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Marktordnung im Finanzsystem
Bankenregulierung, Rating-Agenturen,
Risikomanagement
Peter Altmiks (Hrsg.)
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ISBN 978-3-942928-06-9

Universum Kommunikation und Medien AG
Argumente der Freiheit
Herausgegeben vom Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Band 26: Wolf von Laer
Probleme des etablierten Notenbankensystems –
Free Banking als Alternative?
Band 27: Steffen Hentrich (Hrsg.):
Eigentum und Umweltschutz
Band 28: Csilla Hatvany:
Ansatzpunkte für eine liberale Integrationspolitik
Band 29: Steffen Hentrich (Hrsg.):
Eine Wende zum Besseren? Herausforderungen der Energiepolitik
für die Elektrizitätsversorgung
Universum Kommunikation
und Medien AG
Peter Altmiks
(Herausgeber)
Marktordnung im Finanzsystem
Bankenregulierung, Rating-Agenturen, Risikomanagement
Argumente der Freiheit
Marktordnung im Finanzsystem
Bankenregulierung, Rating-Agenturen, Risikomanagement
Peter Altmiks (Hrsg.)

Universum Kommunikation und Medien AG
Berlin 2013
4
Impressum:
1. Aufage, Januar 2013
© 2013 Universum Kommunikation & Medien AG
Umschlag
Gestaltung: altmann-druck GmbH
Satz und Druck: altmann-druck GmbH, Berlin
Printed in Germany - ISBN 978-3-942928-07-6
5
Inhalt
Einleitung .......................................................................9
Peter Altmiks
Die Bankenregulierung durch die ................................16
Regelwerke Basel I, II und III
Ulrich Vrede
1. Einleitung ................................................................... 16
2. Basel I ....................................................................... 18
3. Basel II ...................................................................... 19
3.1 Säule 1 .................................................................... 19
3.2 Säule 2 und 3 ..........................................................23
4. Basel III .....................................................................24
4.1 Neuregelungen beim Eigenkapital ............................26
4.1.1 Qualität des Eigenkapitals ......................................26
4.1.2 Quantität des Eigenkapitals ...................................28
4.2 Verringerung der Prozyklik und
Begrenzung der Verschuldung .......................................30
4.2.1 Antizyklischer Kapitalpuffer ................................... 31
4.2.2 Leverage Ratio .....................................................32
4.3 Liquidität ..................................................................33
4.4 Strengere Regeln für das Handelsbuch
und Verbriefungen .........................................................34
4.5 Umsetzung auf nationaler Ebene ..............................36
5. Kritische Würdigung von Basel III ..............................36
5.1 Grundsätzliche Kritik und Gegenargumente .............38
5.2 Realwirtschaftliche Effekte ......................................39
6
5.3 Antizyklischer Kapitalpuffer und
Frühwarnindikatoren ...................................................... 41
5.4 Vor- und Nachteile der Leverage Ratio .....................42
5.5 Fehlanreize der Liquiditätskennziffern .......................43
5.6 Abbau von Komplexität ............................................45
5.7 Fazit .........................................................................46
Literatur .........................................................................47
Rating-Agenturen in der Krise: Wenn staatlich
verordnetes Vertrauen zum Risiko wird ........................ 51
Ines Läufer und Christine Arentz
1. Einführung: Rating-Agenturen im Zentrum
öffentlicher und politischer Debatten .............................. 51
2. Rating-Agenturen: Privatwirtschaftliches
Informationsangebot auf dem Finanzmarkt ...................53
3. Rating-Agenturen:
Staatlich delegierte Aufsicht ..........................................54
4. Umgang mit Unsicherheit: Wettbewerb
oder staatliche Sicherheitsstandards? ............................58
5. Vergütung der Rating-Agenturen:
Mögliche Fehlanreize und Reformoptionen .....................60
6. Vielfalt statt Alternativlosigkeit auf
dem Rating-Markt ..........................................................68
Literatur ........................................................................72
7
Risikomanagement in Kreditinstituten ..........................76
Ralf Bauer
1. Aktuelle Situation im Bankensektor ...........................76
2. Risiken bei Banken ....................................................78
2.1 Ausfallrisiken ............................................................81
2.1.1 Erwartete Ausfallrisiken .........................................81
2.1.2 Unerwartete Ausfallrisiken .....................................85
2.2 Preisrisiken ..............................................................88
2.3 Liquiditätsrisiken ......................................................95
2.4 Operationelle Risiken ...............................................97
2.5 Gesamtposition der Risiken .....................................99
3. Risikomanagement und Gesamtbanksteuerung ........ 101
3.1 Prozess der Risikobudgetierung ............................. 102
3.2 Integrierte Gesamtbanksteuerung .......................... 107
3.3 Weitere Implikationen ............................................ 113
4. Risikomanagement der Banken
während der Finanzkrise .............................................. 114
5. Ausblick ................................................................... 117
Literatur ....................................................................... 122
Die Sehnsucht nach Finanzstabilität:
Regulierungsfülle und -defzite ................................... 125
Peter Altmiks
1. Wirkliche Ursachen der Finanzkrise ......................... 127
2. Bisherige Regulierung und Aufsicht.......................... 135
2.1 Negative Wirkungen von Basel I und II ................... 136
2.2 Aufsichtsdefzite..................................................... 139
8
2.3 Nicht-Banken ......................................................... 140
3. Erfolgsaussichten der jüngsten Regulierung ............. 141
3.1 Basel III .................................................................. 141
3.2 Gesetz zur Abwicklung und Restrukturierung
von Banken ................................................................. 144
3.3 Vorschläge der EU-Expertengruppe ....................... 146
3.4 Vorschläge der Deutschen Bundesbank ................ 148
3.5 Euro-Bankenaufsicht und
europäische Bankenunion ............................................ 150
3.6 Volcker-Regel ....................................................... 152
4. Bewertung und Empfehlungen ................................. 153
4.1 Regulierungsfülle und -widersprüche ...................... 154
4.2 Ursachenbekämpfung statt
Haftungsverschiebung ................................................. 157
4.3 Ohne Regulierung geht es nicht .............................160
Literatur ....................................................................... 167
Autoren ....................................................................... 174
9
Einleitung
Peter Altmiks
Die weltweite Finanzkrise hat nicht nur das Vertrauen in die
Marktwirtschaft erschüttert, sondern auch den Ruf nach
stärkerer Regulierung hervorgebracht. Die Öffentlichkeit ist
zu Recht erzürnt, dass Kreditinstitute sowohl im Vorfeld als
auch in der Folge der Finanzkrise mit Hilfe von Steuergel-
dern „gerettet“ wurden. Auch wenn in Deutschland mehr-
heitlich staatliche Banken (Bankgesellschaft Berlin, Bayeri-
sche Landesbank, Deutsche Industriebank, HSH Nordbank,
Landesbank Sachsen, Westdeutsche Landesbank) durch
milliardenschwere Rettungsaktionen gestützt wurden, so
wurden mit der Commerzbank und der Hypo Real Estate
auch private Banken gestützt. Zumindest bei der Commerz-
bank scheint das Engagement des Bundes noch anzudau-
ern. 2011 hatte die Commerzbank einen großen Teil der stil-
len Einlage in Höhe von 16,4 Mrd. Euro zurückgezahlt. 1,6
Mrd. Euro hält der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin
(Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) noch als stille Ein-
lage.
1
Die Politik versucht nun mittels der sogenannten „makro-
prudentiellen“ Aufsicht, die Finanzmärkte gegen existenziel-
le Gefährdungen zu sichern. In Deutschland hat der Bun-
1 Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.11.2012.
10
destag am 25. Oktober 2012 ein Gesetz zur Stärkung der
Finanzaufsicht beschlossen, dem der Bundesrat mittlerweile
zugestimmt hat. Dieses Gesetz soll zur Stärkung der Zusam-
menarbeit im Bereich der Finanzstabilität einen Ausschuss
für Finanzstabilität einrichten, dem Vertreter der Deutschen
Bundesbank, des Bundesfnanzministeriums, der Bundes-
anstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie ein
Vertreter der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung
(FMSA) angehören.
2
Auf europäischer Ebene wurde 2011
ein europäischer Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) ins-
talliert, dem Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB),
der staatlichen Zentralbanken sowie Aufsichtsbehörden und
der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung angehören.
Dieser Ausschuss soll bei ernsthaften Risiken für die Finanz-
stabilität Warnungen oder Empfehlungen aussprechen, wei-
tergehende Befugnisse bleiben den nationalen Aufsichtsbe-
hörden vorbehalten.
Selbst die Kreditwirtschaft äußert sich dahingehend, dass
Systemrisiken international ungenügend überwacht und
deshalb unterschätzt worden seien. Eine erfolgreiche ma-
kroprudentielle Aufsicht solle Systemrisiken senken und
damit die Widerstandsfähigkeit sowie Stabilität des Finanz-
systems erhöhen.
3
Die Politik möchte frühzeitig gegen die
2 Deutscher Bundestag, Drucksache 17/11119, 17. Wahlperiode,
22.10.2012.
3 Schweitzer Bankenvereinigung, Makroprudentielle Politik, Positionspa-
pier zu Zielsetzungen, Instrumenten und institutioneller Ausgestaltung, Sep-
tember 2011, Quelle: http://www.swissbanking.org/20110915-3020-all-ar-
11
„…zügellose Herausbildung kreditfnanzierter Spekulations-
blasen an [den] Vermögensmärkten vorgehen, um gar nicht
erst in eine Situation zu geraten, in der die Stabilität des
Finanzsystems und die Stabilität der Realwirtschaft bedroht
sind.“
4

Dabei wäre zuerst zu klären, ob die bisherige Regulierung
und Aufsicht der Finanzmärkte sowohl vom Umfang als auch
von der Qualität her die Entstehung der Finanzkrise begüns-
tigt oder in ihren negativen Auswirkungen eher gemildert
hat? Existieren vielleicht Regulierungen, die zur Systemin-
stabilität geführt haben? Haben die staatlichen Aufsichtsbe-
hörden konsequent ihre Befugnisse genutzt, sind sie ihren
Verpfichtungen nachgekommen? Oder wurden Risikoein-
schätzungen an andere delegiert? Auch die Abläufe in den
Banken müssen untersucht werden. Gab es vielleicht Fehler
oder Missstände im Risikomanagement der Kreditinstitute?
Sind schädliche Anreize oder Managementpraktiken vor-
handen, die das Eingehen unkalkulierbarer Risiken gefördert
haben? Und vor allem, welche Rolle spielte die Geldpolitik
der nationalen Zentralbanken?
Die meisten Deutschen verstehen zu wenig von den Ursa-
chen und Hintergründen der Finanzkrise. Die dürftige Bericht-
erstattung sowohl in den öffentlich-rechtlichen als auch in den
beitspapier_makroprudentielle_politik_defnitive_version_deckblatt-jsa.pdf,
zugegriffen am 16.11.2012.
4 Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.10.2012.
12
privaten Medien und die durchsichtigen Schuldzuweisungen
vieler Politiker („Die Spekulanten sind schuld.“), die von ih-
rer eigenen Verantwortung ablenken wollen, erschweren das
Verständnis der Finanzkrise. In den Medien wird behauptet,
die Finanzkrise sei Folge unternehmerischen Versagens. Ver-
antwortlich seien ein unzureichendes Risikomanagement der
Finanzinstitute, spekulative Gier und von vornherein instabile
Finanzmärkte. Es gäbe zuviel „chaotische“ Marktfreiheit und
zu wenig ordnende staatliche Eingriffe.
5
Dieses Buch konzentriert sich zwar nur auf Teilbereiche
des Finanzmarktes, allerdings auf diejenigen, die mit am
stärksten in der Kritik stehen: Die Regulierung und das Ri-
sikomanagement der Kreditwirtschaft sowie die Tätigkeit
von Rating-Agenturen. Der Versicherungsbereich und der
Wertpapierhandel werden nicht behandelt. In Europa ge-
schieht die Finanzmarktregulierung über das Lamfalussy-
Verfahren.
6
Mit Hilfe des Financial Services Action Plan
soll die Finanzmarktregulierung in der EU harmonisiert
werden, um möglichst ähnliche Bedingungen in den eu-
ropäischen Staaten zu erreichen. Ziel ist ein einheitlicher,
5 Prollius, Michael von: Die Pervertierung der Marktwirtschaft – Der
Weg in die Staatswirtschaft und zurück zur Sozialen Marktwirtschaft, Mün-
chen 2009, S. 141.
6 Die europäischen Finanzminister setzten im Jahr 2000 eine Sachver-
ständigengruppe ein, die ein neues und schnelles Regelsetzungsverfahren
für die EU-Finanzmarktregulierung entwarf. Das gesamte Regulierungs-
verfahren sollte sowohl beschleunigt als auch vereinfacht werden. Das re-
sultierende Verfahren wurde 2001 als Lamfalussy-Verfahren vom Europä-
ischen Rat in Stockholm angenommen.
13
offener und sicherer europäischer Binnenmarkt für Finanz-
dienstleistungen.
Im ersten Aufsatz beschreibt Ulrich Vrede die Bankenregu-
lierung durch die Regelwerke Basel I, II und III. Er spricht sich
für eine schärfere Regulierung des Bankensektors und der
Finanzmärkte aus. Grundsätzlich existiere aber ein Span-
nungsverhältnis zwischen erhöhter Systemstabilität und
realwirtschaftlichen Kosten. Das neue Regelwerk Basel III
reagiere mit der Einführung eines antizyklischen Kapitalpuf-
fers auch auf die prozyklischen Wirkungen des Regelwerks
Basel II. Neue Instrumente wie die Verschuldungsquote (Le-
verage Ratio) und die Liquiditätskennziffern seien in ihren
Auswirkungen noch nicht abschließend zu beurteilen und
würden daher zu Recht einer Beobachtungsphase unterlie-
gen. Zwar habe Basel III auch Belastungen für die Kredit-
wirtschaft zur Folge, sorge aber für die Schließung von Ka-
pitallücken. Über die Jahre habe die Komplexität von Basel
I, II und III und somit der Aufwand für die Banken zugenom-
men, dies sei aber der Preis für die zunehmende Komplexi-
tät des Bankensystems und der Finanzmärkte.
Anschließend analysieren Christine Arentz und Ines Läufer
die Arbeit und Funktionsweise der Rating-Agenturen. Ra-
ting-Agenturen würden als Mitverursacher der Finanzkrise
angesehen und stünden im Zentrum der öffentlichen und
politischen Debatten. Grundsätzlich würden Rating-Agen-
turen den Informationsvorsprung von Kapitalnachfragern
reduzieren. In der Vergangenheit hätten die staatlichen Be-
14
hörden ihre Aufsichtsbefugnisse an die Rating-Agenturen
delegiert. Die staatliche Regulierung habe mit dazu geführt,
dass Bewertungen der drei großen Rating-Agenturen Inves-
titionsentscheidungen quasi erzwingen würden. Bei der Ver-
gütung von Rating-Agenturen müsse letztlich zwischen der
Bezahlung durch Kapitalanbieter (Investoren) und der damit
verbundenen Trittbrettfahrerproblematik sowie der Bezah-
lung durch Kapitalnachfrager (Emittenten) und der damit
möglicherweise verbundenen Rating-Infation abgewogen
werden.
Ralf Bauer betrachtet das Risikomanagement der Kredit-
institute. Sein Beitrag erläutert, welche Risiken eine Bank
zu tragen hat und wie diese erfolgreich gesteuert werden
können. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass viele Annah-
men, die dem Risikomanagement zugrunde lagen, in hohem
Maße unzureichend waren. So seien Wertpapiere auf der
Basis interner Modelle bewertet worden, die errechneten
Preise konnten aber hierfür mangels Nachfrage nicht auf
dem Markt erzielt werden. Auch seien Ausfallwahrschein-
lichkeiten ohne Validierung übernommen und dadurch un-
terschätzt worden. Das Risikomanagement vieler Banken
enthalte erhebliche hausgemachte Defzite. Allgemeine
Merkmale, welche Kreditinstitute durch die Finanzkrise be-
sonders betroffen wurden, ließen sich nicht ableiten. In je-
dem Fall können sich Banken und ihr Risikomanagement auf
herausfordernde Zeiten einstellen.
15
Abschließend werden Handlungsoptionen und Reformvor-
schläge präsentiert. Mit dem Abschlussbericht einer Exper-
tengruppe über die Reform der Struktur des EU-Bankensek-
tors und dem Finanzstabilitätsbericht 2012 der Deutschen
Bundesbank liegen sowohl auf europäischer als auch auf na-
tionaler Ebene zwei aktuelle, detaillierte und umfangreiche
Empfehlungen zur Verbesserung der Stabilität des Finanz-
systems vor.
7
Allerdings gehen diese nur unzureichend auf
bisherige Regulierungsfehler und staatliche Mitverantwor-
tung ein. Zudem werden auch Maßnahmen vorgeschlagen,
die sich eher um die Symptome als um die Ursachen der
Finanzkrise kümmern. Zentral für das Funktionieren und die
Stabilität des Finanzsystems dürfte in jedem Fall die Wie-
derherstellung der Haftung aller Finanzakteure für ihre Ent-
scheidungen sein. Auch neue Produkte auf den Finanzmärk-
ten dürfen das Haftungsprinzip nicht durchbrechen. Der
Staat hat hier einen passenden Ordnungsrahmen zu setzen.
7 High-Level Expert Group on reforming the structure of the EU banking
sector, Final report, Brüssel, 02.10.2012; Deutsche Bundesbank, Finanz-
stabilitätsbericht 2012, Frankfurt am Main, 12.11.2012.
16
Die Bankenregulierung
durch die Regelwerke
Basel I, II und III
Ulrich Vrede
1. Einleitung
Eine der Lehren aus der jüngsten Finanz- und Wirtschafts-
krise ist die schärfere Regulierung des Bankensektors und
der Finanzmärkte. Um das Bankensystem stabiler zu ma-
chen und die Wahrscheinlichkeit von Finanzkrisen zu ver-
ringern, wurden die Aufsichtsregelungen für Kreditinstitute
grundlegend überarbeitet. Das unter dem Titel „Basel III“
zusammengefasste Regelwerk wurde im Dezember 2010
verabschiedet und soll nun schrittweise ab 2013 weltweit
eingeführt werden.
Bevor auf die Neuerungen von Basel III näher eingegangen
wird und diese einer kritischen Würdigung unterzogen wer-
den, soll zunächst ein Rückblick auf die Historie der Banken-
regulierung erfolgen. Dabei wird auch Bezug genommen auf
die „Vorläufer“ Basel I und Basel II.
Bei der internationalen Zusammenarbeit in der Bankenregu-
17
lierung stand zunächst der Erfahrungsaustausch zwischen
den Zentralbanken und den Bankenaufsehern im Vorder-
grund (Deutsche Bundesbank, 2011 a). 1974 kam es zur
Gründung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, ei-
nem Unterausschuss der Zentralbankpräsidenten der dama-
ligen Zehnergruppe.
8
Anlass waren Bankenprobleme in den
USA und die Insolvenz der Kölner Privatbank Herstatt, die
1974 aufgrund von fehlgeschlagenen Devisenspekulationen
zahlungsunfähig geworden war.
Ziel des Baseler Ausschusses war es von Anfang an, durch
eine internationale Kooperation und verbesserte Aufsicht
Probleme bei Banken frühzeitig zu erkennen, um so die
Stabilität des internationalen Finanzsystems zu stärken. Bis
heute hat sich der Baseler Ausschuss weltweit zu einem der
einfussreichsten Gremien der Finanzaufsicht entwickelt.
In dem Ausschuss sind seit 2009 44 Zentralbanken und Auf-
sichtsbehörden aus 27 Mitgliedsstaaten vertreten. Reprä-
sentanten vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der
Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank
(EZB), der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und des Fi-
nanzstabilitätsrates (FSB) nehmen beobachtend an den Sit-
zungen teil. Das Sekretariat ist bei der Bank für Internationa-
len Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt.
8 Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Niederlande,
Schweden, Vereinigtes Königreich und USA. Die Schweiz war ebenfalls an
der Gründung des Baseler Ausschusses beteiligt.
18
2. Basel I
Mit dem Baseler Akkord – heute als Basel I bezeichnet –
veröffentlichte 1988 der Baseler Ausschuss erstmals inter-
national harmonisierte Bestimmungen zur Eigenkapitalmes-
sung und einen Eigenkapitalstandard, der als Empfehlung
für seine Mitgliedsstaaten dienen sollte (Deutsche Bundes-
bank, 2011 a).
Das für die Bankenaufsicht relevante Eigenkapital wurde
in Kern- und Ergänzungskapital unterschieden. Ferner wur-
den die Kreditnehmer in die Schuldnerklassen öffentliche
Schuldner, Banken und sonstige Kreditnehmer mit unter-
schiedlichen Risikogewichten unterteilt. Während Unterneh-
menskredite beispielsweise mit 100 Prozent gewichtet wur-
den, waren die Risikogewichte für Kredite an OECD-Staaten
bzw. -Banken mit 0 Prozent bzw. 20 Prozent aufgrund der
unterstellten Risikoeinschätzung deutlich niedriger.
Als Mindestkapitalunterlegung wurden 8 Prozent der ge-
wichteten Risikoaktiva empfohlen. Demnach berechnete
sich das empfohlene Eigenkapital, das zur Absorption von
Verlusten benötigt wird, aus:
Forderungssumme x Risikogewicht x 8 Prozent
Der Baseler Akkord wurde über die Mitgliedsstaaten hinaus
in über 100 Ländern eingeführt. Er war mit der harmonisier-
ten Limitierung der Kreditvergabepraxis und der Angleichung
19
der internationalen Wettbewerbsbedingungen unter den
Banken ein wichtiger Meilenstein in der Bankenregulierung.
3. Basel II
Das Regelwerk Basel II, das Mitte 2004 verabschiedet wur-
de und 2007 bzw. 2008 in der Europäischen Union einge-
führt wurde, stellt eine Modernisierung und Fortentwicklung
von Basel I dar (Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht,
2004 & Deutsche Bundesbank, 2011 b). Während die Defni-
tion des Kapitalbegriffs sowie der Mindestkapitalkoeffzient
von 8 Prozent unverändert blieben, besteht der entschei-
dende Unterschied zu Basel I in einer Verbesserung der Ri-
sikomessverfahren. Ziel war es, die Kapitalanforderungen
stärker als bisher an den tatsächlichen Risiken auszurichten.
Basel II besteht aus drei Säulen:
• Mindestkapitalanforderungen(Säule1)
• bankaufsichtlicherÜberprüfungsprozess(Säule2)
• erweiterteOffenlegungsanforderungen(Säule3).
3.1 Säule 1
Bei der Säule 1 steht die angemessene Berücksichtigung
der Risiken einer Bank bei der Bemessung ihrer Eigenka-
pitalunterlegung im Fokus. Die Risiken werden in Kreditrisi-
ken, Marktrisiken und operationellen Risiken unterschieden
(Deutsche Bundesbank, 2011 c).
20
Während operationelle Risiken erstmals durch Basel II ein-
bezogen wurden, sind Marktrisiken bereits seit 1996 durch
eine Ergänzung zum Baseler Akkord (Basel I) mit Eigenka-
pital zu unterlegen. Auslöser für die Berücksichtigung von
operationellen Risiken war unter anderem der Zusammen-
bruch der britischen Barings-Bank im Jahr 1995 durch uner-
laubte Spekulationsgeschäfte eines Händlers. Operationelle
Risiken entstehen durch unzulängliche interne Systeme und
Prozesse sowie durch nicht adäquates Verhalten von Mitar-
beitern.
Marktrisiken sind Preisänderungsrisiken beispielsweise von
Schuldverschreibungen, Aktien und Rohstoffen. Banken
sind diesen Risiken permanent im Eigen- und Handelsge-
schäft ausgesetzt – auch durch die Veränderung von Zins-
sätzen und Wechselkursen.
Für die drei oben genannten Risikogruppen stehen wahlwei-
se standardisierte oder verfeinerte bankeigene Risikomess-
verfahren zur Verfügung. Am Beispiel der Kreditrisiken
lassen sich die entscheidenden Veränderungen veranschau-
lichen. Mit Basel I erfolgte die Kapitalunterlegung der Kre-
ditrisiken noch relativ undifferenziert. Beispielsweise wur-
den Kredite an Unternehmen durchgängig mit 100 Prozent
gewichtet und mit 8 Prozent Eigenkapital belegt. Nach den
Regelungen von Basel II ist die Kapitalunterlegung abhängig
vom Risiko der Einzelforderung, d. h. das Risiko jeder einzel-
nen Forderung ist individuell zu ermitteln. Hierbei kommen
externe und interne Ratingverfahren zum Einsatz.
21
Bei den Methoden zur Messung des Kreditrisikos unter-
scheidet Basel II zwischen drei Ansätzen:
• demStandardansatz,beidemdasRatingeinerexter-
nen Rating-Agentur zugrunde gelegt wird
• demIRB-(Basis-)Ansatz(InternalRatingBasedAp-
proach)
• demfortgeschrittenenIRB-Ansatz.
Beim Standardansatz können die Bonitätsbeurteilungen
(Ratings) von externen Agenturen angewandt werden, so-
fern diese von den nationalen Aufsichtsbehörden anerkannt
sind (Deutsche Bundesbank, 2004). Entsprechend ihrer Ra-
tingnote erhalten die extern gerateten Forderungen ein Risi-
kogewicht von 0, 20, 50, 100 oder 150 Prozent. Forderun-
gen, die nicht geratet sind, werden (grundsätzlich) mit 100
Prozent gewichtet. Da in Deutschland in der Regel nur kapi-
talmarktorientierte Unternehmen extern geratet sind, erge-
ben sich im Standardansatz keine wesentlichen Änderungen
für Unternehmensforderungen im Vergleich zur Behandlung
nach Basel I.
Beim IRB-Ansatz werden bankinterne Ratingverfahren ein-
gesetzt. (Deutsche Bundesbank, 2009). Je nach Geschäfts-
feld können sich die internen Ratingmodelle, die in der Regel
methodisch sehr aufwendig sind, deutlich unterscheiden.
Bei den sogenannten scorecardbasierten Verfahren fießen
bonitätsrelevante quantitative und qualitative Faktoren ein,
die die Prognose einer Ausfallwahrscheinlichkeit und die Zu-
22
ordnung zu einer Ratingklasse ermöglichen. Hierbei werden
komplexe statistische Verfahren angewandt.
Die Qualität der Systeme ist abhängig von ihrer statistischen
Prognosegüte und der Trennschärfe der angewandten Fak-
toren. Sie werden von der Bankenaufsicht geprüft, abge-
nommen und unterliegen einer laufenden Überwachung.
Der auf internen Ratings basierende IRB-Ansatz unterschei-
det drei Risikoparameter:
• Ausfallwahrscheinlichkeit(ProbabilityofDefault:PD)
• ausstehender Betrag bei Ausfall (Exposure at Default:
EAD)
• VerlustquotebeiAusfall(LossGivenDefault:LGD).
Für die Eigenkapitalunterlegung des Kreditrisikos gilt folgen-
de Formel:
Eigenkapital

∑ gewichtete Risikoaktiva Kreditrisiko
≥ 8 Prozent
Die Neuerungen der Risikomessung betreffen den Nenner
der Eigenkapitalquote, welcher sich aus dem Produkt von
EAD und den Risikogewichtsfunktionen PD und LGD ergibt.
Im IRB-Basisansatz schätzen die Banken lediglich die je-
weilige Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) über ihre internen
Ratingsysteme, die Werte für EAD und LGD sind von der
Aufsicht vorgegeben.
23
Die Banken haben aber auch die Möglichkeit, den fortge-
schrittenen Ansatz zu wählen, müssen dann aber sämtliche
Risikoparameter schätzen – neben der Ausfallwahrschein-
lichkeit auch den ausstehenden Betrag bei Ausfall (EAD)
und die Verlustquote (LGD). Die Verlustquote ist unter an-
derem davon abhängig, in wieweit die gestellten Sicherhei-
ten bei ihrer Verwertung (z.B. Verkauf) Erlöse erbringen.
Die Schätzungen basieren auf historischen Zeitreihen; d. h.
sie müssen empirisch unterlegt sein.
Die Verwendung der verschiedenen Ansätze hat Auswir-
kungen auf die Kapitalunterlegung. Je fortgeschrittener und
damit risikosensitiver ein Ansatz ist, desto geringer ist das
geforderte Mindestkapital. Hieraus ergibt sich ein Anreiz für
die Banken, die internen Systeme weiterzuentwickeln.
3.2 Säule 2 und 3
Die Säulen 2 und 3 sind integraler Bestandteil der Rege-
lungen von Basel II und stehen gleichberechtigt neben den
Mindestkapitalanforderungen der Säule 1.
Säule 2 stellt auf die Notwendigkeit einer qualitativen Ban-
kenaufsicht ab. Im Rahmen des aufsichtlichen Überprü-
fungsprozesses werden die internen Verfahren zur Risiko-
messung und die Prozesse im Risikomanagement bewertet.
Letztlich geht es in diesem Überprüfungsprozess für die
Aufsicht um die Frage, ob die Banken in der Lage sind, „ihre
eingegangenen Risiken zu identifzieren, zu messen, zu
24
steuern und zu überwachen“ (Deutsche Bundesbank, 2011
d, S. 1).
Säule 3 setzt auf die disziplinierende Wirkung von Märkten
durch die Erweiterung der Offenlegungspfichten (Deutsche
Bundesbank, 2011 e). Durch den besseren Einblick in das
Geschäftsmodell und das Risikoprofl einer Bank soll über
das belohnende oder sanktionierende Verhalten gut infor-
mierter Marktteilnehmer eine risikobewusste Geschäftspo-
litik erzeugt werden.
In der Europäischen Union erfolgte die Umsetzung von Ba-
sel II durch zwei Richtlinien, die in Deutschland durch Ände-
rungen im Kreditwesengesetz und durch ergänzende Ver-
ordnungen in nationales Recht überführt wurden. Während
Säule 1 und Säule 3 vor allem in der Solvabilitätsverordnung
(SolvV) verankert sind, ist Säule 2 in den Mindestanforde-
rungen an das Risikomanagement (MaRisk) umgesetzt.
4. Basel III
Ende 2010 veröffentlichte der Baseler Ausschuss neue Ei-
genkapital- und Liquiditätsregeln für Banken, die unter dem
Kürzel Basel III zusammengefasst werden (Basel Commit-
tee on Banking Supervision 2011 & 2010 a). Vorausgegan-
gen war ein Auftrag der G-20-Staats- und Regierungschefs,
die erstmals durch die Formulierung von aufsichtsrecht-
lichen Vorgaben eine maßgebliche Rolle in der Bankenre-
gulierung übernahmen. Ziel war es, das weltweite Banken-
25
und Finanzsystem weniger krisenanfällig zu machen und die
Lehren aus der Finanzkrise und dem Zusammenbruch der
Lehman-Bank 2008 zu ziehen.
