You are on page 1of 6

10 2012

Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Ausgabe findet ihr den Aufruf zur großen Solidemonstration für die Freiheit unseres Genossen Deniz K., der seit sechs Monaten in Nürnberg in Untersuchungshaft sitzt. Zudem haben wir für euch einen Artikel zum 80 jährigen Bestehen der Antifaschistischen Aktion und unserem fünften Geburtstag. Auch wollen wir euch den Aufruf des Bündnis „Verfassungsschutz auflösen!“ zur gleichnamigen Demonstration am 10.11. vor der Zentrale des Bundesamt für Verfassungsschutz ans Herz legen. Viel Spaß beim lesen...

// 80 Jahre Antifa //

Happy Birthday Antifa!

80 Jahre Antifaschistische Aktion, 5 Jahre Rote Antifa, und Jetzt?
Nachdem die NSDAP im Jahre 1930 mit ca. sechs Millionen WählerInnen zur zweitstärksten Partei wurde, versuchte die KPD den Nazis mit Hilfe einer „Einheitsfront aller Werktätigen“ entgegenzutreten. Sie nannten diese Front Kampfbund gegen den Faschismus (KgF) und sie sollte aus ArbeiterInnen von KPD und SPD, sowie aus christlich organisierten ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen und Unorganisierten

bestehen. Vor allem aber sollte diese Organisation der legale Nachfolger des 1929 verbotenen Roten Frontkämpferbundes sein. Im Jahr 1932 überfielen im Reichstag Mitglieder der NSDAP kommunistische Abgeordnete. Als Reaktion darauf rief die KPD schon am nächsten Tag öffentlich die Antifaschistische Aktion aus. ArbeiterInnen, Arbeitslose, Beamte, BäuerInnen, HandwerkerInnen und Intellektuelle sollten sich jetzt gemeinsam

antikapitalistisch – klassenkämpferisch – revolutionär

Seite 1

den immer mehr Zulauf gewinnenden Nazis in den Weg stellen. Die bis dahin in den letzten zwei Jahren aufgebauten Strukturen des Kampfbundes gegen den Faschismus mit über 1600 Ortsgruppen (Stand Dezember 1931) wurden in diesen Plan übernommen und liefen so fließend in den Übergang zur Antifaschistischen Aktion ein. Trotzdem waren die Antifaschistische Aktion und der KgF nicht das selbe. Während der Kampfbund ja vorallem die legale Arbeit gegen die Faschisten wieder möglich machen sollte, entstand die Antifaschistische Aktion nicht als Mitgliedsorganisation, sondern auf die politische Radikalisierung der Situation hin. Daran orientiert vor allem deutliche Aktionen auszuführen, sollte die Antifaschistische Aktion der gesamten Arbeiterschaft die Möglichkeit zu kämpfen geben, nämlich gegen die „Aufrichtung einer faschistischen Diktatur“, gegen das „kapitalistische System“ und für „ein freies, sozialistisches Deutschland“ (Zitate aus dem „Kampfgelöbnis“ vom 12. Juli 1932). Nachdem die Antifaschistische Aktion im

Sommer und Herbst 1932 durch zahlreiche Streiks etc. auf sich aufmerksam gemacht und so eine gewisse Stärke erreicht hatte, schaffte sie es, den Masseneinfluss der Nazis so sehr zu verringern, dass zwei Millionen WählerInnen der Hitlerpartei bei den Reichstagswahlen im folgenden November den Rücken kehrten. Damit begann der beständig fortlaufende Kampf der Antifaschistischen Aktion. Trotz immer neuer Spaltungen und innerlicher Konflikte bleibt er auch heute, nach 80 Jahren, noch erhalten und im Rahmen dessen Gründeten wir uns dann vor genau fünf Jahren; die Rote Antifa. Auch wenn sich, so wie die gesamte Bewegung, das Logo der Antifaschistischen Aktion immer weiter veränderte, berufen wir uns noch heute auf die ursprünglichen rotroten Fahnen, die auch schon die KPD bei der Gründung der Antifaschistischen Aktion als Logo verwendet hatte. In den letzten fünf Jahren, haben wir uns immer wieder klar positioniert und uns weiterentwickelt.

