Inhalt

Vorwort Teil 1 • Mauerwerk in der Architektur Rolf Ramcke Was ist Mauerwerk? Positionen der Geschichte Gestaltung Gegenwart und Zukunft des Mauerwerks Teil 2 • Grundlagen Material Konrad Zilch, Martin Schätz Mauersteine Natursteine Mauermörtel Putze Verbände Konrad Zilch, Martin Schätz mit Christina Radibeck Allgemeines Formate und Sonderbauteile Maßordnung und Steinformat Verbandsregeln Mauerverbände Tragwerk Konrad Zilch, Martin Schätz Tragverhalten von Mauerwerk Grundlagen der Bemessung Verformung und Rissbildung Natursteinmauerwerk Bewehrtes Mauerwerk Mauerwerk aus Fertigbauteilen Mauerwerkbau in Erdbebengebieten Mauerwerkkonstruktionen Konrad Zilch, Martin Schätz Außenwände Innenwände Pfeiler und freistehende Mauern Haustrennwände Kelleraußenwände Natursteinmauerwerk Wandöffnungen Gewölbe und Kappen Einzellasten und Teilflächenpressungen Wandanschlüsse

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Ausführung von Mauerwerk Konrad Zilch, Martin Schätz Mauermörtel auf der Baustelle Feuchteschutz der Mauersteine Mauern bei Frost Eignungs-und Güteprüfung Stoß- und Lagerfugen Anschlüsse von Querwänden Schlitze und Aussparungen Sichtmauerwerk Verfugung Fugenteilung Ausführung von Plansteinmauerwerk Befestigungstechnik im Mauerwerk Rationalisierungsmaßnahmen Bauphysik Joachim Achtziger Wärmeschutz Klimabedingter Feuchteschutz Schallschutz Brandschutz Bauphysikalische Kenngrößen Teil 3 • Konstruktionen im Detail Günter Pfeifer, Rolf Ramcke Flachdach Flachgeneigtes Dach Geneigtes Dach Deckenanschluss Öffnungen Balkone Terrassenanschluss Sockel Treppen Rücksprung Eckausbildung Freistehende Mauern Teil 4 • Gebaute Beispiele im Detail Günter Pfeifer

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Gebaute Beispiele im Detail Übersicht Beispiele 1 bis 34 Anhang Normen Literatur Sachregister Namensregister Bildnachweis

