You are on page 1of 4

Redaktion und Verlegt Karlsbad, Haus „Graphia

"
Tel. 1081
ftvik der Einzelnummer T7* v 0« Anriami K* 2..) iVC * At\ 1.4'U

Kr. 25 Sonntag, 3. Dez.
Bexag*pre*s im Quartal T7 v j Q
(Im Ausland K« M.') A.C l O."" Auslandspreise Einzelotunm Ticrtrljährl. Litauen . . - - l-lt ft.SS UU e.SO . B. Frs. 1Luxembuig B.Fr, S-!.— . Kr 6.3* Kr. 420 Norwegen . . Seh 0.40 Seh 111. 4,80 Oesterreich .P. ß 0-018 P. e C-a« Palästina . Zloty 6.— Esc. S4 — Portugal , . Ese. 2.Rumänien . Ut )Ö.~ W I».— F. f i. !&.— Saalgebiet . I-.Fi. 1.50 Schweden . . Kr ft.35 Kr. 4» Schweiz . . Frs. 0.10 Frs &» Pes. &«} Spanien » . Pes. 0.70 . Ppnsrfi fl 3S Pwig« 44t» Dollar 0.90

Auslandspreise Einzelnumm. TierteljShr. Argentinien . . . Pes. 0.30 PCS. 8.80 Belgien Frs. 2.— Frs. 24.— Bulgarien .... Lew. S.— Lew. 96.— !>ari7!j Ould. 0.30 Outd. 8.60 l'flntschtand. . . Mk. 0.25 Mk. 3.— i ".t! uJ E.Kr 0.22 E. Kr. 2.64 H'nUn-1 . . . .Fmk. 4.— Fmk. 48.— I raiiitK-k'i . . . Frs. 1.50 Frs. 18.— Ciroßbntinnlen ., d. 4,~ sh. 4.— J-'oJland Gld. 0.1« Old. iJSO liilien Llr 1.10 LIr. 18,20 JuRoiiawien . . . Din. 4.50 Dln. 54.*Lettland ... .Lat. 0.30 Lat. 3.60

Sozialdemokratisches Wochenblatt

Die Weltorganisation der Lüge
Es ist über die Millionen berichte? worden, die dem Reichslügenminister G ö b b e l s heute für seine Propaganda zur Verfügung stehen. Aber diese Berechnungen bleiben noch hinter der Wirklichkeit zurück: Göbbels selbst — der wie alle minderwertigen Menschen nicht den Mund halten kann und oft mehr ausplaudert als seinem Brotgeber lieb ist — hat sich vor einigen Tagen im vertrautesten Kreise seiner Tat- und Gesinnungsgenossen gerühmt, er verfüge allein für die Presse-Propaganda und für den Meinungsverkauf im Ausland einen Fonds von 30 Millionen Mark! Wer die Riesensummen kennt, die Hitler-Deutschland bisher schon für die Propaganda im Ausland ausgegeben hat, wird sich nicht darüber wundern, welch eine niederträchtige Verschwendung mit den Steuergroschen des deutschen Volkes heute von den Nazis getrieben wird. Goebbels' MeinungskaufGelder rollen heute in den meisten Staaten Europas und sogar auch in den überseeischen Ländern, wie die erst kürzlich in Nordamerika aufgedeckte Nazipropaganda-Organisation gezeigt hat. Nach zuverlässigsten Informationen die selbst durch die dickgepolsterten 'füren des Propaganda-Ministeriums gedrungen sind, hat das Hitler-Deutschla:U für seine Wühlarbeit im Ausland bibiicr folgende Summen ausgegeben: Oesterreich . . . 5,000.000 Mark 5,000.000 Mark 'i sohechoslowakei 750.000 Mark Schweiz . . . . 500.000 Mark cvJiweden . . . 700.000 Mark Belgien . . . 500.000 Mark Baltische Staaten 200.000 Mark Dänemark . . . 200.000 Mark Finnland . . . . 500.000 Mark Rumänien . . . Holland . . . . l,500.000 Mark Nord-Amerika . . 4,000.000 Mark . 2,000.000 Mark Süd- Amerika Zusammen ergibt das also bereits
weit über 20 Millionen Mark! Und dabei stammen diese Ziffern aus der zweiten Oktoberhälfte! Man kann ungefähr denken, wieviel seitdem noch ausgegeben worden ist und ferner, wieviel Gelder außerdem noch auf allerlei Wegen und durch allerlei Kanäle — auch aus den schwarzen Fonds des Auswärtigen Amts nnd des Reichswehr-Ministeriums — n die Hände der Nazi-Missionäre geflossen ist. Man hat es ja dazu! I3ie Nazis können heute mit der unneusten Großzügigkeit ihre Paraus der Reichskasse vom deutschen Volke bezahlen lasFtats-Kritik gibt es nicht mehr; es ja noch schfmcr, eine solche dem n l verfluchten Parlamentarismus «.,: n menile Kontrolle der öffentli\erwalrung zu dulden! Eine „Re,ng der Ehrenmänner" braucht sich rieht gefallen zu lassen! Y ,- cTcsen Geldern und mit allen a » »jiÄchaftcn modernster LiigenV-'iilil-lechnik kann der Lügcnic>-<e Göbbels im Ausland natürlich iv arbeiten. Yvic gesagt: Es gibt Leute kaum noch einen Staat in Europa, in dem nicht von Berlin aus Nazi-

Enthüllungen des „Petit Parisien" — und mögen sie auch tausendmal von der Lügenzentrale in der Wilhelmstraße dementiert werden — haben nur einen Teil des hitlerischen Aktionsprogrammes bloßgelegt. Denn Hitlers Endziele gehen viel weiter: Er will — mögen Ewig-Naive es ungläubig belächeln — überall eine Nazi-Revo lutio n erreichen! Ueberall arbeiten bereits Nazi-Emissäre! Das weitverzweigte Netz der Nazi-Wühlarbeit sieht heute so aus: In N o r d - A m e r i k a : Seit zwei Jahren bereits sind die dortigen Agenturen der Hapag und des Norddeutschen Lloyds verkappte Nazi-PropagandaZellen. Wer einmal — wie der Schreiber dieser Zeilen — Gelegenheit hatte, beispielsweise in die Neuyorker Vertretungen dieser Schiffahrts-Gesellschaften einen Blick zu werfen, mußte entsetzt sein über das Maß der Hetzarbeit, die dort schon seit Jahren gegen die Weimar-Republik verrichtet wurde! Mit dem Hitler-Umsturz ging es natürlich erst recht los! Nun konnte man ungenierter arbeiten. Alle unbequemen Angestellten wurden unter fadenscheinigen Vorwänden entlassen; an ihre Stelle kamen die unter dieser falscher Flagge nach USA. entsandten Göbbels-Gehiifen. Obwohl das Passage-Geschäft der deutschen Schiffahrtsgesellschaften sich seit April dieses Jahres fast um 50 Prozent vermindert hat — es ist sogar vorgekommen, daß ein Lloyd-Dampfer wegen Mangel an Passagieren nicht fahrplanmäßig, sondern um zehn Tage später die Rückreise antrat — hat sich die Zahl der Angestellten der deutschen Schiffahrtsbüros in USA, beinahe verdoppelt. Diese Agenturen wurden nun die festen Stützpunkte der Nazi-Agitation. Jedoch nicht von diesen Büros aus allein wird intensivste Nazi-Propaganda getrieben; Göbbels hat seine Handlanger auch in alle deutschen Konsulate

