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05 2012

Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Ausgabe findet ihr unseren Aufruf zur Gedenkdemonstration zum 60. Jahrestag von Philipp Müller (Seite 1). Auf unserer Homepage findet ihr zudem ein Mobilisierungsvideo zur Demonstration. Wir haben für euch außerdem einen Artikel zum 8. Mai 1945 und seiner Bedeutung (Seite 4) und einen Artikel Piratenpartei und ihrem Verhalten zu rechten Äußerungen von eigenen Parteimitgliedern (Seite 5). Viel Spaß beim lesen...

// Gedenkdemonstration //

In Gedenken an Philipp Müller!
Kein vergeben! Kein Vergessen! Gegen Polizeiterror und Kapitalismus! Der staatlichen Gewaltherrschaft ein Ende setzen! Wir schreiben das Jahr 1945 und die ganze Welt feiert die Zerschlagung des Faschis­ mus. Die Sowjetunion, die aus Sicht der Imperialisten der eigentliche Verlierer des Kriegs sein sollte, wurde nun von den Ar­ beiterInnen und den unterdrückten Völkern dieser Welt als Befreier bejubelt. Die Ar­ beiterInnenbewegung kam zu neuer Stärke und wurde zu einer ernsthaften Bedrohung der Herrschenden, vor Allem auch in den Westzonen Deutschlands. Winston Church­ ill, Ministerpräsident Großbritanniens, be­ zeichnete das Dilemma der Imperialisten wie folgt: „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet.“ Sie nahmen es sich nun zur Aufgabe einen antikommunistischen, gegen die Sowjetunion gerichteten, Kriegsstaat zu

kreieren. Dieser Staat sollte die Bundesrepu­ blik Deutschlands werden. Anstatt, wie im Potsdamer Abkommen vorgesehen, für die „völlige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Ausschaltung der ge­ samten deutschen Industrie, welche für eine Kriegsproduktion benutzt werden kann“ zu sorgen, wurde die BRD in Blitzes Eile

hochgerüstet. Sieben Jahre nach Kriegsende bekam die Bundesrepublik, durch die Ver­ abschiedung des „Deutschlandvertrages“ ihre Eigenständigkeit für Innere und Äußere Angelegenheiten wieder. Schritt für Schritt wurde Deutschland wiederbewaffnet. An­ statt die alten Faschisten für ihre Verbre­ chen zur Rechenschaft zu ziehen, wurden diese mit dem Aufbau des deutschen Unter­ drückungsapparates beauftragt. Die Jugend in Deutschland aber hatte die Schnauze voll von Krieg und Militarismus und so entstand eine Massenbewegung gegen die deutsche

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Remilitarisierung. Da dies den Imperialis­ ten und deutschen Militaristen ziemlich ge­ gen den Strich ging, musste die innere Mi­ litarisierung der äußeren Militarisierung den Weg ebnen. Als die Kommunistische Partei Deutschlands eine Volksabstimmung über die Wiederbewaffnung durchführte, überfiel die Polizei die Wahllokale und entwendete die Wahlurnen. Als sich am 11. Mai 1952 Tausende Jugendliche in Essen einfanden, um gegen den Deutschlandvertrag zu protes­ tieren, da hatten die Polizisten den Schieß­ befehl längst erhalten. Philipp Müller, 21 jähriger Kommunist, fiel an diesem Tag den deutschen Kriegsgelüsten zum Opfer und wurde das erste politische Mordopfer des jungen Staates. Philipp Müller wurde zum Symbol des antimilitaristischen Widerstan­ des der Jugend in Deutschland und der Pro­ test gegen die Wiederbewaffnung verwuchs mit dem Protest zu seinem Gedenken. In den 70er Jahren befand sich das impe­ rialistisch­kapitalistische System abermals weltweit in einer Krise. Sowohl die Proteste der ArbeiterInnenbewegung in den Metro­ polen, als auch die nationalen Befreiungs­ bewegungen in den Neokolonien nahmen an Fahrt auf. In vielen Ländern griffen die Ka­ pitalisten wieder zum Faschismus, um ihre Macht zu erhalten, wie etwa in der der Türkei oder in Chile. Auch Deutschland durchlebte eine Blütezeit des Klassenkampfes. Wilde Streiks und Betriebsbesetzungen machten den Herrschenden das Leben schwer. Hin­ zu kam eine antimilitaristische Massenbe­ wegung gegen den Vietnam Krieg, sowie eine bewaffnete Stadtguerilla, mit einem breiten Sympathisantenkreis in der Bevöl­ kerung. In dieser Zeit wurde der Polizeistaat in Deutschland immer weiter aufgebaut. Es

