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09 2012

Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Ausgabe findet ihr den Aufruf zur bundesweiten Solidaritätsdemonstration mit unserem in U-Haft sitzenden Genossen Deniz K. (Seite 1) und den Aufruf zum bundesweiten Protestmarsch der streikenden Flüchtlinge durch Deutschland (Mit Station am 18.09. in Essen / Seite 5). Zudem möchten wir mit einem Artikel an die als „Septemberstreiks“ in die Geschichte eingegangene wilde Streikwelle im September 1969 erinnern (Seite 3) und nehmen mit einen Artikel Stellung zur heuchlerischen Solidarisierungsversuchen der westlichen Herrschenden im Justizfall um die Mitglieder der russischen Protest-Punkband „Pussy Riot“. Viel Spaß beim lesen...

// Solidaritätsdemonstration //

Unsere Solidarität - gegen ihre Repression Freiheit für Deniz K.!
- Gegen die Kriminalisierung von Antifaschismus - Solidarität mit dem inhaftierten Antifaschisten Deniz K. - Auf zur Demo nach Nürnberg am 13.10. Der deutsche Staat steht nackt da: Nazis, Mord und Rassismus Trotz der Lügen und Beruhigungspillen bürgerlicher Medien wurde sehr deutlich: Staat und Nazis befinden sich Hand in Hand! Mit dem Auffliegen der Unterstützung des Terrors der NSU hatte sich der Verfassungsschutz mehrmals vor aller Öffentlichkeit entblößt. Es handelte sich hierbei aber keineswegs um das bloße Versagen einzelner Beamter oder Behördenbereiche. Kein rechtes Auge, auf dem verschwommen oder gar nicht gesehen wird. Der Verfassungsschutz ist seit dem ersten Moment seines Bestehens als durch und durch rechts einzustufen. Eine

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staatliche Institution, die vor nichts und niemandem Halt macht! Unsere konsequente antifaschistische Aufklärungsarbeit wird jetzt nötiger und fruchtbarer als jemals zuvor – und der Staat verstärkt deshalb seine Gegenmaßnahmen. Lügen und Zugeständnisse für die „demokratische Imagepflege“ Der Verfassungsschutz, nach dem 2. Weltkrieg gegründet von ehemaligen Nazikadern, sollte vor allem die revolutionäre und fortschrittliche Bewegung innerhalb der BRD verfolgen. Von einer „Entnazifizierung“ der deutschen Institutionen konnte keine Rede sein, denn hochrangige KriegsverbrecherInnen wurden in sämtlichen Bereichen der deutschen Bürokratie rehabilitiert, sei es im Bundeskriminalamt, im Verfassungsschutz, in der Justiz oder in der Bundeswehr. Nach Ende des Kalten Krieges wurde der Verfassungsschutz zur Stütze für faschistische Gruppierungen. Es ist weder die NSU ein isoliertes Phänomen, noch die erste rechtsterroristische Vereinigung, deren Treiben Tote forderte. Es wurden ganze faschistische, teils para-militärische, Organisationen mit staatlicher Anleitung und Unterstützung aufgebaut. Seit den NSUEnthüllungen musste der Staat deshalb im-

mer größere Lügen- und Betrugskampagnen und sogar Zugeständnisse starten, wie die eiligen Razzien gegen die Nazistrukturen in NRW in den letzten Monaten gezeigt haben. Der Staat versucht dadurch sein braunes Image weißzuwaschen. Aber gleichzeitig benutzt er diese Mittel, um fortschrittliche Kräfte im Keim zu ersticken. Im Lichte der NSU wurde eine Institution geschaffen, die sich aus Verfassungsschutz- und Polizeibeamten zusammensetzt um „gegen Rechts“ zu „kämpfen“, doch bereits ein paar Monate später diskutierte man über eine solche Institution „gegen Links“. Auch der § 129b, der mit den Anschlägen am 11.September begründet wurde, dient fast ausschließlich zur Zerschlagung fortschrittlicher und revolutionärer Kräfte in Deutschland. Deniz K.: Ein neues Level der Repressionen In Nürnberg, der Hochburg der NSU-Morde, haben am 31. März 600 AntifaschistInnen gegen die Zusammenarbeit von Staat und Nazis demonstriert und damit ein unmissverständliches Zeichen gegen die staatliche Lügenkampagne gesetzt: Sie forderten die Abschaffung des NSU-Unterstützers „Verfassungsschutz“ und stellten somit die Staatsmacht in Frage. Die Bullen haben

