Die Reformation und das Konzil von Trient (1545 – 1563

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von der Gruppe: Markus Kunze

1. Historisches Umfeld 1.1. Kurzfassung
Innerkirchliche und soziale Zustände: Kirchliche Krisen: • Schwächung der päpstlichen Autorität – Rückkehr der Päpste nach Rom und Gegenpapst in Avignon; Konziliarismus • Scheitern notwendiger Reformen gegen Verweltlichung der Kirche (Ablasshandel, Ämterkauf, Nepotismus, Renaissancepapsttum) • Frühe Reformatoren: John Wycliff , Jan Hus (Irrlehren) Weltliche Krisen: • Wirtschaftskrisen, Hungersnöte und Seuchen • Raubrittertum, Niedergang der kaiserlichen Autorität • Bauern- und Ritterkriege Luther, Calvin: Luther will keine neue Kirche gründen, sondern die Missstände beseitigen; trennt sich aber theologisch von der Lehre der römischen Kirche (1530 Augsburger Bekenntnis). Der Schweizer Reformator Johannes Calvin wird zum Begründer des Helvetischen Bekenntnisses. Erst die machtpolische Situation in Europa (Kaiser Karl V. gegen die Reichsfürsten sowie Frankreich und die Türken) sichert der reformatorischen Lehre den weiteren Bestand. Die Kriege erfassen alle gesellschaftlichen Schichten und haben nicht nur religiöse sondern vorwiegend politische und soziale Ursachen. Konzil von Trient (1545-1563): Am Beginn des Konzils ist die kaiserliche Macht am Höhepunkt und die Konzilsväter versuchen die Gegensätze zwischen dem Katholizismus und der neuen evangelischen Lehre zu überwinden. Nach der Niederlage der kaiserlichen Macht droht das Konzil zu scheitern. Im Augsburger Religionsfrieden (1555) wird den Reichsfürsten das Recht eingeräumt, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen („Cuius regio, eius religio“). Erst gegen Ende des Konzils wird das katholische Bekenntnis formuliert und werden innerkirchliche Reformen begonnen. Das 15. und 16. Jahrhundert war eine große universalgeschichtliche Wendezeit: • Heliozentrisches Weltbild, • Technische Erfindungen (Buchdruck, Schießpulver, Kompass) • Entdeckungen • Frühkapitalismus und neues Staatsdenken (Machiavelli) • Humanismus und Renaissance

1.2. Zeitenwende 1500
Die universale Weltgeschichte kann in zwei große Abschnitte eingeteilt werden. Bis 1500 n. Chr. war die Weltgeschichte von den Kulturen des Orients geprägt (Ägypten, Mesopotamien, Indien, China, Kleinasien, Mittelmeerraum). Ab 1500 n. Chr. wird die Weltgeschichte vom Okzident geprägt (Abendland, Europa, europäische Tochterkulturen: Angloamerika und Iberoamerika, Australien, Sowjetunion) Gleichzeitig stellt die Zeit um 1500 auch eine Epochenwende in der abendländisch-europäischen Geschichte dar. Das Mittelalter klingt aus (Spätmittelalter) und eine neue Zeit (Frühe Neuzeit) beginnt. Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 gilt dabei als einschneidendes Ereignis. Das Spätmittelalter ist eine Zeit der großen Krisen und Veränderungen: Ketzer, Denker und Gelehrte lassen die Deutung der christlichen Botschaft vieldeutig werden. Neue Ordensgemeinschaften (Franziskaner, Dominikaner) und vor allem die Scholastik (Albertus Magnus, Thomas v. Aquin) als neue Methode des wissenschaftlichen Denkens an den aufblühenden Universitäten (Prag 1348, Wien 1365) prägen das geistige Leben. Fragendes, zweifelndes, suchendes Denken und die Begegnung mit dem arabisch-orientalischen Raum bereiten bereits eine neue Zeit vor. „Manche Wege des Denkens und Suchens wurden im Mittelalter begonnen und führten über Humanismus und Renaissance und die Aufklärung bis in die Gegenwart; nicht immer geradlinig, eher suchend und tastend beginnt im

späten Mittelalter die Entgrenzung des engen Verständnisses von Raum und Zeit der Menschen im Abendland. Veränderungen mussten immer „Reform“ (Wiederherstellung der alten Ordnung) sein. Erst die Aufklärung im 18. Jh. bejaht die Veränderung zu Neuem, die Gestaltung der Welt.“ Die Antike am Mittelmeer wurde durch die Wanderung der Germanen und Araber (4.-8. Jh.) beendet und das Mittelalter begann. Das Mittelalter aber wurde nicht durch Einwirkungen von außen beendet sondern durch eine innere Differenzierung in Nationen, Staaten und Konfessionen (13.-16. Jh.). Kennzeichen der Krise im Spätmittealter: • Krisenhafte Erschöpfungszustände in der Wirtschaft (Ende der Siedlungsausdehnung und Wüstungen von bereits besiedelten Dörfern, Stillstand im Handwerk, Hungersnöte, Seuchen, Geldinflation) aber auch Höhepunkte der Gotik • Krise des Adels und der Feudalgesellschaft (Raubrittertum) aber Aufstieg der Städte und des Bürgertums • Revolten von Bauern und Handwerkern; mystisches Vagabundentum • Frühe Reformatoren (J. Wycliff, J. Hus) und Irrlehrer, aber auch neue Gläubigkeit (Mystik) • Niedergang des Kaisertums: Nur mit Hausmacht ausgestattete Geschlechter (Habsburger, Wittelsbacher, Luxemburger) können sich behaupten. Die kaiserliche Macht wird durch das Erstarken des Landesfürstentums und der westeuropäischen Nationalstaaten beschränkt. • Schwächung der päpstlichen Autorität: Schisma nach der Rückkehr aus der französischen Gefangenschaft in Avignon (1307-1377), Scheitern notwendiger Reformen gegen die Verweltlichung, Entstehung des Konziliarismus • Neue Reichsbildungen im Norden und Osten Europas und Bedrohung aus Asien (Mongolen, Osmanen)

