Leben mit Diabetes –

Katrin Goebel Alexander W. Wetzlich

Wahre Geschichten

Inhalt
Vorwort
Schwangerschaft

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SCHWANGERSCHAFT
Klaudia Trümpelmann | 35 Jahre, seit 25 Jahren Diabetes, Lehrerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Familie

FAMILIE
Tiago Breuer | 2 Jahre, seit einem Jahr Diabetes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Leon Claasen | 14 Jahre, seit 10 Jahren Diabetes, Schüler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Sebastian Seidler | 22 Jahre, seit 16 Jahren Diabetes, Auszubildender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Alessandro De Carli | 15 Jahre, seit 7 Jahren Diabetes, Schüler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Stéphane Scavo | 22 Jahre, seit 12 Jahren Diabetes, pharmazeutischer Assistent . . . . . . . . . . . . 17

Beruf

BERUF
Alain Spitz | 40 Jahre, seit 2 Jahren Diabetes, Restaurantbesitzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Ernährung

ERNÄHRUNG
Corinne Hegg | 22 Jahre, seit 14 Jahren Diabetes, in Ausbildung zur Krankenpflegerin . . . . . . . . 21 Clau Szafranski-Heinemann | 41 Jahre, seit 5 Jahren Diabetes, ehem. Kamerafrau . . . . . . . . . . 23 Jérôme Hirth | 17 Jahre, seit 8 Jahren Diabetes, Student . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Eric Martenot | 40 Jahre, seit 19 Jahren Diabetes, Radiomoderator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

Sport

SPORT
David Bouhanna | 15 Jahre, seit 6 Jahren Diabetes, Schüler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Rebecca Fondermann | 29 Jahre, seit 20 Jahren Diabetes, Software-Entwicklerin . . . . . . . . . . . 31 Marijn van Zundert | 14 Jahre, seit 4 Jahren Diabetes, Leistungsschwimmer . . . . . . . . . . . . . . 33

Reisen

REISEN
Tamara Lutz | 23 Jahre, seit 8 Jahren Diabetes, Medizin-Studentin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Marko Meijering | 38 Jahre, seit 18 Jahren Diabetes, Fotograf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Arztbesuche

ARZTBESUCHE
Toni Willibald | 44 Jahre, seit 15 Jahren Diabetes, Verwaltungsbeamter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Remy Bordewin | 29 Jahre, seit 14 Jahren Diabetes, Sales-Manager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Blutzuckerkontrolle

BLUTZUCKERKONTROLLE
Lotte Peeters | 11 Jahre, seit 8 Jahren Diabetes, Schülerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Roy Derks | 26 Jahre, seit 6 Jahren Diabetes, Medizin-Student . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Álvaro Martín Miguel | 17 Jahre, seit 5 Jahren Diabetes, Schüler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

Insulintherapie

INSULINTHERAPIE
Fanny Nykvist | 12 Jahre, seit 3 Jahren Diabetes, seit 4 Jahren Zöliakie, Schülerin . . . . . . . . . . . 49 Jack Delicata | 10 Jahre, seit 9 Jahren Diabetes, seit einem Jahr Zöliakie, Schüler . . . . . . . . . . . 51 Julius Volberg | 8 Jahre, seit 2 Jahren Diabetes, Schüler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53

Spätfolgen

SPÄTFOLGEN
Petra Ostermann | 39 Jahre, seit 32 Jahren Diabetes, Industriekauffrau . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 Claus Bodewig | 45 Jahre, seit 20 Jahren Diabetes, im Ruhestand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

3

Vorwort | Leben mit Diabetes – Wahre Geschichten
Es gibt diese Momente, nach denen nichts mehr ist, wie es einmal war. Die Diagnose Diabetes gehört sicher dazu. Was weiß man über eine Erkrankung, die bis dahin nur „die Anderen“ betroffen hat? Was bedeutet sie für das eigene Leben? Was für das Leben des Kindes, für das man sich vor allem Gesundheit und Glück erhofft hat? Wie geht man mit dem Wissen um, dass es sich „um den Rest des Lebens“ handelt und nicht um einen endlichen Zeitraum? Gerade in den letzten Jahren gab es Quantensprünge in der Entwicklung neuer Technologien, Insulin und vielversprechende Ansätze im Bereich der Therapien. Das Selbstverständnis der Menschen, die betroffen sind, hat sich gewandelt. Es gibt eine neue Strömung der Offenheit und auch des Zusammenhalts innerhalb dieser Gemeinschaft, in der alle eines gemeinsam haben: die Tatsache, dass das bisherige Leben überdacht werden muss! Dass dies auch gute Seiten hat und neue Chancen bietet, möchte dieses Buch vermitteln. Es ist entstanden durch viele Gespräche mit ganz unterschiedlichen Menschen aus ganz Europa. Es sind Eltern, Ehepartner, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie alle haben ihre Geschichte, sie alle haben Erfahrungen gesammelt, die sie teilen möchten. Es gibt nicht die eine Art mit Diabetes umzugehen, nicht den einen Rat und auch nicht die eine Therapie. Aber es gibt die Möglichkeit von Erfahrungen zu profitieren und sich einzulassen auf die Gemeinschaft derer, die eines gemeinsam haben: ein Leben mit Diabetes.

5

Klaudia

Klaudia Trümpelmann | 35 Jahre, seit 25 Jahren Diabetes, Lehrerin, erwartet in drei Wochen das erste Baby
Meinen Diabetes habe ich vor 25 Jahren bekommen. Ich durfte nichts Süßes mehr essen, musste mich spritzen, Zucker messen. Das war keine schöne Zeit. Der Kinderwunsch ist schon sehr früh aufgekommen und es war natürlich ein Thema, ob ich es dem Kind weitergeben werde. Ich habe jetzt in der Schwangerschaft die Insulinpumpe mit integriertem, kontinuierlichem Blutzuckermesssystem bekommen. Da ich vorher mit Unterzuckerungen und schwankenden Werten große Probleme hatte, war das eine große Hilfe. Jetzt habe ich einen HbA1c von 5 – davon habe ich vorher nur geträumt. Im Alltag ist es einfach so: Ich habe Grenzwerte, die ich in dieser Pumpe einstellen kann, d. h., ich habe einen unteren Grenzwert von 80 mg/DL (4,4 mmol/l) und oben einen von 130 mg/DL (7,2 mmol/l). Und wenn ich den erreicht habe, warnt mich die Pumpe durch ein Piepen oder Vibrieren. Da ich selber eine ganz schlechte Wahrnehmung habe, hilft mir das gerade bei niedrigen Werten ungemein. Eine gute Blutzuckereinstellung? Allein kriegt man die nicht hin. Ich habe einen Mann, der mich in jeder Hinsicht unterstützt. Das ist mit das Wichtigste: Familie, der nächste Freundeskreis, der informiert ist.
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„Ich weiß, dass die Wahrscheinlichkeit für mein Kind Diabetes zu bekommen, etwas höher ist als für Kinder einer gesunden Frau. Aber sie ist nicht so viel höher, als dass ich mir zu viele Gedanken mache.“
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Die Geburt macht mir nicht so viele Sorgen. Ein Kaiserschnitt soll sehr schnell gehen, habe ich mir sagen lassen. Ich habe aber Bedenken, was nach der Geburt ist, weil da wohl der Insulinbedarf sehr schnell sehr stark sinkt. Und natürlich, ob beim Kind alles gut laufen wird. Aber mein Mann ist ja die ganze Zeit dabei und ich werde wohl sehr engmaschig überwacht werden. Mein Rat: Wenn der Zucker gut läuft, man gut eingestellt ist und auch regelmäßig zum Arzt geht, um den HbA1c und alles überprüfen zu lassen, dann kann man heute wirklich gut mit Diabetes leben. Mit Sport, mit Urlaub – mit allem, was jeder andere auch macht.

Schwangerschaft

Familie

Beruf

Ernährung

Sport

Reisen

Arztbesuche

Blutzuckerkontrolle

Insulintherapie

Spätfolgen

7

Tiago

Tiago Breuer |

2 Jahre, seit einem Jahr Diabetes

Mutter: Kurz nach Tiagos erstem Geburtstag wurde bei ihm Diabetes festgestellt. Ich kannte die Symptome. Nachts trank er sehr viel, machte viel Pipi und ich merkte, dass er nicht ganz er selbst war. Seine Wasserflasche wurde für ihn zur Obsession – er wollte nur noch trinken, trinken, trinken – da wußte ich, dass etwas mit ihm nicht stimmt.
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„Deine ganze Welt steht für einen Moment auf dem Kopf, du denkst: Was passiert hier? – und: Er ist noch sehr klein, wie sieht seine Zukunft aus? Wie gehen wir damit um? Kann er noch alles essen oder gar nichts mehr? Du weißt nicht genau, was dich erwartet. Ich denke, er ist noch zu klein, um zu merken, dass er krank ist. Er wird mit einer Pumpe und mit Diabetes aufwachsen.“
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Die Insulinpumpe erleichtert unser Leben natürlich enorm – die Technik ist da sehr weit. Es gibt Blutzuckermessgeräte, die automatisch die Blutzuckerwerte an die Pumpe weiterleiten. Es wäre fantastisch, wenn die Pumpe selbst reagieren könnte; dass sie Insulin hinzufügt oder sich mal ausschaltet, wenn ein bestimmter Wert erreicht ist. Vater: Für uns ist es schwierig, damit umzugehen. Man ist frustriert und hat keine Kontrolle. Für Tiago ist es recht einfach, da er damit aufwächst – er kennt es nicht anders. Blutzuckermessen, die Pumpe: Das ist nicht schön, aber für ihn ist es normal. Wir haben Angst, dass ein zweites Kind auch Diabetes haben könnte und das ist sicher ein Grund, nicht so schnell ein weiteres Kind zu bekommen. Am Anfang denkt man: „Was kann mein Kind eigentlich noch?“ Ich finde es sehr wichtig, dass Tiago es nicht als eine Krankheit sehen wird – Diabetes ist unbequem, aber mehr sollte es nicht sein. Auch die Omas und Opas wissen, wie die Insulinpumpe funktioniert; er kann da ohne Probleme übernachten. Sie können pieksen und die Pumpe bedienen. Unser Rat: Es ist gut, andere Schicksalsgenossen kennenzulernen. Wir tauschen mit anderen Eltern Erfahrungen aus über alltägliche Dinge. Jeder handhabt das anders.