Seite 2

antikapitalistisch – klassenkämpferisch – revolutionär

In den letzten fünf Jahren, so wie in der Zukunft kämpfen wir gegen: „Krieg und Faschismus“, gegen das „Kapitalistische System“ und für den Kommunismus! Am 26.10.2012 wollen wir euch zu einer Kleinen Geburtstagsfeier im Ground Zero Einladen. Ab 19.00 Uhr Live Musik mit S Castro und DJs, 2€ Eintritt // Freiheit für Deno! // halte und offensiven Ausrichtung im voraus mit Repression konfrontiert. Mit brutalster Polizeigewalt wurde das Innenstadtverbot für DemonstrantInnen durchgeprügelt. Dies wurde nicht ohne widerstand hingenommen Wochen danach wurde unser Genosse Deniz von der Polizei festgenommen, und sitzt seit dem in Nürnberg in U-Haft. Der absurde Vorwurf lautet auf fünffachen versuchten Totschlag gegenüber Polizeibeamten. Angespornt durch die erfolgreiche Kampagne zur Freilassung von Basak Sahin Duman wollen wir an diesem Tag unsere Solidarität mit Deniz ausdrücken und kämpfen auch hier für eine möglichst schnelle Freilassung aus der Haft. Denn getroffen ist einer, doch gemeint sind wir alle. In Nürnberg, der Stadt in der der NSU 3 Menschen ermordete, wollen wir ein entschlossenes Zeichen gegen staatlich unterstützten Naziterror, Rassismus und die Verfolgung von AntifaschistInnen setzen. Die Verbindung zwischen Staat und bewaffneten Nazis gibt es nicht erst seit dem „NSU-Skandal“. kurz nach 1945 wurden in allen staatlichen Behörden Nazis übernommen. Es gab nie eine Stunde Null. Gerade

Alerta Antifascista!
Stoppt den Staatsterrorismus! Freiheit für Deniz und alle inhaftierten Antifas! Am 13. Oktober ruft das Nürnberger Antifaschistische Aktionsbündnis (AAB) zusammen mit dem Solikomitee-Freiheit für Deniz zu einer Demonstration unter dem Motto „ Antifaschismus ist nicht kriminellFreiheit für Deniz“ auf. Auf dieser Demo soll die Kriminalisierung verschiedener antifaschistischer Initiativen aus verschiedenen Spektren thematisiert werden. Wir als 3A-Bündnis unterstützen den Aufruf der Nürnberger GenossInnen und rufen überregional zur Teilnahme auf. Am 31.3. diesen Jahres gab es in Nürnberg eine Demonstration unter dem Motto“ Nazistrukturen bekämpfen, Verfassungsschutz abschaffen, Antifa in die Offensive“ statt. Diese Demo war schon aufgrund ihrer In-

antikapitalistisch – klassenkämpferisch – revolutionär

Seite 3

die Geheimdienste und Sicherheitsbehörden wurden mit faschistischen Kadern wieder aufgebaut. Im Zuge des kalten Krieges wurde spätestens ab 1947 die sogenannte „Staybehind-Organisation“ Gladio gegründet, die Europaweit als bewaffnete Struktur zur Bekämpfung kommunistischer Bestrebungen aufgebaut wurde. Aufgedeckt wurde die Gladio 1990 in Italien, wo diese Struktur für Staatsterrorisitsche Anschläge mit vielen Toten verantwortlich war. „Doch auch in Bayern gibt es eine lange Liste an Staatlichen Verstrickungen rund um extrem rechten Terror. Prominentestes Beispiel ist hier mit Sicherheit die „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Karl-Heinz Hoffmann, guter Freund von hochrangigen bayrischen Politikern, scharte junge Nazis um sich, um den bewaffneten Kampf für den Fall eines Erstarkens linksradikaler Kräfte vor Ort oder einer herbei phantasierten „ kommunistische Invasion“ zu erproben. So wurde der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Nürnbergs, Shlomo Levin, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Frieda Poeschke, in Erlangen von einem Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann erschossen. Ermittlungen gegen die WSG wurden nicht geführt. Der mutmaßliche Täter kam kurz nach der Tat unter bisher ungeklärten Umständen ums Leben, für die Ermittlungsbehörden war hiermit die These des verrückten Einzeltäters Wasserdicht untermauert. Ein ganz ähnliches Geschehen kann man beim sogenannten „Oktoberfest-Attentat“ verfolgen. Der Sprengstoff für das Attentat stammte vermutlich vom NPD-Mann Heinz Lemke, der wahrscheinlich Waffen und Sprengstoff der Nato-Kampfstruktur „GLADIO“ hortete. Trotz ernstzunehmender Hinweise hakten