gesteckt, wo sie eine umfassende Tätig- Iteilnehmer" verbündet, einer faschistlkeit (Spietzelei, Denunzation und Beein- l sehen Kampf-Formation, die bereits flussung der öffentlichen Meinung) ent- 60.000 Mitglieder zählt. Woher die Gel* falten. Die Zahl der heute in Nord- der für ihre Ausrüstung fließen, kann Amerika tätigen Hitler-Emissäre wird man sich denken! auf dreihundert geschätzt. In L e t t l a n d Tiat man eine KampfIn S ü d - A m e r i k a ha! die Nazi- organisation Bund „Donnerkreuz" aufPropaganda — wie nicht anders zu er- gezogen, der seine enge Verwandtschaft warten — ihre stärksten Stützpunkte in mit dem Hakenkreuz nicht leugnen den seit jeher nationalistischen deut- kann. schen Vereinigungen. Selbstverständlich In F i n n l a n d ist zwar die faschisind aber allen deutschen Konsulaten stische Lappo-Bewegung zurückgegeeignete Göbbels-Jünger beigegeben schlagen worden, aber Injektionen mit worden. Man wird sich nicht wundern Nazi-Geldern können auch hier wieder dürfen, wenn auch in Süd-Amerika bald belebend wirken. die „Entdeckung" einer weitverzweigten In U n g a r n ist unter dem Namen Nazi-Wühl-Organisation gemeldet wird. „Nationalsozialistische Volkspartei UnI n E u r o p a : Wie weit die Minier- garns" eine nationalsozialistische Orgaarbeit in der T s c h e c h o s l o w a k e i nisation gebildet worden, die ihren und in O e s t e r r e i c h schon gediehen „Reichsführer" und ihren „Stabschef" war, ist der Oeffentlichkeit zur Genüge hat und ein Manifest erließ, das folgenbekannt. Ueberall bestanden bereits den Gruß an Hitler richtet: „Wir unfeste und großausgebaute Organisatio- garische Volksgenossen stehen nicht nen, die einen bestimmten Umsturzplan an, zu erklären, daß wir, wenn es eine ausführen sollten. große Stunde will, auch mit Herz und In S c h w e d e n hat man eine Ver- Hand an Ihrer Schildseite stehen wolschwörung aufgedeckt, die nicht mehr len!" und nicht weniger als die Bildung einer In R u m ä n i e n hatte die Nazi-ProNazi-Armee — ähnlich der SA — auf paganda bisher die größten Erfolge aufschwedischen Boden und einer großen zuweisen. Dort existieren — namentlich Nazi-Organisation bezweckte, um in Siebenbürgen — regelrechte NaziSchweden eines Tages zu einer Filiale Kampforganisationen, ähnlich der SA, eines nationalsozialistischen Groß- von der die „Eiserne Garde" des ProDeutschland machen zu können. Gö- fessors Cuza die stärkste ist Einer der rings häufige Besuche in Schweden wa- dortigen Naziführer, Cotaresco, hat ren durchaus nicht „privaten Familien- kürzlich auf einem nationalsozialistiangelegenheiten" gewidmet. schen Kongreß in Kischinew erklärt, In D ä n e m a r k ist eine intensive daß Heil Rumäniens sei nur im Wege Nazi-Agitation besonders unter der einer engen Verbindung mit dem deutBauernschaft Süd-Jütlands festzustellen. schen ^Nationalsozialismus zu finden. Die Nazi-Apostel arbeiten in diesem „Osaf" aller rumänischen Nazis ist der Nachbarstaat hauptsächlich auf dem fla- Oberst Tatarescu, vor dem Kriege ruchen Lande und nützen die Absatzkrise mänischer Militärattachee in Berlin. der dänischen Landwirtschaft in der be- Der jüngste Kabinettwechsel in Rumänien hat mit krasser Deutlichkeit entkannten aufputschenden Weise auf. In E s t l a n d haben sich die Nazis hüllt, wie weit bereits dort die Umsturzmit dem „Verband ehemaliger Kriegs- arbeit der Faschisten gediehen war! Die enge Verbindung mit Berlin wurde nachgewiesen. In G r i e c h e n l a n d sogar gibt es neuerdings eine von einem früheren Generalstabs-Hauptmann geführten nationalsozialistischen Organisation „Ethnikos Enosta Elados". Der „Führer" hat in einer Kundgebung gar nicht geleugnet, daß er sich zu den braunen Zielen des Isar-Aihen-Müncben bekennt und in Hitler den Meister aller Meister erblickt.
In der S c h w e i z haben sich zahlreiche Nazi-Zellen eingenistet: Die „Neue Front" ist die Dachorganisation der verschiedenen Nazi-Bünde. Man tarnt sich dort noch, ist aber um so intensiver an der Arbeit, den deutschen Teil dar Eidgenossenschaft für die Pläne HitlerDeutschlands sturmreif zu machen. In F r a n k r e i c h hat sich e'ns „Französische nationalsozialistische Partei" gebildet, die zwar votkiufij kaum mehr a l s fünfzig Mitglieder zählt, aber immerhin für die Wühlarbeit der Nazi symntomathfh ist. „Führer" ist der bekannte französische Antisemitenhäuptling Baron Robert Fabrc-Luce. Er war Ende Oktober länzu zweien gere Zeit in Berlin. Die in Paris in deut„Marianne18 Paris scher Sprache erscheinende „Neue Pari-

der Pazifist, sudit eine Unterhaltung

Zellen verpflanzt worden wären!

Die

I

>

t

"\

ser Zeitung*" bezieht Ihre Meinung aus dem Göbbels-Ministerium.