Schwangerschaft

Familie

Beruf

Ernährung

Sport

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Blutzuckerkontrolle

Insulintherapie

Spätfolgen

9

Leon

Leon Claasen |

14 Jahre, seit 10 Jahren Diabetes, Schüler

Diabetes ist eigentlich relativ normal für mich, weil ich damit aufgewachsen bin und ich auch viele Leute mit Diabetes kenne. Nur in der Grundschule fand ich das immer ein bisschen doof. Ich musste immer spritzen, wenn ich was essen wollte. Das war ziemlich komisch – die anderen durften einfach alles essen und ich musste immer überlegen und durfte manches nicht essen. Die meisten Menschen gehen ganz normal mit mir um, wie auch mit jedem anderen. Mit meiner Insulinpumpe bemerkt man den Diabetes ja auch gar nicht richtig. Es gibt natürlich ganz viele Leute, die fragen: „Hast du Zucker? Zucker, das ist ja ziemlich schrecklich.“ Es ist genau so, als würdest du keinen Diabetes haben, nur halt, dass du spritzen und ab und zu den Blutzucker messen musst. Die Insulinpumpe hat ziemlich viel verändert, da ich mich viel wohler mit ihr fühle und einfach meinen Blutzucker viel besser kontrollieren kann. Es ist alles viel einfacher geworden. Man muss einfach nur noch ein paar Knöpfe drücken – und dann ist es geregelt. Blutzuckermessen in der Öffentlichkeit finde ich eigentlich cool, wenn alle gucken und ich steche mir in den Finger. Wenn ich ins Schwimmbad gehe, habe ich dann noch den Katheter dran, aber das ist mir eigentlich egal. Manche Leute gucken zwar, aber es gibt ja auch ziemlich dicke Leute, da gucken alle noch mehr. Und das finde ich schlimmer, als Diabetes zu haben.
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„Blutzuckermessen in der Öffentlichkeit finde ich eigentlich cool, wenn alle gucken und ich steche mir in den Finger.“
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Beim Karate koppele ich die Pumpe einfach ab, da gibt es ja diesen kleinen Verschluss, dann ist es OK. Nach dem Training mache ich sie halt wieder dran und messe dann meinen Blutzucker. Das Messgerät funkt meiner Pumpe immer die aktuellen Werte, das ist echt praktisch. Beim BMX kann ich sie in der Tasche lassen; einfach abkoppeln. Manchmal, beim Schwimmen, mache ich den Katheter auch ganz ab und benutze dann eben einen Pen. Mein Rat: Da ich auch auf viele Diabetes-Freizeiten mitfahre, kenne ich viele Leute mit Diabetes. Das ist ganz cool. Da kann man sich austauschen, weil alle ja genau dasselbe Problem haben!

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Spätfolgen

11

Sebastian

Sebastian Seidler |

22 Jahre, seit 16 Jahren Diabetes, Auszubildender

Ich konnte nichts mit der Diagnose anfangen – ich war 6 Jahre alt. An eines erinnere ich mich aber gut: Ich durfte auf einmal ganz viele Sachen nicht mehr, die ich vorher gedurft hatte. Das habe ich nicht wirklich verstanden. Für meine Eltern war das wirklich schwer. Sie haben mich immer unterstützt, mir geholfen und alles erklärt. Aber wenn man klein ist, dann macht man eben auch Sachen, die man nicht darf, und das besonders beim Essen. Das ist dann immer besser geworden, je älter ich geworden bin. Seit vier oder fünf Jahren bin ich Schiedsrichter. Das ist mein großes Hobby und Bewegung habe ich dadurch auch genügend. Sport ist gut bei Diabetes. Die Vorbereitungen vor einem Spiel sind allerdings immer recht aufwändig. Die Insulinpumpe muss so eingestellt werden, dass sie weniger Insulin abgibt, Traubenzucker muss immer griffbereit sein. Ich muss immer messen, um zu sehen, wie sich die Werte verändern und ob ich mehr Insulin geben muss oder weniger. Das geht natürlich nur in den Pausen. Während des Spiels muss ich das „erspüren“. Mit der Zeit spürt man seine Hypos einfach. Die schlimmsten hatte ich immer nachts. Sogar mit Notfallspritze. Einmal haben mir meine Eltern erzählt von einer Unterzuckerung, wo sie die Notfallspritze benutzen mussten und ich mich so dagegen gewehrt habe, dass sie sich auf mich drauflegen mussten, um die Spritze zu setzen. Ich habe nichts dagegen tun können, mein Körper hat das quasi selbsttätig gemacht. Seitdem ich die Insulinpumpe habe, sind die Hypos zurückgegangen. Es hat sich für mich eine Menge durch die Pumpe verändert: Ich muss nicht mehr so viel stechen.
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„Meiner Freundin habe ich nicht von Anfang an gesagt, dass ich Diabetes habe!“
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Es gab schon Freundinnen, die waren von meiner Krankheit abgeschreckt, und da wird man vorsichtig. Meine jetzige Freundin hat mich irgendwann gefragt, was ich habe, und ich habe es ihr erklärt. Damit war dann alles OK. Sie übernimmt ein bisschen die Rolle von meiner Mutter – und sagt dann: „Hast du gemessen, hast du gegessen, hast du dir Insulin gegeben und, und, und?“ Das ist irgendwie schon nervig, aber natürlich auch gut für mich. Sie macht sich halt Sorgen um mich. Mein Rat: Lass dir eine Insulinpumpe verschreiben. Damit kann man einfach viel freier und unabhängiger leben. Ich kann sie nur empfehlen.
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Spätfolgen

13

Alessandro

Alessandro De Carli |

15 Jahre, seit 7 Jahren Diabetes, Schüler

Meinen Eltern fiel damals auf, dass ich sehr viel trank und dadurch auch sehr oft aufs Klo gehen musste. Im Krankenhaus kam dann die Diagnose: Diabetes. Meine Familie hat meine Situation gut angenommen und sie unterstützt mich, wo sie kann. Besonders nachts, wenn ich mit einem zu hohen Blutzuckerspiegel ins Bett gehe, stehen meine Eltern auf, um für mich zu messen. Sie lassen mich schlafen, weil ich am nächsten Morgen in die Schule muss; damit ich ausgeschlafen bin.
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„Meine Familie hat meine Situation gut angenommen und sie unterstützt mich, wo sie kann.“
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Für mich ist Diabetes eine normale Sache und ich gehe offen damit um. Als ich noch gespritzt habe, habe ich mir auch die Spritze in der Öffentlichkeit gesetzt. Das habe ich immer schon alleine gemacht und das ging auch ohne Probleme. Jetzt habe ich eine Insulinpumpe. Mit dieser neuen Therapie komme ich sehr viel besser zurecht, als mit dem vielen Spritzen. Ich habe mir vier bis fünf Spritzen täglich gesetzt, an manchen Tagen sogar noch mehr. Heute muss ich jeden zweiten Tag einen neuen Katheter legen. Darüber hinaus kann ich die Unterzuckerungen besser erkennen und ich habe weniger Schwankungen in meinem Blutzuckerspiegel. Meiner Meinung nach gibt es keine bessere Therapie und vielleicht kann ich durch mehr Erfahrungen mit dieser Therapie meinen Zustand weiter verbessern. Am Anfang wussten meine Freunde nicht einmal, was Diabetes ist. Sie stellten mir eine Frage nach der anderen über meine Krankheit und ich habe es ihnen erklärt. Meine besten Freunde wissen mittlerweile gut Bescheid und sie halten Diabetes für normal. Manchmal merken sie sogar eher als ich, dass es mir schlecht geht. Die Insulinpumpe ist vom Aussehen her vergleichbar mit einem Handy oder einem MP3-Player, das finden sogar meine Freunde lustig, also habe ich kein Problem damit, die Pumpe auf der Straße rauszuholen und sie zu zeigen. Wenn Mädchen die Pumpe sehen, fragen sie mich, was das denn für ein Gerät sei. Dann erkläre ich ihnen meine Situation und die meisten sagen dann: „Du Armer, toll, du bist ein ganz cooler Typ“, so kann ich bei den Mädchen besser punkten, also ist an dieser Stelle die Krankheit ein klarer Vorteil. Mein Rat: Bleibt entspannt, ihr könnt ein ganz normales Leben führen. Ich habe Diabetes schon viele Jahre und mir geht es sehr gut. Ich bleibe optimistisch und werde niemals aufgeben!