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Positionen der Geschichte

massive Lehmziegelmauern außen mit gebrannten Ziegeln verkleidete. Auch durch die Ausbildung des Lehm-Mörtel-Bewurfs, der in weichen Ausrundungen eine Attika bildet, die mit Steinen abgedeckt wird, oder die nach oben spitz ausläuft und dem ablaufenden Regenwasser möglichst wenig Widerstand entgegensetzt, wird der Materialverlust verringert. Das bedeutet jedoch ständige Pflege und Aufmerksamkeit. (Abb. 1.1.4) Eine einfache Weise, sich vor Regen zu schützen, ist, unter überhängenden Felsen zu bauen, wie es Bauten im Südwesten Nordamerikas ebenso wie in Afrika, Mali, zeigen. (Abb. 1.1.2) Dass Dächer mit weiten Auskragungen auch einen Regenschutz für Lehmwände bilden, versteht sich. Ähnliche klimatische Verhältnisse und Baustoffe führen offenbar seit Jahrtausenden rund um die Erde zu ähnlichen Architekturformen. Das darf allerdings nicht als Kulturregel gelten, denn die städtischen Lehmbauten im Jemen sind unter gleichen äußeren Bedingungen völlig anders als die zuvor gezeigten in Mali. (Abb. 1.1.3 und 1.1.4) Das Bauen mit Mauerwerk aus Lehmziegeln ist - neben der handgeformten Wulstbauweise und der Stampflehmtechnik mit Gleitschalung die seit Anbeginn auf der Erde weitest verbreitete Technik. Die Mauerstärken schwanken hierbei zwischen 40-65 cm. Es gibt, wie später beschrieben, außer den orthogonalen Ziegeln mit Zirkaregelgrößen von 1 0 x 2 0 x 4 0 c m auch eine Reihe anderer muschelartiger oder rautenförmiger Ziegelformate, die durch Verklammerung ihre Standfestigkeit erhöhen. Die Lehmziegelbauweise ist für mehrgeschossige Gebäude geeignet, Die geschilderten bautechnischen Grenzen leiten zu einer Architektur, die innerhalb dieser Vorgaben eine erstaunliche plastische Vielfalt zeigen. Das Material kann mit den Händen geformt und bearbeitet werden und lässt die Möglichkeit skulpturaler Gestaltung von teilweise großartiger Ausdruckskraft zu. Architektur aus ungebrannten Ziegeln ist in der Geschichte der Hochkulturen - meist unbeachtet-gebaut worden. Selbst die chinesische Mauer ist in großen Teilen aus Lehm hergestellt, der noch heute stabil ist. Auch in Zeiten, die wir mit der pharaonischen Monumentalarchitektur aus Naturstein verbinden, lebten in Ägypten fast alle Menschen in Häusern aus ungebrannten Lehmziegeln. Auch Rom hat sich von einer Stadt aus Lehm zu einer Stadt aus Marmor (genauer gesagt Marmorverkleidung) entwickelt.
1.1.1 1.1.2 1.1.3 1.1.4 Tunnelgang in das Stadion von Olympia, Griechenland, 300 v.Chr, Pueblo in der Mesa Verde, USA Lehmbauten im Jemen Lehmbauten in Mali

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Mauerwerk in der Architektur

Die einigende Kraft des Bauens

Ziegel zu brennen und im Brand farbig zu glasieren und mit solchen glasierten Ziegeln Mauern zu verkleiden, gelang erstmalig in den städtisch geprägten Kulturen der Sumerer und Babylonier. Es war eine lange Entwicklung, die rund 3500 v. Chr. begann und deren in ausgegrabenen Teilen noch heute zu bewunderndes Glanzstück das Ischtartor von Babylon ist (Abb. 1.1.5). Es wurde unter Nebukadnezar II. um 600 v.Chr. errichtet. Die Anlage des Ischtartors war Prozessionsstraße und Verteidigungsvorwerk zugleich. Es war mit mehr als fünfhundert Tierreliefs an Front und Seiten ausgestattet. Sie waren als Ziegelreliefs im Verband vermauert. Größe, Pracht und Kunstfertigkeit der im Mauerverband einzeln ausgeformten Löwen, Stiere und Fabelwesen an der Prozessionsstraße des Ischtartors zeigen eine meisterhafte Reliefgestaltung. Solche Ziegelreliefs

gab es schon am Innintempel in Uruk. Dort grub man hervorragend erhaltene Nischenfiguren aus der Zeit um 1400 v. Chr. aus. (Abb. 1.1.7) Die bedeutendsten Bauwerke der sumerischen und babylonischen Kulturen waren riesige Tempeltürme, Zikkurate, die, als Stufenpyramiden gebaut, an der höchsten Stelle einen Tempel trugen, zu dem ein oder mehrere durchlaufende Treppen führten. Jede größere Stadt hatte ihre Zikkurat. Die älteren waren aus ungebrannten Lehmziegeln erbaut und wurden vermutlich später mit gebrannten Ziegeln ummantelt. Die bekanntesten sind die Zikkurat von Ur (2300 v. Chr.) (Abb. 1.1.6) und der Turm zu Babel. Er wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Der letzte und größte hatte eine Fundamentbreite von 90 m und eine ebenso große Höhe. Man hat errechnet, dass er aus 85 Millionen Ziegeln erbaut wurde. Zur obersten Plattform, auf der ein zweigeschossiger Tem-

