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MOOCs als Anwendungsfall in sozialen Intranets?

- Erfahrungsbericht auf Basis des Management 2.0 MOOCs Simon Dückert, Cogneon GmbH, Benedikt Scheerer, Cogneon GmbH, Christian Kuhna, adidas AG
(@simondueckert, @bscheerer, @elgreco66)

Abstract. Soziale Software ist durch die Eigenschaft der Nutzungsoffenheit gekennzeichnet. Im Gegensatz zu ERP-, BI- oder CRM-Software, die einen klaren Einsatzzweck vorgeben, müssen Organisation und Nutzer bei sozialer Software selber definieren, wofür sie diese verwenden wollen. Das Spektrum reicht von persönlichem Wissensmanagement über die Unterstützung der Zusammenarbeit in Projekten bis hin zur Führungskommunikation. Der Beitrag zeigt anhand eines durchgeführten Projektes mit 12 Social-Media-erfahrenen Unternehmen auf, welche Anwendungsfälle mit welcher sozialen Software sich in der Praxis bewähren. Anhand eines Praxisbeispiels wird im Anwendungsfeld Weiterbildung der Use Case „Durchführung von Massive Open Online Courses (MOOCs) in sozialen Intranets“ illustriert. Tags: Enterprise 2.0, Social Intranet, Social Learning, MOOC, Selfdirected Learning, Social Analytics, Use Cases

1. Kategorisierung sozialer Software in Unternehmen
Initiiert von Christian Kuhna (adidas Group), Paul Seren (Schaeffler Gruppe) und Simon Dückert (Cogneon) wurde 2012 ein sog. Benchlearning Projekt Social Intranet (#blp12) durchgeführt [1]. Ziel war es, gute Praktiken bei der Einführung und Nutzung sozialer Intranets zu identifizieren. Die Projekt-Teilnahme erfolgte auf Einladung an Unternehmen mit mindestens zwei Jahre praktischer Erfahrung und mehr als 10.000 global verteilte Mitarbeiter. Anforderung war weiterhin, dass Vertreter aus mindestens zwei der vier Disziplinen HR, IT, Unternehmenskommunikation und Wissensmanagement ins Projekt entsendet wurden. Am Projekt beteiligt waren adidas, Audi, Continental,

Detecon, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Diehl, Google, Otto, Schaeffler und Siemens (Holding und Geschäftsbereich Medizintechnik). Auf Basis der Informationen aus den Unternehmen wurde in Anlehnung an das Social Media Prisma [2] zur Klassifizierung sozialer Software im Web 2.0 eine deutlich weniger komplexe Darstellung in Form einer Enterprise 2.0 Flower [3] zur Klassifizierung von sozialer Software in Enterprise-2.0Ansätzen erstellt. Die Darstellung zeigt die acht wichtigsten SoftwareKategorien sowie prominente Vertreter.

Abb. 1: Enterprise 2.0 Flower

2. Anwendungsfelder sozialer Software in Unternehmen
Soziale Software ist durch die Eigenschaft der Nutzungsoffenheit [4] gekennzeichnet. Unter Nutzungsoffenheit ist zu verstehen, dass die Software keinen Einsatzzweck vorgibt, wie dies z.B. bei EnterpriseResource-Planning-, Business-Intelligence- oder Customer-RelationshipManagement-Anwendungen der Fall ist. Anwender und Organisationen stehen daher vor der Frage „Wir haben Social Software – aber was machen wir jetzt damit?“. Um sich der Antwort auf diese Frage zu nähern wurde im Rahmen des Projekts eine Tabelle mit Anwendungsfeldern erstellt, in denen sich der Einsatz sozialer Software in den teilnehmenden Unternehmen

bewährt hat. Zu allen Anwendungsfeldern wurden konkrete Use Cases identifiziert und Erfahrungswerte gesammelt. Anwendungsfelder Unternehmenskommunikation Use Cases/Anwendungsfälle    Projekt- und Prozessmanagement Ansprechpartner finden Allgemeiner Informationsfluss  Ask the Management Top Management Blog Unternehmens-News Teamräume für Abteilungsund Projekt-Teams Experten-Suche über Profile Statusmeldungen Informations-Suche und Problemlösung Internes Crowd-Sourcing Teamräume für Gruppen entlang des Innovationsprozesses Communities zu Fachthemen Communities für neue Mitarbeiter Rollen-basierte Communities (z.B. Sekretariate) Freizeit-Communitis (z.B. Betriebssportgruppen)