entstanden neue Gesetze zur Unterdrückung des Widerstandes, wie der Terror­Paragraph 129a. Der Polizeiterror nahm immer größe­ re Ausmaße an. Sie überfielen Demonstra­ tionen und Streiks. 1974 wurden innerhalb weniger Wochen bei Polizeieinsätzen drei Mordanschläge verübt. Darunter der Kom­ munist Günter Routhier aus Duisburg. Er wurde bei einem Arbeitsgerichtsprozess von der Polizei so stark zusammengeschla­ gen, dass er im Krankenhaus an seinen Ver­ letzungen verstarb. Anschließend überfiel die Polizei immer wieder Trauermärsche für den Gefallenen. Allein bei der ersten De­ monstration wurden über 170 Personen fest­ genommen. Gegen Anwälte, Professoren und Presseverantwortliche kam es zu soge­ nannten Routhier­Prozessen: Die Aussage, dass Routhier ermordet wurde, wurde unter Strafe gestellt. Längst ist Deutschland wieder eine impe­ rialistische Macht geworden. Es hält die Vorherrschaft über Europa und hat Länder wie Griechenland in moderne Kolonien ver­ wandelt. Seine kapitalistischen Interessen verfolgt Deutschland auch immer häufiger militärisch. Seit 1999 führt Deutschland wieder Krieg. Zurzeit befinden sich dafür 7000 deutsche Soldaten im Ausland. Folter, Misshandlungen, Razzien, Bombardierun­ gen von Wohnhäusern und Erschießungen gehören zu ihren Taten. Dabei werden im­ mer mehr unbeteiligte ZivilistInnen Opfer dieser Militäraktionen. Das wohl bekann­ teste Verbrechen der Bundeswehr der letz­ ten Jahre, ist das Massaker von Kundus mit 142 Toten. Zur Finanzierung dieser Einsät­ ze und der Bundeswehr in Deutschland gibt der Staat jährlich rund 31,5 Milliarden Euro aus. Deutsche Waffen töten nicht nur dort,

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wo deutsche Soldaten im Einsatz sind, son­ dern auf fast jedem Kriegsschauplatz der Welt. Deutsche Unternehmen wie Rheinme­ tall, Krauss­Maffei­Wegmann oder Thyssen Krupp verkaufen ihre Waffen jährlich in über 135 Länder. Durch das Leid und den Tod der unterdrückten Bevölkerungen in vielen Teilen der Welt, hat Deutschland es geschafft auf Platz drei der weltweiten Waf­ fenexportländer zu kommen, direkt hinter den USA und Russland. Deutsche Waffen

Staates in Deutschland verstehen. Beson­ ders betroffen von dieser Repression sind vor allem jene, die sich gegen dieses System wehren oder nicht genug Profit abwerfen. Polizeigewalt auf Demonstrationen, Ge­ fängnisse, rassistische Personenkontrollen, Repressionen der ARGE, unmenschliche Unterbringungen in Flüchtlingsheimen sind ihre Auswirkungen. Wir haben keine Illusionen über diesen

haben wieder Konjunktur! Doch Deutsch­ land führt auch im Innern Krieg. Zwar wird die Bundeswehr bisher selten und „ledig­ lich“ zu Überwachungsmaßnahmen im ei­ genen Land eingesetzt, sie probt jedoch schon seit Jahren sowohl die Aufstandsbe­ kämpfung, als auch die Niederschlagung von Streiks und Fabrikbesetzungen. Auch Polizei, BKA und Geheimdienste bekom­ men immer mehr Befugnisse und Möglich­ keiten gegen die Bevölkerung vorzugehen. Vorratsdatenspeicherung, ELENA, ACTA und INDECT sind nur einige davon. Letzt­ endlich müssen wir auch das faschistische Terrornetzwerk NSU als ein Teil des tiefen