Basel III enthält eine Reihe von bedeutenden Neuerungen,
die neben der Verbesserung der Eigenkapital- und Liquidi-
tätsausstattung auch innovative Elemente umfasst (Deut-
sche Bundesbank, 2011 f). Mit der Einführung einer Leve-
rage Ratio (Verschuldungsquote) und der Entwicklung von
diversen Kapitalpuffern – insbesondere auch für systemre-
levante Banken – wird Neuland betreten. Mit der Einführung
eines antizyklischen Kapitalpuffers soll die Prozyklik des
Finanzsystems vermindert werden. Hierbei handelt es sich
um einen sogenannten makroprudenziellen Regulierungs-
ansatz, der Wirkungen auf der makroökonomischen Ebene
erzielen soll.
Die Neuregelungen sollen schrittweise ab 2013 in Kraft
treten und bis 2019 abschließend eingeführt sein. Die re-
lativ lange Übergangszeit wurde gewählt, um den Banken
ausreichend Zeit für den notwendigen Kapitalaufbau zu ge-
währen. Es soll verhindert werden, dass die Banken mit der
Reduzierung der Bilanzsumme und einer Einschränkung der
Kreditvergabe reagieren.
Im weiteren Verlauf soll auf die folgenden Einzelmaßnahmen
von Basel III näher eingegangen werden:
• NeuregelungenbeimEigenkapital
26
• Verringerung der Prozyklik und Begrenzung der Ver-
schuldung
• Liquiditätskennziffern
• StrengereRegelnfürdasHandelsbuchundVerbriefun-
gen
Anschließend werden die Maßnahmen von Basel III in Kapi-
tel 5 einer kritischen Würdigung unterzogen.
4.1 Neuregelungen beim Eigenkapital
Die Erfahrungen in der Finanzkrise haben gezeigt, dass das
Eigenkapital vieler Banken nicht ausreichend war, um anfal-
lende Verluste auszugleichen. Darüber hinaus wurde deut-
lich, dass ein bestimmter Teil des Kapitals – das sogenannte
Hybridkapital, das neben Eigenkapitalelementen auch Fremd-
kapitalelemente enthält – nur eingeschränkt zum Verlustaus-
gleich herangezogen werden konnte. Gerade das „innova-
tive“ Hybridkapital, das teilweise zeitlich befristet begeben
wurde, hatte vor der Krise anteilsmäßig stark zugenommen.
4.1.1 Qualität des Eigenkapitals
Vor diesem Hintergrund konzentrierten sich die Neurege-
lungen nicht nur auf eine quantitative Erhöhung, sondern
stellten auch die Qualität des Kapitals in den Mittelpunkt
der Betrachtung. Dies führte zu einer engeren Defnition des
Kapitals, das zukünftig – vereinfacht – nur aus zwei Katego-
rien besteht: dem Kernkapital und dem Ergänzungskapital.
27
Während das Kernkapital durch die Fähigkeit der Verlustab-
sorption den Fortbestand der Bank sichert, dient das Ergän-
zungskapital zur Befriedigung nicht-nachrangiger Fremdka-
pitalgeber im Falle der Insolvenz.
Unabhängig von dieser grundsätzlichen Zweiteilung ist beim
Kernkapital zwischen hartem und zusätzlichem Kernkapital
zu unterscheiden. Das harte Kernkapital beinhaltet im We-
sentlichen das Stammkapital einer Aktiengesellschaft und
die einbehaltenen Gewinne. Um eine Rechtsform-unabhän-
gige Zuordnung sicherzustellen, wurde ein 14 Punkte um-
fassender Kriterienkatalog formuliert. Dieser sieht u.a. die
Dauerhaftigkeit der Kapitalbereitstellung, die Nachrangig-
keit und damit die uneingeschränkte Verlustbeteiligung so-
wie keine obligatorischen Ausschüttungen vor.
Für das zusätzliche Kernkapital wurde ebenfalls ein Krite-
rienkatalog entwickelt. Der Hauptunterschied zum harten
Kernkapital besteht darin, dass unter bestimmten Bedingun-
gen Rückzahlungen – frühestens nach 5 Jahren – möglich
sind, ohne dass dies der Investor aber fest einplanen und
kalkulieren kann.
Den wesentlichen Anteil am Ergänzungskapital dürften
langfristige Nachrangverbindlichkeiten sowie entsprechend
ausgestaltete Vorzugsaktien haben. Es gelten ebenfalls ein
Kriterienkatalog und ein Verbot von Vertragsklauseln, die zu
vorzeitigen Rückzahlungen führen können.
28
Mit der Einführung eines neuen Kapitalerhaltungspuffers,
der aus hartem Kernkapital bestehen muss, werden die
Banken in guten Zeiten verpfichtet, ein zusätzliches Kapi-
talpolster aufzubauen. Dieses kann in der Rezession zum
Auffangen von Verlusten verwendet werden, allerdings ver-
bunden mit Restriktionen bei der Ausschüttung. Auf diese
Weise soll das sogenannte regulatorische Paradoxon aufge-
löst werden, das darin besteht, dass ein erhöhtes (Mindest-)
Kapital in der Krise zur Verlustabdeckung nicht genutzt wer-
den kann, da eine Unterschreitung der erhöhten Mindestan-
forderungen zu Sanktionen der Aufsicht führen würde.
4.1.2 Quantität des Eigenkapitals
Die Neuregelungen nach Basel III führen zu einer deutlichen
Erhöhung des Eigenkapitals – insbesondere beim harten
Kernkapital, das auf mehr als das Dreifache anwächst. Es
erhöht sich von bisher 2 Prozent der risikogewichteten Ak-
tiva (RWA) schrittweise auf die Zielgröße von 7 Prozent.
Während das Ergänzungskapital mit 2 Prozent an Bedeu-
tung verliert, verbleibt die Mindestanforderung für das Ge-
samtkapital bei 8 Prozent. Der Kapitalerhaltungspuffer von
2,5 Prozent – der zur Abdeckung von Verlusten vorüber-
gehend abgebaut werden kann – ist von der Summe des
Eigenkapitals gedanklich abzuziehen.
Bezüglich der einzelnen Kapitalbestandteile ergibt sich im
Zeitablauf folgendes Bild:
29
In Prozent RWA 2012* 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Hartes
Kernkapital
2,0 3,5 4,0 4,5 4,5 4,5 4,5 4,5
Kapitaler-
haltungspuffer
- - - - 0,625 1,25 1,875 2,5
∑Hartes
Kernkapital
2,0 3,5 4,0 4,5 5,125 5,75 6,375 7,0
Zusätzliches
Kernkapital
2,0 1,0 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5
∑Kernkapital 4,0 4,5 5,5 6,0 6,625 7,25 7,875 8,5
Ergänzungs-
kapital
4,0 3,5 2,5 2,0 2,0 2,0 2,0 2,0
∑Eigenkapital 8,0 8,0 8,0 8,0 8,625 9,25 9,875 10,5
Quelle: Deutsche Bundesbank (2011 f) * abweichende Kapitaldefnition
vor Einführung von Basel III
Für systemrelevante Banken (sogenannte G-Sifs = global
systemically important fnancial institutions) ergeben sich
wegen ihrer Bedeutung für das Finanzsystem zusätzliche
Kapitalaufschläge, die ebenfalls als hartes Kernkapital vor-
gehalten werden müssen. Diese betragen in Abhängigkeit
von der Größe und Komplexität der Banken zwischen 1 Pro-
zent und 2,5 Prozent (in Ausnahmefällen 3,5 Prozent) der
RWA. Auf dem G-20-Gipfel in Cannes wurde im November
2011 eine Liste mit 29 G-Sifs beschlossen, die jährlich aktu-
alisiert wird. In der Liste vom November 2012 ist die Deut-
sche Bank als einziges deutsches Institut mit einem zusätzli-
chen Kapitalaufschlag von 2,5 Prozent enthalten.
30
Der in 4.2.1 behandelte antizyklische Kapitalpuffer kann
einen weiteren Kapitalbedarf auslösen, sofern er von den
nationalen Aufsichtsbehörden angeordnet wird. Er kann stu-
fenweise ab 2016 (0,625 Prozent) bis 2019 (2,5 Prozent)
eingeführt werden.
Für einen Teil der Kapitalinstrumente, die ihren Status als
hartes Kernkapital verlieren, existieren zehnjährige, in Raten
abnehmende Bestandschutzregelungen. Dies betrifft ins-
besondere die stillen Einlagen, die in Deutschland im öffent-
lich-rechtlichen Bereich eine besondere Rolle spielen. Un-
terstützungsleistungen im Zusammenhang mit staatlichen
Banken-Rettungsmaßnahmen bleiben bis Anfang 2018 an-
rechnungsfähig.
4.2 Verringerung der Prozyklik und Begrenzung
der Verschuldung
Zwischen der Kreditvergabe von Banken und dem Konjunk-
turverlauf besteht ein starker Zusammenhang. Während die
Banken im Aufschwung ihre Kreditvergabe ausweiten, ver-
halten sie sich im Abschwung und in der Rezession eher
restriktiv, da sich die Bonitäten und Ratingnoten der Kredit-
nehmer verschlechtern.
Wie die jüngste Krise gezeigt hat, kann es im Bankensek-
tor zu massiven Verwerfungen kommen, wenn die Kredit-
ausweitung im vorausgegangen Boom übermäßig hoch war.
Verstärkt wird das Problem, wenn sich Spekulationsblasen
31
bilden und platzen. Die Banken reagieren mit einer massi-
ven Einschränkung ihrer Kreditvergabe, da die konjunktur-
bedingte allgemeine Verschlechterung der Ratings und die
zunehmenden Kreditausfälle zu einer Erosion ihrer Eigenka-
pitalbasis führen. Gleichzeitig verkaufen sie zur Entlastung
ihrer Bilanz und zum Abbau ihrer Verschuldung Risikoakti-
va und realisieren durch den gesunkenen Marktwert häufg
Verluste, die das Eigenkapitalproblem weiter verschärfen.
Dadurch wird eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang ge-
setzt, die auch die Realwirtschaft erfasst und die Rezession
verstärkt. Kommt es zu einer allgemeinen Bankendestabili-
sierung wie 2008, kann daraus sogar eine weltweite Wirt-
schaftskrise resultieren.
4.2.1 Antizyklischer Kapitalpuffer
Um die prozyklischen Effekte der Kreditvergabe abzumil-
dern, sehen die Neuregelungen von Basel III einen antizy-
klischen Puffer vor. Er kann von den nationalen Aufsichts-
behörden in Boomphasen angeordnet werden, um ein
übermäßiges Kreditwachstum zu bremsen. In späteren Ab-
schwungphasen stehen die aufgebauten Kapitalbeträge be-
reit, „die Kreditvergabespielräume nicht zu sehr schrumpfen
zu lassen“ (Deutsche Bundesbank, 2011 f, S. 25).
Der Puffer kann in einer Bandbreite von 0 bis 2,5 Prozent
der RWA angeordnet werden, d. h. er enthält keine Automa-
tik wie beispielsweise der Kapitalerhaltungspuffer. Er muss
nach Anordnung innerhalb einer Frist von bis zu 12 Monaten
32
umgesetzt werden, wobei nur Kapitalbestandteile in Frage
kommen, die eine volle Verlustabsorption sicherstellen. Er
wird analog dem Kapitalerhaltungspuffer stufenweise ein-
geführt und beträgt am 1. Januar 2019 in der Endstufe 2,5
Prozent.
4.2.2 Leverage Ratio
Die Leverage Ratio (LR) oder Verschuldungsquote misst
das Verhältnis von Kernkapital zu nicht risikogewichteten
Aktiva und außerbilanziellen Geschäften. Sie drückt somit
den Verschuldungsgrad eines Institutes aus. Basel III sieht
einen Mindestwert von 3 Prozent für die Leverage Ratio vor,
um auf diese Weise die Verschuldung – d. h. ohne Risikoge-
wichtung der Aktiva – zu begrenzen. Im Ergebnis bedeutet
eine LR von 3 Prozent, dass das Geschäftsvolumen – unab-
hängig vom Risiko der Geschäfte – auf maximal das 33-fa-
che des Kernkapitals ausgedehnt werden darf.
Hintergrund dieser Maßnahme ist die Erkenntnis aus der Kri-
se, dass die im Boom aufgebaute übermäßige Verschuldung
von Banken zu einem erheblichen gesamtwirtschaftlichen
Risiko im Abschwung werden kann, denn die notwendige
Verringerung der Verschuldung via Verkauf von Risikoak-
tiva verstärkt die zuvor erläuterte Abwärtsspirale im Ab-
schwung.
Bezüglich der Leverage Ratio gibt es eine Reihe noch of-
fener Punkte. Unter anderem wird befürchtet, dass die ri-
33
sikounabhängige Kapitalberechnung zu falschen Anreizen
führt. Der bisherige Grundsatz – niedriges Risiko = niedrige
Kapitalanforderung und hohes Risiko = hohe Kapitalanfor-
derung – könnte ausgehöhlt werden. Deshalb ist eine Be-
obachtungsphase von 2013 bis 2017 vorgesehen, nach der
entschieden werden soll, in welcher Form die Leverage Ra-
tio endgültig eingeführt wird.
4.3 Liquidität
Seit der Finanzkrise sind die Liquiditätsrisiken von Banken
deutlich zu Tage getreten. Es wurde die Erkenntnis gewon-
nen, dass bei einem nicht mehr funktionierenden Interban-
kenmarkt auch gut kapitalisierte Institute mit Engpässen
konfrontiert werden können. Die Systemstabilität konnte
zeitweise nur durch das Eingreifen der Zentralbanken auf-
rechterhalten werden. Somit zeigte sich, „dass das Liquidi-
tätsrisiko nicht länger als ein bloßes Sekundärrisiko angese-
hen werden durfte“ (Deutsche Bundesbank, 2011 f, S. 30).
Als Reaktion auf diese Entwicklungen sieht Basel III auch die
Einführung von quantitativen Standards für Liquiditätsrisiken
vor. Banken müssen zukünftig zwei Liquiditätskennziffern
beachten:
Die Liquidity Coverage Ratio (LCR), die nach einer Beob-
achtungsphase Anfang 2015 verpfichtend werden soll, soll
die kurzfristige Zahlungsfähigkeit sicherstellen. Nach die-
sem Standard müssen die Banken jederzeit einen Bestand
34
an hochliquiden Aktiva vorhalten, um die bei einem schwe-
ren Stressszenario auftretenden Zahlungsverpfichtungen
über einen Zeitraum von 30 Tagen jederzeit erfüllen zu kön-
nen. Als hochliquide Aktiva sind neben Bargeld insbeson-
dere Schuldtitel öffentlicher Emittenten wie z. B. die heimi-
schen Staatsanleihen anerkannt. Ungedeckte (Nichtfnanz-)
Unternehmensanleihen werden mit einem Anteil von 40 Pro-
zent berücksichtigt.
Die Net Stable Funding Ratio (NSFR) ist eine Liquiditäts-
kennziffer mit einem Einjahreshorizont, die zu einer ausge-
wogenen Fristenstruktur von Aktiv- und Passivseite beitra-
gen soll. Wenngleich die sogenannte Fristentransformation
nicht beseitigt werden soll, ist eine deutliche Einschränkung
von – in der Krise beobachteten – exzessiven Fristeninkon-
gruenzen zwischen Aktivgeschäft und der Refnanzierung
(Passivseite) beabsichtigt. „Demnach muss die Summe der
gemäß ihrer dauerhaften Verfügbarkeit gewichteten Passiva
(…) die Summe der nach ihrer Liquiditätsnähe gewichteten
Aktiva (…) übertreffen“ (Deutsche Bundesbank, 2011 f, S.
32). Wegen noch offener Fragen ist eine längere Beobach-
tungsphase als bei der LCR vorgesehen, ab 1. Januar 2018
soll die NSFR verbindlich werden.
4.4 Strengere Regeln für das Handelsbuch und
Verbriefungen
Die neuen Regeln für Handelsbuchpositionen betreffen In-
stitute, die eigene Marktrisikomodelle nutzen und das mit
35
Kapital zu unterlegende Risiko des Portfolios unter norma-
len Marktbedingungen ermitteln (value-at-risk-Modelle). Zu-
künftig ist darüber hinaus ein Risikobetrag zu berechnen,
„der die erwartete Wertänderung des aktuellen Portfolios
in einer gestressten Marktsituation abschätzt“ (Deutsche
Bundesbank, 2011 f, S. 21). Gemäß einer Auswirkungsstu-
die erhöht die Einführung eines Stressed-Value-at-Risk die
Kapitalanforderungen deutlich im Vergleich zur bisherigen
Situation.
Das Verbriefungsgeschäft – bei dem z. B. Hypothekenfor-
derungen zu handelbaren Wertpapieren zusammengefasst
werden – hat eine unrühmliche Rolle in der Finanzkrise ge-
spielt und gilt als eine wesentliche Ursache der Krise. Ne-
ben höheren (qualitativen) Anforderungen an die eigene Ri-
sikobeurteilung wurde die geforderte Kapitalunterlegung für
Wiederverbriefungen quasi verdoppelt. Verbriefungen, die
weitere Verbriefungen beinhalten, gelten als sehr komplex.
In der Finanzkrise wurden die Risiken systematisch unter-
schätzt. Auf EU-Ebene und in Deutschland wurde zusätzlich
ein „Selbstbehalt“ für den Urheber (Originator) der Verbrie-
fungstransaktionen beschlossen, d. h. bei ihm verbleibt ein
Teil des Kreditrisikos.
Ergänzend wurden strengere Regeln für Kontrahentenaus-
fallrisiken beschlossen, die beispielsweise beim Handel von
Derivate-Geschäften durch eine Bonitätsverschlechterung
der Gegenparteien entstehen.
36
Angesichts der Risiken aus den Verfechtungen der großen
Banken untereinander müssen Forderungen von Banken
gegenüber großen Instituten mit einer Bilanzsumme von
mehr als 100 Mrd. USD zukünftig wesentlich stärker mit Ei-
genkapital unterlegt werden.
4.5 Umsetzung auf nationaler Ebene
Die auf internationaler Ebene abgestimmten Neuregelun-
gen des Baseler Ausschusses sind unverbindliche Empfeh-
lungen, die von den einzelnen Staaten in nationales Recht
übertragen werden müssen. In der EU ist der europäische
Gesetzgebungsprozess zwischengeschaltet, der eine weit-
gehende Harmonisierung in den Mitgliedsländern sicher-
stellt. Die neuen Vorschriften werden durch eine Kombina-
tion von Richtlinien und Verordnungen geregelt. Während
Verordnungen unmittelbar geltendes Recht sind, sind Richtli-
nien noch in nationales Recht zu überführen. Hierbei verblei-
ben gewisse Gestaltungsspielräume auf nationaler Ebene.
Mittels Verordnung werden unter anderem die Eigenkapi-
talanforderungen und -defnitionen geregelt, die Einführung
von Kapitalpuffern ist in einer Richtlinie enthalten.
5. Kritische Würdigung von Basel III
Basel III als Kernstück der verschärften Bankenregulierung
hat eine erhöhte Systemstabilität zum Ziel. Dieses Ziel ist
aber nicht zu erreichen ohne Nebenwirkungen, denn die Än-
derung der regulatorischen Vorschriften löst Reaktionen bei
37
den Banken aus. Sie haben grundsätzlich 3 Möglichkeiten,
auf die geänderten Anforderungen zu reagieren:
• durchSteigerung derGewinneüberhöhereKreditzin-
sen mit anschließender Gewinnthesaurierung (a)
• oderdurchBeschaffungneuenEigenkapitals(b)
• oderdurchdieReduzierungderBilanzsummeüberein
vermindertes Kreditangebot (c).
Die Varianten a) und b) führen zu ähnlichen Auswirkungen;
denn auch die höheren Kapitalkosten von b) müssen über
höhere Kreditzinsen erwirtschaftet werden. Variante c) dürf-
te dann zum Tragen kommen, wenn die Beschaffung von
Kapital aufgrund gestresster Marktsituationen erschwert ist
und die Gewinnsteigerung aufgrund verschlechterter Ge-
samtbedingungen nicht oder nicht im ausreichenden Maße
möglich ist.
Alle Varianten haben Folgen für die Realwirtschaft, die durch
erhöhte Zinskosten oder einen erschwerten Zugang zu
Krediten tendenziell belastet wird. Die dadurch verminderte
gesamtwirtschaftliche Nachfrage kann zu Wachstums- und
Wohlstandsverlusten führen.
Ausgehend von dieser Wirkungskette ergibt sich ein Span-
nungsverhältnis von erhöhter Systemstabilität und realwirt-
schaftlichen Kosten. Mit Blick auf dieses Spannungsverhältnis
waren die G 20-Vorgaben für die Neuregelungen von Basel
III von vornherein darauf ausgerichtet, Überforderungen zu
38
vermeiden, um die negativen Folgewirkungen möglichst klein
zu halten. Die erhöhten Mindestanforderungen sollten ange-
messen und durch Übergangsregelungen unterlegt sein.
5.1 Grundsätzliche Kritik und Gegenargumente
Die Neuregelungen – insbesondere die Mindestanforderun-
gen für die Eigenkapitalunterlegung – werden von einigen
Ökonomen als zu wenig ambitioniert angesehen (Storbeck,
2010). Der Haftbeitrag der Eigentümer müsse weiter erhöht
werden, was zu einer Begrenzung der Risiken führe. Niedri-
gere Eigenkapitalrenditen seien zwar die Folge, würden aber
unter langfristigen Aspekten wegen der verbesserten Sta-
bilität des Bankensystems akzeptiert. Im Übrigen seien die
relativ hohen Eigenkapitalkosten auf die steuerliche Privile-
gierung des Fremdkapitals zurückzuführen. Die steuerliche
Abzugsfähigkeit der Schuldzinsen sei ein volkswirtschaftli-
ches Problem, da sie wie eine Subvention wirke, aber hohe
Kosten für die Allgemeinheit in einer Krise verursache.
Die grundsätzliche Kritik ist nicht unwidersprochen geblie-
ben. So weist der Chefökonom der Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich (BIZ) darauf hin, dass die Wirkung von
Basel III von Kritikern unterschätzt werde (Cecchetti, 2010).
Bei der Kapitalunterlegung müsse neben den höheren Ei-
genkapitalquoten auch die veränderte Eigenkapitaldefnition
beachtet werden. Im Übrigen setze sich Basel III aus einem
Bündel von Maßnahmen zusammen, die in ihrer Kombinati-
on zu beachtlichen Wirkungen führen.
39
Die These, dass die Mindestanforderungen zu wenig am-
bitioniert sind, wird durch die Ergebnisse einer Studie der
Europäischen Bankenaufsicht (EBA) vom September 2012
in Frage gestellt (European Banking Authority, 2012). Die
Studie, die auf Daten vom 31. Dezember 2011 basiert, un-
tersucht 44 international aufgestellte Banken (Gruppe 1)
und 112 sonstige Institute (Gruppe 2) unter dem Aspekt ei-
ner vollständigen Umsetzung der Neuregelungen von Basel
III. Um die Zielvorgabe beim harten Kernkapital von 7 Pro-
zent zu erreichen, ergeben sich noch zu schließende Kapi-
tallücken bei Gruppe 1 von 199 Mrd. Euro und bei Gruppe
2 von 26 Mrd. Euro. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die
europäischen Banken noch vor erheblichen Herausforde-
rungen stehen. Gleichzeitig ist aber auch erkennbar, dass
seit einer früheren EBA-Studie vom Juni 2012 die Gruppe
1-Banken ihre Kapitallücken um 32,3 Mrd. Euro vermindern
konnten.
5.2 Realwirtschaftliche Effekte
Die Effekte von erhöhten Kapitalanforderungen auf die Re-
alwirtschaft werden in verschiedenen Studien analysiert.
LBBW Credit Research hat eine komparative Analyse die-
ser Studien vorgenommen und kommt zusammenfassend
zu dem Ergebnis, dass die negativen Auswirkungen tenden-
ziell eher moderat ausfallen (Burkert, Zimmermann & Weber,
2012 a). Allerdings sind die Folgen für die einzelnen Volks-
wirtschaften und Wirtschaftsräume sehr unterschiedlich.
40
Exemplarisch sei auf die Ergebnisse einer Studie der OECD
aus 2011 verwiesen (Slovik & Cournède, 2011). Die Studie
unterstellt die Kapitalanforderungen von Basel III für 2019
und analysiert einen Zeitraum von 5 Jahren. Dabei schnei-
det die Eurozone, für die der Einfuss auf das BIP im Jahr 5
mit minus 1,14 Prozent angegeben wird, am schlechtesten
ab. Umgerechnet auf die jährliche Wachstumsrate bedeu-
tet dies, dass das Wachstum mit minus 0,23 Prozentpunk-
ten negativ beeinfusst wird. Der Wert für die USA fällt mit
minus 0,12 Prozent deutlich geringer aus. Hierfür sind im
Wesentlichen zwei Gründe ausschlaggebend. Erstens war
die Ausgangssituation der amerikanischen Banken mit einer
höheren Kapitalbasis günstiger und zweitens spielen Finan-
zierungen über den Kapitalmarkt in den USA eine größere
Rolle als in Europa; d. h. der Anteil der Banken an der Finan-
zierung von Firmen ist wesentlich geringer.
Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, dass auch Volks-
wirtschaften ohne wichtige und große Banken von einer
schärferen Regulierung über sogenannte Spillover-Effek-
te betroffen sein können (Burkert, Zimmermann & Weber,
2012 a). Die moderne, internationale Wirtschaftswelt ist so
miteinander verfochten, dass wirtschaftliche Veränderun-
gen in einem Land positive oder negative Wirkungen in ei-
nem anderen Land haben können.
41
5.3 Antizyklischer Kapitalpuffer und Frühwarn-
indikatoren
Im Zusammenhang mit den neuen antizyklischen Kapitalpuf-
fern stellt sich die Frage, welcher Indikator als Auslöser für
den Aufbau der Puffer fungieren soll. Um die Prozyklik des
Finanzsystems frühzeitig einfangen zu können, muss es sich
um einen Frühindikator für Finanzstress handeln. Als beson-
ders geeignet wird das Verhältnis von Kreditvergabe und
Bruttoinlandsprodukt (GDP) sowie die Differenz zwischen
dieser Credit-GDP-Ratio und ihrem langfristigen Trend ange-
sehen (Basel Committee on Banking Supervision, 2010 b).
Liegt die Credit-GDP-Ratio über dem langfristigen Trend und
wird ein zuvor defnierter Schwellenwert überschritten, ist die
Kreditvergabe als exzessiv anzusehen. Das löst den Aufbau
der antizyklischen Kapitalpuffer aus, die die Kreditvergabe
verteuern und die Kreditnachfrage dämpfen. Hierbei gilt der
Grundsatz, dass mit steigendem Finanzstress der Kapitalpuf-
fer bis zum Maximum von 2,5 Prozent anwächst; d. h. je grö-
ßer die obige Differenz desto größer wird der Puffer.
Dieser vom Baseler Ausschuss präferierte Ansatz ist al-
lerdings nicht unumstritten. Eine spanische Studie kommt
zu dem Ergebnis, dass die Credit-GDP-Ratio mit dem BIP-
Wachstum in vielen Ländern negativ korreliert (Repullo &
Saurina, 2011). Der Grund besteht darin, dass die Kreditver-
gabe zeitverzögert reagiert. Bei mechanischer Anwendung
obigen Ansatzes führt dies dazu, dass im Boom Kapital ver-
mindert und im Abschwung Kapital aufgebaut wird. Auf die-
42
se Weise wird die Prozyklik sogar verstärkt. Als geeigne-
terer Indikator wird das Verhältnis von Kreditwachstum zu
BIP-Wachstum vorgeschlagen.
Obwohl der Baseler Ausschuss die Verwendung der Credit-
GDP-Ratio in besonderer Weise empfehlt, warnt er gleich-
zeitig vor möglichen falschen Signalen durch diesen Indika-
tor. Die zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden werden
aufgefordert, auch andere makroökonomische Variablen als
Indizien für Finanzstress mit einzubeziehen.
5.4 Vor- und Nachteile der Leverage Ratio
Die in 4.2.2 erläuterte Leverage Ratio (LR) ist ein relativ
einfaches und kostengünstiges Regulierungsinstrument.
Sie ist eine Ergänzung zu den risikogewichteten Kapitalan-
forderungen und ist gleichzeitig ein Korrektiv für mögliche
Fehler, die aus den Schwächen der internen Risikomodelle
– zum Beispiel zu optimistische Risikoeinschätzungen und
fehlerhafte Risikogewichtungen – resultieren. Sie begrenzt
das Bilanzwachstum und die Verschuldung, insbesondere in
Boomphasen und erzielt damit eine antizyklische Wirkung.
Aus den Berechnungen der EBA ist bekannt, dass eine po-
sitive Korrelation zwischen der Größe einer Bank und der
Höhe der Verschuldung besteht und dass gerade die gro-
ßen Banken noch massive Kapitalanstrengungen unterneh-
men müssen, um das LR-Ziel von 3 Prozent zu realisieren.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht
43
in der LR einen Beitrag zur Eindämmung des „too big to
fail“ Problems und empfehlt gleichzeitig eine Anhebung der
LR auf 5 Prozent (Schäfer, 2011).
Trotz aller Vorteile hat die LR aber auch nicht zu übersehen-
de Nachteile (Burkert, Zimmermann & Weber, 2012 b). Da
sie nicht zwischen risikoreichen und risikoarmen Geschäf-
ten unterscheidet, können Fehlanreize entstehen, auf die
bereits in 4.2.2 hingewiesen wurde. Es besteht die Gefahr,
dass risikoarme, aber volumenstarke Geschäftsfelder be-
nachteiligt werden, da sie für die Banken unattraktiv wer-
den. Hiervon könnte im starken Maße beispielsweise das
Hypothekengeschäft betroffen sein.
Ein weiteres Problem sind die unterschiedlichen Rechnungs-
legungsstandards, die den Wettbewerb in den verschiede-
nen Ländern verzerren. Die nach US-GAAP bilanzierenden
amerikanischen Banken haben einen deutlichen Vorteil ge-
genüber den europäischen Banken, die nach IFRS bilan-
zieren. Die beim US-GAAP umfangreicheren Möglichkeiten
des Netting – d. h. der Aufrechnung von bestimmten Ak-
tiv- und Passivpositionen – führen zu einer Bilanzverkürzung
und damit zu einer günstigeren Verschuldungsquote.
5.5 Fehlanreize der Liquiditätskennziffern
Eine häufg geäußerte Kritik an dem Basel III-Regime besteht
darin, dass es weiterhin öffentliche Schuldner bevorzugt.
Staatsanleihen aus OECD-Ländern sind mit einem Risikoge-
44
wicht von Null versehen; d. h. sie sind nicht mit Eigenkapital
zu unterlegen. Wegen des Wegfalls der Eigenkapitalkosten
entsteht ein hoher Anreiz in diese Anlagen zu investieren.
Dieser wird durch die neuen Liquiditätskennziffern noch ver-
stärkt. Denn die kurzfristige Liquidity Coverage Ratio stellt
in besonderem Maße auf Staatsanleihen als „hochliquide“
Aktiva ab.