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Spätfolgen

15

Stéphane

Stéphane Scavo |

22 Jahre, seit 12 Jahren Diabetes, pharmazeutischer Assistent

Für meine Mutter war die Diagnose ein psychischer Schock. Ich glaube, es war für beide hart zu akzeptieren, dass ich krank bin. Natürlich haben sie sich mit der Zeit daran gewöhnt und es akzeptiert. Meine Freunde haben die Nachricht relativ gut aufgenommen.
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„Die Unterstützung meiner Eltern war dabei sehr wichtig. Klar, Eltern sind dafür da, denkst du. Du möchtest aber auch, dass sie sich nicht ständig wegen dir Sorgen machen müssen, und fühlst dich ein bisschen wie ein Sorgenkind.“
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Ich hatte schon ein Weile den Eindruck, dass etwas nicht stimmt. Ich hatte immer Durst, war müde und bin sogar im Unterricht eingeschlafen. Klar habe ich mich gefragt, wie ich Diabetes eigentlich bekommen konnte und warum. Aber das hat ja alles nichts gebracht – ich musste diese Tatsache einfach akzeptieren. Mit der Insulinpumpe habe ich eigentlich alles gut im Griff – bei der Arbeit und auch beim Sport. Ich spiele Fußball und fahre Ski. Das ist ganz wichtig für mich. Ich möchte Sport treiben wie jeder andere auch. Und ich KANN Sport treiben wie jeder andere auch. Im ersten Jahr hatte ich noch starke Schwankungen, obwohl ich einen guten Arzt hatte, der mir alles gut erklärt hat. Ich habe das Jahr gebraucht, um alles zu verstehen und mich daran zu gewöhnen. Ich gehe offen mit meiner Erkrankung um. Meine Umgebung soll Bescheid wissen. Klar plane ich später mal eine Familie, warum auch nicht? Ich finde, wir haben einen guten Stand in der Technik bereits erreicht. Vielleicht wird es eines Tages ein Medikament geben, das man nur noch einnehmen muss, und das wars. Ich bin da ganz optimistisch. Ja, ich trinke Alkohol, wenn ich abends ausgehe. Am nächsten Morgen merke ich aber schon den Unterschied bei meinen Werten. Beim Essen habe ich keine Einschränkungen, manchmal muss ich ein bisschen experimentieren wegen des Insulins, aber eigentlich klappt das schon. Vater: Das erste Jahr war für ihn und uns schwer, weil er sich mehrere Male täglich spritzen musste. Die Insulinpumpe ist sehr gut, mit ihr ist alles wesentlich einfacher. Stéphane wünsche ich ein ganz normales Leben und keine Probleme auf Grund seiner Erkrankung sowie Freunde, die ihn so akzeptieren, wie er ist. Mein Rat: Nicht immer nach dem Grund fragen, sondern akzeptieren, das ist meiner Meinung nach ganz wichtig!
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17

Alain

Alain Spitz |

40 Jahre, seit 2 Jahren Diabetes, Restaurantbesitzer

Bis die Diagnose klar war, hat es schon einige Zeit gedauert. Ich habe 19 Kilo abgenommen, habe hinterher fast 10 Liter am Tag getrunken. Nach der Diagnose im Krankenhaus konnte ich dann fast nichts mehr sehen. Der Blutzucker war wohl schon so hoch. Klar hatte ich schon etwas von Diabetes gehört, aber was genau das bedeutet in Bezug auf Essen, Sport, na, eben das Leben mit Diabetes, das musste ich erst lernen. Mein Leben jetzt ist aber wieder in normalen Bahnen. Auch im Job mit dem Kochen und dem vielen Stress komme ich gut zurecht. Ich fühle mich nicht beeinträchtigt durch den Diabetes. Für meine Kinder sind meine Krankheit und meine Insulinpumpe ganz selbstverständlich. Meine Tochter ist sehr vorsichtig, wenn wir spielen, denn sie weiß: da ist Papas Insulinpumpe. Und mein Sohn hat, als er kleiner war, immer irgendwelche Sachen an den Gürtel gesteckt, nach dem Motto: „Hey, ich habe eine Pumpe, so wie Papa.“ Beim Sport habe ich mich ein wenig umgestellt. Früher habe ich mir einfach Shorts und Turnschuhe angezogen, und los ging's. Ich konnte einfach eine oder zwei Stunden laufen, das war kein Problem. Jetzt muss ich erst mal meinen Blutzuckerspiegel bestimmen, sehen, auf welchem Niveau er ist. Dann muss ich mir eine entsprechende Menge Insulin spritzen, je nach Bedarf. Der nächste Tag ist dann mit Vorsicht zu genießen, denn der Körper reagiert bei mir mit 24 Stunden Verzögerung auf die Belastung. Zurzeit bereite ich mich auf einen Marathon vor. Bevor ich Diabetes bekam, bin ich schon zweimal Marathon gelaufen, in Paris und New York. In Paris habe ich festgestellt, dass es tatsächlich Stationen gibt, an denen Menschen mit Diabetes den Blutzucker messen können – unglaublich, oder? Für mich ist und bleibt die Insulinpumpe die beste Wahl, weil ich ein unglaublich aktives Leben führe und so meinen Blutzucker am besten regulieren kann. Aber ich habe zur Sicherheit immer einen Pen dabei, falls die Pumpe mal defekt ist.
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„Ich esse – bedingt durch meinen Beruf – sicher sehr ausgewogen und bewusst. Stress hat Auswirkungen auf meinen Blutzucker – Süßigkeiten gar nicht so!“
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Mein Rat: Macht euch nicht so viel Sorgen! Diabetes ist eine Krankheit, die einen zwingt, sehr bewusst zu leben, gut auf sich zu achten.
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19

Corinne

Corinne Hegg |

22 Jahre, seit 14 Jahren Diabetes, in Ausbildung zur Krankenpflegerin

Sport ist für mich eigentlich etwas Alltägliches. Klar, ich habe immer das Blutzuckermessgerät, die Insulinpumpe und Traubenzucker oder Orangensaft dabei, um die Hypos zu bekämpfen. Aber ich kann Ski fahren wie jeder andere auch – die Pumpe und das Messgerät funktionieren auch in 3.000 m Höhe. Beim Schwimmen muss ich die Pumpe schon abnehmen – ins Wasser darf sie nicht. Aber im Schnee: kein Problem – sie ist ja geschützt. Empfindlich ist die Pumpe gar nicht. Sie ist mir schon ein paar Mal runtergefallen. Das hat ihr noch nie geschadet. Ich kann mich noch erinnern, als ich 16 war – das war so eine Sache im Schwimmbad. Ich hatte das Gefühl, dass alle mich anstarren. Aber wenn man das einmal durchgestanden hat, wird es besser. Die Pumpe nimmt man ja sowieso hinterher ab. Da hat man dann nur noch den Katheter und der ist ja recht klein. Mich hat, glaube ich, noch nie jemand gefragt, was ich da habe. Ich glaube, die meisten Menschen nehmen das gar nicht so wahr. Meinen ersten Freund? Den hatte ich so mit 14. Nein, ich glaube, da habe ich mir keine so großen Gedanken gemacht. Geschämt habe ich mich nicht – es gehört ja eigentlich zu mir! Den Diabetes zu akzeptieren, finde ich sehr wichtig. Ich sehe das auch als Chance an. Klar habe ich kleine Laster beim Essen. Ohne Schokolade kann ich zum Beispiel nicht leben. Bei Alkohol nehme ich mich in Acht. Betrinken würde ich mich nicht. Das ist schon ein zu großes Risiko. Aber ich trinke Alkohol. Ein bis zwei Gläser Wein kann ich schon vertragen. Zu einer der Hauptmahlzeiten geht das ganz gut.
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„Klar habe ich kleine Laster beim Essen. Ohne Schokolade kann ich nicht leben!“
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Seit ich die Ausbildung zur Pflegefachkraft mache, sind Spätfolgen schon ein großes Thema für mich. Vorher war ich darüber gar nicht so richtig informiert. Wie es wirklich zu den Spätfolgen kommt und wie sich alles entwickelt, weiß ich wirklich erst, seit ich die Ausbildung angefangen habe. Seitdem muss ich mich zwangsläufig damit auseinandersetzen – das ist schon gut. Mein Rat: Eine gute Einstellung ist wichtig – und für alles ein gutes Maß finden!
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Spätfolgen

21

Clau

Clau Szafranski-Heinemann |

41 Jahre, seit 5 Jahren Diabetes, ehem. Kamerafrau

Diabetes wurde bei mir ausgelöst durch eine Grippe, die ich verschleppt hatte. Mein Beruf war Kamerafrau. Es war manchmal sehr schwierig bei Live-Sendungen, die kurze Werbepause zu nutzen, um zu messen; und auch eine Spritze zu setzen, hat oft zu Problemen mit der Security geführt. Das Schlimmste am Diabetes ist für mich, dass ich zu Weihnachten auf Christstollen und Plätzchen verzichten muss. Andere Süßigkeiten fehlen mir nicht so sehr. Ich hatte am Anfang die ICT-Therapie (intensivierte konventionelle Insulintherapie). Meine Werte schwankten immer zwischen ganz tief und ganz hoch. Morgens war ich immer sehr, sehr hoch (Dawn-Phänomen), daraufhin hat mein Diabetologe vorgeschlagen, dass ich eine Insulinpumpe ausprobiere. Es hat geklappt, morgens waren die Werte nicht mehr so hoch, weil die Einstellungen nachts besser stimmten. Ich habe sie trotzdem als Einschränkung empfunden, weil sie mich im Alltag doch oft gestört hat. Meine jetzige Therapie ist wieder die ICT, also mit Pens spritzen. Mein Leben läuft für mich so entspannter. Ob ich sechsmal am Tag spritze oder achtmal, das ist mir mittlerweile auch egal.
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„Wenn ich länger nicht gemessen habe, messe ich auf jeden Fall, bevor ich mit dem Auto losfahre.“
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Manchmal, wenn ich längere Strecken mit dem Auto fahre – und ich mache nicht andauernd Pausen – kommt schon mal die Situation, dass ich denke, ich müsste mal messen. Wenn ich mit jemandem zusammen fahre, der sich damit auskennt, halte ich die rechte Hand raus, der piekst dann kurz und misst. Wenn ich alleine unterwegs bin, fahre ich kurz ran und messe. Ich merke meistens sehr gut, wann der Blutzucker fällt. Und ich habe im Auto auch immer Traubenzucker, Gummibärchen und Saftpackungen griffbereit. Ich rauche schon ziemlich lange. Ich wollte immer mal wieder aufhören, aber dann denke ich: Ich esse ja keine Schokolade. Das ist jetzt etwas, was für mich ist. Ich bin kein Mensch, der sich schon morgens um 8 Uhr die Zigarette anmacht. Meistens rauche ich erst am späten Nachmittag die erste und dann abends gerne auch mal mehr – wenn ich in einer Kneipe bin, bei Freunden oder zum Essen. Das beeinträchtigt meinen Blutzucker überhaupt nicht. Mein Rat: die Krankheit positiv bewerten, weil sie einen zwingt, über Sachen nachzudenken und zu sich selbst zu stehen – das ist die Chance!
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23

