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BürgerUnion

für Südtirol

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Pressekonferenz + O-Ton: Familiengesetz in der ersten Märzwoche im Landtag: Familiengesetzentwurf der Landesregierung ist Wahlkampfbluff und Kinderabschiebegesetz BürgerUnion fordert Recht des Kindes auf Betreuung in der Familie und schlägt Rettungsschirm für die Familien vor

Grundsätzliches ................................................................................................................................... 1

Inhalt

Anhörungen ........................................................................................................................................... 3 Arbeiten im Gesetzgebungsausschuss des Landtages ........................................................ 4 Einige von der BürgerUnion im Ausschuss eingebrachte Änderungsanträge ......... 4 Die Situation der Familien............................................................................................................... 5 Derzeitige Diskussion in Deutschland ....................................................................................... 7 Südtiroler Rettungsschirm und die Zukunftssicherung für die Familien:.................. 7 Einige weitere Vorschläge aus den Familienkonferenzen der BürgerUnion ............ 8 Abschließende Bemerkung .......................................................................................................... 11

Grundsätzliches
Die BürgerUnion bezeichnet den Familiengesetzentwurf der Landesregierung, der in der ersten Märzwoche im Plenum des Landtages behandelt wird, als inhaltslosen Wahlkampfbluff der SVP und als Kinderabschiebegesetz. Das Recht des Kindes auf Betreuung in der Familie wird im Gesetzentwurf der SVP ebenso missachtet wie die Wahlfreiheit der Eltern. 1

Der Landesgesetzentwurf Nr. 157/12 ist ein Gesetzentwurf der den Familien in Südtirol weder mehr finanzielle oder strukturelle Leistungen noch eine Zukunftssicherung im Sinne von konkreten Förderungs- und Unterstützungsmaßnahmen bringt. Ein Familiengesetz müsste als unabdingbare Voraussetzungen beinhalten:
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Das gesetzliche Recht des Kindes auf Betreuung in der Familie und das Elternrecht für die Eltern, der Betreuung in der Familie muss der Vorrang eingeräumt werden. Ein monatliches Betreuungsgeld, welches Eltern in die Lage versetzt, ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause zu betreuen, wenn sie dies wollen, ein Betreuungsgeld in mindestens derselben Höhe, wie die Kosten für die öffentliche Hand für einen Kinderbetreuungsplatz. Konkrete Unterstützungsmaßnahmen für die Elternrente, das heißt für die Beitragseinzahlungen für die Rentenabsicherung auch während der Erziehungsjahre. Die Anerkennung der Familienarbeit. Konkrete Maßnahmen für die echte Wahlfreiheit von Eltern.

Der Gesetzentwurf ist eine Ansammlung von Plattitüden und allgemeinen Aussagen und Verweisen auf bereits bislang bestehende gesetzliche Regelungen und andere Gesetze. Der Gesetzentwurf ist in dieser Form für Südtirols Familien nutzlos, sollte in dieser Form nicht vom Landtag verabschiedet werden, sondern nochmals völlig neu überdacht und mit konkreten Maßnahmen neu erstellt werden. Der Gesetzentwurf ist nicht einmal ein Rahmengesetz, wie vielfach kritisiert, sondern ein in Gesetzesform eingebrachter Beschlussantrag oder in Gesetzesform eingebrachte Willensbekundung. Es fehlen konkrete Zahlen und Beträge, es fehlen neue Inhalte zur Unterstützung der Familien. Familien, insbesondere junge Familien oder junge Paare, die vor der Familiengründung stehen, fehlen im vorliegenden Gesetzentwurf konkrete Maßnahmen, Zahlen und Fakten, um diese in ihre mittel- und langfristigen Planungen einzubauen. Der Gesetzentwurf ist zu sehr auf die Fremdbetreuung der Kinder ausgerichtet. Den Kindern werden regelrecht die Eltern genommen. Die Wahlfreiheit der Eltern zwischen Berufstätigkeit und Betreuung der Kleinkinder in der Familie wird mit dem Familiengesetz der Landesregierung auf keinen Fall garantiert. Vielmehr setzt die Landesregierung vorwiegend auf Betreuungsanstalten als auf Kinderbetreuung in der Familie. Als ansatzweise positiv zu bewerten ist die Bestimmung, dass Kinder erst ab sechs Monaten in Betreuungseinrichtungen betreut werden dürfen, allerdings wird dieser Umstand wieder von der Ausnahmebestimmung im Artikel 17 relativiert. Somit ist vorherzusehen, dass die Ausnahmebestimmung zur Regel werden wird und auch wieder Kleinstkinder ab 3 Monaten betreut werden dürfen. Diese Ausnahmeregelung sollte gestrichten werden oder - wenn überhaupt – nur auf wirkliche Ausnahmesituationen und für die Betreuung durch Tagesmütter beschränkt werden. 2