2. Beteiligte Personen 2.1. Martin Luther
Martin Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, wuchs in der Grafschaft Mansfeld auf. Er besuchte die Domschule in Magdeburg und die Lateinschule in Eisenach. In Erfurt absolvierte er von 1501 - 1505 sein Grundstudium der Grammatik, Rhetorik, Logik und Metaphysik. Nach dem Abschluss des Studiums sollte er auf Wunsch des Vaters eine juristische Laufbahn einschlagen, doch am 2. Juli 1505 kam er bei Stotternheim nahe Erfurt in ein schweres Gewitter; aus Angst, vom Blitz erschlagen zu werden, gelobte er der Heiligen Anna, der Schutzpatronin der Bergleute, Mönch zu werden. 14 Tage später trat Luther in das Augustinerkloster in Erfurt ein. 1507 wurde er zum Priester geweiht. Luthers theologisches Interesse galt besonders der Frage nach Gottes Gerechtigkeit und der Rechtfertigung des Menschen vor Gott. 1510 reiste er nach Rom, wo er die Macht und Pracht der päpstlichen Kirchenleitung besonders deutlich an der Baustelle des neuen Petersdoms, sah. 1517 kommt es zum Konflikt mit dem Ablassprediger Tetzel, der im Auftrag des Erzbischofs von Mainz Ablässe verkaufte. Am 31. Oktober 1517 rief er mit 95 Thesen zu einer akademischen Disputation auf. Dabei ging es ihm va darum, dass Gottes Wort, wie es in der Bibel bezeugt ist, allein Richtschnur aller kirchlichen Verkündigung und Bräuche sein soll; kirchliche Traditionen dürften dagegen keine verbindliche Autorität haben. Luthers Thesen verbreiteten sich auch mittels des Buchdrucks rasch im ganzen Deutschen Reich und darüber hinaus. Papst Leo X. eröffnete im Juni 1518 gegen Luther einen Ketzerprozess. Im Herbst 1518 wurde Luther von Kardinal Cajetan auf dem Reichstag in Augsburg verhört und zum Widerruf seiner Thesen aufgefordert, was er ablehnte; stattdessen forderte er die Einberufung eines allgemeinen Konzils zur Klärung der strittigen Fragen. 1519 verfasste Luther drei Schriften, welche die Bannandrohungsbulle vom 15. Juni 1520 nach sich zogen, die er aber gleich öffentlich verbrannte. Daraufhin wurde er am 3. Januar 1521 exkommuniziert. In seiner berühmten Rede vor dem Reichstag am 18. April 1521 verteidigte Luther seine Theologie: "Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift oder einen einleuchtenden Vernunftgrund überzeugt werde - denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie häufig geirrt und sich selbst widersprochen haben -, so bleibe ich an die von mir angeführten Schriftworte gebunden. Und solange mein Gewissen gefangen ist von den Worten Gottes, kann und will ich nicht widerrufen, da gegen das Gewissen zu handeln weder sicher noch lauter ist. Gott helfe mir. Amen." Nachdem Luther nicht widerrief, wurde am 26. Mai 1521 das Wormser Edikt erlassen, womit die "Reichsacht" über Luther und seine Anhänger verhängt und die Verbrennung aller seiner Schriften angeordnet wurde. Vor der drohenden persönlichen Gefahr wurde Luther von Friedrich dem Weisen gerettet, indem er ihn in Schutzhaft nahm und auf die Wartburg brachte. Zehn Monate lang blieb Luther dort, als Junker Jörg getarnt. Er nutzte diese Zeit, um die Psalmen und das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Eine konfessionelle Spaltung im deutschen Reich drohte: einige Territorien führten eine Reformation durch, andere hielten am damals sogenannten "alten Glauben" fest. Auch innerhalb der Reformationsbewegung gab es Konflikte. 1525 heiratete Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora. 1529 veröffentlichte Luther den "Großen" und den „Kleinen Katechismus“ als Grundlage für Lehre und Erziehung im Geiste der Reformation. Für den Sommer 1530 berief Kaiser Karl V. einen Reichstag nach Augsburg ein, um die religiösen Kontroversen im Reich nun endlich selbst zu regeln. Als Geächteter konnte Luther an diesem Reichstag nicht selbst teilnehmen. Sein Freund, Lehrer und Weggefährte Philipp Melanchthon versuchte, mit der "Confessio Augustana", dem "Augsburger Bekenntnis", den evangelischen Glauben vor dem Kaiser und seinen Theologen zu verteidigen. Eine Einigung war auch bei diesem Reichstag nicht möglich, die folgenden Jahre wurden

von Kriegsbündnissen auf beiden Seiten überschattet, doch Karl V. war wieder durch außenpolitischen Konflikten abgehalten, so dass zu Luthers Lebzeiten kein konfessioneller Krieg geführt wurde. Luther verfasste in dieser Zeit unzählige Schriften, Briefe und Traktate. 1534 gelang der Abschluss der Bibelübersetzung auch des Alten Testaments. Neben den politischen Auseinandersetzungen waren Luthers letzte Lebensjahre besonders von innerprotestantischen Auseinandersetzungen überschattet. Im Winter 1546 reiste Luther nach Eisleben, um Erbstreitigkeiten der Grafen von Mansfeld zu schlichten. Nach langen quälenden Verhandlungen, während denen sich Luthers Gesundheit ständig verschlechterte, starb er am 18. Februar 1546 an Herzversagen und wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