Jérôme

Jérôme Hirth |

17 Jahre, seit 8 Jahren Diabetes, Student

Die Diagnose war schon hart, aber ich hab gelernt, damit zu leben. Es ist „normal“ geworden. Na ja, für meine Eltern und meine Freunde war das schon schwer, aber inzwischen ist das kein Problem mehr. Eine Freundin habe ich nicht – das hat aber nichts mit meinem Diabetes zu tun. Ich bin eben lieber frei. In meiner Freizeit mache ich von allem ein bisschen – Motorrad, Snowboard und Motorboot fahren. Und ich liebe alles, was mit Feuer zu tun hat, deshalb bin ich auch bei der freiwilligen Feuerwehr. Ich habe immer schon gerne Gemüse gegessen, unabhängig von meinem Diabetes. Mit Alkohol in Verbindung mit Diabetes habe ich noch nie Probleme gehabt. Ich habe viel größere Probleme, wenn ich Cola trinke, als wenn ich Alkohol zu mir nehme. Also, ich trinke schon Alkohol, wenn ich abends ausgehe.
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„Ich habe viel größere Probleme mit Cola als mit Alkohol.“
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Ich habe seit acht Jahren Diabetes und seit vier Jahren eine Insulinpumpe. Das ist ganz praktisch, zum Beispiel wenn man unterwegs ist. Da kann man einfach Sachen essen, ohne sich Gedanken zu machen. Blöd ist an der Pumpe nur, dass sie ständig Alarm schlägt und nicht aufhört zu klingeln. Manchmal ist mein Blutzucker ein bisschen schwer zu regulieren, aber ich hoffe, das wird noch besser werden. Ich glaube, ich überprüfe meine Werte so fünf- bis sechsmal am Tag. Ganz ehrlich: Ich denke nicht sehr oft an meine Krankheit; es ist, als ob ich sie gar nicht habe. Für meine Zukunft wünsche ich mir einen guten Job und dass mein Diabetes mich nicht weiter stört – dass ich mich nicht so viel darum kümmern muss. Mein Rat: sich auf keinen Fall aufgeben – wenn man Diabetes hat, muss man einfach weiter damit leben!

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Spätfolgen

25

Eric

Eric Martenot |

40 Jahre, seit 19 Jahren Diabetes, Radiomoderator

Ich habe in kurzer Zeit zehn Kilo verloren und bei einer generellen Untersuchung ist dann Diabetes diagnostiziert worden. Das war schon ein Schock und eine Umstellung. Ich musste mich jetzt mit dem Insulinspritzen vertraut machen. Das Spritzen war schon eine Überwindung und es sind mir auch immer wieder unerfreuliche Dinge durch meinen Diabetes passiert. Auf einer Reise zum Beispiel hatte ich keine Bescheinigung von meinem Arzt dabei und da hat mich ein übereifriger Zollbeamter für einen Junkie gehalten. Das war schon sehr hart. Ich benutze einen Pen, spritze mir Langzeit- und Kurzzeitinsulin und habe damit sehr gute Werte. Ich denke, das Geheimnis ist, seine Krankheit möglichst schnell zu akzeptieren und gut mit sich und der Krankheit umzugehen. So hat man mittel- und langfristig weniger Komplikationen. Das Leben kann wirklich großartig sein, auch als Mensch mit Diabetes. Es ist sehr wichtig, sein Umfeld über Diabetes aufzuklären – also Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Man muss sich nicht schämen, darüber zu reden, und es ist sehr wichtig, weil man jederzeit ins Koma fallen könnte, wenn man eine Unterzuckerung hat. Es gibt immer wieder so Situationen, die unangenehm sein können. Mit Diabetes muss man beispielsweise erst ausprobieren, wie Alkohol sich auf den Blutzucker und damit das Verhalten auswirkt. An einem Abend saß ich bei einem Gespräch mit einem Freund in einem Restaurant und fing an, wirr zu reden. Das habe ich noch gemerkt und wollte dann zum Auto, Traubenzucker holen. Tja, leider hatte ich wohl Schlagseite und die Polizei, die der Besitzer gerufen hatte, hat mich tatsächlich in Handschellen abgeführt, weil sie glaubte, ich hätte viel zu viel getrunken. Ich hatte 0,0 Promille und ich habe eines gelernt: Man sollte immer seinen Diabetikerausweis bei sich tragen!
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„Ich esse alles in Maßen und ich trinke auch Alkohol in Maßen.“
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Diabetes hindert mich nicht daran, ein geselliges, sportliches, familiäres oder sexuelles Leben zu führen. Mein Rat: seine Krankheit akzeptieren und Hilfe annehmen können!
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Spätfolgen

27

David

David Bouhanna |

15 Jahre, seit 6 Jahren Diabetes, Schüler

Ich bin eines Morgens aufgewacht und mir war furchtbar schlecht. Na ja, im Krankenhaus kam dann die Diagnose Diabetes. Ich komme inzwischen wirklich gut mit meinem Diabetes klar. Die Krankheit hindert mich an nichts. Nur spritzen muss ich eben – sonst ist alles gleich geblieben. Meine Freunde haben es gut aufgenommen und ich habe es ihnen auch gleich erzählt, damit sie mir auch helfen können, falls es mal Probleme gibt. Am Anfang habe ich die ICT-Therapie gehabt, die mit dem Pen. Jetzt habe ich seit zwei Jahren die Insulinpumpe. Das ist für mich recht einfach: nur eine Taste drücken und schon fließt Insulin. Beim Sport koppele ich sie einfach ab. Seit drei Jahren spiele ich für das Komball Team – wir machen eine Art Freestyle-Fußball. In einem Camp, wo man das lernen konnte, bin ich sozusagen „entdeckt“ worden. Jetzt mache ich bei Vorführungen in ganz Europa mit.
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„Am liebsten würde ich mein Sportabitur machen, um dann Profifußballer zu werden.“
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Ich bin eigentlich recht zufrieden mit meinem Leben, Diabetes ist keine Krankheit, die schwer zu behandeln ist – zumindest nicht für mich. Mutter: Für mich ist nach der Diagnose eine Welt zusammengebrochen. Ich wollte nicht, dass David meine Angst spürt, aber Kinder haben feine Antennen. Nach der Ersteinstellung ist David wieder ganz der Alte geworden. Geholfen hat mir der Kontakt zu anderen Betroffenen; anderen Eltern, mit denen man seine Probleme, aber auch Tipps und Tricks austauschen kann. Seit David die Insulinpumpe hat, ist alles noch einmal besser geworden, wie ein Stück Freiheit, das ihm geschenkt worden ist. Das hat David sehr geholfen – fast wie eine Wiedergeburt. Denn sobald er die Insulinpumpe hatte, konnte er auch mal wieder spät aufstehen und sich richtig ausschlafen. Es musste nicht mehr alles so reglementiert ablaufen. Mein Wunsch: Wie alle Mütter möchte ich, dass David glücklich ist, dass er eine nette Frau findet, dass er den Beruf, der ihm gefällt macht und wer weiß: dass eines Tages eine Heilung gefunden wird.
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29

Rebecca

Rebecca Fondermann |

29 Jahre, seit 20 Jahren Diabetes, Software-Entwicklerin

Mit 9 Jahren bekam ich die Diagnose Diabetes. Ich glaube, für meine Eltern war das härter als für mich. Ich habe eigentlich bisher immer nur positive Erfahrungen gemacht. Bei Fremden und Freunden stoße ich auf großes Interesse und auch ein bisschen Bewunderung, weil man sein Leben so normal führen und auch soviel Sport dabei machen kann. Als Handicap im Sport wurde das von den anderen eigentlich nie gesehen. Ganz im Gegenteil, die haben immer gesagt: „Wow, das ist klasse, dass du das so machst.“ Vorteil für mich: Durch das Blutzuckermessen erkenne ICH einen Unterzucker viel eher als die anderen Sportler. Angefangen habe ich damals mit dem Pen und habe immer selbst gespritzt. Jetzt habe ich seit vier Jahren die Insulinpumpe und bin damit sehr zufrieden. Besonders beim Sport habe ich mit der Pumpe die Möglichkeit, die Basalrate zu reduzieren – und das ist natürlich eine enorme Verbesserung und Erleichterung. Die Pumpe nehme ich beim Schwimmen ab, lasse sie bei einem Triathlon-Wettkampf einfach am Fahrrad und ziehe sie nach dem Schwimmen wieder an. Ich ernähre mich kohlenhydratreich und fettarm, bedingt durch den vielen Sport. Pizza esse ich eigentlich nicht, eher dann Nudeln. Mit der Insulinpumpe hat man ja auch die Möglichkeit, eine verzögerte Basalratenabgabe zu machen. Das funktioniert sehr, sehr gut. Also, für meinen Sport und für mein alltägliches Leben ist die Pumpe perfekt. Durch den Diabetes sehe ich in meinem Leben eigentlich gar keine Beschränkungen, aber ich habe es auch von Anfang an nicht anders kennengelernt.
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„MEIN sportliches Ziel ist es, mich für den Iron Man auf Hawaii zu qualifizieren, und wenn ich das geschafft habe, dann würde ich gern auch mal eine Transalp-Tour machen.“
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Bei Unterzuckerung werde ich immer ganz zittrig. Früher, als kleines Kind, hab ich immer zu meinen Eltern gesagt: „Ich hab Gummibeine.“ Bei Überzucker habe ich viel Durst und fühle mich ganz schwach. Mit Diabetes kann man wirklich alles machen. Wenn man das verinnerlicht hat, dann kann man ein ganz normales Leben führen. Mein Rat: Regelmäßiges Blutzuckermessen und eine ganz normales Leben weiter führen!