Nicht erst seit der Staatsschuldenkrise stellt sich die Frage,
ob diese Privilegierung gerechtfertigt ist. Auch die Erfahrun-
gen aus der Finanzkrise haben gezeigt, dass sich als sehr
gut eingeschätzte Bonitäten in relativ kurzer Zeit deutlich
verschlechtern können. Obwohl das Thema auf der Agenda
der Regulierungsorgane steht, ist eine baldige Modifkation
unwahrscheinlich. Die Konsequenzen für die Finanzierung
von Staaten wären aus heutiger Sicht zu schwerwiegend.
Im Zusammenhang mit dem „längerfristigen“ Liquiditäts-
standard – Net Stable Funding Ratio – wird ebenfalls Kritik
geäußert. Beispielsweise ist aus Sparkassenkreisen die Be-
fürchtung geäußert worden, die Langfristkultur in Deutsch-
land sei gefährdet (Haasis, 2010). Sparkassen fnanzieren
ihr langfristiges Hypothekengeschäft in erster Linie aus
kurzfristigen Spareinlagen. Inwieweit das Langfristgeschäft
tangiert ist, ist aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen. Die
tatsächliche Wirkung des neuen Standards dürfte erst nach
der langjährigen Beobachtungsphase abzuschätzen sein,
zumal eine Beschränkung auf einen Einjahreshorizont vor-
gesehen ist.
45
5.6 Abbau von Komplexität
Aus den bisherigen Ausführungen ist zu erkennen, dass die
Basel-Regelwerke hoch komplex sind. Gleichzeitig produ-
zieren sie einen enormen Aufwand und hohe Kosten auf der
Ebene der Regulierer, Gesetzgeber, Aufsichtsorgane und in
den Banken. Es stellt sich die Frage, ob dieser Aufwand in
einem angemessenen Verhältnis zum Ergebnis steht?
In einer viel beachteten Rede beim jährlichen Treffen der
Zentralbanker in Jackson Hole hat der Executive Director für
Finanzstabilität bei der Bank of England, Andrew Haldane,
am 31. August 2012 genau dies in Abrede gestellt und einen
Paradigmenwechsel gefordert (Haldane/Madouros, 2012).
Er plädierte für eine kostengünstige Regulierung, die mit
einfachen Regeln – nach dem Motto „weniger ist mehr“ –
versucht, die Komplexität der modernen Bankenwelt zu be-
herrschen. Hierbei spielt die Leverage Ratio eine dominante
Rolle, die – mit einer höheren Quote als von Basel III vorge-
sehen – besser als andere Methoden geeignet sei, Krisen
zu verhindern.
So faszinierend die Ausführungen zum „Turmbau von Basel“
und die Schlussfolgerungen von Andrew Haldane auch sein
mögen, bleibt der Zweifel im Raum, ob die regulatorische
Antwort auf Komplexität Simplizität („simplicity“) sein kann.
46
5.7 Fazit
Mit der Vorlage des neuen Regelwerkes im Dezember 2010
hat der Baseler Ausschuss in nur 15 Monaten nach dem
G 20-Auftrag „seinen Beitrag zur Überwindung der Krise
im Finanzsektor und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit
der regulierten Finanzakteure geleistet“ (Deutsche Bundes-
bank, 2011 f, S. 38). Jetzt kommt es darauf an, dass die Re-
gelungen weltweit eingeführt und umgesetzt werden.
Basel III ist das zentrale Element der Bankenregulierung
nach der Krise. Die Kombination aus den verschiedenen
Einzelmaßnahmen führt dazu, dass die Banken wesentlich
mehr Eigenkapital vorhalten müssen als bisher. Um die be-
stehenden Kapitallücken aufzufüllen, sind jedoch noch er-
hebliche Anstrengungen innerhalb der vorgegebenen Fris-
ten erforderlich. Es dürfte im Interesse der Banken liegen,
für schnelle Fortschritte zu sorgen, denn die Kapitalmärk-
te dürften gut kapitalisierte Banken bevorzugen. Solange
die Ziele von Basel III aber noch nicht erreicht sind, ist die
grundsätzliche Frage einer noch besseren Kapitalausstat-
tung unter pragmatischen Gesichtspunkten weniger rele-
vant. Auch die noch offenen Fragen bei den diskutierten
Einzelmaßnahmen können innerhalb der vorgesehenen Be-
obachtungsphasen geklärt werden, so dass entsprechende
Optimierungen möglich sind.
47
Literatur
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51
Rating-Agenturen in der
Krise: Wenn staatlich
verordnetes Vertrauen zum
Risiko wird
Ines Läufer und Christine Arentz
1. Einführung: Rating-Agenturen im Zentrum
öffentlicher und politischer Debatten
Die Rolle und Arbeitsweise von Rating-Agenturen waren der
breiten Öffentlichkeit lange Zeit weitgehend unbekannt. Dies
änderte sich mit dem Aufkommen der Immobilienmarktkrise
in den USA und der darauf folgenden weltweiten Finanz-
marktkrise, in denen die Rating-Agenturen eine nicht uner-
hebliche Rolle gespielt haben (Masciandaro, 2011, S. 256;
Calomiris, 2009 a; Calomiris, 2009 b): Rating-Agenturen
hatten die Ausfallwahrscheinlichkeit strukturierter Verbrie-
fungen systematisch unterschätzt (Calomiris, 2009 a; Ca-
lomiris, 2009 b) und gelten daher als Mitverursacher bzw.
Verstärker der Krise (Lannoo, 2011).
Ins Visier der europäischen Politik gerieten sie verstärkt
in der anschließenden europäischen Staatsschuldenkrise:
Herabstufungen der Bonitäten von EU-Staaten seitens der
52
großen angelsächsischen Agenturen Standard and Poor’s,
Moody‘s und Fitch gehen mit Zinsaufschlägen für die be-
troffenen Staaten einher und erschweren die Bedienung
von Schulden. Die Herabstufungen wurden und werden re-
gelmäßig als ungerechtfertigte Maßregelungen empfunden
und Rating-Agenturen als Brandbeschleuniger der Schul-
denkrise dargestellt (Beck/Wienert, 2010, S. 466). Diese
Sichtweise schlug sich auch in den politischen Diskussionen
über die Schaffung einer europäischen Rating-Agentur nie-
der. Diese sollte sowohl den Wettbewerb auf dem Markt
der Rating-Agenturen erhöhen als auch eine aus politischer
Sicht angemessenere Bewertung der europäischen Krisen-
staaten vornehmen (Beck/Wienert, 2010, S. 467; Sachver-
ständigenrat, 2008, Ziffer 263).
Die Reformambitionen gehen aber weit über die Frage einer
europäischen Rating-Agentur hinaus. Die Politik versucht
über eine verstärkte Kontrolle der Rating-Agenturen zukünf-
tige Fehlentwicklungen zu verhindern.
Aus ordnungspolitischer Sicht müssen zum einen die Ursa-
chen der (zumindest rückblickend) systematischen Fehlbe-
wertungen untersucht werden. Zum anderen stellt sich die
Frage, warum die Urteile der Rating-Agenturen auf dem Fi-
nanzmarkt eine solch große Rolle spielen.
53
2. Rating-Agenturen: Privatwirtschaftliches
Informationsangebot auf dem Finanzmarkt
Auf dem Kapitalmarkt besteht eine Informationsasymmetrie
zwischen Kapitalnachfragern und -anbietern: Kapitalanbie-
ter haben weniger Informationen über die tatsächliche Kre-
ditwürdigkeit als die Nachfrager selbst. In diesem Umfeld
können Rating-Agenturen als privatwirtschaftliche und un-
abhängige Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Durch
ihre Beurteilung der Kreditwürdigkeit potentieller Kreditneh-
mer reduzieren sie die Unsicherheit für Investoren und damit
die Transaktionskosten einer Investitionsentscheidung. Die
selbständige Prüfung der Bonität jedes einzelnen Kapital-
nachfragers wäre für Investoren mit erheblichem Kostenauf-
wand verbunden, da sie sämtliche relevanten Informationen
selbst beschaffen und eine entsprechende Expertise auf-
bauen müssten.
Bei der Bewertung potentieller Kreditnehmer werden quan-
titative und qualitative Faktoren berücksichtigt, die sich auf
ihre Kreditwürdigkeit auswirken können. Die Rating-Agentu-
ren führen hierzu eine ausführliche Analyse der fnanziellen
Situation des Kreditnehmers durch und bewerten die regu-
latorischen, rechtlichen sowie operationellen und administ-
rativen Risiken. Zudem wird das Adressenausfallrisiko
9
be-
9 Das Adressenausfallrisiko ist ein Überbegriff für verschiedene Risiko-
arten (Kreditrisiko, Länderrisiko, Kontrahentenrisiko) und bedeutet, dass
ein Vertragspartner seinen vertraglichen Zahlungsverpfichtungen (z.B. aus
einem Kreditvertrag) nicht oder nur teilweise (termingerecht) nachkommt.
54
rücksichtigt. Bei der Bonitätsbewertung von Staaten spielt
neben der Analyse des aktuellen Staatshaushalts auch die
gegenwärtige sowie zukünftige wirtschaftliche Situation
eine Rolle. Des Weiteren fießen qualitative Faktoren wie die
Transparenz und Verlässlichkeit politischer Entscheidungs-
prozesse in die Bewertung mit ein (siehe bspw. Standard
& Poor‘s Ratings Criteria). Die meisten dieser Informatio-
nen sind öffentlich zugänglich. Die eigentliche Aufgabe und
Expertise der Rating-Agenturen besteht darin, diese unter-
schiedlichen Informationen zu gewichten und zu einem Ge-
samtbild zusammenzufügen, welches für potentielle Investo-
ren als Entscheidungsgrundlage dienen kann. Am Ende des
Ratingprozesses steht eine Note, die die Ausfallwahrschein-
lichkeit der Kreditnehmer widerspiegelt. Das Notenspek-
trum rangiert von erstklassiger Bonität (AAA) bis Zahlungs-
unfähigkeit (D).
3. Rating-Agenturen: Staatlich delegierte
Aufsicht
In den letzten Jahrzehnten haben weitreichende Regulierun-
gen im Bereich der Finanzmarktaufsicht und des Anleger-
schutzes dazu geführt, dass aus den grundsätzlich unab-
hängigen Informationsintermediären letztendlich machtvolle
Akteure auf dem Finanzmarkt geworden sind, deren Bo-
nitätsnoten nicht nur zur Entscheidungsfndung beitragen,
sondern vielmehr in gewissem Rahmen Investitionsent-
scheidungen erzwingen.
55
Die zuletzt häufg kritisierte Macht der Rating-Agenturen ist
zum einen durch die Regulierung des Bankensektors ent-
standen: Sowohl in den USA als auch in der EU hängen
die Eigenkapitalbestimmungen für Banken stark von den
Bonitätseinschätzungen der Rating-Agenturen ab (Tichy,
2011; Schäfer, 2011; Beck/Wienert, 2010). Risikoreiche Ak-
tiva müssen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden. Die
Einschätzung des für die Eigenkapitalhöhe maßgeblichen
Risikos muss zum Großteil von Rating-Agenturen vorge-
nommen worden sein, um die aufsichtsrechtlichen Eigenka-
pital-Vorgaben zu erfüllen.
Die Verbindung zwischen Eigenkapitalhöhe und dem Risiko
der Aktiva soll die Stabilität des Finanzmarktes gewährleis-
ten (Admati et. al., 2010; Donges et. al., 2011; Deutsche Bun-
desbank, 2011): Eine fnanzielle Schiefage einer Bank birgt
aufgrund der Vernetzung des Bankensystems die Gefahr
von Ansteckungseffekten und hätte damit negative Folgen
für andere unbeteiligte Marktteilnehmer. Aus diesem Grund
können große bzw. sehr vernetzte Banken damit rechnen,
im Falle fnanzieller Probleme politischen Handlungsdruck
zu erzeugen und letztendlich staatliche Mittel zu erhalten.
Damit aber bestünde ohne Eigenkapitalvorschriften der An-
reiz, risikoreiche und renditestarke Investitionen vorzuneh-
men und darauf zu spekulieren, im Notfall durch staatliche
Zuschüsse aufgefangen zu werden.
10
Derartige Anreize zu
10 So geschehen in der Finanzkrise, wo unter anderen die Deutsche
Industriekreditbank, die Commerzbank, die BayernLB und die Hypo Real
56
unerwünschtem riskanten Handeln („Moral Hazard“) sollen
durch Eigenkapitalvorschriften verhindert werden.
11
Die im Sinne eines stabilen Finanzmarktes etablierten Ei-
genkapitalvorgaben gehen aufgrund der automatischen Ver-
knüpfung zwischen Rating-Note und Eigenkapitalhöhe mit
einer Delegation der Finanzmarktaufsicht an Rating-Agen-
turen einher. Letztere müssen auf nationaler bzw. europä-
ischer Ebene zugelassen sein, also staatlich festgelegten
Qualitätskriterien genügen. Diese werden in der EU mitt-
lerweile durch die Europäische Wertpapieraufsichtsbehör-
de ESMA in Zusammenarbeit mit nationalen Aufsichtsbe-
hörden festgelegt (Beck/Wienert, 2010; Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht, 2011).
Des Weiteren setzt der Staat auch klare Vorgaben für in-
stitutionelle Anleger (bspw. Versicherungen und Pensions-
fonds). Diese Investoren dürfen nur innerhalb bestimmter
Risikoklassen investieren. Maßgeblich hierfür ist wiederum
das Qualitätsurteil staatlich zugelassener Rating-Agenturen
(Sachverständigenrat, 2007, Ziffer 169). Rating-Herabstu-
Estate mit staatlichem Kapitalzuschuss aufgefangen werden mussten (Don-
ges et. al., 2011, S. 7).
11 Staatsanleihen bilden bei der Eigenkapitalregulierung eine Ausnahme.
Diese müssen seit jeher systematisch mit weniger Eigenkapital unterlegt
werden (Schäfer, 2011) als andere Kreditforderungen. Auch die in der EU
anvisierten Umsetzungsrichtlinien der BASEL-III-Beschlüsse sehen trotz
der gegenwärtigen Staatsschuldenkrise vor, dass europäische Staatsan-
leihen keiner Eigenkapitalunterlegung bedürfen und dies unabhängig von
deren Bonitätseinstufung (Eckhardt/Roosebeke, 2011).
57
fungen können einen Verkauf von gewissen Anlagen erzwin-
gen und damit unmittelbare und massive Verschiebungen
zwischen verschiedenen Anlageklassen auslösen. Hinter
diesen Anlagevorschriften steht das Ziel, riskante Investitio-
nen der Unternehmen zu verhindern, um letztendlich deren
Kunden vor dem Verlust ihrer Versicherung zu schützen.
Das Problem dieser Form staatlicher Aufsicht liegt im einsei-
tigen Verlass auf das Urteil der Rating-Agenturen: Mit der
bisherigen Regulierung delegieren die Aufsichtsbehörden
ihre Kontrollfunktion und verleihen den Rating-Agenturen
eine Entscheidungskompetenz. Diese Regulierungspraxis
behindert einen fairen Wettbewerb um die besten Kriterien
und Methoden der Bonitätsbewertung: Da sich die Eigenka-
pitalvorschriften nach den Noten der zugelassenen Rating-
Agenturen richten, wird anderen Bewertungsmethoden, wie
internen Ratings seitens der Banken oder anderen, nicht
staatlich zugelassenen Rating-Agenturen kein Raum gege-
ben. Vielmehr wird der aufgrund hoher Markteintrittsschran-
ken ohnehin enge Markt der Rating-Agenturen zusätzlich
beschränkt bzw. bestehende Oligopolstrukturen zementiert
(Beck/Wienert, 2010, S. 465). Aufgrund der weitgehenden
und langfristig erfolgenden Delegation der Aufsicht an diese
ausgewählten Agenturen erhalten sie eine vorläufg unan-
fechtbare Position auf dem Markt. Deren Dienstleistungen
müssen nachgefragt werden, um die rechtlichen Vorgaben
zu erfüllen, so dass ihr Marktanteil durch staatliche Vor-
schriften gesichert ist.
58
Die im Rahmen des BASEL-III-Regelwerks auf internationa-
ler Ebene verabschiedeten neuen Eigenkapital- und Liquidi-
tätsregeln für Banken sehen im Vergleich zu früheren Re-
gelungen eine gewisse Abkehr von der einseitigen Prüfung
der Bankenstabilität mittels externer Ratings vor. So sollen
auch interne, also von den Banken selbst vorgenommene
Modellrechnungen zur Risikoeinschätzung der Aktiva eine
gleichwertige Alternative zu den externen Ratings der Agen-
turen bei der Bestimmung des Eigenkapitals darstellen kön-
nen (Deutsche Bundesbank, 2011).
4. Umgang mit Unsicherheit: Wettbewerb oder
staatliche Sicherheitsstandards?
Die Regulierung des Finanzmarktes soll dabei helfen, Ri-
siken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Vorsorge
treffen zu können. Hierzu besteht ein Bedarf an einem ob-
jektiven Maßstab für die Bewertung des Risikos, da das
Wissen über das Risiko dessen Kontrolle erleichtert. Die
staatliche Delegation der Risikobewertung an Rating-Agen-
turen kann daher als Versuch gewertet werden, Risiken auf
dem Finanzmarkt transparent und objektiv zu erfassen.
Über die aufsichtsrechtlichen Regelungen und Zulassungs-
bestimmungen für Rating-Agenturen setzt der Staat jedoch
Qualitätsstandards und schließt die Verwendung alternati-
ver Methoden zur Risikobewertung für regulatorische Zwe-
cke aus. Dies wäre gerechtfertigt, wenn der Staat über ein
Wissen verfügen würde, das den Informationen der Markt-
59
teilnehmer überlegen wäre. Dann könnte er den Prozess
von Versuch und Irrtum, der jedem Wettbewerbsmarkt in-
newohnt, abkürzen.
Da es aber für diese staatliche Überlegenheit keine An-
haltspunkte gibt, birgt der einseitige Verlass des Staates
auf das Urteil der Rating-Agenturen die Gefahr eines „kol-
lektiven“ Irrtums: Sollten sich die Methoden der staatlich
anerkannten Agenturen als fehlerhaft herausstellen, wäre
automatisch der gesamte Markt betroffen: Das Eigenkapital
sämtlicher regulierter Banken würde möglicherweise nicht
mehr den eingegangenen Risiken entsprechen und sich so-
mit fächendeckend als unzureichend herausstellen. Dies
kann, wie in der Finanzmarktkrise geschehen, zu erhebli-
chen Marktinstabilitäten führen. Staatliche Kurzsichtigkeit
kann also aufgrund des großen Einfusses der staatlichen
Vorschriften auf den gesamten Markt auch ein „Systemrisi-
ko“ darstellen.
Im Gegensatz dazu würde ein echter Wettbewerb zwischen
verschiedenen Formen der Risikoprüfung sowohl eine Kon-
kurrenz zwischen Rating-Agenturen als auch zwischen ex-
ternen und internen Ratings beinhalten. Welche Formen und
Methoden der Risikobewertung sich letztendlich als best-
möglich herausstellen, ist dann offen und hängt von den
Einschätzungen der Marktakteure ab. Marktliche Prozesse
ermöglichen die Anpassung an unterschiedliche und sich
stetig ändernde Umstände und sind damit per se ergeb-
nisoffen. Produzenten sind auf einem Wettbewerbsmarkt
60
aufgrund der Konkurrenz gezwungen, den unterschiedli-
chen Wünschen der Nachfrager gerecht zu werden. Ein ho-
her Marktanteil eines Unternehmens kann hier nur durch
die Wertschätzung der Nachfrager entstehen und ist kei-
neswegs zementiert: Sowohl die Kundenwünsche als auch
das Angebot der Konkurrenz können sich ändern und damit
Marktverschiebungen hervorrufen.
Auf einem Wettbewerbsmarkt wäre die Reputation der
wichtigste Vermögenswert einer Rating-Agentur und offen-
sichtliche Fehlurteile würden zu einem Nachfrageeinbruch
und damit zu einem Verlust an Marktanteil führen. Im durch
die Regulierungsvorschriften eingeschränkten Wettbewerb
zwischen den Rating-Agenturen wirken sich jedoch auch ek-
latante Fehleinschätzungen nur unwesentlich aus. Die Repu-
tation leidet zwar, aber die Regulierung verhindert den an-
sonsten damit einhergehenden Nachfragerückgang, da die
Marktakteure weiterhin auf die Ratings der zugelassenen
Agenturen angewiesen sind (Beck/Wienert, 2010, S. 466).
5. Vergütung der Rating-Agenturen:
Mögliche Fehlanreize und Reformoptionen
Neben den regulatorisch bedingten Problemen wird auch
die Vergütungsform der Rating-Agenturen als ein möglicher
Faktor für systematische Fehlbewertungen gesehen: Das
derzeitige Gebührenmodell, das sogenannte „issuer pays“-
Modell der großen Rating-Agenturen sieht vor, dass die
61
Emittenten
12
der Finanzprodukte, seien es nun Staatsanlei-
hen, Unternehmensanleihen oder strukturierte Verbriefun-
gen, für das Rating bezahlen. Die Emittenten haben zudem
auch die Möglichkeit, schlechte Ratings unter Verschluss
zu halten und ggf. eine andere Rating-Agentur mit der Bo-
nitätseinschätzung zu beauftragen. Dieses Vertragsmodell
kann für Agenturen zu einem Konfikt zwischen kurzfristiger
und langfristiger Gewinnmaximierung führen (Beck/Wie-
nert, 2010; White, 2010, S. 215). Auf kurze Sicht kann es
für sie rational sein, bessere Ratings zu vergeben, um den
Kunden zu halten: Dieser proftiert von einer optimistischen
Bewertung seiner Kreditwürdigkeit, da er sich dadurch zu
niedrigeren Zinsen Geld am Kapitalmarkt leihen kann.
13
Eine
derartige, im Sinne des Emittenten erfolgende, Fehlein-
schätzung des Ausfallrisikos (Rating-Infation) verzerrt die
sich hinter den Noten verbergenden Ausfallrisiken, was zu
Lasten der Investoren geht (Calomiris, 2009 b).
Wird eine bewusste Unterschätzung des Risikos jedoch
bekannt, muss die Rating-Agentur mit Reputationsverlus-
ten im Markt rechnen. Bisher wurde davon ausgegangen,
dass dieses Risiko für Agenturen abschreckend genug sei,
um bewusste Unterschätzungen des Ausfalls- und Verlust-
risikos von Schuldpapieren zu unterlassen. Dies war auch
12 Emittenten sind Herausgeber von Wertpapieren.
13 Manche Autoren schätzen das Risiko der Rating-Infation in einem
Wettbewerbsmarkt als besonders hoch ein, da die drohende Abwanderung
der Kunden zu alternativen Agenturen die Anfälligkeit für opportunistische
„Gefälligkeitsgutachten“ erhöhen könnte (Bolton et. al., 2012).
62
lange Zeit der Fall. Zum einen gab es tausende Emittenten
von Unternehmens- und Staatsanleihen, so dass der Verlust
eines Kunden aufgrund einer aus dessen Sicht zu strengen
Bewertung nicht so bedeutend war. Zum anderen waren die
Informationen über Staaten und Unternehmen, die geratet
wurden, relativ transparent und das Finanzprodukt an sich
sehr einfach. Dies erleichterte die Identifkation offensicht-
licher Fehlbewertungen und erhöhte das Risiko eines Re-
putationsverlusts (White, 2010, S. 215). Erfahrungen aus
den Jahren des Hypothekenbooms in den USA erzeugen
jedoch Zweifel an der Funktionsfähigkeit des Reputations-
mechanismus: Bei den strukturierten Verbriefungen stand
die kurzfristige Gewinnmaximierung im Fokus der Rating-
Agenturen. Diese Produkte waren im Gegensatz zu den bis-
her begutachteten Papieren erheblich komplexer und für Au-
ßenstehende nicht mehr leicht zu durchdringen. Die Gefahr
eines Reputationsverlustes war daher nicht so eminent wie
im üblichen Ratinggeschäft. Zudem gab es in diesem Markt-
segment nur sehr wenige Emittenten mit entsprechend ho-
hem Geschäftsvolumen. Der Verlust des Kunden durch zu
strenge Ratings für die strukturierten Produkte war daher
mit einem erheblich größeren Geschäftsverlust verbunden
als bei Verlust eines Emittenten von Standardwertpapieren
(White, 2010, S. 221).
Damit das Risiko eines Reputationsverlusts eine diszip-
linierende Wirkung auf die Rating-Agenturen ausübt und
die Wahrscheinlichkeit von Gefälligkeitsgutachten mindert,
muss also zum einen das geratete Produkt bzw. der Prozess
63
der Bewertung hinreichend transparent sein, damit eine of-
fensichtliche Fehlbewertung zeitnah von den Marktteilneh-
mern erkannt werden kann. Zum anderen muss ein Reputa-
tionsverlust auch mit spürbaren Geschäftsverlusten für die
Agenturen einhergehen, eine schlechte Leistung der Agen-
tur also auch sanktioniert werden.
Wenn Investoren frei in ihrer Investitionsentscheidung sind,
müssen Emittenten von Wertpapieren um das Vertrauen der
Anleger werben. Dazu können externe Ratings dienen, die
eine Signalfunktion besitzen. Das Signal, das eine Bonitäts-
note entfaltet, hängt jedoch von dem Wert ab, den diese in
den Augen der Anleger besitzt. Sollten die Anleger feststel-
len, dass die Bonitätseinschätzungen der Rating-Agenturen
systematisch zu positiv ausfallen, würde das Rating für die
Investoren seine Signalfunktion verlieren. Wenn sie in der
Folge auf andere Möglichkeiten der Risikoprüfung auswei-
chen, sinkt auch für die Emittenten der Anreiz, Ratings bei
den Rating-Agenturen zu kaufen. Die Anlegerreaktion wür-
de also mittelbar zu einem Geschäftsverlust für die Rating-
Agenturen führen.
Dieser Disziplinierung der Agenturen steht die Tatsache ent-
gegen, dass in dem aktuell durch Aufsichtsregeln bestimm-
ten Markt der Verlust an Reputation nicht automatisch mit
einem Geschäftsverlust verbunden ist, weil die Anleger in
ihren Ausweichmöglichkeiten beschränkt sind. Die aktuel-
len Probleme, die sich aus dem Vergütungsmodell ergeben,
können also nicht losgelöst von dem aufsichtsrechtlichen
64
Kontext diskutiert werden. Ohne die Verzerrungen durch
das Aufsichtsrecht müsste ein Emittenten-basiertes Vergü-
tungsmodell nicht automatisch zu systematischen Fehlbe-
wertungen der Kreditwürdigkeit der Emittenten führen. Zwar
sind beim „issuer pays“-Modell kurzfristige Interessenkon-
fikte durchaus möglich. Mittelfristig wäre jedoch eine An-
gleichung der von Emittenten und Investoren gestellten An-
sprüche an die Arbeit der Rating-Agenturen zu erwarten,
wenn die Signalfunktion der Ratings von der Reputation bei
den Investoren abhängen würde.
Die derzeit diskutierten Reformansätze setzen jedoch we-
niger auf marktimmanente Anreize, sondern sind bestrebt,
den Interessenskonfikt in der Emittenten-basierten Ver-
gütung durch verstärkte Regulierung aufzuheben: So wird
bspw. in der EU diskutiert, Rating-Agenturen den Emitten-
ten zufällig zuzuordnen (Roosebeke/Baran, 2012). Damit
wäre die Beziehung zwischen Agentur und Emittent immer
nur kurzfristiger Natur und könnte den Anreizen zu einer op-
portunistischen Bewertung von Wertpapieren entgegen wir-
ken: Eine dem Emittenten entgegenkommende Bewertung
würde sich für die Agenturen nicht mehr auszahlen, da sie
damit keine Kundenbindung erreichen könnten. Eine derarti-
ge Regelung kann jedoch den Aufbau einer unternehmens-
bezogenen Expertise der Rating-Agentur verhindern. Die für
eine Bewertung maßgeblichen Faktoren im Unternehmens-
bereich sollten umso besser eingeschätzt werden können,
je länger sich die Agentur mit dem spezifschen Unterneh-
men befasst. Eine daraus resultierende präzisere und um-
65
fassendere Analyse wäre schließlich auch im Interesse der
Investoren.
Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass systematische
Fehlbewertungen rechtzeitig erkannt werden, wird auch dis-
kutiert, Rating-Agenturen zur Offenlegung ihrer Modellan-
nahmen und der verwendeten Informationen zu verpfich-
ten, um die Transparenz über die Entstehung der Ratings
zu erhöhen (White, 2010). Die von der EU Kommission an-
visierten Regulierungen sehen die Offenlegungspficht der
Agenturen sowohl gegenüber der europäischen Wertpapier-
aufsichtsbehörde (ESMA) als auch gegenüber Kunden und
Öffentlichkeit vor (Roosebeke/Baran, 2012). Die Erhöhung
von Transparenz kann Wettbewerb verstärken: Je mehr die
Konsumenten über das Produkt wissen, desto eher können
sie es mit Alternativen vergleichen und vom Produktwech-
sel bzw. Anbieterwechsel Gebrauch machen.
Die meisten Informationen, Kriterien und Methoden, die Rating-
Agenturen insbesondere für ihre Ratings von Staaten verwen-
den, sind aber schon heute öffentlich zugänglich (siehe bspw.
Standard & Poor‘s Ratings Criteria). Die eigentliche Arbeit der
Rating-Agenturen besteht in der Gewichtung der verschiede-
nen Informationen und in der synthetischen Erstellung einer
Bonitätseinschätzung. Diese wird aber auch von einem „intuiti-
ven“, auf Erfahrungen basierenden Wissen abhängen, das den
Produktionsprozess maßgeblich bestimmen kann. Dieses „stil-
le“, verborgene Wissen kann jedoch nicht kommuniziert und
transparent gemacht werden (Hayek, 1968, S. 253 f.).
66
Zugleich könnte eine Offenlegungspficht, die dem Ziel ge-
recht werden soll, die Nachfrager der Ratings umfassend
über das Zustandekommen der Ratings zu informieren, mit
dem Schutz des geistigen Eigentums im Konfikt stehen.
Sollten Agenturen gewisse Methoden und Informations-
quellen veröffentlichen müssen, die bis dato ein Betriebsge-
heimnis darstellen, wäre deren Ertragsgrundlage gefährdet.
Langfristig wäre in diesem Fall ein Rückgang der Innova-
tionsbereitschaft zu erwarten, da die Erträge der Inves-
titionen in verbesserte Methoden nicht mehr der Agentur
zugutekommen würden, sondern aufgrund der Veröffentli-
chungspficht allen Konkurrenten verfügbar gemacht müss-
ten (White, 2010, S. 223).
Eine weitere Reformoption bestünde in der Abkehr vom
Emittenten-basierten Vergütungsmodell. Rating-Agenturen
müssten sich bei dieser Reformoption durch Anleger fnan-
zieren lassen, die das Rating schließlich auch als Entschei-
dungsgrundlage für ihre Investitionen heranziehen. Dieses
Geschäftsmodell haben die drei großen angelsächsischen
Rating-Agenturen bis in die 1970er Jahre verfolgt. Heute
arbeitet bspw. die Rating-Agentur Egan-Jones in den USA
auf Basis der Anlegervergütung. Studien zeigen, dass die
Vergütungsstruktur einen erheblichen Einfuss auf die Qua-
lität des Ratings hat und die Emittenten-fnanzierten Ra-
tings systematisch optimistischer ausfallen als jene, die
von Anlegern in Auftrag gegeben wurden (Bruno et. al.,
2011).