In S p a n i e n hat sich eine faschiDie letzten gewerkschaftlichen Beste verschwinden stische Organisation unter der Führung der der VerbandsmitDie Verbände der des jungen Primo de Rivera, eines Sohnes front"1 sollen aufgelöst „Deutschen Arbeits- sie sich nicht Mehrheit fühlten. Nach der „Als S t r e s e m a n n , k l a r b l i c sicher werden, künftig soll glieder des ehemaligen Diktators, gebildet. Die die „Deutsche Arbeitsfront" nur n o c h Wahl vom 12. November haben sie die k e n d u n d v e r d i e n s t v o l l , e i n jungen Leute bekennen sich ebenfalls zu E i n z e l m i t g l i e d e r haben. Damit M a s k e a b g e w o r f e n . Sie brauchen Uebereinkommen mit Frankreich anden „Zielen des Nationalsozialismus". verschwinden die letzten Spuren der Ge- die gewerkschaftliche Maskerade nicht strebte, hatte er das Volk nicht hinter ElsaßIn B e l g i e n mußte die Regierung ein werkschaften aus dem Unterdrückungs- mehr. Sie verbieten ihren Funktionären sich. Ich habe es hinter mir... gesagt, Lotfarifigers! Ich habe oft genug Uniform-Verbot für politische Verbände system der Despotie. Die Organisation der den Arbeitern von Lohnerhöhungen zu daß wir endgültig darauf verzichten!** erlassen. Die Nazi-Agitation unter dem Leyschen Arbeitsfront war ursprünglich sprechen. Sie zerschlagen die Form der Gespräch mit dem „Matin", 22. Novemflämischen Teil der Bevölkerung hatte auf den Verbänden der freien Gewerk- Verbände, die sie von den früheren Ge- ber 1933. werkschaften übernommen haben. Vom schaften aufgebaut Es hat einen großen und gefi'irlichen Umfang an- jedoch gezeigt, daß worden. völligen sich berufsständischen Aufbau des neuen StaaII. trotz der Begenommen: Es bestand bereits eine regel- herrschung der Verbände durch die natio- tes redet niemand mehr. Der Industrie„Kampf dem S t r e s e man n!... Darechte Kampforganisation, „Graiiliemden"1 nalsozialistischen Leitungen der wirkliche feudalisnius duldet die Deutsche Arbeits- mit (dem Uebereinkommen mit Frankgenannt, ihr Führer ist ein gewisser Se- gewerkschaftliche Geist bei den Mitglie- front nur noch als reine Unterdrückungs- reich) ist alles Maß übergelaufen. Ein veren, bei dem Schriftstücke gefunden dern unausrottbar war und auf die Be- maschine gegen die Arbeiter, er hat ihr Mensch, der an Stresemanns Stelle iür wurden, die enge Beziehungen zwischen herrscher zurückwirkte. selbst die Erzeugung gewerkschaftlicher Frankreich etwas Aehnliches unterschrieben hätte, wäre nach seiner Rückkehr Die Herren der Wirtschaft haben des- Illusionen untersagt. den belgischen Nationalsozialisten und der Nordwest-Sektion der NSDAP, aufdeck- halb die Deutsche Arbeitsfront immer mit Was bleibt den Mitgliedern der Ar- nach Paris w i e e i n H u n d e r s c h l a gen worden!" ten. Geplant war der Bau mehrerer Mißtrauen gesehen, und immer wieder hat beitsfront noch von den Gewerkschaften, „Völkischer Beobachter44, 18. Oktober Staatssekretär Grauert die Ansicht ver- denen sie einst angehört haben? Nur noch „Grauhäuser", die einheitliche Uniformie1925. die Pflicht der Beitragszahlung! rung und die Schaffung einer Propaganda- treten, Zentrale. Die belgischen Behörden haben daß die letzten Reste gewerkschaftDie Arbeitsfront Ist nichts anderes als licher Organisation verschwinden die Einheberin einer zusätzlichen ferner festgestellt, daß die belgischen Namüßten. im zis von der deutschen Bruderpartei nicht Die Deutsche Arbeitsfront ist deshalb auch Steuer der Arbeiterschaft zur Lohnsteuer hinzu! Erwin Günther — in den Tod getrieben! nur mit erheblichen Geldmitteln, sondern schon seit langem von allem Einfluß auf Genösse Erwin G ü n t h e r , der auch mit Waffen und Sprengmitteln ver- die Wirtschaftspolitik und die Sozialpolitik Die Arbeitsfront ermöglicht es ferner schon im Sommer dieses Jahres einmal sorgt worden sind. entkleidet worden. Es ist ein lächerliches der Diktatur, die Arbeiter dauernd unter in Dresden verhalltet war, hat wähIn H o l l a n d wird von Agitations- Mißverhältnis zwischen der Einflußlosig- Aufsicht zu halten. Jetzt sollen sie nach rend einer weiteren Haft am 11. NovemZentren, die sich längs der Grenze befin- keit dieser Organisation und dem Umfang Feierabend auch noch militärisch gedrillt ber im Dresdener Polizeipräsidium seinem den, eine intensive Propaganda betrieben. des Apparates eingetreten. Es ist das werden. Aus dem beruflich gegliederten Leben ein Ende gemacht. Es besteht bereits eine feste Kampforga- gleiche Mißverhältnis, das zwischen den Aufbau nach Gewerkschaften wird nach Günther, ein etwa 30jä'hriger überaus tüchtinisation, deren Führer, ein Hauptmann demagogischen Versprechungen der Na- der Einführung der Einzelmitgliedschaft ger Funktionär und liebenswerter Mensch, war Roselveede, kürzlich erklärte: „Vorläufig tionalsozialisten für die Arbeiter und der der Aufbau einer Armee. Der einzelne Volontär beim Partei-Vorstand, hatte in Bersind wir nur 8000 Mann stark, ich garan- wirklichen Stellung der Arbeiterschaft im Arbeiter wird aus seiner organisations- lin in der Werbeabteilung der Partei mitgearmäßigen Bindung herausgenommen und tiere aber, daß wir spätestens in einem Dritten Reich besteht. Dlie nationalsozialistischen Gewerk- vereinzelt. Vom berufsständischen Geist beitet, war dann in der Provinz als Redakteur halben Jahre mindestens 50.000 Mitglieder an sozialdemokratischen Zeitungen tätig und haben werden!* Diese Nazi-Zentren in scliaftsbürokraten aber — sie sind eine redet niemand mehr — der Geist des Mi- im vorigen Jahre in Kiel Parteisekretär. Holland sind auch die Verbindungsstatio- wirkliche Bürokratie, die die Mitglieder litarismus hat alle berufsständischen IlluNach den uns gewordenen Mitteilungen nen für weiterrcichende wehrpolitische beherrscht! — haben unentwegt die De- sionen verdrängt. Denn die Zerschlagung ist anzunehmen, daß es sich in diesem Falle magogie der Versprechungen, den Arbei- der Verbände legt Zeugnis ab von einem Ziele. terfang mit Vertröstungen auf die Segnun- Geiste, der das ganze Volk nicht für den nicht um einen nur vorgetäuschten Selbsmord • So sieht also das Netz aus, über das gen des Dritten Reiches betrieben. Die Frieden, sondern wie ein e i n z i g e s handelt. Welche Qualen aber den jungen einst so lebenslustigen Mann dazu gebracht haben, die Nazi-Propaganda heute bereits ver- Diktatoren haben dies geduldet, solange H e e r organisieren will. sein Leben mit eigener Hand zu beenden — fügt. Zu den vielen gefährlichen Illusiodarüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. nen, die man sich leider bisher immer Auch dieses kostbare Blut kommt auf das über die Nazi-Gefahr gemacht hat, gehört Haupt der braunen Mörder. auch heute noch die, daß man nicht an den Erfolg einer derartigen Propaganda glauben will. Es ist unbestrittene TatSdmmenzäiiliing am 12. sache, daß die Herren des Dritten Reiches Grüne Uniform für grüne Jungens! Begeisterung für den Volkskanzler Adolf Erst jetzt, nach der Wahl, ist der Umfang ihre Agitations-Stützpunkte im Auslande Bekanntlich hat vor einigen Tagen Hitlers Hitler oder sonst seine Zustimmung zur immer mehr ausbauen. Göbbels, seines des Terrors in allen Teilen des Reiches zu ßöhm bekanntgegeben, daß die SA demnächst Regierungspolitik zum Ausdruck gebracht Obermeisters Blechmundstück, hat vor übersehen, der das „Wahlresultat" am 12. Nohat. Der Stimmzettel ist a u c h d a n n eine neue Uniform von neuem Schnitt und vember bestimmt hat. Wir könnten noch Spaleinigen Wochen in einer Wahlrede gesagt, g ü l t i g , wenn dieser Zusatz als beson- neuer Farbe erhalten soll. Wie aus Berlin beder Nationalsozialismus wolle bewußt ein ten füllen mit derartigen Terrormeldungen, und derer Zettel einem sonst zulässig gekenn- richtet