In einer nächtlichen Ansprache aus

dem Weißen Haus nannte Obama den
Tod Bin Ladens „den bisher bedeutends-
ten Erfolg im Kampf unserer Nation ge-
gen al-Qaida“. Er erinnerte an das Leid,
das die Anschläge vom 11. September
2001 über das amerikanische Volk ge-
bracht hätten. Obama betonte, er habe
persönlichamSonntagdenBefehl zur At-
tacke auf Bin Ladens Versteck gegeben.
Mit ernstemBlick und in feierlichemTon
erklärte Obama: „Heute Nacht kann ich
dem amerikanischen Volk und der Welt
mitteilen, dass die VereinigtenStaatenei-
ne Operation durchgeführt haben, die
Osama bin Laden tötete, den Anführer
von al-Qaida und einen Terroristen, der
verantwortlich ist für die Ermordung
Tausender unschuldiger Männer, Frauen
und Kinder.“ Im Laufe des Montags gra-
tulierten Vertreter zahlreicher Länder
den USA zu ihrem Erfolg. Nur aus dem
Vatikan kamen verhaltene Töne: „Ein
Christ sollte niemals den Tod eines Men-
schenbegrüßen“, erklärte Federico Lom-
bardi, der Sprecher des Heiligen Stuhls.
In der Stunde des Triumphes mahnte
Obamasein Volkzuinnerer Geschlossen-
heit. Er erinnerte seine Landsleute „an
das Gefühl von Einheit, das nach 9/11
herrschte“ und das im Laufe der vergan-
genenzehnJahre Schadengenommenha-
be: „Dieser Erfolg ist ein Zeugnis von der
Größe unseres Landes undder Entschlos-
senheit des amerikanischen Volkes.“
Zwar sei Amerika nicht gefeit vor neuen
Anschlägen. Doch beweise dieser Mo-
ment, „dass Amerika das leisten kann,
was immer es sich vornimmt“. Dies sei
nicht nur der eigenen Macht geschuldet,
sondern auch „dem, was uns ausmacht:
eine Nation unter Gott, untrennbar, in
Freiheit und Gerechtigkeit für alle“, zi-
tierte der Präsident den amerikanischen
Fahneneid. Mehrere US-Kommentato-
ren verglichen den Tod von Bin Laden
mit dem Sieg der Alliierten über Adolf
Hitler und Nazi-Deutschland.
Das Weiße Haus und der Geh
eimdienst CIA gaben am Montag Details
der Operation preis. Demnach hatten In-
formationenvon Gefangenenimumstrit-
tenenLager Guantanamo die US-Ermitt-
ler auf die Spur eines Al-Qaida-Kuriers
gebracht, der seit Jahren zu den engsten
Vertrauten Bin Ladens zählte. ImAugust
vorigen Jahrs nahmen US-Agenten dann
einen riesigen, auffallend luxuriösen Ge-
bäudekomplex in der nordpakistani-
schen Stadt Abbottabad ins Visier.
ImMärz gewannder Geheimdienst Ge-
wissheit, dass sich Bin Laden in demGe-
bäude versteckt hielt. In fünf Sondersit-
zungen des Nationalen Sicherheitsrats
wurde Obama von der CIA über Fort-
schritte bei denErmittlungeninformiert.
Am vergangenen Freitag erteilte Obama
dann die Anweisung, ein Kommando in
Marschzusetzen. Sämtliche Erkenntnis-
se sowie der Einsatzbefehl wurden vor
der pakistanischenRegierung geheimge-
halten.
Inder Nacht zumSonntag flog einSpe-
zialkommando der Navy Seals dann mit
Hubschraubern in Abbottabad ein. Bin-
nen weniger Minuten überrumpelten sie
nachUS-Aussagen die Wachenund stell-
ten Bin Laden. Er sei von einer seiner
Ehefrauen namentlich identifiziert wor-
den. Als der Terrorführer Widerstand ge-
leistet habe, sei er mit einem gezielten
Kopfschuss getötet worden. Außerdem
sei ein Sohn des Al-Qaida-Führers, zwei
seiner Kuriere sowie eine Frau ums Le-
ben gekommen. Mehrere andere Bewoh-
ner der Anlage, unter ihnen Frauen und
Kinder, hätten überlebt. Auch die US-
Truppen hätten keine Verluste erlitten.
Obama habe die vierzigminütige Operati-
on per Satellit live im Lagezentrum des
Weißen Hauses mit verfolgt.
Die Navy Seals flogen mit der Leiche
Bin Ladens nach Afghanistan. Die US-
Regierung bestätigte, man habe ihn ein-
deutig identifiziert. Dies habe auch ein
DNS-Test mit Gewebeproben von Bin
Ladens Leichnamergeben. Da kein Land
der Welt eine Grabstätte habe zur Verfü-
gung stellen wollen undmuslimische Ge-
bote eine Beisetzung innerhalb von 24
Stundenverlangten, habe mandenLeich-
nam per Seebegräbnis bestattet.
Terrorexperten warnten, in den kom-
menden Tagen könnten versprengte Al-
Qaida-Kommandos Racheakte vor allem
gegen die USA versuchen. Auch in
Deutschland wird damit gerechnet, dass
Einzeltäter spontane Anschläge verüben
könnten. In einer Telefonkonferenz der
Staatssekretäre von Bund und Ländern
wurdenAnschlagsversuche indennächs-
tenWochenfür möglichgehalten. Der Al-
Qaida-Experte Peter Bergen von der
New America Foundation sagte, Bin La-
den sei zuletzt „nur noch eine Symbolfi-
gur“ gewesen, der aus Angst umdie eige-
ne Sicherheit längst die operative Kon-
trolle über sein Terrornetzwerk abgetre-
ten habe. Experten und Geheimdienste
erwarten, dass nun al-Qaidas bisherige
Nummer zwei, der Ägypter Aimanal-Za-
wahiri, versuchenwird, das Zentralkom-
mando des Netzwerkes an sich zu reißen.
Der Tod des weltweit meistgesuchten
Terroristen bedeutet für die USA einen
Sieg nach fast zehnjähriger Jagd, die al-
lein die Geheimdienste 500 Milliarden
Dollar gekostet hatte. Obamas Amtsvor-
gänger George W. Bush hatte nach den
Terroranschlägen 2001 die Parole ausge-
geben, er wolle BinLaden„tot oder leben-
dig“. Bush befahl nicht nur den Sturz des
Talibanregimes in Afghanistan, sondern
auchdie international umstrittene Invasi-
on imIrak. Die Einrichtung des Terroris-
ten-Gefängnisses in Guantanamo brach-
te die Nation weltweit in Verruf.
Mainz – Die neue Landesregierung in
Rheinland-Pfalz steht. Im Kabinett von
Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wer-
den sechs Frauen und drei Männer sit-
zen. Erste grüne Wirtschaftsministerin
wird Eveline Lemke, Landeschefin und
erfolgreiche Saniererin der Ökopartei.
Die Grünen bekommen nach ihrem Re-
kordergebnis von 15,4 Prozent auch das
Umweltministeriumundeinneugeschaf-
fenes Ressort für Integration, Familie,
Kinder und Frauen. (Seite 5) SZ
Von Ni co Fri ed
Berlin – Der designierte FDP-Vorsitzen-
de Philipp Rösler hat Mühe, die künftige
Führungsmannschaft der Liberalen
nach seinen Vorstellungen zu gestalten.
Rösler verzichtete am Montag in mehre-
ren Sitzungen verschiedener FDP-Spit-
zengremien überraschend darauf, eigene
Vorschläge für die künftigen stellvertre-
tenden Parteivorsitzenden sowie weitere
Präsidiumsmitglieder zu machen. Zu-
dem monierte er, dass bei den bisherigen
Vorschlägen aus den Landesverbänden
zu wenig Frauen berücksichtigt worden
seien. Rösler kündigte lediglich an, den
bisherigen Generalsekretär Christian
Lindner erneut vorzuschlagen. Neuer
Schatzmeister soll Fraktionsvize Patrick
Döring werden.
Rösler hatte Mitte April erklärt, er wer-
de „nach Ostern“ ein Personalkonzept
vorschlagen. Damit hatte er selbst ent-
sprechende Erwartungen für die Sitzun-
gen des Präsidiums, des Vorstandes so-
wie der Landesvorsitzenden geweckt.
Nochamvergangenen Freitag hatte auch
Lindner die Präsentation eines Personal-
tableaus angekündigt und eine entspre-
chende Pressemitteilung auf der Internet-
Seite der FDPverbreitet. AmMontag sag-
te Lindner, man sammele nun zunächst
Vorschläge und Überlegungen. Die Füh-
rungsgremien seien sich einig gewesen,
dass Rösler sichdannzudenPersonalvor-
schlägen verhalten „soll und kann“. In
den verbleibenden knapp zwei Wochen
bis zum Parteitag in Rostock werde es
dann „Verdichtungen geben“.
Vor allemumdie Posten der drei Stell-
vertreter des Parteichefs gibt es erhebli-
ches Gerangel. Erwartungsgemäß kün-
digten die bayerische FDP-Vorsitzende,
BundesjustizministerinSabine Leutheus-
ser-Schnarrenberger, undder nordrhein-
westfälische Landeschef Daniel Bahr ih-
re Kandidaturen an. Auch der hessische
Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn will
offenbar antreten. Wirtschaftsminister
Rainer Brüderle, der bereits Parteivize
ist, ließ eine erneute Kandidatur zu-
nächst offen. Er will anscheinend nicht
riskieren, im Falle einer Kampfkandida-
tur zuunterliegen, was auch seine Positi-
on als Regierungsmitglied schwächen
könnte. Die beiden anderen bisherigen
Stellvertreter, Cornelia Pieper und An-
dreas Pinkwart, hatten bereits vor eini-
ger Zeit angekündigt, nicht mehr zu kan-
didieren.
Das Ausscheiden Piepers hat gleich-
wohl zur Forderung mehrerer ostdeut-
scher Landesverbände geführt, dass ei-
ner der Parteivizes auch künftig aus den
neuen Ländern kommen solle. Lindner
bestätigte diesbezügliche Einlassungen,
wollte sie aber in der Sache nicht kom-
mentieren. Favorit auf einen Stellvertre-
terposten wäre der sächsische Landes-
chef Holger Zastrow. Somit könnten auf
dem Parteitag nach derzeitigem Stand
bis zufünf Kandidatenfür drei Postenan-
treten. Lindner sagte, die FDP sei eine
Partei des Wettbewerbs. Er persönlich
würde Kampfkandidaturen begrüßen.
Sie wären „kein Beinbruch“, sagte der
Generalsekretär, sondern könnten einen
Parteitag beleben. Eine Vergrößerung
der Zahl der Stellvertreter komme nicht
in Frage, sagte Lindner. Dies lasse die
Satzung nicht zu.
Noch keine Entscheidung gibt es auch
inder Frage, wer die FDPkünftigimKoa-
litionsausschuss mit CDU und CSU ver-
treten wird. Da Rösler als Parteichef und
Vizekanzler neu dazukommt, müssten
entweder Westerwelle oder Brüderle ver-
zichten, um den Proporz zu wahren.
Ende einer Jagd: Für Osama bin Laden kam
der Tod wohl überraschend – doch die Aktion
wurde jahrelang vorbereitet. Seite 2
Freudentränen nach der Trauer: Amerika be-
jubelt den Tod des Terroristen. Seite 2
Erledigt: Die Geschichte des Mannes, der der
Welt den Krieg erklärte. Seite 3
Gefährlicher Stellvertreter: Der bisherige Vi-
zechef Aiman al-Zawahiri könnte al-Qaida
künftig führen. Seite 6
Vom Freund zum Feind: Für sein Heimatland
Saudi-Arabien wurde Osama bin Laden erst
spät zu einem Geächteten. Seite 6
Al-Qaida lebt: Das Terrornetzwerk ist durch
den Tod seines Gründers nicht erledigt – es
drohen Vergeltungsschläge. Seite 7
Antlitz des Bösen: Auch zivilisierte Staaten
zeigen Bilder ihrer toten Feinde. Seite 11
Jahrzehnt der Angst: Der islamistische Terror
war einer der Gründe für die Wirtschafts- und
Finanzkrise in Amerika. Seite 17
Der Berg rutscht: In den Alpen wandern die Hänge / Wissen
Budapest – Die Bundesregierung gerät
wegen der von ihr angestrebten Energie-
wende auchinder EUunter Druck. Ener-
giekommissar Günther Oettinger erwar-
te ein „klares Bekenntnis zum Ausbau
der Netze“, verlautete am Montag in
Budapest aus Kommissionskreisen, un-
mittelbar bevor sichdie 27 Energieminis-
ter zu Beratungen über den künftigen
EU-Energiemix trafen. Es reiche nicht
aus zu sagen, man wolle keine Atomkraft
mehr und dafür viel erneuerbare Ener-
gien. Berlin müsse erklären, aus welchen
Quellen die Energie kommen und was sie
kostenwerde. Brüssel erwarte „verbindli-
che finanzielle Zusagen“. Oettinger legt
in Budapest erstmals einen Entwurf für
ein EU-Energiekonzept 2050 vor. Darin
schlägt er erneut vor, grüne Energie nur
dort zu fördern, wo es am billigsten ist.
Das würde das Ende für das deutsche
Umlage-System bedeuten. Der deutsche
Atomausstieg findet in Europa kaum
Nachahmer. (Seite 8) gam
Sechs Frauen in
Becks Kabinett
Von Chri sti an Werni cke
W a s h i n g t o n – Die USA bejubeln
den Tod ihres Erzfeindes: Osama bin
Laden, der Führer des Terrornetzwer-
kes al-Qaida, ist tot. US-Elitesoldaten
erschossen den 54-jährigen Saudi in
der Nacht zum Montag in seinem Ver-
steck in Nordpakistan. Knapp zehn
Jahre nach den Anschlägen auf das
World Trade Center in New York und
das Pentagon, bei denen mehr als 3000
Menschen getötet wurden, verkündete
Präsident BarackObama: „Der Gerech-
tigkeit wurde Genüge getan.“ Vor dem
Weißen Haus und am Ground Zero in
Manhattan feierten spontan Tausende
Amerikaner. Interpol warnte aller-
dings vor Racheakten der al-Qaida.
München– ImNordenstarkbewölkt, ört-
lich Schauer. Im Süden sowie vom südli-
chen Thüringen bis nach Sachsen Regen.
In den höheren Lagen der östlichen Mit-
telgebirge Schnee. Später immer mehr
Wolkenlücken. Sonst viel Sonne. Acht
bis 16 Grad. (Seite 31)
München – Die SPD will den Anteil von
Migranten in Führungspositionen der
Partei mit Hilfe einer Quotenregelung er-
höhen. Künftig sollten Migranten in den
ParteigremieneinenAnteil von„mindes-
tens 15 Prozent“ erhalten, erklärten Par-
teichef Sigmar Gabriel und Generalse-
kretärin Andrea Nahles am Montag in
Berlin. Eine entsprechende Selbstver-
pflichtung für die Bundes-SPD solle
beim kommenden Parteitag Anfang De-
zember beschlossen werden. (Seite 5) SZ
Tod eines Ideologen
Bin Laden war die Verkörperung des
„Kampfs der Kulturen“ – ein Fanatiker
und eine Projektionsfigur aller Ängste.
Leitartikel von Kurt Kister . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Obama und Osama
Der Al-Qaida-Terror am 11. September
2001 leitete Amerikas Niedergang ein.
Leitartikel von Stefan Kornelius . . . . . . . . 4
Land unter
Nach den verheerenden Tornados droht
im Südosten der USA die schlimmste
Flutkatastrophe seit 1927. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Nur schön muss sie sein
Zwei Filme versuchen, das Wesen des
Playboy Rolf Eden zu ergründen, einer
davon ist gelungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Licht aus für 100 000 Spielautomaten
Bundesländer planen harte Auflagen für
die private Casinobranche. . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Prügel für Klopps Aktie
Trotz der Bundesliga-Meisterschaft
verliert das Papier von Borussia Dort-
mund an der Börse deutlich. . . . . . . . . . . . . . 26
Auf der gleichen Wellenlänge
Die deutsche Eishockey-Auswahl ver-
blüfft bei der WM. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
TV- und Radioprogramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Forum /Leserbriefe, Rätsel . . . . . . . . . . . . . 31, 9
München · Bayern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Familienanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
(SZ) Was nachts so alles am Swimming-
pool passieren kann, besonders, wenn es
richtig schwül ist! Nehmen wir jenen
Pool in Südfrankreich, an dem sich vor
knapp zehn Jahren die etwas steife und
nicht mehr ganz taufrische Engländerin
Sarah mit der jungen, wilden Französin
Julie bekriegt hat. Dauerndhat Julie sich
mit anderen Männern vergnügt, und Sa-
rah hat von ihremFenster aus zuschauen
müssen, genervt und zwanghaft. Dann
ist der Kellner Frank aufgetaucht, nein,
Franck schreiben sich die Franks in
Frankreich, wie man dank Ribéry weiß,
aber weiter: Der Kellner, gar unergründ-
lich ist das männliche Begehren, will was
von Sarah, nicht von Julie, da erschlägt
die ihn mit einem Stein. Heimlich begra-
ben wird er jedoch beinahe schwester-
lich von beiden Frauen, gegen Ende des
Films hin, der „Swimming Pool“ heißt
und vom Regisseur Ozon ist, Ozon wie
Sonnenbrand und Atemnot und wenn
man nicht aufpasst sogar Hautkrebs.
Unweigerlich muss man jetzt an sol-
che Geschichten denken, denn was in
Südfrankreich passiert, das kann genau-
so gut in Berlin-Kreuzberg passieren.
Dort befindet sich, wie jeder weiß, der
schon mal in der U 1 gesessen hat, das
Prinzenbad, man sieht es als Fahrgast,
und wenn der Wind günstig steht, hört
man auch den Lärm, leise und doch
schrill weht er herüber. Im vergangenen
Jahr ist es ein paarmal geschlossen wor-
den, das Prinzenbad, wegen Krawallen,
und jetzt? Wird es abends geöffnet für
Übernachtungen. 40 Schlafboxen kom-
men auf die Liegewiese, jede sieben Qua-
dratmeter klein, man kann sie mieten für
20 Euro pro Nacht und Nase, man hat
zwei Betten drinundeine Steckdose, und
davor hat man zwei 50-Meter-Pools und
noch diverse Kinderplanschbecken.
Ungefährlich, Letztere? Oh, der tatkräf-
tige Mensch braucht nicht viel Wasser,
um einen anderen zu ertränken. Auch
kann der andere von selber untergehen,
weil er nämlich gebechert hat oder ge-
schlemmt, nie baden mit vollem Bauch,
hat immer die Mama gesagt, aber wissen
Touristen so was, die jung und wild sind
wie das FräuleinJulie undbestimmt eini-
ges essen und noch mehr trinken, bevor
sie ihr Quartier an der Côte d’Kreuzberg
aufsuchen? Julie freilich und die ach so
feine Sarah, die konntensichja nur austo-
ben, weil der Hausmeister ganz seltenan-
wesendwar, imPrinzenbaddagegenwer-
denrundumdie Uhr Wachenpatrouillie-
ren, als wär’s Guantanamo Bay. Außer-
demwirdeinZaundie BettenvondenBe-
cken trennen. Alles gut demnach? Fast.
Putzig so ein Zäunchen in der Mauerfall-
stadt! Und putzig auch die Aufpasser, je-
denfalls, wenn man’s anstellt wie Sarah:
Plötzlich ist er mal da, der Hausmeister,
und Julie vergräbt doch aber noch Teile
vom Franck, da entledigt sie sich des ei-
nen oder anderen Kleidungsstücks, Sa-
rah oder wie immer die Touristin heißen
mag, die bald ins Prinzenbad zieht.
A, B, E, F, GR, I, L, NL, P (Cont.), SLO,
SK: Q 2,70; dkr. 20; £ 2,70; kn 25; sfr. 4,80;
czk 80; TL 16; Ft 690
EU rügt Berlins
Energiepolitik
Kommissar Oettinger fordert
Konzept für Atomausstieg
Meistgesuchter Terrorist der Welt erschossen
Osama bin Laden ist tot
US-Eliteeinheit spürt den Al-Qaida-Führer im Norden Pakistans auf / Amerikaner bestatten die Leiche auf See
Triumphüber denErzfeind: Spontan feiertenAmerikaner vor demWeißen Haus. Auf demPlakat heißt es in einemWortspiel: „Osama ist geschnappt.“ Der Al-Qaida-Chef hatte die USAmit denTerroranschlä-
gen vom 11. September 2001 in einen Schockzustand versetzt. Das Bild zeigt Osama bin Laden im Jahr 1998. Fotos: AP, Reuters
Rösler setzt sich in der FDP nicht durch
Designierter Parteichef muss angekündigte Entscheidung über künftige Führungsriege vertagen
Das Wetter
SPD-Spitze plant
Migrantenquote
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DEFGH
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DEUTSCHLAND-AUSGABE 67. Jahrgang / 18. Woche / Nr. 101 / 2,00 Euro München, Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 HK2 HS2 HH2
Außerdem in dieser Ausgabe
4 190655 802008
2 1 0 1 8
Von Tobi as Matern
R
egelmäßighabensie ihrenMüll ver-
brannt, haben ihn – anders als die
Nachbarn – nie abholen lassen.
Auf Telefon und Internet verzichteten
sie, keine digitalenSpuren solltensie ver-
raten. Die Bewohner des riesigen Wohn-
komplexes legten größten Wert auf ihre
Sicherheit: Stacheldraht, bewachte Zu-
fahrtstore, Sicherheitskameras und bis
zu fünf Meter hohe Mauern schützten ihr
Anwesen. Ein Nachbar berichtete, nie-
mand habe gewusst, wer in dieser Fes-
tung wohne. Es habe die Nachbarn aber
auch nicht interessiert. „Nun sind wir
überrascht und schockiert.“
Jetzt, da bekannt ist, wer sich in dem
Wohnkomplex vor der Welt versteckte,
schaut die Öffentlichkeit umso neugieri-
ger auf diesen hübsch gelegenen Ort in
der Nähe des pakistanischen Teils von
Kaschmir. Denn es war, anders als lange
vermutet, keine Höhle im unwegsamen
Grenzgebiet zu Afghanistan, in der Osa-
ma bin Laden gehaust hat, sondern ein
dreistöckiges Gebäude, etwa eine Stun-
de Fahrzeit von der Hauptstadt Islama-
bad entfernt. Der meistgesuchte Terro-
rist der Welt lebte in einer für pakistani-
sche Verhältnisse wohlhabenden Ge-
gend: Das vonBergenumgebene Abbotta-
bad ist für sein angenehmes Klima be-
kannt. Vor allemhochrangige pensionier-
te Mitarbeiter der Armee wohnen hier.
Nur ein paar hundert Meter von dem
Anwesen entfernt, das eine Million Dol-
lar wert sein soll, betreibt das pakistani-
sche Militär einAusbildungscampfür sei-
ne Eliteeinheiten. Auf den Straßen Ab-
bottabads spekulieren die Anwohner
nunhinter vorgehaltener Hand, obpakis-
tanische Sicherheitskräfte denprominen-
testen Terroristen der Welt „wie einen
Gast“ behandelt haben, berichtet einein-
heimischer Journalist – oder ob sie
schlicht nicht wussten, wer da lebte und
auf wen die Amerikaner in der Nacht
zum Montag Jagd gemacht haben.
Es war spät inder Nacht, als eine kleine
Gruppe von US-Spezialkräften mit Hub-
schraubern neben dem Wohnhaus lande-
te. Etwa 25 Navy Seals sollenbeteiligt ge-
wesensein, berichtete ein amerikanischer
Sender. Ein Anwohner inAbbottabad be-
richtete, er habe zunächst eine massive
Explosion gehört, dann längere Schuss-
wechsel. Von amerikanischer Seite hieß
es hinterher, auf demGelände hätten sich
auch mehrere Frauen und Kinder aufge-
halten, bei dem Schusswechsel hätten die
Terroristeneine Frauals Schutzschildbe-
nutzt. Unabhängige Zeugengibt es für die-
se Darstellung nicht.
Nach Angaben der US-Regierung dau-
erte der Einsatz 40 Minuten. Der Al-Qai-
da-Anführer wurde dabei, so die Aussage
amerikanischer Politiker, durch einen
Kopfschuss getötet. Er hatte sich zur
Wehr gesetzt, obwohl er die Möglichkeit
gehabt haben soll, sich den Soldaten zu
stellen. Drei weitere Männer und eine
Frau wurden getötet, darunter nach Ver-
mutungen von US-Stellen Bin Ladens er-
wachsener Sohn und zwei Männer, die als
Kurieregearbeitet hattenundeine wichti-
ge Spur zu dem Terror-Chef waren.
Die US-Regierung ließ erklären, man
sei sicher, dass es sich bei demExekutier-
ten um Bin Laden handele, das habe ein
DNS-Vergleich ergeben. Zudem habe ei-
ne der Ehefrauen Bin Laden vor dessen
Todnamentlichidentifiziert, sodas Penta-
gon. Keiner der Amerikaner kamzuScha-
den, aber das Kommandoverlor einensei-
ner Hubschrauber wegentechnischer Pro-
bleme. Das Teamflog nach der Operation
gemeinsam mit dem anderen Helikopter
aus, nachdem sie den beschädigten Hub-
schrauber zuvor zerstört hatten. Die Lei-
che Bin Ladens nahmen sie mit.
Als die Hubschrauber abgezogen wa-
ren, sperrten pakistanische Sicherheits-
kräfte das Gelände ab. Auch am Tag da-
nach „ist hier kein Durchkommen“, sagt
einAugenzeuge. Einpakistanischer Nach-
richtensender zeigte am Morgen Bilder
von der Nacht, auf denen Flammen zu se-
hen sind – ob diese von einembrennenden
Gebäude stammten oder vom abgestürz-
ten US-Hubschrauber, war unklar.
Auf die Spur gekommensinddie Ameri-
kaner ihrem Staatsfeind Nummer eins
durch einen der Kuriere, der in Abbotta-
bad ebenfalls im Kugelhagel der Navy
Seals starb. Vonder CIAnachdem11. Sep-
tember 2001gefangengenommene Terror-
verdächtige hatten ihn schon damals als
einen Schützling von Khalid Scheich Mo-
hammed identifiziert, demmutmaßlichen
Drahtzieher der Anschläge vom 11. Sep-
tember, undals einenvonwenigenAl-Qai-
da-Kurieren, denenBinLadentraute. Die
Gefangenen deuteten auch an, dass dieser
Mannmit Bin Laden zusammenleben und
als Bodyguard für ihn fungieren könnte.
Sogar einen Namen lieferten sie – aber es
war einDeckname. Sogelanges denAgen-
ten erst vor vier Jahren, die Identität des
Kuriers herauszufinden. Vor zwei Jahren
machten sie nach diesen Informationen
dann Gebiete in Pakistan aus, in denen
der Kurier zusammen mit einem Bruder
operierte. Aber wo die beiden wohnten,
bliebimmer noch imDunkeln. Da sichdie
beiden jedoch stets intensiv absicherten,
waren die US-Geheimdienstler über-
zeugt, auf der richtigen Spur zu sein.
Der Kurier führte den US-Geheim-
dienst schließlichzudemHaus inAbbotta-
bad, das erkennbar zu teuer und zu groß
für denKurier war. Die US-Ermittler wa-
ren nach Angaben der New York Times
schnell überzeugt: In einem so großen
Haus versteckt sichnicht bloßeinBote; of-
fenbar lebte dort auch eine zweite, unbe-
kannte Familie.
Bereits im August 2010 war die CIA
dann mehr oder weniger sicher, dass es
sich umOsama bin Laden handeln müsse.
Mitte März berief Obamaerstmals seinSi-
cherheitskabinett ein, um einen Plan für
die Spezialaktion zu beraten. Sechs Wo-
chen und fünf Treffen später, am vergan-
genen Freitag, gab er den Einsatzbefehl.
Den pakistanischen Präsidenten Asif Ali
Zardari informierte er offenbar nicht
über die Pläne.
Deutlich wird einmal mehr: Washing-
ton traut Islamabad nicht, auch wenn es
sich offiziell um einen zentralen Verbün-
deten im Kampf gegen den Terrorismus
handelt. Zuundurchsichtig sindvor allem
dieMotive des pakistanischenSicherheits-
Establishments, das zwar einerseits Ope-
rationengegenExtremistenindenGrenz-
regionen zu Afghanistan anordnet, zu
manchen extremistischen Gruppen nach
amerikanischer Überzeugung aber nach
wie vor Kontakt hält, umdie Nachkriegs-
ordnung in Afghanistan beeinflussen zu
können. „Peinlich“ sei für die Führung in
Islamabad einerseits, dass sich die Fest-
nahme nundochmitten inPakistanereig-
net habe, sagt der Sicherheitsanalyst Imti-
az Gul in Islamabad. Schließlich widerle-
ge die Aktion die von der Regierung im-
mer wieder verbreite Version, Bin Laden
halte sich nicht in Pakistan auf.
Die Versionen über den genauen Ver-
lauf der AktiongehenamTagnachBinLa-
dens Todauseinander. Vertreter des pakis-
tanischenGeheimdienstes streuendie Ver-
sion, einheimischeSicherheitskräfte seien
beteiligt gewesen. Ein Anwohner will so-
gar einamerikanisches undeinpakistani-
sches Kommandoausgemacht haben. Ver-
treter der US-Regierung aber erklären
nüchtern, die Aktion sei ohne das Wissen
Pakistans erfolgt.
Der Druck auf Pakistan wird nun von
US-Seite erhöht werden, da ist sich Si-
cherheitsexperte Gul sicher. „Natürlich
wollen sie nun auch wissen, wo die ande-
ren hochrangigen Terroristen sind.“
Bevor die amerikanische Regierung der
Welt vomTod Osama bin Ladens berich-
tete, hat sie dessen Identität, Meldungen
zufolge, unter anderem mit Methoden
der Gesichtserkennung gesichert. Wer
diesenBegriff seriös gebraucht, meint da-
mit den Vergleich eines aktuell aufge-
nommenen Porträts mit einer Vorlage im
Archiv. Diese Aufgabe können Compu-
ter inzwischen recht zuverlässig bewälti-
gen, wenn die dargestellten Menschen
freiwillig kooperieren oder sich nicht
wehren können. Die verwendeten Auf-
nahmen müssen nämlich meist in einer
standardisierten Kopfhaltung und ohne
auffällige Mimikgemacht werden. Einfa-
che Verfahren orientieren sich dann an
der Lage von Augen, Nase, Mundund Oh-
ren. Zuverlässigere Methoden stützen
sich auf Partien des Gesichts, die sich
durch Mimik, Brillen oder Bartwuchs
nicht sehr verändern: die oberen Ränder
der Augenhöhlen zum Beispiel oder die
Wangenknochen. Das aktuelle Bild wird
dannmit komplexenmathematischenBe-
rechnungen auf eine Schablone (eng-
lisch: template) reduziert und mit der
nachdengleichenRegelnerstelltenScha-
blone des Referenzbilds verglichen. Die-
se entsteht entweder bei der Ausgabe ei-
nes Ausweises, oder sie wird aus vielen
Beispielfotos erstellt, deren Identität ge-
sichert ist. Da Bin Laden immer wieder
Videobotschaften veröffentlicht hat, be-
saßen US-Geheimdienste genug Materi-
al für ein Referenzbild. cris
Von Reymer Kl üver
S
ie kamen noch vor Mitternacht. Am
Ende waren es Tausende vor allem
junge Leute, die sich vor dem schwarzen
Zaun des Weißen Hauses einfanden und
jubelnd und grölend die amerikanische
Nationalhymne anstimmten. Damals,
zum Zeitpunkt der Anschläge vom
11. September 2001, dürften die meisten
noch die Grundschule besucht haben.
Nun feierten sie ausgelassen den Tod ei-
nes Mannes, der sie als böser Schatten
durch ihr junges Leben begleitet hatte.
Quer durch Amerika kames zu Szenen
wie vor dem Weißen Haus in Washing-
ton: Auf dem Times Square und vor
Ground Zero, dem Anschlagsort in New
York, in der Offiziersakademie der US-
Armee in Westpoint, selbst im Baseball-
stadion von Philadelphia, wo die New
York Mets zu Gast waren, schwenkte die
Menge die amerikanische Flagge und rief
in Sprechchören „USA, USA“, als die
Nachricht vom Tod Osama bin Ladens
die Runde machte. Es schien, als erklinge
ein landesweiter, kollektiver Seufzer der
Erleichterung.
Fast ein Jahrzehnt lang war erfolglos
nach demKopf jener Terroristen gesucht
worden, welche die Vereinigten Staaten
in einen nationalen Schockzustand ver-
setzt hatten, der seinesgleichen sucht in
der Geschichte des Landes. Präsident Ba-
rack Obama persönlich war gegen halb
zwölf Uhr nachts vor die Kameras im
East Room des Weißen Hauses getreten,
in dem Raum also, der Großereignissen
undfeierlichen Anlässen vorbehalten ist.
Die großen amerikanischen Fernsehsen-
der unterbrachen dafür ihr Programm.
Und es war sicherlich keine Übertrei-
bung, dass Obama in seiner neunminüti-
gen Ansprache den Tod des Terrorchefs
und amerikanischen Staatsfeindes Nr. 1
als den „bisher bedeutendsten Erfolg un-
serer Nation“ im Kampf gegen das Ter-
rornetzwerk al-Qaida bezeichnete. Ge-
wiss, der Präsident nannte die erfolgrei-
che Aktion „Ausdruck der Größe unserer
Nation und der Entschlossenheit der
Amerikaner“. Doch sonst vermied der
Präsident jede Andeutung von Triumph
in der Stimme. Er sprach gemessen und
ernst, erwähnte die „enormen Kosten des
Kriegs“ und mahnte, dass al-Qaida sich
nun „ohne Zweifel“ mit neuen Terror-
attacken rächen werde.
Zweifelsohne wirdder glückliche Aus-
gang der Kommandoaktion auch Obama
selbst einen enormen Popularitätsschub
bringen. Dieser Erfolg war seinem Vor-
gänger George W. Bush versagt geblie-
ben, der Osama „tot oder lebendig“ ha-
ben wollte – eine Formulierung im Cow-
boyjargon, die Bush später bedauerte.
Doch schon zu Beginn seiner Amtszeit
hatte Obama imPrinzipgenaudies gefor-
dert, als er seinen CIA-Chef Leon Panet-
ta anwies, den Terrorboss „zu töten oder
zu fangen“ – in dieser Reihenfolge. Und
bereits im Wahlkampf hatte er verspro-
chen: „Wir werden Osama bin Laden be-
seitigen.“
Tatsächlich war es Obama, der den
Kampf gegenal-Qaida nocheinmal inten-
sivierte. Gleich zu Beginn seiner Amts-
zeit ordnete er die Verstärkung der Rake-
tenangriffe mit Hilfe der unbemannten
Predator- und Reaper-Drohnen an; die-
ser Schritt brachte offensichtlich die Lo-
gistikder Terroristen empfindlichdurch-
einander. Und er leitete persönlich nicht
weniger als fünf Treffen des Nationalen
Sicherheitsrats zum Thema Bin Laden,
nachdem der Al-Qaida-Führer im Au-
gust in seinemVersteckin Pakistangeor-
tet worden war. Am Freitag ordnete er
danndie Aktionan, die offenbar vonCIA-
Chef Panetta über eine direkte Datenver-
bindung zur Kommando-Einheit in Ab-
bottabad überwacht wurde.
Die Entscheidung war nicht ohne poli-
tisches Risiko für Obama. So hatte etwa
das klägliche Scheiternder Befreiungsak-
tion für die Botschaftsgeiseln in Teheran
1980 erheblich zum weiteren Ansehens-
verlust undzur anschließendenWahlnie-
derlage des damaligen Präsidenten Jim-
my Carter geführt. Nun aber dürfte der
Erfolg der Aktion Obama höchst gelegen
kommen, da er innen- wie außenpoli-
tischunter enormemDruck steht. Die ex-
plodierenden Benzinpreise und die
schleppende Erholung der US-Wirt-
schaft haben seine Zustimmungsrate in
der US-Bevölkerung wieder deutlich un-
ter die 50-Prozent-Marke gedrückt. Au-
ßenpolitischist er nicht zuletzt wegensei-
ner unentschlossenenReaktionauf die re-
volutionären Ereignisse in der arabi-
schen Welt zusehends in die Kritik gera-
ten. Und zudemwird der Krieg in Afgha-
nistan, für dessen Intensivierung er sich
entschieden hatte, immer unpopulärer in
der US-Bevölkerung: Inzwischen findet
die Hälfte aller Amerikaner, dass ihr Prä-
sident die Truppensofort nachHause be-
ordern sollte.
Vorgänger Bush und dessen Vize Dick
Cheney gratulierten dem amtierenden
Präsidenten öffentlich. Ex-Präsident
Bill Clinton ließ wissen: „Ich gratuliere
dem Präsidenten, den Sicherheitsbehör-
den und den Mitgliedern unserer Streit-
kräfte dazu, dass sie Osama bin Laden
nach mehr als einem Jahrzehnt mörderi-
scher Al-Qaida-Angriffe der gerechten
Strafe zugeführt haben.“ Die Kritik von
Seiten der Republikaner dürfte nun zu-
nächst einmal leiser werden. Der Chef
der Republikaner im Repräsentanten-
haus, Eric Cantor, einer der beißendsten
Kritiker Obamas, gab ein – leicht vergif-
tetes – LobzuProtokoll: Obamahabe Bei-
fall verdient, weil er dieselbe „Wachsam-
keit wie Präsident Bush“ bewiesen habe.
Und doch: Bereits am Morgen nach
dem Einsatz kamen die ersten Fragen
auf. Warum, so diskutierten die ersten
Kritiker heftig im Frühstücksfernsehen,
haben die US-Sicherheitskräfte den
LeichnamBinLadens so raschauf See be-
stattet? Aus dem Weißen Haus kam so-
fort der Hinweis, dass nur so die Entste-
hung eines Wallfahrtortes für diesen To-
ten habe vermieden werden können, den
seine Anhänger als Märtyrer verehren
dürften. „Wir wollen bestimmt nicht,
dass Leute einen Pilgerschrein besuchen
können“, zitierte die Washington Post
eine Quelle in der Regierung.
Und dann begannen auch sofort die
Spekulationen, warum denn die US-Be-
hördenso lange zögerten, einFoto des to-
ten Osama bin Laden zu veröffentlichen.
Dass es diese Fotos gibt, bestätigtenKun-
dige imPentagon. Bin Laden sei amKopf
getroffen worden, und auf den Aufnah-
men sei er klar zu erkennen. Doch am
Montagmorgen waren die Fotos noch
nicht freigegeben, was natürlich die ers-
ten Anhänger von Verschwörungstheo-
rien auf den Plan rief.
Eines indes ist sicher, auch wenn es im
Weißen Haus niemand laut sagen wird:
Die US-Regierung dürfte ziemlich er-
leichtert sein, dass Bin Laden der Kom-
mando-Einheit der US-Marine nicht le-
bendig in die Hände gefallen ist. Damit
konnte eine innenpolitische Diskussion
gar nicht erst aufkommen, die ohne Zwei-
fel nach einer Festnahme des Terrorchefs
entbrannt wäre: Wo hätte er festgehalten
werdensollen, wo hätte manihmdenPro-
zess machen wollen – in Guantanamo
oder in den USA selbst? Der Streit dar-
über hätte jede Freude über den Erfolg
der Aktion sofort überlagert.
Immer wieder meldete sich der meistgesuchte
Terrorist der Welt mit Warnungen und Drohungen
aus irgendeinem Versteck – doch wo sich Osama
bin Laden wirklich aufhielt, galt als unbekannt.
Der US-Geheimdienst aber hat ihn aufgespürt
und seit dem vergangenen August beobachtet; in
der Nacht zum Montag wurde nun Bin Laden von
US-Soldaten in Pakistan getötet. In den USA ist
der Jubel groß, US-Präsident Obama gilt als Held,
das ganze Land empfindet die Aktion gegen den
Anführer von al-Qaida als Genugtuung. Doch in
die Erleichterung mischt sich Angst. Das Terror-
netzwerk droht mit Rache – und mit Anschlägen.
Tränen der Freude nach den Tränen der Trauer
Ganz Amerika bejubelt den Erfolg des Einsatzes gegen jenen Mann, der als Anstifter der mörderischen Anschläge von 2001 viel Leid über die Nation gebracht hat
„Der Gerechtigkeit wurde Genüge ge-
tan“, versicherte der amerikanische Prä-
sident Barack Obama amfrühen Montag-
morgen stolz. Dabei dürfte es zunächst
eine der geringeren Sorgen der USA ge-
wesen sein, ob die Tötung Osama bin La-
dens völkerrechtsmäßig war. In den kom-
menden Tagen aber wird dieser Aspekt
an Bedeutung gewinnen – etwa wenn
die islamische Welt über den Einsatz dis-
kutiert. Zwei Fragen stellen sich dabei
vor allem: Durften die Vereinigten Staa-
ten mit ihrem Sondereinsatzkommando
auf pakistanischem Boden agieren?
Und durften sie den Al-Qaida-Führer,
der seit langemmit internationalemHaft-
befehl gesucht wurde, töten?
„Derartige Einsätze sind ohne Zustim-
mung des Staates, auf dessen Territori-
um sie geschehen, unzulässig“, sagt der
Völkerrechtsprofessor Michael Bothe.
Die Amerikaner könnten sich nicht auf
ein Selbstverteidigungsrecht berufen,
da die Taten Bin Ladens nicht dempakis-
tanischen Staat zuzurechnen seien –
und ob eine Einwilligung Pakistans vor-
lag, ist noch unklar. Die Tatsache, dass
die USA den Einsatz allein vornahmen,
schließt jedoch nicht aus, dass die pakis-
tanische Regierung ihm zustimmte.
Falls es Ziel der USA gewesen sei, Bin
Laden vor Gericht zu bringen, dann wäre
der Einsatz mit einer Polizeiaktion ver-
gleichbar, so Bothe. „Wenn dabei be-
waffneter Widerstand geleistet wird,
dann darf die Polizei schießen. Der
Grundsatz gilt auch in Deutschland.“
Nach Ansicht des Professors wäre der
Fall anders zu beurteilen, wenn die Verei-
nigten Staaten den Gesuchten von vorn-
herein töten wollten – wie es in anderen
Fällen beim Einsatz von Drohnen ge-
schah. „Solche willkürlichen Tötungen
sind völkerrechtswidrig.“ Stefan Ulrich
Der Tod Osama bin Ladens
Die Spur des Bösen
Für Bin Laden mag das Ende plötzlich gekommen sein, für seine Verfolger aber war es der Abschluss einer sorgfältig geplanten jahrelangen Aktion
Das Recht zu töten
Aktuelles Lexikon
Gesichtserkennung
Seite 2 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
THEMA DES TAGES
Bin Laden lebte in einem
Gebäudekomplex (links)
mit fünfeinhalb Meter hohen
Mauern, zugänglich nur
durch zwei bewachte Tore.
Foto: I. Tanoli/ dpa
Amerika war euphorisiert, als
die Nachricht vom Tod des Terro-
risten bekannt wurde: Szene vom
Times Square in New York, wo
viele die Nationalhymne sangen.
Foto: Maria Tama/AFP
Islamabad
AFGHANISTAN
INDIEN
Arabisches Meer
PAKISTAN
100 km
SZ-Karte
Abbottabad
Jetzt sind die Amerikaner
wieder begeistert
von ihrem Präsidenten.
A
m Ende ging sein Wunsch in
Erfüllung. Er liebe denTod, hat-
te er seinen Anhängern immer
wieder gesagt, und er hoffe, dass
er eines Tages vondenAmerikanerngetö-
tet werden würde. Dann werde die musli-
mische Welt aufstehen und gegen die ver-
hassten Amerikaner kämpfen.
In der Nacht auf den 2. Mai kamen die
Amerikaner schließlich und töteten ihn.
Sein Jahrzehnt, das am 11. September
2001 begann, endete im Kugelhagel. Und
die Leiche Osama bin Ladens wurde ins
Meer geworfen, eine „Seebestattung“ sei
das gewesen. So profan erledigten US-
Soldaten schließlich jenen Mann, der
nicht nur ihnen so oft den Tod gewünscht
hatte. Präsident Barack Obama redete,
ganz kühl, von Gerechtigkeit.
Die große Suche endete ineiner maleri-
schen pakistanischen Garnisonsstadt.
Der Mann, der da starb, war ein Schwer-
verbrecher, der große Politikgemacht hat-
te. Spätestens am 11. September 2001
war Osama bin Laden für die USA, aber
auch für andere westliche Nationen, zum
Staatsfeind Nummer eins geworden. Als
das zweite Flugzeug imWorldTrade Cen-
ter einschlug, war Richard A. Clarke, der
damalige Nationale Sicherheitsberater,
indas Bürodes VizepräsidentenDickChe-
ney geeilt und hatte gerufen: „Das ist ein
Angriff von al-Qaida“. Er kenne deren
Methoden: „Bin Laden hat uns wie Hitler
gesagt, was er tun wird.“
Sechs Tage später unterzeichnete der
damalige US-Präsident George W. Bush
eine präsidiale Verfügung, die den Ge-
heimdienst berechtigte, jederzeit tödliche
Gewalt anzuwenden, um bin Laden aus-
zuschalten. Der damalige Anti-Terror-
Chef der CIA, Cofer Black, führte die
Jagd auf bin Laden an. „Holen Sie ihn,
ich will seinen Kopf in der Schachtel“,
verabschiedete er einen Agenten. Black
sagte, er wolle binLadens Kopf „demPrä-
sidenten auf dem Tablett servieren“.
Bush verwahrte in seinem Schreibtisch
eine Liste der meistgesuchten Mitglieder
von al-Qaida und er zog jedes Mal einen
dicken Strich über das Foto eines Terro-
risten, wenn dieser als tot gemeldet wur-
de. Was hätte Bush dafür gegeben, das
Kreuz bei bin Laden machen zu können.
Spezialagenten, Elitesoldaten und Ge-
heimdienste suchtennachSpurendes Ter-
roristen. Ein Zitat des großen Zynikers
Donald Rumsfeld, der bei Bush Verteidi-
gungsminister war, beschreibt die Hilflo-
sigkeit der Jäger: „Wir sind ziemlich si-
cher, dass er entweder lebt oder tot ist“,
sagte Rumsfeld einmal. Und lächelte.
Ein paar Jahre zuvor, im Herbst 1994
noch, war bin Laden nur einer unter vie-
len Radikalen, die von der Revolution der
Gläubigenträumten. Wer ihmdamals auf
der „Konferenz für interreligiösen Dia-
log“ in der sudanesischen Hauptstadt
Khartum begegnete, unterschätzte ihn
leicht. Osama bin Laden fiel nicht beson-
ders auf in der Menge der Extremisten,
bei Empfängen stand er meist nur am
Rand. Ein schlanker, hochgewachsener
Mann, der wie so viele Besucher weißen
Kaftan und Turban trug, dazu den lan-
gen, gepflegten Bart der Gläubigen, der
seinem festen Blick noch ein wenig mehr
von dieser archaischen Würde eines
Mannes verlieh, der weiß, dass Gott ihn
zu Höherem bestimmt hat.
Er wirkte geradezu wortkarg neben all
den feurigen Rednern, die zusammenge-
kommenwaren, umweniger einen Dialog
zu führen, als eine Front zu bilden. „Eine
Front gegen die Ungläubigen, die die
Welt beherrschen“, wie es der Gastgeber
der Konferenz, Hassan al-Turabi, formu-
lierte. Turabi galt damals als der wahre
Kopf des islamistischenTerrors. Der spiri-
tuelle Führer des Sudan pries sein Land
als neue Heimat für Radikale aus aller
Welt. Viele, die dann kamen, standen auf
den Fahndungslisten ihrer Heimatstaa-
ten. Sowie OsamabinLaden, der das sau-
dische Königshaus blamiert hatte, weil er
es dafür geißelte, dass es den ungläubigen
AmerikanernnachdemGolfkrieg erlaubt
hatte, Soldaten in jenem Land zu statio-
nieren, in dem sich die heiligen Städte
Mekka und Medina befinden. Und wie
sein Partner Aiman al-Sawahiri, der in
seiner ägyptischen Heimat als Führer des
Islamischen Dschihad als Staatsfeind ge-
sucht wurde, jener Organisation, die 1981
Präsident Anwar Sadat ermordet hatte.
Eine illustre Gesellschaft hatte sich
dann zu einem Empfang in der Freund-
schaftshalle im Konferenzzentrum am
Ufer des Nils eingefunden. Uniformierte
Kellner servierten Saft, Limonade und
Tee, den wenigen westlichen Gästen auch
alkoholfreies Bier. Später gab es eine
Mahlzeit. Hassan al-Turabi wollte, dass
seine Gäste Gemeinsamkeiten im Kampf
gegen die Säkularisierung der Welt fin-
den. „Wenn der Westen eine neue Welt-
ordnung errichtet, dann müssen wir eine
neue Weltordnung dagegensetzen, bevor
sie Gott aus der Welt vertreiben“, sagte
er. Doch die Einzigen, die damals ihre
Gemeinsamkeiten zementierten, waren
bin Laden und al-Sawahiri.
Die beiden ergänzten sich perfekt. Bin
Laden verfügte über Geld und vor allem
über den Ehrgeiz, sich zur Propheten-
figur, zumöffentlichenGesicht der Bewe-
gung zu machen. Was ihm fehlte, war die
Vision und die ideologische Reife. Über
die verfügte Sawahiri, der außerdem viel
Erfahrung hatte mit dem politischen
Kampf. Turabi hielt viel von seinen bei-
denGästen. Seinen westlichenBesuchern
empfahl er ganz dringend, sich doch mit
demjungen Saudi zu unterhalten. Der sei
ein erfolgreicher Bauunternehmer im
Lande, baue StraßenundFabriken, vor al-
lem aber sei er ein begnadeter Organisa-
tor. „Von dem werden Sie noch hören.“
Bin Laden, der sich später zum Vertei-
diger entrechteter Muslime aufspielte,
kam aus besten Verhältnissen: Geboren
wurde er als 17. Kind des Geschäfts-
manns und Multimilliardärs Mohammed
bin Laden, eines Günstlings des saudi-
schen Königshauses, den er allerdings
nur selten zu Gesicht bekam. Dafür ver-
ehrte er seine junge Mutter umso mehr.
Er wuchs fromm auf im streng islami-
schenSaudi-Arabien. Kurze Auslandsrei-
sen konfrontierten ihn mit Frivolitäten
und Exzessen westlicher Lebensart:
unverschleierte Frauen, die öffentlich ih-
re Meinung sagten. Menschen, die sich
öffentlich küssten und in kurzen Hosen
durch die Stadt joggten. Kneipen, Spiel-
höllen und Striptease-Bars.
Auch wenn dies nur einen Teil westli-
cher Lebensart ausmachte – für den jun-
gen Osama war es der Beweis für den
moralischen Verfall der christlichen und
säkularen Welt und der Beginn seiner
Radikalisierung. Manchmal ist über bin
Laden geschrieben worden, er habe als
junger Mann selbst sehr das Nachtleben
fern seiner Heimat genossen, aber dafür
gibt es keinen Beweis.
Bei seinem Ingenieursstudium in
Dschiddalernte er das Gegenteil der west-
lichenDekadenz kennen: VonWahabi-Is-
lamgelehrtenlernte er einenstrengen, an-
geblich echten Islam kennen. Die Zeiten
warenohnehingünstig für eine Wiederge-
burt des Islamismus. Nachdem im Jahr
1979 die Sowjets in Afghanistan einmar-
schiert waren, wollten Tausende junger
Männer aus denarabischenunddenande-
ren islamischen Staaten als „Mudscha-
hed“ gegen die Gottlosen kämpfen. Und
mit ihnen der junge Osama. Unterstützt
wurden sie von der amerikanischen CIA.
Peschawar inPakistanwar Aufmarsch-
platz undKontaktbörse der HeiligenKrie-
ger. Eine Weile importierte der schwerrei-
che Ingenieur bin Laden auf eigene Kos-
ten Straßenbaumaschinen, baute den
Dschihadis im pakistanisch-afghani-
schen Grenzgebiet Bunker und Stellun-
gen. Später erzählte er, wie er und seine
Kampfgenossen Afghanistan erlebten:
„Die Afghanen betrachteten uns als Gäs-
te und vertrauten uns keine militärischen
Kampfaufträge an. Die jungenAraber lit-
ten darunter, weil sie als Freiheitskämp-
fer dabei sein wollten.“
Indieser Zeit lernte der frustrierte Got-
teskrieger den Dschihad-Vordenker Ab-
dullahal-Azzamkennen. Der Palästinen-
ser organisierte die Internationale der
Heiligen Krieger, legte mit bin Laden ei-
ne Kartei der Dschihadis aus aller Welt
an: „al-Qaida, die Basis“. Aus der Na-
menssammlung ging später das Terror-
netzwerk al-Qaida hervor.
Mit demAbzug der Sowjets aus Afgha-
nistanverlorendie ausländischenGottes-
krieger zunächst ihren Lebensinhalt. Bin
Laden kehrte nach Saudi-Arabien
zurück, wurde demRegime aber bald läs-
tig. Das saudische Königshaus entzog
ihm 1994 die Staatsangehörigkeit. Er
setzte sich in den Sudan ab, später nach
Afghanistan, wo die radikalislamischen
Taliban herrschten. Ideologisch standen
sie ihm nahe und boten eine perfekte
Operationsbasis.
Im Jahr 1996 veröffentlichte er seine
„Kriegserklärung gegen die Amerikaner,
die das Land der beiden Heiligen Stätten
besetzen“. Dem Wortlaut nach wollte er
nur die US-Truppen aus seinem Heimat-
land verjagen; aber bin Laden dachte
damals schon viel globaler, geißelte das
Unrecht, das Muslimen weltweit wider-
fuhr, in Palästina und anderswo.
Der zuweilen stille, beinahe schüchter-
ne bin Laden war ein Meister darin,
große, pathetische Worte zu verbreiten.
„Gott sei Dank haben wir eine sichere
Basis gefunden auf den Gipfeln des
Hindukusch, auf denendie größte ungläu-
bige Militärmacht der Welt abgestürzt
ist, und wo der Mythos der Supermacht
vernichtet wurde unter den Rufen der
Mudschahedin: Gott ist der Größte!“ Bin
Ladennutzte auchInternet undNachrich-
tensender, denen er aus dem Untergrund
Interviews gewährte. „Wir lieben den
Tod auf dem Weg zu Gott so sehr, wie ihr
das Leben liebt“, erklärte er 1997 einem
CNN-Reporter. „Wir fürchten nichts.
Wir wünschen einen solchen Tod.“
Trotz der Anschläge auf US-Botschaf-
ten in Afrika wurde der zornige bin La-
denauch in Amerika nicht vonallen ernst
genommen. Das änderte sich erst am
11. September 2001.
Zwei entführte Passagierflugzeuge
krachten ins World Trade Center, ein
Wahrzeichen New Yorks, ein Wahrzei-
chen amerikanischer, gar westlicher Le-
bensart. Der Horror vor allen Fernsehka-
meras war al-Qaidas größter Erfolg und
der Beginn ihres Untergangs zugleich:
Die beiden an einem strahlend blauen
Morgenhimmel über New York kurz hin-
tereinander einkurvenden Jets; die glei-
ßendenFeuerbälle beimAufprall in größ-
ter Höhe; verzweifelte Menschen, die aus
den Fenstern der brennenden Wolken-
kratzer in die Tiefe sprangen. Die Türme,
die in einer riesigen grauen Staubwolke
zusammenstürzten. Die USA verharrten
kurz imSchock, aber sie wussten, wer ih-
nen die Attentäter geschickt hatte. Sie
griffen Afghanistan an, besetzen das
Land, installieren in Kabul eine neue Re-
gierung. Und sie jagten bin Laden, den
mutmaßlichen Strategen des ersten An-
griffs auf US-Gebiet seit Pearl Harbour
im Zweiten Weltkrieg.
In den afghanischen Tora-Bora-Ber-
gen ging bin Laden den US-Soldaten
dann fast ins Netz. Er entkam im letzten
Moment den B-52, die das Hochplateau
tagelang bombardierten. Er rettete sich
erst in Afghanistan und später in Pakis-
tan von Versteck zu Versteck. Trotz der
Bomben und Raketen und der fremden
Truppen hatte er weiter Rückhalt bei den
Taliban. Wie bin Laden Ende 2001 feierte
– und sich feiern ließ – offenbarte eine
Tonbandaufnahme, die vonder US-Regie-
rung veröffentlicht wurde. „Du hast uns
Waffen gegeben, Du hast uns Hoffnung
gegeben und wir danken Allah dafür,
dass es Dich gibt“, sagte ein afghanischer
Scheich. „Alle rühmen, was Du getan
hast. Deine großen Taten, die vor allem
der Gnade Allahs zuverdankensind. Dies
ist die gesegnete Frucht des Dschihad.“
Bin Laden blieb in den Augen seiner
Gefolgsleute eine Heilsfigur, ein islami-
scher Anführer, der den Weg zum Sieg
weist. Er wusste, dass seine Botschaften
weltweit ihr Ziel erreichen. Die Todespilo-
ten vom 11. September, schwärmte er,
„haben mit Taten gesprochen, in New
York und Washington, diese werden von
ArabernundNicht-Arabernverstanden–
sogar von Chinesen.“
Auch auf der Flucht blieb der Qaida-
Führer siegestrunken: Nach dem11. Sep-
tember müssten die Groß- und Super-
mächte einsehen, dass sie gegenseine Got-
teskrieger nicht gewinnen können, be-
fand er. In einem Text aus dem Jahr 2002
listete er die Erfolge der Mudschahedin
auf: Die Sowjets aus Afghanistan vertrie-
ben, die Russen in Tschetschenien ge-
schlagen, die US-Armee inSomalia gede-
mütigt. „In einer dunklen Nacht sind die
Amerikaner in Panik geflüchtet, Gott sei
gedankt undgepriesen.“ BinLadendach-
te, er habe alle Weltmächte besiegt. „Der
Mythos des großen Amerika ist zerfal-
len!“, schrieb er, „der Mythos der Demo-
kratie ist zerfallen!“
Obsolche Sätze bloße Durchhalteparo-
len für seine Anhänger waren oder ob er
es selbst glaubte bis zu seinem Ende:
Osama bin Laden wirkte größer, als er es
eigentlich war. Das lag auch daran, dass
ihn die Amerikaner in Hollywood-Ma-
nier als Erzschurken und Terrorpaten
überhöhten. US-Präsident George W.
Bushvermittelte denEindruck, dass es au-
ßer der Jagd auf bin Laden kaum andere
Aufgaben für die US-Regierung gab. Der
Krieg gegen den Terror als Staatsmaxi-
me. Es gelang Bush nicht, den Terroristen
zu fassen, stattdessen marschierte er im
Irak ein und jagte den angeblichen Bin-
Laden-Sympathisanten Saddam Husse-
in, der nie ein Islamist war.
Der Bin-Laden-Mythos mag auch des-
wegen weiter gewachsen sein, weil der
Saudi sich kaum noch zeigte. Wenn er in
einer seltenen Internet- oder Videobot-
schaft auftrat, analysierten Geheim-
dienstler und Terrorexperten jedes De-
tail, umsein Befindenzu deuten undHin-
weise auf seinen Aufenthaltsort zu fin-
den. 2007fiel ihnenauf, dass der Terroris-
tenführer verjüngt wirke. Sie mutmaß-
ten, sein Bart sei nicht echt. Er habe sich
einen falschen Bart angeklebt und zeige
sichansonstenglattrasiert. Andere Exper-
ten meinten, er sei bestimmt schon tot.
Die Geheimdienste täuschten nur vor,
dass er noch lebe, um die Kriege in aller
Welt am Laufen zu halten.
Bin Ladens Botschaften verloren in
denletzenJahrenanSchärfe. Sie klangen
fast so, als sei der Terror-Scheich alters-
milde geworden. Er rief die Amerikaner
auf, zumIslamüberzutreten. Er rügte die
Gier internationaler Großkonzerne.
Gleichzeitig nahm die Bedeutung des al-
Qaida-Chefs ab, trotz des Kriegs im Irak,
in dem sich Untergrundkämpfer als seine
Gefolgsleute ausgaben. Im Namen der
Terrorbewegung schlugen Attentäter
weltweit zu, auch in den Hauptstädten
Europas; unwahrscheinlich ist, dass bin
Laden sie noch steuerte.
Offensichtlichwurde sein Bedeutungs-
verlust seit dem Ausbruch der Arabi-
schen Revolutionen 2011. Die Aufständi-
schen in Ägypten, Tunesien, Libyen und
Syrien riefen und rufen nach mehr sozia-
ler Gerechtigkeit und Mitsprache, viel-
leicht sogar nach einer echten Demokra-
tie. Parolen für einen islamischen Gottes-
staat oder Gewalt gegen den Westen feh-
len. „Wir sind in einer Zeit, in der die al-
Qaida-Weltsicht ohnehin im Abstieg be-
griffen ist“, analysierte der US-Nahost-
Spezialist Martin S. Indyk vom Broo-
kings Institute. „Die al-Qaida-Weltsicht
ist, dass Ehre und Würde der arabischen
Völker nur mit Waffengewalt wieder her-
gestellt werden können. Aber bin Laden
undseinTerror habenkeine einzige arabi-
sche Regierung gestürzt.“
Anders, als er es sich erhofft hatte,
wirdwohl auch sein Toddie Massen nicht
mobilisieren.
Erledigt
Der Mann, der dieser Welt den Krieg erklärte, hat ihn verloren. Er war Sohn eines Multimilliardärs, schrieb grausam Geschichte
und wurde auch von seinen Feinden groß gemacht. Am Ende haben die Amerikaner Osama bin Laden doch gefunden.
Dienstag, 3. Mai 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 3
DIE SEITE DREI
Von Tomas Avenari us,
Andri an Kreye,
Hans Leyendecker
und Ni col as Ri chter
Das saudische Königshaus
entzog ihm schließlich
die Staatsangehörigkeit.
Sein Jahrzehnt als meistgesuchter Terrorist begann am 11. September 2001 in Manhattan, New York. Doch
schon lange zuvor hatte Osama bin Laden seinen Krieg gegen die USA geplant und begonnen. Das obere Foto
zeigt ihn 1988 in Afghanistan, da ahnten nur wenige, dass er die Welt erschüttern würde. Fotos: afp, dpa
„Von dem werden Sie noch
hören“, hieß es Anfang der
neunziger Jahre im Sudan.
Jedes Lebenszeichen wurde
genau analysiert: War sein
Bart nicht grauer geworden?
Er rettete sich von Versteck zu
Versteck – und dachte doch, er
hätte alle Weltmächte besiegt.
M
an muss sich Munib al-Masri als
glücklichen Menschen vorstel-
len. Er besitzt mehr Geld als je-
der andere Palästinenser imWestjordan-
land und im Gaza-Streifen; er verfügt
über Einfluss und Freunde auf beiden
Seiten der Front, und er hat, so sagt er es
selbst, schon alles erreicht im Leben und
nur noch einen einzigen Wunsch: die
Gründung eines Palästinenserstaats. Da-
für hat der 77-Jährige schon manche Si-
syphus-Arbeit auf sich genommen, und
auch bei den Versöhnungsgesprächen
zwischen den verfeindeten Brüdern der
Hamas und der Fatah war er wieder im
Einsatz. Das nährt die Hoffnung, dass
auch in diesem Fall gilt, was die Palästi-
nenser über Munib al-Masri sagen – dass
alles zu Gold wird, was er anpackt.
Den palästinensischen Rockefeller hat
man ihn genannt und auch den Roth-
schild Palästinas, doch jenseits solcher
Etiketten ist al-Masri immer seinen eige-
nen Weg gegangen. Der führte den
Spross aus angesehener Familie in den
fünfziger Jahren zunächst zumGeologie-
Studium nach Texas. Dort hat er seine
amerikanische Frau Angela kennenge-
lernt, die ihm vier Söhne und zwei Töch-
ter gebar. So groß ist die Familie, dass er
damit den einzigen Stilbruch beim Bau
seines Palastes auf einem Hügel hoch
über Nablus erklärt. Er hat ihn der be-
rühmten Villa Rotonda des Renaissance-
Architekten Palladio nachempfunden,
mit dem Unterschied, dass al-Masris
Eigenheim ein Stockwerk mehr hat.
Sein Geld hat er zunächst im Ölge-
schäft verdient, später auchmit Telekom-
munikation und Investmentunterneh-
men. Das Firmennetz erstreckt sich über
den Globus, doch in den neunziger Jah-
ren kehrte er beflügelt von den Osloer
Friedensverhandlungen zwischen Israel
und den Palästinensern ins Westjordan-
land zurück. Mit Jassir Arafat verband
ihn damals schon eine dicke Freund-
schaft. Selbst am Pariser Totenbett war
al-Masri an der Seite des Palästinenser-
führers. Geschadet hat diese Verbindung
den Geschäften daheim gewiss nicht,
doch politisch hat sich al-Masri nie ver-
einnahmen lassen.
Kurzzeitig diente er Arafat zwar als
Minister. Die angebotene Beförderung
zumRegierungschef lehnte er aber ab. Er-
nannt wurde dann Machmud Abbas, der
heutige Präsident. Auch später wurde al-
Masri immer wieder einmal als unabhän-
giger Kandidat für das Premieramt ge-
handelt, doch diesen Tort hat er sich
nicht antun wollen. Im Streit zwischen
der Fatah undder Hamas aber hat er sich
klug in der Mitte positioniert und stolz
darauf verwiesen, dass er sowohl zu Ab-
bas in Ramallah als auch zu Khaled Me-
schal, dem Exil-Chef der Islamisten in
Damaskus, direkten Zugang habe. Aus
den Gesprächen mit Meschal brachte er
nun die Nachricht mit, die Hamas strebe
die Bildung einer starken Übergangsre-
gierung an, die sogar einen umfassenden
Frieden mit Israel schließen könnte.
Natürlich wurde für die Führung die-
ser Übergangsregierung sogleichseinNa-
me genannt, aber demisraelischenNach-
richtenportal Ynet sagte er: „Ich bin ein
alter Mann, es gibt jüngere Leute, die das
tun können.“ Doch eine Hintertür ließ er
offen. Wenn ihn beide Seiten fragten,
würde er nicht nein sagen. Für Sisyphus
wäre das ein neuer Auftrag. Peter Münch
Amerikas Triumph
Schonkurz nachder Ansprache vonUS-Prä-
sident Barack Obama kommentieren Medien
in den USA, Großbritannien und der arabi-
schen Welt in ihren Online-Ausgaben den
Tod Osama bin Ladens:
THE NEW YORK TIMES:
„Der Tod bin Ladens ist Rache, aber
auchAbschreckung. Es ist der wichtigste
Erfolg, den die USA errungen haben im
Kampf gegen al-Qaida. Das ist gut für
Amerikas Reputation, Macht und Ein-
fluss. Denn dass bin Laden sich so lange
verstecken konnte, ließ die USA wie ei-
nen Papiertiger wirken – und ermutigte
viele Terroristen. Die Tötung zeigt, dass
die USA das Pferd sind, auf das man in
diesem Kampf setzen sollte. Sie sendet
eine Nachricht aus: Mit Amerika legt
man sich auf eigene Gefahr an, und ein
Terrorangriff wird immer Konsequenzen
haben.“
THE WASHINGTON POST:
„Das ist wirklich einer dieser Momen-
te, in denen es keine roten oder blauen
Staaten gibt, sondern nur die Vereinig-
ten Staaten. Keine Liberalen oder Kon-
servativen von der Tea Party, nur Ameri-
kaner. Triumphundungebremster Patri-
otismus gehen in diesemMoment in Ord-
nung. Wir haben ihn geschnappt.“
THE GUARDIAN (London):
„In Washington und in New York so-
wie in London und Delhi wird die Er-
leichterung, dass der meistgesuchte
Mann der Welt getötet worden ist, abge-
schwächt und vielleicht noch übertrof-
fen werden von großer Wut: darüber,
dass Osama bin Laden nicht in einer eis-
kalten Berghöhle gehaust hat, wie viele
angenommen haben, sondern frei, unbe-
helligt und komfortabel in einer begehr-
ten Wohngegend Pakistans.“
AL-DSCHASIRA (Doha):
„In der muslimischen Welt ist Osama
bin Laden schon durch den arabischen
Frühling bedeutungslos geworden. Bin
Laden hat die Bush-Regierung mit einem
Alibi ausgestattet, umihre verheerenden
Kriege im Nahen Osten zu führen. Nun,
da bin Laden tot ist, hat Washington we-
niger Grund oder Rechtfertigung, in Af-
ghanistan Krieg zu führen. Auf lange
Sicht sind es die historischen Transfor-
mationen in der arabischen Welt, die das
Kapitel al-Qaida beenden werden.“
Von Ni col as Ri chter
Al-Qaida hat es nie gereicht, andere
Staatenanzugreifen, al-Qaida wollte im-
mer selbst ein Staat sein. Dieses „Kali-
fat“ sollte im Mittleren Osten entstehen
und jene Diktaturen ersetzen, gegen die
Osama bin Laden und sein Gefährte Ai-
man al-Zawahiri immer gekämpft hat-
ten. Aus ihrer Sicht entschied über den
Erfolg des Dschihad am Ende nur diese
Frage: Würde es ihnengelingen, demmili-
tantenIslamismus eine Heimat zugeben?
Der Misserfolg dieser Idee hat sich lan-
ge vor dem Tod Osama bin Ladens abge-
zeichnet. Im Westen neigte man dazu,
dies zu übersehen: Jeder neue Terroran-
schlag verstärkte das Gefühl, al-Qaida
sei überall. Im Jahr 2005 etwa – der Ter-
ror in den USA, auf Djerba, in Madrid
war kaumvergessen– schlugenExtremis-
ten in London zu, im Irak, in Scharm el-
Scheich. Dochindieser Fülle vonBrutali-
täten manifestierte sich bereits das Feh-
len jeder Strategie. Wenn al-Qaida über-
haupt Einfluss auf diese Taten hatte –
was konnte sie damit erreichen? Viele To-
te, gewiss. Viel Schrecken. Und sonst?
Al-Qaida hat etliche Staaten vor Si-
cherheitsprobleme gestellt, ein strategi-
sches Problemaber war sie nie. Nicht ein-
mal im Irak, wo sie zeitweise so tat, als
werde ihr Terror die Amerikaner vertrei-
benunddas Kalifat erschaffen. Stattdes-
sen töteten Qaida-Anhänger wahllos,
Schiiten und Sunniten. Wer war denn ei-
gentlich der Feind, und wer der Freund?
Völlig abwegig ist die Idee vomKalifat
nicht: Schließlichkontrolliert die islamis-
tische Hamas denGaza-Streifen, die His-
bollah den Süden des Libanon. Aber die-
se Organisationen sind von unten ge-
wachsen, im Volk verwurzelt, bieten den
Menschenjenseits kühner Visionenauch,
ganz schlicht, soziale Dienstleistungen.
Deswegen gewinnen sie sogar Wahlen.
Al-Qaida ist dagegen weit weg von den
Menschen. Sie lockt zornige Männer mal
nach Afghanistan, mal für Anschläge
nachAmerika, aber ein Zuhause kannsie
nicht bieten. Losgelöst von den alltägli-
chen Sorgen der muslimischen Völker
spielt al-Qaida ein „apokalyptisches Vi-
deospiel“, wie der französische Experte
Olivier Roy es nennt. Man kann junge
Krieger in die Ferne holen, um zu kämp-
fen; eine Massenbewegung wird daraus
nur, wenn man ihnen für die Zeit danach
eine bessere Heimat versprechen kann.
Auch für Aiman al-Zawahiri, der nun
allein an der Spitze al-Qaidas steht, war
der Terror anfangs kein Selbstzweck. Er
hatte seine Heimat Ägypten verlassen,
weil das Regime dort zu starkwar. Zawa-
hiri dachte, der Kampf gegen Russen und
Amerikaner, der Terror weltweit werde
seine Bewegung so beflügeln, ihr so viel
Geld und so viele Kämpfer bescheren,
dass sie die Diktatur in Nordafrika weg-
fegen würde. Nichts dergleichen ist ge-
schehen. Zawahiri ist seit Jahren auf der
Flucht, das Regime in Ägypten ist gefal-
len, ohne ihn. Seine Landsleute hoffen
auf Demokratie, nicht auf sein Kalifat.
Wenn man den Erfolg von Terror nur
in Einheiten von Tod und Zerstörung
misst, dann ist al-Qaida erfolgreich. Sie
hat vor allem die Amerikaner zu furcht-
baren Fehlern verleitet, die Regierung
Bush erfand Guantanamo, rettete sich in
Folter und einen herbeigelogenen Krieg.
Al-Qaida hat Einfluss, und ihr Grund-
muster wird überleben, in Ägypten wie
in Düsseldorf: Junge Männer, die empört
sind über die Unterdrückung der Musli-
me, oder die sich bloß unwohl fühlen in
ihrer Haut, entdecken etwas, für das es
sich zu sterben und zu töten lohnt. Diese
Idee wird auch künftig verfangen, wird
als pathologische Begleiterscheinung der
Globalisierung überleben.
Aber ihre Attraktivität wird abneh-
men, je offensichtlicher wird, dass damit
außer Todnichts zuerreichenist. Die Qai-
disten haben kein Regime gestürzt, kei-
nen Diktator bekehrt, haben großen Tei-
len der muslimischen Welt kein Mehr an
Selbstachtung geschenkt. Es mag sein,
dass es in der Diktatur keine andere poli-
tische Ausdrucksformgibt als denislami-
tischen Terror. In Nordafrika verliert al-
Qaida nun auch diese Exklusivität.
Von Kl aus Bri l l
Er war nicht mehr als ein Pappkame-
rad: der polnische Klempner. Gewitzt, ge-
wieft, allzeit einsatzbereit und vor allem
billiger als andere. Als im Jahr 2004
Polen, Tschechien, Ungarn und fünf wei-
tere Länder Mittel- und Osteuropas der
Europäischen Union beitraten, da warn-
ten Politiker wie der damalige Kanzler
Gerhard Schröder vor einem Lohndum-
ping. Sie setzten durch, dass die EU-weit
garantierte Freizügigkeit in Deutsch-
land und Österreich für Arbeitnehmer
aus denneuenEU-Staatenfür siebenJah-
re außer Kraft gesetzt wurde. Die Frist
ist jetzt abgelaufen, und es zeigt sich,
dass die Besorgnisse übertrieben waren.
Die polnischen Handwerker, die sich
ja trotz der Sperre als Selbständige in
Deutschland betätigen durften, haben
keineswegs die einheimische Konkur-
renz ruiniert. Undjene Polenoder Slowa-
ken, die als gewöhnliche Arbeitnehmer
nach Westen strebten, fanden Aufnahme
in England oder Irland. Die Tschechen
sindohnehin weniger mobil. Sie alle aber
haben das deutsche Stoppschild als dis-
kriminierend empfunden. Und vielfach
wird auch jetzt die Einführung von Min-
destlöhnen als Mittel angesehen, der un-
liebsamen Konkurrenz den wichtigsten
Wettbewerbsvorteil zunichte zu machen.
Andererseits: So attraktiv, wie viele
Deutsche meinen, ist ihr Land für die
Bürger der östlichen Nachbarstaaten gar
nicht, jedenfalls nicht für alle. Die Un-
freundlichkeit im Alltag ist notorisch,
das Leben teuer, die Steuern sind hoch,
und die Einkommensunterschiede zu
den Herkunftsländern gehen je nach
Branche und Ausbildungsgrad rasch zu-
rück. Wenn deutsche Arbeitgeber jetzt
tüchtige Facharbeiter aus demOsten an-
zulocken versuchen, werden sie kaum
den erwünschten Erfolg haben. Rumä-
nen und Bulgaren, die sich am stärksten
verbessern könnten, müssen ohnehin
noch warten.
Langfristig wird sich die Lage inner-
halb der Europäischen Union sicher aus-
balancieren, vondenMigrantenaus Afri-
ka und Asien einmal abgesehen. Es wird
EU-weit nicht mehr die Herkunft zäh-
len, sondern die Ausbildung, Erfahrung
und Einsatzfreude. Polen und Tschechen
können dazu ihre große Improvisations-
tüchtigkeit in die Waagschale werfen,
die Deutschen ihr Know-how und syste-
matisches Denken. Mancher wird sich
wundern, mit welcher Lernbereitschaft
und welchem Ehrgeiz junge Frauen und
Männer aus Mittel- und Osteuropa zu
Werke gehen. Ihr Wille zur Entfaltung ih-
rer Talente und zumAufstieg aus der Ar-
mut ist unbedingt. Sie lernen Sprachen,
besuchen Business Schools und zeigen
vielfach eine Risiko- und Opferbereit-
schaft, die auch den West-Menschen Re-
spekt abnötigen werden.
Der Austausch kann für alle Seiten
fruchtbar sein. Es wäre nicht das schlech-
teste Ergebnis, wenn junge Ungarn, Let-
ten oder Litauer nach ein paar Jahren im
Westen mit den angeeigneten Fertigkei-
ten in die Heimat zurückkehren und dort
denAufbaumit verschärftemTempo vor-
antreiben.
Verbrechern, die nicht als Diktatoren
Staaten lenkten, gelang es selten, Ge-
schichte zu machen. Osama bin Laden
aber hat unzweifelhaft Geschichte ge-
macht, und ebenso unzweifelhaft war er
ein großer Verbrecher. Er führte einen
Rachefeldzug im Namen Gottes, der, gä-
be es ihn denn, wahrlich ein Blutsäufer-
Baal sein müsste, um gutzuheißen, wie
viele Tausende – egal welchen Glaubens
und welcher Herkunft – allein Bin La-
dens Selbstmord-Attentäter bisher ver-
stümmelt oder umgebracht haben.
Ohne den sich messianisch gebärden-
den Gewalttäter Bin Laden hätte es die
Kriege in Afghanistan und im Irak nicht
gegeben. Washington hätte nicht zuerst
am Hindukusch zurückgeschlagen und
dann im Irak etwas versucht, was
George W. Bushinnaiver Wut ausgerech-
net einen „Kreuzzug“ nannte. Osama,
der moderne Assassinen-Fürst aus Saudi-
Arabien, wähnte sich sein Leben lang im
Krieg gegen die Kreuzzügler.
Bin Laden hat jenem viel zitierten,
hoch umstrittenen „Kampf der Kultu-
ren“ ein Gesicht gegeben, mehr noch: Er
war mit Rauschebart und Sturmgewehr
die Verkörperung dieses Kampfes. Was
in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun-
derts die stets imSchatten der nuklearen
Vernichtung ausgetragene West-Ost-
Konkurrenz war, schien im 21. Jahrhun-
dert der aus alten Zeitenwiederaufleben-
de Krieg zwischen Orient und Okzident
zuwerden. Wer imWestenseine Vorurtei-
le über „den“ Islam nähren wollte, der
musste nur auf Bin Laden schauen. Er
war die Projektionsfigur aller Ängste
und gleichzeitig ein wirklicher Fanati-
ker, der durch seine scheinbar grenzenlo-
se Überlebensfähigkeit inTeilender mus-
limischen Welt zum Superhelden avan-
cierte. Osama bin Ladenwar die Symbol-
figur des vergangenen Jahrzehnts, der
Derwisch mit der Kalaschnikow.
Nun ist er so gestorben wie er gelebt
hat. Er ist, um das Matthäus-Evangeli-
um zu paraphrasieren, durch das
Schwert umgekommen, weil er zum
Schwert gegriffen hat. Die Debatte, ob
das Vorgehen der US-Kommandosolda-
ten gegen einen im Sinne des Völker-
rechts Nicht-Kombattanten legal, gar
verhältnismäßig war, ist ziemlich müßig.
Bin Laden hätte sich niemals lebend ge-
fangennehmenlassen. Undanders als Pe-
trus war er auch niemals bereit, das
Schwert in die Scheide zu stecken.
Vermutlich wird der Tod den Mythos
Osama eher nähren, als dass er ihn ersti-
cken wird. Das Märtyrertum spielt bei
vielen Moslems auch heute noch eine er-
hebliche Rolle, so abstrus der Gedanke
gerade Gläubigen eigentlich erscheinen
müsste, dass ein liebender Gott den Tod
jener Menschen, die ihn lieben, wün-
schen, gar belohnen könnte. Und da der
11. September noch vor dem Kennedy-
MordzumLieblingssujet aller Verschwö-
rungstheoretiker avanciert ist, wird auch
Osamas Ende nebst der Beseitigung sei-
ner Leiche tausenderlei Anlässe des Auf-
baus vonParallelweltenbieten. In gewis-
ser Weise wird Osama bin Laden weiter-
leben – vielleicht gerade weil es kein
Grabmal gibt, indemer bestattet worden
ist. Etliche, vor allem jüngere Muslime
werden ihn als Märtyrer und vermeintli-
chen Saladin des Hindukusch in Jahren
noch verehren. Im Zeitalter des Internet
bedarf es für diese Art der Heiligenpflege
keiner realen Wallfahrtsstätte mehr.
Auch wenn Osama bin Laden Ge-
schichte gemacht hat, so hat er sich den-
noch nicht durchgesetzt. Seine Form des
autoritären Schwert-Islam beleidigt die
große Mehrheit jener Muslime, die in ih-
rer Religionnichts wesentlichanderes se-
hen als viele Christen in ihrer: eine wich-
tige Privatangelegenheit, die viel mit der
Seele und wenig mit dem Staat zu tun
hat. Osama bin Laden war ein religiös
verblendeter Verbrecher und zudem ein
geschickter Guerillaführer, der vorgeb-
lich Unrecht und Armut bekämpfte, in
Wirklichkeit aber für einen autoritären
Gottesstaat stritt.
Die jüngstenVerwerfungen, ja Revolu-
tionen in Nordafrika und im arabischen
Raum zeigen deutlich, wie falsch es ist,
diese Region immer nur unter dem Ru-
brum„die muslimische Welt“ zusammen-
zufassen. Die Religion ist, anders als dies
auchorientalische undokzidentale Reak-
tionäre gerne behaupten, nur eines von
mehreren Merkmalen. Die Menschen in
Ägypten, Libyen oder Syrien wollen kein
blutrichterliches Kalifat wie Bin Laden
es anstrebte und oft nicht einmal eine
stärkere Islamisierung des Gemeinwe-
sens. Sie wollen vielmehr Dinge, die Bin
Laden, die Talibanoder Teherans Gottes-
staatler dezidiert ablehnen. Sie wollen
frei reden können, die Kleptokratie stür-
zen, Toleranz erleben und ausüben.
Als der Reformator Gorbatschow in
den achtziger Jahren von seinen Refor-
men überholt wurde, glaubten manche,
nun sei das Ende der Geschichte gekom-
men und der Westen habe gewonnen.
Das war falsch. Als Osama bin Laden am
11. September 2001 die Welt ins Chaos
stürzte, sahen viele darin den Übergang
in die heiße Phase des Kriegs der Kultu-
ren. Auch dies war glücklicherweise
falsch. Die Vorstellung, dass „der“ Islam
jener eine Weg für alle von Marokko über
die Mongolei bis nach Malaysia sei, ist
Humbug. Wer das glaubt, der ist ein ex-
tremer Außenseiter auch für jene Gesell-
schaften, die er nach seiner Vorstellung
zu einer einzigen Gemeinschaft formen
will. Osama bin Laden hat für ein imagi-
niertes, imaginäres großes Ganzes mit
Waffengewalt und ohne Skrupel ge-
kämpft. Er hat als Ideologe gelebt und ist
auch so gestorben.
Osama, der „junge Löwe“ (so imArabi-
schen), wurde 54 Jahre alt, ehe er eines
Todes starb, den er immer vorhergesagt
hatte: im Gefecht mit amerikanischen
Soldaten. Es waren Soldaten jener Nati-
on, der er 15 Jahre zuvor das erste Mal
schriftlich den Krieg erklärt hatte, da-
mals aus einem Lager in Afghanistan. Es
folgtenAnschläge, Tote, Verletzte auf vie-
len Kontinenten. Und es folgte der
11. September 2001, der die Welt lähmte
und alle Leichtigkeit der Zeit nach dem
Kalten Krieg, alle Dotcom-Euphorie und
jeden Glauben an die postideologische
Zeit zerstörte.
Für Osama bin Laden und seine Isla-
misten waren die USAder Feind. Ameri-
ka stand imZenit seiner Macht, ein Jahr-
hundert wurde nach der Nation benannt.
Amerika hatte den Faschismus besiegt
und den Kommunismus niedergerungen.
Amerika war reich und mächtig – und es
war unsensibel genug, nicht zu spüren,
wie diese Stärke vonvielenals Provokati-
on empfunden wurde. Das amerikani-
sche System war das Modell für den Rest
der Welt – vermeintlich.
Aber Osama binLadenträumte vonei-
nem panislamistischen Gottesstaat, ei-
nem Kalifat. Seine Theokratie sollte den
Muslimen ihren Stolz zurückgeben und
ihre Sicherheit, die Amerika zu nehmen
im Begriff war. Bin Laden musste dieses
Amerika angreifen, um seiner Bewegung
Größe zu geben. Er musste die USA bis
aufs Blut reizen.
Der 11. September 2001 veränderte
Amerika wie kein zweites Ereignis viel-
leicht seit dem Bürgerkrieg. Oft wurde
der Vergleich zu Pearl Harbor gezogen,
zumAngriff Japans 1941, der die USA in
den Zweiten Weltkrieg eintreten ließ.
Der Vergleich aber taugt nur begrenzt.
Der 11. September bezog seine Einmalig-
keit aus der brutalen Wirkung der Bil-
der. Und vor allem gab es kein zweites
Ereignis, das die Natur des Terrors här-
ter hätte spüren lassen: hier das wüten-
de, zornige, überraschte, willkürlich ge-
wählte Opfer – dort der unsichtbare und
ungreifbare Feind. Der 11. September
brachte die Angst nach Amerika. Und
während Pearl Harbor das Land groß
machte und als Weltmacht entließ, steht
der 11. September für denBeginndes Nie-
dergangs der Vereinigten Staaten.
Die USA sind mit den Terroranschlä-
gen eine andere Nation geworden. Präsi-
dent George W. Bush wertete sie als
Kriegserklärung und nahm das Land in
die Pflicht zur Selbstverteidigung und
zum Angriff. Zwei Kriege begann dieser
Präsident binnen anderthalb Jahren: ei-
nen aus Notwehr, den anderen aus Zorn.
In Afghanistan vertrieben die US-Trup-
pen al-Qaida und verspielten anschlie-
ßend acht Jahre lang die Chance, das
Land zu verstehen und ihm eine Ord-
nung zugeben. ImIrakentludsich17Mo-
nate später das ungestillte Rachebedürf-
nis ein zweites Mal – auch verknüpft mit
der Hoffnung, die arabische Welt poli-
tisch nach eigenen Vorstellungen ordnen
zu können. Bush hatte aber nie verstan-
den, dass die Befreiung von den arabi-
schen Potentaten gerade wegen der Prä-
senz seines Landes nicht gelingen konn-
te. Amerikas Dominanz war mächtiger
als jeder innere Feind. Erst mit der politi-
schen Selbstbescheidung der USA unter
Barack Obama entstand der Spielraum,
der den neuen Demokratiebewegungen
ihre eigene Legitimation verschaffte.
Weil die USA und vor allemdie Regie-
rung Bush den Terror personalisierten,
wurde aus Osama bin Laden eine Ikone.
Natürlich war bin Ladens Ruf auch zu-
vor schon mythenbeladen. Er war es
schließlich, der das mächtige Amerika
herausgefordert hatte. Aber das Böse
braucht auch in den USA ein Gesicht,
weshalb die Jagd nach Osama stärker
symbolische als tatsächliche Bedeutung
erhielt. Die Tötung des Mannes wird nun
in Washington und in NewYork wie eine
Befreiung und vor allem wie ein Sieg
empfunden. Beides sind trügerische Ge-
fühle: Der Terror ist nicht besiegt, und
der Tod mag Genugtuung verschaffen,
gar etwas Erleichterung. Eindüsteres Ka-
pitel in der nationalen Geschichte ist da-
mit zu Ende gegangen.
Aber: Befreit ist Amerika nicht. Die
USA müssen in kritischer Selbstprüfung
klären, ob die Fixierung auf den Terror
und die Kriege im Inneren wie im Äuße-
ren die Nation nicht eher gelähmt und in
ihrer Entwicklung gehemmt haben. Ame-
rika hat sich in den zehn Jahren mit
Schutzwällen umgeben – physischen wie
mentalenBarrieren. DenPreis für die ver-
meintlich errungene Sicherheit zahlte
The Landof the Free inder ihmwichtigs-
ten Währung: Offenheit und Freiheit.
Osama bin Laden steht militärisch für
den Beginn einer gewaltigen Rüstungs-
anstrengung und politisch für eine
manchmal irrsinnig anmutende Orientie-
rungslosigkeit. Auch wenn bin Laden
sein eigentliches Ziel verfehlte und das
Kalifat nie entstehen wird, so warf er die
Weltmacht USAaus der Bahn und leitete
ihren Machtverlust ein.
Barack Obama, der Nachfolger Bushs,
war es, der diesen verhängnisvollen Zu-
sammenhang erkannte und demLand ei-
ne Politik der internationalen Selbstbe-
scheidungverordnete. Dies wirdeines Ta-
ges möglicherweise als wichtigste außen-
politische Tat des amtierendenPräsiden-
ten erkannt werden. Amerika taugt im-
mer weniger als Reibungsfläche für den
Terrorismus – und kann deshalb wieder
seine eigentlichen Stärken entfalten.
Obama und Osama – der Terror hat sei-
nen Meister gefunden.
Munib al-Masri
Reichster Palästinenser und
Sisyphus zwischen den Fronten
Seite 4 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
MEINUNG
Blick in die Presse
Mythos al-Qaida
Bin Ladens Terrortruppe hat kein Regime gestürzt und keinen Diktator bekehrt
Gar nicht mehr so attraktiv
Deutschland wirbt nun um junge Osteuropäer, doch viele bleiben längst lieber zu Hause
Tod eines Ideologen
Von Kurt Ki ster
Obama und Osama
Von Stefan Kornel i us
DEFGH
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Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik:
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PROFIL
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o
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v
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S
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p
a
Berlin – Bund, Länder und Gemeinden
können sich aufgrund der unerwartet
guten Wirtschaftsentwicklung auf Steu-
ermehreinnahmen in zweistelliger Milli-
ardenhöhe freuen. Experten rechnen al-
lein für das laufende Jahr mit einem
Plus von etwa zehn bis 15 Milliarden Eu-
ro. Im Jahr 2012 könnte das zusätzliche
Aufkommen sogar noch höher ausfal-
len. Finanzstaatssekretär Werner Gat-
zer warnte allerdings bereits vor zusätz-
lichen Ausgabewünschen der Ministeri-
en. Die Mehreinnahmen seien in der Fi-
nanzplanung bereits weitgehend berück-
sichtigt, „große Spielräume“ – etwa für
Steuersenkungen – ergäben sich somit
nicht, sagte er in Berlin. Union und FDP
hattenzudemvereinbart, konjunkturbe-
dingte Mehrerlöse nicht wieder auszuge-
ben, sondern zur Senkung der Neuver-
schuldung zu verwenden. Der Arbeits-
kreis Steuerschätzung wird Mitte kom-
mender Woche seine neue Prognose zur
mittelfristigen Entwicklung der Staats-
einnahmen aufstellen und bekanntge-
ben. hul
Von Mi chael Bauchmül l er
Berlin – Die Hälfte des Atom-Moratori-
ums ist abgelaufen, keine fünf Wochen
bleibenmehr bis zumangestrebtenKabi-
nettstermin Anfang Juni. Dann spätes-
tens muss die schwarz-gelbe Koalition
festlegen, wie schnell die deutschenKern-
kraftwerke vom Netz gehen sollen, und
auch: wie. Doch wie die Abschaltung ei-
gentlich bewerkstelligt werden soll, ist
so unklar wie das Ausstiegsdatumselbst.
Das gilt nicht einmal nur mit Blick auf
etwaige Schadenersatzforderungen der
Konzerne, sondern auch für die Mecha-
nik der Gesetze schlechthin. Bislang le-
gen sie nur „Reststrommengen“ für je-
den Reaktor fest. Die Laufzeiten waren
dadurch stets nur eine theoretische Grö-
ße: Wann genau ein Reaktor vom Netz
geht, hing auch von seiner Auslastung
ab. Jeder Stillstand, jeder Tag gedrossel-
tenBetriebs verschobdadurchdie Stillle-
gung nach hinten. Denkbar wäre statt-
dessenkünftig einfixes Enddatumfür je-
des Kernkraftwerk, nach Informationen
des Handelsblatts ist das die Präferenz
von Kanzlerin Angela Merkel. Danach
wäre endgültig Schluss. Und dann gäbe
es noch eine dritte Variante: Ähnlich wie
beim Steinkohle-Bergbau könnte der
Bund zwar ein Enddatum festlegen –
aber mit Revisionsklausel. So könnte et-
wa 2018 überprüft werden, ob ein Aus-
stieg fünf Jahre später noch sinnvoll ist.
Das käme vor allem jenen in Union
und FDP entgegen, denen das Tempo der
Debatte mittlerweile Angst macht. „Für
eine sichere, umweltschonende, vomAus-
land unabhängige und bezahlbare Ener-
gieversorgungverbietet sicheine verfrüh-
te Festlegung auf einen verbindlichen
Ausstiegstermin“, warnenetwa die Gene-
ralsekretäre der CDU-Landesverbände
vonHessen, ThüringenundSachseninei-
nem gemeinsamen Papier. Am Montag-
abend trafen sich zudemBundesumwelt-
minister Norbert Röttgen, Kanzleramts-
minister Ronald Pofalla (beide CDU)
und CDU-Generalsekretär Hermann
Gröhe mit Vertretern der Parteibasis
zum „energiepolitischen Fachgespräch“
– zur Vorbereitung der Basis auf denneu-
en Atomkurs. CSU-Chef Horst Seehofer
forderte derweil in München eine völlige
Abkehr von der Atomkraft binnen zehn
Jahren. Die Bundesregierung dagegen
hält sich mit konkreten Daten bedeckt.
„Alles im Fluss“, heißt es nur knapp.
Zuerst schlägt ohnehin die Stunde der
Experten. Mitte Mai soll die Reaktorsi-
cherheitskommission eine erste Sicher-
heitsbewertung der Meiler vorlegen, bin-
nenzwei Wochensoll die Ethikkommissi-
on zur Atomkraft Schlüsse daraus zie-
hen. Dann bleiben immer noch satte acht
Tage bis zum Kabinettsentscheid.
Kiel – Die Grünen wollen die Schleswig-
Holsteiner per Internet an der Debatte
über die Haushaltspolitik des Landes be-
teiligen. Bis zum 10. Juni kann jeder In-
teressierte unter www.mitmachhaus-
halt.de rund 40 FragenzumLandeshaus-
halt beantworten und damit seine Mei-
nung über Mittelkürzungenoder neue In-
vestitionen kundtun. Die Grünen wollen
die Diskussion über die Haushaltskonso-
lidierung als Mitmachdebatte führen
und über dieses komplexe Politik-The-
ma einen gesellschaftlichen Diskurs an-
stoßen, wie Landtagsfraktionschef Ro-
bert Habeck am Montag in Kiel sagte.
Die Haushaltsstrukturkommission der
CDU/FDP-Koalition habe hinter ver-
schlossenen Türen gearbeitet. Finanzex-
pertin Monika Heinold sagte: „Das Gan-
ze ist ein absolutes Experiment für einen
Landeshaushalt.“ Die Palette der Fragen
reicht von Stellenabbau bis zum Weiter-
bau der Autobahn A 20. Die Grünen be-
tonten, sie wollten keine „Wutbürger“,
die alternativlos vor vollendete Tatsa-
chen gestellt würden. dpa
Berlin – Bei Ausschreitungen am 1. Mai
sind nach Angaben des Berliner Polizei-
präsidentenDieter Glietsch75 Polizisten
leicht verletzt worden, 103 Menschensei-
en vorläufig festgenommen worden, in
18 Fällen sollte am Montag über einen
Haftbefehl entschieden werden. Damit
lag die Zahl der Festnahmen am 1. Mai
deutlich unter der des Vorjahres, als in
Berlin noch 450 Randalierer festgenom-
men worden waren. In diesem Jahr wur-
den aber in der Walpurgisnacht 58 Men-
schen festgenommen, etwa 20 mehr als
im Vorjahr. 25 Beamte seien laut Polizei
in der Nacht zum 1. Mai leicht verletzt
worden. Innensenator Ehrhart Körting
(SPD) nannte den Polizeieinsatz zufrie-
den „professionell“. Der Chef der Grü-
nen-FraktionimAbgeordnetenhaus, Vol-
ker Ratzmann, sagte, die Polizei habe da-
für gesorgt, dass die Situationnicht eska-
liert sei. dpa
Von Sebasti an Beck
Straubing – Bevor das Gespräch beginnt,
gibt der Vollzugsbeamte dem Besucher
noch einen kleinen Wink: Dort hinten an
der Wand ist der Alarmknopf, nur so zur
Sicherheit, also für den absolut unwahr-
scheinlichen Fall der Fälle, sollte die Un-
terhaltung aus dem Ruder laufen. Dann
bezieht er draußen auf dem Flur Stel-
lung. Schongeht die Tür auf, Karl Berger
(Name von der Redaktion geändert) wird
in den Raumgeführt: ein kräftiger Mann,
graues Haar, blaues T-Shirt, die übli-
chen Knast-Tätowierungen an den Un-
terarmen.
SeinGesichtsausdruckwirkt hart, Ge-
fühle zeigt er nur spärlich. In seinem Le-
ben gab es wenig zu lachen für Berger
und die Menschen, die es mit ihm zu tun
hatten. Die Vergangenheit unterteilt er
selbst in „sinnlose Chaosjahre“ oder
„Leck-mich-am-Arsch-Zeiten“. Die Zu-
kunft aber, die ihm noch bleibt, die soll
anders werden. Ganz bestimmt.
Gut eineinhalb Stunden lang erläutert
Berger seinem Besucher, warum vor ihm
niemand Angst haben muss, wenn imJu-
ni sein Traum in Erfüllung geht: Er wird
entlassen – nach 15 Jahren Haft und Si-
cherungsverwahrung im niederbayeri-
schen Straubing. „Der Kopf ist schon in
der Freiheit“, sagt Berger, „ich will was
Positives draus machen.“
Er erzählt konzentriert, selbst mit
schwierigen juristischen Fragen kennt er
sichmittlerweile aus. Wenn er sichinsei-
ner Zelle die Fernsehnachrichten an-
sieht, dann ist neuerdings auch von ihm
die Rede, zumindest indirekt. Denn Ber-
ger ist einer von vier Klägern, die vor
demVerfassungsgericht inKarlsruhe Be-
schwerde gegen ihre Sicherungsverwah-
rung eingelegt haben.
Wie lange er schon hinter Gittern sitzt,
weiß er selbst nicht mehr genau. Er ist
jetzt 56 Jahre alt, davon verbrachte er
„über den Daumen gepeilt“ 30 Jahre in
Haft. Als Maschinenschlosser hat er es
versucht, als Gebäudereiniger, als Instal-
lateur, dochimbürgerlichenLebenkonn-
te er nie Fuß fassen. Die Freiheit bestand
für Berger aus EpisodenzwischenKnast-
aufenthalten.
Ein paar Ereignisse gibt es jedoch, die
sich in sein Gedächtnis eingebrannt ha-
ben und nicht im Durcheinander seiner
Biographie untergingen: Das Jahr 1975
zumBeispiel, als er inLandsbergzumers-
ten Mal eine Jugendstrafe von einem
Jahr und neun Monaten antreten musste,
nachdem er unter anderem in ein Mode-
haus eingebrochen war. Es war der Auf-
takt zu seiner Karriere als Krimineller.
Er hatte LSD genommen, als er das
Schaufenster einschlug. Eine planlose
Aktion sei das gewesen. Heute könne er
das nicht mehr nachvollziehen – wie so
vieles, was danach passierte.
Im Jahr 1978 vergewaltigte Berger ei-
ne Frau. Auf der Suche nach Geld brach
er inihre Wohnung ein, umzwei Uhr mor-
gens. Im Machtrausch stellte er sich die
Frage: gehen oder bleiben? Er blieb. „Ich
wollte wissen, wie das ist, wenn man je-
manden zum Geschlechtsverkehr
zwingt“, sagt Berger lakonisch und fügt
im Therapiedeutsch an: Die Tat sei Aus-
druckseiner „unreifenSexualität“ gewe-
sen. Das Messer, betont er, habe er dabei
aber zur Seite gelegt.
Und dann kam schließlich die Zäsur,
am 11. November 1995. Berger wurde
abermals verurteilt, zu vier Jahren und
vier Monaten Freiheitsstrafe mit an-
schließender Sicherungsverwahrung. Zu-
vor war er mit einemKumpel wieder mal
bei einem Einbruch erwischt worden.
Das sei für ihn die einfachste Form des
Lebensunterhalts gewesen, sagt Berger.
Auf was anderes habe er keine Lust ge-
habt. Das Gericht sah das ganz ähnlich:
Er sei ein „hartnäckiger Berufseinbre-
cher“, bescheinigten ihm die Richter.
Berger litt damals an Polytoximanie:
LSD, Hasch, Alkohol, Heroin, Rohypnol,
Kokain, Codein– über Jahrzehnte konsu-
mierte er alles an Drogen, was es auf dem
Markt gab. Selbst im Gefängnis machte
Berger damit weiter, erst recht in dieser
„Leck-mich-am-Arsch-Zeit“ zwischen
1995 und 2001, als er seinen Frust an den
Beamten ausließ und eine Überdosis He-
roin für den letzten Ausweg hortete. Seit
zehn Jahren aber, versichert Berger, sei
er nun clean: „Ich wollte nicht dieser
Scheißtyp bleiben.“
In Straubing lebt er zusammen mit 63
weiteren Männern in einem eigenen
Trakt für Sicherungsverwahrte. Tags-
über dunkelt Berger seine zwei Zellen-
fenster mit Vorhängenab. Er sagt, er wol-
le seine Ruhe haben. Der Alltag schleppt
sich öde dahin. Er malt ein bisschen,
schaut fern, hängt rum, raucht, wartet.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich
die Abteilung durch nichts vom restli-
chen Gefängnis. Ein trister Bau, lange
Korridore, Gitter, Netze im Lichthof.
Dochdie Sicherungsverwahrtengenie-
ßen ein paar Privilegien, die ihnen den
Neidder normalenStrafhäftlinge eintra-
gen: Sie haben beispielsweise einen eige-
nen Gruppenraum mit einer Spielkonso-
le. Abends bleiben ihre Zellen länger of-
fen. Ihre privaten Fernseher dürfen im-
merhin 26 Zoll groß sein, erläutert An-
staltsleiter Matthias Konopka – sonst
sind es maximal 21 Zoll. Einmal pro Wo-
che können sie telefonieren und im Mo-
nat bis zu zehn Stunden Besuch erhalten.
Sofernes draußenüberhaupt nochjeman-
den gibt, der sie sehen will.
Bergers Anwalt Sebastian Scharmer
sagt: „Die Verwahrung ist perspektiv-
los.“ Sein Mandant wolle keine Playsta-
tion, sondern die Freiheit. Scharmer ist
ein junger Mann mit Haarzopf, der in ei-
ner schickenHinterhofkanzlei amPrenz-
lauer Berg in Berlin residiert. Er vertritt
mehr als 40 Mandanten, die in der Siche-
rungsverwahrung sitzen und jetzt we-
nigstens auf eine Verbesserung der Haft-
bedingungen hoffen. Berger zählt zu den
harmlosen Fällen: Er hat weder einen
Mord begangen noch einen Banküber-
fall; und die Vergewaltigung 1978 ist sei-
ne einzige Sexualstraftat geblieben.
Gutachter bescheinigten Berger zwar
eine „dissoziale Persönlichkeitsstö-
rung“, was dessen früherer Selbstein-
schätzung ziemlich genau entspricht:
„Ichscheiß auf eine soziale Entwicklung,
ich tu alles, was ich will.“ Doch nach An-
sicht von Scharmer reicht das keines-
wegs aus, um einen Menschen nach Ver-
büßung seiner Strafe auf unbestimmte
Zeit einzusperren: „Was soll man mit so
jemanden dort machen?“
Zumal bei der Verurteilung Bergers
1995 noch die Höchstgrenze von zehn
JahrenSicherungsverwahrung galt. Weil
sich die Rechtslage danach aber geän-
dert hatte, konnte das Gericht 2009 die
Sicherungsverwahrungnachträglichver-
längern: Die Richter stützten sich dabei
unter anderem auf ein Gutachten aus
demJahr 2006, in demes hieß, es bestehe
die Gefahr, dass Berger Straftaten gegen
das Leben begehe. Ein zweiter Psychia-
ter kamhingegen zumSchluss, die Wahr-
scheinlichkeit für einen Rückfall sei bei
Berger nicht höher als bei anderen lang-
jährigen Strafgefangenen.
Im Sommer 2009 legte Scharmer im
Auftrag Bergers Beschwerde vor dem
Bundesverfassungsgericht ein. Nur ein
paar Monate später erklärte der Europäi-
sche Gerichtshof für Menschenrechte die
deutsche Praxis der Sicherungsverwah-
rungfür teilweise rechtswidrig, auchdes-
halb, weil sie sich kaumvon der Haft un-
terscheidet. Ein Glück für Berger: Denn
als Reaktion auf den Richterspruch von
Straßburg verabschiedete der Bundestag
mehrere Gesetzesänderungen. Danach
darf für Vermögensdelikte wie Berger sie
begangen hat, keine Sicherungsverwah-
rung mehr verhängt werden. Berger
kommt jetzt auf Anordnung des Oberlan-
desgerichts Nürnberg frei, egal wie das
Verfassungsgericht an diesem Mittwoch
über seine Beschwerde urteilt.
Und dann? Wird er wieder in die
nächstbeste Wohnung einsteigen? Kann