  

Innovationsmanagement

 

Community Management

   

Abb. 2: Anwendungsfeld-Tabelle mit konkreten Use Cases

Neben den genannten Anwendungsfeldern wurde die interne Weiterbildung im Projekt als ein Anwendungsfeld mit großem Nutzenpotential genannt. Im Nachfolgeprojekt „Benchlearning Social Learning“ widmen sich die Teilnehmer der Fragestellung, wie das informelle Lernen aller Wissensarbeiter durch IT-gestützte, innovative Lernmethoden wie beispielsweise MOOCs und Lern-Communities unterstützt werden kann.

3. Use Case „MOOCs in sozialen Intranets“
3.1 Was sind MOOCs?
Massive Open Online Courses (MOOCs) zählen aktuell zu den innovativen Lehr- und Lernmethoden [5]. Die Hauptunterschiede zu einem traditionellen Kurs im Klassenraum bestehen in der großen Teilnehmerzahl („massive“), der Offenheit von Materialien und Teilnahme („open“) sowie der Tatsache, dass der Kurs überwiegend im Netz stattfindet („online“). Präsenzelemente sind eher die Ausnahme. MOOCs erstreckten sich meist über einen Zeitraum 6-12 Wochen. In diesem Zeitraum können folgende Phasen unterschieden werden [6]: • • • • • • Phase 1 „Konzeption“ - Kernteam finden, Ziele festlegen, Finanzierung/Ressourcen klären, didaktisches Konzept erstellen, Methoden und Tools auswählen Phase 2: „Vorbereitung“ – IT-Infrastruktur bereitstellen, MultiplikatorInnen finden, Tools einrichten und testen, Begleitmaterial erstellen, Marketingmaterial erstellen Phase 3: „Bewerbung“ - Anmeldung freischalten, Hashtag kommunizieren, Regelkommunikation durchführen (z.B. Newsletter) Phase 4 „Warmlauf“ - Event zur Eröffnung anbieten Phase 5 „Kernzeit“ - Begleitmaterial zur jeweiligen Lektion bereitstellen, Begleitmaterial bewerben, Live-Session durchführen, Community Management Phase 6: „Nachbereitung“ - Ergebnissicherung (z.B. MicroblogArchiven, Erstellung von e-Books aus Beiträgen).

Für die Durchführung von MOOCs im Internet steht meist eine exklusive Infrastruktur mit eigener Webseite/Blog, Wiki und Social-MediaAggregatoren (z.B. gRSShopper) zur Verfügung. Bei der Durchführung in einem Intranet muss auf die verfügbaren Elemente des sozialen Intranets zurückgegriffen werden (s.a. Abb. 1).

3.2 Abbildung von MOOCs auf interne soziale Netzwerke
Die Plattformen, die für die Durchführung von MOOCs im Internet zur Verfügung stehen, sind in Intranets von Unternehmen nicht vorhanden. Offene Tools sind durch Vorgaben zur IT-Sicherheit meist untersagt Insbesondere soziale Netzwerke wie Jive oder IBM Connections und Groupware-Systeme wie SharePoint sind für die Durchführung von MOOCs im Unternehmen interessant [7], da sie offene Teamräume zur Verfügung stellen. Diese Gruppen können von MOOC-Organisatoren ähnlich autonom verwaltet werden, wie eine extra eingerichtete WordpressInstanz im Internet (Gestaltung der Startseite, Einbindung von Widgets etc.). Die folgende Tabelle zeigt ein mögliches Mapping von MOOCElementen auf Internet- und Intranet-Szenarien. Element Webseite zur Ankündigung MOOC im Internet MOOC im Intranet

spezielle MOOC-Plattform Einstiegsseite im Intranet, (z.B. Coursera), WordPress- Einstiegsseite einer Gruppe Seite im sozialen Netzwerk oder in der Groupware E-Mail-Formular, Google Form Beitritt zur Gruppe Newsletter der Gruppe