2.2. Ulrich (Huldrych) Zwingli (1484 – 1531)
wird am 1. Januar 1484 in Wildhaus (Kanton St. Gallen) als drittes von zehn Kindern einer angesehenen Bauernfamilie geboren. Mit Hilfe von Verwandten und Freunden der Familie kann der junge Zwingli in Wesen, Basel und Bern Schulen besuchen und anschließend in Wien und Basel studieren und zwar freie Künste, Philosophie und Theologie. Zwingli wird 1506 zum Priester geweiht. 1518 wird er an das Zürcher Großmünster berufen. In seinen zwölf Zürcher Jahren widmet er sich der Entwicklung des Gottesdienstes - eines Gottesdienstes, der innerhalb wie außerhalb der Kirchenmauern stattfindet: das ganze Leben soll Gottesdienst sein. 1518 wütete die Pest in Zürich, der rund ein Viertel der 9 000 Einwohner zum Opfer fielen. Durch Kontakte u.a. zu Erasmus von Rotterdam und sicher auch durch die Nachrichten über Luthers Reformation begann er die Institutionen der katholischen Kirche in Frage zu stellen. Religion und Politik waren aber so eng miteinander verknüpft, das eine Änderung seiner religiösen Vorstellungen auch politische Konsequenzen haben musste. Im Mittelpunkt seiner Predigten standen folgende Forderungen: • Verbot des Soldatenhandels (1522 vom Stadtrat beschlossen) • Grundlage aller Gesetze soll die Bibel sein (stellt alle Privilegien in Frage) • die Predigt hat in der Landessprache zu erfolgen • Aufhebung des Zölibats (erfolgte1524, Zwingli selbst heiratet am 2.7.1524) • Entfernung aller Bilder und Reliquien aus den Kirchen Die Ausbreitung der Reformation in der Schweiz wird 1531 durch den zweiten Kappeler Krieg beendet. Letztlich wird durch die Folgen des Krieges die konfessionellen Spaltung der Schweiz festgeschrieben. Ulrich Zwingli, der nach altem Brauch als Feldprediger mit in den Krieg gezogen war, erlebt die vernichtende Niederlage der Zürcher nicht mehr. Er fällt mit 400 anderen treuen Anhängern der Reformation am 11. Oktober 1531.

2.3. Jean Calvin (1509-1564)
Jean Calvin war humanistisch und juristisch gebildet, und bekannte sich gegen 1530 zur Reformation. Er wurde in Frankreich geboren. Da in Frankreich die Protestanten sehr stark verfolgt wurden, ging er in die Schweiz, wo er sein berühmtes Werk "Unterrichtung in der christlichen Religion" verfasste. Das Ziel Calvins war es, die "Halbheiten" der lutherischen Reformation zu beseitigen und erweiterte dessen Lehre durch die „doppelte Prädestination.“ Danach ist der Mensch von Anfang an entweder für das ewige Heil oder die ewige Verdammnis vorbestimmt, die Bestimmung offenbart sich bereits zu Lebzeiten an der Häufigkeit des Kirchgangs, dem Glauben an Gott und der Integration in die christliche Gemeinde. Auch materieller Erfolg wurde als Zeichen der Auserwählung interpretiert. Die Organisation und Reform der christlichen Gemeinde ist ein wichtiger Teil seines Werkes. Im Gegensatz zu Luther, realisierte Calvin die Unabhängigkeit der reformierten Kirche von der weltlichen Autorität. Die Ordnung seiner Kirche war von unten bis an die Spitze nach demokratischen Prinzipien aufgebaut. Calvin forderte die Verchristlichung aller Bereiche des Lebens forderte. Die Calvin'sche Reformationsbewegung vereinigte sich im Jahre 1549 mit den Züricher Protestanten, die aus dem Wirken Ulrich Zwingli's hervorgegangen waren, und ebenso auf einer synodalen und unabhängigen Kirchenverfassung beruhten. Der Calvinismus fand in ganz Europa Anhänger, in Teilen Deutschlands (Niederrhein) und Ostmitteleuropas (Polen, Ungarn, Siebenbürgen) genossen sie oft keinen staatlichen Minderheitenschutz genossen, waren öffentlichen Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt, und mussten teilweise auswandern, wie die englischen Calvisten, die unter dem Druck der Anglikanischen Kirche nach Amerika auswanderten, und dort die Konfession der Puritaner ins Leben riefen.

3. Kritikpunkte an der kath. Kirche
• • Kritik an bestehenden Traditionen: Traditionen der Kirche, die nicht direkt auf der Bibel fußten, wurden streng überprüft. Kritik am Papsttum - Sonderstellung des römischen Bischofs. - Anspruch des Papsttums auf weltliche Herrschaft - Viele Steuern, Gebühren und Abgaben flossen in die päpstlichen Kassen; Diese wurden oft als zu hoch empfunden. Fiskalisierung der Spiritualia: Die Kirche verfügt über den Gnadenschatz, den sie dem Gläubigen zukommen lassen kann, wenn er bestimmte Bußen leistet. Grundlage war die Angst der spätmittelalterlichen Menschen vor der Verdammnis und dem Fegefeuer, welche dafür ausgenutzt wurde, bestimmte zusätzliche Steuern wie Weihesteuern einzuheben. Den Höhepunkt stellte der Ablasshandel dar (Nachlass der zeitlichen Sündenstrafen), durch dessen Einnahmen der Bau des Petersdomes finanziert wurde. Kritik an der Geistlichkeit - schlechte Seelsorge - zweifelhafter moralischer Lebenswandel - dilettantische theologische Bildung - Aristokratisierung der Kirche: Der hohe Klerus waren auch weltliche Herren (Landes-herren, etc.). Die Kirche diente oft als Versorgungsanstalt des Adels. Kritik an der geistlichen Gerichtsbarkeit

Es gab neben der weltlichen auch eine geistliche Gerichtsbarkeit, welche sich aus bischöflichen, erzbischöflichen und päpstlichen Instanzen zusammensetzte. Sachliche Zuständigkeit: Ehebruch, Zehnt, Eidbruch. Die Kirche konnte damit tief in das alltägliche Leben der Gesellschaft eingreifen. Hohe Prozesskosten und ebenfalls hohe Strafen waren an der Tagesordnung.