Die Landesregierung täuscht ein neues Familiengesetz vor, das jedoch nur bisher bestehende Maßnahmen zusammenfasst und die wesentlichen Probleme der Südtiroler Familie nicht angeht. Es bräuchte eine Art Rettungsschirm für die Südtiroler Familie mit einem monatlichen Kinderbetreuungsgeld sowie der Elternrente. Besonders die Mehrkindfamilie muss stärker und besser als bisher unterstützt werden. Mit der Ausrichtung des Rohentwurfes der Landesregierung zum Familiengesetz wird die traditionelle Familie zerstört und die Kinderbetreuung vorwiegend Strukturen außerhalb der Familie übertragen.

Anhörungen

Hier einige bemerkenswerte Aussagen von Expertinnen und Experten und Verbandsvertreterinnen und –vertretern im Zuge der Anhörungen: Im Zuge der Anhörungen zum Landesgesetzentwurf wurde von fast allen Verbandsund Organisationsvertreterinnen und –vertretern sowie von Experten die unmissverständliche Kritik vorgebracht, dass der Gesetzentwurf zu vage und lediglich ein Rahmengesetz sei. Im Familiengesetzentwurf stehen die Kinder zu wenig im Mittelpunkt, so die Kritik. Die in der so genannten Steuerungsgruppe zur Vorbereitung des Familiengesetzentwurfs vertretenen Verbände und Organisationen sahen sich gezwungen, „auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu kommen.“ Der Gesetzentwurf bietet kaum Planbarkeit für Familien. Junge Menschen haben einen hohen Kinderwunsch, 80 Prozent der Jugendlichen geben an, Familie und Kinder zu wollen. Der Gesetzentwurf gibt keine ausreichenden Antworten auf die Frage, wie man den jungen Menschen helfen will, diesen Wunsch zu realisieren. Kinderkriegen und Familiengründen darf nicht zur Armutsfalle werden, der Gesetzentwurf bietet dafür jedoch keine Grundlage. Über die Hälfte der Eltern wünschen sich mehr Zeit für die Kinder, Familien bräuchten in zeitlicher und auch in finanzieller Hinsicht mehr „Luft“ zum Leben. Die Qualitätsstandards für die Betreuungsstrukturen müssen festgeschrieben werden ebenso die anbieterneutrale Evaluierung. Es braucht eine Familienverträglichkeitsprüfung für Maßnahmen von Politik und Verwaltung. Die Sicht auf die Kinder fehlt, die Kinder stehen zu wenig im Mittelpunkt des Gesetzentwurfs. Die Rentenfortzahlung muss garantiert werden. 80 Prozent der Familien brauchen in jeder Hinsicht Entlastung vom hohen Druck der sowohl in finanzieller als auch in organisatorisch-zeitlich-praktischer Hinsicht auf ihnen laste. 20 Prozent der Familien stehen vor Herausforderungen, die sich ohne fremde Hilfe nicht meistern können. Der Familienbeirat braucht Strukturen und Einsicht in alle öffentlichen Unterlagen. 3

Eltern sollten in jeder Hinsicht mit eingebunden werden, auch bei der Gestaltung und Führung der Betreuungseinrichtungen. Der Gesetzentwurf muss konkrete Zahlen und Maßnahmen definieren und nicht eine Durchführungsverordnung, die Qualität und der Umfang der Maßnahmen dürften nicht nach Haushaltslage entschieden werden. Es kann nicht der Wunsch des Kindes sein, in einer Kindertagesstätte oder Kinderkrippe betreut zu werden, Kinder wünschen sich nicht Fremdbetreuung. Die im Gesetzentwurf verpflichtend vorgesehenen Gendermaßnahmen sind nicht familienfreundlich und familientauglich. Der Gesetzentwurf ist zu einseitig auf die Fremdbetreuung ausgerichtet, er darf nicht die Lebensentscheidungen vorwegnehmen, sondern muss wenn schon auch die Wahlfreiheit garantieren, die Freiheit gewährleisten, sich zur Betreuung der Kinder in der Familie zu entscheiden. Die öffentlichen Mittel müssen gerecht eingesetzt werden. Die Planungssicherheit und die Rechtssicherheit für die Familien sind wichtig, der Gesetzentwurf muss konkret sein.