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auch diese Demonstration brutal zusammengeschlagen. Anschließend wurde am 21. April dann der Nürnberger Antifaschist und Revolutionär Deniz K. verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Ihm wird vorgeworfen an der Demonstration teilgenommen zu haben und dabei soll er gleich 5 Polizeibeamte mit einer Fahnenstange aus Holz versucht haben umzubringen! In der Anklage der Nürnberger Staatsanwaltschaft wird ihm mehrfach versuchter Totschlag vorgeworfen. Das ist ein neues Level der Repression, ein völlig absurder und überzogener Vorwurf! Deniz K. ist aber kein Einzelfall, immer wieder versucht der Staat Antifaschismus zu kriminalisieren. Während tagtäglich MigrantInnen, Homosexuelle oder politische AktivistInnen von Nazis mitten auf der Straße überfallen werden, kriminalisiert der Staat die Menschen, die sich gegen eine solche mörderische und rassistische Politik stellen. Unsere Solidarität gegen ihre Repression! Seitdem gibt es viele Solidaritätskampagnen für Deniz K. und alle politischen Gefangenen. Europaweit starteten Solidaritätsaktionen um auf sein Fall bekannt zu machen und auch hier in NRW hat sich ein Solidaritätskomitee gegründet. An der bundesweiten Demonstration „gegen Repressionen und Kriminalisierung von Antifaschisten“ am 13.10 werden wir ebenfalls teilnehmen. Doch warum sollte man den weiten Weg nach Nürnberg auf sich nehmen? Mit Deniz wird ein Präzedenzfall geschaffen, der in Zukunft das Einsperren und die Verfolgung von fortschrittlichen Kräften, vielleicht bald auch dich, rechtfertigen könnte. Für uns gilt: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht! Deniz K. braucht unsere Solida-

rität! Lasst uns weiter dem Staat und seinen Machenschaften die Hosen runter ziehen und Protest und Widerstand organisieren! JETZT ERST RECHT! Deshalb: Am 13.10, Samstag früh nach Nürnberg mit dem Bus aus Duisburg und Köln zur bundesweiten Demonstration „Gegen Repression und Kriminalisierung von Antifaschisten!“ (Beginn: 13 Uhr) • Freiheit für Deniz! • Verfassungsschutz zerschlagen! • Hoch die Internationale Solidarität! NRW-Solikomitee „Freiheit für Deniz“ TICKETS zum BUS und Näheres unter: denizk.blogsport.de // Arbeitskämpfe //

Septemberstreiks im Ruhrgebiet 1969
Rund um das Jahr 1968 bildeten sich auf der ganzen Welt eine Reihe von revolutionären Bewegungen. Die Entwicklungen damals in Kuba, China und Vietnam hatten einen starken Einfluss auf die ideologische Ausrichtung der politischen Bewegungen dieser Zeit. Die nationalen Befreiungskämpfe und die Studentenproteste bekamen riesigen Zulauf und Öffentlichkeit, doch auch die Arbeiterklasse erhob sich aus ihrem scheinba-

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ren Schlaf. Der Kapitalismus, der durch den 2. Weltkrieg eine bittere Niederlage erlitten hatte, konnte sich wieder aufbauen und führte notwendiger Weise zu ökonomischen Krisen. Es kam zu großen Streikwellen seitens der ArbeiterInnen. Über 10 Millionen ArbeiterInnen traten im Jahr 1968 in Frankreich in den Streik, dies war ein Startsignal für das für „Tot“ erklärte Proletariat. Auch im September 1969 kam es im Ruhrgebiet zu vielen „wilden“ (nicht vom Staat und Gewerkschaften genehmigten) Streiks der Arbeiterklasse. Auslöser war hierbei der Streik der ArbeiterInnen in Dortmund bei Hoesch, der als Vorreiter für eine bundesweite Welle von wilden Streiks galt. Die Interessen der ArbeiterInnen bezogen sich auf verschiedene Forderungen. Die ArbeiterInnen der Saarbergwerke AG z.B. formulierten unter anderem folgende Ziele: 1. Lohnerhöhungen auf der Verhandlungsbasis eines Stundenlohns von 8 DM 2. Urlaubsgeld in Höhe eines Monatslohnes; 3. Kein Lohnausfall im Urlaub; 4. Kindergeld auch für das erste Kind (wie im öffentlichen Dienst); 5. Spezialistenzulage; 6. Hitzegeld ab 26 Grad 7. Wohnungsgeld auch für Ledige; 8. 5-Tagewoche;