67
Diesem Vorteil steht jedoch die mögliche Trittbrettfahrer-
problematik entgegen (White, 2010, S. 214 f.). Ratinginfor-
mationen dürfen nur den zahlenden Anlegern zugänglich
sein, damit dieses Vergütungsmodell funktioniert. Wenn
die Informationen von den Anlegern als exklusiv angesehen
werden und sie sich einen Informationsvorsprung von der
Analyse der Rating-Agentur versprechen, haben diese auch
keinen Anreiz, die Informationen weiterzugeben. Diese Be-
dingung kann vor allem bei einer an einem kleinen Kunden-
stamm ausgerichteten Agentur wie Egan-Jones erfüllt sein.
Ob dies auch für den gesamten Markt der Rating-Agenturen
funktionieren könnte, bleibt fraglich: Der Exklusivcharakter
der Informationen dürfte mit der Größe des Kundenkreises
abnehmen und damit die Anreize zur illegalen Weitergabe
erhöhen.
14
Zum anderen haben die jüngsten Erfahrungen aus den USA
gezeigt, dass ein Anleger-fnanziertes Vergütungsmodell
nicht vor systematischen Fehlbewertungen schützt: Im Vor-
lauf der aktuellen Finanzmarktkrise insistierten auch die Groß-
investoren auf eine möglichst gute Bonitätseinschätzung der
strukturierten Hypothekenverbriefungen, um erhöhte Invest-
mentmöglichkeiten zu haben (Calomiris, 2009 b).
14 Die in 1970er Jahren aufkommenden technischen Möglichkeiten der
Photokopie werden daher auch als mögliche Ursache des allgemeinen Um-
stiegs auf die Emittenten-basierte Vergütung angesehen (White, 2010, S.
215).
68
Systematische Fehlurteile sind also in beiden Vergütungs-
modellen nicht auszuschließen, da das letztendliche Zu-
sammenspiel zwischen Rating-Agenturen, Emittenten und
Investoren auch von den Investitionsbedingungen und auf-
sichtsrechtlichen Vorgaben auf dem Kapitalmarkt abhängt.
6. Vielfalt statt Alternativlosigkeit auf dem
Rating-Markt
Eine professionelle und spezialisierte Form der Risikobewer-
tung durch Rating-Agenturen kann auf der einen Seite so-
wohl für Kapitalanleger als auch Kapitalnachfrager hilfreich
sein. Die gerade in den letzten Jahren bekannt gewordenen,
eklatanten Fehlbewertungen großer Rating-Agenturen wer-
fen jedoch Zweifel an der Sorgfalt und Verlässlichkeit derar-
tiger Urteile auf. Zum einen sind einige Finanzmarktprodukte
von einer hohen Intransparenz geprägt, was die Kontrolle
der von Rating-Agenturen vorgenommenen Einschätzungen
erschwert. Zum anderen bestehen auf dem Markt Anreize
für eine opportunistische, bewusst optimistische Bonitäts-
bewertung. Beide Faktoren können dem Interesse der Kapi-
talanleger entgegenstehen.
Nichtdestotrotz spielen die großen Rating-Agenturen eine
entscheidende Rolle auf dem Kapitalmarkt: Die Eigenkapi-
talhöhe der Banken und Anlagestruktur von institutionellen
Anlegern wird zum großen Teil maßgeblich von der Einschät-
zung der großen Rating-Agenturen abhängig gemacht. Die-
ser Zwang zum Vertrauen auf deren Urteile stellt ein System-
69
risiko dar. Irrt sich der Staat in seiner einseitigen Delegation
der Aufsicht, so trifft es gleichzeitig und fächendeckend alle
dieser Regulierung unterliegenden Akteure auf einmal.
Mittels dieser Aufsichtsdelegation haben gewisse Rating-
Agenturen eine Macht erhalten, die weniger der Kunden-
wertschätzung als staatlichen Vorschriften geschuldet ist
und damit einem echten Wettbewerb zwischen unterschied-
lichen Formen der Risikoeinschätzung im Wege steht. Wett-
bewerb schützt zwar nicht vor Fehlern und Irrtum. Aber er
lässt unterschiedliche individuelle Erfahrungen und Einschät-
zungen zu. Anpassungen an verändertes Wissen und nega-
tive Rückkoppelungen (Hayek, 1968, S. 255 ff.) können auf
dezentraler Ebene viel schneller erfolgen und könnten sich
im Wechsel der Rating-Agentur oder dem Rückgriff auf ei-
gene Risikoeinschätzungen äußern.
Im Vergleich zu individuellen Marktteilnehmern werden
staatliche Akteure den Anpassungsbedarf deutlich später
identifzieren können, weil sie nicht unmittelbar am Markt-
geschehen partizipieren. Zudem benötigt auch der Anpas-
sungsprozess selbst mehr Zeit: Während eine Änderung
aufsichtsrechtlicher Regelungen aufgrund der Komplexität
demokratischer Prozesse zeitintensiv ist und nur verzögert
erfolgen kann, können die einzelnen Marktakteure ihre Ent-
scheidungen viel zügiger und unmittelbarer revidieren. Vor
diesem Hintergrund sollte die zentrale Aufgabe staatlicher
Aufsicht in der Setzung und Kontrolle verlässlicher und ver-
bindlicher Wettbewerbsregeln bestehen, weniger in der
70
(zwangsläufg einseitigen) Vorgabe „richtiger“ Formen der
Risikobewertung.
Die Reformbestrebungen auf europäischer Ebene, den Rück-
griff auf interne Ratings als gleichwertig zu externen Ratings
anerkennen wollen, gehen in eine gute Richtung und dürften
auch Druck auf die Rating-Agenturen erzeugen. Angesichts
der hohen Unsicherheit beim Umgang mit (Finanz-)Risiken
ist ein echter Wettbewerb zwischen Rating-Agenturen und
auch ganz grundsätzlich zwischen verschiedenen Formen
der externen und internen Ratings die sicherere Strategie.
Im Zuge des Wettbewerbs sollten sich dann angemessene
Risikoeinschätzungsmethoden ebenso wie sinnvolle Vergü-
tungsmodelle durchsetzen.
Sicherlich wird es Zeit kosten, bis sich die positiven Einfüs-
se eines verstärkten Wettbewerbs zwischen verschiedenen
Formen der Risikobewertung auswirken. Die Markteintritts-
schranken für neue Rating-Agenturen sind aufgrund kosten-
intensiver Entwicklung von Expertise und Reputation recht
hoch (Beck/Wienert, 2010, S. 464). Daher wird es dauern,
bis die großen Agenturen echte Konkurrenz durch andere
Anbieter erhalten könnten. Eine quasi-staatliche Europäi-
sche Rating-Agentur wäre aber der Erzeugung von Wettbe-
werb nicht dienlich: Angesichts der Nähe zur Politik beste-
hen große Zweifel an der Unparteilichkeit der Agentur und
damit an der Güte der Ratings. Eine ernstzunehmende Kon-
kurrenz zu etablierten Agenturen könnte diese daher nicht
darstellen (Paudyn, 2011).
71
Das Ergebnis eines echten Wettbewerbs ist völlig offen. Es
wäre nicht ausgeschlossen, dass die heutigen großen Agen-
turen weiterhin Marktführer bleiben. Dann aber wäre diese
Position einer im Interesse der Kunden bzw. Anleger ste-
henden hohen Leistung zu verdanken. Und der Druck, die-
se zu erhalten, bliebe bestehen – sofern Reputationsverlust
auch mit Geschäftsverlust verbunden wäre und nicht durch
staatliche Aufsichtsregelungen verhindert würde.
72
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76
Risikomanagement in
Kreditinstituten
Ralf Bauer
1. Aktuelle Situation im Bankensektor
Mit der Insolvenz von Lehman Brothers Inc. im September
2008 wurde die zuvor auf die Vereinigten Staaten begrenz-
te Krise zu einer wirklich globalen Finanzkrise. Zahlreiche
Finanzkonzerne in vielen Ländern mussten mit staatlichen
Geldern gestützt werden, um deren Schiefage zu verhin-
dern. Viele einst renommierte Häuser wie die amerikani-
sche Investmentbank Bear Stearns & Co. Inc., die deutsche
Landesbank WestLB oder die belgische Fortis-Gruppe sind
übernommen worden, völlig vom Markt verschwunden oder
auf kleine, wenig bedeutende Reste geschrumpft.
Zwischen 2007 und 2011 haben sich die Geldaufnahmen
griechischer Banken bei der nationalen Notenbank nahezu
verneunfacht (Vgl. Bank of Greece, 2008 und 2012). Das
Königreich Spanien erhält im Juli 2012 eine Hilfe von 100
Mrd. Euro durch den ESFM,
15
um seine regionalen Banken
und Sparkassen zu rekapitalisieren (Die Welt, 2012). Die
15 Europäischer Finanzstabilitätsmechanismus.
77
US-Großbank JP Morgan Chase & Co Inc. meldete für ihre
Investmentbanksparte im zweiten Quartal 2012 einen Ver-
lust von 4,4 Mrd. US-Dollar vor Steuern aus einer Positi-
on, verursacht durch wenige Londoner Händler (JP Morgan,
2012).
Alle diese Nachrichten verdeutlichen, dass Bankgeschäfte
mit unterschiedlichen Risiken behaftet sind, welche in Ex-
tremsituationen solch immense Ausmaße annehmen kön-
nen, dass Banken ihren Verpfichtungen nicht mehr nach-
kommen können und zahlungsunfähig sind. Der Umfang
dieser bewusst eingegangenen Risiken und der Umgang mit
ihnen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, so dass das
Risikomanagement einer Bank essentiell für deren Zukunft
ist. Die Übernahme von Risiken dient dazu, Erträge für die
Bank zu generieren.
In diesem Beitrag wird erläutert, welchen unterschiedlichen
Risiken eine Bank ausgesetzt ist und wie diese durch ein
entsprechendes Risikomanagement zielgerichtet und er-
tragreich gesteuert werden können. Es wird auch die Fra-
ge diskutiert, ob bzw. inwieweit das Risikomanagement der
Banken in der Finanzkrise versagt hat und welche Reaktio-
nen von Seiten des Gesetzgebers zu erwarten sind. Im fol-
genden Abschnitt werden die wesentlichen Risiken im Ban-
kensektor beschrieben und wie sie im Risikomanagement
gemessen und gesteuert werden. Abschnitt 3 verdeutlicht
die Herausforderungen, die sich einer Bank bei Umsetzung
einer integrierten Gesamtbanksteuerung stellen, wenn öko-
78
nomische Erfolgs- und Risikogrößen simultan mit bilanziellen
Größen zu berücksichtigen sind. Abschnitt 4 beleuchtet das
Risikomanagement der Banken während der Finanzkrise.
Der Beitrag endet in Abschnitt 5 mit einem Ausblick auf die
zukünftig zu erwartenden Tendenzen: im Bankensektor, in
dessen Regulierung sowie im Risikomanagement der Ban-
ken.
2. Risiken bei Banken
Die Existenzgrundlage von Banken liegt in den Risiken von
diversen Bankgeschäften begründet, aus deren gezielter
Übernahme sie ihre entsprechenden Erträge generieren. So
verursacht bspw. die Hereinnahme von Spareinlagen für die
Bank das Risiko, die Zeitpunkte der Rückzahlungen an den
Kunden nicht ex ante zu kennen. Auch beinhalten manche
Bankgeschäfte gleichzeitig mehrere verschiedene Risiken,
die auf unterschiedliche Weise zu steuern sind. Erwirbt eine
Bank bspw. eine auf US-Dollar lautende Anleihe eines US-
amerikanischen Unternehmens, sieht sie sich mit den drei
Risiken konfrontiert, dass
• sich der Wechselkurs des US-Dollars ungünstig ent-
wickelt und gegenüber dem Euro fällt,
• auf Grund der Veränderungen der US-Dollar-Zinssät-
ze der Anleihekurs negativ beeinfusst wird sowie
• sich die Bonität des US-Schuldners verschlechtert,
was ebenfalls zu einem sinkenden Anleihewert führt.
79
Je nach Bankentyp verändern sich die Bedeutung einzelner
Risikoarten und der Umfang der hierfür eingesetzten Res-
sourcen. Während sich Geschäftsbanken eher mit aus Kun-
dengeschäften resultierenden Risiken konfrontiert sehen,
müssen Investmentbanken insbesondere die Risiken aus
ihren umfangreichen Geschäften am Kapitalmarkt steuern.
Da die Banken durch ihre Aufgaben wie Kreditversorgung
und Bereitstellung von Liquidität im Zentrum des Wirtschaf-
tens stehen, ist diese Branche sehr stark durch den Ge-
setzgeber reguliert und beaufsichtigt, um auf diese Weise
die von Banken übernommenen Risiken zu begrenzen und
durch Eigenkapital zu decken. Während die einzelne Risiko-
position eine Bank in keiner Weise gefährden sollte, kann
die Summe eingegangener Risiken in Extremsituationen
existenzgefährdend sein.
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Abbildung 1: Risiken im Bankbereich
81
Abbildung 1 gibt einen Überblick über auftretende Risiken
im Bankbereich. Externe Risiken betreffen die Bankgeschäf-
te, während interne Risiken aus den bankeigenen Prozessen
resultieren. Die wesentlichen Risikoarten werden in den fol-
genden Abschnitten detaillierter erläutert.
2.1 Ausfallrisiken
2.1.1 Erwartete Ausfallrisiken
Mit der Vergabe eines Kredits oder dem Kauf eines Schuld-
papiers läuft die Bank Gefahr, dass diese Verbindlichkei-
ten durch den Schuldner nicht wie vereinbart bedient wer-
den, weil Zins- und/oder Tilgungszahlungen nicht erfolgen.
Dieses Risiko wird allgemein als Ausfallrisiko (engl. Risk of
Default) bezeichnet, die daraus entstehenden Verluste als
erwartete Verluste (EL
16
) aus Kreditausfällen. Um diese zu
decken, berücksichtigen Banken bei der Berechnung des
vom Kunden zu zahlenden Darlehenszinses eine Risikoprä-
mie in ihrer Kalkulation, welche diese erwarteten Verluste
decken soll. Sie ist vergleichbar einer Prämie aus einer Kfz-
Haftpfichtversicherung. Viele Kunden zahlen eine Prämie an
eine Versicherung, damit Unfallschäden, die von nur wenigen
Kunden verursacht werden, gedeckt werden können. Unter-
schiedliche Kunden stellen für die Versicherung je nach der
Einordnung in eine Schadenfreiheitsklasse unterschiedliche
Risiken dar, so dass nicht alle Kunden gleich behandelt wer-
16 EL: Expected Loss.
82
den. Im Folgenden wird das Risiko für das Kreditgeschäft be-
schrieben, das analog auch für das Ausfallrisiko von anderen
Schuldpapieren wie bspw. Anleihen gilt.
Banken klassifzieren ihre Kunden vor der möglichen Kredit-
vergabe. Unterschiedliche Kriterien wie bspw. Alter, Beruf,
Einkommenssituation, Wohnstatus bewerten sie in einem
eigenen Modell, um hierdurch das Rating eines Kunden zu
ermitteln. Es entspricht einer Note, die eine Aussage da-
rüber trifft, inwieweit der Kunde in der Lage wäre, seinen
Kredit ordnungsgemäß zurückzuzahlen. Die Bank ermittelt
somit eine Ausfallwahrscheinlichkeit (PD
17
) für den Kunden,
die umso niedriger liegt, je besser sein Rating ist. Da ein
Kredit i.d.R. für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr ver-
geben wird, ist zusätzlich noch zu berücksichtigen, dass die
Kreditwürdigkeit eines Kunden sich im Zeitablauf verändert.
Auf Grund von Erfahrungswerten aus historischen Kredit-
verläufen kann die Bank dies bewerten und bei den Ausfall-
wahrscheinlichkeiten zukünftiger Perioden berücksichtigen.
Das Risiko der Bank hängt auch davon ab, welches Volumen
dem Kunden als Kredit gewährt wurde, sei es als bereits
ausgezahlter Kreditbetrag oder auch als offene Zusage, auf
welche der Kunde noch zurückgreifen kann. Dieser ausfall-
gefährdete Betrag (EAD
18
) wird im Falle eines Ausfalls nur
teilweise bzw. überhaupt nicht zurückgezahlt. Er steigt durch
17 PD: Probability of Default.
18 EAD: Exposure-at-Default.
83
Auszahlungen zu Beginn zunächst an und reduziert sich auf
Grund von Tilgungen während der Kreditlaufzeit.
Fällt ein Kredit aus, bedeutet dies nicht zwingend einen To-
talverlust für die Bank, da der Kunde der Bank häufg Si-
cherheiten gestellt hat, welche in diesem Fall verwertet wer-
den können. So vergeben Banken Baufnanzierungen i.d.R.
nur gegen Eintragung eines Grundpfandrechtes (Grund-
schuld) im Grundbuch, so dass das fnanzierte Haus als Si-
cherheit für den gewährten Kredit dient. Auch können durch
Zugriff auf andere Vermögenswerte oder eine Gehaltspfän-
dung weitere Rückfüsse erfolgen, so dass die Verlustquote
(LGD
19
) der Bank nicht bei 100 Prozent liegt.
Somit lässt sich der erwartete Verlust aus der Kreditverga-
be als Produkt der drei zuvor erwähnten Größen, ausfallge-
fährdeter Betrag (EAD), Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) und
Verlustquote (LGD) berechnen (Vgl. Hartmann-Wendels et
al., 2010, S. 499):
Erwarteter Verlust (EL) = EAD x PD x LGD
Da für den Kredit der erwartete Verlust direkt zurechenbare
Kosten darstellt, müssen diese zwingend durch den Kun-
denzinssatz verdient werden, damit die Bank nicht unwirt-
schaftlich arbeitet.
19 LGD: Loss-given-Default.
84
Banken sehen in ihren Kreditvergaberichtlinien meist ein
Mindestrating für den Kunden vor, so dass keine Kreditver-
gabe an Kunden erfolgt, deren Rating aus Sicht der Bank
zu schlecht ist. Hierdurch verhindern sie hohe Verluste aus
Einzelkrediten. Im Privatkundengeschäft erfolgt auch eine
Abfrage bei einer Kreditauskunftei („Schufa-Auskunft“),
bei der Daten über laufende Kredite, die ordnungsgemäße
Rückzahlung bereits getilgter Kredite, aber auch Negativ-
kennzeichen wie eine früher erfolgte Kreditkündigung oder
rechtliche Vollstreckungsmaßnahmen (Mahnbescheid, ei-
desstattliche Versicherung) gespeichert sind. Auch wird das
Gesamtvolumen für den einzelnen Kunden in der Höhe be-
grenzt (Kundenlimit). Je nach Kreditbetrag verzichten Ban-
ken auch auf die Hereinnahme von Sicherheiten und verge-
ben den Kredit „blanko“, da die Kosten nicht unerheblich
sind, die hierdurch als Prüfungs- und Verwaltungsaufwand
entstehen. Auch vereinbaren Banken mit dem Kunden höhe-
re Tilgungsraten, um den ausstehenden Betrag schneller zu-
rückzuführen. Durch diese Maßnahmen gelingt es, bereits
bei Abschluss des Darlehensvertrages das Risiko für die
Bank zu reduzieren.
Während der Laufzeit von Krediten kann die Bank ihre Risi-
koposition verändern. Sofern es der Vertrag mit dem Kun-
den zulässt, kann sie den Kredit an einen Dritten verkaufen,
so dass das Risiko aus dem Kredit auf den Erwerber über-
geht. Gleiches gilt für die Verbriefung von Krediten durch
die Emission entsprechender Wertpapiere. Auch der Ab-
schluss von Kreditausfallversicherungen führt zu einer Risi-
85
koreduzierung für die Bank. Jedoch gilt es hier zu bedenken,
dass auch die Gegenpartei, welche i.d.R. eine Bank oder
ein Versicherungsunternehmen ist, ausfallen kann und somit
der Kredit zwar gegen Ausfall versichert ist, aber ggf. keine
Schadensdeckung erfolgt.
2.1.2 Unerwartete Ausfallrisiken
Durch die Kreditrisikoprämie deckt die Bank ihre erwarteten
Verluste, die sich nahezu immer von den tatsächlich auftre-
tenden Verlusten (Realisation) unterscheiden. In konjunktu-
rell guten Jahren ergibt sich zumeist ein positives Ergebnis
aus der Differenz von verdienten Risikoprämien und realisier-
ten Verlusten, in schlechten Jahren hingegeben übersteigt
der Abschreibungs- und Wertberichtigungsbedarf der Bank
häufg die eingenommen Risikoprämien. Über einen Konjunk-
turzyklus hinweg sollten sich diese Ergebnisse ausgleichen.
Ein negatives Ergebnis aus Kreditrisiken einer Bank wird all-
gemein als unerwarteter Verlust (UL
20
) bezeichnet. Es wird
von der Bank durch ihr Risikomanagement berücksichtigt
und sollte durch Gewinne aus anderen Geschäften gedeckt
werden. Dieses Risiko wird nicht durch einen einzelnen Kre-
dit verursacht, sondern durch die Summe aller Kredite, dem
Kreditportfolio oder Kreditbuch der Bank. Für die Steuerung
der Risiken aus dem gesamten Kreditportfolio ist das Ri-
sikocontrolling verantwortlich. Hier werden hoch komplexe
20 UL: Unexpected Loss.
86
Modelle entwickelt, welche den Wert des Kreditportfolios
und damit die auch daraus resultierenden Verluste simulie-
ren. Einzelne Parameter werden als unsichere Variable unter
Annahme bestimmter Verteilungsfunktionen modelliert, so
dass diese innerhalb defnierter Grenzen schwanken kön-
nen. Für zufällige Realisationen dieser Parameter wird das
gesamte Modell berechnet und der sich dann einstellende
Verlust bestimmt. Dieses Vorgehen wird in hoher Anzahl
wiederholt, so dass es möglich ist, eine Aussage über die
Verteilung dieses unerwarteten Verlustes aus dem Kredit-
portfolio zu treffen. Eine hohe Zahl berechneter Verlust-
werte wird sich nicht sehr stark vom erwarteten Verlust
unterscheiden, aber es werden sich auch einige „negative
Ausreißer“ einstellen.
Generell resultiert für das gesamte Kreditportfolio ein Di-
versifkationseffekt, d.h. das Gesamtrisiko aus mehreren
Krediten ist (fast) immer geringer als die Summe der einzel-
nen Kreditrisiken. Durch die Unterschiedlichkeit der einzel-
nen Kreditnehmer und deren Kreditaufnahmezwecke sowie
einer räumlichen Verteilung der Schuldner ist das Szenario,
dass ein hoher Anteil der Kredite gleichzeitig ausfällt, als
sehr gering anzusehen, da nicht gleichläufge Effekte unter-
stellt werden können. So ist bspw. nicht davon auszugehen,
dass der Kredit an ein Hotel in den Bergen und derjenige an
ein Restaurant am Meer im gleichen Jahr ausfallen werden.
Für ein effektives Risikocontrolling ist es notwendig, die aus
dem Kreditportfolio resultierenden Risiken korrekt zu mo-
87
dellieren und zu bewerten, zu limitieren und aktiv zu steuern.
Hierzu berechnen Banken einen maximalen Verlust aus dem
Kreditportfolio, der bei einer festgelegten Wahrscheinlichkeit
innerhalb einer bestimmten Periode, zum Beispiel mit 99 Pro-
zent in einem Jahr, nicht überschritten wird, d.h. nur in einer
von 100 Jahresperioden sollten die realisierten Verluste die-
sen Höchstverlust überschreiten. Diese Verlustgrenze wird
als Value-at-Risk bezeichnet, wobei immer die zu Grunde ge-
legte Wahrscheinlichkeit (Konfdenzniveau) und die angenom-
mene Haltedauer anzugeben ist (Vgl. Schierenbeck, 2003, S.
15; Hartmann-Wendels et al., 2010, S. 338). Abbildung 2 zeigt
grafsch die Wahrscheinlichkeitsverteilung f(L) des Verlustes
aus dem Kreditportfolio sowie den Value-at-Risk (VaR). Es
ist zu erkennen, dass sich mit einem steigenden Konfdenzni-
veau der daraus resultierende VaR-Wert erhöht.
erwarteter
Verlust (EL)
L: Verlust gesamtes Kreditbuch f(L)
L VaR
Konfidenzniveau
α
unerwarteter
Verlust (UL)
Abbildung 2: Verlustverteilung eines Kreditportfolios
21
21 Angelehnt an Schierenbeck, 2003, S. 155.
88
Das Management der Bank hat die Entscheidung über das
maximale Verlustlimit für Kreditrisiken und das Konfdenzni-
veau für die Bestimmung des VaR zu treffen. Überschrei-
tet der VaR ein festgelegtes, maximales Verlustlimit, sind
dahingehend Gegenmaßnahmen einzuleiten, dass sich der
VaR reduziert und damit das Limit wieder eingehalten wird.
Dies kann bspw. durch den Verkauf von Krediten oder den
Kauf von Ausfallversicherungen erfolgen. Auch wäre eine
Erhöhung des Diversifkationseffektes sinnvoll, indem eine
kleine Anzahl betraglich größerer Kredite durch eine grö-
ßere Anzahl von Krediten kleineren Volumens ersetzt wird.
Gleiches gelingt auch durch eine verstärkte regionale oder
sektorale Streuung.
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass unerwartete Aus-
fallrisiken nicht ausschließlich im Kreditgeschäft auftreten.
Auch durch die Bank erworbene Schuldtitel und Positionen
aus Derivaten, bei denen eine Gegenpartei involviert ist,
bergen dieses Risiko. Die hierzu gemachten Ausführungen
gelten auch für die Berechnung und das Management die-
ser Risikopositionen.
2.2 Preisrisiken
Preisrisiken resultieren aus negativen Wertänderungen von
Bilanzpositionen, die durch Marktpreisveränderungen her-
vorgerufen werden. Ein für Geschäftsbanken sehr bedeu-
tendes Preisrisiko ist das Zinsänderungsrisiko, das durch
eine Veränderung der Zinsstrukturkurve, d.h. der Zinssät-
89
ze unterschiedlicher Laufzeiten, hervorgerufen wird. Dieses
Risiko wird über das Zinsbuch gesteuert. Dort werden alle
abgeschlossenen, zinstragenden Geschäfte einer Bank zu-
sammengefasst (Vgl. Schierenbeck, 2003, S. 617). Hierun-
ter fallen bspw. Einlagen und Kredite (Kundengeschäft), von
der Bank erworbene oder emittierte Anleihen, Zinsderiva-
te und Positionen aus Zinsgeschäften mit anderen Banken.
Die Struktur und das Risiko des Zinsbuchs ergeben sich
aus diesen Geschäften. Eine allgemeine Aussage, wie eine
Zinsverschiebung wirkt, kann nicht getroffen werden, da
dies von den zinstragenden Geschäften, deren (Teil-) Absi-
cherung und den daraus resultierenden offenen Positionen
abhängt.
Häufg weisen beide Kundengeschäftsklassen eine unter-
schiedliche Fristigkeit auf. Im folgenden Beispiel nimmt eine
Bank eher kurzfristig Spar- und Termineinlagen herein, die
sie mittel- bis langfristig als Kredite an Kunden herausgibt.
Liegt eine normale Zinsstruktur vor, so dass die Zinssätze
mit der Zinsbindung ansteigen, zahlt die Bank einen niedri-
gen Zins an ihre Gläubiger und verlangt einen höheren Zins
von ihren Kreditnehmern – sie betreibt die sogenannte Fris-
tentransformation und generiert einen zusätzlichen Ertrag
aus der Differenz zwischen dem lang- und kurzfristigen Zins.
Verändert sich bspw. die Zinskurve von normal auf invers,
d.h. die kurzfristigen Zinssätze übersteigen die mittel- bis
langfristigen Zinssätze, zeigt sich das Risiko für die Bank.
Auf Grund der langfristigen Zinsvereinbarungen auf der Kre-
ditseite können die Zinssätze erst mit Neuabschlüssen oder
90
Kreditprolongationen angepasst werden. Da sich die Bank
eher kurzfristig fnanziert, erfolgen hier die Zinserhöhungen
für die Einlagen zeitnah, so dass u.U. der durchschnittliche
Einlagenzins den durchschnittlichen Kreditzins übersteigen
kann, so dass die Bank im Zinsgeschäft Verluste schreibt.
Auch können Anleihen im Bestand der Bank Zinsänderungs-
risiken verursachen. Der Preis einer Anleihe entspricht der
Summe aller auf den aktuellen Zeitpunkt (t=0) diskontier-
ten Zahlungen (Barwert: BW
0
). Hierin steckt die Idee, für
alle zukünftigen Zins- und Tilgungszahlungen bereits heute
(verzinsliche) Kredite aufzunehmen, die inklusive der anfal-
lenden Kreditzinsen später durch Zahlungen aus der Anleihe
getilgt werden. Lässt man das in Abschnitt 2.1. beschriebe-
ne Ausfallrisiko außer Acht, resultiert das Preisrisiko aus-
schließlich aus der Veränderung dieses Barwerts. Steigen
diese (Kredit-)Zinssätze (y
t
), erhöht sich in der Rückzahlung
aus der Anleihe (Z
t
) der Zinsanteil, so dass der Netto-Aus-
zahlungsbetrag aus dem aufgenommenen Kredit geringer
wird, wie die folgende Barwert-Formel zeigt:
Dies kann am Beispiel einer Anleihe verdeutlicht werden,
welche einen Zinssatz von 4 Prozent p.a. besitzt und nach
4 Jahren zu 100 zurückgezahlt wird (Zinszahlungen von 4 in
den Jahren 1 bis 4 und zusätzlich im Jahr 4 die Tilgungszah-
lung von 100). Bei einer konstanten Zinsstrukturkurve (alle
91
Laufzeiten besitzen den gleichen Zins) errechnet sich für ein
Zinsniveau von 4 Prozent ein Barwert von 100:
Steigen (fallen) die Zinsen um 1 Prozent, sinkt (erhöht) sich
der Barwert auf 96,45 (103,72):
Je länger die Laufzeit der Anleihe ist, desto stärker wirkt
eine Zinsveränderung auf den Barwert der Anleihe.
Banken messen diese Zinsänderungsrisiken mit unter-
schiedlichen Methoden. Zinsrisiken, die aus der unter-
schiedlichen Zinsbindung von Kredit- und Einlagenseite re-
sultieren, werden bspw. durch eine Sensitivitätsanalyse
bzgl. der Zinsänderungen gemessen, indem errechnet wird,
wie stark (in Prozentpunkten) sich der Zinssatz einer Positi-
on verändert, sofern sich der Marktzinssatz um 1 Prozent-
punkt verändert (Zinselastizität) (Vgl. Schierenbeck, 2003,
S. 326 f). Zinsrisiken als Marktwertänderungen werden
durch Maße (Durationen) basierend auf der Barwertverän-
derung bestimmt. Hier wird analysiert, in welchem Ausmaß
sich der Barwert verändert, wenn sich das Zinsniveau über
92
alle Laufzeiten hinweg um einen Basispunkt (dies entspricht
0,01 Prozent) verschiebt. Dies kann absolut (in Euro) oder
relativ (in Prozent) bezogen auf den ursprünglichen Barwert
erfolgen (Vgl. Hartmann-Wendels et al., 2010, S. 668 ff).