4. Protestanische Grundposition
Die Protestanten haben damals versucht ihre Gegenposition zur Katholischen Kirche schlagwortartig festzuschreiben: • Sola Christus (nur Christus) • Sola Gratia (nur die Gnade) • Sola Fide (nur aus Glauben) • Sola Scriptura (nur die Heilige Schrift) Rechtfertigungslehre Gott wendet sich dem Menschen aus Gnade zu (er ist es ihm nicht „schuldig“) und nimmt ihn an. Das versöhnenden Wirken von Christus (Kreuzestod) stellt die Beziehung zwischen Gott und den Menschen wieder her. Der Mensch kann nur seinen vertrauenden Glauben an Gott beitragen. Die eigene Leistung des Menschen („guten Werke“) würde NIE ausreichen, um die Trennung von Gott und Mensch zu und sind daher unwichtig. Offenbarung Das Wort Gottes ist in der Heiligen Schrift festgehalten, daher kann der Wille Gottes ausschließlich nur von dort erkannt werden. Die Tradition der Kirche spielt dem gegenüber eine untergeordnete Rolle. Daraus folgt, daß nichts anerkannt wird (z.B. Fegefeuer, Ablaß), was nicht aus der Hl.Schrift zu belegen ist. Heiligenverehrung Die Protestanten war überzeugt, daß die katholische Kirche den Beitrag der Kirche und ihrer Heiligen bei der Versöhnung mit Gott überbewertet. Sie wollten herausstellen, daß diese Vermittlung NUR durch Christus geschehen kann. Deshalb haben sie die Verehrung von Heiligen und den Ablaß abgelehnt. Sakramente: Da die Protestanten nur Sakramente anerkennen wollten, von denen direkt in der Heiligen Schrift beschrieben ist, daß sie Christus eingesetzt hat, haben sie nur die Taufe und die Eucharistie anerkannt. Allerdings legten sie bei der Eucharistie den Schwerpunkt auf die Begegnung zwischen Christus und dem Menschen. Daher machte es für sie keinen Sinn, daß Christus, wenn er während der Messe nicht im Brot empfangen worden ist, weiter in der Gestalt des Brotes bleibt. Darüber hinaus glaubten sie, daß die katholische Kirche (wenn sie die Hl.Messe als Opfer bezeichnet) meint, daß

sie durch die Wiederholung des Opfers selbst etwas zur Erlösung der Menschen beitragen könnte. Das haben sie abgelehnt!

5. Das Konzil von Trient im Überblick
13.12.1545: Beginn; Beratung über das Ziel des Konzils Der Papst wollte die dogmatischen Fragen Klären: • Besinnung auf den eigenen Glauben • Gnadenleere • Sakramente • Schriftprinzip Der Kaiser wollte eine Reform und Wiedervereinigung mit den Protestanten. Einigung beide Gebiete Gleichzeitig zu behandeln 1. Sitzungsperiode (keine Teilnahme der Protestanten) 1. Sitzungsperiode (keine Teilnahme der Protestanten) Konzil Reformation Schrift und Tradition Nur Schrift Erlösung durch Werke und Glaube Erlösung durch Glaube allein Festlegung der Sakramentenlehre allgemein Keine Sakramente, aber heilige Handlung: Taufe und Taufe & Firmung im Speziellen 2. Sitzungsperiode Eucharistie: wirklich Leib und Blut Christie Sakrament der Beichte & heilige Ölung Papst untersagt Verhandlungen mit Protestanten

22.01.1546: 1545-1548: 1545-1548:

1551-1552:

Symbolische Verwandlung Keine Sakramente Forderung nach einer Aufhebung aller Beschlüsse

1562 – 1563:

3. Sitzungsperiode (keine deutschen Bischöfe, keine Protestanten) Festlegung der Sakramente: Eucharistie & Keine Sakramente, aber heilige Handlung: Messopfer, Priesterweihe, Ehe Abendmahlfeier Dekrete über Fegefeuer Kein Fegefeuer Dekrete über Ablass Kein Ablass Dekrete über Heiligen- & Weder Heiligen- noch Reliquienverehrung oder Reliquienverehrung und den Gebrauch von Bilder sind zulässig Bildern Papst Pius IV bestätig alle Dokumente

26.01.1564:

6. Päpste dieser Zeit
Leo X. Hadrian VI. Klemens VII. Paul III. Julius III. Marcellus II. Paul IV. Pius IV. Pius V. (Hl.) Gregor XIII. Sixtus V. Urban VII. Gregor XIV. Innozenz IX. Klemens VIII. Giovanni de'Medici Adrian Florisz Boeyens Giulio de' Medici Alessandro Farnese Giovan Maria Giocci Marcello Cervini Gian Pietro Carafa Giovanni Angelo Medici Antonio Michele Ghislieri Ugo Buoncompagni Felice Peretti di Montalto Giovanni Battista Castagna Niccolò Sfondrati Ippolito Aldobrandini 1513–1521 1522–1523 1523–1534 1534–1549 1550–1555 1555 1555–1559 1559–1565 1565–1572 1572–1585 1585–1590 1590 1590–1591 1592–1605 zweitkürzestes Pontifikat der Geschichte (12 Tage) bei Berücksichtigung von (Stephan II.) (752) Ende Tridentinum, 3. Sitzungsperiode (1561–1563) Beginn Tridentinum, 1. Sitzungsperiode (1545–1547) Tridentinum, 2. Sitzungsperiode (1551–1552) letzter nicht-italienischer Papst bis 1978

Giovanni Antonio Facchinetti 1591

7. Überblick: Kirche – Luther - Konzil
Zeit Topic Rechtfertigungslehre Kirche Sie war im Mittelalter durch die Gnadenlehre des Hl. Augustinus (Glaube und Werke). Im Spätmittelalter wurden die guten Werke immer mehr betont. Symbol dafür war der ausgeprägte Ablasshandel. Durch den Ablass konnte man sich von Fegefeuer freikaufen. Gott spricht durch die hl. Schrift und die Tradition 7 Sakramente: Taufe, Firmung, Buße, Priesterweihe, Ehe, Krankensalbung, Eucharistie Aus Brot und Wein werden Leib und Blut Christi. Es gibt das Fegefeuer, es kann aber durch den Ablass verhindert/verkürzt werden. Der Mansch kann sich von seinen Sünden loskaufen. Es wurden alle Arten von Reliquien und Heiligen verehrt Kirche Erlösung primär durch gute Werke Hl. Schrift & Tradition 7 Sakramente Aus Brot und Wein werden Leib und Blut Christi. Vorhanden Ja, gegen Geld Ja, Teilweise übertrieben Luther Nach dem Römerbrief kann der Mensch nur durch Glauben und Gnade allein gerettet werden. Konzil von Trient Das Konzil kehrt zur Lehre Augustus zurück. Der Mensch wird aufgrund seines Glaubens und seiner Werke erlöst. Gott spricht durch die hl. Schrift und die Tradition Die 7 Sakramente bleiben Gnadenmittel.