sich ein Mensch mit einer Biographie, die
einer Trümmerlandschaft gleicht, über-
haupt ändern? Bergers Vater fiel in Viet-
nam; seine leibliche Mutter wurde Jahre
später ermordet. Er selbst wuchs bei ei-
ner Pflegefamilie auf. Schonals Jugendli-
cher prügelte er sich durch die Straßen.
Er sei immer schonziel- undhaltlos gewe-
sen, gesteht er ein.
Im Jahr 2001 ließ er sich für den Ent-
zug indie Psychiatrie verlegen. Eine Ärz-
tin sagte zu ihm: Er müsse den typischen
Knacki in sich zerstören. Das hat er in
der Therapie versucht, doch vier Jahre
später musste er wieder in die Siche-
rungsverwahrung – angeblichsoll Berger
das Personal bedroht haben. Danach fiel
er zunächst ins alte Muster zurück: Er be-
schimpfte die Beamten als Nazis, weil er
sich als politischer Gefangener wähnte.
„Erst langsam habe ich mich eingefügt.“
Jetzt gibt er sich als geläutert. Drau-
ßen wartet seine Freundin. Mit ihr möch-
te er eine Familie gründen, vielleicht als
Tierpfleger arbeiten, Bilder malen. Doch
erst einmal wird Berger in eine betreute
Wohngruppe einziehen. Schließlich hat
er nie gelernt, wie man frei lebt, ohne
Straftaten zu begehen. Aber der Mensch,
beteuert Berger, könne sich zum Positi-
ven verändern. Das hofft nicht nur er.
Steuereinnahmen steigen
Politik zum Mitmachen
100 Polizisten verletzt
Berlin – Angesichts der zunehmend
alternden Gesellschaft und steigender
Kosten haben Experten am Montag in
Berlin eine Reform der Pflegeversiche-
rung angemahnt. Nach den Berechnun-
gen des Finanzwissenschaftlers Bernd
Raffelhüschen wird die Zahl der Pflege-
fälle vonheute 2,3 Millionenauf 4,4 Milli-
onen im Jahr 2050 steigen. Würde die
Pflegeversicherung nicht reformiert,
müsste bei gleichbleibenden Leistungen
der heutige Beitragssatz von 1,95 Pro-
zent bis 2060 auf fünf Prozent steigen,
warnte er. Eine Bürgerversicherung wür-
de nur kleine Einsparungen bringen.
Spürbare Effekte hätte es, die Pflegeleis-
tungen auf dem heutigen Niveau einzu-
frieren. Kosten ließen sich auch einspa-
ren, wenn leichtere Pflegefälle für ein,
zwei oder drei Jahre keine Leistungener-
hielten. AFP
Berlin – Die Bundesregierung will sich
noch nicht auf eine Senkung des Renten-
beitrags schon von 2012 an festlegen.
Zwar hätten sich die Beitragseinnahmen
der Rentenkassen in den ersten drei Mo-
naten „sehr günstig entwickelt“, doch
müsse erst die weitere Entwicklung in
diesemJahr abgewartet werden, sagte ei-
ne Sprecherindes Bundesarbeitsministe-
riums amMontag in Berlin. Derzeit müs-
sen zur Rentenversicherung 19,9 Prozent
des Bruttoeinkommens eingezahlt wer-
den – zu gleichen Teilen von Arbeitneh-
mern und Arbeitgebern. Nach bisheriger
Einschätzung könnte der Beitrag Anfang
2013 auf 19,5 Prozent sinken. dpa
„Der Kopf ist schon in der Freiheit“
Am Mittwoch entscheidet das Bundesverfassungsgericht über die Sicherungsverwahrung – ein Betroffener erzählt
Knappfünf Wochenbleibender Koaliti-
on, um eine Lösung zu finden. dapd
Von Marc Wi dmann
Mainz – Die neue Landesregierung von
Rheinland-Pfalz steht, und sie besteht
überwiegend aus Frauen. Sechs weibli-
che undnur drei männliche Minister wer-
den künftig neben Kurt Beck (SPD) am
Mainzer Kabinettstischsitzen. Diese ein-
drucksvolle Frauenquote verdankt Beck
vor allem seinem neuen Koalitionspart-
ner: Die Grünen besetzen ihre drei Res-
sorts allesamt mit Frauen.
So bekommt Rheinland-Pfalz baldsei-
ne erste grüne Ministerin für Wirtschaft,
Klimaschutz, Energie und Landespla-
nung: Eveline Lemke, seit fünf Jahren
Parteichefin und erfolgreiche Saniererin
der Grünen. Die frühere Unternehmens-
beraterinerwarb sich auch außerhalb ih-
rer Partei Respekt, zum Beispiel als Auf-
klärerin in der Nürburgring-Affäre.
„Wir fühlen uns sehr gut“, sagte sie am
Montag nach dem Ende der Koalitions-
verhandlungen. Aus Berlin wird Ulrike
Höfken nach Mainz ziehen. Die Agrarex-
pertinder GrünenimBundestag soll Um-
weltministerin werden, sie stammt aus
dem Land. Außerdem erhalten die Grü-
nen nach ihrem Rekordergebnis von 15,4
Prozent noch ein drittes, zusätzlich ge-
schaffenes Ressort. Es soll sich unter an-
deremmit Integration, Familie undFrau-
enpolitik beschäftigen. Irene Alt wird es
führen, bisher Kreisbeigeordnete für So-
ziales inMainz-Bingen. Dass die neue Re-
gierung gleich mit einer ausgedehnten
Behördenstruktur startet, ist kein Zei-
chen ausgeprägter Sparsamkeit. Aber
der starke Koalitionspartner musste an-
gemessen versorgt werden.
Bei aller grünen Aufbruchstimmung
bleiben die wichtigsten Felder der Lan-
despolitik doch in Händen der SPD. Do-
ris Ahnen bleibt Bildungsministerin,
Carsten Kühl verwaltet weiterhin die Fi-
nanzen, Malu Dreyer ein verkleinertes
Sozialministerium. Der Gewinner bei
der SPD heißt Roger Lewentz. Er steigt
auf: vomStaatssekretär zumInnenminis-
ter. Undmehr noch, er erhält denBereich
Infrastruktur dazu. Darunter fallen in
Rheinland-Pfalz die großen Streitthe-
men: der mit Steuergeld errichtete Frei-
zeitparkamNürburgring unddie geplan-
ten Brücken über Rhein und Mosel, alle-
samt heftig umkämpft. Gelingt es dem
leutseligen Lewentz, sein größeres Haus
ohne Pannen zu führen, empfiehlt er sich
als Nachfolger von Kurt Beck.
Auch ein zweiter Mann gilt als mögli-
cher Kronprinz: Hendrik Hering, bislang
Wirtschaftsminister. Weil sein Ressort
an die Grünen fällt, wird er SPD-Frakti-
onschef im Landtag. Das ist ebenfalls ei-
ne gute Ausgangsposition für das Ren-
nen um Becks Nachfolge. Hering muss
sich in Rededuellen nun jedoch mit Julia
Klöckner messen, der resoluten CDU-
Fraktionschefin. Ein Spaß wird das
nicht für ihn. Der bisherige Fraktions-
chef Jochen Hartloff wird Justizminis-
ter. Die bisherige UmweltministerinMar-
git Conrad (SPD) kümmert sich künftig
als Beauftragte imMinisterrang umBun-
des- und Europathemen.
Inhaltlich musstenSPDwie auch Grü-
ne schmerzliche Kompromisse schließen.
So soll – trotz allen Protests der Grünen –
die 160 Meter hohe Brücke über die Mo-
sel zu Ende gebaut werden. Diese Ent-
scheidung müssen die Grünen nun den
Bürgerinitiativen erklären, bei denen sie
Hoffnungen auf einen Baustopp weck-
ten. Die von der SPDgewünschte Brücke
über denMittelrhein unweit des Loreley-
Felsens soll dagegen nicht verwirklicht
werden. Für Formel-1-Rennen am Nür-
burgring will das LandinZukunft „deut-
lich“ weniger Subventionen zahlen.
München – Die SPDwill die Zahl der Mi-
granten in Führungspositionen der Par-
tei durch eine Quotenregelung erhöhen.
„Wenn es mehr als zehn Prozent Migran-
teninDeutschlandgibt, darf es keine Lis-
te zu Bundestags-, Landtags- und Kom-
munalwahlen oder zum SPD-Parteivor-
stand geben, auf der nicht mindestens
zehn Prozent Migranten aufgestellt
sind“, sagte der SPD-Vorsitzende Sig-
mar Gabriel der Passauer Neuen Presse.
Die Sozialdemokraten dürften nicht län-
ger auf die Lebenserfahrung, das Wissen
und den kulturellen Reichtum der Zu-
wandererfamilienverzichten. Generalse-
kretärin Andrea Nahles sagte nach einer
Präsidiumssitzung der Partei amMontag
in Berlin, sie wolle dem SPD-Vorstand
gemeinsam mit Gabriel vorschlagen,
dass sichdie Bundes-SPDdazuverpflich-
tet, „mindestens 15 Prozent Migranten-
anteil in allen Gremien“ zu vereinbaren.
Auch die Landesverbände sollten um ei-
ne parallele Regelung gebeten werden.
Die SPD hoffe, durch die Quote attrakti-
ver für Migranten zu werden, sagte Ga-
briel. Die Entscheidung, das Parteiaus-
schlussverfahren gegen den Berliner Ex-
Finanzsenator Thilo Sarrazin zu been-
den, hatte zuvor heftige innerparteiliche
Kritik von Migrantenvertretern hervor-
gerufen. Die Integrationsbeauftragte der
SPD-Fraktion, Aydan Özoguz, begrüßte
Gabriels Plan: „Der Vorstoß ist konse-
quent, alle anderen Alternativen kosten
zu viel Zeit.“ Politiker aus Zuwanderer-
familienseien„Ansprechpartner und Er-
mutigung für weitere Migranten, sich zu
engagieren“, sagte die Deutsch-Türkin.
Skeptischer zeigte sichder SPD-Innenex-
perte Sebastian Edathy. Die SPDsei tra-
ditionell die Partei der Emanzipation ge-
wesen, sagte er. „Wenn wir uns selbst
ernst nehmen, dann brauchen wir keine
feste Quote.“ Es sei deshalb „verwunder-
lich, dass wir einen solchen Aufruf über-
haupt nötig haben“. Die Parteiführung
solle „weniger ankündigenundmehr rea-
lisieren“. rpr
Ausstiegsdatum ungewiss
Die Koalition rätselt über den Weg aus der Atomkraft
Ein Frauen-Kabinett
Neue Landesregierung von Rheinland-Pfalz vorgestellt
Pflegereform angemahnt
Beitragssenkung fraglich
Gabriel verlangt
Migranten-Quote
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 5
POLITIK
SPD und Grüne
mussten schmerzliche
Entscheidungen treffen.
Haftraum 78 – hier lebt Berger auf zwölf Quadratmetern in der Sicherungsverwahrung. Foto: Sebastian Beck
Polizeieinsatz während der Walpurgis-
nacht in Berlin. Foto: dapd
30 von 56 Jahren ist er in Haft;
Richter nennen ihn einen
„hartnäckigen Berufseinbrecher“.
Als Jugendlicher
prügelte er sich
durch die Straßen.
Inland
Von Sonj a Zekri
Kairo – Aiman al-Zawahiri, der dem-
nächst an die Spitze von al-Qaida kom-
men könnte und damit der neue Feind
Nummer eins für den Westen wird, Ai-
man al-Zawahiri hat Abud al-Sumur zur
Entlassung aus dem Gefängnis gratu-
liert. Vor ein paar Wochen, im Fernse-
hen, bei seiner Ansprache zur arabischen
Revolution und zu Libyen. Aus alter
Freundschaft. In Erinnerung an die ge-
meinsame Zeit imTora-Gefängnis inKai-
ro. Al-Zawahiri hat Sumur Mut ge-
macht, weiter für die gemeinsame isla-
mistische Sache zu kämpfen. Dabei ste-
hen der Bin-Laden-Vize Zawahiri und
der Präsidenten-Attentäter Sumur für ei-
ne Grundsatzentscheidung, die die arabi-
schen Islamisten nach demAusbruch des
Volksaufstandes in der Region treffen
müssen: Sind Bomben noch das geeigne-
te Mittel, um ihre Ziele zu erreichen?
Es gebe keinen größeren Gegensatz als
jenen zwischen der friedlichen Forde-
rung nach Demokratie, wie sie auf dem
Tahrir-Platz durchgesetzt wurde, so der
britische Außenminister William Hague
in Kairo, und „dem destruktiven und
mörderischen Weg al-Qaidas“. Vor 30
Jahren war es auch Abud al-Sumurs
Weg. Heute ist der Islamist eingroßväter-
licher Mittsechziger mit Rübezahlbart,
der in den Polstermöbeln seiner Kairoer
Wohnung imSchatten einer Moschee Tee
serviert. Damals war er Mitte dreißig, of-
fiziell Geheimdienstoffizier, insgeheim
aber Kopf der militanten islamistischen
Organisation Gamaa al-Islamija. Und er
hasste den Präsidenten Anwar al-Sadat,
der Frieden mit Israel geschlossen hatte,
der den Islamismus bekämpfte, der das
Recht zu herrschen verwirkt hatte. Ein
Ungläubiger: „Es gab keine freien Wah-
len in Ägypten, keine Medien wie al-
Dschasira, die über unsere Ziele hätten
berichten können, uns blieb keine
Wahl“, sagt Sumur. Am 6. Oktober 1981
zogen bei einer Militärparade Kampf-
flugzeuge bunte Rauchwolken über Prä-
sident Sadat, als vier Soldaten aus einem
Wagen sprangen und das Feuer aus auto-
matischen Waffen eröffneten. Sadat
starbunter denerstenSchüssen. Die Mu-
nition hatte Abud al-Sumur besorgt.
Er bekam lebenslang. In den Razzien
nach dem Attentat wurde kurz darauf
auch der Islamist Zawahiri verhaftet, ein
Arzt aus dem Kairoer Stadtteil Maadi.
Drei Jahre vegetierten sie in einem Ge-
fängnis. „Zawahiri war ernst, beschei-
den, prinzipientreu. Nach dem Attentat
auf Sadat hat er sogar gesagt, nun sei es
genug mit der Gewalt“, sagt Sumur: „Er
ist kein Teufel.“ Sumur erstritt sich vor
Gericht Bücher, seine Frau brachte ihm
Selbstgekochtes. Zawahiri aber wurde
schwer gefoltert. Als er nach seiner Ent-
lassung nach Afghanistan reiste, wo er
zumVize Bin Ladens aufstieg, war er ra-
dikaler denn je: Al-Qaida, so sieht das
der Journalist Lawrence Wright, ist auch
in den Verließen Ägyptens entstanden.
Sumur ging einen anderen Weg, ob-
wohl er nochimmer einbetonharter Sala-
fist, Anhänger eines ursprünglichenwort-
getreuenIslam, ist, der die ägyptische Öf-
fentlichkeit vor kurzem mit scharia-
gestützten Handabhack-Vorschlägen
schockierte. Aber er hat der Gewalt abge-
schworen.
Eigentlich hätte er im Oktober 2001
aus der Haft entlassen werden sollen.
Aber davor lag der 11. September. Der
ägyptische Innenminister Habib el-Adly
verlängerte die Haft Jahr um Jahr, bot
ihm die Entlassung im Tausch für politi-
sche Abstinenz an. Sumur lehnte ab. Und
dann, im Februar, fegte der Volksauf-
stand den Sadat-Nachfolger Hosni Mu-
barak fort, der Innenminister saß plötz-
lich in der Zelle nebenan, und Sumur
wurde – mit Tausenden anderen politi-
schen Gefangenen – entlassen. Dass er
seine Freiheit ausgerechnet westlich ori-
entierten, facebookfixierten Jungen und
Mädchen verdankt, dass sie in gemeinsa-
men Zeltlagern erstritten hatten, was
Bomben nicht geschafft hatten: Ägypten
den Weg zur Demokratie zu ebnen, be-
grüßt Sumur enthusiastisch, gibt sich to-
lerant, auch wenn er einen Christen als
Präsident unvorstellbar findet: „Das
Volk entscheidet, aber wenn dies gesche-
hen sollte, wechseln wir eben das Volk
aus“, sagt er. Die Muslimbrüder wollen
mit einer eigenen Partei in die Wahl zie-
hen. Die SalafistenzerstörenSufi-Schrei-
ne und halfen, den Rücktritt eines christ-
lichen Gouverneurs im oberägyptischen
Qena zu erzwingen. Sumur gilt als Präsi-
dentschaftskandidat: Im nachrevolutio-
nären Ägypten haben Islamisten wie er
andere Mittel als Gewehre.
Könnte einer wie Sumur al-Qaida
überzeugen, die Waffen niederzulegen?
„Zawahiri kämpft gegen die amerikani-
sche Besatzung im Irak, in Afghanistan,
in Palästina. Da hilft kein gewaltfreier
Widerstand“, sagt Sumur vage. Bin La-
den ist für ihn ein Märtyrer, für die radi-
kalislamische Hamas im Gaza-Streifen
„ein arabischer Krieger“. Dabei stehen
auch die Hamas-Radikalen für Militanz
in nationalistischer Sache – so wie einst
das Sadat-Attentat. Al-Qaidas An-
spruch auf ein islamistisches Kalifat
aber ist global. Und dagegen hilft keine
nationale Revolution.
Von Janek Schmi dt
München – Das Treffen sollte Klarheit
bringen über die Zukunft des Heiligen
Kriegs. Mehr als 50 000 sowjetische Sol-
daten hatten sich in jenem Sommer 1988
bereits aus Afghanistan zurückgezogen,
die restlichen sollten bald folgen. Also
rief Scheich Abdullah Azzam, der den
Einsatz arabischer Kämpfer inAfghanis-
tan koordinierte, zu einer Zusammen-
kunft in der nordpakistanischen Stadt
Peschawar. Es war der 11. August 1988,
als sich die wichtigsten arabischen Got-
teskrieger trafen und die Strategie fest-
legtenfür eine Gruppe, die inZukunft al-
Qaida (die Basis) heißen sollte.
In dieser neuen Organisation verein-
ten sich drei Stärken der arabischen
Kämpfer: die Kontakte des sogenannten
Dienstleistungsbüros, über das Azzam
arabische Rekruten für den Krieg in Af-
ghanistan organisierte; das Geld des rei-
chensaudischenUnternehmersohns Osa-
ma bin Laden, sowie die Kampferfah-
rung ägyptischer Islamisten aus der Ter-
rorgruppe Egyptian Islamic Jihad unter
der Führung von Aiman al-Zawahiri.
Nachdem Azzam ein Jahr später bei ei-
nem mysteriösen Anschlag starb, war
endgültig klar, wer bei al-Qaida das Sa-
gen haben würde: der Terror-Financier
Bin Laden und sein ägyptischer Stellver-
treter Zawahiri.
Zwar ist die Personalstruktur von al-
Qaida zu großen Teilen fließend. So be-
zeichneten etwa die USA seit 2003 min-
destens fünf verhaftete oder getötete Isla-
misten als mutmaßliche „Nummer 3“.
Doch bestand die Doppelspitze des Netz-
werks seit mehr als 20 Jahren. Da bei
dem Angriff auf Bin Ladens Versteck in
der Nacht zum Montag keine Rede von
Zawahiri war, mutmaßen viele Beobach-
ter, dass er unversehrt ist und nach dem
TodBin Ladens an die Spitze von al-Qai-
da aufrücken wird. Doch fragen sie zu-
gleich, ob der als Stratege bekannte Isla-
mist fähig sein wird, das zersplitterte
Netzwerk zu führen.
Gewisses Ansehen zieht Zawahiri dar-
aus, dass er wie BinLadenberühmte Vor-
fahren hat: Sein Großvater mütterlicher-
seits war Präsident der Universität Kai-
ro undseinGroßonkel väterlicherseits so-
gar Rektor der Al-Azhar-Universität,
der angesehensten Bildungseinrichtung
der islamischen Welt. So wuchs er in ei-
nem wohlhabenden Vorort von Kairo als
fleißiger, stiller Schüler undspäterer Me-
dizinstudent auf, in einer Zeit, in der vie-
le Ägypter versuchten, sichvonder politi-
schen und sozialen Dominanz des Wes-
tens zu lösen. Dabei geriet auch er unter
denEinfluss der Muslimbrüder und ihres
Vordenkers Sayyid Qutb, der Zawahiris
Denken prägte.
Mit dem Ziel, einen islamischen Staat
in Ägypten zu gründen, trat Zawahiri in
den siebziger Jahren der neuen Terror-
Gruppe Egyptian Islamic Jihad bei, die
1981 Präsident Anwar al-Sadat ermorde-
te. Zusammen mit 300 anderen Verdäch-
tigen wurde Zawahiri festgenommen
und blieb drei Jahre in Haft, bis er 1985
über Saudi-Arabien nach Pakistan aus-
reiste. Dort half er als Chirurg undzuneh-
mend als Stratege für arabische Kämp-
fer im Krieg gegen die Sowjetunion und
stieg auf bis zum Vertreter Bin Ladens.
Da al-Qaida nach den Anschlägen
vom 11. September 2001 in Afghanistan
undPakistanzunehmendunter Druckge-
riet, verringerte sichder planerische Ein-
fluss von Zawahiri und Bin Laden. Das
letzte Mal, dass sich beide zusammen öf-
fentlich zeigten, war in einem Video, das
der Sender al-Dschasira am 10. Septem-
ber 2003 ausstrahlte. Dabei sah man die
zwei Al-Qaida-Anführer ineiner Bergre-
gion, wie sie die Attentäter des 11. Sep-
tember lobten. Aus diesen Verstecken
diente Bin Laden seinen Anhängern vor
allem als Inspirationsfigur. Zawahiri,
der keine formelle theologische Ausbil-
dung hat, konzentrierte sichauf ideologi-
sche und strategische Führungsaufga-
ben. So wies er etwa 2005 den irakischen
Islamisten Abu Mussab al-Sarkawi an,
auf Enthauptungen zu verzichten, um
nicht die Gunst der Iraker zu verlieren.
Trotz der wachsenden Einschränkun-
genbei ihrer Bewegung undKommunika-
tiongelang es al-Qaida, einNetz aus regi-
onalen Ablegern aufzubauen und so ih-
ren Ruf als Terrorgruppe zu stärken. So
übernahm die irakische Gruppe Mono-
theismus und Dschihad 2004 den Namen
al-Qaida im Irak. Drei Jahre später folg-
te die algerische Vereinigung der Salafis-
tengruppe für Predigt und Kampf. Sie
nannte sich fortan al-Qaida im islami-
schen Maghreb. Schließlich schlossen
sich 2009 jemenitische und saudische Is-
lamisten zur al-Qaida auf der arabischen
Halbinsel zusammen. Aus dieser Regio-
nalisierung ziehen Sicherheitsexperten
unterschiedliche Schlüsse. Leah Farrall,
früherer Terrorspezialist der australi-
schen Bundespolizei sagt: „Berichte,
dass al-Qaida auf demAbstieg ist, behan-
deln die zentrale Organisation von al-
Qaida separat vonihren regionalenAble-
gern und übersehen ihren Erfolg beim
Ausdehnen von Macht und Einfluss.“
Andere verweisen jedoch darauf, dass
al-Qaida seit mehreren Jahren keinen
großen Anschlag mehr verübt hat. Zu-
dem äußerten Terrorexperten in der US-
Regierung amMontag Zweifel, ob es dem
Ägypter Zawahiri gelingen wird, seinen
Einfluss über Islamisten am arabischen
Golf geltend zu machen. Nico Prucha
von der Universität Wien hält diese Fra-
ge jedoch für sekundär: „Nachdem sich
Bin Laden aus der operativen Planung
immer mehr herausgenommen hat, ist es
nicht unbedingt nötig, dass ihmdirekt je-
mandnachfolgt“, sagt er. „Auchals Mär-
tyrer wird Bin Laden seine Rolle bei der
Dschihad-Propaganda behalten.“
Ein Ziel, zwei Wege
Abud al-Sumur kämpfte einst an der Seite von Al-Qaida-Vize Zawahiri, heute hat er der Gewalt abgeschworen
Von Rudol ph Chi mel l i
Paris – Einige Leute in Saudi-Arabien
und am Golf haben wohl erleichtert ver-
nommen, dass die Amerikaner Osama
bin Laden nicht lebend gefangen, son-
dern erschossen haben. Er hätte interes-
sante Dinge erzählen können. Zwar hat
die Regierung des Königreichs den Ver-
femten ausgebürgert, und seine Unter-
nehmerfamilie, eine der wichtigsten des
Landes, hat ihr schwarzes Schaf versto-
ßen. Doch in Saudi-Arabien tun die Rei-
chen mit ihrem Geld, was sie wollen.
Nicht einmal König Abdullah kann die
Finanzen von jedem der vielen tausend
Prinzen kontrollieren. Einen kompletten
Bruchmit Abtrünnigengibt es inorienta-
lischen Großfamilien selten. Die Sympa-
thien für Osama bin Laden sind deshalb
inder Heimat nie völlig versiegt. Wer im-
mer für unterdrückte Muslime sammelt,
erntet viele Spenden und wenig Fragen.
Osama bin Laden hatte ursprünglich
wenig gegen die Amerikaner und gar
nichts gegen die Saudi-Monarchie. Im
Zusammenspiel mit der CIA und mit der
Förderung Riads baute er ein Netz von
Freiwilligen für den Kampf gegen die so-
wjetischen Besatzer Afghanistans auf.
Er richtete Ausbildungslager ein und
fandGeldbei denHerrschern amGolf so-
wie bei reichen Geschäftsleuten. Als Or-
ganisator des Glaubenskrieges war er
überall gern gesehen. Später, als Saudi-
Arabienals einziges LandnebendenVer-
einigten Arabischen Emiraten das Tali-
ban-Regime in Afghanistan anerkannt
hatte, fehlte es nicht an Versuchen der
Monarchie, den verlorenen Sohn zur
Rückkehr zu bewegen.
Für Bin Laden änderte sich die Welt,
als der Iraker Saddam Hussein Kuwait
besetzte. Er bot König Fahd die Mobili-
sierung einer Hilfsarmee seiner islamisti-
schen Internationale gegen Bagdad an.
Weil der König ablehnte und 550 000
amerikanische Soldaten und Soldatin-
nen ins Land rief, wurde Bin Laden zum
Rebellen. Die USAerklärte er zu„Kreuz-
rittern“, inprowestlichenarabischenRe-
gimen sahen er und seine Anhänger seit-
her Abtrünnige vomGlauben, die mit al-
len Mitteln zu bekämpfen sind.
Gleichwohl war Bin Laden noch vor
sieben Jahren laut Umfragen für mehr
als die Hälfte der Saudis ein Held. Fünf
Prozent hätten ihn sogar am liebsten als
Staatschef gesehen. Von den 19 Attentä-
tern des 11. September kamen 15 aus
demSüdwesten Saudi-Arabiens. Erst als
der Terrorismus auch im eigenen Land
Opfer unter unbeteiligten Zivilisten for-
derte, trübte sich das Bild von Bin La-
den. Den Saudis gelang es seither, ihre
Extremisten durch intensive Geheim-
dienstarbeit und drakonische Unterdrü-
ckung zu dezimieren. Auch eine zumTeil
erfolgreiche Umerziehung half dabei.
Ein großer Teil der gefährlichsten
Kämpfer wich jedoch aus Saudi-Arabien
in den benachbarten Jemen aus. Dort
schlossen sie sich mit den einheimischen
Gesinnungsgenossen zu al-Qaida für die
arabische Halbinsel zusammen. Mit Ban-
gensehendie Sicherheitsleute des König-
reichs deshalb den Zusammenbruch der
Herrschaft des jemenitischen Präsiden-
tenAli AbdullahSalih. Er bekämpfte bis-
her mit saudischemGeld und amerikani-
scher Logistik al-Qaida, wurde mit die-
sen Gegnern jedoch nicht fertig.
Den Bin Ladens, die als die reichste
nicht-königliche Familie des Landes gel-
ten, habenOsamas Abwege nicht gescha-
det. Der Clan besitzt eines der größten
Bau-Unternehmen der arabischen Welt
und verdient fünf Milliarden Dollar pro
Jahr. Die „Saudi Binladin Group“ hatte
schon vor Jahrzehnten einen Auftrag
über vier Milliarden Dollar für den Aus-
bau der Moscheen von Mekka und Medi-
na erhalten. ImJahr 2005, nachdemOsa-
ma längst in Ungnade gefallen war, wur-
de die Firma mit dem Bau der King Ab-
dullah Economic City nördlich von
Dschidda betraut. Auftragssumme:
26 Milliarden Dollar.
Mohammed bin Awad bin Laden, der
Vater des Unternehmens und des Osama,
war als Maurer aus dem jemenitischen
Hadramaut nach Saudi-Arabien gekom-
men. Dort fand König Abdel-Asis ibn
Saud Gefallen an ihm, weil er einen Pa-
last mit einer Rampe an der Außenwand
baute, auf der der greise Staatsgründer
bequem sein Schlafgemach im ersten
Stockerreichenkonnte. Osama ist imGe-
gensatz dazu derart in Ungnade gefallen,
dass das Königshaus am Montag sogar
das Angebot der USA ablehnte, Bin La-
den in Saudi-Arabien zu bestatten.
Protest
Montag
dent
Gefährlicher
Stellvertreter
Nach dem Tod des Al-Qaida-Chefs übernimmt wohl
sein Vertrauter Aiman al-Zawahiri die Führung
Vom Freund zum Feind
Die Familie Bin Laden ist eng mit dem Königshaus in Saudi-Arabien verbunden – Osama fiel erst spät in Ungnade
Männer der NewYorker
Feuerwehr freuten sich in
der Nacht zum Montag
mit der jubelnden Menge
amTimes Square über
den Tod des Staatsfeindes
Nummer eins der USA
(oben links). Unter dem
Fahndungsfoto des Terro-
risten auf der FBI-Websei-
te prangt bereits ein „Ver-
storben“. In Pakistan
sicherte die Armee unter-
dessen das Haus in der
Garnisonsstadt Abbotta-
bad, in dem US-Einheiten
Bin Laden aufgespürt
hatten. Sie transportierte
einen von den US-Solda-
ten zurückgelassenen
Hubschrauber ab (rechts
oben). Der US-Fernseh-
sender ABC News zeigte
Bilder aus dem Inneren
des gestürmten Gebäu-
des. Der Terrorist wohnte
in einer für pakistanische
Verhältnisse wohlhaben-
den Gegend.
Fotos: dpa (2), Reuters (3)
Der frühere Terrorist gilt
sogar als möglicher
Präsidentschaftskandidat.
Saudi-Arabien hatte seinen Staatsbürger Osama bin Laden
einst ausgebürgert. Am Montag nahm das Königreich ihn
nicht einmal mehr tot zurück. Die USA hatten Riad die Leiche
übergeben wollen. Der Terroristenführer ist tot, doch sein
Netzwerk lebt weiter: Schon kurz nachdem Amerika den Tod
gemeldet hatte, waren im Internet neue Anschlagsdrohungen
radikaler Islamisten zu lesen. Ein Nachfolger hat sich bereits
in Stellung gebracht: Aiman al-Zawahiri, der sein Heimatland
Ägypten auch schon lange verlassen hat. Einst wollte al-Qai-
da Diktatoren wie den Ägypter Mubarak beseitigen. Aber in
der arabischen Welt sind autoritäre Regime nun ganz ohne
Hilfe der Radikalen gefallen – und statt eines Al-Qaida-Kali-
fats wünschen sich die Menschen Demokratie.
Seite 6/7 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2
POLITIK
Somalia, Kismayo
Al-Shabab
Irak
Filiale AQI,
gegründet 2004
Pakistan,
Lahore
Lashkar-
e-Taiba
Arabische
Halbinsel
Filiale AQAP,
gegründet 2009
Islamischer
Maghreb
Filiale AQIM,
gegründet 2007
Pakistan,
Quetta
Afghanische
Taliban
SZ-Graphik;
Quelle: eigene Recherche
Zentrale Aiman al-Zawahiri
mutmaßlicher neuer
Al-Qaida-Chef
Kooperationspartner
Afghanische
Taliban
Pakistanische
Taliban
Haqqani-
Netzwerk
Al-Shabab
Isl. Bewegung
Usbekistan
Lashkar-
e-Taiba
Al-Qaida
im
islamischen
Maghreb
(AQIM)
Al-Qaida
auf der
arabischen
Halbinsel
(AQAP)
Al-Qaida
im Irak
(AQI)
Al-Qaida und ihre Kooperationspartner
Pakistan,
Nord-Wasiristan
Al-Qaida-Zentrale
Pakistanische Taliban
Haqqani-Netzwerk
Islamische Bewegung
Usbekistan
Zuletzt waren die beiden
2003 in einem Video vor
bergiger Kulisse aufgetreten.
Von Ni co Fri ed
Berlin –Die Kanzlerin wählte unmissver-
ständliche Worte. „Ich freue mich, dass es
gelungen ist, Osama bin Laden zu töten“,
sagte AngelaMerkel amMontaginBerlin.
Er habe einen „Keil des Hasses“ in die
Menschheit treiben wollen. Deshalb sei es
„schlicht eine gute Nachricht“, dass Bin
Ladennun keinenTerror mehr in Auftrag
geben könne, erklärte die Kanzlerin. Bin
Laden sei die Symbolfigur des internatio-
nalen Terrorismus gewesen, der nur zer-
störe und kein Leben achte.
Osama bin Laden hat auch Deutsch-
land verändert. Elf Jahre nach der Ein-
heit markierte der 11. September 2001 ei-
ne neue Zeitrechnung, die alle Bundesre-
gierungenseither vor neue Aufgabenstell-
te – vor allem, aber nicht nur in der inter-
nationalen Politik. Was der damalige
Kanzler GerhardSchröder „die Enttabui-
sierung des Militärischen“ nannte, führte
Deutschland in den Krieg in Afghanistan,
dessen Ende fast zehn Jahre später noch
nicht abzusehenist, auchwenndie derzei-
tige schwarz-gelbe Regierung die Hoff-
nung nährt, dass die deutschen Soldaten
bald mit demRückzug beginnen können.
AmAbend des 11. September 2001 hat-
te Schröder den USA die „uneinge-
schränkte Solidarität“ Deutschlands zu-
gesichert. Es war diese Formel, die für
Deutschland auch die Beteiligung am
Krieg in Afghanistan bedeutete. Die Nato
löste nochamselben Abend den Bündnis-
fall nach Artikel 5 aus, was die Terroran-
schläge als Angriff auf Amerika qualifi-
zierteunddie Beistandspflicht imtransat-
lantischen Bündnis mit sich brachte.
Nachdemsichschonbaldherausstellte,
dass mehrere der Attentäter des 11. Sep-
tember in Hamburg gelebt, studiert und
den Anschlag geplant hatten, stand die
rot-grüne Bundesregierung imVerhältnis
zu Washington unter zusätzlichem
Druck. Andererseits regte sich bei SPD
undGrünenWiderstandgegeneine Betei-
ligung der Bundeswehr. Schröder ver-
band am 16. November 2001 die Abstim-
mung über die Entsendung deutscher
Truppen im Rahmen der von den Verein-
ten Nationen mandatierten Operation
EnduringFreedommit der Vertrauensfra-
ge imBundestag – und setzte sich durch.
Deutsche Soldaten wirkten im Kampf
gegen den Terrorismus auf Schiffen am
HornvonAfrikamit, die Bundeswehr ent-
sandte Fuchs-Spürpanzer nach Kuwait
und das Kommando Spezialkräfte (KSK)
für den Einsatz direkt in Afghanistan. An
welchen Aktionen das KSKbeteiligt war,
bleibt geheim, die – lange Zeit vergebliche
– Suche nach Osama bin Laden aber erle-
digten wohl vor allem US-Spezialeinhei-
ten. Das eigentliche deutsche Engage-
ment in Afghanistan begann mit der Ent-
sendung von Bundeswehr-Soldaten im
Zuge des Isaf-Mandates im Dezember
2001. Die internationale Schutztruppe be-
müht sichumdenWiederaufbauinAfgha-
nistan. Derzeit sind mehr als 4000 deut-
sche Soldaten in Afghanistan stationiert.
Deutschland beteiligt sich außerdem seit
2001 am Aufbau der afghanischen Poli-
zei. Außenminister Guido Westerwelle
verteidigte amMontagdas deutsche Enga-
gement nicht mit der Jagd auf Bin Laden,
sonderndamit, neue BinLadens zuverhin-
dern: „Wir sind nicht in Afghanistan ge-
wesen, umeinenMannzubekämpfen, son-
dernwir sindinAfghanistan, weil wir ver-
hindern wollen, dass Afghanistan wieder
ein Rückzugsgebiet für den Terrorismus
auf der ganzen Welt wird.“
Der 11. September und der Al-Qaida-
Terror stellte die deutsche Außenpolitik
vor neue Herausforderungen, veränderte
aber auch die Sicherheitslage und ihre
Wahrnehmung im Land. Deutschland
undseine Bürger lebenseit zehnJahrenin
einem neuen Bewusstsein, potentielles
Ziel des internationalen Terrorismus zu
sein. Deutsche Urlauber starbenbeimAn-
schlag auf eine Synagoge auf Djerba,
Deutschlandselbst aber bliebbislangver-
schont. Allerdings wurden mehrere An-
schlagsplanungenaufgedeckt undTerror-
aktionen vereitelt, zuletzt am Freitag mit
der Festnahme dreier Verdächtiger.
Die rot-grüne Regierung antwortete
2001 mit einem Paket von Sicherheits-
gesetzen, die zum Teil wegen möglicher
Eingriffe in die Bürgerrechte heftig um-
stritten waren. Der Tod Osama bin La-
dens und die resultierende Einschätzung
der Sicherheitslage wird Einfluss haben
auf die aktuelle Debatte in der schwarz-
gelben Koalition über die Verlängerung
der Gesetze. Rot-Grün hatte sie auf zehn
Jahre befristet.
Innenminister Hans-Peter Friedrich
(CSU) ringt derzeit mit Justizministerin
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
(FDP) darum, welche der Regelungenver-
längert werden sollen. Vor der Abreise zu
seinem Antrittsbesuch in den USA sagte
er amMontag, die Verlängerungsei „ange-
sichts der unverändert hohenBedrohungs-
lage nötig“, allerdings wolle er nicht pau-
schal alle Regelungen beibehalten.
Regierungssprecher Steffen Seibert ist
nicht der Einzige, dem dies passiert ist,
obwohl es ihm vermutlich ganz beson-
ders peinlich war. Nach der Nachricht
vom Tod des Terroristenführers ver-
schrieb sich der Chef des Bundespresse-
amts am Montagmorgen beim schnellen
Twittern. Auf einmal stand da im Netz:
„#Kanzlerin: Obama verantwortlich für
Tod tausender Unschuldiger, hat Grund-
werte des Islam und aller Religionen ver-
höhnt“. Als er den Fehler bemerkte, korri-
gierte sich der Sprecher, löschte die Mit-
teilung. Das Internet aber hat keinen Ra-
diergummi – der Tweet mit dem Tippfeh-
ler machte imNetz in Windeseile die Run-
de, wurde von zahllosen Nutzern des
Kurzmitteilungsdienstes weitergetragen.
„Oha, Herr @RegSprecher – das dürfte
der „erfolgreichste“ Tweet bisher wer-
den“, feixte ein Twitterer. Andere waren
sensibler und meinten, so ein Fehler kön-
ne doch jedem mal passieren. Tatsäch-
lich war Seibert in der Aufregung nur ei-
ner von vielen, die die Namen Osama
und Obama verwechselten. Auch im
Nachrichtenradiosender B5 aktuell be-
gann ein ARD-Terrorexperte seine Ein-
schätzung mit dem Versprecher. Sogar
einem US-Fernsehsender unterlief der
Patzer: Fox News blendete die Zeile ein:
„Obama bin Laden is dead.“ Auch da-
nach machten sich Internetnutzer lustig
über den „biggest mistake possible“,
den größtmöglichen Fehler. dpa, SZ
„Schlicht eine gute Nachricht“
Bin Ladens Terror hat die Bundesrepublik verändert – und auch sein Tod beeinflusst die deutsche Sicherheitspolitik
Washington – Lange währte die unge-
trübte Freude nicht. Noch ehe die Nach-
richt über die gelungene Kommandoakti-
on gegen Al-Qaida-Chef Osama bin La-
deninder Nacht zumMontagbekannt ge-
worden war, begannen US-Behörden,
die Sicherheitsvorkehrungen zu erhö-
hen. Offenkundig fürchten sie Rache-
akte. Das Heimatschutzministerium
warnte vor Vergeltungsaktionen in den
USA, und das US-Außenministerium
riet von Reisen in die arabische Welt ab:
„Angesichts der Unsicherheit und Un-
beständigkeit der Situation wird US-
Bürgern in Regionen, in denen die jüngs-
ten Ereignisse anti-amerikanische Ge-
walt verursachen könnten, dringend ge-
raten, ihre Reisen außerhalb ihrer Wohn-
stätten oder Hotels zu beschränken“,
heißt es in einer offiziellen Reisewar-
nung. Die US-Botschaft inder pakistani-
schen Hauptstadt Islamabad sowie die
Konsulate in Lahore, Karatschi und Pe-
schawar wurden bis auf weiteres ge-
schlossen. Das Heimatschutzministeri-
umsprach von „erhöhter Wachsamkeit“.
Konkrete Drohungen oder Hinweise
auf Terrorakte gibt es aber offenbar
nicht. InWashingtonwurdendie sichtba-
renSicherheitsvorkehrungendemonstra-
tiv erhöht. Vor demKapitol gingen mehr
Polizistenauf Streife. AuchindenMetro-
Stationen der Hauptstadt waren mehr
Streifen zu sehen. Erst kürzlich war ein
Anschlagauf Washingtoner U-Bahnstati-
onen vereitelt worden. Allerdings dürf-
ten die Streifen mehr ein Zeichen für die
Öffentlichkeit sein, dass die Behörden
die Gefahr ernst nehmen, als dass sie
wirklich Terroristen abschrecken wür-
den. Auch in New York waren am Mon-
tagdeutlichmehr Polizistenauf denStra-
ßen, in U-Bahnstationen und den großen
Flughäfen der Region zu sehen als ohne-
hin. Polizeichef Raymond Kelly wies
aber darauf hin, dass es keine Erkenntnis-
se über drohende Anschläge gebe.
Auch die Site Intelligence Group, die
islamistische WebseitenimInternet über-
wacht, erklärte, dass es bisher nur vage
Drohungen gegen die USA gebe. Aller-
dings hatten Äußerungen des Guantana-
mo-Häftlings Abu al-Libi bei manchen
Stirnrunzeln hervorgerufen, die in der
vergangenenWoche inden Pentagon-Do-
kumenten zu finden waren, die Wikile-
aks veröffentlicht hatte. Darin prahlte
er, dass al-Qaida im Besitz einer Bombe
mit Nuklearmaterial sei – unddass sie ge-
zündet werden könnte, wenn Bin Laden
getötet werden würde.
Westliche Behörden und Sicherheits-
experten warnten, dass al-Qaida nach
dem Tod Bin Ladens weiterleben werde.
Dass Bin Laden getötet worden sei, heiße
nicht, dass nun die Organisationen ver-
schwänden, „die al-Qaida angegliedert
oder davon inspiriert sind“, erklärte In-
terpol-Chef Ronald Noble in Lyon. Die
Polizeibehördeninden188 Mitgliedstaa-
ten von Interpol seien in höchster Alarm-
bereitschaft. Experten vermuten aber,
dass sich mit dem Tod Bin Ladens die
Aufspaltung vonal-Qaida beschleunigen
wird. Das Netzwerk habe jetzt ein „Zen-
trum“ in Pakistan, imIrak einen auf An-
griffe gegen Schiitenausgerichteten sun-
nitischen Zweig und einen jemenitisch
dominierten Ableger auf der arabischen
Halbinsel, sagte Jean-Pierre Filiu, Profes-
sor an der Pariser Politik-Schule Scien-
ces Po undAutor eines Buchs über al-Qai-
da. Die Gruppe al-Qaida im islamischen
Maghreb (Aqmi) wiederum habe sich
zwar mit ihren Beziehungen zu demSau-
di-Araber Bin Laden gebrüstet, sei aber
schonzudessenLebenszeitenals größten-
teils eigenständige Organisation gesehen
worden. Die bisherige Nummer zwei von
al-Qaida, der Ägypter Aiman al-Zawahi-
ri, werde nicht in der Lage sein, seinen
Willen in ähnlicher Weise in demTerror-
netzwerkdurchzusetzen, wie dies BinLa-
den gelungen sei, sagt Filiu voraus.
Im Internet waren schon am Montag
Drohungen radikaler Islamisten zu le-
sen. Ein Ideologe der al-Qaida kündigte
Vergeltung an. Der Kommentator, der
sich im Netz „Assad al-Jihad2“ nennt,
veröffentlichte auf extremistischenWeb-
seiten einen langen Nachruf auf Bin La-
den und versprach, „die Tötung des
Scheichs des Islams zu rächen“. Jeder,
der glaube, dass der Dschihad beendet
sei, müsse nur „ein bisschen warten“. In
Indonesien drohte der radikalislamische
Prediger Abu Bakar Baschir den USA
mit Vergeltung. Bin Laden sei ein großer
geistiger Führer und ein großer Gottes-
krieger gewesen, erklärte Baschir. Die in-
donesischen Sicherheitskräfte sind in
höchster Alarmbereitschaft.
Auch die radikalislamischen Taliban
drohten mit Anschlägen in Pakistan und
denUSA. Erste konkrete Reaktion könn-
te ein Anschlag impakistanischen Char-
sadda gewesen sein, bei dem am Montag
vier Menschen getötet wurden. Der Ort
liegt etwa 50 Kilometer von Abbottabad
entfernt, wo Bin Laden am Sonntag er-
schossen wurde. rkl, SZ
Protest gegen die US-Militäraktion: In Pakistan gingen Anhänger islamistischer Parteien am
Montag auf die Straße, umdie Tötung Bin Ladens zuverurteilen (unten). Zuvor hatte US-Präsi-
dent Barack Obama im Weißen Haus den Tod des Terroristen verkündet. Fotos: dpa
Obama, äh, Osama
Bin Laden ist tot,
al-Qaida lebt weiter
Die US-Regierung und westliche Experten warnen
vor Vergeltungsschlägen militanter Islamisten
„Wir sind nicht
in Afghanistan gewesen,
um einen Mann zu bekämpfen.“
Dienstag, 3. Mai 2011
POLITIK
26.2.1993
Sprengstoffanschlag
auf das World Trade
Center in New York
6
Datum
Art und Ort
des Anschlags
Tote
25.6.1996
Sprengstoffanschlag
US-Stützpunkt in El
Chobar, Saudi-Arabien
19
7.8.1998
Doppelanschlag auf
US-Botschaften in
Nairobi und Daressalam
224
12.10.2000
Angriff auf das
US-Kriegsschiff
USS Cole im Jemen
17
16.5.2003
Anschlagsserie in
Casablanca, Marokko
45
15. + 20.11.2003
Anschlagsserie in
Istanbul, Türkei
62
11.3.2004
Anschläge auf vier
Pendlerzüge in Madrid
191
7.7.2005
Anschlagsserie in
U-Bahnen und Bussen
in London
52
24.11.2010
Selbstmordanschlag
im Norden des Jemen
23
20.9.2008
Selbstmordanschlag
auf das Marriott-Hotel
in Islamabad, Pakistan
60
11.12.2007
Zwei Anschläge
in Algier
41
24.4.2006
Dreifach-Anschlag
im Urlaubsort Dahab,
Ägypten
20
23.7.2005
Anschlagsserie in
Scharm el-Scheich,
Ägypten
68
11.9.2001
Anschläge auf das
World Trade Center
und das Pentagon
3000
11.4.2002
Anschlag auf
Synagoge auf
Dscherba, Tunesien
21
12.5.2003
Serienanschlag auf
Wohngebiete in Riad,
Saudi-Arabien
35
28.11.2002
Selbstmordanschlag
auf ein Hotel in
Mombasa, Kenia
18
12.10.2002
Doppelanschlag auf
zwei Nachtclubs
auf Bali, Indonesien
202
Terroranschläge der al-Qaida
SZ-Graphik: Hanna Eiden; Quelle: AFP, SZ
Verübt
von al-Qaida
Verbindung
zu al-Qaida
In New York und Washington
waren deutlich mehr
Polizisten auf den Straßen.
Jerusalem – Mosche Landau, vor 50 Jah-
ren Vorsitzender Richter im Prozess ge-
gen den NS-Kriegsverbrecher Adolf
Eichmann, ist tot. Der frühere Präsident
von Israels Oberstem Gericht starb am
Sonntag in Jerusalem an Herzversagen,
wie israelische Medien berichteten. Erst
am Freitag hatte Landau seinen 99. Ge-
burtstag gefeiert. Er wurde am 29. April
1912 in Danzig geboren und kam 1933
nach Israel. Von 1953 bis 1982 war er am
OberstenGerichtshof tätig und hatte den
Vorsitz einer der wichtigsten Verfahren
inder Geschichte Israels: Nach 275 Stun-
den Verhör verkündete Landau am
11. Dezember 1961 das Urteil gegen
Adolf Eichmann: Tod durch den Strang.
Es war das einzige Todesurteil, das je in
Israel vollstreckt wurde. Von 1962 bis
1970 war LandauVorsitzender des unab-
hängigen Komitees der Gedenkstätte
Jad Vaschem. Landau starb am Vor-
abend des Holocaust-Gedenktages, der
in Israel am 2. Mai begangen wird. KNA
Von Peter Münch
Tel Aviv – Die ersten Gäste sind schon
da, zum Fest der Versöhnung werden in
Kairo die Tische gedeckt: Am Mittwoch
wollen die Hamas und die Fatah den pa-
lästinensischen Bruderkampf beenden.
Die Araber jubeln, die Israelis drohen –
und die Weltgemeinschaft zeigt sich ver-
wirrt. Denn bislang ist höchstens in Um-
rissen zu erkennen, wie der mit Aplomb
angekündigte Versöhnungsvertrag die
nahöstliche Wirklichkeit verändern
kann.
Klar sind zunächst einmal nur die Mo-
tive der beiden palästinensischen Partei-
en. Nach fast vierjähriger Fehde stehen
sowohl die im Westjordanland regieren-
de Fatah als auch die im Gaza-Streifen
herrschende Hamas unter großem
Druck, das Schisma zu beenden. Die Fa-
tah, für die Präsident Machmud Abbas in
Kairo das Abkommen unterzeichnen
will, verspricht sich davon Rückenwind
für die Anerkennung des Palästinenser-
staats, die im September bei den Verein-
ten Nationen beantragt werden soll. Die
Hamas auf der anderen Seite, für die der
in Damaskus residierende Exilführer
Khaled Meschal unterschreiben will,
hofft zum einen auf eine Verbesserung
der Lebensbedingungen im Gaza-Strei-
fen, weil die Bevölkerung angesichts der
israelischen Blockade zunehmend unru-
hig wird. Zum anderen will die im Wes-
ten als Terrorgruppe eingestufte Organi-
sation ihre Anerkennung als politischer
Akteur erzwingen. Doch diese – unter-
schiedlichen – Motive lassen noch nicht
erkennen, wie die Fatah und die Hamas
künftig gemeinsam handeln wollen.
Vereinbart ist bislang, dass nach dem
Versöhnungsabkommen binnen eines
Jahres Wahlen abgehalten werden. Bis
dahin soll eine Übergangsregierung aus
unabhängigen Fachleuten gebildet wer-
den. Hier aber zeichnet sichschonder ers-
te Streit ab. International hat sichder am-
tierende Premier SalamFajadaus Ramal-
lah einen hervorragenden Ruf erarbeitet,
er gilt als Garant der westlichen Unter-
stützung. Der Hamas aber ist er schwer
vermittelbar. Einer ihrer Anführer,
Machmud Sahar, forderte bereits, dass
der Premier der Übergangsregierung aus
dem Gaza-Streifen kommen müsse, um
die Balance zu wahren zum Präsidenten
Abbas aus dem Westjordanland.
Völlig imUnklaren bleibt zudemnoch,
wie die Übergangsregierung einenpoliti-
schen Konsens finden will. Wie weit die
Lager auseinanderliegen, zeigte sich be-
sonders krass in den Reaktionen auf den
Tod des Ober-Terroristen Osama bin La-
den. Während die Autonomiebehörde in
Ramallah den US-Einsatz begrüßte, hul-
digten Hamas-Vertreter bin Laden als
„heiligem Krieger der arabischen Welt“.
Ebenso groß sind die Differenzen, wenn
es um Israel geht. Während die Fatah
sichweiter offenzeigt für einFriedensab-
kommen, lassenHamas-Führer keine Ge-
legenheit aus, ihre bittere Feindschaft
zum jüdischen Staat zu betonen.
Damit aber provozieren sie förmlich
die internationale Ablehnungeiner Über-
gangsregierung. Denn für die Anerken-
nung hatte das Nahost-Quartett aus UN,
EU, USAund Russland schon vor Jahren
klare Bedingungen formuliert. Demnach
muss die Hamas der Gewalt abschwören,
Israels Existenzrecht anerkennenundge-
schlossene Verträge respektieren. Diese
Bedingungen stellen allerdings auch die
internationale Gemeinschaft selbst vor
ein Dilemma. Denn einerseits sehnt sie
ein Ende des inner-palästinensischen
Streits herbei, weil sonst alle Friedensbe-
mühungen keinen Sinn haben. Anderer-
seits aber beharrt der Westen darauf, die
Hamas zu isolieren – und das schließt
auch die Drohung ein, die Finanzhilfe
für die Palästinenser einzustellen, wenn
die Hamas an der Regierung beteiligt ist.
Um Zeit zu gewinnen, wollen die USA
und die Europäer die Entwicklung zu-
nächst abzuwarten. Vorgeprescht ist da-
gegen bereits die israelische Regierung,
die alles daransetzt, eine palästinensi-
sche Einigung zu torpedieren. Finanzmi-
nister Juwal Steinitz hat bereits die Aus-
zahlung von Zoll- und Steuereinnahmen
an die Autonomiebehörde gestoppt.
Umzuretten, was zurettenist, hat Prä-
sident Abbas nun versichert, dass in je-
demFall auchkünftig er alleinfür die ge-
nerelle politische Linie sowie für die Frie-
densverhandlungen mit Israel verant-
wortlich zeichnet. Doch genau darüber
wird wohl noch mit der Hamas zu reden
sein. „Nach der Vertragsunterzeichnung
werden wir über die praktische Umset-
zung reden“, hieß es aus der Delegation
vonKhaled Meschal in Kairo. Die Unter-
zeichnung des Abkommens dürfte vor
diesem Hintergrund also nicht der Ab-
schluss, sonderneher der Beginn des Ver-
söhnungsprozesses sein. Und sehr
schnell könnte dies auch der Beginn neu-
er Streitigkeiten sein. (Seite 4)
Von Stefan Ul ri ch
Paris – Französischer Innen-, Außen-
und Premierminister war er schon. Nun
fehlt Dominique de Villepin in seiner po-
litischen Karriere noch das Präsidenten-
amt. Deswegen hat er vergangenen Juni
eine Partei namens „Solidarische Repu-
blik“ gegründet, die „alle Menschen gu-
ten Willens“ sammeln soll. Im Februar
ist er zudemaus der konservativen UMP-
Partei des derzeitigen Staatschefs Nico-
las Sarkozy ausgetreten. Mitte April stell-
te er das Parteiprogramm der Solidari-
schen Republik vor, samt der populären
Forderung eines staatlich garantierten
Mindesteinkommens von850 Euro für al-
le Bürger über 18 Jahren.
Jetzt würde Villepin eigentlich gerne
seine Kandidatur für die Präsident-
schaftswahl 2012 verkünden. Doch vor-
her muss er nochdieses Hindernis ausräu-
men, das ihn seit Jahren hemmt und är-
gert: den Clearstream-Fall.
Am Montag begann vor einem Pariser
Gericht der Berufungsprozess um die
selbst für französische Verhältnisse ver-
worrene Affäre. Die Staatsanwaltschaft
wirft dabei Villepin sowie dem früheren
Vize-Präsidenten des EADS-Konzerns
Jean-Louis Gergorin und dem ehemali-
gen EADS-Informatiker Imad Lahoud
vor, sie hätten im Jahr 2004 gefälschte
Kontenlistendes Luxemburger Finanzin-
stituts Clearstreamder Justiz zugespielt.
Auf die Listen seien die Namen Sarkozys
sowie Dutzender anderer Politiker und
Wirtschaftsführer gesetzt worden, um
sie in den Verdacht zubringen, Schwarz-
geld aus Rüstungsgeschäften imAusland
gebunkert zu haben.
Motiv des damaligen Ministers Ville-
pin soll es gewesen sein, seinen parteiin-
ternenRivalenSarkozy amweiterenAuf-
stieg zu hindern. Die beiden ehrgeizigen
Männer waren im Gefolge des Präsiden-
ten Jacques Chirac aufgestiegen und
wolltenihn beide beerben. Ihr Verhältnis
war vongegenseitigemHass undFaszina-
tion gleichermaßen bestimmt. Doch ging
der Machtkampf soweit, dass Villepin
zur Verleumdung schritt?
Nein, befanden die Richter erster In-
stanz inihremUrteil vomJanuar vergan-
genen Jahres. Zugunsten Villepins müsse
davon ausgegangen werden, dass er die
Kontenlisten für echt gehalten habe. La-
houd und Gergorin wurden dagegen zu
Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt.
Der Informatiker hat die Listen nach
Überzeugung der Richter persönlich ge-
fälscht. Der EADS-Vizechef spielte sie
dann als Mastermind des ganzen Kom-
plotts den Geheimdiensten, der Regie-
rung und der Justiz zu.
Der Freispruch Villepins wurde in Pa-
ris als Niederlage von Präsident Sarkozy
gewertet. Er hatte einst angekündigt, er
werde den „Dreckskerl“ erwischen, der
die Clearstream-Manipulation angezet-
telt habe. „Der endet am Fleischerha-
ken.“ Gemeint war eindeutig Villepin.
Dieser revanchierte sich, indem er zum
Prozessauftakt erster Instanz sagte: „Ich
stehe hier, wegen der Verbissenheit eines
Mannes, Nicolas Sarkozy (. . .) Mein
Kampf ist der Kampf aller, die Opfer von
Machtmissbrauch wurden.“
Sarkozy war im Ausgangsprozess als
Nebenkläger aufgetreten, was seiner Rol-
le als Staatspräsident kaum angemessen
war. Nach demFreispruch Villepins ver-
zichtete er auf eine Berufung. Dagegen
focht die Staatsanwaltschaft den Frei-
spruch an. Sie ist dem Justizministerium
unterstellt und damit wiederum indirekt
vom Präsidenten abhängig. Villepin sag-
te daher jetzt vieldeutig: „Jeder kennt
die Verbindungenzwischender Staatsan-
waltschaft und der politischen Macht.“
Der elegante Ex-Premier mit dem Sil-
berhaar – ein Mann mit großen Fähigkei-
ten, aber auch von imposanter Eitelkeit –
setzt nundarauf, dass seinFreispruchbe-
stätigt wird. Danach will er sich unbe-
schwert in den Präsidentschaftswahl-
kampf stürzen. In Umfragen liegt er der-
zeit zwar lediglich bei etwa fünf Prozent;
aber das könnte schonreichen, umSarko-
zy wahlentscheidende Stimmen des bür-
gerlichenLagers wegzunehmen. Anderer-
seits ist auch nicht auszuschließen, dass
sich die beiden verfeindeten Ex-Partei-
freunde doch noch pragmatisch einigen.
In jüngster Zeit haben sie sich zwei Mal
getroffen. Vielleicht wird Villepin ja
nochzugunstenSarkozys auf eine Kandi-
datur verzichten – unddafür imKabinett
statt am Fleischerhaken landen.
Teheran – Iran will die Gespräche über
die Zukunft seines Atomprogramms wie-
der aufnehmen. Dies berichtete Irans
staatlicher Fernsehsender Press TV am
Montag auf seiner Internetseite. Dem-
nach sagte Irans Außenminister Ali Ak-
bar Salehi, eine entsprechende Anfrage
sei bei der EU-AußenbeauftragtenCathe-
rine Ashton eingegangen. Die EU leitet
die Gespräche auf der Seite der sogenann-
ten 5+1-Gruppe. Dazu gehören die fünf
Vetomächte imUN-Sicherheitsrat: USA,
Russland, China, Frankreich und Groß-
britannien sowie Deutschland. Zeit-
punkt und Ort eines neuen Treffens ste-
hen laut Salehi noch nicht fest. dpa
Budapest – Die von der Bundesregierung
angestrebte Energiewende stößt in der
Europäischen Union auf Skepsis. EU-
Energiekommissar Günther Oettinger er-
warte zügig ein „klares Bekenntnis zum
Ausbau der Netze“, verlautete aus sei-
nemUmfeld am Montag in Budapest, wo
sichdie 27 europäischen Energieminister
zu Beratungen über den künftigen Ener-
giemix in Europa trafen. Die Bundes-
regierung müsse sich sowohl zum Aus-
bau nationaler als auch großer europäi-
scher Netze sowie nötiger Technologien
bekennen. „Wir brauchenverbindliche fi-
nanzielle Zusagen“, hieß es.
Wenn die Bundesregierung schneller
als geplant aus der Atomenergie ausstei-
gen wolle, müsse sie „ein klares Kon-
zept“ vorlegen, aus welchen Quellen die
Elektrizität für deutsche Haushalte und
Unternehmen künftig kommen werde –
und was es die Verbraucher koste, wenn
die Energieversorgung umgebaut werde.
Das betreffe auchdie europäischenNach-
barn. Es reiche nicht aus zu sagen, man
wolle keine Atomkraft mehr und dafür
viel mehr erneuerbare Energie. Es könne
auch passieren, dass Deutschland künf-
tigmehr Stromeinführenmüsse, was bei-
spielsweise neue Leitungen erfordere.
Um Vertrauen zu schaffen, müssten jetzt
Zahlen und Fakten auf den Tisch.
Daran arbeitet auch Günther Oettin-
ger. Er will Ende November einen ent-
sprechenden Plan für Europa, die „Ener-
gie Roadmap 2050“ vorstellen und darin
mittels mehrerer Szenarien beschreiben,
mit welchem europäischen Energiemix
und zu welchen Kosten das bereits be-
schlossene Klima-Ziel der Europäer für
2050 erreicht werdenkann. Bis dahinsol-
len die klimaschädlichen Emissionen eu-
ropaweit um 80 bis 95 Prozent im Ver-
gleich zu 1990 sinken. Das sei nur durch
„eine Revolution in der Energieversor-
gung“ erreichbar, schreibt Oettinger in
einem Entwurf, welcher der Süddeut-
schen Zeitung vorliegt. Würde die EU so
weitermachen wie bisher, würden die
Emissionen lediglich um 40 Prozent im
Vergleich zu mJahr 1990 sinken. „In den
nächstenJahrzehntenwirdeinengewalti-
ge Umstrukturierung geben“, prophezeit
Oettinger.
Mit seinem Plan betritt der deutsche
Kommissar politisches Neuland. Die EU-
Verträge sehen nämlich vor, dass allein
die nationalen Regierungen der 27 Län-
der für ihren Energiemix zuständig sind.
Es bleibt ihnen überlassen, ob sie ihren
Anteil an den europäischen Klima-Zie-
len mit erneuerbaren Energien oder mit
Atomkraft erfüllen. Oettinger sieht sich
dennoch in der Pflicht, langfristige Sze-
narien zu beschreiben, um potenziellen
Investoren Planungssicherheit zu geben.
Zudem müssten sich die europäischen
Länder besser als bisher abstimmen.
Die 27 Länder streiten darüber, wie
groß der Anteil der erneuerbaren Ener-
gien bis 2005 werden soll. Umstritten ist
auch, ob und wie diese noch gefördert
werden. Oettinger will grünen Strom
„dort produzieren, wo er am billigsten
ist“. Er plant einen gemeinsamen euro-
päischen Markt für erneuerbare Ener-
gienmit einemeinheitlichenVergütungs-
system. Die Ressourcenmüssten effizient
genutzt werden, fordert er inseinemEnt-
wurf. Erneuerbare Energien müssten
dort ausgebaut werden, „wo es den meis-
tenSinnmacht“. Das bedeute, dass Solar-
energie aus Spanien komme und Wind
aus Dänemark, hieß es in seinemUmfeld.
Der deutsche Ausstieg aus der Kernener-
gie findet kaum Nachahmer in Europa.
LediglichItalienstellte Pläne zumBauei-
nes Atommeilers zurück. Großbritanni-
en, Polen, Finnland, Schweden und
Frankreich wollen die Atomkraft weiter
ausbauen. Cerstin Gammelin
Tripolis – In Tripolis ist am Montag nach
Angaben staatlicher Medien der jüngste
Sohn des libyschen Machthabers Muam-
mar al-Gaddafi, Saif al-Arab, beigesetzt
worden. Das Begräbnis auf demAl-Hani-
Friedhof wurde im staatlichen Fernse-
hen übertragen. Muammar al-Gaddafi
stand nicht am Grab seines Sohnes, der
nach Angaben der libyschen Regierung
am Wochenende durch einen Nato-Luft-
angriff ums Lebengekommenwar. Anwe-
send waren dagegen Gaddafis Söhne
Saif al-Islam und Mohammed. Libyens
Regierung hat indes die Angriffe auf aus-
ländische VertretungeninTripolis bedau-
ert. Vizeaußenminister Chaled Kaim
sprach von einem „bedauerlichen Vor-
fall“. Er versicherte, Libyen werde die
Reparaturarbeiten übernehmen. AFP
Tokio – Japans Parlament hat am Mon-
tag einenNachtragshaushalt verabschie-
det, mit dem die Wiederaufbauarbeiten
nach dem verheerenden Tsunami finan-
ziert werden sollen. Der Haushalt, der
Ausgaben in Höhe von umgerechnet 33
Milliarden Euro vorsieht, trat umgehend
in Kraft. Mit dem Geld sollen neue Häu-
ser für mehr als 100 000 Menschen ge-
baut und Schutt und Trümmer geräumt
werden. Währenddie Retter amhavarier-
ten Kraftwerk Fukushima 1 arbeiten,
meldeten die Behörden amMontag einen
Zwischenfall in einem weiteren Atom-
meiler. Diesmal wirdinder Präfektur Fu-
kui an der Westküste ein radioaktiver
Störfall im Atomkraftwerk Tsuruga 2
vermutet. Betroffen sind demnach die
Brennstäbe. Bislang ist die Schwere des
Vorfalls unklar. Der Meiler soll herunter-
gefahren werden, um den Fall weiter zu
untersuchen. Bereits vor dem Erdbeben
am11. März gabes aus der RegionBerich-
te über Probleme mit Atommeilern. In
der Präfektur sind insgesamt 13 Atom-
kraftwerke in Betrieb. dapd, dpa
Von Kl aus Bri l l
und Cersti n Gammel i n
Bratislava/Budapest – Der permanente
Rettungsfonds, den die Euro-Länder für
verschuldete Partner inhöchster Not pla-
nen, gerät immer mehr inBedrängnis. Ge-
fahr droht nicht nur aus Finnland, wo
die Euro-kritische Partei der Wahren
Finnen die Zustimmung des Landes blo-
ckierenwill, sondernauchaus der Slowa-
kei. Dort will die neoliberale Partei SaS,
die an der Regierung beteiligt ist, nach
den Worten ihres Vorsitzenden Richard
Sulik den neuen Rettungsfonds ableh-
nen. Aufgrund der politischen Konstella-
tionkönnte dies auf einNeindes slowaki-
schen Parlaments hinauslaufen. Damit
würde das gesamte Projekts scheitern.
Der permanente Euro-Rettungsschirm,
der den jetzigen ab 2013 ablösen soll,
muss von den 17 Euro-Ländern einstim-
mig beschlossen werden.
Sulik erklärte in Bratislava, die Füh-
rungsgremien seiner Partei hätten sich
nach erneuten Beratungen „definitiv"
auf ein Nein festgelegt. Dies sei „unser
letztes Wort“. Ihmliege daran, dies mög-
lichst früh bekanntzugeben. Was die Re-
gierungen der Euro-Länder planten, sei
„ein sehr verantwortungsloses Umgehen
mit den Steuergeldern in den reicheren
Ländern“. Die Banken, bei denendie Kri-
senländer verschuldet seien, hätten be-
wusst ein höheres Risiko in Kauf genom-
men und dafür auch höhere Zinsen kas-
siert, und das über viele Jahre. „Wenn da
einpaar Bankenbankrott gehen, dannge-
hen die bankrott“, sagte Sulik.
Der neoliberale Parteichef ist einer
von vier Führern der konservativ-libera-
len Regierungskoalition, an deren Spitze
die christdemokratische Ministerpräsi-
dentin Iveta Radicova steht. Die Christ-
demokraten (SDKU) teilen die Beden-
ken, neigen aber dazu, das Euro-Ret-
tungspaket mitzutragen. Außenminister
Mikulas Dzurinda, zugleich SDKU-Vor-
sitzender, erklärte am Wochenende, er
sei „kein großer Fan“ von Rettungspake-
ten, er glaube „an die Verantwortlichkeit
jedes Mitgliedslandes.“
Da die Koalition ohne die neoliberale
SaS keine Mehrheit hat, käme alles auf
das Votumder sozialdemokratischenOp-
positionspartei Smer an. Deren Führer
Robert Fico hat bereits angekündigt, nur
dann das Rettungspaket im Parlament
zu unterstützen, wenn sich die Koalition
einig sei. SaS-Chef Sulik weist die von
seinen Gegnern geäußerte Befürchtung
zurück, ein Bankrott der Banken könnte
eine Katastrophe auslösen. Falls dies an-
dere Staaten mitreißen sollte, so wäre es
nicht das erste Mal. Argentinien sei
schon zahlungsunfähig gewesen, auch
die Stadt New York meldete 1976 Bank-
rott an, ohne dass das Leben zum Still-
stand gekommen sei. „Ein Bankrott ist
generell ein Gesundungsprozess, auch
für ein Land“, sagte Sulik.
Die Wahren Finnen lehnten es am
Montag erneut ab, sich an demgeplanten
Rettungsfonds zubeteiligen. Ineiner Mit-
teilung an den Radiosender YLE erklär-
ten sie zur Begründung, die in den Län-
dern bislang ergriffenen Rettungsmaß-
nahmenseienweder ausreichendnochge-
recht. Sie antworteten damit auf Fragen
des Chefs der pro-europäischenNational-
partei, Jyrki Katainen, dessen Partei die
Parlamentswahl vom 17. April gewon-
nen hatte. Katainen will bis 20. Mai eine
neue Koalition schmieden. Er gilt als
wahrscheinlichster Kandidat für das
Amt des Premiers. Wegen des starken
Wahlergebnisses der Wahren Finnen von
19 Prozent steht Katainen unter Druck,
die Rechtspopulisten an der Regierung
zu beteiligen. Ein Nein aus Finnland wä-
re aucheinverheerendes Signal andie Fi-
nanzmärkte. Das kleine Land gehört zu
den sechs Euro-Partnern, die an den
Märkten höchste Bonität genießen und
deshalb mehr als die anderen Euro-Län-
der für dengeplantenpermanentenEuro-
Rettungsfonds garantieren.
Gaddafis Sohn beigesetzt
Amman – In Syrien haben Sicherheits-
kräfte landesweit offenbar Hunderte Re-
gimegegner festgenommen. In der Pro-
testhochburg Deraa stürmten Soldaten
am Montag Häuser in der Altstadt und
nahmen Männer unter 40 Jahren fest,
wie Augenzeugen per Telefon berichte-
ten. Auch in anderen Städten seien De-
monstranten festgenommen worden. Die
amtliche Nachrichtenagentur Sana mel-
dete, die Armee habe in Deraa Mitglieder
einer Extremistengruppe festgenommen.
Bei dem Einsatz seien zehn Extremisten
getötet und 499 Verdächtige festgenom-
men worden. Reuters
Toronto – Die Bürger Kanadas waren am
Montag zur vorgezogenen Wahl eines
neuenParlaments aufgerufen. Nachstar-
ken Zugewinnen der sozialdemokrati-
schen New Democratic Party (NDP) in
der vergangenen Woche musste die kon-
servative Regierung von Premier Ste-
phen Harper um ihre Wiederwahl ban-
gen. Harper ist seit 2006 an der Macht
und hat zwei Mal eine Wahl gewonnen,
für eine Mehrheit im Parlament reichte
es aber nie. Solltendie Konservativen die
Mehrheit erneut verfehlen, könnten
NDP und die links der Mitte stehenden
Liberalen eine Koalition bilden. dapd
Oettinger fordert
Energiekonzept
EU-Kommissar verlangt
finanzielle Zusagen aus Berlin
Euro-Rettung in Gefahr
Wichtige Parteien in der Slowakei und in Finnland lehnen Hilfspakete für überschuldete Länder ab
Neuer Haushalt in Japan
Festnahmen in Syrien
Iran gesprächsbereit
Parlamentswahl in Kanada
Eichmann-Richter tot
Versöhnung aus Kalkül
Ob der palästinensische Friedensvertrag Bestand hat, ist offen – klar sind nur die Motive der verfeindeten Parteien
Zwischen Ministersessel und Anklagebank
Dominique de Villepin ist einer der ehrgeizigsten Rivalen von Frankreichs Präsident Sarkozy – nun steht die entscheidende Kraftprobe bevor
22. Juli 1961: Mosche Landau (rechts)
hört Adolf Eichmann zu. Foto: Keystone
Um Vertrauen zu schaffen,
müssten jetzt Zahlen
und Fakten auf den Tisch.
Seite 8 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
POLITIK
Sehnsucht nach Frieden: Seit Monaten demonstrieren Palästinenser für einen einheitlichen Staat. Foto: dpa
Angestrengte Har-
monie: Als dieses
Bild 2006 aufge-
nommen wurde,
war Dominique de
Villepin (rechts)
Frankreichs Premi-
er und Nicolas Sar-
kozy sein Innenmi-
nister. Beide Män-
ner wollten Präsi-
dent Jacques Chi-
rac beerben. Seit
einer nebulösen
Schwarzgeldaffäre
ist ihr Verhältnis
vergiftet. Foto: AFP
„Ein Bankrott ist generell ein
Gesundungsprozess, auch für
ein Land“, sagt Parteichef Sulik.
Ausland
Israel versucht, eine Einigung
zu torpedieren.
Der Westen wartet ab.
London – Prinz William und seine Frau
Kate können ihr junges Eheleben offen-
bar nur kurz genießen. Der Militärpilot
werde nur vier Monate nachseiner Hoch-
zeit ab September auf den Falklandin-
seln stationiert, berichtet die britische
Zeitung The Sun. Der geplante Einsatz
von zweieinhalb Monaten sei zu kurz, als
dass seine Frau ihn nach Südamerika be-
gleiten dürfe. „Es ist ein bitterer Schlag
für Kate“, sagte ein namentlich nicht ge-
nannter Informant dem Blatt. „Es ist ei-
ne furchtbare Art, das Ehelebenzubegin-
nen.“ Das Paar habe seit einigen Wochen
vonder Stationierung gewusst. Prinz Wil-
liamkönne dank seines Einflusses mögli-
cherweise dem Einsatz entgehen, sagte
die Quelle. Er wolle aber wie jeder ande-
re Soldat behandelt werden. Die Zeit auf
den Falklandinseln hat für William laut
der Zeitung zudemeine besondere Bedeu-
tung. Der für Rettungseinsätze ausgebil-
dete Prinz werde im September vom Ko-
Piloten zum Piloten befördert. Einer
Quelle zufolge will der 28-Jährige genug
Flugstunden ansammeln, um sich für ei-
nenEinsatz in Afghanistan zu qualifizie-
ren.
Unterdessen verdichten sich die Hin-
weise, dass das Paar die Flitterwochen
auf den Seychellen im Indischen Ozean
verbringen wird. Leibwächter des Prin-
zen hätten das Urlaubsziel auf der Insel-
kette auf seine Tauglichkeit geprüft, be-
richtet die Zeitung Daily Mail. Sie seien
zudemSchluss gekommen, dass die abge-
schiedene Lage der Luxusvilla aus Holz
dem frischgebackenen Ehepaar die ge-
wünschte Privatheit biete. Das Anwesen
hat dem Bericht zufolge ein Freiluftbad,
ein Süßwasserbecken mit Felsen, einen
eigenen Garten sowie einen persönlichen
Butler zu bieten. Williamund Kate woll-
ten im Mai zehn Tage in der Villa blei-
ben, die umgerechnet 4500 Euro pro
Nacht kostet.
Angeblich hat sich der Herzog von
Cambridge, wie sich William seit der
Hochzeit nennen darf, im Falle einer
Scheidung nicht mit einem Ehevertrag
abgesichert. Dies sei dem Prinzen auch
nicht nahegelegt worden, zitierte die Dai-
ly Mail einen Informanten. Der Zeitung
zufolge verdient der Enkel vonQueenEli-
zabeth II. als Pilot 37 170 Pfund (knapp
42 000 Euro) im Jahr. Seine Mutter Dia-
nahabe ihm6,5 MillionenPfund(7,3 Mil-
lionen Euro) hinterlassen. Diana hatte
bei der Scheidung von Charles 1996 eine
Abfindung von 17 Millionen Pfund
(19 Millionen Euro) erhalten. AFP, dapd
Von Chri sti ane Kohl
S
eit 50 Jahren gibt es das Dresdner
Kabarett Herkuleskeule. Bühnen-
kollegen aus Ost und West nah-
men das Jubiläum jetzt zum An-
lass, im Schauspielhaus der Elbestadt
einfulminantes deutsch-deutsches Kaba-
rett-Programm in Szene zu setzen: Von
Dieter Hildebrandt bis zu Wolfgang
Stumph– beinahe das komplette „Who is
Who“ der deutschen Kabarettszene war
vertreten. Mittendrin stand Wolfgang
Schaller, der alte „Gratwanderer“, wie
ihn sein West-Kollege Hildebrandt ein-
mal charakterisierte. Als langjähriger In-
tendant der Herkuleskeule hatte der stu-
dierte Lehrer zu DDR-Zeiten manchen
Drahtseilakt vollführt: „Da versucht
man eben, das Seil so hoch wie möglich
zu halten ohne abzustürzen“, um-
schreibt der 71-Jährige die kabarettisti-
schen Klimmzüge jener Tage.
Schaller macht keinen Hehl daraus,
dass aus seiner Sicht zumindest auf der
Bühne manches leichter war, als Hone-
cker & Co noch das politische Leben im
Osten bestimmten: „Kabarett funktio-
niert einfach nur in der Diktatur“, zitiert
er einBonmot des legendärenKabarettis-
tenWerner Finck. UndSchaller setzt hin-
zu, dass die Unterschiede zwischen den
Spielbedingungen in der einstigen DDR
undder heutigenGesellschaft nicht über-
zubewerten seien. Denn was früher „die
ideologische Zensur war, das ist jetzt die
ökonomische“, sagt Schaller: Heute müs-
se „jede Provokation erst mal unterhalt-
sam verpackt werden“, klagt der Kaba-
rettist über die Nöte, stets fröhlich zu
sein. Bei der Herkuleskeule scheint dies
freilich noch zu gelingen: „Immerhin“,
sagt Schaller, „die Touristen halten uns
für lustiger als die Semperoper“.
Früher waren die Karten fürs DDR-
Kabarett so begehrt, dass Besucher mo-
natelang darauf warten mussten, man-
ches Ticket wurde auch gegen Naturali-
en getauscht – etwa gegen einen Termin
in der Autowerkstatt. Bis heute spielt die
Herkuleskeule in Dresden zumeist vor
ausverkauftem Haus. Mittlerweile
kommt jedoch jeder zweite Besucher aus
dem Westen. Auch das macht es den Ka-
barettisten nicht ganz leicht, das passen-
de Programm zu bieten: „Der Spagat ist
ziemlich groß“, stöhnt Schaller. Und so
ist das Kabarett wohl auch ein feiner
Seismograph dafür, dass zumindest rein
kommunikationstechnisch in Deutsch-
land womöglich immer noch nicht alles
so ganz zusammengewachsenist, was zu-
sammen gehört.
In der DDR wurde das Kabarett einst
von Staats wegen gepflegt: Städtischen
Mitarbeiterngleichbekamendie Darstel-
ler ihr Salär aus demjeweiligen Kommu-
nalhaushalt. In den 50er Jahren waren
die ersten Bühnen gegründet worden, so
etwa 1953 die Distel in Berlin, ein Jahr
darauf die Pfeffermühle in Leipzig. 1960
kam die Herkuleskeule in Dresden dazu.
„Kabarett ist ja immer auch Staatser-
halt“, erklärt Schaller das Interesse der
DDR-Oberen an den Polit-Spaßma-
chern. Mitte der 70er Jahre löste die
DDR-Führung einen wahren Kabarett-
gründungsboomaus: Jetzt sollte jede Be-
zirkshauptstadt ihr Berufskabarett be-
kommen– schließlichwurde es als nützli-
ches Ventil betrachtet, um kontrolliert
Kritikherauszulassen, ohne dass das Sys-
tem an sich in Frage gestellt wurde – vor
jeder neuen Show mussten die Kabaret-
tistensicheiner sogenannten„Interessen-
tenprobe“ stellen, eben den Zensoren.
Kurz vor der Wende 1989 gab es ein
ganzes Dutzend Berufskabarette in der
DDRund an die 600 Laiengruppen. Frei-
lich hatten die Polit-Satiriker mächtig
mit andemAst gesägt, auf demsie eigent-
lich recht gemütlich saßen: „Ohne die
fortschreitende Zersetzung, die längst
auch Parteikreise erreicht hatte“, meint
Schaller heute, wäre das Ende der DDR
wohl so schnell nicht gekommen. Längst
hatten die Kabarettisten im Osten eine
feinsinnige Sprache entwickelt, in der es
nur eines Schlüsselwortes bedurfte, und
schon raste das Publikum. So konnte der
ansichharmlose Spruch: „Der Senf ist al-
le!“ plötzlich hochpolitisch klingen. Ob
Senf oder Bettwäsche, Autoreifen oder
Bananen – der tägliche Mangel an Le-
bensutensilien war ein Tabuthema.
Manchmal genügte auchein Lied, undje-
der wusste was gemeint war: Etwa, wenn
die Akteure des Leipziger Kabaretts Aka-
demixer geschlossen auf der Bühne stan-
den und „Über sieben Brücken musst Du
gehen“, von der ostdeutschen Rockgrup-
pe Karat sangen.
Seit mehr als 40 Jahren ist Wolfgang
Schaller für die Herkuleskeule tätig.
Dass er 1970zudenDresdner Kabarettis-
ten stieß, war, wenn man so will, auch
schon ein Stück Realsatire: Der Gründer
des Kabaretts, Manfred Schubert, war
wegen eines Programms politisch in Un-
gnade gefallen und auf eine Parteischule
abkommandiert worden. Zuvor bat er
Schaller, ihn in Dresden zu vertreten.
Der ehemalige Pädagoge hatte damals in
Görlitz gerade seine ersten kabarettisti-
schen Stücke unter Anleitung eines Mar-
xismus-Lehrers verfasst – dieser setzte
sich kurz darauf in den Westen ab. Das
Leben schreibt eben die schönsten Ge-
schichten. Schaller jedenfalls mochte die
DDR: „Dieses Niemandsland zwischen
Ideal und Wirklichkeit“, wie er den eins-
tigen Arbeiter- und Bauernstaat nennt,
ernährte so manchen Kabarettisten. Und
am Ende wirkten ja auch die DDR-Obe-
ren wie das reinste Real-Kabarett.
Majestätisch schwingt sich der
Schwan über das Firmament. Seine cha-
rakteristische Figur sticht ebenso ins Au-
ge wie der helle Hauptstern Deneb. Im
August 1975 stand die Konstellation im
Fokus der Astronomen: Ein Stern war
plötzlich aufgeflammt und leuchtete für
ein paar Tage so hell, dass ihn jedermann
mit bloßem Auge sehen konnte. Dann
wurde er schnell dunkel und zeigte sich
nur noch imTeleskop. Schnell fanden die
Forscher heraus, was sich da im All ab-
spielte. Eine Nova war explodiert.
Schon im Altertum beobachteten die
Menschen gelegentlich eine stella nova,
einen„neuenStern“. WährendimMittel-
alter die Chronisten in Europa solche
Novae ignorierten – ihr Erscheinen stör-
te die perfekte göttliche Schöpfung –, be-
richtenchinesische Aufzeichnungenakri-
bisch davon; die Chinesen glaubten, aus
Veränderungen am Firmament das
Schicksal der Menschen vorhersagen zu
können. Erst in der Neuzeit gelang es den
Wissenschaftlern, das Rätsel zu lösen.
So steckt hinter einer Nova keines-
wegs ein neues, sondern im Gegenteil ein
MilliardenJahre altes Objekt: ein Weißer
Zwerg. Solche ausgebrannten Sonnen
sind am Ende ihres Lebenswegs ange-
kommen – und ziemlich lahme Gebilde.
Ihr innerer Fusionsreaktor läuft nicht
mehr und sie dämmern dem ewigen Ver-
gessen entgegen. Manche dieser Weißen
Zwerge besitzen jedoch einen Partner,
mit dem sie um einen gemeinsamen
Schwerpunkt kreisen. Sie sind also Teil
eines Doppelsternsystems. Hat sich der
Begleiter zueinemRotenRiesensternent-
wickelt, kommt der Weiße Zwerg noch
einmal in Schwung: Begierig saugt der
Kleine von dem Großen ungeheure Men-
gen Materie auf. Das wasserstoffreiche
Gas wird in der Zwergenatmosphäre ab-
gebremst und heizt diese mächtig auf.
Bei Temperaturen von einigen Millionen
Grad zündet schlagartig eine explosive
Fusionsreaktion. Der Weiße Zwerg blitzt
wie ein kosmisches Feuerwerk auf, zer-
birst aber nicht, sondern wirft vielmehr
seinen Gasmantel ab. Mit Geschwindig-
keiten von bis zu 2500 Kilometern in der
Sekunde rast die Materie ins All. Wenn
der Wasserstoff in der Hülle erschöpft
ist, hat der Spuk ein Ende. Dem Roten
Riesen macht der Substanzverlust wenig
aus. In manchem System wiederholt sich
ein derartiger Ausbruch immer wieder,
die Astronomenbeobachtendanneine re-
kurrierende Nova. Der neue Stern im
Schwan ist längst verblasst und selbst in
großen Amateurfernrohren nicht mehr
zu sehen.
Saturn imSternbild Jungfrau leuchtet
nach Einbruch der Dunkelheit schon
hoch im Südosten. Der Ringplanet stand
im April in Opposition zur Sonne und
hält als einziger Wandelstern die Stel-
lung am Nachthimmel. So bleiben Mer-
kur, Mars, Uranus und Neptun dem blo-
ßemAuge verborgen. Venus wandert von
den Fischen in den Widder und zeigt sich
am Morgenhimmel; am 31. Mai zieht die
schmale Sichel des abnehmenden Mon-
des an der Liebesgöttin vorbei. Jupiter in
denFischenbetritt Mitte des Monats zag-
haft die morgendliche Himmelsbühne,
schonam11. Mai begegnet er dort der Ve-
nus; während dieses Gipfeltreffens der
Götter ist Jupiter aber nur im Fernglas
zu sehen.
Am 6. Mai erreichen die Eta-Aquari-
denihr Maximum, bis zu60 Sternschnup-
penflitzendannpro Stunde über das Fir-
mament. Allerdings werdenvor allemBe-
obachter in südlichen Breiten auf ihre
Kosten kommen, von Deutschland aus
sinddie Eta-Aquaridennicht so gut zuse-
hen. Dafür stammen sie aus prominenter
Quelle, bröseln sie doch vom Kometen
Halley ab. Um den 20. Mai sind auch die
Scorpius-Sagittarius-Meteore beson-
ders aktiv. Der Fahrplan des Erdbeglei-
ters: Neumond am 3., Erstes Viertel am
10., Vollmond am 17. und Letztes Viertel
am 24. Mai. Helmut Hornung
Dortmund– Mit Reizgas hat ein28-Jähri-
ger in einem Regionalexpress bei Hagen
eine Mutter undihr vier Monate altes Ba-
by verletzt. Die 27-Jährige und ihr Kind
mussten die Nacht im Krankenhaus ver-
bringen. Der Betrunkene aus Lünen ha-
be das Gas wahllos ineinemWaggonver-
sprüht und dabei rumgeschrien, sagte
ein Sprecher der Bundespolizei Dort-
mund. Sein Motiv sei unklar. Auch ande-
re Fahrgäste erlitten Reizungen der
Atemwege und der Augen. Als der Mann
im Bahnhof Hagen festgenommen wer-
den sollte, wehrte er sich heftig. Ein Be-
amter erlitt dabei erhebliche Verletzun-
gen im Gesicht. dpa
ImArbeiter- und Kalauerstaat
Als Kabarett noch DDR-Staatssache war: Die Dresdner „Herkuleskeule“ blickt auf 50 Jahre deutsch-deutschen Humor zurück
Gipfeltreffen der Götter
Im Mai begegnen sich Jupiter und Venus am Morgenhimmel – und diese Woche flitzen bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde über das Firmament
Reizgas-Attacke
im Regionalexpress
Trennung nach
der Hochzeit
Prinz William soll für zehn Wochen
als Soldat auf die Falklandinseln
Dienstag, 3. Mai 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 9
PANORAMA
Anfang Mai 0.30 Uhr
Ende Mai 22.30 Uhr
Die Pflicht ruft: Prinz William soll
nach Südamerika. Foto: dapd
Funktioniert Kabarett wirklich nur in
einer Diktatur? Wolfgang Schaller (kl.
Bild) arbeitet seit mehr als 40 Jahren
für die Herkuleskeule. Fotos: oh, dpa
STERNENHIMMEL
„Die Touristen
halten uns für lustiger
als die Semperoper.“
Lösungen vom Montag
3 1 7 8 6 9 4 2 5
8 5 2 1 3 4 6 9 7
6 9 4 5 7 2 3 8 1
1 2 3 6 4 8 7 5 9
5 8 6 7 9 1 2 4 3
4 7 9 3 2 5 1 6 8
9 4 1 2 5 7 8 3 6
2 3 8 9 1 6 5 7 4
7 6 5 4 8 3 9 1 2
Die Ziffern 1 bis 9 dürfen pro Spalte und Zeile nur
einmal vorkommen. Zusammenhängende weiße
Felder enthalten eine lückenlose Menge von Zah-
len, die in beliebiger Reihenfolge stehen können.
Schwarze Felder trennen diese Straßen und wer-
dennicht ausgefüllt. Weiße Ziffern dienen lediglich
der Orientierung, sie gehören aber selbst zu keiner
Straße. Tipps imInternet: www.sz-shop.de/str8ts©
2010 Syndicated Puzzles Inc. 3.5.2011
2
1 9
1 9
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2 1 4 5
9 7 1 4 3 2 6 5 8
8 9 2 1 3 6 7
6 5 3 2 1 4 9
8 7 2 3
2 6 7 5 8 3 4
3 4 8 6 7 2 1
4 5 3 6 7 9 8 1 2
4 5 6 7
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k
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m
i
t
t
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l
s
c
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w
e
r
Hamburg – Die Hamburger Polizei hat
sieben mutmaßliche Auto-Brandstifter
geschnappt. Mit Hilfe von Grillanzün-
dern und Böllern wollten sie am frühen
Montagmorgen einen Wagen im Stadt-
teil Barmbek in Brand setzen, als eine
Funkstreife auf die Gruppe aufmerksam
wurde. Die Beamten stellten mehrere
Grillanzünder sicher. Die sieben Ver-
dächtigen, sechs Männer zwischen
15 und 32 Jahren sowie eine 20-jährige
Frau, wurden festgenommen. Sie mach-
ten vorerst keine Aussagen und sollten
noch am Montag zunächst wieder auf
freien Fuß gesetzt werden. Sowohl vor
als auch nach der Festnahme hatten in
der Nacht zumMontag erneut zahlreiche
Autos in der Hansestadt gebrannt. Insge-
samt wurden 18 Fahrzeuge zerstört. dpa
Steven Tyler, 63, Frontmann der US-
Rockband Aerosmith, hat im Laufe sei-
ner Karriere nach seinen Berechnungen
mehr als 14 Millionen Euro für Rausch-
mittel ausgegeben. Tyler rechnete der bri-
tischen Zeitung Sun weiter vor: „Ich ha-
be meinen Porsche weggeschnupft und
mein Flugzeug – es ist alles für Drogen
undAlkohol draufgegangen.“ Früher ha-
be er immer eine ganze Tasse voll Kokain
mit auf die Bühne mitgenommen.
Kid Rock, 40, Musiker, hat unter Protes-
ten einen Bürgerrechtspreis erhalten.
Vor dem Veranstaltungsort in Detroit
verbranntenDemonstranteneine Konfö-
deriertenflagge, die Flagge der Südstaa-
ten. Eine solche Fahne hat der Künstler
bei einigen Auftritten verwendet. Kid
Rock, der mit bürgerlichem Namen Ro-
bert Ritchie heißt, wurde von der Natio-
nal Association for the Advancement of
Colored People (NAACP), der führenden
Interessenorganisationder Schwarzen in
den USA, geehrt. Die Entscheidung war
auf Kritik gestoßen, weil die Verwen-
dungder Konföderiertenflagge nachMei-
nung einiger in Konflikt mit der Bot-
schaft der NAACP steht.
Alan García, 61, Staatschef von Peru,
lebt seit zwei Jahren von seiner Ehefrau
getrennt. „Ja, wir sind getrennt, aber wir
sehen uns noch“, sagte García demFern-
sehsender Channel 5. Damit bestätigte er
Äußerungenseiner FrauPilar Nores. Gar-
cía fügte hinzu, seine Frau und er hätten
sich „wie die Hälfte der Paare in Peru“
getrennt. Dennoch sei ihr Verhältnis in
Ordnung. Er könne „keine Feindschaft
mit einem Menschen haben, der mir vier
wunderbare Kinder geschenkt hat“. Der
Präsident hatte währenddes Wahlkamp-
fes 2006 zugegeben, dass er mit der Wirt-
schaftswissenschaftlerinRoxanne Chees-
man ein Kind gezeugt habe. Foto: rtr
Charlie Sheen, 45, skandalumwitterter
Schauspieler, ist offiziell wieder Single.
Die Scheidung von Brooke Mueller nach
knapp drei Jahren Ehe wurde am Mon-
tag rechtsgültig, wie der Internetdienst
TMZ berichtet. Beide hatten den 25. De-
zember 2009 als Tag der Trennung ange-
geben. Damals hatte Sheenseine Frauan-
gegriffen und war später wegen minder-
schwerer Körperverletzung verurteilt
worden. Beide waren danach auf Dro-
gen- undAlkoholentzug gegangen. Muel-
ler erhält von Sheen laut TMZ monatlich
55 000 US-Dollar (37 000 Euro) Unter-
halt für die gemeinsamen Zwillinge.
Scarlett Johansson, 26, und Sean Penn,
50, Schauspieler, haben mit einer Geste
ihre Beziehung erstmals bestätigt. Die
beiden wurden in Washington, D.C.,
Händchen haltend fotografiert, wie die
Zeitschrift People berichtet. Das Paar
hatte eine Party nachdemKorresponden-
ten-Dinner im Weißen Haus besucht. Jo-
hansson und der zweifache Oscar-Preis-
träger („Milk“) warenwiederholt gemein-
sam fotografiert worden, haben ihre Be-
ziehungbislang aber nicht offiziell bestä-
tigt. Sie seienlediglich Freunde, hatte Jo-
hanssons Sprecher mitgeteilt. Die Schau-
spielerin und ihr Kollege Ryan Reynolds
hatten im Dezember nach zwei Jahren
Ehe die Scheidung eingereicht.
Berlin– Kinderpornographisches Materi-
al wird imInternet zumgrößten Teil über
unentgeltliche Tauschbörsen verbreitet.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie,
die das Bündnis gegen Kinderpornogra-
phie „White IT“ amMontag inBerlinvor-
stellte. Das Material komme meist über
geschlossene Foren in Umlauf und er-
schwere so eine Strafverfolgung. „Das
World Wide Web dagegen wird nicht in
demUmfang zur Verbreitung vonkinder-
pornographischemMaterial genutzt, wie
gemeinhin vermutet wird“, sagt Bernd-
Dieter Meier vomKriminalwissenschaft-
lichen Institut der Leibniz-Universität
in Hannover, der die Studie geleitet hat.
Darin hat Meier wissenschaftlich unter-
sucht, obes eineninternetbasierten kom-
merziellen Markt für Kinderpornogra-
phie gibt und wie der Vertrieb über das
Internet funktioniert.
Dass sich mit kinderpornographi-
schem Material viel Geld verdienen lie-
ße, konnte der Wissenschaftler nicht fest-
stellen. Es gebe zwar einInteresse ankos-
tenpflichtigen Angeboten im Internet,
die im World Wide Web zu finden sind,
doch dabei handele es sich offenbar vor
allemumPersonen, die sich nochnicht so
gut auskennen, sagt Meier. Dass ein
Markt für das Material besteht, auf dem
eine Regulierung des Preises nach Ange-
bot und Nachfrage stattfinde, sei dage-
gen nicht festzustellen. „Ein digitales
kinderpornographisches Bild lässt sich
leider beliebig oft kopieren. Gerade in
den Tauschbörsen und in den News-
groups besteht ein breites, nahezu uner-
schöpfliches und grundsätzlich kosten-
freies Angebot“, erklärt Meier.
Diese beliebige Verfügbarkeit lasse
vermuten, dass es kaummöglich ist, Kin-
derpornographie vollständig zu verban-
nen. Die Verbreitung im World Wide
Web hingegen sei bis zu einem gewissen
Grad kontrollierbar. Daher hält der Wis-
senschaftler es auch für sinnvoll, Seiten
mit verbotenenInhaltenimInternet zulö-
schen, wie es ein neues Gesetz vorsieht.
Amwirksamsten sei es, die Seiten erst zu
sperren und dann zu löschen, sagt Meier,
da es einige Zeit dauere, bis eine Seite ge-
löscht werden kann.
Neue Bilder undFilme würdenvermut-
lich in erster Linie über geschlossene Be-
nutzergruppenverbreitet, stellte der Wis-
senschaftler fest. Wer an den geschlosse-
nen Foren teilnehmen will, muss eine so-
genannte Keuschheitsprobe ablegen: nur
wer selbst pornographisches Material lie-
fert, kann auch welches erhalten. Das
macht es für Strafverfolger so schwierig,
an Verdächtige heranzukommen.
Nach derzeitiger Rechtslage ist der
Einsatz verdeckter Ermittler ingeschlos-
senen Benutzergruppen nur einge-
schränkt möglich, kritisiert der nieder-
sächsische Innenminister Uwe Schüne-
mann (CDU), der auch der Vorsitzende
des Bündnisses „White IT“ ist. Er for-
dert, denSpielraumfür verdeckte Ermitt-
ler zu erweitern. Inga Rahmsdorf
Auto-Brandstifter
in Hamburg geschnappt
Von Jeanne Rubner
Die Riverboat Casinos, die schwim-
menden Spielhallen am Ufer des Missis-
sippis, haben bereits geschlossen. Das ist
ein schlechtes Zeichen. Schließlich wird
hier mit Automaten, Roulette und Black-
jack viel Geld verdient, das Spielen ist
ein wichtiger Wirtschaftsfaktor entlang
von Amerikas größtem Fluss. Doch des-
sen Pegel steigt und steigt. Nach der ver-
heerenden Serie von Tornados, die Mitte
vergangener Woche über den Südosten
der USA hinwegfegten und fast 350 To-
desopfer forderten, fürchten die vom
Sturm gebeutelten Menschen nun eine
Jahrhundertflut. „Jahrhundertflut?“,
fragt der Hydrologe Gene RenchvomNa-
tionalen Amt für Wasserwirtschaft, um
gleich darauf zu antworten: „Nein, das
hier ist einepisches Ereignis, es könnte ei-
ne Fünfhundertjahresflut werden.“
Die Bundesstaaten Mississippi und
Louisiana haben bereits Katastrophen-
alarm ausgerufen. Die Zeitungen dru-
cken Bilder von den bisher schlimmsten
Überschwemmungen, der „Großen
Flut“, an die sich die Älteren noch erin-
nern. Das war im Jahr 1927, damals ka-
men etwa 250 Menschen um, die wirt-
schaftlichen Schäden waren enorm. Vie-
le fürchten, dass sich die Wassermassen,
die sich nun ihren Weg von Nord nach
Süd bahnen, ebenso schlimm auswirken
könnten. Zumindest ist die Region besser
vorbereitet: NachdemJahrhunderthoch-
wasser bauten die Techniker des US Ar-
my Corps of Engineers zahlreiche Dei-
che, Dämme und Reservoirs.
Manche dieser Schutzeinrichtungen
könnten jetzt erstmals zumEinsatz kom-
men, sagte A. C. Wharton, der Bürger-
meister von Memphis, Tennessee. Dort
sind bereits 50 000 Sandsäcke gestapelt,
städtische Busse stehen bereit, um Men-
schen aus der Metropole zu bringen.
Schon jetzt hat der Pegel wegen der
Schneeschmelze und des Regens, den die
Tornados mitbrachten, Rekordniveauer-
reicht: In Natchez, der ältesten Siedlung
am Mississippi und beliebter Touristen-
ort, wurden45,5 Fuß(13,87 Meter) gemes-
sen. Binnen zwei Wochen könnte, so die
Vorhersagen, der Wasserstand auf 60
Fuß steigen – das wären mehr als 18 Me-
ter undzwei Fuß mehr als der höchste ge-
messene Pegel im Jahr 1937, zehn Jahre
nach der Großen Flut.
Inder Stadt CairoimSüdzipfel vonIlli-
nois, wo der Fluss Ohio in den Mississip-
pi mündet, waren am Sonntag bereits
53,5 Fuß erreicht. Am Dienstag sollen es
60 Fuß sein, bereits ein Pegel von 40 gilt
als Hochwasser. Der bedrohte Ort ist
zum Schauplatz eines erbitterten Strei-
tes zwischendenzwei benachbartenBun-
desstaaten Illinois und Missouri gewor-
den. Um die größtenteils von Schwarzen
bewohnte und inzwischen evakuierte
Stadt zu schützen, will das Army Corps
of Engineers ein zwei Meilen großes Loch
in einen Deich sprengen, um das Wasser
des Mississippi abfließen zu lassen. Da-
mit aber würde fruchtbares Ackerland in
Missouri überschwemmt und, so fürchtet
man dort, auf Jahre hin unfruchtbar ge-
macht. Missouris Generalanwalt wollte
die Sprengung des Deichs verhindern
und hat den Obersten Gerichtshof ange-
rufen. Vergeblich. Am Sonntag lehnten
die Richter in Washington eine Klage ab.
Illinois darf sprengen.
Auch in Louisiana zittern die Anwoh-
ner des Mississippi. Die Flut wird zwar
den Nordteil des Bundesstaates erst Mit-
te Mai und die Hauptstadt Baton Rouge
in drei Wochen erreichen. Doch Louisia-
na leidet noch am Katrina-Schock. Noch
immer wird daran gearbeitet, die Folge-
schäden des verheerenden Hurrikans
von 2005 zu beseitigen. Das Army Corps
hat Milliarden Dollar ausgegeben, um
den Hochwasserschutz von New Orleans
zuverbessern– allerdings hat manvor al-
lem die Deiche des Lake Pontchartrain
im Norden der Stadt erneuert, nicht jene
des Mississippis im Süden. 2005 hatten
sie standgehalten, nun hofft man, dass
wieder nichts passiert.
Louisiana, Mississippi, Alabama – wie-
der einmal trifft eine Naturkatastrophe
die armen Bundesstaaten der USA. Dort
leben besonders viele Schwarze, und die
meisten Bewohner können sich als Häu-
ser nur „Mobile Homes“, also bessere
Wohnwagen, leisten. Das ist auch ein
Grunddafür, warumimBundesstaat Ala-
bama das Arbeiterviertel Pratt City in
Birmingham oder die Stadt Tuscaloosa
nachder Tornado-Serie wie Trümmerfel-
der aussehen: Viele Mobile Homes sind
wie Kartenhäuser in sich zusammenge-
fallen. Allein in Tuscaloosa kamen
50 Menschen ums Leben, der Bundes-
staat hat inzwischen 254 Opfer zu bekla-
genundviele Menschenwerdennochver-
misst. Doch auch andere Orte haben die
Stürme dem Erdboden gleich gemacht.
Die 900-Einwohner-Gemeinde Smithvil-
le (Mississippi) etwa existiert praktisch
nicht mehr.
SZ: Herr Müller, wie wird man ein gu-
ter Buszieher?
Müller: Das Wichtigste: Man muss
schwer sein. Unser leichtester Mann
wiegt 115 Kilo, unser schwerster 150 Ki-
lo. Ich wiege nur 93 Kilo. Ich bin viel zu
leicht.
SZ: Sie ziehen nicht mit, Sie sind Trai-
ner der Mannschaft. Auch haben Sie das
Team zusammengestellt. Wo findet man
solche massigen Männer?
Müller: Meiner Frau und mir gehört
ein Sportstudio. Da fällt es leicht, starke
Männer zu rekrutieren.
SZ: Die „Pulldozers“ sindfünf Mal hin-
tereinander Deutscher Meister gewor-
den, bis sie vergangenes Jahr zum ersten
Mal geschlagen wurden. Wie kam’s?
Müller: Wir waren einfach schlechter
vorbereitet als die „Zehn Zwerge“. Viel-
leicht waren wir nach der Siegesserie
aucheine Spur zusicher. Erst die Nieder-
lage hat uns wieder wachgerüttelt.
SZ: Wie sieht diese Vorbereitung aus?
Müller: Drei Monate vor einem Tur-
nier trainieren wir zwei Mal die Woche
amBus. Manchmal üben wir auch mit ei-
nem Feuerwehrauto, aber das hat ganz
andere Roll-Eigenschaften als ein Bus.
SZ: Mindestens 17 Teams aus ganz
Deutschland treten am Sonntag in Wol-
fenbüttel gegeneinander an. Welches Ziel
haben Sie sich gesteckt?
Müller: Wir wollen natürlich den ers-
ten Platz zurückerobern, ambesten in ei-
ner Zeit unter 19 Sekunden.
SZ: Ihr Rekord liegt bei knapp 14 Se-
kunden.
Müller: Aber das war in Österreich,
auf einer leicht abschüssigen Strecke. In
der Wolfenbütteler Innenstadt liegt zu-
dem Kopfsteinpflaster.
SZ: Haben Sie vielleicht noch hilfrei-
che Tipps für die Praxis, wennmanzufäl-
lig mit ein paar Freunden an einem im
Graben steckenden Bus vorbeikommt
und helfen möchte?
Müller: Der Anfang ist am schwierigs-
ten. Einer muss das Kommando geben,
und dann müssen alle synchron an dem
Seil ziehen. Wenn er dann mal rollt, dann
rollt er.
Interview: Martin Wittmann
Neapel – Der italienischen Polizei ist er-
neut ein Schlag gegen die neapolitani-
sche Mafia „Camorra“ gelungen. Wie ita-
lienische Medien berichten, konnten die
Fahnder den 53-jährigen Mario Caterino
in einer Wohnung in Casal di Principe
bei Caserta festnehmen. Caterino war
2008 im sogenannten Spartakus-Prozess
wegen Mordes und Zugehörigkeit zu ei-
ner kriminellen Vereinigung zu lebens-
langer Haft verurteilt worden. Der seit
2005flüchtige Mafioso wurde vomInnen-
ministerium auf der Liste der 30 gefähr-
lichsten gesuchten Verbrecher geführt.
Er galt als Nummer zwei des Camorra-
Clans der Casalesi. Der Spartakus-Pro-
zess begann im Juli 1998. In zehn Jahren
umfangreicher Ermittlungen überprüf-
ten die Ermittler 1300 Personen. Um sei-
ne Aussage zu verhindern, hatten die Ca-
salesi noch kurz vor der Urteilsverkün-
dung einen Unternehmer auf offener
Straße erschießen lassen. dpa
Witten/Bochum– Auf einen harten Win-
ter hat sich ein Dieb in Witten einge-
stellt: Die Polizei erwischte einen36-Jäh-
rigen aus Herdecke am Wochenende, als
er gerade mit 825 KilogrammSalz imLie-