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31

Marijn

Marijn van Zundert |

14 Jahre, seit 4 Jahren Diabetes, Leistungsschwimmer

Bis zu meiner Diagnose wusste ich gar nicht genau, was Diabetes ist. Aber mir wurde schnell klar, dass es etwas Schlimmeres sein musste. Ich benutze eine Insulinpumpe, die, mit einem Sensor gekoppelt, die ganze Zeit meine Blutzuckerwerte misst. Der Sensor sendet das Signal an meine Pumpe genauso wie ein kleines ferngesteuertes Auto. So kann ich auf der Pumpe immer nach meinen Werten gucken und weiß schon, ob ich über oder unter meine Grenzwerte komme, bevor sie anfängt zu piepen. Da bekomme ich immer gleich eine Warnung. Früher musste ich ungefähr achtmal am Tag spritzen. Wenn ich einen Wettkampf hatte, sogar bis zu 30-mal. Mit der Pumpe muss ich jetzt viel weniger Insulin zwischendurch geben. Ich merke beim Schwimmen, wenn ich keine guten Werte habe. Wenn ich zu hoch bin, kann ich einfach nicht so gut schwimmen. Ich trainiere zurzeit noch fünfmal die Woche, immer ungefähr eineinhalb Stunden. Nächstes Jahr werde ich sechsmal die Woche trainieren und zusätzlich Landtraining machen. Ja, ich trainiere genauso hart wie jeder andere Leistungsschwimmer auch. Nach dem Training muss ich lang wirkende Kohlenhydrate nehmen, wie Spaghetti, Reis oder Kartoffeln. Das Einfachste beim Essen ist ein belegtes Brot und das Schwierigste ist Pizza: Bei Pizza geht es rauf und runter. Meine Sensorpumpe macht es einfacher, alles zu regeln, was ich esse. Ich verändere einfach die Alarmgrenzwerte und kann besser auf einen Anstieg reagieren, wie zum Beispiel beim Pizzaessen. Mein Vorbild ist Gary Hall, bei dem ich ein Trainingspraktikum in den USA gemacht habe. Er ist ein olympischer Schwimmer und hat auch Diabetes.
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„Mein Vorbild ist Gary Hall: Er hat auch mit Diabetes olympische Medaillen gewonnen.“
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Vater: Die Diagnose war ein Schock für uns. Doch wir haben schnell eingesehen, dass wir daran nichts ändern können. Also mussten wir gucken, was seine Möglichkeiten sind. Es gibt einige Einschränkungen, da er auch so viel Sport macht. Dabei ist die Sensorpumpe eine wirkliche Erleichterung. Ich finde, dass Marijn sein Leben super im Griff hat. Er ist im Vergleich zu Gleichaltrigen sehr viel weiter. Er übernimmt die Verantwortung für sich und empfindet das als ganz normal. Mein Rat: Man sollte sich auf keinen Fall eingeschränkt fühlen und alles weitermachen wie bisher!

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33

Tamara

Tamara Lutz |

23 Jahre, seit 8 Jahren Diabetes, Medizin-Studentin

Damals ging mir eine Menge durch den Kopf: „Warum ich?“ Es war ein Wechselbad der Gefühle. Für mich war es eigentlich gar nicht so dramatisch, aber für meine Umwelt schien es der Weltuntergang zu sein. Mein Arzt hat mir sehr geholfen und ich habe mich schlau gemacht mit Broschüren und im Internet. Ich habe angefangen mit der Bolus-Basistherapie, also mit dem Pen. Da wird morgens und abends gespritzt, je nachdem, wie viel man braucht, und zu jeder Mahlzeit bekommt man einen extra Bolus. Ich bin damit ganz gut klargekommen, nur beim Sport war es ein bisschen lästig. Immer Extrakohlenhydrate vor dem Sport. Jetzt habe ich die Insulinpumpe. Für den Sport ist die super. Im Wasser koppele ich sie einfach ab. Mit der Pumpe bin ich viel spontaner als vorher, ich kann jederzeit reagieren.
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„Auf Reisen hatte ich noch nie irgendwelche Probleme, auch wenn ich die Pumpe vorzeigen musste. Das Ganze ist völlig problemlos, sowohl beim Zoll als auch bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.“
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Auch im Flugzeug, bei einer Höhe von 10.000 m, das macht überhaupt nichts aus mit der Pumpe und dem Blutzuckermessgerät, die funktionieren genauso gut wie am Boden. Auswärts essen ist immer so eine kleine Herausforderung. Was steckt jetzt in dem Menü drin, wieviel soll ich mir spritzen? Wie viel Fett ist darin? Mit der Zeit hat man das Schätzen drauf. Mein Arzt hat mir damals gesagt: „Aufpassen mit Alkohol, du wirst die Hypos nicht mehr so gut spüren, wenn du ein bisschen angetrunken bist.“ Ich tanze, esse, feiere, wie jeder andere auch. Der Verlobte: Für mich stellte sich, als ich sie kennenlernte, schon die eine oder andere Frage: Was ist wenn? – kann irgendetwas passieren? Da haben wir uns dann auch einige Male darüber unterhalten, aber es war für mich nie ein Problem. Das mit den Hypos ist so eine Sache. Da habe ich schon gedacht: Was mache ich, wenn ich am Morgen neben ihr erwache und sie liegt wie tot im Bett? Was muss ich dann genau machen? Aber das ist heute für mich eigentlich auch kein Problem mehr. Ja, sie hat es absolut im Griff und für sie ist es auch irgendwie völlig normal. Diabetes gehört zu uns – kein Problem! Mein Rat: Lasst euch nicht einschränken, es ist alles möglich. Man braucht einen gewissen Dreh, dann funktioniert alles richtig gut!
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35

Marko

Marko Meijering |

38 Jahre, seit 18 Jahren Diabetes, Fotograf

Diabetes habe ich schon vermutet, als ich anfing, extrem viel zu trinken. Im ersten Augenblick dachte ich, mein Leben würde zusammenbrechen – daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wut oder Frust kamen erst viel später – so nach ein, zwei Jahren. In meiner Familie ist Diabetes stark vertreten – meine Schwester, mein Vater, meine Tante: Alle haben Diabetes. Am Anfang wurden mir von allen immer zuckerfreie Sachen angeboten. Das war so die Zeit, damals vor 20 Jahren. Ich würde gerne behaupten können, dass ich bei all unseren Reisen und beim Sport nicht eingeschränkt bin. Und in den ersten Jahren mit Diabetes dachte ich das auch. Aber je länger man Diabetes hat, umso mehr merkt man, daß es doch Einschränkungen gibt. Ich habe schon lange die Insulinpumpe. Mit ihr habe ich im täglichen Leben wenige Einschränkungen. Schwierig wird es nur bei meinen Reisen in weniger zivilisierte Gebiete – da ist es natürlich schwierig, Ersatzteile zu bekommen. Dann habe ich immer meinen Pen dabei. Beim Fotografieren merke ich, dass mich der Diabetes beeinflusst. Man muß dabei in einer bestimmten Stimmung sein, einen bestimmten „Swing“ haben. Wenn ich also ein Fotoshooting mache, sorge ich erst dafür, dass mein Blutzucker stabil ist.
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„Inzwischen bin ich mit meiner Frau durch 65 Länder geradelt.“
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In der Technik ist eigentlich alles vorhanden, was ein Mensch mit Diabetes zum „bequemen“ Leben braucht. Wir haben eine Pumpe; jetzt gibt es ein Blutzuckermesssystem, dass 24 Stunden kontinuierlich misst. Ich komme aus der Informatik und würde sagen: Verbinde beides und dann hast du, was wir eigentlich brauchen. Kinder waren nie ein Thema. Aber das hat eher mit unserer Lebensweise, nicht mit dem Diabetes zu tun. Wichtig ist auch die Unterstützung des Partners bei der Krankheit. Das ist mir auch erst mit der Zeit klar geworden. Ich empfinde Diabetes als eine Krankheit, die sehr schwer unter Kontrolle zu bringen ist. Aber jeder Mensch hat etwas, was in seinem Leben nicht so gut läuft – und bei mir ist es Diabetes. Mein Rat: Schritt für Schritt die eigenen Grenzen suchen. Schau nach vorne, auf all die schönen Sachen im Leben, und dann erst gib dem Diabetes einen Platz!