wird, werden die neuen Nazi-Uniformen Export-Artikel sein! Ein anderer von Hit- wir müßten neue Spalten hinzufügen, um die von grüner Farbe sein. Die neuen Uniformen zeichneten Stimmzettel beigefügt ist. lers Paladinen, der Reichsstatthalter Dr. Repressalien zu schildern, die jetzt vielerorts Wie leicht ist es doch, einen Stimmzettel, der SA werden eine Kombination der e n g M e y e r , schmetterte: „Die Deutsche Re- an den Nichtwählern und Neinsagern verübt der ohne Eintragung abgegeben wurde, noch l i s c h e n u n d r u s s i s c h e n Militär-Univolution soll der Welt ein anderes Ge- werden. durch ein kleines Loch schnell gültig zu ma- formen sein: Ueber dem russischen Hemd Nur zwei Beispiele: Vor der Wahl erliesicht geben. Wir wollen neue Menschen ß e n d i e K r u s a u e r K u p f e r - u n d M e s - chen. Und in der Nähe von Leipzig hat man wird ein Jackett getragen. Das Hemd wird formen. Eines Tages wird die deutsche Revolution nicht auf Deutschland be- sin g w e r k e G. m. b. H. eine Bekanntma- Stimmzettel, die mit drei Pfeilen ungültig ge- wie das der r u s s i s c h e n Soldaten meerschränkt bleiben. Wir haben die Brand- chung, in der zur Wahlbeteiligung und zur macht worden waren, als g ü l t i g anerkannt, grün sein, der Jackett-Ausschnitt wie bei der fackeln in alle Staaten der Erde gewor- Abstimmung für die Regierung aufgefordert denn die Kennzeichnung hatte in „Form eines Uniform der e n g l i s c h e n Armee. G ö r i n g hat ja kürzlich gesagt, daß die fen!" Der Oberpri-Mdent der Rheinpro- wurde. Die Regierung werde nur an solche Pfeilstriches" stattgefunden. 0 Um das Bild dieser famosen „freien * Wahl alte SA-Uniform ganz unangemessen» und „auf vinz, Freiherr von L ü n i n c k , sagte in Werke Aufträge vergeben, deren Arbeiterzu vervollständigen, sei noch die a m t l i c h e dem Schlachtfeld ganz unbrauchbar" sei. schaft national gesinnt ist. Aachen: „Noch ist das Werk nicht voll„Es würde dabei einen u n g ü n s t i g e n Mitteilung vermerkt, daß der R e i c h s w a h l - Nun wird sie also auch „auf dem Schlachtfeld endet, daß "im Dritten Reich ein Adler seine Schwingen spannt von Aachen nach E i n d r u c k machen, wenn am kommenden a u s s c h u ß , der am 23. November getagt hat, brauchbar" sein und wird ausgezeichnet zu Wien,.von der burgundischen Pforte bis Sonntag sich unter den abgegebenen Stim- aus dem Reichswahlleiter Dr. Reinhardt und dem Feldgrau der Reichswehr passen. Doch zum deutschen Meer im Fernen Osten, men solche befänden, die ein Mißtrauens- s e c h s v o n d e r N S D A P , b e s t i m m t e n was wird aus dem Horst-Wessel-Lied, in dem von den Alpen zur Küste. Aber das Werk votum oder eine Zurückhaltung gegen die Beisitzern bestand. Da muß das Resultat ja von „Hitlers braunen Bataillonen" gesungen stimmen. wird? wird vollendet!" Noch einer, der Ober- heutige Regierung erkennen ließen. Wir erinnern daher die Einwohnerschaft Nazi und Staatsrat S i m o n in Koblenz, Kupfermühles s c h o n i n i h r e m e i g e n e n plauderte seelenruhig über das Programm seines Führers aus: „So weit die deutsche m a t e r i e l l e n I n t e r e s s e a n i h r e Zunge reicht, so weit deutsches Blut in P f l i c h t." Krusauer Kupfer- und Messingwerke den Adern rollt, so weit reicht das große Ein Beschwerdeführer nach Deutschland Tersdileppt G. m. b. H., W. Becker. Deutschland! Wir begnügen uns nicht mit Vor drei Wochen sind in Danzig die sung nur ein Blatt Papier ist, das sie N a c h der Wahl wurden nach einem Beder Saar. Darüber hinaus reicht die deutsche Zunge. Bis nach Metz und her- richt der Nazipresse in A11 e n s t e i g bei Chefredakteure der Danziger Landes- ungestraft zerreißen darf. Sie hat der Beunter bis nach Mühlhausen. Die Saar, Pforzheim zwei K o m m u n i s t e n , die mit zeitung, K i l i a n , und der Danziger völkerung klar gemacht, daß jeder beElsaß-Lothringen, Oesterreich, Luxem- „Nein" abgestimmt hatten, durch die Straßen Volksstimme, F o o k e n , verhaftet wor- straft wird, der diese Garantie in Anburg, Belgien und die Miederlande sind geführt. Sie trugen ein Plakat mit dem Wort- den, ebenso der Redakteur der Danziger spruch nehmen will, und daß er auf alle einmal deutsch gewesen. Nicht eher laut: „Ich bin ein Volksverräter, ich habe mit Landeszeitung, T e i p e l . Die Redakteure Schutz durch den Völkerbundkommissar wird der Nationalsozialismus und wird „Nein" abgestimmt!" Voran ging ein T r o m m - hatten beim Hohen Völkerbundskommis- nicht rechnen kann. Sie hat die Völkersein Führer ruhen, als das Ziel eines ler der HJ. Die Gruppe, die von der sar für Danzig schriftlich Beschwerde bundsgarantie soweit ausgehöhlt, daß daGroß-Deutschland von 90 Millionen er- S c h u l j u g e n d begleitet war, erregte über- gegen das verfassungswidrige Verbot von nichts mehr übrig ist. ihrer Zeitungen eingelegt. Die Naziregierung hat darüber hinaus all großes Aufsehen. reicht ist!" Die Danziger Verfassung ist vom ihren Erfolg mit einem b e s o n d e r s geder Terror nicht erreichte, das wurde Das genügt den Herrschaften aber a mWasc h nachgeholfen bei der Auszählung V ö l k e r b u n d g a r a n t i e r t — aber m e i n e n S t r e i c h gekrönt. Der Renoch nicht. In der braunen Zeitschrift der t l i Stimmen. Die amtlichen Richtlinien für die nationalsozialistische Regierung in dakteur T e i p e l von der Danziger Lan„Volk im Werden" hieß es vor einigen die Auszählung der Stimmzettel sehen u. a. Danzig p f e i f t a u f d e n V ö l k e r - deszeitung, der Reichsdeutscher ist, wurde Tagen: „Die Stunde ist nicht fern, wo vor: b u n d . Die Verhaftung der Redakteure n i c h t aus der Haft entlassen. Er wurde jeder Deutsche, jeder Mensch deutschen „ G ü l t i g sind Stimmzettel, in denen... war ein Schlag ins Gesicht für den Völ- vielmehr auf r e i c h s d e u t s c h e s G eBlutes, er mag wohnen, wo er will, Adolf kerbund. Eine Antwort von Genf ist auf b i e t nach Maricnburg a b g e s c h o Hitler und dem Nationalsozialismus in der 5. das Kreuz in Form des H a k e n k r e u - diese Provokation rächt erfolgt, ge- ben und dort von den deutschen Behörzes eingetragen ist; gleichen Weise angehört, wie einst jeder schweige denn irgendeine Maßnahme. den sofort v e r h a f t e t . Der UnglückMohammedaner von allen Enden der Welt 6. der Wahlvorschlag durch ein L o c h (an Vielleicht beginnt Ende Januar eine aka- liche wird in irgendeinem KonzentrationsStelle des Kreuzes oder außer diesem) im demische Erörterung der Angelegenheit lager enden. Er wird wahrscheinlich sein dem Kalifen aller Gläubigen!" Stimmzettel gekennzeichnet ist, sofern da- in Genf. Vertrauen zur Autorität des Völkerbundes Es wäre töricht, diese Dinge einfach mit der Wille des Wählers unzweifelhaft Die nationalsozialistische Regierung in mit dem Leben bezahlen. zu belächeln und sie als Ausgeburten einer zum Ausdruck gebracht wird; Danzig hat nun die Chefredakteure KiDie Haltung des Völkerbundes entPsychose abzutun! Noch vor einem Jahr 7. die Kennzeichnung durch einen Hinweis l i a n und F o o k e n aus dem Konzen- spricht der allgemeinen politischen Mentahat man es für unmöglich gehalten, daß in F o r m e i n e s P f e i l s t r i c h s statt- trationslager Weichselmündc entlassen. lität seit dem Januar 1933. Diese Mentaliein Hitler eines Tages deutscher Reichsgefunden hat; Sie hat erreicht, was sie wollte. Sie hat tät läßt sich kennzeichnen durch den kanzler, und daß e<n 65-Millionen-Volk Beute einer Handvoll vorbestrafter Ver- 8. h a n d s c h r i f t l i c h e Z u s ä t z e einge- die Erfahrung gemacht, daß die Völker- Satz: Verträge sind dazu da, nicht getragen sind, durch die der Wähler seine Jbundsgarantie für die Danziger Verfas- halten zu werden» brecher werden könnte!

