialdaten bis zu 20% Variationskoeffizient eine Normalverteilung, dar-
über hinaus eine Log-Normalverteilung vor. MCBEAN & ROVERS [184] lehnen bei einem
Variationskoeffizient von größer 100% eine Normalverteilung ab.
2. PLATE [231] gibt ein Diagramm für Verteilungstypen in Abhängigkeit von der Schiefe
und Kurtosis Abb. 11-2 an. Das Verhältnis von Kurtosis (Standardisiert) zu Standardfeh-
ler der Kurtosis kann ebenfalls zur Prüfung auf Normalverteilung verwendet werden.
Wenn das Verhältnis kleiner als –2 oder größer als 2 ist, kann eine Normalverteilung ab-
gelehnt werden [275].
3. Vergleich der Häufigkeiten und der theoretischen Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen in
Histogrammen. Folgende Programme bieten diesen Vergleich an: SPSS 9.0, Statistika 5.0
und SimStat. Außerdem kann man z. B. im Excel 95 einen solchen Vergleich mittels der
vordefinierten Verteilungsfunktionen erstellen.
4. Wahrscheinlichkeitspapier
5. χ
2
Test
Dieser Test ist einer der vielseitigsten Tests in der Statistik. Der Test ist immer einseitig.
Allerdings ist die Qualität der bei der Ablehnung von Verteilungen eher gering. Gerade in
den Schwänzen von Verteilungen versagt der χ
2
Test auf Grund der hohen erforderlichen
Anzahl von Stichproben. Der Test wird wie folgt durchgeführt:
I. Unterteile die Daten in Klassen, wie z. B. in einem Histogramm. Die Breite der
Klassen kann unterschiedlich sein, wird jedoch meistens konstant gewählt. Es
wird empfohlen, über mindestens 5 Stichproben pro Klasse zu verfügen.
II. Ermittle die Häufigkeit der Stichproben pro Klasse.
III. III Ermittle die theoretische Häufigkeit der Stichproben pro Klasse, in dem die
theoretische Wahrscheinlichkeit der zu vergleichenden Verteilungsfunktion für
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 223
den Bereich einer Klasse ermittelt wird und anschließend mit der Anzahl der
Stichproben multipliziert wird.
IV. Ermittle für jede Klasse
i
i i
i
e
e n
D
2
) ( −
=
V. Bilde

=
i
D
2
χ und vergleiche diesem Wert mit den entsprechenden
kritischen χ
2
. Die Freiheitsgrade für die Ablesung des kritischen Wertes k-1-p,
mit k als Anzahl der Klassen und p als die Anzahl der Parameter, die für die
theoretische Verteilung benötigt werden. Ist der kritische Wert größer als die
Test Statistik, so gibt es keine signifikante Abweichung zur theoretischen
Verteilung.



Abb. 11-2

Bereiche der Gültigkeit verschiedener Verteilungsfunktionen nach Plate. Fol-
gende Verteilungen sind enthalten: U = gleichförmig, N = normal, LN = log-
normal, P = Pearson (Gamma), LP = log Pearson, GG = verallgemeinerte
Gamma, E = Exponential, W = Weibull

6. KOLMOGOROFF–SMIRNOFF Test
Der KOLMOGOROFF–SMIRNOFF Test basiert auf der Idee, einfach den größten Unterschied
zwischen theoretischen und gemessenen Wahrscheinlichkeitsfunktion zu prüfen.
I. Dazu wird die gemessene Wahrscheinlichkeitsfunktion gemäß n i x F
i
/ ) (
) ( *
=
und
II. anschließend die Differenz zu { ) ( ) (
, 1
max
) ( ) ( * i i
x F x F
n i
D −
=
= ermittelt.
III. Ist der kritische Wert d
n,α
(z. B. aus [184]) größer als der Zielwert, gibt es keine
signifikante Abweichung von der theoretischen Verteilung. Die Freiheitsgrade
sind die Anzahl der Stichproben.
Eine Stichprobenanzahl von mindestens 50 wird empfohlen, bei einer Stichprobenanzahl
von kleiner 25 müssen die Abweichungen zwischen theoretischer und gemessenen Wahr-
scheinlichkeit recht groß sein, um die theoretische Verteilung abzulehnen.
7. Der SHAPIRO–WILK Test bzw. der SHAPIRO–FRANCIA Test bei Stichprobenanzahl > 50
Der SHAPIRO–WILK Test für eine Stichprobenanzahl gleich und unter 50 bzw. der
SHAPIRO–FRANCIA Test für eine Stichprobenanzahl größer 50 ist ein anderer Goodness of
Fit Test. Der Test gilt als einer der besten numerischen Tests zur Prüfung auf Normalver-
teilung und erfaßt besonders gut Abweichungen von der Normalverteilung im Schwanz-
bereich. Der SHAPIRO–WILK Test kann von jeder Stichprobenanzahl von 3 bis 50 ver-
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 224
wendet werden. Selbstverständlich steigt die Fähigkeit des Tests mit der Anzahl der
Stichproben. Der Test wird wie folgt durchgeführt.
I. Ordne die Daten vom kleinsten zum größten Wert und umgekehrt.
II. Ermittle die Differenzen zwischen den beiden geordneten Reihen.
III. Wichte die Differenzen gemäß den Koeffizienten z. B. aus [184], Seite 293-294
IV.
∑ ∑
=
+ − + −
=
− = =
k
i
i i n i n
k
i
i
x x a b b
1
) ( 1 1
1
( , mit x
(i)
als kleinsten Wert der Stichprobe und k
als größte Ganzzahl gleich oder kleiner n/2.
V. Errechne die Test Statistik zu
VI.
2
1
|
|
.
|

\
|

=
n S
b
W
VII. und vergleiche mit dem kritischen Wert. Die kritischen Werte können z.B. aus
[184] entnommen werden. Eine Normalverteilung wird abgelehnt, wenn der
Testwert kleiner als die kritische Größe ist. Bei einer Normalverteilung wird eine
große Test Statistik ermittelt.
8. LILLIFORS Test (eine Korrektur für KOLMOGOROFF–SMIRNOFF Test)
9. n ω
2
– Test nach KLUGE [150]
10. Quantil-Korrelations-Test nach KLUGE [150]
2 / 1
1
2 2
1
1
) ( ) (
) )( (
) , (

− ⋅ −
− −
=
∑ ∑

= =
=
n
i
x x x i
n
i
x x x i
n
i
x i p
i i i
i i i
i
m M m x
m M m x
M x r
12. CRAMER-SMIRNOV-VON-MISES Test nach BOCK & KRISCHER [18]
Ebenfalls ein Test zur Prüfung eines Verteilungstyps. Die Prüfgröße wird als Funktion der
Verteilungsfunktion der Stichproben S
n
(x), der theoretischen Verteilungsfunktion F(x)
und der Dichte der theoretischen Verteilung f(x) ermittelt.
13. Runs- bzw. der Vorzeichentest [18]
Der Vorzeichentest basiert auf der Idee des Wechsels der Vorzeichen der Differenzen
zwischen beobachteter und theoretischer Verteilungsfunktion. Wenn die Abweichungen
nur zufällig sind, dann müßte die Hälfte aller Differenzen ein positives und die Hälfte
eine negatives Vorzeichen haben. Der beobachtete Wechsel der Vorzeichen kann mit
einen Vertrauensbereich der Anzahl der Wechsel verglichen werden.
Der Mittelwert der beobachteten Wechsel (Runs) wird berechnet nach
N M
N M
R E
+
⋅ ⋅
+ =
2
1 ) ( und die Varianz nach
) 1 ( ) (
) 2 ( 2
) (
2
− + +
− − ⋅ ⋅
=
N M N M
N M MN N M
R V
mit M als Anzahl positive und N als Anzahl negativer Werte.
Setzt man eine Normalverteilung der Streuung des Mittelwertes voraus, kann man mit
Hilfe der Streuung und der Anzahl der Stichproben den jeweiligen Vertrauensbereich für
den Mittelwert abschätzen.
14. Der ANDERSON-DARLING Test nach KENDALL & STUART [145]
15. FINKENSTEIN-SCHAFER Test für Exponentialverteilung [178] und unbekanntem Mittelwert
16. GNEDENKO TEST (für zensierte Daten) für Exponentialverteilung [178]

Kann keine Verteilung gefunden werden, besteht immer noch die Möglichkeit, die Daten zu
transformieren, um eine Verteilung zu finden. Es läßt sich zeigen, daß immer eine oder meh-
rere Transformationen existieren, um die Daten in eine Normalverteilung zu überführen.
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 225

Bei der im Bauwesen so wichtigen Ermittlung von Fraktilwerten besteht die Möglichkeit,
ohne die Festlegung einer Wahrscheinlichkeitsfunktion zu arbeiten und hybride Mischver-
teilungen nach JAEGER & BAKHT [133] zu verwenden.

Das Verfahren von JAEGER & BAKHT [133] gestaltet sich wie folgt.
1. Sortierung der Daten (z.B. mittels Excel und den Extras-Analyse-Funktionen-Rang und
Quantil)
2. Berechnung des Mittelwertes. Dabei wird festgelegt: Bei einer ungeraden Anzahl von
Versuchergebnissen (Stichproben) ist der Mittelwert der mittlere Wert (also eigentlich der
Median). Bei einer geraden Anzahl von Versuchsergebnissen (Stichproben n = 2 k) sei
der Mittelwert:
2
) (
1 +
+
=
k k
x x
x
u

3. Für jedes Versuchsergebnis x wird ein y ermittelt:
u
u
x x
x x
y
⋅ ⋅
+
=
2
2 2

4. Wähle einen charakteristischen Wert, z.B. ein 5% Fraktil. Wähle den entsprechenden
Wert einer Normalverteilung, also für ein 5% Fraktil z
*
= -1,645.
5. Wähle aus der folgenden Tabelle ein z
1
, z
2
, und/oder z
3
entsprechend der Anzahl der Ver-
suchsergebnisse n.

Versuchsanzahl z
1
z
2
z
3

10 -1,34 -0,91 -0,60
11 -1,38 -0,97 -0,67
12 -1,43 -1,02 -0,74
13 -1,47 -1,07 -0,79
14 -1,50 -1,11 -0,84
15 -1,53 -1,15 -0,89
16 -1,56 -1,19 -0,93
17 -1,59 -1,22 -0,97
18 -1,62 -1,25 -1,00
19 -1,65 -1,28 -1,04
20 -1,67 -1,31 -1,07

Als Näherung kann empfohlen werden:
2
1
0011 , 0 0649 , 0 8004 , 0 n n z ⋅ + ⋅ − − =
2
2
0016 , 0 0885 , 0 1935 , 0 n n z ⋅ + ⋅ − − =
2
3
0021 , 0 1096 , 0 2788 , 0 n n z ⋅ + ⋅ − =

6. Ermittle den charakteristischen y-Wert:
2
1
*
1
1
*
1 *
2 2
|
|
.
|

\
|
|
.
|

\
|
+
+
|
|
.
|

\
|
|
.
|

\
|

=
z
z y y
z
z y y
y
n n

7. Ermittle den charakteristischen x-Wert:
2 * * *
) ( 1 ( y y x x + + =
u


Für die Ermittlung von charakteristischen Werten sei auch auf HUNT & BRYANT [127] ver-
wiesen. Dort findet sich eine Zusammenstellung von verschiedenen Verfahren zur Schätzung
der charakteristischen Werte einer Festigkeit (5 %-Fraktil) bei geringer Datenbasis:

Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 226
Normalverteilung (siehe hierzu auch Eurocode 1 [81] und FISCHER [87])
s k x L ⋅ − =
1
) (
2


=

n
x x
s
i

Wenn man eine Normalverteilung und einen 95% Vertrauensbereich unterstellt, ergibt
sich k = 2,91 (aus der Student-t-Verteilung)
Log-Normalverteilung
' * L y k s = − ⋅
mit ' ln( ) L L = , y der Mittelwert der Datenpunkte s* die Standardabweichung der Daten-
punkte ln( )
i i
y x =
LEICESTER Methode
|
.
|

\
|

− ⋅ =
n
v
A L
7 , 2
1

mit A als empirischer 5% Fraktil der Versuchsdaten durch lineare Interpolation ermittelt,
n Anzahl der Versuche, v Variationskoeffizient gemäß
x
s
v =
,
der kleiner als 0,5 sein sollte. Die Anzahl der Versuche n sollte größer 30 sein.
ÖFVERBECK-Power-Limit


=
− −
=
1
1
) 1 /( 1
q
i
q
i q
x x L
ε ε

Eine Tafel für die ε findet sich in HUNT & BRYANT [127].

Nonparametric Tolerance Limit (ASTM D2915-94)

Es besteht auch die Möglichkeit, sogenannte statistische und probabilistische Prüfvorschriften
gemäß REID [242] zu verwenden:

Australian Standard Procedure for Statistical Proof Loading

Der Entwurfswert einer Widerstandsgröße (z.B. Festigkeit) wird nach dieser Vorschrift wie
folgt ermittelt:
F
R
R
n
d
min,
=


mit R
d
als Designvalue, R
min,n
als Mindestwert der Widerstandsgröße, der bei n-Versuchen
nicht unterschritten wurde und F als Korrekturfunktion. Die Korrekturfunktion ist an einen
Faktor k gekoppelt, der den Einfluß des Vertrauensbereiches, der Versuchsanzahl und des
gewählten Fraktilwerts berücksichtigt.
R
V
p n
c
n c p k
)
`
¹
¹
´
¦


=
) 1 ln(
) 1 ln(
) , , ( Korrekturfaktor
mit c als Vertrauensbereich (üblicherweise 50 % oder 90 %), n als Anzahl der Versuche und p
als gewählter Fraktilwert (üblicherweise 5 % Fraktil für Widerstandsgrößen). Damit kann der
charakteristische Wert der Widerstandsgröße wie folgt ermittelt werden:
) , , (
min,
,
n c p k
R
R
n
c p
=
,


Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 227
mit R
p,c
als charakteristischer Wert der Widerstandsgröße als p-Fraktilwert mit dem Vertrau-
ensbereich c. F kann wie folgt berechnet werden:
p
n c p k
F
ϕ
) , , (
=
,


wobei ϕ
p
der Vorschrift entnommen werden muß. Als Beispiel sei F für eine weibullverteilte
Widerstandsgröße mit einem Variationskoeffizient von 0,2, einer lognormalverteilten Bela-
stung mit einem Variationskoeffizient von 0,3 und einem Zielsicherheitsindex von 3 in der
folgenden Tabelle angegeben. Es handelt sich hierbei um übliche Zahlen.

F
Anzahl der Versuche c = 90 % c = 50 %
1 3,92 3,00
2 3,36 2,57
3 3,07 2,34
4 2,88 2,20
5 2,73 2,09
6 2,63 2,01
7 2,54 1,94
8 2,46 1,88
9 2,40 1,83
10 2,34 1,79
Zusätzlich kann damit auch der Teilsicherheitsfaktor γ
w
für die Widerstandsgröße ohne eine
weitere probabilistische Berechnung ermittelt werden.
, p c
w
d
R
R
γ =


Australian Standard Procedure for Probabilistic Load Testing (AS 1597.2)

In dieser Vorschrift wird der Entwurfswert der Widerstandsgröße als Produkt aus Korrektur-
funktion und dem Verhältnis von Prototype–Faktor zu Serienfertigungs–Faktor ermittelt.
l
d T
sf
m
R
m
φ =
Entwurfswert für die Widerstandsgröße
2
2 2

2,115exp 3 0, 3
2
r
T r
v
v φ

= − − +



Korrekturfaktor
2 2 2
s l n r
v v C v + = Variationskoeffizient der Widerstandsgröße
) 3 (
1
1


+ =
n n
n
C
n

Varianz der Tests
mit φ
t
als Korrekturfaktor, m
l
ist der Mittelwert des Widerstandes bei den Versuchen und m
sf

ist ein Korrekturfaktor zur Beschreibung der Unterschiede zwischen Prototype und Serienfer-
tigung, n ist die Anzahl der Versuche, v
l
ist der Variationskoeffizient der Versuche und v
s
ist
ein Faktor, der die Entnahme der Proben bewertet: für konzentrierte Entnahme v
s
= 0,1 und
für breit gefächerte Entnahme v
s
= 0.

Grundlage für diesen Vorschlag ist die Annahme log-normalverteilter Widerstands- und Be-
lastungsgrößen. Für die Belastungsgröße soll ein Variationskoeffizient von 0,3 gelten, der
Zielsicherheitsindex liegt bei 3,0.

AISI Standard Prozedur für Probabilistische Tragfähigkeitsversuche (AISI 1990)

Die AISI Vorschrift benutzt ebenfalls einen Produktansatz für den Entwurfswert mit
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 228
p d
R R φ =

0
1, 5 exp( )
m m
M F v φ β = ⋅ ⋅ ⋅ −
Korrekturfunktion
2 2 2 2
0 q p f m
v Cv v v v + + + = Variationskoeffizient des Sicherheitsabstandes
) 3 (
1


=
n
n
C
Test Varianz Korrektur Faktor

mit R
p
als Mittelwert der bei den Versuchen ermittelten Widerstandsgröße, M
m
und F
m
als
Mittelwerte eines Materialfaktors und eine Produktionsfaktors, β ist der Zielsicherheitsindex,
v
m
ist der Variationskoeffizient des Materialfaktors, v
f
ist der Variationskoeffizient des Pro-
duktionsfaktors, v
p
ist der Variationskoeffizient der Versuche und v
q
ist der Variationskoeffi-
zient der Last. C ist ein Korrekturfaktor für die Varianz während der Versuche.

Alle Zufallsgrößen wurden als lognormalverteilt angenommen. Der Korrekturfaktor C wurde
mit einer Student-t Verteilung geschätzt. Die drei statistischen und probabilistischen
Prüfverfahren wurden in Excel umgesetzt.

Zum Abschluß sei die Anwendung von JOHNSON bzw. PEARSON Verteilungen (siehe PENDOLA,
HORNET, LEMAIRE & MOHAMED [226] oder TUNG [294]) genannt, um die Verteilung an den
ersten vier Momenten der Daten anzupassen. Auf diese Verfahren soll aber an dieser Stelle
nicht weiter eingegangen werden.

11.7 Verteilungstypen

Nachdem die Einteilung in verschiedene Wahrscheinlichkeitsfunktionen behandelt wurde,
sollen in diesem Abschnitt einige Arten und Zusammenhänge zwischen Verteilungsfunktio-
nen genannt werden.

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Wahrscheinlichkeitsfunktionen. In Tab. 11-1 werden
einige aufgelistet. Davon stehen wiederum viele in engen Beziehungen zu einander. Einige
bilden sogenannte Familien. Ein Beispiel dafür sind Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen, die
der PEARSON’schen Differentialgleichung (PLATE [231]) genügen:

2
( )
( ) − =
+ ⋅ + ⋅
df x x
f x
dx a b x c x
.


Andere Funktionen wurden für bestimmte Zwecke entwickelt. Die PARETO-Verteilung wurde
beispielsweise von dem Wirtschaftswissenschaftler VILFREDO PARETO (1848-1923) zur Be-
schreibung der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Personen mit einem Einkommen
von mehr als x monetären Einheiten eingeführt.

Neben den stetigen Funktionen gibt es noch die sogenannten diskreten Wahrscheinlichkeits-
funktionen. Diese sollen kurz behandelt werden, da zu dieser Klasse gehörende POISSON-
Verteilung in dieser Arbeit verwendet wurde.

Die Hypergeometrische und die Binomialverteilung werden oft anhand des Urnenexperimen-
tes erläutert. In dieser Urne befinden sich M schwarze Kugeln und N-M weiße Kugeln. Die
Gesamtanzahl der Kugeln sei N. P sei die Wahrscheinlichkeit, mit der man bei n Versuchen X
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 229
mal eine schwarze Kugel zieht. Wenn die gezogenen Kugeln nicht wieder in die Urne gelegt
werden, kann P nach folgender Formel berechnet werden:

( , , , )

| || |
| |

\ .\ .
=
| |
|
\ .
M N M
X n X
P X n M N
N
n

Geht man davon aus, daß die Kugeln wieder zurückgelegt werden, erhält man die Binomial-
verteilung. Die Näherung des Erhalts der Kugelanzahl kann verwendet werden, wenn die
Grundgesamtheiten sehr groß sind. Die Formel lautet:
( , , ) (1 )

| |
= −
|
\ .
X n X
n
P X n p p p
X
.
Zieht man die Kugeln sehr häufig und ist die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Ziehung der
Kugeln sehr gering, so kann man aus Grenzwertbetrachtungen aus der Binomialverteilung die
POISSON-Verteilung entwickeln
( )
( , , )
!

=
X np
np e
P X n p
X
, wenn → ∞ n und 0 → x . Da für den Mittelwert und die Varianz der
POISSON-Verteilung
2
n p = = ⋅ u σ gilt, schreibt man diese Verteilung auch oft in der Form
( , )
!
X
e
P X
X

=
u
u
u . Die POISSON-Verteilung ist eine Näherung der Binomialverteilung für
große Anzahlen und kleine Erfolgswahrscheinlichkeiten, also seltene Ereignisse. Ein
Schiffsanprall gegen eine Brücke scheint diese Bedingungen sehr gut zu erfüllen, da jeden
Tag zahlreiche Schiffe eine Brücke passieren, aber ein Anprall üblicherweise nur im Abstand
mehrerer Jahre erfolgt.