die Ermittlungsbehörden Gundolf Köhler, den Attentäter, als psychisch instabilen Einzeltäter ab.“( Aus dem Aufruf für den 31.3.) Bis heute wurden trotz neuer Erkenntnisse die Hintergründe des Attentats nicht restlos aufgeklärt. Das Verlangen angehöriger der Opfer nach Wiederaufnahme der Ermittlungen wird von den Bayrischen Behörden verweigert, trotz zahlreicher detaillierter Hinweise die sich aus Stasi-Unterlagen zu entschlüsselten Funksprüchen der GladioStruktur ergeben haben. Auch heute nach Bekanntwerden des NSU hat sich hieran nichts geändert, im Gegenteil, auch bei diesem Fall wird systematisch Vertuscht. Selbst bürgerliche Tageszeitungen glauben inzwischen nicht mehr an einen Zufall, sondern stellen die Frage nach dem „tiefen Staat“. Auch wir sehen Anzeichen für solche Entwicklungen in Deutschland. Gerade in Zeiten der Krise bereitet der Staat, als Garant für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung, sich präventiv auf kommende soziale Unruhen und Aufstände vor. Schon jetzt ist die Grundlage für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren geschaffen. Im Gefechtsübungszentrum in der Altmark soll der Häuserkampf in europäischen Städten nachempfundenem Manövergelände geprobt werden. Ein Antifaschismus der sich selbst ernst nimmt, muss sich deswegen hauptsächlich auch immer gegen kapitalistischen Staat richten. So ist unsere Aufgabe als revolutionäre nicht ein alleiniges abarbeiten an den Nazis, sondern der entschlossene Kampf gegen diesem System und seinen Staat. Die Antirepressionsarbeit und die Solidarität mit den politischen Gefangenen, der Kampf

Seite 4

antikapitalistisch – klassenkämpferisch – revolutionär

gegen staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus sowie praktischer Antifaschismus müssen zu einem gemeinsamen Kampf verbunden werden und mit der Perspektive zur Überwindung des Systems geführt werden. Dabei gilt es Spektren übergreifend zusammenzuarbeiten, ohne sich in gute und böse Demonstranten spalten zu lassen. Setzen wir in Nürnberg ein kraftvolles Zeichen für einen solidarischen Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Imperialismus.

Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die NaziterroristInnen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sieben Jahre lang unter den Augen der Sicherheitsbehörden zehn Menschen ermorden und zwei Sprengstoffanschläge verüben konnten. Jahrelang leugnete die Polizei die rassistischen Hintergründe der Morde und machte die Opfer auch noch zu Tätern, indem sie in Richtung organisierter “Ausländer-Kriminalität” ermittelte. Eine Angehörige eines Opfers musste neunmal als Verdächtige bei der Polizei erscheinen, andere wurden monatelang von verdeckten ErmittlerInnen ausgespäht. Die Ermittler und Ermittlerinnen gaben der Sonderkommission den Namen “Soko-Bosporus”, von den Medien wurde der Begriff “Döner-Morde” geprägt und verbreitet. Beide Ausdrücke stellen rassistische Stereotype dar, mit denen die Gewalttaten verharmlost und die Opfer herabgewürdigt werden. Diese sind nur Beispiele für einen alltäglichen institutionalisierten Rassismus, dem Menschen in Deutschland ausgesetzt werden. Rassismus steckt nicht nur in der Gesetzgebung dieses Landes, auch das Personal macht keinen Hehl daraus, wo seine Sympathien liegen. Verschiedene Ebenen in den Verfassungsschutzämtern hatten nicht nur von den Taten des rechtsterroristischen Trios Kenntnis, sondern unterstützten das Umfeld des NSU zudem mit bezahlten VMännern und -Frauen, von denen eine/r die