ferwagen ein Baumarktgelände verlas-
senwollte. Der Mann gaban, spontan ge-
handelt zuhaben. Als er ineinemnahe ge-
legenen Schnellrestaurant etwas zu es-
sen holte, sei sein Blick auf eine Palette
mit Streusalz gefallen. Weil er imvergan-
genen Winter so viel Geld für Streusalz
ausgegebenhabe, sei ihmdie Idee gekom-
men, ein paar Säcke einzuladen. Insge-
samt 33 Säcke habe der Mann in seinen
Wagen gewuchtet, berichtete die Bochu-
mer Polizei am Montag. dpa
Düsseldorf – Mit einem Sprung über
Bord hat ein Schiffsführer in Düsseldorf
versucht, sich einem Alkoholtest zu ent-
ziehen. Die Polizei habe für die Verfol-
gung den schnelleren Landweg bevor-
zugt, berichtete ein Polizeisprecher in
Duisburg. Als der triefnasse und frieren-
de Kapitän sich 200 Meter stromabwärts
an Land schleppte, erwarteten ihn die
Beamten schon. Er war am Samstag
durch ein gefährliches Fahrmanöver auf
dem Rhein aufgefallen und hatte deut-
lichnachAlkohol gerochen, als die Beam-
ten an Bord gingen. In einem Kranken-
haus wurde ihm eine Blutprobe entnom-
men. Über das Ergebnis ist noch nichts
bekannt. dpa
Mannheim – Nach vierwöchiger Pause,
die sich Jörg Kachelmann für einen Be-
such bei seinen in Kanada lebenden Kin-
dern erbeten hatte, erschien der Wetter-
moderator am Montag wieder vor dem
Mannheimer Landgericht. Nachacht Mo-
natengeht der Prozess gegen den52-Jäh-
rigen nun allem Anschein nach in seine
letzte Phase. Die Zeugenliste ist abgear-
beitet, die Reihen der Sachverständigen
haben sich erfreulich gelichtet. AmMon-
tagerstattete die Bremer PsychologinLu-
ise Greuel ihr Gutachten, nun warten
nur noch die beiden Psychiater Hartmut
Pleines und Günter Köhnken auf ihren
Auftritt. Als Termin für die Urteilsver-
kündung hat das Gericht den 27. Mai ins
Auge gefasst. Der beisitzende Richter Jo-
achim Bock beteuerte den festen Willen
des Gerichts, diesen Termin einzuhalten,
auch Kachelmanns Verteidiger Johann
Schwennließ erkennen, dass er keine Ab-
sicht hege, den Zeitplan zu torpedieren.
Wie so oft in diesem Prozess musste
das Publikum während des Vortrags der
Sachverständigen Greuel den Saal ver-
lassen, was aber nicht allzu schwer ins
Gewicht fällt, weil die wesentlichenAus-
sagen des Gutachtens schon lange vor
Prozessbeginn in den Medien kolportiert
wurden. Die Bremer Professorin ist Ver-
fasserin eines Standardwerks über die
Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen.
Sie hat viele Stundenlang mit Claudia D.
gesprochen, der Frau, die Kachelmann
beschuldigt, er habe sie mit einem Mes-
ser bedroht und vergewaltigt, nachdem
sie ihn damit konfrontiert hatte, dass er
Beziehungen mit anderen Frauen unter-
halte. In ihremvorläufigen, schriftlichen
Gutachten kam Greuel zu demErgebnis,
dass es aus psychologischer Sicht keinen
Beweis dafür gebe, dass Claudia D.s Aus-
sagen auf einem tatsächlichen Gesche-
hen beruhen. Es gebe Mängel in der De-
tailliertheit und in der logischen Konsis-
tenz der Aussage; einiges von dem, was
das mutmaßliche Opfer erzählte, könne
sich so nicht abgespielt haben.
Inzwischen hat Claudia D. allerdings
20 Stunden lang vor Gericht ausgesagt,
ob sich die Einschätzung der Sachver-
ständigen dadurch verändert hat, erfuhr
das Publikum nicht. Allerdings gab Lu-
ise Greuel nochinöffentlicher Sitzung ei-
nen Crash-Kurs in Aussagepsychologie,
der den Zuhörern auch ein Bild von den
Grenzen dieser Disziplin vermittelte.
Glaubwürdigkeit, sagte die Sachverstän-
dige, habe nichts mit Wahrheitsliebe und
moralischer Integrität zu tun. „Wir stel-
len nur die Frage, ob ein Zeuge die Un-
wahrheit sagen könnte“. Sie könne keine
Aussage treffen, ob etwas tatsächlich
stattgefunden habe oder nicht: „Ein
Glaubwürdigkeitsgutachtenist keine Lü-
gendetektion.“ Es gebe viele Umstände,
die eine Aussage verfälschen könnten –
vomeinfachen Irrtumüber die „komplet-
te Scheinerinnerung“ bis hinzur vorsätz-
lichen Falschaussage. Gedächtnislücken
könnten nachträglich aufgefüllt werden,
sodass der Zeuge überzeugt sei, es mit ei-
ner echten Erinnerung zu tun zu haben.
„Aber wir können nicht feststellen, ob
das wirklich der Fall ist“,sagte Greuel.
„Wir können nur nach Risikofaktoren
fragen.“ Hans Holzhaider
„Unerschöpfliches
Angebot“
Studie über die Verbreitung von
Kinderpornographie im Internet
Für die Karriere, für die Liebe, im Sport:
Auf dem Weg zum Erfolg findet sich für
jedes Problemein Coach, der es beseiti-
gen will. Wie seriös sind die eigentlich?
www.sueddeutsche.de/karriere
Droht ein Kampf der Kulturen? In der TV-
Runde bei Beckmann sprechen Helmut
Schmidt und Peter Scholl-Latour über
Terror und Glauben. Eine Nachtkritik.
www.sueddeutsche.de/medien
Am Sonntag wird die Sportwelt wieder
einmal gespannt nach Wolfenbüttel bli-
cken – die 9. Deutsche Meisterschaft im
Buspulling steht an. Mannschaften von
jeweils fünf Männern und einem Trainer
werden versuchen, so schnell wie möglich
einen 16 Tonnen schweren Reisebus mit
einem Seil 30 Meter weit zu ziehen. 6000
Zuschauer werden erwartet. Gänsehaut
pur. Carsten Müller, 41, ist Gründer und
Trainer der „Pulldozers“.
Weiterer Schlag
gegen die Camorra
Einbrecher stiehlt
825 Kilo Streusalz
Kapitän geht wegen
Alkoholtest über Bord
Land unter amMississippi
Nach den verheerenden Tornados droht nun im Südosten der USA die schlimmste Flutkatastrophe seit 1927
Wahrheit und Lüge
Der Auftritt einer Psychologin im Kachelmann-Prozess
Heute bei
Ein Coach für alle Fälle
Angst vor der Eskalation
Seite 10 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
PANORAMA
EIN ANRUF BEI . . .
Carsten Müller, der Deutscher Meister im Buspulling werden will
Dramatische Folgen der Unwetter in den USA: Der Ohio River und der Mississippi treten über die Ufer. Hier eine Szene in Louisville, Kentucky. Foto: Reuters
Wer seinen Bus liebt, der zieht, wie hier
ein Team aus Wolfenbüttel. Foto: dpa
Wettermoderator Jörg Kachelmann
und Anwältin Andrea Combé. dpa
LEUTE
Mississippi
Illinois
Alabama
Golf von
Mexiko
ATLANTIK
Washington
Cairo
Memphis
Tuscaloosa
400 km
SZ-Karte
betroffene Bundesstaaten
Unwetter in den USA
Mississippi
Missouri
Tennessee
USA
Eigentlich ja eine fabelhafte Sache:
Die neue Webseite des Duden ist seit die-
semMontag online. EndlichauchinDigi-
talien ein orthographischer Stecken und
Stab für uns ahnungslose Sprach-User.
Schließlich weiß spätestens seit der
Rechtschreibreform keiner mehr, wie
man was zu schreiben hat. Apropos: Ist
Orthographie überhaupt korrekt? Oder
heißt es mittlerweile Ortografie? Gleich
mal nachschauen auf www.duden.de/su-
chen/dudenonline: „Orthografie, Ortho-
graphie, die. Wortart: Substantiv, femi-
nin“. Geht also beides.
Ansonstenaber ist der Eintrag zur „Or-
thographie“ noch keine Werbeveranstal-
tung für das neue Zentralregister der
deutschen Rechtschreibung, sondern
zeigt, dass der Duden bislang online
schlichtweg nicht mithalten konnte mit
den Entwicklungen des Internets 2.0: Es
gabda jeweils drei Rubriken: „Dudenon-
line“ zeigte schmallippig, wie man das
Wort zu schreiben hat, siehe das Ortho-
graphiezitat. In „Sprachwissen“ wurden
ohne jeden Zusammenhang ein paar Sät-
ze oder Halbsätze versammelt, in denen
die Dudenredaktion irgendwann mal das
gesuchte Wort verwendet hat. Der
„Shop“ zeigte einem dann noch absolut
randommäßig einige Wörterbücher aus
dem Duden-Verlag an.
Anscheinend ist mittlerweile aber
auch der Dudenredaktion klargeworden,
dass die einzige Möglichkeit, im Internet
zu überleben, darin besteht, sich auf das
zu besinnen, was man wirklich kann,
und den Rest denen zu überlassen, die es
besser können: Da man in jedem user-
generierten Fragenforum bessere Bei-
spielsätze für die „Orthographie“ findet
als auf der eigenen Homepage, hat die
Redaktionwohl eingesehen, dass es nicht
mehr reicht, einpaar verlinkte Halbsätze
als „Sprachwissen“ zu verkaufen.
Bislang lässt nur die „Liste der 100
meistgelesenen Artikel“ erahnen, wo es
hingehen soll mit dem digitalen Duden:
Gibt man aus dieser Liste das Wort „De-
kolleté“ ein, werden einem Rechtschrei-
bung, Bedeutung, Synonyme und etymo-
logische Herleitung geboten. Die Rubrik
„Wussten Sie schon?“ kann man sich
eventuell sparen, steht da docheinzig der
Hinweis: „Dieses Wort wirdoft falschge-
schrieben.“ Wenn wir irgendetwas wuss-
ten, dann genau das, ansonsten hätten
wir uns kaumdie Mühe gemacht, demDu-
den ins Dekolleté zu schauen.
Die angeblich meistgelesenen Artikel
behandeln übrigens die Wörter „wider-
spiegeln“, „sodass“, das schon erwähnte
„Dekolleté“, „selbständig“, „krakee-
len“, „kennenlernen“, „Rhythmus“,
„Walpurgisnacht“ und „flirten“, womit
wir der geneigten Leserschaft zum
Schluss bereits die anscheinend zehn
kniffeligstenWörter der deutschenSpra-
che in Reihenschaltung präsentiert hät-
ten. alex
Eine der Thesen zur jüngeren Moder-
ne, die sich am hartnäckigsten hält,
stammt vonWalter Benjaminundsie lau-
tet: Der unbewusste Hauptzweckder bür-
gerlichen Gesellschaft sei es gewesen,
denmodernen Menschen die Möglichkeit
zu verschaffen, sich dem Anblick von
Tod und Sterben zu entziehen. „Heute“,
schreibt Benjamin in seinen Betrachtun-
gen zum Werk Nikolai Lesskows, „sind
die Bürger in Räumen, welche rein vom
Sterben geblieben sind, Trockenwohner
der Ewigkeit, und sie werden, wenn es
mit ihnen zu Ende geht, von den Erben in
Sanatorien oder in Krankenhäusern ver-
staut.“ Sterben aber sei einstmals ein öf-
fentlicher Vorgang gewesen („Man den-
ke an die Bilder des Mittelalters, auf de-
nen das Sterbebett sich in einen Thron
verwandelt hat, dem durch weitgeöffne-
te Türen des Sterbehauses das Volk sich
entgegen drängt“). Nun werde es imVer-
lauf der Neuzeit aus der Merkwelt der Le-
benden immer weiter herausgedrängt.
Insofern, sollte diese These ihre Be-
rechtigung haben, muss gefragt werden,
warumdie späte Moderne mit ihren„Tro-
ckenwohnern der Ewigkeit“, zwar das
Sterben verdrängt, aber ständig Bilder
von Toten in Umlauf bringt. Und sogar
drängend nach dem Bild gewisser Toter
verlangt. Warum also muss in den Nach-
richtenagenturen das Bild einer bärti-
gen, entstellten Leiche alsbald der Nach-
richt folgen, dass Osama bin Laden von
US-Spezialeinheiten getötet worden sei?
Die Feststellung ist nicht neu, dass
auch die Hochzivilisationen der Gegen-
wart ein archaisches Erbe weiter pfle-
gen: Es ist die mitunter triumphal insze-
nierte Präsentation der Leichen von de-
klarierten Erzfeinden: Man erinnert sich
an die in Mailand kopfüber aufgehäng-
ten Leichen Benito Mussolinis und Clara
Petaccis vom Mai 1945.
Es gibt die Dokumentation von Lei-
chen der 1946 Gehenkten der Nürnber-
ger Prozesse, auch das Bild der Leiche
Hermann Görings, der sich der Hinrich-
tung durchSelbstmordentzog. Manerin-
nert sich an die Präsentation der Leiche
Che Guevaras, die 1967 wie eine Jäger-
strecke gleich von mehreren bewaffne-
ten Häschern umringt inszeniert wurde.
Es gibt ein Video der Erschießung Nico-
lae Ceausescus und seiner Frau Elenas
undBilder aus demJahr 1989. Dokumen-
tiert sind die sterblichen Überreste Pol
Pots aus dem Jahr 1998 wie die kugel-
durchsiebte Leiche des afrikanischen
Unita-Rebellen Jonas Savimbi aus dem
Jahr 2002. Und selbstverständlich hat
man die Bilder der Exekution von Sad-
dam Hussein aus dem Dezember 2006
noch im Gedächtnis.
Welche Rolle spielen diese Bilder für
die mentale undkollektiv-psychische Hy-
giene von Hochzivilisationen? Warum
muss – und zwar muss!, – man den Tod
und die Toten zeigen, wenn die Leichen
den Feinden der Zivilisation, der Demo-
kratie, der eigenen Kultur gehören? Und
will ihnen anschließend – andererseits –
auf keinen Fall ein Grab geben.
Denn es ist ja auch so: Man will einer-
seits ihre Leichen zeigen und sehen. Aber
man will ihnen keinen Ort geben, an dem
man sie anschließend vermuten muss.
Nach demFoto muss der Tote unauffind-
bar verschwinden. Und zwar schnellst-
möglich. Bezeichnend ist, dass man Bin
Ladens Leiche zwar bereits Stunden
nach der Tötung auf See bestattet habe,
angeblich „im Einklang mit islamischen
Praktiken und islamischer Tradition“,
wie ein US-Regierungsbeamter erklärte.
Allerdings hielt man sich nur daran, den
Toten islamischem Gebot gemäß inner-
halbvon24 StundennachdemTodbeizu-
setzen. Die US-Behörden hielten sich
aber nicht daran, dass nach islamischem
Ritus Tote nicht auf See bestattet werden
sollen – unauffindbar für alle Zeit. Die
Totenkulte der drei großen Religionen,
Christentum, Judentum und Islam, se-
hen dafür die Beisetzung in einem Erd-
grab vor. Denn das Bewusstsein, dass die
Toten unter uns bleiben, ist gebunden an
die Vorstellung, dass ihre Identität und
Seele weiterhin im Grab einen unver-
rückbaren, dauerhaften Ort besitzen. Ei-
nen, den Angehörige kennen und aufsu-
chenkönnen, einen, der kultischTod, Le-
ben und die Hoffnung auf Weiterleben
miteinander verknüpft. Denn die Grab-
stätte symbolisiert im Leben, den Tod
unddenBoden, aus demwächst, dass Ge-
genwart, Vergangenheit und Zukunft ih-
ren paradigmatischen Ausdruck finden.
Daraus beziehen Gläubige aller Religio-
nen seit je Hoffnung. So paradox es klin-
genmag: Gräber bedeuten, dass es weiter-
geht. Und genau diese Kette der Zeiten
und der Hoffnung will man mit der Ge-
heimhaltung des Bestattungsortes von
mutmaßlichen Terroristen- undDiktato-
renleichen abreißen lassen. Darum dür-
fen, schon, um einer kultischen Märty-
rer- und Mythenbildung vorzubeugen,
für sie keine Wallfahrtsorte entstehen.
Dass man nun Bilder der Getöteten
zeigt und ihre Leichen nicht sofort ver-
schwinden lässt, hat vorrangig den
Grund, einen Beweis anzutreten. Die
Nachricht vomTodeines Feindes fällt bil-
derlos in den Bereich jener Neuigkeiten,
die BenjaminindemgenanntenEssay In-
formation nennt. Für ihn hat „Informati-
on ihren Lohn mit dem Augenblick da-
hin, in dem sie neu war. Sie lebt nur in
diesem Augenblick, sie muss sich gänz-
lich an ihn ausliefern und, ohne Zeit zu
verlieren, sichihmerklären.“ Der Bilder-
beweis dagegenwill belegen, dass eine In-
formation nicht bloße Propaganda war.
Dass tatsächlichsichtbar ist, was andern-
falls als nur behauptet diffamiert wer-
den könnte. Darum also die anti-propa-
gandistische Zeugenschaft des Bildes.
Die Sichtbarmachung des Toten will
in aufgeklärten Zivilisationen auch je-
dem möglichen Spuk und Geisterwesen
vorbeugen, dem Glauben an Wiedergän-
gertum und dem Zweifel an der Unum-
kehrbarkeit der Todes. „Thou’lt come no
more. Never, never, never, never, ne-
ver!“, heißt es bei Shakespeares „King
Lear“.
Dennoch spielen die Bilder der zu To-
de GestelltennochineinemanderenKon-
text eine Rolle. Sie sind Instrumente in
dem man, was man „Information War“
nennt, einem Krieg, der nicht über Spra-
che, sondern über die Macht und Wider-
macht von Bildern geführt wird. Eines
der furchtbarsten und brutalsten Ereig-
nisse unseres Jahrtausends waren die
Terroranschläge auf die Zwillingstürme
des NewYorker World Trade Center vom
11. September 2001. In der Erinnerung
an diese Anschläge sind nicht die Live-
Kommentare, nicht die anschließenden
klugen Analysen und Kommentare ge-
blieben, sondern die pure Gewalt der da-
mals akuten Bilder: die einfliegenden
Flugzeuge, die Explosionen, die einstür-
zenden Türme. Denn unsere Wahrneh-
mung von Realität – der Realität der Me-
dien, der Politik, des Krieges wie der Wis-
senschaften– hat indenletztenJahrzehn-
ten eine dramatische Änderung erfah-
ren. Galten Bilder zuvor als Begleitphä-
nomene von Wirklichkeit, als Abbilder
von etwas, das mit Sprache erfasst wer-
den konnte und nur in Sprache erst als
Politik, Krieg, Medium und Wissen-
schaft real war, so haben sichdie kogniti-
ven Gewichte für unsere Wahrnehmung
von Realität zugunsten des vermeintlich
authentischen Bildes verschoben. Wir le-
ben zuerst in ikonographischen, nicht
mehr primär in intellektuellen Zeiten.
„Damit“, so der Kunsthistoriker Horst
Bredekamp in seinem Buch „Theorie des
Bildakts“, „verschärft sich ein lange ein-
geschliffener Konflikt über den Status
der Bilder. Er resultiert aus dem Wider-
spruch zwischen der Annahme, dass Er-
kenntnis erst dann fundiert ist, wenn sie
das Feld des Sinnlichen und Visuellen
verlassen habe, und der Überzeugung,
dass Bilder nicht nur das Denken for-
men, sondern auch das Empfinden und
Handeln hervorbringen.“ Ein Zwiespalt,
der dadurch keineswegs nivelliert wird,
dass demaufgeklärtenBewusstseinjeder-
zeit auch„bewusst“ ist, dass Bilder mani-
puliert, ja allererst hergestellt werden
können, sei es durch Retusche, Montage,
Inszenierung oder digital am Computer.
Bilder haben eine solch immense Ver-
führungs- und Suggestivkraft, dass ge-
nau die Hochkulturen, die danach lech-
zen, sie entweder verharmlosen, um sich
ihrer Macht zu entledigen, oder sie dra-
matisch dämonisieren, weil man ihnen
eben alles und nichts zutraut. Insofern
steht das sich nach der Todesmeldung
über den Globus verbreitende Bild einer
grässlich entstellten Männerleiche, die
angeblich den getöteten Bin Laden zei-
gensollte, sofort an der Speerspitze meh-
rerer Diskurse: Es ist eingebaut indie Iko-
nographie des 11. September, die erst da-
mit ihr finales Bilderhaltensollte. Der ge-
tötete Urheber, die mutmaßliche Sicht-
barkeit seines Todes, hätten jetzt erst
symbolisch den Terrorakt von New York
beenden können. Denn dem Kunstwis-
senschaftler Hans Belting zufolge hat die-
ser Wille zumBilddes Totenkompensato-
rische Gründe: „In Wirklichkeit ersetzen
wir die Bilder, die wir nicht ertragen,
durch Bilder, die wir aushalten. Ständig
bekommen wir Tote zu Gesicht, damit
wir uns nicht vor dem Sterben ‚zu Tode‘
fürchten müssen.“ Andererseits belegt
die Tatsache, dass der Tote auf dem Bild
nicht der tote Bin Laden war, dass man
Bildern und ihren Zuschreibungen nicht
trauen mag. Und letztlich beweist die
Meldung, dass die CIA dennoch Bilder
des getöteten Bin Laden besitze, nichts,
sondern belegt nur, dass man ihr immer
noch nicht recht glaubt – bis man die Bil-
der gesehen hat. BERND GRAFF
Die Goldenen Löwen fürs Lebenswerk
der 54. Kunstausstellung – Illuminations
in Venedig (4. Juni bis 27. November) ge-
hen dieses Jahr an die Amerikanerin
Sturtevant, bekannt für ihre Repliken-
Arbeiten, undan denWiener Franz West,
der mit seinen „Passstücken“ das Ver-
hältnis von Objekt und Körper erforsch-
te. Die Entscheidung wurde vom Board
der Biennale, unter Leitung von Paolo
Baratta, getroffen. Die Preise werden bei
der Eröffnung am4. Juni offiziell überge-
ben. SZ
Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009
– Entschuldigung, stilgerecht müsste es
besser folgendermaßen heißen: seit je-
nem kalten Januarmorgen unter sonni-
gem Winterhimmel auf dem Kapitolshü-
gel, dem Morgen, als der Atem in der
Luft gefror, in Amerikas Herzen aber der
Funke der Hoffnung entzündet wur-
de . . . – seit seinemAmtsantritt also haf-
tet Barack Obama der Makel an, ein
Mann des blumigen Wortes, aber nicht
der Tat zu sein. Wie schon zuvor bei
seinen beeindruckenden Wahlkampfre-
den, so hieß es, sei der amerikanische Prä-
sident zwar niemals um ein smartes
Statement verlegen, niemals um eine
herzerwärmende, mutmachende Rede
zur Examensfeier an einer Universität;
doch auf den wichtigen Handlungsfel-
dern der Politik, von Afghanistan bis zur
Wall Street, da bringe er eigentlich
nichts so recht zustande.
Als Obama nun am späten Sonntag-
abend vor die Kameras und den Tele-
prompter trat, um die Tötung des zehn
Jahre lang gesuchten Terroristenführers
zu verkünden, da hätte er den Vorwurf
wortreicher Tatenlosigkeit ganz leicht
parieren können: Nun war ja wirklich
einmal eine spektakuläre Tat gelungen;
ineiner kurzen No-Nonsense-Ansprache
hätte Obama die zentralenFaktenaus Pa-
kistan mitteilen können, gipfelnd in dem
wirkungsvollen Kernsatz seiner Rede:
„Justice has been done“ – „Der Gerech-
tigkeit wurde Genüge getan.“
DochBarackObama tat indiesemsieg-
reichen Moment im Weißen Haus etwas
ganz anderes: Wie um zu beweisen, dass
sein oft üppiger, teils kühl reflektierter,
teils gezielt pathetischer Redestil keines-
wegs im Gegensatz zu entschlossenem
Handeln stehe, sondern dass seine Art zu
reden und zu denken mit solchem Han-
deln eng zusammenhänge, sprach Oba-
ma knappe zehn Minuten lang. Dies ist
für die allererste Mitteilung eines bedeu-
tenden Ereignisses durch die US-Regie-
rung an die Weltöffentlichkeit – eines
Ereignisses, welches sich in einem einzi-
gen Satz benennen lässt – eine überaus
lange Redezeit. Zumal in der Ära der Eil-
meldungen und Twitternachrichten.
Und über eine bemerkenswert weite
Strecke dieser Zeit spannte der Präsi-
dent die Zuschauer mit einer emotiona-
len, breit ausgemalten Erzählung von
den Anschlägen am 11. September 2001
und den folgenden Antiterrormaßnah-
menauf die Folter. Ganz zuAnfang sagte
er lediglich, dass die USAOsama bin La-
den getötet hätten. Bis dann aber über-
haupt die wesentlichenFragenbeantwor-
tet wurden: Wo und wie wurde er getö-
tet? Wo ist die Leiche? – bevor also die
klassischen Regeln einer Pressemittei-
lung erfüllt wurden, fuhr Obama in ei-
nemüber vier MinutenreichendenSpan-
nungsbogen alles auf, was die Rhetorik
dieses Präsidenten und seines Reden-
schreibers Jon Favreau kennzeichnet:
eine anschauliche narratio, poetisch, bil-
derreich und personalisierend.
Da war vominzwischenzumTopos ge-
wordenen „wolkenlosen Septemberhim-
mel“ in New York die Rede, der von den
Angriffen verdunkelt worden sei; von
dem ungesehenen Leid, das hinter den
Bildern der Attacken stehe: „Der leere
Stuhl am Tisch beim Abendessen. Kin-
der, die ohne ihre Mutter oder ihren Va-
ter aufwachsen mussten. Eltern, die nie-
mals das Gefühl einer Umarmung ihres
Kindes kennen sollten.“ Es wurde so-
dann in langen Sätzen die Einigkeit und
Solidarität der Amerikaner besungen,
die der 11. September gebracht habe; auf
einTrikolonwie das zitierte, einenrheto-
rischen Dreischritt also, folgte ein kraft-
voller zweischrittiger Parallelismus:
„We offered our neighbors a hand, and
we offered the wounded our blood“, und
darauf wieder ein effektvolles Trikolon,
das die Szenerie zur Weltpolitik hin er-
weiterte („unsere Mitbürger, unsere
Freunde, unsere Verbündeten“), bis
dann kurz vor Auflösung der Spannung
dem Al-Qaida-Netzwerk mit einem alli-
terierenden Trikolon zugesetzt wurde:
„. . . disrupt, dismantle, and defeat . . .“
Erst nach diesem „Was-bisher-geschah“
dann wurde Obama konkret, nannte er
den pakistanischen Ort Abbottabad und
die Umstände der Militäroperation.
Ein öffentlich sprechender Politiker
muss sichumeine schwierige Balance be-
mühen. Redet er zu nüchtern und blut-
leer, sieht man ihn als austauschbaren
Technokraten(oder als zynischenKriegs-
herren). Er darf aber auch nicht zu dich-
terisch werden, selbst in den USA nicht,
wo die Lizenz zum Pathos deutlich grö-
ßer ist als bei uns. Wie immer man Oba-
mas Gratwanderung bewerten will, der
sich historische Redner wie Abraham
Lincoln zum Vorbild nimmt – fest steht,
dass seine Osama-bin-Laden-Erklärung
als eines der längstenretardierendenMo-
mente in die Geschichte der amerikani-
schen Redekunst eingehen könnte.
Und mit den genannten Stilmitteln
und Bildern war Obamas Arsenal am
Abenddes Triumphes, der nicht zutrium-
phierend klingen sollte, noch lange nicht
leergeräumt. Es folgten nachder eigentli-
chen Information sowie nach der Be-
schwichtigung, es gehe nicht um Feind-
schaft mit demIslamgenerell, nochso ei-
nige gedrechselte Formeln wie „service,
struggle, and sacrifice“; es folgten Poeti-
zismen wie der bei Obama beliebte, es sei
der Terrorismus „to our shores“ gekom-
men, also „bis an unsere Gestade“. Man
könnte auch einfach sagen „in unser
Land“, aber schoninseinen Wahlkampf-
reden verwendete Obama gerne die For-
mel „fromshore toshore“, wenner das in-
klusive, überparteiliche Brausender Ver-
änderung beschwörenwollte. Undnatür-
lich folgten am Schluss wieder starke,
transzendental begründete Bekräftigun-
gen des weltweiten amerikanischen Sen-
dungsbewusstseins („America can do
whatever we set our mind to . . .“).
Eine Ansprache wie diese Bin-Laden-
Rede erfordert recht viel Arbeit undFein-
schliff. Der Aufwand ist so groß, dass der
Text nahezu gleichzeitig mit demZugriff
der Geheimdienstkräfte inPakistanerar-
beitet worden sein muss. Obamas Bot-
schaft heißt also: Ich bin ein Mann des
Wortes und der Tat. Amerika mag viel-
leicht bald nicht mehr das mächtigste
Land der Welt sein; unübertrefflich aber
ist Amerikas militärisch-rhetorischer
Komplex. JOHAN SCHLOEMANN
FEUILLETON
Kampf für den Klimperkasten
Auf den Spuren der großen Cembalistin
Wanda Landowska Seite 13
LITERATUR
Augen auf!
Die Gegenwartsliteratur hat den Kunst-
markt als Thema entdeckt Seite 14
MEDIEN
Das kann der Landarzt
Ein guter Zug: Prominente Schauspieler
in Debütfilmen Seite 15
WISSEN
Der Berg rutscht
Sensoren im Untergrund könnten vor
Muren warnen Seite 16
www.sueddeutsche.de/kultur
Dienstag, 3. Mai 2011 HBG Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 11
Aus Sprechern
sollen User werden
Es hat gedauert, aber jetzt endlich
ist auch der deutsche Duden online
Venedig-Löwen
Für Sturtevant und Franz West
Das Antlitz des Bösen
Warum selbst Hochzivilisationen noch den Drang kennen, die Bilder ihrer toten Erzfeinde zu zeigen und zu verbreiten
Hier spricht der militärisch-rhetorische Komplex
Eines der längsten retardierenden Momente der Geschichte: Obamas Redekunst und die wortreiche Verkündigung des Todes von Osama bin Laden
HEUTE
FEUILLETON
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Bilder, die von den Siegern der Geschichte verbreitet wurden: die Leiche des kubanischen Revolutionärs Ernesto Che Gue-
vara in Vallegrande, Bolivien (oben); Benito Mussolini und seine Geliebte Clara Petacci, 1945 in Giulino di Mezzegra (Mit-
te); Nicolae Ceausescu in Bukarest, am 21. März 1990 (unten). Fotos: picture-alliance, dpa, Rompres/ImageForum
Man will die Leichen der
Feinde zeigen – aber man will
ihnen kein Grab zugestehen
Geheimdienst-Kommando und
Redenschreiber verrichten
ihre Arbeit parallel
Die Macht der Bilder muss
entweder verharmlost werden –
oder dämonisiert
Nur weil Obama jetzt ein Präsident
der Tat ist, hört er nicht auf,
ein Mann des Wortes zu sein
mondrian
de stijl
Von De Stijl bis L’Oréal Studio Line –
Die seltsamen Wege einer Idee
03. Mai 2011 / 19h / Eintritt frei
Vortrag
Matthias Mühling, Lenbachhaus
Anmeldung: 089 233320-29
Ort: E.ONEnergieAG, Brienner Str. 40
Partner des Lenbachhauses
Wer die erste Heroine im Leben eines
Mannes sei? Die Mutter natürlich, meint
Guillermo Solana, der die von ihm über-
aus geistreich und unterhaltsam insze-
nierte Madrider Ausstellung zum Bild
weiblicher Heldenfiguren – vonder Krie-
gerin bis zur Zauberin, von der Märtyre-
rin bis zur Malerin, von Penelope bis Fri-
da Kahlo – deswegen auch ausdrücklich
seiner eigenen Mama widmete. Manch-
mal aber ist die Mutter nicht nur die ers-
te Heroine, der ein Mann begegnet, son-
dern auch die letzte. Wenigstens im My-
thos. In der Geschichte von Pentheus et-
wa, der heimlich, in Frauenkleider ge-
hüllt, denMänadenbei ihrenGelagenzu-
sah. Dummerweise wurde der verkleide-
te Voyeur dabei selbst entdeckt – von sei-
ner der Raserei verfallenden Mutter –
unddannauchnochfür einenanderenge-
halten. Die Meute der Weiber fiel über
ihn her, die ahnungslose Mutter riss ei-
genhändig ihren Sohn in Stücke.
Auf dem großformatigen, von einem
düsteren Gewitterhimmel bekrönten
Bild, das der Salonmaler Charles Gleyre
in den 1860er Jahren diesem Albtraum
widmete – es gehört zu den vielen Trou-
vaillen, die in der Madrider Schauzu fin-
den sind – jagen die Mänaden mit wild
wehenden Mähnen und Gewändern hin-
ter dem Entsetzten her. Die Mänade, die
ihmamnächstenist, hat schon denDolch
gezückt. Lasst uns die Wollust mit dem
Tod verbinden, diese Parole hatte der
Schriftsteller François-René de Chateau-
briand zu Anfang des 19. Jahrhunderts
ausgegeben, aus dem nicht zufällig die
meisten der circa 120 Bilder der Ausstel-
lung im Museum Thyssen-Bornemisza
stammen.
Denndie Frauansich, insbesondere je-
dochdie unabhängige, die möglicherwei-
se fatale Fraugehört zudengroßen Phan-
tasmendieser Epoche. Niemals wohl wur-
den so viele Frauenbilder dieser Art pro-
duziert wie im bürgerlichen Zeitalter.
Triebkraft dieser Bilderproduktion war
die männliche Angst, als Resultat einer
zunehmenden Entfremdung zwischen
denGeschlechtern: die Angst vor demrät-
selhaften Wesen Frau. Und, gegen Ende
des Jahrhunderts, die vehemente Furcht
vor männlichem Machtverlust, die ent-
zündet wird vom zunehmenden Eigenle-
ben der Frau, emotional, intellektuell
undsexuell, für das viele der hier versam-
melten Heroinenfiguren von der Antike
bis zur Gegenwart stehen. Nicht alle sind
jedoch so furios, so tödlich gefährlich
wie die Mänaden, die den unglücklichen
Orpheus als Strafe für seine Abkehr von
Dionysos erschlugen. Auf einem Gemäl-
de vonÉmile Lévy – es entstand ebenfalls
in den 1860er Jahren – liegt der Wehrlose
in seiner zarten, betont femininen Ge-
stalt sterbend auf dem Boden, von der
Schar der Mänaden umringt, die aber
hier demmännlichenVoyeur nicht nur ih-
re Stärke, sondern auch ihre unverhüll-
tenLeibesreize demonstrieren: Die Über-
gänge zwischen Wollust und Tod sind im
19. Jahrhundert tatsächlich fließend.
Die ungeniert zwischendenStilen, Zei-
ten und Modi changierende Ausstellung
stellt unkonventionell das Personal für
ihre Ahnengalerie starker und kriegeri-
scher, freier Frauen zusammen: So ver-
zichtet sie weitgehend auf die einschlä-
gig bekannten Femmes fatales zwischen
Judith und Salome wie auch auf die
Femmes fortes des Zeitalters Ludwigs
XIV. Sie mischt Meisterwerke von Cara-
vaggio und Rembrandt mit den parfü-
mierten Salonbildern von John William
Waterhouse und Lawrence Alma-Tade-
ma, Fotos von Robert Mapplethorpe und
Rineke Dijkstra mit Gemälden von Ma-
tisse und Skulpturen von Rodin. Sie mag
ein Nachtmahr sein für Kunsthistoriker
– aber sie ist zugleich ein bunter Luna-
park für Schaulustige.
Höchst anregend wird hier der Bogen
geschlagen vom männlichen Blick auf
die Heldin zur weiblichen Selbsterkun-
dung indenAutoporträts zahlreicher Ma-
lerinnen zwischen Artemisia Gentileschi
und Berthe Morisot, von den körperlich
kräftigen zu den geistig starken Heroi-
nen. Man trifft Medea undCirce, die Hei-
lige Katharina oder Jeanne d’Arc. Die
Amazonen Franz von Stucks, die schuf-
tenden Landfrauen Jules Bretons und
die ihren Gedanken nachhängenden Le-
serinnen des bürgerlichen Zeitalters sind
vertreten.
Auch dem mythischen Supergirl Ata-
lanta begegnet man, in einem fulminan-
ten Meisterwerk von Guido Reni, das mit
seiner theatralischen Komposition, mit
seiner balletthaftenInszenierung des Ge-
schlechterkampfes alle anderen Bilder
der Ausstellung überstrahlt. Die ebenso
keusche wie rasante Athletin wollte am
liebsten niemandem, zur Not allenfalls
demjenigen gehören, der sie im Wettren-
nenbesiegen könne. Alle anderen jedoch,
die es wagten, sie herauszufordern, ohne
schnell genug zusein, wurdenvonder He-
roine für ihren Übermut mit demTod be-
straft. Es waren sehr viele.
MANFRED SCHWARZ
„Heroinen“, bis zum 5. Juni im Museo
Thyssen-Bornemisza in Madrid. Info:
www.museothyssen.org.
Später, wenn die Feierlichkeitenüber-
standen sein werden, wird man Dieter
Borchmeyer fragen müssen, ob er Rober-
to Bolano je kennengelernt habe. Oder
dieser ihn. Uns was es zu bedeuten habe,
dass der Name „Borchmeyer“ in „2666“
fällt, dem großen, immer noch unter-
schätzten Roman des chilenischen
Schriftstellers – denn so heißt dort ein
deutscher Literaturwissenschaftler, der
es, als Haupt einer Fraktion reaktionärer
nationaler Philologen, besonders eng mit
der Verantwortung, dem Leiden und
demgesellschaftlichen Engagement hält.
Nun, wer Dieter Borchmeyer ein we-
nig kennt, wird wissen, dass er zwar je-
derzeit zueiner Fronde, nicht aber zuRe-
aktionärem taugt. Indessen: die Verant-
wortung, vor allemgegenüber demkultu-
rellen Erbe, das Leiden, womöglich gar
durch die Liebe veranlasstes, die gesell-
schaftliche Verantwortung, insbesonde-
re wenn es um die Herausforderung der
Kultur durch die Politik geht – das sind
alles Motive, die diesem Gelehrten nicht
fremd sind.
In welchem Maße das gilt, sieht man,
wenn Dieter Borchmeyer in München
(oder auch anderswo) an ein Katheder
tritt, um eine Rede zu halten, eine Sit-
zung zueröffnen, einer Preisvergabe vor-
zustehen (das tut er oft). Mächtig, mit
schwerem Kopf tritt er (wenngleich ein
wenig gebeugt) an das Pult, das Haar,
zwar vorne sehr schütter, rollt sich hin-
ten in der Manier Gottfried August Bür-
gers (nach dem Stich von Rosmäsler),
undja, er besitzt eine Stimme, die kräftig
genug ist, um der Kultur und ihrem Erbe
(das er kennt, das er liebt, von dem er
schwärmen kann) das nötige Pathos zu
verleihen. Doch es ist auch immer, trotz
fünfzig Jahren im deutschen Süden, der
Tonfall seiner Heimatstadt Essen in die-
ser Stimme, und darüber hinaus verbirgt
sich, selten ganz verhohlen, eine uner-
schütterlich gute Laune darin.
Es mag insofern etwas von Selbst-
schutz haben, wenn das literaturwissen-
schaftliche Werk dieses Germanisten
sich auf kanonische Werke konzentriert,
auf Schiller und Goethe (mit einem klei-
nenAusflug zuAnnette vonDroste-Hüls-
hoff), wobei sichdanndie beidenLebens-
motive immer wieder vonNeuempaaren:
die hohe Vorstellung von Kultur und die
Liebe zum eigenen Auftritt, die Bildung
und die Digression ins Biographische,
das Missionarische und die Fröhlichkeit.
Kaumvorzustellen, was geschehen wäre,
hätte Dieter Borchmeyer sein Gelehrten-
leben in den Dienst eines Unglücks-
wurms wie eben jenes Gottfried August
Bürger gestellt. Der hätte vermutlich
dem Ansturm dieses Gelehrten schon
physisch nicht widerstanden.
Dieter Borchmeyer war zunächst Pro-
fessor für Theaterwissenschaft in Mün-
chen, bevor er imJahr 1988 nach Heidel-
berg berufen wurde, wo er bis zu seiner
Emeritierung im Jahr 2006 blieb. Ganz
zusichselbst fander, so scheint es, indes-
senals Präsident der BayerischenAkade-
mie der Schönen Künste. Seit dem Jahr
2004 widmet er sich dieser Aufgabe, und
selten sah man eine Amtskette mit hefti-
gerem Stolz und größerer Würde getra-
gen. Sie verlieht ihrem, diesemTräger, et-
was Unwiderlegliches, womöglich sogar
Überwältigendes – ja, übertroffen wird
dieses große Schauspiel vonEvidenz viel-
leicht nur nochdurchdie Musik, die zwei-
te große wissenschaftliche Leidenschaft
dieses Gelehrten, wobei es auch darin
selbstverständlichvor allemumdas ganz
Große geht, um die Liebe, die Oper, das
Gesamtkunstwerk, umWolfgang Amade-
us Mozart und Richard Wagner. Das ist
gar nicht ironisch gemeint, denn auch
um die höchste künstlerische Meister-
schaft muss sich einer kümmern, und es
hat etwas Befreiendes, wenn dies jovial,
heiter, selbstverständlich geschieht (was
im übrigen weder der Bildung noch dem
Wissen etwas nimmt).
Und dann sind da noch: der Wider-
stand gegen die Rechtschreibreform, das
Interesse für die Walhalla, die Bewunde-
rung für denDirigentenChristianThiele-
mann, der Einsatz für einenzweitenKon-
zertsaal in München, die Freundschaft
mit Martin Walser, der Thomas-Mann-
Preis – gar kein Ende nimmt es mit den
Aktivitäten dieses Mannes. An diesem
Dienstag feiert er seinen siebzigsten Ge-
burtstag. THOMAS STEINFELD
Was macht ein stummer gesichtsloser
Chor Schwarzafrikaner in der „Winter-
reise“? Weder in Wilhelm Müllers Text
zuSchuberts Liederzyklus nochinElfrie-
de Jelineks Gegenwartsdrama gleichen
Titels taucht ein bunt gekleideter Hau-
fen aus Nigeria, Burkina Faso oder dem
Kongo auf. Warum also dann in Michael
Simons Inszenierung von Jelineks neuem
Stück in Karlsruhe – der zweiten nach
der uninspirierten Uraufführung von Jo-
han Simons an den Münchner Kammer-
spielen? Und das ist nur eine von vielen
Verständnisfragen, die diese sonderliche
Bearbeitungaufwirft. Dennauchchinesi-
sche Drachen, Einhörner, goldene Reiter
und Wolpertinger haben keinen direkten
Bezug zu den verwendeten Texten, eröff-
nen aber gleich als Mythenzoo zur Musik
von Arvo Pärt den ersten Teil dieses
Abends, der bis zur Pause kein Wort Text
mitbringt.
Nun ist Jelineks Denken seit jeher
skeptisch, kreiselnd, widersprüchlich,
aber dabei eher kühl und gefühlsscheu.
Und diese fast 80 Seiten lange Textreise
handelt vor allemvomVerbergen, Vertu-
schen, Verschwinden und Vergessen, ist
eine lange Reflexionüber emotionale Dis-
tanz, Selbstbehauptung und Angst um
die eigene Identität. Die Hauptfiguren
dieses Episodenwerks sind das Geld, Na-
tascha Kampusch, Sex-Süchtige vor
dem Computer und Jelineks alzheimer-
kranker Vater, der von Frau und Tochter
inein Heimverbracht seinemzerbröseln-
den Wesen hinterherreist.
Das ist sehr großer Stoff, zudem eine
Art Best-of von Jelineks Themen, die sie
in früheren Dramen bereits sprachlich
umkreist und zerpflückt hat. Sport- und
Leistungswahn tauchen hier ebenso auf
wie sexuelle Obsessionen, männliche Ge-
walt, zynische Wirtschaftsstrukturen,
Hass gegen das andere, Introvertiertheit
als Rettung vor der Welt. Das Herzstück
aber ist eine sehr persönliche Einfühlung
in den Geist ihres Vaters im Heim, die
starke Schuldgefühle für dieses Schick-
sal anklingen lässt. Aber Afrika?
In einer Inszenierungserklärung mit
dem Titel „Erste Hilfe“ beruft sich Si-
mons Teamdarauf, dass JelinekallenRe-
gisseuren zugestehe, mit ihrem Text ma-
chen zu dürfen, was sie wollen. Das er-
laubt natürlich auch das Kürzen von al-
lem Wesentlichen. Die ganze Bankenge-
schichte umdie Hypo Alpe Adria und die
Textseitenüber Natascha Kampusch flo-
gen gleich raus, von den anderen Episo-
den blieben lediglich Kernstellen übrig.
In dieser „Ersten Hilfe“ wird dann
auch eine „Mehrheitsmeute“ als angeb-
lich zentrale Metapher bei Jelinek be-
hauptet (die in Jelineks Sprache als
„Meute“ aber nirgends auftaucht). Und
dann wäre da die Frage, ob Simon wirk-
lich das Missverständnis provozieren
wollte, die stummen Schwarzen seien ein
Symbol der eifernden Meute? Vielleicht
ist diese missglückte Metapher auch nur
der Versuch, „die Toten“ darzustellen,
aber warumdanninafrikanischer Basar-
Pracht? Zumal die Schwarzen dann mit
blonden Perücken auch Jelinek und ihre
Frau Mutter darstellen, die den Vater ins
Irrenhaus abschieben – was die einzige
Stelle ist, wo wenigstens die Gesichtslo-
sigkeit einen Sinn ergibt, denn das zer-
fressene Vaterhirnerkennt auchBekann-
te nicht mehr. Aber letztlichist diese Ver-
bindung zwischen Chor und Familie ge-
nauso wenig zwingend wie alle anderen
Einfälle dieses bunten Szenenabends.
Da taucht Heath Ledger als Clown mit
E-Gitarre auf (Thomas Schrimm) und
singt zu Hendrix-Riffs von der alten Lei-
er des Sterbens. „Zeit“ und „Geschich-
te“ (Patricia Coridun und Teresa Trauth)
sindverkleidet mit rot-goldfarbenenGlo-
ckenröcken und sprechen Jelineks exis-
tenzielle Überlegungenzum„Vorüber ge-
hen“ mit dem Gestus empörter Sekretä-
rinnen. Die Melancholie des abgeschobe-
nenWanderers verwandelt „Staatsschau-
spieler“SebastianKreutz in einPotpour-
ri wilder Seelenzustände. Und die Haus-
technik darf sich in allerlei sinnlosem
Aufwand verschwenden.
Hübschist davonmanches, die elektro-
nisch verfremdete Streichermusik von
NinaWurmanklingt auchsehr unterhalt-
sam, aber wenn Michael Simon sein
Schauspiel mit denWorten„dummgelau-
fen“ enden lässt, dann hat er leider recht.
Mit Elfriede Jelineks Text, mit ihrer
Sprachanstrengung, ihrer Denkbewe-
gung, ihrer Ausdauer, ihrem Humor,
aber auch mit der Verbissenheit, mit der
sie immer wieder die Themen „Verant-
wortung“ und „Selbstbestimmung“ be-
handelt, hat Simons Afrika-Fasching
nichts zu tun. Eine adäquate Inszenie-
rung steht nach Simons in München und
Simon in Karlsruhe also noch aus.
TILL BRIEGLEB
Und wer froh ist, ist ein König
Der Germanist und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, wird siebzig
Wieso eigentlich Afrika?
Elfriede Jelineks „Winterreise“, nachinszeniert in Karlsruhe
Mamma mia
Eine Madrider Schau sucht in der Kunst nach Heldinnen – wie die Männer sie sahen und manchmal auch die Frauen
Die Bamberger Lyrikerin Nora
Gomringer erhält den mit 30 000 Euro
dotierten Jakob-Grimm-Preis Deutsche
Sprache 2011. Gomringer habe einer
neuen Form des Dichtens in Deutsch-
land, der Slam Poetry, zur Popularität
verholfen, begründeten die Eberhard-
Schöck-Stiftung und der Verein
Deutsche Sprache die Wahl. Autoren des
Poetry Slam widerlegten das Vorurteil,
dass sich die Generation der 20-Jährigen
nicht für Sprache interessiere und
Sprache nur als Werkzeug für die
Verständigung im Alltag verstehe, so die
Universität Bamberg.
Die Stadt Aachen will etwa zehn pro-
vokante Wandmalereien des Künstlers
Klaus Paier unter Denkmalschutz stel-
len. Die Graffiti seien kritische Darstel-
lungen aus den 70er, 80er und 90er Jah-
ren zu den Themen Abrüstung, Krieg
und Bedrohung, teilte Landeskonserva-
tor Udo Mainzer am Montag in Aachen
mit. Das unerlaubte Bemalen und Be-
sprayen von Häusern erfülle zwar den
Tatbestand der Sachbeschädigung. Es
sei aber wichtig, den künstlerischen
Wert der Bilder zu vermitteln. „Das Gan-
ze ist ein Hochseilakt“, bekannte Main-
zer auch im Hinblick auf eine mögliche
Signalwirkung für illegale Sprayer.
Der fünfte Teil der „Fast andFurious“-
Reihe ist auf Platz eins der deutschen Ki-
nocharts eingestiegen. Rund 818 000 Ki-
nobesucher sahendenFilmamerstenWo-
chenende, wie das Marktforschungsun-
ternehmen Media Control mitteilte. Da-
mit habe das Gespann Vin Diesel und
Paul Walker den bisher besten Start der
Reihe hingelegt. dpa
E
s ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn
Unvorgesehenes eintritt oder wennei-
nen das Nicht-mehr-Geglaubte als harte
Realität überrascht oder wenn Verzweif-
lung plötzlich in Freude umschlägt. Ge-
nau so seltsam aber ist es zu erleben,
wennEuphorienjähabstürzen, Hoffnun-
gen radikal enttäuscht werden, das Le-
ben ruckartig eine Wendung erfährt.
Die Nachricht, dass Osama bin Laden
erwischt wordensei, übt imerstenAugen-
blick solche Wirkung aus. Endlich, mag
man denken, und sich erleichtert fühlen,
wenigstens für eine kurze Zeit. Und so-
fort tauchen wieder jene Bilder auf von
den in die Morgensonne ragenden Twin
Towers in New York, in die die Flugzeu-
ge so unwirklichhineinstürzen, als hand-
le es sich um eine filmische Animation.
Überhaupt dieser Gegensatz zwischen
dem gar nicht bedrohlichen Antlitz des
bärtigen Mannes mit den eher sanft-
dunklen Augen und eben jenen Bildern
apokalyptischer Zerstörung. Letztlich
sindsie das eigentliche Porträt dessenge-
worden, was Osama bin Laden geheißen
hat. Derjenige, der sichanjenemSeptem-
bertag 2001 irgendwo imWesten Colora-
dos morgens umsiebenUhr rasierte, woll-
te seinen Augen bei den TV-Bildern aus
dem fernen New York nicht trauen. Im
Frühstücksraum des kleinen Motels ver-
sammelten sich dann ein paar Aufge-
scheuchte, Touristen und Amerikaner,
und befragten sich gegenseitig so unsi-
cher und verstört, als seien sie alle in eine
unbegreiflich falsche Welt geraten.
Oft wirdangesichts solcher möglicher-
weise epochalen Einschnitte die Frage
nachdemOrt gestellt, an demman davon
erfuhr. Es heißt, jeder wisse zum Bei-
spiel, wo er sich aufgehalten habe, als
John F. Kennedy getötet wurde. Damals
saß die Familie vor dem Radio und hörte
einer Aufnahme von Alexander Glasu-
nows Violinkonzert mit Nathan Milstein
als Solisten zu, dann brach die Sendung
ab, es entstand eine unwirklich lange
Pause, bevor ein Sprecher das Ungeheu-
erliche meldete. Die späteren, in der Sa-
che genau so verheerenden Attentate auf
Martin Luther King und Robert Kenne-
dy wirkten trotzdem eher wie einer ge-
spenstischenLogikverpflichtete Folgeta-
ten. Als die Panzer des Warschauer Pakts
im Sommer 1968 in Prag einrollten,
schlug die Meldung in einemniedersäch-
sischen Dorf ein; das Radio lief, weil je-
mand seine Uhr nach der Radiozeit ge-
nau stellen wollte. Die Nachrichten leg-
ten sich wie Mehltau über alles und ver-
dunkelten schlagartig und auf Jahre hin
die Welt, bis Alexander Dubcek wieder
aus denKatakombender Geschichte auf-
tauchen durfte.
Und im November 1989 rief eine alte
Dame aufgeregt an, man solle doch das
Fernsehen anstellen, da gäbe es einen
Film zu sehen, der zeige, was geschehen
würde, wenn die Berliner Mauer fiele. Es
dauerte eine Weile, bis man sie überzeu-
gen konnte, dass es sich um Tatsachen
handelte. Dieselbe alte Dame erzählte
dannvonjenemMoment inihremdamals
noch jungen Leben, der für sie von abso-
lut lebensbestimmender Bedeutung war:
Sie saß 1945 mit ihremMannineinemLo-
kal im Salzkammergut, als über Laut-
sprecher Großadmiral Dönitz zum deut-
schen Volk sprach und verkündete, dass
der „Führer“ nicht mehr lebe. Die Ehe-
leute sahen sich nicht an, niemand im
Restaurant rührte sich, kein Laut war zu
hören, es war, als seien alle erstarrt. Un-
ter dem Tisch hatten die beiden sich an
den Händen gefasst und wagten kaumzu
atmen. Sie dachte: Ist es wahr, ist der
Hund wirklich tot? Derweil tönte der
Großadmiral vonder Fortsetzung des hel-
dischen Kampfes, es klang alles wie ge-
wohnt. Nach der Ansprache zahlten die
Leute und verließen den Raum.
Die Eheleute vermochten sich erst in
deneigenenvier Wändenungläubig anzu-
schauen, und sie spürten erst jetzt die
Schmerzen. Sie hatten während der
Dönitz-Rede gegenseitig ihre Hände so
sehr gedrückt, dass sich die Fingernägel
so tief ins Fleisch gebohrt hatten, bis es
blutete. HARALD EGGEBRECHT
Seite 12 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
FEUILLETON
Dieter Borchmeyer Foto: Erwin Elsner/picture-alliance-dpa
Von diesen Heroinen und ihren Partnern („Junge Spartaner beim Training“, um 1860) mochte sich der Maler Edgar Degas nicht trennen, es wurde nach seinem Tod
1917 in seinem Atelier gefunden. Abb.: National Gallery London / Katalog
NACHRICHTEN
ZWISCHENZEIT
Von hier und heute
Die bunt zusammengestellte
Ausstellung gibt sich als
Lunapark für Schaulustige
Die Furcht der Männer war
im 19. Jahrhundert Triebkraft
der Bilder brutaler Frauen
Arthur Flegenheimer alias „Dutch“
Shultz, Sohn deutsch-jüdischer Einwan-
derer, gehörte Anfang des 20. Jahrhun-
derts zu den gefürchteten Gangstern
New Yorks. Während der Prohibition
war es ihmgelungen, die Schwarzbrenne-
reien und illegalen Alkohol-Schänken in
Harlem und der Bronx unter seine Kon-
trolle zu bringen. Auch die schwarzen
Lotteriebetreiber in Harlem kassierte er
der Reihe nach ab: Meist genügte es, dass
Shultz – ein unscheinbarer Typ mit
schlechter Frisur und Kleidern von der
Stange – seine Pistole auf denTischlegte,
um einen Spielbank-Unternehmer ins
Angestelltenverhältnis zu zwingen. Half
das nicht, ließ er seine Gunmen auch
schon mal mit Knochenbruch und Blen-
dung nachhelfen. „Dutch“, schreibt der
Historiker Ron Chepesiuk, „überrollte
Harlem als sei es sein Ehrgeiz, die Nach-
barschaft ineine Plantage des organisier-
ten Verbrechens zu verwandeln.“ Wenn
es allerdings um Musik ging, befand sich
der ruchlose Gangster ganz im Einklang
mit der schwarzen Bevölkerung. Der
Jazz-Liebhaber Shultz verhalf etwa Lou-
is Armstrong 1924 zu dessen erstemAuf-
tritt in New York, sein Nachtclub Con-
nie’s Inn spielte zusammen mit dem Cot-
ton Club und dem Small’s Paradise eine
wichtige Rolle indenKarrierenvon Jazz-
größen wie Count Basie, Cab Calloway
oder Duke Ellington.
Die Namen der von der Unterwelt fi-
nanzierten Nachtclubs, Revue-Theater
und Broadway-Tempel sind Teil des
Weltkulturerbes. Dass aucheine Reihe jü-
discher Gangster mitmischte, ist dage-
genweniger bekannt. Lange standdie ita-
lienische Mafia im Vordergrund. Dabei
spielten Männer wie Meyer Lansky, Ben-
jamin „Bugsy“ Siegel, „Dutch“ Shultz,
Louis „Lepke“ Buchalter oder der als
„Zar der Unterwelt“ von Havanna bis
NewYork agierende Arnold „The Brain“
Rothsteinin derselbenLiga. Erstmals do-
kumentierte 2003 die kontrovers disku-
tierte Ausstellung „Kosher Nostra – Jüdi-
sche Gangster in Amerika 1890-1980“
des Künstlers und Kurators Oz Almog im
JüdischenMuseuminWien die Geschich-
te der jüdischen Unterwelt.
Almogs Arbeit inspirierte nun einen
Musik-Sampler, den der für seine Bal-
kan-Electro-Fusion bekannte Frankfur-
ter Produzent Stefan Hantel alias Shan-
tel in fünfjähriger Recherche zusammen-
getragen hat. Knapp zwei Dutzend Pop-
nummern zwischen Swing, jiddischem
Jazz und Rock’n’Roll. „Der Broadway“,
schreibt Hantel im CD-Booklet, „war
das ideale kulturelle Milieu der Gangs-
ter. Und er war einer der raren Plätze au-
ßerhalb der Unterwelt, an denen man –
auchwennmaneiner ethnischenoder an-
derenMinderheit angehörte – es zuetwas
bringenkonnte.“ Gerade ihr Außenseiter-
tum ermöglichte es den Unterwelt-Figu-
ren, in ihren Clubs und Theatern etwas
wirklich Neues zu erschaffen. Die Gos-
senmusik der Juden und Schwarzen aus
dem Ghetto auf den Broadway zu holen.
Und für die Massen anzurichten.
Es war die Geburt des amerikanischen
Pop. Wennjüdische Studiobosse inHolly-
wood ein sauberes amerikanisches
Selbstbildzusammenklitterten, dannwa-
ren ihre ärmeren Verwandten dafür ver-
antwortlich, den schwarzen Funk in den
Mainstream zu tragen. Eine hippe Mas-
senkultur zuschaffen, die sicheinemAus-
tausch zwischen afroamerikanischen
und jüdischen Außenseitern verdankte.
„Ihre Kollisionen imfrühen 20. Jahrhun-
dert“, schreibt der New-York-Times-Re-
porter John Leland, „als schwarze Mi-
grantenaus demSüdenindieselbenStäd-
te wie jüdische Immigrantenaus Osteuro-
pa zogen, machte die amerikanische
Stadt zu einem hippen Tauschhafen von
Ethnizitäten und frechen Redensarten.“
Der Kulturkritiker Cornel West bezeich-
net Juden und Afroamerikaner als die
„modernsten der modernen Völker“. Sie
verbänden nicht nur die Geschichte von
Verfolgung und Vertreibung, sondern
auch die „geteilte tragikomische Hal-
tung gegenüber der Realität“. „Kosher
Nostra“gibt einpaar swingende Kostpro-
ben dieser Verbindung: The Gilt Edged
Four intonieren den „Yiddisher Charles-
ton“, die Barry Sisters, Roza Ezenazy
oder Molly Picon mischen die Musik ost-
europäischer Juden mit afroamerikani-
schem Jazz, Songs von Connie Francis
(„O mein Papa“) oder Tom Jones („My
Yiddishe Mamme“) zeigen wie jiddische
Traditionals in die Mehrheitskultur ein-
wanderten, während Chubby Checker
die orientalische Weise „Misirlou“ ver-
rockt und der Calypso-Sänger Wilmoth
Houdini eine Klezmer-Melodie zumviel-
gesampelten Evergreen „Black But
Sweet“ aufquirlt.
War der Swing demnach auch eine jü-
dische Erfindung? Die Bedeutung von
Musikern wie Abe Ellstein, Benny Good-
mann oder Sophie Tucker spricht dafür.
Sie alle ließen mit den schwarzen Rhyth-
men allzu enge ethnische Grenzen hinter
sich, entdeckten im Jazz eine Freiheit,
die ihnen erlaubte sich als Amerikaner
zu fühlen – und dabei der Massenkultur
einen Tick voraus zu sein.
Die Geschichte des Hipsters: Sie führt
von dem als Sohn eines Kantors gebore-
nen und mit „Blackface“- und „Coon“-
Songs zum amerikanischen Vaudeville-
Star aufgestiegenen Al Jolson über den
Jazzmusiker und Drogendealer Mezz
Mezzrow bis zu den Beastie Boys. Der
Kulturkritiker IrvingHowe ging sogar so-
weit, schwarze Kultur als ideales Gefäß
für jüdische Identität zu beschreiben:
„Als Entertainer wie Al Jolson das
,Blackface‘-Theater von den irischen Im-
migranten übernahmen, transformierten
es die jüdischen Darsteller in etwas emo-
tional reicheres und menschlicheres. Das
Schwarze wurde zur Maske für jüdische
Expressivität.“ Die Juden als verfolgte
Minderheit nütztendemzufolge afroame-
rikanische Ausdrucksformen auch, um
in Amerika ihre eigene Kultur zu bewah-
ren. Ob Ragtime, Blues, Jazz, Straßenli-
teratur oder Gangster-Rap – immer wie-
der haben Juden und jüdische Gangster
eine bedeutende Rolle dabei gespielt,
schwarze Kultur in amerikanische Mas-
senkultur überzuführen.
Gibt es etwas Amerikanischeres als
Komponisten wie Irving Berlin, Harold
Arlenoder George Gershwin, als Jazzmu-
siker wie Benny Goodman, als Songwri-
ter wie Doc Pomus, Jerry Leiber oder
Mike Stoller? Nicht zuvergessender Bop-
Poet Allen Ginsberg. Oder der von afro-
amerikanischen Komikern wie Richard
Pryor hochverehrte Comedian Lenny
Bruce. „Ich hatte niemals das Gefühl,
den Blues nur zu mieten“, erklärte der
Rock’n’Roll-Songwriter Jerry Leiber ein-
mal: „Er war genauso meine Sprache
und meine Poesie wie das Jiddisch mei-
ner Eltern.“
Wenn die Fusion zwischen Schwarz
und Weiß den kulturellen Fortschritt
Amerikas markierte, dann waren Juden
die hippen Agenten dieser Identitätsfin-
dung. Sie erkannten als erste die Magie
und Massentauglichkeit von Gossenmu-
sik wie Rock’n’Roll, Soul und Hip-Hop,
während die weiße und schwarze Mittel-
schicht noch die Nase rümpfte. Sie über-
nahmen – wie Leonard und Phil Chess
für den Blues, Syd Nathan und Art Rupe
für den Rock’n’Roll oder Jerry Wexler
für denSoul – die Rollender Paten, Advo-
katenundVermittler. Oder auchder Aus-
beuter. Schwarze Musiker klagten im-
mer wieder über die Geschäftsmethoden
ihrer jüdischen Verleger, die sich Song-
rechte ergaunerten oder wie Morris Levy
mit ihrenUnterwelt-Verbindungendroh-
ten. „Get rid of that devil real simple /
put a bullet in his temple“, fluchte 1991
Ice Cube in Richtung seines ehemaligen
jüdischen Managers Jerry Heller.
Meist aber ließ sichkaumeindeutig sa-
gen, wer hier von wem mehr profitierte.
Tatsächlich spielten auch in der letzten
Evolutionswelle schwarzer Popkultur
wieder Juden eine bedeutende Rolle: An-
fang der neunziger Jahre kontrollierten
Hip-Hop-Bosse und -Produzenten wie
Rick Rubin, Lyor Cohen, Tom Silver-
man, Barry Weiss, Steve Rifkind oder
Bryan Turner zeitweise den gesamten
Hip-Hop-Markt Amerikas. Wobei sich
all diese jüdischenVerleger undImpresa-
rios nie auf die Rolle der Kultur-Vermitt-
ler beschränkten, sondern schwarze Äs-
thetik als kulturelle Essenz Amerikas in-
terpretierten. Bill Adler, ein jüdischer
Verleger, der unter anderem mit Run
DMC und Public Enemy arbeitete, und
den Henry Louis Gates den „schwärzes-
ten weißen Mann New Yorks“ nannte,
sagte einmal: „Die Juden haben ein kol-
lektives Genie dafür, wertzuschätzen
und zu verpacken, was Schwarze anbie-
ten.“ Apropos Wertschätzung: Die Noms
de Guerre jüngerer schwarzer Gangster-
Rapper sind Beanie Siegel oder Dutch
Shultz und ihre Firmen nennen sie Mur-
der Inc. – so wie ihre jüdischen Paten ein
knappes Jahrhundert zuvor.
JONATHAN FISCHER
Die britisch-deutsche Performance-
Gruppe Gob Squad steht für das in die
Jahre gekommene Avantgarde-Theater
der neunziger Jahre, das die Grenzenzwi-
schen Kunst und Leben, zwischen Thea-
ter und Alltagsbanalitäten lässig ver-
wischt, manchmal um den Preis, in den
Fallen der puren Selbstreferenz zu lan-
den. In ihrem hinreißenden neuen Stück
„Before your very eyes“ am Berliner
HAU entgehen Gob Squad diesem dro-
henden Leerlauf und treiben ihr Spiel ei-
ne Drehung weiter, indemsie imSchnell-
durchlauf ganze Biographien erzählen:
das Leben, ein Spiel. Aber eines, das vor
allem aus Desillusionierungen besteht.
Die Performer stehen zum ersten Mal
nicht selber auf der Bühne. Sie haben das
Stück zusammen mit Kindern zwischen
acht und vierzehn Jahren entwickelt,
und die spielen sich jetzt hinter einer
Glaswand wie in einemAquariumselbst.
Damit erst gar kein Authentizitätskitsch
aufkommt, ironisierenGobSquaddie Si-
tuation mit einer marktschreierischen
Ansage: „Meine Damen undHerren! Gob
Squad präsentieren echte, lebende Kin-
der!“ Die hängen hinter ihrer Glaswand
rum, schauen ein bisschen Fernsehen
oder spielen Luftgitarre. Bis eine autori-
täre Stimme die Teenager daran erin-
nert, dass sie nicht zum Vergnügen hier
sind: „Ihr seid hier, um zu leben und um
amEnde zu sterben! Growup!“ Und bit-
te etwas plötzlich! Also zerren die Klei-
nen an ihren Gliedmaßen, vielleicht
wachsen sie so ja schneller. So weit, so
lustiger Performance-Kindergarten.
Aber dann nimmt das Spiel eine sehr
einfache, großartige Wendung. Die Kin-
der spalten sich auf – in die Kinder, die
sie sind, und in die Jugendlichen, Er-
wachsenen, Alten, die sie einmal seinwer-
den. Die gefilmten Kinder fragen ihre äl-
teren Alter Egos, wie ihr Leben so gelau-
fen ist: „Wohnst Du in einer Villa? Hast
Du noch die selbe Freundin? Bist Du
Müllmann? Sind Spaghetti immer noch
Dein Lieblingsessen?“ Und die als Er-
wachsene verkleideten Kinder geben auf
ihre eigenen Kinderfragen Antworten,
oder auch nicht: „Ich habe meine Privat-
sphäre und Du auch. Wenn Du wissen
willst, wie die Pubertät ist, frag Google.
Mach’s gut. War schön, Dich wieder mal
zusehen.“ Keine Parodie auf das Erwach-
senenleben, eher ein melancholischer
Vorgeschmack auf das, was das Leben
wohl noch für sie bereit hält, sind diese
gespielten Lebenslauf-Stationen.
Als Jugendliche ziehen sich die Kinder
grelle Klamotten an, stopfen sich Papier-
knäuel als Brustimitat unters Kleid oder
spielen, wie man lässig kifft und dann
apathisch vor sich hin dämmert. Die Ju-
gend, so viel ist klar, wird vielleicht et-
was peinlich werden, aber auf jeden Fall
eine Menge Spaß bringen. Unddannmüs-
sen die Mittvierziger im Publikum sehr
tapfer sein, denn die nächste Station
dürfte ihnen unangenehm bekannt vor-
kommen. Erwachsen zu sein, stellen sich
die Kinder, vielleicht zuRecht undaus ei-
gener, gnadenloser Anschauung heraus,
als eine endlose, fürchterlich öde Steh-
party vor. Leute, die sich nichts zu sagen
haben, schlagen die Zeit damit tot, so zu
tun, als würden sie Sushi mögen oder
kenntnisreich über Wein plaudern kön-
nen – lauter Langweiler, die das eigentli-
che Leben verpasst haben.
Auch die Antworten auf die Frage,
was sie wohl können, wenn sie erst mal
46 sind, fallen eher ernüchternd aus: „Ich
kann ein Motorrad kaufen und meine
Midlife-Crisis verleugnen. Ich kann sa-
gen: In meiner Jugend . . . Ich kann sa-
gen: Ich habe ein Burn-out. Ich kann Be-
ziehungen beginnen und beenden. Ich
kann zum Therapeuten gehen.“ Kein
Wunder, dass sich die Kinder schon auf
die nächste Station freuen: sterben spie-
len! In der gut einstündigen Inszenie-
rung wird der Horizont immer kleiner:
Vom Gefühl, alles sei möglich, bleibt nur
ein zähes Weitermachen, ein Schrump-
fen der Hoffnung darauf, dass das Leben
großartige Abenteuer bereit hält.
Was die Inszenierung neben den um-
werfenden Darstellern so bezaubernd
macht, ist die gänzlich unsentimentale
Verbindungzwischendemleichten, heite-
ren Spiel und der nüchternen Melancho-
lie des Erwachsen- und Altwerdens. Es
ist wahrscheinlich, zumindest für den et-
wa 46-jährigen Teil der Zuschauer, die
schönste und wahrste Aufführung des
Jahres. PETER LAUDENBACH
Das Instrumentenmuseum der Pariser
Cité de la Musique ist vor allemfür Lieb-
haber von Tasteninstrumenten des 17.
und 18. Jahrhunderts eine wahre Wun-
derkammer. Dutzende Cembali flämi-
scher, italienischer und französischer
Herkunft haltenhier ihren Dornröschen-
schlaf, grazil und elegant, hinreißend be-
malt und prächtig vergoldet, und dort,
wo man sich ihren Originalklang über
Kopfhörer vergegenwärtigen kann, fühlt
man sich wie mit Silber überschüttet
oder in einem Farbenrausch gebadet, je-
denfalls unmittelbar gepackt undangere-
det von einer Stimme aus ferner Zeit.
In den Katakomben des Museums, in
einemnüchternen, neonbeleuchtetenMa-
gazinraum, steht ein einsames Ungetüm,
das sich zu jenen Preziosen ungefähr so
verhält wie ein Traktor zu den Staatska-
rossen des Sonnenkönigs. Es ist das letz-
te Clavecin-Modell der Pariser Klavierfa-
brik Pleyel, die in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts die Materialien und
Konstruktionsprinzipienmoderner Kon-
zertflügel mit der Zupfmechanik des
Cembalos paarte. Mit gusseisernemRah-
men imwuchtigen Mahagonigehäuse, ei-
nem Heer handfester Harfenwirbel und
nicht weniger als sieben Pedalen ähnelt
das Gerät eher einem Technik-Dinosau-
rier als einem Instrument zur Erzeugung
filigraner Klänge. Und der Sound, den
man ihm auf zwei schwergängigen Ma-
nualen entlockt, ist unverkennbar der
des Maschinenzeitalters.
Mit vier Registern samt Koppel und
Lautenzug lässt sich eine beeindrucken-
de Phonstärke und ja, auch Polychromie
erreichen, aber den Farben mangelt es an
Tiefe undTransparenz, wie bei einemAc-
rylanstrich, der Klang bleibt seltsamun-
lebendig und starr, er „spricht“ nicht.
Für die Darstellung barocker Cembalo-
musik nach heutigemVerständnis ist das
Pleyel-Modell also denkbar ungeeignet.
Dennoch hat diese klobige Kuriosität
mehr mit der Alte-Musik-Bewegung und
der Entwicklung der historischen Auf-
führungspraxis zu tun als die schlum-
mernden Schönheiten in den oberen Eta-
gen.
Ein Schriftzug auf der Springerleiste
verrät, dass dieses Instrument auf Anre-
gung von Wanda Landowska mit einem
16-Fuß-Register versehenwurde. Wanda
Landowska, die 1879 in Warschau gebo-
rene Pianistin und Cembalistin, liebte
den tiefen, orgelähnlichen Ton. Und sie
war es, die imfrühen20. Jahrhundert, ge-
genalle Trends undWiderstände, als Pio-
nierinfür die Rehabilitierung des Cemba-
los und dessen Gebrauch bei der Darstel-
lung von Renaissance- und Barockmusik
stritt. Mit so nachhaltigen Folgen, dass
manche ihrer heutigen Kollegen die An-
sicht vertreten, sie habe die Alte-Musik-
Bewegung überhaupt initiiert, und nie-
mand, der heute als Cembalist sein Brot
verdiene, wäre ohne ihr Wirken je in die-
se glückliche Lage geraten.
Man muss nicht so weit gehen, lehrt
doch die Geschichte, dass Ideen sich
durchsetzen, wenn die Zeit dafür reif ist.
Allerdings verlief Landowskas Feldzug
(in Frankreich spricht man mit respekt-
voller Ironie von „Kreuzzug“) für das
Cembalo spektakulär genug, um Legen-
denzunähren. Anno 1900traf die hochta-
lentierte, in Warschau und Berlin ausge-
bildete Pianistin in Paris ein und kam
dort mit Musikern und Musikologen in
Kontakt, die sich für alte Instrumente
undvergessene Komponisteninteressier-
ten. Sogleich begann sie mit eigenen For-
schungen, unterstützt von ihrem Ehe-
mann Henri Lewund angetrieben von je-
ner starken Affinität zum Schaffen
Bachs, mit der sie schon als Jugendliche
den Dirigenten Arthur Nikisch so beein-
druckt hatte, dass er sie „Bachantin“
nannte. Mit damals konkurrenzloser
Hellsicht postulierte sie, dass die Musik
des großen deutschen Kantors, wie auch
seiner französischen und italienischen
Zeitgenossen, auf dem Klavier nicht ad-
äquat darstellbar sei, dass vielmehr „die
Werke jener Zeit auf demInstrument ge-
spielt werden müssen, für das sie kompo-
niert waren“.
Der Erkenntnis, die sie in Aufsätzen,
ZeitungsartikelnundihremBuch„Musi-
que ancienne“ so provokant wie elo-
quent begründete, ließ sie die öffentliche
Praxis folgen. Das brachte eine Phalanx
von Klaviervirtuosen und Kritikern ge-
gen sie auf, denen das Cembalo noch als
„Klimperkasten“ und „Fliegenkäfig“
galt. Zugleichaber erwarbsie sichdie Be-
geisterung einer wachsendenVerehrerge-
meinde, die Bewunderung undUnterstüt-
zung von Kollegen wie Gabriel Fauré,
Paul Dukas, Albert Schweitzer, Francis
Poulenc und Manuel de Falla. Sie spielte
für Tolstoi und Rilke, sie hatte Umgang
mit bedeutenden Künstlern, Komponis-
ten und Literaten der Epoche, und sie
setzte durch, dass 1913 inBerlineinCem-
balo-Lehrstuhl eingerichtet wurde. Ihre
auffallende Erscheinung und ihr Charis-
ma dürften ihren Erfolg begünstigt ha-
ben, und sie genoss es, sich als Diva und
Kunstpriesterin zu inszenieren. Vor al-
lemjedoch strahlte ihr Spiel, wie Tondo-
kumente bezeugen, eine so bezwingende
musikalische Energie aus, dass es zu ih-
ren Lebzeiten als Nonplusultra der Ba-
rock-Interpretation durchgehen konnte.
Restaurierung und Nachbau von Origi-
nalinstrumenten, heute selbstverständ-
lich, waren damals noch Zukunftsmusik,
und die zeitgenössischen Neuschöpfun-
gen genügten Landowskas Ansprüchen
nicht. So setzte sie alles daran, gemein-
sam mit der Firma Pleyel, die auf der
Weltausstellung 1889erstmals einmoder-
nes Clavecin präsentiert hatte, „den Bau
eines Instruments zu erreichen, das dem
vonBachso ähnlichwie möglichwar“. In-
spirieren ließ sie sich von einemCembalo
des Hamburgers Hieronymus Albrecht
Hass aus demJahr 1734, das sie imMuse-
um zu Brüssel gesehen hatte. Das Resul-
tat war das oben beschriebene „Landow-
ska-Modell“, das sie mit ihrer brillanten,
aber völlig unhistorischen Technik – si-
multanes Spiel auf zwei Manualen samt
virtuoser Bedienung von sieben Pedalen,
in Samtpantoffeln unter demTarnschutz
eines bodenlangen Gewandes – in eine Il-
lusionsmaschinerie zur Imitationvon Or-
chesterstimmen verwandelte.
Bei aller Imaginationskraft und trotz
intensiver Quellenstudien, das ist das mu-
sikgeschichtliche Paradoxon, bliebLand-
owskas Vorstellung vom „authentischen
Bachklang“ an jene Pleyel-Kreationen
gebunden – auch noch in späteren Jah-
ren, als sie über eine Kollektion kostba-
rer historischer Instrumente verfügte.
Und was sie an aufführungspraktischen
Prinzipien sich aneignete – Fingersatz,
Tempi, Phrasierung, Verzierungen –, füg-
te sich zu einem Individualstil, der mit
demwenige Jahrzehnte später erreichten
Wissensstand kaum mehr in Einklang zu
bringen war. In dem Moment, als die Be-
wegung, deren „Mutter“ sie war, in
Fahrt geriet, kam Wanda Landowska als
Barock-Interpretin aus der Mode – ziem-
lich zeitgleich mit ihrem Tod im Jahre
1959. Sie starb inLakeville, Connecticut;
begraben aber wurde sie in der Nähe von
Saint-Leu-la-Forêt, einem idyllischen
Ort in der nördlichen Pariser Banlieue,
den sie 1940 auf der Flucht vor den Nazis
überstürzt verlassen musste, nachdem
sie fünfzehn Jahre dort gelebt und mu-
sikpädagogisch gewirkt hatte. Ihre In-
strumenten- und Manuskriptsammlung
wurde teils zerstört, teils zerstreut; unan-
getastet blieb ihr privater Konzertsaal,
ihr „Temple de la musique“, den sie 1927
von dem Bauhaus-nahen Architekten
Jean-Charles Moreux inihremGartener-
richtenließ, umdort ihre begehrtenMeis-
terkurse zu veranstalten.
1974 wurde der schlichte Bau durch
ebenso kühne wie diskrete, weil leicht
entfernbare An- undEinbautenineinpri-
vates Wohnhaus umgewandelt. Seit die
Besitzer ihren Verkaufswunsch signali-
siert haben, plant der Freundeskreis
„Les Amis de Wanda Landowska“, unter-
stützt vonlokalenHonoratioren, interna-
tionalen Förderern und musikalischen
Sympathisanten (unter ihnen der ameri-
kanische Cembalist SkipSempé), das Au-
ditorium in den Originalzustand zu ver-
setzen und als Konzertraum, Lehr- und
Begegnungsstätte zureaktivieren. Inzwi-
schen interessiert sich auch die französi-
sche Kulturbürokratie für das Projekt,
bei dem es einerseits um den Erhalt des
Baudenkmals geht, andererseits um das
Vermächtnis der Künstlerin, die 1938
französische Staatsbürgerin geworden
war.
Wie es im und um den „Musiktempel“
einst zuging, kann man in dem großarti-
gen, von Martin Elste herausgegebenen,
2010 bei Schott erschienenen Bild- und
Textband „Die Dame mit demCembalo“
nachlesen. Bewegender noch ist es, den
Schilderungen des letzten lebenden
Landowska-Eleven zu lauschen: Der
80-jährige Kolumbianer Rafael Puyana,
seit 1961 in Paris ansässig, gehört neben
Ralf Kirkpatrick zu ihren bedeutendsten
Schülern und war seinerseits Lehrer von
Christopher Hogwood. Sieben Jahre Un-
terricht bei Wanda Landowska in den
USA haben sein Leben und sein Musik-
verständnis unauslöschlich geprägt, und
wenn er ins Erzählen kommt, lässt er in
seinem Stammlokal „Le Dôme“ den
Hummer kalt werden, überwältigt von
Erinnerungen, die ihnnoch heute zuTrä-
nenrühren. Unendlichgeduldig, dochex-
trem fordernd sei sie gewesen, die große
Wanda, unddurchihre bloße Präsenz ha-
be sie „Hässliches in Schönes verwan-
delt“. Ihr verdanke er seine Liebe zum
„missachteten“ Klang deutscher Cemba-
li (er selbst besitzt das sagenhafte dreima-
nualige, das Hass 1740 baute) – und die
Einsicht, dass Bach „der Größte von al-
len“ sei.
Vor hundert Jahren besuchte die Cem-
balo-Missionarin das Bachhaus in Eise-
nach. Dieser Begebenheit gedenkt man
dort nun bis zum13. November mit einer
Sonderausstellung von Fotos und Doku-
menten, von Souvenirs und Memorabili-
en aus dem persönlichen Besitz der
Künstlerin: „Erinnerungen an Wanda
Landowska“. Die Legende lebt.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
Oh, mein Papa!
Wie jüdische Gangster im frühen
20. Jahrhundert die Popmusik erfanden
Na, wie ist dein Leben so gelaufen?
Die Gruppe Gob Squad spielt im Berliner HAU das Erwachsenwerden und Altern durch – mit „echten, lebenden Kindern“
Kreuzzug für den Klimperkasten
Auf den Spuren von Wanda Landowska, die ihr Leben lang Technik und Klangfülle des Cembalos förderte
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 13
FEUILLETON
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Was werden sie wohl können, wenn sie 46 sind? Foto: HAU/Phile Deprez
Der Gangster
und Jazz-Liebha-
ber „Dutch“
Schultz ermög-
lichte 1924 Louis
Armstrongs ers-
ten Auftritt in
New York.
Foto: NY Daily
News via Getty
Images
Eine „Bachantin“ der Musik: Wanda Landowska Foto: Tony Vaccaro/akg-images
Durch ihre bloße Präsenz
habe sie „Hässliches in
Schönes verwandelt“
Sie genoss es, sich als
Diva und Kunstpriesterin
zu inszenieren
Es gibt Bücher, die über alle Kritik er-
haben sind: solche nämlich, die einen Ge-
genstandvongroßer Wichtigkeit mit uner-
müdlichemEifer und nie endendemErnst
verfolgen. Zumindest die Frage nach dem
Vergnügen des Lesers an einem solchen
Buch erübrigt sich dann. Zu diesen sprö-
den und lehrreichen Werken zählt Wil-
helm Bleeks Biographie des Staatskund-
lers und Politikwissenschaftlers Fried-
rich Christoph Dahlmann (1785-1860).
An drei Ereignissen, die die deutsche
Geschichte des 19. Jahrhunderts wesent-
lich prägten und die Entstehung eines
deutschen Staatenbundes oder Bundes-
staates bewirkten, war Dahlmann als ei-
ner der Hauptakteure beteiligt. Aus der
Auseinandersetzung um die Unteilbar-
keit des Herzogtums Schleswig-Holstein
entwickelte schon der Student auf einer
Wanderung mit Heinrich von Kleist und
wenig später der Dozent für Geschichts-
wissenschaft inKiel die Ideeeiner Vereini-
gung aller deutschen Staaten. Zumnatio-
nalen Helden avancierte Dahlmann 1837
durchseine „Protestation“gegendenneu-
en hannoveranischen König Ernst Au-
gust, der die Verfassung aufheben wollte.
Im Protestschreiben, unterzeichnet von
den„Göttinger Sieben“, schlugsichDahl-
manns Bekenntnis für eine konstitutionel-
le Monarchie nieder. An ihr hielt Dahl-
mannauchbei seinemdrittengroßenpoli-
tischen Auftrag fest, dem Entwurf einer
deutschen Reichsverfassung, dessen erste
Fassung er als Mitglied der Versammlung
in der Paulskirche fast alleine verfasste
und verantwortete.
WilhelmBleekist bestrebt, denwissen-
schaftlichen Werdegang und politischen
Wandel dieses Gelehrten, denseine Kennt-
nisse inder Kameralwissenschaft undsei-
ne moralische Entschlossenheit immer
wieder vomKatheder ans Rednerpult trie-
ben, minutiös, gelegentlich sogar auf die
Minute genau nachzuzeichnen. Sowohl
Dahlmann, das Subjekt dieser Biogra-
phie, wie der Leser des Buches, haben es
schwer, sichgegenBleeks Fleißzubehaup-
ten. Das Gedächtnis des Lesers ist zuunge-
wöhnlicher Konzentration herausgefor-
dert, die PersonDahlmanns verschwindet
hinter seinenLeistungen, dennwo Arbeit,
Plan und Erfolg eines Mannes in einem
Text überhandnehmen, verblasst seine le-
bendige Erscheinung.
Bei Dahlmann ist diese Art von Tätig-
keitsbericht allerdings nicht unange-
bracht, hat doch der Gelehrte selbst sich
nicht anders verstanden denn als pflicht-
getreuer Bürger, der sein Privatleben zu-
rückdrängen muss. Dahlmann hinterließ
einige wenige autobiographische Frag-
mente, indenener aber nahezuausschließ-
lich von seinem öffentlichen Wirken
spricht: „Ich will von meinem Leben er-
zählen, soweit es die politische Ausstrah-
lung des Mannes angeht, dem dieses Le-
ben beschieden war.“
Eine von Dahlmanns autobiographi-
schen Schriften trägt den Titel „Aus mei-
nempolitischenLeben“; eine kleine Varia-
tion hätte denn auch den geeigneten Un-
tertitel für Bleeks Buch abgeben können:
Dahlmann – aus seinem politischen Le-
ben. Bleek verschafft diesem politischen
Lebeneine stabileUmgebung, indemer al-
le Voraussetzungen, Hindernisse undFol-
gen von Dahlmanns Denken und Wirken
ausführlichbespricht, auchseinenFreun-
den und Feinden den gebührenden Platz
einräumt und Dahlmanns Werk auf ein
festgemauertes historisches Fundament
stellt. Die Vorgeschichte der Herzogtü-
mer SchleswigundHolsteinetwa, die Ent-
wicklungsgeschichte der Kameralwissen-
schaften vor Dahlmann und bis zu ihm
hin führt Bleek in einer Gründlichkeit
aus, die vonder Figur weit abführt, die sei-
ne Biographie bekannt machen will.
Selten schließen sich an Dahlmanns
Wirken banale Randphänomene an, die
dem Leser einige Entspannung von dem
strengen Geschichtsunterricht gönnen,
wie etwa die Ereignisse bei seinemEinzug
in Bonn, wo Dahlmann nach seiner Aus-
weisung aus Göttingen endlich wieder ei-
ne Professur erhielt. Die Bürger empfin-
gen den inzwischen zum nationalen Idol
gewordenenGelehrten mit Fahnenhissen,
Kanonenschüssen, mit der Ernennung
zum Ehrenmitglied des Karnevalsvereins
und der Umbenennung der Berge des Sie-
bengebirges auf die Namen der „Göttin-
ger Sieben“.
Sobringt das „volle Menschenleben“ei-
nigen Humor in Bleeks Biographie, doch
bald danach beginnt wieder der strenge
Ernst mit dem Kampf um die deutsche
Verfassung in der Paulskirche, bei der
Dahlmann eine weniger glänzende Figur
abgab als bei der Göttinger Protestation,
an die vor kurzem Günter Grass mit sei-
nem selbstgefertigten Denkmal erinnert
hat. An Dahlmanns Widerstand gegen
Heinrich von Gagerns Vorschlag, von den
VersammelteneinenReichsverweser wäh-
len zu lassen, an seinem Eintritt für eine
Reichsmonarchie, verriet sich seine nicht
mehr auf dem fortschrittlichsten Stand
des politischen Bewusstseins verharrende
konstitutionell-monarchische Gesin-
nung. Erst imletztenDrittel des Buches er-
hält das handelnde Subjekt Dahlmann ei-
nen Charakter, und auch da muss Bleek
Heinrich von Treitschke zu Hilfe rufen,
der ein anschauliches Bild dieser Gestalt
zeichnete mit „grimmigen Zügen,“ „das
Gesicht ganz in sich hineingekehrt“ und
mit dem gelegentlichen „Blitzen des Au-
ges“, das die innere Erregung verriet.
Wäre Bleeks Absicht tatsächlich eine
Biographie gewesen, sohätte manauchöf-
ter die Stimme Dahlmanns selbst verneh-
men müssen. Bleek geht äußerst sparsam
mit Zitaten um. Doch geht es ihm ja auch
mehr um die Geschichte eines für das 19.
Jahrhundert symptomatischen Bewusst-
seins, dennumeine Psyche, die sichinpoli-
tische Geschäfte verwickelte. Bleeks
Buch ist die Biographie eines Gelehrten,
der weniger Mensch, als vielmehr Träger
vonGeschichte war, undjeder wahre His-
toriker wird ihmfür seine gründliche Un-
tersuchung der Verfassungsgeschichte
Deutschlands im 19. Jahrhundert dank-
bar sein. HANNELORE SCHLAFFER
WILHELM BLEEK: Friedrich Christoph
Dahlmann. Eine Biographie. C. H. Beck
Verlag, München 2010. 472 S., 34,95 Euro.
Die Kunst geht um in der Literatur.
Undnicht nur die Kunst, auchder Kunst-
markt und, darananknüpfend, die Kunst-
kritik. Auf die Frage, was Literatur- und
Kunstkritik derzeit unterscheide, hat die
österreichische Schriftstellerin Marlene
Streeruwitz unlängst geantwortet: „Die
Kunstkritik ist anspruchsvoller als die
Literaturkritik“. Da trifft es sich doch
bestens, dass Michel Houellebecq in sei-
nem jüngsten, Goncourt-Preis-gekrön-
tenRoman„Karte undGebiet“ eine fikti-
ve Kunstkritikerin zum Mythos aufbaut,
die schweigt, währender einenLiteratur-
kritiker über Kunst schreiben lässt, der
im wirklichen Kulturleben Frankreichs
quicklebendigdurchdas fünfte Arrondis-
sement von Paris flaniert.
Dieser Literaturkritiker von Le Mon-
de bespricht die Ausstellung des eben-
falls fiktivenHouellebecqschenKünstler-
helden Jed Martin, und zwar hymnisch.
Doch leider, zwinkert Houellebecq dem
Leser dauerironisch zu, hört man kein
Wort vonPepita Bourguignon, der Kunst-
kritikerin derselben Zeitung. Pepita
Bourguignon(denNamenhat sichHouel-
lebecq von einer Bloggerin ausgeliehen)
kreuzt bei Jed Martins Vernissage kurz
auf, wo einflussreiche Sammler und Ein-
käufer herumlungern, undgeht dannein-
fach weg. Aber weil „Karte und Gebiet“,
unter anderem, ein Kunst-Märchen er-
zählt, kann das Schweigen der Kritiker-
Päpstin den aberwitzigen Aufstieg des
Künstlers nicht aufhalten. Seine Karrie-
re beginnt mit abfotografiertenMichelin-
Karten und wird dann fortgesetzt mit
großformatigen Ölbildern, die so schöne
Titel tragen wie „Damien Hirst und Jeff
Koons teilen den Kunstmarkt unter sich
auf“. Dass die Sammler sich um die Bil-
der reißen, versteht sich im Sinne des
Märchens von selbst.
Die Tatsache, dass auf dem überhitz-
ten zeitgenössischenKunstmarkt unend-
lich viel mehr Geld im Spiel ist als in der
Literatur, zieht das Thema gewisserma-
ßenhinüber ins andere Fach: Nicht der in-
nerliterarische Dialog wird als Motor an-
geworfen, sondern die Auseinanderset-
zung mit der anderen, der finanzstarken
Kunstform. Die Reichen und Mächtigen,
das sind die bildenden Künstler und de-
ren Galeristen, nicht die Literaten. Jed
Martinallerdings, Houellebecqs Held, ist
der ökonomische Erfolg im Grunde ge-
nommen egal; er bleibt ein Einzelgänger
und Hänger und nutzt niemanden aus,
nicht einmal seine Geliebte, die bildschö-
ne Russin Olga, Kommunikationsexper-
tinbei MichelinParis, die ihnimRahmen
ihrer Möglichkeiten auf dem Markt zu
platzieren hilft.
Anders steht es um die Starkünstlerin
Margot Wincraft, die in Silke Scheuer-
manns Roman „Shanghai Performance“
den Raum zwischen Glamour und Ab-
grund bespielt, und zwar als weibliches
Monster, als Genie und Ego-Hexe. Ge-
meint ist die anglo-italienische Perfor-
mancekünstlerin Vanessa Beecroft, die
mit meist nackten, uniform gestylten
weiblichen Modellen arbeitet, die Ener-
gie des Fetischismus sowohl kopierend
als auch befragend, und die schon Ernst-
Wilhelm Händler in seinem Roman
„Wenn wir sterben“ zu einer Hommage
inspirierte. Wincraft alias Beecroft tritt
bei Scheuermann als exzentrischer inter-
nationaler Star auf, der dann peu à peu
moralisch dekonstruiert wird. Erzähle-
rin des Romans ist deren Assistentin: Die
anfängliche Bewunderung und Hörig-
keit gegenüber der weltberühmten
Künstlerin weicht dem Bild einer hässli-
chen, gefühlskalten, einsamen, zerstör-
ten Alkoholikerin. Interessant ist die Be-
schreibungvonWincrafts „Shanghai Per-
formance“ mit den am Ort akquirierten
zierlichen Chinesinnen, deren Füße ganz
unzierlich in einem Erdhaufen versin-
ken. Nicht die Kunst wird in Scheuer-
manns Perspektive in Frage gestellt, son-
dern die Persönlichkeit der Künstlerin.
Der Schauplatz allerdings, das luxuriö-
se, postkommunistische China, wirdpoli-
tischankeiner Stelle bloßgestellt. Shang-
hai ist ganz Neue Welt, was nicht erst
nach der Verhaftung Ai Weiweis be-
fremdlich wirken muss.
Nochist der derzeit bekannteste chine-
sische Künstler in der Literatur nicht an-
gekommen. Sein Fall würde ihr in der
Tat eine neue Dimension hinzufügen.
Nicht die Ohnmacht des Künstlers, son-
dern sein Einfluss übt jetzt Faszination
aus, undsei es eine Faszinationder Absto-
ßung. Das teuerste jemals verkaufte zeit-
genössische Kunstwerk ist Damien
Hirsts diamantenbesetzter Totenschädel
mit dem blasphemischen Titel „For the
Love of God“. Der steinreiche Held oder
besser Antiheld aus Marlene Streeru-
witz’ letztem Roman „Kreuzungen“, ein
Wiener Multimillionär auf Selbstsuche,
kann sich der Phantasie nicht erwehren,
für den Kaufpreis des Diamantenschä-
dels, fünfzig Millionen Pfund, selbst ei-
nen solchen anfertigen zu lassen, und
zwar aus den sterblichen Überresten ei-
ner soeben bei einem Unfall ums Leben
gekommenen, ihm verhassten Frau:
Kunst als Rache.
Wie rührend nimmt sich im Vergleich
jenes Happening aus, das Uwe Timm in
seiner neuen Novelle „Freitisch“ mit ge-
radezu liebevoller Anteilnahme be-
schreibt. Wir befinden uns Anfang der
sechziger Jahre in Münchner Bohème-
Kreisen; die jungenDamen tragenaufrei-
zend transparente Blusen mit poppigen
Blumenmustern drauf, und ein gewisser
Falkner, seines Zeichens Schriftsteller,
nimmt sich einen Konzertflügel mit Mes-
ser und Axt vor, aus dem noch ein Weil-
chen Chopin erklingt, bis das teure Ins-
trument zu Kleinholz gemacht ist. Zum
Schluss wird, unter allgemeinem Ap-
plaus, eine Ladung frisch gebratener
Zwiebeln über die kläglichen Reste des
Klaviers geschüttet. Die Bohème trium-
phiert über die Bourgeoisie.
Auch RainaldGoetz wärmt sichbehag-
lich am Milieu in seinem nur oberfläch-
lich betrachtet zynischen, in Wahrheit
recht romantischen Gesellschaftsproto-
koll „loslabern“, als er zum erlauchten
Kreis eines „künstlerischen Abendes-
sens“ stößt. In den Galerieräumen von
Max Hetzler imBerliner Wedding, wo ei-
ne Ausstellung des Malers Albert Oehlen
eröffnet wird, trifft Goetz auf ihm we-
sensverwandte Menschen. Und er trifft
auf Bilder, die direkt zu ihm zu sprechen
scheinen: „Beim ersten Herumgehen in
der Ausstellung war ichvondemirrwitzi-
gen STRESS, den die neuen Bilder aus-
sendeten, fast weggebrettert worden, die-
se Bilder warenlauter als die ganze Eröff-
nungsgesellschaft, die sich zu ihren Eh-
ren hier versammelt hatte, und die war
auch nicht gerade leise, das gibt es wirk-
lich selten, dass man derartig angebrüllt
wurde von einer neuen Malerei“.
Hört man da nicht den späten Nach-
hall eines anderen Schriftstellers, der,
lang ist’s her, bei der Betrachtung eines
Bildes derart ergriffen wird, dass er da-
bei den Todfindet? Der Schriftsteller – er
heißt Bergotte, und sein Erfinder ist na-
türlichMarcel Proust – stirbt vor demGe-
mälde „Die Ansicht von Delft“ des hol-
ländischen Malers Vermeer, über den er
kurz zuvor in einem Artikel etwas über
ein Detail gelesen hatte, das „so gut ge-
malt sei, dass es für sich allein betrachtet
einem kostbaren chinesischen Kunst-
werk gleichkomme, von einer Schönheit,
die sichselbst genüge“. Als der hochdeko-
rierte, allseits verehrte Bergotte dann
vor dem Gemälde steht und jenes Detail
erblickt, fasst er den letzten Gedanken
seines Lebens: „So hätte ich schreiben
sollen“.
Derlei Vermischung von Kunstschö-
nem und Erhabenem, von Technik und
Offenbarung, hat der Radikalparodist
Houellebecq längst hinter sich gelassen.
In „Karte und Gebiet“ taucht der unver-
meidliche Brite DamienHirst ausschließ-
lich im Kontext seiner Macht im Kunst-
betrieb auf, eben mit seinemKonkurren-
ten, dem amerikanischen Grenzgänger
Jeff Koons, dessen Kopulations-Pop-
skulpturen (mit ihm und seiner Frau Ilo-
na Staller als Modellen) die puritanische
Gesellschaft ins Mark treffen. Hirst und
Koons, eine plausible Konfrontation: Eu-
ropa versus Amerika, Tod versus Sex,
Blasphemie versus Camp.
Eine andere, bösartigere Gegenüber-
stellung mit Damien Hirst wählt Wolf-
gang Müller in seinemsoeben imVerbre-
cher Verlag erschienenen Debütroman
„Kosmas“. Wolfgang Müller, selbst Per-
formancekünstler, Islandkenner, Elfen-
beauftragter, ehemals Mitglied der Band
Die tödliche Doris, schreibt süffisant
und ohne besonderen literarischen An-
spruch über die absurden Abgründe des
Kunstbetriebs. DamienHirst, der keines-
wegs nur Totenschädel mit Edelsteinen
schmückt, sondern vor allem riesige tote
Tiere in Formaldehyd einlegt – einen Ti-
gerhai, eine zerlegte Kuh –, wird von
Wolfgang Müller mit dem Menschenlei-
chen-Präparator undAusstellungsmana-
ger Gunther von Hagens zusammenge-
bracht; ein so verschmitztes wie teuflisch
kluges Gedankenspiel. Dessen „Körper-
welten“-Ausstellung sei, was die Besu-
cherzahlen angeht, nur zu vergleichen
mit der Nazi-Ausstellung „Entartete
Kunst“, „der erfolgreichsten Kunstaus-
stellung aller Zeiten, das muss man sich
klarmachen“, wie Müller anlässlich ei-
ner Lesung anmerkte.
Sollte es den Begriff „Death Art“ noch
nicht geben, dann sei er hiermit einge-
führt. Keine Frage, dass wir es ange-
sichts der Steigerung der Todeskunst mit
einem Überbietungswettbewerb zu tun
haben: Der Leichnam, der in einem ekel-
erregenden, grotesken Akt ästhetischer
Perversion zerlegt wird, heißt in Michel
Houellebecqs Roman Michel Houelle-
becq. Der Autor tötet denAutor oder viel-
mehr, er lässt ihn töten von einem Arzt,
Insektenzüchter und Kunstsammler.
UndwessenPorträt findet die erschütter-
te Kriminalpolizei indessen Luxusanwe-
sen? Das Porträt Houellebecqs, gemalt
von Jed Martin.
Die Häufung der Kunstthematik in
der Gegenwartsliteratur ist nicht zuüber-
sehen. Das Gespräch zwischen Mensch
und Werk, die geglückte Kommentie-
rung des Zeitgeistes durch Happenings
scheint dabei jedochdie Ausnahme zubil-
den. Es überwiegt der gnadenlose, harte,
entlarvende Blick. Ob die Künstler in ih-
rer Egomanie und Geltungssucht gezeigt
werden, obder Reiche mit Künstlerphan-
tasien kokettiert, ob der Geschäftsmann
Leichen ausstellt oder der Kunstsamm-
ler zum Mörder wird: Es sieht ganz da-
nach aus, als habe die Literatur im zeit-
genössischen Kunstmarkt das geeignete
Themenfeld gefunden für ein altbekann-
tes, kulturkritisches Motiv: dem bösen
Kapitalismus die Maske herunterzurei-
ßen. INA HARTWIG
Der 68-jährige amerikanische Sozio-
loge Richard Sennett („Verfall und Ende
des öffentlichen Lebens“) erhält am
Sonntag den Bremerhavener Jeanette-
Schocken-Preis für Literatur 2011. Die
Auszeichnung, die seit 1991 alle zwei
Jahre verliehen wird, ist mit 7500 Euro
dotiert und wird allein durch Bürger-
spenden aufgebracht. epd
Augen auf!
Kunst und Kunstbetrieb werden in der Gegenwartsliteratur als heißes Thema gehandelt – dahinter verbirgt sich eine altbekannte Kulturkritik
Richard Sennett
Jeanette-Schocken-Preis 2011
Empfohlen werden nach einer mo-
natlich erstellten Rangliste Bücher
der Geistes-, Kultur- und Sozialwis-
senschaften sowie angrenzender Ge-
biete.
1. SÖNKE NEITZEL/HARALD
WELZER: Soldaten. Protokolle vom
Kämpfen, Töten und Sterben, S. Fi-
scher Verlag, 521 Seiten, 22,95 Euro
2. AVISHAI MARGALITH: Über
Kompromisse und faule Kompro-
misse. Aus dem Englischen von
Michael Bischoff, Suhrkamp Verlag,
252 Seiten, 22,90 Euro
3. KAREN DUVE: Anständig essen.
Ein Selbstversuch, Galiani Verlag,
335 Seiten, 19,95 Euro
4.-5. ALAINEHRENBERG: Das Un-
behagen in der Gesellschaft. Über-
setzt von Jürgen Schröder, Suhr-
kamp Verlag, 530 S., 29,90 Euro
DIETER HENRICH: Werke im
Werden. Über die Genesis philoso-
phischer Werke, C. H. Beck Verlag,
216 Seiten, 22,95 Euro
6. SIGMUND FREUD/MARTHA
BERNAYS: Sei mein, wie ich mir’s
denke. Die Brautbriefe. Band 1,
hrsg. vonGerhardFichtner, Ilse Gru-
brich-Simitis und Albrecht Hirsch-
müller, S. Fischer, 625 S., 48 Euro
7. JOACHIM RADKAU: Die Ära der
Ökologie. Eine Weltgeschichte, C. H.
Beck Verlag, 782 Seiten, 29,95 Euro
8. IAN MORRIS: Wer regiert die
Welt? Warum Zivilisationen herr-
schen oder beherrscht werden. Aus
dem Englischen von K. Binder, W.
Götting und A. Simon dos Santos,
Campus Verlag, 656 S., 24,90 Euro
9.-10. TIMJACKSON: Wohlstandoh-
ne Wachstum. Leben und Wirtschaf-
ten in einer endlichen Welt. Über-
setzt vonEva Leipprant, OekomVer-
lag, 272 Seiten, 22,95 Euro
BIRGIT SCHÖNAU: Circus Italia.
Aus demInneren der Unterhaltungs-
demokratie, Berlin Verlag, 219 Sei-
ten, 18,90 Euro
Besondere Empfehlung des Monats
Mai von Wolfgang Hagen:
ROBERT SPRUYTENBERG: Das
LaSalle-Quartett, Gespräche mit
Walter Levin, Edition Text &Kritik,
428 Seiten, 49,00 Euro
Die Jury: Rainer Blasius, Eike Geb-
hardt, Fritz Göttler, Wolfgang Ha-
gen, Daniel Haufler, Otto Kallscheu-
er, Matthias Kamann, Petra Kam-
mann, Guido Kalberer, ElisabethKi-
derlen, Jörg-Dieter Kogel, Hans Mar-
tin Lohmann, Ludger Lütkehaus,
HerfriedMünkler, Wolfgang Ritschl,
Florian Rötzer, Johannes Saltzwe-
del, Albert von Schirnding, Jaques
Schuster, Norbert Seitz, Eberhard
Sens, Hilal Sezgin, Elisabeth von
Thadden, Volker Ullrich, Andreas
Wang, Uwe Justus Wenzel.
Redaktion: Andreas Wang(NDRKul-
tur)
Die nächste SZ/NDR/BuchJournal-
Liste der Sachbücher des Monats er-
scheint am 31. Mai.
Wie man gegen den König protestiert und doch Monarchist bleibt
Ein Gelehrter im 19. Jahrhundert zwischen Katheder und Paulskirche: Wilhelm Bleeks Biographie über den Staatskundler Friedrich Christoph Dahlmann, einen der „Göttinger Sieben“
Der zum nationalen Idol
avancierte Gelehrte wurde
Ehrenmitglied des Karnevalsvereins
Den ersten Entwurf einer
deutschen Reichsverfassung hat
Dahlmann fast allein geschrieben
Seite 14 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 Dienstag, 3. Mai 2011
LITERATUR
Der Staatskundler und Politikwissen-
schaftler Friedrich Christoph Dahl-
mann (1785-1860). Foto: oh
