Das Wort als sprachliche Einheit (Seminararbeit

)

Bihać, 2011

Einleitung 0. Einführung........................................................................................................................4 1. Probleme einer Wortdefinition..........................................................................................5 2. Kriterien zur Abgrenzung von Wörtern............................................................................7 2.1. Phonetisch/phonologisches Kriterium......................................................................7 2.2. Orthografisches Kriterium........................................................................................7 2.3. Morphologisches Kriterium......................................................................................7 2.4. Syntaktisches Kriterium............................................................................................8 2.5. Semantisches Kriterium............................................................................................8 3. Klassifikation....................................................................................................................8 4. Aufbau von Wörtern.........................................................................................................9 5. Das Wortformativ...........................................................................................................10 6. Auftreten von Polysemie................................................................................................11 6.1. Beispiele für Polysemie..........................................................................................12 6.2. Beispiele für Homonymie.......................................................................................13 7. Leeres Morph..................................................................................................................13 8. Der Wortstamm..............................................................................................................14 8.1. Stamm als morpholodische Basis...........................................................................15 9. Die Worthülse.................................................................................................................16 10. Einsilber........................................................................................................................16 10.1. Vorkommen in Texten und Wörterbüchern.........................................................17 11. Fuge und Fugenelement................................................................................................18 12. Fragen............................................................................................................................19 13. Antworten......................................................................................................................19

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0. Einführung Die Wortbildung untersucht und beschreibt Verfahren und Gesetzmäßigkeiten bei der Bildung neuer komplexer Wörter (Lexeme) auf der Basis schon vorhandener sprachlicher Mittel. Hierfür werden sprachliche Elemente wie einfache und komplexe Wörter, Morpheme, Affixe und Möglichkeit der Wortschatzerweiterung. Weitere Arten der Wortschatzerweiterung sind Entlehnung, Fugenelemente eingesetzt. Sie ist also eine

Bedeutungswandel und Neuschöpfung. Die Wortbildung ist neben Bedeutungswandel und Entlehnung eines der Hauptverfahren der Bezeichnungsfindung beziehungsweise des Bezeichnungswandels; diese sind Untersuchungsgegenstand der Onomasiologie. Hauptverfahren im Deutschen zur Bildung neuer Wörter ist die Neukombination vorhandener Wörter oder besonderer Wortbildungselemente. Im Einzelnen beschäftigt sich die Wortbildungslehre mit den Arten, Modellen und Mitteln der Wortbildung: diachronisch als Prozess, synchronisch als Ergebnis. Neben traditionellen, auf das Sprachsystem ('langue') bezogenen Fragestellungen, kristallisiert sich gegenwärtig eine stärker am Sprachgebrauch ('parole') orientierte Forschungsrichtung heraus.

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Das Wort als sprachliche Einheit

1. Probleme einer Wortdefinition „Weil es trotz hunderter bestehender Definitionen des Wortes, bisher nicht gelungen ist, eine nach allen Seiten befriedigende Definition zu erreichen, haben viele zeitgenössische Linguisten bei ihrer Sprachanalyse diesen seit alters bekannten und gebrauchten Begriff zugunsten des Morphems völlig aufgegeben. Alle bisher vorgebrachten Argumente gegen das Wort vermögen noch viel weniger zu überzeugen, als die Erklärung für das Wort” (Lehnert, 1969: 47f ) Wörter fassen wir als sprachliche Zeichen auf, sie sind Mittel der Kommunikation und der Kognition. Humbold betonte die Erkenntnisfunktion der Sprache: „Durch die gegenseitige Abhängigkeit des Gedankens und des Wortes voneinander, leuchtet es klar ein, dass die Sprachen nicht eigentlich Mittel sind, die schon erkannte Wahrheit darzustellen, sondern weit mehr, die vorher unerkannte zu entdecken”. (Humboldt, 1820: 24 ). Jeder könnte ohne langes Nachdenken auf die Aufforderung, Wörter zu nennen, die Farben bezeichnen , eine Liste solcher Wörter wie grün, gelb, rot, blau zusammenstellen; jeder könnte Wörter aufzählen, die einander ersetzen können, wie laufen und gehen, klug und intelligent, Gebäude und Bauwerk, die eine ,,Gegenbedeutung” haben wie klug und dumm, nah und fern, Vater und Mutter. Dass es Wörter gibt, ist eine unserer elementarsten Erfahrungen. Zu den ersten Fragen des Kindes nach den ,, Dingen” gehört die Frage nach ihrer Benennung. Mit ,,Was ist das?” und „Wie heißt das?” erfragen wir die gesellschaftlich visuellen Benennungen und Verallgemeiunerungen, die Auffassungen der Menschen von den Dingen. Das Individuum gleicht seinen Wortschatz schrittweise dem der Sprachgemeinschaft an, bildet seine Sprachkompetenz aus. Worterfahrung gewinnen wir auf einem weiteren Weg. Verstehen wir eine Äußerung nicht, so sind uns