Die POISSON-Verteilung hat eine lange Tradition und wurde bereits zur Untersuchung von
Pferdetritten in der Preußischen Armee von 1875-1894 herangezogen (SOKAL & ROHLF [270])
oder zur statistischen Beschreibung des Auftritts von Aufständen und Kriegen (RICHARDSON
[245]).


Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 230

Abb. 11-3: Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Verteilungen nach FISCHER [88]

Name der Verteilung Bemerkungen
χ-Verteilung für a=1 Normalverteilung der Absolutwerte, für a=2 nach RAYLEIGH, für a=3
nach MAXWELL
allgemeine PARETO-Verteilung
Arcsin-Verteilung
Betaverteilung für b=1 Potentialverteilung
Binomialverteilung
BIRNBAUM-SAUNDERS-Verteilung Rißwachstum unter wiederholter Belastung.
BREIT-WIGNER Verteilung
CAUCHY-Verteilung
ERLANG-Verteilung für a=1 Exponentialverteilung
Exponential-Verteilung
Extremwertverteilung Typ I max GUMBEL-Verteilung oder doppelte Exponentialverteilung
Extremwertverteilung Typ I min GUMBEL-Verteilung oder doppelte Exponentialverteilung
Extremwertverteilung Typ II max FRÉCHET-Verteilung
Extremwertverteilung Typ II min FRÉCHET-Verteilung
Extremwertverteilung Typ III max
Extremwertverteilung Typ III min WEIBULL-Verteilung
FISHER-Verteilung für a=1 und b=2 logistische Verteilung
FRÉCHET-Verteilung Extremwertverteilung Typ II
F-Verteilung SNEDECOR-Verteilung
Gammaverteilung (Γ-Verteilung)
GAUSS oder Normalverteilung
Generalisierte Extremwertverteilung
Generalisierte PARETO-Verteilung
Geometrische oder räumliche Verteilung
GUMBEL-Verteilung
Hypergeometrische Verteilung
KRICKIJ-MENKEL-Verteilung für b=1 Γ-Verteilung, für b=2 χ-Verteilung, für b=a nach WEIBULL
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 231
LANDAU-Verteilung Verwendung in der Physik
LAPLACE-Verteilung
logarithmische PEARSON-Typ-3 Verteilung
logarithmisch-logistische Verteilung
Logistische-Verteilung
Lognormal-Verteilung
LORENZ-Verteilung
MAXWELL-Verteilung
PARETO-Verteilung
PEARSON, Typ III, Gammaverteilung für natürliche a ERLANG-Verteilung
PEARSON-Typ-3 Verteilung
POISSON-Verteilung
Polyaverteilung statistische Beschreibung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten
Potentialverteilung für a=1 Rechteckverteilung
Potenznormal-Verteilung
RAYLEIGH-Verteilung
Rechteck oder Gleichverteilung
Reverse WEIBULL-Verteilung
ROSSI-Verteilung Verteilung zur Beschreibung des Einkommens
SIMPSON oder Dreieckverteilung
Sinus-Verteilung
SNEDECOR-Verteilung F-Verteilung
STUDENT-t-Verteilung für a=1 Verteilung nach CAUCHY
TUKEY’sche Lambdaverteilung
WAKEBY-Verteilung Die Betaverteilung ist ein Sonderfall der Wakebyverteilung.
WEIBULL-Verteilung für a=1 Exponentialverteilung, für a=2 nach RAYLEIGH,
WISHART’s-Verteilung
Z-Verteilung FISHER-Verteilung

Tab. 11-1: Verschiedene theoretische Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionen nach KLUGE
[150], BOCK & KRISCHER [18], MANN, SCHAFER & SINGPURWALLA [178], SPAETHE [273],
MURZEWSKI [202], RASCH [241], FISCHER [88]

11.8 Bemerkungen zum Korrelationskoeffizient von Stichproben

Viele Zufallsgrößen weisen untereinander Abhängigkeiten auf. Diese Abhängigkeiten kann
man durch den Korrelationskoeffizient beschreiben. Der Korrelationskoeffizient (KK) der
Grundgesamtheit wird wie folgt definiert:
y x
xy
xy
σ σ
σ
ρ =
und der KK der Stichproben als
∑ ∑

= =
=
− −
− −
= =
n
i
i
n
i
i
n
i
i i
y x
xy
xy
y y x x
y y x x
S S
S
r
1
2
1
2
1
) ( ) (
) )( (
.
Der KK wird auch als PEARSON’scher KK bezeichnet. Er ist einheitenlos und liegt zwischen
-1 und 1. Absolute Werte in der Nähe von 1 weisen auf einen starken linearen Zusammenhang
zwischen den beiden Zufallsvariablen hin. Ein großer Wert des KKen der Stichproben muß
jedoch nicht unbedingt einem großen Wert des KKen der Grundgesamtheit entsprechen. Des-
halb sollte die Signifikanz des ermittelten KKen überprüft werden. Unter der Annahme, daß
beide Zufallsvariablen nomalverteilt sind, kann ein t–Test durchgeführt werden. Dabei wird
geprüft, ob der ermittelte Wert signifikant von Null abweicht. Dazu werden in verschiedenen
Quellen Tabellen bereitgestellt, z. B. in MCBEAN & ROVERS [184] oder STEEL & TORRIE
[284]. Ermittelt man z. B. bei 10 Stichproben einen KK von 0,59, so wird der KK der Grund-
gesamtheit mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % größer als Null sein.
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 232

Abb. 11-4: Zusammenhang zwischen Korrelationskoeffizient der Stichproben und
der Grundgesamtheit im 95% Vertrauensbereich


Abb. 11-5: Zusammenhang zwischen Korrelationskoeffizient der Stichproben und
der Grundgesamtheit im 99% Vertrauensbereich


Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 233
Ein zweite Möglichkeit, um Rückschlüsse aus dem ermittelten KK–Wert der Stichproben auf
den Wert der Grundgesamtheit zu ziehen, sind die in STEEL & TORRIE [284] veröffentlichten
Diagramme (Abb. 11-4 &
Abb. 11-5). Anhand dieser Diagramme kann man sehr gut den Streubereich des KKen der
Stichproben abschätzen. Ein alternativer Weg ist eine Transformation des KKen. Für die
transformierte Variable existieren Tabellen für den Bereich der Grundgesamtheit.

Es wird deutlich, daß bei einer geringen Anzahl von Stichproben eine Aussage über den Zu-
sammenhang zwischen zwei Zufallsgrößen nur sehr schwer möglich ist. Auch kann eine
Transformationen einer Zufallsgröße erforderlich sein, um die Bedingung eines linearen Zu-
sammenhanges zu erfüllen.
11.9 Lineare Regression

Wenn ein Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren Zufallsvariablen besteht, wird man
bestrebt sein, diesen Zusammenhang mathematisch zu beschreiben, um später Prognosen tref-
fen zu können. Der Zusammenhang zwischen zwei Zufallsgrößen soll mit folgendem Modell
beschrieben werden
i i i
x y ε β α + + = , (11-25)

wobei ε
i
eine unabhängige normalverteilte Zufallsgröße mit dem Mittelwert Null und der Va-
rianz σ
2
sei. Ein vorhandener Mittelwert der Fehlergröße sollte in den Variablen zur Beschrei-
bung des Modells eingebunden werden.

Da die Werte für die Grundgesamtheit nicht vorhanden sind, wird mit den Werten für die
Stichproben gerechnet, und die obige Gleichung wird wie folgt geschrieben: bx a y + = . Es
wird versucht, eine optimale Anpassung der Parameter a und b zu erreichen. Die optimale
Schätzung der beiden Parameter liefert die Gleichung einer Gerade, die optimal an die
vorhandenen Punkte angepaßt ist.

Eine optimale Schätzung stellt eine minimale Varianz des Fehlers da. Da die Varianz der Po-
pulation unbekannt ist, muß die Varianz der Stichproben ermittelt werden. Die Schätzung
dieser Varianz sieht wie folgt aus:
( ) ( )
∑ ∑
= =
+ −

= ′ −

=
n
i
i i
n
i
i i e
bx a y
n
y y
n
S
1
2
1
2 2
) (
2
1
2
1

(11-26)

und wird als Standardfehler der Schätzung bezeichnet. Der Term n-2 dient zur Biaskorrektur.
Um den minimalen Wert des Standardfehlers der Schätzung zu ermitteln, muß die Gleichung
nach a und b abgeleitet werden.
0 2 2 2 ) ( 2
2
= + + − = − − − =


∑ ∑ ∑ i i i i
e
x b na y bx a y
a
S

(11-27)
0 2 2 2 ) ( 2
2
2
= + + − = − − − =


∑ ∑ ∑ ∑ i i i i i i i
e
x b x a y x bx a y x
b
S
.
(11-28)

Bei einer Erhöhung der Anzahl der Parameter der Regressionsgleichung muß die Schätzung
ebenfalls nach den weiteren Parametern abgeleitet werden. Die Lösung für die Parameter sieht
wie folgt aus: x b y a − = mit y und x als Mittelwerte der jeweiligen Stichproben. Also wird
die Regressionsgleichung auf jeden Fall durch den Mittelwert der Stichproben der Variablen x
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 234
und y gehen. Die Ermittlung des Winkels der Regressionsgraden ist etwas schwieriger und
kann als





− −
=


=
2 2 2
) (
) )( (
x x
y y x x
x n x
y x n y x
b
i
i i
i
i i

(11-29)

geschrieben werden. Führt man einige neue Bezeichnungen ein,

( )
∑ ∑
− =
2
2

i i xx
x x n S
(11-30)
( )
∑ ∑
− =
2
2

i i yy
y y n S
(11-31)
( )( )
∑ ∑ ∑
− =
i i i i xy
y x y x n S ,
(11-32)

so kann man die Gleichung zur Bestimmung des Anstieges der Geraden ebenso neu schrei-
ben:
xx
xy
S
S
b = ,
(11-33)

wie die Gleichung zur Schätzung der Standardabweichung des Fehlerterms
xx
xy yy xx
e
S n n
S S S
S
) 2 (
) (
2
2


= .
(11-34)

Da die Parameter der Regressionsgleichung anhand von Stichproben und nicht mit einer
Grundgesamtheit ermittelt wurden, kann man für sie auch einen Vertrauensbereich angeben.
Mit Hilfe der Student-t Tafeln kann man für
xx
xx
e
nS
x n S
S t a
2
2 /
) ( +
± =
′ α
α und
xx
e
S
n
S t b
2 / α
β

± =
(11-35)
schreiben.

Neben dem Vertrauensbereich für die Regressionsparameter gibt es noch einen Vertrauensbe-
reich im Abstand von den Mittelwerten von X und Y. Man kann z. B. auch mit dem Vertrau-
ensbereich prüfen, ob zwei ermittelte Regressionsgeraden einer Grundgesamtheit angehören
oder nicht. Dazu wird ein Hilfswert ermittelt:
( )
2
2
2 2
2
1
1 2
( ) ( )( ) / ( )
2 2
ij i ij i ij i ij i
i
beide
Y Y X X Y Y X X
s
n n
=
− − − − −

=
− + −
∑ ∑ ∑ ∑

(11-36)
und fein t-Test durchgeführt:
| |
∑ ∑
− + −

=
2
2 2
2
1 1
2
2 1
) ( / 1 ) ( / 1 X X X X s
b b
t
j j beide
.
(11-37)

Grundlage dieser Form der Regression sind lineare Modelle. Ein lineares Modell ist eine
Funktion zur Beschreibung eines Zusammenhanges zwischen einer oder mehreren unabhän-
gigen Variablen und einer abhängigen Variablen, die aus einer Linearkombination von Basis-
funktionen besteht. Diese Basisfunktionen selbst dürfen nichtlinear sein, z. B. x
2
. Nur die ver-
änderbaren Parameter müssen in einer Linearkombination auftreten. Damit haben die linearen
Regressionsgleichungen immer folgendes Modell:
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 235

⋅ = ) ( ) ( x f a x y
i i
.
In der folgenden Tabelle sind einige Beispiele angegeben:

Bezeichnung Formel
Linie
x a a y
1 0
+ =
Parabolische Kurve (Quadrat) 2
2 1 0
x a x a a y + + =
Polynom dritter Ordnung 3
3
2
2 1 0
x a x a x a a y + + + =
Polynom vierter Ordnung 4
4
3
3
2
2 1 0
x a x a x a x a a y + + + + =
Hyperbolische Kurve
x a a
y
1 0
1
+
=
Exponentialkurve x
ab y =
Logistisches Modell
g ab
y
x
+
=
1

Gomperz Modell bx
pq y =
Tab. 11-2: Beispiele linearer Regressionsmodelle

Obwohl einige der Gleichungen auf den ersten Blick nichtlinear erscheinen, kann man durch
eine geeignete Transformation eine äquivalente lineare Beschreibung erreichen. So kann man
die Exponentialkurve auch wie folgt schreiben: x a a b x a y
1 0
) ln( ) ln( ) ln( + = + = oder das
Gomperz Modell x a a q bx p y
1 0
) ln( ) ln( ) ln( + = + = .

Noch einige Bemerkungen zu den Annahmen der linearen Regression. Bei dem hier vorge-
stellten Modell wird davon ausgegangen, daß der Fehlerterm parallel zur y-Achse verläuft. In
Abhängigkeit von der Planung der durchgeführten Stichproben mag diese Annahme zutref-
fend sein oder nicht. Es kann z. B. möglich sein, daß alle Werte zufällig gezogen wurden und
also auch die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens von x Werten mit größerem Abstand zum
Mittelwert immer geringer wird. Genauso können z. B. drei Punkte auf der x-Achse systema-
tisch untersucht worden sein, und die x-Werte streuen um diese drei Punkte. Zusätzlich kön-
nen einzelne Ausreißer sehr großen Einfluß auf die Ermittlung der Regressionsparameter ha-
ben. Ist man sich im unklaren darüber, welchen Einfluß die einzelne Stichprobe auf die Er-
mittlung der Werte besitzt, kann man die Regressionsparameter einmal mit und einmal ohne
die verdächtige Stichprobe ermitteln.

Die Ermittlung solcher Regressionsparameter ist in vielen Programmen enthalten, z.B. in Ex-
cel 95, SPSS 9.0, ESBStats V1.1, XStat, Statistica 5.1, Axum 5.0 etc. Die mehrdimensionalen
Regressionen der Antwort-Fläche erfolgten mit dem Programm APPROX und mit dem Pro-
gramm DataFit.

Die hier vorgestellte Vorgehensweise wurde bei der Erstellung der Antwortfläche als quadra-
tisches Polynom als Abschlußrechnung der Iteration des Antwort-Flächen-Verfahren durch-
geführt.

11.10 Nichtlineare Regression

Bei nichtlinearen Modellen muß der Nutzer immer eine passende Transformation der Daten
finden. Es wäre wünschenswert, unabhängig von der Bedingung der Linearkombination Mo-
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 236
delle zu erstellen. In der Tat existiert ein solches Verfahren. Die zu optimierende Gleichung
wird im Gegensatz zur linearen Regression folgendermaßen geschrieben:
2
1
2
) , (
) (

=
|
|
.
|

\
| −
=
N
i i
i i
x y y
σ
χ
a
a
(11-38)

mit N als Anzahl aller Datenpunkte, x
i
ist der i–te x-Wert, y
i
ist der i–te y-Wert, σ
i
ist die Stan-
dardabweichung am Punkt i und y(x
i
,a) ist die gewählte nichtlineare Regressionsgleichung.
Die Wertung zum Vergleich der Stichproben und der Näherungsgleichung ist die χ
2
-Funk-
tion. Je kleiner der Wert ist, um so besser ist die Übereinstimmung zwischen Modell und
Stichproben.

Die Optimierung der Parameter a wird mittels TAYLORreihe zweiten Grades und der Tangen-
tenmethode durchgeführt. Die mathematische Formulierung für die TAYLORreihe sieht wie
folgt aus:
| | ) (
2 1
1 n n n
a H a a χ ∇ − + =

+

(11-39)
und für die Tangentenmethode:
) (
2
1 n n n
c a a a χ ∇ − =
+

(11-40)
Die erste Ableitung der Optimierungsfunktion sieht wie folgt aus:
k
i
N
i i
i i
k
a
x y x y y
a ∂
∂ −
− =



=
) , ( ) , (
2
1
2
a a
σ
χ
.
(11-41)

Für die Entwicklung der TAYLORreihe wird die HESSEmatrix benötigt. Die HESSEmatrix ist
die Matrix der zweiten Ableitungen und der gemischten Ableitungen. Darum muß die zu op-
timierende Gleichung noch einmal nach jedem Parameter abgeleitet werden:

=

∂ ∂
∂ −





− =
∂ ∂

N
i l k
i
i
i i
l
i
k
i
l k
a a
x y x y y
a
x y
a
x y
a a
1
2
2
2 2
) , ( ) , ( ) , ( ) , (
2
a a a a
σ
χ

(11-42)
Der Gradient-Vektor und die Matrix der Krümmungen ergeben sich zu:
k
i
N
i i
i i
k
k
a
x y x y y
a
G

∂ −
=


− =

=
) , ( ) , (
2
1
1
2
a a
σ
χ

(11-43)

=






∂ ∂

− =
N
i l
i
k
i
l k
kl
a
x y
a
x y
a a
C
1
2 2
) , ( ) , (
2
1 a a χ

(11-44)

Der Term der zweiten Ableitungen in C
kl
wird vernachlässigt, da die Werte sehr klein sind
und zu einer Destabilisierung des Iterationsprozesses infolge Ausreißern führen kann.
k
NP
k
l kl
G a C =

=1
δ , mit NP als Anzahl der Parameter
l l
cG a = δ
(11-45)

Die LEVENBERG–MARQUARDT Methode entwickelt eine neue Matrix, die beide Verfahren
vereinigt, da beide Verfahren Vor- und Nachteile haben. Die neue Matrix lautet:
(1 ) wenn
wenn
ii ii
ij ij
M C i j
M C i j
λ = + = ¦
´
= ≠
¹
.
(11-46)
Damit kann ein lineares Gleichungssystem zur Ermittlung einer Verbesserung des Parameter
a um δa geschrieben werden.
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 237

=
=
NP
k
k l kl
G a M
1
δ
(11-47)


Wenn λ groß ist, ist die Matrix M diagonal dominant, daß heißt das Tangentenverfahren wird
verwendet. Ist λ sehr klein, nähert sich das Verfahren der TAYLORapproximation. Durch die
Änderung von λ kann man die Verfahren innerhalb der Iteration auswählen.

Die Iteration der Regressionsparameter kann man wie folgt zusammenfassen:
1. Ermittle χ
2
(a) mit a als Startwerten, meistens mittels einer linearen Regression geschätzt.
2. Wähle ein λ (z. B. 0,001) und löse das lineare Gleichungssystem für δa
3. Ermittle χ
2
( a + δ a )
4.Wenn χ
2
( a + δ a ) > χ
2
(a) erhöhe λ und gehe zu Punkt 3, ohne a zu aktualisieren,
wenn χ
2
( a + δ a ) < χ
2
(a) verringere λ, aktualisiere a
n+1
=a
n
+δ a und gehe zu Punkt 5
5. Prüfe |χ
2
( a + δ a ) – χ
2
(a)| < Toleranz, wenn nicht erfüllt, gehe zu Punkt 3.

Die Beschreibung basiert auf HYAMS [128]. Für solche Berechnungen stehen verschiedene
Programme zur Verfügung. Als Beispiel seien die Programme DataFit und CurveExpert
Version 1.3 (Shareware) genannt. Beide Verfahren verwenden die LEVENBERG–MARQUARDT
Methode zur Ermittlung der optimalen Parameter der nichtlinearen Regressionsgleichung.
CurveExpert 1.34 stellt 35 Modelle (Stand 18.3.97) und DataFit 1.3 stellt über 30 Modelle zur
Verfügung. Das Programm SPSS 9.0 ermöglicht ebenfalls nichtlineare Regressionen nach
dem gleichen Verfahren.

Auch dieses hier vorgestellte Vorgehensweise wurde bei der Erstellung der Antwortfläche als
quadratisches Polynom als Abschlußrechnung der Iteration des Antwort-Flächen-Verfahren
durchgeführt, allerdings nur bei der Mainbrücke Segnitz.

11.11 Vergleich von erforderlichen Stichproben

Ein Maß für die Präzision bzw. die Menge der Informationen über eine Zufallsvariable kann
nach folgender Formel geschätzt werden,
2
σ
n
I = ,
(11-48)
also mit dem inversen Standardfehler des Mittelwertes. Um die Qualität zweier Stichpro-
benmengen zu vergleichen, gibt es eine Formel zur Ermittlung der relativen Effizienz mit
2
1 1 2
2
2 2 1
) 3 )( 1 (
) 3 )( 1 (
s n n
s n n
RE
+ +
+ +
= .
(11-49)

Ein weitere Variable zur Beschreibung der Informationsmenge ist die sogenannte Entrophie,
auf die hier aber nicht weiter eingegangen wird.