Auch wird durch ein solches Maß bestimmt, wie hoch die
mittlere Zinsbindungsdauer auf der Kredit- wie auch auf der
Einlagenseite ist.
Management
Liquiditätsrisiko
Management
Zinsänderungsrisiko
täglich wöchentlich bis monatlich
Zahlungseingang
Zahlungsausgang
Saldo
(erwartete)
Zahlungsausgänge
(erwartete)
Zahlungseingänge
Zeit
Abbildung 3: Zahlungsströme in einer Bank
In der Zinsbuchsteuerung gehen Banken bewusst Risiken
als offene Positionen ein, indem sie für manche Fristigkeiten
Zahlungsüberschüsse, für andere Fristigkeiten Zahlungs-
defzite aus dem Zinsbuch eingehen (siehe Abbildung 3).
Verantwortlich für dessen Steuerung ist die Abteilung Tre-
asury (Zins-/Liquiditätssteuerung). Treten deren Erwartun-
gen bzgl. der Zinsentwicklung ein, kann ein Erfolg aus der
offenen Position erzielt werden, anderenfalls können sich
93
hieraus Verluste ergeben. Zum Management von Zinsrisi-
ken stehen Treasury unterschiedliche Mittel zur Verfügung.
Durch Geschäfte mit anderen Banken kann die Struktur des
Zinsbuches angepasst werden. So können bspw. langfris-
tige Darlehen durch langfristige Mittelaufnahmen fristen-
gleich fnanziert (Umsetzung der goldenen Bankregel) und
damit der Umfang der Fristentransformation stark reduziert
werden (Vgl. Hartmann-Wendels et al., 2010, S. 468 f). Die-
ses Ergebnis kann auch durch die Emission einer Anleihe der
Bank erzielt werden. Zudem stehen der Bank auch derivati-
ve Instrumente wie Zinsswaps zur Verfügung. Bei Abschluss
eines Zinsswapgeschäfts verpfichten sich die beteiligten
Banken zum Austausch von Zinszahlungen, so dass bspw.
langfristige gegen kurzfristige Zinszahlungen getauscht
werden. Eine Bank zahlt langfristige und erhält kurzfristige
Zinsen und vice versa. Durch Kombination eines langfristi-
gen Darlehens mit einem entsprechenden Zinsswap besitzt
diese Position das (verminderte) Zinsänderungsrisiko eines
kurzfristigen Kredits. Da der Swapmarkt in normalen Situ-
ationen auf dem Geld- und Kapitalmarkt höchst liquide ist,
gelingt es Banken binnen kurzer Zeit, mögliche Überschrei-
tungen bei Zinsrisikolimiten zurückzufahren.
Auch aus Währungspositionen können für eine Bank Preis-
risiken resultieren, sofern das Kreditvolumen in der Wäh-
rung nicht dem Einlagevolumen der Kunden in der gleichen
Währung entspricht. Auf Grund des sich ergebenden Wäh-
rungssaldos besitzen Banken durch eine Veränderung des
Wechselkurses ein Währungsrisiko, wenn bspw. Kredite in
94
US-Dollar durch Einlagen in Euro refnanziert werden. Sinkt
der Dollarkurs gegenüber dem Euro, verringert sich der
Wert der Kundenkredite, umgerechnet in Euro, während die
Verbindlichkeiten in Euro konstant bleiben. Steigt der Wert
des US-Dollars gegenüber dem Euro, erzielt die Bank einen
zusätzlichen Gewinn. Banken gehen bewusst solche Wäh-
rungsungleichheiten und die daraus resultierenden Risiken
ein, um von erwarteten Veränderungen von Wechselkursen
zu proftieren und einen weiteren Erfolg, den Währungs-
transformationsbeitrag, einzufahren. Es ist noch anzumer-
ken, dass zusätzlich auch die Zinskurven beider Währungen
eine Rolle spielen, da sich diese bei gleicher Fristigkeit zu-
meist in ihrer Höhe unterscheiden.
Banken führen zur Ermittlung von Währungsrisiken Simulati-
onen durch, um die Auswirkungen von Wechselkursschwan-
kungen auf die offene Position zu bestimmen. Auch hier wird
ein maximaler Verlust über eine bestimmte Haltedauer zu
einem festgelegten Konfdenzniveau bestimmt als VaR aus
Währungsrisiken. Die Risikoposition der Bank kann durch
Abschluss weiterer Währungsgeschäfte mit anderen Markt-
teilnehmern reduziert oder vollständig geschlossen werden.
Zudem bieten Währungsswaps und Termin(ver)käufe diese
Möglichkeit.
Weitere Preisrisiken können durch Marktpreisschwankun-
gen von Aktien, Gold, Rohstoffen etc. ausgehen, die auch
über das VaR-Konzept gesteuert werden, das im vorherigen
Abschnitt zu unerwarteten Ausfallrisiken beschrieben wurde.
95
2.3 Liquiditätsrisiken
Liquiditätsrisiken unterscheiden sich von den beiden zuvor
diskutierten Risikoarten, da sich hier das Risiko nicht durch
mögliche (Eigenkapital-)Verluste aus Vermögenspositionen
zeigt, sondern aus der Forderung ergibt, dass die jederzei-
tige Zahlungsfähigkeit der Bank zur Rückzahlung von Einla-
gen gewährleistet sein muss. Bestehen daran Zweifel, be-
steht die Gefahr, dass viele Kunden gleichzeitig ihre Einlagen
zurückfordern mit der Folge eines Bank Run (Vgl. Hartmann-
Wendels et al. (2010), S. 472 f). Das Risiko besteht somit
in mangelnder Liquidität und der daraus folgenden Insolvenz
der Bank.
Zur Vermeidung des Liquiditätsrisikos ist es in einem ersten
Schritt für die Bank unabdingbar, die Zahlungseingänge und
-ausgänge der nächsten Tage und Wochen exakt zu kennen.
Dies gestaltet sich für viele Bankprodukte unproblematisch,
da die zukünftigen Zahlungen wie zum Beispiel Zins- und
Tilgungsleistungen exakt in Termin und Höhe bekannt sind.
Herausfordernd sind jedoch Bankprodukte, die ex ante kei-
nen festen Zahlungsfuss aufweisen. Hierunter fallen bspw.
Spareinlagen, Geldmarktkonten und Girokontenguthaben
bzw. Inanspruchnahmen des Dispositionskredits. So sind
aus juristischer Sicht Guthaben auf Girokonten täglich fällig,
betriebswirtschaftlich stehen sie der Bank deutlich längere
Zeit zur Verfügung. In der Liquiditätssteuerung wird diese
Herausforderung dadurch gelöst, dass der unsichere Zah-
lungsstrom durch ein Modell aus mehreren Teilzahlungsströ-
96
men mit unterschiedlicher Fristigkeit substituiert wird. Ein
Teil wird längerfristig modelliert, so dass angenommen wird,
er steht der Bank längerfristig als sogenannter Bodensatz
zur Verfügung. Der Rest wird sehr kurzfristig modelliert, so
dass hierdurch gewährleistet ist, Rückzahlungswünsche der
Kunden zu erfüllen.
Somit ist es möglich, für die nächsten Wochen Zahlungsein-
gänge und -ausgänge gegenüberzustellen, zu saldieren und
somit den täglichen Überschuss bzw. das tägliche Defzit an
Liquidität ermitteln zu können (siehe Abbildung 3).
Neben den Kundeneinlagen stehen einer Bank mehrere
Möglichkeiten offen, die Refnanzierung und jederzeitige
Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Ist auf längere Sicht ein
Liquiditätsdefzit erkennbar, kann die Bank durch Emission
eigener Schuldverschreibungen neue Mittel zu dessen Aus-
gleich aufnehmen. Alternativ können Wertpapiere aus den
eigenen Beständen der Bank an andere Banken oder am
Markt veräußert werden, um durch die daraus resultieren-
den Mittelzufüsse die Liquiditätssituation zu verbessern.
Zur kurzfristigen Liquiditätsdeckung kann die Bank zusätz-
lich auf Refnanzierungen durch die Deutsche Bundesbank
bzw. Europäische Zentralbank zurückgreifen. Im Rahmen
der Liquiditätsversorgung von Banken bieten die nationalen
Zentralbanken an, den Banken Liquidität in Euro oder auch
US-Dollar zur Verfügung zu stellen, sofern entsprechende
Sicherheiten in Form verpfändbarer Wertpapiere gestellt
werden. Durch die zur Verfügung gestellte Geldmenge, den
97
von der Zentralbank geforderten Zins und die Qualität der
als Sicherheit zugelassenen Wertpapiere kann diese Mög-
lichkeit der Liquiditätsbeschaffung für die Banken durch die
Zentralbank erweitert oder eingeschränkt werden.
Der Gefahr eines Bank Runs wird in Deutschland durch Ein-
lagensicherungssysteme begegnet. Die drei großen Bank-
gruppen (Privatbanken, Sparkassenorganisation und genos-
senschaftlicher Sektor) garantieren die Bankeinlagen ihrer
Kunden durch die Verpfichtung, dass die übrigen Banken
der Gruppe bei Zahlungsunfähigkeit eines Mitgliedes die
Rückzahlung der Einlagen gewährleisten. Nach der Insol-
venz der deutschen Tochter von Lehman Bros. Inc. führte
dies zu Verpfichtungen in Höhe von gut 6 Mrd. € für die Ein-
lagensicherungsorganisation der Privatbanken, dem Einla-
gensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Ban-
ken (Vgl. SZ, 2010).
2.4 Operationelle Risiken
Operationelle Risiken stellen eine Sonderform der Risiken
dar, weil sie aus der Bank selbst, d.h. durch deren Systeme,
Prozesse und die handelnden Personen, verursacht werden.
Beispiele für diese internen Risiken sind ein Ausfall der IT-
Systeme, eine Fehlbearbeitung bei einer Kreditvergabe, ein
Diebstahl von Kundendaten oder ein Betrug durch einen
Bankmitarbeiter.
Operationelle Risiken werden nach ihrem Auftreten in einer
98
bankinternen Datenbank erfasst und regelmäßig nach Häu-
fgkeit (häufg bis sehr selten) und Schadenshöhe (gering
bis sehr hoch) klassifziert. Schäden, die zwar häufg auf-
treten, aber in ihrem Ausmaß weniger bedeutend sind (z.B.
Verluste aus Fehlbearbeitung), bedeuten für die Bank kein
bedrohliches Risiko und werden über ein Risikobudget in
Höhe ihres Erwartungswerts berücksichtigt. Gegen manche
Schäden wie z.B. Raubüberfälle schließen Banken eine Ver-
sicherung mit Eigenbeteiligung ab, um gegen größere Ver-
luste abgesichert zu sein.
Gegen (technischen) Datenverlust erstellen Banken täglich
Back-ups, d.h. Kopien der wichtigsten Kundendaten, um im
Notfall diese Daten wiederherstellen zu können. Einem Aus-
fall des zentralen Rechenzentrums begegnen Banken durch
die Einrichtung eines weiteren Rechenzentrums an einem
anderen Ort. Auch halten sie sogenannte Notfallarbeitsplät-
ze vor, um bei Ausfall von Gebäuden den betroffenen Mitar-
beitern Ersatzarbeitsplätze in einem weiteren Gebäude bie-
ten zu können.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Risiken, die eine
entsprechende Auswirkung für die Bank und ihre Reputation
besitzen. So kann ein großer Betrugsfall neben den direkten
auch zu indirekten Verlusten führen, in dem Kunden in Folge
mangelnden Vertrauens Einlagen von der betroffenen Bank
abziehen bzw. Neugeldanlagen nicht erfolgen. Um solche
Fälle ex ante zu erschweren oder völlig zu verhindern, ha-
ben Banken entsprechende Kontrollsysteme eingeführt, um
99
durch das Vier-Augen-Prinzip oder durch systematische Da-
tenvalidierung Unregelmäßigkeiten zu identifzieren. Durch
das Rundschreiben 11/2010 (Mindestanforderungen an das
Risikomanagement - MaRisk) der Bundesanstalt für Finanz-
dienstleistungsaufsicht (BaFin) wird gefordert, dass vor ei-
ner Kreditvergabe zwei unabhängige Voten erforderlich sind:
sowohl vom Kredit vergebenden Bereich Markt (Kundenbe-
treuer) als auch vom Bereich Marktfolge (Kreditsachbear-
beitung) (Vgl. BaFin, 2010, BTO 1.1). Im Handelsbereich sind
Marktpreisrisiken zeitnah zu bestimmen und auf die Limite
der Händler anzurechnen, wobei nach deren Überschreitung
geeignete Maßnahmen zu treffen sind (Vgl. BaFin, 2010,
BTO 2.2). Zudem wird eine tägliche Ermittlung der Markt-
preisrisiken von Handelsgeschäften durch den Bereich Ri-
sikocontrolling vorgeschrieben (Vgl. BaFin, 2010, BTO 2.2).
Jedoch lassen sich durch diese Maßnahmen operationelle
Risiken nicht vollständig verhindern, wie die massiven Ver-
luste im Jahr 2008 in Höhe von fast 5 Mrd. Euro der franzö-
sischen Großbank Société Générale S.A. zeigen (Vgl. Reu-
ters, 2008), verursacht durch die massive Überschreitung
von Handelslimiten durch einen einzigen Börsenhändler:
Jérôme Kerviel.
2.5 Gesamtposition der Risiken
In den vorherigen Abschnitten wurden die vier gemäß Ma-
Risk (Vgl. BaFin, 2010, AT 2.2) als wesentlich klassifzier-
ten Risikoarten diskutiert und erläutert, wie Banken diese
100
Risiken messen und steuern. Sie wurden klassifziert nach
der Art der verursachenden Faktoren. Für Adressausfall-,
Marktpreis- und operationelle Risiken wurden Beträge als
Erwartungswerte oder VaR-Größen berechnet, um den Ver-
lust aus den Risiken zu quantifzieren. Da alle ermittelten
Werte in Euro gemessen werden, könnten diese problemlos
zu einer Gesamtrisikoposition addiert werden.
Hierdurch würde aber die Gesamtrisikoposition der Bank
überschätzt, da bei deren Ermittlung der Risikodiversifka-
tionseffekt zu berücksichtigen ist. Besitzt bspw. eine Bank
Aktien eines Chemiekonzerns und eine (gekaufte) Option
als Recht, Aktien eines weiteren Chemiekonzerns zu ver-
kaufen, resultiert aus beiden Positionen ein Marktpreisrisi-
ko: für die erste Position aus einem fallenden Aktienkurs,
bei der Optionsposition aus einem steigenden Aktienkurs.
Da nicht davon auszugehen ist, dass die Aktie des ersten
Chemiekonzerns in einem Ausmaß fällt, wie diejenige des
zweiten Chemiekonzerns steigt, sollte die Gesamtposition
aus Aktie und Option ein geringeres Marktpreisrisiko aus-
weisen als die Summe beider Einzelrisiken. Gleiches gilt für
die Entwicklung vieler weiterer Risikopositionen.
Das Risikocontrolling hat somit auch die Aufgabe, diesen Ri-
sikodiversifkationseffekt zu quantifzieren. Zum 31. Dezem-
ber 2011 ergab sich zum Beispiel für den Deutsche Bank
Konzern aus den Einzelwerten für Kreditrisiko (12,8 Mrd.
Euro), Marktrisiko (12 Mrd. Euro) und operationelle Risiken
(4,8 Mrd. Euro) eine Gesamtrisikoposition von 25,4 Mrd.
101
Euro, beeinfusst durch einen Diversifkationseffekt aus die-
sen Risiken von 4,3 Mrd. Euro oder mehr als 14 Prozent
der summierten Einzelrisiken (Vgl. Deutsche Bank, 2012).
Zur Übernahme von Risiken ist der Bank vorgeschrieben,
ökonomisches Kapital, d.h. eigene Mittel, vorzuhalten, um
daraus resultierende potenzielle Verluste zu decken, womit
sich der nun folgende Abschnitt beschäftigt.
3. Risikomanagement und Gesamtbanksteuerung
Die Aufgabe von Banken besteht im Wesentlichen darin, Ri-
siken zu übernehmen und zu managen, um hieraus einen
Gewinn, als Zins-, Provisions- oder Handelsertrag, zu er-
zielen. Hierzu ist es zwingend erforderlich, das Einzelrisiko
bewerten zu können, um hierdurch einen Mindestpreis für
die Übernahme des Risikos bestimmen zu können. Banken
sollten überhaupt nur dann erwägen, ein riskantes Geschäft
abzuschließen, sofern ein positiver Deckungsbeitrag ge-
währleistet ist, d.h. alle diesem Geschäft zuzurechnenden
Einzelkosten gedeckt sind.
22
Zusätzlich ist zu beachten, ob
die Summe aller zu übernehmenden Einzelrisiken die Bank
als Ganzes überfordert. Eine der wichtigsten Aufgaben im
Risikomanagement einer Bank ist es, eine Risikoobergrenze
festzulegen und deren Einhaltung zu überwachen.
22 Banken schließen auch nicht kostendeckende Geschäfte ab und be-
gründen dies mit strategischen Investitionen in eine (langfristige) Kunden-
beziehung.
102
3.1 Prozess der Risikobudgetierung
Wird ein Risiko schlagend, führt dies zu einem Verlust aus
dem entsprechenden Geschäft der Bank, der durch Gewin-
ne aus anderen Geschäften gedeckt werden sollte. Dieses
Risikopotenzial für die Gesamtbank zu planen und in der
Summe zu beschränken, ist eine der Aufgaben des Top-Ma-
nagements in Zusammenarbeit mit dem Bereich Risikocon-
trolling.
Das Top-Management trifft bewusst eine strategische Ent-
scheidung über die generell übernehmbaren Gesamtrisiken.
Gemäß MaRisk muss diese Risikostrategie auch für die je-
weiligen Einzelrisiken defniert sein (Vgl. BaFin, 2010, AT
4.2). Je nach Risikoappetit und Ausstattung der Bank mit ei-
genen Mitteln (Eigenkapital) übernimmt die Bank mehr oder
weniger Risiken. Sie ermittelt zunächst das Risikodeckungs-
potenzial, das angibt, in welchem Umfang eigene Mittel der
Bank zur Verfügung stehen, um mögliche Verluste aus Ri-
siken abzudecken. Hieraus wird die Risikodeckungsmasse
(Gesamtlimit) abgeleitet als Obergrenze der Summe aller
einzelnen Risiken (Einzellimite), wobei die Solvenz der Bank
permanent zu gewährleisten ist. Aus diesem Grund kann
eine Bank nicht das gesamte Risikodeckungspotenzial für
die Abdeckung von Risiken nutzen. Dieses Gesamtlimit ist
das Risikobudget, welches auf die einzelnen Risikoarten und
Unternehmensbereiche zugewiesen wird. Jedem Bereich
ist so vorgegeben, in welchem Umfang er Risiken in den
einzelnen Risikoarten übernehmen darf.
103
Dem gegenüberzustellen ist das Risikopotenzial als Sum-
me aller Risikoarten. Es wird regelmäßig für die einzelnen
Risikopositionen je Risikoart bestimmt und zum Risiko auf
Ebene der Gesamtbank aggregiert. Das ermittelte Risikopo-
tenzial darf die bereitgestellte Risikodeckungsmasse grund-
sätzlich nicht überschreiten, da sonst die Risikotragfähigkeit
der Bank gefährdet wäre. Die Geschäftsleitung muss in an-
gemessenen Abständen über den Risikostatus informiert
werden und dem Aufsichtsgremium der Bank im 3-Monats-
turnus Bericht erstatten (Vgl. BaFin, 2010, AT 4.3.2).
Da der Umfang des aus Risiken resultierenden Verlusts mit
Unsicherheit behaftet und damit ex ante nicht bekannt ist,
werden im Risikobudgetierungsprozess i.d.R. 3 Szenarien
analysiert (siehe Abbildung 4), die sich in Ausmaß und
Wahrscheinlichkeit differenzieren (Vgl. Schierenbeck, 2003,
S. 31 f):
Szenario Eintrittswahrscheinlichkeit Risikodeckungsmasse(n) Periodengewinn
Normalbelastung
hohe
Wahrscheinlichkeit
verdiente Risikoprämien
Übergewinn
Mindestgewinn
Negativbelastung
geringe
Wahrscheinlichkeit
verdiente Risikoprämien
Übergewinn
Mindestgewinn
Nullgewinn
Maximalbelastung
sehr geringe
Wahrscheinlichkeit
verdiente Risikoprämien
Übergewinn
Mindestgewinn
Gewinnrücklagen-Auflösung
Periodenverlust
bzw.
Nullgewinn nach
Rücklagenauflösung
Abbildung 4: Verlustszenarien
104
Bei Eintritt des Szenarios „Normalbelastung“ entstehen
Verluste, wie sie von der Bank erwartet und den Geschäf-
ten als Risikoprämie belasten wurden. So sollten bspw.
über einen Konjunkturzyklus hinweg die den Krediten be-
lasteten Risikoprämien (erwarteter Verlust) den aufgetrete-
nen Verlusten aus Kreditausfällen (Wertberichtigungen und
Abschreibungen) entsprechen, so dass für diese Risikoart
ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen wird. In einzelnen
Jahren kann das Risikoergebnis den Periodenerfolg posi-
tiv oder negativ beeinfussen, wobei aber ein gewisser Min-
destgewinn ausgewiesen werden sollte.
Im Falle des Szenarios „Negativbelastung“ tritt ein höherer
Verlust (gegenüber dem Szenario der „Normalbelastung“)
auf, wobei dessen Wahrscheinlichkeit aber deutlich geringer
ist. Ursachen für dieses Szenario könnten bspw. eine mas-
sive Zinswende, der Ausfall eines großen Schuldners oder
ein Börsencrash sein. Sind die Verluste höher als erwartet,
reicht die bereitgestellte Deckungsmasse bei Normalbela-
stung nicht aus, die Belastungen aus den Risiken zu kom-
pensieren, so dass in diesem Falle der geplante Mindest-
gewinn zur Deckung herangezogen wird und daher keine
Dividendenzahlung für die Periode erfolgt. Die Bank sollte
ein noch ausgeglichenes Ergebnis ausweisen.
Das Szenario „Maximalbelastung“ stellt für die Bank den
Worst Case (schlimmsten Fall) dar, der äußerst selten, aber da-
für mit extremen Verlusten auftritt. Für diesen Fall muss die
Bank das entsprechende Risikodeckungspotenzial vorwei-
105
sen, um auch unter diesen Umständen solvent zu bleiben.
Dieser Wert wird auch als erforderliches ökonomisches Ka-
pital bezeichnet (Vgl. Schierenbeck, 2003, S. 21).
Die Quartale nach dem Zusammenbruch von Lehman Bros.
Inc. im September 2008 mit den daraus resultierenden Ver-
werfungen an den Finanzmärkten können als Beispiel einer
Maximalbelastung angeführt werden. Die Gewinne aus den
übrigen Bankgeschäften konnten diejenigen Verluste nicht
decken, die auf Grund von Abschreibungen auf Kredite und
Wertpapiere entstanden sind. Nach Aufösung bestehender
Gewinnrücklagen wiesen viele Banken zu geringe eigene Mit-
tel auf, so dass der Staat diese Banken durch Eigenkapitalzu-
führungen rekapitalisieren musste und damit zum Großaktio-
när wurde, um die Solvenz dieser Banken zu gewährleisten
und einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.
Erst durch diese staatlichen Maßnahmen verfügten diese Ban-
ken wieder über ein ausreichendes Risikodeckungspotenzial.
Während die zuvor beschriebenen Schritte eher als strate-
gisch zu klassifzieren sind, erfolgt die operative Steuerung
der Risiken über Budgets (Limite) und der Messung ihrer
Auslastung. Eine hohe Auslastung der Risikobudgets, d.h.
das Risikopotenzial eines Bereichs nähert sich dem Risi-
kolimit an, bewirkt automatisch ein Zurückfahren der Ge-
schäftsaktivitäten. Bei der Kreditvergabe könnte die Bank
(fast) vollständig auf Neugeschäft verzichten, so dass Kre-
dite rationiert werden. Auch bereits bestehende Kredite
könnten nur selektiv prolongiert werden. Beide Maßnahmen
106
erhöhen die Gefahr einer „Kreditklemme“ für Kunden. Alter-
nativ könnte die Bank die Bereitstellung zusätzlicher Sicher-
heiten fordern bzw. das zur Kreditvergabe geforderte Min-
destrating erhöhen, um auf diese Weise ihre Kreditvergabe
und auch ihr Risiko durch weniger und risikoreduzierte Kre-
dite einzuschränken. Eine weitere Möglichkeit stellt der Ver-
kauf oder die Verbriefung vergebener Kundenkredite dar.
Bei Handelspositionen führt ein Erreichen oder Überschrei-
ten des Risikobudgets (Stop-Loss-Limite) dazu, dass die
bestehenden Positionen reduziert oder sogar aufgelöst und
damit die hieraus resultierenden Verluste begrenzt werden
sowie das Risikobudget wieder eingehalten wird (Vgl. Schie-
renbeck, 2003, S. 40).
Mittel- bis langfristig steht die Bank vor der Entscheidung,
das Risikopotenzial an die gegebene Risikodeckungsmas-
se anzupassen, wodurch sie ihr Geschäft einschränkt, oder
die Risikodeckungsmasse an das Risikopotenzial anzupas-
sen, in dem sie zusätzliche Mittel für die Risikoübernahme
(ökonomisches Kapital) bereitstellt. Dies kann dadurch er-
folgen, dass die Bank Gewinne nicht als Dividenden an ihre
Anteilseigner ausschüttet, sondern in die Gewinnrücklagen
einstellt, oder dass sie ihre eigenen Mittel durch die Ausga-
be neuer Aktien gegen Bareinlage erhöht.
Beim Bankensektor handelt es sich um einen für die Volks-
wirtschaft äußerst sensiblen Sektor, der einer entsprechen-
den Überwachung hinsichtlich der eingegangenen Risiken
107
bedarf. Daher hat der Gesetzgeber regulatorische Anforde-
rungen erlassen (Solvabilitätsverordnung
23
), die als Umset-
zung der Basel-II-Vereinbarungen (BIS, 2004) die Klassif-
kation als Eigenkapital, die Messung eingegangener Risiken
und den erforderlichen Kapitalbedarf regeln.
Weitergehende Ausführungen zur Thematik sind im Beitrag
zur Bankenregulierung in diesem Buch zu fnden.
3.2 Integrierte Gesamtbanksteuerung
Das Ziel einer Bank ist es, ertragreiche Geschäfte mit Kun-
den und an den Finanzmärkten abzuschließen, die Perioden-
gewinne zu maximieren und damit den Unternehmenswert
zu steigern. Bei normalen Unternehmen des Produktions-
oder Dienstleistungssektors gelänge dies über einen hohen
Verschuldungsgrad, um das Eigenkapital maximal zu verzin-
sen. Wie bereits zuvor beschrieben, hat der Gesetzgeber
diesem Verhalten Grenzen gesetzt, indem er die Banken
durch die BaFin und die Deutsche Bundesbank überwachen
lässt und Regelungen erlassen hat bzgl.
• derBestimmungundAnrechnungvonRisikopositionen,
• Mindeststandards bei der Eigenkapitalausstattung so-
wie
• derregelmäßigenOffenlegungvonBerichtsgrößen.
23 Verordnung über die angemessene Eigenmittelausstattung von Instituten,
Institutsgruppen und Finanzholding-Gruppen (Bundesjustizministerium, 2006).
108
Es muss die Gewinnmaximierung bei Berücksichtigung
zweier Nebenbedingungen erfolgen: der Einhaltung einer
bestimmten Eigenkapitalausstattung und der Gewährleis-
tung einer jederzeitigen Liquidität. Dadurch begrenzt das Ei-
genkapital der Bank und dessen Zuweisung auf Risikoarten
und Geschäftsbereiche das Geschäftsvolumen der Bank.
Das Eigenkapital sollte denjenigen Geschäftsbereichen zur
Verfügung gestellt werden, welche die höchste Rendite auf
das eingesetzte ökonomische Kapital erzielen.
Technisch gestaltet sich die Ermittlung des erforderlichen
zusätzlichen ökonomischen Kapitals bei Abschluss eines
einzelnen Kunden- oder Finanzmarktgeschäfts schwierig, da
Neurisiken und Altrisiken u.U. korreliert sind und sich hier-
durch ein Diversifkationseffekt einstellt. Die Veränderung
der Gesamtbank-Risikoposition müsste über die Differenz
aus Risikoposition mit und ohne das Neugeschäft berechnet
werden.
Als Lösung wird im Risikocontrolling ein Preis für die Über-
lassung von Eigenkapital bestimmt, der als Eigenkapitalkos-
ten oder geforderte Eigenkapitalrendite (in Prozent) in der
Kalkulation von Bankgeschäften berücksichtigt wird. Deren
Höhe wird durch die folgenden Elemente beeinfusst:
• den risikolosen, langfristen Zinssatz für die Überlas-
sung von Kapital,
• einen Risikozuschlag, welchen die Eigenkapital-Ge-
ber für die Überlassung von Risikokapital fordern.
109
Mittels der geforderten Eigenkapitalrendite wird aus dem
bilanziellen Eigenkapital der Bank ein geplantes Ergebnis
auf Gesamtbankebene berechnet. Da aber nur ein Teil die-
ses Eigenkapitals auch als ökonomisches Kapital und damit
zur Übernahme von Risiken zur Verfügung steht, muss die-
ser Teil einen entsprechend höheren prozentualen Beitrag
(RORAC) zum Ergebnis erwirtschaften.
Der Quotient aus dem Ergebnis aus einer Risikoposition zu
dem hierfür zugeordneten ökonomischen Kapital wird auch
als Return on risk-adjusted Capital (RORAC) bezeichnet.
Das folgende Beispiel verdeutlicht die Ermittlung der
RORAC-Größe:
24
Ausgangsgrößen
Bilanzielles Eigenkapital der Bank: 20 Mio. €
Risikokapital (Risikodeckungsmasse): 10 Mio. €
Risikoloser Zins langfristigen Kapitals: 5 % p.a.
Geforderte Eigenkapitalrendite: 15 % p.a.
24 Für diese und andere Berechnungsvarianten vgl. auch Schierenbeck
(2003), S. 45 ff.
110
Berechnungen
Geplantes Gesamtbankergebnis:
15 % · 20 Mio. € = 3 Mio. €
Ergebnis aus Eigenkapital-Risikokapital:
5 % · (20-10) Mio. €= 0,5 Mio. €
Ergebnisanspruch auf Risikokapital:
3 Mio. - 0,5 Mio. € = 2,5 Mio. €
Zielverzinsung Risikokapital:
Mittels dieser Größe steuern viele Banken ihre Geschäfte
und die damit verbundenen Risiken. Lediglich Kunden- und
Finanzmarktgeschäfte, deren jährlicher Ertrag in Bezug auf
das erforderliche Risikokapital 25 Prozent p.a. übersteigt,
sollten abgeschlossen werden. Diese Größe erscheint auf
den ersten Blick als eine sehr hohe Forderung, die aber da-
durch relativiert wird, dass bei wenig riskanten Geschäften
auch nur ein geringes ökonomisches Kapital erforderlich ist.