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abgesehen von akuistischen Schwierigkeiten, meist die Wortbedeutungen nicht bekannt. Noch eine weitere Erfahrung macht schon das Kleinkind. Es lernt, welche Wörter in einer Situation angemessen sind, welche als „gute” , welche als „schlechte” Wörter gelten. In der Kommunikation erwerben wir Gebrauchsbedingungen, die Gebote und Verbote für jedes einzelne Wort. Diesen Lernprozess vollziehen wir auch im Erwachsenenalter. Wir erwerben Fachwörter, kommunikative Varianten, bestimmte Kommunikationspläne und Strategien. Im Mittelalter zeugen Euphemismen, Hüllwörter davon, dass man sich scheute Dinge beim Namen zu nennen, um nicht von ihnen gestraft zu werden. So gibt es für Teufel viele verhüllende Bennenungen; der Schwarze, der Pferdefuß, der Böse. Wörter sind Benennungseinheiten für Gegenstände, Prozesse, Handlungen, Merkmale, Zustände usw. Sie haben eine nominative Funktion. Wörter haben eine relativ selbständige Bedeutung, sie haben eine semantische Funktion. Wörter existieren als System- und Textwort. In der sprachlichen Tätigkeit wird das Wort abgewandelt, verändert, geformt, tritt u. U. in einer formativischen oder semantischen Variante, in einer grammatischen Form auf. Wörter sind aus dem Redestrom oder Schrifttext isolierbare Einheiten, die aufgezählt, aufgelistet, nach dem Formativ alphabetisch oder nach der Bedeutung geordnet werden können. Als Einheiten des Systems haben sie grammatische Eigenschaften, auf denen die Fügungspotenzen beruhen. Wörter lassen sich nach formalen und/oder inhaltlichen Kriterien zu Klassen ordnen, z.B. werden Wörter mit den Suffixen –ig, -lich, -bar, -ung, -heit, -schaft, -ieren, bestimmten Wortbildungsarten oder Wortklassen zugeordnet. Man kann verschiedene Arten von Wörtern unterscheiden: Wörter die benennen und begrifflich verallgemeinern, Wörter die Beziehungen zwischen sprachlichen Einheiten herstellen und so der Organisation von Texten dienen; Wörter mit denen wir Einstellungen kundtun, appellieren, kommunikative Handlungen vollziehen, ohne dass wir mit verallgemeinernde Wörter haben auch diesen Einheiten benennen und eine grammatische Bedeutung,

Beziehungsbedeutung, haben somit Anteil an der Textgestaltung.

2. Kriterien zur Abgrenzung von Wörtern

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Muttersprachler glauben oft, durch ihr Sprachgefühl ein intuitives Verständnis davon zu haben, was in ihrer Sprache ein Wort ausmacht; die Sprachwissenschaft aber tut sich damit schwer, allgemeingültige Kriterien zur Abgrenzung von Wörtern zu finden. Je nach Blickwinkel sind verschiedene Kriterien möglich, die je nach theoretischem Hintergrund und Erkenntnisinteresse miteinander kombiniert oder ergänzt werden:

2.1. Phonetisch/phonologisches Kriterium Wörter sind Lautfolgen, die durch Grenzsignale wie zum Beispiel Pausen voneinander abgehoben sind. Im Deutschen hat jedes Wort genau eine Hauptakzentstelle. Nach dem phonetischen Kriterium würden auch Laute wie "Äh" usw. zu den Wörtern gezählt.