KursEinschreibung

Regelkommunikati E-Mail, Newsletter on mit den Teilnehmern Materialien zu Wochen-Themen bereitstellen Anmeldung zu wöchentlichen Live-Sessions Live-Session Dialog zum Wochen-Thema Quizzes, Tests, Umfragen Blog-Einträge oder WordPress-Seiten - (wurde in meinen bisherigen MOOCs nicht gemacht) Google Hangout, Adobe Connect Twitter, Weblogs Google Forms

News der Gruppen, Dokumentenbibliothek, Blog Gruppen-Events

Lync, Sametime Gruppen-Foren, Weblogs, Kommentare Umfrage/Poll in der Gruppe

Abb. 3: Mapping von MOOC-Elemente auf Internet/Intranet

4. MOOC-Umsetzung am Beispiel mgmt20
Der Management 2.0 MOOC (16.09.-08.11.2013) hat innovatives Management für die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts als Thema [8]. In sechs Themenwochen werden Lernen 2.0, Projektmanagement 2.0, Innovation 2.0, Enterprise 2.0, Kommunikation 2.0 und Führung 2.0 behandelt. In den Themenwochen werden jeweils Montag Input-Materialien der ExpertInnen bereitgestellt, die in einem Themen-Forum diskutiert werden und Fragen gestellt werden können. Diese Fragen werden in einer Live-Session mit den ExpertInnen jeweils freitags von 13:00-14:00 Uhr besprochen. Als Basis für die MOOC-Durchführung dient die Gruppe „Management 2.0“ auf Xing, um eine gute Vergleichbarkeit mit Gruppen in internen sozialen Netzwerken zu erreichen.

Abb. 4: Startseite der Xing-Gruppe Management 2.0

Rund um die Xing-Gruppe wurde ein Ökosystem sozialer Medien etabliert, das die Kopplung von klassischen mit sozialen Medien erlaubt.

Abb. 5: Medien-Ökosystem des Management 2.0 MOOC Folgende Medien kommen neben Landing Page und Xing-Gruppe im MOOC zum Einsatz: • • IFTTT – Dienst zum automatisierten Posten auf Twitter (z.B. neue Einträge in Xing, neue Videos auf YouTube etc. Twitter – Bindeglied zu den „2.0lligen“ Teilnehmer. Hier werden alle Aktivitäten im MOOC automatisiert gepostet und über Buffer zeitgesteuert ein Redaktionsplan abgearbeitet. Die Anzeige der Tweets in Xing erfolgt über eine Umwandlung Twitter APIJSONRSS mit Google Code und einer Yahoo!Pipe. Google Doc – über das Script TAGS v5 werden alle Tweets im MOOC zur Auswertung und Visualisierung archiviert. Pinterest – über die Wall pinterest.com/cogneon/mgmt20 wird eine virtuelle mgmt20-Tour durch Deutschland angeboten. Die Posts sind über den Dienst Reachli automatisiert.

• •

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• • •

YouTube – Video-Repository für Einführungsvideo, Screencasts und zum Archivieren der Hangouts/Live-Sessions. Scribd – Dokument-Repository für hochformatige DIN-A4Dokumente, z.B. Input-Paper der ExpertInnen. Über die ScribdApp können die Inhalte bequem offline synchronisiert werden (z.B. für Pendler). Slideshare - Dokument-Repository für querformatige DIN-A4Dokumente, z.B. die MOOC-Standard-Präsentation. Flickr – offene Gruppe „mgmt20“, damit Teilnehmer Bilder bereitstellen können, z.B. von Lerngruppen-Treffen oder Skizeen/Fotoprotokolle. Diigo – Sozialer Bookmark- und Annotationsdienst, über den Links und Textpassagen eingebracht und kommentiert werden können [9].