Die Kunst ist ein melancholischer Riese. Wehe dem, der nicht mit diesem Koloss im Bunde ist, wenn er sich zu voller Größe aufrichtet. Foto: Regina Schmeken
Sachbücher des
Monats Mai
Nicht die Ohnmacht des Künstlers,
sondern sein Einfluss und Geld
fasziniert die Romanciers
Mal satirisch, mal romantisierend
arbeitet sich die Literatur am
zeitgenössischen Kunstmarkt ab
Wenn er so weitermacht, dann kommt
Wolfgang Ettlich ins Buch der Rekorde,
mit der längsten Langzeitdokumentati-
on der Filmgeschichte. Das ist das Mar-
kenzeichen des Münchner Dokumentar-
filmers: Filme, die eine oder mehrere Per-
sonen über lange Zeit hinweg begleiten.
Seit 30 Jahren ist er zum Beispiel den
Neumanns auf den Fersen. Mit den jetzi-
gen Großeltern lebte er 1968 in derselben
Schwabinger Wohngemeinschaft. Zwölf
Jahre später wirddannder Sohnder Neu-
manns zumThema für Ettlich: Denn Oli-
ver, damals 15 Jahre alt, gibt seinen68er-
Eltern so richtig Zunder: Der junge, pu-
bertierende Punk will „irgendwie Power
machen“ (so heißt dann auch Ettlichs
Film über ihn), auch wenn er sich noch
nicht ganz sicher ist, ob es ihn nicht doch
eher zur Bagwhan-Sekte zieht.
Ettlich hat Oliver Neumanns Lebens-
weg dann bis 1995 begleitet, da hatte der
Ex-Punk bereits geheiratet und war Va-
ter zweier Söhne geworden. Willkom-
menimBürgertum! Damit, so dachte Ett-
lich, hätte die Geschichte zu Ende sein
können, aber 2005, als die Söhne selbst in
die Pubertät kamen, stieg der Filmema-
cher erneut in die Familiengeschichte
ein. Der Musik-Stil der Jungen hieß jetzt
Hip-Hop, ansonsten gab es viele Paralle-
len: Auch Oliver hat Stress mit Nicholas
und David, das Erwachsenwerden bleibt
ebenso schwierig wie das Elternsein. fjk
Die Neumanns – So ist das Leben, BR
;23.15 Uhr Am kommenden Dienstag
folgt zur selben Uhrzeit mit Die Schützes
– Leben nach der Wende eine weitere
Langzeitdokumentation von Ettlich.
Für immer Schwabing
Zwei Langzeitdokumentationen
von Wolfgang Ettlich im BR
P
akistan, sagt die Fernsehjournalis-
tinAsma Shirazi, „ist eineinzigarti-
ges Land“. Dann zählt Shirazi auf, was
ihre Heimat, in der zuletzt Osama Bin
Laden seinen letzten Unterschlupf ge-
funden hatte, ausmacht: „Hier gibt es
Krieg, Terrorismus, religiösen Extre-
mismus, mafiöse Strukturen, giganti-
sche gesellschaftliche Unterschiede.“
Pakistans Journalistenseien„völlig un-
zureichend ausgebildet, um in einer
solch harschen Umwelt zu arbeiten“,
sagt Shirazi. Die Menschenrechtsorga-
nisation Reporter ohne Grenzen (ROG)
bewertet jährlichdenZustandder Pres-
sefreiheit weltweit – Pakistan nimmt in
der neuesten Rangliste Platz 151 ein;
den schlechtesten Rang, die Nummer
178, erhielt Eritrea; die ersten Plätze
teilen sich die Europäer.
Auch in manchen EU-Ländern steht
es nicht immer gut um die Pressefrei-
heit, aber im Vergleich zu den Kriegs-
und Krisenregionen der Welt leben
Journalisten in den meisten westlichen
Staaten wesentlich sicherer. 2010 wur-
den weltweit 57 Journalisten getötet,
535 festgenommen, 51 entführt, 1374
angegriffen oder bedroht. Auch 152
Blogger wurden festgenommen, 52 an-
gegriffen und bedroht. Die traurige Bi-
lanz veröffentlicht ROG jährlich zum
3. Mai, dem Tag der Pressefreiheit, ge-
meinsam mit einem Text- und Bild-
band (www.reporter-ohne-grenzen.de,
104 Seiten, 12 Euro), der Brennpunkten
undvergessenenSchauplätzender jour-
nalistischen Recherche gewidmet ist.
Alle Autoren und alle Fotografen stel-
len ihre Texte dafür stets kostenlos zur
Verfügung– indiesemJahr auchder Ita-
liener Massimo Berruti, der Asma Shi-
razi in Pakistan begleitete, oder der
großartige William Daniels, der über
drei Jahre lang Kirgistan bereiste.
CHRISTIANE SCHLÖTZER
Ganz zum Schluss fahren Rolf Eden
und Rosa von Praunheim an einen der
traurigsten Orte in Berlin. Der alte Mann
aus Dahlem, der sich für einen Playboy
hält, singt in der Karaokebar Cheers:
„Schubidubidu.“ Dann tappst er ins
Freie, denn Praunheim muss weiter, oh-
ne Eden. Undso endet diese Folge der Rei-
he Durch die Nacht mit. . . bei Arte.
Der Film von Hasko Baumann ist eine
Enttäuschung. Zumeinen, weil die Reihe
sonst zumBesserenzählt, was so imdeut-
schen Fernsehen läuft – man denke an
Folgen wie die, in der Michel Friedman
beim Italiener manisch in der Pasta von
Christoph Schlingensief herumrührt
(„Schön das Aroma mischen!“). Oder an
die Sendung mit Oliver Pocher, der von
Moritz Bleibtreu zurechtgestutzt wird
(„Provokation allein ist nichts wert“).
Zumanderen, weil die Ausgangskonstel-
lation viel mehr Potential hatte als das,
was am Ende auf dem Bildschirm läuft.
Beide, Eden und Praunheim, starten
auf einer Premiere in die Nacht. Praun-
heim, 68, Kämpfer der Schwulenbewe-
gung, hat einen nachdenklichen Film
über die Stricher vom Bahnhof Zoo ge-
dreht. Eden, 81, ist Protagonist des Films
The Big Eden. Diese exzellente Doku-
mentation von Peter Dörfler, die am 26.
Mai ins Kino kommt, hat den alten Mann
wieder ins Scheinwerferlicht gestellt
und dabei interessante Details über den
Berliner mit denvielenGeliebtenundsie-
ben Kindern von sieben Frauen zu Tage
gefördert: Eden ist Jude, kämpfte in der
Einheit von Jitzchak Rabin in Israel ge-
gen Araber. Und während sich seine Ka-
meraden vor Angst in die Hose machten,
schwängerte er im Zelt eine Soldatin.
Und: Eden filmte sich und sein Leben
jahrzehntelang selber. Die Kamera doku-
mentiert all seine Leidenschaften und ei-
nige seiner Liebschaften. So kommt es,
dass man in Dörflers Film drei Mal das-
selbe Hotelzimmer im Hotel Concorde
La Fayette, Paris, mit Blick auf den Eif-
felturm sieht: Erst präsentiert ein nack-
tes Damenpaar wohl in den Siebzigern
seine Brüste, dann eine Liebschaft zehn
Jahre später, ebenfalls von Eden gefilmt.
Und schließlich ist es der Playboy heute,
von Dörfler mit der Kamera begleitet,
wie er seiner aktuellen Freundin Brigitte
– blond, Mitte 20, schöne Augen– vonfrü-
her erzählt. Sie hört aufmerksam zu.
Edens alte Filmdokumente sindvon ei-
ner eigenartigen Leichtigkeit. „Ich bin
auf der Île d’Oléron“, sagt der junge
Mann in seine Kamera, „es ist jetzt Juli,
halt, nein August 1978 . . .“ Es ist vor al-
lem: egal. Wichtig ist nur, dass die Frau
in seinem Arm schön ist. Und nackt.
Dörfler gelingt, woranBaumannschei-
tert: Einen Blick hinter die polierte Play-
boy-Fassade Edens zu werfen, wenigs-
tens einige kleine Antwortenauf das gro-
ße Fragezeichen zu finden, das das pene-
trant zur Schau gestellte, angebliche Le-
bensglück dieses Mannes produziert: Al-
les ist immer phantastisch. Immer?
Ironie? Was ist das?
Sich Eden zu nähern, bedeutet auch,
sich demvielgescholtenen Konzept Play-
boy zu nähern. Der Berliner lebt nach ei-
ner Art Lehrbuch für Aufreißer. Er ist
ein Meister des aggressiven Kompli-
ments („Ihre Augen könnte ich niemals
vergessen“), und auf Frauen geht er zu
wie ein Bombenhund auf verdächtige
Koffer: begeistert und laut. Eden liebt
keine – er liebt sie alle. Er trägt weiße An-
züge, verschenkt Sektflaschender Marke
„Rolf Eden“ und: Er meint das bitter-
ernst. Eden versteht keine Ironie, und er
ist selber nie ironisch. Das geht so seit
den Sechzigern. Die sind seit 50 Jahren
vorbei, aber Eden ist noch immer dort.
In beiden Filmen surft Eden oft nicht
mal an der Oberfläche, er schwebt ein-
fachdrüber. Auf Moralisten und Frauen-
rechtler wirkt so einer wie ein Scheiß-
kerl. „Wenn der Po von einer zu klein
ist“, sagt Eden in Dörflers Film, „dann
lass ich der was einbauen.“ Genau wegen
dieser Einstellung ist es mit Eden zwar
oft dieselbe Leier, aber nie langweilig.
In Baumanns Film ist Eden der desin-
teressierte, unsympathische Playboy, der
er auch seit Jahren in der Boulevardpres-
se ist, und den man hin und wieder auch
in Dörflers Film erkennt. Einer, der von
der Krebserkrankung eines Bekannten
nichts wissen will und die Mütter seiner
Kinder bezahlt, umsie selbst nicht erzie-
hen zu müssen. Nicht mal sein Filmpart-
ner Praunheiminteressiert ihn. Das Arte-
Doppelporträt der Beiden wirkt wie ein
zähes und sehr einseitiges Interview:
Praunheimstellt eine Frage nach der an-
deren, Eden antwortet nur.
Doch wer den Alten in Dörflers Doku
sieht oder gar mal selbst in seiner Villa in
Dahlemgetroffen hat, lernt auch die Ge-
genstücke kennen, lernt, dass er jenem
Bekannten, der zumZeitpunkt seiner Ge-
nesung finanziell ruiniert war, blitz-
schnell astronomische Summen schenk-
te, dass er als Jude den Deutschen ver-
zieh, und mehr noch, ihnen mit seinen
Westberliner Clubs einst das Tanzen bei-
brachte, dass er die eingemauerte Stadt
vom Mief der Nazizeit befreite.
Umso erstaunlicher, dass ihmstets die-
selbenblöden Fragengestellt werden, zu-
letzt eben von Praunheim, demman aber
keinen Vorwurf machen kann – er war ja
nicht als Journalist eingeladen, sondern
musste sich irgendwie behelfen, damit
überhaupt etwas geredet wird. Auf seine
Fragen kann der Playboy im Film aber
nur so antworten, wie er es seit Jahren in
allen Talkshows der Republik getan hat:
Ja, Prostitution sei grundsätzlich gut,
nein, Zwangsprostitution finde er nicht
gut, das sei „unangenehm“, ja, Potenz-
mittel nehme er, ja, Tripper habe er öf-
ters gehabt. So weit, so fad.
Wahr ist aber auch, was man über Rolf
Eden in Dörflers Film erfährt. Und das
ist interessant: In den Fünfzigern gab es
in Deutschland genau einen DJ. Der war
weiblich und legte in Rolf Edens Club
auf. Barbusig. Wer heute die Panorama
Bar feiert, den Exzess in der Bar 25 und
im Berghain, der muss Eden als Ahnherr
der Berliner Party anerkennen. In seinen
Läden flippten damals Klaus Kinski, die
Stones und die Beatles aus.
Und Eden? Er hat immer noch Swing.
Er schnipst mit den Fingern und lächelt,
wenner den Raumbetritt. Es ist eingelif-
tetes Lächeln. Aber auch das ist besser
als gar nicht zu lächeln. Dann singt er –
im Film, im Leben, beim Autofahren. Es
sindSchlager, vonder Liebe und demLe-
ben. Ein großes, ein einzigartiges Leben.
Man erreicht Rolf Eden auf dem Han-
dy, er ist mal wieder auf demWeg in eine
Talkshow. Wie er den Film von Peter
Dörfler findet? Er lacht seinPlayboy-La-
chen: „Phantastisch!“ Hätte man sich ja
denken können. JOHANNES BOIE
Durch die Nacht mit Rolf Eden und Rosa
von Praunheim, Arte, Nacht auf Mitt-
woch, 0.20 Uhr; The Big Eden, Kinostart:
26. Mai.
Der Betrugsskandal imöffentlich-recht-
lichen Kinderkanal (Kika) wird bald die
Gerichte beschäftigen: Die Staatsanwalt-
schaft Erfurt erhob nun Anklage gegen
den einstigen Herstellungsleiter des Sen-
ders, den 43-jährigen Marco K. Ihm wird
„Bestechlichkeit und Untreue“ vorgewor-
fen – in „48 besonders schweren Fällen“.
NachdenErmittlungensoll er überSchein-
rechnungeneiner Berliner Produktionsfir-
maZahlungendes Kikaüber insgesamt et-
wa 4,6 Millionen Euro veranlasst haben.
Nachdem die Zahlungen an die Firma er-
gangen seien, habe er sich „durchschnitt-
lich 57,5 Prozent“ des jeweiligen Betrages
für privat auszahlen lassen. Die Staatsan-
waltschaft erließ zudem einen zweiten
Haftbefehl gegen Marco K., der seit De-
zember 2010 in Untersuchungshaft sitzt,
wegendes Vorwurfs der Bestechlichkeit in
29 weiteren Fällen, bei denen es auch um
Sachleistungen gegangen sein soll. K. äu-
ßert sich nicht zu den Vorwürfen, sein An-
walt war nicht zu sprechen. Insgesamt
wird gegen elf Personen ermittelt, darun-
ter fünf Kika-Mitarbeiter. cko
Kika vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft erhebt
Anklage gegen Herstellungsleiter
Ein paar Notizen aus der letzten Zeit:
Jessica Schwarz, Michael Gwisdek und
die Argentinierin Beatriz Spelzini spie-
len in Das Lied in mir, dem Abschluss-
film von Florian Cossen an der Filmaka-
demie Baden-Württemberg. Der Film
wird in vier Kategorien für den Deut-
schen Filmpreis nominiert, Spelzini er-
hält eine Lola. Oder: Raju, eine Geschich-
te über Adoptionskriminalität inKalkut-
ta. In der Abschlussarbeit vonMax Zähle
(Regie) und Stefan Gieren (Produktion)
an der Hamburg Media School spielen
Wotan Wilke Möhring und Julia Richter
das deutsche Ehepaar Leif und Sarah.
Sie möchten sich in Indien den Kinder-
wunsch erfüllen, aber sehr schnell geht
es für sie umdie Frage, wie viel das Wohl
des Kindes wirklich zählt. Raju ist für
den Studenten-Oscar nominiert, der im
Juni in Beverly Hills verliehen wird.
Wennalso die Verbindung vonJungre-
gisseuren und bekannten Schauspielern
eine feste Einrichtung werden soll, kann
man das nur gut finden. Nicht nur wegen
des Gutmenschentums und weil Nach-
wuchsförderung eine ehrenvolle Sache
ist. Der Reiz, den solche Filme für eta-
blierte Schauspieler haben, leuchtet so-
fort ein, wenn man zum Beispiel Walter
Plathe nun in Jagdgründe sieht, denn so
hat man ihn noch nie gesehen wie in dem
Film des Studenten Jonas Rothländer.
Plathe ist vor allem bekannt geworden
als Der Landarzt im öffentlich-rechtli-
chenHeile-Welt-Fernsehen. InJagdgrün-
de ist er der Unternehmer Hans Rasche
und geht tief in den schönen deutschen
Wald, um sich umzubringen, denn seine
Gummiwerke inBrandenburg sindpleite.
Rothländer ist Student an der Deut-
schen Film- und Fernsehakademie Berlin
(dffb), und mit Jagdgründe beginnt eine
neue Staffel der Reihe „RBB movies“, die
der Sender mit der dffbundder Hochschu-
lefür FilmundFernsehen(HFF) Potsdam-
Babelsberg koproduziert. Zum hervorra-
genden Ensemble der Kurzfilme gehören
auchJörgSchüttauf undGuntbert Warns.
TV-Landarzt Plathe spielt in Jagdgrün-
deeinenMann, der wiebetäubt ist vor Ent-
schlossenheit und Angst, eine massige Ge-
stalt mit der Flinte auf der Schulter, dem
Revolver in der Tasche. Auf dem Weg zur
Jagdhütte erschießt er seinen Hund. Aber
dann sieht er sich bei seinem weiteren
Werk gestört, denn in der Hütte knutscht
sein Sohn Felix (Eric Bouwer) mit einer
Brünetten und freut sich irgendwie doch,
als er denVater sieht. WieeinToter auf Ur-
laub hat Rasche nun ein paar letzte Stun-
den mit ihm, und so etwas muss man erst
einmal spielen. Plathe kann.
Der Sohn, der nichts ahnt und ein guter
Junge ist, wird bald in Shanghai arbeiten,
weit weg vonBrandenburg, er hat es zuet-
was gebracht. Sie sprechen von gemeinsa-
men Zeiten. Wie geht es deiner Mutter,
fragt Rasche. Irgendwann verabschiedet
er sich. Und dann geht er in den Wald hin-
ein, die Flinte auf der Schulter, denRevol-
ver in der Tasche. tyc
Jagdgründe, RBB, 22.45 Uhr. Anschlie-
ßend folgen Sweetness von Lisa Bierwrith
und Tango von Miriam Bliese. Am Mitt-
woch, 4.5., folgen von 22.45 Uhr an Dann
fressen ihn die Raben von Josephine Fry-
detzki; Jetzt aber Ballett von Isabel Suba;
Unter Null von Ulrike Vahl.
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 15
MEDIEN
Harsche Arbeitsumwelt
Letzter Platz für Eritrea: Reporter ohne Grenzen benennt die Feinde der Pressefreiheit
Wenn man bei der ARD fragt, was ge-
nau Thomas Bach, 57, Vizepräsident des
Internationalen Olympischen Komitees,
mit den TV-Rechteverhandlungen des
IOC für die Wettkämpfe 2014/2016 zu
tun hat, kriegt man eine seltsame Ant-
wort: Man weiß es nicht so genau. Aber,
irgendwie scheint sich Bach zu küm-
mern. Er kritisiert die öffentlich-rechtli-
chen Sender. Im Magazin Sponsors be-
schwert er sich jetzt darüber, dass die
ARD 54 Millionen für Boxen ausgebe,
aber olympische Kernsportarten ver-
nachlässige. Er sehe eine übermäßige
Konzentration auf die Quote, dafür, so
Bach, „fehlt mir jedes Verständnis“.
Bachhat ja Recht mit demQuoten-Vor-
wurf, doch Bach ist vor allem: Partei. Er
ist IOC, und das IOC will mit ARD und
ZDF noch Verträge abschließen. ARD-
Sportkoordinator Axel Balkausky, 49,
zeigt sich an diesem Montag „erstaunt“
über die Attacke des früheren Fechters,
der 1976 mit dem deutschen Florett-
Team Olympiasieger wurde. Bach solle
den Dialog pflegen. In der Sportschau
und in Sportschau-Live-Sendungen zum
Beispiel gebe es jährlich Berichte von
mindestens 50 verschiedenen Sportar-
ten: „Wir weisen den Vorwurf, olympi-
sche Kernsportarten zu vernachlässigen,
entschieden von uns.“ chk
Der Landarzt will Blut sehen
Ein guter Zug: Prominente Schauspieler in Debütfilmen
„Dann lass ich der was einbauen“: Rolf Eden, inzwischen 81, bei Tageslicht. Foto: Anne Schoenharting/Ostkreuz
Aber schön
muss sie sein
Zwei Filme versuchen das Wesen des Lebenskünstlers
Rolf Eden zu ergründen – einer davon ist gelungen
Bach greift die ARD an
Mao-Doppelgänger im ROG-Bild-
band. Foto: Bonaventura/Contrasto/ laif
Verantwortlich: Christopher Keil
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger in Kooperation mit der Jugendpresse Deutschland
Übergewicht in mittleren Jahren er-
höht offenbar das Risiko für eine De-
menz. Zu diesem Ergebnis kommen For-
scher umWeili XuvomKarolinska-Insti-
tut in Stockholm im Fachblatt Neurolo-
gy(online). Die Neurowissenschaftler ha-
ben Daten von mehr als 8500 schwedi-
schenZwillingenimSeniorenalter ausge-
wertet, bei denen jedoch schon 30 Jahre
zuvor Größe und Gewicht erfasst worden
waren. Unter den Teilnehmern, die in ih-
ren Dreißigern oder Vierzigern schon ein
paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat-
ten, fandensichüberdurchschnittlichvie-
le, die später eine Demenzerkrankung be-
kamen. Schon länger ist bekannt, dass
nicht nur Gehirnjogging, sondern auch
regelmäßige körperliche Bewegung die
Wahrscheinlichkeit einer Demenz verrin-
gernkann. „Unsere Ergebnisse unterstüt-
zen die Beweise, dass es sinnvoll ist, das
Gewicht in mittleren Jahren in den Griff
zubekommen, umdas Risiko einer späte-
ren Demenz zu senken“, sagt Wu. bart
Das Herz von Rauchern erholt sich
schnell, wenn sie dem Tabak entsagen.
Das belegt erneut eine Studie vomUnikli-
nikum Schleswig-Holstein. Dort hat der
Kardiologe Jan Stritzke 64 Raucher
beim Aufhören begleitet. Schon zwölf
Monate später hattendiese einviel gerin-
geres Infarktrisiko. So war ihr Blutdruck
von durchschnittlich 149/88 Millimeter
Quecksilbersäule auf 129/81 gesunken
und das Gesamtcholesterin von 6,2 auf
5,2 Millimol pro Liter. Die Daten, die
während des Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt
wurden, stehen imEinklang mit interna-
tionalen Studien. „Die günstigen Effekte
auf das Herz sind nach der letzten Ziga-
rette schlagartig messbar“, sagt Martina
Pötschke-Langer vomDeutschen Krebs-
forschungszentrum. Durch den Wegfall
des inhalierten Kohlenmonoxids werde
das Herz erheblich besser mit Sauerstoff
versorgt; das Blut werde dünnflüssiger.
Das Risiko, durch Herzinfarkt oder
Schlaganfall zu sterben, reduziere sich
deshalb schon bald nach dem Rauch-
stopp. Das Krebsrisiko normalisiere sich
dagegen erst nach vielen Jahren. bern
Als „Nussknackermenschen“ bezeich-
nete die Fachwelt den HominidenParan-
thropus boisei lange Zeit, weil der frühe
Vormensch so große Backenzähne besaß
wie kein anderer Hominide. Nüsse und
Samen müssten daher seine Leibspeise
gewesen sein, so die weit verbreitete An-
nahme. Dass der etwa 1,50 Meter große
Vormensch seinen Spitznamen jedoch
wahrscheinlich zu Unrecht trägt, zeigen
nunErgebnisse amerikanischer undafri-
kanischer Wissenschaftler (PNAS, on-
line). Sie untersuchten die Zähne von 22
Paranthropus-boisei-Individuen, die aus
Zentral- und Nordkenia stammen und
1,4 bis 1,9 Millionen Jahre alt sind. Die
Forscher maßen den Gehalt an verschie-
denen Kohlenstoffisotopen im Zahn-
schmelz der Hominiden, der Rückschlüs-
se auf die Nahrung dieser Frühmenschen
zulässt. Das Team um Thure Cerling von
der Universität Utah konnte auf diese
Weise belegen, dass Paranthropus boisei
alles andere war als ein Nussliebhaber,
sondern sich vor allemvon Gräsern soge-
nannter C4-Pflanzen ernährte. Diese
wachsen in heißen und trockenen Gebie-
ten wie der Savanne Afrikas und zeich-
nen sich durch einen speziellen Weg aus,
Kohlenstoff während der Photosynthese
umzusetzen. Bei keiner anderen Homini-
den-Spezies war bislang eine so große
Menge an C4-Biomasse gefunden wor-
den, berichten die Forscher. esgo
Die Holzfäller berichteten von seltsa-
men Vorgängen. Spalten taten sich auf
einmal im nassen Untergrund auf, der
durch die ununterbrochenen Regenfälle
aufgeweicht war. Lautes Knallen hallte
durch den Wald, wenn die dicken Wur-
zeln der Bäume nicht mehr Stand hielten
und zwischen den Rissen im Boden bars-
ten. Gegen halb fünf am Nachmittag ge-
riet der ganze Hang plötzlich in Bewe-
gung. Auf einer Breite von 500 Metern
undeiner Länge von 1500 Meternrutsch-
te die Flanke ab. Der Strom aus Schutt,
Schlamm und Geröll erreichte angeblich
eine Geschwindigkeit vonbis zu200Kilo-
metern pro Stunde. Die Masse raste
durch den Talboden hinweg und brande-
te 120 Meter hoch an die gegenüberlie-
genden Hänge. Die Dörfer Goldau und
Röthen am Fuße des Rossbergs im
Schweizer Kanton Schwyz wurden aus-
gelöscht, 457 Menschen starben.
Bis heute gilt der Goldauer Bergsturz
vom2. September 1806 als schwerste Na-
turkatastrophe der jüngeren Schweizer
Geschichte. Das Unglückhatte sichanei-
nem mit nur 1580 Meter Höhe eher un-
scheinbarenundvermeintlich harmlosen
Berg ereignet. Und es kann sich jederzeit
wiederholen – am Rossberg selbst oder
anderswo in den Alpen.
Um Menschen rechtzeitig vor solchen
Gefahren zu warnen, hat John Singer
mehrere Monate auf einer Kuhweide ver-
bracht. Dort hat der Ingenieurgeologe
vonder TUMünchengemeinsammit Geo-
dätenundmit Kollegenvonder Universi-
tät der Bundeswehr in München 30 Me-
ter tiefe Löcher in den Schlammgebohrt.
Die Männer haben Kabel versenkt, einen
Tachymeter-Prototypen aufgestellt,
GPS-Geräte installiert, alles per Funk-
verbindung mit einem kleinen Rechen-
zentrumin einer nahen Hütte verbunden
und die Technik auf der Weide mit Sta-
cheldraht umzäunt. „Wegen der Kühe“,
sagt John Singer, „die Tiere sind so neu-
gierig, dass sie uns sonst alles kaputtma-
chen würden.“
Alle diese Geräte befinden sich auf der
Aggenalm, einem unscheinbaren Hang
unterhalb des Skigebietes am Sudelfeld.
Hier in den bayerischen Voralpen nahe
des Wendelsteins sind die Berge ähnlich
gemütlich und vermeintlich zahm wie
die Erhebungen im Kanton Schwyz, an
denen es vor mehr als 200 Jahren zur Ka-
tastrophe kam. Und wie am Rossberg
rutscht auchhier amSudelfeld der Hang.
Die Geowissenschaftler studierendie Be-
wegungendes kleinenBerges, umeinpra-
xistaugliches und vor allem bezahlbares
Frühwarnsystem für rutschende Hänge
zu entwickeln.
Die Gefahr für Bergstürze und Hang-
rutschungen in den Alpen ist seit dem
Goldauer Unglück gewachsen. Das liegt
zum einen an den Folgen des Klimawan-
dels. Die Modelle prognostizieren für
denAlpenraumeine Zunahme der Stark-
regenfälle, eine der Hauptursachen für
Hangrutschungen. Außerdem tauen die
steigenden Temperaturen in höheren La-
gen den sonst gefrorenen Boden auf, die
Bergflanken verlieren dadurch ihre
Stabilität. Gleichzeitig ist die Siedlungs-
dichte in den Bergen in den vergangenen
Jahrzehnten gestiegen, es leben mehr
Menschen in der Gefahrenzone.
„Die gefährdeten Hänge sind fast alle
bekannt“, sagt Singer. Das Bayerische
Landesamt für Umwelt verzeichnet Hun-
derte Gebiete indenBergenzwischenBo-
densee und Königssee, in denen ein Hang
nachgeben kann. Auch in der Schweiz, in
Österreich und den anderen Alpenlän-
dern sind die meisten Gefahrenzonen
identifiziert. Doch wann ein Hang plötz-
lich in Bewegung gerät, wie 2006 am
Immenstädter Horn im Allgäu oder 2007
in Doren im Bregenzerwald, ist unge-
wiss. „Dazu muss ein Hang permanent
überwacht werden“, sagt Singer.
So wie die Weide nahe des Sudelfelds,
an der die Geowissenschaftler ihr Early
Warning System for Alpine Slopes (Alp-
ewas) entwickelt haben. Die Aggenalm
rutscht dort auf einer Länge von 750 Me-
tern und einer Breite von etwa 350 Me-
tern ab. Fünf Millionen Kubikmeter lo-
ckeres Material schieben sich in Rich-
tung Tal. An den Rändern der Rut-
schungszone suchen Bäume Halt, indem
sie sich mit verdickten Wurzeln an der
stabilen Zone festkrallen. Die Stämme
vieler Fichten und anderer Bäume sind
gebogen: Weil ihnen der Boden unter den
Wurzeln entgleitet und sie kippen, müs-
sen sie immer wieder ihre Wuchsrich-
tung korrigieren.
„Aber die Aggenalmist ein gutmütiger
Hang“, sagt Thomas Wunderlich, Lehr-
stuhlinhaber für Geodäsie an der TU
München. Die Bewegung ist berechen-
bar, deshalb eignet sich der Hang so gut
für das Projekt. Trotzdem offenbaren
sich auch hier die Kräfte des Berges un-
missverständlich. In der Begrenzungs-
mauer an der Straße, die das untere Ende
der Hangbewegung quert, klafft ein etwa
25 Zentimeter breiter Riss. Im Sommer
vor zwei Jahren öffnete sich ein Loch im
Asphalt, nicht einmal so groß wie eine
Pizza. Am Ende verschwanden darin
mehr als drei Kubikmeter Schotter,
Sand und anderes Material, bis das Loch
in der Straße wieder gefüllt war.
Der Hang auf der Aggenalm bewegt
sich mit etwa ein bis zwei Zentimetern
im Jahr in Richtung Tal. Wer das für un-
erheblich hält, sollte mit den Besitzern
der Hütten an der Aggenalm sprechen.
Durch deren Außenwände ziehen sich
große Risse. In der Hütte, in der die For-
scher ihr kleines Rechenzentrumin einer
Art Schuhschrankaufgebaut haben, plat-
zen die Fliesen auf demBoden auf. In den
1930er Jahrenverlor der Hang einmal sei-
ne Beherrschung und rutschte auf brei-
ter Front um einige Meter ab. Straßen
wurden verschüttet, Hütten beschädigt
und der nahe Bach staute sich auf. 1997
ging eine Mure auf demHang ab und be-
förderte 30 000 Kubikmeter Felsen,
Schlamm und Schotter bergab, seitdem
wird der Hang regelmäßig überwacht.
Erst durch das Bayerische Landesamt
für Umwelt, dann durch die Mitarbeiter
des Alpewas-Projekts.
Die Geoforscher haben mehrere, etwa
30 Meter tiefe BohrungenindenHang ge-
trieben, bis sie auf stabilen Untergrund
stießen. In die Bohrkanäle habensie han-
delsübliche Koaxialkabel eingeführt
und mit dem festen Untergrund verbun-
den. Rutscht die lockere Erdschicht über
dem stabilen Fels, wird das Kabel im
Übergang zur unbeweglichenSchicht ge-
quetscht. „Wenn wir elektromagnetische
Wellen durch das Kabel schicken, kön-
nen wir aus der Reflexion des Signals auf
den Grad der Deformation schließen“,
sagt Singer. Der wiederum verrät das
Ausmaß der Hangbewegung.
Weil so ein Koaxialkabel nicht beson-
ders teuer ist und ein Loch von nur drei
Zentimeter Durchmesser auch für wenig
Geld gebohrt werden kann, ist das Ver-
fahren erheblich günstiger als andere
Techniken, bei denen Löcher von
größeremDurchmesser gebohrt und aus-
gekleidet werden müssen. Weil es darü-
berhinaus nötig ist, per Hand Messson-
den einzulassen, sind diese Systeme auch
nicht für eine permanente Überwachung
geeignet.
Allerdings hat die Variante mit denKo-
axialkabeln einen Nachteil: Die Kabel
reißen nach einer Weile. Nach einer De-
formation von zwei bis fünf Zentimetern
direkt über der Fixierung mit dem unbe-
wegten Untergrund ist Schluss. Wenn
der Hang weiter schiebt und drückt,
reißt das Kabel wie die Baumwurzelnvor
dem Goldauer Bergsturz.
Der Geodät Stefan Schuhbäck von der
Bundeswehr-Universität hat außerdem
sogenannte Low-Cost-GPS-Empfänger
installiert. Diese liefern zwar nur alle 15
Minuten Daten statt, wie Hochleistungs-
geräte, alle 15 Sekunden, dochder Mittel-
wert vieler Messungen reiche aus, versi-
chert Thomas Wunderlich. Außerdem
kosteten die Geräte nur einen Bruchteil
der Präzisionstechnik, mit der andere
Hänge in den Alpen überwacht werden.
Mit einem Tachymeter, das wie ein klei-
ner Leuchtturm in der Stacheldraht-
umzäunung auf der Aggenalmsteht, sam-
meln die Forscher weitere Daten zur Be-
wegung der Oberfläche. Eine Digitalka-
mera erfasst automatisch die Bewegung
von Felsbrocken oder Baumstümpfen.
Die Beobachtungen kombinieren die
Geoforscher schließlich mit Wetterdaten
und den Messungen einer Sonde im
Hang, die den Wasserpegel beobachtet.
Der Hang rutscht nämlich, weil Was-
ser das Gemisch aus Kalk- und Tonge-
stein im Untergrund auswäscht. Der
Kalkwird durchdas vonNatur aus leicht
saure Wasser ausgelöst, das Material lo-
ckert auf und rutscht nach. Deshalb sind
Regen und Schneeschmelze für instabile
Hänge so gefährlich. Im Jahr 2010 beob-
achtetenVermessungstechniker zumBei-
spiel inder SteiermarkinÖsterreichwäh-
renddes nassenSommers 600 Hangbewe-
gungen. Auch 1806 in Goldau verursach-
te Wasser die Katastrophe. Der Sommer
war wie die zwei Jahre zuvor ungewöhn-
lich regenreich gewesen, irgendwann
konnte der Boden kein Wasser mehr auf-
nehmen und der schwere, vollgesogene
Hang ging ab.
Die Hänge setzen sich mit einiger Ver-
spätunginBewegung: „NachstarkemRe-
gen oder starker Schneeschmelze dauert
es an der Aggenalm zweieinhalb bis vier
Tage, bis der Hang reagiert“, sagt Wun-
derlich. Das entspricht dem Zeitvor-
sprung, dendas SystemBetreibernange-
fährdeten Hängen verschafft. Bei hefti-
gen Niederschlägen können Warnungen
mit diesem Vorlauf gegeben werden.
In Doren am Bregenzerwald ist des-
halb nun ein Teil des amSudelfeld getes-
teten Alpewas-Systems im Einsatz.
Denn dort stehen nur 70 Meter von der
Abbruchkante der Hangrutschung von
2007 die ersten Wohnhäuser. Ein Warn-
system könnte dort überlebenswichtig
sein. SEBASTIAN HERRMANN
Abnehmen fürs Hirn
Demenzrisiko steigt mit Gewicht
Schnelle Erholung
Rauchstopp hilft rasch dem Herzen
Überraschende
Lieblingsspeise
Afrikanischer Vormensch
aß vor allem Gräser
Der Berg rutscht
Die Gefahr von Muren und stürzenden Hängen in den Alpen wächst – Sensoren im Untergrund könnten frühzeitig vor Katastrophen warnen
Seite 16 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 Dienstag, 3. Mai 2011
WISSEN
BeimBergsturz amImmenstädter Horn am22. März 2006 bewegten sich 150 000 Kubikmeter Geröll auf Immenstadt zu. Die Stadt in den Allgäuer Alpen blieb glücklicherweise verschont, Sicherungsar-
beiten wie auf diesem Bild waren noch Monate später nötig. Geoforscher und Ingenieure arbeiten daran, Bedrohungen durch rutschende Hänge möglichst frühzeitig zu erkennen. Foto: Stefan Puchner
Jedes Jahr rutscht die Aggenalm
zwei Zentimeter talwärts.
2010 gab es in der Steiermark
mehr als 600 Hangbewegungen.
Teilnahmebedingungen: Teilnehmen können alle Abonnenten, deren Abo am Tag des Einsende-
schlusses mindestens seit 4 Wochen besteht. Barauszahlung und Rechtsweg ausgeschlossen.
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Die Vorteilswelt der Süddeutschen Zeitung.
Von Thomas Fromm
und Mori tz Koch
München/New York – Fiat-Chef Sergio
Marchionne hatte es in den vergangenen
zwei Jahren nicht leicht, seine Kritiker
zu überzeugen. Es fing damit an, dass er
zwei schwache Autobauer zusammenleg-
te, umdaraus einenstarkenzubauen– Fi-
at und Chrysler. Als er dann bekanntgab,
die Autos des US-Herstellers in Europa
künftig unter demNamen Lancia zu ver-
kaufen, wurden die Experten erst recht
skeptisch: Die amerikanische Traditions-
marke, die eher für große Straßenkreu-
zer als für europäische Eleganz steht,
und die italienische Marke – das schien
nicht zusammen zu passen.
Jetzt hat der Italiener, der heute so-
wohl Chef von Fiat als auch von Chrysler
ist, einen ersten Erfolg vorzuweisen:
Chrysler hat im ersten Quartal des Jah-
res erstmals seit seiner Insolvenz 2009
wieder einen Gewinn eingefahren. 116
Millionen Dollar verdiente der Autobau-
er aus Detroit zuletzt; der Umsatz kletter-
te im gleichen Zeitraum um 35 Prozent
auf 13,24 Milliarden Dollar.
Am Tag, an dem die USA den Tod des
Terroristen Osama Bin Laden feiern, ist
die Gewinnmeldung von Chrysler aller-
dings auch ein weiterer Erfolg für US-
Präsident Barack Obama. Seine Regie-
rung hatte die amerikanische Autoindus-
trie 2009 vor dem Kollaps bewahrt und
zukunftsfähig gemacht. Chrysler galt
stets als besonderer Sorgenfall unter den
Big Three, dendrei führendenamerikani-
schen Autoherstellern. Während Ford
die tiefe Rezession der Jahre 2008 und
2009 ohne die direkte Hilfe Washingtons
überstandundder zeitweise verstaatlich-
te Großkonzern General Motors im ver-
gangenen Jahr an die Börse zurückkehr-
te, schien die wirtschaftliche Erholung
an Chrysler vorbei zu gehen. Kritiker des
Unternehmens sahen sich bestätigt.
Auch innerhalb der US-Regierung hatte
es Stimmen gegeben, die darauf dräng-
ten, Chrysler abzuwickeln statt denKon-
zern mit Milliardenkrediten zu stützen
und durch eine geordnete Insolvenz zu
führen.
Chrysler war nach der Trennung von
dem deutschen Autohersteller Daimler
und der Übernahme durch die Beteili-
gungsgesellschaft Cerberus nie wieder in
Gang gekommen. Die klotzigen Modelle
des Unternehmens fanden immer weni-
ger Abnehmer. Der Marktanteil sank auf
sieben Prozent. So war es erst der Ein-
stieg des italienischen Autobauers Fiat,
der Chrysler wieder eine strategische Per-
spektive eröffnete – eine Lösung, die
auch von Obama selbst favorisiert wur-
de. Aus laufenden Geschäften erwirt-
schaftete Chrysler schon imvergangenen
Jahr wieder einenGewinn. Dochdie enor-
men Zinszahlungen auf die Staatskredi-
te, 1,23 Milliarden Dollar in 2010, drück-
ten das Unternehmen schließlich wieder
in die roten Zahlen. Der jüngste Gewinn
hilft dem Autobauer nun, sich dieser
Last zuentledigen: Die Staatskredite sol-
len bis Ende Juni durch private Darlehen
abgelöst werden. Obamas Entschei-
dung, Chrysler und GM zu retten, ging
vor allemauf denWunschzurück, denin-
dustriellen Kern Amerikas zu bewahren,
den „Rostgürtel“, der sich von New York
über Michigan bis nach Indiana er-
streckt. Die Region hat eine jahrzehnte-
lange Geschichte des Niedergangs erlebt.
Viele Fabriken machten dicht, Arbeits-
plätze wanderten nach China und Mexi-
ko ab. Doch inzwischen erlebt der Rost-
gürtel eine Renaissance: Getragen durch
einen niedrigen Dollar-Kurs und die Er-
holung des Automarkts entwickelt sich
die Industrie zum Jobmotor. Fabriken
sind der schnellstwachsende Sektor der
US-Wirtschaft undhabenalleininMichi-
ganimvergangenenJahr fast 30 000 Jobs
geschaffen.
Doch nun bedroht der hohe Benzin-
preis den Aufschwung schon wieder. Ge-
rade die US-Hersteller bleiben von
schweren Modellen wie Pick-up-Trucks
und Mini-Vans abhängig, die viel Sprit
schlucken. Für Chrysler kommt es nun
darauf an, die Integration mit Fiat
schnell voranzutreiben, damit das Unter-
nehmen sein Angebot um sparsame
Kleinwagen ergänzen kann. Ein erster
Schritt ist bereits getan: Seit April ist der
Fiat 500 in den USA erhältlich.
Fiat hält derzeit 30 Prozent an Chrys-
ler; schon bald sollen für 1,3 Milliarden
Euro weitere 16 Prozent an dem US-Au-
tobauer erworben werden. Damit stünde
Fiat dann kurz davor, die Kontrolle zu
übernehmen. Ein Börsengang Chryslers
war zunächst für das zweite Halbjahr ge-
plant, dürfte nun aber erst Anfang 2012
anstehen. Marchionnes Ziel: Der Mann,
dessen Markenzeichen ein blauer Pull-
over ist, will Fiat, den sechstgrößten Au-
tobauer in Europa, zu einem der führen-
den Hersteller weltweit ausbauen. Die
Chancen darauf sind nun gestiegen.
Von Caspar Busse
Gerne wirdder Tag zur großenAbrech-
nung genutzt: WennAktionäre börsenno-
tierter FirmenzuihrenalljährlichenTref-
fen zusammen kommen, kann sich lange
aufgestauter Frust Bahn brechen. Doch
in diesen Wochen ist das anders: Auf den
meisten Hauptversammlungen herrscht
Wohlwollen und Freundlichkeit. Kein
Wunder, denn der Großzahl deutscher
Unternehmen geht es nach der Wirt-
schaftskrise 2008 und 2009 wieder über-
raschend gut: Gewinne, Umsatz, Auf-
tragseingang steigen. Jetzt geht es dar-
um, den Aufschwung abzusichern.
Einige stehen heute besser da als vor
demverheerenden Abschwung der Welt-
wirtschaft, sie gewinneninternational so-
gar Marktanteile. Volkswagen beispiels-
weise ist dabei, zum größten Autoprodu-
zenten der Welt zu werden. Auch die an-
deren deutschen Autohersteller legen zu.
Der Chemiekonzern BASF, vor mehr als
zwei Jahrenbesonders hart vonder Wirt-
schaftskrise getroffen, ist wieder gut un-
terwegs. Und Siemens-Chef Peter Lö-
scher hat sogar das übermütige Ziel aus-
gegeben, mittelfristig den Umsatz auf
mehr als 100 Milliarden Euro hochzu-
schrauben. Die Geschäfte laufen also,
das wird sich in dieser Woche zeigen, in
der knappdie Hälfte der 30 Dax-Konzer-
ne Quartalsergebnisse vorlegen.
In den vergangenen Jahren haben vie-
le Konzerne umgebaut, gespart, in For-
schung und Entwicklung investiert, also
ihre Hausaufgabengemacht. So schmerz-
voll der Umbau im Einzelfall gewesen
sein mag, weil unrentable Geschäfte auf-
gegeben werden mussten und Arbeits-
plätze gestrichen wurden, der Lohn wird
jetzt eingefahren. Die deutschen Gehäl-
ter haben zudemiminternationalen Ver-
gleich in den vergangenen zehn Jahren
eher stagniert.
Was für Arbeitnehmer bitter war, weil
sie auf Lohnsteigerungen verzichten
mussten, erwies sich für die Wirtschaft
als Fitnessprogramm. Die Wettbewerbs-
fähigkeit der deutschen Unternehmen
hat sich massiv verbessert. Das zahlt sich
aus: Gewinne steigen, die Kapazitäten
sind je nach Branche gut ausgelastet,
neue Arbeitsplätze entstehen, im Aus-
land, aber auch in Deutschland.
Doch die vollen Kassen der Konzerne
wecken Begehrlichkeiten, besonders bei
den Aktionären. Siemens oder Volkswa-
gen sitzen auf milliardenschweren Be-
ständen, die Gewinne gehen stark noch
oben. Der Ruf nach höheren Ausschüt-
tungen an die Anteilseigner nach dem
Vorbild ausländischer Unternehmen
wird lauter. Dabei profitierenschon jetzt
die Anteilseigner. Auf den Hauptver-
sammlungen wurden und werden meist
höhere Ausschüttungen beschlossen. Al-
lein die 30 Dax-Firmen zahlen für 2010
Dividenden in Höhe von 26 Milliarden
Euro – Tendenz steigend. Schon allein
der guten Dividenden halber machen
manche Aktionäre ein besseres Geschäft
als Anleger sicherer Bundesanleihen.
Zu hohe Gewinnbeteiligungen aber
sind nicht gut. Natürlich hängt die Höhe
der Ausschüttungsquote immer von der
speziellen Lage einer Firma ab: gibt es
Möglichkeiten für sinnvolle Investitio-
nen, ist die Kriegskasse nicht ohnehin
schonvoll, drängt womöglicheinGroßak-
tionär auf hohe Gewinnbeteiligungen?
Grundsätzlich aber gilt: Unternehmen
müssen und sollen investieren und dür-
fennicht dengesamtenGewinnausschüt-
ten. Nur so lässt sicheine führende Positi-
on auf den Weltmärkten verteidigen, die
auch in Zukunft zu Erfolgen führen
wird. Die Aktionäre profitieren dann oh-
nehin über steigende Aktienkurse.
Negativbeispiel ist die Deutsche Tele-
kom, die auch 2010 mehr ausschüttet als
sie erwirtschaftet – wohl einSchmerzens-
geldfür denleblosen Aktienkurs. Gerade
erst hat der Bonner Konzern sich vom
US-Markt zurückgezogen, in vielen Be-
reichen stagniert das Geschäft. Aber das
Geld einfach an die Aktionäre auszuzah-
len, ist ein Armutszeugnis. Es ist ein Be-
leg, dass der Vorstand keine guten Ge-
schäftsideen mehr hat. (Seite 20)
Von Ni kol aus Pi per
Natürlich ist Osama bin Laden nicht
schuld an der Finanzkrise. Aber die Ter-
roranschläge vom 11. September 2001
unddie politische undmilitärische Reak-
tiondes offiziellenAmerika darauf zeitig-
ten Folgen, die den Ausbruch der Krise
und der Großen Rezession begünstigten.
Sie leiteten ein Jahrzehnt der ökonomi-
schen und politischen Unsicherheit und
der Angst ein, dessen Spätfolgen die Ver-
einigten Staaten bis heute spüren. Die
Angst wird mit dem Tod von Osama bin
Laden nicht automatisch verschwinden,
aber vielleicht bestehen jetzt größere
Chancen, Korrekturen zu wagen.
Klar ist, dass der Terror die makroöko-
nomische Position Amerikas massiv ver-
schlechtert hat. Kurz vor den Anschlä-
gen im Sommer 2001 befanden sich die
USA bereits in einer Rezession. Die Spe-
kulation mit Internet-Aktien war ge-
platzt, die Kurse unddie Wachstumszah-
len gingen seit März nach unten. In diese
Phase der Unsicherheit brach der Terror
hinein. Regierung und Notenbank fürch-
teten zu Recht eine Panik und in der Fol-
ge eine Finanz- und Wirtschaftskrise.
2001 beschlossen Fed- Chef Alan Green-
spanundPräsident George W. Bushmas-
siv gegenzuhalten, mit einigem Erfolg.
Als die New Yorker Börse nach einer
Zwangspause von knapp einer Woche
wieder öffnete, schleuste Greenspan den
Leitzins inmehrerenStufenauf einenhis-
torischen Tiefststand. Das viele, billige
Geld beendete die Rezession bereits im
November – sie war eine der kürzesten
der US-Geschichte. Gleichzeitig nährte
die Fed die beginnende Spekulation auf
demImmobilienmarkt, die dann schließ-
lich 2007 die große Krise auslösen sollte.
Zu dieser Geldschwemme kamen noch
die Steuersenkungen von Präsident Bush
hinzu. Sie heizten die Konjunktur und
Spekulation weiter an und förderten den
Ruin der amerikanischen Staatsfinan-
zen. Zu Beginn des Jahrzehnts lag die
Staatsschuld bei 3,4 Billionen Dollar,
heute sind es neun Billionen Dollar (die
Bruttoverschuldung, die für die politisch
umstrittene Schuldenobergrenze rele-
vant ist, liegt bei 14 Billionen Dollar).
Hinter all dem steht ein bemerkenswer-
ter Verlust an Zuversicht in der Öffent-
lichkeit. Zwei Drittel der Amerikaner
glauben, dass sich ihr Land auf dem fal-
schen Weg befindet. Das politische Kli-
ma in Washington ist so vergiftet, dass
Kompromisse kaum noch möglich er-
scheinen. Dies alles ist, wohlgemerkt,
nicht die direkte Folge des Terrors, aber
immerhin das Ergebnis von Entwicklun-
gen, die mit dem Angriff auf das World
Trade Center 2001 beginnen haben.
Nicht zu unterschätzen ist auch die
psychologische Wirkung der allgegen-
wärtigen Sicherheitsmaßnahmen imAll-
tag. Der Aufwand, der an Flughäfen und
bei den Grenzkontrollen betrieben wird,
schreckt Geschäftsreisende ab und gilt
vielen Amerikanern selbst als sinnlos. Es
gibt praktisch kein Bürohaus in Manhat-
tan mehr, das man ohne Ausweis betre-
tenkann. Auchunter jenen, die Verständ-
nis für die Sicherheitsvorkehrungen ha-
ben, sorgt dies für ein ständiges Gefühl
der Bedrohung.
Und schließlich dies: Die Behauptung
lässt sich zwar nicht beweisen, aber die
Tatsache, dass sichder amerikanische Pa-
triotismus in den vergangenen Wochen
oft so destruktiv äußert, vor allem in der
Tea-Party-Bewegung, könnte letztlich
mit Angst zu tun haben und dem Gefühl,
in einer feindlichen Welt nichts mehr be-
wirken zu können.
Die Bedrohung durch Islamisten ist
weiterhin real. Wer in diesen Tagen die
New Yorker U-Bahn benutzt, wird noch
wachsamer sein als sonst. Und der Krieg
gegen den Terror ist mit dem Tod Osama
Bin Ladens nicht zu Ende. Trotzdem
muss es heute möglich sein, selbstkri-
tisch auf all das zu blicken, was im Jahr-
zehnt der Furcht beschlossen wurde und
notfalls Korrekturen zu wagen. Amerika
wird besser dastehen, politisch, wie öko-
nomisch, wenn es diesen Schritt über die
Furcht hinaus geht. (Seite 1-4, 6,7, 25)
Im Zweifel für die Zukunft
Die Konzerne müssen investieren und nicht zu hohe Dividenden zahlen
Neues Leben am Rostgürtel
Mit Chrysler macht nun auch der letzte der drei großen US–Autokonzerne wieder Gewinn – die Firma stand schon vor dem Aus
Von Kl aus Ott
München – Es ist der Hauch von Las Ve-
gas, der immer mehr Leute in Deutsch-
lands Spielhallen lockt und dort die Kas-
sen klingeln lässt. Modernste Automa-
ten, an denen sich dem Roulette frönen
lässt; ein Ambiente wie in einem Fünf-
Sterne-Hotel; und mancherorts sogar ei-
ne kleine Bühne mit dem Mann am Kla-
vier, der für eine angenehme Atmosphä-
re sorgt. Die neuen Unterhaltungsstätten
habennichts mehr mit denaltenSpielhöl-
len in den Bahnhofs- und Rotlichtvier-
teln zu tun, und ihr Name ist Programm.
Sie nennen sich Casinos, und so sind sie
auch gestaltet, mit vielen Sälen und noch
mehr Automaten.
Doch damit soll bald Schluss sein. Die
16 Bundesländer, die das Glücksspiel in
Deutschland regeln, planen drastische
Auflagen für die mehr als 10 000 von pri-
vaten Unternehmern betriebenen Spiel-
hallen. Die meisten von ihnen sollen
nach einer Übergangszeit von fünf Jah-
ren ihre Konzessionen verlieren. Hinzu
kommen tägliche Sperrzeiten, in denen
die Vergnügungstempel geschlossen sein
müssen, und das Verbot, am Eingang
oder der Fassade für den Besuch der
Spielstätte zu werben. So steht es in ei-
nem aktuellen Entwurf der Länder, in
dem die künftigen Regeln für Casinos,
Spielhallen, Lotto, Toto und Sportwet-
ten notiert sind.
Im privaten Glücksspielgewerbe sor-
gen die Pläne für blankes Entsetzen.
Marktführer Paul Gauselmann, er ist Prä-
sident des Verbandes des Automatenin-
dustrie, spricht von einem „Kahlschlag“
und kündigt eine „Prozessflut“ an. Man
werde sichgegendie „rechtswidrige Ent-
eignung“ wehren und Schadenersatz in
Milliardenhöhe fordern. „Das ist die Ver-
nichtung unserer Branche“, klagt auch
Ulrich Schmidt, der Besitzer von
Deutschlands zweitgrößter Spielhallen-
Gruppe. Von den derzeit etwa 150 000
Automaten, die in solchen Hallen stehen,
„werden bis zu 100 000 abgeschaltet“,
rechnet Unternehmer vor.
Schmidt wirft den Ländern vor, Kapi-
tal in Höhe von mehr als zehn Milliarden
Euro zu vernichten. Sowohl die Automa-
ten wie auch die speziell für diese Art
von Casinos angemieteten Immoblien
und viele weitere Investitionen seien
dann wertlos. Den Grund für das drasti-
sche Vorgehen der Politik glaubt Bran-
chenführer Gauselmann erkannt zu ha-
ben. Die Länder, die selbst ingroßemStil
Glücksspiele wie Lotto und Toto, Sport-
wetten und Spielbanken betreiben, woll-
ten sich ihre vermeintliche Konkurrenz
„vomHalse halten“. Das beklagt Gausel-
mann, der einen Konzern mit mehr als
6000 Beschäftigten und mehr als einer
Milliarde Euro Umsatz jährlich betreibt,
schon seit Monaten.
Nun scheint es, als liege er mit seiner
Kritik richtig. Der 76-jährige Firmenpa-
triarchmuss umdie Existenz seines Kon-
zerns fürchten, der hunderte Spielhallen
besitzt und darüber hinaus jährlich gut
50000 Automaten für den deutschen
Markt produziert. Für diese Automaten
gibt es künftig wohl keine Abnehmer.
Die Länder wollen vor allem gegen die
großen Spielhallen vorgehen, die über
mehrere Konzessionenverfügen. Normal-
erweise darf eine Vergnügungsstätte nur
aus einemSaal mit höchstens 12 Automa-
ten bestehen. Etliche Unternehmer wie
Gauselmann und Schmidt betreiben
aber weit größere Spielstätten, indemsie
mehrere Konzessionen an einem Stand-
ort nutzen. Diese Praxis ist über Jahr-
zehnte hinweg zueiner Art Gewohnheits-
recht geworden und hat dazu geführt,
dass immer mehr Casino-ähnliche Gebil-
de entstanden sind. Doch jetzt wollen die
Länder neue Mehrfach-Konzessionen so-
fort verbieten und die bereits bestehen-
den Anlagen in fünf Jahren schließen.
Die Ministerpräsidenten der Länder
begründen ihr Regelwerk damit, dass die
Bevölkerung vor der Spielsucht ge-
schützt und besonders der Jugendschutz
gewährleistet werdenmüsse. InDeutsch-
land sind mehrere hunderttausend Men-
schen in Gefahr, ihr Hab und Gut an Au-
tomaten und Roulette-Tischen zu verzo-
cken. Nach Ansicht von Gauselmann
und Schmidt wäre das geplante Vorge-
hen gegen die Spielhallen aber genau das
falsche Rezept. Es würde den Online-Ca-
sinos, Wetten und Poker-Anbietern, die
via Internet vom Ausland auf den deut-
schen Markt drängen und schon jetzt
jährlich Milliardenbeträge kassieren,
nur noch mehr Zulauf bescheren, meinen
sie. Dort könnten die Leute, anders als in
denSpielhallen, „anonymundunkontrol-
liert“ zocken, sagt Schmidt. Für den Ju-
gend- und Spielerschutz sei das die
schlechteste Lösung.
Die „illegalen Anbieter“ im Internet
zahlten auch keine Abgaben, wendet
Gauselmann ein. Bund, Länder und Ge-
meinden gingen bei der Schließung der
Spielhallen 1,5 Milliarden Euro an Steu-
ern verloren, warnt der Patriarch. Die
Länder kalkulieren vermutlich aber
ganz anders. Ihnen bringen die eigenen
Glücksspiele, allen vorandas Lotto, jähr-
lich Milliarden. Jedenfalls weit mehr, als
bei den Spielhallen an Abgaben entfiele.
Undbei den eigenen Lotterien wollen die
Regierungschefs großzügig sein und bei-
spielsweise die ansonstenverbotene Wer-
bung im Fernsehen und Internet erlau-
ben. Außerdem sollen die Spielbanken
der Länder künftig Roulette und Poker
auch online anbieten dürfen. Die Spiel-
banken haben in den vergangenen Jah-
ren viele Kunden verloren; sie betrach-
ten die neuen, Casino-ähnlichen Spiel-
hallen zunehmend als Konkurrenz.
Automaten-König Gauselmann hegt
den Verdacht, dass die Bundesländer ih-
re Macht „willkürlich“ missbrauchten,
um die staatlichen Glücksspielangebote
auf Kosten der privaten Spielhallen zu
schützen. Gauselmannund Schmidt wol-
len die Politiker davon überzeugen, dass
das der falsche Wegsei. Falls das nicht ge-
lingt, wollen sie klagen. Notfalls bis hin
zum Bundesverfassungsgericht und zum
Europäischen Gerichtshof.
Der Silberpreis ist am Montag um bis
zu 13 Prozent auf 42,20 Dollar je Unze
gefallen. Einen solchen Tagesverlust
hatte es seit Ende 2008 nicht mehr gege-
ben. Auslöser war die Ankündigung der
New Yorker Warenterminbörse Comex,
die Sicherheitsleistungen (Margen) bei
Silber-Kontrakten um 13 Prozent anzu-
heben. Spekulanten müssen nun mehr
Geld für ihre Geschäfte hinterlegen.
Diese Maßnahme gilt auch als Warn-
schuss. Der Silbermarkt gilt in Börsen-
kreisen als überhitzt. Rohstoff-Experte
Ole Hansen von der Saxo Bank betonte,
die Nachricht vom Tod des Al-Kaida-
Chefs Osama bin Laden habe die Tal-
fahrt noch beschleunigt. Seit der Leh-
man-Pleite im Herbst 2008 hat sich der
Silber-Preis fast vervierfacht und mar-
kierte vergangene Woche mit 49,51 Dol-
lar den höchsten Stand seit 1980. zyd
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 17
Kommentare
Das Jahrzehnt der Angst
Was bin Ladens Tod für den Alltag der Amerikaner bedeuten könnte
Models posieren mit dem Chrysler 300 bei der Autoschau in Detroit im Januar.
Die Automarke erlebt unter der Ägide von Fiat eine Renaissance. Foto: AP
Politiker schalten 100 000 Spielautomaten ab
Bundesländer planen harte Auflagen für die private Casino-Branche, die um ihre Existenz fürchtet
Silberpreis
stürzt ab
WIRTSCHAFT
Amerika wird es besser gehen,
wenn es einen Schritt
über die Furcht hinausgeht.
Die Spielhallen wollen sich gegen
eine Enteignung wehren und
hohen Schadenersatz fordern.
Zu hohe Gewinnbeteiligungen
sind ein Beleg dafür, dass gute
Geschäftsideen fehlen.
Chart des Tages
Deutschlands Glücksspielbranche ist hart
umkämpft. Die Bundesländer wollen ihr
Lotto-Monopol schützen, das ihnen viel Geld
bringt. Doch die Konkurrenz der privaten
Spielhallen und von ausländischen Internet-
Anbietern, die vor allem Sportwetten und
Pokerrunden veranstalten, ist groß.
SZ-Graphik: Ilona Burgarth; Foto: Jens-Ulrich Koch/ddp; Quelle: Glücksspiel-Bericht der Bundesländer vom September 2010; Zahlen für 2009
Milliarden-Markt
**Schätzung des staatlichen Deutschen Lotto- und Totobloc *via Internet, ausländische Anbieter
3,3
Bruttospielerträge
in Milliarden Euro, 2009
Private Spielhallen
Staatliche und private Spielbanken
0,6
7,3
Spieleinsätze
in Milliarden Euro, 2009
Staatliche Lotterien (Lotto usw.)
Private Sportwetten, Casinos, Pokerspiele*
TV-Lotterien (ARD, ZDF)
Staatliche Sportwetten
0,6
0,3
1,8**
Umsatz der privaten Spielhallen
Bruttoumsatz in Milliarden Euro
1999 2005 2006 2007 2008 2009
3,11 3,08
2,75
3,10
3,25
3,34
SZ-Grafik
smallCharts
Quelle:
T.F.Datastream
20
30
40
50
Jan. Feb. Mrz. Apr.
2011
Silber
Preis am 02.05.: 42,58 Dollar je Feinunze
Von Dagmar Deckstei n
A
uch in Ehningen, dem Stammsitz
der IBM Deutschland, ist das Ge-
setz der Serie wirksam geworden,
das sich seit kurzemin immer mehr deut-
schenChefetagen durchzusetzenscheint.
Eine Frau nach der anderen zieht ein in
die Olymps der Wirtschaft, wo sich jahr-
zehntelang die Alphamännchengegenje-
de weibliche Machtzudringlichkeit ab-
schotteten: Angelika Dammann sitzt im
SAP-Vorstand, Regine Stachelhaus bei
Eon, Christine Hohmann-Dennhardt ist
beim Autokonzern Daimler in den Vor-
stand gerückt, Margret Suckale bei
BASF, undbei Siemens mischen mit Bar-
bara Kux und Brigitte Ederer schon zwei
Frauen die übrigen acht Vorstandsmän-
ner auf. Eine Entwicklung, die vor knapp
zweieinhalb Jahren einsetzte, und die
nun auch den Deutschland-Ableger des
amerikanischen IT-Konzerns IBM er-
fasst hat – passend zu dessen 100. Ge-
burtstag.
Martina Koederitz wird als erste Frau
in der größten IBM-Landesgesellschaft
Europas den Chefsessel erklimmen. Auf
dem saß im übrigen von 1987 bis 1993
schon Hans Olaf-Henkel, der frühere
BDI-Chef undTalkshow-bekannte Quer-
denker. Selbst er bezeichnete kürzlich
die Männerübermacht als „Armutszeug-
nis für die deutsche Wirtschaft“. Am 4.
Mai wird der Aufsichtsrat des deutschen
IBM-Ablegers daran gehen, diese Armut
noch ein wenig mehr zu lindern.
Wer Martina Koederitz kennengelernt
hat, dem schwante schon beizeiten, dass
diese zierliche, aber resolut und selbstbe-
wusst auftretende ManagerinzunochHö-
herem berufen sein könnte. Sie verfügt
nicht zuletzt über einen gesunden Appe-
tit und bedient sich erst einmal ordent-
lich am Salatbuffet der lichtdurchflute-
ten Betriebskantine in der neuen, 2009
bezogenen Firmenzentrale nahe dem al-
ten Standort Böblingen. „Vitamine sind
immer gut.“Vor allemVitaminB? „Impo-
sitiven Sinne durchaus“, lacht sie, „ich
binfrohüber meinwertvolles Netz anBe-
ziehungen, innerhalb und außerhalb der
IBM, die mich in vielen Phasen des Be-
rufslebens begleitet haben“. Aber vor al-
lem hätten sie ihre jeweiligen Manager
gefordert undgefördert, neue Herausfor-
derungen immer wieder engagiert anzu-
gehen. „Das hat mir geholfen und mich
motiviert“, sagt die 47-Jährige.
Und wie viele andere Top-Managerin-
nen hält auch Koederitz nicht viel von
verordneten Frauenquoten, die verstell-
ten nur den Blick auf die eigene Leis-
tung. „Wenn mir eine Chance geboten
wurde, habe ichnie lange überlegenmüs-
sen, sondern sofort zugegriffen.“ Viele
Frauen, zumal in Deutschland, gingen da
mit zu viel Skrupeln an Führungsaufga-
ben, wollten immer hundertprozentig
perfekt sein. Für Koederitz eine Frage
der mentalen Herangehensweise: „Ich
muss führen wollen, ich muss mir dar-
über klar sein, dass ich Macht und Ver-
antwortung tragen will, und ich muss es
mir vor allem selber zutrauen.“ Sie habe
im Laufe ihrer IBM-Karriere Frauen oft
regelrecht in die Verantwortung schub-
sen müssen. Das musste die IBM-Füh-
rung bei Martina Koederitz nicht. Jetzt
trägt die neue Spitzenfrau Verantwor-
tung für 21 000 Mitarbeiter der IBM
Deutschland GmbH mit geschätzten
fünf Milliarden Euro Umsatz – genaue
Zahlen über die Landesgesellschaften
veröffentlich „Big Blue“ nicht. Aber im-
merhin die, dass 30 Prozent der weltweit
400 000 IBM-Beschäftigten weiblich
sind, in Deutschland kommt IBM auf
26 Prozent und in Führungspositionen
haben sie einen Anteil von 14 Prozent er-
klommen. Dafür sorgt schondas konzern-
weit agierende Women's Leadership
Council, das die Geschäftsführung in al-
len Frauenförder-Fragen berät.
Koederitz angelt sich jetzt als Haupt-
gangdas Fischfilet auf denTeller, undih-
re blauen Augen blitzen regelrecht:
„IBM ist ein tolles Unternehmen mit ei-
ner großartigen Firmenkultur, deswegen
gehört es auch nach Coca-Cola zur wert-
vollsten Marke der Welt.“ Als die damals
23-jährige Absolventin der baden-würt-
tembergischen Berufsakademie mit dem
Abschluss Diplom-Betriebswirtin beim
Ausbildungsunternehmen IBM als Sys-
temberaterin begann, hatten die Chef-
denker der IBMDeutschland gerade eine
Studie vorgelegt, inder sie sichdie IT-Zu-
kunft ausmalten. „Bis zum Jahre 2010
wird der Computer ein weit verbreitetes
Werkzeug sein. Der Mensch hat sich dar-
an gewöhnt, dass der Computer nützlich
ist, aber auchdaran, dass ihmder Compu-
ter in vielen Bereichen überlegen ist, und
dass man nicht mehr auf ihn verzichten
kann und will“, heißt es unter anderem.
So kam es, und die Entwicklung präg-
te auchdie Karriereleiter der MartinaKo-
ederitz. Von Ende der neunziger Jahre an
übernahm sie Führungsfunktionen im
Vertrieb, erst für die Finanzdienstleistun-
gen, später für die Großrechner, bis sie
ganz oben in der IBM-Zentrale in Arm-
onklandete. SiebenMonate lang arbeite-
te sie dort im Büro von Vorstandschef
Sam Palmisano, wo sie sich um die welt-
weiten Kundenkontakte kümmerte.
„Das war großartig, mit Palmisano zuar-
beiten. Er ist ein einzigartiger strategi-
scher Vorausdenker, sehr sachlich und
konzentriert. Ichhabe viel über die Orga-
nisation gelernt“, schwärmt Koederitz.
Nicht von ungefähr: Als sie Anfang 2008
nach Deutschland zurückkehrte, holte
sie der bisherige Chef Martin Jetter
gleich in die Geschäftsführung, erst fürs
Mittelstandsgeschäft, 2010 dann für den
gesamtenVertrieb. AuchinJetters Trans-
formationsteam arbeitete Koederitz mit,
als sich der Deutschlandchef 2008 an-
schickte, die Organisation mit ihren
20 Unter-Gesellschaften umzubauen
und neu zusammenzusetzen, nach dem
Motto: Schneller, besser, effizienter, kun-
dennäher.
Gut möglich, dass das Mittelstandsge-
schäft auchdeswegenetwas unter die Rä-
der kam und das von Jetter betriebene
Großkundengeschäft auch nicht gerade
boomte. Zumal auf einem reifen Markt
wie Deutschland. Jedenfalls soll Palmisa-
no zuletzt über die germanische Perfor-
mance nicht gerade begeistert gewesen
sein. Da kommt eine Menge Arbeit auf
die Schwäbin zu, deren verbindliche,
aber durchsetzungsstarke Art dem Ver-
nehmen nach von ihrem Umfeld sehr ge-
schätzt wird. „Beliebt, geradlinig, ver-
trauenswürdig“ ist immer wieder über
Martina Koederitz zu hören. Das Buch,
das Jetter über diese Transformation im
vergangenen Jahr als Spiritus Rector be-
gleitete, trägt den beziehungsreichen Ti-
tel: „Ändere das Spiel“. Der taugt durch-
aus als Aufgabenbeschreibung für die
künftige Chefin, die Transformation als
Daueraufforderung begreift.
Inihremlegeren, braunmeliertenWoll-
pullover sitzt sie zufrieden mit dem Mit-
tagsmahl am weißen Kantinentisch und
wirdplötzlichganz schmallippig. Die pri-
vate Powerfrau soll ausgespart bleiben.
Wer an seiner Leistung gemessen werden
will, für die tun Mann oder Kinder nichts
zur Sache. So ist das bei IBM, wo schon
lange vor der jüngsten Umstrukturie-
rung hierarchiebetonende Chefbüros ab-
geschafft wurden. Die erste IBM-Frau
Deutschlands bleibt imGebäude 1 inEh-
ningen in der Vertriebsabteilung sitzen,
wo sie sich wie alle anderen Mitarbeiter
auch als mobile Büronomadin mal hier,
mal dort mit ihrempersönlichenRollcon-
tainer an einen Schreibtisch hinter fle-
xiblen Stellwänden andockt. Die Zeiten,
da die Rangordnung an der Größe von
Gummibäumen erkenntlich wurde, sind
auchbei IBMlängst Geschichte. „Frauen
legen auf so etwas erst recht keinen
Wert“, sagt Koederitz.
Hewlett-Packard hat einen neuen Chef
für Europa ernannt: Yves de Talhouët
übernimmt die Funktion. Er arbeitet als
Geschäftsführer der französischen Nie-
derlassung seit fünf Jahrenbei demgröß-
ten Computerkonzern der Welt. Zugleich
ist er nun zuständig für das Unterneh-
mensgeschäft bei Hewlett-Packard. Der
Technikexperte arbeitet seit 25 Jahren in
der IT-Branche. Er folgt auf Jan Zadak,
der das Marketing für Hewlett-Packard
in Sachen Geschäftskunden weltweit
übernommen hat. Seit Léo Apotheker im
vergangenen Jahr Hewlett-Packard vor-
steht, baut er den Konzern um. Der
deutschstämmige Chef will vor allem
den Softwarebereich stärken. rdl
Die Hauptversammlung des schwedi-
schen Energiekonzerns Vattenfall hat
BjörnSavén für eine Dauer von zwei Mo-
naten zum neuen Vorsitzenden des Auf-
sichtsrates gewählt. Nach Streitigkeiten
umunrechtmäßige Zahlungenandenfrü-
herenKonzernchef Lars G. Josefsson soll
Ende Juni bei einer außerordentlichen
Hauptversammlung ein permanenter
Aufsichtsratschef gewählt werden. Sa-
vén war bisher einfaches Aufsichtsrats-
mitglied. Der frühere Vorsitzende des
Gremiums, Lars Westerberg, musste im
März seinen Hut nehmen, weil er mit Jo-
sefsson vor dessen Rücktritt regelwidrig
eine Zahlung von zwölf Millionen Kro-
nen (etwa 1,3 Millionen Euro) vereinbart
hatte. Josefssonmusste die bereits ausge-
zahlte erste Hälfte des Betrages zurücker-
statten. Die Hauptversammlung be-
schloss auch neue Richtlinien für Verträ-
ge mit Spitzenmanagern. Die schwedi-
sche Regierung als einziger Anteilseigner
hatte sie nachKritik anhohenAbfindun-
gen für frühere Manager der Vattenfall-
Tochter in Deutschland verlangt. dpa
Neuer Europachef bei HP
Der Lkw-Zulieferer SAF Holland ver-
jüngt sein Management. Der 48-jährige
und bisherige Vize Detlef Borghardt
übernehme von Juli an den Chefposten,
teilte das bayerische Unternehmen mit.
Ende Juni und damit nach Abschluss der
Restrukturierung werde der langjährige
Chef Rudi Ludwig, 62, sein Amt auf eige-
nen Wunsch niederlegen. Borghardt ist
seit 2007 im Vorstand und dort für den
Bereich Trailer Systems verantwortlich.
Früher leitete er bei SAF Holland den
Vertrieb, das MarketingunddenKunden-
service. Reuters
D
ie geplante Übernahme des deut-
schen Baukonzerns Hochtief durch
den spanischen Konkurrenten ACS wird
schon bei der nächsten Hauptversamm-
lung am 12. Mai in Essen zu massiven
Konflikten führen. Auf dem Aktionärs-
treffen wird ein Streitpunkt sein, wie der
künftige Aufsichtsrat besetzt werden
soll. Der Konflikt hat das Potential, das
Klima für lange Zeit zu vergiften.
Florentino Pérez, der mächtige Chef
des spanische Baukonzerns ACS, der im
Moment gut 40 Prozent der Aktien hält
und in Kürze bei 51 Prozent ankommen
will, legt sichindieser Frage mit dembis-
herigenAufsichtsrat an. Hochtief hat der
Einladung zur Hauptversammlung eine
Liste von Kandidaten für das Kontroll-
gremium beigefügt. Darauf stehen aber
nur zwei Abgesandte von ACS. „Das ist
uns zu wenig“, heißt es bei den Spaniern.
ACS will gemäß des Aktienanteils in Zu-
kunft vier der acht Sitze auf der Kapital-
seite im Aufsichtsrat besetzen.
Die Spanier habenaber bisher keine ei-
gene Liste von Kandidaten aufgestellt,
die auf der Hauptversammlung gewählt
werden könnte. Insider berichten, ACS
habe noch nicht die geeigneten Vertreter
gefunden. Stattdessen wollen die neuen
Großaktionäre ihre eigenen Kandidaten
offenbar erst kurz vor Beginn der Haupt-
versammlung bekanntmachen. Das wie-
derumbringt die bisherigenAufsichtsrä-
te in Rage, die vermuten, die Spanier
wollten mehr als die Hälfte der Sitze im
Kontrollgremium besetzen. Die freien
Aktionäre würden in dem Gremium
nicht mehr ausreichend vertreten.
Dieser Machtkampf hat es in sich, weil
es unter anderem um die Person von
Hans-Peter Keitel geht. Keitel war bis
2007 Vorstandsvorsitzender von Hoch-
tief. Heute ist er der Präsident des Bun-
desverbandes der Deutschen Industrie.
Der höchste Repräsentant der deutschen
Wirtschaft ist denSpaniern aber als Auf-
sichtsrat nicht genehm. Keitel, der seit
seinemAusscheiden auf demChefamt im
KontrollgremiumvonHochtief sitzt, hat-
te sichwie fast der gesamte Hochtief-Auf-
sichtsrat gegen die Übernahme des Bau-
konzerns durch die Spanier gestellt. Auf
der vondenSpaniernabgelehntenKandi-
datenliste steht auch der bisherige Auf-
sichtsratsvorsitzende Detlev Bremkamp,
der einst im Vorstand der Allianz AG
saß. Auch andere Aufsichtsratsmitglie-
der wollen die Spanier loswerden, zum
Beispiel Heinrich von Pierer, den frühe-
ren Chef von Siemens, sowie Wilhelm
Simson, der früher Vorstandschef des
Energiekonzerns Eon war.
Der Streit droht die Gräben zu vertie-
fen, die schon heute durch das Unterneh-
mengehen, seitdemdie Spanier die Über-
nahme ankündigten. Der Vorstandsvor-
sitzende des Hochtief-Vorstands, Her-
bert Lütkestratkötter, der die Übernah-
me durch ACS öffentlich attackierte und
sogar die Bundesregierung um Hilfe ge-
gen die Eindringlinge rief, musste seinen
Posten vor wenigen Tagen räumen.
Das Vorgehen der Spanier sorgt bei
denbisherigenAufsichtsrätenfür Unver-
ständnis. Sollten sie kurz vor der Haupt-
versammlungeine Liste zur Wahl vorstel-
len, hätten die Aktionäre keine Möglich-
keit, sichmit dendarauf stehendenPerso-
nen vertraut zu machen. „Damit werden
die Aktionäre überfahren“. Die Spanier
müssten sich besser mit der deutschen
Unternehmenskultur vertraut machen,
fordern sie. Karl-Heinz Büschemann
Die Hamburger Privatbank M.M. War-
burg wird künftig von sechs Partnern ge-
führt. Seit dem 1. Mai verstärke Peter
Rentrop-Schmid die Geschäftsleitung,
teilte das Geldhaus mit. Der 42-Jährige
verantworte die Bereiche Marktfolge
und Innenbetrieb. Er blickt unter ande-
rem auf Stationen bei der Deutschen
Bank und der Dekabank zurück. Für die
Warburg-Gruppe ist Rentrop-Schmid
seit 2003 tätig, zuletzt als Vorstandsmit-
glied beim Bankhaus Hallbaum. Reuters
Die auf den Mittelstandspezialisierte In-
vestmentbank Silvia Quandt & Cie hat
sicheinen renommierten M&A-Experten
ins Haus geholt. Ab sofort baue Ralf Haf-
ner das Geschäft mit FusionenundÜber-
nahmen (M&A) auf, teilte das Institut am
Montag mit. Der 52-jährige Investment-
banker kommt von PricewaterhouseCo-
opers (PwC), wo er in den vergangenen
Jahren das deutsche M&A-Team mit aus
der Taufe hob. Davor war Hafner unter
anderem für die BHF-Bank, die Dresd-
ner Bank und die Deutsche Bank tätig.
An der Silvia Quandt &Cie AG ist neben
der ältesten Tochter von Herbert Quandt
die Unternehmensgruppe Angermay-
er/Brumm/Lange beteiligt, zu der Fi-
nanzdienstleister wie der Vertrieb Jung,
DMS&Cie gehören. Silvia Quandt &Cie
hat keine eigene Banklizenz, sondernope-
riert über die biw Bank. Reuters
ACS-Chef Pérez fordert vier Sitze im
Hochtief-Aufsichtsrat. F.: Getty Images
Neuer Aufseher bei Vattenfall
Mehr Partner bei Warburg
Wechsel bei SAF Holland
Verstärkung für Silvia Quandt
Oberste Büronomadin
Martina Koederitz wird auch als erste Chefin von IBM Deutschland an einem mobilen Schreibtisch arbeiten. Von Frauenquoten hält sie nichts
Von Markus Bal ser
Berlin – Die Zahl auf der Schuldenuhr
vergrößert sich im Sekundentakt. An ei-
ner Fassade der Französischen Straße in
Berlin Mitte gibt ein digitaler Zähler mit
13 Stellen seit Jahren an, mit wie viel
Geld Deutschland in der Kreide steht.
Am Montag um 11 Uhr liegt die Staats-
verschuldung bei 1 949 907 909 429 –
knapp zwei Billionen Euro. Und jede Se-
kunde werden es 2279 Euro mehr.
Nur einenHäuserblockvonder ticken-
den Mahnuhr entfernt kommen zur glei-
chen Zeit Deutschlands führende Wirt-
schaftsforscher zusammen, um in Berlin
über die Folgen der europäischen Schul-
denkrise zu beraten. Der Anlass des Gip-
fels ist feierlich, das Thema brisant: Vor
60 Jahren, am 2. Mai 1951, nahm das In-
stitut der deutschen Wirtschaft (IW) in
Köln seine Arbeit auf. „Politik ohne
Geld“, heißt der Titel der Podiumsdiskus-
sionzumFestakt. Wie schonindenNach-
kriegsjahrenstehe die Gesellschaft ange-
sichts der Schuldenkrise in Europa vor
grundlegenden Problemen. „Die Wirt-
schafts- undFinanzkrise mit ihrenfunda-
mentalenAuswirkungenauf die öffentli-
chen Haushalte gibt Anlass, die Rolle der
Politik neu zu bestimmen“, sagt IW-Di-
rektor Michael Hüther. Denn dem star-
ken Wirtschaftswachstum in Deutsch-
land drohen nach Ansicht der führenden
Wirtschaftsforschungsinstitute durch
die Folgen der Finanz- und Schuldenkri-
se große Gefahren. Hans-Werner Sinn,
der Chef des Münchner ifo Instituts,
glaubt, die Bedeutung der Krise werde in
der Öffentlichkeit noch immer unter-
schätzt. Er spricht von Problemen, deren
Sprengkraft „alles in denSchatten stellt,
was uns derzeit in Deutschland beschäf-
tigt. Der Euro ist in der Krise. Und zwar
massiv“, warnt Sinn.
Die Rettungspakete für Europas Kri-
senländer könnten das Schuldenpro-
blem nicht lösen. Die Summe von Kredi-
ten und Garantien, mit der Deutschland
in Haftung steht, liegen inzwischen bei
fast 400 Milliarden Euro. Die Länder
Südeuropas leben weiter über ihre Ver-
hältnisse. „Wir müssen jetzt den Geld-
hahn zudrehen. Sonst ist das der Weg in
den Untergang Europas“, sagt Sinn vor-
aus. Der Schuldenstand steige in ganz
Europa nochimmer starkan, warnt Den-
nis Snower, der Chef des Kieler Instituts
für Weltwirtschaft (IfW). Die Gesamtver-
schuldung der Euroländer erhöhte sich
allein 2010 von 70 auf 80 Prozent der
Wirtschaftsleistung. Länder wie Grie-
chenland, Irland und Italien liegen
längst bei deutlich mehr als 100 Prozent.
Die hohe Verschuldung sei die langfris-
tige Konsequenz falscher Politik. „Das
ist die Folge der Inkompetenz des Staa-
tes“, kritisiert Snower. Neben Gesetzen
wie der deutschen Schuldenbremse
bräuchtendie Regierungen Europas jetzt
Fiskalkomissionen, die zu hohe Schul-
den verhindern, fordert Snower.
Die Politik müsse sich mit einemstrik-
ten Sparkurs das Vertrauen der Märkte
erarbeiten, fordert RWI-Chef Christoph
Schmidt. „Probleme gewinnen größere
Dimension durch das Zusammenwach-
sen der Volkswirtschaften.“ Noch aber
fehle zur Lösung eine langfristige Strate-
gie. Dies gelte auch für die Rettung der
Gemeinschaftswährung. Der Euro drohe
zum politischen Geld zu werden. Pessi-
mismus sei bei denaktuellenRettungsbe-
mühungen angebracht. Der Wirtschafts-
weise Peter Bofinger warnt dagegen vor
zu harten Einschnitten in den Staats-
haushalt. Eine niedrige Staatsquote sei
nicht zwangsläufig ein Erfolgsmodell.
StaateninNordeuropa wie Schwedenbe-
wiesen, dass einstarker Staat hohe Wett-
bewebsfähigkeit fördern könne.
Das Finanzministerium pocht derweil
auf einen Vorrang für den Defizitabbau
vor Steuersenkungen. „Wir dürfen jetzt
in der Ernsthaftigkeit, die Defizite abzu-
bauen, nicht nachlassen“, sagt Werner
Gatzer, Staatssekretär im Bundesminis-
terium der Finanzen. „Spielräume für
mittel- oder langfristige Belastungen des
Bundeshaushalts hat die Regierung
nicht.“ Der raschere Ausstieg aus der
Atomenergie und das Paket zur Euro-
Stabilisierung könne den Etat zusätzlich
belasten. Eine Alternative zum harten
Sparkurs gebe es nicht. „Wir wollen die
Generationengerechtigkeit und die
Handlungsfähigkeit des Staates erhal-
ten“, sagt Gatzer. „Was passiert, wenn
die verloren geht, können wir ja derzeit
in einigen Euro-Ländern sehen.“
Am Ende der Debatte stehen auf der
Berliner Schuldenuhr fast 500 000 Euro
mehr. „Wir müssenschnell handeln“, for-
dert Ifo-Chef Sinn. Die USA haben aus
ihrem Schuldenberg schon vor drei Jah-
ren ganz eigene Konsequenzen gezogen.
Sie bauten ihre zehn Meter große Uhr in
der Nähe des Times Square schlicht um,
als Amerikas Schulden auf einen zwei-
stelligen Billionen-Betrag stiegen: Statt
13 hat die Uhr seitdem 14 Ziffern.
Martina Koede-
ritz übernimmt
die Führung der
IBM-Landesgesell-
schaft Deutsch-
land und ist damit
künftig für 21 000
Mitarbeiter ver-
antwortlich. Die
Managerin ist seit
fast 25 Jahren bei
dem IT-Unterneh-
men und war un-
ter anderem auch
im Büro von IBM-
Vorstandschef
Sam Palmisano
beschäftigt.
Foto: dapd
Politik der zugenähten Taschen
Deutschlands Spitzenökonomen fordern von der Bundesregierung einen raschen Schuldenabbau
Seite 18 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 Dienstag, 3. Mai 2011
WIRTSCHAFT
Ifo-Chef Sinn warnt davor, die
Lage zu unterschätzen: „Der Euro
ist in der Krise. Und zwar massiv.“
Krach bis zur letzten Minute
Der Baukonzern Hochtief und der künftige Mehrheitsaktionär ACS streiten jetzt auch noch über die Besetzung des Aufsichtsrats
Die Schuldenuhr beim Steuerzahlerbund in Berlin, aufgenommen im Februar
2010. Heute steht Deutschland mit fast zwei Billionen Euro in der Kreide. F: dpa
Personalien
„Ich muss mir darüber klar sein,
dass ich Macht und
Verantwortung tragen will.“
München – Lichtblick beim Bürokratie-
abbau: Die Besteuerung von Dienstrei-
sen soll einfacher werden. Eine Arbeits-
gruppe beim Bundesfinanzministerium
bereitet mit Vertretern der Industriever-
bände und von Dax-Unternehmen ent-
sprechende Verbesserungsvorschläge
vor. Ziel ist es, die Dokumentation und
Besteuerung von Dienstreisen zu verein-
fachen, um die Unternehmen zu entlas-
ten. Neben einer Reduzierung der Kosten
möchte die Industrie auchmehr Rechtssi-
cherheit bei der Verrechnung von Reisen
mit dem Finanzamt erreichen. Die Ar-
beitsgruppe stehe allerdings erst am An-
fang, heißt es, eine Reformkönne frühes-
tens 2012 in Kraft treten. Pro Jahr fallen
indeutschen Unternehmenrund 150 Mil-
lionen Dienstreisen an. Experten schät-
zen die Kosten dafür auf mehr als 40 Mil-
liarden Euro. Ein Kernpunkt bei den Ge-
sprächen ist die Frage, was als „regelmä-
ßige Arbeitsstätte“ gilt. Davon hängt un-
ter anderemab, ob Fahrten private Wege
zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
sind oder Reisekosten für den Arbeitge-
ber. Derzeit gelten als regelmäßige Ar-
beitsstätten solche, die ein Arbeitnehmer
wenigstens 46-mal im Jahr aufsucht –
egal, ob er dort mehrere Stunden oder
kurz, etwa zur Warenannahme ist. SZ
SZ: Herr Munasinghe, muss erst Hol-
land untergehen, damit die Menschheit
den Klimawandel ernst nimmt?
Munasinghe: Die Malediven werden
lange vor Holland im Meer verschwin-
den. Wir müssenalso gar nicht lange war-
ten. Leider ist es wahr, dass die Mensch-
heit nichts ändert, bis ein großes Un-
glück passiert. In der Vergangenheit wa-
ren das lokale Katastrophen, die trotz
zum Teil schwerer Schäden nach einer
Zeit wieder überwunden wurden. Jetzt
allerdings haben wir es mit weltweit
spürbaren Katastrophen zu tun, und das
sind nicht nur Naturkatastrophen, son-
dernauch wirtschaftliche, wie der jüngs-
te Finanzzusammenbruch zeigt.
SZ: Die Entwicklung der Weltwirt-
schaft wird Ihrer Meinung nach mehr
und mehr von Desastern getrieben?
Munasinghe: Wir können Katastro-
phennicht mehr als Randerscheinung ab-
tun, weil sie einfach sehr weit ausstrah-
len. Meine Hoffnung ist, dass exakte wis-
senschaftliche Analyse und angemessene
Politik uns solche Ereignisse vorhersa-
gen lassen und wir die richtigen Schlüsse
daraus ziehen, bevor es zu spät ist.
SZ: Der Hurrikan Katrina oder die Öl-
pest im Golf von Mexiko haben in den
USA nicht gereicht, um einen Paradig-
menwechsel herbeizuführen.
Munasinghe: Die USAsindamwenigs-
ten empfänglich für die Botschaft, weil
sie sich in der kurzen historischen Perio-
de seit ihrer Existenz aus schier uner-
schöpflichen Ressourcen bedienen konn-
ten. Der Fehler liegt darin, dass sie dach-
ten, das würde ewig so weitergehen. Ob-
wohl die US-Bürger sich mittlerweile
mit der Endlichkeit der Ressourcen kon-
frontiert sehen, sind sie nicht dazu be-
reit, ihren Lebensstil zu ändern.
SZ: Müssten nicht gerade die USA im
Klimaschutz vorangehen? Immerhin
sind sie Weltmacht.
Munasinghe: Da bin ich anderer An-
sicht. Veränderungen müssen mehr von
unten kommen, einfach deshalb, weil
sich das Establishment nur sehr langsam
bewegt. Das habenwir bei der Weltklima-
konferenz in Kopenhagen gesehen, aber
auch auf vielen anderen internationalen
Treffen. Die Öffentlichkeit ist in vielen
Bereichenschneller, undsie ist auchfort-
schrittlicher in ihrem Denken – das gilt
übrigens auch für die USA. Ich habe ei-
nenstärkeren Glaubenin denFortschritt
von unten. Die wachsenden Probleme
werden den Wandel beschleunigen. Die
Schlüsselfrage lautet: Kommt dieser Be-
wusstseinswandel zustande, bevor wir ei-
ne ganz große Katastrophe erleben? Sind
wir also weise genug, diesen Wandel
rechtzeitig hinzubekommen?
SZ: Sie glauben noch daran?
Munasinghe: Für michgibt es keine an-
dere Wahl, als optimistisch zu sein. Die
Alternative ist undenkbar. Sie können
die Welle des Wandels sehen, die sich ge-
rade in der Welt ereignet. Die meisten in-
terpretieren dieses Aufbegehren als De-
mokratisierungsbewegungen gegen dik-
tatorische Systeme. Schaut man ein we-
nig genauer hin, liegen die Ursachen oft
darin, dass viele Menschen keine Arbeit
und nicht genügend zu essen haben. Das
ist der Nährboden für die explosive sozia-
le Stimmung. Sie können sicher sein: Je
mehr Naturkatastrophen sich ereignen
und je knapper die Ressourcen werden,
desto größer wird die Anzahl der Unru-
hen sein. Wir können es uns also gar
nicht leisten, pessimistisch zu sein.
SZ: Seit Anfang der siebziger Jahre,
seit den Berichten des Club of Rome,
weiß die Menschheit, dass sie über ihre
Verhältnisse lebt. Die Warnungen wollte
offenbar keiner hören. Warum?
Munasinghe: Es liegt an der Art und
Weise, wie wir unsere sozioökonomi-
schen Systeme entwickelt haben: Der
größte Teil des Wohlstands und Erfolgs
basiert auf ständig fortschreitendem
Konsum. Die Ausbeutung der natürli-
chen Ressourcen wird ignoriert, wie
auch die Verschmutzung und Zerstörung
der Umwelt – einzukünftiger großer Kos-
tenfaktor. Wenn man sich nur auf den
schnellen Profit stürzt und die künftigen
Kostenausblendet, erliegt mander Illusi-
on, dass alles fortwährend besser läuft.
Dieses Problemerkenneninzwischenim-
mer mehr Menschen, und es ist auch ein
Kernpunkt meiner Wirtschaftstheorie
„Sustainomics“, die sich in der Hauptsa-
che damit beschäftigt, wie wir Entwick-
lung nachhaltiger gestalten können.
SZ: Wir sollen also Konsumverzicht
üben?
Munasinghe: Wir müssen nicht unser
gutes Leben aufgeben. Aber wir müssen
heute ein paar Zugeständnisse machen,
um sicherzustellen, dass auch die Zu-
kunft gut wird. Dieses Justieren ist keine
große Umstellung. Die intellektuelle Ba-
sis und die Methoden gibt es bereits. Der
wirklich schwierige Part sind die Macht-
strukturen. Diejenigen, die heute regie-
ren, sind nicht diejenigen, die den Preis
inder Zukunft zahlen müssen. Es gibt al-
so ganz klar einen Interessenkonflikt.
Die herrschende Klasse hat keinen An-
trieb, etwas zu verändern – sie profitiert
ja. Wir erreichen aber gerade einen
Punkt, an dem sogar die Reichen und die
Abzocker allmählich merken, dass sie
Teil des Planeten Erde sind. Wenn die
Probleme wie der Klimawandel globale
Ausmaße annehmen, zahlt jeder den
Preis. Das ist der Unterschied zu früher.
SZ: Fest steht, dass die entwickelten
Länder Hauptemittenten von CO2 sind.
Sie wollen bei den reichen Nationen mit
der Überzeugungsarbeit anfangen. Wie?
Munasinghe: Es geht nicht um die rei-
chen Länder, sondern um die reichen
Leute überall auf der Welt. 20 Prozent
der Weltbevölkerung verbrauchen mehr
als 80 Prozent der weltweiten Ressour-
cen. Wenn wir also ein nachhaltigeres
Konsumniveau erreichen wollen, dann
muss mansichauf diese 20 Prozent fokus-
sieren. Die Mittelklasse invielen aufstre-
benden Volkswirtschaften ist dabei,
reichzuwerden, undübernimmt denver-
schwenderischenLebensstil indenentwi-
ckeltenLändern. Die Menschendort müs-
sen etwas anderes vorleben.
SZ: Was sollte ein Durchschnitts-
mensch im reichen Deutschland tun?
Munasinghe: Es gibt viele Möglichkei-
ten: Man kann CO2-Emissionen reduzie-
ren, man kann Energie sparen, Wasser,
man kann den Treibstoffverbrauch opti-
mieren, regional einkaufen. Es gibt keine
Entschuldigung für das Nichthandeln –
es ist einfach Trägheit. Es geht nicht dar-
um, den Lebensstandard zu verringern,
sondernihnzuverbessern. Er wirdgesün-
der sein, und in der Zukunft, wenn Res-
sourcen knapp werden, ist man besser
dran: wenn die Energiekosten hoch sind
und man selbst nur wenig verbraucht.
SZ: Wie wollen Sie glaubwürdig sein,
wenn Sie durch die Welt zu Konferenzen
jetten?
Munasinghe: Ich habe meine Reisen
auf einMinimumreduziert, indemichVi-
deokonferenzen mache. Natürlich brau-
che ichtrotzdemeingewisses Maß anRei-
sen. Wir ermitteln den CO2-Ausstoß, und
ich kompensiere den dann über einen
Partner, dessen Firma Aufforstungen in
Sri Lanka plant. Die Bäume werden von
mittellosen Bauern gepflanzt, die daraus
einen Verdienst ziehen, so dass zusätz-
lich ein sozialer Nutzen entsteht.
SZ: Viele handeln aus dem Bauch her-
aus undnicht per Kopfentscheidung. Wie
wollen Sie die Gefühlsebene erreichen?
Munasinghe: Der Blick auf Freunde
undBekanntenzeigt mir, dass beide Ebe-
nen eine Rolle spielen. Wenn ich als ers-
tes Prinzip meiner Wirtschaftsethik da-
vonspreche, dass mandenKonsumnach-
haltiger gestalten soll, dann deshalb,
weil ich die Leute nicht verschrecken
will. Sie sollen nicht glauben, dass sie ihr
Haus und allen Wohlstand aufgeben und
künftig im Wald leben müssen. Ein Bei-
spiel: Früher ließ ich beim Duschen im-
mer das Wasser laufen, wenn ich mich
einseifte. Jetzt drehe ich den Hahn ab. Es
gibt sehr, sehr viele kleine Dinge imtägli-
chen Leben, die in der Summe die Ent-
wicklung nachhaltiger gestalten. Es
muss nur gelingen, einensolchenLebens-
stil als gute Gewohnheit zu verankern.
SZ: Sie streben einenWertewandel an?
Munasinghe: Die Leute reden mitein-
ander und verstärken dadurch die nach-
haltigeren Verhaltensweisen – das be-
dingt einen Wertewandel. Denken Sie an
das Rauchen: Vor 20, 30 Jahren rauchten
Filmidole wie John Wayne, es galt als
cool und männlich. Heute muss man fürs
Rauchen ins Freie oder in versteckte
Ecken. Das war ein Wertewandel, und
der vollzog sich über einige Dekaden.
SZ: Die Zeit drängt aber. Der Klima-
wandel ist ja schon voll im Gange.
Munasinghe: Wir haben schon noch
ein paar Jahre. Meine Überzeugung ist:
Wir müssen es weiter versuchen. Meine
Konsumziele sind nur ein Vorschlag,
aber einer, auf denwir bislang viel zu we-
nig geachtet haben. Er setzt nicht bei den
Regierungen an, sondern bei jedem Ein-
zelnen. Das soll aber nicht heißen, dass
wir uns nicht weiter auf internationaler
Ebene um Klimaschutzziele bemühen.
SZ: Wie wollen Sie einen Banker von
Goldman Sachs überzeugen?
Munasinghe: Es gibt durchaus Ban-
ker, die sich für Modelle interessieren,
die sie „grün finanziert“ nennen. Der
Banker muss aus meiner Sicht persön-
lich gar nicht klimaneutral handeln. In
was er investiert, macht den großen Un-
terschied aus. Ich blicke aber auf die ge-
samte Industrie- und Geschäftswelt und
stelle fest: Städte, Kommunen, aber auch
Unternehmen setzen sich freiwillige Zie-
le, wie sie zum Beispiel CO2 einsparen,
und warten nicht auf die große Politik.
Momentan sind das noch wenige. Ich bin
mir sicher, dass sich andere anschließen,
sobald sie bemerken, dass es auf lange
Sicht einenNutzen verspricht. Man muss
den Bahnhofsansager spielen: Der Zug
fährt in Kürze ab, steigen Sie ein!
Interview: Michael Ruhland
Weniger Bürokratie
bei Dienstreisen
Von Mittwoch an tagt in München das
internationale Klima-Bündnis, dem mehr
als 1600 Städte europäischer Länder ange-
hören. Die Kommunen haben sich freiwillig
verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis zum
Jahr 2030 gegenüber 1990 zu halbieren.
Hauptredner der Tagung ist der Ökonom
und Physiker Mohan Munasinghe aus
Sri Lanka, der in seiner Funktion als
Vize-Präsident des Weltklimarates IPCC
im Jahr 2007 den Friedensnobelpreis er-
hielt. Er sieht Gefahren durch neuen Wohl-
stand in aufstrebenden Schwellenländern.
Von Catheri ne Hoffmann
München – Später und zu niedrigeren
Zinsen: Der griechische Finanzminister
Giorgos Papaconstantinou will im
Kampf gegen den Staatsbankrott weite-
re Zugeständnisse vonEuropäischer Uni-
on und Internationalem Währungsfonds
(IWF). Die milliardenschweren Hilfskre-
dite der internationalen Gemeinschaft
sollen demnach später und zu niedrige-
ren Zinsen als ursprünglich geplant zu-
rückgezahlt werden. „Es wäre besser,
wenn wir die Rückzahlung der 110 Milli-
arden Euro verlängern, die wir von unse-
ren Partnern bekommen haben, und die
Zinsen weiter senken“, sagte Papacons-
tantinou in einem am Montag veröffent-
lichten Interview mit der französischen
Tageszeitung Liberation. „Auf diese Wei-
se könntenwir unsere anderenZahlungs-
verpflichtungen erfüllen.“
Der Schuldenberg Griechenlands ist
mit 340 Milliarden Euro riesig, und er
wächst weiter. Die Wirtschaft steckt inei-
ner Rezession, höhere Einnahmen kann
der Finanzminister deshalb kaumerwar-
ten. Gegen die harte Sparpolitik der Re-
gierung und geplante Privatisierungen
regt sich Widerstand. Am vergangenen
Sonntag demonstrierten Zehntausende
gegen den verordneten Sparkurs.
Ökonomen zweifeln daran, dass das
hochverschuldete Land am Ende seinen
Zahlungsverpflichtungen nachkommen
kann. Viele plädierenfür einenradikalen
Schuldenschnitt, bei dem private wie öf-
fentliche Gläubiger auf einengroßen Teil
ihrer Forderungen verzichten müssten.
Spätestens im Frühjahr 2012, wenn die
Hilfen und Garantien nicht mehr ausrei-
chen, könnte einsolcher Haircut notwen-
dig sein. Spekulationen über eine baldi-
ge Umschuldung Griechenlands haben
in den vergangenen Tagen neue Nahrung
erhalten: Zweijährige griechische Staats-
anleihen rentiert derzeit mit 25,9 Pro-
zent. Anleger, die Forderungen gegen die
Regierung in Athen haben, versuchen of-
fenkundig Staatsanleihen zu verkaufen
und drücken so die Kurse. Das Resultat
sind astronomische Renditen.
Dennoch halten sowohl Finanzminis-
ter Papaconstantinou als auch der Chef
des Euro-Rettungsfonds (EFSF), Klaus
Regling, eine Umschuldung für unnötig.
Einsolches Manöver würde nur denBan-
ken und Versicherungen in die Hände
spielen, warnte Regling. Er wirft den
Bankern Profitgier vor. „In den achtzi-
ger und neunziger Jahren haben die Ban-
ken für die Restrukturierung von Staats-
schulden in Lateinamerika und Asien
sehr hohe Honorare kassiert“, sagte Reg-
ling dem Handelsblatt. „Das würden sie
in Europa gerne wiederholen.“ Dagegen
hielten sich die Verluste der Geldhäuser
imFalle einer Umschuldung in Grenzen.
Eine Umschuldung werfe mehr Proble-
me auf als sie löse, fürchtet auch EU-
Währungskommissar Olli Rehn. Ein um-
fassender Schuldenerlass hätte verhee-
rende Auswirkungenauf die Finanzstabi-
lität Griechenlands undder gesamtenEu-
ro-Zone.
Von Cl aus Hul verschei dt
Berlin– SPDundGrüne wollenvermeint-
lichenTricksereiender deutschenKredit-
institute bei der Bezahlung der Banken-
abgabe einen Riegel vorschieben. Rang-
hohe Vertreter beider Parteien kündig-
ten amMontag an, imBundesrat auf eine
Verschärfung der von der Koalition ge-
planten Beitragsverordnung zu dringen.
„Es darf nicht sein, dass ein profitables
Institut wie die Deutsche Bank durch die
rechtlichen Maschen der Bankenabgabe
schlüpfenkann“, sagte der stellvertreten-
de SPD-Fraktionschef Joachim Poß.
Das Wort der Oppositionspolitiker hat
Gewicht, weil die schwarz-gelbe Bundes-
regierung noch im Mai eine sogenannte
Rechtsverordnung zur Erhebung der Ab-
gabe durch den Bundesrat bringen will.
Mit ihr soll das bereits in Kraft getretene
zugrundeliegende Gesetz konkretisiert
werden. Weil die Koalitionsparteien je-
doch in der zweiten Parlamentskammer
keine Mehrheit haben, sind sie auf die
Stimmen von Ländern angewiesen, in
denSozialdemokratenoder Grüne mitre-
gieren. Die Bankenabgabe fließt in einen
Notfallfonds, der am Ende 70 Milliarden
Euro umfassen und kriselnden Kreditin-
stituten zur Seite springen soll. Ziel sei
es, so Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im
vergangenen Jahr, dass künftig statt der
Steuerzahler die Branche selbst einsprin-
ge, wenneinGeldhaus inSchieflage gera-
te. Diesem Anspruch werde Merkel mit
ihren bisherigen Plänen in keiner Weise
gerecht, sagte der haushaltspolitische
Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten
Schneider, der Süddeutschen Zeitung.
Der Ärger der Opposition hatte sich
am Jahresabschluss der Deutschen Bank
für 2010 entzündet. Nach internationa-
len Bilanzstandards (IFRS) erwirtschaf-
tete das größte Geldhaus des Landes dem-
zufolge einen Gewinn von 2,3 Milliarden
Euro. In den neuen Fonds zur Bewälti-
gung von Finanzkrisen hätte das Institut
nach bisheriger Lesart dennoch gerade
einmal 73 MillionenEuro einzahlenmüs-
sen, da sich die Bankenabgabe nicht am
IFRS-Ergebnis, sondern am Gewinn
nach dem deutschen Handelsgesetzbuch
(HGB) bemisst. Dieser fiel jedoch mit 488
Millionenviel niedriger aus – unter ande-
rem weil die Deutsche Bank 900 Millio-
nen Euro an Pensionsrückstellungen bil-
dete. Zudem ist die Abgabe auf maximal
15 Prozent des HGB-Ertrags begrenzt.
Bei der Commerzbank war der Unter-
schied zwischen den Bilanzierungsstan-
dards sogar noch deutlicher zu Tage ge-
treten: Sie machte 2010 nach IFRS rund
1,2 Milliarden Euro Gewinn, nach HGB
aber eine Milliarde Euro Verlust – und
hätte entsprechend zunächst gar nichts
an denBankenfonds überweisen müssen.
Aus Sicht der SPD soll sich die Ban-
kenabgabe nicht – wie bisher geplant –
amHGB- sondernamIFRS-Ergebnis be-
messen. Verweigere die Regierung diese
Änderung, seienTricksereien der Institu-
te Tür und Tor geöffnet, hieß es bei den
Sozialdemokraten. Auchder Mindestbei-
trag bei Verlusten, der in späteren, dann
wieder gewinnträchtigenJahrennachge-
zahlt werden muss, soll sich demnach an
deninternational gültigenBilanzierungs-
standards orientieren. Die Grünen ver-
langen, vor allem Großbanken generell
stärker zu belasten. Dazu sollen der Ab-
gabentarif angehoben, Derivate stärker
belastet und die Kappungsgrenze von 15
auf 20 Prozent des Gewinns angehoben
werden. „Wir werden uns den Fall Deut-
sche Bank noch einmal genau ansehen,
denn er wirft eine Menge Fragen auf“,
sagte der Haushaltsexperte der Frakti-
on, Gerhard Schick, der SZ.
Die Bundesregierung sieht hingegen
keinenGrund, vorschnell auf die Opposi-
tionzuzugehen. EinSprecher vonFinanz-
minister Wolfgang Schäuble (CDU) sag-
te, sein Haus gehe weiterhin davon aus,
dass der Notfallfonds planmäßig aufge-
füllt werde. Der Jahresabschluss 2010