11.12 Statistische Tests

Statistische Tests werden dazu verwendet, Unterschiede zwischen verschiedenen Daten zu
finden. Man kann z. B. untersuchen, ob sich Mittelwerte oder Varianzen im Laufe der Zeit
verändert haben oder ob es signifikante Unterschiede bei der Herstellung von Beton in zwei
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 238
unterschiedlichen Mischstationen gibt. Dazu wird als erstes eine sogenannte Hypothese auf-
gestellt, z.B.: Es gibt keine Unterschiede im Mittelwert. Das wichtigste Werkzeug für solche
Untersuchungen bei nur zwei Daten ist der sogenannte Student–t–Test oder t–Test. Die Test-
statistik wird wie folgt berechnet:
n
S
x
t
u −
=
*
,
(11-50)

das heißt, der Testwert ist die Differenz der Mittelwerte pro Standardfehler. Auf Grund der
Formel wird schon die erste Anforderung des Tests erkennbar: die Varianzen bzw. die Stan-
dardabweichungen der beiden Datengruppen müssen identisch oder zumindest ähnlich sein.
Weiterhin sollte es sich um normalverteilte Daten handeln, und die Stichproben müssen unab-
hängig sein. Der ermittelte t* wird mit einem kritischen Wert verglichen. Dieser kritische
Wert basiert auf der Student-t-Verteilung. Die Werte können der Literatur entnommen werden
[184]. Entsprechend der Freiheitsgrade (n-1) und des Vertrauensbereiches α wird die
Hypothese angenommen oder abgelehnt:
t* > t, es ist ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Mittelwerten
t* < t, es ist kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Mittelwerten.
Der Vertrauensbereich α richtet sich danach, ob ein Test einseitig oder zweiseitig ist. Einen
einseitigen Test verwendet man, wenn man sich z. B. sicher sein kann, daß der eine Mittelwert
nur größer als der andere sein kann. Einen zweiseitigen Test führt man durch, wenn der Mit-
telwert größer oder kleiner als der Vergleichsmittelwert sein kann.

Bevor man also den beschriebenen Test durchführen kann, müssen die Testanforderungen
geprüft werden. Die Prüfung der Verteilungen wurde bereits beschrieben, die Prüfung der
Unabhängigkeit der Stichproben hängt von der jeweiligen Stichprobenentnahme ab. Die Prü-
fung der Konsistenz der Varianzen wird mit dem F-Test durchgeführt:
2
2
2
1 *
S
S
F = ,
(11-51)

wobei S
1
>S
2
gelten muß. Dieser Wert wird mit dem kritischen F-Wert verglichen, der wie-
derum einer Tafel entnommen werden muß [184]. Der kritische Wert hängt nur von den Frei-
heitsgraden der beiden Stichprobengruppen ab (n-1). Es gilt:
F* > F, es existiert ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Varianzen,
F* < F es existiert kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Varianzen.
Gibt der F-Test an, daß es keinen Unterschied zwischen den beiden Varianzen gibt, so kann
man eine sogenannte mittlere Varianz berechnen. Diese mittlere Varianz, die aus den beiden
zahlenmäßig unterschiedlichen beiden Varianzen bestimmt wird, ist notwendig, um den t–
Test durchführen zu können, da der t-Test nur eine Varianz erlaubt. Die gemittelte Varianz
ergibt sich wie folgt:
2
) 1 ( ) 1 (
ˆ
2 1
2
2 2
2
1 1 2
− +
− + −
=
n n
S n S n
S .
(11-52)
Der Standardfehler der beiden Mittelwerte wird zu:
|
|
.
|

\
|
+ =
2 1
2
1 1
ˆ
n n
S S
m
.
(11-53)
Damit kann der t–Test durchgeführt werden:
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 239
|
|
.
|

\
|
− +
− + − +

=
2
) 1 ( ) 1 (
2 1
2
2 2
2
1 1
2 1
2 1
2 1 *
n n
S n S n
n n
n n
x x
t .
(11-54)
Die Anzahl der Freiheitsgrade wird zu df = n
1
+ n
2
- 2.

Ergibt der F–Test unterschiedliche Varianzen, kann man modifizierte Formen des t-Tests
anwenden. Eine Möglichkeit ist z.B. SATTERTHWAITS’s modifizierter t–Test. Der Test wird
wie folgt durchgeführt:

2
2
2
1
2
1
2 1 *
n
S
n
S
x x
t
+

=
(11-55)

und die Ermittlung der Freiheitsgrade für die Ablesung des kritischen Wertes wird den unglei-
chen Varianzen angepaßt:
1 1
2
2
2
2
2
1
2
1
2
1
2
2
2
1
2
1

|
|
.
|

\
|
+

|
|
.
|

\
|
+
=
n
n
S
n
n
S
n
S
n
S
df .
(11-56)
Bei COCHRAN’s Näherung des BEHRENS–FISHER t-Test wird der t* Wert genauso wie bei
SATTERTHWAITS’s Verfahren ermittelt. Auch bei diesem Verfahren erfolgt eine Anpassung
der Freiheitsgrade. Der kritische t Wert wird wie folgt ermittelt:
2
2
2
1
2
1
2
2
2
2
1
1
2
1
n
S
n
S
t
n
S
t
n
S
t
+
+
= ,
(11-57)
wobei t
1
und t
2
den t Tafeln entnommen werden müssen (mit jeweils n
1
-1 bzw. n
2
-2 Freiheits-
graden).

Der Paired t-Test wird verwendet, wenn die Stichproben bzw. Daten nicht unabhängig von-
einander sind. Dieser Test ist eine Variation des t-Test. Anstelle des Vergleiches der Daten
wird die Differenz der Daten verglichen. Bei jahreszeitabhängigen Daten kann die Differenz
ein völlig anderes Verhalten zeigen, als die ursprünglichen Daten. Die Nachweisformel kann
wie folgt geschrieben werden:
n
S
D
t
D
D
u −
=
*
.
(11-58)

Von den hier vorgestellten Test sind die meisten in zahlreichen Statistikprogrammen zu fin-
den. Aber auch das Standard–Tabellenkalkulationsprogramm Excel 97 bietet mehrere Tests
an, darunter befinden sich die folgenden statistischen Tests.

Name des Tests in Excel, Extras, Analyse–Funktionen Name des Tests
Zweistichproben t–Test: gleiche Varianzen t–Test
Zweistichproben t–Test: unterschiedlicher Varianzen entspricht SATTERTHWAITS’s modifiziertem t–Test
Zweistichproben t–Test: abhängige Stichproben Paired t–Test
Zweistichproben F–Test: gleiche Varianzen Vergleich von Varianzen
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 240
Die Analyse der Varianzen (ANOVA) erlaubt den Vergleich von mehreren Stichprobengrup-
pen. In vielen Fällen vergleicht man es nicht nur zwei Stichprobengruppen, sondern mehrere
Gruppen. Um einen solchen Vergleich durchführen zu können, wird die Bedingung ver-
gleichbarer Varianzen der Stichprobengruppen gestellt. Kleine Abweichungen der Varianz
nennt man ein Verhältnis von maximaler zu minimaler Varianz kleiner 4. Mittleren Abwei-
chungen verursachen einen wahrnehmbaren Fehler und liegen im Bereich von 4 bis 10. Bei
einem Verhältnis zwischen größter und kleinster Varianz größer 10 können solche Vergleiche
nicht mehr durchgeführt werden [184].

Eine erste Möglichkeit des Vergleiches der Varianzen der Gruppen besteht in der Verwen-
dung des Boxdiagrammes. Einen numerischen Vergleich erlaubt LEVENE’s Test. Allerdings
sind in letzter Zeit Kritiken an LEVENE’s Test laut geworden, die darauf hinweisen, daß dieser
Test selbst eine Homogenität der Varianz benötigen. Diese Umstand wird teilweise als „fatal
flaw“ bezeichnet [281].

Die bisher vorgestellten Test basieren auf Annahmen, die in realistischen Situationen nur
schwer prüfbar sind. Deshalb wurden Verfahren entwickelt, die mit Mindestanforderungen an
die Daten auskommen. Diese Verfahren, die meistens auf dem Ranking der Daten basieren,
werden nichtparametrische Tests genannt. Teilweise wurde bereits bei der Abschätzung von
Fraktilwerten darauf eingegangen.

11.13 Stochastische Felder

Stochastische Felder sind als Erweiterung der stochastischen Reihen in den mehrdimensiona-
len Bereich von VANMARCKE entwickelt worden. Stochastische Felder berücksichtigen den
Effekt, daß bestimmte Eigenschaften in der näheren räumlichen Umgebung größere Überein-
stimmungen untereinander aufweisen, als weiter entfernte. Sie werden heute häufig im Be-
reich der Geotechnik verwendet (beispielhaft genannt seien MRABET [196], LEPETIT, BAC-
CONNET, BOISSIER & GOURVÈS [166], CAFARO, CHERUBINI & COTECCHIA [36]), oder auch bei
Nachweisen der Dauerhaftigkeit von Beton bei Chlorangriff KARIMI & RAMACHANDRAN
[141]. Die Anwendung wäre auch in dieser Untersuchung für die Steineigenschaften möglich
gewesen. VANMARCKE führte neben dem Mittelwert und der Standardabweichung noch die
sogenannte Fluktuation ein. Dieser Parameter beschreibt die Länge, über die noch eine starke
Korrelation einer Eigenschaft erkennbar ist. Abb. 11-6 zeigt ein Beispiel für zwei stochasti-
sche Reihen mit gleichem Mittelwert und gleicher Varianz, aber unterschiedlichen Fluktua-
tionen. Das heißt, im linken Bild ist eine starke Korrelation über eine größere Länge vorhan-
den.

0
1
2
3
4
5
6
7
8
1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 29
Tiefe in [m]
F
e
s
t
i
g
k
e
i
t

i
n

[
M
P
a
]
-
-
0
1
2
3
4
5
6
7
8
0,5 4,5 8,5 12,5 16,5 20,5 24,5 28,5
Tiefe in [m]
F
e
s
t
i
g
k
e
i
t

i
n

[
M
P
a
]
-
-
Abb. 11-6: Stochastische Prozesse mit unterschiedlichen Fluktuationen
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 241
11.14 Bootstrap Methode

Möchte man die Ungenauigkeit der Parameter einer Zufallsgröße, z.B. Mittelwert, Standard-
abweichung etc. näher prüfen, kann man ein sogenanntes Resampling durchführen. Damit
kann man eine statistische Aussage über den Parameter erhalten, ohne daß man weitere Ver-
suche durchführen muß. Die Grundidee dabei ist, die vorhandenen Stichproben als Grundge-
samtheit zu betrachten und aus diesen Stichproben wieder Stichproben zu ziehen. Anhand der
gezogenen Stichproben kann man die statistischen Parameter erneut ermitteln. EFRON, der
dieses Verfahren entwickelt hat, konnte zeigen, daß man unter bestimmten Bedingungen mit
diesem Verfahren gute Schätzungen der Parameter erhalten kann.

Bootstrap Methoden sind z. B. in WinStat, Modern Industrial Statistik 1.0 und in Statistica 5.0
enthalten.

Ein einfaches Makro unter Excel erlaubt die Ausführung des Bootstrapes des Mittelwertes
und der Standardabweichung. Die statistischen Parameter kann man beliebig verändern. So
kann man z. B. den 5 %-Fraktilwert der Stichproben bootstrapen und eine Aussage über die
Sicherheit bei der Ermittlung dieses Fraktilwertes erhalten. Das vorgestellte Makro schätzt
das 5 %-Fraktil unter der Annahme einer normalverteilten Größe! In Spalte A stehen von
Zeile 1 bis Zeile 50 die vorhandenen Stichproben.

Sub Bootstrap()
'
' Makro zum Bootstrapen von Stichproben
' Es wird der Mittelwert, die Standardabweichung und das
' 5% Fraktil ausgehend von einer Normalverteilung berechnet.
' x5%=xmittel-1,645*Standabw
' Das Datenblatt muss Tabelle1 heissen,
' die Zufallsgroessen gehen von Feld A1 bis Feld A50.
' Eine Anpassung kann im Macro erfolgen.
' Es werden 1000 Wiederholungen vorgenommen.
' Makro am 1/3/00 von Dirk aufgezeichnet
'

Dim X1(50) As Variant
Dim Bmean(1000) As Variant
Dim Bstand(1000) As Variant
Dim Bfuenf(1000) As Variant
Dim N1 As Integer
Dim NS As Integer
Dim Sum As Variant
Dim quersum As Variant
Dim help1 As Variant
Dim help2 As Variant
Dim help3 As Variant
Dim y1 As Variant

Randomize
'
For l = 1 To 50
X1(l) = Worksheets("Tabelle1").Cells(l, 1).Value
Next l

N1 = 50 'Anzahl der Stichproben
NS = 1000 'Anzahl des Resamplings
'Bei Veraenderung bitte Feldgroesse anpassen
For j = 1 To NS
Sum = 0
quersum = 0
For i = 1 To N1
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 242
help1 = Int(N1 * Rnd) + 1 'Zeiger fuer die gewaehlte Stichprobe
If help1 > N1 Then help1 = N1
y1 = X1(help1)
Sum = Sum + y1 'Summe de Stichproben
quersum = quersum + y1 * y1 'Summe der Quadrate der Stichproben
Next i
help2 = Sum / N1 'Mittelwert
help3 = (N1 * quersum - Sum * Sum) / (N1 * N1 - N1) 'Varianz fuer Stichproben
Bmean(j) = help2 'Mittelwert
Bstand(j) = Sqr(help3) 'Standardabweichung fuer Stichproben
Bfuenf(j) = help2 - 1.645 * Sqr(help3) 'Ermittlung eines 5% Fraktilwertes
'unter Annahme einer Gaussnormalverteilung!

Next j
For k = 1 To NS
Worksheets("Tabelle1").Cells(k, 2).Value = Bmean(k)
Worksheets("Tabelle1").Cells(k, 3).Value = Bstand(k)
Worksheets("Tabelle1").Cells(k, 4).Value = Bfuenf(k)
Next k

End Sub

Man kann z.B. auch Korrelationskoeffizienten bootstrapen. Die Beispiele machen deutlich,
daß Bootstrapen eine Kontrolle zu den Vertrauensbereichen der jeweiligen statistischen Pa-
rameter darstellt. Dadurch ist es möglich, den Vertrauensbereich und die Ergebnisse aus dem
Bootstrapen miteinander zu vergleichen, da das Bootstrapen eine Verteilung für die jeweilige
statistische Größe liefert.

Der Begriff Bootstrap-Verfahren stammt von dem englischen Satz: “pull yourself up by your
own bootstraps”.

11.15 Quasi Zufallszahlen

Die Auswirkungen des Einsatzes von Quasi-Zufallszahlen werden an drei Beispielen demon-
striert. Alle Berechnungen wurden in ANSYS durchgeführt. Die Monte-Carlo-Simulation und
die Verteilungen wurden mittels der ANSYS Parametric Design Language realisiert. Die Be-
fehlssequenz für die Erstellung der Quasi-Zufallszahlen findet sich in diesem Anhang. Als
erstes Beispiel wird ein analytisch lösbares Problem gewählt. Dabei werden drei normalver-
teilte Größen verwendet. Die Grenzzustandsgleichung lautet g(X)= 0 = X
1
-X
2
-X
3
. Die statisti-
schen Parameter können Tab. 11-3 entnommen werden. Die theoretische Lösung erhält man
aus:

1 1 1 1 2 3
2 2 2 2 2 2
1 2 3
8 3 0, 3
(1, 652) 0, 0492
2 2 0, 3
f
m m m
P
− − −
| | | |
− − − −
| | = Φ = Φ = Φ =
| |
σ + σ + σ + +
\ . \ .

Das Konvergenzverhalten des Beispieles 1 ist in Abb. 11-7 dargestellt.

Im zweiten Beispiel wird eine Schubwand aus Beton mit nichtlinearem Materialverhalten
(WILLAM-WARNKE [325]) in ANSYS modelliert. Die einwirkende Horizontalkraft, die maxi-
male Zugspannung des Betons und die Auflast sind streuende Größen. Die Wand hat eine
Länge von 10 m, eine Breite von 3 m und eine Höhe von 6 m. Die Lagerungsbedingungen
sind in Abb. 11-8 angegeben. Die statistischen Parameter lauten wie im Beispiel 1:

Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 243

Verteilung Mittelwert Standardabweichung
Horizontalkraft Normalverteilung 8 MN 2 MN
Zugfestigkeit Normalverteilung 3 MPa 2 MPa
Auflast Normalverteilung 0,3 MPa 0,3 MPa
Tab. 11-3: Eingangsgrößen für Beispiel 1 und 2 (für Beispiel 1 ohne Einheiten)

0,03
0,04
0,05
0,06
0,07
0,08
0,09
100 400 700 1000 4000 7000 10000
Stichprobenumfang
V
e
r
s
a
g
e
n
s
w
a
h
r
s
c
h
e
i
n
l
i
c
h
k
e
i
t
Quasi-Zufallszahlen
Pseudo-Zufallszahlen
Lösung
Abb. 11-7: Ergebnisse der Monte-Carlo-Simulation mit Pseudo- und Quasi-Zufallszahlen für
das Beispiel 1
Abb. 11-8: Beispiel 2, Schubwand Abb. 11-9: Beispiel 3, Schubdübel
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 244
0,35
0,37
0,39
0,41
0,43
0,45
0,47
0,49
100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000
Stichprobenumfang
V
e
r
s
a
g
e
n
s
w
a
h
r
s
c
h
e
i
n
l
i
c
h
k
e
i
t
Pseudo-Zufallszahlen
Quasi-
Zufallszahlen
Abb. 11-10: Ergebnisse der Monte-Carlo-Simulation mit Pseudo- und Quasi-Zufallszahlen für
das Beispiel 2


In Abb. 11-10 ist das Iterationsverhalten der Monte-Carlo-Simulation für Beispiel 2 unter
Verwendung verschiedener Zufallszahlen dargestellt. Deutlich erkennbar ist wiederum das
konsistentere Verhalten der stochastischen Simulation mit Quasi-Zufallszahlen. Die anhand
einer Monte-Carlo-Simulation mit Quasi-Zufallszahlen gewonnene genaue Lösung beträgt
etwa P
f
= 0,425.

Als letztes Beispiel wird ein sehr komplexes Modell einer Lasteinleitung oberflächenparalle-
ler Kräfte in Beton verwendet. Die Lastabtragung eines derartigen Bauteiles (Schubdübel)
hängt im wesentlichen von der Ausbildung mehraxialer räumlicher Spannungszustände ab.
Um das Tragverhalten des Schubdübels unter hohen Lasten realitätsnah zu simulieren, wurde
das Stoffgesetz von OTTOSEN (MICHLER [190]) für Beton in ANSYS integriert. Das Modell
wird ausführlich in MICHLER [190] erläutert und ist in Abb. 11-9 dargestellt. Auch für dieses
Modell soll die Versagenswahrscheinlichkeit ermittelt werden. Als streuende Größen werden
die Horizontallast, die Betondruck-, die Betonzugfestigkeit und der E-Modul gewählt. Die
geometrischen Größen seien konstant. Korrelationen zwischen den einzelnen streuenden Grö-
ßen sind möglich, wurden aber im Rahmen dieser Berechnungen nicht berücksichtigt. Eine
einzelne Lösung des Modells erfordert auf einer IBM-Workstation RS/6000 mit Power III
Prozessor und 2 Gb Hauptspeicher ca. 2,0 - 2,5 Stunden Rechenzeit.

Die probabilistische Rechnung erfolgte mit drei Methoden: Antwort-Flächen-Verfahren in
Verbindung mit FORM (First Order Reliablity Method) und SORM (Second Order Reliability
Method), Monte-Carlo-Simulation mit Quasi-Zufallszahlen und mit Pseudo-Zufallszahlen.
Die Lösung mittels des Antwort-Flächen-Verfahrens lag bei ca. 21 Rechnungen zwischen
P
f
= 0,02 und 0,08. Die Lösung der Monte-Carlo-Simulation unter Verwendung von Quasi-
Zufallszahlen mit 100 Rechnungen lag bei P
f
= 0,055 und die klassische Monte-Carlo-Simu-
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 245
lation lag bei P
f
= 0,04. Der große Fehler des Antwort-Flächen-Verfahrens beruht auf der
komplizierten unstetigen Form der Antwort-Fläche.

Weitere umfangreiche Modelle und Beispielrechnungen mit bis zu 20 Variablen und ver-
schiedenen Wahrscheinlichkeitsverteilungen finden sich in FLEDERER [90]. Allerdings wur-
den die Simulationen dort nicht mit ANSYS berechnet.