Die Gewerkschaften wurden von der Bourgeoise ausgenutzt um die Stimmung innerhalb der Arbeiterklasse zu beruhigen und das ein neues Level der Ausbeutung durchzuboxen. Das Vertrauen der ArbeiterInnen in die Gewerkschaften sank und sie nahmen die ganze Sache selber in die Hand. Die Gewerkschaften distanzierten sich stets von den wilden Streiks seitens der ArbeiterInnen und krochen stattdessen der Bourgeoise hinterher. Nach einigen kurzfristigen kleineren Streiks gingen am 2. September 27.000 Stahlkocher von Hoesch-Dortmund für 2 Tage in den Streik, spontan legte eine Belegschaft nach der anderen in den großen Werken die Arbeit nieder. Es folgten viele weitere Streiks im Ruhrgebiet. Um das ganze Ausmaß der Streikbewegung zu vermitteln, nennen wir einige der Zentren: 4. - 5. September Rheinstahl – Mülheim/ Ruhr mit 2.900 Streikenden, 5. - 6. September 12.00 Streikende bei Mannesmann - Duisburg, 1.000 Streikende bei AEG Mülheim; 5. - 9. September: 3.300 Streikende bei Rheinstahl Gelsenkirchen Vom 9.-11.September legten 10.000 Bergarbeiter der Ruhrkohle AG die Arbeit nieder. Als das Ausmaß der Streiks sich immer mehr verbreitete und bundesweit auch Anklang fand, nahm auch zunehmend der öffentliche Dienst an den Streiks teil. Die Geschäftsleitungen fingen an die streikenden ArbeiterInnen bei den Krankenkassen abzumelden, wogegen 5.000 ArbeiterInnen einen Protestmarch durch Kiel veranstalteten, wo sie den Oberbürgermeister aufforderten Fürsorgeunterstützung im Notfall

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zu leisten. Als die Streikenden wieder ihre Arbeit aufnahmen, kündigten die Firmen an das es keinerlei Repressalien gegenüber den Streikenden geben wird. Kurze Zeit danach wurden doch 2 Arbeiter gekündigt und es kam zu weiteren Streiks. Durch den Druck der ArbeiterInnen wurden die Kündigungen bis auf weiteres zurückgezogen. Dies verdeutlicht uns, wie wichtig und erfolgreich Solidarität im Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung sein kann. Die wilden Streiks im September waren ein Vorbild für viele weitere Proteste der Arbeiterklasse, wie z.B. der sogenannte „Türkenstreik“ bei Ford, der in Deutschland als kämpferischster Streik nach dem 2. Weltkrieg gilt und brutal von der Polizei zerschlagen wurde. Die Gewerkschaften haben sich vor den Augen der ArbeiterInnen immer wieder entblößt und gleichzeitig wurde von den Neomarxisten die Lüge verbreitet, das Proletariat sei tot, aber die Streiks haben gezeigt, dass das Proletariat lebt und das es das einzig konsequente revolutionäre Subjekt unserer Geschichte sein wird!