der Deutschen Bank sei durch Sonder-
und Einmaleffekte geprägt gewesen, die
keinerlei Rückschlüsse auf das Gesamt-
aufkommen der Bankenabgabe zuließen.
Griechenland fordert mehr Zeit
Athen will Schulden später zurückzahlen. Chef des Rettungsschirms attackiert Banken
Opposition will höhere Bankenabgabe erzwingen
SPD und Grüne fordern verschärfte Regeln für den Notfalltopf der Banken, weil Institute wie die Deutsche Bank wenig einbezahlen
„Wir müssen unser gutes Leben nicht aufgeben“
Nobelpreisträger Mohan Munasinghe über Rezepte gegen den Klimawandel und Gefahren durch neuen Wohlstand in aufstrebenden Schwellenländern
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 19
WIRTSCHAFT
„Die USA konnten sich zu lange
aus schier unerschöpflichen
Ressourcen bedienen.“
„Früher ließ ich beim Einseifen das
Wasser laufen. Jetzt drehe ich
den Hahn ab.“
Wolken über Frankfurt: Die Banken zahlen zu wenig für den Notfalltopf. F:dpa
Gestrandete Autos in New Orleans, August 2009: Der Hurrikan Katrina verwüs-
tete die Stadt. Doch weder diese noch spätere Katastrophen wie die Ölpest im
Golf vonMexiko 2010 bewirkteneinUmdenkender Amerikaner inder Energiepo-
litik, moniert Klimaforscher Mohan Munasinghe (rechts oben). Fotos: Reuters/oh
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Von Si l ke Bi gal ke
München – Die Katastrophe in Japan,
das Hochwasser inAustralien, das Erdbe-
ben in Neuseeland – es kommt derzeit ei-
niges zu auf die Munich Re. Doch für das
vergangene Jahr zeigt sich der größte
Rückversicherer der Welt großzügig: Der
Münchner Konzern zahlt den Aktionä-
reneine Dividende von 6,25 Euro pro Ak-
tie, deutlich mehr als alle übrigen Dax-
Konzerne. Aber auch die meisten ande-
ren der 30 größten börsennotierten Kon-
zerne lassen sich nicht lumpen: 22 haben
für 2010 die Dividende aufgestockt. Der
Autobauer Daimler und die Lufthansa,
die 2010 angesichts der Krise die Zah-
lung ausfielen ließen, schütten wieder
aus. Leer gehen für 2010 nur die Anteils-
eigner der Commerzbank aus, die Frank-
furter Großbankist mit der Rückzahlung
der Milliarden-Staatshilfen beschäftigt.
Knapp 26 Milliarden Euro kassieren
die Aktionäre der Dax-Konzerne, fast
sechs Milliarden mehr als im vergange-
nen Jahr. Die Konzerne wissen: Dividen-
den sind ein gutes Mittel, um Anleger
undInvestoren bei Laune zuhalten. „Vor
allem weil die Zinsen so niedrig sind, ist
das Thema spannender denn je“, sagt der
Kölner Vermögensverwalter Bert Floss-
bach. Die Dividendenrendite, also die
Ausschüttung imVerhältnis zumAktien-
kurs, liegt teilweise bei vier Prozent, et-
wa bei Allianz, Eon, Post oder Telekom,
und damit über der derzeit ziemlich ma-
geren Verzinsung von Bundesanleihen.
„So etwas hat es seit den fünfziger Jah-
ren nicht mehr gegeben, dass die reine
Ausschüttungsrendite höher liegt als bei
Staatsanleihen“, sagt Flossbach.
Die Großzügigkeit der Unternehmen
hat ihren Grund: Die meisten haben 2010
teilweise deutlich höhere Gewinne er-
zielt als 2009. „Das hätte niemanderwar-
tet“, sagt Commerzbank-Analyst Andre-
as Hürkamp. Siemens etwa überraschte:
Der Konzern schüttet allein 2,35 Milliar-
denEuro aus, mehr als 60Prozent des Ge-
winns, bei Daimler sindes fast zwei Milli-
arden Euro. Noch immer ist es ziemlich
unterschiedlich, wie viel vom Gewinn an
die Aktionäre geht. „Die Unternehmen
sollten 50 Prozent vom reinen Über-
schuss ausschütten, das ist der Richt-
wert“, sagt Marco Cabras von der Deut-
schenSchutzvereinigung für Wertpapier-
besitz. Daran aber haben sich längst
nicht alle Dax-Konzerne gehalten. Auf
der Hauptversammlung von Henkel et-
wa kritisierten die Anleger, dass das Fa-
milienunternehmen trotz Milliardenge-
winns nur 72 Cent pro Aktie zahlte.
Für das Krisenjahr 2009 schüttetenvie-
le Unternehmen mehr aus, als sie einge-
nommen hatten, Thyssen-Krupp zum
Beispiel zahlte trotz eines Milliardenver-
lustes eine Dividende. Großaktionär ist
hier eine Stiftung. Unddie Deutsche Tele-
kom, an der indirekt nach wie vor der
Bund große Anteile hält, zahlt noch im-
mer mehr als reinkommt: 2010 das Zehn-
fache. Als einziger Dax-Konzern bestrei-
tet die Telekom damit die Dividende er-
neut aus der Substanz. „Anders als der
Globalisierungsgewinner BASF hat die
Telekom Schwierigkeiten, ihren Umsatz
zu steigern und die Lücken wieder zu
stopfen“, sagt Analyst Hürkamp. Darü-
ber tröstet auch die stattliche Dividen-
denrendite von 6,25 Prozent nicht hin-
weg. „Die Telekomsollte lieber inWachs-
tum investieren“, sagt Klaus-Jürgen
Melzner, von der Vermögensverwaltung
Fiduka: „Nachdem die Telekom ihr US-
Geschäft verkauft hat, stellt sich mehr
als zuvor die Frage, wo der Konzernüber-
haupt noch wachsen will.“
Wachstumist das entscheidende Krite-
rium für die Anlage-Experten. Aktionä-
re sollten vor allem darauf achten, dass
das Unternehmen in der Lage ist, stabile
und mittelfristig steigende Dividenden
zu zahlen. Ein einmaliger Geldsegen
bringt wenig, wenn es danach bergab
geht. Gerade konservative Aktien, die
früher als sichere Bank galten, erhalten
inzwischen schlechte Noten. „Bei Tele-
kom oder den Versorgern werden die Di-
videndenstagnierenoder sogar runter ge-
hen“, sagt Hürkamp. Für Vermögensver-
walter Flossbach sind deshalb ausländi-
sche Unternehmen interessanter. „Es
gibt mit SAP nur einen deutschen Dax-
Konzern, der noch nie seine Dividende
kürzen musste“, sagt er. Der Schweizer
Nahrungsmittelkonzern Nestlé dagegen
habe in den vergangenen 20 Jahren die
Dividende bis auf eine Ausnahme jedes
Jahr erhöht. Der amerikanische Misch-
konzern 3M habe selbst über die Welt-
kriege hinweg Dividenden gezahlt – ins-
gesamt 94 Jahre inFolge. UndZigaretten-
hersteller Philip Morris zahle heute
mehr, als die Aktie imJahr 1985 noch ge-
kostet habe.
Stefan Duderstedt, von der Privat-
bank Merck Finck & Co., hingegen ist
der Meinung, dass viele Unternehmen
ihr Geld besser in Wachstum investieren
sollten, als es auszuschütten. „Daraus
entstehen mittelfristig Kursgewinne, die
demAnleger mehr einbringenals eine Di-
vidende, die er auch noch versteuern
muss“, begründet er. Flossbach sieht das
anders. Diese Regel gelte nur, wenn ein
fähiger Manager die Firma leite, der
dannauchdie richtige Entscheidung tref-
fe, das Risiko steige in jedem Fall. Er
warnt deshalb vor investitionsintensiven
Unternehmen wie beispielsweise in der
Auto- oder Luftfahrtindustrie. Denn wer
viel in Maschinen oder Anlagen stecken
muss, habe wenig für Anleger übrig:
„Ein Albtraum für Investoren.“ (Kom-
mentare)
Von Marti n Hesse
München – Spätestens seit Steven Spiel-
bergs „Jurassic Park“ hat der T-Rex sein
Image als aggressiver Jäger weg. Zwar
geht der Name des phonetisch verwand-
ten Baumaschinenherstellers Terex
nicht auf den Saurier zurück. Vielmehr
kombinierte der Autokonzern General
Motors, aus dem Terex einst hervorging,
die lateinischen Begriffe für Erde (terra)
und König (rex) zu dem Kunstnamen.
Doch der „König der Erde“ hat sich beim
T-Rex einiges abgeguckt: In den vergan-
genen 15 Jahren schluckte der US-Kon-
zern eine Firma nach der anderen und
wuchs zu einem der größten Unterneh-
men seiner Art weltweit.
Jetzt greift Terex Demag Cranes an.
Für 41,75 Euro je Aktie, also 884 Millio-
nenEuro insgesamt, wollendie Amerika-
ner sich den Düsseldorfer Kranhersteller
einverleiben. Der Kurs sprang am Mon-
tag um 22 Prozent auf gut 44 Euro.
Es ist ein Kampf mit einer langen Vor-
geschichte. Schon vor etwa einem Jahr
hatte Terex erstmals Kontakt zu Demag
aufgenommen, um die Möglichkeit einer
Übernahme zu sondieren. Im Spätsom-
mer entwickelte sichaus demInteresse ei-
ne Übernahmeschlacht – ohne dass ein
konkretes Angebot auf den Tisch kam.
Hinter den Kulissen bemühte sich neben
Terexauchder finnische Konkurrent Ko-
necranes um Demag. Der Kurs schnellte
von28 auf mehr als 38 Euro, dochDemag-
Chef Aloysius Rauen zeigte den Interes-
sentendie kalte Schulter. Als sichdie Fin-
nen im Winter gewissermaßen in ihre
Wälder zurückzogen, schiender Fall erle-
digt. Die Hoffnung der Angreifer, dass
der Kurs noch einmal deutlich zurück-
fällt undsicheine Chance zumAngriff er-
gibt, erfüllte sich nicht.
„Wir fühlen uns nicht bedroht und da-
her geht es auch nicht umVerteidigung“,
gab Finanzchef Rainer Beaujean noch
Mitte März in einem Interview zu Proto-
koll. Vielmehr wolle man selbst zukau-
fen, etwa in aufstrebenden Märkten wie
China, wo Demag an einer Kooperation
mit dem größten chinesischen Kranher-
steller Weihua arbeitet. Demag-Aktionä-
re sahen das mit Missfallen. Seit vergan-
genenSommer hattensich zahlreiche an-
gelsächsische Hedgefonds eingekauft, al-
leinCentaurus undElliott halten fünf be-
ziehungsweise drei Prozent. Bei der
Hauptversammlung kritisierten aber
auch deutsche Anteilseigner wie die
DWS und Allianz Global Investors, dass
sich die Manager nicht ernsthaft mit den
Übernahmeinteressentenauseinanderge-
setzt hätten. Der schwedische Großaktio-
när Cevian Capital (zehn Prozent) stärk-
te Demag allerdings bisher den Rücken.
Jetzt wirken Demag und seine Berater
etwas überrumpelt. Am Montag wollte
sich der Konzern zunächst nicht zu der
Offerte aus Amerika äußern. In Finanz-
kreisenhießes, voraussichtlichwerde De-
mag das Angebot eine Weile prüfen und
dann als zu niedrig zurückweisen. „Ich
glaube, Terex muss 50 Euro je Aktie auf
den Tisch legen, um mit seinem Angebot
erfolgreich zu sein“, sagte Achim Henke,
Analyst bei der WestLB. Ähnlich äußerte
sich die DZ Bank.
Ob das Demag-Management für einen
Verkauf grundsätzlich offen ist, blieb am
Montag unklar. Terex selbst ließ durch-
blicken, dass man mit dem bestehenden
Management weiterarbeiten wolle. „Das
Unternehmen wird professionell geführt
und hat hochmotivierte Mitarbeiter. Wir
wollen auf dieser Basis aufbauen“, sagte
Terex-Chef Ronald M. DeFeo. Es gehe
„eindeutig um Wachstum und nicht um
Kosteneinsparungen“. Weder sollen
Standorte geschlossen, noch Stellen ge-
strichen werden, hieß es im Umfeld des
Konzerns.
Anders als zwischen Konecranes und
Demag gibt es zwischen Terex und dem
Düsseldorfer Konzern wenige Über-
schneidungen. „Durch eine Verbindung
beider Unternehmen würden wir unser
Portfolio durch Industriekrane sowie
Seil- und Kettenzüge ergänzen und
gleichzeitigdas weltweit führende Unter-
nehmen für Hafenausrüstung schaffen“,
sagte DeFeo. Terex hatte zuletzt gut 700
Millionen Euro in der Kasse und will die
Übernahme bar bezahlen. Dazu stellt die
GroßbankCredit Suisse Kredite, beraten
wird Terex von Goldman Sachs und der
Commerzbank.
Als das Interesse von Terex im Herbst
bekannt wurde, erinnerte mancher dar-
an, dass sich Terex mit seiner aggressi-
ven Übernahmestrategie selbst in
Schwierigkeiten gebracht hatte. 40 Zu-
käufe hat Terex seit 1995 getätigt, darun-
ter warenin Deutschlanddie frühere De-
mag-Schwester Demag Mobile und der
Baumaschinenhersteller Fuchs. Doch in
der Rezessionmusste Terexdas Minenge-
schäft verkaufen, mit Banken eine Um-
schuldung aushandeln um zu überleben.
Jetzt geht der hungrige Saurier erneut
auf Beutezug. (Zwischen den Zahlen)
Von Thorsten Ri edl
München – Die fünf wollten vielleicht
nur das schnelle Geld machen. Eine
Gruppe von Investoren des sozialen Net-
zes Facebook, so berichtete Reuters vor
kurzem, wollte ihre Anteile versilbern.
Dochniemandwar bereit, denvorgegebe-
nenPreis zuzahlen, der denWert vonFa-
cebook hochgerechnet auf 90 Milliarden
Dollar getrieben hätte. Die Anteilseigner
mussten ihre Preisvorstellungen senken.
Ein Fehler, glaubt man einem Bericht
des Wall Street Journal: Facebook sei auf
dem besten Weg, sogar eine noch höhere
Bewertung zu rechtfertigen. Nicht ge-
nannte Insider stecktendemWirtschafts-
blatt diese Information. Ein Schelm, wer
an einen Zufall glaubt. Die Pressearbeit
des jungen Unternehmens funktioniert
offenbar prächtig.
Gegründet vor gerade mal acht Jahren
im Hinterzimmer einer Studentenbude
an der amerikanischen Eliteuniversität
Harvard, hat sich Facebook zum virtuel-
lenPlaudertreff für die halbe Welt entwi-
ckelt – zumindest für denTeil, der ans In-
ternet angeschlossenist. Weit mehr als ei-
ne halbe Milliarde Menschen haben sich
inzwischenauf der Internetseite angemel-
det, treffendort alte Freunde wieder, stel-
len Fotos von sich und ihren Lieben ins
Netz undgebenihre Vorliebenpreis. Wer-
bekunden ist das viel wert. Facebook, so
wird jetzt berichtet, sei auf gutem Weg,
in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn
von immerhin mehr als zwei Milliarden
Dollar zu erwirtschaften – bei einemAn-
zeigenumsatz, der sich bis Jahresende
auf fast vier Milliarden Dollar verdop-
pelt haben soll.
Doch welcher Firmenwert resultiert
aus diesen Zahlen? Als sich Microsoft vor
vier Jahren an Facebook beteiligte, wur-
de der Wert des sozialen Netzes auf 15
Milliarden Dollar taxiert. Ein Schnäpp-
chen imVergleich zu heute. Die Berichte,
dass Anleger ihre Anteile zu den hohen
Preisen nicht loswerden, zeigt aber auch,
dass Investorenvorsichtiger werden. Vie-
le vermuten, dass die Bewertung des Un-
ternehmens längst zu hoch ist.
Den Marketingstrategen von Face-
book kann das nicht recht sein. Vermut-
lich 2012 will das Unternehmen an die
Börse. Ein echtes Problem hätte Face-
book, wenn die Bewertungsblase bis da-
hin platzt. Dann würden die Anteile an
der Börse nur schwer Käufer finden. Der
Bericht im Wall Street Journal ist daher
wohl gezielt gestreut, um Investoren bei
Laune zu halten. Die Insider berichten,
Facebook könne dank der Finanzlage an
der Börse problemlos mehr als 100 Milli-
arden Dollar einspielen. Überprüfen
kann das keiner. Erst als börsennotierte
Firma muss Facebook die Bücher öffnen.
Blase oder nicht? Die Spannung bleibt.
Von Thomas Fromm
München – Audi steht nach dem besten
ersten Quartal seiner Firmengeschichte
erneut vor einemRekordjahr und kommt
damit seinem Ziel, bis 2015 der weltweit
größte Hersteller von Premium-Autos zu
sein, einen großen Schritt näher. Wie die
VW-Tochter in Ingolstadt mitteilte, wur-
de der Gewinn zwischen Januar und
März auf 1,1 Milliarden Euro verdoppelt;
der Umsatz stieg um 27,3 Prozent auf
10,5 Milliarden Euro. Wie auch die Kon-
kurrenten Daimler und BMW profitierte
der Autobauer vor allemvonder Nachfra-
ge nach teuren Limousinen in China und
denUSA. Vor allemreiche Käufer inChi-
na sollen nun dafür sorgen, dass Audi in
diesem Jahr insgesamt 1,2 Millionen Au-
tos verkauft – so viel wie nie zuvor. Al-
lein in den ersten drei Monaten wurden
bereits weltweit 312 600 Fahrzeuge ver-
kauft. Der Autohersteller bleibt damit
nicht nur einer der wichtigsten Gewinn-
lieferanten in der Bilanz der Wolfsbur-
ger Mutter. Er spielt auch bei den Plänen
von VW, in den nächsten Jahren größter
Automobilhersteller der Welt zu werden
unddamit Toyota abzulösen, eine zentra-
le Rolle.
Umseine Ziele zu erreichen, stockt der
Hersteller die Zahl seiner Mitarbeiter in
den nächsten neun Jahren von heute
58 000 auf dann 70 000 auf. Die Zahl der
inChina gebautenFahrzeuge, sagte Audi-
Chef Rupert Stadler jüngst im SZ-Inter-
view, sei gerade erst von 200 000 auf
300 000 erhöht worden. „Viele Chinesen,
auch viele reiche, kaufen sich gerade ihr
erstes Auto“, sagte Stadler. Tatsächlich
glaubenAnalysten nicht, dass der China-
Boom so schnell zu Ende sein wird. Al-
lein in diesem Jahr, so wird geschätzt,
dürfte Volkswagen an die zwei Millionen
Autos in China verkaufen.
Allerdings räumte Audi am Montag
auchHindernisse ein, die sichmöglicher-
weise negativ auf die Entwicklung in der
Automobilindustrie auswirken könnten.
„Die hohe Volatilität der für uns relevan-
ten Währungen und die Preisentwick-
lung wichtiger Rohstoffe stellen jedoch
weiterhin Risiken dar“, sagte Audi-Fi-
nanzchef Axel Strotbek. Auchdie Erdbe-
benkatastrophe in Japan und der an-
schließende Reaktorunfall in Fukushima
seien noch nicht ausgestanden.
Schwach ist Audi dagegen noch in den
USA – traditionell liegen die Ingolstäd-
ter auf dem nach China größten Auto-
markt der Welt imVergleich mit Daimler
und BMW im Hintertreffen. Knapp
100 000 Fahrzeuge verkauften die Bay-
ern dort zuletzt. Längst hat sich in Ingol-
stadt die Erkenntnis durchgesetzt, dass
es langfristig ohne eine eigene Produkti-
on in den Vereinigten Staaten nicht geht.
Spätestens wenn die Mutter VW in den
nächsten Monatenihre Fabrik in Chatta-
nooga hochfährt, dürfte auch für Audi
die Option einer eigenen Produktion vor
Ort realistisch in greifbare Nähe rücken.
Über eine eigene US-Fertigung will Audi
demnächst entscheiden.
Der Beutezug des hungrigen Sauriers
Der amerikanische Kranhersteller Terex ist als aggressiver Firmenkäufer bekannt. Jetzt plant er die Übernahme von Demag Cranes
Gesteuerte
Freude
Wie Facebook die Zweifel von
Investoren zu zerstreuen versucht
Ein gutes Jahr für die Aktionäre
Die Dax-Konzerne schütten zusammen 26 Milliarden Euro aus, die meisten erhöhen die Dividende. Doch europäische Konkurrenten zahlen noch mehr
Audi hilft dem
Mutterkonzern VW
Von Marti n Hesse
Eines ist sicher: Wer sich auf Demag
Cranes einlässt, ob als Aktionär oder
Mitarbeiter, muss schwindelfrei sein.
Der Kranhersteller hat eine bewegte
Geschichte und nichts deutet darauf
hin, dass sich das mit dem Angebot des
amerikanischen Konkurrenten Terex
ändert. Über Mannesmann und Siemens
kam das Düsseldorfer Unternehmen
zum Finanzinvestor KKR, der es 2006
an die Börse brachte. Jetzt dürfte erneut
ein Eigentümerwechsel bevorstehen.
Bislang hat Demag das Dasein als
Wanderpokal gut weggesteckt. Die Fir-
ma prosperiert und profitiert von der
Globalisierung. Das zeigt, dass der Er-
folg einer Firma zuerst von Manage-
ment und Mitarbeitern abhängt und nur
in zweiter Linie davon, wem sie gehört.
Dennoch birgt der Angriff von Terex
Risiken. Es mag sein, dass sich beide
Firmen gut ergänzen. Die Amerikaner
haben ihre Stärken etwa bei Baufahrzeu-
gen, die Deutschen bei Hafenkränen
und im Dienstleistungsgeschäft. Doch
Terex zahlt einen hohen Preis, der Kon-
zern bietet das Zehnfache des erwarte-
ten Gewinns. Und Terex wird wohl noch
drauflegen müssen, um zum Zuge zu
kommen. Hedgefonds haben sich bei
Demag eingekauft, um den Preis hochzu-
schaukeln. Finanziert wird das Ganze
mit neuen Schulden. Der Deal rechnet
sich nur, wenn die Geschäfte gut laufen.
Wenn nicht, wird Terex nicht zögern,
Demag-Teile zu verscherbeln. Die Zu-
kunft könnte dann so turbulent werden
wie es die Vergangenheit war.
Seite 20 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
WIRTSCHAFT
Audi will bis 2015 der größte Hersteller
von Premiumautos werden. Foto: AP
Fast zwei Jahrhunderte reicht die Geschichte von Demag Cranes zurück. Nun
droht dem Kranhersteller eine Übernahme durch den US-Konzern Terex. laif
Zwischen den Zahlen
Riskantes
Spiel
Das vergangene Jahr lief
für die Dax-Konzerne gut.
Sie haben höhere Gewinne
gemacht als im Krisenjahr
– und lassen ihre Aktionäre
daran teilhaben: Insgesamt
gehen knapp 26 Milliarden
Euro an die Aktionäre (im
Bild: die Hauptversamm-
lung von Siemens im
vergangenen Januar). Die
Mehrheit der Konzerne hat
die Dividende erhöht. Das
meiste Geld schüttet die
Deutsche Telekom aus.
Großzügige
Konzerne
Gewinn/Verlust
2010 nach Steuern
in Millionen Euro
Gesamtaus-
schüttung für 2010
in Millionen Euro
Vergleich
zum
Vorjahr
Dividende pro
Aktie für 2010
in Euro
Anteil der Gesamt-
ausschüttung
am Gewinn in %
Unternehmen Jahresergebnis
und Dividende
der Dax-Konzerne
SZ-Graphik; Foto: Siemens; Quelle: Thomson Reuters
*Gesamtausschüttung bezieht sich
auf Stamm- und Vorzugsaktien
Adidas 567 167 29,5 0,8
Allianz 5053 2045 40,5 4,5
BASF 4557 2021 44,3 2,2
Bayer 1301 1240 95,3 1,5
Beiersdorf 318 159 50,0 0,7
BMW 3218 852* 26,5 1,3
Commerzbank 1430 0 0 0
Daimler 4498 1971 43,8 1,85
Deutsche Bank 2310 697 30,2 0,75
Deutsche Börse 419 391 93,3 2,1
Deutsche Post 2541 786 30,9 0,65
Deutsche Telekom 1695 3011 177,6 0,7
Eon 5853 2858 48,8 1,5
Fresenius 622 140 22,5 0,86
Fresenius Medical Care 741 176* 23,8 0,65
Heidelbergcement 343 47 13,7 0,25
Henkel 1118 307* 27,5 0,72
Infineon 659 109 16,5 0,1
K+S 449 191 42,5 1
Linde 1005 375 37,3 2,2
Lufthansa 1131 275 24,3 0,6
MAN 713 294* 41,2 2
Merck 632 81 12,8 1,25
Metro 850 438* 51,5 1,35
Munich Re 2422 1118 46,2 6,25
RWE 3308 1867* 56,4 3,5
SAP 1811 713 39,4 0,6
Siemens 3899 2349 60,2 2,7
Thyssen-Krupp 824 209 25,4 0,45
Volkswagen 6835 1034* 15,1 2,26
SZ-Grafik
smallCharts
Quelle:
T.F.Datastream
Vortag 36,30
Höchstwert · 2.5.11 45,00
Tiefstwert · 25.5.10 23,09
Isin
20
25
30
35
40
45
M J J A S O N D J F M A
2010 2011
Demag Cranes
Xetra-Kurse in Euro, seit 29.4.10
2.5.2011 · Schluss 45,00
DE000DCAG010
Von Stefan Weber
Duisburg – Ein sattes Umsatzplus, eine
Vervierfachung des Gewinns – eine sol-
che Bilanz, wie sie Haniel-Chef Jürgen
Kluge amMontag präsentierte, legt jeder
Manager gerne vor. Ganz besonders
dann, wenn es sich um das erste Ge-
schäftsjahr inseiner Verantwortung han-
delt. Kluge, ohnehin mit einer gehörigen
Portion Selbstbewusstsein ausgestattet,
hätte also allen Grund gehabt, mit brei-
ter Brust aufzutreten. Etwa, als er ge-
fragt wurde, wessen Verdienst die gute
Entwicklung dennnunsei – obes amMa-
nagement liege oder nur an der guten
Konjunktur. Der frühere McKinsey-
Mann, seit Januar 2010 Lenker des Duis-
burger Familienkonzerns, übte sich da
aber in ungewohnter Bescheidenheit:
„Das Management hat imAufschwung ei-
nen guten Start gehabt.“
Nach einer turbulenten Woche, in der
die verschwiegenen Mitglieder des Ha-
niel-Clans, beinahe täglich lesen konn-
ten, wo undwarumes inihremUnterneh-
men knirscht, war Kluge auf einmal um
Ausgleich bemüht. Der Abgang von Fritz
Oesterle, dem Chef des mehrheitlich zu
Haniel gehörenden Pharmahändlers Ce-
lesio? Ein normaler Vorgang, so Kluge.
Es sei „hochgradig unanständig“, da von
einem Rauswurf zu sprechen. Der Pro-
testbrief des Celesio-Vorstands, demKlu-
ge vorgeworfen hatte, keine überzeugen-
de Strategie zubesitzen? Keine große Sa-
che. Schließlichsei mansichmit demMa-
nagement von Celesio einig, dass das Un-
ternehmen werthaltiger werden müsse.
Unddie Kritik, er habe viel angekündigt,
umdas Portfolio vonHaniel besser auszu-
balancieren, aber noch nicht geliefert?
„Es gibt keinenakutenZeitdruck. Außer-
dem ist ein Umbau über Nacht vollkom-
menunverantwortlich“, betonte der Kon-
zernchef. Zumindest bei der Suche nach
Firmen, die den Ansprüchen von Haniel
gerecht werden, nämlich ein zukunfts-
trächtiges Geschäftsfeld zu beackern
und noch am Anfang ihrer Entwicklung
zustehen, sinddie Duisburger offensicht-
lich vorangekommen. So kann Kluge sa-
gen, dass sich die Preise dieser Kandida-
ten in der Größenordnung von etwa 250
Millionen Euro bewegen.
Allerdings sind solche Shoppingtou-
ren für Haniel trotz eines Gewinns vor
Steuern von zuletzt 620 Millionen Euro
nicht leicht finanzierbar. Denn das Un-
ternehmen drücken hohe Schulden, seit
es vor einigen Jahren seine Beteiligung
am Handelskonzern Metro auf etwa 34
Prozent aufgestockt hat. Deshalb hat
nun der Schuldenabbau erste Priorität
bei den Duisburgern. „Alles, was wir zu-
letzt in die Kasse bekommen haben, ha-
ben wir genutzt, um die Verbindlichkei-
ten zu reduzieren“, sagt Kluge. Den gro-
ßen Coup, den Verkauf von Metro- oder
Celesio-Anteilen, plant Haniel aber vor-
erst nicht. Metro entwickle sich prima
und bei Celesio spreche der gegenwärtig
niedrige Kurs gegeneine Trennung. Sinn-
voller sei es, mit demPortfolio der Metro
zu arbeiten, also beispielsweise weitere
Immobilien zu verkaufen. Ein größerer
Zahltag wird für Haniel auch kommen,
wenn es gelingt, einen Interessenten für
die seit langem zum Verkauf stehende
Warenhauskette Kaufhof zu finden.
Aber Kluge hält ohnehin nicht viel da-
von, einen Konzern nur durch Tauschak-
tionen umzubauen. Viel besser sei es, mit
den vorhandenen Aktivitäten so gut zu
verdienen, dass maninneue Felder inves-
tieren könne, sagt er. Die Voraussetzun-
gen dafür scheinen gut. Nach den ersten
MonatenbewegensichKuge zufolge Um-
satz und Ergebnis bei Haniel „deutlich
über Vorjahr und auch über Plan“.
Zingst – Mitten in der Debatte über die
Energiewende ist vor der Ostseeküste
der erste Offshore-Windpark in Betrieb
gegangen. Bundeskanzlerin Angela Mer-
kel setzte am Montag im Seebad Zingst
mit einem symbolischen Knopfdruck die
erstenkommerziell betriebenen21 Wind-
räder in Betrieb. Die Windmühlen sollen
etwa 50 000 Haushalte mit Stromversor-
gen. Strom aus Windparks vor der Küste
soll den größten Anteil des Ökostroms
stemmen. Der vom Energiekonzern
EnBW betriebene Windpark Baltic 1
steht 16 Kilometer vor der Ostseeküste.
Jedes Windradhat die Höhe etwa des Köl-
ner Doms. Folgen soll von 2013 an Baltic
2, wo sich dann 80 Räder drehen sollen.
Bislang war erst der Probewindpark Al-
pha Ventus in der Nordsee gebaut wor-
den, umErfahrungenmit der neuenTech-
nik zu sammeln. Reuters
Paris – Die Puma-Mutter PPR will für
mehr als 600 Millionen Dollar die US-
Marke Volcomübernehmen undbaut da-
mit den Sport- und Lifestyle-Bereich
aus. Der französische Luxusgüterkon-
zernPPRteilte amMontagmit, 607,5 Mil-
lionen Dollar in bar, umgerechnet 409
Millionen Euro, für alle Anteile an dem
Unternehmen, das auf Surfen, Skate-
boarding und Snowboarden spezialisiert
ist, zubieten. Analystensagten, das Ange-
bot sei nicht gerade einSchnäppchen. Wi-
derstand gegen die Akquisition ist nicht
inSicht. Einige Volcom-Manager, die zu-
sammen mehr als 14 Prozent der Anteile
kontrollieren, hättenihre AktienPPRbe-
reits angedient, hieß es. Der Vorstand
empfehle den restlichen Aktionären,
dem Beispiel zu folgen. PPR will den
Deal im dritten Quartal 2011 abschlie-
ßen. Reuters
Duisburg– Der größte deutsche Stahlher-
steller Thyssen-Krupp treibt seine Kon-
zentrationauf Kerngeschäfte inder Auto-
mobilzulieferung voran und trennt sich
von einemHersteller von Fahrwerk- und
Karosseriebauteilen Metal Forming. Die
Firma, die mit 5700 Mitarbeitern knapp
1,1 Milliarden Euro umsetzt, wird an den
spanischenKonkurrentenGestampAuto-
mocion verkauft. Die Spanier, die in ei-
nem Konsortium gemeinsam mit einem
Finanzinvestor angetreten waren, hatten
sich beim Verkauf gegen den chinesi-
schenAutozulieferer Shougang durchge-
setzt. In Branchenkreisen ist von einem
Verkaufspreis von 200 Millionen Euro
die Rede. Offizielle Angaben wurden
nicht gemacht. Thyssen-Krupp hatte die
Sparte Automobilzulieferung vor Jahren
aufgelöst und Metal Forming im Ge-
schäftsfeld Stahl angesiedelt. hwb
NewYork– Der israelische Arzneimittel-
hersteller Teva will seine Einkaufstour
mit einer weiteren Milliardenübernahme
fortsetzen. Nicht einmal ein Jahr nach
Abschluss der Übernahme von Ratio-
pharmwill der weltgrößte Generika-Her-
steller nun den amerikanischen Spezial-
pharmazeutika-Konzern Cephalon für
fast sieben Milliarden Dollar schlucken,
wie Teva und Cephalon am Montag mit-
teilten. Die Israelis bieten den Cephalon-
Aktionären 81,50 Dollar je Aktie und
übertrumpfendamit die feindliche Über-
nahme-Offerte der kanadischen Valeant
vonEnde März umfast zwölf Prozent. Te-
va würde mit der Übernahme sein Ge-
schäft mit Originalpräparaten ausbauen.
„Wir haben Cephalon schon seit langer
Zeit beobachtet und freuen uns sehr über
die Möglichkeit, die Kräfte zu bündeln“,
sagte Teva-Chef Shlomo Yanai. Reuters
Die großen deutschen Familienunterneh-
men wollen verstärkt in Asien Geld ver-
dienen. Dies geht aus der Frühjahrsum-
frage des Instituts für Mittelstandsfor-
schung bei etwa 400 der 2688 größten
Familienbetriebe hervor. Befragt wurden
Firmen mit einem Umsatz von mehr als
50 Millionen Euro. Auftraggeber waren
die Deutsche Bank und der Bundesver-
band der Deutschen Industrie (BDI).
Nach der Umfrage dürfte China bald
Frankreich als Exportmarkt Nummer
eins ablösen. Indien und Russland zäh-
len die großen Familienunternehmen zu
den Wachstumsmärkten der Zukunft.
Schon jetzt produziert etwa die Hälfte im
Ausland. Etwa 30 Prozent der befragten
Firmen planen dort neue Produktions-
stätten, fast zwei Drittel davon in Asien.
Jürgen Fitschen, Vorstandsmitglied der
Deutschen Bank, sagte: Künftig werde
es noch mehr Unternehmen ins Ausland
ziehen, aber immer weniger wegen mög-
licher Kostenersparnisse. Vielmehr gehe
es um die Nähe zu den Kunden auf den
wichtigsten Absatzmärkten. tö
Haniel-Chef Jürgen Kluge: Gute Zahlen, aber große Unruhe. Foto: dpa
Ostsee-Windpark in Betrieb
PPR übernimmt Surferfirma
Thyssen-Krupp gibt ab
Teva kauft weiter zu
Ungewohnt bescheiden
Haniel-Chef Jürgen Kluge sieht sich beim Umbau des Konzerns nicht unter Zeitdruck und spielt alle Probleme herunter
Familienfirmen auf dem Weg nach Asien
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 21
WIRTSCHAFT
Unternehmen
Die städtische Friedhofverwaltung München bittet um telefonische
Mitteilung, wenn Sie Angehörige für nachfolgend genannte
Verstorbene kennen:
Sachdienliche Hinweise an
Telefon-Nummer 089/23199-272 oder -275.
Name Vorname Alter Sterbedatum
Loos Lothar Erich 51 Jahre 17. 4. 2011
Flämig Jürgen Werner 66 Jahre 20. 4. 2011
Bindorfer Dorothea Justina 82 Jahre 21. 4. 2011
Hübsch Horst Erich 70 Jahre 22. 4. 2011
Linnartz Ursula Edeltraud 63 Jahre 22. 4. 2011
Redlich Hermann Josef 76 Jahre 26. 4. 2011
Pree Wolfgang Wilhelm 72 Jahre 26. 4. 2011
Kantor Charlotte Maria 76 Jahre 26. 4. 2011
Herfurth Heinz Walter Jürgen 72 Jahre 26. 4. 2011
Weigl Peter 60 Jahre 27. 4. 2011
Wir trauern um
Dr. Otto Goedecke
Er verstarb am 27. April 2011 im 76. Lebensjahr.
Herr Dr. Goedecke war von 1973 bis 1998 Verbandsdirektor des
Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München und gleichzeitig
Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands München. In dieser Zeit hat
er die Entwicklung der Region München gefördert und unterstützt, die Grundlagen
für die Regionalplanung gelegt und mit großer Fachkompetenz weit über die
Region München hinaus gewirkt.
Mit Leidenschaft, großer Beredsamkeit und Beharrlichkeit trat er für die
regionale Zusammenarbeit ein. Dabei hat er sich Respekt und Ansehen bei den
Kommunen, Verbänden, Behörden und der Wirtschaft erworben.
Er hat viel für die positive Entwicklung der Region München geleistet. Wir werden
Herrn Dr. Otto Goedecke ein stets ehrendes Andenken bewahren.
Im Namen der Verbände und aller Mitarbeiter der Geschäftsstelle
Elisabeth Ziegler
1. Bürgermeisterin
Verbandsvorsitzende des PV
Christian Breu
Verbandsdirektor
Rainer Schneider
1. Bürgermeister
Verbandsvorsitzender des RPV
Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München
Regionaler Planungsverband München
Unvergessen
Zum 1. Todestag am 3. Mai 2011
Wilhelmine Räker
„Das Sichtbare ist vergangen. Es bleibt die Liebe und Erinnerung“.
Deine Tochter Christa
Heide Troidl
In stiller Trauer:
Gottesdienst am Freitag, 6. Mai 2011, um 9.00 Uhr in der Hl.-Geist-Kirche, Am Kirchplatz,
82049 Pullach mit anschließender Beerdigung um 10.00 Uhr im Friedhof Pullach.
Ganz still und leise, ohne ein Wort, gingst du von deinen Lieben fort.
Du hast ein gutes Herz besessen, nun ruht es, doch unvergessen.
* 7. 7. 1941 + 1. 5. 2011
Christl Wellnhofer
im Namen aller Angehörigen und Freunde
Pullach
Nach kurzer, schwerer Krankheit wurde
Lisl Arneth
geb. Berthold
heimgerufen.
In liebevoller Erinnerung
Thomas Arneth und Sabine mit Julia und Philipp
Michaela Karl mit Benjamin
im Namen aller Angehörigen und Freunde
Die Trauerfeier findet am Donnerstag, den 5. Mai 2011,
um 9.45 Uhr im Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz, statt.
Statt Blumen und Kränze bitten wir um eine Spende
für das Johanneshospiz der Barmherzigen Brüder,
Liga-Bank eG, BLZ 750 903 00, Kto.-Nr. 102 223 350,
Kennworth: Arneth Lisl.
* 27. 6. 1935 + 29. 4. 2011
ZUR ERINNERUNG
an den 5. Todestag von
SIGRID EDER
*14. Juli 1949 + 3. Mai 2006
ich sehe zu den Sternen der kalten Nacht
und hoffe so sehr dass du nicht mehr frierst.
ich sehe das Lachen meiner Kinder
und hoffe so sehr dass du dieses Glück auch spürst.
tiefe Verzweiflung vor dem Abschied war deine Last -
unvergessen sind Schmerz und Angst, die du erlitten hast.
ich bete so sehr dass wir uns wiedersehn.
um uns endlich voneinander zu verabschieden
und in Frieden weiter zu gehn
Verena
mit Christoph Jonian und Viola Sigrid
Wir trauern um unseren Kollegen
Richard Hiermeier
Herr Hiermeier war seit 1992 als Fachlehrer an
der Adolf-Kolping-Berufsschule München tätig.
Wir verlieren mit ihm einen pflichtbewussten,
engagierten und geschätzten Kollegen.
In Trauer und mit Dankbarkeit:
Schulleitung und Vorsitzender der
Mitarbeitervertretung
der Adolf-Kolping-Berufsschule München
und des Kolping-Bildungswerkes München
und Oberbayern e.V.
Bestattungen
Landeshauptstadt München
Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz:
Feuerbestattungen:
9.00 Jung Elfriede, Hausfrau, 94 Jahre
9.45 Schönherr Max, Fabrikant, 92 Jahre
Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz:
Urnentrauerfeier:
11.15 Zimmermann Helmut, Großhandelskaufmann, 74 Jahre
Westfriedhof:
Erdbestattung:
15.00 Junghard Hans, Soldat, 91 Jahre
Westfriedhof:
Feuerbestattung:
11.00 Fellner Michael, Feinmechanikermeister, 50 Jahre
Westfriedhof:
Urnentrauerfeier:
10.00 König Gertrud, Lehrerin, 88 Jahre
Nordfriedhof:
Feuerbestattungen:
9.45 Riedl Herbert, kfm. Angestellter, 61 Jahre
12.45 Dombek Eberhard, Journalist, 50 Jahre
Nordfriedhof:
Urnentrauerfeiern:
10.30 Reiter Erika, städtische Angestellte, 64 Jahre
11.15 Dr. Radtke Klaus-Falk, Arzt, 70 Jahre
Ostfriedhof:
Erdbestattungen:
13.00 Niggl Wilhelm, Kfz-Mechaniker, 69 Jahre
13.30 Steininger Georg, Bankdirektor, 73 Jahre
14.00 Brandhuber Franz Xaver, Fernmeldehandwerker, 88 Jahre
15.00 Battaini Luigi Alois, 66 Jahre
Ostfriedhof, Krematorium:
9.15 Hofrichter Birgit, 69 Jahre
10.45 Venzl Christel, Festwiesenbedienung, 62 Jahre
13.00 Frank Johann, Schulbusfahrer, 57 Jahre
14.30 Schmuck Elfriede, Hausfrau, 97 Jahre
15.15 Schwarz Wilhelm, Beamter, 89 Jahre
Ostfriedhof, Krematorium:
Urnentrauerfeier:
8.30 Zacher Anton, Rentner, 91 Jahre
Friedhof Daglfing:
9.00 Reim Alois, Werbekaufmann, 82 Jahre
Friedhof Feldmoching:
9.00 Mayr Elvira, Hausfrau, 55 Jahre
Friedhof Riem:
Erdbestattungen:
11.00 Gebrande Christine, Hausfrau, 57 Jahre
11.30 Golibrzuch Sophie, Hausfrau, 83 Jahre
Friedhof Sendling:
9.00 Kirchner Stana, Köchin, 79 Jahre
9.30 Wolf Christian, Studiendirektor, 82 Jahre
Waldfriedhof Solln:
Erdbestattung:
11.00 Roth Birgit, Betriebswirtin, 54 Jahre
Bestattungen im Landkreis München
Friedhof Heimstetten:
14.00 Stauber Edmund, Rechtsanwalt, 70 Jahre
Leonhardifriedhof Siegertsbrunn:
15.00 Trauerfeier
Langheinrich Peter, Elektromeister, 75 Jahre
Friedhofverwaltung – Telefon 2319901
heute, Dienstag, 3. Mai 2011
Christian
. . . die Liebe bleibt
deine Familie
I n m e m o r i a m
Ralph Louisoder
Immer in unserer Mitte
Monika und Oliver
* 5. 6. 1927 + 3. 5. 1995
. . . und am Ende meiner Reise hält der Ewige die Hände
und er winkt und lächelt leise – und die Reise ist zu Ende.
Matthias Claudius.
Was blickest du beklommen,
Von Thränen trüb' umschwommen,
ZumHimmel, wo in Strahlen
Der Frühling angeglommen!
»Es kann mit seinen Strahlen
Der Frühling mir nicht frommen;
Er bringt mir die nicht wieder,
Die mir der Tod genommen.«
Er bringt sie dir nicht wieder,
So heiß ihn doch willkommen,
Der ihre Gruft zu schmücken
Mit Blumen angekommen!
Friedrich Rückert.
In Deutschland zugelassene Qualitätsfonds – tägliche Veröffentlichung mitgeteilt von vwd group
Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG
02.05. 02.05. 29.04. in %
Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG
02.05. 02.05. 29.04. in %
Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG
02.05. 02.05. 29.04. in %
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02.05. 02.05. 29.04. in %
Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG
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Name Währung Ausg. Rücknahme Akt.G ATE ZWG
02.05. 02.05. 29.04. in %
Aberdeen Immobilien KAG
DEGI EUROPA € 39,87 37,97 37,97 -17,96 - 0,25
DEGI Internat. € 46,38 44,17 44,16 -3,82 - 0,06
Advance Bank AG
Ametos EurWachst A € 38,17 38,17 38,13 4,48 0,23 0,00
Ametos IntChance A € 26,60 26,60 26,72 12,64 0,44 0,00
Ametos IntWachst A € 36,79 36,79 36,97 9,26 0,26 0,00
Europa Ertrag A € 45,40 45,40 45,33 0,19 0,00 0,00
Trendscout Global A € 62,06 62,06 62,21 23,05 0,45 0,00
Adviser I Funds, SICAV
Alb&Cie Optiselect € 173,39 165,13 164,49 26,95 - 0,00
Alceda Fund Management
IVP-Global Wachstum* € 9,19 8,75 8,71 18,58 - 0,00
IVP-Globale Werte* € 14,97 14,26 14,18 36,09 - 0,09
NV Strat-Kons. P € 55,12 53,51 53,53 4,76 - 0,07
NV Strat-Kons. POA € 47,45 47,45 47,47 -1,87 - 0,04
NV Strat-Kons. POT € 48,25 48,25 48,27 -3,22 - 0,04
Ourworld-Mezzo € 96,88 92,27 92,41 -5,87 - 0,00
Ourworld-Piano € 84,01 80,01 79,62 -1,91 - 0,00
Allianz Global Investors KAG mbH
Adifonds € 82,48 78,55 77,71 -6,83 - 0,00
Adirenta P € 13,38 12,99 12,93 0,00 - 0,29
Adireth € 82,45 80,05 80,33 0,14 - 1,18
Adiselekt € - 173,75 172,24 50,61 - 0,00
Adiverba € 92,23 87,84 87,40 -78,31 - 0,00
Akt Dtschld AE € 134,41 128,01 126,84 24,76 - 0,00
Akt Europ AE € 63,81 60,77 60,30 -32,08 - 0,00
Concentra AE € 71,11 67,72 66,87 27,64 - 0,00
Europazins AE € 45,84 44,50 44,45 0,00 - 0,51
Fl Rentenfd AE € 72,81 70,35 70,12 4,14 - 1,55
Flex Eur Ba AE € 56,47 54,30 54,01 2,71 - 0,23
Flex Eur Dy AE € 57,46 54,72 54,40 -7,53 - 0,00
Flexi Immo A € 109,21 105,01 104,93 -0,45 - 3,85
Fondak P € 123,98 118,08 116,64 33,18 - 0,00
Fondirent € 39,98 38,82 38,68 0,00 - 0,02
Geldmarkt AE € 49,84 49,84 49,84 0,00 - 0,86
Geldmkt SP AE € 50,50 50,50 50,50 0,00 - 0,77
Industria AE € 80,04 76,23 75,67 -22,28 - 0,00
Interglobal AE € 150,84 143,66 142,71 -51,73 - 0,00
Kapital + AE € 46,94 45,57 45,44 7,84 - 0,47
Mobil-Fonds AE € 54,27 53,21 53,18 0,00 - 1,00
Nebenw DE AE € 156,22 148,78 147,45 66,88 - 0,00
RCM Reale Werte A € 55,12 53,00 52,84 1,88 - 0,30
Rentenfonds AE € 73,90 72,10 71,96 0,00 - 1,48
Rohstofffonds AE € 139,70 133,05 131,70 66,55 - 0,00
Thesaurus ATE € 598,62 570,11 563,71 43,10 - 0,00
Vermögenb DE AE € 123,02 117,16 115,94 33,20 - 0,00
Wachst Eurld AE € 66,13 62,98 62,53 -9,69 - 0,00
Wachst Europ AE € 69,35 66,05 65,66 15,98 - 0,00
Allianz Global Investors Luxembourg S.A
Abs Ret ATE € 111,98 106,65 106,58 -1,92 4,90 0,55
AGIF B St E IE € 9,51 9,51 9,42 -2,94 - 0,00
AGIF Eu EqD ATE € 182,31 173,63 172,54 35,45 11,61 0,00
AGIF EuBd AE € 10,14 9,84 9,82 0,00 - 0,08
AGIF Gl AgTr AE € 127,62 121,54 119,11 15,72 - 0,00
AGIF GlEcoT AE € 84,99 80,94 80,13 -21,58 - 0,00
All Comm Stra A* € 119,79 114,09 113,35 -0,62 0,00 0,00
Bond Pf € 1171,53 1115,74 1115,45 0,00 536 7,59
Eur Bd TR AE € 57,41 55,74 55,65 0,00 - 0,44
Europe 25 ATE € 105,12 100,11 99,98 1,95 6,21 0,31
Fondak Euro.A(EUR)* € 47,23 44,98 44,82 -11,21 0,00 0,00
Fondak Wait or Go* € 70,79 67,42 67,57 51,40 0,00 0,00
Mlt.AsiaAct.A(EUR)* € 50,31 47,91 47,98 -4,84 0,25 0,00
Oriental Income AT € 121,04 115,28 114,10 12,63 1,04 0,20
RCM BRIC Equity AT € 96,13 91,55 90,61 - - -
RCM EM.MrktsA(EUR)* € 405,96 386,63 389,43 58,93 11,31 0,00
RCM Enh ST Euro AT € 106,29 106,29 106,25 0,00 3,51 0,92
Sm.Cap Europa AE € 113,84 108,42 107,65 60,69 - 0,00
Allianz Global Investors Ireland Ltd.
Emg Mrkt Bd AE* € 60,92 59,15 58,95 0,00 - 0,95
Gl Emg Mrkt AE* € 41,50 39,52 39,67 67,76 - 0,00
US Eq AE* € 45,56 43,39 43,31 39,29 - 0,00
Alte Leipziger Trust
€uro Short Term € 48,43 47,95 47,94 0,00 - 0,66
Aktien Deutschland € 91,42 87,07 86,18 -2,08 - 0,00
AL Trust €uro Relax € 50,55 49,08 49,07 -0,17 - 0,33
Trust €uro Cash € 48,30 48,30 48,29 0,00 - 0,59
Trust €uro Renten € 42,22 40,99 40,96 0,00 - 0,77
Trust Aktien Europa € 46,80 44,57 44,29 -49,35 - 0,00
Trust Global Invest € 53,36 50,82 50,69 -62,82 - 0,00
AmpegaGerling Investment
Gerling AS € 36,37 34,80 34,74 -38,62 - 0,18
Gerling Flex € 35,70 34,08 34,03 -29,77 - 0,18
Gerling Global € 17,05 16,43 16,40 0,00 - 0,15
Gerling Pf. Chance* € 9,19 8,75 8,80 10,53 - 0,06
Gerling Pf.Tot.Ret € 97,87 94,11 94,06 -9,65 - 1,80
Gerling Pf.Wachst.* € 9,65 9,19 9,24 13,11 - 0,05
Gerling Rendite € 19,78 19,20 19,19 0,00 - 0,23
Gerling Reserve € 51,41 51,15 51,12 0,00 - 0,53
Gerling Vario P(a) € 24,73 23,78 23,73 -9,21 - 0,11
Gerling Zukunft € 6,72 6,43 6,42 -203,20 - 0,00
GerlingEuroStar 50 € 37,82 37,82 37,69 21,42 - 0,00
GerlPf MuETFStr Pa € 19,81 19,23 19,21 -76,85 - 0,19
GerlPf Real Estate € 110,60 105,33 105,38 -0,37 - 1,86
JF Renten W. € 103,12 101,10 101,13 0,00 - 2,06
KAPITAL PROZINS € 23,36 22,35 22,34 0,00 - 1,09
MPC Europa Meth. € 166,67 158,73 158,37 3,23 - 0,00
PF Glob ETF Aktien € 16,64 16,16 16,11 -28,79 - 0,02
terrAssi.Akt.I AMI € 14,61 13,98 13,90 -68,97 - 0,00
terrAssisi Renten I AMI € 100,78 100,28 100,25 0,00 - 0,86
TOP TREND AMI € 115,43 109,93 109,94 -10,75 - 0,48
Zan.Eu.Cor.B.AMI P* € 103,98 101,94 101,85 0,00 - 0,87
Zantke Eu.HY AMI Pa* € 110,81 108,64 108,68 0,00 - 1,91
Axxion S.A.
Altera Security A € 40,82 38,69 38,71 -9,19 - 0,00
M-AXX InCap Taurus € 68,03 64,79 64,53 38,37 - 0,00
Mwert Sup.Abs.Ret. € 4,79 4,55 4,55 31,15 - 0,00
Berenberg Funds-of-Funds
Balance Select € 65,77 62,34 62,32 12,27 - 0,00
Globalway Fonds € 52,41 49,68 49,70 30,53 - 0,00
Berenberg Global Opportunity
Glb. Opp.Conc.Pf. € 77,88 73,82 73,71 12,72 - 0,68
BNY Mellon Service KAG
www.bnymellonkag.com
Balanced € 54,89 52,28 52,10 13,49 - 0,28
www. .lu
GlobalChampions CF* € 95,88 92,41 92,45 -9,13 - 0,00
GlobalChampions TF* € 89,54 89,54 89,58 -10,34 - 0,00
LBBW Bal. Konzept* € 44,63 43,75 43,67 10,21 - 0,00
LBBW Exportstrat.* € 55,56 53,34 53,08 0,31 - 0,00
LBBW-Rentenf.Euro* € 40,15 38,98 38,95 0,00 - 0,83
MF Weltkonz. kons.* € 101,75 101,75 101,66 -0,09 - 0,56
MF Wertkonz. ausg.* € 103,28 103,28 103,16 0,08 - 0,62
RenditDeka* € 20,48 19,88 19,86 0,00 - 0,09
RenditDeka TF* € 25,82 25,82 25,79 0,00 - 0,10
S-BayRent-Deka* € 48,44 46,74 46,67 0,00 - 0,76
UmweltInvest CF* € 83,37 80,36 80,02 -24,76 - 0,00
UmweltInvest TF* € 77,94 77,94 77,61 -28,21 - 0,00
Deka Immobilien Investment
Deka Immob Europa* € 49,15 46,69 46,68 3,59 - 0,13
Deka Immob Global* € 59,79 56,80 56,80 10,24 - 0,33
Deka International (Lux.)
Corp.Bd. Euro CF* € 51,63 50,13 50,11 0,00 0,00 0,77
Corp.Bd. Euro TF* € 49,85 49,85 49,83 0,00 0,00 0,66
Deka-Conv.Akt. TF* € 176,33 176,33 176,76 56,98 0,00 0,00
Deka-Conv.Aktien CF* € 195,67 188,60 189,06 56,28 0,29 0,00
Deka-Conv.Rent. TF* € 49,69 49,69 49,75 0,00 0,25 0,71
Deka-Conv.Rent.FT* € 112,14 108,09 108,22 0,00 6,31 1,76
Deka-Conv.Renten CF* € 51,90 50,02 50,08 0,00 0,28 0,88
Deka-Gl.Con.Rent. CF* € 44,29 42,69 42,63 0,00 0,00 2,06
Deka-Gl.Conv.Re.TF* € 42,27 42,27 42,21 0,00 0,00 1,76
DekaLux-BioTech CF* € 128,56 123,91 124,01 26,49 0,00 0,00
DekaLux-BioTech TF* € 121,47 121,47 121,57 27,72 0,00 0,00
DekaLux-MidCapTF A* € 47,79 47,79 47,73 54,93 0,00 0,00
GlobalResources CF* € 96,12 92,65 92,73 2,99 0,22 0,00
GlobalResources TF* € 91,45 91,45 91,53 -26,58 0,01 0,00
Wandelanleihen CF* € 52,93 51,39 51,40 -1,65 0,00 0,00
Wandelanleihen TF* € 50,46 50,46 50,46 -1,68 0,00 0,00
Deutsche Postbank Fonds
Telefon 0180 3040500 Internet www.postbank.de
Best Inv.Chance* € 49,89 47,97 47,96 -6,74 0,00 0,00
Best Inv.Wachst.* € 53,33 51,53 51,47 -16,07 0,10 0,35
Business Basic EUR* € 51,76 51,50 51,48 0,00 0,81 0,67
Euro Cash EUR* € 55,75 55,75 55,72 0,00 8,72 0,00
Europaf. Aktien* € 47,36 45,54 45,42 -111,83 0,00 0,00
Europaf. Plus EUR* € 52,07 50,55 50,36 -11,28 0,60 0,61
Europaf. Renten* € 51,76 50,25 50,08 -0,02 0,94 1,03
G&H VV Balance € 49,36 47,01 46,93 - - 0,51
G&H VV Chance € 46,35 44,14 44,09 - - 0,11
Global OptiMix EUR* € 37,26 35,83 35,68 -54,17 0,27 0,29
Global Player EUR* € 25,75 24,76 24,72 -292,07 0,00 0,00
H&S FM Global 100 € 96,74 92,13 92,18 - - 0,25
H&S FM Global 60 € 103,03 100,03 100,01 - - 0,95
Protekt Plus* € 121,79 117,39 117,36 -4,23 12,65 0,25
VL Invest EUR* € 38,99 37,49 37,37 -66,53 0,01 0,03
Deutsche Postbank Int. S.A. (Lux)
Nach Auskunft des Emittenten wurde das Ertragsausgleichsverfahren für die
u.g. Fonds angewendet.
PB Dyn.Best Garant € - 47,57 47,63 0,00 0,00 0,00
PB Dyn.DAX® € 98,63 95,53 94,42 16,58 20,61 0,08
PB Dyn.DAX®Gar.II € - 50,39 50,32 0,00 0,90 0,23
PB Dyn.Garant 2013 € - 48,80 48,80 0,00 0,00 0,00
PB Dyn.Innovation € 20,22 19,49 19,41 39,85 0,53 0,00
PB Dyn.KlimaGarant € - 45,24 45,14 0,00 0,00 0,00
PB Dyn.Protekt € 50,09 48,16 48,02 -0,24 0,37 0,21
PB Dyn.Vision € 51,15 49,30 48,86 0,39 5,24 0,00
PB Dyn.Zuk.Gar. € - 54,70 54,58 0,00 0,00 0,00
PB Dyn.Zuk.Gar. II € - 54,46 54,42 0,00 0,02 0,00
PB Strat. Prt.+ II € 113,88 109,50 109,25 2,85 3,12 0,53
PB Strat. Rt Medi € 50,60 49,13 49,13 0,13 0,10 0,47
DJE-Real Estate I € 935,83 926,56 926,16 5,66 - 20,45
DJE-Real Estate P € 9,30 8,86 8,85 2,72 - 0,10
DJE-Renten Glob I € 142,23 142,23 142,03 0,25 - 3,87
DJE-Renten Glob P € 141,09 138,32 138,14 0,21 - 2,33
DJE-Renten Glob XP € 120,24 120,24 120,07 -0,48 - 4,27
DJE-Zins&Divid I € 98,93 98,93 98,77 -0,65 - 0,00
DJE-Zins&Divid XP € 99,22 99,22 99,06 -0,58 - 0,18
Gamma Concept € 192,42 185,02 184,88 38,25 - 8,02
GoldPort Stab.Fd.I CHF 125,26 124,02 123,89 6,02 - 4,43
GoldPort Stab.Fd.P CHF 127,26 121,20 121,08 5,55 - 2,99
LuxPro-Euro Rent I € 1029,17 1004,07 1003,38 0,00 - 18,72
LuxPro-Euro Renten P € 104,50 101,95 101,88 0,00 - 1,51
LuxTopic-Akt.Eu A € 18,76 17,87 17,87 6,33 - 0,00
LuxTopic-Akt.Eu B € 976,29 976,29 976,36 0,20 - 0,00
LuxTopic-Bk.Schill € 15,80 15,05 15,03 17,35 - 0,12
LuxTopic-Cosmopoli € 155,84 148,42 148,24 21,10 - 0,60
LuxTopic-Flex € 157,09 149,61 149,88 16,62 - 0,00
LuxTopic-Pacific P € 21,87 20,83 20,78 34,77 - 0,04
LuxTop-VPEPentagon € 3,56 3,39 3,39 -12,43 - 0,00
D W S Investmentfonds
Telefon 01803 10111011 Telefax 01803 10111050
DWS Investment GmbH
DWS Akkumula* € 596,47 568,06 566,55 0,03 0,00 0,14
DWS Akt. Str. De.* € 199,30 189,80 187,81 33,55 0,00 0,13
DWS Bonus Aktiv* € 47,13 45,31 45,13 9,18 - 0,00
DWS Convertibles* € 122,96 119,37 119,34 1,21 0,00 0,53
DWS EURO Strat.Ren* € 41,54 40,53 40,50 -0,02 0,00 0,52
DWS Eurol.Strat.* € 36,54 35,65 35,62 -0,01 0,00 0,25
DWS Europ. Opp.* € 175,04 166,70 166,06 4,05 0,00 0,01
DWS Eurovesta* € 101,34 96,51 95,89 -18,31 0,00 0,01
DWS Geldmarkt Pl.* € 67,58 67,58 67,57 0,00 0,00 0,13
DWS Inter Genuss* € 35,81 34,77 34,72 5,41 0,00 0,43
DWS Inter-Renta* € 13,34 12,94 12,93 -0,02 0,00 0,14
DWS Investa* € 114,71 109,24 108,29 4,71 0,00 1,26
DWS Klimawandel* € 36,02 34,30 34,12 -46,93 - 0,00
DWS Plusinv.Wach.* € 41,32 39,35 39,38 17,23 0,00 0,00
DWS Select-Invest* € 281,18 267,78 265,83 23,87 0,00 3,81
DWS Select-Rent* € 48,21 47,03 47,02 0,00 0,00 0,59
DWS TOP 50 Asien* € 106,93 102,82 103,19 42,50 0,00 0,00
DWS TOP 50 Europa* € 100,55 96,68 95,98 5,25 0,00 0,01
DWS TOP 50 Welt* € 58,51 56,25 56,06 -33,10 0,00 0,01
DWS Top Dividende* € 83,87 79,87 79,69 37,28 0,00 0,01
DWS Vermögensb.I* € 93,76 89,29 89,10 -23,15 0,00 0,01
DWS Vermögensb.R* € 16,78 16,29 16,25 0,00 0,00 0,14
DWS Vors. AS Dyn.* € 87,57 84,20 83,90 -15,77 0,00 0,81
DWS Vors. AS Flex* € 84,42 81,17 80,87 -6,07 0,00 0,40
DWS Zukunftsress.* € 54,80 52,19 52,03 1,66 - 0,00
Immoflex* € 106,24 101,17 101,11 -2,53 - 1,30
DWS Investment S.A.
DWS Eurorenta* € 50,77 49,28 49,17 -0,01 0,00 0,42
DWS Global Value* € 145,01 138,10 137,58 32,88 9,82 0,02
DWS Gold Plus* € 1729,54 1679,16 1680,13 0,00 116 0,00
DWS Rendite Garant* € 81,91 81,09 81,09 0,06 1,07 0,33
DWS Rendite Optima* € 73,13 73,13 73,13 0,02 0,00 0,13
Rend Opt 4 Seasons* € 103,03 103,03 103,02 0,00 - 0,18
Vermögensmand Bal* € 97,87 94,10 93,86 -5,63 - 0,48
Vermögensmand Def* € 103,56 100,54 100,53 -2,93 - 0,59
Vermögensmand Dyn* € 99,31 94,58 94,29 -4,66 - 0,54
VermögensmanProt80* € 87,66 83,49 83,34 -17,80 - 0,34
DWS Invest SICAV
Alpha Strat.FC* € 121,96 121,96 122,00 3,92 0,00 0,00
Alpha Strat.LC* € 121,95 118,29 118,34 2,99 0,00 0,00
BRIC Plus LC* € 219,40 208,43 208,21 54,45 0,00 0,00
Convertibles FC* € 146,25 146,25 146,16 4,03 0,00 0,67
Convertibles LC* € 143,97 139,65 139,57 4,27 0,00 0,00
FT Euro High Div. € 57,97 55,21 54,96 17,69 - 0,00
FT EuroCorporates € 55,15 53,54 53,47 0,00 - 2,00
FT EuroGovernm. M € 51,54 50,04 50,01 0,00 - 0,95
FT EuropaDynamik P € 193,77 184,54 183,36 18,12 - 0,00
FT Frankfurter-Eff. € 182,39 173,70 171,68 4,17 - 0,00
FT Gl.InfraSt.Div.P € 65,07 61,97 61,57 0,00 - 0,00
FT InterSpezial € 23,27 22,16 22,03 -23,42 - 0,00
FT Navigator 40 € 58,74 56,48 56,39 0,00 - 0,10
FT Navigator 70 € 55,70 53,30 53,19 0,00 - 0,00
UnternehmerWerte € 51,87 49,40 49,03 -0,77 - 0,00
Franklin Templeton Investments
Temp.Grth.Inc.A* $ 21,23 20,01 19,95 -20,72 0,46 0,00
Generali Fund Management S.A.
Generali FondsStrategie
Dynamik € 42,48 42,48 42,42 -4,25 - 0,00
Generali Komfort
Balance € 55,57 55,57 55,43 5,91 - 0,04
Dynamik Europa € 47,93 47,93 47,82 4,92 - 0,00
Dynamik Global € 39,80 39,80 39,66 8,43 - 0,24
Wachstum € 54,03 54,03 53,87 11,21 - 0,00
HansaInvest Lux S.A.
MultiAStr-Balanc P € 8,94 8,60 8,60 9,71 - 0,06
MultiAStr-Growth P € 6,56 6,25 6,25 20,34 - 0,00
MultiAStr-Income P € 9,32 9,05 9,05 0,66 - 0,13
Hauck & Aufhäuser
www.hua-invest.lu
CF Eq.-Global Opp. € 90,35 86,05 85,72 -8,38 - 0,00
CF Eq.HAIG-Flex € 50,54 48,13 48,02 -65,63 - 0,00
CF Eq.-Pharma € 68,55 65,29 65,07 22,46 - 0,00
CF Eq.-Resources € 28,31 26,96 26,92 -25,51 - 0,00
H&A Lux Wandel € 71,88 69,79 69,85 6,26 - 0,00
H&A Lux Wandel CI € 55,59 53,97 54,02 -1,83 - 0,01
HAIG Eq.Val. Inv.B € 66,10 62,95 62,69 31,18 - 0,00
MMT Glbl Balance € 47,98 46,13 46,03 -7,80 - 0,69
MMT Glbl Select € 36,58 34,84 34,83 26,77 - 0,00
MMT Glbl Value € 54,12 51,54 51,88 -11,39 - 0,00
Vermögensauf.HAIG € 14,21 13,86 13,80 12,00 - 0,00
Ideal Invest Sicav
Ideal Global A* € 130,63 124,41 125,28 46,84 0,00 0,00
International Fund Mgmt. S.A.
LBBW Bal. CR 20* € 41,38 40,57 40,50 8,09 0,00 0,71
LBBW Bal. CR 40* € 41,86 41,04 40,97 14,52 0,00 0,69
LBBW Bal. CR 75* € 41,98 41,16 41,06 25,57 0,00 0,17
Ludwigsburg Bof15* € 91,21 89,42 89,49 -4,22 0,00 2,13
Ludwigsburg Bof35* € 96,36 94,01 94,06 -0,72 0,00 1,83
Ludwigsburg Bof70* € 98,54 95,90 95,63 2,19 0,00 0,61
Ludwigsburg BoG 1* € 103,04 99,56 99,56 0,00 0,00 0,00
Ludwigsburg BoG 2* € 102,11 98,66 98,66 0,00 0,18 0,00
Ludwigsburg BoG 3* € 101,54 98,11 98,11 0,00 0,26 0,00
IPConcept Fund Management S.A.
Aktien Global F € 152,63 145,36 145,10 0,00 - 0,04
Aktien Global I € 151,42 144,21 143,95 58,82 - 0,00
Aktien Global P € 121,91 116,10 115,90 8,62 - 0,00
apo Medical Opp. € 72,43 68,98 69,10 23,72 - 0,00
Stabilit.Gold&ResP € 67,49 64,28 64,47 -64,22 - 0,00
Stabilit.Sil&WeißP € 71,48 68,08 68,66 -41,08 - 0,00
Umweltfonds DE € 94,76 90,25 90,07 -7,25 - 0,00
Umweltfonds Welt € 87,95 83,76 83,34 -13,11 - 0,00
Wandelanl.Global F € 146,00 139,05 138,84 0,76 - 2,65
Wandelanl.Global I € 147,16 140,15 139,94 0,79 - 2,84
Wandelanl.Global P € 128,51 122,39 122,21 0,02 - 5,19
BHW Laz.Short T.Pl € 47,47 46,54 46,54 0,00 - 10,01
Europa € 40,12 38,21 37,99 -45,92 - 0,00
Eurorent € 53,71 52,15 52,13 0,00 - 0,72
Megatrend € 48,26 45,96 45,76 32,02 - 0,00
Triselect € 48,08 45,79 45,66 -3,51 - 0,04
Commerz Grundbesitz-Invest
hausInvest € 45,00 42,86 42,85 2,15 - 0,16
www.cratoncapital.com
Precious Metal* $ - 377,21 376,69 -1,49 - 0,00
CSAM Immobilien KAG mbH
CS EUROREAL* € 62,19 59,23 59,23 1,95 - 0,12
Deka
BW Portfolio 20* € 42,05 41,23 41,19 -4,16 - 0,53
BW Portfolio 40* € 40,95 40,15 40,10 -10,72 - 0,57
BW Portfolio 75* € 37,32 36,59 36,53 -11,69 - 0,16
BW Zielfonds 2020* € 34,80 34,12 34,07 -17,57 - 0,31
BW Zielfonds 2025* € 33,71 33,05 32,98 -20,28 - 0,13
BW Zielfonds 2030* € 33,71 33,05 32,98 -18,32 - 0,08
DekaFonds* € 79,71 75,73 75,25 24,57 - 0,00
DekaFonds TF* € 192,79 192,79 191,57 43,86 - 0,00
Deka-MegaTrends CF* € 39,69 38,26 38,16 -9,77 - 0,00
Deka-MegaTrends TF* € 35,89 35,89 35,80 -17,03 - 0,00
DekaRent-intern.TF* € 103,56 103,56 103,47 0,00 - 0,68
DekaRent-Internat.* € 16,81 16,32 16,30 0,00 - 0,11
Eur. Disc.Strat.CF* € 44,53 42,92 42,75 -7,11 - 0,00
Eur. Disc.Strat.TF* € 41,08 41,08 40,92 -7,12 - 0,00
EuropaBond CF* € 106,27 103,17 103,07 -0,01 - 2,64
EuropaBond TF* € 37,80 37,80 37,76 0,01 - 0,84
PB Strat. Rt Short € 52,12 52,12 52,12 0,00 0,11 0,44
PB Vermog + Chance € 44,79 43,28 42,90 1,50 0,55 0,00
PB Vermog + Ertrag € 48,32 46,69 46,51 0,90 0,96 0,05
PB Vermog + Wachst € 46,15 44,59 44,31 1,61 0,89 0,00
DJE Investment S.A.
DJE - Div&Sub I € 261,05 261,05 260,05 42,70 - 0,00
DJE - Div&Sub P € 256,86 244,63 243,73 44,00 - 0,00
DJE - Div&Sub XP € 153,91 153,91 153,31 26,54 - 0,00
DJE Inv.Karitativ € 1329,94 1254,66 1253,14 14,98 - 20,48
DJE Inv.Lux Select € 196,75 187,38 186,92 8,66 - 0,40
DJE Inv.Primus € 2315,03 2183,99 2176,74 36,32 - 44,85
DJE INVEST-StiftRI € 10,51 10,25 10,24 0,00 - 0,27
DJE INVEST-Vario P € 1082,79 1021,50 1018,33 -3,86 - 1,91
DJE-Absolut I € 243,38 243,38 242,99 30,58 - 0,00
DJE-Absolut P € 243,88 232,27 231,90 31,67 - 0,00
DJE-Absolut XP € 99,98 99,98 99,81 -5,27 - 0,00
DJE-Ag&Ernährung I € 126,03 126,03 125,91 23,59 - 0,00
DJE-Alpha Global I € 211,33 211,33 210,40 32,07 - 0,00
DJE-Alpha Global P € 208,17 200,16 199,31 33,04 - 0,00
DJE-Asien Hi D XP € 147,56 147,56 147,38 31,06 - 0,00
DJE-Asien High D I € 146,28 146,28 146,11 31,11 - 0,00
DJE-Asien High D P € 150,14 142,99 142,83 31,33 - 0,00
DJE-Div&Sub.IH-CHF CHF 114,65 114,65 114,23 13,19 - 0,00
DJE-Gold&Ressour I € 237,02 237,02 235,97 42,82 - 0,00
DJE-Gold&Ressour P € 240,11 228,68 227,83 42,49 - 0,00
DJE-InterCash I € 125,37 125,37 125,28 0,00 - 1,59
DJE-InterCash P € 125,70 124,46 124,37 0,00 - 1,42
Divers.FI Strat.FC* € 110,32 110,32 110,27 0,00 - 1,38
DWS Inv.EO.Bds.LC* € 111,91 108,55 108,39 -0,01 - 0,68
DWS Inv.Gl.Agri.L* € 127,20 120,84 121,05 26,81 - 0,00
Euro Bds (short)LC* € 132,46 128,49 128,45 0,00 0,00 0,74
Europ.Di.+LC* € 128,06 121,66 121,54 36,60 0,00 0,00
Total Return Bd.LC* € 119,40 115,82 115,74 -0,47 0,00 1,74
Flossbach & Storch
Telefon +49 221 33 88 290 Internet www.fvsag.com
Aktien Global P € 121,91 116,10 115,90 8,62 - 0,00
Ausgewogen R € 112,51 107,15 107,04 1,46 - 1,72
Bond Diversifik P € 105,40 100,38 100,06 0,00 - 1,77
Bond Opport. P € 109,36 104,15 104,04 0,00 - 2,04
Defensiv R € 111,83 106,50 106,41 -1,39 - 1,98
Fundament* € 124,70 118,76 119,11 10,41 - 0,00
Multiple Opp. R € 144,40 137,52 137,11 9,58 - 0,00
Stiftung € 100,17 99,18 99,08 -2,00 - 2,31
Wachstum R € 110,58 105,31 105,16 1,59 - 1,18
Wandelanl.Global P € 128,51 122,39 122,21 0,02 - 5,19
Frankfurt Trust
Basis-Fonds I € 137,89 137,89 137,92 0,00 - 2,36
FMM-Fonds € 397,59 378,66 376,50 16,69 - 0,00
FT AccuGeld PT € 70,61 70,61 70,61 0,00 - 0,34
FT AccuZins € 236,51 229,62 228,88 0,00 - 5,17
FT EmergingArabia € 32,45 30,90 30,91 -44,03 - 0,06
KanAm Grund Kapitalanlagegesellschaft mbH
grundinvestFonds* € 58,58 55,53 55,52 -1,22 - 0,00
US-grundinvest Fd.* $ 23,72 22,48 22,48 0,00 - 0,00
KAS Investment Servicing GmbH
Informationen unter Telefon 01805 252580
ComfortInvest C € 42,27 40,26 40,31 - - 0,16
ComfortInvest P € 48,23 45,93 45,94 - - 0,16
ComfortInvest S € 56,81 55,16 55,14 - - 0,78
MultiManager 1 € 61,17 59,39 59,33 - - 0,25
MultiManager 2 € 61,55 59,47 59,40 - - 0,17
MultiManager 3 € 63,23 60,80 60,67 - - 0,56
MultiManager 4 € 56,00 53,59 53,64 - - 0,04
MultiManager 5 € 49,41 47,06 47,10 - - 0,03
H&S FM Global 100 € 96,74 92,13 92,18 - - 0,25
H&S FM Global 60 € 103,03 100,03 100,01 - - 0,95
G&H VV Balance € 49,36 47,01 46,93 - - 0,51
G&H VV Chance € 46,35 44,14 44,09 - - 0,11
FM Core Ind.Select € 62,97 60,55 60,71 - - 0,05
Euro Anlage AAll B* € 99,97 99,97 99,99 0,70 1,05 0,00
Euro Anlagef A B* € 107,47 107,47 106,99 6,31 0,00 0,00
Euro Anlagef C B* € 98,52 98,52 98,30 0,00 1,89 1,92
Euro Anlagef G* € 100,48 100,48 100,47 0,00 0,91 0,94
Euro Anlagef P B* € 97,97 97,97 97,82 0,00 1,13 1,23
Convert. America* $ 137,40 137,40 137,34 0,00 - 0,42
Convert. Europe* € 164,36 164,36 163,88 -1,17 - 0,62
Convert. Far East* € 1668,17 1668,17 1669,20 11,82 - 0,00
Convert. Global* € 124,64 124,64 124,55 0,60 - 0,28
Convert. Japan* € 1231,03 1231,03 1232,23 4,04 - 0,00
Gl. Futures XI* € - 1988,30 2094,47 0,00 - -
Man AHL Trend CHF D*CHF - 97,39 93,29 0,00 - 0,00
Man AHL Trend EUR D* € - 103,84 99,36 0,00 - 0,00
Man AHL Trend EUR I* € - 102,32 97,90 0,00 - 0,00
Man AHL Trend GBP D* £ - 103,73 100,00 0,00 - -
Man Lg/Sh Europe D* € - 100,89 100,97 0,00 - -
Man Lg/Sh Europe I* € - 102,05 102,11 0,00 - -
Man Multi Manager D* € - 85,75 85,71 0,00 - 0,00
MEAG MUNICH ERGO KAG mbH
Tel.: 09281 72583020
EuroBalance € 42,09 40,47 40,40 -24,88 - 0,55
EuroErtrag € 54,62 52,77 52,67 -5,66 - 1,39
EuroFlex € 51,67 51,16 51,14 0,00 - 1,91
EuroInvest A € 67,94 64,70 64,70 18,37 - 0,00
EuroKapital € 57,99 55,23 55,05 -40,95 - 0,00
EuroRent A € 30,96 29,91 29,86 0,08 - 1,27
Floor EuroAktien € 48,71 46,61 46,54 -8,09 - 0,03
GlobalBalance DF € 43,49 41,82 41,78 22,34 - 0,55
GlobalChance DF € 34,90 33,24 33,19 22,56 - 0,00
MEAG FairReturn A € 54,91 53,31 53,22 0,63 - 0,57
Nachhaltigkeit A € 65,66 62,53 62,42 22,15 - 0,00
Osteuropa A € 45,19 43,04 42,97 -14,71 - 0,00
ProInvest € 111,28 105,98 105,54 -5,84 - 0,00
ProZins A € 50,27 50,27 50,26 0,00 - 0,48
MK Luxinvest
Telefon +49 911 180 - 1009
C.Risk TopMixWelt € 12,38 11,76 11,75 9,05 - 0,00
MVM SICAV
MVM LUX S-frontr e € 11,30 10,76 10,70 -14,93 - 0,00
MVM LUX S-frontr g € 7,53 7,17 7,11 -145,78 - 0,00
Nomura Asset Management
Telefon 069 153093-020 Internet www.nomura-asset.de
Asia Pacific* € 110,51 105,25 105,81 34,99 -1,75 0,00
Asian Bonds* € 58,07 56,38 56,30 0,00 - 2,09
Euro Convertible* € 44,50 43,20 43,17 0,00 0,00 0,02
Fundamental Europe* € 47,09 44,85 44,74 -8,99 - 0,00
Fundamental Japan* € 37,56 35,77 35,77 -37,13 - 0,00
Japan Equity* € 26,19 24,94 24,94 -141,18 - 0,00
Medio Rent* € 66,20 64,90 64,82 0,00 0,00 0,13
Real Return* € 575,36 564,08 560,83 0,00 - 68,71
NORAMCO Asset Management
Telefon 0800 9932847 Internet www.noramco.de
Quality Fd.Europe € 11,17 10,61 10,60 -7,77 - 0,00
Quality Funds USA € 5,22 4,96 4,92 -40,40 - 0,00
Norddeutsche Landesbank Luxembourg S.A.
N.Lux Renten Cap.* € 68,11 68,11 68,03 0,02 - 0,79
N.Lux Renten Dis.* € 41,30 41,30 41,26 0,02 - 1,90
Oppenheim Asset Management
Albatros EUR € 63,95 60,90 60,62 -4,47 - 0,09
DELB.B.Maf. I.rent € 55,85 53,96 53,94 -1,41 - 0,26
DELB.B.Maf.Clas.OP € 34,92 33,90 33,77 -17,05 - 0,00
MedBioHealth EUR € 144,09 137,23 137,36 49,73 - 0,00
OP DAX-Werte € 206,46 196,63 194,30 -17,53 - 0,00
OP Euroland Werte € 61,89 58,94 58,50 -39,59 - 0,00
OP Food € 168,02 160,02 158,97 36,59 - 0,00
OP Global Securiti € 82,59 78,66 78,24 -70,86 - 0,00
OP GlStr Worldwide € 113,38 113,38 113,24 8,57 - 0,24
Special Opp.* € 48,60 46,29 46,30 43,36 0,00 0,00
Spezial 3 € 102,75 99,76 99,40 9,56 - 0,00
Top Ten Balanced € 59,39 57,38 57,33 16,39 - 0,00
Top Ten Classic* € 72,12 68,69 68,74 13,07 0,00 0,00
PEH Quintessenz Sicav
PEH-Q.Europa* € 69,76 67,08 66,75 11,15 0,00 0,00
PEH-Q.Goldmines* € 91,85 88,32 89,19 25,25 0,00 0,00
PEH-Q.Renten Glb I* € 102,43 98,49 98,50 -0,08 - 0,00
PEH-Q.Renten Glb P* € 102,93 98,97 98,99 -0,04 - 0,00
PEH SICAV
Empire Pdist* € 87,96 84,58 84,54 25,57 0,00 0,00
Infl Link Bds Fl I* € 99,91 96,07 95,84 0,00 - 0,00
Infl Link Bds Fl P* € 99,37 95,55 95,32 0,00 - 0,00
Renten EvoPro Pcap* € 109,13 104,93 105,32 0,00 - 0,94
RentenEvoProVR2 d* € 49,17 47,97 48,16 0,00 - 0,50
RentenEvoProVRdist* € 50,36 49,13 49,33 0,00 - 0,51
Strat.Flexibel I* € 109,61 105,39 105,25 9,13 - 0,00
Strat.Flexibel P d* € 72,33 69,55 69,44 20,69 0,00 0,00
PEH Trust Sicav
Balanced cap* € 102,71 98,76 98,74 3,61 0,00 0,00
Chance cap* € 105,38 101,33 101,37 6,15 0,00 0,00
Rendite Plus cap* € 103,79 99,80 99,81 -0,01 - 0,00
Pioneer Investments
Tel. 0800 8881928 Internet www.pioneerinvestments.de
PF-Commod.Alpha T* € - 48,21 48,63 - - -
PF-Glob.Ecology T* € - 156,41 154,94 28,19 - -
PF-Glob.Select T* € - 53,96 53,87 17,62 - -
PF-US.Pioneer Fd T* € - 4,16 4,15 25,62 - -
PI German Equity € 142,28 135,50 134,02 24,29 - 0,00
PI Tot.Ret.A* € - 48,36 48,36 0,86 - 0,61
RREEF Investment GmbH
grundbesitz eur RC* € 43,24 41,18 41,17 0,00 - 0,05
grundbesitzglob RC* € 55,26 52,62 52,64 2,56 - 0,24
Sarasin Multi Label SICAV
www.sarasin.de
New Energy EUR* € 6,29 5,93 5,88 26,36 - 0,00
Siemens Kapitalanlagegesellschaft
EuroCash* € 12,37 12,37 12,37 0,00 - 0,20
Euroinvest Aktien* € 9,70 9,33 9,32 -21,23 - 0,00
Euroinvest Renten* € 14,28 14,00 13,99 0,00 - 0,38
Global Growth* € 3,82 3,67 3,66 -110,06 - 0,00
SKAG Balanced* € 14,20 13,79 13,77 -4,95 - 0,31
SKAG Euroinv.Corp.* € 12,72 12,35 12,34 0,00 - 0,19
Weltinvest Aktien* € 8,85 8,51 8,47 -40,64 - 0,00
Star Capital
SC Argos € 1360,25 1320,63 1318,15 - - 7,21
SC Huber-Strategy1 € 1123,35 1090,63 1090,23 7,14 - 0,00
SC Pergamon € 1900,74 1810,23 1819,55 48,89 - 0,00
SC Priamos € 1525,66 1453,01 1452,88 20,19 - 0,00
SC SIC.Ger.Masters € 93,35 88,90 89,25 45,85 - 0,00
SC SIC.Starpoint € 1643,58 1565,31 1563,89 34,74 - 0,00
SC SIC.Winbonds+ € 1449,23 1407,02 1405,87 0,81 - 120
SC Special Values € 1612,49 1535,70 1534,76 24,31 - 2,01
StarPlus AllocA-CHF CHF 1082,07 1082,07 1085,32 1,43 - 215
StarPlus Allocator € 1314,85 1276,55 1274,84 1,44 - 244
Union-Investment Privatfonds
BBBank Chance Uni.* € 27,32 26,65 26,61 28,34 - 0,00
BBBank Kont.Uni.* € 59,75 58,58 58,49 11,76 - 1,19
BBBank Wach.Uni.* € 45,15 44,05 43,97 22,34 - 0,86
BBV-Fonds-Union* € 43,98 42,70 42,60 0,00 - 0,67
BBV-Invest-Union* € 104,78 99,79 99,68 27,31 - 0,01
Condor-Fd.Union* € 47,32 45,94 45,87 -6,02 - 0,61
Delbrück Renten* € 54,09 52,51 52,50 0,00 - 0,95
FLEXIB.-NET* € 44,94 44,94 44,92 -8,66 - 0,89
Flexibel* € 45,41 44,09 44,07 -8,38 - 1,10
Geno AS:1* € 48,70 47,28 47,21 -7,31 - 0,21
GenoEuroClassic* € 48,04 46,64 46,55 1,56 - 0,22
GenoEuroClassic II* € 44,94 43,63 43,55 -4,54 - 0,56
Global* € 38,46 37,34 37,28 -1,52 - 0,00
Global -net-* € 38,13 38,13 38,06 -2,02 - 0,00
Invest Euroland* € 43,51 42,24 42,05 -31,53 - 0,00
Invest Global* € 49,03 47,60 47,42 -10,05 - 0,01
KCD Uni. Aktien* € 32,29 32,29 32,20 -40,12 - 0,00
KCD Uni.Renten+* € 47,96 47,96 47,92 0,00 - 0,88
KCD-Union Nachh.Mix* € 50,15 48,69 48,60 -1,67 - 1,21
KCD-Union-AS* € 48,93 47,50 47,42 -9,32 - 0,26
LIGA-Pax-Aktien-U.* € 30,21 30,21 30,04 -14,77 - 0,00
LIGA-Pax-Bal.S.U.* € 30,06 30,06 30,01 -45,90 - 0,64
LIGA-Pax-K-Union* € 39,43 38,85 38,83 0,00 - 1,15
LIGA-Pax-Rent-Unio* € 25,08 24,35 24,33 0,00 - 0,72
Münch.Bk.Glob.Sel.* € 45,67 44,34 44,32 -1,58 - 0,53
Priv.Fonds:Flex.* € 101,55 101,55 101,43 1,95 - 0,04
Priv.Fonds:FlexPro* € 106,45 106,45 106,29 1,71 - 0,00
Priv.Fonds:Kontr.* € 103,19 103,19 103,05 2,89 - 0,25
Priv.Fonds:Kontr.p* € 108,42 108,42 108,19 5,10 - 0,00
Pro Mundo Fonds* € 49,90 48,68 48,65 0,00 - 0,82
Stuttg.Bk.Rentinv.* € 43,53 42,26 42,25 0,00 - 1,24
SüdwBk.Interselect* € 45,23 43,91 43,83 7,81 - 0,99
Südwestbk.-Inter.* € 39,36 38,21 38,14 0,00 - 1,44
Uni21.Jahrh.-net-* € 22,15 22,15 22,13 -48,01 - 0,00
UniBalancePlus* € 108,47 105,82 105,80 -5,67 - 1,44
UniDeutschland* € 138,63 133,30 132,57 16,41 - 0,41
UniDeutschland XS* € 77,22 74,25 74,04 43,72 - 0,00
UniEu.Renta-net-* € 46,14 46,14 46,05 0,00 - 0,85
UniEuroAktien* € 52,64 50,13 49,90 -21,58 - 0,00
UniEuroBond* € 69,03 67,02 66,81 0,00 - 1,41
UniEuropa-net-* € 46,06 46,06 45,87 -10,06 - 0,02
UniEuroRenta* € 64,56 62,68 62,58 0,00 - 1,02
UniEuroRentaHigh Y* € 36,08 35,03 35,01 0,00 - 1,32
UniFonds* € 42,77 40,73 40,53 32,64 - 0,00
UniFonds-net-* € 62,26 62,26 61,95 16,77 - 0,00
UniGlobal* € 117,22 111,64 111,30 8,73 - 0,11
UniGlobal-net-* € 67,56 67,56 67,31 2,14 - 0,05
UniJapan* € 28,90 27,52 27,44 -82,40 - 0,00
UniKapital* € 107,70 105,59 105,52 0,00 - 1,56
UniKapital-net-* € 43,44 43,44 43,41 0,00 - 0,57
UniNordamerika* € 123,56 117,68 117,31 -9,79 - 0,01
UnionGeldmarktfonds* € 50,70 50,70 50,70 0,00 - 1,29
UniRak* € 85,47 82,98 82,72 27,75 - 0,82
UniRak -net-* € 45,18 45,18 45,04 -1,92 - 0,35
UniReits* € 69,80 67,12 67,27 -44,45 - 0,00
UniRenta* € 18,08 17,55 17,52 0,00 - 0,22
UniStrat.Offensiv* € 29,65 28,79 28,72 3,29 - 0,00
UniStrat: Ausgew.* € 42,15 40,92 40,85 7,57 - 0,75
UniStrat: Dynam.* € 33,40 32,43 32,37 8,19 - 0,37
UniStrat: Konserv.* € 53,87 52,30 52,23 8,91 - 1,08
Union-Investment (Lux)
Berliner VB Garant* € 0,00 123,81 123,80 0,00 - 0,00
Divid. Ass A Net* € 49,90 49,90 49,81 3,31 - 0,00
DividendenAss A* € 50,90 48,94 48,85 4,23 - 0,00
EuropeanEquities A* € 61,09 58,74 58,57 12,45 - 0,00
EuroRent.Corp.2012* € 0,00 43,40 43,40 0,00 - 0,31
Gl. Hi.Yi. Invest* € 41,23 41,23 41,21 0,00 - 2,50
LIGA-Pax-Cattol.-U* € 1194,97 1174,42 1170,74 5,80 - 0,00
LIGA-Pax-Corp.-U.* € 40,67 39,49 39,47 0,00 - 0,95
Local-EM-Invest* € 96,34 96,34 96,08 0,02 - 1,37
UGaTop: Europa III* € 108,88 103,64 103,52 -4,72 - 1,34
UGDouble(2011)* € 0,00 99,12 99,14 0,00 - 0,16
UGGTitan(2011)* € 0,00 99,51 99,51 0,00 - 0,00
UGGTitan(2011)II* € 0,00 98,84 98,84 0,00 - 0,12
UGPBestW(2011)* € 0,00 117,07 117,08 0,00 - 0,00
UGPEurop(2011)II* € 0,00 131,74 131,72 3,75 - 1,75
UGTEuropa* € 123,69 117,74 117,70 0,10 - 0,25
UGTEuropa II* € 112,61 107,20 107,08 -3,08 - 0,23
UniAsia* € 44,21 42,10 41,90 36,53 - 0,00
UniAsia Pacif. net* € 95,01 95,01 95,31 50,82 - 0,00
UniAsia Pacific A* € 96,46 92,75 93,05 50,72 - 0,00
UniDyn.Eur-net A* € 34,92 34,92 34,74 33,66 - 0,00
UniDyn.Europa A* € 58,01 55,78 55,50 35,64 - 0,00
UniDyn.Gl.-net- A* € 20,39 20,39 20,34 24,99 - 0,00
UniDynamic Gl. A* € 32,50 31,25 31,18 26,94 - 0,00
UniEM Fernost* € 1182,42 1126,11 1127,41 48,59 - 0,00
UniEM Osteuropa* € 2771,60 2639,62 2644,03 28,75 - 0,00
UniEMGlobal* € 81,50 77,62 77,37 45,54 - 0,01
UniEuReal Zins-net* € 59,17 59,17 58,91 0,00 - 7,09
UniEurKapital-net-* € 42,87 42,87 42,85 0,00 - 0,58
UniEuroAspirant* € 52,32 50,80 50,77 0,00 - 2,65
UniEuroFlex* € 966,86 957,29 957,29 0,00 - 44,15
UniEuroKapital* € 67,68 66,35 66,31 0,00 - 1,00
UniEuropa* € 1447,13 1378,22 1372,81 18,69 - 0,38
UniEuropaRenta* € 42,82 41,57 41,47 0,00 - 0,62
UniEuroRenta 5J* € 48,73 46,84 46,86 0,00 - 0,18
UniEuroRenta Co.11* € 0,00 41,78 41,77 0,00 - 1,01
UniEuroRenta Co.16* € 43,37 42,11 42,08 0,00 - 1,74
UniEuroRentaCor.A* € 44,04 42,76 42,73 0,00 - 3,27
UniEuroRentaCor.T* € 85,72 83,22 83,17 0,00 - 6,48
UniEuroSt.50 A* € 44,06 42,37 42,24 15,88 - 0,00
UniEuroSt.50-net* € 36,28 36,28 36,17 14,69 - 0,00
UniEurRentRealZins* € 59,33 57,60 57,35 0,00 - 7,05
UniFavorit: Renten* € 29,69 28,83 28,82 0,00 - 0,96
UniGar.Top: Eur.IV* € 115,49 111,05 110,90 -4,97 - 0,23
UniGar: Dtl.(2012)* € 0,00 100,21 100,21 0,00 - 1,28
UniGl.Tit.50-net-A* € 24,00 24,00 23,97 -11,82 - 0,00
UniGl.Titans50 A* € 24,23 23,30 23,27 -11,64 - 0,00
UniM.&S.Caps:Eur.* € 33,49 32,20 32,11 39,30 - 0,00
UniMoneyM.: USD* $ 991,24 991,24 991,32 0,00 - 7,44
UniMoneyM.:EURO A* € 498,74 498,74 498,69 0,00 - 18,49
UniOptima* € 736,51 729,22 729,11 0,00 - 2,64
UniOptimus-net-* € 727,13 727,13 727,11 0,00 - 5,16
UniProt.Europa II* € 115,59 112,22 112,16 3,32 - 0,90
UniProtect:Europa* € 115,16 111,81 111,75 -1,54 - 0,12
UniRenta Corp A* € 68,71 66,71 66,68 0,00 - 2,81
UniRentaEURPlus 5J* € 101,77 99,77 99,71 0,00 - 0,00
UniSec. Bas. Ind.* € 93,95 90,34 89,85 43,17 - 0,00
UniSec. BioPha.* € 47,73 45,89 45,79 8,63 - 0,00
UniSec. Cons.Goods* € 65,18 62,67 62,71 30,18 - 0,00
UniSec. Finance* € 35,14 33,79 33,77 -32,42 - 0,00
UniSec. GenTech A* € 50,53 48,59 48,35 21,68 - 0,02
UniSec. High Tech.* € 35,84 34,46 34,47 21,22 - 0,00
UniSec. MultiMe.* € 19,29 18,55 18,57 11,17 - 0,00
UniVa. Europa A* € 41,67 40,07 39,92 7,90 - 0,00
UniVa. Global A* € 54,82 52,71 52,60 28,57 - 0,01
UniVa.Euro.-net-A* € 40,99 40,99 40,83 7,69 - 0,00
UniVa.Glb-net-A* € 53,19 53,19 53,08 28,01 - 0,01
Union-Investment Real Estate
UniImmo:Dt.* € 100,65 95,86 95,90 1,11 - 0,48
UniImmo:Europa* € 59,98 57,12 57,11 1,49 - 0,26
UniImmo:Global* € 54,18 51,60 51,59 -4,45 -4,36 0,11
Universal-Investment
BW-Renta-Internat.* € 42,08 41,05 41,00 0,00 - 0,41
BW-Renta-Univ.* € 26,01 25,38 25,43 0,00 - 0,40
Concept Aurelia Gl* € 143,72 136,88 136,82 22,27 - 0,00
G&P-Univ.Aktien A* € 65,18 62,08 61,68 -86,11 - 0,05
H&A Akt.Eurol.-UI* € 141,08 134,36 133,88 -19,48 - 0,00
J. Führ-UI-Aktien* € 91,39 87,04 86,82 -6,21 - 0,00
J. Führ-UI-Renten* € 43,42 42,57 42,65 0,00 - 0,71
SC BondValue UI* € 68,92 66,91 66,77 0,22 - 1,27
Trend-Uni- Glbl* € 117,08 111,50 110,96 9,26 - 0,00
Universal AS Fd. I* € 70,88 68,15 68,04 -2,63 - 0,14
WMAkt. Gl. UI* € 82,20 78,29 77,91 45,25 - 0,00
WMAkt. Gl. US$* $ 300,38 286,08 284,88 71,37 - 0,00
VERITAS INVESTMENT TRUST GmbH
A2A Aggressiv € 10,63 10,03 10,01 -7,08 - 0,00
A2A Basis € 15,09 14,51 14,50 -1,59 - 0,00
A2A Chance € 15,78 14,89 14,89 11,17 - 0,00
A2A Defensiv € 12,66 12,29 12,27 2,02 - 0,00
A2A Wachstum € 15,09 14,37 14,35 -4,45 - 0,02
ASS-Global € 31,61 30,10 30,06 27,18 - 0,00
ETF-Dachfd AktienP € 12,37 12,37 12,36 12,14 - 0,00
ETF-Dachfd RentenP € 10,62 10,62 10,61 -0,46 - 0,00
ETF-DACHFONDS P € 13,92 13,92 13,91 14,38 - 0,00
ETF-Dachfonds VDH € 14,10 14,10 14,09 16,16 - 0,00
ETF-PTFOLIO GLOBAL € 10,67 10,67 10,66 -4,82 - 0,00
RWS-BALANCE € 15,33 14,74 14,72 13,65 - 0,00
RWS-DYNAMIK € 23,42 22,30 22,29 25,12 - 0,00
RWS-ERTRAG € 13,57 13,17 13,15 2,39 - 0,02
VERI-COUPONS € 34,22 32,90 32,90 0,00 - 0,18
VERI-Eurovaleur € 22,55 21,27 21,24 -38,94 - 0,00
VERIFONDS € 139,62 132,97 132,46 -36,24 - 0,42
VERI-GLOBAL € 15,95 15,19 15,25 -111,24 - 0,00
VERI-LIQUIDE € 30,75 30,60 30,60 0,00 - 0,06
VERI-SELECT € 21,70 20,87 20,87 15,23 - 0,00
VERI-TRESOR € 36,00 34,62 34,57 -66,42 - 0,06
VERI-VALEUR € 84,42 79,64 78,55 -28,20 - 0,00
VERSIKO AG
Klima € 38,25 36,43 36,27 -36,88 - 0,00
New Energy EUR* € 6,29 5,93 5,88 26,36 - 0,00
Ökotrend Bonds € 53,20 51,40 51,39 0,00 - 1,14
ÖkoTrust € 114,26 108,82 108,93 -2,04 - 0,00
ÖkoVision Classic € 93,81 89,34 89,00 59,99 - 0,00
ÖkoVision Europe € 34,67 33,02 32,90 -49,82 - 0,00
ÖkoVision Gar.20C € 113,20 107,81 107,81 -3,69 - 0,74
Water For Life C € 102,32 97,45 96,91 -0,45 - 0,00
Wallberg Invest S.A.
Lux Euro-Europ P I € 70,48 70,48 70,50 0,00 - 0,00
Lux Euro-Europ P P € 71,11 69,04 69,05 0,00 - 0,84
Wallb.AfricanASt P € 12,04 11,47 11,40 21,10 - 0,00
Wallb.Real Asset P € 10,01 9,53 9,53 -2,18 - 0,09
Wallberg ProtManSe € 96,95 91,90 92,26 34,22 - 0,00
WWK Investment S.A.
WWK Sel-Balance € 11,42 10,88 10,88 19,57 - 0,05
WWK Sel-Chance € 9,48 9,03 9,03 25,13 - 0,00
WWK Sel-EuRe B € 10,17 9,87 9,87 0,00 - 0,17
WWK Sel-EuRe C I € 9,81 9,81 9,80 0,00 - 0,17
WWK Sel-TopTen € 7,90 7,52 7,51 12,99 - 0,00
Währung: € = Euro, $ = US-Dollar, ¥ = Yen, £ = Brit. Pfund.
Ausg.: Ausgabepreis eines Fondsanteils zumangegebenen Tag.
Rücknahme: Rücknahmepreis eines Fondsanteils zum angegebe-
nen Tag.
Akt.G: Der aktuelle Aktiengewinn (Veräußerungsgewinn bei Invest-
mentanteilen) wird täglich in Prozent mit Ausnahme der Montagsaus-
gaben veröffentlicht.
ATE: Akkumulierte Thesaurierte Erträge ausländischer Fonds seit
1.1.1994 nach Auslandsinvestmentgesetz (AIG).
ISIN: Die Internationale Wertpapierkennummer eines Fonds wird
ausschließlich in den Montagsausgaben veröffentlicht.
ZWG: Zwischengewinn seit 1. Januar 2005
*: Fondspreise etc. vomVortag oder letzt verfügbar.
Alle Fondspreise etc. ohne Gewähr - keine Anlageberatung und -
empfehlung
Weitere Fonds-Infos unter http://fonds.sueddeutsche.de
Seite 22 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
GELD
.
Kurz vor Ostern haben sich die Ereig-
nisse überschlagen. Die Staatsanwalt-
schaft Saarbrücken ermittelte gegen den
Geschäftsführer der Stiftung Saarländi-
scher Kulturbesitz, Ralph Melcher, we-
gen Untreue in 40 Fällen. Für mehr als
8000 Euro soll er einen beauftragten Ar-
chitekten in die besten Lokale des Lan-
des ausgeführt haben – auf Steuerzahler-
kostennatürlich. AuchamGehalt des Ge-
schäftsführers störte sich der Landes-
rechnungshof: Auf 10 700 Euro monat-
lich schätzt man seine Vergütung – Spe-
sen nicht eingerechnet. Kulturminister
Karl Rauber beurlaubte Melcher.
Um Vorteilsnahme geht es auch bei ei-
nem weiteren Stiftungsstreit, der derzeit
in Regensburg tobt. Gleich gegen zwei
Vorstände der Hans- und Sophie-Knei-
tinger-Stiftung ermittelt die Staatsan-
waltschaft. Gegen einen wandten sich
nun die vier Vorstandskollegen, weil er
der Stiftung die Kosten für einen priva-
tenZaunin Rechnung stellenließ, berich-
tet die Mittelbayerische Zeitung. Ange-
blich wollten die Kollegen den Betroffe-
nen aus dem Amt drängen, weil sie unge-
stört Geschäfte machen wollten, so die
Verteidigung.
Das Thema Vorteilsnahme taucht bei
Stiftungen immer wieder auf. Wo fängt
Vorteilsnahme an, wo hört sie auf? UmIn-
sichgeschäfte zu verhindern, benötigt
man im Grunde genommen einzig das
Bürgerliche Gesetzbuch(BGB). Der Para-
graph 181 verbietet Vertretern einer Or-
ganisation, Verträge mit sichselbst abzu-
schließen. Doch er verbietet dies nur,
wenn nichts anderes vereinbart ist.
Und hier beginnt das Problem. Denn
viele Stiftungssatzungen hebeln den Pa-
ragraph 181 aus. Die Stiftungsbehörde
des Landes Bremen beispielsweise prä-
sentiert eine Mustersatzung mit der For-
mulierung, die Mitglieder des Vorstandes
seien bei der Festsetzung ihrer Bezüge
„von den Beschränkungen des § 181 BGB
befreit“. So kann der Vorstand der Ein-
fachheit halber gleich die Bezüge festset-
zen. Das ist zwar rechtlich zulässig, in
der Praxis aber bedenklich.
Daher warnen Experten wie der Wirt-
schaftsprüfer Ralph van Kerkom von
PKF Fasselt Schlage vor solchen Formu-
lierungen. „Wir empfehlen unseren Stif-
tern stets, nur sich selbst vom Paragraph
181 zubefreien, für die folgendenGenera-
tionen jedoch Genehmigungsvorbehalte
der Kontrollgremien oder der Stiftungs-
aufsicht vorzusehen.“ Denn der Stifter
begeistert sich für seine Stiftungsidee,
vielleicht auch noch der enge Freund, der
nachfolgt. In der dritten Generation aber
beginnt es schwierig zu werden; die Ge-
fahr besteht, dass der neue Geschäftsfüh-
rer seine eigenen Interessen und die der
Stiftung nicht mehr recht auseinander-
hält. So vertrieb unlängst ein geschäfts-
führender Vorstand über die Homepage
der Stiftung seine juristischen Publikati-
onen. Die regen Aktivitäten seines Vor-
gängers für den Stiftungszweck hatte er
hingegen heruntergefahren.
Wie dem Problem zu begegnen ist,
bleibt offen. Die Reform des Stiftungszi-
vilrechts 2002 brachte allen Bundeslän-
dernneue Stiftungsgesetze mit teils deut-
lich aufgeweichten Kontrollmechanis-
men. Heute gibt es Stiftungen, in denen
der Vorstand auch ihr Steuerberater ist.
Die Frage, ob Staat oder Ehrenkodex
der Stiftungen entsprechende Regelun-
genfür die Vergütung eines Stiftungsvor-
stands treffen sollten, empfindet der auf
Stiftungenspezialisierte Wirtschaftsprü-
fer Claus Koss als typisch deutsch. Zwar
sieht er durchaus das Problemeiner Auf-
weichung. Doch die Lage ist nach An-
sicht von Koss viel komplexer. Erst müs-
se ein Bewusstseinswandel stattfinden.
Die Bedeutung von Positionen im Stif-
tungswesen müsse erst richtig einge-
schätzt werden, sonst bekomme eine Stif-
tung nicht immer die Besten. Momentan
fehlten einfach Vergleichswerte bei der
Bezahlung von Stiftungsvorständen.
Erst dann könne man darüber urteilen,
ob ein selbst festgesetztes Honorar über-
höht sei oder nicht, erläutert Koss.
Vielleicht regelt sich das in der Tat von
selbst, hoffen auch die Wirtschaftsprüfer
von PKF Fasselt Schlage. Die ersten Or-
ganisationen wie Aktion Mensch haben
Stiftungen, die denParagraph 181 aushe-
beln, schon grundsätzlich von Förderun-
gen ausgeschlossen. Ulrich Brömmling
Es ist schwer verständlich. Jedes Jahr
sterben etwa 20 000 Deutsche an einer
Lungenentzündung. Eine der Ursachen
ist bitter: Seit Jahren stagniert die For-
schung nach geeigneten Therapien. Eine
neue Stiftung in München möchte das
nun ändern. Unter demNamen Atemweg
haben das Helmholtz Zentrum München
unddie Münchner Bankdie gemeinnützi-
ge Organisation im letzten Jahr gegrün-
det. Die Stiftung soll die Forschung nahe
am Patienten fördern und für Lungener-
krankungen sensibilisieren.
Ob Medizin, Bildung, Kultur oder Wis-
senschaft – wie die Stiftung Atemweg
sind 2010 genau 823 gemeinnützige Stif-
tungen zwischen Flensburg und Gar-
misch-Partenkirchen errichtet worden.
Die hohe Zahl belegt, wie sehr sich die
Deutschen mit eigenen Mitteln und Res-
sourcen für das Gemeinwohl einsetzen.
Seit gut zehnJahrenist Stifteneinlebhaf-
ter Trend; auch, weil es steuerlich attrak-
tiver wurde. Inzwischengibt demBundes-
verband Deutscher Stiftungen zufolge
18 162 rechtsfähige Stiftungen bürgerli-
chen Rechts. Deutschland ist der Vorrei-
ter in Europa. Nirgendwo sonst werden
zurzeit so viele Stiftungen gegründet.
Nicht überall sind die Mäzene gleich-
samaktiv. Die meisten Stiftungen sind in
Nordrhein-Westfalen angesiedelt, ge-
folgt von Bayern und Baden-Württem-
berg. Im Westen Deutschlands gibt es
weit mehr Stifter als imOsten. Dieses Ge-
fälle hat geschichtliche Gründe: ZuDDR-
Zeiten verschwanden viele der traditio-
nellen Organisationen, das Mäzenaten-
tum wurde vernachlässigt – und das ist
21 Jahre nach der Wiedervereinigung
noch deutlich spürbar. Die Struktur-
schwächen der betroffenen fünf Bundes-
länder und das geringere Vermögen vie-
ler Ostdeutscher sorgen dafür, dass sich
diese Schere nicht schließt: In Mecklen-
burg-Vorpommern etwa gibt es nur neun
Stiftungen auf 100 000 Einwohner. In
Bayernist die Stiftungsdichte mit 27 Ein-
richtungen dreimal so hoch. Unter den 50
Städten mit der größten Stifterkultur ist
Dresden auf Platz 50 die erste ostdeut-
sche Stadt; weit entfernt von den Topfa-
voriten Würzburg, Frankfurt und Ham-
burg. Kristina Läsker
Von Kri sti na Läsker
Alle zwei Wochen hat Jörg Borack eine
Verabredung. Dann trifft der 41-jährige
Hamburger aber keine Frau, er trifft An-
ton, 14 Jahre. Anton ist sein Schützling,
gemeinsam paddeln sie im Kanu durch
die Kanäle der Außenalster oder gehen
ins Museum. Seit Juli 2010 sieht sich das
Gespann; vermittelt durch die Initiative
Big Brothers Big Sisters. Die gemeinnüt-
zige Gesellschaft hat Borack ausgewählt,
damit er Anton als Mentor beiseite steht,
denndieser wächst ohne Vater auf. Inzwi-
schen ist Borack – als neuer „großer Bru-
der“ – ein wichtiger Ansprechpartner für
den Teenager geworden. „Es tut Anton
wirklich gut“, sagt seine Mutter.
Seit 2007 engagiert sich Big Brothers
Big Sisters in Deutschland. „Wir wollen
dieses Jahr mindestens 650 Kindern ei-
nen ehrenamtlichen Mentor vermitteln“,
sagt Claudia Langen, die das deutsche
Programm aufgebaut hat. Langen konn-
te auf ausgefeiltes Wissen zurückgreifen.
Big Brothers Big Sisters wurde vor mehr
als 100 Jahren in den USA gegründet.
Vor mehr als zehn Jahren startete die ers-
te groß angelegte Studie an 1000 Kindern
und Jugendlichen zwischen zehn und 16
Jahren. Bessere Leistungen in der Schu-
le, weniger Drogen, mehr Selbstbewusst-
sein, wennBeziehungenlangfristig gelin-
gen und sorgfältig begleitet werden – so
lauten einige Ergebnisse: „Darauf bauen
wir unsere Abläufe auf“, sagt Langen.
Was gut klingt, ist selten: Denn Big
Brothers Big Sisters tut das, wovon zwar
viele Wohltäter schwärmen, was aber
kaum einer tut: sich langfristig mit den
Wirkungendes eigenenEngagements aus-
einanderzusetzen. „Es gibt großen Nach-
holbedarf bei der Wirkungsmessung“,
sagt Ina Epkenhans, Leiterin Analyse
und Forschung bei der Phineo AG. Vor
gut einem Jahr wurde die gemeinnützige
Organisationgegründet, aufgebaut auf ei-
ner Idee der Bertelsmann Stiftung. Seit-
her hat Phineo für potentielle Geldgeber
mehr als 400 wohltätige Projekte und de-
ren gesellschaftliche Wirkung analysiert.
Regelmäßig hat Epkenhans es dabei
mit Spendern und Förderern zu tun, die
Bewertungen noch immer für Luxus hal-
ten. „Viele haben den Glauben: Man
meint es gut, also wird es auch gut“, sagt
die Analyse-Expertin. Stifter und Stif-
tungsmanager als unantastbare, nicht zu
hinterfragende Geldgeber? Ganz so stim-
me das nicht, widerspricht Hans Fleisch,
Generalsekretär des Berliner Bundesver-
bands Deutscher Stiftungen. Das Nach-
denken über Wirkungen habe in den ver-
gangenen fünf bis zehn Jahren enormzu-
genommen. Gerade bei jüngeren Stiftern
habe es einen Klimawechsel gegeben –
hin zu mehr Selbstkritik. „Neuerdings
werdenZweifel über das eigene Tunzuge-
geben, und das ist gut so“, sagt Fleisch.
Doch was muss ein Stifter oder Förde-
rer tun, der das Thema ernst nimmt?
Mehr nachdenken am Anfang, statt ein-
fach loslegen, fordert Christian Meyn
von der gemeinnützigen Auridis GmbH.
„Probleme werden häufig nicht tief ge-
nug analysiert“, sagt Meyn. Nur, wer die
Ursachen gesellschaftlicher oder sozialer
Probleme genauer verstehe, könne pas-
sende Maßnahmen entwickeln und deren
Ergebnisse mit geeigneten Indikatoren
auch messen. „Zu häufig lassen sich För-
derer von attraktiven schnellen Lösun-
gen verführen.“
Klingt schlicht, ist aber wirksam: Häu-
fig nützt der Vergleich. Was in Hamburg
dabei hilft, Migranten besser einzubin-
den, lässt sich auch in München leben.
„An ganz vielen Stellen brauchen wir
nichts Neues“, sagt Meyn. „Wir brauchen
nur eine gute Umsetzung.“ Das sieht
auch Epkenhans von Phineo so: „Man
sollte immer schauen, was die Akteure in
der eigenen Kommune schon unterneh-
men – und wo noch Bedarf besteht.“ Bei-
des trifft einen wundenPunkt vieler – eit-
ler – Geldgeber: Mancher möchte zu gern
als großer Innovator dastehen und nicht
nur als schnöder Problemlöser.
Manchmal mangelt es aber bereits an
der grundsätzlichen Kontrolle. Wenn et-
wa eine gemeinnützige Organisationen
nicht einmal alles Zählbare erfasst und
transparent macht, wie etwa die Zahl der
Teilnehmer an einem Workshop oder der
Abbrecher einer Maßnahme.
Viele Stifter wehren sich auch gegen
Wirkungsanalysen, weil sie keinGeldver-
schwenden wollen. Nach dem Motto: Je-
der zusätzliche Cent soll lieber dem Pro-
jekt zugute kommen. Das sei nicht grund-
sätzlich falsch, meinen selbst Experten
und raten dazu, vor alleminnovative, auf
Dauer angelegte oder aufwendige Initiati-
ven mit Pilotcharakter zu messen.
Ein guter Mittelweg bestehe darin, bei
kleineren Projekten hinterher das Feed-
back von Betroffenen einzuholen, meint
Phineo-Mitarbeiterin Epkenhans. Das
sei nicht sehr teuer, aber wirksam. „Lang-
zeitstudien lohnen sich nur bei sehr gro-
ßen Projekten“, sagt sie.
Häufig sind es externe Geldgeber, die
sich vorrechnen lassen wollen, wie viel
Gutes sie mit ihrem Geld denn bewirken.
Sie sorgen auch dafür, dass aus der Wirt-
schaftswelt neue Messmethodenübertra-
gen werden auf soziale Bereiche, etwa in-
demder Social Return on Investment, al-
so die Sozialrendite, erhoben wird.
Stiftungsexpertenwie Hans Fleischse-
hensolche Trends mit großer Sorge. „Das
Gemeinwohl lässt sichnicht nur mit Zah-
len messen.“ Die Folgen ließen sich be-
reits heute an manch gut klingender Be-
wertung erkennen, meint er. „Quick and
dirty“, schnell und schmutzig, werde der
Erfolg einer Maßnahme beurteilt, sagt
Fleisch. „Das führt in die Irre und befrie-
digt nur die Geldgeber.“
Jede volljährige Person kann in
Deutschland eine Stiftung gründen. Die
Gründe für das Einrichten einer Stiftung
sind vielfältig. Laut einer Erhebung der
Bertelsmann Stiftung steht bei etwa zwei
Dritteln der Befragten der Wunsch im
Vordergrund, aus Verantwortungsbe-
wusstsein gegenüber Mitmenschen etwas
bewegen zu wollen. Knapp die Hälfte
möchte mit der Stiftung ein konkretes
Problem bekämpfen oder eine Einrich-
tung langfristig unterstützen. Etwa 41
Prozent der Befragtengabenan, „der Ge-
sellschaft etwas zurückgeben zu wollen“,
bei 37 Prozent spielt das Mitleid mit Not-
leidenden eine wichtige Rolle. Etwa ein
Drittel der Befragtenmöchte mit der Stif-
tung das Andenkenannahestehende Per-
sonenwahrnehmen, etwa 27 Prozent stif-
ten aus religiöser Überzeugung. SZ
„Kreativ, unternehmerisch, sozial“, ist
das Motto des diesjährigen Stiftungs-
tags. Vom 11. bis 13. Mai treffen sich im
Kultur- undKongresszentrumLiederhal-
le in Stuttgart deutsche Stiftungen, um
sich auszutauschen und auf ihre Arbeit
aufmerksam zu machen. Auf dem
Schlossplatz wird eine sogenannte Vidi-
boxstehen, auf der Kurzfilme über regio-
nale Stiftungen gezeigt werden. Außer-
demgibt es einBühnenprogramm. Weite-
re Informationen im Internet unter:
www.stiftungen.org SZ
Das Thema Zuwanderung beschäftigt
auch viele Stiftungen. Dabei geht es
nicht nur um die Integration, sondern
auch um grundlegende Fragen der Ein-
wanderungspolitik. Kürzlichhabenzahl-
reiche Stiftungen daher eine unabhängi-
ge undparteiübergreifende Konsensgrup-
pe Fachkräftebedarf und Zuwanderung
gegründet. Der Sachverständigenrat
deutscher Stiftungen für Integration und
Migration (SVR) hatte in seinem Jahres-
gutachten Empfehlungen zur Regelung
der qualifizierten Zuwanderung in
Deutschland gegeben. Auf dieser Grund-
lage soll die Konsensgruppe unter dem
Vorsitz von Armin Laschet und Peter
StrucknuneinenimBundestag undBun-
desrat mehrheitsfähigenVorschlag für ei-
ne Reform des Zuwanderungsgesetzes
vorlegen. SZ
„Häufig lassen sich Förderer
von attraktiven schnellen
Lösungen verführen.“
STIFTUNGEN
Eine Sonderseite der Süddeutschen Zeitung
Recht
Das Geschäft mit sich selbst
Stiftungen hebeln oft das BGB aus, um ihre Vorstände zu entlohnen – eine bedenkliche Praxis
Die Initiative Big Brothers Big Sisters vermittelt ehrenamtliche Mentoren für Kinder und Jugendliche. Es ist eines von ganz wenigen sozialen Projekten,
zu denen es langfristige Studien gibt. Fotos: oh
Neue Ideen
Die Zahl der Stiftungen hat
in Deutschland weiter zugenommen
Sozialrendite
Es ist
doch gut
gemeint
Viele gemeinnützige
Organisationen halten es
für Luxus, die Wirkungen
ihrer Projekte zu messen
Motiviert Stiftungstag Zuwanderung
Dienstag, 3. Mai 2011 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 23
Wie viel Geld Stiftungsvorstände er-
halten, das können sie teils selbst be-
stimmen. Foto: dapd
Zweigeteiltes Land:
Im Westen gibt es mehr
Engagement als im Osten
STIFTUNGEN
Verantwortlich: Werner Schmidt
Redaktion: J. Pfund, A. Remien
Anzeigen: Jürgen Maukner
Wealth Management
Was kann Ihre Stiftung
bewirken?
Die Baden-Württembergische Bank gehört
in Deutschland im Stiftungsmanagement
zu den fünf Top-Adressen. Im Test des
Berliner Finanz- und Wirtschaftsinforma-
tionsdienstes Fuchs-Briefe überzeugten
die fachliche Beratung und die Ausge-
staltung des Stiftungsportfolios. Neben
professioneller Beratung in Stiftungs-
fragen ist uns die Förderung des Stiftungs-
wesens ein besonderes Anliegen. Wir
fördern den Deutschen StiftungsTag in
Stuttgart vom 11. bis 13. Mai 2011.
Mirjam Schwink freut sich auf Ihren
Anruf: 0711124-73428 oder
Mirjam.Schwink@bw-bank.de
www.bw-bank-wealth.de
Hauptförderer
Dax 30 (* = Euro Stoxx 50 Werte)
02.05. 29.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
Dax – 7527,64 7514,46 +0,18 7600/7528 7475/5670 – 2802171 –
Adidas 0,35 50,20 50,26 -0,12 51,10/50,18 51,48/38,60 16 30012 10,50
* Allianz 4,10 105,90 106,30 -0,38 107/106 108/76,67 9 160935 48,13
* BASF 1,70 68,62 69,40 -1,12 70,22/68,62 68,56/40,71 12 178938 63,03
* Bayer 1,50 58,13 59,35 -2,06D 59,16/58,13 58,71/44,12 13 186470 48,07
Beiersdorf 0,70 44,01 43,97 +0,08 44,44/44,01 49,00/39,77 26 14647 11,09
* BMW 0,30 64,44 63,67 +1,21 65,30/64,00 64,80/35,29 14 150416 38,82
Commerzbank – 4,44 4,30 +3,16 4,47/4,31 7,35/4,19 8 101230 5,76
* Daimler 1,85 52,51 52,19 +0,61 53,03/52,24 58,46/35,85 10 201543 55,96
* Deutsche Bank 0,75 44,20 44,10 +0,22 44,56/44,18 51,24/36,60 8 169978 41,08
* Deutsche Börse 2,10 56,32 56,10 +0,39 56,78/56,12 61,62/46,59 13 31912 10,98
Deutsche Post 0,60 13,36 13,36 - 13,49/13,35 14,01/11,18 11 42634 16,15
* Dt. Telekom 0,78 11,27 11,22 +0,49 11,35/11,25 11,26/8,55 15 97083 48,70
* Eon 1,50 23,17 23,08 +0,39 23,54/23,17 28,19/20,94 9 177490 46,36
Fres.Med.Care 0,61 52,50 53,06 -1,06 52,76/51,80 52,43/38,21 15 42559 15,53
Fresenius SE 0,75 71,05 70,86 +0,27 72,00/70,85 70,22/49,62 16 29732 9,11
Heidelb.Cement 0,12 52,02 51,63 +0,76 52,81/51,82 52,60/31,40 14 29160 9,75
Henkel Vz 0,72 46,16 45,98 +0,39 46,51/46,01 48,40/35,83 15 17877 8,22
Infineon 0,10 7,74 7,66 +0,99 7,79/7,71 8,27/4,21 15 43739 8,41
K + S 0,20 56,10 54,63 +2,69 56,57/54,67 58,60/35,94 16 130458 10,74
Linde 1,80 121,90 121,60 +0,25 123/122 120/81,55 18 44589 20,76
Lufthansa – 15,17 15,32 -0,98 15,69/15,16 17,77/10,34 11 139660 6,95
MAN 0,25 93,92 94,09 -0,18 94,66/93,64 96,44/63,65 16 44362 13,24
Merck KGaA 1,25 72,01 71,52 +0,69 72,33/71,09 72,28/57,65 10 25140 4,65
