NSU Prozess – Beate Zschäpe: Offener Brief an Beate Zschäpe von Jürgen Elsässer

Maria Lourdes 05/05/2013

War sie Mitläuferin oder Herz der Gruppe? Oder irgendwas dazwischen? Fakt ist: Beate Zschäpe lebte im Untergrund, nutzte Tarnnamen und feierte mit Nachbarn nette Gartenpartys. Nun macht das OLG München der mutmaßlichen NSU-Terroristin den Prozess. Es wird bei diesem Prozess auch um die “Wahrheiten hinter den NSU Morden“ gehen – und letztlich wohl um ihr eigenes Leben, meint Jürgen Elsässer vom COMPACT-Magazin. Im folgenden sein offener Brief an Beate Zschäpe…

Liebe Beate Zschäpe, ich habe Angst, dass Sie das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen werden. Ihre Münchner Zelle könnte Ihre Todeszelle werden, auch wenn die Todesstrafe bei uns abgeschafft ist. Die Gefahr ist am größten, wenn die TV-Kameras, die zu Prozessbeginn auf Sie gerichtet waren, abgeschaltet sind. Wenn keiner mehr hinschaut. Deswegen mein Appell: Reden Sie, solange Sie noch reden können. Reden ist Silber, Schweigen ist der Tod. Nur wenn Sie auspacken über Ihre Hintermänner, Auftraggeber und Verführer, sind Sie einigermaßen geschützt – denn das sind dieselben, die Ihnen am Liebsten für immer den Mund stopfen würden. Tote Zeugen reden nicht. Das wahrscheinlichste Szenario ist ein Attentat im Gericht. Irgendein verzweifelter oder verstörter Rächer wird auf Sie losstürmen und Sie exekutieren. „Weil auf die deutsche Justiz kein Verlass ist“, wird er behaupten und seinerseits vermutlich freigesprochen werden. Vor Prozessbeginn wurde vieles dafür getan, ein solches Szenario möglich zu machen: Der Verhandlungssaal war von Anfang an zu klein gewählt, außerdem bewies die Münchner Justiz wenig Fingerspitzengefühl bei der Vergabe der Presseplätze. Schließlich heizten deutschfeindliche Kräfte in Politik und Medien – und zwar nicht nur in Istanbul und Ankara, sondern auch in Berlin und München – den Konflikt immer weiter an. In diesem Hexenkessel des hysterischen Antifaschismus wird sich kaum ein bayrischer Beamter trauen, gründliche Leibesvisitationen vorzunehmen oder gar einen Trauernden abzuweisen, nur weil der Metalldetektor piepst. Und schon ist eine Mordwaffe im Publikum… Variante Nummer zwei: Nachts erscheint ein Schakal oder ein Grauer Wolf in Ihrer Zelle und hängt Sie, wie damals Ulrike Meinhof ans