5. Erfahrungen (Lessons Learned)
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags waren die Phasen 1-3 des MOOCs aus Kapitel 3.1 abgeschlossen. Aus diesen Phasen wurden folgende Erfahrungen gewonnen: • • • • • Die Kombination aus kompakter Landing Page mit Einführungsvideo und ExpertInnen-Profilen sowie der einfachen Anmeldung zum MOOC per Gruppen-Beitritt hat sich bewährt. Die Forenstruktur in der Gruppe sollte zu Beginn übersichtlich gehalten werden. Ein Forum zur Vorstellung und eines zum Stellen von Fragen ist ausreichen. Die Sichtbarkeit von Gruppen-Beitritt und Aktivität in den Foren im Aktivitätenstrom des Netzwerks der Teilnehmer hilft bei der Bewerbung des MOOCs. Physische Marketingmaterialien wie Aufkleber, Lesezeichen, Buttons und Banner sind auch im digitalen Zeitalter wichtig, um den MOOC im Bewusstsein zu halten und Dialog anzustoßen. Ein möglichst großer Automatisierungsgrad der Routineaufgaben in den sozialen Medien hilft, neben dem Tagesgeschäft genügend Zeit für das Community Management zu haben.

6. Ausblick
Bis zur Präsentation auf der KnowTech werden zusätzlich zu den Ausführungen in diesem Beitrag konkrete Erfahrungswerte aus den ersten zwei Themenwochen des MOOCs vorliegen. Begleitend zum öffentlichen MOOC wird im Rahmen des Benchlearning Projekts Social Learning an Konzepten zur Umsetzung von unternehmensinternen MOOCs z.B. bei adidas gearbeitet. Die Gedanken dazu sowie alle Planungs- und Kommunikationsmaterialien werden nach MOOC-Abschluss unter OpenEducational-Ressource-Lizenz (CC BY SA) bereitgestellt, um Interessenten den Einstieg in den eigenen MOOC zu erleichtern.

Literatur
[1] Dückert, S. (Hrsg.): Bericht zum Benchlearning Projekt Social Intranet 2012. URL: http://bit.ly/blp12Bericht, abgerufen am 29.05.2013. [2] Ethority: Social Media Prisma. URL: http://www.ethority.de/weblog/social-media-prisma, abgerufen am 29.05.2013. [3] Cogneon: Enterprise 2.0 Flower. URL: http://cogneon.de/e20flower, abgerufen am 29.05.2013. [4] Richter, A., et. Al: aperto – Ein Rahmenwerk zur Auswahl, Einführung und Optimierung von Corporate Social Software. URL: http://www.soziotech.org/schriften/band2, abgerufen am 29.05.2013. [5] Robes, J.: MOOC-Splitter 2012. URL: http://www.weiterbildungsblog.de/wpcontent/uploads/2013/01/mooc_splitter_2012.pdf, abgerufen am 29.05.2013. [6] Ergebnis des MOOC Maker Course mmc13. 2012. URL: http://howtomooc.org/wiki/index.php/MOOC_Grundstruktur, abgerufen am 15.08.2013. [7] Höfer, M.L.: MOOCs als neues Lernkonzept. URL: http://mlhoefer.files.wordpress.com/2013/02/a_dok_1_13_alegri.pdf, abgerufen am 29.05.2013. [8] Webseite des Management 2.0 MOOC. URL: http://mgmt20.de, abgerufen am 15.08.2013. [9] DeWaard, I.: MOOC YourSelf – Set up your own MOOC for Business, Non-Profits, and Informal Communities. 2013.