nzz

20.11.04

Nr. 272

Seite 59

zh

Teil 01

Testlauf für die elektronische Wahl
E-Voting-Pilotprojekt an der Universität Zürich
Ab kommendem Montag können die Studierenden der Universität Zürich ihre politische Vertretung, den Studierendenrat, erstmals per Internet oder Mobiltelefon wählen. Der Kanton testet damit sein E-Voting-System. An der Universität erhofft man sich von der Neuerung eine Erhöhung der Wahlbeteiligung.
luc. Jedes Jahr sind die knapp 24 000 Studierenden der Universität Zürich aufgerufen, ihre universitätspolitische Vertretung, den Studierendenrat (Stura), zu wählen. Am kommenden Montag beginnt die Wahlfrist, die noch bis zum 10. Dezember dauert. Im Rahmen eines kantonalen Pilotprojektes kann dabei erstmals auch per Internet oder Mobiltelefon gewählt werden. Das Statistische Amt des Kantons testet damit ein System, das ab nächstem Jahr elektronisches Wählen und Abstimmen auch auf kantonaler Ebene ermöglichen soll. einen Einfluss auf den weiteren Verlauf des kantonalen E-Voting-Projektes haben, das im Moment von verschiedenen Seiten kritisiert wird (NZZ 15. 9. 04). Offen ist auch, ob das E-Voting bei den Stura-Wahlen institutionalisiert werden soll. David Knöri vom Statistischen Amt versichert aber, man werde Hand bieten zu einer Fortsetzung, falls von Seiten der Studierenden Interesse daran bestehe.
www.stura.unizh.ch

Mehrstufiges Prozedere
Die Stura-Wahlen eignen sich für den Test, weil sie ähnlich ablaufen wie Nationalrats- oder Kantonsratswahlen (siehe Kasten). Studierende seien zudem gegenüber neuen Technologien aufgeschlossen und bereits im Umgang damit geübt, sagt Ulla Blume, die Präsidentin des Stura. Für David Knöri und Elisabeth Prader, die beim Statistischen Amt für das E-Voting-Projekt zuständig sind, bot sich der Versuch an der Universität auch deshalb an, weil auf kantonaler Ebene keine Wahlen anstehen, bei denen das System zum Einsatz kommen könnte. Die elektronische Stimmabgabe erfordert ein mehrstufiges Prozedere: Während bisher jeweils mit einem Stempel auf der Legi-Marke die doppelte Stimmabgabe verhindert wurde, erhielten dieses Jahr alle Studierenden einen persönlichen Stimmrechtsausweis zugeschickt. Darauf befinden sich zwei Identifikationsnummern. Wer elektronisch – also im Internet oder per SMS – wählt, muss nacheinander diese beiden Nummern und sein Geburtsdatum eingeben, um eine gültige Stimme abgeben zu können. Weil auch die Urnenwahl möglich ist, sind die Ausweise zudem mit einem Strichcode ausgestattet, mittels welchem beim Urnengang festgestellt werden kann, ob die betreffende Person bereits gewählt hat oder nicht. Sämtliche Daten werden auf kantonseigenen Servern gespeichert, die streng gesichert sind. «Wenn die Sicherheit für den Kanton genügt, sollte sie auch für den Stura reichen», ist Elisabeth Prader überzeugt.

Hoffen auf höhere Wahlbeteiligung
Vom Einsatz der elektronischen Wahlmöglichkeiten erhofft sich Ulla Blume auch eine höhere Wahlbeteiligung. In den letzten Jahren schwankte diese zwischen 5 und 13 Prozent. Mit einer Wahlzeitung, die zusammen mit dem Stimmrechtsausweis allen Studierenden zugeschickt wird, und mit Plakaten an der Universität wird nun auf die Möglichkeit der elektronischen Wahl aufmerksam gemacht. Finanziell unterstützt wurden diese Informationsmittel auch von der Firma Unisys, die das E-Voting-System im Auftrag des Kantons aufgebaut hat. Man habe aber bewusst auf eine breite Werbekampagne verzichtet, weil man den Erfolg des Systems unverfälscht testen wolle, sagt Thomas Hügli, der Pressesprecher von Unisys. Ob E-Voting der (uni)politischen Abstinenz der Zürcher Studierenden entgegenwirken kann, werden die kommenden Wochen zeigen. Die Ergebnisse des Pilotprojektes werden wohl auch