Metro 1,18 49,44 49,56 -0,23 50,02/49,15 58,53/39,37 13 29933 16,02
* Münchener Rück 6,25 110,90 111,45 -0,49 112/111 125/99,74 8 68407 20,90
* RWE 3,50 44,12 44,06 +0,15 44,63/43,98 62,60/42,86 8 72783 23,09
* SAP 0,50 43,92 43,50 +0,95 44,42/43,81 45,90/33,97 17 175157 53,88
* Siemens 2,70 97,83 98,22 -0,40 99,07/97,83 99,38/68,25 14 149006 89,44
Thyssen-Krupp 0,45 31,31 31,07 +0,77 31,49/31,22 32,00/19,82 15 34525 16,11
Volkswagen Vz 1,66 134,75 133,00 +1,32 135/133 137/66,05 10 181797 22,93
MDax
02.05. 29.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
MDax – 10799,5310740,45 +0,55 10857/10740 10711/7429 – 437215 –
Aareal Bank – 21,33 20,47 +4,18 21,52/20,60 26,25/12,77 10 9808 0,91
Aurubis 1,00 40,15 39,90 +0,63 40,55/40,10 45,78/31,35 12 8473 1,81
Baywa vink. Na 0,40 31,85 31,85 - 32,00/31,82 35,04/26,50 15 770 1,05
Bilfinger Berger 2,00 64,93 65,03 -0,15 65,61/64,93 64,97/41,54 13 10449 2,99
Boss Vz 0,97 67,15 67,00 +0,22 68,00/66,89 66,40/28,36 22 3503 2,32
Brenntag – 83,75 83,00 +0,90 85,69/83,49 83,39/48,90 15 5074 4,31
Celesio 0,50 16,52 16,37 +0,92 16,61/16,39 25,50/15,96 10 5882 2,81
Continental – 68,48 67,77 +1,05 69,20/68,00 67,68/36,04 11 31055 13,70
Demag Cranes 0,60 45,00 36,30 +23,98 45,05/43,42 38,96/23,09 22 84786 0,95
Douglas 1,10 39,64 39,58 +0,15 39,89/39,53 43,20/32,80 17 2848 1,56
Dt. Euroshop 1,05 27,17 27,28 -0,42 27,45/27,17 28,99/21,72 17 1514 1,40
Dt. Wohnen – 10,67 10,64 +0,33 10,79/10,63 11,40/6,13 22 781 0,87
EADS – 20,74 20,89 -0,72 21,13/20,73 22,30/13,55 24 4632 16,93
Elring-Klinger 0,20 23,66 23,69 -0,11 24,23/23,65 26,98/16,97 16 1824 1,50
Fielmann 2,00 71,15 71,86 -0,99 71,96/70,98 73,00/54,64 22 3420 2,99
Fraport 1,15 54,09 54,03 +0,11 54,45/53,33 54,00/34,40 25 5065 4,97
Fuchs Petrol. Vz 1,70 113,00 110,55 +2,22 115/110 111/63,00 15 5229 1,34
Gagfah 0,50 6,07 6,13 -0,96 6,15/5,91 8,95/5,12 11 2456 1,37
Gea Group 0,40 25,06 24,69 +1,50 25,19/24,85 25,08/14,65 17 12970 4,61
Gerresheimer 0,50 32,97 32,65 +1,00 33,40/32,53 33,61/23,57 15 1863 1,04
Gildemeister 0,10 17,32 17,13 +1,14 17,38/17,02 17,35/7,53 19 4651 0,79
Hamburger Hafen 0,40 32,53 32,75 -0,69 33,11/31,82 35,81/24,11 27 4372 2,28
Hannover Rück 2,10 41,07 40,83 +0,58 41,36/40,51 43,29/31,87 8 20627 4,95
Heidelb.Druck – 2,95 3,01 -1,99 3,05/2,91 5,49/2,93 – 5586 0,69
Hochtief 1,50 63,34 63,93 -0,92 64,50/62,85 76,55/45,64 15 11407 4,88
IVG Immobilien – 5,67 5,70 -0,49 5,75/5,61 7,71/4,76 15 1290 0,79
Kabel Deutschland – 42,19 42,20 -0,02 42,55/42,00 42,50/22,85 – 3730 3,80
Klöckner & Co – 24,90 24,28 +2,55 25,26/24,60 25,55/13,65 12 27073 1,66
Krones – 55,51 54,65 +1,57 56,60/55,00 53,98/37,05 20 4904 1,75
Lanxess 0,50 63,00 61,93 +1,73 63,46/62,20 61,94/30,12 12 20575 5,24
Leoni – 38,57 37,11 +3,95 38,90/37,42 37,56/14,97 11 18854 1,15
MTUAeroEngines 0,93 52,00 51,75 +0,48 52,85/51,42 54,50/39,32 14 10786 2,70
Praktiker 0,10 7,83 7,98 -1,93 7,98/7,57 8,84/5,21 16 1935 0,45
ProSiebenSat1Vz 0,02 19,47 19,34 +0,67 19,87/19,37 24,80/10,67 9 10075 2,13
Puma 1,80 222,65 225,00 -1,04 227/223 260/197 14 5826 3,36
Rational 3,50 186,00 186,65 -0,35 188/185 189/112 26 1198 2,11
Rheinmetall 0,30 60,31 60,56 -0,41 61,25/60,24 66,46/42,50 11 5781 2,39
Rhön-Klinikum 0,30 15,47 15,45 +0,13 15,52/15,35 19,38/15,04 14 4663 2,14
Salzgitter 0,25 53,69 53,01 +1,28 54,00/53,19 64,72/45,95 16 8026 3,23
SGL Carbon – 35,96 36,00 -0,11 36,50/35,83 39,79/22,90 28 8224 2,35
Sky Deutschland – 2,98 2,98 +0,13 3,01/2,95 3,25/0,82 – 3160 2,11
Springer 4,80 110,25 110,60 -0,32 111/109 125/78,00 11 3543 3,64
Stada Arznei 0,55 29,80 29,88 -0,27 29,99/29,70 32,10/20,70 13 7309 1,75
Südzucker 0,45 20,85 20,83 +0,12 21,00/20,64 20,93/13,94 17 4513 3,95
Symrise 0,50 22,32 22,27 +0,20 22,75/22,32 22,38/15,98 15 8922 2,64
Tognum 0,35 25,95 25,90 +0,19 26,00/25,82 26,16/13,48 20 6098 3,41
TUI – 8,53 8,61 -0,89 8,68/8,48 10,86/6,75 11 3597 2,14
Vossloh 2,00 96,12 97,06 -0,97 98,13/95,19 99,58/66,52 13 4694 1,42
Wacker Chemie 1,20 166,80 167,30 -0,30 170/167 168/94,18 14 10327 8,70
Wincor Nixdorf 1,70 55,40 55,80 -0,72 56,23/55,35 62,98/43,31 15 3069 1,83
TecDax
02.05. 29.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
TecDax – 932,63 935,10 -0,26 940/931 949/691 – 108231 –
Adva – 5,46 5,25 +3,92 5,49/5,22 7,76/3,70 18 2673 0,26
Aixtron 0,15 28,74 28,80 -0,21 29,16/28,61 33,48/19,12 14 21166 2,91
BB Biotech 3,20 CHF 50,83 50,80 +0,06 50,92/50,25 50,93/39,90 21 1295 0,93
Bechtle 0,60 31,95 32,15 -0,62 32,30/31,44 31,77/20,51 13 470 0,67
Carl Zeiss Med. 0,22+0,33 14,77 14,69 +0,51 14,95/14,50 15,05/10,97 19 887 1,20
Centrotherm – 40,00 40,88 -2,14 41,60/40,00 42,52/23,95 16 4383 0,85
Dialog Semicon. – 14,06 14,09 -0,21 14,34/13,98 19,57/7,71 14 11348 0,91
Drägerwerk Vz 0,40 72,50 70,70 +2,55 72,67/70,17 70,76/43,50 13 2904 0,46
Drillisch 0,30 7,75 7,63 +1,57 7,75/7,62 7,50/4,30 13 1744 0,41
Evotec – 3,04 3,05 -0,43 3,09/3,04 3,40/1,83 304 408 0,35
Freenet 0,20 8,61 8,60 +0,08 8,70/8,60 9,11/7,25 10 2674 1,10
Gigaset – 4,08 4,16 -1,81 4,20/4,02 4,63/1,02 6 1344 0,16
Jenoptik – 5,44 5,54 -1,91 5,55/5,42 6,09/3,85 14 748 0,31
Kontron 0,20 8,20 8,32 -1,48 8,39/8,16 9,38/5,35 13 819 0,46
Morphosys – 19,87 19,85 +0,08 20,51/19,76 21,68/13,56 47 2447 0,45
Nordex – 6,61 6,79 -2,61 6,92/6,56 9,37/4,41 20 3484 0,44
Pfeiffer Vac 2,45 95,00 93,50 +1,60 95,74/94,05 99,50/52,77 15 4083 0,94
Phoenix Solar 0,20 21,45 21,83 -1,72 21,92/20,51 35,53/19,25 6 2621 0,16
Q-Cells – 2,79 2,88 -2,96 2,90/2,76 5,66/1,99 13 4186 0,42
Qiagen – 14,50 14,45 +0,35 14,61/14,43 17,64/12,20 15 5140 3,38
QSC – 2,53 2,58 -1,78 2,56/2,47 3,65/1,30 13 1444 0,35
Roth & Rau – 23,15 23,16 -0,04 23,39/22,88 26,55/10,74 23 2928 0,35
Singulus Techn. – 4,73 4,74 -0,11 4,84/4,73 6,45/3,27 68 308 0,19
SMA Solar Techn. 1,30 79,80 80,49 -0,86 80,98/79,00 99,60/63,20 10 3775 2,77
Software AG 1,15 127,60 127,75 -0,12 129/127 127/75,73 18 6547 3,66
Solarworld 0,16 10,55 10,84 -2,63 10,97/10,37 11,95/7,00 16 8579 1,18
Stratec Bio. 0,50 30,50 30,40 +0,33 30,59/29,70 33,60/25,80 19 691 0,35
Süss MicroTec – 11,39 11,73 -2,90 11,80/11,24 13,57/3,74 15 1580 0,21
United Internet 0,2+0,2 13,32 13,23 +0,68 13,39/13,19 13,32/8,63 15 3950 3,00
Wirecard 0,09 12,70 12,89 -1,47 13,20/12,63 12,92/6,90 19 3607 1,29
SDax
02.05. 29.04. Tages- Tages- 52-Wochen KGV Gesamt- Markt-
Div. Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief 2011 Umsatz Wert
SDax – 5365,79 5348,19 +0,33 5369/5351 5354/3606 – 33250 –
Air Berlin – 2,99 3,02 -0,96 3,04/2,93 4,15/2,97 – 517 0,25
Alstria Office 0,50 10,54 10,70 -1,54 10,78/10,42 11,18/6,92 18 425 0,65
Amadeus Fire 1,45 32,20 32,82 -1,89 33,00/31,75 36,25/18,61 14 407 0,17
Balda – 9,05 9,00 +0,51 9,16/9,00 9,08/2,06 2 1045 0,49
Bauer 0,60 36,48 36,34 +0,40 36,66/36,20 38,49/27,38 12 325 0,62
Bertrandt 1,20 49,80 49,43 +0,75 49,89/48,93 59,40/25,30 12 1021 0,51
Biotest Vz. 0,40 44,50 45,37 -1,92 45,50/44,50 48,01/26,90 17 289 0,23
Catoil 0,30 8,20 8,30 -1,19 8,29/8,20 8,42/5,81 17 250 0,40
Centrotec – 22,66 23,66 -4,23 23,66/22,13 24,25/11,59 13 1834 0,38
CeWe Color 1,05 33,40 32,79 +1,88 33,42/33,10 35,65/23,50 12 228 0,25
Colonia Real Est. – 5,15 5,19 -0,83 5,28/5,15 5,95/3,81 13 101 0,16
Comdirect 0,41 8,57 8,39 +2,22 8,65/8,35 8,39/6,44 15 1510 1,21
Constantin Med. – 2,07 2,07 - 2,07/2,01 2,40/1,51 26 185 0,18
CTS Eventim 0,83 50,48 50,60 -0,24 50,89/50,40 50,80/34,54 22 184 1,21
Delticom 1,70 75,31 73,40 +2,60 75,59/73,76 72,00/36,00 28 1072 0,89
Deutz – 6,07 6,18 -1,81 6,22/6,02 6,60/4,03 16 3379 0,73
DIC Asset 0,30 9,16 9,10 +0,68 9,24/9,06 10,88/5,30 19 797 0,36
Dt. Beteilig. 0,4+1,0 19,99 19,83 +0,81 20,00/19,80 23,40/15,43 8 217 0,27
Dürr – 27,69 26,31 +5,27 27,80/26,50 26,99/16,10 19 1819 0,48
Elexis 0,17 17,10 17,08 +0,15 17,20/17,00 17,25/9,00 14 943 0,16
Gerry Weber 0,85 44,20 44,00 +0,45 44,62/43,80 44,60/23,54 16 1338 1,01
Gesco Ind. 1,30 57,40 57,41 -0,02 57,60/57,21 61,90/38,00 13 101 0,17
GfK SE 0,30 38,67 38,30 +0,97 38,67/38,12 40,80/26,00 13 171 1,39
Grammer – 19,10 18,90 +1,06 19,36/18,87 20,50/8,22 10 1990 0,20
Grenkeleasing 0,60 40,65 40,39 +0,64 40,83/40,55 42,80/29,01 16 26 0,56
H&R Wasag 0,45 21,15 21,15 - 21,40/21,05 22,78/14,75 14 349 0,63
Hamborner Reit 0,36 7,49 7,49 - 7,56/7,49 8,15/7,03 37 157 0,26
Hawesko 1,35 35,90 34,90 +2,87 35,90/35,45 35,75/25,25 19 137 0,32
Highlight 0,17 CHF 4,69 4,84 -3,18 4,78/4,69 5,10/3,65 6 39 0,22
Homag – 16,85 16,35 +3,06 17,20/16,45 18,20/11,05 16 579 0,26
Hornbach Hld. 1,34 101,70 103,00 -1,26 103/101 111/62,52 11 23 0,41
Indus Hld. 0,50 22,52 22,35 +0,76 22,73/22,35 24,39/13,90 9 1376 0,46
Jungheinrich Vz 0,12 31,65 31,02 +2,03 31,75/30,90 31,01/15,74 13 1211 0,51
Koenig & Bauer – 16,35 16,38 -0,18 16,60/16,31 19,30/12,21 10 55 0,27
KUKA – 18,53 18,44 +0,46 18,57/18,19 18,30/10,17 20 1253 0,63
KWS Saat 1,90 159,50 154,20 +3,44 163/152 156/115 18 2901 1,05
Medion 0,20 9,88 9,75 +1,30 9,88/9,71 13,82/8,75 16 122 0,48
MLP 0,25 6,66 6,70 -0,60 6,70/6,65 8,20/6,21 16 168 0,72
MVV Energie 0,90 27,28 27,33 -0,16 27,39/27,28 31,42/24,19 17 194 1,80
Patrizia Immo. – 5,10 5,03 +1,39 5,10/4,80 5,90/2,62 26 488 0,27
SAF Holland – 8,18 8,17 +0,06 8,40/8,05 9,21/4,69 8 306 0,17
Sixt 0,20 34,50 33,98 +1,53 34,75/33,94 38,89/18,30 11 580 0,57
SKW Stahl – 19,37 19,34 +0,16 19,40/19,23 21,00/14,62 12 147 0,13
Ströer – 22,33 22,00 +1,48 22,58/22,21 27,35/18,91 23 410 0,94
TAG Immob. – 7,15 7,18 -0,46 7,20/7,12 7,10/4,15 14 678 0,42
Takkt 0,32 11,64 11,62 +0,17 11,74/11,50 11,80/7,40 14 31 0,76
Tipp24 – 32,55 32,42 +0,42 34,09/32,50 32,65/20,00 10 849 0,26
Tom Tailor – 13,07 13,25 -1,40 13,30/13,07 16,99/10,38 12 463 0,22
VTG 0,30 17,47 17,24 +1,36 17,47/17,11 17,40/11,44 14 110 0,37
Wacker Neuson – 12,69 12,95 -2,01 13,00/12,67 13,49/9,15 18 453 0,89
Wechselkurse
1 € = Sorten* Devisen
02.05. Währ. Verk. Ank. Geld Brief
Australien AUD 1,2808 1,4365 1,3553 1,3566
Brasilien BRL 1,9259 2,7091 2,3393 2,3473
China CNY 7,7273 11,544 9,6495 9,6695
Dänemark DKK 7,0312 7,8830 7,4572 7,4583
Großbritann. GBP 0,8518 0,9391 0,8907 0,8910
Hongkong HKD 10,350 12,710 11,550 11,554
Japan JPY 115,13 127,85 120,77 120,79
Kanada CAD 1,3426 1,4908 1,4117 1,4127
Neuseeland NZD 1,6575 2,0154 1,8387 1,8402
Norwegen NOK 7,4028 8,2178 7,7660 7,7720
Polen PLN 3,6578 4,2790 3,9234 3,9261
Russland RUB 36,433 46,583 40,788 40,795
Schweden SEK 8,4468 9,4356 8,9130 8,9190
Schweiz CHF 1,2325 1,3563 1,2851 1,2855
Singapur SGD 1,6727 1,9574 1,8177 1,8189
Südafrika ZAR 8,3550 11,191 9,7830 9,7894
Tschechien CZK 21,422 26,790 24,128 24,158
Türkei TRY 2,1117 2,4362 2,2608 2,2618
Ungarn HUF 230,59 305,65 264,00 264,30
USA USD 1,4210 1,5675 1,4875 1,4876
Euroreferenzpreis öffentl. Banken 1,4844 Dollar je Euro
Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W
02.05. 29.04. Hoch / Tief Div.
118000 1,43 1,51 5,06/1,80 – –
3U Holding 0,71 0,71 0,87/0,60 – –
4SC 3,75 3,83 4,82/2,61 – –
A
A-Power Energy 2,63 2,75 8,00/2,72 – –
A-Tec Ind. 1,87 1,91 10,15/1,80 1,93 –
A.S. Creation 30,00 30,70 34,00/26,75 – 1,20
AAP Impl. 1,14 1,10 1,65/0,94 – –
Acciona 78,80 78,39 80,01/49,74 77,70 3,01
Accor 30,21 30,00 43,72/22,60 30,14 0,62
AD Pepper 1,90 1,89 2,15/1,42 – –
Adecco 48,03 47,98 51,33/35,26 61,35 1,10 CHF
ADV Vision Tech 4,20 4,20 4,50/2,70 – –
Aegon 5,39 5,39 5,70/4,05 5,39 –
Aeroflot 164,25 166,54 205/140 – – USD
Ageas 2,02 2,05 2,53/1,69 2,03 0,06
Agennix 3,46 3,55 4,92/2,48 – –
Agfa Gevaert 3,18 3,03 5,89/2,77 3,14 –
Ahlers 10,42 10,26 11,30/6,85 – 0,30
Ahlers Vz 10,81 10,65 10,80/6,82 – 0,35
Ahold 9,57 9,43 10,75/9,05 9,54 0,29
Air France KLM 12,03 11,85 15,08/8,86 11,89 –
AIRE 9,60 9,60 9,50/6,75 – –
Akamai 23,18 23,53 40,82/23,98 34,41 – USD
Aker Solutions 16,35 16,14 16,45/8,41 125,0 2,75 NOK
Akzo Nobel 52,82 52,23 53,20/39,63 52,71 1,40
Alcatel Lucent 4,42 4,39 4,38/1,92 4,43 –
Aleo Solar 23,96 23,92 26,00/9,80 – –
All for One Mid 7,80 7,80 10,34/3,86 – 0,30
Alphaform 2,17 2,04 2,35/1,21 – –
AMD 6,11 6,14 7,64/4,48 9,09 – USD
Analytik Jena 10,22 10,03 10,77/7,70 – 0,15
Andritz 71,10 69,10 69,90/40,93 71,15 1,70
Anglo Platinum 67,37 67,23 87,54/64,68 6.67t – ZAR
Anglogold Ash. 34,62 33,34 37,77/30,17 3.32t 1,30 ZAR
Antena 3 6,23 6,30 7,80/4,29 6,23 0,45
Archer Daniels 25,20 24,42 27,51/19,69 37,03 0,64 USD
Ariba 23,49 23,22 24,59/10,14 34,38 – USD
Artnet 7,50 7,23 7,73/4,53 – –
Asian Bamboo 33,97 33,90 42,33/26,90 – 0,30
ASML 28,24 28,14 32,81/19,08 27,95 0,40
AT & S 14,50 14,60 18,19/8,77 14,62 0,10
Atlantia 16,45 16,21 16,95/13,64 16,62 0,73
Atoss Softw. 17,30 17,53 17,85/13,27 – 0,50
Augusta konv. 19,83 19,80 20,02/10,00 – 0,30
B
Baader Bank 2,95 2,95 3,67/2,80 – 0,13
Ballard Power 1,40 1,41 1,84/1,05 1,98 – CAD
Baloise Hold. 74,46 74,55 79,31/55,00 95,30 4,50 CHF
Bank of East Asia 2,73 2,72 3,46/2,66 32,10 0,94 HKD
Barrick Gold 33,85 34,29 41,18/30,79 47,61 0,46 CAD
Basler 14,62 15,03 14,90/6,42 – –
BayWa Na 32,20 32,08 34,43/26,30 – 0,40
BDI BioEnergy 15,79 16,28 23,30/15,50 – –
Beate Uhse 0,34 0,33 0,62/0,30 – –
Berkshire Hath. B 55,74 56,26 66,03/55,80 82,01 – USD
Beta Systems 2,77 2,79 3,50/2,54 – –
Biolitec 3,50 3,53 4,45/3,21 – 0,10
Biotest 47,05 47,02 51,23/30,00 – 0,34
Blackstone 13,00 13,06 13,49/7,26 18,75 0,40 USD
BMP konv. 1,15 1,15 1,20/0,69 – –
BMW Vz 42,35 41,95 41,95/25,00 – 0,32
BOCHK 2,11 2,12 2,76/1,55 24,40 0,97 HKD
Bombardier b 5,00 5,00 5,22/3,23 7,09 0,10 CAD
Boss 63,48 63,20 61,83/24,30 – 0,96
Bouygues 33,94 33,40 37,63/30,72 33,92 1,60
Bridgestone 15,07 15,00 15,50/12,33 1.81t 20,00JPY
Broadcom 23,66 23,29 35,54/23,65 35,43 0,36 USD
Brüd.Mannesm. 2,04 2,04 2,15/0,99 – –
BT Group 2,20 2,12 2,32/1,25 196,0 7,00 GBp
Business China 2,50 3,00 4,89/1,10 – –
Bwin Party Dig. 1,75 1,72 3,80/1,45 1,71 –
BYD Co. 2,50 2,43 7,03/2,51 28,10 0,00 HKD
C
C-Quadrat Invest 28,50 28,25 33,39/11,85 – 2,21
Cameco 20,17 19,89 32,91/16,50 28,72 0,40 CAD
Cancom IT 10,00 10,18 11,44/5,26 – 0,15
Canon 32,40 31,88 39,51/29,20 4.53t 120,0JPY
Cap Gemini 41,29 40,84 42,83/32,40 41,10 1,00
Cathay Pacific 1,71 1,65 2,35/1,49 19,38 1,11 HKD
Cenit Syst. 5,45 5,35 6,02/4,43 – 0,30
Centrosolar 5,29 5,23 6,25/3,74 – –
Ceotronics 1,84 1,77 2,48/1,60 – 0,10
CEZ 38,83 38,90 38,76/29,70 – 53,00
Chalco 0,63 0,62 0,77/0,58 – 0,01
Check Point 37,14 37,36 37,56/23,07 55,04 – USD
Cheung Kong 10,80 10,50 13,06/8,90 122,0 2,95 HKD
China Life 2,39 2,38 3,74/2,42 – 0,48 HKD
China Mobile 6,23 6,20 8,44/6,19 71,40 3,01 HKD
China Nat. Build. 1,46 1,38 2,93/1,05 – 0,22 HKD
China Petroleum 0,67 0,68 0,82/0,58 – 0,25 HKD
China Precision 1,03 1,06 1,61/0,95 1,57 – USD
China Res. Enter. 2,67 2,68 3,44/2,45 31,30 0,87 HKD
China Unicom 13,61 13,45 14,32/8,63 15,80 – HKD
Clariant 14,31 13,93 15,27/8,65 18,38 – CHF
CNOOC 1,68 1,64 1,93/1,20 19,16 0,46 HKD
Colexon Energy 1,09 1,13 2,98/1,04 – –
Comarch Softw. 1,37 1,40 2,85/1,32 – –
CompuGroup – 11,22 12,80/7,73 – 0,25
Conergy 0,38 0,40 0,90/0,30 – –
Cor & FJA 1,97 1,94 2,23/1,65 – 0,10
Corning 13,98 14,04 17,01/12,44 20,81 0,20 USD
Crocs 13,59 13,60 14,85/7,32 20,32 – USD
Cropenergies 5,34 5,41 6,59/3,15 – 0,05
Curanum 2,30 2,30 2,52/1,96 – –
D
DAB Bank 4,42 4,43 4,95/4,01 – 0,30
Danaher Corp. 37,43 37,43 38,21/28,25 55,19 0,16 USD
Data Modul 14,38 14,25 15,77/8,75 – –
Deag 3,59 3,26 3,52/1,51 – –
Deere 65,98 65,33 71,07/43,21 97,72 1,40 USD
Derby Cycle 15,33 15,26 15,59/11,25 – –
Deufol 1,60 1,56 1,78/1,16 – –
Devon Energy 61,78 59,67 66,02/46,41 90,30 0,68 USD
DF Dt. Forfait 5,50 5,40 6,46/4,85 – 0,26
Dr. Hönle 10,72 10,70 11,00/5,85 – 0,30
Drägerwerk 58,50 57,80 56,45/40,40 – 0,34
Dt. Postbank 21,85 21,61 27,30/19,92 – –
Dyckerhoff 37,18 37,00 43,70/35,50 – 1,00
Dyckerhoff Vz. 37,50 37,50 43,34/34,52 – 1,00
E
Eckert & Ziegler 29,95 29,15 30,72/18,75 – 0,45
Ecotel Comm. 5,14 5,10 5,63/3,01 – –
EDF 28,60 28,51 40,82/26,39 28,62 1,19
Einhell Germany 41,29 40,80 43,25/28,91 – 0,60
Electronics Line 1,08 1,07 1,30/0,45 – –
Eli Lilly 25,16 25,18 28,62/24,29 37,47 1,96 USD
Elmos Semicon. 11,01 10,82 12,04/5,45 – –
Endesa 23,88 23,38 23,34/16,80 23,93 1,03
Envitec Biogas 10,50 10,40 12,28/9,99 – –
Epigenomics 1,65 1,63 2,63/1,54 – –
Erste Bank 34,40 34,11 39,30/24,95 34,61 0,65
Essanelle Hair – 8,67 8,99/8,00 – 0,50
Estavis 1,92 1,95 2,23/1,73 – –
Euromicron 20,32 20,70 23,48/16,56 – 1,00
Evergreen Solar 0,90 1,08 5,22/0,88 1,36 – USD
F
Fabasoft – 3,35 4,98/2,90 – 0,21
Fair Val. Reit 4,50 4,58 4,92/3,69 – –
Fiat 7,50 7,20 8,10/4,00 7,49 0,09
Fiat Industr. 9,93 9,83 10,61/2,27 – –
Forsys Metals 1,23 1,20 2,75/1,09 1,72 – CAD
Fortec Elektr. 9,40 9,25 9,70/5,75 – 0,30
Fortum 23,80 22,94 24,16/17,49 23,97 1,00
Francotyp-Post. 3,61 3,78 3,80/2,10 – –
Freeport-McM. 36,93 36,75 47,14/23,16 55,44 1,00 USD
Fres.Med.C.Vz 45,00 44,50 43,00/31,80 – 0,63
Fuchs Petrol. 100,64 97,90 99,99/63,80 – 1,64
Fujitsu 3,75 3,74 5,73/3,62 729,0 10,00JPY
Funkwerk 6,71 6,75 8,95/5,99 – –
G
Gamesa 6,27 6,34 9,34/4,50 6,20 –
Gas Natural 14,07 13,88 13,96/10,23 14,00 0,79
Gazprom ADR 11,51 11,50 12,10/7,42 52,65 0,31 USD
Gen. Dynamics 49,30 47,99 58,70/44,09 73,95 1,88 USD
General Motors 21,65 21,79 30,07/20,43 32,11 – USD
Geratherm 7,88 7,81 9,20/6,88 – 0,40
Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W
02.05. 29.04. Hoch / Tief Div.
GFT Techn. 4,57 4,43 4,91/2,86 – 0,15
Givaudan 747,75 746,95 813/611 964,0 21,50CHF
GK Software – 46,00 58,00/39,80 – 1,00
Gold Fields 12,01 12,04 13,72/9,68 1.17t – ZAR
Goodyear 11,92 12,29 11,41/7,19 17,68 – USD
Graphitw.Krpfm. 23,50 23,50 24,98/12,32 – –
GSW Immobilien 21,77 21,72 21,70/20,92 – –
GWB Immobilien 1,24 1,24 1,72/1,12 – –
H
Hang Lung 2,94 2,95 3,84/2,63 34,60 0,71 HKD
Harley Davidson 25,13 25,01 32,10/17,17 37,74 0,40 USD
Harmony Gold 10,29 10,15 10,93/7,07 9.91t 0,50 ZAR
HCI Capital 1,98 1,96 3,50/1,26 – –
Headwaters 3,66 3,64 4,59/2,14 5,28 – USD
Heineken 40,61 40,25 41,00/33,10 40,71 0,76
Heinz 34,88 34,60 38,12/33,71 51,36 1,80 USD
Heliad 2,82 3,03 4,31/2,77 – –
Helikos 9,59 9,59 9,85/9,25 – –
Henkel 38,24 38,33 40,39/30,60 – 0,70
Heritage Oil 2,81 2,80 5,83/2,75 4,75 – CAD
Höft & Wessel 4,10 3,88 4,29/3,36 – 0,08
Holcim 58,74 58,32 59,54/44,27 75,85 1,50 CHF
Honda Motor 26,65 26,00 32,56/22,61 3.31t 60,00JPY
Hongkong Ex. 15,26 15,25 18,63/11,89 177,0 4,20 HKD
Hornb.-Baum. 49,50 49,50 51,95/5,00 – 1,00
Hutchison 7,80 7,70 9,28/4,70 88,70 1,92 HKD
Hypoport 11,29 11,12 12,00/5,90 – –
Hyundai GDR 24,80 24,75 24,27/14,68 2.54t 1.50t KRW
I
IBS 4,25 4,25 4,73/3,05 – 0,10
ICBC 0,57 0,58 0,63/0,53 4,56 0,08 CNY
ICICI Bank 33,06 32,95 41,18/28,01 1.09t 12,00INR
Identive 2,30 2,32 3,92/1,13 3,38 – USD
IFCO Systems 13,60 13,60 14,20/10,00 – 0,00
IFM Immobilien 9,74 9,85 10,55/7,39 – –
Impala Platinum 21,09 21,01 26,83/17,90 2.05t 3,20 ZAR
Inditex 60,55 60,64 63,55/42,63 60,21 1,60
Infosys ADR 44,10 43,50 59,41/43,20 2.92t 30,00INR
Init Innovation 18,07 18,16 18,40/12,84 – 0,30
Integralis 7,67 7,80 8,92/6,97 – –
Intercell 6,13 6,18 20,56/6,00 6,12 –
Interhyp 69,99 69,60 80,01/51,00 – –
Intershop konv. 2,20 2,20 2,24/1,57 – –
Intica 5,05 5,06 5,24/3,80 – –
Invision Softw. 16,85 18,00 23,86/4,47 – –
Isra Vision 17,01 17,20 19,89/11,90 – 0,20
Itelligence 7,45 7,19 7,34/5,19 – 0,10
ITN Nanovation 4,55 4,25 7,60/3,40 – –
IVU Traffic Tech. 1,70 1,67 1,73/1,20 – –
J
Jaxx 1,38 1,38 2,22/1,32 – –
JDS Uniphase 14,19 13,92 20,90/7,21 20,98 – USD
Jetter 8,27 8,01 8,68/5,13 – –
JK Wohnbau 8,05 7,90 8,90/7,59 – –
Joyou 13,47 13,47 16,42/8,94 – –
Jubii Europe 0,08 0,08 0,08/0,07 – –
Jul. Baer 31,29 30,96 35,46/22,38 39,87 0,60 CHF
Juniper Netw. 25,54 25,61 32,71/17,92 37,97 – USD
K
Komatsu 24,35 23,90 24,70/14,00 2.92t 42,00JPY
KPN 10,81 10,80 12,26/10,13 10,77 0,80
Kromi Logistik 8,50 8,55 9,50/7,40 – 0,15
Kyocera 74,00 72,79 79,62/61,00 8.50t 130,0JPY
L
Lafarge 48,04 48,09 55,05/36,18 47,44 1,00
LDK Solar 7,90 7,90 10,66/4,21 11,37 – USD
Leifheit 25,90 25,50 25,84/14,86 – 0,60
Lloyd Fonds 2,01 2,04 3,75/1,61 – –
Lloyds Bank 0,67 0,68 0,94/0,60 59,25 – GBp
Loewe 6,10 6,34 9,75/5,72 – 0,25
Logitech 9,23 9,36 15,94/9,30 11,82 – CHF
Logwin 1,35 1,36 1,54/0,95 – –
Lonza Group 57,71 57,11 70,10/49,61 74,60 2,15 CHF
Lowe’s Corp. 17,78 17,83 21,34/14,95 26,48 0,44 USD
LPKF Las.&El. 14,44 14,47 14,75/6,50 – 0,20
Ludwig Beck 20,70 20,50 20,50/12,98 – 0,35
Lukoil ADR 46,86 46,88 53,72/36,44 69,70 0,46 USD
M
Magix 6,07 6,25 9,72/4,27 – 0,88
Man Group 2,80 2,79 3,81/2,42 250,0 21,09GBp
MAN Vz 68,80 69,78 69,92/40,82 – 0,25
Manz Autom. 46,70 47,47 57,96/43,10 – –
Marseille-Kl. 2,65 2,68 4,92/2,31 – –
Mastercard 184,69 183,34 194/150 278,0 0,60 USD
Masterflex 6,08 5,77 5,60/2,95 – –
Mattel 17,88 18,00 20,10/15,75 26,74 0,92 USD
MBB Industries 6,05 6,13 8,15/5,66 – 0,25
Mediaset 4,51 4,50 6,09/4,27 4,53 0,35
MediClin 4,21 4,21 4,45/3,36 – 0,05
Medigene 2,02 1,96 3,12/1,67 – –
Mediobanca 7,71 7,71 8,03/5,71 7,70 0,17
MetLife 31,08 30,76 35,61/27,66 46,46 0,74 USD
Metro Vz 32,31 31,60 39,24/29,70 – 1,30
Metso Corp 41,63 40,46 43,05/23,70 – 1,55
Mevis Med. Sol. – 8,69 20,79/7,97 – –
Michelin 66,89 67,45 66,89/50,50 67,01 1,78
Mitsubishi Fin. 3,30 3,12 4,30/3,10 1.02t 12,00JPY
Mobile Teles 14,21 14,36 41,78/13,25 256,0 15,40RUR
Mobotix 55,50 55,75 59,40/26,15 – 1,00
Moduslink 3,52 3,44 6,71/3,50 5,24 – USD
Mol Magyar 93,66 91,58 96,59/60,66 2.48t – HUF
Mologen 8,58 8,88 9,90/7,57 – –
Monsanto 46,00 45,50 56,73/34,70 67,87 1,12 USD
Mood and M. 1,00 0,99 1,50/0,70 – –
Moody’s 26,30 25,95 25,97/15,57 39,23 0,56 USD
Mosenergo ADR 6,55 6,64 9,05/6,80 9,73 0,41 USD
Motorola Sol. 30,55 30,71 31,50/20,48 46,02 – USD
MPC Capital 4,19 4,33 6,46/3,00 – –
Mühlbauer 41,95 40,55 48,80/20,03 – 1,00
MWB Fairtrade 1,86 1,87 2,58/1,70 – –
N
Nemetschek 32,25 31,52 33,88/21,12 – 0,50
Newcrest Mining 30,00 30,78 31,77/20,10 41,16 0,21 AUD
Newmont Mining 38,97 39,90 50,55/35,86 57,99 0,80 USD
Nexus 7,11 6,82 7,00/2,83 – –
Nike 56,15 55,40 69,50/52,10 83,12 1,24 USD
Nikon 14,00 13,76 18,15/12,64 2.76t 19,00JPY
Nintendo 166,05 162,00 258/159 4.86t 460,0JPY
Nippon Steel 2,13 2,11 2,92/2,09 623,0 3,00 JPY
Nobel Biocare 14,79 15,19 16,83/11,53 18,95 0,35 CHF
Nomura Holding 3,41 3,42 5,31/3,40 1.60t 8,00 JPY
Nordea 7,75 7,77 8,93/6,19 6,94 – SEK
Norilsk.N ADR 18,72 18,65 19,70/11,20 27,90 0,68 USD
Norma Group 20,46 20,39 20,77/19,99 – –
Norsk Hydro 5,96 5,96 6,19/3,64 46,51 0,75 NOK
Novatek GDR 94,87 94,87 99,93/51,50 – 1,37 USD
Novavisions 0,17 0,14 0,20/0,12 – –
November 0,56 0,62 0,95/0,59 – –
Novo Nordisk 86,93 85,55 92,76/59,50 652,0 10,00DKK
NYSE Euronext 26,71 26,61 29,10/20,40 40,44 1,20 USD
O
OHB Technology 12,88 12,84 17,14/11,49 – 0,25
OMV 31,26 30,85 34,75/24,15 31,20 1,00
Orad HiTec 2,40 2,40 3,11/2,12 – 0,06
Orco Germany 0,79 0,83 0,99/0,26 – –
Orkla 6,68 6,80 7,58/5,04 52,80 2,50 NOK
OTP Bank 23,92 24,00 27,16/15,73 6.33t – HUF
OVB Holding 18,65 18,65 27,37/18,65 – 0,50
P
P & I 27,55 27,02 30,80/18,80 – 1,00
Paion 2,12 2,05 2,84/1,82 – –
Paragon 9,05 9,23 13,70/2,91 – –
Parmalat 2,55 2,55 2,58/1,81 2,56 0,04
Paychex 22,00 22,13 24,97/19,15 32,77 1,24 USD
Pernod-Ricard 68,41 68,00 72,38/58,60 68,35 1,34
Petrobras 22,80 22,30 28,53/20,80 33,52 1,31 USD
Petrochina 0,98 0,98 1,10/0,82 11,16 0,41 HKD
Petrotec 1,13 1,15 3,70/1,06 – –
Peugeot 30,89 30,40 33,04/18,00 30,85 1,10
Pfleiderer 0,72 0,71 5,38/0,71 – –
Pirelli 6,90 6,93 6,97/4,31 – –
Schluss Börse Frankfurt 52-Wochen Heimatbörse W
02.05. 29.04. Hoch / Tief Div.
PNE Wind 2,18 2,20 2,61/1,40 – –
Polis Immob. 10,18 10,28 10,60/7,58 – –
Polyus Z. ADR 24,05 24,00 28,88/17,35 36,85 0,34 USD
Porsche Vz 49,01 49,06 75,25/31,91 – 0,10
Portugal Telecom 8,43 8,30 10,74/6,78 8,40 0,58
Posco ADR 75,40 73,10 87,00/70,74 4.74t 1.00t KRW
Potash Sask. 38,00 37,47 47,09/22,51 56,78 0,28 USD
Powerland 14,34 14,26 15,09/14,25 – –
PPR 121,62 120,50 128/90,53 121,0 3,50
Priceline.com 374,66 370,97 369/140 555,0 – USD
Princess Private 6,39 6,39 6,58/4,39 – –
Procon Multim. 1,72 1,72 1,80/1,12 – –
Progress 46,90 46,00 45,00/25,01 – –
PSI 20,25 20,33 20,79/11,05 – 0,23
Pulsion 4,93 4,91 5,03/2,90 – –
PVA Tepla 4,56 4,67 5,29/3,62 – 0,20
R
R.Stahl 32,00 31,08 32,00/17,69 – 0,90
Raiffeisen Int. 37,48 37,44 44,89/29,35 37,61 1,05
Rambus 13,40 13,52 20,65/13,29 19,52 – USD
Randstad 38,25 38,19 43,04/27,96 37,63 1,18
Realtech 8,08 7,91 11,39/6,54 – 0,50
Reckitt Benckiser 38,39 37,97 43,51/34,81 3.32t 115,0GBp
Red Hat 31,47 31,74 36,83/22,05 47,00 – USD
Reed Elsevier 8,80 8,73 10,27/8,06 8,96 0,41
Reliance GDR 29,25 29,70 38,13/28,45 965,0 8,00 INR
Renault 41,30 41,02 49,43/26,84 41,19 0,30
Renewable Energy 2,44 2,34 2,91/1,85 18,34 – NOK
Repower Syst. 140,00 142,55 157/98,30 – –
RHI 24,13 24,03 29,86/18,14 24,34 0,50
RIB Software 7,23 7,55 9,05/7,31 – –
Richemont 43,32 43,15 45,41/25,02 56,05 0,35 CHF
Richter Gedeon 141,27 139,76 178/130 3.77t 860,0HUF
Roche Inh. 120,73 119,53 125/102 155,0 0,70 CHF
Rofin Sinar 28,93 29,25 29,60/15,41 – –
Rosneft ADR 5,97 6,06 6,94/4,64 – 0,10 USD
Rostelecom ADR 23,60 24,70 27,00/15,00 35,50 0,50 USD
Royal Bank Scot. 0,47 0,47 0,64/0,46 41,47 – GBp
Rücker 15,35 15,15 15,00/6,45 – 0,30
RWE Vz 41,34 41,27 58,05/40,30 – 3,50
S
SAF Simulation 17,01 17,00 18,30/11,57 – –
Saipem 38,64 38,41 38,63/23,30 38,46 0,63
Samsung El. 289,80 283,11 330/235 – 1.00t KRW
Samsung El. Vz 197,86 193,00 228/159 – 1.00t KRW
Sandvik 14,30 14,28 15,19/8,52 126,0 3,00 SEK
Sartorius 32,93 32,66 32,69/16,40 – 0,60
Sartorius Vz 35,85 34,30 34,71/16,75 – 0,62
Sasol 39,11 38,17 42,06/27,50 3.79t – ZAR
Satyam ADR 2,22 2,24 4,74/1,80 75,00 – INR
Sberbank GDR 273,99 269,25 340/182 – 3,24 USD
SBM Offshore 20,02 19,68 20,78/11,67 19,89 0,51
Scania 17,15 16,78 17,60/10,58 153,0 – SEK
Schaltbau 72,50 73,70 72,90/40,12 – 0,70
SEB 6,31 6,40 6,76/3,88 57,45 1,50 SEK
Secunet 10,40 10,50 12,41/9,15 – –
Securitas 8,45 8,48 8,97/6,85 74,90 3,00 SEK
Sedo Holding 3,40 3,50 4,50/2,60 – –
Severstal GDR 12,17 12,21 14,95/7,58 – 0,14 USD
SFC 4,94 4,86 6,05/4,08 – –
Sharp 6,14 6,15 10,65/5,75 2.02t 14,00JPY
SHS Viveon 14,31 15,47 14,90/7,20 – –
Silicon Sensor 9,80 9,70 11,04/6,24 – –
SinnerSchrader 2,48 2,50 2,68/1,83 – 0,08
Sixt Vz 27,48 27,20 27,12/13,99 – 0,22
Smartrac – 15,00 20,05/12,89 – 0,45
SMT Scharf 22,30 22,20 22,70/11,05 – 0,85
Softbank 27,53 28,00 29,91/16,71 – 5,00
Softing 4,81 4,40 4,83/2,15 – –
Solar Fabrik 3,90 4,46 6,40/3,10 – –
Solon 3,97 3,92 6,40/2,05 – –
Sony 19,64 19,27 28,24/19,22 4.71t 25,00JPY
South. Copper 25,25 25,07 37,31/21,00 37,06 1,94 USD
State Bk of India 89,50 92,50 112/74,35 2.69t 30,00INR
Statoil 19,70 19,64 20,65/14,73 153,0 6,25 NOK
STMicroelectron 8,00 8,00 9,63/5,23 7,85 0,29
Stryker 39,92 39,79 46,53/33,95 59,22 0,72 USD
Suez Env. 15,56 15,48 16,26/12,45 15,55 0,65
Sunpower 14,45 14,76 13,59/7,69 21,30 – USD
Suntech Power 5,92 6,20 10,47/5,30 8,86 – USD
Sunways 5,81 5,55 6,30/3,68 – –
Surgutn. ADR 7,17 7,04 9,11/6,34 10,55 0,15 USD
Surteco 28,50 28,70 31,89/16,24 – 0,40
Svenska Hdlsbk. 23,19 23,12 24,97/18,51 211,0 9,00 SEK
Swatch Group 331,61 328,78 339/200 424,0 5,00 CHF
Swiss Life 122,21 123,15 125/74,14 158,0 – CHF
Swiss Re 39,45 40,20 45,76/31,01 51,00 2,75 CHF
Swisscom 308,70 306,88 335/252 398,0 21,00CHF
Sygnis Pharma 2,25 2,30 3,00/1,86 – –
Synaxon 5,01 5,05 5,22/3,56 – 0,20
Syngenta 241,06 237,00 245/166 309,0 7,00 CHF
Synthes 116,16 114,22 116/82,60 150,0 1,80 CHF
Syskoplan 9,46 9,20 9,80/8,61 – 0,15
Systaic 0,12 0,15 1,55/0,11 – –
Syzygy 3,84 3,83 3,93/3,23 – 0,20
T
Takeda Pharma 32,25 32,81 37,84/31,50 6.31t 180,0JPY
Tata Motors ADR 18,35 18,44 27,90/12,39 1.22t 15,00INR
Tatneft GDR 30,25 30,64 33,84/18,72 45,44 1,27 USD
Technotrans 6,70 6,63 7,76/5,15 – –
Telegate 8,59 8,70 9,46/6,15 – 0,70
Telekom Austria 10,44 10,43 11,31/8,97 10,49 0,75
Telenor 11,64 11,54 12,44/9,11 90,80 3,80 NOK
Teleplan 1,92 1,89 2,51/1,73 – 0,06
Teles 0,57 0,58 0,76/0,51 – –
Teliasonera 5,58 5,52 6,28/4,55 49,74 2,75 SEK
Thomps.Creek 8,26 8,30 11,77/6,53 11,63 – CAD
Thomson Reuters 27,42 27,00 31,38/26,38 38,63 1,24 CAD
TNT 15,54 16,66 23,10/16,02 16,40 0,57
Tomorrow Foc. 4,80 4,84 4,86/2,90 – –
Tomra Systems 5,67 5,70 5,85/3,04 44,40 0,60 NOK
TomTom 6,02 6,01 7,95/4,10 6,11 –
Toshiba 3,64 3,58 4,95/2,88 761,0 5,00 JPY
Toyota Motor 27,15 27,10 34,66/25,08 5.78t 45,00JPY
Travel24.com 12,00 11,00 27,00/9,00 – –
U
UMS Internat. 8,60 8,32 8,26/5,70 – 0,30
Unipetrol 7,94 7,71 9,19/6,99 195,0 – CZK
United Labels 5,20 4,56 5,80/2,25 – –
UPM Kymmene 13,82 13,95 15,67/9,43 13,81 0,55
UPS 50,01 50,01 56,55/45,30 74,89 2,08 USD
Uranium One 2,79 2,78 4,98/1,60 4,00 – CAD
USU Soft.konv. 4,99 4,95 5,11/3,29 – 0,15
V
Vale 20,85 20,63 26,80/17,00 46,24 – BRL
Vallourec 84,10 83,49 84,46/67,50 84,01 1,30
VBH 4,94 4,90 5,06/3,88 – 0,05
Veolia Envir. 22,63 22,53 24,23/18,21 22,69 1,21
Verbio 4,20 4,22 4,90/2,52 – –
Versatel 6,80 6,80 7,80/3,78 – –
Vestas Wind 24,17 24,23 46,57/21,00 179,0 – DKK
Villeroy & Boch 6,94 6,41 6,25/3,75 – –
Visa 52,40 52,11 68,72/50,50 79,28 0,60 USD
Vita 34 4,93 4,90 5,50/4,25 – –
Vizrt 2,78 2,78 3,28/2,31 – –
VMware 63,65 64,80 74,00/44,34 93,79 – USD
Voestalpine 33,46 33,26 36,87/21,24 33,50 0,50
Volkswagen 121,48 120,30 119/65,10 – 1,60
Volvo B 13,26 12,97 13,29/7,33 118,0 2,50 SEK
VTB Bank GDR 4,33 4,28 5,66/3,42 – 0,04 USD
Vtion Wireless 4,21 4,20 11,48/3,20 – –
W
WashTec 11,69 11,70 11,70/7,50 – –
Westag & Get. 19,00 19,15 19,79/16,60 – 0,94
Westag & Get. Vz 18,65 19,06 19,75/16,60 – 1,00
Wienerberger 14,47 14,27 16,25/9,82 14,65 0,10
Wilex 4,64 4,01 7,36/3,02 – –
Wizcom techs 0,36 0,36 0,44/0,17 – –
X Y Z
Xing 46,50 50,00 49,87/26,15 – –
Xstrata 17,53 17,43 18,75/10,33 1.52t 15,56GBp
Yara 39,60 39,31 44,83/21,82 308,0 5,50 NOK
Yingli Green ADR 8,11 8,34 9,82/7,02 12,15 – USD
Yoc 33,69 33,53 41,45/29,30 – –
Zapf Creation 1,60 1,64 2,67/0,69 – –
Zhongde 8,76 8,95 16,25/6,56 – 0,15
Zooplus 98,34 98,23 104/34,50 – –
Stoxx 50 / Euro Stoxx 50 (ohne Dax-Werte)
17:58 Heimatboerse Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt
Div. W 02.05. 29.04. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 02.05. 29.04.
Euro Stoxx 50 – 3008,89 3011,25 -0,08 3068/2489 – – – –
Stoxx 50 – 2660,49 2661,37 -0,03 2769/2285 – – – –
ABB – CHF 23,56 23,88 -1,34 23,88/18,43 16 42,34 18,34 18,75
Air Liquide 2,25 100,00 99,88 +0,12 99,88/53,00 18 28,51 100,33 99,78
Alstom 1,24 44,23 44,90 -1,48 45,05/30,95 15 13,04 44,32 44,64
Anglo American – GBp 3,12t 3,12t - 3,43t/2,25t 8 46,91 35,50 35,17
Anh.-Busch Inb. 0,38 43,05 43,05 -0,01 45,85/36,01 14 68,97 42,97 42,91
Arcelor-Mittal 0,57 24,93 24,84 +0,34 29,57/21,33 13 38,70 24,79 24,80
Astrazeneca 44,90 GBp 2,99t 2,99t - 3,38t/2,77t 7 47,78 34,35 33,40
Axa 0,55 15,16 15,15 +0,07 16,11/11,06 8 35,24 15,19 15,12
Banco Bilbao (BBVA) 0,42 8,71 8,66 +0,62 10,79/6,92 8 38,96 8,68 8,66
Banco Santander 0,60 8,37 8,62 -2,90 10,43/7,30 8 70,45 8,35 8,60
Barclays 2,50 GBp 282,30 282,30 - 343,95/255,35 8 38,99 3,20 3,26
BG Group 12,35 GBp 1,53t 1,53t - 1,56t/984,00 19 59,14 17,46 17,59
BHP Billiton 57,00 GBp 2,52t 2,52t - 2,63t/1,68t 10 61,80 28,33 28,34
BNP Paribas 1,50 53,39 53,43 -0,07 58,97/41,48 7 64,06 53,44 53,41
BP 4,34 GBp 462,55 462,55 - 575,50/302,90 7 98,02 5,21 5,16
Brit.Amer. Tobacco 99,50 GBp 2,61t 2,61t - 2,63t/1,95t 14 59,06 29,58 29,55
Carrefour 1,08 31,99 32,01 -0,06 41,28/29,90 15 21,63 31,85 31,96
Credit Agricole 0,45 11,27 11,24 +0,22 12,72/4,15 6 27,21 11,33 11,30
Crédit Suisse 2,00 CHF 39,38 39,31 +0,18 50,65/37,04 8 36,36 30,65 30,57
CRH Plc 0,63 16,75 16,75 - 21,43/11,70 19 11,68 16,48 16,74
Danone 1,20 49,28 49,46 -0,36 49,46/39,96 16 32,01 49,40 49,44
Diageo 38,10 GBp 1,21t 1,21t - 1,25t/1,02t 15 34,88 13,93 13,62
Enel 0,25 4,82 4,81 +0,04 4,83/3,43 11 45,10 4,80 4,83
ENI 1,00 18,00 18,05 -0,28 18,42/14,61 8 72,26 18,04 18,06
Ericsson 2,00 SEK 92,05 91,75 +0,33 91,75/69,40 16 31,06 10,32 10,27
France Télécom 1,40 15,86 15,84 +0,16 17,36/14,15 9 41,94 15,84 15,87
GDF Suez 1,47 27,73 27,63 +0,38 29,94/22,80 14 62,60 27,82 27,68
Generali 0,35 16,16 16,18 -0,12 16,99/13,50 13 25,33 16,27 16,12
Glaxosmithkline 64,00 GBp 1,30t 1,30t - 1,31t/1,09t 11 75,82 14,62 14,76
Hennes&Mauritz 16,00 SEK 218,30 213,50 +2,25 480,50/199,90 20 35,58 24,36 24,00
HSBC Holding 0,34 GBp 655,40 655,40 - 730,90/596,20 11 131,10 7,40 7,34
Iberdrola 0,33 6,31 6,27 +0,59 6,47/4,63 12 34,59 6,31 6,27
ING – 9,00 8,90 +1,09 9,41/5,52 6 34,46 9,00 8,88
Intesa San Paolo 0,08 2,22 2,24 -0,89 2,68/1,89 12 26,47 2,23 2,24
L’Oreal 1,50 86,20 85,61 +0,69 89,50/72,24 20 51,71 86,30 85,50
LVMH 1,65 120,75 121,25 -0,41 128,00/81,24 20 59,45 121,16 121,36
Nestlé 1,60 CHF 54,10 53,70 +0,74 56,60/49,14 16 145,58 42,02 41,89
Nokia 0,40 6,30 6,22 +1,21 9,14/5,69 13 23,37 6,24 6,23
Novartis 2,10 CHF 51,30 51,35 -0,10 57,35/48,10 9 105,35 39,94 40,00
Philips 0,70 20,18 20,02 +0,80 26,72/20,02 11 19,91 20,20 20,07
Repsol 0,85 24,40 24,11 +1,18 24,79/15,54 12 29,59 24,24 24,07
Rio Tinto 28,84 GBp 4,36t 4,36t - 4,71t/2,81t 7 75,37 49,52 48,89
Roche Hold. Gen. 6,00 CHF 141,90 140,30 +1,14 167,10/125,30 10 77,44 110,23 109,07
Roy. Dutch Shell 1,20 26,09 26,08 +0,02 26,60/19,75 7 92,86 26,06 26,03
Saint Gobain 1,00 46,68 46,64 +0,09 47,16/28,49 14 24,81 46,74 46,69
Sanofi-Aventis 2,20 53,88 53,40 +0,90 53,40/40,20 8 70,35 53,66 53,25
Schneider Electric 2,05 118,70 119,30 -0,50 123,20/75,38 14 32,31 118,80 117,98
Societe Generale 0,25 45,40 45,16 +0,52 52,04/30,33 8 34,06 45,63 45,09
Standard Chartered 42,79 GBp 1,65t 1,65t - 1,95t/1,52t 13 43,34 18,46 18,70
Telecom Italia 0,05 1,02 1,02 +0,20 1,14/0,89 8 13,65 1,02 1,02
Telefonica 1,30 18,21 18,15 +0,33 19,60/14,88 10 83,13 18,22 18,14
Tesco 13,05 GBp 403,55 403,55 - 440,65/377,50 12 37,32 4,64 4,62
Total 2,28 43,05 43,22 -0,40 44,41/35,88 8 100,60 42,82 43,17
UBS – CHF 17,10 17,29 -1,10 18,93/14,02 9 50,87 13,28 13,43
Unibail – 158,00 157,95 +0,03 166,10/120,50 18 14,50 158,00 157,76
Unicredit 0,03 1,73 1,74 -0,46 2,22/1,47 19 33,69 1,75 1,75
Unilever NV 0,62 22,41 22,22 +0,86 24,02/20,94 14 34,48 22,46 22,17
Vinci 1,62 44,87 45,10 -0,52 45,10/33,18 13 24,94 44,90 45,05
Vivendi 1,40 21,26 21,19 +0,35 21,94/16,29 10 26,34 21,29 21,02
Vodafone 8,31 GBp 171,60 171,60 - 182,75/129,45 10 101,38 1,96 1,98
Zurich Fin. 16,00 CHF 244,40 243,00 +0,58 274,50/223,30 8 27,86 189,99 189,66
Dow Jones
17:58 New York(in USD) Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt
Div. 02.05. 29.04. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 02.05. 29.04.
Dow Jones – 12835,8212810,54 +0,20 12811/9686 – – – –
3 M 2,10 97,19 97,21 -0,02 97,23/74,74 16 69,18 65,59 65,11
Alcoa 0,12 17,40 17,00 +2,35 18,13/10,00 14 18,49 11,67 11,41
American Express 0,72 49,74 49,08 +1,35 49,08/37,71 14 59,81 33,36 33,03
AT & T 1,68 31,23 31,12 +0,35 31,42/24,13 13 184,61 21,00 21,15
Bank of America 0,04 12,42 12,28 +1,15 18,06/10,95 10 125,72 8,37 8,36
Boeing 1,68 79,52 79,78 -0,33 79,78/60,11 20 58,55 53,55 54,01
Caterpillar 1,76 114,51 115,41 -0,78 115/55,83 19 72,19 76,76 78,12
Chevron 2,88 109,16 109,44 -0,26 110/67,31 10 219,13 73,46 73,47
Cisco Systems – 17,51 17,52 -0,06 27,54/16,60 11 96,79 11,79 11,66
Coca-Cola 1,76 67,74 67,46 +0,42 68,31/50,03 17 155,42 45,55 45,55
Du Pont 1,64 56,59 56,79 -0,34 56,79/34,05 15 52,16 38,30 38,05
Exxon Mobil 1,76 87,52 87,98 -0,52 87,98/56,57 12 433,98 58,94 58,79
General Electric 0,48 20,53 20,45 +0,39 21,52/13,88 15 218,00 13,82 13,87
Hewlett-Packard 0,32 40,14 40,37 -0,57 52,71/38,00 8 87,28 26,87 27,10
Home Depot 0,95 37,43 37,15 +0,75 38,48/27,07 16 61,34 25,06 25,12
IBM 2,60 172,33 170,58 +1,03 171/122 13 210,16 115,73 116,33
Intel 0,72 22,99 23,15 -0,69 23,26/17,67 11 126,17 15,50 15,38
Johnson&Johnson 2,16 66,06 65,72 +0,52 65,72/57,02 14 180,69 44,36 44,31
JP Morgan Chase 0,20 45,52 45,63 -0,24 48,00/35,63 10 181,33 30,80 30,91
Kraft Foods 1,16 33,83 33,59 +0,71 33,60/27,82 15 59,17 22,71 22,82
McDonald’s 2,44 78,78 78,31 +0,60 80,34/65,87 16 82,19 53,01 52,60
Merck & Co. 1,52 36,47 35,95 +1,43 37,42/31,08 10 112,42 24,44 24,39
Microsoft 0,64 25,59 25,92 -1,27 30,86/23,01 10 215,02 17,23 17,17
Pfizer 0,72 21,00 20,97 +0,14 20,97/14,14 9 167,90 14,26 14,10
Procter & Gamble 1,93 65,35 64,90 +0,69 66,70/59,34 16 183,03 43,99 43,90
Travelers Cos. 1,44 63,40 63,28 +0,19 63,28/48,00 10 27,33 42,63 42,28
United Tech 1,70 90,18 89,58 +0,67 89,58/63,22 17 83,07 60,57 60,53
Verizon Comm. 1,95 37,76 37,78 -0,05 38,61/26,49 17 106,79 25,87 25,63
Wal-Mart 1,21 54,98 54,98 - 57,57/48,00 12 195,84 37,33 36,96
Walt Disney 0,40 43,56 43,10 +1,06 44,07/31,38 16 82,72 29,35 28,94
weitere US-Aktien
17:58 New York(in USD) Tages- 52-Wochen KGV Markt- Frankfurt
Div. 02.05. 29.04. Veränderung in Prozent Hoch / Tief 2011 Wert 02.05. 29.04.
Nasdaq – 2874,65 2873,54 +0,04 2874/2092 – – – –
Adobe Systems – 33,73 33,55 +0,52 35,39/25,60 15 17,02 22,65 22,78
Amazon – 199,63 195,81 +1,95 197/109 63 90,03 134,60 131,00
Apollo Group – 41,05 40,03 +2,55 58,32/34,00 9 5,88 – 27,21
Applied Mats 0,28 15,18 15,69 -3,25 16,85/10,37 10 20,03 10,34 10,50
Baidu – 148,22 148,52 -0,20 152/63,95 60 39,05 99,98 100,82
Biogen Idec – 98,65 97,65 +1,02 102/46,22 17 23,77 66,00 66,37
Celgene – 60,66 58,88 +3,02 62,95/49,02 18 28,20 40,04 39,44
Citrix Sys. – 83,35 84,34 -1,17 85,37/41,92 36 15,64 56,59 57,01
Comcast 0,38 26,65 26,21 +1,67 26,21/16,77 18 55,21 18,00 17,52
Dell – 15,56 15,47 +0,58 16,38/11,59 9 30,04 10,50 10,31
EBay – 33,91 34,39 -1,39 34,69/19,26 18 44,21 22,77 23,10
Electronic Arts – 20,30 20,18 +0,59 20,54/14,33 30 6,79 13,50 13,63
First Solar – 138,21 139,57 -0,97 171/103 15 11,87 92,82 94,20
Garmin 1,50 34,19 34,23 -0,12 38,98/26,55 15 7,11 23,01 23,00
Gilead Sciences – 40,30 38,84 +3,76 42,81/31,83 10 32,05 27,01 26,41
Intuitive Surgical – 354,89 349,70 +1,48 372/248 32 13,92 234,70 238,55
Joy Global 0,70 101,55 100,95 +0,59 102/45,76 19 10,64 67,95 66,81
Microchip Tech. 1,38 40,83 41,04 -0,51 41,04/26,61 17 7,69 27,93 27,44
Millicom Intl. Celu. 2,64 109,28 108,34 +0,87 109/76,30 16 11,87 72,97 72,81
Network Appl. – 52,01 52,11 -0,19 60,60/31,47 25 18,80 35,02 35,10
Nvidia – 19,85 20,00 -0,76 25,68/8,88 19 11,53 13,58 13,59
Qualcomm 0,76 57,66 57,09 +1,00 59,58/31,96 19 94,78 38,44 38,90
Research in Motion – 48,12 48,65 -1,09 71,53/42,84 8 25,19 32,46 33,09
Sandisk – 49,01 49,33 -0,65 53,24/33,13 11 11,60 32,95 33,15
Starbucks 0,52 36,63 36,20 +1,19 37,97/22,82 25 27,33 24,77 24,60
Symantec – 19,69 19,65 +0,20 19,73/12,34 14 15,03 13,22 13,24
Tellabs 0,08 4,82 4,90 -1,63 9,44/4,81 482 1,75 3,23 3,28
Teva Pharm. 0,74 46,99 45,73 +2,76 60,56/45,01 9 44,26 31,85 31,08
Verisign – 37,06 36,98 +0,22 37,38/24,95 26 6,43 25,00 25,02
Vertex Pharms – 55,71 55,05 +1,20 55,54/32,15 – 11,39 37,42 37,62
Wynn Resorts 1,00 149,25 147,15 +1,43 148/74,79 48 18,60 98,93 97,67
Yahoo – 18,20 17,70 +2,82 17,77/13,11 24 23,83 12,12 11,73
S & P 500 – 1365,71 1363,61 +0,15 1364/1023 – – – –
Abbott Labs 1,76 52,56 52,04 +1,00 53,67/45,16 11 81,34 35,49 35,35
AIG – 31,23 31,15 +0,26 51,26/27,73 17 56,07 20,78 21,01
Altria 1,52 26,80 26,84 -0,17 27,01/19,57 13 56,06 18,06 18,11
Amgen – 56,77 56,85 -0,15 57,96/50,36 11 52,93 37,93 38,25
Apple – 346,90 350,13 -0,92 363/236 15 319,59 233,23 238,63
Avon Products 0,88 29,57 29,38 +0,65 35,49/25,73 15 12,71 19,79 19,57
Baker Hughes 0,60 76,27 77,41 -1,47 78,00/35,87 20 33,12 52,21 52,05
Bristol Myers 1,28 28,47 28,10 +1,32 28,29/22,44 13 48,47 19,22 18,77
Citigroup – 4,54 4,59 -1,09 5,13/3,63 11 131,91 3,04 3,08
Colgate 2,12 84,40 84,35 +0,06 84,59/73,75 17 41,68 57,60 55,45
Conoco Philips 2,20 78,25 78,89 -0,81 81,21/48,82 11 111,87 52,54 52,95
Dow Chemicals 0,60 41,83 40,99 +2,05 40,99/22,97 16 48,85 28,13 27,61
EMC – 28,37 28,34 +0,11 28,45/17,68 19 58,69 19,10 19,20
Fedex 0,48 94,79 95,67 -0,92 98,32/70,11 19 29,86 63,83 63,93
Ford Motor – 15,58 15,47 +0,71 18,79/9,88 8 58,93 10,52 10,45
Goldman Sachs 1,40 152,44 151,01 +0,95 175/131 9 79,35 102,60 102,63
Google – 541,73 544,10 -0,44 640/436 16 135,90 365,00 366,21
Halliburton 0,36 49,98 50,48 -0,99 50,96/21,15 17 45,65 33,74 33,93
Honeywell 1,21 61,90 61,23 +1,09 62,00/38,53 16 48,54 41,22 40,90
Intern. Paper 0,50 32,11 30,88 +3,98 30,88/19,88 12 14,12 21,61 20,53
Lockheed Martin 3,00 78,99 79,25 -0,33 86,75/68,04 11 27,64 52,94 53,44
Medtronic 0,90 42,50 41,75 +1,80 44,13/31,21 13 45,62 28,42 28,34
Morgan Stanley 0,20 26,34 26,15 +0,71 30,99/22,83 9 40,70 17,65 17,27
Occidental Pet. 1,52 116,58 114,29 +2,00 114/72,23 16 94,76 78,81 73,23
Oracle 0,20 36,19 35,96 +0,64 35,96/21,46 17 182,85 24,48 23,76
Pepsico 1,92 69,13 68,89 +0,35 69,72/60,77 15 109,67 46,55 46,38
Philip Morris 2,56 69,20 69,44 -0,35 69,44/43,17 16 124,36 46,91 46,54
Schlumberger 0,84 89,40 89,75 -0,39 95,04/51,75 23 121,57 60,50 59,58
Texas Instruments 0,52 35,21 35,53 -0,90 36,56/23,02 13 41,27 23,63 24,01
Time Warner 0,85 38,45 37,86 +1,56 38,20/28,20 14 42,02 25,71 25,45
Wells Fargo 0,20 29,12 29,11 +0,03 34,10/23,25 10 153,41 19,61 19,71
Xerox 0,17 10,08 10,09 -0,08 12,01/7,91 9 14,11 6,80 6,82
Weltindizes
02.05. 29.04. Tages- Tages- 52-Wochen
Schluss Schluss Veränderung in Prozent Hoch / Tief Hoch / Tief
MSCI World (berechnet in US-$) – 1388,62 - –/– 1384,94/1033,74
AEX All Shares Amsterdam 361,56 359,94 +0,45 363,31/361,42 374,19/305,03
BUX Budapest 24216,79 24161,56 +0,23 24282,97/24131,85 24550,46/20221,37
OMX H25 Helsinki 2650,50 2637,40 +0,50 2653,37/2645,15 2710,72/1979,65
HangSeng Hongkong geschl. 23720,81 - –/– 24964,37/18985,50
ISE Nat. 100 Istanbul 69691,82 69250,14 +0,64 69807,16/69288,14 71543,26/52257,07
JSE Top 40 Johannesburg 29564,28 29564,28 - 29564,28/29249,11 29922,75/23066,67
FTSE 100 London geschl. 6068,16* - –/– 6091,33/4805,75
IBEX 35 Madrid 10877,30 10878,90 -0,01 10928,20/10841,80 11113,00/8669,80
MIB Mailand 22397,70 22417,96 -0,09 22575,34/22389,52 23178,38/18382,71
RTS 1 Moskau 2026,94 2026,94 - 2034,80/2011,34 2123,56/1242,46
Sensex Mumbai 18998,02 19135,96 -0,72 19253,87/18954,76 21004,96/16022,48
CAC 40 Paris 4108,77 4106,92 +0,05 4137,97/4108,77 4157,14/3331,29
PX SE Ind. Prag 1267,10 1261,00 +0,48 1268,50/1262,30 1282,60/1097,00
Bovespa Sao Paolo 66132,00 65673,00 +0,70 66293,00/65460,00 72995,00/58192,00
Shanghai Co Shanghai geschl. 2911,51 - –/– 3159,51/2363,95
Straits Times Singapur 3179,86 3179,86 - 3196,44/3169,11 3313,61/2651,19
All Ordinaries Sydney 4896,20 4899,00 -0,06 4909,90/4838,10 5064,90/4250,60
Nikkei 225 Tokio 10004,20 9849,74* +1,57 10017,47/9936,27 11057,40/8605,15
S & P/TSE 300 Toronto 14019,99 13944,79 +0,54 14089,10/13923,29 14270,53/11092,50
VDax Volatil.-Dax 17,60 16,54 +6,42 17,60/16,83 40,36/15,31
WIG Warschau 49824,49 50008,98 -0,37 50097,45/49796,17 50329,73/39109,37
Austrian Tr. Wien 2866,67 2846,05 +0,72 2868,58/2845,87 3000,70/2216,84
Swiss Market Zürich 6544,67 6539,70 +0,08 6569,49/6539,11 6717,25/5942,25
ERLÄUTERUNGEN: Kursangaben: Notierungen in Deutschland verstehen sich in
Euro und basieren auf Kursen des Frankfurter Präsenzhandels. In den Spalten
mit der Bezeichnung Heimatbörse wird die Notierung und die Dividendenangabe
in der jeweiligen Landeswährung (W) dargestellt. Ausnahme: Bei Aktien aus
dem Euro-Raum erfolgt keine Währungsangabe. t nach dem Kurs: Darstellung
in Tausend. * zuletzt verfügbarer Kurs. Notierungen von Dax, MDax, TecDax
und SDax basieren auf Xetra-Kursen. Alle deutschen Werte sind mit Ausnahme
von Porsche im Prime Standard notiert. Dividendenangaben gelten für das
abgelaufene Geschäftsjahr. Bei US-Werten wird die letzte Quartalsdividende
auf das Jahr hochgerechnet. D: Titel mit Dividendenabschlag gehandelt. KGV:
Kurs-Gewinn-Verhältnis (Ibes-Schätzungen). Umsätze: Gesamtumsätze in Tausend
Euro. Marktkapitalisierung: Angaben in Milliarden Euro. Aktienarten: ADR = Ame-
rican Depositary Receipts, GDR = Global Depositary Receipts, Vz=Vorzugsaktien.
Währungskürzel: AUD=austral. Dollar, BRL=brasil. Real, CAD=kanad. Dollar,
CHF=Schweizer Franken, CNY=chines. Yuan, CZK=tschech.Krone, DKK=dänische
Krone, GBP=brit. Pfund, HKD=Hongkong Dollar, HUF=ungar. Forint, INR=Ind.
Rupie, JPY=japan. Yen, KRW=kor. Won, NOK=norweg. Krone, NZD=neuseel. Dollar,
PLN=poln. Zloty, RUR=russ. Rubel, SEK=schwed. Krone, SGD=Singapur Dollar,
TRY=türk. Lira, USD=US-Dollar, ZAR=südafrik. Rand; *Sortenkurse: Mitgeteilt von
der Reisebank Frankfurt, Darstellung aus Sicht des Bankkunden.
Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar
Leserservice: 089 - 2183 7770 (11 bis 15:00 Uhr)
Alle Angaben im Kursteil der SZ erfolgen ohne Gewähr
Die Nachricht vomTod des Terro-
ristenführers Osama bin Laden
hat amMontag auch die Kurse an
den Aktienmärkten bewegt.
Händler mahnten allerdings, den
Bin-Laden-Effekt nicht überzu-
bewerten. Der Dax kletterte in
der Spitze auf 7600 Punkte und
notierte damit so hochwie seit Ja-
nuar 2008 nicht mehr. Den Han-
del beschloss der Leitindex um
0,2 Prozent höher bei 7528 Zäh-
lern. In Japan schloss Nikkei 225
erstmals seit dem Erdbeben am
11. März wieder über der wichti-
gen Marke von 10 000 Punkten.
Den deutlichen Gewinnsprung
bei der Commerzbank honorier-
ten Anleger mit Käufen. Mit ei-
nem Plus von mehr als drei Pro-
zent waren die Papiere des Fi-
nanzinstituts größter Gewinner
im Dax. Für das erste Quartal
weist die Commerzbanknachvor-
läufigen Zahlen einen operativen
Gewinn von 1,1 Milliarden Euro
aus. Auch die Anhebung der Pro-
gnose bei K+S kam bei den Anle-
gern gut an. Die Aktien des Salz-
und Düngemittelkonzerns legten
2,7 Prozent zu und rangierten da-
mit anzweiter Stelle der Dax-Ge-
winner. „Die guten Zahlen waren
bereits eingepreist, aber die Anhe-
bung der Prognose stimmt noch
einmal zusätzlich zuversicht-
lich“, sagte ein Händler. In dem
freundlichen Gesamtmarkt wa-
ren auch die konjunktursensib-
len Automobilwerte gefragt. So
zählten BMW mit 1,2 Prozent
Kursgewinn zu den Dax-Favori-
ten, Volkswagen legten 1,3 Pro-
zent zu. Börsianer verwiesen auf
die sehr optimistische Stimmung
für Autowerte nach zuletzt exzel-
lenten Ergebnissen.
Im MDax hingegen bewegte
das ThemaÜbernahmendie Anle-
ger. So bietet die US-amerikani-
sche Terex Industrial Holding
41,75 Euro je Aktie des Kranbau-
ers Demag Cranes. Die Demag-
Papiere sprangen daraufhin um
knapp24Prozent auf 45Euro. Ab-
seits der großen Indizes fielen die
Titel von Borussia Dortmund
(BVB) um 7,7 Prozent. Der BVB
ist zwar am Samstag zum siebten
Mal deutscher Fußball-Meister
geworden. Da der Gewinn der
Meisterschaft jedoch erwartet
worden sei, hätten einige Anleger
Kasse gemacht, erklärten Börsia-
ner die Kursverluste.
Die Nachricht vom Tod Osama
bin Ladens verlieh auch den US-
Börsen Auftrieb. Die Investoren
fühlten sich ermutigt, wieder et-
was mehr Risikoeinzugehen. Ana-
lysten mahnten allerdings vor
überzogener Euphorie. Der Dow
Jones lag zwei StundennachHan-
delsbeginn 0,2 Prozent im Plus.
SZ/Reuters/dpa
Gute Stimmung an der Börse
Seite 24 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
GELD
Dax in Punkten
5500
6500
7500
8500
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+22,7 %
+0,2 %
2.5.2011 · Schluss 7527,64
MDax in Punkten
7000
8000
9000
10000
11000
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+29,2 %
+0,6 %
2.5.2011 · Schluss 10799,53
Euro Stoxx 50 in Punkten
2600
3000
3400
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+6,8 %
–0,1 %
2.5.2011 · Schluss 3008,89
Dow Jones in Punkten
10000
11000
12000
13000
14000
M J J A S O N D J F M A
1 Jahr
Vortag
Aktuell
+16,6 %
+0,2 %
2.5.2011 · 18:00 Uhr 12836,20
Berlin – Die Banken in der Euro-Zone
hinterlegen für Notenbankkredite im-
mer mehr Staatsanleihen als Sicherheit.
Zugleich blieben sie 2010 weiter stark
von der Finanzierung durch die Noten-
bank abhängig, wie aus dem Jahresbe-
richt der Europäischen Zentralbank
(EZB) hervorgeht, der am Montag in
Frankfurt veröffentlicht wurde. Der
Wert der bei der EZBhinterlegtenSicher-
heitenlag mit 2,01 BillionenEuro nur we-
nig unter dem Rekordwert, der 2009 er-
reicht wurde. Nicht zuletzt wegen der
Schuldenkrise in einigen Euro-Staaten
legte der Anteil der Staatsanleihen an
den gesamten Sicherheiten zu: 13 Pro-
zent der hinterlegtenWertpapiere entfal-
len auf Staatstitel. Reuters
Hamburg – Mieten und Wohnungspreise
steigen weiter, aber nicht so stark wie im
Vorjahr. Dies teilte das Hamburger For-
schungs- und Beratungsunternehmens
F+B für das erste Quartal mit. Danach
verteuerte sich das Wohnen im Vergleich
zum Vorquartal um 0,1 Prozent; gemes-
sen am gleichen Zeitraum des Vorjahres
sind es 1,6 Prozent. Hinter der bundes-
weitenDurchschnittszahl verbergen sich
jedoch ganz unterschiedliche Entwick-
lungen. „Insbesondere in deutschen
Großstädten ist ein großer Preisanstieg
zu verzeichnen, da hier eine hohe Nach-
frage auf ein begrenztes Angebot trifft“,
hieß es. Die teuerste Stadt zum Wohnen
ist München. Die 50 teuersten Städte lie-
gen alle in Westdeutschland. dpa
Berlin – Deutsche-Bank-Vorstand Jür-
genFitschenhat dendiesjährigeneuropa-
weiten Banken-Stresstest gegen Kritik
verteidigt. Der Test sei eine vertrauens-
bildende Maßnahme, sagte Fitschen am
Montag in Berlin. Er sei sich sicher, dass
mit „noch mehr Sorgfalt als beim letzten
Mal“ gearbeitet werde. „Es soll ja dazu
dienen, eine gewisse Ruhe in den Markt
zu bringen.“ Fitschen geht davon aus,
dass die Kriterien für den Test so formu-
liert seien, „dass die Banken, die bestan-
den haben, auch wirklich Bestand haben
werden“. Die europäische Bankenauf-
sicht EBA testet derzeit, wie sich das
Kernkapital von Europas 90 wichtigsten
Bankenbei einemRückfall indie Rezessi-
on entwickeln würde. Reuters
Von Catheri ne Hoffmann
München – Die Versicherungsbranche
muss nach der Tornado-Serie in den
USA für Schäden in Höhe von zwei bis
fünf Milliarden Dollar geradestehen.
Das ergeben erste Schätzungen der Risi-
koanalystenvonEqecat. Inder vergange-
nen Woche waren mehr als 160 Tornados
über denSüdenNordamerikas hinwegge-
zogen. Ganze Wohnviertel, Einkaufszen-
tren, Tankstellen wurden dem Erdboden
gleichgemacht. Die Behördenzähltenbis-
lang mehr als 300 Todesopfer. Amstärks-
ten ist die Stadt Tuscaloosa in Alabama
betroffen. Nun sind die Katastrophenge-
biete von massiven Überschwemmungen
bedroht. Die Tornado-Serie gilt als die
folgenschwerste in den USA seit dem
Jahr 1925, als 747 Menschen starben.
So schnell dürften die Vereinigten
Staatennicht zur Ruhe kommen. Die Un-
wetter sind eine Folge des La-Niña-Phä-
nomens, Klimaschwankungen im pazifi-
schen Raum, die es seit Jahrtausenden
gibt. Unter La Niña-Bedingungen kön-
nen über südöstlichen und östlichen Tei-
len der USAheftige Gewitter und Torna-
dos entstehen, wenn kalte Festlandsluft
aus dem Norden in der Nähe des Golfs
von Mexiko auf warme, feuchte Meeres-
luft trifft. „Im La-Niña-Frühjahr treten
Gewitterausbrüche, zu denen auch Tor-
nados zählen, verstärkt auf“, sagt Eber-
hard Faust, Fachgebietsleiter für Klima-
risiken beim Rückversicherer Munich
Re. „Bis Ende Mai haben solche Ereignis-
se eine erhöhte Wahrscheinlichkeit.“ Mit
dem Klimawandel habe dies aber zu-
nächst einmal nichts zu tun. Die Häufig-
keit und Intensität von schweren Torna-
dos habe sich in den vergangenen Jahr-
zehnten nicht nachweisbar verändert.
Es gebe allerdings Indizien dafür, dass
verheerende Gewitter mit starkemWind,
Hagel, Sturzfluten und auch Tornados
zunehmen und mehr Schäden anrichten.
Zwischen 1973 und 1991 habe es mehr
als ein Unwetter im Jahr gegeben, das
mindestens 650 Millionen Dollar versi-
cherten Schaden verursachte. Im Zeit-
raum1992 bis 2008 zählen die Risikofor-
scher jedoch bereits sechs Jahre mit min-
destens vier solcher Großschäden. Dabei
haben sie die Inflation herausgerechnet
und berücksichtigt, dass heute beispiels-
weise dort, wo einst nur ein Dorf war,
vielleicht eine Stadt steht.
Von Hel ga Ei necke
Frankfurt – Notenbanker sind unabhän-
gige Leute, aber sie brauchen Orientie-
rung. Das wurde auf der Feier zumAmts-
wechsel des Bundesbankpräsidenten in
Frankfurt klar, zu der viel Prominenz
aus der europäischen Finanzwelt gela-
denwar. Der ehemalige Bundesbankchef
Axel Weber schenkte seinem Nachfolger
Jens Weidmann einen Kompass. Das Ziel
habe er auf knapp zwei Prozent einge-
stellt, aber Weidmann könne es mit dem
beigefügtenSchraubenzieher ändern, er-
läuterte Weber listig. Dazu muss man
wissen, dass auch EZB-Präsident Jean-
Claude Trichet häufig vom geldpoliti-
schen Kompass redet, der nur eine Nadel
habe, unddie zeige Richtung Preisstabili-
tät. Stabile Preise bedeuten in der Euro-
päischen Zentralbank eine Inflationsra-
te von knapp zwei Prozent.
Weber setzte mit seinem Geschenk ei-
ne Tradition fort. Denn er selbst bekam
bei seinem Start vor sieben Jahren auch
einen Kompass. Der heutige EZB-Chef-
volkswirt Jürgen Stark wollte ihn da-
mals für stürmische Zeiten wappnen und
ihm „den richtigen Kurs in einem Meer
aus Liquidität“ weisen. Weber bekannte,
das Gerät häufig gebraucht zu haben. Es
sei aber zu groß gewesen, um es zu den
Ratssitzungen der EZB mitzunehmen.
Starkhörte das gern, empfahl aber Weid-
mann, den Schraubenzieher sofort weg-
zuwerfen.
Von den Spannungen zwischen Tri-
chet undWeber, der sichöffentlich gegen
den Kauf von Staatsanleihen durch die
EZBgestellt hatte, war dieses Mal nichts
zu spüren. Weber ließ die Passage in sei-
nem schriftlichen Redetext aus, man ha-
be „gelegentlich lange miteinander ge-
rungen“ und er sei ein „bisweilenheraus-
fordernder Partner.“ Trichet redete We-
ber auf deutsch mit „lieber Axel“ an und
lobte ausdrücklich dessen beherztes Ein-
greifen zu Beginn der Finanzkrise. Der
„liebe Jens“ wurde von ihm im Eurosys-
tem herzlich willkommen geheißen.
Weidmannbekannte sich inseiner An-
trittsrede zum stabilitätspolitischen
Kurs der Bundesbank. Der bisherige Be-
rater von Kanzlerin Angela Merkel kün-
digte an, denBundeshaushalt für 2012ge-
nauprüfen. Weil die Konjunktur gut lau-
fe und die Steuern sprudeln, müsse das
Staatsdefizit zügig sinken. Schließlich
sollte sich Deutschlandals VorbildinEu-
ropa zeigen. Weidmann bekannte sich zu
Reformen in der Währungsunion, bei de-
nen private Anleger und nationale Fi-
nanzpolitiker für ihre Entscheidungen
haften müssten. In Deutschland will er
sichzunächst auf die Reformder Banken-
aufsicht konzentrieren, die bislang zwi-
schen der Bafin und der Bundesbank mit
einigen Reibungsverlusten gemeinsam
bewältigt wird.
Schäuble nannte die Bundesbank das
Bindeglied zwischen der Währungsuni-
on und Deutschland. Die Europäische
Zentralbank sei auf das Vertrauen der
Menschen angewiesen, und die Bundes-
bank müsse in Deutschland dieses Ver-
trauen gewinnen beziehungsweise erhal-
ten. Die Akzeptanz der Währungsunion
stecke in einer schwierigen Phase, aber
in der Welt der Globalisierung hätten die
Deutschenkeine andere Chance als Euro-
pa. Weidmann nannte Schäuble hervor-
ragend qualifiziert, fachlich wie persön-
lich. Er habe sich als Leihgabe der Bun-
desbank in Berlin einen Namen gemacht
undwerde sichmit derselbenKonzentra-
tion seiner neuen Aufgabe stellen.
Als erstes kümmerte sich Weidmann
um den Schraubenzieher. Den werde er
umgehend zurückgeben, um gar nicht
erst in Versuchung zu kommen, sagte er.
Schon am Donnerstag kann der neue
Kompass ins Gepäck, danntagt der EZB-
Rat in Helsinki, erstmals mit Weidmann.
Auf der Tagesordnung steht die mögliche
Ankündigung weiter steigender Leitzin-
sen. Denn die Inflation ist inzwischen im
Euro-Raumauf 2,8 Prozent geklettert, al-
so fast ein Prozent über das mittelfristige
Ziel in den Navigationsgeräten der No-
tenbankpräsidenten hinaus.
Von Markus Zydra
Frankfurt – Der hochrangige Banker
spricht im Plauderton, und er tut dies
mit demSchalk imGesicht: „Axel Weber
ist nun offiziell aus dem Amt, und die
Börsenkurse steigen.“ Im Gästehaus der
DeutschenBundesbankfielendiese Wor-
te, wo am Montag der neue Präsident
Jens Weidmann offiziell sein Amt antrat
(Beitrag unten).
Der plaudernde Banker mit demsonni-
gen Humor weiß zu dieser Stunde noch
nicht, dass amerikanische Elitesoldaten
im fernen Pakistan den langgesuchten
Terroristenführer OsamabinLadengetö-
tet haben. Viele Börsianer waren sich
nach Bekanntgabe dieser Militäraktion
sogleich sicher: Der Tod des Terroristen
nimmt den Finanzmärkten eine der vie-
len Unsicherheiten – und das sei der
Grundfür die steigenden Kurse gewesen.
Und so ist der deutsche Leitindex Dax
am Montag zeitweise über 7600 Punkte
geklettert. Das war der höchste Stand
seit Januar 2008, kurz vor Ausbruch der
Finanzkrise. In Japan erreichte der Nik-
kei-Index erstmals seit der Tsunami-Ka-
tastrophe am 11. März mit 10 000 Punk-
ten wieder eine fünfstellige Notierung.
Anleger kauften insbesondere die Aktien
von Fluggesellschaften, da diese laut
Händlernhäufig unter terroristischenBe-
drohungenleiden. Lufthansa-Papiere ge-
wannen bis zu 2,4 Prozent.
Ganz anders die Reaktion an den Roh-
stoffmärkten: Rohöl verbilligte sich um
2,6 Prozent, der Preis für das in Europa
wichtige Nordseeöl der Sorte Brent fiel
auf 122,72 Dollar je Fass. „Es besteht of-
fensichtlich die Erwartung, dass durch
den gemeldeten Tod von Al-Kaida-Chef
bin Laden die Terrorgefahr zurückgehen
und damit auch die Risikoprämie beim
Ölpreis sinken könnte“, heißt es in einem
Kommentar der Commerzbank.
Auch die Preise für Gold sanken. Die
Feinunze des Edelmetalls verlor rund 1,5
Prozent auf 1540,39 Dollar, nachdem die
Notierung kurz vor Bekanntwerden des
Todes bin Ladens noch auf ein Rekord-
hoch von 1575,79 Dollar geklettert war.
Deutlichunter Druckgeriet der Silber-
preis, der zuletzt noch stark gestiegen
war, am Montag aber um zehn Prozent
auf 43,04 Dollar je Feinunze abrutschte.
Das hatte mit demMilitärschlag aber we-
nig zu tun. Die amerikanische Warenter-
minbörse will die Kapitalpflichten für
Silberspekulationen verschärfen, was
die Märkte verunsicherte.
So relevant der Tod von bin Laden für
die Sicherheitspolitik sein mag, an den
Finanzmärkten gilt diese Nachricht als
schnell verdaut. „Kurzfristig hat das si-
cher einige Auswirkungen, vor allem in
den USA. Aber insgesamt ist das für den
Markt kein so bedeutendes Ereignis“,
sagte Fidel Helmer, Kapitalmarktexper-
te der Frankfurter Privatbank Hauck &
Aufhäuser. Deutsche-Bank-Vorstand
Jürgen Fitschen sagte, die Auswirkun-
gen für die internationalen Finanzmärk-
te seien wegen möglicher Vergeltungsan-
schläge zwar schwer einzuschätzen.
„Aber es wird kurzfristig höchstens ein
bisschen mehr Nervosität und Spannung
geben“, sagte Fitschen. Der getötete bin
Laden gilt als mutmaßlicher Drahtzieher
der Anschläge vom 11. September 2001
auf das World Trade Center in New
York. Entscheidender, so Deutsche-
Bank-Vorstand Fitschen, seien vielmehr
die politischenUmwälzungen, die seit Fe-
bruar und März als „arabischer Früh-
ling“ stattfinden. „Das ist noch längst
nicht zu Ende.“
Schlechte Nachrichtenkamenunterdes-
sen wieder aus Griechenland: Nach ei-
nemVorschlag von Finanzminister Gior-
gos Papaconstantinou sollen die milliar-
denschweren Hilfskredite später und zu
niedrigeren Zinskosten an Europäische
Union und Internationalem Währungs-
fonds (IWF) zurückgezahlt werden.
Griechenland steht mit 340 Milliarden
Euro in der Kreide. Die Staats- und Re-
gierungschefs der Euro-Länder hatten
die Rückzahlungsfrist der Finanzspritze
bereits auf siebeneinhalb Jahre verdop-
pelt und den Zinssatz um einen Prozent-
punkt gesenkt. (Kommentare, Seite 19)
Lotto (30. April):
Lottozahlen: 10 - 12 - 19 - 29 - 33 - 34
Zusatzzahl: 9; Superzahl: 0.
1. Rang (6 Treffer und Superzahl) unbesetzt, im Jack-
pot 3 358 550,10 Euro, 2. Rang (6 Treffer) 629 538,70
Euro, 3. Rang (5 Treffer mit Zusatzzahl) 47 215,40 Eu-
ro, 4. Rang (5 Treffer) 3112,50 Euro, 5. Rang (4 Treffer
mit Zusatzzahl) 143,60 Euro, 6. Rang (4 Treffer) 41,00
Euro, 7. Rang (3 Treffer mit Zusatzzahl) 19,00 Euro, 8.
Rang (3 Treffer) 9,40 Euro.
Spiel 77: 7 6 7 0 0 3 1
Gewinnklasse 1, Super 7: unbesetzt, im Jackpot
1 557 592,10 Euro, Gewinnklasse 2: 77 777,00 Euro,
Gewinnklasse 3: 7777,00 Euro, Gewinnklasse 4:
777,00 Euro, Gewinnklasse 5: 77,00 Euro, Gewinn-
klasse 6: 17,00 Euro, Gewinnklasse 7: 5,00 Euro.
13er-Wette: 1. Rang 3639,70 Euro, 2. Rang 82,30 Eu-
ro, 3. Rang 8,50 Euro, 4. Rang 1,60 Euro.
Auswahlwette: Gewinnklasse 1: unbesetzt, im
Jackpot 1 090 590,10 Euro, Gewinnklasse 2: unbe-
setzt 12 377,40 Euro, Gewinnklasse 3: 1031,40 Euro,
Gewinnklasse 4: 56,20 Euro, Gewinnklasse 5: 25,20
Euro, Gewinnklasse 6: 4,80 Euro.
Lotterie Aktion Mensch: Ziehung 26. April: Geldzie-
hung Rang 1: Nr. 7 150 774; Rang 2: 3 466 061,
5 584 261; Rang 3: 5 937 590, 3 642 510, 0 324 895,
4 237 365; Rang 4: 738 228. (Ohne Gewähr)
Banken hinterlegen
mehr Anleihen bei EZB
Wohnungspreise
steigen weniger stark
Deutsche-Bank-Vorstand
verteidigt Stresstests
Tornados
kosten Milliarden
Unwetter in den USA so heftig
wie seit 1925 nicht mehr
Lieber Axel, lieber Jens
Warum der neue Bundesbankchef einen Kompass bekommt
Eine Unsicherheit weniger
Nach dem Tod von Osama bin Laden klettert der Dax auf den höchsten Stand seit Januar 2008. Die Preise für Gold und Silber fallen
Gewinnquoten
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 25
GELD
In Japan erreichte der Nikkei
erstmals seit dem Tsunami
wieder 10 000 Punkte.
Fast ein Jahrzehnt beherrschte die Angst vor Bin Ladens Terrorismus die Finanzmärkte. Foto: Regina Schmeken
„Du bist ohne
Zweifel der richti-
ge Mann amrichti-
gen Ort“, sagte
Ex-Bundesbank-
präsident Axel
Weber (links) sei-
nem Nachfolger
Jens Weidmann –
und schenkte
ihm einen moder-
nen Kompass.
Foto: Getty
Ergo Direkt 5000 — 2,20
IKB direkt 5000 1,55 2,10
SWK 10 000 — 1,85
Degussa Bank 5000 1,25 1,80
Oyak Anker Bank 2500 1,50 1,75
Von-Essen-Bankges. 2500 1,50 1,75
Ziraat-Bank 2500 1,40 1,75
Isbank 2500 1,00 1,75
Cosmos direkt 5000 — 1,75
Schlechtester Anbieter 2500 0,20 0,40
*Laufzeit, Reihenfolge nach Zinssatz für sechs Monate, Angaben in Prozent
Ohne Neukunden-Offerten. Nur Anbieter mit deutscher Einlagensicherung.
Angaben ohne Gewähr, Stand: 02.05.2011; Quelle: biallo.de
Täglich aktualisierte Tarife: www.sueddeutsche.de/sparmeister
0
10
12
14
8
6
4
2
1990 1995 2000 2005 2010
Naturkatastrophen in den USA
Angaben in Milliarden Dollar*
*inflationsbereinigt SZ-Graphik: Eiden; Quelle: Munich Re
Gesamtschäden
davon versicherte Schäden
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unter anderem wichtige Bestandteile von Mobiltelefonen,
LCD-Bildschirmen, Festplatten, Magneten und Batterien
für Elektroautos. Aufgrund der Angebotsknappheit und
der wachsenden Bedeutung bei der industriellen Ver-
wendung konnten Aktien von Unternehmen aus diesem
Sektor in der Vergangenheit bereits deutlich zulegen.
Mit dem neuen Zertifikat auf den RBS Select Rare Earth
TR Basket ermöglicht RBS Anlegern einen diversifizierten
Erneuerbare Energien –
ein Investment für die Zukunft
RBS – Ihr führender Anbieter für
Zertifikate auf Erneuerbare Energien
Atomenergie und Kohle sind aus Umweltschutz- und
Sicherheitsgründen umstritten, Erdöl sowie Erdgas
knapp und teuer geworden. Gewinner dieser Entwick-
lung sind saubere Energien. Energie aus Wind und
Sonne sind umweltverträglich und stehen dauerhaft
zur Verfügung. Auch die Investoren erkennen dies
und setzen zunehmend auf diese unerschöpflichen
Energiequellen.
Mit der Royal Bank of Scotland können Sie an diesem
Anlagetrend partizipieren. Das bereits im Jahr 2005
emittierte Indexzertifikat auf den RBS Renewable Ener-
gy Index setzt sich aus Aktien der führenden Unter-
nehmen aus dem Wind- und Solarbereich zusammen.
Egal, ob sie in Anlagepapiere auf Windkraft- oder
Solarindizes investieren wollen - bei uns werden Sie
fündig.
Erneuerbare Energien – mit RBS umweltbewußt
investieren.
Name WKN
RBS Solar Energy Index Zertifikat ABN43J
RBS Renewable Energy Zertifikat ABN5GH
RBS Wind Zertifikat AA0WND
RBS Ökoinvest Zertifikat ABN2Z5
Stand: 27. April 2011
Produktinformation
Chancen, Risiken und mehr zu
unseren Produkten erfahren Sie hier:
Online unter www.rbs.de/markets
oder E-Mail Anlageprodukte@rbs.com
oder per Telefon +49 (0) 69 - 26 900 900
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Leitzinsen
Basiszins gemäß
Bürgerlichem Gesetzbuch seit 01.1.11 0,12%
Leitzins EZB seit 13.4.11 1,25%
Leitzins FED seit 16.12.08 0-0,25%
Indizes/Renditen 02.05. 29.04.
Bund-Future 122,86 122,92
Rex Perf. Dt.Renten-Idx 385,09 385,59
Umlaufrendite 3,04 3,05
10j. Bundesanleihe 3,23 3,24
10j. Staatsanleihe USA 3,32 3,30
10j. Staatsanleihe Großbrit. 3,45 3,46
10j. Staatsanleihe Japan 1,21 1,21
Euribor Dollar-Libor
in % 02.05. 29.04. 02.05. 29.04.
3 Monate 1,395 1,385 – 0,273
6 Monate 1,682 1,675 – 0,431
Eurogeldmarkt
1
)
02.05. Tagesgeld 1 Monat 6 Monate 1 Jahr
Euro 1,20–1,70 1,08–1,33 1,53–1,78 1,99–2,24
US-$ 0,10–0,60 0,07–0,32 0,34–0,59 0,66–0,91
brit-£ 0,45–0,95 0,52–0,77 0,88–1,13 1,33–1,58
sfr 0,01–0,51 0,01–0,31 0,20–0,50 0,60–0,90
Yen 0,01–0,51 0,01–0,26 0,12–0,37 0,29–0,54
Bundesemissionen
Bundesschatzbriefe Typ A 2,53% Endrendite
Typ B 2,85% Endrendite
Finanzierungsschätze 1 Jahr 1,25% Rendite
2 Jahre 1,57% Rendite
Bundespapiere (sortiert nach Restlaufzeit)
Kupon Anleihe 02.05. 29.04. Rend.
1,5 BS v. 09/11 100,05 100,06 0,82
5 BA v. 01/11 100,66 100,66 0,68
1,25 BS v. 09/11 II 100,04 100,05 1,11
3,5 BO S.149 v. 06/11 100,99 101,01 1,19
1,25 BS v. 09/11 III 99,99 100,01 1,26
1 BS v. 10/12 98,88 98,87 –
5 BA v. 02/12 I 102,49 102,50 1,21
1 BS v. 10/12 99,64 99,67 1,38
4 BO S.150 v. 07/12 102,38 102,39 1,44
0,5 BS v. 10/12 98,85 98,88 1,54
5 BA v. 02/12 II 103,93 103,95 1,52
0,75 BS v. 10/12 98,79 98,83 1,65
4,25 BO S.151 v. 07/12 103,62 103,65 1,66
4,5 BA v. 03/13 104,56 104,63 1,69
1,5 BS v. 11/13 99,45 99,51 1,80
3,5 BO S.152 v. 08/13 103,20 103,28 1,80
2,25 BO v. 07/13 Inflat. 105,07 105,14 –
3,75 BA v. 03/13 103,95 103,94 1,85
4 BO S.153 v. 08/13 104,83 104,83 1,94
4,25 BA v. 03/14 105,71 105,70 2,02
2,25 BO S.154 v. 09/14 100,53 100,52 2,06
4,25 BA v. 04/14 106,23 106,19 2,18
2,5 BO S.155 v. 09/14 100,85 100,79 2,23
3,75 BA v. 04/15 104,98 104,95 2,31
2,5 BO S.156 v. 10/15 100,48 100,46 2,37
2,25 BO S.157 v. 10/15 99,51 99,44 2,38
3,25 BA v. 05/15 103,09 103,08 2,45
1,75 BO S.158 v. 10/15 96,81 97,01 2,52
3,5 BA v. 05/16 104,03 104,02 2,57
2 BO v. 11/16 97,29 97,38 2,61
2,75 BO v. 11/16 100,57 100,66 2,62
1,5 BA v. 06/16 Infl. 105,44 105,43 0,47
6 BA v. 86/16 II 115,50 115,59 2,71
4 BA v. 06/16 106,23 106,23 2,68
5,63 BA v. 86/16 113,85 113,90 2,80
3,75 BA v. 06/17 105,13 105,23 2,76
4,25 BA v. 07/17 II 107,71 107,76 2,86
4 BA v. 07/18 106,53 106,43 2,91
0,75 BO v. 11/18 Inflat. 100,70 100,30 0,65
4,25 BA v. 08/18 107,96 107,95 2,99
3,75 BA v. 08/19 104,89 104,95 3,02
3,5 BA v. 09/19 103,02 103,06 3,07
3,25 BA v. 09/20 100,81 100,75 3,14
1,75 BA v. 09/20 Infl. 107,75 107,28 –
3 BA v. 10/20 98,56 98,45 3,18
2,25 BA v. 10/20 92,51 92,46 3,19
2,5 BA v.10/21 94,04 93,97 –
3,25 BA v.11/21 100,00 100,10 3,24
6,25 BA v. 94/24 128,11 128,18 3,47
6,5 BA v. 97/27 133,60 133,45 3,69
5,63 BA v. 98/28 123,31 123,40 3,72
4,75 BA v. 98/28 II 112,39 112,30 3,75
6,25 BA v. 00/30 133,20 133,07 3,74
5,5 BA v. 00/31 123,64 123,71 3,77
4,75 BA v. 03/34 114,63 114,67 3,79
4 BA v. 05/37 103,75 103,10 3,77
4,25 BA v. 07/39 I 108,71 108,28 3,74
4,75 BA v. 08/40 117,47 117,30 3,75
3,25 BA v. 10/42 91,33 91,23 3,72
Tagesanleihe des Bundes 100,20 Tageszins 1,27%
Ausl. Staatsanleihen
Kupon Anleihe 02.05. Rend. Bonit.
0 Argent.GDP-Lnkr 05/35 14,38 16,23 B-
v.2,26 Argentinien 05/38 35,75 8,20 B
3,5 Belgien 09/15 100,53 3,35 AA+
7,5 Bulgarien 02/13 105,82 3,87 BBB-
4,25 China 04/14 104,32 2,92 AA-
4,25 Finnland 07/12 103,20 1,83 AAA
3 Frankreich 09/14 101,87 2,37 AAA
4,3 Griechenland 09/12 85,94 – BB-
6,1 Griechenland 10/15 61,50 – BB-
5,9 Irland 09/19 73,00 10,93 A-
4,6 Irland 99/16 75,00 11,49 A-
3,75 Island 06/11 96,56 10,09 BB+
10,5 Jamaika 04/14 107,00 8,06 B-
11,5 Kolumbien 01/11 100,30 5,03 BB+
4,25 Lettland 04/14 101,75 3,60 BBB-
3,75 Niederlande 04/14 104,66 2,21 AAA
3,4 Österreich 09/14 102,60 2,60 AAA
6,5 Österreich 94/24 122,50 4,17 AAA
4,2 Polen 05/20 95,50 4,83 A-
3,85 Portugal 05/21 65,00 9,42 BBB-
6,4 Portugal 11/16 82,59 11,29 BBB-
3,13 Schweden 09/14 101,93 2,44 AAA
4,9 Spanien 07/40 85,85 5,93 AA
5,5 Spanien 11/21 100,70 5,41
5,25 Südafrika 03/13 103,60 3,35 BBB+
6,5 Türkei 04/14 106,65 3,91 BB+
5,63 Ungarn 01/11 100,45 2,05 BBB-
7 Venezuela 05/15 88,40 10,81 B+
Unternehmensanleihen
Kupon Anleihe 02.05. Rend. Bonit.
5,38 Allianz Fin.perp. 06/– 95,50 – A
4 BASF 05/12 101,55 1,86 A+
3,25 Bay.Lbk.Pfb 05/15 100,90 3,00 AAA
4,63 Bayer Capital 09/14 105,90 2,77 A-
7,88 Bertelsm. 09/14 111,84 3,22 BBB+
4,13 BMW Fin. 06/12 101,50 2,00 A-
5 Commerzbank 09/15 104,81 3,15 A
5,13 Cred.Suisse 09/12 102,55 2,24 AA-
9 Daimler 08/12 105,05 2,02 BBB+
7,88 Daimler 09/14 112,22 3,08 BBB+
3 Daimler 10/13 100,90 2,56 A-
7,75 Daimler Int. 09/12 104,90 2,13 BBB+
5 Dt. Börse 08/13 104,70 2,52 AA
4,88 Dt. Post Fin.03/14 105,00 2,95 BBB+
3,75 Dt. Postbank 09/14 103,03 2,60 AAA
4 Dt.Telek.Int.Fin.05/15 102,75 3,20 BBB+
5,5 Eon 07/17 109,77 3,75 A+
4,88 Eon 09/14 105,00 2,96 A+
4,13 Eon Intern. 09/13 102,87 2,55 A+
7,25 France Telecom 10/13 107,77 2,59 A-
4,75 Goldman Sachs 06/21 91,37 5,87 A
7,5 Heid.Cem. 10/20 106,50 6,51 BB
4,25 Henkel 03/13 103,44 2,52 A-
3,38 KfW 08/12 101,22 1,60 AAA
6,75 Linde 08/15 114,27 3,29 A-
4,63 Lufthansa 06/13 103,35 2,85 BB+
4,5 Maxingvest 04/14 103,20 3,48
4,88 Merck Fin.Serv. 09/13 104,60 2,84 BBB
4,63 Metro Fin. 04/11 100,17 0,78 BBB
6,12 Philips Electr.01/11 100,09 0,90 A
3,87 Porsche 06/16 101,22 3,59
4,375 Shell 09/19 104,72 3,60 AA+
4,5 Shell Intern. 09/16 105,50 3,23 AA+
5,75 Siemens Fin. 01/11 100,68 1,25 A+
4,13 Siemens Fin. 09/13 103,08 2,35 A+
5,13 Siemens Fin. 09/17 108,00 3,58 A+
5,75 Südzucker Int. 02/12 102,92 2,09
8 ThyssenKrupp 09/14 112,30 3,72 BBB-
6,63 Toyota Mot.Cr. 09/16 101,71 2,89
5,13 VW Credit 08/11 100,14 0,06 A-
Genussscheine 02.05. 29.04.
Bertelsmann 01 ff. 15% 226,80 226,80
Bertelsmann 92 ff. 3,97% 132,00 128,00
Depfa 86/10 7,5% 107,20 107,00
DG Bank 84/11 111,25 111,25
Magnum 03/50 12% 80,00 82,00
Pongs&Zahn 06/50 8,5% 0,32 0,32
Salvator Grund. 04/50 9,5% 27,25 27,25
Sixt 04/11 9,05% 114,50 114,70
WGZ Tr.B 86/11 8,25% 110,50 111,15
Münzen und Barren
02.05. 29.04.
London Gold (11:30) $/Uz. – 1508,00
London Gold (16:00) $/Uz. – 1511,00
London Silber (14:00) US-cts/Uz – 4530,00
Kupfer (DEL) —— 645,16–647,49
Münzen
2
) ( 17:37 ) Ankauf Verkauf Ankauf Verkauf
1 Uz Am.Eagle 1050,00 1121,00 1048,00 1119,00
1 Uz Platin Noble 1215,00 1441,00 1221,00 1446,50
1 Uz Maple Leaf 1050,00 1110,50 1048,00 1108,50
1/2 Uz Am. Eagle 530,00 589,50 529,00 588,50
1/2 Uz Philharm. 530,00 581,50 529,00 580,50
1/4 Maple Leaf 269,50 298,00 269,00 297,50
1/4 Uz Philharm. 269,50 296,50 269,00 296,00
1/10 Uz Am.Eagle 109,00 126,50 108,50 126,50
1 Uz Krüger Rand 1050,00 1108,00 1048,00 1096,50
1 Uz Britannia 1050,00 1115,50 1048,00 1113,50
1 UZ W. Philh. Silber 31,65 33,35 32,95 34,35
1 Uz Platin Koala 1215,00 1441,00 1221,00 1446,50
1/10 Uz Platin Koala 126,50 167,50 127,50 168,00
2 Rand Südafrika 241,00 264,00 240,50 263,50
100 österr. Kronen 1003,00 1088,00 1001,50 1086,00
4 österr. Dukaten 453,00 493,50 452,00 493,00
1/2 Uz Känguruh 530,00 581,50 529,00 580,50
1/10 Uz Känguruh 109,00 125,00 108,50 125,00
10 Rubel (Tscherwonetz) 255,00 289,50 254,50 289,00
20 sfr (Vreneli) 191,50 211,50 191,00 211,00
20 Goldmark (Wilh.II) 234,50 265,50 234,00 265,00
Barren
2
) Ankauf Verkauf Ankauf Verkauf
Gold, 1 kg 33576,00 34191,00 33517,00 34134,00
Gold, 100 g 3365,00 3450,00 3359,00 3444,00
Gold, 10 g 341,00 362,00 341,00 362,00
Silber, 1 kg 961,00 1050,00 1002,00 1091,00
Platin, 1 kg 38570,00 42153,00 38754,00 42320,00
Platin, 100 g 3877,00 4336,00 3896,00 4352,00
Für Industrieabnehmer
3
)
Feingold
Feingold, 1 kg 32810,00 35560,00 32340,00 35060,00
verarbeitet, 1 kg – 37260,00 – 36730,00
Feinsilber
Feinsilber, 1 kg 958,20 1061,40 1023,30 1133,10
verarbeitet, 1 kg – 1111,00 – 1186,10
Platin / Palladium
Platin (per Gramm) 38,01 41,41 37,71 41,08
Palladium (per Gramm) 15,88 17,47 15,92 17,53
Rohstoffe
Energie 02.05. 29.04.
Rohöl (Ldn.) Jun 123,83125,89
Brent Jul 123,56125,62
ICE $/Brl Aug 123,27125,30
Rohöl (NY) Jun 113,29113,93
WTI Jul 113,78114,43
Nymex $/Brl Aug 114,13114,71
02.05. 29.04.
Benzin (RBO) Jun 3,34 3,40
Nymex $/gal Jul 3,29 3,35
Heizöl (NY) Jun 3,22 3,28
Nymex $/gal Jul 3,23 3,29
Gasöl (Ldn) Mai 1019,01033,5
ICE $/t Jun 1021,81036,2
Edelmetalle
Gold (NY) Mai 1551 1556
Comex $/oz Jun 1556 1556
Jul 1554 1557
Silber (NY) Mai 4546 4858
Comex cts/oz Jun 4546 4859
Jul 4545 4860
Platin (NY) Jul 1868 1866
Nymex $/oz Okt 1870 1869
Jan 1848 1871
Palladi. (NY) Jun 787,4 792,2
Nymex $/oz Sep 789,0 793,8
Dez 787,6 795,2
Basismetalle
Kupfer (Ldn) Kse 9371 9349
LME $/t 3-Mt. 9391 9380
Nickel (Ldn) Kse 26610 26350
LME $/t 3-Mt. 26610 26450
Zink (Ldn) Kse 2222 2233
LME $/t 3-Mt. 2236 2242
Blei (Ldn) Kse 2531 2580
LME $/t 3-Mt. 2513 2531
Zinn (Ldn) Kse 32275 32195
LME $/t 3-Mt. 32325 32275
Alumini. (Ldn)Kse 2772 2740
LME $/t 3-Mt. 2774 2750
Agrarprodukte
Weizen (Pa) Mai 247,0 244,5
Matif Euro/t Nov 216,0 215,8
Sojaboh. (Ch) Mai 1387 1393
CME cts/bu Jul 1389 1394
Mais (Chi.) Mai 747,0 754,0
CME cts/bu Jul 751,3 756,5
Kaffee (NY) Mai 298,4 299,4
ICE cts/lb. Jul 302,0 299,9
Kakao (NY) Jul 3319 3390
ICE $/t Sep 3317 3390
Zucker (NY) Jul 21,59 22,25
ICE cts/lb. Okt 22,01 22,65
Rentenmarkt
ERLÄUTERUNGEN: Anleihen: Kurse in Prozent; BA=Bundesanleihe; BO=Bundesobligationen; BS=Bundesschatzanweisung;
PfB=Pfandbrief; Laufzeit (Emissionsjahre/Fälligkeit) hinter dem Namen; alle Bundespapiere besitzen Bonität AAA; Bonitäts-
einstufungen soweit verfügbar von S&P: AAA=exzellent, AA=sehr gut bis gut, A=gut bis befriedigend, BBB=befriedigend bis
ausreichend, BB=mangelhaft, B=mangelhaft, CCC bis C=ungenügend, Insolvenz absehbar, D=zahlungsunfähig; Euribor=Zinssatz
f. Termingelder in Euro unter Banken; Dollar-Libor=Zinssatz f. Termingelder auf Dollarbasis; 1) Unicredit Lux., Münzen und Bar-
ren; 2) pro aurum, Schalterpreise München, Angaben in Euro 3) W.C.Heraeus, Basis Londoner Fixing; Rohstoffe: CME=Chicago
Mercantile Exchange, Comex=Commodity Exch., ICE=Intercontinental Exch., LME=London Metal Exch., Matif=Marché à terme In-
ternat. de France, Nymex=New York Mercantile Echange Kursgrafik: smallCharts, Quelle: GOYAX.de, AID Hannover, Morningstar
Der Tod von Al-Qaida-Anführer
Osama bin Laden hat am Montag
die Anleger nur kurz in den Dollar
getrieben. Trotz der andauernden
Schuldenkrise in der Euro-Zone
griffenviele raschwieder beimEu-
ro zu und trieben den Kurs auf
über 1,49 Dollar. Nach Bekannt-
werden des Todes Bin Ladens in
der Nacht war der Euro auf 1,4760
Dollar abgerutscht, nachdem er
amFreitagabend noch1,4828 Dol-
lar gekostete hatte. „Vielen Inves-
toren kamder Schwächeanfall ge-
legen, da sie damit den Euro rela-
tiv günstig kaufenkonnten“, sagte
ein Händler. „An der Tatsache,
dass ein Ende der lockeren Fed-
Geldpolitik bis auf weiteres nicht
in Sicht ist, hat sich nichts geän-
dert“, meinte ein Devisenexperte.
In den USA sieht es nach wie vor
nicht nach einer baldigen Zins-
wende aus. Dort liegt der Leitzins
nahe null Prozent, inder Euro-Zo-
ne dagegen bei 1,25 Prozent. Zu-
dem werden von der EZB weitere
Zinserhöhungen erwartet.
Der Preis für Goldverlor bis auf
1540 Dollar je Feinunze, nachdem
das Edelmetall wenige Stundenzu-
vor mit 1575 Dollar noch einneues
Rekordhoch markiert hatte. Der
Silber-Kurs brachinder Spitze so-
gar umzehnProzent auf 42,58 Dol-
lar ein. SZ/Reuters/dpa
Investoren greifen weiter zum Euro
Gold
1400
1600
28.1.11 2.5.11
Öl
80
96
112
28.1.11 2.5.11
US-Anleihe 10J.
3,2
3,5
3,8
28.1.11 2.5.11
Bundesanleihe 10J.
3,2
3,4
28.1.11 2.5.11
Von Ol i ver Bi l ger
München – Die gute Nachricht kam per
E-Mail, Apple schrieb: Das neue iPad
werde zwei Wochen früher versandt, als
zunächst bei der Bestellung angegeben.
Diese Mitteilung haben viele in den ver-
gangenen Tagen erhalten, die ihren
Flach-Computer im Internet bestellt,
und sich zunächst auf eine lange Warte-
zeit eingestellt hatten.
Doch nun liefert Apple überraschen-
derweise schneller und die Nutzer müs-
sen sich früher für einen Datentarif ent-
scheiden, mit demsie unterwegs ins Inter-
net können. Das iPad 2 gibt es in zwei
Versionen: Mit der günstigeren Variante
sind Verbindungen ins Internet nur via
Wi-Fi möglich, mit der teureren Version
können Nutzer über das Mobilfunknetz
(UMTS) ins Internet. Um ins Netz zu
kommen, braucht man eine sogenannte
Micro-Sim-Karte, auf der die Zugangs-
daten gespeichert sind, und die es meist
gegeneine Anschlussgebühr gibt. Für an-
dere Tablet-Computer, wie etwa das Ga-
laxy TabvonSamsung, braucht maneine
gewöhnliche Sim-Karte.
Den passenden Datentarif zu finden
ist nicht so einfach. Das mobile Internet
hat sich in den vergangenen Jahren eta-
bliert. Gleichzeitigist die Zahl der Anbie-
ter und Tarifoptionen immer schwerer
zu überschauen.
Welche der vielen Möglichkeiten ist
für die Verbraucher die richtige? Exper-
ten raten, vor allem auf das persönliche
Nutzungsverhalten im Internet zu ach-
ten. Ambesten sucht man die individuel-
le Datenoption mit einem Tagestarif und
achtet dabei auf die Datenübertragungs-
raten, die das Gerät anzeigen kann.
Christof Zinkgräf, Telekommunikati-
onsexperte vom Verbraucherportal Ver-
ivox, empfiehlt, sichbei der Wahl des Ta-
rifs nicht alleine vongünstigenPreisenlo-
cken zu lassen: „Besonders sollte man
auf die Drosselung achten, denn ab ei-
nembestimmten Datenvolumen wird die
Übertragungsgeschwindigkeit verrin-
gert. Damit sinkt das Surf-Vergnügen,
wenn man auf große Datenmengen, wie
beispielsweise Videos, zugreifen will.“
Sobald das Limit erreicht ist, wird die
Höchstgeschwindigkeit des Internetzu-
gangs gebremst, man kann zwar immer
noch ins Netz, aber nur mit einer langsa-
meren Geschwindigkeit. Wann diese Be-
grenzung zuschlägt, hängt vom jeweili-
gen Tarif ab. Ein Datenvolumen von ei-
nem Gigabyte (GB) haben viele Anbieter
als Grenze für schnelles Surfen vorgege-
ben– damit kommt man in der Regel
recht weit. „Anstatt die Geschwindig-
keit zu drosseln, kappen einige Anbieter
die Verbindung, sobalddie Volumengren-
ze erreicht ist“, heißt es beimVergleichs-
portal Check 24. Was zunächst negativ
klingt, sei für den Verbraucher jedoch
einVorteil: „Da es sichdabei umPrepaid-
Verträge handelt, könnenKundenGutha-
ben wieder aufladen und gleich zu voller
Geschwindigkeit weiter surfen – anstatt
denRest des Monats mit gedrosselter Ge-
schwindigkeit.“
Wer eher selten imInternet ist, dem ra-
ten Experten zu einer Tagesflatrate. Die
ist, etwa bei Blau.de, schon für 2,40 Euro
zu haben. Der Vorteil: BeimPrepaid-Ver-
fahren bindet sich der Kunde nicht für ei-
nen längeren Zeitrauman einen Anbieter.
Eine Tagesflatrate des Anbieters Fonic
kostet 2,50 Euro und enthält ein Datenvo-
lumen von 500 Megabyte. Das Vergleichs-
portal Check 24 rechnet vor: Damit könne
der Nutzer etwa 500 Minuten im Internet
surfen, etwa auf Nachrichtenseiten oder
Einkaufsportalen.
Es geht übrigens noch eine Nummer
kleiner als mit einer Tagesflatrate; und
zwar mit einem sogenannten Zeitpaket.
„Wer nur ab und zu mobil im Internet
surft, findet hier einen günstigen Tarif“,
heißt es dazubei Check 24. Bei Bildmobil
etwa kosten 30 Minuten im Internet 59
Cent. Zudem wird eine Wochenflatrate
angeboten für 6,99 Euro.
Für Normalsurfer sind Ein-Monats-
Flatrates empfehlenswert. Je nach Surf-
verhalten gibt es diese beispielsweise bei
Maxxim Data ab 7,95 Euro monatlich.
Im Preis enthalten ist ein Datenvolumen
von 500 Megabyte. Monats-Flatrates, bei
denen die Drosselung der Geschwindig-
keit erst ab einem Gigabyte greift, sind
ab knapp zehn Euro zu haben.
Wer besonders viel im Internet surft,
wer womöglich Spielfilme direkt auf sei-
nen Tablet-Computer lädt oder das Ge-
rät als Laptop-Ersatz verwendet, sollte
sich für ein Flatrate-Angebot entschei-
den, bei demdie Geschwindigkeit erst ab
drei oder fünf Gigabyte gedrosselt wird.
Die sind ab knapp 15 Euro zu haben, An-
bieter knüpfen ihre Preise jedoch oft-
mals an eine längere Vertragslaufzeit.
Die großen Mobilfunknetzbetreiber
wie die Telekomsindmeist teurer als klei-
ne Anbieter, die jedoch die selben Netze
wie die großen nutzen. NebendenKosten
sollte immer auch die verfügbare Über-
tragungsgeschwindigkeit und die Netz-
abdeckung verglichen werden. Mancher
Provider deckt ländliche Gebiete nur mä-
ßig ab. Expertenratenaußerdem: Wo im-
mer ein kostenloses Wi-Fi-Netz zur Ver-
fügungsteht, sollte dieses der UMTS-Ver-
bindung vorgezogen werden. Das spart
wertvolles Datenvolumen.
Von Haral d Frei berger
Frankfurt – Erst überschütteten sie ihn
mit Bier, dann trugensie ihnauf Händen.
Jürgen Klopp, Trainer und Meisterma-
cher von Borussia Dortmund, stand im
Mittelpunkt der Feierlichkeiten am ver-
gangenenSamstag. Inder Ruhr-Metropo-
le herrschte zwei Tage lang Ausnahmezu-
stand. Anleger hatten gehofft, dass sich
die Feierlaune am dritten Tag auch auf
dem Börsenparkett fortsetzen würde.
Doch der Schuss ging nach hinten los:
Die Aktie von Borussia Dortmund sackte
zum Börsenstart um sechs Prozent ab.
Nach einer zwischenzeitlichen Erholung
lag sie zum Handelsschluss dann sogar
mit 7,7 Prozent im Minus bei 2,86 Euro.
Die Anleger waren wohl einer alten
Börsenweisheit gefolgt: Sell on good
news. Verkaufe bei guten Nachrichten.
„Mit der Meisterschaft waren alle guten
Nachrichten im Kurs enthalten, jetzt ist
erst einmal nichts größeres Positives
mehr inSicht“, sagt SebastianHein, Ana-
lyst beimBankhaus Lampe, der die Aktie
seit Jahren beobachtet. Viele Investoren
nahmen Gewinne mit, zumal der Kurs
seit Herbst rasant gestiegen war (Chart).
Die Aktie des Bundesliga-Clubs war
vonAnfang annur etwas für hartgesotte-
ne und leidensfähige Fans. Im Jahr 2000
kam sie zum Preis von elf Euro auf das
Parkett. Nachdenerfolgreichen90er Jah-
ren mit zwei Meisterschaften und einem
Champions-League-Sieg sahen sich die
Dortmunder reif für einenaußergewöhn-
lichen Schritt: Als erster deutscher Fuß-
ballverein wagten sie den Gang an die
Börse. 143 MillionenEuro nahmen sie da-
bei ein. Das Geld sollte helfen, sich lang-
fristig an Europas Spitze festzusetzen.
Doch es kam anders. Mit dem Börsen-
gang begann der Niedergang des Ver-
eins. Den Ausgabepreis erreichte die Ak-
tie nie wieder, Jahr für Jahr sank der
Kurs. Borussia Dortmund warf mit dem
Geld um sich, holte sündhaft teure Spie-
ler wie Amoroso, Tomas Rosicky oder An-
dy Möller. Der große Erfolg aber blieb
aus. 2004 hatte der Verein nicht nur das
Geld aus dem Börsengang verpulvert,
sondernobendreinSchuldenvon122 Mil-
lionen Euro aufgetürmt. Borussia stand
vor der Insolvenz. ImMärz 2005 segneten
die Gläubiger einen Sanierungsplan ab.
Mit der Aktie ging es in den folgenden
Jahren aber weiter nach unten, bis auf
ein Tief von einem Euro. Wer das Papier
von Anfang an gehalten hatte, verlor
mehr als 90 Prozent seines Geldes.
Im Herbst vergangenen Jahres begann
der wundersame Wiederaufstieg der Ak-
tie, der eng mit dem Namen Klopp und
seiner jungen Zauber-Elf verknüpft ist.
Spieltag um Spieltag zeigte die Mann-
schaft ihre Qualität, währendHauptkon-
kurrent Bayern München schwächelte.
Je wahrscheinlicher die Teilnahme in der
Champions League im Jahr darauf wur-
de, umso stärker kletterte die Aktie. Im
November stand sie bei fast 3,50 Euro –
dreieinhalbMal so hochwie auf demTief-
punkt. Seitdem entwickelt sich der Kurs
seitwärts, die große Euphorie an der Bör-
se scheint vorbei.
Wie geht es weiter? „Das hängt in ers-
ter Linie davon ab, ob die Mannschaft
noch länger zusammenbleibt“, sagt Ana-
lyst Hein. Für die nächste Saison sei das
weitgehendgesichert. Bei weiteren Erfol-
genwürdendie Begehrlichkeitenaber zu-
nehmen. Die Spieler dürften Angebote
von anderen Vereinen erhalten. Bayern
Münchenoder die Werksclubs aus Wolfs-
burg und Leverkusen hätten aktuell
noch die größeren finanziellen Ressour-
cen. „Entscheidend ist, dass Trainer
Klopp, der Vater des Erfolgs, bis 2014 un-
terschrieben hat“, sagt der Analyst.
Die Champions-League-Teilnahme
bringt mindestens 20 Millionen Euro in
die Kasse. Die Hälfte davon soll in Spie-
ler undStadioninvestiert werden, die an-
dere Hälfte geht in die Schuldentilgung.
Immerhin steht die Borussia noch mit 70
Millionen Euro in den Miesen. Übersteht
der Verein in der Champions League die
Gruppenphase, könnten auch bis zu 50
Millionen Euro hereinkommen. Als das
größte Kapital des Clubs sieht Geschäfts-
führer Hans-Joachim Watzke aber die
jungen Spieler. Talente wie Nuri Sahim,
Mario Götze oder Kevin Großkreutz ha-
ben ihren Marktwert in der letzten Sai-
son vervielfacht. Watzke spricht von
„stillen Reserven“ in Höhe von 100 Milli-
onen Euro.
Das Risiko bei einer Fußball-Aktie ist
trotzdem viel höher als in anderen Bran-
chen. Die Euphorie kann sehr kurzlebig
sein. „Anleger sollten sich ein eigenes
Bild davon machen, ob sie erwarten, dass
der Erfolg langfristig anhält oder nur ei-
ne Saison lang währt“, rät Analyst Hein.
Frankfurt – Kaum kauft sich die Com-
merzbank vom Staat los, schon fließen
die Gewinne: Das Geldhaus, das derzeit
an einer Kapitalerhöhung arbeitet, ist
überraschend gut ins Jahr 2011 gestar-
tet. Im ersten Quartal erzielte das Insti-
tut einen operativen Gewinn von 1,1 Mil-
liardenEuro – 330 Millionenmehr als vor
einem Jahr und 210 Millionen mehr, als
Analysten erwartet hatten. Mit einem
Plus von mehr als drei Prozent war die
Aktie am Montag der größte Gewinner
im Deutschen Aktienindex. „Was über-
zeugt, ist die deutlich gesunkene Risiko-
vorsorge“, sagte Olaf Kayser, Analyst bei
der Landesbank Baden-Württemberg.
Weil die Konjunktur in Deutschland
boomt, musste das Institut 320 Millionen
Euro weniger für ausfallende Unterneh-
menskredite zurücklegen.
Unter dem Strich machte die Com-
merzbank im ersten Quartal einen Ge-
winn von einer Milliarde Euro. Im Vor-
jahreszeitraum waren es 708 Millionen
Euro. Alle Bereiche schlossen positiv ab:
das Firmenkundengeschäft, das Privat-
kundengeschäft und die Investment-
bank. Weil die Zahlen besser ausfielen
als von Analysten angenommen, teilte
die Bank sie vorab in einer Ad-hoc-Mel-
dung mit. Die detaillierten Daten folgen
an diesem Freitag direkt vor der Haupt-
versammlung.
Das Aktionärstreffen zog das Geld-
haus in diesem Jahr um zwölf Tage vor,
um die Kapitalerhöhung zügiger über
die Bühne zu bringen. In zwei Schritten
will sich die Bank von Investoren 14,3
MilliardenEuro holen. Damit zahlt sie ei-
nen großen Teil der Staatshilfe von 16,4
Milliarden Euro zurück. Auf dem Höhe-
punkt der Finanzkrise im Herbst 2008
musste das Institut, das damals mit der
maroden Dresdner Bank fusionierte,
vom Bund gerettet werden. Auf die stille
Einlage des Staates wären eigentlich je-
des Jahr 1,5 Milliarden Euro Zinsen fäl-
lig gewesen.
Doch da die Bank zwei Jahre in Folge
keinen Gewinn erzielte, fiel die Zinszah-
lung zweimal aus. Besonders 2010 ärger-
ten sich Berliner Politiker darüber, da
das Geldhaus nach dem internationalen
Bilanzierungsstandard IFRS zwar mehr
als eine Milliarde Euro Gewinn gemacht
hatte, nach dem maßgeblichen deut-
schenBilanzrecht aber eine Milliarde Eu-
ro Verlust. Als Ausgleich für entgangene
Zinsen und um aus dem Vertrag mit dem
Bund herauszukommen, zahlte die Bank
vor wenigen Wochen lediglich rund eine
Milliarde Euro an den Bund. hf
Billiger surfen
Wer mit seinem Tablet-PC unterwegs ins Netz geht, braucht einen Datentarif. Wie sich der richtige finden lässt, ist nicht so einfach
Kloppe für Klopps Aktie
Die Meisterfeier an der Börse fällt aus: Das Papier von Borussia Dortmund verliert deutlich, weil Anleger die Gewinne der vergangenen Monate einsacken
Da schau her,
ein Gewinn
Die Commerzbank
verdient mehr als erwartet
SZ-Grafik
smallCharts
Quelle:
T.F.Datastream
Vortag 3,10
Höchstwert · 30.10.00 10,40
Tiefstwert · 7.7.09 0,84
0
2
4
6
8
10
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
Borussia Dortmund
Xetra-Kurse in Euro, seit 30.10.00
2.5.2011 · Schluss 2,86
Wenig-Surfer
Normal-Surfer
Viel-Surfer
SZ-Graphik; Foto: dpa; Quelle: check24
1
pro Tag;
2
pro Monat
blau.de
Fonic
N24
Financial Times
T-Mobile
simply
maxxim
fastSIM
Discosurf
1&1
simply
maxxim
Discosurf
fastSIM
blau.de
Tagesflatrate
Tagesflat
24 Stunden
24 Stunden
24 Stunden
500 MB Flatrate
500 MB Flatrate
M
discoSURF M
Notebook-Flat
5 GB Flatrate
5 GB Flatrate
discoSURF L
L
Daten-Flatrate
2,40
1