Fensterkreuz. Wobei ich das Beispiel Ulrike Meinhof nur hilfsweise gewählt habe, weil die RAF-Gründerin bekannter ist als Heinz Lembke, der Ihnen vermutlich politisch näher steht. Lembke soll die Waffen für das Oktoberfestattentat 1980 geliefert haben, bei dem 13 Menschen starben. Als der Inhaftierte versprach, am folgenden Tag auszupacken, fand man ihn im Morgengrauen aufgeknüpft in seiner Zelle. Daraus können Sie zumindest lernen, dass es lebensgefährlich ist, eine wichtige Aussage anzukündigen. Die müssen Sie überraschend machen, wenn Sie während der besten Sendezeit europaweit in alle Wohnzimmer übertragen werden. Es wird Sie vielleicht wundern, dass ich als alter Linker so um Sie und Ihr Überleben besorgt bin. Abgesehen davon, dass ich die alten Kategorien links und rechts ohnedies für überholt halte, weil keiner heute mehr genau sagen kann, ob sich auf der Achse Brüssel-Berlin ein neuer Faschismus oder eine neue UdSSR herausbildet – abgesehen davon sind Sie mir irgendwie sympathisch. Nicht sympathisch ist mir der Neonazismus, mit dem Sie in Ihrer Jugend halb Jena erschreckt haben. Aber selbst wenn man alles Schlimme zusammenrechnet, was Sie bis zu Ihrem Abtauchen Anfang 1998 verbrochen haben, so waren das doch weitaus weniger Gewaltdelikte als beim jungen Joschka Fischer. Anders verhält es sich mit den zehn Morden, die dem Nationalsozialistischen Untergrund seit dem Jahr 2000 angelastet werden. Ihre beiden Männer könnten bei einigen, wenn auch nicht bei allen dabei gewesen sein. Sind Sie die eiskalte Terroristin, die sie zum Killen geschickt und die ganze Logistik dafür organisiert hat? Nach ausführlicher kriminalistischer Recherche, vor allem in unserem Sonderheft COMPACT-Spezial, fand ich keinen Beleg dafür – sonst würde ich Ihnen diesen Brief nicht schreiben. Was mich am meisten an Sie glauben lässt, sind die Berichte Ihrer Zwickauer Nachbarinnen. Selbst jetzt, wo Sie Staatsfeind Nr. 1 geworden sind, sprechen sie öffentlich mit ganz viel Zärtlichkeit über Sie… Dass Sie immer für die Kinder etwas mitbrachten, wie hilfsbereit Sie waren… „Die Sonne ging auf, wenn sie kam“, hat Ihre Freundin Heike K. gesagt. Einmal sollen Sie ihren Sohn zurechtgewiesen haben, als der etwas Rassistisches äußerte. Und auch mit dem griechischen Wirt in Ihrem Haus hatten Sie ein gutes Verhältnis, haben Ouzo getrunken und gelacht. Irgendwie will mir nicht in den Kopf, dass ein Mensch, der den Eindruck eines Engels hinterlassen hat, ein Teufel gewesen sein soll. Oder bin ich naiv? Jürgen Elsässer, Chefredakteur COMPACT-Magazin Am kommenden Montag ist COMPACT vor Ort zur Prozesseröffnung in München. Einen aktuellen Bericht vom ersten Prozesstag können Sie am 6. Mai ab ca. 21 Uhr auf COMPACT-TV sehen. Offener Brief an Beate Zschäpe – J. Elsässer COMPACT Editorial Mai 2013 COMPACTTV

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Gefällt mir: This entry was posted on 05/05/2013 um 17:49 and is filed under "D(E)ÄMOKRATIE, "Mysteriös", infokrieg. Getaggt mit: alter Linker Jürgen Elsässer, beate zschäpe aktuell, Beate Zschäpe Attentat im Gericht, beate zschäpe münchen, beate zschäpe pink panther, beate zschäpe prozess, Brief an Beate Zschäpe, Elsässer COMPACT Brief an Beate Zschäpe, Heinz Lembke, Joschka Fischer, NSU Prozess - Beate Zschäpe, NSU Prozess Beweise, NSU Prozess der erste Tag, nsu prozess münchen, nsu prozess münchen antifa, nsu prozess münchen beginn, nsu prozess münchen Demo Demonstrationen, nsu prozess münchen gericht, nsu prozess presse liste, nsu prozess presseplätze, NSU Prozesseröffnung in München, Schakal oder ein Grauer Wolf in Ihrer Zelle, Tote Zeugen reden nicht, Ulrike Meinhof. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder Trackback from your own site. 15 Antworten zu “NSU Prozess – Beate Zschäpe: Offener Brief an Beate Zschäpe von Jürgen Elsässer.” 1. klein1062 sagte 05/05/2013 um 18:13 Ich muß Jürgen Elsässer leider recht geben. Antwort
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Maria Lourdes sagte 05/05/2013 um 18:19 ich leider auch, darum hab ich den Brief auch veröffentlicht, denen ist alles zuzutrauen! Gruss Maria Lourdes Antwort

