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Wie ist die Situation in Indien?

Indien ist mit mehr als 900 Millionen Einwohnern das
zweitvolkreichste Land der Erde. Allein in Bombay leben heute
ca. 15,1 Millionen Einwohner; nach UN-Schätzungen soll
Bombay bis zum Jahr 2015 mit 27,4 Millionen Einwohnern die
zweitgrößte Stadt der Welt sein. (Schon jetzt lebt die Hälfte der
Bevölkerung Bombays in winzigen Hütten in Slumgebieten
zwischen Hochhäusern oder am Rande der Stadt.)

In Indien zählen 448 Millionen der Bevölkerung zu den absolut
Armen. 335 Millionen der indischen Bevölkerung sind jünger als
16, davon 113 Millionen jünger als fünf Jahre. Wenn man von
Kindern in Indien spricht, geht es immerhin um rund 6% der
Weltbevölkerung. Hohe Kindersterblichkeit, Armut, kaum
Bildungsmöglichkeiten, Ausbeutung durch gesundheitsschädliche
Kinderarbeit - dies kennzeichnet die Lebenssituation vieler
Kinder in Indien.

Gesundheitssituation

Die Gesundheitsversorgung in Indien insbesondere für Kinder ist
oft unzureichend. Die Lebenssituation der meisten Kinder ist
gekennzeichnet durch eine Reihe von Benachteiligungen,
Diskriminierungen und mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten.
Jedes achte Kind stirbt vor seinem fünften Lebensjahr. Ein Drittel
der etwa 12 Millionen Mädchen, die jedes Jahr in Indien geboren
werden, sterben bevor sie das 15. Lebensjahr erreichen: das sind
jährlich 300.000 Mädchen.

Diese erschreckenden Zahlen sind einem Bericht des
Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF zu entnehmen,
der vor kurzem vorgestellt wurde. Die überhohe
Sterblichkeitsquote bei Mädchen führt dazu, dass in der
Altersgruppe bis 6 Jahre der Bevölkerungsanteil der Mädchen bei
945 pro 1.000 Jungen liegt.

Arbeit statt Kindheit - Millionen von Kindern wird die
Zukunft geraubt
Indien ist weltweit das Land mit dem höchsten Anteil arbeitender
Kinder. Millionen von Kindern sind ihrer Kindheit beraubt, weil
sie arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Die
Schätzungen reichen von 17,5 Millionen (indische Regierung)
über 44 Millionen (Vereinte Nationen) bis zu 145 Millionen (nach
Angaben von Journalisten).

Die Schwächsten der Schwachen sind die Strassenkinder. In
Bombay wird ihre Zahl auf 200.000 geschätzt. Die Mädchen
werden vielfach Opfer sexueller Gewalt. Die Landflucht in die
großen Städte führt dazu, dass z.B. in Bombay 80% der
Kinderarbeiter aus Familien stammen, die vom Land zugewandert
sind, um in der Stadt Arbeit zu finden. Eine langfristige
Eindämmung der Kinderarbeit ist nur denkbar, wenn die
wirtschaftliche Situation der armen Familien verbessert wird.

Die Formen der Kinderarbeit in Indien sind vielfältig. Am
bekanntesten ist die Kinderarbeit in der indischen
Teppichindustrie, in der 100.000 bis 150.000 Kinder in
Schuldknechtschaft leben – das heißt, sie wurden von ihren Eltern
verpfändet, um unter sklavenähnlichen Bedingungen die
Schulden abzuarbeiten. Oft sitzen Kinder im Alter von nur 6 bis
10 Jahren 12 bis 14 Stunden täglich am Knüpfrahmen.
Langfristige Schädigungen der Augen sowie Atemwegs- und
Lungenerkrankungen sind die Folge.

In Indien wurde das Warenzeichen "Rugmark" für Teppiche ohne
Kinderarbeit entwickelt. Dadurch soll ausbeuterische Kinderarbeit
in der Teppichindustrie abgeschaft und den Teppichkindern neue
Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben werden. Inzwischen
sind über 200.000 Teppiche mit Rugmark-Siegel nach
Deutschland ausgeliefert worden, dem weltgrößten Absatzmarkt
für handgeknüpfte Orientteppiche.