Die Maske abgeworfen! Siresemann und Hitler
i.

milidie Nachhilfe

Die neue Farbe der SA

Der Skandal von

»ationen, Stände und
Zünftige Verkleidung für modernste Raubwirtschaft
In derselben Zeitungsnummer liest man ist: Preissteigerung der Waren, namentlich' Die Faschisten reden gern und viel der Organisationen, denen sie die Verfolvon dem Generalabkommen, das zwischen der Lebensmittel einerseits, sinkende Löhvon den Korporationen, den Ständen. gung ihrer Ziele gestattet. Freilich, in Italien sind die Faschisten im Nun ging das Ziel der bürgerlichen K o h l e n p r o d u k t i o n und Kohlenhan- ne anderseits. Und das kann auch nicht 11. Jahr ihrer Herrschaft eben erst dabei, wirtschaftlichen Organisationen in der del abgeschlossen wird. Die Kohlenprodu- anders sein bei einem System, dessen Indiese berühmten Korporationen endgültig letzten Phase der kapitalistischen Ent- zenten verpflichten sich, in Zukunft nur halt die A u s d e h n u n g der M o n o zu organisieren, und trotz des großen Ge- wicklung nach größtmöglichster M a r k t - mit den i n d a s R e g i s t e r d e s K o h l e n - p o l w i r t s c h a f t ist, dessen Staatsin dem schreis, in das der Duce selbst mitein- b e h e r r s c h u n g , nach S c h a f f u n g h a n d e l s eingetragenen Firmen Handel macht r ü c k s i c h t s l o s Dienst der k a p i t a l i s t i s c h e n Instimmt, handelt es sich um verdammt we- m o n o p o l i s t i s c h e r M a c h t . Dies zu treiben. So wird ein vollkommenes lüknig Wolle. Im Grunde genommen werden Ziel hatten nicht nur die Großindustriellen kenloses Monopol nicht nur für die Pro- t e r e s s e n steht, während gleichzeitig die bestehenden Organisationen in im Auge, sondern gerade auch die klein- duktion durch das Zwangskartell, sondern jede Gegenwirkung der Arbeiterschaft aufZwangskörperschaften umgewandelt, de- bürgerlichen Schichten. Ihre Innungen, für auch die monopolisierte Produktion für den gehoben ist. Der Ständestaat, der politisch nur die kaum verhüllte Tarnung der naren Leitung entweder von der herrschen- die sie mit immer steigendem Nachdruck Handel geschaffen. Denn Staatsmacht für sich usupiert hat, einge- staatlichen Zwangscharakter forderten, das Register ist gesperrt, das Ent- tionalsozialistischen Parteidiktatur ist, enthüllt sich so ökonomisch als V e r s ö h setzt oder ihr unterstellt wird. waren in der Praxis trotz entgegenstehenstehen neuer Konkurrenz unmöglich. 1 ng u S i n der Der faschistische „Ständestaat" aber der Bestimmungen immer mehr Preis- und Solche „Fachschaften" und „Einheits- n u o ß k a p int d l i s tu mcm e e r u mg t d e n a is h n i ist Lug und Trug; er ist nicht, wie die Konditionenkartelle geworden, zum Teil verbände" werden „im Zuge des ständi- g r m i t t e l s t ä n d l e r i s c h e n Ausbeufaschistischen Staatstheoretiker weiß- mit großem Erfolg. Und ähnliche Tenden- schen Aufbaues" jetzt unaufhörlich gemachen wollen, eine Neuschöpfung des zen verfolgten die Händlerkreise, die eben- schaffen. Sie enthüllen den wirklichen t e r i n t e r e s s e n , Dr. Richard Kern. ständigen Staates des Hochmittelalters, falls auf Ausschluß oder wenigstens Ein- Sinn des „Ständestaates" und die Begeisteeine Verwirklichung einer wahren, organi- schränkung der freien Konkurrenz auf ge- rung, die alle bürgerlichen Schichten für sierten Demokratie, sondern gerade das setzlichem Wege oder mit organisatori- den „Aufbau des korporativen Staates" er- „Die Preise Gegenteil: die E r g ä n z u n g des schen Machtmitteln hindrängten. faßt hat: d i e g a n z e t o t a l e S t a a t s Ley parodiert das Horst-Wessel-LJed. Es ist nun für den sozialen Charakter m a c h t o r g a n i s i e r t d a s k a p i t a staatlichen durch den gesell„Der D e u t s c h e " , das Organ der Deutschaftlichen A b s o l u t i s m u s , der nationalsozialistischen Regierung so l i s t i s c h e M o n o p o l , s i e s i c h e r t eine wahre t o t a l e D e s p o t i e . Denn überaus keimzeichnend, daß sie die Mono- u n d s t e i g e r t d e n P r o f i t a u f schen Arbeitsfront, wendet sich in einem Artikel. der auch von einem Teil der übrigen Im Mittelalter waren die Stände die polbestrebungen der bürgerlichen Organi- K o s t e n d e r K o n s u m e n t e n . selbständigen Träger der Staats- sationen nicht nur frei gewähren läßt, son- ' Zugleich enthüllen diese Vorgänge ge- Presse übernommen wird, gegen Preistreiberei dern ihre eigene Wirtschaftspolitik ganz wisse Illusionen über die „antikapitalisti- und Lohnabbau, um dadurch die Erregung zu macht; dämpfen, die offenbar selbst in dem gefügigdarauf einrichtet. sie waren aus der einmal gegebenen Ge- Kartellgesetz, dasSie hat das vorgefundene sche" Bewegung. Gewiß hat Hitler seine sten NSBO.-Mann die Milch der frommen Dendie sellschaftsordnung heraus organisch ent- Kapitalmonopole durchUeberwachung der Versprechungen gebrochen und den Mittel- kungsart in gärend Drachengift zu verwandeln den standen; die Staatsgewalt war von den durch eine kleine, aber Staat vorsah, stand enttäuscht. Soweit die antikapitali- droht. Dabei ist besonders interessant, daß inhaltschwere stische Bewegung gegen das Großkapital herrschenden Ständen abhängig, wurde Aenderung, die Herr Ley, der als Führer der Deutschen Arvon ihnen gebildet und bis zu einem ge- dem Wirtschaftsminister das Recht in Banken und Industrie gerichtet war und beitsfront allein das Recht in Anspruch nimmt, sich darin mit Tendenzen der Arbeiter- Abweichungen von Tarifverträgen zu gestatwissen Grade kontrolliert, wobei allergibt, Zwangskartelle zu schaffen, dings die Massen des Volkes, die hörigen zu einem ungeheuren wirksamen Antrieb klasse zu berühren schien, ist sie auch ten, sich selbst eines schweren Verstoßes geBauern, entrechtet waren. Aber auch sie zur Kartellierung gemacht. Dies geschah unter nationalsozialistischer Herrschaft gen den Geist der neuen Zeit durch eine Pastanden nicht unmittelbar unter der nicht nur dadurch, daß der Minister die zur Kapitulation gezwungen worden. Aber rcdierung des Horst-Wessel-Liedes, der NatioStaatsgewalt, sondern unter der Gewalt Außenseiter zum Beitritt zwang und da- die Mittelschichten erhalten eine Kompen- nalhymne des Dritten Reiches, schuldig macht. des Standes der Adligen, weshalb es, durch erst das Zusandekornmen des Kar- sation, indem ihnen ebenso wie dem Groß- Er läßt energische Maßnahmen gegen die Elenebengesagt, Unsinn ist, von mittelalter- tells herbeiführte (Papier, Draht, Pappe kapital d e r K o n s u m e n t a u s g e l i e - mente androhen, die sich außerhalb der Volkslichen Zuständen als von demokratischen usw.); bedeutungsvoller ist noch, daß die f e r t wird. gemeinschaft stellen wollen. Geeignete Erziezu sprechen, wie es die Verherrlicher des bloße Drohung, sich an den Minister zu Natürlich bedeutet diese Wirtscharts. hungsmittel seien genügend zur Hand. „Wenn Mrttelalters neuerlich so gerne tun. wenden, namentlich wenn sie von „na- Politik eine fortschreitende Teuerung diese Herren nicht bald Vernunft annehmen, Die mittelalterlichen Stände hatten auch tionalsozialistischen" Industriellen ausge- und selbst in der gleichgeschalteten Presse so würden Exempel statuiert werden. Die Herweltgehende selbständige hoheitliche und sprochen wird, genügt, um den Widerstand häufen sich in auffallender Weise die be- ren könnten dann im Konzentrationslager geVerwalrungsbefugnisse. Auch das Bür- von Außenseitern auszuschalten. So ver-weglichen Klagen. Die wirkliche Macht meinsam das Lied singen: gertum in den mittelalterlichen Städten, in geht denn auch kein Tag mehr, an dem liegt ausschließlich in den Händen der „Die Preise hoch, Kartelle fest geschlossen*. denen es zur Blütezeit kaum ein völlig nicht der Abschluß eines neuen Kartells ge- ,Normalisierer", der K r u p p und T h y sDa Herr Ley und seine Beauftragten sich besitzloses Proletariat gab, übte die Ver- meldet wird. s e n und ihrer Treuhänder. „Eingriffe" in selbst bemühen, den neuen Text für das Horstwaltung sowohl im politischen als naDiese Bewegung beschränkt sich aber die Wirtschaft haben sie streng verboten, Wessel-Lied populär zu machen, dessen Sinmentlich auch in den gewerblichen Ange- durchaus nicht auf die Großindustrie. Im- und sie denken ebensowenig daran, die gen in Deutschland für den gewöhnlichen legenheiten