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April 2009 

Gemeinde Köniz

Könizer zeitung Der Sensetaler

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Bewaffnete Mönche und betende Rittersleut
Stück für Stück wird die Geschichte des Schlossareals entschlüsselt
KÖNIZ – Bei der Sanierung des Rossstalls auf dem Schlossareal Köniz ist eine mittelalterliche Mauer zu Tage gekommen. Ein Fall für den Archäologischen Dienst.
Wie alt ist etwas? Wie ist es entstanden? Wie hat es sich entwickelt? Das sind Fragen mit denen sich Dr. Armand Baeriswyl tagtäglich beschäftigt. Er ist Leiter der Stadt-, Kirchen- und Burgenarchäologie des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern. Seit 15 Jahren kennt er jeden Winkel des Schlossareals Köniz. Teilchen um Teilchen versucht er mit seinem Team das Geschichtspuzzle zusammen zu fügen. «Meist finden wir dabei mehr Fragen als Antworten», so Baeriswyl. «Und manchmal ist ein Puzzleteilchen falsch.» Was man bis heute über das Schlossareal weiss, ist sehr punktuell. Vieles bleibt ungeklärt. Geschichtsträchtiges Areal Das Schloss Köniz steht auf geschichtsträchtigem Boden. Die Wurzeln des heutigen Gebäudekomplexes reichen ins frühe 13. Jahrhundert zurück. Auf dem Kirchenhügel, der östlich mit einem Graben geschützt war, lag im Frühmittelalter ein Gräberfeld. Später war dieser Friedhof mit einer Mauer umgeben. Die heutige Pfarrkirche wurde bereits ungefähr im Jahr 1100 errichtet. Wo sich die dazugehörige Siedlung befand, ist den Archäologen und Historikern weiterhin ein Rätsel. Als der Deutsche Orden zwischen 1226 und 1243 in Köniz einzog, erbauten die Ritterbrüder ein erstes Steingebäude mit ummauertem Hof. Das mächtige Ritterhaus wurde zwischen 1261 und 1265 erbaut. Es wurde an das bestehende Steinhaus angesetzt. Dieses diente fortan als Küchenbau. Um die beiden Gebäude orden bewohnt. Das Mauerstück ist ein Überbleibsel einer Einfriedung, welche die Ordensmitglieder und die Knechte und Mägde der Landwirtschaft auf dem Areal vor Eindringlingen schützte. Das Mauerstück liegt heute direkt am Rappentöriweg und befand sich früher gleich neben dem Tor – eben dem Rappentöri  –, durch welches die Strasse nach Schwarzenburg führte. Die Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes haben die Mauer vorsichtig von neueren Verputzschichten befreit. Unter Beton und Mörtel kam ein Steinwerk mit Zinnen zum Vorschein. Aufgrund der bautechnischen Vorschriften, die bei der Umnutzung des Rossstalls zum Kultur- und Begegnungszentrum beachtet werden müssen, kann die Struktur der alten Mauer im Innern des Gebäudes nicht sichtbar bleiben. «Es ist aber vorgesehen», so Baeriswyl, «dass man sie von Aussen weiterhin bewundern kann.» Mönche und Ritter Die Ringmauer bekräftigt Armand Baeriswyl in der Annahme, dass die Niederlassung des Deutschen Ordens in Köniz nicht nur ein Kloster oder eine Ritterburg, sondern beides war. «Die Architektur vor Ort widerspiegelt diese Zwitterstellung», so Baeriswyl. Sicher könne man sich hierbei jedoch nicht sein: «In der Archäologie gibt es wenig Wissen, aber viele Vermutungen.» Viele Fragen seien nach wie vor unbeantwortet: Warum schenkte der deutsche König 1226 das Schlossareal dem deutschen Orden? Gab es in Köniz einen Königshof wie z. B. in Bümpliz? Wo lag das Kloster, welches in Dokumenten erwähnt ist? Was geschah zwischen 1226 und 1260? Wie war der Ritterorden organisiert? «Es ist unsere Aufgabe, uns Stück für Stück der historischen Wahrheit anzunähern», so Baeriswyl. Barbara Imboden

Die Rückwand des Rossstalls entpuppte sich als Teil der alten Ringmauer.

Foto: zvg

wurde eine Ringmauer mit einer Zugbrücke errichtet. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde zwischen der Ringmauer und dem Ritterhaus ein weiteres Gebäude gebaut: das heutige Pfarrhaus. Die Archäologen vermuten, dass es durch einen Gang mit der Kirche verbunden war. Der heutige Nordwesttrakt wurde nach einem Brand im Jahr 1395 errichtet.

In die Zeit der Landvogtei fallen zwei Umbauphasen, um 1729 und 1788. Dabei erhielt das Schloss sein heutiges Aussehen; die Ringmauer verschwand. Überbleibsel entdeckt Manchmal haben die Archäologen Glück und Verschwundenes kommt wieder ans Tageslicht: Der mittelalterliche Rossstall auf dem Gelände wird

In der Archäologie gibt es « wenig Wissen, aber viele Vermutungen. »
Als Bern 1554 dem Deutschen Orden das Schloss Köniz zurückgeben musste, war eine umfassende Restaurierung nötig. Unter anderem entstanden damals die mächtigen Backöfen und der Kaminhut im Keller des Küchenbaus wurde erneuert. zum Kulturlokal umgebaut. Bei den Sanierungsarbeiten wurde ein Teil der «verschwunden» Ringmauer freigelegt. «Gemäss unseren Analysen müsste sie aus dem 13. Jahrhundert stammen», so Baeriswyl. Damals wurde das Ritterhaus auf dem Hügel über Köniz vom Deutschen Ritter-

Dr. Armand Baeriswyl, Archäologischer Dienst des Kantons Bern