Dimension 1 2 3
Anzahl
1 0.9876544 0.7654321 0.2098766
2 0.0041152 0.4609054 0.5843621
3 0.3374486 0.7942387 0.9176955
4 0.6707820 0.1275720 0.2510288
5 0.1152263 0.9053499 0.0288066
6 0.4485597 0.2386831 0.3621399
7 0.7818930 0.5720165 0.6954733
8 0.2263375 0.0164609 0.8065844
9 0.5596708 0.3497942 0.1399177
10 0.8930042 0.6831276 0.4732511
11 0.0411523 0.7201646 0.7325103
12 0.3744856 0.0534980 0.0658436
13 0.7078189 0.3868313 0.3991770
14 0.1522634 0.1646091 0.5102881
15 0.4855967 0.4979424 0.8436214
16 0.8189301 0.8312757 0.1769547
17 0.2633745 0.6090535 0.2880659
18 0.5967078 0.9423869 0.6213992
19 0.9300412 0.2757202 0.9547325
20 0.0781893 0.3127572 0.2139918

Tab. 11-4: Beispiele von FAURE-Zahlen für 3 Dimensionen (gerundet)

ATMOST=10
*DIM,PRIMES,ARRAY,40
PRIMES(1) = 1, 2, 3, 5, 5, 7, 7,11,11,11
PRIMES(11)=11,13,13,17,17,17,17,19,19,23
PRIMES(21)=23,23,23,29,29,29,29,29,29,31
PRIMES(31)=31,37,37,37,37,37,37,41,41,41
*ASK,DIMEN, GEBEN SIE EINE DIMENSION EIN, 3
*IF,DIMEN,LT,1,THEN
*MSG,NOTE,DIMEN
DIESER WERT IST NICHT ZULÄSSIG < 1
*ASK,DIMEN, GEBEN SIE EINE DIMENSION EIN, 3
*ELSEIF,DIMEN,GT,40,THEN
*MSG,NOTE,DIMEN
DIESER WERT IST NICHT ZULAESSIG > 40
*ASK,DIMEN, GEBEN SIE EINE DIMENSION EIN, 3
*ENDIF

*ASK,NUMB, GEBEN SIE DIE ANZAHL EIN, 3
*IF,NUMB,LT,1,THEN
*MSG,NOTE,DIMEN
DIESER WERT IST NICHT ZULÄSSIG < 1
*ASK,NUMB, GEBEN SIE EINE DIMENSION EIN, 3
*ELSEIF,NUMB,GT,10000,THEN
*MSG,NOTE,DIMEN
DIESER WERT IST NICHT ZULAESSIG > 10000
*ASK,NUMB, GEBEN SIE EINE DIMENSION EIN, 3
*ENDIF

QS=PRIMES(DIMEN)
TESTN=QS**4
HISUM=NINT(LOG(ATMOST+TESTN)/LOG(QS))

*IF,HISUM,LE,40,THEN
*MSG,NOTE,HISUM
Anhang C: Beschreibende Statistik
Seite 246
DER WERT VON HISUM IST NICHT ZULAESSIG!
*ENDIF
*DIM,COEF,ARRAY,20,20
COEF(1,1)=1
*DO,I,1,HISUM
COEF(I+1,1)=1
COEF(I+1,I+1)=1
*ENDDO
*DO,J,1,HISUM
*DO,I,J+1,HISUM
COEF(I+1,J+1)=MOD(COEF(I,J+1)+COEF(I,J),QS)
*ENDDO
*ENDDO
NEXTN=TESTN-1
HISUM=3
RQS=1.0/QS

! **********************************************************************
*DIM,YTEMP,ARRAY,21
*DIM,QUASI,ARRAY,40 ! Quasi-Zufallszahl (ZZ) maximal 40 Dimensionen
*DIM,COFL,ARRAY,40
*DIM,QNUMB,ARRAY,40,10000 ! Alle Quasi ZZ maximal 40 Dimensionen, 10000 Zahlen

*DO,S,1,NUMB ! Schleife der Zahlen
KTEMP=TESTN
LTEMP=NEXTN
*DO,I,HISUM,0,-1
KTEMP=KTEMP/QS
MTEMP=MOD(LTEMP,KTEMP)
YTEMP(I+1)=(LTEMP-MTEMP)/KTEMP
LTEMP=MTEMP
*ENDDO
R=YTEMP(HISUM+1)
*DO,I,HISUM-1,0,-1
R=YTEMP(I+1)+RQS*R
*ENDDO
QUASI(1)=R*RQS
IS=0
*DO,K,2,DIMEN ! Schleife der Dimensionen
QUASI(K)=0.0
R=RQS
*DO,J,0,HISUM
ZTEMP=0
*DO,I,J,HISUM
ZTEMP=ZTEMP+COEF(I+1,J+1)*YTEMP(I+1)
*ENDDO
YTEMP(J+1)=MOD(ZTEMP,QS)
QUASI(K)=QUASI(K)+YTEMP(J+1)*R ! Quasi-ZZ fuer diesen Satz
R=R*RQS
*ENDDO
*ENDDO
NEXTN=NEXTN+1
*IF,NEXTN,EQ,TESTN,THEN
TESTN=TESTN*QS
HISUM=HISUM+1
*ENDIF
*DO,I,1,DIMEN
QNUMB(I,S)=QUASI(I)
*ENDDO
*ENDDO

Tab. 11-5: Listing zur Erstellung von Quasi-Zufallszahlen in ANSYS


Anhang D: Prüfung der Verfahren
Seite 247
12 Anhang D: Prüfung der Verfahren

In Tab. 12-1 sind einige aus der Literatur bekannte Beispiele mit den in der Arbeit vorge-
stellten probabilistischen und programmtechnisch umgesetzten Verfahren nachgerechnet.

Die maximale Iterationsanzahl ist auf 2500 für den FORM Algorithmus beschränkt, Die Im-
portance Sampling Monte-Carlo-Simulation besitzt einen Stichprobenumfang von 1000,

Folgende Möglichkeiten bei Iterationsproblemen wurden verwendet:
• Iterationsgrenze ändern
• Iterationsanzahl ändern
• Konvergenzfaktor ändern
• Mathematische Beschränkungen einführen oder außer Kraft setzen
• Module ausschalten
• Einheiten ändern
• Startwerte ändern
• Ableitungsabstand ändern.

Außerdem sind einige Beispiele der Näherung einer analytisch nicht geschlossen vorhandenen
Grenzzustandsfunktion mit dem Programm APPROX in Tab. 12-2 beigefügt. Auf Grund der
dort erkennbaren Schwierigkeiten wurden die Beispiele vertieft.

Es ist zu beachten, daß die Funktionen, die mit dem Programm APPROX ermittelt wurden,
bei jeder Rechnung anders sind. Damit ist die Aussage von Nachrechnungen eingeschränkt!
Weiterhin sind die Parameter der Erstellung der Funktion zu beachten, das insbesondere in
den Bildern Abb. 12-1 und Abb. 12-2.

Abb. 12-1: Beispiele der Näherung von Funktionen mit Hilfe des Programmes APPROX
Vergleicht man in diesen Bildern die vorhandene mit der durch das Programm geschätzten
Grenzzustandsgleichungen, kommt man zu der Aussage, daß auch die genetische Optimie-
rung nur einen mangelhaften Ersatz liefern kann. Durch etwas Übung kann man allerdings die
Qualität der Ergebnisse deutlich steigern.


Anhang D: Prüfung der Verfahren
Seite 248

Mittel- Standard-
# Quelle Grenzzustands-
funktion
Typ wert abweichung X
0
Wert β
RF
/P
f
β
BR
/P
f
β
N1
/P
f
β
N3
/P
f
β
CAI
/P
f
β
MC
/P
f

1 [273] X1-2/2,14*X2 2 26,5 2,5 16 2,858 2,84225 2,85758 2,85905 2,85916 2,85917 2,8716
4 18 2 0,00213100 0,00224 0,00214 0,00213 0,00213 0,00213 0,00204
2 [265] 1-X1**2-X2 1 0,1 0,1 4,657 4,65787 4,59618 4,61425 4,5972 4,59714 4,58557
1 0,05 0,2 0,00000160 0,0000016 0,0000022 0,0000020 0,0000021 0,0000021 0,0000023
3 [265] 1-X1**2+X2 1 0,1 0,1 5,150 5,14804 5,15394 5,1783 5,15752 5,15749 5,30628
1 0,05 0,2 0,00000013 0,0000001 0,0000001 0,0000001 0,0000001 0,0000001 0,0000001
4 [240] 0,01846154- 1 0,001 0,0002 2,330 2,34116 2,34054 2,33762 2,33759 2,34419 2,34116
0,07476923*X1/X2^3 1 0,25 0,0375 0,00969700 0,00962 0,00964 0,00971 0,00972 0,00955 0,00962
5 [80] X1*X2-146,14 1 78064,4 11709,7 4,677 4,80916 4,68895 4,74681 4,7076 4,70738 4,8765
1 0,0104 0,00156 0,00000145 0,0000008 0,0000014 0,0000010 0,0000013 0,0000013 0,0000005
6 [183] X1-X2/X3 1 600 30 2,270 2,2697 2,25803 2,2571 2,25622 2,25624 2,25357
1 1000 33 0,01161256 0,01161 0,01199 0,01201 0,01204 0,01204 0,01213
1 2 0,1
7 [183] 570-X1/X2 1 1000 33 2,126 2,12561 2,10438 2,10275 2,10088 2,10086 2,12884
1 2 0,1 0,01676781 0,01677 0,01769 0,01776 0,01785 0,01785 0,01665
8 [183] X1-X2 1 1200 33 2,988 2,988 3,19137 3,20123 3,20589 5,99744 2,98266
9 1000 50 900 0,00140458 0,0014 0,00071 0,00068 0,00067 0 0,00143
9 [183] X1-X2*X3/X4 1 33000 1000 3,494 3,48853 3,48946 3,48964 3,48947 3,48951 3,49233
1 50 2 0,00023814 0,00024 0,00024 0,00024 0,00024 0,00024 0,00024
1 1000 33
1 2 0,1
10 [191] -738,656*X1+X2 1 200 30 4,070 4,06959 4,06948 4,06948 4,06948 4,06948 4,06266
1 288000 26400 0,00002352 0,00002 0,00002 0,00002 0,00002 0,00002 0,00002
11 [191] -738,656*X1+X2 6 200 30 0 2,980 2,97999 2,9939 2,99514 2,99522 2,99523 2,99709
2 288000 26400 199000 0,00144131 0,00144 0,00138 0,00137 0,00137 0,00137 0,00136
12 [13] X1-X2 3 16 2,4 2,753 2,72707 2,75071 2,7531 2,75335 2,75339 2,76076
1 8 2 0,00296000 0,0032 0,00298 0,00296 0,00295 0,00295 0,00289
13 [13] X1-X2 3 16 2,4 2,382 2,38614 2,38283 2,38237 2,3823 2,3823 2,39788
4 8 2 0,00863000 0,00851 0,0086 0,00861 0,00861 0,00861 0,00825
14 [13] X1-X2 3 16 2,4 2,562 2,55198 2,5617 2,56282 2,56287 2,56287 2,57216
11 8 2 0,00521000 0,00536 0,00521 0,0052 0,0052 0,0052 0,00506
15 [13] X1-X2 3 16 2,4 2,263 2,28187 2,26625 2,265 2,2639 2,2639 2,31243
6 8 2 0 0,01182000 0,01125 0,01173 0,01177 0,0118 0,0118 0,01039
Tab. 12-1: Einige Rechenbeispiele mit den vorgestellten probabilistischen Verfahren (Verteilungstypen siehe Tabelle 12–3)


Anhang D: Prüfung der Verfahren
Seite 249
# Quelle Grenzzustandsfunktion APPROX (SCHULZE) Fehlersummen-
quadrat
Anzahl der Funktions-
aufrufe
subjektiv eingeschätzte
Qualität
1 [273] X1-2/2,14*X2 1,0*X1-0,93458 *X2 0 100 1
2 [265] 1-X1^2-X2 0,87-100,0*X1^2*X2+1,2*X1 0,9025 5 3
3 [265] 1-X1^2+X2 0,983+2.667*X1^2-10.0*X1*X2 0,9025 5 3
4 [240] 0,01846154-0,07476923*X1/X2^3 -74,605*X1^2+1566411,9*X1^3*X2^3+0,01689*X2^3 0 5 3
5 [80] X1*X2-146,14 -146,137+1,0*X1^1*X2^1-0,009*X1^1*X2^4+600,38*X2^4 0,00133 37 1
6 [183] X1-X2/X3 1,002*X1^1-41,77*X1^1*X2^-1*X3^-2+50,96*X1^2*X2^-2*X3^-1- 59,6971 39 4
-1,034*X2^1*X3^-1+0,014*X1^-1*X2^2*X3^-1+0,016*X2^1*X3^-2
7 [183] 570-X1/X2 570,44-1.0*X1^1*X2^-1 148,46 40 1
8 [183] X1-X2 -0,99*X2^1+0,99*X1^1 0,00007 7 1
9 [183] X1-X2*X3/X4 -0,006*X1^1*X2^1*X4^-1+20,55*X1^1*X2^1*X3^-1+ 0,00378 5 4
-0,86*X2^1*X3^1*X4^-1+15,04*X1^1*X3^-1*X4^1
10 [191] -738,656*X1+X2 1,0*X1^0*X2^1-738,65*X1^1 131 40 1
11 [191] -738,656*X1+X2 1,0*X1^0*X2^1-738,65*X1^1 0 10 1
12 [13] X1-X2 1,0*X1^1-1,0*X2^1 0 36 1
13 [13] X1-X2 1,0*X1^1-1,0*X2^1 0 39 1
14 [13] X1-X2 -0,99*X2^1-0,0015+1,0*X1^1 0,00038 23 1
15 [13] X1-X2 0,0024*X1^3-0,027*X2^2 0 3 5
Tab. 12-2: Einige Rechenbeispiele mit dem genetischen Algorithmus zur Approximation der Antwort-Fläche

Sicherheitsindex/
Versagenswahr-
scheinlichkeit
Methode Typ Verteilung
β
RF
/P
f
Rachwitz-Fießler (FORM) 1 Gaußnormal
β
BR
/P
f
Breitung (SORM) 2 Log-normal (2 Parameters)
β
N1
/P
f
H.U. Köylüoglu & S.R.K. Nielsen (I) 3 Log-normal (3 Parameter)
β
N3
/P
f
H.U. Köylüoglu & S.R.K. Nielsen (III) 4 Extreme Type I highest value
β
CAI
/P
f
G.Q. Cai & I. Elishakoff 6 Extreme Type II highest value
β
MC
/P
f
Importance Sampling MCS 9 Extreme Type III lowest value

11 Gamma (2 Parameters)
Tab. 12-3: Schlüssel zu den Tabellen Tab. 12-1 und Tab. 12-2



Anhang D: Prüfung der Verfahren
Seite 250
Beispiel Formel
1

# sum of squares: 0.00000
p ( x1, x2 ) = \
-0.93458 * x1**0 * x2**1 + \
1.00000 * x1**1 * x2**0

2

# sum of squares: 0.90250
p ( x1, x2 ) = \
0.87000 * x1**0 * x2**0 + \
-100.00000 * x1**2 * x2**1 + \
1.20000 * x1**1 * x2**0
3

# sum of squares: 0.90250
p ( x1, x2 ) = \
0.98333 * x1**0 * x2**0 + \
2.66667 * x1**2 * x2**0 + \
-10.00000 * x1**1 * x2**1
4

# sum of squares: 0.00000
p ( x1, x2 ) = \
-74.60534 * x1**2 * x2**0 + \
1566411.90070 * x1**3 * x2**3 + \
0.01689 * x1**0 * x2**3
15

# sum of squares: 0.00000
p ( x1, x2 ) = \
0.00235 * x1**3 * x2**0 + \
-0.02668 * x1**0 * x2**2 + \

Abb. 12-2: Beispiele der Näherung von Funktionen mit Hilfe des Programmes APPROX
Anhang D: Prüfung der Verfahren
Seite 251

Vor der Integration des quadratischen Antwort-Flächen-Verfahres war versucht worden, mit
dem Verfahren von MAYMON [183] zu rechnen. Mit der dort vorgestellten Idee kann man z.B.
relativ schnell das in Abb. 12-3 dargestellte Problem mit dem FEM-Programm ANSYS lösen.
Es handelt sich hierbei allerdings um eine sehr einfache Aufgabe. Bei diesem Verfahren
werden die in ANSYS integrierten Optimierungsroutinen zur Erstellung der Antwort-Fläche
genutzt.

a=1,25 cm
T35 Profil mit W=1,25 cm
F
3

Statisches System des Beispiels


Statistische Eigenschaften der Eingangsgrößen

W
e
r
t

d
e
r

V
a
r
i
a
b
l
e
n
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
0 5 10 15 20 25
Iteration Nr.

Iteration zur Bestimmung der Bemessungswerte
der Eingangsgrößen in ANSYS
/BATCH,LIST
/FILNAM,versuch1
PI=3.141592653
X=1200. ! Startwert der Basisvariablen
1 entspricht Mittelwert
XM=1200. ! Mittelwert der Basisvaria-
blen 1
XSIG=33. ! Standardabweichung der Ba-
sisvariablen 1
Y=1000. ! Startwert der Basisvariablen
2 entspricht Mittelwert
Y0=900. ! Unterer Grenzwert der
Verteilung der Basisvariablen 2
YM=1000. ! Mittelwert der Basisvaria-
blen 2
BETA=2.1013491 ! im Text Kappa genannt
SIGMA=4.8587E-5 ! im Text Lamda genannt

/PREP7
/TITLE, Beispiel1
FINISH
! Normalverteilung fuer Variable 1
P1=1/(SQRT(2*PI)*XSIG)*EXP(-1/2*((Y-
XM)/XSIG)**2)
! Weibullverteilung fuer Variable 2
P2=BETA*SIGMA*(Y-Y0)**(BETA-1)*EXP(-
SIGMA*(Y-Y0)**BETA)
P=10-P1*P2
/OPT
OPANL,versuch1,lgw
OPVAR,X,DV,10.,5000.
OPVAR,Y,DV,10.,5000.
OPVAR,P,OBJ,,,.000001
OPSAVE,versuchvar,opt
OPTYPE,SUBP
OPSUBP,15
OPPRNT,ON
OPEXE,OPLIST,ALL,,1
FINISH

Befehlstext unter ANSYS 5.1 für die
Optimierungsroutine
Abb. 12-3: Beispiel 8 aus Tabelle 12–1 mit dem Verfahren von MAYMON

Die hier genannten Beispiele wurden ebenfalls in ANSYS mit dem eingebauten quadratischen
Antwort-Flächen-Verfahren gerechnet. Die Iteration des Sicherheitsindex für Beispiel 1 ist im
folgenden angegeben.

3.296693
2.968085
2.873106
2.851234
2.846045
2.844751
2.844409
2.844312
2.844282

Anhang D: Prüfung der Verfahren
Seite 252
Insgesamt zeigte das quadratische Antwort-Flächen-Verfahren relativ gute Ergebnisse. Pro-
bleme traten bei der Rechnung des Pfeilers III der Mainbrücke Lohr mit und ohne Spreng-
kammer auf. Bei zahlreichen Rechnungen der Schubspannungsnachweise dieses Pfeilers ohne
Sprengkammer ergab sich ein Sicherheitsindex von ca. 4,2. Erst Nachrechnungen mit verän-
derten Startwerten erbrachten den jetzt angegebenen Sicherheitsindex von ca. 3,5.



Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 253
13 Anhang E: Beispiele der Berechnung der Brücken

Im Anhang E finden sich Beispiele der probabilistischen Berechnungen der Alten Mainbrücke
Lohr und der Mainbrücke Segnitz unter Verwendung der vorgestellten FE-Modelle und der
probabilistischen Verfahren. Die Beispiele dienen zur Veranschaulichung des Berechnungs-
ablaufes. Die Antwort-Flächen-Iterationen sind nur auszugsweise dargestellt.

Mainbrücke Segnitz Rechnung I. Pfeiler wird Frontal getroffen, Pfeiler ist ungeschädigt.

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1 Normalverteilung
X = 3.042688132951550 Bemessungswert der Anprallhöhe
XM = 3.000000000000000 Mittelwert der Anprallhöhe
SIGM= 0.500000000000000 Standardabweichung der Anprallhöhe (wie bei Lohr)
ALPHA= 0.083831662775090 Wichtungsfaktor
TYP = 1 Normalverteilung
X = 7.150136338414310 Bemessungswert der Anprallhöhe
XM = 7.150000000000000 Mittelwert der Mauerwerksdruckfestigkeit
SIGM= 0.715000000000000 Standardabweichung der Mauerwerksdruckfestigkeit
ALPHA= 1.872329816266340D-004 Wichtungsfaktor
TYP = 1 Normalverteilung
X = 0.376948192085365 Bemessungswert der Anprallhöhe
XM = 0.380000000000000 Mittelwert der Zugfestigkeit des Mauerwerks
SIGM= 0.038000000000000 Standardabweichung der Zugfestigkeit des Mauerwerks
ALPHA= -0.078857351286345 Wichtungsfaktor
TYP = 1 Normalverteilung
X = 7990.894849567770000 Bemessungswert der Anprallhöhe
XM = 8000.000000000000000 Mittelwert der E-Moduls des Mauerwerks
SIGM= 800.000000000000000 Standardabweichung des E-Modules
ALPHA= -0.011175482598831 Wichtungsfaktor
TYP = 3 Log-Normalverteilung
X = 3.157610769883500 Bemessungswert der Anprallhöhe
XM = 2.040000000000000 Mittelwert der Anprallkraft
SIGM= 1.500000000000000 Standardabweichung der Anprallkraft
ALPHA= 0.993291953829863 Wichtungsfaktor
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 16
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.018349170684810 Sicherheitsindex FORM pro Anprall
PF = 0.154256042773688 operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.020687108289530 Sicherheitsindex SORM pro Anprall
PF = 0.153697891531286 operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.021883112596060 Sicherheitsindex SORM pro Anprall
PF = 0.153414886201815 operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.021893503860800 Sicherheitsindex SORM pro Anprall
PF = 0.153412428874620 operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.021894962652890 Sicherheitsindex SORM pro Anprall
PF = 0.153412083901424 operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 1.035422000205000 Sicherheitsindex pro Anprall
PF = 0.150235307628511 operative Versagenswahrscheinlichkeit pro Anprall

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

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Anprallkraft
85%
E-Modul
1%
Zugfestigkeit
7%
Anprallhöhe
7%


Wichtungsfaktoren

Die mittlere Lebensdauer des Bauwerkes beträgt dann unter Berücksichtigung der Anprallrate
von 0,07 pro Jahr oder im Mittel einem Anprall alle 14 Jahre:
1 1 1 1
95, 2
( ) ( ) ( | ) 0,15 0, 07 0, 0105
t
m
P F P A P F A
= = = = =
⋅ ⋅
Jahre
und bei einer Anprallrate von 0,016 pro Jahr:
1 1 1 1
416, 7
( ) ( ) ( | ) 0,15 0, 016 0, 0024
t
m
P F P A P F A
= = = = =
⋅ ⋅
Jahre

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 255

Segnitz Rechnung: Es werden nur 70 % der
Fläche des Pfeilers angesetzt (Ist-Zustand im
Pfeiler 2).
Segnitz Rechnung :
Es wird das inverse Problem mit einer
Zielversagenswahrscheinlichkeit von 10
-6

untersucht.