Die Arbeiten im Ausschuss wurden in einem sachlichen Klima durchgeführt. Der vom Unterfertigten vorgebrachte Vorschlag zur Abhaltung einer Umfassenden Anhörung wurde von der Vorsitzenden des Ausschusses unterstützt und auch vom Ausschuss selbst mitgetragen. Die Anhörungen brachten äußerst interessante Erkenntnisse und Fakten zur Familienpolitik. Bemängelt werden muss, dass im Ausschuss im Rahmen der Gesetzgebungstätigkeit auch Änderungsanträge eingebracht und zugelassen wurden, die wie jener zur Rentenfrage keinerlei gesetzgeberische Wirkung haben sondern eher in Form einer Tagesordnung oder eines Beschlussantrages eingebracht werden müssten.

Arbeiten im Gesetzgebungsausschuss des Landtages

Einige von der BürgerUnion im Ausschuss eingebrachte Änderungsanträge

Es ist gelungen, mittels Änderungsantrag die Familie auch als wichtigsten „Erziehungsort“ und nicht allein als „Bildungs- und Bezugsort“ zu definieren. Es ist gelungen, die Definition „Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund“ als allein stehende Definition ohne Zusätze und Einschränkungen zu definieren. Abgelehnt wurden bedauerlicher- und unverständlicherweise unter anderem alle meine Anträge, welche die echte Wahlfreiheit und das Recht des Kindes auf Betreuung in der Familie gewährleisten sollten. Die gesetzliche Verpflichtung „Das Land gewährleistet durch ausreichende Bereitstellung von finanziellen und sachbezogenen Leistungen das Recht des Kindes auf Betreuung und Erziehung in der Familie“ wurde mehrfach abgelehnt. 4

Konkrete Vorschläge hinsichtlich des monatlichen Betreuungsgeldes wurden abgelehnt. Abgelehnt hat man auch meinen Antrag, die Adoptionsfreigabe nach der Geburt besser zu unterstützen um Abtreibungen zu verhindern. Abgelehnt wurden auch meine Anträge folgende Formulierungen aus dem Gesetzentwurf zu streichen (also bleiben diese Grundsätze im Gesetzentwurf) – unglaublich! Von der übergroßen Ausschussmehrheit verteidigt wurden Formulierungen wie: “Es werden gezielte Gender-Maßnahmen in allen gesellschaftlichen Bereichen unterstützt.“ “Es werden Programme zur Erweiterung von Rollenbildern, geschlechtersensibler Erziehungs- und Bildungsarbeit und zur aktiven Einbindung der Väter in die Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder gefördert.“ Meine diesbezüglichen Streichungsanträge wurden abgelehnt. Es ist absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar, warum derartige ideologisch einseitig ausgerichtete Formulierungen in einem Südtiroler Familiengesetz stehen sollten. Ich habe gegen den vorliegenden Gesetzentwurf gestimmt, weil er in dieser Form den Familien keinerlei Vorteile bringt, eine Einseitige Grundsatzausrichtung auf Fremdbetreuung beinhaltet und keine konkreten Maßnahmen für die Wahlfreiheit und das Recht des Kleinkindes auf Betreuung in der Familie beinhaltet.

Die Situation der Familien

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Die Familie darf nicht zur Armutsfalle werden und Kinderkriegen darf nicht weiterhin mit finanziellen und beruflichen Nachteilen verbunden sein. Die Geburtenrate sinkt ständig, mit 10,4 Neugeborenen je 1.000 Einwohnern ist sie jetzt die niedrigste seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen – die Geburtenziffer liegt statistisch bei 1,55 Kindern je Frau – für den Erhalt des Bevölkerungsstandes müsste sie bei 2,1 liegen. 17 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler, also über 78.000 Menschen sind laut Astat armutsgefährdet. Rund 40.000 Familien/Haushalte sind in Südtirol armutsgefährdet Besonders Familien mit drei oder mehreren Kindern gelten als armutsgefährdet – Rund 34,9 Prozent dieser Familien, so das Astat. Die privaten Haushalte sind mit rund 22.700 Euro verschuldet, von 2003 bis 2013 ist die Verschuldung um 70 Prozent angestiegen, die Südtiroler Familien leben auf Pump. 5