Lena Marina sagte 05/05/2013 um 19:23 “Denen”? Wer ist “denen”? Und wie kann man eine Person in Schutz nehmen, an deren Händen viel Blut klebt? Auch der Elsässer tut mir wirklich leid, die Grundlagen der Psychologie oder zumindest etwas Menschenkenntnis hätten dazugereicht, um verstehen zu können, wie Mörder in Engelsgestalt ticken. Antwort

Maria Lourdes sagte 05/05/2013 um 19:34 Denen – das ist der Verfassungsschutz – warst Du dabei als ihr das Blut an die Hände geklebt wurde? Es gilt immer noch die Unschuldsvermutung, auch wenn Dir der Mainstream Zschäpes Schuld ins Hirn gepflanzt hat. Schlaf weiter! Das nervt mich, Leute zu verurteilen deren Schuld nicht mal bewiesen wurde – Ich muss mich zurückhalten sonst vergreif ich mich im Ton – Geh Tagesschau gucken! – ENDE Antwort

klein1062 sagte 05/05/2013 um 19:55 @Lena Marina, zur Erinnerung; Eine Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig. Dies folgt aus dem Rechtsstaatsprinzip! Das gilt für alle, auch für Sie. Vorverurteilung gehört wahrscheinlich schon zur Staatsräson. Ich kann,s nicht glauben, wieweit die Umerziehung schon vorangeschritten ist. Antwort

spöke sagte 05/05/2013 um 21:28 Lena Maria auch für dich gilt hier die Unschuldsvermutung ! Da wir alle wissen das du an diese Bunzeltegierung glaubst, und nichts von Gladio und Konsorten weißt. Antwort

Montefiore sagte 05/05/2013 um 22:21 Lena, Du hast recht – oder? Du kennst die Grundlagen der Psychologie. Und weißt wie Mörder mit Engelsgestalt ticken ………………….. Hast Du eine Engelsgestalt? Hast Du Rechtspsychologie studiert? Antwort

2. Pater Aaron Isidor sagte 05/05/2013 um 18:40 Stecken da die gleichen Leute und Organisationen dahinter wie beim Oktoberfest-Massacker? Aber warum und weshalb? Fragt sich Pater A. Isidor http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.terrorismus-historikerdarum-plante-mein-vater-das-wiesn-attentat.ecdd3bfd-97f0-4f0d-92f8578c01748cad.html oder http://tinyurl.com/cznf2yo Gerne mal wieder P.I.G, Antwort 3. Sven Boernsen sagte 05/05/2013 um 18:50 Wir sollten über Frau Zschäpe die primären Opfer dieser Verbrechensserie keinesfalls ausser Acht lassen. Wir sollten auch bedenken, dass viele Angehörige durch die komplexen Hintergründe im Angesicht eigener Trauer möglicherweise überfordert sind. Ihnen sollten wir den gleichen Kredit gewähren wie Frau Tschäpe. Es gilt natürlich zu verhindern dass berechtigte Trauer instrumentalisiert wird und weitere Opfer (zu aller erst also Frau Zschäpe selbst) fordert. Deshalb Dank an Jürgen Elsässer, der hier seinen Fuss in die richtige Tür gestellt hat! Antwort 4. Wolf Gang sagte 05/05/2013 um 18:54