Offenbarungsverständnis Sakramentenlehre

Gott spricht nur durch die hl. Schrift Taufe, Abendmahlfeier und Buße. Die Sakramente werden der hl. Schrift untergeordnet. Sie sind nur noch „sicht-bares Zeichen“ der göttlichen Verheißung. Leib und Blut werden in Brot und Wein präsent. Sei werden aber nicht Leib und Blut. Es gibt kein Fegefeuer.

Eucharistie Fegefeuer

Ablass Heiligenverehrung

Es gibt keinen Ablass Keine Heiligen-, keine Bilder-, keine Reliquienverehrung Luther Nur Glaube und Gnade Nur Hl. Schrift Taufe, Abendmahl, Buße Leib und Blut werden in Brot und Wein präsent. Nicht vorhanden Nein Nein

Aus Brot und Wein werden Leib und Blut Christi. Ort der Läuterung der Seele ähnlich der Hölle. Es ist aber zeitlich begrenzt. Der Ablass existiert noch, allerdings gratis. Heiligen und Reliquienverehrung.

Topic Rechtfertigungslehre Offenbarungsverständnis Sakramentenlehre Eucharistie Fegefeuer Ablass Heiligenverehrung

Konzil von Trient Werke und Glauben Hl. Schrift & Tradition 7 Sakramente Aus Brot und Wein werden Leib und Blut Christi. Vorhanden Ja Ja

Link: http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/politstrukturen/reformation/unterpunkte/struktur.htm

8. Auf dem Weg zur Einheit
"... daß alle eins seien, wie Du, Vater, in mir, und ich in Dir, daß auch sie in uns eins seien: damit die Welt glaubt, daß Du mich gesandt hast" (Joh. 17,11) Auf dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) hat sich die katholische Kirche unumkehrbar dazu verpflichtet, den Weg zur Wiedervereinigung mit den anderen christlichen Konfessionen zu suchen, weil sie das als den Willen Gottes erkannt hat. Wichtige Schritte auf diesem Weg waren das Dekret über den Ökumenismus auf dem 2.Vaktikanisches Konzil, die Enzylika „Ut unum sint“ von Papst Johannes Paul II (1995) und die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (1999) (siehe unten). Für diese Entwicklung war es wichtig zu erkennen, daß nicht eine Seite recht und die andere unrecht hat, sondern daß vieles in der geschichtlichen Situation einseitig dargestellt wurde und viele Verurteilungen die anderen Konfessionen heute gar nicht mehr treffen würden. Darüber hinaus wurde eingesehen, daß die Kirchen viel mehr verbindet als trennt und oft eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ möglich ist, d.h. daß man sich in der Grundlage einig ist, und die unterschiedlichen Schwerpunkte stehen lassen kann. Dahinter steht die Hoffnung, daß am Ende des Weges, wenn jeder ehrlich (und selbstkritisch) den Willen Gottes sucht, letztlich Einheit möglich werden wird. Viele alte Streitpunkte sind auch geschichtlich einfach weniger wichtig geworden (z.B.der Ablaß) und gehören oft nicht zu den zentralen Lehren der Kirche. Andererseits gibt es auf evangelischer Seite Ansätze, die manche „typisch katholische“ Anliegen (z.B. Marienverehrung) wieder aufnehmen wollen. Die wahrscheinlich wichtigste Veränderung ist allerdings, daß sich katholische und evangelische Christen als „Geschwister“ betrachten und durch gemeinsame Aktivitäten (v.a. im sozialen Bereich) das „miteinander“ LEBEN und dabei viele positive Erfahrungen machen. Erreichte Übereinstimmungen: • Beurteilung der Taufe (bei einem Übertritt wird man NICHT noch einmal getauft) • Rechtfertigungslehre (beide Kirchen glauben, daß wir Menschen Gott alles verdanken, aber daß unsere Werke als Antwort auf die Liebe Gottes wichtig sind) Annäherung: • Bei der Eucharistie ist eine beachtliche Annäherung erreicht worden. Allerdings ist die gemeinsame Meßfeier mit Kommunion unter normalen Bedingugen noch nicht möglich, weil die katholische Kirche die volle Einheit in allen wesentlichen Punkte (Amtsverständnis) als notwendig ansieht. Im Notfall (Todesgefahr, ...) ist es aber schon möglich! Schwierig (im Moment): • In der Frage des Amtes in der Kirche sind wir auf dem Weg noch nicht so weit fortgeschritten. Die katholische Kirche ist überzeugt, daß die Weitergabe des Amtes vom Bischof zum nächsten NOTWENDIG ist, um den Auftrag von Jesus zu erfüllen. Die evangelische Kirche stößt sich aber gerade an dem „notwendig“, weil sie diese Frage als nicht wichtig ansieht (und daher gegen die „sola“-Sätze verstößt). Der letzte Papst hat aber zu einem geduldigen Dialog über die Form des Papstamtes eingeladen. 2. Vatikanisches Konzil (Dokument über den Ökumenismus) 6. Jede Erneuerung der Kirche besteht wesentlich im Wachstum der Treue gegenüber ihrer eigenen Berufung, und so ist ohne Zweifel hierin der Sinn der Bewegung in Richtung auf die Einheit zu sehen. 7. Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung. Denn aus dem Neuwerden des Geistes, aus der Selbstverleugnung und aus dem freien Strömen der Liebe erwächst und reift das Verlangen nach der Einheit. Deshalb müssen wir vom göttlichen Geiste die Gnade aufrichtiger Selbstverleugnung, der Demut und des geduldigen Dienstes sowie der brüderlichen Herzensgüte zueinander erflehen. „Ut unum sint“ (Johannes Paul II.) 3. Mit dem II. Vatikanischen Konzil hat sich die katholische Kirche unumkehrbar dazu verpflichtet, den Weg der Suche nach der Ökumene einzuschlagen und damit auf den Geist des Herrn zu hören, der uns lehrt, aufmerksam die »Zeichen der Zeit« zu lesen. Das II. Vatikanische Konzil bringt die Entschlossenheit der Kirche zum Ausdruck, die ökumenische Aufgabe zugunsten der Einheit der Christen anzunehmen und sie mit Überzeugung und Entschiedenheit voranzutreiben: »Dieses Heilige Konzil mahnt alle katholischen Gläubigen, daß sie, die Zeichen der Zeit erkennend, mit Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen«. Rechtfertigungslehre: „Es ist unser gemeinsamer Glaube, daß die Rechtfertigung das Werk des dreieinigen Gottes ist. Der Vater hat seinen Sohn zum Heil der Sünder in die Welt gesandt. Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung Christi sind Grund und Voraussetzung der Rechtfertigung. Daher bedeutet Rechtfertigung, daß Christus selbst unsere Gerechtigkeit ist, derer wir nach dem Willen des Vaters durch den Heiligen Geist teilhaftig werden. Gemeinsam bekennen wir: Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken.“ (Gemeinsame Erklärung, 15)

