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08.05.02

Nr. 105

Seite 47

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Teil 01

Seit 22 Jahren im Auftrag Gottes
Fritz Schmid – der neue Chef der Zürcher Heilsarmee
An Auffahrt findet traditionsgemäss der Jahreskongress der Schweizer Heilsarmee im Kongresshaus Zürich statt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto «Auf zu neuen Horizonten». Dies gilt auch für Fritz Schmid: Nach 22 Jahren im Dienst der Heilsarmee wird er Ende Juni Chef der Division Zürich.
luc. Fritz Schmid trägt eine prachtvolle Uniform und dazu die Bezeichnung «Divisionschef». Trotzdem sieht der 49-Jährige gar nicht aus wie ein hochrangiger Militär. Er spricht leise, überlegt, ohne zackigen Befehlston. Denn Fritz Schmid arbeitet seit 22 Jahren für jene Armee, die eigentlich gar keine ist: für die Heilsarmee, das internationale christliche Hilfswerk, das an Auffahrt seinen jährlichen Kongress und Umzug in Zürich durchführt. Ende Juni folgt für Schmid ein Karrieresprung: Er wird Chef der Division Zürich, einer der sechs Divisionen, in welche die Schweizer Heilsarmee aufgeteilt ist. Führen von Wohnheimen, Kinderheimen, Beratungsstellen, geschützten Werkstätten und Brockenhäusern. Diese «Brockis» sind laut Schmid eine wichtige Einnahmequelle. Im Übrigen finanziert sich die Heilsarmee durch ihre Mitgliederbeiträge, private Spenden und Zuwendungen der öffentlichen Hand für einzelne Einrichtungen.

Aus Liebe zu Gott
Im politischen Bereich ist die Heilsarmee zurückhaltend. Während viele christliche Organisationen ihre Meinung zur Abstimmung über die Fristenregelung am 2. Juni kundgetan haben, erteilte die Heilsarmee keine Stimmempfehlung. Zwar seien die gesellschaftlichen Verhältnisse auf der Welt teilweise stossend, gibt Schmid zu, er rege sich auch darüber auf, wie egoistisch die Menschen seien. Doch politisch Einfluss zu nehmen, sei nicht Sache der Heilsarmee. Sie beschränkt sich auf Hilfeleistungen und die Vermittlung der «Liebe Gottes». Fritz Schmid erwähnt sie im Gespräch mehrmals als persönlichen Antrieb, aber auch als Grundgedanken für die Heilsarmee. Aber auch wenn man Hilfesuchende auf Gott hinzuweisen versuche, «viele Leute gewinnt man nicht für den Glauben». Dies sei aber kein Grund zur Resignation. «Das Resultat muss man Gott überlassen.» Die Heilsarmee erfülle nur ihren Auftrag, «aus Liebe zu Gott», sagt Fritz Schmid, sehr überzeugt.

«Hand anlegen»
Er habe eine christliche Erziehung im Berner Oberland genossen, sagt Schmid. Als 20-Jähriger auf der Suche nach dem Lebenssinn beschloss er, sich Gott zur Verfügung zu stellen. Zur Heilsarmee ging er, weil er nicht nur predigen, sondern auch «Hand anlegen» wollte. Er habe schon immer eine soziale Ader gehabt, sagt er mit einem leisen Lächeln, das habe auch sein Chef bei der Post gesagt, wo er früher gearbeitet hatte. Nach sieben Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Heilsarmee wurde er Gemeindeleiter in Horgen. Es folgten Huttwil, Liestal und zuletzt Thun, wo er überall die Gemeinden der Heilsarmee leitete, immer zusammen mit seiner Frau. Das sei üblich so, sagt Schmid – seine Frau und er teilen sich die Arbeit und beziehen einen Ehepaarlohn. Fritz Schmid legt Wert auf die «ganzheitliche» Arbeitsweise der Heilsarmee. Es sei nicht getan mit einem Dach über dem Kopf oder etwas zu essen. «Es muss auch von innen heraus eine Veränderung kommen», ist er überzeugt. Seit der Gründung der Heilsarmee in England im Jahre 1865 sei es ihr Grundgedanke, materielle Hilfe gepaart mit geistlichem Beistand anzubieten. Aus diesem Gedanken entstand das Motto «Suppe, Seife, Seelenheil», das Schmid mehrmals anführt. Die Heilsarmee sei für Hilfeleistungen immer da, sagt er, sie habe keine Bürozeiten. «Das ist wie beim Touringclub», meint Schmid, «wenn es sich um einen Notfall handelt, sind wir zur Stelle.»

Markenzeichen Uniform
Angesprochen auf das militärische Vokabular und Auftreten der Heilsarmee, räumt Schmid ein, dass es hier oft Missverständnisse gebe. Gemeint sei der Krieg gegen Satan und das Böse. «Da kann man nicht spazieren, sondern muss wirklich kämpfen», betont er. Allerdings führe die Heilsarmee ihren Kampf nicht mit Waffen, sondern mit Liebe. «Es ist unsere Aufgabe, die frohe Botschaft des Evangeliums den Menschen zu predigen.» Und die Uniformen seien halt inzwischen ein Markenzeichen geworden. Er werde oft angesprochen und um Hilfe gebeten, sagt Schmid, denn eine Uniform sei ein Zeichen für Seriosität. Und: «Die Leute erkennen dank den Uniformen, dass wir an Gott glauben.» Insgesamt 160 Personen arbeiten in der Division Zürich vollamtlich für die Heilsarmee; auf etwa 600 schätzt Schmid die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer, der sogenannten Salutisten. Die soziale Arbeit der Heilsarmee umfasst hier das