2.2. Orthografisches Kriterium Ein Wort ist eine Buchstabengruppe zwischen zwei Trennzeichen, meistens Leerzeichen. Diese Definition schließt Orthografien ohne Trennzeichen sowie Sprachen ohne Schrifttradition aus und ist stark vom Wandel der Orthografie abhängig.

2.3 Morphologisches Kriterium Ein Wort ist eine möglichst kleine sprachliche Einheit, die eine Bedeutung trägt und frei vorkommen kann. In dieser Definition entspricht „Wort” etwa einem freien Morphem, das aber durch Prä - oder Suffixe erweitert sein kann (Bsp: Herr, herrlich, verherrlichen). Ein so definiertes Wort kann mit Flexionsendungen versehen werden, wodurch man die Wortformen dieses Wortes erhält (zum Beispiel Frau, Frauen; laut, lauter, mache, machst, macht etc.).

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2.4 Syntaktisches Kriterium Wörter sind Einheiten, die sich innerhalb eines Satzes verschieben, durch andere austauschen und durch das Einfügen weiterer Wörter voneinander trennen lassen. Problematisch an dieser Definition ist, dass man mit diesem Kriterium Wortformen wie Frau und Frauen nicht als zusammengehörig bestimmen kann. Weitere Probleme werfen zum Beispiel die trennbaren Verben im Deutschen auf, die sich zwar voneinander trennen lassen, aber trotzdem als Ganzes ersetzbar sind.

2.5 Semantisches Kriterium In semantischer Hinsicht sind Wörter kleinste, relativ selbständige Träger von Bedeutung, die im Lexikon angeführt sind. Die Bedeutung von Wörtern wird aber von ihrem Äußerungskontext mitbestimmt und ist deshalb nicht ohne weitere Untersuchungen fassbar. Einigen Wörtern lässt sich keine lexikalische Bedeutung zuordnen, allenfalls eine grammatische (Funktionswörter)

3. Klassifikation In der Grammatik werden Wörter nach Wortarten (zum Beispiel Substantiv, Adjektiv, Verb...) unterschieden und hinsichtlich Satzstellung, Flexion, Tonalität (in Tonsprachen wie Mandarin-Chinesisch) usw. untersucht. Es gibt verschiedene Ansätze, Wörter nach Wortarten zu gliedern. Es werden syntaktische, morphologische und funktionale Kriterien verwendet. Im Wesentlichen geht

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die heutige Klassifikation schon auf die Antike (Dionysos Thrax) zurück, hat aber auch deren Probleme mitgeschleppt. Für „Wort“ gibt es zwei Pluralformen. „Wörter” bezieht sich auf die Form bzw. die grammatische Einheit „Wort“. „Worte” bezieht sich auf den Inhalt, zum Beispiel für im Sinnzusammenhang stehende Wörter eines bekannten Ausspruchs. Die Unterscheidung wird inzwischen oft ignoriert.

4. Aufbau Wörter bestehen aus Morphemen, das sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten im Sprachsystem, in flektierenden Sprachen aus Stamm- und Flexionsmorphem (Haus+es). Das Wort „Tische“ zum Beispiel ist aus zwei Morphemen aufgebaut: „Tisch-e“; dabei ist „Tisch“ der Wortkern mit der Bedeutung „Möbel mit Platte, auf der man etwas tun kann“; „-e“ ist die Endung mit der grammatischen Bedeutung/Funktion „Mehrzahl/Plural“. Das Wort „Wälder“ kann ebenfalls in zwei Wortteile „Wäld-er“ zerlegt werden. Bei „Wald Wälder“ zeigt sich aber, dass das Morphem, das den Wortkern ausmacht, in zwei verschiedenen Formen, nämlich „Wald“ (Einzahl/Singular) und „Wäld-“ (im Falle der Mehrzahl/des Plurals), vorkommt. Genauso hat auch das grammatische Morphem, das die Bedeutung „Mehrzahl/Plural“ ausdrückt, verschiedene Formen: „-e“ bei „Tisch“, (Umlaut und) „-er“ bei „Wald“, und noch andere Formen bei anderen Substantiven: „Auto-s“ usw. Ein Morphem hat immer eine Bedeutung oder grammatische Funktion; es kann entweder immer in der gleichen Form geäußert werden (Beispiel „Tisch“), oder aber auch mehrere Formen haben (Beispiel „Wald - Wäld-“ oder im Falle des grammatischen Morphems „Plural“: „-e, -er, -s“ und noch andere).