selbständig aus. Das alles be- mer wieder kann man Notizen wie die fol- industriellen Preissteigerungen zu hindern, Sterblichen mit schärfster Strafe bedroht ist, deutete eine außerordentliche S c h w M - ' gende lesen: wie der Darre den agrarischen Einhalt ge- wollen wir ihm bei der Verbreitung des neuen c h e u n d B e s c h r ä n k u n g der mittelIm Zuge der V o r b e r e i t u n g des s t ä n - bieten will. Und dabei ist es gar nicht mal Textes behilflich sein, indem wir wenigstens alterlichen Staatsmacht, ganz das Gegen- d i s c h e n A u f b a u e s und der damit ver- wahr, daß auch nur die Nominallöhne •den ersten Vers vollständig abdrucken: teil eines totalen Staates. bundenen V e r e i n h e i t l i c h u n g d e r i n - gleich geblieben sind. In einer langen „Die Preise hoch, Kartelle fest geschlossen! Die kapitalistische Entwicklung hat d u s t r i e l l e n O r g a n i s a t i o n e n h a t sich Schönfärberei muß sogar die „Frankfur- Das Kapital marschiert mit leisem Schritt, die Stände radikal zerstört. unter Zusammenschluß der bisherigen zentralen ter Zeitung" schließlich zugeben, daß die Die Börsianer sind Parteigenossen, Sie hat durch die Geldwirtschaft erst die Verbände der Wäscheindustrie, des Verban- Löhne bis Februar 1933 ständig gesunken Und für den Sozialismus sorgt Herr Schmitt!" Schaffung der modernen Bürokratie und des deutscher Herrenwäsche-Fabrikanten, des sind. Im Februar 1932 betrug das L o h n Armee ermöglicht; dadurch hat sie im Verbandes deutscher Damenwäsche-Fabrikan- a u f k o m m e n noch 68.17 Millionen geZeitalter des Absolutismus die politische ten, des Verbandes deutscher Fabrikanten von gen 58.60 im Februar 1933. Die T a r i f -Warenhäuser Macht der herrschenden Stände zugunsten Schürzen, Unterkleidern und Kinderbekleidung, l ö h n e zeigten dann aber noch weiter bis unter Nazisdhutz der erst jetzt sich verselbständigenden des Verbandes der Fabrikanten konfektionier- April/Mai s i n k e n d e T e n d e n z . Der Hauptschlager der Naziwerbung unter Staatsmacht gebrochen und ökonomisch ter Weißwaren, Rüschen, Kinderhüte und ver- Soweit das Geständnis. In Wirklichkeit die Stände in Klassen verwandelt. Zur wandter Artikel ein E i n h e i t s v e r b a n d besteht infolge der Ohnmacht der Gewerk- dem Mittelstand war die Forderung nach der Vertretung ihrer Klasseninteressen ha- unter dem Namen Verband der d e u t s c h e n schaften überhaupt nicht die geringste V e r n i c h t n u g der W a r e n h ä u s e r und ben sich die verschiedenen Schichten der W ä s c h e i n d u s t r i e gebildet. Zu seinem Kontrolle über die Einhaltung der Tarif- K o n s u m v e r e i n e . Die Konsumvereine sind kapitalistischen Gesellschaft auf Grund F ü h r e r wurde Dr. Grohmann i. Fa. Schäffer verträge. Es ist sicher, daß das Einkommen zwar gleichgeschaltet worden, aber die neuen der Arbeiterklasse von der Zange erfaßt Männer sehen jetzt ihre Hauptaufgabe darin, der Koalittons- und Versammlungsfreiheit & V o g e l , Bielefeld, gewählt. die Konsumvereine zu erhalten and nachdrückzur Vertretung ihrer Klasseninteressen die lich für die Erhaltung der Mitgliedschaft in den f r e i e n O r g a n i s a t i o n e n geschafKonsumvereinen zu werben. fen, durch die sie auf die wirtschaftlichen Auch der Schlag gegen die W a r e n h ä u Verhältnisse sowohl wie auf die Staatsser ist ausgeblieben; im Gegenteil, Jetzt werden macht ihren Einfluß ausübten. Diese Entdie Warenhäuser dem besonderen Schutz der wicklung hatte mit der Entwicklung der Regierungspartei unterstellt. Der Treuhänder monopolistischen Tendenzen im Hochder Arbeit für das Wirtschaftsgebiet M i t t e l kapitalismus so großen Umfang angenom„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen*. men, daß man mit Recht von dem neuen Dieses Sprichwort ist gleichgeschaltet worden, xistischen „Staatsfeinde" und Qualitätsarbeiter d e u t s c h l a n d hat am 30. September eine weil sie dem brauZeitalter der Organisationen sprechen jetzt heißt es: „Wer nicht kuscht, soll auch zu verzichten, nicht etwa treu ergeben wären, Kundgebung erlassen, in der er zwar feststellt, nen Kapitalistenstaat nicht daß die Stellung der NSDAP zur Warenhauskonnte. nicht arbeiten". Die Leipziger Kreishaupt- sondern weil sie die Entdeckung gemacht ha- frage unverändert sei, aber die Lösung werde Dieser vorhandenen, in ihren politischen mannschaft ist mit einem Erlaß niedergekomdie und gesellschaftlichen Funktionen so be- men, in dem es heißt, aus den öffentlichen und ben, daß allzu hakenkreuzlerischen Parteibuch- zu g e e i g n e t e r Z e i t erfolgen. Ein aktives arbeiter oft ebenso untüchtig wie hitler- Vorgehen zur Stillegung der Warenhäuser sei deutsamen Organisationen bemächtigte lebenswichtigen Betrieben seien in letzter Zeit treu sind. zur Zeit n i c h t g e b o t e n . Allen Gliederungen sich nun die faschistische Staatsmacht. viele marxistische Arbeiter und Angestellte Uns interessiert aber viel mehr die Frage, der Partei werde daher j e d e Aktion gegen die Die „Gleichschaltung" bedeutet nicht etwa entlassen und durch arbeitslose Nationalsozia- wie ein „Gebrandmarkter" durch sein Verhaleine neue Staatsform, die sich auf diese listen ersetzt worden. Die Entlassenen sollten ten nachweisen soll, daß er „in ehrlicher Warenhäuser verboten. Ebenso sind a l l e MaBOrganisationen, die die Faschisten jetzt zu aber nicht dauernd „als Staatsfeinde gebrand- Ueberzeugung...'" usw. Das Armeheben und nahmen, die die Warenhäuser behindern (Auf„Korporationen" ernennen, gründet, die markt und von der Wiedereinstellung fernge- Mitmarschieren genügt sicher nicht, denn wer stellung von schwarzen Listen. Inseratenspene, Staatsmacht wird jetzt nicht zur Exeku- halten werden". W e n n sie s i c h von der da nicht mitmacht, wird ohnehin niederge- Postenstehen vor den Warenhäusern), von j e tive der Organisationen, sondern umge- m a r x i s t i s c h e n G e d a n k e n w e l t a b - schlagen. Also bleiben nur — Spitzeldienste dem zu unterlassen. So endet ein weiterer Traura des Mittelstankehrt, w e n d e n u n d i n a b s e h b a r e r Z e i t für das braune Henkersystem, Kameradenver- des: Warenhäuser unterstehen dem besonderen die früher freien Organisationen wer- d u r c h i h r V e r h a l t e n n a c h w e i s e n , rat, Denunziantentum. Dafür bedanken sich Schutz der Regierungspartei. den in Ausführungsorgane und Werk- d a ß s i e s i c h i n e h r l i c h e r U e b e r - Millionen sozialistischer Arbeiter, Millionen zeuge der Staatsallmacht umgewan- z e u g u n g h i n t e r d i e n a t i o n a l s o z i a - Helden, die Hunger und Mißhandlungen leichdelt l i s t i s c h e R e g i e r u n g s t e l l e n , d a n n ter ertragen als die durch Renegatentum er- Für Juden teurer! Das die wahre Demokratie zu nennen, ist s o l l e u n d k ö n n e i h n e n d i e W i e d e r - kaufte Gnade beamteter Lumpen. Und diese In einigen ostpreußischen Städten wurde geeine P r o p a g a n d a l ü g e , die Göbbels e i n s t e l l u n g i n e i n e a n d e r e , b e s o n - Millionen retten den wahrhaft deutschen Geist mäß Beschluß der städtischen Körperschaften d e r s p r i v a t e A r b e i t s s t e l l e n i c h t in eine stolzere Zeit hinüber. Ginge es frei- seit L April von Jaden ein hundertprozen» dem Mussolini nachspricht. lich nach dem Willen der „deutschen Erneu- tiger Zuschlag m den Gas- und Strom» Die Wirkungsweise der Organisationen v e r w e h r t w e r d e n . Arbeit als Prämie für Wohlverhalten! Frei- erer", der Führer, denen es selbst auf eine gebühren erhoben. Der zuständige Landrat hat hängt also im totalen Staat, solange seine Macht noch unerschüttert ist, ganz von der lich dürften die Privatunternehmer selbst an Gemeinheit, auf einen Verrat mehr oder weni- nun verfügt, daß die von April bis Oktober geRegierung ab. Deren wirklicher Charakter dieser Sinneswandlung der Behörden nicht un- ger niemals angekommen ist — das ganze Volk zahlten Zuschläge den hündischen Einwohnern enthüllt sich in dem Spielraum, den sie den beträchtlich beteiligt sein. Viele von ihnen würde in eine Herde von feigen Sklaven, De- wiedererstattet werden. Die Magistrat* beschlösse wurden annulliert. Organisationen läßt, und in der Auswahl weigern sich seit längerer Zeit, auf die mar- nunzianten und Kriechern verhandelt.