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Die Familien werden im Jahr 2012 aufgrund der Sparmaßnahmen und Belastungspakete der römischen Regierung sowie einer falschen Familien- und Sozialpolitik des Landes 3.000 Euro weniger in den privaten Haushaltskassen haben. Südtirols Frauen erhalten um über 60 Prozent weniger Rente kriegen als Männer. Gerade jene Frauen, die in der Familienarbeit wesentlich zum Aufbau der Gesellschaft und eines gewissen Wohlstandes in Südtirol beigetragen haben, erhalten im Durchschnitt 7.000 Euro weniger Rente im Jahr das durchschnittliche Netto-Rentenniveau liegt in Südtirol bei weit unter 1.000 Euro im Monat, über 12.000 Rentner erhalten weniger als 500 Euro erhalten Den Südtiroler Familien fehlt im Durchschnitt ein Monatslohn im Jahr, um halbwegs über die Runden zu kommen und im Jahr 2012 werden noch 2 Monatslöhne zusätzlich fehlen. Jeder fünfte Arbeitnehmer in Südtirol verdient weniger als 1.000 Euro im Monat, die Hälfte der Südtirolerinnen und Südtiroler verdient weniger als 1.600 Euro im Monat. Die Südtiroler Landespolitik macht Politik vorwiegend für die reichen Lobbys und Geldseilschaften. Die Südtiroler Arbeiter und Angestellten sind in fast jeder Hinsicht benachteiligt: Sie erhalten mit die geringsten Löhne im europäischen Vergleich, sie zahlen die meisten Steuern und Abgaben, sie sehen sich einer enormen Preisentwicklung ausgesetzt und erhalten die niedrigsten Renten. Auch der Arbeitsmarkt in Südtirol ist nicht mehr rosig, Arbeitslosigkeit steigt, die Jugendarbeitslosigkeit nimmt bedenkliche Ausmaße an, es gibt mittlerweile über 12.500 Arbeitslose in Südtirol. Allein zwischen 2002 und 2010 hat eine Arbeiter- und Angestelltenfamilie 3.118 Euro an Kaufkraft verloren. (Ires-Studie) – bis 2012 sind das hochgerechnet 3.500 Euro Kaufkraftverlust. Der Reallohn der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist in den letzten 10 Jahren um 15 Prozent gesunken. Man kann sich heute mit dem Lohn um 15 Prozent weniger kaufen als noch vor 15 Jahren. Allein zwischen 2002 und 2010 hat die Kaufkraft einer Arbeiter- und Angestelltenfamilie laut einer Ires-Studie insgesamt um 3.118 Euro abgenommen, rechnet man dies angesichts der Steuer- und Preiserhöhungen auf 2012 hoch, kommt man mittlerweile auf einen Kaufkraftverlust von rund 3.500 Euro. Man auf einen Man braucht sich nur die gestiegenen Lebensmittel- und Immobilien kosten sowie die Energiekosten anschauen, um zu verstehen, dass die Reallohnentwicklung mehr als negativ ist. Die Lebensmittel- und die Wohnungskosten bringen die Südtiroler Familien immer stärker unter Druck, die Lebensmittel-Preise sind seit 2002 um 169 Prozent gestiegen, die Kosten für Wohnungsmieten oder Wohnbaudarlehen bringen viele Familien in finanzielle Nöte.“, so die BürgerUnion weiter. Laut Astat geben die Südtiroler immer weniger für Lebensmittel aus, weil sie die hohen Preise nicht mehr bezahlen können. Steuererhöhungen und höhere Benzinund Dieselpreise sowie höhere Heizkosten sorgen zusätzlich dafür, dass die fast gleich gebliebenen Löhne nicht mehr ausreichen Vielfach müssen beide Eltern berufstätig sein, um die hohen Belastungen finanzieren zu können. 6

Eltern (in der Regel Mütter), die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren vollständig zu Hause betreuen haben finanzielle Einbußen und Nachteile bei der Rentenberechnung hinzunehmen, außer sie arbeiten in der öffentlichen Verwaltung. Eltern, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause betreuen und somit die von der öffentlichen Hand finanzierten Kinderbetreuungseinrichtungen nicht in Anspruch nehmen erhalten kein Betreuungsgeld als Ausgleich.