5. Das Wortformativ

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Das Formativ ist eine korrelaltive linguistische Kategorie. Es ist das verallgemeinerte, invariante Abbild des Lautkörpers, das der Meterialisation durch Laut oder Schriftzeichen zugrundeliegt. Formative können entsprechend ihrer phonemischen Struktur gegliedert werden in Sprechsilben oder in Morphemformative, in Morphe. Die Sprechsilbe als Einheit des Redestroms ergibt sich durch Sprechpausen bei intensiver Artikulation als natürliche Sprecheinheit. So zerfallen die Formative folgender Wörter bei langasamem, intensivem Sprechen in Silben: ver-gel-ten, Bü-cher, grü-ner. Die Silbe wird offen genannt, wenn sie vokalisch auslautet, geschlossen, wenn sie konsonantisch schließst. Die Ortographie der deutschen Sprache verfährt nicht einheitlich, wenn sie die Worttrenung regelt. Einmal betont sie das Sprachsilbenprinzip: lau-fen, for-men, zum anderen wird nach Morphemen getrennt: Päd-ago-gik, syn-onym. Die Formative der Wörter lassen sich unter Berücksichtigung der Bedeutung in Formativkonstituenten, Morphemformative Morphe glidern, in: Silben lau-fen ge-stal-ten lü-gen Va-ter Du lügst Morpheme lauf-en ge-stalt-en lüg-en Vater du lüg-st

Formative als Signalabbilder liegen der schriftlichen oder mündlichen Zeichengestalt zugrunde. Diese Entscheidung für schriftliche oder mündliche Materialisation hat kommunikative Bedeutung. Die mündliche Kommunikation kann Auskunft über Alter, Geschlecht und den aktuellen psychischen Zustand des Sprechers, über Zorn, Erregung, Freude, über die regionale Herkunft oder Gebundenheit des Sprechers, seinen Beruf oder Bildungsstand geben. Vgl. Bühler 1934 über den Symptomwert sprachlicher; über Mündlichkeit und Schriftlichkeit Antos 1982, ›Deutsche Sprache‹ 1983 Bei Morphemen wie bei Wörtern erhebt sich die Frage nach der Abgrenzung von Polysemie und Homonymie. Auch hier kann zunächst nur eine Adhoc-Festellung

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erfolgen: Wir sprechen dann von Polysemie wenn, es sich um Affixe handelt , die einen gemeinsamen Bedeutungskern haben und eines oder mehrere variable Merkmale. Das Präffix ver- tritt an Verben die eine gerichtete bewusste Handlung benennen. Die Art der Richtung wird durch ver- modifiziert: ,falsch‛ oder ‚auseinander‛. Daher werden semantische Varianten, also Polysemie, angenommen. Es handelt sich um ein Morphem ver-. Auch -er dient zur Bildung von Personenbenennungen: Radfahrer, Trinker, Städter oder Bennenungen von Geräten: Fernseher, Haartrockner, Müllschlucker. Das Wort Polysem bildet sich aus griechisch poly „viel“ und sema „Zeichen“, und ist der Gegenbegriff zur Monosemie (gr. monos „einzeln“). Abzugrenzen ist die Polysemie auch von der Homonymie (gr. „Gleichlautung“). Die Abgrenzung zwischen Homonymie und Polysemie erfolgt unterschiedlich, so dass Polysemie bedeuten kann: a) eine systematische Mehrdeutigkeit auf Grund etymologischer Verwandtschaft; b) eine systematische Mehrdeutigkeit auf Grund einer Verwandtschaft der einzelnen Bedeutungen, die eine gemeinsame Grundbedeutung oder gemeinsame Kernbedeutung haben, was vielfach – aber nicht zwangsläufig – auf eine gemeinsame etymologische Wurzel zurückzuführen ist. Letzteres ist die Hauptverwendung in sprachwissenschaftlichem Kontext. Polysemie ist nicht auf Wörter beschränkt. Es gibt Polysemie generell eines Zeichens im allgemeinen eines Ausdrucks bzw. konkret eines des Syntagmas eines Satzes. Morphems, eines Lexems oder