Abbildung 5 verdeutlicht grafsch den Zusammenhang zwi-
schen Ertrag und Risiko und deren Integration in einer Grö-
ße, dem RORAC, zur Umsetzung einer Risk-Return-Steue-
rung:
111
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Abbildung 5: Risk-Return-Steuerung
112
Es gilt noch die Frage zu diskutieren, wie das zuvor beschrie-
bene Konzept und das Management von Risiken organisato-
risch umzusetzen sind. Ein Mitarbeiter im Marktbereich ist
bestrebt, Geschäfte mit seinen Privat- oder Firmenkunden
abzuschließen und verschwendet keinen Gedanken darauf,
wie sein Geschäftsabschluss sich auf die Risikoposition der
Gesamtbank auswirkt. Die Marktbereiche werden im Allge-
meinen dezentral gesteuert, d.h. sie agieren relativ autark,
und die eingegangenen Risikopositionen werden in die Kal-
kulation einbezogen über Lenkkosten für Risikopositionen,
die dazu dienen, Entscheidungen der Mitarbeiter zu beein-
fussen und den Einsatz knapper Ressourcen, in diesem Fal-
le ökonomisches Kapital, zur besten Verwendung zu steu-
ern (Vgl. Bauer, 2005, S. 24 ff). Sollten Risikobudgets eine
sehr hohe Auslastung aufweisen, können die entsprechen-
den Lenkkostensätze erhöht werden und vice versa.
Zentrale Struktursteuerung
Dezentrale Marktbereichssteuerung
Bereich 1 Bereich N …
Risikocontrolling
Strategische
Planung
- Preisrisiken
- Liquiditätsrisiken
- Ausfallrisiken
Finanzmarkt
 Interbankengeschäfte
 Wertpapiereigengeschäfte
 Devisengeschäfte
 Limitvorgaben (Budgets)
 Zielvereinbarungen
 Preisvorgaben
Abbildung 6: Duale Banksteuerungskonzeption
113
Das Risikomanagement erfolgt im Bereich Risikocontrol-
ling. Als Kenner aller eingegangenen Risikopositionen ist
dieser Bereich die zentrale Stelle in einer Bank, um die Ri-
siken der Gesamtbank zu steuern, in dem durch Abschluss
von Geschäften am Finanzmarkt Positionen ganz oder teil-
weise gehedged (d.h. in ihrem Risiko reduziert) werden, wie
bspw. durch den Eintritt in einen Zinsswap, um das Zinsän-
derungsrisiko für die Bank zu reduzieren. Gleiches gilt für
weitere Preisrisiken auf z.B. Wertpapier- und Devisenpositi-
onen. Auch können die Kreditausfallrisiken des Gesamtkre-
ditbuches dadurch beeinfusst werden, dass Kredite direkt
verkauft oder verbrieft werden oder lediglich deren Ausfall-
risiko über Derivate (z.B. Credit Default Swap) an Dritte übertra-
gen wird. Das Konzept, die Marktbereiche dezentral und die
(Risiko-)Strukturen zentral zu steuern (siehe Abbildung 6),
wird als duale Banksteuerungskonzeption bezeichnet (Vgl.
Schierenbeck, 2003, S. 13).
3.3 Weitere Implikationen
Wenn eine Bank durch Abschluss von Sicherungsgeschäf-
ten ihre ökonomische Risikoposition verbessert, muss dies
nicht zwangsläufg positive Auswirkungen haben, da zusätz-
lich bilanzielle Auswirkungen in der externen Rechnungsle-
gung zu berücksichtigen sind. So ist es durchaus möglich,
dass ökonomisch kein Preisänderungs- und damit hieraus
kein Verlustrisiko entsteht, weil der Verlust aus der einen
Position durch einen betragsgleichen Gewinn der Gegenpo-
sition kompensiert werden kann. Wird der Gewinn aber nur
114
teilweise oder überhaupt nicht im Jahresabschluss berück-
sichtigt, weist man lediglich die Verlustposition als Gewinn-
minderung in der Gewinn- und Verlustrechnung aus, so dass
das Eigenkapital bilanziell korrekt, aber aus ökonomischer
Sicht zu niedrig ausgewiesen wird.
Hieraus ergeben sich mehrere Konsequenzen. Die Möglich-
keit, die Anteilseigner angemessen am Gewinn zu beteili-
gen, wird eingeschränkt. Zudem sinkt die (von Dritten ge-
schätzte) Wahrscheinlichkeit, dass die Bank in der Lage ist,
ihre eigenen Verbindlichkeiten an ihre Gläubiger ordnungs-
gemäß zurückzuzahlen, was zu einer Verschlechterung der
Ratings der Bank führen kann.
Dies bedeutet für die Bank schlechtere Konditionen bei der
Refnanzierung ihres Geschäfts, da das erhöhte Ausfallrisi-
ko der Bank durch eine höhere, von der Bank zu leistende
Risikoprämie bezahlt werden muss. Auch könnten die Ge-
genparteien ihre für diese Bank defnierten Gesamtlimite
kritisch überprüfen. Dieser Effekt ist zusätzlich neben der
reinen ökonomischen Steuerung der Risiken zu beachten.
4. Risikomanagement der Banken während der
Finanzkrise
Spätestens seit der Insolvenz von Lehman Bros. Inc. befn-
den sich die Finanzmärkte in einer Krise, welche in ihrem
Umfang und Dauer ggf. mit den Ereignissen in den 1930er
Jahren verglichen werden kann. Auf Grund des Verlustes
115
des Vertrauens gegenüber anderen Banken ist der Inter-
banken-Geldmarkt zeitweise zum Erliegen gekommen, so
dass die Zentralbanken die Liquiditätsversorgung der Ban-
ken übernehmen mussten. Als nahezu sicher eingestufte
Staatsanleihen, wie bspw. griechische oder irische Papiere,
führten bei den Investoren zu massiven Verlusten. Versiche-
rungen wie Banken mussten weltweit durch den Staat mit
Liquiditäts- und Eigenkapitalhilfen gerettet werden. Somit
stellt sich die Frage, ob generell das Risikomanagement der
Banken versagt hat?
Die gegenwärtige Situation fällt unter das Szenario „Maxi-
malbelastung“ (siehe Abbildung 4), das in der Eintrittswahr-
scheinlichkeit sehr gering, in der Verlustposition aber als
sehr hoch zu klassifzieren ist. Viele Annahmen, welche den
Risikomodellen der Banken zu Grunde lagen, erwiesen sich
als unzureichend. Die verwendeten Modelle basierten auf
historischen Daten der letzten Jahre, in denen solch ein Fall
nicht stattgefunden hatte und somit auch keine Berücksichti-
gung fand. Der größte anzunehmende Verlust (Worst Case)
wurde durch die Banken unterschätzt. Wertpapiere wurden
auf Basis interner Modelle bewertet, die durchaus korrekt
die Risiken in der Preisfndung berücksichtigten, aber diese
Papiere fanden auf den Märkten keine Käufer und waren
somit unveräußerlich. Die Schließung kurzfristiger Liquidi-
tätsengpässe, die sich auf einem intakten Interbanken-Geld-
markt problemlos gestaltet hätte, war über Nacht unmöglich
geworden. Ausfallwahrscheinlichkeiten wurden unterschätzt
oder es wurde externen Informationen ohne Nachprüfung
116
vertraut, so dass die sich einstellenden Verluste den erwar-
teten Betrag deutlich überstiegen. Risiken befanden sich
außerhalb der Bilanzen in Zweckgesellschaften und waren
damit einer externen Prüfung entzogen.
Das Risikomanagement von Banken wies teilweise erhebli-
che und hausgemachte Defzite auf. Risiken, welche in nor-
malen Zeiten sicherlich auch zu Verlusten geführt hätten,
hätten aber eine Bank selbst nicht in ihrer Existenz gefähr-
det. Die Finanzkrise hat viele der Risiken gleichzeitig eintre-
ten lassen und vielen Banken offenbart, dass sie für ihre Ver-
hältnisse, d.h. für ihr vorhandenes Risikokapital, eine nicht
mehr tragbare Risikoposition übernommen hatten. Aber es
gab auch Banken, die besser als ihre Mitbewerber durch die
Krise gekommen sind. Drei der vier Banken, welche vom
Financial Stability Board (FSB) als bucket-4-Banken (sehr sys-
temrelevant) klassifziert wurden,
25
benötigten während der
Finanzkrise keine Staatshilfe und wiesen seither fast in je-
dem Quartal ein positives Ergebnis aus. Diese drei Banken
betreiben als Universalbanken sowohl das Investment-Ban-
king wie auch das traditionelle Kredit- und Einlagengeschäft
25 (Vgl. FSB, 2012). In die höchste Kategorie (bucket 5) wurde keine
Bank eingeordnet. Als sehr systemrelevante Banken wurden die folgenden
Institute klassifziert: Citigroup, JP Morgan Chase, HSBC und Deutsche
Bank. Die beiden (erstgenannten) US-Banken erhielten in Rahmen der
allgemeinen Bankenrekapitalisierung staatliche Eigenkapitalhilfen, welche
von JP Morgan Chase unmittelbar nach der Rückzahlungssperrfrist an den
Staat zurückgezahlt wurde. Zur Klassifkation der Systemrelevanz siehe
auch (BIS, 2011 a).
117
und ihr Risikomanagement zeigte sich in der Finanzkrise als
sehr erfolgreich.
Es lassen sich keine allgemeinen Merkmale ableiten, wel-
che Banken durch die Finanzkrise besonders stark getrof-
fen wurden: weder nach dem Geschäftsmodell (Investment-
bank oder Geschäftsbank) noch nach dem Herkunftsland,
es fnden sich sowohl positive wie auch negative Beispiele.
Banken, die auch auf Grund ihrer gewählten Geschäftsstra-
tegie langfristig nur unzureichende Ergebnisse generierten
und dies durch eine erhöhte Risikobereitschaft zu kompen-
sieren versuchten, besaßen nicht die Substanz, um die Ver-
luste aus ihren Risiken auszugleichen. Sie mussten durch
staatliche Maßnahmen gestützt werden. Aber diejenigen
Banken, die sich ihrer Risiken bewusst waren, diese kann-
ten und über ein effektives Risikocontrolling aktiv steuerten,
kamen besser durch die Krise.
5. Ausblick
Durch die aktuelle Finanzkrise stehen Banken und ihr Risiko-
management in der Diskussion. Es wird häufg gefordert, die
riskanteren Geschäfte im Investment-Banking vom risikoär-
meren Kundengeschäft zu separieren. Die Vorschläge rei-
chen von zwei Unternehmensbereichen unter dem Dach ei-
ner gemeinsamen Bank-Holding bis zur Aufspaltung bisheriger
Universalbanken in zwei rechtlich unabhängige Teile. Kritiker
dieser Aufspaltungsvorschläge führen als Argument die Risiko-
diversifkation durch die beiden Typen von Bankgeschäften an.
118
Die Bankenaufsicht geht diese Thematik auf indirektem
Wege an, indem die Eigenkapitalunterlegung riskanterer Ge-
schäfte verschärft wird und somit für Investment-Banking
mehr Eigenkapital vorzuhalten ist. Viele Banken haben im
Vorfeld hierauf schon reagiert und ihr Eigenhandelsgeschäft
entsprechend reduziert bzw. vollständig eingestellt. Es ist
davon auszugehen, dass die Anzahl der Banken am Markt,
die im Investment-Banking tätig sind, sich weiter reduzieren
wird. Ein ertragsmäßig kleinerer Kuchen wird unter weniger
Banken aufgeteilt werden.
Im Kundengeschäft werden die Erträge der Banken weiter-
hin unter Druck bleiben: durch eine sinkende Zinsspanne
zwischen Kredit- und Einlagen, getrieben durch den inten-
siven Wettbewerb, regulatorische Anforderungen und der
Forderung nach mehr Transparenz bei Bankgeschäften.
Banken werden insbesondere im IT-Bereich in neue Systeme
investieren müssen. Neben der Einführung der neuen Basel
III-Regelungen im Bereich Risiko sehen sie sich mit umfang-
reichen Veränderungen im Bereich Bilanzierung (Neuein-
führung IFRS 9
26
) konfrontiert. Im Rahmen dieser Projekte
nutzen Banken die Gelegenheit, ihre Datenbasis und ihre IT-
Systeme zu vereinheitlichen und auf einen modernen Stand
zu bringen. Nach der Umsetzung werden Banken zeitnäher
26 Der International Financial Reporting Standard ist ein internationaler Rech-
nungslegungsstandard, der Ansatz und Bewertung von Finanzinstrumenten
regelt.
119
über ihre Geschäfte und die daraus resultierende Risikopo-
sition informiert sein, um schneller reagieren zu können.
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Abbildung 7: Änderungen von Basel II zu Basel III
120
Aus der Finanzkrise resultierten neue Regelungen für die
Kreditwirtschaft im Rahmen von Basel III (BIS, 2010; BIS,
2011), die in dem ersten Beitrag in diesem Buch detaillier-
ter beschrieben werden. Generell bedeuten diese Vorschrif-
ten eine Verschärfung der Regeln von Basel II. Es steigen
die Anrechnungsfaktoren von Geschäften, so dass hieraus
bei unveränderten Geschäften ein höherer Bedarf ökonomi-
schen Kapitals besteht (siehe „Risikoposition“ in Abbildung
7). Auch wird das Kapital, was unter Basel III zukünftig als
Eigenkapital klassifziert wird, enger defniert. So wird bspw.
heutiges Hybridkapital (nachrangige Verbindlichkeiten als
Tier 3-Kapital) nach 2019 nicht mehr als Eigenkapital aner-
kannt, worauf viele Banken mit dem Rückkauf solcher Emis-
sionen reagiert haben. Hartes Kernkapital (eingezahltes Ei-
genkapital und Gewinnrücklagen) wird in stärkerem Umfang
als bisher gefordert, auch steigt der Bedarf an Eigenkapital
im Verhältnis zur ermittelten Risikoposition (siehe „(Min-
dest-) Eigenkapital“ in Abbildung 7). Analog gilt dies auch für
das Verhältnis Eigenkapital zu Bilanzsumme, was durch die
Basel III-Regelungen erstmals beschränkt wird (siehe „Bi-
lanzsumme“ in Abbildung 7). Allgemein wird die Risikopositi-
on im Verhältnis zum Eigenkapital sinken, was zu geringeren
Erträgen und damit Gewinnen führt. Dieser Schrumpfungs-
prozess wird dazu führen, dass frühere Eigenkapitalrendi-
ten, die bei manchen Häusern vor der Finanzkrise 20 Pro-
zent überstiegen, nicht wieder erreicht werden können.
Generell wird sich die Bedeutung des Risikomanagements,
gemessen in Personal, IT-Einsatz und Budgets, weiter er-
121
höhen, getrieben durch die Bankenaufsicht und die Banken
selbst, um Risiken detaillierter messen und damit die knap-
pe Ressource Eigenkapital der besten Verwendung zuteilen
zu können. Banken werden auch zukünftig Risiken überneh-
men und daraus Gewinne wie auch Verluste erzielen. Aber
eines ist bereits heute sicher: Die nächste Krise kommt be-
stimmt. Wessen Risikomanagement besser ist als dasjenige
der Mitbewerber, wird gestärkt aus der Krise hervorgehen,
wie es schon die aktuelle Krise zeigt.
122
Literatur
Bank of Greece (2008), Summary of the annual report
2007, Athen: 2008, http://www.bankofgreece.gr/BogEkdo-
seis/Summary_Annrep2007.pdf.
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Athen: 2012, http://www.bankofgreece.gr/BogEkdoseis/
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BaFin (2010), Rundschreiben 11/2010 (BA), Mindestan-
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Bauer, Ralf (2005), Entscheidungsorientierte Gemeinkos-
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123
BIS (2011 a), Global systemically important banks: assess-
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Bundesjustizministerium (2006), Verordnung über die an-
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de/geld/lehman-pleite-einlagensicherungsfonds-muss-milli-
arden-zahlen-1.701328.
125
Die Sehnsucht nach Finanz-
stabilität: Regulierungsfülle
und -defzite
Peter Altmiks
Die Bürger und Unternehmen hätten gern die Quadratur des
Kreises: Finanzmärkte, die stabil und verlässlich sind sowie
günstige Kredite bereitstellen, um den Erwerb von Kon-
sum- und Kapitalgütern sowie Immobilien und Investitionen
zu erleichtern. Auch die Politik möchte gern ein stabiles Fi-
nanzsystem und darüber hinaus einen niedrigen Zins für ihre
Staatsanleihen sowie in Form der Finanztransaktionssteuer
möglichst noch eine zusätzliche Kompensation für die bis-
herigen und zukünftigen milliardenschweren Stützungs- und
Rettungsmaßnahmen. Die Eigentümer der Banken und Fi-
nanzdienstleister hätten gern eine ansehnliche Rendite und
ein geringes Verlustrisiko. Die Beiträge in diesem Sammel-
band legen nahe, dass es diese „eierlegende Wollmichsau“
nicht gibt. Ohne Abstriche ist zumindest die Finanzstabilität
nicht zu haben.
Die Deutsche Bundesbank defniert Finanzstabilität … „als
die Fähigkeit des Finanzsystems, die zentrale makroökono-
mische Funktion – insbesondere die effziente Allokation f-
126
nanzieller Mittel und Risiken sowie die Bereitstellung einer
leistungsfähigen Finanzinfrastruktur – jederzeit reibungslos
zu erfüllen und dies gerade auch in Stresssituationen und
Umbruchphasen.“ (Deutsche Bundesbank, 2012, S. 5). Die
Bundesbank kann allerdings die Banken nur zusammen mit
der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
überwachen. Die 1.880 Banken, 680 Finanzdienstleistungs-
institute, ca. 600 Versicherungsunternehmen, 30 Pensions-
fonds, ca. 5.900 inländische Fonds und 77 Kapitalanlage-
gesellschaften unterliegen der Aufsicht der BaFin (BaFin,
2012).
27

Die Bundesregierung wünscht sich eine stärkere Rolle
der Bundesbank aufgrund ihrer makroökonomischen
und Finanzmarkt-Expertise. Indirekt spricht sie damit der
bisherigen Ausübung der Aufsicht durch die BaFin ein ge-
wisses Misstrauen aus. Das Gesetz zur Stärkung der deut-
schen Finanzaufsicht möchte folglich auch einen Mechanis-
mus zur Entscheidung von Meinungsverschiedenheiten von
erheblicher Bedeutung zwischen BaFin und Bundesbank
etablieren.
27 Neben den Kreditinstituten gibt es noch die Finanzdienstleistungs-
institute. Das sind Unternehmen, die Finanzdienstleistungen im Sinn des
Kreditwesengesetzes (KWG) für andere gewerbsmäßig oder in einem
Umfang erbringen, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten
Geschäftsbetrieb erfordert, und die kein Kreditinstitut sind (§ 1 Ia 1
KWG). Quelle: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Defnition/fnanzdienst-
leistungsinstitut.html?extGraphKwId=7569.
127
1. Wirkliche Ursachen der Finanzkrise
Um eine Wiederholung der Finanzkrise möglichst auszu-
schließen, ist eine Behebung der Ursachen der letzten Fi-
nanzkrise erforderlich. Die Berichterstattung in fast allen
Medien ist diesbezüglich leider sehr lückenhaft. Meistens
werden die Gier der Manager, „die Spekulanten“ oder „die
Märkte“ verantwortlich gemacht. Eine fehlerhafte staatliche
Bankenregulierung, Aufsichtsversagen, extreme Staatsver-
schuldung und vor allem die Niedrigzinspolitik der staatli-
chen Zentralbanken werden nur unzureichend diskutiert.
Kreditinstitute und Finanzakteure agieren aber nur in dem
Ordnungsrahmen, der durch Regulierung und Aufsicht ge-
setzt wurde. Dabei kommt es auch vor, dass der staatlichen
Regulierung und Aufsicht überhaupt kein normativer Ord-
nungsrahmen zugrunde liegt. Vielen wirtschaftspolitischen
Akteuren ist der Begriff Ordnungspolitik sogar fremd.
Die Niedrigzinspolitik des U.S.-amerikanischen Federal-Re-
serve-Systems und die Nullzinspolitik der japanischen Zen-
tralbank haben über Jahre hinweg für einen künstlich nie-
drigen Zins und eine explodierende Geldmenge gesorgt. Im
Verbund mit der Infation hat es in einigen Ländern sogar
negative Realzinsen gegeben. Die überwiegende Mehrzahl
der Finanzkrisen seit den frühen 70er Jahren wurde von
geldpolitischen Fehlentscheidungen bzw. Erschütterungen
verursacht (Kindleberger/Aliber, 2005, S. 244). Kreditinsti-
tute decken nur zum Teil die bei ihnen hinterlegten Gelder.
Sie dürfen Geld schöpfen und weiten damit die Kreditmenge
128
aus. Nachhaltiges Wachstum benötigt aber reale Ersparnis-
se, da die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden (Umwelt und
natürliche Ressourcen) und Kapital (Sach- und Humankapi-
tal) bis zum Ende des Produktionsprozesses versorgt wer-
den müssen. Unternehmen bekommen somit neue Kredi-
te, ohne dass mehr reale Ersparnisse vorhanden sind. Die
Zinssätze fallen folglich unter das durch reale Ersparnisse
gedeckte Niveau (Huerta de Soto/Bagus, 2012). Es werden
Investitionen vorgenommen, die bei „normalen“ Zinssätzen
wegen mangelnder Rentabilität unterblieben wären. Das re-
sultierende Wirtschaftswachstum basiert auf einer Geldillu-
sion, es kommt zu Blasenbildung auf den Märkten.
In Deutschland leiden besonders die Bausparkassen unter
unnatürlich niedrigen Zinsen. Immer mehr Altverträge mit
hohen Einlagenzinsen werden gekündigt. Derzeit prüft die
BaFin das Zinsrisiko der 23 deutschen Bausparkassen, wel-
che einen Vertragsbestand von insgesamt 786 Mrd. Euro
verwalten.
28
Einige Altverträge laufen noch zu Guthabenzin-
sen von 5 Prozent. Da die Bausparkassen gesetzlich ver-
pfichtet sind, ihre Einlagen in sichere Schuldtitel wie Bun-
desanleihen und Pfandbriefe anzulegen, können sie nicht
mehr die notwendige Rendite erwirtschaften, um die Zins-
ansprüche aus den Altverträgen zu befriedigen. Zehnjährige
Bundesanleihen werfen derzeit nur 1,3 Prozent an Zinsen
ab. Abzüglich der Infationsrate von 2 Prozent ergibt sich ein
negativer Realzins. Die BaFin möchte die Zinsrisikoumfrage
28 Bausparkassen unter Zinsdruck, in: FAZ vom 15.11.2012, S. 19.
129
aber nicht als Stresstest verstanden wissen.
Auch die Lebensversicherungen werden durch die niedrigen
Zinsen belastet. Das Bundesfnanzministerium warnte kürz-
lich den Finanzausschuss des Bundestages, dass Lebens-
versicherer langfristig Probleme bekommen könnten. Wenn
die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen dauerhaft
bei 2,1 Prozent verharre, könne das schwächste Fünftel der
100 deutschen Lebensversicherungsunternehmen seinen
Kunden nicht mehr den Garantiezins zahlen und zugleich
ausreichende Eigenmittel vorhalten.
29
Nicht besser ergeht
es den berufsständischen Versorgungswerken von Anwäl-
ten, Architekten und Ärzten. Der Oberste Rechnungshof in
Bayern empfahl nach der Prüfung einiger Versorgungswer-
ke, zukünftig niedrigere Renten auszuzahlen. Zur Finanzie-
rung der höheren Lebenserwartung ihrer Mitglieder heben
die Versorgungswerke das Renteneintrittsalter ab 2009 stu-
fenweise auf 67 Jahre an.
30
Die häufg kritisierte Verschuldung sowohl von Staaten als
auch von Unternehmen und Privatleuten basiert eindeutig
auf Staatsversagen bzw. politischen Eingriffen. Zu viele
Staaten leben über ihre Verhältnisse und geben seit Jahr-
zehnten mehr aus als sie einnehmen. Bestehen Zweifel über
die Zahlungsfähigkeit von Staaten, sinkt das Vertrauen in
29 Lebensversicherer in Gefahr, in: Handelsblatt vom 08.11.2012.
30 Auch Freiberufer trifft der Niedrigzins, in: FAZ vom 16.11.2012, S.
24.
130
die Zahlungsfähigkeit von Banken, die die Anleihen dieser
Staaten besitzen. Es kommt zu einer systemischen Vertrau-
enskrise. Der Sachverständigenrat hat kürzlich in einem
Sondergutachten gefordert, dass die öffentlichen Schulden
glaubwürdig reduziert werden und gleichzeitig Strukturrefor-
men zur Verminderung der makroökonomischen Divergen-
zen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten angemahnt (Sach-
verständigenrat, 2012, S. 11).
Ein Hauptauslöser der Finanzkrise waren die Hypotheken für
Schuldner minderer Qualität in den USA, die sogenannten
Subprime-Hypotheken. Die Politik des billigen Geldes hatte im
Subprime-Segment besonders verheerende Auswirkungen.
Bei langfristigen Staatsanleihen und bei Festzinshypotheken
höherer Qualität (prime) sanken die Zinssätze zwischen 2000
und 2003 um zwei Prozentpunkte, zusätzlich sank die Risiko-
prämie bei Festzinshypotheken minderer Qualität in der glei-
chen Größenordnung. Angesichts des stetigen Rückgangs
der Qualität der Hypothekenschuldner ist das besonders
unverständlich (Hellwig, 2010 a, S. 8). Die sinkende Qua-
lität der Hypothekarkredite war nicht nur durch messbare
Größen wie den abnehmenden Eigenbeitrag des Schuldners
beim Kauf einer Immobilie oder das steigende Verhältnis des
Schuldendienstes zum verfügbaren Einkommen zu beobach-
ten, sondern auch durch Manipulation der den Kreditwürdig-
keitsprüfungen zugrunde liegenden Ratings für Verbraucher-
kredite ersichtlich. Vor allem haben die US-amerikanischen
Hypothekenbanken dem nicht entgegengewirkt (Hellwig a,
2010, S. 8 und 9). Dem von der US-Regierung gewollten
131
Wohneigentum auch für mittellose Bürger unterstützten die
Hypothekenbanken bereitwillig durch nachlässige, teilweise
fahrlässige Prüfung der Kreditwürdigkeit.
Leider haben es auch die nationalen Aufsichtsbehörden
oftmals versäumt, die Verbriefung von minderwertigen Hy-
potheken zu verbieten. Der BaFin waren die Engagements
deutscher Banken in derartige Wertpapiere bekannt. Wäh-
rend die Aufsichtsbehörden in einigen südeuropäischen
Staaten und vor allem in Südostasien den Kauf solcher Pa-
piere nicht erlaubten, ließ die BaFin die Kreditinstitute ge-
währen (Starbatty, 2010, S. 32). Die nationalen Aufsichtsbe-
hörden unternahmen auch zu wenig gegen das Übermaß an
Fristentransformation
31
und Verschuldung bei Banken und
Zweckgesellschaften von Banken (Hellwig, 2010 a, S. 2).
Ines Läufer und Christine Arentz beschreiben in ihrem Bei-
trag die Ursachen für Fehlbewertungen durch Rating-Agen-
turen. Fehlbewertungen durch Rating-Agenturen haben die
Finanzkrise mitverursacht. Die drei schon existierenden
U.S.-amerikanischen Rating-Agenturen erhielten 1975 ein
Oligopol in den USA durch die Entscheidung der staatlichen
Securities and Exchange Commission, nur diese drei Agenturen nati-
onal anzuerkennen. Ergo blieben die drei Agenturen in priva-
ter Hand, mussten sich aber weniger um die Güte, Verläss-
31 Die Fristentransformation ist eine der Hauptaufgaben der Kredit-
wirtschaft. Banken verwenden ihre kurzfristigen Einlagen zur Ausleihe
von langfristigen Krediten.
132
lichkeit und Marktnachfrage ihrer Bewertungen kümmern.
Die Ertragskraft der drei Agenturen hing nunmehr vom
Schutz der Regierung ab (Friedman, 2009, S. 133). Gleich-
wohl weigerten sich die drei großen Rating-Agenturen noch
1997, Wertpapiere, die durch minderwertige Hypotheken
auf private Wohnimmobilien gesichert sind, mit einem drei-
fachen „AAA“ zu bewerten. Diesen Widerstand gaben die
„großen“ Drei später auf (Friedman, 2009, S. 133). Das
Rating-Oligopol wurde durch staatliche Vorschriften zemen-
tiert, der Zwang zum Vertrauen auf die Urteile der Rating-
Agenturen stellt ein Systemrisiko dar.
Kreditinstitute gehen auch zu hohe Risiken ein, weil sie be-
rechtigte Hoffnung auf eine Hilfe durch Zentralbanken und
Regierungen haben. Regierungen und Zentralbanken konn-
ten sich während der Finanzkrise und können sich auch
jetzt noch nicht der Rolle als Gläubiger der letzten Instanz
entziehen (Paqué, 2012, S. 186). Es kommt zu einem Moral
Hazard-Verhalten, da nachteilige Folgen des Fehlverhaltens
von Kreditgebern womöglich von Regierungen und Zen-
tralbanken aufgefangen oder reduziert werden. Das eigene
Risikobewusstsein der Kreditgeber wird gemindert. Auch
eine unangemessene Wirtschafts- und Finanzpolitik hoch-
verschuldeter Staaten ist durch Moral Hazard zu erklären.
Letztlich haftet der Steuerzahler für riskante Investitionsent-
scheidungen von Banken bzw. Rettungspakete oder Schul-
denerlasse an andere Staaten, die eine verantwortungslo-
sere Politik verfolgen.
133
Bedingt durch die Trennung von Eigentum und Management
orientiert sich die Entlohnung des Managements an der Ent-
wicklung der Aktienkurse und den aktuellen Gewinnen. Da
sich die Beschäftigungsdauer von Vorstandsmitgliedern
verkürzt hat, werden Entscheidungen immer im Hinblick auf
den aktuellen Börsenkurs getroffen. Das führt dazu, dass
kurzfristig ertragreiche, aber langfristig eher riskante Inves-
titionen bevorzugt werden. Investitionen, die den Bestand
des Unternehmens sichern und deren Erträge erst den
Nachfolgern im Management zugutekommen, sind weniger
attraktiv für den derzeitigen Vorstand. Wenn der Vorstand
eines Unternehmens dieses in eine Schiefage oder in den
Ruin führt, wird er gemäß der vorher ausgehandelten Abfn-
dungsvereinbarungen oder Pensionszusagen entlassen. Die
kurzfristig verdienten Boni verbleiben beim entlassenen Ma-
nager (Starbatty, 2010, S. 33). Man kann die übertriebene
Orientierung am aktuellen Unternehmenswert und die das
unternehmerische Risiko erhöhenden Boni als „Brandbe-
schleuniger“ der Finanzkrise auffassen.