Kusdi clidfi * oder verredke!

Aufgaben des Fliiditlingskominissars
Pässe — Aufenthattsbewilligung — Arbehsmöglidikeit — Unterstützung

In den nächsten Tagen wird zum ersten barischen Methoden des Nationalsozialismus zu Bisher ist alle Arbeitsvermittlung EinzelMale der Verwaltungsrat, der dem „Völker- sein. arbeit gewesen ohne größeren Plan. Der Kombundskommissar zur Hilfe für die jüdischen und Erfreulicherweise besteht in allen Kreisen, missar kann als Mittelpunkt der Flüchtlingsfüranderen Flüchtlinge aus Deutschland"4 beigege- die mit der Flüchtlingsfürsorge befaßt sind, sorge alle Arbeit planmäßig zusammenfassen. ben ist und der aus Regierungsvertretern be- eine einheitliche Auffassung darüber, daß nur Vor allen Dingen kann er als Völkerbundskomsteht, zusammentreten. Er wird erörtern, Unterstützung gewähren die schlechteste und missar mit den Regierungen über die welche Aufgaben der Kommissar hat und wie auch die teuerste Hilfe ist, es sei denn, daß Aufenthaltsbewilligungen und Paßfragen sie zu lösen sind. Er wird sich auch mit der wegen Alters oder Krankheit des Flüchtlings verhandeln. Für die Arbeitsbeschaffung muß Frage beschäftigen, ob dem Kommissar ein andere Hilfsmöglichkeiten nicht gegeben sind. er zunächst Zahl, Alter und Berufsfähigkeiten Beirat zur Seite gestellt werden soll aus den Nur Arbeit und Eingliederung in andere Völker der Flüchtlinge möglichst genau feststellen. Organisationen, die sich mit der Flüchtlings- kann dem Flüchtling wirklich helfen und die Gleichzeitig wird er die Aufnahmefähigkeit von hilfe befassen, etwa ergänzt aus Vertretern der betroffenen Länder und Organisationen auf die P a l ä s t i n a , ferner die der übrigen Länder Flüchtlinge. und der Kolonien für Ansiedlung und für die Dauer von ihrer Aufgabe befreien. Bisher ist die Flüchtlingsfürsorge von pri- Aufnahme in akademische und freie Berufe erSchon jetzt sind nach vorliegenden Schätvaten Organisationen geleistet worden. Man mitteln müssen. Er wird nachzuforschen hazungen muß dabei unterscheiden zwischen solchen, zu ben, wo in der Welt Techniker und Facharbei65.000 Deutsche ausgewandert, unter denen sich die Flüchtlinge als zugehörig be- ter ein Unterkommen finden. Man kann sich Ihnen etwa 5000, die Deutschland betrachten, auch wenn sie bisher der entspre- denken, daß der Kommissar Kolonisierung und sonders deshalb verlassen mußte«, chenden Organisation eines anderen Landes Ansiedlung selber durchführen wird, die Paläwell sie Anhänger der sozialdemokraangehört haben, wie die Parteien der soziali- stinafrage den zionistischen Organisationen, die tischen Partei, des Reichsbanners stischen Internationale und die dem Internatio- Arbeitsvermittlungen im einzelnen anderen oder der Freien Gewerkschaften nalen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Hilfsorganisationen überläßt. Er selbst wird waren. freien Gewerkschaften, die Liga für Menschen- mit der deutschen Regierung verhandeln müsUnter den 65.000 Flüchtlingen sind möglicher- rechte, die Rote Hilfe, die jüdischen Gemein- s e n wegen F r e i g a b e d e r V e r m ö g e n , weise 8000 bis 10.000 Juden polnischer Staats- den und Hilfsorganisationen, darunter auch die die die Flüchtlinge in Deutschland zurückgeangehörigkeit, die nach Polen geflohen sind. zionistischen. Dazu kommen dann die Organi- lassen haben. Die Zahl der Auswanderer wächst noch täg-sationen, die ihre Arbeit als Fürsorgewerk leiDabei wird der Kommissar nicht vergessen lich und wird weiter wachsen. Preußen z. B. sten, das sind besonders die Quäker und das dürfen, daß und die preußischen Gemeinden haben ja orst Internationale Komitee für die Vermittlung von* das Vermögen der ausgewanderten Arbeizum ersten Oktober die Hauptentlassunpen Intellektuellen mit dem Hauptsitz in Genf und ter und Angestellten nach dem Beamtengesetz durchgeführt, so daß Zwcigorganisationen in anderen Ländern. Zwi- nicht in Kapitalien besteht, höchstens hat der die Arbeiter und Angestellten erst jetzt, die schen beiden stehen in ihrer Art die verschie- eine und der andere ein Sparkassenbuch bei Beamten erst am 1. Jänner 1934 mittellos wer- denen Akademiker- und Studentenhilfsorganisa- der kommunalen Sparkasse oder dem Konsumden. Andere zehren ihre Ersparnisse noch in tionen. Die bisher geleistete Arbeit be- verein. Diese kleinen Kapitalien dürfen ebenso Deutschland auf, jeden Tag auf Aenderung der stand in Unterstützung und Arbeitsvermittlung. wenig vernachlässigt werden, wie die größeZustände hoffend. Ein neuer Strom von Flücht- Die so/laifstlscben Parteien nnd dl© freien ren. Der Kommissar muß wissen, daß die lingen würde sich ins Ausland ergießen, wenn Gewerkschaften haben bisfeer etwa eine eigentlichen Sparguthaben dieser Menschen ihre die Konzentrationslager geöffnet werden soll- Million RM. für die deutschen Flüchtlinge Ansprüche an die S o z i a l v e r s i c h e r u n g , ten. D e u t s c h l a n d e n t l e d i g t s i c h ausgegeben bei den früheren Angestellten von Partei und e i n e s T e i l e s s e i n e r A r b e i t s l o s e n - und sie mit Barmitteln oder auch Wohnung, Gewerkschaften ihre Ansprüche daneben auch k o s t e n d u r c h A b s c h i e b u n g v o n Beköstigung und Bekleidung unterstützt, ihnen an die Unterstützungsvereinigung für die ArDeutschen ins Ausland. zum Teil auch Arbeit vermittelt. beiter und Angestellten der modernen ArbeiterDie deutschen Auswanderer sind im GegenEs ist ein weit verbreiteter Irrtum, wenn bewegung sind. Zum Teil werden auch Ansatz zu den griechischen und armenischen angenommen wird, der Völkerbund habe dem sprüche an die Konsumvereine vorliegen. Bauern, mit deren Unterbringung der Völker- Kommissar Geld zur Verfügung gestellt. Das Dem Kommissar ist eine Aufgabe gestellt, bund schon einmal befaßt war, zum größtenist nicht der Fall, er ist für die Mittelbeschaf- die Liebe zum Menschen und zur Menschheit Teil S t ä d t e r , nach Können und Lebenshal- fung auf private Organisationen und Geldgeber erfordert, echte internationale und humane Getung nicht ohne weiteres für Ansiedlung und angewiesen. Schon aus diesem Grunde wird sinnung. Sind er und die Welt zu ihr fähig, Kolonisierung geeignet. Sie kommen im Ge- er diese Organisationen zur Mitarbeit heran- dann wird aus dem Flüchtlingswerk auch Hilfe gensatz zu den russischen Emigranten in einer ziehen müssen. Er wird mit ihnen einen Plan entstehen können für all die Menschen, die i n Zeit allgemeiner tiefster wirtschaftlicher De- zur Erschließung von Geldquellen und zur D e u t s c h l a n d körperlich und seelisch leipression in die Fremde. Zudem wefden die systematischen Verwendung der vorhandenen den, weil sie dort hungern müssen und verJuden wegen des auch In manchen anderen Mittel aufstellen müssen. folgt werden. Ländern bestehenden Antisemitismus, die „Marxisten" wegen der mancherorts bestehenden Abneigung gegen den Sozialismus nickt überall unterzubringen sein. Nur ein Teil der Flüchtlinge hat mit Deutschland gebrochen und zieht gern nach Palästina oder würde gern sonstwo seßhaft werden. Der andere hängt an der Heimat und will auf die Möglichkeit zur Rückkehr irgendwo warten. Ihm erscheint es unmöglich, daß Deutschland lange im gegenwärtigen Zustand verharrt. Zu diesen gehören auch viele der sozialdemokratischen FlüchtAus O s t p r e u ß e n wird uns geschrieben: ten der ostpreußischen Landwirtschaftskammer linge, die nichts so wünschen, als wieder auf Die gleichgeschaltete „Frankfurter Zeitung" gemacht. Als er selber Oberpräsident wurde, ihrem Heimatboden für ihre Ideen kämpfen zu brachte kürzlich (am 19. Nov.) eine begei- machte er denselben Bethke auch noch zum können. sterte Schilderung ihres Berliner Korrespon- Vizepräsidenten des Oberpräsidiums, also zu Die Lösung der dem Flüchtlingskommissar denten R. K. aus Königsberg. Da konnte man seinem Stellvertreter in den staatlichen Beamgestellten Aufgabe ist dennoch nur möglich lesen, daß sich in der nationalsozialistischen tenfunktionen. Aber das Doppelverdienertum nach den Grundsätzen, nach denen jede mo- Bewegung unter Führung des ostpreußischen des so schnell avancierten Assessors dauerte derne Fürsorge zu arbeiten hat, nämlich durch Gauleiters K o c h geradezu eine „Königsberger nicht lange. Der Reichsbauernführer und ErVerhütung der Hilfsbedfirftigkeit, Heilung der Richtung" herausbilde, die w e i t s c h a u e n d e nährungsminister D a r r 6 (der einmal ein kleiHilfsbedürftigkeit und Versorgung derer, die O s t p o l i t i k zu treiben beginne: Mit starker ner Angestellter der Königsberger Landwirtnicht mehr zu heilen sind. Es mag sonderbar Industrialisierung der Provinz und allerdings schaftskammer war, aber bald wegen völliger klingen, wenn wir zu den Aufgaben des Kom- weniger energischer Siedlungspolitik richte Unfähigkeit entlassen wurde), schaltete die missars auch die der Verhütung der Armut sich Ostpreußen darauf ein, die deutsche Kaminern nochmals um und ernannte den Nazirechnen, denn er sitzt in Genf, sein Arm reicht Brücke nach Osteuropa zu bilden, mit des- Bauernführer Otto-Rosenau zürn Führer der nicht nach Berlin, wo die Politik der Aus- sen slavischen Völkern, Russen und Polen, die umgeformten Kammer. stoßung von Volksgenossen betrieben wird. Deutschen um ihrer Zukunftsaussichten willen Als der Kammerpräsident Bethke Aber er wird ohnehin mit der deutschen Re- sich gut stellen müßten. seines Amtes so enthoben werden sollte, gierung verhandeln müssen. Er kann sich auf Der Lobgesang auf Koch und „seine" Ideen ließ er als V i z e Präsident Beilike den Riden Standpunkt stellen, daß er dabei sehr be- hat in Ostpreußen nur stille Heiterkeit ausge- valen kurzerhand v e r h a f t e n , und Göhutsam vorgehen muß, urn alles zu vermeiden, löst. Hier kennt man den „Steger der ost- ring selbst mußte aus Berlin geflogen kom- Herausgeber: Ernst Sattler, Karlsbad. Verantwas die Haltung der deutschen Regierung ge- preußischen Arbeitsschlacht" aus der Nähe men, um Bethke zur Freigabe seines Ge- wortlicher Redakteur: Wenzel Hörn, Karlsbad. Druck: „Graphia". Karlsbad. gen Genf versteift. A u g e n b l i c k l i c h ist besser und kennt auch seine Methoden, für sich fangenen zu bewegen! Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. d i e m a ß g e b e n d e G e n f e r B ü r o k r a - selbst Reklame zu machen — damit hinter der t i e f ü r L e i s e t r e t e n . D e r Kommissar Reklame seine Bereicherungsmethoden ver- Schon vorher hatte es zwischen Landwirtschaft und Gauleitung der NSDAP, schwere würde seinem eigenen Werk den allergrößten schwinden. Konflikte gegeben. Pg. Bethke hatte die ZeiDienet erweisen, wenn er vor der Welt und Hier sind die aus der Statistik fort, tung der Landwirtschaftskammer, „Georgine", Eecenüber der deutschen Regierung gegen ein eskamotierten Arbeitslosen — auch die nicht mehr bei der deutschnationalen Zeitungs- S. APATCHEWSKY Erstklassige Ausführung System Stellung nimmt, das Hunderttausende nationalsozialistischen — noch sehr sieht, druckerei drucken lassen, sondern den Druck Erstklassige; Ausfall Sprechstunde nachm. wegen ihrer Rasse oder Gesinnung mittellos bar, und der Gauleiter und Oberpräsident, an die der Nazis vergeben, bei der Gauleiter nmg — Spricht deut-d Spricht deutsch in die Fremde treibt. und englisch Staatsrat und Reichstagsabgeordnete Erich Koch — Teilhaber ist. Wie er Teilhaber wurde, ^6, rue Doudeauville Die Auswanderung kann nur aufhören, Koch, ursprünglich ein herausgeschmisse- und wie die Gründung der Nazizeitung erfolgte, 24, A v. Friedeland Paris (18e) Paris (8e) wenn in Deutschland Boykott und Entzug ner Eisenbahnassistent aus Elberfelcl, ist wieder eine andere schmutzige Geschichte. Metro (Untergrundbahn): des Rechts auf Arbeit oder Unterstützung, erfreut sich keineswegs großer Beliebt- Das hatte viel böses Blut gemacht, und der Fernsprecher: Cnrnot Chäteau - Rouge Diskriminierung, Diffamierung, blutige Ver- heit, am wenigsten bei der SA., die in damals noch nicht ausgeschaltete Landwirt- 38-13 — Metro: Etoile folgungen und Drohungen mit Gefängnis offenem Gegensatz zur Gauleitung der schaftsverband hatte als Konkurrenzunternehnnd Konzentrationslager wegen Aeußerung Partei steht men gegen die „Georgine'* ein neues Organ, von Gesinnung aufhören. Die Konflikte innerhalb des Nationalsozialis- „Dahlie4*, aufgemacht. Je geringer die Auswanderung ist, je eher kann mus in Ostpreußen und seiner Hauptstadt sind Jetzt kam der Gegenschlag gegen Kochs (Montessori - System) den Ausgewanderten geholfen werden. Die gerade in diesen Tagen wieder einmal an die Geschäftspraktiken, und er kam offenbar unPrag II., Urania, KliAufgabe des Kommissars ist ein Werk der breiteste OeffentKchkeit gekommen, so daß die erwartet: Der Landesbauernführer O t t o für den mentskä 4. KleinkinderMenschlichkeit Er gibt ihm erst die wahre Feststellung einer „Königsberger Richtung" stellte die vordem deutschnationale „0 s tNeuen Würde, wenn er sich nicht darauf beschränkt, wie Hohn wirkt. p r e u ß i s c h e Z e i t u n g * * , das alte Agrarierbcsohäftigung und franKoch hatte einen nationalsozialistischen blatt, auf nationalsozialistischen Kurs um und den Auswanderern zu helfen, sondern der AnVorwärts! zösische Kindersprachwalt der Menschlichkeit gegenüber den bar- Assessor namens Dr. B e t h k e zum Präsiden- erklärte es zur amtlichen Tageszeitung der cercles. Anfragen 9—12.