6. Auftreten von Polysemie Die meisten Wörter sind polysem, beschreiben also mehrere mehr oder minder unterschiedliche Sachverhalte, die sich aus einem gemeinsamen Kontext entwickeln. Polysemie gilt als natürlichsprachlicher Normalfall und als Ausdruck des sprachlichen Ökonomie-Prinzips. Polyseme können auf verschiedene Weise entstehen. Die Ursachen der Polysemie sind Metaphorik (bildhafte Verwendung), Metonymie (nicht wörtliche

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Verwendung), Bedeutungsentlehnung (erweiterte Verwendung), elliptischer Gebrauch (weglassende Verwendung). Von Homonymie ist dann zu sprechen, wenn sich die Funktionen der Morpheme unterscheiden. Es handelt sich dann nich mehr um Varianten, also nich mehr um ein Allosemem, sondern um ein homonymes Morphem. Das gilt z.B. für er-, das einmal als Wotbildungsmorphem und zum anderen als Pluralmorphem auftritt: Kinder, Männer. Homonyme sind auch freies Morphem und Affix, wenn die Bedeutungen nicht aufeinander zu beziehen sind: Werk ,Betrieb‛ und –werk in Hilfswerk, Zuckerwerk, Schuhwerk. Zu diesen Fällen gibt es eine umfangreiche Literatur. Man erklärte diese Morpheme als zwischen Wort und Affix stehend und prägte die Termini Hlabaffix, Affixoid. In Duden-Bedeutungswörterbuch wurden z.B. Hobby -in Hobbygärtner, Problem –in Problemfamilie als Affixoide genannt (Duden, 8) Verwendung), Belebung von Archaismen (wiederaufnehmende

6.1 Beispiele für Polyseme Föhn, der (Wettererscheinung) und Föhn, der (Elektrogerät) Geist, der (Intellekt), Geist, der (übernatürliches Wesen), Geist, der (Gesinnung – „wes’ Geistes Kind“) und Geist, der (Weingeist, Destillat) Himmel, der oder die (religiöser Ort, metaphysisches Jenseits) und Himmel, der (astronomischer Ort) Lehre, die (Berufsausbildung), Lehre, die (Messinstrument) und Lehre, die (theoretische Wissenschaftsgrundlage, Dogma) Leiter, die (Stufengerät), Leiter, der (Chef) und Leiter, der (physikalischer Leiter ) Schloss, das (Bauwerk) und Schloss, das (Schließanlage) Steuer, das (Lenkvorrichtung) und Steuer, die (Abgabe an den Staat) Stimme, die (Sprachfähigkeit), Stimme, die (Wahlstimme, Votum) und stimme (Imperativ, Indikativ Präsens 1. Person Singular und Konjunktiv Präsens 3. Person Singular von stimmen: „Er fragte, ob es stimme, dass …“)

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Strom, der (Fluss) und Strom, der (elektrische Größe)

6.2. Beispiele für Homonyme Arm, der (Körperteil) und arm (Adjektiv – mittellos) Elf, der (Märchengestalt) und elf (Zahl) Fest, das (Feier) und fest (Adjektiv – beständig, hart) gefahren (Partizip Perfekt des Verbs fahren) und Gefahren (Plural von Gefahr) Kiefer, die (Baum) und Kiefer, der (beweglicher Teil des Gesichtsschädels) Reif, der (Ring) und Reif, der (Eiskristalle) und reif (Adjektiv – ausgereift) Lose, die (Glücksspielanteile) und lose (umgspr. für „nicht angebunden“) sieben (Zahlwort) und sieben (Verb – „durch ein Sieb geben“) Strauß, der (Vogel) und Strauß, der (Blumengebinde) Tau, der (Niederschlag), Tau, das (Seil) und Tau, das (19. griech. Buchstabe) laut (Adjektiv – hoher Geräuschpegel), laut (Präposition) und Laut, der (akustische Einheit)