Ein weiterer Brandbeschleuniger ist das mit den internatio-
nalen Rechnungslegungsvorschriften seit 2003 eingeführte
neue Bilanzierungsprinzip des aktuellen Vermögenswertes
(Fair Value
32
). Im Gegensatz zu den Grundsätzen der ord-
32 Der Fair Value ist der Betrag, zu dem sachverständige und ver-
tragswillige Parteien unter üblichen Marktbedingungen bereit wären,
einen Vermögenswert zu tauschen bzw. eine Verbindlichkeit zu beglei-
chen. Quelle: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/fair-value/fair-value.
htm, zugegriffen am 25.11.2012.
134
nungsgemäßen Buchführung nach dem Handelsgesetzbuch,
stellt das Fair Value-Prinzip auf eine marktnahe Bewertung
ab. Somit ist der Wert eines Unternehmens stärker kon-
junkturabhängig und prozyklisch. Im Konjunkturaufschwung
steigen auch die Werte wichtiger Vermögensteile, im Ab-
schwung sinken sie. Insbesondere, wenn Märkte kurzfristig
nicht funktionieren und keine aktuellen Preise oder Kurse
ermittelt werden können, kann in den betroffenen Unterneh-
men eine Überschuldung entstehen (Starbatty, 2010, S. 33).
Ralf Bauer beschreibt das unzureichende Risikomanage-
ment der Kreditinstitute im vorangegangenen Beitrag um-
fassend. Als fast sicher eingestufte Staatsanleihen, wie
z.B. griechische Staatsanleihen, wurden notleidend. Vie-
le Annahmen in den Risikomodellen der Banken erwiesen
sich als unzureichend. Ausfallwahrscheinlichkeiten wurden
unterschätzt, vor allem waren viele Risiken außerhalb der
regulären Bilanz in sogenannten Zweckgesellschaften unter-
gebracht. Externen Informationen wurde ohne Nachprüfung
vertraut. Allerdings haben einige Banken die Finanzkrise im
Vergleich mit ihren Konkurrenten deutlich besser überstan-
den. Die Kreditinstitute, die sich ihrer Risiken bewusst wa-
ren, diese kannten und ein effektives Risikocontrolling be-
trieben, überstanden die Finanzkrise besser. Zudem darf
nicht vergessen werden: „Jeder Risikomanager ist nur so
gut, wie es sein Chef zulässt“ (Rossi, 2012, S. 80). Eini-
ge Risikomanager in den Banken haben ihre Vorstände auf
drohende Risiken schon 2005 hinwiesen, stießen aber oft-
mals auf Unverständnis und Ablehnung. Vor allem befürch-
135
tet Rossi, der immerhin bis 2010 Chief Risk Officer bei der Ci-
tigroup war, dass nach dem Verschwinden der Probleme im
Zuge der Finanzkrise wieder sorglosere Verhaltensweisen
zurückkehren (Rossi, 2012, S. 81).
Bewertet man alle Ursachen, so fällt der weitaus dominie-
rende Einfuss staatlicher Fehlentscheidungen auf. Sicherlich
gab es auch unternehmerisches Fehlverhalten und Manage-
mentversagen, aber die Liste der staatlichen Politikfehler ist
nicht nur länger, sondern bedroht wesentlich stärker die Fi-
nanzstabilität. Zu diesem Schluss kommt auch die Deutsche
Bundesbank, wenn sie die Einfussfaktoren zusammenfas-
send aufistet, die die Stabilitätslage im deutschen Finanz-
system belasten bzw. entschärfen (Deutsche Bundesbank,
2012, S. 9).
2. Bisherige Regulierung und Aufsicht
Angesichts der vielen negativen Folgen der Finanzkrise für
die betroffenen Volkswirtschaften fällt das Urteil über den
Erfolg der bisherigen Regulierung bescheiden aus. Weder
wurde eine Stabilität des Finanzsystems erreicht, noch sind
die bisherigen Regulierungen überall in der Welt einheitlich
umgesetzt worden. Z.B. hatten die USA Basel II bis April
2011 immer noch nicht vollständig umgesetzt (Hartmann-
Wendels, 2011, S. 68).
136
2.1 Negative Wirkungen von Basel I und II
Der Hauptgrund für die Konzentration von Risiken in den
Bilanzen der Geschäftsbanken war Basel I. Nachdem viel
über die Ursachen der Blase im U.S.-Subprime-Sektor ge-
schrieben und auch daraus gelernt wurde, ist die Wirkung
von Problemen dieses Kapitalmarktbereiches auf das ge-
samte Finanzsystem wichtig. Schon oft haben Kreditinstitu-
te schlechte Kredite vergeben bzw. sich in der Bonität ihrer
Kreditnehmer geirrt.
33
Das allein verursacht nicht eine glo-
bal um sich greifende Finanzkrise. Vielmehr war schon im
September 2007, ein halbes Jahr vor dem Zusammenbruch
von Bear Stearns und ein Jahr vor dem Zusammenbruch von
Lehman Brothers, ein Ansteigen des LIBOR (London Inter-
bank Offered Rate) zu beobachten, der auf ein sinkendes
Vertrauen zwischen den Banken hinwies (Friedman, 2009,
S. 142). Es scheint auf den ersten Blick verwunderlich, dass
nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers auch der
Interbankenverkehr zwischen den Geschäftsbanken vollstän-
dig zum Erliegen kam, da die Geschäftsbanken ihre Einkünf-
te größtenteils von Einlegern erhalten, nicht wie die Invest-
mentbanken von Investoren. Der Grund dafür war, dass viele
Geschäftsbanken nicht nur Immobilienkredite an schlechte
Schuldner ausgereicht hatten, sondern sie auch verbrieft
und damit in ihrer Bilanz hatten. Das noch größere Problem
war, dass die Geschäftsbanken in die mit schlechten Hypo-
33 Siehe dazu die Beispiele im vorhergehenden Aufsatz von Ralf Bau-
er.
137
theken besicherten Wertpapiere investiert hatten, die sie
zusammen mit den Investmentbanken (und den beiden re-
gierungsunterstützten „Unternehmen“ Fannie Mae und Fred-
die Mac) verbrieften. 2006 besaßen Banken verschiedener
Art 51 Prozent aller mit schlechten Hypotheken besicherten
Wertpapiere im Wert von 264 Mrd. US-Dollar (International
Monetary Fund, 2008, S. 78). Zu viele dieser Wertpapiere
befanden sich in den Bilanzen der Geschäftsbanken oder in
deren ihrer ausgelagerten Zweckgesellschaften.
Gemäß den Regeln der ersten Basler Eigenkapitalvereinba-
rung (Basel I) müssen Staatsanleihen von Staaten mit ei-
nem Rating von AAA bis AA- überhaupt nicht, gewerbliche
Kredite hingegen mit 8 Prozent Eigenkapital hinterlegt
werden, da letztere mit 100 Prozent Risiko gewichtet
werden. Hypotheken werden mit 50 Prozent Risiko
gewichtet, so dass 4 Prozent Eigenkapital von den Banken
hinterlegt werden müssen. Basel I misst Wertpapieren, die
durch staatlich geförderte „Unternehmen“ emittiert wurden,
aber nur 20 Prozent Risiko zu. Ergo sind nur 1,6 Prozent
Eigenkapital als Hinterlegung erforderlich. In den USA
felen hypothekenbesicherte Wertpapiere von Fannie Mae
und Freddie Mac darunter. Die Banken konnten also ihre
Eigenkapitalerfordernis durch Umwandlung von Hypotheken
in durch Hypotheken besicherte Wertpapiere senken und
damit ihre Ertragskraft um 60 Prozent erhöhen. Als Basel
I in den USA zu Anfang der 90er Jahre umgesetzt wurde,
wurden nicht nur hypothekenbesicherte Wertpapiere von
Fannie Mae und Freddie Mac mit einem Risiko von 20
138
Prozent bewertet, sondern auch hypothekenbesicherte
Wertpapiere, die von den drei großen Rating-Agenturen mit
AA oder AAA bewertet wurden. Ab 2006 verbreitete Basel
II diese verhängnisvolle Bankenregulierung in der gesamten
entwickelten Welt (Friedman, 2009, S. 145). Im Januar 2009
empfahl der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirt-
schaftsministerium der Bundesregierung dringend,…“nach
Möglichkeiten zu suchen, die zu erwartenden destruktiven
Wirkungen dieser Neuerungen [d.h. Basel II] zu vermeiden.“
(Wissenschaftlicher Beirat, 2009, S. 2).
Zusätzlich konnten sich Kreditinstitute unter Basel I Eigen-
kapitalanforderungen entziehen, in dem sie Conduits (Struc-
tured Investment Vehicles) etablierten. Bei diesen Conduits han-
delt es sich um eine ausgelagerte Refnanzierungsstruktur,
bei der mittels Zweckgesellschaften Wertpapiere wie z. B.
forderungsbesicherte Wertpapiere oder CDOs
34
oder an-
dere Forderungen wie z. B. Kredite oder Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen von extern bewerteten Unter-
nehmen einmalig oder revolvierend angekauft und über die
Ausgabe von Geldmarktpapieren in international gängigen
Währungen refnanziert werden. Anfang Oktober 2006 be-
trug das Volumen der mittels Conduits begebenen Wertpa-
piere kurzer Laufzeit 993 Mrd. US-Dollar (Daniels, 2006).
34 Collateralized Debt Obligations (CDOs) sind Fonds, in welchen Kredite von
unterschiedlicher Qualität gebündelt werden. Diese CDOs werden dann
als Paket weiterverkauft.
139
2.2 Aufsichtsdefzite
Die nationalen Aufsichtsbehörden fast aller Staaten hatten
schon vor der Finanzkrise Befugnisse, eine professionel-
le Führung von Kreditinstituten zu überwachen. Sie hätten
eine übermäßige Fristentransformation bei den Zweckge-
sellschaften und die zu umfangreichen Garantien der Mut-
terbanken als „unprofessionelle Geschäftspraktiken„ früh-
zeitiger untersagen können (Hellwig, 2010 a, S. 30). Das
Ausmaß der Tätigkeiten der Zweckgesellschaften war
enorm und offensichtlich von den Aufsichtsbehörden fast
aller Staaten unterschätzt worden. Im Juli und August 2007
brach für hypothekengesicherte Wertpapiere von ungefähr
einer Billion US-Dollar, die von Zweckgesellschaften gehal-
ten wurden, die Refnanzierung weg (Wissenschaftlicher
Beirat, 2009, S. 4). Auch öffentliche Banken aus Deutsch-
land hatten diese Zweckgesellschaften gegründet. Die
Zweckgesellschaften hatten sich risikoreich kurzfristig über
Geldmarktpapiere fnanziert. Diese Geldmarktpapiere wur-
den schlagartig um mehrere Stufen abgewertet. Hellwig hält
die Engagements der IKB und der Sächsischen Landesbank
bei ihren Zweckgesellschaften in der Art und Größenord-
nung „…nicht mehr mit professionellem Bankmanagement
vereinbar.“ (Hellwig, 2010 a, S. 30).
Offensichtlich scheuten sich die Aufsichtsbehörden, den ih-
nen unterstehenden Kreditinstituten Grenzen aufzuzeigen
und damit Wettbewerbsbeschränkungen aufzuerlegen. Es
wird vermutet, dass die übergeordneten politischen Instan-
140
zen, insbesondere bei den Landesbanken
35
(„Ministerprä-
sidentenfnanzierungsinstitute“), einen gewissen Druck auf
die Aufsichtsbehörden ausgeübt haben (Hellwig, 2010 a, S.
30).
2.3 Nicht-Banken
Eine mangelnde Transparenz gab und gibt es jedoch nicht
nur bei den Zweckgesellschaften von Banken, sondern auch
bei den Nicht-Banken
36
, wozu auch Hedgefonds, Geldmarkt-
fonds und der Derivatehandel gehören. Derivate sind von
anderen Marktwerten abgeleitete Wertpapiere, die außer-
börslich gehandelt werden. 2011 wurden weltweit Derivate
im Wert von geschätzten 700 Bio. US-Dollar gehandelt.
37

Den Aufsichtsbehörden sind besonders die Kreditausfall-
versicherungen ein Dorn im Auge, da diese Absicherungen
gegen die Insolvenz von Schuldnern umfangreich gehandelt
werden und zu Verkettungen der Kreditinstitute unterein-
ander führen. Diese Verkettungen sorgen dafür, dass die
Aufsichtsbehörden nicht ausreichend über die Risikopositi-
35 Die hohen Verbindlichkeiten der Westdeutschen Landesbank in
Höhe von 50 Mrd. Euro erhöhen den Schuldenstand des Bundes auf ca.
2,2 Bio. Euro. Siehe WestLB-Abwicklung verhagelt Deutschlands Defzit-
abbau, in: Handelsblatt vom 27.11.2012.
36 Der Begriff „Schattenbanken“ führt in diesem Zusammenhang in die
Irre, da diese Finanzmarktakteure in gewissen Grenzen publizitätspfich-
tig sind und Geschäftsberichte veröffentlichen. Kreditaktivitäten außer-
halb von Banken sind nicht a priori ehrenrührig.
37 EU macht Front gegen Finanzspekulation, in: Handelsblatt vom
09.02.2012.
141
onen der Banken informiert sind. Die Folgen einer Staatsin-
solvenz im Euroraum sind somit nicht genau vorherzusehen.
Der Umfang der Hedgefonds ist auch nach der Finanzkri-
se weiter gewachsen. 2011 lag das Geschäftsvolumen nach
Angaben des Finanzstabilitätsrates bei geschätzten 67 Bio.
Euro (Financial Stability Board, 2012). Sie verwalten mehr
als doppelt so viel Geld als noch vor zehn Jahren. Es ist
zu befürchten, dass weiterhin viele Risiken in Hedgefonds
und Geldmarktfonds konzentriert sind. Die meisten Nicht-
Banken haben ihre Sitze in Staaten mit sehr günstiger Be-
steuerung und werden weder von den einzelnen Aufsichts-
behörden, noch in den internationalen Statistiken erfasst.
Die Regierungen versuchen schon seit Jahren erfolglos
neue Regeln für das Nicht-Bankensystem aufzustellen, ins-
besondere für Hedgefonds. Der Finanzstabilitätsrat hat erst
Ende November 2012 Vorschläge zur Regulierung von Geld-
marktfonds und auch Hedgefonds unterbreitet. Es ist noch
vollkommen offen, ob und wann die Nicht-Banken einer Auf-
sicht unterstellt werden.
3. Erfolgsaussichten der jüngsten Regulierung
3.1 Basel III
Schwerpunkt der jüngsten Regulierung ist die Einführung
von Basel III. Basel III soll die Liquidität und die Ausstat-
tung mit Eigenkapital der Kreditinstitute verbessern. Neu ist
die Einführung einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio)
142
und diverse Kapitalpuffer, insbesondere für systemrelevan-
te Banken. Es soll ein antizyklischer Kapitalpuffer eingeführt
werden, der damit den neuen makroprudenziellen Regulie-
rungsansatz umsetzt. Ulrich Vrede veranschaulicht im ers-
ten Aufsatz dieses Buches, dass die gewünschte erhöhte
Systemstabilität nicht ohne Nebenwirkungen zu haben ist:
Banken werden auf die neuen Anforderungen reagieren und
müssen ihre höheren Kapitalkosten über höhere Kreditzin-
sen erwirtschaften. Oder die Banken reduzieren ihre Bilanz-
summe über ein vermindertes Kreditangebot. Die Realwirt-
schaft wird entweder höhere Zinskosten oder erschwerten
Zugang zu Krediten haben. Wachstums- und Wohlfahrtsver-
luste sind zu befürchten.
Gemäß einer kürzlich erschienenen Studie einer internati-
onalen Anwaltskanzlei wird das traditionelle Kreditgeschäft
schon jetzt im Vorfeld der Einführung von Basel III durch
die angekündigten strengeren Eigenkapitalregeln belastet.
Die Autoren der Studie befürchten vor allem, dass die Nicht-
Banken in ihrer Rolle als Kreditvermittler nicht die von den
Banken hinterlassene Lücke bei der Kreditvergabe füllen
können. Eine Ankündigung des Finanzstabilitätsrates mache
deutlich, dass auch die alternativen Kreditgeber in Zukunft
der gleichen Regulierung unterworfen werden sollen wie die
Banken. Dabei würden die unterschiedlich großen systemi-
schen Risiken der verschiedenen Finanzmarktteilnehmer
aber nicht berücksichtigt. Möglicherweise gebe es gar kei-
nen Anlass für eine Intervention (Allen & Overy, 2012).
143
Allerdings ist die Einführung von Basel III noch offen. Wäh-
rend die deutsche Kreditwirtschaft die Einführung von Ba-
sel III unterstützt, weigern sich die USA derzeit noch. Die
Einführung schärferer Eigenkapitalanforderungen macht nur
Sinn, wenn gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Kredit-
institute weltweit gegeben sind. Ohne eine Einführung von
Basel III in den USA entstehen Wettbewerbsverzerrungen,
die für die anderen Banken, insbesondere die europäischen
Kreditinstitute, gravierende Nachteile bedeuten. Somit ist
der ursprüngliche Starttermin zum 1. Januar 2013 nicht zu
schaffen. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und
Giroverbandes schließt mittlerweile einen völligen Verzicht
auf Basel III nicht mehr aus.
38
Schon 2001 äußerte eine Ökonomengruppe um Charles
Goodhart, dass Basel II prozyklisch und tendenziell krisen-
verstärkend wirkt: „Wenn es der Zweck der Finanzregulie-
rung ist, Systemkrisen zu vermeiden, ist dieses Konzept
kontraproduktiv.“
39
Allerdings hat Basel III auf diese Kritik
reagiert und will antizyklische Kapitalpuffer und Frühwarnin-
dikatoren einführen. Der Baseler Ausschuss für Bankenauf-
sicht reagiert ergo mit höherer Komplexität auf Unzuläng-
lichkeiten der schon 2004 sehr komplexen Regeln.
38 Basel III wird verschoben, in: Risiko-Manager, http://www.risiko-
manager.com/index.php?id=80&tx_ttnews[tt_news]=18551&tx_ttnews[b
ackPid]=25&cHash=dba079377f3a0beeb9c1ccd83184e11f, zugegriffen
am 07.12.2012.
39 Eigenkapitalrichtlinie Basel II: Licht ins Dunkel, in: Handelsblatt vom
11.02.2009.
144
Andrew Haldane, Exekutivdirektor für Finanzstabilität bei der
Bank of England, kritisiert genau diese Vorgehensweise: Die
zusätzliche Komplexität von Basel II wäre dann gerechtfer-
tigt, wenn sie Kreditinstitute weniger krisenanfällig mache.
Dann hätten Banken mit hohen regulatorischen Eigenmit-
telquoten (Tier-1-Ratio, siehe Ulrich Vrede unter 3.1, S. 19)
besser die Finanzkrise überstehen müssen als Banken mit
einer niedrigen Quote. Das war aber nicht der Fall. Von den
100 größten Banken wurden 37 aufgelöst oder vom Steu-
erzahler aufgefangen. Ende 2006 unterschied sich aber die
Tier-1-Ratio der 37 gescheiterten Banken statistisch nicht
von den überlebenden Banken. Eine hohe Tier-1-Ratio er-
brachte keine höhere Stabilität (Haldane/Madouros, 2012).
3.2 Gesetz zur Abwicklung und Restrukturie-
rung von Banken
Sowohl die Finanzkrise als auch zahlreiche Bankenskanda-
le vorher haben gezeigt, dass die Insolvenz einer großen
Bank wegen der befürchteten Ausfälle bei weiteren Ban-
ken und Versicherungen nicht so einfach möglich ist. Bei
großen systemrelevanten Banken gilt für die Regierungen
weltweit bisher „too big to fail“, d.h. die Gemeinschaft der
Steuerzahler haftet für Fehlentscheidungen von großen Kre-
ditinstituten. Damit ist ein Grundsatz der Sozialen Markt-
wirtschaft außer Kraft gesetzt: Die großen Finanzkonzerne
kamen in den Genuss einer impliziten Staatsgarantie und
müssen nicht vollständig für ihr unternehmerisches Risiko
aufkommen. Regierungen können im schlimmsten Fall er-
145
presst werden. Banken können sich umso günstiger Kapital
besorgen, je größer sie sind, weil die Eigentümer wissen,
dass ihre Anteile im Zweifelsfall durch den Staat gestützt
oder gesichert werden.
In Deutschland wurde Ende 2010 das Restrukturierungsge-
setz
40
beschlossen, welches die Möglichkeit einer Sanie-
rung oder Reorganisation von Kreditinstituten schon im Vor-
feld von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit schaffen
soll. Allerdings hatte der Gesetzgeber mit der vorhandenen
Insolvenzordnung schon ein Gesetz zur Verfügung, welche
er hätte anpassen können, bevor er ein eigenes Restruktu-
rierungsgesetz für die Kreditwirtschaft erlässt. Da sowohl
die Einleitung eines Sanierungsverfahrens als auch eines
Restrukturierungsverfahrens in der Hand der Bank liegt, ist
auch weiterhin von der Gefahr einer Verschleppung aus-
zugehen. Nach dem neuen Restrukturierungsgesetz kann
zwar auch die BaFin ein Reorganisationsverfahren beantra-
gen, ein Eingriff der BaFin dürfte wegen der ihr im Vorfeld
nicht zur Verfügung stehenden Information unwahrschein-
lich sein (Hellwig, 2010 b, S. 6).
Das Sanierungsverfahren dürfte in der Praxis höchstwahr-
scheinlich nicht angewendet werden, da die Bank sowohl
ihre Schiefage offenbaren als auch sich den Eingriffsmög-
40 Mit vollem Titel: Gesetz zur Restrukturierung und geordneten
Abwicklung von Kreditinstituten, zur Errichtung eines Restrukturierungs-
fonds für Kreditinstitute und zur Verlängerung der Verjährungsfrist der
aktienrechtlichen Organhaftung.
146
lichkeiten der BaFin, des Sanierungsberaters und des Ge-
richts unterwerfen müsste (Hellwig, 2010 b, S. 7). Von den
schon bestehenden Eingriffsmöglichkeiten der §§ 45 und 46
des Kreditwesengesetzes haben die Aufsichtsbehörden in
der Vergangenheit ungern Gebrauch gemacht, da der Ge-
schäftsbetrieb einer Bank – und damit der Zahlungsverkehr
– in der Regel dadurch eingefroren wird (Hellwig, 2010 b,
S. 3).
3.3 Vorschläge der EU-Expertengruppe
Im Oktober 2012 unterbreitete eine Expertengruppe im Auf-
trag der EU Vorschläge zur Reform der europäischen Kredit-
wirtschaft (High-Level Expert Group, 2012): Der Eigenhan-
del der Kreditinstitute mit Wertpapieren und Derivaten und
damit verbundene sonstige wichtige Handelstätigkeiten sol-
len rechtlich von den anderen Bankaktivitäten abgesondert
werden, wenn diese Aktivitäten einen bestimmten Anteil an
der Geschäftstätigkeit
41
übersteigen. D.h. die betreffende
Bank soll für ihr Kapitalmarktgeschäft ein eigenes Institut
gründen, welches aber unter dem Dach einer Bankholding
verbleiben darf. Das Universalbankprinzip soll so erhalten
werden. Banken sollen ferner effektivere Sanierungs- und
Abwicklungspläne aufstellen. Auch werden „bail-in“-Instru-
mente bei der Abwicklung vorgeschlagen, mit denen unbesi-
41 Die Expertengruppe nennt einen Mindestanteil von 15 bis 25
Prozent der Gesamtbilanzsumme, ab der die rechtliche Ausgliederung
greifen soll.
147
cherte und nachrangige Verbindlichkeiten gekürzt oder in Ei-
genkapital verwandelt werden sollen. Zudem sollen Banken
sowohl robustere Risikogewichte benutzen, um ihre Eigen-
kapitalanforderungen zu bestimmen, als auch Risiken um-
fassender in ihren internen Modellen berücksichtigen. Als
Letztes schlägt die Expertengruppe ein Maßnahmenpaket
vor, bei dem die Vorstände und das Management gestärkt,
das bankinterne Risikomanagement aufgewertet, die Bezü-
ge des Managements und der Belegschaft eingeschränkt,
die Risiken stärker offengelegt und die Aufsichtsbefugnisse
ausgeweitet werden (High-Level Expert Group, 2012).
Drei der vier weltweit sehr systemrelevanten Banken hat-
ten während der Finanzkrise keine staatlichen Hilfen nötig.
Diese drei Banken (JP Morgan Chase, HSBC und Deut-
sche Bank) sind Universalbanken und betreiben das Kapi-
talmarktgeschäft und das traditionelle Kredit- und Einlagen-
geschäft. Die Kernempfehlung der EU-Expertengruppe,
das Kapitalmarktgeschäft rechtlich auszugliedern bzw.
abzuspalten, ist vor diesem Hintergrund nicht unbedingt
nachzuvollziehen. Die anderen Maßnahmen werden in un-
terschiedlichem Umfang in den jeweiligen nationalen Geset-
zesvorhaben der einzelnen Staaten bereits diskutiert bzw.
sind schon beschlossen worden. Dass effektivere Sanie-
rungs- und Abwicklungspläne von den Banken aufgestellt
werden müssen, ist empfehlenswert. Die Einführung von
„bail-in“-Instrumenten wird die Finanzierungskosten der In-
stitute erhöhen und Investoren werden zusätzliche Risikozu-
schläge einfordern. Speziell in mehreren Ländern agieren-
148
de Banken werden national unterschiedliche Vorgaben und
Aufagen zu erfüllen haben. Der Abstimmungsaufwand und
damit die Kosten steigen dadurch an.
3.4 Vorschläge der Deutschen Bundesbank
Die jüngsten Vorschläge der Deutschen Bundesbank (Deut-
sche Bundesbank, 2012) beinhalten ein umfassendes Maß-
nahmenpaket, das auf einer sorgfältigen Analyse der Stabi-
litätslage im deutschen Finanzsystem beruht. Dabei kommt
der Bundesbank zugute, dass sie detaillierte Kenntnisse
über den Zahlungsverkehr der Kreditinstitute hat und das
Clearing von Großbeträgen abwickelt. Die deutschen Kre-
ditinstitute sollen ihre zurückhaltende Kreditvergabe bei
Immobilien beibehalten. Die bestehenden Geschäftsmo-
delle sollen zügig an das sich ändernde Umfeld und neue
Marktstrukturen angepasst werden. Dieser Empfehlung
werden die Kreditinstitute sowieso nachkommen müssen,
wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen. Die Banken sol-
len vor allem im Niedrigzinsumfeld Risiken in ihren Bilanzen
durch Abschreibung und Ausgliederung von risikoreichen
Vermögenswerten zurückführen und ihre Eigenkapitalaus-
stattung verbessern. Die Aufforderung der Bundesbank an
die Lebensversicherer, „weiterhin Vorsorge zu betreiben“
(Deutsche Bundesbank, 2012, S. 9), klingt wie ein Durch-
halteappell, um die staatlich verursachte Niedrigzinsphase
zu überstehen.
149
Bei ihren Empfehlungen an die Politik vermeidet die Bun-
desbank eine Forderung nach höheren Zinsen, die die EZB
durchaus umsetzen könnte. Stattdessen soll die Politik die
Geldpolitik nicht durch hohe Ausgaben zur Bekämpfung der
europäischen Staatsschuldenkrise überlasten. Die Staats-
fnanzen sollen konsolidiert und Strukturreformen durchge-
führt werden. Der Nicht-Bankenbereich soll besser erfasst
und Datenlücken geschlossen werden. Im globalen Ver-
gleich ist der Nicht-Bankenbereich aber in Deutschland rela-
tiv klein. Die Risiken gehen eher vom ausländischen Nicht-
Bankensystem aus (Deutsche Bundesbank, 2012, S. 72).
Im Gegensatz zur EU-Expertengruppe steht die Bundes-
bank einer Einführung eines Trennbankensystems skeptisch
gegenüber, da sie die Verfechtung innerhalb des Finanzsys-
tems nur in begrenztem Maße auföse (Deutsche Bundes-
bank, 2012, S. 81).
Während für den außerbörslichen Derivatemarkt in der EU
schon eine Regulierungsrichtlinie verabschiedet wurde, be-
steht nach Ansicht der Bundesbank hier ein Regulierungs-
defzit auf internationaler Ebene. Bei der bisherigen und der
neueren Finanzmarktregulierung ist auf Konsistenz und ku-
mulative Wirkungen zu achten. Glaubhafte Abwicklungsre-
gelungen sollen eingeführt werden, damit systemrelevan-
te Banken nicht im Insolvenzfall vom Steuerzahler gerettet
werden müssen.
150
3.5 Euro-Bankenaufsicht und europäische Ban-
kenunion
Die EU-Finanzminister haben sich am 13. Dezember 2012
auf einen rechtlichen Rahmen und die Eckpunkte einer ge-
meinsamen Bankenaufsicht geeinigt. Mindestens 150 Kre-
ditinstitute sollen von einer gemeinsamen europäischen
Bankenaufsicht überwacht werden. Vergleicht man die
Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Merkel mit der
Pressemitteilung der Finanzminister der Eurozone (Ecofn),
ergeben sich Unterschiede. Die Ecofn-Finanzminister wol-
len noch im Laufe des Jahres 2013 mit der Bankenunion
beginnen, die Bundesregierung will einen Beginn zum 1.
März 2014 (Schäffer, 2012). 2014 ist für eine geordnete Ge-
schäftstätigkeit der europäischen Aufsicht das absolute Mi-
nimum, da zuerst hoch qualifziertes Personal angeworben
bzw. von der erst seit 2011 eingeführten Europäischen Ban-
kenaufsicht (EBA) überführt werden muss. Mit der EBA gibt
es schon eine gemeinsame europäische Aufsichtsbehörde,
die nach zwei Jahren schon wieder aufgelöst wird.
Der Kardinalfehler ist aber offensichtlich: Geldpolitik und
Aufsicht werden unter dem Dach der EZB zusammenge-
führt. Interessenskonfikte zwischen der Wahrung der Geld-
wertstabilität und der Beaufsichtigung der Kreditinstitute
sind zu befürchten (Wohlgemuth/Hesse, 2012). „Damit wird
die EZB zum Bankenaufseher und kann als Superbehörde
Geldinstitute fnanzieren oder schließen und darüber hin-
aus entscheiden, welcher Staat sich am Markt zu welchem
151
Zins fnanzieren kann.“ (Steltzner, 2012). Banken, die von
der EZB seit Jahren mit Milliardensummen gestützt werden,
sollen nun von ihr beaufsichtigt oder im Extremfall abge-
wickelt werden? Hier sind berechtigte Zweifel angebracht.