Eucharistie: „.... das eucharistische Mahl ist das Sakrament des Leibes und Blutes Christ, das Sakrament seiner wirklichen Gegenwart .... die Art der Gegenwart Christi in der Eucharistie ist einzigartig“ (Lima-Dokument, 1982) „.... Es ist heute geklärt, daß weder das Herrenmahl noch eine andere kirchliche Handlung als Wiederholung des Kreuzesopfers Christi gedeutet werden darf. .... Andererseits entspricht es dem Glauben auch der evangelischlutherischen Kirche, daß die Präsenz von Leib und Blut im Abendmahl die Gegenwart des geopferten Christus ist; insofern ist das Opfer Christi im Herrenmahl gegenwärtig, das ja auch vor Gott nicht Vergangenheit ist, sondern bleibend gültig ....“

9. Geschichtliche und soziale Aspekte 9.1. Kennzeichen einer neuen Zeit
Wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Entwicklungen, Entdeckungen, neues Weltbild: • Heliozentrisches Weltbild (Kopernikus, Kepler, Galilei) • technische Errungenschaften: Maschinen (Wasserpumpe, Windmühlen, Wasserräder), Globus, Taschenuhr, Papier, Gusseisen, Buchdruck, Schießpulver, Kompass, • Schiffbau: Karavellen statt Barcas ermöglichen die Hochseeschifffahrt • Aufstieg der Naturwissenschaften: Beobachten, Messen, Experimetieren • Neue ärztliche Erkenntnisse (Paracelsus, Vesalius, Harvey) • Portugiesen und Spanier suchen den Seeweg nach Indien: 1433 Gil Eanes erreicht die Kanarischen Inseln 1482 Diego Cao erreicht die Kongomündung 1488 Bartolomeo Diaz erreicht das Kap der Guten Hoffnung 1498 Vacso da Gama erreicht mit arabischer Hilfe Indien auf dem Ostweg 12. Okt. 1492: Columbus überquert den Atlantik und landet auf den Bahamas • Teilung der Welt zwischen Portugal und Spanien durch den Vertrag von Tordessilas 1494 (1506 vom Papst bestätigt) und Eroberung von Kolonialreichen (Cortez: Aztekenreich 1519-21, Pizarro: Inkareich 1531-34), Vernichtung der Indianischen Welt, Sklavenimporte aus Afrika • 1519-1522 Erste Weltumsegelung durch Magellan Wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen: • Die Bedarfsdeckungswirtschaft des Mittelalters wird durch das Gewinnstreben des Frühkapitalismus abgelöst (Bergbau, Banken und Kapitalgesellschaften, Handelshäuser: Fugger, Welser, Medici) • Von Armut und Elend bedrohte Schichten werden (religiös-)revolutionär: Handwerker, Bergknappen, Bauern, Ritter) Neues Staatsdenken: Der Personenverbandsstaat (Lehenswesen) des Mittelalters wird durch den Territorialstaat ersetzt (Landesfürstentümer, Italienische Kommunen, Westeuropäische Nationalstaaten). Söldner und Berufsbeamte ersetzen den Feudaladel. Anstelle von „Stete und Maze“ (Beschränkung der Herrschaftsgewalt) fordert Niccolo Machiavelli für den Fürsten (Il Principe) schrankenlose Macht ohne moralische oder religiöse Bindung. Humanismus und Renaissance: Der Humanismus als geistige Bewegung und neue Weltsicht stellt den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt des Denkens. Er verherrlicht die Antike und verachtet das Mittelalter (saecula obscura). Er trennt sich von der religiösen Weltbetrachtung und sucht nach natürlichen Ursachen für das Weltgeschehen. Er will den irdisch-menschlichen Bedürfnissen dienen und idealisiert das Menschliche. (Petrarca , Erasmus v. Rotterdam, Celtis, Cuspinian, Th. Morus, Montaine) Der Bischof von Brixen Nicolaus Cusanus (1401-1464) bleibt als bedeutendster Denker des ausgehenden Mittelalters vom Humanismus weitgehend unabhängig. Für ihn entspringen Glauben und Denken aus einer Wahrheit. Mit dem Gedanken der Toleranz gegenüber Nichtchristen, dem Glauben an die Wiedervereinigung der römischen und der Ostkirche und der Forderung nach Teilnahme des Volkes an der Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit ist er seiner Zeit weit voraus. Die Renaissance ist die künstlerische Ausdrucksform, die um 1400 von Florenz ausgehend auf die Antike zurückgreift, eine neue Bauformensprache entwickelt, den Menschen natürlich abbildet und die Perspektive in der Malerei einführt. Brunelleschi, Botticelli, Michelangelo, Leonardo, Raffael, Tizian, Dürer, Holbein, Brueghel, Altdorfer Dichter: Boccacio, Shakespeare, Cervantes Reformation und Glaubenskriege: Die ungelösten Probleme im kirchlichen und im religiösen Bereich drängen zu notwendigen Reformen. Zwischen 1520 und 1650 geht aber die religiöse Einheit des Abendlandes verloren. Glaubensfragen und Machtstreben überlagern sich und verschärfen die Auseinandersetzungen zwischen Herrschern und Ständen sowie die Kämpfe zwischen den Staaten. Frankreich überwindet die Umklammerung durch das Haus Habsburg, das seinerseits durch die Osmanen gefährlich

bedroht wird. Russland entledigt sich der Mongolenherrschaft und beginnt mit der Eroberung Sibiriens. England legt den Grundstein für sein meerebeherrschendes Weltreich. Das Hl. Römische Reich Deutscher Nation durchlebt nach der Katastrophe des 30 jährigen Krieges einen unaufhaltsamen Auflösungsprozess.