7. Leeres Morph Die Bestimmung des Morphems als Einheit von Formativ und Inhalt wirft jedoch noch eine weitere Frage auf. Es gibt phonemische Einheiten, die keine Bedeutung tragen: heiterkeit /s/ ausbruch, eigen /t/ lich. Es sind Fugenelemente der Komposita, Gleitlaute, die der Ausspracheerleichterung dienen. Bei synchroner Betrachtung sind die dadurch gekennzeichnet, dass sie ohne Einfluss auf die Bedeutung sind. Stepanova/Čerenyševa sprechen von ,,leeren Morphen”, „Restelementen”, „Pseudowurzeln im Bestand des Wortstammes” (vgl. Stepanova/Čerenyševa, 1975, 100ff.). Sie verweisen auf die Herkunft der Fugenelemente aus dem Bestand der grammatischen Morpheme. ,, Was es die

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Semantik angeht, so entspricht das Fugenelement bei weitem nicht genitivischen oder pluralischen Bedeutung der Verbindung [...]”(S. 100)

immer der

Ein großer Teil des deutschen Wortschatzes besteht aus Wörtern, die anderen Sprachen entstammen, sogenannte Fremd- und Lehnwörter. Der Anteil der Entlehnungen am Wortschatz ist in verschiedenen Sprachen unterschiedlich hoch. So wurden im Englischen unter rund 80 000 Wörtern fast 75% nichtgermanischen Ursprungs gezählt. In einem deutschen etymologischen Wörterbuch wurden unter knapp 17 000 Wörtern über 30% Entlehnungen ermittelt. Mit den 207 häufigsten Wörtern im Wortschatz eines deutschen Muttersprachlers lassen sich bereits 50% eines fast beliebigen Textes darstellen. Davon sind einsilbige Wörter die häufigsten. Je länger ein Wort, desto geringer seine Häufigkeit. Diese Beobachtung kann man in nahezu allen Sprachen machen.

8. Der Wortstamm Mit 'Wortstamm' oder 'Stamm' (auch: Stammwort, Wurzelwort, Wurzel, Stamm-

Morphem, Grundmorphem, lexikalisches Morphem) wird manchmal der lexikalische "Kern" eines Wortes bezeichnet. Es handelt sich dabei um den Bestandteil eines Wortes, der nicht weiter zerlegt werden kann (also ein Morphem) und der den Zusammenhang einer Wortfamilie konstituiert. Beispiele: {trink} ist Stamm-Morphem von tränken, Getränk, Umtrunk, trinkst, tranken, trinken, ertrinken {haus} ist das Wurzelwort von Wohnhaus, häuslich, hausen, Haus, Haustür, behausen {strick} ist das Stammwort von Stricknadel, Strickmuster, Strick, Galgenstrick, stricken, verstrickt, bestricken, umstrickend

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8.1 Stamm als morphologische Basis Mit 'Wortstamm' oder kurz 'Stamm' wird häufig auch die Form bezeichnet, die als Basis zur Bildung von flektierten Wortformen dient, typischerweise durch das Hinzufügen von Affixen. Ein Stamm kann dabei selber schon eine flektierte Wortform repräsentieren, zum Beispiel Traum; durch Anhängen des Flexionsaffixes -es für Genitiv Singular an den Stamm entsteht Traumes.

Beispiele: Traum ist der Stamm der flektierten Wortformen Traum (Nominativ Singular) Traums (Genitiv Singular) Traum (Dativ Singular), Traume (Dativ Singular), Traum (Akkusativ Singular), etc. schnarch ist der Stamm der flektierten Wortformen schnarche (1. Person Singular Präsens), schnarchst (2. Person Singular Präsens), schnarcht (3. Person Singular Präsens), etc.

9. Die Worthülse Als Worthülse wird ein sinnentleertes oder ein gedankenlos gebrauchtes Wort bezeichnet.

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Häufig wird von der leeren Worthülse gesprochen, die - wie die hohle Phrase - dem Hörer oder Leser leer und damit hülsenhaft erscheint. Es kann sich dabei um Kritik an einem Sprachgebrauch handeln, bei dem Begriffe nur aufgrund ihrer Medienpräsenz oder sonstiger Popularität (gedankenlos) verwendet werden. Ganze Sätze oder Satzteile, mit vergleichbaren Eigenschaften werden auch als Leerformeln kritisiert. Es können auch Begriffe angesprochen sein, die je nach Rezipient zu unterschiedlichsten Assoziationen einladen, die von späteren Verwendern neu und in einem abweichenden Sinne interpretiert werden. So spricht Fritz Mauthner Anfang des 20. Jahrhunderts in Bezug auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel und den „linksstehenden JungHegelianern“ davon, „daß die luftleeren Abstraktionen Hegels Worthülsen boten, in die auch rebellische Gedanken hineingesteckt werden konnten“. Die Bezeichnung ist jedoch kein fest definierter Begriff und kann selbst als Worthülse betrachtet werden. Was für jemanden als fester Terminus erscheint, kann für andere bereits eine sinnlose Worthülse darstellen. Mauthner bezeichnete Worthülsen auch als „leere Termini“.