Besonders gefährlich ist aus deutscher Sicht, dass im Auf-
sichtsgremium über die Verteilung von Milliardenrisiken
nicht nach Kapitalanteilen abgestimmt wird. Ein kleines
Land wie Zypern hat dasselbe Gewicht wie Deutschland,
obwohl Deutschland 27 Prozent des EZB-Kapitals hält. Die
resultierende Belastung für den deutschen Steuerzahler
kann sehr hoch sein. „Die Mehrheit im EZB-Rat wünscht
sich lockere Hebel im Bankensektor für ihren geldpoliti-
schen Stimulus und die Rettung fragwürdiger Sicherheiten,
die die EZB in ihren Büchern stehen hat.“ (Wohlgemuth/
Hesse, 2012, S. 3.)
Zwar ist die Einführung einer europäischen Bankenunion,
womit sowohl ein gemeinsamer Rekapitalisierungs- und
Abwicklungsfonds für notleidende Banken als auch eine
gemeinsame Sicherung von Spareinlagen eingeführt wür-
de, noch offen, aber dem wird sich die Bundesregierung
höchstwahrscheinlich nicht mehr widersetzen. Die Einrich-
tung einer europäischen Bankenaufsicht ist nur Mittel zum
Zweck: Dadurch wollen französische und südeuropäische
Länder Zugang zur bewährten deutschen Einlagensicherung
erhalten, es wird eine Art Gewährträgerhaftung für Südeuro-
pas Banken entstehen. „Damit ist der Weg zur Rettung der
überschuldeten Banken Südeuropas mithilfe der Steuergel-
der der noch gesunden Länder Europas frei.“ (Sinn, 2012).
152
Eine europäische Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB
führt aber noch zu einem weiteren Problem: Die EBA hätte
auch die britische Kreditwirtschaft beaufsichtigen können,
die EZB kann das bei einem Nicht-Euro-Land nicht (Roose-
beke, 2012, S. 13). London ist aber der wichtigste Finanz-
platz innerhalb Europas und würde nun nicht einer gemein-
samen Aufsicht unterliegen.
3.6 Volcker-Regel
In den USA soll Anfang 2013 die Eigenhandelstätigkeit der
Kreditinstitute mit Hilfe der Volcker-Regel beschränkt wer-
den. Die Volcker-Regel ist Teil des „Dodd-Frank Wall Street
Reform and Consumer Protection Act“, der die bestehende
US-Finanzaufsicht umfassend reformiert. Die Absichten und
Ziele stimmen weitgehend mit denen der G-20-Staaten über-
ein. Trete die Volcker-Regel in Kraft, wäre es Banken nicht
gestattet, sich an Hedgefonds und Private Equity Fonds zu
beteiligen, sie zu besitzen oder zu fnanzieren und Eigenhan-
delsgeschäfte auf eigenes Risiko zu tätigen. Banken müss-
ten ihre (Wertpapier-)Handelstätigkeit auf Kundenaufträge
beschränken und dürften selbst keine riskanten Positionen
aus eigenen spekulativen Motiven eingehen. Da diese Be-
griffe alle Fonds umfassen, die keine Publikumsfonds nach
US-Recht sind, wäre auch das Geschäft der europäischen
Investmentgesellschaften betroffen. Diese würden auch
von der Volcker-Regel erfasst, wenn sie Teil eines in den
USA tätigen Finanzkonzerns sind (Bundesverband Invest-
ment und Asset Management, 2012). Banken, die auf ei-
153
gene Rechnung spekulative Geschäfte tätigen, sollen nicht
geschützt bzw. vom Steuerzahler unterstützt werden.
Dabei ist die Wirkung der Volcker-Regel umstritten, da gro-
ße Risiken, die während der Finanzkrise offenbar wurden,
mehrheitlich im Nicht-Bankenbereich entstanden. Zudem
wäre eine systemdurchgängig einheitliche Regulierung bes-
ser.
Zwar ist die Volcker-Regel noch nicht endgültig verabschie-
det, verhindern lässt sie sich aber nicht. Die genaue Umset-
zung hängt von den Empfehlungen der US-Börsenaufsicht
und der US-Zentralbank ab. Folglich versuchen die Banken-
verbände in den USA Abänderungen bzw. Abmilderungen
zu erreichen. Der genaue Umfang der Volcker-Regel ist so-
mit noch ungewiss. Selbst Paul Volcker ist nicht überzeugt
davon, dass das neue Gesetz weit genug geht, um eine er-
neute Bankenkrise zu verhindern.
4. Bewertung und Empfehlungen
Nachdem viele Vorschläge für Änderungen von Teilberei-
chen des Finanzsektors in diesem Buch vorgestellt wurden,
ist nun eine abschließende Bewertung fällig. Vor allem muss
die Frage beantwortet werden, ob die Wahrscheinlichkeit ei-
ner erneuten Finanzkrise gesunken ist?
154
4.1 Regulierungsfülle und -widersprüche
In den letzten Jahren haben die Regierungen und staatli-
chen Aufsichtsorgane eine große Anzahl an Regulierungs-
vorschriften für die Finanzmärkte erlassen. Allein die neuen
bankaufsichtsrechtlichen Vorschriften der EU werden sich
wahrscheinlich auf 60.000 Seiten belaufen (Allen & Overy,
2012, S. 7). Es wird Jahre dauern, bis der Regelungsge-
halt der immer zahlreicher werdenden Vorschriften genau
geklärt ist. Die Folgen werden Unklarheiten und Unsicher-
heiten im Markt sowie eine länger andauernde Phase der
Kreditverknappung sein.
Auch kehren Regulierungen wieder, die vormals eingeführt
und dann wieder abgeschafft wurden. 1933 untersagte das
Glass-Steagall-Gesetz in den USA Banken, die Spareinlagen
entgegennahmen, sich im Kapitalmarktgeschäft zu engagie-
ren. 1999 wurde dieses Gesetz wieder aufgehoben. Mittels
des Dodd-Frank-Gesetzes und der demnächst kommenden
Volcker-Regel wird genau diese Trennung wieder eingeführt
(Eisenring, 2012). Während die Expertengruppe im Auftrag
der EU ähnlich argumentiert, hält die Deutsche Bundesbank
nicht viel vom Trennbankensystem. Drei der vier weltweit
sehr systemrelevanten Banken haben die Finanzkrise ohne
staatliche Hilfen gut überstanden und sind Universalbanken.
Zudem stammte die Mehrheit der Risiken, die sich während
der Finanzkrise offenbarten, aus dem Nicht-Bankenbereich.
Weltweit sind Regulierungsmaßnahmen oftmals unkoor-
155
diniert, teilweise sich auch wiedersprechend durchgeführt
worden. Daneben gab es auch international abgestimmte
Regulierungsmaßnahmen, die aber - wie im Fall von Basel
III - von einem wichtigen Land dann doch (noch) nicht um-
gesetzt worden sind oder wie im Fall von Basel II verspätet
umgesetzt wurden. Viele Aufsichtsbehörden haben zudem
die ihnen schon zur Verfügung stehenden Befugnisse weder
konsequent noch rechtzeitig genutzt.
In Europa wird mit der EBA erst eine gemeinsame euro-
päische Bankenaufsicht etabliert, um sie dann zwei Jahre
später aufzulösen bzw. die Zuständigkeit der EZB zu über-
antworten. Wenn die EZB sowohl für Aufsicht als auch für
Geldpolitik zuständig ist, sind Interessenkonfikte vorpro-
grammiert. Kreditinstitute, die von der EZB und den euro-
päischen Staaten mit Milliardensummen gestützt wurden
bzw. werden, sollen von der EZB beaufsichtigt und gege-
benenfalls geschlossen und/oder abgewickelt werden. Eine
schlimmere ordnungspolitische Verwirrung lässt sich nicht
mehr vorstellen. Aus deutscher Sicht kann es für den steuer-
zahlenden Bürger besonders teuer werden, wenn unter dem
unklaren Begriff „Europäische Bankenunion“ Einlagensiche-
rungssysteme vergemeinschaftet und ein gemeinsamer
Rekapitalisierungs- und Abwicklungsfonds für notleidende
Banken eingeführt werden. Vor allem löst eine Bankenuni-
on nicht die schwelende Zahlungsbilanzkrise der südlichen
Euro-Staaten und die unzureichende Wettbewerbsfähigkeit
der Wirtschaft dieser Staaten (Reichel, 2012, S. 18).
156
Entscheidend wird die Lösung des „too big to fail“-Problems
sein. Hier scheint der Weg, den die U.S.-amerikanische Ein-
lagensicherungsbehörde FDIC und die Bank of England
gehen, am erfolgversprechendsten zu sein. In einem ge-
meinsamen Papier skizzieren beide Institutionen, wie sys-
temrelevante Banken zerschlagen werden sollen. Gesunde
Teile einer internationalen Großbank sollen weitergeführt,
nicht überlebensfähige Teile zerschlagen, verkauft oder ab-
gewickelt werden. Im Notfall soll nur eine der Aufsichtsbe-
hörden die Federführung bei der Abwicklung haben. Vor
allem sollen systemrelevante Banken zukünftig wesentlich
mehr Eigenkapital und in Eigenkapital unwandelbare Anlei-
hen haben, dass im Krisenfall die Eigentümer und ein Teil
der Gläubiger die Verluste auffangen können. (Federal De-
posit Insurance Corporation/Bank of England, 2012). Das
gemeinsame Papier nennt zwar keine exakte Quote als Ei-
genkapitalerfordernis, sie dürfte aber im Vergleich zu Basel
III weitaus höher sein. Das deutsche Gesetz zur Abwicklung
und Restrukturierung von Banken, welches 2010 beschlos-
sen wurde, hat seine Feuerprobe noch nicht bestanden. Ob
die BaFin jemals von sich aus ein Restrukturierungsverfah-
ren einleitet, erscheint zweifelhaft (siehe Kapitel 3.2).
Analog zu den schon in den USA vorgeschriebenen Not-
fallplänen will auch die Bundesregierung die größten deut-
schen Kreditinstitute verpfichten, genaue Pläne für den Kri-
senfall zu formulieren und bei der BaFin einzureichen. Ein
entsprechendes Gesetz soll 2013 verabschiedet werden. In
den USA müssen die 125 größten Banken bis Ende 2013
157
entsprechende Pläne einreichen. In Deutschland soll diese
Verpfichtung ungefähr zehn Banken treffen. In jedem Fall
würden die Deutsche Bank und die Commerzbank dazuge-
hören. Auch die größeren Landesbanken wären betroffen.
Umfang und Wirkungsweise dieses neuen Gesetzes kön-
nen noch nicht beurteilt werden.
Die im Zuge der Finanzkrise geforderte Finanztransaktions-
steuer erhöht nicht die Stabilität des Finanzsystems. Die
in Europa diskutierte Finanztransaktionssteuer würde sich
genauso auf normale Versicherungsgeschäfte erstrecken
wie auf „hochspekulative Wetten“. Eine Finanztransaktions-
steuer hätte die oftmals als Krisenauslöser vermuteten Ge-
schäftspraktiken nicht unterbunden (Weichenrieder, 2011).
Auch starke Schwankungen auf den Kapitalmärkten werden
nicht von einer Finanztransaktionssteuer vermindert. Zudem
würde eine Finanztransaktionssteuer die Steuerkomplexität
erhöhen und hohe Effzienzkosten nach sich ziehen. Wenn
man den Finanzsektor stärker belasten will, wäre eine Steu-
er in Anlehnung an die im Finanzsektor erwirtschafteten
Löhne, Boni oder Gewinne einfacher zu realisieren (Wei-
chenrieder, 2011).
4.2 Ursachenbekämpfung statt Haftungsver-
schiebung
Man kann die Gründe für die Entstehung der Finanzkrise
grob in Brandbeschleuniger und Ursachen teilen:
158

Gründe Typ Wirkung
Null- und Niedrigzinspolitik Ursache hoch
BaseI I und II Ursache hoch
Staatsverschuldung Brandbeschleuniger mittel
US-Wohnungsförderungspolitik Ursache hoch
Fair Value-Prinzip Brandbeschleuniger mittel
Lasche Prüfung der
Kreditwürdigkeit in den USA
Ursache mittel
Mangelhafte Aufsicht Ursache hoch
Oligopol bei Rating-Agenturen Ursache hoch
Boni und Orientierung am
aktuellen Unternehmenswert
Brandbeschleuniger hoch
Fehlerhaftes Risikomanagement
der Banken
Ursache hoch

Während das Risikobewusstsein der Kreditwirtschaft gestie-
gen ist und die Prüfung der Kreditwürdigkeit in US-amerika-
nischen Banken wieder sorgfältiger geschieht, wird am Fair
Value-Prinzip weiterhin festgehalten und das Management
orientiert sich immer noch maßgeblich am aktuellen Unter-
nehmenswert. Boni werden weiterhin gewährt, der exzessi-
ve Gebrauch ist aber überwiegend zurückgegangen. Mitt-
lerweile gibt es mehr zugelassene Rating-Agenturen und mit
Egan-Jones auch eine Rating-Agentur, die vom Käufer des
Produkts bezahlt wird. Die Europäische Wertpapier- und
Marktaufsichtsbehörde hat 2012 sechs weiteren Agenturen
eine Lizenz erteilt. Zudem haben die führenden Rating-Agen-
turen ihre Modelle und die zugrunde liegenden Annahmen
überarbeitet und bewerten mittlerweile vorsichtiger.
Zahlreiche Ursachen der Finanzkrise werden von den Re-
gierungen aber nicht entschieden angegangen. Allen voran
die weiterhin andauernde Niedrigzinspolitik fast aller staat-
lichen Zentralbanken, der sich auch die EZB dauerhaft ver-
schrieben hat. Im aktuellen Finanzstabilitätsbericht warnt die
Deutsche Bundesbank vor einer künftigen Hauspreisblase.
159
Insbesondere das niedrige Zinsniveau könnte zu einer Eska-
lation beitragen. Zunehmend würden Ersparnisse in Anlage-
formen gelenkt, von denen Anleger Schutz vor mangelnder
Geldwert- und Währungsstabilität erwarteten. Bankenauf-
seher und Bundesbank könnten mittels antizyklischer Ver-
schärfung der Kapitalanforderungen und höherem Eigenka-
pitalanteil bei der Kreditvergabe gegensteuern (Deutsche
Bundesbank, 2012, S. 56 f). Einen höheren Leitzins em-
pfehlt die Deutsche Bundesbank in ihrem Finanzstabilitäts-
bericht allerdings nicht.
Weiteren Verbesserungsbedarf gibt es bei den Eigenkapi-
talregulierungen Basel I bis III. Mit Hilfe von antizyklischen
Kapitalpuffern und Frühwarnindikatoren versucht Basel III,
den prozyklischen Effekten von Basel II zu begegnen. Da-
bei wurden die Kreditinstitute durch Basel II nicht weniger
krisenanfällig, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Die Wider-
standsfähigkeit von Banken während der Finanzkrise kann
durch ein wesentlich einfacheres Maß veranschaulicht wer-
den, welches keine Risikogewichtung voraussetzt: Die ein-
fache Verschuldungsquote, die den Anteil des Eigenkapitals
an der Bilanzsumme einer Bank misst. Die gescheiterten
Banken hatten eine durchschnittlich um 1,2 Prozentpunkte
niedrigere Verschuldungsquote im Vergleich zu den Ban-
ken, die die Krise überstanden. Haldane/Madouros em-
pfehlen sieben Prozent, um die größten Institute vor einem
Untergang bei einer eventuellen Finanzkrise zu bewahren
(Haldane/Madouros, 2012). Immerhin geht Basel III mit der
schrittweisen Erhöhung des harten Kernkapitals von zwei
160
auf sieben Prozent der risikogewichteten Aktiva den rich-
tigen Weg (siehe S. 28 in diesem Buch). Der Kronberger
Kreis lehnt den neuen antizyklischen Kapitalpuffer gänzlich
ab und spricht sich stattdessen für einen höheren bankindi-
viduellen Kapitalerhaltungspuffer in Höhe von 5 Prozent aus
(Kronberger Kreis, 2011).
Basel III lässt aber eine wichtige Ursache der Staatschul-
den- und damit verbundenen Bankenkrise unverändert: Wei-
terhin müssen Staatsanleihen mit einem Rating von AAA bis
AA- nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. In der Konse-
quenz werden Banken auch weiterhin Staatsanleihen besit-
zen, dafür keine Risikovorsorge betreiben und bei drohen-
den Staatsinsolvenzen große Probleme bekommen. Wenn
die Politik nicht gewillt ist, den Banken für Staatsanleihen
eine Risikovorsorge zu verordnen und damit die eigenen
Verschuldungskosten zu erhöhen, wird der Teufelskreis zwi-
schen Banken und Staaten nicht durchbrochen. Einzig die
von der Politik gern gescholtenen Rating-Agenturen könn-
ten diese unheilvolle Verbindung durch konsequente Herab-
stufung fast aller Staaten durchbrechen. Meistens reagieren
Regierungen auf Herabstufungen ihrer Bonität mit Forderun-
gen nach staatlichen Rating-Agenturen oder schärferer Re-
gulierung der privaten Rating-Agenturen.
4.3 Ohne Regulierung geht es nicht
In jedem Markt kann es zu Störungen kommen. Damit aus
einer Störung keine Krise werden kann, darf aus individu-
161
ellem Versagen kein kollektives werden. Kaum eine Re-
gulierung wird individuelles Versagen verhindern können.
Deshalb muss verhindert werden, dass aus individuellem
kollektives Versagen wird. Besondere Bedeutung kommt
dabei den klassischen Marktmechanismen wie Transparenz,
Haftung, Wettbewerb, aber auch dem Marktrisiko zu. Krisen
werden dadurch befördert, dass die Transparenz des Mark-
tes nicht mehr gewährleistet ist und den Marktteilnehmern
damit die für eine Risikoeinschätzung nötige Übersicht fehlt.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist daher die Schaffung möglichst
großer Transparenz.
Jede wirtschaftliche Tätigkeit ist entweder eine Betätigung ei-
ner natürlichen oder juristischen Person einerseits oder eine
hoheitliche Intervention in Wirtschaftsabläufe andererseits. In
jeder Finanzordnung muss das Regel-Ausnahme-Verhältnis
immer zwischen individueller Wirtschaftstätigkeit und hoheit-
lichem Eingriff bestimmt werden (Tietje, 2011, S. 28). Auch
für eine Finanzordnung gilt der Grundsatz „…von individuel-
ler Freiheitsverwirklichung als Regelfall und innerstaatlicher,
supranationaler oder internationaler hoheitlicher Intervention
als rechtfertigungsbedürftiger Ausnahme“…(Tietje, 2011, S.
28). Das Recht soll nicht eine bestimmte Ordnung fnal be-
stimmen, sondern „Bedingungen…schaffen, unter denen sich
eine solche Ordnung bilden und immer wieder erneuern kann“
(Hayek, 1971). Begreift man Finanzmarktstabilität als erstre-
benswertes globales öffentliches Gut, müssen die jeweiligen
Regierungen und Aufsichtsbehörden einen verlässlichen Ord-
nungsrahmen durch irgendeine Form von Regulierung setzen.
162
Ein international abgestimmtes Vorgehen ist dabei wün-
schenswert, da auch die Finanzmärkte international ver-
fochten und die Finanzakteure in vielen Ländern aktiv sind.
Da Finanzinstrumente immer in innerstaatlichen Rechtsord-
nungen eingebunden sind, sind den internationalen Harmo-
nisierungsanstrengungen bei Regulierung und Aufsicht von
Finanzinstrumenten und -märkten gewisse Grenzen gesetzt
(Tietje, 2011, S. 29). Für die internationale Zusammenarbeit in
Regulierungsfragen kommt vor allem der Finanzstabilitätsrat
in Frage, in dem die nationalen Aufsichtsbehörden,
Zentralbanken und Finanzminister vertreten sind. Verzögernd
wirken sich derzeit sowohl das Konsenserfordernis als
auch das Vetorecht aus. Beides könnte abgeschafft wer-
den. Während und nach der Finanzkrise waren aufeinander
abgestimmte Regulierungsmaßnahmen der G 20 besonders
wirkungsvoll. Auch wenn es sich hierbei „nur“ um die zwanzig
wichtigsten Industrie- und Schwellenländer handelt, vereint
die G 20 zwei Drittel der Weltbevölkerung, ca. 90 Prozent
des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und ca. 80 Prozent
des Welthandels. Sollten wichtige Regulierungsmaßnahmen
nicht über den Finanzstabilitätsrat möglich sein, käme even-
tuell ein abgestimmtes Vorgehen der G 20 in Betracht.
In jedem Fall müssen sämtliche Zweckgesellschaften von
Kreditinstituten konsolidiert, d.h. in die Bilanz eingegliedert
werden. Die Regulierungsbehörden sollten den Banken ei-
nen wirksamen Anreiz zum Konsolidieren setzen: Kreditzu-
sagen an nicht konsolidierte Zweckgesellschaften müssen
in gleichem Maße mit Eigenkapital hinterlegt werden wie
163
eigene Aktiva vergleichbaren Risikos (Kronberger Kreis,
2009). Auch hier wäre ein international abgestimmtes Vor-
gehen sinnvoll.
Der Bürger begreift die Finanzkrise derzeit in erster Linie als
Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Verlus-
ten zu Lasten des Steuerzahlers. Das Risiko des Scheiterns
ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden
Marktes. Daher ist die Zusammenführung von Entscheidung
und Haftung im Finanzbereich am wichtigsten für die Akzep-
tanz und den Fortbestand der Sozialen Marktwirtschaft. Of-
fensichtlich sind Privatbanken mit persönlich haftenden Ge-
sellschaftern weniger unkalkulierbare Risiken eingegangen.
Folglich wäre eine Erweiterung der persönlichen Haftung von
Bankvorständen bei börsennotierten Kreditinstituten sinn-
voll. Die Haftungsgrundlage sollte dabei mindestens zwei
Jahresgehälter umfassen (Brüderle, 2008, S. 2). Auch wenn
das exzessive Gewähren von Boni abgenommen hat, wäre
ein stärkerer Einfuss der Hauptversammlung auf die Vergü-
tung des Vorstands wünschenswert (Brüderle, 2008, S. 2).
Im Vorfeld der Finanzkrise wurde von dem Instrument der
Kreditverbriefung umfangreicher Gebrauch gemacht. Damit
werden Forderungen auch im Zweitmarkt verwertet. Viel-
fältige Formen der Verbriefung erlaubten es, Buchkredite in
handelbare Aktiva zu transformieren und somit die Finan-
zierungsbeziehungen zwischen Sparern und Kreditnehmern
unabhängig von Banken zu gestalten (Sachverständigenrat,
2007, S. 107). Grundsätzlich tragen Kreditverbriefungen zur
164
Risikoabsicherung und damit Stabilisierung bei, da sich der
Risikogeber (eine Bank), welcher einen Kredit an einen Kre-
ditnehmer vergeben hat, bei einem Risikonehmer (Erwerber
der verbrieften Titel) gegen den Zahlungsausfall des Kredit-
nehmers (Schuldner) versichert. Probleme entstehen aber
dann, wenn mit Hilfe der Strukturierung aus Kreditportfolios
mit minderwertiger Qualität ein hoher Prozentsatz erstklas-
sig bewerteter Finanztitel erzeugt wird und dem Erwerber
solcher Wertpapiere die tatsächlich verbundenen Risiken
nicht bekannt sind (Brüderle, 2008, S. 9). Im Gegensatz
zu einem traditionellen Bankkredit werden Kreditrisiken
auf andere Marktteilnehmer übertragen. Die Komplexität
der neuen Instrumente erschwert es den Investoren, der
Bankenaufsicht und den Rating-Agenturen, die Risiken
angemessen einzuschätzen. Durch die Handelbarkeit kön-
nen Banken Kreditrisiken aus ihrer Bilanz auf Fonds übertra-
gen, für die sie jedoch weitreichende Kreditzusagen über-
nehmen. Die Verbriefung kann somit missbraucht werden,
um bankaufsichtsrechtliche Bestimmungen zu umgehen
(Sachverständigenrat, 2007, S. 118).
Abschließend formuliert der Sachverständigenrat „Die gro-
ße Herausforderung für die Wirtschaftspolitik besteht nun
darin, die Rahmenbedingungen derart zu justieren, dass die
Exzesse der Vergangenheit in der Zukunft vermieden wer-
den und die Transparenz der Risikoverteilung für alle Teilneh-
mer steigt, ohne dabei die Vorteile, die durch die Verbriefung
geschaffen wurden, infrage zu stellen.“ (Sachverständigen-
rat, 2007, S. 139) Die Erhöhung der Transparenz bei Ver-
165
briefungen ist also zwingend geboten, reicht aber nicht aus.
Die Zentralbanken sollen mittels der Taylor-Regel, die Ab-
weichungen des Leitzinses von einem neutralen Realzins
misst und dabei noch Anpassungen für Schocks vorsieht,
steuern und große Abweichungen des Leitzinses vom neut-
ralen Realzins möglichst vermeiden. Diese Forderung nach
regelgebundener Geldpolitik wurde auch auf der Jahresta-
gung der American Economic Association im Januar 2013
in San Diego erhoben. Als die Wirtschaft in den USA 2008
konjunkturell abfaute, reagierte die US-Zentralbank mit ei-
ner strafferen Geldpolitik, so dass aus einem „milden“ Ab-
schwung eine große Rezession wurde. Sollte die Federal
Reserve wirklich ihre fehlerhafte Geldpolitik abstellen, könn-
te sie sich an eine einfache Regel halten, anstatt die kompli-
zierte Taylor-Regel anzuwenden: Sie müsste nur die nomina-
len Ausgaben stabilisieren (Beckworth, 2012).
Die in diesem Buch beschriebenen Regulierungsmaßnah-
men werden in begrenztem Maße eine stabilisierende Wir-
kung entfalten. Auch sind noch einige Regulierungsmaß-
nahmen geplant, die hoffentlich international abgestimmt
umgesetzt werden. Das tieferliegende Problem der feh-
lerhaften Währungsordnung bleibt hingegen ungelöst: Das
System des ungedeckten Papiergeldes setzt der Expansi-
on der Geldmenge und damit auch der Kreditmenge keine
Grenzen. Die gelegentlich geäußerten Wünsche der Deut-
schen Bundesbank nach einer strafferen Geldpolitik werden
vom EZB-Direktorium und den südeuropäischen Euro-Staa-
ten weiterhin nur belächelt. „Weitere Geldmengenexpansion
166
durch Erhöhung der von den Zentralbanken zur Verfügung
gestellten Kreditmenge kann die erforderlichen Wertbe-
richtigungen eine Zeitlang aufschieben, letztlich verhindern
lässt sich eine Korrektur jedoch nicht.“ (Reichel, 2012, S.
21) Schularick und Taylor weisen empirisch nach, dass eine
übermäßige Kreditexpansion Finanz- und Konjunkturkrisen
signifkant erklärt – unabhängig ob die Kreditexpansion von
den Zentralbanken oder den Geschäftsbanken verursacht
wurde (Schularick/Taylor, 2009; Kindleberger/Aliber, 2005,
argumentieren ähnlich).
Als Lösung und wirkungsvolle Prophylaxe gegen eine erneute
Finanzkrise wäre im derzeitigen System des ungedeckten Pa-
piergeldes sowohl eine Begrenzung der Zentralbankgeldmen-
ge als auch der Buchgeldmenge geboten. Ein interessanter
Vorschlag stammt von Reichel und beinhaltet die Wiederein-
führung einer teilweisen Golddeckung (Für eine vollständige
Abdeckung reichen die Goldvorkommen nicht aus.), fexible
und höhere Mindestreservesätze zur Begrenzung der Kredit-
geldschöpfung sowie eine deutlich höhere Eigenkapitalaus-
stattung der Kreditinstitute (Reichel, 2012, S. 22). Um Banken
auch bei schweren realwirtschaftlichen Schocks krisenfest zu
machen, wären nach einer Studie der Bank of England 17 Pro-
zent der Bilanzsumme für das harte Kernkapital erforderlich
(Miles et al., 2011). Das ist derzeit absolut unrealistisch und
weit von den Vorgaben von Basel III entfernt.
Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Finanzkrise ist nicht
gesunken.
167
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Autoren
Dr. Peter Altmiks ist Referent für Wirtschaft, Arbeitsmarkt,
Soziales und Bildung im Liberalen Institut der Friedrich-Nau-
mann-Stiftung für die Freiheit. Davor war er in der privaten
Kreditwirtschaft für Bargeldlogistik, die Standardisierung im
Zahlungsverkehr und die Organisation der bundeseinheitli-
chen Wertpapierkursermittlung verantwortlich.
Christine Arentz ist Diplom-Volkswirtin und wissenschaft-
liche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftspolitik an der
Universität zu Köln. Ihr derzeitiger Forschungsschwerpunkt
ist die Gesundheitsökonomik mit besonderem Fokus auf
Reformoptionen für das deutsche Krankenversicherungs-
system. Darüber hinaus hat sie sich in einem Forschungs-
projekt mit der Rolle der Immobilienbewertung in der Finanz-
marktkrise beschäftigt.
Prof. Dr. Ralf Bauer ist Professor an der Hochschule
Rhein-Waal in Kleve. Seine Schwerpunkte in Lehre und
Forschung liegen in den Bereichen Controlling, Kosten-
rechnung, Bankbetriebslehre und Finanzierung. Vor seiner
Tätigkeit in Kleve war er für renommierte Unternehmens-
beratungen als Manager und Fachexperte für Performance
Management in vielen Projekten im Finanzsektor tätig. Er
beriet unterschiedlichste Banken im In- und Ausland, von
Volksbanken und Sparkassen bis zu international tätigen
Großbanken, zu allen Themen der Gesamtbanksteuerung
und -planung sowie des Risikomanagements. Er ist Mit-
175
glied des Arbeitskreises Controlling-Professuren an Hoch-
schulen.
Ines Läufer ist Diplom-Volkswirtin und wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftspolitik an der Uni-
versität zu Köln. Ihr gegenwärtiger Forschungsschwerpunkt
ist die vergleichende Analyse des deutschen und US-ame-
rikanischen privaten Krankenversicherungsmarktes. Zudem
beschäftigt sie sich in Forschung und Lehre intensiv mit den
Grundlagen der Ordnungspolitik.
Ulrich Vrede ist Diplom-Volkswirt und hat sein gesamtes
Berufsleben in Finanzinstituten und Banken verbracht. Viele
Jahre war er leitend im Risikomanagement für Key-Account-
Kunden und in multinationalen Unternehmen tätig. Heute
schreibt er über volkswirtschaftliche Themen im Internet.
Er ist verantwortlich für den redaktionellen Inhalt von www.
wirtschaft-im-kontext.de.
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Marktordnung im Finanzsystem
Bankenregulierung, Rating-Agenturen,
Risikomanagement
Peter Altmiks (Hrsg.)
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ISBN 978-3-942928-06-9

Universum Kommunikation und Medien AG
Argumente der Freiheit
Herausgegeben vom Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Band 26: Wolf von Laer
Probleme des etablierten Notenbankensystems –
Free Banking als Alternative?
Band 27: Steffen Hentrich (Hrsg.):
Eigentum und Umweltschutz
Band 28: Csilla Hatvany:
Ansatzpunkte für eine liberale Integrationspolitik
Band 29: Steffen Hentrich (Hrsg.):
Eine Wende zum Besseren? Herausforderungen der Energiepolitik
für die Elektrizitätsversorgung
Universum Kommunikation
und Medien AG