9.2. Machtpolitik im Zeichen der Religion
Nur die Betrachtung der gesellschaftlichen und politischen Strukturen des 16. Jhs. gibt uns eine Erklärung für die Durchsetzung der reformatorischen Ideen. Das historische Geschehen ist multikausal, sodass gesellschaftliche, wirtschaftliche, geistige, kulturelle und religiöse Entwicklungen immer in enger Wechselwirkung gesehen werden müssen. Die Person Martin Luthers wie auch alle anderen handelnden Personen können nur in der speziellen historischen Situation geschichtsrelevant werden. So ist es zwar vor allem die religiöse Krise des Spätmittelalters, die zur Spaltung der abendländischen Christenheit führt, es wäre aber falsch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, die geistigen und kulturellen und vor allem die machtpolitischen Ursachen außer Acht zu lassen. Die religiös verbrämten Aufstände der Ritter, Bauern und Handwerker werden von den Fürsten niedergeschlagen und haben der Lehre Luthers nicht zum Durchbruch verhelfen können. Die Entscheidung fällt im Konflikt zwischen Kaiser und Reich auf der einen Seite und den Landesfürsten sowie den europäischen Mächten (Frankreich, Osmanisches Reich) auf der anderen Seite. Der Habsburger Karl V (1519-1556), mit dem Geld der Fugger von den Kurfürsten zum Kaiser des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt, verfügt zwar über eine gewaltige Machtbasis (Österreich, Spanien, Italien, Burgund, Kolonien in der neuen Welt: „Ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht“) hat aber auch mächtige Gegner, die sich seinen Vorstellungen von einer universalen Kaisermacht entgegenstellen: Die Reichsfürsten in Deutschland, der Papst in Italien, Franz I von Frankreich, die Osmanen am Balkan und die Anhänger der Reformation in ganz Europa. So wird zwar Luther als Folge des päpstlichen Banns am Reichstag von Worms (1521) geächtet, aber vom mächtigen Kurfürsten von Sachsen auf die Wartburg in Sicherheit gebracht. Da die Franzosen in Oberitalien einfallen und die Osmanen den Balkan erobern, muss Karl am 1. Reichstag zu Speyer (1526) den Reichsständen Religionsfreiheit gewähren. Nachdem die Franzosen in Oberitalien besiegt, Rom erobert, die Türken vor Wien abgewehrt werden, werden am 2. Reichstag von Speyer (1529) die Zugeständnisse widerrufen, was zum Protest der Anhänger Luthers (Protestanten) führt. In Augsburg formulieren sie ihr religiöses Bekenntnis (Evang. AB). Weitere Niederlagen der Gegner Karls lassen einen endgültigen Sieg möglich erscheinen (Reichstag zu Augsburg 1547/48). Die Reichsfürsten fürchten um ihre Macht und die (katholische und evangelische) Fürstenopposition unterstützt von Frankreich erringt entscheidende militärische Siege über den Kaiser. Dieser zieht sich in ein spanisches Kloster zurück und überlässt seinem Bruder Ferdinand (Kaiser 1556-1564) die Verhandlungen (1522 Passauer Vertrag und 1555 Augsburger Religionsfrieden: „cuius regio, eius religio“ – Die Landesfürsten bestimmen die Religion ihrer Untertanen). Zwar kehrt damit im Reich Friede ein, doch die ungelösten Probleme führen 1618 zum 30 jährigen Krieg. Die Lehre Luthers verbreitet sich auch nach Nordeuropa und begründet dort ein Staatskirchentum evangelischer Prägung. Die Lehre Calvins (1541 Reform in Genf, 1549 Helvetisches Bekenntnis, Evang. HB) verbreitet sich vor allem in Westeuropa. Die politischen Konflikte werden auch dort von den religiösen Veränderungen erfasst. Der Kampf um die Krone Frankreichs führt im Zeichen der Religion zum offenen Bürgerkrieg (1562 – 1598 Hugenottenkrieg; 23./24. 8. 1572 Bartholomäusnacht)) in welchem Spanien auf der Seite der (katholischen) Guise und England auf der Seite der (calvinistischen) Bourbonen eingreifen. Erst der Übertritt Heinrichs v. Bourbon zum Katholizismus („Paris ist eine Messe wert“) ermöglicht seine Krönung zu König Heinrich IV. Im Edikt von Nantes 1598 erhalten die Hugenotten Zugeständnisse und damit wird der Bürgerkrieg in Frankreich beendet. Es beginnt der Aufbau eines absolutistischen Staatswesens. In England trennt sich Heinrich VIII (1509-1547) von Rom, weil er - vorerst für eine Streitschrift gegen Luther mit dem Ehrentitel „Verteidiger des Glaubens“ vom Papst geehrt - keine Auflösung seiner Ehe erwirken kann. 1534 legt die Suprematsakte fest, dass der König Oberhaupt der Kirche (Anglikanische Hochkirche) und damit auch Eigentümer der Kirchengüter ist. Unter seinem Nachfolger Edward VI (1547-1551) erhält die Hochkirche ihre feste Form, sodass auch der Versuch seiner Nachfolgerin Maria I (1552-1558) zum Katholizismus zurückzukehren scheitert. Unter der Herrschaft Elisabeth I (1558-1603), die ihre Nachfolge als Königin von England nur auf der Grundlage der Anglikanischen Hochkirche gegen Maria Stuart (hingerichtet 1587) durchsetzen kann, wird Spanien besiegt (Armada 1588) und die englische Seeherrschaft begründet. Die Katholiken verlieren wichtige bürgerliche Rechte. In Spanien kann Philipp II (1556-1598) den Katholizismus mit Hilfe der Inquisistion zur Staatsreligion machen. Er verliert allerdings die Niederlande (Freiheitskampf ab 1562) und kann auch die Auseinandersetzung mit England nicht gewinnen. Am Beginn des 17. Jhs. kehrt der Religionskonflikt in seiner kriegerischen Form wieder in das Reich zurück. Durch den Augsburger Religionsfrieden (1555) entstanden evangelische und katholische Fürstenstaaten. Die zwangsweise Rekatholisierung in den katholischen Fürstenstaaten schadet vielerorts der katholische Reformbewegung, ausgehend von den neuen Orden (Ursulinen, Jesuiten, Kapuziner, Barmherzige Brüder und Schwestern, Piaristen, Salesianer), dem Konzil von Trient, dem Reformpapsttum und der inneren Erneuerung der Kirche (Kardinalskollegium, Simonie- und Nepotismusverbot, Priesterseminare, Zölibat, Index).