Staat. Wir stellen keine Bitten und ap­ pellieren nicht an ihn. Wir kennen seinen Charakter als Machtinstrument der Kapi­ talistenklasse und als solchen wollen wir ihn behandeln. Jeder Kampf für bessere Ar­ beitsbedingungen, für bessere Lebensbedin­ gungen, jeder Kampf gegen Mieterhöhung oder Atomenergie, jeder Kampf gegen Krieg und gegen Nazis; ist ein Kampf gegen den Staat und seine grünen, blauen und braunen Schlägerbanden. In diesem Kampf werden wir Linke, Revolutionäre und Kommunis­ tInnen immer Opfer bringen müssen. Wir betreiben keinen Märtyrer­Kult, wir ver­ trösten uns nicht auf ein sorgenfreies Leben

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nach dem Tod. Was uns die Bereitschaft Op­ fer zu bringen schenkt, ist das Leben selbst, ist unser Kampf für ein Leben ohne Aus­ beutung und Unterdrückung. Diese Bereit­ schaft, selbst dem Tod zu trotzen, verspürte auch Andrea Wolf. Sie schloss sich in den 90er Jahren der kurdischen Frauenguerilla an und wurde von dem faschistischen türki­ schen Militär ermordet. Unser Gedenken an solche KämpferInnen ist nicht nur ein Ge­ denken der Trauer, sondern auch ein Geden­ ken der Wut. Jeder Gefallene schürt unseren Klassenhass noch mehr und treibt unseren Kampf an. Wir sagen, dass die Gefallenen in unserem Kampf weiterleben, weil wir das wofür sie starben weiterführen. Unser Ge­ denken ist ein Versprechen. Leisten wir Widerstand gegen dieses Sys­ tem! Kämpfen wir gemeinsam für eine befreite Gesellschaft! Krieg dem imperialistischen Krieg! Hoch die internationale Solidarität! Kommt zum Gedenk­Konzert am 11.05. um 19 Uhr in die Weststadthalle Essen! Kommt zur Demonstration am 12.05. um 11 Uhr Rüttenscheider Str / Wittekindstr. ! Der Aufruf wird unterstützt von: ADGH – Demokratische Jugendbewegung in Europa, Antifaschistische Recherche­ gruppe Velbert, Ceni – kurdisches Frau­ enbüro für Frieden, Revolutionäre Antifa Jugend Duisburg, Rote Antifa [NRW], So­ zialistische Linke NRW, Young Struggle Du­ isburg

// Historusches ­ 8. Mai 1945//

Wer nicht feiert, hat verloren!
Am 8. Mai 1945 erlitt der Faschismus seine bisher größte Niederlage in der Geschichte. 12 Jahre lang standen die Nationalsozia­ listen mit der Unterstützung der deutschen Bourgeoisie im Zentrum der Macht. Es war die terroristische Diktatur der reaktionärs­ ten Elemente des Finanzkapitals. Konzerne wie Thyssen haben sich mit dem Verkauf von Waffen und Zwangsarbeit Abermilli­ onen verdient und konnten dadurch ihre Monopolstellung in Deutschland aufbauen, die zum Großteil noch heute besteht. Mit dem Faschismus wollte man die deutsche Vorherrschaft in Europa erlangen, doch die Träume der Nazis endeten bereits in Stalin­ grad. Faschisten an der Macht Die NSDAP in Deutschland ist nicht ur­ plötzlich an die Macht gekommen und es waren auch weniger die geschickte Rhetorik von Hitler oder Goebbels der Grund für die faschistische Übernahme. Solche Kinder­ märchen werden vor allem in der Schulzeit erzählt. Es war die tatkräftige Unterstützung der Kapitalisten, die der NSDAP zur Macht verhalf und diese kamen auch zum Teil aus dem Ausland. Henry Ford (Gründer der Ford Motor Company), Fritz Thyssen (Großin­ dustrieller, Sohn von August Thyssen)und adlige Exil­Russen, welche das Zarenreich wiederherstellen wollten, gehörten mit zu den finanziellen Unterstützern der NSDAP. Die kommunistische Bewegung im In­ und