Dem ist nichts hinzuzufügen!!! Antwort 5. Achim sagte 05/05/2013 um 20:00 Dieser Prozess hat mit Rechtstaatlichkeit absolut nichts mehr zu tun. Rechtstaatlichkeit hieß früher einmal, der /die Angeklagte gilt als unschuldig, bis ein ordentliches Gericht die Schuld anhand von Beweisen, oder einem Geständnis festgestellt hat. Im Fall Beate Z. hat bereits eine dermaßen massive Vorverurteilung stattgefunden, daß der Prozess nach rechtstaatlichen Grundsätzen sofort eingestellt werden müsste. Jeder Richter, der so nach deutschem Recht urteilen würde, wäre nicht nur sofort arbeitslos, er müsste auch um sein Leben fürchten. Den freiheitlich, demokratischen Rechtstaat gibt es in Deutschland nicht mehr. Jedes Mordopfer ist ein Opfer zuviel. Nach der Kriminalstatitik sollen seit der Wiedervereinigung mehr als 7500 Deutsche von Ausländern in Deutschland ermordet worden sein. Viele dieser deutschen Opfer wurden aus reinem, antideutschen Rassismus abgestochen, totgeprügelt oder totgestiefelt. Ohne Wiedergutmachung für die Angehörigen, ohne Trauerfeier im Bundestag, usw. Die Tatsache, daß diese deutschen Rassismus-Opfer einfach ignoriert werden, während unsere linken Brüder lautstark gegen Rassismus krakeelen, zeigt doch ganz klar, daß es sich hier um einen politischen Prozess gegen Deutschland und gegen alles Deutsche handelt. Und die Deutschen lassen sich wiedereinmal aus “Toleranz” in die Rolle der Täter und Büßer drängen, bevor überhaupt die merkwürdigen Hintergründe dieser Mordserie aufgeklärt sind. Diese “Toleranz”, die in bestimmten ausländischen Kulturen immer als Schwäche ausgelegt wird und sofort neue Forderungen zur Folge hat, wird uns noch teuer zustehn kommen. Antwort
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Ed. sagte 05/05/2013 um 21:01 “Dieser Prozess hat mit Rechtstaatlichkeit absolut nichts mehr zu tun.” Da kann man Ihnen nur recht geben. Das Urteil ist bei der politischen Vorgeschichte mit Gedenkfeiern und Opferentschädigung aber auch der Medienvorgeschichte im Zusammenhang mit der Sitzvergabe insgeheim schon lange gefallen. Wie kann sich ein Staat -meinetwegen auch Verwaltungskonstrukt-

nur so vorführen lassen. Bei vernunftbegabten Menschen dürfte damit jeglicher Respekt vor diesem Staat infrage gestellt werden Antwort 6. landwirt2012 sagte 05/05/2013 um 21:34 wünscht den herzensguten Deutschen die durch die Kapitalismus Mordmaschine schwer geplündert und entehrt werden nur Gutes-denn das wahre Deutsche kennt keinen terrorismus und keinen Betrug und auch keine armen entwürdigten Menschen Doch in der jetzigen Zeit ist es nötig nicht nur die funktionierende Zivilgesellschaft einzufordern sondern auch sich mit gewissen Vorhersagen für die nächste Zukunft zu befassen- doch keine Angst_die Katastrophen werden milder als vorhergesehen und die Schuldigen müssen diesmal leiden vor allem die die heute meinen Macht zu haben. In der Umwälzung die kommt wollen sie allesamt ihre Macht verlieren das ist ein Resümée aus den Propheten mehrerer Jahrhunderte. Lest und wünscht den ehrlichen Deutschen das Beste: http://de.scribd.com/collections/3979376/Dritte-Macht http://de.scribd.com/collections/3979494/Deutsches-DENKEN http://de.scribd.com/collections/3982178/Prophezeiungen http://de.scribd.com/doc/138268565/79-scribd-collections-in-topics-ernstmartin-ordner-sortiert ernst-martin Antwort 7. nordlicht sagte 05/05/2013 um 21:48 Danke an Jürgen Elsässer für seinen besorgten Aufruf. Dieser Schauprozess wird die beabsichtigte Propagandawirkung aber verfehlen, so sehr sich die Zion-Medien auch abmühen. Viele im Inneren Aufgewachte trauen sich zwar noch nicht, ihrer Stimme etwas mehr Lautstärke zu geben, aber die Saat unser aller Arbeit wird schon noch aufgehen. Im Gebälk der NWO knistert es mächtig – so richtig rund läuft da nichts mehr… Gut so. Antwort 8. Birgit sagte 05/05/2013 um 21:49 Die NSU-Affäre stinkt zum Himmel (http://www.kritischsein.de/?p=3258)

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