// Aufruf zum Marsch //

Protestmarsch der streikenden Flüchtlinge
Um Freiheit zu erreichen, darf der Mensch nicht in Reih und Glied stehen, sondern muss die Reihe durchbrechen Ihr, all die Asylsuchenden, die unter unmenschlichen Bedingungen in Deutschland leben und zuschauen wie euer Leben und das eurer Kinder einen langsamen Tod entgegen gehen, ihr, die wie Gefangene in Lagern gehalten werdet, im Angesicht all der diskriminierenden Bedingungen, die euch zu Bürgern zweiter Klasse machen, ihr, die jeden Moment die Abschiebung fürchtet, ihr, die auf der untersten Stufe einer ungerechten Gesellschaft steht und all ihr Gewicht auf euren Schultern tragt, -während ihr der grausamen und unmenschlichen Residenzpflicht gehorchen müsst: JETZT ist die Zeit gekommen, gegen all das aufzustehen. JETZT ist die Zeit aufzustehen, weil wir nicht länger passiv Zeugen des Todes eines von uns sein möchten, denn die unmenschliche Behandlung der Asylbewerber in Deutschland kann jeden von uns in den Tod treiben. Die Asylbewerberproteste begannen am 19. März 2012 in Würzburg und haben Asylbewerber in vielen anderen Städten dazu inspiriert, ebenfalls aufzustehen. Nun, 5 Monate später, ist die Bewegung, gestärkt durch

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die Hartnäckigkeit und den Widerstand der Flüchtlinge, bereit, einen nächsten, viel größeren Schritt zu tun. Wir werden keine Gesetze respektieren, die uns nicht als Menschen respektieren. Die streikenden Flüchtlinge in ganz Deutschland, die einen starken und koordinierten gemeinsamen Protest begonnen haben, haben beschlossen am 8. September eine neue Aktion zu starten: Ab diesem Tag werden Asylsuchende auf 2 verschiedenen Routen nach Berlin marschieren um dort der deutschen Regierung zu zeigen, dass auf jede Anwendung des unmenschlichen Abschiebegesetzes eine Reaktion der Bewegung folgen wird. Die Flüchtlinge werden lauter schreien denn je, sie werden ihren Kampf weiterführen, bis die Lager mit ihren katastrophalen Bedingungen geschlossen werden. Mit der Versammlung in Berlin werden die Flüchtlinge aktiv gegen die diskriminierende Residenzpflicht verstoßen, die sie zwingt, sich in einem bestimmten Bereich aufzuhalten. Diese gut koordinierte Aktion wird allein von Asylsuchenden selbst organisiert und ist unabhängig von jeglichen politischen

Parteien oder Gruppen. Wie oben erwähnt, wird der Marsch nach Berlin gleichzeitig auf 2 verschiedenen Routen stattfinden: Auf der einen werden Flüchtlinge von Würzburg nach Berlin marschieren. Die andere führt mit Transportmitteln über die Flüchtlingslager Westdeutschlands. Beide Gruppen werden gleichzeitig in Berlin ankommen und dort zusammentreffen. Diese Aktion wird zunächst von Asylbewerbern aus Bayern und BadenWürttemberg ausgehen, wird sich aber nicht auf diese beiden Bundesländer beschränken. Alle Asylbewerber die in Lagern oder Städten auf dem Weg nach Berlin leben, werden besucht und eingeladen, am Protest teilzunehmen. Wir rufen alle Flüchtlinge auf, die wie wir diese unmenschlichen Lebensbedingungen nicht mehr ertragen und auf verschiedenste Art dagegen gekämpft haben, sich uns anzuschließen. So können wir mit vereinten Kräften die jahrzehntelangen Kämpfe um menschenwürdige Asylrechte zu ihrem langersehnten Ziel zu führen. In Berlin werden wir solidarisch Hand in Hand nochmals unsere berechtigten Forde-

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rungen vortragen: - Abschaffung aller Flüchtlingslager in Deutschland Abschaffung der Abschiebegesetze. Abschiebung ist unmenschlich und dient nur den politischen und ökonomischen Interessen der Mächtigen Abschaffung der Residenzpflicht An alle Asylbewerber, Flüchtlinge und Immigranten in Deutschland: Wir alle haben unsere Länder aus verschiedensten Gründen verlassen und kamen in dieses Land in der Hoffnung auf ein besseres und sicheres Leben. Die meisten von uns haben Tausende von Kilometern zurückgelegt, haben dabei alle möglichen Qualen, Gefahren und viel Leid ertragen. Wir haben das alles in Kauf genommen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Nun ist es vielleicht an der Zeit, dieselben Schuhe anzuziehen, die wir auch auf unserer Flucht getragen haben. Nun ist es vielleicht an der Zeit noch ein paar mehr Kilometer zu laufen, diesmal aber nicht alleine, sondern alle gemeinsam für eine bessere Welt. An die Asylbewerber der südlichen Bundes-

länder: Am 8. September werden wir uns alle in Würzburg treffen und wir freuen uns über jeden Einzelnen, der uns begleitet. An die Asylbewerber der anderen Bundesländer, die unser Anliegen teilen: Wir werden unser Bestes geben, zu euren Lagern zu kommen um mit euch gemeinsam nach Berlin zu reisen. Organisationskommitee der streikenden Asylbewerber in Deutschland // Politische Gefangene //