Am Streit um einen evangelischen Kirchenbau auf katholischem Grund in Böhmen entzündet sich ein Konflikt, der zum 30 jährigen Krieg führt. Dieser Krieg ist in seinem ersten Teil (1618-1630) religiös bestimmt, wird aber in seinem zweiten Teil (1630-1648) ein reiner Machtkampf. Wieder sind es die Fürsten, die um ihre Machtstellung fürchten, die im Bündnis mit dem (evangelischen) Schweden und dem (katholischen) Frankreich den Kaiser niederringen. So bringt der Westfälische Friede religiös nichts Neues: Der Augsburger Religionsfriede wird bestätigt und auf die Calvinisten ausgeweitet. Politisch bedeutet er aber das Ende der kaiserlichen Macht und des Hl. Röm. Reiches, das bis 1806 langsam stirbt. Die Reichsfürsten werden souverän, Schweden wird Vormacht in Nordeuropa, Frankreich wird kontinentaleuropäische Vormacht, England beginnt die Meere und Kolonien zu beherrschen, die Habsburger in Österreich entwickeln im Abwehrkampf gegen die Osmanen (2. Türkenbelagerung Wiens 1683) ein eigenes Staatsbewusstsein. Die Glaubwürdigkeit des Christentums hat aber durch die 150 Jahre dauernden Konflikte und blutigen Kriege schweren Schaden erlitten. Im nachfolgenden „Zeitalter der Vernunft“ (1648-1789) setzen sich neue politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche wie geistige und kulturelle Strömungen durch. Absolutismus in Frankreich, Parlamentarismus in England, Merkantilismus, Barock und Aufklärung.

9.3. Machtpolitik im Zeichen der Religion in der Gegenwart
Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten wurden immer wieder Machtpolitik, gesellschaftliche und wirtschaftliche Konflikte und religiöse Auseinandersetzungen miteinander verbunden. Nach dem Abzug der Engländer (1947) aus Südasien brach trotz der redlichen Bemühungen Mahatma Gandhis ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Hindus und Moslems aus, der zur Teilung des Subkontinents in den Hindustaat Indien und die Islamische Republik Pakistan führte, von welchem sich nach Jahrzehnten wiederum Bangla Desh abspaltete. Bis heute führen beide Staaten immer wieder Kriege um die umstrittene Himalayaregion Kaschmir. Der blutige Konflikt in Nordirland hat seine Wurzel zwar in den religiösen Wirren der Glaubenskriege des 16. u. 17. Jhs., muss heute allerdings vor allem als Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen – irischen Nationalisten und englischen Unionisten – gesehen werden, wobei die Unterschiede im Wohlstand eine große Rolle spielen. Die Theologie der Befreiung in Lateinamerika muss auch als Versuch gesehen werden, zum Teil mit Waffengewalt irdische Gerechtigkeit zu erzwingen. Sie erinnert dadurch sehr stark an die revolutionären Sozialbewegungen der Reformationszeit. Der neue Fundamentalismus im islamischen Raum hat seinen Nährboden vor allem in der bitteren Armut und Rechtlosigkeit der unterprivilegierten Schichten der rentenkapitalistischen Systeme dieser Länder. Dort trifft die Lehre vom „Heiligen Krieg“ gegen die Ungläubigen auf eine Masse von Verzweifelten, die nichts zu verlieren aber alles zu gewinnen hat. Auch der Marxismus/Leninismus kann als innerweltliche Erlösungsreligion mit dem Ziel das Paradies auf Erden zu schaffen, gesehen werden. Dazu sind aber nach der Lehre der „Propheten dieser Ideologie“ die blutige Revolution, die Diktatur und die Ausbreitung der „Heilslehre“ mit Waffengewalt erforderlich. Die christliche Botschaft wurde im Laufe der Geschichte politisch immer wieder fehl gedeutet. Das Spannungsverhältnis zwischen der „civitas Die“ und der „civitas terrena“ führte oftmals zu Fehlinterpretationen: • Das Gottesreich ist im Hier und Heute auch mit Gewalt zu erzwingen. Dies führt notwendigerweise zum Kampf für die Errichtung dieses Reiches • Das Gottesreich ist erst im Jenseits verwirklichbar und die irdische Welt ist zu ertragen. • Das Gottesreich existiert bereits. Bestehende Reiche verwenden die Religion zur Legitimation ihrer Herrschaft. Viel schwieriger ist es Geschichte als Heilsgeschichte zu verstehen. Die durch den Menschen gestörte Schöpfungsordnung ist durch das Erlösungswerk Jesu Christi entsühnt. Mit der Geburt Christi beginnt dieses Gottesreich an dessen weiterer Entfaltung mitzuwirken wir aufgerufen sind. Ein rein menschlicher Erlösungsglaube entspricht nicht der wahren Botschaft. Erst die Wiederkunft Christi vollendet die Welt („Restitutio omnis“).

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