pel stand, führte eine gewaltige Treppe. Der Turm stand in einer Tempelanlage am Ufer des Euphrat. Dass alle Teile der Türme hinweisende Bedeutung hatten, wissen wir durch Funde beschrifteter und gebrannter Tonplatten. Ebenso kennen wir dadurch die liturgischen Riten ziemlich genau. Wichtig für die hier auszuführenden Zusammenhänge ist, dass vor allem der Bau der Zikkurate als kulturstiftende, einigende Leistung begonnen wurde. »... lasst uns ein Denkmal bauen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.« (1. Mose 11). Die babylonische Kultur zerfiel erst, als die Zikkurat, die 1800 Jahre lang immer wieder nach Zerstörungen aufgebaut wurde, als Zeichen einigender Kraft des gemeinsamen Bauens ihre Wirksamkeit verloren hatte. In der Metapher der einigenden Sprache und der babylonischen Sprachverwirrung hat sich die europäische Geistesgeschichte immer wieder hiermit beschäftigt. So schildert Franz Kafka in seiner

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Wohnanlage in Lörrach

1 Fensterbank Titanzinkblech 2 Briefkasten 3 Eingangstür 4 Türschwelle, Stahlblech, verzinkt 5 m m Deckleiste Wandaufbau: Betonsteine 90 m m Luftschicht 40 m m Wärmedämmung 60 m m Kalksandstein 175 m m Kalkzementputz 15 m m Attikaabdeckung, Titanzinkblech Aufbau Attika: Außenputz 20 m m Wärmedämmung, Hartschaum 35 m m Stahlbetonwand Wärmedämmung, Hartschaum 25 m m Abdichtung Dachaufbau: Kies 50 mm Dachabdichtung

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Wärmedämmung, Hartschaum 100 m m Dampfsperre Stahlbetondecke 180 c m K a l k z e m e n t p u t z 15 m m Wärmedämmung 25 m m Holzfenster mit Isolierverglasung Wandaufbau: Außenputz 2 0 m m Leichtziegel 300 m m K a l k z e m e n t p u t z 15 m m Bodenaufbau: Linoleum Estrich 4 5 m m Trennlage Wärmedämmung 30 mm Stahlbetondecke 200 m m K a l k z e m e n t p u t z 15 m m Stahlbetonsturz, Fertigteil Jalousie Bodenaufbau: Linoleum Estrich 5 5 m m

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Trennlage Wärmedämmung 60 m m Abdichtung, Bitumenbahn Stahlbetondecke 200 m m Sauberkeitsschicht Wandaufbau: Außenputz 2 0 m m Wärmedämmung, Hartschaum 50 m m Stahlbetonwand 240 m K a l k z e m e n t p u t z 15 m m Titanzinkblech Titanzinkblech, folienkaschiert Aufbau Pultdach: Dachabdichtung Holzschalung 24 m m Sparrenlage 120/180 m m W ä r m e d ä m m u n g 120 m m Holzlattung 25 m m G i p s k a r t o n p l a t t e 15 m m Rolladenkasten 100/100 m m Stahlprofil L 120/80/8 m m

Horizontalschnitte Betonsteinfassade • Putzfassade Vertikalschnitte Maßstab 1:20

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Beispiel 34

Wohnanlage in Groningen, Niederlande 1993 Architekten: Felix Claus, Kees Kaan, Amsterdam Mitarbeiter: Andrew Dawes Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Wassenaar, Haren