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Ausland sollte durch den Faschismus be­ kämpft werden und gleichzeitig konnten die deutschen Kapitalisten durch die aggressi­ ve Expansionspolitik neue Märkte sichern. Pseudomarxistische Theoretiker und Revi­ sionisten geben noch heute der damaligen Politik der KPD Schuld für den Aufstieg des Faschismus. Die Arbeiterklasse sei gespal­ ten worden und dadurch sei die NSDAP an die Macht gekommen. Die KPD war jedoch die einzige ernstzunehmende antifaschisti­ sche Kraft in der Weimarer Republik. Die SPD­Führer waren eher bereit, den Nazis mit zur Regierungsgewalt zu helfen, als ein Bündnis mit der KPD einzugehen. Bei solch einer Theorie wird auch öfters der eigentli­ che Sündenbock, nämlich der Kapitalismus auch schnell mal wieder vergessen. Der Hitler­Stalin­Pakt Der Hauptfeind der Faschisten war von An­ fang an der Kommunismus. Der „jüdisch­ bolschewistischen Weltverschwörung“ sollte ein Ende gesetzt werden. Diese Pa­ role fand besonders bei den internationalen Kapitalisten viel Zustimmung, denn die zu­ nehmende internationale Arbeiterbewegung jagte ihnen Angst ein. Als die Faschisten bereits an der Macht waren, war die Sow­ jetunion noch ziemlich geschwächt von den Bürgerkriegen, die zum Großteil auch vom Ausland angezettelt wurden. Ein Angriff der Faschisten wär zu gefährlich gewesen, des­ halb mussten die faschistischen Aggresso­ ren unbedingt gebremst werden, ansonsten wär der Aufbau des Sozialismus geschei­ tert, bevor er richtig angefangen hätte. Die Westmächte hatten sich jedoch geweigert der Sowjetunion dabei zu helfen. Aus die­ sem Grund musste man ein Nichtangriffs­ pack mit dem faschistischen Deutschland

abschließen. Der sowjetisch­deutsche Pakt gab der Sowjetunion Zeit, sich darauf vor­ zubereiten, den faschistischen Angriffen zu trotzen. Die Rüstungsproduktion musste gesteigert und die Rote Armee aufgebaut werden. Dies ist für ein sozialistisches Land nicht gerade üblich, doch ein faschistischer Angriff stand unmittelbar bevor. Viele reak­ tionäre HistorikerInnen verfälschten nach­ her die Geschichte und bezeichneten den Hitler­Stalin­Pakt als angeblichen Freund­ schaftsvertrag zwischen zwei totalitären Diktatoren. Dadurch begründete man unter anderem auch die „Extremismustheorie“, also das Gleichsetzen von links und rechts. Das diese zwei Systeme völlig gegensätzli­ che Interessen verfolgen, nämlich das sich der Sozialismus für die Befreiung der Völ­ ker und der Faschismus für deren Verskla­ vung einsetzt, wird den Menschen bewusst nicht erklärt. Der Sieg der Sowjetunion Es war der Höhepunkt des zweiten Welt­ krieges. Der Faschismus hatte sich in Eu­ ropa durchgesetzt, viele Länder mussten kapitulieren. Die deutsche Wehrmacht war eine reine Kriegsmaschinerie. Die innere Militarisierung im Land begann bereits im Erziehungswesen, wo körperliche Überle­ genheit vor der Intelligenz gefördert wurde. Die deutschen Soldaten wurden psychisch

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und physisch nur für den Krieg „gezüchtet“. Nun erschraken auch die bürgerlich­kapita­ listischen Länder, als Deutschland Großbri­ tannien den Krieg erklärte und Frankreich in einem Tag erobert wurde. Eine Allianz mit der Sowjetunion war plötzlich mög­ lich. Am 22. Juni 1941 griff das Deutsche Reich die Sowjetunion an. Das sowjetische Volk sollte vertrieben, versklavt und getötet werden. Die Rote Armee zog sich aus tak­ tischen Gründen zunächst zurück und ver­ nichtete sämtliche Vorräte und Wohnungen, die auf dem Weg der deutschen Wehrmacht lagen. Ziel war es sie verhungern und erfrie­ ren zu lassen. Als der Winter begann, starte­ te der Zug der Faschisten, um die Ölfelder im Kaukasus zu übernehmen. Die Schlacht von Stalingrad war der Wendepunkt für den Krieg der deutschen Wehrmacht. 150.000 deutsche Soldaten starben in den Kämpfen oder infolge des Hungers bzw. der Kälte im Kessel. Rund 108.000 Mann gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Im ge­ samten Kriegsverlauf starben ungefähr 2,7 Millionen deutsche Soldaten. Diese Zahlen benutzt man unter anderem auch um Stalin Massenmord zu unterstellen, obwohl es im Krieg gefallene Soldaten der Nazis waren. Die Sowjetunion hat mit ihrem Sieg nicht nur den Sozialismus in ihrem Land ver­ teidigt, sondern die Willkürherrschaft der Nationalsozialisten beendet. Die größte fa­ schistische Kraft in Europa wurde von ih­ rem Hauptfeind besiegt. Natürlich hatte das große Opfer für die Sowjetunion. Es starben Nahe zu 27 Millionen Sowjetbürger. Viele fähige KommunistInnen kamen an der Front um, selbst wichtige Parteifunktionäre sind aus Überzeugung in den Krieg gezogen. Was bedeutet der 8. Mai für uns?

