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MAI 2009

REGION

KÖNIZER ZEITUNG DER SENSETALER

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Majestät der Lüfte
Der Rotmilan erobert sich die Schweiz zurück
REGION – Während der Rotmilan in manchen Ländern Europas ums Überleben kämpft, gedeiht er in der Schweiz prächtig. Seit einem halben Jahrhundert nimmt der Bestand des einst bedrohten Raubvogels stetig zu. Alleine im Kanton Freiburg sind heute um die hundert Brutpaare bekannt.
Majestätisch zieht er am Himmel seine Kreise. Zwischendurch ertönt ein heller Schrei. In geringer Höhe iegt er ruhig dahin. Um plötzlich – schnell wie der Blitz – hinab zu stürzen, um sich seine Beute zu krallen. Der Rotmilan gehört mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,60 Metern zu den grössten und beliebtesten Greifvögeln der Schweiz. Er zeigt wenig scheu vor dem Menschen und ist damit einfach zu beobachten. Das macht sich auch Greifvogelexperte Adrian Aebischer von der Universität Bern zu nutzen. «Es gibt viel Literatur über den Rotmilan», so Aebischer. Vor allem in Osteuropa sei einiges über den farbenprächtigen Raubvogel geschrieben worden. Leider seien diese Bücher für die meisten Forscher nicht zugänglich, weil sie der fremden Sprache nicht mächtig sind. Mit seinem neuen Buch «Der Rotmilan» unternimmt der Düdinger einen Versuch, das vorhandene Wissen über den grossen Greifvogel zu bündeln. Aebischer hat in ganz Europa Daten gesammelt und übersetzen lassen: Sein Buch beinhaltet neben aktuellen Bestandszahlen auch die neusten, zum Teil noch unveröffentlichten Erkenntnisse über das Zugverhalten und die Überwinterung des Rotmilans. Überlebenskünstler Adrian Aebischer geht in seinem Buch den Gründen für die Zu- und Abnahme der Rotmilanbestände auf: Während die Tiere tagsüber oft alleine oder in kleinen Gruppen unterwegs sind, sammeln sie sich in den kalten Winternächten an gemeinsamen Schlafplätzen. «Bis zu 300 Vögel schlafen dann in einer Baumgruppe», weiss Aebischer. Die Rotmilane sitzen aber zu weit auseinander, um einander zu wärmen. Feinde, denen sie im Schwarm entkommen müssten, haben sie nicht. «Der Grund für die vorübergehende Schwarmbildung ist bisher ungeklärt», so der Greifvogelexperte. Gesunde Schweizer Population In der Schweiz lebt heute die viertgrösste RotmilanPopulation Europas. «Im Bezug zur Landes äche, haben wir sogar den grössten Bestand», weiss Aebischer. Allein im Kanton Freiburg können zurzeit über hundert Brutpaare beobachtet werden. Jedes Jahr kehren sie zu ihrem Nest zurück und ziehen ein bis drei Junge gross. Diese sind mit ungefähr drei Jahren geschlechtsreif. Allerdings übersteht nur jedes zweite Tier das erste Lebensjahr. Der nachweislich älteste Rotmilan wurde 28 Jahre alt. Barbara Imboden
Foto: Alan Saunders

in den verschiedenen Regionen Europas nach. So war der Rotmilan zum Beispiel im 19. Jahrhundert in der ganzen Schweiz weit verbreitet. Danach aber nahm die Population stark ab. Der Kulturlandbewohner wurde gejagt oder vergiftet – und stand schliesslich in einigen Regionen der Schweiz kurz vor dem Aussterben. Doch der Rotmilan ist ein Überlebenskünstler: In den 1950er Jahren erholte sich der Bestand stetig. Einer der Gründe dafür könnte die Anpassungsfähigkeit des Raubvogels sein. «Im Nestbau ist der Rotmilan äusserst kreativ», so Aebischer. «Er verwendet alles, was der Mensch nicht mehr braucht.» In vielen Rotmilanhorsten ndet man zum Beispiel Plastikfetzen, Schnüre und Lappen. Auch Plüschtiere und einzelne Schuhe werden als Nestmaterial genutzt. Gefährliche Flugreise Doch für die Rückkehr des Rotmilans muss es noch andere Gründe geben. «Erstaunlich ist, dass immer mehr Tiere in unseren Breitengraden überwintern», erklärt Adrian Aebischer. Die

meisten Rotmilane Europas zog es bis anhin in der kalten Jahreszeit gegen Süden. Die «Reiselust» der Vögel hat aber in den letzten zehn Jahren markant abgenommen: In Spanien überwinterten im Jahr 2004 ganze 45 Prozent weniger Rotmilane als noch im Jahr 1994. Warum die Raubvögel ihr Verhalten geändert haben, ist noch nicht bekannt. Genau diese Umstellung könnte aber vielen von ihnen das Leben retten: Bleiben die Tiere in der Schweiz, ersparen sie sich eine kräftezehrende, gefährliche Flugreise. «Vor allem in Spanien kommen viele Rotmilane um», weiss Aebischer. «Sie fressen ausgelegte Giftköder oder werden erschossen.» Denn die Jäger befürchten, dass die Raubvögel den Bestand des Kleinwildes stark dezimieren. Dass in Wirklichkeit ein Virus für den starken Rückgang der Kaninchenpopulation verantwortlich war, sei in Spanien zu wenig bekannt gewesen. Rätselhaftes Gruppenverhalten Die Rotmilane, die in der Schweiz überwintern, geben den Forschern weitere Rätsel

Gewinnen Sie!
Die Könizer Zeitung und der Sensetaler verlosen zwei Mal das Buch «Der Rotmilan» von Adrian Aebischer. Schicken Sie eine Postkarte mit dem Vermerk «Rotmilan» an: Könizer Zeitung | Der Sensetaler, Postfach 31, 3144 Gasel. Viel Glück!

Buchtipp
«Der Rotmilan – ein faszinierender Greifvogel», Adrian Aebischer, Haupt Verlag, 232 Seiten, 125 Farbfotos, über 30 Grafiken, Karten und Tabellen, ISBN 978-3-258-074177, 49.90 Franken.