Die städtebauliche Ausformung der gesamten Anlage orientiert sich an den umliegenden Straßen und Wegen und umschließt großzügig einen V-förmigen, nach Westen offenen Park. Auf der Südwestseite befinden sich Reihenhäuser mit Innenhöfen; an der Nordostseite bilden drei Häuserblocks mit Geschosswohnungen den Rücken der Anlage, der durch die dazwischen liegenden Erschließungs- und Spielgassen aufgelockert wird. Die Wohnungen sind auf der Südseite zum Park mit durchgehenden Verglasungen und schlanken Baikonen ausgestattet. Zur Straße hin sind die Laubengänge ab dem 1. Obergeschoss großzügig verglast. Die schlanken, tiefen Grundrisse haben zwei südwestorientierte tiefe Räume, die als Wohn-, Schlaf- oder Arbeitszimmer genutzt werden können. Zum Laubengang hin liegen die Küche und ein weiteres Zimmer. Die Hofhäuser an der Südseite des Geländes sind in Sechser-Clustern angeordnet und durch schmale Erschließungsgassen voneinander getrennt. Die Tragkonstruktion besteht aus zweischaligen Wänden in Mauerwerk mit vorgefertigten Betondecken. Die Außenflächen in rotem Sichtmauerwerk, auf der Seite der Gassen, und die senkrechte Holzverschalung, zum Garten und zur Giebelseite, sind geschickt zueinander in Beziehung gesetzt. Die fast quadratischen Grundrisse gliedern sich im Erdgeschoss in einen Eingangsbereich mit einer doppelt gewendelten Treppe ins Obergeschoss, die drei Zimmer und ein kleines separates W C und Bad erschließt. Im Erdgeschoss befinden sich eine Küche und ein Wohn- und Essplatz. Die Grundrisse ermöglichen eine nachträgliche Trennung von Erd- und Obergeschoss in separate Wohneinheiten. Die Geschossbauten sind auf ähnliche Weise differenziert: auf der Parkseite geschosshohe Schiebefenster vor Glasfassaden, die Giebelseiten backsteinverkleidet. Zur Straße hin ist das Erdgeschoss als Sockel ebenfalls in rotem Stein gehalten. Das konsequent durchgeführte zweischalige Mauerwerk mit Wärmedämmung und Hinterlüftung ist im Läuferverband ausgebildet, der auch an den Stürzen liegend durchläuft. Die Fenster liegen in der Ebene von Wärmedämmung und Luftzwischenraum mit hölzernen Blendrahmen und eingesetzten Flügeln. Im Bereich der Eingänge sind sie farbig abgesetzt und mit wenigen Elementen aus Stahlbeton gegliedert.

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Beispiel 34

Schnitt Maßstab 1:250 Horizontalschnitt Anschluss Klinkerfassade an Holzplattenfassade Horizontalschnitt Wohnungsfenster Horizontalschnitt Treppenhausfenster Vertikalschnitt Straßenfassade Maßstab 1:20

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Sperrholzplatte, Birke beidseitig phenolharzbeschichtet 18 mm Laibungsbrett 40/200 m m Holzfenstertür mit Isolierverglasung Unterkonstruktion, Kantholz 40/40 mm Wandaufbau: Torfbrandklinker NF 115 m m Hinterlüftung 10 m m Wärmedämmung, Mineralfaser 120 m m Stahlbeton 180 m m vierteiliger Klappladen aus Dreischichtholzplatten mit Umleimer wetterfest verleimt, o b e n und unten geführt 2x 15 mm, Flachstahlgeländer, verzinkt, eisenglimmerbeschichtet, 35/8 mm, Fensterbank, Stahlbetonfertigteil Überstand mit Tropfnase 50 mm Holzfenster, zweiflügelig mit Isolierverglasung horizontales Holzwendefenster mit Isolierverglasung, Brüstung festverglast, Innenscheibe VSG Gipskartonplatte 12,5 m m Wärmedämmung 80 m m Ringanker Porenbeton-U-Schale Putz 25 m m Terrassenaufbau: Gehwegplatten im Kiesbett Trittschalldämmbahn 15 m m Dachabdichtung Wärmedämmung 200 m m Dampfsperre Stahlbetondecke 220 m m Blechabdeckung Attika/Brüstung: Torfbrandklinker im Läuferverband NF 115 mm Hinterlüftung 10 m m Wärmedämmung Mineralfaser 120 mm Porenbeton 175 m m offene Stoßfuge Wärmedämmung, Hartschaum 60 mm horizontale Fräsung mit Gefälle nach außen Lüftungselement Stahlprofil L als Auflager für Fensterbank

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