Es werden nur 70 % der Fläche des Pfeilers
angesetzt (Ist-Zustand im Pfeiler 2). Zielwert
für die reine Versagenswahrscheinlichkeit ist
0,01 pro Anprall.
Das Ergebnis sind die statistischen
Eigenschaften der Anprallkraft:
Mittelwert 0,5 MN
Standardabweichung 0,45 MN.



**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 3.020352546952110
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.083843754714508
TYP = 1
X = 7.150064858531210
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 1.868457841527330D-004
TYP = 1
X = 0.378554590891865
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.078348376533284
TYP = 1
X = 7995.680857685090000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.011120648956017
TYP = 3
X = 2.220916339637820
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= 0.993331804644544
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 0.485480755567551
PF = 0.313667696509086
SORM NACH BREITUNG
BETA= 0.486582678856370
PF = 0.313129538459069
SORM NACH TVEDT
BETA= 0.485480755567551
PF = 0.311945103208814
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 0.488587983378938
PF = 0.312419646092953
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 0.488601566895492
PF = 0.312414839811421
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 0.488602256717261
PF = 0.312414595731327
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 0.487979746308451
PF = 0.312634892648570
**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 3.084024739802060
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.072572859217192
TYP = 1
X = 7.150269468274940
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 1.627548791680710D-004
TYP = 1
X = 0.373918066090120
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.069116236508394
TYP = 1
X = 7981.907615143670000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.009766336660094
TYP = 3
X = 2.190603501331610
XM = 0.500000000000000
SIGM= 0.450000000000000
ALPHA= 0.994917462053950
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.315270185470580
PF = 0.010299049664415
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.318441756464220
PF = 0.010224560555468
SORM NACH TVEDT
BETA= 2.315270185470580
PF = 0.010115191355183
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.318837936156620
PF = 0.010213799105860
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.318841441814750
PF = 0.010213703925590
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.318844341545460
PF = 0.010213625197120
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 2.341828933164460
PF = 0.009605975665964
Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 256

Rechnung Segnitz:
Es wird das inverse Problem mit einer
Zielversagenswahrscheinlichkeit von 10
-6

untersucht.
Pfeiler 2 wird als ungerissen angesetzt.
Zielwert der Versagenswahrscheinlichkeit bei
einer 10.000 Anprallkraft ist 0,01

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 3.073926626183510
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.063526543908933
TYP = 1
X = 7.150236845391220
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 1.423240304224260D-004
TYP = 1
X = 0.374665197020961
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.060317453511413
TYP = 1
X = 7984.118716751550000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.008529192805717
TYP = 3
X = 3.136337282689090
XM = 0.600000000000000
SIGM= 0.650000000000000
ALPHA= 0.996119184073728
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.327045917510990
PF = 0.009981387782979
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.329877927531270
PF = 0.009917865905400
SORM NACH TVEDT
BETA= 2.327045917510990
PF = 0.009824601333671
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.330222601648780
PF = 0.009908748474672
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.330225312132540
PF = 0.009908676805088
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.330227511702400
PF = 0.009908618645229
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 2.363449783984780
PF = 0.009063460142831


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 257

Rechnung Segnitz:
Es wird angenommen, die Pfeiler sei im
Rahmen einer Sanierung um den Faktor 2,3
vergrößert wurden. Der Faktor 2,3 erscheint
relativ plausibel, wenn man bedenkt, daß
Lohr ca. den Faktor 2,0 besitzt.

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 3.094862836709620
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.083858948983099
TYP = 1
X = 7.150304554705600
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 1.882688455622400D-004
TYP = 1
X = 0.373111128298242
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.080126160825183
TYP = 1
X = 7979.523087711600000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.011313261027909
TYP = 3
X = 7.180617602230960
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= 0.993186520779766
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.262169361114500
PF = 0.011843434173970
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.265750919078890
PF = 0.011746839185609
SORM NACH TVEDT
BETA= 2.262169361114500
PF = 0.011604411669429
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.266223181669890
PF = 0.011732366047786
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.266227944183960
PF = 0.011732220172823
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.266231780349300
PF = 0.011732102672903
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 2.279977759755310
PF = 0.011317572709796
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 2.347464581666540
PF = 0.009461897647690
Rechnung Segnitz:
Es wird eine Erhöhung der zulässigen
Zugfestigkeit (auch im Sinne einer
verschmierten Bewehrung) angesetzt.



**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 3.045387721345250
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.052927645356952
TYP = 1
X = 7.150144999464330
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 1.182424030890930D-004
TYP = 1
X = 0.960902550010678
XM = 1.000000000000000
SIGM= 0.200000000000000
ALPHA= -0.113969759354375
TYP = 1
X = 7990.313069191720000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.007060043167497
TYP = 3
X = 4.995303477978010
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= 0.992048221291377
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.714927673339840
PF = 0.043179210376108
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.696479425407410
PF = 0.044933025981136
SORM NACH TVEDT
BETA= 1.714927673339840
PF = 0.047918230862600
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.693868932103070
PF = 0.045180640372015
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.692124410070500
PF = 0.045346725256458
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.692130428482670
PF = 0.045346151438939
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 1.700556123127110
PF = 0.044548522240460
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 1.815514281012000
PF = 0.034753651959809


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 258

Rechnung Segnitz: Berücksichtigung der
Veränderung der
Anprallwahrscheinlichkeitsfunktion infolge
des eingebauten Anprallschutzes.


**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.929337141887270
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.024808082347488
TYP = 1
X = 6.898370087258980
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 0.000596666438825
TYP = 1
X = 0.364061621323244
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.023034021523693
TYP = 1
X = 7709.725550818670000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.003224101798463
TYP = 3
X = 3.049222005521430
XM = 0.046450000000000
SIGM= 0.836800000000000
ALPHA= 0.999421433169615
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 18
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.959537029266360
PF = 0.001540577088159
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.960742727836070
PF = 0.001536106126120
SORM NACH TVEDT
BETA= 2.959537029266360
PF = 0.001529877652851
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.960828742810090
PF = 0.001535677139688
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.960828896810590
PF = 0.001535676371732
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.960829306869160
PF = 0.001535674326891

Rechnung Segnitz: Querstoß des ungerissenen
Pfeilers



**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.915735639801560
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.102130318483887
TYP = 1
X = 6.897948264551300
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 0.002452286783926
TYP = 1
X = 0.365031871993897
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.094453939984995
TYP = 1
X = 7712.627171333470000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.013233172458254
TYP = 3
X = 0.642259344863043
XM = 0.611000000000000
SIGM= 0.385000000000000
ALPHA= 0.990185179206430
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 12
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 0.442714005708694
PF = 0.328986345534617
SORM NACH BREITUNG
BETA= 0.443865988715288
PF = 0.328413659600269
SORM NACH TVEDT
BETA= 0.442714005708694
PF = 0.327121522479830
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 0.446199529360969
PF = 0.327570899870850
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 0.446217239147438
PF = 0.327564507344665
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 0.446218135597754
PF = 0.327564183763229
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 0.496409807097371
PF = 0.309657366505428
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 0.405386842971528
PF = 0.342434635284254


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 259

Rechnung Segnitz: Berücksichtigung der
Veränderung der
Anprallwahrscheinlichkeitsfunktion infolge
des eingebauten Anprallschutzes für den
Querstoß


**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.943189682901330
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.074289730093751
TYP = 1
X = 6.898850997317620
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 0.001789133405867
TYP = 1
X = 0.363070632933591
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.069254805920983
TYP = 1
X = 7706.816941575450000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.009684519450307
TYP = 3
X = 0.638369726423752
XM = 0.305500000000000
SIGM= 0.288750000000000
ALPHA= 0.994780241300908
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 16
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.375170588493350
PF = 0.084539341224521
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.377593908285570
PF = 0.084200701514199
SORM NACH TVEDT
BETA= 1.375170588493350
PF = 0.083633084914953
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.378317414972650
PF = 0.084089031574314
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.378323149187530
PF = 0.084088146968588
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.378324593043520
PF = 0.084087924228946
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 1.424069316563620
PF = 0.077250953115326
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 1.393398357940700
PF = 0.0817865841399771

Rechnung Segnitz: Berücksichtigung der
Veränderung der
Anprallwahrscheinlichkeitsfunktion infolge
des eingebauten Anprallschutzes für den
Querstoß


**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.933079692226940
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.040756427924261
TYP = 1
X = 6.898500166278920
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 0.000980592895954
TYP = 1
X = 0.363794922267596
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.037882810461609
TYP = 1
X = 7708.942198288510000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.005301159737804
TYP = 3
X = 0.639805081461089
XM = 0.105500000000000
SIGM= 0.288750000000000
ALPHA= 0.998436155695868
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.992324471473690
PF = 0.023167664645675
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.994116975491490
PF = 0.023093394673838
SORM NACH TVEDT
BETA= 1.992324471473690
PF = 0.022979655894614
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.994370275051570
PF = 0.023079550060354
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.994371468785980
PF = 0.023079484830866
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.994372116841800
PF = 0.023079449419077
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 2.084484616844840
PF = 0.018578117813439
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 2.057459338313790
PF = 0.019842178163994

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 260

Rechnung Segnitz: Berücksichtigung der
Veränderung der
Anprallwahrscheinlichkeitsfunktion infolge
des eingebauten Anprallschutzes für den
Querstoß


**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.943100195302130
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.041524437817572
TYP = 1
X = 6.898846413107350
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 0.001000043789625
TYP = 1
X = 0.363076803335946
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.038709241559538
TYP = 1
X = 7706.833727458400000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.005413087834105
TYP = 3
X = 0.638383019244407
XM = 0.055000000000000
SIGM= 0.144000000000000
ALPHA= 0.998372164705506
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.455469369888310
PF = 0.007035042363312
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.457346726681240
PF = 0.007006646682079
SORM NACH TVEDT
BETA= 2.455469369888310
PF = 0.006965364671124
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.457538749811340
PF = 0.007002902010569
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.457539584987940
PF = 0.007002885727525
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.457540479756580
PF = 0.007002868282680
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 2.589306924427070
PF = 0.004814119881379
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 2.566295628125440
PF = 0.005145614519375
Rechnung Segnitz: Berücksichtigung der
Veränderung der
Anprallwahrscheinlichkeitsfunktion infolge
des eingebauten Anprallschutzes für den
Querstoß


**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.951601717863240
XM = 3.000000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.040382305433130
TYP = 1
X = 6.899140181207670
XM = 7.150000000000000
SIGM= 0.715000000000000
ALPHA= 0.000973344754122
TYP = 1
X = 0.362464171344408
XM = 0.380000000000000
SIGM= 0.038000000000000
ALPHA= -0.037737867881322
TYP = 1
X = 7705.036611147750000
XM = 8000.000000000000000
SIGM= 800.000000000000000
ALPHA= -0.005274163527674
TYP = 3
X = 0.637176144762803
XM = 0.025000000000000
SIGM= 0.070000000000000
ALPHA= 0.998456968019470
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 18
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.961393594741820
PF = 0.001531320228547
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.963167573412530
PF = 0.001524054371697
SORM NACH TVEDT
BETA= 2.961393594741820
PF = 0.001513956007689
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.963307644439970
PF = 0.001523360844555
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.963308027208660
PF = 0.001523358949765
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.963309139680770
PF = 0.001523353442792
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 3.174417918404280
PF = 0.000751377202374
QUASI-ZUFALLSZAHLEN STICHPROBENREDUZIERT MCS
BETA= 3.127622962981050
PF = 0.000881969529595

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 261
Berechnung der Mainbrücke Lohr (Pfeiler) unter Verwendung des Programms APPROX,
Frontalanprall Mauerwerkspfeiler, streuende Größen Anprallhöhe, Anprallkraft, E-Modul:

Eingegebene Matrix

Höhe Kraft E-Modul bezogene Normalspannung
1.00000 1.00000 1.00000 1.00000
1.25000 1.00000 1.00000 0.95388
1.50000 1.00000 1.00000 0.61190
1.00000 0.85714 1.00000 1.00686
1.00000 1.00000 1.00000 1.00000
1.00000 1.14286 1.00000 0.99314
1.00000 1.28571 1.00000 0.98628
1.00000 1.42857 1.00000 0.97941
1.00000 1.57143 1.00000 0.97255
1.00000 1.71429 1.00000 0.96569
1.00000 1.85714 1.00000 0.95883
1.00000 2.00000 1.00000 0.95197
1.00000 2.14286 1.00000 0.94510
1.00000 2.28571 1.00000 0.93824
1.00000 1.00000 1.00000 1.00000
1.00000 1.00000 1.60000 1.16881
1.00000 1.00000 2.20000 1.25504
1.00000 1.00000 2.80000 1.30912
1.00000 1.00000 3.40000 1.34685
1.00000 1.00000 4.00000 1.37497
1.00000 1.00000 4.60000 1.39688
1.00000 1.00000 5.20000 1.41455
1.00000 1.00000 5.80000 1.42916
1.00000 1.00000 6.40000 1.44148
1.00000 1.00000 7.00000 1.45204

Folgende Näherung wurde mit APPROX erstellt:

1. Versuch
# sum of squares: 0.00388
p ( x1, x2, x3 ) = \
-0.43804 * x1**3 * x2**1 * x3**3 + \
0.44226 * x1**0 * x2**1 * x3**3 + \
0.37324 * x1**2 * x2**0 * x3**1 + \
0.70106 * x1**1 * x2**0 * x3**0 + \
-0.06743 * x1**3 * x2**1 * x3**2

2. Versuch
# sum of squares: 0.00153
p ( x1, x2, x3 ) = \
-0.70910 * x1**3 * x2**2 * x3**3 + \
0.64149 * x1**2 * x2**3 * x3**1 + \
-0.03014 * x1**1 * x2**1 * x3**0 + \
0.70107 * x1**2 * x2**0 * x3**0 + \
-0.12952 * x1**2 * x2**0 * x3**2 + \
0.71399 * x1**1 * x2**0 * x3**3 + \
0.69052 * x1**0 * x2**2 * x3**2 + \
-0.63667 * x1**0 * x2**3 * x3**2 + \
-0.23817 * x1**3 * x2**0 * x3**1
Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 262
Gleiches FE-Modell wie bei APPROX, jetzt aber mit Antwort-Flächen-Verfahren, streuende
Größen Anprallhöhe, Anprallkraft, E-Modul, Mauerwerkspfeilers bei Frontalanprall

**** E I N G A B E D A T E N ******
TYP = 1
X = 2.284459484888720
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
TYP = 1
X = 5.045191045561380
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
TYP = 1
X = 25898.690411171700000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.039042472839360
PF = 0.020722826500050
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.362709706392850
PF = 3.862051185225480D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.771873401487890
PF = 0.038240664418312
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.784537057683500
PF = 0.037200619522246
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.820190920985210
PF = 0.034395976941120
**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 2.258516548594010
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
TYP = 2
X = 5.111519465419790
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
TYP = 1
X = 27629.732524067300000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N ******
ITERATIONSSCHRITTE: 13
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.731199145317080
PF = 0.041708088050634
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.804982306137550
PF = 0.002518790396653
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.382265083162060
PF = 0.083481683598426
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.370016050508150
PF = 0.085377001191999
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.652799918345920
PF = 0.049222498449818
**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 2.258975323302570
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
TYP = 2
X = 6.954949708171250
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
TYP = 1
X = 27695.429845244100000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 13
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.198171377182010
PF = 0.013968399135574
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.177883418743260
PF = 0.000742452372200
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.612657724628630
PF = 0.053447065067776
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.567570970045160
PF = 0.058528989098385
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.158301887049630
PF = 0.015469416864891
**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 2.223539990048110
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
TYP = 2
X = 10.047714626832500
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
TYP = 1
X = 27694.876869802700000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.757418155670170
PF = 0.002913045993777
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.785510335961510
PF = 7.672398279426520D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.128988495847900
PF = 0.016645938638730
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.940339854068230
PF = 0.026195223640123
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.736250430124670
PF = 0.003110742821230
Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 263

**** E I N G A B E D A T E N *********
TYP = 1
X = 2.278221472259580
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
TYP = 2
X = 7.659396740263450
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
TYP = 1
X = 27792.326263704400000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.344608545303340
PF = 0.009523513595584
PROBLEM: KAPPA-WERTE, EIGENWERTE,
2.ABLEITUNGEN
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.390810716934730
PF = 3.486913834672560D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.749322595573020
PF = 0.040151336050692
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.723091300326210
PF = 0.042470615352957
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.322920434571540
PF = 0.010103480046594

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.300402637683900
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
TYP = 2
X = 11.407964984299100
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
TYP = 1
X = 28009.660223034800000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.950090169906620
PF = 0.001588474522112
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.841241922881620
PF = 6.122467968261990D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.074374679862580
PF = 0.019042729903893
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.796138499751360
PF = 0.036268201204639
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.965166033016640
PF = 0.001514186693320


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 264
Beispiel der Verschmelzung der Nachweise an einem Pfeiler. Dazu erfolgte die Formulierung
der Grenzzustandsgleichung auf drei Höhen im Pfeiler des FE-Modelles. Die ermittelten
Werte werden gemäß den Regeln für eine Seriensystem miteinander verschmolzen.