2,50
1

2,99
1

2,99
1

4,95
1

7,95
2

7,95
2

9,95
2

9,95
2

9,99
2

14,95
2

14,95
2

18,95
2

18,95
2

19,80
2

1 GB
500 MB
1 GB
1 GB
1 GB
500 MB
500 MB
1 GB
1 GB
1 GB
5 GB
5 GB
5 GB
5 GB
5 GB
Prepaid
Prepaid
Prepaid
Prepaid
Prepaid
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Vertrag
Tarif Anbieter Nutzerprofil Kosten für
Nutzung
E-Plus
O2
Vodafone
Vodafone
T-Mobile
O2
O2
Vodafone
O2
Vodafone
Vodafone
Vodafone
Vodafone
Vodafone
E-Plus
Netz Drosselung
nach
Tariftyp
Angebote gibt es viele: von minutengenauer
Abrechnung bis zu Verträgen mit einer
Laufzeit von zwei Jahren. Bei der Entschei-
dung für einen Datentarif sollte man neben
dem eigenen Surfverhalten auch die
Übertragungsgeschwindigkeit und die
Netzabdeckung beachten.
von minutengenauer
gen mit einer
Bei der Entschei-
llte man neben
auch die
und die
Die günstigsten Verbindungen
Seite 26 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
GELD
Wer selten im Internet ist,
dem raten Experten
zu einer Tagesflatrate.
Am Samstag trugen die BVB-Spieler ihren Trainer Jürgen Klopp auf Händen. An der Börse gab es am Montag nichts zu jubeln. Foto: Eibner-Pressefoto
Kiel – Mit José Mourinho hat Alfred Gis-
lason, der Handballtrainer des THW
Kiel, außer ähnlichen Erfolgen wenig ge-
mein. Der Fußballcoach vonReal Madrid
ist Portugiese und ein durchaus eitler
Selbstdarsteller, während der eher blas-
se Isländer Gislason sich wenig in den
Vordergrund schiebt. Nach der 33:36-
Niederlage des Champions-League-Titel-
verteidigers THWgegen den FCBarcelo-
na (Hinspiel: 25:27), welche die Kieler
erstmals nach vier Endspiel-Teilnahmen
nacheinander ausschließt vom Finale,
hat Gislason aber Politik gemacht wie
kürzlich der Gockel der Trainerzunft.
„Ich will hier jetzt keinen Mourinho ma-
chen“, hat Gislason nach dem Aus ge-
sagt, aber dann genau das getan: Er hat
auf die aus seiner Sicht „nicht ganz un-
parteiischen“ dänischen Schiedsrichter
hingewiesen und behauptet, es sollte
„keine dritte deutsche Mannschaft ins Fi-
nal Four nach Köln kommen“.
Abgesehen davon, dass die Referees
sich tatsächlich nicht als Freunde der
Kieler erwiesen, war dieser Nebenaspekt
wohl nur der Versuch, die eigenen Unzu-
länglichkeiten zu kaschieren. Als Gisla-
son anfing, etwas genauer die eigenen
Schwächen zu analysieren („die Abwehr
hätte besser sein müssen“), rutschte ihm
der Satz heraus, man hätte „noch zwei
Stunden spielen können“, ohne eine
Chance gegen die zum Teil mit acht To-
ren führenden Katalanen zu haben.
Nun treffen beim Endturnier am
28./29. Mai zwei spanische undzwei deut-
sche Teams aufeinander: Neben Barcelo-
na noch Real Ciudad (38:24 und 21:22 ge-
gen die SG Flensburg-Handewitt), der
wohl kommende deutsche Meister HSV
Hamburg (38:24 und37:37 gegenMedwe-
di Tschechow) sowie die Rhein-Neckar
Löwen, die nacheiner 27:29-Heimnieder-
lage gegen Montpellier HB mit ihrem
35:26-Sieg in Frankreich die Sensation
perfekt machten.
Zu besichtigen war in Kiel ein THW-
Team, das nachdenBundesliga-Heimnie-
derlagen gegen Großwallstadt und die
Rhein-Neckar Löwen seinen legendären
Heimnimbus eingebüßt hat. Die Kieler
zeigten plötzlich zu viel Respekt vor dem
FCBarcelona, der laut CoachXavi Pascu-
al „Stolz und Klasse“ zeigte und jeden
Lapsus der Kieler gnadenlos ausnutzte.
Seltenhat manso viele THW-Fehler inei-
nem internationalen Spiel gesehen. Da
verstolperte der Welthandballer Filip Ji-
cha in bester Kontersituation; da spielte
HendrikLundströmvormeigenen Tor ei-
nen Spanier an. Und Torhüter Thierry
Omeyer warf bei zwei Gegenstößenso un-
präzise auf die Kollegen, dass diese die
Bälle nicht aufnehmen konnten, was
zwei große Chancen vermasselte.
Mit Omeyer, dem Weltmeister aus
Frankreich, der denKielern schon so vie-
le Spiele gewonnen hat, begann das
Elend. Nur drei Paraden zeigte er in ei-
ner Abwehr, die von Gislason mit vielen
Wechseln durcheinander gebracht wur-
de. Sein Gegenüber Danjel Saric rettete
während der Partie dagegen 17 Mal. Als
der verzweifelte Gislason beim Stand
von 16:24 (36. Minute) genug hatte vom
vergeblichen Bemühen Omeyers und den
Schweden Andreas Palicka einsetzte,
war es zu spät. Zwar fasste der Hallen-
sprecher nocheinmal Mut, nachdemPali-
ckaeinige Chancenvereitelt hatte under-
innerte andas imvorigenJahr gegenBar-
celona gewonnene Finale: „Da lagen wir
18 Minuten vor Schluss mit sechs Toren
hinten, diesmal sind es in 20 Minuten sie-
ben Tore. Wir haben noch eine Chance.“
Doch die erneute Wende blieb aus.
Nicht nur wegenKeeper Saric undBar-
celonas mächtigem Kapitän Laszlo Na-
gy, sondern vor allemwegen jenemSpie-
ler, den die Kieler Zuschauer wegen sei-
ner oft unfairen Art bei jeder Ballberüh-
rung auspfeifen: Siarhei Rutenka, der
Spanier mit weißrussischenWurzeln, der
einst auch für Slowenien spielte, traf
gleich achtmal ins THW-Netz. Er spielte
so gewitzt, dass die Fans am Schluss so-
gar einige Male vergaßen, ihnihre Abnei-
gung auch akustisch spüren zu lassen.
Acht Tore gelangen auch THW-Kapi-
tän Marcus Ahlmsowie Momir Ilic. Doch
die Mannschaft, die derzeit bis auf Dani-
el Narcisse (Wadenzerrung) keine Ausfäl-
le hat, wirkt nicht so homogen wie in den
vergangenen Jahren, als oft wegen etli-
cher Verletzter eine kleine Gruppe die
Gegner fast wie im Traum ausspielte.
Der Rekordmeister hat in dieser Sai-
son schon die deutsche Meisterschaft
und den Champions-League-Titel ver-
spielt, aber am Wochenende in Hamburg
kann er noch verhindern, dass er erst-
mals seit 2003 gänzlich ohne Trophäe
bleibt: mit einem Sieg im DHB-Pokal.
Und Mitte Mai können die Kieler auch
noch den „Super Globe“ gewinnen, die
inoffizielle Klub-WM. Filip Jicha aber
ist etwas anderes viel wichtiger als doch
nocheinkleiner Titel. Für denTschechen
ist es wesentlicher, „dass wir endlichwie-
der spielerische Ruhe bekommen“.
Dann, so glaubt der abgekämpfte Torjä-
ger, „kommt automatisch wieder etwas
raus“. Jörg Marwedel
Bratislava – Felix Schütz kam um die
Ecke gebogen, in die Mixed Zone der On-
drej Nepela Arena, schweißnass noch
vom soeben erreichten Sieg gegen den
WM-Gastgeber Slowakei, er grinste,
„na“, sagte er, „wie geht’s?“ Ihm selbst
ging es gut, natürlich, nicht nur wegen
dieser zwei erstaunlichen Siege gegen
Russland und die Slowakei, 2:0 und 4:3,
sondern schon allein deshalb, weil er
jetzt hier ist, bei der Nationalmann-
schaft. Bei seinem Arbeitgeber in Ingol-
stadt gefällt es ihm nicht so gut, er ver-
steht sich mit dem dortigen Trainer Rich
Chernomaz nicht. Bereits im November,
sagt Schütz, „hab’ ichmichauf die Natio-
nalmannschaft gefreut“, und das ist
dann schon ein Teil der Antwort auf die
Frage, die sich gerade alle in Bratislava
stellen: Was ist bloß mit Deutschland los?
Der deutschen Eishockey-Auswahl ist
bei dieser WM in Bratislava Historisches
gelungen, und jetzt sind überall diese
Zahlen zu lesen: erster WM-Sieg gegen
Russland nach 37 vergeblichen Versu-
chen, erstmals seit 2003 zwei Auftaktsie-
ge bei einer WM (damals allerdings wa-
ren die Gegner Japan und Ukraine), erst-
mals seit 1933 Vorrundengruppensieger
bei einer WM, schonvor demabschließen-
den Spiel gegen Slowenien an diesem
Dienstag. Die Deutschen bekommen viel
Aufmerksamkeit indiesenTagen, manch-
mal ist das kurios: AmMontag wurde für
Bundestrainer Uwe Krupp sowie die
Spieler Felix Schütz, John Tripp und Mi-
chael Wolf eigens eine internationale
Pressekonferenz angesetzt. „Das war das
erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe“,
sagt Schütz, er bekommt leuchtende Au-
gen, „manfühlt sichfast wie einStar.“ In-
ternationale Pressekonferenzen, das ken-
ne er eigentlich nur aus dem Fernsehen.
Schlüsselerlebnis in Bern
Mr. Krupp, fragt ein englischsprachi-
ger Reporter, können Sie uns bitte erklä-
ren, was im deutschen Eishockey in den
letzten Jahren passiert ist? Uwe Krupp
antwortet ausführlich, er spricht über
Strukturen, Nachwuchsförderung, über
sein Programm, über den Typ Spieler,
den er dafür brauche. In einem Satz zu-
sammengefasst wäre die Antwort: Uwe
Krupp und der Deutsche Eishockey-
Bund haben die richtigen Lehren gezo-
gen aus Bern 2009. Dort, bei der WM in
der Schweiz, stieg die deutsche Mann-
schaft nach einigen üblen Auftritten ab,
„und das“, sagt Krupp nun, „war unser
Schlüsselerlebnis“.
In Bernwarenelf Spieler des aktuellen
Kaders dabei, Michael Wolf zum Bei-
spiel, der Kapitän. „Wir wollen so etwas
nicht mehr erleben“, sagt er. Dafür ren-
nen sie jetzt, es ist viel von einemspeziel-
len Spirit die Rede, Uwe Krupp formu-
liert es so: „Unsere Spieler sind Krieger,
sie ziehen das Nationaltrikot über, und
dann geht ein Ruck durch die Mann-
schaft.“ Krupp ist bislang nicht als
Freund martialischer Sprache aufgefal-
len, aber das ist wohl auch als Teil seines
Versuchs zu verstehen, zu erklären, was
gerade in Bratislava passiert. Dabei gibt
es auch konkrete, weniger pathetische
Gründe für die Tatsache, dass Deutsch-
land nach dieser WM wohl erstmals seit
siebenJahrenwieder indenTopAcht der
Weltrangliste geführt wird. Nach Bern
hat Uwe KruppseinenTrainerstabumge-
baut, seitdemsteht Harold Kreis bei Tur-
nieren als Co-Trainer zur Verfügung.
Der Cheftrainer der Adler Mannheim
gilt als maßgeblich verantwortlich für
das System, das die deutsche Mann-
schaft spielt; er hat vor der Heim-WM
2010 für jeden Spieler ein Playbook mit
der Grundidee des deutschenSystems an-
gefertigt. Auch die hat sich ja verändert:
Zu Beginn seiner Amtszeit 2005 versuch-
te Uwe Krupp noch, die Mannschaft of-
fensiver auszurichten als seine Vorgän-
ger, jetzt aber konzentriert sichdas Team
wieder mehr auf seine typischen Tugen-
den, die Defensive, die körperliche Fit-
ness, die Bissigkeit. Mit einem Unter-
schied zu früher: Die deutschen Spieler
erzielen jetzt auch Tore.
„Wir haben mehr Zug zum Tor“, sagt
Michael Wolf. Im Training lässt Krupp
häufig Torschüsse mit sofortigem Nach-
schuss üben, er verlangt ein geradliniges
Spiel, ohne Schnörkel, mit schnellen,
raumgreifenden Pässen. Die Verteidiger
sind angehalten, schnell den Puck aus
der eigenen Zone auf die andere Seite der
Eisfläche zu bringen, gegen die Slowakei
sah das manchmal aus wie beim Hand-
ball: Scheibengewinn, die Stürmer sprin-
ten los, ein, zwei schnelle Pässe, Ab-
schluss, wie beim Tempogegenstoß.
Weltmeister? Warum nicht?
All das funktioniert auch deshalb, weil
die Mannschaft aus einem Kern besteht,
der über die Jahre gleichgeblieben ist.
Für seine Nominierungstaktik, sagt Alex-
ander Barta, „ist der Trainer oft kriti-
siert worden, aber er hat seinen Plan
durchgezogen“. Der Plan war, einen
Stamm aus jungen Spielern zu schaffen,
die sich auf der gleichen Wellenlänge be-
wegen. „Man kommt nach einem halben
Jahr wieder zusammen“, sagt Wolf,
„aber es ist, als habe man sich erst ges-
tern getroffen.“
Uwe Krupp wird nach der WM zu den
Kölner Haien wechseln, definitiv, der
Verband sucht derzeit einen Nachfolger.
In seiner sechsjährigen Amtszeit hat
Krupp nicht immer Lob bekommen, er
hat die Gegebenheiten des Geschäfts er-
lebt, die sich stets amResultat des letzten
Spiels orientieren. Die Gegebenheiten
sind jetzt so, dass auf einmal alles mög-
lich erscheint. Kann Deutschland Welt-
meister werden? Felix Schütz wurde das
gefragt, da schmunzelte er, unddannant-
wortete er nur: „Warum nicht?“
Aber Schütz und seine Kollegen wer-
den die Bodenhaftung nicht verlieren, sie
haben schon zu viel erlebt. 2007 zumBei-
spiel, die U20-WM in Leksand, Schwe-
den: Schütz und vier weitere des heuti-
gen A-Kaders waren dabei, als Deutsch-
landzumAuftakt die USAunddie Slowa-
kei besiegte, danach aber jedes Spiel ver-
lor. Und abstieg. Michael Neudecker
2:0 gegen Russland? 4:3 gegen die
Slowakei? Ja: Die Eishockey-Welt-
meisterschaft 2011 in der Slowakei
ist eine echte WM. Ja: Deutschland
hat wirklichseine erstenbeidenSpie-
le gewonnen, gegen zwei Titelfavori-
ten, ist wirklich schon Sieger der als
soanspruchsvoll eingeschätztenVor-
rundengruppe A, einen Spieltag vor
dem Ende. Und ja: Der erste Reflex
ist nachvollziehbar – wenn Deutsch-
lands Eishockeyspieler gewinnen,
kann irgendetwas nicht stimmen.
Der Gegner müde, zu schlecht aufge-
stellt, nur mit einer C-Auswahl am
Start, und so weiter. Aber dieser Re-
flex ist falsch, jedenfalls hier und
jetzt, in Bratislava 2011. Russland
und die Slowakei haben keine dritt-
klassigen Mannschaften geschickt,
sondern erstklassige, mit hoch-
bezahlten und hochtalentierten Ak-
teuren aus der nordamerikanischen
Eliteliga NHL. Sie waren nicht mü-
de, sondern überrumpelt – von einer
dynamischen deutschen Mann-
schaft, mit der sie so nicht gerechnet
hatten. Und die, das nebenbei, gänz-
lich ohne ihre Besten antritt, ohne
Ehrhoff, Sturm, Seidenberg, Goc,
Sulzer, die gerade in der NHL um
den Titel kämpfen.
Eishockey ist eine festgefügte
Zweiklassengesellschaft, mit den
großen Nationen auf der einen Seite,
Russland zumBeispiel, Kanada oder
Tschechien, aber auch der Slowakei,
die 2002 Weltmeister war. Und den
kleinen auf der anderen, bei denenes
stets nur darum geht, wer diesmal in
die Abstiegsrunde muss. Natürlich
wird die Weltspitze für Deutschland
nochlange fernbleiben– aber immer-
hin bewegt sich das deutsche Eisho-
ckey erstmals seit Jahrzehnten vor-
wärts. Zum zweiten Mal nacheinan-
der wird die Auswahl zumindest im
Viertelfinale einer WM stehen, bei
der Heim-WMvergangenes Jahr war
sie sogar im Halbfinale. Dass der
zweite Erfolg nun ohne die Unter-
stützung des Heim-Publikums ent-
stand, wertet ihn zusätzlich auf.
Der Verband nutzt die Gelegen-
heit, stellt während der WM im Hin-
tergrund bereits die Weichen für die
Zukunft. In diesen Tagen wird der
Vertrag mit dem Nachfolger des auf
eigenen Wunsch zu den Kölner Hai-
enwechselnden Bundestrainers Uwe
Krupp unterzeichnet, auch auf der
Sportdirektor-Position wurde durch
die Weglobung des langjährigen
sportlichen Leiters Franz Reindl auf
den Posten des Generalsekretärs ein
Signal für die Neustrukturierung ge-
setzt. Nun ist die Liga in der Pflicht:
Derzeit laufen die Verhandlungen
für den neuen Kooperationsvertrag
zwischenVerbandundDEL, die Ver-
handlungen stocken, weil jede Partei
für sich beansprucht, die Spielregeln
vorgeben zu dürfen.
Das deutsche Eishockey hat in
Köln 2010 und in Bratislava 2011 für
sich geworben. Und sich dadurch ei-
ne vielleicht einmalige Chance aufge-
tan, das so nachhaltig zertrümmerte
Image wieder zusammenzufügen. Es
liegt an den Funktionären auf bei-
den Seiten, der Liga wie dem Ver-
band, diese Chance zu nutzen.
Miami (dpa) – Dank des überragenden
Dwyane Wade haben die Miami Heat ihr
erstes Playoff-Viertelfinalspiel gegen die
Boston Celtics in der nordamerikani-
schen Basketball-Profiliga NBA gewon-
nen. In einemhitzigen Duell erzielte Wa-
de beim 99:90-Heimerfolg am Sonntag-
abend 38 Punkte. Angetrieben von Wade
und dem Dreier-Spezialisten James Jo-
nes, der 25 Zähler verbuchte, lag Miami
bereits zur Halbzeit 51:36 vorne. Spätes-
tens als Bostons Kapitän Paul Pierce (19
Punkte) im letzten Viertel wegen seines
zweiten technischen Fouls vom Feld
musste, war die Partie entschieden. Die
Serie führt über maximal sieben Spiele.
Bei einem weiteren Viertelfinal-Auf-
takt sorgten die Memphis Grizzlies für
die nächste Überraschung: Sie gewan-
nen 114:101 bei Oklahoma City Thunder.
Zuvor hattendie Grizzlies in denSanAn-
tonio Spurs das beste Team der Punkte-
runde ausgeschaltet.
München (sid) – Abfahrts-Olympiasiege-
rin Lindsey Vonn hat sich erstmals zu
ihremStreit mit Gesamtweltcup-Gewin-
nerin Maria Riesch geäußert. Sie habe
nachdemerstenSlalom-Lauf beimWelt-
cupinSpindlermühle am12. März aufge-
hört, mit Rieschzusprechen, weil die Par-
tenkirchnerin „eine Reihe von negativen
Interviews“ gegeben und fortwährend
„schlecht über mich geredet“ habe,
schrieb Vonn auf Facebook. „Ich bin we-
gen ihres Handelns sehr verletzt.“
Dafür, dass sie Rieschs Hochzeit Mitte
April ferngeblieben war, machte die
Amerikanerin ebenfalls Riesch verant-
wortlich. „Ich habe mich entschieden,
nicht hinzugehen, weil Maria und ihr
Lager mir gegenüber immer feindlicher
aufgetreten sind – persönlich und öffent-
lich.“ Das habe sie Riesch auch in einem
Brief mitgeteilt. Die 26-Jährige lobte
Riesch als „außergewöhnliche Athletin“,
denknappenSieg vor ihr imGesamtwelt-
cup habe Riesch „absolut verdient“.
Dienstag, 3. Mai 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 27
Champions League, Endrunde in Köln
Halbfinale (28. Mai)
Rhein-Neckar Löwen – FC Barcelona
BM Ciudad Real – HSV Hamburg
Finale am 29. Mai
Europapokal der Pokalsieger
Tremblay HB/Frankreich – VfL Gummersbach
EHF-Pokal
Frisch Auf Göppingen – TV Großwallstadt
Challenge-Cup
Benfica Lissabon – RK Cimos Koper/Slowenien
Hinspiele 14./15. Mai; Rückspiele 21./22. Mai
Auf gleicher Wellenlänge
Die deutsche Eishockey-Auswahl verblüfft bei der WM mit wiederentdeckten Tugenden und einem neuen Zug zum Tor
So viele Fehler wie selten
Kiels Handballer verspielen gegen Barcelona Titel und Heimstärke
Es bewegt
sich was
Von Michael Neudecker
Miami besiegt Boston in NBA-Playoffs
Wade treibt an
Lindsey Vonn über Maria Riesch
„Immer feindlicher“
SPORT
Deutsche Domänen
Finals der Europacup-Bewerbe
Querleger: Der deutsche Torwart Dimitri Pätzold (links) verwehrt Marian Hossa den Zugang zum Tor. Getty
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Basketball
Männer, Bundesliga, Viertelfinale
1. Spiel (Best of 5)
Bamberg – Bremerhaven 91:80 (43:43)
Roberts 17, Jacobsen 15, Pleiß 15, Suput 11,
Terry 10 – Callahan 16, Everett 14, Denison 14,
Brewer 12, Shtein 10. – Zus.: 6800 (ausv.).
Artland – Braunschweig 90:61 (53:24)
Bailey 17, Fenn 16, Hess 14, Rice 13, Boumtje
Boumtje 11 – Thomas 13, Cain 10. – Zuschau-
er: 3000 (ausverkauft).
NBA, 2. Playoff-Runde (Best of 7)
Oklahoma City Thunder – Memphis Grizzlies
101:114 (Stand: 0:1); Miami Heat – Boston Cel-
tics 99:90 (Stand 1:0).
Eishockey
WM in der Slowakei, Vorrunde
Gruppe A in Bratislava
Slowakei – Deutschland 3:4 (0:0, 0:3, 3:1)
Deutschland: Tor: Pätzold (Straubing). – Ab-
wehr: Krueger (Bern), Dietrich (Mannheim); Hol-
zer (Toronto), Braun (Berlin); Lavallee (Mün-
chen), Hördler (Berlin); Goc (Mannheim). – An-
griff: Wolf (Iserlohn), Hospelt (Wolfsburg), Ran-
kel (Berlin); Müller (Toronto), Greilinger (Ingol-
stadt), Ullmann; Tripp (beide Köln), Schütz (Ingol-
stadt), Gogulla (Köln); Kreutzer (Düsseldorf),
Mauer (Mannheim), Barta (Hamburg); Reimer
(Düsseldorf).
1:0 Müller (24:51), 2:0 Tripp (33:07), 3:0 Hörd-
ler (36:35), 4:0 Schütz (44:37), 1:4 Nagy
(45:26), 2:4 Stümpel (47:49), 3:4 Demitra
(52:43). – Zuschauer: 9400. – Strafminuten:
10 – 20.
Russland – Slowenien 6:4 (1:0, 1:1, 4:3)
1. Deutschland 2 2 0 6:3 6
2. Slowakei 2 1 1 6:5 3
3. Russland 2 1 1 6:6 3
4. Slowenien 2 0 2 5:9 0
Gruppe B in Kosice
Kanada – Frankreich 9:1 (3:0, 2:1, 4:0)
Schweiz – Weißrussland 4:1 (1:0, 3:1, 0:0)
1. Kanada 2 2 0 13:2 6
2. Schweiz 2 2 0 5:1 5
3. Frankreich 2 0 2 1:10 1
4. Weißrussland 2 0 2 2:8 0
Gruppe C in Kosice
USA – Norwegen
Schweden – Österreich
1. USA 1 1 0 5:1 3
2. Norwegen 1 1 0 5:4 2
3. Schweden 1 0 1 4:5 1
4. Österreich 1 0 1 1:5 0
Gruppe D in Bratislava
Tschechien – Dänemark
Lettland – Finnland
1. Finnland 1 1 0 5:1 3
2. Tschechien 1 1 0 4:2 3
3. Lettland 1 0 1 2:4 0
4. Dänemark 1 0 1 1:5 0
NHL, Playoff-Viertelfinale (Best of 7),
Washington – Tampa 2:3 (Stand 0:2), San Jo-
se – Detroit 2:1 (Stand 2:0).
Fußball
Italien, 35. Spieltag
FC Parma – US Palermo 3:1
AC Mailand – FC Bologna 1:0
AC Florenz – Udinese Calcio 5:2
Sampdoria Genua – Brescia Calcio 3:3
AC Chievo Verona – US Lecce 1:0
Catania Calcio – Cagliari Calcio 2:0
AS Bari – AS Rom 2:3
1 AC Mailand 35 61:23 77
2 Inter Mailand 35 62:39 69
3 SSC Neapel 35 55:34 68
4 Lazio Rom 34 46:32 60
5 Udinese Calcio 35 61:42 59
6 AS Rom 35 55:49 59
7 Juventus Turin 34 52:42 53
8 US Palermo 35 53:58 50
9 AC Florenz 35 45:38 49
10 CFC Genua 35 38:40 45
11 Cagliari Calcio 35 42:44 44
12 AC Chievo Verona 35 33:35 42
13 FC Parma 35 37:46 41
14 Catania Calcio 35 35:47 40
15 FC Bologna 35 34:47 40
16 AC Cesena 35 33:47 37
17 Sampdoria Genua 35 30:42 36
18 US Lecce 35 40:61 35
19 Brescia Calcio 35 31:47 31
20 AS Bari 35 22:52 21
Spanien, 34. Spieltag
Racing Santander – RCD Mallorca 2:0
FC Málaga – Hercules Alicante 3:1
UD Levante – Sporting Gijon 0:0
UD Almeria – FC Sevilla 0:1
FC Villarreal – FC Getafe 2:1
CA Osasuna – FC Valencia 1:0
Esp. Barcelona – Athletic Bilbao
1 FC Barcelona 34 89:19 88
2 Real Madrid 34 81:29 80
3 FC Valencia 34 57:42 63
4 FC Villarreal 34 53:40 60
5 Atlético Madrid 34 55:44 52
6 FC Sevilla 34 52:49 52
7 Athletic Bilbao 33 51:47 51
8 Espanyol Barcelona 33 40:46 45
9 UD Levante 34 37:46 43
10 Sporting Gijon 34 31:37 42
11 RCD Mallorca 34 35:47 42
12 Real Sociedad 34 45:58 41
13 Racing Santander 34 34:49 40
14 Real Saragossa 34 35:47 39
15 FC Málaga 34 47:64 39
16 CA Osasuna 34 38:41 38
17 Deportivo La Coruna 34 27:42 38
18 FC Getafe 34 44:55 37
19 Hercules Alicante 34 31:53 33
20 UD Almeria 34 32:59 26
England, 35. Spieltag
Manchester City – West Ham United 2:1. –
Spitze: 1. Manchester United 71:33 Tore/73
Punkte, 2. Chelsea 66:28/70, 3. Arsenal
68:36/67, 4. Manchester City 53:31/62, 5. Li-
verpool 54:39/55; 19. Wolverhampton
38:61/34, 20. West Ham 40:63/32.
Frankreich, 33. Spieltag
Olympique Marseille – AJ Auxerre 1:1, Mont-
pellier HSC – Stade Brest 0:0, OGC Nizza – SM
Caen 0:4, FC Toulouse – Olympique Lyon 2:0,
AS St. Etienne – AS Monaco 1:1. – Spitze: 1.
Lille 59:31/63, 2. Marseille 51:30/62, 3. Lyon
55:33/56, 4. Paris St. Germain 50:34/56, 5.
Rennes 33:26/52, 6. Lorient 42:39/47.
Schweiz, 31. Spieltag
AC Bellinzona – FC Zürich 0:1, Xamax Neu-
châtel – FC St. Gallen 2:1, FC Sion – FC Basel
3:0. – Spitze: 1. FC Zürich 63:37/64, 2. FC Ba-
sel 64:41/62, 3. FC Sion 42:28/49, 4. Young
Boys Bern 55:43/48.
Österreich, 31. Spieltag
Rapid Wien – FC Salzburg 1:2. – Spitze: 1.
Sturm Graz 59:30/55, 2. Austria Wien 53:32/
51, 3. FC Salzburg 38:25/50, 4. SV Ried 44:34/
49, 5. Rapid Wien 48:35/48.
Golf
US-Tour, Turnier in Avondale/Louisiana
(6,4 Millionen Dollar, Par 72)
Endstand (nach Stechen am 2. Extra-Loch):
1. Watson 273 (66/68/70/69) Schläge, 2. Sim-
pson 273 (68/69/67/69), 3. Dufner 275 (68/
69/72/66), Gainey (alle USA) 275 (67/71/68/
69), Choi (Südkorea) 275 (68/71/67/69), 6. Jo-
nes (Australien) 276 (66/71/69/70), McNeill
(USA) 276 (71/70/65/70), 8. Donald (England)
278 (68/71/70/69). – Nach der ersten Runde
verletzt aufgegeben: Cejka (München) 74.
Frauen, US-Tour in Mobile/Alabama
(1,3 Mio. Dollar, Par 72)
Endstand: 1. Hjorth (Schweden) 278 (70/
74/67/67) Schläge, 2. Song-Hee 280 (67/72/
70/71), 3. Na-yeon (beide Südkorea) 281 (69/
72/71/69), Pettersen (Norwegen) 281 (72/68/
71/70), 9. Gal (Düsseldorf) 284 (70/67/75/72).
Handball
Männer, Champions-League, Viertelfinale,
Rückspiele
* Ciudad – Flensburg-H. 21:22 (9:13)
Lazarov 7/1, Källman 4 – Szilagyi 4, Boesen 4.
– Zuschauer: 3000. – Hinspiel: 38:24.
THW Kiel – * FC Barcelona 33:36 (15:19)
Ahlm 8, Ilic 8, Jicha 6/1 – Rutenka 9, Noeddes-
bo 5, Nagy 4, Garcia 4, Rocas 4/3. – Zuschau-
er: 10 250 (ausverkauft). – Hinspiel: 25:27.
* im Final-Four am 28. und 29. Mai in Köln.
Männer, EHF-Pokal, Halbfinale,
Rückspiele
* Großwallstadt – Lemgo 30:25 (15:14)
Spatz 6/3, Weinhold 5, Köhrmann 5, Kneer 4,
Kunz 4. – Theuerkauf 8, Liniger 5/2, Strobel 4,
Hermann 4. – Zuschauer: 2600 (ausverkauft). –
Hinspiel: 26:24.
Ciu. Logroño – * Göppingen 32:29 (14:13)
Sorrentino 5, Praznik 5/5, F. Lopez 4, Dusche-
bajew 4 – Thiede 8, Kaufmann 5, Haaß 5. – Zu-
schauer: 1800. – Hinspiel: 23:32.
* im Finale (Hinspiel 14./15. Mai; Rückspiel
21./22. Mai).
Männer, Bundesliga, vom 30. Spieltag
Balingen-Weilst. – Berlin 20:29 (12:15)
Lobedank 8, Herth 4/1 – Christophersen 9, La-
en 5, Kubisztal 4. – Zuschauer: 2120
1 HSV Hamburg 29 936:762 52:6
2 THW Kiel 30 979:762 49:11
3 Rhein-N. Löwen 29 942:828 47:11
4 Füchse Berlin 30 855:772 47:13
5 F.a. Göppingen 31 868:811 44:18
6 Flensburg-Handew. 29 896:816 37:21
7 SC Magdeburg 29 869:804 37:21
8 VfL Gummersbach 30 877:848 32:28
9 TBV Lemgo 29 829:803 31:27
10 TV Großwallstadt 30 786:825 27:33
11 HSG Wetzlar 30 774:856 24:36
12 TuS N-Lübbecke 29 808:833 20:38
13 MT Melsungen 30 792:887 19:41
14 Balingen-Weilst. 30 793:898 17:43
15 Hannover-Burgdorf 30 797:906 17:43
16 DHC Rheinland 30 737:893 12:48
17 TSG Friesenheim 29 802:922 11:47
18 HSG Ahlen-Hamm 30 802:916 11:49
Frauen, Bundesliga, Halbfinale
Rückspiele: Thüringer HC – VfL Oldenburg
31:32 (16:14)/Hinspiel: 34:23; HC Leipzig –
Buxtehuder SV 24:22 (14:9)/Hinspiel: 16:21. –
Thüringer HC und Buxtehude im Finale.
Pferdesport
Weltcup-Finalturnier in Leipzig
Weltcup-Springen, Finale (3. Wertungsrü-
fung): 1. Madden (USA) Via Volo und Dubbel-
dam (Niederlande) Simon beide 0 Strafpkt, 3.
Engle (USA) Indigo, Staut (Frankreich) Silvana,
Schwizer (Schweiz) Carlina, Ward (USA) Ant-
ares, Lamaze (Kanada) Hickstead und Ahlmann
(Marl) Taloubet alle 4, 9. Weishaupt (Riesen-
beck) Catoki 6; 14. Kutscher (Riesenbeck) Cash
12, 16. Nieberg (Homberg/Ohm) Lord Luis 13 –
alle 2. Umlauf; 20. Ehning (Borken) Sabrina 8,
23. Beerbaum (Riesenbeck) Coupe de Coeur 12
– beide 1. Umlauf.
Weltcup-Finale, Endstand nach 3 Wertungs-
prüfungen: 1. Ahlmann Taloubet 4 Strafpkt., 2.
Lamaze Hickstead 10, 3. Dubbeldam Simon 11,
4. Kutscher Cash und 4. Madden Via Volo/Dan-
ny Boy beide 12, 6. Schröder (Niederlande) New
Orleans, McVean (Neuseeland) Delphi, Staut Sil-
vana und Schwizer Carlina/Ulysse alle 13; 15.
Weishaupt Catoki/Souvenir 20, 17. Nieberg
Lord Luis/Lucie 34, 20. Ehning Sabrina 17 (2,5
WP), 22. Beerbaum Coupe de Coeur/Gotha 31
(2,5 WP), 28. Michaels-Beerbaum Checkma-
te/Shutterfly 14.
Tennis
Männer, München (450 000 Euro/Sand)
Finale: Dawydenko (Russland/7) – Mayer
(Bayreuth/5) 6:3, 3:6, 6:1.
Männer, Estoril (450 000 Euro)
Halbfinale: del Potro (Argentinien/8) – Cuevas
(Uruguay) 6:2, 7:6 (6), Verdasco (Spanien/2) –
Raonic (Kanada/5) 6:4 Aufgabe.
Finale: del Potro – Verdasco 6:2, 6:2.
Männer, Belgrad (416 650 Euro)
Finale: Djokovic (Serbien/1) – Lopez (Spanien)
7:6 (4), 6:2.
Männer, Madrid (2,8 Mio. Euro)
1. Runde: Tsonga (Frankreich) – Almagro
(Spanien/10) 6:1, 6:3, Garcia-Lopez (Spanien) –
Wawrinka (Schweiz/14) 6:4, 5:7, 6:4, Giraldo
(Kolumbien) – Dolgopolow Jr. (Ukraine) 6:1, 7:5,
Monaco (Argentinien) – Golubjew (Kasachstan)
2:6, 6:2, 6:2.
Frauen, Madrid (3,5 Mio. Euro)
1. Runde: Na (China/6) – Martinez Sánchez
(Spanien) 6:4, 7:6 (6), Klejbanowa (Russland) –
Peer (Israel/9) 6:3, 6:2, Benesova (Tschechien)
– Zahlavova-Strycova (Tschechien) 6:3, 6:2, Vin-
ci (Italien) – Goworzowa (Weißrussland) 6:4, 6:0.
2. Runde: Scharapowa (Russland/8) – Maka-
rowa (Russland) 6:3, 3:6, 6:1.
Volleyball
Männer, Bundesliga, Abstiegsrunde
Titans Berg. Land – VC Gotha 0:3 (19:25,
22:25, 19:25).
1. VC Gotha 29 12 17 49:59 24:34
2. Mitteldeutschl. 29 12 17 45:66 24:34
3. TV Bühl 29 9 20 43:72 18:40
4. Titans Berg. Land 29 6 23 35:75 12:46
Bühl und Bergisches Land steigen in die 2. Bun-
desliga ab.
Sport im Fernsehen
Dienstag, 3. Mai
12 – 13.45 Uhr, Eurosport: Tennis, Frauen-
Turnier in Madrid, 1. Runde.
15 – 16.45 Uhr, Eurosport: Fußball, U17-Eu-
ropameisterschaft in Serbien, 1. Spieltag, Grup-
pe A, Serbien – Dänemark.
16 – 18.30 Uhr, Sport 1: Eishockey, WM in
der Slowakei, 3. Spieltag, Gruppe A, Slowenien
– Deutschland.
17 – 18.45 Uhr, Eurosport: Fußball, U17-EM
in Serbien, Deutschland – Niederlande.
19.15 – 21 Uhr, Sport 1: Handball, Männer,
Bundesliga, Rhein Neckar-Löwen – Hamburg.
21 – 22.30 Uhr, Sport 1: Eishockey, WM in
der Slowakei, Gruppe A, Russland – Slowakei.
Leipzig – Christin Ahlmann, 36, hat am
Wochenende in Leipzig das Weltcup-
Finale der Springreiter gewonnen, zu-
sammen mit seinem Hengst Taloubet,
aber was seine weiteren Ambitionen an-
geht, da hat Ahlmann noch Aufklärungs-
bedarf. „Ich habe noch gar nicht richtig
verstanden, was hier gerade verhandelt
wird“, sagte er, angesprochen auf einen
möglichen Start kommenden Sommer
bei Olympia in London. Verhandelt wird
derzeit eine Lockerung der sogenannten
Osaka-Regel, nach der das Internationa-
le Olympische Komitee (IOC) Athleten,
die wegen Dopings mehr als sechs Mona-
te gesperrt wurden, automatisch von den
nächsten Spielen ausschließt. Zum
Beispiel Christian Ahlmann.
Nach dem Olympia-Turnier 2008 in
Hongkong war Ahlmann wegen einer
positiven Capsaicin-Probe bei seinem
Pferd Cöster vomInternationalen Sport-
gerichtshof Cas für acht Monate gesperrt
worden. Mit Capsaicin können Muskel-
verspannungen behandelt werden, man
kann damit aber auch die Vorderbeine
schmerzempfindlicher und das Pferd so-
mit vorsichtiger machen. Inzwischen gilt
jeder Capsaicin-Fund als Doping, nach
damaligem Stand wurde eine Muskel-
behandlung mit demMittel aber noch als
minder schwerer Falls eingestuft, als
„verbotene Medikation“. Der Weltreiter-
verband FEI wertete Ahlmanns Verstoß
2008 als verbotene Medikation – undver-
hängte eine Viermonatssperre.
Nunstandallerdings die Deutsche Rei-
terliche Vereinigung (FN) zu jener Zeit
schwer unter Druck, ein Rückzug des
Fernsehens drohte, milde Doping-
Strafen erregten Argwohn. Die FN ging
also gegen das Urteil in Berufung, der
Cas revidierte es, befand auf Doping und
verschärfte die Strafe, was zugleich eine
Sperre für London 2012 bedeutete. We-
gender Osaka-Regel. Die FNschloss Ahl-
mann für zwei Jahre von allen Nationen-
preis- und Championatseinsätzen aus.
Dass er damit härter bestraft wurde
als die vier Springreiterkollegen, bei
deren Pferden in Hongkong ebenfalls
Capsaicin oder ähnliches gefunden wur-
de, hat Christian Ahlmann verbittert.
Der Ire Denis Lynch, die Brasilianer Ber-
nardo Alves und Rodrigo Pessoa sowie
der Norweger André Hansen mussten nie
um ihre Startberechtigung in London
fürchten. Das war für Ahlmann schwer
zu schlucken. „Denn es ist ein Riesen-
unterschied, ob man wegen verbotener
Medikation oder wegen Dopings bestraft
wird, nicht nur für die nächsten Monate
oder Jahre, sondern für das ganze Leben.
Das war ziemlich hart“, sagt er.
Nun ist also wieder Bewegung in das
Thema gekommen. Das IOC lässt die
2008 beschlossene Regel vom Cas über-
prüfen, um eine Klagewelle betroffener
Athleten zu vermeiden, die eine Doppel-
bestrafung für rechtswidrig halten: die
Verbands-Sperre plus die Olympia-
Sperre für die Zeit danach. Das IOCwie-
derum beruft sich auf sein Recht, über
die Zulassung zu seinen Wettbewerben
selbst zu bestimmen. Die Osaka-Regel
sei „auf ausdrücklichenWunschder Ath-
leten“ beschlossen worden, heißt es beim
IOC. Zur Abschreckung.
„Die Cas-Entscheidung wird Sicher-
heit auf dem Weg zu den Spielen in Lon-
don bringen“, sagt nun IOC-General-
direktor Christophe De Kepper. Neben
demIOCtritt auchdas Nationale Olympi-
sche Komitee der USA als Antragsteller
auf, denn unter anderem sind der 400-
Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt
und die viermalige Schwimm-Weltmeis-
terin Jessica Hardy betroffen, beide aus
den USA. Aber auch die deutsche Eis-
schnellläuferin Claudia Pechstein – und
Ahlmann. Eine Entscheidung wird in
den nächsten Monaten erwartet.
So lange will sichder deutsche Reitver-
band mit einer Einschätzung zurückhal-
ten. „Wir lassen denCas erstmal machen,
dann ist noch Zeit genug zu entscheiden,
was wir tun“, sagt Präsident Breido Graf
zuRantzau. Die FNwar 2008 ineiner pre-
kärenLage, außer Ahlmannwar inHong-
kong auch Marco Kutscher disqualifi-
ziert worden, wegeneiner nicht angemel-
deten Medikation. Einhalbes Jahr später
folgte die Dressur-Olympiasiegerin Isa-
bell Werth, bei deren Pferd Whisper das
Psychopharmakon Fluphenazin gefun-
den worden war. Sie bekam eine Sechs-
Monats-Sperre, gerade noch unter dem
Limit zumOlympia-Aus. Eine Kommissi-
on durchleuchtete 2009 den deutschen
Reitsport, befragte alle Kaderreiter und
gab einen Katalog voller Empfehlungen
heraus. Eine davon war die Einführung
von Trainingskontrollen bei den Pfer-
den. Sie wurden im April 2011 beschlos-
senund sollenimLaufe des Jahres begin-
nen, sobald die Kontrolleure der Nada in
ihre neuen Aufgaben eingewiesen sind.
Christian Ahlmann sagt: „Ich schaue
nach vorne“, und er bekommt darin
Rückendeckung von Bundestrainer Otto
Becker. „Christian hat einen Fehler ge-
macht und ist dafür bestraft worden.
Dass andere, die genau dasselbe getan
haben, nicht so hart bestraft und nicht
für Olympia gesperrt wurden, war nicht
gerecht“, sagt Becker. Er würde eine
Änderung der Osaka-Regel begrüßen,
denn: „Jeder hat eine zweite Chance ver-
dient.“ Es gehört wohl zumWesen stren-
ger Regeln im Antidoping-Kampf, dass
sie immer dann infrage gestellt werden,
wenn sie Athleten betreffen, die Medail-
len versprechen. Gabriele Pochhammer
Aktuelles in Zahlen
Der spanische Fußball-Profi Marcos
Alonso vomenglischen Premier-League-
Klub Bolton Wanderers hat am Montag-
morgen in Madrid einen Auto-Unfall mit
Todesfolge verursacht. Der ehemalige
Profi von Rekordmeister Real Madrid
setzte wohl unter Alkoholeinfluss sein
vollbesetztes Fahrzeug gegen eine Mau-
er. Dabei wurde seine 18 Jahre alte Bei-
fahrerin getötet, drei weitere Personen
wurden verletzt. Der 20 Jahre alte Mar-
cos Alonso, Enkel der Real-Legende Mar-
quitos und Sohn des ehemaligen Barca-
Stars Marcos Alonso Pena, wurde von
der Polizei vorläufig festgenommen. sid
Bittere Abschreckung
Reiter Christian Ahlmann ist für Olympia gesperrt – aber hofft auf neue Regeln
„USA USA USA!“ twitterte Lance
Armstrong am Montag zur Meldung
vom Tod des Terroristenführers Osa-
ma bin Laden; dabei möchte man mei-
nen, der siebenmalige Toursieger habe
derzeit andere Sorgen. Genau ein Jahr
ist es her, dass sein früherer Rennstall-
Gefährte im US-Postal-Team, Floyd
Landis, eine verhängnisvolle Mail an
den US-Radverband abgeschickt hat.
Darin schilderte er detailliert und
kenntnisreich, dass Armstrong einaus-
gebuffter Dopingsünder sei – und
mehr: Landis entwarf das Bildeiner ge-
waltigen Verschwörung, in die auch
Armstrongs engste Freunde, Helfer
und Begleiter einbezogen seien. Seit-
her wird ermittelt, die Vorwürfe er-
schienen dem mit der Causa befassten
Spezialfahnder Jeff Novitzky so subs-
tantiell, dass Amerikas größter Rad-
sportheld nun sogar ein Verfahren vor
einer Grand Jury am Hals hat.
Trotzdem hat Armstrong, entgegen
früherer Ankündigungen und sonsti-
ger Gepflogenheiten, bisher darauf
verzichtet, Landis wegen falscher
Anschuldigungen und Rufmords zu
verklagen. Die Frist dafür beträgt
nach kalifornischem Recht 365 Tage,
amWochenende sei sie verstrichen, be-
richtenamerikanische Medien; es wer-
de fortan ziemlich schwierig für den
Texaner, wenner nochSchadenersatz-
forderungen einklagen wolle.
Diese Friedfertigkeit ist bemerkens-
wert für den als aggressiv bekannten
Armstrong, der Doping weiter bestrei-
tet. Sein Sprecher Mark Fabiani wird
in US-Medien so zitiert: „Wir haben
nicht die Absicht, noch mehr Zeit und
Geld für Floyd Landis zu verschwen-
den. Er ist eine derart diskreditierte
Person, dass es unmöglich wäre, ihn
noch weiter zu diskreditieren.“
Das ist blühender Unfug, als Kron-
zeuge für das im Radsport weitflächig
verbreitete Doping ist Landis in
hohem Maße glaubwürdig. Und des-
halb ja auch imVisier des Radweltver-
bandes UCI, der eine ähnliche Strate-
gie wie seine – nochimmer – größte Iko-
ne Armstrong verfolgt. Auch die UCI
wies Landis’ Vorwürfe mit Drohgebär-
denzurückundforderte ihnauf, sie zu-
rückzunehmen. Klagen sind aber bis-
her auch von der UCI nicht bekannt.
Nicht zu prozessieren, das bedeutet
für Armstrong andererseits, dass er
nicht in einem eigenen Verfahren un-
ter Eid ins Kreuzverhör gerät – wäh-
rend ihm ja just eine solche Anhörung
vor der Grand Jury droht. Bisher hatte
Armstrong in Europa einige angeblich
teure Zivilprozesse gegen Dopingvor-
würfe angestrengt, „aber nicht in den
USA“, schreibt nundie NewYorkDai-
ly News, „wo solche Klagen selten Er-
folg haben“. Rufmord-Klagen würden
nur denen Aufmerksamkeit verschaf-
fen, die ihn verunglimpfen wollen,
habe Armstrong wiederholt behaup-
tet. Dummerweise breitendiese Szene-
kenner ihre Vorwürfe nun auch bei
Sonderermittler Novitzky und sogar
vor der Grand Jury aus, wo viele schon
vernommen wurden. Demnächst ist
dort auch Armstrong dran. T. K.
Eintracht Frankfurt, Fußball-Bun-
desligist, muss am Samstag gegen den
1. FC Köln auf Sebastian Rode verzich-
ten. Der Abwehrspieler ist für seine rote
Karte beim 0:3 gegen Mainz 05 für ein
Spiel gesperrt worden.
Andre Trulsen, Co-Trainer des Fuß-
ball-Bundesligisten FC St. Pauli, wird sei-
nem Chefcoach Holger Stanislawski
zum Ligakonkurrenten Hoffenheim fol-
gen. St. Pauli gab den 45-Jährigen aus
seinem bis 2012 laufenden Vertrag frei.
Die Hannover Scorpions haben
sich für die kommende Saison in der
Deutschen Eishockey-Liga mit dem Stür-
mer David Sulkovsky, 32, verstärkt.
Sulkovsky kommt vom EHC Wolfsburg
und unterschrieb in Hannover einen
Vertrag über zwei Jahre.
HBW Balingen-Weilstetten, Hand-
ball-Erstligist, hat den griechischen Nati-
onalspieler Alexandros Alvanos, 31, vom
Ligarivalen TuS N-Lübbecke verpflich-
tet. Er erhält einen Einjahresvertrag.
Tom Thibodeau, 53, ist Trainer des
Jahres in der amerikanischen Basketball-
Profiliga NBA. Er hatte die Chicago Bulls
imvorigen Jahr übernommen und in die-
ser Punkterunde auf Platz eins der
Eastern Conference geführt.
ImAlter von 44 Jahren ist amSonn-
tag Jens-Felix Kühlmorgen plötzlich ge-
storben, der Mannschaftsarzt des Fuß-
ball-Bundesligisten Borussia Mönchen-
gladbach. Kühlmorgen war noch am
Samstag beim Auswärtsspiel in Hanno-
ver (1:0) im Einsatz gewesen, er gehörte
seit 2003 zu Gladbachs Teamärzten.
Markkleeberg (dpa) – Der Deutsche
Kanu-Verband(DKV) hat erste Entschei-
dungendarüber gefällt, wer bei denWelt-
meisterschaften die Quotenplätze für
Olympia 2012 in London holen soll. Be-
reits fest benannt wurde das Team der
Slalom-Kanuten: Hier wurden 18 Athle-
ten in fünf Bootsklassen für die EM vom
9. bis 12. Juni in La Seu d’Urgell/Spa-
nien und die WM vom 8. bis 11. Septem-
ber in Bratislava/Slowakei nominiert.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht
dabei der Peking-Olympiasieger Alexan-
der Grimm aus Augsburg. Die Anzahl
deutscher Olympia-Startplätze 2012 ist
abhängig vom Erfolg der Kanuten 2011;
die Sportler selbst müssen sich für diese
Plätze dann aber erneut qualifizieren.
Bei den Rennsport-Kanuten, die in Pe-
king zweimal Gold geholt hatten, wurde
ein erweiterter Kreis von über 20 Athle-
ten eingeladen. Diese können sich beim
Weltcup Ende Mai in Duisburg in den
WM-Kader paddeln. „Die Nominierung
findet nach Duisburg statt“, sagte Reiner
Kießler, Chef-Bundestrainer der Renn-
sport-Kanuten. Kießler muss in dieser
Saison, die ihren Höhepunkt mit der WM
vom18. bis 21. August in Szeged/Ungarn
hat, auf die Olympiasiegerinnen Katrin
Wagner-Augustin (Schwangerschaft)
und Fanny Fischer (Wettkampfpause)
verzichten. Der Zweier-Olympiasieger
von Athen, Tim Wieskötter, schaffte es
nach einer Verletzung nicht ins Team.
Die Rennsport-Kanuten starten am Wo-
chenende beim Weltcup-Auftakt in Po-
sen in die Saison.
Bundesligist SC Freiburg muss offen-
bar umden Verbleib von Torjäger Papiss
Cissé bangen. SC-Sportdirektor Dirk
Dufner bestätigte am Montag demFach-
magazin Kicker, „dass er eine konkrete
Anfrage“ des Premier-League-Klubs
Blackburn Rovers bestätigen könne. Zu-
demsollenaus Englandauchder FCArse-
nal, FC Liverpool und FC Fulham an
dem senegalesischen Stürmer interes-
siert sein. Laut Dufner würden die Breis-
gauer „bei einem Angebot in schwindel-
erregender Höhe“ wohl schwach werden
und Cissé trotz eines Vertrages bis 2014
ziehen lassen. Als Ablösesumme für den
indieser Saisonbislang 22 Mal erfolgrei-
chenAngreifer sindmindestens 15 Millio-
nen Euro im Gespräch. sid
Schalke 04 soll sich mit Marco Höger
vom Zweitligisten Alemannia Aachen
über einen Wechsel einig sein. Wie das
Fachmagazin Kicker berichtet, soll der
21 Jahre alte Mittelfeldspieler spätestens
im Sommer 2012 zu Schalke 04 wech-
seln. Höger hatte das Aachener Angebot,
seinen bis Juni 2012 laufenden Vertrag
vorzeitig zu verlängern, abgelehnt.
Wenn Aachen eine Ablösesumme für das
Talent bekommen will, müsste einWech-
sel schon nach der laufenden Saison
stattfinden. sid
Der einstige Nationaltorwart Timo
Hildebrand hat erstmals erhebliche Feh-
ler in seiner Karriere eingeräumt. „Im
Nachhinein muss ich sagen: Ich hätte
Stuttgart nie verlassen dürfen. Ich muss
mir eingestehen, dass ich mir selbst nicht
genug vertraut habe. Ich war nicht ich
selbst. Ich habe zu sehr die Ängste ande-
rer Leute angenommen, überdies hatten
Teile meines damaligen Umfelds nicht
den besten Ruf“, sagte der 32-Jährige
dem Fachmagazin Kicker. Es hänge ihm
nach, „dass viele denken: Timo ist ein
guter Torwart, aber ein schwieriger Typ.
Das ist das Einzige, was meiner Karriere
diesen negativen Touch gibt. Aus der
Emotionheraus sage ich zu oft Dinge, die
negativ rüberkommen. Das schreckt die
Leute ab“, führte Hildebrand aus. Auch
zuletzt in Hoffenheimhabe er „nicht den
richtigen Ton getroffen“.
Wo sich Hildebrand aber in Zukunft
einbringen darf, ist völlig offen. Noch ist
er nur die Nummer drei bei Sporting
Lissabon in Portugal. Das Kapitel ist
jedoch in zwei Wochen beendet. „Ich
hoffe und ich glaube, dass ein Platz für
mich frei ist. Das Karussell dreht sich in
den nächsten Wochen“, sagt Hildebrand,
der 2007 mit dem VfB Stuttgart deut-
scher Meister geworden und anschlie-
ßend zum FC Valencia nach Spanien ge-
wechselt war. Dort konnte er Santiago
Canizares allerdings nicht verdrängen.
In Hoffenheim gab er von Januar 2009
bis Sommer 2010 ein Gastspiel. sid
Offensivspielerin Dzsenifer Marozsan
fällt für die am26. Juni beginnende Frau-
enfußball-WM aus. Die 19-Jährige vom
1. FFC Frankfurt zog sich am Sonntag
beim Training der Nationalmannschaft
inder Sportschule Kaiserau einenInnen-
bandriss im rechten Knie zu. Mann-
schaftsarzt Carsten Lueg sprach von
„mindestens vier bis sechs Wochen“
Pause. Bundestrainerin Silvia Neid hat
auf die Verletzung bereits reagiert: Sie
nominierte die 32 Jahre alte Frankfurter
Angreiferin Conny Pohlers nach. sid
Tödlicher Autounfall
Armstrong klagt nicht gegen Landis
Frist verstrichen
Englands Box-Legende Henry
Cooper, der vor fast 50 Jahren
Muhammad Ali auf die Bretter
schickte, ist am Sonntag zwei Tage
vor seinem 77. Geburtstag in Surrey
gestorben. 1963 war Cooper im Lon-
doner Wembleystadion in einem
Schaukampf gegen Ali angetreten,
der damals noch Cassius Clay hieß.
Ende der vierten Runde schlug er Ali
mit seinem berühmten linken Haken
nieder. Alis Trainer Angelo Dundee
reklamierte damals einen Riss im
Handschuh Alis und verschaffte die-
sem Zeit, um sich von dem Nieder-
schlagzuerholen. Inder fünftenRun-
de wurde der Kampf gestoppt, weil
Cooper aus mehreren Cuts blutete.
Ali wurde trotz Punkte-Rückstand
zum Sieger erklärt. Er sagte später,
er sei bei Coopers Haken so durchge-
schüttelt worden, dass es „meine Vor-
fahren in Afrika gespürt haben“. sid
Kurz gemeldet
Kanuverband benennt WM-Starter
Grimm paddelt voran
Blackburn will Cissé
Schalke wirbt um Höger
Hildebrand bereut
Marozsan nicht bei WM
Seite 28 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 HF2 Dienstag, 3. Mai 2011
SPORT
Christian Ahlmann und Taloubet waren in Leipzig unschlagbar. Plötzlich
stört Ahlmanns Olympia-Sperre, die 2008 noch erwünscht war. Foto: dpa
Andere wurden für das gleiche
Vergehen milder bestraft.
Das hat Ahlmann verbittert.
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Box-Legende Cooper gestorben
Henrys Haken
Fußball
Nur fürs Web
gemacht –
Die Woche
im Netz.
www.sueddeutsche.de/
multimedia
Jagd auf Osama bin Laden
Ein interaktiver Zeitstrahl
Summa summarum
Das-Wirtschafts-Video-Blog
2 um 2 - Udos Erben
Der Fußball-Schlagabtausch
Heribert Bruchhagen, 62, kämpft seit Jah-
ren einen harten Kampf. Seit Jahren ver-
sucht er, der anspruchsvollen Stadt Frank-
furt zu erklären, dass Mittelfeld nichts mit
Mittelmaß zu tun hat. Das Tabellen-Mittel-
feld, so die These des Vorstandsvorsitzen-
den, sei angesichts der finanziellen Mög-
lichkeiten der passende Ort für die Ein-
tracht. Im Moment wäre ganz Frankfurt
froh über einen Mittelfeldplatz – nach ei-
nem beispiellosen Absturz mit nur einem
Sieg in der Rückrunde droht Eintracht
Frankfurt der Abstieg.
SZ: Herr Bruchhagen, wenn es nicht
sotraurig wäre, könntenSie sichvomAb-
sturz der Eintracht beinahe bestätigt füh-
len. Sie haben stets davor gewarnt, sich
zu schnell zu hohe Ziele zu setzen.
Bruchhagen: Das stimmt, aber meine
eigene Argumentation geht in dieser Sai-
son ja auch nicht auf, sonst müssten wir
von unseren finanziellen Möglichkeiten
her vor Mainz und Freiburg stehen. Aber
ich war schon etwas skeptisch, als unser
damaliger Trainer Michael Skibbe mit
der Mannschaft zusammen beschlossen
hat, dass wir in dieser Saison 50 Punkte
holen wollen. Ich hab’ gesagt: Find’ ich
gut, allein mir fehlt der Glaube. Gegen
wen sollen wir diese Punkte denn holen?
SZ: Für diese skeptische Anmerkung
sind Sie sehr kritisiert worden.
Bruchhagen: Aber ich habe doch nur
widersprochen, damit die Latte nicht zu
hoch gelegt wird. Wir haben ja ohnehin
schon sachte nach oben geschielt, weil
wir zum ersten Mal dreieinhalb Millio-
nen mehr ausgegeben als eingenommen
haben. Ich wollte die Erwartungen nicht
zu hoch schrauben, das ist ungesund.
SZ: AmWochenende, nachder 0:3-Nie-
derlage in Mainz, sind die Enttäuschun-
geneskaliert. Vor demFrankfurter Stadi-
onhabensichgewaltbereite, zumTeil ver-
mummte Anhänger zusammengerottet,
um die Spieler abzupassen, es kam zu
Festnahmen, einPolizist gab einen Warn-
schuss ab. Wie haben Sie die Lage erlebt?
Bruchhagen: Zunächst mal gar nicht.
Ich bin etwas länger in Mainz geblieben
und auf der Rückfahrt über die Vorfälle
informiert worden. Erst hat mich Trai-
ner ChristophDaumangerufen, anschlie-
ßend unser Sicherheitsbeauftragter.
SZ: Hätten Sie ein solches Ausmaß an
Protest für möglich gehalten?
Bruchhagen: Nein, aber grundsätzlich
muss man sagen, dass das inzwischen
leider eine Modeerscheinung in der Liga
geworden ist. Sogenannte Fans glauben,
dass sie das Recht haben, ihre Mann-
schaft zur Rede zu stellen.
SZ: Der Mainzer Präsident Harald
Strutz ist nach dem Sieg zu den Fans auf
den Zaun gestiegen. Auch einige Trainer
sind zuletzt dort oben gesichtet worden.
Gibt das den Anhängern vielleicht das
Gefühl, mitreden zu dürfen?
Bruchhagen: Ich finde sowas grund-
sätzlich nicht unproblematisch, daraus
können Ansprüche entstehen. Es könnte
sein, dass mancher Fan aus dieser Nähe
den Anspruch ableitet, sich im Misser-
folgsfall vor den Bus zu setzen. Wenn wir
in der Liga das Fehlverhalten der Fans
beklagen, müssen wir bei uns selbst an-
fangenundsagen: Trainer oder Präsiden-
ten haben auf dem Zaun nichts verloren.
SZ: Kann man auf die Fans einwirken?
Bruchhagen: Die Ultra-Gruppierun-
gen lehnen Kommunikation ab – nicht
mit mir als Person, aber mit mir als Insti-
tution, als Vertreter des Kommerzes.
Aber wir werden auch weiterhin versu-
chen, mit allen Gruppierungen Kontakt
aufzunehmen. Und im Übrigen ist es ja
so, dass 99,8 Prozent der Fans vorbild-
lich hinter der Eintracht stehen.
SZ: Das Sonntagstraining wurde aus
Sicherheitsgründenabgesagt. Gab’s kon-
krete Befürchtungen oder Drohungen?
Bruchhagen: Nein, die Polizei hat uns
nach den Vorfällen des Abends einfach
geraten, am nächsten Morgen nicht zu
trainieren – zumal der Sonntag der
1. Mai war, an diesem Tag hätte die Poli-
zei weniger Personal zur Verfügung ge-
habt. Christoph Daum hat das beherzigt
und das Training ausfallen lassen.
SZ: Zunächst hieß es, die Eintracht
würde ab Dienstag die Stadt verlassen
und ins Trainingslager gehen.
Bruchhagen: Das machen wir auch,
aber erst ab Mittwoch. Ich habe großen
Wert darauf gelegt, dass wir amDienstag
normal hier inFrankfurt trainieren, zwei-
mal und auch öffentlich. Wir wollen ein
klares Zeichensetzen: Wir fliehenvor nie-
mandem, wo kämen wir denn da hin?
SZ: Machen Sie sich Sorgen?
Bruchhagen: Nein. Ich bin überzeugt,
dass nichts passieren wird.
SZ: Was versprechenSie sichvomTrai-
ningslager? Kennen Sie schon Gründe,
warumdie Eintracht nach 26 Punkten in
der Vorrunde fulminant abgestürzt ist?
Bruchhagen: Ich könnte 1000 Gründe
nennen, aber selbst in der Addition rei-
chendie Gründe nicht, umunsere sportli-
che Situation wirklich zu erklären.
SZ: 1000 Gründe sind für ein Inter-
viewvielleicht einbisschen viel, aber fan-
gen Sie doch einfach mal an.
Bruchhagen: Es hat wie so oft auch mit
Verletzungenzu tun. Chris und Amanati-
dis, unser bestbezahlten und hochkarä-
tigsten Profis, stehen uns ja seit Monaten
nicht zur Verfügung. Chris ist der einzige
Profi von Eintracht Frankfurt, der, wenn
er gesundist, bei jedemanderenErstligis-
ten als Innenverteidiger einen Stamm-
platz hätte – FC Bayern inklusive.
SZ: Debattiert wird auch, ob die Elf zu
abhängig von Mittelstürmer Gekas ist.
Bruchhagen: Das ist mir zu hypothe-
tisch. Michael Skibbe hat sich ja was ge-
dacht bei diesem Transfer, er wollte den
Spieler unbedingt. Und in der Vorrunde
wurden ja auch Lobeshymnen über Ge-
kas verfasst. Aber klar, jetzt, da er nicht
mehr trifft, kann man natürlich zu die-
sem Urteil kommen.
SZ: Okay. Was sind weitere Gründe?
Bruchhagen: Der negative Trend wur-
de gleich in den ersten drei Rückrunden-
spielenvorgegeben, als uns eine komplet-
te Viererkette gefehlt hat – aber noch-
mal: Als Argument ist mir das alles zu
dünn. Das klingt alles nach Ausrede, und
das soll es nicht. Fakt ist, dass die kom-
plette Mannschaft ihre Form verloren
hat, auch Michael Skibbe hat immer
mehr an Selbstbewusstsein eingebüßt,
wurde immer verunsicherter. Er hat wie
wir alle immer nur gehofft: Das nächste
Spiel gewinnenwir, unddanngeht's wie-
der aufwärts. Aber das soll kein Vorwurf
sein: Ich war ja genauso paralysiert.
SZ: Ein Vorwurf an Sie lautet: Der
Trainerwechsel kam zu spät.
Bruchhagen: Mankanndas immer dre-
hen und wenden, wie man will. Genauso
hat man mir auch vorgeworfen, dass ich
überhaupt den Trainer gewechselt habe.
Inhaltlich hatte ich Vertrauen in die Ar-
beit von Michael Skibbe, der Trainer-
wechsel kam zustande, weil uns zu die-
semZeitpunkt komplett das Zutrauen zu
uns selbst gefehlt hat. Die negative Eigen-
dynamik musste durchbrochen werden.
SZ: Entlassen wurde Skibbe nach dem
einzigen Rückrunden-Sieg.
Bruchhagen: Aber es war ein Sieg ge-
gen St. Pauli, bei dem wir in der zweiten
Hälfte nur einmal aufs Tor geschossenha-
ben. Und gewonnen haben wir, weil ein
Verteidiger von St. Pauli ausgerutscht
ist. Es war unsere schlechteste Saisonleis-
tung. Im stillen Kämmerlein musste ich
als Verantwortlicher natürlichschonvor-
her über einen Trainerwechsel nachden-
ken, aber wie gesagt: Fachlich gab's an
Michael Skibbe nichts auszusetzen.
SZ: Wofür steht nun die Personalie
Christoph Daum? Warum er?
Bruchhagen: Ich muss schmunzeln,
wenn Journalisten mir manchmal Trai-
ner empfehlen. Ich sage immer: Ein Jour-
nalist kann mir keinen Trainer empfeh-
len – weil er das Innenleben der Mann-
schaft nicht gut genug kennt. Die Frage
ist doch immer: Was braucht ein Team in
was für einer Situation? Wo liegendie De-
fizite? Und welcher Trainer, der auf dem
Markt ist, kann die Defizite am ehesten
ausgleichen? Bei uns war die Analyse:
Das Selbstbewusstsein ist im Keller, also
brauchen wir Christoph Daum. Die Su-
che war schwer genug: Finden Sie mal ei-
nenTrainer, der bereit ist, einen Zweiein-
halb-Monats-Vertrag zu unterschreiben.
SZ: Ist nunder Relegationsplatz 16 das
Ziel, oder hoffen Sie noch auf Platz 15?
Bruchhagen: Wir hoffen natürlich auf
Platz 15, aber wennmansichdas Restpro-
gramm der Gladbacher anschaut, muss
man Realist bleiben. Unser Sehnen und
Streben gilt jetzt erst mal der Relegation.
SZ: Was würde im Falle eines Abstiegs
mit demVorstandsvorsitzenden Heribert
Bruchhagen passieren?
Bruchhagen: Ich bin der politisch Ver-
antwortliche für die Situation, ich wei-
che da auch nicht aus, ich delegiere keine
Vorwürfe. Als Verantwortlicher darf
man nicht weinen, wenn mal was schief
geht. Aber Verantwortung zu überneh-
men, bedeutet nicht, dass man zurück-
tritt. Auf gar keinen Fall.
Interview: Christof Kneer
Da sitzt er nun, ganz allein, und weit und breit kein Tor: Theofanis Gekas, in der Hinrunde ein gefürchteter Stürmer,
ist jetzt zur Symbolfigur für den Niedergang der Frankfurter Eintracht geworden. Foto: Nordphoto
Madrid – Manchmal wird Gerard Piqué,
Verteidiger des FC Barcelona, sentimen-
tal. Gefühlsduselig. Aber nicht in abge-
trennten Räumen schummriger Restau-
rants, sondern auf dem grünen Rasen,
wenn Zehntausende auf den Rängen
Ferkeleien grölen und auf dem Platz der
Männerschweiß allmählich seinen müh-
samenKampf übers Deo gewinnt. Erzähl-
te Piqué selbst, in der Zeitung El País.
Neulich, in der Kathedrale von Bilbao,
wie das Stadion von Athletic genannt
wird, habe er ein Gespräch gesucht, weil
doch Carles Puyol, sein Abwehrkollege
und Kapitän, nach mehrmonatiger Ver-
letzungspause zurückgekehrt war. „Und
ich sagte zu ihm: Puyi, et trobava tant a
faltar“. Das ist Katalanisch und heißt:
„Ich habe Dich so vermisst!“
Doch Puyol wollte Piqués Seufzer
nicht hören, sondern wies ihn rüde ab:
„Konzentrier’ Dich gefälligst!“
Dem Verhältnis zwischen Piqué und
Puyol hat das keinen Abbruch getan, sie
wissen viel zu gut, was sie aneinander
haben. Dass sie jenseits des Rasens har-
monieren und sogar ihre Freizeit mitein-
ander verbringen, wissendie Spanier spä-
testens, seit Piqué seine Liaison mit der
kolumbianischen Sängerin Shakira be-
stätigte – und auch Puyol und weitere
Freunde auf dem Bild zu sehen waren.
Jeder redet, zu Recht, über die All-
macht der Offensive des FC Barcelona:
Doch diese wäre wohl nur halb so viel
wert, wenn Puyol/Piqué nicht schon im
dritten Jahr das Herz der Defensive des
Klubs bilden würden. Auf das Duo wird
es diesen Dienstag im Rückspiel des
Champions-League-Halbfinales ankom-
men, denn Real Madrid will ein 0:2 auf-
holen, um das Finale noch zu erreichen.
Es ist einungleiches Paar, optisch, fuß-
ballerisch, mental. Piqué, 24, ist hochge-
wachsen und modelt für eine spanische
Modefirma; Puyol würde mit seiner lan-
gen Mähne eher als Komparse für die
Braveheart-Verfilmung taugen. Piqué
stammt aus dem städtischen Bürgertum
Barcelonas, Puyol wuchs im Hinterland
der katalanischen Metropole auf. Piqué
wurde schon mit zehn Jahren in der
Jugendabteilung Barcelonas aufgenom-
men; Puyol fing erst mit 15 an, im Verein
Fußball zu spielen, und musste sich beim
FCBarcelona energischdurchbeißen, um
wenigstens in der dritten Mannschaft
eine Chance zu bekommen. Piqué hat
nicht nur Shakira, sondern auch reich-
lich Schabernack im Kopf: Wenn den
Kollegen in der Kabine Handys, Batte-
rien oder Kleidungsstücke abhanden-
kommen, steckt meist er dahinter. Puyol,
30, hingegen ist der Kapitän, der Piqué
auch dann zusammenstaucht, wenn Bar-
ça 4:0 führt. Puyol hält nicht nur die Kon-
zentration, sondern auch die Moral hoch.
Sechs Mal hat Barcelona in der laufen-
den Saison verloren, zuletzt am Samstag
mit 2:3 in San Sebastián: Kein einziges
Mal war Puyol in der Startformation.
Trotz seines späten Karrierestarts ist
es kurioserweise Puyol, der ununterbro-
chen bei Barça gespielt hat. Piqué hinge-
gen ging mit 16 zu Manchester United –
und traf dort unter anderem mit Cristia-
no Ronaldo zusammen, der heute der Pro-
minenteste im Real-Sturm ist (und auch
wegenPiqué nochkein Tor aus demSpiel
heraus gegen Barcelona erzielt hat).
Piqué hat oft gestanden, wie schwer es
ihmfiel, in Manchester und ganz auf sich
allein gestellt zu leben. Doch womöglich
hat ihm das eine Anpassungsfähigkeit
verliehen, die Barcelona in dieser Saison
sehr zupass gekommen ist.
Denn wegen der Verletzungen Puyols
(bislang nur 25 Pflichtspiele) war Piqué
(46 Spiele) gezwungen, mit wechselnden
Partnern zu agieren. Und so war Piqué in
der Rolle des Puyol – des Mannes also,
der seinem Nebenmann das Ohr abkaut.
InMannschaftenwie Real undBarcelo-
naals Innenverteidiger zu agieren, ist un-
dankbar undriskant. Es gibt wenige Sze-
nen, umsich zu beweisen. Einige der bes-
ten Verteidiger der Welt haben dem
Stress nicht standhalten können. Piqué
nimmt das nicht nur hin: Er verdoppelt
den Einsatz sogar. Auf ihn kommt es
nicht nur in der Zerstörung gegnerischer
Angriffe an, sondern vor allem in der
Spieleröffnung. Weil Barcelona oft auf
statische Gegner trifft, ist er zu einem
Verteidiger neuen Typs geworden. Denn
dass er denBall bisweilenaufreizendlan-
ge führt, ist strategischbedingt. Er speku-
liert darauf, dass sich jemand aus dem
gegnerischen Abwehrverbund löst – und
dadurchRäume öffnet, die vondenOffen-
sivkräften ausgenützt werden. Er ge-
nießt das, er hat einen Hang zumAngriff.
„Piqué ist ein so guter Abwehrspieler,
dass man meinen könnte, er wäre ein
Stürmer“, hat Alex Ferguson, Trainer
von Manchester United, einmal gesagt.
Nicht nur Piqué hat Tordrang, auch Puy-
ol, der gegen Deutschland bei der
WM 2010 ein freches Kopfballtor erziel-
te. Beide beweisen: Stürmende Verteidi-
ger sind kostbar. Javier Cáceres
Dortmund (SZ/dpa) – Kaum ist die erste
von vielen Meisterfeiern vorbei, wird
deutlich, welche Begehrlichkeiten der
junge Teamkader von Borussia Dort-
mund wecken könnte. Am Montag war
Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke
damit beschäftigt, eine Meldung der ge-
wohnt forschen Sportzeitung Marca zu
dementieren, wonach sich Real Madrid
und der Dortmunder Regisseur Nuri
Sahin über einen Wechsel einig seien.
Dazu Watzke: „Wir wissen nichts von
einem Interesse von Real oder einem an-
deren Klub. Unsere Verabredung mit
Nuri gilt nach wie vor, dass wir uns bis
spätestens zum Saisonende zusammen-
setzenundbesprechen, obwir denlaufen-
den Vertrag verlängern können. Bisher
ist uns von keiner Seite bekannt, dass
diese Verabredung nicht mehr gilt.“
In der Version von Marca hat Real mit
dem Mittelfeldspieler bereits Einigung
erzielt. Demnach stünden nun die Ver-
handlungen der Klubs über die Höhe der
Ablöse an. ImGesprächseienzehnMillio-
nen Euro. Dem Vernehmen nach enthält
der bis 2013 datierte Vertrag von Sahin
mit dem BVB eine Ausstiegsklausel, die
einenvorzeitigenVereinswechsel ermög-
licht. Bisher haben sie bei Borussia aller-
dings keinen Hinweis darauf, dass Sahin
den Klub verlassen will. In den stocken-
den Verhandlungen ging es bislang nur
darum, dass Borussia denbis 2013 laufen-
den Vertrag vorzeitig verlängern will,
während Sahin das bislang ablehnt. Ge-
nerell will Watzke nichts ausschließen:
„Ich bin weder optimistisch noch pessi-
mistischundkannnicht inGlaskugelnle-
sen. Es ist eine Entscheidung von Nuri.“
A
m Samstag in Köln hat er wie üblich
auf diskrete Weise das Stadion ver-
lassen. Sami Hyypiä spricht angeblich
recht passabel Deutsch, doch er lässt die
Journalisten im Glauben, sie müssten
Englisch mit ihm reden, weil er weiß,
dass er dannmeist inRuhe gelassen wird.
Aber über die großen Fragen seines
Sportlerlebens brauchte Hyypiä ohnehin
nicht mehr viel zu erzählen, sie ergeben
sich aus seinem Geburtsdatum: 7. Okto-
ber 1973. In fünf Monatenwird er 38 Jah-
re alt, und es ist keine Ketzerei, wenn
man feststellt, dass ihmdas zuletzt anzu-
sehenwar. InKölnhatte er eine ansehnli-
che Leistung geboten, aber das Alter hat
unverkennbar seine Schritte beschwert.
Jetzt hat Sami Hyypiä seinen Rückzug
aus dem Profifußball verkündet, auf
einer Pressekonferenz in Helsinki, die
eigentlich dazu dienen sollte, die Grün-
dung seiner Stiftung vorzustellen. Die
Institution wird finnische Nachwuchs-
sportler unterstützen, die aus einfachen
finanziellen Verhältnissen stammen.
ImSommer endet also eine Profikarrie-
re, die tief im vorigen Jahrhundert be-
gann: 1992 bei Myllykosken Pallo -47 in
der Stadt Kouvola. Der Klub war damals
in die erste finnische Liga aufgestiegen,
und im Premierenjahr spielte Hyypiä an
der Seite eines jungen Mittelfeldtalents,
das ebenfalls zur nationalen Legende
werden sollte: Auch Jari Litmanen hat in
jenen Urzeiten nicht ahnen können, dass
er noch als alter Mann unentbehrlich
sein würde, zurzeit steht er 40-jährig bei
HJK Helsinki unter Vertrag. Während
Litmanen als schöpferische Begabung
verehrt wurde, seine Karriere aufgrund
seiner Verletzungen aber etliche Lücken
aufweist, blieb der Verteidiger Hyypiä
all die Jahre imStrafraumkampf eine un-
verwüstliche Erscheinung. 566 Erstliga-
spiele sind notiert, allein318 beimFCLi-
verpool. Neunmal hat man ihn zu Finn-
lands Fußballer des Jahres gewählt, auch
2010 war er wieder vorn.
Hyypiä wird dem Fußball erhalten
bleiben. Er nimmt zunächst eine Stelle
als Assistent des Nationaltrainers Mixu
Paatelainen an und kehrt im Sommer
2012 in der gleichen Funktion nach
Leverkusen zurück. Das Zwischenjahr
will er zur Fortbildung nutzen. „Wir
freuen uns, dass wir ihn in unseren Rei-
hen halten können“, sagte Sportchef Ru-
di Völler. Die zwei Jahre bei Bayer waren
eine Zugabe, von der alle profitierten:
Hyypiä selbst, der Klub und seine Mit-
spieler. Dass ihn Trainer Jupp Heynckes
während der Rückrunde öfter auf die
Bank setzte, hat er nie moniert, schon gar
nicht öffentlich. Sein Abschiedsspiel vor
heimischem Publikum ist bereits termi-
niert: Am Samstag bei der Begegnung
mit dem Hamburger SV.
Hyypiäs Nachfolger, falls man ihn so
nennen darf, hat Leverkusen in Freiburg
gefunden. Junioren-Nationalspieler
Ömer Toprak, 21, folgt im Sommer der
Spur seines Trainers Robin Dutt. Bayer
bezahlt rund drei Millionen Euro Ablöse
an den Sportclub. Philipp Selldorf
„Ich habe Mourinho bei Trainertagungen
so erlebt, wie er wirkt: arrogant, unnahbar,
Kaugummi kauend, irgendwie flegelhaft.“
Ottmar Hitzfeld, Fußball-National-
trainer der Schweiz, im Fachmagazin
„Kicker“ über seinen Kollegen José
Mourinho, Coach von Real Madrid
FC Barcelona – Real Madrid Di. 20.45/Sky
Hinspiel 2:0.
Manchester United – Schalke 04
Hinspiel 2:0. Mi. 20.45/Sat 1 & Sky
Finale: 28. Mai in London (Wembley).
Mal wieder zur Stelle: Gerard Piqué
(hinten) stört Real Madrids Sami Khe-
dira bei der Ballannahme. Foto: AFP
Stürmende Verteidiger
Das ungleiche Duo Puyol/Piqué sichert die Offensivkunst des FC Barcelona nach hinten ab
„Wir fliehen
vor niemandem“
Heribert Bruchhagen, Frankfurts Vorstandschef,
über den Fan-Aufstand und Gründe für den Absturz
Der Sport-Informations-Dienst mel-
dete jüngst Spannendes für die Fans
von Borussia Mönchengladbach.
„Effenberg will Dante und Reus
halten“, hieß es kürzlichaus der Nach-
richtenagentur. Der Wille von Stefan
Effenberg (Autobiographie: „Ich hab’s
allen gezeigt“) ist bekanntlich groß,
und vielleicht wird die Inflation sol-
cher Meldungen deswegen auch nicht
durch die Tatsache beeinträchtigt,
dass Effenberg, 42, bei Borussia Mön-
chengladbach bislang gar nichts zu
wollen hat. Er hat dort sieben Jahre
Fußball gespielt und sich seither im-
mer wieder vergebens für eine Tätig-
keit angeboten, aber jene Position, die
ihm erlauben würde, die Fußballer
Dante und Marco Reus zu halten, be-
sitzt er bislang nicht, er beabsichtigt
aber, diese mit Hilfe einer Gruppe zu
erlangen, die als „Initiative Borussia“
die Klubmitglieder am 29. Mai zu ei-
ner Satzungsänderung überreden will.
Die Revolutionäre haben für diesen
Dienstag einen Hotelsaal am Rande
der Innenstadt gebucht. Dort wollen
sie auf einer Pressekonferenz ihre
Pläne und ihr Team vorstellen. Für
ihren Putsch müssten sie gar nicht ein-
mal so viele Menschen überzeugen.
Knapp 43 500 Mitglieder hat der Ver-
ein, mindestens 3000 werden wohl zur
Mitgliederversammlung am 29. Mai
kommen, und wenn zwei Drittel für
die Satzungsänderung stimmen, wäre
das erste Ziel erreicht: die Satzungsän-
derung als Ausgangspunkt für einen
Machtwechsel in der dem Klub gehö-
renden Kapitalgesellschaft „Borussia
VfL 1900 Mönchengladbach GmbH“.
„Eine Herzensangelegenheit“
Dort wird der Profifußball betrie-
ben, dort bündelt sich die Macht, dort-
hin wollen die Männer von der „Initia-
tive Borussia“ mit dem Zugpferd
Effenberg. Dessen erklärtes Motiv:
„Es ist mir eine Herzensangelegenheit,
der Borussia zu helfen.“
Man habe „die Raute im Herzen“,
betonen alle Beteiligten. „Die Raute
imHerzen“ zutragen, bedeutet inMön-
chengladbach die Voraussetzung für
ein Engagement im Klub, denn „die
Raute im Herzen“ steht als Phrase
gern verklärend für eine selbstlose
Liebe zum Traditionsverein.
Die Fans müssen nun entscheiden,
wem der Klub wohl mehr am Herzen
liegt: der alten Führung umden Präsi-
denten und Unternehmer Rolf Königs
oder der Gruppe umden früheren Ver-
sicherungschef Norbert Kox, den
früheren Bankenchef Friedhelm Plog-
mann und den früheren Journalisten
Martin Schmuck. Ihre Ziele im Gro-
ben: die Borussia wieder zueiner natio-
nalen Spitzenmannschaft machen und
die Mitgliederversammlung künftig
alles wählen lassen – Präsidium,
Ehrenrat und zwei Aufsichtsräte.
Mit Köppel zur Macht
Einen Machtwechsel ermöglichen
soll Effenberg, der den Posten des
Sportdirektors und Geschäftsführers
inPersonalunionanstrebt undnunmit-
teilte, dass mandenlangjährigenKlub-
Profi Horst Köppel als Kandidaten
fürs Präsidentenamt gewinnen konn-
te. Auch Günter Netzer und Berti
Vogts kann Effenberg sich im Ehren-
rat vorstellen. Das Kokettierenmit ver-
dientenBorussen hat zumZiel, bei den
Fans die Bereitschaft zur Satzungsän-
derung zu provozieren. Die Fans aller-
dings scheinen zwischen ihrem frühe-
renHeldenEffenberg undder „Initiati-
ve Borussia“ zu unterscheiden. Beim
Spiel inHannover teiltensie per Trans-
parent mit: „Tiger, du hast die fal-
schen Freunde.“ Der Vorsitzende des
Gladbacher Fanprojekts, Thomas
Ludwig, sagte zudem beim Bezahl-
sender Sky, es gebe unter den Fans ein
Votum gegen die Initiative, während
er dem im Studio anwesenden Effen-
berg deutlich schmeichelte.
Sollte die Satzungsänderung schei-
tern, würde Präsident Königs mit
seinem Team Rainer Bonhof (Vize-
präsident), Stephan Schippers (Ge-
schäftsführer) und Max Eberl (Sport-
direktor) bis 2013 weitermachen wol-
len. Kommt sie durch, kämen weder
Köppel noch Effenberg sofort ins Amt,
erst müssten die Mitglieder Ehrenrat,
Präsidium und zwei Aufsichtsräte
(VereinundGmbH) wählen. Das Präsi-
dium würde dann die dreiköpfige Ge-
schäftsführung der GmbH benennen,
deren Vorsitzender Effenberg werden
will. Mit dem Votum der Mitglieder
am 29. Mai käme er seinem Ziel einen
Riesenschritt näher. Ulrich Hartmann
Gibt es ein Interesse von Real?
Debatte um Nuri Sahin
Champions League
Halbfinale, Rückspiele
„Die Ultras
lehnen Kom-
munikation
ab“: Heribert
Bruchhagen
über extreme
Fans.
Foto: Getty
Kampf um die Raute
Effenberg präsentiert sein Programm für Mönchengladbach
Sami Hyypiä, 37, hört auf
Ewiger Aufräumer
im Strafraum
„Irgendwie flegelhaft“
Dienstag, 3. Mai 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 29
SPORT
566Erstligaspiele, neunMal Finn-
lands Bester: Sami Hyypiä dpa
Von Claudia Henzler
München – Um ein Haar hätte Xaver am
Montagabend das Versteck des Lansin-
ger Maibaums verraten– inFolge 713 der
Serie „dahoam is dahoam“. Zwischen
560 000 und 600 000 Zuschauer verfol-
gen solcherlei Alltagsdramen, die das
Bayerische Fernsehen montags bis don-
nerstags um 19.45 Uhr präsentiert. Rund
18 Millionen Euro gibt der Sender jähr-
lich aus, umdie bayerische Seifenoper zu
produzieren. Zu viel, findet der Bayeri-
sche Oberste Rechnungshof (ORH). Insei-
nem aktuellen Prüfbericht, der der Süd-
deutschen Zeitung vorliegt, kritisiert die
Behörde massiv, dass der Bayerische
Rundfunk (BR) die Produktionskosten
zu wenig kontrolliere.
Insgesamt ist die finanzielle Lage des
BR aus Sicht der Rechnungsprüfer zwar
„sehr solide“, doch die Rundfunkanstalt
arbeite nicht wirtschaftlichgenug. Inten-
dant UlrichWilhelmundVerwaltungsdi-
rektor Lorenz Zehetbauer werden am10.
Mai öffentlich im Haushaltsausschuss
des Landtags Stellung nehmen. Wesentli-
che Feststellungen des ORH hat der BR
aber bereits jetzt zurückgewiesen: Die
Sparbemühungen seien nicht zu gering.
Der BR hat für die Jahre 2010 und
2011 seine Ansätze für Programm- und
Sachkosten eingefroren und im Bereich
Fernsehen den Etat dauerhaft um zehn
MillionenEurogekürzt. Trotzdemerwirt-
schaftete der BR2009 und 2010 Verluste.
NebendengroßenKennzahlenwie Per-
sonal, den Kosten pro Sendeminute oder
den Einnahmen aus Werbung nehmen
sich die Rechnungsprüfer einzelne Pro-
duktionen vor: diesmal die Serie „daho-
am is dahoam“. In der ersten Staffel, so
kritisiert der ORH, seien dem BR „auf-
grund unklarer Vertragsbedingungen
und mangelhafter praktischer Abwick-
lung“ etwa eine Million Euro Mehrkos-
ten entstanden. Zwar habe der BR im
Mai 2009 die interne Revisioneingeschal-
tet, allerdings viel zu spät, kritisieren
Bayerns Rechnungsprüfer. Schon Ende
2007 hätten „wirksame Maßnahmen er-
griffen werden müssen“. Der Sender ha-
be die Kalkulation der Produzenten
nicht ausreichendüberprüft, sichVerträ-
ge nicht vorlegen lassen, die der Auftrag-
nehmer mit Dritten geschlossen hatte.
Die Dreharbeiten zur dritten Staffel
liefen bereits, als der ORH die Produkti-
on unter die Lupe nahm. In dieser Zeit
wurde mit demProduzenten, der Münch-
ner Polyscreen GmbH, über die vierte
und fünfte Staffel verhandelt. Weil die
Rechnungsprüfer diese Verhandlungen
engbegleiteten, sostellt es der ORHinsei-
nem Bericht dar, müsse der BR nun rund
eine Million Euro weniger für die vierte
Staffel ausgeben als ursprünglich kalku-
liert war. Der ORHfordert vomBR, künf-
tig alle Kontrollmöglichkeiten zu nut-
zen, umsicherzustellen, dass die Fernseh-
gebühren wirtschaftlich eingesetzt wer-
den. Aus Sicht des ORH ist die Ver-
schwendung bei „dahoam is dahoam“
keinEinzelfall. SchoninfrüherenJahren
hatten die Rechnungsprüfer festgestellt,
dass KalkulationenvomSender nur man-
gelhaft geprüft würden.
Der BRverwies in seiner Stellungnah-
me an den ORH auf den hohen Marktan-
teil der Sendung von fast 15 Prozent. Die
Kostenüberschreitungenhabe maninner-
halbdes genehmigtenFernsehetats abde-
cken können. Die niedrigeren Kosten für
Staffel vier sindaus Sicht des BRnicht al-
lein ein Erfolg des ORH: Tendenziell sei-
endie Kosteneinzelner Staffelnrückläu-
fig, weil Produktionsprozesse im Laufe
der Zeit optimiert werden können. Und
selbstverständlich seien die reduzierten
Kosten der vierten Staffel Basis für die
Preisverhandlungen für Staffel fünf.
Eine MillionEuroEinsparung ist aller-
dings nur ein kleiner Erfolg angesichts
der mehr als eine Milliarde Euro, die der
BR jährlich umsetzt. Wie sorgsam die
Rundfunkanstalt dabei mit den Gebüh-
ren umgeht, die den größten Teil seiner
Ausgaben finanzieren, prüft der ORHre-
gelmäßig, zuletzt im Juli 2009 für den
Zeitraum 2005 bis 2008. Und ebenso re-
gelmäßigmahnt er mehr Sparsamkeit an.
Im Juli 2009 hatte der ORH empfohlen,
die beiden Orchester und den Chor des
BRmittelfristig aus der öffentlich-recht-
lichen Anstalt auszugliedern. Fünf Pro-
zent des BR-Gesamtetats entfielen auf
das Symphonieorchester, das Rundfunk-
orchester und den Chor. Jede von den
Klangkörperngefüllte Sendeminute kos-
te mehr als tausend Euro, sie seien zu sel-
ten auf Sendung. Der BR wies die Kritik
entschieden zurück. Es gehe nicht nur
ums Geld, sondern um den kulturellen
Auftrag des Senders. Der Etat für die
Klangkörper ist ebenfalls eingefroren.
Im aktuellen Bericht an den Landtag
mahnen die Rechnungsprüfer den BR
gleich mehrfach: „Die Einsparbemühun-
gen sollten deutlich intensiviert wer-
den.“ Dennder BRwird indemZeitraum
2009 bis 2012 erstmals mehr Geld ausge-
ben als er einnehmen wird. Im Zeitraum
2005 bis 2008 wies die Gewinn- und Ver-
lustrechnungnocheinenGewinnvonins-
gesamt fast 80 Millionen Euro aus. Nun
soll das erwartete Defizit aus dem Kapi-
tal der Anstalt ausgeglichen werden.
2009 fuhr der Sender bereits Verlust
ein, die Ursachen werden von ORH und
BR unterschiedlich interpretiert. Der
Rechnungshof verweist darauf, dass der
Sender nachder jüngstenGebührenerhö-
hung mehr einnehmenkonnte als imVor-
jahr, der BRspricht von„geringerenEin-
nahmen als zunächst geplant“.
Wegen Großveranstaltungen wie der
Fußball-WM in Südafrika und olympi-
scher Winterspiele rechnet der BR mit
noch größeren Verlusten in 2010, auch
wenn sich der ursprünglich eingeplante
Fehlbetrag aufgrund positiver Trends
wohl reduzieren dürfte, wie es im ORH-
Bericht heißt. Für 2011 rechnet der Sen-
der, obwohl hier keine großenSportereig-
nisse anstehen, mit einem noch höheren
Fehlbetrag. Ein Grund für die Mehraus-
gaben: Nach der letzten Tarifrunde 2009
steigen die Gehälter der BR-Mitarbeiter
jährlich um zwei bis drei Prozent. Allein
308,4 Millionen Euro wurden 2009 fürs
Personal aufgewendet. Gerade bei den
Personalkosten sieht der ORH Hand-
lungsbedarf. Er empfiehlt, die Gehälter
weiter an den Tarif im öffentlichen
Dienst anzupassen. Einschnitte etwa
beim Weihnachtsgeld seien nicht voll-
ständig nachvollzogen worden. Und „die
seit 2007wieder gestiegenenMitarbeiter-
zahlen“ vermerkt der ORH kritisch.
Derzeit sieht der BR kein weiteres
Sparpotential. Zumindest eine bereits
eingesparte Milliondürfte demZuschau-
er nicht wehtun: die aus Lansing.
Der BR bietet ein breites Informations- und Unterhaltungsangebot. München-
Tatort undOrchester sindüber die Landesgrenzenbekannt. Intendant Ulrich Wil-
helm (oben) wird vom ORH zumSparen aufgefordert. Fotos: ales, br (2), dpa, sru
Von Katja Auer
München – Die CSUwill in den nächsten
zehnJahrendenAnteil der regenerativen
Energien in Bayern verdoppeln. Das sag-
te CSU-Chef Horst Seehofer nach der
Vorstandssitzung am Montag. Die CSU-
Spitze diskutierte Seehofers Plan, den
Ausstieg aus der Atomenergie in den
nächsten zehn Jahren zu schaffen. Trotz
skeptischer Stimmenhält er andemZeit-
raum fest. „Wir dürfen nicht vom einge-
schlagenen Kurs abgehen, das wäre eine
Täuschung der Bevölkerung“, sagte der
Regierungschef bereits auf dem Weg zur
Sitzung.
Umweltminister Markus Söder ist
ebenfalls überzeugt davon, dass die Ener-
giewende bis 2020 zu schaffen sei. „Das
ist ambitioniert, aber es ist machbar“,
sagte er. Eine Jahreszahl zu nennen sei
notwendig, „sonst laufen die Dinger
noch 20 Jahre“. Für Söder ist klar, dass
die CSUnicht mehr hinter ihre Ausstiegs-
pläne zurückkann. „Das ist einLackmus-
test für unsere Glaubwürdigkeit“, sagte
er. Söder hat einEnergiekonzept erarbei-
tet, das er amNachmittagmit denzustän-
digen Abgeordneten diskutierte. Darin
soll unter anderemdie Verdoppelung der
erneuerbarenEnergiensowie der Betrieb
von zwei bis vier Gaskraftwerken vorge-
sehen sein. Seehofer nannte Söder Vor-
schlag, der bisher nicht offiziell vorge-
stellt wurde, einen „Weg, der sehr erfolg-
versprechend und sehr belastbar ist“.
Nicht alle inder CSUsindderart ambi-
tioniert. So hat die CSU-Landtagsfrakti-
on ein Energiepapier verfasst, in dem sie
sich nicht auf ein konkretes Datum für
den Atomausstieg festlegt. Das wollte
auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda
Hasselfeldt am Montag nicht. „Ich per-
sönlich will mich zumjetzigen Zeitpunkt
nicht auf eine Jahreszahl festlegen“, sag-
te sie. „Ichmöchte eine Jahreszahl inVer-
bindung mit dem Weg dahin sehen.“
Dieser Weg soll in den kommenden
drei Wochen parteiintern diskutiert wer-
den, bis bei der Klausur des Parteivor-
stands im Kloster Andechs am 20. und
21. Mai ein Beschluss gefasst werden
soll. Und der müsse klare Positionen ent-
halten, sagte Seehofer, „nicht Wischiwa-
schi“. Auch von der Jahreszahl will See-
hofer nicht weg. „Ich kann nur allen sa-
gen: Die Grundrichtung ist nicht mehr zu
ändernundichwill sie auchnicht ändern
und es braucht keiner zu glauben, dass er
sie ändern kann.“
Die Bedenkenträger in der CSU will
Seehofer noch überzeugen. Schließlich
habe die Partei inzwischen bereits drei-
mal denAtomausstieg beschlossen, es ge-
he lediglichdarum, die Energiewende et-
was schneller zu schaffen. Dabei müsse
sowohl die Versorgung gesichert werden
wie auch der Strom für alle bezahlbar
bleiben. Düstere Prognosen von teurem
Strom und daraus resultierendem Ar-
beitsplatzsterben mag Seehofer schlicht
nicht glauben. „Solche Prognosen sind
dochetwas abenteuerlichunddamit inte-
ressensgeleitet“, sagte er. Gerade hat die
Vereinigung der bayerischen Wirtschaft
eine Studie vorgelegt. Darauf angespro-
chen, verwies Seehofer auf „das alte
Energiekonzept, das ichvorgefundenha-
be“. Nach dem Beschluss der damaligen
rot-grünen Bundesregierung wäre Ende
des Jahrzehnts kein bayerisches Atom-
kraftwerk mehr am Netz gewesen. Da-
mals habe er derlei Bedenken nicht ge-
hört. Die Energiewende sei ein Kraftakt
für Deutschland wie es ihn seit der Wie-
dervereinigung nicht mehr gegeben ha-
be, sagte Söder. Gerade für Bayern sehe
er aber die Chance, nicht nur seine wirt-
schaftliche Stärke zu halten, sondern
zum grünen Energieland zu werden.
Sparen als Programm
Der Bayerische Rundfunk macht Verluste – vor allem bei der Serie „dahoam is dahoam“ mahnt der Rechnungshof Kontrolle an
Von Christian Rost
München – Die 23-Jährige hat ihren
Kopf auf die rechte Hand gestützt, ihr
geflüstertes Geständnis ist kaumzu ver-
stehen. Und das Motiv der Angeklagten
ist nicht nachvollziehbar: Sie habe ein
„distanziertes Verhältnis“ zuihrer Stief-
tochter gehabt. Immer wieder hat die
Frau das Mädchen misshandelt. Eine
„Bestrafung“, wie die Frau es nennt, am
4. Mai 2010 in der Wohnung der Familie
imWestend hätte die damals Sechsjähri-
ge fast nicht überlebt. Ramata S. ver-
brühte das Kind unter der Dusche. Seit
Montag muss sich die Senegalesin am
Landgericht MünchenI wegen vorsätzli-
cher und gefährlicher Körperverletzung
verantworten. Der 42-jährige leibliche
Vater ist ebenfalls angeklagt, weil er
sein Kind erst nach fünf Tagen in eine
Klinik brachte.
Zum Prozessauftakt vor der Jugend-
kammer räumt S. die Vorwürfe von
Staatsanwalt Andreas Franck ein. Dem-
nach fügte sie dem Mädchen bereits im
Dezember 2008 mit bis zu 60 Grad hei-
ßem Wasser Verbrühungen an der rech-
ten Körperseite zu, weil das Mädchen in
einem Geschäft eine Süßigkeit einge-
steckt hatte. Die Erzieherinnen des Kin-
dergartens, den die Kleine damals be-
suchte, informierten die Stiefmutter
über den Vorfall – nichtsahnend, welche
Konsequenzen das haben würde.
Der Ankläger trägt noch etliche weite-
re haarsträubende Fälle vor. Als sich das
Mädchen mit einem Messer einen Apfel
teilte, schlug die Frau mit der Hand da-
zwischen, sodass sich das Kind schnitt.
Einmal warf S. ihre Stieftochter in die
Luft, ließ sie absichtlich zu Boden fallen
und trat so lange auf sie ein, bis sie keine
Luft mehr bekam. Weil das Kind ein an-
deres Mal nicht ordentlich gegessen hat-
te, drückte die Angeklagte eine Hand der
Kleinen auf die heiße Herdplatte.
Den letzten Übergriff vor einem Jahr
überlebte das Kindbeinahe nicht. Es hat-
te nachts ins Bett gemacht und sich nicht
getraut, das Missgeschick zu beichten.
Als die Fraudas Malheur entdeckte, zerr-
te sie die Kleine unter die Dusche, hielt
ihr mit einem Lappen den Mund zu, um
Schreie zu unterdrücken, und drehte das
heiße Wasser auf. Mit Gewalt unterband
S. Fluchtversuche des Kindes. Es erlitt
VerbrennungenzweitenunddrittenGra-
des an denOberschenkeln, imGenitalbe-
reich und am Po. Zehn Prozent der Kör-
peroberfläche waren betroffen. Als der
Vater Stunden später nach Hause kam,
versetzte er seiner Tochter zunächst eine
Ohrfeige, weil er meinte, sie sei nicht
brav gewesen. Erst danach bemerkte er
die Verletzungen. Statt jedoch das Kind
zum Arzt zu bringen, wurden die Wun-
den notdürftig mit einer Brandsalbe ein-
geschmiert. Erst fünf Tage später fuhr
der Vater mit seiner Tochter, deren Hän-
de inzwischen eiskalt waren und deren
Herz raste, in eine Klinik. Sieben Wo-
chen musste das Mädchen stationär be-
handelt werden.
Während der Tat soll die Stiefmutter
gesagt haben: „Du sollst tot sein, ich ha-
be schon ein eigenes Kind.“ 2008 hatte
sie vom Vater des Mädchens einen Bu-
ben bekommen. Einen weiteren Sohn
brachte sie in der Untersuchungshaft
zur Welt. Die Kinder sind bei Pflegefa-
milien untergebracht. Der Prozess wird
fortgesetzt.
München – Die heftigen Attacken der
CSU-Spitze gegen die designierte grün-
rote Landesregierung inBaden-Württem-
berg rufen jetzt die Landtagsopposition
auf denPlan. „Was CSU-Chef Horst See-
hofer und sein Generalsekretär Alexan-
der Dobrindt da treiben, ist nichts als
kleinkarierter Theaterdonner“, sagt Grü-
nen-Fraktionschef Martin Runge. „Das
sindPanikreaktionen, umdas eigene Pro-
fil zuschärfen.“SPD-Fraktionschef Mar-
kus Rinderspacher sieht die Sache genau-
so. „Das ist Politikauf höchster Testoste-
ron-Ebene“, sagt er. „Dahinter steckt die
Angst der CSU, der grün-rote Virus aus
Baden-Württemberg könnte bei der
nächsten Wahl auf Bayern übergreifen.“
Und der Freie-Wähler-Vorsitzende Hu-
bert Aiwanger nennt es „peinlich, wie ei-
nige CSU-ler mit ihren herablassenden
Äußerungengegenüber Baden-Württem-
berg Bayern blamieren“.
Noch ehe die neue grün-rote Regie-
rung im Nachbarland überhaupt im Amt
ist, hatte Seehofer am Wochenende die
langjährige Partnerschaft zwischen Bay-
ern und Baden-Württemberg aufgekün-
digt und einen Wettbewerb der Systeme
Schwarz-Gelb und Grün-Rot ausgeru-
fen. Zugleichattackierte CSU-Generalse-
kretär Dobrindt den designierten Minis-
terpräsidenten Winfried Kretschmann
(Grüne) massiv und rief baden-württem-
bergische Unternehmen dazu auf, in den
Freistaat überzusiedeln. „Jedes Unter-
nehmen, das in Baden-Württemberg
durchgrün-rote Planwirtschaft verprellt
wird, ist in Bayern hochwillkommen“,
sagte Dobrindt undbezeichnete Kretsch-
mann als Fehlbesetzung. Die Grünen
nannte der CSU-General „den politi-
schen Armvon Krawallmachern, Steine-
werfern und Brandstiftern“.
Für den SPD-Mann Rinderspacher
sind die Äußerungen „reine Muskelspiel-
chen“ und „peinlich bis an die Schmerz-
grenze“. Wie seinGrünen-Kollege Runge
will er sie aber nicht zu hoch hängen.
„Die markigenWorte sinddas eine“, sagt
Runge, „die Realität ist das andere.“ Und
in der Wirklichkeit, da ist sich Runge
ganz sicher, „wird sich die Staatsregie-
rungschnell wieder ander Seite der grün-
roten Landesregierung im Nachbarland
finden“.
Etwa beimLänderfinanzausgleich. Da
kämpfendie drei Nettozahler Bayern, Ba-
den-Württemberg und Hessen seit lan-
gem dafür, dass das System zu ihren
Gunsten verändert wird. Diesen Kampf
hat sich Grün-Rot in Baden-Württem-
berg jetzt noch einmal ausdrücklich auf
die Fahnen geschrieben. „Bayern wird
da gewiss auf der gemeinsamen Linie
bleiben“, sagt Runge. „Alles andere wäre
ja gegen die Interessen des Freistaats.“
Ansonsten hat die Landtagsoppositi-
on durchaus Sympathien für den von
Seehofer angekündigten „Wettstreit der
Systeme“, solange er „auf der Sachebe-
ne bleibt“, wie Runge und Rinderspa-
cher wie aus einem Munde sagen. Zum
Beispiel beim Ausstieg aus der Atom-
kraft undder Energiewende, bei der Bay-
erns Umweltminister Markus Söder
(CSU) unbedingt die Führung in
Deutschland übernehmen will. „Da
kann ein Wettstreit mit dem grün-roten
Baden-Württemberg gewiss nicht scha-
den“, sagt Runge. Oder bei den Gemein-
schaftsschulen, welche Grün-Rot im
Nachbarland einführen will. Sie werden
auch von der bayerischen Opposition
schon lange, aber vergeblich für den
Freistaat gefordert. „Wenn jetzt Baden-
Württemberg zeigt, dass die Zukunft der
Gemeinschaftsschule gehört“, so Rinder-
spacher, „dann hilft das womöglich,
dass sich die Erkenntnis endlich auch im
Freistaat durchsetzt.“ Christian Sebald
München– AmAnfang warenes Müllwa-
gen, die das Oktoberfest vor Terroran-
schlägen schützen sollten. Seit es vor
zwei Jahren Hinweise auf ein Attentat
gab, wird die Wiesn abgeriegelt: Voriges
Jahr behalf sichdas Kreisverwaltungsre-
ferat mit 50 zwei Meter hohen Betonsäu-
len aus Kanalrohren, die die Zufahrt
zumOktoberfest für große Fahrzeuge blo-
ckierten. Das Provisorium war aus Sicht
der Polizei jedoch kein zufriedenstellen-
der Zustand. Dieses Jahr kommen erst-
mals Hochsicherheitspoller zumEinsatz,
wie sie auch amJüdisches Gemeindezen-
trum Kulturzentrum verwendet werden.
Seit Montag setzt das Baureferat Funda-
mente für 100 starre und 80 ausfahrbare
Poller an allen Zufahrten der Wiesn und
des Landwirtschaftsfests. Die per Funk
ausfahrbaren Poller sind technisch auf-
wendig, imSommer soll es eine Testpha-
se geben. Wenndie Blockade richtigfunk-
tioniert, geben die Poller beim Aus- und
Einfahren ein Warnsignal von sich. anl
München – Wissenschaftsminister Wolf-
gangHeubisch(FDP) hat amMontag offi-
ziell die Studienanfänger des doppelten
Abiturjahrgangs begrüßt. Heubisch sag-
te anlässlich des Beginns des Sommerse-
mesters an den bayerischen Universitä-
ten, es handele sich 2011 um ein „beson-
deres Studienjahr“. Durch den doppel-
ten Abiturjahrgang und die Aussetzung
der Wehrpflicht erwarteten die Hoch-
schulen so viele Erstsemester wie nie zu-
vor. Heubisch betonte, Hochschulen und
Freistaat hättenindenvergangenenJah-
ren „kräftig gebaut und geplant, um al-
len Studienanfängern eine Ausbildung
auf hohem Niveau zu garantieren“. Ge-
sondert begrüßte der Minister die Abitu-
rienten des letzten G-9-Jahrgangs: Un-
mittelbar nach dem Abitur ins Studium
zu starten, sei eine „starke Leistung“.
Die Absolventen des G 9 erhielten am
Montag ihr Abiturzeugnis. dapd
München – Seit Monaten hat die liberale
jüdische Gemeinde BethShalomdie Ent-
würfe für die geplante Synagoge in der
Schreibtischschublade – gesehenaber ha-
bensie bislang nur wenige. Amkommen-
den Mittwoch nun will der New Yorker
Star-Architekt Daniel LibeskindinMün-
chen die Pläne öffentlich vorstellen. Im
jüdischen Museum am St.-Jakobs-Platz
wird Libeskind vor geladenen Gästen ei-
nen Vortrag halten: „Eine Synagoge für
München, Deutschland und die Zu-
kunft“, lautet der Titel. Dann, so ist ge-
plant, wirdder US-amerikanische Archi-
tekt, der selbst liberaler Jude ist, die Plä-
ne vorstellen, auf die man auch bei der
Stadt schon gespannt ist. Denn bislang
liegen den zuständigen Referaten weder
Entwürfe noch eine Bauvoranfrage vor.
Zuletzt hattensichVertreter der libera-
len Gemeinde Beth Shalom und der
Stadt vor rund einem Jahr über den ge-
planten Synagogenbau unterhalten. Die
Gemeinde möchte einstädtisches Grund-
stückimLehel bebauen; die Stadt erwar-
tet vor einer Zusage allerdings, dass die
Finanzierung gesichert ist. Allein der
Wert des Grundstücks dürfte sich auf
rund sechs Millionen Euro belaufen; für
den Bau muss die kleine, an die 250 Mit-
glieder zählende Gemeinde, sicher zu-
demmit einemzweistelligenMillionenbe-
trag rechnen. Der Empfang am 4. Mai ist
deshalbzugleichAuftakt für eine großan-
gelegte Spendensammlung. mai
Bamberg– Die Bamberger Lyrike-
rinNoraGomringer erhält denJa-
kob-Grimm-Preis Deutsche Spra-
che 2011. Die Leiterindes Interna-
tionalen Künstlerhauses Villa
Concordia habe einer neuenForm
des Dichtens in Deutschland, der
SlamPoetry, zur Popularität ver-
holfen, begründeten die Eber-
hard-Schöck-Stiftung in Baden-
Baden und der Verein Deutsche
Sprache am Montag die Wahl.
Die mit 30 000 Euro dotierte
Auszeichnung ist Teil des Kultur-
preises Deutsche Sprache, der am
15. Oktober in Kassel übergeben
wird. Dabei erhält der Siegener
Philosoph Dieter Schönecker für
seine Verdienste um die Wissen-
schaftssprache Deutsch den mit
5000 Euro dotierten Initiativpreis
Deutsche Sprache. Autoren des
Poetry Slams „spielen mit der
Sprache, kneten, verdrehen und
zwirbeln sie, arbeiten sich an ihr
undmit ihr ab“, beschriebdie Uni-
versität Bamberg am Montag die
neue Formder Dichtkunst. Sie wi-
derlegten das Vorurteil, dass sich
die Generation der 20-Jährigen
nicht für Sprache interessiere
und Sprache nur als Werkzeug
für die Verständigung im Alltag
verstehe. Nora Gomringer ist erst
31Jahre alt unddamit die mit Ab-
stand jüngste Trägerin des Jacob-
Grimm-Preises. Sie richtet seit
2001 regelmäßig Slam-Sessions
aus. Bereits 2004 wurde sie bei
den deutschen Meisterschaften
zu besten deutschsprachigen Per-
formance-Poetin gekürt. Beim
Poetry Slamwerden Texte von ei-
nem(meist sehr kritischen) Publi-
kum bewertet.
Laut der Uni Bamberg verdient
nicht jeder Text das Prädikat
„Kunst“. Die meisten von ihnen
seien aber Zeugnisse für eine in-
tensive Auseinandersetzung mit
der deutschen Sprache. Nora
Gomringer bringe durch ihre fri-
schen, verspielten und oft kecken
Texte, aber auchdurchdie mitrei-
ßende Art ihrer Darbietung einen
neuenTonindie Lyrikder Gegen-
wart. dpa
Der BR hält dagegen:
Man habe bereits
angefangen zu sparen.
Lackmustest für die CSU
Seehofer will sich vom Atomausstieg nicht abbringen lassen
Zur Strafe verbrüht
23-Jährige gesteht schwere Misshandlung ihrer Stieftochter
„Politik mit zu viel
Testosteron“
Landtags-Opposition kritisiert
Attacken auf Grün-Rot in Stuttgart
Anti-Terror-Poller
fürs Oktoberfest
Ein besonderes
Studienjahr
Libeskind stellt
Synagogenpläne vor
Königin der
Slam Poetry
Seite 30 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 Dienstag, 3. Mai 2011