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37

Toni

Toni Willibald |

44 Jahre, seit 15 Jahren Diabetes, Verwaltungsbeamter

Die Diagnose war zuerst ein Schock. Bewegung war für mich ein Anker – ein Stück Lebensqualität trotz Diabetes. Ich denke, man muss erst mal die Krankheit akzeptieren. Je besser man über seine Krankheit Bescheid weiß, desto besser kann man auch auf bestimmte Gegebenheiten reagieren. Ich habe meinen Diabetes die meiste Zeit mit der ICT behandelt, seit einem Jahr habe ich eine Insulinpumpe. Bei mir und meinem Sport ist es ganz wichtig, zu wissen, wann ich meine Insulintherapie oder Insulinmenge wie anpassen oder modifizieren muss. Mit der Pumpe kann man annähernd simulieren, was beim gesunden Körper auch passiert.
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„Ganz wichtig ist, dass man ein sehr gutes Arzt-Patienten-Verhältnis hat.“
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Wenn ich mich auf den Ötztaler Radmarathon vorbereite, mache ich mir einen Plan: Wann stehe ich morgens auf, wann frühstücke ich, habe ich bestimmte Möglichkeiten, den Blutzucker zu messen, wann könnte es eventuell Insulinprobleme geben? Darauf stelle ich dann sowohl das Insulin ab als auch meine Mahlzeiten während des Rennens und davor. Je besser man sich vorbereitet, desto besser klappt das im Endeffekt natürlich auch. Für Unterzuckerungen habe ich immer eine Trinkflasche mit Kohlenhydraten bei mir. Die wirken innerhalb von fünf Minuten. Viele Menschen machen sich Gedanken, wenn man Diabetes hat. Sie sind der Meinung, dass man vielleicht nicht so leistungsfähig ist. Das ist aber Quatsch. Man muss seine Grenzen nur kennen. Beim Blutzuckermessen in der Öffentlichkeit – also zum Beispiel im Restaurant – habe ich das Blutzuckermessgerät nicht direkt offen. Da gucke ich einfach, dass ich im Vorfeld einen guten Blutzuckerwert habe und schätze anhand der Kohlenhydrate, die ich habe, welche Menge an Insulin ich spritzen muss. Wenn ich Probleme hätte, würde ich mal kurz auf Toilette gehen und messen. Beim Sport messe ich an den Kontrollpunkten. Ich gehe da aber ganz offen mit um. Mein Rat: Man sollte seine Energie bündeln, denn Diabetes bedeutet Energie!

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39

Remy

Remy Bordewin |

29 Jahre, seit 14 Jahren Diabetes, Sales-Manager

Als ich Diabetes bekam, war ich mit meinem Cousin im Urlaub und mein Verhalten war schon auffällig. Ich aß nichts, trank richtig viel, musste ständig auf Toilette und habe eigentlich die ganze Zeit nur geschlafen und richtig viel abgenommen. Ich war natürlich erschrocken. Dann kam ich ins Krankenhaus und musste Insulin spritzen. Früher gab es noch ein anderes Insulin – heute spritze ich circa sechsmal am Tag und kann essen, wann ich will, und damit mein Leben auch besser regeln als vorher. Ein ganz wichtiger Aspekt beim Diabetes ist die Akzeptanz. Von dem Moment an, wo du Diabetes bekommst, hast du eine Krankheit; aber du hast nicht notwendigerweise ein Problem. Und das ist eine ganz wichtige Trennung. Versuche, so positiv wie möglich damit umzugehen. Arztbesuche sind unwahrscheinlich wichtig, um gute Zuckerwerte zu haben. Man sollte aber auch zum Augenarzt gehen und regelmäßig seine Füße untersuchen lassen (Spätfolgen). Eine Partnerin ist ohnehin sehr wichtig im Leben und noch mal mehr, wenn man eine Krankheit hat. Sie muss damit umgehen können, denn Diabetes hat auch seine negativen Aspekte. In meinem Fall ist meine Partnerin Krankenpflegerin und auf Diabetes spezialisiert – reiner Zufall. Sie versteht mich, sie unterstützt mich und ich habe in meiner Beziehung keinerlei Probleme damit.
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„Arztbesuche sind total wichtig, um gute Blutzuckerwerte zu haben!“
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In meinem Job habe ich noch nie irgendeine Form von Diskriminierung erfahren. Aber ich gehe auch sehr offen mit meiner Erkrankung um. Ja, Stress kann meine Werte beeinflussen. Aber das Wichtigste sind die Essgewohnheiten: Ich esse nicht alles. Ich nehme einen Schokoriegel, wenn ich zu niedrig bin, nicht weil ich Lust darauf habe. Chinesisches Essen oder Pasta versuche ich ein bisschen zu vermeiden, wegen der vielen Kohlenhydrate, die da drin sind. Aber klar kannst du das essen. Man spritzt einfach etwas mehr, dann klappt das schon. Ich gehe mit meiner Krankheit offen um, nehme aber in bestimmten Situationen auch Rücksicht auf an-dere Menschen. Wenn ich im Restaurant sitze, nehme ich nicht einfach so meinen Pen heraus, wenn neben mir jemand isst und es sehen könnte. Mein Rat: Lebe einfach so weiter wie vorher, aber vergiss nicht, dass du Diabetes hast!
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41

Lotte

Lotte Peeters |

11 Jahre, seit 8 Jahren Diabetes, Schülerin

Mutter: Lotte hat angefangen, sehr viel zu trinken, und war ständig müde. So vermuteten wir, dass sie wahrscheinlich Diabetes hat. Mein Vater und meine Brüder haben alle drei Diabetes. Ich kannte also die Symptome. Im Krankenhaus ist sie eingestellt worden und hat gelernt zu messen und zu spritzen. Auch ihre Umwelt musste lernen, damit umzugehen – sie war damals noch im Kindergarten. Lotte ist eigentlich sehr selbstständig, in Bezug auf ihre Zuckerkrankheit und ihre Insulinpumpe. Sie kann sich einen Katheter legen, einen Bolus einstellen und auch die Kohlenhydrate berechnen. Das macht sie wirklich toll alleine. Vor einer Hypo habe ich keine Angst. Lotte merkt das und weiß, was sie zu tun hat. Normalerweise kontrolliert sie ihren Blutzucker vor jeder Mahlzeit und auch zwischendurch in Momenten, in denen sie sich nicht so wohl fühlt. Scheu hat sie dabei keine. Ihr macht es auch nichts aus, wenn die Leute gucken oder fragen. Das mit dem Tragen der Pumpe war schon manchmal lästig für Lotte, weil ja jeder die Insulinpumpe bei kurzen Sachen sehen konnte. Ihre Oma hat ihr in viele Sachen geheime Taschen eingenäht – das war viel besser. Jetzt, wo sie die Pumpe mit den SKINS optisch verändern kann, sieht sie das Ganze sowieso weniger eng.
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„Sie kontrolliert ihren Blutzucker fünf- bis sechsmal am Tag!“
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Manchmal, wenn sie einen schlechten Tag hat, ist sie schon bedrückt. Sie spürt dann, dass sie anders ist als die anderen Kinder und dass sie nicht so unbekümmert durchs Leben gehen kann wie sie. Ich hatte mein Leben lang mit dieser Krankheit zu tun: als Kind durch meinen Vater und meine beiden Brüder und jetzt durch mein eigenes Kind. Als Mutter ist das sehr schmerzhaft, obwohl ich ja weiß, dass man gut mit Diabetes leben kann. Man ist mit der Krankheit natürlich auch selbst belastet, aber man kann sie seinem Kind nicht abnehmen. Ich trage mit, aber ich habe sie selbst nicht. Und manchmal ist das wirklich sehr bedrückend. Mein Rat: Auch als Eltern muss man einen Verarbeitungsprozess durchmachen und einige Dinge lernen. Den Rest bringt die Zeit!

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43

Roy

Roy Derks |

26 Jahre, seit 6 Jahren Diabetes, Medizin-Student

Ich kannte Diabetes nicht, als ich ihn vor sechs Jahren bekam. In den ersten Wochen nach der Erkrankung experimentierte ich mit Spritzen und mit Sport herum und ich stellte fest, dass es gar nicht so einfach ist, mit Diabetes zu leben. Meine Eltern und meine Freunde wussten auch nichts über Diabetes. Ich habe dann viel im Internet recherchiert: Das war teilweise schon sehr beängstigend, denn da steht auch alles, was sein könnte. Am Anfang hatte ich einen Pen, seit ein paar Monaten die Insulinpumpe. Sie macht mich etwas freier. Ich hatte früher oft nach dem Sport, besonders nach dem Volleyball, Hypos in der Nacht. Das ist durch die Pumpe besser regulierbar geworden. Praktisch ist das natürlich auch beim Mountainbiken. Ich stelle einfach meine Basalrate um und kann gut Sport machen, ohne ständig Kohlenhydrate essen zu müssen. Meinen Blutzucker messe ich mehrmals am Tag – es ist stark tagesabhängig. Manchmal sind zweimal genug, manchmal habe ich mich zehnmal gemessen, um die Balance zu halten. Beim Sport ist das Testen extrem wichtig und natürlich auch lästig. Wenn ich mitten in einem Volleyballspiel messe und der Schiedsrichter mich so ein bisschen schief anguckt, dann ist das schon nervig. Aber ich gehe mit dem Messen und Spritzen offen um. Also, ich gehe nicht im Restaurant auf die Toilette, sondern lege alles auf den Tisch und mache es dann da.
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„Ich gehe mit dem Messen und Spritzen offen um. Wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann erkläre ich das wirklich gern.“
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Beim Thema Alkohol probiere ich einfach aus. Zum Beispiel habe ich getestet, was mit meinem Wert passiert, wenn ich ein Bier trinke. Nach einer Stunde weiß ich den Wert und kann besser für das Bier regulieren. So mache ich das. Klar komme ich nach einer Party nicht immer mit guten Werten nach Hause. Meine Freundin lässt mich machen. Sie kennt mich jetzt lange genug – und ich hatte aus ihrer Sicht ja immer schon Diabetes. Natürlich guckt sie auch, wenn ich blass bin, und sagt dann: „Geh mal Blutzucker messen.“ Mein Rat: Versuche deinen Diabetes an dein Leben anzupassen und nicht umgekehrt.