BEI ANNAHME EINES SERIENSYSTEMS

**** E I N G A N G S D A T E N ***********
3 Grenzzustandsgleichungen
C ******
Matrix der Wichtungsfaktoren:
0.113525
0.9932
-0.02665
0.2922
0.9547
-0.5499
C *************
Einzel Sicherheitsindizes
2.757
1.5105
2.95

************* A U S G A N G S D A T E N *****

ELEMENTARE SCHRANKEN
UNTERE GRENZE : 0.065457971068568
1.510803387
OBERE GRENZE (PRO): 0.069664417009953
1.478583415
OBERE GRENZE (SUM): 0.069963682972789
1.476348889
SCHRANKEN NACH RACKWITZ
UNTERE GRENZE : 0.068496333296677
1.487376487
OBERE GRENZE : 0.068174279677160
1.489821143
SCHRANKEN NACH DITLEVSEN
UNTERE GRENZE : 0.068890185245517
1.484398839
OBERE GRENZE : 0.068890260007831
1.484398275
Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 265
Berechnung der Alte Mainbrücke Lohr – Vorspannung an einer Pfeilerseite 2 × 1 MN (links)
oder 2 × 2 MN (rechts) pro Pfeilerseite. Streuende Größen Anprallhöhe, Anprallkraft, E-
Modul

**** E I N G A B E D A T E N *********
TYP = 1
X = -2.709073812082940
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.997190220981553
TYP = 2
X = 0.837439112101992
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= 0.029444117379374
TYP = 1
X = 25138.233865220400000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.068881325082411

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 200
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 10.081858634948700
PF = 3.389907832538830D-024

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = -2.530689130515370
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.943321787287041
TYP = 2
X = 8.674295555153920
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= 0.319392406678081
TYP = 1
X = 22213.431925680400000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.090181105964136

**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 200
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 9.957775115966800
PF = 1.188886893878980D-023

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.231561950140910
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.008743391249610
TYP = 3
X = 1.599009083645720
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.004906595411947
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = -849.425119857084000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.999949802469861
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 600
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 4.217594146728520
PF = 0.999987645950311
SORM NACH BREITUNG
BETA= 4.217416088524960
PF = 1.235404968902290D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.735464954531280
PF = 0.003118177330999
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 4.178459496554760
PF = 1.467302850000070D-005
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 4.269027658643710
PF = 9.814264295057720D-006

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.230411870532120
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.009257340295892
TYP = 3
X = 1.596945911018610
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.004368604881638
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = -900.736437305672000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.999947600573397
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 600
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 4.232100963592530
PF = 0.999988416510350
SORM NACH BREITUNG
BETA= 4.231916575071860
PF = 1.158348964980240D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.741711657378120
PF = 0.003059492074998
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 4.175574128093280
PF = 1.486032126118970D-005
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 4.279338169528380
PF = 9.370386540930540D-006

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 266
Berechnung der Alte Mainbrücke Lohr – Vorspannung an einer Pfeilerseite 2 × 1 MN pro
Pfeilerseite. Streuende Größen Anprallhöhe, Anprallkraft, E-Modul, Haftscherfestigkeit und
Reibungsbeiwert

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 2.225405850998930
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.011592053371352
TYP = 3
X = 1.587376904734600
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.001936527230365
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = -940.651476460405000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.999903204454892
TYP = 1
X = 0.022503457835232
XM = 0.023000000000000
SIGM= 0.026000000000000
ALPHA= -0.004500715107716
TYP = 1
X = 1.498992594210340
XM = 1.500000000000000
SIGM= 0.040000000000000
ALPHA= -0.005935307322831

**** A U S G A B E D A T E N **********
ITERATIONSSCHRITTE: 600
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 4.243566989898680
PF = 0.999988992962543
SORM NACH BREITUNG
BETA= 9.261955607226270
PF = 9.999999682655230D-021
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.191655683519470
PF = 0.014218213764485
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.068220840589900
PF = 0.019330343739042
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 4.252531731596750
PF = 1.056633604094190D-005



Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 267
Berechnung der Normalspannung bei Vorspannung ohne Anprall Nachweisgleichung nach
BERNDT, Streuende Größen Sandsteindruck-, Spaltzugfestigkeit, Steinhöhe, Fugenhöhe,
Steinbreite

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 75.368355606385600
XM = 75.400000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -4.198244001358740D-004
TYP = 1
X = 0.130668509350071
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -0.998707871126761
TYP = 1
X = 0.691322353107060
XM = 0.700000000000000
SIGM= 0.130000000000000
ALPHA= -0.018877661243217
TYP = 2
X = 0.026641873341730
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.048000000000000
ALPHA= 0.046880568226047
TYP = 1
X = 0.801502293059993
XM = 0.800000000000000
SIGM= 0.080000000000000
ALPHA= 0.005311556736933
*** A U S G A B E D A T E N **********
ITERATIONSSCHRITTE: 45
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.534826517105100
PF = 2.040632455347230D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 4.395044175721620
PF = 5.535469869623510D-006
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.253824689356350
PF = 0.000569802522990
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.199202206608480
PF = 0.013947531936083
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.388326502140320
PF = 3.518659658816170D-004
**** E I N G A B E D A T E N ******
TYP = 1
X = 75.337926318481200
XM = 75.400000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -0.000844094782352
TYP = 1
X = 0.264494304693485
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -0.999976415256833
TYP = 1
X = 2.261040351496830
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.006442151034920
TYP = 1
X = 2.034037324495210
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= -0.001159756953714
TYP = 1
X = 28579.883703557200000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= 0.001891053978826
**** A U S G A B E D A T E N *********
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.427409648895260
PF = 3.047341109818910D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 4.378821456749450
PF = 5.964063180952880D-006
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.351717195451240
PF = 0.009354431831868
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.196483814939220
PF = 0.014044520110836
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.432862362837780
PF = 2.988345345166680D-004


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 268
Berechnung der Normalspannung bei Vorspannung ohne Anprall Nachweisgleichung nach
BERNDT, Streuende Größen Sandsteindruck-, Spaltzugfestigkeit

**** E I N G A B E D A T E N *****
TYP = 1
X = 75.326180701774800
XM = 75.400000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -0.001010471446246
TYP = 1
X = 0.289342726641180
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -0.999999459572065

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.408216714859010
PF = 3.269956747891890D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.408301081299780
PF = 3.270827813305400D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.408295652805770
PF = 3.270892904428950D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.408295621598080
PF = 3.270893278632570D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.408295621598510
PF = 3.270893278627400D-004
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.428528095012400
PF = 3.036483935288790D-004

**** E I N G A B E D A T E N ***********
TYP = 1
X = 75.336835614576200
XM = 75.400000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -0.000859500898770
TYP = 1
X = 0.266890231722246
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -0.999999593541319

**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 17
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.425487279891970
PF = 3.068985613026100D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.425582236871200
PF = 3.069613008749310D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.425578121413590
PF = 3.069659525485320D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.425578103124430
PF = 3.069659732207980D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.425578103124640
PF = 3.069659732205520D-004
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.445734724115590
PF = 2.849533260326650D-004


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 269
Prüfung der Normalspannung bei Vorspannung ohne Anprall Nachweisgleichung nach
BERNDT, Streuende Größen: Sandsteindruck-, Spaltzugfestigkeit, Steinhöhe, Fugenhöhe,
Steinbreite, Anprallkraft, -höhe, Sandstein E-Modul

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 75.368966147069700
XM = 75.400000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -4.115965713525460D-004
TYP = 1
X = 0.129317153830187
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -0.998730916727405
TYP = 1
X = 0.691410628522559
XM = 0.700000000000000
SIGM= 0.130000000000000
ALPHA= -0.018680510221376
TYP = 2
X = 0.026593641665421
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.048000000000000
ALPHA= 0.046352723777083
TYP = 1
X = 0.801488479384587
XM = 0.800000000000000
SIGM= 0.080000000000000
ALPHA= 0.005261280882341
TYP = 1
X = 2.255589482953200
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.003161147723858
TYP = 1
X = 2.036994453934650
XM = 2.040000000000000
SIGM= 1.500000000000000
ALPHA= -0.000566596807342
TYP = 1
X = 28557.161714786700000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= 0.000925211856102

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 45
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.535785913467410
PF = 2.033237115486540D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 5.830427919491630
PF = 2.758474948163940D-009
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.603479384522950
PF = 1.570786403102260D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.511297752472420
PF = 2.231043115263530D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.399057482529660
PF = 3.383426664762360D-004



Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 270
Alte Mainbrücke Lohr, Mauerwerkspfeiler, Seitanprall: Streuende Größen Anprallhöhe,
Anprallkraft und E-Modul:

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 2.919859032344980
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.687655740399149
TYP = 2
X = 1.126382901246270
XM = 0.610000000000000
SIGM= 0.385000000000000
ALPHA= 0.692209500568104
TYP = 1
X = 25512.846913351800000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.219033510267062

**** A U S G A B E D A T E N ******
ITERATIONSSCHRITTE: 23
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.948474645614620
PF = 0.025679028756559
PROBLEM: KAPPA-WERTE, EIGENWERTE,
2.ABLEITUNGEN
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.717603593192690
PF = 1.006038559418570D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.885628703451310
PF = 0.029700830826303
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.893012283080930
PF = 0.029206136330890
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.640410856063460
PF = 0.050496895583931

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 4.679478391885520
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.238650552028768
TYP = 2
X = 0.666973663805718
XM = 0.610000000000000
SIGM= 0.385000000000000
ALPHA= 0.049546040505097
TYP = 1
X = 7038.847125868150000
XM = 28534.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= 0.969840728626809

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 200
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.391533851623540
PF = 0.082031857035645
PROBLEM: KAPPA-WERTE, EIGENWERTE,
2.ABLEITUNGEN
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.682197431896790
PF = 1.156699715329580D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.386255005524850
PF = 0.082871188709001
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.385977596840350
PF = 0.082913525912767
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 5.202074874470660
PF = 9.840210081376260D-008


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 271
Seitanprall Pfeiler III Beton, Streuende Größen sind die Betonzugkraft (Weibull!); die
Anprallkraft und -höhe und der Beton E-Modul


**** E I N G A B E D A T E N *********
TYP = 9
X = 0.210872221425030
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.735319280573222
TYP = 2
X = 0.573102226920005
XM = 0.610000000000000
SIGM= 0.380000000000000
ALPHA= 0.076035081390363
TYP = 1
X = 2.237828134410130
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.010461105319632
TYP = 1
X = 36148.212160878400000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.673360714098017

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 16
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.325857400894170
PF = 0.010013056400233
PROBLEM: KAPPA-WERTE, EIGENWERTE,
2.ABLEITUNGEN
PROBLEM: KAPPA-WERTE, EIGENWERTE,
2.ABLEITUNGEN
SORM NACH BREITUNG
BETA= 4.006149994845960
PF = 3.086147058490320D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.198053381035710
PF = 0.013988449665415
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.221407909144370
PF = 0.013176661465161
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.342934090790570
PF = 0.009577571606003






Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 272
Berechnung Mauerwerkspfeiler der Alten Mainbrücke Lohr linear-elastisch mit alter
Anprallkraft (1997). Die Anprallkräfte wurden im Laufe der Berechnung durch die BAW
Karlsruhe geändert, daher rührt die Bezeichnung alte Anprallkraft.


**** E I N G A B E D A T E N *********
TYP = 1
X = 2.316040054854900
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.055845987727903
TYP = 1
X = 4.882032743505660






XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.962348829650183
TYP = 1
X = 23370.825256268400000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.266018702299025

**** A U S G A B E D A T E N *********
ITERATIONSSCHRITTE: 300
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.655037403106690
PF = 0.003965023630262
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.298717267904690
PF = 0.010772989158576
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.482766060744470
PF = 0.006526039791976
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.379872781587570
PF = 0.008669486351553
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.366472243154920
PF = 0.008989798186435
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.341334689509060
PF = 0.009618702206612


**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 2.262539449369140
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.009829813237354
TYP = 3
X = 6.930653237536610
Rechnung Fall d
mit τ=0,29 MN/m
2

σ
N
=0,63 MN/m
2

(mittlere Werte für 3,5 m Pfeilerlänge
rund 1/3 der Länge des Pfeilers)
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.997928746133773
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 27011.200988335400000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.063572549925611

**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.539687395095830
PF = 0.005547602069340
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.494293220077580
PF = 0.006317871960786
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.292659631125480
PF = 0.010946479119871
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.069979166184190
PF = 0.019247790194906
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.990013169861420
PF = 0.023318672621294
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.481388459428540
PF = 0.006551319133357

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 273
Berechnung des Mauerwerkspfeilers der Alten Mainbrücke Lohr mit Alter Anprallkraft und
Sprengkammer.

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.384789961819950
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.145524567560224
TYP = 3
X = 4.584859560560380
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.987397702738091
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 27341.150028094800000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.062195653853530
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= -1.849506020545960
PF = 0.967807671089613
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= -2.511985062500620
PF = 0.993990197000000
**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 2.242984261246610
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.002492639717268
TYP = 3
X = 1.641903892901540
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.011715373191521
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = -5850.111748612490000
XM = 28156.000000000000000
SIGM= 7079.000000000000000
ALPHA= -0.999928301031413
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 600
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 5.630609035491940
PF = 9.003280003729870D-009
SORM NACH BREITUNG
BETA= 6.789351314368550
PF = 5.615272706271370D-012
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.253630291065170
PF = 0.000570192635584
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.165706995386900
PF = 0.000774248983367
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 4.412262089227770
PF = 5.112812814165800D-006


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 274
Pfeiler III Schubkraft Beton (Breite 1.86 m) nach EC 2 (Auflast neu)
mit Betonzugkraft als Weibullverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul und
Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 9
X = 0.405261495935228
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.753810608187211
TYP = 3
X = 2.344547213922370
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.448807080863740
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.241872324894230
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.010787937683571
TYP = 1
X = 28828.884229056500000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.479818147449428

**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 23
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.506801605224610
PF = 0.065930786455528
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.486964685163600
PF = 0.068550700488327
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.517046052275000
PF = 0.064666220984557
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.490958343193770
PF = 0.068024867995972
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.487259334903400
PF = 0.068511798121267
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 1.404782524661380
PF = 0.080080229981800
Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 275
Pfeiler III Schubkraft Beton (Breite 4. m) nach EC 2 (Auflast neu)
mit Betonzugkraft als Weibullverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul und
Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 9
X = 0.323387967615498
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.706416607148364
TYP = 3
X = 1.950916991033040
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.189204133647421
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.238804115986610
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.011730427394930
TYP = 1
X = 33853.415626899600000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.681938199777987

**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 23
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.908843159675600
PF = 0.028141096672322
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.008222580934800
PF = 0.022332992050147
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.019965200311670
PF = 0.021716181157555
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.018492142716260
PF = 0.021792759302854
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.080309678295290
PF = 0.018768798489366
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 1.852130625299280
PF = 0.032033250123734
Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 276
Alte Mainbrücke Lohr – Betonpfeiler (linearelastisches Stoffgesetz) (Pfeiler III)
Die Spannungen wurden dem FEM-Modell während des Anpralles entnommen, gemittelt und
mit den zulässigen Werten gemäß Schubkräfte ohne Bewährung verglichen.
Betonpfeiler

Da die Gleichung nach EC 2 nur 2 streuende Komponenten enthält, können die
Auswirkungen unterschiedlicher Verteilungen und Parameter recht gut dargestellt werden:

Frontalanprall

Breite Auflast Betonzugfestigkeit Anprall-
kraft
Beta
ohne
Spreng-
kammer
mit
Spreng-
kammer
neu alt normal log-normal weibull neu alt
1 × × × × 1,75
2 × × × × 2,04
3 × × × × 3,17
4 × × × × 3,61
5 × × × × 2,71
6 × × × × 3,29
7 × × × × 1,74
8 × × × × 2,03
9 × × × × 3,24
10 × × × × 2,86
11 × × × × 2,98
12 × × × × 2,49
13 × × × × 1,44
14 × × × × 1,72
15 × × × × 1,97
16 × × × × 2,33
17 × × × × 1,78
18 × × × × 2,20
19 × × × × 1,65
20 × × × × 1,65
21 × × × × 1,77
22 × × × × 2,07
23 × × × × 1,58
24 × × × × 1,91

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 277

Pfeiler III Schubkraft Beton (mit
Sprengkammer) nach EC 2 mit Betonzugkraft
als Weibullverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der
streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul
und Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N ******
TYP = 9
X = 0.405261495935228
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.753810608187211
TYP = 3
X = 2.344547213922370
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.448807080863740
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.241872324894230
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.010787937683571
TYP = 1
X = 28828.884229056500000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.479818147449428

**** A U S G A B E D A T E N **********
ITERATIONSSCHRITTE: 23
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.506801605224610
PF = 0.065930786455528
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.486964685163600
PF = 0.068550700488327
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.517046052275000
PF = 0.064666220984557
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.490958343193770
PF = 0.068024867995972
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.487259334903400
PF = 0.068511798121267
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.404782524661380
PF = 0.080080229981800


Pfeiler III Schubkraft Beton (ohne
Sprengkammer) nach EC 2 mit Betonzugkraft
als Weibullverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der
streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul
und Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 9
X = 0.323387967615498
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.706416607148364
TYP = 3
X = 1.950916991033040
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.189204133647421
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.238804115986610
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.011730427394930
TYP = 1
X = 33853.415626899600000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.681938199777987

**** A U S G A B E D A T E N ****
ITERATIONSSCHRITTE: 23
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.908843159675600
PF = 0.028141096672322
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.008222580934800
PF = 0.022332992050147
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.019965200311670
PF = 0.021716181157555
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.018492142716260
PF = 0.021792759302854
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.080309678295290
PF = 0.018768798489366
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.852130625299280
PF = 0.032033250123734


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 278

Pfeiler III Schubkraft Beton (ohne
Sprengkammer ) nach EC 2 mit
Betonzugkraft als Weibullverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der
streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul
und Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 9
X = 0.304650244802094
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.667913308203201
TYP = 3
X = 0.641590374633105
XM = 0.748000000000000
SIGM= 0.640000000000000
ALPHA= 0.077749291720863
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.237877721206780
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.011550350799542
TYP = 1
X = 36038.754230120700000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.740076649581325

**** A U S G A B E D A T E N *********
ITERATIONSSCHRITTE: 21
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.098997116088870
PF = 0.017908514594377
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.239326735462100
PF = 0.012581716308769
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.250148648792240
PF = 0.012233781625803
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.254932799391480
PF = 0.012082643423464
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.451195130662890
PF = 0.007127548741757
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.077162281167040
PF = 0.018913647008899


Seitenanprall an Pfeiler III Schubkraft
Beton (ohne Sprengkammer) nach EC 2 mit
Betonzugkraft als Weibullverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der
streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul
und Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N *********
TYP = 9
X = 0.324263120498762
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.699672995092296
TYP = 3
X = 0.804913836770535
XM = 0.748000000000000
SIGM= 0.640000000000000
ALPHA= 0.243842556126871
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.238844912834210
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.011597247974941
TYP = 1
X = 33766.720340765600000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.671464040933256

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 52
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.923743724823000
PF = 0.027193289219011
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.983969942881800
PF = 0.023653779069648
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.003521656251720
PF = 0.022584028350821
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.989172293979290
PF = 0.023365059929711
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.047479454636180
PF = 0.020327068336943
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.855924563199580
PF = 0.031761716013516

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 279

Seitenanprall an Pfeiler III Schubkraft
Beton (ohne Sprengkammer) nach EC 2
mit Betonzugkraft als Lognormalverteilung
Die Normalkraft wird als Funktion der
streuenden Größen Anprallkraft, E-Modul
und Anprallhöhe beschrieben.

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 3
X = 0.506551044884261
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.548056681114720
X0 = 0.000000000000000
TYP = 3
X = 0.873021594207730
XM = 0.748000000000000
SIGM= 0.640000000000000
ALPHA= 0.263999281247926
X0 = 0.000000000000000
TYP = 1
X = 2.237295755718250
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= -0.011590430785719
TYP = 1
X = 37656.293675910300000
XM = 22552.000000000000000
SIGM= 8682.000000000000000
ALPHA= 0.793601828720379

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 109
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.192193508148190
PF = 0.014182718830755
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.125196690815050
PF = 0.016803579274592
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.152461373979770
PF = 0.015697966339673
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.123895510894910
PF = 0.016857967961655
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.122087242580840
PF = 0.016933802574723
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.101315578091890
PF = 0.017826037440484


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 280

Pfeiler III Schubkraft, Beton (ohne
Sprengkammer) nach EC 2

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = -0.251228159506348
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.991665689149534
TYP = 3
X = 1.843214295169880
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.128838047821210
X0 = 0.000000000000000

**** A U S G A B E D A T E N ***********
ITERATIONSSCHRITTE: 13
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.048084497451780
PF = 0.020275792982370
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.014291212488360
PF = 0.022012401643684
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.012944433786560
PF = 0.022083211204105
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.008659400493560
PF = 0.022309785199095
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.008578866121860
PF = 0.022314062207529
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.034344962116590
PF = 0.020980503040399

Pfeiler III Schubkraft, Beton (ohne
Sprengkammer) nach EC 2

**** E I N G A B E D A T E N *********
TYP = 1
X = -0.054147708842561
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.992067040380753
TYP = 3
X = 1.797788704177360
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.125710282321865
X0 = 0.000000000000000

**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 15
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.759151220321660
PF = 0.039275869133927
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.727890275595350
PF = 0.042038394836057
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.724663058917960
PF = 0.042328660758303
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.721108647697020
PF = 0.042650228814046
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.721037746863350
PF = 0.042656663249038
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.746434545472800
PF = 0.040401538339316

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 281

Pfeiler III Schubkraft, Beton (ohne
Sprengkammer) nach EC 2
Betonzugfestigkeit Lognormalverteilt

**** E I N G A B E D A T E N *****
TYP = 3
X = 0.397880725822652
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.532099803757812
X0 = 0.000000000000000
TYP = 3
X = 7.222555963739060
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.846681665369675
X0 = 0.000000000000000

**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 20
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.076747655868530
PF = 0.001046430479198
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.107048505084550
PF = 0.000945739656869
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.109469849184340
PF = 0.000938020823298
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.109818227938600
PF = 0.000936915025270
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.109973007080310
PF = 0.000936424121071
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.175898539371270
PF = 0.000747552080585


Pfeiler III Schubkraft, Beton (ohne
Sprengkammer) nach EC 2
Betonzugfestigkeit Lognormalverteilt

**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 3
X = 0.422482072337029
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.436607345750381
X0 = 0.000000000000000
TYP = 3
X = 9.929753773709790
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.899652194189427
X0 = 0.000000000000000

**** A U S G A B E D A T E N *********
ITERATIONSSCHRITTE: 19
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.501769304275510
PF = 2.311339772685440D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.540543723451900
PF = 1.997732704684460D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.542909210458700
PF = 1.979894570324210D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.543366688698280
PF = 1.976461947142650D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.544107925350370
PF = 1.970911984386930D-004
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.613816126643200
PF = 1.509424241672080D-004

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 282

Pfeiler III Schubkraft, Beton (ohne
Sprengkammer) nach EC 2 (Auflast alt)
Betonzugfestigkeit Weibullverteilt

**** E I N G A B E D A T E N **********
TYP = 9
X = 0.185348475010316
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.575679958136562
TYP = 3
X = 7.084165588374230
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.817675065063450
X0 = 0.000000000000000

**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 20
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.145351648330690
PF = 0.000829503076551
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.333476112078680
PF = 4.291816380765110D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.342032470056350
PF = 4.161647731405480D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.346070757723860
PF = 4.101493617548840D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.295813666725850
PF = 0.000491091314094