Der 8. Mai ist nicht nur ein historischer Tag, er steht als Symbol für den Sieg des Sozia­ lismus über den Faschismus. Der deutsche Faschismus konnte ganz Europa unter sei­ ner Herrschaft reißen, doch das sowjetische Volk konnte dieser aggressiven Macht trot­ zen. Noch heute existieren faschistische Sys­ teme, wie z.B. in der Türkei oder noch vor nicht langer Zeit in Spanien, Portugal und Griechenland. Noch nie hat er aber so eine Niederlage wie damals in der Sowjetunion erlitten. Trotz dessen erreichte Deutschland sein Hauptziel aus der damaligen Zeit, näm­ lich die imperialistische Vorherrschaft in Europa. Nach dem 2.Weltkrieg gaben die westlichen Besatzungsmächte der Bundes­ republik Gelegenheit den Kapitalismus wie­ der aufzubauen und verfolgten zur gleichen Zeit den kommunistischen Widerstand im Inland, der bereits unter dem Nationalsozi­ alismus litt. Das KPD­Verbot im Jahr 1956 schwächte erneut die kommunistischen Kräfte und die Aktionen gegen die innere Militarisierung durch das Adenauerregime. Die illegale Arbeit wurde nach dem Ver­ bot nur ungenügend durchgesetzt. Seit dem konnte sich kein organisierter kommunisti­ scher Widerstand gegen den Kapitalismus in Deutschland bilden. Die Zersplitterung der kommunistischen Kräfte, die Repressionen seitens der Staatsmacht und das Fehlen einer kommunistischen Partei sind unter anderem die Gründe hierfür. Der Sozialismus wird je­ doch siegen, das lehrte uns die Geschichte. Wir müssen die arbeitenden und werktätigen Massen für den Kampf gewinnen. Vor allem Deutschland spielt für die revolutionären und kommunistischen Kräfte auf der ganzen Welt eine besondere Rolle. Wir befinden uns nämlich im Herzen der Bestie, im Zentrum des Imperialismus in Europa.

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// Piratenpartei //

bereits im Landesparlament vertreten. Doch immer wieder wird der „Ruhm“ und der Aufstieg der „Protest“ Partei jäh unter­ brochen. In den letzten Wochen und Mona­ ten konnten wir regelmäßig Berichte über Naziäußerungen von Piratenpartei­Abge­ ordneten und Funktionären in der Presse le­ sen. So ließ der parlamentarische Geschäfts­ führer der Berliner Piraten Fraktion Martin Delius vor kurzem folgenden Vergleich von sich hören: „Der Aufstieg der Piratenpartei verläuft so rasant wie der der NSDAP zwi­ schen 1928 und 1933“. Der Berliner Lande­ schef Hartmut Semken äußerte sich zudem,

Nach Rechts hin offen?
In Zeiten, wo dem Staat alle Mittel recht sind um gegen seine eigenen BürgerInnen vorzugehen, wo die Bevölkerung ­ zumin­ dest in gewissen Maße ­ sensibilisiert ist, für die Machenschaften unseres Überwa­ chungsstaates, da wird auch die Empfäng­ lichkeit für Versprechungen und Verlockun­ gen wieder groß Die Piratenpartei trat 2006 erstmals in Deutschland in Erscheinung, tritt aber auch in ähnlicher Form, mit ähnlichen Forderungen auch in weiteren europäischen Staaten, sowie in Russland, Tunesien und Kanada in Erscheinung. Im Zeitraum von Juli 2009 bis Januar 2010 nahm die Mitgliederzahl in Deutschland dann schlagartig um das 6­fache zu. Die „Piraten“ liegen zurzeit voll im Trend. Eine neue Partei, noch in den Kinderschuhen und kein vollständiges Parteiprogramm. Und ge­ rade deshalb sind sie so interessant; sie wer­ den als Projektionsfläche für die Wünsche der BürgerInnen wahrgenommen. Die Pira­ tenpartei gibt sich jedem gegenüber offen, BürgerInnen fühlen sich ihr näher, als ande­ ren Parteien. Mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 31 Jahren, ist sie ein Ma­ gnet für junge Leute, die eine „Alternative“ zur verstaubten Politik suchen. Gerade in letzter Zeit waren sie sehr präsent: Vorträge, Diskussionsrunden, Stände und vieles mehr. Die Öffentlichkeitsarbeit scheint sich auszu­ zahlen, denn der Piraten­Hype nimmt kein Ende.In Berlin, sowie im Saarland sind sie