Derzeitige Diskussion in Deutschland

Eine Fachstudie zur Familienpolitik in Deutschland hat ergeben, dass zu viele verschiedene finanzielle Maßnahmen wirkungslos sind und letztlich viel Geld verbraucht wird, ohne den Familien wirklich zu helfen. Einzig das so genannte Kindergeld habe zu einem leichten Anstieg der Geburtenrate geführt. Daraus ist abzuleiten, dass die direkte Familienförderung in Form eines Kindergeldes oder monatlichen Kinderbetreuungsgeldes in ausreichender Höhe durchaus sinnvoll ist. Die Studie hat auch ergeben, dass die Qualität der Betreuungseinrichtungen zu verbessern und auch das Angebot an Betreuungseinrichtungen auszubauen ist.

Südtiroler Rettungsschirm und die Zukunftssicherung für die Familien:

Steuerentlastung- Streichung der Landeseinkommensteuer - des Irpef-Zuschlags Steuerentlastung für Gering- und Mittelverdiener. Die Landeseinkommensteuer, der Irpef-Zuschlag soll für alle Einkommen bis 35.000 Euro gestrichen werden. Für Einkommen über 70.000 Euro soll eine Solidaritätssteuer eingeführt werden. Das Betreuungsgeld für Familien Ein monatliches Betreuungsgeld für die Familien, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren selbst betreuen, in der Höhe zwischen 500 und 1.000 Euro je Familie bis zum 6. Lebensjahr. (eine Maßnahme, die das Land Südtirol treffen könnte) Mütterrente Elternrente Für Angestellte der Privatwirtschaft – Gleichstellung mit Angestellten im öffentlichen Sektor. Für Selbständige Maßnahme zur Anrechnung der Erziehungsjahre für die Rente (eine Maßnahme, für die das Land Südtirol die finanzielle Grundlage legen kann Niedrigeres Renteneintrittsalter für Mütter und Väter 4 Jahre niedrigeres Renteneintrittalter für Mütter und 2 Jahre für Väter (Angestellte und Selbständige)- das bedeutet höheres Renteneintrittsalter nur für Kinderlose – (eine Maßnahme, für die derzeit leider ausschließlich der

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Staat zuständig ist, für die der Landtag aber mit Begehrensanträgen oder Begehrensgesetzentwürfen die Grundlage legen sollte)

Günstige, qualitativ hochwertige bis kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder berufstätiger Eltern Entlastungsmaßnahmen (Gratiskindergarten) sowie Befreiung eines familientauglichen Fahrzeuges von der Autosteuer, Befreiung aller schulpflichtigen Kinder von Eintritten in Landes- und Gemeindeeinrichtungen, bessere Familientarife bei Müll, Strom, Wasser und Abwasser, Fernheizwerken, öffentlichen Verkehrsmitteln, Mensa auch für Kinder der Angestellten; Familienhelferin für Familien mit mehreren Kindern, oder in Krisensituationen (Trennung, Krankheit),Eltern-Urlaub

Einige weitere Vorschläge aus den Familienkonferenzen der BürgerUnion
Im Rahmen von Familienkonferenzen der BürgerUnion zum Familiengesetzentwurf und zur Familienpolitik mit Eltern und Interessierten wurden von Teilnehmern weitere Vorschläge eingebracht:
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Finanzielle Unterstützung für Weiterbildungskurse zum Wiedereinstieg in die Arbeitswelt für Frauen Gleichstellung der Privat- und Öffentlich Bediensteten in der Zeit der Mutterschaft Förderung von Teilzeitstellen für Mütter Familien sollten für ihre Erstwohnung keine IMU zahlen Öffentliche Familienberatungsstellen Familienkontos ohne steuerliche Belastung Kinderermäßigungen von 0 bis 16 Jahren da Kinder zu versorgen sich nicht ausschließlich auf die Grundversorgung begrenzt, sondern es geht um einiges weiter. Kindern müssen Angebot gemacht werden, sie müssen die Möglichkeit haben Erfahrungen zu sammeln, um ihren Horizont zu erweitern (Skifahren, Schwimmen, Museumsbesuche, Kino etc.….) Ein weiteres Problem von Familien ist es die Kinder sinnvoll zu beschäftigen, vor allem dann, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Wollen wir keine verwahrlosten Kinder und Jugendliche, welche ihre Zeit auf der Straße verbringen und aus Langeweile eine kleinkriminelle Karriere einschlagen, so müssen Angebote geschaffen werden. Wenn wir das Beispiel Fußball heranziehen: die Betreuer und Trainer, welche die Kinder und Jugendliche trainieren, machen dies meist kostenlos und völlig freiwillig. Eine Mannschaft zu betreuen ist ein riesiger Zeitaufwand für die Betreuer selbst. Da aber Fußball ein sehr beliebter Volkssport ist, finden sich dafür Gott sei Dank immer interessierte und motivierte Personen. Damit sich das Angebot auf verschiedenste