Pfeiler III Schubkraft, Beton (ohne
Spengkammer) nach EC 2 (Auflast neu)
Betonzugfestigkeit Weibullverteilt

**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 9
X = 0.170806541601947
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.722204180595861
TYP = 3
X = 4.497671570135330
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.691679957442546
X0 = 0.000000000000000

**** A U S G A B E D A T E N **********
ITERATIONSSCHRITTE: 21
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.592764139175420
PF = 0.004760434534240
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.772794181834680
PF = 0.002782012547645
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.785279043196220
PF = 0.002677103305762
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.790553224147010
PF = 0.002633868313037
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.714860547891500
PF = 0.003318999364409

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 283

Auflast neu, 1,86 m Breite
Betonzugfestigkeit normalverteilt

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = 0.162940350265991
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.955052957488014
TYP = 3
X = 2.047505732763020
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.296435140227132
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 18
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.497845411300660
PF = 0.067086739661621
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.427318834332910
PF = 0.076781829267392
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.424542291488000
PF = 0.077182536029695
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.410756452578280
PF = 0.079195637330184
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.409583361543220
PF = 0.079368757447892
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.447343380058560
PF = 0.073938590524971

Auflast alt, mit Sprengkammer
Betonzugfestigkeit normalverteilt

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1
X = -0.012528920111114
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.949064543195719
TYP = 3
X = 2.189985109741330
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.315081592799051
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 21
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.775243043899540
PF = 0.037928834798494
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.694183640303350
PF = 0.045150731151518
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.698973880648430
PF = 0.044697439542174
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.681335448641530
PF = 0.046384807220964
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.679817423534540
PF = 0.046532385385636
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.720947381064580
PF = 0.042664865317278

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 284

Auflast alt, mit Sprengkammer
Betonzugfestigkeit lognormalverteilt

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 3
X = 0.533000013844359
XM = 1.150000000000000
SIGM= 0.690000000000000
ALPHA= -0.475427379111579
X0 = 0.000000000000000
TYP = 3
X = 5.234027895732360
XM = 1.873000000000000
SIGM= 1.193000000000000
ALPHA= 0.879755000080043
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 19
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 2.333864688873290
PF = 0.009801382636786
SORM NACH BREITUNG
BETA= 2.369262538132690
PF = 0.008922260424006
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 2.373793715864400
PF = 0.008813532204134
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.374422700348320
PF = 0.008798531510290
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.374535326875420
PF = 0.008795847835898
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 2.427434509047760
PF = 0.007611989125123



Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 285
Alte Mainbrücke Lohr – Probabilistische Berechnung unter Eigen- und Verkehrslast nach
MANN und BERNDT

Zentrische Mauerwerksdruckfestigkeit nach MANN mit Mörtel und Verkehrslast als
streuende Größen:

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 3 Lognormalverteilung für Mörteldurckfestigkeit
X = 0.907171882427135 Bemessungswert Mörteldruckfestigkeit
XM = 11.000000000000000 Mittelwert Mörteldruckfestigkeit
SIGM= 7.250000000000000 Standardabweichung Mörteldruckfestigkeit
ALPHA= -0.984410618172933 Wichtungsfaktor
X0 = 0.000000000000000
TYP = 4 Extremwertverteilung Typ I Max für Radlast SLW
X = 38.990274746988600 Bemessungswert für die Verkehrslast (SLW)
XM = 37.000000000000000 Mittelwert
SIGM= 3.700000000000000 Standardabweichung
ALPHA= 0.175885506997161 Wichtungsfaktor
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 23
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.915245771408080 Sicherheitsindex
PF = 4.517453517759510D-005 operative Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.891359504293510 Sicherheitsindex
PF = 4.985388555144480D-005 operative Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.893327338821160 Sicherheitsindex
PF = 4.945092012009770D-005 operative Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.890148904421800 Sicherheitsindex
PF = 5.010332543121320D-005 operative Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.890142012352760 Sicherheitsindex
PF = 5.010474888489380D-005 operative Versagenswahrscheinlichkeit
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 3.902953173586430 Sicherheitsindex
PF = 4.752370035210030D-005 operative Versagenswahrscheinlichkeit

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 286
Mittels der Vorschrift von BERNDT (ohne Stau), Streuende Größen Sandsteindruck-,
Spaltzugfestigkeit, Steinhöhe, Fugenhöhe, Steinbreite und wo erforderlich Radlast

**** E I N G A B E D A T E N ****
TYP = 1 Normalverteilung für die Steindruckfestigkeit
X = 75.351569308085300 Bemessungswert
XM = 75.360000000000000 Mittelwert
SIGM= 21.300000000000000 Standardabweichung
ALPHA= -1.104018599568260D-004 Wichtungsfakotr
TYP = 1 Normalverteilung für die Steinzugfestigkeit
X = 0.065360126333921 Bemessungswert
XM = 4.720000000000000 Mittelwert
SIGM= 1.300000000000000 Standardabweichung
ALPHA= -0.999699235669688 Wichtungsfaktor (dominant)
TYP = 1 Normalverteilung Steinhöhe
X = 0.695626024380010 Bemessungswert in m
XM = 0.700000000000000 Mittelwert
SIGM= 0.130000000000000 Standardabweichung
ALPHA= -0.009393099513196 Wichtungsfaktor
TYP = 2 Lognormalverteilung Fugenhöhe
X = 0.024475250970038 Bemessungswert Fugenhöhen
XM = 0.037000000000000 Mittelwert Fugenhöhe in m
SIGM= 0.048000000000000 Standardabweichung Fugenhöhe in m
ALPHA= 0.022484020335457 Wichtungsfaktor
TYP = 2 Lognormalverteilung Steinbreite
X = 0.796816333496860 Bemessungswert
XM = 0.800000000000000 Mittelwert in m
SIGM= 0.080000000000000 Standardabweichung in m
ALPHA= 0.002756139061105 Wichtungsfaktor
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 43
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.581569671630860 Sicherheitsindex
PF = 1.708064354190240D-004 Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.579840876714490 Sicherheitsindex
PF = 1.719997659672770D-004 Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.246093290318640 Sicherheitsindex
PF = 0.000585509371560 Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 2.612059441176150 Sicherheitsindex
PF = 0.004505206406800 Versagenswahrscheinlichkeit
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 2.462734364842690 Sicherheitsindex
PF = 0.006902249733753 Versagenswahrscheinlichkeit
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-SIMULATION
BETA= 3.448936600875520 Sicherheitsindex
PF = 2.815950097140860D-004 Versagenswahrscheinlichkeit


Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 287

Nach MANN mit Stau



**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 0.018548980270478
XM = 11.000000000000000
SIGM= 7.250000000000000
ALPHA= -1.000000021683420
TYP = 1
X = 0.037000009776248
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.003700000000000
ALPHA= 1.744410832199740D-006
**** A U S G A B E D A T E N ********
ITERATIONSSCHRITTE: 26
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 1.514682888984680
PF = 0.064926390005549
SORM NACH BREITUNG
BETA= 1.514988208927780
PF = 0.064926390005549
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 1.514988208927780
PF = 0.064926390005549
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 1.514988208927780
PF = 0.064926390005549
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 1.514988208927780
PF = 0.064926390005549
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 1.519334323566560
PF = 0.064377870452110

Mittels der Vorschrift von BERNDT (mit
zusätzlicher Auflast 0,3 N/mm
2
im Pfeiler)

**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 1
X = 0.211008337444162
XM = 75.360000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -0.999999982869967
TYP = 1
X = 4.719939629115250
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -1.305478878527600D-005
TYP = 1
X = 0.699995927652153
XM = 0.700000000000000
SIGM= 0.130000000000000
ALPHA= -8.802595719414650D-006
TYP = 2
X = 0.022590396060390
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.048000000000000
ALPHA= 2.028401712409440D-005
TYP = 2
X = 0.796030529980830
XM = 0.800000000000000
SIGM= 0.080000000000000
ALPHA= 2.691332083538880D-006
**** A U S G A B E D A T E N *********
ITERATIONSSCHRITTE: 41
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.528121709823610
PF = 2.093020898722770D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.528218020267810
PF = 2.093135420024930D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.528216999241120
PF = 2.093143496263440D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.528216998307360
PF = 2.093143503649390D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.528216998307450
PF = 2.093143503648640D-004
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.428798187323940
PF = 3.033463193062210D-004

Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken

Seite 288

BERNDT (ohne zusätzliche Auflast)

**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 1
X = 75.359997801441900
XM = 75.360000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -4.129172232313890D-016
TYP = 1
X = 4.719999950037060
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= -0.999999998988181
TYP = 1
X = 0.699999964132610
XM = 0.700000000000000
SIGM= 0.130000000000000
ALPHA= 1.768004645565510D-008
TYP = 2
X = 0.022588772656467
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.048000000000000
ALPHA= -4.073910619049010D-008
TYP = 2
X = 0.796029772458613
XM = 0.800000000000000
SIGM= 0.080000000000000
ALPHA= -5.405747820837010D-009
TYP = 3
X = 0.036816376616025
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.003700000000000
ALPHA= -2.028747904944010D-021
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 39
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.630769252777100
PF = 1.413238667617230D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.710874955156310
PF = 1.033170514787270D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.716401973691670
PF = 1.010834238703850D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.708603768945800
PF = 1.042482743393130D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 5.997437926395690
PF = 9.999999717180690D-010
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.378191459259550
PF = 3.650978878723160D-004

Verfahren von BERNDT (Stau auf der Brücke)

**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 1
X = 1.090756439719450
XM = 75.360000000000000
SIGM= 21.300000000000000
ALPHA= -0.999979396281927
TYP = 1
X = 4.748929649832020
XM = 4.720000000000000
SIGM= 1.300000000000000
ALPHA= 0.006382636265241
TYP = 1
X = 0.699893696363458
XM = 0.700000000000000
SIGM= 0.130000000000000
ALPHA= -2.340318568539420D-004
TYP = 2
X = 0.022631120002549
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.048000000000000
ALPHA= 0.000539750522603
TYP = 2
X = 0.796049674943146
XM = 0.800000000000000
SIGM= 0.080000000000000
ALPHA= 7.148845124619530D-005
TYP = 3
X = 0.036816376616025
XM = 0.037000000000000
SIGM= 0.003700000000000
ALPHA= 0.000000000000000
X0 = 0.000000000000000
**** A U S G A B E D A T E N *****
ITERATIONSSCHRITTE: 56
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.486891031265260
PF = 2.443804643794490D-004
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.486691933714910
PF = 2.446785765228470D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.486668945097980
PF = 2.446996129643610D-004
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.486668441335940
PF = 2.447000739662080D-004
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.486668441336000
PF = 2.447000739661530D-004
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.395494109872010
PF = 3.427787427756090D-004





Anhang E: Beispiel der Berechnung der Brücken
Seite 289
Alte Mainbrücke Lohr: Berechnung bei Verstärkung mit Bohrpfählen


Tragfähigkeit der Betondruckzone in dem
Bohrpfahl mit streuender
Betondruckspannung und Anprallkraft (die
Hälfte der Fläche und volle Anprallast)


**** E I N G A B E D A T E N *******
TYP = 1
X = 20.027414181492500
XM = 28.000000000000000
SIGM= 2.800000000000000
ALPHA= -0.713930837835615
TYP = 1
X = 3.646327281941980
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.700216256344860
**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 16
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 3.988335132598880
PF = 3.328457236112550D-005
SORM NACH BREITUNG
BETA= 3.988256170136450
PF = 3.328457238977400D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 3.988256170124220
PF = 3.328457239148990D-005
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 3.988256170125410
PF = 3.328457239132260D-005
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 3.988256170125800
PF = 3.328457239126780D-005
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 3.988925656921560
PF = 3.319075952046040D-005

Überschlag der Tragfähigkeit der
Betondruckzone in dem Bohrpfahl mit
streuender Betondruckspannung und
Anprallkraft (ein Viertel der Fläche und volle
Anprallast)

**** E I N G A B E D A T E N ********
TYP = 1
X = 27.322601390038500
XM = 28.000000000000000
SIGM= 2.800000000000000
ALPHA= -0.454179797236189
TYP = 1
X = 2.487280646798880
XM = 2.250000000000000
SIGM= 0.500000000000000
ALPHA= 0.890910044708922
**** A U S G A B E D A T E N *******
ITERATIONSSCHRITTE: 14
FORM NACH RACKWITZ-FIEßLER
BETA= 0.532702803611755
PF = 0.297119652690600
SORM NACH BREITUNG
BETA= 0.532308574204376
PF = 0.297119652831300
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 1 GLIED
BETA= 0.532308573721612
PF = 0.297119652998329
SORM NACH KOEYLUEOGLU / NIELSEN 3 GLIEDER
BETA= 0.532308573721612
PF = 0.297119652998329
SORM NACH CIA / ELISHAKOFF
BETA= 0.532308573721612
PF = 0.297119652998329
STICHPROBENREDUZIERT MONTE-CARLO-
SIMULATION
BETA= 0.516585480080000
PF = 0.302582311761089



Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 290
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 291
14 Anhang F: Ermittlung der statistischen
Eigenschaften der Zufallsgrößen

Beispielhafte Angaben zur statistischen Auswertung der Materialkenngrößen:
14.1 Statistische Auswertung der Betondruckfestigkeit

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)
Mittelwert 47,944 Std Err 2,228 Kurtosis -,574
Median 50,745 Std Dev 22,281 S.E. Kurt. ,490
Modalwert 3,170 Variance 496,461 Schiefe -,141
Minimum 3,170 Sum 4794,370 S.E. Schiefe ,245
Maximum 97,570 Range 94,400 Valid 100,000
95% Confidence Interval for the Mittelwert = [ 43,522 to 52,364]

Mit dem Bottstrap Verfahren wurde der Mittelwert geprüft.
Using 500 subsampling with 100 observations (Seed = 910298660)

Mittelwert = 47,944 Stimmt überein

Statistische Auswertung des Mittelwertes
Mittelwert 47,914 Std Err ,099 Kurtosis -,259
Median 47,870 Std Dev 2,218 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 42,083 Variance 4,919 Schiefe ,105
Minimum 42,083 Sum 23957,119 S.E. Skew. ,110
Maximum 54,166 Range 12,082 Valid 500,000

Bootstrap Vertauensbereiche Bias Corrected
90,0% [ 44,425, 51,703] [ 44,568, 51,850]
95,0% [ 43,672, 52,329] [ 43,782, 52,393]
99,0% [ 42,250, 53,670] [ 42,277, 53,868]

Mit dem Bottstrap Verfahren wurde die Standardabweichung geprüft.
Using 500 subsampling with 100 observations (Seed = 237768229)

Standard deviation = 22,281 Stimmt überein

Statistische Auswertung der Standardabweichung
Mittelwert 22,048 Std Err ,061 Kurtosis -,287
Median 22,149 Std Dev 1,356 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 17,598 Variance 1,839 Schiefe -,178
Minimum 17,598 Sum 11024,080 S.E. Skew. ,110
Maximum 25,366 Range 7,768 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereiche
90,0% [ 19,891, 24,055]
95,0% [ 19,261, 24,506]
99,0% [ 18,493, 25,230]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 292


Histogramm der Betondruckfestigkeit mit 10 Klassen

Function Sq Error
Normal 0.0104
Beta 0.0116
Triangular 0.0126
Weibull 0.0177
Uniform 0.0243
Gamma 0.0258
Erlang 0.0267
Lognormal 0.0399
Exponential 0.0488

Histogramm der Betondruckfestigkeit mit 12 Klassen

Function Sq Error
Triangular 0.0115
Normal 0.0119
Beta 0.0137
Weibull 0.0189
Uniform 0.0236
Gamma 0.0261
Erlang 0.0267
Lognormal 0.0385
Exponential 0.0438

Histogramm der Betondruckfestigkeit mit 14 Klassen


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 293
Normalplot
-2,5
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
6 16 26 36 46 56 66 76 86 96 106
Betondruckfestigkeit [N/mm
2
]
STPR
NV
OPTI
m = 48.39
s = 21.93





Lognormalplot (2 parametrig)
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
6 16 26 36 46 56 66 76 86 96 106
Betondruckfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
STPR
STPR
OPTI
OPTI
m = 48.39
s = 21.93


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 294
Lognormalplot (3 parametrig)
-2,5
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
6 16 26 36 46 56 66 76 86 96 106
Betondruckfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
STPR
STPR
OPTI
OPTI
m = 48.39
s = 21.93




Weibullplot
-2,5
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
6 16 26 36 46 56 66 76 86 96 106
Betondruckfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
STPR
STPR
OPTI
OPTI
m = 48.39
s = 21.93

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 295
14.2 Statistische Auswertung der einaxialen Betonzugversuche

(alle Körper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)
Mittelwert 1,149 Std Err ,110 Kurtosis -,372
Median 1,220 Std Dev ,688 S.E. Kurt. ,784
Modalwert ,000 Variance ,473 Schiefe ,275
Minimum ,000 Sum 44,800 S.E. Skew. ,392
Maximum 2,950 Range 2,950 Valid 39,000

95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ ,9257 to 1,3717]

Mit dem Bootstrap Verfahren (Orginaldaten) wurde der Mittelwert
(Mittelwert) geprüft.
Using 500 subsampling with 39 observations (Seed = 607327514)

Mittelwert = 1,149 Stimmt

Statistische Beschreibung des geprüften Mittelwertes
Mittelwert 1,157 Std Err ,005 Kurtosis -,166
Median 1,156 Std Dev ,107 S.E. Kurt. ,219
Modalwert ,898 Variance ,011 Schiefe ,167
Minimum ,898 Sum 578,685 S.E. Skew. ,110
Maximum 1,491 Range ,592 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Bias Corrected
90,0% [ ,988, 1,338] [ ,980, 1,321]
95,0% [ ,948, 1,377] [ ,942, 1,370]
99,0% [ ,910, 1,438] [ ,902, 1,433]

Mit dem Bootstrap Verfahren (Orginaldaten) wurde der Standardabweichung
geprüft.
Using 500 subsampling with 39 observations (Seed = 956306714)

Standard deviation = ,688 Stimmt

Statistische Beschreibung des geprüften Mittelwertes
Mittelwert ,674 Std Err ,003 Kurtosis -,005
Median ,672 Std Dev ,068 S.E. Kurt. ,219
Modalwert ,480 Variance ,005 Schiefe ,090
Minimum ,480 Sum 336,767 S.E. Skew. ,110
Maximum ,878 Range ,398 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich
90,0% [ ,559, ,784]
95,0% [ ,542, ,815]
99,0% [ ,499, ,848]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 296


Histogramm der Betonzugfestigkeit bei 6 Klassen



Histogramm der Betonzugfestigkeit bei 8 Klassen

Function Sq Error
Beta 0.0143
Normal 0.0176
Weibull 0.023
Triangular 0.0305
Gamma 0.0318
Uniform 0.0361
Exponential 0.0391
Erlang 0.0391
Lognormal 0.0754

Histogramm der Betonzugfestigkeit bei 10 Klassen


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 297

Normalplot
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
einaxiale Betonzugfestigkeit [N/mm
2
]




Lognormalplot (2 parametrig)
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
0 0,5 1 1,5 2 2,5 3
einaxiale Betonzugfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 298
Lognormalplot (3 parametrig)
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
0 0,5 1 1,5 2 2,5 3
einaxiale Betonzugfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s




Weibullplot
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
0 0,5 1 1,5 2 2,5 3
einaxiale Betonzugfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 299
14.3 Statistische Auswertung der Sandsteindruckfestigkeit


(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)
Mittelwert 75,421 Std Err 1,730 Kurtosis -,447
Median 76,000 Std Dev 21,325 S.E. Kurt. ,397
Modalwert 23,000 Variance 454,749 Schiefe ,173
Minimum 23,000 Sum 11464,000 S.E. Skew. ,199
Maximum 131,000 Range 108,000 Valid 152,000
95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ 72,003 to 78,838]

Mit dem Bootstrap Verfahren (Orginaldaten) wurde der Mittelwert
(Mittelwert) geprüft.
500 subsampling with 152 observations (Seed = 772148276)

Mittelwert = 75,421 Stimmt überein

Statistische Beschreibung des geprüften Mittelwertes
Mittelwert 75,286 Std Err ,074 Kurtosis -,104
Median 75,237 Std Dev 1,652 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 70,145 Variance 2,728 Schiefe ,130
Minimum 70,145 Sum 37642,993 S.E. Skew. ,110
Maximum 80,586 Range 10,441 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereiche Bias Corrected
90,0% [ 72,645, 78,086] [ 72,893, 78,375]
95,0% [ 72,266, 78,523] [ 72,567, 78,841]
99,0% [ 71,191, 79,184] [ 71,694, 80,098]

Mit dem Bootstrap Verfahren (Orginaldaten) wurde die Standardabweichung
geprüft.
500 subsampling with 152 observations (Seed = 727190582)

Standard deviation = 21,325 Stimmt überein

Statistische Beschreibung der geprüften Standardabweichung
Mittelwert 21,173 Std Err ,050 Kurtosis -,408
Median 21,188 Std Dev 1,123 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 18,283 Variance 1,260 Schiefe -,098
Minimum 18,283 Sum 10586,474 S.E. Skew. ,110
Maximum 24,049 Range 5,765 Valid 500,000