10. Einsilber Ein Einsilbler (auch Einsilber genannt) ist in der Linguistik ein Wort, das aus einer Silbe besteht, im Deutschen zum Beispiel Blech (Substantiv), sein (Verb), lang (Adjektiv), wir (Pronomen), das (Artikel), dort (Adverb) oder ja (Antwortpartikel). Die einzelnen Sprachen unterscheiden sich hinsichtlich der jeweils erlaubten Silbenstrukturen, womit der Aufbau der Silben aus den Lauten der Sprache gemeint ist. Für das Deutsche gilt, dass die Silbe im Anfangsrand bis zu 3 und im Endrand bis zu 4 Konsonanten enthalten kann. Solche Konsonantenhäufungen im Anfangs- oder Endrand der Silbe sind in vielen Sprachen nicht erlaubt. Dies ist der Grund, weshalb zum Beispiel im Japanischen aus dem deutschen Wort „Rucksack“ das Fremdwort „ryukkusakku“ geworden ist.

10.1. Vorkommen in Texten und im Wörterbuch

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In vielen Sprachen kann man beobachten, dass die Einsilbler in Texten häufiger vorkommen als Wörter mit 2, 3 oder mehr Silben. Dies gilt auch für das Deutsche. Dies gilt für Sprachen, die zum analytischen Sprachtyp neigen; bei stärker synthetischen Sprachen wie zum Beispiel dem Finnischen oder Lateinischen sind in der Regel die zweiund dreisilbigen Wörter häufiger. Die Vorkommen von Einsilblern in Wörterbüchern sind wie folgt zu beobachten: Im Frequenzwörterbuch des Deutschen, das ja die Verhältnisse in Texten abbildet, sind ebenfalls die Einsilbler am häufigsten; in alphabetisch geordneten Wörterbüchern dagegen sind im Deutschen die dreisilbigen Wörter am häufigsten. Das gleiche gilt für das alphabetisch geordnete Wörterbuch des Niederländischen und des Ungarischen. Betrachtet man die unterschiedlichen Längen von Silben, gemessen etwa nach der Zahl der Phoneme je Silbe, so folgen diese dem Gesetz der Verteilung von Silbenlängen. Für das Deutsche wurde beobachtet, dass Silben zwischen 1 und 6 Phonemen enthalten können. In den slawischen Sprachen wurden unterschiedliche Beobachtungen gemacht; so fanden sich in altkirchen slawischen Texten bis zu 4 Phoneme je Silbe, im Bulgarischen bis zu 5 sowie im Russischen und Slowenischen bis zu 6 Phoneme je Silbe. Die Komposition ist (im Deutschen) neben der Derivation (Ableitung) die wichtigste Art der Wortbildung. Sie ist neben der Entlehnung – die nicht als Wortbildungsart zählt – das wichtigste Mittel, um bei Bedarf den bestehenden Wortschatz zu erweitern. Die Kompositionsbildung folgt einem Prinzip der Univerbierung oder Informationsverdichtung. Das bedeutet, ein Syntagma wird im Sinne der Sprachökonomie in einem Wort ausgedrückt.

11. Fuge und Fugenelement Die Nahtstelle zwischen den Wortstämmen, die die Glieder eines Kompositums bilden, wird Fuge oder Kompositionsfuge genannt. Diese kann durch ein spezielles Fugenelement gekennzeichnet sein.