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45

Álvaro

Álvaro Martín Miguel |

17 Jahre, seit 5 Jahren Diabetes, Schüler

Ehrlich gesagt war das damals schon ein ziemlicher Schock für meine Familie. Es war ein ganz neues und unbekanntes Thema für uns. Wir mussten uns da erst rantasten und viel lernen. Meine Eltern haben mich aber von Anfang an unterstützt und an mich geglaubt. Wir haben uns zusammen weiterentwickelt und haben innerhalb der Familie nie ein Problem mit dem Diabetes gehabt. Ich würde also sagen, dass es das Wichtigste ist, den Diabetes zu akzeptieren und zu wissen, was man tun muss: Grundregel ist, auf den Arzt zu hören. Dann kann man ein normales Leben führen. Man sollte immer auf die Ernährung achten, sich bewegen, Insulin spritzen, um die Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu halten. Diese Erkrankung erfordert eben eine gewisse Beständigkeit im eigenen Leben. Ich messe sechsmal pro Tag, immer vor und nach dem Essen. Mit diesen Kontrollen, der bewussten Ernährung und ein wenig Sport, kann man ein ganz normales Leben führen. Es muss nichts anders sein als bei anderen; man kann alles erreichen, was man will.
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„Es kann immer Komplikationen geben. Aber wenn man oft genug am Tag seinen Blutzucker kontrolliert, sollte man eigentlich alles im Griff behalten können.“
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Seit zwei Jahren habe ich eine Insulinpumpe und ich bin sehr zufrieden mit ihr, weil sie mir viel mehr Freiheiten erlaubt, als ich vorher hatte. Ich muss mich nicht mehr strikt an eine vorgegebene Ernährungsoder Lebensweise halten. Ich kann deutlich freier leben, so wie Menschen ohne Diabetes. Mit oder ohne Pumpe kannst du, obwohl du Diabetes hast, alles machen: du kannst jede Sportart treiben, und Fußball spielen. Du kannst eine Menge erreichen und natürlich auch Beziehungen mit Mädchen haben... Mein Rat: Auf keinen Fall Komplexe haben wegen des Diabetes. Genau genommen hat Diabetes auch SM seine positiven Seiten, wie zum Beispiel dieses Turnier (der Junior Cup – Diabetes in der Schweiz), wo man viele Leute kennenlernen kann, die alle Diabetes haben.

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47

Fanny

Fanny Nykvist |

12 Jahre, seit 3 Jahren Diabetes, seit 4 Jahren Zöliakie, Schülerin

Meine Hobbys sind malen, Klavier spielen und Pferde und seit einem halben Jahr spiele ich auch Fußball. Als ich gehört habe, dass ich Diabetes habe, da habe ich gar nicht gewusst, was das ist. Ich hatte davon noch nie gehört und wusste auch nicht, was das für mich bedeutet. Aber dann habe ich mich damit abgefunden.
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„Für meine Freunde ist das nicht merkwürdig oder besonders. Ich habe halt Diabetes – das ist eben so.“
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Ich benutze den Pen, das heißt, ich spritze und messe. Das Messen, wenn ich in der Stadt bin, ist mir schon manchmal peinlich. Ich bin zwar noch nie gefragt worden, was ich da mache, aber na ja. Mein Rat: Der Diabetes schränkt mein Leben nicht ein, man kann lernen, damit zu leben. Das würde ich auch jemandem sagen, der gerade Diabetes bekommen hat: Es ist überhaupt nicht kompliziert, mit Diabetes zu leben. Wenn man lernt, damit gut umzugehen, dann ist das ganz einfach.

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49

Jack

Jack Delicata |

10 Jahre, seit 9 Jahren Diabetes, seit einem Jahr Zöliakie, Schüler

Ich lebe in Malta. Das ist eine Insel im Mittelmeer. Da haben wir ganz viel Sonne. Die maltesische Staatssprache neben Englisch ist Malti. Diabetes habe ich, seit ich ein Jahr alt war. Darum habe ich auch keinerlei Erinnerung an die Zeit, als ich Diabetes bekam. Für mich ist es normal, Diabetes zu haben. Ich erinnere mich aber an die Zeit, bevor ich auch noch Zöliakie bekam. Da konnte ich Pizza und Brot essen. Das darf ich jetzt nicht mehr und das vermisse ich auch. Diabetes zu haben, ist ok – keine Pizza mehr zu essen wegen der Zöliakie, ist etwas härter. Bei Süßigkeiten oder anderen Sachen mit Zucker macht mir das gar nichts. Darauf kann ich gut verzichten. Ich benutze den Pen und spritze zwei- bis dreimal am Tag. Blutzuckermessen ist kein Problem. Das mache ich immer morgens, mittags und abends. Je nachdem, wo ich esse, benutze ich den Pen natürlich auch im Restaurant. Normalerweise esse ich bei meiner Oma und spritze dann auch bei ihr. Das Spritzen ist ganz ok und wird immer einfacher für mich, je länger ich es mache. Meine Werte sind gut und ich komme mit dem Pen gut zurecht. In meiner Freizeit spiele ich Fußball oder am Computer. Meine Freunde wissen über meinen Diabetes Bescheid. Ein guter Freund von mir passt immer so ein bisschen auf mich auf und achtet darauf, dass es mir nicht schlecht geht.
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„Ich benutze den Pen und spritze zwei- bis dreimal am Tag.“
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Mein Rat: Wenn mich jemand fragt, was Diabetes für ein Leben bedeutet, dann würde ich sagen: Es ist nicht das Ende der Welt!

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51

Julius

Julius Volberg |

8 Jahre, seit 2 Jahren Diabetes, Schüler

Als ich Diabetes bekam, war das schon ein riesiger Schreck. Ich kannte die Krankheit nicht und ich habe auch nicht verstanden, was „für immer“ bedeuten soll. Ich dachte, eine Krankheit ist irgendwann wieder vorbei. Meine Geschwister fanden es, glaube ich, ziemlich doof, dass ich krank geworden bin. Klar tat es ihnen auch leid, aber alle haben sich nur um mich gekümmert und das war bestimmt oft doof für meine Schwester und meinen Bruder. Inzwischen bin ich mit meinem Diabetes aber „ganz normal“, würde ich sagen. Bei meinen Freunden ist das ganz unterschiedlich. Im meiner alten Schule fanden das alle ganz spannend und alle haben auf mich geachtet: darauf, dass ich auch ja nichts heimlich esse und immer messe und so. Da habe ich noch den Pen genommen und musste eben zu bestimmten Zeiten bestimmte Mengen essen. In der neuen Schule haben die das zuerst gar nicht mitbekommen. Das hat sich natürlich geändert, als ich an dem - Film mitarbeiten konnte. Das war eine tolle Erfahrung. Ich glaube – alle Kinder, die Diabetes bekommen, können einen Freund wie gebrauchen. Wichtig ist, dass es jemand ist, der weiß, wovon er spricht. Ich hätte wirklich lieber gespielt als Julius, aber ich BIN Julius und jetzt habe ich eben einen Freund und ein Vorbild. Ich hoffe sehr, dass der Film und das Buch vielen Kindern Mut machen. Seit einem Jahr habe ich eine Pumpe.
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„Ich finde die Pumpe natürlich klasse, weil ich jetzt eigentlich immer alles essen darf und nicht mehr warten muss oder so etwas.“
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„Eigentlich“ deshalb, weil ich natürlich nur essen darf, wenn meine Werte auch ok sind – sonst muss ich korrigieren und auch warten. Beim Sport lege ich die Pumpe manchmal ab, aber nicht immer. Ja, ich lege meinen Katheter alleine. Wenn ich niedrig bin, merke ich das – dann bekomme ich Kopfschmerzen und mir ist schwindelig. Ganz niedrige Werte, so wie 24 mg/DL (1,3 mmol/l) oder so, merke ich aber nicht mehr. Da fühle ich wohl nichts mehr. Umgefallen bin ich aber noch nie. Für mich bedeutet Diabetes, regelmäßig zu messen und zu spritzen und auf die BE im Essen zu achten. Mein Rat: Seid nicht traurig – Diabetes ist nicht das Ende der Welt und denkt daran: Ihr seid nicht alleine damit!
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53

Petra

Petra Ostermann |

39 Jahre, seit 32 Jahren Diabetes, Industriekauffrau

Diabetes kam einfach so. Ich wäre damals gerne Krankenschwester geworden, aber das ging nicht mit meinem Diabetes. Heute arbeite ich im Büro und bin sehr stark engagiert in der Schulung von Kindern und in einigen Selbsthilfegruppen. Ich bin immer sehr offen mit meiner Erkrankung umgegangen und mein Umfeld hat auch sehr gut darauf reagiert. Mein Lebensmotto ist mittlerweile: Ich lebe mit dem Diabetes und nicht für meinen Diabetes! Vor 30 Jahren war doch einiges schwieriger: feste Spritzzeiten, feste Mahlzeiten, die kohlenhydrathaltigen Sachen mussten noch extra abgewogen werden. Heute ist man da deutlich flexibler. In meiner Pubertät gab es mal eine Phase, da wollte ich nicht mehr so richtig und da waren auch die Werte nicht gut. Aber irgendwann hat sich dann „der Schalter“ umgelegt. Eins ist klar: Ich muss ein im gewissen Rahmen diszipliniertes Leben führen, dann habe ich alle Freiheiten der Welt. Ich gehe gerne feiern. Ich treibe auch ein wenig Sport und ich kann mich einfach meinen Lebensumständen anpassen. Spätfolgen sind ein Thema für mich, zumal ich mich ja auch in meinen Gruppen damit auseinandersetzen muss. Für Kinder ist das schwer zu verstehen, denn: Es tut im Moment nicht weh – das können die nicht verstehen. Und wie will man Kindern Spätfolgen erklären?
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„Kinder können Spätfolgen nicht verstehen – es tut im Moment ja nicht weh.“
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Wichtig sind die regelmäßigen Untersuchungen und natürlich die richtige Therapie. Ich trage eine Insulinpumpe und die zeige ich natürlich auch den Kindern, wenn sie mich danach fragen; denn ich trage sie sehr versteckt. Für mich ist sie die künstliche Bauchspeicheldrüse außerhalb des Körpers. Die kann ich bedienen, gerade so, wie meine Lebensumstände sind. Ich messe meinen Blutzucker fünf- bis siebenmal täglich, das ist auch situationsabhängig, aber regelmäßig zu den Mahlzeiten und bevor ich ins Bett gehe. Ich mache es in der Öffentlichkeit diskret unterm Tisch oder gehe zur Toilette. Ein Problem habe ich damit aber nicht. Ich bin jetzt zufrieden und glücklich, so wie es ist – mir macht MEIN Leben Spaß! Mein Rat: Lebe mit deinem Diabetes, nicht für ihn!
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Claus