zu Rücktritts­ bzw. Ausschlussforderun­ gen gegenüber Parteimitgliedern die durch Rechte oder antisemitische Äußerungen aufgefallen sind, dass die letzte Partei, die mit der gezielten Verfolgung von Personen „einen Riesenerfolg“ erzielt habe, sei die NSDAP gewesen. Dazu kommt, ein Ex­ NPD­Mitglied welches Spitzenkandidat in Mecklenburg­Vorpommern war, das Partei­ ausschlussverfahren gegen einen mutmaßli­ chen Holocaust­Relativierer scheiterte und zwei Kreisvorsitzende hielten Neonazis in einer Mail Debatte für „weniger gefährlich“ als konservative Volksparteien. Das wieder­ um ist vor dem Hintergrund einer Äußerung des Piratenmitglieds Bodo Thiesen zu sehen, der 2008 den Satz geäußert hatte: „Wenn

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Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Gene­ ralmobilmachung), dann hatte Deutschland jede Legitimation, Polen anzugreifen.“ Trotz all dieser Äußerungen und Vorfälle will man in der Piratenpartei nichts von ei­ nem Naziproblem oder einem Rechtstrend in der Partei wissen. Am liebsten würde die Partei gar nicht erst über diese Dinge spre­ chen, doch die Presse, welche diese Äuße­ rungen gerne in Artikeln aufgreift, macht es der Partei unmöglich, darüber zu schweigen. Hinzu kommen homophobe Äußerungen des NRW Landtagswahlkandidaten Rainer Klute, der sich über eine angebliche Gleich­ stellung von Ehe und gleichgeschlechtli­ chen Lebenspartnerschaften aufregt und eine Bevorzugung von heterosexuellen Partnerschaften fordert. Auch der kürzliche Vergleich von antifaschistischen Blockaden gegen Naziaufmärsche mit „Nazimethoden“ zeigt wessen Geist doch ein Teil der Pira­ tenpartei ist. Sicherlich ist die Piratenpartei zurzeit kein Auffangbecken für Neonazis, jedoch ist sie sicherlich auch keine basisdemokratische Linksliberale Partei. Über reaktionäre, erz­ konservative und faschistische Meinungen innerhalb der Partei wird am liebsten ge­ schwiegen oder diese als Ausrutscher und Einzelfälle abgetan. Eine ausführliche Dis­ kussion über diese Probleme wird von den Funktionären der Partei abgelehnt und als nicht notwendig bezeichnet. Selbst die ei­ gene Parteijugend meldet sich zu Wort und fordert nun eine Diskussion über das Thema

und Konsequenzen für diejenigen die die oben beschriebenen Äußerungen von sich gegeben haben. Für uns ist klar, die Piratenpartei ist si­ cherlich keine Wahlalternative. Sie wird im Parlament und auch in einer möglichen Regierungskoalition in der Zukunft kei­ ne wirklichen Veränderungen zu unseren Gunsten herbeiführen.

Termine
Beats against militarism! In Gedenken an Philipp Müller 11.05. | 19 Uhr | Essen | Weststadthalle Gedenkdemo für Philipp Müller 12.05. | 11 Uhr | Essen | Rüttenscheider Str / Wittekindstr. Veranstaltung: Pressefreiheit in der Türkei 17.05. im Bürgerbüro Die Linke Duisburg Antikap. Aktionstage in Frankfurt 17.­19.05. | Frankrfurt Young Struggle ­ Frauencamp 25.­28.05. | Karl­Marx­Schule Lever­ kusen „Tag der deutschen Zukunft“ in Hamburg verhindern 02.06. | Hamburg