MÜNCHEN · BAYERN
„Du sollst tot sein,
ich habe schon
ein eigenes Kind.“
„Das sind Muskelspiele,
und die sind peinlich bis
an die Schmerzgrenze.“
Der Artikel von Jürgen Habermas „Ein
Pakt für oder gegen Europa“ vom
7. April lässt denLeser genauso ratlos zu-
rück wie die zu Recht kritisierte Politik
den immer wieder zitierten mündigen
Bürger. Vielleicht wäre es an der Zeit,
von den Parteien und den Volksvertre-
tern vorrangig jene Redlichkeit und Ge-
nauigkeit einzufordern, die sie nicht erst
seit Angela Merkels Kanzlerschaft instei-
gendem Maße vermissen lassen: Warum
werden die Defizite einer Mammutpla-
nung wie Stuttgart 21 erst aufgedeckt,
wenn Bürger massenhaft auf die Straße
gehen? Warum passieren unzureichende
Regelungen zur Kontrolle der Finanz-
märkte den Bundestag, nachdem sie an-
gekündigt, versprochen, über den Hau-
fen geworfen, gebrochen undihre Defizi-
te verschwiegen worden sind? Wie ist es
um die Politik zur Finanzsituation der
Eurozone bestellt, die behauptet, verän-
dert, zurückgenommen und gegen euro-
päische Vereinbarungen als „Transfer-
union“ gestützt wird? Welche Aufgaben
nehmen Stadträte, Landtagsabgeordne-
te oder Bundestagsabgeordnete eigent-
lich wahr, wenn sie ihren ureigensten
(Kontroll-)Rechten und Pflichten nicht
nachkommen? Michael Machleidt
Tübingen
Scheu vor Übernahme
der Verantwortung
Die Politik in Europa und in Deutsch-
land ist gekennzeichnet durch ein hilflo-
ses Kurieren an Symptomen und der
Scheu vor der Übernahme von Verant-
wortung. Wenn man eine Vertragsände-
rung, die eine wirkliche gemeinsame eu-
ropäische Wirtschafts- und Finanzpoli-
tik ermöglichen würde, auf europäischer
und wohl auch auf nationalen Ebenen
nicht durchsetzen kann, dann gibt es nur
die Alternative, die Länder, die über-
schuldet und wirtschaftlich nicht kon-
kurrenzfähig sind, zeitweise aus der Eu-
rozone zu entlassen und ihnen die Erho-
lung durch die Abwertung einer eigenen
Währung zu ermöglichen. Alles andere
ist Flickschusterei und führt letztlich zu
einer Transferunion, die Deutschlandär-
mer und zudem europaweit dennoch im-
mer unbeliebter macht. Ein weiteres
Übel, das Habermas auch anspricht, ist
die enge Verzahnung der Träger der ver-
öffentlichten Meinung mit den Politi-
kern. Hier gewinnt man den Eindruck,
dass Journalisten und Moderatoren im-
mer stärker versuchen, Politiker zumani-
pulieren und die Politiker sich ihrerseits
gerne dazu hergeben, um freundliche
Kommentare und Unterstützung zu er-
halten. Dr. Dietmar Nickel
München
In „Gymnasium für alle“ vom 8. April
folgt Tanjev Schultz, wenn auch mit Be-
dauern, der vonder bayerischenStaatsre-
gierungseit JahrzehntenvertretenenAuf-
fassung, die Beschränkung des Eltern-
rechts bei der Auswahl unter den weiter-
führenden Schulen sei sachgerecht, zu-
mal der sogenannte Sozialschichteffekt
da, wo alleinder Elternwille zählt, beson-
ders deutlich sei. Letzteres ist richtig,
Ersteres ist falsch. So werden zwei Dinge
miteinander verwechselt. Es geht näm-
lich erstens um die tatsächlich richtigere
Einschätzung künftigen Schulleistungs-
verhaltens und zweitens um die Minde-
rung oder Vergrößerungen sozialer Un-
gleichheiten durch das Schulsystem.
Und hier sind bekanntlich Bayern, Ba-
den-Württemberg und Sachsen Spitze.
Unabhängig vom Elternwillen profitiert
hier nämlich nicht der beste Teil der
Schüler, sondern ein Segment des besten
Teils, vulgo Gymnasium.
Schon seit den 60er Jahren ist be-
kannt, dass die Eltern das künftige Leis-
tungsvermögen ihrer Kinder besser ein-
schätzen können als beurteilende oder
testierende Lehrkräfte. Die erste Unter-
suchung in dieser Richtung wurde in den
60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in
Bremen durchgeführt. Stimmten Eltern
und Lehrkräfte prognostisch überein,
war der gymnasiale Schulerfolg damals
94 Prozent. Plädierten die Lehrer für die
Realschule und votierten die Eltern fürs
Gymnasium, lagen die Eltern zu 77 Pro-
zent ein Jahr später richtig. Und bei ei-
ner Hauptschulempfehlung waren im-
merhin noch 59 Prozent der gemutmaß-
tenSchülerinnenundSchüler imGymna-
sium erfolgreich. Spätere Untersuchun-
gen in Hessen und Niedersachsen brach-
ten etwa gleiche Ergebnisse.
Das liegt vor allem daran, dass Eltern,
die dem Bildungsbürgertum zuzurech-
nensind, ihren Kindern bei Schulproble-
men selbst weiterhelfen und durch ihr
deutliches Interesse an der Schullauf-
bahn ihres Kindes zusätzlich motivie-
rend wirken. Das gilt auch für aufstiegs-
orientierte Schichten, auch durchaus mit
Migrationshintergrund, die ihren Kin-
dern Nachhilfeunterricht erteilen lassen.
Es wird geschätzt, dass jährlichfünf Mil-
liarden Euro von Eltern für Nachhilfe
aufgebracht werden – und das überwie-
gend für Leistungen, die die Schulen den
Schülern vorenthalten.
Es ist daher nicht die Freigabe des El-
ternwillens, die das Leistungsvermögen
unserer Schulen belastet, sondern die
Tatsache, dass schon nach den Schul-
strukturen die hier genannten Länder
die vorgefundene soziale Privilegierung
von Schülern weiter verstärken. In kei-
nem Land der OECD ist die Schule nach
einem Wort des Soziologen Helmut
Schelsky aus den50er Jahrendes vorigen
Jahrhunderts so sehr „Zuteilungsappara-
tur von Lebenschancen“ wie bei uns –
vor allem in Bayern. Prof. Lutz Dietze
Worpswede
Ohne Unterstützung
schaffen es viele nicht
Wer seinem Kind im dritten/vierten
Schuljahr die Bauchschmerzen ersparen
will, sollte wissen, dass nach gut begrün-
deten Untersuchungen für etwa zwei
Drittel der Kinder die Empfehlung der
Lehrerin richtig war. Das dritte Drittel
ist das Problem, außerdem, dass man
nicht vorher weiß, wer zu welchem Drit-
tel gehört. Leider stellen sich die Bauch-
schmerzen bei vielen Kindern in der 5./6.
Klasse wieder ein, wenn der Druck der
Forderungen des Unterrichts und/oder
der Elternzustarkwird. Undselbst dann
weiß man nicht, ob es an den Forderun-
genliegt, an den Eltern oder gar (horribi-
le dictu) ander mangelndenLeistungsbe-
reitschaft und/oder -fähigkeit des Kin-
des. Es ist ja bei Tanjev Schultz zu erwar-
ten gewesen, dass wieder einmal auf die
ungleichen Verhältnisse der Elternhäu-
ser verwiesenwird, die manpolitischaus-
zugleichenhabe. NachmeinenErfahrun-
genbrauchenaber viele Kinder über Jah-
re die wohlwollende Unterstützung ihrer
Eltern für die Schule, was sehr viele Nu-
ancenhabenkann. Zuglauben, mankön-
ne das ausschalten, scheint mir ein Irr-
glaube zu sein. Und natürlich wird nicht
jedes Kind erfolgreich ein Gymnasium
abschließen. Dr. Eberhard Blohm
Gymnasiallehrer
Helmenzen
Ist der bayerische Weg
nicht doch der bessere?
Stellen wir uns ein Szenario vor: Allein
der Elternwille entscheidet, ob ein Kind
aufs Gymnasium geht oder nicht. Alle
Akademikerkinder und ein hoher Pro-
zentsatz der Kinder anderer Familien
kommen aufs Gymnasium. Damit es kei-
ne Tränen gibt und die Kinder nicht „ka-
puttgehen“, wird das NiveauamGymna-
sium abgesenkt. Die guten oder beson-
ders Begabten langweilen sich dann –
oder werden besonders gefördert. So
wird auch wieder differenziert. Wenn
dann in der Pubertät doch der ein oder
andere das Gymnasium verlassen möch-
te, dann ist es entweder zu spät oder es
gibt gar keine Alternative mehr. Also: Je-
dem sein Abitur! Nur: Dann sieben die
Hochschulen aus, und die Auszubilden-
den sind zu lange in der Schule gewesen.
Ist der bayerische Weg mit dem Über-
trittsverfahren nach der vierten Klasse
nicht doch der bessere Weg? Dass Zehn-
jährige Bauchweh und Versagensängste
haben, liegt nicht an ihnen, sondern an
den Eltern. ImÜbrigen: Nach den Erfah-
rungen an dem Gymnasium, an dem ich
unterrichte, schätzendie Grundschulleh-
rer(innen) sehr gut ein, wer fürs Gymnasi-
um geeignet ist. Richard Berndt
München
Absturz vom Gymnasium
lässt Kinder mehr leiden
Freier Elternwille beim Übertritt an hö-
here Schulen (Hallo Herr Schultz, es gibt
in Bayern übrigens auch noch eine Real-
schule und nicht nur Gymnasien!!) be-
deutet, dass tatsächlich Akademikerfa-
milien ihre Kinder nahezu in fast jedem
Fall auf die höhere Schule schicken wer-
den. Dann fällt zwar das Bauchweh in
der vierten Klasse weg, dafür kommt es
garantiert mit noch größerer Wucht in
der fünften, spätestens sechsten Klasse,
wenn das Kind den Anforderungen doch
nicht entsprechen kann. Und das bedeu-
tet: Zuerst Wechsel vom Gymnasium zur
Realschule (denn die muss dann das ar-
me Kind ja nun unbedingt packen), dann
womöglich noch ein zweiter Absturz an
Haupt-/Mittelschule. Ist das für das
Wohl des Kindes wirklich der richtige
Weg? Viel sinnvoller wäre es, den Lehr-
plan der Grundschule zu überarbeiten
und die Kinder von Anfang an mehr ler-
nen zu lassen. Denn was soll der Unfug,
zuerst nur nach dem Gehör das Schrei-
benzulernenunddann, wennsichdie fal-
sche Schreibweise manifestiert hat, erst
die richtige Schreibweise zu erlernen.
Und dann muss in einer wilden Aufhol-
jagd plötzlich all das Versäumte nachge-
holt werden. Aus meiner langjährigen
Lehrtätigkeit weiß ich, dass Kinder ger-
ne lernen – dann lassen wir sie das doch
einfach machen! Im Übrigen habe ich
höchstenRespekt vor denGrundschulleh-
rern, deren Übertrittsgutachten sich na-
hezu immer als richtig herausgestellt ha-
ben, wenn ich diese Jahre später nachge-
lesen habe. Dietlinde Heidrich
Realschullehrerin
Marktoberdorf
Die unsäglichen Ausführungen von Hil-
mar Klute über das politische Kabarett
allgemeinsowie über UrbanPriol undan-
dere imBesonderenkönnennicht unkom-
mentiert bleiben(„Kassandra imHobby-
keller“, 31. März). Der Artikel trieft gera-
dezu von einer schwer erträglichen „bil-
dungsbürgerlichen“ Arroganz gegen-
über den „johlenden Spießbürgern“, wo-
mit wohl all jene gemeint sind, die Priol
und vor allemGeorg Schrammfür exzel-
lente Protagonistendes politischenKaba-
retts in Deutschland halten. Speziell
Schrammals „schlecht informierten, un-
sauber zielenden, ästhetisch flächende-
ckend unbeleckten, verschwitzten Polit-
Witzarbeiter“ zu bezeichnen, ist schon
ein starkes Stück. Gerhard Baumann
Bodenheim
Georg Schramm
hebt sich von Priol ab
Der Artikel trifft mit seinen Äußerungen
zu Urban Priol im Speziellen und zum
Niedergang des politischen Kabaretts in
Deutschland im Allgemeinen die Sache
auf den Punkt – mit einer wichtigen Ein-
schränkung: DenpolitischenKabarettis-
ten Georg Schramm in einem Zuge mit
den zu Recht als Comedy-Vertretern des
gehobenen Spießbürgertums charakteri-
sierten Urban Priol und Bruno Jonas zu
nennen, stellt eine große Ungerechtig-
keit dar. Wer Schramm jemals in seinen
Soloprogrammenerlebt hat, wer miterle-
ben durfte, wie er gegen soziale Unge-
rechtigkeit, Bildungsmisere, Zwei-Klas-
sen-Medizin und andere Skandale der
neoliberalenRealität wettert; wer verfol-
gen konnte, wie sich dieser Mann in ei-
nen Furor sondergleichen ohne jegliche
Rücksicht auf vorgefasste Meinungen
steigerte – als eines von unzähligen Bei-
spielen sei Schramms (in seinem Pro-
gramm„Thomas Bernhardhätte geschos-
sen“gemachten) Hinweis auf Hanns Mar-
tin Schleyers Karriere imNationalsozia-
lismus genannt –, weiß, warumer den öf-
fentlich-rechtlichen Unterhaltungssen-
dungen „Scheibenwischer“ und „Neues
aus der Anstalt“ jeweils nachrelativ kur-
zer Zeit den Rücken kehrte, umsich wie-
der seinen Soloprogrammen widmen zu
können. Fabian Schamoni
Düsseldorf
Ein grober Klotz gehört
auf einen groben Keil
Herr Klute stellt mit einem Unterton des
Bedauerns („Ja, Gott. . .“) fest, dass man
in einer Demokratie fast alles sagen darf.
Ja, Gott, auch er. Von minderer Intelli-
genz scheint er nicht zu sein, da er mit
Recht Dieter Hildebrandt preist, aber ei-
nen Georg Schramm als unzureichend
durchblutetenPolitclown zubezeichnen,
da muss man schon schwer, zumindest
zeitweilig, einen in der Ampel haben –
oder hat er da was geraucht (priolischge-
sprochen)? Urban Priol bringt unserer
derzeitigen Gesellschaft, Herrn Klute
und Frau Merkel eingeschlossen, was sie
vermutlich braucht: auf einen groben
Klotz soll ein grober Keil. Degen oder
Florett, alles zu seiner Zeit, oder auch
gleichzeitig. Reinhold Rubner
Nürnberg
„Ist die Katze aus dem Haus,
tanzen die Priols . . .“
Der Humorsoldat Urban Priol hat wie
viele seiner KollegInnen folgendes Pro-
blem: Zum Ablästern eignen sich die
FrontfigurenAngela Merkel, Rainer Brü-
derle und Guido Westerwelle ohne Fra-
ge. Was aber würde wohl passieren,
wenn Herr Priol zufälligerweise in Ber-
lin in einem Aufzug plötzlich Frau Mer-
kel oder Herrn Brüderle gegenüberste-
hen würde. Würde er spontan über sie
herziehen? Es ist das Problemder Politka-
barettisten, dass sie dauernd auf abwe-
sende Prominente schießen. Letztendlich
aber ist das nichts weiter als übles Hin-
tenrumgerede nach dem Motto: „Ist die
Katze aus dem Haus, tanzen die Priols
auf den Tischen.“ Markus B. Eberwein
Rosenheim
Unterstützung
für den Kritiker
Eigentlichmüsste man der überaus treff-
lichen Charakterisierung der sogenann-
ten satirischen Auftritte des Herrn Priol
durch Hilmar Klute nichts hinzufügen.
Nachdem diesem Herrn aber sogar nach
seinem unsäglichen RAF-Vergleich – je-
der Politiker würde bei so etwas sofort
zum Rücktritt gezwungen – scheinbar
nocheinige Fans aus „entfesseltenSpieß-
bürgertum“ übriggeblieben sind, fühlt
man sich doch noch zur Unterstützung
von Herrn Klute gedrängt. Für mich wie
für ihn hätte es nicht mehr dieses Auf-
tritts am Odeonsplatz bedurft, um die
Disqualifikation des Hassneurotikers
Priol als politischen Kabarettisten zu er-
kennen. Leider wird manaber Herrn Pri-
ol nur schwer erklären können, dass er
nur einen bescheidenen Bruchteil jener
Intellektualität besitzt, die er sich in sei-
ner krankhaften Überheblichkeit zubil-
ligt. Prof. Dr. Hermann Maier
Straubing
Das Unbehagen
in Worte gefasst
Mit Genugtuung habe ich die Analyse
des Treibens von„ZDF-Witzarbeiter Pri-
ol“ gelesen. Hilmar Klute hat das Unbe-
hagen, das mich beim Hören dieses „Ka-
barettisten“ und einigen anderen seiner
Anstalt jedes Mal befiel, hervorragend in
Worte gefasst. Undichfinanziere das mit
meinen Gebühren auch noch!
Dr. Wolfgang Gimbel
Kleinmachnow
„Er kann nicht wägen,
er muss schlagen“
Wenn man schon Tucholsky mit dem
Satz zitiert, dass Satire alles dürfe, dann
sollte man den Rest des Zitats nicht un-
terschlagen: „Weil der Kampf gegen die
Lebenden von Leidenschaften durch-
schüttelt ist, und weil die nahe Distanz
das Auge trübt, und weil es überhaupt
für den Kämpfer nicht darauf ankommt,
Distanz zu halten, sondern zu kämpfen –
deshalb ist der Satiriker ungerecht. Er
kann nicht wägen – er muss schlagen.
Und verallgemeinert und malt Fratzen
an die Wand und sagt einem ganzen
Stand die Sünden einzelner nach, weil
sie typisch sind und übertreibt und ver-
kleinert.“ Ich glaube, diesen Forderun-
gen wird Priol gerecht. Ulrich Hartter
Eppstein
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungs-
äußerungen der Redaktion. Wir behalten
uns vor, die Texte zu kürzen.
E-Mail: forum@sueddeutsche.de
Elternwahl = Kindeswohl?
Leserstimmen für und wider das „Gymnasium für alle“
Starkes Stück
Was darf der Kabarettist, was muss er dürfen? Und was darf sein Kritiker?
Politik vernachlässigt
ihre Pflichten
Gefordert wären mehr Redlichkeit
und Genauigkeit im Amt
Korrekturen
U In „Teures Vaterland“ vom
27. April, Seite 18 werden als
Farben der bundesdeutschen
Flagge „Schwarz-rot-gelb“ ge-
nannt. Korrekt ist „Schwarz-rot-gold“.
U In „Laden zu in Lingen“ vom
30. April/1. Mai auf Seite 25 wirdder tra-
ditionelle verkaufsoffene Sonntag inLin-
gen auf den Sonntag nach Ostern gelegt.
Tatsächlich ist es der erste Sonntag im
Mai. Zudem wurden die Eilverfahren
nicht vor den Landgerichten, sondern
vor den jeweiligen Verwaltungsgerich-
ten entschieden. Das brandenburgische
Templin liegt nördlich von Berlin, nicht
in der Stadt selbst.
„Es stellt eine große Ungerechtigkeit dar, Georg Schramm (rechts) in einem Zug
mit Priol zu nennen.“ Foto: dpa
Dienstag, 3. Mai 2011 Süddeutsche Zeitung Nr. 101 / Seite 31
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Helsinki
München
12°

Das Wetter heute: Gebietsweise zunächst Regenwolken
Zwischen einem Hoch bei
Schottland und einemTief über demBal-
kan weht frische Luft nach Mitteleuro-
pa. Dabei scheint im Norden und Wes-
ten die Sonne. ImOsten und Süden Mit-
teleuropas überwiegen Regenwolken.
ZumTeil überwiegt heute
Sonnenschein. Über den Nordosten und
Norden ziehen allerdings zeitweise ein
paar Wolkenfelder, sie bringen aber nur
örtlich kurze Schauer. ImSüden und vom
südlichen Thüringen bis nach Sachsen
zeigt sich das Wetter zunächst bewölkt,
und es fällt Regen. In den höheren La-
gen der östlichen Mittelgebirge schneit
es. Später wird es dann etwas freundli-
cher. 8 bis 16 Grad werden tagsüber er-
reicht.
Mittwoch Donnerstag Freitag
unter -10°
-10° bis -5°
-5° bis 0°
0° bis 5°
5° bis 10°
10° bis 15°
15° bis 20°
20° bis 25°
25° bis 30°
über 30°
Kanaren
05:53
20:29
05:33
21:06
03.05. 17.05. 10.05. 24.05.
1700 m Nullgradgrenze bei
Aussichten
Wetterlage
Denver
Houston
Havanna
Singapur
Hanoi
Bangkok
Manila
Hongkong
Shanghai
Tokio
Peking
Chengdu
Miami
Washington
Chicago
Toronto
New York
Los Angeles
Vancouver
Nordamerika
Europa
Asien
Warmfront
Kaltfront
Mischfront
Kaltluft
Warmluft
H
T
Hoch
Tief
Gewitter 22°
Norden
Osten
Westen
Süden
(Angaben für München)
Nordostwind 20 km/h
Nordwestwind 25 km/h
ARD ZDF BR RTL Pro Sieben Sat 1 3sat Arte
RTL 2 Vox Kabel 1 Phoenix BR-alpha
Sky Cinema Tele 5 ORF 2 NDR WDR
Super RTL Eurosport N24
Kinderkanal Sport 1 n-tv SWR HR
MDR RBB
Deutschlandradio Kultur WDR 5 Deutschlandfunk
6.00Das 1-2-3.tv Auktionshaus 9.00
Frauentausch 11.00 Die Schnäpp-
chenhäuser 12.00 X-Diaries 12.55
Big Brother 10 14.00King of Queens
14.30 King of Queens 14.55 Immer
wieder Jim 15.25 Immer wieder Jim
15.50 King of Queens 16.15 King of
Queens 16.45 Still Standing 17.05
Still Standing 17.30 Still Standing
18.00 X-Diaries 19.00 Big Brother
20.00 RTL II News 20.15 Sitz! Platz!
Aus! Zu Gast: Sky und Mirja du Mont,
Vera Int-Veen, Jochen Schropp, Ross
Antony und Kerstin Landsmann
23.10 Fun Club  – Comedystars live
0.15 Autopsie
11.15Die Schule der kleinen Vampire
11.35Bernard 11.40Pinocchio 12.05
Das Dschungelbuch 12.30 Clifford,
der kleine rote Hund 12.55 Garfield
(1/52) 13.20 Tracey McBean 13.45
Gloria und ihre Familie (4/26) 14.10
Schloss Einstein  – Erfurt 15.00
Die Mädchen-WG 15.25 Kummer-
kasten 15.30 Elephant Princess  –
Die Rettung von Manjipoor 16.20
Kurz+Klick (2) 16.30 Enyo 17.10 Die
Schule der kleinen Vampire 17.35Chi
Rho – Das Geheimnis 18.00 Yakari
18.15 Pinocchio 18.40 Tom und das
Erdbeermarmeladebrot mit Honig
(1/39) 18.50 Unser Sandmännchen
13.50 Phineas und Ferb 14.20 Dis-
ney Kick Buttowski  – Keiner kann
alles (4/20) 14.50 Skunk Fu 15.20
Coop gegen Kat 15.50Mr. Bean – Die
Cartoon-Serie 16.20Sally Bollywood
16.50 Die Superschurkenliga 17.20
Disney Kick Buttowski – Keiner kann
alles 17.45 Cosmo und Wanda (2/69)
18.15 Tauschrausch 18.45 Phineas
und Ferb 19.15 Disney Zeke und Lu-
ther 19.45 Disney Meine Schwester
Charlie 20.15 Die Bullenbraut. TV-
Krimikomödie, D 2004 22.15 Niko-
la (1/13) 22.45 Nikola (2/13) 23.15
Die Nanny 23.45 Golden Girls 0.20
Shop24Direct Schlagernacht
5.00Fakt 5.30Morgenmagazin 9.00
heute 9.05 Rote Rosen 9.55 ARD-
Wetterschau 10.03 Brisant 10.30
Die geerbte Familie. Komödie, D
2011 12.00 heute 12.15 Buffet. U.a.:
Urlaubsplanung 13.00 Mittagsma-
gazin 14.00 Tagesschau 14.10 Ro-
te Rosen 15.00 Tagesschau 15.10
Sturm der Liebe 16.00 Tagesschau
16.10 Giraffe, Erdmännchen & Co.
17.00 Tagesschau 17.15 Brisant
17.50 Eurovision Song Contest. Die
Top 10 18.00Verbotene Liebe 18.25
Marienhof 18.50 Großstadtrevier.
Kälteeinbruch 19.45 Wissen vor acht
19.50 Wetter 19.55 Börse
5.30 Morgenmagazin 9.00 heute
9.05 Volle Kanne  – Service täglich
10.30 Lena  – Liebe meines Lebens
11.15 Reich und schön 11.35 Reich
und schön 12.00 heute 12.15 dreh-
scheibe Deutschland 13.00 Mittags-
magazin 14.00 heute – in Deutsch-
land 14.15 Die Küchenschlacht
15.00 heute 15.05 Topfgeldjäger
16.00 heute – in Europa 16.15 Herz-
flimmern – Die Klinik am See 17.00
heute – Wetter 17.15 hallo Deutsch-
land 17.45 Leute heute 18.00 SOKO
Köln. Ein klarer Fall 19.00 heute
19.20 Wetter 19.25 Die Rosenheim-
Cops. Der Tod des Gerechten
20.00 Tagesschau
20.15 UmHimmels Willen
Kreuzweise. Familienserie
Mit Janina Hartwig
21.05 In aller Freundschaft
Helden. Arztserie
21.50 Plusminus U.a.: Anleger-
schutz – Schwarze Schafe
außer Kontrolle / Euro-Krise
– Hohes Risiko für öffentli-
che Banken / Rabattverträge
– Für Patienten teuer und ge-
fährlich / Mediamarkt – Wer
den Branchenriesen unter-
bietet
22.15 Tagesthemen
22.45 Menschen bei Maischberger
Bin Laden tot –
Terror besiegt?
20.15 Kieling Expeditionen zu den
Letzten ihrer Art. Der deut-
schen Tierfilmer Andreas
Kieling berichtet in seiner
neuen Expeditionsfolge aus
dem Amazonasbecken, aus
Sibirien, Südafrika, dem ge-
birgigen Westen Chinas und
der heimischen Eifel.
21.00 Frontal 21 Politmagazin
Pflege zu Hause – Die leeren
Versprechen der Politik / Ju-
gendliche Gewalttäter – Zu
milde bestraft? / Ingenieure
verzweifelt gesucht – Unter-
nehmen in Not
21.45 heute-journal
22.15 Neues aus der Anstalt Polit-
satire mit Priol und Pelzig
20.15 Münchner Runde
Bin Laden tot – Müssen wir
Angst vor Anschlägen haben?
21.00 Rundschau-Magazin
21.15 Vor Ort Reportagereihe. Wir
halten den Kopf hin – Poli-
zisten an der Bürgerfront
21.45 Das Mädchen, das die Seiten
umblättert Drama, F 2006
Mit Catherine Frot, Déborah
François, Pascal Greggory.
Regie: Denis Dercourt. Als
Hilfserzieherin kommt eine
junge Frau wieder in Kontakt
mit einer gefeierten Klavier-
virtuosin, die ihr vor zehn
Jahren durch Gedankenlosig-
keit ihre eigene Karriere als
Pianistin versperrte.
20.15 CSI: Miami
Meine tote Rabenmutter. Kri-
miserie. Die bisher unbe-
scholtene Hausfrau und Mut-
ter Laura Williams wird vor
ihrem eigenen Haus mit ei-
nem Baseballschläger ermor-
det. Bei seinen Recherchen
deckt das CSI-Team dunkle
Familiengeheimnisse auf.
21.15 Dr. House
Wer qualifiziert sich für das
vierte Gebot? Arztserie
Mit Hugh Laurie, Lisa Edel-
stein, Robert Sean Leonard
22.15 Psych
Lassiters vertraute Feinde.
Comedyserie. Mit Dulé Hill,
James Roday
20.15 Die Simpsons
Bob von nebenan. Zeichen-
trickserie. Die Simpsons be-
kommen einen neuen Nach-
barn. Walt ist ein richtiger
Glücksgriff: freundlich, hilfs-
bereit. Nur Bart ist misstrau-
isch: Er glaubt seinen Todes-
feind Tingeltangel-Bob in
Walt zu erkennen.
20.40 Die Simpsons
Kunst am Stiel
21.10 Two and a Half Men Das wird
kein gutes Ende nehmen
21.35 Two and a Half Men Man
fängt nie mit Blähungen an
22.05 Two and a Half Men
Nadeln in den Ohren
Comedyserie
20.00 Nachrichten
20.15 Frauen wollen mehr TV-Ko-
mödie, D 2009. Mit Tobias
Oertel, Nadeshda Brennicke,
Jan Sosniok, Liane Forestie-
ri. Regie: Thomas Nennstiel
Im brandenburgischen Krem-
men herrscht akuter Frauen-
mangel. Der düstere Hori-
zont erhellt sich, als die
attraktive Maja Rebner
in den Ort zurückkehrt.
Möbeltischler Ben sieht
seine Chance kommen.
22.15 Akte 20.11
Magazin
Sonderangebote, Gutschei-
ne, Umtausch: Wie Sie jetzt
beim Einkauf punkten
0.00Nachtmagazin
0.20 Elisa Telenovela
1.10 Elisa Telenovela
2.00 Tagesschau
2.05 Elisa Telenovela
2.55 Elisa Telenovela
3.45 Sturmder Liebe Telenovela
4.35 Die schönsten Bahnstrecken
Europas
23.00 Abenteuer Forschung
Tierisch menschlich –
Von dummen Gänsen
und schlauen Füchsen
23.30 Markus Lanz
Diskussionsrunde
0.45 heute nacht
1.00 Neu imKino
„Arthur” von Jason Winer
23.05 Rundschau-Nacht
23.15 Die Neumanns –
So ist das Leben
Eine Familiengeschichte
Dokumentarfilm, D 2010
0.45 on3-südwild Jugendsendung
1.45 Dahoamis dahoam
Heimliche Pläne
Heimatserie
23.10 Law& Order
Nicoles Familie. Krimiserie
0.00RTL-Nachtjournal
0.30 Dr. House
Wer qualifiziert sich für das
vierte Gebot? Arztserie
1.25 Psych
Lassiters vertraute Feinde
Comedyserie
22.30 Die „TV total”-Pokerstars.de-
Nacht Show. Zu Gast: Sophia
Thomalla (Fernsehschauspie-
lerin), Guido Cantz (Komi-
ker), Vera Int-Veen (Fernseh-
moderatorin), Elton (Fern-
sehmoderator)
1.20 Two and a Half Men
Comedyserie
23.15 Akte Spezial 20.11 Auto-
fallen! So fahren Sie sicher!
0.10 24 Stunden Reporter im Ein-
satz. Krieg vor der Haustür –
wenn Nachbarn sich hassen
1.00 Akte 20.11 Magazin. Sonder-
angebote, Gutscheine, Um-
tausch: Wie Sie jetzt beim
Einkauf punkten
6.30 Entscheidungen im 16. Jahr-
hundert 7.00 Playtime 7.15 Tele-
Gym 7.30 Wetterfernsehen 9.00 Te-
le-Gym 9.15 Sturm der Liebe 10.05
Seehund, Puma & Co 10.55 Rote
Rosen 11.45 Unkraut 12.30 Planet
Wissen 13.30 Die Laubenpieper von
Pankow (2) 14.15 Durchs Puster-
tal (2) 15.00 Dahoam is dahoam.
Wahrheitsliebe 15.30 Wir in Bayern
16.45 Rundschau 17.00 Per Traum-
schiff durch Bayern 17.30 Schwaben
& Altbayern / Frankenschau aktuell
18.00Abendschau 18.45Rundschau
19.00 Gesundheit! 19.45 Dahoam is
dahoam. Heimliche Pläne
5.35 Explosiv 6.00 Punkt 6. Infoma-
gazin 7.30 Alles, was zählt 8.00 Un-
ter uns 8.30 Gute Zeiten, schlechte
Zeiten 9.00 Punkt 9. Infomagazin
9.30 Mitten im Leben! 10.30 Mitten
im Leben! 11.30 Unsere erste ge-
meinsame Wohnung. Paare suchen
ihr Zuhause 12.00 Punkt 12. Mit-
tagsjournal 14.00 Mitten im Leben!
15.00Verdachtsfälle 16.00Familien
im Brennpunkt 17.00 Betrugsfälle
17.30 Unter uns 18.00 Explosiv. Das
Magazin 18.30 Exclusiv. Das Star-
magazin 18.45 RTL aktuell 19.05
Alles, was zählt 19.40 Gute Zeiten,
schlechte Zeiten
9.30 Scrubs  – Die Anfänger 9.55
Scrubs  – Die Anfänger 10.20
Scrubs  – Die Anfänger 10.45 EU-
ReKA  – Die geheime Stadt 11.40
Malcolm mittendrin 12.05 Malcolm
mittendrin 12.30 The Big Bang The-
ory 13.00The Big Bang Theory 13.25
How I Met Your Mother 13.50 How I
Met Your Mother 14.15 Scrubs – Die
Anfänger 14.40 Scrubs  – Die An-
fänger 15.10 Scrubs – Die Anfänger
15.40 Scrubs – Die Anfänger 16.05
Ghost Whisperer – Stimmen aus dem
Jenseits 17.00 taff 18.00 Newstime
18.10 Die Simpsons 18.40 Die Sim-
psons 19.10 Galileo
5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen
10.00 Britt. One-Night-Stand: Ich
glaube, das ist Dein Kind! 11.00
Richterin Barbara Salesch 12.00
Richter Alexander Hold 13.00 Britt.
Britt deckt auf: Gemeine Wahrheiten!
14.00Zwei bei Kallwass 15.00Rich-
terin Barbara Salesch 16.00 Richter
Alexander Hold 17.00 Niedrig und
Kuhnt. Wer hoch steigt, fällt tief
17.30Das Sat.1-Magazin 18.00Hand
aufs Herz 18.30 Anna und die Liebe
19.00K 11 – Kommissare im Einsatz.
Ermittler-Doku. Herzschmerz 19.30K
11 – Kommissare im Einsatz. Ermitt-
ler-Doku. Auf eigene Faust
20.00 Tagesschau
20.15 Die Spielerin TV-Drama, D
2005. Mit Hannelore Elsner,
Erwin Steinhauer. Regie: Er-
hard Riedlsperger. In einem
Hamburger Nobelhotel tref-
fen die geschiedene, wohlha-
bende Polina Sieveking und
der Anwalt Friedrich Mühl-
bichler zufällig aufeinander.
Aus der Begegnung entwi-
ckelt sich mehr als ein Flirt.
21.45 Schätze der Welt – Erbe der
Menschheit Die Totenstadt
der Nabatäer – Petra
22.00 ZIB 2
22.25 Wer rettet Dina Foxx? TV-Kri-
minalfilm, D 2011. Mit Jessi-
ca Richter, Max Woelky
23.15 Todesfalle Internet –
imChat mit demMörder
Dokumentation
23.45 Missbrauch per Mausklick
Kinderpornografie
im Internet
0.30 Frühling auf Rügen
Dokumentation
0.45 10vor10
9.05 Kulturzeit 9.45 nano 10.15
Nachtcafé 11.45 Thema 12.30 Per
Schiff und Kutsche quer durch Eu-
ropa 13.00 ZIB 13.15 Kulinarische
Schatzsuche in Asien (1/4) 14.00
Kulinarische Schatzsuche in Asien
(2/4) 14.45 Madagaskar 15.00 Kaf-
fee: Getränk des Paradieses 15.30
Asmara 16.15 Unterwegs im Süden
Afrikas (1/5) 17.00 Unterwegs im
Süden Afrikas (2/5) 17.45 Unterwegs
im Süden Afrikas (3/5) 18.30 nano.
Ältere Arbeitnehmer – Unternehmen
investieren in die Gesundheit der
Mitarbeiter 19.00 heute 19.20 Kul-
turzeit. Magazin
20.15 Die vierte Revolution
EnergyAutonomy. Dokumen-
tarfilm, D 2010. Der Kino-
Dokumentarfilm beschreibt,
dass der Umstieg auf 100
Prozent erneuerbare Energi-
en möglich ist. Er verdeut-
licht, welche Chancen die
Energierevolution für eine
ökonomische Entwicklung
bietet.
21.35 Gesprächsrunde
22.05 Twin Peaks (4/29)
Der Einarmige. Mysteryserie
Mit Kyle MacLachlan, Micha-
el Ontkean, Sheryl Lee
22.50 Twin Peaks (5/29)
Coopers Träume
Mysteryserie
23.35 Twin Peaks
Zeit des Erkennens
Mysteryserie
0.20 Durch die Nacht mit ...
Rolf Eden und Rosa von
Praunheim
1.15 Global
1.45 Bubble – Eine Liebe in Tel
Aviv Drama, ISR 2006
7.30 Yourope 8.00 Der ewige Kampf
8.45 X:enius 9.15 Seychellen 10.00
Höllentour. Die Tour de France. Do-
kumentarfilm, D/F/CH 2004 12.15
Global 12.45 Arte-Journal 13.00 Mit
Schirm, Charme und Melone. Mit 160
aus dem Stand 14.00 Manege frei!
(2/5) 14.45Grüne Hölle. TV-Drama, F
2010 16.15 Der Schatten des Saturn.
Drama, F 2004 16.55 Kakerlaken –
ein Erfolgsmodell 17.40 X:enius
18.10 Mit Schirm, Charme und Me-
lone. Auf Wiedersehen, Emma 19.00
Arte-Journal 19.30 Gartenträume
(2/5). Eine Reise in die verschiedens-
ten Gärten Europas
6.05 13 Semester. Drama, D 2009
7.45 Worried About the Boy. TV-
Drama, GB 2010 9.20 The Goods –
Schnelle Autos, schnelle Deals.
Komödie, USA 2009 10.50 Jenseits
der Gleise. Drama, USA 2008 12.25
A Single Man. Drama, USA 2009
14.05 Run for Her Life. Thriller, USA
2010 15.40 Maneater (1). TV-Komö-
die, USA 2009 17.10 Maneater (2).
TV-Komödie, USA 2009 18.40 Ster-
ben will gelernt sein. Komödie, USA
2010 20.15 Shutter Island. Thriller,
USA 2009 22.30 Fall 39. Thriller,
USA/CDN 2009 0.20Tekken. Action-
film, USA 2010. Mit Jon Foo
10.50 Nachrichten 10.55 Promi-
nent! 11.15 Das perfekte Dinner im
Schlafrock 12.20 Unter Volldampf
12.50Mieten, kaufen, wohnen 13.55
Mieten, kaufen, wohnen 15.00 Wil-
des Kinderzimmer 16.00 Menschen,
Tiere und Doktoren 16.55Menschen,
Tiere und Doktoren 18.00 Mieten,
kaufen, wohnen 19.00 Das perfekte
Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Da-
niela Katzenberger – natürlich blond
21.15 Auswanderer sucht Frau 22.15
Goodbye Deutschland! Die Auswan-
derer 23.15 Stern-TV  – Reportage
0.20 Nachrichten 0.40 CSI: NY 1.25
Law & Order: Special Victims Unit
5.05 Making of eines aktuellen Ki-
nofilms 5.40 Mutant X 6.35 One Pi-
ece 7.00 Street Football 7.25 Joyce
Meyer  – Das Leben genießen 7.55
Missionswerk Karlsruhe 8.00 Home-
shopping 8.30 Sonnenklar-TV 9.00
Homeshopping 12.30Mutant X 13.15
Smallville 14.10 Stargate 15.10 Star
Trek –Das nächste Jahrhundert 16.10
Mutant X 17.10Smallville 18.10Star-
gate 19.10 Star Trek  – Das nächste
Jahrhundert 20.15 Boy Soldiers. Ac-
tionfilm, USA 1991 22.25Creep – Das
Grauen lauert im Untergrund. Horror-
film, GB/D 2004 0.10 U-Turn – Kein
Weg zurück. Thriller, F/USA 1997
12.55 Bill Cosby Show 13.25 What’s
up, Dad? 13.50 What’s up, Dad?
14.15 Two and a Half Men 14.45 Two
and a Half Men 15.05 Eine schreck-
lich nette Familie 15.35Eine schreck-
lich nette Familie 16.05 What’s up,
Dad? 16.25 What’s up, Dad? 16.50
News 17.00 Two and a Half Men
17.30 Two and a Half Men 17.55
Abenteuer Leben 18.45 Neu für Null
19.15 Achtung, Kontrolle! 20.15 The
Biggest Loser – Abspecken im Dop-
pelpack 22.00 K1 Magazin 23.05 K1
Reportage 0.05 Achtung, Kontrolle!
1.25Nightquiz 2.55Angel – Jäger der
Finsternis 3.45 Invasion
12.20 Orientierung 12.55 Seitenbli-
cke 13.00 ZIB 13.15 Frisch gekocht
mit Andi und Alex 13.40 Wege zum
Glück 14.25 Herzflimmern  – Die
Klinik am See 15.10 Sturm der Lie-
be 16.00 Die Barbara-Karlich-Show
17.00 ZIB 17.05 Heute in Österreich
17.40 Frühlingszeit 18.30 Konkret
18.51 Infos und Tipps 19.00Bundes-
land heute 19.30 Zeit im Bild 19.49
Wetter 19.55 Sport. Live 20.05 Sei-
tenblicke 20.15Stöckl live 22.00ZIB
2 22.30 kreuz und quer 23.05 kreuz
und quer 0.05 Wie im Himmel. Dra-
ma, S 2004 2.10 Seitenblicke 2.15
Wege zum Glück
13.15 Teleshopping 13.30 Shop-
24Direct 14.00 Teleshopping 14.30
Teleshopping 15.00 Bundesliga
pur – Der Spieltag 16.00Eishockey.
WM. Gruppe A: Slowenien – Deutsch-
land. Live aus Bratislava (SK) 18.30
Bundesliga aktuell 19.00 Handball.
1. Bundesliga. Der Countdown 19.15
Handball. 1. Bundesliga. 30. Spiel-
tag: Rhein-Neckar Löwen  – HSV
Hamburg. Live 21.00Eishockey. WM.
Gruppe A: Russland – Slowakei. Live
(SK) 22.30 News 23.00 Fußball. Se-
rie A  – Italienische Liga. 35. Spiel-
tag 23.30 News 23.55 Sport1 Games
0.00 Sport-Clips
10.00 WATTS  – XL 11.00 Tennis
12.00 Tennis. WTA Premier Manda-
tory Tournament. Madrid Open: 2.
Turniertag, 1. Runde. Live aus der
Caja Mágica (E) 13.45 Tennis 14.15
Champions Club 15.00Fußball. U17-
EM. 1. Spieltag, Gruppe A: Serbien –
Dänemark. Live 16.45 Eurogoals
17.00 Fußball. U17-EM. 1. Spieltag,
Gruppe B: Deutschland – Niederlan-
de. Live aus Smederevo (SRB) 18.45
Snooker. WM. 16. Turniertag, Finale
(Best of 35), Judd Trump (GB) – John
Higgins (GB) 19.30Tennis 20.00Bo-
xen 21.00Boxen 23.00Freeride Spi-
rit 23.30 Motorsport 0.00 E-Sport
Stündl. Nachrichten 11.10 Telebör-
se 11.40 Telebörse 12.10 Telebörse
12.35 Thema des Tages 13.10 Tele-
börse 13.35 Thema des Tages 14.10
Telebörse 14.35 Thema des Tages
15.15 Chefsache  – Manager, Mar-
ken, Märkte 15.40 Telebörse 16.10
Erbe des Terrors: Die Welt nach
9/11 17.15 Das Duell 18.20 Tele-
börse 18.35 Ratgeber – Immobilien
19.05 Produkt-Piraten: Die globale
Bedrohung 20.05 Drogen-U-Boote
auf Tauchstation 21.05 Flugzeugträ-
ger – Schwimmende Giganten 22.03
Monster-Maschinen 22.45 Telebörse
23.15 Das Duell 0.15 Auslandsreport
Stündl. Nachrichten 5.25 Tod in der
Tiefe – Die größten U-Boot-Katastro-
phen 6.05 Wissen 12.45 Börse am
Mittag 13.05 Kronzucker unterwegs
in Venedig. Dokumentarfilm 14.05
Der Nostradamus-Effekt: Das Jüngs-
te Gericht 15.05 Wissen 16.05 Tod
in der Tiefe  – Die größten U-Boot-
Katastrophen 17.05 USS Florida
18.15 Börse am Abend 18.25 Wissen
19.05 sonnenklar.tv 20.15 Kronzu-
ckers Kosmos 21.15 Auf der Suche
nach Hitlers Leichnam 22.15 Die
Reportage XXL 23.15 N24 Zeitreise
mit Stefan Aust 0.15 Kronzuckers
Kosmos 1.15 Die Reportage XXL
9.00 Bon(n)jour Berlin 9.15 Unter
den Linden 10.00 Vor Ort 10.45 Die
Sprache von Al Qaida. Dokumentar-
film, D 2009 12.00 Vor Ort 13.00
Thema 13.30 Der rasende Präsident
14.15 Das Geschäft mit den Armen
15.00 Vor Ort 16.00 Führerschein
mit 17 16.30 Thema 17.45 Vor Ort
18.00 Die Wüstenwächter 18.30
DDR ahoi! (1/2) 19.15DDR ahoi! (2/2)
20.00 Tagesschau 20.15 Chinas
Grenzen (1/2) 21.00 Chinas Gren-
zen (2/2) 21.45 heute-journal 22.15
Phoenix-Runde 23.00 Der Tag 0.00
Phoenix-Runde 0.45 Mit Rentierno-
maden über den Ural
12.15 In aller Freundschaft 13.05
Typisch! 13.35 Brisant 14.00 NDR
aktuell 14.15 Bilderbuch 15.00
NDR aktuell 15.15 Unterwegs im
Süden Afrikas 16.00 NDR aktuell
16.10 Mein Nachmittag 17.10 Ver-
rückt nach Meer 18.00 Regional
18.15 NaturNah 18.45 DAS! 19.30
Regional 20.00 Tagesschau 20.15
Visite 21.00 Die bewegendsten
TV-Momente 1953 bis 2010 21.45
Tierärztin Dr. Mertens 22.35 45 Min.
Vom Ende der Hausfrauenehe – Mut-
ti muss arbeiten 23.20 Weltbilder
23.50 Bücherjournal 0.35 Tietjen
und Hirschhausen
15.30 nano 16.00 Alpha-Campus
16.30 on3-südwild 17.30 Schwaben
& Altbayern aktuell 18.00 Telekol-
leg Mathematik 18.30 Die Tages-
schau vor 25 Jahren 18.45 Rund-
schau 19.00 Meilensteine der Na-
turwissenschaft und Technik 19.15
GRIPS Englisch 19.30 Topografie
20.15 Alpha-Forum. Sicherungsver-
wahrung  – wohin mit gefährlichen
Straftätern? 21.00 Alpha Österreich
21.45 Planet Wissen 22.45 Mythen
23.00 Lese-Zeichen 23.30 Ins Land
gebaut  – Neue Architektur im Dorf
0.15 Und dachten uns das Leben aus
1.00 Alpha Österreich
12.45 WDR aktuell 13.00Servicezeit
Reportage 13.30 In aller Freund-
schaft 14.15 Der Vorkoster (3) 15.00
Planet Wissen 16.00 WDR aktuell
16.15 Daheim und unterwegs 18.00
Lokalzeit 18.05Hier und heute 18.20
Servicezeit 18.50 Aktuelle Stunde
19.30 Lokalzeit 20.00 Tagesschau
20.15 Wildkatzen 21.00 Quarks &
Co. 21.45 WDR aktuell 22.00 Auf
Vater wartet der Henker 22.30 West-
ART 23.10 WestART Meisterwerke
23.15 Jazzline. Aufzeichnung der Le-
verkusener Jazztage 2010 aus dem
Forum, Leverkusen 0.15 Mein Leben
1.00Domian 2.00Lokalzeit aus Köln
11.00 Sturm der Liebe 11.50 Pan-
da, Gorilla & Co. 12.40 Rote Rosen
13.30 Gräfliches Roulette. Komödie,
D 2010 15.00 Planet Wissen 16.00
Landesschau aktuell BW 16.05 Kaf-
fee oder Tee? 17.00 Landesschau
aktuell BW 17.05 Kaffee oder Tee?
18.00 Landesschau aktuell BW
18.15 Grünzeug 18.45 Landesschau
Baden-Württemberg 19.45 Landes-
schau aktuell BW 20.00 Tagesschau
20.15 Tatort. Blutgeld. TV-Kriminal-
film, D 2010 21.45 Landesschau ak-
tuell BW 22.00 Fahr mal hin 22.30
Eine schräge Familie. TV-Komödie, D
1999 0.00 Nachtcafé
13.15 Inseln des Mittelmeeres 14.00
Dabei abzwei 14.30LexiTV15.30Der
MDR-Garten16.00Hier abvier 16.30
Hier ab vier 18.00MDR aktuell 18.07
Brisant 18.50 Unser Sandmännchen
18.55 Wetter für 3 19.00 Regional
19.30 MDR aktuell 19.50 Einfach
genial! 20.15 Umschau. U.a.: Auto-
unfälle: Warum Geschädigte um die
Regulierung kämpfen müssen 20.45
Schatzsucher in Mitteldeutschland
21.15 Barbarossa 21.45 MDR aktuell
22.05 Deutschland deine Schlager
22.50 Polizeiruf 110. Flüssige Waffe.
TV-Kriminalfilm, DDR 1988 0.20 Der
Staatsanwalt hat das Wort
15.30 Eisenbahn-Romantik 16.00
Kampf um Amazonien (2/3) 16.45
Hessenschau Kompakt 17.00 Leo-
pard, Seebär & Co. 17.50 Hessen-
schau Kompakt 18.00 Maintower
18.20 Brisant 18.50 Service: Rei-
sen 19.15 Alle Wetter! 19.30 Hes-
senschau 20.00 Tagesschau 20.15
Trachtenland Hessen 21.00 Müh-
len in Hessen 21.45 Stadtgespräch
22.30 Hessenschau Kompakt 22.45
Ein Schloss für Schlesien- wie Ver-
triebene in ihrer alten Heim 23.30
Kommissar Beck – Die neuen Fälle.
Todesengel. TV-Kriminalfilm, S 1997
0.55 Trachtenland Hessen
15.15 Bilderbuch 16.00 rbb aktuell
16.05 Buffet 16.50 kurz vor 5 17.00
rbb aktuell 17.05 Elefant, Tiger &
Co. 17.55 Unser Sandmännchen
18.00 rbb um 6 18.25 rbb wetter
18.30 ZiBB 19.25 rbb wetter 19.30
Abendschau  / Brandenburg aktuell
20.00 Tagesschau 20.15 Berliner
Ecken und Kanten 21.00 klipp &
klar. Gewalt in der U-Bahn – und wer
hilft den Opfern? 21.45 rbb aktuell
22.15 Thadeusz 22.45 Jagdgründe.
Kurzfilm, D 2011 23.15 Sweetness.
Kurzfilm, D 2011 23.45 Tango. Kurz-
film, D 2011 0.15 Beckmann 1.30
Der Papst, die Polen und die Freiheit
5.05 Ortszeit 6.23 Wort zum Tage.
Pfarrer Matthias Effhauser 9.07
Radiofeuilleton 9.55 Kalender-
blatt. Vor 50 Jahren: Der Philosoph
Maurice Merleau-Ponty gestorben
10.07 Feuilletonpressegespräch
10.33 Kritik 10.50 Profil 11.07
Thema 11.33 Kritik 12.07 Ortszeit
12.40 Internationales Pressege-
spräch 12.50 Politisches Feuille-
ton 13.07 Länderreport. Geschich-
te und Aussichten von Länderfusi-
onen 13.30 Kakadu. Tierisch un-
terwegs. Jonathan als Vogelfänger.
Erzählung von Anna Arnoldi 14.07
Radiofeuilleton 16.50 Elek tro-
nische Welten. Reinigungsroboter
für Solaranlagen 17.07 Ortszeit
18.07 Weltzeit 18.30 Da capo
19.07 Fazit am Abend 19.30 Lite-
ratur. Vernetzte Lektüren. Digitale
Literatursalons und die Zukunft
des Lesens 20.03 Konzert. Fest-
konzert zum 150-jährigen Beste-
hen der deutsch-japanischen Be-
ziehungen (Motoi Kawashima,
Klavier; Tomoko Kihara, Koto;
Kammerphilharmonie Hiroshima,
Leitung: Martin Stanzeleit) 22.00
Alte Musik. Petersburger Nächte –
barocke Repräsentation und Ent-
fremdung 22.30 Ortszeit. Themen
des Tages 23.05 Fazit 0.05 Fea-
ture. Casino Venezia. Die Stadt als
Ware und Traum 1.05 Nachtge-
spräche 2.05 Tonart. Chansons
und Balladen
6.05 Morgen echo 6.55 Kirche.
Pfarrerin Claudia Kiehn, Wupper-
tal 9.05 ZeitZeichen. 3. Mai 1876:
Der Geburtstag des Schauspielers
und Theaterleiters Ri chard Ohn-
sorg 9.20 Tagesgespräch 10.05
Neugier genügt 10.15 Reportage/
Fea ture 10.58 Ein Gedicht 11.05
Redezeit 11.50 Service: Verbrau-
cher 12.05 Scala – Aktuelles aus
der Kultur. Darin: Die Macher –
Kulturschaffende aus NRW im Ge-
spräch. Die Architektin Ursula Ko-
mes hilft Menschen, die gemein-
sam bauen / Buchtipp: „Nirgend-
wo in Berlin“ von Beate Teresa
Hanika 12.57 Ein Gedicht 13.05
Mittags echo 14.05 Lilipuz – Radio
für Kinder. Klicker / Magazin 15.05
LebensArt. Live mit HörerInnen
und Experten. Das Leid mit dem
Vergleich 16.05 Leo nardo – Wis-
senschaft und mehr 16.50 Service
17.05 Westblick. Das Landesma-
gazin 18.05 Profit. Wirtschaftsma-
gazin 18.30 Echo des Tages 19.05
Politikum. Das Meinungsmagazin
19.30 Bärenbude. Mai-Bären
20.05 „Die Herrenausstatterin“.
Hörspiel von Mariana Leky 21.05
Scala – Aktuelles aus der Kultur
(Wh. von 12.05 Uhr) 22.05 Leo-
nardo (Wh. von 16.05 Uhr) 23.05
Ausgewählt. Wiederholung aus
„Neugier genügt“ 23.30 Berichte
von heute 0.05 Nachtaktiv – Wie-
derholungen vom Tage
5.05 Informa tionen 6.35 An dacht.
Pas tor Sebas tian Begaße 9.05 Ka-
lenderblatt. Vor 50 Jahren: Der
Philosoph Maurice Merleau-Ponty
gestorben 9.10 Europa heute. In-
formationsmagazin 9.35 Tag für
Tag 10.10 Sprechstunde live.
Depres sion und Burnout 11.35
Umwelt und Verbraucher 12.10
Informa tionen am Mittag 14.10
Deutschland heute 14.35 Campus
& Karriere. Die FDP will alle Hoch-
schulen nach dem Vorbild der
„University of California” vernet-
zen 15.05 Corso. Kultur nach 3
16.10 Büchermarkt. Neue Prosa
von Irina Brezna, Daniela Dröscher
und Angela Krauß 16.35 For-
schung aktuell. U.a.: Nano-Zahn-
medizin 17.05 Wirtschaft und Ge-
sellschaft 17.35 Kultur heute
18.10 Informa tionen 18.40 Hin-
tergrund 19.05 Kommentar 19.15
Das Fea ture. Seidenstraße. Der
Heroin-Highway 20.10 „Dubrows-
ki“. Hörspiel von Elisa beth Pank-
nin nach Ale xan der Sergejewitsch
Puschkin 21.05 Musikforum. For-
queray: „Pièces de clavecin“, Sui-
ten Nr. 1-5 (Ketil Haugsand, Cem-
balo) 22.50 Sport 23.10 Das war
der Tag 0.05 Fazit 1.05 Lieder-
Laden. Neues aus Frankreich 2.05
Klassik – Pop – et cetera. Am Mik-
rofon: Der Regisseur Clemens Si-
enknecht 3.05 Nachtkonzert vom
Deutschlandfunk
Sat 1, 20.15 Uhr. Auch Kremmen in Brandenburg hat ein Problem: Junge Frauen verlassen
das Dorf meistens, sobald sie können. Als Maya (Nadeshda Brennicke), eine Designerin aus
der Stadt, zu Besuch ist, versetzt sie die Männer in Aufregung. Vor allemder hemdsärmelige
Ben (Tobias Oertel) rechnet sich Chancen aus. Foto: Sat 1
Frauen wollen mehr
Seite 32 / Süddeutsche Zeitung Nr. 101 Dienstag, 3. Mai 2011
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ebenso฀subIil฀wie฀abgründig฀inszenierI, aIemberaubend฀
gespielI฀von฀CaIherine฀lroI฀und฀Déborah฀lrançois.

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