Bootstrap Confidence intervals
90,0% [ 19,251, 23,007]
95,0% [ 19,034, 23,322]
99,0% [ 18,310, 23,691]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 300
Function Sq Error
Beta 0.00304
Weibull 0.00326
Normal 0.00485
Erlang 0.00488
Gamma 0.00497
Triangular 0.00506
Lognormal 0.0105
Uniform 0.0345
Exponential 0.0656

Histogramm der Steindruckfestigkeit bei 12 Klassen

Histogramm der Steindruckfestigkeit bei 18 Klassen


Histogramm der Steindruckfestigkeit bei 22 Klassen

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 301
Normalplot
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
0 20 40 60 80 100 120 140
Sandsteindruckfestigkeit [N/mm
2
]




Lognormalplot (2 parametrig)
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 20 40 60 80 100 120 140
Sandsteindruckfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 302
Lognormalplot (3 parametrig)
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
0 20 40 60 80 100 120 140
Sandsteindruckfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s




Weibullplot
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
0 20 40 60 80 100 120 140
Sandsteinsdruckfestigkeit [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 303
14.4 Statistische Auswertung der Spaltzugfestigkeit der
Sandsteine

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)

Mittelwert 4,716 Std Err ,171 Kurtosis ,946
Median 4,630 Std Dev 1,314 S.E. Kurt. ,638
Modalwert 1,550 Variance 1,727 Schiefe ,473
Minimum 1,550 Sum 278,230 S.E. Skew. ,319
Maximum 9,020 Range 7,470 Valid 59,000
95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ 4,3733 to 5,0582]

Mit dem Bootstrap Verfahren (Orginaldaten) wurde der Mittelwert geprüft.
Using 500 subsampling with 59 observations (Seed = 423824687)

Mittelwert = 4,716 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften des Mittelwertes
Mittelwert 4,720 Std Err ,008 Kurtosis ,331
Median 4,721 Std Dev ,171 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 4,176 Variance ,029 Schiefe -,003
Minimum 4,176 Sum 2360,029 S.E. Skew. ,110
Maximum 5,254 Range 1,078 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Bias Corrected
90,0% [ 4,439, 4,985] [ 4,424, 4,965]
95,0% [ 4,394, 5,042] [ 4,353, 5,031]
99,0% [ 4,219, 5,209] [ 4,193, 5,201]

Mit dem Bootstrap Verfahren (Orginaldaten) wurde der Mittelwert geprüft.
Using 500 subsampling with 59 observations (Seed = 839585071)

Standard deviation = 1,314 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften des Mittelwertes
Mittelwert 1,293 Std Err ,007 Kurtosis -,267
Median 1,290 Std Dev ,151 S.E. Kurt. ,219
Modalwert ,910 Variance ,023 Schiefe ,062
Minimum ,910 Sum 646,618 S.E. Skew. ,110
Maximum 1,768 Range ,859 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Standardabweichung
90,0% [ 1,044, 1,536]
95,0% [ 1,009, 1,588]
99,0% [ ,927, 1,663]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 304


Histogramm der Spaltzugfestigkeit bei 7 Klassen

Function Sq Error
Erlang 0.00807
Gamma 0.00837
Normal 0.00974
Beta 0.0104
Weibull 0.0113
Lognormal 0.0142
Triangular 0.0373
Uniform 0.118
Exponential 0.149

Histogramm der Spaltzugfestigkeit bei 9 Klassen

Function Sq Error
Erlang 0.0107
Gamma 0.011
Normal 0.0139
Beta 0.014
Weibull 0.0147
Lognormal 0.0161
Triangular 0.0406
Uniform 0.0973
Exponential 0.127

Histogramm der Spaltzugfestigkeit bei 11 Klassen


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 305
Normalplot
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Spaltzugfestigkeit des Sandsteins [N/mm
2
]




Lognormalplot (2 parametrig)
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Spaltzugfestigkeit des Sandsteins [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
STPR
STPR
OPTI
OPTI
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 306
Lognormalplot (3 parametrig)
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Spaltzugfestigkeit des Sandsteins [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
STPR
STPR
OPTI
OPTI




Weibullplot
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Spaltzugfestigkeit des Sandsteins [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 307
14.5 Statistische Auswertung der E-Modul-Tests an Beton

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)

Mittelwert22552,619 Std Err 1339,673 Kurtosis -,061
Median 25504,500 Std Dev 8682,075 S.E. Kurt. ,756
Modalwert 1387,000 Variance 75378423,3 Schiefe -,954
Minimum 1387,000 Sum 947210,000 S.E. Skew. ,378
Maximum 34480,000 Range 33093,000 Valid 42,000
95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ 19847 to 25258]

Mit dem Bootstrap Verfahren wird der Mittelwert geprüft.
Using 500 subsampling with 42 observations (Seed = 155912704)

Mittelwert = 22552,6 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften des Mittelwertes
Mittelwert22594,408 Std Err 59,638 Kurtosis ,264
Median 22607,381 Std Dev 1333,552 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 18359,619 Variance 1778359,97 Schiefe -,181
Minimum 18359,619 Sum 11297203,786 S.E. Skew. ,110
Maximum 26637,690 Range 8278,071 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Bias Corrected
90,0% [ 20202,976, 24737,762] [ 20061,206, 24539,123]
95,0% [ 19788,464, 25095,452] [ 19663,713, 24983,296]
99,0% [ 18566,190, 25933,798] [ 18471,109, 25733,990]

Mit dem Bootstrap Verfahren wird die Standardabweichung geprüft.
Using 500 subsampling with 42 observations (Seed = 521931264)

Standard deviation = 8682,07 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften der Standardabweichung
Mittelwert 8552,787 Std Err 44,535 Kurtosis ,089
Median 8593,367 Std Dev 995,830 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 5302,674 Variance 991677,875 Schiefe -,165
Minimum 5302,674 Sum 4276393,531 S.E. Skew. ,110
Maximum 11178,490 Range 5875,816 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich
90,0% [ 6851,291, 10137,040]
95,0% [ 6482,825, 10567,304]
99,0% [ 5795,050, 10867,129]

Verteilungstyp
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 308
Function Sq Error
Triangular 0.0218
Beta 0.0373
Normal 0.0435
Uniform 0.0646
Weibull 0.079
Erlang 0.0987
Gamma 0.11
Exponential 0.143
Lognormal 0.188

Histogramm E-Modul Beton mit 6 Klassen



Histogramm E-Modul Beton mit 8 Klassen

Function Sq Error
Beta 0.0314
Triangular 0.0395
Normal 0.0403
Uniform 0.0497
Weibull 0.0624
Erlang 0.0751
Gamma 0.0814
Exponential 0.0977
Lognormal 0.124

Histogramm E-Modul Beton mit 10 Klassen

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 309
Normalplot
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 5000 10000 15000 20000 25000 30000 35000
Beton-E-Modul [N/mm
2
]




Lognormalplot (2 parametrig)
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
0 5000 10000 15000 20000 25000 30000 35000
Beton-E-Modul [N/mm
2
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s





Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 310
14.6 Statistische Auswertung der E-Modul-Tests Sandstein

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)

Mittelwert28534,587 Std Err 891,947 Kurtosis ,633
Median 27105,000 Std Dev 7079,609 S.E. Kurt. ,617
Modalwert 14521,000 Variance 50120861,2 Schiefe ,521
Minimum 14521,000 Sum 1797679,000 S.E. Skew. ,309
Maximum 50053,000 Range 35532,000 Valid 63,000
95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ 26751 to 30317]

Mit dem Bootstrap Verfahren wird der Mittelwert geprüft.
Using 500 subsampling with 63 observations (Seed = 742263085)

Mittelwert = 28534,5 Stimmt überein

Statistische Beschreibung des Mittelwertes
Mittelwert28555,266 Std Err 41,177 Kurtosis -,253
Median 28536,214 Std Dev 920,756 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 25901,587 Variance 847792,496 Schiefe -,076
Minimum 25901,587 Sum 14277633,175 S.E. Skew. ,110
Maximum 30883,698 Range 4982,111 Valid 500,000

Bootstrap Confidence intervals Bias Corrected
90,0% [ 26945,190, 30045,111] [ 26931,526, 30040,853]
95,0% [ 26720,738, 30363,762] [ 26687,562, 30356,425]
99,0% [ 26226,056, 30641,056] [ 26218,562, 30638,525]

Mit dem Bootstrap Verfahren wird die Standardabweichung geprüft.
Using 500 subsampling with 63 observations (Seed = 36636974)

Standard deviation = 7079,60 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften der Standardabweichung
Mittelwert 6997,194 Std Err 33,295 Kurtosis -,347
Median 6986,704 Std Dev 744,490 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 4926,347 Variance 554264,819 Schiefe ,063
Minimum 4926,347 Sum 3498596,846 S.E. Skew. ,110
Maximum 9072,833 Range 4146,486 Valid 500,000

Bootstrap Confidence intervals
90,0% [ 5810,002, 8221,569]
95,0% [ 5566,041, 8461,873]
99,0% [ 5190,957, 8879,130]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 311
Chi Square Test:
No. of intervals = 4
Degrees of freedom = 1
Test Statistic = 2.24
Corresp.p-value = 0.15

Kolmogorov-Smirnov
Test:
Test Statistic = 0.112
Corresp. p-value=>0.15

Function Sq Error
Normal 0.0102
Beta 0.0132
Triangular 0.0162
Weibull 0.0187
Erlang 0.0328
Gamma 0.0358
Uniform 0.0685
Exponential 0.0884
Lognormal 0.103

Histogramm E-Modul Sandstein mit 7 Klassen



Histogramm E-Modul Sandstein mit 9 Klassen

Chi Square Test:
No. Of intervals = 7
Degrees of freedom = 4
Test Statistic = 4.33
Corresp.p-value =0.381

Kolmogorov-Smirnov
Test:
Test Statistic = 0.112
Corresp.p-value =>0.15

Function Sq Error
Normal 0.0151
Triangular 0.0177
Beta 0.0179
Weibull 0.0208
Erlang 0.0311
Gamma 0.033
Uniform 0.054
Exponential 0.0659
Lognormal 0.0761

Histogramm E-Modul Sandstein mit 11 Klassen


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 312
14.7 Statistische Auswertung der Mörteldruckfestigkeiten

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Auswertung der Stichproben (Mittlwert und Standardabweichung
in N/mm
2
)
Mittelwert 11,050 Std Err 2,293 Kurtosis -1,436
Median 13,400 Std Dev 7,251 S.E. Kurt. 1,549
Modalwert 1,900 Variance 52,574 Schiefe -,158
Minimum 1,900 Sum 110,500 S.E. Skew. ,775
Maximum 21,800 Range 19,900 Valid 10,000
95% Vertauensbereich für den Mittelwert = [ 5,8631 to 16,236]

Mit dem Bootstrap Verfahren wird der Mittelwert geprüft.
Using 500 subsampling with 10 observations (Seed = 390401819)

Mittelwert = 11,050 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften des geprüften Mittelwertes
Mittelwert 11,364 Std Err ,096 Kurtosis -,289
Median 11,310 Std Dev 2,141 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 4,630 Variance 4,585 Schiefe -,126
Minimum 4,630 Sum 5681,880 S.E. Skew. ,110
Maximum 16,590 Range 11,960 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Bias Corrected
90,0% [ 7,710, 14,810] [ 7,139, 14,274]
95,0% [ 7,090, 15,530] [ 6,324, 14,869]
99,0% [ 5,600, 15,875] [ 4,634, 15,743]

Mit dem Bootstrap Verfahren wird die Standardabweichung geprüft.
Using 500 subsampling with 10 observations (Seed = 640945947)

Standard deviation = 7,251 Stimmt überein

Statistische Eigenschaften der geprüften Standardabweichung
Mittelwert 6,789 Std Err ,045 Kurtosis 2,542
Median 6,871 Std Dev 1,004 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 1,766 Variance 1,007 Schiefe -,984
Minimum 1,766 Sum 3394,647 S.E. Skew. ,110
Maximum 9,018 Range 7,252 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich
90,0% [ 5,142, 8,210]
95,0% [ 4,545, 8,418]
99,0% [ 2,753, 8,907]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 313
Function Sq Error
Uniform 0.08
Beta 0.0803
Triangular 0.102
Normal 0.105
Weibull 0.111
Gamma 0.112
Exponential 0.112
Erlang 0.112
Lognormal 0.13

Histogramm der Mörteldruckfestigkeit mit 5 Klassen

Function Sq Error
Beta 0.0635
Uniform 0.0771
Exponential 0.0845
Erlang 0.0845
Gamma 0.0927
Weibull 0.0961
Lognormal 0.101
Normal 0.103
Triangular 0.114

Histogramm der Mörteldruckfestigkeit mit 7 Klassen



Histogramm der Mörteldruckfestigkeit mit 9 Klassen

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 314
14.8 Statistische Auswertung der Betondichte

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Eigenschaften der Stichproben (Mittelwert in kg/dm
3
)

Mittelwert 2,257 Std Err ,008 Kurtosis 1,757
Median 2,280 Std Dev ,099 S.E. Kurt. ,408
Modalwert 1,890 Variance ,010 Schiefe -1,108
Minimum 1,890 Sum 325,050 S.E. Skew. ,204
Maximum 2,450 Range ,560 Valid 144,000
95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ 2,2410 to 2,2736]

Mit dem Bootstrap Verfahren geprüfter Mittelwert.
Using 500 subsampling with 144 observations (Seed = 710611996)

Mittelwert = 2,257 Stimmt überein

Statistische Beschreibung des geprüften Mittelwertes
Mittelwert 2,257 Std Err ,000 Kurtosis -,225
Median 2,257 Std Dev ,008 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 2,235 Variance ,000 Schiefe -,051
Minimum 2,235 Sum 1128,578 S.E. Skew. ,110
Maximum 2,278 Range ,044 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Bias Corrected
90,0% [ 2,244, 2,270] [ 2,244, 2,270]
95,0% [ 2,242, 2,272] [ 2,241, 2,272]
99,0% [ 2,237, 2,278] [ 2,237, 2,277]

Mit dem Bootstrap Verfahren geprüfte Standardabweichung.
Using 500 subsampling with 144 observations (Seed = 120132637)

Standard deviation = ,099 Stimmt überein

Statistische Beschreibung der geprüften Standardabweichung
Mittelwert ,098 Std Err ,000 Kurtosis -,142
Median ,098 Std Dev ,008 S.E. Kurt. ,219
Modalwert ,077 Variance ,000 Schiefe -,018
Minimum ,077 Sum 48,798 S.E. Skew. ,110
Maximum ,123 Range ,046 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich
90,0% [ ,084, ,110]
95,0% [ ,082, ,113]
99,0% [ ,078, ,118]


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 315
Function Sq Error
Weibull 0.0168
Beta 0.0191
Normal 0.024
Gamma 0.0412
Erlang 0.0424
Triangular 0.0428
Lognormal 0.0539
Uniform 0.113
Exponential 0.159

Histogramm der Betondichte bei 12 Klassen



Histogramm der Betondichte bei 14 Klassen

Function Sq Error
Weibull 0.0222
Beta 0.0232
Normal 0.0273
Triangular 0.0391
Gamma 0.0395
Erlang 0.0403
Lognormal 0.0489
Uniform 0.0918
Exponential 0.126

Histogramm der Betondichte bei 16 Klassen

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 316
Normalplot
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Betondichte [kg/dm
3
]




Lognormalplot (2 parametrig)
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Betondichte [kg/dm
3
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 317
Lognormalplot (3 parametrig)
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Betondichte [kg/dm
3
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s




Weibullplot
-4,0
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Betondichte [kg/dm
3
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s



Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 318
14.9 Statistische Auswertung der Sandsteindichte

(alle Probekörper = eine Grundgesamtheit)

Statistische Eigenschaften der Stichproben (Mittelwert in kg/dm
3
)

Mittelwert 2,274 Std Err ,011 Kurtosis 119,886
Median 2,270 Std Dev ,152 S.E. Kurt. ,368
Modalwert 2,110 Variance ,023 Schiefe 10,158
Minimum 2,110 Sum 402,450 S.E. Skew. ,184
Maximum 4,120 Range 2,010 Valid 177,000
95% Vertrauensbereich für den Mittelwert = [ 2,2511 to 2,2963]

Mit dem Bootstrap Verfahren geprüfter Mittelwert.
Using 500 subsampling with 177 observations (Seed = 235672610)

Mittelwert = 2,274 stimmt überein

Statistische Beschreibung des geprüften Mittelwertes
Mittelwert 2,273 Std Err ,000 Kurtosis ,435
Median 2,272 Std Dev ,011 S.E. Kurt. ,219
Modalwert 2,251 Variance ,000 Schiefe ,650
Minimum 2,251 Sum 1136,476 S.E. Skew. ,110
Maximum 2,324 Range ,072 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich Bias Corrected
90,0% [ 2,258, 2,293] [ 2,260, 2,298]
95,0% [ 2,255, 2,298] [ 2,258, 2,301]
99,0% [ 2,253, 2,304] [ 2,254, 2,311]

Mit dem Bootstrap Verfahren geprüfte Standardabweichung.
Using 500 subsampling with 177 observations (Seed = 739972130)

Standard deviation = ,152 stimmt überein
Bemerkung: Die Verteilung der geprüften Standardabweichung ist definitiv
keine Normalverteilung!

Statistische Beschreibung der geprüften Standardabweichung
Mittelwert ,137 Std Err ,003 Kurtosis -,919
Median ,152 Std Dev ,066 S.E. Kurt. ,219
Modalwert ,055 Variance ,004 Schiefe ,240
Minimum ,055 Sum 68,359 S.E. Skew. ,110
Maximum ,316 Range ,261 Valid 500,000

Bootstrap Vertrauensbereich
90,0% [ ,058, ,248]
95,0% [ ,057, ,250]
99,0% [ ,055, ,314]

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 319
Function Sq Error
Beta 0.00483
Triangular 0.00541
Weibull 0.0062
Normal 0.0068
Gamma 0.00936
Erlang 0.00955
Lognormal 0.0143
Uniform 0.0319
Exponential 0.0667

Histogramm der Sandsteindichte bei 12 Klassen



Histogramm der Sandsteindichte bei 14 Klassen



Histogramm der Sandsteindichte bei 16 Klassen

Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 320
Normalplot
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Sandsteindichte [kg/dm
3
]




Lognormalplot (2 parametrig)
-3,0
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Sandsteindichte [kg/dm
3
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 321
Lognormalplot (3 parametrig)
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Sandsteindichte [kg/dm
3
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s




Weibullplot
-2,0
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
2 2,05 2,1 2,15 2,2 2,25 2,3 2,35 2,4 2,45 2,5
Sandsteindichte [kg/dm
3
]
(
F
-
1
(
q
)
-
m
)
/
s


Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen

Seite 322
14.10 Statistische Auswertung der Schiffsanprallkraft


Function Sq Error
Lognormal 0.022
Gamma 0.028
Erlang 0.037
Beta 0.017
Triangular 0.190
Normal 0.065
Exponential 0.113
Uniform 0.241


Histogramm der Schiffsanprallkraft


Statistische Kennwerte des Anprallkraft (Mittelwert und Standardabweichung
in MN)

Mittelwert 2,041 Std Err ,015 Kurtosis 6,730
Median 1,500 Std Dev 1,499 S.E. Kurt. ,049
Modalwert 1,500 Variance 2,246 Schiefe 2,104
Minimum ,500 Sum 20533,000 S.E. Skew. ,024
Maximum 16,500 Range 16,000 Valid 10058,000
95% Confidence Interval for the Mittelwert = [ 2,0122 to 2,0708]

14.11 Statistische Auswertung der Anprallkraft (Seitstoß)




Summe Fehlerquadrat
Lognorm 0.00367
Expon 0.0153
Erlang 0.0173
Gamma 0.0176
Beta 0.0243
Unif 0.539
Tria 0.43
Norm 0.133



Statistische Eigenschaften
Mittelwert ,748 Std Err ,006 Kurtosis 12,673
Median ,500 Std Dev ,640 S.E. Kurt. ,049
Modalwert ,500 Variance ,410 Schiefe 3,256
Minimum ,500 Sum 7479,000 S.E. Skew. ,024
Maximum 5,500 Range 5,000 Valid 9998,000
95% Vertrauensbereich des Mittelwertes = [ ,7355 to ,7606]
Anhang F: Ermittlung der statistischen Eigenschaften der Zufallsgrößen
Seite 323
14.12 Statistische Auswertung des Wasserstandes

Function Sq Error
Lognormal 0.151
Gamma 0.156
Erlang 0.157
Weibull 0.16
Beta 0.161
Triangular 0.171
Normal 0.173
Exponential 0.183
Uniform 0.201


Statistische Kennwerte des Anprallhöhe (Höhe über NN)

Mittelwert 147,747 Std Err ,026 Kurtosis 2,949
Median 147,680 Std Dev ,497 S.E. Kurt. ,256
Modalwert 147,350 Variance ,247 Schiefe 1,615
Minimum 147,290 Sum 53927,530 S.E. Skew. ,128
Maximum 149,550 Range 2,260 Valid 365,000
95% Confidence Interval for the Mittelwert = [ 147,69 to 147,79]

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