// Verfassungsschutz / NSU//

Verfassungsschutz auflösen! Rassismus bekämpfen!
Verfassungsschutz auflösen – Rassismus bekämpfen Demonstration am 10.11.2012 in Köln-Chorweiler Das Bündnis “Verfassungsschutz auflösen!” ruft für den 10.11.2012 unter dem Motto “Verfassungsschutz auflösen – Rassismus bekämpfen!” zu einer Demonstration in Köln-Chorweiler vor dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) auf.

antikapitalistisch – klassenkämpferisch – revolutionär

Seite 5

NaziterroristInnen mit Sprengstoff belieferte. Mehrmals hatten die Behörden Hinweise auf die Aufenthaltsorte der zur Fahndung ausgeschriebenen TerroristInnen – und handelten nicht! Nach Bekanntwerden der Taten des NSU wurde zudem eine erschreckende Politik der Verschleierung losgetreten: Geschredderte und verheimlichte Akten, konsequente Lügen in Untersuchungsausschüssen, wenige, viel zu späte, Rücktritte von Verantwortlichen. Man will uns weismachen, dass eine Serie von Pannen die Ermittlung der Behörden behinderte. Tatsächlich hat die Öffentlichkeit in diesem Fall einen Einblick in die skandalöse alltägliche Arbeitsweise der Geheimbehörden bekommen: Sammeln von Informationen und taktisches Unterdrücken oder Weiterleiten derselben. Individuelle Seilschaften innerhalb und zwischen den Behörden steuern nach Gutdünken den Umgang mit Informationen. Rechte Gesinnung hat beim VS Kontinuität: Gegründet im Jahre 1950 mit ehemaligen Nazis sorgte er dafür, dass Widerständler und Widerständlerinnen aus dem Dritten Reich erneut in deutsche Gefängnisse kamen. In den sechziger Jahren bekämpfte er die Studentenbewegung, in den siebziger und achtziger Jahren lieferte er das Material für die Berufsverbote linker AktivistInnen. Vor neun Jahren scheiterten die Pläne für ein NPD Verbot nicht zuletzt daran, dass diese bis in die höchsten Führungsetagen von VMännern/-Frauen und Spitzeln des Verfas-

sungsschutzes durchsetzt war. Deshalb: Auf nach Köln. Hauptsitz des Verfassungsschutzes und des Militärischen Abschirmdienstes MAD und die Stadt, in der zwei Bombenanschläge des NSU stattfanden. Für die Offenlegung aller Informationen bezüglich VS/NSU und der Unterstützung von Neonazis durch den Verfassungsschutz und andere Geheimdienste! Für einen Untersuchungsausschuss, in dem alle Menschen dieser Gesellschaft durch VertreterInnen ihres Vertrauens Zugang zu allen Informationen haben! Gegen Rassismus und Ausgrenzung Solidarität mit den NSU-Opfern und ihren Angehörigen! Entschädigung für die rassistischen und diffamierenden polizeilichen Ermittlungen. Verfassungsschutz auflösen – Geheimdienste abschaffen! Bündnis “Verfassungsschutz auflösen!

Termine
Free Deno Demo 13.10. | 14 Uhr | Nürnberg Cafe Roter Oktober: 5 Jahre Rote Antifa & 80 Jahre Antifa 26.10. | 19 Uhr | Ground Zero