Claus Bodewig |

45 Jahre, seit 20 Jahren Diabetes, im Ruhestand

Das war erst mal eine gewaltige Umstellung. Ich als Außendienstler, der immer gegessen und getrunken hat, wann er wollte, musste sich jetzt morgens schon fragen: Was will ich heute wann, wie essen? Durch die lange Zeit mit schlechten Werten ist nicht nur meine Niere kaputt, ich habe inzwischen auch nur noch zwei Prozent Sehfähigkeit. Jedes Mal, wenn der Zucker einen Sprung macht, geht es auf die Netzhaut. Die Netzhaut blutet. Ich habe in den letzten Monaten sieben Augen-OPs hinter mich gebracht, mit dem Ergebnis, dass man meinen jetzigen Zustand nur halten, ihn aber nicht mehr verbessern kann. Damit muss ich leben. Und damit kann ich leben!
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„Ich habe gelernt, dass Einschränkungen auch Herausforderungen sein können.“
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Seit ich die neue Insulinpumpe mit dem kontinuierlichen Messsystem dauerhaft einsetze, habe ich keine Krankenhausaufenthalte, keine Notarztbesuche, keine Notstände mehr. Ich führe ein relativ normales Leben, was mehr Spaß macht, und was der Partnerschaft gut tut. Ich weiß abends nie, wache ich morgens noch mal auf, wo ich überhaupt etwas sehen kann. Das ist ein ganz komisches Gefühl. Tja, warum kämpft man für sein Leben? Weil man an seinem Leben hängt! Und wenn man das Glück hat, einen Partner zu haben, der diese ganzen Spielchen mitmacht, dann kann man sich wirklich glücklich schätzen. Seine Frau: Wir haben uns vor 16 Jahren kennengelernt und sind jetzt im dritten Jahr verheiratet. Damals hatte er schon Diabetes und er hatte Schwankungen von unter 20 mg/DL (1,1 mmol/l) bis einmal über 1200 mg/DL (66,6 mmol/l). Er galt als „nicht einstellbar“. Das hat sich erst mit der Insulinpumpe verbessert. Er hat sehr, sehr viele Folgeerkrankungen, aber wir genießen jeden Tag zusammen. Wir haben so viel gemeistert in den letzten 16 Jahren, obwohl ich manchmal gedacht habe, ich nehme ihn aus dem Krankenhaus nicht mehr mit nach Hause. Aber: Sein Optimismus zieht mich auch sehr oft mit hoch. Mein Rat: Gute Schulung und der Partner soll auf jeden Fall einbezogen werden. Man sollte sich hochwertig ernähren und auch mal auf das eine oder andere verzichten, was vielleicht nicht so gut ist.
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Impressum
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Herausgeber: Medtronic International Trading Sàrl Route du Molliau 31 | Case postale 84 CH-1131 Tolochenaz | Schweiz www.medtronic-diabetes.at www.medtronic-diabetes.ch www.medtronic-diabetes.de www.medtronic-diabetes.eu
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Wichtiger Hinweis für den Leser: Dieses Buch ist kein Schulungsbuch und kein medizinischer Ratgeber. Grundlagen sind die wahren Geschichten der beteiligten Personen. Dieses Buch kann und will nicht alle Aspekte der komplexen Erkrankung und Behandlung von Diabetes berücksichtigen. Es möchte Mut machen und Einblick in ganz unterschiedliche Leben mit Diabetes geben.
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Katrin Goebel, Alexander W. Wetzlich Gesine Eisfeld Pierre Agassiz, Sylvain Delemont, Richard Fischer, Eric Gasser, Michel Girault, Eric Klasen und Yoan Talagrand Lektorat: Simon Mues Druck: Druckerei Weidmann, Hamburg, Deutschland Realisation: Katrin Goebel, Martin Szafranski, MEHRBLICK GmbH, Köln, Deutschland
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Autoren: Layout: Fotos:

Dieses Buch wird unterstützt von: Bayer HealthCare – Diabetes Care www.bayerhealthcare.com International Diabetes Federation www.idf-europe.org www.worlddiabetesday.org

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Unser besonderer Dank gilt: Claus Bodewig und seiner Frau, Remy Bordewin, David Bouhanna und seiner Mutter, Tiago Breuer und seinen Eltern, Leon Claasen, Alessandro De Carli, Jack Delicata, Roy Derks, Rebecca Fondermann, Corinne Hegg, Jérôme Hirth, Tamara Lutz und ihrem Verlobten, Eric Martenot, Marko Meijering, Álvaro Martín Miguel, Fanny Nykvist, Petra Ostermann, Lotte Peeters und ihrer Mutter, Stéphane Scavo und seinem Vater, Sebastian Seidler, Alain Spitz, Clau Szafranski-Heinemann, Klaudia Trümpelmann, Julius Volberg, Toni Willibald, Marijn van Zundert und seinem Vater
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Außerdem danken wir: Beatrice Albiez, Caroline Armitage, Alexandra Boettcher, Sandrine Charmillot, Chris Delicata, Dr. Kirsten Demesmaeker, Ulrike Gottschalk, Hannah Gough, Lex Herrebrugh, Desiree van Laar, Dr. Karin Leitner, Dr. David Martin, Irene Pascarella, Mike Roby, Maria Schybergson, Agnes Simon, Nicole Timmermanns und Ingrid van Tongerloo
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Urheberrecht: © 2008 bei Medtronic, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die Vervielfältigung oder Übertragung dieser Veröffentlichung oder Teile davon sind nur mit der vorherigen schriftlichen Zustimmung von Medtronic, Inc. zulässig. SM und Junior Cup – Diabetes sind geschützte Marken von Medtronic, Inc.
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UC200902391DE

59

DVD
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Redaktion: Regie: DVD Produktion: Technische Daten:

Katrin Goebel Martin Szafranski MEHRBLICK GmbH Köln Bildformat: 16:9 (Hauptfilm), 4:3 (Bonusfilme) | Ton: Stereo Sprache: Deutsch, Englisch | Filmlänge: 134 min | Ländercode: frei für alle Regionen

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Inhalt: Die DVD enhält alle Interviews der befragten Personen aus dem Buch in deutscher und englischer Sprache, sowie im Originalton:
SCHWANGERSCHAFT . . . . . . . . . 6:17 min Klaudia Trümpelmann . . . . . . . . . . 6:17 min FAMILIE . . . . . . . . Tiago Breuer . . . . . . Leon Claasen . . . . . . Sebastian Seidler . . . Alessandro De Carli . Stéphane Scavo . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16:32 min . . . . . . . . . . 3:09 min . . . . . . . . . . 3:48 min . . . . . . . . . . 3:48 min . . . . . . . . . . 3:12 min . . . . . . . . . . 2:35 min REISEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9:48 min Tamara Lutz . . . . . . . . . . . . . . . . . 6:21 min Marko Meijering . . . . . . . . . . . . . . 3:27 min ARZTBESUCHE . . . . . . . . . . . . . . 9:31 min Toni Willibald . . . . . . . . . . . . . . . . 4:59 min Remy Bordewin . . . . . . . . . . . . . . . 4:32 min BLUTZUCKERKONTROLLE Lotte Peeters . . . . . . . . . . Roy Derks . . . . . . . . . . . . Álvaro Martín Miguel . . . . INSULINTHERAPIE . . Fanny Nykvist . . . . . . Jack Delicata . . . . . . . Julius Volberg . . . . . . . . . . . . . . . 10:34 min . . . . . . . 3:40 min . . . . . . . 4:28 min . . . . . . . 2:26 min

BERUF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3:55 min Alain Spitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3:55 min ERNÄHRUNG . . . . . . . . . . . . . . 15:56 min Corinne Hegg . . . . . . . . . . . . . . . . 4:07 min Clau Szafranski-Heinemann . . . . . . 5:09 min Jérôme Hirth . . . . . . . . . . . . . . . . . 2:26 min Eric Martenot . . . . . . . . . . . . . . . . 4:14 min SPORT . . . . . . . . . . David Bouhanna . . . Rebecca Fondermann Marijn van Zundert . . . . . . . . . . 12:28 min . . . . . . . . . . . 4:00 min . . . . . . . . . . . 3:51 min . . . . . . . . . . . 4:37 min

. . . . . . . . 6:05 min . . . . . . . . . 1:43 min . . . . . . . . . 1:43 min . . . . . . . . . 2:39 min

SPÄTFOLGEN . . . . . . . . . . . . . . 11:10 min Petra Ostermann . . . . . . . . . . . . . . 5:08 min Claus Bodewig . . . . . . . . . . . . . . . . 6:02 min

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Wir danken allen, die an dieser Produktion mitgewirkt haben.
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Urheberrecht: © 2008 bei Medtronic, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die Vervielfältigung oder Übertragung dieser Veröffentlichung oder Teile davon sind nur mit der vorherigen schriftlichen Zustimmung von Medtronic, Inc. zulässig. SM und Junior Cup – Diabetes sind geschützte Marken von Medtronic, Inc.