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Bereiche ausweitet, sollten Personen die auf freiwilliger Basis in diesen Bereichen tätig sind, in irgendeiner Weise gefördert / unterstützt werden. Arztbesuch bzw. medizinisch Behandlungen für Kinder sollten günstiger werden. Allen voran der Zahnarzt! Wenn das Kind eine Zahnspange braucht sind die Eltern gezwungen einen Kredit aufzunehmen! Das kann und darf doch nicht sein! Sicherlich bekommen sie einen Teil zurück (und das auch nur, wenn sie eine bestimmte Einkommensstufe nicht überschreiten und keinen Besitz haben) einen Teil rückerstattet, aber dieser ist nicht ausreichend! Wenn eine Familie ein Eigenheim haben möchte, müssen beide Elternteile einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, um in ca. 25 bis 30 Jahren den Kredit abbezahlt zu haben und dann sind die Kosten, welche Zahnarztbehandlungen nach sich ziehen können, derart hoch, dass kein Geld bleibt für klein wenig Genuss. Und die Eltern müssen dann ja auch noch an die Zukunft ihrer Kinder denken (Ausbildung, Studium, Führerschein und vieles mehr). Kinder kosten einfach viel Geld - das Leben kostet allgemein viel – und es ist durchaus nachvollziehbar, dass viele Angst davor haben sich irgendwann in der Situation wiederzufinden, in welcher sie nicht wissen, wie sie die Heizkosten bezahlen sollen und trotzdem dem Kind das geben können, was es braucht. mehr Kindergeld als die bisherigen 100 Euro das Recht sobald man wieder in die Arbeitswelt eintritt, einigermaßen „erträgliche“ Arbeitszeiten herrschen, damit die Kinder gut versorgt sind die gleichen oder in etwa ähnliche Rechte für Mütter, die als Selbstständige arbeiten (zB. Mietbeitrag, dass man in der Mutterschaft die Miete zahlen kann, Renten- und Krankenversicherung)

Stellungnahme Josefa Brugger (Landessprecherin der BürgerUnion)
Der zündende Funke für die Ausarbeitung des neuen Familiengesetzes war wohl die Herausgabe der Kinderarmutsstudie von 2010. Bei der Familienkonferenz am Ritten 2011 wurden 3 Themenbereiche aufgearbeitet: 1. Familie früh stärken; 2. Familie fördern und unterstützen; 3. Familie finanziell sichern. Verschiedene Verbände und Vereine schlossen sich zur „Allianz für Familie“ zusammen, und der Ausarbeitung des neuen Familiengesetztes stand nichts mehr im Wege. Damit das neue Gesetz innerhalb 2012 im Landtag verabschiedet hätte werden können, musste unter den Ausarbeitenden der kleinste gemeinsame Nenner gesucht werden. Und was kam bis jetzt dabei heraus? Ein 18-seitiges Papier, das niemals einer konkreten Gesetzesvorlage entspricht. Es beinhaltet vage Äußerungen, z.B. „das Land sucht nach Möglichkeiten,…“ Es fehlen konkrete Aussagen zur Familienplanung, Familienförderung, Familienstärkung, familiären Unterstützung, es fehlen konkrete Zahlen.