Die Geschäfte des Oberprasidenteii Kodi

Landesbauernschaft! Die erste Nummer naüf der neuen Flagge brachte Glückwunsch- und Geleitworte von Minister Darre", Staatssekretär Willikens, dem Bauernführer Meinberg, dem obersten SA.-Führer Ostpreußens, Kob, dem höchsten SS.-Führer der Provinz, Lorenz, der es besonders begrüßt, daß ein eigenes Organ für die g e m e i n s a m e n Interessen der ost* preußischen S A . u n d d e r B a u e r n s c h a f t geschaffen würde! Am nächsten Tage bereits kam eine geharnischte Erklärung der wutschnaubenden Gauleitung heraus, wonach die „Ostpreußische Zeitung" „ohne die Genehmigung des für die Provinz Ostpreußen politisch allein verantwortlichen Gauleiters im nationalsozialistischen Gewand erschienen** wäre, aber durchaus k e i n amtliches Organ wäre. Noch energischer schrieb dann Koch m seinem — diesmal ist es wirklich s e i n — Blatt, „daß die als amtliches nationalsozialistisches Nachrichtenblatt getarnte „OstpreuBische Zeitung**, die ohne mein Wissen in neuer Form erschienen ist, nichts, aber auch gar nichts mit der NSDAP., Gau Ostpreußen, zu tun hat. Ich rücke hiermit in aller Oeffentlichkeit und für immer sowohl von diesem Presseerzeugnis als von der Art und Welse seines Kampfes anf das entschiedenste ab. Ich warne heute and für alle Zukunft jeden vor dem Versuch, die einheitliche, vom Führer angeordnete politische Linie zu durch« kreuzen oder durch „Vertretung von besonderen Standpunkten abzubiegen".** Besonders war es Herrn Koch an die Nieten gegangen, daß die neue Nazizeitung betont hatte, es solle „weder blinde Unterwerfung, noch unwürdige Kriecherei" mehr vorherrschen und das Blatt werde „auch dort pflichtgemäß offene Kritik üben, wo wir den verantwortlichen Stellen Fehler und Mißgriffe zu zeigen verpflichtet sind.*4 In diesem liebenswürdigen Kampf der neuen „Führer'* untereinander ist nun Herr Koch von oben her unsanft fallen gelassen worden. D a r r e ist auf Seiten der Rebellen gegen Kochs Allmacht, und der Pressechef des Reichsernährungsministeriums erklärt jetzt offen gegen Koch: „Hiermit erkläre ich, daß Ich diö Uebernahme der „Ostpreußischen Zeitung" durch die Landesbauernschaft begrüße... Es ist zu begrüßen, daß nun auch In Ostpreußen eine Bauernzeitung besteht... Der Charakter einer Tageszeitung wird von den Männern bestimmt, die hinter der Zeitung stehen und die der Zeitung Ihr Gepräge und ihr Gesicht geben. Die „Ostpreußische Zeltung" ist nicht das Eigentum einer Clique oder einer Einzelpersönlichkeit, sondern Eigentum des im Reichsnährstand geeinten ostpreußischen Bauern« turas." Die letzten Sätze zielen ganz unmißverständlich gegen Koch persönlich, der mit zwei früheren Viehhändlern namens Kaspereit, Inhaber des nationalsozialistischen Zeitungsverlages äst und schon früher stets betont hatte! „Meine Redakteure schreiben, was ich bestimme!'* Der Herr Oberpräsident fühlte sein privates Nebeneinkommen aus „seiner" Zeitung bedroht — daher der Konflikt. Man täte den Herren zu viel Ehre an, wenn man hinter ihren Gegensätzen nach marxistischer Methode wirtschaftliche und soziale Interessenkämpfe suchen wollte. Die spielen nur zum kleinsten Teil hinein. In der Hauptsache sind e s d i e R i v a l i t ä t e n d e r s i e g r e i c h e n L a n d s k n e c h t f ü h r e r, die sich hier zufällig einmal deutlich und öffentlich zeigen, während sie in hundert ähnlichen Fällen hinter den Kulissen ausgetragen werden. In Ostpreußen wird dieser Kampf der Nazis untereinander mit großer Aufmerksamkeit von Freund und Feind verfolgt. Wir zweifeln nicht, daß sich all das eines Tages auswirken wird. Wir warten auf den Tag.