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Hamburgs Partnerstadt Dresden ist ein touristisches Highlight. Der Makel: Nicht nur zum CSD kämpfen Schwule dort mit der rechten Szene

Wie eine halbe Acht schlängelt sich die Elbe um das Zentrum von Dresden, vorbei an einem weltberühmten Panorama. Die Silhouette gibt eine Ahnung vom einstigen barocken Glanz der sächsischen Landeshauptstadt. Semperoper, Schloss, Brühlsche Terrasse: Es ist nicht allzu viel, was der Krieg von Dresden übrig ließ. Die Frauenkirche ist, wie so viele Bauten in der Altstadt, ein Fake: prachtvoll auferstanden aus der Ruine, aber nur in einigen wenigen Steinen original. Als Dresden am 13. und 14. Februar 1945 ausgelöscht wurde, ging damit auch eine der reichsten Städte Deutschlands unter. Bis heute ist nicht nur das Gedenken an die Zerstörung eine heikle Angelegenheit, wie zuletzt der Aufmarsch von 6 000 Neonazis zeigte. Auch die Stadtplanung hat es in sich, die zwischen Bewahren und Modernisieren entscheiden muss und dabei auch noch einige realsozialistische Altlasten zu beachten hat. Ein spannender Mix. Neubauten wie der sächsische Landtag oder die Synagoge zeigen, dass

Zeitgemäßes einen angemessenen Platz finden kann. „Dresden ist im Grunde erzkonservativ“, erzählt Stadtführerin Sylvia Johne und meint das nicht nur architektonisch. CSD-Vorstand Jürgen Kiesslich wagt wie zur Bestätigung folgende These: „40 Prozent der Dresdner Gayromeo-User leben nicht offen“, glaubt er. „Wir sind noch deutlich von der Normalität im Rest Deutschlands entfernt.“ Kiesslich muss das wissen, er verantwortet unter anderem Parade und Straßenfest am 13. Juni. Und nennt ein weiteres Beispiel: „Die sächsische LSU kommt nicht zum CSD, weil die sächsische CDU das nicht möchte“, behauptet Kiesslich. „Dafür werden dann LSU-Leute aus Berlin geschickt.“ Bei der Probe aufs Exempel erlebt man Dresden allerdings als Kulturstadt mit einer kleinen schwulen Szene, die zwar provinzieller wirkt als in Köln oder Hamburg. Aus dem Tal der Ahnungslosen ist man hier dennoch längst heraus. Fetischläden, Bars, Partys und eine schwule Sauna – das ist nicht Nichts! Im Gewöl-

bekeller des Clubs Bärenzwinger tanzen Schwule wie im Rest der Republik zu Madonna und Britney, im „Boys“ oder „Queens“ in der Neustadt trinkt man sein Bier bis in den frühen Morgen. Selbst das Travestietheater „Carte Blanche“ ist weniger zotig und vertrutscht als vergleichbare Häuser. Dem Wochenendtouristen muss es nachts nicht langweilig werden. Tagsüber ist Kultur Pflichtprogramm. Wer Dresden verlässt, ohne die Galerie der Alten Meister oder die Schätze des Grünen Gewölbes gesehen zu haben, verpasst Einzigartiges. Aber auch der Besuch der Neustadt lohnt. Ein gemütliches Cafe, eine abgefahrene Galerie oder einfach nur entspannte Leute findet man in fast jeder Straße. Und doch gibt es eine Schattenseite, die Touristen kaum auffällt. „Wir haben hier definitiv ein Problem mit den Rechtsradikalen“, sagt Jürgen Kiesslich. In den NPD-Hochburgen der nahe gelegenen Sächsischen Schweiz sei ein schwules Coming-out unmög-

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hinnerk 04/09

Fotos: DWT /Dittrich, Peter Mollen, Boys

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lich. Und auch in Dresden kommt es nicht von ungefähr, wenn NeustadtKneipen ihre Türen mit dem Hinweis versehen, dass Nazis hier nicht bedient würden. Die CSD-Vereine aus Hamburg, Berlin und Köln haben für dieses Jahr ihre Unterstützung angekündigt. Auf dem schwullesbischen Straßenfest wollen sie mit einem Stand ihre Solidarität mit den Dresdner Homos bekunden. Wenn am 13. Juni die Parade durch die Innenstadt zieht, werden etwa 2 500 Teilnehmer erwartet. Motto: „40. Christopher Street Birthday“ – zur Erinnerung an den New Yorker Aufstand von 1969. Auf dem Altmarkt wird anschließend gefeiert, Kiesslich hätte dort gerne 20 000 Besucher. „Wir wollen möglichst viele Bürger anlocken“, betont er, „denn wir sind auf der politischen Bühne noch ganz weit hinten.“ Und erneut hat er ein Beispiel parat: Schwule und Lesben, die in Sachsen eine Lebenspartnerschaft eingehen, mussten bis vor Kurzem noch dreimal so hohe Gebühren zahlen wie Heteros. Jetzt legt jede Kommune den Satz selbst fest. Ein kleiner Erfolg, immerhin. Vielleicht folgt im Juni bereits der nächste, sollten die 20 Glatzen verschwunden sein, die im letzten Jahr noch die CSD-Teilnehmer an der Brühlschen Terrasse mit Papier beworfen haben. Nicht mal für Wattebäusche hatte es gereicht. STEFAN MIELCHEN

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Dresden-Tipps
CSD-Parade: 13. Juni mit Straßenfest und Abschlussparty
www.csd-dresden.de

Bars: www.boys-dresden.de, www.queens-dresden.de Fetisch/Sex: www.area29.de, www.lederclub-dresden.de, www.duplexx.eu Monatliche Partys: www.discowoanders.de, www.she-party.de, Indie-Party „Queerbeats“ im www.uboot-dresden.de Wohnen: gayfriendly Appartments im Szeneviertel Neustadt,
www.city-dresden.de

Stadtführung: Sylvia Johne, gayfriendly, www.dresdenlife.de

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