Der Fall: Pussy Riot
In den letzten Monaten kursierten in unseren bürgerlichen Medien immer wieder Berichte über politische Repressionen in Russland. Vor kurzem ging es um die russische Punkband „Pussy Riot“, die aus einer Gruppe von zehn Feministinnen besteht. Die Punkband war dafür bekannt, kritische Konzerte an allen möglichen öffentlichen Orten zu geben. Der Rote Platz wurde ihnen zum Verhängnis, dort wurden drei von ihnen festgenommen. Als die Gruppe dort ein „Punk-Gebet“ singend religions- und regierungskritische Parolen riefen, fand das Kyrill I., der Putin treue Vorsteher der gesamten russisch-orthodoxen Kirche, nicht so lustig. Wegen grober Verletzung der öffentlichen Ordnung und den Protest gegen Kirche und Staat wurden drei von ihnen

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festgenommen und zu 3 Jahren Haft verurteilt. Reaktionen kamen aus aller Welt, selbst von denn aller bürgerlichsten Parteien. So sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler: „Der Schuldspruch gegen die drei Musikerinnen Jekaterina Samuzewitsch, Nadja Tolokonnikowa und Maria Aljochina ist ein herber Rückschlag für alle Bemühungen, in Russland rechtsstaatliche Strukturen zu festigen.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ einige Russland kritische Äußerungen zu Wort: „Den Prozess gegen Mitglieder der Band Pussy Riot habe ich mit Besorgnis verfolgt. Das unverhältnismäßig harte Urteil steht nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland u.a. als Mitglied des Europarates bekannt hat.“ Natürlich handelt es sich bei diesem Fall um politische Repressionen und Solidarität ist daher wichtig, doch nur wenn sie ernst gemeint ist! Wieso sollte der deutsche Staat Interesse daran haben die Rechtsstaatlichkeit in Russland wegen einer anarchistischen Gruppierung in Frage zu stellen, während im eigenen Land ein 19-Jähriger wegen angeblich 5-Fach versuchtem Totschlag an Polizeibeamten (mit einem Stock) ebenfalls in U-Haft steckt? (mehr dazu auf Seite 1-3) Russland und Deutschland sind zwei imperialistische Länder, die zwingend unterschiedliche Interessen verfolgen. Seit Jahrhunderten verfolgen beide Länder gegensätzliche geopolitische Interessen. Auch die Bündnisse sind verschieden, während Russland mit China liebäugelt, kuschelt Deutschland lieber mit der Nato. Die derzeitige Ordnung der imperialisti-

schen Kräfte steht durchaus im Zusammenhang mit der Geschichte der „Pussy Riot“ und auch der Fall Timoschenko, welches viel Bedauern im Westen auslöste, ist nicht zu trennen von dem ganzen Prozess. Zum einen verschafft die geheuchelte Solidarität Beliebtheit beim Volk, indem sie vorgaukeln es würde sie tatsächlich interessieren wenn jemand aufgrund seiner politischen Aktivität in einem Land unterdrückt wird. Zum anderen verüben sie gleichzeitig Kritik an Russland, um innerhalb der Arbeiterklasse Stimmung gegen Russland zu machen. Das „böse“ Russland und der „gute“ Westen, so sieht es tatsächlich in vielen Köpfen der Menschen aus. Es klingt zwar unglaublich schön und toll wenn sich die SPD und die CDU für die Freiheit politischer Gefangen einsetzt, doch man sollte sich der politischen Lage bewusst sein um den gesamten Zusammenhang der Geschichte zu verstehen, ansonsten lässt man sich von der Heuchelei der eigenen Kapitalisten verarschen.

Termine
Flüchtlingsmarsch in Essen 18.09. | Dortmund Cafe Roter Oktober: Die aktuelle Situation in Nord-Kurdistan 28.09. | 19 Uhr | Ground Zero