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Beispiel: Das „s“ in „Komposition-s-fuge“ Als Fugenelemente erscheinen im Deutschen hauptsächlich -(e)s-, -e-, -(e)n- und -er- wie in Liebeslied, nötigenfalls, Wartezimmer und gewissermaßen. Die Fugenelemente im Deutschen sind aus Flexionsendungen oder andernorts geschwundenen Teilen des Wortstamms entstanden, wurden aber später in Analogie dazu gebildet. Man unterscheidet paradigmatische Fugenelemente, d. h. Laute bzw. Lautverbindungen, die dem Flexionsparadigma des Erstglieds entsprechen, z. B. Genitiv-/Plural-Morphologie (Geistesblitz, Geisterfahrer) und unparadigmatische Fugen, die nicht zum Flexionsparadigma des Erstglieds gehören, z. B. Liebesbrief, Beobachtungssatellit. Vollständige Regeln für ihr Auftreten gibt es nicht. Einige Suffixe verlangen jedoch immer das Anhängen eines Fugen-s, so etwa bei -keit, -heit, -schaft, -ung, -ut, -ion, -tät, -tum. Zum Beispiel: Achtungserfolg und Heiterkeitsausbruch.

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Fragen : 1. Nennen sie Kriterien, die zur Abgrenzung von Wörtern möglich sind? 2. Wonach werden Wörter in der Grammatik untersucht und woraus bestehen sie? 3. Was ist ein Formativ und wie kann es gegliedert werden? 4. Nennen sie den Unterschied zwischen Homonymie und Polysemie und geben sie Beispiele? 5. Was wird mit dem Wortstamm bezeichnet? 6. Was sind Einsilbler? 7. Was ist eine Fuge und wie kann sie gekennzeichnet sein?

Antworten: 1. Je nach Blickwinkel sind verschiedene Kriterien möglich, die je nach theoretischem Hintergrund und Erkenntnisinteresse miteinander kombiniert oder ergänzt werden: Phonetisch/phonologisches, orthografisches, morphologisches Kriterium, syntaktisches, semantisches 2. In der Grammatik werden Wörter nach Wortarten (zum Beispiel Substantiv, Adjektiv,Verb...) unterschieden und hinsichtlich Satzstellung, Flexion, Tonalität) et cetera untersucht. Wörter bestehen aus Morphemen, das sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten im Sprachsystem, in flektierenden Sprachen aus Stamm- und Flexionsmorphem (Haus+es). 3. Das Formativ ist eine korrelaltive linguistische Kategorie. Es ist das verallgemeinerte, invariante Abbild des Lautkörpers, das der meterialisation durch Laut oder Schriftzeichen

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zugrundeliegt. Formative können entsprechend ihrer phonemischen Struktur gegliedert werden in Sprechsilben oder in Morphemformative, in Morphe. 4. Wir sprechen dann von Polysemie, wenn es sich um Affixe handelt , die einen gemeinsamen Bedeutungskern haben und eines oder mehrere variable Merkmale. Von Homonymie ist dann zu sprechen, wenn sich die Funktionen der Morpheme unterscheiden. Es handelt sich dann nich mehr um Varianten, also nich mehr um ein Allosemem, sondern um ein homonymes Morphem. Beispiele für Polyseme: Föhn, der (Wettererscheinung) und Föhn, der (Elektrogerät) Geist, der (Intellekt), Geist, der (übernatürliches Wesen), Geist, der (Gesinnung – „wes’ Geistes Kind“) und Geist, der (Weingeist, Destillat) Beispiele für Homonyme: Arm, der (Körperteil) und arm (Adjektiv – mittellos) Elf, der (Märchengestalt) und elf (Zahl) Fest, das (Feier) und fest (Adjektiv – beständig, hart) gefahren (Partizip Perfekt des Verbs fahren) und Gefahren (Plural von Gefahr) 5. Mit 'Wortstamm' oder kurz 'Stamm' wird häufig auch die Form bezeichnet, die als Basis zur Bildung von flektierten Wortformen dient, typischerweise durch das Hinzufügen von Affixen. 6. Ein Einsilbler (auch Einsilber genannt) ist in der Linguistik ein Wort, das aus einer Silbe besteht, im Deutschen zum Beispiel Blech (Substantiv), sein (Verb), lang (Adjektiv), wir (Pronomen), das (Artikel), dort (Adverb) oder ja (Antwortpartikel).

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7. Die Nahtstelle zwischen den Wortstämmen, die die Glieder eines Kompositums bilden, wird Fuge oder Kompositionsfuge genannt. Diese kann durch ein spezielles Fugenelement gekennzeichnet sein.

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