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Es wird von keiner Gleichstellung der Privatarbeitenden an denen der öffentlich Angestellten gesprochen (Elternzeit), von keiner direkten finanziellen Familienunterstützung (Betreuung zu Hause), auch nicht von einer Rentenanerkennungszeit bei Kinder- und Seniorenbetreuung zu Hause. Es wird die Fremdbetreuung forciert, indem das Recht auf einen Kinderbetreuungsplatz ab einem Alter von 6 Monaten! versprochen wird. Im Großen und Ganzen ist das neue Familiengesetz ein Puppenwagen ohne Ausstattung! Es kommt sehr schnell der Gedanke, dass dieses angebliche Gesetz ein Stimmenfänger für die kommenden Landtagswahlen werden sollte. Und so läuft die Gefahr, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird! Wenn das Gesetz jetzt schnell genehmigt wird, kann kaum etwas geändert werden, weil nichts Konkretes drinnen steht! Deshalb sähe ich es als eine, vor allem moralische, Verpflichtung der Verbände und Vereine gegenüber den Familien, LR Theiner aufzufordern, das zu genehmigende Gesetz bis nach den Wahlen still zu legen, damit danach mit Besonnenheit ein Gesetz ausgearbeitet werden kann, das für die Familien eine „natürlich“ gewachsene Unterstützung sein kann und keine künstliche Befruchtung! Die BürgerUnion hat einen Rettungsschirm zur Förderung und Unterstützung der Familien ausgearbeitet, der 4 Punkte hervorhebt: 1. echte Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung; 2. Anerkennung der Haus- und Familienarbeit; 3. Anpassung der Privatangestellten an jene des öffentlichen Dienstes; 4. Rentenanerkennung der Erziehungsjahre.

Stellungnahme Leitungsmitglied Dietmar Zwerger
Südtirols Familien sind das Gerüst der Südtiroler Gesellschaft. Ein Gerüst, das von der Landesregierung leider allzu oft im Regen stehen gelassen wird. Doch soll das Gerüst Stand halten, braucht es, brauchen Südtirols Familien ein neues, schlagkräftiges, soziales, visionäres Familiengesetz. Genau aus diesem Grund sagt die BürgerUnion zum Familiengesetz der Landesregierung NEIN! Dies aus dem einfachen Grund, da es weder neu noch schlagkräftig oder sozial und erst recht nicht visionär ist. Das sogenannte Familiengesetz ist ein Sammelsurium von nichtssagenden Floskeln, Ausreden, Umschreibungen und Absichtserklärungen. Das Gesetz ist eigentlich kein Gesetz, sondern lediglich eine enttäuschende Sammelbroschüre, welche bereits vorhandene Förderungen und Maßnahmen auflistet. Es enthält nichts Neues, keine einzige neue Hilfe für unsere Familien. Das Familiengesetz ist ein Feigenblatt zur Vertuschung des sozialpolitischen Versagens der Landesregierung und der SVP. Ein Familiengesetz, wie die BürgerUnion es fordert sieht anders aus. Es richtet sich nach den Bedürfnissen der Familien, es unterstützt sie, wo immer es möglich ist. Es enthält z.B. Kaufkrafthilfen wie den BürgerScheck, es bietet Familien- und Mütterfreundlichen Betrieben

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Steuervergünstigungen, es ermöglicht den Kindern eine Kindheit bei ihren Eltern, es sieht Maßnahmen zur Mütterrente vor, es ist kurz gesagt ein echtes Familiengesetz. Was uns vorliegt, ist totes Papier, mut- und visionslos. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass mehrere Familien- Organisationen und Vereine bei der Ausarbeitung des Gesetzes angehört wurden. Leider wurden sie zwar angehört, man hat ihnen aber nicht zugehört, wie dies bereits mit dem Mediator zum Flugplatz und immer wieder bei der Umweltverträglichkeitsprüfung für Großprojekte der traurige Fall ist. So mussten sich die Vereine auf den kleinsten gemeinsame Nenner mit der Landesregierung, sprich nichts zufrieden geben. Herausgekommen ist ein AlibiGesetz mit Alibi-Anhörungen und Alibi-Floskeln. Nichts, was unseren Familien hilft und ihnen neue Wege öffnet. Darum lehnt die BürgerUnion dieses Familiengesetz ab. Weil es uns um die Familien und nicht um einen Wahlkampfgag geht. Damit uns das Gerüst Familie noch lange trägt - BürgerUnion.

Abschließende Bemerkung

Die Familienpolitik und Familiengesetzgebung muss imstande sein, konkret und umfassend unter anderem diese Hauptfrage zu beantworten: Wie schaffen wir es, das bestmögliche Umfeld für Familien und für die Geburt, für die Betreuung, das Erziehen, das Aufwachsen der Kinder und möglichst zufriedene Eltern schaffen? Eine ideologische Debatte hat die Familie ausgehöhlt, das Kinderkriegen zum Makel gemacht und das Mütter und Eltern sein als fast schon rückständig stigmatisiert. Also darf es ruhig auch eine Debatte zur Aufwertung der Familie und des Kinderkriegens sowie des Mutter- und Vaterseins geben.

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