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April 2009 

Längenberg

Könizer zeitung Der Sensetaler

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Eine Schule passt sich an
Gesellschaft und Politik fordern in Riggisberg Veränderungen
RIGGISBERG – Die rund 200 Unterstufen- und Mittelstufenschüler von Riggisberg werden künftig Mischklassen besuchen. Dadurch wird altersgemischtes Lernen möglich. An einem Informationsabend erfuhren die betroffenen Eltern Näheres zu den beiden Projekten .
Am 23. März hat die Schulleitung der Primarschule Riggisberg zu einem Informationsabend geladen. Der Anlass stiess bei den Eltern auf sehr grosses Interesse; sämtliche Sitzplätze in der Aula waren besetzt. Es mussten weitere Stühle organisiert werden. Thema des Abends waren die anstehenden Veränderungen im Kindergarten und in der Primarschule: die Einführung des Mischklassenunterrichts und der vom Kanton verlangten Blockzeiten. Im Verlauf des Abends sollten die Eltern der rund 200 betroffenen Kinder Hintergrundinformationen zu den beiden Projekten erhalten. «Wir wollen die Veränderung gemeinsam angehen», betonte Martin Carell, Präsident der Kindergarten- und Primarschulkommission. Veränderungen seien immer auch eine Chance. Und diese wolle man nun gemeinsam mit den Eltern und für die Kinder ergreifen. Veränderungen In der Primarschule Riggisberg wird auf Beginn des neuen Schuljahres das Mischklassensystem eingeführt. «Die Schule muss sich den Veränderungen von Gesellschaft und Politik anpassen», begründet Schulleiter Fred Rohrbach den Entscheid. Auf Beginn des neuen Schuljahres wird das Schulhaus Rüti geschlossen; elf Kinder aus Rüti wechseln dann an die Primarschule Riggisberg. Für Schülerinnen und Schüler mit langem Schulweg wird ein

Die 1./2. Klasse hat in der Diskussion mit Lehrerin Lydia Fankhauser recht positiv auf Mischklassen reagiert. Foto: Rosmarie Fischer

Schulbus angeboten werden. Wo der Bus halten wird, ist noch nicht bekannt. Damit die Klassen nicht zu gross werden, wird in Riggisberg eine neue Klasse eröffnet. Mit der Einführung der von der Erziehungsdirektion geforderten Blockzeiten werden Unterrichtsbeginn und -ende aller Schüler vereinheitlicht. «Am Vormittag müssen alle Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse mindestens vier Lektionen in der Schule verbringen», erklärt Rohrbach die Weisung des Kantons. Auch auf der Unterstufe gibt es Änderungen: Ab August 2009 ziehen die Kindergärteler, die Erst- und die Zweitklässler in das neue Gebäude an der Abeggstrasse. Ab diesem Zeitpunkt werden die 1.- bis 6.-Klässler in altersgemischten Klassen unterrichtet. Unsicherheiten Auf das Schuljahr 2009/10 wird es in Riggisberg zwei 1./2.  Klassen und je drei 3./4. und 5./6. Klassen geben. Die Kinder werden nach bestimmten Kriterien auf die Klassen aufgeteilt: In allen Klassen soll es Mädchen und Buben geben. Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden gleichmässig auf

die Klassen verteilt. Über die restliche Zusammenstellung soll das Los entscheiden. Diese Aufteilungskriterien stossen nicht bei allen Eltern auf Verständnis: «Befreundete Kinder werden so auseinander gerissen», merkte eine besorgte Mutter an. Eltern sollten ihrer Meinung nach die Entscheidung mitbeeinflussen können. «Die Einteilung der Klassen liegt in der Kompetenz der Lehrerschaft», stellte Schulleiter Rohrbach klar. Nur bei Geschwistern könnten die Eltern mitbestimmen, ob ihre Kinder gemeinsam eine Klasse besuchen sollen. Zu Reden gaben auch die Blockzeiten: «Es wird Kinder geben, die mittags aufgrund der neuen Stundenpläne nur knapp eine halbe Stunde zu Hause verbringen können», so ein kritisches Votum aus dem Saal. Für solche Fälle biete sich der Mittagstisch an, antwortete Schulleiterin Rosmarie Fischer darauf. Das Angebot werde von der Gemeinde Riggisberg mit fünf Franken pro Kind und Tag unterstützt. An der Einführung der Blockzeiten gäbe es nichts mehr zu rütteln: «Sie sind eine Weisung des Erziehungsdirektors», erklärt Fred Rohrbach. Die neue Regelung

gelte ab diesem Sommer für sämtliche Schulen des Kantons. Auch bezüglich der Kommunikation zwischen Schule und Eltern wurde am Informationsabend Kritik laut: «Die Schüler wurden vor den Eltern informiert», bemängelte ein Vater. Tatsächlich hatten die Lehrpersonen vor Abgabe der Elterninformation das Thema «Mischklassen» in der Schule behandelt: «Wir wollten die Kinder von Anfang an miteinbeziehen», erklärt Rosmarie Fischer das Vorgehen. Schliesslich seien sie die direkt Betroffenen. Vorteile Die Lehrerschaft freut sich auf die Einführung der Mischklassen: «Diese Unterrichtsform hat viele Vorteile», ist sich Rosmarie Fischer sicher. Die Jüngeren können von den Älteren lernen und umgekehrt. Kinder mit besonderen Begabungen oder mit Defiziten können besser gefördert werden. Soziales Lernen steht im Mischklassenunterricht im Vordergrund. Die Kinder wachsen in eine bestehende Gemeinschaft hinein. die Zusammenarbeit unter den Lehrpersonen wird verstärkt und die Klassengrössen sind ausgeglichener. Barbara Imboden